Nr. 139 Freitag» de« 18. Juni 1886. III. Jahrg. MerVckMI. Drgan für die Interessen der Arbeiter. DaS„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festlagen. AdonnementipreiS für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark monatlich 1,36 Marl, wöchentlich 36 Pf. Postabonnrment 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags'Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) JnsertionSgebühr enni beträgt für die 4 gespaltete Peiitzeile oder deren Raum 40 Pf. ZlrbeitSmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4. Nachmittags in der Erpedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Annoncen« Bmeaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. KedaKtia«: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Kayriilhes. Die Erregung i» der schönen Bierstadt an der Isar m immer«och eine hochgradige, was fich bei einem so lihen Wechsel in der Person des Monarchen resp Regenten JBdhl denke» läßt. Merkwürdig ist dabei, daß man über Hauptfrage so kurz hinweggeht, nämlich über die poli« '«�vaupr frage fo rurz, nuumvv""" Ulv v«"- Wche» Folgen der tragische« Ereignifle der letzte« Tage. «le Blätter find fast sämmtlich dermaßen beeinflußt, daß ei ängstlich vermeide», die Tragweit« alles dessen, was >'* rv angyiiic� vermelvrn, m Tkschehe», zu ermesse». Und doch liegt daS, was kommen fcird und muß, für Zederman«, der denken»ill, klar: eS g der Sturz de» Ministeriums Lutz. Diese �igierung kann und wird nicht länger bestehe«; ihre Tage s>»d gezählt. Liberale Blätter find naiv genug, zu verficher», daß ** de« gegenwärtigen Verhältnissen in Bayer» fich nicht» 4»der» werde. Wir wolle« fie in diesem schönen Traum »'cht stören, allein wir wollen doch einmal die Situation betrachte», wie fie ist. Die Liberale» Bayern» wisse» ganz Kioau, wie fie daran find. Da« geht darau« hervor, daß jja» dem Könige vor einige» Monaten ei» äußerst günstige« «bkomme» anbot, auf Truvd dessen seine Schulde« bezahlt Werden sollte«. AIS einzige Bedingung war ei« jährlicher «bzug an der Zivilliste aufgestellt, wa« fich Ludwig nicht Mallen lasse» wollte. Daran scheiterte Alle». Beiläufig demerkt, wurde damals der König auch nicht als wahnfinnig betrachtet, sonder» man verhandelte mit ihm al« mit einem völlig gesunden Mann und betrachtete ihn al« eine» Schwärmer. «.. Die Ultramontane« gehe» sehr geschickt vor. Zudem ihre wr« mm deHaupte«, der König sei nicht wahnfinnig ge« ."k», rege» sie da« bayrische Volk auf. Di« Wirkung " ejer Agitation wird stch bei den Kammerverbandlunge« Mgr«. Wehden diese öffentlich sein? Wen» die Kammer "ug ist, ja. Den« die Oeffentlichkeit ist da« einzige Mittel, dem Klatsch vorzubeugen, und daß e« in Bayer» im gegenwärtige» Moment nicht an Klatsch fehlt, da« läßt sich wohl denke». Wen» man die Kammerverhandlunge» ge« Mm machen wollte, so würden die dunkle» Gerüchte, die vvtlaufe», sich nur vergrößer» und sicher geglaubt werden. %» kann unter diese« Umstände» nicht» Bessere« thu«, Ich auf die Oeffentlichkeit Mtze«. W« soviel wie möglich sich auf Da« wird die Kammer hoffentlich Wen« nun auch die liberalen .— � einsehe». Wen» nun auch die liberale« Blätter wegleugne«, daß ultramontane» Ministerium kommen werde— e« kommt xch. Ei» hervorragender bayrischer Liberaler sagte dem Schreiber dieser Zeilen einmal, man habe dem König da« '-"gebot, seine Schulde» zu bezahle«, nur darum gemacht, '»eil man ganz sicher wisse, daß«ach seiner Abdankung ein« ***** Mtot««.] Ieuilleton. Eine Mutter. Roman von Friedrich Gerftäcker. (Fortsetzung) So wie er selber aber nicht» sehe» konnte, so brauchte 7 jetzt auch nicht zu fürchte», von jemand Anderem gesehe« A. werden, und vorsichtig au« dem Gebüsch heraustretend, M er mit auf den Kiefernadeln vollständig geräuschlosem fü* der Richtung zu,»ach der er die Schntte und jetzt M noch da« immer stärker werdende Rascheln m de» �ltsche» hörte. Wer e« sei, der hier bei Rachtzett in dem Dickicht herum. S«g ließ fich allerding« nicht unterscheide«, ja, der Förster ««och nicht einmal die Gestalt erkenne» können; aber blieb sich gleich. Wer fich auch hier befand, war auf '"Ule« Pfaden und batte hier nicht« in der Nacht zu suchen, ert dienen soll, da« man über eine fich aller und jeder Forderung der Ardeiter verschließenden Zensu«- Vertretung schwebend erhalten will. WaS hingegen die Manifestation betrifft, so soll eS damit alSdald Ernst werden. Da ste auf dm Nationalfesttag angesetzt wordm, wird Bürgermeister Bul» nicht leicht abermals fich gegm diesen Plan abwehrend ver- ballen können, denn ein neues Verbot würde so zu sagen da« Nationalfest mtt treffen, jedenfalls e« gewaltig deeinträchtigm und die Erbitterung unter den Arbeitern höchst unnöthig stei« gern. Die Lage ist aber beute derartig, daß alle Welt und selbst die im Befitze der Macht befindliche klerikale Partei Be- denken tragen muß, die vorhandene Erregung noch zu vermehren. Da» ist der Verlauf de» Kongresses, der buchstäblich in einer von Bewaffneten wimmelnden Stadt begann und nach elfftün- diger Berathung stch, ohne die mindeste Störung hervorgerufm zu haben, trennte. Ein Nachspiel und seinen Abschluß fand er in einer großen, im gleichen Saale abgehaltenen VolkSversamm» lung, au« der wir al« da« Merkwüldigste nur kurz ein Rede- gefecht zwischen einem Anarchisten, der da« allgemeine Stimm- recht al» nutzlos verwarf, und Anseele erwähnen wollen. Dem anarchistischen Satze:„Keine Gesetze", stellte letzterer unter all. gemeiner Akklamation den anderen entgegen:„Gute Gesetze die schlagende« und stachlichte« Büsche schützte, in der Rech. te» aber«och immer da« gespannte Gewehr hielt..Steh' Schuft, oder ich schieße Dich wie eine« tollen Hund über den CK"-C--'U »er Maulwurftfänger hatte im Nu die'Gefahr erkannt. aber er verlor seine Besinnung nicht.-•- ........—---- o- Der Förster durfte «acht schießen, da« wußte er recht gut, die Gesetze verbot« e«; vor ihm lag da» wette Haferfeld, und mtt drei Schritt« Vorsprung hätte ihn der Alte im Leb« nicht eingeholt. So half e« den« nicht»; die schon sicher geglaubte Beute mußte er freUich im Stich lasse», aber für fich selber fürchtete er auch keinen Moment, und mtt einem leisen, eig«thamliche» Pfiff, dm fei« Spitz gut genug kannte, richtete er sich empor und sprang über da« erlegte Stück hinweg, um da» Freie zu gewinne»- aber hier fing er fich im wahr« Sm» de« Worte» in seiner eigm« Schlinge. Der starke Mesfingdraht war nämlich hoch genug ae- spannt, um dm Kopf eine« Stück Wilde« in seine« Bereich zu bringe«, wonach er dann, sobald sich etwa« darin gefangm hatte, auf der eine« Seite losriß, damit die Schlwgc auf der�a-d-? desto fester angezogen werde» konnte. Da« Wildkalb hatte aber, von der Gewalt, die es festhielt, fort- drängmd, sein« Kopf auf die mtgegengesetzte Seite ge- bracht, und al« e« im Todeskampfe zusammenbrach, drückt» e« hier dm Mesfingdraht mit sich nieder. Wenn sich aber der kleine, schwanke Fichtenstamm, an welchem derselbe be- festigt war, auch bald niederbog, so blieb der Draht doch an jmer Seite höher gespannt, wa» der Mann natürlich in der Dunkelhett nicht sehm konnte. Al» er dethalb über da» Wildkalb hinwegsprang, hakte sein einer Fuß darin, und ehe er dm andern vorbringen konnte, um sich zu stützen, verlor er da« Gleichgewicht und schlug der Länge«ach auf dem Bodm nieder. Der Förster, welcher jetzt dicht an ihm war, bekam hier einen freieren Blick, al» unter de« dunklm Kiefern, da schon da« lichte Haferfeld dm Hintergrund bildete. Er hatte die aufspringende Gestalt auch bemerkt, und trotz seiner Jahre noch immer ziemlich rüstig, zögerte er keinen Augen- blick, dm Verbrecher zu packm. Sprang er dann in da« Feld, ei, w die Beine durfte er ihn schießm, das war er- für unS, den Staat für unS" und dem Gedanken, daß„ftied- liche Mittel nicht« Helten", erwiderte er mW den Worten:„Ich weiß nicht, ob ich nicht rathen soll, noch viel gemäßigter vorzugehen, alS dies bisher geschehen ist." ES steht fest, daß von den LeWern der belgischen Arbeiterpartei, obgleich fie vielfach vrovozirt werden, Alle« geschieht, um den Kampf zu mildern. Ob daS von den Liberalen und der herrschenden Partei ge- nügend wird beachtet werden? Politische Ueberstcht. Polizetkommissar Meyer, der wegen seines Auftretens in der Frankfurter FriedhofSaffaire am 17. März wegen Ueder« schreitung der Amtsgewalt durch vorsätzliche Körperverletzung zu 3 Monaten Gefänaniß verurthetlt wurde, ist b e g n a d i g t worden und wird, wie die„Franks. Ztg." schreibt, auch al« Pclizetdeamter wieder Verwendung finden.— Herr Jhring- Mahlow ist bekanntlich gar nicht crst vor Gericht ge- fordert, sondern sofort zum Gefängnißbeamten befördert worden. Ueber die bayerische Krist» ist heute uicht viel ueueS S« melde«. Da der Nachfolger Ludwigs, Otto, ebenfalls irr- nnig ist, so wird in Abgeordnetenkreisen und in der Preffe erörtert, ob man nicht den Umstand, daß König Otto stch weder über die Annahme der Krone äußern noch den VerfaffungSetd leisten könnte, als einen stillschweigenden Ver« ztcht annehmen und die Thronfolge endgütig zu Gunsten Luitpolds abändern könnte. Dies könnte natürlich nur durch ein VerfaffungSgesetz erfolgen.— Eine Proklamation soll Ludwig U. niemals«klaffen haben. Da»„Verl. Tagebl.", wel> che» eine solche mittheilte, wurde in München konfißzirt. Der „Köln. Ztg." gebührt übrigen» daS Verdienst, den Ursprung dieser Proklamation entdeckt zu haben: fie stammt nämlich auS — sozialdemokratischen Kreisen. DaS rheinische Blatt läßt fich nämlich schreiben:„Wie ich erfahre, ist der Versuch gemacht worden, Unruhen in Bayern hervorzurufen durch die Verbrettung eine» Flugblattes, daS al» eine Gegen- Proklamation deS Königs Ludwig iL dezeichnet wird. Da» Machwerk trägt da» Datum:„Hohenschwangau, dm 9. Juni, und ist, wie der Poststempel ergiebt, in Basel gedruckt worden. E» ist in dem bombastischen Stil verfaßt, der sozialdemokratische Ergüffe kennzeichnet,(wie scharfstchtig so ein Zeilenschreiber doch ist!) und enthält— ein weiterer Hin« weii auf seinen Ursprung aui revolutionärem Lager— zahlreiche Verstöße gegen Grammatik und Rechtschreibung.(!) Daß hier eine grobe Fälschung vorliegt, wird nur von denjenigen geleugnet werden, die grundsätzlich belogen sein wollen, sobald fie dies mit einem Vortheil für die sozialdemokratische Sache verbunden halten. Ein derartiger Versuch, eine Tragödie auS- zudeuten, welche die zioilifirte Welt erschüttert hat, ist eine Schande für die Partei, von der sie ausgeht, und wird von allen ehrlich und anständig fühlenden Menichen mit Ent- rüstung zurückgewiesen werden."— Wir müßtm unS sehr täuschen, wenn fich in dem Gehirn deS Korrespondenten deS rheinischen Weltblattei nicht einige sehr kranke Stellen vor» finden sollten?— Der frühere Leibarzt de« Königs, Dr. Schleiß, läßt übrigen» erklären, daß er niemal» ein Gutachten über den GesundheWSzustand de» Königs abgegeben habe; was die Zeitungen mittheiltm, sei lediglich auf eine Unterhaltung mW einem Wiener Journalisten zurückzuführen. DamW wäre freilich nicht viel widerlegt. Doch ist Dr. Schleiß nach der Sektion deS Leichnams dem Urtheil der übrigen Aerzte rück. hallSloS beigetreten. Den wahrscheinlichen Verlauf der nächste« Reich«- terasfitzungen schildert die„Franks. Ztg." in folgender Weise: „Ein beschlußfähiges Hau» wird nicht mehr zusammen zu brtngm sein und dem Versuch, da« beschlußunsähige länger fitzm zu laffen, wird stch heute dieser, morgen jener Abgeordnete dadurch, daß er die Auszählung verlangt, wiversetzm tönnm, bis auch der Regierung die Pflicht, fich„unmöglicher Zu- muthungen" zu enthaltm, klar werden wird. Der üble Ein- druck dieser allerdings nicht sehr zarten Exekution käme ja— darin stimmen wir mW der„Nattonallib. Corresp." üderein— auf daS Konto der Regierung und wenn diese durchaus solche Belastung begehrt, so wird man ihr den Willen thun müffen. Volenti non flt injuria. Auch wir beklagen e», daß der Reichs- tag zu Ende gehen wird, ohne daß diinaliche Dinge zur Erledigung gekommen find. Dahin rechnen wir aber nicht die Wiederholung von bereWi gehaltenen Grabreden und eineS ne« gativen Votum», sondern die Erörterung der antisozial- demokratischen Maßregeln, über welche die Regie- rung dem Parlamente Rede zu stehen verpflichtet ist." Et« deutscher, antisemitischer Kongreß hat in Kaffel in den Pfinastseiertagm stattgefunden. Dr. König(Witten) prästdirte. ES soll ein einheitliche» Vorgehen sämmtlicher Ver- eine bei den Wahlen beschloffen worden sein. Bei dem Kon- gieß, so schreibt noch die«Franks. Ztg.", verlief alle» still, die Koryphäen zweiten Range», Dr. Böckel(Marburg), Dr. König (Witten), Ltebermann von Sonnenberg u. s. w. glänzten an der Spitze eine» Häufleins von etwa 20 Getreuen. Der ganze Kongreß zeigte, daß der AntisemWiSmu« verkracht ist, wie seine laubt, da» wollte er wenigsten» verantworten, oder dachte auch vielleicht in dem Augenblick gar nicht einmal daran, ob da eine Verantwortung nölhig sei. Nur erst einmal habt«, das andere fand sich Alles nachher. Da sab er, wie der Flüchiling auf de« Boden niederschlug, er hörte de« Fall und setzte mW einem Zubelruf hinter drein. Hier aber störte ihn der Spitz, der ihm mit Wuth- geklaff«ach de« Beine« fuhr, so daß er unwillkürlich er- schreckt zur rechte« Seite hinüberprallt«, wo er ebenfall« gegen de« starken Draht stieß. Das aber war kein Hinder- niß. Ein TriW«ach dem Hund machte ihm eine« Augen- blick Luft; de« Draht hielt er in der Hand und bückte fich geschwind darunter durch, und so rasch war da» Alle« ge- gange«, daß er dem zu Boden Geworfenen schon die Hand auf den Rock legte, al« fich dieser von der Erde wieder emporschnellte und jetzt mW einem Satz m'S freie Feld hinautfllehen wollte. Aber so leicht ging da» nicht mehr. Der alte Förster haWe ihn wie mW eisernem Griff am Rock, und fühlte jetzt nicht einmal, daß ihm der Köter wieder»ach den Beinen „Steh', Hund!" schrie er, die Flinte»och immer mW der Rechte« haltend,„oder, GoW straf' mich, ich schieß' Dich zusammen!" .»Wer Tropf," zischte der zur Verzweiflung getrrebene Wilddieb zwischen den Zähnen durch,„Du hältst mich»och nicht!" Und den Arm herumwerfend, schvWt er ihm mit dem scharfe« Genickfänger, de« er«och immer in der Hand hielt, quer durch da» Geficht hinüber. Zn demselben Mo- meut»hat er«ine« Ruck, und während der Förster durch Schmerz und Schreck übermannt, einen Augenblick in seine« Griff nachließ, riß er fich lo» und sprang jetzt, nicht in da» offene Haferfeld, sonder» in da» Fichtendickicht hinein, wohin ihm der Alte mit der Wunde gar nicht folge« konnte._ Der Förster fühlte, wie ihm da» Blut in'« rechte Auge ran«, und fast rasend vor Wuth, riß er die Flinte an den Backe« und drückt« ab. Eebe« konnte er nicht«, denn die Gestalt de« Flüchtigen war schon im Dickicht verschwunden; nur die Richtung hielt er, und fast unwillkürlich tief, um Preffe durchgefallen ist. daß die Konservativen, namentlich die SudaWerndeamten, welche vordem ein großes Kontingent zu den AntisemWenverfammlungen gestellt hatten, dem Kongreß fern geblieben find. Zur rusfische« Freundschaft. Ein artige» Beispiel, wie rückstchtSloS dt« russische Reaterung bei der Ausweisung deutscher ReichSangehö-iger zu Werke geht, liefert der folgende, der„Schief. Volksztg." gemeldete Fall:„Der Landrvirth Max Vollmer auS Hadelschverdt, welcher in Nowy Dwor bet Warschau Lefitzer eine» DampfsägewerkeS war, Fllialen in Wloclawek, Warschau und Wyszegrod, sowie Waldungen in Bug und Narew, im Gflammtwerthe von 90000 Rudeln besaß, ist vor einigen Tagen ohne Angabe eines Grunde» von der rusfischen Regiemng aufgefordert worden, Rußland binnen 3 Tagen zu verlaffen. Ders-lde ist am 9. v. Ms. in Breilau angekommen, und war es ihm nicht möglich, in der kurzen nur 3tLgigen Frist seinen Lefitz zu veräußern oder unter ge- stcherte Verwaltung zu bringen. Dem Referenten ist Herr Vollmer seit einer Reihe von Jahren bekannt." Da» Herrenhaus wird, wie mehreren Blättern geschrie- ben wird, nur noch eine einzig« Sitzung am 30. Juni abhalten, um die zweite Abstimmung über daS Lehrergesetz für die polnischen LandeStheile vorzunehmen, und einige kleineren Vorlagen, welche noch auS dem Abgeordnetenhaus« herüber- kommen sollen, zu erledigen. Der Antrag Kleist- Retzow(von Hammerstein) soll nicht mehr zur Berathung kommen. Die nächste Sitzung de» Abgeordnetenhauses soll am Dienstag, den 22. d. Ms., Vormittag» 11 Uhr. abgehalten werden. Auf die Tagesordnung find gesetzt: 1 Erste Berathung drs neueingegangenen Gesetzentwurfes, betr. Bewilli- gung von Staatsmitteln(740000 M) zur Beseitigunglder im unteren Wetchselgebiete durch die diesjährigen Frühjahrs. Hoch- fluthen herbeigeführten Verheerungen; 2. erste Berathung deS Gesetzentwurfes, betr. Abänderungen der Kirchenzemeinde- und Synodalordnung; 3. dritte Berathung de« Gesetzentwürfe», betr. die Kantongefängniffe in der Rh-.inprovinz; 4. Berathung de» vom Herrenhause abgeänderten Gesetzentwurfes, dett. den Verkehr auf Kunststraßen(Anttag Secr). Die Rothstaudsvorlage au« Anlaß der Weichsel- Überschwemmung verlangt den Betrag von 740 000 M. theilS zur Beihilfe an Beschädigungen dehuf» Erhaltung im Hau». und NainungSstande(300000 M), theil» zu Beihilfen für Wiederherstellung der Deiche(160 000 M), theilS zur Wieder- Herstellung der fiskalischen Plehnendorfer Schleuse(280 000 M) Aui der Begründung ist hervorzuheben, daß durch die Privat- WohlthätigkeW es ermöglicht worden ist, der aus de» Ueber- schwemmungen entstandenen ersten Roth dmch die Anschaffung und Zuführung der nöthigen Lebensmittel, sowie durch die Beschaffung von Unterkunft für Menschen und das mW geringen Ausnahmen gerettete Vieh überall Abhilfe zu gewähren. Auch wird der Schaden an Gebäuden und Jnventarien stücken zum größten Th-ile auS den Sammelspenden der Privatthätizkeit gedeckt werden können. Für die ungedeckten Schäden, welche hingegen dmch die Vernichtung der Auksaat und d«S Düngers auf den überschwemmten Ländereicn, sowie dmch die Versandung und Verkalkung eines TheWeS der letzteren herbeigeführt worden find, wird der Maximalbetrag von 300000 M. in AuSstcht genommen. Beihi.fm auS diefem Fonds sollen aber nur solchen Grunddefitzern zu bewilligen sein, welche stch ohne dieselben nicht im HauS- und RahrungSstcnde zu erhalten ver- mögen. Von den dmch Deichdrüche geschädigten TeichverbandS- gebieten ist nach dem Umfange deS Schaden» und der HilfS- dedürstigkeit deS bettoffenen Verbandes allein die neue Danziger Binnennehrung für den Zutritt der Staatthilfe de- achtenSwerth gefunden worden. Für die Schäden auf diesem Gebiete find 160000 M. in Aussicht genommen worden, von denen bereits 50000 M. vorschußweise zur Verfügung ge« stellt worden find. Zur Polenfrage. In den polnischen FortbildungS- schulen(Gewerde- und taufmännische Schule) der Stadt Posen wird der Unterricht meistens von städtischen Lehrern er- theilt. Denselben ist allerdings, wie der„Dziennil Pozn." mWtheilt, von den Lokal-Schulinspektoren die Eilaubniß dazu verweigert worden und der Kreis Schulinspeltor, an welchen fich die betreffenden Lehrer wandtm, hat denselben gleichfalls einen adschläglichen Bescheid ertheilt.— Mehrere polnische VolkSschullehrer derselben Stadt', welche Stipendiaten d«S Verein»„zur Unterstützung der studirenden Jugend" gewesen find und später, nachdem sie angestellt worden, diesem Vereine beigetreten waren, find neuerdings von ihrer vorgesetzten Be- Hörde aufgefordert worden, aui dem Vereine auSzutteten, und haben dieser Aufforderung auch Folge geleistet. Oesterreich-Ungar»». Die Cholera fängt an auch, Oesterreich Schmerzen zu machen. Mit Rückficht auf die gesteigerte Gefahr der Einschleppung der Cholera nach Oesterreich hat daS Handelsministerium die Weiterbeförderung italienischer Vergnügung?- züge auf österreichischen Bahnen dt» auf Weiteres verboten. Dieses Verbot erscheint sehr gerechtfertigt und hätte wohl schon früher erlaffen werden sollen.— AuS Klagenfurt wird ge- melvet: Die Kärntner Landesregierung hat angeordnet, falls keine« Mord zu begehe«. Aber zeichnen wollte er den Ha- lunken, daß er ihm morgen seine Thätcrschaf» beweisen konnte, und kein Gericht der Welt hätte ihn deshalb, wie er«einte, verurtheilen dürfen. Erst mit dem Schuß selber kam er eigentlich wieder zur Besinnung und horchte jetzt in den Wald hinein, wäh- rend et fich mit der linken Hand in'« Gesicht fühlte. Hei« land der Weit, wa« ihm der Schuft für eine« Schnitt ver- setzt hatte, und wie da» brannte und wie da» blutet« I Seine ganze Hand war«aß, uud er fühlte, wie ihm der warme Strom in de» Bart hineinlief. Aber nicht« regte fich im Gebüsch; war der Bursche doch m'S freie Feld hinau» ge- flohen? Er sprang dort hinüber, aber er konnte»ich» sehen. DaS rechte Auge war schon völlig zugeklebt, und vor dem linke« flimmerte e» ihm wie tausend Sterne und Lichter. Da drinnen war e» ihm eben, al» ob er etwa« hätte rascheln höre»; jetzt Alle« wieder ruhig, e« konnte eine Mau« gewesen sei«— oder hatte er de» Mensche« todt- dl fing an ihm unheimlich da draußen allein im Wald zu werde«— und wie ihn sei» Geficht schmerzte! Wa» konnte er auch weiter jetzt hier thun? E« blieb am beste«, er ging zurück in'« Schloß, um dort seine» Bericht abzustatten und fich die Wunde verbinde« zu lassen,«» wurde ihm überhaupt schon so weich und schwach um'» Herz und in de» Gliedern. Da« war ei» schöner Festabend, wo er einmal hatte recht vergnügt sei» wolle»; Jesu«, wie mußte er jetzt aussehen und di« Leute erschrecken, wen» er dort zurück zu de« fröhliche« Mensche« kam— und heute gerade Verlobung! Aber allein wäre er nicht mehr im Stande gewesen, sein eigene«, fast eine halbe Stunde entferntes Forsthau» zu erreiche«- er wollte, daß er erst die kurze Sttecke»ach dem Schloß zurückgelegt, so schwer, so furchtbar schwer wurden ihm die Glieder. Draußen am Haferravd konnte er nicht hmgehe«; dort war«in trefer Grabe«, über de« er jetzt nicht zu springe» wagte. Er taumelte in da» Kieferwäidche» zurück, um wieder auf de» fteie« Kiesweg im Inner» de» Park» zu komme». Dort hatte er auch nicht mehr so wett nach dem durch Zuzüge aus Italien sanitär« Gefährdungen zu besorgen seien, die Abhattung von Festlichkeiten, Wallfahrten» Märkte» und dergl. zu verbieten. An den beiden Pstngsttagen hat in Linz ein Verbands- tag der Ardeiter» Krauken- und Unter« stützungSvereine Oesterreichs unter sehr starker vetheili- gung stattgefunden. Es warm Delegirte auS Nieder österrrit, Oberösterreich, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Kärnten. Böhmen. Mähren und Echlefim anwesend. Es wurde eine Resolution einstimmig beschloffen, de» Inhalt», daß da» vom Ab« geordnetenhause angenommene Gesetz über die Unfall' Versicherung in seiner gegenwärtigen Faffung nicht all der Anfang einer Soziolreform, sondern lediglich ali eine Regt' lung de» Armen wesens zur Entlastung der Gemeinden aus Kosten der Industrien und deren Arbeiter zu betrachten sei- Eine Unfallverficherung könne nur dann ihrem Zwecke tnv sprechen, wenn dieselbe ausnahmslos auf alle in Fabriken, im Kleingewerbe, in der Land- und Forstwirthschaft beschäftigten Arbeiter obligatorisch ausgedehnt, wenn ferner die Berfichl» lungidetträge von den Unternehmern allein getragen w-rven, wenn die Unterstützung ohne jede Verklausulttung derart de- messen wird, daß die Verletzten, deren Wittwm und Wmst" in den Stand gesetzt werden, ein menschenwürdiges Dasein zu fristm. Schließlich erllärt der Verbandttag, daß die Jnvo- »dm. und AWerSoersorgung der Ardeiter, sowie deren Witti«« und Waisen unabweisbar sei, wenn nicht ein großer Theft dtl arbeitenden Bevölkerung im Maffmelende umkommen soll, und erachtet e» der Verbandstag aiS Pflicht deS Staates, die in dieser Richtung schon bestehenden Institute der Arbeiter pekuniär zu unterstützen. Auch bezüglich der Kranlenverficherung beschloß der VerbandZtag«ine Reihe von Resolutionen, an derm Spitze die Forderung steht, daß die Krankenverstcherung obligatorisch für alle grwe. blichen, Fadriks-, land- und forfi' wirthschastlichen Ardetter eingeführt werde und daß die Unter' stützungen eine menschenwürdige Existenz ver Erkranktm er» möglichen sollen. Eine zahlreich besuchte Volksversammlung in Brun an der Mur beschloß am 14. Juni eine Resolution, in weichtt gegen dieA ntisemiten und Schönerer entschieden Stellung genommen und d:S letzteren Behauptung» die österreichische Arbeiterpari'i steh« im Sold« der Juden, alS gemeine BW dächtigung zurückgewiesen wird. Tchaeiz. Der Erlaß der Züricher Polizeidirektion, welcher den streikmdm Schlaffem das Zusammenstehen an de» Werkstätten zum Zwecke der Einwirkung auf die weiter(%' bettenden Kollegen umersagte, wird vielfach sehr scharf getatmi. So schreibt man der„Züricher Post":„Diese Maßregel, weise bestimmt sein soll, die persönliche Freiheit deS Einzelnen J® wahren, läuft auf eine einseitige Begünstigung de» ohnehin im Vortheile befindlichen Meiste hinaus. Diese, die nicht zu fürchten hoben, daß fremde Kon- turrentm stch hier etadlttm und dm Stteik auSnützm werden- haben zum Ueberfluß fich durch Unterschrift zu einer Kon' vmtionalstrafe von 200 Ftanlcn verpflichtet, nicht nachulgeden und nicht von den gemeinsamen Beschlüssen abzulassen. Ardetter find weder in der glücklichen Lage, die glei»» Summe depo-iren zu können, noch vor der Zuwanderung stemder Gesellen geschützt. Im G gentheil werden so>S» nicht nur von de« Meistern herangezogen, sondern sogar von auswärtigen Lehördm. z. B. Wanderunterstützungo deamten hierher dirigiit. Daraus geht hervor, vo» beide Parteien fich nicht in gleicher Lage befinds®' Den Ardeiiem ist et allenfalls möglich, ihre hiesigen Kolleg n in Versammlungen vom Stande der Dinge zu unteirchnn, über die Zugewanderten haben fie aber keine Konttole und v»- einztae Mittel, stch mtt denselben zu verständigen, ist, sie aus der Sttaße anzusprechen. Nun bleibt eS absolut unbegreiflich, wie eine repudlitanische Behörde darin eine Presston aui die WillenSdestimmung der Arbeitgeber und-Nehmer, einen u:-stait-, haften Eingriff in die persönliche Freiheit deS Einzelnen und schließlich eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung erblick.« kann, während fie die Vereinbarung der Meister ruhig dulde»- Ist da« die derühmte gleiche Elle? Man spricht st-W nur von Drohungen der Ardeiter; schwebt dmn nicht über j-vem Meist» da» Damoklesschweit einer 200franktaen konventionalstrai'- wenn er stch mtt seinen Arbeitern direkt verständigen Warum sviickt man nicht von dieser Drohung, ist das viellft® leine Nöthigung, kein Ei- griff in die persönl che Freiheit?% spräche auf der öffmtlichen Gaffe, dem„ReichSdoden", geh n Polizei nichts an; fie ist erst dann berechttgt einzuschreiten' wmn Thätlichkeiten respektive wirkliche Ruhestörungen kommen. Behai del: man die Ardeiter al» Staatsbürger drw Klaffe, denen da» nicht erlaubt ist, was jeder Andere ungeo" dert thun kann, so darf man fich auch nicht wundern. auf jede auf ttardeit in dieser Beziehung zu verzichten; denn welche Art und Weise sollen die Schloffer ihre Sacke% führen, wenn denselben auf administrativem Wege die � Schlöffe. Jetzt erreichte er die Büsche, die ihn voch" Wege trennte«; dort hindurch führte ttgendwo ei« sch�.�, Pfad, aber wre sollt, er den jetzt finden? Er mußt«. hindurch, und wie weh da«»hat, wen« ihn einer der 3�1 auf die Wunde schlug, und wie schwindelig er wurde! war ihm ordentlich, al« ob der Bode» unter seine» schwankte; aber weiter, nur weiter, daß er wieder J Mensche», zu Hilfe kam und dort seine Geschichte erzähl konnte. a Jetzt sah er de« lichtere« Grasplatz vor sich— da® auch der Weg— Gott sei Dank I De» Park entlang S. loppirte ein Retter, wa« da« Pferd laufe« wollte; w«°. der Maulwurfsfänger? Aber wo hatte der so Pferd herbekommen? Es wurde ihm immer schwacher Sinn; seine Gedanke» verwirrte« fich, wette, glänzendes» aenboge» flimmerte« ihm vor den Augen und der Park drehte fich mit ihm. Hatte er denn auch die Richtung eingeschlagen und lag da» Schloß dorthin§«® dort drüben? Er war ganz irre geworden und blieb wie ihm die Knie zttterten I Er streckte de» Arm«<»», i fich an etwa« zu halte»; aber die tastende Hand S». nicht« wetter, als die elastischen Zweige der nächste»" Büsche. Noch that er einige Schritte vorwärts über de» hinüber auf de» Rase«; er fühlte, daß er umfinke« w — dann schwanden ihm die Sinne und er brach C99W tig, wo er stand, zusammen. Ei« gestörte» Fest. alt« *** u v!••- flliv Lautlose Stille herrschte in dem Festsaal, al» d« Graf ihn verlaffen hatte und nicht zurückkehrte. 3»a« w� e» war etwa» geschehen— aber wa«? Die Gräfin° v tete«och immer ihre» Platz; ei» Diener war an>9 g-e beigegange, und hatte ihr einige Worte zugiflüster. � hielt fich stolz aufrecht und suchte ruhig auszusehen. � t« möglich, noch einen Eklat zu vermeiden? Der allein hielt ihre Sinne gefeffelt.„.«rgend Helene befand sich in einer furchtbare« Unruhe. � etwa» mußte vorgefallen sei«. Selbst die Diener lag � stört au«— irgend etwa» Entsetzliche»— und V In Mnu--------- wurden die Arbeiter durch eine ichkeit genommen«erden kann, sich mit dm zureismdm Kol- legm ,u verständigen, wai sogar in Berlin, wo Ausnahmegesetz und Belagerungszustand herrschen, den Arbeitern bisher unverwehrt geblieben ist."— In letzterem täuscht fich der schweizer Bürger allerdings sehr bedenklich. In Zürich sind der Etadtraih und die Regierung zusam- mengetreten, um einer etwaigen Wiederholung tumultuarischer Austritte rechtzeitig vorzubeugm. Belgien. streikm 2500 Kohlenarbeiter. In Quaregnon —.......---- iter durch eine große Schaar Streikender ge- nöthiat, die Arbeit niederzulegen. Die Gendarmerie verhinderte die Schaar weiter zu ziehen- Der Gouverneur von Hennegau hat fich nach dm von Arbeitseinstellungen bedrohten Distrikten begeben. Eine ESkadron Lanziers ist nach Hornu abgegangen, eine zweite Eskadron soll in Kurzem nach Quaregnon ad« gehen. Fretttireich. Trotz dem unerwarteten Eraebniß der Kommisstonswahl glaubt die republikanische Presse, der Senat werde die Ausweisung der Prinzen mit 20 Stimmen Majorität annehmen, da die 60 Senatoren, welche an der Kommisstonswahl nicht theilnahmen, meist für die Ausweisung seien. Nach dem„Matin" wird der Senat möglicherweise auf das ursprüng» liche Projev Freycinet's, die allgemeine fakultative Ausweisung, zurückgreifen. In Dccazeville befürchtet man Unruhm in der Grube ftirmv, wo die Zahl der entlaffenm Arbeiter ganz besonders stark ist. G r o ß b r i t a»» i e«. G l a d st o n e erhält, nach der„Voss. Ztg.", in seinem alten Wahlkreise Mtdlothian einen konservativen Eegenkandi- datm. Große Verstimmung herrscht unter dm liberalen und radikalen Unionisten, weil die TorieS das Abkommm nicht hallen, wonach unionistische Kandidaten nicht beanstandet wer« dm sollm. Die Wahlen werden fich vorautstchtltch auf ein Plebiszit f'r Glavstone auf der einm, für Salisburp auf der anderm Seite zu-pitzm.„Pall Mall G-z." fordert die De« mokratie Englands auf, einen großen nationalliberalm Wahlfonds aufzubringen. Die irischen Dynamit„politikt'" scheinen ihre unterbrochene Thätigkeit wieder aufnehmen zu wollen. Dem «Hamb. Corr." zufolge äußerte L'Donovan Rossa, daß in Folge von Gladstone's Niederlage die Beiträge für Tqnamitzwecke wieder beginnen. Der„United Jrishman" veröffentlicht einen Zwei Spalten langm Aufruf der smischen Brüderschaft, welcher folgendermaßen schließt:„Wir müssen daher Home Rule al« todt betrachten. Unsere Kriegführung muß erneuert werden, und zwar muß eS ein Rachekrieg sein. Zwölf Monate lang haben wir einen Waffmstillstand gehalten, um das Resultat der letzten Herbstwahlen und der von Mr. Gladstone sofort nach dem Zusammentritt des Parlaments versprochmm Home- Rule-Btll adzuwattm. In einer heute abgehaltenen Versamm- lung der fenischm Brüderschaft wurde erklärt, daß dieser Waffenstillstand zu Ende sei. Während de» verfloffmen JahreS sagten uns häufig Freunde der parlamentarischen Agitation in diesem Lande, daß. wenn dieser Plan keinm Erfolg hätte, es der letzte in dieser Richtung gemachte sein würde. Wir fordem jetzt diese Leute auf, ihr Wort einlösen und gemeinsame Sache mit unS zu machm. Unser Werl machte die Einbttn- gung der Home Rule.Bill überhaupt möglich. Mit der halben Beihilfe, welche die parlamentarische Agitation erhalten hat, wollm wir die irische Autonomie zu einer vollendetm Thatscche machm." Spanien. Es zirkulicen wieder Gerüchte über eingeleitete Verschwö- rungen und die Regierung hat umfassende milllärische Maß« Nmm getroffen, weil es in Madrid offenes Geheimntß ist, kürzlich 70 Karltsten aus der Stadt zu einer Musterung na$«ataloiien begaben. Balkanländer. „Pester Lloyd" schreibt über daS geplante bulga. laich*' Attentat unter scharfen Sellmhieden auf Ruß- . Da» Journal de St. PeterSbourg" war so naiv oder so cv�st, zu behaupten, die Verschwörung gegen das Leben de» pursten Alexander, die in Burgas entdeckt worden, sei«ine bloße Fabel, ein Märchen, daS lediglich zu Wahlzwecken er- funden worden. Man hat in den hrefigen Regierungikreisen ryuo«, über eine solche Aeußerung gerade in den Spalten {0fß«Journal de St. PeterSbourg" ganz besonders erstaunt zu »'n. da just die Inspiratoren des genannten Journ als am b esten in der Lage sein müssen, ven Ernst destnBurgaS geschmiedeten Kom- viotS zu kennen und zu würdigen- Die russtsche Legierung war es gerade, welche in die gerichtliche Unter- Mchung dieser Angelegenheit fich eingemischt und dadurch sogar eme partielle Mlnisterkttse herbeigeführt hat. Auf das Geheiß 058 Herrn Onou, des gegenwättigen Geschäftsträgers in Aufregung vorher!— Aber die Musik, die hinter ihrem �orhavg nichts davon bemerkte, spielte»och immer den Fest- marsch weiter. ..„Meine Gnädige," flüsterte der EtaatSrath seiner Nach- S.ailB zu,„wie mir scheine» will, fallen wir mit unserem �annhzuser vollständig au« der Rolle. Die Verwirrung ttrtt schon ei», ehe der Festmarsch zu Ende ist, und jetzt «-rd gleich der Chor der Prlger erschalle». Ich fürchte, wir bekomme» heute Abend nichts zu essen." „Da« wäre entsetzlich!' sagte da« alte Stiftsfräulein mit einem giftige« Blick über die Tafel.„Und doch hat °er Graf Silber genug aufgeschichtet, um daS Bankett be< Kaiser, zu überfüllen." ,»Ich habe eine« starke« Verdacht, daß die Platte»— Pwtm find," flüsterte der Staatsrath. ..«Wohl möglich," meinte da« Fräulein:„lieber Gott, c>st ja Alle« Schein heutzutage auf der Welt!"— und 1" baite wirklich Ursache, so zu reden, den» fie selber trug sblsche Locke», falsche Zähne und falsche Wattirungeo, und Staatsrath, mit einem boshafte» Blick über ihre Ge« flüstert«: .«Wie recht haben Sie, meine Gnädige! Aber da bmmt George, er sieht blasser au« wie gewöhnlich." . Der alte Traf Bolte«, der sich bis jetzt außerordevt- *.4 ruhig geHallen und nicht von seinem Platz bewegt hatte, K İuf ihn zu,»ahm seinen Arm, flüsterte eine» Augen- * urit ihm und verließ dann de« Saal. .Was ist, George?" sagte die Gräfin..Warum kommt J* Vater«ich» zurück? Wo bleibt Paula? Unser« Gäste marte».. ,„Em plötzliche« Unwohlsein hat de« Vater ergriffe»." 2.®tOt0e mit heiserer, fast tonloser Stimme.„Es thut b-4 w' die Gesellschaft zu störe«: ich fürchte, er wird nicht � der Tafel erscheine» können." r*. Di« Trompeter hinter dem Vorhang schmetterten ihre änn.?*» dessen so stark hervor, daß die Worte beinahe * wurden. George schritt zu dem Vorhang, i$» zurück und gebot Ruhe. im rmem Mißklang hörten die Leute überrascht mitte« 9" auf, und eine unheimliche Stille lag in dem Mo» Konstanttnopel, hat der russtsche Konsul für«inen der Haupt- beschuldigten, dm vormaligen russtsche» Hauptmann Nadokoff, intervenirt und dessen Stellung auf fteim Fuß erwirkt. Die Forderung hatte nicht einen judiziellm, sondem einm politischen Charatter und mußte demgemäß auch politisch behandelt werden. Von diesem Gefichtspunkte erledigte Minister-Präfidmt Karowelo« aus Eigenem die Angelegenheit, indem er auS Gefälligkeit für Rußland verfügte, daß der ge- nannte Hauptmann au» der Haft zu entlassen sei und in BurgaS fich frei bewegen dürfe. Ueber die Ergebnisse der Untersuchung verlautet zur Stunde noch nichts; die richterlichen Beamten find auch gebunden, hierüber strenge« Schweigen zu beobachten. Die Sache würde aber schlimm enven, wenn fich ergeben sollte, daß Hauptmann Nadokoff, für dm Rußland offiziell fich so energisch eingesetzt, an dem Komplot gegm den Fürsten und gegen die drsteheiidt Ordnung in Bulgarien dmn doch de- i heiligt gewesen sei; die Bulgaren müßten fick doch wohl dann ihre eigenen Gedanken darüber machm, daß Rußland öffentlich als Beschützer Derjmtgen auftritt, welche dem Fürsten nach dem Leben ttachtetm und neue schwere Krisen über das Land heraufdeschwörm wollten. Amerika. Dem kürzlich in New Uork zu einem Iah: Zuchthaus ver- urtheillm Johann Most wird vermuthlich noch wetter der Prozeß gemacht werden. Wie dem„Berl. Tagebl." aus New~ von Gesuch uicutn vin«.--,"->»»> Hörden zu stellen; man soll bei dm dortigen Anarchtstm Papiere vorgefunden haben, die eS deutlich erkennm lassen, daß der neuliche Krawall in Chikago, bei dem ein Dutzend Polizistm getödtet oder verstümmett wurden dirett von Most angestistet worden sei. In Chikago würde eS Most jedenfalls sehr schlimm ergehm, denn die Grand Jury hat gegen die gefangenen Anarchisten dm Antrag angenommen, die Anklage deS MordeS zu erheben und in Chikago spaßt man nicht. Asien. Hinterindien hat wieder ein Blutbad erlebt. Ja Thanhod find ein Kapitän und ein Lieutenant durch vergiftete Pfeile getödtet worden. In Anam haben neuerdingS wieder Nieder- metzelungm von Christm stattgefundm. Die Aufständischen habm einige Dörfer in der Umgegend von TouraneS in Brand gesteckt. Nach einem Telegramm der„Nowoje Wremja" aus Tehe- ran hat der dortige G-sandte der Vereinigten Staaten von Amerika. Dr. Wintson, eine Konzesfion zum Bau einer E i s e n da h n von Teheran nach Buschtr und von Teheran nach Mesched mit verschiedenen Seitenlinien«rhaltm. An Stelle einer Staatsgarantie erhält der KonzesfionLinhader daS Recht, in den nächsten 20 Jahren den natürlichen Reichthum der betreffenden Gebiete zu entwickeln, soll wohl heißen, aus- zubeutm. Der Gesandte stehe im Begriffe, nach Petersburg zu reisen, um dort wegen des Transports von Materialien auf der TranSkaspischm Eismdahn zu verhandeln. Gerichts-Ieiwng. Ei« Prozeß, der besonders die Goldlcistenfabrikante« angeht, fand vorgestern vor der drittm Strafkammer deS Landgericht« l statt. Auf der Anklagedank befanden fich fieben junge Mädchen, welche in der hiefigm Goldlelstenfabrik von M-thlow u. Komp. gearbeitet hatten und fich dadurch deS Diebstahls schuldig gemacht haben sollten, daß fie von dem ihnen anvertrauten Material, sogenanntes Blattgold, an zwei Vergolder verkauften. Diese Beiden standm deshalb unter der Anklage der Hehlerei. Sämmtliche Angeklagten bestritten ihre Schuld und sprachen ihre Verwunderung darüber au», daß ihre Handlungsweise überhaupt als unredlich ausgefaßt werden könne. Die Mävchm erklärtm, daß es in der Fabrik von Methlow u. Komp. eingeführt gewesen, daß fie je nach der Breite der Leisten eine entsprechende Anzahl Golddlätter zuge- theitt erhielten, mit denen die Arbeit ausgeführt werden mußte. Durch besondere Geschicklichkeit und durch sorg- fälliges Einthellen des federltichten Material» sei eine Arbeiterin bisweilen im Stande, einigt Goldblätter, dl« nur einm Werth von wenigen Pfennigen hätten, zu ersparen. und es sei in allen ähnlichen Fabriken Sitte, daß dies ersparte Gold dm Arbeitenden gehöre. Dieselbe Behauptung stellten die angeklagten Vergolder auf und fanden darin auch Unter stützung durch die Aussagen der beiden Sachverständigen, Goldleistenfabrikanten Andre« und Wcrkmetstcr. Beide erklätten, daß hier ein eingewurzelter Mißbrauch vorliege und die An- schauung der Angeklagt-» allgemein verbreitet sei; eS gebe Fabriken, in denen die Ardener Blattgold au» ihrer Tasche anschaffen müßten, wenn daS, gewöhnlich knapp bemessene Matertal nicht zu der ihnm aufgetragenen Arbeit zureichte. Naturgemäß betrachteten die Ardeiter demzufolge etwaigen Uedcrjchuß an Blattgold als ihr Etgenthum. Unter diesen Umständen blieb dem Staatsanwalt nur übrig, die Frei sprechung sämmtltcher Angeklagten zu beantragen, denn jeden ment auf dem Saal. Da trat der alte Graf Boltm wieder in den Saal und sagte mit ernster, aber vollkommen leide« schaftsloser Stimme: „Meine Herrschafte», es thut mir leid, Sie benach richtige» zu müssen, daß wir uns in keinem Hause der Freude, sonder» in einem Hause der Trauer befinden. Mei- »«« alten Freund Graf Monford hat ein ernster Unfall de- troffen, der seine Familie an sein Lager fesseln muß— die Tafel ist aufgehobm, den» es würde unmöglich sein, unter diese« Umstäadm noch längere Störung hier zu verursachen." „Aber was fehft ihm? Was ist geschehen?" rief es von allen Seite«. ,Hoffe»tlich nichts," erwiderte abweisend der alte Herr,„was uns verhindern könnte, in einigen Wochen ja, vielleicht in einigen Tage« wieder eben so ftöhlich hier zusammen zu kommm— Frau Gräfin, erlaube« Sie mir, daß ich Zhnm meinen Arm biete und Sie hinüber zu Ihrem zeigt, welche fich bei den Negern befanden und ein" I~ gefährliches Ansehen hatten. Wie rS heißt, entstanden zu, zwischen Publikum und dm drei Regem Leine Zwistigketten, indem fich mehrere Personen über die Neger lustig machten und auch dem Schaubuden befitzer gegenüber erllärten, daß die Vorstellung das Eintrittsgeld nicht werth sei. Bald darauf sollm fich mehrere Kinder nach dem Podium gedrängt und von einem der Neger zurückgestoßen worden sein, was aber- mals zu Mißhelligketten Veranlassung gab. Endlich zerschnittm zwei Ardeiter und Knaben von außm die Leinwand» worauf ein Neger mtt einer Eisenstange nach einem Knabm schlug. Dies soll nun nach den Angaben mehrerer Personen die Ver« anlassung zu einem Kampfe zwischen dem Publikum und dm Regem geworden sein; Bestimmtes war indeß heute noch nicht festgestellt, indem die Vemebmunaen in der Sache noch im vollm Gange find. Der Austritt war ein fast unbeschreiblicher. Die Neger bewaffneten fich mit kurzen Eisenstangen und schlugm wie wahnstnnig um fich, ' end das Publikum auf die Neger in verzweifetter Weise »eb. Furchtbares Entsetzen rief es hemor, als plötzlich, wie eißt von dem Schaubudenbefitzer, die Bluthunde loSge» laffm wurden und fich dieselben auf die Menge stürzlm. Einige Personen sollen denn auch von den Bestien gebissen wordm sein. Eine halbe Stunde dauerte diese fürchterliche Szme, bei welcher zwölf Personen, darunter auch Kinder,»er- letzt wurden. Von den drei Negern waren zwei sehr schwer verwundet; einem derselben war daS Nasenbein total zerschmettert, auch öatte er mehrere ttefe Löcher im Kopfe davon getra- gen. Er liegt in sehr bedenklichem Zustande damieder. Der dritte, welcher leichtere Verletzungm erlittm hatte, klagte namenttich über innerliche Schmerzen. Er wurde vorläufig der Raboisenwache überliefert. Die beiden Arbeiter, welche, wie erwähnt, das Zelt zerschnitten hatten, wurden in Hast gtnom- mm. Der Tumutt konnte erst durch JiaS Einschreit . r Tumutt konnte erst durch daS Einschreiten von zahlreichen Schutzmännern und einigm Militär» gedämpft wer- der:, wobei von der blankm Waffe Gebrauch gemacht»erdm Leide« auf See. Der Royal Mall Dampfer„Kinsemdo" hat auf seiner letztm Ausreise nach der Westküste von West- Afrika in See ein offenes Boot angetroffm, in welchem fich zwei Mänr.er befanden, die bereits acht Tag« ohne Nahrung und Trinkwasser umhergetrkben warm. Zwei andere Jnsassm waren schon vorher in Folge der Eotdehrungm«e» storbm. Ali der Dampfer fich in der Nähe von Old Calabar befand, mtdeckte der Kapitän in der Ferne ein Kanoe, da« anscheinmd verlassen war, in dem fich jedoch, als der Dampf« ein Signal mtt der Dampfpfeife gab, ein Mann er- hob. Der Dampfer steuerte nunmehr in die Nähe und fand, daß in dem Kanoe zwei Personen waren, Kruneger, die fich vor mehreren Jahrm nach Prince Island begeben hatten, um währmd der Dauer eines JahreS auf dm Plantagm der Por- wgiesen zu arbettm, dmm seitms ihrer Herren jedoch nicht gestattet war, die Insel nach Ablauf ihrer kontraktmäßigen Ar- deitszeit zu verlassen. Die Leute halten fich daraus in den Befitz deS KanoeS gesetzt und waren geflohen. Zwei waren vor Erschöpfung umgekommm und über Bord geworfen: die Ueberledenden warteten geduldig auf daS Ende ihre? Elend». Tag für Tag verging, ohne daß ihnen Hilfe kam, bis fie md- lich am 11. Tage nach ihrer Abfahrt von dem„Kinsembo" ent- deckt wurden. Sie hatten bereUS acht Tage ohne Nahrung und Trinkwasser zugebracht und waren dem Tode nahe, alS fie von dem Dampfer aufgefunden wurden. Unter der sorg- fättigm Pflege des Kapitäns erholten fie fich jedoch bald wieder, so daß fie auf der Rückreise deS Schiffe» vollkommen wieder« hergestellt in ihrem eigenen Lande gelandet werden konnten. Die Volkszählung i« Parts, welche soeben beendet ist, at bei der hauptstadtischen Bevölkerung einen Widerstand ge- ndm, welcher weder den ausführenden Behörden, was die Form der Durchführung betrifft, noch dem demokratischen Sinne der Bevölkerung Ehre macht. Es ist nur zu gewiß, sagt z. B. der„Figaro", daß das Werk der Zählung, so wie es organifirt ist, sehr langsam von stattm geht und daß das Resultat selbst ein absolut unvollkommenes fein wird. Aus Gleichglltigkeit oder bösem Willen hat die Bevölkerung der Erfüllung von gesetzlich vorgeschriebenen Formalitäten, die durch schlecht ver- standme Verwaltungsmaßreaeln leider nur komplizirter gemacht wurden, einen thatsächlichen Widerstand mtgegengesetzt. Folgende Ziffern beweisen das. In fast sämmtlichen Arrondiffements find klägliches, und die unglücklichm Zählkommissäre, den fpärlichm�vernünstigm Angabm eine 40—50 pCt. der Haushaltungsformulare unausgefüllt zurückge- geben. In einigen Vierteln erreicht die Zahl dieser Verweige- mngen 75—80 pCt. Dann hat eine große Zahl von einzelnen Personen fich geweigert, die ihre Pcrson betreffenden Angabm zu machen, zumal in den HotelS ist diese Weigerung fast syst«- malisch gewesen. In einigen konnten von 60—70 vorhandenen Zimmernummern nur 15—20 ausgefüllte Formulare erhalten werden. In vielen Häusern vertröstete man die Zählkommissäre auf die nächste Woche, da der Herr verreist oder die Frau lei- dend sei u.s.w. Die Bedauernswerthm mußten dann, wmn sie AbendS müde und mtt dm blanken Formularen heimkehrten, dieselben selbst so gut eS ging auSfüllm, da» Resultat ist na« türlich unvollständ.g. Dabei wird, um den Kontrast zwischen dm aufgewendeten Mitteln und dem ganz werthlosen Resultat — in einigen Bezirken sind 15—20000 Formulare nicht ausgefüllt— recht grell zu machm, jetzt noch eine erhebliche Mehr- ausgäbe nothwendig.— So ist denn da» Fiasko eines Werke», das erst kürzlich bei uns in Deutschland, wenn auch gewiß unvoll- kommm, so doch unter dem überwiegenden Entgegenkommen der Bevölkerung, vor fich ging, in der franzöfischen Hauptstadt ein ....... welche neben Fluth von Unge- reimtheitm, Beleidigungen, drolligen und geistreichen Be> merkungen zu lesm hatten, müssen nun finden, daß ihre Rolle tragisch und komisch zugleich war.„Manche begnügten fich, auf alle Fragm zu antworten: Sie find allzu neugierig! Einer schrieb über daS ganze Blatt den Satz: Fragen Sie das alles meine Schwiegermutter! Ein anderer schickte sein For- mular mit der Notiz zurück: Sie brauchen nur meinen Zivil- stand nachzusehen, ich bin in CarpentraS geboren. Auf die Frage: Welchen Beruf hadm Sie? antwortete einer: Prinzen- austreiber; ein anderer: Ich paffe auf Jules Ferry, um seine Nase zu bewundem; ein Dritter: Ich suche seit fünfzehn Jahren Arbeit! Ein Schalk endlich erfaßt die Frage: Welche Stellung haben Sie in der Familie? nach seiner Art auf und schreibt: Manchmal stehe ich, aber meisten» pflege ich zu liegen. Was fich die Tübinger für Jagdgeschichte« vom Reichs- rechnungshofe in Potsdam erzählen. In der Tübinger Regt- wentSrechnung kam ein Postm vor für„Spatzenseiher". Wer nicht im Schwabmland groß geworden ist, wird daS Wort freilich kaum verstehen.„Spätzle" ist das Lieblingsgericht der Württemberger,— eine Mehlspeise, zu deren Herrichtung man eines Küchengeräthes bedarf, eine» Bleches, in welchem eine Reihe Oeffnungen fich befindm, durch die für die Spätzle der Rahm durchgeseiht wird. Dieses Geräth war für die Kasemen- Küche de« Regiments angeschafft. Der Rechnungshof in PotS- dam verstand daS Wort nicht und hielt Rückfrage, wa» eS bedeute. Der Zahlmeister fügte kurz und bündig die Erklärung bei:„Reindeuttch heißt ei Sperlinge"— die Spatzen nämlich. Der Rechnungshof genehmigte nun die Rechnung mit der «amenden Bemerkung, daß„Sperlinge für ein ganze» Re< giment doch ein zu kostspieliges Essen" sein dürften. Kleine Mittheilnnge«. Aus Gr. Berkel, bei Hameln, geht der Hamb.„Bürger- Z-ttung" folgender Aufruf zu: Arbeiter! Brüder! Am 2. Juni d. I. wurden unsere Nachbarorte Dehmke und Königs« förde von einem schweren Unglück heimgesucht, indem dort ein Wolkenbeuch herniederaing, der in kurzer Zett Alles über- schwemmte. In Dehmke find Häuser eingestürzt, aus vielm die Wände fortgeschwemmt, alle Fewsrüchte ver- nichtet, mehreren armen Leuten die wenigen Li« benSmittel, die fie noch im Befltz hatte», sowie Kleidung, HauSgeräthe alle» fortgerissen. Auch viele» Vieh ist ertrunken, und leider ist auch ein Menschenleben dem Un- wetter zum Opfer gefallen. Der Waldhüter Beermann war mtt seinem 11jährigen Knaben auf der Hausdiele beschäftigt, das Vieh von den Ständen zu lösen, als die Fluthen durch die Wände ihren Weg nahmen, den Knaben, der fich auf eine Leiter geflüchtet hatte, mit fich fortrissen. Brüder! Arbeiter! Es befindm fich viele der Betroffenen in der elmdsten Lage. Wir richtm deshalb an Euch die Bitte, ein Scherflein mtt beitragen zu wollm, damit unsere Brüder mit ihren Familien nicht zu Grunde gehen. Zeigen wir Arbetter, daß wir zu- sammen halten, daß wahre Brüderlichkeit unter unS herrscht, daß Einigkeit unter uns ist. Wir müssen zusammmhalten im Kampfe um unsere Rechte, wir müffm aber auch unsere Brüder, welche durch die Roth kampfunfähig werden, unterstützen. Unsere Devise ist:„Einer für Alle und Alle für Einen!" Brüder! Ardeiter! Thut Eure Pflicht, dann werdm wir unsere Brüder vor der größten Roth dewahren. Geldsendungen find zu richten an H. L. W. Heinemann oder an W. Schoper, Messerschmied in Gr.-Berkel bei Hameln. Kottbus, 15. Juni. Eine aufregende Szene hatten die Fahrgäste de» am 1. Pfingstfeiertag von hier nach Görlitz sah- rendm Frühzuge» zu durchlebm. Der„Kottb. Anz." berichtet darüber folgendes: Auf der Bahnstrecke zwischm Schleife und Weißwasser hatte fich ein Bahnwärter, vollständig uniformirt und daS Signalhom umgehängt, auf die Schienen gelegt, jeden- fall» in der Abficht, fich von dem Zuge überfahren zu laffm. Der Lokomotivführer bemerkte dm Lebensmüden noch rechtzeitig, einige Fahrgäste, welche beim Ausschauen auS dem Wagen den Mann mochten daliegm gesehm haben, verjuchtm an der Nolh- leine zu ziehm, kurz, der Eisenbahnzug kam noch etwa einen Meter von dem Körper deS Manne» entfernt zum Stehm. Einige Beamten sprangen nun vom Zuge ab und führtm dm stch h'Nig sträubenden, anscheinend hochgradig betrunkmm Menschen eine Strecke abseits in die hier an dm Bahndamm herantretmde Haide. Bevor der Zug fich jedoch wieder in Be- wegung setzen konnte, war der hartnäckige Selbstmordilustige wieder herangeeilt, um fich abermals vor die Lokomotive zu werken. Die Beamten ergriffen ihn nun nochmals und führtm ihn wiederum absett», aber nicht ohne dem seldm ein paar wohl- verdiente Püffe zuzutheilm und hielten ihn hier fest, bis ein paar in der Nähe befindliche Bauern, welche dm Vorfall eben- falls beobachteten und zu Hilfe eisten, herangekommen warm und nun dm Trunkmm vom ferneren Betreten de« Bahndammes abhalten konnten. Trieft, 15. Juni. Die letzte Post auS der egyptischen Stadt Massauah— auf der gleichnamigen Insel im Rothen Meere an der Küste von Habesch— bringt die Nachricht von einem daselbst stattgehabten ungeheuren Brande am 26. Mai. Das Feuer brach im Eingeborenen Viertel aus und nahm bald kolossale Dirnen Ronen an. Die Garnison unter dem Kommando deS General» Gene versuchte zu retten, allein ein starker Wind verhinderte einen Erfolg der Rettungkarbeiten. Bald waren 162 Eingeborenen-Häuser und 3 europäische Häuser, zusammen ungefähr der sechste Tbeil von Massauah, verbrannt. Da» römische Haus Orestes Caserini erleidet durch die Verbrennung seiner Hol, magazine einen großen Schadm. Die Waare, von der ein Theit von hiestgm Häusem in Kömmisston gegeben war, ist nicht verstchert gewesen. Die Entstehung deS BrandeS ist nicht bekannt' man nimmt Brandlegung an, da in letzter Zeit in Massauah sowohl als in dessen Umgegmd, namentlich in Morculo und Arkiko, häufige Schadmfeuer vorkamen.— Ein später eingetroffene« Telegramm der„N. Fr. Pr." besagt folgendes: Die Feuersbrunst, welche in Massauah ausbrach, ist auf einen Zufall zurückzuführen. Ein sechstel der Stroh- hüttm der Eingeborenen ist zerstört; von Europäern ist nur der ttalimische Hol, Händler Caserini um 250 000 Lire deschädigt. Der Wiederaufbau der Strohhüttm ist nicht mehr gestaltet. Theater. Freitag, den 18. Juni. Deutsches Theater. DaS Urbild des Tartüffe. Velle-Alliance-Theater. Da» Paradies, Gr- sanasposse in 4 Ästen von Leo Treptow und L. Herr mann. � Friedrich. Wilhelmftädtisches Theater. Der Zigeunrrbaron. � � � Ostend-Theater Marie Tudor. Viktoria- Theater. Amor. Tan». Poem von attiigi M-nzotti. Wallner-Theater. Der Mkado. Kaufmann'« Variete. Große Spezialitäten- Vorstellung. Saffage 1 Tr. g R.- 10«. Kaisev-Pauora»«. In dieser Woche: 1. Reise England— Schottland. Eine interessante Montblanc-Besteigung. Hertha-Reise. Carolinen. Inseln. Sine Seite 20 Pf.«Inder nur 10 Pf. Th. Keilcr's Hofjäger. Haaenhald«. Rontag, de« 5. Juli 1886: Grosses Sommerfest verbunden mit Sommernachis-Ball, veranstaltet vom Mft zur iOoftcuttg dec laiccefm des ÄCaoiecatßeifet »um Kesten des zlnterstüchungsfond« für Jnnmlt» Mitglieder de« _ Grosses Oonoert,"MI ausgeführt von der Kapelle de» Hrn. Abarbanell. Von 2-4 Uhr großer Kindertauz. verbunden mit Kondouregeu. Präzise 6 Uhr großer KiaderfackelMS, wozu jede« Kind eine Stock. laterne gratis erhält. Von 6 Uhr ab beginnt der K-mmernachks-Kall. Herren, die daran theilnehmen. zahlen 50 Pf. nach. Kasseneröffnung 2 Uhr. Anfang des Concerts 4 Uhr. Entree 25 Pf. Killet» find zu haben bei sämmtlichen Vor- standSmttgliedern, Skalitzerstraße 18 bei Stramm und in allen mtt Plakaten delegten Handlungen. ES werden alle Mitglieder, Freunde und Gönner de» Vereins hiermit eingeladen. 1947]»er Vorstand. Schweizer Garten. THarllch; Am Friedrichsbain. Haltestelle der Ringbabn. Am KönigSthor. Täglich: Oromes Concert n. Vorotolluiiga Miß Lazel at* lebend« Kanonenkugel. Sensationelle Lustproduttion der Majol-Tenppe. Theatervorstellung. Grosch, JonaS, Gläser. B-.schw. Hesat. Geschw. Hansen. Entree30Pf. Bons haben Wochentags Giltigkeit. Tricot-Taillen-Fabrik von I-«Ms Llchtenstein, 12 Kommaudanten-Straße 12, parterre im Faden, empfiehlt im Einzelverkauf zu wirklichen Fabrikpreise«: Tricot-xCamen-Tailien m. Faltenschooß u. Seitenlheilen v. 2 M. an; Trlcot-Kimder-Talllan und Blouaen von 2 M. an; Tricot-Knaben- AnzOge. reizende Fa?ons von 5 M. an; Tricot-Klmder-Klelder in entzückender Ausführung von 3 M. an; BeaWluMen nach Haasa werden in meiner eigene« Arbeitsstube oh»» Preiserhöhung schnellsten» angefertigt. Anprobe daselbst.[1911 Tpicot-Stoff in allen Farben worrlthig. Um wirklich billig und reell einzukaufen, bitte ich genau auf meine Firma(gegründet 1869) zu achten. Zimmerleute Lerlins! Wer soll nun die Druckschriften bezahlen, welche Herr Marzian seiner Zett im Jnter esse der Berliner resp. deutschen Zimmerleute auf seinen Namen bestellt hat? Der Lokalver. band und die Lohnkommisfion haben fich der Verpflichtung entzogen, Marzian ist verarmt, er ist von Berlin weggezogen und bat verschiedene nothwendig« Sachen auf dem Leihamt zurück- laffm müssen. Der Exekutor droht ihm, die letzten Habseligkeiten zu nehmen. Wir können 'itcht ruhig mit zusehen, daß eine Familie, die ichon ruinirt ist, ganz im Elmd untergeht. DeS- halb fordern wir jeden moralisch denkenden Zimmermann Berlin» auf, hier Wandel schaffm zu helfm.[1944 Im Austrage vieler Zimmerleute: Mersterwa««, Rixdorf, Berlinerstraße 89. Die gegen Fr. Msttte» ausgestoßene Beleidigung nehme ich hiermit zurück u. erst, dieselbe für eine Ehrenftau. F. W. Schulz, Schuhm. -%j-heKreuz-Lotterie / äloosIMark Ziehung 28-30 Juni d. J, I)(inder-Keilstätfen- -s Lofterie |% Hospiz JKoppot' !■ äloosIMark Ziehung 7. Juli 1886 i Kicb.tScbrödcr -4 MapkgpafensfP.46, ■(Gensdar- enrnam) är nLoos/Mark. Madchen für eine kleine Wirthschast Frl. Kang«, Friedrichstraße 195 n. «oftnmes-Kr»iteri« verlangt Lange, Friedrichstraße 195 0. Sin verlangt Gmeni« der Maler. 1. Stiftungsfest am Sonntag, den 20. Juni, im Saale d«S VereinS-Hause», Sophienstr. 15. Anfang 3 Uhr.— BilletS find zu haben im VereinS-Lokal, Ritterstr. 123; beim Kollegen K üßner, Grenadierstr. 18; beim Kollegen Harms, Mittenwalderstr. 46; beim Kollegen Kömmlitz, Oranienstr. 52.[1945 Der Vorstand. Centrat-Kraukeu-und Sterbekaste der Tischler u. f. w (E. H., Hamburg.) (Verwaltungsstelle Kerlin F, Schönh.-Th.-Bez.) Mitgtieder-Nersiammlung Sonntag, den 20. Juni, Vormittags 10 Uhr, im Lokal Fehrbellinerstr. 98(Roloffsburg). Tagesordnung: Wahl sämmtlicher Ver- wattungSbeamten und Beitragssammler.— QuittungSbuch legitimiri. Um pünktliches El- scheinen bittet[1946] Die Verwaltung. Verantwortlicher Redastem 9L Lronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin 8W., Beuthstraß: 2. Mitglieder-Nerrammlung des Ttschler-Vereiu« Sonnabend, den 19. Juni, Abends 8V« Uhr, in Kansfauei, Kottbuserstr. Nr. 4a. Tagesordnung: 1. Erledigung eine» Unter- stützungigesucheS. 2. Vereintangelegenheiten. BilletauSgabe zum Sommerfest am 28. diese» Monat». Ausgabe der neuen OuitlungSbüffl*; Diejenigen Mitglieder, welche die alten Bücher noch nicht abgegeben, werden ersucht, dieselven so schnell wie möglich, spätestens bis zum 1.3% d. I., dem Kasstrer einzuhändigen. I194 _ Der Vorstands Arbeitsmarkt. rnsesas ■■HBHBM Garten", pro Stunde 1933] MteillHmdtt uud KM H-idestr-ße 48. Hierzu eine Beilage Nr. 139. Freitag, de« 18. I«tti 1886. HI IchiZgc 1« HachM in ftipjij. Unter dieser Ucberschlift veröffentttchl daS Hauptblatt der Rattonalltderalen in Sachsen eine ganze R.ihe von Artikeln, denen wir solgmde interessante Thalsachen entnehmen KtölUn. Sonntag, den 6. d. Mt., besuchten zahlreiche Mitglieder der Handelskammern von Bremen und Hamburg die»See. (adt" Leip-ig. um dort, und in Sachsen überhaupt, die In. ustrteverhällniffe kennen zu lernen. Unter den Hamburgern befand stch auch, wie daö„Leipz. Tagedl." bemerkt. Der„rühm- ltchst bekannte" ReichStagSabgeocDneie Woermann. Doch zählen wir die Hamburger Herren nament. M au?' '' Jakob Ablers, Th. H.®. Burchard, Rud. Grase. mann, F. G. Th. Heye. Siegmund Hinrichten, stell. vertretender Vorfitzender Der Handelskammer, Dr. Jüt. oens. Sekretär Der Handelskammer, Al.x. Kahler sun., I. F. Krogmann, G. Zerd. LaeiSz, �erd. Lüddecke, Arthur Lutteroth. Rod. E. I. Mestern. Vorsttzender der HardelSkammer, E. Pontoppidan, I F C. Refardt, H. M. Robinow, Ludw'g Sanders, Johannes Schröder, I. I. Warnholtz, Ad. Woermann- AmerstenTage fand dieBegrüfiung Durch dieL�pzigerHandels. kammer in der Neuen Börse statt, bei welcher Gelegenhett der Präsident dieser Kammer das große Wort gelassen aussprach, die wntben Gäste seien nicht gekommen, um Feste»u feiern, sondern sich ernster Arbeil hinzugeben. Darauf führte Redner die„werthen Gäste", in derett gehaltenen Equ-paaen sofort(nicht im Sinne Des Herrn v. Puttkamer) nach dem Rosenthal, ,Mo in«onorands Etadliffement gesellige Vereinigung und«e- wirthung von Seiten Der Handelskammer mit kalter Küche, Bier und Wein stattfanden, welche letztere von der kulinarischen Leistungsfähigkeit Des gedachten Restaurants recht günstige» "folgende Tag. der Montag, war der Haupttag. Es wurden Vormittags per Equipagen vier industrielle EtadlrffementS besucht. Im zweiten wurde vom Besttzerein Imbiß dargereicht und in dem vierten stand nach geschehener Befichtigung im großen, aus diesemAnlaß finnig geschmückten Eßsaal„ein vsnder Wollkämmerei angebotene» Frühstück bereit, deffen von der Firma Krtzing und helbig gelieferte Ausstattung eine mehr als opulente war. «ein Wunder, daß da, stattliche, mit einer Fülle von lul. "arischen Herrlichkeiten versehene Büffet starken Zuspruch erh elt Und bei lebhaftem Gläserklang stch eine allgemetne.Fröhlichkeit entwickelte." Dann mußten die in der Fabrik beschafirgten Ar- beiter. welche einen Gesangverein bildeten, den werthen Gasten einige Lieder vortragen, welche sehr applaudirt wurden Nachmittags hatte noch eine Fabrik die Ehre de» hanseatiscben Besuchs; gegen vier Udr nabm im Preußischen Hof das Festmahl seinen Anfang.„Die Stimmung bei der lukullisch ausgestatteten Tafel war eine überaus ledhafte und gthodene." In dieser„gehobenen Elimmung" sprach nach dem Bericht des„L. T." Herr Kahler auS Hamburg folgende warm empfundenen Worte: „ES seien unvergeßliche Erinnerungen, welche er und seine LandSleute au» Leipzig mit hinwegnähmen. Leb. hafte Anerkennung gebühre auch Der braven Leipziger «rdeiteldevölkerung. welche man heute in so vielieitiger und dewundernSwerther Weise an der Arbeit gesehen habe. Dieser Arbetterbevölkerung widme er sein GlaS. (Großer Beifall.)" Forden sei."- Vom„Mästen" dieser Agitatoren von den Mennigen Der Arbeiter hat Der geehrte Redner nach dem vor« "tgenden Bericht leider nicht gesprochen. .„ Hiermit wurde die Reihe Der Toaste geschloffen. Recht Mend! Im Bericht aber heißt ei weiter:„Eine immer wehr gehobene Stimmung hatte Platz gegriffen, die durch die -.orzü gliche, wir können wohl sagen, fürstliche Ausstattung der uefttafel wesentlich destärkt wurde. hlrillk(fjeslhilhlm aus der Kühuemelt. Von Reinhold Ortman«. Nachdruck verboten.) Zerrüttete BermögenSverhältnisse. (Schluß.) ... 3» dem Aeußere« der rothhaarige« Ghoristi» hatte sich Lühreud dieser wenige« Monate eine ganz überraschende �wwandlung vollzogen. Ihre Wange« hatten sich gerundet, Testalt war voller und üppiger geworden und merk- Mdiger Weise hatte» dadurch auch ihre Bewegungen an Weichheit und Anmuth wesentlich gewonnen. Der Maschine«. Erster sah da» Alle», und seine tteuherzige« Augen leuchtete« Awer tiefer und seliger in der Tluth einer Liebe, die von �"em Wesen ganz und gar Besitz genommen hatte. Aber ? war nicht der Einzige, welcher diese Veränderung de« und immer häufiger geschah e», daß sich die Oper«. Uäser der Habitus« im Parquet auf die junge Ghoristi» Fitten. Eine» Abend« wurde ihr abermals ein mächtiger Blumenstrauß in die Tarderobe gesandt, der freilich viermal j. Troß«ad zehnmal so kostbar war, al» das simple Bouquet J,** treuen Verehrer«, und diesmal machte sich ebenso wenig i** der Kolleginnen über die Huldigung lustig, al« Elise �ra» ßachte, die duftige Spende in dre Ecke zu werfen. L* diesem Abend aber gab es zum erste« Mal etwa« wie 0? Mißhelligkeit zwischen dem Maschinenmeister und der Er hatte sie mtt leise zitternder Stimme gebeten, ..che Teschenke nicht weiter anzunehme«, und al« sie darauf (J"aivem Erstaunen gefragt, wie er zu einem so seit. I,,wen Verlangen gekomme», hatte er geantwortet, daß e« ihm s�weh thäte, sie von irgend Jemandem falsch beurtheilt zu aerTt" �hre Erwiderung war nur ein lustiges, silberhelle» Lache» tij l*"' ei» Lache», da» ihm wohl tief und schmerzlich in L fe«le schneide» mochte, den« ganz gegen seine Gewöhn- L war er heftig aufgefahren und hatte in einem Tone, &,***) verzweifelt ernsthaft klang, gesagt, er würde sich Wm' n:,enn ihre Liebe jemals einem Ander» zuwenden ®0rauf hatte sie ihm schweigend ihre weiche, warme t„„,?,Sereicht und ihn freundsicher und verheißungsvoller stachelt als je zuvor; er aber war beruhigt und beseligt Die Spreisekatte dieses Festmahles dürfte auch Einen oder den Andere» interesstren: Suppe von Spreekrebsen. Gedämpfte Rindslende mit Trüffeln. Voigiländer Forellen Leipziger Allerlei m t TaubenkoteletteS. Römischer Punsch. Schnepfenpastete. Gemästete Hühner v. Breda. Stangenspargel. EiS. Baumkuchen. Bienenkorb. Meißner Erdbeeren. Käse. Kaffee. Ueder die Qualität der Speisen und Getränke sollen stch die Hamburger Gäste äußerst lobend geäußert haben, wozu der Bericht finnig und treffend bemerkt:„wir dürfen diesen Herren wohl einige Befähigung betreffs Diese» Kritikeramts zutrauen." Nachdem daS Mahl aufgehoben war, begaben fich die Herren in bereitstehenden Wagen nach Dem Birnbaum'schen Waldhofe in Gonnewitz,„wo fich rasch wieder eine hochdeledte gesellige Vereinigung inszenirte, wobei eine Bewirthung der Gäste mit Kaffee, Bier u. s. w. seitens der Handelskammer stattfand. Manch herzliches Wort wurde beim schäumenden Gerstensaft gesprochen." Darauf wurde daS neue Konzert» hau«»och in Augenschein genommen, daS heißt von Denen, die noch, wie Der Berliner sagt,„aus die Dosen kiken" konnten. Am dritten Tage wurden weitere vier Etadliffement» de- stchtigt, worauf— doch geben wir dem Korrespondenten De» „L. T." selbst da« Wort: Nach gethaner Arbeit beanspruchte selbstverständlich auch Der Körper die nöthige Erquickung und Erfrischung, und die sämmtlichen Theilnehmer an der Exkmston folg- ten nach Beendigung der Befichtigung der Fabriken einer Einladung des Herrn Kommerzienrath Meißner zum Fttlbstück in deffen Villa, deren wahrhaft fürstliche, an die Zeit der Fugger erinnernde Ausstattung bei Allen Bewunderung und freudige« Erstaunen erregte. Damit in vollem Eir klang hielt fich die Beschaffenheit De« Dar- gebotenen Mahl-s, DaS wohl nur scherzhaft die einfache Bezeichnung eine«„Frühstücke»" erhalten hatte; die all- emeine Stimmung war eine überaus gehobene, trotzdem e bereits unter der Einwirkung der Abschiedsstunde stand." In dieser„überaus gehobenen" Stimmung hielt auch der ReichStag�abgemdnete Woermann eine leider nicht der Nach- weit überlieferte Rede zum Lobe der Stadt Leipzig.— Und in dieser„überaus gehobenen" Stimmung ging'S nunmehr von Leipzig weiter zu dem„Herrn Kommerzienrath", Der Da» Buch„Der Herr Kommerzienrath" von Dr. Vogler auf stch dezogen hat. Also zum Herrn Kommerzienrath Vogel in Lunzenau. Doch geben wir hier nochmal» dem Herrn Korrespondenten de» ,Ai. T." das Wort: „Man konnte einigermaßen gespannt darauf sein, ob nach den so schönen und glanzvollen Tagen von Leipzig nicht etne kleine Reaktion eintreten werde; in Lunzenau ist fie aber, Das wissen wir jetzt, entschieden nicht er« folgt, im Gegentheil, die Aufnahme der hanseattschen Gaste hat dort mehr noch eine Steigerung erfahren. Drei wesentliche Bedingungen vereinigten fich daselbst, um diese Wirkung herbeizuführen: eine herrliche, im üppigen Sommerschmuck prangende Natur, da» schönste Wetter, daS man fich denken kann, und die Auf« dtetung großer finanzieller Mittel, durch deren natürliche Kraft in Verbindung mit gutem Geschmack wahrhaft Große» erreicht worden ist. Ei lag, so zu sagen, in der Begrüßung und Aufnahme der yanseati- schen Kauf- und Handelsherren in Lunzenau von An- fang bis Ende„Schmiß". «ach Hause gegange«, um neue Luftschlösser zu baue», in denen selbstverständlich nur fie al» unumschränkte Gebieten« restdirte. Tag» darauf hatte sie bei der Heimkehr wiederum ein Geschenk von ihm vorgefunden— ei» allerliebste» Arm- band in Gestalt einer goldenen Kette mit einer daran hän» gende« Kugel aus LapiSlazuli. Ihre Mutter hatte da» Päckchen angenommen und geöffnet; aber al» sie Elisen den Schmuckgegenstand überreichte, sagte sie in strengem Tone: „Da« ist das Letzte I Jetzt muß der dumme« Geschichte mit diesem arme« Teufel ein Ende gemacht werde«! Er hat nicht» mehr, und e« wäre nicht gut für Dein Fort. komme«, wen« man Dir«achsage» könnte, daß sich ei» Maschinenmeister um Deinetwillen in Schulde» gestürzt hat!" Elise antwortete nicht»; aber sie legte lächelnd die blitzende Kette um ihren weiße« Arm.-- Auch die Bühne de» süddeutschen Stadttheater» hatte, so beschränkt ihre räumlichen Verhältnisse sei« mochten, allerlei halbdunkle Winkel und Ecke», in denen man wohl gelegentlich während der Vor- stellung mit einem guten Freunde ei« paar Wort. che« plaudern konnte, ohne sogleich von Jedermann gesehe« und gehört zu werden. E» w'sperte und flüsterte sehr eifrig in solche« Winkel», zu denen stch auch wenige Bevorzugte au» dem Publikum verstohlene« Zugang zu verschaffen wußten. Oftmalt schon hatte der Maschinenmeister dieses Wisper« gehöct;«her noch niemals war ihm ein Verlange« gekommen, tiefer in diese kleinen Geheimnisse der Koulisse». weit einzudringen. An diesem Abend aber blieb sein Fuß wie festgewurzelt hafte«, al» er an der dunkelsten jener Ecken vorüber ging und de« gedämpfte» Klang einer weib- liche» Stimme vernahm, die er unter Hunderttausenden er- kaunt haben würde. Mehrere Minuten lang stand er steif und starr wie eine Statue an dem nämliche« Fleck; aber al« dann ei» Geräusch an sei» Ohr schlug, welches ver- zweifelte Aehnlichkeit mit dem Schall eine» Kusses hatte, taumelte er ei» paar Schritte zurück, als hätte ihm Jemand einen Schlag vor de« Kopf versetzt. Gleich darauf ging eine der beide» Personen, die da drinnen geflüstert hatten, an ihm vorüber. E» war ein alter grauköpfiger Herr von gebrechlicher Haltung und schlotterndem Gang. Der Maschinenmeister kannte ihn zufällig. Er wußte, daß es ei» reicher Holzhändler sei, der wegen seiner Freigebigkett Und weiter: „DaS Spiel der Kapelle der Rochliyer Ulanen empfing die Gäste bei ihrer Ankunft, welche nun der Gegenstand der gesuchtesten Aufmerksamkeit und einer wahrhaft fürstlichen Gastfreundschaft seitens deS Herrn Vogel waren, w-lcher zu dieftm Behufe eigens den Hof« ttatteur Herrn Siegel au» Dresden nach Lunzenau hatte kommen laffen. Die Herren au» Hamburg und Bremm waren über das Bild landschaftlicher Schönhett, welche» autgebreitet zu ihren Füßen lag, und über die aller- ding» mtt raffinirtem Geschmack vorbereitete Art und Weife ihreS Empfange» und ihrer Bewirthung auf da» Höchste entzückt, und fie werden die Aufnahme, welche fie bei einem sSchstschen Großindustriellen ge« funden haben, wohl so bald nicht vergessen." Nach B-fichtigung der Fabrik, nach einem Gartenfest mtt Feuerwerk und einem Fackelzug, zu dem die Arbeiter„befohlen" warm, fuhrm die Hanseaten am Abend nach Ebemnitz. Von dort ist zu melden, daß den Gästen nach„gethaner Arbeit" ein großartiges Banket gegeben wordm sei. Wir haben nur eine Bemerkung zu machen: Neid über ein derartige« Schlaraffenleben empfinden wir nickt und wir wollen auch hoffen, daß die Ardeiter darüber keinen Neid haben; aber die Handelsherren und Großtadrtkantm solltm doch endlich zu klagen aushören über schlechte Zeiten und schlechten Verdienst. Zu diesen Klagen paffen solche Festlichkeiten doch wohl nicht. Kommunales. w. Die erste städtische De»t«fettionS. Anstalt in der Reichenbergerstraße 66 wurde am Mittwoch Abend durch Ver» treter des kgl. Polizeipräsidium» und der städtischen Behörden einer eingehenden Befichtigung unterzogen. Die baulichen Ein« richtungen erklärte der Herr Stadtdaurath Blankenstein, die maschinellen Einrichtungen der Direktor des Krankenhauses Moabit Merkel, die medizinisch festgestellten Resultate derDiri« gent de« Moaditer Krankenhauses SanitätSrath Dr. Guitmann unter Beistand zweier Asfistenzärzte; ferner warm erschienen ein Profeffor aus Tiflis und ein Prof'ffor au« Japan, welche hierher geschickt find, um die sanitären Einrichtungen zu studiren. Der Apparat funktionirte in ausgezeichneter W-ise zur vollsten Zufriedenheit aller Anwesenden. Die mit Krankheitsstoffen im« prägnirten Gegenstände, Möbel, Kleidungsstücke, Wäsche ,c. werden in lustdicht verschloffenen Wagen auf der einen Seite des Grundstücke» vor die Anstatt gebracht und dort abgeladen, währmd die deSinstzitten Gegenstände auf der anderen Sette deS Grundstücks wiederum in anderen Wagen dem Publikum in ihre Wohnungen gesandt werden. Die ganze Prozedur der Tödtung aller organischen Keime währte 35 Minuten. In die Mitte zwischen dm Gegenständen wird ein Thermometer gelegt, welche?, sobald die Ofenlemperatur 100 Grad ZelfiuS erreicht hat, ein außerhalb angebrachte» Glockenspiel in Bewegung setzt. Ein oderhalb des Apparate» angebrachter Manometer zeigt an, ob der ganze Jnnenraum gleichmäßig durch Wafferdämpfe ge« füllt ist. Die Anstatt wird demnächst dem Publikum zur Be» Nutzung üdergedm werden. Lokales. Daß e» bisher noch nicht gelungen ist, die Arbett der vteinträger durch maschinelle Einrichtungen zu ersetzen, ist dm Unternehmern im Baufach ein Dom im Auge. Man wird stch erinnern, daß bei den mehrfachen Versuchen, die man hier in Berlin in dieser Beziehung angestellt hat, die Sache stet» darauf hinauslief, daß Arbeiter ihre gesunden Gliedmaßen ein» büßten und daß schließlich die Polizei einschreiten mußte, um weitere Experimente auf Kosten der Arbeiter zu inhibiren. Die Unternehmer wollen fich eben in jeder nur'denldaren Weise vor Eventualitäten schützen, es wäre ihnen nur zu angenehm, an die Stelle der menschlichen Arbeitskraft auch im Stein. träger- Gewerbe die Maschine zu setzen, weil die Unternehmer dann ausbrechenden Streiks am stchersten vordermen könnten. Neuerdings sucht man für da» Projett wieder Stimmung zu machen, es soll fich nämlich eine Berliner Firma gefundm gegen seine weiblichen Schützlinge de« Ruf ge- «oß, allen jungm Dame» vom Theater, um deren Gunst er sich bemühte, unwiderstehlich zu sein. Erst machte der junge Man» eine Bewegung, als wen» er ihm nachstürzen wollte; dann aber wurde er anderen Sinne« und wartfte, bi« auch die andere Person aus dem halbdunkle« Winkel hervorkam. Es war Elise Sieahoff, und sie wurde todten- blaß unter der Schminke, als sie in sei» gänzlich veränderte» Antlitz sah. Er hatte ihr den Weg vertrete» und sie wagte stch nicht zu rühre». Stumm erwartete sie seine Anrede; aber eine ganze, endlos lange Minute verstrich, ohne daß ein Laut über seine Lippe» gekommen wäre. Dem Keuche« seiner Brust und dem Beben seiner Lippe» war eS anzusehen, daß er mühsam«ach einem Worte rang und ei nicht finden konnte. Diese« lange Schweige« aber gab der Eho- risti» ihre Fassung zurück; fie dachte an die gut gemeinte Mahnung ihrer Mutter und welch' eine prächtige Gelege«, heit fich eben jetzt darbot, fie zu beherzige». Lustig brach fie m ihr hellste» und unbefangenste» Lache« au» und rief: „Aber mein Sott, wie sehen Sie den« au»! Man könnte sich ja fast vor Ihnen fürchten! Wen« Sie unwohl sind, sollte« Sie fich einen Urlaub gebe« lasse», aber wenn Sie etwa gehorcht haben sollten, so nehmen Sie sich» viel» leicht zur gefälligen Notiz, daß ich Leute», mit denen ich nur oberflächlich bekannt bin, niemal» eine Einmischung in meine Privatangelegenheiten gestatte!" Durch eine gebieterrsche Armbewegung forderte sie die Frei« gäbe de» Wege«, und er wich zurück, indem er sie unver« wandt anstarrte wie eine ganz neue seltsame Erscheinung, Elise aber athmete doch erleichtert auf, al» fie sich wieder inmitten ihrer Kollegen in Sicherheit wußte. Seine Auge» hatte« eine« gar so eigenthümliche«, beinahe unheimliche» Ausdruck gehabt. An diesem Abend geschah in dem Stadttheater etwa» noch nie Dagewesenes, Unerhörtes. Der Soufleur hatte bei de» letzte« Worten, welche die Schauspieler auf der Bühne zu sprechen hatten, da« Zeiche» zum Herablasse» de» Vor» hang« gegeben; aber da» letzt« Wort war längst verhallt, ohne daß die Gardine gefallen wäre. Mit verblüffte» Mienen sahen sich die Darsteller an und im Publikum regte sich allmälig eine wachsende Heiterkett. Hinter de» Koulisse» 1835 Bakator. Marsala. Geisenhetmer. Pontet Eanet. Oderemler Rosenberg. Ghateau Margaux 1878». Hochheimer Domdechant. Ghat. Glair- Margaux 1869 er. Ghampagner. MoScado di Siracusa. haben, weite daS RSthsel gelöst haben will. Nach den Be« richten verschiedener Zeitungen glaubt man in einem neu kon< struirten Baugerüst mit Voriichtung zum Hebm sämmt- licher Baumaterialien einen Apparat gefunden zu haben, welcher allen Anforderungen, die man an eine solche Vorrich« tung zu stellen berechtigt ist, entspricht. Derselbe wird geirteben durch einen 4pftrdigen Olto'icben Gasmotor, der vermittelst Etauffer tzenlei'icher Eicherheitiwinde von 1500 Kg. Tragkraft zwei Fabrftllhle unabhängig von einander hebt und sentt; die mit der Nutzlast(Ziegelsteine oder Mörtel u. s. w.) delavenm Wagen fahren in die Fahrstühle ein, wo ste sich selbstthätig fest einstellen und nunmehr auf jene beliebige, leicht tinstell' bare Höhe gehoben werden. Zur Beurtheilung der Leistungs« fähigkeit möge dienen, daß ein Wagen mit 200 Stück gewöhnlicher Mauerziegel in 50 Sekunden auf 16 Meter Höhe geschafft wurde. Zur Verhütung von Unglücksfällen durch Ketten- bruch find die Fahrstühle mit selbstlhaitg wirkenden Fangvor« richtungen versehen; Kettenrücklauf wird in wirksamster Weise durch die Stauffer-Henket'sche SichcrheitZwinde verhindert. Zur Bedienung der ganzen Einrichtung genügt ein Ar- bester. Der GaSoerdrauch beträgt etwa 3/« Kbm. pro Stunde und Pferdekraft.— Wenn fich ein paar Arbeiter an der neuen Maschine daS Genick gebrochen haben, wird man wahrschein- lich zu der Einficht kommen, daß es mit der Maschinerie wie- der nicht« war. DaS Polizei-Prästdium, gez. von Rtchthosen, erläßt folgende B-kanntmachung: Im Emveiständntß mit dem Gr« metndevorstande wird die im§ 2 der Polizei Verordnung vom 6. April d. F. für alle Marlihallen auf sechs Uhr Morgens festgesetzte EinfabrtSzett hierdurch für die Zentral> Markthalle (l.) auf steden Uhr, und für die drei übrigen Markthallen(II., III. und IV.) auf fiedeneinhald Uhr Morgens verlängert. Die in Berit« wohnende« Abgeordnete« find in diesem Jahre zum ersten Male mit einem T heile ihrer Diäten zur Besteuerung mit herangezogen worden. Die detreffende EtnschätzungSkommisfion ist dabei von der Auffaffung auS- gegangen, daß den betreffenden Abgeordneten von ihren Diäten jährlich neunhundert Mark als Reineinkommen übrig bleiben müßten. Diese Behauptung ist natürlich ganz unbeweisbar: denn einerseits steht fest, daß die auswärtigen Abgeordneten bei d.n gegenwartigen TheuerungS-erhältniffen mit ihren Diäten hierfeldst absolut nicht auskommen, andererseits aber erwachsen gerade den Berliner Abgeordneten auS dieser ihrer Stellung heraus nicht bloS während der Sesston, sondern auch sonst vielfach ganz besondere Ausgaben, wodurch der Vortheil des hicfigen Domizils wieder in Wegfall kommt. Endlich könnte eS fast den Eindruck machen, als od die betreffenden Abgeordneten die ihnen gesetzlich zustehenden Diäten eigentlich gar nicht vollständig verbrauchen dürfen, was ihnen doch völlig üderlaffen bleiben muß. Im Uebrigen wird dieseS Vorgehen der hiefigen Einschätzungslommisfion, welche« bei allen Parteien des Abgeordnetenhauses auf da« Entschiedenste verurtheilt wird, noch ganz besonders dadurch illustrirt, daß von dieser Maßregel gerade die weniger gut fituirten Abgeordneten be- troffen werden, während die reichen, zu den höheren Steuer- stufen veranlagten Adzcordncten, von den angeblich übrig biet« benven neunhundert Mark keine weitere Steuer zu bezahlen brauchen, weil dieselben für eine Hinaufsetzung aus ihrer bis- beugen Steuerstufe in die folgende nicht ausreichen. Di« ersten Reklamationen find einfach mit der Behauptung zurückgewiesen worden, daß den Reklamanten aus den Diätenbezügen neun- hundert Mark übrig bleiben. Selbstverständlich werden die Betreffenden dagegen weiter remonstriren, und ei wird inter- effant sein, zu erfahren, welche Stellung die obere Instanz dieser Frage gegenüber einnimmt. Die künftige Emrichtung der Hreutzische« Lotterie. BereiiS die nächste(175.) Klaffmlotteri« wird nach dem neuen Plane gezogen werden. Dieselbe wird auS 160000 Stammlosen und 30 000 zu den Gewinnen der drei ersten Klaffen aus« zugebenden Freiloosen bestehen, welche bis zu ihrer Ausgabe für Rechnung der Lotteriekaffe mitspielen, mit 95000 in vier Klaffen vertheilten Gewinnen, vämmtltche vier Klassen kosten jede 39 M. Einsatz und zwar enthält die erste Klaffe 1 Gewinn zu 30 000 M., 1 zu 15 000 M., 1 zu 10000 M., 2 zu 5000 M., 3 zu 3000 M., 4 zu 1500 R., u. s. w.: die zweite Klasse ent- hält I Gcwtmm zu 45 000 M., 1 ,u 30 000 M., 1 zu 15 000 M, 2 zu 10000 M., 3 zu 5000 M-, 4 zu 3000 M, 5 zu 1500 M. u. s. w.: die dritte Klaffe enthält 1 Gewinn zu 60000 M., 1 zu 45000 M., 1 zu 30 000 M.. 2 zu 15 000 M. 3 zu 10000 M., 4 zu 5000 M., 5 zu 3000 M.. 10 zu 1500 M. u. f. und endlich die vierte Klaffe 1 Gewinn zu 600 000 M., 2 zu 300000 M.. 2 zu 150000 M.. 2 zu 100 000«., 2 zu 75000 M., 2 zu 50000 M.. 2 zu 40 000 M, 10 zu 30 000 M., 25 zu 15 000 M.. 50 zu 10000 M., 100 zu 5000 M., 1050 zu 3000 M.. 1100 zu 1500 M. Da«„große Loos" deträgt also künftig, wie schon früher gemeldei, 600000 M., der niedrigste Gewinn der vierten Klaffe 210 M., Eine wettere Neuerung, auf die wir ebenfalls schon hingewiesen haben, ist die Ausgabe von Achtel« Loosen. Außer dem Ein- rannte Alle» in höchster Aufregung umher und suchte und rief«ach dem Maschinenmeister, der wie vom Erdboden verschwunden war. Ein paar Theaterarbeiter machte« endlich der Verlegenheit ein Ende und ließen die Gardine herab. Die Wirkung der schönen Schlußscene konnten sie damit frellich nicht mehr retten: den« die war längst im brausenden Gelächter der Zuschauer ertrunken. Gleich darauf fand man auch den Mascknnenmeister. In einer Ecke des Schnürbodens hatte er sich aufgehängt, und als man ihn losschnitt, war er bereits kalt und starr. Fräulein Elise Sieghoff ließ sich während der nächsten beiden Tage wegen Unpäßlichkeit entschuldigen; am dritte« Tage erschien sie wieder im Theater, und sie war so heiter, so naiv und unbefangen wie zuvor. Es kam keinem Men- schen in den Sinn, ihr Unwohlsei» mit dem tragischen Ende de» Maschinenmeisters in eine« Zusammenhang zu bringe«; de«« e« hatte sich ja herausgestellt, daß der Selbstmord des letztere« durch„zerrüttete VermögenSverhältniffe* veranlaßt worden war.—————————— Zeh« Jahr« später wurde in der Gesellschaft einer große« deutsche« Residenz«i« sensationelles Ereigniß mit großer Lebhaftigkeit besprochen. Edgar Birkenholz, der Sohn eines der reichsten Banquiers, ein mit allen Vorzüge« de« Geistes und Körper« ausgestatteter junger Man«, hatte sich eine Kugel durch de« Kopf gejagt und zwar in dem fürst. lich eingerichtete« Damenboudoir eine« sehr eleganten HäuSchenS, welche« er kmz vorher der gefeierte» Herrra des HofrheaterS jeuer Resivenz— der Schauspielerin Elsa Sieghoff— zum Geschenk gemacht halte. Die schöne Künstlerin, welche in dem Rufe steht, mehr Brillante» zu besitze», al» manche Königin, mußte i» Folge des unlieb« same« Vorkommniffe« ihr Engagement verlaffen; aber sie that es mit leichtem Herzen, denn ein liebenswürdiger rufst- sq?r Fürst, dessen Vermöge»«ach vielen Millionen zählte, hatte sie eingeladen, einige Wintermonate auf setner Villa am Lago di Como zu verbringen und— Italien war seit Langem das Ziel ihrer Sehnsucht gewesen. Das Motiv für de» Selbstmord des junge« Edgar Birkenholz aber lautete seltsamer Weise genau so, wie der» einst bei dem arme« Maschinenmeister:„Zerrüttete Ver- mögenSverhältnisse!' Ob er da« letzte Opfer gewesen ist?— Wer weiß I fatze find in j-der Klaffe für ein ganzes LooS 1 M. an Schreib« gebühr und 2 M. Reichsstempeladgade zu entrichten. ES de- nägt sonach für jede Klaffe der Preis cineS ganzen Looses 42 M., eineS Halden Loose« 21 M., eines Viertelloos-s 10 M. 50 Pf. und ein-S Achtelloosei 5 Mk. 25 Pfg. Die Ziehungen der 175 Lotterie find dergestalt festgesetzt, baß mit der Ziehung der ersten Klaffe am 6. Okiober. der zweiten am 9. November, der dritten am 14. Dezember 1886 und der vierten am 21 Januar 1887 der Anfang gemacht werden wird. JedeS LooS gewährt nur für die Klaffe, auf welche es lautet, Anspruch auf Gewinn. Die Spieler haben daher von Klaffe zu Klaffe für ihre nicht gezogenen Loose neue, mit gleicher Nummer bezeichnete, unter Vorzeigung der Loose auS der zuletzt gezogenen Klaffe, bei dem betreffenden Einnehmer oder Unter- Einnehmer bis spätestens 6 Uhr Abends am vierten Tage vor dem Anfang der dewr« stehenden Ziehung, bei Verlust deS Anrechts, einzulösen. Spieler, welche der Vorzeigung der Vorklaffen- Loose fich entheben wollen, können diese auf ihre Gefahr im Gewahrsam deS Einnehmers oder Unter- Einneh- merS laffm. Will der Spieler das zur Er« Neuerung vorgezeigte LooS ferner an fich behalten, so ist der Einnrbmer oder Ünter-Einnebmer zur theilweisen Ablösung seiner NamenSunteischrift verpflichtet. Jeder Spieler hat genau darauf zu achten, daß er für die neue Klaffe ein Loos derselben Nummer erhalte, welche sein LooS der Vorklaffe hatte. Empfängt ein Spieler eine andere Nummer, so hat er auf den Gewinn, welcher auf diese andere Nummer fällt, keinen Anspruch, sondern nur ein Anrecht auf den Gewinn, welcher etwa auf die ur- sprünglich von ihm gespielte Nummer gefallen ist; wogegen der Gewinn auf die verwechselte Nummer demjenigen Spieler ge« bührt, welcher diesrlbe in der früheren Klaffe gespielt und deren Erneuerung unter Zahlung deS planmäßigen BeirageS rechtzeitig nachgesucht hat. Für jede« in den 3 ersten Klassen gezogene LooS erhält der Spieler außer dem planmäßigen Ge wtnndetrage noch ein für die nächstfolgende Klaffe einsatzircies Loos, bei deffen Annahme jedoch für die schon gezogenen Klaffen die Einsätze, Schreibgebühren und Reichsstemprlabgaben nach Maßgabe d«S Z 2 nachgezahlt, außerdem auch für die Klaffe, auf welche daS Freiloos lautet, die Schreidgebühr, so wie von dem Betrage derselben aus Anlaß der Rcichsstempeladgabe für ein garziS Loos 5 Pf., für ein halbes Loo« 3 Pf., für«in Viertello« 2 Pf. und für ein AchüllooS 1 Pf. entrichtet werden müssen. Auch die Einforderung der Freiloose muß spätestens bis 6 Uhr Abend« am vierten Tage vor Anfang der bezüglichen nächsten Ziehung, zugleich mit der Erhebung de» Gewinnbeti ageS, unter Rückgabe des detreffenden GewinnlooseS, bei Verlust deS w«i- teren Anrechts erfolgen. Von allen Gewinnen werden 13'/, Prozent für die General-Lotterie- Kassen und 2 pCt. für den Einnehmer, auch die etwaigen Einsatzreste der laufenden Lotterie in Abzug gebracht, welche auf dem Gcwinnloose ver- merkt stehen und fich aus daS letztere ausschließlich bczi-hen. Beschlag auf Gewinngelder kann von Gläubigem niemals ge- legt werden. Der Anspruch auf einen Gewinn erlischt mit dem 90. Tage mit dem Ablauf des Datums der bezüglichen Gewinnliste. Eine Ausnahme hiervon findet statt, wenn ein rechtzeitig olS vermißt angemeldetes Loos gefallen ist. AlSdann kommt dem zum Empfang de« Gewinne» Berechtigten neben jener Frist von 90 Tag n eine fernere Frist von 90 Tagen zu statten. Die AuSgade der Loose 1. Klaffe dieser Lotterie wird seitens der Einnehmer nicht vor dem Tage nach beendigter Ziehung der 4. Klasse 174. Lotterie erfolgen. Bei sämmtlichen königlichen Lotterieeinnebmern wird ein Theil der ihnen zu- gewiesenen Loose in Achtelabschnitten zum Verkauf gestellt sein. Aus den Markthalle« wurde in den Z-itungen über echten Festtrubei und fröhliche F iertagSsttmmung berichtet. Inwieweit dies für die verschiedenen Verkaufidranchen richtig ist— so schreibt die„D. Fleischer Ztg."— wollen wir dahin- gestellt sein lassen, für die Schlächter ist dieser Bericht absolut unzutreffend. Der Abendverkauf am Eonnabend zwang zu jedem Preise unterm Kostenpreis loszuschlagen, nur um dir Waare los zu werden, da daS varderige Geschäft unter aller Kritik war.— Die einzelnen Uebelstände, welche besonders von der„D. Fleischer Ztg." zuerst uns eindringlich kritifirt wurden, werden immer mehr und mehr anerkannt: die Klagen über di« Feuchtigkeit der Keller, daS Stehrnbleiben alle« Abflußwaffer« ist anerkannt. Es liegt ein Projekt vor, die großen Keller- räume zu theilen und durch Kaltluiterzeugungsmaschtnen die Luft in den einzelnen Abtheilungen zu verbessern: für die Halle wird dies in Anbetracht deS großen Raumes nicht mög- lich sein, da der obere Raum eben nicht q-rheilt werden kann. Wenn die„einzelnen heißen Tage" bei Eröffnung der Markt- Halle vorgeschützt werden, um für die schlechte Ventilation eine Entschuldigung zu haben, so ist dies hinfällig; derartige Tagt dringt fast jeder Sommer in mehr od-r minderer Anzahl alljährlich, und muß auch für derartige Tage Vorsorge getroffen sein. Eine technisch richtig ausgeführte Ventilation wird im Zimmer nie als lästige Zugluft empfunden werden— solche schülerhafte Entschuldigungen sollten in der Tbat nicht vocge- bracht werden.— Der Schmutz in einzelnen Gängen war am Sonnabend derartig, wie er ruf den offenen Märkten nur an besonderen Regentagen zu finden war; die Käuferinnen mußten alle Vorficht anwenden, um nicht die Kleider zu verderben. Einzelne Fischer haben vor ihren Ständen Latten legen lassen, um es den Käuferinnen zu ermöglichen, trockenen Fußes stehen zu können.— Das Auktionswesen dauert in hergebrachter Weise fort. Unter büreaukratischen Absonderlichkeiten hat das Publikum oft zu leiden. Ein Wochenbillct zur einmaligen Hin- und Rückfahrt auf der Strecke JohanniSthal-Friedrichstraße kostet 1,30 Mark. Thatsächlich aber gilt es zur Hinfahrt am Morgen nur bis zur Jannowitzdrücke, da die Fahrt vor 8 Uhr Morgens deendet sein muß und der Zug erst eine Minute nach 8 Uhr auf Bahnhof Friedrichstraße eintrifft. Die Johannis- thaler Sommergaste kauften fich also eine Anzahl Lillets Jannowitzdrücke- Friedrichstraße hinzu, ließen ein solches jeden Morgen mit dem Wochenbillet zusammen auf Station Johannis- thal koupiren und fuhren bis zur Friedrichstraße durch. DaS ist jetzt verboten worden. Sie müssen an der Jannowitzdrücke aussteigen, hier daS Loch machen lassen und den nächsten Stadt- bahnzug zur Weiterfahrt abwarten. Unter der Spitzmarke„Wieder Einer" bringt die „Staaisb. Ztg." vom Donnerstag in der hinlänglich bekannten Denunziantenmanier die Nachricht, daß nunmehr auch der auS der Berliner Arbeiterbewegung bekannte Buchbinder Friedrich Michelfen ein Zigarrmgeschäft eröffnet habe. Abgesehen da- von, daß den Betreffenden inzwischen duS Schicksal der Au«. weifung betroffen, hat das famos« Antisemiten Ocgan vciheim- licht, daß Michelsen nach wi? vor den Betrieb seiner Buch binderei ausrecht erhalten hat. Jetzt allerdings wird dieselbe eingehen müssen und da» Zigarrengeschäft allein von der Frau deS Ausgewiesenen fortgeführt werden. Es kennzeichnet das Blatt, wenn es in dieser Weise ihm mißliebige P-rsönlich- keilen gewissermaßen zu diikr-tiren sucht. Warum manche der- selben gezwungen waren, fich eine seldstständtge Ex sten» zu gründen, wiffen die Arbeiler sehr wohl. Wenn man also glaubt, Wühlereien unter den letzteren hätten irgend einen Erfolg, so defindet man fich auf dem Holzwege. Eine große Reihe von Klage« hiesiger Hauseigen- thümer gegen Verfügungen des PolizeiprästZiums, welche vaS- selbe in Sachm der Treppenbeleuchtung erlassen hat, find in den letzten Tagen bei dem Bezirktaus schuß eingeaargen. Sämmtliche Klagen werden darauf gestützt, daß die beklagte Behörde nur auf Grund eines Gesetzes oder mindestens einer besonderen Polizei-Verordnung berechtigt sei, derartige Ver- fügungen ergehen zu lassen, daß dieselben milhtn, da diese Voraussetzungen nicht vorhanden seien, der gesetzlichen Unter- läge entbehrten. Diesen ganz nutzlosen Klagen gegenüber ist es» so bemerkt die„Post" bterzu, angebracht, noch einmal auf vaS Endurtheil dei Oder Verwaltungsgerichts(I. Sen.) vom 19. S-ptembrr 1883 hinzuweiien, welche« übrigens in dem in diesen Wochen erschienenen(12) Bande der Entscheidungen desselben abgedruckt ist. Hier wird auf Seite 391 ff. klipv und kac ausgesprochen, daß die Polizeibehörden schon auf Grund des§ 10 Theil Ii Titel 17 A. L. R.— worauf auch das hiefige Polizeipräfidlum bei seinem Vorgehen gegen die Kläger sußi— zum Erlaß von Verfügungen der geschtldelten Art berechtigt find. Nach dieser angezogenen Bestimmung ist eS da? Amt der Polizei, die nöthigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung. Sicherheit und Ruhe, sowie zur Abwehr der dem Publikum oder einzelnen Mitgliedern desselben drohen- den Gefahren zu treffen. Ueber eine neue Krankheit finden fich in der letzten Nummer der„Deutschen Medrzinalztg." M-Ilheilungen. Zu» Moiphiumsncht hat fich die Cocainsuchi gesellt. Bei der Ein« führimg dei Cocain« hatte man fich der Hoffnung hingegeben, die Morphiumsucht mit diesem Mittel insofern wirksam be- kämpfen zu können, als dasselbe die gleichen Dienste leiste wie Morphium, bei längerem, anhaltendem Gebrauch aber nicht so schlimme Folgen nach fich ziehe wie das letztere. Diese Hoff« nung scheint nach den Beobachtungen deS dirigirenven ArzteS der Heilanstalt für Nervenkranke zu Bendorf a. Rh. Dr. Erlen« meyer fich nicht zu bestätigen. Vielmehr hat derselbe die Be« obachtung gemacht, daß Cocain„außerordentlich rasch zerstörend auf Geist und Körper wrrkt, Athmungsdeschwerden, sowie Ab« magerung erzeugt und schließlich Geistesstörungen herbeiführt." Dr. E lenwey'r schließt die Schilderungen der Verheerungen durch Cocain mit den Worten:„Es giebt nur einen Stoff, der gleiche Verwüstungen anrichtet wie Cocain, das ist der Schnaps." Wenn nun auch di« Befürchtungen Dr. Erlen« mcyei's etwa« übertrieben sein sollen, so dürfte ei doch jeden- falls angebracht sein, dm freien Handverkauf des Cocains in den Avoiheken vorläufig zu verbieten und dasselbe nur gegen Rezepte verabreichen zu lassen. Jetzt bestehen diese Brschrän« kungen für den Verkauf d-S CccatnS nicht und ungehindert werden CccainprSparate in Tageszeitungen angeboten.— Die Leute, welche fich dieses überaus thcuren Anregungsmittels de« dienen können, werden fich dasselbe auch verschaffen, selbst wenn man eS nur gegen Rezept in den Apoiheken erhält. Gewissenhaft. Auf einer Station der Anhalter Bah« hatte ein Passagier die Geleise an einer falschen Stell« über- schritten, wofür er in 5 Mark Strafe genommen worden war. Er sandte daS Geld ein, bekam aber nach einiger Zeit ei« langes amtliches Schreiben, durch welches er unter Androhung eventueller ZvangSbeitreibnng aufgefordert wurde, noch 20 Pfennig entstanden« Porti an der Kaffe der Bahn einzu- zahlen. Er that ei und sah nun, wie da» von ihm präsentirte Schreiben durch drei Büreaus wanderte und ihm schließlich mit drei Uuterschrift-n zurückgegeben wurde. Die 20 Pfennig haben sicher für einen Thaler Arbeit gemacht. Woher stammt der Brauch des Erbsenesse«« am Donnerstage? In Bürgerkreisen Berlins kennt jedermann die Sitte, an den Donnerstagen Pökelfleisch mit Elisen und Sauerkoht als beliebtes MittagSzericht aufzutragen. Gar wenige werden aber wissen, daß dieser Brauch uns auS averS- grauer Vorzeit überkommen ist- Der Donnerstag führt seinen Namen von Donner, dem germanischen Frühlings- und Ge« wiitergott. Dem Donner war die JahreSschöpfung hauptsächlich zu danten. Die erste Frucht, welche die Wirkung deS mächtigen und woh!wolltndln FrühlingSgottes hervorbrachte, war dt« Walderdfe und so wurden ihm zur Verehrung am Donnerstag Erbsen gegeff-n, ein ursprünglich mylbologischer Brauch, d:r fich biS auf unsere Tage in vielen Gaurn Deutschlands er- halten hat. „Halseisen" werden recht bezeichnend die modernen hoben Stehkragen der Damenkleider genannt. Man kann in der That einer Dame jetzt nicht mehr um den Hal«— und wäre er dem Schwan gleich—, leider nur noch„um den Kragen" fallen! Allerdings steht man neuerdings an Stelle der Ketten und Berlenschnüre vielfach Rosengerank und Blumengezweig von Schulter zu Schulter getragen oder finnig nach dem Busen fich senkend, aber der garstige Kragen als Folie wirkt störend für das Auge und dürfte in Sommersgluth der Trägerin gewrß recht lästig fein. Doch waS will daS den Launen der Mode gegenüber verfangen i Vor diesem Tyrannen beugen fich selbst Schwiegermütter. Die Werderfchen treffen in der Dorothernstädtischen Matttdalle von Tag zu Tag mit größeren Vonäthen ein. Aber sie räumen mit denselben glatt, da ihre berühmten Pro« dukte auch hier gesucht find. Der gesunkene Kah» bei Treptow liegt noch immer im Fahrwaffer. Ein zweiter Kahn war bei den HebungZoersuchcn ebenfalls gesunken, derselbe ist aber bereits wieder flottgemacht worden. Die HebungSarbeiten besorgen ArbeltShäuSler auf Rummelsburg, ohne sichtbar vom Flecke zu kommen. W-nn der Kahn bis Sonntag nicht gehoben ist, so sollen die Arbeiten regierungsseitig auf Kosten der Stralauer DampfschiffSgesell« zchaft aufgenommen werden. Die Kriminalpolizei kann zwar die Vigilanten, dmch welcye fie Fühlung mrt den Vadrecherkreisen unterhält und über die Vorgänge in denselben unierrrchtct wird, nicht entbehren, macht aber sehr oft die Erfahrung, baß diese Subjekte durch den Lohn, welchen fie für ihren Dienst erhalten, fich nicht abhalten lassen, an Verbrechen Theil zu nehmen, wenn fie fich höheren Gewinn davon versprechen. Vor«inigen Wochen traf ein Kriminal-Kommissar, welcher mit den ihm unterstellten Beamten eine nächtliche Patrouille durch die Straßrn machte, Unter den Linden einen ihm bekannten Ein- brecher A, weichet seine Dienste der Kriminalpolizei zur Ver- fügung gebellt hatte, und den KommissariuS darauf aufmerksam machte, daß B., einer der gefährlichsten Einbrecher Berlins, soeben mittels Nachschlüssels die Hausthüre eineS PalaiS gröffnei habe, und in der fraalosm Adftcht,«inen Diebstahl auszuführen, in dem Hause verschwurdm sei. Den nacheilenden Beamten gelang eS, den B„ welcher fich inzwischen seiner Fußbekleidung entledigt hatte, in dem Auoendltcke abzufassen und sestzu- nehmen, a�S et die zur Wohnung eines Herrn führende Kor- ildoichüre mit Dietrichen zu öffnen suchte. Am zweiten Pfingst' feiertage wutdea aus ver Wohnung eineS Kaufmannes im Ro den der Stadt Silbersachen von bedeutendem Warthe mittels Einbruchs gestohlen. Der Verdacht richtet stch gegen einen Menschen, welcher stch an daS Dienstmädchen des Kaufmann! herangedrängt, dafftlbe am zweiten Feiertagt nach einem Tanziokal« geführt und dort versetzt, d. h. im Eriche gelassen hatte. D e von dem Mädchen gegebene Beschreibung deutete auf den Polizei Vig'lanten A. hm und bei Etnstcht de« Vir' brechcr-Albums erkannte daS Mädchen in der ihr vorgelegten Photographie den A. mit aller Bestimmtheit wieder. G-ftern wurde letzterer von einem auf der Pferdebahn fahrenden Ku' mtnal Schutzmann bemerkt und nach anstrengender Jagd ver' haftet. A. wurde im Besitz eines Theils deS gestohlenen Gute» gefunden, räumte den Diebstahl ein und nannte auch se>ne Mitschuldigen, welche gleichfalls verhaftet wurd-n. Muthmaß' lich würde er ohne da» zufällige Zusammentreffen mit d-m Kriminal Kommtff rrtus den B. nicht oerrathen, sondern dem« selben einen Theil der Beute abgejagt haben._, Eine Sqlägeret zwischen Zivilpersonen und Eol- baten, die für die letzteren recht schwere Folgen haben wird, fand am ersten Feiertage in Friedenau statt. Zwei vom 20. Infanterie Regiment aus Wittenberg beurlaubte Füfilttre begegneten in Begleitung der beiden Gebrüder Knopf, Söhne ein« Bahnwäiteit. auf der Straße einem Former Wem«» mit dem sie Streit anfingen. Der Streit artete in Thäliiw ketten auS, bei denen sie beiden Füstiiere ihre Faschinmmeff« zogen» mit denen fie dem Werner einen St-.ch in den Rücken» tintn solch«! in die Hüfte und eine kopfoerletzung bei« brachten. Werner wurde sofort in seiner Wohnung ärztlicher Behandlung übergeben und muhte die Stichwunde in dem Rücken durch Nähen geschlossen werden. Glücklicherweise find die Lungen nicht in Mitleidenschast gezogen. Werner hat Elrafantrag gefirllt und ist dem Regimenttkommando in Witten« berg bereits Mittheilung von dem Vorfall« gemacht. Den Brandwunde« evtege«. Die Frau des Pro- duktenhändlerS Schulz, deren Kleider am vorigen Freitag durch das Fallenlaffen einer brennenden Pekoleumlampe in Brand gerieihen und welche in Folge deffen am ganzen Körper ent« fetzliche Brandwunden davontrug, ist am Sonntag Mittag ihren Qualen erlegen. Die Kleider der Unglücklichen waren derart in Brand gerathen, daß die dem Körper zunächst be« slndlichen Kleidungsstücke zuerst Feuer fingen, die Flamme also von Innen heraus brannte. In Folge dessen war eS auch den zur Hilfe herbeieilenden Männern nicht möglich gewesen, die Nammen zu ersticken, da dieselben bereits die ganzen Kleider ergriffen hatten, als die Frau in ihrer Angst auf die Straße lief. Unter schweren Leiden brachte die Aermste noch zwei Tage zu, ehe der Tod fie von ihren Qualen erlöste. Polizei- Bericht. Am 16. d. M. früh wurde vor einem Hause Ncu-Kölln am Wasser die Leiche eines unbekannten, etwa 45 Jahre alten ManneS aus der Spree gezogen und nach dem Leichenschauhause geschafft.— Zu derselben Zeit wurde der KunstdreckSler Zetsche auf dem B«lleallian«platz durch einen von dem Schlächtergesellen PoSnitza aus Mariendorf geführten Wagen überfahren.— An demselben Tage Abends wachte ein Mann in seiner Wohnung in der Bergstraße den Versuch, fich mit Schwetnfurter Grün zu vergiften. Er wurde in daS Lazareth-KrankenhauS gebracht.— Zu derselben Zeit schoß fich ein Tischlerlehrling in der elterlichen Wohnung in der Michael- ktrchstraße mittelst eines Revolvers zwei Kugeln in die linke Brust. Er wurde auf ärztliche Anordnung nach dem Krankenhause Bethanien gebracht. Gerichts-Ieiwng. t Ei« Flugblatt aa die Berliner Etuckateure trug durch ein Versehen de» Vorfitzenden deS FachvereinS. Herrn Meißner, nur den Namen des Verleger» und de» Druckers, aber nicht den deS Verfasser». Durch polizeiliches Strafmandat wurden in Folge dessen der Vorstand und die 4 Revisoren in eine Strafe von je 3 Mark genommen. Hiergegen war Wider. spruch erhoben worden und da» Schöffengericht hatte die Vor- ftandSmitglieder zu je einer Mark und in die Kosten v:r. urtheilt, die Revisoren dagegen in der Auffassung freigesprochen, daß fie nicht zum Vorstand zu rechnen seien. Gegen diesen letzten Theil de» Urtheil» halte die Staatsanwaltschaft ihrerseits Berufung eingeleat, die gestern vor der Strafkammer de« Landgericht» zur Verhandlung kam. Die Revisoren legten klar, daß fie laut Statut nicht zum Vorstand g-hörten und daher nicht mit verantwortlich gemacht werden könnten. Der Gerichtshof ging jedoch mit dem Vertreter der Anklage von der Thatsache au», daß der Schriftführer de» Vereins die Revisoren als VorstandSmit- glieder polizeilich angemeldet hatte. In Folg« dessen wurden die Herren Gottheiner. P-pke und Wannig zu einer Strafe von je einer Mark und in die Kosten verurtheilt. Die Strafe wurde detbalb so niedrig bemeffen, weil, wa« auch der Vorder- lichter in Rerbnung gezogen hatte, der Polizeilieutenant, welcher die Versammlung, in der da» Flugblatt verbreitet wurde, über- wacht hatte, die Vertheilung ruhig hatte vor fich gehen lassen. „An de« Redizinaldfuscher William Becker" lautete die Vorladung an den erst vor einigen Monaten wegen Be- trugeS zu 1 Jahr Gefängniß verurtheiltcn„Natmarzt" B. zum gestrigen Termin vor der sechsten Strafkammer hiefigen Land- gnichtS L Durch einen Zeugen wurde festgestellt, daß der An« tzttlagte, der gegen Kaution von 10000 M. auS der Haft ent- , worden ist, jenseits deS Ozean» einen neuen Wirkung»« '"U gefunden hat. t Wegen Uebertrettmg der Straßeupolizeiverord. «««g war der Portier B. in eine Poltzeistrafe von 3 M. genommen worden. Er hatte, wai verboten ist. Kehricht au» den Roststäden vor der CinganaSthvr deS Hause», deffen Reinigung er zu besorgen hat, auf da« Trottoir gefegt. B war mit dieser Strafe nicht nicht einverstanden und hatte schössen. gerichtliche Entscheidung deantragt. Der Vorfitzende der Ab- theilung, welcher gestern der Fall vorlag, rieth dem Angeklaaten vor Eintritt in die Verhandlung, seinen Einspruch zurückzuziehen, da seine Verurtheilung unvermeidlich wäre und er so fich Höhere Kosten ersparen könnte.„Lassen Sie mal wa» runter," meinte Herr B. gemüthlich;„eine Mark will ich ja gern zahlen." »Abgehandelt kann hier nicht» werden; also, wollen Sie zurück- nehmen oder nicht?" lautete die Erwiderung. Herr B. brummte einige unverständliche Wort« und zog dann seinen Einspruch schweren Herzen» zurück. . Ewe widerruflich ertheUte schriftliche Holizeiliche Eelaubaitz darf durch bloße mündliche Bestellung seitens eines Schutzmannes rechtSwtrksam zurückgenommen werden. So judizirte gestern die sechste Strafkammer hiefigen Land- Berichts l in der Strafsache gegen den Trödler Wormann wegen Verletzung der polizeilichen Vorschriften im Trövelgewerbe im Gegensatz zu der 97. Adlheilung deS hiefigen Schöffengericht». Durch Poltzeivcrordnung vom Jahre 1834 ist für die Berliner Trödler die Anlegung eine» neuen T-öVelbuchet vorgeschrieben, «stier Anzahl derselben, so auch dem Anaeklagten. durch einen «ermerk der zweiten Abtbeilung de» hiefigen Poltzeiprästdii i« dem eben erst angeschafften Trödelbuch der früheren Form gestaltet worden, dasselbe widerruflich weiter zu benutzen. Im p!t v. I. ist dieser Widerruf durch einen einfachen TageS- Hehl d«S Kommandos der Schutzmannschaft ausgesprochen und seitens der Rcviervorsteher den im Bezirk wohnenden Trödlern ?urch«inen Schutzmann verkündet worden. Der Angeklagte hat kiesen Widerruf in der Meinung, daß er schriftlich erfolaen und von der zweiten Abthrilung des Pläffdlum« auSaehen Nlilffe, nicht beachtet und auch einen solchen schriftlichen Wider. !"s im Januar d. I. erreicht. Trotz die'er von der Polizei. Hörde selbst an den Tag gelegten Auffaffung erkannte die �'rufungStammer unter Autstelrung deS obigen Rechtisatzc» °uf Aufhebung deS ersten freisprechenden Erkenntnisse» und �Verurtheilung deS Angeklagten zu 6 Mark event. 1 Tag .. NtnerdingShabenwieder Viele Zahlungseinstellungen H hiesigen Bäckermeistern stattgefunden, wa» bei den 8%% Tata'a&C"» � den Mehlhändlern da» größte Vertrauen besessen und«S der fei, Vi ÄÄ'iS'Sf.v In Folge deffen wird in de« meisten Fallen eine außer- »ÄHsliche Einigung durch Zahlung einiger Prozente herbei. und der Bäcker setzt das Geschäft alSdann unter dem .>en seiner Frau oder irgend einer anderen Person fort, um «us diese Weise zu verhindern, daß irgend ein Gläubiger ge- zAtlich vorgehen kann. Die Mehlhändler, welche auf dies« Me in ihrem Vermögen erheblich geschädigt werden, stellen «.'i gegen jeden Bäcker, welcher seine Zahlungen eingestellt di. Ä.H im Stande ist, nachzuweisen, wo er daS Geld resp. Mehlrorräihe gelassen hat, bei der Staatsanwaltschaft "afantrag wegen Betrug». So schwebt gegenwärtig gegen einen Bäcker R., welcher in der Frankfurterstraße eine Bäckerei betrieben hat, daS Strafverfahren wegen iwieder- boltm Betrug» mehrerer Mehlhändler. R. kam im vorigen Jahre aus Jüterbog! ohne einen Pfennig Vermögen nach Berlin und machte in der Frankfurterstraße eine Bäckerei auf. Er bestellte darauf bei verschiedenen Mehlhändlem größere Posten Mehl, gab dai Geld, welches er durch den Verkauf der Backwaaren eingenommen hatte, anderweitig au» und bezahlte daS gekaufte Mehl nicht. Nachdem die Mehlhändler vollstreck. bire Urtheile in Händen hatten, ließen fie bei R. pfänden, doch fielen die Exekutionen sämmtiich fruchtlos auS, da, wie gesagt, der angebliche Bäcker weder Geldmittel noch Kleidungsstücke de- saß. Auf die hierauf bei der Staatsanwaltschaft erstattet« Anzeige wurde«ine Untersuchung eingeleitrt, die zur Erhebung der Anklage wegen wiederholten Betrugs führte und nunmehr am 10. Juli vor der vierten Strafkammer deS Landgerichts l zur Verhandlung kommt. f Et« Dieb, der über ei« monatliche» Einkommen von 450 M. verfügt, stand gestern vor der zweiten Straf- kammer de» hiefigen Landgerichts in der Person eine» jungen ManneS, NamenS Heinrich Dankberg. Herr D. hat nicht nur «inen glücklichen Griff bei der Wahl seine» VaterS gethan, der ihm ein große» Vermögen hinterließ, sondern die Geschicklichkeit seiner Finger noch weiter bewiesen. Der jetzt Achtundzwanzig- jährige hat ein ungebundenes, lüderltche» und oersqwenve- rischeS Leben hinter fich. Er muß eS arg betrieben haben, denn während seiner Militärdienstzeit wurde er zu 4 Wochen Arrest wegen leichtstnnigen Schuldenmachens, Ungehorsam» und AchtungSvei letzung verurtheilt und in die zweite Klaffe de» SoldatenstandeS versetzt. Zur Besse- rung wurde er wie so viele Söhne reicher Eltern, die hier nicht„gut thun" wollen» nach Amerika geschickt, nachdem er vorher wegen Verschwendung unter Kuratel gestellt worden war. Im Herbst vorigen Jahre» kehrte er zurück. Die Familie de» Weinhändler! Äippermann nahm ihn mit offenen Armen, al» Sohn einer befreundeten Familie auf. Er lernte die Tochter des Hause» kennen und bewarb fich um fie. Die Mutter wollte jedoch nicht ohne weiterei etwa» von einer Verbindung wissen. Sie sprach von einer PrüfungSzeit, fie meinte, Heinrich D- müsse erst wirklich beweisen, daß er fich verändert habe und daS Zeug zu einem soliden, gut bürgerlichen Ehemanne befitze, der die Tausend« ihrer Tochter und seine eigenen zusammen za» halten und zu mehren verstehe. Dieser Beweis sollte kommen, aber ander», alS man erwartet hatte. ElneS TageS war D. hinzugekommen, während Frau W. ihre Schmucksachen ver- schloß. Er befand fich zu dieser Zeit gerade in einer Klemme. Der Justizrath Lüdkemüller, sein Kurator, schickte zwar mit peinlicher Gewissenhaftigkeit am ersten jeden Monat» die fest- gesetzte Summe, war aber ein abgesagter Feind von Vor- schüssen. Nun muß eine Arbeiterfamilie von 5 Köpfen allerdings mit 450 M. ein halbes Jahr lang reichen; von jungen „Herren", deren einzige Beschäftigung Zeit todtschlagen und GeldauSgeben ist, kann man unmöglich verlangen, daß fie länger al» einen halben Monat mit der gleichen Summe an! kommen. Genug, Herr Heinrich D. war in G-ldklemme und fand, wai fich auch erklären läßt, Niemanden, der ihm zu borgen den Muth hatte. Da taucht« in seinem Geiste der Echmuckichatz seiner mütterlichen Fieundtn auf und zog ihn unwiderstehlich an. Am Nachmittage de» 30. Oktober v. I. besuchte er die Familie W., traf aber Niemand an. Er befand fich in dem Zimmer allein, wo die Schatulle mit den Goldsachen stand. Er drückte ein Schlüffelchen in daS Schloß und öffnete. Eine Brillantendroche fiel ihm in di« Augen. Sie schien daS wertbvollste Stück zu sein. Er versentte fie in seine Tasche und entfernte fich. Für 160 M. versetzte er den Schmuck, der einen Werth von 1 050 M. besaß und verjubelte da» Geld. Einige Tage nachher lud ihn die Familie W. zu Tisch ein. Er erschien und that sehr unbefangen, biZ Frau W., die einen geheimen Verdacht hegte, daS Gespräch auf den Diebstahl lenkte, dessen Opfer fie geworden war. Nun bewies Herr D., daß er nicht nur ein leichifinniger Dieb, son- dern ein bodenlo» schlechter Kerl sei. Er suchte den Verdacht auf da» Dienstmädchen zu lenken. Gleißnerisch fragte er: Du hast doch ehrliche Dien» boten?— Die find ehrlich, sagte Frau W. mtt besonderer Betonung. Jetzt sank D. mit theatralischer Pos« vor der Bestohlenen auf die Knie und gestand sein Ver- brechen. Er fügte hinzu, daß er den Pfandschitn für 100 M. versetzt habe. Wa» Frau W. nun bewog, Anzeige gegen D. zu erheben, blieb in der Gerichtsverhandlung unaufgeklärt. Sie suchte sogar ihn nicht allzusehr durch ihr Zeugniß zu belasten. So gab fie an, nicht bestimmt zu wissen, ob am Tag« de» Diebstahl» die Schatulle verschlossen gewesen sei. Dieser Unstcherheit verdankte der Angeklagte, daß er nicht wegen schweren, sondern nur wegen einfachen Diebstahl» ver- urtheilt wurde. Der Herr Staatsanwalt faßte ihn„nicht mit Glaceehandfchuhen" an. Er bat die fittliche Verworfenheit zu berückfichtigen, die der Angeklagte bei seiner That an den Tag gelegt hatte, und beantragte eine Gefängnißffcaie von 5 Monaten und Ehrverlust auf 1 Jahr.— Der Verthridiger, Rechtsanwalt Wron.er, ersuchte um Freisprechung seines Klienten. DaS Kriterium deS Diebstahls sei nicht erbracht. D. habe die Broch« nicht verkauft, wai er gekonnt hätte, sondern nur versetzt und er habe al» Befitzrr eine» Vermögens von 130000 Mark stet» über die Mittel verfügt, fie einlösen zu können.— Dieser Auffassung trat de? Gerichtshof entschieden entgegen und erkannte nach dem An- trage deS Staatsanwalt». Dagegen gab er statt, daß der An- geklagte gegen eine Kaution von 20 000 M. auf freien Fuß § ese»t«erde. Der Staatsanwalt hatte wegen dringenden jluchtverdachte» diesem Wunsche widersprochen. Epanda«, 16. Juni.(Schließung de» dortigen Fachver- einS der Maurer) Der„Anz. f. d. H. schreibt: Die Maurer Buge, Albert Bärwalve, Franz Schuh und Lecker, von Venen letzterer nach Amerika ausgewandert ist, find angeklagt, al» Vorsteher, Letter, Ordner k. deS FachvereinS der Maurer zu Spandau, der politische Zwecke verfolgt habe, mit anderen po- ltttschen Vereinigungen in Verbindung getreten zu sein, also fich gegen da» Vereinsgesetz vom 11. März 1850 vergangen zu haben. Buge bestreitet, ebenso wie die übrigen Angeklagten, daß der Fachvercin fich jemals mit Politik beschäftigt habe. Der einzige Zweck desselben sei vielmehr gewesen, Fachoerhältniffe deS Maurergewerk» zu besprechen, insbesondere auch die recht trüben Lohnverhältniffe am hiefigen Platze durch gemein- schastlichet Vorgehen zu verbessern. Alle von der An- klage vorgeführten Falle, die Versammlungen betreffen, in welchen neben den Lohnverhältnissen auch über gesetzgeberische Maßnahmen verhandelt wurde und bekannte Berliner Arbeiterführer wie der Maurer Lehrend und der Regierungsbaumeister Keßler al» Redner auftraten, bezögen fich nicht auf den Fachverein al» solchen, sondern auf allge- meine Versammlungen der Maurer Spandau». Dem Theil der Anklage, der die Verbindung mit anderen Vereinen ähn- licher Tendenz betrifft, sitzen die Angeklagten die Behauptung entgegen, daß fie nur al» Privatperson?« mit anderen aui- wärtS wohnenden GewerkSgenoffen brieflich verkehrt hätten. Durch die Verlesung verschiedener stenographisch aufgenom- mener Reden, die in von Buge berufenen und geleiteten Versammlungen gehalten worden waren, ebenso durch die Aussagen des Herrn Polizei-KommissarS Lindau erscheint je- doch„erwiesen", daß in dem Fachverein der Maurer, freilich entgegen den Statuten desselben, allerdings WirthschaftS- politik getrieben worden ist. Durch die bei Bärwalde beschlag- nahmt« Korrespondenz wird ferner festgestellt, daß von dem hiefigen Verein an die Kontrol-Kommisston der Maurer rn Hamburg, daS Zentral Organ sämmtlicher Fachvereine, die Aufforderung gerichtet worden ist, PetittonSformulare zur Unterstützung de» bekannten Grillenbergerfchen Antrags hier- her zusenden. Auch Korrespondenzen mit den Streikkommisfionen in Besten, Rathenow und Velten find gefunden worden. AuS diesen Gründen hält der ÄmtSanwalt die Anklagepuntte in vollem Umfange für erwiesen und beantragt gegen jeden der Angeklagten eine Geldstrafe von 30 M. eventuell 10 Tage Gefängniß und die Schließung de» hiefigen Fachvereini der Maurer. Der Angeklagte Schuh bestreitet seine Schuld, da er nur kurze Zeit nach Gründung d«S Vereins demselben al» Schriftführer angehört habe und schon vor Schluß deS Jahre» 1884 ausgeschieden sei. Sibuh wird hierauf vom Gerichtshof freigesprochen. Buge und Bärwalde erhalten dagegen je eine Geldstrafe von 15 M. eventuell 3 Tag« Haft. Die Schließung de» Vereins wird deschloffen, weil die polittschen, und zwar sozialdemokratischen Tendenzen desselben erwiesen seien— und der Rest ist Schweigen l Soziales«nd Arveitervewegnng. Magdeburg, den 15. Juni.(Zum Maurer- und Zimmererftreik.) Mit welchen Mitteln hier in der Lohn- bewegung gekämpft wird, dürfte aui nachfolgendem Schrift- stück hervorgehi», welche» jedenfalls nickt allein nach Leipzig. sondern auch nach mehreren Städten D-utschlands versandt worden ist. Dasselbe lautet: Magdeburg, den 26. Mai 1886. An den Vorfitzenden der Innung der Maurer- und Zimmermeister in Leipzig. Die unterzeichnete Kommisston der Baugkwerdetreibenden Magdeburg» und Umgegend erlaubt fich den Kolleg, n mitzutheilen, daß die hiefigen Maurergesellen und Ztmmerleute mtt Forde- rung eines Mintmallohrn» von 40 Pf. pro Stunve an die Arbeitgeber herangetreten find, und selten» der letzteren die Forderung al» zu hoch erkannt ist, in Folge dessen die Ge« Währung der Forderung abgelehnt wurde. Von den hiefigen Gesellen haben all Rädelsführer folgende(ei folgen die Namen von 10 Zimmergesellen und 6 Maurern) einen allgemeinen Streik herbeigeführt und, um einen wirtsamen Er olg zu er« zielen, einen Mangel an Arbeitskräften hervorgebracht, indem fie die meisten Gesellen dazu bestimmt haben, Magdeburg zu verlassen._., Wir bitten deshalb unser« werthen Kollegen, die vorstehenden Rädelsführer nicht zu de» schäftigen. Wir geben un» der angenehmen Hoffnung hin. daß unsere Bitte erfüllt wird, und versichern vorkommenden Falles unser« Bereitwilligkeit zu Gegendiensten. Die Kommiiston der Baugewerbetreibenden. Heinrich Gose, Ziwmermstr. Otto Felgenträger, Maurer mstr. H. Deumeland. Maurermstr. W. Schmidt, Buckau. Wilh. Schöckel, Maurermstr. G. Herrmann, Zimmermstr. G. Grießmann, Zimmermstr. Wir haben eS hier also mit einer ProslrivtionSliste in optima forma zu thun und Aufgabe der Arb-iler dürft« eS sein, die Lehre zu ziehen auS einem derartigen Voraehen. Wenn die Meister zu solchen Mitteln greifen, um ihre Jnter« effen zu wahren, so müssen di« Arbeiter um so fester zusammen- halten, um ihren Kameraden zum Siege zu verhelfen. Sehr erfreulich ist«9, daß trotz der langen Dauer de» Streiks und trotz der Erbttterung, mit welcher der Kampf hüben wie drüben geführt wird, di» jetzt die Bewegung immer in friedlichen Bahnen geblieben ist. Die Leiter des Streiks haben in dieier Beziehung einen Takt und«ine Umficht entwickelt, welche der von ihnen vertretenen Sache viele Sy- pathien auch in andern al» Arbeiterkreisen erwoiben haben. Die Arbeitgeber hofften, daß nach den Feiertagen zahlreiche Arbeiter zu K.euze kriechen und die Arbeit zu den früheren Bedingungen wieder aufnehmen würden. Dies ist jedoch nicht der Fall gewesen und so dauert denn der Streik noch immer fort. Vereine nnd Versammlungen. i. Ortskrankenkasse der Tischler und Pinnoforte- arbeiter Berlin». Die Ve-trettr der Kaffenmitglieder waren am Mittwoch Abend im Bürgersaale de» Ralhhauie« ver« sammelt, um die Wahl von 6 Vorstandsmitgliedern der Kasse >u vollz'ehrn. D?r Herr Magistrat» sekietär Hanisch erklärte um 7'/« Uhr die Versammlung für eröffnet und übernahm im Auf« irage ter Gewerbe- Deputation des Magistrats den Vorfitz in der Versammlung; ,u Beifitzern deitef er die provisoritchen Vorstandsmttglieder Eckäfer und Fischer in daS Bureau. Nach Verlesung der Präsenzliste wurde konstatirt, daß von den 120 gewählten Vertretern der Kaffenmitglieder nur 89 in der Ver« sammlung anwese d waren, daß also der vier,« Theil der Vertreter in der Versammlung kehlte. Der Varfiyende mach!« bekannt, daß die Wahl von 6 neuen Voistandsmtigliedern deshalb nölhta sei, weil von den 8 am 18. Dezember o, I. Gewählten 5, nämlich die Herren Hubert, Tutzauer. Schmitz, Strelow und Kreutz vom königl. Polizei. Präfidium nicht bestätigt wurden und ferner Herr Merkel, deffen Bestätigung erfolgt sei, sein Mandat als Vorstandsmitglied niedergelegt habe.— Heir Hubert richtete die Frage an den Vorsttzinden, ob die Streitfrage, bezüglich der von den Ver« trrtern der Arbeitgeber geforderten Betheiligung derselben an der Wahl de» Rendanten und Altgesellen— welcher Forde- rung fich bekanntlich die Vertreter der Kaffenmitglieder wider- setzten- schon endgiltig und in welchem Sinne entschieden sei. Herr Haniscki beantwortete diese Anfrage dahin, daß dieser Streit in letzter Instanz noch nicht entschieden sei. Diese Ant« wort veranlaßt« Herrn Tutzauer. den Antrag zu stellen, di« »WVS"Äff digung gefunden habe; man solle nicht heute Personen wählen, die ihre vielleicht günstigen Arbeitsplätze verlassen, um dann event. in kurzer Zeit, fall» der Slre.it wider Erwarten ,u Gunsten der Arbeitgeber entschieden würde, da« Bureau der Kasse an der Fischerbrücke wieder verlassen und sich in anderen Werkftellrn nach Arbeit umsehen zu müssen. Herr Schmitz empfahl die so« fortige Wahl lämmtlicher 6 Vorstandsmitglieder, da der Streit vom Bezirksausschuß bereits zu Gunsten der Kassen Mitglieder entschieden und die Arbeitgeber mit ihrer Forderung zuiückae« w'es/n seien. Der VoAende gab zu, daß der Entscheid deS Bezirksausschusses im Sinne der Vertreter der Kaffenmitgltcdfr ausgefallen sei, jedoch habe eaent. da« OorroerwaltungSgericht al» oberste Instanz in dieser Sache auch noch zu entscheiden, er(Herr Hanisch) wisse jedoch noch nickt, od die Gewerbe« deputation de« Magistrat» bis an daS OberverwalrungSgericht SAn oder fich dem Urtheil des BezirkSauSichuffcs fügen werde. Auf Grund dieser Erklärung zog Herr Tutzauer, dem das Ur« tbeil deS Bezirksausschusses brS dahin nicht bekannt war, seinen Antrag zurück. Hieraus sprach fich Herr Schmitz mißl-ebig über die seitens des Herrn Hanisch durch Zirkulär erfolgte Einladung der Delegirten zur V-rfammlung aus; der Raffe entständen da« durch unnöthige Ausgaben. Er(Revner) hatte die im Statut vorgesehene Bekanntmachung der Versammlungen durch Inserat in zwei Zeitungen für genügend. Heir Hanisch erwiderte, daß die durch Anfertigung und Versendung der Zirlularien entstandenen Unkosten fich nur auf ca. 6 M. belaufen und noch nicht ent« schieden sei, ob dieselben von der Kaste oder der Gewerbe« Deputation zu tragen seien, event. wäre er bereit, die Kosten selbst zu decken.— Bevor nunmehr zur Wahl geschritten wur:«, trug der Vorfitzende an, ob fich außer den Vertretern der Kaffenmitglieder noch jemand im Saale befände, der fich nicht durch Vorzeigung seiner LegitimattonSkart« al» Delegirter legi» timiien könne. ES melvete fich ein Herr Martini, welcher angab, alS ZeitungSbeitchterstatter in der Versammlung er« schienen zu sein. Herr Strelow erhob gegen die Zalassuna dieses Herrn Widerspruch, woiauf der Voisttzende Herrn Mar« tini höflichst ersuchte, den Saal zu verlassen. Diesem Verlan« gm wurde entsprochen. Hierauf nahm die Versammlung die Wahl deS Rendanten und Borfitzenden der Rasse vor. Gewählt wurde Herr Hubert mit 76 Stimmen; 11 Stimmen Selen auf den bisherigen Rmdanten Herrn Witte. Zum Iltgesellen wurde Herr Furchtbar mit 65 Stimmen gewählt, Die Wahl der üdriam 4 Vorstandsmitglieder fiel auf die Heiren Stephan, Blümke und Rarpp mit je 71 und Schmohl» mit 68 Stimmen. Ein Stimmzettel trug die Namen der drei früheren Rasstrer Richter, Greiner und König, von denen ersterer fich belanntlich in UntersuchungS- Haft befindet, die beiden anderen aber ihr Leben durch Selbst- mord beendeten. Herr Schmitz unterzog diese unfinnige Stimm» zettelabgabe einer scharfen aber gerechten Kritik und bedauerte, daß fich ein Delegirter einen so geistlosen Witz erlauben könne. Zum Schluß sprach Herr Schmitz der. Wunsch aus, daß der Vorstand oder die Gewerbe-Deputution des Magistrats recht bald die definitive Wahl der Inoch fehlenden beiden Kasfirer der Raffe veranlaffen möge. Schluß der Versammlung flVi Uhr. Arbeiter-vezirkSverew„Süd-Ost". Dm Mitgliedern zur Nachricht, daß der Vorstand des Verein« folgende Zahlstellen errichtet hat: 1. Sonntags früh von 9—12 Uhr bei Mitan, Wtenerstraße 31. 2. Montags AbendS von 9—11 Uhr bei Stramm, Skalitzerstraße 18. 3. Dienstag« von 9—11 Uhr bei Sawatzly, Walvemarstraße 74. Beiträge werdm außerdem täglich beim Kasfirer St. Scholz, Eisenbahnstraße 36b., vorn 3 Treppen, entgegen genommen. Der Vorstand ersucht, die Zahlstellen recht rege zu besuchen, da VereinSversammlungrn vorausstchtltch in nächster Zeit nicht stattfinden könnrn. Allgemeine Kranken»«nd Sterbekasse der Metall- ardetter(E. H. 29 Hamburg) Filiale Berlin 6, Sonntag, den 20. d. Ml«., Vormittag 10% Uhr, Gartenstr. 123 bei Krüger, Mitglieder- VersammlU! g. Tagesordnung:„Das Verhaltm einzelner Mitglieder in dm Zahlstellen." Verschiedenes. Verein zur Wahrung der materielle« Interesse« de« Fabrik- und Handarbeiter. Versammlung am Sonn- tag, den 20. Junt, Vormittag« 10'/» Uhr, bei Mahlitz, Andreasfir. 26. Tagesordnung: 1. Monatsbericht. 2. Jahresabrechnung. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung haben Gäste keinen Zutritt. Verein verliner Droschkenkutscher. Heute, Freitag, AbendS 10 Uhr, ordentliche Generalversammlung im großen Saale de« Berliner HandwerkervereinS, Sophienstr. 15 Tagesordnung: 1. Verlesung des Kaffenberichts und Decharge-Er- theilung. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes. 3. Abände- rung deS Statuts. 4. Beschlußfassung über Aufnahme von Fuhrberren und 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeite«(E. H. 29. Hamburg), Filiale 5. Sonnabend, dm 19. Juni, AbendS 8'/, Uhr, Versammlung der Mitglieder bei Ackermann, Lothringerstr. 81. Fachberel« der Tischler. Am Montag, d-n 21. Juni, Abends 8V» Uhr, findet in Jordan's Salon, Neue Grün- straße 28, eine Generaloersammlung de» Vereins mit folgender Tagesordnung statt: 1) Vortrag deS Herrn Dr. med. Weise Über moderne Wundbeban lung. 2) Antrag eines Mitgliedes um Gewährung d«S Rechtsschutzes. 3) Fragekasten.— Da» Quittungibuch legitimirt. Neue Mttglieder werden aufge- nommen. Berliner Verein für volksverständliche Gesundheit«» Pflege«nd Natnrheilknnde. Heute, Freitag, den 18. Juni, AbendS 8V« Uhr, bei Gratweil, Kommandantenstraße 77—79: Vortrag deS Herrn Canitz über: Die Cholera, ihre Entstehung, Verhütung und naturgemäße Behandlung. Uermifchtes. Gewitterschäden. In jenen Ortschaften in denen das furchtbare Gewitter vom 2. d. M. einen so enormen Schaden angerichtet hat, wie er sett Menschengedenken nicht konstattrt worden war, beginnt man erst nach und nach an die Aus- befferung der großen Schäden zu gehen, weil ste viel Zeit und Geld beanspruchen und erst die kl-ineren Schäden ausgebessert werdm mußten. Die Spuren, welche das Unwetter besonder» in dem Städtchm Schwaneb-ck bei Halberstadt, sowohl in dem Städtchen selbst als auf Feld und Flur hinterlaffm hat, find, wie uns einer unserer Berichterstatter schreibt, der die Ver- Wüstungen persönlich in Augenschein genommen hat. ganz türch- terliche. Dat Städtchen liegt in einer Mulde und wird von ansteigenden, gut bebauten Aeckcrn umgeben. Die ganzen Wassermassen, welche nun von den Höben herabstürzten, setzten Alle« unter Wasser, überschwemmten Gärten ui'.d rissen nrasstoe Steinmauern fort, welche die Umfriedigungen der einzelnen Grundstücke bildeten. Die Gärten liegen verwüstet da und an den Bäumen und Sträuchern ficht man jetzt noch in Höhe von einem und zwei Metern die getrockneten Echlammmaffen, welche fich hier bei dem Höhenstande der Urber- fluthung festgesetzt hatten. Auf dm Aeckern steht eS überaus trostlos auS und giebt so ein ungefähre« Bild von dem bedeutenden Schaden, den das Unwetter den Land- wirthen zugefügt hat. Kartoffel- und Getreideflächen find voll« ständig abgespult und nur noch den reinen Sand kann man itchen. In große G-fahr kam eine Schafheerde mit sammt dem Schäfer und seinen Hunden, denn ste befand fich beim Herab- stürzen der ungeheuren Waffrrmassen gerade nahe bei Schwane- deck. Unrettbar wäre alleS ertrunken, wenn der Hirte nicht Geistesgegrnwart genug besessen hätte, die Heerde die Anhöhen hinaufzutreiben. Zwei Schäferhütten, welche mitten im Felde standen, wurden weit hinunter geschwemmt, ebrnso die Abzugs- röhren, und selbst große Feldsteine unterlagen der Macht der Wasserströmt und wurden weit forgettiebm. ES ist eine Ver- heerung, wie man ste fich nicht größer denken kann. Was hier Menschrnkraft und Fleiß wochrn- und monatelang geschaffen, ist in wenigen Stunden durch die elementare Gewatt vernichtet worden. Viele der Gartenbefitzer find über die Verheerungen derart erbittert, daß fie an der Renovation der Gärten in diesem Jahre nicht denken. Sie hatten fich ewige Trene geschworen- nämlich drei junge Damen eines Städtchens in der Nähe von Dres» dm, und auch die äußeren Zeichen einer echten und rechten Mädchenfreundschaft fehlten nicht: die Eintragung finnreicher Dichterwort« in die resp. Poefie- Albums und die Ueberreiebung der Photographim, die symbolische Hingabe der ganzen Per« son. Doch waS nützen, erzählt die„Dresdener Zettung", die heiligsten und tiefsten Gefühle, wenn die Freundschaft in so glSbltchrr Weise verletzt wird. Fräulein Magda, die Jüngste deS Bundes, hatte die unverzeihliche Sünde degangen, ohne vorgängige Mittheilung auf dem letzten Balle der Saison in neuer, strahlender Toilette zu erscheinen, die Freundinnen dadurch zu verdunkeln und, wle e» heißt, uner- wartete Triumphe zu feiern. Diese Verletzung der Freund-S- pflicht mußte exemplarisch bestraft werden:„Singe keiner vom Vergeben! Felsen klag' ich meine Sache; Echo, horch l er- widett: Rache!" Und diese Rache sollte eklatant sein. Ein „reelle« Heirathsgesuch" daS in einem Berliner Blatte erschien, sollte hnrzu Gelegenheil bietrn. Die beiden so schnöde Gekränften beantworteten daS Gesuch und legten dem anonymen Schreiben die Photographie ihrer ehemaligen Freundin Magda bei. Der Effett dieser boshaften Handlungsweise war jedoch ein ebenso unerwatteter wie rrnbe- adfichttgter. Da« Bildniß Magda's hatte so sehr dm Beifall deS Heirathslandidaten. eineS jungen ürzteS g>.,u.idm, daß fich derselbe direkt nach dem Aufgabeort der eingelausrnrn Offerte begab, das Original aufsuchte, e« auch fand, von ihm entzückt war und fich sofort verlobte. Od die unfreiwilligen Ehestif« terinnrn der Hochzeit beiwohnten und die alle Freundschaft mtt der„Frau Doktor" erneuerten, habeich leider nicht erfahren können. Offenherzige Verworfenheit. London. Im Jahre 1373 vermählte fich Baron Fulwar John Cravon mit Lady Sarah Llewellyn, eimm rerzendm Mädchen aus ausgezeichreter Familie. Die Ehe war äußerst glücklich und mit fünf Kindern gesegnet. Beim letzten Derbyrennrn lernte die Baronin Sir Peckenham krnrm, einen jungen, alS Don Juan berüchtigten Mann. Vor drei Wochen nahm die Baronin von ihrem Gattrn die Erlaubniß, ihre Schwester besuchen zu dürfen; am Abende, alS man ihre Heimkehr erwartete, kam folgender Brief: „Mein geliebter Gatte, Du wirst eS begreiflich finden, daß ich mit dem Manne, der mir viel besser gefällt als Du, durch« gehe, Du wirst mich auch nie mehr seh-n. Vielleicht hätte ich diese Leidenschaft bezwungen; doch Du hast mich genöthigt, auf Deinen langweiligen Gütern zu leben mit Deiner Familie, die ich hasse. Deine Mutter allein wäre im Stande, mich auS dem Paradies zu vertreiben. Sei so gefällig, schicke mir meine Juwelen, meine Perlen und deponire meine Mitgift bei einem Bankier." Die Baronin war keineswegs entflohen und hatte einfach mit ihrem Liebhaber im Charing Croß-Hotel Wohnung genommen. Baron Cravon Nagte auf Scheidung, und diese wurde ihm auch am 4. d. M. unter den obwalten- dm Umständen sofott bewilligt. Der Richter fragte die Baronin, wai mit den Kindern geschehen werde. Lachend er- widerte, wie der„W. A. Z." gemeldet wird, die schöne Frau: „Dieselben sehen ihrem Vater viel zu ähnlich, als daß ich wünschrn sollte, fie bei mir m behalten." Nene Goldfelder in Westanstralie«. Die neueste Post au« Australien bestätigt daS Auffinden reicher Goldfelder im Ktmberleydistritt im äußerste» Norden von Westaustralien. Wie unterm 12 April aus Derby gemeldet wird, find dort zahlreiche Leute eingetroffen, welche fich nach dem neuen Gold» gebiet begeben wollen, wo Lebensmittel bereits beträchtlich im Preise gestiegen find. Die große Schwierigkeit besteht nm in dem Mangel einer Verbindung zwischen den Goldfeldern und der Küste, da der Weg außerordentlich beschwerlich, und der TranSpott nur mit allergrößter Mühe zu bewerkstelligen ist. Man macht daher den Versuch, eine neue Route aufzufinden, von der man hofft, daß fie bequemer sein wird alS die bisherige Straße. Eine weitere Schwierigkeit besteht in dem Mangel an Trinkwasser, da« unterwegs sehr sparsam ist, auch sollen die eingeborenen Buschmänner fich feindsrlig gestnnt zeigen In Derby, der Küstmstadt des neuen GolddezirkS, ist die Lage nichts weniger alS befriedigend, da dort eine starke Ein« Wanderung von Leuten stattgefunden hat, die fich, ohne im Besttz eineS Pfennig« zu fein, nach den Goldfeldern begeben wollen und verhungern würden, wenn fie nicht von den Be- wohnern Unterstützung erhielten. Eine Polizei giebt eS in Derby noch nicht, und da eS der Stadt auch an telegraphischer Verbindung mit Perth mangelt, so dauert eS 4 Wochen, bis Nachrichten auS Derby die Regierung in Petth erreichen können. Buch soll das Fieber in der Gegend herrschen. Unter diesen Umständen räth die australische Presse allen Leuten, die nicht viel Geld und genügend Lebensmittel haben, davon ab, daS neue Eldorado aufzusuchen. Kleine Mittheilungen. Schönebeck, 13. Junt. Soeben ist ein schwerer Eisenbahn- Unfall von unberechenbaren Folgen durch die Aufmerksamkett und Geistesgegenwart deS Zug« und Bahnperfonals verhütet worden. Der Kurierzug von Hamburg nack Wien durchfuhr mtt halbstündiger Verspätung unter größter G.'ichwindigkett und von»wet Lokowoiiven gezogen die Station Westerhusen auf der Strecke Magdeburg Halle. Gleich hinter der Station wird dem Führer die Ausficht auf die Bahr durch eine scharfe Krümmung brnommen. Als der Zug die Krümmung passtct, steht unmittelbar vor ihm auf demselben Geleise der P-rsonen- zug Nr. 58 von Kö.hen nach Magdeburg, dem von der Station Westerhusen aus sogar da« Einfahrtsstgnal gegeben ist. Ter Lokomotivführer de« Kurierzuge« setzt sofort die Luftdruck- bremsen in Thätigkeit und giebt daS Nothstgnal zum Anziehen der Handbremsen, mit denen leider der Hauptthe.! deS Zuge» noch bedient wurde. Die Wirkung war daher auch tone sofortige und ein Theil der Reisenden, ver gerade zum Fenstec herauSsab, mußte einige Sekunden bangsten Schreckens durchleben, bis fich im nächsten Augen« blicke drei Maschinrn und deren entsetzte Führer auf wenige Meter Auge in Auge gegenüber stehen. Alles war gerettet I Die Veranlassung zu dem zu« st unbegreiflich erscheinenden Vorkommniß bei einer zweigleifigen Bahn, wo jeder Zug nur da» rechts liegende Geleise denutzen darf, war die Enrglnsung einer Maschine zwischen Schönebeck und Westerhaim gewesen» wodurch daS rechte Geleis nicht befahrbar war. In Folge dessen hatte man den Personrnzug auf daS in der Fahrrichtung links liegende GeleiS dtrigitt und hierduich beinahe die Pfingft- fahrt zahlreicher M-nschen zu einer Unglücksfahtt gemacht. Wären die ersten Wagen deS Zuges nicht mit der stark wirken- den Carpenter Bremse versehen gewesen, so würde eine Rettung unmöglich erschienen sein. Äagdebnrg-Nenstadt, den 16. Juni 1886. Gestern Nachmittag zwischrn 6 und 7 Uhr entstand in der Näh- maschinenfabrik von H. Mundlos u. Ko. ein Schadenfeuer, welche» die Arbeits- und Lag-rräume einäscherte. Hierdurch find mehr als 100 Person rn unerwartet arbeitslos geworden, auch dürfte eS der größten Zahl derselben nicht so leicht ge- lingen,«ine einigermaßen entsprechende Thätigkeit zu finden, weil in der hiefiarn Etsrninduftrie schon bisher recht flau ge- arbeitet worden ist. Breslau, 15. Juni.(Verunglückter Kivdersteund.) Der Rollkutscher Roche gestattete am Sonnabend Abend auf der Vii.cenzstraße einer Anzahl von Kindern auf seinen Rollwagen «u steigen und eine W-.'strecke mitzufahren. Durch daS laute Freuvenaeschrei der Kinder wurden die vorgespannten noch jungen Pferde plötzlich scheu und gingen durch. An der Ecke der Mehlgasse und Vincrnzstraße stürzte Roche von seinem Sitze am dem Wagen herab und wurde überfahren. Die Räder gingen über den Kopf deS Mannes hinweg und zermalmten ihm denselben derartig, daß der Tod des Verunglückten auf der Stelle eintrat. Die Pferde wurden an der Ecke der Bismarck- straße durch einen Schriftsetzer und einrn Maurer wieder eingrfangrn. Der Kutscher, welcher an dem Todestage sein 53. Jahr vollendet hatte, hinterläßt eine»ahlreiche noch unver- sorgte Familie._. Wien, 16. Junt.(Ausweisungen.) Im Monate Mai dieses Jahn s wurden aus der diesseitigen Reichshälfte 42 Aus- länder, nämlich 35 Männer und 7 Frauenspersonen aus- Sewitsen, und zwar 15 nach Ungarn, 7 nach Rußland, 6 nach Italien, 5 nach Bayern, 4 nach Preußen, 2 nach Frankreich und je 1 Individuum nach Amerika, nach Montenegro und nach Württemberg. Drei Viertel dieser Ausländer, denen der Aufenthalt in Zrsleithanien verboten wurde, büßten vorerst wegen gemeiner Verbrechen Freiheitsstrafen ab: einige wurden au» Rückficht für die öffentliche Ordnung landesverwiesrn. Nach Preußen wurde der ehemalige Kasfirer der Allgemeinen deutschen Kreditanstatt in Sachsen-Altenburg, Friedrich Karl Linake, verwiesen, der nach einer in Brünn wegen Falschmeldung erhaltenrn und daselbst verbüßten Arreststrafe von drei Tagen dem Gerichte in Sachsen« Altenburg wegen Verbrechens der Veruntreuung eingeliefert worden ist. Lingke hat ungefähr 300000 Mark unterschlagen. Prag, 15. Juni. Die Straßrndemonstrationrn dauetten gestern hier biS spät in die Nacht. Nach Schluß der Vorstel- lung im czechischen Nationaltheater kam ei wieder zu lärmm- den Straßenszenen. Hunderte von Personen durchzogen in geschlossenen Reihen,„Hrom o peklo" singend, die Ferdinandt- straße. Oderkommissär Katzerowsky warf fich ihnen entgegen und befahl Ruhe. Seine Rufe wurden nicht deachtet, und die Volksmenge zog lärmend durch die Brenntegaffe zur czechischen Bürger-Ressource, wo die czechischen Gäste au? Deutschland einkehrten. Gegen 60 Wachleute mit zwei Bezirksinspektoren waren anwesend, welche nach langer Müde endlich die lärmen- den Rotten zerstreuten. Die Pferde-Eisenbahn konnte in Folge der Ansammlungen eine Zeit lang nicht verkehrrn. Die Straßrndemonstrationrn werdm, wie die altczechischen Blätter ankündigen, im Parlament zur Sprache kommen. Mehrere Augenzeugen der dekannten Vorfälle begaben fich zu den hier weilmdm czechischen Reichsiagsabgeo dneten, damit diese eine Interpellation in der nächsten Sitzung einbringen, was die Abgeordneten auch zusagten. Bei den Demonstrationen wurde der Typograph Luksch, der an der Spitze einer größeren An- zahl von Demonstranten auf die Kleinsette zog, verhaftet. „Nrrodni Lifly", die für die Demonstrationen die Polize« ver« antwottltch machrn, wurdrn konfiszitt. Ans London, 16. Juni, wird der„Franks Ztg." tele- graphitt: Nach einem Telegramm des„Standard" aus New- Norl ist in Varcouver Etgenthum im Werthe von einer Million Dollars abgebrannt, wovon nur 10000 Dollars versichert sein sollen; 1000 Mann find an der Arbeit, den Schutt fortzu- schaffen und es find schon 20 Kontrakte abgeschlossen, um die abgebrannten Holzhäuser, einschließlich eines schönen Terminushotels der Kanadischen Pazifik- Eisendahn, in Back- steinen wieder aufzubauen. Wellington, 12. Juni. Lei dem jüngsten vullanischen Ausbruch im Distrikt Tarawera(Neuseeland) ist der Verlust an Menschenleben größer als anfangs angenommen wurde. Derselbe wird jetzt auf 100 Eingeborene und 10 Engländer geschätzt._ Ketzte Nachrichte». Englische Verlegenheiten in Afghanistan. Der eng- lische Oberst Lockhart und seine Eskorte, welche jüngst von Chitral über Badakshan aufgebrochen warm, um zu der afgha- nischen Grenzkommisfion zu stoßen, definden fich in sehr übler Lage. Wie dem„Reuter'schen Bureau" auS Shiranagar auf Grund dort eingegangener Nachrichten gemeldet wird, waren der Oberst nnd seine Begletter von Cingedormen umzingelt worden und konnten weder vorwärts noch rückwärts gehen. Auch hieß eS in Shiranagar, daß es dm Eingeschlossenen an Lebensmitteln fehle und daß das an Lockhort abgesandte Geld demselben nicht zugegangen sei. Einer D-pesche auS Bombay zu Folge bestätigt die dorttge„TimcS of J.adia", daß Lockhart mit seiner Eskorte von dem Häuptling von Badakshnn gefangen genommen worden ist und fich gegenwärtig im Fort defindet. Badakshan, eine fruchtbare Gebirgslandschaft nördlich von Vorderindien, steht nominell unter der Botmäßigkeit Af- ghanistans. Der Sozialistenführer Domela Nieuwenhuis, welcher wegen Beleidigung deS niederländischen Königs durch die Presse angeklagt war, ist zu einjähriger Einzelhaft verurtheitt worden. In Borinage kam eS am 16. Nachmittags zu einem Zu« sammenstoß zwischen Arbeitern und Gendarmerie, welche die Waffen gebrauchen mußte. Ingenieur Colette erhiett nach dem „Berl. Tgbl." mehrere Verletzungen. Für morgen haben die Kohlengräber einen allgemeinen Streik angekündigt.— Die Arbeitseinstellung ist eine allgemeine in Quaregnon, N-mappes und Flünu. Die Zahl der Streikenden beträgt 5000. Heute früh wurden 18 der Streikenden in Quaregnon durch die Gen- darmerie verhastet. Die Wollzollfrage in de« Vereinigten Staate«. Ebenso wie in Deutschland findet auch in der nordamerkar i- schen Union daS Projekt der Einführung von Wollzöllen Wi- verstand. Wie au» Washington gemeldet wird, legte die Finanzkommisston deS Repräsentantenhauses ihren Bericht vor, welcher fich gegen die Wiederherstellung der Wollzölle vom Jahre 1867 ausspricht. Es wurde vom Repräsentanten hause darauf eine Resolution angenommen, in welcher erklärt wird, daß fich der Kongreß jeder Aenderung�der Wollzölle widersetze. Z« den Diütevpro, essen. Wie ein Privattelegramm der„Voss. Ztg." auS Halle meldet, wird der Diätenprozeß gegen den Abg. Hasenclever erst am 25. November vor dem Reichsgericht zur Verhandlung kommen. Kriefkasten der Redaktion. A. H. 1. In Berlin besteht der Bezirksausschuß aus einem vom König ernannten Präfidenlen, zwei vom König er- nannten und vier von Magistrat und>Etadtverordnelen»Ver- sammluna gewähtten Mitgliedern. 2 Mündliche Auskunft können Sie auf der Redaktion erhatten. D, H. Eifenbahnstr. Der Arbeitgeber muß die bei ihm beschäftigten Arbeiter bei der Ortskrankenlaffe anmelden und ein Drittel der Beiträge zahlen. A- M- 25. Die meisten Miethskontralte enthalten die Bestimmung, daß der Miethec auf Verlangen de» VermiethnS jederzett die Besichtigung der Wohnung gestatten muß; natür- lich ist darunter nur die Tageszeit, etwa von 8—8 Uhr zu verstehen. L. W. Friedrichbberg. Wenn ein Putzer die Aufstellung einer Rüstung seldstfiändt« übernimmt, so gtll er insoweit als BetriedSunternehmer und muß von etwaigen Unfällen der Polizei Anzeige machen. H. T. Maurer. Wir können Ihr Eingesandtes«st dann veröffentlichen, wenn Sie uns Ihre genaue Adresse einsenden. Ztv. P. 38. Sie müssen Ihre liebenswürdige Schwä- gerin zunächst zum Sühnetermin vor den Schiedsmann laden, fich dott ein SühceLtest ausstellen lassen und dann die Privat- klag- beim Gericht wegen Beleidigung erheben. Die gesetzlichen Gebühren eines RechtSanwallS muß Ihnen Ihre Schwägerin, wenn fie verurtheitt wird, ersetzen. H. D., Wtesenftraße. Konzesfionirte Pfandleiher können die bei ihnen verpfändeten Sachen öffentlich durch GerichtSvoll» zieher oder Auttionator verkaufen laffrn, ohne daß fie zuvor bei Gericht zu klagen brauchen. M. E. D. 219. Die Krankenkasse braucht ihre Mttglieder nur vom Kassenarzt« behandeln zu laffrn; einrn anderen Epezialarzt braucht ste nicht zu bezahlen. Pr..... e. Theilen Sie den ganzen Sachverhalt der birfigen Staatsanwaltschaft mit und beantragen Sie, gegen Ihre frühere Nachbarin wegen wissentlich falscher Denunziation einzuschreiten. Sie müssen hierbei Zeugen dafür namhaft machen, daß fie der Polizei gegenüber Ihre Frau jenes Dieb- stahl« beschuldigt bat. B. M. B. 53. 1. Verklagen Sie Ihren Meister bei der Gewerbe-Deputation des Magistrat« auf Zahlung von 2 Mark. 2. Ihr Arbeitgeber macht fich dadurch, daß er Sie nicht bei der Ottskrankcnkaffe angemeldet hat, strafbar und schadenersatz- pflichtig. Sie selbst haben davon keinen Nachtheil zu be- fürchten. 3. E« existtrt für die Gebühren der Hebcammrn unseres Wissen» leine gesetzliche Taxe. ES könnrn daher nur angemessene Preise verlangt werden, deren Höhe uns un- bekannt ist, fich aber jedenfalls nach der Dauer und Schwierig» kett der Verrichtungen richtet. I. K. 13. Der uneheliche Vater ist zur Zahlung von Alimenten verpflichtet, auch w-nn ihm die Geburt de»«indeS erst mehrere Wochen nach der Niederkunft angezeigt wird. Ueber die Höhe der Alimente entscheidet daS Gerecht nur im Falle eine« Prozesses, sonst kommt eS auf das Uebereinkommen Kischen dem Vater und dem Vormund an. DaS Vormund- astSgericht kann aber, wenn der Alimentationssatz zu niedrig bemessen ist, den Vormund zur Anstrengung des Prozesses anhatten. Verantwortlicher Redakteur» Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max vadtna in Berlin 8W„ veuthstraße 2.