Nr. 144 DotmerSag» den 24. I«tti 1886. HL Jahrg. McrWKM Frgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Pcdalttio»: KeathNralir 3,— Crpcditio»: Dimmerstrxße 44. Die KilmilllPM. Man!««» heut« billiger Weise einmal frage», was denn au« der vielberufe««» Kolonialfrage geworden ist. Der Reichstag hat ja seine„Schuldigkeit" getha»; er hat dem Gouverneur von Kamerum eine Dampfbarkafie und im Weiteren für Kam.tun eine nicht unbedeutend« Summe für die Errichtung von— Gefängnissen bewilligt, so daß die Zivilrsation in vollem Staat ihre« Einzug in jene Gebiete halten kann. Aber wo sind jene rosigen Träume geblieben, die über der äußeren Politik de« Reiche« wie leichte Wölk» che» schwebten, jene glänzende« Verheißungen, die ua« glauben machen sollten, daß üb« Deutschland nunmehr eine neue Aera de« Glück« und de« Wohlstande« aufgehen werde, nachdem wir einige Küstenstriche in Afrika besetzt und dort da« Reichsbanner aufgepflanzt hatten? Nun, in jener Zeit de«„Kolonialfieber«" erHobe« wir unsere Stimme, warnend und spottend zugleich, allein wir wurden so wenig gehört wie alle Andere«, die an de» so grell glrißevden Traum nicht glaube» wollten. Wir hatte« ja Zeit, wir konnte» e» ja abwarten, wie die Kolonialpolitik, diese Sammlung sonderbarer Zdeen, verlaufe» würde, ja, sonderbarer ist wohl«och kein Gedanke gewesen, al« der, «in große« Volk in Mitteleuropa, da» eine mehr al« zwei- tausendjährige Geschichte hat, und heute an einer tiefe» volkSwiithschaftlichea Misere leidet, zu Wohlstand und Blüthe bringen zu wolle« durch de» Erwerb einiger kleiner Landstriche in Afrika, die sich«och dazu al» gänzlich un» brauchbar erweise». Wen» die Regierung von China sich die Lüneburaer Haide ankaufen würde mit der autge» syrochenen Absicht, dadurch die ökonomische» Verhältnisse »W chinesischen Reiche« zu hebe», so würde diese Wirth» schaftspolitik jedenfalls eine sehr scharfe Kritik erfahre«. Bei ün« aber giebt e< Leute, die Alle« vortrefflich finde», wa« «»mal im Zuge ist, wenn e« nur de« Segen von oben hat. Die Warnungen erfahrener Aerzte, Naturforscher und Afrikareisenden habe» nicht genügt, da« Kolo« uialfieber zu vertreibe«. Erst al« man preußische Unter» Bfsiziere suchte, die in Kamerun gegen hohe« Gehalt den Tendarmendienst übernehmen sollte», und al« man fast keine fand, da wurde« die Kolonialschwärmer denn doch stutzig, den» wohin sich selbst ein preußischer Unteroffizier nicht zu Sehe« getraute, da muß den« doch wohl nicht gut wohne« M». Nur kommt aber auch noch der Bericht de« Kom- wissar» Göhring über Lüderitzland, welcher»achweist, daß dort eigentlich gar nicht« von Bedeutung ist, als der Fischfang. Diese« reiche» Fischfang könnte man, so �"* Ire«, daß die Fische in ihrer in Europa verwendet werde«. weint der Bericht, so organifir große« Anzahl al« Dünger in JeuMeton. «rtHm.]- M«e Mutter. Roman von KrtedrichiSe,'rftSSe». (Fortsetzung) Am ander« Morgen. Lange hatten keine zwei, solcher Art zusammentreffende Ereignisse die Gemüther einer Stadt so gleichzeitig und in alle« Schichten der Gesellschaft in Aufregung gesetzt, al« die w de« vorige« Kapiteln beschriebene». Da war fast kein Hau« in Haßburg, bi« zu der »iedrigste» Hütt« hinab, da« sich nicht für de» eine» oder ander» Theil der Tragödie interessirte, den« Graf Monford war nicht besser und genauer in de« höheren, al« Handor de» mittlere« Kressen bekannt: und selbst die Handarbeiter � � � v-- n-.TT. sei« dürfte, sonder« jedenfall« bei der Flucht der »gen Gräfin geholfen habe« wußte. ou und unwahrscheinlich, vas nuyi oorp o»(viiycn w«. egenheiten eine Menge von Gläubige« und Weiterträger» »»de. Leider liegt e« dabei nun einmal im Mensche»— der, wen» da« zu allgemein ist, doch in dem größte« Theil er zivilifirte« Welt—, daß sie am liebste« Böse« oder cachthcilige« von ihre« Mitmensche« höre» und e« mit viel tößerer Vorliebe nacherzählen, al« da« Gegentheil. Selbst »te Mensche», die nie mit Abficht einem Andern ei« Unrecht der ei»«» Schade« zufüge» würde», verweilen mit weit espannterem Interesse bei irgend einer EchreckenSkunde, mem verübten Verbreche» oder eine« Unglücksfall, wie bei 'gend einem freudige» Ereigniß, und betrifft die Sache nun ar bekannte, oder,«och mehr, befteundete Familie«, so onne« e« die verschiedenen Persönlichkeiten kaum erwarte«, Fischdünger al« Resultats unserer rnge« I Der Also die Erzielung von kolonialpolitische« Bestrebungen! Der Herr Kommissar weiß wohl kaum, wie e« bei un« schon mit dem Fischdünger oder Fischguano, wie man nicht zutreffend sagt, zuge» nen ist. Bei Eckernförde in Schle«wig» Holstein en oft so viele Häringe gefangen, daß die Räuchereien keine Verwendung für dieselben habe«. Die Bauer« holen sich dann�die überschüssigen Fischmenge» al« Dünger gegen ganz geringe« Entgelt. E« ist aber schon vorgekommen, daß die überschüssige« Fische zu zahlreich waren; die Bauer« wollte» sie nicht einmal umsonst habe« und der Düngstoff vermoderte unbenutzt an der Küste von Eckernsörde. Man wird also keine große Sehnsucht«ach den Fsschleiche» von Angra Pcquena habe« und die«atio» «ale Düngermissio» de« Herrn Lüderitz dürfte von vorn» herein keine Aussicht auf irgend welche Bedeutung habe«. Wa« wir dagegen an diesen famose» Kolonie« habe«, da« ist die Aussicht, durch dieselbe» de» intern atio« «alen Verwickelunge» und Streitigkette» näher gebracht zu sei«, den» früher. Der Streck um die Karolineninsel« hat bewiese», mit welcher Schnelligkeit solche Stteitigkeite« herbeigeführt werde» könne«. Nicht immer dürfte e« dem Mann auf dem Stuhl Petri zu Rom ge» lingen, solche Streitigkeiten zu schlichte«. Nehme« wir an, daß»wische« England und dem Deut» sche« Reich Kolonial» Korflikte entständen, und daß sie sehr leicht entstehe» könne«, liegt auf der Hand. England wird schwerlich den Papst al« Schiedsrichter aner» kennen wollen, wen» e« überhaupt gewillt ist, sich einem solchen zu unterwerfe«. Und dann! Nu«, wer möchte die Eventualitäten berechne«, die au« einer solche« Verwickelung entstehe« könnte« I Die Kolonialschwärmerei dürste jetzt so abgekühlt sei«, daß man dieselbe kaum»och für einen ernsthaften Faktor unsere« politischen Leben« nehme« kann. Zu den«igent» liche« Kolonialschwärmer» gehöre» nur noch jene Spieß- bürger und servile« Professoren, welche die Kolonie« Haupt- sächlich für DeportatronSzwecke erworben wisse« wollte«. Sie sprachen et ganz offen au«, daß sie so dach- te«. Sie glaubte«, durch massenhafte Deportation könnten sie sich der„überflüssigen" Arbeittkräfte entledigen, und so dann dachte man wohl auch daran, die po Wisch unbequeme« Elemente abzulösen. Oppofitio- «elle Journalisten für ihre Preßverbreche» durch eine Reise«ach Kamerun und eine« unfteiwillige» "'irgen dasell längeren Aufenthalt in de« so gepriesene« Gebirge» daselbst ---- em Philister gar nicht so äume nicht in de» Himmel büße« zu lasse», däuchte manchem Philister gar nicht so übel. Doch auch hier sind die'"' gewachsen. Fasse« wir alle« zusammen, so müssen wir zu dem bi» sie im Stande waren, der Sache die weiteste Verbreitung zu gebe». So verworren und unbestimmt alle solche„ersten Gerüchte" aber überhaupt sind, etwa« Wahre« ist doch gewöhnlich daran, und die Gesellschaft hat besonder««ine kau« zu überschätzende Gabe im Kombinire«, wa« ihr in diesem Fall aber»och außerdem sehr erleichtert wurde. Wie der Gedanke schon an jenem Abend in der„Hölle" aufgetaucht und autgesproche» worden, daß die Flucht de« erste« Liebhaber« am Theater mit dem der junge« Gräfin auf da« genaueste m Verbindung stehe« könne, so ver- breitete sich diese Erzählung de« Geschehenen al« unwider» legbare Thatsache am nächsten Morgen durch die ganze Stavt, und die Gräfin Monford hätte jene« Abschiedsbillet ihrer Tochter nicht so sorgfältig zu verbrenne« ge» braucht; der Inhalt desselben konnte nicht genauer überall bekannt sei«, und wen» e« Feodor Strohwisch selber ge» lese» hätte. E« gab de« Neue» aber in der That auf einmal zu viel, um e« gleich ordentlich zu sichten und zu verwerthe», und wahrlich, der Stoff, wen» nur ordentlich«ingetheilt, würde für de» ganze» Sommer und bi« spät in de« Herbst hinein gelangt haben, um die Gemüther in einer angenehme« Aufregung zu erhalte«. So puffte Alle« mit einem Male in die Höhe; e« war ordent» lich schade. Und dabei solle» die Dame« auch«och ihre» Putz für de« heute Abenb stattfindende« Ball herrichte«, wo jede daraus brannte, Besuche»u machen oder zu empfange». E»«ar da« schwierigste Stück Arbeit, da« sie in ihrem ganze» Leben geleistet, und nur die Ausficht, auch dafür heute Abend wenigstens ihre Meinungen auszutauschen und noch eine Masse interessanter Einzelheiten zu erfahre», konnte sie emigermaßen dafür entschädigen. Unberührt von dem Alle« saß indessen der Held des vorige« Theaterabend», Horatiu» Rebe, in seinem kleine», ärmliche« Dachstübchen und träumte de« verlebte» seligste« Tag seine» Leben« noch einmal durch. Er wußte von Allem nicht«, weder von Handor'« Schluß komme», daß die kolonialpolttische» Bestrebungen gänzlich gescheitert find. Sie mußten schetter», weil keine überseeischen Gebiet« mehr vorhanden find, die sich zu einer vortheilhafte» Kolonistrung eignen. Zu spät! heißt e« auch hier und et geht Deutschland wie dem Poeten bei der Theilung der Welt, nur mit dem Unterschieb, daß ihm kein Himmel offen steht. Da« hätte man alle« vorher wisse« können. Aber man schien e» nicht wisse» zu wolle» I den «r legnein Politische Urberstcht. deutschen Gewerbeautstellung in Ber ern dieser Ausstellung, die außerhalb de t ihren Wobnstt! baden, mettt Bartitular in ihrer Gesammtheit nicht richtig.~ erli«. Von de« Reiche« »auptstadt ihren Wohnfitz baden,' meist"Partttulattstm und Egoisten, wird immer behauptet, daß die deutsche Großindustrie _________ demUnt.rne°hmin fem stehe." D°«ist zu Meißen. """»"» vvn vcn v�nifa�uTBunßfn ors Bundesrats ab, ob derselbe einen ReichSzuschuß von 3Millio. nen Mark gewähren will. Wir halten einen solchen Zuschuß im Interesse der wirthschaftlichen Belebung für viel wichtiger und richtiger, al« die vielen Millionen, welche die ReichSver- tretung für die„deutsche Kolonialpolttik" verausgabt. Wir würden die Nichtgewährung der geforderten, vngleichunaSweise sehr geringen Summe für die Autstellung in Berlin ganz be» sonder« dellagen, well dadurch Bundesratb und Reichstag ----- igten, wie wenig Verständniß ste für die praktisch« der wirthschaftlichen Interessen in der That Förderung befivm. Herr Wtndthorst, die kleine Exzellenz, ist in Dort« mund auf dem katholischen Ardntcrvcrbundöiest am 19. und 20. d. M. in lärmendster Weise gefeiert wordm. Am Sonn» abend veranstattete man ihm zu Ehren einen Fackelzug, am Sonntag einen Festzug, an dem sich ca. 2600 Personen und „vierzehn Mufikkorpi" betheiligten; von auswärtigen Vereinen waren folgend« Orte vertreten: Iserlohn, Hatpe, Hohenlimburg, Böm, Dorstfeld, Castrop, Langendreer, Lünne, Heme, Eamm, Bulmke, Houkardc, Bochum, Witten, Barg«, Schalke, agen, Gelsenlirchen, Ueckendorf, Aplerbeck. Hörde, Watten« scherd, Rellinghausen, Waltrop, Eikel. Unter den Tran«» parenten, die im Festsaale nach dem Fackelzuge sichtbar warm, konnte man folgende bemerken:„Wackrer Streiter, edler Kämpe,— Stehe fest und wanke nicht,— Deine scharf ge« wetzte Plempe,— Trifft so manchen faulen Wicht." Ferner: „Der un« den Kanal gegeben,— Dreimal hoch soll er heut leben,— Dortmund preist Dich doppelt gern,— Seit Du bist der Rettung Stern." Selbst die„Germania" vermag sich über dies« Verse nur damit zu trösten, daß sie„gut gemeint" gewesm seien.— Herr Wtndthorst sprach an beidm Tagen und au« der zweiten Rede heben wir da« Folgende hervor: wirklichem Durchgehen,«och von de» "h in de« ihm überdies vollkommen fremden lonford'schen Hause»uaetraaen.»«d Ereignissm, die gräflich eigentlich keit, gab er sich ganz dem e,m endlich seine« Beruf gefunden zu habe«, daß seine Zuverficht, sei« Vertraue» zu sich selbst ihn nicht getäuscht und daß er im Stande gewesm, nicht allein dem Publikum, «ein, auch sich selber zu beweism, er verdime de» Ramm eine« Künstlers und sei besser als da», wozu man ihn bi« jetzt gemacht und gebraucht:«in Ausfüllsel für werthvollere Stoffe. Wie hatte ihn bi» jetzt Alle« unterdrückt und unter die Füße getrete», vom Direktor nieder bi« zum Souffleur, der ihm ja hier in seinem eigenen Zimmer gesagt, daß er lieber 'uster oder Schneider werden, aber jedenfalls die Bühne verlassm solle, weil er kein Talmt dafür habe! War ihm denn auch nur von einer Seite Aufmunterung und Trost gewordm— nur von einer Seite?" Aber ja, Henriette; sie allein hatte ihn immer getröstet,«mn er sscho» verzweifln wollte, sie allein war lieb und freundlich mit ihm ge« wesm und hatte dm arme« AuSzestoßmm nie fühlen laffm, wie verlorm und verlasse» er in der Welt stehe. Und würde er sie wiedersehe»? Gott allein wußte e»; dm» er ging heute Morgen eine» ernsten Gang, und jede» Augenblick erwartete er dm Frmnd, eine» alten Kommilitone», der hier bei einem Arzt al« Famulu« eingetreten war, zurück, um zu erfahrm, welche Zeit er mit Herr» Handor jür ihr bestimmte« Rmkontre ausgemacht und besprochen habe. Und wen« er fiel?— dann mit Gott, er fiel doch ehrmvoll l Er hatte bewiesm und beweisen könnm, daß er dm Kampf nicht muthwillig und in Ueberschätzung seiner eigene» Kräfte gesucht, sondern daß er dazu durch ungerecht» fertigte Mißhandlung und Heruntersetzung gezwungm wordm. I» diesem Augmblick klopfte e« an die Thür, und eh« er«och„Herein" rufm konnte, öffnete sich diese und der Erwartete trat ew. ..Ueberall und nach allen Richtungen und in einer Fluth von Druckschrtftm ist die Lösung der sozialen Frage versucht und nicht gelöst worden. Die Lösung ist meiner Meinung nach eine sehr leichte(!), man sollte fich nur mehr an die einfache christliche Auffaffung halten. Ader da« ist«S eben, daß die VerhSltntffe nicht mehr von diesem vtandpunlle aui detrachtet werden. ES giebt einfach drei Bedingungen für die Verbesserung des ArbeiterlooseS:„Bete! Arbeite! Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Der feste Glaube an die göttliche Weltordnung und an die göttliche Leitung deS Menschen ist nothwendig ali Grundbedingung für ein glückliches Leben. Ich brauche wohl hier nicht in einem so industriellen Kreis« dem Ardeiter zuzurufen:„arbeite"; zur Arbeit ist aber Gesundhest deS Körpers und der Seele noth- wendig. Schon ist im Wege der Gesetzgebung, bei der auch wir daS beste Wissen mstgeholfen haben, Vieles für den Arbeiter gethan worden; ich erinnere an die Krankenlassen undUnfallSgesetze, aber auch mst der A l t e r» v e r s o r g u n g muß nun vorgegangen werdm.(Lebhafter Beifall.) Aver damit ist eS noch nicht genug; auch in der Arbetterschutzgesetzgedung muß möglichst rasch etwaS gethan werden und vor Allem muß in die Frage der Sonntagsruhe Klarheit kommen. Für deren Wichtigkest in kirchlicher Beziehung brauche ich wohl nicht« zu sagen, aber auch in materieller Beziehung ist fie für den Arbeiter von außerordentlicher Wichtigkeit. Ich weiß sehr wohl, daß eS für manche Betriebe unmöglich ist, an Sonr tagen dt« Arbeit einzustellen, z.B. für die Hochöfen, aber die größte Zahl der Arbeiter kann am Sonntag ruhen und die Arbeit muß eingestellt werden. DaS erfordert daS Gebot Gottes und da« Gebot der Menschlichkeit!(Anhaltender Beifall.) Die Sonn« tagSruhe, die bringen wir Ihnen gewiß, wenn auch heute noch nicht; denn waS in England möglich, daS ist bei unS gewiß möglich. Wenn ich endlich hinwies auf daS Gebot,„liebe deinen Nächsten wie Dich selbst", so meine ich damit daS Verhältntß zwischen Arbeitgeber und Arbeiter. Letz« terer soll den Ardeitern gleichsam ein gemeinschafllicher Vater sein und so sollen ihn auch die Arbeiter betrachten. Der Ar« beUgeber soll seine Leute nicht als Instrumente betrachten, auS denen möglichst viel Nutzen zu ziehen, sondern als seine Kinder. Und nun warne ich Sie, meine Herren, fich nicht von jenen neuen Irrlehren bethören zu lassen. die dem Arbeiter ein Leben ohne Arbeit versprechen(?). Und diese Irrlehre wird keinen Eingang bei den Arbeitern finden, so lange fie noch auf jene von mir genannten drei Grundlehren hören."— Also Arbeiterverficherung, Sonntagsruhe und ein zuvorkommen« de« Verhältniß zwischen Unternehmer und Arbeiter,— diese drei Kleinigkeiten umschließen nach Herrn Wtndthorst„die Lösung der sozialen Frage". Da« zeugt jedenfalls von einer sehr bescheidenen Aussassung de« größlen Problems unserer Zeit und andererseits von einer großen Rückftändigkeit der katho ltschen Arbeiter, die fich mit solchen Redewendungen begnügen. Diätenprotesse. Vorsitzender der 4. Zivilabtheilung de« Reichsgerichts, in welcher am 24. November der Diätenprozeß FiikuS kontra Hasenclever zur Entscheidung kommen wird, ist der ReichsgerichtSpräfident Dr. Simson. Unter dessen Vorfiy wurde bekanntlich 1867 auch die norddeutsche BundeSver- faffung im Reichstag berathen. Auf seine Interpretation darf man also doppelt gespannt sein. A«< de« Handelskammerberichte«. Der soeben er« schienene Jahresbericht der BreSlauer Handelskammer für 1885 entwirft ein nicht« weniger als erfteulicheS Bild der wirth- schastlichen Lage. Fast alle Betriebszweige führen berechtigte Klagen über stockenden Absatz, gedrückte Preise und äußerst re- duzirten GeschästSertrag. Diese traurige Thatsache wirft aber um so niederdrückender, ali fie nun schon seit Jahren da« ge- schäitlichc Leben charaktertstrt und die AuSstchtm auf eise Besserung nur sehr gering find. Die Ueberproduttion, die Konkurrenz d«S AuSlande», die da» Geäder de« internationalen Handel« unterbindende Zollpolitik bleiben auch diesmal die wesentlichen Faktoren, welche die wirthschaftliche Lage im all« gemeinen und der Provinz Schlefien im besonderen schädigend beeinflussen. Einen der wenigen lichten Punfte in dem abge« schlossenen Berichtsjahre bildeten die Beendigung der Oder« regulirungS-Ardeiten, sowie die den Parlamenten zugegangenen und zum Theil bereits angenommenen Kanalvorlagen. AlS für die Absatzverhältnisse einzelner angesehener BreSlauer Han> dclShäuser zehr nachtheilig werden zum Schlüsse d«S Jahres« berichts die Polenausweisungen hingestellt, und da« gewiß mit gutem Grunde, denn Schlefien ist durch seine geo« graphisch« Lage auf den Verkehr mit den Nachbarländern Polen und Galizien hingewiesen. In welch einschneidender Weise aber die Revanche sestmS unserer polnischen Nachbarn geübt wird, darüber find unsere Leser durch häufige Mitlheilungen genügend unterrichtet.— Auch der Bericht der Geraer Handels« lammer pro 1885 konstatirt, daß fich von der Lage der In- dustrie und de« Handel« im vergangenen Jahre ein erfteulicheS Bild nicht entwerfen lasse. Die Industrie habe vielmehr schwere Verluste zu verzeichnen, eS wird über Ueder« Produktion, vermehrte Konkurrenz und Abnahme deS ExxoftS geklagt. .Nu«, Frank, wie steht'«?" rief ihm Rebe entgegen. „Wann ist die Zeit? Je eher, desto besser!" „Höre, Rebe," sagte der jung« Man»,.wenn Du Dich absolut schlage« willst, so mußt Du Dir schon eine» Ander« suchen, den» Handor ist fort!" »Fort?" „Ich hörte schon gester« Abend darüber munkeln, mochte Dir aber nicht» davon sage», bis ich mich selber überzeugt hätte; aber et hat seine Richtigkeit. AuSgeknjffen «ach allen Regel» der Kunst; aber wohl kaum de« Duell« wegen, sonder» mst einer jungen Dame au» einer der erste« Familien der Stadt, der Komtesse Monford, und mit Hinterlassung eme« negative« Vermögen« von zirka zwanzig- tausend Gulden." .Und gestern Abend schon?" „Vor Dunkelwerden ist er noch gesehe« worden; jetzt sucht ihn alle Welt, und wird er wirklich eingebracht, möchte er wohl kaum im Stande sei«, Dir Genugthuung zu gebe«. Sei übrigen» ftoh, den» Du bist auf dies« Art die«»an- genehme Geschichte am beste« lo» geworden." .Ich begreife«och immer nicht.. »Du wirst das Nähere schon über Tag hören, den« die ganze Stadt ist voll davon; ich selber Hab« ab«, keine Zett, den» ich muß zu Monford» hinaus, wo gester« ein Mensch, der fich seit einigen Jahre» hier im Laad herumtreibt, bei« Wilder« vom Förste, erwischt ist und einen bösen Schuß in den Schenkel bekomme» haben soll. Also auf Wledersehe»! Sobald ich kann, komme ich zu Dir; die Lache ist aber abgemacht und Du brauchst Dir deshalb nicht weitere Sorgen zu machen."— Und seinen Hut aufsetzend, schoß er au» dem Zimmer. Rebe ging eine Weile mit gekreuzten Arme« t* semem kleine« Kämmer che« auf und ab. Was war nicht Alles vor« gefalle« in de« karzen Tagen, wie drängte fich Ereigaiß auf Ereigniß, und wie würde fich selber jetzt sein Schicksal ge- stalten?— Handor fort auf Nimmerwiederkehre«, den« nach dem Geschehenen wäre ja doch seine Stellung am hiefigen Theater unhaltbar gewesen. Sein eigener Kontrakt war dabei mit dem heuttge« Tage abgelaufen, und er sollt« jetzt die Stadt verlassen, in der er Alle« zurücklasse« mußte, an Der Jahresbericht des Vereins Hamburger«heder wendet fich nach der Hamb.„Bürger Ztg." gegen die Unfall« verficherung für Seeleute und flihrt namentlich dm ungemein scharfm Wettbewerb der ausländischen, nammtlich englischen Rhederei als G-und gegen M hrdelastungen an. Diese Oppo« fition wird ihnen fteiltch schließlich so wenig al» seinerzeit dm Jndufiriellm etwaS Helsen. Verstaattichnng der Hagelversicherung. Bei der zweitm hessischen Kammer ist ein Antrag de» Abge- ordneten Schröder eingelaufen, dahin gehmd:„Die Kammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchm um: 1. um- fassende insoweit nöthig wie möglich außerhalb deS Groß herzogthumi vorzunehmende Erhebungen zur sorglichen Prü- fung der Frage, ob und eventuell auf welchen Grundlagen eine Staats anstatt zur Verficherung gegen Hagelschaden mit Versicherungszwang errichtet werdm kann, wie solche für die Immobilien- Brandverficherung seit Menschen- altern in unserem Lande wirksam ist? 2. um geneigte Mit- theilung der zusammengefaßten Ergebnisse dieser Unter« suchungen und der darauf gegründeten Anfichtm über dm Gegenstand." Die Uebernahme der Haftpflicht durch die Eisen- bahnen für ihre Ardeiter, welche daS Auf- und Abladen der Güter besorgm, suchen die Äeltesten der Berliner Kauf- Mannschaft in einer Eingabe an dm Eismbahnmintster herbei« zuführen. Die Fortbildungsschule in Bayer«. Von Sellen der bayerischen Regierung wird gegenwärtig Umfrage gehalten, ob es in detheiltgten Kreisen für wün.chcnßwerth erachtet wird, daß der frühere RechtSzustand wiederhergestellt werde, wonach die Handlungsgehilfen und Lehrlinge zum Besuche einer Fortbildungsschule gesetzlich angehalten waren. Sowohl die mittelftänktsche Handel»« und Gnveibe- kammer wie auch der Nürnberger Eladtmagistrat hat fich hierauf in vemeinmdem Sinne ausgesprochen, da von einem fteim Schuldesuche bessere und größere Erfolge zu erwartm und auch thatsächlich schon erztell worden seien. Wir be« zweifeln da», schon deshalb, weil viele Meister und Prinzipale ohne Zwang ihren Lehrlingen gar nicht die nöthige Zeit freigeben, um zur Schule gehen zu könnm. Antisemitische« ans Darmstadt. Der„Franks. Ztg." schreibt man: Ein zeitlich schon etwa» zurückliegender Vor- gang, der erst dieser Tage zu unserer Kenntniß gelangte, dürfte interessant genug sein, um ihn noch nachträglich in die Oeffentlichkeit zu ziehm. Eine SchulamtSaspirantin jüdischer Konfesston, die die Prüfung mit„gut" bestanden, hatte fich behufS geneigter Berücksichtigung bei Vergebung von Lehre- rinnenstellen an das Ministerium, Abtheilung für Schulange« legenheiten, gewendet. Darauf erhielt fie folgende Antwort: An Fräulein so und so.„Auf Ihre Eingabe vom 27. v. M. erwidern wir Ihnen, daß zur Verwendung von SchulamtS- aspirantinnm israelitischer Religion im diesseitigen öffent« lichen Schuldienste vorläufig leine Gelegenheit gegeben ist. Knorr." Zur kommunale« vierstener. Au» Hamburg wird geschriebm: Vor einigen Wochen hatte der Hamburger Senat mit dem Altonaer Magistrat eine Uedereinkunft geschlossen, daß für Hamburg-Altona eine gemeinsame Biersteuer erhoben werden sollte. In den Kreism der Gastwirthe wie im Publi« kum war man damit natürlich nicht einverstandm, und der Widerwille gegen die beabstchtigte Maßregel machte fich in energischer Weise geltend. Die Bllraerschaft überwies den An- trag de» Senats auf dem üblichen Wege zur Berichterstattung an einen desonderen Ausschuß, welcher flch sehr eingehend mit dem Gegenstande beschäftigte. Der umfangreiche und äußerst klar gehaltene Bericht des Ausschüsse», erstattet von dem BürgerschaftSmitgliede Dr. Dräuert, bedauert, daß ein solcher Versuch, daS Gastwirlhsgewerbc noch wetter zu besteuern, über« baupt vom Senate hake gemacht werden können.— Die letzte Versammlung der Bürgerschaft, in welcher die„Biersteuer" auf der Tagesordnung stand, nahm nun bei diesem Punfte einen interessanten Verlauf. ÄIS der Präfident den Antrag des Senat» zur Abstimmung ankündigte, erhob fich auch nicht eine Stimme für die Annahme desselben, selbst die intimsten Freunde des Senat» stimmten dagegen. Die neue Zumuthung an die Gastwirthe Hamburg-Altona» wurde sonach einsttm- mig abgelehnt. Die Frankfurter Sozialdemokraten statteten am 20. Mittag» den drei Grädem ihrer verstorbenen Parteigenossen auf dem Friedhofe einen Besuch ab. ES mochten wohl Über 200 Personen sein, welche fich um 3 Uhr trotz strömendem Regen dort eingefunden hatten. Nachdem fie die Gräber und auch da» Denkmal der Gefallenen von 1848 besucht, verließen Alle ruhig und ernst den Friedhof. Schweiz. Zu den Züricher Ausschreitungen bemertt daS liberale„Luzerner Tageblatt":„ES stellt sich nun herau», daß ein großer Theil der Schuld aus dm Polizeihauptmann Fischer fällt. Fischer hat, wie mir von wohlhabenden Bürgern giorunter ein Schloffermeister) posttiv verfichert wird, den chlossermeistern schon vor einigen Wochen daS Versprechen dem sei« Herz, seine Seele hing. Und war eS doch vielleicht möglich, daß er noch blieb? Warm die fteund- lichen Worte, die ihm der Direktor gester« Abend«ach der Vorstellung gesagt, nicht blo» eine leere Höflichkeitsform gewesen, die er heute vergessm hatte oder vielleicht gar bereute? Wieder klopfte e» laut und herzhaft an, und auf Rebe'» „Herein" öffnete fich die Thür und Feodor Strohwisch stand in Lebensgröße auf der Schwelle. Rebe war in der That erstaunt, den» der gefürchtete Rezmsmt Haßburg» yatte ihn bi« jetzt, wie er für ihn in der Kritik nie ander» al» höchstms in einer höhaischm Be- merkung existirte, kaum eine» Blickes gewürdigt, wm« er ihm auf der Straße begegnete, ja. selbst die Form de» gewöhnliche« Aastandes so weit außer Acht gelassen, ihm nicht einmal auf einen Gruß zu dankm, so daß ihn Rebe von da an ebenfalls ignorirte. Und der besuchte ihn jetzt? Rebe war so erstaunt, daß er nicht einmal gleich wußte, wie er ihn vnpfavgen solle. Feodor Strohwisch überhob ihn aber aller derartige« Bedmklichkette«, den« mit der liebmswürdigste« Kordialität streckte er ihm, währmd er dm Spazier stock unter dem Arm und dm Hut auf dem Kopf behielt, beide Hände entgegen und rief hetzlieh und entzückt: „Lieber, bester Rebe, gefiattm Sie mft, daß ich der Erste sei, der Zhvm zu Ihrem gestrigen ungehmera Erfolge Glück wünscht; Sie könnm gar nicht glaube«, wie ich mich darüber gefrmt habe!" .Herr Doktor," sagte Rebe, de, fich»och immer nicht von seinem Erstaune« erholm konnte,.da» ist in der That ein« Ueberraschuag, Sie bei mir zu sehen." „Und da» wundert Sie?' sagte Strohwisch vollkommm unbefangen;„ich muß Jhnm nur gestehen, daß ich Ihr keimende« Talmt schon lange im Stillen beobachtet und er- kannt habe, wen« ich auch natürlich nicht ahnm konnte, daß eS einmal plötzlich in einer solche» Flamme empor lohm würde. Vortreffliches Bild, nicht wahr? Mit Krüger ist aber nichts anzufangen, der reitet so lange auf seinen Steckm- pferdm herum. bis er fie alle zu Schandm gerittm hat. den» wäre der meinem Rath« gefolgt, so würde er Sie gegeben, den Streik mit Gewalt zu unterdrücken. Er ha heut« Abend um V>3 Uhr einen Verhaftetm, statt ihn ruhig auf der Hauptwache zu belaffm, absichtlich in demonstrativer Weise, zwtschen 8 Landjägern in Uniform nach dem Selnau tranSportirm lassen. Die» reizte daS Volk, das dann auch in der Augustinergaffe mtt Steinen zu werfen begann, worauf die Polizei zu feuern begann... Während ich schreibe, tret- bm fich lärmende Gruppen vor der Hauptwache herum, und um dieselben noch mehr zu vrovoziren, müssen die La djäger mtt aufgepflanztem Bajonnet vor dem Gebäude patrouillirm. ES ist jetzt nur noch eine Stimme darüber, daß die Erbitterung den beiden Verordnungen deS StadftatheS und Herrn SpillerS und der provozirenden Haltung Herrn Fischers zuzuschreiben sei..." So das Luzerner Blatt. Wir meinen, daß durch solche Zeugen da» Gebahren eine» TheilS der deutschen Presse» die Darstellung nämlich, alS ob pure Rauflust die Ursache ge- wesen, genügend gewürdigt ist. Sine Züricher Arbeiterversammlung im Freien, die von gegen 8000 Personen besucht war, verlief äußerst ruhig. ES waren Vereine au» dem ganzen Kanton mtt Fah- nen und Musik zugegen. Die bekannten Vorgänge erfuhren durch den KantonSrath und Redakteur Locher eine scharfe, doch sachliche Kritik. Hierauf wurde eine Resolution angenommen gegen die„verfassungswidrigen" Erlaffe der Behörden, gegen die Polizeidrutalttät und die konservative Züricher Journalistik, welche vom AuSlande abhängig sei. Auch die gerichlliche Ver« folgung der Behörden wurde beschloffen. Der Nationalrath beschloß da» Eintreten auf daS Gesetz betr. die Erweiterung der Haftpflicht mtt 71 gegen 44 Stimmen. Kra»rreich. Der ultramontanen„Germania" schreibt man auS Paris: „Die Ernennung deS durch die brutale Ausführung der Märzdekrete berüchligten ehemaligen Ministers des Innern, Eon« stanS, zum Gesandten in China kommt dem ftanzöstschen Staatsschatz sehr theuer zu stehen, wie fich aus nachstehenden Zahlen ergtedt. So bezieht ConstanS an fixem Gehatt jährlich 80000 Francs, an RepräsentattonSgeldern jährlich 100 000, an Reiseoergütung für sich, seine Familie und Dienerschaft 20000 Franc» und für Einrichlungskosten 26 000 Francs.— macht zusammen 22600� Francs. Für einen republikanischen Ge« sandten von der Qualität eineS Constant ist diese Summe mindestens um die Hälfte zu hoch gegriffen. Doch Frrycinet scheut keine Opfer, um die ihm unbequemen Nullitäten der Devutirtenkammer glänzend zu versorgen, d. h. denselben den Mund zu stopfen." Die Kammer beschloß trotz der gegentheiligen Anficht de» Minister» mit 302 gegen 227 Stimmen eine Zuschlagtaxe für Z e r e a l i e n auf die Tagesordnung zu setzen. Der Gesetzentwurf betreffend die Ausweisung der Prinzen aus Frankreich hat den ftanzöstschen Senat am Montag und Dienstag beschäftigt. Am Montag sprachen Jules Simon und Leon Renault gegen, Chamageran für die Ausweisung. Am Dienstag wiederholte der Ministerpräsident Freycinet die bereits in der Deputirtenkammer dargelegten Gründe für die Vorlage. Er erklärte, daß keine Regierung neben sich eine andere Regierung dulden könne; er nehme die volle Verantwortlichkeit für die Vorlage auf fich. Er«eise den Vmwurf zurück, al» gäbe er den Jntranfiaenten nach; überall sei vielmehr die Ordnung auftecht erhalten worden» sogar in Decazeoille, wo Ereignisse wie in Belgien und Ena- land vermieden worden seien. Da» gemeine Recht sei auf die Prinzen nicht anwendbar, eine Maßregel, wie die der Güter« einziehung sei ebenfalls nicht in Anwendung zu bringen. Die republikanisch gesinnten Senatoren, welche der Vorlage abge« neigt seien, möchten daS höchste Interesse der Republik und die Nothwendtgkett einer Einigung sämmtticher Republikaner ins Auge fassen. Der erste Artikel der Vorlage wurde schließlich mit 137 gegen 122 Stimmen angenommen. In geheimer Abstimmung wurde alSdann die Vorlage in der von der Deputirtenkammer votitten Fassung mit 141 gegen 107 Stimmen angenommen.(Beifall auf der Linken.)— Art. 1 lautet in der von der Deputirtenkammer angenommenen Faffung: Da« Gebiet der französischen Republik ist und bleibt den Hauptern der Häuser, die über Frankreich geherrscht haben, und deren nächstderechttgten Erben verschlossen. In den übrigen drei Artikeln wird die Regierung ermächtigt, die andern Prinzen durch Dekret auszuweisen, für den Fall ein« Rücklehr werden Strafen von 2 bis 5 Jahrm Gefängniß fest' gesetzt, und schließlich wird dm Prinzen, welchm der zett« weilige Aufenthalt gestattet ist, die Ausübung von Wahl« hanvlungen untersagt.— In Treport ist nach einer Pariset Meldung der„Neuen Fr. Presse" bereit» eine lleine Nacht an« gekommm, welche den Grafen von Paris in die Ver» dannung führen soll, falls daS AuiweisungSgesetz im Senate angmommen wird. Wmn das Meer aber unruhig werden sollte, wird die Einschiffung von Boulogne aus statt« finden. G r o h b r i t a«« i e«« Wie Lord Churchill in seiner Wahladresse gegen Gladftone loSzieht, ist selbst in der an politischer Polemik st r" schon lange anständig beschäfttgt haben— aber Gott b* wahre!" .In der That, Herr Doktor?" .Das könnm Sie mir glauben ," sagte Strohwisch seine» Hut auf dm Tisch stellend und fich selber auf ei»«» Stuhl werfmd. Dabei sah er fich augmfcheinlich im Zimmer »ach etwas um. „Ich bi« Ihnen dann in der That sehr zu Dank ver« pflichtet," sagte Rebe ttockm,.und muß nur bewundern, wie geheimvißvoll Sie da« Alle« betrieben haben." „Bescheidmheit, lieber Freund, vielleicht thörichte Be« scheidenheit. Aber k propos, habe« Sie nirgendwo eine Zigarre? Meine Zigarrmtasche muß m einem ander« SR«* steckm." „Ich bedauere sehr, ich rauche gar nicht." „Sie rauchen nicht? Das ist merkwürdig, da» müssen Sie sich»och angewöhnen— ei» Künstler und nicht rom che» I Sre find ei« ganzaußerordmtlicher Mmsch, Rebe, em ganz außerordmtlicher Mensch!" Dabei griff er in die Tasche,»ahm die in dem »»dem Rock vermuthete Zigarrentasche, und au» diep eine Zigarre, biß fie ab und mtzündete fie da»» mtt dem auf de« Tisch»ebm dem Licht stehendm Streif fmerzeug. .Und habm Sie auch schon davon gehört," W Rebe endlich, da sein Besuch keine Anstalt machte, da» spräch wieder aufzunehmen, sonder» nur an seiner etm? schwergehmden Zigarre zog,„daß Herr Handor«tritt»' durchgegangen sei» soll?" � i .Futsch," erwiderte Strohwisch, indem er den in einer Wolke von sich blies,„vollkommm futsch! habe es lange erwartet; er konnte fich auch hier nicht la»g hal'-ea, oder wurde vielmehr nur noch künstlich von m über Waffer getrogen. Es war vorbei, er hatte si« 0"u gespielt; immer wieder dieselbe Geschichte, erae Rolle J» oie andere, ob er dm Marquis Posa oder dm Wetter v Strahl, den Max Piccolomlni oder dm Faust spiette. Publikum ermüdete zuletzt und sehnte fich nach einer vatürlichm Kraft, und daher auch der rasmde Erfolg, Sie gester» Abend errangm." eichen Literatur Englands unerhört und wird kaum von den deftigsten Ausfällen, welche im verstoffenen Jahrhundert die Juniut'Bliefe gebracht, erreicht. Eine spärliche Blumenlese aus dem Manifeste er giebt folgendes: Vergeblich würden Laune und grenzenloser Egoismus mit wahnwitziger Eitelkeit und Handel mit Hochverrath, miteinander vereinigt, und die von Bedlam und den anderen Irrenhäusern konzentrirte Narrheit fich bemühen, eine größere Masse von Ungereimtheiten hervorzubringen, als Gladstone'S irische Bill, diese Mißgeburt des höchsten UnfinnS. Diese areisenhafte Eitelkeit wolle das Reich ierstören, nur um den Ehrgeiz eines asten Mannes, der Eile ioI, zu befriedigen. Der Verräther von AHartum, die Person, welche Gordon's Tod verschuldet, fordere jetzt für sich ein un- verfälschtes persönliches Plebiszit, das politiiche Kunststück auS der Zeit des zweiten Kaiserreiches. Und so geht es weiter. Churchill's Anklagen gegen Gladstone'S Pläne, sowie gegen die von ihm jetzt verlangte Diktatur sind geradezu unglaublich, büßen jedoch durch die zügellosen persönlichm Schmähungen, welche Gladstone mit einem Dieb« vergleichen, der unter ver» schiedenen»falschen Namen" seine Verdrecher-Jdmtstät zu ver» bergen suche, den größten Theil ihrer Wirkung ein. Die„Pall Mall Gazette" erläßt einen Aufruf an alle Klassen der Bevölkerung um Geldbeiträge für die Gründung eines demokratischen Wahlfonds, welcher der «People'S Pen«"(Volkspfennig) genannt und zur Bestreitung der Wablloften von Parlamentskandidaten, welche Gladstone S irische Politik unterstützen, verwendet werden soll. Das Blatt meint, der Umstand, daß die Anhänger Gladstone'S meist un- bemsttelt und die reicheren Mitglieder der liberalen Partei ,m Oppofition übergetreten seien, mache die Bildung eines solchen WahlfondS nothwendig. Der Fonds soll Gladstone zur Ver- fügung gestellt werden. m �. Die„Times" veröffentlicht ein Manifest deS Präsidenten de» Obersten Rathes der irisch republikanischen F enier an die »Centren" und„Cirkel". ES wird darin ausgeführt, daß daS Ziel der Thäligkeit der Fenier nach wie vor nur die vollftan- dige Trennung Irlands von England und die Herstellung eines durchaus selbstständigen irischen Reiche? sein könne. Der Enthusiasmus der Parnelli tisch enPr esse für Gladstone sei unsinnig, denn unter deffm»in- kamen" Regimente sei der„löwenherzige" O'Donovan Rossa gefesselt, seien der„heilige" Dillon und der„unerschrockene" M'Carthn in britischen Gefängnissen zu Tode gepeinigt worden. Auf die Triumphe der irischen Parlamentarier sei nicht viel zu geben, dennoch solle man aber daS irische Parlament„als«inen Schritt vorwärts" annehmen. Es sei die„Intensität deS FenierthumS" gewesen, welche Gladstone zuerst erleuchtete und ohne dasselbe sei auch jetzt ein„vollständiger" Sieg nicht zu erringen. Die Genossen mögen daher zu weiterer Aktion und neuen Opfern dereit sein» da die britische Oligarchie— TorieS, Whigs und Radikale— wiederum Krieg gegen die irische „Sache" erklärt habe. Welcher Art die Aktion fein soll, werde erst später mitgetheilt werden. Die Liberalen des Londoner Wahlbezirks Holborn haben einen Jndi er, Honowoth Dadathar Naovoji, Ex. Premier- minister de« Königreich» Barova und Mitglied de» gesetzgoben- den RatheS der Präfidentschast Bombay, zu ihrem Kandt» d a t e n für die bevorstehende ParlamentSwahl aufgesteM. Italien. Unter den F e l d a r b e i t e r n der Provinz Padua find neuerdings Streiks ausgebrochen. In der Ortschaft Gualtieri umstehen Karabinieri die noch friedlich Arbeftenden, um fie vor Störungen seitens der Streikenden zu schützen; es wurden dort zwanzig Bauern verhaftet. Vom 21. bis 22. Mittags find an der Cholera in Brindisi 17 Personen erkrankt und 2 Personen gestorben. Die Kammer annullirte die Wahl des Galeerensträflings Cipriani. Balkauläuder. !!Ä.WSA°«st'w ir ä wiJJÄ Wesenheit des russischen Vizeumsul« vorgenommenen Verhöre MMWÄ-MZ DZMZÄ3Ä« i« rechte« Moment bedeutet, und ,ch denke, tch habe Ihne» Schern eine Probe davon gegebe«, als>ch«n dntten Akt, wie ich daS Publikum genugsam vorbereitet glaubte, mtt 'wem Aoek einsetzte." »Sie, Herr Doktor?" daraus an, wie die Sache gehl 3h«e« ohne allen Zweifel ernen blerb-n und jetzt kommt „„dhabt, wird, um »den Erfolg hier zu «» zu zeigen, daß ich nicht ganz so mmermapix �ige» l-„ mm AWZ-MSM öchte, das wüßte» Sre doch— das bin ich. oder nicht? Sobald ich meine Hand»on'hm abzieht, ß tr verloren, so lange ich ihn halte, jubelt ihm da die persönliche Freiheit durch die Grundgesetze des Staates verbürgt ist, so erkennt das ottomanische Reich die Sklaverei nicht amtlich an; es ist also nicht zulässig, daß die erbliche Sklaverei als Vmwand gebraucht werde, vermittelst dessen einzelne sich der Erfüllung ihrer heiligsten nationalen Pflicht, der militärischen Dienstleistung, entziehen wollen." DaS Kriegs- Ministerium wird demgemäß angewiesen, den Einwand der Sklaverei nicht anzuerkennen. Hiesige Blätter bezeichnen den Erlaß als„Aufhebung der Sklaverei". Thatsächlich wird da- durch an den bestehmven Verhältnissen nichts weiter geändert, als daß Niemand mehr sich auf sein Silaventhum berufen darf, um den Vortheft der Dienstbefreiung zu genießen; die Skia verei ist im türkischen Reiche schon lange theoretisch abgeschafft, wird aber, wie jedermann weiß, praktisch geduldet, und daran wird auch der Erlaß nichts ändern. Amerika« Der letzte republikanische Piästdentschaftikandidat B l a i n e, welcher auf eine abermalige Ernennung für daS Jahr 1888 rechnet, hat sich an die Spitze der Bgilatioo für die von Gladstone befürwortet'« Reformen in Irland gestellt und er hofft nach der„Franks. Ztg." dadurch den größten Therl der I r- l ä n d e r in diesem Lande für fich zu gewinnen. Da er als Privatmann nicht die Schwere der Verantwortung trägt wle ein Mitglied der Regiemng, darf er fich extravagante Aeuße- rungen erlauben und für die radikalsten Ansichten stch den Dank der irischen Patrioten holen. Die eingeborenen Ameri. kaner nehmm an den irischen Fragen ebensowenig Interesse wie die amerikanischen Deutschen; aber die hiesige Presse beschäftigt fich eifrig damft, weil viele amerikanische Zeitungen ganz oder theilweise von Jiländern redlgtrt werden. Die Politiker müssen für die irische Landliga schwärmen, weil irische Stimmgeber übers ganze Land zerstreut find, und kein Theil der Bevölkerung so hartnäckig an ihren Sonderintereffen hält wie die J-länder. Kein Politiker kann es wagen, sich gegen Angelegenheiten gleichgiltig zu verhalten, welche für die Jr. länver Interesse haben. Die amerikanischen Polftiker, welche dem allgemeinen Stimmrecht unterworfen find, müssen jetzt auf die Interessen der Arbeiter, der Penfionäre oder solcher, die es werden wollen, und der Jrländer desondere Rücksicht nehmen, denn diese dret GiUppm find in der Lage, die meisten Kongreßdistrikte der Union zu beherrschen, weil fie an keine politische Partei gebunden find und unbedingte Förderung ihrer Interessen verlangen. Afrika. Meldung der„Pol. Korr.": Die Unzufriedenheit derBe- völkerung des Kongo-GedteteS nimmt in Folge der von d-r Regierung des neuen Kongo- Freistaates verfügten Ausfuhrzölle, sowie wegen der zu hoch bemessenen Gebühren für die Einttagung von Grundbesitz immer zu. Der Eitz der Regiemng deS Kongostaates ist von Vioi nach Boma verlegt worden._ Gerichts-Zeiwug. Da» Urthetl im MÜnchener Sozialtstenprozeß ist überaus hart ausgefallen. Von den Angeklagten wurden be- kanntlich sechs Mann, und zwar die Herren Löbenberg, Dr. Echönlank, Winterblum, Liebermann, Urban und der Buch- dmckereibefitzer M. Ernst, zu je 6 Monaten, und die Herren Andrä, Kapp, EoerSmann, Dotter, Bauer, Weindl, Polinger, Böttcher, Mühldauer, Püttig, Othmer, Uhlmann, Erichsen, Birk, Kleinhönig, Eisele. Angermeier, Griepentroq, Schmitt und die Frau Badette Gaigl zu je 3 Monaten Gesängniß verurtheilt. SechS Angeklagte wurden freigesprochen. Der Berurthrilte Dotter befindet fich seit Ende Marz in Untersuchungshast. Die- selbe wurde ihm voll angerechnet, so daß er nur mehr 9 oder 10 Tage zu fitzen hat. Da Dotter Oesterreicher ist, dürft« seine Ausweisung nach seiner Haftentlassung bestimmt erfolgen. Die übrigen Angeklagten werden wohl sämmtlich Revision beim Reichsgericht einlegen. Vor Beginn der Urtheilspublikation spielte fich insofern eine interessante Szene ab, als die Ver- theidigung Wiederaufnahme des Verfahrens beantragte, indem fie einen Zeugen präfentirte, auf dessen angeb- ltche Mitthcilungen hin der Polizeiotfiziant Auer feine belastenden Autsagen stützte. Dieser Zeuge ist nun bereit zu beschwören, daß er dem Polizeiosfizianten egenüber niemals solche oder ähnliche Aeußemngen gethan ade, wie dieser fie gehört haben will und beschworen hat. ..Der Gerichtshof lehnte aber den Antrag auf Wiederaufnahme mit der Motivimng ab, daß er bei der Urtheilsabgabe auf die Aussagm der Polizeiorgane, soweit dieselben auf Wiedergabe deS von Dritten Gehörten fich dezogen, keinen Bezug genommen habe. Daß damit diese Angelegenheit au» der Welt geschafft sein sollte, ist wohl schwerlich anzunehmen; denn nach den Behauptungen deS nicht vernommenen Zeugen, welcher ein hiesiger Buchbinder ist. hat sich der Polizeiofstziant Auer min- destens einer fahrlässigen Zeugnißadgabe schuldig gemacht und es ist nicht glaublich, daß derselbe eine solche Beschuldigung auf fich fitzen lassen kann, ohne daß seine vorgesetzte Behörde intervenirt. Da« Urtheil selbst liegt im Wortlaut noch nicht Publikum entgegen— Publikum, wen« ich nur de» Namen gar nicht mehr hören müßte! Es ist eine zusammengelaufene, urtheilslose Masse, die nur in höchst seltene» Fälle«, selbst im Theater drin, eine eigene Meinung kund zu geben wagt, bis fie erst einmal gehört und gelesen hat, wie die Sache besprochen ist." „Aber gester« Abend war doch da» Gegentheil der Fall." „Weil ich an zu applaudiren fing!" rief Strohwisch leidenschaftlich.„Tausendmal habe» Sie ja den Beweis mit einem neuen Stück; sitzen sie nicht drin wie die Stöcke und rühre» keine Hand, bis sie erst am nächste» Morgen ««lesen haben, wie da« Stück gefallen hat. Und applaudiren e wirklich einmal und rufen herau», und ich beweise ihnen am nächste» Morgen, daß fie stch blamirt habe«, sehen Sie einmal zu, ob nachher bei der zweite» Aufführung«och zehn Menschen im Theater sind I" (Fortsetzung folgt.) An« Kunst«ud leben. Die Windhose« in Nordamerika. Nach dem Bericht des nordamerikanischen Signal-Otfice find im Jahre 1884 in den Vereinigten Staaten durch Wirbelstürme 1054 Personen artödtet und über 3800 verwundet worden. Der entsetzlichste Tag für diese Gegenden war der 19. Februar, an welchem nicht weniger als 45 Tomedos losbrachen, 800 Menschen ge- tödtet, 2500 verwundet und über 15000 ihres Obdaches beraubt wurden. Leider scheint auch dort, wie bei unseren Ge- wfttem, die Häufigkeft und Heftigkeit mit der vefiedelung zu- zunehmen; einzelne Striche werden in so kurzen Zwischen- räumen heimgesucht, daß ihre vefiedelung hat aufgegeben werden müssen. Bor Kreude gestorben. AuS Marggrabowo wird der „K. H. Ztg." unter dieser Ueberschrist folgendes berichtet:„Der Sshn eines hiefigen höheren Beamten, der in einer größeren Stadl unserer Provinz in Stellung war, erhielt unlängst an einem Nachmittage die Nachricht, daß seine Tante gestorben war, die ihn zum alleinigen Erben eines Vermögens von etwa 50-60 000 M. eingesetzt habe. Der junge Mann war außer vor. Daß dasselbe angestchtS der von der Anklag« erbrachten Thatsachen sehr hart ausgefallen ist, haben wir bereits Ein- gangS erwähnt. ES war zwar anzunehmm, daß einzelne der An« geklagten verurtheilt werden würden, denn die unglaublich naive Art, mit der etwelche bei der Besorgung ihrer Parteiangelegen« heften, besonder» soweit ihre schriftliche Thätigkeft in Betracht kam, verfuhren find, hat der Polizei und der Staatsanwalt« schast Dinge in die Hand gespiett, auf Grund deren es wahr« lich kein Kunststück war, die Anklage zu erheben. So wurde z. B. festgestellt, daß einer der jetzt Verurtheilten, als er zum Aus- thetlen und Ankleben übrigen« nicht verbotener Flugblätter auSzog, fein Notizbuch mitnahm, in welchem in Geheimschrift — die übrigens keine Geheimschrift ist, denn ihre Erllärung findet fich im„Buch der Erfindungen"— die Namen einer Anzahl Bekannten eingetragen warm mit dem Vermerk, wie viel dieselbm Exemplare deS Züricher„Sozialdemokrat" em« pfanaen und was fie dafür bezahlt habm. Außerdem tmg der Betreffende den Frachtbrief bei fich, auf welchen er die Sendung der Flugblätter erhalten hat. Dieses Notizbuch spielt in der Anklage als Hauptbelastungsmaterial. Nicht minder verwunderlich war das Verhalten der Mitangeklagten Gaigl, welche in einer Reihe von Briefen einem auSwärtS wohnendm Freunde alle möglichm und unmöglichm Mittheilungen über Vorgänge in ihrer Partei machte, von den Briefen dann fein säuberlich Abschrift nahm und fie hinlegte, biSdiePolizei fie abholte. Solchen„Verschwörern" gegenüber hatte die Polizei freilich leichtes Spiel. Aber unter den Angeklagten und jetzt Verurthefttm befindet fich auch eine große Anzahl, über die absolut nichts wefter vorliegt, als daß sie ab und zu in einer Gesellschaft ver« kehrten, von der die Polizei ohne jeden andern Beweis annahm, daß diese Gesellschaften„Klubs" bildetm. Wieder andere wurdm verurtheilt, weil sie ein einziges Mal in einem Lokale anwesmd gewesen find, in welchem nach polizeilicher Behauptung eine geheime Versammlung stattgefunden haben soll. Wie die Richter bei diesm Angeklagtm zu der Heber» zeugung kommm konnten, daß fich dieselben eineS Vergehens gegen die Paragraphen 128 und 129 des Str.-G.-B. schuldig gemacht haben, das zu sagen ist noch nicht möglich, da ja die Motive noch nicht bekannt find. Aber ist es ein Vergehe« gegm die vorstehenden Paragraphm, in einem öffmrlichen Lotale mtt Parteigenossen von Parteiangelegenheiten fich zu unterhalten, dann kann man getrost die gesammten Ange« hörigen aller Parteien einsperrm, denn dieses„Verbrechens" macht fich unseres vedünkens jeder Parteimann schuldig. Unter den 26 Verurtheilten befinden fich 15 Familienväter mit theilweise sehr starler Familie; speziell unter den sechs mit 6 Monaten Bedachten find fünf verheirathet. Welche Summe von Elend und Roth für diese Familien die Vermtbeilung der Väter im Gefolge haben wird, brauchen wir wohl nicht erst des Weiteren auszumalen. Soziales««d Arveitervewegttng. Eozial-Reform. Offiziöse Blätter erinnern an die kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881 und zeigen sich erfreut darüber, daß die Verheißungen in derselben zum großen TheU schon in Erfüllung gegangen seien. Sie lnennen zuerst die obligatorische Krankenkassenverficherung für alle gewerblichen und die fakultative für land und forstwitthschaftliche Ardeiter. Wir halten e» schon für einen außerordentlichen Fehler, daß bei den letzteren nicht auch die ZwangSpflicht eingeführt wor- den ist. Dann muß man fich aber die Orts- und Gemeinde« krankenkaffen in ihrer ganzen, von Tag zu Tag mehr hervor« tretenden Mangelhaftigkeit, ferner die Verfolgungen, welche die freien Hilsskaffen zu erleidm haben, näher ansehen, um von dem äußerst geringen Nutzen dieser sozial-reformatortschen Maßregel stch zu überzeugen. Ferner wird der Unfalloersiche- rung ein großes Lob ertheilt. Durch die Uebertragung aller Unfälle, zu deren Heilung weniger als 13 Wochen erforderlich ist, auf die Krankenkassen ist die Unfallverstcheruna von sehr zweifelhaftem Werth« für die Ardeiter geworden, so daß die- selbe von den Arbeitern oft genug als eine Verficherung der Unternehmer bezeichnet wird. Von der Altersversorgung und Invalidenversicherung, die besonders in der Botschaft betont worden find, ist es bisher ganz still geblieben und doch ist ge- rade diese Verficherung, wenn ihre Ausführung besser von statten geht, als die der Kranken- und Unfallversicherung, ein Stück wirklicher Sozial- Reform. Aber well dieS der Fall ist, glauben wir nicht an ein Zustandekommen derselben unter dem gegenwärtigen RegierungSsystem. Verlockung zur Auswanderung«ach Brasilien. Gegenwärtig werden nach preußischen Dörfern von Antwerpen aus ununterzeichnete, gedruckte deutsche Briefe versandt, welche zur Auswanderung nach Brastlien verlocken, wobei bemerkt wird, daß die Auswanderung mittelloser Arbeiter und Hand- werker nach den Vereinigten Staaten Amerika'» jetzt sehr er- schwert und gehemmt ist. Für die Auswanderung nach Lrasi- lten werden nun allerlei günstige Bedingungen: freie Ueber- fahrt, Uederweisuna von Acker, Vieh u. s. w., vor- gespiegelt. Solche Verlockungen, bemertt die„K. Z.", gehen meist von Leuten au», die nur ihre Schiffe mit PaffaKeren sich vor Freude. Den Rest deS TageS und den Abend brachte % SÄ Wä- SU liÄS den jungen Mann todt vor der Thür seines Hause, auf. ein Schlagfluß hatte seinem Leben ein Ende gemacht." DaS Ä SIÄÄ SÄSS gefreut, aber er lebte heute noch! Eskamotage. In Paris produzirt man gegenwärtig, wie man ver Wiener„AUg. Ztg." von dort schreibt, in vielen Sa- lons ein kleine» Kunststück, daS von einem Zauberkünstler in Mode gebracht wurde. Eine Dame der Gesellschaft setzt stch auf einen Bambusstuhl, man dedeckt fie mit einem großen Foulard. daS alle Formen hervortreten läßt, schlägt drei Mal in die Hände, hebt dann da» Tuch weg und die Dame ist verschwunden. Vor einigen Tagen hatte der Vikomte v. T.. MWSWWZ den Stuhl, fie verschwand nach dem dritten Schlag, der Saal erdröhnte von Bravorufen und der Graf sagte strahlend, nach- dem er stch längere Zeit an dem allgemeinen Erstaunen gewei« det:„Jetzt werde ich die Ehre haben, den Herrschaften die Verschwundene wieder zu bringen." Der Graf begab fich in'S Nebenzimmer, als er aber nach längerer Zeit nicht erschien, suchte man ihn und fand ihn ohnmachtig in seinem Schlaf- zimmer. Die Gräfin war nämlich für immer verschwunden. Wie fie in einem zurückgelassenen Schreiben meldete, hat fie eS vorgezogen, mtt einem Freunde deS HauseS durchzugehen und hiezu die kleine— Kunstpause benützt... Kampf vorigen Wock den Wald be er sofort einen Schuß abfeuerte. Der Bär. welcher nur leicht verwundet war. kehrte fich nun gegen den Schützen und es begann ein Kampf auf Leben und Tod. Der Jäger zog sein Messer und versetzte dem Unthier mehrere Stiche in den Leid. Dasselbe stürzte, raffte sich aber mit letzter Kraft noch einmal auf und warf sich auf seinen Gegner. Auf die Hilferufe deS Unglücklichen eilten mehrere Bauern herbei, worauf der Bär entfloh. Der fchweroerwundete Jäger wurde dem Svitale übergeben. füllen möchten und denen dai spätere vchtcksal der Aui« Wanderer völlig gleichgtltia ist. Die schärfsten Abmahnungen und Verwarnungen find hier angezeigt und werden hoffentlich fruchten. «in bezeichnende« Geständnis über de« Werth der Unfallverstchernna nach dem neuen Reichtgesetz liegt w einer Eingabe einer Anzahl namhafter Fabrilanten aut Limbach in Lachsen an dai ReichSverficherungiamt. Dt« Fabrikanten sprechen darin dm Wunsch aus, von der Verfichetungipflicht entbunden zu werden, well in Verficherungisällen die Krankenkassen eine hinreichende Hilfe gewährm. Ei wird also hier klipp und klar zugestanden, daß die Krankenkaffm, zu welchm aber die Aldeiter die Beiträge steuern, die aui dm Unfällen resultirmden Kosten tragm! Ein vernichtendere« Urtheil über die Karrenzzeit bei der Unfalloerfichemng ist wohl noch nie gefällt worven. Aus Kreiburg im Breisgan wird der„Fränk. Tagespost" geschrieben: Die T i s ch l e r hierselbst beabstchtigm, in eine Bewegung einzutreten zu Gunstm einer Verkürzung der Arbeitszeit Ei wird deshalb um Femhaltung jeglichen Zu- zuaei nach Freiburg gebeten. Die retsendm Tischler werdm ersucht, Freiburg auf ihrer Route nicht zu berührm. Wer eine Ahnung von dm hiefigen Zuständm hat, unter welchm Verhältnissm die Arbeiter aller Branchen vegetirm, wird eine Bewegung zu Gunstm kürzerer Arbeitszeit nur mit Freuden begrüßen. Die Maurergeselle« in Hannover haben beschloffm, kommenden Montag bei allen Meistern die Arbeit nirderzu« legen, welche zu keiner Vereinbarung mW dm Gesellen geneigt find. Die Gesellen verlangen halbstündige Vesperpause Vespei und 8! Die Gesellen verlangen zehnstündige Arbeitszeit: eine Lahnerhöhung von 3 M. ü0 auf 3 M. 75 Pf. scheint nicht ali conditio sine qna non hingestellt zu werdm. ES war zuvor von dm Gesellm eine güt- licht Einigung mW den Meistern angestrebt worden, wie ein Lchreidm derselben an die Direktion deS BaugewerkmamteS vom 2. d. M. deweist, in welchem eS u. A. heißt:„Die Ver- sammlung der Gesellen wünscht mW den Herren Meistern in Ruhe und Frieden durch ihre gewählte Kommisfion in der schwebenden Frage, betr. Einführung der Vesperpause und einer etwaigen Lohnforderung, mündlich zu verhandeln." Ei wird dann weiter gebeten, eine Versammlung sämmtlicher Bauarbeit- eber, Jnnungs und Nichtinnungimcister, anzuberaumm und er Gesellmkommisston zu gestatten, dieser Versammlung ihre Beschwerden vorzutragen. Die Direktion dei Baugewerken- amti hat das Begehrm der Gesellm abgelehnt. Diese hadm darauf selbst eine Einladung an die einzelnen Meister ergehm laffen, der aber nur acht NichtinnunaSmeister Folge geleistet haom. Ei ist nunmehr in einer Donnerstag Abend statt« «ehabten, zahlreich besuchtm Versammlung auf Montag der streik proklamirt worden. Ei dürften gegm 1000 Gesellm die Arbeit niederlegm. Auch Bremen hat jetzt eine« Maurerstreik. Nach längerm Verhandlungen üdersandtm die Gesellm am letztm FreWag dm Meistern ein Ultimatum, in welchem ein Minimal- lohrsatz von 40 Pf. pro Stunde und ein NormalarbeWitaa für den Sommer von 10 Stunden verlangt wurde. Die Meister sollten sich bii Sonnabend Abmd zustimmend erklärm, widrigmfalli die Arbeit eingestellt würde. In einer Ver- sammlung am 20. d., die von etwa 500 Gesellen besucht war, wurde nmgetheilt, daß 37 Meister die Forderungen bewilligt hättm. Am 21. war die Zahl der zustimmenden Meister be« wW« auf 47 gestiegen. Dagegm habm zwölf zur Bauhütte trende Meister die Forderungen abgelehnt und die bei n zwölf Meistem beschästtgtm Gesellen die Arbeit nieder- it- Et feiern u. A. die Maurer, welche bei dem Freihafm- beschäftigt wmden. Die streikende« Arbeiter der Luxuivavter-Kabrik von Hei«& Möhler machen den Gewertigenoffm bekannt, daß wiederum Verhandlungm mit den Fabrikanten stattge- fundcn haben, welche jedoch keineswegs zu ihrm Gunsten aui- gefallen find. Einigt Zugeständnisse find uni ja von den Fabrikantm gemacht worden, welche jedoch dem Prozenlsax vo.i 10 pEt. auch nicht in der geringsten Weise mtsprechen. Für eine zwölfstündige NachtardetiSzeW sollte 1 38. pro Woche bewilligt werden. Geübte Präger und Prägerinnen haben stch noch nicht gemeldet, jedoch hat benannte Firma fich andere ArbeWSkrSfte verschiedmer Branchen aui der Kurstraße, In- telligenzkomtoir. mW dem Versprechen zu verschaffm gesucht, daß ste ali Lehrlinge im Akkord mindestms einen Lohn von 2 M. pro Tag verdienen könnten, wobei dagegen geübte Arbeiter bei jetzigen Preisen im Durchschnitt nur 2.50 M. verdienen. Da diese Verspreckungm stch in keine: Weise mit dem jetzigen Verdienst vereinbaren lassen, so bitten wir sänmlliche Arbeiter, dm Zuzug von genannter Firma strengstens fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Nachdruck dieser Mit- theilung gebeten. Mit brüderlichem Gruß! Die stretkendm ArbeWer der Firma Hein u. Moßler, Melchiorstraße 23. Streik. Die Ingenieure und Gießer der MaschinensabFk der Firma G. Diplcck u. Co. in London haben wrgcn Lohn- differenzm die Arbeit niedergtlegt. Die Zahl der Etreilendm dettägt 800 Mann. Ei find bereits Versammlungen ein«- rufen worden, zu denen die Fabrildesttzer eingeladen, aber nicht erschimm warm. Auf dm Ausgang des SlreiiS ist man um so mehr gespannt, alS stch die Fngmieure mit den ArbeWetn für solidarisch erklärt haben. Der Betried der Fabrik ruht vollständig. KrieHmste« der Redaktion. Alter Abonnent, krüaanerftr. 1. Nur wenn dicS im MieUSkontrakte ausgemacht ist, können Sie verlangen, daß die Kündigung durch eingeschriebenen Brief erfolgt; sonst gmügt die bloße Schriftlichkeit. 2. Der Wirth hat kein Recht, die Kinder ver Mtether vom Hauihofe zu vertreiben, wenn nicht im Kontrakte etwas derartiges vereindatt ist. H. W. 38. Es kommt darauf an, wo der letzte dauernde Wohnfitz Zhiei verstorbenen Bruders war. War dieS Berlin, so fällt der Nachlaß an die Mutter und die Geschwister zu gleichm Tbeilen. Die minormnen Geschwister werbt n natür« lich durch den Vormund vertretm. Grtei. Wir bitten um Ihren Besuch. H. E Bergmannttr. Wenden Sie stch an dm Verlag I. H. W. Dietz in Hamburg. 2. Ziehung d. 3. Klasse 174. König!. Preith. Lotterie. Ztevui,» oom M. Junt 188«. tliir die 8,0 In 11 1 über 155 Marl fino»eil derreffeadeu Zlummerii tn Parenthei« beigefügt. iOdne B-wäbr.« Ii Ii 835 940 74*028 30 34 189----------------—--------- IlW 779 85.836 83 973 96'»�4____ 12 82 449 82(170) 674 84 750 64 89 841 . 210 22 98 458 65 581 630 34 76 81 112 19 26 44 69 96 210 89 60 91 801 ------------------------ 89 841 1170) 99 900(170) 48 52 4015 217 66 846 58 86 427 31 64 74 93[2001 502 50 73 633 69 790 847 901 43 5007 67 91 96 176 276 80 849 618 66(1701 59 72 643 701 16 69 811 66 79 80 920 88 6099 100(200) 49 58 68 93 278 307 20 27 89 467 606 88 666 90 97 781 999»026 1200)(-6 99 101 14 99 213 66 316(170) 66 89 92 420 34 55 604 92 631 42 80 742 64 69 86 809 17 24 918 300) 33 34 67 8027 139 46 84 284 310 62 62 85 86(170) 406 14 89 90 632 94 666 94 821 56 78 911 32 37*018(170) 23 31 43[3001 63 86 90 261 49 327 36 89 498 663 91 609 67 702 23 69(170) 806 63 965 „ 40079 161 94 263(170) 96 888 497 660 88 612 72 807 89 69 76 972 76 11057 93 142 60 93 313 48 63 446 637 88 716 36 817 94 937 1*041 123 29 82 349 71 831 74 81 910 21(170) 18002 22 30(1701 67 179 242 61 67 312 58 80 91 442 43 636 66 644 46 728 39 67 867(900) 936 1 4003 66 71 94 103 31 74 92 215 24 66 456 79(170) 638 41 62 71 81 622 40 732[2001 939 41 64 75 ___ 16101 19 39 71 76 201 32 60 70 380 84 73 469 678 612 72 76J84 756 60 893 907 32 1 6011 32(170) 158 221 74 319 42(170) 403 26 76 96 541 614 35 37 724 42 881 17006 127 280 98 813 15 431 94 603 6 10(200) 65 99 673 75 764 18007 29 104 48(170) 62 86 280 306 33 38 41 66 416 69 61 98 648 67 94 677 764 63 x61 940 42------------ 41(170) 118 19 59 286 98 302 402 24 80 674 719 939 _*«009(170) 96 129 238 320(200) 467[2401 500 41 61 626 733 39 64 801 63 80 923 41 83 95»1081 202 60 302 80 82 94 474 501 619 732 46(170) 63 870 94 933 88*4004 19 22 86 87 137 60(170) 2-6 336 402 4 67 69 72 73 78 87 606(170) 623 60 72 80 701 29 46 66 824 44 60 86(170) 964 98*3046 68 100 66 71 240(1701 47 83 94 336 45 61 87 423 89 611 20 46 94 766 64 95 810 900 2 49 64 4(240) 68 68 203 86 96 412 36 44 603 14 69 80 87 93 170] 90 912 42 68 ......._____..... 301 84 436 89 533 62 647 720 46 804 1170] 15 67 76 92 947*0040 106 66 202 20;170| 76 412 34 91 59)170) 1*037 67(171.. *4076 134 43 96 695 735 886 t *6063 77 92 97 113 227 30 626 79 i i 68 764 78 97 843 63 78 22 54 361.72 647 78 662.770 91.96 97 Sil 67(900�76*8093 42(170 62 169(1701 230 330 46 63 86 423 620 36 40 823 33 41 71 96-------------------- 423(200) 48 98 ■6000)964 67__________ !00) 626 613 33 62 93 779 82 907 *7019 88 100 16(200) 206 ätmmmm 66 89 772 1200) 9 »»068 146 71 77 98 277 327 41 69 99 30000 41 77 163 67 201 62 842[170) 414 73 678 727 43 69 99 817 8*uOO 19 24 173.92 244.416 654 66 642 M�lTOj 711 29 28 37 993_____________________ 817 63[200) 90 934 86 8*037 46 146 72 223 314 20[240) 27 421 61 601 707 8 62 89 893 8 8073 101 46 76[170) 256 1170) 70 391 600 730 49 9094800284486927 84021[2001 62 89 10Ö 74 94 209 14(170) 367 412 501 40 64 67 620 77(170? 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Donnerstag, den 24. Juni. D°n W*, g,. von Leo Treptow und Belle-Allianee-Theater. sanaipoffe in 4 Sitten vi L. Herrmann. Der Kriedrich Wilhelmstädttsches Theater. Zigeunerbaron. tend-Theater. Maria Stuart. iktoria- Theater. Amor. Tanz. Poem von Luigi Manzotti. «allner-Theater. Der Mikado. Kaufmann'»»artete. Große Spezialitätm- Vorstellung.__ Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Kaiser-Panorama. In dieser Woche: Amerika— Californim. Mond. Eine interessante Montblanc-Besteigung. Hertha-Reise. Carolinen-Jusein. Eine Reise 30 Pig Kinder nur 10 Pfg. & E. Schläfst f. Hrn. PotSdamerstr.89, Qgb. 3Tr.r. Die Expedition, Zimmerstr. 44, fordert alle Inserenten von Vereivsvachrichtev auf, sämmt- liche Annoncen an die Expe- ditiou zu senden, den Betrag entweder gleich beizufügen oder die Inserate mit dem Vereins- stempel und der deutlichen An- gäbe der Adresse Desjenigen zu versehen, bei dem die Be- trüge einznkasfiren find. Dm Mitgliedern dei MSrhifchp« Central- Kanaerlmnde« zur Nachricht, Paß die Harmonie am Keeitag, dm 25. d M, bei K-.ller bestimmt shttf.. hingegen die Uta», d. Bundes dei d. Coi-ceri a. Tivoli«nterbleibt. W. Lorgie. Schweizer Garten. Tarlich: Am Friedrichshain. Haltestelle der Ringbahn. Am Königitdor. Tär&lch: Grosses Coneert n. Vorstellung. Miss«a»t als lebende Kan-nenknget. Sensationelle Luftprodi-ktion der Majol-Truppe. Theatervorstelluna. Grosch, FonaS, Glaser. Geschw- Heffat. G- ch v. Hansm. Entree 30 Pf. BonS haben Wochentags Giltigkeit. Vorläufige Anzeige. Di-nstag, dm 29. d. Mi.: Grosse« Kriegsfenermerb. Zum 1. Male: Die Erstürmung der Düppeler Schanzen. Reichhaltiger katter und warmer FrQhttflcfcstisch. 1753 Einem geehrten Publikum empfehle mein Weiß- und Kamsib-Km-Llilial Reichhaltiger Mittagstisch von 12 bis 2 Uhr, mW Bier ä Kouvert 50 Pf. Arbeitsnachweis für Klaiterarbelter. Hermann Stramm, Restamateur, Skalitzerftr. 18. R. 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S. in der Expedition o 2 Zeitung.______ t—- Hierzu eine SeiK»� tern ruht im Vellage zum Berliner Bolksblatt. Kr. 144. Donnerstag, den 24 Juni 1886. III IaM>- [tn Parlameutsberichte. Nvaeordu etenhvus. 92. Sitzung vom 23. Juni, 11 Uhr. Am Ministertischt: Luciu». von Puttlamer. Friedderg, v- Boetticher und«ommisiarien. Zur zweiten«erathung de» Gesetzenwurs», betreffend die Bewilligung von Staatsmitteln zur Beseitt. a u n a der im unteren W« t ch s e I g« b i e t e durch die diesjährigen Frühj ahrihochfluthen herbeweführten Verheerungen, liegt ein Antrag de» Abg. Gerlich vor, der StaatSreaierung die Ermächtigung zu ertheilen, nicht nur für in den Kreisen Danzig und M-rienwerder belegene und durch Verheerungen heimgesuchte, sondern auch für weiter aufwäl-.s gelegene Niederungen au» den bewilligten Mitteln Beihilfen zu gewähren. 2 � W LT Abg. Wehr wiederholt seine gestern der StaatSregiemng temachten Vorwürfe, daß ste durch Unterlaffung durchgreifender lbhtlfe an der Weichselmündung die letzte schwere Schädigung mit verschuldet habe, und bittet um Auslunst darüber, in welcher Bri die StaatSregiemng bei Gelegenheit der endzi'"— R-gulirung die Inten ff-nten heran, uzi-ben gedenle, und Hansen äußert den Wunsch, daß tn Rücksicht auf die Not. läge der Landwirthschaft die Darlehen ä fonds perdu gegeben "�Vom�RegirrungStische auS weist auch hmte Geh. Rath Kozlowtkt jene Angriffe al» ungerechtfertigt zurück, wahrend Geh. Oder. Man, rath Lehnert bedauert, über die Heran- ziehung der Jntereffenten zur Generalregulimng Angaben nicht machen zu können, da sich diese Frage noch im Stadium der Erwägung befinde; unbillige Forderungen werden s. Z. nicht gestellt werden.„.. Nachdem Abg. Gerltch, unterstützt von den Abgg Seer und Meisier, seinen Antrag vertheidtgt, wendet sich Geb. Reg.. Rath Haast, namentlich in Rückficht auf die Geschäft« läge, gegen denselben und bittet, denselben ab. zuIchTicn. � Gerlich ist nur dann mög lich, wenn er gleichzeitig die Summe der Vorlage ,u erhöben beantragt. WeShald thut der Antragsteller die» nicht? Ge- schiebt eS. so bin ich bereit, dasür zu stimmen. Wie er ihn gestellt hat, würde er die am schwersten Betroffenen schädigen, für welche schon ohnehin zu wenig ausreichende Mittel gewahrt werden. Ohne einen Antrag auf Erhöhung der Summe ist der Antrag ein Schlag in» Waffer. Im Uedrigen halte ich «» für wünschenSwerth, die Diskussion auf die Vorlage selbst zu beschränken trotz der Provokation de» Abg. von Puttkamer.Plauth. der gestern in meiner Abwesenheit sich über meine mangelhafte Kenntniß de» RegulirungSpiojekte» dekiagt hat und der mit den schwierigen technischen Fragen, die von den gewiegtesten Technikern verschieden beantwortet wer- den, tn seiner Genialilät schnell und behend fertig wird. Ich nehme davon Abstand, mich für ein bestimmte» Projekt definitiv zu engagiren, bevor die Regierung nicht mit ihren Erwitte- tun gen zum Abschluß gekommen. Mir stehen gar nicht die dsialel zur Verfügung, mich in den Detail» zu orienttren. Ge- sckehen muß etwa» und bald, da» habe ich gestern gesagt. Hat denn der Abg. von Puttkamer irgend einen Antrag gestellt? Nein: er hat nur den Drang in sich gefühlt, mich und diese Eeit« anzugreifen. Die Hauptsache ist, und damit allein wird den Betroffenen in nächster Zeit geholfen: wa» muß jetzt und sofort an der Mündung geschehen, um die Gefahr abzuwenden? Und welche Mittel stehen dafür zu Gebote. Da» ist die zur Zeit brennende Frage, und der Abg. v. Puttkamer hätte den Antereffenten einen größeren Gefallen gethan, wenn er auf Kft! Tc/M den. ich trete in dieser Beziehung dem Abgeordneten Wehr bei. Weihalb hat man die Weidcnvflanzungen auf der Mesfinainsel gepflegt? Von groß« Wichtigkeit ist e» für unS, darüber genou«e Auskunft zu erhalten, wa» die Re- ffierung in nächster Zeit an d« Mündung zu thun gedenkt. Z-d wiederhole, wa» ich gestnn schon ausgeführt, daß die Wiederherstellung der Koupirung der Ofirinne von allen Be- wohncrn dn Nehrung für einen schweren Fehl« gehalten wirv, da» große Gefahren mit sich führt und dazu noch kostspielig ist. Habe ich gestern richtig verstanden, daß die Koupirung der Mtrinnc nur zum Theil ausgeführt wird? Der Regierung«. Vertreter macht eine verneinende Bewegung, nun, wa» denn? giimtiii. Novelle von Mauru» Jokai. Autorisirte Uebnsetzung au» dem Originale von Ludwig Wech»ler. (Nachdruck»«boten.) Ich spreche nicht von Collatin'S Lucresta— heilige« Angedenkens— da wir un» ja da» Wort gegebe«, daß wir leine Beispiele au« d« hohe» Geschichte anführe» werden, die bereit« jed« Schuljunge kennt. Hinwieder wstd mir die Gegenparter auch dre zweite Lucreiia erlaffe», die. d« Familie d« Borgia'» entstammend. der größte Gegensatz jen« ersten war. Auch die, von welcher ich spreche« werde, war jen« ersten Lucretia ebenbürtig und machte dere» Name««och 6"aßen?"nS!" un« in jene» uneatwirrbare Labyrinth ver. tiefen, welche« die Kriege d« mittelalterlichen �kleroea rta- � awlÄSi»-Ii v.#«.,»»> d» Pa?»»°i°- Wan V. mit Krieg zu übnziehe«. weshalb und auf welche Weife d« Connetable vo« Bourbon Rom einnahm, wre furchtbar er darin rauben und plünd«» ließ, wre sich dann die streitenden Mächte auf Kosten ein« dritten«rit einand« versöhnten- all' die- soll un« jetzt sehr wenig interesfiren. Daß diese dritte Macht Florenz war, allwo d« Herzog von Oranj« den Thron d« Medicä« aa Stelle dcS republr- lavischm Sparheerde» neuerdings aufstelle« mußte, ist eben» falls nur»ebensächltch für un». Die Hauptsache ist, daß die Florenttn«, al» sie Kunde vom Nahen des Feinde»«hielte», Frauen und Kind« auf Wagen packte» und sie üb« de« Arno wegschickten, damit, wenn es zum Kampfe kommt, Niemand sonst in der Stadt sein soll, al« wer eben kämpfe» kann und will. Richard Maza» war Oberst in de« Dienste» der Ich kann nur nochmals bitten, diese Sache noch einmal zu er« wägen, die Regierung übernimmt eine schwirr Verantwortung. ES ist rechtzcitlg gewarnt. Noch ist Zeit, in v« Mündung mehr Lust für da« Hochwaffer und den EiSgang zu schaffen und vorhandene Hindnniffe wegzuräumen. Im Uedrigen möchte ich nochmal» hervorheben, daß das Abgeordnetenhaus gern der Regierung Indemnität«thellen wird, wenn sie die für die Wiederherstellung und Befestigung der Deiche ge« forderten Summen überschreitet. Minister LuciuS erklärt, bittauf keine bestimmte Ant- wort geben zu können, da die Frage fich noch im Stadium technischer Vorerörterungen befinde; in erster Linie würde maß- gebend sein, daß da» Stromprofil nicht vnändert und daß durch Offenhaltung der Mündung späteren Gefahren vorgebeugt werde. Die Hergäbe von staatlichen Beihilfen» fonda perdu werde für bestimmte Fälle der StaatSregierung durch das Ge- setz ermöglicht und das genüge. Den Anttag Gerlich bitte« abzulehnen, die Regierung könne unmöglich tnnnhalb zweier Tage neue» statistisches BegründungSmaterial behufs Er- wetterung der Vorlage Herdeischaffen. Schließlich Kitt d« Minister noch besond«» den Angriffen des Abg. Wehr entgegen. Abg. v. Puttkamer-Plauth würde unter anderen Umständen dem Antrage Gerlich sympathisch gegenüderstehm, « theile in diesem Falle jedoch die Ansichten des Abg. Rickert. Daß dieser ihn wegen seiner gestrigen Aussührungen heute so arg behandelt habe, dazu liege doch kein Grund vor; er habe ihn ja förmlich zurecht gemacht für einen Artikel de» Rickert nahe- stehenden„RcichSblattes", um von den Bauern verspeist zu werden. Wenn er auch nicht meine, daß Rickert die Artikel in diesem demagogischen Hetzblatte selbst schreibe, so w«de doch stet» jed« seiner Gegner darin vttardeitet, Rickttt ad« ge- priesen. Bezüglich der Weichsel Nogat-Regulirung sei er der Anficht, daß die Regierung nicht nur die momentanen Schäden Ju heilen, sondern auch Vorsorge für die Zalunft zu treffen >ade; deshalb hätte auch Rickert auf die RegulirungSprojrkte einzugehen nöthig gehabt. Wenn er eS nicht gethan, so kenne er entweder nicht die vitalsten Jntueffen seine» Wahlkreises od« er scheue sich, offen darüber zu sprechen, weil, wie der Abg. Steffens ja gesagt habe, die Regultrung die Jntereffen der Stadt Danzig verletzen werde. Da» bekümmere Rickert nicht, daß die Jntercffen der gleichzeitig durch ihn verttetenen 20000 Werderaner auf diese Weise nicht gewahrt würden, ihm lägen diese weniger am Herzen als etwa der russtsche Unter- than Gudel, den er hier so warm vertheidigt habe.(Unruhe linlS.) Daß ihn Rickert ministeriell genannt habe,. bezwecke lediglich, ihn bei seinen Wählern unpopulär zu machen, er habe gerade in der letzten Zeit mehrfach in schroffem Gegensatz zur StaatSregierung gestanden, sei also keine willenlos? Kreatur der StaatSregierung.(Heiterkeit links.) Abg. Rickert legt gegen eine d«artige Form der Polemik entschieden Verwahrung ein, zumal er selbst gestem rein sachlich gesprochen habe. Eine Zensur vom Vorredner weise er zurück, dazu sei v. Puttkamer doch noch viel zu junger Parlamentarier. Wohin solle e» führen, wenn ein Kollege die Motive deS GegnerS ohne sachliche Prüfung auf niedrige Gesinnung zurück- führe? Herr v. Puttkamer ärgere sich eben, daß er ihm gegen über durchgefallen sei, und nun suche er einen Keil zwischen ihn und seine Wähler zu treiben, obwohl« gar nicht darüber informirt sei, waS man dort über die Regulirung denke. Die Verdächtigungen mit dem„RtichSblatte" kenne er schon und habe wiederholt erklärt, er schreibe nicht dafür und habe keine anderen Beziehungen zum„RcichSblatte" wie v. Puttkamer zu anderen Zeitungm; er sei im Großen und Ganzen mit der Richtung einverstanden, keineswegs mit allen Artikeln. Herr v. Puttkamer habe eben keine anderen Waffen, deshalb ziehe« auch noch den armen Gudel hi« herein. Die Herren könnten doch genug daran haben, den Mann über den Ozean getrieben und ruinirt zu haben, der Niemandem etwaS gethan und kein Wort polnisch verstehe, den v. Puttkamer öffentlich verSächtlgte, dtt ad« doch glänzend freigesprochen wurde. Herr von Puttkamer hätte doch Empfindung dafür haben sollen, daß hier nicht der Ort ist, üb« solch«? Unglück solche Witze zu machen.(Beifall v. Puttkamer-Plauth: Man«fitzt fich hier keine Rechte, ich bin durch daS VerKauen meiner Mandanten hier und laffc mir deshalb nicht daS R-cht nehmen, ein dema- gogischei Hetzblatt wie da»„ReichSblatt", da» so schamlose Tendenzen verfolgt, anzugreifen. DaS He« Rickert die Artikel selbst schreibt, will ich nicht annehmen. Er hat ad« offen be« Nepublrkav«; seine Gattin Lucretia war eine berühmte Schönheit und stolz auf ihre Tugend. Maza« wollte nicht von dem Gedanke» beunruhigt an der Spitze seiner Leute stehen, ob seine schöne Gattin daheim vo« Jemandem beschützt werde, und so sandte et sie lieb« zu ihre« Verwandten in die sichere Stadt Mantua. Indessen überfiel eine Streifschaar de» H«zoz» vo» Oranje, die dem Haupthe« um eine Tag«eise vorangeeilt war und in den Bergklüften der Apennine« unbemerkt vor- gedrunge« war, plötzlich de« Zug d« Flüchtlinge. Es waren laut« Frauen, sie v«theidigte« sich nicht und leistete» keine» Widerstand. D« Anführ« d« Streif« schaar, Ritter Orcani«, beeilte sich, mit seinen kostbaren Ge« saagene» zu dem Herzog vo« Oranje zurückzukehre», bevor die Florentin« dieselben z« befreien vermöchte». Ritt« Orcani» war durchaus nicht in Verlegenheit darüber, wa» er mit einer solchen Menge weiblich« Gefangene» anfaagen solle. Gatte» und Vät« werden Lösegeld« zahlen, die Dame«»zwischen in dem Zelte de« Rttt«» warte» und wenn sie heimkehre«, nichts davon v«rathen, wa» sich während d« Zwischenzeit zugekage». Die« war die Ansicht de» Rttt«» üb« die Frauen im Allgemeinen. Unter Allen, d«en Stolz ihre Schönheit bildete, war Lu«etia Maza» die Schönste. Ritter Orcani», der sie am Morgen gefangen nahm, war Mittag« b«eitS d« Gefangene sein« schöne» Gefangene« und lag zu ihre« Füße». Wen« d« Löwe aber auch den Fuß seine» Bändig«» sich auf de« Kopf setzen läßt, so bleibt er darum nicht min« d« ei» Löwe. Lucretia wußte, daß der Mann, d« vor ihr kniet, die Blume gewaltsam zu pflücke« verstehe« wird, wen« sie ihm nicht freiwillig in den Schoß fällt. Die Frauen find sich Alle gleich,— lautete de» Ritter» Losung»wort; im Frankenland sowohl wie in Arragonien, n de» Appeninne» so gut, al» jenseits d« Karpathen. Die Kunde von den unbesiegbare« Frauen ist blo» eine Mär. Lächelnd hörte Lucretia die Schmeichelworte de» Rit- kannt, daß da» Blatt von ihm gegründet ist und hat fich auch im Großen und Ganzen zu dessen Tendenzen bekannt. Witze üb« G ivel habe ich nicht gemacht, sondern nur gesagt, daß Herrn Ricknt« Wähler ein größeres Anrecht gehabt hätten, in ihren Inten ffen geschützt zu werden, als der russtsche Untnthan Gudel. He« Rickert sagt gewohntermaßen solche Sachen, mit denen er der königl. Regierung feindlich entgegentreten kann. Deshalb hat er sich auch Gudels angenommen und die 20000 Werderaner im Stich gelaffen. Ueber die Interessen der Wähler de» Danzig« Landkreises bin ich deSbald so gut unterrichtet, weil sie mit denen metner eigenen Wähler zusammenfallen, und deshalb habe ich ste hi« vertheidigt. Was die Wahl de» Herrn Rickert mir gegenüber betrifft, so ist e» ja delannt, durch welche Mittel er zu seinem Mandat gekomm.n ist, au» dem bekannten Prozeß der Marine- Ingenieure, welche mit für ihn Partei genommen. Abg. Rickert: Ich bin nicht schuld daran, wenn die Debatte in der Weise, wie fie Httr v. Puttkamer-Plauth jetzt deliebt bat, fortgeführt werden muß. Wenn aber ein Mitglied diese» Hause» eS sich herausnimmt, derartige Dinge in dieser Form zu verhandeln, so muß man doch wenigstens erwidern. Also ich fange von hinten an.(H-tterkeit.) Ich sei allerdings früher tn Danzig gewählt worden, führt Herr v. Puttkamer au», und er sei auch durchgefall:»— obgleich ein Flugblatt herausgegeben worden war, worin am Schlüsse steht, der liebe Gott im Himmel würde fich freuen, wenn dieser Bruder de» Herrn Minister» des Innern mich verdrängte. Halt Alle» nichts, Rickert wurde doch gewählt, und der liebe Gott im Himmel hatte diese Freude nicht. Ich sbin ja unschuldig daran.(Heiterkeit.) Soiche Mittel hat man für Herrn von Puttkamer gebraucht. Wethalb ich gewählt sei, habe man au» dem Ergebniß der DiSziplinaruniersuchung gegen die Marine- Ingenieure ersehen, sagt Herr v. Putlkam« weiter. Aber waS stellte fich da heraus? Daß Herr v- Pütt« kam« da» Blaue vom Himmel herunter versprochen, sogar den Arbeitern in Neufahrwaff« die Abschaffung der Dampf. krast versprochen hat.(G oße Heiterkeit.) Ferner haben die Ingenieure auSgelaqt, daß ste nur au» berechtigtem Aerger darüber, weil ein Oder Ingenieur auf d« Werkt Versammlun» 8in zur Empfehlung der Wahl des Herrn t>. Puttkamer abge- alten halte und weil selbst von Berlin auS Schritte zur Ge- winnung der Beamten für diese Wahlagitation gethan wurden, einzelnen Arbeitern die Wahl Rickert« angerathen hätten. Ich habe H«rn v. Puttkamer nicht die Berechtigung abgesprochen, mir etwa» zu sagen; ich habe nur die Zensur, die er mir ausstellte, nicht annehmen zu können erklärt, denn nach seinem Muster hielte ich meine Reden nicht, weil er noch ein zu junger Parlamentarier sei. Diese Behauptung halte ich auf- recht. Wa» die Denunz'ation bei den Wählern deS Danziger Landkreise» anbetrifft, so werden letztere wohl sehr glücklich sein über die ihnen von Herrn v. Puttkamer geleistete Hilfe; wenn er jetzt glorios autposaunt an dieWäh- ler de« Danziger Landkreises, wa» er für fie geleistet hat. so dedaure ich, diesem Hymnus nicht beitreten zu können. Die Wähler de» Danziger Landkreise» denken darüber ander», so- weit ste nickt unbedingt zur Fahne des Herrn von Putlkam« schwören. Nicht im Dunkeln lassen wollte ich meine Stellung, sondern ich habe nur acherzando gesagt, ich würde ihn im Dunkeln darüber lassen, wie die Bewohner de» Danziger W-rder» über daS DurchstichSprojekt denken. Die Herren Mi- nister wnden jetzt, nachdem eine Deputation bei ihnen gewesen ist, beurtheilen können, wie sich Herr von Puttkamer-Plauth vergaloppirt hat. Meine Tdättgkeit bestehe darin, nur solche Dinge vorzubringen, die d« StaatSregierung unangenehm st>d — auch über diese Aeußerung deS Henn v. Puttkamer lohnt eS nicht, ein Wort zu veilirren; man kann fie nur scherzhaft wiederholen. Zuletzt die Sache mit dem„ReichSblatt". Ich finde eS beispiellos, daß ein Mitglied dieses HauseS einen Kollegen ohne Beweis mit Bezugnahme auf irgend ein Blatt angreift. Ich muß eS dem Tattgefühl der Herren auf d« Rechtm überlaffen, inwieweit fie eS für angemeffm halten, solche Reden noch zu«muntern. I» kann nur miede? lolen, daß ich wahrscheinlich nicht so viel für Zettung n arbeile wie H-rr v. Puttkamer— wahrscheinlich, denn ich sehe, er ist in Bezug auf diesen Punkt sehr orienltrt; daß ich in dies« Frage keine Zeile für daS„ReichSblatt" geschrieben habe. Nun sagt Herr von Puttkam«, e« sei ein offenes Ged-imniß, daß ich dieses Blatt gegründet habe. ES ist in d« That ein offene» Geheimniß. daß ich mit mehreren meiner Freunde den Anstoß zur Gründung dteseS BlatteS gegeben habe, in dem Bewußt« ter« an, und wen» er ihre Hand drückte,«widerte fie de» Druck. Die Frauen sind fich Alle gleich! Am Abend lagerte« fich die Ritter mit ihren Gesänge- ne» am Ufer eine» kleinen runde» Bache» und schlugen hi« ihre Zelte auf. D« Teich ward durch eine kleine Abzweigung de« Arnoflusse» gebildet, von welchem« durch eine Schleuse getrennt wurde; so hatte sich zwischen Bach und Fluß eine kleine Halbinsel gebildet, die d« Ritt« al» nächtliche Ruh«. stätte auSerwählte. Er hätte sich für sei» Abenteuer keinen günstigere» Ort wünsche« könne», den« seine schönen Gefangenen konnte» mit vollst« Beruhigung auf dieser Halbinsel untergebracht w«den, während seine Leute ihr Lrqer vor der schmale» Jnselzunge aufschlugen, ohne daß Jemand die holde« Schöne» durch«»«wünschte Beaufsichtigung belästigt hätte. Uebrigen» fühlte« sich die Damen gar nicht besonder» unglücklich durch die neue Wendung des Roman»; au« ihren Tücher» und Teppichen improvisirten sie Zelte, machte» Feu« an und begannen zu kochen und zu braten; muntere» Geplauder und heitere« Lachen«tönte ringsum und einzelne leichtblütig«« Gefangene nahmen sogar ihre Mandottne» hervor und verscheuchte« ihre Befürchtungen durch heitere GesangSweise». Die ftanzöfischen Ritt« sind ja sehr liebenswürdige Feinde; weshalb sollten schöne Dame» Furcht vor ihnen haben? Lucresta bewies die« am klarste», denn wen» d« laue Abendwind zuweilen die Vorhänge ihre« Zelte» lüftete, konnte man de» Anführer zu ihre» Kniee» sitzend sehen; sie lauschte seine« Worten und lächelte dazu. Worüber die schöne Dame lachte, war ein Lieb«»- gesiändniß. Hätte der Ritt« über sonst etwa» sprechen können? Etwa vo« seine« Helventhaten? Ein jämmerlicher Held da», d« vor Frauen vo» seinen üb« Männer errungenen lew, damit etwa? GutcS zu thun. Wir wollten nicht, daß die Priffe deS Henn von Puttkamer da» Tenain allein beherrscht. WaS dann die schamlosen Angriffe betrifft, so kann daß„Reichs- blait" mit Ihrer Preffe, Herr von Puttkamer, den Vergleich noch immer aushalten. Wenn Sie wünschen, können Ihnen Zeitungiblätter unv Flugblätter, die für Ihr« Wahl verfaßt sird. vorgelegt werben, die an Verhetzung und Schmähung der einzelnen Berussllaffen da» Höchste leisten. Sie werden dann selber sagen: Das„RiichSdlatt" muß hintenan gestellt werden, der Vorrang gebührt diesen Blättern I Nun genug von diesem Kapitel. Ich bedauere aukS Tiefste, daß ich daS HauS mit demselben habe befassen müssen. Ader die Herren werden so gerecht sein, zuzugeben, daß ich mit meiner gestrigen Rede dazu keine Veranlaffung gegeben habe. Ich werde in deffen solchm Provokationen und Denunziationen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, jederzeit Rede stehen, und wenn Herr v. Puttkamer antwortet— ich werde ihm nicht daS letzte Wort laffcn. Abg. von Puttkamer-Plauth. Herr Rickert hat erst heute diesen Ton angeschlagen, mit dem ich ihn habe ent- gegnen müssen. Die Sache mit rem Versprechen der Ab fchaffung des DampfeS liegt ganz ander»: Die Marine- Jr genteure haben auSaesagt, daß ste in der„Danziger Z>g." gelten hätten, ich hatte so etwcs gesagt. Tie„Danziger Zettung" ist aber im Mitdefitze de» Abg. Rickert und bringt derartige Unwahrheiten. Ich erkläre es für eine ganz infame Unwahrheit, daß ich auch nur etwa» RehnlicheS gesagt habe. ES war nur ein Reporter der„Danziger Zeitung" in der Versammlung und dieser glaubte, sich bei seinem hohen Chef beliebt machen zu müffen. J dcnfalli halte ich bezüglich de» „ReichSblattes" ausrecht, waS ich gesagt, denn Herr Rickert ge- hört zu den Gründern, Beschützern unv Tutoren des BlatteS und hat damit für immer die Verantwortung für Alle» darin enthaltene übernommen.(Widerspruch und Heiter- lest links.) Abg. Rickert: Ueber dm Fall in Neufahrwaffer werde ich noch weitere» Matertal beibringen, ich habe es heute selbst- verständlich nicht in Händen. Ich bedaure, daß die Erklärung, e» sei eine infame Unwahrheit, wa» die Ingenieure damals in dem Prozeß gesagt baben, erst beute abgegeben wird. E» mag (ein, W Herr v. Puttkamer ste an andern Orten abgegeben >at, e» ist nicht zu meiner Kenntniß gekommen. Es wird mir vielleicht noch gelingm, andere Zeugen beizubringen, wie den bekannten Reporter der„Danziger Zeitung". Dort habe ich eS nicht gelesen, sondern au» dem bekannten Prozeß gegen die Jngenirure erfahren; eS ist dort vor Gericht festgestellt und dein Widerspruch dagegen erhoben wordm von den einzelnen Zeugen. Im Uebrigen überlaffc ich Ihnen den Herrn v. Puttkamer rrolllommen. Wenn ein Mann behauptet, daß Jemand, der zu den Gründern einer Zeitung gehört, d. h. nur zu den geistigen Urhebern, in aller Zukunft die Verantwortung über- nehme für da», waS darin steht, so ist das eine Behauptung, so enorm Puttkamer- Plauth'sch(Heiterkrtt), daß jede» Wort überflüfstg wäre. Die Debatte wird geschlossen, persönlich bemerkt Abg. v. Puttkamer-Plauth: Ich habe Herrn Rickert nicht dlo» einen Gründer, sondern auch Beschützer und Tutor de» ReichSblattc» genannt, der fich mit dessen Tendenzen vollständig einverstanden erklärt hat; kraft dieses noch de- st, h:« den Verhältnisse» nmne ich ihn noch jetzt verantwortlich für deffen Haltung. Wenn Heir Rickert noch neue Beweise beibringen will dafür, daß ich die Abschaffung der Dampfkraft versprochen, so soll mir da» lieb sein, ich bitte ihn darum. Ich habe nicht gesagt, die Marine- Ingenieure hätten die Un- Wahrheit, sondern daS ausgesagt, was ste in der „Danziger Zeitung" gelesen hätten, und das war die Un- wahlhnt. Abg. Rickert: Ich habe nicht gesagt, daß ich die Be- weise beibringen will für das, wa» ich behauptet habe; ich habe mich nur auf die Thatsache berufen, die in dem Prozesse konstalirt ist und habe hinzugefügt: vielleicht gelingt eS mir, auch noch andere Zeugen, die daS gehört haben, namhaft zu machen. Ich habe den Namen eine» ManneS im Kopfe, will ihn aber aus dem Gedächtniß nicht nennen, well vielleicht ein Jrrtdum meinerseits unterlaufen kann. Der Antrag Gcrlich wird hierauf gegen die Stimmen der Freikonservativen und einig« Nationallibnalen abgelehnt,§ 1 dagegen in Gemäßheit der Vorlage angenommen; des. gleichen ohne Debatte die übrigen vier Paragraphen. ES folgt die Berathung von Petitionen. Grundbesitzer Buning und Genoffen in Kattenhoff, KreiS Eckern, one, Regierungsbezirk Schleswig, bitten um Aufhebung einer gegen ihren Einspruch erfolgten Jagdoerpachtung, even- tuell um Anschluß ihr« Grundstücke an einen anderen Jagd« bezirk. Die Agrarkommisston(Ref«entAbg. Serbig) beantragt, über diese Petition zur Tagesordnung überzugehen. Sie hält zwar daS gegen die Pete-tcn geüd e Verfahren nach seinem matniellen Inhalt nicht für richl'g. ES wurde auch scharf ge« tadelt, daß eine GutSherrschaft von der ihr durch die Gesetz- gebung eingeräumten odrigkeillichen Befugniß Gebrauch mache, um lediglich ihre eigenen Prioatintereffen zu sörd-rn. Der für ein Areal von etwa 2000 Morgen von ihr stipulirte Jagdpachtzins Siegen und vor Männer» von seinen über Frauen davon- getragenen Triumphen spricht. Inzwischen war auch schon d« Liebesstern am Firmament erschienen; am r Schlich angehauchten Abendhimmel funkelte d« diamantene Luzifer. „Sehet, Riit«, wie viel Sterne auf un» blicken," sprach die Dame«röthend.„E« ist Zeit, daß Ihr das Zelt verlasset." Sie meinte jene Sterne, die von alle» Seite« auf ste gerichtet waren: die Augen ihr« Schickfaltgenosfianen. Schon ist'« finst«,— wa» werden die St«»e sage», wen« sie Man» und Weib so nahe bei einand««- blicken? Der Ritter gehorchte;« erhob fich und v«- beugt« fich. „Wenn ab««och mehr Sterne h«ab blicken ««den?" Die Dame v«stand ihn und lächelte:„Die ver- rathe» nicht»." Auch der Ritter verstand ste, er küßte die Fingerspitzen sein« Dame und entfernte fich. @» war eine warme Nacht, eine italienische Sommernacht. Nach d« Flucht und de» Anstrengungen,»ach den V«- folgungen ein«» ganze« TageS fraß der Staub die Glied« der Mensche». D« Bach de» Arnvflasse« flüsterte in seine» Träumen unt« den Tamarindensträuchen von de« Zelte» der gefangene» Frauen; der verrätherische Mond war noch nicht aufgefilege«. Ihrer kleinen Dienstmagd sagte Lucretia, ste wolle ein Bad nehmen, ste solle ste an den Rand des Bache» begleiten. Jetzt steht ste ja Niemand. Und wen» man ste sähe? Wenn es ste kümm«te? Frauen nehme« dnlei nicht Übel. Dies« Meinung war auch der Ritt«, und als et dunkel geworden, schlich« zu sein« Gefangene«, die« dereit« doppelt gefangen wähnte. Um jenen Sterne« aus- zuweichen, die hören und fpriche« können, nahm er den Weg läng« de« Ufer», im Schatte« der Tamarinden« und von 200 M. stelle vielleicht nur V« bis V» der sonst wobl zu ««eichenden Summe dar. Nach Lage der bestehenden Gesetz- gebung aber sei eine Rückgängigmachung d« einmal vorae- nommenen V«Pachtung nicht möglich, eS könne diese» nur durch Anstellung einer Klage auf dem Rechtswege ange« strebt werden. Abg. Sattler glaubt, daß daS Verfahren d«S Land- rathsamtS gegenüber den Petenten ein durchaus illegales ge- wesen sei. Derselben Meinung ist Abg. Zelle, d« eine DiSzt- plinirung der untergeordneten Beamten wünscht und zugleich beantragt, die Petition der Reginung zm Erwägung zu über- weisen. Geh. Rath Humperdinck wiederholt die schon in d« Kommisfion abgegebene Erklärung, daß fich GutSobrigkeit und LandrathSamt innerhalb d« ihnen gesetzlich zustehenden Be- fugniffe bei ihren in Rede stehenden Amtshandlungen gehalten haben. ES sei deshalb keine Möglichkeit vorbanden, o« von den Petenten vorgebrachten Beschwerde, selbst wenn fie für begründet erachtet würde, auf dem Verwaltungswege Abhilfe zu verschaffen. Abg. v. Minnigerode bedauert den sachlichm Ausgang der Angelegenheit, glaubt aber das die Behörden formell korrekt gehandelt haben. Abg. v. H u e n e glaubt, daß die Sache nicht sowett auf- geklärt sei, daß man disziplinarisch gegen die Beamtm vorgehen könnte, und empfiehlt einfache Tagesordnung. Abg. LangerhanS schließt fich den Ausführungen deS Abg. Zelle an und beantragt, die Sache als nicht spruchreif an die Kommiiston zurückzuverweisen. Abg. v. Rauchhaupt bemerkt, daß der Landrath aar nicht ander» habe handeln können, al» eS geschehen sei. Die Petenten hätten selbst ihre R-chte nicht genügend im Termin der Jagdverpachtung wahrgenommen. Dieser Fall sei aber dazu angethan, auf den Erlaß eine» JagdpolizeigesetzeS zu dringen. Die Abstimmung über den Antrag Zelle bleibt zweifelhaft. DaS Haus schreitet deshalb zur Auszählung, welche die An- Wesenheit von nur 155 Mitgliedern ergiebt, dai HauS ist deS- halb nicht beschlußfähig. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr(«ste und zweite Be- rathung deS Gesetzentwurfs betreffend die PenstonSverhältniffe der Beamten am Kunstgewerbemuseum, dritte Berathung dn Nothstandsvorlage für Westpreußen, zweite Berathung der Kirchengemeinde- und Synodalordnung; dritte Berathung deS Gesetzentwurfs betreffend die KantonSgefängniffe in d« Rhein- prooinz.) Schluß 2'/, Uhr. Kommunales. w. Das Kuratorium der städtische« Markthalle« hielt am Mittwoch eine Sitzung ad» in welcher bestimmt wurde, daß die drei ersten von den fieben gepachteten Stadtbahnbogen zwischen d« Kaiser Wilhelmstraße und d« Rochstraße zu Än- fang deS nächsten Monat» in V«dindung mit der Zentral- Markthalle zum Exporthandel für Schlächter und Wildhändler eröffnet werden sollen. Ferner theilte H«r Direktor HauSberg mit, daß er gegenwärtig unter Hinzuziehung d« Geschäfts- vnmittler ein Reglement für da» AultionSwesen ausarbeite, das er nach Fertigstellung dem Kuratorium zur Beschlußfassung vorlegen werde. w. Die Echiedsmänuer und die fremde« Sprache«. Bekanntlich halte sein« Zeit der Präfident deS kömgl. Landgericht» Berlin I an den Magistrat die Aufforderung«gehen laffen, Personen namhaft zu machen, welche ein« od« der anderen in Berlin von meisten vntretenm fremden Sprachen mächtig find, um denselben da» Amt eine» Schiedsmannes zu übertragen. Der Magistrat hatte diesen Antrag abgelehnt, weil« fich dazu nicht verpflichtet hielt und auch au» den G-Ünden den Antrag zurückwies, weil in der Schiedsmann»- Ordnung ausdrücklich enthalten ist, daß der Schiedsmann de« rechtigt ist, die Parteien zurückzuweisen, sobald er d«en Sprache nicht mächtig sei. Auch der Verein der Schiedsmänner hat in seiner letzten Sitzung dm Antrag au» dmselben Gründen zurückgewtesm. Jetzt hat nun d« Prüfivmt an jedm einzelnm Schiedsmann folgendes Ersuchen gnichtet:„ES handelt fich darum, SchievSmanner resp SchiedSmannSdeamte zu«mittel», welche der französtschen, polnischen, rusfischen od« italienischm Sprache sowett mächtig find, daß fie in derselben nicht nur mit den Pa-teien mündlich»«handeln, sond«n auch die Vorschrift deS§25 0« SchiedimannSordnung vom 29. März 1879 zu«iüllm im Stande find. Die zu ermittelndm Beamten sollen im Bedarfsfälle, namentlich in Fällm deS§ 420 der Strafprozeß- Ordnung in Gemäßhett de»§ 11 Absatz 2 der angezogenen SchiedSrnannSordnung, wenn Pattelm in Frage find, die zwar einer der genannten Sprachen, nicht aber der deutschen Sprache kundig find, zu außerordentlichen Vertretern bestellt werden. Gelungen ist e» bereits, einen d« englischen und einen d« italienischen Sprache deherrschmden Schied»- mannSdeamten zu gewinnen. Ew. Wohlgeborm ersuche ich sehr ergebenst a) schleunigst gefälligst mir gegenüber zu«klären, ob und wclch« der im Eingänge bezeichneten Sprachen Wohl- Granatsträucher, um unbemnkt zu LucrettmS Zelte gelange« zu können. Hi« bestahl er de« Anblick, welch« auch die Neugi«de der Gött« de» Alterthum» in so hohem Maße«regt hatte. Er«blickte seine angebetete Dame im Begriffe, in daS Wasser de« Bache» zu steigen. Nur ei» dünne» Hemd ver- hüllte»och die herrliche« Forme», die Übrigen Kleidungsstücke hatte fie dem sie begleitende» kleine» Mädchen üb«- gebe». Sie neigte fich zu d« Die»«in und flüsterte ihr etwa» in'» Ohr, die darauf leise zu schluchzen begann; fie winkie mit dem Fing« und da» Kind verstummte. Dan» trat fie in da» Mass«; sie raffte da» leichte Gewebe am Busen zusammen und blickte lange zum Himmel empor. Noch niemals war eine vollkomme»«« Körp« dem Künstl« im Traume erschiene«._„, Langsam, allmälig versank ihre wundttbare G.stalt. D« Ritt« beneidete das Wasser, welche» die Marmor« glied« umhüllen durfte. Schon»«deckte« die Wellen ihre» Busen, schon kos'te» fie mit den glatten Schult«». Da hob sich die Badende plötzlich hoch au» dem Wass« empor. Der Lauscher«einte, die Srnne schwände» ihm. Lucretia zog eine goldene Nadel au» dem Haar und da« ganze Goldgewebe umfloß gleich ernem zaub«ischen Wass«fall ihren ganze« Körp«. So ließ fie fich langsam wied« hinabgleite». Die Waff«fläche war von de» breite», weißen Blätter» und üppige« Blüthe» der Nymphäe« bedeckt. Und unt« so viele» Blume» schwamm al» schönste Blume das schönste Frauenhaupt.„.. Plötzlich verschwand auch diese» Haupt und blo» die schaukelnden Wasserrose« find auf den kreisende« Wellen- ringen noch zu«schauen. „Will fie vielleicht vor mir entfliehe«?"— Dies« Gedanke erwachte in dem Ritt«. Da» ist ja nicht möglich! Der Bach ist durch eine Schleuse abgesperrt, fie kann von dieselben in dem dezeichneten Umfange mächtig find, d) oder aber mir einen SchiedSmannSdeamte» angeben zu wollen, d« die gesuchte Sprachkunde befitzt. Zu d werde ich bitten, Woh- nung, Lebensstellung und Amtsbezirk fteundlichst beizufügen. Im Aufttage:c."_ zostalr». Die Geschichte de» Chausseebaues vor deu Thore» Berlins reicht, wie wohl nicht allgemein bekannt sein mag, noch nicht auf ein Jahrhundett zurück. Während Frankreich schon unt« der Regierung Ludwigs des Vierzehnten Kunst- straßen in groß« Zahl erbaute, find vor den Thoren Berlins «st gegen Ende de» vorigen Jahrhunderts zwei solch« Land- straßen von gering« Länge erbaut worden, die nach Charlotten« bürg und Potsdam führenden Chausseen. Von dem Erbau« dnsclben, Friedrich Wilhelm II., ist auch daS«ste, den Chausseedau in d« Kurmark betreffende Gesetz, das Edikt vom 19. April 1792«laffen worden. Friedrich Wilhelm III. hatte die Adstcht, die Hauptstraßen um Berlin auf eine Meile lang nach und nach chausstren zu laffen. ES wurde auch zunächst die Chauffee auf der Frankfutter Landstraße in Angriff genommen, und am 1. Juli 18C0 bis Frtedrichtfelde, am 1. Juni 1801 biS Dahlewitz übergeben. Die Chaussee nach Tegel ist 1800 begonnen, 1801 wurde die zweite und dritte Viertelmeile auSae- fühtt und im Jahre 1802 der Befehl ertheilt, den Bau vom '/«-Meilenstein an bis zum ganzen Meilensteine zu verläng-rn. Der Bau der Chauffee nach Weißens« wurde 1802 begonnen und 1803 beendet. Dann ruhte der Chausseedau längere Zeit. Die Chausseen vor dem Prenzlau« und Schönhaus« Thor wudm im Jahre 1825 durch einen Altienverein hergestellt. Beide Straßen find im Jahre 1866 in die Unterhaltung deS Staates unv im Jahre 1877 mit den übrigen StaatSchaussen in diejenige d« Stadt übergangen. Die Berlin Prötzler Chaussee war bereit» 1821 geplant, fie kam jedoch«st 1852 zur Ausführung, die nach Stralau und Treptow 1841 und 1842, die Cbaussce nach Rttnickendorf erst in den Jahren 1848 und 1849. Die Berlin-Glasower Chaussee vom Kottbus« Thor üb« Britz und Buckow nach Glasow zum Anschluß an die im Jahre 1339 erbaute vom Halleschm Thor nach KottbuS führende Chaussee ist durch eine Aktiengesellschaft in den Jahren 1844 bis 1846 hergestellt, d« Bau d« Moabit Charlottenburger Chauffee ist gleichfall» durch eine Aktiengesellschaft im Jahre 1848 ausgeführt worden. Die außerordentlich wichtige Frage, ob ein Recht»« anwalt seinen Mandanten die Etnlegunz und Rechtfertigung der Reviston versagen muß, wenn er selbst da» Rechtsmittel für erfolglos hall, ist von dem maßgebenden Ehrengerichtthofe zu Leipzig verneint worden. In den UttheitSgründen heißt e»:„... In vielfachen Beziehungen ist e» sowohl im Zivil- prozesse al» auch im Strafverfahren(selbst wo keine Ausficht vorhanden) von Wichtigkeit, den gesetzlichen Jnstanzenzug zu «schöpfen. Die» wird namentlich dann anzunehmen sein, wenn das betreffende Uttheil für anderweitige VerhSUniffe der Par« teien von Bedeutung ist. Eine Pflichtverletzung liegt auch au» dem ferneren Grunde nicht vor, weil vor Em ficht de» anzu« fechtenden Uttheils fich auch nur mit annähernd« Sicherheit überhaupt nicht utthetten ließe, ob da» Rechtsmittel fich würde begründen laffen od« nicht. Allerdings erfordert die gewiffenhafte Ausübung de« Berufes, daß der Rechts« anwalt seine Anficht d« Pattei nicht vorenthält. Wenn diese aber darauf beharrt, daß trotzdem daS Recht»- mittel eingelegt werde, so ist eS nicht ohne Weitere» eine pflichtwidrige Handlungsweise, daß« dies.m Verlangen nach- giedt. Er kann dazu durch die verschiedenartigsten Beweggründe»«anlaßt w«den; so z. B. dadurch, daß er Bedenken. welche seiner eigene» Anficht möglich«weise entgegengestellt werveir können, nicht für ausgeschlossen«achtet, oder dadurch. daß er fich für verpflichtet hält, der Pattei, welche fich von der Richtigkell seiner pnsönlichen Anficht nicht zu überzeugen ver« mag. den gewünschten Ausspruch deS höheren Richters zu ver« schaffen u. s. w." Im Gegensatz zu der Vottnstanz v«up- theilte jedoch der Ehrengerichts Hof den angeklagten RechtSari- walt zu einem Verweise, weil derselbe die Reviston nur unter Bezugnahme auf§ 399 Str.-P..O. begründet halte, der gar- nichts mtt dem betreffenden V«fahren zu thun hat und von vornherein jede Möglichkeit eine» Erfolges ausschloß. Da» tgl. Polizeipräfidium in Berlin bttngt den Aerzten, Wundärzten, Augenärzten, Geburtshelfern, Zahnärzten, Hebeammen und endlich den Thierärzten, welche in Berlin oder in Charlottenburg die Praxis ausüben wollen, eine früher Poltzttonordnung in Erinr.emng, nach welcher, und zwar die Aerzte, Wundärzte, Augenärzte, Gedurtt Helfer und Zahnärzte den Beginn d« Praxis dem StadtphystluS(gegenwärtig Htf* Dr. W. Schulz, Wallstraße 30), die Thierärzt« dem Departe- ment» Thinarzt(gegenwärtig Herr Wolff, Frankfurter Allee 80), unt« Vorlegung der Approbation und Angabe ihr« WobnanS fich zu melden haben, femer müffen fie die erfoid«llchen Notizen hinfichtlich ihrer PcrsonalSverhältnisse hinzufügen. Die Hede- ammen haben dieselben Bedingungen unt« Einreichung ihre» PrüfungSzeugniffei an den Stadtphystku» zu erfüllen. E wai!P Wohnungswechsel ist innerhalb 14 Tagen nach Einitttt des- selben bei den vorgedachten AmtSstellm zu melden. Zuwider hi« also nicht in den Arno gelange« und am jenseitig� Uf« patrouillrre« berittene Wache». Nachdem hundert Minuten»«flössen sind, kniete die kleine Magd Lucretta's am Bachesrand nieder und beza«' zu btte«. „Ave Maria!" gt Der Ritt« stürzte hi» und schrie:„Weshalb betest Dü> DaS Kivd ließ sich nicht störe«.„. E» sagt« die Lobpreisung her. Uad dann«och alle»- wa» e» wußte: da« Pat« noster und da» Credo. Der R>t>» mußte bi« zum letzten Amen wattev, bi»« auf seine F-»! Antwort«hielt. „Weshalb betest Du hi«?' „Ich btte für meine H«tt», die gestorben ist/ � wortete da» Kind und warf fich über die Gewänd« Gebietni» und begann laut zu schluchzen. Jetzt war berettS«laubt..t Ohne Zögern warf fich d« Ritter in» Mass«; er w ei» gut« Schwimm« und gewandt« Taucher und stieg° zum Teichgrund hinab, um die entflohene Geliebte zu Nach langen Minute« kam er wieder empor,— allein er hatte fie nicht gefunden., Bios die Rofenblätt« schaukelte» auf d« Oberflaq de» Wasser»..«« Er tauchte zum zweite» Male unt«;— er w«<® am Grunde de» Wass«» dahin, zwischen fremde« �0*1% und Pflanze», doch keine«»«mochte ihm Nachricht über verschwundene Geliebte zu gebe». Und al» er zum dritte« Male untettauchte, um Lucr aufzusuchen, fand« die schöne Frau in deS Teiche«* mtt den Füße» in dichte» Schlinggewächs»«strickt, und o, � b« Tod mtt Gewißheit erfolge, war eine Fleckre de» Goldhaare» i» festem Knote» um ei» Bündel Schttfwu z geschlungen. Blo» im Tode konnte sie d« Ritt« sei» eigen .::%%%% Periode d« zur Freude geborenen Medicä«. Handlungen gegen diese Bestimmungen bedroht die Verordnung mit Geldstrafe bis zu 30 M. beza. Haft biS zu 14 Tagen Di« Erinnerung an diese Verordnung erfolgte, weil wieder- holte KontraventionSfälle zu oerzeichnen waren. Beim Herannahe« der Kirsche«, ett scheint eS uns ge- boten, auf»ine U�stlte hinzuweisen, welcher nicht nur Kinder sondern auch häufig Erwachsene huldigen. Wir meinen daS Verschlucken der Kirschkerne. In einer auswärtigen Zeitung finden wir den ersten Todesfall, der in diesem Jahre auf jene Unfitte zurückzuführen ist. AuS Freidurg wird nämlich ge> Arieben:„Dieser Tage starb dahter ein vierzehnjähriger Knabe; daS junge Leben fiel dem unvorfichtigen Verschlucken von Ki, scher steinen zum Opfer. Der Knabe erkrankte, nachdem er einige Tage zuvor Kirschen mitsammt den Steinen gegessen hatte, am 6. d. MiS. unter den heftigsten Schmerzen an einer UnterleibSentzündung, welcher er am 10. d. MtS. unter den Erscheinungen einer Durchbohrung der Darmwandung erlag. Die Leichenöffnung ergab: in dem wurmförmigen Jortsatze deS Blinddarm« lag, tief eingedrungen, ein Kirschenstein und dicht daneben war in der Wand dieses sehr engen Darmfortsatzes eine kleine mnde Oeffnung. Die Darmwand war an dieser Stelle durch den Druck deS Kirschensteines brandig geworden und in der Folge davon durchbrochen worden, was die Unter» leidsentzündung und den töd'lichen NuSgang derselben verursachte." Möge dieser Fall Allen, die in leichtfinniger Weise beim Kirschenessrn die Steine verschlucken, zur Warnung dienen, und möchten Jene, die sagen:„Viele Tausende thun das Gleiche ohne Nachtheil für Gesundheit und Leben", beherzigen, daß ein einziger derartiger Todesfall alle die tausend jener Fälle mit schadlosem Verlaufe aufwiegt, abgesehen davon, daß derartige Todesursachen keineswegs so selten find, wie man allgemein anzunehmen geneigt ist. Eine eigenartige Klasse Epaziergänger find die „wilden" Studenten und Studentinnen im Thiergarten. In den frühen Morgenstunden, wenn die Promenaden wege noch wenig belebt find, trifft man fie am iahl.eichsten an. Da geht in einem Seitenwege der Bellevue. Allee eine bereits etwas angejahrte junge Dame langsam auf und ad. DaS kurz ge- schnittene Haar und da« Pince-nez auf dem niedlichen Stumpf- näSchen würde allein schon auf eine frühere„höhere Tochter" deuten. Da murmelt fie, in ein dünneS Heft in Lexikonformat vertiest:„Marley was dead, to begin with"— aha Touffsint- Langenscheidt! die Dame will opne Zweifel alS Erzieherin, Lehrerin oder dergleichen nach England gehen und macht stch daher mit der englischen Sprache bekannt. Dort gehen Zwei. in eifriger Unterhaltung begriffen, auch jede mit einem Heft in der Hand. Sie studtren zusammen Französtsch und fragm einander gerade Vokabeln und Redensarten in dem fremden Idiom ad. Ein anderer geht mit einem dicken Buch in stark abgegriffenen Einband spazieren. Er schwitzt über mathemati- schen Formeln, und nur Zahlen und immer wieder Zahlen kommen auS seinem Munde. Je weiter der Tag vorschreitet, msto mehr verschwinden die lernbegierigen Männletn und Weiblein auS den näher an der Stadt gelegenen Partien deS Thiergarten«. Da« Geräusch de« TageS verdrängt fie. Immer tiefer in daS Innere ziehen fie fich zurück, zuletzt gewährt nur die Gegend um die Löwendrücke noch einigen Schutz. Bald ist e« auch damit vorbei, nach zehn Uhr kommen die Kindermädchen auS den nach dem Landwehrkanal zu gelegenen vornehmen Straßen, okkupiren mit ihrer kleinen Gesellschaft die Bänke, und nun geht jenes lärmende Treiben loS, welche« dem Kinderfreunde ein Hochgenuß, dem still Lernenden aber ein Gräuel ist. Sehr bald wandern Touffaint-Langenscheidt und Kollegen In die Rocktasche und ein„Thiergartenstudent" nach dem andern verschwindet, mancher nicht ohne einen Blick stummer Wutb auf die jugendlichen Störenfriede. Diese Szenen wiederholen fich den ganzen Sommer hindurch jeden Vormittag. Sommer ist'S! Verwundert werden die Leser diesen AuSruf so wiederholen, als ob hinter demselben eigentlich ein Fragezeichen stünde. Sommer ist's? Daran haben wir wahr- «ch am allerwenigsten gedacht. Sommer war'S! DaS wollen noch gelten laffm.— Wai nützt aber diese und jede an- bere Klügelei über die auS den Fugen gegangene Ordnung im «Letter- TurnuS der Jahreszeiten. Die Astronomie ergreift baS Wort und erklärt auf Grund genauester Erhebungen: Am fl. Juni, Nachmittags um 1 Uhr 67 Minuten beginnt—„ob Won, ob Regen"— der echte und unbestreitbare Sommer. Wer'« nicht glaubt, der sehe zu, wie die Sonne auf ihrer Kimmeisbahn gm au zur Minute und wie ein Rekrut auf «ommando Kehrt macht.— Also: e« ist Sommer I Man komme und erfreue stch auf der Fläche unseres Rasens und im schatten unserer Bäume. Ader man bringe zur Vorficht Z?rme Kleider und f.r dm Morgm wie für den Abend eine Zluthpfanne mit. Die warmen Kleider, die haben die Leute m der Stadt ohnedies wieder h:r,orgesucht und fie tragen fie nuch noch, trotzdem die Sonne wieder ein bischen lächelt. O. dieses Lächeln! ES ist kühl, fast ironisch. Aber die Astronomie lagt: Es ist Sommer, und die Astronomie ist eine ehrenwerthe Mffenschaft. „ Trotz der wiederholt vorgekommene« Fälle von Verblutung in Folge Zahnztehen« kommt es, wie der nachstehend uns auS der Saniiättwache in der Markgrafen» nraße gemeldete Vorgang beweift, immer noch vor, daß Zahn» arzte bei Ausübung ihre« BemfS mit großer Leichtfertigkeit zu Werke gehen. Ein in der Alten Jakodstraße wohnender H-rr hatte fich am Sonntag einen Backenzahn durch einen Zahnarzt Ziehen lassen, der Anfangs nur wenig blutet,. In der vergangmm Nacht rrwachte der gedachte Herr plötzlich an einem Er» fiickungSanfall und als er fich schleunigst im Bette aufrichtete, stürzte ihm eine Menge geronnenen und noch flüsfigen Blute« aus dem Munde. Nachdem er sofort erkannt hatte, daß daS "int der Zahnwunde entströmt war, eilte er zur EanitatS» wache in der viarkgrafmstraße, wo ihm denn auch die er- forderliche Hilfe zu Theil wurde. Hier wurde festgestellt, kchß der Zahnarzt die Zahnwunde nicht gehörig zugedrückt .. Gegen de« Brechdurchfall und de« Darmkatarrh der Kinder soll daS R- Kufeke'sche Kindermehl ein recht wirksames .Heilmittel sein. Herr Dr. med. Pauli, Arzt deS K>nderhospita« 'N Lübeck glaubt die» wmigstm« verstchern zu tönnm. da er sowohl im Hospital wie in seiner PrioatproxiS mit dem Kinder» Wehl Erfolge erzielt hat. . Der„gute Montag". Trotz der freien Entwickelung des Handwerks hat fich in einzelnen Zweigen deffelben doch noch wanch« Brauch erhalten, welcher, au» der„guten alten Zeit stammend, fich unter den heutigen VerHältmffen recht sonderbar «««nimmt. So hat fi» im Buchbindergew-rde noch bi« auf Kt�ist� diet�'e st l b st g e�ch«1 ��"d oert zurückdatirt. als da» Handwerk noch allgemein den stren» wurden allerlei aewerkscha, sticht Angelegenheiten geordnet und sondern machten, wie man heute sagt,«blau. Im Laufe der Zeit wurden solche einzelnen Ausnahmen in�ffen plr.ollge- wrinrn Regel und dir Gesellen nahmen eS alS ein Prioilegi�m lstr stch in Anspruch, an diesem Tag« regelmäßig und msge- lammt zu feiern, wa« ihnen denn auch seitens der Merster verstastet wurde und erhielt dieser Tag in Folge d'ssen die Be» «stchnung:„Guter Montag". Oogleich sich die Z-sten gewaltig oerändert und die Verhältnisse ganz andere geworden find, hat stch doch Name und Brauch deS„guten Montag" biS auf den �«ügen Tag erhallen und wird auch von Leuten in Ehren »ehalten, dir sonst allem Zunft» und JnnungSwesen und wa« «mit zusammenhängt, durchaus abhold find. So macht der biestge UnterstützungSverein der Buchbinder und verwandten Berufsgen offen am 19. Juli dieses JahreS zur Feier de« „guten Montags" eine Dampferpartie nach Tabbert S Wald- schlößchen. Personen, welchen eine Erbschaft i« den Vereinigten Staaten vou Amerika zugefalle« ist, laffcn fich häufig ver- leiten, den Anpreisungen dortiger sogenannter„Inkassogeschäfte" oder„VermittelungS-Lureaux" Glauben zu schenken und den Inhabern der selben, deren ZuveklSifigkeit ihnen durch den Titel eineS„Notar«" und dergl. hinreichend verbürgt erscheint, ohne Weiteres Vollmacht zur Wahrnehmung ihrer Jntereffen und Einziehung de« ihnen zukommenden Betrages anzuvertrauen. Nachträgllch machen fie dann nicht selten dir Erfahrung, daß fie Schwindlern in die Hände gefallen find, von denen fie günstigen Fall« einen mehr oder minder geringen Bruchtheil ist«» E, biHeils, oft aber auch garnichtS von dem letzteren her- auSbekommen. DaS Beschreiten des gerichtlichen WegeS gegen den ungetreuen Bevollmächtigten erweist fich bei der Umständ« lichkeit und Kostspieligkeit deS amerikanischen Gerichtsverfahrens regelmäßig aii auifichtsloS. Einzelne Unternehmungen der ge» dachten Art sollen so gut renttren, daß fie eigene Agenten im Auslände, besonder« auch in Deutschland unterhalten, um Kun» den anzulocken. E» erscheint, wie die ,Aordd. Allgem. Ztg." schreibt, nicht überflüsfig, daS deutsche Publikum immer von Neuem vor diesem Treiben zu warnen und den betreffenden Elbintereffenten die so nahe liegende Vorficht einzuschärfen, vor Hingabe einer Vollmacht stch durch eine Rückfrage an geeig- neter Stelle, insbesondere bei dem zuständigen deutschen Kon» sulat, von der Zuverläsfigkeit deS in Aussicht genommenen Ver» treterS zu vergewissem. Segen eine Kaution vo« 20 000 Mark sollte der kürz- lich zu einer fünfmonatlichen Gefängnißstrafe vemrtheilte D., der seiner Schwiegermutter in spe eine Brillantbroche gestohlen hatte, auS der Haft entlassen werden. Der Vormundschafts- lichter hat fich jedoch geweigert, seine Einwilligung ,u der Kau- tionSstellung zu geben, und so dürfte dem Verurtheilten nichts übrig bleiben, als sofort seine Strafe zu oerbüßen.— ES stehen also außer den sogenannten politischen„Verbrechern" auch noch andere Leute im Verdacht, fich den Annehmlichkeiten einer längeren Gefängnißstrafe zu entziehen, fall« ihnen dieS ihre Mittel gestatten. Zwei juuge Füchse, die im Schaufenster eineS Thier- Händler« in der Zimmerstraße w einem Drahtkäfige ausgestellt find, locken fortwährend eine große Menge Neugieriger an und gewähren durch die Art, wie fie das Leben auf der Straße berrachtcn, eine sehr interessant» Unterhaltung. Die Anwesen- heit der vielen Leute scheint fie nicht im Mindesten zu geniren, kaum daß fie für einen der Jungen, die ihnen an der Schau- fmsterscheibe etwas Eßbare« zeigen, einen blinzelnden Blick auS ihren heimtückischen Augen haben. Aufmerksamer dagegen werden fie sofort, sobald in ihrer näheren Umgebung daS Flat- tem eineS VozelS fich vemehmcn läßt; dann stehm fie Minuten- lang, unbeweglich dai Auge auf den Vogel gerichtet, bis dieser ihren Blicken entschwindet. Am interessantesten aber wird die Situation, wenn ein Hund fich dem niedrigen Schaufenster nähert. Still in einer Ecke de« KäfizS liegen dann die beiden Rothpelze und dettachten mit halbgeschlossenen Augen den vor dem Fenster herumspringendm und bellenden Gegner. WaS in solchen Momenten in der Thierseele vorgeht, wer mag es wissen? Bei dem durch de« Schiffsverkehr nothwendigen Auf« ziehen der Oraniendrücke haben fich derartige Störungen des hier zu jeder Zeit sehr starken Straßenverkehrs herausgestellt, daß eine Abstellung dieses Mißstandes fich als dringend noth- wendig erwteS. Diesem Bevürfniß soll nun durch die Errich. tung eines neben der jetzigen Brückenbahn laufenden erhöhten UedergangeS abgeholfen werden, wie solche bereit« bei mehreren Brücken, so der Weidendammer-, der Gertraudtenbrücke:c. vor» Händen find. Namentlich in den Morgen- und Mittagsstunden, wenn die Beamten und Ardeiter in die Bureaux und Fabriken gehen, wurde daS Fehlen einer unbehinderten Friß- gängerbahn sehr empfunden. Die Arbetten find bereits begonnen. Da« Lokal de« ausgewiesene« Rettaurateur« Weseuack, Holzmarftftraße 44, ist gestern um'/,2 Uhr polizeilich geschloffen worden. Um V,3 Uhr wurde die Firma deretts auf polizeiliche Anordnung von einem Maler überstrichen. Et« Kind war der einzige Wunsch eineS in der Marien- dotferstraße wohnenden Ehepaares. So verfickerte wenigsten« die Frau jedem, der eS hören wollte, und der Mann gab diesem frommen Wunsche jcdeS Mal seine Zustimmung. Die Leute tonnten eS fich ja auch leisten, denn der Mann hatte eine ein- trägliche Stelle als Reichs dankdeamter; eS war eben nur ein Kind, welches ihrem Glücke fehte. Allerdings hatten fie bereit« ein Kind gehabt, daff lde war ihnen jedoch gestorben. Am Montag Abend sollte fich nun der heißeste Mansch deS Ehe» paare« in ganz unerwarteter Weise erfüllen. Vor der Korridor- thür deS Herrn Reichsbankdeamten fand fich nämlich ein Korb vor, dessen Inhalt fich bei näherer Untersuchung alS ein recht gesunder Staatsbürger entpuppte. Dem Kinde war ein Zettel beigefügt, auf welchem die Worte standen:„Bitte, n-hmt Euch memeS Engels an und denkt, er sei von Gott geschenkt." Für derartige„pottgl.andte" Geschenke schien der Herr Beamte und seine kinderdedürftige Ehefrau aber plötzlich absolut keine Ver- wendung zu haben, fie lehnten die Aufnahme deS kleinen „Engels" ab, und schließlich fand fich eine Frau in der Zoffener» straße bereit, da« Kind bei fich aufzunehmen. von einem rasfintrten Gaunerstreich in der Reich«- dank weiß ein Berichterstatter folgende« zu erzählen: Vor einigen Tagen hatte die Ehefrau eine« hiesigen PrivalierS an der Kouponkass« der kaiserlichen Reichsbank in der Jägerftraße einen Betrag von ca. vierhundertundfünfzig Mark für fällige KouponS erHoden, daS Bankgcdäudc nach der Jägerftraße zu verlassen und die südliche Seite dieser Straße betreten, als ein etwa dreißig Jahre alter Mann ohne Kopfbedeckung auS dem Bankgcbäude schnell heraustrat und der Dame die Mittheilung wachte, daß ihr bei der Aufzählung des Geldes durch ein Ver- sehen de« Bank-KasfirerS zu wenig Geld ausgezahlt worden ei. Der Fremde, welchen die Dame für einen Bankdiener Kell, forderte dieselbe auf, nach dem Bankgebäude behufS Empfangnahme des zu wenig gezahllen Betrages zurückzukehren. Auf dem Vor stur de« BantgedäudeS nahm ihr der oermeint- liche Bankdiener den ganzen Geldbetrag au« der Hand, versprach, den fehlenden Betrag an der Kasse hinzufügen zu lassen und forderte die Dupirte auf, auf dem Voiflur seine Rückkehr abwarten zu wollen. Nachdem eine geraume Zeit verstrichen, ohne daß der Fremde mtt dem Gclde zurückkehrte, begab fich die Frau selbst nach der Zahlstelle und mußte hier erfahren, daß sie das Opfer eineS abgefeimten Gauners geworden, der zweifellos an der Kasse, wo der Frau daS Geld ausgezahlt worden, herumge- lungert und gesehen, welche Summe man derselben ausgezahlt und dann den rasfinirt angelegten Schwindel in der geschilderten Weise zur Ausführung brachte. Vermuthlich hat der Gauner noch einen Komplizen gehabt und fich, nachdem der Koup ge- lungen, dmch einen der AuSgänae nach der Kur- oder der Oberwallstraße auS dem Bankgebaude hinausgeschlichen. Von dem frechen Betrüger fehlt bit jetzt jede Spur. Es ist anzu- nehmen, daß derselbe, nachdem thm der Gaunerstreich gelungen, vielleicht an irgend einer anderen Stelle in ähnlicher Weise den Schwindel erneuert. Möge dieser Vorfall daher solchen Leuten zur Warnung dienen, die bei der ReichSbank Gelder etnzukasfiren haben. Gewöhnliche Sterbliche, vom Rentier ab- wärt«, werden in dieser Weise wohl nur selten beschwindelt werden. Im Uebrigen aber schmeckt diese Geschichte schon etwa» nach„saure Gurke." Nach ein-r hier eingelaufenen Nachricht ist die seit dem 10. Dezember v. I. von hier flüchtig gewordene HetrathS- vermittlet«, verwMwete Baumeister Auguste Vogel, geborene Rackow, welche bis zu ihrer Flucht hier in dem Haus« An der Stralauer Brücke Nr. 4 eine elegant eingerichtete Wohnung innehatte, die fie nach Verüdung zahlreicher Wechselsälschungen und Betrügereim verließ, endlich in New-Uork ermittelt und festgmommen worden. Die AuSreißerin unierhielt in hiefigm Ofsizierkreisen und der Aristokratie Verbindungen und hat die Bekanntschaft mit diesen Personm zu ihrm umfangreichen Wrchselfälschungen benutzt. Die chroniqne scandalense dürfte, wenn die Auslieferung der jetzt fünfundvierzig Jahre alten Schwindlerin an die prmßischm Behörden erfolgt, um einen sensationellm Strafprozeß wieder einmal vermehrt werden. Die Vogel hatte auch bekanntlich mit den beiden von hier flüchtig gewordenen, ebenfalls steckbrieflich verfolgtm Gerichts» Vollzieher Bock und Restauratem Brachmann in Geschäfts« Verbindung gestanden. Ein ganzes Verbrecker-Konsortium, bestehend aus fieben Männern und einem Frauenzimmer, die fast sämmllich schon längere Zeit von der Polizei gesucht wurden, find am gestrigen Tage gelegentlich einer Razzia von der Rixdorfer Gendarmerie dingfest gemacht wordm. Alle acht Jndioidum find vorläufig in dai Rixdorfer Polizet-Gefängniß eingeliefert wordm. Der Mörder Keller scheint den Grunewald verlaffm zu haben, um fich nach Brandenburg a. H. durchzuschlagen. Da« httfigc Polizeipräfidium hat nämlich dem LandraihSamt Rathe» now folgmde telearaphtsche Depesche zugehen lassen:„Mörder Keller am 18. bei Groß-Kreutz gesehen, vorher bei Werder. Bitte Vigilanz durch dortige Organe, Forstdeamte, Wald- und Feld» wärter, da Keller vorzugsweise Wälder aufzusuchm scheint." Der Landraih v. v. Hagen veröffentlicht diese Depesche unterm Datum deS 20. d. M. im KreiSblatt mit dem Bemerkm, daß die Gendarmen von ihm sofort unmittelbar bmachrtchtigt und mit Anweisung versehen wordm find.— Dem ,B. T." ist ebenfalls unter dem Datum deS 20. d. M. au» Groß-Kreutz folgende Meldung zugegangen:„Der Mörder der Schiffling« schen Eheleute wird seit gestern Abend von den Bewohnern und Gendarmen gehetzt und gejagt, ist aber in der Nacht auS dm Augen gekommen. Wenn er nicht in einm Kanal ge» laufen, wird man seiner bald habhaft werden. Alles ist auf den Beinen: Groß-Kreutz, Deetz, Schmergow, Goetz."— Groß- Kreutz ist, wie hier bemertt sei, eine hinter der Odststadt Werder gelegene Station der Potsdamer Eisenbahn. Auf die Ergreifung de« Raubmörder» de» Schiff» liug'jchen Ehepaare» in der Möckemstraße ist geftem vom Poiizeiprästdentrn� Frhrn. v. Richthofm eine Belohnung von 300 M. ausgesetzt worden. Die bezügliche öffentliche Bekannt« machung enthält die bereit» gegebene Personal- K. Beschreibung deS Raubmörder» Keller. Neu ist nur der Zusatz, daß „ein Wachsm de« Schnurrbarte«(dm er bei der Flucht ge- iragm) und deS Backenbart«« in der Zwischenzeit nicht auSge« schloffen ist." Markthallen» Bericht von I. Sandmann, städtischem VerkaufSvermitller, Berlin, Zentralmartthalle, den 22. Juni 1886. DaS Geschäft verlief ziemlich ruhig, die Zufuhren wur» dm schlank aufgenommen. Wild und Geflügel fanden schlan« km Absatz. Rehe 60-80 Pf. per Pfd.. Ganse 3,50-4 sehr begehrt, Hühner 130—160 Pf., junge 60 vi« 80, Tauben 35 bis 40. Butter wird fortgesetzt in großen Posten zugeführt und findet zu mäßigen Preisen Abnahme. ES wird von den Absendern oft der Fehler gemacht, bei Einsendung nicht genau Tara und Nettogewicht zu bestimmen, wodurch da» Geschäft im Sommer sehr erschwert wird, weil dem Stürzen der Fässer zur Feststellung des Nettogewichte« erst eine längere Kühlung vorangehen muß. Die Preise find unverändert. Für I. feinste Butter von Gütern und Meiereien 90—100 M., II. 75— 80-85 Mark, III. 65—60—65 M. per Ztr. Etallbutier findet nur schwer noch Abnehmer. Käse, echter Schweizer 70-80, I. imi« ttrter 50—60, U. 40—45, echter Holländer 65 dt« 80, rheinischer 45-70 M. Limburger 30-38 und 15-25 M.. HjBack- steinkäs« l. 16-20, n. 10-14 M. per Ztr. Eier kosteten 2.05 Mark per Schock. Obst und Grmüse hatten größere Zufuhren aufzuweisen. Erdbeeren 60 bis 70 Pf. per Pfd., Kirschen 15 bis 20 Pf., Pfifferlinge 7 M. per Scheffel, Salat 60 Pf. per Schock, Kohlrabi, Karotten sehr begehrt. Fische: Ostseilachs 1,00 bis 1 20 per Pfd., Steinbutte 0,80-1,00, Seezunge 1.00 bis 1 40 per Kilo. Schellfisch 20 biS 32 Pf.. Z rnder 80-160 Pfennig per Kilo. Geräucherte Fische: Aal 80—1,10 Pf. per Pfd. Die Zufuhr ist gering; größere Sendungen erwünscht. Krabben schwer verkäuflich, Hummer 75—100. Polizei-Bericht. Am 21. d. M., Abend» gegen 10 Uhr. wurde auf einem Flur d«S HauseS Marimdorferstraße Nr. 2 ein neugeborene» Kind ausgesetzt vorgefunden; dasselbe wurde dem Waisenhaus« übergeben.— Am 22. d. M., Mittags, stürzte auf dem Hofe der Kunstwollm- Fabrik von Blackburn der mit dem Verladen von Lumpendallen beschäftigte Kutscher Gelbrecht, wahrscheinlich in Folge AuSalcitmS. kopfüber von einem Wagen und brach daS Genick. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— Am Abend deffelben TageS gmeth auf einem Kohlenplatze auf dem Güterbahnhof der Norddahn ein Stapel Preßkohlm, muthmaßlich durch Selbst« entzündung, in Brand. Die Feuerwehr war zwei Stunden angestrengt thätig.— In der Nacht zum 23. d. M. vergiftete fich ein Mann in seiner in der Zoffenerstraße belegenen Wohnung._ Gerichts-Jeitnns. t Eine brutale That fühne dm praftischen Arzt Franz Hämmerlein gestern vor die Siraflammer deS hiefigm Land» gericht« I. Der Angeklagte wohnt Planufer 11, in dem Haufe seine« Bruder», eineS Apotheker«. Ebendaselbst wohnte im dritten Stockwerk ein Mechaniker Namen« Jungmann, mit dessen Frau der Wtrth in Streit gerathen war, weil fie zwei Chambregarnisten bei fich wohnen hatim, währmv ihnen kon» traktlich nur das Recht zustand, an einen Herrn zu vermiethen. Eine Exmissionsklage wurde gegen einm dieser Chambregarnisten, einm Herm August Wagner, angestrengt, die auch von Erfolg begleitet war. Herr Wagner fuhr aber, wie eS auch sein gutes Recht war, fort, de« Mittags bei Jungmann zu speisen und betrat so tagtäglich die Wohnung, aui der ihn der HauSwifth exmittirt hatte. Da» gereichte der Familie HSmmerlein zu schwerem Aerger und man beschloß, dem jungen Mann den Eintritt in daS Hau« zu untersagm. Am 8. März d. I. war Herr Wagner gerade im Begriff, die Treppen zur Jung« mann'ichm Wohnung hinaufzusteigen, alS ihm der Apotheken- und Hauidcsttzcr entgegentrat und ihn in brüskem Tone aufforderte, sofort sein HauS zu ver» lassen. Der junge Mann protestirte und e« kam zu einem sehr heftigen Wortwechsel, an dem fich auch Dr. Häm- merlein dethelligte. Dieser Skandal wurde oben im dritten Stock von Frau Jungmann gehört, die stch zufällig vor der Enlreethür befand und mit einem anderen Miether de« Hause« etwa« besprach. Sie eilt« rasch die Treppe binab, denn sie hatte im Lärm die Stimme ihres früheren Chambregamtften erkannt und mochte wobl ahnm, daß mit diesem etwa« vor» gehe. AlS fie auf den Flur de« ersten Stockes gelangte, wo die Hämmer lein'fche Wohnung fich befindet, hielt fie die alte Mutter der beivm Brüver am Rock fest und rief ihren Sohn Franz, den Doktor, herbei. Derselbe kam vom tzautflur, in den inzwischen Wagner befördert worden war, zurück und wendete fich gegen Frau Jungmann.„Wollen Sie dm Skandal noch vergrößern!" schrie er und drückte fie an der Brust an die Wand.„Lassen Sie mich loS!" schrie dt« Frau, „schämen Sie stch, Herr Dottor, Sie wissen doch, in welchem Zustande ich bin!" Frau Jungwann war im fiebenten Monat ver Schwangerschaft; fie hatte 6 Wochen vorher den Dottor HSmmerlein wegen eineS Biui Hustens zu Rath« gezogen und dem» selben war ihrZustand nichtunbekannt geblieben. In einer fabelhast robm Weise ließ Doktor Hämmerlein diesen Zuruf unbeachtet und schlug nach kurzem Wortwechsel, in dem er der Frau noch einige ehrorrletzende Bemerkungen zugerufen hatte, mit der Rückseite der Hand ihr so heftig in'S Gesicht, daß sie ein paar Stufen rückwärt» berabtaumelte und auf den Podest ausschlug, wo fie bewußtlos liegen blieb. Nach dieser Heldenthat verließ der Herr Dottor den Schauplatz schleunigst und zog sich in sein Zimmer zurück, ohne fich um die Ohnmächtige weiter zu kümmern. Einige mitUiöige Frauen, die hinzugeetlt waren, hoben Frau Jungmann auf und trugen sie in ihre Wohnung. Zum großen Glück blieb die brutale Mißhandlung, die fie er> duldelt hatte, ohne Schaden für fie und das Kind, dem fie einige Wochen später daS Leben schenke, trotzdem daß gewisse Symptome, die fich unmittelbar nach dem Vorfall bei ibr ein« stellten, schlimmes befürchten ließen. Der Sachverständige PhyfikuS Dr. Wolff bekundete aber in der Verhandlung, daß dieser Sturz von der Treppe lebensgefährliche Folgen für die Frau hätte haben können.— Zu seiner Venheidigung suchte Herr Dr. Hämmerlein die moralische Integrität de» Opfers seiner Rohheit in Zweifel zu ziehen. In peinlicher Weise bemühte er fich, eine Menge Klatschgeschichten über Frau Junamann als wahr nachzuweisen, waS ihm aber so gut wie gar nicht ge» lang. Auch seine Darstellung, als habe Frau Jungmann zu« erst Hand an ihn gelegt und er habe fie, als er er fie abwehren wollt«, auS„Versehen" getroffen, erschien sehr unglaubwürdig. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnißstrafe von drei Monaten gegen den Angeklagten, während der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Friedmann, eine Geldstrafe als ausreichend hinstellte. Der Gerichtshof brtrachtete als alleinige» Moment, das dem Angeklagten zu Gute käme, seine bisherige Unbe« scholtenhett und den Umstand, daß seine That keine üble Fol- gen für die Gemißhandelte gehabt habe und verurtheilte ihn zu einer Gefängnißstrafe von zwei Monaten. Die Rohhett er« schim um so brutaler, als der Angetlagte«in gebildeter Mann fein will und Arzt ist. dem die möglichen Folgen seiner Handlungsweise bei dem ihm bekannten Zustande der Frau voll« kommen bewußt sein mußten. Die Mutter dei Verurtheilten, welche wegen Beihilfe zu der körperlichen Mißhandlung ange- klagt war, wurde freigesprochen. Die Besitzer von Hnnden, welche im Hause ftei umher- laufen, find fortwährend der Gefahr ausgesetzt, fich wegen Kon- traventioren gegen die Maulkoidoerordnnng verantworten zu müffen. Nach einer an einen Schutzmann erstatteten Anzeige deS 12 jährigen Knaben Wilhelm Wendorf hätte ihn auf dem Hofe des HauseS Bellermannstr. 74—75, der dem MagistratS- sekretär Rheder gehörige, mit einem Maulkorb versehene Hund am 14. April cr. gediffen und wurde der Eigenthümer deffel- ben durch polizeiliche Verfügung in eine Strafe von 5 Mark eoent. einem Tag Hast genommen, well er seinen Hund ohne Maulkorb habe ftei umherlaufen laffcn. Rheder ließ den Kna» den durch den Dr. v. P. am folgenden Tag« ärztlich unter« suchen und konstaliite derselbe, daß die geringen Spuren einer ganz unbedeutenden Verletzung nicht von einem Biß herrühr« ten. ferner, daß fich auch in dem Kleidungsstück kein Loch de« finde. Wilhelm W. sagte im Termin vor der 95. Adtheilung deS hiesigen SchöffengeiichtS aber au», daß er von dem Hunde durch den Maulkorb hindurch g- bissen worden sei, und auch der heibeigeholte Schutzmann wollte die Spuren rineS Bisse» gesehen haben. Diesen AuSsagm gegenüber vermochte die Vor« legung deS ganz vorschriftsmäßigen Maulkorbes, dessen Jdenti« tät anerkannt wurde, Herrn R. von der Verurthellung nicht zu befreien, da die Thatsache deS BiffeS die UnvorschristSmäßig« kett deS Maulkorbs beweise. Der KowalSki'sche Mordprozeh dürfte trotz der zurück- gewiesenen Revifion daS hiefige Landgericht doch noch beschäf« flgen, indem der Vertheidiger dei verurtheilten Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Richard Wolf, daS Wiederaufnahme- Ver- fahren in Antrag zu bringen gedenkt. Unter anverem Material dürften auch verschiedene den Kellner Kreuzberger detreffende Thatsachen hierzu Verwendung finden. Ab und zu gelangen auch noch ganz bcmerkenSwerthe Mittheilungen zu diesem Prozeß an den Vertheidiger._ Uereine und Kersammwngen Der Verein zur Wahrung der materiellen Interesse« der Fabrik- und Handarbeiter hielt am Sonntag, den 20. Juni, eine Generalversammlung dei Malitz, Andrrasstraße Nr. 26, mit folgender Tagesordnung ab. 1. Monatsbericht. 2. Jahresabrechnung. 3. Neuwahl des gesammten Vorstände». 4. Verschiedene». Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorfitzend« mit warmen Worten des ertrunkenen Kollegen Rudolph Zernikow. Die Versammlung ehrte das Andenken deS Verschiedenen durch E. heben von den Plätzen. Nachdem die Versammlung den Monatsbericht vom Mai ohne Debatte entgegen genommen hatte, wurde die JahreSadrechnurg er- stattet. Dieselbe erwieS eine Einnahme von 193 M. 20 Pf. und«ine Ausgabe von 162 M. 20 Pf. Es verbleibt mithin ein Kafferbestand von 31 M. Der Vor fitzende sowohl als auch die Revisoren hoben hierbei da» gewifferhafte Walten des Kasfirer», Herrn Degner, lobend hervor, worauf demselben Decharge ertheilt wurde. Beim dritten Punkt der Tagesordnung erklärte Herr Paulikat, daß er nicht gesonnen fei, irgend welches Amt im Vorstand wieder anzunehmen, und da fich in seine Stelle eine andere Person nicht finden wollte, so wurde die Wahl deS ersten Vorfitzenden bi» zur nächsten Versammlung vertagt. Im wei teren Verlauf der Wahl de» Vorstände» wurden folgende Herren gewählt: K. Köhler, zweiter Vorsitzender, R. Menke, erster, I. Karge, zweiter Schriftführer-, A. Rosenow, erster, C. Hintze, zweiter Kaistrer; A. Lehmann, R. Schütz« und W. Mattula, Revisoren- Dieselben nadmen die Wahl dankend an und erklärten, die Interessen deS Vereins nach besten Kräften wahren und fördern zu wollen. Unter„Verschiedene»" machte Herr Paulikat zunächst bekannt, daß daS neu gegründete Arbeitsnachweise> Bureau des Vereins nunmehr eröffnet sei und sich bei D. Reinmann, Wrangelstr. 136, dr finde. Die ArbeUS« vermittelung geschieht unentgeltlich und zu jeder TageSzeit durch den Inhaber des BureauS. Ferner beschloß der Verein, zur Feier seine» zweiten Stiftungsfestes am 25. Juli eine Fa- Milien» Landpartie per Kremser zu veranstalten. Miigli-der, welche fich daran betheiligen wollen, haben fich rechtzeitig im Arbeitsnachweise- Bure au oder bei H. Löffler, Grimmstr. 5, zu melden. AlleS Uebrige hierüber wird noch im„Verl. Volks« blatt" bekannt gemacht. Die Vereinigung deutscher Stellmacher(Mttglted- schaft Berlin) hielt am Sonntag, d.-n 20. d. M., eine Versammlung ab, in welcher Herr Dr. Benkendorf einen beifällig «�genommenen Vortrag über:„DaS Findling» wesen der Alt« uno Neuzeit" hielt. Redner beleuchtete zunächst die oft recht lieblose Behandlung und die verkehrte Erziehungsmethode der meisten Findlinge seitens ihrer Erzieher. Er wie» aus die freudenlosen Kinderjahre so vieler von ihren Eltern verstoßener Kleinen bin und führte dann die verschiedenen Versuche an, die man gemacht habe um die Sittlichkeit zu heb n, und die Mißstände deS FindlingSwesenS zu beseitigen. In früheren Zellen, z. B. im alten Rom, Hab« man dir Kinder bi» zu einem gewissen Lebensalter ausgesetzt; in Sparta wurden die zu schwach erscheinendtn Säuglingr einfach in die Klüfte der Berge geworfen. Im Mlltelalter erst, und zwar in Rom unter dem Papst Jnnoncenz HI., errichtete man sogenannte Findel- Häuser. Doch geschah auch dies nur, um der aui dem Cölidat der damaligen Geistlichen und der darau» folgenden AuS- fchweifung eine Stätte zu schaffen, in welcher die Früchte dieser Ausschweifungen Aufnahmen fanden. Dir Einführung solcher Häuser fand bei Den protestantischen Völkern keinen Anllang. Napoleon l. erließ im Jahre 1811 einen Befehl, nach welchem alle Findlinge auf Staatskosten erzogen werden sollten. Redner ging dann zur Besprechung der von oielen Seiten ge- machten Vorschläge, zur Beseitigung der herrschenden Miß- stände auf diesem Gebiete über. Nach seiner(Redners) An- ficht wäre eS eine übergroße Last für die einzelnen Kommunen, hier etwa» pofitivei zu schaffen. Die Hauptsache falle dem Gesetzgeber zu. ES sei durchaus zu verwerfen, daß man dem Mädchen, daS durch seine eigene oder die Noth seiner Ange« hörigen vielleicht gezwungen ihre Unschuld verkauft» allein oder doch zum größten Theil die Schuld aufbürdet, während der oft im Ueberfluß lebende Verführer nur ganz unbedeutend in Anspruch genommen wird. DaS uneheliche Kind müßte die- selben Rechte wie die ehelichen haben, sowohl in der Erbfolge, wie in Titel und Namen, damit, so meinte Redner, würde der Fluch, der diesen unschuldigen Kindern von Geburt an an« haftet schwinden, und die Zahl der Findelkinder fich verringem. Es müßte vor allem der Arbeller ökonomisch so gestellt sein, daß er durch seiner Hände Arbeit im Stand« ist, eine Familie ernähren zu können. Ferner machte Redner aufmerksam auf die Vernachlässtgung der Findelkinder in Bezug auf die AuS« blldung derselben, und führte er die» auf die monotone, einen gewissen Drill aufweisende Erziehung in dm Waisenhäusern und auf die zu gering bemeffenm Mlltel derselben hin. DaS Gegenthell davon beweist die Schweiz, wo für ein in Pfiege gegebenes Kind monatlich bi» 50 Fr. gezahlt werdm. Dort sei die Erziehung der Findelkinder eine solche, daß dieselben später oft sehr geachtete Stellungm in Staat und Gesellschaft einnehmm. Redner wie» dann noch auf dai schändliche Treiben der sogenannten Engelmacherinnen hin. Nach Beendigung de» Vortrages theilt Herr Gesche mit, daß die Statutm z. Z. vom Hamburger Senat noch nicht geneh- migt wären und deshalb an die MUglieder nicht vertheilt weiden könntm. Von verschiedenen„Seiten" wurde dann zu einer energischen Agitation für die Vereinigung aufgefordert. ES wurde dann deschlossm, daß die Bekanntmachungen der Versammlungm der Vereinigung künftig in mehrerm Zeitungen zu veröffentlichm seien. Die Wahl eine» VergnügungtkomlleeS wutde bis zur nächsten Versammlung vertagt, welche am Montag, den 5. Juli, AbendS 9 Uhr, in demselben Lokale, Linienstraße 19, zweiter Eingang Lothringerstraße 105, stattfindet. th. Ueber die von der hiesige« vuchbinder-Juunng einberufene Versammlung der Buchdindergehilfen deHufs Wahl eineS GesellenauSschuffeS geht unS von bcthciligter Seite nach- stehender Bericht zu: Zu dieser Versammlung waren— laut Gesetz— die Buchbindergehilfen welche seit einer bestimmten Zell dei JnnungSmeistern arbeiten, durch Karten eingeladen worden. DaS Bureau der Versammlung, daS au» dem Vorstande der Innung zusammengesetzt war, hegte die Abficht, sofort ohne vorherige Diskusston zur Wahl zu schreiten. Jedoch wurde dieS seitens der Kollegen durch ein Eingehen auf die Sache selbst vereitelt. Man hob hervor, daß e» doch noth- wendig sei, vorher zu wissen, welches eigentlich die Funktionen dieses GesellenauSschuffeS find. An die Beantwottung dieser Frage wollten die Herren von der Innung jedoch nicht recht dcran, und so mußte eS geschehen, daß einer der anwesenden Kollegen den Herren JnnungSmeister erst darauf half, indem er auf die im§ 43 deS JnnungSgesetzeS angeführten Punkte, als da find: Regelung deS Lehrlings wesenS und HerderaS- wesenS, sowie Schlichtung etwaiger gewerkschaftlicher Diffe- renzen sc. hindeutete. Gleichzeitig wurde jedoch darauf hinge« wiesen, daß wir gerade in diesen Punkten, so oft wir mit der Innung darüber in Verhandlung getreten find, schlechte Er- fahrunaen gemacht haben. Es war ergötzlich mit anzusehen, wie vre Herren um diese heille Sache herumzukommen suchten, und riefen die gemachten Ausflüchte, z. B.„Wir wüßten doch schon von ftüher, welch«» die Funktionen de» GesellenauSschuffeS seien," oder:„Ein GesellenauSschuß müsse doch sein, e» wäre doch nun einmal gesetzlich Be- sttmmung", die größte Heitertell hervor. Allem jedoch setzt« ein JnnungSmeister die Krone auf, indem er sagte:„Wir sollten doch die Wahl vollziehen; er glaube wohl, daß unS die gesetzliche Bestimmung nicht paffe, ihm paffe fit auch nicht! z Früher habe man den GesellenauSschuß einfach ernannt und Z damll wäre die Sache erledigt gewesen." Allgemeine Heitertell belohnt« diese Kraitleistung und wurde darauf erwidert, daß der also ernannte GesellenauSschuß auch danach gewesen wäre. Auch wurde angeführt, daß in dem Gesetze eS auch wohl heiße: Der GesellenauSschuß soll„gehört" werden, daß jedoch von einem„R-chte" de» GesellenauSschuffeS nirgend die Rede sei. AuS allen diesen Gründen glaubte die Mehrheit der Ver- sammlung, in dem UnterstützungSverein der Gehilfen einen befferen Vertreter ihrer Reckte zu finden, al» in der Konstllui« rung eines Gesellenautsckuffe», zumal derselbe nur alS ein Beiwerk einer veralteten Institution zu betrachten sei. Am meisten hervorgehoben wurde jedoch, daß e» den Kollegen durch die jetzige Handhabung deS Versammlungsrechts gar nicht mög- lich war, die Sache unter fich zu verhandeln, mithin also auch keiner der Kollegen«in solches Amt annehmen könne, da er ja doch gar nicht weiß, od er damit im Sinne der großen Mehr« heit der Kollegensckaft bandle und wurde auch vethalb schon und zwar mit großer Majorität beschlossen, auf die Wahl dei BefellenauSschusses Ver,, cht zu leisten. t Die„Freie Vereinigung sämmtltcher in der chirurgischen Branche beschäftigten BerufSgenoffen" tagte am Dienstag, den 22. d. Mt»., Abends, im Seefeldt'schen Lokale, Grenadi-rstraße; die Versammlung war sehr gut be« sucht. Der Vor fitzende, Herr Laddey, referirte über die Lohn- verhällniffe der Werkstätten von Kunstheim, Kettner und Krüger. Da die unternommenen Erhebungen noch nicht vollendet find und ei fich augenblicklich noch um Vorarbeiten handelt, so läßt fich noch nichts Genaueres mtttheilen. AuS diesem Grunde konnten auch die in der Gummiwaarenbranche herrschenden Preisdifferenzen noch nicht erörtert und die Be- schäftigung mit ihnm mußte auf die nächste Versammlung verschoben werden. Pflicht der Kollegen sei eS, meinte Herr Laddey, dai Material reichlich zusammenzutragen und dem Vorstand zu übermllteln, um so endlich einmal einen Ueber- blick über die gesammten Lohnverhältnisse der Branche zu ge- Winnen.— Hierauf wurden interne VeteinSongelegerh-lirn erledigt. Zum 1. August wird ein AuSflug mit Damen und Kindem nach Schmöckwitz projektirt. Der Billetprei» beträgt tür Erwachsene 1,25 M. und für Kinder 50 Pf. Eingeschlossen find darin die Ausgaben für Dampfer, Tanz, Konzert, Spiele u. s. w. Dem VergnügungSkomitee find vom Verein 75 M. zur Verfügung g>st:Ut woiden. Facti vt et tri de« Tischler. Die Vereimlbibliothek ist heute (Donnerstags Abend» von 8 Uhr an, in Jordan'» Salon, Neue Grünstraße 28, für die MUglieder de» Verein» geöffnet. Da im Monat Juni keine Versammlung dei Vereins stattfinden konnte, werden die MUglieder ersucht, ihre rückständigen Bei- ttäge vor Ablauf diese» Monat» auf den Zahlstellen zu ent- richten. Es empfiehlt fich, wenn in jeder Werkstatt, wo Verein»- Mitglieder beschäftigt find, ein Kollege beauftragt wird, die Bellräge sämmtlicher dort beschäftigter Mitglieder am Sonn» abend auf der nächstbelegen Zahlsielle abzuliefern. Die Zahl- stellen des Verein» befinden fich: 1. Blumenstraße 56 auf der Tischlerherberae. 2. Skalitzerstraße 18 bei Stramm. 3. Belle« allianceplatz 6 bei Hilscher. 4. ZionSktrchplatz 11 bei Hohn. 5. Müllerstraße 184 dei Häring und 6. Gnetsenau« und Solmi- straßen-Ecke dei Lindenborn. Daselbst werden jeden Sonn« abend von 8% diS 10 Uhr Abend« Beiträge von den Mitglie- dern in Empiang genommen und neue VereinSmllalitder auf« genommen. Der Beiti ag beträgt monatlich 40 Pf. Mitglieder, welche länger ali drei Monate mll ihren Beiträgen im Rück- stände find, werden auS der Mllgliederliste gestrichen. Im Verein zur Wahrung der Interessen der Korb« macher Berlin» und Umgegend hielt am Sonntag, dm 20. d. M, bei Otto, Avalderlstr. 21, Herr Franke einen bei- fällig aufgenommenen Vortrag über:„Die Entwickelung de Korbmacherei." DeS Weiteren wurde der in einer früheren Versammlung gefaßte Beschluß: auf den 11. Juli d. I. einen Delegtrtentag der Kordmacher Deutschlands nach Berlin einzu« berufen, fallen gelaffen, da die Betheiligung der auSwärtigea Kollegen eine zu geringe sein würde, sowie auch übe> Haupt unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein Zustandekommen de» DelegirtenlageS sehr fraglich erscheint. Verein sämmtlicher BernfSklasse«, Berlin I, einge- schrieben« HilfSkaffe. Sonnabend, den 26. d. M., Abend» 8 Uhr, Münzstraße 5, Versammlung. Die BilletS zu dem am 6. Juli in Keller's Hosjäger(Hasenhatde) stattfindenden Sommer« fest werden in dieser Versammlung ausgegeben. Neue Mit« glieder werden in jeder Versammlung sowie beim Kasfirer Schilling, Koppenstraße 43, aufgenommen. Gäste find stet» gern gesehen. Demokratischer Verein zu Berlin. Am Donnerstag, den 24. d„ fällt die regelmäßige Sitzung au». richterliche» Verfahren, aber in legalen Verhältniffen giw, Kapitulationm..Diese Genuzlyuung werde ihm ver» gert. Da» Journal wiederholt, die Verschwörung sei* Fabel._ den Kleine Mtttheilnngen. Wie«, 21. Juni, lieber das Hochwasser im Wienfluffe, dessen Eintritt wir bereit» in gestriger Nummer meldeten, will) noch folgende» berichtet: DaS Wasser der Wien begann schon gestern Nachmittag rapid zu steigen. AbendS liefen von mehreren am oberen Flußlaufe gelegenen Gemeinden und Bezirken Telegramme ein, welche große Waffergefahr fignaltfiiten. Im Laufe der Nacht mußten mehrere Stege in Sechs hau« und inneihalb der Linie der Schlacht- hauZsteg, die ReinprechtS dorfer und die Schikanederbrücke abaespent werden. Um 1 Uhr Nacht? erreichte die Waffer» böve ihren höchsten Stand, und zwar bei der Leopolds drücke 3 Meter über Null. Um 3 Uhr Morgens wurden von S-ite de» Etadtbauamte» Messungen bezüglich der Höhe und Ge- fchwindigkeit deS Waffe,» vorgmommen. Weitere Messungen werden auf Veranlassung der Wienfluß« Expertise, und zwar unter der Leitung des Ober- Ingenieur» Wil- Helm vom Stadtdauamte, an sechi Punkten zwischen der PurketSdoifer Straßenbrücke und der Schika- neder- Brücke vorgenommen, und sollen aus den Resultaten Anhaltspunkte für die Hochwaffer- Verhält« nisse dei der durchzuführenden Wienflug- Regulirung ge- wonnen iverden. Die mit dieser Aufgabe bettauten Ingenien« gingen um Vi6 Uhr Morgen» auf ihren Posten ab und wer« den nach sechsstündiger Arbeit abgelöst werden.— Heute ftüh begann da» Waffer allmälig zu fallen und erreichte um'/,10 Uhr den Stand von 1,80 Metern über Nall, um bald auf» Neue rasch zu steigen. Um 11 Ubr Vormittag» betrug die Wafferhöhe wieder 2,30 Meter über Null. Seit frühe« Morgen führen die schmutziggrauen Fluthen der Wien zahlreiche Baum- und Holzstämme sowie Hautgerälhe mit sich, waS auf größere Verwüstungen in den oberen Gegenden schließen läßt. An der Mündung de» Wienfluffe» in den Kanal find seit trübem Morgen zahlreiche Arbeiter beschäftigt, um die mit rapider Ge- schwindigkett von den Fluiden herabgettagenen Gegenstände aufzu- fischen. Auch ein Menschenleben ist v-m Hochwaffer zum Opfer g«' fallen. Heute Morgen 7 Uhr iah man die Leiche eine» Mann>», die von den Fluth-.n der Wien rasch heradgetrieben wurde. Der Leichnam war nur mit einem Hemd« und mit einer bi» zu den Knien aufgestülpten Hose bekleidet. Wahrscheinlich dürfte der- selbe bei dem Versuche, Gegenstände au» dem Hochwaffer zu bergen, von demselben erfaßt und fortgeriffen worden sein. Der Leichnam wurde in den Donaukanal Hinadaetrieben.— Außerdem machte um%3 Uhr Morgens ein Straßenkehrer beim Polizeikommiffariaie Margarethen die Anzeige, daß er nächst der Pilgramdrücke in der Wien einen Mann gesehen, der fich hilferufend an einen Balken klammerte und mit dem« selben vom Hochwaffer fortg-ttteben wurde. Die Hilferuf« seien in dem Sturme oerhallt, ohne daß man dem Verunglückten zu Hilfe kommen konnte._ Ketzte Machrichte«. Zur PrinzenanSweisung tu Frankreich. Das Votum deS Senats ist, nach der„Post", ein persönlicher Triumph fu» Freyctnet, deffen vorzügliche Rede ein wahre» Regierung»' Programm war. Die Prinzen setzen der Ausweisung keine» Widerstand entgegen, sondern verlassen Frankeich nach Per' öffenttichung dei Gesetze»? im Journal Osficiei" Der Prinz Jerome geht nach Genf, Prinz Victor heute Abend nach Bei' pien. Seine Parttwne deabfichtigen eine Manifestation. Der Graf von Part» reist mit seinem Sohne nach England. D» Kommentar« der Preffe ergeben fich von selbst, gemäß ihrem Parteistanbpunkte. Dai Publikum nimmt die Ausweisung ziemlich gleichgiltig auf, ist jedoch deftiedigt, daß die Prinzen' seage endlich ei ie Lösang gesunden hat.— Dem„Beel. Tagt». meidet man roch: In Eu find sämmtliche Mitglieder der Familt» Orleans, fämmtlicheParteichesS und diehervonagendenLegittmiste» der Kammer und des Senats versammelt: die Norvbahn leg" Exttazüge ein. Der Graf und die Gräfi.t von Parit, som'r der Herzog von Orl-ant verlassen Frankreich heute. 6in Manifest des Grafen von Parts erscheint morgen Aben°- Der Obnst Bonnevar» vom Regiment EhartreS hat seinen Ab' schied eingereicht, waS groß« Sensation erregt. Die Internationale in Frankreich. Lafont bringt«M Gesetzentwurf ein, welcher daS Verbot der„Internationale aufhebt. Der engltsche Wahlfeldzug. Gradstone ist nach seinem Landfiye Schloß Hawarden zurückgekehrt. Seine Reise dahw glich abermals einem Triuwphzuge. Am Montag besucht er Lionpool, später Birmingham, wo er al» Kandidat für eine» dortigen Wahlbezirk aufgestellt werden soll. Während@1»� stone wiederholt betonte, die irischen Vorlagen der Regierung seien todt und das Land habe nur über den Grundsatz de- Homerule zu entscheiden, deutete Morley gestern in Rewutm' an. die Vorlagen würden in ihren Hauptgrundzügm wieder t*' lebt werden. Diese Meinungsverschiedenheit oerwirrt Wähler einigermaßen. Die Wahlen deginnen am 2. Juli u»° dauern dt« zum 14. Juli. Rnsstsq-Titrkische«. Da»„Joural de PöterSbourg" mentirt die Depesche der„Agence HavaS", welche besagt, m Pfotte fühle fich durch die rusfischen Truppenkon, entratione» in Beffarabien beunruhigt und verstärke die armenisch« G«N! in der Befürchtung, daß Rußland im Kriegsfälle seine H»% anstrengung nach Kleinasten verlegen würde. Diese Nachr.« entspreche absolut nicht der Wirklichkett der ruffifth-lütltf®' Beziehungen. Ebenso falsch seien dir Behauptungen der P" riser Journale bezüglich angeblicher Schritte Rußland»' Konstantinopel, die auf Beschleunigung in der Beuilaudu»« der türkischen Truppen gerichtet sein sollten.— Sai Jour»„ dementirt ferner auch die Information der„Polit. Kotrew'. au» Sofia, daß Nabokow kick bemübe. die Souren setner M_ schuld an der schwinden zu lassen Smefkasten der Redaktion. H. M, Ritter strafie bei v. Sie find ein auSgez-'A. neter Rechenkünstler. Btsten Dank für Ihre Aufweiliaw' versuch'n, werden Sie fich von der Richtigkett unserer Ans-"' überzeugen. Verantwortlicher Redakteur R Krouhet« in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin 8W.. Beuthftraße 2.