Nr. 145 Freitag» de« 25. Juni 1886. in. Jahrg. MMIdsM Drgan für die Interessen der Arbeiter. Redaktion: Keuthstraße 2.— Erpedition: Zimmerstraße 44. Abonnements� Einkaäung. Zum bevorstehenden Quirtolsmechsel erlauben wir un>, all« ZiUdeiter Berlins zum Ädonnement auf das „Kertiner Kolksklatt" mit der Gratisbeilage „Illnstrirtes Konntagsblatt" «inzuladen. Wer der Sache der Ardeiter dienen will, helfe ein Unter» nehmen bef'stigen, welche« bestimmt ist, die Forderungen und Wünsche der Arbeiter zum AuSdruck zu b tngen. Suche ein jeder von unseren bisherigen Anhängern, in dem Kreise seiner Freunde und Bekannten daS„Berliner VolfSdlait" zu verbreiten und sehe darauf, daß jeder neugefun« dene SestnnungSgenoffe sein Versprechen, zu abonniren, auch wirklich hält. Unsererseits werden wir bemüht sein, den Inhalt unsere« Blatte» immer reichhaltiger zu gestalten. Da« „Berliner U-lKsblatt" kostet für da» ganze Vierteljahr frei inS Hau« 4 Mark, für den Monat Juli 1 Mark 35 Pf., pro Woche 35 Pf. Bestellungen werden von fämmtltchen ZeitungS.vpedtteuren, sowie von unserer Expedition, Ztmmerstrahe 44, entgegen- genommen. Für außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnement« für da« nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark ent» gegen. Nie Keilaktion und Expedition de«„berliner Uolkobtatt". Gl llichligrs EiozrstSldliß. . Di« Seltesten der Magdeburger Kaufmannschaft finge« ?. ihrem jüngsten Zahretbericht der„fteien gewerbliche» jWtißfert" ein hohe« Lied. Der Bericht wendet fich gegen *fle» und Verbote und besonder» gegen de« Zollschutz. �a» Jahr 1885 sei für Handel und Zndustri« ei» wenig Suastige« gewesen. „ Ferner beklagt der Bericht, ähnlich wie der Mgeordnete «amberger im Ruchttaze, die Bestrebungen der Arbeiter, ?°here Löhne zu erziele», weil dadurch der Unter» �hmuagjgeist und die Spekulation,„ohne welche ein �eschäft«aufschwuag nicht zu denke« ist", eingeschüchtert wurdne. , Unsere Leser wisse», daß Unternehmungsgeist und Spe» «tr zu wilder Konkurrenz und Ueberproduktion führen, °uerdlng« auf kurze Zett«inen Seschäftsaufschwung erziele«, °«>n aber wie mit Naturnothwendigkeit die Klifi« folgt. �rchtnut» AM«.] IeuMeton. Gi«e Mutter. Roma« von Friedrich»erftiSer. .Sie möge« haben." in (Fortsetzung) mancher Hinficht nicht unrecht MWMM Uvt> c** 01,1,1 fM»»» V..VW v—--------, m 0t jedesmal deshalb an, herau» zu schreie», weil fie * Vorhang»och einmal»olle« aufgehen sehen und dadurch ml*#«ehr für ihr Geld bekomme». Wer fitzt aber im Der ehrlich« Bürger, Gevatter Schneider und «„."dschuhmacher, Bierbrauer, Metzger, Posamentirer, lauter »>»>!' sich blo« für«in« Kleinigkeit amüsirea wolle« tu*00* den«» Sie nicht verlange« könne», daß fie auch te».?, fertige« Urtheil mit hineinbringen. Diese Leute »urf w-�ire» da« Publikum, und der erste Rang, so sehr er die Nase darüber rümpfe» würde, wen» man ihm fe£;*» wollte, daß er fich gerade von diese» in bi»«? digene» Urtheil bestimme» lasse, besteht doch au« zabl. w* aufgeputzte» Gliederpuppen, die Entree be. rqjs��a« �Theater füllen und höchsten» unter einander «bev$£** uuiß iZ schon meine Chaoze nehme», wie fie teiu.'„ih, sagte Rebe achsel, uckend, den» Doktor Stroh» M fing an. ihm unangenehm zu werde».„W» wolle»« �warten. Sie haben mich gester» so fteundlich aufgenom» daß ich wohl hoffen darf, fie werde« mir auch ein Mödlich«, Andenken bewahren." Z« öfter aber dieser Wechsel fich wiederholt, desto schlechter werden die wirthschaftl'.chea Verhältnisse, so daß jedetmal auf einen kürzten Aufschwung eine längere Krrfi« eintritt. So kommt das Volk und besonder« die Arbeiter immer mehr au« dem Regen in die Traufe. Gegen die heutige Knfi« aber wisse» die Aelteste» der Kaufmannschaft Magdeburg«. kein Mittel. Sie prophezeien vielmehr eine fortdauernde, immer mehr sich steigernde Kalamität in der Produktion. Mit oder ohne Zollschranken, mit oder ohaeBeschränkung der freie« gewerbliche» Thätigkeit wird der Preis der Produkte— wb somit auch der Preis für die Erzeugung der Produkte, der Arbeit«. loh», ei« niedriger bleiben. „Wir leben in einem Jahrhundert, so heißt es in dem Bericht weiter, in welchem«ehr al« je Alle« auf Erleichterung de» Verkehr« hinarbeitet, verbesserte Kam» munikationSangelegenheiten unter Uederwindung von Schmie- rigkeile«, die früher unüberwiadbar waren, tragen dazu bei, de» Au«tausch der Glller- Erzeugnisse zu befördern,«ad haben im Gefolge, daß de» in frühere» Jahrzehnten durch Mißwach« und dergleichen entstandene» Röthen vorgebeugt und daß de« fern von de» Produktionsstätte» gelegenen Kreisen Güter zugeführt weiden, deren Genuß ftüht zu den Unmöglichkeiten zu rechne» war. Ferner ist bei Bs- urthetlung de» Rückgange» der Preise der Umstand in Be- tracht zu ziehen, daß die fortgeschrittene Techntk die Her- stelluna der Gegenstände aller Art erleichtert. Es find die Produktion»- und Bezugtkoste» der meiste« Waare» in den letzte« 50 Jahre» gennger geworden, und die großartige» VerkehrSmtttel habe» da« Feld de» Wettbewerbe» unendlich erweitert.— Darum giebt e« keine Macht der Grde, welche sich mit Erfolg der die weitesten Bedürfnisse befriedigende» Massenproduktion«ntgegenstemmen kann. Ueberseeische Länder, welch« bisher im Wesentliche« Roh- Produkte exportirte« und dafür Fabrikate au« Europa be- zogen, habe» sich»ach und nach ein« eigene, zum Theil so- gar exportfähige Industrie herangebildet und direkt und indirekt die Absatzmöglichkeit der europäische» Fabrikate beschränkt." Die» ist völlig richtig.— Und wir find auch mit dieser Entwicklung der Produktion, welcher die Bedürfnisse der Menschheit steigert, im Allgemeine» einverstanden. Ewe allgemeine Einschränkung der Produktion würde zur Er- Höhung der Preise der Bedürfnißgeqenstände und somit zur Verringerung der Konsumtion führen, die erst recht den wirthschaftliche» Verhältnissen verderblich werden»ürde. Trotz der geringe» Preise der Produkte, trotz der großen Masse derselben, dir fich auf Lager und im V-rkehr defin- de», leben wir aber in einem wirthschaftliche« Rothstand, der, wie der Bericht der Aelteste» der Kaufmannschaft zu Maadeburg selbst zuaiedt, weder durch allerlei Zoll und V.'botSmaßregela. noch auch durch die volle Freiheit der Konkurrenz gehoben«erden kann. Zur Hebung diese» Rothstandes find die Freihändler ebenso machtlos, wie di« Schutzzöllver. Da» ist ein schwerwiegende« Eingeständniß. Entweder kann der wirthschaftliche Rothstand, in dem wir uvS j tzt btfi-den, und der immer mehr überhand zu «thmen droht, gar nicht geHoden werden— und dann stehen wir am A'fanq de» Ende»; oder S giebt«ine dritte Macht, welche den wuthschastliche» Rothstand au» der Welt schaffen kann. Und dies« Macht tst vorhanden > im Sozialismus. Wen» die große Masse de« Volkes dauernd kon« sumtionsfähiger gemacht wiid, dann stockt auch die Pro» duktiv» nicht und ihre Regelung ist leicht. Dies« Kon» sumtionSkähigkeit wird aber erreicht durch die Zue, kennung der PiodukiionSwcrthe an ihre Erzeuger nach richtiger Vertheilung. B- mächtig» fich die Gesetzgebung erst dieses Gedanken», so ist sie an den Kernpunkt der Lösung der wwhlchaftlichen und sozirlen Wirre» angelangt und die Rathlostgkeit, i« der fich jetzt alle Faktoren der Gesetzgebung und alle Hauptfaktoren der gegenwärlize» Produktion befinden, wird ihr E°de erreicht habe». Die bisherige» Versuche, die wirthschaftliche» und sozialen Wirren zu lös.«, sind allesammt kläglich gescheitert. Die Aera Delorück-Camphause«, die Aera der völlige» wrrthschafrltchen Freiheit führte ebenso zur planlose» Produktion, zur schweren Hand-ls- und ArbeitSknsts, wie die Ata der Schutzzollpoliiik und der sogenannten.Sozial- R foim", von der jetzt die Schutzzöllner und alle wirk» lichen Sozalrelormer leibst am wenigsten befriedigt find. Haben also alle seitherige« Maßnahme» nichts genützt, die ungesunden soziale« Zustände wnksam zu bt kämpfe», so ist e« doch fichnlich an der Zeit, andere Maßnahme« zu ergreisea, dt« Konsumtion mit der Produktron in Einklang zu tat igen dadurch, doß allen Produzenten, wie wir oben schon sagten, ei« gerechter Antheil an der Produktion zu- „kannt wird. Da« wäre eine gesund«, volktthümltche Sozial- Reform._ Politische Urberslcht. Ueber oe« Bertauf d-r vrvo'stehcuden Reichstags» verhandluugt« ichw.rren ulletiet Gerüchie umher, deir Eugen Rtcdter giebt in seinem Blatte d-m Reichstag«?: ässdrnien sogar dm Wink, die am 25. Jani(also auf heute) anberaumte „Andenke«? Phantasie l" sagte Strohwisch..Bilden Sie fich nur nicht em, daß Krüger Sie fortläßt, er darf es gar nicht, oder er hätte mich auf dem Halse, und das ritkirt er nicht. Rein, betrachten Sie Ihr Wieder- Eigage« ment als vollkommen gesichert; und dann, lieber R be, habe» Sie keine Sorge, ich mache die Geschichte, ich weiß Bescheid, und Sie sollen einmal sehe», in acht Tage» kräht kein Hahn mehr»ach Handor und Sie spiele» eine von seinen Rolle«»ach der ander« ruhig weg." „Sie male» mir die Zukunft sehr verführerisch, Herr Doktor," lächelte Rebe,.aber die Hauptsache würde ich doch wohl mache» müsse«, wen» es wirklich dazu käme. Wenn die Kritik dabei ei» winig nachsichtig mit mir verfahre» wollte, so würde ich da« dankbar anerkennen, denn ich kann wohl sagen, ich bin durch mein langes Zurückhalten in kaum mehr al» Statistenrolle» auch kaum mehr als ein Anfänger jetzt und muß wieder vo» Neuem beginnen." „Und was zahle» Sie für die Spalte Honorar?' sagte der Doktor, der mit einer liebenswürdigen Unbefangenheit, die nicht« zu wünsche« übrig ließ, auf de« Hauptpunkt über- sprang. .Zahle« für di« Spalte?" sagte R be wirtlich über- rascht, de«»»ach seine« Ansichten von Ehrgefühl war e» doch nicht denkbar, daß der.Doktor" damit sagen wollte, er wünsche seine Rezenfione« vo» ihm bezahlt zu habe«. „Ich verstehe Sie nicht." „Sie find wirklich kindlich," lächelte Doktor Strohwisch;„Sie wisse» doch, daß ich me ne Rezenfione» stet« honorirt bekomme." „Aber doch nicht von dem Schauspieler!" rief Rebe ordentlich erschreckt. „New, nicht vo» allen," sagte der Doktor,„aber die habe« fich die Folgen dann auch selber zu zuschreib n." Rebe war ein seelensguter Mensch unv hätte fich lieber das Aeußerste versagt, ehe er im Stande gewesen wäre, irgend Jemand wissentlich zu beleidigen. Bei dieser Unver- schämthett, vo» der er bi« j tzt wirklich noch keine« Begr ff gehabt, kocht« ihm aber doch da« Blut, und er mußte fich Mühe gebe«, an sich zu hatte». Strohwisch dabei, mit keiner Ahnung, was in dem ungen Künstler vorging, und in der Meinung, er überlege «tzt mit fich im Süllen, was er ihm etwa bieten könne, ah ihn freundlich lächelnd an und blies ihm dazu de» Rauch semer Zigarre tnS Gesicht. „Run?" fragie er endlich. „Ich will Ihnen etwa» sage», Herr Doktor," erwiderte ihm Rebe mit mühsam errungener Fassung.„Erstlich ist die Sache mit meinem Wieder-E-gagement hier«och im wette» Felde, ich glaube noch nicht einmal daran: wen« da» aber auch wirklich eintrete« sollte, so bin ich fest entschlosse», was ich erreiche, auch nur mir selber z« verdanken und nie i« Lebe» eine gut« Kritik zu bezahlen, wen» ich fie mir«tcht ehrlich verdient habe. Ich werde mir die größte Mühe gebe», ich werde fle ß'g lerne«, und daß ich der Sache Lust und Ltebi entgegenbringe, deß ist Gott mein Zeuge. Mehr kann aber auch('in Mensch von mir verlangen, und genüge ich damit dem Publikum nicht, gut, dann setz« ich meinen Stab weiter und will versuchen,«ich zu vervollkommnen, bi« ich de« Rang erreich, habe, nach dem ich streb«. Genüge ich ihm ata: und finden Sie selber, daß ich meinen Platz aus» fülle, dann muß ich e» Ihnen auch selber überlassen, wa» Sie darüber schreiben wolle»." .M m lieber H rr Rede," sagte Strohwisch trocken, „mit dtiseo Grundsätze brauche ich kein Prophet zu sei«, um Ihnen zu sagen, daß Sie schon in den nächste» acht Tagen ausgepfiffen werden." . Herr Doktor!" „Auf mein Wort, gar keine Frage," lächelte Stroh» wisch;„ein Rez nsent ist nu» einmal nicht im Stande, neutral zu bleibe». Entweder interesfire ich mich für oder gegen Sie, und jetzt habe« Sie die Wahl. Seien Sie vernünftig," setzte er da»» mit gutmüthigem Kopsschütteln h'rzu;„sehen Sie. ein Mensch kann ja doch nun einmal nicht mit seinem Schädel durch eine Mauer rennen, und wie die Welt tst. ändern Sie fie ja doch nicht. Wir wollen die Sache aber einfacher machen, Ste kenne« doch daS J'stiiut de, Leben«ve fichcrungen, nicht wahr? Nu» gut; sehn Sie, wie Sie rot Ihr Leben oder in einer antern Anstalt Ihre Mödel, Wäsche und Kleider gegen eins Sitzung wieder aufmheden und den Reilbttag erst am 28. d. M. zu beiu'en, da die Plenarv« Handlung über die Echn.aptsteuer nunmehr frühestens an diesem Tage vorgenommen werden lönne. Hinter dieiem Vorschlage steckt ein grotzel Eiückcken Unehrlichkeit und Feigheit. Es würde im Falle seiner An- nahm« dadurch verhmvert werden, daß die Rechenschaftsberichte den Belagerungszustand über Berlin und Epremderg de- treffend noch in dieser Eesston zur Verhandlung kämen. DaS hätte wiederum zur Folge, daß auch in der nächsten Eesston der RechmschaftSberichl über den Epremderger BelagerungSzu- stand nicht zur Sprache kommen kann, da die Regierung nicht verpflichtet ist, einen neuen Bericht dem Reichitoge vorzulegen und der jetzige Bericht bei der Beendigung der Eesston zu den Akten gelegt wird. Durch die Vorfälle in der Branntwein- kommisston aber erhätt der ReichSiag Eonnabend einen fr-ien Tag, den er der Berathung der Rechenschaftsberichte widmen kann. Also ist eS deffer, daß der Wink de» He-rn Richter, die Eröffnung des Reichstages auf den 28. d. M. zu ver- schieben, vom Prästdenten des Reichstage« nicht befolgt wor- dm ist. Die Vermehrung der Lotterieloose, die mit dem 1. Oktober eintritt, und die natürlich auch eine Vermehrung der Kollekteure bedingt, scheint wiederum benutzt werden zu sollm, um der Regierung angenehme Personen mit Einekuren m versorgen. Dem bisherigen Gebrauch gegenüber, die Kollekten nur an Gewerbetreibende zu verleihen, schlägt die „Post" die Berückstchtigung penfionirter Offiziere vor; von Viesen sagt sie:„Die Zahl der letzteren nrmmt mit dem Um« fange der Armee stetig zu, die ihnen zugänglichen, ohnehin überaus beschränkten Erwerbsgelegenheiten werden immer un- zureichender für die Beschäftigung derjenigen penfionirten Offiziere, deren Einkommen einen Nebenerwerb bedingt und deren Kräfte eine nutzbringende Beschäftigung, abgesehen von dem Militärdimste, sehr wohl gestatten. Die Gefahr liegt sehr nahe, daß Männer, welche nach vorwurfsfreier Dienstreit in- valide wurden, ohne doch die zu einer standesgemäßen Existenz erforderlichen Mittel zu haben und zu einer Zivilbeschäitigung untauglich gewordm zu sein, durch die so erzwungene Unthalig- keit namentlich dann verbittert und in einen Gegensatz mit der Elaatk- und Rechtsordnung gebracht werden, wenn damit zu- gleich ein Herabfinken unter den bisherigen»tanäarä of lifo verbunden ist." Also Vermehrung der Lotterielooie, um die penfionirten Offiziere konservativ, reichstreu zu ei halten! Noch pfiffiger verfuhr man in Hagen, wo man die in Folge der Ver- Mehrung der Loose errichtete zweite Kollekte dem Redakteur eineS bisher schon deS Reptilismus verdächtigten LlatteS übertrug. Wie wird dieser jetzt von R�ichStreue überschäumen l Uno welch neue ingeniöse Art, die R'ptilienpresse zu unter- stützen! Vielleicht steht daS„Deutsche Tageblatt" hierin«inm neuen Beweis, daß die Vermehrung der Lotterieloose unent- dehilich sei für die heuttge— Sozialreform! Die Regentschastskommissto« der bayerische« Ab- georduetenkammer nahm nach Anhörung der beiden Refe- renten den Antrag auf Regentschast einstimmig ohne DiS- kusfion an. Der in klerikalen Blättern gegen daS Verhalten d«S Ministeriums für die KommisfionSverbandlurg angekün- digte Angriff scheint für die am Eonnabend stattfindende öffent- liche Plenaroerhandlung verschoben. Reue Ueberarisse der Jrnungm. In Münster hat nach der„Freis. Zlg." ein Unterverdand deS BäckeroerbandeS „Germania" getagt und Beschlüfie gefaßt, welche fich anmaßen, den einzelnen Innungen dezw. FnnungSmttgliedern verpfltch. tende Vlirschrifien zu ertheilen. Der JnnungSoerband Ger- maria, welcher KorpcrationSrechte befitzt, hat damit seine ge- setzlichen Befugniffe überschritten. Unter anderem beschloß der Unterverdand in Münster, daß die Fnnunasmttglieder solchen Gesellen weder Arbeit noch Unterstützung ge- währen dürsen, welche nach dem 1. Oktober 1880 in Bäckereien arbeiten, deren Inhaber da» Bäckergewerbe nicht fachgerecht ge. lernt haben. Man will damit die Brodfadriken chikaniren, we'l dieselben an einzelnen Orlen billiger verkaufen a!S die vorhandenen kleinen Bäckereien. Ferner sollen Meister mtt zwei oder weniger Gesellen höchsten» zwei Lehrlinge, Meister mtt drei Gesellen nur drei Lehrlinge beschästigen. Mehr alS drei Lehrlinge dürfe kein JnnungSmeister halten- Hierdurch will man dem Großbetriebe zu gunsten der Kleinbäckerei ent- gegenwirken.— Wie blind diese Leute doch find I Haben ste denn soviel zu verlieren, daß ste so krampfhaft da» Uederlebte festzuhalten suchen? Ahnen ste denn gar nicht, welche Segnun- gen der vernünftig organifirte Großbetrieb bringt? Die Ar- etter haben e» längst aufgegeben, die Maschinen zu zerstören, die dünkelhaften Meister find aber heule noch so rückständig, in der Verhinderung de» Großbetriebs ihr Heil zu sehen. Ueber de« Streik von Deeazeville finden wir in ver. schiedenen nationalliberalen Blättern eine angebliche Pariser Korrespondenz, welche einen äußerst lamentablen Ton an- schlägt, aber auch Zeugniß ablegt von der Feindschaft, welche diese Preffe durchweg den Arbeitern und ihren gerechten For- derungen e-tgegentragt. Sie gönnen den Arbeitern nicht die geringste Lohnerhöhung, fie halten diese schon, wenn durch einen FeuerSbrunst versichern können, so versichern Sie bei mir Ihre Karriere als Künstler, und ich will nicht hart mit Ihnen fein: fünf Prozent von Ihrer Gage— beim Himmel, Ei« dürfe« sich nicht über mich beklagen, und die ganze Geschichte kostet Sie im höchste» Fall lumpige hundert Thaler da» ganze Zahr." .Und wen» ich e« für hundert Groschen, ja für hundert Pfennige haben könnte,' rief Rebe jetzt, von seinem Ewhl emporspringend und wirklich ganz außer fich,„so würde ich mich vor mir selber schäme«, eine« solche»— Patron zu bestechen, wie Sie fich mir eben gezeigt habe«!" .Bitte,' sagte Strohwisch, fich mit spöttischer Höflichkeit von seinem Stuhl erhebend, aber doch nicht gewillt, weiter zu gehen, den» Rebe war von sehniger Statur und muskulös gebaut.„Ach sehe, Sie find kein Geschäftsmann, Herr Rede, und bedauere wirklich herzlich, Ähre werthvolle Zett heute Morgen so lange in Anspruch genommen zu habe«. Ob Sie recht daran getha«, mein freundliche» Entgegenkommen in solcher Art zurückzuweise», mag die Zett lehren. Für jetzt habe ich die Ehre,«ich Ihne« gehorsamst zu empfehlen!' Und seine« Hut aufgreifend verließ er mtt einer sehr förmliche» Verbeugung daS Zimmer. Rebe fühlte fich eine Last von der Seele genommen, al« der Mensch ging, denn so lange er fich in seine, Nähe befand, war e« ihm ordentlich, al» ob irgend ein böser Geist Macht über ihn gewinnen und ihn von seinem ehrlichen Pfade ablenken wollte. Aber kehrte er noch einmal zurück? Draußen knante wieder die Treppe. Aber«ein, da» waren zwei Personen; er hörte Stimme«. T» wurde wieder geklopft. „Herein!" „Bitte,«ach Ahne», ich bw hier zu Haus« I" hörte er Jemanden sage«. Da« war Peter«. Die Thür öffnete sich wett und der Theaterdiene,»öthigte auch wirklich— Rebe'» Herz schlug hoch— Henrietten» Vater zuerst hlnei». Jeremias hielt sich aber nicht lange bei der Vorrede auf. Er ging auf Rebe zu, reichte ihm herzlich die Hand und rief:„Mein lieber Rebe, ich komme hierher, um Ihnen Abbitte zu thu«.' Streik„ertrotzt", für einen Eingriff in die geheiligten Rechte de« Kapital?. Doch hören wir; die genannte Korrespondenz lautet:„Die Regierung bat einen so nachhaltigen Druck auf die Bergdaugetellschast in Deeazeville geübt, daß dieselbe in eine Lohnerhöhung gewilligt hat Anstatt 1 90 Frki. erhalten die Bergleute tortan 2 K?lS. Föiderlohn für jeden Kasten (Benne) Kohlen. Dagegen verzichten die Arbeiter darauf, daß die Gesellschaft gewtffe Beamte en läßt und alle diejenigen wieder einstellt, welche fich an dem Streik betheiligt haben. Die Gesellschaft wird daher ohne Zweifel die Gelegenheit benutzen, um die Rädelsführer der Etietkdewegung lo» zu werden. Dies will indeß wenig besag« n. Sie konnte alle Bergleute wieder einstellen, ad«r alle ihr Mißliebigen nach und nach ausscheiden, wozu die Verringerung der Bestellungen den besten Vorwand abgäbe. Daß ein BetriebSinhaber nicht von seinen Arbeitern verpflichtet werden kann, den oder jenen Beamten anzustellen oder zu entlaffen» ist so selbstverftändlich, liegt so sehr in den staatlichen und gesellschaftlichen Verhältniffen, daß der Verzicht der Arbeiter auf ihre Forderungen in dieser Hin- ficht als ielbstverständlich betrachtet werden muß. ES bleibt also nur die Lohnerlöhung, welche die Arbeiter mit Hilfe der extremen Partei und der Regierung ettrotzt haben. Sie haben daher allein einen Erfolg, und zwar einen den Umständen räch sehr bedeutenden, davongetragen. Da» Beispiel aber wirkt ansteckend. Die Arbeiter werden nur um so mehr zu Arbeitseinstellungen geneigt sein, um so berettwilliaer ihre extremen BundeSgenoffen Geiolgschaft leisten. Die Fntranst- genten und Anarchisten haben in D-cazeville einen Steg über die Regierung und da» von chr verttetene wirthschaflliche System de» Gewährenlaffen» errungen. Auch ein Präzedenz- fall, der schwere Folgen nach fich ziehen dürfte. Denn wir leben hier in einem Lande, wo Alle» politisch ausgebeutet»ird und kleine Dinge leichter al» irgendwo gefährlich werden."— Diese Korrespondenz richtet fich und die deutschen Blätter, welche fie aufgenommen haben, selbst. Deshalb wollen wir auch nur bemerken, daß das Jammergeschrei über den Steg der Aideiter in Deeazeville in der französischen Bourgeois- treffe längst verstummt ist; nur hier in Deutschland, dem Lande der Angstmichelei. eitönt der Jammer noch fort über eine Thatsache, die die Deutschen im Grunde genommen gar nicht» angeht, wenn man die hier wieder hervortretend« Jnternationalikät de i Kapital» aui dem Auge läßt. Die oberschlestsche« SchnapS-Konsumvereine beschäf- tigen seit Jahr und Tag dai öff-ntliche Jntereffe in unlieb- samster Weise. Jetzt endlich hat e» den Anschein., al» ob sich eine ernstliche Remedur vorbereite. In Folge vielseitig einge- laufener Klagen und Beschwerden hat der Handelsminister die Aufnahme einer Enquete über die Thätigkeit der Konsumver- eine im oberschl« fischen Montandistritt veranlaßt. Durch die in Aussicht genommene Regelung de» Relikte«« Versorgungeweien» für die Angehörigen de» Reich! heereS und der kaiserlichen Marine auf den Grundlagen des schon bekannten, dem Bundeirath vorgelegten Entwurf» werden die best-henden Militär-Wittwenkassen ent- behrlich. Dieselben werden daher künftig auf die Abwicklung der den gegenwärtigen Jntereffenten gegenüberstehenden Ver- dindlichketten fich zu deschränken haben und in so weit zu schließen sein, daß die Aufnahme neuer MUglteder nicht mehr stattfindet. Eine unter de« augenblickliche« Verhältnisse« kaum glaubitche Nachricht wird dem„Berl. Tagebl." au» Bay- reuth telegraphirt. Sie lautet:„Kaufmann Jean Heim in Bayreuth, welcher in einer öffentlichen Wirthschaft die Kadi- nettkaffe einer unerlaubten Krtttk unterzog, wurde wegen M a- jestättbeleidigung zu zwei Monaten Gefängniß ver« urihetlt." Die Berichte über die Härte der AnSweisnnge« russischer Staatsangehöriger au« dem preußischen Staat»- gebiete mochten häufig üdertriebm erscheinen. Ein Mitarbeiter diese» LlatteS hat fich aber in einem Spezialfall« aus dem ihm vorliegend'« zuoerläsfigen Material überzeugt, daß die gemachten Echildeiungen durch die Wirttichkett noch übertroffen werden. In Ostrowo wurde zum 1. Oktober v. I. die Familie deS jüdischen HandelSmannS Springer, bestehend au» Mann, Frau und dem 13 jährigen Eohn, auSgewiesm. Springer stammt au» der polnischen Nachdarstadt Kaiisch, ist 14 Jahr« mtt setner in Ostrowo gebürtigen Frau. geb. veidenberg, ver- heirathet und Befitzer zweier Grundstücke, welche die letztere von ihren Eltern nerbt hat. BerettS die Urgroßeltern der mit ausgewiesenen Frau Springer waren in Ostrowo seßhaft. Ein Antrag auf Naturalisation verzögert« fich durch die andauernde Krankheit de« Springer, doch ermunterte der Bürger- meister de» Ort» vor noch nicht zwei Jahren, kostspielige bauliche Veränderungen an den beiden Epringer'schen Häusern vorzunehmern. Nur nach unsäglichen Bemühungen gelang e» der Familie Springer, einen Aufschub di» zum 1. April d. I. und dann noch einen von 14 Tagen zu erhalten. Auf die zahlreichen Gesuch« bei der Regierung zu Posen und auf eine mtt den allergünstigsten Attesten der Gemeinde- und der Stadtbe- „Mtt, Herr Etelzhammer?' „Ich habe Sie im Verdacht gehabt, daß Sie kein Schauspieler wäre« und die Geschichte nur so au« Plaifir mitmachte«. Ich bin jetzt aber anderer Meinung darüber. Bleiben Ei« dabei, Sie gehöre«»irgend» ander» hin, und — ich hoffe, e» soll noch Alle« gut werden." „Mein bester Herr..." „Nicht wahr, er hat seine Sache gut gemacht," rief Peter«, der selber mtt stolz auf de» gestrige» Erfolg war, den der Direktor allerding« auch seine« Beine» zu»er- danke« hatte.— Ja, ganz brav hat er'« gemacht, und hier, Herr Rebe, auch ei» Brief vom Dttektor. Sollen um zwölf Uhr einmal zu ihm in» Bureau komme», verstehe» schon— graiuli e im Borau«." „Und habe» Sie bi» dahin noch etwa» vor?" „Nicht da» Geringste, Herr Etelzhammer." „Schön; hätte» Sie etwa» dagegen, mich einmal zu beglette«?" „Wohin, Herr Etelzhammer?" „Nu, natürlich in den Italienischen Keller," sagt« Peter» mit einem verschmitzten Lächeln;„wohin kann man eine« Mensche» um diese Tage9001 92[170] 620 42 61 64 7U2 18 27 881 909 8019 47 133 67 206 44 78 838 62 63 81 84 426 673 641 81 726 60 66 832[170] 79 940 93 4036 125 78 228 89 60 72 88 94 8u2 4 8 [170] 416 88 61[170] 682 712 46 92 963 77 5102 76[170] 86 282 321 39 421 30 84[170] 98 516 39 624 83 730 82 92 862 978 84[1701«106 47 74 2X4 20 880 443 504(1701 15 76 612 81 714 67 808 46 59 78 7058 88 100 62 77 271 343 42! 47 66 82 85 1170] 511 12 61 606 701 37 888 906 69 63 8ül6 42 44 56 62 70 76 123 93 203 30 348 6! 678 636 90 91 727 86 847(170) 82 84 917 38 42 79»027 98 113 27 53 92 229 32 301 69 460 73 617 611[170] 17 701 07 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Freitag, den 25. Juni. Deuttchetz Theater. Der KönizSlieutenant. Belle-Allianee- Thealer. Tat Paradte«, Ge- sangSposse in 4 Attm von Leo Treptow sanaSposs' L. Herrmann._ Kiedrich- Withetmftädtisqe» Theater. und Der Oftend-Theater. Die Waise aui Genf. Viktoria- Theater. Amor. Tanz- Poem oon *uigi Manzotti. «allner-Theater. Der Mitado. Kaufmann'« Variete. Große Sgezialitälm- Vorstellung.__ � sflW___ Passage 1 Tr. 9 3R.— 10 A. 1 Pmmormm.. iJMr In dieser Woche: Amerika— Ealifornien. Mond. Eine tntereffante Moniblaut-vesteiguug. Hertha- St eise. Earolinen-Zusel«. Eine Reise 90 Pfg. Kinder nur 10 Pfg. Dautefaguus- POM Allen Freunoen und Bekannim, die meinen E" ten Mann zur letzten Ruhestätte geleitet , sowie dem Fachveretn der Steint! äger i« für Mt»ahlreiche Betheiltgung an der Beerdigung meinm innigstgelüdlien Dank. Dk tiesbetrübte W.ttw« Gttili» ZtiMa«. Arbeitsmarkt. Arbeiter aufMaschinenknopflöcher, welche Posten ardettm können, bei dauernd. Beschält, ges. von RudolHH Linde, Grüner Weg 9/10. Schweizer Garten. Täfflleb: Am FriedrichShain. Haltestelle der Ringbob«. Am KönigSthor. T&rileh: drogaea Concert u. Torstollun�. MtiV Zazet at« lebende Aanonenknoet. Sensationell? Luftproduftion der Ntajol-Krnppe. TheatervorsteUung. � Grosch, Jonas, Glaser. Geschw- Heffat. G-fchw. Hansen. Entree 30 Pf. BonS haben Wochentage Giltigtelt. Vorläufige Anzeige. Dienstag, den 29. d. Ml».: Große» Kriegsfeuermerk. Zum 1. Male: Di? Erstürmung dir Düppeler Schanz-n. Tricot-T#:- Ginzelverkanf zu FaftrlStprelien. Damen Taillen 0.2,00, Kinder Bloulen v.2,00. Knaben- Aniüge 0.5, 00, Kinder- Kleidchen v.3.00, Trirot-Ktoff in all. Farben volräthig. Bestellungen nach Maß ohne Preisaufschlag. ___| Anprobe daselbst. Koma»»i>»oiriSll>ße 12. Lonls Lichtenstein. E. Schläfst, f. Hrn. Potsdamer str. 89. Ogb. 3Tr.r. ImHucmn der Rohrleger. Verfammtnng Sonntag, den 27. Junt, Voi mittags 10'/, Uhr, b?i Pieft, Kommandantenftiaße 71/72. T.'O.: 1. Vortrag de» Ingenieur» Hnm Kisting über Fachaügelegenhetlen. 2. Diskusston. 3. Adr-chnung des Stiftungsfeste«. 4. Ver- schied-ne» und Fragekostm. Um zahlreichen Besuch ersucht 12000] Der Vorstand. verein der Sattler und Fachgenosse«. Versammlung Sonnabend, den 26 F ,ni, Abend» 8'/, Uhr, in GratmeU« Kierhatte», Kommandanien- straße 77-79.[2002 T. O.: 1. Antrag des Verstandes, Gründung einer Fachschule resp. Fachschrist betr. 2. Dt« kusfion. 3. Fragetasten. 4 Verschiedene». Nur Mitglikder oder solche, die e» werden wollen, haben Zuiritt. I. Kabel» Jnvalwenstr. 22. Die ExpeditwNg Jimmerstr. 44, fordert alle Inserenten von Vereinsuachrichte« auf, sämmt- liche Annoncen an die Expe- ditio« zu senden, den Betrag entweder gleich beizufügen oder die Inserate mit dem BereiuS- stempel nnd der deutlichen An- gäbe der Adresse Desjenigen zu versehen, bei dem die Be- trage eiuznkasfiren find. Die Buchdruckerei von MAX BADINCf BERLIN 8 W.» Beuth-Str. 2 empfiehlt sich zur Anfertigung von Druckarbeiten jeder Art bei prompter und billiger Bedienung. Kosten-Antehlige und Papierproben gratU und franco.__ Verantwortlicher Ridakl-ur R. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von«a? Vndiug in Berlin SW.,«euthstraße 2. Hierin eine Beil0*** Beilage zum Berliner VolNlatt. Mr. 145 Freitag» den 25 Inni 1886. III IaW> Kommunales. Etadtverordneten-Vers ammluvg. Sitzung vom Donnerstag, den 24. Juni. Der Stadtverordneten- Vorsteher» Stellvertreter, Herr Stryk. eröffnet an Stelle de« beurlaubten Vorstehers Bücktemann die Sitzung um ü'/, Uhr mtt geschäftlichen MWh ilungen....,.,.. Bevor in die Tagesordnung eingetreten wird, giebt Stadto. Wieck folgende Erllärung ab: Der Stadtoerordnet« Dopp dal in der SonntagSnummer deS„Deutschen Tagedl." «ine„Notba'drungene Erllärung" erlaffen, welche eine«rittl der Beschlüffe der Versammlung über den Anschluß von Schöneberg und Charlottenbura an die Berliner Kanalisation enthält. ES scheint, als habe Herr Dopp hier seine„oratoriiche Nothvurft" nicht befriedigen lönnen und deshalb diesen W-g der Publizität gewählt. Die Art, wie Herr Dopp die Stadt. verordneten und ihre Thätigteit bespricht, ist unqualifizirbar; seine persönlichen Angriffe gegen mich find einer Widerlegung nicht werth, seine sachlichen find längst widerlegt worden. «ein vernünftiger Mensch wird auf solche Angriffe etwa» geben, die nur Einem schaden lönnen, nämlich Herrn Dopp selbst. (Beifall Unl«.)«! wird in die Tagesordnung einge- treten. Zum Bürgerdepulirten für die Schuldeputation wird Herr Oberstaabiarzt Maoß, zum Bürgerdeputirten für die Armendireltion der Rentier Stöhr gewählt. Die S u b l o m m i s s i o n für die Vorbereitung der im September d. I. zusammentretenden 59. Versammlung deutscher Naturforscher und»erzte wird auf Vorschag de» AuSschuffeS für die Wahlen von unbesoldeten Gemeindebeamten au« folgenden 8 Stadtverordneten gedUdet: «ücht.mann, Dr. Stryck, Dr. LangerhanS. Dr. Schwalbe. Dr. M yer Ii. Spinola, Dr. Hermes, Löwel; die Herren wer- den durch Alllamation gewählt. Die Berathung de» Penstonlreglement» für Angestellte der wirthschaftlichen«. Anstalten der Stadt Berlin, die nun folgen sollte, deantragt Stadtv. Spinola von der TageSo: dnung abzusetzen. Vtadtv. Singer warnt dringend vor einer Verschleppung dieser wichtigen Angelegenheit. Die«ngestelltm warteten seit lange auf die Erledigung dieser Vorlage, man solle fie nicht Die�MajoÄät Erklärt fich für den Antrag de» StMv. � P E»°folgt die debattelose Annahme einer Reihe von Ma- gistratSoorlagen: Die Festsetzung von Bauflucht. l i n i e n für eine neue Straße zwischen Köpnickerstraße und der Spree in der Verlängerung der Eisenba, nstraße, der An- kauf deS von dem Grundstücke Spandauerdrücke 4/5 zur Stadtdahn-Parallelstroße erforderlichen Terrain» und der Neubau eine» Hospital» nebst Siechenanstalt an der Prenz» lauer Allee. Der Anlauf de» Grundstück» Kommunikation am Neuen Thor 9/10 zu Gemeindezwecken zum Preise von 450000 M. wird vom Magistiat deantragt. Der Bericht- «itatier de» AuSschuff«». Stavto. Meyer u, schlägt im Namen wffetbfN vor, die Vorlage de» Magistrat» zur Zeit abzulehnen und unter Ueberweisung der Offerte der Birken werder. Aktien. Sesellschaft den Magistrat zu«suchen, eine nochmalige Prüfung eintreten zu lassen, ob für den Zweck d-s beadstchtigten Schul- hauSbaues nicht ein geeignetere» Grundstück zu angemeffenem Preise zu«w«ben ist. Dieser Antrag wird nach kuyer DiSkusston angenommen. DerRathhauSkellerpächterDümchen petittonirt tum Ermäßigung der für die elektrische Beleuchtung de» Keller» von ihm zu zahlenden Kosten. Der Vetition»au»schuß em- pstehlt E.leoigung durch Uedergang zur Tagesordnung, für die sich auch die große Majorität der Versammlung entscheidet. nachdem der Stada. Gerold den Standpunkt de» Petenten ledhaft oertheidigt hat. Die Vorlage, betreffend den Erwerb d« von dem Grundstück Krautstraße 38/39 zur Verbreiterung dies« Straße erforderlichen Flächen, geht an einen Ausschuß von 10 Mit- E» folgt die d edattelose Annahme einer groß«, Reihe unwesentlicher Magistrat, anträge, die fich auf Schul- bau» neu bauten, auf da» Projekt zum Bau«n« Markthalle zwischen der«ckttstraße und der Invaliden. straße und auf den Verkauf einer Parzelle an d« Benthinrr und Steglstzerftiaße beziehen. Derjenige Th eil de» Jnvalidenpark». der von dem neben der Geologischen Lande»anstalt liegenden Garten dei Gouverneur» und von der Jnvalidenstraße. der Scharnhorst, und der«effelstraße begrenzt wird soll auf Antrag de» Magistrat, seitens der hiefigen Stadtge- Jigefehtn nimmt die Versammlung diesen �ntereffe». WWWZ'WZ ?. Millionen Mar! geleistet werden, auf welche, wmn da» 0tm Magistrat 500000 M. zur Verfügung gestellt wttden. -Langerhan» _.».agegrn wbnschen die vtaotv«oioneien vt.x "v Salon folgende Faffung de» velchl.ffes: %«Zum Zwecke einer im Jahre 1888 zu veranstaltenden Wonalen Ausstellung bewilligt die Versammlung zw Millionen Mark unter folgenden Bedingungen: 1. d .ei daß »u demselben Zwecke drei Millionen Mark au» ReichSmUteln zur V«fügung gestellt werden, 2. daß ein Garantiefond» von mindesten» drei Millionen Mark deschafft werde, au» welchem die üb« die vorher angeführten fünf Millionen Mark hinaus entstehenden Kosten gedeck! werden, 3. daß, wenn ein Ueb«schuß erzielt wiro, eine ent- sprechende antheilige Rückzahlung an die Stadtgemeinde statt- Sndet. Al» erste Beihilfe zur Bestreitung der zunächst für die uistellung erwachsenden Kosten stellt die Versammlung in Anrechnung auf die zwei Millionen Mark aus den Ueber- schüssm de» Jahre» 1885/86 die Summe von 500000 Mark zur Verfügung; in Betreff der Deckung de» Reste« von 1500 000 M. steht die Versammlung zur Zeit einer Vorlage de» Magistrats entgegen. Endlich ertlärt fich die Versammlung damit einverstanden, daß der städtische Park in Treptow un- entgeltlich für die Ausstellung unter der Bedingung überlasten werde, daß nach Schluß derselben die Wege, Anlagen u. f. w. sofort wieder nach Anotdnung de» Magistrat» in einen ord- nungSmäßigen Zustand versetzt werden. Stadtv. Löwel beanttagt, hint« den ersten Absatz der vom Magistrat beantragten Beschlußfaffung zu setzen: Sollten jedoch die städtischen Behörden irgend welche der zu allge- meinen Zwecken der Ausstellung auf städtischem T«rain er« richteten Baulichkeiten und Anlagen dauernd erhalten wollen, so steht ersteren da» Vorkaufsrecht zu, und zwar gegen Zah> lung de» durch Sachverständige festzustellenden Abbruch»- werthcS. Stadtv. S a m m endlich will die Ausstellung im Jahre 1889 stattfinden lassen(!). Stadto. Singer: AIS vor einig« Zeit die V-rsamm- lung G-ldmittel zur Vorbereitung de» Unternehmens einer nationalen Ausstellung im Jahre 1888 bewilligte, war e» un» zweifellos, daß auch eine Vorlage, die Ausstellung bedeutend zu suboentioniren, Annabme finden würde. So hoch wir nun auch nach unseren Befürchtungen diese Summe voraussetzten, wir haben doch nicht geglaubt, daß fie zwei Millionen betragen würde. Allerdings muß ich gestehen, daß für mich die Geld- ftage nicht so wesentlich ist, daß, wenn mir der Nachweis ge- liefert würde, Bttlin habe die en sprechenden Vortheile von dieser Ausstellung ich mich an der Höhe der Summe nicht stoßen würde. Dieser Nachweis kann und wird aber nicht erfolgen. Denn thatsächlrch ist da» einzige Gew«be, welche» wirklich Vortheil von den Ausstellungen hat, da» Brauerei. g«w«be: die Ausstellungen haben sich allwälig zu Vergnü- nun g» lokalen h rauSgcdilvet. Diese Erfahrungen zeigen den Werth der Ausstellungen in keinem günstigen L.chte. Ei will scheinen, al» ob auch in Regierungskreisen dte Begeisterung für eine nationale Aufstellung nicht allzu groß ist. Wenn der Herr Reichskanzler so übttzeugt von d« Nothwendigkett dieser Ausstellung wäre, würde« e» nicht bloß dem Bundiscath anheimgegeben haben, die Frage zu entscheiden, sondern er würde selbst einen Antrag auf Bewilligung von 3 Millionen au» ReichSmitteln für die Ausstellung gestellt haben. Der Um- stand, daß hier b-ute mit Eifer 2 Millionen bewilligt werden, wird an dieser Sachlage nicht viel änd«n.— Man spricht von dm großen Vortheilen, die Berlin von dieser Autstellung haben wird, man weist auf den Fremden. »uzua hin, alaudt, daß die G.-w«bethSttgkeit zunehmen und daß so die Lage der Arbeiter verbeffert werden wird. Nun, die traurige Lage der arbeitenden Klaffen wird von ganz an« deren Ursachen bestimmt und durch ganz andere Mittel besei- tigt, nicht durch die momentane Belebung de« GcschäftSver- keyr» in Berlin. ES giebt ganz andere Wege für dte städtische Vnwaltung, die fie wählen sollte, wenn fie den Arbeitern helfen will. Jetzt, in ein« Zeit, wo von glwtffer Seite Alle» gerhan wird» um eine friedliche Entwicklung und dte Verbeffe- rung der Lage dn Ardeiter durch friedliche Mittel zu hindern und durch ZwangSmaßregeln unmöglich zu machen, jetzt muß man dm Muth verlieren, daß die nächsten Jahre hi« in Berlin eine besondere Vndefferung der Lage de» Arbeiter» herbeiführen werden. D« Nutzen, den man von d« Autst llung«wartet, wird fich nicht einfindm. Selbst wenn die Hotelwirthe und diejenigen ErweibSzweige, die in direkter Beziehung mit dem AuSstellungSpudlckum stehen, gewiffe Voriheile durch die Ausstellung haben, muß deshalb der Steuersäckel um 2 Millionen«leichtnt werden, zu denen dm größten Theil diejenigen gesteuert haben, die nicht den ge- ringsten nennenSwerthen Nutzen von der Ausstellung zieden werden? Man saot, daß die Ausstellung dte Kosten decken und B«lin die 2 Mill onen ganz oder doch theilweise zurück «halten wird. Ader wenn man fo fich« ist, weshalb v«langt man nicht einen Garanticfonds für sämmtliche Kosten? Zu dm zwei Millionen, die Berlin allein auf. dringen soll, stehm die drei Millionen, welche da» ganze Reich zustmert, in gar keinem Veihättniß. Man hat ivoiel Stimmung für da» Unternehmen in allen K eifen gemacht, daß e» fast ein Verbrechen scheint, wenn ein objektiver, nüchtern« Mensch seine Bedenken äußert. Die Zeit wird un» aber recht geben. Keine national'» vuistellungm, sondern internationale, nicht ein beschränktes Gebiet, sondern die gesamm'e Kutturwelt muß auf- gerufen wndm, damit fie un» lehrt und wir ihr zeigen, wa« deutsche Industrie zu leisten vermag. Ich bitte Sie gegen die Vorlage zu stimmen. Oderbüranmeist« Dr. von Forckenbeck: Da» Unt«' nehmen ist hauptsächlich bttechnet und findet Sympathie bei der Klaffe der kteinm und mittleren Gewerbetreibenden. Ihnen wird e» wesentliche Dienste leisten. Die Groß. induftrie steht ihm nicht in allen Kreisen sympathisch gegm- üb«. ES werdm noch jetzt die größten Anstrengungen von ihr gemacht, um die Subvention de» Reiche» zu hint«- treiben. Ob die Subvention vom Reich geleistet werden wird. weiß ich nicht. Aber Berlin muß»eigen, daß e» diese» Werk al» ein nationale» betrachtet und dies« Ueber, eugung werden sich dann auch die Regi«ungSkreise nicht verschließen können. Der Oberbürgermeist« bttiet, den Antrag Löwel abzulehnen, «klärt fich mit dem Anttag Langerhans aber einv«. standm�dtv. �0tw� und Dr. Langerhan» polemifiren gegen die Ausführungen de» Stadtv. Singer und tretm sür die Bewilligung d« zwei Millionen ledhaft ein. Beide be- tonen, daß fie von der Ausstellung große Vortheile für alle Klaffen d« Bevölkerung Berlin», desond«» aber für die Ar- bester erwarten. Ein Echlußantrag wird angmommen. D« Antrag Löwel wird abgelehnt. Der Antrag Dr. Langerhan»- Solon wird mit groß« Majorität angenommen. Der Ankauf de» Grundstück» Alt- Moabit Nr. 67—70 zu KanalisationSzweckm wird genehmigt. Zur Errichtung einer Markthalle für die Luijenstadt soll da» fi'kalische Grundstück an der Ecke der Bukow«straße und dei Lutsenufer», sowie ein Zugangtgrund. bück in der DreSdenerstiaße erworben werden. Da» l«tz:ere lostet 200 000 M., da««stere wird gegen da» städtische Grund- stück Königgrätzerstr. 123 eingetauscht. Die Versammlung ge» nehmigt dte Vorlage. Dte Vorlage betreffend die Auslegung und Ergänzung de» mit der Berliner Handelsgesellschaft über die Hnftellung d« Kais« Wilhelmstraße abgeschlvffenen Vertrage» wird eine« Ausschuß überwiesen. Damit ib dte Tagesordnung erledigt. Schluß 8'/. Uhr. Die Kosten der Kanalisation. Nachdem vor 6 Wochen die Bauabnahme der Radtalsysteme der Kanalisation VI und VII im Süden der Stadt jenfeii» de» Schifffahrtskanal« statt» gefunden hat, hat dte Kanalisation» veputatisn dte wirklichen Baukosten d»sn Systeme, soweit fie bisher entstanden und de» zahlt worden find, feststellen laffen. Danach kostet da) Radial- system VI, da» am R xborter Damm anfängt und b s zu den Etsenbahnen geht, einschließlich 132 042 M. Kosten de» Grundstücke» der Pumpstation in der Urbanstraße, im Ganzen 2600697 M. Die Kosten de» R-dialiystemS VII, de« söge- nannten Schöneberg« Viertel», werden dagegen auf 2 948 106 Mark ermittelt werden. In beiden Summen find die Kosten der Druckrohrleitung nach den Rieselfelvem nicht enthalten und außerdem find noch nicht unerhebliche Summen für den weiteren Ausbau d« Systeme, sobald die bereit» ge» planten Straßen angelegt und gepflastert werden, reseroirt worden. I» der Sitzung de» Martthallen-Kuratortum« vom Mittwoch kamen o«schiedene Beschwerden der sogen Markt- hallen- Jntereffenten zur Sprache. In Bezug auf dte Ventila- tion war man der Anficht, daß das Erforderliche bereits theil» angeordnet, theil» deschloffen sei und zur Ausführung gelangen w«de. Auch wird dte Sub-Kommisfion die Untersuchung regelmäßig fortsetzen. In Bett, ff v« Tarife wurde d« frührre B sckluß festgehalten, nach welchem zunächst der Etat der vi« Markthallen d« in der Bearbeitung fich brfindet vorliegm soll. Da» Kuratorium muß zunächst übersehen lö rnin, wie die Einnahmen und Aufgaben fich vorau» fichtlich stellen werden. Die Sadt will auS den Martthallen zwar einen Vortheil nicht ziehen, aber e» müffe doch darauf hingewiesen werden, daß nicht Zuschüff« aus der Siaitkaffe erforderlich werden. Uebri- gen» sei die Behauptung, daß dte Tarifsätze zu hoch seien, nicht al» begründet anzuerkennen: dieselben bleiben meist noch unt« den Kosten, welche den Besuchern der offen»» Märkte meist entstehen. Auf die Schließung der Markthallen an den Nachmittagen soll nickt eingegangen werden. Der Besuch der Markthallen an den Nachmittagen ist fortwährend im Wachsen begriffen und dte Schließung würde da» Jnt«effe der Kon» sumenten geradezu schädigen, die dadurch geröthigt wnden würden, die Markthallen nur an den Vormittagen, trotzdem die» nicht Jedermann paßt, zu besuchen. Diejenigen Verkäuf«, welche an den Nachmittagen nicht verkaufen wollen, find selbst» verständlich dazu nicht gezwungen; ihre Forderung, auch die anderen Verkäufer von den Markthallen fern zu halten,«» scheint völlig undnechtigt. Die Markthallen find überall von den Wochenmärkten dadurch unterschieden, daß fie an allen Wochentagen und nicht ausschließlich an den Vormittagen ge» öffnet find. In Bezug auf die Anfahrtszeiten zu den Markt- ballen hat bereits eine neue Regelung im V«ein mit den Polizeibehörden stattgefunden. In Bei», ff der sanitätspolizei» lichen Konttole der Lebensmittel wird da» Kuratorium noch weitere Erörtnungen anstellen. Auch noch einige andere Punkte werden spät«« Erwägung vorbehalten. Im All- gemeinen war das Kuratorium dn Anficht, daß, da dte Markt» hallen«st zwei Monate bestehen, die Zett für erhebliche Aenderungen noch nicht eingetreten sei. Fokale». lur Handhabung des Sozialistengesetzes. Al» bei den Debatten über die Verlängerung de» Sozialistengesetzes im Februar und März d. I. von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen wurde, daß durch die in§ 28 zugestandene AuS- wetsungidefugntß den Bnliner, Hambuiger und Leipziger Be» Hörden doch wohl eine allzusckarfe Waffe in die Hand gegeben sei, verficherte Herr von Puttkamer, daß von jener Bestimmung biSh« immer nur in d« loyalsten Werfe Gebrauch gemacht worden sei, und daß die» natürlich auch fernerhin geschehen solle. Aber, meinte der Herr Minister, es müffe den Behö'den d« besond«»„devrohten Bezirke" entschieden die Möglichkeit gelassen werden, fich dnjenigen Personen zu entledigen, von welchen eine Gefährdung der öffenttichen Ruhe und Ordnung in hervorragendem Maßstade ,u befürchten sei, und darum könne der§ 28 unter keinen Umständen fallen.— So sprach He« von Puttkamer vor der Verlängttung de» Sozialisten- tesetze«: nach derselben kam die Sache ab« wesentlich ander». )enn nun war e» mit d« Gemüthlichkeit des H-«n Minist«» plötzlich au»; e» kam der vtreikerlaß, es kam dte Bei klimme» rung de» V-rsammlungsrechte»; über Spremberg wurde der Belagerungszustand verhä gt, dte Arbeiterinn-nvereine wurden aufgelöst, Lohn, und Pr.-ßkommisfionen der Maurer, Töpfer. Tapezirer edenfall», die eine Haussuchung folgte der andern, und— 5 28 trat wieder in Funttion. In den letzten vierz-hn Tagen find auf Grund deffelbm nicht weniger al« sech« Personen au» Leilin ausgewiesen, und nach der An« deutung, welche Hnr von Puttkamer bei der L.sprechung de» Streik«laffes im Reichstage machte, dürste wohl noch eine erheb» liche Anzahl weilner Ausweisungen devorstehen. Am meistm Aufsehen hat dabei die Maßregelung dcs Restaurateur» Wesenack hnvorg«ufen. Derselbe betheUigte fich nämlich auch nicht im entfernt-sinr an der sozialdemokratischen Agitation; n besorgte sein G-.chaft und behielt seine politischen«nstchten für fich. Wenn unter solchen Umständen schon d* AuSweimng de» genannten Hnrn in einem etwa» eigenthümlichen Lichte «scheint, so find doch die begleitenden Umstände in noch weit höherem Grade geeignet, überall daS p-inl>chtte Aufsehen zu «regen. Dein obwohl et fich nach den Ausführungen de» Herrn Ministers v. Puttkamer lediglich darum handelt, die „gefährlichen" Elemente d« sozialvemokratischm Partei au» dem Gebiet de» kleinen Belagerungszustandes zu entfernen, obwohl also eine geschäftliche Schädigung der Betnffenden nur insoweit zulässig sein sollte, al» dies zur Durchfuhrung jen« Maßregel unerläßlich ist, so hat im vorlirgenden Falle ein vollständig entgegengesetzte« Verfahren Platz gegrrffen. Herr West» Nack ging nämlich von der Annahme au», daß e« ihm gestattet sein werde, da» Geschäft so lange von seiner Frau fo.lsllhren zu laffm, bis er auswärt» irgend welche Arbeit gefunden habe, und alst seine Familie„nachkommen" laffen könne. Vor- gestem Mittag um 2 Uhr, nachdem der Ausgewiesene eben adg«eist war, erschienen indeffen, wie wir bereit» mittheilten. in seinem Lokale mehrne Polizeibeamte, forderten dte Gäste auf. fich sofort zu entfernen unv nahmen darauf dte polizeiliche Schließung d« sämmtliche» Lokalitäten vor, während ein eiligst herbeigeschaffter Maler die Firma überstre-chen mußte. Die Poli,eib< Hörde scheint also nicht mehr aus dem Standpunkte zu stehen, daß e» fich lediglich darum handelt, die persönlichen TrSger b«„gemeingefährlichen Bestrebungm der Sozial' demolratte" au» Berlin fortzusldsffm, sondern daß sie auch noch geschäftlich lahmzulegen find. ES hat demnach allen Anschein, alS od die Soztaliftenmaßregelungen nunmehr in ein neueS Stadium eintreten werden, und man darf also einigermaßen gespannt sein, wa» im# die nächste Zukunft auf diesem Gebiete dringen wird. Unanfechtbare Polizeu. Um den Weilläufigfeiten ein Ende zu machen, welche von den LedenSvnficherungSar.stalten so oft gemacht weiden, wenn e» sich um die Auszahlung einer fällig gewordenen VerficherungSsumme handelt, find neuerdings die Vorsteher einiger größeren Institute über die Frage in Er Srterung getreten, ob e» nicht angängig fei, unanfechtbare Polizen auszugeben, gegen deren Einlösung, sobald die Fällig. feit nachgewiesen ist, absolut kein Ernwand zuläifig sein soll. Dt« Prämien für solche Verficherungen würden sich allerdings etwa» höher gestalten, denn die Veificherungiinstitute müssen dabei von der Voraussetzung ausgehen, daß ste alle jene Summen hätten zahlen müffen, von deren Zahlung fie in Folge begründeter Einwendungen frei geblieben find. Ganz besonder» heikle gestattet fich nun die Frage, ob e» angängig sei, auch beim Selbstmorde de» Vastcherun die versicherte Summe zu zahlen. Hier gehen zur Zell noch die Meinungen der Fachleute wett auseinander. Während die einen der An ficht find, daß in dem Selbstmorde eine freiwillige Auf» lösurgSertlärung de» eingegangenen VeificherungS vertrage» seitens der Selbstmörder» liege, und deshalb dt« Autzahlung der VerficherungSsumme in diesem Fall« unthunlich sei, er. blicken andere in dem Selbstmorde einen durchaus von dem freien Willen unabhängigen Akt, der durch äußere zwingende Verhältniffe bedingt ist. Eine dritte vermittelnde Richtung läßt diese Frage prinzipiell unentschieden, und will nur dann im Falle de» Selbstmorde» nicht zahlen, wenn der Selbstmord unmittelbar nach der Verstcherung, also etwa innerhalb eine» Fahre» nach derselben erfolgt ist, weil dann anzunehmen sei, daß die Verstcherung bereit» unter dem Vorsatze eine» baldigen Selbstmorde» und in der Abficht einer Schädigung der V«r- ficherungtgesellschaft und der Zuwendung eine» Vortheile» an die Empfänger der VeificherungSsumme eriolgte.— E« muß bedauerlich erscheinen, daß diese wichtige Frage lediglich von dem doch nur einseitigen Standpunkte der interesstcten Vei ficherungSgejellschasten au» erörtert wird; auch da» Publikum hat hierbei ein mindesten» gleich große» Jntereffe und e» wäre gut, wenn dessen Meinungen laut und deutlich gehört würden. Etue der winzigsten Baulichkeiten Berlin» ist die- jenige an der Grenze des Mühlendamme» und tböllnischen Fischmarste» Nr. 1, gegenwärtig zu einer„Obsthandlung" ein- gerichtet. Hier wurde im Jahre 1592 der noch j-tzt erkenn bare„Mühlenweg" zwischen de»„storschnrr»" lLürschnerS) Hru» und der„Brücke" hergestellt, um bei FeuerSgefahr zum Waffer- holen an die Spree gelangen zu können. Die Heirichtung derartiger Gänge, wie ein solcher au» der zweiten Hälfte de» 16. Jahrhundert» in dem bebauten Durchgänge Fiicherstr. 30 noch vorhanden ist, war für die damalige Zeil mit ihren prt- mttiven Löschvorrichtungen geboten. Bezüglich de» Mühlen- dämme» sei erwähnt» daß die Zahl der dortigen Brände seit dem ersten uns bekannt gewordenen, welcher am 25. Dezember 1579, Nachts 1 Uhr, da» neben der ersten Mühle gelegene „HäuSlein" de» Messerschmied» Hans Außen verheerte, di» Sm letzten Brande am 3. April 1838 ziemlich beträchtl ch war. lerkwürviger Weise fanden die meisten dieser Brände im De- zember statt. Bei Anlegung jene» Waffergange» bestand der Mühlendamm noch au» einer mit Verkaufsbuden besttztcn höl- zernen Brückt läng» de»„GeiönneS" vom Mühlenbof bis zum „Rönnenstein" bei der Fischerstraße. Krämer und Handweiker, Handels, und Kaufleute hatten fich hier etadlirt, und enttich- teten dem kurfürstlichen Mühlenhauptmann ein Stättegelv; bei AutbefferungSardeiten an den Mühlen mußten die Buden abgebrochen und demnächst wieder aufgebaut werden. In den Jahren 1657 hiS 1698 war der„Mühlenweg" Gegenstand eine» Streite»»wischen der Stadt Kölln uad dem Amte Müh. lenhof. Jene beanspruchte ihn al» ihr Eigenthum, da» Amt führt« dagegen den Nachwei», daß e» d n Gang schon im Jahre 1605, als der Kurfürst die nicht zur Ausführung ge- langte masstoe Erbauung der Buden beabstchtigt«, durch einm Thorweg verschlossen habe. In diesen Gegenstreit mischte fich dann der Apotheler Penzer, welcher den Gang al» eine Per ttnen, seine» Hause» am„F�schmarlt"(N. 1) beanspruchte, doch fiel die schließlich« Enrschetdung zu Gunsten de» Amte» Mühlenhof au». Die Tage de» Mühlendamme» find gezählt und da. mit di« eine» ganz eigenartigen Srück«» Berliner Geschäft» leben». Nur hier findet man noch die Bilder für bestimmte Stände, welche verschiedene Handwerke, die Schiffsah t, die Jägerei u. Vgl- glorifi.iren. Daneben dm„Hamburger Laden" für Schiffer mit wollenm Jacken. Hosen von mglischem Leder, Windflaggen u. a. m. Zu ihnen gesellt fich eine Semmel- und Kuchmbud« al» Auswahl der«instigen Bäck r-chragen, eine Tuchhandlung, deren e» ftüher hier eine ganze Anzahl gab, al» man da» Tuch zu den Anzügm in veilin noch selbst einkaufte: Kaleoder-, Planeten- und TraumdurbbanUungm, und endlich jene! Läven mtt hundertlet Nichtigkeiten; Spielsachen. Radauflöim, V-xirapparate, Scher,. Artikeln it., d ren Fabrikat ten noch unmtwegt der Devise„dillig und schlecht" huldigen. Zur Warnung. Unter Bezugnahme auf die in den letzten Tagen an den Anschlagsäulen erlchienenen Bekannt- machungm über die Annahme und Beförderung von Stadt- brtefen durch Privat- Unternehmungen(Berliner P.cketfahrt- Gesellschaft, Verein Hansa) wird darauf aufmerksam gemacht, daß nach§ 1 de» Postgesetze» die Betörderung verschlossener Brief« gegm Bezahlung zwiichen zwei Orten mit Postanstatten auf ander« Weise al» durch die Post verboten ist. Danach würde also Jemand, welcher einen B.ief von Berlin nach Schöneberg oder Wilmersdorf mtt einer solchm Privat. Unternehmung verschickt, der gesetzlichen Strafe verfallen. Eine für die Fußgänger äußerst lebensgefährliche Passage wird gegenwärtig an der Lranimbrücke geschaffen. Zur Herstellung der beiden erhöhten settlichm Uederj Lnge zur Verhütung von Passantm-VerkehrSstockungm bei EchiffSdurch- lassungen steht man im Begriff, die beiden jetzigen Fußgänger- weg« gänzlich abzusperrm, wodurch die Fußgänger gezwungen werden, ihren Weg zwischen dm Pferdebahn- und anderen Fuhrwerken hindurch zu nehmen. Bei dem hier ununterbrochen starken Passantenveikehr und der verhSttnißmäßig geringm Breite der Vrücke ist da» Palsven derselben nur mtt größter Gefahr für da» Leben und die Gesundh-it zu ermöglichen. Frohe Feste— saure Woche». Wie jeder Uederan- spannung der mmschlichen Kräfte— sei e», auf welchem Ge biet« e« auch immer wolle— eine Reaftion auf dem Fuße nachfolgt, so machen fich auch die Nachwehen de» froh verleb ten Pstngstfefte» gegmwärtig für wette Kreise recht fühlbar und finden ihren fichtbarm Ausdruck in dem Massenandrang zu dm Berliner Leihämtern. Wenngleich fich dieleldm stet« eine» lebhaften Verkehr» zu erfreum habm und fich bei etlichen (ewiffermaßen sogar schon ein Stammpublikum berausgedilset at, so ist dock z. Z. die Frequenz in den Leihhäusern eine auffallmd starke. Diese Erscheinung hat indessen, recht detrack- tet, durchaus nicht» Auffällige» an fich und ist nur eine logische Folge der Verhättnisse. Der größte Thetl de»„vier- t-n" Stande» ist ebm so gestellt, daß er. wie man zu sagen pflegt, auS der Hand in dm Mund lebt und de» täglichen ununterdrochmen Erwerbe» benölhigt ist, um das Dasein zu ftistm. Der verflossene Winter bat aber vielfach lange Unter- biechungon im nothwendigen täglichen Erwerde eintreten lassen, unv da» kurze Frühjahr, in dem die unterb.ochene Tbältgkeit mtt neuer Kraft wieder aufgenommen wurde» wenngleich eS theilweise auch«höhte» Verdienst brachte, vermochte dmnoch nicht, die Wunden, die d« W nt« geschlagen, völlig zu heilm. Dazu kam da» fröhliche Pfifft est, weiche» Jeden, wenn auch widn Willen, zu größeren AuSgadm veranlaßt hat, al» sein wtithschaftltche» Budget eigentlich erlaubte. Diese» außer« ordentliche Defizit muß naturgen äß durch außerordentliche Mittel gedeckt weiden und so werden schweren Herzen» die Festgewänder ausgezogen und nebst anderen„enldchrlichm" Dingen dem Arsenal de» Leihamte» einvttleidt— mtt schwerem Herzen, denn— wer weiß, od wir un» wiedetsehn! Sic transtt glorls rnnndl I So vergeht der Wett Herrlichkeit, kann man pegenwärtra mim Anblick de» atten Ge« richtSgedäudes an der Ecke der Charlotten- und Z immer straßr sagen. E n« d-finirive Bestimmung über da» alte Gebäude scheint der Just zflakus noch nicht getroffen zu hadm und so hat denn eine prootso tsche Vermiethung der Räume stattgefunden. Wenn in den Räumen, wo ehemals die HeirathSkon- fmse für noch unter Vormundschaft ftebende Verlobte ertheitt wurden, fich heute ein Möbellager zu Hochzeitsausstattungen defindet, so ist die veränderte Bestimmung dies« Räum« doch noch auf die gleiche Ur.ache zurückzu ühren: wmn aber an dem- selben Platz, an dem früher der Richter in Robe und Barett Recht sprach, heute allabendlich fttscher Kartoffel Puffert servirt wird, so ist der mng ruhende Pol in dies« Erscheinungen Fluckt nicht leicht zu finden. Wäre e» nicht zweckmäßig, wmn dn JufttziiSkuS bei solchen Vnmiethungen deschränkende Be> ftimmungen hinfichtlich der Benutzung der Räume träfe zur Wahrung der Suß-ren Würde der Justiz, die ja in d« Em- fühiung von Rode nnd Barett zum Ausdruck gekommm ist? Bei provisorischen Vermieihungen alter Gebäude passtrt e» leicht, daß lichischeue Gesellschaft hier ihr Unterkommen sucht und findet, und e» wäre doch ein recht interessante» Schau- spiel, wenn im Justizpalaft zu Moabtt Dinge verhandett würden, die unter dem schützendm Dach de» altm GerichtSgebäude» fich ereignet baden. Der von de« Arbeiter« der Kettuer'scheu Fabrik für chirurgische Instrumente für die Abgebrannten in Rixdorf pesamn elte Betrag von 12 80 M. ist am Sonnabend vor Pfingsten von Hrrni Grit» an Herrn Hancke, Herrmannstr. 23, abgeliefert worden. Da» diesjährige Sommerfeft der Tapeztrer Berlin» und im« Famttien findet am 19 Juli in Puhlmann'S Vaude- ville- Theater in d« Schönhauser Allee statt und wird u. A. au» Theatnoorstellung, Ball, Kaffeekochen, Kinderdelustigungen u. s. w. bestehen. Der gefällige Winh hat dem Vergnügung»- komite« die weitgehendsten Konzesfionen gemacht, so daß ein Festerfolg selbst lür den Fall ungünstiger Witterung al» ge- fichert zu beirachtm sein dmfte. Bei starkem, frequmtem Billetoerkauf würde sogar ein erh-blich« Uederschuß zu erzielen sein. Zr diesem Zwecke«fticht die VergnügungSkommisston, dem Biitetv-rkauf den w?'testen Umfang zu stchern,«Ken», weil die Halste dieser Einnahme dem Berliner Gewerl der Tapezirergehilfen gehört, während der gesammte Erlö» au» dem Billetoerkauf an der Kasse dem Wirthe zufällt und zweitm», weil beabfichtigt ist, daS Lokal möglichst für Fremde adzuspttim. Von eigenthümliche« LähmungSerscheiuungen ist ein Arbetr« bet offen worden, d« mst-rn vom Professor Mendel in der Berlin« medizinischen Gesellschaft vorgeführt wurde. Demselben find an der richien Hand drei Finger und an d« linken zwei gelähmt, während die übrigen vollständig von dem Leiden verschont geblieben find. Der Patient arbeitete ftüh« in ein« Gammifadrik, und auffallender Weise find gerade die- jenigen Finger von der Krankheit«griffen worden, die er da- zu verwenden mußte, um da» Gummi in lösenden Schwefel- lohlenstoff zu tauchen. Auch bei den anderen Arbeitern der Fabrik hat fich eine all«ding» weniger intenfive Wirkung dieser Thärigkett in dem Zittern d« Hände bemerkbar ge- macht. Ueber de« Schiffling'schen Doppelmoed und die Der- bältniffe der davon zunächst Betroffenen find vielfach unrichtige Mittheilungen in die Presse gelangt. Es wird un» nunmehr von einem Berichte. statt«, weich« seine Information bei dem Bruder d« ermordeten Frau Schiffltng, Herrn Dreikant, ein- gezogen hat. u. A. mitgel heilt, daß vre Nachricht, die kleine Anna Sch ssling solle weg-n beginnender Melancholie nach L ckenwalve üderfiedeln, H.rrn Dreikant selbst auf» Höchste und Unangenehmste überrascht hat. Die kleine Anna defindet fich in der Pfl-ge der Dreikant'lchen Eheleute recht wohl, um- somehr al» fie fich in Gesellschaft einer beinah« gleichailrtgen Nichte defindet, welche die kind«losen ab« desto kinderfreund- ltcheren Dreikant'schen Eheleute schon vor Jahren zu sich ge« Nammen und die bisher scbon die Spielkameradin d« Anna gewesen ist. Sollte fich die Nolhwendtgkeit einer Abwechselung im Domizil zeigen, so würde He« Dreikant, al» Pflegevat« und Vormund, doch zunähst dem Verlangen seine» Bruder» in Fahrewalde bei LandSderg a. W. entgegenkommen und die» ihm so liedgewordene Kind auf kurze Zeit überlassen. Die Nachricht, daß da» Kind nach Luckenwald« kommen sollte, schmerzt ihn umsomehr, al» die Familie dort gar keine Ver- wandt« hat und irgend ein«findungsreich« Berichterstatter nur au» d:m Umstände, daß«(Dreikant), bisher den Vertrieb für eine Luckcnwald« Brauerei halte, auf ein Familtmverhältniß geschlossen haben kann. Herr Dreilant führt im Interesse seiner Richte da» Geschäft ihr« ermordeten Eltern in dn Möckcrnstraße 78 so lange fo t, bi» er e» preiSwnth v«äuß«n kann, für sein«tzene» Geschäft hat er inzwischen einen Stell- Vertreter bestellt. Da» Geichäft in d« Möckcrnstraße 78 ist seit Montag«öffnet, der Andring soll in den Abendstunden und besonder» de» Sonnabend» und Sonntag» ein rapider sein. Di« unheimlichen Reminiszenzen an den Mord, die Waschschüssel mit dem Blutwaff« und die FrühstückStelter auf dem Trsch in der Küche find entfernt, sonst ist noch alle» in- tatt«halten und zwar auf besondnen Wunsch der Behörde. Der Berichterstatt« hat da» Wohnzimmer, in welchem d« Mord verübt wurde, in Augenschein genommen und giedt un» darüber folgende Schtld«ung: Da» Zimmer ist eine im Par« terre de» Vorbei Hause» belegene sogen.„Berlin« Stube" von geringer Breite, ver Eingang zu derselben führt über einen Korridv', von dem man link» zu der Vorderstub« und recht» zu der Krche de» benachbarten Miether» gelangt und zwar liegen die drei Thülen so hart aneinand«, daß man vergeben» versuchen wü de, eine E klärung für die Passivität der nächsten Nachbarn zu finden, wenn nicht bereit» bekannt geworden wäre, daß die Schsffling'ichen Eheleute nicht immer ftiedltch mitein- anv« vniehet haben. In dem Z-mm« selbst befindet fich an der rechten Wand, welche die Scheidewand der benachbarten Küche bildet und an deren äußeren Ende fich da» nach dem Hofe zu gebende Fenster definvet» zunächst da» Bett de» Man« ne». Die Mattatz« t» ff- Iben zeigt noch die Blu fl cke und an den hellen Tap-ten der Wand reichen die Spritzfl cke dt» zur Manrntböhe an denselben, und zwar am Fußende de» Bette» befindet sich ein großer blutig« Fleck, der nach ven Erttärungen de» Henn D-ettanl und auch augenscheinlich durch da» Auf« werfen d« blutigen Betten dahin gekommm ist. Anschließend an va» Bett de» Manne» und di» unmittelbar»um Fcnst« reichend, definvet fich da» Bett d« Frau. Die Schmalseite de» Zimm«», nach dem Seitenflügel de» Hause» zu delegen, ist durch«ine Polstergarnitur(Sopha und Seff l) and daior be- findlichen Sophaiisch so beengt, daß e» nklärltch«scheint. wevn dt« aui d m Schlaf auigesch. eckte und angegriffene Frau nicht sofort da» Freie gewinnen, reso. zum Fmst« gelangen konnte. Gegenüd« den Betten befinom fich an der andern Wand zwei Kleider pinden. in d-ren einem fich da» bereit» an- gegebene Geld beiunven, ein Wäschewind und dicht daneben, Segenüb« dem Bett de» ermoroeten Vit«», die eiserne, sogen. selddettstelle, in welcher die klein« Anna geschlafen. Die Frau muß nach der Beschreibung(ste soll mtt den Füßen nach ihrem Bett und mit dem Kopf nach dem gegenüberbelegmen Kleider« spind« zu gelegen haben) unmittelbar und in schnell« Hintn« einanderfolge die Wunden unv den Todesstoß ei Hilten haben. D« Mörd« muß dann üb« fie hinweg dem Fenst« zuge« schritte« sein, da»«, wie die Blutspuren am Fenst«kreuz de- weisen, zu öffnm versuchte. Al»« ab« an den Fmstern de» Nedenhause» d«eitS Leute sah, eilte« wieder üb« die Leiche der Frau hinweg und an der de» Manne» vorüber dem ge- wshnlichen Ausgange zu. Da ist e» nklärltch, daß« da» Kind in der Aufregung unhehelligt ließ. Spät« hätte er ja in die Wohnung auch nicht wieder hineinkommm können, da da» Schloß der Konidorthür, wie überall, ein Drückerschloß ist, außerdem auch die Nachbarn bereit» auf dem Korridor sein konnten. Zur Marunge'che« Mordaffäre. Obwohl über da» Schickial der vom hiestgen Schwurgericht am Landgericht II wegen Gatten- dezw. Vatermordc» Marunge»— Mutter und Sohn— noch gar nicht endgiltig beschloffen ist, so sollen doch schon, wie ein« hiestze Korrespondenz verfichnt, mehr al» 300 Gesuche um Zulassungskarten für die Hinrichtung bei der zu» ständigen Staatsanwaltschaft eingelaufen sein. Der größte Thetl V« Metdungm rührt von Juristen und anderen höheren Beamtm h«. Die Staatsanwaltschaft soll auch bereit» be» schloffen haben, für dm Fall, daß die Hinrichtungen stattfin« den sollten, nur 150 Karten auszugeben, so daß mehr al» die Hälste der bereit» vorliegenden Gesuche unberücksichtigt bleiben würde und neue Meldungen gar keine AuSstchtm auf Erfolg hätten. Dieselbe Korrespondmz weiß noch zu melden, daß d« Eingang d« königlichen Entschließung bet d« Staatsanwatt« fchast täglich erwartet werde, und daß alle Vorbereitungen dnartig gettoffm seien, um eine Vollstreckung de» Uctheil» am Tage nach dem Eintreffm der Enticheidung in all« Frühe de« wirken lassen zu tönnen.— Ueber die Schaulust bei derartigen Gelegmhetten hattm wir uns früher schon geäußnst. E» ist ein trauriges Zeichen für unsere„Gedtlvetm", daß ste sich immer noch zu solchen Sachm drängen. Eine Mutter mit ihre« vierzehn Kinder« kam kürz» lich Abend» nach zehn Uhr ohne Hausschlüssel an da» v«« schloffen« Thor de» Zoologischen Garten»;«» war eine Stockente mit ihren noch nicht flügam Jungen. D« Atten waren im Frühjahr die Flügel nicht reebtzeitig gestutzt worden und fie konnte nach dem bmachbarten Neuen See entwischm. Dort nistete fie und gründete eine zahlreiche Familie, welche fich durch ihre Zutraultchkeit die Liebe aller Gondelfahr««warb. Die Sehnsucht d« Alten zur Scholle, auf der fie zum ersten Male da» Licht der Welt«blickte, und nach dem stet» reich« lichen Futt«, da» ihrm Schwestern auf dem Ententeiche im Zoologischen Gartm g«eicht wird, veranlaßt« fie, für fich und ibre Familie laut schnatternd Einlaß zu begehren. Und der pfl chttreue Beamte, der sonst nur Leute mit Billet» od« ab» gestempelten Photographien einläßt, öffnete der Frau Ente nebst Familie unentgeltlich dat Thor. Dieser Fall macht e» auch er« tlärlich, daß jedm Abend,„sobald d« erste Stern fich zeigt, und der letzte Vogel schweigt", zum Staunen all« Waid« männer im Zoologischen Garten ganze Schaar«» wilder Enten ankommen, die trotz d« Konzerte und Menschenmengen im Ententeiche einfallen und von ihren gefangenen Vnwandten schnatternd degrüßt w«den. Di« klugen Vögel wissen Freiheit, gute Kost und Sicherheit mit einand« zu ver« binden. I« der Markthalle in der Dorotheenstraße erfolgten gestern Nachmittag kurz hintereinand« mehrere kurze und scharfe Detonationen und als die Marktballenbeamten der Ur« fache nachgingen, entdeckten fie, daß einige der Marktstände« indab« zum Z-Uvertteid mehr««— FeuerwerkSkörver, sogen. Frösche und Raketen, abgefeuert hatten. Gegen die Uidelthät« foll feiten» der Marklhalleninspettion wegen groben Unfug» vorgegangen werben.— D« Markt scheint ja famo» gegangen zu sein, wenn die Marttleute zu dergleichen Allotria Zell finden. Ausweisung. D« Töpfer Boleslaw PriytulSky, Vor« sttzmder der Lohnkommtsston und Kontrolkommtssion der Töpf« Deutschland», ist gestttn auf Grund de» Sozialistengesetze» au» verlin ausgewiesen worden. Dnselbe wurde, als er Morgen» gegen$3 Uhr seine in d« Fürstenstraße 22 belegene Wohnung v«lteß, von zwei Polizeibeamten erwartet und nach dem Molken« martt geführt, woselbst ihm da» Au»weisung»dekret vorgelesen wurde. I« der Jhring« Mahlow'schen Angelegenheit ist den Angerlagten Berndt und Christensen die Minheilung zugegangen, daß von Seiten der Staatsanwaltschaft noch vier weit«« Krt« minalbeamten al» Zeugen vorgeladen find. E» find die» die Herren Graf Sttllftiev, Schöne, von Maudnode und Wetnert. Soviel bekannt, gehören nur die beiden letzteren dn politischen Polizei an. Ans die Enuittelnug von Brandstifter« haben dl« Feuer- Sozietäten nach und nach Belohnungen ausgesetzt, wie fie selten bei den schwersten Verbrechen von großen Polizetbe« Korden bewilligt w«den. Es deweist die», wie schwierig e» ihnen wird, die Brandstifter zu entdecken. So hat jetzt die Dtrettion der Städte- Feu« Sozietät der Prov'nz Brandenburg in Berlin«ine Belohnung bt» zur Höhe von eintausend Mark auf die Ermittelung Desjenigen ausgesetzt, der kürzlich in Gransee durch Brandstiftung mehrere Gebäude in Asche legte- Bisher hat fich dte Zittrung gewiegter Berlin« Kriminalbeamten nach jen« Brandstist«gegend sehr erfolgreich«wiesen. Bei mehreren wegen Diebstahl» in Untersuchungshaft genommenen professtonttten Dieben find folgende zweiffellos gestohlene Gegenstände gefunden worden: Silberne Zylinder« uhr mit doppeltem Golvrand und Sekundenzftger, auf 15 Steinen gehend, der Tragring fehtt; fildeme Remontoiruhr, auf 10 Steinen gehend, Nr. 4076, mit g-ripptem doppelten Goldrand; fildeme Remontoiruhr mtt doppeltem gniopteN Goldrand, Nr. 5023; stlbttne Zylinderuhr mtt doppeltem Gold« rand, Nr. 1970, Küoette sehr lose; eine desgleichen, Nr. 76614; ein« desgleichen ohne Boldrand, Nr. 13200; ein« desgleichen. Nr. 6550, sowie eine rothbraune FrieS-Pterdebecke mit zwei schwarzen und einem rothen Streifen. Die Etqenthüm« können fich bei dem Kriminalkommiffariat, Zimm« 75 a, melden. Ein d«daue»«»werther Unglücksfall ereignete fich vor« ßestern Mittag auf dem Hofe der Kunftwollfabrik von Black- boum, Engelufer 1. Dort war mit Verladen von Ballen mit Lumpen auf«inen Wagen der in Köpenick wohnhafte Kutscher Geldrecht beschäftigt, welch« beim Zugreifen nach einem Ballen so unglücklich von dem b«eit» hoch beladenen Wagen zur Erve stürzte, daß« nur noch wenige Laute von fich gab und bald darauf verstarb. Nach dem ärztlichen Gutachten ist d« 2%* in Folge eine» Bruche» der HalSwirdelsäule«folgt. Gelbrecht hinterlaßt eine Frau und 2 un«zogene Kind«., Poltzetbertchf. Am 22. d.M. wurde ein 12 Jahre aste» Mädchen in der Lintenstraße von einem durch den Schankwir-v Bäumler au» Charlottenburg geführten Wagen überfahren rmt> an der rechten Hüfte schwer verletzt.- Am 22. d. M mittag» machte eln Mädchen in b« Tieckstraße den Versuch- fich mit Zucknsäure zu v«gtsten. E» wurde noch lebend na» der Charit« gebracht.— Zu»«selben Zeit wurde ein Mann in sein« in d« Memeterstraße belegenen Wohnung todt vor gefunden. Er hat fich, wahrscheinlich durch Nahrungssorgrn veranlaßt, mit einem Rasirmesser den Hol» durchschnitten- � Am Vormittag desselben Tage» wurde ein 4 Jahre alte» M»� chen in der Heiligengerststraße von einem Postwagen üderfaM-n und nicht unbedeutend verletzt. Ei wurde nach d« elt«lia «erthen, unglücklichen Weibe umzuwandeln. Von aller Welt verlaffen, ist sie ihrer Todfeindin, der Königin Elisabeth von England und dm intriguirenden, herzlosen Hofschranzen derselben preisgegeben. Im dritten Akt beim Begegnen der beiden Königinnen im Park von Jotheringhoy spitzt sich bekanntlich die Handlung zu einer dramatisch wild belebten Szene zu und hier zeigte sich denn auch die russische Künstlerin in ihrem ganzen Feuer, hier suchte der langgenährte Haß gewallsam einm Aut- druch, die unterwürfige Gefangene wird zum beleidigtm Weib, welches Rache heischend ihre Gegnerin in dm Staub tritt. In dieser Szene offenbarte Elisabeth Gorma die hin» reißmde Gewalt ihrer Darstellungsgad«, und ei ist nur zu bedauern, daß die Anzahl der Gastspiele eine so gering bemrffene war, und daß eS den Besuchern des Ostend> Theater» nur so seltm vergönnt ist, eine wirkliche Künstlerin zu sehm. Gerichts-Aeitmig. t Unter der Anklage des schweren Diebstahls stand gestern der Fuhrherr Bartels vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts I. Er besorgt für die Gerichtsvollzieher die Fuhren und betteibt ein Nedengeschäft durch Ankäufe auf den Auktionen. In dem Hause der Metzerstraße, in welchem er wohnt, wohnt auch ein Drechsler, Namens Scherfling, der in setner Loden kammer eine kteferne Bettstelle und andere Sachen verwahrte. Am 8. Februar war diese Bettstelle verschwunden, ohne daß das Vorhängeschloß Spuren von angewendeter Ge walt zeigte; es mußte also mittelst Nachschlüssel geöffnet sein. Es schien zunächst so, als solle der Diebstahl unentdeck» bleiben; der Dieb hatte kein Merkmal, das zu seiner Entdeckung fübrm konnte, zurückgelassen. Da führte der Zufall Herm Scherfling eines Tages vor einem Trödlerladm vorbei und er entdeckte unter den mannigfaltigstm Waaren des Händler» seine Bettstell«, die« deutlich an der zur Hälfte abgesprungenen Knopf- rosett« erkannte. Er ging hinein und erfuhr, daß die Bett- stelle vor einiger Zeit von einem Fuhrhcrrn Bartels verkauft worden sei. Bartels wurde unter Anklage gestellt. Er gab zu, die Bettstelle verkauft zu haben, behauptete aber, daß sie von ihm auf einer Auktion erstanden worden sei. Der Gerichts- Vollzieher bekundete jedoch, daß die beiden an jenem AusttonS- tage verkauften Bettstellen nicht an Bartels, sondem an einm anderen Käufer losgeschlagen worden seien. Unter diesen Umständen wurde Bartels zu vier Monaten Gefängniß verur- theilt. Strafmildernd kam seine bisherige Unbescholtenhett in Betracht. f In welche Erregung Menschen durch den Verlauf und den Ausgang einer Gerichtsverhandlung über eine an fich sehr geringfügige Sache versetzt werben können, bewies ein Vorfall, der sich am 8. Septemd-r v. I. in unmittelbarer Nähe des Justtzpalaste» in Moabit zutrug. An diesem Tage hatte das Schöffmgericht in einer Verhandlung, tn welcher der Schneidermeister W. als Zeuge fungirte, dm Braumeister P. mit einer Geldstrafe belegt. Schon früher hatte zwischen W. und 55. keine freundschaftliche Stimmung geherrscht, aber nun, wo P. mit oder ohne Grund seine Verurtheilung der Aussage des Schneidermeisters zuschrieb, floß der Topf über. Zwei Gruppen bildeten fich nun um die beiden Männer, schon in den Flur- gängen de» Gerichts wurde heftig gestritten und als man auf der Straße war, flogen offene Drohungen von beiden Seiten. So hötte W.. wie eine Stimme im feindlichen wuifen rief:„Dem Lumpen muß man die Knochen im Leib? ittschlagen l" Er hatte allm Grund anzunehmm, daß ihm der "Osmame gelte und ihm die hoffnungsvolle Aussicht gemacht werde, und er empfand dm lebhaften Wunsch, da» an dem Sprecher auszuführen, waS ihm zugedacht war. Aber er de- iwang sich und zog mtt seinem Ar. hange nach einem Re> naurations lokale der Werftstcaße, um dort seinen Groll hin- unterzuspülen. Unglücklicherweise führte auch dm Braumeister und seine Frmnde der Weg an diesem Lokale vorbei, und durch ihren Anblick gereizt sprang W. mtt einem Freunde, einem ge- wiffm Sch„ hervor und folgte ihnen auf dem Fuße nach. Sch. '°att ermunternd:„Dem müssen wir'» besorgm r und W. rief als Bestätigung:„Einm guten Hieb Hab' ich noch am Leibe," und schlug von hintm auf P. mit seinem Stock, dm er ver- «Wl genommen Halle, ein. Seine Hiebe waren wirklich so, CT den Braumeister übel zurichtete. Das Schöffengericht urrurtheilte ihn wegen seiner That zu 3 Monaten Gefängniß. ?"• legte Berufung ein und erreicht«, daß die fünfte Straf kammer seine Strafe auf 1 Woche G'fänaniß ermäßigte. .... Ueber das Pfandrecht de» Bermtether» an dem Mo- »iliar des Mietber« hat das Reichsgericht, II Strafsenat, durch Ufthetl vom 9. April d. I., folgende Sätze ausgesprochm: %ta* gesetzliche Pfandrecht des Vermiether» wegen seiner �iiethsforderung u. s. w. ergreist im Geltungsbereich des >reuß. A. ill-R. alle eingebrachten Modilim des Miethers, urginnt sofort mit der Jllatton und erstreckt fich nicht nur auf bei Endigung des Konttalts noch tn der Wohnung vor- handenm Mobilien, sondern auch auf die ohne legitimen Grund, � h. aegm den Willm de« VermietherS, weggeschafftm Sachm. *%*» Pfandrecht kann schon vor Beendigung des Miethskon- waks wegen fälliger und noch nicht fälliger Miethe geltend "ttn acht werden. Der Umstand, daß es zur Sicherung des fandrechts genügt, von den eingebrachtm Effektm deS riether»— wenn eS zur Retmtion kommt— nur so viel zurückzubehalten, als zur Bezahlung der Miethe nöthig ist, de« kksdtigt den Mtether nicht, da» gesetzliche Pfandrecht des Ver. wieih„, dadurch zu verletzen, daß CT zur Deckung der MiethS- 'wuld nicht erforderliche, aber von jmem Pfandrecht mtt er- Biffene Jllatm gegen den Willm de» Vermiether» wegschafft. An einem solchm Falle steht dem Mietber vielmehr nur das /lscht zu, den Richter um Entscheidung darüber anzugehen, ob ?nd auf welche Stücke da» Zurückbehaltungsrecht stattfinden lolle." „ Wege« versuchte« Mordes und wegeu Eittltchkeits. 5,�geheus angeilagt, erschim gestern der Schloffergeselle Ulbert TrwS aus Spandau vor den Schranken deS Schwur- Ml im Landgericht Ii.- Die Verhandlung, welche ein Widerwärtiges Sittenbild entrollte, fand unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Die Einzelhettm der gegen Tnr» außer ßKKaaästz 2*in Spandau, Seegefelderstraße. wohnhaften Kau Maag Söhnte der Angeklagte im Herbst des vergangenm Jahre»: seit Dezember v. I. hatte Tew»- so unglaublich es auch klmaen - mtt der damals 12 Jahre alten Tochter seiner Wtrthtn .strafbare» Verhältniß angeknüpft und das damals un- Mdige Mädchen verführt und»war unter Anwendung dru- l,i. Gewatt. Zur Eharatterifirung des Angellagten «iL hler erwähnt, daß er zu der Mutter de» ent- u?slkn Mädchens intime Beziehungen ebmsalls gepflogen. wl genug aber damit, trieb sein Naturell den Angellaalei. 5" ttnem noch schlimmeren Verdrechm,— nämlich dem Ver- 'wen deS MordeS.— Die Vorgänge in der Maag't'chen Be- r,,r�a hatten zu polizeilichen Maßnahmen Veranlassung ge« rIf" nnö dem TewS stand die Einleitung de» Untersuchung»- lahrmS in Aussicht. Um nun dem drohenden Zuchthause zu mtaehm, faßte er dm schändlichen Entschluß, die Zeugin seiner That zu beseitigen, indem er sie au» der Welt schaffe. Die Jaee zur Ausführung ist dem Angeklagten wohl durch da» Lesm einer gewtffm Sott« von Romanen tn dm Kopf gekommen, dmn wie er im gestttgen Aavtenztermin seine That beschönigend erllätte, wollte er den Heldentod mit dem Mäd- chen sterben. Am 21. Februar d. I. hatte der Angeklagte über diese» Thema eine Unterredung mit dem Mädchen; dabei soll das letztere, wie er behauptet, die Zustimmung mit ihm zu sterben gegeben haben. Am Tage darauf, den 22. Februar, während die Mutter des Mädchens da» Zimmer verlassen, hielt es der Angeklagte an der Zeit, sein Vorhaben auszusübren. Er ging auf das Mädchen mit einem langen Brodmeffer zu und stieß dasselbe wiederholt nach der Herz- gegmd des Mädchen». Der Ruf des letzteren:„Albert, Albert, Du stichst mich ja todt!" tn Verbindung mit unterdrückten Hilferufe«, alarmitte die Hausbewohner und nun affektirte der Angeklagte einm Selb�mo dversuch, indem er ein kleines Federmesser fich tief in die Brust stieß. Das Mädchm war bei dem Mordversuch lediglich durch die Dichtigkeit ihres Korsetts(mit Stablschimm) vor dem sicheren Tode geschützt worden; aber mit 8 mehr oder minder großen Wunden fand sie der be- handelnde Arzt Dr. Rügenberg. Dm Räuber ihrer Ehre schaffte man, auS einer Brustwunde blutend, nach dem Krankmhause und gegen ihn ward das Strafverfahren nunmehr nach sewer Wiederherstellung auch wegen versuchter Tödtung erhoben.— Im Audimztermin trat das körperlich ziemlich frühreif entwickelle Mädchm als Belastungszeugin auf; sie widerlegte den Einwand de» Angellagtm, daß sie ihn durch Ueberredung selbst zu veranlassen versucht, sie zu tödten. Ihre Aussagen in Verbindung mtt dem übrigen Ergedniß der Beweisaufnahme bewog die Geschworenen, den Wahrspruch da- bin abzugebm, daß der Angeklagte de» Verbrechens wiver die Sittlichkeit bezw. Nothzucht, ferner deS versuchten MordeS schuldig sei: eine Unterftage, ob der Angeklagte von der 12 jährigen Maag zu der That durch Ueberredung veranlaßt' wurde verneint, dagegen theilweise mildernde Umstände zuge« dilligt. Demgemäß beantragte der Staatsanwalt 8 Jahr Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust. Das Urtheil lautete auf eine Gesammtstrafe von 8 Jahren Zuchthaus: von Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte waro abgesehen. Ret»«gerichts- Entscheidung.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 21. Juni.(Uederschrtttung der Nothwehr.) Der Schuhmacher Bemhard Strack in Hermerihausm lebte sett längerer Zeit mit dem in derselbm Straße wohnenden Hand- ardeiter Koch in Feindschaft. Als am Abend des 5. Januar d. I. Strack mit Holz und einer Axt beladen und in Begleitung seines Sohne» die Straße entlang kam, gerieth er mit dem ihm degegnmden Koch in Streit. Wer den Anfang gemacht hat, war nicht festzustellm, doch scheint es, als od Koch zuerst geschlagen hat und zwar mit einem nicht übermäßig starkm Stück Holz. Dem Sttack kam dieser Angriff sehr gelegen. dmn er ergriff sofort seine»xt und schlug damit auf dm verhaßten Gegner loS. Er traf ihn damit so heftig an der Stirn, daß der Knochen in viele Splitter fich auflöste, doch ist die Verletzung ohne merkliche Folgen für die G-sundhcit KochS wieder geheilt. Die Strafkammer in Marburg, vor der sich Strack am 31. März wegm vorsätzlicher schwerer Körper« v-rletzung zu verantwottm hatte, nahm zwar an, daß der An- geklagte sich in Nothwehr befunden, aber auch, daß er dieselbe überschtttten babe und zwar ohne daß er durch Bestürzung, Furcht oder Schreckm hierzu veranlaßt sei. Er wurde deshalb für schuldig befunden und zu 4 Wochen Gefängniß verur: heiU. In der Revistonsverhandlung, die am 21. Juni vor dem i. Strafsmat stattfand, machte der Vettheidiger deS Angellagtm geltend, man könne von einem Angegriffenen nicht verlangen, daß er erst logische Erwägungen anstelle, ob er eine mildere oder schärfere Ätt der Abwehr anzuwendm habe. Der Reichs- anwalt beantragte jedoch die Verwerfung der Revision des Angeklagten, da vom Landgerichte klar festgestellt sei, daß der Angeklagte keinen Anlaß halte, sofott mit der Axt zuzuschlagen. Das Reichsgericht oerwarf dem mtsprechmd die Beschwerde als unbegründet._ Soziales und Arbeiterbewegung« De« Kabrtkbetrteb verdrängt überall den Handwerks- mäßigm Betrieb. So vollzieht fich in Württemberg dieser Umschwung recht anschaulich in der Trikot, und Strickwaarenindustrie. Ein großer Theil dieser Waaren wird hausin dustrirll erzeugt; in einigen Orten aus der Alb trifft man so ziemlich in jedem Hause einm oder einige Rundküble, auch die Strickmaschinen oerbreiten fich immer mehr. Gleichwohl, schreibt die Leipziger MonatSschtttt für Tixtiltnduftrte" im Anschluß an die neuesten Fabrik- inspektorenberichte, scheinen namentlich die Trikotwaaren m der neuesten Zett mehr und mehr Gegenstand der Fabrttindustrie zu werben; die Driller, d. h. die Trikotweber, welche ihren Rundstuhl mit der Hand treiben, können mit der Maschinm« arbeit nur noch dadurch konkurttrm, daß sie außerordentlich bescheidene Ansprüche auf Verdimst machen." Die Kleinmeister werden auf eine niedrigere Stufe herabgedrückt, die Bezahlung wird immer erbärmlicher, die Lebenshaltung immer schlechler, der Hautinduftttelle verkommt, er ist jämmerlicher genähtt und behaust, als der in der gleichen Industrie beschäftigte Fabrik- ardeiter. Allmälig verschwindet ein Klrinbettteb nach dem anderen von der vilbfläche: die Meister werden proletarifirt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß in einer Rundstuhl. fadrik, nachdem die Nähmaschinen maschinell eingerichtet worden find, dieselben statt 700 Stichen in der Minute, wie bis- her beim Handdettted, jetzt deren 3000 machen. Die Maschinentechnik kann blo» der kapitalkräftige Unlernehmer ausdeuten. Die Zwergkapttalisten, die Handwerker müssen zu Grunde gehen.— Um au» der Zeitung noch einen anderen Beleg dafür beizubringen, daß die Einführung der Maschine tn einen Industriezweig den Preis der Handarbeit herabdrückt und die Handardttt verdrängt, sei noch erwähnt, daß die Löhne in der als Hausindustrie für schweizer Firmen betriebenen Hand- (Mouffelin-sStickerei— es find hauptsächlich Mädchen de- schäftigt— jetzt 40-45 Pf. pro Tag betragen und daß die Hautindustrie selbst von Jahr zu Jahr zurückgeht. Abermals eine Warnung für Simulanten. Der Hamb.„Bürger, tg." schreibt man aus Altona: Auf Grund einer kürzltchen Entscheidung vor dem Gerichte einer Nachbar- fladt, wonach dort ein Simulant, der, um das Krankengeld von 3 Krankenkassen zu beziehen, Rheumatismus fingirt hatte, wegen Betrug» zu v Wochen Gefängniß verurtbettt wurde, hat eine hiesige Krankenkasse ebenfalls ein Milglted zur An- zeige gebracht, da» behauptet, an Hexenschuß zu leiden, und dabei Tags über im Bette lag, am Abend aber heimlich aus dem Hause ging und von Zeugen im„Kasino" und„Kaiser- saal" gesehen wurde, alt er ganz fröhlich fich im Kreise ftoher Tänzer als einer der Lustigsten bewegte. bfn. Ei« weißer Rabe«nte, den Juuungsvorstävden scheint der Vorstand der Hamburger Innung„Tapezireroerein von 1810" zu sein, der, mtt Rücksicht auf die j2—'/»3 Uhr Mittag» zu haben. Erwachsene 30 Pf., Kinder 10 Pf. Leipzig, 21. Juni. In Reudnitz dei Leipzig tagte kurz nach den Pfingstfeiertagen der erste Kongreß der deutschen Fellmhauer, um einige Beschlüffe über die innere Organisation, wie ste w anderm Gewerbm bereit» bestehm, zu faffen. ES waren VerKeter au» Leipzig, Berlin, Halle a. S., Magdeburg, Braunschweig, Hannooer, Münchm, AugSdurg u. s w. anwesend. Unter dem Vorsitz de» Henn Th. Werner Leipzig dauerten die Verhandlungen mehrere Tage. Et wurde be« schloffm, von der Gründung eine» Unterstützungsverbande» der Fcilenbauer Deutschland» au» Anlaß der durch die Putttamer« schm Erlaffe deschräntten Koalitionsfreiheit adzusehm, hingegen die Einführung einer Arbettilosen-UnterstützungSkaffe, sowie eine deffere Regelung der Retseunterstüyung in den bereits bestehmven Lokaloereinen in'S Werk zu setzm. Femer wurde der Antrag zum Beschluß erhoben» daß sämmtliche Lokalvereine statistische Erhebungen über Lohn- und AraeitSoerhättniffe an- stellen solltm._ Vermischtes. Schauplatz er« er Mordszeue war kürzlich da« Caf«- Konzert. Lotal der elsäsfischen Taverne in Roum. Ueder den Vorfall wird von dort berichtet: DaS Konzert hatte begonnen. Der Saal war dicht besetzt von Gästen und Zuschauern. Gerade hatte rme der Sängerinnen ihre Romanze beendet und stieg vom Podium herab, um von Tisch zu Tisch die übliche Tellersammlung vorzunehmen, al» mtt einem Mal die Thüre, welche ste eben passtrte, aufgestoßen wird, ein gut gekleideter Mann herein und auf die Sängerin losstürzt, indem er ruft: „Ah, da bist Du ja» Spitzbübtn!" Sie hatte ihn bemerkt und instinktiv fich gebückt, um ihm zu entkommen. Die Frau war aber noch nicht ein paar Schritte weit gekommen, da hatte der Mann ste bei der Schulter gefaßt und, ihr die Mündung «ine» Revolver» auf den Rücken setzend, Feuer gegeben. Man hörte einen furchtbaren Schrei. Die Unglück- liche stntt zusammen, dann erhebt fie sich wieder und blutüberströmt wankt fie. gestützt von einigen Zuschauern nach der Küche, wo fie dewußtlo« wird und wcmge Sekunden später ihren Geist aufgiebt. Die geschilderte Szene spielte fich in einigen Minuten ab, so daß Niemand Zell fand, zu inter- venircn. Nachdem aber die That geschehen, warf man fich von allen EeiKn auf dm Mörder. Madame Arsöne, die Besttzertn de» Etabltffemmt», erhob fich sofort, ergriff die Arme de» Manne», um ihn zu hindern, einen zweiten Scbuß abzugedm. Der Unbekannte rief:„E» ist meine Frau, ich Hab« ste aufge- sucht, um sie zu tödtm l" Während man die Polizei und einen Arzt Holle, ließ die Besttzertn ihr Lokal von den Äästm räumen und die Thürm schließen, waS schwer htett und lange dauerte, dmn die Erregung der Anwesenden war ungeheuer. Der wehr- M gemachte Mörder beantwortete in ker Zwischenzeit die an ihn gefielltm Fragm mit Bereitwilligkeit:„Ich Hab« Unrecht gethan, ich weiß e» wohl, ich hätte ihre Herauskunft abwarten sollen, um zu ihun, wa» ich gethan' aber ich hätte fie immerhin getödtet, denn ich mußte mich rächm!" sagte er. Die Leiche de» OpferS wurde in da» untere Lokal gebracht, und man hatte dieselbe auf ein Billard gebettet di» zur Ankunft der GerichtSkommisston. Es war ein seltsamer Anblick, diese Todte, im Kostüm einer ICa s-Konzertsängerin, ihren letzten Schlaf schlafm zu sehm— auf dem grünm Ti'che. Wer war diese Frau? und wer ihr Mörder? Sie war von Paris gekommen, wo ste in einem Cafs-Konzert von Auteuil gesungen. Ver- heirathct mit dem vierundzwanztgjährigen Kellner FranooiS Gamiray, hatte fie dm letzterm vn lasten, um ihrem Anbeter zu folgen, einem gewiffm Ravmel. Gamiray hatte den Zu- fluchtsott der beiden Verliebtm ausgekundschaftet und verübte dott die oben geschilderte schreckliche That. Echiffsbrand- Ueber den Brand de» mit Pekolmm be- ladenen englischen Schiffe»„St. George" auf der Rhede von Surabaya berichtet der dortige„Courant": Al» der Kapitän auf die Nachricht, daß an Bord seines Schiffe» Feuer ausgebrochen sei, an Lord kam, fand er nur noch zwei Mann der Besatzung vor, die übttgen waren kurz vorher an» Land ge- gangen. Der Kommandant deS Wacktschiffe» hatte fich beim Ausbruch de» Feuer» mll mehreren Olfisteren an Bord deS „St. George" begeben, wo bald darauf auch der Hafenmeister und der Lootsmtommiffar eintrafen, welch letzt, rcr da» Schiff au» dem Fahrwaffer und nach der Küste von Madura bringen ließ. Mittlerweile war vom Wachtschiffe ein bewaffnetes Boot herbeigekommm, um Hilfe zu leisten. Es würben etwa 20 Schüsse auf dm„St. George" abgefeuett, um denselbm zum Sinken zu bringen, allein vergeblich; erst am folgenden Abend, al» da» Schiff vi» auf den Wafferspiegel niedergebrannt war, versanken die Trümmer. Da» brennende Petroleum verbreitete fich über da» Waffer und dlldete ein großes Feuermeer, das einm prächtigen Anblick bot, glücklicherweise von der raschen SKümung aber nach Osten geführt wurde, so daß lein weiteres Unglück passttte, al» daß ein Leichter, welcher fich in da» Feuer- meer hinein gewagt hatte, um Vekolmmfäffer aufzufischen, edenfall» in Brand getteth. Der Mannschaft de» Wachtschiffe» ist e» zu danken, daß ein Theil der Ausrüstung de»„St. George" gedorgm werden konnte. Man glaubt, daß da» Feuer durch Brandstiftung entstanden ist. Untergaug eine» ruistsche« Dampfers. Ueber dm UnKrgang de» Dampfer»„Jastred" werden auS Odeffa vom 19. d. folgende Einzelheiten mitgetheilt: Ein geretteter Matrose überbrachte die Nachricht, daß der Dampfer„Jastreb" mll Mann und MauS am 12. Juni in der Gegend von kettsch unter- gegangen sei. Die Katastrophe fand um 11 Uhr Vormittags statt. Der Dampfer, einer der ältesten der Gesellschaft, wurde plötzlich von einem heftigen Wirdelsturm« erfaßt, bekam in der Mitte ein Leck und sank augenblicklich mit ver gesammten Mannschaft. Nur der Matrose Jercmenko konnte fich retten, da derselbe zur Zeit dm Wachtdienst auf Deck hatte, während die übrige Mannschaft in der Kajüte frühstückte. Der Dampfer war zwei Wochm vorher von Odeffa abgegangm und hatte in Scdastopol eine große Ladung von Kolonial- waaren für kertsch mitgenommen. Auf demselben befanden fich der Kapttän Hcjkowttsch, deffen Stellvertreter Karpenko, der Mechaniker Riaboschopka, der Maschinist Reschnilow und 15 Matrosen, sowie mehrere Begleiter der Waaren. deren Zahl noch nicht bekannt ist. Der Dampfer war in England erbaut worden und stand seit 25 Jahren im Dienste der rusfischen Gesellschaft, welche Kotz aller Mahnungen deS Ka- pttäns, denselben zu remontirm, die Möglichkeit eine? Unglücks doch stet» bezweifelt haben soll. So wird in hiefigm See- kreisen erzähtt, daß Hojkowttsch, als er den Austrag erhalten, mit dem genannten Dampfer in See zu stechen, auf die Ge- fahr eine» Durchbruch» deffelben hinwies und unter Anderm geäußert habe, daß der„Jastreb" nur noch für eine Grabstätte geeignet sei. Ader die Administration der Gesellschaft vertrösttte den Kapitän mit der Verficherung. daß diese Fahtt bereit» die „letzte" sei, und daß der Dampfer nach der Rückkunft einer gründlichen Remor.te unterzogen werden würde. Leider hat fich diese Prophezeiung nur allzu sehr bewahrhettet. Die hiefigen Blätter fordern vre Prokuratur auf. eine strenge Untersuchung zur Eiuirung der Schuldigen einzulettm. Einktnrz eines Theaters. AuS Alliance, Ohio, wird gemeldet: Marchand» Opernhaus ist hier plövlich eingestürzt. Glücklicherweise trat daS Unglück schon des Nachmittag» um 4 Uhr ein; sonst wärm vielleicht viele hundette von Menschen unter den Ruinen begraben worden. Da» Theater wa: ein masfioeS, vierstöckiges Gebäude, da» nach der Straße zu eine Anzahl Läden und Waarenlager enthielt. Ein furchtbares Knacken und Krachen ging der Karastrophe voraus; e» genügte, um alle im Hauie befindlichen Leute in wildester Flucht auS dem stürzenden Gebäude zu jagen. Und so ist denn auch kein Menschenleben zu bellaaerr gewesen. Direktor Marchand war gerade mit seinem Sohne im Theaterdureau, als da» unheim- liche Krachm begann. In wahnstnniger Angst sprangen beide die Treppe hinunter und schrien laut:„Rettet Euch! rettet Euch! da» Theater stürzt zusammen I" Ein alter, fiebzigjäh. riger Rechtsanwalt, der seine Bureau» ebenfalls im zwettm Stockwerk hatte, hötte den Schreckentruf, konnte aber, vom Alter und Entsetzm gelähmt, nur langsam flüchten. Hagel- dicht regneten bereits die Steine um ihn, als er endlich— unversrhrt— die Hauithüre erreichte. Dicht hinter ihm krachte da» Hau» zusammen. Da» Opernhau» war erst 1868 errichtet worden und hatte 75000 Dollar» gekostet. Kleine Mittheilungen. Stettin, 22. Juni. Der zweUe auf der Werst de» „Vulkan" neu erbaute SudventionSdampfer„Lübeck"' erhätt jetzt seine Auirüstung und wird nach der bisherigen Bestimmung am Sonnabend die Werft verlaffen, um am Sonntag von Swinemünde auS eine Probefahrt in Ee« zu machen, worauf die Uebettührung nach Bremerhaven er- folgen wird. Nordhause«, 20. Juni. Nach den angestelllen Er- Hebungen find auf dem EichSfeld« bei den großm Gewittern umgekommen 4 Menschen, 600 Schafe, 30 Schweine, 20 Ziegen, 2 Kalber und eine große Menge Geflügel' auch Bienenstöcke find vemichtet worden. Der Flurschaden wird auf 900000 M. 8 � Gera, 21. Juni. AIS heute in den erstm Morgmstundm Mitglieder eines Gesangvereins von einem benachbarten Doste in die Stadt zurückkebtten, fanden fie in der Alienburger Straße, unwett de» Vergnügung» lokalS„Zum VolkSgarten", einen in seinem Blut liegenden erstochenen Menschen. Nicht weit davon einm zweiten, gleichfalls gestochenen Mann, der aber noch lebte. ES wurde sofott nach der Poltzeiwache ge- schickt, die dm tödlich Verwundeten in da» StadmankenhauS. den Tobten in die Leichenhalle kan»potttr«n liiß. Der Todte, ein Mann in den dreißiger Jahren, beißt Pohle und ist AS- phattardetter, der Verwundete heißt Sander und ist auch Ar- bester. Der letztere gab an, daß der Thäter ein in einer Stabtmühle beschäftigter Müllerbustche au» Bayern, Namm» Reinboth. sei. Derselbe wurde in seiner Mühl« verhafiet. Er behauptet, im Stand der Nothwehr gewesen sein. Der Strett soll im„Volttgatten" wegen einer sehr gettngfügigen Ur,ache begonnen haben. Hartenstein(Sachsen), 21. Juni. In den Abendstunden des 17. d. M. erschien plötzlich eine Zigeunei bände in der Stärle von 15 Köpfen vor dem zwischen hier und Wildmfel» isolitt gelegenen Gasthofe„zum Hirsch" und verlangte Aus- nähme im genannten Gasthause. Settm» der Zigeuner nicht» Gute» fich versehend, hatte der Witth au» Vorficht Thürm und Fenster geschloffen und ihnen dm ZuKitt versagt. Hier- über erzümt, griffen die Zigeuner zu ihrm Waffm und brauchten Gewalt, indem fie die verschloffenen Thürm auf« sprengten, s'mmtliche Fenster einschlugen und die Fensterrahmm zerhackten. Schließlich wollte die Lande dm Gasthof noch inBrand stecken, zu welchem Z veck ste schon Feuer auf dem Oberdodm an« gelegt hatte, daffelde wurde jedoch noch rechtzeitig von dm Witthilattm bemerkt und gelöscht. Der Witth batte fich beim Eindringen der Bande mtt einem geladmm Revolver vetthttvigt, auch mehrere Schüsse auf die Zigeuner abgegeben und zwei derselben leicht verwundet. Mehrere Gmdarmette- patrouillm au» Zwickau, welche fich in der Nähe befanden, eilten sofott nach j:ner Stelle, von welcher au» man die Schüsse und Hilferufe gehört hatte. Et gelang, die ganze Band« ge« fangen zu nehmen und unter Führung eine» berittenen Oder» gendarmen in daS AmtSgettchtSgefängniß Zwickau einzuliefern. Ein Mitglied dieser Bande hatte schon am Tage vorher in der zehnten Abendstunde ein von WUdmfelS kommende» Mädchen räudettsch angefallen. Frankfurt a. M„ 21. Juni. Ein Student aus Bayern, der in einem hiefigen Hotel logitte und fich heute Morgen daselbst ohne Begleichung seiner Zeche entfernm wollte, wurde von einem Kellner eingeholt und nach der Wache de» 2. Poll- zeirevierS verbracht. Kaum hier angekommen, zog er seinm Dolch, den er bei fich führte, hervor und erstach fich. Der Tod trat alsbald ein. Der Verlebte soll fich schon zuvor mit Selbst« mordgedankm getragen, insbesondere in dem Hotel schon dm Versuch gemacht haben, fich durch Oeffnung der Pulsadern da» Leben zu nebmm. Er soll auch die Adficht gehabt haben, fich durch ttnen Effenbahnzug überfahren zu lassen. Wie«, 21. Juni. Die„Presse" meldet auS Bukarest: Der Bliyzug stieß unweit Chitila mit einem Lastzug zusammm. Unter den Trümmern wurden mehrere Todte und Schwerver- wundete gesunden. Wien, 22. Juni. Auf der Eisenbahn übettahren. Heute Nachmittag» um halb zwei Uhr wurde der Maschinentübrer Joachim Lhotzki auf der Bahnstrecke der StaatSeisenbahn Ge- sellschaft zwischen der Prater- Hauptallee und der Stadlauer« brücke, al» er ebm das Geleise überschreiten wollte, von einer von Stadlau kowmmdm Maschine überfahren und sofort ge« tödtet.— Zwei Stunden später wurde ein 20- dit 25jähriger Mann, anscheinend ein Arbetter, beim Arsmale auf dem Bahn« kö-per der Verbindung» bahn nächst der Einfahrt in den Tunnel von einem Zuge überfahren und gleichfalls sofort ge- tödttt. London, 21. Juni. In der Vorstadt Bow verübte vor- gestern Abend ein junger Mann einen dreifachen Mord. Der Igjährtge Walter Edwin Wrtoht begab fich nach der Wohnung seiner Braut, Namen» Alice Clark, zog dott anscheinend ohne jede Veranlaffung einen Revolver, und feuerte erst auf seine Braut, dann auf derm Mutter, und jagte fich schließlich selber eine Kugel durch den Kopf. Frau Clark verschied gestern Mittag im Hospital, als man ihr die Kugel auS dem HalS zu entfernen versuchte. Für da» Wiederaufkommen der Allee Clark wird nur geringe Hoffnung gehegt, da die Kugel ihr in die linke Schläfe gedrungen ist und dann ihrm Weg durch die Nase in die Wange genommen hat; Wright'» Wieder« genesung wird für unmöglich gehatten, da ihm die Kugel im Gehirn fitzt._ Letzte Nachrichte«. Die französtsche« Prinzen werden natürlich im Gegen- satz zu anderen Ausgewiesenen mit Glacshanvschuhm angefaßt. Der Minister des Innern hat vorgeftem Morgen seinen General« sekretär zu beiden Prinzen Bonaparte gesandt und denselben, nach der„Nai.-Z g", eröffnen lassen, daß die Regierung bereit wäre, ihnen jeve gewünschte Frist zu gewähren, um ihre Angelegenheiten zu ordnen. Dies« Erlaudniß sollte jedoch nur unter der Bedingung eriolgm, daß die Prinzen die F ist nicht benutzten, um Kundgedungen zu veranstalten. Beide Prinzen lehnten jedoch da» Änerbietm de» Ministers ab. Nach Schloß Eu hat der Minister zu demselbm Zweck« den General- direklor der öffentlichen Sicherheit Leoaillant geschickt, welcher dieselbe ablehnende Antwort erhallen hadm wird, da der Graf von Pari» mtt seiner Gemahlin gestern N-chmiitag l'/i Uhr fich in TrSport nach Dover einsch'ffm wollte. Der König der Belgier hat dem Grafen Schloß Ctergnon in dm Ardennm »ur Verfügung gestellt, wa» derselbe dankend abgelehnt hat. Der Gras von Pari» wird aber schon in den nächsten Tagen zu einem längeren Besuche am königlichen Hofe nach Brüssel kommen. Ein Manifest de» Prinzen Napoleon soll unverzüglich im„Figaro" erscheinen, auch wird eine Kund- gebung de» Grafen von Paris erwartet. Im Schloß Eu haben vorgestern den ganzen Tag hindurch demonstrative Abschied»« besuche der Getreum stattgefunden. Unter anderem sollen mehr al» 200 Senatoren und Deputirte anwesmd gewesen sein. Gestern Mittag sollte eine allgemeine AbschiedSszene im Park stattfinden, welcbe durch die Regierung„natürlich" nicht ver- hindert werden wird. Dagegen sollm in Tr�pott alle Maß- regeln getroffen sein, um eine öffentliche Kundgebung zu oer- etteln. Al» erster reiste Prinz Victor um 6 Uhr 20 Minuten nach Brüssel in» Exil. Auf dem Lyoner Bahnhofe warm für die Abreise dei Prinzen Napoleon besondere Maßregeln ge- troffm, um die Wiederholung tumuttuarischer Szenen zu ver- hindern. Zu den englische« Wahlvorbereitungen. Vorgestern fand in der St. Jame» Halle in London eine Kundgebung zu Gunsten dei Homerule statt. Der ittsche Deputirte Sexion hielt eine Rede, in welcher er die Behauptung aufstellte, die Jrländer halten bei den letzten Wahlm für die konservativen Kandidatm gestimmt» weil die Führer der irischm Partei Grund hatten anzunehmen, daß nach den von Camarvon und dem Deputirtm Howard BKcent abgegebenen Erklärungen die konservative Partei einen Homerule- Entwurf vorschlagen würde. Italienische Soztattste«. Man uieldet au» Mailand, 24. Juni. Gestern wurden hier acht Führer der Arbeiterpartei verhattet und diejenigen Vereine aufgelöst, welche dem Pro« gramm dieser Partei zugestimmt hatten. Unter den Berhafteten befinden fich die sozialistischen Kandidaten bei den letzten allgemeinen Wahlen. An dm Sitzm der erwähnten Bereine und in dm Wohnungm der Sozialisten ließ die Polizei Häuf« suchungm vornehmen. Die Untersuchung wegen Verschwö» rung ist eingeleitet. In Oberitalien soll e» 159 Vereine geben, welche dem betreffenden Programm zugestimmt haben. — In der Deputirtenkammer interpellirte Mittwoch vdmd der Sozialist Costa den Ministerpräfiventm wegen der in Mailand voigenommenm Verhaftungen, worauf Depreti» erwiderte, daß er am Freitag mitiheilm werde, ob und wann er dt« Inter« pellation beantworten werde. $$ _ 94. Plenarsttzung de»' Reichstage», Freitag, dm 25. Juni 1886, Nachmittag» 2 Uhr. TageSmdnung: Bt- rathung der Petitionen, welche, al» zur Erörterung im Plmum nicht geeignet erachtet, zur Einstcht im Bureau niedergelegt find.— Zweite Beratbung der allgemeinen Rechnung über dm ReichShaushalt für da» Etatßjahr 1382/83, auf Grund de» Bericht» der RechnungSkommtsfion.— Erste und event. zweite Beratbung der am 2. Juni d. I. zwischen dem Reich und Großbritannien adgeschkffenen Uebereintunft zum gegenseitigen Schutze der Rechte an Werten der Literatur und Kunst.— Erste und evmt. zweite Beralhung de» Gesetzentwurf», beK- die Errichtung eine» Seminar» für orimtaltsche Sprachen. Kriefkasten der Redaktion. « W an die Direktion de« Bürger- Rettung». Jnstttut». Borfitzenver derselben ist Herr Stadttath Schreiner. Verantwortlicher Redakteur St. Kronheim in Berlin. Druck und Verlag von Wtax Babing in Berlin SW., Beuthstrage 2.