Nr. 186, Soutttag» de« 13. Zum 1886. m. Jahrg. ellimrVÄsblM Drgan für die Interessen der Arbeiter. 4 S? l SÄ $ v die ni-b' w FMKwsxMiriit illld AllimehmN' Willkür. Bor Kurzem schriebe« wir eise« Artikel über da» Sil>nkmspektorat, ia welchem wir verschiede«« lluzuträglich« «itea schilderte«. Besoader» Hobe« wir da» geringe Ver« >r-ui» hervor, welche» die Arbeiter leider de» Inspektoren �tgegenbrSchtea; wir wiesen auf die Scheu hin, welche die «rbeiter hätten, da ire bei den Revisionen de« Inspektor '»eist m Gegenwart de« Fabrikherr» oder de» Direktor» Mickten. Di« Fabrikivspektore«, so führte» wir weiter au», "Nten sich de« Arbeitern nähern und da» Bertraue» der« Men zu gewinnen suchen, dann würden sie von den Ar« 7>l«u manche Beschwerde» erfahre», die zur Abstellung Mgeader Uebelstäade führe« und da» Fabrikinspektorat zu einem wirklich segensreiche« Institut erhebe» *%«».--- » Jetzt liegt unl aber ei» Fall au« der Thätigkeit de« Mrikinsp-ktorat« vor, der zeigt, daß die U» t e r» e h m e r Institut de» uagebührlichsien Widerstand leiste» und ? eine» Art und Weise, die öffe»tlich an den Pranger ge- Wlt zu werde» verdient. Bor einige« Tage» nämlich stand in der„Freien Presse % Berg und Mark' eine Korrespondenz au« S o l i» g e n, welcher zu ersehe« war, daß der Fabrikinspetor Herr �»iss au« Düsseldorf die Dampfschleifereicn der Fabrikan« �Hörster revidirt, dort eine schlechte Ventilation gefunden �MWMdnet habe, ianerhalb zwei Woche» Remedur zu Dieser Anweisung aber sei in der gegebenen �"4«och weiter hinaus nicht entsproch .t%u« Anlaß dieser Korrespondeaz erhält nunmehr da» " Benannte Blatt folgende Zuschrift: to»Die vor sech« Woche« von Herrn Gewerberath Dr. au, Düsseldorf vorgenommene Revision der Fabrik %% Henea Gebrüder Fritz und Emil Hörster geschah in «wer Beschwerde über die nicht zu beschreibende Ipchte Ventilation in derselbe«. Al« au» bei der Revision °o rt beschäftigter Ar beiter denHerr» k. Wolff auf die verschiedenen Mängel Werks am machte, wa« besagter Herr dankend war et da« erste, wa« die Herren Hörster zu thu» iTy«, daß sie diesem Arbeiter durch t e« Werkmeister kündige» ließe». Auf die fte, warum er den« entlassen werde, gab Herr Emil l v»« dem gekündigten Arbeiter zur Antwort, daß er sich 'doch wohl denke» könne. Al« in dieser Woche infolge s.___ IeuMeton. Mne Mutter. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Fortsetzung) hUi�gsom schritt Paar nach Paar in den zu Tage«helle �>»tetrn Saal und ordnete sich»ach ihren, ihnen be- �«tlich fc/" fc8" Um Za'eI' i>eren �ro�t bo< �"0* silberne Kandelaber streckten ihre breitästige» ÄK-- i i Ulli«»WVVM------ J,—---- w -ei'/' von blank polirtem Silber, die wie eben so viele W da« Licht tausendfältig zurückstrahlten. � Deutschland nicht allein,«ein, wa« die Welt an !?» k Früchten bot, war auf der Tafel angehäuft, ?»»»«? kaftige» Kirsche bi« zur goldgelbe» Banane und '»i«?' u«d damit harmoairte der Saal selber, der, dn» auch dekorirt, doch in jedem einzelnen Stück �?"chthum sowohl wie de« Geschmack de» Besitzer« schieden von de» Gästen durch einen hohen, Vorhang, wie man ihn auf dem Theater k Wf*-~ JL{� saß da« Mufikkorp«, da« mit dem %. lchea Marsche au«.Tannhäuser' begonnen hatte, ,4 bi? n*xrn �akte desselben ordnete» sich unwillkür« kktilb:?2ste; aber man wollte sich sitzen, und ue» w'% der Graf umher, denn Paula, Hubert und dkm?»och. Hatten sie den Ruf zur Tafel nicht .Haushofmeister wurde hinausgeschickt, um»ach A''Hrn.(St kehrte ebenfall» nicht wieder. LCftSl"? Wille»/ flüsterte Helen, ihrem Begleiter ,tt* vvrh� sg' Ä �ch nicht unwohl geworden sein; zwar diese« Mal eine drohte der ndig einer neue» Beschwerde abermal« und polizeiliche Revision in der Fabrik Fabrikherr den ander» Arbeitern ebenfalls mit Kündigung wen» er ia Erfahrung brächte, daß die«och in der Fabrik beschäftigten Arbeiter fernerhin mit dem vor 4 Woche» entlassenen Arbeiter freund» schaftlich verkehrten. Der Unterzeichnete bürgt für die Richtigkeit der obige« Angabe». Mit aller Hochachtung (Unterschrist.)" Wie soll man ein solche» Verfahre« nennen? E« liegt w demselben die reinste Verhöhnung der Gesetzgebung; eine M-ßachtung de« Herrn Inspektor« Wolff und eine grelle Illustration der Wirksamkeit diese« Znstitute« überhaupt, welche« den Unternehmern derartige Brutalitäten gestattet. Wenn irgendwo, sollte Gesetzgebung und Verwaltung gegen solche Ausschreitungen der Fabrikanten, welche Recht und gute Sitte gleichmäßig bedrohen, mit Energie vorgehen. Die gerinBen Uebertretuvgen der Gesetze, die geringsten Ueberschreitungen der guten Sitte feiten« der Arbeiter wer« den von Gesetz und Verwaltung durch Strafen und söge» «anate da« Interesse der Arbeiter schwer schädigende« Vor- be»gu«g«>Maßregeln schwer geahndet, während de» Unter» nehmer» in Bezug sauf ihre Vereine und Koalitionen und auch auf ihre Einzelhandluage» der weiteste Spielraum gelassen wird. Wahrscheinlich kostet die Umänderung oder die Anbrin» gung von VeatilationSvorrichtungen den Herren Hörster eine Summe Gelde», die sie dann mit„riskiren" müssen im Konkurrenzkämpfe, ohne daß sich dabei die berüchtigte „Rifikoprämie" erhöht. Der Trieb, diese, also den Unter- aehmergewin», zu erhöhe», ist so groß, daß man dabei gar nicht da« GesundheitSrisiko der Arveiter beachtet. Bekanntlich sind gerade die Schleifer mit am meiste« durch ihre Arbeit an Gesundheit und Leben bedroht. Der feine Stahlstaub, der Schleifsteinsand«erden eingeathmet tagau« tagei», sie setzen sich an die edle» Theile de« mensch- lichen Körper« fest und Schwindsucht, Eiechthum und frühe« Sterben ist da« Loo« de« Schleifer«. Je schlechter aber die Ventilation, je dicker die Lust, desto mehr ungesuade Materie wird eingeathmet, und de«- halb würde jeder Fabrikherr, wenn wie in alter Zeit der Arbeiter sein völlige« leibliche« Eigenthum wäre, sicherlich, um diese» Eigeothum, diese Arbeit«kraft lange zu erhalten, eine au«giebige Ventilation einrichten. Jetzt aber, wo da« Angebot der„fteiea Arbeiter' so ungemein groß ist, wo der Unternehmer nicht« verliert, wenn ein Arbeiter in seinem Etablissement stirbt, da zu gleiche» Bedingung«« stet« ein anderer schon an der Thür« steht, jetzt muß die Gesetzgebung .Da« ist mir auch aufgefallen," erwidert» dieser;„Graf Monford scheint unruhig zu werden." „Eine kleine Störung," lächelte der Etaat«rath seiner Nachbari», einem gelben, aber sehr reichen Stift, fräulein von Wurmholz zu,„die Elisabeth hat ihr Stichwort ver- äumt und der Festmarsch wird noch einmal von vor» an« fange» müsse».' „Da, junge Brautpaar,' sagte die Gnädig« achsel- zuckend,„wird draußen auf der Terrasse schwärme» und nicht bedenken, daß wir Hunger haben; e« ist schon ei« Viertel nach Neun." „Grausame Liebe I" stöhnte der EtaatSrath. Der Graf wurde in der That unruhig, denn solch ei« Verstoß gegen die Etiquette gehörte mit zu den unange- nehmste» Dingen, die ihm, wie er glaubte, überhaupt pas- siren konnte«. Ein anderer Diener wurde hinausgeschickt, um de« Haushofmeister zu suche». Er kehrte«ach einige« Minuten zurück und flüsterte dem Grafen einige Worte zu. „Entschuldigen Sie eine» Augenblick, meine verehrte» Herrschaften," sagte der Graf ruhig,.ich glaube, meine arme Paula ist unwohl geworden; aber e« wird nicht« zu sage» haben.' Er verließ mit feste«, langsame» Schritten de» Saal. Draußen am Eingänge stand George. „Nun, wa« ist? Wa» habt Ihr? Wo ist Paula?' „Fort, Vater!' stöhnte George, der leichenblaß au«sah. „Fort?" „Ihr Kammermädchen hat vorher einen kleine« Koffer fortgetragen; mein Jean will sie gesehea habe«, und der Gärtner behauptet, Hinte» am Drahtthor hat ein Wagen ge- halten." „Wo ist Hubert?" sagte der alte Graf tonlo« und hielt sich an dem nächsten Sessel fest. „Er läßt meinen Rappen satteln." Der alte Herr sah seine» Sohn stier an, dann drehte er sich langsam um, al« ob er in de» Saal zurück- schreite» wollte; aber hier verließe« ihn die Kräfte. George konnte eben noch zuspringe«, um ihn in seine« Arme« aus- zufange».- den Unternehmer zwingen, Menschlichkeit zu übe«, da ihn sein eigener Vortheil nicht dazu zwingt. Und diese« Zwang, de» dre Gesetzgebung im Name« der Humanität und im Interesse de« Staate« ausübt, de« sollte, wie gesogsi die Verwaltung mit Energie und Kraft durchführen. Wo aber die«, wie ia vorliegendem Falle, nicht möglich ist, da die Gesetze leider keine Handhabe biete«, da sollte angesichts solcher brutalen Handlungsweise feiten« der Unternehmer die Gesetzgebung die Reichsgewerbeordnung mit einem sogenannten.Unternehmerparagraphen" versehe», um derartigem fabrikantlichen Unfug ei« Ende zu de- reite».— Vorläufig kann die Presse nicht« andere« thua, al» solche Vorfälle mitzutheile», damit sie der weiteste« Oeffent- lichkeit unterbreitet werden. Em Muster riu Sxuchiukeit. Mit diesem Kosenamen wird in einer Korrespondenz de» „Andreasberger Wochenblatt" au««urich ein Arbeiter delegt, der in einem und einem halben Jahre ein Ersparniß von 150 Mark gemacht und in der Ostftiefischen Sjurkasse angelegt hat. Doch hören wir hierüber die Konesponden, selbst' ge- Da» trage von reichlich 150 W>>. spart hatte, um e« früheren Ersparnissen zuzulegen. Zählen nahm eine volle Stund« Zeit in Ansvruch und man ließ e» fich nicht verdrießen. Wie wir erfuhren, war da» Ansammelndiese« Kapital, dem betteffenden Ar- deiter, selbst bei einem Tagelohn von netto 60 Pf- bi« 1 Mark pro Tag. nicht schwer geworden.- Wenn unsere Zeit doch solche Arbeiter in jeder Stadt, in jedem Dorfe recht viele hätte, welcher Segen würde dann auf dem Arbeiter- st a n d e r u h en, wie viel Unzuftiedenheit, wie viel Streik» ebe e« dann weniger und wie viele glückliche und zufriedene f__•' legt werden, gerade jetzt, wo»«"überall Arbeit die guten Verdienst giedt." „.erz ige- Fülle und Zunächst ist nicht erstchtlich, ob der betreffend« Arbeiter ledig ist und außer fich Niemanden hat, um den er fich zu kümmern braucht. Wenn die« der Fall, so ist ja die Möglich- keit vorhanden, daß der Arbetter 150 M. erspart und nicht auf anderem Wege an fich gebracht bat. Hätte der Arbetter aber außer fich noch eine andere Person zu versorgen, so ständen wir hier einfach vor einem Märchen. Rechnen wir l Da« Jahr hat 300 ArbeUStage, der Ar- heiter verdient außer der Kost 75 Pf. täglich nach obiger An- gäbe— macht in IVt Jahr 337 M. 50 Pf. Davon zieye man Hamlet, Prinz von Dänemark. Direktor Krüger, den wir verlasse» haben, al« er im Ko«versation»zimmer von all' der Angst und Aufregung wie gerädert zusammenknickte, sollte aber noch nicht zur Ruhe kommen, denn wieder mußte da» Orchester Nachricht habe», wa» e» jetzt spiele« sollte, da e« den Trauermarsch doch nicht noch einmal beginne« konnte. Außerdem kam Fräulein Bellachini eben, von rauschendem Applau« und einer erneuten Blumensalve verfolgt, athemlo« und erhitzt, aber mit einem ganz selige« Gesicht in da« Konversation«- zimmer und warf dem Direktor lachend eine« Blumenregea vor die Füße. Der mußte er etwa« Angenehme« sagen, sonst gab sie ihm da« zehnfach in allerlei Äergerviß wieder zurück, denn genau so stolz wie eine Sängerin auf ihre Kehle, ist eine Tänzerin natürlich auf ihre Füße. „Mein liebe», verehrte« Fräulein," sagte er, sich mit einem innerliche« Seufzer von dem Sopha emporrichtend, „Sie habe« getanzt wie ein junger Gott, wie eine Etzl- phide, eine Bajadere, eine Triude oder Gott weiß, wie die Dinger heiße»— Sie haben getanzt wirklich zum— zum Küsse«.— Erlaube» Sie, daß ich Ihnen im Namen Deutsch- land« um de« Hai« falle..." „Mein bester Herr Direftor.. Der Direktor fiel; während er sie aber etwas tragisch umarmte, sah er an der Thür Sulzer stehe««nd rief zu- gleich au«: „Schicken Sie doch zum Donnerwetter zum Kapell- meist«, daß er irgend etwa« Schwermüthige« spielt— aber kurzl— Ist den« der Rebe fertig?" Er läßt eben sage», e« könne angehen." „Mein liebe« Fräulein, der Erbprinz wird entzückt sein," sagte Krüger, sie bei Sette schiebend.—„Jetzt müsse» Sie aber hinau«, Sulzer, und die Veränderung an- zeig««.' „Mit der Krone?" „Meinetwegen mit dem Reichsapfel— da« ist ja alle» ei« Deubel! Habe« Sie in'» Orchester geschickt?" „Ja— wa« soll ich den» anzeigen?" „Sagen Sie nicht« von Rebe I' rief Krüger rasch— „wegen plötzlich eingetretener Heiserkeit de« Herr« Haador 150 M. ab— bleibt 187 M. 50 Pf. Hiervon muß man zu« nächst die Beköstigung für 65 otbeilJlofe Tag« mit 50 Pf. pro Tag abrechnen, so bleiben noch übrig 155 M. Diese Ott» t heilen auf stch 547 Tage für Wohnung, Kleidung. Steuern, Seife, Licht, Biltungsmatenal, Tabak und sonstige GebrauchSgegen« stände mit täglich 34 Pfennigen! Dabei fehlt natürlich noch dai Schnäpschen, wodurch ja daS ganze Branntweinsteuerpro- jekt vernichtet würde. Der Auricher Korrespondent merkt gar nicht, daß er stch mitten in die Reichsfeindschaft verrannt hat. Doch Scherz bei Seite. Zunächst muß unser Muster von Sparsamkeit ein Leben, nicht wie ein Mensch, sondern wie ein durch die Natur diesem untergeordnetes Wesen führen. Seife, Licht, Bildungimaterial können nicht angeschafft werden; jede Annehmlichkeit deS LebenS fehlt, die Wohnung gleicht einer Höhlr, der Körper de« Arbeiters wird schnell aufgebraucht und die Ersparntffe kommen dann einem allzufrüh gealterten und abgenutzten Arbeiter allerdings zu Gute. Diese Ersparniffe würden aber, wenn gut angewandt, zur Pflege de« Körper» und deS Geistes, unendlich viel mehr Nutzen und Segen dem Betreffenden bringen. Doch das geht uns weniger an. Jeder soll nach seiner Jaoon seligßwerden, und wer ein Sparkaffenduch der Gesundheit und Bildung vorzieht, dem sei daS unbenommen. Ader der Korrespondent deS oben genannten Wochenblattes spricht den Wunsch auS, daß eS unter den Arbeitern in jeder Stadt, in jedem Dorf sehr viele(womöglich alle!?) der» artige Muster der Sparsamkeit geben möge; dann würde Segen auf dem Arbeiterstande ruhen. Wir antworten auf solche Expeltmationen ganz ruhig: Dann würden bald alle Arbeiter verhungern! J«d«r halbwegs vernünftige Mensch weiß, daß die Pro- duktion stch im Wesentlichen nach der Konsumtion richtet. Wird wenig konsumirt, dann wird wenig produzirt; wird wenig produzirt, sinken die Löhne und die Arbeiter werden schließlich drodloS. Würden aber alle Arbeiter, welche doch den größten Theil der Konsumenten bilden, wie obiger Musterspararbeiter den dritten Theil ihreS Einkommen! er sparen, so würde die Ge- sammtproduktion in Deutschland mit einem Schlage um min» bestens ein Viertel zurückgehen und somit auch ein Viertel der Arbeiter brodloS werden: resp. eS würden stch die Gesammt» löhne um'/« reduziren. Dann könnten die Arbeiter nicht mehr sparen, dann müßten Je immer weniger konsumiren und die Produktion würde weiter erabstnlm. Bekanntlich hat die nunmehr längst verschollene Spar» tbeorie des verstorbenen Schulze« Delitzsch daffelde Loch. Das wird jetzt von seinen früheren Anhängern selbst eingesehm. Doch mögen noch in Andreasderg und Aurich einig« Ueder- teste solcher antediluvianischen Theorien vorbanden sein, die ad zu in den Spaltm jenes Wochenblatt! ihre Auferstehung feiern. Wir halten selbstverständlich keinm Anlaß genommen, un! mit dem„AndreaSberger Wochenblatt" zu deschäfligen, doch wurde daffelde un! von einem Leser, so schreibt der„Gewerk- fchaster", dem wir diesen Artikel entnehmen, zur Besprechung zugesandt, dann aber auch ist eS ja ab und zu nöthig, alte Sachen wieder hervorzusuchen, um da! Verständniß der Leser erneut aufzustischen. Zum Schlufie aber rufen wir auS: Der Himmel bewahre unser deutsche! Vaterland vor solchen„Mustern von Spar- samkest!*_ Politische Ueberstcht. Der Reichstag soll«utt bald wieder zusammentrete« und zwar, wie dem Kaozl-rdlatt von„zuverlässtger Seile" mit- getheilt wird, am 30. Juni, Nachmittag» 1 Uhr, um die zweite Berathung deS Entwurf! eine! Gesetze!, betreffend die Besteuerung des Branntwein! auf Grund de« zu erstattenden Bericht! der XXII. Kommission, zu beginnen. In der wohl vom ReichStagSprästdenten herrührenden Mittheilung an daS Kanzlerblalt heißt e»:„Eine frühere Berufung de! Reichstag! läßt fich mit Rüctsicbt auf dm Umstand nicht vornehmen, daß der Bericht erst am 22. d. M. günstigenfalls festgestellt werden wird, die amtliche Drucklegung und Vertbeilung an die in der Heimath weilenden MUglieder vor dem 25. d M. nicht bewirkt werden kann, und überdies zwei hohe katholische Jesttage, daS JrohnleichnamSfest am 24. und der Peter PaulStag am 29. Juni gefeiert werden." Wenn e» nach dem Willen der Reichsboten girge, so würde der Reichstag gewiß schon an demselben Tage wieder geschloffen werden, an dem er fich zu- fammenfindet. Soztalivische«. Da! KreiSamt verbot den neugegründe» ten Ardeiter-Wahlverein zu Mainz auf Grund de! Sozialistm- gesetzeS.— Di« Hertorder Blätter berichtm, daß am Sonntag Eozralistm in den Doberger Steinbrüchen«ine Versammlung abhalten wollten. Zwei Gendarmen trieben die Menge mit der blankm Klinge auseinander. Die Sozialisten, ca. 70-80 Mann, gingen hierauf, mit rolhen Schleifen geschmückt, nach Herford und durchzogen die Straßen. hätte eine« der Mrtglteder die Rolle de» Hamlet gleich und ohne Vorberettung Übernommen— Direktion bäte um Nachsicht." „Soll ich Meier'« dickm Backen auch gleich an» zeigen?" „Den werde« sie selber sehen— na, wenn da« heut Abend gut geht..." „Wär' e« nicht eigentlich paffend, Herr Direktor, wen« Sie selber vorher hinauf in die Loge zum Erbprinzen gingen und ihm.. „Mit meiner großkarrirtm Hose?" rief Krüger,„auf die mir noch der Esel, der Schulze, vorher die Lampe ge» gössen hat? Sehen Sie einmal den Oelflecke«— machen Sie, daß Sie hinauskommen!" „Da fingt die Ouvertüre schon wieder an." „Na, dann warte» Sie, bis sie fertig ist— nachher aber gleich— der Vorhang braucht gar nicht wieder zu falle»— Sie gehe» nur ab." E« war jetzt in der That weiter nicht« zu thu». Unten im Oichesier spielte» sie eine« jener monotonen Stücke, die gewöhnlich in Schauspielen die Zwischen» alte ausfülle» und nicht» find, als ei« musikalische« Ge» rausch, bei de« fich da« Publikum ungestört unterhalten kann, und»u»- und Eingehende die Thüre» werfe». „Ist den» Rebe»och nicht unten?' fragte der Direktor ungeduldig—„wenn wir jetzt«och einmal eine Pause mache» müsse«..." �..... „Ich stehe zu ihre» Dienste, Herr Direktor," sagte aber dieser selber, wdem er in vollem Kostüm auf seine« Chef ' Er hatte die vorher aufgettagene Schminke abgenommen und sah eigentlich bei Lampenlicht geisterhast bleich au!— aber zu der Rolle paßte e«. Da» Kostüm saß seiner schlanke», edlen Gestalt ebenfall» wie angegossen, und Krüger sah ihn ordentlich überrascht an. „Und Sie habe« wirklich«och Konrage?" „Sie sehe« mich vollständig bereit, meine» Platz au!» zufüll««." „Na, Gott gebe seine» Segen dazu— Sie habe« e« selber gewollt." Die Delegatto« au deu König von Bayer« soll an» iieblich in Hohenschwangau sehr übel aufgenommen worden ein. Man berichtet der„Voss. Ztg.", daß aufgehetzte Banern und Laktten angeblich auf Befehl de! König! vor dem Schloß Schwanstein die Delegation insullirt und vom Eintritt abgehal- ten hätten. Die gesammte Delegation sei schließlich auf der Gendarmeriestation Hohenschwangau für verhaftet erklärt worden. Bei ver Autregung der Bevölkerung entstand Gefahr für da! Leben der Mitglieder. Drei Stunden später dewirkte der BezirkSamtmann die Entlassung der Delegation auS der Hast, nachdem die Proklamation de! Prinzen Lutt» pold eingetroffen war. Die Delegation trat dann ungehindert tn Tbätigkeit unter Assistenz der Gendarmerie. Der Zustand deS Königs verbot den Eintritt in da! Schloß. Nur die Aerzte und Wärter find um ihn beschäftigt. Schloß Sckwan- stein ist durch einen Gendarmeriekorton isolirt. Die Unter« suchung wegen deS Widerstände! der Berölkeruna ist«inge leitet. Gegen den Adjutanten Grafen Dürckheim soll im Fall de! WiederbetretenS de! Schlosse! ein VerhastSbefebl vorliegen. — In einer Mittheilung der„Augtburger Abend-Zettung" vom 9. d. M. beißt e«, daß fich der KrankheitSzustand de! Königs in der beklagenSwerthesten Weise verschlimmert habe; e! sei der von den Sachverständigen schon längst vorauSge» sebene ParoxpSmuS eingetreten.— ES ist eine Verordnung er- schienen, nach welcher alle Telegramme über die Vorgänge tn Hohenschwangau inhtbirt werden sollen. Die Bauausführung de» Nordostseekaval« soll nach osfiziösen Mtttheilungen mangels geeigneter technischer Kräfte in der ReichSoerwaltung nicht von dem Reiche selbst besorgt, sondern Preußen übertragen werden. ES soll aber in Preußen mit der Ausführung eine besondere, unmittelbar der Ministenal- instanz unterstellte Kommisfion betraut werden, ähnlich wie die! bei großen Hochbauten und bei größeren Eisenbahnbauten schon der Fall gewesen ist. Die PoleuauSweisuuge« haben— so lesen wir in der „KönigShütter Zeitung"— immer noch nicht ihr Ende erreicht, «S scheint vielmehr, als od jetzt die dahinzielenden Verorv- nungen strenger gehandhabt würden, als in der ersten Zeit. Ein Herr von hier(KönigShütte), polnischer Abstammung, der aber in Preußen geboren und seiner Militärpflicht genügt hat, deffcn Vater seit dem Jahre 1833 in Preußen wohnt und mit einer Preußin verheirathet ist sogar die Qualifikation zum Re« serveuntero fizier defitzt, der jetzt in unserer(nämlich der„König!- hütter Zettung") Druckerei deschästigt ist und dem man in jeder Hinficht da« beste Zeugniß autstellen kann, wurde für heute (8.) zum BezirkSfeldwedel beordert, um dort den Ausweisung!- defehl in Empfang zu nehmen. Der Bezirksfeldwedel will die Naturalisation de« betreffenden Herrn beantragen, mit welchem Erfolge bleibt abzuwarten.— Die„Voff. Ztg." schreibt:„Vor einiger Zeit wurde gemeldet, daß zahlreiche B eamte der köntglichenEisenbahndirektionzuBromderg mtt polnischm Namen ihre Versetzung zum BetriebSamte Stettin erhalten hätten. J-tzt wird un! auS Posen geschrieben, daß solche Versetzungen, welche natürlich mtt den Germani- firungSversuchen in Verbindung stehen, nunmehr auch auf da! Station», Strecken-, Zag- und Lokomotivper onal ausgedehnt find. StationSasfistenlen, Weichensteller, Lokomotivführer, Pack- meister u. s. w. deren Namen auf„Ski" und ,,w tcz" endigen, find von den Strecken Posen- Thorn- Brom- derg und Posen-Schneidemühl nach der Provinz Pommern versetzt worden, natürlich, wie e! in der Regel in den VerletzungSoerfügungen heißt,„auS dienstlichen Rückfichten. Unter diesen Versetzten befindet fich auch ein Lokomotivsührer au« Posen, der zwar einen polnischen Namen trägt, aber der polnischen Sprache überhaupt nicht mächtig ist. Ob derselbe eine Polin zu, Frau hat und deswegen in den Verdacht der polnttchen Propaganda gekommen ist, hat man nicht in Erfahrung dringen können. Auffallender W-ise find alle diese Versetzungen in den Amtsblättern der betreffenden Eisendahndirektionen, die sonst alle Personalveränderunaen bringen, nicht publizirt worden. Daß man eS seitens der Regierung neueiding! mit allen, die Polen betreffenden An- gelegenheiten recht streng nimmt, beweist auch der ministerielle Erlaß, welcher die polnttchen akaderr ischen Vereine an sämmt» liehen preußischen Universitäten auflöst. Hierzu meint der „Kur. Pozn.", man habe den polnischen akademischen Vereinen vielleicht eine ähnliche Bedeutung, wie seiner Zeit den Vereinen deutscher Studirenden und den Luischenschastm bei» gemeffen; e! sei dieS aber vollkommen irrthümlich, da die polnisch akademischen Vereine nur wiffenschasiliche Ziele und gegenseitige Hilfe bezwecken und die Politik vollkommen auS- schließen; da«S die Pflicht jede! gebildeten Menschen sei, die Geschichte und Literatur seine! Volke! zu kennen, so be- schästigen sie fich in polnischer Sprache mit diesen Gegen» Eänden. Die Studirenven möchten fich dem Befehl« der nioerfitätSbehölde unterwerfen; Sache der polnischen Ab geordneten aber werde eS sein, bei der ersten Gelegenheit eine Interpellation dahin zu richten, welche Gründe den Herrn Minister zu dem angegebenen Schritte veranlaßt haben. Die Musik schwieg; Sulzer gab das Zeichen zum Auf- ziehen de« Vorhange« und trat dann rasch hinaus. „Wer da?" schrie ihm Mauser au« dem Souffleur- käste«, al» ersten Ausruf Bernardo's, entgegen, denn er hatte mit Schmerze« auf de« Beginn gewartet und glaubte natürlich, es sollte jetzt losgehen. Eulzer stutzte und im Parket, wo man de» Ruf deutlich gehört hatte, lachte« Einige. König Claudius sammelte fich aber rasch wieder, und vortretend und zuerst de» Erbprinzen, dann da» Publi- kum mit einer ehrerbietige» Verbeugung begrüßend, brachte er die Anzeige der stattfindende« Veränderung. Da« Publikum nahm dieselbe ruhig hin, und nur ein leise! Flüstern lief durch'! Parterre, denn kein Name war genannt und Niemand wußte, wer de» Hamlet spiele« solle. König Claudius aber ließ sich auf keine weitere» Erklärun- gen ei», und Mauser selber unten im Souffleuekastea war in der äußerste« Spannung, wer von Allen die Hauptrolle im Stücke so rasch übernommen haben konnte, daß er selber keine Ahnunq davon hatte. König Claudius aber war abgegangen. Au! der Kou» lisse trat der wachthabende Posten, Francisco, vor und schul» terte seine Hellebarde, und Bernardo trat von der ander» Geile auf. Die erste Szene ging auch ruhig vorüber, und nur die Spannung de« Publikum« wurde mit der Verwandlung ge» steigert. Jetzt traten der König, die Königin, Hamlet, Poloniu«, Laerte« und die Hofleute mit Gefolge auf, und aller Augen hinge« an dem Prinzen, aber jetzt nicht an dem Erbprinzen, sonder« an dem von Dänemark, de» man mit seinem bleichen Antlitze nicht«inmal gleich erkannte. Aber plötzlich— Niemand wußte, woher er gekommen— flog der Ruf in in einem hörbare» Zischeln durch da« Theater: „Rebe— Rebe spielt den Hamlet!" Auf einer der vordersten Bänke saß Zeremia», der heute Rebe, wen» auch in einer kleinen Rolle, auf dem Zettel gefunden hatte und, ohne daheim etwa« davon zu sagen, i»'S Theater gegange« war, um ihn selber einmal spiele» zu sehe«. War e« doch überhaupt die letzte Roll« in der er hier auftreten sollte. Sei« Nachbar rief jetzt ebenfalls: Oesterreich-Uugar«. Der Abg. Kronaweiter hat dekannttich eine Unierfuchuna über da! Unwesen derAgenta provocatenrs verlangt. Er selbst führte in der Rnchsrathefitzung vom 7. Juni folgen« de! an:„Unsere Polizeibehörden nehmen e! sich her au#, eigene Agent« provocatenrs anzustellen, welche Leute anreizen, Verbrechen zu degehen, damit fich dann wieder Einer rühme» kann, er habe ein Verbrechen entdeckt. Im Jahre 188t hat fich in Wien«in HochoerrathSprozeß abgespielt. Em Arbeiter soll Dynamit zu soz alistischen Zwecken erzeugt haben; ein Arbeiter war aber mit Wissen der Polizei dersenige, der da! Dynamit gemacht hat(Höst, hört! link!), der die Arbeiter unterrichtet und die Anderen dazu veriührt hat.(Hört, hört! linlS.) Dieser Agent provocateur hätte wegen Mitschuld anaellagt werden rrüffcn, und nach d-n Grundsätze« über die Mitichuld hätte auch jener Polizei beamte angeklagt werden sollen, welcher ihn zu diesem Zwecke gedungen hat. (Sehr richtig! und Rufe ItnkS: Frank!?) Ich werde gefragt, od daS Frankl war. Ich weiß da! nicht; nur so viel ist gewiß, daß auf Intervention diese« derühm en ManneS— um mich nicht eine» anderen AukdmckS zu bedienen— eine Adolttio» stattgefunden hat. Man hat durch kaiserliche Gnade diese» ganzen Prozeß niedergeschlagen. Ich forvrre die Regierung und den Justizminister auf, zu sagen, ob eS wahr ist oder nicht; und wenn eS wahr ist, frage ich, sird gegm die fchuld» tragenden Polizeideamten Maßregeln ergriffen worden?(Hört, hört! Rufe links: Pfui! Antworten! Antworten!) Ich komme auf die Behandlung eine! solchen Unglücklichen in dem polizei» ltchen Vorverfahren zurück. Die Betreffenden werden zur Nacht» zeit herausgeholt, e! werden erlogene Sachen erzählt, man sagt, daß die Anderen schon gestanden haben, schreibt die Piotokolle anders, al! ausg»sagt wurde. Solche Dinge fi'd mir geklagt worden, und e« desteht kein Schutz gegen solche Willkürlich keile« während de! polizeilichen Gewahrsam«. Man sperrt fie in be- sonders unreine, nicht deSir.fizirte Zellen mit dem Abschaum der Gesellschaft zusammen ein und sperrt Spitzel zu ihren. Auf diese Weise macht die Polizei von dem ihr nach einer alten Verordnung zustehenden Rechte Gebrauch, auf ein Ge» ständniß einzuwirken. Der Staatsanwalt stellt einfach den An' trag, au! Rückficht auf Paragraph so und so die Geheim» Haltung der Verhandlung zu beschließen; es dauert keine drei Minuten, dann heißt e«: eS wird dem Antrage stattgegeben, und so wird einer der Grundpfeiler unserer Straiprojeß Ord- nung erschüttert, eine Garantie für die stchere Rechtsprechung beseitigt. E« zeigt fich aber ferner noch, waS man in solchen Fällen zu erwarten hat. In Praz hat sich ein Fall ereignet» daß vor dem Schwurgericht ein Sozialist unter der Anklage de! Hochverrathe! stand. Der Verth idiger schilderte die Schwere deS Verbrechen! de! Hochoerrathes und fragte die Geschorenen, ob da«, was der Angeklagte begangen hat, mit einer solche« Strafe belegt werden könnte. Der Prästdent sagte in seiner Belehrung:„Glauben Sie nicht, daß wir immer so schwere Strafen verhängen müffen, wir können auch geringere Strafe« geben." Diese! ExvosS war sehr schlau, und es hat auf die Geschwornen den Einoruck machen müffen, al! od die Richter wirklich die geringe Strafe anwenden wollen. So ist eS ge« lungen, einen„Schuld!g"spruch zu erzielen, und die Strafe war zwölf oder fünfzehn Jahre schwerer Kerker, so daß die Geschwornen aufstanden und protestirten und sagten, fie wollen noch einmal berathen, denn fie hätten nicht gewußt, daß man eine so schwere Strafe verhängen weide." SchwetH. Im Nationalrath wurde am 8. v. M. ein Schreiben ver» lesen, durch welches der BundeSrath den Gesandten Dr. Roth in verlin deauftragt hat, mit der deutschen Regierung in Unterhandlung über die Revision de» mit Deutschland ver» «indarten Zolltarif» zu treten. Belgien. Man schreibt der Wiener„N. Fr. Pr." auS Brüssel,, 10. Juni: Der Ardeiterkongreß hält Sonnabend, 10 Uhr Vormittag», bei geschlossen« n Thülen seine erste Sitzung. Auf der Tagesordnung steht die Beralhung der Mittel zur Erlangung des allgemeinen Stimmrechte». Sonn- abend Nachmittag! findet eine zweite Sitzung de! Kongresse» statt. In der Umgegend von Brüssel henscht mit Rucksicht auf die Ardeiter-Demonstrattonen, welche für den 13. d. 2B- erwartet werden, eine solche P inik, daß die Bürgermeister da» Kriegsministerium bestürmen, Truppen in ihre Ortschaften zu entsenden. Die Lage in Belgien— schreibt man dem„Berl.Tgbl."— fängt an, wieder böchst ernst zu werden; e! erfolgten Arbeit»- Einstellungen in Charleroi, Gilly, Dampremy, Jumet, Cha« telineau, Montigny Seraing. Ueberall mußten zur Aufrecht- «'Haltung der Ruhe Truppen requirirt werden. Der radtkolt „Peuvle kündigt für die kommende Woche einen gleich- zettigen Streik-AuSdruch in ganz Belgien an- In Folge der Verbreitung wahrer und falscher Nachrtchtett« betreffend die angekündigten sozialistischen Manifestationen ai» Pfingst Sonntag herrsch tn Brüssel eine starte Panik; fast all« Bankier! bewaffnen ihr Personal, die Nattonaldank wird eiitt .Rebe spielt de» Hamlet!', und e< gab ihm einen ordentt liche« S-ich in'« Herz, al» er den AuSruf hörte. t „Rebe den Hamlet—«a, wenn da« gut geht!: stöhnte er, gleich dem Direktor—„was»st denn da vorgt- falle« und de« unseligen, verzwe'felten Mensche« in de» Kopf gestiegen? W.nn er fich da blamirt— und natürlick wird er—, ist er für immer verloren!"— Zeremia» wätt auch jetzt mit Vergnügen fortgegangen, den» er glaubie J* ahnen, wa« geschehen würde, und mochte da« Elend nich' mit ansehen; aber e« war unmöglich. Er saß gerade j# der Mitte im Parquet, und die Sitze waren so eng, da» die ganze eine Reihe hätte aufstehen müssen, um ihn hino**" zulasse«, und wa! für Aufsehen würde da! mitte» im•** erregt haben I Er mußte schon bleiben, wo er war, u»° geduldig still halten. Wa» auch geschah, er konnte e» do land, Chabert und Joffrin folgenden Antrag:„In Anbetracht, daß die Gesellschaft der Grudenwerke deS Aoeyron in De« r a z e v i l l e sowohl als in den übrigen ihr konzedirten Minen wre Unfähigkeit gezeigt hat, deren Betrieb und Arbeit in lledereinstimmung mit dem öffentlichen Jntereffe zu leiten, Siebt der Gemeinderath dem Wunsche AvSbruck, daß die Re« S'erung die Konzesstonirung der Minen, deren Eigenthümerin die Kohlengesellschast des Aoeyron geworden ist, aufhebe und diese Gesellschaft, deren Verwaltung in offenem Widerspruche S der einschlägigen Gesetzgebung steht, ihres EtgenthumirechtS r verlustig erkläre." Der Eeine-Präfett machte seine Vor» behalte über die politische Bedeutung dieses Wunsches, welcher dach dieser Formalität mst 25 gegen 12 Stimmen angenommen wurde. Ferner genehmigte die Versammlung «inen Wunsch ihres Mitgliedes DeSchampS, dem zu Folge alle «anäle, Bergwerk«, Eisenbahnen u. s. w., welche der Staat im «onzesstonSwege an Gesellschaften abgetreten hat, an die Nation imückkehren sollen. Die Bürger Blarc und Carri«, letzterer als Präsident deS Etnik. Komitees von Decazeville, ersterer als Sekretär dir SyndikatSkammem de» Lveycon, veröffenllichen folgenden «ufruf an die Arbeiter:„Unsere Gebieter haben einen neuen Beweis deS HaffcS, der fie gegen die Arbeiter beseelt, gegeben: de haben sich dem Schiedsspruch« entzogen, den fie zuerst an- Wnehmen schienen. So ist unS unsere Pflicht vorgczetchnet Uno wir werden fie erfüllen, indem wir bis zur Erschöpfung unserer äußersten Hilfsmittel kämpfen. Der Steg unseres TtteikS interesfirt alle Arbeiter: denn die gesammte Klaffe der Kapitalisten und Regierenden hat fich vereinigt, um in uni die Dache der Arbeit zu brkämpfen. Der Koalition derer, welche Uni ausbeuten, müffen wir die Solidarität der Ausgebeuteten gegenüberstellen. Kameraden I Ihr übt fie für uni seft drei Monaten. Wir bitten Euch, so fortzufahren, um den Erfolg w sichern. Noch ein leichtes Opfer und der Sieg wird unser sein; er wird den Sieg deS ganzen Proletariats be- beuten." Nach den neuesten Nachrichten scheint die Decazeviller Ge- Mschaft doch gewillt, fich einem Schiedsgericht zu Unterwerfen. Der„Frankf. Ztg." telegraphirt man: Da Say Und Raoul mit Demisfion drohten, akzeptirte der Verwallungs- larh in Decazeville ein Schiedsgericht von drei Mitgliedern bei Oderbergrathes. E-' willigte ein. den Preis de» Kohlen- wagmS von 190 auf 200 Fr. zu erhöhen. Dadurch wird der Btieik beendet werden. . GueSde, Lafargue und andere Sozialisten find vor «nicht geladen, weil in einer Versammlung die Kapitalisten bttt dem Tnde bedroht wurden. . Die Einführung des Repeti rgewehreS in das fran- taflsche Heer wird von den Pariser Blättem jetzt nur noch als J'ne Geldfrage betrachet, an deren Lösung im bes. denden Sinne intens der franzöfischen Volksvertretung von ffttemandem gezweifelt wird. Der Gesetzentwurf, betreffend die Ausweisung der Prinzen, gelangte, wie unsere Leser schr" wiffen. am Don- «erstag in der Deputtrtenkammer zur Ber->thung. Der Antrag der Kommisfion fordert bekanntlich die Ausweisung aller Prinzen durch Gesetz. Der Entwurf, welchen der Ministerpräfident jpyctnet mit den Kommis fionSmitgliedern Brouffe und Bur« deau vereinbart hat, lautet dagegen: Art. 1. DaS Gebiet der »Men Republik ist und bleibt den Häuptern der Häuser, tuw � Frankreich geherrscht haben, und deren nächst berech- jJ-l", verschloffen. Art. 2. Die Regierung ist devoll- aamgt, durch Dekret die übrigen Familenmitglieder auSzu- «fc-i£' Art. 3. Wer unter Uebertretung der Auiwetsung in Frankreichs in Algerien oder in den Kolonien betroffen wird, t.�%% einer Gefängnißstrafe von zwei btS fünf Jahren de- «%, Nach Ablauf setner Strafzeit wird er an die Grenze ge- mylt Art. 4. Die Mitgli.der der fürstlichm Familien, wel- ft.01 ii1? Zeitweilige Aufenthalt in dem Gebiete der Republik aÜt! i wird, werden von allen öffentlichen Handlungen auS« Sttchloffen. Bei der Abstimmung wurde der Entwurf der Korn« ?Won mft 314 gegen 230 Stimmen abgelehnt, dagegen der L't« Artikel des von der Regierung akzeptirten Brouffe'schen �isetzentwurfs mit 315 gegen 232 Stimmen angenommen. Gro hbritaunie«« . Die Vorbereitungen für die Neuwahlen find bereits "»ollem Gange. Dbe„Daily NewS" wiffen darüber folgende» Uiutheilen:„Mr. /G l a d st o n e, der bei vortrefflicher Ge- z�bheit und Stimmung ist, gedenkt nicht, fich irgend welcher I»..Arbeiten eines'Kandidaten zu entziehen. Er wird kurz | der Anlündinuna der Auflösung im Hause der G-meinen |"lt Adresse an oie Wähler von Mtvlothian erlassen, worin er — Gerichtet gegen Selbstmord! Gott, o Gott, Wie ek.'el, schal und flach, wie unersprießlich Schein t mir da» ganze Treiben dieser W.lt.. ftach gf pe mit einer solchen edlen und auch in keiner �weguug t-ibertriebeven Leidenschaft, daß der Direktor, der z�flen hinter der Koulisien wie auf glühenden Kohle« , fafti unwillkürlich w sich hineinmurmelte: Gut, ' Gott,.. recht gut I Verfluchter Kerl, der Rebe, wen» ..vir so» fortführe! Am Ende käme er»och unauS- söffen d urch. L Rebze schien aber nicht« derartige» ,u fürchte», den» in C«Sch)stea Szene mit Horatio, Bernardo und Marcellus r*btf er fich mit so edlem Anstand und sprach, wa» er kreische« hatte, so durchaus i« Geist der Rolle, daß da» ®?ttej» im Zuschauerräume wuchs, während er die Damen s.eine wie für de« Hamlet geschaffene Gestalt schon 2 0 ewoanen hatte. Aber trotzdem regte sich keine Hand, ü, s aß lautlos und still, wie erwarwngSvoll, daß plotzltch Ä. etwa» Außerordentliche» geschehe» solle, bi» zu der - mit dem Geist, wo er diesem folgt und ihn end- hellt. Barthel war schauerlich al« Geist. Er hatte e« sich in Kopf gefetzt, daß ein im Fegefeuer leidende, Gespenst, es einmal über der Erde erschewe. auch serne dort !» erltttene» Qualen deutlich kund gebe« müffe, und imerte seine Rolle kläglich ab. Die Haßburger hatte» aber an ihn gewöhnt; sie wußten e» nicht ander», al» der Geist wimmern muß, und nur die Fremden tm :tt schüttelte» mit dem Kopf, wagten aber kem UrtHeu zu geben. Desto besser war Rebe, der in dieser Szene ordevtltch sich herausging, ohne aber eine einzige unnatürliche -wegung zu machen od« im geringste» zu stark auszutra« !». Da» Grause», da« ihn erfaßt«, al» er den Geist er- klickte, theilie sich dem Publikum mit, und wie der Geist lit dem„Ade, ade, gedenke mein!" abwimmerte und Hamlet ' die Worte««»brach: „O Herr de» Himmel»! Erde! Wa»«och sonst? Nenn' ich die Hölle mit?—" seine Wiederwahl nachsucht au» Gründen, die al» eine allge- meine Berufung an da» Lind dienen werden. Vorläuffa de« abfichtigt er, Midlothian zu besuchen und seine vierte Wahl katrpagne zu inauguriren. Lord HartingtonS Adresse an seine Wähler wird ebenfalls nicht lange auf fich warten lassen. Dem Vernehmen nach ist keine gemeinsame Grundlage der Aftion zwischen Lord Hartington und Mr. Chamberlain erzielt worden und wird letzterer demnach ein eigene» Manifest erlassen. Ein viertes Manifest darf entweder von Lord SaliSbmy oder Sir Michael HickS Beach erwartet werden." Die„Daily NewS" hegen übrigens die feste Zuverficht, daß Gladstone fiegreich aus dm Wahlen hervorgehen werde.„Mr. Gladstone'» Ruf bei seinen Landsleuten." schreibt da» offiziöse Organ, „stand niemals höher, als er heute steht, und der Charafter Jener, die ihn anfeinden, thut seiner Popu- larität keinen Abbruch. Einige seiner Angreifer scheinen thöricht genug zu sein, zu glauben, daß fie Mr. Gladstone von seiner öffentlichm großen Laufbahn verdrängen können. Mr. Gladstone wird zurückt, eten, wenn er nicht» mehr für sein Land tbun kann, und nicht, wenn eS der Bequemlichkeit Jener paßt, die ihn selbst mehr fürchten, als fie ihn Haffen." Aus dem Reformklud wird den„Daily NewS" von einem„Demokratm" geschrieben:„Eine Analyse der Liberalm, die mit Mr. Glad« stone gingen, und jmer, die gegen Ihn gingen, beweist ziemlich klar, daß er Recht hatte, alS er sagte, daß die Opposition ieqen Homerule hauptsächlich auf dieoberen lassen deschränkt sei. Von ersterm waren weniger al» 9 pCt. entweder„SirS" oder Söhne von Pair»; von letz teren mehr als 31 pCt." Dem„Freemann'S Journal" zufolge ist Labouchere mit der Bildung einer radtkalenPartei beschäftigt, welche Cham berlain» Partei Oppofition machen soll. Der radikale Abge ordnete für Burnley, Rylandi, hielt daselbst vor 300 Vertrauensmännern der liberalen Partei eine Ansprache zur Recht- fertigung seiner Oppofition gegen die ministerielle Homerule Vorlage und al» am Schlüsse der Rede darüber abgestimmt wurde, ob die Anwesenden mit ihrem Vertreter zufrieden seien, stimmten 203 mit„Nein" und nur 67 mit„Ja"— waS sicher kein gutes Zeichen für dm Abgeordneten und die radikalen Gegner Gladstone'S ift. Italien. In liberalen Blättern lefm wir: Auch im italienischen Parlamente macht sich daS sozialistische Element immer mehr demerklich. Während eS früher dort nur zwölf sozialistische Deputirte gab, werden von jetzt ab mehr al» dreißig zu Gunsten der sozialen Revolution das Wort führen. Dazu mag die Prcffe wesentlich beigetragen haben. Es erscheinm in Italien achtzig radikale Blätter, darunter einige zwanzig mit entschieden anarchistischer Tendenz. Die Zahl der revolutionären Vereine ist Legion. Spaaien. Die Madrider Preffe lenkt die Aufmerksamkeft der spani schen Regierung auf das Treiben der K a r l i st e n in dm Bergm von Katalonien, in Unter Anagonien und den Provinzen Valencia und Maestrazzo. Amerika. Die letztm Tumulte haben den Haß gegen die Anar- ch i st e n— mit denen natürlich die Sozialisten in einen Topf geworfen werden— zur Siedehitze gebracht. Kürzlich ist in Brooklyn die Frage, od Anarchisten da» Bürgerrecht der Vereinigten Staaten erhalten sollen, vor Ge- richt aufgeworfen und sofort verneinend entschieden worden. In der erwähnten Stadt verlangte ein bekannter Anarchist, der au» seinen Anfichten gar kein Hehl machte, den amerilant schen Bürgerbrief. Er wurde aber abgewiesen, weil er mit dem Bürgereide auf die Verfassung und die Gesetze, in deren Umsturz und Vernichtung er seine ganze Lebensaufgabe er- blicke, fich eines offenbaren Meineide» schuldig machen würde und einem solchen Menschen daS Bürgerrecht nicht„von Rechtswegen" anvertraut werden könne. Verschiedene amertka- nische Blätter, z. B. die„Westliche Post", haben den Vorschlag gemacht, man solle den Anarchisten und ihren„Vettern, dm Sozialdemolratm",eine Insel oder ein anderes paffendeiGediet in Generalentreprise geben, damit fie dort ihre Theorien in diePraxi» übersetzen und zeigen, waS fie leisten können. Es bestand nur die Schwierigkeit, ein passende» Stück Land zu finden, wo daS neue Staatswesen fich frei und ungestört hätte entwickeln mögen. Jetzt will man ein solche» Gebiet gefunden haben; dasselbe trägt bezeichnender Weise den Namen„No Man'» Land", d. h. Niemandsland, liegt zwischen dem Indianer' Ter- ritorium und Neumexiko und umfaßt etwa 80 000 AkreS guter Ländereien. DaS Gebiet soll fruchtbar genug sein, alle Anar- chisten und deren GefinnungSgenossm in den Vereinigten Staaten zu etnährm; auch würde eS groß genug sein, um die umfassendsten Schießübungen mit Tyttamttbomhm u. s. w. ohne Gefahr für die nicht anarchistische Nachbarschaft zu ge- statten.— Die Amerikaner thäten wohl besser, emste Dinge auch ernst zu deHandeln. Im Senate der nordamerikanischm Union wurde ein Ge« setzentwurf betreffend die Ermächtigung der Konstitutrung einer hörte wa» hier und da einzelne leise Ausrufe von:„Gut! Recht brav!" aber keine Hand rührte fich. Der Erbprinz selber schien ganz ergriffm von dem Spiel und gab unwillkürlich wieder da» vorher so gut ein« geschlagme Zeichen zum Applaudirm, indem er die Finger- spitze» der weißen Glaceehandschuhe vor« zusammenbrachte — aber e« half nicht». Bei der Tänzerin war e» etwa» Andere« gewesen und diese eine berühmte Notabilität; sie mußte beklatscht werde», od« ganz Haßburg hätte sich blamirt. Zhren Rebe ab«, den kannten sie Keffer al» irgend jemand Ander», und da hinein ließe« fie sich nicht reden, und wenn es vom Erbprinzen selb« gewesen wäre. Der Vorhang fiel, und schweigend wie da» Grab saß da« ganze Hau», bi« plötzlich wied« da» Zischeln und Flüst«« besann und Ein« dem Ander» seine Bemttkunge» leise mittheilte, od« erst vorsichtig dessm Anfichten höre» wollte. (Fortsetzung folgt.) Ans Kunst und Zeven. Im„Deutschen Theater" wird heute, Sonntag.„Die Anna-Lise" und morgen, Montag,„Don Carlos" gegeben. Am nächsten Dienstag, 15. d. M., beginnt Fräulein Julie Marb«g au» Wien ein Gastspiel al»„Ciaire" in„Der Hüttenbefitzer". Al» zweite Gastrolle wird Fräulein Marderg am Donnerstag, 17. d. M, die„Jeanne" in„Die Welt, in der man fich lang- weilt" spielen. Die nächste Aufführung von„De» Meere» und der Lieb« Wellen" findet am Mittwoch, 16. d. M-, statt. Außerdem bringt da» Repertoir dieser Woche noch Auf- fühnmgen von„DaS Urbild de» Tartüffe" und„Das Käthchen von Heilbronn". Eperl— Treptow. Alle» ist aufgeboten, um an den Feiertagen da» Publikum mit wahrhastigen Genüssen zu üb«. schütten. Die über den Ozean gekommenen BlondinS werden in schwindelnd« Höhe mit erstaunlicher Sicherheit und Verve auf dem Thurmseil ihre Produktionen ausführen, während Prof. Hanlo da» Publikum in die angenehmsten Täuschungen versetzen wird. Besonder« zur Erregung der LachmuSkeln dürsten die exentrisch- mustkalischen Vorträge de« Mr. Harris geeignet sein. Der indische Gaukler und Jonglem Etdy.Said Gesellschaft zum Zwecke d« Erbauung eine» Kanal» durch den Nikaraaua-See eingebracht. Man hofft dadurch bekanntlich, dem Panamakanal Konkurrenz zu machen, welch« hauptsächlich in den Händen d« Franzosen ist. Soziales nnh Arveitervemegung. Volkswirthschaftlicher Blödsinn. In d«„Vierteljahr»- schtift für Volkiwirihjchast" lesen wir in einem Aufsatze üb« die sogenannte„innere Kolonisation", daß eS bess« wäre, Fabriken im Osten Deutschlands zu gründen, als die Urbar» machung det OeblandeS u. s. w. zu betreiben. Als od die Produkte de» Westens und Mitteldeutschlands nicht nach dem Osten gelangen könnten, als od keine Eisenbahnen existirten, so klingt eS au» dem Satze hervor:„aber selbst für den Be- darf im Inland« giebt eS im Osten keine Industrie". Gegen- wäriig ist S wahrlich nicht an d« Zeit, die Produttion zu vermehren. Durch die sogenannte„innere Kolonisation", durch Kanalbauten u. s. w. hingegen wird Arbeit geschaffen, welche die Konsumtion erhöht, ohne die Produttion zu vermehren und daS scheint uns bei der gegenwärtigen langandauernde Krist« mit die Hauptsache zu sein. Natürlich müßte diesen innere Kolonisation in anderem, höh«em Maßstabe von Staatswesen od« Reichswegen betrieben werden und fich nicht auf ein paar Letiel'Kolonien beschränten. Die Gemeinde vttsicherung de» KreiSkommunalverban» bat fich nach d«„Freis. Ztg." im Jahre 1885 schlecht dewahrt. Die Ausgaben übersteigen die Einnah» men um mehr als 20 pCt. Dadurch ist ein Defisit von 8835 M. entstanden. Infolge dessen haben die Mitgliederbei- träge von IV, auf 2 pCt. deS ortsüblichen Tagelohns erhöht w«den müffen. D« KreiSauSschuß macht diese Erhöhung in der„Sangerhäus« Ztg." bekannt, indem er zugleich demerkt: „Trotzdem wird ei nicht möglich sein, einen Ausgleich d« Ein- nahmen mit den Ausgaben herbeizuführen, wenn die Gemeinde» behörden nicht bestrebt sein werden, Simulationen zu««hüten. ES ist Pflicht d« Gemeindehörden, eine wirksame Kontrole der erkrankten Verficherten darüber zu führen, daß mit d« Krankenunterstützung kein Mißbrauch getrieben, inSbesond«e. daß den Simulanten daS Krankengeld vorenthalten wird. Auch die Arbeitgeb« und die Arbeitnehm« sollen, da dieselben für die entstehenden Kosten aufzukommen haben, daran ein In» tereffe haben, daß der Kasse nicht unnütze Kosten entstehen und werden die Gemeindebehörden veranlaßt, die Interessenten hinauf noch besonders aufmerksam zu machen." � etreikder Laftadie- und Dampfsägerei-Arbeiter in Lübeck. Die genannten Arbeiter haben vor drei Wochen an sämmtltche Firmen daS schriftliche Ersuchen um Aufbesserung des Lohnes gestellt und zwar kür daS Sommerhalbjahr M. 3. für das Winterhalbjahr M. 250 per Tag; sie erhielten ab« wed« Antwort noch Lohnerhöhung. Da nun gegenwärtig die beste Zeit ist, und eine ansehnliche Anzahl Schiffe im Hafm liegt, die gelöscht werden müssen, benutzten die Arbeiter viese günstige Gelegenheit, und stellten noch einmal ihre Forderung. Da fie abschlägig beschieden wurden, stellten fie mit ca. 300 bU 350 Mann die Arbeit ein. Der bisherig« Lobn betrug für die große Mehrzahl der Arbeit« M. 240 bei 10'/,.stündiger Ar- dett, wobei noch zu berückstchtigen ist. daß der Lohn im Mint« entsprechend niedriger ist, und auch nur ein ganz geringer TheU wahrend de§ Winters Beschäftigung findet. Auf Plätzen, die gegenwärtig 80-100 Mann beschäftigen, arbeitm im Mint« nur 1�-20 Mann: die Uebrigen müssen sehen, wo fie bleiben. Wenn also die Ardeiter die gute Zeit in ihrem Interesse auS. zunutzen suchen, ist eS ihnen wahllich nicht zu verdenken. Die Dampfsägerei der Finna Brügmann u. Söhne mußte den Be. trieb einstellen, da eS an den nöthigen Ardeitern fehlte, um da» Holz bi» zur Maschine zu schaffen. In einer VereinSoersamm- lung ward am Montag Abend noch einmal die Angelegenheit des Streiks besprochen und vom Vorfltzenden aufgefordert, fich in den gesetzlichen Schranken zu halten. Unter den Spitzenklöpplerinnen de» Erzgebirge» herrscht wieder gioßc Nolh. Der Wochenlobn einer geübten Klöpplerin beträgt gegenwärtig 1 fl. 20 It. bi» höchstens 1 ff. 50 kr. Dazu muß man noch bedenken, daß gegenwärtig die Kartoffeln— daS Brod deS Erzgebirges— theurer und schlechter find, als im Herbst und Winter. Man fürchtet allen Ernste», sofern nicht bald eine Wendung zum Bessern ein- tritt, in den Klöppeldtstrikten den Ausbruch wirklicher Hung«»- noth. Ei» Kongreß deutscher Feileuhauer wird während d« Pfinattlage in Reudnitz bei Leipzig ftatlfinden. Zweck d« Berat hung ist die Begründung einer über ganz Deutschland sich»streckenden V-reinigung zur gegenseitigen Unterstützung bei Reisen und ArdeitSlostgkeit. Die Dock- und Hafenarbeiter in Dublin haben wiederum«inen Streik in Szene gesetzt. E» ist die« bereit» der zweite Massenstreik in diesem Jahre. Die Zahl d« Streikenden beträgt 600 Mann. Die Streikenden««langen «ine Lohnnhöhung von 2 Pence per gestaute Tonne Schiff». güter. ist nach einstimmigem Urtheil noch nicht übertroffen worden. Erwähnen wir au» dem reichen Repertoir noch den Tan,. Humoristen Adolf Weder, die Sängerin Heckel und die reizende Soubrette Clairmont, sowie die Duetttsten Geldner und Bach- mann, so finden wir ein Ensemble, wie eS nicht eigenartig« und tnter, ff anter gedacht weiden kann. Die tntmssanten Reife» im Kaiser-Panorama(Passage) finden solch vtelsettike Anerkennung und Bewunderung, daß die Plätze oft nicht ausreichen. Wer erst einmal seinen Blick in diese naturwahren Landschaften getaucht, wird stchcrlich im- mer wieder hierher zurückkehren, zumal da» niedere Entree einem Jeden den Besuch ermöglicht. Da»«eue große Pieeolomiui-Pauorama in der Hasen- Haide 7b bietet die schönsten und größten Sehenswürdigkeiten der Neuzeit, welche nie vorh« in einem Panorama gezeiat wurden; so ,. B. den Untergang d«„Eimbria", die Eisbär- und Seehundjjag» im nördlichen Eismeer, den Walfischfana. daS schöne Venedig, Kam«un. Neapel, die Trauung deS v«. storbenen AvmiralS Piccolomint und noch vieles Andere. worauf wir das Publikum hierdurch aufmerksam machen wollen.- Hierm t in Verbindung wollen wir auf die Töcht« Piccolomini«(Liliputan«) ebenfalls aufmerksam machen, welche jetzt 19 Jahre alt und nicht größer wie ein Kind von hJ?bren find; dieselben sprechen deutsch, englisch, französtsch, dänisch und schwedisch, dellamiren vortrefflich und find sehr liebenswürdig in der Unterhaltung. Wenn fich Herz und Muud thut laben, will die Nase auch was habe«. Auf dem im vorigen Jahre zu Paris stattgehabten hygienischen Kongresse wurde konstatirt, daß da» Aroma deS Schnupftabaks, wie übrigens männiglich bekannt, auf dem W-ge der Nasenkanalisation durch die Äeb- zellen der Schädeldafi« in da» Gehirn eindringt und daselbst auf die Gedankenbahnen reinigend wirkt. Daß eS damtt seine Richtigkeit haben muß, geht au» den Verhandlungen des Ge- meinderath» der Stadt Homburg v. d. H. hervor, woselbst am 27. Mai d. I. eine Sitzung gehalten wurde, welche für die ve-ständnißvolle Auffassung hygienisch« Fragen von Seiten jene» Gremium« Zeugniß giebt. Der bettessende Sitzungsbericht beginnt nämlich mtt folgenden Worten:„Vor Eintritt in die Tagesordnung verliest der Vorsttzende ein Schreiben des GemeinderathSmitgliedeS G. Weigand, der anläßlich de» Einzüge» in da» neue Stadthaus eine Schnupftabaksdose ftis- Ute. Der Gemeinderath nimmt da« Geschenk heute in Gm- pfang und spricht dem Spender seinen Dank auS." Profit! Theater. Sonntag, den 18. Juni. Overnhau». Rtgoletto. Monlag: Der Trompeter von Siklinaen. Letzte Opern sorstellung vor den Ferien. Dtenkag: Die Jungfrau von Orlean». Schauspielhaus, Die Journalisten. Montag: Der Leidarzt. Dienstag: Keine Vorstellung. Deutsches Theater. Die Anna-Lise. Montag: Don Carlo?. Dienstag: Der Hüttm- desttzer. Belle-Alltanee-Tbeater. Da« Paradie«, Ge« sanaßposse in 4 Akten von Leo Treptow und L. Henmann. Montag und Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Loutseustädtische« Theater. Die Zaub�rflöte. Montag: Czaar und Zimmermann. DienS- tag: Martha. Walluer-Theater. Der Mikado. Montag und Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich' WilhelmstädtischeS Theater. Der Zigeunerdaron. Rontag Dieselbe Vorstellung. er kleine He und Walhallä-Theater. Rontag und Dienstag: Dieselbe Ofteud-Theater Mari« Todor. Rontag: Dieselbe Vorstellung. Feodora. Viktoria» Theater. Amor. Tanz. Poem von ellung. Dienstag: ....... und Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Königstädttsche« Theater. Muttersegen.Leden». blld mit Gesang. Montag: Da« zehnte Gebot, Schwank. Dienstag: So find die Manner, Lustspiel. Kausmauu'S Variete,«rohe SveziaUtäten» Vorstellung. »affage 1 Tr. B M.- 10«. Karser-Vauorama. - dieser~ Schweizer Garten. � Am FriedrichShain. Haltestelle der Ringbahn. Am KönigSthor. An den 3 Pstngftsetertagen:«RRaß. Grosses Concert iL Eztra- Vorstellung. Auftreten sämmtlicher Spezialitäten, der englischen Gymnastikerfamilic Zeglere, de? bumoristiirven Komiker Trio« Herren Grofch, Jona» u.«laier, des Jnstrumental-KomilerS Hern Iachta«, sowie deS Tenoristm Herrn Alberti und erste« Auftreten de« deutsch amerikanischen Duetttsten» paare« Geschw. Hefsat, sowie der kühnsten Luftvoltiqeusen der Gegenwart Miß Kazel, Miß Irma«nd Miß Eza Masol. Zum Schluß oie sensationelle Braoournummer Miss Lazel als lebende Kanonenkugel. Miß Lazel wird aus einer Kanone geschossen und von Miß Zema aufgefangen werden- Theatervorstellung. Nolkobelnstignng. MT* Eotr«e 50 PI*.-## 1842 ÄÄ Mli-toncßtt und locMuno " v. und Prüh Tmmm. Entree 25 Pf. Anfang 5 Uhr. Nach achtwSchentlichen schweren Leiden ver» schied sanft am 12. Juni meine liebe Frau und unsere gute Mutter Lenlae Schulze, geb. B othe, Diese« zeigt hiermit allen Freunden und Bekannten tie»betrübt an[1925 Wilhelm Schulze und Kinder. Die Beerdigung findet am 15. Juni, Nachm. 6 Uhr, von der Leichenhalle de« Begräbr.ißplatze« der freireligiösen Gemeinde au« statt. Allen Freunden empfehle mein und GefinnungSgenossen •......[1821 SchuhwaarengeschSft. Große Auswahl von Herren-, Damen» und Kinder-Htiefeln. Bestellungen nach Maß, sowie Reparaturen jeder Art prompt und billig. W. Kröger, Lausttzerplatz 3. A n f a n g 4 Uhr. �perl-Treptow. Sonntag, Montag«. Dienstag, am 1., 2.«. 3. Pfingstfetertage: Gr. Gala-Vorstellnng n. grosses Concert I. MM der pMinaleD Tlumseill älter, Blondin frSres'. Ad. Weber, Sr/"" Mr. Harris, Debüt de« beliebten Tanz-Komiker« W In Woche: 1. Reise England— Schottland. W-"stckimg. Eine intereffante Montblanc- Be.. Htttha-Xetse. Carolinen. 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Feiertags- Cigarren von de« Morgens 4 Uhr ab.[1883 M. Meyer, Koppeustr. 66. Ächtung? H. F.?tn»lage. _ Kottvuserstt. 4. Hof, part. Kein Laden, nur eigen Fabrikat. 26 Zigarren 1 M. Garant, rein amerik. Tabak. 2 Pfd. Rivventabak 70 Pf._ 11917 Verantwortlicher Redakteur St. Lrouheim in«erlin. Druck und Verlag von Rax Babing in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilage. Beilage zum Berliner Volksblatt. Kr. 13«. Sonntag, den 13 Inm 1886« IIL IahW Kommunales. w. Zur Jvdustrte» und Gewerbe-Ausstelluug im Jahre 1888. Der Z>t-gist:at Hai beichloffen, den Anträgen de« prootsortschen Komitees für genannte Autfirllung rnt- sprechcnd, bei der Stadlvtro'.dnetcn-Vtrjammlung zu bcan« »ragen, daß dieselbe ihre Genehmigung zur Benutzung de« Terrains des städtischen Parkes in Trepton als Ausftellungs- p'atz geben und aus städtischen Mitteln als fonda perdu die Summe von 2 Millionen Marl als Beihilfe in der Voraus setzung gewähre, daß den bereits an den Reichskanzler ge» Sellien Anträgen gemäß das Reich eine solche Beihilfe von 3 lk llionen Mark zu den AuSstellungskosten alS fonds perdu teiträgt. Lu de« öffentlichen Schlachthäuser« des städtischen Zmtral- Schlachthofes sind im Monat Mai d. I. geschlachtet »orden 8537 Rinder. 7766 Kälber. 15551 Schafe und 21 653 Schweine; in demselben Monate 1885 dagegen 7772 Rinder, 8105 KScher, 13675 Schafe und 20 932 Schweine; im laufen» den Jahre also zusammen 53 560 Thier e gegen 60 804 Stück im Jahre 1885. Von den Thieren find zur menschlichen Rahrung ungeeignet befunden und deswegen zurückgewiesen und beanstandet worden 37 Rinder, 4 Kälber, 7 Schafe und 148 Schweine, zusammen 196 Thier«: unter den Schweinen 8 Schweine wegen Trichinen und 66 wegen Finnen. An einzelnen Thetlen und Organen stnd zurückgewiesen und bean standet worden: von Rindern 1759. Kälbern 25 Schafen 421, Schweinen 1110, zusammen 3315 Organe und Thetlc. Kokale». Die beabfichtigte Veränderung des Telegraphen- Tarif» ist ein tzauplthema der Diskulston unserer gewerblichen Kreise geworden. An dem seit einem Jahrzehnt bestehenden Tarif zu rütteln, wird von den Meisten als eine Sünde de- trachtet, vor der man die drtreffenven Behörden gar nicht dringend genug warnen zu können meint. Die jetzige Gebühren- Norm, zwanzig Pfennig Gcunvtaxe und fünf Pfennige pro Wort, ist Allen lieb und werth geworden— eS giebt kaum eine einfachere Rechnung und die Einfachheit de« Tarifs ist ein nothwendigeS Erforderniß seiner Anwendbarkeit. Der jetzige Worttarif mit der einheitlichen Grundtox« für daS ge- summte Reich war ein genialer Gedanke des Leiters unseres Postwesen»; heute steht sich das AlleS so einfach und verständig an, daß Dieser und Jener billig fragen kann, waS denn an der stmplen Sache nur genial fein kann. Es ist wie mit dem bekannten Ei de» Kolumbus und wie mit anderen elementaren Dingen, auf die Taufende nicht verfielen, bis ein Einzelner plötzlich einen Lichtgevank.-n hatte. Und welche Mühe kostet e» in der Puffe und im Reichstage, für den Worttarif Pcopa- aanda zu machen! Allein alle Oppofition verstummte nach wenig Tagen, Jeder ward zufrieden, ganz nach seinem Ermeffen, na- wen tlich ganz räch der Beschaffenheit seiner Kaffe dcpeschircn zu können. Der Wmtlarif ist deshalb ein normaler zu nennen weil er schon für ein Minimum von Geldaufwand Jeden befähigt, per Draht fich durch das ganze Reich zu vei ständigen. So lann z. L. Armand in Memel ein Telegramm nach Metz aufgeben und er hat da» Vergnügen für 30 Pfennige, wenn er nur einen ein- siflen Namen und den Ort angiebt. Solche knappen Mitthei- wngen können natürlich nach vorhergegangener Verständigung allerlei bedeuten. Auf derartige minimale Telegramme wollten fich anfänglich nach Einführung de» WorttarifS die Telegraphen- imter nicht etnlaffen. jedoch haben st- zufolge einer Weisung ihres Chefs jede Einrede fallen laffen. Der konkrete Fall, der Siener Entscheidung führte, wird vielleicht noch in Mancher -dächlniß sein. Der frühere Abgeordnete Wölffel(Merseburg) halte mit seiner Gattin verabredet: Eo oft ich nur meinen Namen telegraphire, schickst Du AbendS einen Wagen zur Bahn, der mich abholt. In Halle weigerte fich der Beamte die zwei Worte„Wölffel. Merseburg" a!S Telegramm anzusehen, war- auf Wölffel den Fall bei der EtatSderathung im Reichstage zur Sprache brachte und so Abhilfe erfolgte. Tausende von tele- graphisch-n Mittheilungen beschranken fich neben der Adreffe auf ein einziges Wort, fie find also für nur fünfunddreißig Pfennig zu übermitteln— nach dem neu vorgeschlagenen Tarif kostet die Minimal- Depesche 60 Pfg., also fast daS Doppelte. Hoffentlich bleibt der musterbast einfache Worttarif so wie er ist — vi« Mehrzahl der Interessenten ist zweifellos nicht erbaut davon, daß an einer so populären Norm gerüttelt werden soll. Die Arbeiten a« der Kaiser Wilhelmsbrücke wurden dieser Tage vom Archttektenveretn befichttgr, welcher vorher die R. C. Der Wald hat seine« Schmuck hergegebe«, um die Wohouugeu von Arm uud Reich mit frischem Grüa zu bekrävzen und Juug-Berlin piept auf den Kalmutstaudeo recht nachhaltig und unerquicklich. Alle Jahre wiederhole« fich diese Suzeichea mit penibler Regelmäßigkeit, alle Jahre um die Pfingstzeit rieche« unsere Zimmer— P-sfimisten sagen wie eine Botanrfirtrommel voll absterbender Markäfer, Oplimisten behaupten dazeg-n. daß der würzige Duft der juagku Birkenreiser ein Stück Waldpoefie in unsere be- sch-rdene» Räume trägt— Alle« kommt natürlich auf dre �Die�Maie» gehöre» eben zum PfingKfest wie der Tannenbaum zur WdhaachlSfeier. Eins ist ohne da» andere Undenkbar. Gewiß ist da, Schmücken unserer Wohnräume mit den Gaben de» Frühling« ein« unschuldige Sitte, urd Niemand, außer einem ei-gefleischte» Forstbeamteo, könnte «nstlrch etwa« dagegen einzuwenden habe». Gerade zu N Z? » tWr ä% VÄf ber Natur bringen wir da« saftige junge Grün übnall an. Ä�r- ää die Natur, so holt er die Natur zu fich herew. ist «ben«-cht Jedem vergönnt, hivauSzueiiea b'S zu den Kreide- felfen der Insel Rügen oder»ach KoSwiz und Dessau, und 'vtt sich mit einem bescheidevea Autfluge»ach dem Grüne- fcald begnüge» wollte, den schreckt der unheimliche Gedanke Gb, daß in diesem ausschließlich dem Sommervergnüge« ge- {öchmeten Gehölz immer noch der Möid-r der Schissj�S' lchen Eheleute weilt, und daß derselbe dem einsame» 2pa> t'ergäpger denn doch eine recht unliebsame Uebelraschung bereiten könnte. Da« menschliche Leben spielt fich wie ew Uhr» Nrudariten der Kaiser Wilhelmstraß«(unter Führung deS Re- urerungsdaumeisterS JebeuS) in kurzem Rundgang befichttgt hatte- Die Rammardeiten für die vier Brückenpfeiler find, soweit fie durchführbar waren, rüstig vorgeschritten; gegenwär- tiq droht aber eine Verzögerung dadurch einzutüten, daß über die durchaus nothwendige Beseitigung der weit vorspringenden Fundamente des unvollendeten Dombaues leider noch nicht entschieden worden ist. Die Spannweite der Hauptöffaung be- trägt über 20 Meter, die der beiden Seitenöffnunaen je über 8 Meter, die gesammle freie Durchfluß weite 38,60 Meter. Die Brücke ist dadurch bemertenSw-rth, daß fie zur Erhöhung de« freien Profils auch im Grundriß eine gewölbte Linie der pa- rallelen Wtderla�flächen zeigt, waS bei der Ausführung der weiten Bögen große Schwierigkeit darbietet. Man hat deshalb die Abficht, daß ganze B ückengewölde in kleinerem Maßitade in Gypt auSzufübren und darnach die Quadersteine endgittig b-arbeilen zu laffen. Zur Zeit wird der rechtsfeitiae Land- pfeiler bctonirt und an der Stelle deS rechtsseitigen Flußpfei- lers mit einem Vertikaldampfbagger gearbeitet. Bei dem Unken Landpleiler ist eln Pctestmannscher Exkaoator in Thätigkeit. Die Erklärungen gab RegierungSdaumetster Pinkenburg. Die neuerdings erfolgte« oder augeftrebteu Be- schränkunge« in dem Bettted der Restaurants und Gast- wirlhichaften machen die Vorschriften interessant, welche die „Flecken-, Ds>ff- und Acker- Ordnung, Signatarn Cölln an der Spree, den 16. Dccember 1702" in dieser Beziehung enthält. Da hrißt es 6 20: ,�}n den Schenken, WirthS Häusern und Krügen soll keiner doppeln oder mit Karten spielen, noch Zank oder Hader anrichten. Daferne es aber einer thut, soll der Richter oder Sckultze oder, wenn diese nicht zugegen find, der Krüger mit mehr Nachbam zusammentreten, denen muthwilligen Zänkern und Spielern doS Spiel verbieten, den Aufwiegler aver bis auf daS AmtSverhör in gefängliche Haft bringen."— § 23;„Die Wirthe und Krüger sollen sehen, wem und wie sie ihr Bier oerborgen und nicht weiter trauen als fie wissen, daß fie können dezahlet werden, auch einem Knecht nicht mehr denn vor 2 Groschen folgen laffen. Wollen die Krüger fich hierüber nicht in acht nehmen und für den Schaden selbst hüten, soll ibnen Key erbodener Klage bitiüder keine gerichtliche Hülste ge- schehen."—§ 26:„Zu rmhrer Haltung solches ArttkulS soll der K'üaer weder Unierihanen noch Knechten des WinterS über 8 Uhr und Sommers 9 Uhr eine einyige Kann« Bier mehr zapfen, noch zapfen laffen, vey deS Amt« unnachläßiger Slraffe. Denen Unterthanen aber soll, zu Behuf Frewbder und Kranken, ein paar Kannen, doch daß fie solche vor 10 Uhr abholen laffen, gefolget, und der darwider handelt, soll gestraffet werden." Bo» besonderem Interesse sowobl für das fahrende Publrkum, alS auch für die Führer von Droschken, namentlich j'tzt bei dem lebhaften Pstngst- und sommerlichen Verkehr ist vaS Urtheil, welches vom tgl. Amtsgericht I in einer Strafsache wider den Droichkenkutscher Schulz wegen Tarifüderhebung gefällt wurde. Der Sachverhalt ist kur, folgender: Ami. März d. I. hielt Schutz mit seiner D oschle 2. Kl. auf dem Droschken- balteplatze in der Herwarthstraße und wartete auf Fahrgäste. Es war Abend und ein fürchterliches Wrtler und hielt außer Schulz nur noch ein Droschkenkutscher am Platze. Gegen 12 Uhr NachtS wurden betoe von einer Gesellschaft von 10 Personen engagirt, welche ursprünglich 3 Droschken wünschte. Da aber nur 2 Droschken am Platze waren, so waren die Kutscher bereit, je 5 Personen aufzunehmen, wenn für die fünfte Person extra dezahlt werde. Diese gestellte Bedingung wurde ange- nommen und so ging denn die Fahrt von stallen, welche in der Köpnickerstratze endete und erhob Schulz außer dem tarif- mäßigen Fahrpreise eine Cxtragedühr von 50 Pf. für die fünfte Pe-son. Nach rtniger Zelt wurde er nach dem Kommtffariat für öffentliches Fuhrwrien beschieden und ihm dortseldst er- öffnet, daß er fich nach Angabe eines seiner Fahrgäste in der Nacht vom 1. zum 2. Mär, d. I. bei Gelegenbeit einer Fahrt von den Zelten nach der Köpntckelstraße einer Tarifüberhebung schuldig gemacht habe. Obwohl Schulz angab, daß er vor Beginn der Fahrt dm Fahrgästen gesagt habe, er wüide die fünfte Person mitnehmen, wenn er für die fünfte Person extra Bezahlunz erhatt«, eihielt er eine Strafverfügung über 9 M. hauptfächlich auf§ 33 de« 20. Januar 1873, welcher ist nicht verpflichtet, in . �. mehr als zwei, in eine vierfitzige mihr als vier erwachsene Personen und ein in deren Begleitung defi idlicheS Kind unter 10 Jahren aufzunehmen. Sollten mehr Kinder an dir Fahrt theilnehmen, so gelter, zwei Die Verfügung stützte fich Droschken- Reglements vom lautet:„Der Kutscher eine zwetfitztge Droschke werk ab. E« wiederholen sich nicht nur die AuS- flüge zu Pfiagsteu, sondern eS wird der wissen«- durstigen Menschheit auch mrtgetheilt, wohin fich besonder« hervorragende Mitglieder der Gesellschaft begebe», um weit ab vom Getöse der Weltstadt in lauschiger Wald- eiasamkeit die Pfiagfeiertage zu verlebm..Herr Stadtrath X reist morgen früh ab, um fich nach dort oder dorthin zu begeben," so lauten die welterschütteraden Nachrichte«, mit denen man um die Jetztzeit förmlich überschwemmt wird. Wie wichtig muß fich doch fo ein Sladtrath vorkommen, wen» er in seinem Lerdorgan diese Pusoaalaotizeu liest, und wie sehr muß er, seine ganze Familie und sonstiger Anhang von seiner eigenen Unmtbehrlichkett überzeugt sei». Boa unseren Stadtvätern lassen wir un« derartige Scherze noch gefalle», die Ehrerbietung, die trneS jeden Unterthanen Herz beseelm muß, gebietet e« u»S, daß wir stet« mit Liebe und Ergebung derjenigen Leute gedenke», welche fich mit Eifer und Treue der Erhöhung der Dividenom der Pferdebahn- Aktionäre und sonstiger kommunaler Angelegen- Helten widm»n. Doch wa« dem Stadtrath recht ist, scheint auch dem Schauspieler billig zu sein, und so lesen wir denn auch alle Tage, wohin sich dieser ober jener Mime von einer hervorragenden Bühne begebe« hat, um seine Ferien zu vei bringe«. Es ist kaum anzunehme», daß die schon an uud für sich nicht allzugeringe Bescheidenheit dieser Herr- schasten durch derartige Berichte irgendwie gedämpft würbe. Natürlich wird auch die Abreise de« Herrn Slöcker figna- l-sirt, der ebenfalls dem verjudete» und sündigen Berlin de» Rücken kehrt. Eo wird e« kommen, daß man schließlich während der Feiertage allein in Berlin sein wird, denn Alle»,„was ein bischen was ist" hat fich auf die Snümpfe gemacht. Leider sind wir in Berlin noch nicht so weit vorgeschritten wie in anderen Hauptstädte». In Pest beispielsweise, wo man be- kanntlich augenblicklich emsig mit t-awalliren beschästig ist, hat mau den B-schluß gefaßt, die A veittlosen während der Feiertage einfach einzusperren. Die Idee ist so übel Kinder unter 10 Jahren einer und drei oder vier Kinder zwei erwachsenen Perioden gleich. Eine zur Bedienung deS Fahr« gaste« gehörende Person ist der Kutscher verpflichtet, mtt auf den Bock zu n-hmen." Schulz erhob hiergegen Widerspruch und kam die Sacke nunmeh: vor dem hiestgen Amtsgericht zur Verhandlung. Die beiden männlichen Fahrgäste, welche an besagter Fahrt theilgenommen halten, wurdrn alS Z-ugen vernommen und konnten beide nur die Aussagen deS Angeklagten» daß er fie bei Beginn der Fahrt auf die Bezahlung für die Mitnahme der fünften Person aufmerlsam gemacht Hab-, be« stätigen. Demnach erkannte der Gerichtshof auf Freisprechung. In den UctheilSgründen heißt e«:„Da der Angesagte vor Beginn der Fahrt den Fahrgästen mitgetheilt habe, daß er nur vier erwachiene P-rso-en aufzunehmen verpflichtet sei die fünfte Person jedoch mit Rücklicht auf daS ungestüme Wetter mit« nehmen wolle, wenn dafür bezahlt würde, so sei dem Ange« klagten keine Tarifüberhebung nackru weisen» wenn er fich für die Mitnahme der fünften P:rson 50 Pf. habe zahlen laffen. Berechtigt sei er sogar gewisen, von der fünften Person den vollen tarifmäßigen Fah- preis zu erheben. Für den Betrieb der Dampf- Straßeubah« ist eine Polizei Verordnung erschienen, aus der wir nur die„Bestim« mungen für die Fahrgäste" erwähnen wollen. ES heißt da: Während der Fahrt darf nur an der rechten Seite der Per« sonenwagm ein- und ausgestiegen werden; die Eingänge an der linken Seite werden während der Fahrt geschloffen gehal- ten. Die Decksttze dürfen von weiblichen Personen nicht de« setzt werden. DaS Tabakrauchen ist nur auf den Außenplätzen und in denjenigen Adthetlungen deS Wagen« gestattet, welche auivrücklich als„RauckkoupSS" bezeichnet find DaS Lärmen und Singen der Fahrgäste ist untersagt. Im Janern des geschlossenen Wagen» ist den Fahrgästen da» Stehen während de« Fahren« untersagt. Paffagiere, welche diesen Bestim- mungen zuwiderhandeln, haben außer der Bestrafung die AuS« schlicßung von der Mitfahrt zu gewärtigen. DaS Aussteigen auf einen vom Schaffner alS vollständig besetzt bezeichnettn Wagen ist verboten, desgleichen daS eigenmächtige Oeffnen der Eingangsoerschlüffe an der linken Seite, wählend der Zug oder Waren stch in Bewegung befindet. Zuwiderhandlungen gegen die Polizei Verordnung werden, wenn daS Strafgesetzbuch nicht eine höhere Ahndung verlangt, mit Geldstrafe bis zu 30 M. event. mit entsprechender Haft bestrast. DaS königliche Paltzei-P-äsidium erläßt folgende Be- kanntmachuag, betaffcnd das Feithallen von Fliegcnpapi.r. DaS Feilhalten und Der Verkauf des giftigen und arsenikhaltigen Fltegenpapi reS ist nur den Bpoihesirn und den zum Handel mit Giften berechtigten Kaufleuten und Gewerbetreibenden und auch diesen nur unter dm beim Giftonkauf vorgeschriebenen Vorstchtimaßregeln, insbesondere nicht ohne Giftscheln und nicht ohne die Bezeichnung desselben mittelst eineS aufgedruckten Stempels alS„giftia" gestattet. Die Uebertrctung dieser Vor- schriften wird aus G:und deS Strafgesetzbuchs§ 367 Ziffer 3 und 5 bestraft werden. Das Cauitätswachenwese« in Berlin hat bis jetzt nach keiner Seite hin eine Aenderung erfahren, obgleich man weiß, daß sowobl der Polizeipräfidmt Frhr v. Rierlhofen alS der Berliner Magistrat dieser Angeleger-beit ein großeS JniereffeS widmet. Daß eine beffere Organisation und eine Vermehrung der Sanitätswachen dringmd nochwendig ist, wenn diese wohl- thStig wirkende Institution einen allseitigen Werth erlangen soll, ist genügend anerkannt worden. Seitdem verlautete, daß die Behörvm die Sache der Organisation in die Hand ge« nommen, hat eine Vermehrung der Sanitätswachen n.cht statt« gefunden. Es erklärt stch dieS dadurch, saß man erst daS Re« suttat der amtlichen Maßnahmen abwarten will, ehe die ein- zelnen Stadtbezirke, in denen eS an einer SamtätS wache mangelt, die Errichtung einer Sanitätswache vornehmen. Im Interesse der Einwohnerschaft wäre e» daher sehr zu wünschen, wenn fich der Magistrat in der SanttätSwachenfrage daid schlüssig machen würde. Dem Berichte über die Thätigkeit der erste« und ältesten SanttätSwache, Brüdustc. 22, für Monat Mai entnehmen wir, daß die Wache in diesem Monat den Tag ihreS 14 jäbiigen Bestehens gefeiert hat. Die Wacke wuide im Mai 1872 errichtet und hat in dieser Zeit in 7886 Fällen Leidenden diejenige schleunige Hilfe geleistet, welch- sonst während der Nacht entweder ga nicht oder nur verspätet zu beschaffen gewesen wäre. Von dem an der Wache angestelltm Personal sind noch zwei Heilgehilfen im Dienst, die bereits tm Jahre 1872 bei Er-ichtung dieser Wache angestellt norden fiid. Es find dies die Heilgehilfen Hö.'er, Postsiraße 31, und nicht, wenn die Leute eben nicht» zu thu» haben, so können sie wenigstens brumme». Besser etwas getba», wie garnichl«. Vergnügte Feiertage werde» e» allerdings wahrscheinlich nicht sei», welche diese Leute verleben. Aber auch in Berlin giebt eS eine ganze Menge von Leuten, welche dem Fest mit sehr gemischten Gefühlen entgegensehen. Bei un» faßt man die Sache je« doch etwa« kühler auf; wir sahen berspielsweise gestern»och, wie einer der Stammgäste de« DöahofS-Platze« seine Bank mit Kalmu« schmückte. Immerhin ist da« em Zeiche», d'ß viele Leute deS Lebens Ungemach mtt Ergebung zu tragen gewillt siad. Diese Leute reise» auch«icht, fie find ein« der kons«. vatwsten Elemente Berlins, stabil bis zur Unmöglichkeit. Für sie ist die einzige Forderung, die fie a» Wochen, und Festtagen stellen: schönes Wetter, damit sie»«gestört tu den Strahlen der Sonne weile« können. Aber Alle«, was sich über diesen Siand erhebt, daS bewegt sich heute uud strebt nach freier Bewegung. Man will dre Bäume seh-n, wie fie draußen grüne» und blühen, uud wie der milde Frühlingswind die glatten Flächen der Sern kräuselt. Drefi« Dränge» und Treiben ist nur allzuverständlich und begreiflich, der Mensch ist eben von Natur»icht dazu da, sein ganze« Lebe« in den steinernen Kaste» zuzubimge». Er will sehe», wie Alle« wieder neu eutfieht in verjüngter Pracht, und an dielcm Anblick will er fich selbst aufrichte», und Kraft und Muh samm ln zu neuer Arbeit, zu neuen Kämpfe». Denn fürwahr, die Zeit ist danach angethan, daß man sich sammelt und stärkt, den» die Ve- Hältnisse erfordern Männer, die an Math und Kraft g-stähit find. Wie die Rawr ihre fiegreiche Gewalr au« sich stlbst herau« hervorbunat, so wollen auch wir von derselbe» lernen, nur von»>-« selbst Hoffnung und Wiedergeburt zu erwarte». Da« lehrt un« da» PfiaöstfsstffZder Gsiir, von d m e« spricht, ist der erleuchtete Mensch.ngeist, der alle Schwierigkette» überwinden, alle Widersacher b siege» wird. I» diesem Sinne wolle« wir da« Psingstfest feiern. Winter. Alte Jakobstraße 47, denen im nächsten Jahre» gelegentlich dei lSjährigen Bestehen? der Wache, für ihre unermüdlichen und aufopfernden Dienst« leistungen Belohnungen ertheilt werden sollen. Im Monat Mai kamen in der I. Sanitätswache 62 Fälle zur Behandlung, von denen 24 innere und 38 äußere Krankheiten betrafen. In der Wache fanden 37 Fälle ihre Erledigung, während in 25 Fällen ein Besuch de? Arzte? im Hause der Patientm noth» wendig war. Seit dem 1. Juni wird die Wache Sonntag? statt um 6 bereit? um 4 Uhr Nachmittag? geöffnet, da die in der Wache geführte Statistik ergeben hat, daß an den Sonn« tagen der Sommermonate des vergangenen Jahre? während der Nachmittagstunden eine große Anzahl Fälle zur Behand« lung gekommen waren, und zu dieser Zeit Aerzte sehr schwer zu bekommen find. Eine neue Postversügvng schließt bedruckte Postkarten mit angebogener Rückantwott von der Beförderung al? Druck« lache i 3 Pf. aus. Steckt man fie jedoch in ein Kouvert, so befördert die Post die Sendung glatt für 3 Pfennig, ja man kann sogar noch andere Drucksachen bis zum zuläsfigen Ge« Wichte hinzufügen. Man fährt also unter Umständen noch bil- ltger als bisher. Der Zweck der Beschränkung ist also nicht recht ersichtlich. Preußische Klaffen« Lotterie. Am 22. Juni beginnt die Ziehung der 3. Klaffe. Die Erneuerung der Loose muß bei Berlust de? Anrecht? MS zum 18. Juni, Abend? 6 Uhr, erfolgen. Im Jnseratentheil unserer gestrige« Nummer befindet sich eine„Auffordeiung", welche dmchaus der Aufklärung bevorf. Ein Herr A. Schmidt sucht Zeugen, welch« gesehen haben sollen, daß genannter Herr Schmidt von dem DeMa- teur Herr May rücklings überfallen und zweimal zu Boden geschlagen sei. Der Vorgang spielte fich folgendermaßen ab. Herr Schmidt findet ein besondelt? Vergnügen daran, Herrn May t-r jeder erdenklichen Weise zu chikaniren. Er wird hierzu von geschäftlichen und anderen Funden d-S Herrn May aufgestachelt. AlS nun Herr Schmidt am Montag Abmd auch die Frau May beleidigte, wurde er von Herrn May hierüber zur Rede gestellt und als er fich dann auch noch ungehörig betrug, erhielt er von dem erzürnten Ehrmann eine Tracht Prügel. Zeugen de? Vorganges find überhaupt vorhanden, und hätte Herr Schmidt nicht nöthig gehabt, fich dieselben erst durch eine öffentliche Aufforderung zu verschaffen. Eine Haussuchung fand am Sonnabend Vormittag bei dem Buchhändler und Kolporteur Herrn W. JwanSly, Narmyn« straße 19, statt. Dieselbe ergab dem Vernehmen nach ein negative? Resultat. Von den Arbeiter« der chirurgische« Instrumenten« Kablik von Kettner, Neuenburgerstraße 29, find für die dei dem letzten großen Brande Verunglückten M. 12,80 gesammelt worden. Es ist ein Kollege mit der Ablieferung de? Geldes betraut worden und werden wir über die Verwendung de? Geldes später Kmntniß geben. Abzahlungsgeschäfte. ES hat fich ergeben, daß diese Art von Geschäften, welche hier seit dem Jahre 1882 ihren Sitz aufgeschlagen haben und gut flortren, nur den Zweck der Aus- beutung deS minderbemittelten Publikums verfolgen. Die Art und Weise, wie solche? geschieht, wird von allen hier befind« lichen derartigen Geschäften gleichmäßig und nach einer Schablone gehandhabt. Von einem Eingeweihten erhalten wir eine Schilverung, wie bei demZ Verkauf von Kleidungsstücken verfahren wird. Er schreibt: Ein Arbeiter oder eine Arbeiterin, welche für ihren kargen Wochenlohn einen Anzug oder einen Mantel kaufen, zahlen mehr al? da? Doppelte. Beispielsweise muß ein Ardeiter für ein Kleidungsstück zum reellen Werth« von 12 M. den horrenden Betrag von 30 M. bezahlen, nur weil er nicht in der Lage ist, diesen Betrag aut einmal ad« stoßen zu können und dabei kann man auf den Empfehlung?« karten dieser Geschäfte wörtlich lesen:„Avi?! Sie werden freundlichst ersucht, dieser Geschäft?. Empfehlung einige Aufmerksamkeit zu widmen, umsomehr fich dieselbe von einer marktschreierischen Reklame fern hält(!) deren fich eine große Anzahl Konkunensen mit Vorliebe bedient. ES ist mein hockst«? Bestreben, dem Publikum ganz reelle Waare zu äußerst billigen Preisen zu liefern und wird fich Jeder durch den Besuch meiner Verkaufssäle von der Leistungsfähigkeit und Reellität überzeugen." Unier Gewährsmann schreibt weUer: Beim Kauf und Empfang hat der Käufer den dritten Tbeil anzuzahlen(im vor gedachten Falle also 10 M), und die Ve c« pfüchtung bestimmt ferner, daß Käufer allwöchentlich auf den Restbetrag 1,50 M. abzuzahlen hat. Bezahlt ist also das Klei- dungSstück schon m't der Anzahlung und der ersten Rate. Es ist schon wiederholt vorgekommen, daß da? Kleidungsstück nicht mehr tragfähtg war, wenn die letzte, regelmäßig erfolgte Thetl« zahlung geleistet worden I Zu verwundern ist nur, daß da? Publikum einem derartigen AuSbeutesystem noch seine Hand leiht, nachdem e? genugsam erfahren hat, daß eS hier nur in der schnödesten Weise üderoottheilt wird. Auf dem Hofe der Echwartzkovs'sche« Fabrik, welche Anschlußschienen an die Geleise der G.oßen Berliner Pferde- bahn hat, werden jetzt täglich Versuche mit einem neuen Straßenbahnwagen gemacht, welcher durch Elektrizität getrieben wird. Die elettrischen Batterien befinden fich vorn und hinten auf den PerronS und nehmen sehr wenig Raum ein, so daß immer nock genügend Stehplätze vorhanden find. Abweichend von den Pferdebahnwagen defitzt dieser vier Achsen, also acht Räder. Die Versuche haben ein ziemlich gutes Ergebniß gehabt, nur beim Pasfiren der Kurven kommen wegen der größeren Zahl der Räder noch ab und zu Entgleisungen vor, welchem Uebelstande man aber durch einige Verbefferungen abhelfen zu können glaubt. Wie eine Lokaltorrespondenz erfährt, steht der Elfinder bereits mit einer hiefigen Straßenbabn Gesellschaft, welche auch den Oberbau de? Wagen? g- liefert hat. sowie mit einigen anderen deutschen Lokalbahnen behufs Einführung derselben in Unterhandlung. DaS Geschäftsjahr der städtischen Feuersozietat pro 1. Olioder 1884/85 hat fich nach dem Verwaltungsbericht de? Magistrat? wesentlich ungünstiger gestaltet, als das Vorjahr. Obwohl die Anzahl der entstandenen Hausschäden, welche ver. gütet worden, fich nicht ganz in dem Maße vermehrt hat, wie es im Vorjahre und auch im Durchschnitt der letzten zehn vor« angegangenen Jahre der Fall war, dieselbe ist immerhin von 647 auf 675 gestiegen, so ist auch die dafür gewährte Entschädigung eine veihältnißmäßig weit höhere gewesen, al? die des Vorjahre?. Die GesammtentschäSiaung betrug pro 1884 85 719792,24 Mark, gegen da? Vor- jähr mehr 160 191,28 Mark. Die Total. Versickerungssumm« sämmtlicher Gebäude von den unterhalb de? Weichbildes de« lezenen, bei der städtischen Feuersozietät verficherten 19 385 GrundstücklN— nicht m toerstchert find die kal. Echlöffer, die Theater und die Gebäude d-S Staat,? und de? Reick»?— betrug am 1. Oktvbir 1885 2 286 530600 Mark. Im Ganzen fiad ia der Zeit vom 1. Oktober 1884 bis Ende S-ptember 1885 im FruersozietätSbureau 2416 Feuer gemeldet worden. Für 675 dieser Brände. 28 mehr al« im Vorjahre, inkl. 9 Schornstein«, 61 Gardtnenbränd«, 8 Blttzst.ahlbe'chävigungen und 8 Leucht- gaSexplostonen. hatte die Feuersczietät Vergütigunaen zu leisten, und deläust steh die G.sammtsumme, wie bereits oben angegeben, auf 719 792,24 Mark. Die Gesammtkosten betrugen inklufioe den Beitrag zu den Kosten deS Feuerlosch- mes'Ns und deren Feuerwaebtgebaude in Summa 1259 455 43 Mark. Zur Deckung dieser Summe ist ein Beitrag von o'/- Pf- vro Hunde t der am 30 September 1885 vorhandenen Ver» stckerunasiumme und zwar von 2 286 530 600 Mark überhaupt 1269890,55 Mark auSaeschrieben worden. Die Gesammt« Einnahme betrug 2080 271,42 Mark. Im Durckschnitt waren im Jahre 1883,84 pro Brandschaden 864 Mark, im Jahre 1884/85 pro Brandschaden dagegen 1 066 Mark Entschädigung zu zahlen. Die größten Brandschäden fanden statt am 25. November 1884 auf dem Grundstück der F. Wöblert'schen Maschinenbauanstalt mtt 170 395 00 Mark und am 27. Januar 1885 des Brauerei-Direktors Habel, Bergmannstraße 5—7 und Tempelhoser Berg mit 130795 99 Mark. Zur Heilkunst deS„Doktor" Clauß können wir noch mtt einigen intereffanten Etr zeiheiten aufwarten. Der edle Menschenfreund gab fich dei seinem Patienten die denkbar größte Mühe. So war er stets in hötsteigener Pe.son beim Baden zugegen, angeblich, weil er gleich nachher den Puls deS Kranken fühlen wollte. Dann ordnete er auch ein kräftigendes Frühstück an, bei welchem Kaviar und Portwein nicht fehlte URd an dem der Herr„Doktor" so gnädig war, selbst äußerst aktiv thetlzunehmen. Wie weit die Fürsorge für seinen Patienten ging, ersteht man auch daraus, daß er fich gem er« bot, nach Beendigung der Kur ftinen Schutzbefohlenen auf einer diesjährigen Seereise nach MiSdroy zu begleiten,— natürlich auf deffen Kosten: B,i einem so freundschaftlichen Ver- hältniß, wie eS unter solchen Umständen fich naturgemäß herausbilden mußte, nimmt es denn nicht Wunder, wenn der Doltor Eisenbart, pardon!„Doktor"' Clauß seinem Patienten zur Erinnerung auch sein Konterfei dedizire! Der Aermste hat es allerdings theuer genug bezahlen müffen!— Al? einmal deffen Frau den Wunderdoktor besuchte, zeigte er ihr eine Reihe von Kostbarkeiten, Säulen, Figuren und ähnliche Dinge, die er zum Andenken von„geheilten" Patienten bekommen haben will. Uebrigen? hat er nicht immer seine Medikamente mitgebracht, einige Male bat er auch selbst Rezepte geschrieben! Wir haben in dieselben Einficht genommen und dabei al? auf- sällig demerkt, daß in der Unterschrift nur der Doktortttel sehr deutlich zu lesen war, während da? Ucbrtge ebenso gut auch Schulze heißen konnte. Früher hatte Clauß ein Schild an seinem Hause, auf welchem er„Dr. med." fich nannte. Nachdem er jedoch von der hiefigen Sttafkammer zu 100 M. verurtheitt worden war, zog er e« vor, da? ihm nicht gebührende Schild zu entfernen. Jetzt prangt ein solche? nur noch an der Thür seiner Wohnung. Seine Hauptkunst, sowett wir in die Mysterien derselben eingeweiht find, desteht darin, daß er seinen Patienten zu imponiren sucht. Da? gelingt ihm auch in der Regel dermaßen, daß einer derselben, bevor ihm fteilich nock geholfen war. etwa? voreilig erklärte:„In dem „Doktor" Clauß ist ein Engel in Menschengestalt auf die Erde gekommen!" Und er selbst äußerte allen Ernste?:„Sie müssen mir vertrauen und an mich glauben wie an Jesum Christum." Da er schon bi? zum HauSbefitzer eS gebracht hat, so kann auch er, wenn ihn Jemand fragt, ob seine Methode hilft, gleich einem seiner„Kollegen" antworten:„Warum denn nicht? Mir wenigstens hat st« geholfen!" „Maien, Maien, Maien!" Diese Rufe«schollen gestern schon in der frühesten Morgenstund« und es währte auch nicht lange, so sah man Neubauten, Kellnhälie, Fuhrwerke, Läden und and«e Gegenstände und Räumlichkeiten mit dem herz- erfrischenden Grün der Birken geschmückt. Mit mächtigen Wagenladungen waren sie Landleute au? der Umgegend nach Beilin gekommen und„reißend" ging der Absatz von statten. Daneden gestaltete fich der Verkauf von Kalmu? recht flott, der ebenfall? in großen Massen nach Berlin gekommen war. Wie manche schöne Baümpattie mag arg von den Maienhänd« manch« dieser„Pstvgstläuder" von den l«n mitgenommen, wie...... wachsamen Forst deamten„abgefaßt" worven sein! Wenn man steht, wie d« robuste Steinträaer oder Maurer auf dem Bau, der Droschkenkutscher, oder der lemschrotige Bkrfahrer fich od« sein Gesähtt mtt dem jungen Birkenrei? schmückt, so wird die vielfach aufgestellte Bebauptung widerlegt, daß in den arbei« tenden Kreiden der Sinn für die Natur und ihre Schöpfungen Overloren gegangen sei. Gerade hier findet man oft mehr istische? Ge'ühl, al? in den Kreisen d«„oberen Zehn- tausend". I« de« Gratweil'sche« Bierhalleu fand gestern Abend da? nfte Garten» Konzert bei überfülltem Hause statt und können wir diese Konzerte unseren Lesern besten? empfehlen. Der Mann, welcher nach uns«« gesttigen Mtttheiiung ErpreffungSbrtefe an vier Hedeammen geschlieden hat, ist gestern in der Person de? Zigatrenmacker? Zwetschky verhaftet wotden. Derselbe ist in den Jahren 1882 und 1883 wegen gleicher Vergehen destraft und erst am 16. d. M. au? der Strafanstalt entlasten worden. Zwei Unglücksfälle durch Ertrinke«, welche fich gestern Nachmittag am Lanowehr- Kanal ereigneten, mögen den Eltern ic. zur Warnung dienen. Der fünfjährige Knabe Kalbow, welcher mtt zwei gleichaltrigen Knaben am May- dach- Ufer entlang ging. fetzte fich gegenüber! dem Grund- stück Görlitz«- U/er Nr. 21/23 auf die Waffe, treppe und hielt die Füße inß Waff«. Hierbei stürzte«r kopfüb« in den Kanal und«trank. Ein gleiche? Schicksal ereilte den 8 Jahre alten Knaben Ruttel, welcher fich obnhalb der Bärwalddrücke vom Kohlenufer oui auf die Wassertreppe begeben hatte, wahr« scheinlich um Fische zu fangen. Nur die Leiche de?«steren Knaben ist bi? jetzt gefunden worden. Der Mörder der Schiffltng'sche« Eheleute ist noch immer nicht ergriffen worden. Möglicherweise ist, wie e? jetzt auch in dem von amtlicher Seite den Zeitungen zugestellten Berichte beißt, der dishrrige Mißerfolg der Nachforschungen der Gewiffenlofigkeit desje-igen Berichterstat!«?, der die falsche Nachricht von sein« Festnahme den Z-itungSredaftionen zuze« tragen hat, zuzuschreiben, denn den Beamten und Agenten, welche gestern in der Umgegend von Berlin Nachfrage Kelten, wurde allerwärt? entgegengehalten, daß der Thäter ja bereit? ergriffen sei. Urbrigen? scheint die Annahme der Kriminal- poiizei, daß Keller durch den Grunewald in der Richtung nach seinem letzten Aufenthaltsort Oder Glauche bei Halle fich ent sernt hat, zuzutreffen. Vorgestern Mittag um 1 Uhr h«t ein Mann, auf welchen die Beschreibung und Kleidung deS Mör- der? genau paßt, und welcher auffallend verstört aussah, fich bei dem Förster zu Wannsee ein Butterdrod geben lassen. Dieser Mann ist auch noch von anderen P«sonen am Schlach tensee gesehen worden und trug eine neue seidene Mütze. Nach Äuisage eine« mtt dem»c. Keller genauer dekannten Stall- manne? W. ist der Mörder auf beiden U ter armen blau tSio- wirt und zwar ist auf dem linlen Arm die Jahreszahl 1884 und auf dem rechten ein H«z, sowie die Anfangsbuchstaben feine? Namen? eingegraben. Für Lebensmüde. Die deutschen Kolonialottetn« mtt ihren längnen od« kürzeren geographischen Beinamen ent« wickeln augenblicklich eine große Rühilgkeit im Anpreisen ihr« entdeckten od« noch zu entdeckenden Länder in Afrika, Poly> nefien u. s. w. Selbst„amtliche Betichte" müffen herhalten. In dem einen Bericht wiid die Frucktbarkett de? Landes, d« Reichthum an Vieh und Wild, die Ergiebigkeit d« Er, lag« gerühmt. In einem nächsten wird dies« Theil dei Bildet vorfichtiz übergar gen, dagegen daS Klima, die Kullmfähigkeit deS LodenS und die Sanftmuth der Bewohner gepriesen. In der an ein Hamdura« Hau« von seinem dortigen Agenten neuerding« eingetroffenen Schilderung der Herrlichketten in Kamerun und in Angra Pequena heißt es sogar rrörtlich: „Sie dürfen es mir glauben, dt« lebt fichS selbst süi Europäer ganz prächtig» zumal einem das Sterben so auß«ordentttch leicht gemacht w'rd..." u. f. w. Da» Marunge'sche Möedetpaar soll zu lebenslänglich« ZuchtbauSstrafe begnadigt sein. F au Marunge wird nach dem Zuchthause zu Sonncnburg(?) üdersühtt werden, während ihr Sohn hl« und zwar im Moabit« Zellengefängniß v« bleiben wird. Heber ein neue« verbrechen wird uns berichtet: In der Gemarkung von Neu. Glienicke, und zwar aus dem vom letzteren Orte nach dem benachbarten Sac-o-v führenden Wald' wrge wurde vorgestern Nachmittag da? 10jährige Töchterchen eine? Arbeiters Rennebarth au? Neu- Glienicke von einem Strolche überfallen und in schändlich« Weise gemißbr nicht. Dem Kinde gelang e?, dem Unholde zu entstieben und seine« zwischen Neu- Glienicke und Sacco in ein« Grube beschäftig« ten Vater in Kenntntß zu setzen. Der Besttzer d« Grude de- auftragte sofort drei sein« Arb'it« mit d« V«folgung. Die- selben wurden auch bald de? Thäter? gewahr und e? gelang ihnen nach länge«? Verfolgung durch den Wald, den Unhold aul einer in die Havel hineinragenden Landzunge unt« eine« Gebüsch versteckt aufzufinden und dingfest zu machen. D« Verbrecher ist ein junger Mensch von ca. 25 Jahren. Obwohl der Strolch, der über seine Person jede Auskunft verweigerle» die That vollständig abzuleugnen»«suchte, so«folgte doch seine Verhaftung und Uedersührung in daS Amts» gesänaniß. Ein schrecklicher Anblick bot fich d«„Stbgr..Zta." zu« folge Frettag, Nachmittag? in der vierten Stunde, den Passanteri der Parochialstraße. Die Frau eines Produktenhändlers, welche mit ihrem Manne nebst kleinem Kinde alte Glaib-ockm vom Bieroerleg« abgeholt hatte, war beim Abladen behilflich, indem fie mit einer Lampe leuchtete und dabei das Kindchen auf dem Arme hiev. Plötzlich überschlug fich daS Kind, die Mutter ließ vor Schreck die Lampe fallen und im Nu stand ste am ganzen Leide in Flammen. Zwar gelang eS dem Manne, ihr daS Kind zu entreißen, die Mutter aber rannte in brennende» Kleidem auf die Straße. Der im Nachdarhause wohnende Glasermeister Schulze stürzte fich sofort auf fie uud suchte die Flammen mit den Händen zu ersticken; doch gelang ihm die? nicht, da die Frau fich in ihrer Angst loSriß und wetter lief. Nun suchte d« in der Klost«straße wohnende Klempnermeister Bergmann die Frau aufzufangen, welchem die? auch mtt Hilfe de? Publikum? gelang, so daß j-tzt endlich die Flammm ge« löscht werden konnten. Aber die unglückliche Frau hatte schon entsetzliche Brandwunden davongetragen und mußte mittelst Krankenwagens in ein Krankenhaus geschafft werden. Polizei- Bericht. Am 11. d. MS., Vormittags, wurde auf dem Grundstück Liitzowstr. 82 ein unbekannt« etwa 30 Jahre alter Mann schw« krank vorgefunden und mittelst Droschke nach der Charitee gebracht. Neben ihm lag eine zerbrochene, mtt Köpfen von PhoSpbor-Streichhölzem gefüllte Schnaps- flasche.— An demselben Tage Nachmittag? stieß die im K-ller de? Bierverleger? Schulz, Parochialstr. 22, beschäftigte Arbeiter' frau Liese unvorfichtigerweise eine brennende Petroleum-LaayX welche in Folge deffen explodirte und ihre Kleid« t« um, Brand setzte. Diese erlitt so schwere Brandwunden, daß fir mittelst Krankenwagen? nach der Charttee gebracht werde» mußte.— Zu derselben Z:it wurde der Tapezirer-Lehrlins Pfeffer in der FitedrichSstraße in Folge eigen« Unachtsamket» von ein« Equipage überfahren, aber nicht erheblich»«letzt." Am Nachmittage fiel ein 8 Jahre alt« Knabe von ein« Trepi>' de? Kohlen-UferS an der Bärwaldstraße in die Spree— und ein 5 Jahre alter Knabe von einer Treppe am Maybach Ufck in den Landwebrkanal. Beide ertranken.— Zu derselben Zt» versuchten zwei Mädchen vor einem Hause am Schifibcuerdam>» fich zu ertränken, wurden aber gerettet und nach der Charit« bezw. ihr« Wohnung gebracht. Gerichts-Zeiwng. Eine Anklage Wege« MajeftätS-veletdtguug. welch« wie so viele ihresgleichen lediglich aus der Denunztatiorswtü? feindseliger Nachkam und Nachbarinnen hevorgegangen, beschäftigte vorgestern die 2. Strafkamm« deS Landgerichts u- Der bei den Königlichen MunittonS-Fabrtken auf dem Eis- werd« bei Spandau veichäittgte Arbeiter Hawraneck war des obig«» Vergehens angeklagt. Der Angeklagte ist Eiaenthümer deSGrerno- stücks Scharfrichtrrei 5 in Spandau; mttd« Pächterin desselben, der HandelSfrau Gerecke, hatte er f. Z. prozesfirt und dies« Proz-I war zu Gunsten d« letzteren entschieden worden. Am 29. Matt v. I. empfing Frau H. die Ausfertigung de? zu ihrem Gunste»! lautenden Zndurtheil? in diesem Prozeß und unmittelbwl darauf«schien ste auf dem Hofe de? von ihr gepachtete« Grundstücks, um dm Eigenthümer und Verpächter Hawrar> aufzufordem, eine vo? dem leylnm begonnene Aufräumung» arbeit sofort einzustellm; dabei berief fie fich unter Hin»*» auf da? ergangene Urtheil auf ihre Äerechlsame. Hawrat*« der sehr harthörig ist. soll nun bei dies« Gelegenheit mit W zug auf da? qu. Urtheil eine Aeußerung gethan, die angebt� eine MajestätSbeleidigunz involvtrt. Eine Anzahl von Z ugi»»'? legten ihre Aussagen auch in diesem Sinne ad; andere#} aber kam zur Sprache, daß die Hauptbelastungszeugtn den Hawraneck gedroht, fie werde nicht eher rulrj al? bis fie den Hawraneck hineingelegt und � Grunde belichtet."— Zum größten Leidwesen der dem 7., geklagten feindlich gesinnten Angeber erachtete der Gin*' indessen eine Beleidigung der Person de? LandeSberrn oW� nicht für vorliegend. Demgemäß lautete da? Urtheil auf v' sprechung. BreSla«. 10. Juni.(Nachklänge zur StreikbelvegÄ� Die Töpf«gisellm Paul Frenzel, Alois Altwann urr# � Schaff, genannt Klose, sowie die Mauter Karl Mide, Heinze und Franz Gottwald, sämmrüch von hier, stand«*"jn- vor der Strafkamm« I de? hiefigen Landgericht? unter d% u# klage, e? am 11. Mai vorigen Jahrn?, zu ein« Zeit. ein allgemein« Streik der Töpfer in Szene gesetzt z sollte, unternommen zu haben, mehr«e Genossen D ohunzen vom Arbetten abzuhatten. Durch die Auisag}�,,. Zeugen wurden nur Frmzel und Milde hinreichend 1%; Der elftere hatte al? er einiger Töpfer, die in dem v 7 MatthiaSplay 20 arbeiteten, anfichlig wurde, ausgerufen die Kerl? mtt dem Richtscheite heraus| Sie sollen ntckl, betten, ste sollm streikm!" Und Mild: hatte denselben L.% zugeschrien:„Ihr Lumpen braucht nicht zu arbeiten- A müßt streiken!" u. s. w. Der Staatsanwalt beantragt« ,, halb, Frenzel und Milde zu je 2 Monatm Gefängniß 3» jy! rmheilen. die übrigen Angeilagten dagegen freizulprc«�.� Gerich'.Shof erachtete gegm Frenzel und Milde eine Get«'«.� strafe von 3 Monaten für angemessen. Die anderen ote« gellaaten wurden freigesprochen. Düsseldorf, l0. Juni. In der heutigen Etrafkaw.�z fitzung wurde gegen einen Kaufmann au? Köln wegen w Verbrechen? gegen§ 176 de? Strafgesetzbuche», da» Eismdahnkoupee gegm ein dreizehnjährige? Mäbch«" hatte, unt« Ausschluß dn Oeffmtlichkett verhandelt, jll- geklagt« war gegm Stellung einer Kaution von�ld�.»« s. Z. au? der Untersuchungshaft mtlaffm worden, aber nun sofort wted« verhattet, da da? Uttheil am Monate Zuchthau? und fünft ihrigen Verlust der Eh« lautete. her? Brün«, 10. Juni. Vor dem Schwurgerichte ein intrreffanter Prozeß weam Gattenmorde? feinen Die Häutlerin F.anzrSla Sedmara au? Bmky bei& 35 Jahre alt, lebte mtt ihrem etwa 50jähriaM M �» stetem Z vist. Bei ein« Hochzeit lernte ste den blos' Lutschen Franz Kozelek kennen, und e? entspann st time? LtedeSverhältniß. Die Eedm«a»«sprach dem» die Heiralh, Hau? und Hof. wenn ihr Mann ,,««"& ES wurde verabredet, diesen zu beseiiigm. jeS»? sollte der Mord ausgeführt w«den. Vorher degavst Franziska Sedmeta nach dem nahen Wallfahrtior um vorerst für das Seelenheil ihre? dem Tode Gatten zu beim. Kozelek begleitete den 5k,� Heimrv«S�'> nowttz nach Hause UNS stieß ihn während des H g�et« WSSABM«» erkannt und Kozelek zu 14, Franziska Seduwra Zu schweren Kerkers verurtheitt. k Die Tourvüre vor Gericht. Darf fick die LeibeSpfSn« g einer Dame auch auf ihrem Onl de Paris erstrecken? Diese litzlich« shrage hat jüngst ein Wiener Gerichtshof zu Gunsten deS hartbevrangten schöneren Geschlechtes entschieden. Ei halte Jemand wegen einer ziemlich beträchtlichen Schuld ein Ehepaar beim dortigen Handelsgerichte verklagt, und so lehr er fich auch bemühte, ei gelang ihm nicht, zu seinem Gelbe zu kommen, denn dai Ehepaar besaß nichts, wai die Forde- nmg deS Gläubigers gedeckt hätte. Da erfuhr er eines Tage«, daß die Gattin seine» Schuldners eine ziemlich beträchtliche Summ« in ihrem— Col de Paris eingenäht fcatr. Darauf schrieb er ein Gesuch an das kompetente Gericht, worauf er seinen Verdacht zu Papier brachte und den Aufenthalt deS Geld«» fein säuberlich und mit allen Details der Oertlichkeit beschrieb; da» Gesuch gipfelte in der Bitte, an der Schuldnerin mit dem werthvollen„Ausstattungsstück" unter Zuziehung einer ehrbaren und diskreten Frau eine LeideSpfänvung, wie für solche im Gesetze vorgesorgt ist, vornehmen lasten zu dürfen. Allein da» Handelsgericht erkannte zu Recht: eine Leibeipfän- dung könne fich niemals auf einen Crü de Paris erstrecken, sondern habe gewiste Grenzen der Oertlichkeit und Wohlan- ständigkett einzuhalten— und wieS daS Begehren des Klägers zurück. Somtt wäre also eine recht geräumige Tournürr in gewiffen Fällen bei weitem dem festesten Ärnheim vor- zuziehen._ Soziales