Nr. 140 Sounabettd» den 10. Juni 1886. Hl. Jahrg. SelliimMM» Brgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgen? außer nich Sonn- und Festlagen._ SlbonnemenlIpctt3_für Berlin frei in'« Hau? vierteljährlich 4 Mail, monatlich 1,35 Mail, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PosszeitungSpreiSltste für 1886 unter Nr. 769.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespiltete Pnttzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. Bei größeren Austrägen hoher Rabatt nach Uedereinkunst. Inserate werden btS 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W, Zimmerstraße 44. sowie von alle« Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preise», angenommen. RedaKtio«: Keuthstrahe 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Mchnize«. Tott Mammon ist auch der Gott der Lügner und Fälscher; diese Behauptung ist jedenfalls richtiger noch, als diejenige der alten Heiden, daß MercuriuS, der Tott der Kaufleute, auch der Tott der Diebe sei. Wir meine« nun nicht Privatlügen und Banknoten« fälschungea speziell,»ein, wir wolle« ein Beispiel hier vor« führe», wo man Statistik und Wiflenschast im Name» de» Gottes Mammon fälscht und die Nebenmenschea belügt. Hat da die preußische Regierung resp. die Verwaltung der königl. Trübe« im oberschlesischea Znduflriebezirk ein sehr verständiges Verbot der Beschäftigung weiblicher Ar- bettskräste erlasse». Anstatt, daß nun die Privatgrube« der christlich- katholische» Besitzer in Oberschlesien dem guten Bei- spiel folgen sollen, nehmen dieselben Anstoß an demselben, und erläßt in Folge dessen der„Ausschuß- des oberschlesi- fchen Berg- und HüttenvereinS eine Petition an den Reich« tag, damit er die Ausbeutung der weiblichen Arbeitskräfte wetter ausüben kann. Za dieser Petition wttd unter anderem, um zu be- «eise«, daß da» Verbot der Ausbeutung der weibliche» ArbettskrSfte überflüssig und unnütz sei, folgende« ange- ��Bezüglich der Sittlichkeitsverhältnisse dürfte Oberschlesien alle« industrielle« Gegen« den Deutschland« voranstehe«. Die Zahl der uneheliche» Geburten bleibe hinter dem DurchschaittSsatze in Deutschland, geschweige dem in den fast ausschließlich Landwirth« Schaft tteibenden Gegenden PommernS und Mecklen« btttg«, zurück. Nachtarbeit geschehe fast immer in taghell durch elektrische« Licht erhellte» Räume«, die Arbetterivnen arbeitete» fast immer in größerer Zahl gemeinschaftlich rc. Kraue« würden ihre« häusliche» Pflichten fast gar nicht ent« zogen, da nur 2.8 pCt. sämmtlicher Arbetterinnen Ehefrauen seien, höchst wahrschemlich ausschließlich solche, deren Männer erwerbsunfähig oder Trunkenbolde und Landstreicher seien. Auch der Behauptung, daß die Beschäftigung bei der Mon« tanindustrie für weibliche Arbette, ungeeignet, ihnen unge« s«»d sei, müsse widersprochen werden. Die Arbeiterin««« de« oberschlesische« Montanbezirks seien gesünder und kräf- tiger als die Fabrikarbeiterinnen großer Städte und indu» strieller Gegenden, und die Beschäfngung weiblicher Arbetter in der Montanindustrie, mit vielleicht alleiniger Ausnahme des Zinkhüttenbetriebes, komme hinstchtlich der Gesundheit unmittelbar hinter der Beschäftigung in der Landwirthschaft. Die Zahl der anormale« Geburten sei im oberschlesische» Bergrevier«ine unge- nutaur Ms»«!«.] Iseuill'eton. Eine Mutter. Roman von Friedrich Serftäcker. (Fortsetzung) Aber eine grenzenlose Verwirrung hatte sich indessen der Gäste bemächtigt. Felix war rasch ,u Helene» hinüber gegange«. Er wollte mit George sprechen, aber dteser war seiner Mutter schon gefolgt, und auforänge» durste er sich nicht. Er fühlte auch recht gut, daß man jetzt der Fa« milie keine« größeren Gefalle« thun könne, al« fie so bald al« irgend möglich von der Gegenwart Fremder zu befreie»; deshalb Helenen« Arm ergreifend, flüsterte er ihr mein Herz, hier ist weiter nicht- zu thun, al« UN««u entferne«. Bei der wundervolle» Nacht gehe« wir recht gut zu Fuß in die Stadt zurück; laß un« er» wenig eile», daß wir nicht in de« Troß kommen." Er«ahm rhre« Arm und führte fie au« dem Saal, und da« war da« Zei- ��ußm�f'dem�Gang�'stand ein alter Diener, der dem Trafm�semen Rock gab.� Freund, wa« vorge« kann's nicht mehr bleibe«: die junge Komtesse tft fort und Graf Balte« ihr»ach. Draußen t« Park fiel eben ein Schuß, die Diener wolle« mit Fackel» hmau«- das über- lebt der alte Herr nicht." ..Großer Gott. Paula?" rief Helene. Fel'k aber, ihr kelber de« Mantel umwerfend und ihre« Arm m den seinen »iehend, führte fie hinaus in'« Freie.„. Nicht so rasch kam die übrige Gesellschaft fort. Viele der Damen, ja die meisten, trugen weiß« Atlasschuhe, da wan sehr staik auf eine» kleine« Ball gerechnet hatte. Soll- k» fie in diesen de» weit«» Weg in die Stadt zurücklegen? wöhnlich geringe, die Geburtsziffer überhaupt da- gegen eine außerordentlich hohe und ttotz dessen die Kinder« sterblichkeit eine normale." Wir könne« die sämmtlichen hier angefübrten Behaup- tunge« nicht widerlegen, da uns das spezielle statistische Material nicht zur Hand steht; aber zwei und zwar die schwerwiegendste« dieser fabrikaatliche« Angaben find total unwahr und gebe« zugleich den Beweis, wie wenig auch de« übrige« zu trauen ist. Zuerst wird behauptet, daß die Sittlichkeitsverhältnisse — und gebe man wohl acht!— in Bezug auf die Te« Kurten außer der Ehe in Oberschlefie« bessere seien als in alle« übrige« industrielle» Gegenden Deutschlands. Da» ist einfach gelogen. Zahlen beweisen. Bleibe» wir zunächst im Königreich Preuße«. I« Schlesien kommen auf hundert Geburten 10,86 außer der Ehe.— Z« dem industrielle« Rheinland bettägt die Zahl der außereheliche» Kinder auf 100 nur 3.52, in dem industriellen Hessen-Nassau 5,71 und in dem gewiß industriellen Westfalen gar nur 2,77 auf hundert Geburten. Der„Ausschuß" einer großen Körperschaft mußte die« wisse» oder konnte dies leicht erfahre«, wenn er das am*« liche„Statistische Jahrbuch für da« Deutsche Reich' nach« la«. Dem„Ausschuß" aber scheint Gott Mammon und die Ausbeutungslust weiblicher Arbeitskräfte die Sinne umnebelt zu haben. Ebenso unwahr ist die Behauptung, daß der Durch« schnitttsatz der unehelichen Geburten in Öberschlefien hinter dem Durchschnittssatz in Deutschland zurückbleibe. Der Durchschnittssatz der uneheliche» Geburten in ganz Preuße« beträgt 8,09, im Deutsche» Reiche 9,22 Prozent, während die Prozentzahl in Schlesien, wie oben schon mitgetheilt, 10,86 ergiebt. In Preußen ist nur die Stadt Berlin mtt 13,43 Pro- zent der Provinz Schlesien„über", alle andere Provinze« selbst Pommer«(dritte Unwahrhett I) stehen unter Schlesien, wenn da» auch bei Pommern nur um ei» Gerin« ge» ist. Auch in Hamburg ist die Prozentzahl geringer, al» in Schlesien. I» Bezug auf Mecklenburg hat der„Ausschuß" end- lich einmal die Wahrheit gesagt. Aber wa» beweist das? Zunächst habe« die feudale« Verhältnisse in Mecklen» bürg daran Schuld und dann waren in Mecklenburg bis zur Regelung durch da» Reich die Ehe« der Tagelöhner und arme« Leute ungemein erschwert. Dies wirkt noch «ach.——— Aber auch die Behauptung, daß die Zahl der anor« malen Geburten in Oberschlefie« eine ungewöhnlich geringe sei, ist unwahr. Im Gegentheil beträgt die Zahl der Aber die Wagen koante man doch auch unmöglich hier er- warten, und ei» andere« HauS war nicht in der Nähe. Bote« über Boten wurde« jetzt vorausgeschickt, Leute waren dazu genug versammelt, um die Wagen zu beordern, daß fie wenigsteaS entgegenkamen, oder an Droschken auf- trieben, was sich finden ließ— am Theater hielte« jetzt eine Menge—, und wie die wilde Jagd hetzten eine An« zahl von jungen Burschen de» Weg hwab und an Rottack» vorüber. Immer leerer wurde e» oben im Schlosse, immer unheimlicher. George selber war auf einem zweiten Pferd davongesprengt— wohin? Er wußte es selber nicht. Ja Paula'» Zimmer stand die Gräfin und la« ei» kleines Briefchen, da« fie versiegelt auf der Tochter Toilette- tisch gefunden. Ihr Geficht war marmorbleich, aber keiner ihrer eisenharten Züge verrieth, welche Gefühle in diesem Augenblick ihr Innere» bewegte». I« dem Zettel, der„An meine Eltern" überschriebe« war, standen nur folgende wenige Worte:„Lieber Vater, liebe Mutter I Ich kann de« jungen Bolte» nicht heirathe», ich würde unglücklich mein ganze« Leben sein. Ich liebe mit aller Kraft meiner Seele Rudolph Haador und werde sein Weib. O, verzeiht Eurer arme» Tochter Paula!" Sie faltete das Billet zusammen, kleiner und kleiner, bi» es«inen dünne» Streifen bildete, und fast mechanisch hob sie eS dann empor zum Licht, entzündete e« und sah zu, bi« es sich verzehrte, ja, die Spitzen ihrer weiße» Glace« Handschuhe versengte. Dana schrttt sie langsam hinüber zu ihrem Gatte«, der noch immer bewußtlos auf einem Sopha lag, während ihm der Haushofmeister mtt zitternde» Hände« kalte Umschläge um die Schläfe machte. Der alte Graf Bolte» stand daneben, die rechte Hand auf de« Tisch ge- stützt, in starrer Ruhe und verwandte keine» Blick von dem unglücklichen alte« Man». Drei Bote« waren«ach verschiedene» Aerzte» gesandt, um fie rasch herbeizurufe«; fie koante» aber noch nicht da sein, der Weg war zu wett. Die Gräfia trat in« Zimmer; Graf Bolte« rührte sich nicht und wandte ihr den Blick nicht einmal zu. Sie zog Todtgeborene« in Schlesien 4,35 Prozent. Keine andere Provinz weist eine so hohe Ziffer auf, selbsi Berlin allein genommen nicht. Berlin steht mit 4.04 da. Der Durchschnitt im Königreich Preußen bettägt 3.92 Prozent; im ganze« Deutschen Reich nur 3.78. Uebertroffen wttd die Provinz Schlesien nur von Sachsen-Al'enburg mit 4,45 und Waldeck mtt 4,94 Prozent. Alle anderen Staaten stehe» unter der Provinz Schlesien in Bezug auf die Todtgeborene», die man doch in erster Linie als anormale Geburten bezeichne» muß.——— Vielleicht unternimmt es nunmehr der„Ausschuß" des Berg- und HüttenvereinS in Oberschlefie«, de« Haupttheil der geringere»„EittlichkeitSverhältnisse" in Schlefien auf die andere« Regierungsbezirke zu schiebe«— doch wird er damit kein Glück habe». Selbst wenn der Bezttk Breslau in Bezug auf uneheliche und anormale Geburten eine etwas höhere Ziffer aufweisen sollte, als die Gefammtprovinz, so wttd der Regierungsbezirk Liegnitz eine geringere Ziffer zeige«, so daß der Bezirk Oppeln genau die angegebene DurchschntttSzisser der Provinz präsentttt.— Wir wundern uns zunächst, daß ein fabrikantlicher „Ausschuß" solche„Untertreibungen" in einer Petttio» an den Reichstag versucht, da er doch annehme» muß, daß einzelne ReichStagSmitglieder derartige Petitionen auf die Wahrheit der in denselben enthaltenen Behauptungen prüfen werde». Allerding« hat der Abg. Richter die Petition in seinen Haupttheile« in seinem Blatte abgedruckt, ohne jegliche Bemerkung, jedenfalls im Interesse der Fabrikanten, denen Frauenarbeit billiger kommt, als Männerarbeit oder— aus Unkenntniß. Er hat sogar den Angriff auf Pommer» und Mecklenburg in seinem Blatte gesperrt gedruckt, um den Landwirthe« ein» auszuwischen; aber Eugen Richter ist doch nicht der Reich«. tag und von sozialen Dingen versteht er eben nicht«.— Gott Mammon hat de» vielerwähnten„Ausschuß" mtt Blindhett geschlagen— deshalb hat er seine Petttio» mtt Unwahrheiten gespickt. Solche Petttio« gehört in de» Pa« pierkorb oder kann auch der preußischen Regierung über« wiese» werde», als ei« Beweis, wie richtig ste gehandelt hat, da» Verbot der Frauenarbeit in de« fiskalischen Grube» und Bergwerke» OberschlefienS anzuordnen. Anständige Privatunternehmer und Privatgesellschaften aber sollte» solchem Beispiel folger Politische Urberstcht. sozialdemokratische Partei im RrtchStage darauf ausgeht, den noch bevorstehenden Schluß der Scsfion zur An. bringung von Beschwerden auszubeuten. Dafür dürfte sie in- ihre weiße« Glacshandschuhe au«,«ahm dem Haushofmeister da« nasse Tuch ab und sagte tonlo«: „Sehen Sie nach der Tafel— daß alle Fremde» das Hau, verlassen— einige junge Leute behalten Sie zurück. wen» wir vielleicht noch Boten gebrauchen sollte»" „Zu Befehl, Frau Gräfia." „Wo ist George?" „Fort— er hat sich ei» Pferd satteln lassen." „Es ist gut— sehe» Sie»ach dem Hause." Der Haushofmeister zog sich mit einer Verbeugung und einem ttaurige« Blick auf seinen Herrn zurück; er wäre «och so gern bei ihm geblieben, aber seine Pflicht rief ihn auf seine« Posten. Die Frau Gräfin hatte recht: die Masse dort aufgestellten Silber» durfte nicht ohne Aufsicht bleibe» — daß fie nur daran gedacht hatte! Eine halbe Stunde verging so. Graf Bolte» rührte sich nicht; er schien wie au« Stein gehauen, und nicht regungsloser war der Ohnmächtige auf dem Sopha. dem die Gattin ruhig und mechanisch die Umschläge wechselte. End. lich fuhr ei» Wagen vor. So still war es im Haus« ge- worden, daß man deutlich da« Knirschen der leichte« Räder auf dem Kie« hören konnte. Es war einer der Aerzte, der rm Karriere herausgefahren fein mußte. Draußen vor dem Fenster wurde» auch Stimme« laut und Leute kamen mtt Fackeln. Weder Graf Bolte»»och Gräfin Monford beachteten es. Der Arzt schien eine» Augenblick da draußen aufgehalte» zu sei«; es dauerte wenigsten« unverhältnißmäßig lange,«he er eintrat, oder bauchte ihnen die Zeit nur so lang? Endlich kam er und ttat zu dem Lager de« Kranken, dessen Hand er»ahm, um de» Pul« zu fühlen. „Gnädige Gräfin, ich bedauere unendlich..." „Was halten Sie, von seinem Zustand Doktor?" leise- schüttelte mit dem Kopf— endlich frug ,r „Liegt irgend eine bestimmte Ursache dieser heftiae» Störung der Lebensthätigkeit vor? Schreck oder Gemütbs- bewegung?"* „Es ist möglich," erwiderte kaum hörbar die Gräfi» Der Arzt nickte, ohne etwas weiter zu ftage« oder lufftn wknig Entgegenkommen bei den ReichSdoten finden, welche fast ohne Ausnahme den Schluß der Sesfion so kurz als irgend möglich ausfallen laffm möchten. Die„N. L. C. hebt mit Recht hervor, daß die Anbringung sozialistischer Bischwerden, nachdem das Sozialistengesetz auf 2 Jahre er» neue« ist, sachlich gar keinen Zweck haben würde.(!) Auch hätten die Verhandlungen über die Jnrerpellation Hasenclever bewiesen, daß die Sozialdemokraten trotz ihrer aufregenden Reden nicht in der Lage wären, pofitive Thatsachen zur Be- gründung ihrer Beschwerden beizubringen.(?) Wer könne außer den Sozialdemokraten Neigung haben, dies Schauspiel fich jetzt nach einem Monat bereits wiederholen zu sehen? Eine Erörterung der Dmkschristen über die auf Grund des Sozialistengesetzes getroffenen Maßregeln würde man viel» leicht zugestehen unter der Voraussetzung, daß die sozial- demokratischen Abgr ordneten fich bei ihrer Kritik auf wirkliche Thatsachen beschränken und nutzloser allgemeiner Deklamationen, an denen in dieser Sesfion genug geleistet worden, sich ent- halten. Für weitergehende parlamentarische Aktionen der Sozialdemokraten sei jetzt nicht mehr die Zeit. Der sozial» demokratischen Partei werde im Reichstage eine das numerische Stärkeverhältniß weit übersteigende Rücksicht ge» schenkt. Ader wenn die Herren Miene machen wollten, den Reichstag zu tyrannistren, dann dürfte doch auch dieser ge« duldigen Körperschaft gegenüber einer Richtung, die fich immer von Neuem mit einer Art höhnischer Herausforderung außer- halb des RabmenS unseres Staatswesens stelle, der Langmuth reißen."— So der nationalliberale(!) Waschzettel. Wir be» merken hierzu, daß wir eine übertriebene Beschäftigung mit der Arbeiterpartei bisher nur darin wahrnehmen konnten, mit welchem Eifer man bisher für jede neue Beschränkung der Freiheit der Arbeiter»intrat. Hier ist allerdings stets maßlos übertrieben worden. Was ferner die„Neigungen" der einzelnen bürgerlichen Abgeordneten anlangt, so sollte man nicht so unverstoren diese Rückstcht auf die persönliche Bequemlich« kett hervorkehren, wo ei fich um die freie Entwickelung einer ganzen Volts klasse und zwar der mächtigsten und unentbehrlichsten handelt- Nicht die Zahl der Arbeiter» Vertreter entscheidet darüber, wie viel oder wie wenig man fich mit derartigen Fragen billigerweise abzugeben hat. Wäre daS richtig, so brauchte man ja nur da» Wahlrecht in einer Weise zu ändern, daß kein Vertrauensmann der arbeitenden Klaffe mehr in daS Parlament kommt,— um fortan jeder Be» schäftigung mit Ardeiterangelegenheiten überhoben zu sein. Hegen die bürgerlichen Parteien deS Reichstages eine solche Mißachtung vor den Jntereffen deS Arbeiterstande», wie fie aus obiger Mittheilung spricht,— nun wohlan, so sollen fie wenigstens in die Lage kommen, dieselbe offen zu bekennm. Die Arbeiter werden dann wenigstens klar sehen, wer ihre Freunde und wer ihre Feinde find. Zur Auslegung deS Reichswahlrechts hat die groß» herzoglich badische Regierung entschieden, daß Zahlung von Schulgeld oder Anschaffung von Lehrmitteln aui ArmenfondS nicht als eine Armenunterstützung anzusehen sei, welche von dem Wahlrecht ausschließe. Herr Enge« Richter versteht bekanntlich soviel von Sozia» liSmus, wie der Esel vom Lautenschlagen. DieS beweist er wieder einmal, indem er erklärt, die„Ausbildung der sozio- ltstischen Partei" trage eine große Schuld daran, daß in frei» heitltcher Richtung seit den 60« Jahren viele« nicht erreicht und manches verloren gegangen sei. Irgend einen Beweis für diese seine kecke Behauptung tritt der ehrenwerthe Herr nicht an. Aber er fährt fort:„Die sozialistische Partei hat den Ar» beitern nicht daS Mindeste genutzt, dagegen der Reaktion durch Zersplitterung deS BürgcrthumS vor» treffliche Dienste geleistet. Deshalb ist auch mit klugem Vorbedacht die Eozialistmpartei in ihren ersten Jahren von der Reaktion künstlich groß gefüttert wor< den."— Ob ein in sozialen Dingen so unwiffender Mann, wie Herr Eugen Richter, den Nutzen, den die sozialistische Partei den Ardeitern schon durch die polstisch« Aufklärung und durch die Aufbesserung ihrer sozialen Lage gebracht hat, begreift und anertennt, da« ist unS absolut glnchgillig. AnderS aber liegt eS mit der Verdächtigung, als od die Sozialiften der Reaktion durch Zersplitterung de« BürgerthumS vortrefflich« Dienste ae- leistet haben. Ter Parteiführer und Parteirabulist Richter hat nämlich etwaS mehr Bedeutung, als der SozialpolitUer. ES ist in der That neu, daß die Sozialistenpartei daS Bürgerthum zersplittert hat. BiS jetzt haben wir geglaubt, daß die Sozia- listen dem politischen Bürgerthum nur die von demselben ge- täuschten Arbeiter entzogen hätten— aufgeklärte und ehrliche liberale Polittker haben gerade dieS auch oft genug beklagt. Ader daß die Sozialdemokraten die Trennung des politischen BürgerthumS selbst z. B. in Fortschrfttler und Nationalliberale bewirkt haben sollten, da« ist eine sehr sonderbare Behauptung. Diese Trennung bat in der That schon 1863 stattgefunden, als bei der MilitärreorgantsationSfrage im preußischen Adgeordnetenhause der frühere fortschrittliche, dann natio» naltiberale, dann sezesfionistische, jetzt deutschfreifinnige Abgeordnete von Forckendeck sein Amendement(einmalig? Bewilligung) der starren Waldeck'schen Verneinungs Resolution den Pul« deS Kranken los zu lassen. Er hielt eine» Aderlaß für nothwendig, aber ehe er ihn anwende» konnte, schlug der Kranke die Auge« auf und stierte den Doktor destürzt an. „Mein bester Herr Graf, wie fühle« Sie sich jetzt? Es ist Zhven plötzlich unwohl geworden, nicht wahr?" Der Graf aarwortete nicht. Er schloß die Auge» wieder «ad legte seine Hand gegen die Stirn, als ob er fich auf etwa« besänne. Er trug«och seine weißen Handschuhe, und der Arzt entfernte fich jetzt vorsichtig, wa« der Leidende ruhig geschehe» ließ, und rieb ihm dann die Schläfe mit Eau de Cologne. .Ich danke Ihne«, Doktor," sagte der Kranke«ach einiger Zeit— e« waren die erste» Worte, die er wieder sprach—; bitte legen Sie mir die Handschuhe nicht fort, ich muß zur Gesellschaft zurück." Der Doktor sah die Gräfin fragend an. .Heute Abend nicht mehr, George," sagte diese.„Du hast sehr lange in Ohnmacht gelegen, die Gäste find längst nach Hause, eS ist spät." Der Kranke sah fie rasch an. und wieder fuhr er fich «ach der Stirn, lag aber eine Weil« ruhig. Endlich sagt« " �Schicke George und Paula zu mir her; ich will fie sprechen." .Die Kinder sind schon im Bett," erwiderte die Grä» fi»—„morgen srüh- heute halte Dich nur ganz ruhig. daß Du morgen wieder wohl und kräftig bist. Fühlst Du Dich besser?". Der Arzt hatte zu Graf Balten aufgesehen als dieser ihm ein Zeiche« gab und da« Zimmer verließ. Der Arzt folgte ihm«ach einige« Sekunde«. .Was halten Sie von dem Zustand de« Kranke»? Glauben Sie, daß e« eine bloße Ohnmacht war?" »Ich— hoff«, ja.— Hat der Graf Monford diese« Zucke« de« linke« Augenlid»« schon öfter gehabt?" „Ich glaube nicht; ich habe e« nie bemerkt." »E« kann Schwäche im Auge sein; ich hoffe, e« ist nicht mehr." „Und wa« fürchte« Sie sonst?" entgegensetzte. Da ist durch schwächliche liberale Eiemente die volttische Zersplitterung de« BürgerthumS vor fich gegangen. Daß aber in sozialer Beziehung daS Bürgerthum zersplittert sei, kann nicht behauptet werden, wenn man von dem lang» jahrigen Zwiespalt zwischen der wirthschaftlich-konseroattven Richtung(Vertretung deS Grundbefitzei) und der wirthschast» lich- liberalen Richtung(Vertretung deS mobilen Kapitals) absteht.„Verdienen" wird bei dem Bürgerthum noch immer groß geschrieben und größtmöglichste«uSdeutung der Ar- deitSkraft ist ncch immer ein allgemein giltigeS Prinzip der wirthschastlich-liberalen Schule, dieser Vertreterin der Bourgeoiste. Also, waS den Vorwurf der Zersplttte- rung deS BürgerthumS betrifft zu Gunsten der Real'ion, da- von kann fich der Sozialismus frei fühlen; eine Adsplitterung der Arbeiter aber von ihren langjährigen Verführern wird der Sozialismus im Interesse der Arbeitelkiaffe immer anstreben und diese« Ziel auch ficher vollständig erreichen.— Die Behauptung, daß die Reaktion den Sozialismus künstlich groß- gefüttert habe, steht auf derselben Höhe, wie die Behauptung. welche von reaktionärer Seite gemacht wird, daß die Agita» toren die ganze Bewegung machen. Man steht eben, daß Herr Richter selbst noch so tief im Sumpf der Unwissenheit steckt, daß er nicht einmal über den nächsten Hügel hinweg blicken kann. Wer behauptet, die deutsche Arbeiterbewegung wäre künstlich gemacht worden oder würde künstlich gemacht, der ist ein— Pardon! der parlamentarische Anstand erlaubt da« Wort nicht, welches uns auf der Zunge schwebt. ES ist«tchtS ewsäMg genug,«ai der ganze Troß der konservativ-offiziös, liberalen Prrffe seinen Lesern nicht über die Arbeiterbewegung aufbinden darf. Augenblicklich macht wieder einmal ein Artikel der amerikanischen„World" seine Reise um die Well, der das Familienleben der überseeischen Anarchisten schildert: wie fie ihre Frauen schinden,„während die Ehemänner vergnügt Dynamit und Zerstörung predigen." Schwad desttze wenigstens 20000 Dollars, Most über 50 000, d. h. über 200 000 Mark. DaS genügt wohl, um das Preß« erzeugniß zu charakteristren. ES schließt übrigens mtt folgender Glanzleistung:„Sozialismus und Anarchie vermengen fich mit einander und eS gehörte schon ein Sozialphilosoph dazu, um den feinen Unterschied zwischen ihnen zu beschreiben. Die An» fichten ihrer Anhänger find ungefähr(!) dieselben. Ihre Idee vom Leben ist Herumlungern, Bier trinken, Rauchen und Stehlen." Setzen wir für stehlen:„DaS Produkt d r Arbeit Anderer aneignen" und für Bier allenfalls„Wein"— so scheint es fast, als lebten die hier geschilderten Anarchisten nach berühmten Mustern, die freilich nicht in Arbeitrrkreisen zu suchen find. Der Streik iu Decazeville hat bekanntlich mit einer Lohnaufbesserung der Ardeiter sein Ende gefunden. Der Pa» riser Korrespondent der„Nordd. Allg. Ztg." dringt eine längere Korrespondenz, der wir folgenden Schlußabsatz in Bezug auf den Streik entnehmen:„Die sozialistischen und anarchistischen Blätter triumphiren natürlich. Die Gesellschaft von Drcazeville, sagen fie, nachdem fie mit so vieler Festigkeit dem Streik gegenüber widerstanden hat, hat nun endlich doch nach« gegeben. Die monarchistischen Blätter aber, die Herrn von Freycinet jetzt besonders gram find wegen de« PrinzengesetzeS, behaupten, die Regierung habe auf Herrn Leon Say einen Druck geübt, damit die Gesellschaft nachgebe. Das Gouvernement habe fich angestcht« de« Prozesses Watrin und GueSde in Decazeville am Vorabend eines AufstandeS und einer blutigen Unterdrückung desselben befunden und dei- halb habe fie der Gesellschaft zum Einlenken gerathen."— Diese Bemerkuiwen find f r den Heim Korrespondenten und daS genannte Blatt recht bezeichnend. AuS denselben geht, wenn man die früheren Korrespondenzen auS Paris und die Gesammthaltung der„Nordd. Allg. Ztg." bettachtet, hervor, daß Korrespondent und Blatt ärgerlich über die Nachgiebigkeit der„Gesellschaft" find und die Fortsetzung de« StteiM, resp. die völlige und bedingSlose Unterwerfung der Ardeiter unter die kapitalistische Ausdeutung einer dieser Aktiengesellschaften oder auch Arbeiterunruhen herbeiwünschen. Nun hat ihnen die französtsche Regierung, welche in solchen Fragen auf einem anderen Standpunkt steht, wie die Regierungen in Deutsch- land, einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht, und die Ardeiter von Decazeville waren besonnen genug, mit einer Abschlagszahlung e« vorlieb zu nehmen und wetteren Unruhen vorzubeugen. DieS eben scheint einzelnen„Hetz- blättern" in Deutschland nicht in drn Kram zu paffen, da fie ja ihre Hetzereien gegen die Arbeiter nur andringen können, wenn Putsche und Revolten im Auslände zu verzeichnen find. Zu de« letzten Vorgängen auf Samoa wird der „Voss. Ztg." auS Washington geschrieben, daß der amerikanische Konsul Greenebaum, der den Deutschland feindlich gefinnten König Malietoa unter amerikanischen Schutz stellte und zum Schutze de« Königs gegen die Deutschen dt« amerikanische Flagge hissm ließ, von seiner Regierung deiavouirt und ab- berufen werden wird. Im Staatsdepartement zu Washington sei man nicht der Anficht deS Konsuls, daß die Deutschen tn Samoa irgend welche Rechte der Amerikaner verletzt hätten. „O, nichts, in der That nichts! Nur im ersten Augenblick fürchtete ich, daß e« ein leichter Schlaganfall sei» könne. Er ist aber ja schon wieder vollkommen bei Besinnung." Der Graf nickte langsam mit dem Kopf und sagte endlich': „Gehen Sie wieder zu dem Kranke» hinein, Doktor, ich will nach Hause fahren. Ich glaube, Ruhe wird ihm am wohlste» thun. Gute Nacht, Doktor. Morgen früh bitte ich Sie, mir Nachricht zu senden, wie Sie ihn verlassen haben." „Sehr gern, Herr Graf, ich werde nicht ermangeln — da draußen haben Sie ja auch«ine« Berwua» dete«...." „Einen Verwundete»?" ftagte der Graf hastig und erschreckt. „Den alten Förster. Sie brachte« ihn eben in'« Hau», wie ich ankam, aber e« scheint nicht« Gefährliche« zu sei». Nur ei» Schnitt oder«in Hieb durch'« Geficht— er war von Blutverlust wahrscheinlich ohnmächtig geworden. Ich werde dann gleich nach ihm sehen." Der Graf zog seinen Ueberrock allein an, den» die Diener waren alle hinausgegangen,»ahm seine» Hut,«ickre dem Arzt noch einmal zu und verließ da» Hau«, um fich erst der Richtung hinter dem Schlosse zuzuwenden, wo er noch die Fackeln sab. Allgemeine Bestürzung herrschte indessen auch unter der Dienerschaft, der da« Vorgefallene natürlich kein Geheimniß bleibe» konnte, ja, die da« eigentlich Geschehene sogar schon früher wußte, al« die Herrschaft selber. Der junge Gärtner- bursche hatte nämlich erzählt, daß er, als er im Park her» aufgekommen wäre, ei« paar Frauen bemerkt hätte— Dame« mit große», weite« Kleidern, die rasch de« Weg hinabgeeilt wäre» and von denen die eine etwa« Schweres getragen hätte. Vorher habe er aber eine« Wage« unten am Drahtthor halten fthen, und ein Herr dort habe ihn gefragt, ob die Tafel schon begonnen hätte. Er glaubte damal«, daß der Herr mit zu de» Gästen gehöre, vielleicht einer der Rittergutsbesitzer au» der Nachbarschaft, der den Weg durch de» Wald gekomme» sei; nur daß er nicht mit- Die Gründe für daS Verbot der„Renen Deutsche« Gerberzettnng" tn Mainz beleuchtet die„Fränk. Tag-epe-st" in sehr treffender Weife. In der amtlichen Begründung heißt es unter anderem:„Aus dem Inhalt(der Nummer der „Gerberzcitnng") geht zur Genüge hervor, daß dieselo« speziellen politischen Interessen, nämlich der Förderung sozialdemoliatischer Un sturzdestrebungen dient und daß auch die über Sozialreform gebrachten Artikel durchaus dasjenige Maß der Kritik Über« schreiten, welche als gerechtfertigt zu erachten ist, vielmehr durch gänzlich üderttiebene Echiiderungen die bestehende Ordnung gefährden." Wer dies.-S Blatt gelesen hat, der wird begierig sein, waS das großherzogliche KreiSamt zu Mainz als gerecht« fertigt« Kritik erlaubt. Wahrscheinlich übersteigt die Kritik der „Kreuzztg." nach Anficht des KreiSamte« noch das Maß des Erlaubte,'. In dem Verbot beißt eS weiter:„Der guten Absichten und der Maßregeln der Reichs« regierung zur Abhilf- sozialer Schäden und Mängel wird in tendenziöser Weise nir- g e n d S a e d a ch t." Also daS ist schon Umsturz, da« find ge« meingefährliche auf den Umsturz gerichttti Bestrebungen, wenn man nicht in Liebe und Freundschaft der Tozialreform gedenkt k O, waS find diese Preßmenschen doch für ein miseradleS Gelichter! Haussuchung. In Schwetzingen(Baden) fanden in der vorigen Woche zahlreiche Haussuchungen statt. Bei der noto« rischen Hitmlichkeit, welche bei solchen Sachen von der Polizei beliebt wird, hat man nicht erfahren können, warum gefucht wurde. Nachträglich erfährt die„Fränk. Tageipost", daß die Razjiii eine sehr umfangreiche war. Gefunden wurde nichts außer der„Schwitzinger Ztg.", dikfeldr ist jedoch nicht auf den Index gefetzt. Verboten wurde die auf Dienstag anberaumte Metall» arbeiterverfammlung in Braunschweig. Zwei sozialdemokratische Begräbnisse. Wie die „Elb. Ztg." eerichtet, wu-de am 14. d. M. in Elberfeld unter zahlreicher Betheiligung von Anhängern der Arbeiter» Partei die Leiche deS verstorbenen Sckuhmacheimeistert Herrn Wilhelm May zu Grade getragen. Die Zahl der Leidtragen» den dürfte fich auf annähernd vierhundert belaufen haben. Am Leichenwagen befand fich ein großer Kranz mit rother Sckleife, welcher indeß auf Befehl des überwachenden Kam» miffars beseitigt werden mußte. Auf dem Friedhofe feldft warf einer der Parteiführer den Kranz in die Gruft, während ein anderer auch die Schleife dem verstorbenen Parteifreund in die Gruft nachgab. Auf Veranlassung deS Herrn Kom» miffarS jedoch mußte der Todtengräber die Schleife wiever auS dem Grabe herausholen und wurde dieselbe beschlagnahmt. Ansprachen wurden untersagt. Die Menge verlief fich nach dem Vorttag zweier Lieder durch einen Gesangverein und dem damit erreichten Ende des TraueraktcS in aller Ruhe.— AuS Gera berichtet die„Saale- Ztg.", daß dort gleichfall« am 14. d. M.«in soziaidemak ratliches Leichenbegängniß stattge» funden habe. Gegen 1000 Angehörige der Partei deihriiigten sich an der Trauerfeier. Der Verstorbene war ein Restaurateur Krause. R-ichstagsabgeordneter Rödtger legte„im Namen der Genossen der sozialdemokratischen Partei Deutschlands" einen Lorbeerkranz mit rother Schleife auf dem Grade nieder, Schuh« macher Halm that das Gleiche„im Namen der Geraer G:» Nossen". Gastiirth Kühn, ein Führer der hiefizen Sozialisten. widmete dem Verstorvenen einen Nachruf am Grade. Vier Gesangvereine sangen am Grabe und tn der Begräbnißtapelle. Dem Leichenzuge voran wurden zwei Lordeertlänze mtt rothen Schleifen grttagen. DaS Begräd, iß hatte einen voll« kommen ruhigen, anständigen Verlauf. Die Polizei hat fich nicht eingemischt. Schweiz. In Zürich ist der 16. Juni rubig verlaufen. Alle An« sammiungen wurden ohne Mühe zerstreut. Im Ganzen find 40 Personen verhaftet worden. Belgien. Die von der Regierung eingesetzte„Arbeiterkom« Mission" zur U-itersuchung der Lage der Jndustrie>Aibeiter hat soeben«in Fragebuch"eröffentlichl, da» hundert Fragen enthält und in 10 00) Exemplaren an Industrielle und Ar« beiter Syndikate zur Beantwortung gesandt werden soll. NächsteWoche will die Kommisfion in denJnoustriebezttken periön» liche Enqueten eröffnen. Tie von der Kommisfion aufgestellte» Fragen umfassen die Zahl der Ardeiter tn den verschiedene» industriellen EtabliffementS, Art und Dauer der Arbeit, Frei« zeit, vorhandene Bedingungen betreffend Hygiene, Unglücksfälle. Beziehungen zwischen Arbeit und Kapiral, Lohn und Art der Lohnzahlung. Kontrakt« und Reglements, Verhältniß zu den Leitern der Etablissement«, die SireilS und ihre U fach«»- die Arbettervereine und vir Unternehmeroerdtndungen, Schiebte gerichte und Vergleiche, die materielle Lage der Arbeiier, da» Budget des Arbeiters, die Wohnung und Verpflegung de«» selben, Hilfi' und Sparkaffen, Auswanderung, intellektueU» und moralische Lage der Arbeiter, die Schulen, die Religion, den AlkoholiSmuS. Telegramme auS Man« missen wiederum von A u«' .chreitungen feilen« streikender Arbeiter zu berichten. ging oder da« Thor nicht geöffaer haben wollt«, wuadert* ihn— auf wa« wartete er den»«och? Aber er mußte selber eilen, daß er da« Traktemcnt nicht versäumte.®ll! Dame», denen er nachher begegnete, machten ihn stutzig, und er erzählte, wa« er gesehen, dem etvk« Lakai, der jetz* seiner seit» die Kammerjungfer der gnädige» Komtesse suchte, {ie aber nirgend« fiade« konnte. Ehe man aber der Hess" chaft selber Mmbeiluag davon machen konnte, war die Flucht der Komtesse oder wenigsten« ihre Abwesenhett beme.kt, und der Bericht de« Gärtner« konnte nur die Richtung andeute«, die fie genommen. Bald darauf sprengte Graf Bolte« fort, und gleich danach fiel der Schuß in der» selben Gegend. Der Haushosmeister hatte eine Anzahl von Pechfackel» Herautschaffe» lasse«, um fie heute vielleicht beim Heimfahre» der Herrschaften zn verwende». Mit einigen von diese» machte fich nun eine Anzahl junger Burschen, darunter o** Forstgehilfe, auf, um den Park abzusuchen, und da sie M auf de» Wegen vertheilten, trafen fie hier auf den eh* wächtig gewordenen alten Förster, de« fie jetzt zurück Schloß trugen. Mehrer« wurde» freilich«ach dem Dray' thor geschickt, um dort nach dem Wagen zu sehen, aber v»* war natürlich fort. Nur die Geleise desselben fanden 1 im Sande, wo er gehalten, dann hatte er de» dort eivVß?*' Weg»ach dem Dorfe eingeschlagen— aber wo? dann weiter? Zm Dorf selber liefe» vier We» »ach vier verschiedene» Richtungen ab— welch hatte der Wagen nun verfolgt? Da« Dorf lag« zu weit, um dort«achzusehe«; auch gi»«-- Wind heute Abend ziemlich heftig, und fie hätte» den Pechfackeln, die fortwährend Funken abwaren, Lj nicht zwischen die Sttohdächer hineinwage« dürfe«. � Bauern würden e« gar nicht gelitten haben. h Der Förster erholte sich übrigen« sehr rasch wieder uno kaum wie fie ,ha in dc« Haushofmeister«»wg auf; der Alte sah aber schrecklich au«. d«ißt da:„Eine Bande(!) von 600 streikenden Arbeitern mit toldm Fahnen zog von Quaregnon nach JemappeS. Unter« vezZ warfen dieselben bei verschiedenen FabltketadliffementS die m Schuppen aufbewahrten Werkzeuge in den Kanal und er- stiegen mit Leitern ein Walzwerk, wo fie die Arbeiter zwangen, die Arbeit niederzulegen. Ali fie denselben Versuch bei ver- schieden en anderen Clabliffement« machten, trat ihnen Gendarmerie entaegen, vor welcher fie flüchteten. Zwei Bataillone fl-hen nach Quaregnon, Jemappei und WaSmeS ab."— Eine «epesche des„Berl. Tagedl." giebt noch folgende Einzelheiten an:„Im Bergwerk Quaregnon, dem größten EüddelgienS, niern alle ArbeUer- Jbre Stimmung ist hochgradig erregt. Unter Anderem griffen fie den Direktor des Bergwerks RtoageS BroduilS an, welch-r mit genauer Noth der idm drohenden Mißhandlung entkam. Alle vorgefundenen Maschinen und Werkzeuge, selbst ganze Wagzons wurden in den Kanal ge> vorfen, welcher von Moni nach Conde führt. Gerüchtweise anlautet, daß ein Bäckerladen geplündert worden sei. Die Gendarmen nahmen 23 Verhaftungen vor, worauf eine aroße Volksmenge die Verhafteten zu befteien versuchte. Zwei Jäger- Bataillone find auf dem Schauplatz der Exzeffe eingetroffen. Holla»d. Nach den definitiven Resultaten der Wahlen für die zweite Kammer find gewählt worden 46 Liderale einerseits und 16 orthodoxe Protestanten. 17 Katholiken sowie ein Konservativer anderersestS. Sechs Stichwahle» haben stattzufinden zwischen 6 Liberalen einerseits und 4 Protestanten, 2 Katholiken an« dnerseitS. Die Liberalen haben demnach die Majorität. Die frühere Kammer war au! 43 Liberalen und 43 Anti Liberalen iltsammen gesetzt. Fravrreich. Der Neu-Hedriden-Archipel ist in der That von Frankreich a n n« k t i r t worden. Eine Depesche des Reuter'« schen BureauS au! Sydney lautet:„Nachrichten, welche auS Numea, der Hauptstadt der stanzöfischen Kolonie Neu-Kale- bonien in Sydney eingetroffen find, melden die Rückkehr deS franzöfischen TranSporlvawpferS„Dtve!" von den Neuen He« driden. Auf Sandwich uud Malacolo feien Truppen auSge- schifft, französtsche Flaggen aufgehißt und Miliiärposten etablirt, hiervon auch allen daselbst wohnenden Fremden ohne Unterschied der Nationalität Kenntniß gegeben worden. Die Jour« nale von Numea beglückwünschen die franzöfischen Behörden, daß fie die Annexion der Neuen Hebriden trotz England und seiner Kolonien vollzogen baden.- Eine Depesche deS Konsul! in Numea bestätigt diese Nachrichten." Diese Befitzergreifung kann Frankreich leicht in diplomatische Verwickelungen mit England verstricken. Thatsache ist, daß nach einer Pariser Meldung der„Pol. Korr." vom 13. d. M. Herr Waddington NamenS seiner Regierung dem englischen Ministerium de« ruhtgende Verficherungen Über Frankreich! Adfichten auf die Neuen Hebriden abgab. Ohne weitere! hinnehmen kann Eng- fand die französtsche Herausforderung keinesfalls, oder e! er- «idet unwiederbringliche Einbuße an seiner bisherigen Macht- ftitlung in der Südsee und entfremdet fich zugleich die austra« fischen Kolonien, welche bisher darauf vertrauten, daß fie in ihren vermeintliche» Rechtm durch da! Mutterland hinreichend Stschützt werden würden. Die„Union des GaucheS" beschloß einstimmig, mit der radikalen Linken und der äußersten Linien gemeinsame Schritte zu thun zur Entfernung der anlirepubltkanischen Beamten au! dem Staatsdienst. Grohbritaunie». Der eröffnete Wahilampf nimmt, nach der„Voff. Ztg.", derart die Aufmerksamkeit de! Publikum! und die Arbeitskraft der Politiker aller Parteien in Anspruch, daß die nothwendigen Geschäfte, die daS Parlament bi! zu seiner bevorstehenden 'luiiöiung zu erledigm hat, fast unbeachtet vorübergehen. Nur unmittelbar auf die bevorstehenden Wahlen einen Einfluß %%%% kann, erregt Interesse. Das geschieht vor Allem be« -Uzlich de! Antrages Labouchere'!, die Wahl« , ftn auf die Gemeinde« oder Grafschaft!« "lssen ,u übernehmen, der in zweiter Lesung mit 97 Segen 68 Stimmen angenommen wurde, der aber noch nicht '-wer Dach gebracht ist, da, abgesehen von den weiteren Stadien °er Unter hauöderathung, auch das OberhauS feine Zustimmung *0$ zu erlheilen hat. Bisher war eS in England Pflicht der Kandidaten, die in einem Wahlkreise um die Stimmen der Wahler fich bewarben, sogar diejenigen Kosten zu tragen, welche den Behörden au! dem Wahlakte erwuchsen, also be- vnderS die Miethc der Wahllokale und die Entschädigung der lammtlichen Personen, die in irgend einer Weise bei der Wahl Uchäftigt waren. Einer derartigen Bestimmung wohnte die Tendenz inne, die Mitgliedschaft de! Unterhauses au!« 'wließlich reichen Leuten zugänglich zu machen, da wan immerbin mit GlückSgütern reichlich gesegnet sein muß, Ui einige Tausend Pfund Sterling für diese Ehre zahlen zu wnnen. Zuerst hat John Stuart Mill fich da! Verdienst forden, thatsächlich gegen ein solches Unwesen einzu- lwietten, indem er den Liberalen von Westminster, Der Schnitt ging ihm über dem rechte» Auge weg über die Nasenwurzel und dann schräg den linke« Zacken hinab, de« er vollständig geschlitzt hatte, das} er aus "nander klaffte. Seine Kleider waren dabei bis hrnab wie wu Blut getränkt, und die Leute fürchtete» zuerst, daß er jfach vielleicht eine andere und gefährlichere Wunde an fich IWe. Er wurde deshalb ausgezogen und untersucht; eS er« Sab fich aber glücklicher Weise nicht! derartige!, und al! er wieder zu sich kam, bestätigte er auch, daß er nirgends sonst Betroffen sei; nur de« Schnitt habe ihm der verfluchte Kerl, °er MaulwurfSfävger, gegeben, als er ihn beim Wildern Nischt, und die kleine Kröte, der Spitz, müsse ihn auch in Beine gebissen haben— der eine Hinterlauf schmerze schändlich da unten um die Wade herum. , Das erwies fich in der That so; die Hose war dort an ?ei«der vier Stellen zerrissen und da! scharfe Gebiß der ffinea Bestie tief in da» Bein eingedrückt, daß da! Blut Sra» heruntergelaufen. k, Also mit der Flucht der Komtesse hatte diese Verwun« wie die Leute anfangs geglaubt, gar nicht! zu thun. allen Manne that aber besonder« die zerschntttene �»ck« so weh. daß ihm da« Spreche» außerordentlich schwer ?Urde. Er wollte«och etwa« sage«, ließ e! aber wieder und flüsterte nur da! Eme Wort:.Doktor- dann 2«« den Kopf zurück, um fich auszuruhen. Der Doktor J«* aber noch drinnen beim Grafen und konvte nicht her. -"««rufen werde»- er sollte fich nur»och er« kler» Werl« gedulden, er käme gleich..«. &% fcw. S? et,""' Ich»"»Ä«e,I>«»«,!»«« i» b" h�ushoftneiperS Zimmer käme, wo ein Verwundet» läge, mußten die beiden Hnrr« ab» pflichtschuldigst und am folgenden Tage die ArbeitZvon 450 Mann aufgenomml». Theater. Sonnabend, den 19. Juni. Deutsches Theater. DaS Käthchen von Heil. Belle-Slliauee-Theater. Das Paradies, Ge- sanatpvffe in 4 Akten von Leo Treptow und L. Herrmann. � � Friedrich WilhelmftSdtische« Theater. Der Zigeundaivn. Oftrnd-Theater Matte Tudor. Bittoria- Theater. Amor. Tanz Poem von Luigi Manzotti. «alluer-Theater. Der Mikado. König städtisches Theater. Anna Liese. Kaufmann'« Variete. Große Vveziatttaten. Vorstellung. __ Vassage, Tr. 9 M.- 10«. 1. Reise Kugland— Schottland. Eine interessante Montblanc- Besteigung. Hertha-Retse. Carolinen- Inseln. Eine Keife 20 Pf.«inv-r nur 10 Pf. Größtes und eleganteste» der Neuzeit! Ersatz sür sämmtliche Berliner Panorama! äul. Dagma, 19 Jabre alt, Fräul. Elsdeth, 8 Jahre alt, in der Größe ttneS KindeS von zwei Jahren. Zu zahlrttchem Besuch ladet ergebenst ttn Wlttwe PlccolomlBl, 1930] Hasevhatde 7 s». r no w, besteht seit zwanzig Jahren, Do»li« 8«, vrauieustr. 158. Eck« Ploritzpl., empfiehlt um. 3jährig. Garantie zu allerd-lligsten Preisen: Silb.Zylinder-Udren 15,18,20, 24 M.; filb. Zylinder-Uhren mit Remontoir- Aufzug 24—30 M.; filb Anker- Uhren m.Remontoir« /Mark; gold. Dammuhr-n mtt Remontoir- Aufzug 36, 40, 45, 50—150 M.; gold. Herren- Neri- u. 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Bons haben Wochentags Gtlttgkeit.— Entree 30 Pf.— Anfang 5 Uhr. Meinen wetthen Freunden und Kunden»ur Nachricht, daß mttn Cigairengeschäft Wembergsweg 15 b durch meine Frau wttterdettteben wird. Durch Verabreichung von nur reeller Waare hoffe ich» mttnem Geschäft auch ferner das bisher entgegengebrachte Vertrauen ,u erhalten. Zugleich mache ich noch besonders darauf aufmerksam, daß ich auch meine Buchbinderei durch einen tüchtigen Kollegen fottsetzen lasse.[1959 Friedrich ftlichelsen. Arbeiter-Aejirksverein für de« Wen Aerlins. Zur Ablieferung der Beiträge find folgende Zahlstelle» erttchlet: bttm Kaifirer Albert Berger, Steaujiderg-r-Straste 27 Ii, Wochentags von 1. 2. Stransiberger-Straße 27 II, Wochentags 7— 9 Uhr Abends, Sonntags von 9—12 Uhr Vormittag»; bei Herrn Tischlermeister jeder TageSzttt. Di: Mitglieder werden, in Hinsei« brauch von den Zahlstellen zu machen. »nl Langer, Lange-Straße 79, parterre, zu [1961 auf Z 6 de» Vereinsstatutt, gebeten, fleißigen Ge- Der Vorstand. Dercill M Ulthrmi dn Mereft» der kliimerardeiter. Heute, Sonnabend, den 19. Juni, Abends 8% Uhr, Bersammlung ■n Gratweil'« Bierhalle«, Kommandanten- Straße 77/79(untere Säle). Tagesordnung 1. Endgiltiger"Beschluß über die Arbeits. losen-UnterstützungSkaffe.[1954 2. Umgehung de» Krankenkassen- Gesetze» einzelner Fabrikanten. 3. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Ceutral-Araukeu-nnd Sterbekasse der Aschler u. s. w (Lettliche Verwattung Kerlin 13.) der Mitglieder am Montag, AbendS 8 Haupt-Tagesordnung: beamten. Buch legitimirt. Abend» 8 Uhr. Neuwahl 21. Juni, der Otts. [1935 /chotmil der Amtlägel. Eine anßer-rdentliche Mitglieder-N fammlnng findet Sonntag, ven 20. Ii er uni, bei Scheffer, Jnselstraße 10, statt. Tagesordnung: 1. Jährlicher Kassenbericht. 2. Berichterstattung über die Thängtett de» Verttn». 3. Wahl deS gesam arten Vorstandes. Innere VereinSangelegmhttrm.[1952 Verein int Wahrung der Interessen de« in der Hursadritation beschäftigte» Arbeiter. 5, den 2l Juni, AbendS 8 Uhr, Montag.__ ..«rfammlnn» btt Siemund, Ltntenfir. 8. T.-O.: 1. Vottrag de» Herrn Rechtsanwalt S ch ö n s e l d über Kündigungioetträge gewerb- licher»rdetter. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten.— Die Mitglieder werden auf §5 deS Statuts aufmerksam gemacht. G57] Der Vorstand. Ärbetter- Se)irks. verein der vosenthaler Vorstadt. Sonntag, den 20. Juni, Vormittag« 9 HHr, btt Schramm. Hochstraß: 32a: Frühschoppen- Um zahli eiche Betheiligung werv ersucht-� aaren-Gesch� «mtn- Ur Ich empfehle mttn von selbstgefertigten »Inder.!'" stellun wwte�W Zttt prompt ausgefühtt. Anton Woyack,5]iüacr�3 �RoÄeKreuz-Lotterie cß/ älooslMank "w Ziehung 28-30 Juni d.j i ' w v zienung zö-äüjunifl.j jjjl Rinder-Heilstätten rä Lotterie Ä Hospiz„Zioppot älodslMank Ziehung 7 Juli 1886 , Uitb.NVbrödcr i �'Mar>kgrafensfP.46. —, JjL.(Gen Jarmer." j"il) M o //ms/ Mark. Die Buchdruckeret MAX BADI# BERLIN S W., Beuth-Str. 2 empfiehlt sich rar,_.i«ij Anfertigung von Druckarbe' jeder Art bei prompter und billiger Bedien" Kosten-Ancehläge und Paplerprobeo � und franco. Arbeitsmarkt. Arbeiterinnen auf Damen.Paleto» Franke vtttzerftraße 33, IV, Sange Mädchen, die daS Bluw-n erlerne» wollen, können fich melden v V.»last. Reichendergerft�Sb�-� Tftvlleh: beselliges Zusammensein w dm„zandsberger Ki-rhalle«". LandSdergerstraße 82. Saal u. Zimmer für Vereine u. Versammlungen. 727] Jacoby. Der unentgeltliche � Nachweis der �.. Klavierarbeiter befindet fich Skalcherftr- Stramm. i» V-rantwottlicher Redatteur 9L Cronheim In Berlin. Druck und Verlag von Max vading in Berlin aw„ Beuthstraße 2. Hierin i Beilage zum Berliner Bolksblaü. Kr. 140, Sonnabend» den 19, Juni 1886. Hl ZaMc Die Renmjsme iw Kuastgmerde. Gegen vai gedankenlose Kopiren der Kunstwerke der Renaiffanceperiode, überhaupt gegen den übertriebenen Kultui bei RmatffarcestqleS wendet fiit, in der in Frankfurt erschet- «enden„Zeitschlift deS mitteldeutschen KunstgewerbeoereinS" h. E. v. Berlepsch in München, dessen Aufsatz wir folgende Stelle entnehmen: „Wir sollen binnen wenig Jahren alle? das aufgetischt bekommen, woran in der EntstehungZzeit Menschenalter der Arbeit verwendet wurden; wir sollen mir nicht? dir nichts den Katechismus auswendig lernen, den unS ein paar eelf-made Priester aufzwangen. Nein! Gerade diejenigen, die am meisten für den„neuen Styl" schwärmen, ihn den„unseren" nennen, ali wären fie Milchmüder der großen Cinquecenlisten, sse find's, die den ersten Nagel hämmern zum Sarge, in dem die„deutsche Renaissance"(ich bediene mich deS landläufigen Ausdrucks) ruhen wird, unabweiSlich ruhen wird, wenn nicht Elemente mit ihr verbunden wwden, die eine Rückkehr zum Studium der Formen ermöglichen, wie ste die Natur giebt, aus der wir ja doch einzig und allein schöpfen können, ohne je fertig zu werden. ES steht außer allem Zweifel, daß Werke, wie G. Hirth'S Formenschatz der Rcnaiffance, von epochemachender Bedeutung für die Entwickelung deS Kunstgewerbes find und ein wahres Verdienst in fich tragen, jenes nämlich, wahrhaft vasstsche Ätfiungen durch eine wohlfeile VervieltälttgungSweise aller Welt zugänglich zu machen, ebenso andere Publilationen der« selben Verlags anstatt. Sie haben entschieden dazu gedient, «inen fruchtbaren Samen hinauszutragen nach allen Rich« wngen. Das ist aber nur der eine Theil zu den Bedingungen einer gesunden Wetterentwick-lung. Der andere heißt:»Selbst- ständiges Studium, das fich seine Formen nach der Natur iu bilden sucht." Wir verwenden überall in der Ornamentik thierische und menschliche Gestalten oder Kobinationen beider; warum sollen mir im vegetabilischen Ornammt nicht auch zurückgreifen auf die Natur, die an direkt verwendbaren Formen ja so un- endlich reich ist? Sollen wir immer und immer den AkanthuZ aufgetischt bekommen, der nun in Golk# Namen doch ein, wenn auch noch so schöne#, doch nicht unserem Boden ent. svrossencS Gewächs ist! Sollen die trefflichen Behaim'schen Ornamentstiche und verwandten Schöpfungen ganz allein die maßgebende Richtschnur sein? Sollen wir immer und ewig den unverstandenen, unwahren Landsknecht, Pagen, Ritter, Edelmann auf unseren KunstveretnS« Ausstellungen zu sehen bekommen über deren mondscheinsüchtigem Aussehen mit dem sentimentalen Zug fich da# ganz« sechzehnte Jahrhundert billig verwundem würde, könnte eS ste schauen. Sollen wir jenen Enkeln gleichen, die, weil der Urahne ein tüchtiger Kopf war, bei dem beharren,«a# er that, ohne weiter zu bauen?— Nein. Wir wollen keinen alterthümelnden Abklatsch einer Zeit, die mehr künstlerischm Geist und mehr Können besaß alz die unselige, wir wollen das Wesen jener, die für Zeit und im Geiste ihrer Zeit schafften, kennen, adn nicht schlechtweg kopiren, sonst gehl'S mtt dem wie mtt dem Antiquitätenhandel, in 7� heute Porzellan#, morgen Elfenardetten und �morgen waS andere# die gesuchte Waare bilden. Schaue 2"« die selbstständigen. dm Bedürfnissm unserer Zeit ange« weffentn Entwürfe eine# R. Seitz, Barth, Stuck, veder an er wird fich sagen, daß die auf dem recht.n Wege find; Z.°nn ebenso wie die Architettur unserer Tage in Bezug auf g«. walte oder plastische Gliederungm andere Ledingnisse stellt, & % WM J&a A«T« Ä"e Wildsau erlegt wird, so daß der Sitzende in allernächste «ttühruna mtt einer wilden Kampfszene kommt. Wenn'# auch Holter- uioa ves„eajicn wu»icyiiiD u-tuv»•>„«, den konstanten «ammerschein dunkel getäfelter Zimmer, weil'# ebm ein„alt- deutsche# Zimmer" vorstellen soll, dessen undurchfichtige Butzenscheiben von weitem jeden Vorübergehmdm künden: »vier wohnt ein kunstliedender Mann, der in deutscher Re« "wssance macht." Die Alten sollen unsere Lchrmeister sein, Ich habe einen Tenor enldeckl! (AuS der„Wiener Allgemeinen Zettung".) . Seit Zahrm verbring« ich ein paar Woche» meiner Mcklichen sommerlichen Muße in dem idyllische« Tegernsee, ? der ehrlichsten Abficht von der Welt, mich mit nichts zu Mchäftigen, was mit meinem Berufe zusammenhängt. Gabe � plötzlich Krieg, so wäre ich wahrscheinlich darauf ange- Jessen, c# durch den Kellner im„Tegernseehof" zu erfahre«. ßd wen« fich mir dennoch ei« kleine# Abenteuer, da# der Mlung vielleicht nicht unwerth ist, aufgedrängt hat. ist da# ein wahrer Zufall, de» rch wahrlich n,cht auf« »isucht habe. . Es war im vorige« Sommer. Der Nachmittag war Jfiß und erst als die Sonne fich de« Bergspitze« näherte, r# ich aus dem Saus, um meine« abendliche« Svaztergang L wache». Ich wanderte über da# freundltche Egern am wem (jKW&M M selber a« einem munter« Schnadahüpfel zu ver- schien; „Wen« ich aufsteh' um fünf«, Da bild' i mir ei», Zum Teufel, jetzt muß do Bald Feierabend sein." Und«ach einer kleine« Weile Hub der unsichtbare Sänger j«, in der originellen Art und Weise, wie fie schufen, aber wir wollen ste nickt schlechtweg kopiren. Unsere Kostümfest« sollen mit vollem Recht den Glanz und die Pracht vergangener Zeiten vor Augen führen, aber wir wollen diese Gestalten nicht in einem fort al# Musterpferd vorgeritten haben. Man schaue, ob man in einer Bahnhofshalle in dem weiten eisernen Hängewerk irgendwo einen Anlauf finde, die eisernen Konstruktionen künstlerisch zu gestalten! Man sehe unsere Waffen an, ob fie— ganz vereinzelte Fälle ausgenommen— auch nur im entferntesten daran erinnern, daß gerade an diesen Gegenständen vergangene Jahrhunderte ihre Pbantafie offenbarten; man betrachte unsere Eisendahnwagen, ob fie auch nur an einer kleinen Ecke das Bestreben verrathen, au# ihnen etwa# andere# zu machen als fahrbare Kasten! W iS unser Kunstgewerde vor der Hand noch auf unstcherer Bast# ruhen läßt, da# ist die Unselbstständtakeit, der Verlaß auf bereit# Vorhandenes. Wer fich davon überzeugen wollte, brauchte nur die Nürnberger internationale Ausstellung von Arbeiten in edlen Metallen und Legirungen anzuschauen, auf der ein stylistischer Wirrwarr fich stellenweise breit machte, der in seiner bunten Viclköpflgkeit an das ehe- malige deutsche Reichtheer erinnerte. Das Unstchere de# BodenS, auf dem wir stehen, dokumentirte fich demjenigen, der es sehen wollte» im vollsten Maße, ebenso die gewissen- lose Maffenproduktton, die da gedankenlos ihr Zeug in die Welt hinaus chleudert, wenn's nur verkauft wird, gerade so, wie man einmal angefertigt« KlicheeS bald als Zierleiste einer Speisekarte, dann al# Echlußvignette einer Traueranzeige oder auf den Düten einer Zigarcenhandlung findet. Sic find da, ergo müssen fie benutzt werden, und wer diese Raison nicht versteht, nun der versteht eben da# Geschäft nicht, da# man mit der Kunst unter dem Deckmantel der Popularistrung der» selben treibt."_ Kokaies. Neue Stadtbrief» Beförderung#- Anstalt. Mit dem 19. d. M. eröffnet der Verein„Hansa" eine Stadtbrief. Beförderung#. Anstatt. Der gewöhnliche Stadtbrief(geschloffen) kostet 3 Pf., während offene Sendungen» Druckfachen und Karten mit 2 Pf. durch ganz Berlin defördert werden. Bon 50 Stück an treten Preisermäßigungen ein. Zur Bequemlich« keit de# Publikum# werden 500, durch Plakate kenntliche An- nähme und Markenverkaufsstellen in allen Thcilen der Stadt errichtet. Die Vormittag# eingelieferten Sendungen werden am Nachmittag deffelden Tages, die Nachmittags und Abend# eingelieferten Sendungen am folgenden Vormittag bestellt. Nach Bedarf tritt eine Vermeh'ung der Bestellungen ein. Ein Briefoerkehr mit den Vororten Charlottendurg, Rixdorf, Pan« kow zc. findet durch die Gesellschaft nicht statt.— Uebrtgens ist auch dem Magistrat von einem ehemaligen Postprakttkanten ein Vorschlag zur Errichtung einer Konlurren,. Anstalt der Retchspost zugegangen. Es heißt da u. A.: Durch diese An- statt sollen innerhalb Berlin# Zeitungen, Briefe, Postkarten, Waarenproben und Drucksachen befördert werden, und zwar zu folgenden Preis«: Briefe und Waarenvroben 5 Pf., Postkarten 3 Pf., Drucksachen im Gewicht von 500—1000 Gr. 10 Pf„ dito von 250—500 Gr. 5 Pf„ dito bis zu 250 Gr. 3 Pf. Bei Etnlieferuna von über 100 Stück 2 Pf., dito von über 300 Stück 1 Pf. Zeitungsdestellgeld pro Nummer 1 Pf. Bei Bezahlung von monatlichem Bestellgeld wird die Summe kaufmännisch abgerundet, darf jedoch nicht weniger als 5 Pf. betragen. ES laffen fich zwar Bedenken sowohl ju- ristischer al# auch materieller Natur gegen eine derartige Ein« richtung geltend machen. Jndeffen, waS die elfteren anbetrifft, so können nach§ 1 de# PostgesetzeS Briefe und Zeitungen po- litischen Inhalts gegen Bezahlung auch durch P.ioatpcrsonen befördert werden, falls die Entfernung nicht mehr al# eine Meile beträgt. Da es sich bei dem neuen Unternehmen nur um Beförderung von Versandtgegenständen handelt, die in Berlin aufgegeben und nach Berlin gerichtet find, so find ge- seylich begründete Einwendungen nicht zu machen. WaS nun den Zweifel an die Einträglichkeit des Unternehmen# anbe- trifft, so steht eS ja fest, Laß speäell in Berlin Attien-Gesell- schatten schon mehrfach mit der RetchSpost erfolglos konkurrirt haben. Indessen liegt wohl der einzige Grund deS Mißlin- gens darin, daß nicht die nöthigen Kapitalien aufgebracht wurden, um bei niedrigen Portosätzen Gleiche#, ja sogar noch „Was thust denn so schaug'« Und waS stehst den« so da! Z moa» bald, du bettelst mir No oane al" Ohne eine« besonder« Uebergang sang er da«« etwa# leiser, als wäre er nebenher mit etwas beschäftigt, die Weise de# bekannte« „O du himmelblauer See..." für fich hin, und die melancholische Klage, die bei aller Be« trübuiß doch so hell und so freudig klingt, ging mir zu Herze«. Plötzlich brach er ab, ich hörte lebhaft spreche», e# war mit dem Gesang zu Ende. Da# ist ei» GesangSphänome», sagte ich mir; die Bauernhütte vor der Du stehst, verbirgt eine« ländliche» Götze oder MierzwinSki. Zst den« kein Pollini da? Der Mann muß„entdeckt", er muß an'# Tageslicht gezogen werde«. Die deutsche Oper befitzt heutzutage eine groß« Anzahl von leuchtende« Größe», die einst im Begriffe stau» de«, ihre« Beruf zu verfehle«; e# giebt Offiziere, die ftet» willig ihre» Degen hingegeben habe«, Kaufleute, die vo« ihrem prosaische» Schreidfitz herabgehüpft find, Schutzmänner, die fich ihrer imponirenden Dienstaewalt entäußert, Droschken» kutscher, die fich vo» der Höhe ihre# Bocke# herabgeschwun« gen habe», um dem in ihrer Kehle schlummernden hohe» C vor den Zeitgenossen Geltung zu verschaffe»,— ein Tenorist au# der rustikale« Sphäre, da# wäre neu und pikant— da# wäre ei« Wunder I Meine Eitelkeit ergötzte sich an dem Gedanken, daß ei» leiser Schimmer seine# Ruhmes dereinst auch auf mein Haupt falle« werde; ich sah mich im Geiste mtt ihm vor unserem General-Zntendante» Herr« von Hülsen stehe«, ihm mit gerechtem Stolze meine» kost» bare» Fund übergebend. Mtt diese« Gedanke« beschäftigt, gerieth ich«ach weni- ae» Schritte« an die Schmalseite des Bauernhause«; eine Frauensperson i« mtttlere« Zahren saß davor und schnitt Gemüse zurecht; die irdene Schüssel i« ihrem Schooß war bis zum Rande gefüllt und auf der Bank lag nur noch ei» Häufchen Bohnenschoten, die ei» etwa fünfjährige#, bar» süßigeS Büblei» spielend durch die Finger gleiten ließ. Ich «ahm die Gelegenheit wahr, mich de» Leute» unauffällig zu Bessere# zu leisten, al# die ReichSpost. Abgesehen von der bereit# bestehenden und auch vrosperirenden Briefbestellung seitens der Magistrat# boten, ist noch anzuführen, daß in Amerika, z. B. New Dorf, nicht eine, sondern mehrere Kon» kurrenz- Anstalten der staatlichen Briefbeförderung existtren. Die praktischen Amerikaner würden ficherlich diese Anstalten nicht bestehen laffen, wenn fie nicht lukrativ wären. Fretich ist der Kapitalaufwand ein ziemlich dedeutender. ES wären zur ersten Einrichtung 500000 M. erforderlich und die Geschäftsunkosten würden fich jährlich auf eine Million Mark belaufen. Indessen allein das Bestellgeld für Zettungen politischen Inhalts würde ziemlich zwei Fünftel der Geschäftsunkosten decken. Nimmt man nun noch an. daß wenigsten# die Hälfte der bisher durch die ReichSpost versandten Gegenstände durch die neue VerkehrSetnrtchtung defördert wird und addirt das Porto dafür zu dem ZettungSdestellgelde, so verzinst fich da# Anlagekapital schon in den ersten Jahren mtt 10 di# 20 pCt. Bei dieser Berechnung ist unberückstchtigt ge» blieben, daß die Unkosten, welche dem Magistrat für die Altenwagen, Magistratsbriefträger ic. erwachsen, ohne Weitere# wegfallen würden, auch daß nach einigen Jahren Rellam«» Unkosten nicht mehr nothwendigIwären, ebenso ist die Hebung deS Verkehr#, welche jede Verbilligung der Transport» kosten nach fich zieht, nicht in Betracht gezogen. Der ZinS» fuß würde fich mithin sehr bald noch viel höher stellen. Außer diesem direkten Vorthetle würde dem Magistrat auch noch ein indirekter erwachsen. Eine Erleichterung de# Ver» kehr# zieht eine Vermehrung de# V-rkbr# nach fich. eine Ver» mehrung de# Verfehl s bewirft ein Wachsen des Vo.kSwohl» stände# und mit dem Wachsen de# Wohlstandes wächst die Steuerkrast de# Volke#. Gerade die Einwohner Berlin# tragen einen ungleich höheren Satz zu den von der R-.ichspost abge» lieferten Ueberschüffen bei, al# die Bewohner aller anderen Städte Deutschlands, weil ein Siadtbrief in Berlin 10 Pkg., in jeder andern Stadt aber nur 5 P»g. kostet. Auch für nicht gerade allzu bedeutende Geschäfte ist die# immerhin eine Mehr» auSgabe von mehreren hundert Mark jährlich. Nach diesen Ausführungen laffen fich die Vortheile de# geplanten Unter. nehmen# dahin zusammenfaffen: 1) Erleichterung der Steuerlast durch die erzielten Uederschüffr 2) Hebung de« Wohl» stand«# der Bewohner Berlins, womit eine Füllung de# Stadt» säckel# in Folge de# Mehreinkommen# an Steuern verbunden ist. 3) Abwälzung de# ungerechtfertigt großen Beitrage#, wel» che» speziell die Berliner Einwohnerschaft bis jetzt leisten mußte» zu den von der Poftoerwaltung an die ReichSkaffe adgelieferten Ueberschüffen. AuS diesen Gründen ist eS gerade für die Bcr» liner von Interesse, daß ein solche# Unternehmen in Kraft trete. Auf der Höhe der Sitnatio». Gegenüber den Klagen der Mantelnaherinnen wurde seiner Zeit mehrfach darauf hin» gewiesen, daß diejenigen Näherinnen, die nicht im Stande wären, fich durch Mäntelnähen zu ernähren, besser daran thäten, fich al# Dienstboten zu vermiethen, wodurch ihnen ein reiche# Feld zur Verwertbung ihrer Arbeitskraft erschloffen, während andererseits die überfüllte Mäntelbranche zum Bestem aller von Ardeitskläften entlastet würde. Ihre Arbeiterinnen Schritt für Schritt auf da# angedeutete Gebiet hinüderzuführen und fie nach und nach an die ste dort erwartende Thätigkett zu ge» wöhnen, scheinen fich verschiedene Herren Schneidermeister zur Aufgabe gemacht zu haben, indem fie ihre Näherinnen zu manigfachen Dienstleistungen heranziehen, die ihnen durchau# nicht zukommen. Den Gipfel der Unverfrorenheit in dieser Beziehung scheint bi# jetzt ein hiestger Damcnmäntelschneider» melster erreicht zu haben. Wie un# von einer bei demselben beschäftigten Näherin mitgetheilt wird, müssen abwechselnd de# Sonnabends in jeder Woche bei Verlust der Arbeit in der Wohnung des betreffenden Schneidermeister# zwei seiner Ar- beiterinnen erscheinen und— die Fenster putzen! Um fich nicht der Eventualität auszusetzen, die Arbeit zu verlieren, welche bei dem betreffenden Arbeitgeber immer vorhanden ist, wenngleich nur schlechte Löhne gezahlt«erden, so— werden regelmäßig die Fenster geputzt! 1909 Geisteskranke hat gegenwärtig die S'adtgemeinde Berlin zu versorgen, von denen 1247 in der Ar statt zu Dall» dorf untergebracht find und die übrigen auf Kosten der Stadt fich bei Privaten in Pflege befinden. Von den Kranken find 45, nämlich 30 Männer und 15 Frauen, wegen ihrer Handlungen straftechtlich verfolgt worden, mußten aber wegen ihre# Geisteszustandes außer Verfolgung gesetzt werden, 5 davon da# rostige, die ihr da# näher» und da mei« zukünftiger Schützling gerade wieder, i« die alte Melodie verfallend, eine« Bierzeiligea: „Zs Manche scho' alt Und bleibt schön bis zum Sterb'n, Drum hoaßt'S: Schöne GlaSl Die geb'n schöne Scherb'n I" mit seiner helle«, kräftigen Stimme gesungen hatte, war di« Anknüpfung eine ungesuchte. „Grüß Gott!" sagte ich, auf die Bäuerin zutretend. „Grüß Gott l" gab sie zurück, fich— vielleicht dem Fremdling zu Ehre»— mit der äußeren Handfläche über die Nase fahrend und hierauf die Hand an ihrem Rocke au# mattblauem, verwaschenem Barchent reibend. „A scheener G'sang", begann ich. „Z moa«'# a", erwiderte die Frau, stumpfe Messer an die letzte» Schote« setzend, Bübchen hinreichte. „Wer i# den» dö», der da singt?" „Wer soll'# den« sei', der Maftel." „Wer is den« der Martel?" „Mei Bruader.— A ja, finge« kann er, der Pfarrer hat scho» alleweil g'sagt, daß sie'# i» München«it scheener können." „Da hat er a Recht, der Pfarrer,— aber schad' is, daß er mit der schee»' Stimm'»ix anfangt." „Was soll er den« anfange«, singt ja eh de« ganze» Tag," erwiderte die Frau. Ich wagte e# nicht, gleich meine» Plan auszukramen, e# hieß vorsichtig fein und vielleicht hing eS gerade vo» ihrem Entschluß ab, die Verwirklichung meiner Ansichte» zu förder». Bauer» sind mißtrauisch, häufig nicht ohne Grund. Es trat eine kleme Pause ei«, dann faßte ich Muth und antwortet«:„Z moan halt, wer a scheene Stimm' hat, der kann fie hör'« lassen, na, und was qlaubi's den», was er da damtt für a Geld verdiena könnt'?..." Die Bäuerin stellte die Schüssel mit dem Grünzeug auf die Bank und wehrte den kleine» Bube«, der eine Heuschrecke gefangen hatte und fich neckend nahte, mit einem zürnende«„Geh' weiter, dummer Bual' und einer (3 Männer und 2 Frauen) find gewohnheitsmäßige Verbrecher, dt« ihre Freiheit sofort zu den rasfintrtest:» Gaunereien de- nutzen würden. Ihre fichere Unterdrinaung in Dalldorf bat besondere Echwieriglriten verursacht und die zeilweiligen Ex- kurfionen deS Einen oder Andern dieser gefährlichen Gesell- schaft find von den Zeitungen oft genug gemeldet worden. Im Ganzen verthcilt fich die Zahl der in öffentlicher Pflege befindlichen Geisteskranken Berlins auf 957 Männer und 952 Frauen. Rechnet man hierzu die noch immerhin sehr beträcht- ltche Zahl der auf Prioatkoiten verpflegten Geisteskranken, kso ergiebt fich eine Verhältntßzahl sämmrlicher I ren zur Ge- sammtbevölkerung von weit über 1 pro Rille. Wer die Geisteskrankheiten als eine Folge erschwerter Existenzbedingun- gen arffaßt, der wird au» der ungemein hohen Ziffer dieser Rranlheil zu dem Schlüsse kommen mliffen, daß die Existenz- dedingungen in Berlm ganz besonder» erschwert find. Wie groß«oÄ immer da» �uteresse ist, welche» da» Publikum bei dem Vorgehen de» Verein» der vereinigten Ber« ltner Sargfabrikanten hat, trat auch in der gestern Abend stattgehabten Versammlung im Restaurant„Alt-Verlin", zu welcher mehrere Gäste erschienen waren, klar zu Tage. Eine Frau Schicht ließ mittheilen, daß bei der am 30. Mai vom städtischen Krankenhausc aut erfolgten Beerdigung de» Bürsten- macher» August Beck 4 Lcichenträger bei dem Küster der St. Georgen-Ktrche destellt und die Liquidation für 4 Träger bezahlt worden sei. Nicht» desto wenige»! erschienen aber nur 3 Träger, die außer Stande waren, den Sarg zu tranSportiren und mußte nunmehr der Leichenkutscher, sowohl beim Heraus- heben de» Sarge» auf den Wagen, al» auch auf dem Kirchhofe behilflich sein. Da nun aber derartige Unzuträzlichkeiten hauptsächlich bei der vt. Georgen'Gemeinde vorkommen, so liegt also eine Schädigung de» zahlenden Publikum» vor, die man im gewöhnlichen Leben mit Recht„Unterschlagung" nennt. Bei der Anzahl der Reserve Leichenträger find derartige Vorkomm- niffe in der That unbegreiflich, zumal die Reserve-Leichen- träger, wie die» besonder» in der Versammlung hervorgehoben wurde, fich darüber beschweren, daß fie nur al» Reserve auf dem Papier aufgeführt stehen, in Aktion aber im Jahre nur 2 bii 3 mal treten. Der Schriftsüdrer machte die Mittheilung, daß er bereit» unterm 7. Juni an da» Konfistorum geschrieben habe und auf Grund der gegen den Küster Müller vorliegenden, mit Beweismittel ge« nügend unterstützten Thatsachen Namens de» Verein» die Be- strafung des Küster Müller beantragt habe, da bisher auf wiederholten Antrag bei dem Gemeinde> Kirchenratd der St. Georgen- Gemeinde noch kein Bescheid eingegangen sei. Herr Prediger Dohm» habe darauf folgende» Antwortschieiden ge- sandt:„Auf Ihre Beschwerde ohne Datum(Datum und zwar 27. Aprrl und 12. Mai waren wohl angeführt!) benachrichtigen wir Sie, daß unserem Küster aus» Strengste jede Empfehlung von Sargfadrikanten untersagt ist, insbesondere aber die der Beschwerdeführer, wegen Benachtheiligung der Kirche, und wir um so mehr die Befolgung dieser Vorschrift voraussetzen müffen, al» unser Küster die von Ihnen in der Beschwerde an- geführten Angaben sämmtltch als nicht zutreffend erklärt hat. Gemeinde- Kirchenrath zu St. Georgen. F. Dahm».— Es soll, bevor der Küster Müller vielleicht Veranlaffung nimmt, fich au»„Gesundheitsrücksichten" penfioniren zu laffen, schleu- nigst da» Konsistorium nockmalnlersucht werden, die schwebenden Angelegenheiten auf da» Strengste zu untersuchen, eventuell soll ein Gesuch an den Kultusminister gerichtet werden, und wurde der Schriftführer beauftragt, diesdezüglrcht Schritte schnellsten» ein,ul»it-n. Da» Hau» Mühleudamm 12/13, Ecke de» Fischmarkte», wurde gestern meistvietend auf Abbruch verkauft. Daffelbe brachte ganze 135 Ä. Der Abbruch ist nämlich eine kivliche Sache, da der Giebel stehen bleiben muß, well sonst da» Nach- dar hau» nachsällt. Man hatte Keffer gelhan. die ganzen Buben auf ein Mal abzureißen. Die Häuserschlächter sahen den Kauf al» ein Vadavque-Spiel an; einer derselben meinte, er würde die Sache nicht übernommen haben, wenn man ihm noch 500 M. dazu gegeben hätte. Dte rothe««uschlagzettel. Vor einer Reihe von Iah. ren wurde seitens der Behörden die ganz unzweifelhaft zweck- mäßige Anordnung getroffen, daß nur die amtlichen Anzeigen auf roihem Papier gedruckt werden sollten. Dadurch sollte die Aufmerksamkeit de» Publikum» in einfacher Weise auf diese Anzeigen gelenkt werden, aber dieser Zweck kann nur erfüllt werden, wenn nur wirklich amtliche Anzeigen— sei es der städtischen, sei es der königlichen Behörden— auf solchem Papiere gedruckt werden. DieS ist aber leider, wie ein Blick auf die Anschlagsäulen zeigt, nicht der Fall, wenigsten? glauben wir nicht, daß jede Anzeige deshalb, weil fie von einer königlichen Behörde erlaffen wirb, auch ohne weitere» als eine amtliche bezeichnet werden kann. Die» gilt ganz speziell von den Anzeigen, welcke die Eisendahn- Verwaltungen in Bezug auf Extrazüge und dergleichen ver- öffenttichen. Dies find reine GeschästSan, eigen und der Um- stand, daß seit ver Verstaatlichung der Eisenbahnen diese von Staatsbeamten verwaltet werden, kann doch unmöglich den Anzeigen einen amtlichen Charakter in dem Sinne geben, daß die Aufmerksamkeit drs Pudllkum» auf fie gelenkr werden muß, entsprechende« derbe« Handbewegung ab. Dan» kehrte fie zu unserem Gespräche zurück. „Geld verdien«, o mei', wa» hat er scho' im Wirthshau» g'sungen, aber was kummt denn da z'samm'— a Pfeifen haben'» ihm g'stifr' zu sein' Namenttag und a Maßkrügel mtt ein' g'mal'ne« Deckel..." ,Zm Wirththau» soll er a«et fingen— ich moan, ganz wo ander»— im Theater!* setzte ich, meine Schüchtern- heit bekämpfend, hinzu. Dies war da» entscheidende Wort und e» kam darauf an, wie e» aufgenommen würde. Zch forschte in ihrer Miene. Martel» Schwester sah mich ungläubig an, fie begriff offenbar noch nicht recht, wie da» gemeint sei, aber ich war ermmhigt und fuhr fort:.Er müßr' halt«o tüchn' lern«, aber d' Hauptfach' i» die Stimm'— die scheene Stimm' I Die i» viel werth und e» i» a reine Süad', daß er'» nit ausbild't." Die Bäuerin hatte inzwischen offenbar insgeheim de» Ge- danke« der Rentabilität de» Handel» verfolgt, denn fie begann: „Es wär eh recht, wen» er mehr verdienen thät, dö Steuern sa» so viel hoch und man b'halt n x übrig. E» ist nur die Frag', ob er mit will; er ist halt so viel eing'wöhnt, g'acht in Rottach." Zch bemühte mich, der Frau eine« Beg'iff von de« Vortheile» de« Tausche» beizubringen. Al« ich die Werth- schätzuvg, die begabte Sänger in der Opernwelt finden, in den Ziffern der übliche« Gagen ausdrückte, sah sie mich an wie eine» Märchenerzähler. Aber so unglaublich ihr meine Mittheiluvge« auch erscheine» mochten, so waren dieselben doch geeigret, für meine Propofitioa zu spreche». „Za, ja, ja," sagte fie mit nachdenklichem Ernst,.i moan, sei« Glück wird er do«et an»'» Weg geh'» woll'n, gelt? Und wann aus ein' Menschen was werd'n kann, war'» do a reine Süvd', wann er»et Za und Amen sagen thät. Döt Best' ,st: Zhr redt's mit ihm selber..." Sre erhob fich und trat ,n die Thür«, an deren Pfosten sie sich beiders-its stützte, und de» Körper etwa» vorneigend, rief fie zwei Mal:.Martel I" Zch blickte ihr über die Schulter, aber e» war finster weil jeder fie al» Bekanntmachung einer zuständigen Behörde lesen muß. Wir würden über den Gebrauch der rothen Plakate zu solchen geschäftlichen Anzeigen keine Mißbilligung aussprechen, wenn wir nicht der Anficht wären, daß dadurch der Zweck deS Vorbehalts der rothen Farbe vereitelt und daS Publikum gleich- gillig gegen solche Anzeigen gemacht wird. Nach Mittheilung deS Stattstischen AmtS der Stadt Berlin find bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 6. Juni dt» inkl. 12. Juni er. zur Anmeldung gekommen: 263 Eheschließungen, 864 Lebendgeborene, 31 Todtgeborcnc. 644 Sterbesälle. Die Markus-Straße, vom Grünen Weg einschließlich de» Kreuzdamme» bi« zur Wallner-Theaterstraße ausschließlich de» Kreuzdamme», ist behufs der Umpflastemng bis auf Wei- tere» für Fuhrwerke und Reiter gespent. Der am 1. Juli d. I. begtuneude Umzug muß bei kleinen, au» höchsten» 2 Zimmern nebst Zubehör bestehenden Wohnungen an demselben Tage, bei mittleren, au» 3 biS 4 Zimmern nebst Zubehör bestehenden Wohnungen, am 2. Juli, Mittag» 12 Uhr, bei großen Wohnungen am 3. Juli de- endigt sein. Eine für daS Publikum sehr bequeme Neuerung hat die Direkt ion der Großen Berliner Pferdebahn- Gesellschaft an einigen neu eingestellten Wagen anbringen laffen. Bisher öffnete sich die Schalterklappe an der Thür de» Vorderperron» halb nach innen und nach außen, waS oft für die an der Thür vorn stehenden Fahrgäste recht unangenehm war. Da» ist jetzt derart geändert, daß dte Klappe fich ganz nach innen öffnet und die vor ihr steher>den Personen nicht mehr belästigt. Der Maurer K.Milke, der frühere Verleger deS„Bau- Handwerker", ist gestern aus Berltn ausgewiesen worden. Bi» Montag Mittag muß er Berlin verlaffm. Die Frau des AuS- gewiesenen erwartet jeden Augenblick ihre Niederkunft und wurde Herrn Wille bed'utet, daß er auf Gmnd deffen beim Polizei Präsidium um Urlaub nachsuchen könne. Herr Wille wird hierauf jedoch verzichten.— Von einem Berichterstalter erhalten wir noch folgende Mtttheilungen: Von einer polizet- lichen Durchsuchung wurde Freitag früh die Druckerei des „Bauhandwerker", in der Elsafferstraße hierselbft, überrascht. Gegen'/»II Uhr erschienen eine Anzahl von Beamten der politischen Polizei mit einem Kommiffar an der Spitze und von dem letzteren geleitet begann die Haussuchung; sämmtliche in der Offizin vorgefundenen Exemplare der Nrn. 22, 23 und 24 de»„Bauhandwerker" wurden mit Beschlag belegt. Den in der Druckerei zufällig anwesenden früheren Expedienten der genannten Z-iischrtft, Maurer Wille, erklärte der Kommiffariu» für vnhai'et. Sofort nach dem Molkenmarkt tranSportirt, ward dem p. Wille seine Ausweisung»- Ordre zu Theil, jedoch ward ihm gleichzeitig eröffnet, daß er nicht, wie die» gewöhnlich ge- fordert, innerhalb 24 Stunden B-rltn zu verlassen habe, son- dem daß ihm ausnahmsweise hierzu bis Montag Mittag Auf- schub gewährt wurde. Wa» ew kleine» Gut in der Umgegend Berlin« werth ist, resp. mit der Zeit werth sein wird, kann fich Jeder ausrechnen, wenn er erfährt» daß steben Koffäthm, denen die Schörederger Wiesen gehören,— Über welche noch vor Kurzem der Schwarze Graben„keine" Wohlgerüche verbreitete, und auf deren zugigen Eit flächen man sich im Winter beim Schlttt- schuh>aufen mit töbtl cher Sicherheit den Schnupfen holte,— pro Quadratruih? 700 M. geboten find. Da nun jedem dieser Glücklichen in dieser Gegend gegen drei Morgen Lind gehören, so kommen in runder Summe auf jeden 40OOOO M.— für einen kleinen Theil seine» Befitzes.— Zwar ist der Baugrund daselbst ein nicht besonder» gesunder-trotzdem rücken dte Häuser- rethm Berlin», wie die aller großen Städte, gleich einer tapferen Armee, die fich auch durch Sümpfe und Gräben nicht aufhalten läßt, nach Westen vor. Da«„barometrische Minimum", jener unwillkommene Besuch, der dte Welt durchzieht und seine Spuren in Regen« güffen und Kälteansällen hinterläßt, hat fich nach den meteoro- logischen Beobachtungen gestern häuslich in Berlin ntederge- laffen. Der B rometerstand in Berlin war um 1 Uhr Mittag» — dem letzten Moment, dm da» Künstlerkomitee vom Au»« stellungSfefte für seine Entschließungen fich vorbehalten hatte— 751, d. h. niedriger alt sonst irgendwo zu derselben Zeit in ganz Europa. Nur MoSlau und die Insel Sylt kommen un» mit 752 nahe, sonst sah e» überall wenigstens etwa» bester au», während die heitere meteorologisch« Ecke Europas diesmal Jr- lanv war, so wenig Heller es auch sonst dort oben aussehen mag. Unter dm obwaltmden Umständen hatte da» Festkomitee somit ganz Recht, al» e» dem Frieden nicht traute. Hat der Himmel fich gegen Abend aufgekläit, so war die Temperatur dock noch eine jo kühle, daß ohne Gefahr für die Gesundheit vieler Theil« nehmer da» Fest stcheilich nicht vorübergegangen wäre. Da» stille Gla«, welche» gewohnheitsmäßig zu Ehren einr» Verstorbenen von Denjenigen getrunken zu werden pflegt, welche dem Dahingeschieden'« die letzte Ehre erweisen, verviel- fältigt fich nicht seltm in Folge de» Durste», welchen die leb- hafte Besprechung der guten Eigenschaften de» zu seiner letzten Ruhestätte G-leiteten verursacht. E» muß wohl ein sehr tugendhafter Mensch gewesen sein, der am Donnerstag Nachmittag auf einem der Kirchhöfe an der Britzer Chauffee beerdigt wor- im Zaner», man sah«ich:» al» die letzte» Stufm einer steilen, verfallenen Holztreppe, die von dem ober» Wohn« räum de» Bauernhause« herabführte. Unterdeffen beschäftigten mich die Fragen: Wie wird er aussehen? Wird sich das Naturkind tn einen heldenhaften Lohengrin, einen ritterlichen Raoul, einen verführe« rische« Troubadour verwandeln laffen? Wie werde ich ihn überrede«, diese beschränkte« V-rhältniffe zu verlaffm? Wird e» mir gelingen, ihm die Begriffe.Eisolg",„Triumphe" zu erklärm? Zch glaube wahrhaftig, ich fühlte dabei Herz- klopfm. Mit einer seltsamen Erregung sah ich dieser erste» Begegnung entgegm. Zch rrat seitwärts. Es wurde» auf der Treppe Tritte hörbar, die Bäuerin nickte und verließ die Thüre, um ihre Echüffel mtt dem grüne» Gemüse von der Bank zu mtfernm, auf der«ach ihrer Unausgesprochenen Meinung die erste Unterredung zwftchm un» Männern stattfinde» sollte. Die schlürfendm Tritte näherten fich und — ein kleine» Bäuer'ei«, hoch in den fünfziger Zahre», mtt ergrautem Haupt- und Baithaar trat aus der Thür«. Die Frau kreuzte ihre braune» Arme über dem Mieder und sagte: „Martel, e« i» a Herr da, der moant, wcil'st schon so a scheene Stimm' hast, Du sollst Thcaterspiet'n, wüaßtest halt auf München, weil'st eist ausbild't werd'n sollst. Geh', sitz' Dr' nieder, wann Dir'S Steh'« schwar wird.. Der Alte ließ sich auf der Bank nieder, ohne mich be« werkt zu haben, u°d lehnte sich dabei behaglich zurück; die Schwester wiederholte ihre Mihnung noch eindringlicher, er aber erwiderte mit einem Lächeln, in welch-m eine Spur von Künstler Humor aufleuchtete:„Geh' weiter, Du Närrische!" Dan» zog er den Knaben an fich und strich mit der Hand nachdenklich, aber mit einem zufriedene« Lächeln über da» zerzauste Haupt seine« N.ffm. Die Sonne war untergegangen, ich trat auk die Chaussee. Wer weiß, ob der Mann so glücklich geworden wäre, hätte man ihn rechtzellig.entdeckt", sagte ich mir im Heimgehen. Paul v. Schöntha». dm war, dmn von seinem Begräbnisse kehrten mehrere Lrid« tragende nicht dlos in sehr betrübter Stimmung, sondern aut in etwa» unstcherer Haltung zurück. Besonders zeichnete fit ein jüngerer Mann au», der voll war de« Lobe» de» Ver- storbenen und obwohl die Beine ihm schier den Dimst ver- sagten, dennoch vor einem Schutzmann am Kottbuser Damm Aufstellung nahm, um ihm alle großen Eigenschaften de» Todten vorzutragen. Aber der unzugängliche Mann de» Gc- setze» besaß absolut kein Verständntß für die Größe de« Ver» storbenen und forderte den modernen Panezyriker zum Weiter- gehen auf; al» dieser Aufforderung nicht Folge gegeben wurde, drehte er den Lobredner um und schob ihn vorwärt». Hierbei versagten aber die Beine in ihrer tiefen Tramigkeit den Dienst. Der Geschobene fiel zu Boden und sein umflorter Zylind« that das Gleiche. Langsam erhob fich der Gefallene, stolperte noch einmal auf den Schutzmann zu und fragte diesen mit trunken-traurig-unstcherer Stimme?„Werden Sie mir meine« Hut jetzt auslangen?" Zu seinem Glücke nahmen jetzt einiae Freunde den Huttosen beim Arm und führten ihn mit fich. Er aber blieb noch immer dabei:„I der Schutzmann muß mir meinen Hut doch uffhebm!" Der„Lumpendoktor" ist trotz seine» verdächtigen Namen» eine der deneidetsten Persönlichketten in Berlin. Derselbe ist ein amerikanischer Arzt, den seine Regierung mit der Detinfe!« tion aller von Europa nach der Union exportirten Lumpen angestellt hat. Nur sein Stempel öffnet den Lumpen den Zu« tritt zu d-m amerikanischen Festlande. Von seiner Regierung erhall er 20 000 Dollar» Gebalt, von den Exporteuren für jeden Sack 65 Pfennig Gebühren. Und da er täglich durch» schnttttich 400 Säcke desinfizirt und stempell, so macht dies eint Einnahme von rund 200 Mark. Sein Emlomme« wird auf jährlich mindesten» 100000 Mark veranschlagt. „Das Ftnanzgeute" hieß unter den jungen Leuten o« der Börse der Kommt» eine» größeren Bank- und Getreidege» schäfte» wegen seines Glückes in kleinen Spelulartonen auf eigene Hand. Vor einigen Jahren war er völlig mittellos aus der Provinz Posen hierher in die Lehre gekomme» und war allmälig Befitzer von einigen tausend Mark aeworde». Auch äußerlich nahm er mit fich eine entsprechende Wandlung vor. Aus dem unscheinbaren Provinzialen wurde ein eleganter Dandy, welcher fich von den ersten Firmen bekleiden ließ, und nach seinem Bureau begab er fich nur tn Droschken erster Güte- Mit seinen Erfolgen aber fühlte er fich zu Höherem berufen, er wagte fich direkt an Börsenoperattonen heran, diese aber miß» glück-en und mit einem Schlage war er n:cht nur seine paar tausend Mark los, sondern saß auch noch in Schulden. Tie Gläubiger, einige Makler und etliche kleinere Firmen, fordern nun Deckung von seinen E.tern, schlichten Landleuten, und seine Stellung ist er außerdem los. Leider ist die Unsitte tief erngeriffe?!, daß fich die jungen Leute von Bankgeschästen a» der Spekulation btth-iltgen und natürlich früher oder später von dem Verhängniß ereilt werden. ES ist heutzutage chic, a» Kredit oder Diskonto, an Roggen oder SpirlluS ein„Jntll' efft" zu haben. Aber diese schüchternen Engagements über' schreiten bald die Kräfte Ver jugendlichen„HausstcrS" oder ES ist deshalb zu bedauern, daß fich Firmen finden, weiche um der geringen Provifion willen derartige Ordre» «ffekluiren. Einen gute« Fang glaubte man am Sonnabend i« Zehlendorf gemacht zu haben. Zu dem Restaurateur Mar» quardt in der Allen Fischerhütte kam nämlich, wie dte Chll» lottenburger„Neue Zell" erzählt, um die Mittagszeit ein ziein» lich verdächtig aussehender Mensch und bat um Effen, da«r seit ein paar Tagen nichts gen offen hätte. Herrn Marq uardi fiel die Scheu dcS Menschen auf und da er glaubte, eine ge' wiffe Uebereinstimmung mit dem gesuchten Mörder Keller z» entdecken, beschloß er, fich des Mannes zu bemächtigen. Vor- erst ließ er ihm nun Speise und Trank geben, um Zeit zu ge» Winnen, dem Amtsvorsteher Mittheilung zu machen. Der Ver» dächtige ließ fich tndefien das ihm Vorgesetzte mit jtroßcni Appettt schmecken. Inzwischen hatte sich im Orte daS Gerücht über die Anw-senheil des Doppelmörvers verbreitet. Ariel war auf den Beinen, um den Vielgesuchten zu sehen und de Verhaftung dess-lden beizuwohnen. Gleich darauf erschien dt Herr AmtSvoisteher mit dem Sekretär sowie dem Genvar» und der Betreffende wurde festgenommen. Nach einem Ar weis befraat, reichte derselbe seine Legitimatto ispapiere, dte- schönster Ordnung befunden wurden. Aus vensetden gi» hervor, daß der vermeintliche Mörder ein reisender Schorf steinfegergesell« war. So löste fich denn die ganze Affaire* allgemeinem Wohlgefallen auf. De: unter dem Verdacht Morde? schwer fich ängstigende Handwerksdursche konnte unsj* helltgt seiner Straße weiter ziehen.— Von dem Raudmörv» fehlt üvrigenS jede Spur. Wir wollen daher da« Sign«*! mevt» wie eS dem vom Untersuchungsrichter am Landgericb' erlafienen Sl-ckbrief beigegeben ist, hier nochmatS veröff�" lichen. Hiernach ist O.to Goitiried Keller 27 Jahre am 17. Juni 1859 in Steiadorf geboren, 1,57 Meter fl?®? klein von Statur, untersetzt, breitschulterig, hat schwarz� hinten kurz geschorenes Haar, vorn kraus, einen Anflug'6f Schnurrbart, dunkle Augenbrauen, graubraune Augen, sse� Blick, Nase und Mund gewöhnlich, rundes Kinn und rund? volles Gestcht, dunkelbraune Gestchtsfarde. Sprache deu«� Kleidung: wahrscheinlich dunkle Kleidung. Besondere Wf. zeichen: kneift derm Lachen die Augen zu und grient wc' hat einen wiegenden Gang.., Ei« in der Wtihelmstraße wohnhafter Bankier 5 hielt am 15. d. Mi«, einen Brief durch die Post, in er von einem gewiffen Sonderhoff ersucht wurde, für K 30000 Mark sichere Etaalspapiere postlagernd„Schlefipj Bahnhof" zu übersenden, worauf Zahlung des Geldbetl»� am 17. d. Ml», wiederum durch die Post erfolgen sollt?.% von derselben Hand gefertigtes, aber mll Berghoff unterm netes Schreiben erhielt am folgenden Tage ein Unter den'u den wohnbatter Juwelier mll dem Auftrage, ein Paar'i goldene 16 karättge Ohrgeschmeid«, einen Brillanthalssck� und eine ebensolche Broche gleichfalls postlagernd„SchlejjiJS Bahnhof" zu senden. Beide Adressaten Übergaben die der Kr-minalpolizei, welche nach dm angestellten ErmittelM vermvihet, daß der Brietschreiber geisteSttauk ist.«j „Einsam bin ich" konnte ein hiefiger Bürger in u, Nacht vom Sonnabend zum Sonntag auf d-m Bahn�jj, gedäude der Station Falkenderg fingen. Derselbe hatte Extrazug nach der sächsischen Schweiz benutzt und war. Falten bcrg. wo nach Aussagen des Zugsüdreis 5 M#"*) Ausenth rlt sein sollte, gleich vielen anderen Personen% pi Perron geeilt, um fich„die Füße wieder einmal gehör� vertreten". Nach einer kurzen Rast setzte sich der Zug w« � in B-wegung, wiewohl fich noch viele Paffagiere diaufft"� fanden Man kann fich denken, wa« jetzt für ein Ged�A entstand I Alle stürzten tn fi-berhaster Eile in die KoupeeS � erreichten dieselben auch glücklich bis auf einen Herrn- j, vergeoirch dem Zug nachjagte.„Wer den Schaden hat, für Spott nicht zu sorgen." DaS erfuhr auch der arme gebliebene, der nun getrennt von seinen Angehörigen> seinem G-päck, einsam auf dem wildftemden Bahnbose � wandelte, erst etn nächsten Morgen das Ziel seiner Reli-.,z reichen konnte, und an spörtischm Bemerkungen und W"' � für„gutes Amüs-mmt" fehlte eS ihm durchaus nicht: riew�t doch sogar ein psi sizer Berliner, daS Lied„Steh ich in" Mitternacht" anzusti nmen I_.„.„.g> verhafteter«anknotenfiilscher. Im Mcnat I«. st-eg tn einem hirfizm Hotel ein angeblich au» J Amerika kommender Land will d ad, der fich durch«'"r jsj den Namen v. R. lautenden Paß legitimtrte und vorgaj" in Buenos- Ayres ansä.figen F-rmm mit bedeutenden®u' verschiedener Art betraut zu sein. Der angeblich« o.V-if fich u. A. bei einem Druckereidefitzer und einem Ltihoü sch ist unl der ger rnii Lai gra ger die wu 1 ein, legte diesen neue sächfische Hundertmarkscheine vor und verlangte die Anfertigung von Platten und Abzügen, um die- selben ali Tapetenmuster zu verwenden, was in Südamerika sehr beliebt sei. Als der Lithograph die Anfertigung wegen Schwierigkeiten in der Ausführung ablehnte, brachte ihm v. R. zwei Banknoten der Genfer resp. Baseler Bank ä 50 Francs zu demselben Zwecke. Um Bedenken deS Lithographen zu be- seitigen, verlangte v. R nur die Lithographie der Bildseite der Banknoten in Unter- und Ueberdruck und sollte der Rand mit der Umschrift„Imitation Bnenos Ayres" versehen werden. Dem Lithographen fiel aber auf, daß nach der ihm übergebenen Zeichnung die verlangte Umschrift außerhalb der Grenzen der echten Banknoten stand und ohne Schwierigkeit abgetrennt werden konnte. Er machte der Kriminalpolizei Mittheilung von dem ihm errheiltcn Austtage und wurde von dieser ver- anlaßt, auf die Bestellung einzugehen. Als R.. welcher von Leipzig auS die Bestellung dahin«Westert hatte, daß beide Seiten der Brnknolen lithographirt werden sollten, die bestellten Platten abholte, wurde« festgenommen. ES stellte fich heraus, daß er ein auS dem Königreich Sachsen gebürtiger Maschinen- bau« NamenS Walt« ist. In seinem Besitz wurden auß« verdächtigen Briefschaften Stempel und Typen mit Zähren, welche anscheinmd zum Eindrucken der Serien-Nummem dicnen sollten, vorgefunden. Da hieraus mit Sich«heit zu entnehmen war, daß die bestellten Lithographien nicht als Tapeten ver- wendet, sondern als Banknoten im Umlauf gesetzt werden sollten, wurde Walter d« Staatsanwaltschaft vorgeführt. Die deutsche Reichshauptstadt gilt al« sehr ergiebiges Misstone feid für die zahlrerchen engltschen und besonders nord- amnikanischen Religionsgemeinschaften. Neben Baptisten, Jrcingiannn, Mormonen find vor allem die bischöflichen Methodisten Amerikas thättg in der„Bekehrung" Deutschlands und Berlins. Sie haben e» hi« bereits zu vi« Kapellen ge- bracht, die fich in der Junkerstraße, Ackerstraße. Weidenweg und in Friedrichsderg befinden. FriedrichSderg soll demnächst aufgegeben und dafür womöglich im Südosten ein Saal ge« miethet werden. ES find ferner drei V«eine junger Männer, zwei Frauenvereine, zwei Jungfrauenvereine, ein Tempcrenz- verein gegründet worden. Sodann bestehen fünf Sonntags- schulen mit etwa 700 Kindern. Hauptprinzip der Methodisten ist ein möglichst engrS Aneinanderfchließm von Seelsorgern und Gemeinvemitgliedcrn. Es finden daher beständige Besuche der Seelsorg« in den Häusern der Gläubigen und fast tägliche gemeinsame ReltgionSübungen statt. AIS wichtiges Agitations- mittel wird das V-rtheilen von Trattätchen detrachtet; im Laufe dieses Jahres find ,. B. hier 160000 Druckseiten davon gratis autgegedin worden. Die Bekehrten werden zunächst, gewöhnlich an kirchenfestlichen Tagen, auf Probe aufgenommen. die Aufnahme„in volle Vnbindung"«folgt«st später. ES wurden im letzten Jahre in Berlin in Summa 96 aus Probe und 47 Personen in volle Verbindung aufgenommen. Um die geschwisterliche Zusammengehörigkeit der Gläubigen zu stärken, werden die religiösen Festoorstellungen oft mit regelrechten Kaffeekränzchen verknüpft. So lautete das Programm deS Ostermontags: Kaffee und Stollen, geistliche Ansprachen, Tisch- reden, Deklamationen, Gemeindegesang und Vorträge des Gesangvereins. Zur Warnung für Elter« in der Prodi«,. Eltern auS der Provinz schicken häufig ihre Töchtn nach Berlin, um denselben Vervollkommnung in dem in d« Heimath Gelernten angcdeihen zu laffen, oder um ihnen Gelegenheit zu gebm, fich einen ihrem Wtffrn, Können und ihrer Thätigkett entsprechen- den Verdienst zu schaffen. Gewiß find die Eltern bei ein« solchen Abiicht von dem Bewußtsein erfüllt, daS Beste für ihr« Kinder zu wollen. Leid« muß aber konstatirt werden, daß die Eltern bei solchem Entschluß viel zu wenig auf die Gefahren der Weltstadt Gewicht legen, oder aber in dem Glauben defangen find, daß ihre Töchter nie vom Pfade der Tugend abweichen können, da dieselben eine gute Erziehung genoffen haben. So berechtigt die Eltern auch sein mögen, «uf die gute Erziehung und den festen Charakter stirer Töchter zu bauen, so liegen doch tausend und adertausend Falle vor, daß die Elt«n leider zu svät eingesehen haben, daß selbst der festeste Charafter -rotz der besten Erziehung an den Klippen der Großstadt zum Scheitern gebracht worden ist. In den meisten Fällen werden die Töchter bei Verwandten oder guten Bekannten Untergebracht, in der Hoffnung daß die Mävchen bei dlesen «inen NnhaltSpuntt oder eine Stütze haben. Doch lockeit fich in den meisten Fällen schon nach frühester Zell das Verhaltniß »wischen den Mädchen und denen, die ihnen in Berlin mit väterlichem Rath und Thal zur Seite stehen sollen, meist sreilich durch die Schuld der Mädchen jselbst, da diese, nach- dem fie wenige Wochen in Berlin gelebt haben, glauben, in jeder Beziehung nach eigenem Ermeffen handeln zu können und es durchaus nicht mehr nöthig zu haben, fich von irgend Jemand bevormunden zu laffen. Die Verwandten haben als- dann auch Innen Grund mehr, fich um die ihrem Schutze empfohlenen Mädchen zu kümmern, da fie einsehen, daß ihre ßvlge« weinten Rachschläge keinen Glauben mehr finden und die Madchen trotz aller Vorstellungen schließlich doch thun, was fie wollen. Ist aber ein derartiges Verhättniß einmal eingetreten und de- fitzt dos Mädchen nicht eine ganz besondere Menschenkenntniß und Charaktei stärke gegenüber d« Männerwelt, die auS nicht reellen Motiven fich ihm zu nähern sutbt, so ist in den meisten Fällen d« Weg zur abschüsfigen Bahn hiermit be- treten. Die Väter, die chre Töchter zu dem anfangs genannten Zwecke nach Berlin schicken, rekrutiren fich zumeist auS dem Stande der L-Hrer, der Beamten und auS anderen Berufsireisen. E» kann den Eltern nicht genug anS Her, gelegt w«den. ihre Töchtn lieber mit einem geschmälerten Verdienst in der H?imath und unter ihrer direkten Aufficht zu laffen, als ihre Lieblinge den Gefahren der Großstadt auszusetzen. uneigennützige„Menschenfreundlichkeit" hinzustellen! mm vefindet. MWUZZMH "*4 Anhalten veS ZageS auf d« Station in«tnem Kmwee ' l. Klaffe einen jungen, gutgekleideten Mann mit dem Tode Engend in seinem Blute vor. Derselbe wurde sofort in da» Aalionsbureau geschafft, woselbst man zunächst konftatirte, daß "4 derselbe vermittelst eine» Revolvers vi« Schüff« beigebracht. von denen einer durch das Herz gedrungen und den Tod her« beigeführt hatte. Aus bei dem Todten vorgefundenen Papieren wurde festgestellt, daß der Selbstmörder der LOjabrige Schuh- machergesclle Heinrich Lank« sei, geboren in KI.» Grudern bei Gr. Gaudern. Er war zuletzt in Berlin, Schiltzenstraße 38, wohnhaft. In den Taschen fand man außerdem 18 M. daar, sowie ein Svatkaffenduch; f«n« einen Brief an seine Mutter und einen Militär- Aushedungk schein. Nach Anzeige der zu- ständigen Polizeibehörde von Charlottenburg wurde die Leiche nach der Charlottenburger Leichenhalle behufs gerichtlich« Ob- duttion übergeführt. In einem Erleubusch in der Nähe de» Dorfes Rauls« dorf fand am 6. d. M. ein Arbeiter beim Holzsammeln die Leiche einer etwa 60 Jahre alten unbekannten Frauensperson auf der Erde liegend vor. Die Ursache deS TodeS war nicht zu ermitteln, auch ist die Leiche bis jetzt noch nicht rclognoS- zirt. Die Verstorbene ist etwa 1,65 Mir. groß, hat graue» Kopshaar und war bekleidet mit einem weiß un» blaugestreiften Hemd, braunen baumwollenen Etrümpten, einem rochen und einem arauwollenen Unterrock, einem blau und rothpunttitten Kattunkleide, schwarzer Schürze, graubraunem Umschlagetuch und schwarzer Haube mit braunem Bande. Unglückliche Liebe hat ab«malS zu einem Selbstmord« versuch geführt. Die in der Skalitzerstt. 144 wohnende Schnei derin Marie K. unterhielt seit 5 Jahren mit einem hiefigen Kaufmann ein intimes Verhaltniß, daS lies« plötzlich aufge- geben hat. In Folge deffen nahm die R in der vergangenen Nacht einen Theelöff-l voll Kleesalz, um fich daS Leben zu nehmen. Der hinzugerufene Arzt vereitelte jedoch durch Ein- geben von Gegengiften diese? Vorhaben. Am 3. Pfingstfeiertage ertranken bei einer Fahrt auf dem Müggelsee der Mechaniker Oskar Hahn mit seiner Braut Antonie Bantelmann. Die Leichen find noch nicht gefunden. Polizei- Bericht. Am 17. d. M. Vormittags wurde auS dem Landwehrkanal, in der Nahe der unteren Schleuse, die Leiche eines gut gekleideten, etwa 25 Jahre alten Mannes gezogen und nach dem Leichenschaubause gebracht.— An dem- selben Tage Nachmittags fiel eine Frau in d« Köpnicknstraße bei dem V«such, einen in voller Fahrt befindlichen Pterde- eisendahnwagen zu besteigen, rückwärts auf da» Straßenpflaster und«rlttt dadurch so schw«e Verletzungen, daß fie nach dem Krankenhause Bethanien gebracht werden mußt«.— Zu derselben Zeit wurde d« obdachlose Tischler Richter auf den Wiesen hinter dem Grundstück Alt Moabit 84— auf welchen er TagS vorher in betmnlenem Zustande gesehen worden war — in einem mit Schlamm gefüllten Graben ertrunken aufge« funden.— Am Nachmittage wurde ein 5 Jahre alt« Knabe an dn Ecke der Mariannenstraße und des Kottbuser Ufns von einem durch den Handelsmann Mattusch geführten Grünzeug- wagen überfahren.— Gegen Abend deffelben TageS machte ein Mädchen an der Rouffeau-Jnfel den V«such, fich zu ertränken, wurde aber von einem unbekannt gebliebenen Soldaten aus dem Waffer gezogen und nach der Charitee gebracht.— Zu derselben Zeit stürzte ein 3 Jahre alteS Mädchen in der Schönebttgerftraße von dem zur Wohnung ihr« Eltern ge- hörigen Baikon 3 Stock tief auf den gepflasterten Hof hinab und starb auf der Stelle.— An demselben Tage Nachmittag? geriethen die in einem Lagerkeller Markgrafenstr. 88 btfind- lichen, den Kolonialwaarenhändler Deubert gehörigen Vorräthe von Petroleum, Rum und Mehl in Brand. Die Feuerwehr war längere Zett hindurch angestrengt in Thätigkett. Gerichts-Zeiwng. t Ein Straßenskandal. Drei junge Männer gingen in d« Nacht zum 18. Aptil d. I. die KöSlinnstraße entlang. AuS einer Restauration an d« Ecke ein« Querstraße kam ein Trupp Leute hervor, die in sehr heiterer Stimmung waren; fie sangen, schrien und lärmtm nach Herzenslust. Ein solches Beispiel reizt zur Nachahmung. Auch die drei jungen Männer stimmten in den G-sang mit ein, daß die stillm Straßen widerhallten. Da erschien der Wacht«. D« Haupttrupp und die Hauptschuldigen riffen schleunigst aus; nur die drei blieben zurück und schrien den Flüchtenden etwas nach. An ste hielt fich nun der Wächter. Er forderte fie auf, ihr« Wege zu gehen. Die drei blieben aber stehen und meinten, fie hätten es nicht nölhig. DaS Schöffengericht belehrte sie etneS deffe- ren, indem es einen jeden zu ein« Strafe von 2 M. und in die Kosten verurtheilte. t Ein Trupp Poftillone reitet am Nachmittage eines jeden Wochentags oon dem Hauptpostgedäude in der Spandauerstraße durch die Königstraße nach dem Aüxander- platze, um dort in dcr Nähe die Pferde in den Ställen unter zubringen. Am 13. April d. I. fuhr ein Kohlenhändler mit seinem einspännigen Wagen über den Kreuzungspuntt der Spandau«- und Königsstraße, wo ein lebhafter Verkehr herrscht und gerteth gnade in den Trupp der Post-llone hinein. Er war nun der Anstcht, daß die Reiter verpflichtet wären, ihm Platz zu machen und trieb sein Pferd so an, daß der Wagen de.-. Bug eines RrsseZ streifte, da? einen der Poftillone trug. Der Reit« wendete fich halb um und rief dem Wagenführer zu:„Halt doch Deinen Schinder an!" Ali diese Mahnung nichts half, fiel er dem Pferde des Kohlen- Händlers in die Zügel und zwang ihn so, stillz»halten. Der wurde wüthend und hieb mit der Peitsche nach dtm Postillon. Nun kamen die Kameraden des letzteren ihrem Kollegen zu Hilfe, zwangen dm Kohlenhändler, vom Bock herunterzusteigen und ließen seine Personalien polizeilich feststellen. Diese Szene rief selbstverständlich einen Auflauf hervor. Vor dem Schöffen- gericht suchte fich der Kohlenhändler durch die Angabe zu ent- schuldigen, er habe nicht den Postillon� sondern sein Pferd peitschen wollen. Diese Ausrede wurde ihm nicht geglaubt, sondem« wurde zu ein« Geldstrafe von 6 Mark ver« uttheilt. Ein unredlicher Uhrmacher hatte fich gestern vor der zweiten Straskammer des Landg-ricktS Ii zu oeran trotten. Der in Rummelidurg wohnhafte Uhrmacher August Albert Gebhard, ein bisher unbescholten« junger Mann aus angesehener, wohl- habend« Berliner Familie, hatte am genam ten Lrle fast ohne alle Mittel zum Betriebe eine! Geschäfts fich etablirt, denn mit seinen Angehörigen hatte er fich entzweit, weil dieselben ew LiebeSveihältniß, welches er mit ein« armm Wollpackerin unterhalten, nicht dulden mochten und fich deshalb von ihm losgesagt hatten. Trotzdem r«svchte G-bhatd das Wagniß, erdezog mit seiner Geliebten, welche ihn inzwischen durch die Geburt eine! LiedecpkandeS überrascht, einen gemeinsamen HauShalt und sorgte für die seiner Obhut Anvertrauten- die Sache machte sich Anfangs, bald aber fand Gebhard Vetanlaffung, an dcr Echtheit der Treue fein« Geliebten, welche « demnächst hettathen wollte, zu zweifeln. Die Braut verließ ihn bald darauf treulos, obwohl er ihr Alles geopfert— selbst seine Ehre und seinen unbescholtenen Namen; denn um das dem Mädchen inner Wahl aegebme Vnsprechen einlösen zu können, bedurste es mehr de, Mittel, als ihm, dem jungen Anfänger, zu Gebote standen und von d« Roth ge- trieden, war G. zum unehrlichen Manne geworden. Er hatte, um Geld zu schaffen für fich und seine Geliebte, die ihm von den Kunden übergebenen Uhren versetzt. Dies BlleS kam, nachdem ihn seine Braut verlaffen, zur Kcnntniß der Staats- anwaltschaft und G. ward wegen Unterschlagung verhaftet. Die Strafkammer erachtete den Angeklagten durch ftin eiaeneS Gcständntß für überführt, indessen fand die That mit Rücksicht auf den nicht unedlen Beweggrund milde Richter. DaS Unheil lautete auf 4 Monate G-fängniß unter Anrechnung von 3 Mo- naten erlittener Untersuchungshaft. Uereine mh Uersammwngen« t Der Lokalverband deutscher Ztmmerleute, Berlin Nord, hielt am Mittwoch, den 16. d., eine Mitgliederversammlung unter Vorfitz deS Herrn Meißner im Lokale deS Herrn Schramm, Hochstraße 32 a ad. Herr Dr. G. Jhlau sprach über den Werth der Allopachie, Homöopathie und Ntturheilkunde. Er Mannte fich als Anhäng« dcr letzteren und stellte in ge- schickter und überzeugender Weise ihre Vorzüge gegenüber den Medizinwiffenschasten anS Licht. Der populäre Vortrag fand lebhaften Betfall. Auf eine DiSkusston wurde verzichtet. So- dann reftrlrie Herr Lehmann über die Beschlüsse und Arbetten de« Handwerkertages in Breslau, dem er als Delegirt« beige- wohnt hat. Wir verweisen auf den Kougreßbericht in Nc. 138 des„B. V." und tragen nur nach, daß Herr Lehmann besonders Klage üb« das auf dem Hundwnkertage hervorgetretene und durch- geführte Bestreben erhob, die großen Städte durch die kleineren zu majoristren. DieS sei besonders durch die Bestimmung, die künftig in Kraft treten soll, bewirkt worden, daß die Lokal« verbände bei 100 Mitgliedern 1, bei 300 2, bis 600 3 Dele« girte zum Hanvw«kettage zu entsenden befugt stnd. Er- wähnenswnth ist noch, daß der Antrag, eine Uiiterstützungs« lasse für Arbeitslose zu gründen, entschieden abgelehnt wurde. Ei wurde noch mitgetheilt, daß die nächste Generals«samm- lung deS Verbandes am Sonntag, den 4. Juli, stattfindet. Auf d« Tagesordnung steht: Neuwahl des Vorstandes; Jahres« und Kassenbericht. Fachverein der Tischler. Am Montag, den 21. Juni, Abenv« 8V, Uhr, findet in Jordans Salon, Neue Grünstr.28, eine Generalversammlung des Vereins mit folgender TageS« ordnung statt t 1) Vortrag des Herrn Dr. med. Weise über moderne Wundbebandlung. 2) Antrag eines Mitgliedes um Gewährung deS Rechtsschutzes. 3) Fragekasten.— DaS Quittungsbuch legitimirt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. — Die Zahlstellen deS Vereins bestnden ficht 1. Blumenstr. 56 auf der Ttschlerherberge. 2. Skalitz«strafte 18 bei Stramm. 3. Belleallianceplatz 6 bei Hilscher. 4 Zionikirchplatz 11 bei Hohn. 5. Müllerstr. 184 bei Häring und 6. G.-eisenau- und SolmSstraßen> Ecke bei Linoendorn. Daselbst w«dea jeden Sonnabend von 8'/, bis 10 Uhr Abend? Beiträge von den Mitgliedern in Empfang genommen und neue Vereinsmitglieder aufgenommen. Der Beitrag beträgt monatlich 40 Pfg. Mitglied«, welche rang« als drei Monate mit ihren Beiträgen im Rückstände find, werden aus d« Mitgliederliste gestrichen.— Der Zentral- Arbeitsnachweis des Fichvereins, woselbst auch NichtMitgliedern deS Vereins Arbeit nachgewiesen wirb, befindet fich aus der Tischlerherberge, Blumenstr. 56.— Die Arbeits- v«mittelung geschieht für Meister und Gesellen unentgeltlich. Adressmausgade an den Wochentagen von 8V, diS 9'/, Uhr Abends; Sonntag! von 9—11 Uhr Vorwittags. Gesuche um Zuschickung von Gesellin können zu jev« TageSzeit in den am Eingange deS Lokals befindlichen Briefkasten geleg! oder per Postkarte an vor steh tnd genannte Adresse gesandt werden. irr. Im Fachve-ein der Steindrucker«nd Lithographen (Holzmartlstr. 72) hielt am Donnerstag Herr Bcchoold einen Vortrag über:„Vrrderdliche Wirkungen der Schwemmkanali- sation". Der Vortragende entledigte fich seiner Aufgabe in der Weise, daß er die von ibm verfaßten Schriftstücke, in denen er daS Projekt, auch für Charlottenburg und für Spandau die Schwemmkanalisation mit Rieselfeldern einzuführen, seit Jahren öffentlich bekämpft, und eine ebenfalls oon ihm versaßt« Peti« tion an den Reickstag und an das Abgeordnetenhaus vorlas. In diesen Schriftstücken wird hervorgehoben, daß durch die Rieselfelder die Athmosphäre auf weite Strecken verpestet wird, und daß die auf den Rieselfeldern gewonnenen, zur Nahrung dienenden Produkte eine die Gesundheit gefährdende Beschaffen« heit haben und daß es zweckmäßiger und weniger kostspielig für die Stadt Berlin gewesen wäre, Terrain für Rieseifelder am sandigen Strande d« Ostsee zu erwerben und einen Kanal zur W-gführung der Jauche bis dorthin zu bauen.— Zu„Ver- sckiedenes" machte der Vorfitzende die Mittheilungen, daß ein Mitglied deS Facho«ein«, welches in der Druckeret von Ernst u. Co. gearbeitet, aas dem Grunde entlassen worden sei, weil es ohne Erlaubniß deS Chefs daS Programm für daS vom Fachv«ein veranstaltete Sammnfest unter den Kollegen hat zirkultren lassen. He« Dauß brachte zur Sprache, daß über den zur Errichtung eines Denkmals für Senefeld in den 70« Iahten gesammelten Fonds von dem betreffenden Komitee seit Jahren leine Rechenschaft gegeben worden sei. Der Vorsitzende He« Schulz wurde beauftragt, den Vorstand des Seneselder Bundes in München zu ersuchen, daß derselbe das von ihm eingesetzte Komitee veranlaffen möge, seiner Pflicht gegenüvrr Denjenigen, die zu dem Fonds betgesteuert haben, nachzu- kommen. Zentral-Kranken««nd Sterbekaffe der Tischler ac. Verwaltungssielle Bttlin A. Mitgliederoeriammlung Montag, den 21. Juni, Abends 8 Uhr, Manteuffelstr. 9, bei Wohlhaupi. Tagesordnung: 1. Bericht über die letzte Gm«alvttsammlung zu Humburg. 2. Entschädigung d« Lokaibeamten. 3. Wrhl sämmilicher Lolalbeamten. Quittungsbuch legitimirt. Oeffentltche Versammlung der Lacktrer aller Branchen Berlin» und Ungegend Rontug. den 21. Juni, AbutW 8 Vi Uhr, in Gtätz'S Salon, B.unnensttaße 140. Tages- ordnung: 1 Wahl einer Jntereffen-Kommisstoa. 2. V-r- schieben«» und Fragekasten. 3. Vortrag deS Herrn Metzn«. 4. DiskrVsian. Große öffentliche Versammlung der Meister und Geselltu der Schmtede-Junung zu Berlin am Sonntag. den 20. Juni, Vorm, ttags 10 Uhr. im Königstädtischen«astno, Holzmarltstt. 72. Tagesordnung:„Wie verhalten wir uns zur Vereinigung der deuischen Schmiede V" Gäste willkommen. Freie Vereinigung der Vergolder und F-chgenoffen. Versammlung Montag, den 21. Juni, Abends 8-/1 Uhr, bei SeefelS, Grenadierstr. 33. Tagesordnung: 1. Wahl deS ersten Vorfitzenden. 2. Wie stellen stch die Mitgli-.d« zur Errichtung eine» ArdcitS-Nachweisebureaus? 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Arbeiter-»ezirksverei« der Roseuthaler- Vorstadt. Der Vorstand macht bekannt, daß stch die Zadistelle drs Vereins bei Schayer, Jnvalidenstr. 153, Ecke d-r Ackerftraße, befindet. Daselbst find« ebenfalls Sonntag« von 10-12 Uhr der Um- tausch d-r Bidltotheksdücher statt. Die Mitglieder werden um Hoüstr. 32», zum Frühschoppen etn. Auf Wunsch vieler Mit. alred« soll Anfang Juli etne größere Familienpartie veran- flauet weroen. .. ZeutraUraukeu und Sterbekaffe der Tischler«. s.w. (E- Hamburg) Verwaltungsstelle Berlin F, Schönh. Th� Bez. Mitgliederversammlung Soantag, den 20. Juni. Vor« mittags 10 Uhr, im Lokal Fehrbellincrstr. 98(Roloffsbura). Tagesordnung: Wahl sämmtitcher Verwaltungsdeamtrn u d BeittagSsamml«.— Q-ittungsbuch legitimirt. Mitgliederveriammlung bei Donath, Alt-Moadit 90. Tag s- ordnung: Wabl sämmilicher Verwaitungsdeamten und V r- schiedenes.— Quittungsbuch legitimirt. o., ,?�ttvereta. Sonnabend, den 19. Juni. Abends ö'/i Uhr, Mitgliederversammlung in Sanssouci, Kottbuserstt c.ße Nr. 4� Tagesordnung: 1. Erledigung eines Unterstützunas- gesucheS. 2 Vereinsangelegeicheittn. BilletauSgabe zum Sorn. ÄÄ=%% 8�ÄÄÄ'i;Äfsi1.fev,taM Der Gavbereitt der Maler feiert am Sonntag, den 20. Juni, im Saale des VerrinSbauseS, Sophienstraße 15, fein erstes SttftunaSfest. Anfang 3 Uhr. BilletS find zu haben im Vereinilokal, Ritterstraße 123; ferner bei dm Kollegen Kühner, Grenadierstr. 18, Harm», Mittenwalderstr. 46, und Kommritz, Oranienstr. 52. Verein zur Wahrung der Jnterefle« der Korb- mach er Berlin« und Umgegend. Versammlung Sonntag, den 20. Juni, Vormittags 10 Uhr, bei Otto, Adalbertstraße 21. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Herrn Franke über ,, Entstehung und Entwickelung der Korbmacherei." 2. Bericht der Kongreß.Kommtsfion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Neue Mitglieder werdm aufgmommm. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeite»(E. H. 29, Hamburg), Filiale 5. Sonnabend, den 19. Juni, Abend» 8Zj Uhr, Versammlung der Mitglieder bei Ackermann, Lothringerstrahe 81.— Die Mitgliedern der Filiale 3 versammeln sich am Sonntag, 20. Juni, Vormittags 10% Uhr, Manteuffelstraße 90, zur Regelung innerer Kassen- ongelegenheiten.— Die Filiale 6 hält ebenfalls am Sonntag, VormlltagS 10% Uhr, bei Krüger, Gartenstrahe 121, eine Äit- aliederversammlinra ad mit der Tagesorduung:„Da» Ver- hallen einzelner Mitglieder in den Zahlstellen." Verschiedenes. Verein zur Wahrung der materiellen Interesse« der Kabrik- und Handarbeiter. Versammlung am Sonn- tag, den 20. Juni, Vormittags 10% Uhr, bei Mahlitz, AndreaSfir. 26. Tazesordnuug: 1. Monatsbericht. 2. Jahresabrechnung. 3. Neuwahl de» Vorstandes. 4. Verschiedene» Zu dieser Versammlung haben Gäste keinen Zuttitt. Fachverei« der Rohrleger. Den Mitgliedern zur Nach. richt, daß die Partie nach Marienfelde zur Befichtiaung der Dr. Petri'schen Anlagen bestimmt am Sonntag» den 20. Juni, staltfindet. Treffpunkt VormMagS 9 Uhr vor dem Anhalter Bahnhof. In der sreireligiSse« Gemeinde hält am Sonntag, Vormittags 10 Uhr, Rosenthalerstr. 38, Herr Schäfer einen Vorttag über„Freundschaft". Sonntag, den 27. er. fällt der Vortrag aus.— Am Montag, 21. Juni, Abend» 8Vi Uhr, findet Niederwallstr. 20 eine beschließende Versammlung der Mttglieder statt, in welcher die Wahl einer Kommisston vor- genommen wird. Kranken- und Begräbnifikasse der Gürtler und Bron- zevre(E.H.Nr. 60.) Die Hauptzahlstelle im Restaurant Fletsch- mann, DceSdenerstr. 80, ist jeden Sonnabend und Montag, Abend» von 6'/, bis 9 Uhr geöffnet. Für die Sonntage ist die Zahlstelle aufgehoben, dafür ist jedoch die Geschäftszeit beim Rendanten Herrn Miesterfeld, Oranienstr. 2a, von 8—10 Uhr Vormittag» festgesetzt. Fachverein sämmtlicher im Drechslergewerk be- schäftigten GewerkSgen offen. Versammlung am Montag, den 21. Juni, Abends 8 Uhr, bei Gratweil, Kommandantenstraße Sir. 77—79. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag; „Ueber gewerbliche Fragen". 3. Verschiedenes und Frage- kastm.— Aufnahme neuer Mitglieder.— Gäste haben Zutritt. Verein der Tanbenfreuude jeden Sonnabend Abends 8'/, Uhr Sitzung im Restaurant Kleemann, Laufitzerstraße 41. Gesaugverein„Sitngerlust". Pallisadenstraße 9, jeden Sonnabend Abend 9 Uhr UebungSstunde. Neugegründeter Kachverein. Am Donnerstag fand eine Zimmerer- Versammlung tn Frankfurt a. M. statt, in wel- cher fich der Fachverein konstiwirte. Auf Anttag deS größten TheilS der Anwesenden wurde beschloffen, statt der festgesetzten Monatsdellräge von 30 Pf. vorläufig nur 20 Pf. zu erheben. Außer dem Vorstande wurden noch drei Kontroleure gewählt, welch« darüber wachen, daß nicht, wie in anderen Städten, zu den Versammlungen unlautere Elemmte Zutritt erhalten. Nach- dem der ali erster Vorfitzender gewählle Herr Heuer für die Wahl gedankt, forderte Herr Gehr in kurzen Worten die An- wesendm auf, den Verein hoch zu halten, neue Mitglieder zu werden und jede ihnen von dem Arbeitgeber zuge ügte Unbill sofort beim Vorstande zu melden, damit der Verein Gelegenheit habe, öffentlich zu bekunden, daß Einer für Alle und Alle für Einen stehen._ Vermischtes. Ueber einen Mordversuch auf der Eisenbahu zwischen Pari» und Versailles wird gemeldet: Ein Herr Colomd hatte in einem Koupee in der Nacht vom 9. auf 10. d. Platz ae. nommen. Im Koupee defand fich nur noch ein junge» Mad- chen. In ASniSreS stieg ein dritter Paffagier ein. Auf der vorletzten Station vor Versailles stieg daS junge Mädchen au», und Herr Colomd blieb mit seinem unbekannten Gefährten allein. Man hatte noch eine Station, die von Viroflay passtrt. Wenige Minuten später schlummerte Herr Calomb ein. Ein heftiger Schlag auf die linke Kopfseite weckte ihn plötzlich. Instinktiv richtete er fich auf und gewahrte seinen R:isegesähr° ten, einen amerikanischen Todschläger in der Faust, im Begriffe, zu einem zweiten Schlage auszuholen. Der Angegriffene zögerte nicht, sofort fich auf seinen Angreifer zu stürzen, und versuchte ihn zu überwältigen. Ein furchtbarer Kampf entspann fich, der Mörder machte fich lo» und zwei neue Hiebe auf den Kopf streckten Herrn Colomb auf den Koupeefitz nieder. Derselbe stieß einen Schrei aus und blieb bewegungslos liegen. Ader er hatte da» Bewußtsein nicht ganz verloren. Er erinnerte fich, daß die Koupeethüre geöffnet wurde und daß der Mörder versuchte, ihn mit sich herauszuzerren. In Folge einer inftinttiven Be- weaung versetzte er dem Mörder einen heftigen Stoß, worauf dieser ihn losließ und durch die Koupeethüre hinaussprang. Einige Sekunden später langte der Zug auf der Station Versailles an, Herr Colomb kam wieder zum Bewußtsein und derichtete, was ihm zugestoßen. Der Stationschef mtt einigen Agenten machte fich sofort zur Verfolgung des Mörder» auf den Weg. Man fand mit Leichtigkeit den Ort, wo er her- untergespmngen, etwa zweihundert Meter vom Stationsgebäude von Versailles entfemt. Der Boden war in Folge der letzten Regen dort stark durchweicht. Der Mörder war durch die Be- wegung deS Zuges seiner ganzen Länge nach auf da» vom Regen durchweichte elastische Terrain geschleudert worden, so daß er keinen Schaden genommen hatte und entkommen konnte. Die Untersuchung deS Koupee'» in dem Wagen, wo der Mord- versuch stattgefunden, ergab, daß ein verzweifelter Kampf statt- tefunden haben mußte. Ungeachtet einer ziemlich genauen ielsonalbeschreiduna de» Mörders gelang eS bisher doch noch nicht, deffeldcn habhaft zu werden. Der Zustand de» Herrn Colomb giebt, obgleich dieser stark verletzt ist, zu keinen Befürchtungen Anlaß. � 1Jt Ueber die boshafte« Streiche einer dm„befferm Ständen" angehörenden jungen Dame in Hamburg wird der «K. Z." gemeldet:„Der Beweggrund zu dem boshaften Treibm bildete die— Eifersucht. Ein junger studirter Mann, welcher in der Familie der 23lährigen Dame verkehrte, wurde von der- selben besonders ausgezeichnet, ohne daß er die Huldigungen, welche ihm entgegmgedracht wurdm, erwiderte, vielmehr schenkte er seine Zuneigung einer jungen Freundin der B.— so heißt da» wegen ihrer Bosheiten in Hast genommene Fräulein. In der letzteren reiste nun der Entschluß, die ihr vorgezogene Freundin moralisch zu vernichten, um dadurch den von ihr angebeteten jungm Herrn zu be- fimmen, fich von der Freundin ad und ihr zuzuwmdm. ES lieb nicht bei der Anstiftung der Teufeleien und mehr al» schlechten Späße, die in der Zustellung von Todtmkränzen, ge- fälsch'm Einladungsschreiben und Absagebriefm bestanden, da» boshafte Weil, erdichtete sogar schamlose" welche Ehegatten annonym'zugestellt wurdm und welche stellmweise geradezu eine Vernichtung deS häuslichen Glück» und Friedens bewirft habm sollen. Alle diese Dinge waren indeß nur Vorbereitungen von langer Hand. Den unmittelbaren und Hauptschlag gegen ihre Neber buhlerin führte die Verworfene dadurch, daß fie verdächtigmde Briefe an fich selbst schrieb, diese ihrem Vater mtt dem Ver- langen vorzeigte, nach dem geheimnißvollen schändlichen Ver- faffer zu fahnden, und dabei den Verdacht gegen ihre Freundin durchblicken ließ. Die Folge davon war, daß der Vater den Muthmaßungen seiner Tochter schließlich Glauben schenkte und im Hinblick auf daS zur Plage gewordene Unwesen, welche» die geheime Brtefschreiberei u. s. w. in der ganzen nächsten Umgebung anrichtete, Anlaß nahm, die Aufmerksamkeit der Behörden auf die besagte Freun- din seiner Tochter zu lenken. Die letztere, ein 21 jährigeS junges Mädchen, wurde denn auch zur Verneh- mung vor die Staatsanwaltschaft geladen und hatte eine Reihe von Verhören zu bestehen, in denen ihr die schamlosm verleumderischen Briefe vorgelegt wurden. Es fanden Schriften- vergleichungm statt, welche zu dem Ecgebniß führten, daß mehrfache— es wird behauptet, vier verschiedene— Gutachten übereinstimmend die Möglichkeit oder Wahr- scheinlichkeit bekundeten, die Verdächtige sei in der That die ihre Handschrift verstellt habende Schretberin der Schmähbriefe. Der vernehmende Staatsanwalt sah indeß schärfer, trotz der Urcheile der Sachverständigen ver- mochte er an eine Schuld der Verdächtigten nicht zu glauben, so daß dieselbe schließlich unbehelligt blieb. Scheinbar wurden weitere Nachforschungen eingestellt, bii vor einigen Tagen die Polizeibehörde die Gelegenheit wahrnahm, in einen Lese- klub einzudringen, an welchem die Angeberin und Be- schuldigerin ihrer Freundin theilnahm. E» wurden hierbei Bücher beschlagnahmt, in welchen einzelne Briefe der Dame lagen, die fie an fich selbst gerichtet. Der Umstand, daß diese Briefe mit den Schristzügen anderer von ihr geschriebenen große Aehnlichkeft besaßen» führte dazu, daß Frl. B. von der Staatsanwaltschaft in ein scharfe? Kreuzverhör genommen wurde, bei welchem fie fich in solche Widersprüche verwickelte, daß genügende Gründe vorhanden waren. die- selbe in Untersuchungshaft abzuführen, worin fie fich zur Zeit noch befindet und auch bis zur Eiöffnung des Hauptver- fahrenS verbleiben dürfte. Die» die Sachlage de» teuflischen, aus Eifersucht geborenen Plane» zur moralischen Vernichtung eineS reinen, unschuldigen Lebens. Das Hauptverfahren wird »orauSfichtlich wegen der vielen als Beweismittel dienenden schamlosen verleumderischen Briefe unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit stattfinden. Et« Wasserscheuer. Bei einer der letzten Rekrutenver- eidigungen in Dresden kam folgender komische Fall vor. In der Eidesformel stehen bekanntlich die Worte: dem Kaiser zu Land und zu Wasser tteu zu dienen. Einer der neu Einzu- stellenden, welcher jedenfalls der Anficht war, daS Waffer habe keine Balken, wollte aufS Waffer nicht schwören, e» wurde ihm zugeredet, und er erhob wiederum die drei Finger, al« aber die Worte kämm: zu„Waffer", senkte fich abermals die Hand. „Nee, zu Waffer mag ich nich, e guter Landsoldat will ich sein, aber uf'ö Waffer mag ich nicht f"... Erst al» man ihm zum so und sovielten Male erzählte, daß der Eid für deutsche Land- und Seesoldaten derselbe sei und man seinetwegen die Eidesformel nicht ändern könne, da überwand er endlich seinen Widerwillen gegen daS Waffer und leistete dm Schwur._ Kleine Mittheilunge«. Erfurt, 16. Juni. U-ber einen Mord indem eine Stunde von hier entfernten Bischleben weiß die„Thür. Post" fol- gmdeS zu berichten. Gestern(Dimftag) in der zehnten Stunde entspann fich beim Tanz zwischen einigen Erfurtern mehrerer Mädchen halber Streit. Besonnene Leute entfernten die Störenfriede auS dem Saale. Draußen mtstand eine wüthend« Prügelei, bei welcher ein junger Mann an der Hand verwundet wurde. Zwei der Kämpfenden, der Zimmermann Heinrich Koch aus Erfutt und ein bis jetzt noch unbekannter Mensch, ließen nicht von einander. Koch lief davon, der andere hinterher. A-. einem HolzvorrathShaufen, welcher dem Hirtenhause gegen- stbersteht, packten fie fich. Die mit im Hause wohnende Hebamme wurde durch den wüsten Lärm aufgeschreckt, stellte stch mit der Lampe in der Hand in die HauSthür und war Z-ugin folgmder SchreckmSszme. Der Unbekannte, eine schlanke Figur mit Heller Weste, dunklem Rocke, dito Beinkleidem und varhäupttg, versetzte seinem Gegner einen wuchtigm Messer« stich tn den Unterleib, dann sprang er in wilden Sätzen zwischm den Gärten fort, dem nach der Gera führenden Feld- wege zu. Der Schwerverletzte brach mtt dem Auirufe: „Jetzt hat er mich gestochen!" zusammen, raffte fich aber wieder auf und schwankte hmter dem Attentäter her. Nach etwa 40 Schritten machte er jedoch Kehrt und eilte wieder auf da» HtrtmhäuSchen zu, wo er erschöpft zu Boden sank. Ein breiter Blutstrom floß aus der tiefen Wunde auf die regenfeuchte Erde. Als per Hirte und die Hebamme zur Stelle kamen, röchelte der junge Mensch nur noch schwach. Auf Anordnung de» Bürgermeisters und des Gen- darm-n Weißenborn trug man Koch in das kleine HäuSchen und legte ihn auf Stroh. DaS Messet hatte da» rechte Dick- dein und den Unterleib getroffen. Der Tod ist durch Ver- blutung eingetreten. Noch an demselben Abend schaff« man dm Todtm nach der Leichmhalle. Kurz nach der Tbat nahten zwei Mädchen, jedenfalls diejenigen, um welche der Streit ent- standen war. DeS Mörder» ist man noch nicht habhaft. Einer taubstummen Bischleberin, welche gegen'/,10 Uhr mtt ihrem Kinde von Schmira auS zurückkehrte, begegnete tn der Nähe BischlebmS ein Mann ohne Kopfbedeckung, welcher eS sehr eilig hatte. Noch am Abend stellte der Gendarm Weißmbom ein Verhör an. Heute Vormittag fuhr er nach Erfurt und erftat- tete der hiestgen Behörde Anzeige. Die Staatsanwaltschaft zu Gotha, wohin Bischleben gehört, wurde sofort benachrichtigt. Wir nahmen heute Gelegmheit, den Thatort einer Befichtigung zu unterziehen; von der Steinplatte vor dem HirtenhäuSchen an diS zu der etwa 40 Schritte davon gelegenen Gartenstacket- ecke ist das Erdreich mit Blut defleckt, auch am niederen Hof- ftacker klebt Blut und die Gräser am Wege find geröthet. Hoffentttch wird es gelingen, dm Mörder bald dingfest zu machen." Ntkolsbnrg, 15. Juni. Gestern Abend brach in Laa ein heftiges Gewitter aui. Der Blitz schlug in die Kirche ein; ein Mann wurde sofort getödtU, zahlreiche Personen verwundet. Der Blitzschlag e, tzündcte auch in Wtldendürnbach einen Brand. Eilenburg» 13. Juni. In dem Steinbruch bei Wlldschütz verunglückten am Donnerstag zwei Arbeiter, Jentzsch au» Auden- Hain und Herbert auS Schildau, indem ein herabstürzender FelSdlock fie unter seinen Trümmern begrub. Elfterer, welcher eine Kau und 5 Kinder hinterläßt, war auf der Stelle tobt, da ihm die Hirnschale eingeschlagen und der Brustkasten ein- gedrückt wurde. Letzterer lebte trotz seiner ebenfalls schweren Verwundungen noch fast zwei Stunden; er hinterläßt die Ehe- frau und ein Kind. Zürich, 17. Juni. Ueber den Krawall, welcher hier bei der Verhaftung eines streikmden Schloffergesellm mtstand, wird der„Zürich. Post" folgmde» geschrieben:„Unweit von St. Anna warm Steine auf die Köpfe der Polizisten nieder« gefahren, welche den Schloffergesellm tranSportirtm; auch einige Paffanten wurden verletzt. Nach verschiedmm Mah- nungen griffen die Polizistm zu den Revolvern und gaben Feuer, die Einen in die Lust, die Anderm direkt auf die Menge. Zwei Knabm erhiettm Streifschüsse in die Arme, einem Wirth von Außerfihl soll eine Kugel die Hand durchbohrt haben- ein ruhig zuschaumder Arbeiter, ein erwiesenermaßen braver Mann, kein übel beleumdete» Subjekt, wie die„N. Z. Z." behauptet, der Parquetbodm leger Fischer auS dem Kanton Bem, wurde in die Brust getroffen. Man ließ ihn längere Zeit am Boden liegen. Ein herbetgeholter Arzt konstatirte innere Blutentleerung; man brachte den Unglücklichen nach dem Spital und heute Morgen 7 Uhr wurde die Kugel herausgezogen.— Einer unserer Berichterstatter meldet unS über daS nächtliche Treiben bei der Hauptwache: ES betheiligte fich dabei ein starker Prozentsotz halbreifer Buben und dieses Element that daS Möglichtte zur Hebung des Skandals. Der Verkehr war gehemmt. Etliche Male suchten Sprechlustige die Masse zu haranguiren, aber fie drangen nicht durch. An der Ecke der Post- stliale veranstalteten die Metzgergesellm kleine Sozialistm- jagden. Unter dm Rufen„Du bist auch im Selnau dabei gewesm!" wurde hie und da einer aus dem Volke um- ringt, mehr alS einzelne Hiebe verhinderten aber die Besonneneren. Die Polizei schwärmte mdlich mit aufgepflanztem Bajonet auS und säuberte mdlich den Zugang zur Brücke, dann die Eirecke diSzurMarkgasse. ES wurdm ernzelneVerhaftungen vorgenommen. Die Stadtpolizisten waren durch energische» aber brsonneneS Zureden der KantonSpolizei behilflich. Nach Mirternacht lösten fich die Reihen und um halb ein Uhr kontm die Posten eingezogen werden.— Betfügen wollen wir noch, daß ein Schuhmacher, der im Schützenhause sprach und der jedenfalls nicht unter die„stnst-ren Miffethäter" gehört, über die Leichtigkeit, mit der ein Meister fich jetzt einm Polizisten verschafft, settsame Eröffnungen machte- Sind die- selben richtig— und fie schienen uns wahr zu sein— dann allerdings kann eine beklazenSwerthe Parteinahme zu Gunsten der Meister nicht geleugnet werden. Der Mann kor statirte übrigens, daß der Polizist, der ihn abgefaßt, und der städtische Polizeikommissär, zu dem er geleitet wurde, ihn sehr anständig behandelten. Eine strenge Untersuchung ist nothwendig. Der »Landbote" meint, die gesammte Angelegenheit dürste nächste Woche im KantonSrath zur Erörterung gebracht werden.— Wir beharren nach wie vor bei dem Satze, daß die Polizei die Leute, welche die Arbeit fortsetzen wollen, zu schützen hat, und daß daS HauSrecht nicht ungestraft verletzt werden darf; wir weisen auf Gesetz und Richter. Daß„der Tam-Tam der Proklamationen", von dem wir gestern sagten, er beunruhige die Bevölkerung, wirklich beunruhigt und gereift hat, müffm wir beute leider annehmen. Der Erlaß der Poltzeidircküon goß Oel inS Feuer. Wir stehen mit unserer Auffaffung nicht allein und eS schreibt die„Bülach- Dielsdorfer Wochenzeitung", die oft genug in letzter Zeit dm Ardeitem herbe Dinge sagte: der Erlaß de» Herrn Polizeidirettor Sptller sei sehr üdelflüssta gewesen,„dm Belagerung»- zustand haben wir nicht". Aehnlich urtheilt der„Landbote". Von den Führern der Arbeiter erwartm wir, daß fie all ihrm Einfluß aufdietm, erregte Genoffen vor Gcwalllhäligkcilen ab- zuhalten: fie nehmen kein gutes Ende. Diejenigen aber, welche nach bekanntem Rezept von„gewerbsmäßigen Agitatoren" spreche» und somit gewerbsmäßig anschwärzen, darf man wohl daran erinnern, daß gewtffe, ausschließlich an die Einen der Kriegführenden gerichtete Mahnungen wiederum nur aufstacheln und von den gewerbsmäßigen Tagdtebm, Bummlern und Individuen, welche fich beim Schoppen die Liebe zur Ordnung einflößm lassen, eher ali Einladung zum Dreinhauen auf- gefaßt werden." Rom,. 15. Juni. Es werden immer neue Einzelheitm über die furchtbare Exploston in den Schwefelgruben von Nort bei Girgenti gemeldet. Di« Zahl der aufgefundenen Todtm beträgt bisher 72, bis jetzt wurdm 14 Arbeiter gerettet. Eine starke Militärabtheilung ist fortwährend mit Nachgrabungen beschäftigt. Flammen und kolossaler Rauch, die fortwährenv aus den Gruden dringen, erschweren da» RettungSwerk ungemein, es spielen stch fortwährend herzzerreißmde Szenm ab, nament« lich in der Holzbaracke, wo die meist furchtbar entstellten Todtm ausgestellt werden. Die aertchtlichc Untersuchung ist im Zuge. Man behauptet, die Gesellschaft treffe für Außer- achttaffung zahlreicher Sicherhetti-Maßregeln große Schuld. Letzte Nachrichte«. Zu de« belgischen Streik«. In Quaregnon und Mnu habm 600 Arbeiter gestem Vormittag die Arbeit wieder auf- genommen.._ Die englische Wahlbewegung. Gladstone ist in Edinburg eingetroffen, er wurde unterwegs auf allen Statio- nen, wo der Zug anhielt, mit großer Begeisterung empfangen. In der englischen Wahlbewegung wird auch P a r n e l l eine hervorragende Rolle spielen; er gedenkt zunächst eine Adresse an das englische Volt zu richten, um die Bedenken gegm die Home Rule-Bill zu emkr ästen. Auch die Iren in Amerika beginnen fich thätig in die Wahlkampagne zu mischen. Zu- nächst sammelt der irische pailamentarische FondS-Verein durch daS ganze Gebiet der Vereinigten Staaten Geld- mittel zur Unterstüvung der Iren und ihrer Freunde im d-' vorstehenden Wahlkampse. Ei gehen angeblich große Summen ein. Die Petilzeuauswetsung im sranzöstschen Senat. Der Konserlpriifident Freyftnet(heilte gestern Nachmittags der Senatskommisjwn weitere Emzelbeiten über die Organisation der orleanistischen Partei mit. Natürlich ist ttotzdem tn keiner Weise darauf zu rechnen, daß die jeder Ausweisung feindselige Mehrheit de» AuSschuffe» etwa anderer Anficht werdm könnt-. Andrerseits glaubt die Regierung nach der„Nationalzeitunz noch immer» daß der Gesetzentwurf im Senate angenommen werden wird. Die griechische Deputirteukammer nahm mit 30 Stimmen Majorität in dritter Lesung die Vorlagen über die Re- form der Wahlgesetze an. *** Aehnlich wie gegen die Manrer und Töpfer geht die Polizei nunmehr gegen die Tapeztrer vor. Im gestrigen „RetchSanzeiger" lesen wir: Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der„Verein zur Wahrung der In' «reffen der Tapezirer Berlins" einschließlich der mit HerauS- gäbe deS FachdlatteS„Tapezirer- Zeitung" befaßten„Z e i tu ng s- Kommission" nach§ 8 de» VereinSgeseyeS vom 11. Matt 1850 vorläufig geschloffen ist. Jede fernere Betheiligung an diesem Vereine oder etwaigen Neubildungen, welche fich sachli« al» Fortsetzung desselben darstellen, wird nach Z 16 a. a. O- mtt Geldstrafe von 15 bis 150 M. oder Gefängnißstrafe mM 8 Tagen bis zu 3 Monaten belegt. Berlin» dm 17. Junt.l3vv. Königliches Polizet-Präfidium. Freiherr von Rickthofen. Verbote« auf Gruud de« Sozialtveugesetze« wurde die Druckschrift: Sozialdemokratische Bibliotbek vn. Sozial polttische Vorträge von Josef Dtetzgen. 1) National Oelöno- mischei. 2) Die bürgerliche Gesellschaft. Hottin gen- Zürich- Verlag der Volksbuchhandlung. 1886. Krieflmstett der Redaktion. «. K. 270 Wir haben schon öfter wiederholt, daß«ir Fragen, welche den Scharfrichter betreffen, prinzipiell nicht be antworten. Wir können auch mit Ihnen keine Ausnahm- machen. Wenden Sie stch doch dirett an den betteffenven Waldstraße. Wmn Sie beim Antritt Ihre» Arbeit»- Verhältnisses mtt Ihrem Arbeitgeber nicht extra vereinbart habem daß eine Kündigung vor Auflösung des ArbeUSverhallniffr- nicht stattfindet, so habm Sie die 14tägige Kündiarmg zu beow sprucheu. Verllagen Sie also den Ardeitgeber bei der Gewerbe deputation des Magistrats(Köllnisches Ratbhaus. Breitestr. 20W* Sie können die Klage mündlich zu Protokoll geben. schriftlich einreichen; thun Sie das letztere, so müssen S« o Schriftstück in zwei Exemplarm einreichen. Verantwortlicher Redakteur R. Eronheim in Bertin. Druck und Verlag von Max vading in Berlin 8W., Beuthstraße 2.