Mr. 141. Dienstag, de» 33. Inni 1886, III. Jahrg. erihurlMli Drgan für die Intereffen der Arbeiter. 4 DaS„Berliner Volksblatt" (Eingetragen in der PoitzeitungSpreiSliste für 1886 unter Nr. 769.) Jnsertionsgobühr beträgt für die 4 gespaltete Peittjeile oder deien Raum 40 Pf. ArbeitSmarkt 10 Pfennige. Bei giößeren Aufträaen hoher Rabatt nach Ucbereinkunft. Inserate werden bti 4 Uhr Nachmittags in der Expeditton, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Die Nerulirrullz der Geister. Em Hervorrageader Politiker sprach sich jüngst uns gegenüber dahin au«, einer der Hauptfehler unserer Zeit- Verhältnisse bestehe in einer noch kaum dagewesene» Per« wirrung der Geister. Nu», an klardenkende» und zielbewußten Leute» ist»och »iemalS Ueberfluß gewesen. Daß aber heute»ine besonder« weitgehende Verwirrung der Geister eingetreten ist, wollen wir auch nicht bestreiten. Wer möchte heute eine» der po« litischen Begriffe genau so auffasse», wie er dem Wortlaut nach sich darstellt. WaS ist au« de« Begriffen»Recht", „Freiheit" u. s. w. geworden, mit denen man früher be- stimmte volksthümliche Bestrebungen bezeichnete? Heute führt diese Worte Zederman» in seinem Munde; die Schwarzen so gut wie die Nationalliberalen, die Zunker und Agrarier so gut wie die Fortschrittler. Die widerwärtigste Knechtschaft der Neuzeit, die Ab- häagigkeit de» wirthschaftlich Schwache» von dem wirthschaftlich Starken, der Zwang für de« erstere«, mit dem letzteren unter ungleiche» Bedingungen zu konkurriren, wird von einer gewissen Richtung für die„wirthschaftliche Freiheit" erklärt. Die Phrase dominirt nach wie zuvor uad oftmals die Phrase in ihrer heuchlerischste» Form. Viele Taus-nde von Wählern glauben heute noch, die Devise de« UltramontaniSmu«,„Wahrheit, Freiheit uad Recht!", sei vollkommen aufrichtig gemein». ES ist nicht tröstlich, daß e« so ist, allein eS ist so. Besonder« die Arbeiterklasse hat viel unter dem hohlen Phrasenmacherthum zu leiden. Da dränge» fich eine Menge von„Freunden" an sie-heran, die für das„Wohl" der Arbeiter besorgt zu sein vorgeben und die doch»ach Anschauungen und sonstige» Eigenschaften ganz und gar de» rückständigen" Elementen angehören. Man denke nur a» Stöcker uad Genosse«. Da darf man fich nicht wundern, daß die Verwirrung der Geister nicht klein ist. Aber bei alledem darf man nicht übersehen, daß die geistigen Zustände doch immer nur al« Aeußeruvgen der materiellen und soziale» Verhältnisse erscheine». Zst unter den letzteren viel Sumpf oder viel Versumpfung vorhanden, so werde» auch in der geistige» Atmosphäre Miasmen auf- steigen, die uns nicht angenehm berühren. Da« kann gar nicht ander« sein und ist auch immer so gewesen. Aber wenn die Frage aufgeworfen wird, wie an die Stelle dieser Verwirrung die nöthige Klarheit trete» soll, dann mögen die verschiedevsten Antworten zu vernehmen sei». Der Eine wird sich damit begnüge», zu sagen: „Durch allgemeine Bildung!" und wird mit dieser banalen Phrase seiner Zeit genug gethan zu habe» glaube«. Der Andere wird sich viel weiser dünken und wird sage»: >»q»n»t XKrtOtOl] IeuiLteton. Eine Mutter. Roman von Friedrich Se'rstäcke». (Fortsetzung) „Gute Nacht, Mutter!" „Wo willst Du hin?" „Noch einmal fort; ich habe mir nur de» Schimmel satteln lassen und muß vor Tag wenigste»« die Spur habe». Da? darf nicht sein, da« darf nicht sein, e« ist zu furchtbar!" L,.0. „Und welche« Zweck hast Du dabei? „Welchen Zweck?" rief George erstaunt.„Dir Derne Tochter wieder zuzuführen— die Ehre unsere« Hause« zu leUen.34 habe keine Tochter mehr!" sagte die Gläfia mit eisiger Kälte.„Und die Ehre unsere« Hause«? Glaubst Du, daß e« morgen in der Stadt noch eine Dienstmagd giebt. die nicht am Brunne» die Ehre unsere« Hause« be« spräche?" Ehe George etwa» darauf erwidern konnte, öffnete sich plötzlich die Thür, u»d der alte Graf, mit einem Antlitz, da« auch jeder Bluttttopfea verlasse« hatte, und gläserne«, stieren Auge», betrat den Saal. „Mein Vater I" � „„Bitte, meine verehrten Herrschafte«, behalte« Sie Platz I" sagte der alte Herr mst markerschütternder Freund« lichkeit;„meine Paula wird gleich erscheinen— nur ein leichte« Unwohlsein— nur ein ganz leichte« Unwohlsein. „Großer, allmächtiger Gott," stöhnte George und barg da« Antlitz in de« Händen,„da« ist schrecklich I". Der alte Graf ging zum Tisch, setzte sich dort auf eine« Swhl und stützte den Kopf in die Hand; während er aber T* da saß, liefen ihm die große», hellen Thränen an de« Wangen nieder. „Mein lieber, lieber Vater!" rief George, sprang zu 'Hm und umschlang ihn mit den Armen. t „Durch Verbesserung de« Untenicht«!" und der Dritte wird Beide übertrumpft» wollen, indem er da« Heilmittel in einer besseren Presse sieht. An und für sich möge» ja alle drei nicht Unrecht haben; aber sie sagen alle nicht, auf welchem Wege wir dahin gelangen könne». Und da wolle« wir den« auch unser Schelflei« dazu geben und sagen: dem Volke gehört nicht nur Brod und Unterricht und Bildung, sonder» auch — Zeit! Da» ist gewiß nicht neu und wir wisse« da« so gut wie andere Leute. Aber wir wolle» nur ausführen, daß der Maogel an Zeit auch eine» großen Theil der Ver» schuldung an der Verirrung der Geister trägt. Wir lebe» in einer Periode der Ueberhastung, die zur Nervosität führt. Der ganze Produktion», und Zirkulation«- prozeß der Waare», die VerkeHrSberechaungen und wa« alle« damit zusammenhängt, geht mit einer uugeheuren Schnellig« keit vor fich. Da« Zeitalter de« Dampfe« und der Tele« graphe« zwingt auch den Mensche», eine Reihe seiner Ar- beitea und Verrichtungen schneller zu erledigen, al« sonst, und seine Kräfte auf da« Aeußerste anzustrengen und au»- zunützen. Mit welcher Hastizkeit müsse» heute die Aufträge in den großen Eiablissement« erledigt werde», wenn man auf dem großen Markte die Konkurrenz zu halten im Stande sein will? Auch der geistigen Thätigkeit hat fich die« Ueber- hasten mitgetheilt! Wa« würde der Buchdrucker, der vor 300 Zähren gelebt hat, sagen, wenn er heute sähe, wie«ine Zeitung hergestellt und wie rasch alle« Neue verarbeitet wird! Dies«« Ueberhafle», diese« nimmermüde Anstrengen und Mühe» dei Tag und Nacht verbraucht Gehirn und Muskeln rascher al» sonst und die Nerve» werden schnell schloff. Der neroö« aagegriffene Mensch aber sieht die Welt, die allge- meinen Zustände und die persönlichen Verhältnisse ander« an, al« der gesunde; Alle« erscheint ihm verzerrt wie in einem Hohlspiegel. Da« trägt zur Verwirrung der Begriffe mehr bei als Worte. Der Eine glaubt, e« stünde eine gänzliche Umwandlung aller Verhältnisse bevor; der Andere ist Pessimist und glaubt, e« könne überhaupt nicht« mehr besser werden. Der Dritte endlich ist ganz abgestumpft und kümmert sich um aar nicht». Ihnen allen fehlt Zeit und abermal« Zeit. Sie müssen Zeit haben, um auszuiuhen, damit ihre Nerven nicht zu sehr angestrengt und dadurch entweder überreizt oder abgestumpft werden. Dann gewinne» sie auch jene inne»e Festigkeit, die eiforderlich ist, um die Verhältnisse zu Überblicken und die nöthige Einsicht in den Gang der Entwickeluag zu gewinne«. Darau« entspringt dann jene Klarheit und Zielbewußtheit, gegen die alle Phrase ohnmächtig ist. Wir wissen wohl, daß e« kein alleinige» Allheilmittel „George," rief der alte Mann und sah ihn an,„bist Du mir noch geblieben?" „Mein guter Vater, darf ich Dich jetzt zu Bett ge« leiten?" „Ja, geh' zu Bett, George," drängte auch die Frau, „die Ruhe wird Dir gut thun; e« ist spät geworden." Und sie half ihm dabei von der andern Seite, um ihn vom Stuhl aufzuheben. Der alte Graf richtete sich aber von selber empor. „Ja, Kinder," sagte er,..ich will zu Bett gehe», ich bin recht müde geworden. Deinen Arm, George; so, da« geht schon. Gute Nacht, Ottilie, gute Nacht!" Und mit feste« Schritte« verließ er, von dem Sohn gestützt, de» Saal._ Nach dem Theater. Gleich nach der Vorstellung de«„Hamlet" ging Fürchte- gott Pfeffer nicht unmittelbar nach Hause, denn er fühlte sich so merkwürdig aufgeregt, daß er die Entschuldigung für sich hinreichend hielt, erst noch in der„Hölle" einen Schoppen Wein zu trinke» uad etwa« Warme« dazu zu essen. Daheim fand er doch nicht« weiter, al« eine Tasse Thee und ein Butterbrod, oder, wenn er wollte, ei« Gla« Bier. An jedem ander« Abend hätte er fich aber auch vollständig damit be- gnügt, und war e« in der That gar nicht besser gewohnt- heute drängte e« ihn aber außerdem, wen« er e» sich auch nicht selber gestehen wollte, Menschen zu sehe» und ein Urtheil über die Boxstellung zu hören. Er fühlte mit einem Wort da» Bedürfniß, sich etwa« mittheilen zu lassen. Gedrängt voll saß aber die Stube schon, al« er sie betrat, und ein Durcheivanderwoge», Sprechen und Debat- tiren war dort, daß man sein eigene« Wort kaum höre» konnte. Aber auch kein Wunder, denn oie Vorstellung heute Abend hatte nicht allein schon genug Stoff geboten, sonder» man wollte auch den Fackelzug erwarte», der vor dem „Parodie«" vorbei mußte und de» zu betrachten der Wirth der.Höllengesellschaft" eine« von seinen Zimmern vorn Sobald der Zug ankam, sollte« heran« eingeräumt hatte sie gerufen werde«. Jetzt dachte aber Niemand an etwas Anderes oder giebt und betrachten auch die Gewinnung von Zeit, also die staatliche Festsetzung und Einschränkung der Arbeit, nicht entfernt al« ein solche«. Wir wollen nur die erwähnte Ver» wftrung der Geister auf ihre wahre» Ursache» zurückführe». Wie einerseits diejenigen hoch zu achte» find, die, hin» eingezogen in den«ildwirbelnden und hastigen Produktions« prozeß von heute, dennoch die nöthige Geistesklarheit bewahrt haben— und ihrer sind glücklicher Weise nicht wenige— so mag andererseits Zeder mann bestrebt sein, für Gewinnung von Zeit zu wirke«. Dan» wird die Nervosität und mit ihr auch die Begriffsverwirrung abnehme«. MolMsche Ueberstcht. Unsere sozialreformerische Regierung ist jetzt glück« lich da angelangt, wo Herr Schulze-Delitztch vor mehr ai« zwanzig Jahren stand, nämlich bei der Begeisterung für Roh- stoffzenoffenschafren, Mazazingenoffenschaften und Genoffen- schatten zur gemeinsamen Anschaffung und Benutzung von Maschinen und HilfSmaschinen. Wmiqstcn« läßt der Regierung«« Präsident von Breslau, Freiherr v. Conried, durch feine Unter« behörden, Landrätbe und Magistrat derartige Mtttelchen allen Innungen auf« wärmste empfehlen. Nicht« gelernt und viele« vergeffen I— möchte man angesichts dieser verlorenen Liebe«- mühen der Regierung zurufen. AI« einst Laffalle seine scharfe Kritik der Schulze'schen Bestrebungen veröffentlichte, da waren e« führende konservative Sozialpolttiker, dem Fürsten Bismarck sehr nahestehende Männer, welche Laffalle Recht gaben und über den deutschen Bastiat spotteten. Und dieselbe Regierung, welche fich rühmt, allen europäischen Staaten in den Bahnen der Sozialreform voranzuschreitrn, dieselbe Regierung wandelt heute in den Spuren de« adgethanen Bastiat- Schulze! Welch ein Tiiumpf für den Verstorbenen! Over vielmehr, welch ein beschämende« Zeugniß für die Be- fähigung der modernsten Staat«- und GesellschaftSrettcrk — Unsere Stellung zu der Frage ist unseren Lesern bekannt und ebenso einfach wie klar. Wir halten den Großbetrieb für die eigentliche ProdukttonSform der Zukunft, allerding« den Großbctriei', der nicht mehr die Arbeiter drorlo« macht, weil er alle« mit weniger Arbeit fertig zu stellen vermag, sondern den Großbetrieb, der die Arbeitslast Aller vermindert und die Genüffe Aller vermehrt, weil er in den Händen von Arbeiter» genoffenschastrn, nicht von einzelnen Unternehmern ruht. Wir wollen also den Großbetrieb, well er dem Volke später einmal die Arbeit unendlich erleichtern wird. Wir wollen also den Todeskampf dei Handoerk« nicht ver« längern, wie e» die Schulze'schen Genoffenschiften thun, son« dern abkürzen. Wir wollen die LeidenSzeit, in der wir heute leben, nicht verdoppeln, sondern so rasch al« möglich mit allem Lebensunfähigen aufräumen. Deshalb bedauern wir dir neuesten RegierungSmaßregcln: fie werden nicht« nützen, aber Mnstlge, wirklich erfolgreiche Reformen verzögern und erschweren. Uedri- «en« glauben wir nicht, daß da« Handwerk noch stark genug i, irgend Bedeutende« in der vom BreSlauer Präsidenten sprach von etwa« Anderem, al« dem Erfolg Rebe'« und e» «ar eigentlich nur eine Stimme: daß er die Bewohner von Haßburg auf da« äußerste überrascht und Niemand ihm ei» solche« Talent zugetraut habe. Allerding« gab e» auch Andersgesinnte und unter diesen Doktor Strohwisch, der in der unbestimmte« Hoffnung herübergekommen war, Rebe hier z* finden uad eine Flasche Champagner mit ihm zu trinken, und jetzt, da er ihn nicht fand, Manche« an der„Auffassung" zu tadeln hatte. Er sollte den„tiefen Sinn" einzelner Stellen nicht erfaßt und gewürdigt, An» dere« wieder zu„trivial" gesprochen haben, und wie die verschiedene« Rezenseatenphrassa alle heißen— aber er wurde überstimmt. „Spielen Sie einmal de« Hamlet," rief der Maler Arnold dem Doktor entgegen,„so rein vom Blatt weg, ohne Vorbereitung, ohne eine Probe, ohne nur vorher in die Rolle hineinzusehe«, und mit kaum Zeit genug, in die Lumpe« hineinzufahre»! Die Nase rümpfe« kann ei» Zeder, aber meinen Hal» zum Pfände, daß unter hundert Schau« spieler« nicht zehn, ja, nicht drei find, die ihm da« nach« machen I" „Nun ja, ich habe ja nicht« dagegen," sagte Stroh- wisch einlenkend, denn er war verschiedener Ursache« wegen noch nicht mit sich im Reine», ob er entschieden für oder gegen Rebe austreten solle; er mußte erst mit ihm „sprechen".„Er hat w der That da« Außerordentliche ge« leistet, und ohne ihn hätte die Vorstellung gar nicht statt» finden können." „Wo, zum Henker, kann aber Handor gesteckt haben," rief einer der Offiziere;„hat ihn den» Niemand gesehen?" „Meine Herren," sagte Trauvest,„meine Meinung ist die, daß ihn auch Niemand wieder sehen wird." „Richt wiedersehen?" rief Alle« durcheinander.„Woher wisse» Sie da«?" .Da« will ich Ihne« sagen," meinte Trauvest ruhig. indem er eine« Pfropfen au« einer Flasche RüdeSheimer ,oa und fie auf den Tisch stellte. Heute gegen Abend war er hier, ziemlich aufgeregt, und ließ sich eine Flasche Cham« pagner gebe«. Morgen ist der Erste, und er hatte ver« aewllnsihten Richtung iu leisten. Anschluß an daS Proletariat ist die einzige richtige Politil für die Handwerker. »ie Beanadignvg des Polizeikommissar Meyer gereicht der„Eons. Corr." und der„Kreuzztg." natürlich„zur größten Genugthuung."„Die Verurtheilung Meyer'S", schreidcn die konservativen Blätter,„hatte in den Reihen der EickerheitS- Mannschaften überall einen höchst niederschlagenden Eindruck hervorgebracht, der jetzt, wo diese Mannschaften sehen, daß fie an entscheidender Stelle einen ft«en Rückhalt befitzen, schwinden wird." Man darf fich also nicht wundern, wenn die Polizei« Mannschaften recht bald neue Beweise ihres Machtgefühles geben werden. Unsere Schutzzöllner schrecken allmälig vor den Folgen ihrer eigenen Politik zurück. So hat nach der„Magd. Ztg." noch kürzlich die Handelskammer von Aachen und Burtscheid durch ihre Eingabe an den preußischen Handelsminister die schädlichen Folgen einet ErstarkenS der proteftionistischen Be« wegung in der Schweiz zur Darstellung gebracht. Wenn an derartige Befürchtungen aber das Ersuchen geknüpft wird, der preußische Herr Handelsminister möge daS Seinige thun, um einer derartigen Schädigung durch Verhandlungen mit dem beireffenden fremden Staate entgegenzutreten» so kann ein solches Ersuchen nur dann einen verständigen Sinn haben, wenn man damit zugleich zu verstehen geben will, daß Deutschland die proteftionistischen Wege, auf denen ei allen anderen Ländern feit einiger Zeit Schule machend vorangeschritten ist, verlassen möge. ES wäre doch zu naiv, wollte eine Regierung, die seit Jahr und Tag in allen Tonarten daS Lob von den segenS« reichen Wirkungen det Protektionismus gesungen hat, ohne Eingeständniß der begangenen eigenen Thorheit, andere Völker davon abhalten, nach derselben Facon selig zu werden. Agrarisches. ES war ein wunderliches Rezept, welche» auf dem in Kößnitz abgehaltenen Thüringer Bauern« tag der Großarundbesttzer Laubinger auS Blankenhagen bei Hannover dm veutschm Bauern vorschrieb, um ihren„Noth- stand" loS zu werden. Aufhebung der Grundsteuer, Abschaffung. der Goldwährung, sowie der Wechselfähigkeit, Abschaffung der frühen MündigkeitSerklärung(mit 21 LebmSjahren), Verbot der Gütertheilung! Herr Knauer. Gröbers, Zuckerfabrikant, Mit« «lted der konservativm Partei de» preußifchm AbgeordnetM' ause«, fügte, nach der„Franks. Ztg.", den Laudinger'schen Vor« schlägen noch alS kräftiges Mittel die Wtederetnfüh rung der Prügelstrafe bei, nicht für die Menschen, sondern nur für die Lumpen, wie er in seiner witzig sein sollen« den, aber in Wirklichkeit adstoßmden Manier bemerve. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, durch welche der SpirituS als ein geeignetes Steuerobjekt erklärt wird, welches im Stande wäre, den überlasteten Kommunalverbän« den Steuererleichterung zu gewähren. Ueder die Form dieser Besteuerung, sowie über ihre Höhe verlautete nichts. Der Be- such deS Thüringer Bauerntagi war ein gegen die früheren Jahre sehr geringer und die von Herm Laubtnger beantragte Umwandlung der deutschen Bauern, denen man die Wechsel« fähigkeit, die freie Verfügung über daS Eigenthum nehmen will, in Staatsbürger zweiter Klaffe wird ihm bei der großen Mehrheit unserer Bauern den Todesstoß geben, trotz aller Knauer'schen Witze I Einschränkung deS Brennereibetriebes. Aul Posm ist der„Nordd. Allg. Ztg." die Mittheilung zugegangen, daß die Kommisfion, welche von dm Brennereibefitzetn und Spiri- tuSintereffmtm cingefetzt ist, um Vorschläge zur Hebung deS Brmnereibetriebe» zu machen, beschloffen hat, die SpirituSpro- duktion um 20 pCt. einzuschränken und die Brennperiode nicht vor dem 1. Ottober zu eröffnen. Man wird dtefm Beschluß nach Lage der Dinge nur mit Gmugthuung begrüßen können, da die Provinz Posen in dem gmanntm landwtrthschaftlichen Industriezweige unter den preußischen Provinzen— und also um so mehr in Deutschland überhaupt— die Führung hat. ES ist zu hoffen daß auch die übrigen Brennercigenoffenschaf« ten, namentlich in Brandmburg und Pommem, diesem ein« fichtigen Akte der Selbsthilfe folgen werdm. Die schlestsche Pastoral-Konferenz, welche am 16. d. M. in Liegnitz tagte, hat den vom Herrn Pastor OlShausen einge« brachten Antrag zum Beschluß erhoben,„die Pastoral. Konfermz wolle ihre freudige Sympathie zu der im Antrage von Hammer st ein ausgesprochenen Tendenz auf Herbei» führung größerer Selbstständigkeit der evangelischen Kirche zu erkennen geben". Wie da» dortige konservaliv- Blatt fich auS» drückt, hat die schlestsche Pastoral-Konferenz durch diese Stel- lungnahme„in erfreulicher Weise bekundet, daß die evangelische Geistlichkeit auch unserer Provinz ebmso wie die evangelisch« gläubigen Gemeindemitglteder auf die Dauer nicht gewillt find, die evangelische Landeskirche in ihren heiliastm und wich« tigsten Angelegenheiten den Stimmungen und der Bevor« mundung eine? aus Ultramontanen, Juden, Sozialdemokraten und kirchen«und christen« feindlichen Fortschrittlern zusammengesetz« ten Parlaments auszuliefern".— Man steht, die Herren find nicht bloS gotteSfürchtig. spräche», da zu zahlen; ich konnte sie ihm nicht gut ver« weigern. Da hinten an der Tischecke saß er, ganz allein, den Kopf in die Hand gestützt, und schüttete das edle Te- tränk nur so hinunter; dann stand er plötzlich auf, warf den Mantel um, sagte.Gute Nacht, Trauvest l" und weg war er. Ich hatte freilich»och immer kein Arge» daraus, dm» ich dachte, die Roll« ginge ihm im Kopf herum,»eil mir Höfken erzählt hatte, daß er de« Morgen auf der Probe kein Wort davon gewußt, bis ich heute Abend hörte, daß er gar nicht gekommm wäre und Herr Rebe den Hamlet spiele» wolle. Da wurde mir nicht wohl bei der Sache, und ich machte mich in sei» Logis hinüber— aber wo war Herr Handor? Sei» Wirth schien selber schon Angst gekriegt zu habe«, weil so viel Nachfrage»ach ihm gewesen, und tüchtig auf der Kreide steht er da drüben ebenfalls, das könne» Sie fich wohl denke». Wir gingen deshalb zu ihm in die Stube hinauf, und da blieb dmn wohl kein Zweifel, daß Herr Handor eine kleine Reife an- gettete», wobei überdies noch da« Mädchen befiättgte, daß er gegm Abend einm Koffer weggeschickt habe. Einige alte Kleidungsstücke, ei» Paar Stiefel und zwei oder drei Bücher lagm allerdings«och im Zimmer, da« war alles, die Kommodeakasten standen leer und der Vogel war aus- geflogen." „Merkwürdig," rief Barthel,„und morgm ist Gage« tag!" „Ja, al» ob er die nicht schon weg hätte!" lachte Höske«.„Wenn aber nun der Rebe nicht eingetreten wäre, da» hätte eine Heidmwirthschaft gegeben; und der Erbprinz hat dem Rebe seine eigene Tuchnadel geschenkt." „Alle Wetter," rief Sttohwisch,„ist da» begründet?" „Ich habe selber dabei gestanden, wie fie Krüger her« unter brachte; aber hol' mich Dieser und Jener, er hat fie auch verdimt!" „Habt Ihr'» schon gehört?" rief in diesem Augenblick einer der gewöhnlichen Gäste, der Doktor Kleeman«, welcher besonders viel populär-mediziaische Aufsätze für Zeitungen schrieb und Stammgast in der„Hölle" war. „Nnn, was ist jetzt wieder?" rief Arnold.„Haben fie ihn erwischt?" Der Rtchterstand. Wir lesen häufig, daß Angeklagte von denRichternnach ihrer politischenParteistellung gefragt werden und daß Strafverschärfung eintritt, wenn der Angeklagte fich zu einer»xtrernen Paitel bekennt. Dies findet man oft in den Urtbeilen detont. Bei einem Streikenden, der auf Grund deS § 153 der Gewerbeordnung bestrast wird, fällt eS schwer ins Gewicht, od er Sozialdemokrat ist. Die« bestätigt eben, daß die Richter in politischen Dingen vielfach unter dem Einfluß der herrschenden Richtung stehen; fie find eben Menschen und können deshalb wahrscheinlich diesen Einfluß nicht völlig ab- schütteln. Aber die Rechtsprechung sollte unter diesem Einfluß nicht leiden, so dachten und handelten wenigstens in früheren Zeiten preußische Richter, die ihren Stolz in der vollsten Un° parteil'chtett und Unadhänzigkett suchten. So be-ßt eS in einem freisprechenden Erkenntnis! auS dem Jahre 1841, welches der AppellationSsrnat bei damaligen höchsten Gerichtshofes in Preußen, deS Kammergerichts, fällte, folgendermaßen:„Ob die politische Ansicht des Angeklagten eine begründete ist, hierüber zu urtheilen geziemt dem Richter nicht. flrinzipienftagen der Politik, Grundsätze des öffentlichen Wohles, rörlerungen über Gediegenheit und Verwerflichkeit von SteatS- einrichtungen und Verfaffung können nicht Gegenstand lichter« licher Entscheidung werden. Erörterungen der Art gehören einem Gebiete an, von dem die richterliche Wirksamkeit auSge- schloffen ist und deshalb sich fern halten muß. Die Meinung al« solche ist kein Verbrechen, fie kann nur strafbar werden durch die Form, in welcher fie in die Oeffentlichkeit tritt und durch die Ädstcht, die bei der Veröffentlichung vorwaltet. Vor- wurf richterlicher Entscheidung kann daher auch nur die Abficht werden— und je schwieriger es ist, den Inhalt hierbei zu sondern, um so strenger wird für den Richter die Verpflichtung sein, sich selbst zu überwachen, damit die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit seine« Urtheils vor dem Ein« fluß seiner eigenen Ueberzeugung gewahrt werde."— Johann Jacoby war nämlich zu 2% Jahren Festung wegen der be- kannten„Vier Fragen" von einem Ostpreußen, veruttheilt worden. Das Kammergericht sprach ihn aber frei. In der Begründung deS Erkenntnisses finden fich obige goldenen Worte, die, wie die„VolkS Ztg." richtig meint, vor der Thüre jedes GerichtSsaaleS, in welchem politische Prozesse verhandelt werden, angeheftet werden sollten. Oesterreich'Ungarn. Der Petroleumzollkonflikt in Oesterreich ist ge« nau so verlaufen, wie e« nach dm Beschlüssen deS PolmklubS vorauszusehen war. DaS Abgeordnetenhaus lehnie am Freitag in später Nachtfisung nach zweitägiger Debatte über den Petroleumzoll den Antrag Sueß von der Minorität mit 160 gegen 154 Stimmen und ebenso die übrigen von der Mino- rität gestellten Anträge ab; dagegen wurde der Vermittelungs- antrag AbrahamoviczS, den Zoll für rohes Petroleum auf 2 Fl. zu erhöhen, angenommen.— Dieser Zollsatz dedeutet eine Erhöhung der Regierungsvorlage um nur 58 Kreuzer. ES kommt nun darauf an, die Zustimmung Ungarns zu dieser kleinen Zollerhöhung zu erhalten. Ungarn soll bekanntlich unter der Bedingung der Herabsetzung der Textflzölle damit einverstanden sein. Schweiz. Die Berner Arbeiter sprachm fich in einer Versammlung für die streikenden Züricher Schloffer auS. Sie nahmen fol- gende Resolutton an:„Die am heutigm Abend im CafS Rütli tagmde Arbeiterversammlung protestirt gegen daS Vor- gehen der Justiz- und Polizetbehörven im Kanton Zürich gegen- über den streikenden Schloffern als den republikanischen Ge- setzm unsere« Lande« widersprechend und fordert alle Arbeiter auf, in ihren Kreisen für die Streikenden Bcü.äge zu sammeln, um den Schlaffem in Zürich zum Siege zu verhelfm und zur Ausdauer anzuspomen."— Im Weiteren wird verlangt, daß der BundeSrath baldigst Schritte thue, um eine int er« nationale Regelung der Arbeits« und Lohn« Verhältnisse herbeizuführen, um den Streiks in den ver« schiedenen Ländern vorbeugen zu können. Belgien. Die Lage im B o r t n a g e hat fich bemhigt. 600 Ar- better haben in Quaregnon und Flenu die Arbeit wieder auf- genommen, auch anderwärts ist theilweise die Rückkehr zur Ar» deit erfolgt. Truppen und Gendarmerie bewachen die Ort« schasten und die Schachte. Arasrreily. Das Mißverftändniß, welche« zwischen England und Frank- reich wegen der Neuen Hebridrn entstandm ist, scheint bereit« aufgellärt zu sein. Eine französtsche Gesellschaft der ge- nannten Inselgruppe beschästtgl auch eine bedeutende Anzahl Arbeiter und von diesen sollen fünf durch die Eingedornen ermordet worden sein, worauf die Uebrigen die Gesellschaft er« suchten, entweder für ihre Sicherheit Sorge zu tragen, oder fie sortzuichaffen. Der Gouverneur von Neu-Kaledonien sandte zwei kleine Schiffe mit 50 Mann Soldaten an dm Punft, wo die französischen Arbeiter beschäftigt waren, um die Eingeborenen zu züchtigen. Ein solches Verfahren ist nicht ungewöhnlich, „Erwischt— wen?" „Den Handor." „Was hat denn der anSgefreffe»?" „Durchgegangen ist er." „Alle Wetter I" „Aber was wollte« Sie dm« erzählen?" „Oben bei Monford« sollte doch heute Verlobungsabend sein und große Gesellschaft war geladen." „Ja, welche alle im ersten Range fehlten." „Sie hätte« eben so gut in« Theater stehen können," sagte Kleemann,„au« der Verlobung ist nicht« geworden; da» wird einen Skandal geben in der baute yoUe!" „Aber wa« ist denn vorgefallen?" rief Sttohwisch, ganz Ohr, dm» solchm S off konnte er brauchen.„Alle Wetter, heute Abend jage» fich ja ordentlich die Neuigkeiten, und ich kenne mein Haßburg gar nicht wieder!" „Wa« vorgefallm ist?" rief Kleeman»:„ein Hauptspaß. Ich war heute beim Ober.Medizinalrath, als etwa vor einer halbe« Stunde ei» Bote vom Monford'schm Schlosse ganz außer Athem herunter gestürzt kam, um dm Ober-Medizinal« rath, der dort Hausarzt ist, hinauf zu rufe«. Dm alte» Grafm hat der Schlag geführt, den» wie fie fich eben zur Tafel setzen«olltm, wo d-e Verlobung proklamirt werdm sollte, geht die junge Komtesse heimlich durch." „Die Komtesse Monfor-i," rief Arnold ordentlich er- schreckt,„da« wunderhübsche, liebe Mädchen— aber mit wem?" „Gott weiß e»; hinten am Park soll ein Wagen ge- halte» habm, und der angeführte Bräutigam war zu Pferde »ach. Wahrscheinlich erwischt er fie auch wieder, den» Vor- sprung hattm fie nicht viel— aber der Skandal, und in der Gesellschaft I" „Donnerwetter," sagte Höske», seine Faust auf dm Tisch legmd und ganz verdutzt im Kreise herumsehend,„da» wäre eigentlich ein merkwürdige» Zusammentreffen: die Kom- teffe fort«md Handor»benfall« ausgekniffm— dem traue ich Alle« zu!" „Glauben Sie wirklich?" rief Sttohwisch rasch;„die Vermuthung liegt allerdings nahe." „Unmöglich ist's nicht," sagte ein Anderer,„der Handor allein wenn die Franzosen gleichzeitig ihre Flagge aufgezogen haben, wie dieS bei einer Befiyergreifung geschieht, so entspricht dieS nicht dem bei ähnlichen Anlässen üblichen Vorgehen. Der bri- tische Konsul in Neu-Kaledonien hat gegen das Aufhlssnr der Flagge beim Gouverneur formell Protest eingelegt und die Befehlshaber ver beiden bei den Neuen Hebriden stationirten Kriegsschiffe haben Befehl erhalten, über die Vorgänge unoer« züglich Bericht zu erstatten. Ein solcher scheint noch nicht ein- gegangen zu sein, doch hat Herr v. Freycinet berettS dem eng« tischen Botschafter Lord Lyon« erklärt, daß die französtsche Re- girrung an der Abmachung von 1878 festhalte, wonach Frankreich und England fich verpflichteten, die Neuen Hebriden nicht zu besetzen. In London würde man wahrscheinlich nicht viel dagegen einzuwenden haben, wenn die genannte Inselgruppe in den Befitz Frankreichs überginge, natürlich gegen eine EntschäSigung Englands— man hat schon vor Monaten alS solche die Insel Rapa bezeichnet—, allein die australischen Kolonim wollen von einem solchen Handel nicht? wissen und die englische Regierung ist geaenwärtia mehr alS früher ge« nöthigt, der Stimmung der Kolonien Rrchnung zu tragen. Die Franzosen scheinen hauptsächlich deshalb nach dem Befipe der Neuen Hebrioen zu streben, weil fie dort genügende ArbeiSkräfte für Neu-Kaledonien zu finden hoffen, während die Australier fürchten, daß eine neue französtsche Verbrecherko.onie geschaffen werden könnte. Hiergegen aber sträuben fie fich mit aller Macht, und mit vollem Recht. Im ftanzöfischen Smat verlas am Sonnabend Beranger den Bericht der SenatSkommisfion für das Gesetz, betr jfend dze Ausweisung der Prinzen, welcher fich gegen die Ausweisung ausspricht, weil dieselbe unvereinbar mit der F-ei- heit sei und die guten auswärtigen Beziehungen Frankreichs schädige. Die Aniwcisung der Prinzen sei nicht Sache der gesetzgebenden Versammlung, sondern komme der richteeltchen Gewalt zu. Die Beraihung der Vorlage wurde auf nächsten Montag anberaumt. G r o tz b r i t a«« i e«. Gladstone's Reise nach Schottland glich einem Triumph- zuge. An allen Eisenbahnstationen, wo der Zug anhiett, wurde dem Premier ein äußerst enthufiastischer Empfang zu Theil. In Lricester hatten stch wohl an 10000 Menschen im Bahnhofsgebäude eingefunden, um den greisen Staatsmann zu be« grüßen. Deputattonen der liberalen Vereine überreichten Adreffen, welche Gladstone mit einem kleinen Speech beant« worietr, worin er nach einem Hinweis auf die dem Lande jetzt vorlregmde große Frage, nämlich, ob Irland die Befugniß er« halten solle, seine Anacleaenheiten selber zu verwalten, sagte: „Ich will nur zwei Punkte erwähnen, erstens, daß ich nach einer öffentlichen Laufdahn von 54 Jahren niemals Zeuge einer solchen Begeisterung gewesen, wie die, welche in allen Orten, wo ich in dieser großen Sache gewesen bin, vorherrscht und zweitens, daß die Augen der Welt jetzt auf uns in einem Grade ruben, wie fie auf unser Land vorher niemals gerichtet waren. Nicht nur die ganze britische Race, sondern die ganze ztvilistrte Menschheit bekundet daS ledbasteste Interesse an unser großes Land. Wenn, wie wir jeden Grund haben zu glauben, der Wahlspruch deS Volkes zu Gunsten d«S irischen Volkes ausfallen sollte, wird die ganze Welt von Freude erfüllt sein." In Trent, Normanton, Sk-plon und CirliSle fand ebenfalls die Uedrrreichung von Adressen seitens liberaler Körperschaften statt. In seiner in Carlisle gehaltenen Ansprache berührte Gladstone die zwischen Parnell und Lord Carnarvon zur Zett seiner Thäligkeit als Vizekönig von Irland gepflogene Unter- Haltung. Er sagte u. A.:„Ich möchte folgende Frage an Lord Carnarvon richten: Was sagten Sie Herm Parnell und wem machten Sie Mittheilung von Ihrer Unterhaltung mit Herrn Parnell? Lord Carnarvon muß, wenn er seine Pflicht alS KadinetSminister kannte, von dieser Unterhaltung Lord Salistiury Mittheilung gemacht haben. Ich habe in sieben Kabinetten gesessen und weiß etwaS von den Beziehungen zwischen KadinetSmitgliedern. und ich sage, eS würde auf Seilen Lord Carnarvon'« Verrätherei gewesen sein, wenn er eine solche Unterredung mit einer Person in der Stellung de« Herrn Parnell gepflogen und nicht Lord SaliSduiy von derselben in Kenntniß setzte. Ich tadele die Tory-Regrerung nicht wegen ihrer Bettehungen zu den Nationalisten. Ick wünschte nur, daß fie Muih genug gehabt halte, in der Kriiii vorzugehen. WaS ich tadele, ist, daß fie nicht den Muth hatte, vorwärts zu gehen, aber wenn fie von uns als Separatisten, DtSunioniften ic. ipricht, ist eS nothwendtg, daß wir wiffen, waS ihre Ideen über diese Gegenstände waren, alS sie vor der letzten Wahl im Amte war, und welche Verbindungen fie m» Herm Parnell unterhiell." Gegen 9 Uhr Abend« langst Gladstone wohlsehalten in Edinburgh an und stieg im„Royal Hotel" ab. Auf dem Wege vom Bahnhofe nach dem Hostl wurde er von dichten Volksmafien stürmisch begrüßt. Mehrere P.ooinzialdlätter wollen wissen, daß GladstoN� vor seiner Abreise nach Schottland ein wichtige« Abkommt' mit den Führem der verschiedenen Disfidenten-Kö-perschaftcN gtttossen habe, um fich die Stimmen der Disfidenten bei den bevorstehenden ParlamentSwahlen zu fichem. Die Unterhand- langen seien von einem bekannten ParlamentSmttglieoe(Illing- hatte in der letzten Zeit so viel und heimlich mit dem jnngl» Grafen zu verkehren." „Na, der soll wohl dabei geholfen habe«?' rief Arnold verächtlich.„Daß der Welt doch eigentlich nie etwas er- wüvfchter ist, al« ein Skandal, wenn er nur nicht fie felbei betrifft I" „Sollten wir etwa bemänteln helfe», was in der ha»W volse vorgeht?' rief Strohwisch. „Bemänteln? Davon ist keine Rede; aber nur«i>V schmutziger machen, als es wuklich ist!" rief Arnold. überhaupt, was geht un« irgend eine Familienangelegenheu an? Kehre Jeder vor seiner eigenen Thür, da hat er gerad genug zu thun!". .Sie paßte» schön zu einem ZettungS- Redakteur," Sttohwisch lachend. „Allerding» für kein Blatt, da« nur den Stadtklai!� ausbeutet!" sagte Arnold ttockeo, der de» Mensche» üd� Haupt nicht leiden konnte. „Meine Herren, der Fackelzug!' rief in diesem Aug� blicke Trauvest, de« ei» Kellner die Meldung gemacht h»"' daß der Zug gerade die Ettaße herauf kam;„da» 3"� vorn ist offen." Alles sprang in die Höhe, um den Zug mit! und da« Gespräch war unterbrochen. Die Gäste stlöw. auch all«»ach vorn, um den für Haßburg seh« Anblick eine« solche« Schauspiels zu genießen, und Pftu' der heute Abend, seiner sonstige» Gewohnheit ganz entjzefl kein Wort in die Unter Haltung eingeworfen, nahm Hut, zahlte seinen Schoppen Wein und schritt langsai* die vom Volk gefüllle Straße hinaus, nicht etwa. ackelzug� mtt"anzusehen, sonder» gleich�querüber�«�-� Tn«i-- »eitengasse«inzubiege« und seine eigene Wohnung zu erreichen.. aUp Er hatte auch ruhig die über Handor S gesprochene Vermuthung mit angehört, aber eS tnterei� ihn nicht, denn mit jene« Kreise» kam er nte t« � rührung und kannte sie gar nicht. Andere Dinge ihm aber im Kopf herum, und vorzüglich, ja, ausschi v � die Wendung, welche Rebe'« Geschick unstreitig w heutige» Abend genommen hatte, und da» Einzige,«v i aotifc) geführt worden, dessen Lebenszweck die Zerstörung der vtaatSkirche sei. Die Abmachung sei etwa folgende: Wenn die Dissidenten die Homerule-Politik der Regierung unter- stützen, werde Gladstone bereit sein, in der nächsten Eesston der Entstaatlichung der anglikanischen Kirche näher zu treten. Die Meldung erscheint uns äußerst unwahrscheinlich. Das New. Yorker Komitee zur Verwaltung der irischen PariamentsfondS bat Parnell 20000 Dollar zu Wahl- Zwecken zugehen lassen. Baikauländer. Die theilweise Auflösung deS internationalen Blokade» Geschwaders hat nach dem„Pestrr Lloyd" ihren Anfang genommen. Die Schiffe begeben fich sämmtlich dirett nach dem ZentralkriegShafen Pola. Von der griechischen Grenze wird gemeldet, dcß bewaffnete Banden, anscheinend entlassene Reservisten, auf daZ türkische Territorium überzutreten suchen, und daß die Pforte fich dem- nach genöthigt steht, in diesen Gegenden noch immer eine unver- bättnißmäßig große Anzahl von Truppen bereit zu halten. Trotzdem wird die Demobilifirung eifrig betrieben, und in wenigen Wochen werden die ganzen der Reserve angehörigen Mannschaften wieder an ihren heimathlichcn Herd zurück- gekehrt sein. Amerika« Der Gouverneur des Staates N e w- B o r k hat eine Bill über die S ch u l d h a f t unterzeichnet. Durch das neue Gesetz erhalten viele Schuldner, welche mehrere Jahre gcfan- gen grhalttn wurden, ihre Freiheit wieder und zwar findet dieS statt hei Allen, welche länger als sechs Monate in Hast ge- wesen find. Der letztere Zeitraum wird nämlich nach dem neuen Gesetze das Maximum der Schuldhast bilden. Die Gc< nehmtgung des Gesetzes ist vor Allem den Anstrengungen Erastuü Wiman's, eines Kanadiers, welcher in New Uork wohn- hast ist, zu verdanken, und er setzte endlich durch, waS zahl- reichen amerikanischen philanthropischen Gesellschaften nicht hatte Klingen wollen. Afrika. Sir Evelyn Naring hat im Namen der englischen Regie- rung dem egyptischen Kabinete erklärt, daß daS Londoner Ka- binet die volle Durchführung der prinzipiell beschlossenen R e- duktion der englischen OklupationS-Armee von dem Resultate der Mission deS an der sudanefischen Grenze weilenden ZivilkommiffärS Tschuhdi Pascha abhängig machen wolle. AuS diesem Grunde erneuerte Mukhtar Pascha seinen Antrag, daß, um einen guten Erfolg zu sichern, eine ange- meffene Streitmacht dem genannten Kommissar zur Verfügung gestellt werde. Gerichts-Zeitmtg. Zum Tode verurtheilt. Hirschberg, 19. Juni. Vor dem hiestgen Schwurgerich! wurde heut die Ermordung des Hausbesitzers Rößler zu Kalserswaldau, verübt durch dessen Schwiegersohn Rössel am 2. April d. I., verbandest. AuS der Vernehmung deS Mörders ging folgendes hervor: Rössel ist geboren am 2. August 1846. Seil 1873 ist er mit einer Tochter des ermordeten Rößler verhetrathet. Er hat keine Kinder. Seit dem Tage seiner Verhcirathung wohnte er im Hause seiner Schwiegereltern, zuerst in bestem Einvernehmen mst diesen, seit 8 Jahren aber in Zank und Streit. Auf die Frage, wer an diesem unerquicklichen Verhältnisse die Schuld gthabt habe, erklärt der Angeklagte, sein Schwiegervater sei sehr zänkisch gewesen, vor 5 Jahren habe sich derselbe sogar einmal an ihm vergriffen. Nach dieser Erklärung legte der Präsident dem Angeklagten die Frage vor: Sind Sie der- jenige gewesen, der am 2. April d. I seinem Schwiegervater 3 Kugeln in den Kopf gejagt hat?— Die Antwort lautete: ..Ja!"—„Warum?"—„Mein Schwiegervater gab oftmals Schimpfreden und führte höchst be- 'Digende Redensarten gegen mich."—„Welche?"— '.um Herbst nannte er mich einmal Schindluder."—„Wann haben Sie den Entschluß gefaßt, den Mord auSzu- 'Uhren?"—„Am 1. April in der Nacht zum 2. April nach Jmem abermaligen Streit!"—„WaS war die Ursache zu diesem Streit?"—„Ich hatte am I.April in der Stube, in der mein Schwiegervater auch anwesend war, daS Fenster aufgemacht, da befahl er mir, da» Fenster zu schließen, und dies wurde Ver- unlaffrmg zu einem heftigen Wortwechsel."— In der Voruntersuchung hatte Rössel einmal angegeben, daß er schon im vorigen Herbst den Entschluß faßte, seinen Schwiegervater zu wdten, und daß er stch deshalb schon damals den Revolver gekaust habe, nach einem anderen Protokolle ging er mindestens sett Wochen mst dem Mordaedanken um. Heut nimmt er viese Aussagen zurück und erklärt, er habe in der Nacht zum �- April den Plan gefaßt und ihn dann mit Ueberlegunz auS- geführt. Weil er wußte, daß seine Schwiegermutter in der Morgenstunde im Stalle zu thun hatte, wählle er die Zeit früh um sieben Uhr und zwar in der richtigen Voraussetzung, daß lein Schwiegervater um diese Zeit noch schlafen würde. Um seine Frau fortzuschicken. wählte er den Ausweg dabei ärgerte, war, daß er ihm selber früher jede« Talent abgesprochen. „Wer konnte das aber auch denke«, wer konnte das auch denke»?' murmelte er dabei immer vor fich hin;»so ei» Duckmäuser, so ein verwünschter Duckmäuser! Und Jvie geheim er das Alles gehalten hat— und was wird die Zette dazu sage«? Nun ist'S ganz vorbei, nun ist dem Faß der Bode« ausgestoßen! Und Jeremias, der hat die ganz« Geschichte mit angesehen, seine Glatze leuchtete !» ordentlich unte» im Parket— merkwürdig, rein merk- würdig!• Er hatte sei« Hau« erreicht— den« diese abgelegenen Straßen schienen heute Abend von Menschen ganz gesäubert Zu sew, so war Alle« dem Fackelzuge zugeströmt— schloß auf und tastete fich die dunkle Treppe hinauf. Wie er über de» Gang schritt, sah er durch da« über der Thür an- gebrachte Fenster, da« der Küche über Tag dürftige« Licht 5 eben mußte, bei seiner Schwester drinnen»och die Lampe kll brenne«. Pfeffer schüttelte mit dem Kopf. Da« Mädel saß jedinfallz noch da drinnen und arbeitete bis in die späte Nacht hinein, und der Jeremias hatte e« ihr streng ver- böte». Wettermädel da», und ihre Auge« sahen so schon tvth genug vom vielen heimlichen Weinen au« I Aber er wochte die Schwester nicht»ehr stören, die wahr- peinlich schon schlief, sonst wäre er gern noch tl»mal hinüber gegange« und hätte die Jette auch in'« Bett geschickt, oder ihr noch v,elle,cht gesagt. was heu� Abend vorgegangen: e« brannte thm ordentlich N der Seele. t. Da« war aber heute Abend zu spät, morgen früh er« fie's ja auch«och früh genug. Er ging leise an sera ■p'wmer hirüber, um nicht zu viel Geräusch zu mache», und ir wollte aufschließe», denn der Schlüssel stak immer von ?Uße«. Eg MU aber schon aufgeschloffen, wer konnte da "unen gewesen sein? » Kopfschüttelnd trat Pfeffer zu der Kommode, auf der veu«zxug stand, und entzündete ein Schwefelhölzche«, ließ aber vor Schreck wieder falle», daß es erlöschte, al««ine — auch nach reiflicher Ueberleguna— beim Frühstück zu erklären, daß thm die Suppe nicht schmecke und sie dadurch zu veranlassen, auS dem ernfernten Krämerladen für 10 Pf. Semmel zu holen. Nach ihrem Fortgänge begab er fich in da« Schlafzimmer seine« Schwiegervaters. Derselbe lag mit dem Geficht nach der Wand zu. Rössel ging ganz nahe ans Bett und zielte, den Revolver einen Fuß weit vom Schlafenden haltend, nach dessen Hinterkopf und gab hinter einander drei Schüsse ab. Darauf ging er vom Hause fort. Er behauptete, daß er fich alsbald hierher habe begeben wollen, um fich der Staatsanwaltschaft zu stellen, doch kann man ihm ferner keinen Glauben schenken, denn er nahm seinen Weg über VoigtSdorf nach Reibnitz. Dort wurde er von Gendarmen verhastet. Den Revolver hatte er auf dem Votgtsdorfer Felde unter einen Stein versteckt. Konstattrt ist— und daS spricht mehr für eine Abficht zu entfliehen, daß Rössel am Tage vor dem Morde sich Geld leihen wollte und auch nach der That in Reibnitz eine Forderung eingezogen hat. Die Frage, warum er drei Schüsse abgegeben habe, beantwortet er:„Um meinem Schwiegervater weiter keine Schmerzen zu verursachen!" Damit hatte die Vernehmung deS Angeklagten ihr Ende. Die Zeugen- Vernehmung ergiebt, daß Rössel ein sehr heftiger, aufbrausender Charaller ist, der zu dem Zank mit seinem Schwiegervater stctS die Veranlassung gegeben hat. Schon im vorigen herbst hatte er einmal dem Ermordeten mit Erschießen gedroht 1— Als die Frau Rößler'« in Folge der Schüsse, die ste im Stalle gehört hatte, in die Schlafstube trat, fand fie ihren Mann auS den drei Kopfwunden blutend. Auf ihre angstvolle Frage, wai vorgekommen sei, antwortete ihr der Schwerverwundete,„er bat mich geschlagen" I Das waren seine letzten Worte.— Der Gendarm, der Rössel verhaftet hat, sagt au«, daß der An- geklagte fich noch da« Ansehen gegeben habe, eine große That vollbracht zu haben. AlS der Gendarm ihm mittheilte, daß sein Schwiegervater nicht todt sei, dedauerte er das sehr!— Da» Urtheil der medizinischen Sachverständigen ging dahin, daß jeder der 3 Schüsse tödtlich gewesen sei. Der Staat«- anwalt plädirt auf Schuldig des Mordes I Der Verthetdiger kann stch bei dem Geständniß des Angeklagten nur den Aus- führungen des Staatsanwaltes anschließen, worauf die Ge- schworenen nach kurzer Berathung die Frage, od Rössel die Tödtung mit Ueberlegunz verübt habe, bejahen.— Daraufhin beantragte der Staatsanwalt die Todesstrafe, die auch vom Gerichtshofe beschloffen wird.— Der Angeklagte nahm den Spruch der Geschworenen, den Antrag der Staatsanwaltschaft, wie daS Urtheil deS Gerichtshofes mit ziemlicher Fassung auf. Ei« Aufsehen erregender Fall, welcher vor einiger Zeit verschiedene thüringer Lokalblätter beschäftigte, hat vor einigen Tagen noch ein schöffengerichtliches Nachspiel in Gotha erhalten. Die von ihrem Manne, dem Oderamtshauptmann Friedrichs zu Rtbnitz(Mecklenburg), getrennt lebende Frau, Elise, geb. FabriciuS, war, wie dem ,Leipz. Tagebl." geschrie- den wird, auf de» elfteren Veranlassung vor ca. 12 Jahren in der Jrrenheilanstalt zu Sachsenberg untergebracht wo den, von der auS fie entflohen. Während dieser Zeit hatte fie in Zürich studirt und alS Doktor promovttt und war darauf, da fie auch mehrere Sprachen spricht, als Schriftstellerin thälig. Da» ObervormundschaftSgericht ihrer Heimath hatte ihr gestattet, ihren Aufenthaltsort beliebig zu wählen, und ihrem Ehemanne die Pflicht aufgelegt, ihr jährlich 1200 M. als Alimentation auszuzahlen. In den letzlen Jahren hielt fich Frau Friedrichs in Weimar auf, woselbst fie in etwai auffallender Meise lebte, die der Anficht Raum gab, daß e« wohl mit ihr manchmal „nicht ganz richtig" sei. Der ihr bestellte Kurator, Recht»«« walt Dr. Böhme in Ribnitz, welcher übrigen« die Unglück liche Frau während der Dauer ihrer Geisteskrankheit nicht ein einzige« Mal persönlich gesehen hat, beantragte nach eingezogener Erkundigung in Weimar, die Behörde möge ihm bei der Festnahme der verehel. Friedrichs, welche zum Zwecke der Ueberführung in die Irrenanstalt Sachsenderg— d.-rselden, woraus fie schon einmal entflohen— erfolgen sollte, behilflich sein. Stach ergangenen Erörteruna-n ertheilt« daS StaatSmtni» sterium, Abth. de« Innern, in Weimar die Genehmigung an die detreffende untergebene Behörde zur Unterstützung bei Fest- nähme der Frau Friedrich« durch einen Jrrenwärter der oben- genannten Anstalt. Letztere hatte aber von dem Vorhaoen Kenntniß erhalten und war schnell nach Gotha übergestedelt, wo fie bei dem Maschinenmeister Ebert Wohnung genommen hatte. Hierauf hatte fich der obengenannt« Kurator mit dem gleichen Ei suchen an den Stadtratb in Gotha gewandt.— Nach Ausweis der ergangenen Gerichtsverhandlungen beauf- tragte der Bürgermeister Liebetrau einen Polizei- Afststenten und 2 Schutzleute mit der„schonenden, aber destimmten Aus- führung der Maßregel". Diese begaben stch in Begleitung eine« Oberwarter« in die Wohnung der Frau Friedrich«, um diese festzunehmen und mittelst Droschke nach dem Bahnhof zu tranSporttren. Da fich dieselbe der Festnahme widersetzte, hatten die Schutzleute so lange Gewalt angewendet, bis e« ihnen gelungen war, die Friedrich« gefügig zu machen, welche dann auch wirklich in die bezeichnete Irrenanstalt überführt worden ist. Der Vorgang der Festnahme hatte einen bedeuten- den Menschenauflauf verursacht und allgemeine« Aufsehen er- ruhige Stimme im Zimmer sagte:„Guten Abend, Pfeffer! bist Du aber lange geblieben!" „Hm Du meine Güte,' rief Pfeffer, aber immer noch «it uuterdrückter Sttmme, indem er rasch ei» neues Hölz- che« entzündete,„wer, zum Henker, hat stch denn da— Jeremias," setzte er jedoch in unbegrenztem Erstaune» hinzu, al« er beim Schein de« aufflammende« Phosphor» da« dicke, gutmüthige Geficht seine« Schwager» erkannte,„wo kommst Du denn»och her?' „Ich könnt'« nicht mehr aushalten," flüsterte Jeremias, „ich mußte Dich heute Abend»och spreche» und fitze jetzt hier schon eine volle Glockenstunde auf einer Lichtscheere, wie ich eben entdeckt habe, die auf dem verwünschten Stuhl gelegen hat. Junge, mir ist zu Muthe, als ob ich tanze« müßte I" „Auch eine sehr paffende Zeit und Gelegenheit dafür,' brummte Pfeffer, dem aber trotzdem nichts Liebere« hätte geschehen können, al« daß er seine» Schwager«och getroffen. Dabei zündete er das Licht an und setzte es auf de« Tisch. „Na, wie war'S? Aber sprich leise, ich glaube, die Tust« schläft schon." „Licht habe» sie noch; wie'« dunkel war, schien eS durch das Schlüsselloch da drüben herein.' .Da» Blitzmädel arbeitet wieder bis»ach Mitternacht; ich Hab» große Lust, hinüber zu gehe» und ihr die Lampe vor der Nase auszublasen. Du warst im Theater?' „Ja, Pfeffer." „Nun, wie— pst— ich glaub«, die sprechen da drüben «och zusammen.' „Jettchen," hatte die Mutter, welche schon ei» paar Stunden geschlafe», die Tochter angerufen,„bist Du denn «och auf, Kind? Es muß ja schon so spät sein.' „Gar nicht, Mütterchen; aber morgen Abend ist ja der Ball, und ich muß doch denen die Arbeit fertig mache», denen ich sie versprochen habe; und der Brautkranz kam auch«och dazu." (Fortsetzung folgt.) regt.— Zwei Monate später erschien in der„Thüringer Mon« tagizeitung" ein diesen Vorfall bctprechender Artikel, in dem ge« sagt wurde, der Fall mache eS zweifelhaft,„ob wir noch in einem früheren Jahrhundert leben"; im Uedrigen wurde darin noch behauptet, die Schutzleute hätten die arme Frau die Treppe „hinab geschleift" unv einer derselben hätte fich dem Publikum gegenüber„rücksichtslos benommen". In diesem Artikel wurde eine Beleidigung der Polizeiverwaltuag und der Schutzleute er« blickt und gegen den ermittelten Verfasser Frauendorff tn Gotha Anklage wegen öffentlichst AmtSehrenkränkung erhoben. In der Gerichtsverhandlung wurden eine große Anzahl Personen als Zeugen vernommen,?on denen verschiedene bekundeten, daß die Frau Friedrichs, schräg auf dem Fußooden aufliegend, auf der Seite von den Schutzleuten festgehalten worden sei; eS wäre schrecklich gewesen, die Sacke mit anzusehen, geradezu bimmel- schreiend; die Frau sei förmlich die Treppe binabgeschleist wor- den; ein Z-uge sagte:„Es war schicklich mit anzusehen, ich habe Nächre lang nickt schlafen können, so hat die Sache mich erregt." Die Schutzleute dagegen bekundeten übereinstimmend, daß ste dem ihnen ertheilten Befehl gemäß so schonend wie nur möglich vorgegangen seien daß fie aber, nachdem Frau Fried- richs fich gewaltsam widersetzt und da« Publikum für dieselbe Partei ergriffen und die Festzunehmende an den Beinen festge- hallen habe, die Frau Friedrichs hätten fest angreifen und fich selbst vor der Gefahr hätten schützen müssen, vom Publikum die Treppe hinabgestoßen zu werden. Der Amtsanwalt betonte, daß die Festnahme der Frau Friedrichs in deren eigenem Interesse nothwendtg gewesen und daß der Stadtrath zur Ausführung der Maßregel wohl berechtigt gewesen sei. Der Aitrlei enthalte sehr schwere Beleidigung, wishald er gegen den Angeklagten vier Monate Gefängniß beantrage. In gewandter Rede bestritt der Verthetdiger des Angeklagten, Justizrath Dr. Beck, daS Recht der Polizei, in dem vorliegenden Falle handelnd einzutreten. Die Festnahme der Frau Friedrichs fei nicht im öffentlichen, sondern nur in privatem Interesse erfolgt und dabei hätte die Polizei nickt mitwirken dürfen. Die Beamten hätten stch daher nicht in rechtmäßiger Ausübung ihres Dienstes befunden, und da könne nach einer Entscheidung deS Reichsgerichts von einer Beleidigung derselben tn Beziehung auf ihren Dienst keine Rede sein; er beantrage deshalb Freisprechung seines Klienten. DeS Gericht erachtete denn auch die Ausführungen des Ver« theidigerS für zutreffend und erkannte auf Freisprechung, indem ei ver Anschauung war, daß in dem betreffenden Artikel Be- leidigungen nicht entHallen seien. Soziales und Arveitervewegung. Zum Krankenkaffengesetz. Vom Schöffengericht Bleiche- rode find 28 selbftstänotge Weder aus d-n Dörfern Ascherode, Buhla und Lipprccht-rode wegen Unterlassung ihrer Anmeldung zur Ortskrankenkasse jeder mit 3 M. Geld- eventuell 1 Tag Haftstrafe und Tragung der Kosten belegt worden. Ferner wurden 10 Weber au» Sollstedt wegen nicht nchtjeitiger An- melduna zur OrtSkrank- nkasse zu je 1 Mark Geld- eventuell 1 Tag Haftstrafe und Kosten verurtgeilt. Schmutzkonkurrenz ärgster Sorte wird in AugSdurg getrieben, nicht von verkommenen, durch den Hunger exelutirten, de« Klassenbewußtseins baaren Pioletariern, sondern durch die Damen der Bourgeoisie, durch die Frauen deS höheren Beamtenthunti. Nicht auS Roth, nicht im Kampfe um daS tägliche Brod, sondern um Geld für Luxuszwecke u. s. w. zu v-rdtenen, nehmen die feinen Damen den armen Teufeln von Schneidergesellen die Arbeit fort, drücken die Löhne und oermehien dadurch daS soziale Elend. Tie große Masse deS Volkes zahlt Steuern über Steuem, wird immer mehr prole- taristrt, die Herren Beamten erhalten gute Gehälter, WohnungS« geldzulagen, und die edlen Frauen fertigen den Konfektionären eine Männerbose daS Stück für 50 Pfennige, eine W e ste für 20 Pfennige. DaS geht denn doch übet'S Bohnenlied. Die DUnstmädchen tragen daS Packet inS Ge- fchäft, und hinterher geht die„Madam" mit dem Schleirrhut, um den„Verdienst" einzustreichen. Auf die„Berichtigung" der Herren Hörster au« So- l i n g e n erläßt der Cinfeudtr deS betreffenden Artikels, Walter WafferlooS auS Höhfchetd bei Solingen, in der„Freien Presse für Berg und Mark" folgende Erwiderung: 1. WaS zunächst die Frist anbetrifft, welche den Herren Hörster von dtm Gewerberath Herrn Dr. Wolff zur Anbringung einei neuen Ventilator« gegeben worden ist, so erlaube ich mir die leise Anfrage, od die Herren denn auch ableugnen, daß ihnen der Gewerberath Herr Dr. Wolff die baldige Andringung etneS neuen Ventilator» sowobl, als auch der in ihrer Fabrik theilS mangelhaften, thetls gänzlich fehlenden so» genannten Riemenfänger anempfohlen hat? 2. Wann der neue Ventilator bestellt worden ist, will ich dahin gestellt sein lassen. Dtß derselbe am 15. d. MtS. in Thäligekeit gesetzt worden ist, hat jedoch seine guten Gründe. Die Herren brauchen deshalb also nicht groß zu thun. ES war nämlich an demselben Tage die ihnen von Herrn Polizei« kommiffar Dralle gegebene Frist abgelaufen. Aus Kunst und Leben- Ein Recheruxempel für„kleine Mädchen". Der „Lirgnitzer Anzeiger" erzählt: In einer Klaffe der Mädchen« Bürgerschule in Liegnitz gab die Lehrerin ihren Schülerinnen am letzten Sonnabend folgende» Exempel„über Sonntag" auf. Von 880 788 889 soll so lange die Zahl 619 abgezogen werden, bis nichts mehr übrig bleibt. Dre armen Mädchen rechneten am Sonntag stundenlang und die neunstillige Zahl wollte nicht kleiner werden. Da ste mit der Aufgabe nicht fertig wurden, fingen ste schließlich zu weinen an, in Folge dessen die Eltern aufmerksam wurden. Einige Väter rechneten nunmehr etliche Stunden lang weiter, natürlich ebenfalls, ohne ein Resultat zu erzielen. Denn wenn man von der neun- stelligen Zahl 880 788889 die Zahl 619 abziehen will, di» elftere aufgeht, muß man 1 400300 Mal abziehen, und dann bleibt noch ein Rest von 189 übrig. N-hmen wir nun an, daß wir tn einer Minute 3 Mal abziehen, unv alle Tage 12 Stunden arbeiten, dann haben wir über 1% Jahre an dieser Aufgabe zu rechnen, die den Kindern„über Sonntag" auf- gegeben wurde. Ein Zopf. Vor vielen Jahrm wurden auf dem Leipziger Stadtthealrr„Die Räuder" gegeben. DaS ganze P.rsonal er« schien in altdeutscher KKiSrntg Bei den Statisten batte man sich aber— wie damals gewöhtilick— eine kleine Nachlässig« «it zu Schulden kommen lassen. Die gemeinen Räuber, ehr« lichc Leipziger Etadtsol baten, trugen zu Wamms und Pickel- bände noch ihre langen Haarzöpfe. In der Szene, wo Karl Moor seinen allen Vater auB dem Tdurm befreit hat und jetzt seine schlafende Bande durch einen Pistolenschuß aufdonnert, thaten alle blitzschnell, wie ihnen befohlen wurde, nur ein bäum- langer Statist blieb unbeweglich auf der Bühne zu deS Haupt- mann« Füßen liegen.„So st-h' doch auf!" flüsterte dieser dem Statisten zu. Und jener aittwortete mit tiefer Baßstimme: „Herr Reinecke, ich kann nicht; Sie stehen ja auf meinem Zopf." Etue Katzenmutter. Die Josepha H., ledig und 37 fahre alt, wollte am 16. d. MtS, im Kahlenberaerdorfe bei Wien Unterstand nehmen, erhielt jedoch nirgends Obdach, well fie zwölf ledende und fünf tobte Katzen befaß, von denen sie fich absolut nicht trennen wollte. Vom Polizei> Kommissariate Döbltng wurde verfügt, daß die fünf Aefer dem Wasmmeister zur Vertilgung übergeben wurden, während die Frau stch end« lich berdeilteß. auch die lebenden Katzen, da fie dieselben zu warten nicht in der Lage war, gleichfalls dem Wasenmeister zur Tödtung zu überlassen. 3. Daß ich bei dkr Revision den Herin tSewerberath Dr. Wolff auf die vorhardmen Mängel aufmer'sam gemacht habe, baden die Herren wohl gewußt, und ich ertlare deshalb die Behauptung de» Gegenthdli für eine Unwahrheit. Die Herren Hörster haben auf Befragen meinersetti, warum ich ausziehen müßte, mir erwidert: da« könne ich mir wohl den« ken. Außerdem hat Herr Emil Hörster zu meinem jüngeren Bruder wörtlich gesagt, wir müßten deshalb ziehen, weil wir ihnen die Belästigung mit dem Manne (dem Gewerberath Herrn Dr. Wolff) gemacht hätten. 4. WaS das unangemeffene Benehmen, welches die Herren mir vorwerfen, angeht, so halte ich eS unter meiner Würde, denselben darauf etwaS zu erwidern; übrigen» wissen e» am besten die Anmiether in der Fabrik, wer von un» sich am un- angemeffensten benommen hat, ste oder ich. 5. Daß die Herren keinem ihrer Arbeiter oder Miether den fteundschaftlichen Verkehr mit mir untersagt haben, ist edenfall« eine Unwahrheit. Herr Fritz Hörster hat die betref« sende Aeußerung persönlich gethan, wa» nötigenfalls durch Zeugenbeweis festgestellt werden könnte. Die Rtemenfänger find schließlich biS jetzt noch nicht dort angebracht. Sie sollen aber in Arbeit sein. Daß so volle acht Wochen an einem Ge> genstande gearbeitet wird, welcher in höchstens einer Woche von einer einzelnen Person fertiggestellt werden könnte, zeugt ur Genüge von der Eile, welche die Herren Hörster hiermu aden. Auch find die BetriebSräder in einer unverantwortlich chlechten Verfaffung, so daß die Leute jede» Mal beim Auf« werfen der Riemen Gefahr laufen. Schutzvorrichtungen, wie ste von der Regierung vorgeschrieben, find an den Steinen ebenfalls nicht vorhanden. Die AlterSverforgnngSkaffe der sranzöfischen Hutmacher tritt mit Sonntag, den 27. Juni d. I. ins Leben. Dieselbe wurde von dem letzten Kongreß(Generatversammlung) beschlossen und die Statuten find dem Syndikats- Gesetz ange- paßt, so daß eine korrekte Verwaltung auf gesunder wirthschaft- licher Bafis gestchert erscheint. Die Böttchergesellen der Sozietätsbrauerei zum Waldschlötzcheu in Dresden haben die Arbeit eingestellt. Der Aufruf derielden lautet:„Kollegen allerort»! Seit kurzer Zeit ist bei un» eine neue Direktion im Amte, durch welche wir Unterzeichneten gewisse Bedrückungen erleiden. Kollegen I Wir hatten vordem eine Arbeitszeit von Morgen» 6 Uhr bis Abend» 6 Uhr und unter der neuen Direktion müssen wir von früh Uhr bis Abend» 6 Uhr und Sonntag« nach der Lau« de» Direktor» von früh%5 Uhr bii Mittag» 12 Uhr arbeiten, ohne daß un» ein Pfennig dafür entschädigt würde. Kollegen! Unter diesen Umständen sehen wir un» gezwungen, von Mitte woch, den 9. Juni ab, die Arbeit einzustellen, fall» die früh« Arbeitszeit nicht wieder eingeführt wird. Sämmtliche Unier- zeichnete bitten Euch dringend, kältet den Zuzug nach hier fern, damit wir unsere früheren Rechte wieder voll und ganl erkämpfen und nicht unterliegen müssen. Mit kollegialitchea Gruß die Böttchergesellen der Sozietätsbrauerei zum„Wald« schlößchen" in Dresden."— Alle arbeiterfreundltchen Blatts werden um Aufnahme dieses Auftufes gebeten. Die Züricher Schuhmacher streiken wegen der Foc derung an die Meister, Arbeitsstätte und Fornitur zu stell» oder dieselben mit 10 pCt. zu vergüten. Auf eine Zuichw de» FachvereinS an die Vereinigung der Arbeitgeber antw« teten diese gar nicht. Da ein Resultat auf diesem Wege ni staltun» einer Deutsch- Nationalen Industrie> und Gewerde- Aui ftcllung im Jahre 1888 und die finanzielle vethitligung der vtidt Berlin an diesem Unternehmen, hat der Magistrat bei der Stadtverordneten< Versammlung folgende Beschlußfassung beantragt, welche jedenfalls in der nächsten Sitzung der genannten Versammlung zur Erledigung kommen wird: „Unter der Voraussetzung, daß au« Reichsmitteln ein kostendeitrag von 3 Millionen Marl bewilligt wird und unter den in der Vorlage de« Magistrats vom 18. Juni ct. aufgeführten weiteren Voraussetzungen erklärt die Versammlung fich damit einverstanden, da* für die im Jahre 1888 in Berlin zu veranstaltende Deutsch- Nationale Industrie- und Gewerbe- Ausstellung de: städtische Park bei Treptow unentgeltlich, je- doch unter der Bedingung der Wiederherstellung deS Zustandet seiner Wege und Anlagen, in welchem solche vor der AuS. stellung fich befanden, in Benutzung genommen werde; daß ferner zu den Kosten dieser Ausstellung auf Grund der vor- liegenden Berechnung aus städtischen Mrtteln eine Beihilfe biS auf Höhe von 2 Millionen Mark. auf welche, wenn daS Untern hmen einen Ueberschuß erzielt, entsprechende antheilige Rückzahlungen stattzufinden haben, gezahlt, und dem Magistrat endlich zur Bestreitung der zunächst für die Ausstellung er- wachs-nden Kosten als erste Rate dieser Beihilfe ein Betrag von 500000 M. auS dem Ueberschuffe de» Rechnungsjahres 1885/86 ,a, Verfügung gestellt werde." � � � �. Städtische Badeanftaltev. Der Magistrat hat der Stadtverordneten Versammlung eine Vorlage zugehen laffen, betreffend die Anlegung je eine» Schwimm. Basstn» bei den beiden Männer, Badeanstallen an der Waisen, und Schleuien- brücke, sowie die Erweiterung der Männer- Badeanstalt am Nordhafen.— Da diese Vorlagt für unsere Leser von Jntereffe sein dürfte, bringen wir dieselben nachstehend zum Abdruck: „Bereit» in unserer Vorlage zum Stadthauthaltietat pro 1886/87 haben wir darauf hingewiesen, daß die vor Jahren angelegten acht städtischen Flußbadeanstalten für die große Zahl der unbemittelten Bevölkerung unserer Stadt nicht mehr himeich-nd- Gelegenheit zur Befriedigung deS Badebedürf- niff s steten und daß wir demnächst besondere Anträge wegen Heistellung von Verbesserungen auf diesem Gebiete vorlegen würden.- Von Jahr zu Jahr ist die Frequenz unserer städtt- fchen Flußbadeanstalten um mehr al» 20 000 Personen gestiegen. Wah eno der vorjährigen Badezeit haben beinahe 60 000 Personen die Anstalten benutzt. Besonders an den heißen Tagen der Monate Juni und Juli ist der Andrang zu den Badern so stark- e, werden dann oft an einem Tage in einer Anstalt bi» zu 2500 Badekarten ausgegeben— daß vielen Personen der Eintritt und damit auch die gesuchte körperliche Reinigung und Er. frischung versagt werden muß.— Mit Rückficht hierauf und da nach Einführung der Kanalisation die Beschaffen. heit de» FlußwasserS eine erheblich bessere geworden ist, glauben wir nunmehr die Aufgabe, die vorhandenen städtischen Äuß davean stalten entsprechend zu vergrößern und ihre Zahl vermehren, im Interesse der Gesundheitspflege, namentlich � kmeren VollSklaffe Berlin» so bald wie möglich erfüllen iu müssen 2.„„ H H Schleusenbrücke Igadeanflalt für männliche Personen am Nordhafen durch Htnautrücken de» Umwähmng»zaune» zu vergrößem. 5. mben'd« Badeanstalt für Frauen an der Waisenbrücke !°ngS dem städtischen Grundstück Stralauerstr. 58 etn- zweite �ade- und Schwimmanstalt, welche auch dem bemittelteren "TSÄ �UnUsettigen Leffnung der Schilling�brücke zwischen den beiden dort gelegenen Badeanstalten für Frauen Und Männer etn Schwimmbassin zu errichten. ÄRMöSWM Uothwendig sein, daß später auch noch an anderm geeigneten Jmr##. Plauderei von Emil Peschka«. Nachdruck verboten Die Apostel der Frauen-Emavzipation möge« e« mir ää> UWMM ■ fader bqz Stromstellen mit der Errichtung von Badeanstalten nicht nur für die armen, sondern auch für die bemittelteren VolUklaff-n vorgegangen wird. In Aneikcnnung de» dringenden Bedürf- niffes hallen die königlichen Strombehörden fich bei den bi». herigen Verhandlungen sehr bereit gezeigt, unsere auf Ver- befferung de» öffemlichen BadewesenS gerichteten Abstchten nach Möglichkeit za unterstützen. Unterm 1 bezm. 8. Jant er. ist uns feiten» d-S königlichen Domänen.Rmt Amte» Berlin nach vorheriger Zustimmung des Herrn Polizetprästdenten und der Königlichen Ministertal Bau- Kommission, vorbehaltlich der Ausfertigung der formellen Konzesston, zunächst die vor« läufige Genehmigung zur Ausführung der vorstehend unter Nr. 1 bis einschließlich N:. 3 erwähnten Anlagen eriheilt wor- den. Wegen der zu 4, 5 und 6 genannten Einrichtungen find die Verhandlungen noch nicht zum Abschluß gebracht. In den beiden Badeanstalten für männliche Personen an der Watsen- und an der Schleusenbrückt— zu 1 und 2— haben im vorigen Jahre während der Monate Juni biS einschließlich September rund 67 000 retp 68000 Personen, im Juni und Juli täglich durit schnittlich 900 Personen gebadet. Zieht man die beschränkten Raumverhältniffe in Betracht, so werden vor- stehende Zrhlen keinen Zweifel darüber laffen, daß beide An- stalten nicht mehr genügen, um die Zahl der Badebedürfttgen aufzunehmen. Noch weniger aber gestattet der beschräntte Raum dieser Anstalten selbst bei mäßigem Besuch daS Schimmen, welche» doch für die meist-n Personen den hauptreiz de» Baden» bildet.— Wir beabsichtigen deshalb die neben den vorge- nannten Badeanstallen projektirten beiden BalfinS auSschlteß- lich für Schwimmer, die al en bestehenden BasstnS für Nicht- schwimm« einzurichten. Die He ste lung soll nach Maßgabe der d« Vorlage beigefügten Skizz-n g'.schehrn.— Die genauen Kostenanschläge für beide BaistnS werden zur Zeit von der V. Stavtbau Inspektion aufg' stellt. Wir werden die Anschläge auf Verlangen demnächst voi legen. Ü berschläglich find die Kosten für jede» Batfin auf 14000M von der Bauverwaltung angenommen.— Wa» nun schließlich die Badeanstalt für männliche Personen am Nordhafen anlangt, so ist dieselbe während b r voijähfigen Bauperiode von 89455 Personen, im Juni und Juli täglich von durchschnittlich 1 280 Personen benutzt worden. Um dem namentlich nach Schluß v« Arbeit»« zeit schwer zu bewältigenden Andränge genügen zu können, ist eine Vergrößerung der Wasserfläche erforderlich. Die könig- lichen Elromb-Hördcn haben fich damit einverstanden erklärt, daß diese Verg-ößerung in den auf d« beifolgenden Zeichnung roth eingezeichneten G-enzen vorgenommen wird. Die Kosten der Erweiterung stellen fich nach dem Anschlagt auf 5 300 M. — J/dcm wir un» vorbehalten, wegen der vorstehend unter Nr. 4/5 und 6 erwähnten Einrichtungen in nächster Zeit, und nach Erfüllung dieser Aufgabe auch wegen Anlegung neuer Badeanstalten an anderen Stromstillen besondere Vorlagen zu übersenden,«suchen die Stadtoerordneten- Versammlung wir, zunächst wie folgt zu beschließen: Die Stadtverordneten-Vnsammlung erklärt fich mit d« Anlage je eines Schwimm-BasstnS. b) neben der Männer Badeanstalt an der Waisenbrücke, b) neben der Männer-Badeanstalt an der Schleusenbrücke, sowie o) mit der Vergrößerung der Männer-Badeanstalt am Nordhrfen, nach Maßgabe ver vorgelegten Zeichnungen und Kostenanschläge einverstanden und stellt die für Herstellung dieser Anlagen er- forderlichen Kosten und zwar: Bd a) 14 000 M.. ad b) 14 000 M., ad c) 5 300 M., zu- sammen 33 300 M., ä conto deS Fonds für unvorhergesehene Ausgaben von 300000 M. bei Epezial-Verwattung 65 zur Verfügung. Wegen Dringlichkeit der Sache ersucht der Magistrat die Stadtverordneten Versammlung, noch vor den Ferien d« V«. sammlung üb« diese Vorlage Beschluß zu fassen. Unter de« Petitionen, welche den Kommunalbehörden in letzter Zeit zugegangen find, befindet fich eine solche de» prakt. Arzte» Herrn Dr. Stahn, Kottbuserstr. 3. Der Petent ersucht die genannten Behörden um Verwerfung deS Antrage» de» König!. Polizei-PrästdiumS, die Einführung de» animalen Jmpf-VerfahrenS betreffend. Lokales. I« Betreff der Wahl von Arbeitern zu Mitgliedern de» Reich» VcrstcherungtamteS geht un» au» Arbeitnkreisen folgender Aufruf zu:„Arbeitervertret« de» Reiche» l Zum durch welche sie sich ihre Schönheit so lange bewahrt hatte — einen Krug kalten Wasser« und ein Stück Flanell vor- wie». Auch dem ewigen Wechsel d« Mode wrrd man so ewige Berechtigung zusprechen können, den» die Natur de» Menschen ist nun einmal für den Reiz de» Neuen so sehr empfänglich, daß Männer gar oft für Damen entbrenne«, die von ihre« eigenen Ehefrauen an Reiz weit übertrossrn w«de«. Eine kleine Veränderung in der Haartracht, im Schnitte de» Kleide», in der Form der Hal«krause u. d«gl. bewirkt stet»«ine Aenderung der ganze» Erscheinung, die naturgemäß auch einen neue» Reiz mit sich bringt. Die wahrhafte«.Künstlerinnen' unter de« Frauen wisse« da» und benutzen ihr Wisse« mit allem erforderliche« Maß«. Andere folgen nur dem Zwang d« Mode,«ziele» aber auch so ihre Erfolge, so lauge sie fich nicht ganz gedankenlos de» Uebertreibuagen«gebe», welche jede neue Mode mit fich bringt. Und darin ist die„Mode" all«di»g» stark. Heute schnürt sie de« Körp« ei», daß die arme» Dingerchen kaum gehen könne« und morgen bläht sie ihn auf. daß sie wieder nicht sitzen können. Gegenwärtig trägt man Kissen an d« Rückseite dr» Körp«» und 1793 befestigte» die Töchter Atbion» solche Kissen(.Pads') an der vorderen Seite de» Leibe». Noch vpr Ku.zem schnitte« die Mode« dame» ihre Haare ab und ginge» wie zerzauste Zunge» uah« und wie lange ist e» her, daß wir un» über jene Haarthürme ärgerten, die vo« Tag zu Tag höh« wuchsen und die Freude d« Haar» und Roßhaarhändler waren! E» gab eine Zeit, wo man die Hüfte» einzwängte und gegenwärtig sucht man fie zu verbrettern, c» gab eine Zeit, wo Schminke und Pud« noihwendig zu«wem schöne» Te« ficht gehörte», während wir heute w dieser Beziehung eine« sehr gesunde» Geschmack entwickeln und un» auch die schönst« gemalte Wang« eh« abstößt al« ansteht. Uebrigen« ist es nicht die Fceude am Wechsel allein, die solche Abso»d«lichkeilea bewirkt, auch der Geschmack d« Einzelnen wie d« verschiedenen Völk« ist ja sehr ver» Zwecke d« Aufstellung der Kandidaten für die Wahl von zwel Mitgliedern und je zwei Stellvertretern zum ReichS-Verstche- rungSamt ist soeben von einer Versammlung der fast hundert Mitglieder zählenden Arbeitervertreter Berlins mit Umgegend nach eingehender Lerathung folgende» beschloffen worden: „Die vom Verband der Werkmeister in Düsseldorf unbemfen« Weist empfohlenen Kandidaten find abzulehnen, da fie hin» reichende Garantien für genügende Vertretung der Arbeiter nicht bieten und da die Wahl der Mitglieder de» Reichs-Ver» ficherungSamte» Sache der gewählten Arbeitervettreter ist." Al» geeignetere Mann« zur Vertretung der Arbeit« wurden die folgenden Herren zu alleinigen Kandidaten proklamirt: 1. AI» Mitglied deS Reich». VerficherungSamte» in Berlin Nr. 275 Carl Guiheit, als Stelloertret« in B«lin Nr. 1492 Wilhelm Buchholi, in Berlin Nr. 1491 Wilhelm Körner. 2. Ar« Mitglied de» Reichs- Verstcherungt amieS in Berlin Rr. 2086 Rodert Buchholz, als Stellvertreter tn Berlw Nr. 601 Crrl Lichtenberg, in Berlin Nr. 604 F. Fuch». Wir«suchen Euch, indem wir verstchern, daß diese Männer in jeder Beziehung makellos da- stehen und die hinreichende Befähigung zur Vertretung d« Arbeiter befitzen, nur diesen allein und zwar umgehend Eure Stimme zu geben. Laßt Euch nicht ine machen!" In Bezug auf die Hetzereien und Denunziationen der Chrtftlich-Soztalen gegen den R ichStagSabgeordnetm Sing« bemerkt rm Berliner Korrespondent der„Breslau« Morg. Ztg." sehr treffend:„E» ist eine anekelnde, widrige Denuvztantenwuth ausgebrochen. Man stöbert die Leute auf, die lästig gefallen find, sei e». weil fie al» Konkurrer ten christ- lich-sozialn Geschäf.sieute Erfolg baben, sei e», weil fie einem politischen Gegner einmal einen Strich durch seine Rechnung machten, man sucht fie fich heraus, trägt alle» zusammen, wa» man ihnen als Verbrechen vorwirft und denunzirt fie dann lustig, sei«» in Eingaben an die Polizei, sei e», indem man öff-mtlich mit Fingern auf fie zeigt und in den Zeitungen fie angreift. So empörend und abstoßend solches Thun auch ist, eS birgt die Beruhigung in fich, daß e» sehr schlimm um eine Gesellschaft stehen muß, die zu solchen Mitteln greift. Auch da» ist etn Spitz-lthum und ein schlimmere» al» da» polizei- liche. Der Polizeispitzel mag au» Erwerbsgründen fich seinen Beruf gewählt haben, die Spitzel nach dem Schia-e de»„Reich»- boten" laffen fich ausschließlich von niederer Ä.finnung leiten. E» ist eine moralische Pest die da autgetreten ist. Ab« unsere Zeit giebt fich mit Epidemien und Seuchen nicht allzulange ab. Man wird auch dies« häßlichen Krankheit Hnr werden." Es ist nur zu wünschen, daß da» letztere recht bald geschehen möge. Daß die Eimnlation vo« Krankheit bei Mitgliedern der neuen Zwangs-Krankenkaffen sehr oft vorkommt, namentlich wenn die Arbeit stockt und Arbeiterentlaffungen in Auistcht stehen, ist eine viel beobachtete Thatsache, üb« welche die freien Kassen weniger zu klagen haben, weil dort daS größere Jntereffe der einzelnen Mitglieder eine strengere Kontrole der Erlrankten von selbst herbeiführt. Nku«dinas w«den aber auch diese Zwangslasten nicht bloß durch Simulation von Krankheit, sondern auch durch Simulation von Gesundheit ge» schädigt. Der Erlra eckte verliert gesetzlich einen Unterstützung»» anspruch nach dreizehnwöchig« Dau« der Krankheit. Die Folge dies« Gesetzesbestimmung ist, daß der Kranke gegen Ablauf der dreizehn Wochen fich wieder zur Arbeit quält, auch vielleicht unter größter Anstrengung einige Tage ardeitet und dm Arzt glauben macht, wieder arbeitsfähig zu sein. Dem Arzte ab« wird e» metstm» schwer fallen, Jemandem, der ar« besten will, davon abzuhalten. Einige Tag«, vielleicht auch ein paar Wochen quält fich der Kranke hin, dann— wird« von Neuem krank, natürlich mit dem erneuten Anspruch an die Krankenkasse auf eine dreizehn Wochen dauernde Unterstützung. Solche Kaffenmitqlieder, mit chronischen Leiden behaftet, schä- digm in dies« Weise die Kassen ungemein, und so sehr man vom Standpunkte der Menschlichkeit aui diesen lhatsächlich in» valtven Arbeitern auch eine Unterstützung gönnen mag, so «scheint doch im Jntereffe der Kassen eine and«weite Rege» lung dieser UnterstützungSveihSUniffe dringend zu wünschen. Die Jnvaltdenversorgung, die hier vielleicht Abhilfe schaffen könnte, läßt ziemlich lange auf fich warten. Nachdem fich die Anfang» gehegte Soffnnng, daß die Verm-hiung der Loose der p.eußischen Klafienlottertt schon jetzt erfolgen werde, nicht erfüllt hat, ist die Theilnahme der Spieler an der mit dem nächsten Monat wieder beginnenden königlich sächfischen Klassenlotterte in Berlin eine fast allgemeine. Man steht, daß die Slrafmandate, welche die Behörde wegm Spielen» in» auSwärligen Lotterien«lassen hat, keine od« schieden und demgemäß find auch die„Frauenkürrste' außnordentlich mannigfaltig. Wie sehr der Geschmack der Individuen auseinander gehen kann, da» wissen wir Alle. D« Eine zieht die Blonden vor, d« Andere die Schwarze«, der Eine die Mageren, b« Andere die Volle«. Oft wird eine ganze Zett von«in« Vorliebe für irgend eine Köip«eige»schast ergriffe» und welche m«kwürdrgen Wandluvge» d« Geschmack«fahre« kann, da» ist mir nie lebhast« deuiiich geworden, al» bei der Lektüre d« Schrift de» Ztaliener« Firenzuola„Ueb« die weibliche Schönheit". F-renzuola lebte im 16. Jahrhundert,« lebte in ein« Zeit und unter einem Volke, wo man sich auf Frauen» schönheit»«stand und da» Zdeal, da« er aufstellt, würde auch heute da» Entzücke« Aller bilde». M«kwürdiq« Weise »«langt« vo« diesem Zdeal ab« auch eine Eigenschaft, für die heute kaum Jemand schwärme» würde— eine große Hand. Da scheint uns« Empfinden ganz und gar and«» Se worden zu sei« und ebenso hat e» sich gegenüber der Inttke in d« Frage der„Taille" geändert. Während da» griechische SchönheitS-Zdeal zwischen Oberkörper und Hüfte« nur eine leise Eenbuchtung aufweist, wird heute auch d«, jenige, d« für eine„WeSpen-TaUe' durchaus nicht schwärmt, doch die griechische« Göttinnen in dies« Beziehung gern ei» wenig verbess«« wolle», wie ja auch unstte Mal« diesem „Zug der Zeit" gefolgt find. Wie sehr ab« die einzelne« Völk« sich in ihre« An» schauunge» üb« da«„Schöne" unt«scheide«, da« zeigt ei» Blick auf die„Frauenkünste", wie sie in verschiebene» Länder« geübt werden und grübt wurde». Während die Eagländnin in breite» Schuhe« tapf« austritt, liebe« wir ei» kleine«, zierliche« Füßchen und die Chinesen gehen so weit in ihr« Vorliebe für da» Kleine, daß fie diese» Füß- che« verkrüppeln und et absichtlich in eine» Klumpfuß ver» wandeln. Pie Spannung de« Fuße» vnlangt aueh Fireu, zuola doch, und ,u alle« Zeiten bat man e» versucht, durch hohe Absätze die Natur in dieser Richtung hin zu korrigire». Ganz absonderlich ab« war die venetianische Mode der doch nur eine gelinge SBHung haben. Diejenigen Personen, w lche den Veili ied sächstscher Lotterieloose bewirken, machen ein gu'eS Geschäft und sind daher vorfichtig genug, daß ihnen diese Einnahmequelle durch ein Eingreifen der Behörde nicht eitiog m wicv. Mlrkwitrv zer W»se wird in der P ooinj weniger in auiriS-ttgen Lotterien geipiett und diese auffällige Erich-inung erklärt sich wohl nur Su ch die Furcht, daß man dem Slrafrichter verlallen könnte. Bei der großen Zahl der G. wtnne, welche alljährlich von auswärtigen Lotterten nach Berlin fallen, erscheint die von einer Veite aufgestellte Bc> hauptung als zuireffend, daß hier allein etwa ein Drittel oder sogar die Haltte der Loose auswärtiger Lotterien gespielt wird. Es wä e daher an der Zeih daß man endlich die Vermehrung der Loose«er preußtlchen Klaffenlotterie in die Hanv nimmt. DaS günstige Wetter bat einen stchtbaren Einfluß auf die Vegetation gehabt. Der Winterrogqen steht in Blüthe, die«rkren find stärker als in früheren Jahren und versprechen einen Ertrag. Die vommersaatm find entsprechend entwickelt und darf auf eine frühe Ernte in der Umgebung Berlins ae> rechnet werden. Einige Kleefelder in der vchöneberger®t. marlung haben bereits den ersten vchnttt abgegeben und die Frühkaitoffeln werden bald auf dem Markte erscheinen. Die Kirschen find reif und reichlich vorhanden, aber daS übrige Steinobst ist durch die späten Nachtfröste größtentheilS zu Grunde gegangen. Die A pfel- und Birnbäume versprechen reichen Ertrag und der Wein am Spalier hat meistens ver- blüht. An einzelnen Stellen tretm die Raupen auf, so find die Bäume in einer schönen Allee in Friedenau durch Raupen« fraß entblättert und machen den Eindruck, alt wenn fie abge« starben wären. In den Ziergärten der Vororte ist ein reicher Blumer flar entwickelt. Solle« wir»alt oder warm esse«««d trinke«? Ueber die Schädlichkeit des Genusses beißer Speisen und Ge. tränke veröffentlicht Dr. Glaser im„Journal für öffentliche Gesundhei Spflege" einen Aufsatz, der viel BeherzigenSwerthe« enthält. E« ist nicht zu glauben, wie hartnäckig HauSfrau und Köchin gerade an dem Unfuae, die Erzeugnisse des häutlichen HerdeS nur in heißem Zustande kaum und verschlingen zu lassen, mehr alS an allen übrigen Kochsündm festhalien; das Auftischen der Speisen in Halbgluth ist zu einem Küchen- lasier geworden. In diesem Punkte ist mir noch nie und nirgends, selbst in meiner eigenen Familie nicht, gelungen, ein erträgliches Uedereinkommen zwischen Hau»- stau und Tischgesellschaft zu Stande zu bringen. Ein- mal, als mir'» zu bunt wurde, und Suppe und Kaffre immer wieder kreischend vor Gluth auf den gedeckten Tisch ge- bracht wurden, nahm ich daS Thermometer von der Wand und ver mkte eS zum Schreck der HauSfrau in die volle Suppen- schüssel. DaS half. DaS Thermometer zeigte 70 Grad CelsiuS, 32 mehr als die Blutwärmr. Ein« Brühe von 70 Grad CelstuS, welche man fich ungestraft nicht über die Füße gießen kann, eine solche Glühbrüh« auf die Zähne und Zunge wie in eins« Abkühlofen zu gießen— daß so etwaS Thierquälcrei sei, müßte eigentlich Jeder einsehen, und doch leuchtet's fast Niemand ein. Einen minder empfindlichen Körpertheil alS die Mundschleimhaut und den Zahnschmelz, nämlich die äußere Haut in einem Badewaffer von ähnlich hoher Temperatur zu baden, daS würde gleichbedeutend mit Töotung deS ganzen Menschen sein; und die Mundhöhle mit allem was darin ist muß fich solch unbarmherziges V-rdrühen, nur weil eS nun einmal zur Küchenmode, zur Küchenfyrannei der HauSfrau gehört, gefallen lassen. Wie pedantisch läßt der Kurdavende mit dem Thermometer fich die 25 und 28 Grad CelstuS seine» HauptbadeS abmessen! Wie würde er, und zwar mit Recht, schimpfen, wenn der Badediener ihm dai Wannen« bad auf 50 Grad CelstuS erhitzt! Und dieser nämliche Bad:« gast badet tagtäglich beim MittagSmahle Mund und Magen mit einer B ühe und mit Brocken von 60 Grad und noch darüber und denkt fich nicht» und fürchtet nicht» dabei. Den Köchinnen diese ihre Heißblütigkeit im Auftischen der Mahlzeiten abzugewöhnen, ist der Zweck de» gegenwärtigen WinkeS. ES ist gar lustig anzuschauen, wie an einer Mittagstafel Jeder bei den ersten Löffeln Suppe, die er zum Munde führt, seine besonderen G.immaffen schneidet; unbewußt runzelt er die S-iin und verzieht alle Wangen- und KinnmuSkeln. Ich habe mir marchmal photograph sche AugenblickSbilder einer Tisch« gcsellschafl gewünscht, welche ebm über die erste heiße Schüssel mit Löffel oder Gabel herfällt. Wenn unsere HauSthiere un» Menschen vor den glühend heißen Schüsseln schmatzend fitzen, uns zornentbrannt wie„Feueresser" die heißen Stücke Kar- toffeln über daS Gehege der Zähne hinweg verschlingen sehen, wie würden fie über unser vernunftwidrige» Gebahren die Köpfe schütteln. Ich war einmal um die Mittagsstunde in einem Bauernhause Zeuge, wie eine Baueriftau ihre Tochter, welche den Futterinhalt eine» KuhkeffelS unadgekühlt in die Viehtröge tragen wollte, ohrfeigte und fie scheltend ftagte, ob fie die Kühe mit dem heiße« Futter wohl lödten, oder doch krank machen wolle? Und doch trug diese nämliche Frau, die fich de» VieheS erbarmte, den Ihrigen in der nächsten Minute da» Kohlgemüse glühend heiß in großen Schüsseln von Herde unmittelbar auf den Tisch. Die vor Hunger ungeduldig Harrenden führten vor meinen Augen jenes interessante Grimmaffenfpiel der Feuerprobe auf, an dessen Anblick ich mich schon so häufig ergötzt habe. Jung und alt spitzen über dem heißen Löffel den Mund; e» ist ein allseitiges Blasen und Schnüffeln und Schlürfen am Löffelrande, ein Calcagvetti, Stelze«, die, wie Molmenti i« seiner„Ge« schichte der Venetianer' erzählt, oft«inen halbe« Meter(!) hoch wäre«.„Natürlich," so schreibt Molmenti,„konnten die Frauen nicht ordentlich darauf gehen, fielen oft hin und beschädigten fich und«ußtea fich meistens von zwei Dienern oder zwei Kavaliere» führe« lassen.' Die Ideal« färbe der Renaiflance-Zftt war blond und diese Farbe suchten die ttalienische» Damen jener Tage mit alle« Mitteln zu erzielen. So gab es Frauen, welche den ganze» Tag nicht au» der Sonne ginge«, weil die Sonne in dem Ruf stand,„blond zu machen', und im Uebrige« gebrauchte mau reichlich Mixturen und Färbemittel. Wer einen Blick in den Jaseratenthiil unserer Zeitungen wirst, wird immer und immer wieder den Anzeige» jener Mittel begegnen, welche mangtlhaste Büste» verbessern solle«, und wer einmal mit einer Damenschneideriu geplaudert hat, dem hat st« viel« leicht anverttaut, wie auch Damen, die keiner besonders zu- bereiteten Kletder bedürfen, sich vorn durch ei« paar Sack- tücher vor Verktüftunge« schütze«. Dagegen preßt man in Tyrol die Leiber der Mädchen schon stühzeitig in enge Mieder, und die flache Brust scheint dort als besondere Schönheit zu gelte«. Auch der Japaner ist kein Freund voller Forme« und auch— im Gegensatz zu un»— kein Freund einer„schönen Taille" Die Japanerin bindet im Gegentheil«ine» Gürtel Über die Hüsten(der nicht selten waitirt ist), um de« Vorspruvg der letztere« möglichst au«- zugleiche«. Näher dem Empfinde« unserer Damenwelt st�e« die Negerinnen von Fetu, die, wie I. W. Müller erzählt,„hinten auf de» Hüsten einen von alte« Lumpe« zu- sammeagenähte» Pult, einem Kameelshöcker nicht ungleich' � Nicht weniger verschieden find die Anschauungen über den Teint. Die Eine» schwärmen für„interessame Blässe", die Andern für„Milch und Blut' und wieder andere für die bräunl'che, roth überglühte Farbe deS Südens und dem entsprechend suche» auch die europäische« Dame«— auch Säuseln und F'öten am Tisch, als ob'» einem Strafessen gelte. Es ist gerade als ob uns Menschen aufgegeben wäre, bei jeder Mahlzeit durch Zunge und Eebiß stanz genau den Verbrenn- pui-kt der Schleimhaut und die Sprengtemperatur für den Zahnschmelz am Lebenden zu ermitteln, so gewissenhaft bemüht fich jeder, die ersten B ssen so heiß wie möglich dem Mund- dod-.n einzuladen und hier fie zwischen den Kiefern und den oberen Zähnen tanzen zu lassen. Die nächste unmittelbare Wir- kunz dieser abscheulichen Kuchenplage, deS FeuereffenS, ist daS moderne allgemetneZahnelend mit all seinen gesundhrittschävlichen Folgen. DaS Heer der Zahnärzte stützt sein Dasein in erster Rnhe auf den U-rfug der Köchinnen, Speise und Trank in einer Temperatur von 50 bis 70 Krad Zetfiu» aufzutischen. Man sucht noch immer nach einer Erklärung, warum die Zähne de» Oberkiefer» in der Regel früher zu Grunde gehen, als die deS Unterkiefers; man vermuthrt die Ursache u. A. in dm chemischen Eigenschaften, namentlich aber in der schützenden Be Ichaffentheit deS mehr im Unterkieferdecken fich aufhaltenden Speichel». Aber wir brauchen nur einen frisch geschnapptm heißen Bissen in die Mundhöhle zu verbringm, um gleich etnzu- sehen, daß die Zerstörung des Zahnschmelz«« hauptsächlich am Oberkiefer ein mechanischer Lprengvorgang ist, hiivoraebrcht durch natürliche Temperaturgegensätze innerhalb der Mundhöhle. Der heiße Bissen wird zunächst auf dem Zungenrücken durch ein unwillkürliche» Schnalzen und Zittem der ZungmmuSkeln, welche hierin mit der Zeit eine unglaubliche Fertigkeit erlangen, bin- und hergewoifen, dabei stößt er, wie die Billardkugel am Randpolster, an den Zahnen des Oderki-feri an und ab. Die nächste Folge ist, daß die oberen Zähne die ersten find, welche zerklüftet werden, und zwar an ihren inneren, der Mundhöhle zugekehrten Kanten. Gleichwie in Glashütten eine punktförmige leise Berührunz eine» Glaszylinders mit einem Spcengdolzen im Nu die ganze Walze spaltet, gerade so muß die hciße Kost einer unoemüc.stigtn Hausfrau schon durch vorüdergehmde Berührung der Zahn oder fläche d:n Zahnschmelz immer mehr zerllüften und für da» Eindringen und Nachdringen schmelzfeindltcher Flllfstgkeilen, wie Zucker, Säuren ic. auf- schließen. Au» diesen Andeutungen über GesundheUS« Verwüstungen, welche durch heiße Getränke und Speisen ange- richtet werden, ziehen wir die Lehre: schenken wir unseren Hautftauen und Köchinnen, wenn wir fie ander» nicht von der heißen Kost abbringen können, zu Weihnachten für die Küche ein Suppen- oder Kaffeethermometer, damit fie die Speisen und Getränke, ehe fie auf den Tisch kommen, auf den zuträg- lichen Wärmegrad abstimmen. Steinalt gewordene Menschen pflegen zu bekennen, daß fie nie im Leben heiß gegessen und getrunken haben. Prof-ssor ESmarch über Gymuastal-Bildung. Der berühmte Chirurg in Kiel spricht fich über die gegenwärtig den Studirenden der Medizin auf den Gymnasien gegebene Vor- bildung mit großer Schärfe und Bitterkeit aus:„Ich will nicht länger zögern, eS auszusprechen, daß ich in Betreff der Roth- wendigkeit einer gründlichen Schulreform mit meinen Kollegen Hensen, Flemming, Stimming, Hüter, Fick u. A. völlig über- einstimme, und daß ich e» für meine Pflicht halte, dies überall auszusprechen, wo fich dazu Gelegenheit findet. Die U-berzeu« §ung, daß der Geist unserer Jugend verkümmert unter dem iwange, fich vorzugsweise mit Gegenständen beschäftigen zu müssen, welche für fie wenig Interesse und keinen bleibenden Werth haben, gewinnt offenbar unter den Gebildeten unserer Nation immer mehr Boden, und stets demüht, auch die Mei- nung Anderer darüber zu erforschen, habe ich gesunden, daß die große Mehrzahl mit mir derselben Anficht ist, wenn nuch Viele eS nicht wagen, dieS offen auszusprechen, weil fie fürchten, für Ketzer oder Un- gebildete(Neobarbaren) gehalten zu werden. WaS nun meine Anficht über die Frage detrifft, ob für die Mediziner die philologische oder die realistische Vorbildung vorzuziehen sei, so bin ich außer Stande, zu deurtheilen, ob die AuS- bildung, welch« die Sckiüler der Real- Gymnafien erhalten, für den zukünftigen Arzt zweckmäßiger sei, al» die der„humanisti- schen" Gymnafien, da wir Professoren nur selten Gelegenheit haben, Schüler von Real-Dymnafien unter unseren Studirenden zu sehen. Die Gründe aber, welche von Seiten der klasfi- schen Philologen gegen die Zulassung der Real»chüler zum medizinischen Stu-ium geltend gemacht werden, erscheinen mir äußerst schwach. Daß für die Vorbildung zum Studium der Medizin die meisten Gymnastasten nur sehr Geringe» leisten, ja, daß die meisten unserer Studirenden«ine ganz ungenügende Vorbildung für unser Fach von der Schule mitbringen, davon habe ich mich durch langjährige Erfahrung überzeugt. Zunächst muß doch verlangt werden, daß der Arzt eine allgemeine Bildung besitze. Daß aber viel« von den auf den Gelehrtenschulen gebildeten Stu- denten dai nicht mitbringen, waS man jetzt„allgemeine Btl- dung" nennen sollte, darüber herrscht z. B. in unserer Fakultät kein Zweifel. Dazu gehört vor Allem eine ausreichende Kennt- niß der neueren Sprachen, namentlich der englischen und fran- zöfischen, dazu gehört«in« genügende Beherrschung der eigenen Muttersprache, eine Fülle von auf Anschauung gegründeten naturwissenschaftlichen und geographischen Kenntnissen und endlich die Fähigkeit, einem Gedanken auch durch den Zeichen- stift einen einigermaßen genügenden Ausdruck zu geben. Alle» dai scheint den meisten Abiturienten von Gymnafien zu fehlen und kann auf der Unioerfität nur kümmerlich nachgeholt werden, weil die Fachstudien die ganze Zeit allzusehr in Anspruch nehmen. da durch die jeweilige Mode beeinflußt— ihre Hautfarbe zu verbessern. I» Japan verlangt man von einer schöne« Frau in erster Linie weiche Haut und in Folge dessen finde« dort weiße Schminke« sehr stark Verwendung. Man benutzt Bleiweiß, Reispuder und da» blendend weiße Pulver, da» die Pflanze Mirabili» Jalappa in ihre« Beere« enthält. Die Römerinnen pflegte» ihre Wange» künstlerisch zu bemalen und bedeckte« fie in der Nacht, um fie wieder weich zu machen, Miss Teig und lederne« Maske«. Die Chinefinnen lege« Roth und Weiß auf und bemalen beson« der» die Unterlippe stark. Auch die Japanesin färbt die Lippen dunkel oder violett, während die Beduinenftau fie blau und die Bewohnerin der Kurilen sie sogar schwarz färbt. Die wilden Völkerschaften lieben«S bekanntlich, de» ganze» Körper zu bemale«, und die Frau der Monbuko- Neger erscheint bald mit Sterne» und Kreuzen, bald mit Blättern und Blüthe», bald mit Streife« und Ader« bemalt, just so wie unsere Modedame« mit de« Stoffe« ihrer Toilette« wechseln. Aber die„Frauen künste' erstrecke« sich auch auf Neben- fache«— die ja fteilich im Reich der Galanterie bisweile« auch Haupisache» werden können. Jene Dame erzielt de« eigene» Reiz ihres Eefichte» durch Bemalung de» sichtbare» Stückchens der Nasenscheidewand, ein« andere operirt mit Schönpflästerche«, eine dritte mit dem Arrangement jener Löckchen, die sich eigenfinnig in dm Nacken herein- dränge», eine vierte mit ihren Zähnm, eine fünfte mit ihren Händm und Fingernägeln. Die Hinduftau beizt ihre Zähne glänzmd schwarz, die Tochter der Südsee- inseln bemalt die Zungenspitze und jene der Massai» in Ostafrika streckt das Ohrläppchen durch angebrachte Gewichte fast bis zur Schulter. Die Japanefin bemalt ihre Nase, so daß fie höher erscheint und die Maurin färbt die Augen- braum dunkel und malt an die Ränder der Lider zwei schwarz« Streifm. Diese Behandlung der Augen verdimt allerding» nicht ganz unter de»„Nebensachm" genannt zu 3118 klinischer Lehrer habe ich hinlänglich Gelegmheit, mir über den Bildungsgrad meiner Zuhörer ein Urtbeil zu bildm, da ich dies« Iben taglich am Krankenbett«xamtniren, die von ihnen verfaßten Krankengeschichten vorlesen und bemtheilm und end« lich die Doktor- Dissertationen, welche fie über die in meiner Klinik beobachteten Fälle schreiben, kritifiren muß. Dabei bade ich gefunden, daß nur Wenige fähig find, die finnlichen Ein- drücke gut und schnell aufzufassen, klar zu deurtheilen und folgerichtig wiederzugeben. Sehr oft stößt man auf eine Art von Apathie, von geistiger Kunfichtigkeit, welche schlimmer ist, als die ebenso häufige, in der Schule erwordene Kurzstchtigkeit dei AugeS. ES ist, als ob der jugendliche Geist verkümmert sei, seine Frische verloren habe unier der vorwiegenden Be» schäftigung mit den grammatischen Spitzfindigkeiten und dem Auswendiglernen von all den Regeln mit zahllosen Auinah« men, wahrend die Fähigkeit, zu beobachten, die in der Jugend so sehr nach Befriedigung strebt, verloren gegangen ist unter der U-derhäusung mit Lehrgegmständ-n, die für den jugend» lichen Geist wenig Interesse hadm können und denen An- schauung nicht zu Grunde gelegt wird." Bierologische». In Nr. 25 der„Wochenschrift für Brauerei" befindet fich ein zur Widerlegung der im preußischen Abgeordnetenhause jüngst zu Tage getretenen Anfichtm über die Berliner Bieroerhältnisse von dem Borfitzenden de» Verein» Versuchs und Lehranstalt für Brauerei, Herrn Direktor Röficke, unterzeichneter Artikel, von dem einige Puntte von all- gemeinerem Interesse find. ES heißt da: In der Sitzung deS preußischen Abgeordnetenhauses vom 2. Juni d. I. bei Ge- legenheit der Debatte über die Surroaatftage sagte Herr v. Rauchhaupt u. A. folgendes:„Ich habe neulich einen sehr interessanten Artikel gelesen über die Bierproduktion Bayern», namentlich gegrnüber der Bierproduktion Berlins, und über die Gründe, weswegen daS bayerische Bier vor allen Dingen hier in Berlin die weite Verbreitung gewonnen hat, welche eS wirklich ge- funden. In den guten Restaurationen Berlins wird jetzt meist echte» bayerisches Bier vrrschäntt, daS Berliner Bier ist dagegen in die Nestau ationen deS mittleren und ärmeren Publikums, nament- lich in die großen Vorstadt-EtabliffementS, gedrängt.— Warum trinken denn nun aber die höheren Stände lieber das echte bayerische Bier als daS andere? Weil es gesünder ist und besser bekommt." Die mir vorliegenden amtlichen Mitthei« lungen über die Produktion und Einfuhr von Bier in Berlin ergeben nun folgende»: Die Produktion ist gestiegen von 1 791 624 Hektol. im Jahr« 1880/81 auf 2 140 903 H-ktol. in 1883/84 und auf 2 212060 Hektol. in 1834 35. Die Ge- sammteinfubr belief fich im Kalenderjahr 1831 auf 103000, 1884 auf 163900 und 1885 auf 169372 Hektol. Für die Ein- fuhr au» Bayern kommen lediglich die Berlin-Anhalter und die Berlin-DreSdener Bahn in Betracht. Der Import auf diesen beiden Bahnen betrug im Jahre 1881 60427, 1884 94100 und im Jahre 1885 94400 Hektol. Hieraus ergtedt fich, daß die Produktion von 1880/81 bi» 1883/84 um 349 284 Hektol. und von 1883/84 auf 1884/85 um 71152 Hektol. gestiegen ist; daß ferner die Gesammteinfuhr von 1881 auf 1884 um 60 900 Hettoliter, von da bi» 1885 um 5472 Hektoliter und daß die Einfuhr auf der Berlin-Anhalter und Berlin- Dresdener Bahn, dei welcher die Sendungen aus Sachsen und den thüringischen Staaten mit inbegrrffen find, in dem ersteren Zettraum um 33 673 Hektol., von 1884 auf 1885 aber nur um 300 Hektol- zugenommen hat. ES ergiebt fich ferner daraus, daß selbst. wenn man annehmen wollte, daß alle» auf den zuletzt ge- nannten beiden Bahnen eingelaufene Bier an« Bayern stammt, diese Einfuhr immerhin nur 4,3 pCt. der Berliner Bier« Produktion ausmacht; daß daS Quantum, um welches fich die letztere während der genannten Periode vermehrt hat, ein so bedeutendes ist, daß die Steigerung der Einfuhr fremder Biere dem gegenüber überhaupt nicht sehr in Betracht kommt. Die Zunahme der Produktion übersteigt die der G-sammteinfuhr um da» sechsfach« und die der bayerischen Einfuhr um daS 12- bis 13fache! E» ergiebt fich au» jenen Zahlen noch ferner der sehr bemerkenSwetthe Umstand, daß die Einfuhr bayerischer Biere in erheblich geringerem Maße al» die Einfuhr anderer Biere zuge- nommen hat. Während nämlich die Einfuhr auf der Berlin« Anhalter und Berlin Dresdener Bahn von 1881 bis 1885 um 56 pCt. gestieaen ist, beträgt die Steigerung auf den übrigen Bahnen 76 pCt. Insbesondere fällt dieses für die bayerischen Biere ungünstige Vcrhältniß in den beiden letzten Jahren in die Augen, wo die Steigerung der Einfuhr auf ersteren Bah- nen, also auS Bayem, nur 300 Hektoliter, auf den übrigen Bahnen dagegen 6172 Hettoliter betrug. ES ist die» um so bemerkenSwerther, als gerade in den letzten Jahren viele baue« rische Brauereien besondere Anstrengungen gemacht haben, ihre Biere in Berlin einzuführen. Hiernach kann von einer„weiten Ausbreitung" des bayerischen Bierei in Berlin wohl ebenso- wenig wie daoon die Rede sein, daß in den guten Nestau« rationen meist bayerische» Bler oerschänkt wird, und daß das Berliner Bier in die großen Vorstadt Etablissements ver- drängt ist. Die EanitätSstatio« im GörlitzerssBahnhof hatte im April im Ganzen 290 Fälle zu behandeln, von denen 161 inner« liche und 116 chirurgische waren. Hierzu kamen noch 13 Ge» burtShilfeleistungen m schweren Fällen. Von diesen wurden 166 innerhalb der Station, und 124 außerhalb der Station behandelt. Ganz enorm ist die Zahl der Hilfesuchenden im Mai, dieselbe beziffert fich auf 357 Fälle,«ine Thatsache, die werde» u«d in der That kennen auch unsere Modedame» die Kunst der Orientalin sehr gut. Diese schwarzen Stricht lasse» ja da» Weiß« de» Auge» blendender hervortreten und erhöhe» dadurch de» eigenthümlichen Glanz, den Leuchteffekt desselben. Doch genug. So lange Frauen lebe« und Männer Frauenschönheit bewunder«, so lange werde« auch die „Frauenkünste" ausgeübt werde«. Und so lang« wird r» die Mehrzahl der Männer auch verzeihe», wen« eine hübsch« Frau eine oder die andere dieser Künste in bescheideneB Maße verwendet, und so laug« wird e» auch vo» der Natur stiefmütterlich begabte Wesen geben, die mit Hilfe solcher Künste die Männer zu hettüge« hoffe», Frauen von der Art der Kunigunde in Kleist'S„Käthchen von Hei� bronn". Eigenthümlich genug ist e», daß fw gegen diese Art von„Betrug' unsere Gesetz' bücher gleichgiltig verhalte«. Vielleicht kommt aber «och einmal die Zett, wo man auch solch« Verbreche« ahndet. Ganz neu wäre die Sache ja nicht, denn schon it* vorige« Jahrhundert wurde im englischen Parlament er» Gesetz beantragt, in welchem e» hieß:„Alle Weibsleuts, ohne Unterschied de» Alter», Range» oder Stande», gleich* viel ob Jungfrau«« oder Wittwe», welche vor oder#*4 dem Erlaß dieser Akt« irgend eine» der männlichen Unter' thaae» seiner Majestät in verrätherischer oder betrügerisch*» Weise durch Schminke», Salben, SchöaheitSwasser, kiN»' liche Zähne, falsche Haare, spanische Wolle, Korset», R>!' »öcke, Hackenschuhe und gepolsterte Hüsten zur EingehuaS einer Heirath oerlocke», machen fich der Straf« schulvig, da» Gesetz über Zauberei verhängt, und soll«ine. solch Heiraih nach Ueberführung de« betreffende« Frauenzimmer� für null und«ichtig erklärt werden."— Wa» würd unsere Modedame» zu einem solch' barbarische« Geft» sage«?... die zwingende Nothwendigkeit dieser segensreichen Institutionen am besten illuktiirt. Die geleistete Hilfe während diesei Mo» nati erstreckt ficb aut 196 innerliche und 145 äußerliche, sowie 16 geburUhilfliche Fälle, von denen 198 inner halb und 159 außerhalb der Etation zur Behandlung tarnen. Die Eanitäti- station am Görlitzer Bahnhof ist übrigens die seitens dci Publikums am stärlsten in Anspruch genommene. Et« jugendlicher Wanderer. Achtbare Fußmärsche legt ein zwölfjähriger Knabe in Tempelhof, der Eohn eineS Arbeiters, zurück. Er besorgt täglich die Fleischdeftellung für daS Gar- nison Lazareth bei dem hier in der Etrelitzerstraße wohnenden Lieferanten. Die Entfernung beträgt nach dem amtlichen Wegemeffer für den Hin- und Rückweg 17,6 Kilometer oder 2,/io Meilen für den Tag, für daS Jahr mithin 339 Meilen. Um die Stiefel zu schonen, macht der Knabe den größten Theil de» Jahrei diesen Weg barfuß. Um die Armentommisfion ,« überzeugen von seiner UntelstützunaSdedürstigteit wäylte der in der Holzmarttstr. 37 wohnhafte Arbeiter G. ein allerdings wirksames, aber doch sehr beklagenSwertheS und unsere traurigen Verhältniffe recht charakteristrendeS Mittel. G.'S Frau war verstorben an der Schwindsucht; ihr Leiden hatte st« fich durch ihren Fleiß als Näherin zugezogen. Während G. nur zeitweise Arbeit fand. half die Frau den Unterhalt der Familie mitverdienen, zu der auch zwei Kinder gehörten. Nach dem Tode der Frau suchte G. vergeblich Unterstützung bei der Armenbehörde nach; fie wurde ihm nicht gewährt; Arbeit fand er ebenfalls nicht. Vor einiger Zeit bat er Morgens beim Weggehen seine Nachbarin, die Kinder zu beausfichiigen und ste, falls er spät nach Hause kommen sollte, zu Bett zu bringen. G. kam an diesem Abende nicht nach Hause, auch nicht am anderen Tage; dagegen lief bei der Polizei die Nachricht ein, er sei auf dem Flur eineS HauseS in der Manteuffelstraße, unter Symptonen der Vergiftung erkrankt, gefunden worden und in ein Krankenhaus ge- schafft. Sein Zustand, der anfangs hoffnungslos schien, befferte fich zwar, doch hat G. in Folge der Wirkung del ge- noffenen Giftes die Sprache verloren. Nunmehr hat fich auch die Armendehölde von der Bedürftigkeit des G. überzeugt und die Kinder anderweit untergebracht. Wäre«S nicht wünschen S- werth, wenn die Armenbehö.'Se etwaS weniger schwer zu über- �Der nahezu 40 Jahre alte. 170 Meter große Schlaf« stelleudieb, von abgelebtem Aussehen, mit braunem Haar und blondem Schnurrbart, welcher fest einigen Monaten hier sein Unwesen treibt und unter den Vorspiegelungen, er sei Eisen- dahnbeamter und komme von außerhalb, fich in Schlafstelle einmiethete, ist von der Kriminalpolizei in der Person des vor- bestraften„Arbeiters" Ritter ermittelt und festgenommen wor- den. Derselbe ist überführt und geständig, stck in 46 Fallen de» einfachen, in 18 Fällen de» schweren und in einem Falle de» versuchten schweren Diebstahl» schuldig gemacht zu haben. Da anzunehmen ist, daß Ritter besonder» in den umliegenden Ortschaften noch andere Diebstähle ausgeführt hat, so wollen Personen, welche glauben, durch den Thäter geschädigt zu sein, fich auf dem Kriminalkommiffariat Zimmer 78 melden. Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Ein« in der Ber- nauerstraße wohnhafte Wittwe hatte in augenblicklicher Geld- Verlegenheit in einer benachbarten Pfandleihe auf ein werth- volles Tuchkleid die Summe von 3 M. entnommen und schickte ihren 13jährigen vobn, da« Kleid zurückzuholen. Derselbe zog e» indessen vor, vor Erledigung de» ihm gewordenen Auftrage» fich mit etlichen AlterSgenoffen auf der Straße herumzujagen, bei welcher Gelegenheit ihm der betr. Pfandschein verloren ging. Sehr bald entdeckte er jedoch den Verlust und eilte zu seiner Mutter zurück, ihr da» Geschehene zu verkünden. Diese hat nun ihrerseits nichts Eiligere» zu thun, al» schlmnigst in die Pfandleihe eilen und dort den Verlust de» Pfandscheine» an« zuzeigen. Zu ihrem nicht, geringen Schrecken wurde ihr aber hier die Mtttheilung, daß kurz zuvor da» Kleid von einer alten Frau ausgelöst worden sei. Dieselbe hatte offenbar den Pfand« schein gefunden und fich ohne Verzug in die Pfandleihe begeben da« Kleid geholt. Da der Pfanolether eine ziemlich genaue Personaldeschreidung der betr. Person zu geben vermochte, so wird zur Zeit feiten» der Krimin alvolizet auf dieselbe eifrig ge- fahndet. Angesichts solcher Dreistigkeit liegt die Frage nahe, ob e» nicht angebracht wäre, ebenso wie beim Versetzen der Lachen, beim Auslösen von den betr. Personen eine Legiti- mation zu verlangen? Wenn hierdurch auch kein stcherer Schutz erzielt wird, so würde doch wenigstens Zeit gewonnen und ei mehr ermöglicht werden, Reklamationen anzubringen. Allen Inhabern von Pfandscheinen sei zugleich dringend empfohlen, stch die betr. Nummern genau zu merken, damit ste dieselben eintretenden Falle» mit Sicherheit anzugeben vermögen. Die auf Mord gerichtete Auklage gegen de« Must- kut Wohler» wird zweifellos schon für die bevorstehende SchwurgerichlSperiode spruchreif werden. Die E-Sffnung deS Hauptvnfahren» durch die zuständige Strafkammer ist in einigen Tagen zu erwarten, ebenso die gleichzeitig erfolgende Fest« setzung deS Termin» für die mündliche Verhandlung. Zu der- selben werden al» Sachverständige Profeffor Wo'.ff und der gerichtliche Phyfiku», SanitätSralh Dr. Lang, geladen. Die Zahl der zu vernehmenden Z-ugen, unter denen fich auch ein Kriminal. KommiffariuS befindet, beläuft fich nur auf ca. 5 Per« fönen. Jedoch hat keiner derselben dem Inkriminirten Borgange beigewohnt. Der Erste, welcher hinzukam, hat den ertrunkenen Knaben nicht mehr gesehen und nur bemerkt, wie der Ange- klagte selbst an der Löschung de» HumboldthafenS fich hin- unterließ. Schiffer, die ebenfalls in dem Prozeffe als Zeugen vernommen werden, haben damals den befinnungklosen Vater au» dem Wasser gerettet. Nicht am wenigsten delastend find deffm eigene Au'sagen, die in drei verschiedenen Lesarten er- heblich von einander abweichen. Zum Nrrtheidiger hat fich der Angeklagte den Rechtsanwalt Wronker gewählt. Bewegung der Bevölkerung Berltu« nach den Ver- öffentlichungen des statistischen Amt» der Stadt. Di« fortge- schrieben« Bevölkerungszahl betrug am 29. Mai inkl. der nach« träglichen An- und Abmeldungen 1 334 869, hat fich demnach gegen die Woche vorher um 736 Seelen vermehrt. In der Woche vom 30. Mai bi» 5. Juni wurden polizeilich gemeldet 2316 zugezogene, 2138 fortgezogene Personen; standesamtlich wurden 201 Ehen geschloffen. Geboren wurden 837 Kinder, und zwar lebend: 410 männliche, 394 weibliche, zusammen 804(darunter 93 außereheliche), todt 16 männliche, 17 weibliche, zusammen 33(darunter 1 außereheliche) Kinder. Die Lebendgedorenen, auf» Jahr berechnet, bilden 34,1, die Todtgeborenen 1,3 pro Mille der Bevölkerung, die außerehelich Geborenen 11,23 pCt. aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Ledend- geborenen 11,57, die bei den Todfgeborencn 3,03 pCt. In der kgl. Charilee und Entbindung». Anstalt wurden 36 Kinder geboren. Gestorben(ohne Todtgeborene) find 622, nämlich 333 männliche, 289 weibliche Personen. Von diesen waren BWWMAHW |0 bi» 60 Jahre 80, 60 bis 80 Jahre 61, über 80 Jahre 13. Die Sterbefälle beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 57 83 ZCt. sämmtlicher in dieser Woche Gestorbenen auS. Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Kindern starben 49 im ersten, *8 im zweiten, 30 im dritten, 22 im vierten, 17 im fünften, 30 im sechsten, 98 im siebenten bi» zwölften LebenSmonate; von denselben waren ernährt 33 mit Muttermilch, 1 mit Ammenmilch, 150 mft Thiermilch, 2 mit M>lchsurrogattn,46mit gemischter Nahrung, von 32 war es unbekannt. Todesursachen waren besonder»: Lungenschwindsucht(65), Lungenentzün- dung(44), Bronchialkatarrh(10), Kehlkopfentzündung(16), Krämpfe(46), Gehirnschlag(16), Gehirn, und Gehirnhautent« »andung(37). Kred«(24), Altersschwäche(18). LebenSschwäche(32), Abzehrung(23), Masern(11), Scharlach(6), Diphtherie(16), Typhu»(2), Diarrhöe(24), Brechdurchfall(66), an anderen Krankheiten starben 158 und durch Selbstmord 3, davon durch Erschießen 1, durch Erhängen 5, durch Ertrinken 1, durch Haltabschneiden 1. Die Sterblichkeit der Woche auf da» Iah: derechnet, kommen durchschnittlich auf 1000 Bewohner in Breslau 34,7, in Frankfurt a. M. 21,5, in Köln 28,4, in Dresden 29 0, in München 30,8, in Bremen 20,4, in Stuttgart 17,8, in Wien 27,1, in Paris 23,7, in London 15,5, in Liverpool 19,8. In der Woche wurden dem Polizeiprä- fidium gemeldet als erkrankt an Tyvhu« 15, an Masern 222, an Scharlach 32, an Diphtherie 85, an Pocken 1. In den 9 größeren Krankenhäusern wurden in der Berichtswoche 793 Kranke aufgenommen, davon litten an Masern 13, an Scharlach 4, an Diphtherie 16, an TyvhuS 6, an Rose 6. Ei starben 114 Personen oder 18,3 pCt. aller in der Woche Ge- storbenen; als Bestand verblieben 3664 Kranke. Polizeisericht. Am 19. d. MI»., früh, verstarb ein Schlächtermeister im katholischen Krankenhaus« unter Erschei« nungen von Morphiumveraiftung. Wahrscheinlich hatte der- selb« am Tage vorher in seiner Wohnung von den ihm gegen Magenschmerzen verordneten morphiumhaltigen Arzeneien zu viel genommen.— Am 20. d. MtS., früh, wurde an der Schöne- dergerbrück; die Leiche einer Frauensperson aus dem Landwehr- kanal gezogen und nach dem Leichenschauhause gebracht.— An demselben Tage, Vormittag», versuchte ein Mann während der Fahrt in einer Droschke stch mittelst eine» Revolvers zu er- schießen. Er wurde noch lebend nach dem Krankenhause Bethanien gebracht.— Am Nachmittag desselben Tage» wurde eine F-au auf dem Boden ihrer Wohnung in der Frankfurter Allee erhängt vorgefunden.— Zu derselben Zeit glitt daS Dienstmädchen Derwing in der Rosenthalerstraße au», fiel zu Boden und brach den rechten Oberschenkel. Sie wurde nach der köntgl. Klinik gebracht.— Am Abend desselben TageS wurde der Ardetter Apetz, als er in der Müllerstraße einen Pferde-Eisenbahnwagen besteigen wollte, von einer zu nahe an demselben vorbeifahrenden Droschke erfaßt, zu Boden geworfen und am linken Fuß überfahren.— An demselben Tage. Vormittags, entstand in einem Bodenverschlag des HauseS Posener- straße Nr. 9 auf unaufgeklärte Weise Feuer, durch welche» der Dachstuhl vollständig zerstört wurde. Die Feuerwehr war etwa eine Stunde in Thättgkeit. Gerichts-Jeiwng. Die für die HauSdefitzer Berlin» so wichtige Frage der„unbeschränkttn Durchfahrt" in den HauSflurm gelangte am Sonnabend vor dem OberverwaltungSgericht zur drstnitioen und nunmehr für alle ähnlichen Fälle maßgebenden Ent- scheidung.— Bekanntlich schreibt die Baupolizeiordnung vom 12. Marz 1860 vor, daß die mit Hinterwohnungen versehenen Grundstücke eine unbeschränkte zum Transport Ver Löschwerk- zeuge geeignete Durchfahrt von 8 Fuß Breite und 9 Fuß lichter Höhe bcfitzen, und auf Grund dieser Bauordnung verfügte nun da» Polizeipräsidium gegen solche HauSdefitzer, welche ihre Durchfahrt zu gewerblichen Zwecken vermiethet hatten, daß fie die zu den betreffenden VcrtausSzwecken aufgestellten Utenfilicn, wie Bänke, Stellagen u. s. w., au» der Durchfahrt entfernen sollten. Die» geschah auch bei dem HauSdefitzer K in der Oranienstraße, in dessen Durchfahrt ein Obsthändler auf ein paar Stellagen Obst, und ein Bierschänker an zwei Tagen der Woche während zweier Vormittagsstunden Bier feilbot. K. klagte bei dem Bezirksausschuß auf Aufhebung dieser Ver« fügung, indem er nachwies, daß die in Rede stehenden leicht transportablen Utenstlten eventuell in zwei Minuten beseitigt sein und daher der Feuerwehr kein Hinderniß bieten würden, und daß ferner die Baupolizei« ordnung fich nur auf bauliche und keine derartigen Hindern# der Durchfahrt beziehe. Der Bezirksausschuß schloß fick dieser Anficht an und erkannte demgemäß, wogegen daS Polizeiprästdtum Berufung einlegte, indem sein Vertreter vor dem OderverwaltungSgeeicht namentlich darauf hin wie», daß die hier in Rede stehende Frage bei der immer mehr über« handnehmenden Neigung der HauSbefltzer, ihre Durchfahrten in der erwähnten Weise zu beschränken, eine große prinzipielle Bedeutung gewonnen habe, und indem er ferner auszuführen suchte, daß die qu. Bauordnung den Sinn habe, daß die Durchfahrt nicht nur nicht durch die Baulichkeit, sondern über- Haupt nicht beschränkt werden dürfe. Da» ObnverwaltungS- oericht erkannte jedoch dieser Auffaffung entgegen mit dem Bezirksausschuß dabin, daß stch die undeschrankle Durchfahrt nur auf die baulichen Einrichtungen beziehe. Eine Verord« nung, die fich auch auf solche Einrichtungen, die, wie hier, den Bedürfnissen de» täglichen Lebens entsprechen, bezogen hätte, würde zu weitgehend gewesen sein. In Konsequenz der polt« zeilichen Auffaffung würde sogar schon daS Hinstellen von Möbeln auf kurze Zeit in der Durchfahrt während de» TranS> portt unzulässtg erscheinen, wa» zweifellos nicht im Sinne der qu. Baupoltzdordnung liege. Indem der höchste Verwal- tungsgerichtihof solchergestalt dem Antrage deS Hauibesttzer» K. gemäß entschied, ließ er die Kosten de» Verfahrens außer Ansatz. Eine Privatklage muß nach§ 421 der Etr.-Pr. O. den Erforderniffen einer Anklageschrift entsprechen, also die dem Angeschuldigten zur Last gelegte That unter Hervorhebung ihrer gesetzlichen Merkmale und de» anzuwendenden Strafge- setze» enthalten, sowie die Beweismittel und daS Gericht, vor welchem die Hauptv-rhandlung stattfinden soll, angeben. Die mehrfach besprochene Privatklageschrift de» Theater- Direktor» FtrmanS gegen den Opernsänger Georg Lüder» enthielt außer der Erzählung de» Thatdestande» und der Angabe der Beweis» mittel nur den Anttag, dm Angeschuldigten wegen öffentlicher Beleidigung zu bestrafen. In der Nacht vom 6. zum 7. Ja- nuar cr. unterhielten fich mehrere Gäste im Casö Muxfeld über die Theaterunternehmungen de» Kläger» und machten die Mit- theilung, daß derselbe damtt umgehe, seine Overngesellschaft aufzulösen. Diese trübe Auificht veranlaßt« dm anwesenden Beklagten zur Ausstoßung folgender Worte:„DaS ist nun der Dank dafür, daß man solchem Hund% seiner Gage geschenkt hat." Die 99. Abthellung de« hiestgm Schöffengericht» ließ die formalen Mängel der Klage ohne Beachtung und oerur« theilte den Beklagten zu 10 M. event. 1 Tag Hast. Dieser legte hiergegen Berufung ein und stützte dieselbe auch auf die mangelhafte Klageschrift. Rechtsanwalt Geschke führte au», daß sowohl die Eröffnung des Hauptverfahrm», al» der Erlaß de» erstm Urlheili auf einen Schriftsatz, der nicht al« eine Anklage anzusehm war, unzulässtg gewesen find und nur durch eine völlige Vernichtung de» angefochtenm Erkenntnisses und Einstellung de» Verfahren» reparut werden können. Der Be- rufungSgerichtshof war der Meinung, daß in der Klageschrift nur die Angabe dis Strafgesetzes gefehlt habe, welcher Mangel al» unwesentlich erachtet werden müsse. Da» Gericht, vor welchem das Hauptoerfahren stattfinden sollte, war durch die Adresse himeichend bezeichnet; e« war daher die Berufung zu verwerfen. Wege« versuchte« Morde» angeklagt stand gestern der Metalldreher Paul Rosemann auS Charlottenburg vor den Schranken de» Schwurgericht» am Landgericht Ii.— Der An- geklagte, ein nicht unansehnlicher junger Mensch im Atter von 20 Jahren, war vor einiger Zeit au» seinem Heimathßorte, in der Provinz Schlesten, nach Chirlottcnburg verzogen lediglich zu dem Zweck, um durch den Wechsel seines Aufenthaltsorte» fich der Ver büßung einer ihm wegen Kö-perverletzm.g zuerkannten 6 wöchentlichen Freiheitsstrafe zu entziehen. Der hinter ihm her erlaffme Steckbrief führte aber die Charlottenburger Polizeibehörde auf die Spur; Rosemann wurde aufgefordert fich zu stellen. Diese Aufforderung zu erfüllen erschien dem Angeklagten rein unmöglich; denn er hatte in der Zwischen« zeit mit der kaum 16 jährigen Arbetterin Fetzer ein LiebeSver« hältniß angeknüpft und der Gedanke, die Geliebte, währender die Gefängnißstrafe verbüßte, allein zu lassen, mtfeffette einen tobenden Sturm von Eifersuchtkqualen in seinem Jnnem. Ja einem derartigen Seelmzustande faßte der Angeklagte den Entschluß, stch und seiner Geliebten daS Leben zu nehmen; zu diesem Zweck verschaffte er fich einen Revolver, welchen er Tage lang in der Tasche trug. Am Abend de» 21. April d.J. kehrte der Angeklagte von seiner Arbeitsstätte au» den königl. Werkstätten ber Halensce zeitig heim und begab stch in Leglei« tung seiner Geliebten nach dem Tschack'schen RestaurationS» lokal in der Spandauerstraße, woselbst Rosemann reichlich spen» dirte. Erst geaen Mitternacht verließen die beiden da» genannte Lokal; dem Angeklagten war daS genossene Quantum Bier zu Kopf gestiegen, mit dem vollen Herzen floß ihm der Mund über und er j theilte seiner Geliebten seinen Entschluß zu sterben mit. Die F-tzer, anfänglich bestürzt, suchte den Rosemann von seinem Vorhaben abzubringen, Rosemann aber richtete statt jeder anderen Erklärung nur die Frag« an da» Mädchen, ob ste ihm treu bleiben werde. DaS Mädchen erwiderte:„Vau!, wenn Du stirbst— sterbe ich mit!" Kaum waren diese Worte den Lippen deS Mädchen« entflohen— daS Paar war inzwi« schen auf dem Wege durch den RobertSparl in der Scheunen» straße angelangt— so holte Rosemann den schußfertigen Re« volver hervor und ohne ein Wort zu sagen, schoß er dir Waffe auf da» fich zärtlich anschmiegende Mädchen ab, welches von einer Kugel au» nächster Nähe in den Backenknochen getroffen, ohnmächtig zusammenbrach: dann feuerte Rosemann auf fich selbst einen Schuß ab, der ihn nur leicht unterhalb der Schläfe verletzte, so daß er schon nach 6 Tagen wieder hergestellt war. Schlimmer dagegen erging es der Fetzer; eine tödtliche Wir« kung hatte der Schuß zum Glück zwar nicht gehabt, denn fie prä- sentirte stch im gestrigen Audienztermin vor dem Zeugentische im Schwurgerichtssaal frisch und munter wie ein Fisch, aber ihre nicht gerade unschönen Züge werden für die Dauer durch eine fast zolltiefe Narbe unterhalb de» linken AugeS in der Gesammteinwirkung arg beeinträcht; abgesehen von den fürch- terlichen Schmerzen, die das Ausschneiden der Kugel auf wochenlangem Krankenlager hervorgerufen, hat die That de» eifersüchtigen Rosemann für da» Mädchen sonst weitere Folgen nicht hinterlassen.— Vor den Geschworenen bekannte Rose« mann fich als Thäter; die That selbst entschuldigte er mit seinem derzeitigen Gemüthszustande vor derselben. Nach Schluß der Beweisaufnahme, welche einen Psychologen recht inter» effante Momente darbot, plädirt der Offizial-Verthkidiger für Zubilligung mildernder Umstände von Seiten der Geschworenen� Die letzteren gaben indessen und zwar unter Verneinung mil« dernver Umstände ihren Wahrspruch ab, auf Schuldig deS ver« suchten Morde». Gemäß§ 212 R.-Str. G.-B. beantragte demzufolge der erste Staatsanwalt Dr. Wachler gegen den Ange« klagten die gesetzlich zulässtze Mintmalstrafe von 1 Jahr Zuchthaus. Daß Urtheil de» Gerichtshöfe» lautete dem» gemäß._ Uereine und Uersammlunge« br. Eine öffentliche Versammlung der Schmiede tagte am Sonntag Holzmarttstr. 72. Der Vorfitz wurde Herrn Matthe» übertragen. Zum ersten Gegenstand der TageSord« nung:„Unser Arbeitsnachweis" erstattete Herr Kempel da» Referat. Er Nagte darüber, daß der von der Vereinigung der deutschen Schmiede gegründete Arbeitsnachweis in Folge de» Umstände», daß derselbe sein Lokal im JnnungShause habe, von der Meisterinnung abhängig geworden sei und dm Ge- sellen, welche Mttglteder der„Vereinigung", gar nicht mehr zu Gute komme, und empfahl die Annahme der folgenden Res»- lution:„Die Versammlung beschließt, daß ein jeder Geselle, der Arbeit bekommt, wenn er nicht ver„Vereinigung" ange« hört, 50 Pf. zu zahlen hat. Wer stch weigert, die 60 Pf. zu zahlen, bekommt reine Arbeit, und werden die Mitglieder der „Vereinigung" vorgezogen. Nach langer, lebhafter DiSkusston, an welcher auch Mitglieder de» Gesell« nauSschusse» fich be- theiligten, wurde die Resolution einstimmig angenommen. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung:„Wie verhalten wir unS zur Vereinigung der deutschen Schmiede?" nahmen meh- rere Anwesende da« Wort, um darzuthun, daß e» Pflicht aller Gesellen sei, der Vereinigung beizutreten, da der von der Meisterinnung abhängige GesellenauSschuß sdie Interessen der Gesellin zu wahrm nicht im Stande sei. E» wurde darauf hingewiesen, daß in Elberfeld, wo alle Schmiedegesellen zu: Vereinigung gehören, eS ein Leichte» gewesen sei, die zeh- stündige Arbeitszeit durchzusetzen. In Betreff der Sonntags- arbeit wurde von mehreren Rednern ausgesprochen, daß eS Pflicht der Mitglieder der Vereinigung sei, wenigsten» im Sommer unbedingt jede Sonntagsarbeit abzulehnen. Ein Antrag, dahingehend, daß G-sellea zur Aushilfe den Meistern selten» der ArbeitSnachweitkommisfion nicht mehr zugewiesen werden sollen, wurde nach kurzer DiSkusston abgelehnt. Schließ- lich wurde noch die Frage dtökutirt, ob bei Wochenlohn der Meister berechtigt sei, für die Feiertage den Lohn abzuziehen. Die nationale Kranke«, und Begräbnißkaffe der deutschen Gold- und Stlberarbeiter und verwandten Be- rufSgmoffen(E. H.), Hauplfitz Gmünd(Württemberg), hielt in den Pfingsttagen und zwar am 14., 15. und 16. Juni ihre 4. ordentliche Generalversammlung zu Hanau a. Main ab. Anwesend waren außer den 4 Vorstandsmitgliedern 39 Ab« Ajammt- Mitgliederzahl beträgt 6600. Die UntnstützungSkaffe mit wöchentlich 16 M. Di- Altersgrenze »ur Aulnabme tn die Kasse wie zum Uedertritt in eine höbere Klaffe ist 45 Jahr. Die von 40-45 Jahren in die Kasse E n« tretenden haben stufenweise einen einmaligen, mit den Jahren steigenden Beitrag zum Reservefonds zu entrichten. Zum Zweck der Entgegennahme de» eingehenden Berichte« dieser VerHand« lungen ist für die hiesige Mitgliedschaft zum Donnerstag, den 24. Juni, Abend« 8 Uhr, eine Mitglieder- Versammlung in Deigmüller s Salon, Alte Jakobstr. 48, einberufen, und ist im Interesse der Sache recht zahlreiche» wie pünttliche» Erscheinen erwünscht. Da» Statut legitimirt.(Siehe Inserat.) _ t Der Beret« Berliner Droschkeututscher hiett am Freitag, den 18. d., in spater Nachtstunde seine Generalver- sammlung unter Vorsttz de» Herrn Schütte, im Saale de» Hand» w-rkerverrin,, Sophtenstr. 16, ab. Der Besuch der Versamm« lung war ein außergewöhnlich starker. Auch der Kassenbericht zeigte, daß der Verein kraftig gedeiht und stch ausbreitet. D'e betragen von Juni 1885 bi» zum Mai 1886 3343.29 M.; ihnen stehen an AuSqaben 2823.79 M. gegenüber. DaS Gesammtvermögen beträgt tt klustve de» Kaffenbestande» von der letzten Abrechnung, der 193,25 M. beträgt, und de» Werthuten filienkonto» von 523 M. 1228,79 M. Nach leb« hast« DiSkusston wu de beschlossen, den Jahresbericht im Fach« organ zu veröffentlichen. Dann wurde dem Vorstand« durch ErHeden von den Plätzen Decharge«rtheilt, nachdem die Re- visoren die Richtigkeit und Ordnung d-r Kasse bestätigt hatten. E» folgten die Ergänzungiwahlen für den Vorstand. Wieder- resp. neugewählt auf zwei Jahre wurden die Herren Schulz l., ThramS, Wtebicke, Hrnschel und Schreiber, Vor fitzender bleibt Herr Schütte; zu Kaffenrevii oren wurden die Herren Schreiber, SporalSky und Thon« gewählt. Außer« dem wurde noch beschloffen, den sogenannten Einspännrrn (Fuhrherren) Aufnahme als Mitglieder in den Verein zu ge» währen, wenn fie fich melden. Nur soll Sorge getragen wer» den, daß ste al» Mitglieder nicht dem Vereine schädlich« Interessen verfolgen. Zum Schluß wurde eine Teller« sammlung für die durch Brand in der Schinkestraße schwer geschädigten Kutscher de» Fuhrherrn Schöneberg vorge» nommen. Kachverei« der Tischler. Den Mitgliedem zur Nach. richt, daß die zu gestern Adend nach Jordan'S Salon, Neue Grünstraße 28, einderufene Generalversammlung d«S V-reinS mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. med. Weise über„moderne Wundbehandlung. 2. Antrag einei Mitgliedet um Gewährung deS Rechtsschutzes, nicht abgehalten werden konnte, da die polizeiliche Genehmigung hierzu nicht ertheilt wurde. Kachveretn der Mechaniker, Optiker, Uhrmacher, Sirur- gischer und anderer Jnstrumentenmacher. Mittwoch, den 23. Juni, Abends präzise 8'/, Uhr, im Lokale deS Herrn Niest, Rom- mandantenstr. 71—72, Mitglieder. Versammlung. T. O.t 1. Bericht der Delegstten vom VerbandStage. 2. DiSlusfion. 3. Ver« schiedeneS. 4. Fragekasten. Am gest. Angabe der Vertrauens leute wird ersucht. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mit- filieder. Die Mitglieder werden dringend ersucht, die ausge» üllten Fragebogen abzugeben. Oeffentliche Versammlung der Metallschraub««,, Kacoudreher und BerufSgenossen Berlin« Mtitwoch, den 23. Juni, Abend« 8'/, Uhr, im Lokale de« Herrn Weich Alexanderstr. 31. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über den Verlauf der Arbeitseinstellung bei der Firma Erdmann und Groß. 2. Vorlage de« zwischen Arbeitgebern und Ar» nehmer vereinbarten Lohntarif«. 3. Generalabrechnung der eingegangenen OuittungSlisten. Alle Kollegen, ob Mitglieder oder nicht, werden ersucht, in dieser Versammlung anwesend zu sein, da dieselbe den vorläufigen Abschluß unserer Lohnbewe» gung bildet. Freie Vereinigung sämmtlicher in der chirurgische« Brauche beschäftigten BerufSgenoffen. Dienstag, den 22. Juli, Abend« SVi Uhr: Statutenmäßige Mitgliederversammlung im Lokale de« Herrn Seefeldt, Grenadierstr. 33. Tagesordnung: Preisdifferenzen in verschiedenen Gummi, und Metallwerk» statten. Diskussion. Verschiedene«. Fragekasten. Ausgabe der Billet« zu der am 1. August stattfindenden Dampferpartie nach Schmöckwitz. Meister und Gäste willkommen. Deutscher Eeueselderbuud, Mitgliedschaft Berlin. Dienstag, den 22. Juni, Abends 8 Uhr, Versammlung in Weick'S Restaurant, Alexanderstraße 31. Gauverei« Berliner Bildhauer, Annenstr. 16. Heute fachlicher Abend, Vorlesung. * Rauchklub„Zum Wraugel" jeden Dienstag Abend 8'/, Uhr im Restaurant Wrangelstr. 32. * Zitherklub„Südost" jeden Dienstag, Abend« 8 Uhr, bei Schmidt, Manteuffelstr. 71. Die Papierpräger der�Berliner LuxuSpapterfabrik von Hat« u. Master theilen hierdurch sämmtltchen Gewerk«. genoffen mit, daß ste in genannter Fabrik in Lohndiffnenzen liegen, welche allem Anscheine nach in einem Streik ihr Ende nehmen werden. Die genannte Firma hat sich im Zeitraum von 4 Stunden berett« nach anderen Arbeitskräften umgesehen und ist willen«, fall« fie keine männlichen Arbeiter bekommt, weidliche einzustellen. Die hier beschäftiaten Arbeiter find über« zeugt, daß der Streik im Laufe de« Nachmittag« ausbrechen wird, und erwarten von sämmtlichen Kollegen, daß ste den Zuzug fern hallen. Mtt lollegialischem Gruß die Arbeiter oben genannter Fabrik-_ Uermischtes. Sine drollige Gerichts szene spielte fich unlängst in London ab. Miß Eoeline Warreni, eine, wie ste selbst ver. schämt gesteht» gegenwärtig 48jäbrige Dame, klagt gegen den 27jährig«n Bankbeamten Albert Da auf Giund eine« Heirath«. anlrag«, welchen ihr derselbe vor Zeugen angeblich am Oster. montag gesteltt, und dm einzulösen er fich nun mergisch w-iqert. Im GertchtSsaal« ruft Mr.f)a erbittert:„Meine tugendhafte Miß, ich bitte Sie, endlich einmal haarklein zu erzählen, woraus Sie Ihre kühnen Ansprüche dafiren" Leise sagt Miß Eveline:„Wir plauderten bei einer besteundeten Familie im Gattensalon, mehrere anwesende junge Damen neckten Mr. Da wegen seine« eigenthümlichen Namen«, auch ich schloß mich dem lofen Volke an, und Mr. Da rief endlich:„Miß Eoeline, ich wollte, Sie trügen meinen Namen! Ist das nicht ein Hei. rathsantrag?" Wuthschnaubmd schreit der Beklagte:„Ja. ich habe da« gesagt, aber ich wollte Ihnen damit nicht meinen Namen anbieten, ich dachte, e« wäre Keffer, Sie trügen ihn, denn bei Ihnen ist keinerlei AuSftcht mehr, daß Sie ihn an Kinder vererbm, während ich noch eine kam» mmde Gmeration damit unglücklich mache, auch meine kleinen dereinst wie ich all' die schrecklichen W'tze zu hören bekommen werdm, die fie mtt dem Esel, an dm mein Name mahnt, in Verbindung bringen!" Der Richter ist wohlwollmd genug, Mr. Da von jeder Verpflichtung gegen Miß Marren« steizu- sprechen, und leise schluchzend verläßt diese, ttiumphirmd jener dm Gericht«saal. Ein Todesthal» welche« diesen Namm mit vollem Rechte verdient, findet fich in Kalifornien unter 116 Gr. 45 Min. Westlänge und 36 Gr. 10 Min. Norddreite. Da« Thal ist 40 mglische Meilen lang und 8 Meilen breit, zieht fich von Nord nach Süd bin und ist durchweg wüst und unfruchtbar wie die ganze Umgebung, an seiner Ostseite aber findet fich ein 15 Meiler langer Strich, in welchem die charak» teristtschrn Eigenthümlichketten de« Thale« ihren Höhepunkt erreicht haben. Au« diesem Pnit d'enfer herauszukommen, ist nur äußerst wenigen von denjenigen Personen gelungen, die dort hinetngetrelen find, und was ste von dort berichten, hat man in geringerem Maße auch in dm übrigen Theilen de« Thale« gesunden. Die Gefahr nämlich, welche der Aufenthalt in dem Tbale jedem lebmden Wesen bringt, deruht auf seinm atmosphärischen Verhättniffen, welche zwei jedem OrganiSmu« gefährliche Eigenschaften zeigen. Eine der- selbm ist die Hitze, welche in den kurzen Wintermonaten deratt ist, daß man am Rande de« ThaleS ungefährdet athmm kann; sobald die kalte Jahreszeit aber vorüber ist, geräth der Ofen in Gluth. Im April beträgt die Temperatur Tag und Nacht im Durchschmtt 90 dii 95 Grad, im Mai 95 bis 100 Grad und ein wenig später bis zu 125 Grad an den kühlsten Stellen. Dazu kommt eine intmstve Trockmheit der Lust, welche einen ungeheuren Durst erzeugt, dm zu stillm man absolut nicht im Stande ist, selbst wenn man unauf» hörltch trinken wollte. Dieser enormen Hitze und Trocken» hett ist natürlich kein lebende« Wesen zu widerstehen im Stande und alle«, was in ihrm Bereich geräth, wird auSgedönt und ist unrettbar dem Tode verfallen. Diesen verhängnißvollm Eigenthümlichketten ist e« auch zuzuschieben, daß nähere Unter- suchungen in diesem Thale nicht habm angestellt werden können und man über daffelbe nur unzugänglich au« dem Munde von Personm unterrichtet ist, welche auf kurze Zeit an dm am wenigsten gefährlichen Stellen desselben geweilt habm. Da« das Thal einschließmde Terrain erhebt fich üerigen« 1200 di« 2000 Fuß über dem Meere und die tiefste Stelle de« Tbale« liegt noch unter dem Meeresspiegel, gewiß «in seltener Fall in so bedeutender Entfernung vom Meer. Leider machen e« die erwähnten todtbttngmdm Erscheinungen in dem Thale unmöglich, über die Natur derselben jemal« ge» nauerm Aufschluß zu erlangen, fo daß die Ursache dersilben wohl für immer ein Räthsel bleiben wird. Die amerikauische Presse. Da« kürzlich von Geo. t. Rowell u. Co. in New'Dark veröffmtlichte ZeitungS- dreßbuch für 1886 giebt die Titel von nicht wmiger al« 14 160 Zeitungen und Zeitschriften, welche in den Ver. Staaten, und von 679, welche in Kanada erscheinen. Die Zahl der in den Ver. Staaten erscheinenden täglichen Zeitungen ist 1216, eine Zunahme von 33 seit 1885. Unter den Zeitschriften find 1200, welche ihre Abonnentmzahl auf höher al« 5000 angeben. Ei giebt 700 religiöse Zeitschriften, von dmm die meisten in New» Dork, Philadelphia und Boston erscheinen. Die Sache der Pro- hidittontsten verfecht.n 129 Wochenblätter und Zeitschriften, wählend ihre Gegner nur durch acht Organe vntreten find. Die Seideniaupenzüchter haben 3, die Imker 6, die Hühnerzüchter 32, die Zahnärzte 18, die Stenographen 9, die Taubstummen und Blinden zusammen 19 Journale. Die Zahl der deutschm Zeitungen und Zeitschriften beträgt über 600; ihr zunächst kommt die Zahl der in schwedischer, norwegischer und dänischer Sprache erscheinden, etwa 60, dann die in französtscher 42. Es giebt polnische und finnische Zettungm, und je eine Zeitschrist, die in gaelischer, hebräischer, chinefilcher Sprache, und in dem Jbiom der Cherokee Indianer gedruckt wird. Dem diesjährigen Zeitung«- Adreßbuch ist eine Liste der im Jahre 1776 in den Vereinigten Staaten erscheinenden Zeitungen und Zettschriften beigegeben. Sie enthält nur 7 Namen— ein großartiger Kontrast gegen heute. Die Kosten der Wtrthschaft eine« Millionär«. Mr. Gould's Wohnung in N-w- Dork, ist ein einfach aussehendes, doppelte« Braunsteinhau«, deffen I nere« aber wahrhast palast- ähnlich ist. Die Gnnälde an dm Wänden haben allein einen Wenh von einer halben Million Dollar«, während Möbel und Ausstattung von der allettheuersten Art find. Die Familie wohnt im zweiten Stockwerk und bestehen die Räume au« Schlafzimmer, Boudoir, Anlleidezimmer und Badezimmer, meist in blaßgrau und filser«halten. Im Parterre hat die einzige Tochter eine ähnliche Reihe Zimmer in rosa und weiß. Im dritten Stockwerk befinden fich die Bibliothek und ein große« Kinderzimmer für die 3 kleinen Knaben, deren Lehrer 2000, 4000 und 1800 Dollar» da« Jahr erhalten. Auch George Gould'S Zimmer find in demselben Stockwerk, während die Dienerschaft in der obersten Etage untergebracht ist. Der Haushofmeister erbält 1000 Dollars, sein Gehilfe 400 Dollar», Mr. Gould'S Dimer 600 Dollars, der Oderkoch und sein Gehilfe beide 1500 Dollar«, die Wirtb- schasterin 1000 Dollar« da« Jahr. Der Tochter find 5000 Dollar« jährlich für ihre Garderobe ausgesetzt. Die Auigade für Kutscher und Marstall belauft fia auf 6000 Dollar« da« Jahr. Der Landfitz Gould't befindet fich in Jrvington. Er kaufte ihn im Jahre 1880 für 200000 Dollar«, jetzt wird er niedrig auf 1 000000 Dollars geschätzt. Da« in gothi- schem Stile gebaute Haus liegt am Hudson und gewährt eine prachtvolle Auificht. Der Rasenplatz um dasselbe ist 95 Morgen groß und die makadamifirte Fahrstraße, welche dahin führt, eine viertel Meile lang. Der Lefitz umfaßt 510 Morgen, wovon 200 Waldland find. Achtzehn Leute sind da«'ganze Jahr dort als Bedienstete, im Sommer aber steigt ihre Zahl auf nahe 100. Die Treib- und Gewächshäuser dehnen fich über eine Fläche von 900 Fuß in der Länge und 450 Fuß in der Brette aus. Die Unterhaltungikosten de« Landfitze« in Jrvington betragen, niedrig bemessen, 380 Doll. täglich. Für seine Dampfyacht„Atalanta" hat Mr. Gould 100000 Dollar« gezahlt. Da« Sch ff kostet ihm monatlich 750 Dollar« an Löhnen, 200 Dollar« an Kohten, Reparaturen k. und 800 Dollar« für allgemeine Ausgaben, wenn er mit seiner Familie an Bord ist.— Wie sehr muß fich doch Mr. Gould früher geplagt und wie fleißig muß er gespart haben, um jetzt diese Flüchte seine«„Entbehrung«- lohne«" genießen zu können. Ein noch nicht gefundener Planet. Bekanntlich wmde der Planet Neptun nach den Berechnungen des Astronomen Leverrier gefunden, welche dieser auf Grund der Slöiungm de« damal« al« äußersten bekannten Planeten, de« Uianu«, angestellt hatte. Man hat nun in ganz ähnlicher Weise au« Etürungm in der Bahn einiger Kometen dm Schluß gezogen, daß wahrscheinlich noch jenseits de« Neptun ein großer Planet um die Sonne kreist. Namhafte Gelehrte, wie Oppolzer und Watson find fest von dem Vorhandensein eine« solchen Planeten überzeugt, dem bereit« der Name Vulkan, wegen seiner Nähe bei der Sonne, gegeben worden ist. Eben wegen dieser Nähe der Sonne, welche ihn durch ihrm Glanz über- strahtt, ist e« so ungemein schwierig, den Planeten aufzufinden, und manche angebliche Auffindungen desselben, wie z. B. bei der vollständigm Sonnenstnfterntß im Jahre 1878, haben fich als Verwechslungen mit Fixstemen herausgestellt. Der Direktor der Sternwarte in Washington, Mr. D. P. Todv, bat mit seinem 34-aßigm Teleskop nach dem Vulkan, dessen möglicher Platz auf eine ziemlich eng begrenzte Stelle de« Himmel« de» schränkt ist, eine mühsame Nachforschung gehalten, die aber, wie der„Tgl. Rundsch." geschrieben wird, ein negative« Er- gedniß hatte. Mr. Todd machte nun darauf aufmerksam, daß die Frage am leichtesten durch Sternphotographie wird ent- schieden werden können, da durch dieselbe die lichtschwächften Objekte dem Auge wahmehmbar gemacht werden. Die Auf- flndung de» sattsam besproche/.m Nebel« in dm Ple» jaden bietet ein Beispiel hierfür.— Es mag hier übrigen« der Ort siin, um den Lesern eine Frage zu de. antworten, die virlfach an un« gerichtet worden ist. Es ist nämlich den meiste« nicht phystkalisch Gebildeten ein Räthsel, daß man am Himmel etwas photographiren könne, wa« dem Auge an fich unfichtbar ist. Hierauf muß zunächst er> widert werden, daß e« gewisse Lichtstrahlen giebt, die eine de- sonder« ausgesprochene chemische Wirkung besitzen und auf da« Auge nur wenig einwirken. Ferner aber liegt die Lösung d.S Pro dlem« in der Anhäufung der lange fortgesetzten einfachen Lichtwir- kungen. Da« Auge ist nur imStand«, eine kurzeZest dmLichleindruck auf die Netzhaut wi'ken zu lassen. Die photograpd'.sche Platte aber, obgleich an fich weniger lichtempfindlich als da« Auge, wird stundenlang der Wirkung eine« und de«» selben Lichtstrahl« ausgesetzt, indem das Fernrohr dem Bilde de« Sterne« nachbewegt wird. Durch Anhäufung der einzelnen Helligkettm eigiebt fich dann eine auch dem Auge direkt wahrnehmbare große Gesammthelligkeit. Kleine WttfheUmtge«. Hamburg, 20. Juni.(Mrnschenjagd.) Ein Handwerk«- dmsche, welcher vorgestern Nackmittag von einem Konstabler verbastet wurde, weil er auf Rothenburgsort gebettelt hatte, «nlfloh dem Beamten, lief den Zolldamm entlang und sprang, nachdem er fich seiner Kleidung schon während de« Laufen» entledigt hatte, in den dortigen Kanal. Er durchschwamm diesen, seine«leidung in die Höhe haltend und erreichte glück- lich Baakenwälder, während ein ihn verfolgender zweiter Kon- stabler diesen Ort mtt einer Jolle erreichte und dann am Lande die Verfolgung de« Flüchtlings fortsetzte. Dieser, durch einen von der Eldbrücke her auf ihn zukommenden Konstabler in die Enge getrieben, warf rasch entschlossen sämmttiche Kleidung«- stücke von fich und sprang in die große Elbe. Nachdem er die- selbe ungefähr di« zur Mitte durchschwömmen hatte, wurde er von dem Strom erfaßt und elbabwärt« getrieben und später von einem ihm begegneeden Schiffer an Bord genommen und auf hannoverschem Gebiet an« Land gesetzt, von wo er unan« gehalten seinen Weg fortsetzen könnte. Burgstädt,(Sachsen.) 19. Juni. Eine große Auf- regung entstand am Donnerstag hier in der Werdauer straße. In der dortigen Selterwafferdude verabreichte die 26 Jahre alte, von Ihrem Ehemann getrennt lebende BergardetterSstau Benker Selterwaffer. Wiedcrholl hatte fich deren Ehemann am Donnerstag an der gedachten Bude zu schaffen gemacht. Auch al« er Nachmittag« dort verkehrte, kaufte er fich ein Gla« Waffer. Während nun die verehelichte Benker da« Waffer in« Gla« einließ, erfaßte ste plötzlich der Ehemann an den Haaren, zog die Frau über den Budenrisch hinweg und versetzte der. selben mittelst eine« Taschenmesser« mehrere Stiche in Kopf und Nacken. Darauf reinigte er sein Messer vom Blute, äußerte seine Befriedigung darüber, daß. wie er glaubte, er seine Frau getödtet habe und stellte fich steiwtlltg bei der Polizei. Zum Glück find die Verletzungen der Frau nicht lebensgefährlich, frühere Drohungen de« Manne« und die sonstiaen N-benumstände legen aber die Vermuthung nahe, daß Benker seine Ehestau vorsätzlich tödten wollte. München, 13. Juni. Am Dienstag hat fich hier ein jun» ger Mann mit dem AuSmfe:„Ich will den Tod meine« König« sterben!" in den Stadtbach gestürzt; er wurde aber von oerdeigeeilten Personen herau»aezogen und scheint durch da« kalte Bad von seiner TodeSsehnsucht geheilt zu sein.— Au« Würzburg wird unter dem gestrigen Datum gemeldet: Die heute erschienene Nr. 142 der„N. Bayer. Lande«. Ztg." wurde konfiSzirt. Anlaß bot eine längere Korrespondenz aus München unter der Svitzmarke«König Otto I." Der Aus- läufer eine« hiefigen Geschäft« wurde gestern auf offener Straße irrfinnig, indem er schrie:„Mörder! Zum König will ich, ich will ihn retten! Helft, Leute!" Nur unter Anwendung größter Gewalt konnte der irrfinnig Gewordene dingfest ge- macht werden. Gestern wurden zwei Personm wegm un- paffender Aeußerungen über die Vorgänge in München ver- haftet.— Verhaftungen und Zeitung«. Kon fiskationen werden au« oielm anderen bayerischen Städten gemeldet. Pest» 19. Juni.(Selbstmord auf den Schienen.) Gestern Nachmittag« warf fich in der Nähe der Kelenfölder Eisenbahn« statton kurz vor Einlangen eine« Zuge« ein ungefähr 3öjäh« riger, anständig gelleideter Mann auf die Schienen. Eine Rettung de« Manne« war nicht mehr möglich und ging der ganze Zug über denselbm hinweg. Der schrecklich verftümmelle Leichnam wurde in die Todtenhalle de« RochuSspital« de- fördert. Literarisches. § Julius Lippert, Kulturgeschichte der Mmsckheit in ihrem organischen Aufbau. Stuttgart, Enke 1886.(Erscheint in Lieferungm 4 1 Mark.) Es ist noch nicht lange her, daß I. Lippert seine Lauf« bahn al« soziologischer Schriftsteller begann, heute steht er be- reit« mtt in der ersten Reihe der modernen Soziologen. Seine „Geschichte der Familie"(1883) und seine„Allgemeine Ge« schichte de« Priesterthum«"(1884) haben bereit« allseitige Be- achtung gefundm, und da Lippert mtt einer settenm BeHerr« schung de« wissmschastlichen Stoffe« eine bedeutende Gabe der Darstellung verbindet, so war er vor allem berufen, weitere Kreise in das Gesammtgebiet der KulluWschichte einzuführm. Bither liegen uns von seinem neuesten Werke vier Lieferungen vor, in welchen er nach einer Einleitung über die allmälige Entwicklung aller heute dem Menschm gleichsam„angebormm" Eigenschaften und Triebe die ursprüngliche EmährungS- und Lebensweise, die Familim- und RelrgionSformen, die Ent« stehung gewisser attruistischer Regungen nedm den ursprüng- lich beschränn egoistischen, serner die Sprachverdättnisse und die AuSbreirung der einzelnm MmschheUSthelle be« spricht. Daß man hier immer mit Lippert üderetn« stimmen wird, ist bei der heutigen Unfertigkeit der Soziologie überhaupt nicht möglich. Die Hypothese ist heute noch da« mächtigste Hilfsmittel der durch»Comte nmdegründetm Wissen« schalt und oft find natürlich für dieselben konstatirtm Tyat- fachen mehrere Hypothesen zur Erklärung denkbar. L!ppert« Schriften verrathen überall eine starke Selbstständigkett de« Denken« und da kann es nicht ausbleiben, daß manche seiner Erklärungen Anderen nicht so zwingend erscheinen wie ihm selbst. Ader daS liegt, wie gesagt, nicht am Autor, sondern an der Natur de« Stoffe«, und alle« in allem verspricht Lippert« Werk die beste gemeinverständliche Zusammen» fassung der soziologischen Forschungen in ihrem heutigen Stande zu werden. Wir emvehlen e« daher allen, welche fich für diese« in Deutschland noch immer vernachlässtgte Gebiet der Wissenschaft tntercsfiren und werden bei Fortsetzung de» Buches noch weitet auf dasselbe zurückkommen. Sprechsaal. Di. Redattwn stellt dt.«traqwiz dt* epn�facl«, fo»eU«-m» MJJ SraSiSSs Bezugnehmend auf den in Nr. 140 de«„Berliner Volk«- blatt" enthaltenen Bericht de« Fachverein« der Stetndrucker und Lithographen fühle ich mich oerpflichtet. folgende« richtig zu stellen: Der Sitz de« Vorstandes deS„Senefelver Bunde« defindet fich nicht in München, sondem der Zentral> Ausschuß desselben hat sein Domizil in Frankfurt a. M. Außerdem steht der„Senefelder Bund" mit dem in Frage stehenden Denkmal de« Altmeister« Senefelder durchaus in keinem Zu- sammen. In Folge dessen konnte von München au« auch kem Komitee„eingesetzt" worden. Das Komitee hat fich seiner Zj' an den verschiedenen Orten von selbst gebildet, der Zentralste derselben war wiederum Berlin. Von dieser Stelle erwarten allerdings alle Diejenigen, welche zu dem Denkmal beigetragen haben, rmmer noch einen Rechenschaftsbericht, welcher nunmehr durch die öffentliche Anregung wohl bald erfolgen dürfte- Albert Schulz, Vorfitzinder, Chorinerstr. 84. ßetzte Uachrichte«. Zur englischen Wahlbewegnng. Der konservative Heiß« sporn Lord Churchill hat ein Manifrst an seine Wähler erlassen in welchem er mit sehr scharfen Ausdrücken„den Eigensinn, den grenzenlosen EgoiSmu» und die greisenhafte Eitelkeit Gladstone't geißelt, welchen allein die gegenwärtige Krist« zuzuschreiben sei. und wirft die Frage auf, wie lanqc fich die Wähler wohl noch der Autokratie eine« Greise«, d>e bereit« im Jabre 1868 begonnen habe, unterwerfen würden. Gladstone verlange jetzt ein Plebiszit für seine P rson, welches an die schlimmsten Tage de» zweiten Kaiserreich« erinnere- Churchill beschwört die Wähler, her unendlich gefahrvoll.» Dtttatur, welch Gladstone verlange, nicht zuzustimmen.. In dem Prozesse wegen Ermordung de» Ingenieur» Watrtn in Drcazevllle'' �' Departements die An LeSeure zu 7jähriger,«vium. ju«nu öjährtger Gefängnißstrafe verurtheilt. Die übrigen Angeklagte wurden freigesprochen.— In der Nacht vom 19. zum%« wurde Decazeville von einem großen Feuer heimgesucht, rr»' Personen find in den Flammen umgekommen. Die Ztg." glaubt, da« Feuer sei von den von der Kompagnie z> gewiesenen Arbeite- n angelegt worden. von Bewohnern seine« PolizeibezirtS von einflußreichen nern der nationalliberalen und konservativen Rtchtun?. Jchi zeichnet war.- Die Nationalliberalen durften natürlich n fehlen. Kriefkaste« der Kedaktio«. O. W. 8. Ihre Einsendung wird in einer der Nummern nerRfffniHAf Verantwortlicher Redakteur« Erouheim in Berlin. Druck und Verlag von Max vadwa in Berlin 8W.. Beuthstraße 2.