Nr. 143 Mittwoch, de» 33. I««i 188«. HL Jahrg. rriinccMbtilgll. Krgan für die Interessen der Arbeiter. DaS„Berliner Volksblatt" -'—«n. AbonnemenilpreiS für Berlin frei einzelne stummer o Pf. conmoH*' jeumuid u.« w. illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PoyzeitunApretSliste für 1886 unter Nr. 769.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespzltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. ZlrbeitSmarlt 10 Pfennige. Bei größeren Aufträgen hoder Rabatt nach Ueberetnkunft. Inserate werden btS 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung deS Preise«, angenommen. Kedaktio»: KenthKrakc 3.— Expedition: Zimmerstraßo 44, Die Methistmw. C"— y, Folgende elf Städte im preußische» Staat befitze« die höchst zweifelhafte Ehre,»och mit einer MiethSsteuer be» haftet zu sei»: Berlin, Frankfurt o. M., Halle a. E., Daazig, Gassen, Tempelburg, Bojaaowo, Töanmg, Apenrade, Ottensen und Emde». Vier große oder doch größere Städte und fiebe» kleine. Man versteht die Zusammensetzung gar nicht, da diese Städte an Einwohnerzahl ganz verschieden und ihrer Lage»ach in den verschiedenste» Provinze« zerstreut find. Man kann also da« Bedürfaiß»ach einer MiethSsteuer hier nicht in «in System bringe». E« giebt eine große Anzahl von Städten, besonders im Westen Deutschlands, wo die Rom« munalsteuer einen viel höheren Prozentsatz erreicht, als in den genannten Städte» mit sammt der Miethtsteuer und wo die letztere doch nicht eingeführt oder schon längst ab« geschafft worden ist. Ueber die Ungerechtigkeit der MiethSsteuer, über da» Drückende dieser Steuer gerade für die untere» Klassen der Bevölkerung find schon, auch in unserem Blatte, zahl« reiche Ausführungen gemacht worden, so daß wir u»S kurz fassen könne». D«e MutHtfleuer widerspricht— wen» man die in« direkten Sieuern auf vothwendize Gebrauchsgegenstände au»« nimmt— wie keine andere dem Grunvsatze der gleich« mäßigen Vertheilung der Steuerlast»ach dem Maßstabe der Leistungsfähigkeit. Diese Leistungsfähigkeit ist nach dem Einkommen zu beurtheilen und jede direkte Steuer soll im Prinzip wie im Effekt da« Einkommen tteffe». Die Mieth»« s�uer, die eine direkte von dem Miether zu tragende fWuet ist. richtet fich nun aber keineswegs nach dem Tin« sondern nach der Höhe der Mieihe und man stellt 1% fest, indem man annimmt, daß der Aafwand für Miethe Ua Bewei« de» Einkommen« sei. Da« ist ganz falsch.— Der Arme, zumal wen» er jjuheirathet ist und Kinder hat, muß oft V»— V» seine« «i. kommen« für eine Wohnung verwenden; der deiche, aber unverheirathete Man» zahlt manchmal nicht *wht für seine Wohnung und enttichtet deshalb Auch keine höhere MiethSsteuer, al» der arme Man«. kleine Geschäftsmann, der fei» Geschäft außerhalb seiner Wohnung betreibe« muß, bezahlt natürlich verhältnißmäßig viel mehr Miethe und entrichtet somit eine verhältnißmäßig höhere MiethSsteuer als der große Fabrikant oder Kauf« wann, der seme Wohn- und ArbeitSräum« zusammen hat. Zn welchem Konttast aber die MiethSverhältnisse mit de» Ewkommenvsrhältnisse» stehen, lehrt un« folgende sta- tische Untersuchung: Danach verwende« in Berlin. Hamburg, Breslau Per« IeuMeton. Mut MrtotaL]- Giue Mutter. Roman von Krtedrtch Selrstäcke». (Fortsetzung) „Ist denn.nicht«och Jemand drüben beim Fürchte- „Ich habe auch sprechen gehört. Vor einer Stunde i kam der Onkel»ach Hause, ich hörte wenigsten« ritte, und e« ging Jemand in da« Zimmer nebenan, und n hat fich nicht« weiter gerührt. Jetzt kam wieder tand, und nun sprechen fie mit einander." An der Verbindungsthür pochte e«. .Seid Ihr noch munter?" ftagte Pfeffer'« Stimme. .Ja. Onkel." »Könne« wir einmal hinüberkomme«?" .Wir— wer den» noch?" „Der Jeremias." „Der Vater? War der«s, der»och so spät kam? S« »och nichts vorgefalle«, Onkel?" .Könne» wir«och einmal hinaberkomme«?" „E« ist zu spät, Fürchtegott." sagte Jeremias abwehrend. „Nie zu spät, eine gute Nachricht zu höre«,' brummte ffer-.wie?" „Ja gewiß, Onkel; ich habe«och Licht." „Da» weiß ich. Du kleine Hex«,«»d auch«och die ger voll Blätter und Staubfäden;«a, warte I" Und Licht vom Tisch nehmend, winkte er Jeremias und sah, er sein Zimmer verließ, nur eben«och, wie Jettche» in Küche hineinhuschte. Sie ginge« hinüber. Da« Bett der Kranke» war jetzt Wohnzimmer aufgeschlagen worden, und die Frau, welche t leidend aussah, hatte fich aufgerichtet, um die beide« »»er begrüße« zu könne». „Nun, wie geht's heute Abend, August«? Wieder viel »stet? Was machst Du?' sonen mit über 60 000 M. Einkomme» nur 3,6 bezw. 3,9 oder 3,4 Prozent ihre« Einkommens auf Miethe, bei 6000 M. Einkommen»erde« durchschatttlich schon 17,9 bezw. 18,3 Prozent auf die Miethe verwandt und je niedriger dal Ein» komme«, desto höher der auf die Miethe entfallende Prozentsatz, bi« er bei einem Einkommen bi« zu 600 Mink in Hamburg 26, S, in Breslau 28,7 und in Berlin sogar 41,6 Prozent beträgt. Und gerade Berlin, in welcher Stadt die Belastung durch Miethe schwerer ist al« irgendwo, hat eine MiethSsteuer eingeführt, welche für alle Miethe», hoch und niedrig, gleichmäßig 6'/, Prozent bettägt. Unter de» oben genannten 11 Städte», in denen die Miethtsteuer existirt, bringt Halle 51 Prozent feine« ge» stimmten Kommunaleinkommens durch die MiethSsteuer auf; Berlin folgt mit 41, Ottense« mit 40 Prozent. Frankfurt und Emde« erziele» durch die MiethSsteuer 27 Prozent, die übrige« Städte eine» viel geringere» Bruchtheil ihre« Kommunalbedarfs. Au« diesen statistischen Notizen geht hervor, daß auch in de» Berliner Kommunalfieuersäckel ei» großer Theil der Einnahmen fließt, welche au» einer Besteuerung herrühre», welche für die minder Wohlhabenden und besonder« für die ärmsten Steuerzahler im Vergleich zu den besser Siluirte» die größte Benachtheiligung enthält und so ungerecht al« möglich ist. Die MiethSsteuer hat aber auch noch Einfluß darauf, daß ei» weniger Bemittelter fich die Wohnung so billig al« möglich sucht, selbst auf die Gefahr hin, ungesunde Räume zu erwerbe», welche Nachtheile für die eigene und die Ge« sundhett der Familie herbeiführt. Aber welch« Steuer soll an Stelle der MiethSsteuer treten? Unsere moderne» WirihschaftSreformer schlage»»atür« lich die indirekte Steuer vor. Kommunale Biersteuern k. Da« aber hieße de» Teufel durch de» Beelzebub austreiben. Dadurch würde das Volk in seiner Ernährungsweise gestört und gerade die Arbetter würde»«S sei«, welche am meiste« und am härteste« unter Erhöhung oder»euer Ein- führung indirekter Steuern auf Lebensmittel getroffen würde«. Es giebt nur eine wahrhaft gerechte Steuer, die im Reich, Staat und Gemeinde einzuführe» ist. Die progresfioe Ein« kommensteuer, wodurch in der That bei richtiger Abmessung derselben der gerechte Eteuergrundsatz: Gleichmäßige Vertheilung der Steuerlast«ach dem Maßstabe der Lei« stungsfähigkeit— allein zur Wahrhett gemacht werde» könnte Und gerecht soll man gerade bei der Besteuerung sei« — die Gerechtigkeit und nicht die Uttlstät(die Nützlichkeit) und auch nicht die Bequemlichkeit muß in jedem Staat«- wese« die Leitung im Steuerwese» haben. Deshalb ist die „Es geht etwas besser, fest ich die häßliche Medizin nicht mehr trinke» muß.' „War der neue Doktor da?' fragte Pfeffer rasch. .Jeremias wollte e« ja absolut; er behauptete immer, daß unser alter Arzt mich falsch behandle.' „Und was sagt der neue? Natürlich Alle» verkehrt bisher, wie gewöhnlich, und«un versucht er e« einmal mit einer andere» Quacksalberei; kommt mir damit, da« bleibt immer dasselbe.' .Er hat mir fast gar keine gegebe»,' sagte die Frau leise; „er behauptet, ich wäre gar nicht krank, wenigsten» könne er nicht» entdecken, wa» eine ernstliche Kur verlange. Nur vor Gemüthsbewegunge« solle ich mich hüte« und mir besonder» keine traurige» Gedanken mache», den» e« sehe ihm beinahe so au«, al« ob mich nur die Furcht vor einer Krankheit wirklich krank gemacht hätte." .Also mache Dir keine traurig«« Gedanke«!' lachte Pfeffer.; „Und kann ich den» anders?" sagte die Frau leise. .Sehe ich den« nicht da« arme Kind, da» Jettche«, den ganze» Tag vor mir, wie e» immer ruhig, immer freundlich, mit keiner Klage auf dem Herze» auch mit jedem Tage elender wird und fich verzehrt, und nur Abend», wen» fie glaubt, daß ich schlafe, ihre SchmerzenSthräne« still und heimlich fließe« läßt? Da« arme Jettche« I Aber was führt Dich»och so spät hieber, Jeremias? Es ist doch nicht« vorgefalle»? Lieber Gott, ich habe jetzt immer eine solche Angst, al» ob irgend etwas recht Entscheidende», etwa« recht Schlimme« eintrete» müsse!" „Und wenn'» nun etwa» recht Gute« wäre, Auguste,' sagte Jeremias, der fich die ganze Zeit verlegen die Hände gerieben hatte—.etwa» recht Gute«?" .Recht Gute»?' rief die Frau aufmerksam werdend. „Ihr seht mir Beide so sonderbar au«, und diese späte Stunde!' „Wo steckt den« da» Jettche«?" „Hier ist fie schon, Onkel,' rief da« junge Mädchen die Thür öffnend.„Guten Abend, Vater! Ich hatte kurz vorher lochend Wasser gemacht, weil die Mutter so hustete; da« war de» Augenblick wieder zum Koche« gebracht, und da MiethSsteuer, deshalb find die indirekte» Steuer« auf noth» wendige Gebrauchsgegenstände zu verurtheilen, deshalb ist die einzige der Gerechtigkett entsprechende Steuer anzustreben und einzuführe», die progressive Einkommensteuer. PoUttsche Ueberstchtt Ueber die belgische Arbeiterbewegung scheint der Tele- araph wieder einmal niederträchtig gelogen zu haben. Bekannt- lich beläuft fich der jährliche Geschäfteveckehr zwischen Deutsch» land und Belgien auf etwa eine Halde Milliarde Franks. Der Handel aber oerlangt Ruhe und unter dm fortwäh.enden auf« regenden Nachrichten au« dm belgischen Industrie, evtren hat er mehrfach gelitten. DaS bekommt die Geschäftswelt natürlich allmälig satt und der B.üfieler Korrespondent der„Nat.-Zlz." rückt nunmehr ganz offen mit de: Sprache heraus.„Seit drei- einhalb Monatm— schreibt er— hörm die Verbreiter von Sensationsnachrichten nicht auf, alltäglich so deun- ruhigende Gerüchte über die Lage in Belgien zu verbreiten, daß wenn nur der vierte Theil davon wahr wäre, die bedeutsamen Handelsbeziehungen eine tiefe Störung er- leiden würden. Seit dem Brande der Glasfabrik Baudoux im Monat März ist in Belgien nichts Außergewöhnliches ge» schehm, waS zu emsthaftm Besorgniffen Anlaß bieten könnte. Alle diese„Ruhestörungen", Arbeitseinstellungen, Kundgebungm, von denen man unablässig spricht, sind mit st ukon Ueber» tteibungen geschildert worden. Von einer sozialen Reooluston ist hier auch nicht im Geringsten die Rede. Eine Thatsache ist besonder« geeignet, alle Gerüchte zu zerstreuen, welche von jenen Berichterstattern in der emopäischm Preffe verbreitet worden: Die Re gierung erachtet die Lage so wenig für besorgnißerregend. daß sie soeben die Miliz- klasse deS Jahre» 1882, welche im Monat März einde- rufen wurde, al« Gefahr vorhanden zu sein schien, in die Heimath entlassen hat. Dieses Symptom dürfte für alle ernsthastm Beurtbeller entscheidend sein."— In der That, mtscheidend genug. Wir freuen unS nur, daß der offiziöse Telegraph von demselben Unternehmetthum jetzt eine Nase erhält, dem er durch seine Ueberttetbungen zu dienen ver- meinte. Weu« die„Nordd. Allg. Ztg." die Beftrebuuge« der Arbeiter bekämpft, so führt fie nur den Willen ihrer Auf- traggeber au« und soweit wird fich an ihr niemals etwa» ändern. Dagegen haben wir die Hoffnung noch nicht ganz verlorm, daß die„Nordd. Allg. Z." allmälig wieder einm Rest de« Gefühl» für Wahrheitsliebe und Ehrlichkeit fich aneignet, der selbst im Verkehr mtt politischen Gegnern noch immer bean- sprucht wird. Viel ist eS freilich nicht, waS zu dieser Hoffnung --••.«ii_ i&. i /n /-»" berechtigt, immerhin aber legt die Empfindlichkeit, welche da« Kanzlerdlatt diSweilen für„Tendenzlügen" zeigt— insbesondere soweit fie fich in den Organen Richter'S und Rickert'S finden — die Vermuthung nahe, daß der Sinn für journalistischen Anstand in der Wilhelmstcaße doch noch nicht ganz ent- schwunden ist. Der letzte Leitartikel der„?tordd. Allg. Ztg." Hab' ich Euch Beiden eine Tasse Thee aufgegossen. Onkel trinkt ihn ja doch ger«, wen« er Abend» nach Hause kommt, nicht wahr?' .Aber doch nicht um Mitternacht, Schatz; doch nun setze Dich einmal dahin. Wie, Jeremias, nicht wahr? wir wolle» de« Beide» jetzt einmal eine Geschichte erzählen?' .WaS hast Du nur, Onkel?" „Dahin setze» und ruhig zuhören; erst gieb mir aber einmal den Zucker her." Henriette gehorchte kopfschüttelnd, den« fie begriff gar nicht, wa« sie au» dem Alle» mache« sollte. Der Onkel war aber innerlich vergnügt, da« hatte fie ihm auf den ersten Blick angesehen; wa« konnte nur vorgefalle» sei»? „So' sagt« jetzt Pfeffer, al» er fich hinter de« Tisch gesetzt und behaglich seine« etwa» späte» The« schlürfte, während ihn die beide» Frauen erwartungsvoll an- sahen—„nun erzähl' einmal, Jeremias.' „Nein, erzähl' Du'« lieber,' meinte sei« Schwager, .Du kannst'» besser." „Hm, gut," nickte Pfeffer,„dann will ich'« erzähle«; nun paßt einmal auf. Heute Abend war also Hamlet im Theater." .Ist da» Alle»?' lächelte da« junge Mädchen, al« der Onkel schwieg. „Doch nicht ganz," sagte Pfeffer, der in Gedanke»«ach seiner Zigarrentasche griff, fie aber wieder zurückschob und eine Prise»ahm..Wie wir anfange« wolltt», stellte sich nämlich die kleine Schwierigkett heran», daß wir — keinen Hamlet hatten." „Keinen Hamlet?' „Handor kam nicht; die Ouvertüre spielte, die Tän- zerin mußte ihre Künste machen, und»och immer kein Hamlet." „Ja, aber wa» wurde de»» da?" „Es mußte ihn ein Anderer spielen," sagte Pfeffer trocken. „Ein Anderer?' ftagte jetzt auch die Frau erstaunt. verritth davon fteilich wenig. Seine ganze Tendenz geht dar« auf hinaus, die A-beiterfahrer alS feige Aufwiegler hinzustellen, die fich stet« zur rechten Zeit in Sicherheit bringen, die Ar. bester aber al» arme Opfer, welche die Suppe auScfsen müssen, welche ihnen jene eingebrockt haben. Zum Beweis wird auf Decazevtlle verwiesen. WaS ist denn in Wahrheit in Decazevtlle geschehen? So lange die Sozialisten die Fühmng nicht in den Händen hatten, bewegte stch der Streik in jenen tumultuarischen Formen, welche den Gerichten reichen Anlaß zum Eingreifen boten. Der Mord WatrinS fallt in jene Zeit. AlS die Sozialisten an die Spitze gelangten, da nahm der Streik zu gleicher Zeit einen ruhigen Charakter an, und wenn die Gerichte abermals in Thätigkeit traten, so ge- schah eS nicht mehr gegen die Gewaltthaten der rohen Faust, sondern gegm die— wirklichen oder vermeintlichen— red» nerischen Ausschreitungen der Führer. Und gerade die Führer, die Pariser, die Roche und Duc Quercy waren eS, welche am meisten litten,„Man hat— schreibt die„Nordd. Allg. Ztg."— nicht von Opfern gehört, welche die Pariser Agitatoren und Literatm auf ihre persönlichen Verhältnisse genommm hätten." ES gehört eine starke Stirn dazu, dieS niederzuschreiben.— Die„Nordd. Allg. Ztg." wiederholt wei- ter die alte Mittheilung, Most sei im Bordell unter dem Bette von der Polizei aufgewndm worden. Wir habm adso< lut keine Sympathien für Most, weder für die Person, noch ättr den Politiker, aber nach dm Berichten über den New-Vorler Zrozeß müssen wir diese Darstellung doch für durchaus un» ri chti g halten. Et ist heut« wohl nicht mehr zu bezweifeln, daß Most in seinem eigenen Hause, stehend» festgenommen wurde.— Daß DSfuiffeaux in Belgien die Flucht dem Eintritt in« GesSnaniß vorzog, ist freilich richtig. Aber haben daS verurtheilte Politiker aller Richtungm nicht oft genug aethan? Und im Gegensatz zu diesem einen demokratischen Avvokaten, wieviel wohlbekannte und angesehene Sozialisten haben die besten Jahre ihre« Leben« im Kerker vertrauert, um ihrer Ueberzeugung willm?— Daß die„Nordd. Allg. Ztg." diese Männer achtet, verlangm wir nicht. Ader Schmähungm von ihnen abzuwehren, dazu find wir wohl noch berechtigt. Liberale und Ultramontane kämpfe« in Bayer« krampfhast um die Ministersessel. DaS Btld, da« man dabei von beiden Parteien erhäll, ist nicht gerade da« der besten Gesellschaft. Die Liberalen find offenbar der Anficht, ste könn- tm nur dann regierungsfähig sein, wenn der jeweilige Monarch geistesgestört ist. Der deutschfreistnnig«„Fränkische Courier" schre>bl nämlich:„ES wäre eine an Wahnwitz grmzmde That, den kummererfüMen Prinzregentm beim Regierungsantritt zum Aeußerstm zu reizm mtt Zumuthung der Beseitigung der Män» ner seiner eigensten Wahl au« dem Rath der Krone. Selbst» verständlich find dabei nur zwei Namen von besonderem Werth, Riedel: die übiigm Herrm können gehen oder blei« Lutz und MW■ den, ohne daß fich die poltttsche Lage ändert oder daS Vater. land in Gefahr geräth. StaatSrechtSlehrer und Kammerdiplo- maten zerbrechen fich den Kopf darüber, od König Otto dem Thron entsagm werde. Kann er da« in seiner jetzigm geisti- gen Verfassung mit rechtlicher Wirkung? Jeder freifinnige Po» litiker wird dem unglücklichen Monarchen au« verschiedenen Gründm ein lange« Lebm wünschen. Seine Abdikatton wäre ein neuer schmerzlicher Schlag für da« Land, soweit e«— nicht ultramontan ist/'— Die„Germania" bemerkt hierzu:„Ob da» Kabinet Lutz Männer der„eigensten Wahl" des Prinzregenten enthält, ist durch nicht? erwiesen. Aus dem Umstand, daß da« jetzige Ministerium bi« jetzt im Amte verblieben, folgt noch lange rnckt, daß die Mitglieder desselben dem Prinzregen- ten gefallen. ES war von vomherein klar, daß da« Ministerium bleiben würde, bi« die Neuregelung der Dinge in einen ruhigen Gang gekommen. Die Dinge liegen viel einfacher, als die liberale Presse glaubt. Daß e« für ste Wahnstnn wäre, da« Kabinet Lutz zu beseitigen, mag schon sein. Aber dann dürste ste nicht einm anderen Unfinn begehen und eingestehen, daß die Abdikatton deS geistesgestörten Monarchen fie mtt Schreck erfüllt, weil damit die liberale Herrlichkeit ein End« hätte. So darf man feine Blößen doch nicht aufdecken!" Die Liberalen wiedemm denunziren die Ver- gangenheit deS ultramontanen Kandidaten für die Minister- prästdentschaft, offenbar in der Hoffnung, fich die wetthvolle Unterstützung deS Fürsten Bismarck zu fichem. Ende 1870 war eS, wie der„Fränkische Courier" bemerkt, Freiherr von Franckenstein, der in der bayrischen Kammer der Reichsräthe gegen die Versatller Verträge stimmte und erklärte, ein Staat von Bayern» Kraft und Größe könne bei gehörigem Selbst- bewußtsein allein stehen und.bedürfe dieser Verträge nicht. Mem eS," fährt da« Nürnberger Blatt fort,„in dem für die Wendung unserer Geschicke denkwürdigsten politischen Momente so sehr an dem richtigen Verständniß der Lage und an der Wärme de» Gefühls für Deutschlands Interesse und Ehre fehlte, wie damals dem Baron zu Franckenstein, der hat offen- bar nicht das Zeug zum Staatsmann und Minister, weder in Zeiten der Ruhe noch zur Zeit der Gefahr."— DeS Fürsten Bismarck'« Regierungssystem ist heute zu sehr auf die Unter- stützung der Ultramontanen zugeschnitten, alS daß dieser Wink „Und wer konnte den« in der kurze» Zeit de» Hamlet übernehme»?" „Rebe l" platzte Jeremias heraus. „Rebe?" riefen beide Frauen fast erschreckt wie au« einem Munde. .Jetzt verdirbt mir der meine aanze Geschichte!" r,ef Pfeffer.„Konntest Du den» nicht da« Maul halten? Ich hätte fie noch eine ganze Stunde rathe» lassen." .Aber wie, um GotteS willen, war da» möglich?" stöhnte Henriette, während die Mutter ausrief: „Und ging e» gut?" Jeremias wollte wieder etwa« sage»; Pfeffer hatte»h« aber im Auge und fuhr dazwischen. „Halt, erst komm' ich I Ob e« ging? Keine Hand rührte fich im Anfang, Alle« war todtenstill, und fie lachte« nur, wie Meier mtt einem dicke« Backen als Güldenster» auf« trat. Krüger ging auf dem Theater herum, daß e»«ine» Stein hätte erbarme» solle«, gerade etwa wie Einer, welcher zum ersten Male auf einer Versenkung steht und nicht genau weiß, wann fie mtt ihm abgeht Wtt hatte« übrigen» Alle Heidenangst, und ich erwartete jeden Moment, daß fie unte« an zu pfeife» fingen. Aber«e— auch der zweite Akt ging vorüber, und im Parterre und Parket saßen fie wie die Mauern." „Und dann?". � „Dann haben fie gejubelt und applaudnt und heraus- gerufen, wie ich'« in meinem Leben nicht für möglich ge- halten!' rief jetzt Jeremias, der nicht mehr länger an fich halte» konnte.„Rein getobt habe« fie, wie die Indianer, und der Erbprinz hat de« Rebe feine eigene Tuchnadel als Anerkennung geschickt!" „Und woher werßt Du den« das schon? rref � �„»uf der Straße erzählte« stch'S die Leute. Wie ei» Lauffeuer ging'S von Mund zu Mund." Die Frau hatte vor Freude die HSade gefaltet. Jettchen aber faß still und bleich auf ihrem Stuhl und rührte und regte fich nicht, aber um ihre Lippe« zuckre «S; fie wollte«mfstehe«, fie konnte nicht, und plötzlich dem«eben ihr fitzende» Vater um de« Hals fallend, mit dem Zaunpfabl etwas nützen könnte. Wa» soll gegen« wärtig auch der Kanzler gegen den Freihnrn v. Franckenstein noch einzuwenden haben? Jede Jntrigue gegen denselben würde ja nur die Harmonie mit dem Zentrum im Reichstag stören. Die Liberalen werden stch also schon selber helfen müssen. Um Stimmung für die subventionirte« Reichspost- dampfen zu machen, muß Herr Schweinburg in den„Berl. Pol. Nachr." auseinandersetzen, daß ganz England für seine Geschäftideziehungen nach Assen und Australien zittert und vor Schreck da« Londoner Entrepotgeschäst innerhalb der ersten fünf Monate deS laufenden Jahre«, also lange vor der Abfahrt des DampferS, schon um 10 pCt. zurückgegangen sei. Die lange« Parlamevtssesstonen. Selbst die„Nat.. Lib. Korresp." spricht stch über den Nachtheil, welcher mtt der zu langen Dauer der Parlament« fesstonen, namentlich de« Reichstages, verbunden ist, in der folgenden Weise au«:„ES ist keineswegs Bequemlichkeit oder Arbeitsscheu, wenn man gegen die übermäßige und stet« wachsende Ausdehnung der Parlam-ntSsesfionen Einwendungen erhebt, sondern eine wohl- begründete Besorgniß, daß unter diesem Uebel st and unsere parlamentarischen Einrichtungen selbst Schaden leiden müssen. E» kann nicht oft genug da« rauf hingewiesen werden, daß unsere Parlamente, ganz beson- der« der Reichstag, kurze Sesfionen zur nothwendiaen Vor- auSsetzung haben, wenn fie gedeihen sollen. Der Reichstag, dessen Thätigkeit hauptsächlich der wirthschaftlichen Gesetzgebung gewidmet ist, muß, wenn von ihm eine zweckmäßige Wirksam« keit ausgehen soll, zum großen Thell au» Männern de« prak- tischen Leben«, Landwirthen, Kaufleuten, Gewerbetreibenden (wo bleiben die Arbeiteroertreter?) u. s. w. bestehen. Diese Männer finden fich in Deutschland kaum in genügender Zahl, wenn die regelmäßigen ParlamentSarbeiten zwei, drei Monate dauern, fie finden fich aber nicht, wenn fich die Sesfionen über acht und neun Monate dei Jahre« erstrecken. DaS kann«in- fach kein Mann leisten, der einem umfangreichen Geschäft vor- steht. Die unvermeidliche Folge wird mehr und mehr sein, daß Männer de« prakttschen Leben» stch auS dem Parlament zurückziehen, und daß nur noch GewerbSparlamen- tarier, Politiker von Beruf, Professoren, Rechtsanwälte, Schriftsteller, Beamte, denen von StaatSwegen ein Vertreter deschafft wird, RentterS und Männer, die in der glücklichen Lage find, anderweit nicht« zu thun zu haben, fich um Reichs- tagsmandate dewerben. Schon jetzt find Handel und Industrie diesen Elementen �gegenüber im Reichstag viel zu gering ver- treten, eS wird aber in dieser Beziehung noch immer schlimmer werden. ES bedarf gar keiner wetteren Auseinandersetzung, daß damit unsere Reichsverttetung einer unersprießlichen Eni- Wickelung entgegengeht und mehr und mehr der Erfrischung au« dem praktischen Leben heraui und der lebendigen Fühlung mit demselben verlustig wird. Daß darunter grade die wirth- schaftliche Gesetzgebung ganz besonder» leiden muß, bedarf keine» weiteren Worte». Die Sesfionen zogen fich in früheren Jahren, wo die gesetzgeberischen Aufgaben noch vrel umfang- reicher waren, nicht dermaßen in die Länge. Wir wollen heute die Ursachen und die etwa möglichen Abhilfemtttel de» bestän- digen Anwachsen» der Sesfionen nicht erörtern; eS ist schon genug d, rüber geredet und geschrieben worden. Wir begnügen unS für beute, auf die ernste Gefahr für unser parlamen- tarisches Wesen hinzuweisen, die in der Ausdehnung der ReichStagtsesfionen über den größten Theil de» JahreS liegt." Nach offiziöser Verstcheruug ist man in Preußen bereits mit den Vorbereitungen beschäftigt, um„die nämliche Fürsorge, welche das Reich bei Unfällen seinen Beamten zu Theil werden läßt, den entsprechenden Kategorien von Landesbeamten zuzuwenden". Polnisches. Welche liebenswürdige Behandlung den au» dem oderschlefischen Judustriebezlrk ausgewiesenen polnischen Arbeitem in ihrer russi chen Heimath zu Theil wird, daS geht au« einer Mittheilung der„KönigShütter Ztg." her- vor. Die betreffenden ru fischen Unterthanm, welche in ihr Vaterland zurückgekehrt find, werden dort, wie daS Blatt be« richtet, einer ganz eigenthümlichen Kontrole unterzogen. Abgesehen davon, daß fie fich allwöchentlich zweimal beim Naczelnik(Bürgermeisters zu melden haben, wie z. B. die auf der Katharinen Hütte in Bendzin, so dürfen fie nach 10 Uhr Abend« ihre Wohnungen nicht mehr verlassen, ohne eine ganz empfindliche Strafe verwirkt zu haben. Wenn fie eine Nacht- schicht zu verfahren haben, so müssen fie hierzu die spezielle Erlaubniß des Naczelnik einholen. Sind die auS Deutschland Autgewiesenen nicht zu alt und noch mttttärtauglich, so werden g; ohne Weiteres auf drei Jahre in die Jacke gesteckt. Dies« ehandlung der in ihre Heimath Zurückgekehrten vergrößert den Haß gegen die ausweisende Macht. Sozialistisches. Dem Bundelrath ist ein Antrag Sach- sen» auf Verlängerung de» kleinen BelagerungSzu- stände« über Leipzig auf ein weitere« Jahr zugegangen. lehnte fie ihre» Kopf auf seine Schulter und schluchzte leise. „Mein liebe», liebe» Jettchen," sagte Jeremias gerührt, „aber so«eine doch nicht, Schatz! Da« ist doch keine Ursache zum Weine«, nicht wahr, Fürchtegott? Da« ist doch eher Ursache zum fidel sei». Er hat seine Sache brav gemacht, recht brav, er ist ei« ganz tüchttger Schau- spiel«, fie Alle sagte» da unten, der Handor hätte die Rolle in seinem ganze» Lebe» nicht so gespielt, und ich habe selb« mit applaudirt, daß mir»och jetzt die Hände weh thun." „Und waS war mit Handor?" ftagte die Mutter, die fich immer«och nicht von ihrem Erstaunen«hole« konnte. „Durchgebrannt ist« und wird wahrscheinlich nicht wied«komme«," rief Pfess«.„Jetzt ab« aeht schlafe», und Du auch, Jettchen; ei ist spät, und Ihr sollt mir nicht läng« wach bleiben." „Ja, ich will auch»ach Hause gehen," sagt« J«emiaS. „Fällt Dtt gar nicht ein," brummte Pfeff«. „Glaubst Du. daß ich nach all' d« Aufregung jetzt schlafe« kann?" „Ab« e« ist zwölf Uhr vorbei." „Gnade deswegen, die Nacht ist doch einmal ange- brache«, und Jettchen hat gewiß«och heiße« Mass«." �Sehr schön; auf de« dünnen Thee schläft sich'» über- Haupt«bärmltch; da setzen«ir un««och drüben in meine Stube, rauche« eine vernünftige Pfeife od« Zigarre — hast Du welche mtt, J«emias?" „Gute, ab« ich habe mich im Theater darauf gesetzt." „Auf wa« Du nicht Alles gesessen hast! Na, e« wttd ßo« gehen, trinken ei» anständige» GtaS Grog dazu und sprechen«och so Manche», wa« w« auf dem H«zen haben." „Ich mache Dir gleich Wied« heiße« Wasser, Onkel." „Sttz' un» lieb« das Wasser und de« Spiritus hinüb«, Schatz, und v«giß den Zuck« nicht. Du. Dei« Rum ist famo», Z«emias; ich bi» mit d««ine» Flasche Holla«d. Die W a h l e n in Holland find für die L i b e r a l e n noch günstiger ausgefallen, al« e» nach den«sten Nach- richten den Anschein hatte. Die ultramontanen Organe geben selbst ihre Niederlage zu und sagen, in der neuen Kamm« würden die Liberalen eine Mehrheit von 8 Stimmen haben: 47 gegen 39. AlS Ursachen dieser Niederlag« bezeichnen fie ersten« dm Umstand, daß da« Mtnist«ium seinen ganzen Ein- fluß dm Lid«alen zur Verfügung gestellt habe, und zweitm» die wachsende Antipathie zwischen den verbündeten Anti- liberalen, dm Katholiken und Calvinisten.„Nur mit der größten Mühe", schreibt man der„Köln. VolkSztg.",„ist e« unfern Führern gelungen, die katholifchm Wähler für die anti« revolutionären Kandidaten ins Feuer zu schicken; in Leidm und GoeS find fie selbst der Parole untreu geworden; d« Verlust der Restdmz ist lediglich der Uneinigkeit im antiliberalen Lager zuzuschreiben; und daß der anti- revolutionäre KeucheniuS, der die Gefühle der Katholiken oft in empfindlich» Werse verletzte, in Middelburg durchgefallen ist, wird von dm Katholiken fast mit einer gewissen schadenfrohen Gmugthuung degrüßt". Diese Gründe mögm ihre Richtigkeit haben, ste er- schöpfen ab« die Ursache der Niederlage nicht. Zu d« letzterm hat offenbar d« Umstand das Meiste beigetragen, daß die ultramontan> pietistiscbe Koalition in den vorauSgehmdm Kammerdebatten ihr Ziel, die Abschaffung d« StaatSschule und die völlige Unterwerfung der Schule unter die Kirche, offen enthüllt hat, so daß d« Liberalismus, zur Ge- nüge gewarnt und delehrt, fich aufraffte, um diesem Beginn« einen Riegel vorzuschieben. Darauf deutet auch schon die un« gemein große Wahldethetligung; fie betrug die große Ziss» von durchschnittlich 90 pCt., und in einzelnen Bezirken stieg sie sogar auf 96 pCt. Wenn die Katholiken jetzt von d« Groß« muth der Sieger„Gerechtigkeit" erwartm, so werden fie diese schwerlich bekommen, wenn fie darunt« lediglich vnstehen, daß man ihnen die Schule freiwillig auslief«» werde. Denn eben um die Schule drehte fich der Wahlkampf, und da« ist noch nir- gmdS vorgekommen, daß der Sieger nach gewonnen« Schlacht dem Befiegtm den Kampfpreis ausliefert«. Belgien« AuS Brüssel, 20. Juni, scvreivt man d«„Voss. Ztg.": Heute finden in allen Ortm de« Borinage von den Arbeiter- führetn einberufene Versammlungen statt, um die Arbeiter zur Ruhe und Wiederaufnahme der Arbcit zu bewegen, bis der Generalrath der Partei die allgemeine Arbeitseinstellung für räthltch erachtet. Auch die Arbetterkundgebung am 15. August für da» allgemeine Wahlrecht soll zu ihr« Beruhigung bei« tragen. Schon jetzt haben die Mahnungen der Führer bewirkt, daß nur noch 2800 Ärbetter streiken, aber in allen Gruben erklärt man, daß, wenn nicht bald eine Lohnerhöhung erfolgt, der Streik aufS Neue beginnt. Zur augenblicklichen Beschwich- tigung der Leidenschaften haben überdies zwei Momente wesentlich beigetragen: die Besetzung d« Borinage durch ein« Armee und d« wolkenbruchartige Regen, der sett zwei Tagen herniederströmt und allen Verkehr unmöglich macht. Aber die Erbitterung und Verzweiflung der Arbeit« währt fort. D» heutige Aufmf de» GeneralrathS der Ardeiterpartei an alle Arbert'r- Syndikate, Arbeiter-Affoziationen und Arbeit« Belgien« fordnt dieselben auf, d« von der Regierung eingesetzten in- dustriellen Kommission, welche jetzt ihr Frazeduch in 10000 Exemplaren oertheilt bat, keinerlei Auskunft zu «thellen und fich von jed« Berührung mit dieser KommisfioN fern zu halten. Am 31. März kündigte der Finanzminist« in d« Kammer behuf« Beschäftigung der tausende drodlosen Ar- beiter große öffentliche Arbeiten an, besonders den Bau von 352 Kilometer Vizin albahnen, die sogar noch in diesem Jahre dem Betriebe übergeben werden sollten— faktisch ist nicht« geschehen, nicht ein Kilomet« Vizinalbahn ist biS heute im Bau! Dagegen findet heute in v« Domintkan«- Kirche ein« feittliche Messe„für die Beruhigung der sozialen KrtstS" statt. DaS ist ullramontane Sozialreform f Die vor einigen Tagen aus Belgien und Spanien bezto. Frankreich in die Welt gesetzte Sensationsnachricht, daß stch i» Antwerpen ein karltstischer Emissär aufgehatten habt« um von dort auS eine Wafiensrndung nach Spanien zu ver- anstalten, ist, sofern stch eine Privatkorrcspondenz der„JndeP- beige" alS zutreffend erweist. lediglich auf BörsenspekU' l a t i o n e n zurückzuführen. S�rasrretch« eclu» in seiner„Neuen Geographie" k>e Bttölkerung Frankreich» auf üb«'/«« derjenigen der Erde an- gtebt. stellt sein Bruder. Or.Sfime R«clu»(ebenfalls Geograph) in dem bei Hachette«scheinenden Werke„Frankreich und sein' Kolonim" auf Grund d« langsamen Volksvermehrung FWy. reichS folgende Vermuthung auf:„Von einem H a u P> land sind wir ein kleinere» geworden in 100 oder 200 Jahren werden wir ein ganz kleine« sein- denn der Tag ist nahe, wo Frankreich nur'/wo der En«ov,?„ d« Srd« haben wird; die Söhne unserer Enkel werden � «leben. Die Franzosen Frankreichs weiden dann im Verh°�' niß zur Menschheit sein, waS Lyon oder Marseille gezew>V. schon halb fertig— und morgen wolle« w« dann � Weitere sehen." m „Und nun machst Du Dtt auch keine traurige« A.. danke» mehr, nicht wahr, Auguste;«S wttd ja jetzt»u gut gehen," sagte Jeremias herzlich. fci. „Jetzt nicht mehr, Kind«, jetzt nicht mehr," sagtt/, Frau gerührt,„und jetzt wttd Jettchen auch die rm». Ränder um die Augen v«li«e« und nicht mehr HW" weinen." „Aber, beste Mutt«!' „Ruhe im Quartier!" rief Pfeff«;„ich habe ordentliche Sehnsucht nach einem Glase Grog. Uad». Gute Nacht! Du bist doch nicht böse, daß wtt Dich Abend noch einmal gestört haben?" „Ich bi» recht glücklich, Fürchtegott!',. „Na, also den« Abgang mit allsettig« Zufriedenheu � rief Pfeff«, griff JnemiaS unt« de» Arm uad ihn mit in sei» Zimm« hinüb«, wo die beiden «och wenigstens zwei Stunde» zusammen saßen, mtt�a� rauchten und stanken und zuletzt so vergnügt wurden, Pfeff« wied« vor vnhalteuem Lache» seinen bösen W.z bekam und Hinte» in de» Alkoven ging und de» Kop',- Bett steckte, damit die Frauen nebenan nicht davon" würden. (Fortsetzung folgt.) Au« Knust«ud itbtn.«, Romantik in Amerika. In d«„N..N. Kot vor Kurzem zu lesen:„ES wuchsen einst»»!&% nie Ä - zwei Pflanzen unt« treuer Hut- zwei sc�nre„ ga Nord erschienen— fie wuchsen herrlich auf tm Grüne. wegen, im Stift ChristianSland heirathest vor mehre «Ä wfe«» »Uto ÄÄ» Ä?--- unfetn 38 Millionen oder was eine Gemeinde in ihrem De» vartement. Glücklicherweise geht unsere Sprache über unsere Grenzen binaui; tn Afrika und Nordamerika wird es mehr �ranzöstschredende geben, als tn Europa." G r o tz b r i t a«« i e«« Der MarquiS von Saliibury, das Haupt der eng» ltschen Konservativen, besuchte am Freitag L e e d s, wo ihm ein enthufiastischer Empfang zu Theil wurde. Am Abend hielt er eine lange Ansprache an eine Maffenversammlung konservativer Wähler im Koliseum über die brennende Tagesfrage, Home Rule für Irland. Im Eingange seiner Rede demente er, man wiffe unglücklicherweise nicht, wofür man kämpfe, da weder die alte Home Rule»Btll vorlag!', noch die neue Vor» tage, die Gladstone's Gehirn in schartenhafter Form durchkreuzt habe. Er(Lord Salisbury) und seine PaNei seien beschuldigt worden, daß ste einst Verfechter der Home Rule gewesen und die Sache erst nach den Wahlen preisgegeben hätten. Er habe nichts über die Anstchten Lord Carnarvon's zu sagen; er selber sei indes) stets entschieden der Meinung gewesen, daß eine irische Legislatur unthunlich sei und daß die Herstellung einer solchen nachtheilig für da» Reich sein und schließlich zur Trennung Irlands von England führen müffe. Gleiche» dürfe er für seine ehemaligen Amt»genoffen sagen. ES sei thatsächlich keine Begründung vorbanden für die Be- hauptung, daß sein Kabinet jemals den Vorschlag zur Grün» dung einer irischen Legi»latur tn Erwägung gezogen habe. Er habe niemals die Autüdung politischen Zwange» befürwortet, aber Mr. Gladstone habe politischen Zwang in großem Maß» stabe ausgeübt. Zwang sollte nur gegen Mörder, Räuber, Viehoerftümmler und Jene, deren Terro« rismui das Leben der Menschen verbtttere, ausgeübt werden. Sonst sei er nur für eine gehörige Hand» habung der ordentlichen Gesetze. Die Vorschlägt der Regierung für Irland enthielten lein Element einer end- giltigen Lösung. Im Weiteren führte der Redner aus, wie ein unabhängiges Irland Großbritannien nachthetltg berühren dürste. Er v-ttheidigte fich gegen den Vorwurf, daß er da» irische Volk expropriiren wolle. Er wünscht nur, durch AuS» Wanderung die Wohlfahrt Jener zu fördern, die als Boden» bebau« in ihrem eigenen Lande keine Existenz finden könnten. Er befürwortete eine Autdehnung d« lokalen Selbstregierung unter der dauemden Kontrole der Zentralreginung, sowie eine Reform der Methoden d« Privatbill Gesetzgebung. Schließlich «mahnte er anläßlich de« bevorstehenden Wahlkampfes alle Kons«oattven, Parteizwisttgkettm zu begraben und ernstlich für die liberalen Unionisten zu wirken, die mit Lord Hartington und Mr. Chamberlain gegen die zweite Le» sung der Home Rule Vorlage stimmten. D«„Daily Telegraph" warnt Mr. Gladstone, die Kundgebungen öffentlichen Wohlwollens, die ihm neunding» zu Theil geworden, zu überschätzen. Er sagt ihm u. A.:„Der Premierminister hat jede Ursache, darauf stolz zu sein: er darf fich aber nicht selbst betrügen, indem er annimmt, daß der Enthufiasmus, den seine Gegenwart überall«weckt, im rich» tigen Sinne deS Worte» politisch sei. Es ist nicht so;«ist von Anfang bis zu End« ein persönlich« Tribut. Die Eng» länd« find da» enthufiastischste Volk, und die Demokratie tn allen Ländnn wird, wenigstens äuß«lich, mehr durch eine große P«süniichkeit all durch den Vertreter der größten Sache bewegt. E« würde der allergrößte Jrrthum sein, wenn man annehmen wollte, daß die Szenen, welche seine Abreise au» der großen Metropole bezeichneten, oder jer.e, welche seine An» tunft in Edinburgh begleiteten, irgend eine Andeutung der Gefühle liefern, mit denen seine Politik von der Nation ange« sehen wird." Der Schluß des Parlament» erfolgt, wie Schatz- kanzl« Harcourt im Untnhause miltheilte, am Freitag, die Auflösung de» Parlaments am Sonnabend. Die Nachricht von d« Getangennehmung Oberst «»«lhart's ist nach ein« Erklärung de» Unterstaatssekretär» Howard im Unterhause unbegründet. Howard thetlte mit, daß Oderfi Lockhart während sein« Erforschungsreise, nachdem er Ätlgit und Chitral besucht, auf seinem Rückweg nach Indien durch da« Land de« Htndukusch in Nied«- Badakschau ange» «Wimen sei. Balkauläuder. m Unter dm Vorlagen, welche der neum bulgarischen Bolksoertretung unt«dreitet worden find, ist diejenige in Be» treff des Baues einer Eisenbahn von Schumla nach Jambolt »«voizuheben. weil fie das Schlußglied«in« zweiten Orientbahn bildet, welche von Deutschland über Galizien oder Rußland durch Rumänien geht, die Donau bei Giurgewo» Rastschul überschreitet und mit Benutzung der Vamabahn von Norden her bei Jamdoli auf die türkischen Linien stößt, während die erste, edenfall» noch nicht vollendete Orientbahn über Ungarn und Serbien durch Bulgarien bei Bellovar den Anschluß an da» türckische Netz findet. Schon in den V«» trägen mit der Pforte hatte Baron Hirsch fich zum Ausbau der Strecke Jamboli Schumla auf Kosten d« türkischen Regierung verpflichtet, allein« wußte dmselbm zu verzögem, indem er man ging zur See; unterdessen nahte fich der Juaend» . 0~r 7------ VW)!*..— v I—»- � geliebte der Frau und ging mit ihr nach Amerika. Da» Paar ram nach Baltimore und lebte hi« ruhig zusammen, bis der verlassene Mann den Aufenthalt setner Schwest«gattin aus» vndig gemacht hatte und ebenfalls hierher kam. Die junge «rrau sagte ihm ttaurig ad« bestimmt, daß fie nicht fern« mit thm leben könne. D« Mann wandte fich an den Advokaten v- E. Tieck, und dies« leitete die Scheidungsklage ein. D« lungen Frau ging es mit ihrem neum Manne nicht zum Besten; vor einigen Wochm kam fie nieder und wShrmd der Wehen Grieth das Haus in Brand; der Mann trug ste mtt dem neu» g-borenen Kinde aus dem brennenden Hause und rettete fie, aber das Kind starb. In ein« Unterredung, welche Hnr Tieck wtt ihr hatte, machte er ste darauf aufmerksam, daß der Mann, ver die Scheidung v«lange, so ttm an ihr hänge, während fie voch noch gar nicht wisse, was ihr mtt dem andern pasfiren «mne. Die Frau oertraute aber felsenfest auf ihrm Geliebten, vnd so wurde die Scheidung ausgesprochen." Eine Frauen. Liga ist in Paris im Entstehen begriffen. Madame Valsayre ist uaabläsfitg thätig für diese Gründung. �tise Dame ist ein Original. Sie war es, die fich von Prof. Pasteur impfen laffm wollte,„um d« Humanität einm Dienst ISf, leisten", fie forderte seiner Zeit auch Madame Adam, die �irektriz« d«„Nouoelle Revue". Jetzt häll fie in Parts regel- Mäßige Sitzungm ab, worin ste ihre Zuhörerinnm beschwört, 2*1 Stricknrumpf mit dem Rapier, dm Kochlöffel mit dem .�egm oder Revolver zu vertauschen und fich tn dm Waffen- tasten gründlich zu üben.„An dem Tage, wo die Fraum Fechten verstehen", ruft fie pathetisch au»,„ist die Mensch» # gnettet." Ste behauptet, die Frau müffe fich nicht nur swilifiren— worunter fie natürlich emanzipiren versteht— Widern auch oermännlichen. indem fie ihre Zeit zwischm Salon vnd Fechtdoden theilt. Nicht nur mit Revolv«, Gewehr, �flm und Säbel müffe jede Frau umzugehen wissen, sondern Wh— man höre und zittere!— mtt DolÄ, Schlagring und wnlichen Waffen! Jede Frau, welche mindestens sechs Kinder Ast gesäugt hat, soll dekorirt werden, weil fie d« Ent- Mlerung des Lande» entgegenarbettet. Erst wmn alle naneöstonm in den Waffen geübt seien, wäre für Frankreich m Tag de» Ruhme« und der Rache gekommen I .8» der sonderbare« iltechenaufgabe, die eine Lehrerin t' Liegnitz ihren Schülerinnm au-gegcden haben sollte(vgl. die BertlÄI Nummer), wird der„Freis. Ztg." geschrieben, der llZ! �abe die Sache falsch aufgefaßt. E» habe fich wl um eine Subttaktions- sondttn um eine Dtoistons- Auf» in seinem Plan diese Strecke, welche in Wirklichkeit 155 Km. Länge hat, künstlich aus 217 Km. vnläng«n ließ, um seinen Baugewinn zu«höhen. Die Pforte machte berechtigte Ein Wendungen, Hirsch zog die Verhandlungm hin und d« rusfisch> türkische Krieg drängte auch diese Angelegenheit zurück. Deutscherseits ist der Bau der Linie Schumla- Jrmdoli, welch« auch rusfischm Interessen entspricht, durchaus willkommen zu heißen und thunlichst zu unterstützen, da hierdurch im Vorhinein da» Monopol der ersten— ungarisch>s«bischm Orimtbahn durchlöchert und ein im hohem Grade erwünschter Konkurrenzkampf geschaffen wird. Betläufig ist die Jnbetried setzung der ersten ungarisch, serbischen Orientbahn nicht vor Mitte 1887 zu erwarten, da in Bulgarien während des Kriege» die begonnenen Bauten hatten unterbrochen werden müssen und erst jetzt wieder aufgenommen worden find. Wenn die von Delyanniö inspirirte„Proia" recht berichtet ist, steht Griechenland am Vorabend ein« neuen Minister-Krtsis, indem Herr TrikupiS gesonnen sein soll, au» tattischen Gründen mehrere sein« jetzigen Kollegen üb« Bord zu werfen. Dem widerspricht allerdings daS von der Regierung sudventionirte„Journal d'AthSnes." In- zwischm fährt die Delyannistische Presse fort, den König als dm etgmtlichen Urheber der politischm Kalamttät scharf anzu> greifen. Delyannis behauptet, König Georg habe ihm die Hände gedundm, so daß« leider nicht anders hätte handeln können, alt« eS zu seinem persönlichen Schaden gethan hat. Merkwürdig ist die Indifferenz der griechischm Gerichte gegen» über dieser Dmunziation. Rußland. Nach ein« Mittheilung der„Rigaischm Ztg." nimmt die Auswanderung au» Kowno und d« Umgebung dies« Stadt nach Amerika immer mehr zu und zwar aus Brot« Mangel.„Wie sehr bei uns alles Geschäft und Gewerbe darnied«liegt," schreibt man dem genannten Blatte aus Kowno, „ist aus dem Umstände zu ersehm, daß man sogar tn den bis hierzu belebtesten Stavtth-ilm aus jedem Schritt und Tritt Ie«e Geschästilokale und Wohnhauser erblicken kann, deren Thülen respettioe Fenst« mtt den für die HauSbefitzer verhäng- ntßvollen Anzeigen versehm find, daß diese Räumlichkeiten zu v«mtethen find. Wenn nun solche Erscheinungen bei uns wahrzunehmen find, wo Dampfschisse und Lokomotiven den Verkehr vermttteln, wo die Gouvemementsobrtgkeit domizilirt und wo viele Schulen vorhanden find, welche Umstände doch reg«ts Leben verursachen müssen—, so kann man fich schon leicht ein Bild von den traurigen kommerziellen und materiellen Zuständen in den Ueineren liitauischen Ortschaften entwerfen, wo mehr Handwerker als Ardeiigeber, mehr V:rkäufer als Käufer vorhanden find. Was Wund« also, daß diese Un- glücklichen in ihrer Verzrv.iflung den Wanderstab«greife« und ihr Hell in der neuen Welt zu finden glauben." Afrika. Die Nachrichten au» dem Sudan lauten übereinstimmend dahin, daß die Derwische und Anführ« der Mahdtsten von Khartum au» nordwärts vorrücken, in der Abficht, beim Ein- treten der Nilschwellung die von den EngländtM geräumten Stellungen anzugreifen. Um zu diesem Zwecke ein möglichst große» He« zu sammeln, entsenden ste nach allen Theilen des Sudan Emissäre, welche die Beoötkttung zum Kampfe auf- reizen; jene Stämme, die fich weigern»u folgen, w«ven mtt Plünderung und Raub heimgesucht. Das Kundschafterwesen hat bei den Rebellen einen hohen Grad von Entwicklung erreicht. Kommunales. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverord. ueteu» Versammlung am Donnerstag, den 24. Juni ct., Nachmittags 5 Uhr. Vorschläge des Ausschusses für die Wah. Im von unbesoldeten Gemeindedeamten— ein Naturalisationsgesuch— Vorschläge de» Ausschusses für Petttionen— Penfionirungs- und Anstellungssachen— Wahl je eine» Bür- g«»Deputirten für die Schul. Deputation und für die Armen- Direttion— Wahl von 8 Mitgliedern für die au» Anlaß der im Septemb« d. I. hier stattfindenden 59. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu bildende Subkommisflon — Berichterstattung üb« die Vorlage, betr. daS Penstons. Reglement für Angestellte der wirthschaftlichen rc. Anstatten der Stadt Berlin— deSgl. üb« die Lorlage, betr. die Fest. seyung von Baufluchtlinien für eine neue Straße zwischen der Kövnickerstraße und der Spree in Vnlängnung der Eisen- dahnstraße— desgl. über die Vorlage, betr. die Erwnbung des von dem Grundstücke Spandauer- Brücke 4/5 zur Stadt- bahn.Parallelstraße erforderlichen Terrains— desgl. über die Vorlage, betr. die Skizze zum Neubau eine» Hospital» nebst Siechenanstalt an der Prenzlauer Allee— deSgl. über die Vorlage, betr. den Ankauf de» Grun stück» Kommunikation am Neuen Thor 9—10 zu Gemeindeschulzwecken— desgl. üb« eine Petition des Rathhausteller-Pächter»— Vorlage, betr. den Erwerb der von dem Grundstücke Krautstr. 38—39 zur Verbreiterung dieser gäbe gehandelt, die ab« in eine in allm Schulen vorkommende Form gekleidet gewesen sei:„Wie oft kann man 629 von 880 788 889 abziehen?"— Es liegt demnach kein Grund vor, d« Lehrerin einen Vorwurf zu machen. Wann? l Ein Advokat hatte zwei Spitzbuben zu ver- theidigen, von denen der eine bei Tag, der andere bei Nacht gestohlen hatte. Darauf fußend, sagte« in der„glänzenden" Vertheidigungsred«:„D« Herr Staatsanwatt hat es bei meinem«sten Klienten als einen erschwerenden Umstand be- zeichnet, daß derselbe bei hellem Tage mtt unglaublicher Frech- heit einen Diebstahl begangen. Jetzt wird bei meinem zwetten Klienten d« Umstand, daß er zur gefährlichen Nachtzeit ge- stöhlen, gleichfalls als«schnittend bezeichnet. Ich frage nun den Herrn Staatsanwatt:„Wann soll denn der Kerl stehlen?" Einen wette« Begriff von menschlicher Langlebigkeit muß da« Amtsgtticht LandShut haben, da e« in einem Aufge- bot in den öffentlichen Blättern den am 1. Juli 1749 geborenen Baunssohn Jacob Sigl von Untnglaim, der schon am 10. Dezember 1824 als„vermißt" in dem Hyvothekenbuche vorgettagen war und über deffen Leben„seit 10 Jahren" keine Nachrichten vorhanden find, unterm 15. April 1880 auffordert, fich spätestens bis Samstag, 29. Januar 1887, persönlich an der Gerichtsstell« anzumelden. Der seit 62 Jahren Vermißte würde fich dem AmtSgntcht als Greis von 138 Jahren präsenttren. Ueber eine« originelle« Heirathsantrag wird d« „Ob«schles. Grenz-Ztg." folgendes geschrieben: Ein Heiraihs- antrag durch die Zeitungsannonze gehört heutzutage zu den „nicht mehr ungewöhnlichen Wegen"; neu und jedenfalls ort- gtnell ist aber ein HeirathSantrag durch eine Zigarre. Herr T. kaufte fich neulich eine Zigarre. Als« die Spitze derselben abschnitt, bemerkte er im Innern der Zigarre ein zusammen- gerollte» Stück Papi«. Dasselbe war beschrieben und enthielt einen Heirathsantrag der ZiZarrmarbeiterin an den event. Raucher der Zigarre. Die HeirathSlustige gab an, 18 Jahre alt, hübsch und gut erzogen zu sein; an V«mögen befitzt fie 240 Mark. Leid« konnte Herr T, da« schon vergeben war, von diesem Antrage d« Hetrath». Kandidatin, die ihre voll- ständige Adresse angegeben hatte, keinen Gebrauch machen. Auch et« Trost. Ein Brautpaar kommt von der Trauung, und die Braut sängt plötzlich an zu weinm. Auf die Frage de» jungen Ehemannes nach dem Grund ihr« Traurigkeit will fie zuerst nicht mtt d« Sprache hnausrücken; endlich aber schluchzt fie: ,ß cha nit koche!"—„Du Närrsch", war dt« Antwort,„do bruchsch nit z'hüle— i ha nüt z'loche!" Straße erfordttlichen Flächen— desgl., betr. die Bewilligung d« für dm Umbau de« Rtndviehstalle» in Blankenfelde«- forderlichrn Mittel— desgl., betr. die bei d« SublevationS- lasse im Rechnungsjahr 1885/86 vorgekommenen Etatsüber» schreitungen— desgl., betr. die gegen die Richtigkeit der Ge« meindewählttlifle nach Ablauf der vorgeschriebenen Frist etwa «hobenen Einwendungen— desgl., bete, die Rückzahlung des dem Komttee für die Allgemeine Deutsche Ausstellung auf dem Gebiete der Hygiene und des Rettungswesms im Jahre 1882 städtischerseits gewährten Zuschusses— desgl., betr. die provi« sorische Weiterverpachtung des Rechts zur Erhebung de« Markt« stättegeldes bi» zum 1. Juli d. I.— Vorlagen, bete, die Pro» jette zum Bau einer Gemeinde- Doppelschule in der Skalttzer« straße 55—56, ein« Markthalle zwischen der Ackerstraße und der Jnvalidenstraße und einer Gemeindeschule nebst Rektor« wohngebäude auf dem Schulgrundstücke Bernauerstr. 89 und Stralsunderstr. 70.— Vorlage, betr. die Vertheilung der Kosten für die Umlegung beziehungsweise Neuver« legung der Schienenaeleise der alten V«dindung»bahn in der Gttschiner- und Skalitzerstraße— desgl., betr. den Ver« kauf ein« Parzelle an der Genthin« und Steglitzerstraße— desgl., betr. die Ued«nahme eine« Theils des JnvalidenparkS fetten» der Stadtgemeinde in gärtnerische Ve.waUung— desgl., betr. die Feier de» diesjährigen sog. MilchfesteS seitm» der Zöglinge der Waisenanstalt zu Rummelsburg— desgl., betr. dm Erwerb des Grundstücks Landsbergerstraße 40 zur Durch« legung der Lietzmannftraße— desgl„ betr. das Projekt zum Bau einer Lazarethbaracke für da» Waisenhaus zu Rummelt- bürg— desgl., betr. die Skizze zur Erbauung eines Kochküchen« und Maschinengebäudes für da» Waisenhaus in RummelS» bürg— desgl., bete, die Erneuerung von Lustheizöfm tmVer» waltung». und Oekonomiegebäude» des Krankenhauses im Friedrichshatn— deSgl., betr. dieWiederherstellung ein« Giebel« wand auf dem Grundstück Stechdahn 3/4— desgl., bete, die Sisttrung der Zrntmarfei« König Ludwig L in München— desgl., betr. da» Projett zur baulichen Erweiterung und Aus« stattung der Kais« Wilhelm- und Augustastiftung— desgl., bete, die anderweitige Verpachtung de» Marktstättegeldes tn B«lin vom 1. Juli d. I. ab bi» zum 31. Dezember 1887 — desgl., betr. die Anlegung je eine» Schwimm« basstn» bei den beiden Männer- Badeanstalten an der Waisen- und Schleusen- Brücke, sowie die Erwei« terung der Mann«> Badeanstalt am Nordhafrn— deSgl., betreffend die Bewilligung d« zur Regulirung d« GretfSwalderstraße noch erforderlichen Mtttel— Vorlage, betreffend die Bestellung von Pflastersteinen für da» Etatsjahr 1887/88— de»gl„ betreffend dt- Revifion des Octsstatut» für die Kanalisation von B«ltn vom 4. September 1874— desgl., betreffend die Einziehung der Kirchensteuer pro 1. April 1886/87 — desgl.. betreffend die Ueberlaffung des städtischen Parkes bei Treptow zur V«anstaltung einer Deutsch-Nationalen In» dustrie» und GewerbeauSstellung im Jahre 1888 und die finanzielle Betheiligung der Stadt Beilin an diesem Unter» nehmen— desgl., betreffend dm Ankauf des Grundstücks Alt- Moabit Nr. 67—70 zu Kanalisationszwecken— desgl., detreffend den Erwerb des fiskalischen Grundstück» an d« Ecke d« Buckownstraße und de» Luismufer» zur Errichtung ein« Martthalle für die Luisenstadt, sowie dm Erw«b«ineS Zu« gangarundstücks in der DreSbenerstraße— deSgl„ betreffend die Auslegung und Ergänzung de» mit der Berlin« Handels« gesellschast üb« die Herstellung d« Kaiser Wtlhelmstraße ab« geschlossenen Vertrages vom 27. Juni 1884— mehrere RechnungSsachen— Vorbesprechung, betreffend die Wahl von zwei unbesoldeten Stadträthen— zwei Unterstützung»« fachen. Die Ferien der hiesige« Gemetndeschulen und Privat« Elementarschulen find für die zweite Hälfte dieses Jahre» wie folgt festgesetzt. Sommerferien: Schulschluß: Sonnabend, dm 3. Juli; Schulanfang: Montag, den 2. August. Herbstferien: Schurschluß: Mittwoch, dm 29. September; Schulanfang: Montag, den 11. Oktober. Weihnachtsferien: Schulschluß: Mittwoch, den 22. Dezemb«; Schulanfang: Donnerstag, dm 6. Januar 1887. Beihilfe z« gewerblichen Unterrtchtsswecke«. Das Kuratmium der„Stiftung v« Bnliner Gewerde-Ausfiellung im Jahre 1879" macht bekannt, daß Bew«dungm um Zu» lassung zum Genuß der genannten Stiftung durch Gewährung von Beihilfen an die d« Industrie und dem Gewttbe fich widmende Jugend behus» Aneignung ein« gediegenen ge- werbtechnischen od« kunstgewerblichen Ausbildung für ihrm B«us in d« Zeit vom 1. Januar bi» zum 1. Februar und vom 1. Juli bis zum 10. August jeden Jahre» an da» ge« nannte Kmatorium— Gewerbe-Deputation, Köllntsche» Rarh- hau», Brettestr. 20 a, Zimmer 1— schriftlich einzureichen find. Die nicht zu diesen Terminen eingehmden Gesuche können«st mit denjenigen, welche innerhalb der nächstfolgenden Melde- frift eingehen, durch da» Kuratorium tn Erwägung gezogen werden. Zu Armenunter stütznngszwecke« find bei der Haupt« Stistungskasse im Monat Mai er. eingegangen: a. an Vermächtnissen und Geschenken: 756,00 M.; d. aus Kolletten« Geldern 136,50 M.; o. aus schiedsmännischen Vergleichen 804,00 M. In Summa 1696,50 M. Zentral'Viehhof. Im Monat Mai dieses Jahre» find auf dem städtischen Fletschschauamt 21 653 Schweine auf Trichinen untersucht und darunter 6 trichinöse und 66 finnige «mtttelt worden, welche al» zur menschlichen Nahrung ungeeignet verworfen worden find. Soziales mh Arbeiterbewegung. Der Steg de» Fabrikbetrtebe» in der Textilindustrie ist de» öfteren bereUS von uns erörtert worden. Im Gladbacher Handelikammerkreise(Gladbach, Grevenboich und Stadt Dülken) gab es Jahr Spinnereien Spindeln Webereien Kraftstühle 1856- 45276- 300 1858 14 71 072- 1 001 1861 19 103088- 1491 1869 33 231000 42 4 500 1874 35 280059 68 6 705 Das ist ein ganz rapide» Wachsthum. An Stell« der Handarbeit ist die Maschine getreten, die seldstständigen Kleinmeister werden in Lohnarb-iter oder Vasallen der großen Unt«. nehmer, sei eS Großhändler, sei es Großindustrieller umge» wandelt, die Frau und das Kind regen geschäftig d» die Hände, wo früher der geschickte erwachsene männliche Arbeiter thätig gewesen ist. Sinken der Löhne, V«schlechterung der wtrth« schaftlichen Lebenshaltung, Steigen der Erkrankung»- und SterblichkeUSziff«, Verkürzung d« durchschnittlichen Lebens« dau«, das ist so der Gang der Dinge tn unser« kapitalistischen WirthschastSordnungFAber Eine» steht fest, die Großindustrie fegt übnall den Zwergbetrieb vom Erdboden fort, die Vereinigung d« Produtttonsmtttel in dm Händen einer immer klein« uvd immer reich« werdrndrn Minderheit von Befitzenden vollzieht fich mtt naturgesetzlicher Nothwendigkeit. Und die Parlamente huldigen noch imm« drm manchesterlichrn Grundsätze daS Gehen- und GeschehenlaffenS?! Di« Krist» trifft am furchtbarste« die Arbeiter. Hören wir einmal einm unverfänglichen Gewährsmann, den vor kurzem verstorbenen lammfrommen Fretburger Univerfftätt» Professor A. Thun. D«selde sagt bei Besprechung d« Aachener Textilindustrie:„Die Krist«(von 1875) hat fürch- terlich unt« dem Arbeiterstanve gewüthet. Alle wohlgefinnten Männer können ihr Erstaunen darum nicht bemetstern, daß die Ardeiter überhaupt noch existiren können, und fie grübeln, wie dieselben eS wohl anstellen mögen, fich durch'« Leben zu schlagen. Mir scheint da» Räthsel unschwer zu lösen: die AuZaadm find auf daS rein physische Minimum reduzirt; nur «in schützmde» Dach und ein»esiffeS minimales Quantum an Nahrung, wie Zichorienwaffer, Brot und Erdäpfel, milffen de« schafft werden; aS« Übrigen Bedürfnisse bleiben unberückstch ttgt. Die in guten Zelten angeschafften«leider, Wäsche und Sbel wandern in eineS der 21 florirenden Pfandhäuser, und nur eine dürftige Hülle, destehend in Hemd, Hose und schäbi- gern Rock, deckt die abgemagerten Glieder; tm Winter wird ge« froren und AbendS tm Dunkeln oder auf der Armensünder» dank in der Kneipe geseffen, wo eS hell und warm ist; die Kinder kommen in vre Freischule, und die Steuern müssen er» lassen werden; denn wo nichts ist» haben Kaiser und Dder« bürgermeister ihr Recht verloren."— DaS ist ehrlich gesprochen, daS ist ein Bild getreu nach der Natur. Thun belegt üdri» «nS durch Zahlen den Niedergang der proletarischen LebenS« ltung. Von Jahr zu Jahr wuchs die Zahl der wegen Rück» «nde verfügten vollstreckten fruchtl. vollstreckten in der Stadt Aachm Exekutionen: 1875 362- 31 1876 4 256 1 153 1419 1877 5 838 1 450 2111 im Reg.> Bez. Aachen 1875 8 472 2 957 1 499 1876 14450 4160 3 736 1877 19 941 6 738 5 375 „Schauen wir, sagt Thun, der Wahrheit ins Antlitz und sprechen wir sie aus: Aachen ist eine Proletarierstadt l" Wir haben diesen Ausführungen nichts hinzuzufügen. Statisttscher Nachweis über die veftrafuugen vou Landstreichern und Bettlern tm Deutschen Reiche in den Jahren von 1877—1884. Eö find seitl-Jabren im Deutschm Reiche amtliche Erhebungen über die auf Grund des§ 361 Nr. 3 und 4 des ReichSstrafgesetzducheS ergangenen Be« strafunaen von Landstreichern und Bettlern veranstaltet wor« dm. Die Ergebnisse dieser Statistik für die Jahre 1877 bis 1884 zeigen, Cafe der Höhkpunkt deS deutschen Bettlerwesen» in dm Jahrm 1879—1880 erreicht wurde und seitdem die Straffälle alljährlich abgenommm haben. Der Hauptgrund der Abnahme dürfte in den seit 1879 entstandenen Vereinen gegen Bettelei und in der Begründung von Arbeiterkolonim und VerpflegungSstationm zu suchen sein. Auch die Be» strebungen des im Jahre 1879 deglüudeten deutschen Vereins für Armmpflege und Wohlthätigkeit haben wesentlich dazu bei» getragm, im Publikum einen Umschwung in der Fürsorge für Arme hervorzubringen und dem planlosen Almosmgeden, wel» cheS daS Lettlergeschäft einträglich machte, mtgegenzuwirkm. Die nachstehmden Zahlen find eine lebendige Illustration der segensreichen Früchte edler Gemeinnützigkeit, welche jetzt im ganzen deutschen Volke zur Linderung sozialer Schäden bei» trägt. ES ergingen nämlich folgende Bestrafungen an Land streich« und Bettler im Reiche 1877: 219514, 1878: 280 518, 1879: 316 846, 1880. 320548, 1881: 319 359, 1882; 278040, 1883; 242 473, 1884: 203 578. Die Gesammtzahl der Be. strafungen in dm 8 Jahren von 1877—1884 deträgt 2 180776. Im Durchschnitt kommen jährlich auf 10000 Einwohner im Reiche 60,3 Bestrafungen. Die einzelncn deutschm Staaten, geordnet nach der Anzahl der Straffalle, welche in den Jahrm 1877-1884 im Durchschnitt jährlich auf 10000 Einwohner nach der Zählung von 1880 kommm, nehmen wir nachstehende Reihenfolge ein: Bayern 137,6, Mecklenburg-Schwerin 123,9, Württemberg III, Schaumdurg-Lippe 96.9, Baden 90,4, Lüdeck 89.6, Hamburg 82.8, Hessen 78,5, Sachsen 76 8, Schwarzburg» Rudolstadt 75,1, Mecklenburg- Strelitz 72,6, Sachsen-Altendmg 72,1, Oldenburg 62.2, das Reich 60,3, Brarmschweig 64,3, Sachsen' Coburg-Gotha 48 3, Reuß ältere Linie 48,1, Sacksen-Wrimar 47,1, Lippe 42,8, Elsah-Lothringen 39,8, Preutzm 38,2, Schwarzburg. Sonderhausen 28.8, Waldeck 26,5, Sachsen-Meiningen 24,3, Anhalt 23,7, Bremm 18.6, Rmß jüngere Linie 121 Straffalle. Die Maurer-Kranken- und Sterbekasse(E. H.) zu Sharlortmdurg war seit längerer Zeit demüht, ihre Statuten den Erfordern'.ffen des Krantmtaffmgesetzc � anzupassen, und war dabei mehrfach auf Widerspruch bei der öffentlichen Auf- fichtSbehörde, der Regierung zu Potsdam, gestoßen. Nachdem endlich alle Zweifel beseitigt warm, handelte eS fich nur noch um die§§ 4 und 8 des neuen Statuts, wonach den in Char- lottmburg wohnhastm, jedoch anderwS,t» in Arbeit stehenden Maurergesellen gestattet werden soll, freiwillige Mitgli.der der Charlottenburger Krankmkaffe zu werdm, und fie nicht gezwungen werdm künnm, einer anderm Krankmkaffe am Orte ihrer Arbeit beizutreten. Die Charlottenburger Kasse hat nämlich den Vorzug, daß fie auch den Familienrnitgliedem die Vor» theile der Krankenverficherung zu Tbeil werden läßt, und eS war daher von begreiflichem Interesse für die Mitglieder, in dieser Kasse zu bleiben, auch wmn fie auswärt« arbeiteten. Die genannten Paragraphen wurdm aber von der Aufficht». dehörde als mir den§§ 63, 76 u. a. des Krankmlaffmgesetze« vom 15. Juli 1883 im Widerspruch stehend nicht gmehmigt, und die dagegen eingelegt« Klage wurde vom Bezirksausschuß zu Potsdam, ebmso wie am Montag vom 2 Senat deZ Oder- verwaltungSgerichtS abgewiesen, indem beide Instanzen erkannt-n, daß die reorganifirtm freien HtlsSkaffm nicht daS Recht hätten, auswärts in Arbeit stehende Mitglieder zu führen, ohne daß dieselben der amOrte ihrer Arbeit bestehenden Kasse beiträten. Verboten wurde eiue Frauenversammlung in Mazdr- bürg, in der Frau Grete sprechen sollte. AuS Schlesien, 20. Juni, wird der„Voss. Ztg." ge» schrieben: Die Einstellung deS Betriebs deS letzten Hoch- ofenS in Antonienhütte, die schon Ende dieses MonatS er- folgte, hat die Ardeiter veranlaßt, eine Deputation an den Generaldirektor Braunschwcig nach CarlShof zu schicken. Sie wurden nicht empfangen und erst auf vieles Bitten ein Arbeiter vorgelassen. Die Bitte, den Ofen noch so lange in Betrieb zu erhattm, biS ein Theil der Arbeiter andere Beschäftigung ge- funden, wurde abgelehnt und dm Arbeitern anHeim gegeben, ihre BeftrSge zur K n a p p s ch a f t S k a s s e weiter zu zahlen, damit fie nicht ihrer Ansprüche an die Kasse, zu der fie zum Theil seit Jahrzehnten Beiträge gezahlt haben, verlustig gehen. Oh ne V er die n st wird ihn en d as kaum möglich sein, und so find die Ausstchten in die Zukunft sehr trübe. Zum Glück für Sie ArbettSlosm fehlt es an Arbeitskräften für die Feldarbeiten und fie könnm dort vielleicht eine ihnm aller- dingS ungewohnte Beschäftigung findm. Nach einem vom Vorstand deS Verbandes der Ver» eine der Tischler(Schreiner) Deutschlands am 17. Juni d. I. herausgegebenen Vcrzeichniß dcr Tischler Fachvereine-xistirm zur Zell in Deutschland 120 Fachvereine der Schreiner; außer- dem find noch 4 Vereine der deutschm Schweiz mitaufgeführt. Von den deutschen Vereinen gehören 60 dem in Stuttgart domizilirendm Verbände an. Durch daS in Deutschland herrschmde bunte Gemisch von V rcinSgesetzm ist eS vielen Vereinen biS jetzt nicht gelungen, einen Ansoyiuß an den Ver- band zu erlangen. So ist z. B. sämmtlichm(12) sächsischen Vereinen der Beitritt zum Verband« untersagt, in Bayern theilen 7 Schreiner- Fachvereine daS gleiche Schicksal, während 6 bay-risch: Vereine dem Verbände angehörm. In manchm preußischen Provinzen ist zu Anfang d. I. dm Schreiner- Fachvereinen bedeutet worden, dem Verbinde den Rücken zu lehren, da derselbe«ine VerficherungSgesellschast sei und als solche die Genehmigung nicht erhalten Hab:.— Auch im Echreinergewerde dedarf der Geist der Solidarität noch sehr der sorgfaltigsten Pflege. Hoffen wir, daß eS in dieser Hinficht überall bald besser werde. Der Tischlcrstreik tu KottbuS dauert fort; die Meister können fich nicht dazu veisteben, unsere Forderungen zu de- willtgm, da fie in unbegreiflichem Dünkel imm-r noch nicht- achtend auf die Gesellen heraddlickm. Wie unangebracht dieser Trotz ist, beweift wohl am besten der Umstand, daß verschie« den« von ibnm selbst nicht im Stand« find, ihre Familien zu ernährm. Die Meisterfrauen müssen wegen des Widerstandes ihrer Männer in die Fabriken gehm, um dm nöihigen Le- bmsunterhalt zu verdienen. Wann wird die Zeit kommen, wo diesen Leuten endlich die Augen aufgehen werden? Am vergangenen Freitag, den 18. d. M., hatten hier ein paar Nicht- Jnnungsmeist« eine Versammlung einberufen, welche die an- dem Meister dadurch zu hintertreiben suchten, daß fie zu dem Wirtb gingen und denselben aufredeten, er solle die gegcbme Etrwilligung wieder zurücknehmen. Es wäre daS auch bald geschehen, wenn wir nicht energisch gegen ein solch-.S Venahrm protestirt hätten. In dieser Veisammlung sprach Herr Skadt- verordneter Fritz Gö.cki aus Berlin, welcher in vorttiffiicher W-ise die Lage der Kleinmeister schilderte, und st: ermahnte, mit den Gesellen Hand in Hand zu gehm. Bei einigen Mei« stein schien der Vortrag doch etwas gew.rft zu haben, und eS ist möglich, daß fich eirrzrlne unterschreiden. Die Kollegen von außerhalb möchkn rmr aber dringend bliten, den Zuzug unbe- dingt fernzuhalten, bis jetzt war er leider noch sehr stark. Mit Gruß die Lohnkommisston der Tischler zu Kottdus. 1. Ziehung d. 3. Klasse 174. Königl. Preuß. Lotterie. glivun« Horn»» Amt 188«. Stur die«ernlnn, lider 1S5 Marl find Den Detreffenben Nummern in Parenthese beigefftat (Ohne Bewähr.) 19 35 37[240] 82 208 11[200] 86 361 68 480 96 633 51 69 802 20 27 980 1114 28[170] 34 62 228[170] 44 438 90 627 634 98 704 10 21 75 97 823 97 915*021 24 42 131 40[300] 68 95 204 58 85 317 26 641 99 610 18 66 746 847 969 71 8o07 60 72 79 131 91 95 246 80 861 87 402 45 47 69 678 601 704 1240] 13 44 62 96 804 39 64 972 4061 78 132 33 75 219 45 314 35 96 666 613 32[170] 64 68 72 99 706 17 62 84 846 75 77 981 5164[170] 271 86 326 61 472 74(1701 86 549 742 853 918 42 67 «089 128 93 98 265 80 322 49 84 448 564 606 18 86 706 26 97 816 78 92 912 7006 96 98 141 78 371 408 30 41 607 644 53 66(1701 78 771 91 862 910 41 80: 6[170] 110 18 73 1170] 294 351[900] 58 82 436 50 65 95 505 27 675 707 73 92 97 885 91 910 36 76 99»011 13 138 73 74 85 93 217 45 90 396 431 531 35[170] 37 62 662(170) 65 897 10001 125[170] 36 72 207 49 854 91 96 400 11 47 57 99 509 17 646 711 888 920 47 57 88 89 11030 34 77 95 146 327 34 49 406 60 68 94(300) 505 38 631 32 710 18 28 29[170] 70 831 49 60 69 996 1*064 124 31 57 78 240[2401 59 93(170] 308 78 602 84 601 705 66 828 33 42 53 904 9 1 3001 4 58[170] 67 89 128 68 204 26 67 62 314 439 97 623 25 650 59 777 814 46 77 913 60 65 91 14017 101 11 33 62 86 ßOOM!09 85 96 337 99 618 79 60|2uO] 62 720 46 831 43 76 89[170] ' 1 6041 61 83 1170) 132 68 692 40 73 309 66 419 560 83 88 603 38 51 83 740 59 67 71 848 91[3001 963 79 I»C24 33 97 123 1240] 29 32 45 74[170] 96 343 80 87 441[300)88 60878 603 21 60 701 69 82o 41 70 72 902 39 59 66 82 86 1 7014 44 76 177 272 97 331 75 88 93 460 502 4 33 82 629 62 704 24 87 63(240) 840 69 90196 1*01045 172 210 62 74 300 85 438 54 574 698 718[170] 828 37 920 69 87 1 9063 90[240] 204 34 396 476 54o 56(200) 76 600 54 736 68[300] 801 31 86 915 81 o*0001 11 36 63 74 110[170] 40 43 280 300 37 57 67 72 83 603 617 3 i 65 76 96 824 60 78 989*1064 161 262 330 47 502 11 42 69 79 710 80 832 941 57 61 62 82»*000 102 5 41 526 79 655 700 30 68 809 20 *»110 63 209 339 410[200] 19 529 38 69 601 72 78 737 828[300] 60 905 44 4SI 68*4048 74[170] 216 84 340 64 63 418 638 644 60 73 89 796 882 84 88 98 931] *5016[240] 30 86 152 71 255 356 402 7 66[170] 537 60 615 732 65 68 822 38 77 97 920*0008 160 75 282 311 12 36 40 403 21 63 636 44 80 601 12 21 767 76 89 99 850 67 901 24 80 77 90»7065 168 89 305 73 92 419 72 87 98 623 88 617 68 771 844 60 79 902 65»8047 106 12 16 17 67[1701 88 223 91 810 48 60 97 487 615 601 35 726 43 54 55 76 803 40 911 1170) 31 73»U0I5 90 163 63 73 207 331[200] 82490 92 601 38 51 66 1240] 72 80 81 608 64[170] 82 96 717 824 997 »«028 33[170] 38 140 70 80 288 40 43 63 68[200] 410 36 638 69 641 85 8» 717 868 90 92 906 94 99 81029 98 102 89 208 80 37 63 373 90 403[170] 70 97 703 898»»034 69 141 60 81 279 826 420 98 623 607 33 89 723 33 49 822 28 69»08 67 87»»010[170] 49 60 85 IL � MÜM rä'f™ ...... 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Mittwoch, den 23. Juni. Deutsche» Theater. König Lear. Velle-Alltanee-Tkeater. Da» Paradies, Ge- sanaSpofie in 4 Alten von Leo Treptow und L. Herrmann.___ Kriedrich- WtthetmstSdttscheS Theater. Der Zigeunerbaron. vfteud-Theater. Maria Stuart KönigstadttscheS Theater. Lorbeerbaum und Bettelstab.__ Viktoria- Theater. Amor. Tanz. Poem von Lutgi Manzotti. »alluer-Theater. Der Mikado. Kausmauu'S Variete. Große Kpeziautatm« Vorstellung._ Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Kaiser-Panorama. In dieser Woche: Amerika— Californim. Mond. Eine intereffant« Rontblane-Befteigung. Hertha-Retse. Caroltnen-Jnsel«. Eine Reise 30 Pfg. Kinder nur 10 Pfg. Tricot■ Taillen- Falril «wtewerkauf von Tricol-Taillen, Tricot-Kleidchen, Tricot- AnzQgen. Tricot-Stoffe in allen Farben zu Mrft- Preisen. Koultlllttldllltttll- straße 12. ßonw zichtenstein. Schweizer Garten. Täglich: Gr. Coneert n. Torstellunir. Mittwoch, dea 28. Juni 1886: 1* Kinder-Freudeii- u. Familienfest. Auftreten sämmtlicher Spezialitäten, der Duettisten Geschw. Aessat, de» humonstischen Komiker- Trio» Herren Jona«, Grosch u. Gläler. dcr Liedersüngertnnm F l. Maiden und Kerning, de» Tenoristm Herrn Atberti, sowie der berühmten Majol-Srnppe. Theater-Vorstellnng. Im Saale: Taazki Od zchen. M otstsdelnstignngen alter Art.| AbendS: G oß« Illumination. Bei eintretender Dunkelheit: Groß« Kinder-Fickelpoloualfe. KlnderbelnBtlgnngen, u. A.: Elektrische Beleuchtung. Gratispraseut- Vertheiluug. K'%?j®9n9® wawt- Vorläufiae Anzeige. Dimstao, den 29. d. MtS.: Grosses Kriegsfeuerwerk« Zum Schluß: Die Erstürmung der Düppeler Schanzen. ß. Kufeke's-«-g« Emdemehl bewährt fich sowohl zur Ernährung der Känglinze vom ersten Lebenstaa« an. als auch zur Keitnng der Kinder«. Erwachsener bei Krechdnrchfall«. Magen-Darmkatarrh. Selbst in vorge-iicklertn Fällen von Magenkrebs ist et die ein, lg« Sv ise, welche der Magen nicht refüstit.(Siehe Allgemeine Medictnische Eentral-Zeitnng L,x. Jahrgang Dr. 46 oom 9. Inni er.)[1989 R. Knfeke's Kindermehl ist zu beziehen durch die Apotheken. Gm.-Depot: Apotheker Röhnisch, in Firma E. KoacK, Kerli« W. 35, Potsdamer str. 117. Kationat« Kranken- und Kegrabnitzknsse der Dentfche« Gold-«nd Kitberardeiter und verwandten BerufSqenvffen(E. H). Mitgtieder-Nerfammluug Donnerstag, den 24. Juni, Abend» 8 Uhr, in DeigmSUer's Kalo«. Alte Jakobstr. 48. T.-O.: 1. Bericht über die stattgehabte Ge- neralversammlung(Referent: C. Holtkamp) � 2. VorschiedeneS. Der Vorstand. 1984| I. A.: C. Hollkamp, Prtnzesstnnenstr. 16. E. Schläfst, f. Hrn. PotSdamerstr. 89, Qgb. 3 Tr. r. Ärdeitsmarkt. Ein Anschläger wird verl. Louisenstr. 4. 1 Zeichner, gelernt. Bautischler, zum Entwerfen und De- tailtren für eine größere Bautischleret mit Dampfbettted gesucht. Offnt. nebst GehaltS ansprüchen unter R.«. in der Expedition dieser Zeitung._ i�92 Th. Keller's Hofläger- Hasenhalde. Montag, de« 5. Jnlt 1886:, Grosses Sommerfes» rer'ounden mit Sommernachis-B»"' veranstaltel vom. Lmi» zur Kalirmig cker der Ä[aoifcac5eitec [NM Kesten des Unterstütznngsfonds v" kranke Mitglieder des Dereina- WBT Grosses Oonoert, ausgeführt von der Kapell« deS Hrn. AborboN� Von 4-6 Ubr großer Kinderta«[ v«rdun mit Konbonrege«. Pia, ise 9 Uhr Kinderfachet/ng, wozu jede» Kind einev. laterne gratis erbält. Von 6 Uhr ob OWL,,, der Kommernachts-KaU. Herren, die o theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach-* Kaffmeiöffnung 2 Uhr. Anfang deS Eonc 4 Uhr. Eotree 26 Pf. t uji. u, u«+>!• aijt> Killet» find zu haben bei lammllichen � stant-smitgliedern, Skalitzelstraße 13 bei v« und in allen mit Plakaten belegten Gönner de» Verein» hiermit eingeladen-. Der Vor«t»®[> 1947] 0. Karkos&y» so., Varantwortlicher Redakteur«.«ronheim in«erlin. Druck und Verlag von Rax vading in Berlin 8W„ Beuthftraß: 2. AluMluker,„gjo _ Pückler-Straße ÄStSiM Hierzu tittt Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 143. Mittwoch, im 33. Juni 188«. IIL JaWK Varlamrmsbrrichtr »dgeordaeteahaa». 91. Sitzung vom 22. Juni, 11 Uhr. Am Ministertische: von Puttlamer, LuciuS, Friedderg, v. Scholz und lkommiffarirn. i Das Haus tritt sofort in die erste Berathung des Gesetz« «ntwuttS, dettiffend die Bewilligung von Staats« Mitteln zur Beseitigung der im unteren Weichselgebtete durch die diesjährigen Früh» jahrr Hochfluthen herbeigeführten Ver. heerungen. Abg. Rickert: Ich werde für die Vorlage stimmen und bin für den Fall, daß Kommisstonsberalhung von keiner Seite geiünschl wird, auch meinerseits dafür, daß die zweite Lesung im Pl'num erfolgt, zumal«ine Amendirung in diesem Stadium der Geschäftslage nicht möglich sein wird. Die be> trübenden Thatsachen, milche die Veranlassung zur Vorlegung dcS Entwurfs gegeben haben, find ja schon Gegenstand der Verhantlungen in diesem Hause gewesen; ich hebe nur noch« mal? bei vor. daß es fich hier im Wesentlichen um einm beispiellos kleinen und wenig leistungSsäh gen Deichverband handelt. Der Deichverband der Danziger Binnennehrung ist etwa so groß wie ein großeS Rittergut mit seinen Vorwerken, 5390 Morgen; ihn hat das schwere Unglück einer Ueber« schwemmung in den letzten Fahren im immer steigendem Maße betroffen. Bei der letzten Katastrophe find über 1000 Morgen davon unbrauchbar geworden, und zwar deraitig— ich habe mich persönlich überzeugt—, daß die Ackerkrume bis auf 1% Meter etittach weggewischt und an deren Stelle vielfach b!S 1 Meter Sand getreten ist. Diese tausend Morgen find vielleicht dauernd für die Landeskultur verloren, wenigstens würden die Kosten von 300 M. pro Morgen durch die so schwer betrrffenen Besttzer nicht aufgebracht werden können. Seit 1883 find die Lasten deS kleinen Deichoerbai'des derart gestiegen, daß fit 1885 pro Hektar 7 M. betrugen; 9 Kilometer Deiche hat er zu unterhalten. Dabei find diese 7 M. völlig verloren; seit der letzten Uedersckwemmung muß wieder ganz von vorn angefangen werden. Unter diesen Umständen ist die Vorlage sowohl auS allgemeinen staatswtrthschafrtichin als auS BilligkeitSgründen gerechtfertigt, umsomehr, alS dieser Deich verband auf seinem Rücken die Gefahren abladet, welche sonst dem ganzen oberen Wcichselgebiet« diohen. Während aber die gefährdete Situation nock schlimmer geworden ist, erklärt die Vorlage in gewiffir Hinficht die persönliche G-fahr und die Schädigung im Vermögen in Permanenz, indem fie neben der Wiederherstellung der Deich« die Anlage eineS AuStolls und eineS Einfalls projeklirt. Damit machen Sie das kleine Gebiet deS Deichoerbandes kreditunfähig, und die Kredit« fäbigkeit ist ohnehin durch die Katast ophe schon derart er« schüstert, daß selbst die königliche Bank fich geweigert hat, einem Befitzer, dem fie früher da» Drei- oder Vinfache auf dieselben Unterschriften gegeben, 3000 M. zu gewähren. Auf diesen Punkt wird die Regierung in Zukunft auch ein wohlwollendes Augenmerk zu richten haben. Mit dem Ein« und Ausfall ist die Nehrung beständig einer Uederschwemmung ausgesetzt, jedes ™hr können dann die Wintersaaten fortgehen. Bei solcher •�ge der Dinae balle ich dafür, daß die Wiederherstellung der Deiche mit 160000 M. auf Staatskosten erfolgen muß; es ist Unmö lich, jetzt dem Deichverband die Pflicht der Rückgewähr auf, uer lesen,»umal er noch eine schwebende Schuld abzutragen hat.— Run ist die Wiederherstellung des bei Kronenhof ge« orochenen Deiche» beadstchtigt, und zwar, wie es scheint, nur des Deiches, nicht aber der Uferschutzbauten desselben; ae« schieht letzteres nicht, so muß doch daS nächste Hochwasser die lockere Erde, die fich noch nicht einmal hat sacken können, ohne Weiteres wegreißen, und das Geld für den Deich 'st weggeworfen. Nach den Motiven soll dem Deich. verbände, wenn ihm die Schutzmaßregeln nicht genügen, die Fürsorge für größere Eicherheittvorkehrungen überlassen biet« «en, der Verband aber ist absolut nicht in der Lage, dio dazu erforderlichen Summen aufzubringen. Stellt man mit 160 000 Mark an Etaatimitteln den Deich wieder her, sollte man da dicht auch einen Schritt weiter gehen und auch die Befcsti« Sungswerke, ohne welche der Deich werthloS ist, auf Slaat». kosten auSkübren? WünschenSrmlh wäre jedenfalls eine Er- klärung de« Ministers, daß die StaatSregierung fich für er« vi ächtigt hält, au» dieser Summe auch die Schutzmarke anzu« lrpen. Eine höhere Summe zu beantragen, halte ich für sehr wißlich und im Allgemeinen für ein gefährliche» Prä, eben». Für die einzelnen Geschädigten nimmt die Vorlage 300000 M. m Ausficht. Leider haben die in Deutschland stattgehabten Sammlungen nicht daS erwartete Ergebniß gehabt, da» Ko- mit« hat nur gering« Hilfe leisten können. Viele Be« fitzer find völlig ruinirt. Auf welch«, Umfang fcjztehen fich nun die ausgebrachten 300 000 Mark? Der Wortlaut deS Gesetze» läßt zweifelhaft, ob die Beihilfen nur für die Danziger neue Binnennehrung bestimmt find; ich bade«riefe au» Thorn, laut deren man auf diesen Fonds auch für die dortigen Ueberschwemmten destimmt rech« Net. Auch hierüder wäre eine Aufklärung angezeigt. Auf daS Kioße Weichselregulirung, projekt gehe ich hier nicht ein; e» bildet eine der schwierigsten Fragen, vor welche die Volksver« tretung demnächst gestillt werden wird; bei der ungemeinen Vnschiedenarltgkeit der in Betracht kommenden Anschauungen und Projekte bin ich froh, daß ich jevt noch nicht ein verant« «ortungSvolleS Votum in dieser Frage ad�ugeden habe. Frgend etwas muß aber bald geschehen; in dem Zwischen- vadium bis zur Ausführung de» großen RegulirungSw-rkS mird die Danziger Binnennehrung entschieden größeren Ge- fahren ausgesetzt sein als bisher. Einstweilen empfehle ich auf» Wärmste die Annahme der Vorlage.(Beifall) s ätäää'Uä g ÄS äää ä behaupten wollen, daß an der Weichselmündung Alles so ist, vi«(» sein sollte. ES ist dort aar nichts oder doch nur sehr venig geschehen. Im Fahre 1840 hat die Regierung d°S, Abg. Rickert gesagt, wie die Verhältnisse liegen, werde die Gehrung immer Ueberschwemmungen ausgesetzt sein; ich de- baupte sogar, fie ist völlig dem Untergange geweiht, und korrekt hätte die Regierung gehandett, wenn fie die ganze Gehrung ankaufte. Die Kosten würden fich ja höher stellen, MS die jetzt beantragten Summen; eine Ermäßigung aber ergäbe fich schon daraus, daß die 300000 Mark zur Ausführung deS Durchstichprojekti erspart würden. Fmmerhtn würde mindestens ein Areal von 2000 Morgen der Regierung verbleiden und der Ankauf möchte ein für die Zukunft sogar noch rentables Geschäft sein. Die j tzigen Befitzer können fich nicht halten, fie find sehr geschädigt durch die früheren und die jüngsten U-berschwem« mungen, die Summen für ihre Erhaltung im N h ungkstande find weggeworteneS Geld. Bedauerlicherweise rst die Regierung diesen Weg nicht gegangen; fie»lägt für ihren Vorschlag die ganze und volle Verantwortung, um so mehr als gar nichts davon in der Vorlage steht, was denn bis zur Vollendung des großen Reguliiungswnks mtt der Münduug geschehen soll. In. ihrem jetzigen Zustande kann fie unmöglich verbleiben. Den Schaden, der den B> fitzern erwachsen ist. hat die Regierung nicht angegeben; er beläuft fich nach gewissenhaften Tax-n auf 800 000 M. Eine Entschädigung von 300000 M. an Fnter- effrnten, die schon mehnach geschädigt wo.den find, ist also augenscheinlich sehr gering; hoff-ntlich wird, wenn fie nicht hinreicht, den kaisttliche Dispositionsfonds in Anspruch genommen. W:nn man ungezählte Millionen für Kanäle bewilligt, dann muß auch für die Abstellung solchrr Schäden Geld da sein. Geht die Regierung nicht schnell vor, so schädigt fie den Staatssäckel und ruintrt hunderte von Familien; namentlich aber, wie jetzt die Ver« hältniffe im Osten deS Vaterlandes liegen, sollte sie ihre Augen nicht mehr zu drei Vierteln nach dem Westen und nur mit einem Viertel nach dem Osten gerichtet hatten! Regierungskommissar Geh. Baurath Kozlowski nimmt die Staatsregierung reip. die Bauverwaltung gegen den Vor wurs, fie habe die W-ichselmündung verwahrlosen lassen, in Schutz. ES gehöre zu den schwierigsten Aufgaben, Ströme, die, wie die Weichsel, so schwere Sandmaffcn mit fich führen, an der Mündung zu reguliren. Gewöhnlich würden zu dtesem Zw, ckc Paralleldeiche angelegt; bei der nicht regulirten W-ichstl aber habe man mit solchen Anlagen sehr vorstchtig sein müssen. Dennoch sii nach 1840 bei Neufähr zunächst mit sehr großem �Erfolge die Wrstmoole, später dann auch daS Ostwerk 0 v. Strombeck: Meine Freunde stehen dieser Vor« läge im Prinzip sympathisch gegenüber. Wir hoffen aber, daß die Regierung auch in anderen Fällen ähnlich heimgesuchten Gegenden ihre Fürsorge wird angedithen lassen. Ich erlaube mir in dieser Beziehung die Regierung auf die großen Ver« heerungen in dem südlichen Theile Hannovers und ins« besondere des EichSfeldeS aufmerksam zu machen. Ich wäre ihr sehr dankbar, wenn fie unS schon heute eine Zustcherung geben wollte. Minister Dr. LuciuS: NothstandSvorlagen dieser Art erscheinen regelmäßig, um den unmittelbarsten und giößten Be- dürfniffen zu genügen. Der Wunsch deS Vorredners bezieht fich auf ein eng begrenztes Gebiet, dessen Schädigung unter Zuhilfenahme der Mittel der kaiserlichen DispofitionsfondS genügend abgeholfen werden kann. Dasselbe gilt ja auch be- züglich der U derschwemmungsgediete von Bober und Neiße. Die gegenwärtige Vorlage beschränkt fich daraus, für daS schwer getroffene Uederschwemmungsgediet der Weichsel daS Allernoth« wendigste zu thun. Der Betrag von 300 000 M, zur Erhaltung der Bewohner im Haus« und Nahrungszuaande ist allerdings knapp bemissin, aber für die dringendsten Bedürfnisse aus« reichend. Es ist ja auch nicht möglich, für derartige Unglücks- fälle einen vollen Ersatz zu geben. Herr Wehr ging doch zu weit, wenn er der Regierung gewissermaßen die Verantwortung für diese Kalamiiät zuschob, well fie fich einer Unter« lassung in Bezug auf die Regulirung der Mündung der Weichsel bade zu Schulden kommen lassen. ES ist kaum ein Jahr verflossen, wo die Strombauoerwaltung nicht Maß- nahmen ttaf, um der Ueberichwemmungsgefahr zu begegnen. WaS jetzt geschieht, ist auch früher in ähnlichem oder stärkerem Maße geschehen. Vergessen Sie auch nicht, daß gegenüder den ilementaren Gewalten, wie fie durch die heftigen Stürme und dergleichen fich darbietcn, auch bei der vollkommensten Regu ltrung deS WeichselstromS solche Kalamitäten nicht vermieden werden können. Wenn wirklich eine Vernachläsfigung der unteren Mündung der Weichsel stattgefundtn hat, so wird die jevige Erfahrung die wettere Anregung geben, um daS Nöthtge zu veranlassen. Untrennbar von den seit Jahren schwewnden Regulirungsprojeklen ist nach meiner Meinung der Durchst ch durch die Neh ung. Dieser Durchstich würde den Stromlauf um weitere 7—8 Kilometer verkürzen und dadurch ein großeS AusfallSthor für die Eismaffe geboten. Den Gedanken, schon jetzt die gesammten Ländereten der Binnenn.hrung anzukaufen, will ich nicht ganz von der Hand weiten, ich befürchte aber, daß diese neue Idee wieder eine erhebliche Verzögerung der Durchführung des ganzen Projekts herbeiführen wird. Die Summe von 300 000 vt. ist nur für die Kreise Atarienburg und Danzig bestimmt. Sollten die Anlagen zum Schutz de» Deichfußes vielleicht zu nied ig veranschlagt sein, so wird fich die Regierung wohl als ermächtigt betrachten dürfen, die Ausgaben zur dauerhaften Wiederherstellung der Deiche zu überschreien und der Indemnität de« Landtages ficher sein. Ob diese Mittel ä fonda p�rdu zu bewilligen find, kann ich namens der Regierung nicht«klären. Nach metner persön« lichen Auffassung ist die Belastung der dortigen Deichinter« effenten bereits ein« so hohe, daß die Bewilligung i fonda perdu am destin wäre. Die Vorlage läßt aber diesen Weg offen und bedarf deshalb keine» Amendements.(Setfall.) Abg. Döhring spricht fich für die Vorlage auS in d« Hoffnung, daß die Regierung recht bald an die Regulirung d« Weichsel heranireten werde. Abg. Steffens: Ich will auf diese Frage nicht eingehen und in Bezug auf den Durchstich der Nehrung nur auf daS Gutachten Danziger Interessenten hin-»eisen, welche einstimmig zu dem Urlheil gelangt find, daß die Nachtheile deS Durchstich» seine Vortheile überwiegen würden. Uebrigens ist die Offenhaüung des Durchbruch» bei Neufähr nicht möglich, wenn nicht durch namhafte Molen nachgeholfen wird. Ich werde selbstverständlich für die Vorlag? stimmen, wenn ich auch mit dem Abg. Wehr die geforderte Summe zum Schutz d« Dämme für zu niedrig halte. Indessen verzichte ich darauf, einen Antrag auf Vermehrung zu stellen, weil mir z. Z. ein statistisch« Nachweis nicht möglich ist. Ich freu« mich ad«, daß die Regierung die ihr bewilligten Mittel nötigenfalls überschreiten will. Obtt'Bamath fKozlowski bemerkt, daß die Molen, bauten bei Niufähr fich bisher durch die SchiffsährtSinterrffen DanzigS verboten haben. Abg. von Puttkamer(Plauth) dankt der Staats« regi«ung für die Einbringung der Vorlage, namentlich, da dieselbe auch seinem Wahlkreise zu Gute kommt. Auch er hält es für besser, wenn die Regierung die ganze Nehrung ange« kaust Härte; damit würde die Staattregteiung gewissermaßen an den Gefahren mit belheiligt und auf die Werse die Aus« führung der Regulirung nicht unwesentlich beschleunigt w-rden. Es sei Zeit, so schleunig wie möglich vorzugehen, denn länger alS ein Jahrzehnt werde bereits darüber verhandelt. Die Interessen der beiden Handelsstädte Danzig und Königsberg dürften doch nicht dauernd im Stande sein, die Ausführung eineS Projektes zu verhindeln und dadurch bedeutende landwirthschastliche Interessen schwer zu schädigen. Dabei handele es fich gar nicht um die Interessen sogenannter Grnßgrunddefitzer, sondern mittler« und kleiner Befitzer, dnen Interesse die linke Seite des HauseS stets schütze« zu müssen behaupte. Die karren und Deltabildung an den Weichselmündung«.n und die Versandung des Elding« Hafen machen eine Aenderung immer dringlicher nothwend-g. Daß die Bewohner des inundirten G-Kieles ein Anrecht auf staat» liche Hilfe hätten, könne« nicht zugeben. Derartige Sätze seien nur geeignet, mißverftändlicherwetse eine Präzevenz zu schaffen, das bei den Bewohnern wiederum nur Unzufrieden» hell hervorriefe. Die Bewohner setneS Wahlkreise» sähen dank« dar und vertrauensvoll auf die Staatsregierung und deren Wohlwollen.(Beifall rechts.) Aug. S e er lenkt die Aufmerksamkeit der StaatSregierung darauf, daß auch in der Provinz Posen verschiedene Ort« schaftrn durch eLafferschaden schwer gelitten hätten und bittet um eventuelle Hilfe. Eine kommissarische Berathung wird nicht beliebt, die zweite Berathung wird im Plenum statlflnden. Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Abänderung der Kirchengemeinde« und Synodalordnung von 1873. Abg. Langerhans bemängelt, daß in d« Vorlage nicht auch die von d« Generalsynooe beschlossene Abänderung de»§ 14 der Kirchengemeinde und Syiodaloidnung dem Hause zur Bekchlußtaffung vorgelegt ist. Dte Syiodalorvnung sei durch die Beraihunq seitens beider Häuser des Landtage» gleichsam ein Staats gesetz giworden, ihre Abänderung müßte deshalb wiederum zur Kcg ition de» Landtage« kommen. Regierungskommissar Äff ssor v. Bremen führt auS, daß eS fich in den zur Beschluß'assung des Haus-s vorgelegten Abänderungen d« Kirchengemeinve« und Synodalordnung um äußere kirchliche Angelegenheiten ha'dle, während§ 14 eine innne kirchliche Angelegenheit b-triffe, die nicht zur K-mp'tcnz des Landtages gehöre. Daß durch die Berathung im Par» lament die Synodalordnung ein Staatsgesetz geworden sei» könne er nicht zugeben. Abg. v. E y n e r n will auf diese Frage nicht eingehen» obgleich fich für die Meinung d«S Abgeordneten Langerhan» gewichtige Gründe anführen ließen. Mtt Räckstckt darauf aber» daß-s fich hierbei um wichtige k rchenpolütiche Fragen handle» und daß die Vorlage dem Hause erst in d-n letzten Tagen zu» gegangen sei. deantrage er kommissarische B-rathung. Für dieselbe stimmen nur die Freifinntgen, die National» liberalen und einige Mitalieder deS Zentrum«; fie ist also abgelehnt, und die zweite Bnathung wird demnächst im Plenum stattfinden. D« G.E., betr. die Kantongefängnisse in der Rheinprovinz, wird auf Antrag deS Abg. Mooren, welcher auf die mangelhafte Besetzung deS Hausei hinweist, von der T. O. abgesetzt. Der GE., betr. den Verkehr auf den Kunst« straßen, wird, nachdem der Abg. v. Huene darauf v«- ztchtet hat, die vom Herrenhaus abgelehnte Ausdehnung des Gesetzes auf Schlesien wiederum zu beantragen, unverändert nach den Beschlüssen deS Herrenhauses angenommen. Schluß 2V« Uhr. Nächste Sitzung: Mittwoch 11 Uhr. (Zweite Bnathung der NothstandSvorlage; Petitionen; An- trag Hammnstein.) zokale». Die angekündigten Eommeruniformen für die viel« geplagten Brtefträg'r der kaiserlichen Post scheinen thatsächlich in da» R-ich der Fabel zu gehören, denn der Sommer ist kalendergemäß am 21. v. M. erschienen, die besagten Uniiormen dagegen find ausgeblieben, die Briefträger schwitzen noch nach wie vor in ihren wenig sommerlichen Tuchlöcken. Die„neue Post", die in dem Verein„Hansa" der„tats«lichen Post" jüngst erstandene Koniurrentin, hat ihre Sendboten in zweckcntsprechen» derer Weise ausgerüstet. In leichten blauen, mit gelbem, weit« hin leuchtendem Aufpuy versehenen Leinwanddlousen, daS Haupt mit einem leichten, lletosamen„Wolkenschieber" bedeckt, an dem statt ver Kokarde ein Anker prarrgt, durcheilen diese„neuen" Briefträger, die Brieftasche um die Hüften geschnallt tragind, geschäftig die Straßen, von den Paffanten angistrunt als un- gewohnte, ftemdarllge Erscheinungen. Ersprießlich« für das neue Unternehmen wäre ei jedenfalls, wenn die Annahme- stellen, welche die Gesellschaft«richtet hat, ebenso Jedermann in die Augen fielen, w-e die auffallenden Uniformen ihrer Sendboten Die unscheinbaren Plakate, durch welche die zumeist in Ztgarrengeschäften, Kaufläden ac.«richteten Annahmestellen kenntlich gemacht werden, erschweren aber das Auffinden dieser Stellen ungemein und Jeder, der nicht abstchtlich aus die Ent« deckung derselben auSgeht, geht an ihnen achtlos vorüber, wenn ihm nicht d« Zufall dieselben unabstchtlich erkennen läßt. Siebe« Gebote,«m das Augenticht dt» i« da« hohe Alter hinein zu bewahre«. 1. Wenn die Augen derm Ar- betten irgendwie wehe lhun oder wenn eS fleckig vor ihnen schimmert od« dai Sehen undeutlich wird, dann lasse fie rasten und von der Ar bell wegsehen. Nach vollkommener Ruhe für einen Augenblick oder länger magst Du die Arbeit wied« auf» nehme-», mußt aber, sobald die Augen abermals ermüdet find, innehalten. 2. Achte darauf, daß daS Licht genügend sei, und daß eS gehörig auf Dem« Arbeit falle, am besten von oben oder von der linken Seite. 3. Wenn Du schwache Augen hast, so lese niemals im Pferdedahn- oder Eisenbahnwagen. 4. Lese niemals liegend. Schwachfichtigkett ist nicht selten auf die ver- de.dltcke Angewohnheit de» Lesens im Bette zurückgiführt war« den. 5. Lese nicht viel während des GenesenS von einer Krank» hett. 6. Die allgemeine Gesundheit sollte durch gute Kost, ge- nügenden Schlaf, frisch- Luft, Körperbewegung, gesundes Ver- gnügen und eine schrckriche Beschrankung der Stunden harter Arbeit aufrecht erhallen werden. 7. Nimm Dir gehörige Zeit zum Schlafen. W« viel zu lesen hat, bedarf in besonderem Maß» eines nicht zu kurzen Schlafes. Et« bemerkeuswerther Vorgang. Wie wichtig die Fortschritte d« Cairurgte besonders für die arbeitendrn Klaffen find, beweist folgend« in der Sitzung der Berliner medizinischen Gesellschaft am 26. Mai l. I."on Professor Dr. Schüller zu Berlin erörterte Vorfall. Zu dem Genannten war nämlich am 10. Mar 1885 em dem Ardetterstande ange« börtger 18iäbriger Mann gekommen, welch« am 29. November 1884 beim Zukorken einer Flasche fich durch die Glasscherben ver zersprungenen Flasche in der rechten Hohlhand oerletzt hatte. O auleich die Schnittwunde ohne ärztliche Behandlung bald ge- heilt war, hatte der Patient nach der Verletzung doch jede Em« pfindung im Bereiche des Medtanus(Mittel- Nervenstrang) d« rechten Hand verloren. Die Folge hiervon war, daß der Mann leicht Gegenstände fallen ließ, dag er feinere Gegenständ« nicht gut halten tonnte, daß er fich leicht an der Hand verletzte, und daß fich nicht»ur Heilung kommende Geschwüre an derselben zeigten. Profefsor Schüller, den Patient am 10. Mai 1885 wegen seine» Leiden» konsultirte, stellte auf G-und der Unter- suchung vollständige Lähmung der senfidlen und motv'ischen Zweige de» sogenannten Mevianus der reckten Hand fest; er vermutbete vollständige Trennung dieser Nerven und schlug dem Prtienten op-ratioe Aufsuchung und Nabt des Medtanu» vor. Diese Operation wurde am 13. Mai 1885 vorgenommen. E» fand fich tn der vernarbten Wund noch ein Stück Glas vor, welche» beseitigt wurde. Sodann wurde der Hauptnerv nach erfolgter Dehnung mit den Schnittenden der peripheren Nerven durch Nähte vereinigt. Etwa vier Wochen nach der Operation trat bereit» in den Fingerspitzen die Empfindung wieder ein und die vollständige Gebrauchsfähizteit der Hand war für den Patienten wieder gewonnen, und zwar so nach- halttg, daß am 26. Mai 1886 fich die in der Sitzung der mc« dizinischen G-sellschast anwesenden Aerzte von dem glänzenden Erfolge selbst überzeugen konnten- Witterung. Ungewöhnlich niedrige Temperatur kenn« zeichnete den Beginn, ungewöhnlich hohe die zweite Hälfte de» veifloffenen Mai. Am 1. desselben sank, wie wir der neuesten Nummer der„Statistischen Korrespondenz" entnehmen, fast überall in Norddeutschlanv da» Thermometer unter den Ge« frieipunkt. Vom 5. bi» zum 13. st-eg die Temperatur lang- sam. Vom 19. ad trat ganz ungewöhnlich warme» Wetter ein; in den meisten Beobachtungkstationen ging die Temperatur über 30« hinau». Bis zum Monatsschluß hielt fich die Temperatur über der normalen und zahlreiche schwer« Gewitter gingen nie« der. Die tiefste Temperatur in Deutschland wurde am 1. Mai in Lauendurg i. P.(— 7«), die höchste am 14. Mai zu Kaff l (-j- 36») beobachtet. Ja Berlin betrug das MonatsmiUel + 14,1«(ein Grad mehr al» die Normale), am tiefsten stand da» Tbermometer am 1. Mai(— 1°), am höchsten am 24. Mai (4- 31,5°). Trotz der ungewöhnlichen Kälte in den ersten Tagen de» Mai überiagte da» Temperatmmittel in Deutsch. land da» vieljährige um etwa einen Grad. Die Niederschläge waren, da fie zumeist von Gewittern herstammten, sehr ungleich vertheilt; in einem breiten Streifen, der fich von der pommer- schen Küste bis nach Sachsen erstreckt, hat eS zu viel, sonst meist zu wenig geregnet. Ueber die Kälterücklälle, die im Monate Juni eingetreten find, schreibt ein Metereologe, daß solche Kälte, ückfälle durchaus nicht ungewöhnlich find, und nicht bloS im Mai, sondern während de» ganzen Sommerhalbjahrs vorzukommen pflegen. Der Juni zum Beispiel, welcher der Hauptregenmonat in Zentralem opa ist, bringt fast jede» Jahr «ine Regenperiode und im Gefolge derselben starke Abkühlung. Seit dem 5. Juni etwa hat heuer die Temperatur nicht em einzige» Mal die normale, geschweige denn die Hitzegrade zu Ende Mai erreicht. Am 17., am Tage, sank die TageS« temperatur bi» auf etwa acht Grad unter die normale. Berichtigung. Wir brachten vor einigen Tagm die Nachricht, daß bei den Vorständen der Lokalverbände deS Verbandes deutscher Zimmerleute polizeiliche Haussuchungen statt gefunden hätten. Diese Mittheilung beruht auf Unwahrheit. Die Ztmmerleute find, wie un» au» durchaus sicherer Quelle mitgetheilt wird, von polizeilichen Maßnahmen bisher über- Haupt verschont geblieben Die falsche M tthctlung war von einem sonst zuverläifiaen Report, r in die Preffe lanzirt. Für den Bau Hardenbergstr 18 wurden vor«inigen Tagen auch im Jnseraientbeil unserer ZUtung Maurer zu einem Lohnsatz von 50 und 52'/, Pf. pro Stunde verlangt. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß auf jenem Bau keine»- weg» Löhne von der anaegebenen Höhe gezahlt werden. ES wird dort vielmehr im Akkord gearbeitet und die Höbe deS Lohne» wird nach Gutdünken und Gunst der Kolonnentührer normirt. Der Lohn beträgt übrigen» nur 45 Pf. pro Stunde. Ausweisung. Der Restaurateur Wesenack, Holzmarkt« straß«, ist vorgestern auf Gmnd de» Soziallstengesetzr» au» Berlin ausgewiesen und muß heute da» Gebiet de» kleinen Belagerungszustande» verlaffen. Ueber«tue etwa» geheimntstvolle Affatre, die fich theilwetse auch in Berlin abgespielt hat, wird einem Span- dauer Blatt geschrieben:„Der vor vier Tagen eingetretene Tod de» Töpfermeister» Michaeli» in Spandau wird von allen, die den V-rstorbenen gekannt haben, tief detrauert. Der Verstorbene wurde im Frühjahr von einem Nierenleiden de- fallen, da» ihn. den btiher jagendkräftigen Mann, jetzt dahin« gerafft hat. Noch kurze Zeit vor seinem End«, deffen Nähe er nicht ahnte, war er im Begriff, im Kurort Salzbrunn H-ilung von seinem Leiden zu suchen. Der Arzt empfahl ihm jedoch, bevor er fich dorthin begab, noch eine ärztliche Autorität in Berlin zu lonsultiren. Er reist« darauf ad, nahm, in Berlin angekommen, eine Droschke und ließ fich nach der Wohnung des betreffenden Doktor» fahren. Er beauftragte den Kutscher, draußen mit dem Gepäck, welches er bei fich führte, zu warien, bis er wiederkommen würde, und begab fich dann in die Be- hausung des Ärzte». AIS er nach längerem Warten vorge- laffen wurde, eröffnete ihm derselbe, daß eine Reise nach Salz- brunn mit Rücksicht auf da» vorgeschrittene Stadium der Krankheit bedenklich, dagegen sofortige Kur im Augusta-Kran. kenhause in Berlin zu empfehlen sei. Der Patient entfernte fich darauf, um diesen Rath zu befolgen. Zu seiner Bestür- zung war aber die Droschke, welche mit seinen beiden Koffern, die seine Effekten und noch 300 M. baareS Geld enthielten. vor der Thür warten sollte, verschwunden. ES blieb ihm nicht» anderes übrig. als fich in einem anderen Wagen nach dem Augusta- Hospital fahren zu lassen. Hier hat der Kranke nach kurzem Aufenthalt seinen Geist aufgegeben. Ueber den Ver> bleib seine» Ergcnthum» ist auch heute noch nicht» ermittelt worden; die Rummer der betreffenden Droschke ist nicht be« kannt." ES läge gewiß im Jntereffe der Berliner Droschken kutscher, deren Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit fast sprichwörtlich geworden ist. wenn die Sache aufgeklärt würde. Die falschen Fünfmarkschetne, welche seit einiger Zeit verbreitet und zuerst in Süddeutsckland aufgetaucht find, haben folgende Merkmale: St- find% Zentimeter schmäler al» die echten Scheine, nicht au» Pflanzenpapier, sondern au» gewöhn« lich starkem Papier hergestellt, bei welchem die dem elfteren eigenthümlichen Rippert gänzlich fehlen, die Pflanzenfasern jedoch durch kreuz und quer gezeichnete kleine Striche imittrt gib. Auch fehlt daS Wafferzeichen 5 an rechter S-ite de» chtine». Die Farbe de» durch Lithographie(bei den eckten Scheinen Kupferstichdruck) hergestellten Aufdrucks ist nicht bläu« lichschwarz, sondern dläulichgrün und blaß. Auf der Schaufelte erscheint die Schrasfirung der Linim durchweg grob und un« regelmäßig, während fie auf dm eckten Scheinen weich und gleichmäßig ist. Die Zeichnung der Rilterfigur und auch de» Adler» auf dem Wappenschilde ist eine ganz mangelhafte, der Druck der U-berschrift„Reichskassenscherne". soo.ie die am unteren Ende befindliche Strafandrohung unregelmäßig und schlecht. Auf der Rückseite ist bei der in rother Farbe herge- stellten Werthbezeichnung»Fünf Mark'' die Farbe verlaufen, der Druck inkorrekt und nicht scharf. Dasselbe gilt von dem tn der linken unteren Ecke befindlichen AuSfertigungSstcmpel, tn welchem die bei den rickiigen Scheinen in dem Stempelrand« stchende Inschrift„Reichsschuldenv-rwaltung" hier an chetnend cänzl'ch fehlt. Die bi«der vorgekommenen Falfifikate tragen sämmtlrch die Nr. 009467. Den Gesammtetndruck ist ein der artiger, daß dieselben bei einiger Aufmerksamkeit leicht erkannt mrtBo» Ä* Tournüre. Einer unserer Leser, der deS Leben» Ungemach mit sehr viel Gleickmuth zu ertragen scheint, sendet un»«inen tragikomischen Stoßseufzer, den wir namenllich unseren Leserinnen nicht verschweigen wollen.— Ich ging, iv schreibt unser Gewährsmann, vor einigen Tagen die Roßstraße entlang und da fiel mir eine Dame auf, die an Umfang ihrer Tournüre AlleS übertraf, wa» ich bisher gesehm hatte. Sie bog nach den Mühlendamm«in, und da ich denselben Weg hatte, so bot fich mir G legenheit, den großartigen AuSwuchS länger zu betrachten und tiefstnnige Beobachtungen darüber anzustellen. Die Dame ging dann durch die Spandauer. und Parochialstraße, und da ich einen für einen Ardeiter recht übe flüsfigen Gegenstand, nämlich eine Uhr besaß, so war ich grade im Begriff, diesen LuxuSgegmstand zu versetzen, damit ich meine Steuern bezahlen konnte. Ein Pfandleiber in der Klosterstraße sollte mich von dem magistratltch-n Vollziehung«. beamten defreien. Auch die Dame bog in die Klosterttraße ein, und man denke fich meinen Schrecken, al» auch fie in dasselbe HauS eintrat, in welchem mein Retter wohnte. Ich ging etwa» langsamer und so kam es, daß ich die Dame auf dem ersten Treppenabsatz fand, als ich zu dem geld- spendenden P.'anodeleiher binaufklimmen wollte. Als ich vorüberging, war die Dame sehr emfig beschäftigt, fie hielt jedoch mit der Beschäftigung ein, als fie mich sah. Ich wünscht« ihr höflich einen„guten Morgen" und that als wohlerzogener Mann so, als od ich nicht« gesthen hätte. Oden auf der Treppe nahm ich jedoch einen Beodacktungsposten ein. D e Dame fuhr in ihrer Beschäftigung fort, fie griff nach der Stell«, wo die Tournüre fitzt und ließ endlich durch vieles Rücken und Schieben ein riifige» Packet da» Licht der Welt erblicken, nahm dasselbe fein säuberlich auf den Arm und stieg die Treppe empor. Ich verließ mein Versteck und ging in das Versatzlokal, wohin mir die Dame nach einer kleinen Weile folgte. Als bescheidener Berliner überließ ich der Dame den Vortritt, fie wickelte ihr Packet auf und eS erschienen auf der BUtfläche 7 Hemden, zwei Paar Hosen, ein Korsett und vier Paar baumwollene Strümpfe. Der Taxator bedauerte leider diese Sachen nicht ann.hmen zu können. Di« Dame verließ fichtlich betrübt daS Lokal, dock halte fie diesmal die Tournüre auf dem Arm, die dewußte Stelle zeigte fich, wie die Mutter Natur fie erschaffen hatte. Die Tournüre hatte ihre Schuldig. keit gethan l— In«nserer Nachbarstadt Spandau sollen, wie fich unsere Leser erinnern werden, in der dortigen Stadtforst Steinsalzlazer aufgefunden sein, welche die Etadlirung eine» Soolbade» in Spandau möglich erscheinen laffen. Bei der Wichtigkeit, welche dieses P ojekt auch für Berlin hat, glauben wir auch im Jntereffe unserer L«ser zu handeln, wenn wir ihnen alle diesbezüglichen Mtttheilungen macken. Der Magistrat von Spandau hat fich am vergangenen Sonnabend von dem Ingenieur Kasten einen Vortrag über die Frage der Anlage eine» Sooldades tn Spandau halten lassen, dem wir folgendes entnehmen:„Die Havel mit ihren Seen in der einen Richtung und da» Spreebett mit feiner Verlängerung de» Havelländischen LucheS find, so glaubt der Vortragende, Auswaschungen eine? mächtigen EteinsalistockeS in Ver« bindung mit dem Zusammenfinken großer GyoSschlotten. Daber müßte man auch in nächster Nabe der Stadt Spandau in Teufen von 1500 diS 2000 Fuß daS Steinsalz erreichen, aber deffen Auibeutung wird bei solchen Teufen schwierig und unrentabel. Viel empfehlenSwerther e-sch int eS Herrn Kasten, zunächst in der Stadtforst in der Umgebung des Teufelssees, dm er ebenso auf Ecdfälle und zusammengesunkene GypS> schlotten zurückführt, aus näher zu bezeichnenden Slellm mittelst 80 diS 130 Fuß tiefer Abeffynier- Brunnen daS Vor- kommen verschiedener mit Stckerheit dort zu erwartender Salz- lösungen zu konftatiren und daraufhin mit einer Tiesdohrung vorzugehen. Nicht allein daS Ermitteln von Salz zu einem Soolbade, sondern vVmchr die Aussuchung und Ec schltrßung de» dort der Erdoberfläche näher tretenden Steinsalzstocke» wird von Herrn Kasten dringend emp'ohlen, um daraufhin da» BergwerkSeigenthum auf Steinsalz der Stadt Spandau hiir zu fichern und dann dem Auf- suchen und Erwerben de» in der Umgegend Spandaus ferner vorkommenden St-insalze» näher zu treten. E» handelt fich hier angeblich um Steinsalzlager von gleicher Mächtigleit und gleichem Werth wie die von Spremberg und Slaßfurt— und tief zu bedauern wäre e» nach deS Vortragenden Anficht, wmn stcb die S adt Spandau ein derartiges großes Werth- objekt au» der Hand winden ließe, daS fie jetzt mit geringen Kosten für alle Gmerationen sich fichern kann. Die Städte Halle und Lüneturg bieten Beispiele, von welch' hohem Werth« solche Salzlagerstätten für fie geworden find, an deren«uS> beutung fich heute eine hoch entwickelte Industrie anschließt. Werden vollend» Kalisalze auch bei Spandau erschlossen, so versprechen die hiefigm Steinsalzlager dieselben reichen Erträge wie die von Slaßfurt, aber auch für NaNonsalze werden fich neue, heute nicht beachtete Maffenanwendungen finden, welche allein sckon die Ausbeutung der bei Spandau zu erschließenden Sletnsalzstöcke hoch rentabel machen. Daß bei Erschließung de» SteinsalzstockeSj in der Spandauer Stadtforst Soole nach Be- lieben in Unmaffen gewonnen werden kann ohne weitere Un. kosten, läge auf der Hand, und die Nähe der stark bevölkerten Reichs Hauptstadt Berlin wird auch einem hier etadlirten, mit konzentrirter Soole ausgestattetem Soolbade fortwährend großen Zuspruch zuführen und eine dem entsprechende Rmtadilität oauernd fichern." Alle diese Gründe find dmchauS einleuchtender Natur, und wenn die Bohrver suche nicht über die Finanz- kräfte der Stadt hinausgehen, sollte man von denselben nicht so ohne weiteres Abstand nehmen. Der„neue Härtng" vor Gericht. Binnen lurzem dürste stck. wie die„Staatsbürger Ztg." erzählt, da» htefige Gericht mit der Frage zu bi schäftigen haben,„waS eigentlich ein neuer Häring sei," und zwar auS der folgenden Veranlassung. Wie allgemein bekannt, steht man bereit» in den letzten Tagen de» April, spätestens aber gleich zu Anfang de» Wonnemonat», tn fast allen Schaufenstern der hirfigen Deltkatißläven sehr appetitlich auis.-h-nre Härtnge, auf wcißcr ovaler Schüssel und säuderlick mit grünen Blattern gaini.t, aaSgestellt, welche mit der Vignette„Neue Häringe" äugen« fällig bezeichnet find.„Kommt erst der schöne Monat Mai— MU seinen dust'gen Gaden,— Da muß der Ur Berliner auch — Den neuen Häring haben." U d er hat recht! So war denn auch um die beregte Jahreszeit, verlockt durch da» viel- versprechende AuShängeschitv, ein hier seit lange ansäsfiger alter Junggeselle, der seine Einkäufe stet» selbst zu besorgen pflegt, tn den Deltkateßladen von Sch. unweit de» Neuen Marktes eingetreten, um einige von den neuen Häringen zu erstehen, welche er fick dann tm übrigen vortrefflich schmecken ließ. In den ersten Tagen dieses Monat» nun machte der« selbe wieder einen Ei kauf in dem erwähnten Geschäft und jetzt empfahl ihm der Verkäufer al» ganz desondert vorzüglich «tue Häiinge, von d'Nen soeben die ersten di-.sjährigen einge- troffen seien. Auf>ie Erwi'e ung des Herrn, daß er ja selost solche bereits vor länger als vier Wochen tn dem gleichen Laden schon gekauft habe, gab der HandlungSbefliffene sehr sreimülhig die etwas naive Erllärung ab, daß neue Matje». häringe vor Ende Mai überhaupt niemals in den Handel ge« bracht würden; alle diejenigen, welche man vor diesem Zeit- räum unter diesem Namen verkaufe, seien entweder in großen verlötheten Blechbüchsen konservirte oder alte Tonnenharinge, denen man durch längere» Liegenlassen in Milch die Schärfe genommen habe. Der alte Herr war nunmehr höchlichst empört, daß man ihm derartige Häringe als neue aufgehalst hatte, und da er in dieser Manipulation die Kriterien deS Betruges zu erblicken glaubt, hat er fich zu einer gerichtlichen Klage entschlossen. Die klapprige Laterne, eine der echten, alten Berliner Weißdierkneiprn, die fich von Mode Anrranolungem fern diS auf unser« Tage erhalten halle, ist nun auch verschwunden, und ein Neubau deginnt fich auf ihrer Stelle zu erheben. Sie lag an dem alten Luisen-Kirchhof— unsere Altvorderen fürchte- ten fich nicht vor Gespenstern. Der Haupte ingang befand fich in Ver Sebastianstiaße tn einem der niedrigen Häuser, welche dm Kirchhof umgabm, hinten hinaus öffnete fich das Lokal nach dem Kirchhof, wo zwei Akazim den E ngang flank, rten und eine Art Gartm bildeten. Die Kirche hatte einst die gan» zen Baustellen an ihrer KtrchhofSstont mit 64 Tbttern da» Stück verkautt. Die Mieihe fraß hier also den Wwtb noch nicht auf. Der alte Bürgerstand der Gegend, die früherm Viehmäster der DreSdenerftraße«, gingen hier zu Biere. Ueber 50 Jahre waltete hier die Familie Hannemann al» Witthe und der letzte Hannemann zog fich al» Rentier vom Geschäft zurück. Die alten Stammgäste aber gedenkm mit Wehmuth der„klopprigen Laterne" und ihrer kühlen Weißm mit obligater Strippe. Nutzen der Kirschsttele. Die Kirschstiele werdm ge- wöhnltch achtlos weggeworfen, da man fie für völlig nutzlo» hält, und doch ist diese Anschauung eine irrige, denn die Kirsch- stiele geben einen Thee, der besonders gegen Katarrh sehr gute Dienste leistet. DaS Verfahren hierbei ist sehr ein- fach: Die Kirschstiele werden zur Küschenzeit gesammett, zwischm zwei Blätter Papier gethan, damit kein Staub darauf kommt» im Schatten getrocknet und dann in einer Schachtel an einem trockenen Orte wohl aufbewahrt. Will man von den Kirsch» stielen den Gebrauch machen, so kocht man fie einfach wie Blätterthee und wer gern süß trinst, vermischt den Thee nach dem Abseihen mit Zucker. Dieser Kirschstielthee leistet, wie schon gesagt, beim Katarrh sehr gute Dienste. Auch stillt er den Husten bei kleinen Kindern.— Im Anschluß hieran wollen wir gleich eine Unsttte erwähnen, die häufig mit einer anderen Sorte von Thee getriebm wird. Mit sogenanntem„Schlaf- thee", den fie ihren Kindern als Getränk verabreichen, de« Ichwichtigen nämlich unvernünstige oder auch gewissenlose Mütter, sehr häufig aber Leute, welche Kostkinder tn Pflege haben, ihre kleinen Kinder, um bei Tage der Arbeit, bei Nackt der erwünschten Ruhe pflegen zu können. Dieser Schlaftbee ist nichts anderes, al» eine Abkochung von Mohnsamen oder Mohn- köpfen, in denen das gesährlrche Opium, wenn auch in kleiner Menge, enthalten ist, daS aber bei fortgesetztem G-nuffe die nachtheiligsten Einwirkungen aus die körperliche und geistige Entwicklung der Kleinen ausübt, unter Umständen aber auch den Tod herbeiführen kann. Da diese» unselige Mittel ziem» lich verbreiiet und beliebt stein soll, so dürste eS an der Zeit sein, vor dem Gebrauche desselben öffentlich zu warnen, zugleich aber auch da» Augenmerk der AusstchtSdehörden auf diesen Gegenstand zu lenken. In dem Prozeß gegen de« Mustku» WohlerS wegen MordeS hat die Strafkammer nunmehr die Eröffnung de» HauptoerfahrenS beschlossen und die Sache der am 28. v. M. beginnenden SchwurgerichtSperiode zur Entscheidung über« wiesen. Termin ist auf den 1. Juli angesetzt. Die Verhand- lung, die bequem an einem Tage zu Ende geführt werden wird, dürfte in psychologischer Beziehung lebhafte» Interesse erwecken. Der Angeklagte, der bisher noch niemals mit dem Stiafgesetz in Widerspruch gerathen ist, hing an seinem fünf- jährigen Knaben mit zärtl cher Liebe. Die Mutter war todt, und so hatte denn der Vater da» Kind zu einer Wittwe in Pflege gegeben. Durch Ardeitslofigkeit gerieth er jedoch in Roth und vermochte da» Kostgeld nicht mehr zu erschwingen. Die Frau wollte den Knaben daher nicht länger bei fich be- halten, und alle Bemühungen» ihn anderSwo unterzubringen, blieben umsonst. Da auch er selvst nur ein äußerst kummer- volles Dasein fristete, so reifte eingestandenermaßen in seiner Seele der Entschluß, mit seinem Kinde zugleich aus dem Leben zu scheiden. Am dritten Osterseiertage ist dann der Kleine im Humboldthafen ert, unken,— Passanten hatten kurz vorher den ängstlichen Aufschrei einer Kinderstimme gehört. Der Angellagt«, der übrigen» deS Schwimmen» unkundig ist, sprang sofott nach und wurde befinnung»- lo», aber noch kramvfhast an einer Ankerkette fich haltend, von Schiffern au» dem Waffer geMen. Personen, die ihn vorher mit seinem Knaben gesehen hatten, fragten ihn, wo derselbe geblieben sei; WohlerS gab keine Antwort darauf, sondern stürzte fich von Neuem ins Wasser,— ein Moment, da« die Staatsanwaltschaft zu seinen Ungunsten deutet. Er selbst hat durch die Verschiedenheit seiner Angaben die Glaubwürdigkeit sehr gemindert. Während er Anfang» die Sache etwa so dar« stellte, wie jetzt die Ar.klagebehörde fie aufiaßt, widerrief er bald sein Gestänvnrß und erklärte, der Knabe sei durch eigene Un- vorstchtigkeit in» Wasser gefallen. Al» ihm dann aber einige» Auffallend« und namentlich sein« erste Aussage vorgehalten wurde, gab er zu, daß er seit längerer Zeit mtt dem Gedanken fich getragen habe, im Verein mit seinem Kinde fich das Leben zu nehmen; ihatsächlich aber sei der Knabe durch Fahrläsfigkett verunglückt. An dieser LeSart scheint er auch jetzt noch seftzu« halten, und den Geschworenen fällt nunmehr die Prüfung ver Frage zu, welche dieser verschiedenen Angaben am meisten mtt der Beweisaufnahme im Einklang steht. In wie geradezu frivoler W-ise fich trotz der zahl- reichen Unglücksfälle auf dem Waffer immer wieder Personen in Lebensgefahr begeben, deweifi folgender Vorgang, den un» ein Augenzeuge berichtet: Ein auf ValentinSwerder zum Sommeiaufenlyatt wohnend- r Berliner, ein Herr K-, hatte am Sonntag einen Besuch aus Berlin und da daS herrliche Wetter zu einer Spazierfahrt auf dem Tegeler See einlud, so beschloß man, eine Ausfahrt nach dort zu unternehmen. Die ganze Ge« sellschaft, bestehend auS vier Damen und fünf Herren, nahm in dem Boote d-S Herrn K., da» eigentlich nur für fünf Per« sonen trogfähig ist, Platz und auf gtngs zur Fahrt. Wa» aber vorauszusehen war, geschah: daS überladene Boot kenterte und sämmtliche Insassen stürzten tn Waffer. Nur dem Umstand«. daß der Vorfall fich in der Nahe de» festen Landes abspielte» war e» zu verdanken, daß die Verunglückten gerettet wurden- Weiter ad vom Lande, wo dichte» Kraut wuchert oder auf dem Tegeler See wäre ein ganz unberechenbare» Unglück einge« treten. Bei dem Fährmann, Herrn Leonhardt, auf Valentins- werder wurde den durchnäßten Personen die liebevollste Aus« nahm« zu Thetl. Würde der Veranstalter der Wafferfahrt den geringen Betrag für daS Miethen eine» größeren Boote» nicht gescheut haben, so würde da» Unglück nicht geschehen sein. Sine herrenlose Nähmaschine. Am 15. Mai er. in der Mittagsstunde kam ein Dtenftmann in eine Destillation im Hause Ritterstraße 107 mit einer Nähmaschine, Systnn Wheel'r und Wilson, mit dem nöthigen Zubehör und Nuß- bäum Verschlußkasten und gab dieselbe aus eine Stunde»n Aufbewahrung mit dem Bemerken, daß er den Adressaten nr«» habe finden können. Der Dienstmann hat die Nähmaschine. welche die Firma H. B. u. Komp. mit der Nr. 7262 tragt- bi» heute nicht abgeholl. Der unbekannte Eigenthümer kann seine Ansprüche bei der Kriminalpolizei, Zimmer Nr 87». gellend machen. I« der Küche für die Mannschaste« de« Füsilier- Bataillons de» Katser-Fcanz Gienadier-RegimentS an ver Hasenhaid« explodirte gestern früh nach 8 Uhr, wie da» JB. T." meldet, ein sog. Seking'scher Kochherd(Papin|4<» System) mit solcher Gewatt, daß die Thülen und Fenster zer- splitterten. Zwei Soldaten, Bolz von der 10. Kompagnie»nv Koroschitzki von der 12., wurden von den au» dem K-ffelß*- schauderten Speisen dermaßen verbrüht, daß an derErbaltuns ihres Leben» gezweifelt werden muß. Die Gewalt der Exolofion war eine so große, daß die zwei Zentner Fleisch, welche fick"J dem Kessel befanden, zu Atomen zerstückelt in der Kucke um herlagen. Die beiden Verwundeten wurden in das Miluo lazareth bei Tempelhof überführt.— Man vermuthet, daß e-n Verstopfung der Ventile die Explosion veranlagt habe._ Mit einer Frechheit, die ihre» Gleichen suche» dürft'. ist gestern am h llm Tage ein Diebstahl aufgeführt,®» Dieb aber in flagranti festgenommen worden. Eine im Zimmerstr. 62 wohnende Frau bemerfte heute Mittag M. 1 Uhr daß«in Mann im Begriff stand, eine ihr g-hö-'S Bettstelle, die unter Verschluß auf dem Vorderboden gehmu «ord«n war, aui dem Hause herauszutragen. Auf ihre Alarmiruna gelang die Festnahme deS Diebeö und eS stellie fich nunmehr heraus, daß«r bereits eine Eprungtedermalratze entwendet und diese vier Häuser weiter auf daS Trottoir ge« stellt batte, um diese sowie die B'tistclle auf einen hier halten« den Wagen zu laden. An dem Wagen befand fich die Auf- schrtst:„Preiloblenbandlung. Möbel- und vrbeiiSfuhrwert von BröSte, Bülorrstr. 41. Der Fuhrherr diese S Wagens und Dieb in einer Person zugleich wurde nach dem Polizei reoier. Bureau abgeführt. Wie eS beiht, soll der Feftge- nommene bei dem Verlauf von Preßlohlen schon wiederholt in dem gedachten Hause gewesen sein und 10 Gelegenheit gehabt baden, den Bodendiedstahl„auSzubaldowern", der nur durch Erbrechen der Bodenthür möglich war. Et« größerer Dachbode«- und Dachstuhlbravd fand am Sonntag unter Mittag im Vorderhause Posenerstraße 9. Ecke Memelerstraße, statt: er ist, wie dies fast immer bei der- artigen Bränden geschieht, erst wahrgenommen worden, als die Flammen fick bereits durch das Dach Bahn gebrochen hatten, so daß die Meldung von unbetheiligten Personen erfolgte. AlS die Feuirwehr bald nach 11'/: Uhr auf dem Grundstück an- langte, sah eS demnach recht bedenklich aus. Trotzdem ist eS derselben gelungen, den Brand auf den vorgefundenen Herd zu beschränken, indem namentlich die vortreffliche, von ver- schiedenen Seiten aus mögliche Zugänglichkeit deS Dachbodens den mit drei Handdruckspritzen unternommenen Angriff wesent« lich begünstigte. Die drei Spritzen wurden nach nicht langer Zeit zurückgezogen und durch eine Dampfspritze nletzt: doch war auch deren Wirksamkeit nur von ganz beschränkter Dauer. Lö chungs- und Au'rSumungiarbetten hatten bereits kurz nach 2 Uor ihre Endschaft gefunden. Der Dachftuhl weist nicht un« erhebliche Zerstörungen auf, ebenso find eine Anzahl Latten- verschlägt mit ihrem Inhalt von alten WirthschastSgegen- ständen rc. vom Feuer total vernichtet worden, während die Wohnungen gar nicht gelitten haben. Selbst Beschädigungen durch durchgedrungene» Waffer find hier nur untergeordneter Natur. Drei Selbstmorde werden wiederum gemeldet: Auf einer Bank am großen Stern im Thiergarten wurde in der Nacht zum 19. d. MtS. durch eine SchutzmannSpatrouille ein elegant gekleideter Mann fitzend vorgefunden. Die nähere Lefichtigung ergab, daß fich derselve mittelst eine» Revolvers einen Schuß in die Stirn beigebracht, infolge deffen der Tod eingetreten. Nach von unS eingezogenen Informationen ist derselbe ein Schwede, welcher seit«inigen Tagen in einem Hotel I.Range« Unter den Linden logirte, dort am Tage vor seinem Tode diverse Briefe nach Schweden expedirte und gegen Abrnd ver» schwand. Die Motive zu der unseligen That find unbekannt. Pekuniäre Verlegenheiten dürften e» nicht gewesen sein, da fich eine größere Geldsumme in den Taschen deS Todten vorfand. — Am Sonntag früh wurde durch einen städtischen Straßen- reiniger in der Nähe der Schönederger Brücke eine weibliche Leiche au» dem Landwehrkanal gezogen, welche anscheinend erst wenige Stunden im Waffer gelegen haben konnte. Dieselbe wurde auf Veranlaffung der Revierpolizei noch dem Letchm- schauhause geschafft und später als ein in der Königgrätzerstr. 79 bedienstet gewesene» Stubenmädchen rekoznoszirt. Die Motive zu dem Selbstmorde sollen darin zu suchen sein, daß ihr Bräuilgam vor Kurzem die Verlobung mit ihr aufgehoben.— Ein in der Eisenbahnstraße wohnender Kohlenhändler G. wurde am Sonnabend Nachmittag in einer Bretterbude seines Kohlenplatzes auf dem nedenanliegenden Grundstück Nr. 27 erhängt vorgefunden. In der Furcht'vor einer feiten» d«S Gerichts über ihn verhängten Strafe soll die Ursache zu diesem verzweifetten Schritt zu suchen sein. Von einem Schlächterwage« überfahre« wurde gestern früh ein in der Bartelstraße la wohnender Arbeiter Ludwig Müller und zwar an der Ecke der Mauers und Krausenstraße. M. wurde dabei anscheinend so schwer verletzt, daß seine Ueder- sühruna nach der königlichen Charitee nothwenvig erschien, «Sbund ein Schutzmann da» Nationale de» rosselenkenden EchlächterS feststellte; derselbe wird einer exemplarischen Strafe füt das bei den Schlächterwagen übliche Jagen durch belebte Straßen ficher nicht entgehen. Eine angebliche Morphwmvergiftung versetzte die Lewohner eineS Hause» der Kastanienallee in große Auf- regung. Ein daselbst wohnender Schlächtermeister Sch. war am Sonnabend urplötzlich so schwer erkrankt, daß seine Ange- hörigen die Ueberführung deffelben nach dem St. Hedwig». krankcnhause in der Hamburgerstraße für rathsam erachteten. Hier trat bereits nach wenigen Stund:« der Tod ein und wurde seitens der Aerzte eine Morphiumvergiftung konstatirt. Ob Fahrlässigkeit oder Selbstmord vorliegt, dürste die einge- leitete Untersuchung ergeben. Hisstchtltch de« Mörder» Keller find in dm Zeitungen in letzter Zeit vielfach Nachrichten verbreitet, die jeder Be- gründung entbehren und die geeignet find, die Ergreifung dei Mörders zu erschweren. Nach den Feststellungen der Kriminal- Polizei unterliegt e» absolut keinem Zweifel, daß der Mörder thatsächlich Gottfried Keller heißt und auch in Steindorf dei Ohlau geboren ist. Er ist in seinem Geburtsort bekannt und nicht vortheilhaft beleumundet. Die Behörde ist nicht im Be- fitze einer Photographie de» Keller. Allerdings erhielt die- selbe eine von einem Offizier deS Eisenbahn- Regiment» ausgeführte Momentaufnahme, doch wurde sofort festgestellt, daß da» Bild deS Keller fich nicht auf derseldm befand. Waflerstand der Spree in der Woche vom 6. bit inkl. 12. Juni 1886.(Angabe in Metern.) . Markthalle«-»ettfljt von 3.«anomau»'" lerkausSvermitiler, Beilin, ZmtralmarkthaUe, dm 21. Juni 886. Die Zufuhr war heute nicht unbedeutend und wurde n Konsum leicht bewältigt, w-sentlich trugen dazu die Auf- :% bei, welche au» den Provinzen eingehen. Ein Theil der. tlden konnte jedoch nicht ausgeführt werden, weil bei den leicht erderdlichen Waaren nur gegen Baarvorschüffe und nicht gegen UMWMW mmm lal 80-1,10 Pf. per Pfd. Die Zufuhr ist gering. „ Polizei- Bericht. Am 21. d. M. früh wurde am P an- lfer die Leiche eine» neugeborenen Kinde» aufgefunden und ?ch dem Leichenschauhaust gebracht.— An demselben Tage '«mittags wurde der Arbeiter Müller an der Ecke der Mauer- ad Schützmfiraße von einem übermäßig schnell fahrenden, von e« Kutscher Weder geführten Schlächterwagen überfahrm und di Unter leib und rechten Arm schwer verletzt. Müller mußte Mtelst Droschke nach der Charitee gebracht werden.— Zu der- '�en Zeit wurde in der Feilnerstraße ein 3 Jahre alter Knabe von einem beladmen Bierwagen überfahrm und sofort getödtet. — An demselben Tage Vormittags fiel der auf dem Neubau Langestr. 104 beschäftigte Maurergeselle G hlert von einem etwa 3 Meter hohen Gerüst auf den Bürger fteig und erlitt dadurch so schwere Verletzungen, daß er mittelst Droschke nach dem Krankenhaus« Bethanim gebracht werden mußte.— Am Nachmittag deffelben TageS machte eine Frau in ihrer Wohnung in der Möckernstraße dm Versuch, fich mittelst Zuckeisäure zu vergiften. Sie wurde noch lebend nach der Charstee gebracht._ Oerichts-Zeltnng. Jene» Revolver-Attentat tn der Eylvester-Nacht, dem beinahe ein Menschenleben zum Opfer gcsallen wäre, bildete gestern dm Gegenstand der Verhandlung vor dem Schwur- gericht deS Landgericht! II. Vor den Schranken erschien wegen versuchter Tödtung angeklagt der Gärtnergehilfe Richard Emil Joost, jetzt 24 Jahr alt. Der Angeklagte, ein Mensch nicht ohne Bildung, aber ein Melancholiker durch und durch, hat, wie er bei Beginn deS Verhö.S vorträgt, schon wiederholt Selbstmordversuche auS Unzufriedenheit über seinen eigenen Lebenswandel unternommen; er hatte in seiner Dienstwohnung in der Späth'schen Baumschule in Britz stets bei Tag und Nacht einen geladenen Revolver auf dem Tische. Mit diesem Revolver hatte er am Sylvester- Abend wiederholt Freudmschüffe. abgegeben; kurze Zeit darauf, e» war noch vor Mitternacht, Höften die Gäste eines R.'staurationS- Lokals in der Nähe der Späth'schen Baumschule abermals drei auf einander folgende Schüffe und bald darauf Hilferufe des bei Späth angestellten Kutscher» Weber, mit welchem Joost vorher in jenem Lokale Streit gehabt. Weber hatte«ine Kugel in der lirken Biust; er wurde nach Bethanim geschafft und nach langem Schmerzenilager wieder geheilt. Der Tbäter, denn dieS.) zu sein gab der Angeklagte zu, meldete sich am Neujahrsmorgm selbst bei der Polizei. Er mtschuldigte seine That mit einer fast an W'llenlofigkeit angrenzenden derzettigen E regtheit. Die Geschworenen gaben ihr Verdikt ad lautend auf Schuldig deS versuchten TodtichlageS und demgemäß er- kannte der Geftchtthof auf 1 Jahr 6 Monate Gefängniß unter Anrechnung ein-S TheilS der erlittenen Untersuchungshaft. f I« aufdringlicher Geberlaune war in der Nacht vom 5. zum 6. Januar diese» Jahres der Invalide Barg- mann, ein alter Mann mit einem SolrateSschäSel, der fich auf Krücken foftdewegt und fich von Betteln nähft. Er wollte dem Posten vor der Kaserne de» Alexander- Regiment», dem Füfilier Sch., durchaus eine Zigarre aufdrängm. Der Soldat mochte aber von dem Geschenk nichts wiffen und bedeutete dem Alten, daß er weitertrollen solle. Da kam er gut an:„Dummer Junge," schnauzte Bargmann,„ist wohl zu fein, um von einem alten Soldaten eine Z garre anzunehmen!"— Diese Be- merkung kam ihm theuer ,u stehen, denn daS Schöffengericht veruftheilte ihn zu einer Woche Gefängniß, die durch die er- littme Hast— er hatte fich zu dem berett» einmal fest- gesetzten Termin nicht eingefunden— als verbüßt erachtet wurde. f Ein Huhn wollte Frau L. an einem Sonntage im Januar d. I. gern im Topfe haben. Sie erwartete Besuch zum Mittag und da galt e» zu zeigen, was Küche und Keller bei ihr leisten könnten. Küche und Keller waren aber ebenso leer, wie ihr G.ldbeutel, und ihr Mann huldigte dem Grund- satze, von seinem Verdienst der Familie nur da» vllernoth- wendigste zukommen zu laffen. Wai war da zu machen? In ihrer Verlegenheit verfiel fie auf einen sehr schlechien AuSweg. Sie begab fich zu dem Giflügelhändler Schmidt und gab an, fie solle für eine andere Frau ein Huhn holen, von der fie wußte, daß fie im Geschäft zu kaufen pflege und die auch höheren Kredit genoß, als fie selber. Das Huhn erhielt fie ohne Weitere», aber mit der Bezahlung hatte fie et nicht so eilig. So kam ihr Betrug anS Tageslicht und die Anklage blieb nicht au». Sie wurde zu einer Geldstrafe von 15 Mark verurtheilt. Die Strafe fiel deshalb so milde auS, weil fie nachwies, daß fie in der Zwischenzeit da» Huhn bezahlt habe. We«« man mtt einem wohlaefüllte« Portemonnaie in eine jener Hallen gerät h, wo Nektar und Ambrosta von „zafter Hand" kredenzt wird, dann pflegen fich wohl oder übel allerlei Abenteuer heiteren und bösen Charakter» einzustellen. Der Hausdiener Karl Neumann kann davon ein Liebchen fingen. Er war eine» Tage» ausgeschickt worden, um von mebreren Kunden Außenstände in Höhe von etwa» mehr al» 300 M. einzutreiben. Im Befitze einer so großen Summe fühlte er fich als kleiner Krösus, ihm schwoll der Kamm, und ehe er fich deffen versah, befand er fich in der Frankfurter Straße in einem jener Lokale, deren mattiothe Laternen anzudeuten pflegen, daß die Atmosphäre da drinnen etwa»„nebelig" und unsicher ist. Die beiden jungen Damen, welchen die Unteihaltung des abenteuerlustigen HauSdienerS oblag, verstanden ihie Aufgabe so meisterlich, daß die Zahl der konsumiften„Echten" sehr bald in überraschender Weise anschwoll und nach etwa zwei Stunden die eine der gesprächigen Damen dem in den Strudel gestürzten Gaste mit dem süßesten Lächeln die freudige Eröffnung machte, daß er für da» verzapfte edle Naß eine Summe von 20 Mark zu entrichten habe. Der Hausdiener Neumann, deffen an und für fich nicht eben schwacher Schädel gegen die verheerenden Wirkungen diese» Bieres nicht gewappnet war, hatte noch Kraft genua, auS dem Portefeuille, welche» er in der Seitentasche seine» Rocke» trug, einen Zwanzigmarkschein zu nehmen und der Kellnerin an den Kopf zu werfen— dann aber sank er willenlos auf da» fettglänzende harte Sopha und intenfive Schnarchtöne deuteten bald daraufhin, daß er tn einen Schlaf veftalltn war, au» welchem ihn weder sanfte» L eblosen noch energisches Rütteln erwecken konnte. Im Lokale batte bald Jedermann den schlafenden Gast vergeffen, bis auf Frl. Hulda Bftese, welche fich der wohlauSgerüstetm Seitentasche de» Schläfers erinnefte, in einem unbewachten Augenblicke auf den Zehenspitzen an da» Lager deffelben schlich und mit kühnem Griff die noch mit drei Hundertmarkscheinen gefüllte Brieftasche etkamotifte. Gegen 12 Uhr Nacht» erwachte Neumann aus seinem todtenähnllchen Schlaf und wankie nach Hause, um doft mit Entsetzen setnm Verlust zu entdecken. Am nächsten Vor« mittag erhielt Fräulein Hulda tn ihrer Schlafstelle den Besuch des gefledderten HauSdienerS in Begleitung eine» Kftmtnal- beamten, der ohne Weiteres die LeideSvisttation an ver ent« rüsteteten Dame vornahm. Dieselbe sollte bereits al» resultat- los beendet werden, al» der schlaue Neumann fich noch recht- zeitig daran erinnerte, daß die schönen Damen der Jetztzeit fich dai Ebenmaß ihrer Glieder durch einen höckerartigen Aufputz an der Rückfront zu verunstalten pflegen. Man sah nun auch doft näher zu und entdeckte ali„Tournüre" ein vielfach zu- sammengewundereS Handtuch, in deffen Zentralpunkt die Brief- tasche mit den 300 M. in der Erwartung einer einstigen Auf- erstehung harmlos ruhte. Frl. Hulda konnte nun nicht mehr leugnen: fie wanderte mit der Miene einer Büßerin in den UrtersuchurgSmrest und nahm mit derselben Miene die sech« Monate Gefängniß tn Empfang, die ihr der Gerichtshof zuditttrte. Ist et« Bürgermeister besagt, die Annahme eine» unfranttrte« amtliche« Schreiben»»n verweigern, und kann er wegen solcher Weigerung eincr Ordnungi strafe unter- zogen werden? In dieser Frage hft jetzt das Oderverwaltungs- gericht eine Entscheidung getroffen, über die man dem„B.T." berichtet: Durch Bekanntmachung im KretSdlatte vom 15. Mai 1885 hatte der Landrath de» Kreises Mohrungen die Ge- meindeoorstände, welche mit der Einreichung der Klaffensteuer- rollen für das abgelaufene Steueijabr noch im Rllckfianve waren, aufgefordert, diese binnen fünf Tage an daS Lanvraths- amt zu bewirken, widrigenfalls die Abholung der Sreuerrollen auf Kosten der Säumigen geschehen werde. Der Magistrat iir Saalfeld kam dieser Aufforderung nicht nach, und der Land- rath eftnnerte daher diesen nochmals mittels eines unfrankirten, jedoch amtlich versteaelten Schreiben» vom 6. Juni 1885, welches er am 8. d. M. von der Post uneröffnet mtt dem Ver- merke:„Annahme verweigert, weil portopflichtig; Absender un» bekannt," zurückerhielt. Nnnmehr erhob der Landrath über den Bürgermeister L. zu Saalfeld Beschwerde bei dem Regierung!» Präfiventen zu Königsberg und beantragte zugleich, darüber zu entscheiden, wer VaS entstandene Porto für die fragliche Brief» sendung zu tragen habe. Der RegierungS-Präfident hielt die Beschwerde für begründet und setzte gegen den L. eine Ord- nungSftrafe von 10 M. fest, weil dieser, obwohl er fich setner Pflicht zur Annahme deS Schreiben» de« LandrathS bewußt war, diestldt verweigert und hierdurch ein unangemeffene» Verhalten gegen dm Landrach b-wiesen bade; auch legte er dem L. die Tragung de» Porto» auf. Mit einer hiergegen angebrachten Beschwerde von dem Ober« Präsidenten für Ostpreußen unterm 21. Oktober 1885 al» unbegründet abgewiesen, klagte L. gegen diesen auf Aufhebung deS Bescheides deffelben und der Verfügung de» RegierungS- präfidenten vom 19. September 1885 und führte zur Begrün« dung an: Die Kommunalbehörden seien nach dem Ministeftal- reskftpte vom 30. Juni 1871 zur Annahme unfranktrter Brief» sendungen nicht verpflichtet. Der Absender deS Schreiben» sei ihm unbekannt und auS dem undeutlichen Siegelabdruckt auf dem Kouverl nicht zu erkennen gewesm; der Botmäßigkeit de« Landraths sei der Bürgermeister weder nach der Regierung?- Instruktion vom 23. Ottober 1817 nock nach den§§ 7 ff. de! ZuständigkettSaesetzes vom 1. August 1883 unterstellt. Der beklagte Oberpräfident wendete hiergegen ein: Der Kläger sei zur Annahme dei unftanktften, al» portopflichtige Dienstsache bezeichneten Schreibens verpflichtet gewesen, weil ihm der Ab« sender desselben unbedingt bekannt war, mindesten» er als solchen eine königliche Behörde annehmen mußte, da der Siegel» addruck dm königlich preußischen Adler erkennen ließ-, zur An» nähme de» Schreiben» war der L. hiemach umsomebr ver» pflichtet, weil er nicht wiffen konnte, od dasselbe nicht eine wichtige Dienstangelegenheit betraf und er nachträglich da» verautlagte Porto von dem Absender einziehm konnte. Darüber, wer da» Porto zu tragen habe, könne im VerwaltungS Streit« verfahren nicht entschieden werden, die Entscheidung hierüber stehe nur der Aufsichtsbehörde zu. Der vom Minister de» Innern ernannte Kommissar zur Wahrnehmung des öffentlichen JntereffeS, Regierungsiatk Löwe, trat dm Autf hrungen de» Beklagtm bei und das OdewerwallungSgeftcht(I. Senat) er» kannte am 19. Juni 1885 auf Klageabweisung. t Eine neue Dtebstahltspeztalität hat der KokoSfaser» mattenhändler B. erfunden, auf die ihn sein Gewerbe geführt hat. Er stftch tn den Häusern umher und schnitt die neuen Kokosmatten vor den Entreethürm ab. Zu Hause klopfte er fie au», zupfte fie zurecht und bot fie mit seinen rechtmäßig erwor« denen Waaren feil. ES liegt die Vermuthung nahe, daß er auf diese Weise ein und dieselbe Matte zwei- oder dreimal veräußeft bat. Er wurde erwischt, al» er wieder einmal seinen genialen Einfall verwirklichen wollte, und da» Gericht ver- urtheilte ihn zu einem Monat Gefängniß, da nur der eine Fall fich feststellen ließ und der Werth deS gestohlenen Gegenstände» fich auf 3 Mark deläuft. Der Ober-RetchSanwalt Teffeudorff hat vorgestern binter Dr. v. KraSzewSki einen Steckbrief erlassen, der folgenden W oftlaut hat:„Der wegen vollendeten LandeSverrathS und wegen de» VergehmS gegen§ 49a Smafgesetzbuch» in je einem Falle duich Uftbeil deS Reicht geftchlt vom 19. Mai 1884 zu 3 Jahren und 6 Monaten Festungshaft veruftheilte Schrift» steller Dr. pbil. Josef J,na, v. KraßzewSkt zu Dresden, ge» boren in Warschau am 26. Juni 1812, war au« der Straf» Haft beurlaubt. Nach Ablauf deS bewilligtm UllaubS ist der Verurtheilte wiederholt zum Wiederantrttt der Strafe den von ihm eingegangenen Verpflichtungen gemäß aufgefordert. Er ist aber diesen Aufforderungm nicht nochgekommen, hat fich vielmehr dem Wlederantfttt der erkannten Freiheitsstrafe ent- zogen. ES wird ersucht, denselbm zu verhaften und an die Kommandantur der Festung Magdeburg abzuliefern." Die Vorstandsmitglieder de» Königsberger Fach- verews der Tischler waren wegen Vergehens gegen da» Ver» einSges-tz und die Gewerbeordnung angeklagt worden, weil fie mit dem Stuttgarter Fachve-ein der Ti,chler zu gemeinsamen politischen Zwecken. zur Erreichung deS ÄiormalardeitStageS, Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit k, durch Aende» rung der Gesetzgebung, in Verbindung getreten seien. Gegen die beiden Vorsitzenden war deSbalb auf je 40, gegen die an« derm Ordner und Leiter auf je 20 M. Strafe, gegen ein an» dere» Mitglied außerdem noch wegen Aufreizung zur Arbeits- etnstellung und Drohung mit V-rrufSerklärung auf 1 Woche eftannt und außerdem die Schließung de» Verein« angeordnet worden. Die Angeklagten legten hiergegen Revision beim Kammergericht ein. dieses aber erkannte vor einigen Tagen auf Zurückweisung ver R v.ston. München, 18. Juni. Zum Urtheil im Eorialistenprozeß ist noch mitzutheilen: Bei Doiter kommt die seit 27. Mär, L I. erlassene Untersuchungthaft ganz in Abr chnung, dir gegen Trettenbrein erlaffrne Haftberehl wird aufgehoben. Ein An» trag der V-rtheidiguug auf Wiederaufnahme de« Verfahren» dehufS Vernehmung eines wetteren Zeugm wurde nach längerer Berathung abgelehnt. Retmsgertqts- Entscheidung.(Nachdruck verboten.) Leipzig. 21 Juni.(Von der Anzeigepflicht bei Verbrechen.) Eine Ve.pflichtung zur Anzeige irg-nö eines begangenen Ver» brechen» kennt da» moderne Strafgesetz nicht, wohl aber schreibt e» mit Rücksicht auf die öffentliche Sicherheit vor, daß dem» jenigen, der von einem Veidrechen gewisser Art, welche» ein anderer vorhat, die Pflicht der Anzeige obliegt. Die Ge» fämdung von Eisenbahntransporten ist eine» dieser Verbrechen, für welche der§ 139 de» St. G.-B. eine Anzeigepflicht statuirt für den Fall, daß da» Verbrechen noch zu verhüten ist. Frag. lich konnte eS nun bisher sein, von welchem Zettpunfte an die auf Herbeiführung eineS Eisenbahnunglückes abzielende Thätig» keit al» daS Vorhaben eine» Verbrechens und von wo an al» vollenoete» Verbrechen anzusehen sei. Jetzt ist hieftn Klarheit selben folgender Sackverhalt. Am Abend des 28. Januar d. I. befanden fich zwei junge Leute namenS Simon Karre und Engen Braun, ersterer etwas über, letzterer unter 18 Jahren, in der Rahe der von Mülhausen(Elsaß) nach B-lfort führen» den Eisenbahn. Aas reinem Uedermuth hob Karre eine schwere Thür aus einem Bauwerke heraus und warf dieselbe zu Boden. Gleich darauf ergftff Braun dieselbe und legte fie mitten aus daS SchienengeletS in der Abficht, damit dem bald heran- iommenden Schnellzuge Mülhausen-Belfoft ein Hinderniß zu bereiten. Obwohl nun Karre als der ältere diese mehr al» thöiichle That hätte rückgängig machen oder wenigsten« dem nächsten Bahnwärter hätte anzeigen sollen, so lange noch Zeit dazu war(der Zug war nach zwei di« drei Minutm zu erwarten), that er dies doch nicht. Glücklicher. weise hatte ein Stationsbeamter da« Geschenehe mit angesehen und sorgte dafür, daß der Zug ungehindert durchfahren konnte. Die Strafkammer in Mülhausen verurtheilte Braun wegen Gefährdung eineS Etsenbahntiansporte« unter Berücksichtigung der gesetzlichen Milderungkgründe zu 9 Monaten Gefängniß. Kärre dagegen wegen unterlassener Anzeige au«§ 139 tu 2 Monaten Gefängniß. Von den Angeklagten hatte nur Karre die Revision eingelegt. Dnselbe ließ in der Reoistonsschnst ausführen, daß die Tragwette deS§ 139 verkannt worden sei. DaS Landgericht nehme an, daß er erst nach vollbrachter Tbat (nach Auflegung der Thür auf die Schienen) Kenntniß von derselben erhalten habe, statuire aber doch für ihn eine Anzeige- Pflicht. DaS Gesetz sprecht nur von dem Vorhaben eine» Ver» brechen», von der Kenntnis) zu einer Zeit, wo die Verhüwng des Verbrechens noch möglich war und eS stehe im Gesetz nicht« daoon, daß die Velhütuna der Folgen de» Verbrechen» noch möglich sein müffe. ES gehe nicht an, daß durch willkürliche Auslegung eine» Gesetze» ein neue» gemacht werde. Die ganze Literatur sei einig, datz keine Anzeigepflicht bezüglich begangener Verbrechen destehe. Der ReichSanwalt beantragte die Ver- «erfung de» Rechtsmittels und dewerkte dabei folgendes. Der Sinn de»§ 139 ist offenbar der, bei gemeingefährlichen Ver« brechen, die hier in Frag« stehen, die Folgen, die durch dieselben entstehen können, zu vermeiden und abzuwenden, so lange noch«ine Verhütung der Folgen möglich ist. So lange die Lokomotive nicht auf da» Hindernis) aufgefahren war, konnte von gemeinschädlichen Felgen keine Rede sein, und war Ange« llagter noch dt» zum Eintritt diese» Zeitpunkte» im vtande, die Anzeige zu erstatten, so war er zu bestrafen, wenn er es nicht that. DaS ReichSgericht verwarf die Revision de» Angeklagten unter folgender Begründung: Der§ 139 ist in Ued-reinstim« mung mit dem Gerichte erster Instanz und der ReichSanwalt« schaft dahin autgelegt worden, daß er auf die gemeingefähr- lichen Verbrechen in der Weise anzuwenden sei, datz auch die Verbütung des Verbrechen» noch möglich sei zu einer Zeit, wo die That an fich allerdings schon vollendet war. Datz eine Pflicht vorliege, auch die Folgen de» Verbrechen» abzuwenden, nimmt da» ReichSgericht nicht an, wohl aber, daß da» vollendete Verbrechen der Gefährdung auch noch fortgedauert hatte biS zu dem Augenblicke, wo sie aufgehört haben oder das Unglück eingetreten sein würde. In dieser Fortdauer nach seiner Vollendung konnte da» Verbrechen selbst, nämlich seine Fortsktzung, erblickt werden.— Auch der Staatsanwalt hatte in dieser Sache Reviston eingelegt und zwar deshalb, weil Braun nicht zu der niedrigsten Strafe von 1 Jahre, die da» Gesetz vorschreibt, verurthrilt war, fordern zu einer geringeren. Da» ReichSgericht hob daraufhin da» Urtheil gegen Braun, soweit e» fich auf die Strafausmessung bezieht, auf und ver- wie» die Sache insoweit in die erste Instanz zurück. Uereine und Versammlungen t Der verein»nr Wahrung der Interesse» der Klavterarbeiter hielt am Sonnabend, den 19. d., unter Vorfitz deS Herrn Schaar eine Mtgliederversammlung ab. Zunächst galt e» zu dem vor einiger Zeit aufgetauchtem Projekt, eine Arbeitslosen. UnterstützungSkaffe zu gründen, Stellung zu neh« men. Der Vorstand nimmt zu dem Vorschlage nach eingehen« der Prüfung der Frage«ine ablehnende Haltung ein. Er hatte zu seiner Berathung über diese Angelegenheit ven Buchdrucker Werner, ein Mitglied des UntirstützungSoereins deutscher Buchdrucker, eiogeladm, um fich von jenem über die Ersah- rungen verständigen zu lassen, die jene Organisation mtt der Einführung einer ArbeitSlosen-Unterstlltzur g gemacht hat. Herr Werner wiederholte nun vor den Mitgliedern die Angaben, die den Beweis liefern, mit welchen Schwierig« ketten der Unterstützungsverein zu kämpfen hatte und hat. um eine solche Kasse dauernd zu erhalten. So sei als AuSkunstSmittel schließlich in der Generaloersamm« lung de» Verein», die im April d- I. in Gotha stattfand, de« schloffen worden, eine bestimmte Leistung der Kasse an die ar« beitslosen Mitglieder fernerhin im Statut nicht anzugebm, weil von Seiten einer preußischen Behörde diese Kasse in der alten Form al» eine Versicherungsgesellschaft bezeichnet und ihre Stellung unter das VerstcherunliSaesetz vei langt wurde. In Berlin sei die Unterstützung auf 7 M. festgesetzt worden; im Februar, also in der eigentlichen Geschäftszeit für die Buch- drucker. hätten die 2000 Mitglieder deS hiesigen OrtSoereini nicht wentger ali 117 arbeitslose Kollegen zu uvterftützen ge- habt, eine Zahl, die zu gewissen Zeiten dt» zu 160 schon ange. schwollen sei. In Hannoser seien ,. B. im Februar von 250 Buchdruckern 28 konditiontloS gewesen. Hierbei sei aber noch in Rechnung zu ziehen, daß ein Mitglied, um am O:te im Falle seiner ArbeitSlostgkett b-zügtb-rechtigt zu sein, 150 Wochen beiträge geleistet haben müffe. Uno doch fei oie Unter- stützunz so Vieler noch unmöglich, wenn fie au» einer zu diesem Zweck besonder» errichteten Kasse erfolgin sollte und nicht die allgemeine Unterstützungskasse in An« spruch genommen werden würde. ES sei den Klavier- arbeitern nur adzurathen, eine solche Extrakaffe jetzt zu gründen; selbst wenn die Beitrage aus 30 Pf. pro Woche festgesetzt würden, könnte fie doch nicht lebensfähig sein.— Dieser Anficht stimmten eine große Anzahl von R-dnern zu; ein Vertheiviger d«S Projett» fand fich selbst unter denen nicht, die e» früher in Vorschlag gebracht hatten und so wurde eS bei der schließliche., Abstimmung mit allen gegen 1 Stimme HL— Hieran schloß fich eine höchst interessante Mit- über die Umgehung de» krankenkaffengesetzeS durch drikantcn. Bekanntlich ist der Fabrikant gesetzlich ver- pflichtet, ein Drittel der Beiträge für die OttSkrankenkaffe zu tragen. Der Fabrikant Weber, Btückenstraße, soll hierüber anderer Anficht sein.„In meiner Fabrik", so soll er fich ge« äußert haben,„mache ich die Gesetze selber!" So verstand er «9, wie mitgetheilt wurde, seinen Arbeitem, die der Ort». krankenlasse angehören, die vollen Beittäge aufzulzsten. Ein VereinSmttglted, welches in der Weber'schen Fabrik arbeitete, setzte den Vorstand von diesem Manöver in Kenntniß und der Vor« stand beschloß, Strafantrag zu stellen. Er erhielt aber vom Staatsanwalt den Bescheid, daß derselbe fich nicht in der Lage sehe, die Sache strafrechtlich zu verfolgen. Die eingeleitete Untersuchung— so hieß eS in der Begründung— hätte nicht ergeben, daß die Abzüge von 10 Pf. wöchentlich fich auf Krankenkaffengeld bezögen. In den Händen de» Vorstand» defindet fich aber ein Arbeitsbuch au» genannter Fabrik, in dem folgenve« zu lesen ist;„Kündigung findet nicht statt. Kranken« geiv ist bei allen Akkordsätzen mit einbegriffen und hat der Arbeitnehmer zu zahlen." Ueder diesen unzweideutigen Satz ist später allerding« vom Fabrikanten ein gedruckter Zettel aetledt worden folgenden Inhalts:„Für Benutzung der Werkzeuge werden 10 Pfennig wöchentlich abgezogen -■■ Ilm K"- Kündigung findet nicht statt." Um dies« charakteristische Maßregel noch besser zu beleuchten, wurde mitgetheilt, daß die 10 Pfennige, die an« geblich für Benutzung der Werkzeuge angerechnet«erden, den Ardeitern der Weber'schen Fabrik, die Mitglieder der„Freien HilfSkaffe" find, nicht abgezogen werden, wobl aber denen, die der Ortikasse angehören, auch dann, wenn fie gar nicht die Werkzeuge benutzen. Da der Staatsanwalt fich nicht de» rett gesunden hat, die Anklage gegen Weber zu erheben, so hat der Vorstand deschloffen, fich mit einer Petition an den Deut« schen Reichstag zu wenden, um den Urhebern des Kranken. kassengesetzeS zu zeigen, wie ihre gesetzgeberischen Maßregeln fich in ve? Praxi! ausnehmen.— Da» VereinSmitgliev, welche» diese Sache zur Kenntniß de» Vorstande» brachte, ist von Herrn Weder— selbstverständlich— sofort entlassen und sein Akkordlohn eindehalten worden. Ihm ist Rechtsschutz ge« währt und außerdem die Unterstützung für Gemaßregette, 9 M. pro Woche, zugebilligt worden. Die Versammlung er- klärte fich nach lebhafter Diskussion de» Falle» mtt diesem Be« schlusse einverstanden. br In der Versammlung de» U«te,ftützu«g»verein» der Buchbinder, die am Montag bei Gratweil stattfand, referirte Herr Jost über die vom JnnungSvorstand« einberufene Versammlung zur Wahl eine» Gesellen-AuSschusse», die in der Woche vor Pfingsten stattgefunden. Nachdem er dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß e» den Gesellen nicht gestattet gewesen, in einer öffentlichen Versammlung vorher einen Beschluß fit Betreff der Betheiligung an der Wahl zu treffen, unterzog er die Bestrebungen der JnnungSmeister in Bezug auf da» Lehrlings- und HerbergSwesen einer scharfen Kritik und legte er die Gründe dar, die ihn und die meisten der Kollegen, welche der Versammlung beigewohnt, bestimmt haben, fich gegen die Wahl eines Gesellm- Ausschusses auf Grund deS Innung»- statut» zu erklären und die Vollziehung der Wahl unmöglich zu machen. Zur Diskusston nahmen die Herren Plötz, Schneider, Mehnert, Rohmann und Höhne da» Wort, um ihre Zustimmung zu den Ausführungen de« Referenten auszusprechen. ES wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die Versammlung billigt die Ablehnung der Wahl eineS Gesellen- AuS- schuffe» auS den vom Referenten dargelegten Gründen; fie ist auch fernerhin der Anficht, daß der berufenste Vertreter der Gesellen der Vorstand der am Orte destehenden Fachorganisation ist."— Der Htnwei» de» Herrn Rohmann darauf, daß der Berliner Lolalvorstand es verabsäumt habe, dem Verband»- vorstände in Stuttgart die Abrechnung für da» 1. Quartal 1886 zugehm zu lassen, rief lange Debatten hervor. E» wurde schließlich der Vorstand beaustragt, die Angelegenheit baldigst zu erledigen.— Der Antrag deS Herrn Plötz daß der Vor. stand deauftragt werden möge, eine öffentliche Versammlung für einm der nächste« Sonntage einzuberufen, wurde mtt dem Hinweise auf die dereit» zwei Mal vom Poltzeiprästdium ver« sagte Genehmigung abgelehnt. Der Fachveretu der Steinträger hielt eine Mitglieder« Versammlung am Sonntag, den 20. Juni. Jnselstraße 10 bei Scheffer ab. Die Tagesordnung war folgende: 1. Jährlicher Kassenbericht. 2. Berichterstattung über die Thätigkett de» Vereins. 3. Wahl de» gesammten Vorstände». 4. Verein»- angelegenheiten. Die Versammlung ehrte zunächst den ver« storbenen Kollegen Nicklas durch Erheben von den Plätzen. AlSdann erstatte der Kasstrer Herr Steindera den Kassenbericht. Demnach betrug die Einnahme inkl. de» 96 M. bettagenden Bestände» vom vorherigen Quartal die Summe von 493 M. 75 Pf. Die Ausgaben belaufen fich auf 472 M. 45 Pf. E» bleibt somit ein Bestand von 26 M. 30 Pf. Die Reoisoren erklärten, die Kasse sowie Bücher in bester Ordnung befunden zu haben. Hierauf wurde dem Kasstrer Decharge erthetlt. Darauf erstattet« derselbe weiteren Bericht über oie übrigen Quartale de» abgelaufenen VereinSjahreS. Auch dieser Bericht wurde von den Mitgliedern durch ErHeden von den Plätzen al» ordnungsgemäß anerkannt. Hierauf wurde auf Antrag deS Herrn Rennthaler deschloffen, eine RevifionSlommisston au» der Mitte der Mitglieder zu wählen, welche in der nächsten VereinSoersammlung den Mitgliedern Bericht erstatten soll. Alsdann sprach Herr Rennthaler weiter über die Thätigkett de« Verein». Jeder Kollege resp. jede» Mitglied werde wissen, wie die Steinträger fich vor der Vrreinigung standen. Der Verein habe die Interessen der Kollegen in jeder Hinficht zu wahren unv zu fördem gesucht. Er habe seine Existcnzfähigkeit vollauf bewiesen und die er- zielten Erfolge wären dem Verein zuzuschreiben. Auch in Zu- kunft sollten die Kollegen im Sinne deS Vereinsstatuts han- dein und dieses aufrecht erhalten, dann würden auch wettere Erfolge erziett werden. Redner fordert« auf, dahin zu wirken, daß alle Kollegen Mitglieder de» Vereins werden.— Herr Wallenthin meinte, daß eS nöthig sein würde, in Zukunft den neugcwählten Vorstand in seinem Streben ebenso thatkräftig zu unterstützen wie den Küheren Vorstand, dann würde der Verein eine segensreiche Thätigkett entfalten können. Redner forderte ebenfalls auf, immer mehr Kollegen dem Verein al» Mitglieder zuzuführen. Alsdann wurde zur Wahl de» gesammten Vorstände» geichritten. Es wurden folgende Herren gewählt: Erster Vorfitzender Herr Wallenthin(früher zweiter); zweiter Vocsttzender Herr W. Noack; erster Schriftführer Herr Gutsch (früher zweiter); zweiter Schriftführer Herr Sprenger; zum ersten Kasstrer wurde Herr Steinberg mtt allen gegen eine Stimme wiedergewählt. Herr Vogelländer wurde als zweiter Kasstrer ebentall» wiedergewihll. Zu Revisoren wurden ge- wählt die Herren Liederitz, Dralle und HarlleiN. Hierauf wurde eine RevifionS Kommisfion auS fünf Mitgliedern bestehend gewählt; aus der Wahl gingen hervor die Herren Friese, Brunke, Philip und Hick. Zu „VereinSangelegenbetttn" wurde von Herrn Wallenthin de- antragt, dem versto' denen Kollegen zu seiner Beerdigung einen Kranz zu widmen. Der Antrag wurde angenommen. AlSdann verlas Herr Rennthaler ein Schreiben von der Staatsanwall. sckaft in Sachen der Beschädigung von VereinSeigenthum(einer Aushäng-tarie) durch einm Kollegen. Die StaatSanwallschaft lehnte die Anklage deS Betresser.dm ad, well derselbe angegeben, die Beschädigung auf Veranlassung der Wirthtn, in deren Lokal die Karte authing, vorgmommm zu haben. Herr Renn- thaler ersuchte den neuen Vorstand, fich genau zu infotmiren und die Sache endgtttig zu erledigen. Nachdem noch um zahlreiche Betheiligung an der Beerdigung de» verstordenm Kol legen ersucht wo. den war, schloß der Voi fitzende mit einem Hoch auf daS Gedeihen deS Verein« die Versammlung. br. Die Versammlung de» Berltuer Arbeiterverein», die für Montag(bei Gratweil) angekündigt war, durfte nicht stattfinden. Dem Vorfitzenden de» Verein» war settenS de» Polizeiprästdium» da» fvlgmde Schreibm zugegangen:„Die von dem Unternehmer Herrn Krebs nachgesuchte Gmehmigung zu den Versa.nmlungm am 21. Juni, 5. und 9. Juli, 2., 16. und 30. August, wird hiermit versaut, da der Antrag vom 19. d. M. weder den Zwecks der Versammlungm angiedt, noch die Angabe enthält, od eine Sammlung in den Versammlungen stattfindm oder Entree erhoben werden soll, und derselbe somit den Anforde? ungen der Bekanntmachung de» PolizeipräfiviumS vom 13. Mai(Jntelligklijdlatt Nr. 112) nicht entspricht. Kgl. PolizeiplSstdtum. v. Richthofen." Verein für Technik und Gewerbe, Mittelstraße 65, Mittwoch, Abend» 6% Uhr, Vortrag. Gäste willkommen. Kranken«nd Begräbnihkasse der Gürtler«nd Bronzenre(Eingeschriedrne HilfSkaffe 60). Außerordentliche Generalversammlung am Sonntag, den 27. Juni, Vormittag» 10Vi Übt. im„Louisenstädtischen Konzerthause", Alte Jakobs« straße 37. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Verschiedenes. Der BeztrkSveretn der arb. Bevölkern«« de» S.W, Berlin» deadstchtigte am Mittwoch, den 23. Juni, eine Versammlung mit folgender Tagesordnung abzuhalten: Vortrag de» Prof. Dr. Petri über die im Waffer vorkommenden mitto- fiopischen Thiere und Pflanzen. Die polizeiliche Genehmigung wmde jedoch versagt. Die Zahlstelle für die Vereinsbeiträge brfindet fich jeden Sonnabend von 8—10 Uhr Abends Gneise« naustr. 17. Die polizeiliche Genehmtgnng wurde versagt der zu Donnerstag, ven 24. Juni, anberaumten Versammlung de» Arbeiterverein»„Hoffnung" in FrievrichSberg. Verein znr Wahrung der Interessen der tu der Hut» fabrtkatio« deschättigten Arbeiter. Sonntag, den 27. Juni, AuSflug der Mitslteder mit Famtttt nach Friedrichsfelde. Ad- fahrt Mittag» 1 Uhr 15 Min. vom Schlestfchen Bahnhof. Der Fahrpreis beträgt für Hin« und Rückfahrt 20 Pf. Gäste find willkommen.— Die letzte Vereinsversammlung am Montag, den 21. Juni, konnte nicht abgehalten werden, well die polizei« liche Gm-hmigung hierzu versagt wurde. Jachverein der Tischler. Die Bibliothek de» Verein» ist am Donnerstag Abend von 8 Uhr ad in Jordan» Salon, Neue Grünst'aße 28, für die VereinSmitalieder geöffnet.— Diejenigen Mitglieder, welch' die„Neue Tischler-Zeitung" be« stellt haben, können fich die letzten Nummern derselben von Herrn Lindner, Hollmannfir. 43, IV, jeden Abend von 8 Uhr an abholen._, Gera. Am 18. Juni sollte hier Frau Guillaume-Schack in einer öffentlichen Frauenverfammlung einen Vorttag halten. Die Versammlung wurde aber von Seiten der Behörden ver« hindert, indem die Herausgabe der Bescheinigung über recht« C erfolgte vorschriftsmäßige Anmeldung ohne Angabe de» ide» verweigert wurde. Freie Organisation junger«anfleute. Mittwoch, den 23. Juni, Abenvt 9 Uhr, in den Arminhallen, Kommandanten« stioße 20, außerordentliche Mitgliederversammlung. Gäste find willkommen. In der Luxntpaptersabrik von Hai»& Moller, Melchiotstr. 23, ist in der Prägerei der Streik, nachdem der Versuch einer gütlichen Vereinbarung fetten» der Arbeiter mtt den Fabrikanten gescheitert, nunmehr ausgebrochen. Die Ar« better, welche bei einer 12stündigen NachtarbeitSzeit, ohne Unter« drechung, einen Lohn von 15—17 M. verdienten, haben eine Lohnerhöhung von 10 pCt. verlangt, welche Forderung ihnen aber von ven Fabrikanten rundweg abgeschlagen wurde. Da diese Forderung von jedem denkenden Ardeiter nur als eine gerechte angesehen werden wird, so bitten wir sämmtliche Ar« eiter, hauptsächlich aber die Gewerkschaftsgenoffm, im* in unserer gerechten Sache zu unterstützen und vor allen Dingen den Zuzug von genannter Fabrik fern zu hatten. Alle arbetter« freundlichen Blätter werden um Aufnahme dieser Notiz ge« beten._ Kleine Mtttheiltmge«. Hirschberg, 21. Junt. Seit gestern Abend fällt im Ge« birge und hier ununterdiochen Regen. Der Bober und Zacken find, wie der„N«t.>Ztg." telegraphirt wird, heute Vormittag ausgetreten. Der Zacken hat Herischdorf, Kunnersdorf und die Sandvorstadt in Htrlchberg unter Wasser gesetzt. Da» Waffer steigt noch immer rapide. Der Boder hat auch schon vielfach die Ufer verlassen und droht eine große Ueberschwemmung. Die Ueberschwemmungen des Zacken und des Boder find so dedeutend wie noch nie. Die Flüsse steigen rapide weiter. Für die überschwemmten Ortschaften desteht große Gefahr. Die Feuerwehren find alarmirt, der angerichtete Schaden ist de« deutend. Der Boberpegel ficht auf 3,5 Meter.— Ein Telegramm vom 22. Juni meldet: Nachts 2 Uhr hatte der Bober den höchsten Stand(4 Meter) erreicht. Seitdem ist derselbe um 0,2 Meter gefallen. Auch auS Warmdrunn wird da» Zurücktreten des Zacken gemeldet. Wien, 21. Juni. In Folge von starken Regengüssen, welche von Sonnabend Abend dt» heute Vormittag andauerten und namentlich gestern Abend von heftigem Sturmwind de- glittet waren, find der Wier.fluß und die Bäche in der Nähe der Hauptstadt stark angeschwollen und stellenweise aus den Ufern getreten. Mehrere Ortschaften find überschwemmt, Wein« fluren und Felvfrüchte deschädigt, zwei Menschen in den Fluthen de» WienfluffeS umgekommen. Der Bahnköiprt der Franz Josefs Bahn ist an einigen Stellen, wenn auch nicht er- heblich, deschädigt. Auch au» Böhmen, Schlefien unv Ungar« werden Wasserschäden gemeldet. Letzte Nachrichte». Zum englische« Wahlfeldzug. Gladstone erklärte, nach der„Voss. Ztg.", vorgestern in seiner Rede in Edinburg, die Lösung der irischen F-age sei bochnothwendig, damit daS Par- lament fich anderen F.agen, sotialen wie kirchlichen, widmen könne. Gegenwärtig hindere sie jeden politischen Fortschritt. Dieses Hinderniß müsse auS dem W-ge geräumt werden. Beide irischen Vorlagen seien todt, eS handle fich nur um die Prin« zipienfrage, od Jiland eine Legislatur für rein irische Ange- l-genheiten erhalten solle. Irland» Forderung sei weise und mäßig; werde fie verworfen, so würde England niemals im Stande sein, Irland zu regieren. Die belgische Regierung beabstchtigt, nach dem„Berk. Togedl", der Kammer mehrere sozialpolitische Gesetze»»-rlagen zu unterbreiten; insbesondere find Maßregeln gegen die Trunk« sucht(!) und für die Einschränkung der Kinder- und Frauen- arbeit in den Bergwerken in AuSstcht genommen. Von einem Ärbeitertnmult in Frankreich weiß wie- derum der Telegrcph zu berichten. 1200 Ardeiter belagerten den Fabrikbesitzer Franc in Anonrap(D-p. Acdöche), weil er einige arSIändische Arbetter angestellt hatte, und wollten ihn lodtschlagen(?). Er wurde rechtzeitig von Gcndarmen befrett. Da» österreichische Abgeordnetenhaus hat den Zoll- taiif in dritter Lesung mit 157 gegen 86 Stimmen angenommen. Ebenso wurde der Ge'etzentwurf, betreffend die nochmalige Verlängerung de» Südbahngesetze», angenommen. Die Session wird heute geschloffen. *** Zu de« Reichltaglsttzunge«. Auch die„Kreuzzeitung" schreibt nunmehr: Gegenwärtig gewinnt in Parlamentskreisen die Ueder, eugung Raum, daß der Reichstag nur etwa drei Sitzungen abhalten. daß also am Montage spätesten» der Schluß der Session erfolgen werde. Wie jetzt oerlautet, de« steht an maßgebender Stelle die Abficht, sofort nach der z reiten Berathung deS Branntweinsteuer- Entwurfes den Schluß der Session auszusprechen. Da nun die zweite Lesung der Vor- läge nach dem KommisflonSberichte schon am Montag wird er- folgen können, so ist da» Ende der ReichStagSverhandlungen baldigst zu erwarten._. ,, Die Retch»:ag»wahl für den 10. ReichStagS-WahllreiS (Lauendurg, früherer Vertreter Graf Herbert Bismarck) ist au den 21. August d. I. festgesetzt. Als Kandidaten find Gra' v. Bernstmff-Stintendurg und Kammerrath Berlwg-Büche» aufgestellt. Kriefkaften der Redaktion. P. Wenn nicht ausgemacht ist, daß Ihr Geldmann au« an einem etwaigen Geschästsoerluste lhestnimmt, so liegt ein Darlehn vor, und find Sie berechtigt, daffelbe mtt sechSmonm- licher Frist aufzukündigen. Im Uebrigen ist der Vertrag rech»' gillig; eS würde Ihnen nur möglicherweise der Einwand d» Wuchers zur Seite ft-hen, wenn Sie nachweisen, daß Jens* Ihre Nothlage oder Unerfahrenhett gekannt und zur Erlangung der wucherltcden Vortheile auSgebeuret hat... A. W. 1000. 1. Die einzelnen Alimentenraten vnjährtn in 4 Jahren vom 31. Dezember desjenigen Jahre» an,? welchem fi: fällig waren. 2. Der Fabrikant ist nicht oerpflich»!' eine Direktrize ohne die vereinbarte Kündigung sofort zu ttu- lassen, weil dieselbe fich verheirathen will.._ C. P. Der genannte Abgeordnete wohnt in DreSveu- da jedoch der Reichstag am Frettag dieser Woche wieder>u sammenttttt, können Sie den Brief an da» Bureau de» Aei«� lages senden..,„j, H. H. Da Ihr Schwager Ihnen doch wahrscheiiü«* monallichMiethe zahlt, so muß er am 1. August ausziehen, l fern Sie bis zum 15. Juli ihm kündigen. W. A. Wenn ein vermögender Sohn seiner hil'sbedürfttlL Mutter anbietet, zu ihm zu ziehen und bei ihm kommen unterhatten zu werden, so hat er seine W"7, erfüllt und kann nicht auf Zahlung einer Geldun terstüejm verklagt werden, wenn nicht etwa Gründe vorliegen, w" ein Zusammenwohnen Beider unmöglich machen. v/viiiiui« vao naajfic a/i"» vv" y al» Unterlage gegebenen Pfandschein nicht und lassen 0» einen etwaigen Ueberschuß vom Leihamte herauSzahlen. w( W. K. 150. Mündliche Auskunft wird Ihnen auf Redavion ertheilt werden.. m> C. R. vlumenftrahe. Da» Gerücht beruht- »ohihett-— Der kleine Belagerungszustand erstreckt si*. yst Stadt Berlin, Stadtkreise PolSdam. Charlottendurg, Kreise Teltow, Niederbarnim und Osthaoelland.__ � Verantwortlicher Redakteur R«ronheim w Berlin. Druck und Verlag von Rax vadtng in Berlin 8W.. Beuthftraße 2.