Sr. 140 Sonnabeud, den 20. Juni 1880. III. Jahrg. ellimrWMIl. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Redaktion: Keathstraße 2.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. Jlbimnementft- Einkaäung. Zum btvorstehenden Quartals Iichscl erlauben wir uns, all« Ardetter Berlins zum Abonnemmt auf das „Kerliner Kolksvlatt" mit der Gratisbeilage „Illastrirtes Sonntagsblatt" einzuladen. Wer der Sache der Arbeiter dienen will, helfe ein Unter» nehmen befistigen, welches bestimmt ist, die Forderungen und Wünsche der Arbeiter zum AuSdruck zu bringen. Suche ein jeder von unseren bisherigen Anhängern, in -"..~------>.-—V m.»---... S.a 9WHn»r sSZÄMAKT sein Versprechen,'--------—« »•» V.•• amw—■------- den« Gesinnungsgenosse ---- hält. "t#>---- ....._,_ zu adonntren, auch wirllich hält. Unsererseits werdm wir bemüht sein, den Inhalt unseres Blattes immer reichhaltiger zu gestaltm. Da» „Kerlwer Uolksbtatt" lostet für da» ganze Vierteljabr trei in» tzauS 4 Mark, für den Monat Juli 1 Mark 35 Vf., pro Woche 85 Pf. 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Wen» man in der Schweiz da» Wort Referendum ge» braucht, so wird oft figürlich, indem man de« wichtigste» Theil statt de« Ganze» benennt, die Volksgesetzgebung— Ieuilreton. ■N*ni<, rlottm.]- Gi«e Mutter. Roman von Friedrich verftücker. (Fortsetzung) _«Du bist von Sinnen, Hubert!" rief George welcher Mitleid mit der Leidenschaft de« Freunde« fühlte..Reite «ach Hause und beruhig« Dich erst, dann»olle» wir Alle« besprechen; jetzt und in diesem Zustand kannst Du mich nicht beleidigen." Und damit lenkte er sei» Pferd ab und wollte de» Weg hin abreiten. „Kann ich Dich nicht beleidige», Kupplers' schrie in diesem Augenblick der fast außer fich Gerathene, indem er sei» schon überdie« halb wild gewordene« Thier mit den Spore» in mächtige» Sprünge»«ach vor« trieb, daß e« in wenige» Sätzen George'« Pferd eingeholt hatte..So»im« da« wenigsten» zum Loh» I' Und ehe e« George verhindern oder de« Schlag pariren konnte, hieb er ihm mit der fchwe« te» Reitpeitsche mit voller Kraft am Kinn herunter überdie «rust. George zügelte im Nu sei» Thier ein. Er war todten» bleich geworden; aber so bleich«ad starr sei» Antlitz war, so ruhig hielt er fich im Sattel, und wie Hubert sei» sprin» Sende« Thier nur erst einmal wieder gebändigt, sagte George wit eifiger Kälte: .Gott vergebe Dir Deine» Wahnfin«, ich kann et «icht, da« fordert Blut!« .Hab ich Dich endlich war« gemacht?' lachte der junge Traf höhnisch, und seinem Pferd die Zügel lassend, flog er wtt ihm im Karriere die Alle« entlang. Wie da« Glück wechselt. I« ihrem fteundliche» Boudoir saß Helene, scheinbar wit einer kleine» Arbeit beschäftigt' aber ihre Gedanken waren wett von da, und nicht einmal der Kinder achtete fie «ehr, die»eben ihr auf dem Teppich spielte» und au« die rein« Demokratie im Gegensatz zu der repräsentative«— darunter verstanden, und sowohl der Forme«, in denen fich diese«»«gestaltet hat, wie der Forme» de» Referendum selbst giebt es mannigfache. Z« einer Anzahl kleiner Kantone der Schweiz besteht «och wie vor Alters die LandSgemeinde. Alle Bürger ver« sammeln sich, gewöhnlich einmal im Zahr, zur Frühlingszeit, auf demselben Platze, und es erfolgen hier die Wahlen der LandeSbehörde» wie die Abstimmungen über die Gesetze«» Vorschläge. Durch Handmehr entscheide» die Männer des Landes über die Anträge, welche der Rath oder em Bürger oder eine Mehrhett von Bürgern gestellt hat. Zn anderen Kantone» dagegen und darunter in alle» größere» vollzieht fich die Gesetzgebung nicht so, wen» auch in ähnlicher Weise. Hier findet man da» Recht der Abbe» rufung, de» Veto« oder fakultativen Referendum», de« obli» gatoriichen Referendum« und der Initiative. E» kann ei» gewisser Bruchtheil de« Volke», wen» er mit der Thätigkeit de« RatheS nicht einverstanden ist, dessen Rücktritt verlange«, denselben abberufen;— e» kann ei» Bruchtheil der Bürger, wen« der Rath ei» Gesetz erlassen hat, gegen dasselbe Ein- spräche erhebe» und die Volksabstimmung verlange«, wa» man als Veto oder fakultattve« Referendum bezeichnet; oder e« muß jede« vom Rath« erlassene Gesetz erst vom Volke durch Abstimmung, die meist Urabstimmung ist, angenommen werden, um Giltigkeit zu habe«, wa» obligatorische» Refe» rendum heißt; endlich ist der Rath gehalten, auf den Wunsch eine« Bruchtheil» der Bürger ein auszuarbeiten oder er hat ein von einem Bruchtheil der Bürger selbst auSge» arbeitete» Gesetz der Volttabstimmung zu unterbreite«. Wähle»»ir al» Beispiel dm Kanton Zürich, so hat dieser auf da» Abberufungsrecht verzichtet und fich mit dem Veto nicht begnügt; seine Verfassung kennt da» obligatorische Referendum und die Znttiattve. Z» der Regel finde« im Frühjahr und im Herbst Volk«abstimmuagm statt, welche fich auf alle Aenderungm der Verfassung beziehe», ebenso auf alle Gesetze und Konkordate und auf die Beschlüsse de» Kavtonrath«, die eine einmalig« Ausgabe von 250 000 Franke» oder eins jährlich wiederkehrmde von 20 000 Frk». «öthig machen. Düse Einrichtung nennt man also da» obli» gatorische Referendum. Wünscht aber ein Bürger selbst oder mehrere den Erlaß, die Aenderuag oder Aufhebung eine» Gesetze», so könne» fie ihre» Wunsch in die Form einer Anregung oder eine» förmlichen Gesetzentwürfe» klei- dm und jene oder dieser muß nun zur Volksabstimmung Gebracht werden, sobald ei» Drittel der Mitglieder de» iathe» oder 5000 stimmfähige Bürger ihn unterMtzm. Dem Rath steht e» frei, zu gleicher Zeit dem Volke einm Gegmmtwurf vorzulegen. Diese« ist da» Recht der Zni» ttative. einem mächtigen Baukastm Schlösser aufzurichte» suchtm, um fie nachher von Günther» Bleisoldaten stürmen und der Erde gleich machen zu lassm. Und wie fie dann jubelten und lachte», wen« der stattliche Bau, de« fie schon wmigsten»«och einmal so hoch al» Ma» ma'« Fußbank aufgerichtet, polternd in sich zusammmstürzte und Heimchen dann mit dm kleinm Patschchen, vor Freude aufkreischmd, dazwischen herumstrich, damtt auch nicht ei» Stein auf dem andern blieb! Man sagt: Kinder zerstöre» gern; aber e» ist nicht wahr. Nur»mbildm wolle» fie, nur dem, wa» fie be- sitzm, eine andere Form und Gestalt gebm, und daß sie dabei leichtfinnig mit dem, wa» ihnen gegeben, umgehen und»ach der Zerstörung oft nicht wieder im Stande find, da» Geschehene ungeschehm zu mache»— ist e« ihre Schuld, und thu» wir große», erwachsmm Mensche» nicht so oft, o, so mtsetzlich oft im Lebe» gmau da»- selbe? Und die Mutter sah da» Alle« nicht, hörte nicht einmal dm Jubel der Lieblinge über eine vollbrachte dimi< nutwe Heldenthat, und leise ttopfte« dann und wann große, helle Thränm von ihrm Wangen nieder und auf die Arbett, daß fie da» Tuch zu Hilfe nehme« mußte, um nur wieder klar sehm zu könnm. Geräuschlo» war Felix eingetretm, aber kaum hatte« ihn die Kinder bemerkt, al» fie aufsprangm und fich jubelnd an seine Knie hinge»; er konnte fich ihrer kaum erwehrm, und die Mutter wischte indessen rasch und ver- stöhlen die verrätherischm Tropfe« weg, daß de, Gatte fie nrcht sehm sollte. .Helene," sagte Felix und schlang leise seinm Arm um fie,.mein liebe«,'liebe« Frauchen, immer«och die trübm, traurige« Gedankm?" .Ach, Felix." smfzte die junge Frau,.soll ich fröhlich sei«, wen» ich an da» Schicksal der arme» Paula dmke?" .E» ist unerklärlich,' rief Graf Roitack, indem er fie losließ und zum Fenster trat,„rein unerklärlich, wie da» schme, schüchterne Wesen nicht allein zu diesem Entschlüsse, «ein, zu der Ausführung desselbm gelangte, dm» hätte mir Jemand vorher gesagt, daß gerade Paula so selbstständig, Wen» nun aber die vier bezeichneten Rechte fich nicht beisammevfiadm und manche Kantone AbberufuagSrecht und Initiative nicht btfitzen oder nur da» fakultative und nicht da« obligatorische Referendum(ein einziger Kanton, Frei- bürg besitzt weder da» Eine noch da» Andere) so ist doch in allen Kanton« Verfassungen, entsprechend einer Bestimmung der schweizerischen Bundesverfassung, festgesetzt, daß über Verfassung«-(nicht bloße Ges.tze») Frage» stet« da» Volk und nicht die Räthe der Kantone allein zu mtscheidm haben, also eine Kantoneverfassung nur dann zu Recht bestehe, wen» fich die absolute Mehrheit der Bürger für dieselbe ausgesprochen habe. Ja alle» Kantone» besteht mithin, so- zusagen al» Minimum der Volksgesetzgebung, da» obliga- torische VerfassungSreferendum. Und diese« besteht gleicher Weise im schweizerische« Ge- sammtstaate: Acnderungea der Bundesverfassung bedürfe» jedesmal der Zustimmung de« Volke» und, weil der Sraat ein Bundesstaat, zugleich auch der Zustimmung der.Stände" oder Kantone, da» heißt der Mehrheit der Stimmfähige« nicht nur im ganze« Lande, sondern auch in mehr al» der Hälfte der Kantone selbst. Mit Bezug auf die VerfassungSäademngm ist e» ferner Bundesrecht, daß 50 000 Schweizerbürger eine solche ver» langen können; nur herrscht Streit über die Frage, ob fie wie eine Gesammtrevifion der Verfassung so auch diejenige eine» einzelne« Abschnitte» oder Artikel« derselbm zu ver- langen berechtigt seien, und die Bundesversammlung, welche die Bundesverfassung auslegt, hat einmal dahin entschieden, e« beziehe sich diese« Recht der VerfassungSinttiative nur auf Total-, nicht auf Partialrevisionm. Wa» sodann die Gesetzgebung de» Bunde» anbetrifft, welche mehr und mehr gegmüber der kantonale» in dm Vordergrund tritt, so ist destimmt, daß Bundesgesetze F___!_.**______!.---- JE. m----«--- r r,...P*..".-- u u--------- II--- f• V— WV»\J\J\J oder die Vertretungen von 8 Kantone« icrnach kennt der Bund auch da» fakultative Gesetze»- und BeschlusseSrefermdum. Wa» hivsichtlich de« letztere« der Vorbehalt sage» will, daß nur die Beschlüsse, die all« gemein verbindlich seien, dem Veto de» Volke» unterstellt werde» müssen, so hat ma» über dmseldm verschiedene Ansichte» geäußert; ich beschränke mich, darauf hin- zuweisen, daß die Volksvertretung in der Lage ,st, diese Formel und ebmso diejenige der Dringlichkeit in ihrem Sinne auszulegen, wen» fie dem Volttmtscheide einm BuadeSbeschluß nicht vorlegm will, und füge hinzu, daß auch die Grenzm zwischen einem Gesetze und einem Beschlüsse, wobei der letztere Begriff mehr eine so rücksichtslos selbststäadig�aufttete» könne, ich würde ihn für thöricht erklärt haben.' „Und ist e» bestätigt, daß jfie mit jenem Schauspieler mtflohm ist?" „Da» Gerücht in der ganzen Stadt sagt allerdings Ja, und e» bleibt un» beinahe nicht« Andere« zu glaube» übrig, al» ihm beizustimme«. Handor ist gester» Abend, etwa zu der nämliche» Zeit verschwunden, so daß ein junger An» fänger im Theater seine Rolle übernehmen mußte, und leider lautet da«, wa« ich über jmm Handor heute Morgen in der Stadt hörte, trostlo« genug für Paula'« künfltge» LebmSglück." „Arme, arme Paula!" „Daß fich die Elten» versöhne« ließen, daran ist «un vollend« kein Gedanke,' fuhr Fel'x fort,„und ich fürchte, ich fürchte, da« unglückliche junge Mädchm hat einem leichtsinnigen, gewissmlose« Mmschm ihre ganze Zukunft anvertraut I" .Und kann dm» gar nicht» geschehm, um fie zu rettm?" .E» ist die Frage," sagte Felix ernst,„ob ihr Vater unter dem ersten Eindruck dieser tödtliche» Kränkung auch nur de« Versuch dazu machm wird, und nachher— ist e» zu spät.— Aber wer ist da«? George Monford— großer Gott, wie todtmbleich er aussteht l' Es war in der That George, der in diesem Augenblick vor dem Gartenthor abstieg, und sein Pferd am Zügel in die innere Emfriedigung hineinziehen wollte. Felix sandte augenblicklich eine» Diener hi-au», um e» ihm abzu» nehme«, und wenige Minutm später betrat der junge Graf da» Zimmer, in welchem die beide» Gatten fich be- fandm. Beide begrüßte» ihn auf da» herzlichste. George selber war aber so bewegt, daß er anfang» gar nicht im Stande schim, ihre freundlichm Worte zu erwidern. Endlich sagte er leise: „Wa» müssen Sie von mir dmkm, wm» ich schon wieder mr einer Bitte«abe, die aber diese» Mal freilich keinen heitern Scherz betrifft!" „Lieber Graf," sagte Rottack herzlich,„Sie wiffm, wie AuSführuvglmaßregel bedeutet, nicht scharf genug gezogen find. Bei de» weitau» weiften Gesetze« übrigen» ist e« unmöglich, jene Klausel» anzuwenden; ihre ganze Beschoffenheit sagt, daß fie dem Referendum zu unter- stelle» find. Da« Wort Referendum stammt wohl au» de» Tage« de» schweizerischen SiaatendundeS her, da auf der Tagiatzung die Vertreter der Kantone ihre Beschlüffe ad referendnm nahmen,— erklärten, daß fie erst ihre Rüth- oder ihr Vork über diiselb'N b»fragen wollen, vom Veto aber sprechen wir, weil der Abg ordnete, der c« zuerst, im Jahre 1831, der Verfossung de» Kanion» St. Galle» einverleibte, hierbei, wie er selbst bemerkt an, an da» Veto der römischen Volk»» tribunev dachte. Verdichte» wir diese ganze Auseinandersetzung in eine kurze Formel, so könne» wir sagen, die Volttgesetziebung in der Schweiz, in Bund und Kantonen, bestehe darin, daß nur da» Volk, nicht die Rärhe, die Verfassung aufstellen und abändern kann und daß alle wichtigen Gesetze der au»drück- lichen oder stillschweigende« Zustimmung der Volksmehrheit benöihigen. Roch ist e» nicht lange her, seit da» Referendum und die übrigen Formen der VolkSgesetzgebuag in der Schweiz eine so allgemeine Herrschast erlanat haben. Vor dem Jahre 1860 kannte fast die Hälfte der schweizerische» Bürger die rein demokratischen Forme» nicht, sondern nur repräsentative — die RathSoersammlungen— und auch zur Stunde finden jene Widerspruch, obwohl fie schon so fest gegründet find, daß fie nicht mehr erschüttert werden könne». Selten auch geht eine schweizer, sche Volksabstimmung mit verwerfendem Entscheide vorüber, ohne daß dieselbe in manchen Preß. organea de» Auslande» Gegenstand der Schelte würde. Man schildert dann gemeiniglich da» Referendum als eine poli- tische Sonnenfivsterniß, bei welcher die llawissenheit de» Volke» die Sonne der Repräsentation verdunkle, bezeichnet die W rkuvge« so demokratischer Einrichtungen als verderbe liche und findet in ihnen einen Beweis dafür, daß alle De« mokratie im Grund« nur Demagogie sei und zur Ochlo- kratie, zur Pöbelherrschast führe. Da« Urtheil würde nicht so hart ausfalle», wen» diese Pesfimisten zusähe», wie würdig fich die Abstlmmunge» meist vollziehen und wie selbstver- {ländlich e» die geschlagene Minderheit stet« findet, den Eot» cheid der Mehrheit ruhig hinzunehmen. Weshalb aber ei» Volk immer leicht dem Tadel verfällt, da» hat un« schon ein Altmeister der politischen Wissenschaft, Macchiavelli, mit seiner feine» Beobachtung gelehrt:.Die ungünstige Met» «uvg gegen die Völker entsteht daraus, daß Jeder frei und ohne Scheu ihnen Ueble« nachsage» kann, selbst während fie regiere», von de« Fürsten hingegen immer voll Furcht und mit lausend Rückstchten gesprochen wird." Wa« in diese» Worte» von de» Fürsten gesogt ist, da» beanspruchen gegenüber den Völker« die VolkSrepräsentante» als ihr Vorrecht._ Wer dir Sizialilrmkrutir w den staiiilwmischm Moders schreibt man der«Magded. Ztg." au» Stockholm: Di« Sozialdemokratie gewinnt in den skandinavischen Län» dern mehr und mehr an Boden; fie ist von Deutschland nach Dänemark verpflanzt worden und hat nun in den letzten Jahren auch in Schweden und Norwegen Eingang gefunden. In Dänemark trat schon zu Anfang der fiedziger Jahre eine so,ial> demokratische Bewegung zu Tage, die jedoch erst größeren Um- fang annahm, al» Ende der siebziger Jahre der VerfassungS. kämpf zwiicken der opposttionellen Majorität deS FolkethingS und dem Ministerium Eftrup eine ernstere Gestalt annahm. Zu ihrem eigenen groben Nachtheil verbündete fich dann vor zwei Jahren bei der Neuwahl des Folkethingi die liberale und vemokratische Majorität dei letzteren mit der Sozialdemokratie, um der Regierungspartei einige haupistädtische Mandate zu entreißen. In Folge dieses Wahlbündnisse» erlangte die Sozialdemokratie zwei Foltd hingt fitze. Abgesehen aber hiervon bewirkte dieser Erfolg, daß die sozialdemokratische Agitation von der Hauptstadt Kopenhagen und einigen größeren Provinzstädten, wie AarhuS, Ränder» u. s. w., in die ländliche Bevölkerung getragen wurde. Letztere stand auch in ihren unteren breiten Schichten zur Bauerndemokratie, aber eS steht zu erwarten, daß bri der nächsten Neuwahl de» FolkethingS, 1887, die Sozialdemokratie auch in den Lefitz einiger länd- licher Mandate gelangen wird, und wenn e« ihr gelingt, die ländlichen Arbeiter und Kleingrundbesttzer für ihre Politik zu willkommen Sie un» immer waren, nie aber mehr, als ge« rade jetzt, wen« Sie un« Hoffnung mache», daß wir Ihne» m Ihrem Schmerze beistehen können!" George erwiderte kein Wort, aber er preßte fest die Hand, die er in der seinige« hielt. Sie wurden gestört, den« die Bonne kam herein, um die Kinder abzuholen, und Helenchen wollte nicht mitgehe«, weil Günther«och eine» kleinen Thurm aufgebaut hatte, den sie vorher umwerfe« mußte. Der Vater ließ fie gewähre», und indeß fie da» Zimmer verließe«, hatte George auch seine voll« Ruhe wieder gewonnen.— Kau« schloß sich die Thür hinter ihnen, al» er leise sagte: „Sie wissen Alle», wa» gester« vorgefalle», und in so fern ist e» mir eine Erleichterung, daß ich da» Entsetzliche nicht zu wiederhole» brauche. Wohin sich Paula gewandt, ist unbestimmt, nur die Richtung, welche dir Wagen letzte Nacht genommen haben muß, oder ww würde» ihn sicher überholt habe«, macht«» wahrscheinlich, daß fie»ach dem Rhein zu geflohen. Wer aber soll sie dort in jetziger Zeit, wo Tausende von Fremden auf und ab schwärmen, ver> folgen? Trotzdem hatte ich die Abficht, die Reese heute Abend ar zutrete»; e« ist aber mö glich, daß ich daran ver- hmdert werde, und in diesem Falle möchte ich Sie recht dringend bitten, Ihre Bemühungen mit de« meinige« zu verewigen." „0, so gern, so gern," rief Helene,.wen» wir nur eine Andeuwvg bekommen könne»,»ach welcher Himmel«- gegend da» unglücklich« Kind entflohen!" .Wohl ist fie ein unglückliche» Kind," sagte George ernst,.denn ich fürchte, fie gerieth in schlimme Hände; aber das zu bedenken ist jetzt zu spät, und nur de» Versuch müsse« wir noch mache», sie zu retten, ehe fie ganz ver« loren geht." „Und wa» sage» Ihre Eltern?" „Von denen ist nicht« zu hoffen," seufzt« George. .Die Mutter ist unerbittlich, und nur de» Vater könnte ich vielleicht noch gewinne«, wenn nicht ei» anderes Hwderniß dazwischen träte. Paula war immer de» Vaters Liebling, mit seiner ganzen Seele hing er an der Schwester; deshalb traf ihn auch- gestern die Schreckenskunde gewinnen, dann hat e» mit der polittschen Führerschaft der Bauerndemokiatie auf dem platten Lande ein Ende.— In der dänischen Hauptstadt hat schon jetztdie Sozialdemokratie entschieden die Oberhand; fie ist dort stärker al» alle übrigen Parteien zusammengenommen. Der jetzt in N o r w e g e n am Ruder stehende politische Radikalismus kann fich rühmen, der Bahnbrecher der Sozial- demokratie zu fein. In Norwegen ist da» bestehende politische Stimmrecht der Sozialdemokratie wmig günstig, obgleich es eist vor zwei Jahren erweitert worden ist. So eilig ei indessen Sverdrup damals, gleich nachdem er an die Spitze der yorwe- gischen Regierung berufen worden war, mit der Erweiterung deS Stimmrechts hatte, so wenig ist er jetzt geneigt, den auf die Einführung deS allgemeinen Stimmrecht» gerichteten ve- stredungen zu entsprechen. Die darauf bezüglichen Anträge im Storthing find jüngst von ihm und seinen Anhängern mit der Bemerkung abgelehnt worden, daß e» fich empfehle, nach dieser Richtung hin vorfichtig vorzugehen. Die im Jahre 1884 erfolgte Erweiterung deS Stimmrecht» nach unten ist nämlich fast ausschließlich der Sozialdemokratie zu gute gekom« men, und diese macht kein Hehl daraus, daß ihr da» jetzige Regiment w Norwegen eben so unsympathisch ist wie da» flühere. Die Ultras im Storthing wollen indessen die Ein- führung des allgemeinen Stimmrechts an die Spitze ihres Parteiprogramms setzen, und e» ist nicht unwahrscheinlich, daß fie, unterstützt von der Sozialdemokratie, in der nächsten Wahl« kampagne mit ihrer Forderung durchdringen und stark genug werden, um diese im Storthing mit oder wider W'.llen Sver- drup'» durchzusetzen. Dann wird auch die Sozialdemokratie, die gegenwärtig in Norwegen erst geringen Einfluß defitzt, wenngleich fie zahlreich genug ist, emporkommen. Bedeutend an Umfang gewinnt neuer dingt die Sozialde- mokratie auch in Schweden; die Bewegung wird sowohl von Deutschland wie von Dänemark au» unterstützt, und«» find bereit» in verschiedenen Orten de» Lande» sozialdemo- kratische Vereine begründet worden. Bither glaubte man die Bewegung übersehen zu können, aber jetzt beginnt fie in Regierungikreisen Bedenken zu erregen. Zur Förderung der diessettigen sozialdemokratischen Bestrebun- gen drent ganz besonder» daS seldstiüchttge Gebahren de» in der zweiten Kammer herrschenden Bauernstandes. Nachdem e» diesem im vergangenen Jahre gelungen ist, fich eine« TheileS der auf dem ländlichen GrunSdefiy lastenden Steuern auf Kosten aller übriaen VevölkcrunaSklaffen zu entledigen, werden jetzt von seinen Vertretern im Verein mit denen des Groß- grunddesttzes Schutzzölle auf landwirthschastliche Produkte(Ge- treide u. s. w.) verlangt, obgleich unser Land nicht entfernt den eigenen Bedarf an Brotkorn(Roggen und Weizen) hervor« dringt. Daß hauptsächlich die unteren Volktkwffen fich gegen die vorgeschlagenen und in jüngster ReichStagSsesfion mit nur ganz geringer Majorität abgelehnten G-treidezölle erheben, ist begreiflich, und nicht minder degreifl ch ist eS, daß die Ge- treide- und LebenSmsttelzoll-Bestrebungm fördernd auf die sozialdemokratische Bewegung zurückwirken. Politische Ueberficht. Herr Dr. Mtquel,»mmerhin eine politische Kapazität, bat in einer natiovalliberalen Versammlung zu Kassel eine Rede gehalten, in der ein demerkerswerther Passu» vorkommt. Er meinte, daß die Zukunft größere und schwierige Aufgaden stellen wnde, alS die bisherigen; die Aufgaden der Zukunft seien weniger der Lösung politischer oder kirchlicher Frag-n, al» der sozialen gewidmet. Dieser Ausspruch ist zwar nicht neu doch in soweit dezeichnend, weil ihn der Exkommuntst Miguel gethan hat, der denn auch in Erinnerung jetner frühe- ren Anschauungen hinzufügte, daß t» gelte, soziale Reformen durchzuführen, welche eine gerechrere Vertheilung der Güter und eine gerechte Befriedigung der nach Emanzi- patwn strebenden Klaffen zur Grundlage haben müßten. Diese großen materiellen Fragen würden für die Folge zu Scheidung punkten für die Parteien werden, während alle anderen Fraftiontintereffen in den Hintergrund treten. Nur d t e Partei werde leben bleiben, die jung bleibt, die vorwärts schreite, nicht aber diejenige, welche dm altm hergebrachtm Ideen stet» weiier nachginge.— Da» find gewiß goldene Worte — aber an völlia unrichtigem Platze gesprochen. Gerade die nationalliberale Partei ist alt geblieben, fie schreitet nicht vor- wärt». Fast sollte man aber meinen, die früherm treibenden Ideen ieien in Dr. M'guel wieder jung geworden, der noch im Jahre 1875 im Reich» läge zu einem Sozialdemokraten sagte:„Ich leugne garnicht, daß Euch dieZu- kunft gehört!" »Geeiguete Maßregel» gegen die agitatorische Thätigkett der Kachveretue" sollte etne Kommission von Kottduser Meistern durch persönliche Vorstellung bei der Re- gierung in Frankfurt beantiagen. Ueder den Erfolg dieser Bemühungen ist bisher nicht» Nähere» in Erfahrung zu bringm gewesen, wir bezweifeln aber nicht, daß der Regicrungspräfident bi» an die Grenze de» Möglichen den Wünschen der Unter- mtt so furchtbarer Schärfe, daß wir schon da» Schlimmste fürchtete». Er war garz außer fich und phaatasirte mit offenen Auge». Heute hat er fich erholt; er scheint die Nacht ruhig geschlafen zu haben, und war heute Morgen, al» ich da« Schloß verließ, schon auf und am Fenster. Armer alter Mann, und wa» steht ihm vielleicht«och bevor!" „Geben Sie die Hoffnung noch nicht auf," rief Helene bewegt,„Gott kann«och Alle» zum Besten lenken I" .Ja," sagte George leise,.aber bi» dahin müsse« wir thun, wa» in unseren Kräften steht. Ich weiß nicht, woher es kommt," fuhr er nach einer kurzen Pause bewegt fort, „aber zu Ihne«, Frau Gräfin, und zu Ihrem Gatten habe ich mich vom ersten Moment hingezogen gefühlt, habe Ver- träum zu Ihnen gefaßt, und e« war mir wunderbarer Weise immer, als ob wir un» eigentlich gar nicht so fremd, al» ob wir schon lange mtt einander bekannt, befreundet gewesen wären. Da» gab mir damal« dm Muth, sogleich ohne Wettere» zu Jham zu kommm und Sie um Beistand in einer Sache zu bttte«, die jetzt fteilich ander» geendet hat, al« ich damal« dachte. Jhnm, Frau Gräfin, empfehle ich jetzt auch meine Paula. Ich weiß, mit«elcher Lieb« die Schwester, der ei genau so ging, an Jhnm hing, wie oft sie in der kurzm Zett von Ihnen sprach. Seim Sie Ihr eine Schwester, wmn ich— vielleicht verhindert werde« sollte, da« au«zuführm, wa« ich heute begonnen." .Hier habe« Sie meine Hand darauf," sagt« Helme, während fich ihre Auge» mit Thrävm füllten;„wir werden ste wieder findm, und wa» treue Liebe vermag, st« zu trösten, ihr zu helfm, soll gewiß geschehm." .Ich danke Jhnm," sagt- Georg« gerührt;„ich war davon überzeugt,«he ich zu Jhnm kam, und j.tzt gehe ich fröhlicher an meine Arbeit, da ich weiß, daß ich meine arme Paula nicht fremd, nicht hilflos ihrem Geschick begegne» sehe. Sie haben mir«ine schwere Last von der Seele ge» nommm." „Aber wollm Sie dm» fort von hier?" „Wahrscheinlich auf eine kurze Zett,«» ist wmigstmS möglich, und da ich rasch abgerufen werden könnt«, wollte ich doch nicht» versäumt haben. Ich komme auch eben vom nehmer mtsprechm wird. Wir arbeiten doch nur für Sie l— sagte ein preußischer Minister zu einer Versammlung von Großkapitalisten in Berlin. Der Prästdmt draußen in der Provinz wird e« nicht wagen, ander» zu handeln. Auf dem Rheiuische« Haudwerkertag in Krefeld bat da» Z e n t r u m, in Gestalt seiner beiden Abgeordneten Pleß und Hitze, abermals den zünstlerischen Meistern nach Kräften Honig um dm Mund gestrichen. Beide Abgeordnete ließen fich die Gelegenheit nicht entgehen, elfterer seine eigmen und letzterer die Verdienste der Zentrumspartet anzupreisen, welcher von dem Schriftführer deS Bundes der Vorwurf derUnthätig« kett und Läsfigkett gemacht worden war. Schön war etne kleine Eifersuchtsszene zwischen den bei dm Herren, wessen Verdienste die größeren seien, die de» Herrn Pleß oder der Zentrums- partei al» solcher. Hitze entschied den Streit, indem er erklärte, daß, wmn Herr Pleß nicht im Landtage gewesm wäre, dann stcher ein andere« Mitglied der Frattion(natürlich Herr Hitze) für die Handwerker fache eingetreten sein würde. In Wahihett denken die etnficht« vollen rheinischen Mitali-der der ZmtrumS- partei gar nicht daran, den Herren dei HandwerlerbundeS zur Einführung von ZwangSinnungm zu verhelfen, wa» der frühere Wortführer des Bunde», Faßhauer, sehr wohl herausgefühlt hatte, weShalb er ja auch auf den Bruch mit dem Zentrum loiardeitete. Eine Ausnahme machen die genannten zwei Ad- geordneten» von dmen Hitze'» soziale Weisheit ebenso bekannt ist, wie die Geneigthett des Zentrum», Herrn Pleß von den Rockschößen zu schütteln. UebrigenS scheint e» der Beredtsam- keit deS Herrn Hitze gelungen zu sein, die ZwangStnnung«. apostel mit dem Zentrum wieder auszusöhnen. Die Politik ist den Herren nun einmal an« Her, gewachsen, und weil fie in dm Innungen nicht poliiistren dürfen, suchm fie die An« lrhnung an diejenige politische Partei, die ihnen für ihre Wahl« Unterstützung den höchsten Wechsel ausstellt. Und da die Herren, welche für da» Zentrum in diesen Versammlungen daS Wort zu nehmm pflegen, nicht die Bevollmächtigten der Partei find, hat e« für diese wegen der Wahlverbindlichkeit ja keine Roth. Petitionen an de««eichttag. Dem Reichstag ist soeben kurz vor Schluß der Sesston noch ein PetionSoerzeichniß, und zwar da» 16. der laufenden Sesston zugegangen. Das« selbe enthält 1209 Nummern, von denen der Löwenantheil wie in den letzten Lerz ichniffm auf die Petitionen zur B rannt- w e i n st e u e r- Vorlage enttällt. Di« zweite Rolle in dem Verzeichniß nehmm wieder die W o l l z ü l l e ein. Die sonsti- gen Petitionen, z. B- um Einschränkung de» HaustrhandelS, für oder gegen den Befähigungsnachweis u. s. w. beanspruchen nur wenige Nummern. Ein Menschenfreund, Namen» Becker. deantragt, den Branntwein im öffmtlichm Interesse alS Getränk ganz zu verbieten. Der Militärdienst der Lehrer. Au« Sachsen. 23. Juni, schreibt man der„Voss. Ztg.": Die militärische Dienstpflicht der VolkSschullehrer anlangend, ist kürzlich eine Verfügung er- lassen worden, nach welcher die bisher übliche 6wöchentliche Ausbildung der Volks schullehrer keineswegs als ein den Leb- rern zug-standene» Vorrecht aufzufaffm ist, eS wird vielmehr in jmer Verordnung hervorgehoben, daß die erwähnte Ver« günstigung lediglich durch den bisherigen Leh» rermangel begründet gewesen sei. Allen an Prioatan« stalten angestellten Volktschullehrern soll in Folge dessen diese» Vorrecht kün-tig nicht mehr eingeräumt werden. Militärische Ttnael- Tangel- Lieder. Der„Freim Presse für Berg und Marl" zu E berfeld, die fich nunmehr „Freie Presse für Rheinland und Westfalen" nennt, wird viel- fach seitens der Wirthe bestätigt, daß von verschiedenen Polizei« organm jener Gegend die Ertheilung der Erlaubniß zur Ver« anstaltung von Konzerten(Tingel Tangel- Vorstellungen) von dem Zugeständnisse der betreffenden Wirrhe abhängig gemacht werde, daß, namentlich von den fingenden„Schönm, da» Soldatenleben verherrlichende Lieder zum Vortrage gebracht werden. In Folge deffm giebtS ein ganzes Repertoir von militärischen Tingel-Tangel- Liedern, die unfehlbar in jedem derartigen„Konzerte� etliche Male her- geleiert werden— zur Ohrenqual aller Zerstreuung suchender und dafür mit solchem Blövstnn regalirter Leute.— Das ge- nannte Blatt hat auch diese Erfahrung gelegentlich der kürzlich stattgehabten„Kirmeß" zu Barmen gehabt und stellt nun die Frage, ob auch die Barmer Polizeioerwaltung derartige Kon- zesstonSbedtngungen gemacht habe.— Man kann auf die Ant- wort mit Recht neugierig sein. Zum Zollanschluß i« Bremen. Nachdem Bremm an» Zollgebiet angeschloffen ist, werden die bremischen Grenzzoll- ämter sämmtlich aufgelöst und auch da» preußische Sebalds« brück. Dafür soll ein Hauptsteueramt in Verden«richtet werden. Polnische». Die Errichtung von FortbtldungS« schulen ist nach dem neum Gesetz in allen polnischen Lan« deStheilm angeordnet worden und zwar auf Grund besond«m OrtSstatut» in Gemäßhett d«§§ 120 und 142 d« Gewerdeordnung. Im Falle ein solche« OrtSstatut nicht zu Stande kommt, ist die Regierung bekanntlich durch da» neue Gesetz er- Telegraphmamte, wo ich in jmer Richtung an vier verschiedene Freunde in verschiedeum Orte» telegraphirt habe. Für dm Fall aber, daß ich nicht hier sei» sollte, gab ich Ihre Adresse auf; Sie sehen, Frau Gräfin, wie fest ich auf Ihre Güte rechnete." „Aber Paula wird doch gewiß unmittelbar an ihre Elter» schreiben," sagte Felix. „Ich glaube e» auch, aber ich fürchte, meine Mutter nimmt, in der erste» Zett wmiasteas, keine Briefe von ihr an, und der Vater ist so leidend, daß ich nicht auf ih» rechne» kann." „Großer Gott," smfzte Helme,„welche» Un« heil kann ei» einziger schlechter Ämsch über eine glück- liche Familie bringm, und wie furchtbar schnell fiel der � furchtbar schnell," wiederholte George leise und fast tonlos die Worte,„ganz furchtbar schnell, und wir war«» so glücklich, so ahnungslos glücklich! Aber e» hat vich' sein sollm," fuhr er plötzlich mtt fester Stimme und fich wieder hoch aufrichtmd fort,„und da e« einmal i* schehm, müssen wir de« Schicksal trotzig die Stirn bieten." „Sie wollen schon fort?" „Ja, ich habe heute Morgm noch viel zu thun." „Sie find ganz blutig am Kinn, Traf George." „Noch ei» Aadmkm dieser Nachi," sagte Georgs, währmd ihm da» Blut in die Schläfe stieg,„ich hatte einen wilde« Ritt. So leben Sie wohl, Graf, lebm Sie wohs' Frau Gräfin, Gott schütze Sie und lohne Jhnm, wa» Sie an meiner Schwester thun I", Er drückt« Beide» die Hand, wandte fich rasch a- und verließ da» Hau», um draußm sew Pferd wieder J» besteige«.---- I» der nämlichm Zett, in welcher George Monforb Rottack« besuchte, schritt Rebe an Jeremia»' Seite Pfiff»' Wohnung»u, und wie leicht und wie glücklich schlug'9 dabei da» Herz!.. Noch hatte er nicht alle Schwierigkettm besiegt, � wußte er recht gut, ja, eigentlich war nur der erste fotfieloffe Möns, mächtiift, auch ohne ein solches die Errichtung tiner FmtdU« dungSschule anzuordnen. Die Stetchttagswahl für den fünften württemtergischen Wahlkreis(Eßlingen, Kirchheim, Nürtingen, Urach) ist auf den 29. Fuli teftgcsetzt. I« Pwueberg wurde bei der Ersatzwahl der Rechts anwaU PeterS in Kiel(nat.-lib.) in das Abgeordnetenhaus gemSbkt. »erboteue Versammlung iu Frankfurt a. M. Die auf Donnerstag, den 24. d. Mti., anberaumte öffentliche Maurerversammlung mit der Tagesordnung:„Der Einfluß der modernen Produvionsweise auf die Ardeitigrschicklichtett (Referent H-rr Karl Frohme)" wurde auf Grund des Sozialisten gesetzes§ 9 Abs. 2 untersagt. Schweiz. Nach dem Vorschlage des Bunvesratht soll die Haft« Pflicht in ihrem ganzen Umfange auf folgende Gewerbe aus« gedehnt worden: 1. Auf Gewerbe, in welchen explodirbare Stoffe gewerbsmäßig erzeugt oder verwendet werden; 2. auf nachstehend verzeichnete Gewerbe, sowest fie nicht unter das de« stehende Gesetz fallen, wenn der Gewerbeunternehmer in der Regel mehr als fünf Arbeiter beschäftigt:») Eisenbahn«, Tunnel«, Straßen- und Brückenbau, Wafferbau. He.stellung von Tele« gravhen« und Tele pbonlettun gen; b) Aufstellen und Abbrechen von Maschinen und Installationen; c) Bauhandwcrk, inbegriffen Werkstätten und Plätze, welche mtt demstlden im Zusammen« bange stehen; d) Steinbrüche, Gruben, Bergwerke(präziser« Redaftion vorbehalten); e) wird gestrichen, weil in Ut. a „Wafferbau" beigefügt wurde;(Ut. f„Fuhrwerk, Fahr und Postverkebr" an die Kommiifion zurückgewiesen); g) auf die zu einer Fabrik gehörenden offenen Räumlichkeiten. Belgien« Soeben ist der amtliche vericht pro 1885 über die Border Kohlenarbeiter des Kohlenbassin !onS, deS bedeutendsten Belgiens, zu dem auch der Borr« nage gehört, ausgegeben worden. Er giedt ein intereffantei Bild über die Lag« der dortigen Kohlenarb.iter. wie über die Krifis und den Niedergang der belgischen Kohlenindustrie. Neunzehn große Kohlenwerkgesellschaften gehören, nach der «Voff. Ztg.", zur obigen Kaffe. Diese 19 Werke haben 1885 beschäftigt 25 535 Arbeiter; sie haben diesen für 7444237 Ar« beiistage 19 828 018 Frank» Arbeitslöhne gezahlt. Vergleicht man diese Zahlm mit denen dei amtlichen Bericht» pro 1884, so ergiebt fich das überraschende Resultat, daß diese Werke t m Fahre 1885 2145 Arbeiter weniger beschäftigt haben, daß die Arbeitstage um 879 301 weniger waren und daß an Löhnen 4 349 407 Franks weniger als 1884 gezahlt worden find. Diese verminderte Lohnzahlung entspricht aber nicht nur der geringeren Zahl der Ardeiter, sondern ist auch dadurch herbeigeführt worden, daß man die Löhne herunter- gesetzt hat. Die Reduktion der Löhne ist im Basstn Möns eine ganz konstante. Der mittlere Durchschnittslohn beträgt nach dietem amtlichen Bericht pro 1885 2 66 Franks. Er betrug 1883 5,04 Franks. 1884 2 90 Franks.(!) Die«lagen der Arbeiter find also gewiß nicht unbegründet. Die Kohlengesell- schasten haben übrigens selbst in den Fahren, in denen die fettesten Dividenden oertheitt wurden, fich dadurch ausgezeichnet, daß fie die niedrigsten Löhne zahlten! Und diese» fortdauernde Drücken d:r Löhne hat zn den tetzigen Zuständen geführt. Er- wähncnSwerth ist noch, daß 1885 76 Koblcnard-.itcr verunglückt find: 34 wurden getödtet, 42 lebensgefährlich verwundet; für diese trttt nur die Kaffe ein, daher fehlt der Nach weit der leichteren Verwundungen. Da» Ministerium läßt jetzt offiziös erklären, daß eS trotz alle» Drängen» der Heißsporne, den vor Kurzem errungenen Wahlfieg auszunutzen, streng seine bisherige gemäßigte Politik verfolgen wird; jede» Abweichen würde nur die Liberalen zur Herrschaft kommen laffen. H o l l a» d. Au» dem Haag wird derichtet, daß eine demnächstige De- misftonirung des Kabinett Heemskerk zu erwarten steh«, da die ictzigc liberale Kammerwajorttät zur Durchführung der Ver- laffungsreoifion«in entschieden libtrales Kadinet erheische. Eine Bestätigung dieser Nachricht dürste abzuwarten sein. Fraurreich. Die Abreise der Prinzen aus Frankreich ist nicht ohne monarchistische Kundgebungen vor fich gegangen. Be> sonders Prinz Viktor Napoleon hat es fich nicht nehmen laffen, vor seiner Abreise nach Brüffel, wo er am Mittwoch Abend 11'/« Uhr eintras und im Hotel„Bellevue" abstieg, eine Lanze für daS bonapartistifche Kaiserreich zu drechen. Bei dem Empfange, welchen er vor seiner Abreise in Paris abhielt, und zu welchem zahlreiche hervonagende Per- sönlichketten der donapartisiischen Partei erschienen waren, hielt er eine Ansprache, in welche: er sagte, man möge von seiner Seite keine etteln Proteste gegen die BuSweisungSbescdlüffe er- «arten; das ftanzöfische Volk habe schon öfter den Verbann« ten die Thore wieder geöffnet. Er bleibe der Repräsentant des Kaiserreich», wie es die Napoleon» geschaffen hätten, er auf seiner Bah» getha»; e« war ihm doch gestattet wor- den, in die Arena einzutreten, und seiner eigenen Kraft anhnmgestellt, de« Sieg zu erringe», und mehr verlangte er ja nicht, mehr hatte er nie verlangt. Was jetzt auch komme« mochte, er konnte doch erprobe«, ob er wirk« lich im Stande sei, eine ehrenvolle Stellung aus» zufülle», und dann, wen« da« nicht möglich war, mit dem Bewußtsein zurücktrete», sein AeußersteS versucht zu habe». Gelang es ihm aber, blieb er Sieger, dann war auch sein heißester Seelenwunsch erfüllt, da« Ziel seines ganzen Etteben« erreicht, uad er sah eine Laufbahn vor fich, deren Lasten und Mühen selbst nur so viel Genüffe für ihn wäre«, weil eben seine ganze Seele daran hing, sei« ganze« Strebe« dem gewidmet war. Und wie lieb«nd freundlich wurde er oben im Hause von Allen empfangen! Wie hold enöthend trat ihm He». nette entgegen, unv wie ganz verändert war selbst der sonst tonnet mürrische und verdrießliche Fürchtegott Pfeffer gegen ihn geworden! � „Rebe," sagte er, sowie dieser nur das Zimmer bettat, indem er ihn bei einem Knopf erwischte,„Sie sind ei« ver- fluchte, Kerl. Sie haben fich gestern Abend vorttefflich her« ausgebissen, und wen« Sie auch wirklich nicht in Haßburg bleiben, was aber doch vielleicht der Fall ist, so werden Sie Zhr Glück auf jeder Bühne machen." „Herr Pfeffer, Sie glauben gar nicht, wie ich mich fteue" ,„Ist auch gar nicht nöthig," unterbrach to» Pfeffer. »'ch wollte Ihne« auch nur sagen, daß es mtt leid thut, früher grob gegen Sie gewesen zu sein; aber Sie dürfen s mir auch nicht übel nehme«, den« was für ei« trauriges Exemplar der menschlichen Gesellschaft ei» schlechter Schau- spielet ist, wisse» Sie wahrscheinlich besser, als ich e» Ihne» sagen könnt«"_ „Aber, Fürchtegott, so laß uns auch einmal zu Worte kommen," bat die Frau, welche heute aber viel wohler schien, als fie bis jetzt gewesen. Ihre Wangen hatten ordentlich etwa» Farbe bekomme« und ei» liebe», fteundlicheS Lächeln spielte um ihr« Lippe«.| »Bin schon fertig," brummte Pfeffer;.« ist doch merk« wünsche eine starke Autorität, Gleichheit aller Bürger und Achtung aller R«lig!onsbekmntniffe.„Seim Sie überzeugt, daß, welche Pflichten mir auch auferlegt sein würden, ich nie aus den Augen verlieren werde, wai ich der Demokratie und meinem Namen schuldig bin. Auf Wiedersehen meine Herren!" Diese Kundgebung wird eben so wenig Eindruck machm wie die Szenen bei der Abreise auf dem Bahnhofe, wo die Bona« partistm„Es lebe der Kaiser!" riefen, so daß sogar einige Verhaftungen vorgmommen werden mußten.— Lei weitem ruhiger alS die Abreise des Sohnes verlief die Abfahrtt deS Prinzen Napoleon nach Gmf, den nur: einige seiniger Freunde am Bahnhofe erwartetm. Die Pariser Börse begrüßte am Mittwoch die Abreise der Prinzen mit einem Steigen der Rentmkurse. Der Graf und VieGräfinvonParis, die fich vorgestem Nach- mittag 2'/» Uhr in Treport einschifftm, find AdendS 7 Uhr in Dover eingetroffm. Die Gräfin will nach Eu zurückkehren, um ihre kranke Tochter zu pflegm. Gleichsam als Gegenstück zu dem Empfange de» Prinzen Viktor Napoleon fand am Mittwoch Abend auch best dem Ministerpräsidenten Freyctnet ein diplomatischer Empfang statt, zu wel- chem die Vertreter der fremden Mächte zahlreich erschienm waren. Nach einem Telegramm des„Journal dei DSdats" aus Wien hat der dortige ftanzöfische Botschafter, Graf Foucher de Careil, wegen seiner Verbindung mit den Orleans seine De« misfion gegeben. Der osfiiiösen„Agence Havos" zufolge soll anläßlich dieser Demisfion Spuller, der Fntimus Gamdettas, in den diplomatischen Dienst eintreten. Spuller war 1881 in dem Ministerium Gambetta Unterstaatssetretär des AuS- wältigen. Ueber die Besetzung der Neuen Hebrtden durch Frankreich berichtet nunmehr auch daS in Brtibane von den Neuen Hcbriden eingetroffene englische Kriegsschiff„Undine", ein gewiß unverdächtiger Zeuge. Danach hat der Kapitän deS- selben lonstatirt, daß weder eine Annexion noch eine formelle Okkupation seitens Frankreichs erfolgt sei, ebenso wenig sei das Proiettorat Frankreichs proklamirt worden. Der Kapitän be« stätigte ferner, daß die auf den Neuen Hebriden befindlichen Einwohner ftanzöfischer Nationalität von den Eingeborenen Beschimpfungen und Schädigungen erlitten hatten. G r o tz b r i t a«« i e». Da» von uns bereits derührte Manifest der Fenier, angeblich vom„höchsten Rath an die verschiedenen Zentren der irischen republikanischen Brüderschaft in Ver. Königreich" gerichtet, erkennt kaum irgend welche Verdienste der jetzige» Vorkämpfer für die irische Sache an. Mr. Parnell wird darin dedeutet, daß er nicht ermächtigt sei, die beadfichtiaten Zuge« ständniffe an Frland alt volle Tilgung der dem irischen Volke schuldigen Rechte hinzunehmen; und Mr. Gladstone, sowie Lord Spencer ergeht eS nicht viel Keffer, indem ihnen all« während ihrer Herrschaft zur Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung in Irland, sowie zur Pazifizirung des Landes er- laffenen Gesetze zum Vorwurf gemacht werdm. Die früheren fentschen Ausschreitungen werden indirekt verherrlicht, und welcher Art die Handlungen find, durch welche die Gegner der irischen Unabhängigkeit bedroht werden, darüber läßt das Schriftstück wenios Zweifel. Einen ausgesprochenen Gegner findet daS obige Manifest in Mr. Michael Davitt, der daS Schriftstück in einem veröffentlichten Schreiben vom 21. dS. als ein schlecht verhülltes Wahlmanöver bezeichnet. Mr. Davüt sagt u. A.:„Der Verfasser deS SchrifrstückeS ist ein Ex-Redakrrur eines jetzt eingeaangenen irischen Wochenblattes, welches zu einer Zeit vorgab, die An fichten der extremen irischen Nationalisten zu repräsennren. Da eS ihm nach wiederholten Versuchm nicht gelang, goon Mr. Parnell entweder Geld oder Beichäftigung zu erhalten, so liefert er bereits seit geraumer Zeit einem Londoner konservativen Abendblatt spezielle Dyna- mit Enthüllungen und gehört jetzt, wie ich glaube, zu dem Flugblattschretder. Personal der„Loyalen und patriotischen Union". Dies ist die Quelle, auS der daS„fenische" Manifest stammt, und und die Gelegenheit seines Erscheinens, derallge- meine Wortlaut deS Schriftstücks und die Unterstützung, welche eS den schließl chen Zielen von Mr. Gladstone's Politik ver- spricht, liefern den Beweis dafür, daß eS nichts Andere» als ein Wahlkniff ist, der sowohl Derjenigen würdig ist, von denen er herrührt, alS auch der Partei,«ie durch ähnliche verächtliche Mittel in einem Feldzuge der Verleumdung darnach strebt, Mr. Gladstone'» Anstrengungen zur Herbeiführung eine» dauernden Friedens zwischen Irland uud England zu vereiteln." Dem PaffuS der jüngsten Rede Chamberlain'S, worin derselbe von der Möglichkeit einer Wiederver« einigung der liberalen Partei und der An« nähme einer Homerule- Maßregel für Irland im Herbst spricht, legen die„Daily New»" große Bedeutung bei und richten an Chamderlain die Mahnung, eine Verstän- digung schon jetzt anzubahnen, da, wenn daS Ministerium eine Wahlnieverlage erleide, keine Herbstsesston stattfinden werde, weil daS Parlament alSdann im August einberufen, Lord Ealtsbury den Platz Gladstone'» einnehmen und«in konser« würdig, daß Frauen nie leide« könne«, wen« ei» Anderer spricht." „Mein lieber Herr Rebe," sagte Heurietten« Mutter, dem jungen Mann die abgemagerte Hand entgegenstreckend, ,e« hat u»S Alle recht herzlich gefreut, al» wir Ihren gestrige» Erfolg gehört; Gott wirb Sie ja weiter führe« und noch Alle» zum Guten lenken." (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Leben. Et« Unglückstag. AuS Kollin bei Prag wird geschrieben: Einen UvglückSlag gleich dem 19 Juni hat die Chronik unserer Stadt bis jetzt noch nicht zu verzeichnen gehabt. Nicht weniger alS vier Selbstmord« fanden im Verlauf weniger Stunden hier statt. Der erste Fall betraf ein junges, bildhübsche» Mäd- chen, Namens Barbara Hayek. Dieselbe nahm fich au» einer wahrhaft idealen Liebe da» Leben. Sie hatte ein LiebeSver» häliniß mit einem hier in Garnison liegenden Gendarm, welcher fie jedoch fitzen ließ und vor wenigen Wochen eine reiche Grund- befitzers Tochter heiraihete. Kurz nach der Hochzeit erkrankte er jedoch an einem unheilbaren Leiden. Die Treulofigkett de» Sewesenen Geliebten konnte dai Mäbchen überwinden, daß der Rann jedoch, dem fie noch immer zugethan war, ttotzdem fie seit seiner Untreue nicht mit ihm verkehrte, unter gräßlichen Qualen dem ficheren Tode entgegenging, diesen Schmerz wollte fie nicht überleben. Nach Zurücklaffung eines Briefes, in welchem fie dem Wunsche Ausdruck giebt, mtt dem Gegenstande ihrer ersten und einzigen Liebe im Tode vereint zu sein, stürzt« fie fich in die Elbe, und wurde aus dem Strome, obwohl Hftfe gleich zur Hand war, al» Leiche heraus« gezogen. Kurz nach dem Selbstmorde der Barbara Hayek nahm fich der hiefigc Hausbefitzer Wenzel Spalency da« Leben, indem er fich, well sein einziger in Prag studirender Sohn bei seiner vor wenig en Tagen stattgefund.nen rechtihistorischen Staats- prüfung durchgefallen war, in den HauSbrunnen stürzte. Un« mittelbar, nachdem man ihn al» Leiche au» dem Brunnen ge- logen, stürzte fich die bei ihm b-dienstet gewesene HauSmagd n denselben Brunnen. Auch fie wurde nicht mehr lebend herausgebracht. Einige Stunden später machte eine arme Wäscherin, Mutter mehrerer Kinder, ihrem Leben durch einen Sprung in die Elbe ein Ende, wie es heißt, weil fie den vativeS Ministerium mit der Verantwortlichkeit, die irische Frage zu lösen, detraut werden würde.„Mr. Czamberlain," schreiben „Daily N-wS",„stellt zwei Bedingunaen. Die erste ist, daß die Landdill fallen gelassen werdm soll; die zweite ist, daß in der Bildung de» im Herbst einzubringenden zweitm neuen Planes die Regierung die Krllik derückfichtigm soll, die über ihre letzte Maßregel gefällt worden ist. Die Landbill ist aber todt. Sie war der fiamefische Zwilling der irischen Vermal» tungSbill und ist mit ihr gestorben. Mr. ChilderS sagte in seiner Ansprache an sein Wahlkomitee am Sonnabend, daß die Bill todt sei, und daß„nichts ihn bewegen würde, seine Zu« stimmungzu ihrer Wiederbelebung zu geben, falls dies nicht klar die Meinung deS Volkes sei." Mr. Chamberlatn's zweite Bedingung ist bereits zugestanden. Die Homerulebill, welcher er im Voraus seine sorgfaltige Erwägung im Herbst verspricht, wird Irland eine lokale Legislatur gebm, ohne seine Vertreter vom Reichtpailament auszuschließen. Mr. Chamderlain sollte demnach mitwirken bei der Anstrengung, die Einbringung eine» Homerule- PlaneS in einer Herbstsesston>u fichern. Im gegen« wärtigm Augenblick thun er und seine Freunde Alles, waS fie können, um die AbhaUung überhaupt irgend einer Herbstsesston zu verhindern. Wenn er wirklich wünscht, fich mtt der großen Masse der liberalm Partet in der Unterstützung einer Homerulebill in der Herbstsesston zu verbinden, sollte er seine Freund« in dem gegmwärtigen Kampfe unterstützen." Jt al ie«« Ueber den in die Kammrr gewählten früheren Kommunar« den, jetzigen Galeerensträfling Cipri an i, dessen Wahl be- kanntlich wieder lasstrt wurde, äußerte der radikal« Graf Ferrari im Parlament: Cipriani sei im Jahre 1860 mtt Garibaldi nach Sizilim gezogen, habe unter dem nationalen Helden bei ASpromonte, in Tirol, dei Mentana und zuletzt in Frankreich gestritten; er habe später auch zur Vertheivigung der Kommune unter Flourens gegen die ftanzöfische Armee bei Versailles gefocdien; er sei zum Tode verurtheilt und dann auf neun Jahre nach Neu-Kaledonien deportirt, er sei endlich auch von der ftanzöstschm und italienischen Polizei als Verschwörer verfolgt worden. DaS gegen ihn erlassene Uttheil werde für ungerecht gehalten, weil ein Zeuge, welcher hätte aussagen können, daß er nur. um fich zu wehren, bei einer Rauferei drei Personen umgebracht habe, nicht hätte aufgefunden werden können, obwohl eS notorisch sei, daß derselbe in Livorno lebe. Man habe nicht verfehlt, die Regierung zu benachrichtigen, daß die Folge von dieser Prozedur die Wahl Ciprianii in die Deputirtenkammer sein werde; die Regierung aber habe dazu mtt muselmantscher Gleichgiltigkett geschwiegen. Gegen die gestern verhafteten Führer der Arbeiter« partes ist wegen Aufreizung zur Revolte und zum Umsturz destehender StaatSeinrichtungen die gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Wie eS heißt, beabfichtigten dtejelden einen aus« gedehntm Streik ländlicher Arbeiter zu organifiren.(Ist da» etwa die„Aufreizung"?) In Mailand b- finden fich zehn Sektionen des Mailänder Arbeitervereins und in dem übrigen Theil der Provinz noch fünfundzwanzig Sektionen. Die Ar- heiter vereine in Como, Pavia, Ccemona, Brekcla und Novara find gleichfalls geschlossen worden; ebenso haben daselbst auch Verhaftungen und Haussuchungen stattgefunden. Nach einer auf Grund amtlicher Daten zusammengestellten Statistik kamen in Venedig vom 7. April bis 20. Juni 780 Cholerafälle vor; von den Erlcantten starben 477 Personen, 276 wurden geheilt, 27 bliedrn in Behandlung. Somit beträgt die Sterblichkeit 62 Prozent. In der Provinz Brindisi wird, nach Privatnachrichten, eine starke Zunahme der Krank« hett fignalistrt. Am 21. d. kamen in der Stadt und in der Provinz 39 Fälle vor. Die italienischen Blätter bek'agen, daß selbst Äerzte nicht alle Cholerafälle anzeigen. In Valrooina (italienische Provinz Vicenza), einem GebirgSdorfe, zum Bei- spiel befinden fich fast in jedem Hause Choleraftanke. Gestern kamen dort auch zwei Sterbefälle vor. Balkauländer. AuS Sofia wird der„Bud. Korr." geschrieben: Der polttifche Horizont Bulgarien» kann derzeit nicht al» ein völlig geklärter bezeichnet werden. Die Anstrengungen der Panslavisten, an deren Spitze Ex- Minister Zankow und die früheren rumeliotischen Gouverneure mit Gaortt Pascha stehen, haben insofern einigen Erfolg, alS dieselben über große materielle MUtel verfügen und daS Geld mtt vollen Händen ausstreuen, sowie fie auch vor keinem Verbrechen, ja selbst vor Nordanschlägen nicht zurückschrecken, wenn es die Erreichung ihrer Zwecke gilt— wie dieS erst kürzlich bei Gelegenhett der rumelischen Wahlen fich klar gezeigt hat— während die Re« gierung fich streng innerhalb der durch daS Gesetz gezogenen Grenzen hält, wa» der panslaoistischen Propaganda einen drei« ten Weg für ihre Agitationen freiläßt. Die Panslavist-n haben ein eigene» Preßdureau für Bulgarien eingerichtet, in welchem das rusfische Konsulat und sämmtliche russischen Ange« stellten und Offiziere, die in Bulgarien kein ihren Wünschen entsprechende« Fortkommen gefunden haben, wie z. B. General Soboleff u. A., thätig find. Diese» Bureau fabrizirt Korre- spondenzen, für welche ihnen die Zankow'schen Joumale den MonatSzins für ihre kleine armselige Wohnung nicht auf« bringen konnte. Wahrlich genug dei Unglückes für einen Tag. Die Tournüre als Reisekoffer. Ein Spaßvogel schreibt der„Franks. Ztg.":„In einer Stadt Norddeutschland» ist ein Erfinder, der fich schon verschiedene allerding» meist wenig lukrative Erfindungen hat patentiren laffen, augenblicklich mir Versuchen beschäftigt, die vielgeschmähte Tournüre praktisch zu verwerthen und ihr dadurch noch mehr Eingang zu verschaffen. Der Erfinder geht von der Idee auS, an Stelle der Tournüre- kissen, wozu ja oft die seltsamsten Gegenstände verwandt werden. und die oft einen Raum von 1 Kubikfuß und mehr einnehmen, Blechkasten in den verschiedensten Formen zu setzen. Diese Kasten sollen dann praktisch zur Aufnahme von Reiseutenstlien» Handarbeiten, Toilettegegenständen u. s. w. eingerichtet werden. Unsere„jungen Damen", welche noch die Schule besuchen, be« dürfen dann keiner Schulmappen mehr, kurz und gut, diese Idee ist noch so ausbildungSfähig, eS laffen fich diese„Tour- nürekastm" noch so mannigfach pt attisch verwenden, daß hier der Industrie noch ein weites Feld offen steht. Auch die Zoll« beamten, welche durch die Verwendung der Tournüre für Schmuggelzwecke bisher in nicht geringe Verlegenheit gesetzt wurden, würden eS gewiß freudig begrüßen, wenn die Neuerung in rationeller Weise durchgeführt werden könnte." Der vollkommene Ran«. Professor Hurley in England giebt folgende Tadelle, wie viel ein ausgewachsener Mann wiegen und wie dieses Gewicht vertheilt sein soll. Gewicht: 155 Pfund. Da»on treffen auf die Muskeln und deren Zu- behör 68, da» Gerippe 24, die Haut 10'/», da» Fett 28. da» Hi n 3, die Eingeweide der Brust 3'/,, die Eingeweide des Unterleibs 11, daS Blut, welche» auS dem Körper fließen würde, 7 Pfund. Zusammen 155 Pfund. Dieser Mann braucht täglich»um Verzehren 300 g magere» Beassteak, 420 g Milch, 36 g Butter, 360 g Brod, 180 g Kartoffeln, 1376 g Waffer. Sein Herz soll 75 Mal in der Minute schlagen und 16 Mal soll er in der Minute Athem holen. In 24 Stunden ver» schlechtert er 50 cbrn reine Luft um 1 pCt., weshalb ein Mann von oben besagtem Gewichte einen Raum von ca. 22,7 cbm, und wohl venttlirt, für seinen Aufenthalt gebraucht. Seine Ausdünstung durch die Haut besteht in 540 g Wasser, 18 g solider Masse und 24 g Kodlenläure alle 24 Stunden u"' m c___ 4----------------- Gesammtoerlust während 24 Stunden Wasser und ca. 24 k anderer Materie. v. Kunden und sein besteht in ea. 2,7 k Moff liefern und versenden dieselbm namenlltch an die „MoSkowSkija Wjedomosti",„Nowoje Vremja" und„Peter«» burftilija Wjedomosti". welche dteselden mW Vorliebe abdrucken. Die rumänische Deputirtenkammer nahm mit 8? gegen S Stimmen den Gesetzentwurf an, durch welchm die Regte« rung ermächtigt wird» provisorische HandelSver« trage, die vi« zum 31. Dezember in Vollzug gesetzt werdm dürfen, mW denjenigen Staaten abzuschließen, welche mit Ru» mänien in Handelsbeziehungen stehen. Im See. Arsenale von Konstantinopel herrscht an» dauernd eifrige ThättgkeW. Dieselbe ist zum Theil durch die Vorbereitungen Rußland« im Schwarzen Meere hervorge» rufen. In türkischen RegierungSlreisen betont man, e« sei überhaupt eine Nothwendigkcit, daß vie Türkei ihre Flotte in den Stand setze, allen Eventualitäten die Stirne bieten zu können. Mehrere neue Torpedoboote find soeben in Konstan» tinopel eingetroffen. Auf den Höhen de« BoSpontS in Kaoak find wichtige Befestigungsarbeiten im Zuge, welche mit großem Eifer betrieben werden. Amerika. ParsonS, einer der Führer bei dem kürzlichen Aufruhr in Ehikago, welcher die Flucht ergriff, um seiner Verhaftung zu entgehen, hat fich freiwillig der Polizei aestellt. Die Prozeß. Verhandlungen gegm mehrere an den letzten Arbeiterunruhen betheiligt gewesene Anarchisten haben am 21. Juni in New- Kork begonnen._ Die dritte regelmäßige Konvention der i r i s ch e n N a» t i o n a l l i g a wird in Chtkago am 18. und 19. August d. I. abgehaften werden. Die kanadische Regierung hat ihre extremen An» sichten bezüglich der Rechte amerikanischer Schiffe in kanadischen Gewäffetn modifizirt. ES wurden an die golleinnebmer Be» fehle gesandt, welche in den Instruktionen wegen einer Ver- wamuna der Schiffe, die innerhalb der dreimeiligen Grenz« angetroffen werdm, jede Bezugnahme auf die Einschiffung von Mannschaften oder Vorräthen, oder auch den Handel vermeiden. Nachdem dem Fischerei'Fahrzeug die Warnung ertheitt worden ist, müffen 24 Stunden verstreichen, ehe daffelbe mW Beschlag belegt werden kann. Die Folge hiervon ist, daß amerikanische Fischer sich jetzt alle gewünschten Mannschaften, Vorräthe und Fischlüder in kanadischen Häfen beschaffen können, wenn die« innerhalb 24 Stunden geschieht. Man glaubt, daß der von London ausgeübte Druck, sowie daS Resultat der Wahlen in Neu Schottland die Veranlaffung zu diesen Veränderungen geboten haben, die selbst den britischen Seeprovinzen Befrie» dtgung gewährm. P.äfivent Cleveland hat die vom Senat angenommen« SchifffahrtS-Bill gmehmigt, welche die Bestim» mung enthält, daß gegen kanadische Schiffe Wiedervergeltung geübt werden soll, wo die ersorderlichm Privilegien in kana> dischen Gewäffem nicht gewährt werdm. Gerichts-Zeitung. Hirschberg, dm 23. Juni. Ein zweiter Mordprozeß be« schäfttgte gestern unser Schwurgericht. Der Mörder, denn als ölcher bekannte stch sofort der angeklagte Uhrmacher Hermann Ansorge aui HermSdorf U./K., ist am 16. April 1861 geboren. Et zeigt auf der Anklagebank ein recht steche» Aussehen; mit Infttiem stechenden Blick mustert �r vor Eintritt in die Ver« «undlung den Gerichtshof, die Geschwormm und da». reiche Publikum. Seine Personalim besagm, daß er bisher noch unbestraft ist und im vorigen Oktober vom Militär ent» laffen wurde. Nach Verlesung�«« Eröffnungsbeschlusses, der ihn anklagt, am 14. Januar Nachmittags auf dem Wege zwischen HermSdorf und WernerSdorf dm Fleischermeister Schwabe ermordet zu hadm, legt ihm der Präfivmt die Frage Wiedergade der einzelnen Momente die Zuschauer vor Entrüstung unruhig wurden. Ansorge kam, 21 Jahre alt. zum ersten Male in die Wohnung deS Schwabe, der, seW längerer Zeit ver» heirathet, in HermSdorf die Fleischerei betrieb. Er lernte damals die Frau de» Sch. kennen und bald entspann fich zwischen diesen Beiden ein Verbältniß, da« aber erst intim wurde» als Ansorge im Jabre 1883 seine Wohnung bei Sch. nahm. Währmd die Sch.'schen Eheleute in einer Kammer schliefm, schlief A. in der Wohnstube auf dem Sopha. In jener Zeit wmde da« Verhältniß zwischen Frau Schwabe und Ansorge ein sehr vertrautes! Erstere habe, so erklärt 81., ihm wiederholt verfichert. daß ste ihn lieber als ihren Mann hadm wolle. Scheidm lassen— wie A. ihr geratben haben will— könne ste fich nicht, da fie ihrem Manne Geld und Sacken in die Ebe eingebracht habe, die fie dann verlieren müßte! Ander- seits habe sie schon d, than, daß ihr Mann sie wiederholt geäuß».. www werden!" AIS A. vom Militär zurückkam, knüpfte er die alten Beziehungm zu ihr wieder an und nun kam fie bald besser mit ihrem Plane herau«:„Du mußt ihn", so redete fie den A. eineS Tage» an,„erstechm oder erschlagen!" AIS Antwort gab er: JDc« thue ich nicht, lieber will ich ihn erschießen". Nun drang die Sck. täglich in ihn. doch einen Revolver zu kaufen, bt« er am 5. Januar d. I. fich nach Warmdrunn aufmachte und ein solche« Mordinstrument kaufte. Frau Sch. gab ihm hierzu 2,50 M. mit der Weisung, da« übrige auszulegen, fie würde eS ihm später zurückgeben. Der Revolver kostete 5,50 M. HI« A. ihn der Frau zeigte, meinte fie:„Nun solle er aber bald ein Ende machen." Er faßte den Entschluß, dem Sch. auf» zulauem oder ihn zu einem gemeinschaftlichen Gang,; aufzw fordern und ihn dann meuchlings zu erschießen. Diesen Plan gab er aber später auf, well er da« Schießen währmd einer Fahrt weit ficherer hteW. Am 14. Januar machte er mit der Schußwaffe eine Probe, indem er zwei Scküffe in da« Etiiger» hau» abfeuerte und dann mit einem GiaShalme maß, wie tief die Kugel tnS Hol, drang, um damach zu ermeffm, wie weit in Schwade« Kopf gehen würde. Nachmittags desselben ageS mußte Sck. nach WernerSdorf und da bewog deffm Frau den A., die That auszuführen. Derselbe fuhr dem Sch. auf einem Schliften nach und nahm ihn dann hinter dem Dorfe auf. Um richtiger schießen zu können, setzte er fich auf den Hinterfitz, dem Sch. die Zügel über» WernerSdorf zog Ansorge den Revolver herau» und feuerte einen Schuß in dt« rechte Schläfe des Schwabe. Dieser blieb fitzen, doch ließ er die Leine fallen. Darauf ergriff ich die Zügel und schoß nach der Schläfe einm zweitm Schuß. Nun sank der Oberkörper de« Schwade nach der Seite. Da hielt ich an und warf den Körper auf die Straße. Zwar glaubte ich bestimmt, daß Sch. schon todt sei; um aber ganz sicher zu gehen, machte ich noch seinen Rock und die Weste auf und schoß in jede Brustseite noch eine Kugel." Da« ist da« Ge- ständniß deS jungen Mörders.— Frau Schwabe ist seit der Zeit, wo Ansorge seine Schuld bekannte, auch in Untersuchung«» hast. Mr die Verhandlung gegen A. find 50 Zeugen geladen. — Da der Mörder Ansorge die Frau de« Schwabe so schwer der Mitschuld belastete, beantragte der Staatsanwalt nach der Vernehmung de« Angellagtm die Vertagung der Verhandlung, bi« die gegen Frau Sckiwabe eingeleitete Untersuchung zu Ende geführt ist. Die Sache kommt also erst in der nächsten Schwur- gerichtSpertode zur Entscheidung. Vereine«nd Versammlungen» Arbeiter- VezirkSverent„Süd» Ost". Die Zahlstellen de« Vereins befinden stch: 1. bei Mitan, Wienerstr. 31, Sonntag«, Vormittags von 9 bis 12 Uhr; 2. bei Stramm, Skalitzer» straße 18 Monragi von 9 bis 11 Uhr AbenSS• 3. bei Sawatzky, Waldemarstr. 74, Dienstag« von 9 bi» 11 Uhr Abend«, und 4. beim Kasfirer Scholz, Stsenbahnstr. 36b. Iii. Einer öffentlichen Versammlung der PapierprSger, welche am 24. d. M. in Jacoty'S Saal, LandSdergerstr. 82, tagen sollte, und zu welcher der Fabrikherr der streikenden Ar» bester eingeladen war, wurde die polizeiliche Genehmigung versagt. Fachverein sämmtliche« im DrechSlergewerk beschäf« tigter Arbeiter Berlins. Der provisorische Vorstand macht de» kannt, daß die Listen zur Einzeichnung der Mtlglieder bei dm nachbenannten Kollegen au, Wegen resp. von diesen dehuf« Zir» kulation in den Wertstätten entnommen werden können. Buchmann, Naunynstr. 4 DI.; Moench. Adaldertstr. 26 IV.; Liidtke, Straußbergerstr. 26 IL; Geriete, Borstgstr. 19, Hof IL; Gromoll, Molkenmarkt 7 IV. und Sündermann, Gilschiner» st, aß« 61 I. Die GewerkSgenossen werden ersucht, den best» möglichsten Gebrauch von den Listen zu machen. Die Gmeral- Versammlung, behuf« der Wahl de« Vorstandes k., findet sofort nach Eintreffen der Bescheinigung der Einreichung d«S abgeändertm Statut» statt. Vereinigung der deutsche« Schmiede. Sonnabend, dm 26 d. M., Abend« 8 Uhr. Versammlung in Gratweii's Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79. Tagesordnung: 1. Vor« trag. 2. Beschlüffe der letzten öffentlichen Versammlung.— Aufnahme neuer Mitglieder.— Gäste willkommen. Der Fachverei« der Ecklosser und BerufSgenoffen hält heute. Sonnabend, Abends 8% Uhr, in Gratweil'S Bierballen, ein« Versammlung ab, in welcher u. A. die SluSgabe der BilletS zu dem am 19. Juli stattfindm Sommerfest stattfindet. Tage«» ordnung stehe Inserat. Der Fachverei« der Lithographiefteiuschleifer hält am Montag, den 28. d. M., Abend» 9 Uhr, bei Seefeldt, Grenadierstr. 33, eine Vereinsversammlung ad. Der Wichtig» keit der Tagesordnung halber ist e« nothwendtg, daß die Vereinsmitglieder zahlreich erscheinen. Kollegen, welche an dem VereinSlebm ein Interesse hadm, find willkommen. Verein zur Pflege freireligiösen Lebe«». Sonntag, dm 27. d. M., Vorm. 10 Uhr, im Gesellschaft» Hause, Nieder» wallstraße 20, V orttag de« Herrn Dr. GrabowSkq über:„Die geschichtlich begründete Aufgabe der freireligiösen Gemeinden". Zutritt steht Jedem frei Fachverei« der Rohrleger. Versammlung Sonntag, den 27. Juni, Vormittags 10'/« Uhr, bei Rieft, Kommandanten» straße 71/72. T.- O.: 1. Vortrag de« Ingenieurs Herrn Kisting über Fachangrlegenheiten. 2. Diskussion. 3. Abrechnung de« Stiftungsfeste«. 4. Verschiedene« und Fragekasten. Verein der Sattler«nd Fachgenoffe«. Versammlung Sonnabend, den 26 Juni, Admd« 8'/» Uhr, in Gratweil'« Bierhallen, Kommandantmstraße 77—79. T.» O.: 1. Antrag deS Vorstandes, Gründung einer Fachschule resp. Fachschrift be« tteffmd. 2. Diskussion. 3. Fragekastm. 4. Verschiedenes. Nur Mitglieder oder solche, die e« werdm wollen, haben Zutritt. Zentral- Kra«keu-Z«nd Sterbetasse der Drechsler und verwandten BerufSgenoffen Deutschlands(E. H. 48) Hamburg, Verwaltungisttlle Berlin A. Montag, dm 28. d. M, AbendS 8 Uhr, in Keller« oberem Saal, AndreaSstr. 21, außerordentliche Mitgliederversammlung. TageSoidnung: 1. Bericht der Delegirten. 2. Ersatzwahl für die 4 ausgeschiedenen Vor- ftandSmilglieder. 3. Außerordentliche Revision. 4. Verschiedenes. Quittungsbuch legitimirt. Zrntral- Krankt«- und Eterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Ardetter(E. H. Nr. 3) in Hamburg. OrtSoerwaltung Berlin. Die Mitglieder werden darauf auf- merksam gemacht, daß die Veränderungen de« Statuts nach dem Beschluß der Generalversammlung zu Hamburg vom 16. Mai e. am 20. Juni in Kraft getreten find. Dieselben find im Druck erschienen, und werden die Mitglieder aufgefor» dert, dieselbm heute(Sonnabend) auf den Zahlstellen abzuholen. Gleichzeitig werden diejenigm Mitglieder, welche mit ihrm Beiträgen im Rückstände fich befinden, ersucht, ditselben zu entrichten, indem Mitglieder, welche 6 Wochendeiträge restiren, ausgeschlossen werden können. Die Betträge find bii zum Tage de« Ausschlusses zu bezahlen. T'' macht Wen nach„Neuen Rruo"_..__ glteder und Freunde hierzu ein. Für Marfchlustigr Treffpuntt früh 7 Uhr am Schlesischen Busch, für später Kommende 10 Uhr Vo, mitlag» Neuer Krug, Nachmittag» 3 Uhr Johannis» thal„Cafi Lenz". Theater. Sonnabend, den 26. Juni. Deutsche» Theater. De« MeereS und der Velle�Allianee» Theater. Da« Paradie«, Ge» sangSpoffe in 4 Aktm von Leo Treptow und Friedrich. WiHelmstädtische» Theater. Der vftlMd�heater. Die Waise au« Genf. «Moria» Theater. Amor. Tanz- Poem von Luigi M-mzotti. ÄWa*.. Vorstellung.____ Passage 1 Tr. 9 31.— 10 A. MVVTf Kaiser-Punorum». lORgr In dieser Woche: Amerika— Salifornien. Mond. Sine interessante Mo«tblanc-Besteig«ng. Hertha-Retse. Caroltnen-Jnsel«. Sine Reise 20 Pfg Kinder nur 10 Pfg. IPiccolomi-Pmaffla! Größte» und eleganteste« der Neuzeit! Ersatz für sämmtliche Berliner Panorama! ,.äul. Dagma, 19 Jahre alt, Fräul. Elsdeth, 8 Jahre all, in der Größe eine« KindeS von zwei Jahren. Zu zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein Wlttwe Plccolomlnl, 1980] Hasenhatde 7 b._ Die Expedition, Zimmerftr. 44, fordert alle Inserenten vo« Vereinsnachrichten auf,sämmt- liche Annonce« an die Expe- dition zu senden, den Betrag entweder gleich beizufügen oder die Inserate mit dem Vereins- stempel und der deutlichen Au- gäbe der Adresse Desjenigen zu versehen, bei dem die Be- trüge eiuznkasfiren find. Stuckateure! Die unterzeichnete Lohn-Kommisston macht hiermit bekannt, vaß die Inhaber der Firmen: Sander, Kastamm-Allee, und Esch u. Schulz, Möckernstraße, ihren Kontrakt gebrochen, indem dieselben gegen den Tarif verstoßen haben. Wir machen nunmehr unsere Kollegen auf die früheren Beschlüffe aufmerksam; jeder Stuckateur wird wissen, was er demgegen- über zu thun bat.[2 Die Lohn-Kommission. I. A.: Otto Heindorf._ Sonntag, den 27. d. M., Mittags: Laudpartte der Produktiv-«. Pohstoff-Genoff'ens'chaft der Schneider[2005 über Wilmersdorf nach Halensee. Schweizer Garten. Am FriedrichSbain. Haltestelle der Ringbahn. Am KönigSthor. Concert n. Vorstellung;. Auftreten sämmtt. Svi ftteten sämmtt. Svezialitäten U.A. der derühmten Majol-Trupp« in ihrer Sensationsnummer UAIas l»asel als lebende Kanonenkugel. azel aus einer ema aufgefange Polksbeluftiannai »«tlchbah».«lel Im Saal«: Tanzkrän Zum Schluss wird Miss Lazel aus einer Kanone geschossen und von Miss Zema aufgefangen Vierden. »gen aller Art. iktrische Pah«. Elegische Beleuchtung. Gntree 30'Pf.>Jm Saal«: Tamzkrärnzchem U. vgl. m. Dtenstao. de« SV. Juni- Krftegtt-Feizerwerli der Pyroteckniker A. und E. Massow, Bonander und Hornig. Zum Schluß: de Erntttrmnng der Büppeler Schanzen Großes militärisch pyrotechnische« Schauspiel unter Mitwirkung von ca. 130 Personen. Fachverei« für Schlosser«nd Beras«ge». heute Abend 8'/, Uhr in GratweU'» vterhalle«, Kommandantenstr., Perfammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag de« Herrn Dr. Benkendorf:„Da» FindlingSwcsen in alter und neuer Zeit". 2. Antrag betreff» Ver- iaaung der Vereinsversammlungen. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vrrschtedene« und Fragekaften.[2001] Der Vorstand. Die Perfammlung deS 2007 Verbandes deutscher Zimmerleute, Lokalverband Berlin Centram, findet am Dienstag» de« SS. d. M., Abend« 3 Uhr, Kommanvanlenftraße 77/79, statt. T.'O.: 1. Bericht vom Handwerkertag. 2. Verschiedene«. 3. Fragetasten. Aufnahme neuer Mitglieder. MB. Da die Stammrolle umgeschrieben wer- den muß, werden die noch mit ihren Beiträgen resttrenden Mitglieder ersucht, dieselbm zu ent- richten, widrigenfalls dieselbm al« gestrichen be- trachtet und nicht weiter geführt werden. Der ß-kaloorstand Perli« Centrnm. I. A.: Jultu« Darge, KöSlinerstr. 3. Zimerleiltt Derliis! Die Lohnkommisston behauptet in der Erwi» derung auf unseren Aufruf, daß M a r z i a n für fie, resp. die Berliner Zimmerleute kein« Druck- sachen bestellt habe, welche noch nicht bezahlt seien. Od Marzian für die jetzig« Lohniom« misston etwaS bestellt hat, ist ganz ohne Belang, Niemand wird aber bestreiten tönnm, daß er die« für dm Verband, resp. die Berliner Zim» merleute gethan hat, derm Jntneffen er nach. weiSlich nach Kräften vertreten hat. Zeder brave Kamerad wird also für Gerechtigkeit sein. Im Austtage vieler Kameradm: Zleckermanu, Rixdorf, Berltnerstraße 89.[1999 T&rlleh: Geselliges Znsammensein in dm„gaubohewr Pierhalle«, Landibergerstraße 82. Saal u. Zimmer für Vereine u. Versammlungen. 1727] Jacob j. Heute gemüthltche» Brüfer'schea Lokale, Elisabethufer 16 u. 17, Ecke Skalitzerstraße 147a. im [2009 Arbettsmarkt. K orbmach er-GefeUe« auf Rohrkiepen ver» langt Polle, Manteuffelstraße 65.[2010 Zur pünktlichen Lieferung des[2003 „llerlmer Volksblatt" sowie sämmtlicher in Berlin erscheinmden Zeitungen empfiehlt stch AK. Kirsch, Admtralstr. 28. MT ilrtt-lthik Q« Seliariftow, besteht seit zwanzig Jahren, Kerlin 8., vranienstr. 158,« ühren. Wand-, Komtoir- u. 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Schellina, v. Bronsart unv Ksmmiffmten. Die Bänke tz« HauseS st d wagig besetzt. P äfivent v. Wedelt eröffnet die Sitzung mit folgender Ansprache, bei deren Beginn die Mitglieder fich von ihren Playen erheben:„Meine Herren I Ich glaube in Ihrer Aller Emne zu handeln, wenn ich vor dem Eintritt in unsere(Sc- schäfte dem Schmerze des Reichstags über den Tod Gr. Maje« stät des Kö i's Ludwigs Ii. von Bayern Ausdruck gebe.— DaS deutsche Volt wird eS nie vergessen, welche motzen Dienste der verstorbene König in schwerer Z it unserem Vaterlande geleistet hat. Das ganz« deutsche Volk nimmt deshalb nicht allein warmen Anthcil an dem harten Schlage, der Beyern getroffen hat, sondern ist auch erfüllt von wehmüthigem Schmerze über ras erschütternde Ende eines stsürsten, dem es viel Dank s duldet. Meine Herren, dieselb n Gefühle, die das deutsche Volk beseelen, hegt auch der R ichstag; der Reichstag wird deshalb König Ludwig II. von Bayern allezeit ein schmerz- licheS, aber dankbares Andenken bewahren. Meine Herren, Sie haben fich von Ihren Plätzen erhoben, ich darf das alS ein Zeichen annehmen, datz Sie meinen Worten zustimmen. Da» Haus tritt darauf in seine Tagesordnung ein. In der zweiten Berathun, der Allgemeinen Rechnung über den Reichshaushalt pro 1882/83 wi d gcmätz dem Antrag der RechnungSkommisston ohne Dtskusfion die Entlastung dcS Reichskanzlers mit dem Vorbehalte ausgesprochen, vatz der Reichskanzler die Verantwortlichkeit für die im Bereiche der MilitSrvei waltung ergangenen, nur vom preußischen Kriegs- minister gegengezeichneten Allerhöchsten Niederschlagungiordres durch deren G genzetchnung nachträglich ü vernimmt. Es folgt die erste Berathung der am 2 Juni d. I. zwischen dem Reich und Grotzbrrtannien abgeschloffencn Uebereinkunft zum gegenseitigen Schutze derRechte an Werken der Literatur und Kunst. Abg. v. Strombeck macht darauf aufmerksam, datz man hier den Weg gewählt habe, daS in Prer-tzen bestehende Vcr- tragsrecht auf die anderen Einzelstaaten auszudehnen. Da durch enlstche der Mißstand, datz daS Vertragsrecht in Prcutzen als Partikular-, in den anderen Staaten alS Reichs- recht gelte. P eutzen könne seinen Vertrag mit Grotzdritannien jeder Zeit kündigen, ohne fich um die anderen Staaten zu kümmern. DaS Reich würde damit die Gesetzgebung in den Einzelstaaten an fich reißen. Bei einem solchen gcfähr- ticken Präzeden, würde fich eine kommiffarische Berathung wohl empfehlen. Direttor im Auswärtigen Amte Reichardt: In den einleitenden Worten de» Vertrages ist ausdrücklich heroorge- Hoden, datz dieser Vertrag nur geschloffen wird,„um während der schwebenden Verhandlungen über die angestrebte Erwcite- ru.ig eine vo läufige Uebereinkunft abzuschließen". Da' aus et« Siebt fich der provisorische Charakter der Vorlage, welcher an ch schon Jnkonvenienzen wegen deS KllndigungsrechteS ausschließt. Da wir erst in den Verhandlungen über einen Vcr. trag stehen, kann doch von einer Kündigung desselben nicht die R'de sein. Als Präjudiz qualifizirt sich die Sache in keiner Weise. Adg. v. Strom deck: Das Präjudiz ist auch bei einer vorübergehenden Giltigkeit d«S Gesetzes vorhanden. Ich bean- trage deshalb die kommissarische Prüfung der Vorlage. Kommt der Vertrag nicht zu Stande, so wird daS Reich mit den be« stehenden V.rhältntffen noch bis zur nächsten Sesston aus- kommen. Staatssekretär v. Boeti icher: Ich möchte glauben, daß es nicht gerathen ist, diesen Vertrag jetzt noch an eine Kommisfion zu verweisen. AuS der Denkschrift und den ge- machten Bemerkungen dürste klar sein, datz ein dringendes Interesse daran b-N-ht, vatz ein Vertrag über den Schutz von Werken der Literatur und Kunst mit England endlich zur Aus- fübrung kommt, insbesondere hat unter den Staaten, welche dikh-r eine Literakonvention nicht abgeschloffen haben, Bayern ein besonderes Interesse, daß diese Materie bald ge- ordnet wird. Nun verkenne ich nicht, daß die Bedenken des Borredners theoretisch ihre Berechtigung haben, aber ste können doch, glaube ich, gegenüber dem praktischen Ziele füglich zurück- gestellt werden, um so mehr, als fich ja jetzt schon ergicbt, datz innerhalb deS Reichstages diese Bedenken geltend gemacht wor- den find, daß also ein gefährliches Präjudiz aus der Zustim- mung de» Reichstages nicht gefolgert werden kann. Mit Rückficht auf diese vollständige Gefahrlofigkeit möchte ich glau- den, datz der Reichstag wohl thut, jetzt diesem Vertrage zuzu- stimmen. Der Antrag auf kommiffarische Vorberathung wird abge- lehnt, der Vertrag in zweiter Berathung ohne DtSkujston an« genommen. Die Vorlage, betreffend die Errichtung eines Seminar? für orientalische Sprachen, wird auf Antrag des Abg. v. K ö l l e r der Budgetkommisfion überwiesen. Schluß 3 Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr. (Dritte Berathung der Allgemeinen Rechnung pro 1882/83 und der Literarko.ioention mit Großbritannien, Berathung der Rechenschaftsberichte, betr. die Verhängung des ktrtnen Belagerungszustandes über Spremberg und die B.schränkung deS Versammlungsrechts in Berlin; zweite Berathung des Brannt- wetnstcuergesetzes.)__ «bgeordvetenhauß. 93. Sitzung vom 25. Juni, 11 Uhr. Am Ministertischr: Dr. Friedderg, Maybach und Kommiffarien.... m Der Gesetz. Entwurf, betreffend die Berechnung der Dienstzeit von Beamten de» Kunstgewerbe. muscumö zu Berlin, wird in erster und zweiter Be- rathung ohne Debatte angenommen. Es folgt die dritte Berathung des Gesetz- Entwurfs, be- treffend die Nothstandsvorlage für die Weichsel- gebiete. Abg. v. Schenkendorff: Bei der ersten Lesung ist mit vollem Recht mehrfach die Jrage erörtert, wie künftigen Uederschwemmungen vorgebeugt werden könnte. Ich finde in den neuisten schlefischen Ueberschwemmungen, welche nicht nur große Verwüstungen angerichtet, sondem auch Menschenverluste verursacht baden, eine dringend« Veranlaffung, bei der dritten Lesung dieser Vorlage auf jme Erörterungen zurückzukommen. Diese Ueberschwemmungen bilden nachgerade eine öffentliche Kalami'ät, welcher die königliche StaatSregierung eine ernstere Aufmerksamkeit alS bisher zuwenden dürfte, indem fie geeig- nete Gegenmaßregeln ergreift. Ich kann keineswegs zugeben, vatz wir bei diesen Uederschwemmungen jederzeit vor unad- weisbaren elementaren Einflüssen ständen, ich glaube vielmehr und bin von dieser Uederzeugung vollkommen durchdrangen, daß die meisten Ueberschwemmungen durch die zahlreichen Me- ltorationm, Jlutzoerkürzungm unv Entwaldungen, wie fie in den letzten Jahrzehnten ausgeführt wurden, hervorgerufen find. Jeder Grunddefitzer hat ein Netz von Entwässerungsanlagen angelegt, um etnen möglichst raschen und direkten Abschluß des fich ansammelnden Wasser» herbeizuführen. Dadurch find diese G:undstücke wohl verdeffert, Sümpfe und Moräste nutzbar gemacht, aber doch nur auf Kosten der tiefer gelegenen Grundstücke, die in der Nähe der Flutzläufe liegen. Wahrend eh dem die niederschlagenden Waffer fich in den oberen natür- lichen Waffeldecken ansammelten, hier langsam im Z ckzack abflössen und zum Theil v-rdunsteien. drängen jetzt diese Wasser direkt und schnell und von allen Sellen zugleich nieder, so datz schon ein gewöhnlicher Landregen, wenn er nur einigermaßen Dauer unv Stärke hat, lltzt gerade so wirkt, wie früher die vereinzelt vorkommenden Wolkenbrüche. DaS heutige Flußbett mit seiner Breite und T>efe hat fich aber nach den fiührren natürlichen Adschlutzverhältmsserr gebildet, und hat leire Er- wetteruna erfahren, wie ei die heutigen künstlichen Abschluß- Verhältnisse, wenn nicht ein anderes Korrektiv geschaffen würde, bedingen müßten. Die Flutzoerkürzungen, die gerade so wie die Meltorattonen vorwiegend im landwirthschastlichen Jnter- effe vorgenommen find, haben daS Uebel mm Hit. Dazu kommt noch, datz die schncll abfließenden Waffer Steine, Sand, Schlamm und andere Gegenbande mit fich füh en und daS Flußbett mit der Zrit verflachen, wodurch dann um so leichter eine Uederschwemmung hervorgerufen wird. ES handelt fich bei dieser öffentlichen Kalamität also te-neSweg» immer um Wolkendrüche. Die gleich: Quantität Waffer drängt heute eben in kürzerer Zeit herab, kommt also masfiqer herunter und tritt dann ganz nothwendig über die Ufer hinaus. Die königliche Staats- regierung hat die Meliorationen und Flutzregulirungen geschehen lassen; fie mutz jetzt, da eine Erweiterung dcS unt-ren FlutzlaufeS nicht immer angängig erscheint, auf anderem Wige ein nothwendigeS Korrektiv schaffen, welches die raschen Ab- flüffe mildert. Die» bedarf umfassender Maßregeln, die im großen und einheitlichen Stile zur Durchführung gelangen müssen. Od diese dadurch herbeigeführt werden, sag da» ganze Meliorationswesen einer strengeren gesetzlichen Regelung unter- worfelt wird, oder daß Flutzverlängerungen durch Krumm- legung und daß Ausbaggerungen vorgenommen werden, oder daß in den bedrohte" Flußgebieten eine Anzahl von künstlichen Wafferbecken hergestellt weroen, welche die beseitigten natürlichen Wasserbecken ersetzen, oder datz endlich, strenger wie seit- her, die Flutzreaulirung von unten her, statt von oben herab oder aus der Mitte heraus zur Ausführung gelangt,— das find zum Theil rein technische Fragen, denen die iönigliche StaatSregierung fich gewachsen zeigen mutz, wenn nicht L-ben und Eigenthum weiter LandeStheile dedroht fein, wenn unsere dort lebenden Mitbürger nicht in ewigen Sorgen leben sollen. Unter den bedrohten Provinzen ist Schlefien jedenfalls aber eine der am meisten gefährdeten. Ich dilte die königliche StaatSregierung, baldrröglichst zunächst in Echtesten und wenn eS geboten ist, natürlich auch anderwärts, eine eingehende Ermittelung über die Ursachen der so zahlreich Sh jetzt wiederholenden Ueberschwemmungen zu ergreifen, welche bhrlfe schaffen können. Abg. Dr. Wehr(Dt.-Krone): Ich bitte die Regierung, nach dem alten Grundsätze bis äst gm cito dat die Vorlage, sobald fie Gesetz geworden ist, schleunigst auszuführen. Die Vorlage wird hierauf im Ganzen unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen. Es folgt die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betref send Abänderungen der Kirchengemeinde- und Synodalordnung vom 10. September 1873. Abg. fv. Rauchhauvt: Der Abg. LmgerhanS hat behauptet, datz in dieses Gesetz die auf§ 14 der Kirchen gemeinde- und Eyirodalordnung bezüglichen Abänderungen Hineingehören, welcher Paragraph aber nur von innerkirchlichen Angelegenheiten bandelt. Zu meinem Bedauern hat der national- liberale Abg. v. Eynern fich dieser Auffassung angeschlossen, in- dem er sagte, daß die Meinung des Abg. Langerhans ebensoviel für fich hätte, wie die entgegengesetzte des Regierungikommiffars. § 14 handelt von der Versagung kirchlicher Gnaden mittel; das StaatSgesetz hat in keiner Weise bestimmt, daß diese innerkirchlichen Angelegenhelten zur Kognition deS Staates zu ziehen find. Es ist schwer festzustellen, was H:rr o. Eynern, bei dem man nicht weiß, wo der Ernst ansängt und der Scherz aushört, fich unter innerkirchlichen Angelegenheiten denkt, ein Mann, der mir sogar Beschränktheit in der Auff.ssung kirch- licher Verhältnisse v-rgeworfen hat. Darüber, od und in welchem Falle ein Geistlicher Gemeindemitglieder von den Gnadenmitteln ausschließen darf, hat dieses Haus nie unv nimmer ein Recht mitzureden. Das StaatSgesetz hat das „placet" zu den kirchlichen Gesetzen in ein-r Form verschärft, die ich geradezu für unerträglich halte. Während die Synodal- ordnung vorschreibt, daß, bevor ein Kirchengesetz dem sawwus episeopns vorgelegt wird, der Kultusminister zu erklären hat, od diejeS Gesetz gegen die StaatSge'etze verstoße, und, während so dem»umwus episeopns eine völlig freie Entschließung vor« behalten bleibt, bestimmt daS StaatSgesetz von 1876, daß daS StaatSministerium feststellen soll, nicht ob, sondern Vatz gegen dieses Gesetz von Staatswegen nichts einzuwenden sei. Dies soll auch in der Verkündigungsformel ausgesprochen werden. Hierdurch wird nun der snmwn» episeopns absolut lahm gelegt. Wir thun gut, den Gefühlen des Miß- behagen», welche fich in wetten Kreisen deswegen geltend gemacht haben, hier Rechnung zu tragen und auf eine »enderung des EtaatSgesetzei zu dringen. Das StaatSministerium hat nach jener Bollmacht auch über inneriirchliche Angelegenheiten fich gutachtlich zu äutzem, so über die kirch liche L-hrfreiheir, über Einführung unv Abschaffung kirchlicher F-fttage und über Abänderungen der Kirch»gemeinde, und Synodalordnung von 1873. Die Staatsregierung bar nur bei der Zusammensetzung der Synodalorgane, bei Erhöhung des Steuerzuschlages von 4 pCt. und bei der A nderung der kollegialen Zusammensetzung der ktrchenregimentlichen Behörden mitzuwirken. Da» vorliegende Gesetz bewegt fich absolut in diesem Rahmen, eS will die Frage der Zusammensetzung der synodalen Organe anderweitig regeln. Der Staat hat nur die Externa der Kirche in setner Hanv zu behalten, umsomehr, als er vor kurzem der katholisch n Kirche gegenüber fich auf den- selben Standpunkt gestellt bat. Ich habe nur das Wort er- greifen müssen, um der Anficht des Abg. Langerhans und da« mit der Fortschrittspartei unseren einstimmigen Widerspruch entgegenzusetzen.(Beifall rechts.) Abg. v. Eynern: Herr v. Rauchhaupt hat wohl nur die Rede gehalten, welche er für den Antrag H rmmerstein vorbe- reitet hat. Ich habe Niemandem Beschränkrheit in der kirch« lichen Auffassung vorgeworfen, am wenigsten Herrn v. Rauch- baupt, dessen außerordentliche Kenntnitz in Bezug auf kirchliche Verhältnisse ich in dm letzten Artikeln der „Hallischen Zeitung" bewundert habe. Er hat darin zweifellos gegen den Antrag Hammerstein Stellung genommen, und ich wundere mich, daß sein Name überhaupt unter diesem Antrage steht. Herr v. Rauchhaupt hat mir tmputirt, ich spräche dem Hause da« Recht zu, in innerkirchlichen Angelegenheiten mitzureden. Ich habe lediglich die Meinungen des Herrn Lang«« hanS unv deS Herrn RegierungSkommissarS einander gegenüber gestellt und mich eines endgiltigen Urtheils begeben. Nachdem Sie die KommisfionSderathung abgelehnt, habe ich mit mehreren Freunden die Sacke geprüft und kann Herrn o. Rauchhaupt ,u seiner Beruhigung agen, daß ich zu der Ueberzeugung ge« kommm bin, datz der§ 14 der Eyirodalordnung in der That tnnerkrrchliche Angelegenheiten behandelt. Abg. LangerhanS:§ 14 der Synodalordnung handelt nicht blos von rnnerkirchlichen Angelegenheiten, sondern von dem Recht der Gemeindetirchenräthe, in einem früheren od« späteren Z-ilpunkt gegen den Entschluß de» Geistlichen in Be» zug auf die Ausschließung von kirchlichen Amtshandlungen Beschwerde einzuleaen. Dieiei Recht deS KiichenratheS soll geändert werden- Nun ist dies aber eine ebenso autzerkirchliche Frage wie in den anderen von der Generaliynode de» schlossenen Aenverungen. Dieser Paragraph gehört daher zur Kognition deS Landtage». Ich halte die vorliegende Veränderung der Synoralordnung, so klein fie auch ist, für eine d« schlimmsten Eingriff- in die Rechte d« Gemeindeorgane und befürchte eine außerordentliche Schädigung der Kirche. Abg. von Hammer st ein: Der Kernpunkt deS§ 14 ist der: haben die kirchlichen Organe das Recht, über solche Fragen, welche die Versagung oaer Gewährung der kirchlichen Gnadenmittel betreffen, seldstständig zu drschließen, ohne datz di.se Beschlüsse der landeSgesetziichen Gnehmigung unterliegen. Herr LangerhanS hat die Nothwendigkeit der letzteren positiv behauptet, und Herr v. Eyaern hat die Frage offen gelassen. Herr LangerhanS ist eigentlich in kirchlichen Dingen nicht ernst zu nehmen, ihm geht ein Verstänvnitz dafür absolut ab und er nimmt andererseits einen kirchlichen Stand- punkt ein. der für die weitherzige Liberalität unserer General- Synodalordnung typisch ist, insofern eS möglich ist, datz L.ute mit solchen kirchenpolitischen und kirchlichen Auffassungen in unseren kirchlichen Körperschaften fitzen.(Oho! links.) Für die Stellung deS Abg. v. Eynern ist charakteristisch ein Brief an die„Westdeutsche Zeitung". worin er sagt, die konservative Partei deS Ostens sei heute aus konfesfionell'r Beschränk- heit und Voreingenommenheit eine prinzipielle Gegnerin der PreSdyterial und Synodalo.ganisa- tion, das treffe nicht nur bei Herrn v. Rauchhaupt, sondern auch bei Herrn v. Hammerstein zu.(Sehr gut! links.) Uedrr meinen Antrag will ich speziell nicht sprechen. Ich habe die Adficht, der R' gierung den Nachweis zu führen, datz, wenn fie nur den Willen hat, die evangelische Kirche freier und selbst» ständiger zu stellen, als nach dem Gesetz von 1876, fie in der Landesvertretu g kein Hindernitz finden wird. Mit den Aus» führungen des Abg. von Rauchhaupt in der„Hallischen Zei» tung" bin ich nicht in allen Punkten einverstanden. Nach meiner Anficht liegt die Entschervung bei Besetz ang von Kirchen« ämtern jetzt nickt beim Over Kirchenrath, sondern beim KultuS« Ministerium. So konnte eS kommen, datz hier eine Diskusston über die Berufung von Kögel und Baur von Virchow mit dem Kultusminister geführt wurde. Es mutz den synodalm Organen ein MrtwirkungSrecht bei Besetzung der Kirchen» ä arlet gegeben werden, um den politischen Einfluß deS Kul- tutministeriums, unter dem das Summepiskopat heute steht, zu mindern. Meinen Antrag werde ich im Winter wieder ein» bling«r.�. � Zedlitz: Auch ich glaube, datz§ 14 der Synodalordnung der Kognition de» Staates nicht untersteht. Da aber das StaatSgesetz von 1876 rnnerlirchliche Angelegenheiten nicht derührt, was auch Herr v. Rauchhaupt zugtebt. so war der Antrag Hammerftein vollkommen überflüsstg. Zwischen dcn Herren v. Rauchhaupt und v. tzammerstein desteht eine Mei» nungSoerschiedenheit auch darin, daß Herr v. Rauchhaupt an» erkennt, daß Kirchengesetze der landesherrlichen Genehmigung nickt vorgelegt werden dürfen, bevor der KultuSmirister fich darüber geäußert hat, od von Staatswesen gegen dieselben etwas»u erinnern ist, während Herr v. Hammerstkin seifst diese gutachtliche Aeutzerung des Kultusministers als eine Beschränkung der Freiheit der evangelischen Kirche beseitigen will. Nun ist der suwmns episeopns zugleich Landesherr und alS solcher wird er dock Kiichenaejetze, weiche nach der Anficht deS verant» wortlichen Kultusministers gegen die S aatsgesetze verstoßen, nicht bestätigen können. Wo>u also der Antrag Hammerstein? Fartnrinnt rnontes et nascitar ridicolns rnns! Wenn aber der.antrug Hrmmerstein da» Band zwischen Staat und Kirche völlig lösen will, dann wird auch der Summepiskopat auf die Dauer nicht au recht zu erhalten sein. Unsere Kirche hat Gott sei Dank seit 1876 ein Organ, welches sagen kann wa» eS will, und g-rave im Interesse der Freiheit und Seldstständig» keit unserer Kirche dürfen wir die Initiative im Sinne de» Antrage» tzammerstein hier nicht ergreifen.(Lebhafter Beifall linkt.) Abg. v. Benda- Sollen wir hier etwa entscheiden, was innerkirchliche Angelegenheit ist und waS nicht? Wenn die H«ren mit dem Gesetz von 1876 nicht einverstanden find, dann mögen fie bestimmte Anträge stellen, dieses Ges.tz zu ändern oder zu beseitigen. Dann wollen wir prüfen, od wirklich diese» Gesetz Eingriffe in die Rechte deS suwmus episeopns enthält. In der Generaliynode wurde dieser Meinung auf das Entschiedenste widersprochen. Herr v. Hammerstein will seinen Antrag im Winter wiederholen. Auf diese Ankündigung hätte er fich beschränken und nicht Angelegenheiten zur Sprache bringen sollen, die hier wenig am Platze find. (Beifall links.) Abg. Windtborst: Wir haben uns seinerzeit gegen das Gesetz von 1876 ablehnend vei halten, weil wir darin tiefe Eingriffe in das innerkirchliche Leben der evangelischen Kirche zu sehen veranlaßt waren: wir werden konsequent auch gegen d'e zur Debatte flehende Vorlage stimmen, da wir jetzt jenes Gesetz von 1876 dekiaratoii ch zu ergänzen uns nicht für berechtigt erachten können. Der Antrag von Hammerstein steht heute nicht zur DiSkusflon, ich würde sonst nicht Bedenken tragen, die Gründe zu entwickeln, weShalb daS Zentrum sich den Giund» gedanken de» Antrag» freu"dlich gegenüberstellt und auch sein«- seitS die selbstständige Posttion der evangelischen Kirche zu stärken bemüht sein wird. Nach einer mehr persönlichen Polemik zwischen den Abgg. v. Rauchhaupt, v. Eynern unv v. tzammerstein wird die DiS» lusfion geschloffen. In einer persönlichen Bemerkung gebraucht Abg. v. H a m« m e r st e i n in Bezug auf den Abg. v. Eynern den Ausdruck „Lonftistonarwi": der Präsident rügt diese»uldruckSweise all unparlamentarisch durch einen Ordnungtmf. Auch der Abg. v. Sy ner n verfällt dieser Rüge, ali er dem Abg. v. Ham- merstein den Ausdruck»urückgievt. Art. 1 deS Gesetzes wird darauf gegm Zentrum und Frei- finnige angenommen. Zu Art. 2 stellt Abg. Langerhan« den Antrag, auch den Beschluß der Generalsynode zu§ 14 der Genehmigung deS Landtage« durch die Vorlage zu unlerwerfen. Unter Ablehnung diese« Antrage« wird Art. 2 unverändert genehmigt, detgl. der Rest de« Gesetze«. Hiernach beantragt der Abg. Windthorst die Berta« aung der Sitzung mit Rücksicht aus den um 2 Uhr anstehenden Beginn der ReichStagSfitzung. Dem Anttage schließen sich die Abgg. v. E y n e r n und Rick er t an; da« Hau« beschließt gegen die Stimmen der Konservativen, de« größten Tbeil« der Freikonservativen und einiger Nationalltberalen die Vertagung. Schluß IV, Uhr. Nächste Setzung Sonnabend 11 Uhr.(Dritte Berathung der heute in zweiter Berathung erledigten Vorlagen, dritte Berathung de« G-setzentwurf«, be« treffend die rheinischen Kantongefängniffe, Jrterpellatton von Strombeck, betr. die Ueder schwemmungen im Etchifelde, Wahl- Prüfungen.) Zokales. er. Die Nilchfrage t» Berlin. E« ist eine hinlänglich bekannte Thatsache, daß es in Berlin eine ganze Anzahl von Geschäften und GeschäftSleu'en giebt, die den Aufschwung ihrer Unternehmungen einzig und allein einer mehr oder weniger ge« schickten Reklame verdanken. Die Reklame macht heute viel, vielleicht Alle«, und e« ist im Grunde genommen einen Ge« schästs manne auch nicht zu verdenken, wenn er sich und seine Erzeugniffe so oft al« möglich dem Publikum in empiedlende Erinnerung bringt. Die Reklame darf jedoch niemals zum Humbug außarten, und«S darf nicht zugelassen werden, daß auf Kosten rechtlicher und ehrlicher Geschäftileute, die sich red- lich im Schweiße ihre« Angesicht« quälen, einem einzelnen großen Untemehmer unveidiente Vortheile zugewandt werden. — Wir fanden vor einigen Tagen in ein-m hiesigen Blatt einen recht plumpen Reklamearttkel für den Mtlchpächter Bolle, deffen marktschreierische, zudringliche Klingelet wohl schon jedem Berliner unangenehm gewesen ist. Die Auiführungen reizten un« unwillkürlich, der Sache einmal auf den Grund zu gehen, und wir kamen mettwürdiger Weise zu ganz anderm Resultaten und Anschauungen, al« wie sie in jenem Artikel niedergelegt find. Von vornherein gestehen wir natürlich sehr offen ein, daß wtt un« so leicht nicht tmpon.iren lassen, selbst nicht durch geheimnißvolle An- deutungen, durch welche der Verfasser jene» Artikel« seiner Person ohne Zweifel ein amtliche«, wenn nicht ja obrigkeit- ltche« Relief zu geben bestrebt ist. Der Herr Autor schreibt nämlich bescheidener Weise von fich selbst:„Ich wurde im Monat März d. I. zum Studium diese« hochinlefessanten Eta- bliffementt(nämlich de« Bolle'schen. Red. des„Berl. Volk« blatt") durch den Ehcf„unsere«" Mmisterium« für Ack-rbau, Handel und Industrie nach verlin entsendet und muß gestehen. daß ich trotz hochgespannter Erwartungen, von dem wa« ich fand, aus'« Höchste überrascht war." Wir wissen nicht, od fich der„Lokal-Anzeiger", in welchem der erwähnte Aussatz steht, schon ein Ministerium für Ackerbau rc. zugelegt hat, einem an- deren Ackerdauminister dürfte wenigst-n da« Bollr'sche Milchver- zapfung«institut höchst gleichgiltig sein Möglich wäre e« jedoch, daß in den Spalten jene« Blatte« vielleicht irgend ein ehemaliger Ministerialbeamter sein Wesen treibt, ebenso wie man jetzt da- selbst verflossene Kriminalisten al« geschätzte Mitarbetrer ver- wendet. Abgesehen j-doch hiervon, so enthält der Artikel doch eine ganze Unmasse von thatsächltchcn Unrichtigkeiten, die un- bedingt der Klarstellung bedürfen. Selbstredend ist nur Herr Bolle der Mtlchkönig, welcher einzig und allein dem Publikum ungefälschte, d. h. unverwäfferte Milch verkauft. Die Thättg. keit der NahrungSmittelpolizei ist natürlich absolut nicht im Staude, da« Publikum vor den Kunstgriffen gewissenloser d. h. aller anderen Händler außer Herrn Bolle zu schützen. Der Sachverhalt scheint jedoch ein ganz anderer zu sein. Zunächst konstatirt der letzte polizeiliche Bericht, daß bei 2346 vor- genommenen chemischen Untersuchungen fich nur in 23 Fällen eine Verfälschung der Milch nachweisen ließ. Diese Thatsache mag diejenigen aufgeregten Gemüther wieder beruhigen, welche durch die sogenannten„Enthüllungen" de« Bolle'schen Artikel« in ein gelinde» Gruftln versetzt find. Nach diesen„Enthüllungen" nämlich dürste eigentlich kein Mensch mehr einen Tropfen Milch genießen.— außer Bolle'scher natürlich— wenn er fich nicht leichrfertiger Weise gräßlichm Krankheiten und wenigen LeibeSfchäden aussetzen will. E« wird noch schließlich so weit kommen, daß man Stammregister der Kühe anlegend wird, in welchen die Krankheiten der Väter, Groß- und Urgroßväter de« Rindvieh« angegeben werden. ES find da» Alle« jedoch nur die gewöhnlichen Kniff-, die man ja häufig im Leben anwenden steht, den Gipfel der Unver- frorenheit erklimmt Herr Bolle jedoch, wenn er von fich und seiner Mtlchwirthschast da« Folgende schreiben läßt: „Herrn Bolle'« größter Slol, aber ist der, daß die Kinder- sterblichkest Berlin«, die bi« 1881 in einer steten Zunahme be« griffen war, seit dem Jahre 1881 keinen Fortsch itt mehr macht, sondern seitdem, trotz der dedeutenden Zunahme der Be- völkerung, auf einem Punkt stehen geblieben ist. Wir sehen also, daß trotzdem es dl« heute immer nur ein kleiner Bruch- theil der städtischen Bevölkerung genannt werden kann, der tbeil« intelligent genug dazu ist, thiil« im Trouble der täg« lichen Geschäfte fich die Zell dazu nimmt, sich um die fichere Provenienz de« wichtigsten aller Nahrungsmittel zu kümmern, dennoch die Erfolge der rationell organifirten und exakt ge- leiteten heutigen MilchverkaufSzentren in die Augen fallende find."— Endlich also ist da« große Räthsel gelöst: Unser ge- schätzte! Herr Mitbürger Bolle maßt fich in äußerst di»kreter und zurückhaltender Weise an, daß er Brechdurchfall, Darmkatarrh, Dipbtheriti« ui d alle diejenigen Krank- heiten au» der Welt schafft, an denen bither Säug- linge zu Grunde gegangen find. ES ist eine Perle an edler Bescheidenheit— leider strafen ihn jedoch die Zahlen, die er selbst über sein Geschäft veröffentlichen läßt, in recht unan- genehmer Weise Lügen. Seine Anstalt bringt, wie er selbst zugiedt, täglich 30 000 Liter Milch in den Verkehr.„Wa« will da« sagen für eine Stadt wie Berlin?" Von anderer, mehr sachverständiger Seite wird un« nämlich folgende Rechnung aufgestellt. Von den wirklich vorhandenen 30 000 L tern Mrlch gehen 12000—13000 Liter ab, welche Hm Bolle in z-ntri- fugirtem Zustande an die Bäcker zum Backen verkauft, 4000 Liter bleiben ihm täglich zum Käsen übrig, der Rest, der zum Einzel- verkauf gelangt, verdient wirklich nicht, daß man so viel Auf- heben« davon macht; dies« geringfügige Quantität Milch auf die Millionenstadt vertheilt, hat, wie jedem ernsthaften Menschen einleuchten wird, auf die allge- meine Kindersterdlichkeft nicht den allergeringsten Em- giß. Die Verminderung der Kindersterblichkeit in erlin hat denn doch ganz andere Gründe al« sie fich in dem Kopf de«„ministeriellen Schreiber«" de« Herrn Bolle wider- spiegeln. Im übrigen erfahren wir au« dem Artikel de« „Lokal- Anzeiger«" noch manche« Jntereffante über die Geschäft«- führung de« Herrn Bolle, über ein au«gedehnte» und wohl- organifirtes Spionagesystem, über seine wohlvresstrten Klingel jungen, die im Sommer auf Kommando deren, im Winter auf Kommando in demselben Lokal Komödie spielen müssen u. s. w. Z veck dieser Zeilen war, die geschädigten Milchhändler Berlin« gegen einen Mann in Schutz zu nehmen, der mit dem Hoch- druck einer ungerechtfertigten Reklame arbeitet. Sollten diese Zeilen nicht genügen, so werden wir auf denselben Gegenstand noch de« Oefteren zurückkommen. Welche sonderbare» Charaktere verlin i« fich birgt, bezeugt folger der Fall. Im November 1884 lief eine Notiz durch die B rliner Zeitungen, daß ein Russe israelitischen Glauben«, Student der Chemie und Zuhörer der Professoren Hofmann und Pinner, au« Mangel an Subfistenzmitteln ge- beten habe, ihm bei der während der Nachtstunden hier de« sorgten öffentlichen viraßenreinigung Beschäftigung zu geben, daß ihm mit Rückftcht auf die von ihm beigebrachten guten Zeugnisse der genannten Professoren sein Wunsch gewährt wor- den und daß er seitdem allnächtlich hei der Straßenreinigung von Berlin beschäftigt sei. Der UniverstlätSrichter glaubte fich damals veranlaßt, au« Anstand«; ückstchten Schritte zu thun» um den Unglücklichen au« dieser Sleckung herauSzriziehen, gelangte jedoch nicht zum Ziele, da man ihm die Person nicht namhaft machte. Der Student der Coemie M. war damal« in vielen Kreisen eine de- rübmte Persönlichkeit geworden. Jetzt erhält die «Voss. Zig." über ihn au« zuverläsfiger Quelle folgende überraschende Mrttheilungen. Thatsache ist, daß M. im Ja- nuar 1877 mit einem auf 5 Jahre lautenden P isse au« Ruß- land, wo er Frau und Kinder zurückgelassen hatte» hier ein- wanderte. Er suchte angeblich hier Gelegenheit, da« Wesen der SpirituSfabrikatwn und Destillation theoretisch kennen zu lernen, um späterhin diese Kenntnisse in seinem Vaterlande und zu seinem Nutzen prattisch zu verwerthen. Ohne alle Mittel, der deutschen Sprache vollkommen unkundig, ohne jeden Anhalt hier am Orte, war er dem Verhungern nahe, al« er damals, durch einen Zufall geführt, Arbeit der der Straßen- reinigung fand. E- fand fich bald in die Verhältnisse und zeichnete fich duich Anstellipkrit, Pünktlichkeit, Fleiß, Diensteifer und unverdl offene« Wesen so vortheilhast au«, daß ihm besondere« Wohlwollen, Theil ahme und vielfach auch Schutz zugewandt wurde, der ihm nöthig war, denn er hatte mannigfache Angriffe und Kränkungen feiten« seiner Mitarbeiter zu erleidm. Er aber verfolgte anscheinend beharrlich sein Ziel, fegte de« Nacht» die Straßen und Höfte am Tage die Vorlesungen auf der Univer- fität vi« Ende Mai 1886. Da meldete er fich plötzlich krank, al« er t» eine andere Astheilung versetzt werden sollte» und gab schließlich die Stelle als Straßenfeger aus. Man kannte ihn al« einen eigenen Chrrafter, welcher jede fremde Hilfe und Unterstützung auf das Bestimmteste adwie« und, um Niemand verpflichtet zu sein, vorzog, seinen Unterhalt und die zum Studium noth wendigen Mittel fich durch harte Handarbeit zu erwerben. Seine Starrheit ging soweit, daß er z. B. in einem Krankheitsfälle bestimmt ablehnte, diejenige Unterstützung an- zunehmen, welche sonst kranken Ardeitern ohne Wettere» ge- wählt wird. Anträge, welche ihm in Folge der Z-ttungs- notizen im Jahre 1884 zugegangen waren, hatte er entschieden abgewiesen, die Annahme von Gelt sendungen, die ihm zu seiner Unterstützung mit der Post zugingen, verweigert, ja sogar ein ihm angebotene» Stipendium von 1200 Mark zurückgewiesen und nur darum gebeten, möglichst in Verborgenheit weiter Straßen fegen zu dürfen. Sein plötzlicher Abgang von der St-aßenreinigung hat Veranlassung gegebm, seinem Thun weiter nachzuforschen, und da ist man auf wunderbare Wahr- nehmungen gekommen, die den Gedanken nahe legen, daß jene Straßenfegerardeit, die neun Jahre gedauert hat, einen ver« dorgenen Zweck hatte, ebenso der Besuch der Unioerfität. Bei der Slraßenreinigung find sehr viele Leute au« Polen oder polnischer Abstammung beschäftigt und auf der Uni- verfilät stuv ren viele Russen und Polen, die nach der Anficht der rusfiscken Regierung sorgsättiger Ueberwachung bedürfen. Beim Siraßenfegen mag der Zweck erreicht sein. Der sonderbare Mensch lebte seit seinem Abgänge von der viraßenreinigung und dt» zu setner jetzt erfolgten Abreise von Berlin auf großem Fuße, veriügte plötzlich über nicht unde« deutende Geldmittel. Jetzt fäät e« erst auf, daß er in der Aera der Ausweisungen unbehelligt geblieben ist, obwohl sein Paß längst abgelaufen war. Viele unter seinen Vorgesetzten, die ihm ehedem ihre Sympathie zugewendet hatten und be- müht gewesen waren, ihn in seinen Verbältnissen vorwärts zu bringen, gl mden fich schamlo« dettoaen. Gott weiß, in welchem neuen Wirkungskreise er seine Beobachtungsgabe jetzt ver- werthet. Die erhoffte Frequenz der eröffnete« Markthalle« in Berlin scheint trotz aller versuchten Gegenerklärungen doch nicht in dim Maßstade eintreten zu wollen, al« man vor Er- öffnung derselben angenommen Hai. Al« Thatsache wird un« oerchi-ft. daß fich in der Markthalle in der Lindenstraße eine große Anzahl leerer Stände befindet und noch eine Verweh- rung derselben für die allemächste Zeit zu erwarten ist. Wa« weiter geschieht, ist vor der Hand nicht zu beurthetlen. Ader nickt nur hier, sondern auch in den übrigen Markrhallen, viel- leicht mit alleiniger Ausnahme der Zmtralmarkthalle in der Neuen Fftedrtchstraße, ist da« Vorhandensein vakanter Stände größer al« die Nachfrage nach denselben. Die Hauptverkehr«- tage find, wie die« auch bei dem früheren Marttoerkehr der Fall gewesen, der Mittwoch und der Sonnabend, an den übrigen Tagen gestaltet fich der Verkehr nur äußerst schwach und steht in keinem Veihältniß zu dm großen Unkostm, welche die Inhaber der Marvballm« stände haben. Die jitzigen Zustände bezüglich der Verkauf»- , eilen find ganz unhaltbar und man erwartet unbedingt eine Abänderung wenigsten« dabin, daß die Markthallen von früh Morgen« bi« Nachmittag« 3 oder 4 Uhr geöffnet find, dann aber geschloffen werden. Neben dm vielfach bereit« erwähnten pestöclen Familienleben durch die jetzigen Verhältnisse sind die Markthallenleute verpflichtet, fich in dm umliegendm Nestau- rationm zu verpflegen, da ste während der MUtagSpause nicht ihre weit entfernten Wohnungen aufsuchen können. Hierdurch steigern sich nicht nur die Unkosten in ganz erheblicher Weise, sondem für die häuiliche Versorgung der Kinder und sonsti- gen Angehörigen muß durch Dritte Sorge getragen werden, wa« ebenfall« wieder die Unkostm erhöht, die durch die hohe Standmiethe schon ohnehin ganz beträchtlich find. Die Reaulirungtarbeitea in der Spree bei Spandau haben ihren Zveck erfüllt. Während sonst im Sommer bei niedrigem Wasserstand die Spree nur sehr flach gehend« Schiff«- gefäße pasfiren konnten, ist jetzt die Fahrstraße so tief, daß schwerbeladene Eldkähne ungehindert fahren können. Auch die Berlin-Stettiner Frachtdampfer benutzen jetzt statt de« Schiff- fahrtSkanal« die Spree. Der Verkehr durch die Charlotten- burger Schleusen betrug im vorig- n Jahre 27 000 Fahrzeuge. Da der Wehrschluß erst in der Mitte Juni v. I. staltfand und die tiefgehenden Schiffsgefäße bi« dahin noch den Schifffahrt«- kanal benutzen mußten, so dürste die Zahl in diesem Jahr« noch wesentlich höher werden. Beim jetzigen Wasserstand gehen wieder zahlreiche Kähne thaladwärt« über da« Trommelwehr. Die htefige Schleuse haben in diesem Jahr« nahezu S000 Fahr. zeuge paffirt. Ein Uedelftand hat fich bereit« hier bemerkbar gemacht, der fich später noch erhöhen dürfte. Breite Eldkäbn« können hier wohl durch nach Berlin fahren, aber hier nicht auSladm. Obwohl mehrere stävttsch« Ausladestellen vorhanden find, köi-nm die erwähnten Fahrzeug« nicht dahin gelangen. Zu der Ausladestelle, die noch unterhalb der Schleuse liegt, muß die Berliner Thordrücke pasfirt werden, deren Durchfahn«. joch noch nicht 22 Fuß breit ist. Die Stadt befitzt noch große llf erstrecken an der Urterhaoel, die theil« schon mtt Bollwerk versehm find, aber zu Autlaveplätzen nicht verwandt werdm dürfen. Auch die Geschützaießeret, die stüber an der Spree mehrere besondere maffioe Unterbaue hat herstellen und darauf Krahne zum Entladen der Kähne hat ausstellen lassen, ist an gewiesen worden, fall« st« serner dort Auiladestcllen haben will, an ihrem Grundstück entlang da« Ufer zu erwerben und ei« vorschriftsmäßige» Bollwerk errichtm zu laffm. Eine bekannte Eigenart der Deutsche« ist die N igung, Vereine zu bilvm, und e« giebt wohl kaum ein Moment, daß nicht bereit« zur Geselligkeit und gemein chast» lichem Thun ausgedeutet worden wäre. Jndeß behält der vielzitirte Weltwetse mit seinem Ausspruche:„Alle« schon da« gewesm," doch einmal Unrecht, e« desteht in der Residenz eine auf„staatliche Einrichtungen" gegründete Korporation, und »war ohne die üblichen Statuten. Sie würde fich bei fester Organisation„Verein der Wieder-Jmpflinge" nennen können. Auf dm öffentlichen Spielplätzen, während der Zwtschm- stunden auf Schulhöfm, bei Schulausflügen bilden fich stet« Kindergruppen, die durch da« gemeinsam vergossene Blut bei der Wiederimpfung treu zusammengehalten werden. Die Mit- glieder der wunderlichm Sekte tragen ein Verbindungvzeichen, da« allerding« mehr eine„Schutzmarke" ist und in einem rorhm Kreuze am linten Oberarm(der Impfstelle) besteht. Um die heralbische Fo m de« zur Abwehr gegen die hauptmchlich unter der männlichen Schuljugend grasfirenden Püffe und S öße angedrachtm WarnungSzetchen« haben fich die Träger desselben wenig Sorge gemacht, einige brilliren mit dem echten Genfer, andere mit dem Malteser Kreuz, die Mehrzahl be- gnügt fich indeß mit dem einfachen von der Mutter sorgfälllg aufgenähten Pluszeichen(+)• Bei den Mädchen äußert fich der Schönheitssinn in Form von angelegten, die Jnp'wunde bezeichnendm rothm oder blaum Bändern und Schleifen, welche von den jüngeren, noch nicht zwöljährigen Schülerinnm mit Ehrfurcht und Neid betrachtet werden. E« gift gegen alle« Hrrkommm, guten Taft und unter aller Wü de, einen Ntchtimpflmgin die Genossenschaft aufzunehmen. Ist bei dem ordentlichen Mitglied ärztlicherseits der„Erfolg" der Jmpwng konstatirt, so verschwindet da« Kreuz am Arme, der Impfling scheidet au« dem Vereine und kehrt in die Reihen der anderen Kinder zurück. ES dürste uamentlich für durstige Seele« interessant sein, zu erfahren, wie viel Bier Berlin produztrt und wieviel davon in der Reichshauptstadt selbst getrunken wird. Die Zahl der Hierselbst arbeitenden Brauereien ist im vergangenen Jahre von 55 auf 59 gestiegen, und zwar fällt die Zunahme auf die Braun, Bitter- und Weißbier-Brauerei-n. Pcovuzirt wurden 2 212 060 Hektoliter Bier und zwar 1 503 060 Hektoliter untergäzrtge« und 709 000 Hektoliter odergährige« Bier. Nach der Zählung von 1885 beträgt die Einwohner astl Ber« lin« 1 322 673'demgemäß betrug die Produttion 167% Liter pro Kopf und Bevölkerung. In München betrug die Produk« tion 756,3 Liter pro Kopf der Bevötterung, fie ist alfo dort über viermal so groß wie in Berlin. Die G-sammtprobuktion der Berliner Brauereien beziffert fich auf 6069 Hekioliter pro Taa. der Gesammtwerth der produzirten Biermenge auf 34 769020 M. Ausgeführt von hier find 185 008 Hektoliter, impoftirt dagegen nach Berlin, in erster Reihe au» Bayern, 169 372 Hektoliter. Der Durchschnittskonsum der geiammten Berliner Bevölkerung ist von 169 Liter pro Kopf im Vorjahre auf 166 gefallen. Von 1881—1884 war derselbe allmättg von 153 auf 169 Liter gestiegen. Et« eigenthümltcher„Pattent" befindet fich, dem „Berl. Tgbl." zu Folge, gegenwärtig in der Charttee. ES ist ein junger Berliner, dem hier da» Glück nicht besonder« hold war und der deSbald sein Hell jenscii« de« Ozean« suchen wollte. Er war deshalb auch bereit« nach Hamburg gereist, dort wurde ihm aber so übel mitgespielt, daß er die Aus- Wanderung aufgegeben hat. Er war in Hamburg in eine Kneipe gerathen, in welcher er fich einer Gesellschaft Matrosen anschloß, die ihm recht wacker zutranken. Unser Landsmann trank den Seeleuten so tapfer Bescheid, daß er schr bald be» rauscht war und in einen tiefen Schlaf fiel. Diesen Zustand mißbrauchend, tätowirten ihm die Matrosen den Unterarm, ließen e» aber damit nicht bewenden, sondern ätzten dem Be- rauschten auch noch einen Käfer auf.... die Nase. Der Schreck de» in dieser infamen Weise Gezeichneten, al« er am nächsten Morgen seine verunstaltete Nase im Spiegel sah, läßt fich leicht denken. Der Aermste hatte genug von der Au«- Wanderung, er kehrte nach Berlin zurück und befindet fich jetzt, wie gesagt, in der Charttee, woselbst man Versuche unter« nimmt, dai bunte Ungethüm von der Nasenspitze zu ent- fernen. Die Zettungeu und Journale in de« Cafö'S und Kondttorete« definden fich bekanntlich zumeist in höchst trau« rigem Zustande. Sie find, wmn fie erst durch die Hände von mehr als sech« Lesern gegangen, gewöhnlich deschmutzt, zmiffen und geben un« die trostreiche Gewlßhei, daß unsere Vorgänger Chokolade, Kaffee geschlürft haben oder ein besondere« Faible für Apfelkuchen mit Schlagsahne desttzen. Um diesem Unwesen zu steuern, hat jetzt der..Verein selbfiständtger Kondttoren Berlin«" einen Aufruf erlassen, der in sämmtltchen Konditoreien angebracht ist und folgendermaßen lautet:„Bitte I Im Jnter- esse der geehrten Gäste wird höfl chst um Schutz der Z-itungen und Journale ersucht. Da« Ausschneiden von Annonzen und die Verstümmelung der Journale find nicht gestattet."..... Merki's Euch, Ihr Z-UungS-Vandalen! Ueber einen Ranbanfall in Charlottenbnrg wird be« richtet: Am Mittwoch, Nachmittag« gegen 2 Uhr, wurde ein in Charlottenburg Stellung suchender fremder Arbeiter von elmm unbekannten, anstandig gekleideten Manne auf der Straße angesprochen, der ihm, all er erfahren, daß jener Stellung suche, eröffnet«, daß er eine solche für ihn jetzt gerade in Aussicht habe. Einem gleich darauf gemachten Vorschlag, zuvöiberst zu einem gemeinsamen Trunk nach der Goiedraueret zu gehen, entsprach der Arbeiter daher mtt Freuden. Vor dem Eingang« zur Brauerei angekommen, entriß der Unbekannte dem arglo» neben ihm gehenden Arbeiter plötzlich Uhr und Kette und stürmte dann durch einen zwetten Ausgang der Brauer« dem freien Felde zu, wo er in einem Kornfeld« ver» schwand. Ein Hausdiener de» Oekonomen, der den Vorgang mtt angesehen, machte fich sammt dem Beraubten schleunigst an die Verfolgung, die von Erfolg war, denn al« Polizei« beamte erschienen, trafen auch die Verfolger mtt dem Räuber «in. Derselbe wurde zur Wache befördert, wo er angab, ein Bäckergeselle au« Berlin zu sein. Einem alte« Schwindel ist vor einigen Tagm ein efiger Holzhändler zum Opfer gefallen. Zu demselben kam nve vergangener Woche«in anstandig gekleioeter Mann, der fich für einen Zimmerpolier ausgab und für Rechnung eine« Bauerngutediflser« in Schönefelv vier Schock Bretter bestellte. Ali am andern Morgen ein Kutscher dei Händler« mit den Brettern den Kottduser Damm entlang fuhr, trat ihm der un- dekannte Besteller entgegen und bat» mtt dem Wagen am Roll- krug zu warten, da er noch einige Zimmergesellen miethen und gleich mitnehmen wollte. In der That erschien de- Unbekannte auch bald mtt drei Leuten, die mtt ihm auf dem Wogen Platz nahmen, um mit nach Schönefeld zu fahren. Unterweg« ließ der Besteller den Wagen plötzlich hatten und eine Anzahl Bretter im Werth« von 40 M. auf einem Holzplatz in Rixdorf abladen, worauf er dm Kutscher mit zwei Ardeitern nach Schönefeld weiter sandte: er selbst blieb aber mit einem der- seldm zurück. In Schönefeld stellte sich herau«, daß dort über« Haupt leine Bretter bestellt waren, bei der Rückkunft in Rix- dorf ab« waren die Bretter verschwunden. Den Nachforschungen der Polizei gelang e« nach längeren Bemühungen, die Bretter, dt« tnzwtschm für den halbm Prei« an einen Rixvorser Ein- wohner verkauft waren, mit Beschlag zu belegen, während von dem Schwindler bi» jetzt noch jede Spur fehlt. von dem„rasstatrten Gaunerstretch", durch welchen vor einigen Tagen— nach dm Mttthetlungen einer hiefizen Korrespondenz— eine Dame um ca. 450 Mark, die ste eben an der Rouponlaffe der kaiserlichen ReichSbank erhoben, er» leichtert worden sein sollte, ist in der ReichSbank selbst nicht da» Mindeste bekannt geworden, obwohl auf Grund der be» treffenden Notiz sofort an den betreffenden Zahlstellen entsprechende Nachfragen gehalten worden find. ES scheint somit, dast die Geschichte der Korrespondenz, welche fit den Zeitungen zugetragen hat, in frivoler Weise aufgebunden worden ist.— Wir hatten übrigen» gleich bemerkt, daß die Geschichte sehr nach „Gurke" schmeckt. Der Herina spielt augenblicklich eine Hauptrolle in der Epeisekarte de» Berliner AlltagSmenschen, denn die Sommermonate bilden die Zeit, in welcher der stlberglänzende Meer« bewobner auf allen nur möglichen Wegen und Umwegen in die Näh« der großen Speisekammer zu gelangen sucht, durch welche Berlin versorgt wird. Die ersten Zufuhren de» neuen Matjet-Hering pflegen schon Mitte Mai in Berlin einzutreffen, ihnen folgen die HauptquantitSten in den Monaten Juni, Juli und August. Die ersten neuen Schott-, Voll- und Schott- NatjeS H-ringe stellen fich gewöhnlich anfangs Juli ein; im August kommen die Berger Fettheringe, und ihnen folgen dann die Holländer Heringe, mit denen der schottische Hering neuer- ding» stark lonkunirt. Ei« beklagenSwerther Unglücksfall trug fich gestern Abend auf dem Grundstück Thaerstraße 12 zu. Während ein 12jähltger Knabe dort auf dem Hofe mit Holzhacken beschaftrgt war, legte dal 4jShrige Töchterchen eine» in demselben Hause wohnenden Schlächtermeisters in demselben Augenblick die Hand auf dm Hauklotz, alö H. zuschlug. Dem Kinde wurden dabei drei Finger der linken Hand abgehauen. Am Grabe seiner Kran erschoß fich am Dienstag Nach- mittag der Zimmermann Michaelis auf dem Luisenkirchhof in CbarlotUndurg. Der vom Lebensüberdruß Geplagte hatte vor- her von feinen Kindern zärtlichen Abschied genommen. Die von dm Verwandten infolge deffen angerufene polizeiliche Hilfe kam zu spät, um die That verhindern zu können. Ein stürzte gft Mit zerschmettertem Schädel'und mehrfach' gebrochenen Glied maßen wurde L. von den herbeiellenden Arbeitern aufgefunden und, da der Tod inzwischen eingetreten, auf Anordnung der Polizei in da» Leichmschauhau» eingeliefert. Da» Pferd eine» Geschäftswagens wurde gestern Nachmittag an der Linden- und Ritterstraßen. Ecke scheu und ging mit dem Wagen durch. In der Ritterstraße rannte eS gegen da» vor dem Militararre?tlokal stehende Schilderhau», welche» durch den Anprall umstürzte und im Fallen einen 13 jährigen Knaben, welcher hinter demselben vor dem durch. gehenden Pferde Schutz gesucht hatte, am Hinterkopfe ver- letzte. Der Knabe erhielt eine ca. 12Ztmtr. lange Wunde und wurde nach Anlegung eine» Verbände» nach der elterlichen Wohnung gebracht. Bei einem berüchtigten Hehle« wurde von Beamtm der Kriminalpolizei ein blaue», reich mit Spitzen besetzten Sam- metjacket mit«eschlag belegt, welche» au» einem Diedstabl herrührt. Daffelde ist für ein; korpulente Dame gefertigt, halb- anschließend und ziemlich lang. Ferner wurde ein olivdrauneS Seidenkleid und Schoßtaille und Schleppe mit draunm über- sponnenen Knöpfen und schwarzer Seidenspitze besetzt, vorge- funden, das gleichfall» gestohlen ist. Die unbekannten Eigm- thümer können fich beim Kriminal-Kommiffar, Zimmer 77, melden. Markthallen» Bericht von I. Sandmann, städtischem VerkaufSvermttiler. Berlin, dm 25. Juni. Die Zufuhr wurde heute durch die von außerhalb eingegangenen Aufträge zum großen Theil aufgenommen. Die Versorgung der Provinzen verursacht, daß die W-raren in Berlin wieder einen günstigen Preisstand erreichen. Wild und Geflügel find leicht in jedem Posten abzugeben und größere Zufuhren darin erwünscht. Ache bringen 120—160 Pf. ver Kilo, junge Gänse 3—4 M., junge Hühner 50-80 Pf., alte 125—160 Pf., junge Enten 1—1.20 M. pro Stück, Taubm 70—90 Pf. pro Paar lebend. Obst und Gemüse. Erdbeerm 50—70#., Kohlradi 0,75—1,50 92. pn Schock, Karotten 0,75—1,50 M. per Kiepe, Tomaten 1,20-1,60 M, Gurken 18—25 Pf. per Stück, msstsche Gm- H welche, frisch in Salz gelegt, ein begehrtes Kompot bilden, sowie Pfirfiche, Aprikosen und Birnen find avifirt. Butter unverändert. 1 90-100 92., IL 75-80-85 92., M. 55-60 di» 65 92. per Ztr. Käse, echter Schweizer 70-80 M., I. imi- tirter 50—60, U. 40—45, echter Hollander 65 bi« 80, rheinischer 45-70 92, □ Backsteinkäse I. 16-20, II. 10-14 9t. per Ztr. Eier kosten 2,05 92. per Schock nach Börsmüsanze. fische: OstseelachS 1,00— 1 20 per Pfd., Steinbutte 0,80-1,00, Polisetbericht. Am 24. d. 92. Nachmittags wurde auf em Stettiner Bahnhof der Portter von einem Arbeiter, mit «m er in Wortwechsel gerathen war, mit einem Stock so Üb« en Kopf geschlagen, daß er bcstrniungZlo» hinfiel und mittelst Gaschke nach dem LazaruS-Kcankenhause gebracht werden mußte. - Zu derselben Zeit wurde daS vor einen GeschäftSwagen der firma F. Lau, Vülowstr. 90-91, gespannte Pserd in der iindmstraße scheu und ging durch. ES lief gegen da» vor 'ein Militär- Arrestlokal aufgestellte vchilderhau» und warf 'affelbe um, wodurch einem dahinter geflüchteten Knaben eine licht unbedeutende Kopfwunde zugefügt wurde.— Am Nach rittag wurde auf dem Hofe de» Grundstücke» Scharnhorst. traße 17 der mtt Aufwinden von Brettern nach, der in der rsten Etage de» Ouergebäude» befindlichen Tischlerwerkstatt eschäftigte Tischlergeselle Lude von den in Folge Reißen» de» Laues h'-rabfallenden Brettern zu Boden geschlagen. Er erlitt inen Schädelbruch und starb auf der Stelle. Die Leiche wurde ach dem Leichmschauhause gebracht.— An demselben Tage lbend» starb plötzlich in einem GeschaftSlokal in der Chaussee- tarße ein Mann, wahrscheinlich am Schlagfluß. Die Leiche mrde nach dem Leichenschauhause gebracht. Gertchts-Deitnug. + Ein Mann, der im Dieckhof-Prozeß eine Rolle Vorstrafen hinter fi». Im Älter von fünfzehn Jahren betrat « die Verbrecherlausbahn, die ihn unter andnem dereit» neun Wal wegen Vergehen» gegen da» Eiaenthum hinter Schloß und Riegel brachte. Die lange Gefängnißhaft. er hat davon 7'/, Jahr im Zuchthause geseffm. hat ihn nicht gebeffert und nicht gebrochen. Er ist noch heute ein stattlicher und wmn Man will ein schöner Mann mit scharf markirten Geficht», ügen, der fich mit großer Gewandtheit zu benehmen weiß. Man findet e» erklärlich, daß er früher al» Kellner in den ersten Hotel» und feinsten Restaurant» von Berlin Stellung gefunden hat. Ihm werden eine Reihe von Einbrüchen zur Last gelegt, die im November und Dezember vorigen und im Januar und Februar diese» Jahre» die Bewohner von Berlin W in Schrecken gesetzt haben. Er hatte da» Potsdamer Viertel, jene Gegend der Stadt, wo die glückliche Minderheit wohnt, zum Felde seiner verwegenen Streifzüge gewählt, die er, von seltenem Glück begünstigt, anscheinend allein oder mit höchsten» noch einem Gehilfen in Ausführung brachte. Alle diese Einbrüche waren»ach einem System arrangirt. Ein Sonn- oder Fest- wg oder ein Tag, an dem die Bewohner Spaziergänge oder Besuche zu unternehmen pflegen, wurde regelmäßig gewählt. Der kühne Dieb klingelte an der Thür der Wohnung, die er verlaffm glaubte, und zeigte fich kein Lebenszeichen, dann öffnete er die Thür mit seinem Handwerkszeug und plünderte die Zimmer. Auch bei der Auswahl der Gegenstände, die er raubte, bewies er eine große Erfahrung. Er nahm nur Geld, Pretiosen und Goldsachen, die fich leicht fortschaffen, verw-rthen oder einschmelzen ließen. Ein Zufall führte ihn in die Hände der Polizei. Unsere Leser erinnern fich, wie im Februar d. I. zwei Pollzeideamte einen Einbrecher in der Wohnung der Gräfin Wart-nileben, Kulmstraße 3, in flagranti erwischten. Durch einen Lichtschein in der Wohnung, deren Inhaberin, wie er wußte, verreist war, aufmerksam gemacht, hatte der eine Pollzeideamte vorn geklingelt, nachdem er seinen Kollegen an der Htnterthür postirt hatte. Der Dieb lief dem letzteren auch richtig in die Hände und man erkannte in ihn einen Bekannten, den Kellner Lorchs. Seine Beute im Werthe von 745 92. wurde ihm abgenommen, ebenso ein vollständiges DtebeShandwerkzeug und ihm der Prozeß gemacht. Diesen Diebstahl konnte der Ergriffene nicht in Abrede stellen. Aber um so hartnäckiger leugnete er, fünf andere gleichartige Dieb- stähle in der Bülow-, Dennewitz. und Kulmstraße begangen zu haben. Trotzdem daß unter anderen Verdachtsmomenten auch der Umstand für die Annahme sprach, Laichs sei auch in diesen Fällen der Dieb, daß seit seiner Verhaftung lein Ein- bruch in jener Gegend mehr vorgekommen ist, konme er doch durch die Beweisaufnahme nicht überführt werden. Der Werth der gestohlenen Gegenstände beziffert fich, nebenbei bemerkt, auf einige Tausend Mark. LarchS wurde von der Anklage de» schweren Diebstahls in fünf Fällen freigesprochen, für den einen Einbruch aber auf 8 Jahre ins Zuchthaus geschickt. Auch wurden ihm die Ehrenrechte auf 10 Jabre aberkannt und seine Stellung unter Polizeiaufstcht ausgesprochen. t Soldatenbeleidigungen. Der Schneider A. war am 2. Februar d. I. in heiterer Stimmung. Er hatte eine Bier- reise unternommen, die ihn zum Schluß nach dem Caf6 Kaiser- kröne in der Friedrichstraße führte. Dort wollte er mit einer Taffe„Schwarzen" seine Leine, die ihm nicht mehr parirten und konsequent von der geraden Linie abwichen, wieder zum Gehorsam bringen. Aber der Kaffee mundete ihm nickt, er schmeckte nüchtern und so ließ er ihm noch ein paar Gläser „Pilsener" und einige Kognak» folgen. Zum Schluß erschien der Zählkellner und begann mit unglaublicher Geschwindigkeit die Zeche zusammen zu rechnen. Herrn B.'S Addttionslraft stand aber aus eben so schwachen Füßen, wie er selber, er ge- rieth in einen Streit mit dem höflichen 9tanne in schwarzem Frack und weißer Binde und das Resultat war, daß er etwa» unsanft an die frische Luft befördert wurde. Auf die Straß« gesetzt, begann er mit dröhnender Stimme einem Unbekannten sein Leid und die Ungerechtigkeiten, die er erlitten, zu klagen und trotzdem, daß es lange nach Mitternacht war, hatte fich bald ein Kreis aufmerksamer Zuhörer aus den nächtlichen Straßenpaffanten um den lärmenden Schneidermeister versam- melt, die mtt lächelndem Wohlgefallen seine WuthauSbrücke beobachteten. Gegenüber stand vor der Kaserne des 2 Garde- Regiments der G.enadier G. Posten. Eine alte Vorschrift be- sagt, daß der Wachtposten fich stündlich einmal davon über- zeugen soll, ob in dem Dachboden des Kasernengebäudes fich etwa ein Feuerschein zeigt. Auch der G.enadier G. patrouillirte zu diesem Zwecke auf der anderen Seite der Straße, gerade als der Auflauf vor dem CafS Kaiserkrone stattfand. Im Vorübergehen rieth er dem erbosten Schneidermeister in freundschaftlichem Tone, flch keine Unannehmlichkeiten zu machen und lieber weiter zu gehen. Der nahm die Aufforderung aber gewaltig schief und folgte dem Soldatens schimpfend über die Straße. Vor dem Schtlderhause rief er ihm zu:„Du dummer Junge, Du hast am Schilderhause zu stehen. Ihr dummen Pollacken wollt uns Berlinern kommen!" Nun wurde B. ver- hastet und in» Wachrlokal gebracht. Auch dort benahm er fich noch sehr renitent. Wegen Unfug wurde er in eine Polizeistrafe von 3 Mark genommen: wegen der öffentlichen Beleidigung aber v.-rurtheilte ihn gestern daS hiestge Schöffengericht zu einem Monat Gefängniß.— Besser kam ein zweiter Soldatenbeleidiger fort, deffen Vergehen auch wirklich sehr geringfügiger Natur war. In der Nacht vom 16. April diese» JahreS�ging der Drechsler B. die Waldemarstraße ent- lang an der Trainkaserne vorüber. Der Posten stand zwischen dem SchildhauS und dem Feuermelder auf dem Trotloir und verengte den Weg. B. soll ihn nun gerempett und dabei die Worte geäußert haben:„Bitte, treten Sie ein bißchen bei Sette" I— eine fast zu höfliche Aufforderung, wenn er wirk« ltch in böser Absicht gestoßen hatte. Ein Unteroffizier, der von einem Parterrefenster den Vorgang mit angesehen hatte, lies hinunter:„DaS hat er nicht nöchig I"— B- der schon einige Schritte weiter gegangen war, kehrte zu seinem Unglück um und wollte fich in eine Auseinandersetzung der Pflichten und Rechte eine» Wachtposten» einlassen. Daraufhin wurde erver- haftet. Das Schöffengericht verurtheilte ihn zu einer Geld- strafe von 15 Mark. B. der vollkommen unbestraft ist, betheuerte fortwährend, nicht in böser Abficht gehandelt zu haben. In der Zivilprozeßsache der Erben des verstorbenen RedattenrS Richard Jüterbock gegen den Steueraufseher Richard Maaß wegen Alimentirung stand gestern vor der zweiten Zivilkammer hiestgen Landgerichts l Verhandlung»« termin an. Die im vorigen Termin beschlossene Vorlegung der Strafakten gegen den Steueraufseher Maaß fand statt, und wie» der klägerische Mandatar, Rechtsanwalt Dr. Solomon, daraus hin, daß die dort vernommenen Zeugen die Anführungen der Klage bestätigt, namentlich aber bekundet hätten, daß der Verstorbene in Folge der von Maaß erhaltenen Faust- schlägt ins Geficht dewußtlo» zu Boden gesunken sei und trotz der angestellten Wiederbelebungsversuche nicht mehr da» Be- wußtsein zurückerhalten habe. Justizrath Hagen, al» Mandatar de» Beklagten, stützte seinen Antrag auf Abweisung der Klage auf da» in den Strafakten abgegebene Gutachten der Gerichts« räthe Geh. Räthe Dr. Liman und Dr. Wolff, wonach fich der eingetretene Schfagflaß nicht auf die Spuren von Verletzungen zurückführen lasse. Demgegenüber erachtete Rechtsanwalt Dr. Solomon den Schlußsatz de» medizinischen Gutachtens, daß die fcoße Erregung, in welche der Verstorbene durch die ihm von >!aaß zugefügten Mißhandlungen versetzt worden sei, als Ur« fache de» spontanen Schlagflufses angesehen werden könne, für ausreichend, um daraufhin die Sachverständigen noch einmal über die Todesursachen zu vernehmen, und zwar in Gegenwart der abzuhörenden Vorfallszeugen. Dieser Antrag sei um so mehr begründet, als die Obduftton erst an der verwesten Leiche vorgenommen worden sei, und al» den Sachverständigen die letzten Zeugenaussagen gar nicht bekannt geworden find. Der Gerichtshof beschloß diesem Antrag gemäß auf kommissarische Vernehmung der Zeugen und Sachverständigen. soziales««d ArveLterbeweg«ng< Die Teppichfabrilatton in ihrer Gesammtlage für Deutschland wird nach verschiedenen Berichten der Handel»- kammern als eine sehr ungünstige hingestellt. Die Konkurrenz ist eine ungemein große, der Export gering, die Waarenpreise und die Arbeitslöhne find niedrig. Der Barmer Handels- kammerbericht erklärt dabei, daß stch die Krifi» im laufenden Jahre verschärfen würde. Weibliches Eklaventhum. Daß die Lohnverhältniffe der Berliner Frauenarbeit im Allgemeinen die gedrücktesten find, haben wir wiederholt an dieser Stelle durch Belege be- wiesen. Heut wollen wir ein andere» dunkles Kapitel au» dem sozialen Leben der Besprechung unterziehen. Zu Gunsten der Offiziere, Beamten und der sogenannten„besseren" Klaffen werden Wuchergesetze in Kraft gesetzt, der Arbeiterinnen, welche zum Tb«tl der unerhörtesten Ausbeulung anheimfallen, gedenkt jedoch Niemand. Ach ja, bei ihnen tritt e» weniger zu Tage; was fie leiden und dulden müssen, dringt nicht über ihre und — der Arbettgeber Kreise hinaus. Und daß die letzteren die Stimme erheben würden, ist«ahrlich nicht zu er- warten. Einer der bekanntesten Berliner Schneidermeister, der in und außer dem Hause weit über hundert Näherinnen beschäftigt, welchm er Hungerlöhne zahlt, fesselt die wehrlosen Wesen auf eine ganz eigene Weise an fich. Der Biedermann betreibt, so nebenbei, ein Abzahlungsgeschäft. Natürlich ohne Nebenabfichtm. Nur deshalb hält er e» für unnütz, die be- hördliche Genehmigung zu diesem Zweige seiner Thätigkeit nachzusuchen. Er thut gut daran. Vielleicht könnte e» doch Anstoß erregen, wenn bekannt wird, daß er wöchenttich von jeder seiner Arbeiterinnen, die ihm in die Hände gefallen, sechs Mark einzieht. Es bleibt fich gleich, od der Verdienst der Näherin auch nur 7 oder 9 Mark beträgt und stehen ja noch Nebeneinnahmen offen. Alte Wäsche, Möbel und Kleidungsstücke bilden da» Lager de» Abzahlungsgeschäft». Ein von Motten durchfreffene» Schlaf- sopha läßt sich der wackere Schneidermeister mit 72 Mark be« zahlen, zwei Unterröcke mtt 21 92. u. s. w. Der Mann ver« steht die Menschen. Wer ihm nichts abnimmt, bekommt keine Arbeit. In der Zeit der Roth wird auf Manches eingegangen, da» fich später zu einer jahrelangen Fessel gestaltet. Wirklich hat er e» erreicht, daß eine große Zahl von Näherinnen in einem wahren Sklaven« verhältniß zu ihm steht. Etwas andere»; e» detrifft die Ab- lieferung der Arbeiten von den außer der Werkstellen thätigen Näherinnen. Um 11 Uhr früh ist die hierzu festgesetzte Zeit- Kommt nun eine Arbeiterin früher, so wird ihr nicht geöffnet und kommt fie einige Minuten später, dann heißt es bis Nachmittag» 4 und 5 Uhr warten. Wat die» für eine Frau, die zu Hause 3 und mehr Kinder zu versorgen und eine Stunde Wege» bat, sagen will, wird jeder begr-isen. Doch dem Schneidermeister und Abzahlungsgeschästsinhaber macht daS weiter keine Sorgen. Sond-rbare Zustände herrschen auck in einer hiestgen großen Wäjchefabrik (E. St. u. Co.). In der willkürlichsten Weise werden den Näherinnen, deren Zahl in die Hunderte geht, Ab« züge an den ohnehin kärglichen Löhnen gemacht.„Für ver- pfuschte Arbeit. Häufig find e» 10, 12 und 15 Mark. Und wenn die Näherin wenigsten» das angeblich verdorbene Stück sehe öderes ihr ausgehändigt würde; aber nichts von dem. Die Krönung erhält das Ganze jedoch dadurch, daß die Arbeiterin einen Vertrag unterzeichnen muß, in dem fie stch aller Rechte und gerichtlichen Schrttte begiebt. Wird etwa» gelacht oder irgend ein harmloser Scherz inszenirt, dann stürzt der Werk» führer in dm Saal, wuthschnaubend und drohend. Melden sich nicht die Schuldigen, so werden jeder einzelnen 50 Pf. als Strafgeld in» Arbeitsbuch eingetragen. An» dem Meißner Hochlande, au» dem Städtchen Se britz erhält über die dortigen wirthschaftltchen Zustänbe daS„Sächfische Wochmblatt" einen Brief, dem wir folgende» entnehmen: Der durchschnittliche Wochenlohn ist bei Jnkraft« treten des KrankenkaffengesetzeS auf 9 92. festgesetzt worden. Eine Ausnahme davon machen die Papierfabrikarveiter, denn diese wurden auf zirka 600 92., wöchentlich 11—12 92. eingeschätzt. Das Jahreseinkommen der anderen Erwerbtzweiae er« reicht kaum 4-500 92., da» der Handwerker zirka 300 Mark. Wahrlich, ein recht traurige» Brot! Und dazu die hohen städtischen Abgaben! Sie betragen bi« 300 92. 2,60 92., bi» 400 92. 3,90 M., bi» 500 92. 7,80 92., biS 600 92. 11 92. Die Miethe für Arbeiterwohnungen schwankt zwischen 50 und 90 92. und der jährliche Aufwand von Brennmaterial für eine Haushaltung ist unter 30 M. nicht zu bestreiten. Die Hand- Weberei wird nur noch äußerst selten von jungen Leuten be- trieben. Ende 1885 wurde hierorts die vierte Webfabril er- öffnet und dadurch wurde abermals ein Theil der älteren Handweber brodlo» gemacht. In der Papierfabrik fand zu derselben Zeit eine sogenannte Lohnregulirung statt, d. h. den- jenlgen Ardeitern, die den besten Lohn bezogen, wurde der- selbe um 20—40 Pf. täglich gekürzt, wenngleick andererseits zu bemerken ist, daß 1885 der Gewinn 59 536 92. beträgt, welcher mit 2827 92. dem Reservefonds zufällt, mit 1200 92. und 3800 92. zu Tantiemm und Gratifikationen verwendet und im Betrage von 48000 92. zur Vcrlhcilung einer 4proz. Dividende von 1200000 92. Aktienkapital dient, so daß noch 3708 92.»um Vortrage auf neue Rechnung erübrigen. Die Zahl der hier im Gewerbebetriebe beschäftigten Frauen mag exkl. der Blumenfadrikation einige Hundert betragen. Schutz- vorrichtungm find in den hiestgen W-bfabriken unvollständig. Da die Arbeit aber nicht absolut gefährlich ist, kann man den Mangel derselbm, wie deren Unzulänglichkeit nicht als Uebel- stand bezeichnen; anders in der Papierfabrik, wo kein Jahr vergeht, daß nicht Arbeiter durch Maschinen verstümmelt wer- den. Hier wird zudem Tag und Nacht, sowie auch Sonntags gearbeitet. ,,.,?"�"vin,ialverband westfälischer Bäckermeister hielt in Munster einen VerbandStag ad. Ee wurde u. A. be- schloffen, daß kein Verband»meister gleichzeitig mehr alS h und daß eist Geselle, der nach dem äu-'ftarÄ bände» fortan weder Beschäftigung noch Unterstützung erhalten "U'-»*«< deuIsch-r�Akn' i-e'-itau'n" urtcMt" die R�fenk «a»«3 ä äää» Tonnen PubÖeltoWfen und Spiegeleisen, 37 614 Tonnen Bessemerroheisen, 76487 Tonnen TyomaSroheisen und 27 038 Tonnen Gießetelroheifett. Di- Produktion im Mai 1335 de. trug 313 606 Tonnen. Vom 1. Januar di» ultimo Mai 1886 wurden produzirt 1 427 572 Tonnen gegen 1 661 400 Tonnen wurden aetödtet 507, verletzt 2138.»uf je 1 000 000 durch. s ä; wurden ohne eigene» Verschulden durch Unfälle der Züge MMsM AMMAMZ Nebenbefcbaftfgung wie Bahnunterhaltung,«ahnarbeit. Auf- irs c fönen wurden ohne eigenes Verschulden durch Unfälle der zage u. s. w. 8 getödtet und 40 vttlttzt; infolge �genn Un. vorftcbtigleit beim Betreten der Babn wurden 154(1883/84 230) Personen getödtet und 152(1883/84 177) verletzt. Dur» Selbstmord(bez. Selbstmordversuch) lamen um 122(1883/84 157) und wurden verletzt 3 Personen. Der Streik der Präger in der Luxuip-pierfabri! von Hain u. Mosler. Melchiorstraße 23, dauert noch immer fort. Der Inhaber der Unna weigert fich nämlich auft Hartnäckigste, unser» bescheidenen Forderungen Gehör zu geben. Wir bitten daher dringend, jeden Zuzug zu der genannten Fabrik fern. halten zu wollen; ebenso richten wir an alle Ardeiterorgani» sattonen die Bitte, unt in unserem Kampfe auch materiell unterstützen zu wollen. Unsere Organisation datirt erst vom Januar d. I., ist darum noch wenig erstarv und verfügt nur über geringe Mittel. Briefe und Mitth-ilungen werden erbeten an I. KaSpar, Berlin N., echönholzerstr. 8.- Mit brüder. lichem Gruß: Die Luxutpapierpräger der Fabrik von Hain u. Moiler. Berichtigung. Wir werden ersucht, die Adresse(Stauffer, Schuhmacher in Zürich, Sviegelgaffe), welche in Nc. 142 deS „Berü Volttbl." in einer Notiz über den S ch u h m a ch er. streik in Zürich enthalten war, dahin zu berichtigen, daß UnterstilyungSgelder nicht an erwähnte Adresse, sondern an Herrn W. Dinger, Restaurant Ganter, in Zürich, S ch a f f e l g a s s e 10, zu senden find. Uereine und Versammlungen« ' Der Fachverei« der Etuckateure hielt am Montag den 21. d. M., Adendtz 9 Uhr, seine regelmäßig« Mitglieder« Versammlung ad. Der alte Kasfircr legte den Mitgliedern seine Abrechnung vor. Nachdem die Revisoren durch ihren Obmann ihre Genugthuung über die korrekte Kaffenführung autgesprochen, wurde dem alten Kasfirer, Herrn Braasch, Deckarge erthetlt und der neugewählte, Herr Bahr, trat an dessen Stelle. Der Obmann de« Vergnügungtkomitee« theilte hierauf mit, daß letzteres beschlossen Hab«, das in nächster Zeit stattfindende Stiftungsfest durch einen SommernachtSball zu feiern. Dieser Vorschlag wurde von der Versammlung ange« nommen. Hierauf berichtete der Vorfitzende der Lohnkommisfion Herr Heindorf, daß in verschiedenen Werkstätten gegen den Tarif verstoßen worden, und empfahl derselbe den anwesenden Kollegen(nachdem er noch den zwischen dm Meistern und Gehilfen abgeschlossenen Kontrakt verlesen und darauf hingewiesen hatte, daß dieser gebrochen worden sei). in den Werkstätten von Sander, Kastanien Allee und Esch und Schulz, Möckernstraße, keine Arbeit anzunehmen, biß die Sache geregelt sein würde.(Vergleiche daß Inserat der heutigen Nummer.) Auch befürwortete dersrlbe, daß eS gerathen wäre, die nächste VereinSversammlung ausfallen zu laffm und dafür eine öffentliche Versammlung anzuberaumen. Dieser Votschlag wmde durch einen dahingehenden Antrag unterstützt und von der Versammlung angmommm. Die Statutenberathung wurde soweit erledigt, daß in der nächsten Versammlung die 3. Lesung vorgenommen werden kann. Nachdem noch verschiedme innere VereinSangelegenheiten besprochen und empfohlen worden, recht fleißig auf daS„Berliner„Volks blatt" zu abonniren, schloß der Vorfitzende um 12>/, Uhr die Versammlung. Die freie Organisation der Kauflente hielt am 23. d. ein außerordentliche Mitglieder« Versammlung in den Amin. hallm, Kommandantenstraße, ad. Herr Guttmann referirte über dm Nutzen der Krankenverstcherung für die jungen Kauf» leute und betonte, daß, in Folge der angestellten Ausdehnung deS KassenzwangeS auch auf die Angestelltm im Handels. gewerbe, dir Erhaltung der bestehenden kaufmännischm freien Hilstlaffen zur Wahrung der Freizügigkeit unbedingt« Roth. wend gleit sei. AlS solche sei die Nationale Kranren» und Sterdekaffe für Kaufleute ganz besonders ins Auge zu faffm, weil allein bei dieser die Mitgliedschaft nicht von der Zuge« Hörigkeit zu einem bestimmten Verein abhängig gemacht werde. Leider wäre in Folge der hohen GründungSkoften bei dieser Kaffe diS heute ein Defizit von ea. 300 M. entstände r, dessen Beseitigung, um die Kasse zu erbaltm, nunmehr nicht länger aufgeschoben werdm dürfte. Der größere Theil derselben würde vorauSfichtlich auS dem Ertrage des zum Besten der Kaffe am 30. d. Mt». in Weimann'S Volksgarten, Gesund- brunnm, stattfindendm SommerfesteS gedeckt, doch sei damit die Verlegenheit noch nicht vollständig beseitigt. Ehrenpflicht der Freien Organisation junger Kaufleute sei«S, der Kasse als hrer Schöpfung beizuspnngen und empfehle«S fich, für die. elbe bei den Mitgliedern der Organisation eine Subskription reiwilliaer Beiträge zu eröffnm. Eine solche wurde nach ürzer DiSkusston seitens der Versammlung beschlossen und ergab die sofort aufgelegte Liste der Einzeichnungm einen nam« häftm B.trag. so daß der Bestand der Kaffe, für welche noch eine Etatutenänderung bezüglich Heradminderung der Leistungm resp. Erhöhung der Beiträge fich er in AuSficht gestellt wurde, unbedingt gefichert erscheint. Nachdem noch dem Vorstande für die Gewährung einer Unterstützung an«inen dem Verein nicht angehörendm Kollegen Decharge«rtheilt worden, füllte dm Rest deS AbendS die Erledigung verschiedener Vereins- angelegmheiten auS. Fachverein de« Tischler. Da im Monat Juni keine Versammlung deS Vereins stattfindm konnte, werden die Mit« aliedcr ersucht, ihre rückständigen Beiträge vor Ablauf dieses MonatS auf den Zahlstellen zu mtrichlm. CS empfiehlt fich, wenn in jeder Werkstatt, wo VereinSmitalieder be« schästigt find, ein Kollege beauftragt wird, die Beiträge sämmtlicher. dort beschäftigter Mitglieder am Sonnabmd auf der nächstdelegmen Zahlstelle abzuliefern. Dt« Zahl. stellen des Verein» befinden fich: 1. Blumenstraß« 56 auf der Ttschlerherderge. 2. Skalitzerstraße 18 bei Stramm. 3. Belle« allian«platz 6 bei Hilscher. 4. ZionSkirchplatz 11 bei Hohn. 5. Mülle rftiaße 184 bei Höring und 6. Gneisenau- und EolmS« straßen-Eckt bei Lindenbmn. Daselbst werden jeden Sonn« abend von 8% bis 10 Uhr Abend» Beiträge von den Mitglie dem in Empfang genommen und neue Vereinsmitg ieder auf- genommen. Der Beitraa betrügt monatlich 40 Pf. Mitglieder, welche länger al» drei Monate mit ihren Beiträgen im Rück« stand« find, werden au» der Mitgliederliste gestrichen.— Mit- glieder, welche die„Neue Tischler Zettung" bestellt haben, können die letzten Nummern derselben von Herm Linderer, Hollmannstr. 43, IV, an Wochentagen von 3—9 Uhr AbendS und am Sonntag von 9—12 Uhr Vormittag» abholen. Lvuiseustädttscher BezirkSverew„vorwärts". Di« Zahlstellen deS Vereins befinden fich: 1. bei Bunge, Prinzen Kiße 96; 2. bei Deckert, Ohmgasse 3(an der Köpnickerstraße). nähme der Beiträge jeden Sonnabend, Abend» von 8-10 Uhr; ferner in der Wohnung d«S KasfirerS Herm Sündermann, Gitschinerstr. 61 I, Sonntag? Vormittags von 9—11 Uhr, und Wochentags, AbmdS von?>/,— 8y, Uhr. Aufnahme ne rer Mitglieder in allm Zahlstellen.— Die Mitglieder werden auf§ 4 be» Statuts aufmerksam gemacht. Ferner werdm alle diejmigen Mitglieder, welche ihre Wohnung S(wechselt haben, dringend ersucht, die» dem Kasfirer oder dem Zorsttzenden anzuzeigen. Am Sonntag, den 4. Juli, findet im Restamant„Am Urban"(Plan-Ufer) ein gemüthlicheS Bei- sammensein, verbunden mit Kaffeekochen, statt. Näheres durch Annonz«. Allgemeiue Stuhlarbeiter« Vereinigung. Montag, den 28. Juni er., AbendS 8 Uhr, Generalversammlung im Lokale de» Herm Hildebrandt, Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Ergänzungswahl de» Vorstände». 2. Wahl de» KasfirerS event. Errichtung von Zahlstellen. Sraukeu- uud BegräbniHkasse der Gürtler und vronzeure(E. H. Nc. 60). Generalversammlung Sonntag, den 27. Juni, Vorm. 10'/, Ubr, im Louisenstävtischen Konzert» hau», Alte Jakodstr. 37. T.-O.: I.Rechnungslegung. 2. Ver- schiedme». Die polizeiliche Genehmigung wurde versagt der zu Montag, dm 28. d. M., nach dem„Königstadt. Kastno" einbe« rufenen öffentlichen Schuhmacherversammlung mit der Tage». ordnung: Da» HerbergSwesm in Berlin und die Nothwendig. keit einer Reform desselben. DaS Referat sollte Herr Schuh- machermeifter Mctzner übernehmen. Gesangverein„Säugerlust", Pallisadenstraße 9. Jedm Sonnabend Abend 9 Uhr Uebungsstundr. Verein der Tavdeufreuude. Jeden Sonnabend Abend» 8'/, Uhr Sitzung im Restaurant Kleemann, Laufitzerstraße 41. Gesaugverei«„Harmouia". Jeden Sonnabend Abend» 8 Uhr UebungSstunde im Restaurant, Alte Jakobstr. 38. Vermischtes. Auf die Gefahr der vletvergiftuug durch Fleischhack« Maschinen macht ein englischer Zahnarzt aufmerksam. Bei Untersuchung von Patienten, welche fich wegen Einsetzen» künst licher Zähne an ihn wendeten, bemerkte er häufig am Zahn» fleisch die blauen Linien, welche charakteristische Merkmale der leichten chronischen Bleivergiftung darstellen. Bei näherem Nachfragm erfuhr er, daß alle diese ihr Fleisch in den jetzt so deliebtm kleinen Fleischhack-Maschinen hacken ließen. Die dar» auf vorgenommme genauere Untersuchung einer Anzahl solcher Maschinen ergab, daß die Mühle au» einer Reihe gezähnter, radartiger Theile besteht, welche um eine rechtwinkelige Achse zwischm eben so vielen Meffem oder Platten aufgestellt fii-d. Die letzteren destanden au» Stahl, erstere aber nur au» weichem Blei, ohne irgend einen härteren Zusatz. Es ist klar» daß beim Reiben gegen die Stahlplattm Blei fich ablöst, und auch ohne die» können die Milch« und Frttsäurm ge» rohen Fleische» auf da» Blei lösend einwirken. Handelt es fich dabei auch nur um geringe Mengen, so können dieselben doch, bei täglich wiederholter Beimischung zum Fleisch, merkliche Folgm haben. Poftbrtefkastea bei Private«. Zur Erleichterung de» BriefoerkehrS in Liverpool und London hat die englische Post- Verwaltung eine demerkmswertbe Neuerung getroffen. ES könnm auf Verlangen und für Rechnung von Privaten Post. briefkasten auch in P ivathäusem angebracht werden. Die Bauart der Kasten unierlieat der Genehmigung de» General» Postamts; die Kasten müssen auch für die Postboten, welche fie leerm und allein die Schlüssel zu ihnm desttzm, jederzett zugänglich sein. Sie dürfen ausschließlich zum Hineinlegen von Brtefpostgegenständm und zwar nur sriten» derjenigen Per« sonm, welche fie habm anbringen lassen, oder feiten» ihres Dienstpersonals bmutzt werden. Die Leerungen erfolgen zu den gleichen Stunden, wie die übrigen Stadtdriefkastm. An Gebühren für das Leeren der Privatdrieskasten werden erhoben: 1) 6 Lstrl.(120 M.) jährlich für eine 4malige Leerung im Erd» geschoffe; 2) 1 Lstrl. mehr für jede wettere Leerung, und 3) ebenfalls je 1 Lstrl. mehr für jede» Stockwerk, in da» der Postbote hinaussteigen muß.— Hiernach kann ein im Erdge» schoß wohnender Kaufmann für 10 Lstr. jährlich eine täglich 8malige Leerung beanspruchen und eine täglich 7- oder 8malige Leerung für 10 oder 11 Lstrl., wenn seine Geschäftsräume fich im 1. Stockwerk befinden.— In Liverpool, wo die Kasten schon sett einiger Zeit eingeführt find, sollen mittelst derselben täglich ungefähr 16 000 Bnefe zur Einlieferung gelang«. Klagen über daS Abhandenkommen ron Btiefen sollen bisher nicht laut geworden sein. Religio« uud Toar«üre. AuS Buzeu wird dem „Pest. Ll." auf dem Umwege über Bukarest folgende» ergötz» Uche Histörchen gemeldet:„Wie in kalhoiischcn Ländern, so besteht auch in Ver griechischen Kirche die Sitte, bei lang an- haltmd-r Dürre Piozesstonen und Bittgänge um Regen abzu. Wen. Als nun in den letzten Wochen die große Hitze die Saaten mtt völliger Vernichtung bedroh!«, nahm auch der Pcolopope von Buzeu die Gelegenheit wahr, seine Kirchkinder zu einem Bittgang um Regen aufzufordern. Um die Pro« zesfion möglichst imposant zu machen, war hierfür ein Sonntag auserseden, wobei ver gute Go tesmann jedoch auf den Um- stand vergessen hatte, daß die sündigen Kinder dieser Welt den Sonmag al» einen Tag der Ruhe und Erholung betrachten, den man besonder» zur schönen Frühlingszeit lieber unter freiem Himmel bei fröhlichem Geplauder, al» im engen Kirch» lein oder bei einer dichte Staubwolken aufwirbelnden Prozesfion zudringt. Und so geschah e» denn, daß fich bei dem vom Pro- topoprn von Buzeu angesagten Bittgänge zwar einige Land- leute, welchen der Regen besonder» am Herzen lag, aber sehr wenige Städter eingefunden hatten. Hatte der fromme Gottesmann schon od dieser detrübenden Thatsache sehr bedenklich den bezopften Kopf geschüttelt, so steigerten fich diese Bedenken zu frommem Ingrimm, al» er die Wahrnehmung machen mußte, daß namentlich die schönere Hälfte der Bewohnerschaft von Buzeu den klaren Frühlinastag benutzte, um die neuesten Toiletten der Saison ia den Stadtanlagen spazieren zu führen. Ein solcher Frevel schien unerhört. Er mußte gesühnt werden, zumal dem wür. digen Protovopen mit einem Male eine Erleuchtung über die Ursachen aufging, weShalb der Himmel leinen Regen schicken wollte. E: säumte auch nicht, dem kleinen Häuflein seiner Bittgänger die Mittheilung zu machen, daß die sündige Hof- fahrt, welche in der Tournüre steckt, derart zum Himmel schreie, daß die Strafe hierfür nicht ausbleiben könne. Um zum Worte die That zu fügen, stürzte fich unser Prvtopope und seine Amtsdrüder aus die ahnungslosen Spaziergängerinnen, um mit ihren langen Stöcken jene Kehrseiten der promenirenden Damen zu bearbeiten, wo Satan Hochmuth seinen rezenfeind« lichen Götzentempel errichtet. Kreischend und schreiend suchten die so unerwartet Attcquirten ihre Tournüren sammt Grund» läge vor den Stock'tretchm der priesterlichen Eiferer zu schützen Mangel ein innerer Zusammenhang destehe." Die deutsche Anstedlung Neu-Ulm in Minnesota ist vermuthlich die einzige Stadt in Nordamerika, in welcher die Stadtrathsverhandlungen in deutscher, statt in der Lande». spräche geführt werden. Sämmtlicke Stadtväter find Deutsche, die Beschlüsse werden deutsch abgefaßt und vom Bürgermeister auf deutsch gutgeheißen, aber merkwürdigerweise hat der Stadt- rath jetzt ein englisches Blatt, die„Review" zu seinem amt lichen Organ erHoden und die deutsche„Post", welche 23 Jahre da» amtliche Organ war, übergangen. Freilich wird da» eng- lisch« Blatt auch von Deutschen herausgegeben. Gar sonderbar klingt ei« Steckbrief in der„Koblenzer tettung" vom 16. Juni, laut welchem ein Kaufmann Avolf rlger wegen„Diebstahl» zweier Kanonenboote", genannt „Rhein" und„Mosel", verfolgt wird. Es find die» die beiden eisernen Rhein» Monotore, mit je 2 Geschützen in drehbarem Thurm« armirt, welche 1870 mit einem Kostenaufwande von 600000 M. angeschafft wurden, fich aber als unbrauchbar er« wiesen, da ihr Tiefgang da» Passtren mehreren Stellen de» Rhein» nicht gestattete. Nachdem fie etwa fünfzehn Jahre, durch eine vollständige Holzumbüllung vor der Unbill de» Wetter» geschützt, im Koblenzer Hafen geruht, wurden fie im vorigen Jahre öffentlich versteigert und dem in oben erwähnten Steckbriefe genannten Tilger für da» Höchstgebot von 14 000 M. zugeschlagen. Daß dieser aber nur im Aufttage einer Kölner Firma handelle, war nicht bekannt; man hielt ihn für den rechtmäßigen Eigenthümer und ungehindert ließ er die beiden Kanonenboote vor einigen Wochen au» dem Hafen bugfiren und reiste damit nach Holland, wo er für dieselben bereit» vorher einen Käufer gefunden haben soll. Die Kölner Firma hatte da» Zusehen, al» die Monitore Köln passtrten, und wird nunmehr da» Nachsehen baden. Von der Pariser Weltausstellung. Die Pariser illu» strikten Zeitungen bringen bereit» Abbildungen der AuS» stellungSpläne für 1889. In den Entwürfen für die AuS» stellung spielt der 300 Meter hohe projeftirte„höchste Thurm der Welt" eine große Rolle. Die Kommisston, welche der Han- delSminister zur Prüfung der Thurmprojefte einberufen, bat nunmehr das Werk de» Ingenieur» Eissel gut geheißen. Nur muß da» Geld noch bewillrgt werden; der neue babylonische Thurm soll 5 Millionen Frank» kosten. Er wird in zwei Stockwerke zerfallen. Da» untere Stockwerk 186 Meter hoch, ruht auf der Grundfläche eines Quadrat» von 100 Meter Seite; seine vier Strebepfeiler find unabhängig von einander, von geschweifter und oben fich verjüngender Gestatt; fie werdm stufmweise durch horizontal laufende Bänder und im unterm Theile auch durch die Fußbödm und Bogmgänge zusammen» gehalten. Im oberen Stockwerke, von 114 Meter Höhe, bilden die vier vereinigten Strebepfeiler so zu sagen einen einzigen kolossalm Ballen mit rechtwinkeligem Durchschnitt. Der Thurm soll ein Meisterwerk werden, da» die Leistungsfähigkeit der heutigen Metallindustrie veranschaulicht. Auch die elektrischm Phänomene, welche fich einstellen könntm, bedürfen einer näheren Erwägung; hierfür ist ein au» drei Spezialistm be» stehender Ausschuß niedergesetzt. Ueberdie» hat der technische Ausschuß von Herrn Eissel noch eine genauere Prüfung de» Mechanismus der Aszmsoren verlangt. Außerdem soll 1889 der größte Ballon der ganzen Well vor Augm geführt weiden, und zwar in Form eine»„Ballon captif", der 60000 Kubikmeter Inhalt halten und 100 Personen auf eine Höbe von 1000 Meter führen soll. Der Ballon von 1878 enthielt 24 500 Kubikmeter und hob 40 Personen 500 Meter hoch. Entworfen hat den Plan ein Herr Gibiiel Aon. Ehescheidungen in Amerika. In Et. Loui»(Missouri) wurden kürzlich sechSzig Ehepaare an einem Tage geschieden, wobei fich ergab, daß»die Lösung der Ehe unter dm Deutschm größtmtheils wegen Verlaffen» de» gemeinsamen Haushalte» seitens des einen TheileS erfolgte, während unter dm Jrlän» dem UnvertlSglichkeit, da» heißt Zank und Streit refp. Prü< gelci der Gnrnd zur Einreichung der Ehescheidungsklagen gi> wesen war,_ Kleine Mittheiluttge». An» Part», 25. Juni, wird der„Voss. Zcg." telegraphirt: Ein schlagende» Wetter in den Kohlengruden von Ronchamp (Haute-Saone) tö stete 7 Berglmte und begrub 16, an deren Rettung gearbeitet wird. Pest, 23. Juni Vor einigen Monaten hattm, wie wir damals berichietm, zwei Husarmlteutenant» dm Redattrur eine» Arader WltzblitteS, der fie im Blatte angegrflm hatte, in seiner Wohnung mtt Säbeln gefährlich verwunvet. Nach einer Temesvarer Meldung soll nun da» dortige Militärgericht die Offiziere zu vier«, resp. dreimonatlichem„Profoßen-Arrest" und zur Tragung de» von einer gemischten Kmimisston festgesetzten SchmeizengeldcS, wie auch der Kosten deS Strafverfahren» ver» urthettt haben, welche» Unheil der Kriegsminister genehmigte. Ketzte Nachrichte». Die belgische Regierung ist, wie dem„TempS" au» Brüssel gemeldet wird, fest m.schlossen, jede Jntrigue des Prä» tmdenten Don Carlos auf belgischem Bovm zu vereiteln. Die Zusammenkunft desselben mit(einen Parteigängern in Brüssel wird jedoch nicht untersagt werdm. Der schwetzeeische vunde.rath hat mittelst E laffeS die KontonSregiemngen ersucht, Zusammenkünfte der Anarchisten, sei e» auf öffenlichm Plätzen oder in solchm Lokalen, nicht mehr zu gestatten, und speziell Zürich itt die Ausweisung derjenigen Anarchisten, welche fich am Tumulte aktiv betheiligt, anempfohlen. Die Regierung kennt nämlich, nach dm osfiziösm Mittheilungm, die Anarchisten ziemlich genau, und es ist erwiesen(?), daß letztere ge- Kossen und zum thätltchen Angriffe auf die Polizei gehetzt dm. *, ♦ Interpellation im Abgeordnetenhanse. Von dm Abgg. v Stromdeck und Genossen(Mitglieder de» Zentrum» und der Nationalliberalen) ist im Abgeordnetenhause folgende Interpellation eingebracht worden:„1. Welche Refultate haben die amtlichen Ermtttclungm ergeben, welche über die durch Uederschwemmungen Ansang» dieses Monat» in dm Kreisen Duderftadt, Einbeck. Göttingen, Heiligen stadt, Nordhausen, Osterode, Worbi» und angrenzenden Bceirken verursachten Verheerungen stattgefunden habm?— 2) Welche Maßregeln bead» fichtigt die Kömgliche Staatsrcgierung zur Linderung de» Roth- stand«» in dm erwähnten Gegenden zu treffen?" Die Errichtung eine» LandeSverflchernngSamte» für Bayern wird im„ReichSanzeiger" mttgetheilt. Kriefkasten der Redaktion. I. L. HagelSbergerstraße. Die Zahl der außerhalb««> borenen Einwohner Berlin» ist größer al» die Zahl der hrer ansäistgen geborenen Berliner. Nach der Volkszählung vom Jahre 1880 betrug die Zahl der Einwohner Berlin» 1 122 330; darunter befanden fich 486 784 aeborene Berliner und 635 546 außerhalb geborene Personen. Unoerbeirathet waren 663 797; verheirathet 389 127; verwittwet 64 305 und geschieden 4675 Personen. Bei 426 Personen war der Ziottstand nicht an- gegeben. H. St. Vorsitzender deS Direktoriums de»„Bürger- Rettung»' institutS" ist Herr Stadtrath Schreiner. Da» Bureau de» g«' nannten Heim defindet fich im Berliner Rathbaust. Offt. Sie wollen wissen, wie tief der Brunnen in der Echloßkasern« zu Spandau ist, und wetten sogar um diel« Frage.— Wenn Sie/ auf den RedaftionSdriefkasten gerechnet haben, so bedauern wir, Ihre Wette unmtschiedm laffm zu müssen: wir könnten höchsienS den Brunnen nachmessen und dazu fehlt un» Zell und Gelegmheit. H. B. Arexaudrinenftr. Mündlich« Auskunft erhalten Sie auf der Revakiwn. Ihre Anfragt ist nicht vollständig genug, um dieselbe mtt Zuverlässigkeit beantwortm zu können- E. H. Ihre Frage ist nicht deutlich, e» geht au» derselben nicht hervor, ob und zu welcher Zeit Sie verklagt und ver» urtheilt sind zur Herausgabe der Sachen. Wenn die Abrede. es solle nur 1 M. per Woche gezahlt werdm, nach Ihrer Ver» urtheilung getroffen ist. so klagm Sie unter der ferneren««» hauptuna, daß Sie diese Raten von 1 M. stet» pünktlich gezahlt haben, beim Prozeßgericht, da» vorher erkannt hat, aus Einstellung der Zwangsvollstreckung.. E. A. 2. 6. 1. Da Sie mtt Ihrem Gläubiger wöchent- liche Abzahlung von je 1 M. vereinbart haben, rann er nichi ohne jedm Grund da» Ganze auf einmal verlangm. Wenn er aber diesen Sachverhalt Ihrem Prinzipal mtttheill« unv dieser Sie darum entläßt, so habm Sie aegm dm Glaubiger darum kein Recht auf Schadenersatz. 2. Wenn Sie ein voll» streckbares Urtheil in Händen Häven, so können Sie am Grund desselben 30 Jahre lang die Zwangsvollstreckung oo � 6-' Swinemüvderflr. Wenn die andern tmebelich« Kinder von demselben Vater herrührten, wie da» Dritte no» lebmde» so muß der Vater, auch wenn er verheirathet Alimente zahlen. Verantwortticher Redakteur R. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max vading in Berlin SW. Beuthftraße 2.