Nr. IST Mittwoch, de« 16. Juni 1886. III. Jahrg. crliurNKMI! Brgan für die Interessen der Arbeiter. Nilkiwirthschastliihe Symxlmk. Die Auswanderuna hat abgenommen, wenigsten» Iber die deutschen Häfen. Während man früher in Ham> bürg und Bremen Hunderttausende von Autwanderern zu» sammenströmen sah, beschränkt sich die Auswanderung heute auf wenige tausend Meeschen, nnd die Schiffe der großen Rheder erqcfellschastsn leiden nicht mehr an Ueberfüllung. E< gab eine Zeit, da man, wenn man nach Amerrka fahren»ollte, sich feinen Platz beim Bremer Norddeutschen Lloyd oder bei der Hamburger Packetfahrt-Akiiengesellschaft vwa einen Monat vorausbestellen mußte, wenn man überhaupt mitkommen wollte. Do» ist jetzt nicht mehr nöthig; »an bekommt Platz genug. Die Auswanderung hatte ferner Zeit bekanntlich solche Dimensionen angenommen, daß man in verschiedenen Kreisen davor erschrak und auf den Gedanken verfiel, ein Gesetz zur Beschränkung der Auswanderung zu machen. Man wollte allen den Leuten, die noch irgend welche Verpflichtungen in der Heimath hatten, die Auswanderung verbieten. Zndeffen ließ man diese mittelalterliche„Idee* denn doch wieder lallen und e» kam keine bezügliche Vorlage in einem Par» lamente zum Vorschein. Mit der Beschränkung der Aus- Wanderung wäre man wieder in die vormärzlichen Zustände zurückgekehrt. Früher war bekanntlich die Auswanderung keineswegs frei, und es gab in Deutschland kleine Territorialgewalt, ge, die ihren llnterthanen die Auswanderung bei Todesstrafe verboten. Sie wollten den llnterthanen die Auflagen, die sie zu leisten hatten, nicht klaffen, und hielten deshalb alle AuiwanderungSlustigen �sbrttlich fest. Zndeffen auch in der Zett des„konserva- S®** Hauches* ist so etwa» nicht mehr denkbar und die » kiner Beschränkung der Auswanderung fand so wenig , daß eine Verwirklichung derselben undenklich «schien. , Man suchte für die damals so mächtig anschwellende «»«Wanderung alle möglichen Erklärungen und verstieg sich den abenteuerlichsten Behauptungen, statt die Gründe seser Erklärung einfach in den pol tischen und wirthschaft» n�en Zuständen zu suchen. Der industrielle Arbeiter, der uVc. ben Ozean fuhr, glaubte eben drüben Be» Ichäftiguag und lohnenden Verdienst zu finden, ®al ihm hierorts abging; der kleine Geschäft»- wann fuhr mit seinen letzten Bnarmitteln hinüber, um drü- j?».irgend etwa«' anzufangen, und der Bauer, den seine Scholle nicht mehr ernähren konnte, verkaufte sie, um mit kargen Erlös sich drüben in Amerika ein andere« Grundstück zu erwerben, da» ihn besser nähren sollte. Wie ®'«e Hunderttausende sich in ihren Erwartungen getäuscht besehen haben, läßt sich nicht Übersehen; e» werden ihrer N&nw MtMnL] JeuillÄon. Eine Matter. Roman von Krtedrtch Serftäcker. (Fortsetzung) Jeremias athmete tief auf. Wie der Vorhang fiel, � e» ordentlich, als ob ein Alp von seiner Brust ge» "'« c-t— as~____ � �rdet, er tonnit cmuiu« ww#* .enutch Luft schöpfen, und ein eigene», merkwürdige» Ge» S, Durchzuckte ihn, als er dabei die verschiedenen, aber �mmmilich günstigen Urtheile über den neuen Hamlet »Na, nu seh' einmal ein Mensch an; wer hätte da» T�ebe zugetraut;? Nicht gemuckst hat er bi» jetzt, und als ob et nicht Drei zählen könnte, und nun rückt ui) einmal mit dem Hamlet betau».* itl,' ft�CT ber Hanbot hätt' ihn doch besser ge» ek*. 4* so viel, nicht die Probe; geschrien hätf er aber der verfluchte Kerl sah ordentlich wie ein ,�'3a, da« war nicht»,' sagte da ein Anderer,„die dem Geist kann ein Zeder spielen, die spielt fich an,r*—«ber nachher wollen wir einmal sehen! Mein "%%&'» nicht.* u,»««b wo«, er macht'S so gut er kann," meinte *n einer Hinteren Bank, und wer weiß cht i?*' wann er die Rolle Übernommen Hot? Der Hanbot %r,**4 aus dem Zettel.' »Wo« nur dem heute fehlt?" �»öthien? Er hat wieder'was zu viel— der Cham» wirb hau; gut geschmeckt hoben!' »nl chm nur noch Jemand'wa« borgt I Mir ist er bu-d-rtfünfziz Thaler schuldig- da« ist ein Mget'Ä*" aber eher mehr denn weniger sein, al« man vermuthet. Der Herr Reichskanzler meinte einmal, die Auswanderung sei ein Zeichen von Wohlhabenheit, denn wer nach Amerika fahren wolle, der müsse doch Geld haben. Nun, wenn da« schon Wohlhad.nheit heißt, wenn man den PaffazierpreiS für« Zwischendeck nach Amerika bezahlen kann, so hätten wir in Deutschland allerding« viel wohlhabende Leute. Aber e» kommt in Bettacht, daß die Auswanderer eben Alle« zu Geld machen, selbst ihre letzten Habseligkeiten verkaufen müssen, wenn fie weggehen, und wenn fie im Besitze deS Erlöse» find, so kann man daS von NtchtSwegen nicht Wohlhabenheit nennen. Heute drehen unsere offiziösen Blätter nun den Spieß um. Die Auswanderung hat abgenommen und daraus folgern fie, daß im Lande nicht die geringste Unzufriedenheit herrsche und daß unsere wirthschafllicherr Verhältnisse, sowie die politischen zufriedenstellend seien. Da» ist ein sehr gewagter, ja gänzlich unberechtigter Schluß. Wenn Nie» manb einen Grund zum Mißvergnügen hat, warum beschweren fich die Herren Konservativen dann immer über die Lage der Landwirthschaft? Die fort« schreitende Verschuldung be» Grund und Boden«, die eine Thatsache ist, dürste denn auch den Bauern kein Vev gnügen machen, und die niedrigen Kornpreise, die in der sinkenden Konsumtionskraft der Massen ihren Grund haben, auch nicht. Wie et mit den Arbeitern aussieht, davon sprechen die zahlreichen Stteik«, die doch auch nicht au« Muthwillen unternommen werden. Daß die Auswanderung abgenommen hat, kommt zum großen Theil daher, daß die Elemente, die Mittel und Lust zum Auswandern hatten, eben ausgewandert sind, und so schnell wächst eine neue Generation nicht nach. Ohnehin ist die AuSwanderungSlust auch sehr gezähmt worden durch die Nachrichten, die au» Amerika kommen von Solchen, die drüben eben auch nicht vorwärt» kommen konnten. Manche kamen zurück und verbreiteten die Anschauung, der Geschäftsgang sei drüben auch nicht besser, wa» ja an fich richtig ist. Eine starke Auswanderung beweist immer, daß die hei' mischen Verhältnisse Übel sind; indessen au« einer mittel'. mäßigen Auswanderung den Schluß ziehen zu wollen, e» fließe daheim Milch Milch und Honig, wie einst im Lande Kanaan, da« ist ganz verfehlt. E« wird auch Niemand die erwähnte» Tttaden osfiziöser Blätter ernst nehmen wollen; jeder kann ja selbst sehen, wie e« bei uns steht. Politische Urderstcht. Von der Rothwendtgkeit der Vermehrung der Ka» briktuspettoren haben wir unsere Leser schon zu wiederholten Malen überzeugt. Der Reichstag hat nun vor einiger Zett bei „Da ist der Rebe ordentlicher, der bezahlt Alle«, wa» et laust.' „Ja, aber er kauft nicht»," lachte ein kleiner, dicker Mann;„der arme Teufel hat immer kein Geld...' „Bst, et geht wieder an I"— Da» Gespräch war abgeschnitten. Oben auf der Bühne hatte indessen eine andere Szene gespielt, und kaum fiel der Vorhang, al» der Dttektor, ordentlich verlegen, auf Rebe zukam und, fich die Hänve reibend, sagte: „Nun, Herr Rebe, ich gratulire I E«— es geht ja recht gut. Ich— ich muß Ihnen gestehen, ich— habe da« nicht erwartet." „Sie glaubten, ich würde durchfallen, Herr Direktor?" .Sufrrchttg gesagt,;a; da» Schwierigste haben Sie freilich noch immer vor sich, aber bei einer so plötzlichen Uebernahme einer Rolle ist da» Publikum auch immer rücksichtsvoll genug, ein Auge zuzudrücken Ich hoffe doch jetzt wenigsten», daß wtt das Stück zu Ende bringen." „Woran Sie bi» dahin gezweifelt haben. E« freut mich wenigsten», Herr Dttektor, daß Sie, wenn ich morgen Haßburg verlasse, kein so harte» Urtheil über mich fällen erden, al« da» bisher der Fall war. Ich habe Ihnen doch wenigsten« bewiesen, daß rch nicht Mo» zum Stühle» hinaustragen zu verwenden bin, und daß Sie mir die Rolle be» Güldenstern mit recht gutem Gewissen hätten anvertrauen können." „Mein lieber Herr Rebe"(„lieber" Herr Rebe hatte er ihn noch nie genannt), sagte der Direktor wirklich etwa» verlegen,„es— thut mir in der Seele leid, daß wir e» nicht stüher einmal mit einer etwa» bedeutenderen Rolle versucht haben I Halten Sie fich nur heute Abend tapfer; da« Publikum ist noch merkwürdig still, aber verlieren Sie den Muth nicht, e» gebt doch vielleicht noch gut.' „Mit ein klein wenig Nachsicht hoffe ich mein Versprechen zu lösen," sagte Rebe;„aber da» Orchester beginnt schon wieder. Entschuldigen Sie, Herr Direktor, ich komme nachher von der andern Seite und möchte noch ein Blick in meine Rolle werfen." „Bitte, lassen Sie fich um Gottes willen nicht stören!' Berathung des Ardelterschutzaesetze» eine Resolution gefaßt, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die Zadl der Inspektoren unter thunlich fter Verkleinerung der AufstchtS- bezirke überall dort vermehrt werde, wo fich das B e d ü r s n i ß zu einer solchen Maßregel herausstelle. Die Sosialdemokraten, welche eine Arbeitsorganisation in ihrem Entwürfe vorge- schlagen hatten, stimmten gegen diese Resolution, weil diesetde alS Abschlagszahlung allzu winzig und in einer Form geHallen ist, daß selbst der BundeSrath beim besten Willen damit nichts anzufangen weiß. WaS nämlich die Resolution verlangt, da» können und wervcn die Einzelstaaten von selbst thun. Wenn der Reichstag nämlich nicht anerkennt, daß ein Bedürfniß vorhanden ist, wenn er von einer„t h u n l i ch st e n" Verkleinerung der Bezirke spricht, so sagt fich der BundeSrath ein- fach, daß ein solcher„Druck", der gar kein Druck ist, auf die Einzelstaaten mindesten» höchst überflüsfig ist. In dieser Ein- ficht hat er auch die Resolution in seiner letzten Sitzung abge- lehnt. Er hat fich dadurch nicht unfreundlicher der Arbeiter« fache gegenüber gezeigt, alS die Majorität de» R-tchStagS. /ö W x � Ort—-—--—»----- JJ Sie Lobhudlerin aller Polizeimaßnahmen ist die „BaugewerkSzeitung" deS Herrn Baumeister Feltsch. In seinem neuesten Artikel über die Arbeiterbewegung im Bau» gewerbe bildet fich Herr Felisch wirklich ein, daß die Maß- nahmen der Regierung Berlin„vor höchst gefährlichen Störuraen" behüten, wie fie in den Nachbarländern heroorge» treten find. Wenn Polizeimittel und Versammlungiverbote eine Garantie für Ruhe und Ordnung waren, so müßte da» von den Anarchisten unterwühlte Rußland da» glücklichste Land auf Erden und der russische Kaiser der geficherteste Monarch in Europa sein." Da»„Verl. Tgdl." und die„Freis. Ztg." deS Herrn Eugen Richter liegen fich wieder einmal au» Brodneid in den Haaren. Da»„Verl, Tgbl." schrieb am Sonntag:„Seit setner Begründung hat ein vom Abg. Eugen Richter ge- letteteS Blatt fast täglich ein Interesse daran gefunden, die verschiedensten Organe der Presse anzurempeln und ohne Unterschied nicht allein die gouoemementalen, ultramontanm und nationalliberalen, sondern auch die meisten hnvonagenden freifinnigen Zeitungen mit nicht immer rein» licher Polemik zu bedenken. Wir selbst haben e» ver- schmäht, dem Richter'schen Blatte, da» fich gern oll offizielle» Organ der deutschfreistnnigen Partei aufspielt, fich aber schon zu wiederholten Malen eine Verleugnung durch andere maß« lebende Führer der parlamentarischen Fraktion der Deutsch- leistnnigen zugezogen hat— wir haben e« verschmäht, diesem blatte und feinen ungehobelten An, apfungm gebührend zu antworten. Nicht au« Rücksicht auf Herrn Eugen Richter, sondern im Interesse der liberalen Sache(da« lügst du. liebe» Tageblatt!), da wir wohl wissen, daß da« Waschen schmutziger Famtlienwäsche(also doch?) vor allem Publikum nur dem Dritten, hier dem gemeinsamen reaktionären Gegner, zur Genugthuung und Freude gereicht. Diese» unser Verhalten ist von hervorragenden Mitgliedern der Partei ge« Der Dttrktor war die übertriebene Höflichkeit. Er kannte fich selber nicht wieder, und Peter« ging immer hinten auf dem Theater auf und ab und schüttelte mit dem Kopf. So etwa« war ihm in seiner Praxi» noch nicht vorge- kommen. Hinter der Szene stand Pfeffer al» Todtengräber mit dem Geist. „Wißt Ihr'wo» Neue», Barthel?" „Nicht«, mein Prinz," erwiderte Barthel mit den Worten de» Güldenstern,„außer daß die Welt ehrlich ge- worden..." „So will ich'« Euch sagen,' rief Pfeffer,„in dem Rebe steckt ein Schauspieler I" „E« brauchte kein Todtengräber vorn Grabe herzukom- men," zitirte Barthel weiter, nur mit einer Veränderung de« Texte«,.un« da» zu sagen— aber wo» für einer, ist die Frage." „Ein tüchtiger, wackerer Schauspieler I' rief Pfeffer in Eifer.„Hol' mich der Teufel, der Handor reicht ihm da» Wasser nicht in der Szene." „Bah,' sagte Barthel, der von der Schauspielkunst zanz eigene Ideen hatte,„er sprach den Hamlet etwa gerade o, al« ob Sie oder ich einen Geist gesehen hätten und außer ich wären— von Kothurn keine Spur— man darf doch nie vergessen, daß man auf dem Theater ist!" „Ich will Ihnen'wo* sagen, Barthel," meinte Pfeffer, .Sie sind ein Esel und verstehen vom Hamlet gerade so viel wie der Peter«!" �Ich will Ihnen'wa» sagen, Pfeffer," erwiderte Barthel,„wir sind gute Freunde, aber Sie brauchen de»- halb nicht gleich so grob zu werden..." „Ruhe da hinten, e» geht an I" rief der Inspektor au« der Koulisse heraus, und im nächsten Augenblick ging der Vorhang wieder in die Höhe. In der zweiten Szene erregte der neu geworbene Güldenstem mit seinem dicken Backen einige Heiterkeit, denn der Regisseur hatte ihn nicht mtt angemeldet; aber da» Publikum beruhigte sich doch bald darüber, denn Meier, al» welcher et bald erkannt wurde, war eine zu beliebte und all» bekannte Persönlichkett in der Stadt, für deren beste» Bier würdigt und gutgeheißen worden.(?) Wir«erden daher diese Haltung allen noch so kecken Herautforde» rungen gegenüber auch femer dewahren, verhehlen aber nicht, daß eS wohlgethan wäre, wmn die Parteileitung(So legenhett nähme, den peinlichm Eindruck, welchen solch fortgesetzter, wenn auch einseitiger«rate hl auf jeden Unde« fangenen machen muß, Demjenigen nahezuführen, dem e» doch mit in erster Reih« obliegen sollte, sie DtSkreditirung der Parteiverhältniffe und damit die Schwächung der lideralm Position nickt alt Privatgeschäft zu betreibm."— Wir haben mit Herrn Eugen Richter nichts acmein, wollen aber ganz offen gestehen, daß wir an Herm Richter« Stelle et auch für eine unserer ersten Aufgaden halten würden, den Einfluß solcher Blätter zu brechen, die, wie das„Berl. Tgbl", von ganz anderen Gesichtspunkten aus geleitet werden, wie es sich für polsttsche Organe geziemt. Echutzzöllnerisches. Im Jahresberichte der Handels- kammer für die Kreise Reichenbach, Schweidnitz und Waldtn- bürg für 1885 finden die auf Einführung von Zöllen auf die Rohmaterialien der Textilindustrie gerichteten Bestrebungen eine entschiedene Abwehr.„Wir können," heißt es,„nicht dringend genug davor warnm, auf die Besteuerung der Rohmaterialim unserer Textilindustrie einzugehen, die früher in Bezug auf Flach« und in neuester Zell in Bezug auf Wolle angestrebt worden ist. Wir befitzen in beiden Branchen hochentwickelte Industrien, und es ist der Export in leinenen und nammtlich wollenen Waaren von sehr großer Bedeutung und eine reiche Erwerbsquelle, die leicht durch Zölle auf Rohmaterialien vir» stopft werden könnte." Die„Bretl. Mgztg." bemerkt hierzu: aber ist es, daß dieselbe Handelskammer auch jetzt noch jede Erhöhung der Zölle auf Fabrikate freudig begrüßt. Jede Er» höhurg deS Schutze«, das sollten doch die Herren bedenken, den die Industrie für ihre Erzeugnisse erhält oder verlangt, giebt den agrarischen Bestrebungen zur Erhöhung deS Schutzes der nationalen Arbeit der Landwirthschaft neue Nahrung und einen gewissen Schein von Berechtigung. Zur russtsche« Freundschast. An der russischen Grenze gestalten fich, nach schlrfischcn Blättern, die Verkehrsverhällniffe von Tag zu Tag chinesischer. An der Modrzejower Brücke wird jetzt der russtsche Grenzbaum nur dann zurückgelegt und die Passage nach und von Rußland geöffnet, wenn 30 Personen am Grmzbaume stehen. Da kommt et vor, daß so mancher eine Stunde und mitunter noch länger an der Grenze warten muß, bis fich diese Anzahl von Personen gefunden hat. Dorf. mufikanten, so berichtet der„Oberschi. Anz.", welche dieser Tage in Polen zu einer Hochzeit aufgespielt hatten, mußten vor der Modrzejower Grenzkammer drel Stücke spielen, um den Beweis zu führen, daß sie wirllich Mufikanten und nicht etwa Männer find, welche Mufikir.strumente nach Rußland schwärzen. Noch einen Schritt weiter und sämmtlich die Grenze passtrmden Personen werden gezwungen werden» ein examen rigorosnm in ihrer Berufsthätigkeit abzulegen. Der Schneider macht einen Rock, der Schuster macht ein Paar Stiefel und der fiudirte Mann legitimirt sich durch einen extemporirten Vortrag auS dem Gebiete seiner Wissenschast. Wamm soll sich auch zu den mancherlei modemen Ueberraschungen nicht auch die einer„kaiserlich russischen Grenz. PrüsungS> Kommission" ge« seilen?— Ein amtliches Blatt der königlich sächsischen Regierung, die„Leipz. Ztg.", schließt einen gegen Rußland ge» richteten Leitartikel mit folgendem Passus:„Rußland ist diejenige Macht, welche an der heutigen europäischen Konstellation vaS meiste Gefallen finden dürfte. Je mehr die anderen Staaten bei fich zu Haufe beschäftigt find, um so steiere Hand hat es in Asien wie in Osteuropa. Seine Sprache Bulgarien gegenüber ist denn auch drohender als je. Daß von PeterS- bürg auS einfach die Verschwörung von Burga» für eine Fabel, Nabokoff für einen Ehrenmann, das Ganze für ein Wahl- manöver der Regierung in Sofia erklärt wird, wo doch die Entscheidung den Gerichten vorliegt, übertrifft alles, was bisher von russischem Uedermuth in dieser Frage geleistet ist. Es wird immer klarer: Rußland will Europa nicht zur Ruhe kommen lassen, und es giebt keine Macht, die es daran hindern könnte." Zv den PolenanSweisnngen. Die„Weser- Ztg." de- richtet, daß i n S ch l e i w i g(!) die dort wohnhaften pol» Nischen Familien den Befehl erhalten haben, das Gebiet des früheren Herzogthum» zu verlassen. ES befindet fich darunter ein Apoth ker, der bereits 50 Jahre in der Provinz ansässig ist, an dm die Weisung erfolgt, die Apotheke zu verkaufen und die Stadt zu verlassen. Aus Flensburg wurde eine Lehrerin der franzöfischen Sprache ausgewiesen, welche in Paris geboren ist, aber einen polnischen Namm führt. Haussuchungen. Der„Franks. Ztg." schreibt man auS Mainz, 12. Juni: Gestern fanden bei mehreren Mitgliedem des aufgelösten ArbeiterwahlvereinS Haussuchungen stall. Bei einem derselben wurde die Vereinikaffe konfiSzirt. Neben dem lehr bescheidenen Inhalt der beschlagnahmten Kaff« war daS Resultat der Haussuchungen erfolglos.— Unter dem gleichm er al» Orakel galt, al« daß«an ihn irgend hätte kränke« mögen. Außerdem lag es auf der Hand, daß er nur au» Ge» fälligkeit in Rebe's Rolle eingetreten sei. Der Erbprinz lachte aber, daß er fich zurückbeugen und sei« Geficht mit dem Tuch bedecken mußte, und Meier warf ihm einen vor» wurfsvollen Blick zu. Der zweite Akt ging wieder so ruhig vorüber, al» der erste. Nicht einen einzigen Applaus bekam Hamlet, obgleich die Zuschauer doch bei Fräulein Bellachini bewiese« hatten, daß fie applaudiren konnten. Peter» gwg um de» Direktor herum.— .Herr Direktor l* PeterS." „Der Rebe macht seine Sache aar nicht so schleckt; soll ich einmal wieder w's Parterre hinunter und vielleicht mit einer Kleinigkeit..." er zeigte dabei sewe zwei Horn» harten Fäuste. .Um Gottes willen, Peter» I" rief der Direktor er» schreckt.»Rebe ist in dem Akt viel schwächer al« im erste» — ei» einziges verkehrte« Beifallszeichm, und der Teufel geht am Ende lo»! Wir wollen Gott danke», wmn wir die Sache ruhig zu Ende bringm!" „Wie Sie meinen; manchmal hängt'« aber nur an ein« Klewigkeit..." �...,., „Ja wohl thut'« da»," nef der Dtrekto�,„und wir wolle« e« selber nicht muthwillig heraufbeschwörm I Die Heidenangst, die ich heute Abend ausstehe, werde ich übe,» Haupt im Lebe« nicht veraessm I" Als der Vorhang fiel, regte fich Niemand. Selbst der Erbprinz hütete sich, einm zweitm Versuch zu mach«, da der erste so gründlich mißglückt war. Rebe schien etwa« be» fang«, dm« die übrig« Schauspieler wich« ihm au«, aber er suchte seiner Furch» Herr zu werde». Fräulein Bellachini tanzte wieder in diesem Zwtschm» akt. und Rebe bmutzte die Zeit, um indessen hinter der Bühne mit dem Laerte«, einem jung«, ganz geschickte« Schauspieler, die Zweikampf-Szene ein wenig einzuüb«, da diese in der Ausführung besondere Schwierigkeit« hat und leicht lächerlich wird. Rebe selber wußte übrig«» vor» trefflich mit der Stoßwaffe umzugeh«, und da fich sei» Datum schreibt man demselb« Blatte aus Darmstadt: Wie gestern in Mainz bei den Mitgliedem des dortigen auf. gelösten ArbeiterwahlvereinS, so fand« auch hier bei einer größer« Anzahl Sozialdemokraten umfangreiche Haussuchung« statt. Nach den einen ist dabei nichts gefunden worden, wie man auch nicht recht weiß, wonach überhaupt gesucht worden ist, nach den anderen soll bei einigen der Durchsuchten Matnial zu einer strastechtlichen Verfolgung entdeckt worden sein. Schweiz. Der Schlosserfachverein in Zürich hat gegm die Verordnung deS Polizeidirektor», betreffend dm Streik, Rekurs an die Gesammtregierung, ergriffen, well er in der» selb« einen Amtsmißbrauch erblicke. Belgien. Die Angst vor dem Arbetterkongreß in Brüssel hat die wunderlichlen Blüthen getrieben. In Folge zahlloser Gerüchte über zu erwartende Ruhestörung« befand fich die Hauptstadt in großer Aufregung; man fürchtete, daß alle zweifelhasten Elemente, welche die Hauptstadt birgt, den Tag denutzen würden, um Unruhen hervorzurufen. Dazu kam die offizielle Meldung, daß viele Kohlengräber im Hennegau zu Fuß nach Brüssel komm« würd«. Die Bahnhöfe war«, nach dem„Berl. Tagebl.", stark bewacht; allein die Maßregeln, welche die Behörden ergriff« hatten, erschienen keineswegs beruhigend. Abgesehen von der Aufbietung einer starken Militär- macht und der Besetzung der Bahnhöfe und öffentlichen Ge- bäude, wurden Soldaten und Bürgergardisten mtt scharfen Pattonen versehen; es war Befehl eriheilt, auch nur beim ersten Versuch einer Ruhestörung mit aller Energie vorzugehen. In Folge dessen traf« die Bewohner selbst auch Sicherheit«. maßregeln; viel: Gewölbe wurden verbarrikadirt. und die meisten Fabriken ließ« nicht mehr arbeiten. Die Lage wurde noch verschärft durch die Nachricht, daß die Streikbewegung im Becken von Charleroi wächst. Die Zahl der Streikenden beträgt bereits wieder 700. Der Generalrath der Arbeiter» pattei erließ eine Proklamation, worin in den heftigst« Aus- drück« gegen das Verbot der Manifestation protestirt wird. Niemali stn d, nach der„Frankfurter Ztg.", bei dm Waffen» bändle« so viel Waffm gekauft worden, wie in dies« Tag«. Wie die„Gazette" berichtet, haben viele Leute ihre W:rth» fachen, Sckmuck, Silber u. s. w. in den Gärten vergraben und zahlreiche Hauseigentbümer hätten sogar die Kellerlöcher mtt Sandsäckm autfüllen laffm aus Furcht vor Dynamit, welches hineingeworf« werdm könnte. Banquiers und Lankhäuser— so wird weiter verfichert— sollen ihre Angestellten mit Waff« versehen und verpflichtet haben, am 13. d. frühzeitig auf ihrem Posten zu sein. Ja von dem Chef eine» solch« Hauses, der Offizier in der Bürgerwehr ist, wird erzähtt, er lasse sein Per- fonal täglich unter seiner persönlich« Lettung auf dem Hofe Uedungen mach«; von einem anderen, er schicke seine Ange stellt« truppweise auf den groß« Schießstand, um sich im Revolverschießen zu üben. Et braucht nicht gesagt zu werden, daß all' diese Beängstigung völlig grundlos war. In der am 13. zusammengetreten« Versammlung der Delegttten der Arbeitervereine des Landes führte der kürzlich von dem Asstsen-Gerichtshof in Gent verurtheilte Anseele d« Vorfitz. Gegm 500 Delegirte, welche die Arbeiterpartei des gesammten Landes verttat«, nahmen an der Versammlung Theil. Es gelangten durch Akklamation folgende drei Resolution« zur Annahme. 1) Die Propaganda zu Gunsten des allgemeinen Stimm« r e ch t s soll fortgesetzt werden, 2) eine allgemeine Ar- dettSetnstellung soll eintret«, sobald die Arbeiterpartei die notwendige Kraft erlangt habe und falls die Regierung weiter die Gewähmng de» allgemeinen Stimmrecht» verweigern würde, 3) eine neue Manifestation soll für d« 15. August, den belgischen Rationalfeiertag, organisirt werdm. Außerdem wurde für den Fall, daß die deabfichligte Manifestation am 15. August verbot« werden sollte, beschlossen, 24 Stunden danach eine allgemeine Arbeitseinstellung für daS ganze Land zv erklären. — In der Stadt herrschte den ganzen Abmd hindurch die vollste Ruhe. Die Bürgergarde, welche zusammmberufen worden war, ist wieder«tlass« wordm. Die Stadt hat ihr gewöhn» liches Aussehen. Mtt den Eismbahnzügen find weniger Per» sonen hier eingetroffen als an anderen Sonntag«, da Reg«» wetter eingetreten ist. Eine Depesche aus Charleroi von Rbmds 6 Uhr meldet, daß in dem ganz« Kohlmdeck« Ruhe herrscht; ebenso berichten Depeschen au» den Provinz«, daß eS nirgends zu Ruhestörung« gekommen ist. Ardtttreich. Die Bergleute in Decazeville beschlossen, nach der „Franks. Ztg.", auf den Antrag Basly's einstimmig, die Arbeit wieder aufzunehmen, nachdem BaSIy ihnen erklärt hatte, fie würden, wenn fie die Konzession der Kompagnie, dm Preis für ein« Karren Kohl« auf 10 Centimes zu erhöhen, ver» werfen, die öffentliche Meinung gegen fich haben. Der Rest der Unter stützungSkaffe im Betrage von 8000 Frk«. bleibt den jenigen Arbeite« reservirt, welche die Kompagnie nicht wieder anstellt. Wir wiederhol« nochmals zusammmfassmd daS Refullat Gegner auch alle Mühe damit gegeb« hatte, ging es recht gut. Jetzt kam der dritte Akt— kam die Szene mtt der Mutter, und Rebe«»wickelte da eine so volle Kraft und schöne, edle Sprache, daß fich im Publikum immer mehr ei« Gefühl zu regen begann, er habe doch am Ende wohl ein« Beifall verdi«», aber Jeder scheute fich d« Anfang zu machen. Die Szene spielte er durch, von Snfana bis zu Ende ganz vortrefflich, und todtenstill saß da« Parterre dabei, d«n der erste Rang hält«S gewöhnlich für unter seiner Würde, zu applaudrr«. Es greift auch die Glaceehand- schuhe zu sehr an, und wie darf da der Schauspieler m Bettacht komm«, der all' seine Kräfte darangesetzt hat, sei» »er Aufgabe zu genüg«, und dem da» Publikum durch nicht», nicht« weiter auf der Welt lohn« kann als äugen» blicklichen Beifall! So kamen die letzte« Worie: „Nun, Mutter, gute Nacht— der Rathsherr da Ist jetzt sehr still, geheim und ernst fürwahr, Der sonst ein schelm'scher alter Schwätzer war, Kommt, Herr— ich muß mtt Euch ei» Ende mach«— Gut« Nacht, Mutter...' Aber da» letzte„Gute Nacht, Mutter" sprach er so er» greifend, so wunderbar wahr, daß dem klein« Jeremias die Thrän« in die Auge» ttattn. Und keine Hand regte fich. Jetzt aber hielt fich Jere» mias nicht länger. Seine Handschuhe hatte er schon lange ausgezog«, um zu augenblicklichem Di«st berett zu sei«— jetzt hieb er ei», und wie der erste Schall durch das Haus flog, war e», als ob ei» Zauber gebroch« wäre, der bis jetzt Alle befang« gehalt« hätte. Gin« solch« Applaus hatte selber die berühmte Tänzerin nicht bekomme»; da« ganu Hau« dröhnte förmlich vom Klatsche« und Beifallssturm, in das der Erbprinz jetzt mtt aug«schemlicher Freude und«tt gutem Will« ein« stimmte. „Rebe'raus!" gellte da zwisch«durch ein« Sttmme, und:„Rebe'raus l" schrie das Publikum wie au» Einem der Kammerverhandlung« über die Ausweisung der Prinzen. Der Gesetzentwurf ist also am Freitag in der von der Regierung angenommenen Form des Anttages Broussi, welcher die Ausweisung der direkten Prätendent« und der ältesten Söhne derselben vorschreibt, mtt 315 gegen 232 Stirn» m« angenommen worden; dagegen wurde der Entwurf der Kommission, welcher die allgemeine Ausweisung der Prinzen verlangte» mtt 314 geg« 220 Stimm« abgelehnt. Vorher wurde mit 310 gegen 233 Stimmen beschloffen, in die Be» rathung der einzelnen Artikel der Vorlage einzutreten. Die Kammer nahm ferner die A-tikel an, durch welche die Regte« rung ermächtigt wird, die ander« Prinzen durch Dekret auszuweisen, durch welche Straf« von 2—5 Jahr« Tefängntß festgesetzt werden für den Fall einer Rückkehr ins Land, und durch welche d« Prinzen die Aulübung von Wahlhandlungen untersagt wird. Im Senat brachte am Sonnabend der Justiz» minister die Vorlage über die Ausweisung der Prinzen ein. Italien« Vom 11. bis 12. d. Mittags find an der Cholera in Venedig fünf Personen erkrankt und sechs gestorben, in Bari drei Personen erkrankt und zwei gestorb«.— In Triest ist, nach dem„Berl. Taaedl", am 11. d. AbendS ein neuer, schnell tödtlich verlaufener Cholerafall vorgekommen. Derselbe betraf einen Lastträger, welcher auf einem von Vmedig angekommenen Schiffe gearbeitet hatte. G r o tz b r i t a»» i e n« Das Wahlmanifest Gladstone's an seine Wähler in Midlothian besagt: Die Königin hat in die Auflösung des Parlaments gewilligt, um die Meinung des Landes über die wichtigste und gleichzeitig einfachste Frage zu erfahren, welche man dem Lande seit einem hild« Jahrhundert unter« breitet hat. Gladstone beruft fich auf sein letztes Manifest und fügt hinzu, wenn eine konservative R-gieruna'die Vorlage ein» gebracht hätte, den Jrländern ein so Hohrs Maß von Autono- mie zu bewilligen, so würde dieselbe seitens der liberalen Partei eine kräftige Unterstützung gefundm haben, aber die Konservativen hätten noch im Januar ein: auf ZwangS» maßregeln beruhende Polittt in Lorschlag gebracht, welche durch die Ereignisse nicht gerechtfertigt war. Gladstone habe fich für eine andere Methode als die der Zwangsmaßregeln entschieden und habe darnach ein Kabinet auf einer dieser Po- litik entgegengesetzte Grundlage gebilvett Er habe im Einver- ständniß mit seinen Kollegen vorgeschlagen, zu untersuchen, ob es nicht möglich wäre, Irland ein« eigenen gesetz- gebenden Körper, u geben, und zwar unter Bedingun- gen, wie fie die Jntearität de» Reiche« erheischen. ES gebe überhaupt nur zwei Wege für die Politik, über welche das Land zu entscheid« habe, ob nämlich die Regierung Zwangs- maßregeln anwenden solle, oder ob man die Jrlänver selbst ihre eigenen Angelegenheiten regeln lassen wolle. — Gladstone bestreitet den Gegnern sei« er Vorlag: daS Recht, die letzine unter Berufung auf die Union zu verwnf«. Die Union, welche er abzuändern trachte, sei eine solche, die nur auf dem Papier stände, erlangt durch Gewalt und Täuschung und niemals von dem irischen Volke santtionirt. Irland ver« lange nicht die Beseitigung der Union, sondern die Herstellung eineS Parlam«ts ohne diejenige Prärogative, durch welche die Reichsinteress« beeinträchtigt weiden könnt«. Irland habe die Bestimmung«, durch welche auch der Minorität ein Schutz gewährt werde, freudig angenommen. Gladstone führt sodann die Voriheile auf, welche die von ihm verfolgte Polttik mit fick brächte. Es sei« dies: Konsolidttung der Einheit des Reich« und Vermehrung seiner Stärke, die Beseitigung der Strettig- ketten mit Irland und Entfaltung der Hilfsquellen diese« Landes, Reinigung der Ehre Großbritanniens von dem Schandfleck, wrlcher ihm nach der Meinung der gesammten zivilifirt« Welt anhaste, und endlich Wiederherstellung der Würde de» Reichsparlaments und ein wirklicher Fortschritt der Angelegenhetten des Lande«. Gladstone sagt schließlich, eS sei unmöglich, die irische Frage mtt halb« Maßregeln ,u behandeln. Er habe seinen Anrheil für die Lösung der Frage gethan, das j Uedriae zu thu» komme nun den Wählern zu.—„Daily News" verspricht fich von dem Manifest einm großen Erfols und drückt die Ueberzeugung au«, das Volk werde fich um des Staatsmann schaaren, der den Muth und die Fähigkett zu eine« glücklich« Lösung der irisch« Frage besttze.. In Sligo(Irland) fanden am Sonnabend Abens ernste Unruhen statt. Durch eine unbedeutende Beschämt- gung des bischöflich« Palais erbittert, griffen die Katholikes die! Häuser der angesehensten Protestanten an, schlugen du Fenster ein und zündeten ein Hau» an. Da die Polizei aufrk Stande war, den Tumult zu unterdrücken, mußte Militär auj' geboten werden, welches die Straßen mtt dem Bajonetu säuberte. Die Ruhe ist sodann nicht wetter gestört worden- R« st l a n d. Es war anzunehmen, daß der von Oesterreich. Ungarn% gonnme Zollkrieg gegen Rumänien das benachbarte Rußlm� veranlass« werde, im Interesse seines Handels die Srtuatio» nach Möglichkeit auszunutzen. Nach Berichten, die der«KnjJJ Zeitung" aus St. Petersburg zugehen, gewinnt denn auch d« «■M—»——____________._ Munde und als ob es da« Versäumte jetzt mit Lärm« usb Tobe» wieder«achhol« wollte. Der Vorhang stieg in die Höhe, aber Rebe kam Die Ungeduld wuchs, die Leute geberdet« fich wie toll us° vocht«, stampft«, klatscht« und schrieen:„'Raus,'raus' Rebe, Hamlet, Hamlet I Rebe,'rau«,'raus,'raus I", Ei» schützender Engel waltet über Allem— Fräule» Rott«höfer glaubte oder hoffte, ihr« Name» mitzuhör«- „Ader, Herr Rebe, so komm« Sie doch, wtt roerW' ja gerufen!" „Aber, mein bestes Fräulein...". „Sind Sie ein wunderlicher Heiligerl So komw� Sie doch l" und seine Hand ergreifend, zog st« schüchtern« Hamlet unter einem neu« Ausbruch von 3"®* und Beifall auf die Bühne hinaus. Rebe stand wie betäubt, und Pfeffer ging immer u ihn herum, al» ob er ihn anred« wollte, änderte aber«r** so oft seine Absicht wieder und machte fortwähr«d und Gedanken vergeblich« Versuche, seine Hände in die gewohs' Seitmtaschen seines alt« Rockes zu bring«. Da« K®" hatte leider keine. Fräulein Bellachini zürnte. Sie war auch ab«, nicht so, und beim zwetten Male hatte man fo0Ö* da es Peter« nicht mehr für»öthig fand— ihr« x nicht einmal da capo verlangt...;< „Sie schrei« wie verrückt", sagte fie, al« sie ihre Garderobe zurückzog;„ich bin froh, daß ich mich' diesen ritt« Abend«gagirt habe." Jetzt war aber Bah» für Rebe gebroch«. Schon viert« Akt, bei d« klein« Sz««, wurde jede, e.VvL|j maße« passende Stelle lebhast applaudirt, und im i»' � Akt, in der Szene mtt dem Todt«gräber, brach der® � auf's Neue au». Es war gut, daß Fräulein%%%(* »u Backen fehlte, und Fräulein Rolt«höfer erschien>m � und ohne Stroh in de« Haar«. Dann wurde Reo« tffl der der/ sei In. I mit 1 Agitation für eine Festerknüpfung der Handelt« deziehunaen Rußlands mit den Ballanstaaten an Umfang. Sine Reihe von Blättern plaidirt für die Bildung «inet ZollbundcS der Balkanstaaten, der den handelspolitischen Kampf gegen Oesterreich führen solle. Die Verwirklichung einei solchen Plane» wäre für Oesterreich allerding» ein schwerer Schlag.— In Verbindung hiermit steht vielleicht folgend« Mittheilung der„Polit. Korr.":„Im Laufe de» nächsten Mo« nat» wird in Belgrad der bekannte Moskauer Großhändler Ruranewitsch erwartet; derselbe beadfichtigt, da» Terrain für die Errichtung einer Dampfschifffahrt-Station der russtschen Handel»« und vchiMahrtgesellschast auf der Donau zu sondiren und direkte Handelsbeziehungen zwischen Serbien und Rußland anzubahnen. Man meldet: In Bolgrad(Bessarabien) scheint am vorigen Dienstag von dm Nihilisten(?) ein Attentat au»ge« führt worden zu sein. Wie nämlich der„Daily New»" au» Odeffa telegraphirt wird, ist von dort«in Arzt DuchnowSkt mit einem Exttazuge nach Bolgrad gereist und derselbe be« lichtet, daß der Zustand de»„Gouverneur»" von Bolgrad, SWo», welcher in seinem Wagm von zwei Personen angeschossen wurde, ein hoffnungsloser ist. Die Attmtäter find noch nicht verhastet. Balkauläuder. Wie verlautet, bereitet die s e r d i s ch e Regierung umfang« reiche Reformen in allen Zweigen der Vtaat»verwaltung vor. Die Reorganisation der Verwaltung und der Armee soll eine radikale sein. ES werden viele KreiSpräfetturm auf- gehoben, die Bezirke ander» gruppirt uud die Wirkungskreise der einzelnen Höheren Beamten werden geietzlich geordnet wer« dm. Auch da» Gemeindewesen wird viel freier gestaltet. An« grficht» all dieser Gesetzentwürfe, welche den Erwartungen aller freiheitlichen Männer de» Lande» mtsprechm, wird die Lage der Regierung in der Skupstina eine günstigere sein; die Opxofttton aber wird, wenn fie gegen diese Gesetze stimmen sollte, Viele» an ihrem Einfluffe und Ansehm einbüßen. Nach einer Meldung der„Poltt. Korr." au» Sofia weigert fich die bulgarische Regierung, der von der gemischten Kommisston festgestellten neum ostrumelisch.türkischm Grenze iuzustimmeu._ Amerika. Au» Gloucester. Maffachusett«, kommt die Nachricht, daß, fall» die Regierung nicht prompt in der Fischerei. An« gelegenheit handelt, eine Anzahl Schiffe stch armiren wollen, um die kanadischen Fischer zu vertreiben und dm Im« vort frischer Fische zu verhindern. Rfrit«. In Kairo heißt e», daß die Derwische mit der Abficht vor« rücken, in Halfa und Alascheh die Eisenbahn zu zerstören. Die» verhindtrt die Eröffnung de» Handel», wa» fich in der Kon ferenz beim Khediv« am Montag unter Erwägung befand. Au» Suakim wird gemeldet, daß die Rebellm ihre Außen posten in der Umgegend der Stadt zurückgezogen haben. General Wat« son hat zwei Märtte eröffnet. Der Gesundheit»,»stand der in Affuan und anderen Ortm stehenden Truppenthetle ist zur Zeit ein ungünstiger. IS0 Sol« baten find in der letzten Zeit an gastrischem Fieber und am Schlagfluß gestorben. 700 Erkrantte sollen nächsten» hierher tranSportirt werdm._ Oerichts-Zeitnng. Die bösen Folge« von der Abschließung von Schein« Verträgen, die in den meisten Fällm eintreten müffen, machen stch in immer neueren Variationen geltend. Der Schuhmacher. Meister Heineman defand fich Anfang v. I. in großen Ver legenheiten und veräußerte, um für alle Fälle gegen Angriffe der Gläubiger stcher zu sein, sein Schuhwaaren-Geschäft an sein« Ehefrau Marie und deren Onkel, den Handelimann Kiedrich Eichstedt. Htinemann meldete berett» damals sein Gewerbe von der Gewerbesteuer ab, und die beiden Käufer "Ödeten«» nicht nur thrersett» an, sondern fie schloffm auch W dem Etgentbümcr de» Hause», nachdem derselbe den ftüheren �telher von seinem Kontra» entbunden hatte, einen neum Miethliontrakt ab. Ein Gläubiger de» Heinemann, derLederhänd« l« Erpert, welcher eine Forderung an denselben recht»»ästig au»« »eklagt hatte, erschien am 10. September v. F. in Begleitung de« G-richtSvollzieberS Schiebe in dem ditherigen Heinemann« schm GrschäftSlokal, um dort eine Pfändung vorzunehmen, fie nahmen aber davon Abstand, al» ihnen Eichstedt und Frau Heinemann ihren Steuerzettel und den MiethSkontrakt mit hem Bemerken vorlegten, daß fie da» Geschäft 1885 für 3000 M. gekauft hätten. Einige Zeit später dewtrve der «derhändler Meseritzer trotzdem eine mdgiltige Forderung. Da der Gerichtsvollzieher Schiebt erklärte, daß er lediglich in stolge der Vorsptegelunz, E. und Frau K. hätten da» Ge» ichäft für 3000 6%. gekauft,«a» aber al» unwahr angesehm Nnrd,»on der Pfändung Abstand genommen habe, wurden dieselben wegen gemeinschaftlichen Betrüge» unter Anllage ge« stellt. Die erste Strafkammer hiestgen Landgericht» l sprach besonder» gerufen, und wie der Vorhang kaum wieder her« Unter war, mußte er noch einmal herau». Etwa» derartige» war in Haßburg»och»«cht geschehe», sd lange die alte Stadt stand. Jetzt mdlich beruhigte fich der See— er hatte sei« �pfer, und der Direktor wollte eben auf Rebe zugehe«, um % seine Anerkennung autzusprechm, al« der Hofmarschall uu» der Loge de» Erbprinzm auf die Bühne kam und de» Direktor ersuchte, einm Augmblick zu dem gnädigste« Herr« heraufzukommen, der ihn zu sprechm wünsche. „Mich? Heiland der Welt I" sagte Direktor Krüger �schreckt;.aber ich— ich bin ja nicht— mtschuldigm ■Sie einen Augenblick 1" und wie ein Wetter schoß er in da» �onversattonSzimmer, wo er wild«ach Peter« schrie. ,.Peter», Peter» I Verfluchter Kerl,«o steckt der nur w'eder?" „„Aber, Herr Direktor, hier bin ich ja— ich habe vor Verzückung auf Einem Bei» gestanden 1" _.Habe» Sie meinen Frack mitgebracht? Ob ich et ?tt den» nicht immer dachte, daß noch ein Unglück pas« stre» würde! Meine» Frack will ich— hören Sie den» sticht?• v„Aber da liegt er ja auf dem Sopha! Wo wolle» Sie »och hin?" „Zum Erbprinzen— er hat ja nach mir verlangt!" „Mtt dem Fettfleck?" � t. .„H«r Du mein Gott, an de« Fettfleck habe ich �°)cht gedacht! O, daß diese« Schulze der Teufel i» Glaube nur nicht, daß er unter den viele» Schulze'» 2!? richtigen findet," meint« Peter».„Aber warum nehme« «r**tch» Herrn Rebe'« dunkle Hose«? Er ist«och in der Garderobe." „Die find mir ja um eine« Fuß zu lang I" «Krempeln wir auf," sagte Peter». i»Es geht nicht mehr, er«artet!" ächzte der Direktor, k:' seinen alten Rock schon abgeworfen hatte und fich in .» etwa« engen Frack hineinzwängte—„wo ist mein Hut? � halte meine» Hut vor!" auch da» Schuldig au» und vemrthellte die Angeklagten zu je 14 Tagen Gefängniß. Da» Echtedsaericht für Unfallversicherung tu Ham« bürg hat unseres Wiffen« dieser Tage in den ersten drei Fällen Entscheidungen gefällt. Der erste Fall betrifft die Be« rufung des MaurerardeitSmanne» Fick, welcher im vorigen Fahre bei einem HauSeinstmz am SpeckSplatz in Hamburg ver« unglückte und dem in Folge der dabei erlittenen Verletzungen der rechte Arm amputut wurde. Die Baugewerk»- Beruf»« genoffenschaft erachtete ihn al» noch„zum Theil erwerbsfähig" und-sprach ihm nur 40 pCt. von seinem dmchschntttlichen JahreSverdienste, der auf die Höhe von 982,86 Mark festgestellt wurde, al» Jahresrente zu, und würde die» die Suvnne von 32,10 M. betragen haben, gleich 385,41 M. pro Jahr. Fick, damit nicht zufrieden, appellirte an da» Schiedsgericht und er« achtete daffelbe seine Apgellatwn al» begründet Daffelbr er« kannte ihm 50 pCt. seine» durchschnittlichen JahreSverdienste» zu und deträgt demnach die jährliche Rente 481,52 M., gleich 40,15 M. monatlich. Ein zwetter Verhandlungsfall betrifft da» außereheliche Kind eine» ebenfalls bei jenem HauSeinsturz zu Tode gekomme« nen Maurer». Die hiefige Baugewerksbelufsgenossenschast hatte der Hinterbliebenen Wtttwe und ihren au» der Ehe mtt dem getödteten Manne stammenden Kindem von dem auf M. 1200 normirten JahreSverdienste de» Verunglückten 88'/» pCt. gleich M. 800 al» jährliche Rente zugesprochen. Nun machte auch der Vormund eine» außerehelichen Kinde» de» Verstorbenen, für welche» derselbe bi» zu seinem Tod« monatlich M. 6 Alimente bezahlt hatte, höhere Ansprüche gel» tend, welche Ansprüche jedoch von der BerufSgenoffenschaft zu- rückgewiesen wurden. Ein Appell an da» Schiedsgericht hatte den Erfolg, daß daffelbe für Recht erkannte, daß dem außer« ehelichen Kinde, ebensowohl wie einem ehelichen, Ansprüche auf 15 pCt. zustehen und seien deshalb für die Folge M. 8 per Monat für daffelbe von der BerufSgenoffenschaft zu zahlen. Letztere hat gegen diese» Urtheil Be« rufung beim ReichsverficherungSamt angemeldet und find wir gespannt, wie diese» in diesem komplizirten Falle entscheiden wird.— Einen weiteren Verhandlungsgegenstand vor Sektion IV, der Eisen- und Stahl-BerufSgenoffenschaft, bildet ein Unfall eine» Keffelschmiede» in einer Maschinenfabrik in Billwärder, wodurch die Sehkraft eine» Auge» zerstört wurde. Von der Beruftgenoffenschaft wurde dem Manne eine monatliche Rente von 6 M. zu Theil. Hiermit nicht zufrieden, wandt« fich der Verunglückte an da» Schiedsgericht und erachtete daffelbe auch in diesem Falle die Rente al» zu gering bemeffen und sprach ihm«ine Rente von 14,60 M. pro Monat zu. Man steht, daß in allen diesen Fällen die Appellanten keinen Schaden von der Berufung gehabt haben, wa» überhaupt auch niemals der Fall fein kann und wird, und ferner ist zu bedenken, daß Be« rufungen in allen, au» Ansprüchen auf Grund de» Unfallver ficherungigesetze» entspringenden Fällen unentgeltlich find. Reichsgerichts«Entscheidung.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 12 Juni.(Störung de» öffentlichen Frieden».) Im Elsaß besteht noch ein französisches Gesetz vom 11. August 1848, welche» in Art. 6, Ziffer 3 folgende» bestimmt:„Mtt Gefängniß bi» zu 2 Jahren und Geldstrafe bi» zu 4000 Frank» wird destraft da» Auistellm an öffentlichen Orten oder in Versamm lungen, da» Verthetlen oder Felldieten aller Zeichen oder Sinn dilder, welche geeignet find, den Geist vc» Aufruhr» zu erzeugen und zu nähren oder den öffentlichen Frieden zu stören." Auf Grund dieser Bestimmung war Herr Jakob Urban von Sennheim angeklagt, weil er am 14. Januar d. I. gelegentlich des Begräbnisse» eine» Mitgliedei de» Gesangverein»(„Union Choräle") die Standarte diese» Verein», welche mit einer seidenen Fahnenschärpe, die franzöfischm Nationalfarben enthaftend, versehen war, durch die Straßen gettagm und offen entfaltet hatte. Die Etrajkammer in Mülhausen sprach ihn jedoch frei. weil fie einen entschuldbaren Jrrthum für vorliegend erachtete. Herr Urban sagte nämlich, er sei erst seit Kurzem Fahnenträger, die Fahne sei von jeher so getragen worden, und er wie die übrigen Mitglieder seien der Meinung gewesen, der Verein habe da» Recht die Fahne zu tragen, weil fie im Jahre 1863 durch den damaligen Vorstand dem Vereine geschenkt sei und gemäß dem Frankfurter Friedensvertrag« offen getragen werden dürfe. Da» Gericht erkannte an, daß die», so lange Elsaß wieder zu Deutschland gehört, allerdings unbeanstandet geschehen sei, und nahm daher an, daß da» rechtswidrige Be« wußtsein beim Angeklagten nicht vorhanden gewesen sei, wes halb auch auf Freisprechung erkannt wurde. Die vom Staat» anwalt hiergegen eingelegte Revision wurde in einer der letzten Sitzungen de» l. Sttafienates vom ReichSanwalte für be« gründet erklärt. Derselbe beanttagte die Aufhebung des Urtheil» und sagte dazu folgende»: E» ist nur ein Jrrthum auf Seiten de» Angeklagten angenommen, dieser Jrrthum ist aber nicht ein solcher über Thatsachen, sondern über da» Straf« gesetz. Da» Urtheil ist so kurz gefaßt, daß darau» eigentlich nicht zu entnehmen ist, auf welche rhatfächlichen Umstände die Freisprechung fich stützt. Es ist gesagt, die Fahne sei von jeher mit der dreifarbenen Schärpe herumgetragen. Die» würde den Angeklagten in keiner Weise entlasten können, denn „Da steht der Fettfleck beinah'»och besser au»," sagte Peters:„Sie habe« de» alten erwischt." „Na, da»» kann'» nicht« mehr helfe»; ei« Unglück kommt nie allein, und wenn ich jetzt in Oel eingekocht wäre wie eine Sardine, warte« kann ich ihn nicht länger lasse« I" „Da« Schnupftuch hängt Ihnen Hinte» heran»," sagte Peter». Der Direktor stopfte e» in wilder Hast wieder ei«, und fich unterwegs die in Unordnung gerathene» Haare«in wenig zurecht drückend, schoß er in»oller Flucht zurück auf die Bühne, um sich dem übermäßig besternten und beorden« te« Hofmarschall zur Verfügung zu stellen. Dieser führte ihn auch ohne Weitere» der fürstltchen Loge zu, und Krüger, etwa mit einem Gefühl wie ei» Sud- akternbeamter, der vor einen Vorgesetzte« zitirt ist und die Gewißhett hat, eine« tüchtigen Rüffel zu bekomme», folgte ihm so rasch er konnte. Der Erbprinz erwartete ihn oben. Der Wage» stand schon lange unten, seiner harrend, aber er blieb trotzdem zurück und sah indessen zu, wie fich da» Hau» entleerte. „Herr Direktor Krüger, Königliche Hoheit." „Ah, liebe, Direktor, e» fteut mich, Sie kenne« zu lerne«— ich bi« Ihnen dankbar für Ihre Aufmerksamkeit!" „Königliche Hoheit," stotterte Klüger. „Heute Abend aber," fuhr der Prinz fort,„bitte ich Sie, Ihrem Herr» Rebe in meinem Name» für den Genuß zu danken, den er mir durch sei« vortreffliche» Spiel be« rettet hat. Er ist jetzt noch im Kostüm, sonst hätte ich ihn selber heraufrufe« lassen, und so ersuche ich Sie den», ihm in meinem Name» diese Tuchnadel zu überreiche», die er mir zum Andenken tragen mag," und mit den Worten nahm er seine eigene Brillantnadel au» der Kravatte und über« reichte fie dem Direktor. „Königliche Hoheit," stammelte dieser wieder,„find so gnädig.. „Guten Abend, Herr Direktor, nochmal«, ich bi« Ihne« sehr dankbar!" und fort war er, und in einer solchen Auf« regung befand fich der Direktor, daß er selbst seine» Fett« wenn daS nach dem Gesetze nicht erlaubt ist, so hätte er fich in einem Jrrthum über da» Gesetz befunden und kann fich nicht darauf berufen, daß in früheren Zeiten der Umstand unbeachtet geblieben ist. Die Entscheidung würde nur dann zutteffend sein, wenn da» Ge- richt entschieden hätte, der Angeklagte habe die Trikolore für ein private» Abzeichen gehalten. Im Jahre 1863 konnten die Farben getragen werden; mit dem Frankfurter Friedenivertrage änderte fich die Sache; die Farben waren von da an die einer auSwärtiam Regierung. DaS Gericht hätte aussprechen müffen, daß der Angellagte allenfalls nicht in dem Bewußtfein gehandelt habe, daß dai Anheften dieser Schärpe an die Fahne und daS Hemmtragen der letzteren den Geist de» Aufruhrs nähren oder den öffentlichen Frieden stören werde. Der betr. Paragraph ist nicht blo» politischer Natur, sondern auch eine Represstomaßregel. ES wird immer vorausgesetzt, daß der Be« treffende da» Bewußtsein gehabt hat, daß das Herumttagen deS Zeichen» den öffentlichen Frieden stören könne. Darauf hat fich da» Gericht aber nicht dezogen, sondem nur den guten Glauben festgestellt.— DaS Reichsgericht hob darauf da» Urtheil auf und verwtei die Sache an das Landgericht zurück, indem ei die Giünd« der Reviston und deS Reichsanwaltes für zutreffend erklärte.__ soziales und Arbeiterbewegung« Sozial-Reform? Der national-liberal-konservative Ad« geordnete RMerguttdefitzer Sombart macht auch in Sozial« Reform. Davon giebt sein neueste» Unternehmen vollgiltigen Beweis. Derselbe hat nämlich kürzlich im Wege der noch« wendigen Subhastation da» 3100 Morgen umfaffende RUtergut Steesow bei Lenzla in der Priegnitz erworben. Herr Sombart beadfichtigt, da» Gut zu zerschlagen und so ein neue» Bauern- dorf zu gründen. Der Plan ist folgender: ES soll das Rittergut in 6 Vollspännerhöfe» 4 Halbspännerhöfe und 10 Koffätyenhöte umgewandelt werden. Der Prei» eincS Voll« spännerhofe» ist in dem Voranschlage annähernd auf 36 000 M., der eines Halbspännerhöfe» auf 24 000 M. und der eineS Koffäthenhofe» auf 12 000 M. festgestellt. Bei der Uedemahme soll ein Viertel der Kaufsumme baar eingezahlt werden. Ein Viertel bleibt 10 Jahre lang vom Verkäufer unkündbar zu 5 Proz. Zinsen al» zweite Hypochek stehen. Für die beiden ersten Viertel, die Hälft« der Kaussumme, sollen zur ersten Stelle Zmttalpfandbriefe für da» neue brandenburgische Kredit- instttut eingetragen werden, die mtt 4 Pro», zu verzinsen find. Wa» die Größe der Besitzungen betrifft, so find für die Voll« spännerhöfe 240, für die Halbspännerhöfe 160 und für die Koffäthenhöfe 80 Morgen in Aussicht genommen.— Leuchtet hierbei nicht sofort Jedem der Segen ein, der aus zahlrriche Personen herniederströmen wird? Zwanzig neue„Besttzer", wo früher nur einer war! Die Produktion auf den zer« kleinertm Grundstücken ist zwar bedeutend schwieriger, alS auf einem einheitlichen Rittergut, besonders wo der Boden nicht allzu ergiebig ist und in ebenen Gegenden, aber tüchtige Arbeit ist bekanntlich recht gesund, besonders für die Koffäthen. Vier und fünf Prozent Z«nsen bringt gegenwättia daS Kapttal lange nicht ein— hier aber sollen fie gezabtt werden. Zu der Kaufsumme muß noch die Summe zum Erbauen de» Wohnhause», der Ställe, zur Anschaffung von Vieh und Geräthen hinzu- genommen werden und dann kann es losgehen vermuthlich biS in den baldigen Konkurs hinein.— Wir glauben, daß von dieser Sozial-Reform nur Herr Sombart den Vottheil hat. Die Rtedeck'sche« Montanwerke(die Gesellschaft hat in Halle ihren Sitz) erzielten im Jahre 1885 bei 10 Millionen Aktienkapital einen Gewinn von 1 783 146 M.— also fast 18 pCt.! Und dabei hört man noch immer Klagen seitens der armen Attionäre und Industriellen. Der Lohn aber der Arbetter ist im Jahre 1885 niedriger gewesen alS im Vor« jähre. I« Nordamerika scheinen stch die Verhältniffe in diesem Jahre doch etwaS zu beffem; wenigstens ist der Konsum größer gewesen, al» im Vmjahie. Der Export Deutschlands nach den Vereinigten Staaten ist nämlich tm ersten Quartal diese« Jahre» gegen denselben Zeitraum im Vorjahre um 22 Mill. Mark gestiegen. Diese Erscheinung erklärt fich au» dem Aufblühen der südlichen Staaten Nordamerika», in wel« chen der Unternehmungsgeist durch den Bau neuer Eisen- bahnlinien neu geweckt worden ist, und au» dem Wachsen de» nordamerikanischen Exporte» nach Zenttal- und Süd- amerika. AuS Apolda erhlett die„Thüringer Waldpost" folgende Korrespondenz: Vor kurzer Zeit verkaufte die hiefige größte Fabrtt Chr. Zimmermann und Sohn die meisten ihrer Strick- Maschinen an ihre Meister und Arbeiter zu ziemlich hohen Preisen. So kam e», daß ein solcher Ardeiter 8 solcher Maschinen kaufte, um nun den Meister zu spielen. Er nahm auch die Arbeiterinnen, die auf den Maschinen gearbeitet hatten, mit in den Kauf und versprach ihnen den gleichen Lohn, den fie bi» dahin von der Fabrilfirma bekommen hatten. Nach kaum 14 Tagen indeß zog er vom Dutzend Strümpfe 30 Pf. ab. Die» ließ man fich gefallen, weil man glaubte, e» würde fleck veraessen hatte, und in einem Zustand, von dem er fich selber später keine Rechenschaft ablege» konnte, zurück auf die jetzt leere und fast dunkle Bühne schoß. Er schüttelte dabei fortwährend mit dem Kopf und murmelte in Einem fort:„Roch gar nicht da gewesen,«och gar nicht da ge- wesen I" (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Leben. Eperl— Treptow. Während der Pfingstfeiertage pilgerte die schaulustige Welt zu Tausenden nach diesem herrlich, n Etablissement. Da» Wiederauftreten der berühmten Blondin tWres, welche, mit reichen Lorbeeren beladen, au» Amerika wieder re« tournirt find, warm vor allen Dingm die HauptanziehungS« kratz. Eine Reihe von Spezialitäten haben fich im„Sperl" zu Mchselnden Broduttionm vereinigt, unter welchen wir besonder» den original.ex,enkisch.mufikalischen Clown, Mr. Harri», lobend hervorheden. Der elbe ist ein vielseitiger Künstler und al» Spezialist ein Unikum. Auch der Tanzlomiker Herr Weber. da» enfant ch6ri der Berliner, ist wieder im„Sperl" einge« ,ogm und drilltet durch seine drastischen Vorträge. Al» Gast si Z�bslizuzetretm der Profeffor Hanlon, ein ausgezeichneter Pristidigitatem, der mit Geschick und Eleganz zu arbeiten ver- steht. Binnen Kurzem wird die Direktion ein große» italienische» Sommernachtifest«ntriren, worauf wir noch besonder» zurückkommm. Ein bezeichnende» Bild au» einem texanischen Gericht«« saal entwirft eine Meldung au« Hearne in Texa» vom 20. Mai. Dieselbe besagt: In der Mayor« Court wurde beute Sol Geiger, ein farbiger Politiker und Detektive, von O. D. Cannon, Anwatt der Anklage, erschoffen. Der Gerichtssaal war zur Zett mit Menschen überfüllt und eS herrschte die größte Auf« regung. Der Mayor verhandelte die Fälle einer Anzahl un. glücklicher Weiber, de« VagadondirenS beschuldigt, und Cannon betrieb die Anklage. Geiger trat schwankend in den Saal und verlangte die Anklageschrist zu sehen. Cannon opponirte: Geiger habe kein Recht, al» Advokat aufzutreten. Geiger schimpfte dann Cannon und ging in drohender Weise aus ihn los. Cannon zog sofort seinen Revolver und feuerte fünf Schüsse aus Geiger; jeder Schuß traf und der Verwundete starb kurz danach. mm dabei bleiben; aber fehlgeschossen; nach 14 Tagen abetmoli eine Lohnredultion. der neue Meister zog wieder 10 Pf. ab. Diesmal sträubten stch die Arbeiterinnen zwar, aber ste fügten fich schließlich in dem Glauben, daß nun daS äußerste Maß des reduzirten Lohnes erreicht sei. Aber fehlgeschvffen, nach 14 Tagen entdeckten die Arbeiterinnen zu ihrem Schrecken, daß ihnen abermals 10 Pfennig vom Dutzend abgezogen seien, diesmal aber stillschweigend ohne jede vorherige Anlündigung, geschweige denn Vereinbarung. Da aber traten die über diese Handlungsweise entrüsteten Ardeiterinnen mit aller Entschieden« heit diesem Beginnen entgegen und legten am Mittwoch, den 19. Mai(zum Zahltag), die Arbeit nieder. Dieser Schritt hatte den Erfolg, daß ste den vorletzten Lohn wieder bewilligt erhietten, natürlich nur ungern; auch wurde einer Frau Münch, die wohl als Anstifterin der Arbeitseinstellung betrachtet wurde, zum nächsten Lohntage gekündigt. Wie jetzt verlautet, soll jener Meister, Fischer ist sein Rame, nachträglich mit den übrigen Arbeiterinnen doch noch einen Lohnabzug vereinbart herben I Daß dieser Meister bei dem Geschäfts nichts verdienen kann, weiß man sehr genau; aber daS hätte er fich auch be« rechnen können, denn die Fabrilfirma hat ihre allen Maschinen nur dethalb verkauft, um ihre alten Maschinen gegen hohes Geld an den Mann zu bringen und auS zweiter Hand die Waare billiger zu beziehen, als ste bei eigener Produkrion solche len im Stande gewesen wäre. DaS aber gereicht dem herzustellm______... Meister Fischer nicht zur Ehre, daß er nun, nachdem et seinen Schaden besehen hat, fich durch Herabdrückung der Löhne schadlaS halten will; ei scheint, ali habe derselbe schon ver« gessen, daß er vor kaum acht Wochen selbst noch in die Fabrik iur Arbeit ging, und daß er früher bei Lohnabzügen auch nicht stillgehallen hat, daS müßte ihm doch_ noch erinnerlich sein. „Was du nicht willst, das man dir thu', daS füg' auch keinem Andern zu. Der Streik der Lastadie- und ESgemühlenarbeiter in Lübeck ist so gut wie beendet. Die Arbeiter erhalten fortan täglich die geforderten 3 M. Zuletzt streikten gegen 500 Arbeiter. Der Streik der Barmer Kesselschmiede ist all beendet anzusehen. Die Forderungen der Gesellen wurden durchweg bewilligt, dagegen willigten die letzteren in eine tägliche Arbeits zeit von 10'/, Stunden. Bezüglich der Akkordarbeit wurde festgestellt, daß die Fabrikanten keinerlei Druck wegen AuS« führung derselben auszuüben haben. Ueberstunden werden mit 50 pCt. Zuschlag und SonntagSarbell wird mit dem Doppel« satz deS gewöhnlichen Lohnes bezahlt. Gelegentlich diese* Streiks hat fich der Werth deS FachvereinS in klarster Weise gezeigt. Außerhalb deffelben vermochten die Reffelschmiede keinen Vortheil zu erringen, nach ihrem Ein. tritt in die BerufSgenoffenschaft geschah daS Unglaubliche: die Arbeitgeber bewillrgten die Forderungen sofort. Uermischtes. Eine romantische Geschichte. Der„Newyorker Staats- zeitung" wird auS St. JohnS, N. F., 26. Mm, geschrieben: „Von St. George'« Bai, an drr Westküste von Neufundland, wird eine an ein Kapitel aui einem SensationSroman erinnernde Geschichte gemeldet. Gestern traf dort ein auf der Fahrt von St. Malo nach Port au Cholx begriffenes Fahrzeug ein, und zwar zu dem Zwecke, eine französtsche junge Dame, Namen« Louise Journeauz, dort an'S Land zu setzen. Dieselbe wurde von dem Schiffe 20 Meilen westlich von der Insel Jersey, auf einem Boote im Ozean umhertreibend, gefunden und an Bord 40 Stunden in dem offenen Boote auf der See, bis ste von dem Kapitän eineS Schiffes bemerkt und an Bord genommen wurde. In Folge deS ungünstigen Windes konnte der Kapitän genommen. Fräulein Journeaux erzählte, ste habe am Sonntag Abend, den 18. April, mit einem Herrn Farne eine Ruderfahrt Semach». Während derselben entfiel Herrn Farne eine» der iuder, und bei dem Versuch, dasselbe wieder zu erlangen, fiel auch da» zweite Ruder in'» Waffer. Farne, der ein guter Schwimmer ist, sprang über Bord, um die Ruder aufzufischen; in der Zwischenzest gerieth das Bool j-doch in eine Stiömung und trieb so schnell dahin, daß Farne den Versuch, dasselbe zu erreichen, aufgeben mußte. Fräulein Journeaux trieb volle die Küste von Jersey nicht erreichen und mußte seine Fahrt nach Reufundland fortsiyen, wo er die Dame, wie bemerkt, gestern landete. Farne hatte in der Zwischenzeit den Hafen von Saint Hilaire erreicht und den merkwürdigen Vorfall zur Anzeige ge- ~.........'hlung keii bracht. Die Behörden schenkten jedoch seiner Erzählung keinen Glauben, und als mehrere Personen austraten, welche be« haupteten, sie hätten von der See auS Hilferufe gehört, wurde er verhastet und wegen Mordet in Anklagezustand versetzt. Fräulein Journeaux telegraphirte gestern sofort nach St. Hilaire, und Farne wird nun zweiffelloi in Freiheit gesetzt werden." Die Aetna« Eruption hat, wie aus Rom unterm 8. d. M. gemeldet wird, in den letzten Tagen eine langsam absteigende Phase durchlaufen. Die telegraphischen Depeschen vom 2. d. M. fignalifirten eine bedeutende Abnahme der Menge und Bewegungsgeschwindigkeit der Lava und drückten die Hoff. nung auS, daß Nicolofi, welches schon geräumt und im Um- kreise von 1 Kilometer mit einem Militäikordon umzogen war, gerettet wrrve. Morgens 7'/, Uhr am genannten Tage war der Lavastrom noch 365 Meter von den ersten Häusern deS OrtS und 407 Meter von der nächsten Zisterne entfernt. Eine prächtige haushohe Pinie sah man von dem Feuerstrom um- zingelt werden, dann wie vom Blitz getroffen aufflammen und zusammenstürzten. Ein Bauernhaus, einem gewissen Giam- mellaro gehörig, wurde vollständig von der Lava bedeckt. Das Anwachsen deS gegen Nicolofi ziehenden StromeS an Breite und Höhe, welches Anfang» Besorgniffe einflößte, wurde bald ali eine Folge der vwminderten Bewegung und daher alt ein günstiges Zeichen erkannt. Gegen Mitlernacht am 2. d. MtS. wurde konstatirt, daß blos noch einer der neuen Kegel außer dichten Schwefeldämpfm geringe Lava« mengen auswarf. Mll der Abnahme dieser Erscheinung an der Südflanke deö Aetna ging, wie gewöhnlich, eine Zunahme der Rauch« und Dampfentwickelung de» Zentralkraters Hand }n Hand. Zugleich wurden leichte Erderschütterungen bei Mineo und Trübungen de» dortigen Nasta See» und deS Fiume Caldo beobachtet. Am 3. war die Mehrzahl der Lava. ströme ohne Bewegung. Eine geringe Wellerdewegung zeigten nur der gegen Carmerica gerichtete Ostarm, die schwachen west. liehen Arme bei Borello und der mittlere bei Nicclofi; die Geschwindigkeit betrug nur noch wenige Meter pro Stunde. In der Nacht vom 3. auf den 4 verspürte man eine heftige Erdeischütterung in Biancavilla. ES erregte unbeschreiblichen Jubel unter der zum Theil auf freiem Felde kampllenden und den Fortgang der Eruption mit Hangen und Bangen verfolgenden Bevölkerung, alS am 4. Mittags konstatirt wurde, daß der Strom am Fuße der Monti Rost unbeweglich und der andere Nicolofi bedrohende während der letzten Nacht nur 4 Meter vorgerückt war. Auch andere Aetna- Ortschaften waren in der Nacht durch Erdstöße, doch minder stark alt Biarcavilla, heimgesucht worden. Einem Privatbriefe vom letztgenannten Tage entnimmt die„M. Allg. Ztg." folgende Angaben über den HauptauSwurfSkegel, über dessen Benennung man in Catania debattirt. Sein größter Durchmesser an der Basti bettägt in Nord Süd Richtung etwa 470 Meter bei einer Höhe von etwa 150 Meter. Die Abhänge haben einen Neigungswinkel von 45 Grad. Die Rauchöffr.ungen befinden fich auf dem Westabhange, die AuSflußstellen der Lava auf dem Südabhänge deS Regel». ES waren ihrer fünf oder sechs. Nur zwei stoßen gegenwärtig Lavabächlein aus, die fich etwa 1 Kilometer von ihren Quellen vereinigen.— Am 5.d. Mittag» 12 Uhr 12 Minuten fand in Catania eine merkliche wellen- förmige Erderschütterung NS statt. Nahe bei Aci Reale war in Folge der häufigen Erderschütterungen eine große Erdspalte entstanden. Um 12 Uhr 15 Minuten nahm man in Pedara einen sehr heftigen Erdstoß wahr. Sämmtliche Arme der Lava zeigten fich am 5. still- stehend und hinreichend überkrustet, daß man fie be- treten konnte. Nur einer Oeffnung entströmte noch ein Bach von 4 Meter Breite, 1 Meter Höhe und 15 Meter Geschwindig« keit, so daß die auSgestoßene Masse fich auf 60 Kubikmeter pro Minute belief, waS nicht mehr ausreichte, um den Lauf weiter fortzusetzen. Erderschütterunaen richteten in Riposto, Zafferana, Pedara und anderm Orten Schaden an. In Zafferana stürzten Häuser ein, so daß die Einwohner im Freien Schutz suchten. Am 6. begab fich eine von der Regierung ernannte technische Kommisflon auf den EruptionS-Schauplatz und lonstalirte daS Ende deS Ausbruches. Heute soll die Aosper. rung N'colofi» aufgehoben und den Bewohnern die Rückkehr an den Ort gestatter worden.— Wie wir bereits in der Eonnabendnummer unseres Blatte» mitthellten, ist der Aetna jetzt völlig rudig, so daß die ge flüchteten Einwohner bereits wieder nach Nicolofi zurückgekehrt find. Auch ein Prätendent. AuS Pari« wird unterm 10. Juni berichtet:„Nicht gering war gestern die Ueberrafchung von Bediensteten im Städtischen Laboratorium, alt fie fich plötzlich einem etwa fünfundvierzigjährigen Manne gegenüber sahen, dessen Augen unheimlich leuchteten und der mll gewisser Energie der Stimme fie, wie folgt, apostrovhirte:„Seyen Sie mich gut an, erkennen Sie mich?" Die Angestellten zögerten nicht, ein einstimmiges„Nein" zur Antwort zu geben.„Ich bin der Graf Ebamooid, der wahre, und wenn ich mich hier vorstelle, so geschieht et deshalb, weil ich durch da« munizipale Laboratorium konstatirt wissen will, daß ich kein falscher Bourbone bin. Ich allein habe das Recht, Frankreich zu re- gieren, und da man die Prinzen ausweisen will, so muß ich der erste sein, der über die Grenze wandert, ich beanspruche diesen Vorrang vor meinen jüngeren Veitern von Orleans." Die Bediensteten glaubten e» mit einem Betrunkenen ober einem Spaßmacher zu thun zu haben, und fie konnten nicht umhin, zu lachen über die ernsthaste Miene, womit der sonderbare Prätendent seine Beschwerde vorbrachte. Dieser gerieth darüber aber in Rage, und mit strengen Worten verwie» er ihnen diesen Affront:„Wenn ich den Thron meiner Väter wieder bestiegen habe, werde ich Euch lehren, die Nachkommen Eurer Könige mll Respekt zu behandeln!" donnerte der Pseudo-Graf Chambord loS. indem er kräftigst dazu mit den Fäusten auf den Tisch schlug; er wurde exzesfio und der Kontroleur begriff, daß man es mit einem Wahnsinnigen zu thun habe; er schickte nach eine« Sicherheit«. Agenten, der den neuen Henri V. in Gewahrsam nehmen sollte. In dem Augenblicke, wo die beiden Friedens« wächter daS Bureau bettaten, nahm der Prätendent eine W frieden lächelnde Miene an und sagte:„Ah! man begreift, wer ich bin, und man giebt mir eine Begleitung, die meiner und meine« Ranges würdig ist. Ich möchte lediglich noch wissen, wo man mich hinführen wird?"„Zum Polizripräfesten, wenn Euer Majestät da« recht ifil" erwiderte einer der Agenten respestvoll., /Lassen Sie un« gehen, meine Herren, führen Sit mich dorthin!" Man brachte ihn in da» Airestlokal der Polizei. woselbst man ihm mittheilte, daß die anderen Mitarrestante», die er dort ttaf, seine KoufinS von Orleans seien, mit denen er über die Grenze expedirt werden solle.„Das lassen wir unS gefallen!" meinte er zufrieden,„diese Republikaner find doli gerechter, alt ich dachte!" und er legte fich dann ruhig r.iebel und schlief. Ei« schreckliche« LiebeSdrama hat fich in Kiel abgespielt. Ein junges recht hübsche» Mädchen, Anna Beckendorf, hatte ein Liebesverhältniß mll dem Arbeiter H. Ströh. DaS Paar lebte einige Zell zusammen, und die Frucht dieses Verhältnisses war ein noch am Leben befindliches Kind. AlS vor etwa einem Jahr fortwährende Zwistigkeiten zwischen Ströh und seiner Geliebten herrschten, die aui der Eifersucht deS Ersteren eot» sprungen sein sollen, überfiel Ströh eine* TageS die Becke»« dorf und regalitte ste mit Mefferslichen. Diese That führtt P der Verhaftung und Verurtheiluna des Eteöh. DaS Schwur« gericht erkannte wider ihn auf 6 Monate Gefängniß. 9l-» Verbüßung einer dreimonatlichen Gefängnißstrafe aber wurde Sirüh wegen guter Führung im Gefängniß auf freien Fu« gesetzt und ihm der Rest der Strafe im Gnadenwege erlassen. Kaum aus dem Gefängniß entlassen, näherte fich Ströh wieder der Geliebten, und anscheine»» fand eine Versöhnung statt, ja, e« heißt, daß Ströd gewillt war, die Beckendorf zu heirathen. Letztere so» aber mehrfach Widerwillen gegen Ströh bekundet habe», waS fie auch veranlaßtt, Kiel zu verlassen und nach Hamburg zu reifen. Donnerstag Abend kehrte nun die Beckendorf m» dem 7,25 Uhr-Zuge von Hamburg nach Kiel zurück und bega» stch«ach ihrer früheren Wohnung in d.r Frievrichstraßc Nr. Hier fand stch auch Ströh ein und um 10'/« Uhr wurde» Hausbewohner und Passanten plötzlich durch Reooloerschülft aufgeschreckt. AlS man hinzueilte, stürzte Ströh au« dei»/ Hause auf die Straße und ergriff die Flucht, daS Mädche»| aber fand man auf der Stuben diele in ihrem Blute schwim»! mend vor, von zwei Revolverschüffen in Brnst und Rücke« I tödtlich getroffen. Von der Schwester und anderen wurde db] Schweroei letzte nach den akademischen Heilanstalten gebra» wo ste unter unsäglichen Schmerzen NachtS um 2 Uhr star» Inzwischen war auch die Leiche de« Mörder» nach ve» Krankenhaufe geschafft. Von der UnglückSstätte war SbZ nach der KirebhofSallee geeilt, wo er fich mehrere Eck� durch den Kopf jagte und sofort todt zusammenbrach. 3? dem bei der Leiche aufgefundenen Revolver fehlten i»"" Schüsse. Theater. Mittwoch, den 16. Juni- Deutsche« Theater. Nathcm der�Weise. »elle-Alliance'Tdeater. Da» Paradies, Gesangsposse in 4 Alten von Leo Treptow und L. Herrmann. Louiseustädttsche« Theater. Die Hochzeit des fstaaro._ Krtedrich. Wilhelmstädttsche« Theater. Der Zigeanerbaron. Ostend'Theater Feodora. Viktoria• Tyeater. Amor. Tanz. Poem von Luigi Manzotti. Wallner-Theater. Der Mikado. Kaufmann'« Variete. Große SpeztalitSten. Vorstellung. Massage 1 Tr. 0 SR.— 10 A. Katser-Pauorama. In dieser Woche: 1. Reise Euglaud— Schottland. Eine interessante Montblarc-vestetgung. Hertha-Retse. Carolinen- Inseln. Eine Reste 20 Pf. Kinder nur 10 Pf. Geburts Anzeige. Die am 14. Juni(zweiten Pfingstfeiertag) erfolgte glückliche Geburt einer Tochter beehren stch anzuzeigen Berlin, 15. Juni 1886 Franz Tntsaner, _ Berth« Tniznner, geb. Suusch. Fachvereiu der Steindrucker und Lithographeo. Donnerstag, den 17. er., Abend« 8'/, Uhr, im KSuigftÄt-Kastn», Holzmarttstr. Nr. 72: Nrrfammluug. Tagesordnung: 1. Vortrag des Hrn. Becht- hold über verderbliche Wirkung der Schwemm. Kanalisation. 2. D Skulston. 4. Fragekasten. Aufrahme� neuer Mitglieder. 3. Verschiedene«. Der Zutritt ist nur gegen Vorzeigung der Mit- gliedSkarte gestattet.[1934] Der Vorstand. Ein Sefauglehre» wird gesucht, der willens :n neuen Gesangverein zu übern ehr Meldungen Skal tznstraße 76(SO) bei H ist. einen H ö p p n e r zwischen 6 und 7 Uhr Ab. mm. errn [1931 Schweizer Garten. Am Friedrichshaw. Haltestelle der Ringbahn. Am Künigs'hor. MM: Gr. Concert u. Vorstellung. Austreten sämmtlicher Spezialitäten, der dmtsck-amerikanischen Dutttisten Gefckw. Aesat, oer Duettfängerinnm Geschw. Sausen, de« bumoristisrhen Komiker-TrioS Herten«rasch, Aaua» u.«ILI'er, de« Baritonist-n He-rn ZAichaeli«. de« Tenorijtm Herrn Zttbertt, sowie der berühmtm Majol Truppe®|%% KA) Zum Schluss wird Miss Lazel aus einer Kanone geschossen und von Miss Zema aufgefangen werden. _---- Art. Hheater-Aorfiellungetl det engagirten Schauspieler-PersonalS... �--...... Abend«:«rosse Illumination und elektrisch» Kelenchtung. Bon» habm Wochentag« Gtitigkeit.— Entree 30 Pf.— Anfang 5 Uhr. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ick seit dem 1. d. M. die Cigarren- n.Tabakhandlnng Weinbergsweg 15b von Herrn Bremer übernommen habe. Empfehle daher mein große» Lager aller beliebtm Sorten Cigarren, Uauch-, Man- u. Ichnnpftabake u. Cigaretten in reicher Auswahl. Zugleich bemerke ich, daß ich meine bisher betriebene Kuchbinderei bedeutend vergrößert habe und fortsetzen werde.[1855] Feledrlch Blcbelsen. Augrust Herold Berlin SO» 113 Skalitzerstmsse 113. Spiegel- tt. PolßerU-Magazifi. Eigene Faorik. Solide Preise. Prompte Bedienung. 1763 1765 Cigarren- n. Tabak-Handlung en rroa en detail Fritz Goercki Berlin SO., Admiralstraße 40(frühere„Linde"). Import echter Havanna, Lager aller Sorten Rauch- und Schnnpf-Taba» und amerikanischer Cigaretten Tabake. ■Reich afsortirte» Zager echt türkischer, rnsstscher dicht Kordhanser Kantaba�»« 0. Karkosky, Uuffuufiet;, SO., Pückier-Ettaße 16, SO.[1830 Ärbeitsmarkt. Hornknopf-Ausbohrer und Fraiser Soeben erschien Nr. 29 deS ..Wahre» Z-t-S". Zu beziehen durch die Expedition. 4raße 44. verlangt[1932] Greifiwalderstraße 22. Der unentgeltliche Arbeits- Nachweis der Klavierarbeiter befindet fich Skalitzerstr. 18 bei Stramm.(1750 Die Buchdruckerei MAX BAD irr ß BERLIN 8 W., Beuth-Str. 2 Verantwortlicher Redakteur SR. Grönheim in«erlin. Druck und Verlag von Rax Babing in Berlin SW., Beuthstraße 2. empfiehlt sich rur Anfertigung von Drucl jeder Art bd prompter und billiger Bedienun � Kosten-Ansehläge und Papierproben S" und eine Hier»» 1 Beilage zum Berliner Bolksblatt. zir. 137 Der W Kömz; Lubmiz II. bildet jetzt allgemein daS Tagesgespräch. Es ist unseren Lesem bekannt, daß ei gelungen war, dm irrfinnigm Fürsten nach Schloß Berg im Starnberger See zu bringen. Dort schienen stch seine Wuthauibrüche gänzlich verloren zu haben, auch von Selbstmordzedankm, die vereitt nach der Katastrophe in Neu- schwanstein in ihm aufgetaucht sein sollen» war nichts mehr zu bemerken, so daß der ihn behandelnde Arzt, Dr. Gudden, die beruhigendstm Telegramme nach München sandte. Am Sonn- tag»bmd gelang ei daher dem König mit Dr. Gudden allein spazieren zu gehen, und beide stnd von diesem Gange nicht wieder zurückgekehrt. Od der Geisteskranke im Urbermaß dei Schmerzes über dm ihm scheinbar angethanm Schimpf dm Arzt ins Waffer gestürzt und dann erst seinem eigenen Ledm «in Ende gemacht hat, oder ob der Arzt mit ertrunken ist, als e: den Lebmsmüden zu retten versuchte— da» wird vielleicht niemalZ zu erforschm sein.— Wir geben nunmehr die wichtigsten Depeschen wieder: München, Montag, 14. Juni. Die königliche Polizei- direktton erläßt soedm folgmde Bekanntmachung: Nachdem der König dm ärztlichen Rathschlägm ruhig Folge geleistet, machte er gestern Abend mit Over-Medtstnalralh Gudden einen Spazier- gang im Park, von dem der König und Guddm nach längerer Zeit nicht zurückkehrten. Nach Durchsuchung d«S ParleS und bei Seeufers wurde der König und Gudden im See gefundm. Der König gab ebmso wie Guddm anfangs noch schwache Lebenszeichen; die von Dr. Müller vorgenommenen Wieder- delrbungSversuche warm jedoch vergeblich. Um 12 Uhr NachtS wurde der Tod d«S König» festgestellt. Gleiches war dei Gudden der Fall. � München, Montag 14. Jum. Nach einem Telegramm des Oderftlieutmanls Washington erfolgte das Unglück kurz vor stebm Uhr. Die Uhr deS Königs zeigte Wasser zwischen GlaS und Zifferblatt, und blieb sechs Minuten vor stebm Uhr stchm. Dr. Müller und Schloßverwalter Huber brachten die beidm Körper an das Ufer und in daS Bett. Puls und Athmung waren nicht mehr wahrnehmbar. Dr. Müller mit Pflegem und zwei früherm Sanitätssoldaten machtm bis zwölf Uhr Wiederbelebungsversuche, alsdann ei- klärte Müller die Fortsetzung dcrseldm für nutzlos. Di« Bevölkerung der Hauptstadt ist auf das Tiefste erschüttert. Ueberall Zeichm aufrichligster Trauer. München, 14. Juni. Nach einem von den„Neuesten Nachrichtm" veröffmtlrchtm Telegramm auS Berg an den Minister Crailsheim machtm der König und Guddm gestern kurz vor 7 Uhr Abends einen Spaziergang am See. Als fie gegm 11 Uhr noch nicht zurückgekehrt waren, fuhren Barten in dm See, und wurden Beide in einem kaum mannStiefen Waffer, noch LebmSzeichm von stch gebend, gefunden. AuS Bodenspurm ist zu schließm, daß Gudden vom König, der beide Röcke abgeworfen hatte, nach heftigem Kampfe unter- getaucht wurde. Gudden's Antlitz ist von Fingernägeln zer- nutzt. Der König scheint in dm See gesprungen und Gudden, um ihn zu rettm, ihm nachgeeilt zu lein. Die Sektion und ullnbalsamirung der Leiche des Königs wird morgm hier vor- werden. Ein Geistlicher ist nach Bergzur Einsegnung na 5#* abgereist.— Nach einem von der„Allg. Ztg.".ver. "Mvllichlen Privattelegramm au» Starnberg hatte der König ---''---------- M„»e..In. R.N »art in der Nahe oe» ex» vnrociu.««««» ZUNig Mit dem Leidarzt Dr. Gudden anscheinmd ruhig. o« iÜ Gudden's, zwei größere und zwei kleinere Kratzwunden �J*r rechten Nasen» und Stirnseite machen dies unzweifel- arr- Der König harte, bevor er in dm See sprang, stch beider keeM en*Ie�®** Gudden war ihm augenscheinlich sofort nach- »�München, 16. Juni.(Prioattelegr. der„Voff. Ztg.") Spaziergange im Park soll Guddm die Wärter fort- haben; bei der Erfahrung Guddm's ist das sehr un- Wahrscheinlich. Darüber kann kein Zweifel ,, LV', daß der König Gudden so lange Wasser gehalten hat, bis er todt war. fcn« Kunden Gudden's, sowie Spuren in dem sehr seichten See- paffer deuten darauf, daß ein gradezu verzweifelter Kampf zwischen D« Miiitr#11. Von M. Folticineano. 'druck verboten.) Während alle großm Kulturstaate» da« Gemeinschädliche öffentlichen Hasardspiele erkannt und dieselben adge- t haben, wagt»och das unbedeutmde Monaco der Itchen Moral Hohn zu sprechm, indem e« durch seine lhölle dem Laster Vorschub leistet. Trotzdem die Ab- >net«» der ftanzöfischm und der italimischm Kammer lederholtm Male» ihre Entrüstung über das ungestörte Gestehe« de« Raubnestes ausgedrückt haben, fanden es die * Regierungm doch nicht aöthig, der Spielbank da« ibere Handwerk zu lege». Gs ist ei» beklagenswerthes Unglück, daß die kleine» vtatchm niemals mit ihrm legitime» Einkünfte» zu- e» sind und auf jede erdenkliche Weise ihr Vermöge» �größer« suche». Hoaorius IV. und Floresta» I. hatten uvglaublichsten Steuern, Abgabm und Monopole er- **, um ihre armm llnterthanm zu schröpfe». Vom ? der Ernte mußte ein Prozent an die fürstliche Kasse werden, und wurde ei« Lamm auf dem Gebiete Mrstenthums geboren, so mußte sich dessm Eigenthümer »Geburtsschein auf einem Stempelbogm zu fünfund- % Centimes für das«eugeborme Thier ausstellm �'«f diese Weise gelang es dem seligen Florestan L, ?" Einkommen von nahezu erner halbw Million zu die die armm zehntausmd Unterthanen ausbringe» '*». Die Abgabm und Steuern betrugen 50 Franken «ihrmd w Frankreich zu derselbe« Zeck kaum K�.Mavken Stmer auf jedm Einwohner mtfielm. A brachte da« stürmische Zahr 1848 den Unterthanen Hohert Erlösung, indem dieselbm»ach berühmtm t»n 12* Miniaturrevolutio« inscmirtea und keine '«»» mehr zahltm. Mittw-ch, de« 13. z««i 188«. Beiden stattgifunden. Der König trug stch schon vor der Regent« schaff, wie man in parlamentarischen Kreisen vermuthete, mit Selbstmordgedanken. Anscheinmd wurde überhaupt Schloß Berg jetzt zum Ausenthatt von ihm gewählt, um den Selbst- mord auszuführen. An dem Herunterstürzen vom Hohenschwangauer Thurm hatte Dr. Gudden ihn bereits vorher ver- hindert. München, 15 Juni. Man nimmt an, daß die Wärter einen Wink Gudden's, wegen der Erregung des Königs un- stchtbar zu bleiben, mißverstanden und stch entfernten. Gudden wurde mehrmals vor der Riesenkraft des Königs gewarnt. In der Frühe hatte der König mit Doktor Müller ruhig am See- ufer promenirt. Als ihm dann die Wärter als den persön- ltchen Dienst zu leistende Beamte vorgestellt wurden, bemerfte er kurz:„Gut, gut! auch recht!" München, 15. Juni, Mittag». Die Art der Katastrophe in Berg ist bis zur Siunde mit Sicherheit nicht zu ermitteln. Wahrscheinlich ging der König zuerst ins Waffer, entledigte stch deS ihm nacheilenden Arztes und schritt dann, wie die Fuß- spurm zeigen, weiter in den See. Die Leicht wurde um 11 Uhr NachtS gefunden; der Tod war schon Stunden vor- her eingetreten. Die Züge des Todten stnd ruhig und ernst. München. 15. Jum, Nachm. Der König hatte vorgestern, um schleunige Nachforschungen zu hindern, das Diner erst für AbendS 8 Uhr bestellt. Er ist, wie man festgestellt zu haben glaubt, in weitem Sprunge ins Waffer gegangm. Ein Telegramm des KabinetsselretärS Klug an den Mi- nister v. Crailshaim melvet: Habe Einstcht am Platze genommen, wo der Kampf statt- fand. Man steht genau und erkennt die Spuren im Boden. Dr. Gudden muß untergetaucht worden sein. Dann gehen die Schritte deS Königs weiter. Die beidm Schirme lagen am Ufer. gez. Klug. Ein Telegramm an den Minister Baron Feilitzsch lautet: An der Leiche des Dr. Gudden find Riffe, von Finger- nägeln herrührend, an der rechten Stirnseite und herein an der rechten Nasenselle bemerkbar. An der rechten Stimseite finden stch ferner noch Spuren eine« Schlages, der vordere Theil des Nagels am rechten Mittelstnger ist zur Hälfte abge- trennt,(gez.) Kobell, Bez.-A. Ueber die Krankheit des Königs gehen noch immer die Ansichten auseinander. Der Münchener Korrespondent der„Wiener Allg. Ztg." hatte mit dem Leib« arzt des König», Dr. Echleiv von Löwenfeld, eine Unterredung wovon folgendes berichtet wird: Der Koirespondmt fragie den Geheimrath von Schleip, od eS richtig sei, daß er als Leibarzt des König» gegmüber dem Gutachten der anderen Aerzte ein Separat-Vomm über die Frage, ob der König geistesgestört sei oder nicht, abzugeben gedenke oder gar bereits abgegeben habe. Dr. von Schleip entgegnete hierauf:„Wenn ich daS gethan hätte, de- fände ich mich augenblicklich wahrscheinlich in Haft. ES erginge mir, wie eS Ändern ergangen."„Wie konnte aber da« Gerückt entstehen, daß Herr Geheimrath öffentlich erklärten, da» Gutachtm jener Aerzte entspreche durchaus nicht Ihrer eigenen Anschauung und stimme nicht überein mit dm von Ihnen gemachten Erfahrungen V"„Thatsache ist, daß ich von Schloß Berg au», woselbst stch ja kurz vor der Katastrophe von Hohenschwangau das königliche Hoflager befand und woselbst ich seit 14 Tagen weilte,«in Telegramm an die Münchmer „Allgemeine Zeitung" richtete, worin ich die Redaltion ersuchte, zu konstatiren, daß meiner begründeten Anschauung nach der König nicht geisteskrank sei."„Und dieses telegravhische Dementi, oder deffer diese Widerlegung der Irrenärzte—" „Ist nicht zum Abdruck gelangt, ich kenne die Gründe hierfür nicht—"„Worauf gründet sich, wenn ich fragen darf, Ihre früher geäußerte Meinung?"„Auf eine 4SjShrige Erfahrung. Seit der Geburt des Königs bin ich sein Arzt. Dr. Gietl und ich, sonst wurde Niemand vom König zu Rathe gezogen. Dr. Gietl jedoch ist ganz meiner Anschauung, auch er hält dm König nicht für geisteslrank."„Welches ist also dann das Leiden des KönigS?" „Der König hat bloS seine Eigmthümltchkeiten, er ist verschwenderisch und biS zum Exzeß gutherzig; seine Leiden- schast ist die Baulust und daS Interesse an dm schönm Künstm. Schuldtragend an dem, wa» man Exzentrizitäten nennt, find lediglich die Personen, welche leider seit vielen Jahrm seine Umgebung bildeten; diese feilen, egoistischen und ver- logenen Bedientenseelen habm den König in allen seinen Wün- schm stets nur noch bestärkt, fie hetzten ihn förmlich in die let- denschastliche Bethätigung seiner Pasfionen hinein. Sie beute- ten ihn aus und veranlaßtm ihn zu enormen Ausgaben. Doch Um dm Fürsten stand«S schlecht. Er konnte sich nur gleich dm spanischen Hidalgos einen kostbarm Zahnstocher anschaffm und sich die Zähne stochern, damit die Welt glaube, daß er eben sehr gut gespeist habe. Der junge Fürst Carlo HL, der das Thrövchm seiner Väter bestiege«, hatte vollauf Muße, darüber»achzudmkm, wie ungerecht es sei, daß der Himmel die Lilim auf dem Felde kleide und die Raben speise, dem Fürsten von Monaco aber ei« Jahres- einkommen von viele» Millionen verweigere. Da rief er in seiner Verzweiflung dm Tmfel und dieser kam in Ge« stall des bekannten Monsieur Blanc. Was hätte auch der durchlauchtige Fürst, der Nachkömmling der altm Trimaldl, mit einem Jahreseinkommen von kaum fünfzehntausead Franken beginnen sollm? Die Zeit, wo er allmorgen« nach de« Frühstück sei« Land durchspazieren konnte, ohne befürchten zu müssen, daß ihm kühne Diebe die Kasse leere» köantm, hatte schon zehn Jahre gedauert. Was Wunder also, daß Carlo-Danae de» Gold- regm— Blanc- Jupiter» willig auf sich herabreanm ließ! Zu seiner Entschuldigung wollm wir»och anftthrm, daß damals auch in Baden- Baden, Homburg, Em« u.s.w. die öffmtliche Spielbank grasstrte. Nur Frankreich darf die Ehre für sich beanspruchen, bereits 1836 die Spielhöllm abgeschafft zu haben. Im Jahre 1858 erklang in Monaco zum erstm Male das monotone„blesaisara, faitea votre je»!"—„Bien ne va plna!" und der gute Landesvater Carlo, der dritte seine« Namen», stand sich gar nicht schlecht dabei. Zu Anfang der sechziger Jahre wußte da» idyllisch ge- legene Fürstenthum«och nichts von einer Bahn. Von Toulon au« ging die Reise per Postwagen, aber die Paffa- giere haben sich gewiß nicht über die Langsamkeit der Reise beklagt, denn die Umgegmd ist herrlich und sucht ihres gleichen auf dem europäische» Kootinmt. Vom Weste« winkte die dunkle Sierra Morma dm Reisendm zu, und an manche« fteien Punkten de« romanttschm Wege» sah III» derlei kann man doch nicht„Verrücktheit" nennen! Man frag« nur die zahlreichen Künstler, mit denen der König bis in die jüngste Zeit verkehrte, dt« Aichttetten, Baumetüer, Kunstge- werdeleute u. f. w„ man lege ihnen einmal die Frage vor, ob der König geisteigeftört. und man wird hören, waS fie ant- wortm werden, man wird hören, daß fie oft erstaunt warm über den außerordentlichen Geschmack und das feine Kunstver» ständniß des Königs, über dm vornehmen Sinn setner yanzm Richtung, die verdlüffmde Kenntniß aller künstlerischen Details, die Umficht seiner Anordnungen."„Ich möchte mir, Hirr Ge« heimrath, die Bemerkung erlauben, daß eben nur von dm Beobachtungm der letzten Jahre die Rede ist und nicht von den früheren Bechätiaungm Sr. Majestät." „Der König ist heute edensowmig geistesgestört, als früher; wie gesagt, er bat seine Eigenheiten. Ader na» dem, was ich in dm letzten Stundm miterlebt, nach dm Vorbereitungm» die, wie ich gesehen, in Berg zu seinem Empfange getroffen wur- dm, kann ich Ihnen nur da» Eine sagen: Wenn der König nicht schon jetzt getste» trank ist, so muß er eS in der allernächsten Zeit werden. Man hat die Gemächer für ihn so arrangirt wie für einm Todsüchtigen. Die Fenster wurden mir verschließ- baren Riegeln versehen' die Erker wurden>um Theil ver« mauert, zum Theil mit Schränken verstellt. Mit einem Wort, AlleS ist so eingerichtet, wie es eben Irrenärzte in ihren An« stalten anordnen lassen. Dem König selbst find zwei Apparte- mmtS eingerichtet, ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer; da» Gemach, welches früher sein Speisezimmer war, ist in«in Wohnzimmer für dm Jrrmarzt Dr. Grafhei umgestaltet wor- den.„Ader ein herrlicher Park steht dem König zur Ver« fügung."„Jawohl, ein Part, der mit einer hohen Planke umgebm ist, über welchen man nicht Hinwegschaum kann, und die Gitterthürm diese« Parkes, zu welchen eS früher gar keine Schlüffel gab, find jetzt sorgfältig abgesperrt." Das Gutachten der eidlich vernommenen vier Aerzte vom 8. Juni klingt freilich ganz ander». ES lautet: Wir erklären einstimmig: Majestät find in sehr weit vorgeschrittenem Grade seelengestört und zwar leider in jener Form der Geisteskrank» heit, welche dm Jrrmärztm auS Erfahrung wohlbekannt ist und Paranoia(Verrücktheit) genannt wird. Zweitens, bei dieser Krankheitsform, ihrer allmählichen fortschreitenden En!» Wicklung und ihrer schon sehr langen, über ein- giößere Reihe von Jahren sich erstreckenden Dauer ist Se. Moj ftät unheilbar und nur noch ein weiterer Verfall der Geisteskräfte ficher in AuSficht. Dritten», durch die Krankheit ist die freie Willmsbestimmung des Königs vollständig ausgesch'offm und derselbe ist als verhindert an der Ausübung der Regierung zu betrachten, welche Verhinderung nicht nur länger als ein Jahr, sondem die ganze Lebenszeit andauern wird. Gezeichnet: Gudden. Hagen. GraShcy. Hubrich.— Auch soll die Sektion der Leiche Ludwigs il. hochgradige Ver« änderungen am Schädel, sowie am Gehirn und seinen Häuten ergeben habm. Dieselben find theil« auf abnorme Entwicke- lung, theil» auf chronische Entzündungsvorgänge älteren und jüngeren Datums zurückm'ührm. Die Sektion wurde von Professor Dr. Rüdinger, Profeffor Dr. Grashey und Ho stads» arzt Dr. Halm und mit Zuziehung des ObermedizinaliathS Dr. v. Kerfchensteiner vollzogen. Nach dem„Berl. Tgdl." hat in der That König Ludwig von Hohmschwangau aus einen Aufruf erlassen, in dem er die Minister als Verbrecher, fich selbst aber als Ver- rathenen hinstellt. Der Ausruf, vom 9. d. datirt, ist, wie man zugestehm muß, durchaus würdig und ernst gehalten. Unterdeß bat in München bereits die Vereidigung der Truppm zum Gehorsam gegm König Otto l. stattgefundm, dem nach der bayrischen Erbfolgeordnung die Krone zufällt. Otto istaber bereits seit Jahren geistesge- stört, so daß Luitpold Regent bleibt. Kommunales. Rückzahlung. Seiten« der städttschm Behörden war im Jahre 1882 dem Komitee für die Allgemeine Deutsche Aus- stellung auf dem Gebiete der Hygiene und de« RettungSwesens zur Errichtung deS AuSstellungSgebäudes, sowie ,ur Durch- führung deS durch den Brand vom 12. Mai 1882 für dies Jahr vereitelten UntemehmenS auS dem Ueberlchuffi des Rech- nungsjahreS 1881/82 ein Betrag von 200 000 M. überwiesen worden, welcher rückzahlbar sein sollte, soweit die Eiträgniffe der Ausstellung nach Deckung aller Kosten und Ausgaben ohne Inanspruchnahme des Garantiefonds die Mittel dazu bieten würden. Das Komitee der genannten Ausstellung hat nun- mehr alle Verbindlichkeiten seines Unternehmens abgewickelt und man die See aufleuchte». Es fehlte» die barocken Schweizer- Häuschen, die blaum und rosa VillaS und die sonstigen im indischm und byzantinischen Styl ausgeführte» abenteuerliche« Baute«,»elche heut zu Tage die paradiesische Gegend ver- unstalte». Auf de« Weg von Grosse«ach Nizza hatte man links die schneebedeckte» Ausläufer der Alpen und recht« da» Meer in seiner großartigstm Schönheit. An lichthelle» Tage» sah man einen schwarze» Stteifm sich aus de» Fluthe» erheben, die Insel Korsika. In Hyere» bestand ei» einziges Hotel, in da« sich einige Brustkranke geflüchtet hatten, um de» Tod um einige Stunde» S betrügen. Eme feierliche Ruhe herrschte in FrejuS und atnt-Tropez, die sich in ihrer Weltabgeschiedmhett bchaglich fühlte« und selbst in Cannes begannen sich kau« die ersten Spurm modernen Lebens zu zeige». Ja Nizza lebte da- mal« schon eine kleine, aber wohlhabende Kolonie von Fiemdm, die de« Winter in dieser herrlichm Gegend zu. drachtm. Die französische Regierung gab sich alle Mühe, de» Fremdenverkehr zu heben, indem sie großartige Prome- «adm, Quai'S»c. anlegen ließ. I» Privatkreisen, unter denen der Cercle MassSna und der Cercle de la Mediterranöe de» erstm Platz einnahmen, wurde hoch gespielt, aber die Gesellschaft war vornehm, und drängte sich ei» Abmteurer heran, so fand man Mittel und Wege, ihn zu entferne». Außerdem führte«och keine direkte Bahn von Pari« nach Nizza und Monaco. Der Cröme und dem Abschaum der Pariser Bevölkerung war es«och nicht so leicht gemacht, sich nach Nizza zu begebm, um da ihr Glück zu probne». Wiesbaden, Ems, Baden-Bade» und Homburg übten zu- dem«och ihre volle Zugkraft auf da« spulliebende Publikum au«. Von Nizza gelangte man entweder mit dem Vetturino oder mit dem täglich fahrendm Dampfboot nach Monaco. Da« alte Schloß der Grimaldi hatte noch den Mittelalter- liche« Charakter einer Raudritierburg; das heutige Kasino mit feinem Theater und die Villa» verunstaltetm noch nicht tem Magistrat, nachdem weitere Foiderungen nicht mehr ,u erwartm waren, vor iturzem von vem ihm verbleibenden Be- stand« resp. Guthaben Mittheilung gemacht. Nach dieser Mittheilung bestand der Restbetrag in Summa au» 11196,80 Mark. Diese Summe ist dem Magistrat überwiesen und von demselben eingezogen worden. Nach A*zug von 45,60 M, welche für einen rückständigen Bertragsstempel an die Königl. Mtnisterial-, Militär- und Bau- Kommission gezahlt werden mußten, verblieben noch 11 151,30 M. Mit diesem Ueberschusse war indessen gleichzeitig eine Verbindlichkeit vom Magistrat zu übenrhmm. Im Laufe der Ausstellung war nämlich für eine Sckcist„Ueder die Verunreinigung der Ge« Wässer und deren Abhilfe, mit besonderer Rückstcdt auf Lebm und Gesundheit der Fische" zwei Preise ausgesetzt worden, welche, wie der ehemalig« Vorstand der Hygiene> Ausstellung dem Magistrat mitlheilte, auf Antrag der zur Beurtheilung der Preisstristen eingesetzten Jury auszuzahlen sein sollten. Die Enischeivung der Jury über die PreiSschriften ist kürzlich er« folgt und hat die Auszahlung der beiden Preise von je 300 M. auf Antrag deS ehemaligen Vorstandes der Hygiene AuS« stellung an den dem Magistrat namhaft gemachten Verfasser der besten PreiSschrift stattgesunden. Petitionen an die Gemeindebehörden haben ein« gereicht: a. Eine Anzahl von Bewohnern der vor dem ehemaligen Schönhauser Thoc belegenen Stadttheile, betreffend Jnangrrff« nähme der KanalisattonSarbeiten in der Kastanien Allee, Schwedterstraße, Oderbergerstr.. Fürstenbergerstr., Griebenow' straße, Rheinsdergerstraßc, Wollinerstraße, ZionSkirchstraße, Bernau«' straße, Stralsunderstraße und Straße 43. d. M-Hrere Techniker der städtischen Ttesdauverwaltung, betrefft Ausdehnung des PenfionSreglementt für die Ange» stellten der wtrthschaftlichen und industriellen Gemeinde« anftalten auf die bei der städtischen Ttesdauverwaltung be« schästtgten Techniker._ Lokale». Ueder eine neue Art Eprengwage« gehen der„Mg. Fahr-Ztg." immer lautere Klagen zu, die fich von Tag zu Tag vermehren. Nach Eröffnung der Markthallen und hauptsächlich der Zentral- Markthalle in der Neuen Friedrichstraße hat sich für die atphaltirte Königstraße und für die Passanten derselben ein Zustand gebildet, welcher dringend der Abhilfe bedarf. Wenn deS Morgen» die Fischer der Zentral-Markihalle ihre Fische in die BasfinS gebracht haben, fahren fie gewöhnlich mit ihren Fuhrwerken wieder nach Hause. Unterwegs werden nun die Stöpsel der Tienen und Fässer, in denen die Fische zur Halle defördert worden find, herausgezogen und wird auf diese Weise da» Fischwasser während der Fahrt abgelassen. Dem Steinpflaster schadet diese Besprengung ebensowenig, wie den Fuhrwerken und deren Bespannung, für daS ASphalt« Pflaster dagegen ist eine solche Besprengung denn doch nicht geeignet und wird dm Fuhrwerken, welche fich auf dem ASphaltpflaster bewegen, im höchsten Maße gesährlich. DaS ASphaltpflaster gleicht nach einer solchm Besprengung einer Schlamm bahn, auf welcher die Pferde nicht laufen könnm, sondern in Folge der Schlüpfrigkeit de« BodenS noch HSufiaer, al« e» sonst auf dem ASphaltpflaster zu geschehm pflegt, hin« flürzm. Im Interesse de» Fährverkehr» wäre eS wohl am Platze, den Fischem zu verbieten, mit dem Fischwasser dal so« genannte wräuschlose Pflaster zu überschwemmm. Die Beerdigung der Schiffling'schen Eheleute, welche vorgestern seilen» deS„Verein» Berliner Weißdierwirthe" in feierlicher Weise, mit Mustk und Bannerbegleitung unter Th-il« nähme von 1500 Gastwinhen erfolgte, hatte auch die Theil« nähme der übrigen Bevölkerung in so hohem Maße wach ge« rufen, wie ste seit dem Leichen begängntß dei gleichfalls durch Äöiderhand gefallenen GrlvbriefträgerS Kossäth bei ähnlichen tramigen Vorfällen noch nicht wieder erlebt worden ist. Schon von 12 Uhr Mittag» ab war da» Leichenschauhau», Kommuni« kation am Neuen Thor 9, von wo aui die Bestattung erfolgte, von einer dichten Menschenmenge umlagert, und diese lebenden Mauern zogen fich durch alle Straßen bin, welche der Leichen« zug zu pasfiren hatte. Wohl an 100000 Menschen mögen auf diese Weise, trotz deS Regen«, auf dem langen Wege di» zum Frirdhote der Zwölf> Apostelgemeinde in Sckönederg der Fa« mtlie der Ermordeten ihr Beileid bewiesen haben. Während die Mitglieder de»„Verein» Berliner stch von 12'/, Uhr ab im Boistg'schen Hofe der Fabrik sammelten, um R-ihen nach dem Leichenschauhause. hatten fich die nächsten Angehörigen der Familie, die kleine 11jährige Arna Schisslina, die Tochter der Eimmdeten und Zeugin der Mordthat, in Begleitung ihrer neuen Pflegeeltern, ihres Onkel»(Bruder der Ermordeten) und dessen Frau, die 80 Jahre alte Mutter deS Schtffling, welche au« Vtetz hier« hergekommen war, um ihrem Sohne da» letzte Geleit zu geben, ferner«in Bruder desselben, ein anderer Bruder der Frau und zwei Schwestern derselben, sowie einige Vorstandsmitglieder de» Verein» der Weißdierwirthe, einige Stammgäste de« Er- mordeten mit einem Kran, von Lorbeer und Rosen, und zwei Berichterstatter in der Ausstellungshalle de» Letchenschauhause» versammelt, wo die Leichen in offenen Särgen, dti zum Ober« körper mit weißen Steppdecken bedeckt, aufgebahrt standen. E» war ein erschütternder Anblick; der kleinen Anna wmd« die herrliche Gegend. Im einzige» Hotel, dal zugleich Gasthau», Restaurant, Kasino und Spielhau« war, befanden fich in der Mitte eines große« rauchige« Zimmer» die grünen Tische mit der Roulette und dem Baccarat. Die Oellampc« warfen ei« fahle« Licht auf die spärlichen Gäste, die gerade nicht der besseren Gesellschaft angehörte». Wahre Galgen« gefichter, deren Konterfei einem Verbrecheralbum alle Ehre gemacht hätte, alte aufgeputzte Weiber umgaben die Spiel« tische und sahen gespannt dem Rolle« der Kugel zu. Daß heute gute Gesellschaft in Monaco, Nizza und der Um« gegend zu treffe« ist, darf man nicht auf Rechnung der Bank setzen. Reiche englische Familien, besonder« Sir Robert Woolfield und Lord Brougham habe» die Gegend erst fashionable, zu fashionable gemacht, so daß mit der Anfiedlung der vornehmen Welt auch der Werth der Grundstücke unaeheuer in di« Höhe gegangen ist. Die Bankhalter behaupten, daß da« Glücksspiel da» Land reich gemacht habe. Wen» dem so wäre, so müßte sich heute ei» Marmorpalast«eben dem andere« erhebe»; es müßte«in außerordentliche« Lebe» in Monaco herrsche«. Von alledem ist aber nicht» zu sehe«. Die Hotel« stehe» »n eiste« theil« leer und eine Grabesruhe herrscht in der Stadt. Die Bewohner machen gar nicht de« Eindruck S lücklicher Leute und wenn auch Geld nach Monaco ge« offen ist, so find doch auch die Bedürfniffe und die Hab- sucht gewachsen. Da» Glück der Einwohner ist mit der Ruhe geflohen. Der Roulette und dem Baccarat ist aller« ding» ein großartiger Tempel erbaut worden, wo man sich auf anständige Weise ruiniren kann, wen» nicht gerade eine Tynamitpatrone«xplodirt, aber im übrigen hat sich Monaco wtnig verändert. Denn die vom Fürsten in der Borau»- ficht aufgebauten Häuser, daß e« einmal für da» Glück«« spiel heißen wird:„Eleu ne va plus!', find fürstliche» Eigenthum und blo« ein Lockmittel für die kleinen Rentier« der Umgegend, da fie sehr billig wohnen können und fast gar keine Steuern zu zahle» habe». Wird aber einmal der Weißdierwirthe" Saal und dem in geschlossenen zu maischiren, er erspart, fie blieb in Begleitung ihrer Tante drau« ßen. Erst jetzt konnte man genau erkennen, welch einen schrecklichen Kampf die Frau mit dem Mörder bestanden haben muß. Die linke GefichtShälfte ist förmlich zetfleischt, nicht weniger al» dreizehn Wunden hat da» Opfer erhalten, die Wange ist mehrfach kreuzwei» durchstochen, ebenso da» linke Ohr, von welchem au» fich ein tiefer Schnitt in den Hat» et st, eckt; die rechte Hand, mit welcher die Frau nach dem Messer dei Mörder» gegriffen, ist bi» aus die Knochen durchschnitten. Bei dem Mann ist nur eine tiefe, breitklaffende Haliwunde fichtbar. Die Hautfarbe der Leichen hatte bereit» eine dunkle Färbung angenommen. Die meisten der Anwesen« den zogen e» vor fich bald wieder nach dem Hofe zu begeben, wo bereit» die Leichenwagen und Trauerkutschen Ausstellung genommen hatten. Tieferlchütternde Episoden ereigneten fich, veoor die Schließung der Särge stattfand: al» die hochbetagte Mutter de» Ermordeten der Leichen ansichtig wurde, sank fie unter lauten Klagerufen zwischen den Särgen zusammm und mußte in die Vorhalle geführt werden, wo fich ihr Schmer, in heißen Thränen und lauten Klagen äußerte. Ein Bruder der ermordeten Frau, Landwirth aui Gr.- Fahlenwerder bei Soldin, legte unter lautloser Stille aller Anwesenden in der Leichenhalle, die Hand der Er- mordeten ergreifend, mit lauter Stimme den Schwur ab, daß er die Todtm an dem Mörder rächen würde in fürchterlichster Weise, wenn ihm derselbe in die Hände falle, und bekräftigte diesen Schwur mit einem laut gedeteten Vaterunser. Nachdem die Särge geschloffen und ein Tbeil der von den Angehörigen und den Vereinen der Berliner Gastwitt he und Weißdierwirthe gewidmeten Kränze darauf befestigt waren, wurden dieselben von VereinStollegen de» Ermordeten hinaus auf die offenen Leichenwagen getragen, während der gewattige, im Vorhofe aufgestellte Leichenzug auf da» Kommando:„Stillgestanden! Achtung!" den Todten die letzte Ehre erwie». Unter den Klängen eine» Trauerchorals setzte fich der Trauerzug dann in Bewegung. Vorauf da» große VereinSbanncr der Berliner Weißdierwirthe, dann die Mufilkapelle, die VorfiandSmit- glieder beider Vereine mit ihren Schärpen und dahinter in endlosem Zuge die Vereinsmitglieder und Kollegen. Dem Zuge folgten die beiden Leichenwagen mit den dlumen« und florge'chmückten prachtvollen Särgen, auf dem ersten Wagen der Sarg dei Manne», alidann die Trauer- kutschen. Diesen schloß fich eine endlose Menge der Zu- schauer an. So nahm der feierliche Leichenzug, begleitet von Schutzleuten zu Fuß, welche oftmals Raum für denselben durch die fich stauende Menschenmenge schaffen mußte, seinen Weg durch die Louis nstraße, Karl- und Roonstraße, die Siege»- Allee, V'ktotia« und Potidamerfiraße nach Schöneberg hin. Al» der Zug um 2'/« Uhr an seinem Ziele anlangte, war e» kaum noch möglich, den Friedhof zu betteten, so dichtgefüllt waren die Hauptgänge desselben von einer theilnehmenden und neugierigen Menschenmenge. Gendarmen und Polizisten mutzten erst Raum schaffen. An der offenen Gruft hielt Pre« diger Stage eine tiefempfundene Leichenrede, in welcher er be- tonte, daß die Ehegatten 13 Jahre mit einander gelebt und durch ihrer Hände Arbeit e» dahin gebracht hatten, ruhig in die Zukunft schauen zu können. Erst vor vier Jahren haben fie auf demselben Friedhof da» eine von ihren be'den Kindern begraben, und damal» glaubtm ste, e» sei da» Schrecklichste, wa» über fie gekommen sei. Ste ahnten nicht, daß einst die satanische Wulh eine» Mörder» ihr Leben vernichten würde, da» von nun ad der Pflege ihre» einzigen Kinde» gewidmet war. Der Geistliche sprach den erschütterten Angehörtgen Köstende Worte zu und forderte dann die vielen Tausende auf, welche die Dahingeschiedenen auf dem letzten Gange begleitet, stch an der offenen Gruft zu verbinden gegen Feind, Gemein- hett und Niedertracht. Gebet und Segen de» Geistlichen, wie ein von der Verein«- Kapelle geblasener Choral endete die Trauerfeier. Um 3'/, Uhr leerte fich allmälig der � An# Hau» Möckernstr. 78, in welchem der Doppel- mord an den Schrffling'schen Eheleuten stattgefunden, bildet E nachdem die polizeiliche Sperre aufgehoben worden, da» für weitere Kreise. Zahlreiche Neugierige, insbesondere en finden fich auf dem Hofe de» Hause» ein, um fich an Ort und Stelle davon zu überzeugen, auf welche Weise es dem Mörder gelungen, w da» Schlattimmer seiner Herrschaft ein. zudringen und nach vollbrachter Mordthat wieder zu entkom- men. Di« Frauen de» Hause« find deshalb viel in Anspruch genommen, unterziehen fich aber gern der Ausgabe, den N-u- gierigen die gewünschte Erklärung zu geben. Da ist zunächst das durch dunkle Gardinen jetzt verhüllte Fenster der parterre belegenen„Berliner Stube", an d-ffen unterem Thelle de» KreuzeS noch die Blutlvuren fichtbar find, welche nach der einen Verston von der Hand der um Hilfe rufenden Frau, nach der andern von der Hand de» Mörders herrühren sollen, al» er im Begriff stand, durch das Fenster den Ort der Mordthat zu verlassen, aber durch den Anblick der vor dm Fmstetn phrer Wohnung stehenden Nachbarn zurück- gescheucht wurde und dann durch die Thür der Wohnung verließ, um von dort aus sofort in den Keller zu gelangm. Hier hat er in der, nach dem Hofe zu gelegmen Küche fich die Hände vom Blute gereinigt, fich umgekleidet und gefrühstückt. Man kann vom Hofe auS deutlich das Arrangement der Küche er- kennen. Vom am Fenster befindet stch der Küchmtisch, auf welchem noch ein Fiühstücksleller mit drei Schrippen stehen, Tempel geschloffen, dann kehrt sicher die glückliche Zeit der Bäckermonopole, der Geburtsscheine für Lämmlei» und Zick« lein wieder. Ein längerer Aufenthalt in Monaco gehört zu dm Unmöglichkeiten, da die Uafittlichkeit der dort versammelten Gesellschaft zum Himmel schrett und gar zu schroff mit der Schönheit der Natur kontrastirt. Da« Treiben in Monaco habe« schon Viele geschildert, aber Niemand so treffmd und so poetisch, al» die fein beobachtende George Sand. Man gestatte««», einige Worte au« einem ihrer Briese anzu« führm:„Au» den Herrlichkeiten der Natur fallen wir plötzlich in de« vollen Schmutz der moderne« Cwilisatioa. Za dem fahlen Licht de« wachsenden Monde», am Fuße de« großen Felsen, der im Schatten schlummert, im ge» heimnißvolle» Rausche« der brandenden Woge», im Dust der Orangmhaiae liegt eine Fieberatmosphäre. Man findet hier junge Fraum, die spielm, während die Ammen auf dm Sopha« deren Kinder säugen. Ein hübsche« fünf- bi« sechtjährige» Kind schleppt fich auf eine« der Sopha« hin, um da vor Müdigkeit, Hitze und Langeweile einzuschlafen. Hat seine erbärmliche Mutter e« vergessen, oder wünscht sie ihm eine große Mitgift zu gewinnen? Eine alte Dame fitzt am Spieltisch mtt einem zwölfjährigen Knaben, der fie Mutter nennt. Sie verliert und gewinnt mit Gleichgiltigkett. Der Knabe spielt auch und zwar sehr anständig; er defitzt bereit« Uebung. Zm wetten Hof sieht man unruhige und verstörte Schatten in der Nähe eine« Kaffeehause« umher- irren. Sie scheinen zu frieren;— oder betrachtm fie viel- leicht mit Gier ein Gla» Eiswasser, da« fie nicht mehr de- zahle» könne»? Man trifft Enige auf dem Wege, die um einen Platz im Wagm bi« Nizza betteln, andtre gehen zu Fuß mit leeren Taschen. Die Hotelk-llner scheine« devjmigen tief zu verachten, der Unglück im Spiel gehabt, und aus Klagen wegen schlechter Bedienung erwidern sie achsel- zuckend:„Da» war doch nicht heute Abend?" Man dinirt wie man kann in einem mit kleine» Trschm überfüllte« daneben ein kleinerer, auf welchem Messer und Gabel liegen; unmittelbar neben dem Tisch erblickt man auf einem Stuhle oder Bank den Waschnapf, noch zur Hälfte mit der blutigen Flüsfiglett gefüllt, ein in Erinnerung an die SchreckenSthat un« deimlicher Anblick. Der Keller selbst ist vorn noch mtt dem Siegel de» 71. Polizeireviers, welche» am Verschluß der Keller« thür angebracht ist, versehen und deshalb nicht zu öffnen. Gleich« wohl befand fich bereit» der Bmder der ermordeten Frau darin, um die sonst dem fichern Verderben ausgesetzte Waare zu ve- äußern. In seiner Familie befindet fich auch daö verwaiste Kind. Weshalb die Bewohner auf den Hilferuf der Frau nicht herbeieilten, ist derett» angedeutet worden; e» wird aber von den Bewohner» de» Hauses bestä-izt, daß der Ermordcte eine heftige Natur besaß oft mit seinem Personal wechselte und im animirte» Zustande häusliche Szenen provozirte, sogar, aus seine Körper« kraft pochend, Gäste, die ihm nicht ganz angenehm schienen, kurzer Hand in„Freiheit" scylc. Man mochte fich deshalb nicht in seine Angelegenheiten mischen. Aussallend muß die Aussage einiger Bewohner erscheinen, daß der Mörder, so sehr er den Haß hegen seinen Herrn, gegen welchen er schon den Schutz der Polizei nachgesucht hat, zur Schau trug, über die von ihm in so grauenvoller Weise hingeschlachtete Ehefrau nur Gute« ausgesagt haben soll. Man nimmt dort an, daß er nur an dem Mann seine Rache üben wollte und fich erst gegen die ihm an Körperkräften bei Weitem überlegene Frau wendete, al» diese, erwacht, ihn zu überwältigen suchte. Zur Warnung für Aeservifte««ad Wehrleute theilea wir den nachstehenden Vorfall mit. Ein zur Uebung ringe- zogen gewesener Reservist wurde nach seiner bereits wieder er- folgten Enttassung, d. h-, nachdem er mtt Kompetenzen völliz abgefunden, tm Befiy der EntlaffungSpapiere war und den Zivilrock wieder anhatle, von einem Offizier, zu dem er vorher in gar keinem dienstlichen Verhältniß stand, beleidigt. Der Be- leidigte wandte fich, nach reiflicher Ueberlegung der Schritte, welche er einzuschlagen hatte, mit einer Anzeige des Vorfall« an den Regiments- Kommandem des Offiziers. Einige Zeit darauf wurde er vom Bezirkt- Kommando benachrichtigt, daß seine Beschwerde allerdings alt begründet anerkannt und der Offizier bestraft sei, j-doch seien ihm, dem Reservisten, weil er die Beschwerde zu spät und nicht an der richtigen Stelle an- gebracht habe, sieben Tage Mittelarrest zudiktirt worden. Nun steht aber im Militärpaß unter Nr. 4 der Bestimmungen für die Mannschaften der Reserve rc.:«Bei Anbringung dienst' ltcher Beschwerden find die Mannschaften deS Beurlaubten- standeS verpflichtet, den vorgeschriebenen Dienstweg inne ZU kalten," ferner besagen die Vorschriften über Beschwerden i® Armee- Verordnungsblatt von 1373, Sette 63 u. ff.:„Mannschaften des BeurlaubtenstandeS haben Beschwerden, welch: Dienstangelegenkeiten betreffen, ihrem Bezirtsfeldwedel vorzu' kagen." Die Beschwerde des Reservisten b-trai aber gar keine Dienstangelegenheit, eS handelte stch hier lediglich um die Bf letdigung eines Staatsbürgers durch einen Offizier, die aber weder während dei Dienstes erfolgt noch mit irgend eine® Dienst in Zusammenhang zu dringen war. Dem Beleidigtes stand demnach, da in den Bestimmungen nur von Beschwerde» die Rede ist, welche Dienstangelegenheiten betreffen, völlig fr«- die Klage anzubringen, wo er wollte, entweder beim Mtlitä? oder beim Zwilgericht. Die Strafe von fieben Tagen Mittel' arrest wäre unseres Erachten» nach nur gerechtfertigt gewesc»- wenn 1) der Reservist zur Zeit der Beschwerdeführung noch i» der U-dung begriffen gewesen wäre, oder 2) wenn seine B' schwerde eine Dienstangelegenheit betroffen hätte oder 3) wen» ihm die Beleidigung während der Ausübung eines Dienste- Hai der urlaubten standeS haben Beschwerden irgend welcher Art de® Bezttksfeldwcdel einzureichen", eS ist dort aber ausdrücklich nur von Beschwerden die Rede, welche Dienstangelegen b- t-n de- treffen. � 1 1 Zum vielberegteu Kapitel von den«ärtliche« Schwiep aermütterv hat die Wiltwe R. in RummelSdurg einen neW Beitrag geliefert. Dieselbe bewohnte mit ihrer verbeirathet» Tochter und deren Ehemann eine gemein schattliche Wohnum in der Thürschmidtftraße. Als eS am Donnerstag zwischen d<® Letzteren und seiner Schwlegetmutter zu einem Woriwech!" kam, ergriff diese ein Beil und brachte damit Jenem mehrn Kopfoerletzungen bei. Der auf seine Harttöpfi gleit also«l prüfte Ehemann begab fich zunächst zum Dr. Schröder bezog sodann eine eigene Wohnung, während die lieben" Gattin in der Wohnung der Mutter verblieb und stch weifl»' ihm zu folgen. Der Verletzre hat bereits da« ärztliche mtt einer Denunziation wegen Körperverletzung der Sta"� anwaltschast eingereicht. I« de« Zügen der Oftbahn findet fich ein«edruß* Vlakar, worin es beißt;„Mittagtffen wird in den nachbenann, Stationen für die Kourtr- und Schnellzüge bereit 0«� Dazu hat ein grammatischer Witzbold die Randdemerkun»* wacht:„Sind das aber gefräßige Züge.", w Wie lange Thtere ohne jegliche Nahiuna zu"y vermögen, deweist der folgende uns mitgetheilte Fall. einem unweit dei Kanal« gelegenen Hol,plc>tz eines Hr'�t amüstrte stch täglich daS niedliche Wachtelhündchen ein® deschäftlglen Schiffers damit, nach den daselbst geh�j,' Kaninchen, die fich halboerwildert unter und zwischen den*�5 WichterMmshlelten�jt�� Saal. Mau macht fich die Plätze unter dem buäube»� Lärm der Mädchen streitig, die sich ein Diner und®/ zahlenden Freund suchen. Dann kehrt man in de« � j zurück, um irgend ein Schauspiel zu erleben, ich koantt zedoch nicht aushalten, der schwere Geruch verttreb Die Stadt ifij stumm und öde noch neun Uhr. � kehre» am Ufer entlang zurück; die Gasflammen den Fuß de« hohen Felsen und werfe« ei« grünliche» � auf das marmorne Geländer und die Orangevbätmj» Garten«. Die Roulette läuft immer»och. Eine Nach fingt, ei« Kind weint......" t»«» Am nächste« von Monaco liegt Mentone,«der würde fich sehr täusche«, wenn man glaubte, daßh®*»' pt Luxu» oder gar behagliche Wohlhabenheit hnt ch'- vCt französische Regierung Hai fich viel Mühe gegebe«, Oliven- und Zohannisbroibäumen umgebene Stadt 5 schöner«, indem fie Qum« und brette Promenaden Die Einwohner ihrerseir« haben schöne Villen und Sch.jf» bäuSche« eingerichtet und hoffte«, daß die Freuden v«* s,« Monte Carlo Legionen Fremder anziehe« würden. 7«�' haben fich getäuscht. Die Spielfteude» habe« k''ne v � de« angezogen, sonder« dttselbeo eher verjagt, Kranken, welche Mentone seine« Klima« wegen möchte», die Aufregung de« Spieles fürchte«.& � i* find die Abende am Sttande de« Mittelländische» �_.,3 kalt, daß c« nicht gerathe« ist, fich«ach Sonne»» x ,9- im Freie» zu ergehen, besonder« wen» man brutt � Vor allem aber scheuen die Kranke» de« Monte � Mentone ziemlich langweilig ist und sich da« gesaw._ Fh® in der Spielhölle konzentrirt. Hier findet ma»'» zht»!!� fast alle Zeitungen der Welt, ei» auSgezetchnw« da« fich mit der Comsdie-Fransaise und mtt s-krliH? Oper messe» darf, und die für die Brustkranken g w u® mehr oder minder schö-e» Sünderinne» her wie die Fledermäuse a« einem warmen � � � zl Gar mancher junge deutsche Offizier, der sich* � »erschwunden und allei Euchen und Rufen war vergeblich, so daß man annabm, derselbe habe fich verlaufen oder sei gestoh- len worden. Neun Tage nach dem Verschwinden dei Hundes vernahmen die auf dem Platze arbeitenden Leute ein leises Wimmern, was fie sogleich an den verschwundenen Hund erinnerte. Die aufgestapelten Holzmassen waren jedoch zu groß, um bestimmen zu können, woher die Töne kamen. Das Wimmern wiederholte fich jedoch und wurde so flehentlich, daß die Arbeiter, die daS Thierchen lieb gewonnen hatten, gern ihr Arbeitslohn oplerten und daS Abtragen der Holz« Haufen beschloffen, bis fie das Thier fänden. Vom Beschluß schritten fie sofort zur That und mancher Haufen mußte abgetragen werden. Da» Hündchen schien zu bemerken, daß man fich ihm nahe, das Winseln wiederholte fich öfter, obwohl immer heiserer und schwächer, so daß man die Gegend, woher es kam, genauer bestimmen konnte. Endlich nach mehr stündiger Arbeit fand man ei zwischen zwei Kloben fest ein» geklemmt. Der Anblick war herzzerreißend! DaS Thier lebte, Augen und Ohren waren aber von Würmern bedeckt. Das Thierchen gab seinen Errettern seine Freud« ledhaft zu erkennen, sank aber dann scheinbar ledloS zusammen, so daß die harten Männer ihre Rührung nicht verbergen tonnten. Der sorgsamen Pflege des Anweiseri Ech. gelang eS, nach einigen Tagen den Hund dahin zu bringen, daß er sich wieder von der Stelle be- wegen kann. Er ist wieder bi« auf den Verlust des einen Auges und einiger haarlosm Stellen dei Körpers vollständig gesund geworden, nachdem er volle neun Tage nicht« zu fich genommen hat._ ,, Viele von Denen, welche die Räume der Jubiläums- Kunstaut stellung durchwandern, werden achtlos an den Werken der Gärtneret vorübergehen, denen nicht nur die Oertlichkeit im Allgemeinen, sondern auch manche Einzelheit deS Unter- nehmen« im Besonderen einen wesentlichen Theil ihreS ReizeS virdankt. Schon im ersten Jahre ihreS Bestehens, zur Zeit der Hygiene- Ausstellung, ernteten zwar die oärtnerischen An- lagen des Autstellung! platzes allgemeine» Loo und ihre An» Ziehungskraft auf da» Publikum bewährte fich auch in den folgenden auSftellungslosen Jahren; es lustwandelte fich gar so angenebm unter den prächtig entwickelten Kronen der jungen Bäume, zwischen den lauschigen Dickichten auserwähller Ziersträucher, am Rande deS spiegeln- den See« mit seinen glitzernden Svringquellen. In- zwischen ist diese schöne Anlage des Weiteren herangewachsen, und doch waren noch außerordentliche Anstrengungen erforder- lich, um fie zu dem herauszubilden, was fie gegenwärtig dar- strllt. Der Körper der Ulanenstraße welcher als hoher Damm da« jetzt„klasstsch" gewordene„naffe Dreieck" vom Haupt- platze trennte, wurde großentheilS abgetragen und zur Auf- ichüttung der daS Dreieck umsäumenden, mit Rasen und Strauchgruppen bedeckten Böschungen verwendet; daS Llumenparterre vor dem Eisenpalaste erfuhr wesentliche Verschönerungen; gegenwärtig prangt eS im Schmuck zahl- reicher Pfingstrosen(Päonien). Beachtenswerth ist die An- Pflanzung der alten Kiefern zu beiden Seiten deS Jupiter- tempils. Mit ihren Kronen über die Terraffe de» Bau« Werkes ragend, machen fie den E ndruck von Pinien(denen ja unsere nordische Kiefer in der Tracht sehr ähnlich ist) und aeben so dem Bau erst die paffend« Umrahmung. ES war ein Kunststück, diese alten Burschen aus dem Treptower Park, wo sie wild aufgewachsen find, in einem Zustand« hierherzubringen, der einige Gewähr für ihr Fortbestehen bot. Um dies zu er- möglichen, hat man die Bäume schon im vorigen Jahre um- graben, die Wurzeln bloSgelegt und dann mit frischer Erde beschüttet. Auf diese Weise find die alten Wurzelknorren ver« anlaßt worden, ringS um den Stamm herum in deffen un- mittelbarer Näh« junge Saugwurzeln zu treiben, und nun bannte man wagen, die Bäume mit einem Wurzelballm von mäßigem Umfange auszuheben und fortzuschaffen. So steckt «in außerordentliches Stück Arbeit und Intelligenz in Dingen, me unter Zehn kaum Einer eines Blickes würdigt. , sehr die„Geschäfttsprache" der verltuer Gauner gewöhnlichen Sprachgebrauch de» ,". gc�uuniiivii1 wv. u wbvv»muu» ww richtigen Berliner» Angedrungen ist, deweist eine intereffante Zusammenstellung f« Gaunersprache, welche ein Berliner Kriminal KommiffariuS einem hiefigen Blatte gegeben hat. Wie oft wird e» nicht dem richtigen Berliner in den Mund gekommen sein, einen ipendablen Freund„einen Freier" zu nennen, den man„ver- schleppt" hat, um ihn„hoch zu nehmen", ohne dabei zu denken, N man hier die Sprache de» echten Bauernfängers gebraucht Wl? Die Bezeichnung„ausbaldowern" für autwndschasten ist s'n dem berüchtigten Dickhoff-Prozeß gleichsam Gemeingut des Migm Berliners geworden, nur wendet er es in seiner Naivetät oft gan, falsch an. Nicht minder geläufig ist der Ein» drech«. Ausdruck„Schmiere stehen" oder„verduften", die man ittzt vielfach in ganz harmlosen Dingen anwendet. Die Be- Nennungen„Asche" oder„Draht" hört man dei Besprechungen Uber Geldangelegenheiten vielfach, ohne daß man die geringst« Verbindung mit Verbrechern hat. Ebenso unverfänglich denkt wan es, wenn man bei Geldkalamitäten fich im„Brand" de- smdlich bezeichnet oder bei Anschaffung eines neuen AnzugeS von einer nruen„Kluft" spricht. Wenn der Verbrecher einen Uniformirten Schutzmann mit„Blauer" und Kriminalbeamten Ufit„Heimlicher" bezeichnet, so deckt fich dtefe Benennung mtt dem Spitznamen, den auch der richtige Berliner für die ge- dachten Beamten oft benutzt.„Allewerden", wenn Einer seine «retheit eingebüßt hat, ist auch ein nicht selten vorkommender �enguuge« der Belageruug von Pari« im Jahre 1871 zur Erholung nach Mentone begeben hat, schlummert als ein �pfer de« Klima» in Mentone'» Erde. Nizza liegt schon entfernter von Monaco, der bose Em- llß des Monte Carlo läßt sich jedoch auch hier verspüttn. �te Gäste von Nizza gehen allerding» nicht so oft nach Mo« "«co, aber da» Beispiel der Nachbarschaft hat die guten «itten von Nizza verdorben, indem man auch hrer sehr hoch spielt. Aber in»elcher Großstadt giebt es kerne geschlossenen »«rnehmen Gerdt« Massöna und de la Medckerranöe manche» Jk Unwesen treiben und Niemand findet daran etwas au». t.,"? der Monte Carlo aufgehoben ist, und man rn Nrzza urcht mehr heimlich dem Spiel stöhnen darf. Vrel- wird dann auch der Zufluß der mehr al» zwerdeutrgen Archen Gesellschaft aufhören, die be» Anbruch der Dunkel- ' die Kolonnaden der Place Massen a unsicher macht. v Da» Gedeihen der umliegenden Städte richtet fich«ach ** Entfernung von Monaco. Cannes, Frsju», HyöreS Ausdruck deS Berkners. Man ersteht also hieraus, wie fährlich es mitunter für den guten Kredit eines Menschen wenn er fich in Anwesenheit„sachkundiger Personen" in der- artig„gewählten" Ausdrücken bewegt! von einem der Sioux, die fich im vergangenen Winter hier haben sehen lassen, erzählen amerikanische Blätter folgende rührmde Geschichte: New Bork, 20. Mai. Der große Sioux- Krieger Black Horse und seine Squaw trieben fich gestern in großer Aufregung im Castle Garden herum. Seit zwei Jahren befand fich das Paar mit neun Gefährten auf Ausstellungen in Europa; die Bewohner von Berlin waren die letzten, die Gelegenheit hatten, die rothen Krieger zu bewundem. Black tzorse sehnte fich nach dm Wilünissm Dakota«' er reiste nach Bremm und gab dort seinem Wirth 400 Marl, um für ihn und seine Squaw die Paffage bi» Deadwood zu bezahlen. Die beiden kamen in dem Dampfer„Nebraska" hier an und fanden aus, daß fie blos für New Bork gebucht waren. Clerk Niglutsch begleitete Black Hoise nach der Oifice der State Line und er- mittelte dort, daß blos 170 Mark für die Paffage der Beiden bezahlt waren. Der Bremer Wirth hatte demnach den Schwarzm Gaul um 230 Mark beschwindelt. Black Horse ist in größter Verlegenheit; die Reise nach Deadwood kostet 95,80 Dollars und dies ist gerade 95 Dollars mehr als er hat. Ueber eine« Schwindel wird uns berichtet: Am 9. d. bestellte ein junger, anständig gekleideter Mann in einer größeren Druckerei einen Posten von 10000 Stück Rollkalten für die SpedttionSfirma C. Wemer u. Komp., leistete auch unaufge- fordert«ine Anzahlung von 10 M. Der genannten Firma ist von dieser Bestellung nichts bekannt und ist zu vermuthen, daß der Besteller einen Schwindel beabfichtigt, da er fich bereits 100 Stück der bestellten Formulare abgeholt bat. Echwanentdyll. Am Nordhalenufer bietet fich gegenwärtig dm donigen Passanten ein interessantes Schauspiel dar. Hier hat in diesem Jahre ein Schwanmpaar sein Nest dicht am Ufenande hinter niederem Wewengestrüpp gebaut, in dem Frau Schwänin seit acht Tagm ihrer Mutter flicht obliegt und vier Eier bebrütet, während der treue Gatte etwa fünf Schritte von seiner Gattin entfernt unermüdlich Wache steht. Zischend und mtt aufgehobenen Flügeln sucht er jedm Feind von seinem häuslichen Herde fernzuhatten. Trotzdem wagte ei am Mttt. woch ein vorwitziger Bursche, fich dem Neste zu nähern, mußte aber seine Neugier mit wohlverdienten wuchtigen Flügelschlägen und Schnabelhiedm, die ihm der Hausherr erlheilre, büßen. Nur auf kurze Zett verläßt Frau Schwänin, die Eier mit weichem Flaum dedeckend, das Nest, um an der Seite ihre» zärtlichen Gatten fich auf das Waffer zu begeben und hier ihren Hunger und Durst zu stillen. Darauf begiebt fie fich wieder zu dem Nest zurück, während der treue Gatte seinen Wachtpostm einnimmt. Kinderaussetzung und fahrlässtge Tödtnng. Am frühen Morgen de» 2. Mai fand gelegentlich eines Patrouillmrittes der Gendarm Ramm auf dem Atzbodnischm Grundstücke die nur nothdürftig bekleidete Leiche eines drei Monate altm Kindes, von dem man annahm, daß eS dort ausgesetzt worden und in der bttterkalten Nacht erfroren sei.— Wenige Tage darauf brachtm wir gleichzeitig mtt einigen anderen hiefigen Zeitungen eine Meldung über das räthfelhaft« Verschwinden eines kleinen KindeS. Eine hiestge Dienftmagd, die unverehe« lichte Marx, habe ihr drei Monate alteS Knäblein zu ihren Ellern nach Blomberg bringen wollen. Auf dem Bahnhofe Lichtenberg habe fie da» Kind einer ihr fremden Frau auf einige Augenblicke zum Halten gegeben, diese sei jedoch mit dem Kinde verschwunden und nrcht wieder aufzufinden gewesen. Diese Anzeige hatte die Marx selbst dei der hiefigen Polizei erstattet; die sofort angestellten Recherchen ließen jedoch sehr bald Zweifel an der Richtigkeit der Angaben aufkommen und man brachte diese Affaire mtt dem in Lichtenberg aufge- fundenen tobten Kinde in Verbindung. Das Mädchen, welches jedoch mit aller Entschiedenheit die Aussetzung bestritt und beim Leugnen beharrte, selbst nachdem die Identität des aufgefundenen KindeS mtt dem angeblich verschwundenen unzweifelhaft festgestellt worden war, wurde in Untersuchungshaft genomman. Dort hat fie endlich in voriger Woche ein rückhaltsloseS Gestärdniß abgelegt. Damach hat fie fich am Abend dei 1. Mai mit ihrem Kinde auf der Bahn nach Lichtenderg begeben. Dort ist fie ausgestiegen, hat daS Kind an einem Zaun niedergelegt und ist nach Berlin zurückgekehrt. Was diese That«n um.so grelleren Lichte erscheinen läßt, daS ist der Umstand, daß daS zarte Kind überaus dürftig bekleidet war. E» trug nur ein leinenes Hemdchen und Jäckchen und war in ein Wickeltuch gehüllt, welches aber nur bis unter die Arm« reichte, so daß Händchen, Kopf und Schultern der kalten Nachtluft schutzlos preiszegeben warm. Vor einigen Tagen wurde die unnatür- liche Mutter, eine robuste, breitschulterige, im Anfang der zwanziger Jahre stehende Person, nach Lichtenberg g-sührt, dort vermochte fie ohne langes Suchen dem UntersuchungS- richter, LandgerichtSrath Aschi, die Stelle anzugeben, wo fie da» Kind niedergelegt hat und wo dasselbe auch gefunden worden ist. Die>c. Marx hat nunmehr eine strenge Strafe zu gewärligen, denn§ 221 deS Strafgesetzbuchs bestraft die Auisetzung einer hilflosen Person, durch welche der Tod der letzteren herbeigeführt wird, mit Zuchthaus nicht unter drei Jahren. Die Mittheiluug, daß Frau Marunge nach der Straf- anstatt in Sonnmdurg überführt worden sei und ihr Sohn blühm empor und e« sei zu ihrer Ehre erwähnt, daß deren Einwohner sowohl al» auch die Gäste verhältnismäßig sehr wenig dem goldenen Kalb geopfert haben, trotzdem die Epielgesellschaft sich alle Mühe giebt, dieselben in ihren lasterhaften Krei» hineinzuziehen. Canne« mit seiner Herr- liehen Aussicht auf da» Meer und auf die italimische Küste ist ein irdisches Parodie». Der von Turette angelegte botanische Garten, der die Flora der Tropm und der gemäßigten Zone vereinigt, ist ein bevorzugter Aufenthalt»«« der Fremden, und die felsenreiche Wildniß der Umgegend bietet so viele romantische Punkte, daß man dm Monte Carlo gern mtbehrt. Cannes verdankt sein Auf- blühen dem Lord Brougham, Antrbe» dagegen, da» durch seine horrmden Forderungen den englischen Staatsmann vertrieben, scheint noch in einen lethargischm Schlaf versenkt. Man möchte behauptm, daß die Hauptaufgabe der Bewohner von AntibeS in der Pflege des Grabe» de» Ge- neral» Championnet und im alljährlichen Anstreichen der weißen Bourbonsäule besteht, die fich im Zentrum deS 6000 Einwohner zählenden Städtch-n» erhebt. E» wird jedoch nicht mehr lange dauern, bis auch diese reizend gelegene Hafenstadt zu vollem Leben erwacht, denn jetzt schon ist ein neuer eleganter Stadttheil längs deS Golfs Juan in Bildung begriffen. Die paradiesische Gegend kann aber erst zu vollem Leben sich entfalten, wenn der Monte Carlo heißende Pfuhl mit seinen mephttischm Ausdünstungen trocken gelegt ist. Die Spielwuth der Menschen läßt sich zwar nicht unter- drücken. Giebt«S keine Roulette, so w ender man sich dem Totalisator zu. aber da» sollte doch kein Hinderungsgrund sein, auf die Aufhebung einer unmoralischen Unternehmung hinzuwirken, die geradezu ein Staattinstitut geworden ist. Die ttalimische Regierung sowohl, al» auch die französische wird üier kurz oder lang doch dahin wirken müssen, daß auch die letzte Pestbeule de» Hazardspiel» ausgebrannt werde. die ihm auf dem Gnadmwege zudittirte lebenslängliche Zucht- bauZstrafe im hiefigen Zellen gefänaniß verbüßen solle, ist voll« ständig au« der Luft gegriffen. Abgesehen davon, daß weib- liche Gefangene nicht nach Sonnenburg gebracht werden, so kann auch, den bestehendm Bestimmungm zufolge, im hiefigm Zellmgefängniß nicht eine lebenslängliche, sondem höchstens eine fünfjährige Zuchthausstrafe verbüßt werdm. Außerdem ist aber auch an maßgebender Stelle von einer Entschließung in der Angelegenheit nicht» bekannt, mithin kann eine Be« gnadigung der Gattm- und Vatermörder noch nicht erfolgt sein. Ein schwerer Unglücksfall, der wahrscheinlich dm Tod eines Mmfchen zur Folge haben wird, ereignete fich am Sonnabend auf dem Schwartzkops'schm Fabrikgrundstück in der Ackerstraße. Alljährlich wird daselbst der große, 65 Fuß hohe, eiseme Schornstitn mit Theer bestrichen und werden zu dieser Arbeit stets solche Arbeiter gewählt, welche fich durch Fleiß ausgezeichnet haben, da für diese Arbeit ein Extralohn von 15 Mark gezahlt wird. Am Sonnabmd wurde dem Arbeiter N. der Auftrag zu Theil, die Arbeit auszuführen. N. hatte zu diesem Zwecke vom Innern des Schornstein» aus große Stricke andringen lassen, an denen er fich festhalten wollte. Als er von dem Schornstein bereits einige Fuß getheert hatte, brach plötzlich die obere Platte, welche von Rost zerfreffen war, und schlug, den Arbeiter auS einer Höhe von 62 Fuß mit fich reißend, auf dm Hof hinunter. N. fiel zunächst auf ein söge- nannte» Schutzdach und von diesem auf den Hof, wo er regungslos liegen blieb. Die mit dem Halten der Stricke de- schäftigten Arbeiter sprangen sofort zur Seite und kamen mit dem bloßen Schreck davon. N. trug dagegen so schwere innere und äußere Verletzungen davon, daß der hinzugerufme Arzt die sofortige Uebertührung nach dem Lazarns-KrankenhauS an» ordnete. An ein Aufkommen deS auf so entsetzliche Weise ver« unglückim N. wird gezweifelt. In Folge Einathmens von Leuchtgas wurde am 13. d. Ml». Morgen» der Tischler K. mit seinen 4 Kindern im Aller von 11 bi» 16 Jahren in seiner im Hause Adalbert» straße 16 im ersten Stockwerk« deS Seitengebäudes belegenen Wohnung anscheinend lebloS aufgefunden. Den Bemühungen de» sofort herdeigerufmen ArzteS gelang eS, die sämmtlichen Personen zum Bewußtsein zu dringen und jede weitere Lebens» gefahr zu beseitigen. Nach den angestellten Ermittelungen ist daS Gas einem schadhasten Rohre deS unter der Wohnung des K. liegenden Laboratoriums eine» Apotheker» entströmt und durch die Decke in die bezeichnete Wohnung gedrungen. Im Thiergarte«, in der Nähe des Floraplatze», wurde von einem Aufseher am 12. d. M. die bereit» in Verwesung übergegangene Leiche eineS neugeborenen Kinde» männlichen Geschlechts, welche vollständig entblößt war und neben welcher eine schwarze Handtasche von Stroh lag, aufgefunden und nach dem Leichenschauhause geschafft. Die Mutter deS muthmaßlich ausgesetzten oder ermo. Veten Kindes ist bis jetzt noch nicht ermittelt. Ein Opfer seltener Pflichttreue wurde dieser Tage ein Bahnwärter ver Norddahn. Derselbe bemerke, wie eine Lokal- Korrespondenz berichtet, auf einem ReoistonSgange am Bahn« dämm, daß gegen die fahrplanmäßige Vorschrift eine Lokomotive von Berlin nach Reinickendorf zu dampfte. Wissend, daß die bei Schönholz befindliche Barriere deS Bahnüberganges nicht geschloffen sei, stürzte der Beamte in vollem Lauf unaufhaltsam vorwärts, um dieselbe zu schließen und so einem eventuellen Unglücksfall vorzubeugen. Glücklich langte er dort auch an, schloß die Saniere, brach dann aber sofort ohnmächtig zusammen. Gleich darauf brauste die Lokomotive, welche nur eine erste Probefahrt machte, vorbei. Der Erschöpfte wurde später nach Hermsdorf geschafft, wo ein Arzt konstatirte, daß er einen Netzdruch durch das überangestrengte Laufen davongetragen habe, welcher daS Anlegen eines Bruchbandes nothwendig machte. Bewegung de« Bevölkerung Berlius nach den Ver- öffentlichungen des statistischm Amts der Stadt. Die fort�e« schrieben« Bevölkerungszahl betrug am 22. Mai inkl. der nach» traglichen An- und Abmeldungen 1 334083, hat fich demnach gegen die Woche vorher um 1395 Seelen vermehrt. In der Woche vom 23. bis 29. Mai wurden polizeilich gemeldet 2601 zugezogene, 1765 fortgezogene Personen; standesamtlich wurden 217 Ehen geschloffen. Geboren wurden 831 Kinder, und zwar lebend: 435 männliche, 369 weibliche, zusammen 804(darunter 83 außereheliche), todt 17 männliche, 10 weibliche, zusammen 27(darunter 2 außereheliche) Kinder. Die Lebendgeborenen, auf« Jahr berechnet, bilden 31,4, die Todtgeborenen 1,1 pro Mille der vevöikerung. die außerehelich Geborenen 10,23 pCt aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Lebend- geborenen 10,32, die) bei den Todtgeborenen 7,40 pCt. In der kgl. Charttee und Entbindung». Anstalt wurden 38 Kinder geboren. Gestorben(ohne Todtgeborene) find 714. nämlich 384 männliche, 330 weibliche Personen. Von diesen waren unter 1 Jahr alt 306(inkl. 72 außereheliche), 1 bis 5 Jahre 133(inkl. 13 außereheliche), 5 bis 10 Jahre 18. 10 bis 15 Jahre 5. 15 bis 20 Jahre 10. 20 bi» 30 Jahre 34, 30 biS 40 Jahre 48 40 bi» 60 Jahre 69, 60 bis 80 Jahre 73, über 80 Jahre 18. Die Sterbefälle beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 61 48 pCt. sämmtlicher in dieser Woche Gestorbenen aus. Von den im Alter unter 1 Jabr gestorbenen Kindern starben 43 im ersten. 15 im zweiten, 23 im dritten, 23 im vierten, 35 im fünften. 27 im sechsten, 130 im siebenten bis zwölften LebenSmonate: von denselben waren ernährt 64 mit Muttermilch. 1 mit Ammcnmilch. 178 mit Thiermilch, 5 mtt Milchsurrogaten, 38 mtt gemischter Nahrung, von 30 war eS unbekannt. Todesursachen ,ündung(36). Krebs(16), Altersschwäche(25), LedenSschwäche(36), Abzehrung(24), Masern(20), Scharlach(2), Diphtherie(18), Typhus(3), Drarhöe(20), Brechdurchfall(38), an anderen Krankheiten starben 172 und durch Selbstmord 4. davon durch Erschießen 1, durch Erhängen 1, durch Ertrinken 2. Die Sterblichkeit der Woche auf da« Jabr berechnet, kommen durchschnittlich auf 1000 Bewob'-er w Berlin 27,9, in Breslau 44,6, in Frankfurt a. M. 24 2 in r r&g"ä-ä•« 9 größeren Krankenhausern wurden in der Berichtswoche 877 Kranke aufgenommen, davon litten an Masern 21, an Schar- lach 4. an Diphtherie 20, an Tyvhus 8, an Rose 9. ES starben 132 Personen oder 18,5 pCt. aller in der Woche Gr- storbenen; als Bestand verblieben 3676 Kranke. Wafferstand der Spree in der Woche vom 30. Mai bis inkl. 5. Juni 1886.(Angabe in Metern.) Tage 30./5 Am Oberbaum Dammmühle, Oberwasser. Dammmühle, Unterwasser. Polizei 2,56 2,53 , 0,88 Bericht. 31./5. 2,59 2,57 0,79 1V6. 2,60 2,61 0,82 2./6. 2,62 2,60 0,82 3v6. 2,61 2,58 0,85 4./6. 2,60 2,58 0,90 5.. 6. 2,61 2,58 0 98 .(5,-::--, T----;'-v Vm 11. d. M. Nachmittags wurde an der Warsendrücke wiederum ein brennender Balken bemerk von einem in der nahen städtischen Badeanstalt be� siraße 96, an w«lch«m auf einem Fahrstuhl der Arbeiter Wille« mofSli mit Anstricharbeiten beschädigt war, etwa 2 Meter unter der Spitze ab und fiel mit dem Fahrstuhl und WillemafSkt ,u- erst auf ein Fakildach und dann auf den gepflasterten Fuß- baden. Willemoftlt erlitt außer mehreren Knochendrstchen so schwere innere Verletzungen, daß an seiner Wiederherstellung gezweifelt wird.— An demselben Tage Vormittag« wurde im Thiergarten, in der Nähe de« FloraplatzeS, die Leiche einet neugeborenen Kindes aufgefunden.— Zu derselben Zeit fiel ein 11 JahreS Mädchen am Kronprinzenufer von einem Dach, auf welche« e« au« unbetannter Veranlassung gestiegen war. durch ein in demselben befindliche« Lichtfenster 3 Stockwerk tief auf den gepflasterten Hof hinab und verstarb auf der Stelle. — Am 13. d. M.. Morgens, wurde in der Hasenhatde hinter dem Schießstand 24c ein unbekannter, dem Arbeiterstande an« gehörender, etwa 40—45 Jahre alter Mann erhängt aufgesun« den.— Zu derselben Zeit vergiftete sich ein in der Langestraße wohnhafter Arbeiter mittelst Cyankali. Leide Leichen wurden nach dem Leichenschauhause geschafft.— Am 14. d. M., Mit- tags, wurde die Leiche einer unbekannten, etwa 25 Jadre alten Frauensperson hinter dem Grundstück Holzmarktstiaße Nr. 33/34 auS der Spree gezogen und nach dem Leichenschauhause ge« bracht.— An demselben Tage, Nachmittag«, wurde ein 5 Jahre alteS Mädchen in der Schönhauser Allee durch einen von dem Kutscher Wachsmuth geführten Brautwagen überfahren.— An demselben Tage, Abend«, überfiel der Former Druschkv in einem RestaurationSgarten in der Ackerstraße ohne jede Ver< anlassung die ihm gänzlich unbekannten Brüder vröckelmann und brachte ihnen mittelst eines stumpfen Instrument«, wahr- scheinlich eines Schlüssels, mehrere schwer« Kopfwunden bei. Dmschty wurde verhastet. Gerichts-Zeiwng. Aus Görlitz, 11. Juni, wird geschrieben: In der Be- mfungsinstan, kam vor dem hiestgen Landgericht die Schließung d«S hiestgen Fachverein« der Maurer, die Konfiikation seiner Schriftstücke und die Verurtheilung der Vorstandsmitglieder wegen Verletzung der§§ 8 und 16 der Verordnung vom 11. Mär, 1850 zur Verhandlung. Da« Schöffengericht hatte angenommen, daß innerhalb des iFachvereins politische Ange« legenheitm zur Erörterung gelangt seien, und daß der Verein mit andern ahnlichen Vereinen zu gemeinsamen Zwecken in Verbindung getreten sei. Die Angeklagten vertrat diesmal Rechtsanwalt Dürckheim au« Hamburg mit großem Ge- schick. Er wie« darauf hin, daß die in den betr. Versamm« langen besprochenen Angelegenheiten: Ardeiterschutzgesetz, Nor« malarbeitstag, Normallohn. Abschaffung der Zuchthausarbett K. nicht eigentlich politische seien, daß es fich vielmehr dabei immer um die Herbeiführung günstigerer ArbeitSverhSltniffe gehandelt habe. Die Verbindung mir der Kontrolkommisston m Hamburg bezeichnete er al« private. In jedem Fall meinl« er, sei die Schließung de« Vereins und die Konfitkation der Schriststücke nicht gerechtfertigt gewesen. Der Gerichtshof de« schloß, in Hamburg und Altona Ermittelungen darüber anzu- stellen, welche Zwecke die Kontrolkommisston verfolgt und ob fie mit Görlitz tn Verbindung gestanden habe. Der Vor- styende der Kontrolkommisston soll zum nächsten Termin vorgeladen werden._ Pereine mh Nersammwngen« bis. De, Fachverew sämmtlicher im Drechslergewerk beschäftigten Arbeiter beschäftigte fich in setner letzten in den Gratweil'schen Bierhallm abgehaltenen Generalversammlung mit der ihm nach Erreichung der Statuten de« neuen, unter obigem Namen gegründeten Verein« vom hiesigen Polizeiprä. stdium auferlegten Statutenänderung. Der neue Verein soll bekanntlich die Verschmelzung der bisher hier getrennt bestehenden drei Drechsler- und verwandten BerufSgenoffen- Ver- «inigungen bezwecken, die fich, sobald seine Statuten genehmigt stnd, aufzulösen und unter dem oben genannten Namen einen neuen, alle GewerkSgenoffen um�affenden Verein zu bilden haben. Letzterer hatte also sein der Behörde eingereichte« Statut von derselben mit dem Bedeuten zurück erhallen, daß die im§ 2, Abs. d und e, sowie im§ 5 de« Statuts projektirten Unter- stützung« lassen der besonderen staatlichen Genehmigung de- dürsten und von der Verei? Skaffen-Verwaltung gelrennt zu ver- walten seien. In dem betreffenden Paragraphen de« Statut« handelte e« fich um eine Reise- und Arbeitslosen-Unterstützung, sowie um eine Unterstützung«-„Berechtigung" der VeretnSmtt glieder, welche dem Verein bereit« volle 13 Monate angehören. C» wurde beschloffen,§ 2 d, e zu streichen und§ 5 dahin zu formuliren, daß„Unterstützungen nur in jedem einzelnen Falle auf Antrag resp. Beschluß der Versammlung an Mitglieder ge- leistet" werden. Leim Punst„Verschiedenes" wurden einige geschäftliche VeretnSangelegenheiten erledigt, betreffend die Auf. nähme neuer Mitglieder k. + Die Vorversammlung der Delegirte« der Kaffm- Mitglieder der OrtSkrankenkasse der Tischler und Pianoforte- arbeiter Berlins beschäftigte fich am Dienstag Vormittag in Niest'S Salon. Kommandantenstr. 71—72, mit der Aufstellung der Kandidaten für die frei gewordenen und zu besetzenden Posten im Vorstand der Kaffe. Herr Schmitz theilte mit, daß die Gewerbe-Deputation de« Magistrat« selber entschlvffm sei, den bisherigen Rendanten, Herrn Witte, nicht länger im Amte zu lassen. Nach längerer DtSkuffion wurde der bisherige Alt- geselle. Herr Hubert, al« Kandidat für den Rendantenposten aufgestellt. Al« Altgeselle wurde nach weiterer Debatte unter Verwerfung aller übrigen Vorschläge Herr Furchtbar vorge. schlagen. Zu Kandidaten für 4 weitere Vorstandsmitglieder« posten wurden die Herren Karp, Stephan, Schmolz und Blümke aufgestellt. Herr Fischer, der ebenfalls aufgestellt war, blieb mit 15 Stimmen in der Minorität. Unter„Verschiede. nem" ersuchte Herr Schmidt die für den Vorstand vorgeschlage- nen Herren im Falle ihrer Wahl dafür Sorge tragen zu wollen, daß nur Tischler al« Hilfsbeamten in der Kontrole künftig an» gestellt würden. Auch empfahl er da« Markensystem in die Kaffenverwaltung einzusühren. Zum Schluß wurven die An wesenden aufgefordert, fich am Mittwoch, den 16. d., präzise 7 Uhr AbendS, im Rathhause zu der Wahlversammlung einzu« finden und für zahlreiche Bethelltgung nach Kräften zu sorgen. Verband deutscher Zimmerleute.(Lokalverdand Berlin Nord.) Mittwoch, den 167 Juni, Abend« 8'/, Uhr, im Lotale de« Herrn Schramm, Hochstraße 32a, Versammlung. T-O.: 1. Vortrag übcr den Werth der Allopathie, Homöopathie und Naturbeilkunde von Dr.®. Jhlau. 2. Gewerkschaftliches. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. verein für Technik und Gewerde, Mittelstraße 65, Mittwoch, Abends 8'/, Uhr, Vortrag. Gäste willkommen. Verein ehemaliger Schüler der 102. Gemeinde- schnle. Jeden Mittwoch nach dem Ersten und Fünfzehnten jeden Monat«, Abends 9 Uhr, Sitzung im Lokale Kaiser Franz- Grenadier.Platz 7. Gäste stnd willkommen. Fachverei» der Tischler. Lokalverhältnisse halber findet die nächste Vereinsversammlung nicht am Sonnabend, den 19, sondem erst Montag, den 21. Juni, AbendS 8Vi Uhr, in Jordan'« Salon, Neue Grünste. 28, statt. Orttkraukenkasse der Tischler und Pianofortearbeiter Berit««. Mittwoch, den 16. Juni, Abend« 7 Uhr, im Bürger. saale de« Rathhauses, außerordentliche Generalversammlung. T.-O.: Wahl von 6 Vorstandsmitgliedern, darunter de« Ren« dantm und des Altgesellen, selten« der Vertreter der Kassen- Mitglieder. ES ist Pflicht sämmtlicher Delegirten, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Delegirtenkarte legitimirt. Uermischtes. Die„Wiener Allg. Ztg" swreidt:„Nicht ohne tiefe« Mitgefühl wird man die nachfolgende Mitthetlung lesen können. Sie bildet ein eben so ergreifendes, alS interessantes, den Laien nicht minder wie den Pchchologen feffelnde« Kapitel auS den Geheimnissen der Menschenseele. Zu Beginn diese» Jahre« schrieben wir für die Volksausgabe unseres Blatte« eine Preis- aufgab« au«.„Wie Jemand von feiner Leidenschaft befreit wuide"— so lautete da« Thema. Es wurden Mittheilungen au« dem Leserlreise begehrt, die, zum Besten der Gesammtbett, wahrheitsgetreu schildern sollten, wie Jemand einer dösen Nei- gung, einer für die Dauer verderblichen Handlungsweise ledig geworden, durch sich selbst oder durch werklhätige Hilfe Anderer. Unter den Hunderten von Einsendungen befand fich auch eine, welche keineswegs durch ihren literarischen Werth bestach; fie war kunstlos, ja un behilflich niedergeschrieben. Um so packender war der Inhalt der Einsendung, um so ergreifender die Wahrheit der Empfindung, welche au« dm roh gezimmertm Sätzen hervorbrach. An dem Rand« deS Abgrundes hatte fich, nach der Darstellung, der Schreiber bewegt— in zu Herzen gehenden Worten hatte er dm endlichm Sieg über fich selbst geschildert. Der Einsender erzählte, daß er dm Plan gefaßt halte, einen Arzt— zu tödten, wahrlich eine fürchterliche Art von, /Leidenschaft".... Zum Theil hat ihm Rache, well der Arzt seinem Leiden nicht beikommen kann, zum Theil Gewinnsucht den fürchterlichen Gedanken ein- gegeben; er wollte dm ermordeten Arzt berauben. Er schildert genau, wie er die That auszuführen gedachte, fertig bi« zum kleinsten Punkte erscheint in seinem krankhaftm Gehim der Plan; Ort, Zeit und Stunde stnd festgestellt, doch da» Ver- brechen bleibt unausgeführt. Freireligiöse Gedanken bringen den Verlorenen— wie er glaubt, für immer— zu besserer Einsicht. Der eigenartige Stoff destimmte un«, die Arbeit jenen einzureihen, welche zur Veröffentlichung ge- langen sollten.... Das war im Februar diese« Jahre«. Am 5. d. M. wurde ein seltsame« Verbrechen bekannt, Ein Patimt hatte auf seinen Arzt geschossen au« augenblicklich unerfindlichen Gründen. Wir haben über dm Fall berichtet. Dm Redakteurm unsere« Blatte«, welche im Winter die ein> gelaufenen PreiSarbettm geprüft hatten, wurde au» den Be- richtm über diesen Vorfall eine peinliche Ueberraschung: eine der Arbeiten, jene, die wir oben erwähnt, stimmte in ihrem Inhalt di« auf nedmsSchliche Detail« mit dem blutigen Verbrechen deS Tage«, nur da« Ende war verschieden. Der Name de« Attentäter«, der fich unmittelbar nach der That selbst ge- tödtet, war unbekannt geblieben. Erst heute wurde er erforscht. Ein Blick auf da« seltsame Manuskript ergab eine er« schüttemde Entdeckung: Der Verfasser der Aufgabe und der Attentäter auf Dr. Hirsch find eine und dieselbe Person: Johann Gschiermeister l... Der unheilvolle Gedanke, der seit Monaten in dem Gehirn de« jungen Manne« geanrchert, war ausgereist— in die Wirklichkeit umgesetzt worden, trotz der ergreifenden Darstellung in der Erzählung, wie Gschiermeister fich von dem unseligen Plane befre« hatte. Seit Beginn diese« JahreS schon trug fich also Gschiermeister mit der Idee, einen Arzt zu tödten: er hatte die Kraft, die Sache so weit auszudenken, um fie mit einem ver- söhnlichen Abschlüsse niederzuschreibm. aber nicht die Willen«- stärke, dm Plan für immer aufzugeben. Der Gedanke, der ihn seit Monaten verfolgt, wurde autgeführt, trotz der Selbst« Heilung, die Gschiermeister an fich versuchte. Bschiermeister hat auch ein Testament zurückgelassen, in Form eine« Briefes an seinen Bruder, e« lautet:„Nachdem Du der Erste bist, der diese Zeilen besichtig, so gebiete ich Dir, in meinem letzten Willm zu han- dein. Mein Mödlemmt deHalte zum Andmlen. Alle«, wa» ich habe, übernehme und wahre Jedem ein Andenken. Du wirst noch eine kleine Baarschaft von 15 Fl. vorfinden. Ich habe eine PreiSaufgabe für eine Zettung geschriebm, sollte dieselbe prämiert werden, so theile die« unter meine beiden Neffen Ottokar und Heinrich. Meine Bücher widme ich zum Studium für Deine Kinder. Nun mache ich Dich noch aufmerksam, daß Du zu meiner Leiche keinen unnützen Kreuzer ausgeben sollst." — Dem Testamente ist nachstehmde« Verzeichniß von Büchem au« dem Befitze de« Selbstmörders angeschlossen: 3 Bände Inland vonE. Gchwella; 2 Bände Freie Kirche von Echwella; 1 BanZ Schwella'S Glaubenslehre; 2 Bände BrockhauS.Lexikon; 1 Band Landkarten hierzu; Lesfing'« Werke; 66 Lieferungen der Jllustrirten Weltgeschichte und drei kleinere Broschüren, eine Elekttistrmaschrne. Da* ganze Schriftstück war in einem Kouvert ohne Adresse eingeschlossen.— Räthlel- hast und dunkel bleibt der Fall. War Gschiermeister krank oder ein Verbrecher? Wa« wäre geschehen, wenn der Zufall e« gelenkt hätte, daß die Erzählung GichiermeisterS vor dem 5. Juni veröffentlicht worden wäre? Wäre da« Ver. brechen ungeschehen geblieben oder wäre e« trotzdem ausgeführt worden? Jetzt kommt die Erzählung Gschiermeister'« jedenfall» post festmn. Sie war bereits seit einiger Zeit für die Veröffentlichung tn der SonntagSnummer der Volksau«- gäbe vom 13. d. M. bestimmt und wird an diesem Tage auch erscheinen.— Heute Nnchmittag um 2 Uhr hat im pathologischen Institute de« allgemeinen Krankenhauses die Obduktion der Leiche de« Lederaalanterieardeiter« Johann Gschiermeister statt- gefunden. Die Diagnose de« Arzte« geht dahin, daß Gschier- meister da« Attentat an Dr. Hirsch nicht unbedingt im Zu- stand« geistiger Unzurechnungtfähigkeit begangen habe, da da« Gehirn, dessen Bildung nm ganz unbedeutende Abnormitäten aufweist, eine solche Annahme nicht gut zuläßt. Ueber eine neue Art der Begnadigung, welche in der mecklenburgischen Stadt Sülze kürzlich zur Ausführung gelangt ist, berichtet man den konservativen„Meckl. Landesnachrichten": Ein Knabe in Sülze, der von dem dortigen Schöffengerichte zu drei TagenßGefängniß verurtheilt war, weil er in einem Streite einen andern Knaben mit einem Messer gestochen hatte, wurde vom Untersuchungsrichter, in Erwägung, daß er gereizt und angegriffen war, auch nicht die volle Einficht von der gesetzlichen Strafbarkeit seiner Handlung hatte, dahin begnadigt, oaß er vor versammelter Klaffe durch den Schuldiener eine körperliche Züchtigung erhalten sollte. Diese wurde in Gegen« wart de« Schulvorstande« und de« Lehrerkollegium« vor einigen Tagen an dem jungen Menschen vollzogen. Kleine Mtttheilunge«. Hamm a. Steg, 11. Juni. In der hiestgen, der größten der vereinigten rheintsch-weftphälischen Pulverfabriken eieignete fich in der Nacht vom 9. zum 10. d. M. eine Explosion. Etwa um 11 Uhr Nacht« fand dieselbe statt und zwar in einem Theile, welcher al» Sichtewerk bezeichnet wird(in demselben wird daS Pulver nach seiner Körnergröße sortirt). Zwei in diesem Räume befindliche Arbeiter wurden nur noch alS ver- kohlte Massen aufgefundm. Sie stnd vermuthlich schon durch die Exploston getödtet und dann von der ausbrechenden Flamme verzehrt worden. Vor dem Gebäude warm noch mehrere Ar- betler beschäftigt, von denen sieben Brandwunden erlitten und »war zwei so erhebliche, daß sie schon dmselben erlegen stnd. Die Uebriaen«erden wohl am Leben erhalten werden können. Die Bevölkerung Hamm», welche auf dm Feuerlärm herbei- Alte, griff so thatkräftig«in, daß der wetteren Ausbreitung De» FeuerS auf die Nebengebäude, in welchen fich die„Meng. rönnen" und somit auch nicht unerhebliche Pulvermengen be- nndm, glücklicherweise Einhalt gethan werden konnte. Die baulichen BeschSdigungm erstrecken fich also der Hauptsache nach auf da« Sichrewerk. Der Bettied der Pulverfabrik aebt weiter. Belfast, 12. Juni. Da« Leichmbegängniß der bei dm letztm Unruhen Getödteten fand heute tn vollkommmer Ord« nung statt. E« warm starke militärische VorfichtSmaßregela getroffen. Pest, 11. Juni.(Zu den Straßmkrawallm.) Da« Verhör mit dm gestern gefangenen 710 Personen wurde die ganze Nacht hindurch fortgesetzt und wird voraussichtlich noch den heutigen ganzen Tag in Anspruch nehmm. Vor der Polizei- Zentrale in der Hatoanergaffe bleiben zahlreiche Leute aus Neugierde stehen, die Polizeiorgane dulden jedoch keinerlei Ansammlung. Di« Polizeiorgane werdm dm ganzen Vormittag von Leuten überlaufen, die ihre Angehörigen suchen; Elte« reklamirm ihre Kinder, Gewerbetreibende ihre Arbeiter, Frauen ihre Männer. Die Häftlinge befinden fich im rechten Flügel des GebäudeS, woselbst eine Kompagnie Infanterie und eine Abtheilung von Konstadlern posiirt find. Durch da« Evalier der Soldaten werden die Vervafleten in Gruppen von zehn zu zehn Personen tn da« JnspeklionS, immer eikortirt» wo sie vernommen werden. Diejenigen, welche fich legitimirm können, werden mtlaffm, nachdem man ihnen gute Rachschläge für die Zukunft gegeben, die verdächttgm Individuen aber werden in dm rückwartigm Hof gebracht, wo fich die Gefängnißzellen be« finden, und Diejenigen, welche leicht verletzt oder kränUtt, aber verdächtig find, werden in das alte ArdettShauSspital trani« portirt. HeuteVormittag wurde eine große Truppe der verdächtige« Häftlinge.photographirt. Dieselben hatten hiervon keine Kenntniß. AIS der di« dahin unbemerfte Apparat aufgestellt und Alle« zur Aufnahme deS Bilde« fertig war, rief ei« Polizeibeamtet mit kräftiger Stimme:„Ruhe!" Die Haft' linge blickten demzufolge in die Richtung, wo der Beamte stand und der Apparat aufgestellt war und der Photogrovd benützte diesen Moment, um seine Kunst zu beweisen. Um 1 Uhr Mittag» wurde die Bilanz deS gestrigen Abend« gezogen; von 710 Detentrtm wurden 232 Individuen, zumeist Lehrlinge und Knaben unter 14 Jahren, mtlaffm. 154 Personen wurden in administeativem Wege abgestraft.# Strafen variirm zwischen vierundzwanzig Stundm und am} Tagen Arrest. Wiederholt abgestrafte und nach Budapest nicht Zuständige werdm abgeschoben. Dem Strafgerichte werde« 324 Personen übergeben. Die Letzteren werdm in daS Slrat« hau« auf der Kermeserstraße gebracht, wo morgen über fie Gericht gehalten wird. Die Aburtheilung sämmttichel Exedenten wird jedmfallS mehrere Tage in Anspruch nehmen- Das von einigen Blättern verbreitete Gerücht, daß der Buch- drucken Karl Petrak gestern gestorben ist, bestätigt fich nicht; et befindet fich sogar auf dem Wege der Besserung. Pest, 12. Juni. Die Vernehmung der gestern eingebrachte Häftlinge war um 5 Uhr Nachmittag« beendigt. Jnsgelamo« find 321 Personen vernommen worden. Im administrative« Wege wurden 140 Personen durchweg« zu Arreststrafen vev urtheilt. Im Laufe de« Nachmittag« wurden noch welle» 80 Personen entlassen, während gegen 241 Personen die fW gerichtliche Untersuchung auf Grund de«§ 42 de« Strafgesett buche«(Ruhestörung) erhoben wird. Da die Polizei für ein« große Anzahl von Häftlingen keine genügenden Räumlichkeit� befitzt, stellte Polizeirath S-llyei bei dem Ober Staatsanwail das Ersuchen, der Polizei einige GerichtSarrefte zu üderlasie«' Während des Transporte« der Häftlinge nach dem ForftM� gc baute geschah eS, daß an einem Polizeiwagen denn biegen in die Grenadiergaffe daS Rad brach. ES sammel>e fich sogleich Neugierige um den Wagen, Polizeiwachtleute beten jedoch einen Kordon und eSkortirten die Insassen WagenS nach dem Polizeigebäude zurück. Die inS ForMr gebäude üderfühitm Verbafteten wurden dort durch den% fangniß. Inspektor untersucht und da fand e« fich, daß eimS- derselben, trotzdem fie bereit« polizeilicherseits visitirt worom waren, noch immer Messet, Steine und sonstige Dim bei fi-t waren, noch immer Messer, Steine und sonstige Dmge ver'«« hatten. Al« der 21 jährige HandlungSlommi« Mayer an die Reihe kam, zog dieser rasch einen Revolver am der Tasche, richtete dmselben gegen die eigene Brust un» drückte ab. Der junge Mensch stürzte sogleich blutend, usamm�- Rasch wurde ein Arzt herbeigerufen, der dem �lbstmor» kandidatm den ersten Verband anlegte. Mayer wurde sodaw in da« JohanneSspital gebracht, woselbst er nun s&mer nr letzt darniederliegt. Um 10 Uhr erschien der Untersuchung« richter im Epital und nahm mit Mayer ein Protokoll a» Mayer erklärte, daß er fich schon seit acht Tagen mit S� mordgedanken getragen habe und daß da« Motiv seiner in Familienverhältnissen liege, worüber seine in Arad rvohn� den Eltern Auskunft geben werden. Befragt, wieso er»u � Revolver gekommm sei, gab Mayer an, daß ti ihm onias'* der LetdeSdurchsuchung bei der Polizei gelungm sei, die so geschickt zu verbergen, daß fie von den Deteftive« ni»'* funden wurde._ Pest, 12. Juni.(ZeitungSverbot.) Der Minister Jnnern hat die tn Shikago in böhmischer Sprache erschew sozialistische Zeitung„Prokor Volnesli" auf dem Gebiete», ungarischen Krone verboten, von welcher Verfügung die v ämtcr entsprechend verständigt worden find.„_ sei London, 11. Juni. Ein Raubmord wurde gestlrn Hellem Tageslicht in Kentish Town verübt. Dort befinde- nämlich in einer großen Apotheke in Nr. 165 Brecknock'H,�. eine Post- Expedition, und diese wurde von einem in der- �jj barschaft wohlbekanntm jungen Mann, Namm« Fin«'j. zu einem Revolver detreten, um augenscheinlich einen Rywe verüben. Da bei der darauf folgenden gräßlichen TW» � Augenzeugen vorhanden waren, so läßt fich nur annehmt»« der im Ladm anwesende Apo'hekergehilfe, Mr. B j den Raub zu verhindem gesucht hatte,® chi> Finch seinen Revolver auf ihn abfeuerte und auf der Stelle erschoß. Fräulein France« welche die bezügliche Post. Expedition verwaltet, ifji dm Laden vor kaum einer Minute verlassen, und eiste in p � de« gehörten Schusse« dorthin zurück, wo fie den gehillm todt daliegen sah, während Finch im Begriff n j» daS Lokal eilig zu verlassen. Selbstverständlich brach». fit Hilferufe au«, worauf Finch fich umdrehte und auch%w, schoß, ohne fie jedoch zu treffen. Em anderer junger«? � der durch die Schüsse herbeigelockt worden war und dem Hause stürzen sah, verfolgte dmselb.n, und der Pmv lang c« auch bald, de« Mörders habhaft zu werden, seiner Mutter ein Versteck gesucht hatte. In dem �oSi«.0 Garten wurde alidann auch die von Finch gl mit 7 Pfd. Sterl. 10 Sh. intakt aufgefunden Räch Ketzte Uachrichte«.. de« Eholeraberichten au« Italien st".« i ----------.....raberichte« au« Iraner!»".z tp- Sonntag Mittag di« Montag Mittag in Venedig �i» krankungm und 9 Todesfälle, in Bari 3 Erkrankung � 3%. 2 Todesfälle vorgekommen. Der englische Wahlseldzug wird nach der am Donnerstag von Cdamderlain in Birmingham tf ihm folgen am Freitag Gladston« in Evinburgb.Sm'. Leed«. Am Montag hält Gladstone eine zweite«<%([' in Edinburgh, später«ine solche in Glasgow, fcarll�uei hielt von seinen Wählern tn Rofferdale ein 3 votum; seine Wiederwahl soll von einen Anhäng««.-t beanstandet werdm. Infolge der Niederlage Gladfton«r die amerikanische Dynamitpartei einm Aufruf um" � K träge; der Aufruf schließt:„Da wir Homerulle al» � rN trachten müssen, muß nach zwölfmonatlicher Waffr Krieg gegen England erneuert und mit Rachdfl � ZWSlWZM hielten durchschnittlich tausend Stimmen mehr letzten Wahl. Der letzte der fiegenden«andicattn Stimmen mehr al« der höchste der durchgefallen� Verantwortlicher Redafteur R.«ronheim in Berlin. Druck und Verlag von Rax vadtng in Berlin SW., Beuthstraße 2. schi w