Nr. 148 Dte«stag» den 29. Inni 1886. in. Jahrg. rrlintrHolbtiloll Brgan für die Intrreffen der Arbeiter. 4 3,.*»«,� te d-- ÄÄf.äiÄT s,~ Redaktion: Senthstraße 2.— Erpedition: Zimmerstraße 44. Abonnement«- Einkaäung. Zum bevorstehenden Ouortalswechsel erlauben wir uns alle tlrdeiter Berlins zum Abonnement auf das „Berliner Uolksvlatt� mit der Gratisbeilage „Illastrirtes Koantagsblatt" einzuladen. Wer der Sache der Ardeiter dienen will, helfe ein Unter> Nehmen best stigen, welches bestimmt ist, die Fordetungen und Wünsch« der Arbeiter zum Ausdruck zu bringen. Suche ein jeder von unseren bisherigen Anhängen, in dem.streife seiner Freunde und Bekannten daS„Berliner •Bolffblait" zu verbreiten und sehe varauf, daß jeder neugefun» Nene TestnnungSgenoffe sein Verspiechen, zu adonniren, auch wirklich hält. Unsererseits werden wir bemüht sein, den Inhalt unseres Blattes immer reichhaltiger zu gestalten. DaS „Kerliiter UolKsblatt" kostet für da» ganze Vierteljabr trei inS Hau» 4 Mark, für den Monat Juli 1 Mark 85 Pf., pro Woche 85 Pf. Bestellungen werden von sämmtltchen Zeitungi-Spediteuren, sowie von unserer Expedition, Zimmer st raße 44, entgegen- ItnommmJ Für außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für daS nächste Vierleljahr zum Preise von 4 Mark entSegen. Die Aedaüfion nid Expedition de«„KrrUner Molksklatt". Die«rfliDolr KeichMpsessim. Nach einer etwa achtmonatlichen Session, die eine de, �«»stln von allen bis jetzt stattgehabten war, ist der Reichs« 20 auseinander gegangen. Mit Befriedigung kann wohl '«emiad auf diese Session zurückblicke«. Man sah wohl kwe Ueberhäufung mit Arbeite«, allein man findet nur ge- �"0* Resultate vor. Die Kräfte de« Parlament« sind dies- �al über die Maßen in Anspruch genommen worden ohne Rücksicht darauf, daß de« Abgeordnete» keine Diäten gezahlt Jwben. Za, in den letzten Stunden vor Schluß der Ses- iwu scheint die Abficht bestanden zu habe», dem Reichstag ■Jvch neue Vorlage« zu mache». Da erhob sich den« aber °och auch bei de« Tetreuesten, bei de» Konservativen und Aationalliberale», gewaltiger Widerspruch, und man drohte allen Ernstes mit einem parlamentarischen Streik. Worauf » rlvtn.] Ileuilreton. Gwe Matter. Roman von Friedrich«erstäcker. (Fortsetzung) .Und wolle« Sie e« trotzdem versuch««?' „Ich will Ihne« etwa« sagen, Rebe," erwiderte der Direktor nach einer kurze« Pause.„E« ist wohl nicht«öthig, *1* Wort über die Vergangenheit zu verlieren— da« rst �gemacht, und ich gestehe ei«, daß wir Sie verkannt habe«. «ie besitzen in der That ein schöne« Talent, und ich muß aufrichtig sagen, daß ich selber neugierig wäre, dessen Ent- Wickelung zu beobachten. Nach dem gestrigen Abend würde >ch Ihnen auch augenblicklich eine» neuen jährigen Kontrakt wtt ganz annehmbare» Bedingungen angeboten habe», wen» 6i« sich nicht mit diesem Strohwisch verfeindet hätten. «lauben Sie nicht etwa,' fuhr er rasch fort, al« er sah, Rebe wolle etmaS darauf erwidern,.daß ich selber nur so »iel für das Urtheil jene« Menschen gebe. Er versteht vom Theater so viel wie eine Kuh, aber da« Publikum liest trotz- dem jeden Morgen sein Blatt, und ich weiß au« Erfahrung, welchen Einfluß e«, so absurd da« klinge» mag, ausübt. Aber ich will Ihne« eine» Vorschlag machen; e« muß Ihne» selber daran liege», Zhr Talent auch noch in anderen Rolle» iu erprobe«. Ich engagire Sie deshalb für eine» Monat 7- nennen Sie das Tastrollen, wen« Sie wollen— gebe ahnen zweihundert Tulden für die Zeit und außerdem da» Berspreche», Sie wenigste», in acht großen Rolle« zu beschäfti- B««. Sind Sie da« zufrieden?« .Sie begegne« meinem innigste» Wunsche," sagte erfreut,„denn gerade um da, hatte ich Sie bitte» vollen." .Desto besser, die Sache wäre also abgemacht. Wenn w'e den« Courage habe«, so beiße» Sie sich in der Zeit wu Strohwisch herum, und behaupten Sie da« Feld, was % aber, ehrlich gesagt, bezweifle, so spreche» wir weiter mit "»ander,- behaupte« Sie es nicht, nun, so habe» Sie i« dan» auch der in Varzin weilende leidende Staatsmann ein- sah, daß man da« dt« auf'« Aeußerste angestrengte Parlw mevt nicht länger zusammenhalten könne. Wir schwärmen nicht für de« Parlamentarismus, aber wir erachte» e« für die Weitergestalmng unsere» politische« Leben« unerlSßlich, daß eine Volksvertretung da ist. De«- halb stellen wir un« auch nimmermehr auf die Seite jener Reaktionäre, die Heu»« schadenfroh ausrufe«:„Da seht ihr ihr nun die Unfruchtbarkeit diese« parlamentarischen Wesen« I Acht Monate habe« sie zusammen gesessen und doch nicht« zu Stande gebracht I"— Daß nicht« zu Stande gekomme», ist nicht die Schuld de« Reichstage«. Wen« einem Parka- ment mehrere große Vorlage» gemacht werden, von denen man doch von vornherein wissen kann, daß sie abgelehnt werde»; wenn alle diese Vorlage»«ine langwierige Kom- missio»«berathung passiren müssen— nun, dann ist die« doch nicht die Schuld de« Parlament«, wenn eine Menge kostbarer Zeit vertrödelt wird. Doch ja, in einer Hinsicht trägt auch da« Parlament die Schuld daran. War man den» genöthigt, immer auf langwierige Kommisstonsbe- rathunge» einzugehe», deren Resultat man im Borau« kannte? Nein, man hätte die betreffende» Vorlagen im Plenum gleich ablehnen können. Da» will aber Herr W i n d t h 0 r st nicht haben, der für seine diplomatische» Winkelzüge Zeit braucht. Und so müssen sich die par- lamentarische« Interessen de» ganzen Reich« de» Bedürf aissea de« Herrn Windthorst anbequemen. Fragen wir, wa« diese Session de« Reichstag« speziell für die Arbeiter gebracht hat, so kann die Antwort nur sehr unbeftiedigend ausfalle«. Daß das Sozialistengesetz verlängert worden ist. sei nur nebenbei er»ähnt. Die A«- beiter könne» sich diesmal beim Zentrum dafür bedanke«. Aber bezüglich der sozialpolitische» Gesetz- gebung— wie steht H da au« I Da« llnfalloersicherung«- gesetz ist mit all seine» Mängel», Härte« und Schwäche«, denen»och verschiedene neue hinzugefügt worden find, aus die land- und forstwirthschaftlichen Arbeiter ausgedehnt wor- de«— da« ist Alles. Sonst ist gar nichts zu Stande ge- komme«. Sine besondere Arbeiterschutz-Kommis« s i 0« hat allerding« getagt; sie hat auch sehr lange getagt; allein zu Stande gekomme« ist gar nicht». Diese Kommission hatte sich in ihrer Mehrheit die Aufgabe gestellt, die von de« Arbeitervertreter» eingebrachten Anträge, da« bekannte Arbeiterschutzgesetz, zu Falle zu bringen, und da« gelang ihr denn auch. Sie hätte sich nicht so viele Mühe zu gebe« brauchen, um«achzuweise», daß ihnen die Durchführung de« Arbeiterschutzgesetze» unangenehm und unbequem sein würde. Da» wußte man von vornherein. Man braucht die Gründe, die sich gegenüberstanden, gar nicht ihrem Werth« nach abzuwägen. Es waren Klasseninter« der Zeit wenigstens Ihre Kräfte geprüft und ich selber Zeit gewonnen, mich»ach einem andern ersten Liebhaber umzusehen. Ich glaube, das ist ei» ehrlicher Handel." „Für den ich Ihnen von Herze« dankbar bin," rief Rebe, in die gebotene Hand einschlagend;„nur eine Be- dingung habe ich»och zu stellen." „Und die wäre?" .Daß Sie den Kontrakt von gestern datire« und die fünf Friedrichsd'or als Abschlagszahlung betrachten." .Sie find«in komischer Kauz," lachte der Direktor, „und ich muß Ihnen gestehen,' etwa« Aehnliche« ist mir in meiner Praxi« noch nicht vorgekommen. Meier ging gester» Abend gar nicht eher weg, bi« er seine versprocheneu zehn Thaler hatte." „Also e« bleibt dabei?" .Darüber sprechen wir«och. Jetzt muß ich«ach Hause, und heute Abend komme« Sie um acht Uhr, wen« Sie könne», einmal in meine Wohnung, daß wir mit Sulzer das Repertoir berede». Also auf Wiedersehen, Rebe, und— halten Sie sich tapfer I" Der reiche Man«. Die Welt! Wie wunderbar verschieden der Begriff sich stellt. Für de» Eine« ist es da« weise, unermessene Uni- versum mit seine« kreisende« Sonnensysteme», für de« Andern da« enge Hau«, der kleine beschränkte Raum am eigene» Herd. Auch unsere Erde nenne« wir die Welt, und in wie viel tausend Welte» zerspaltet sich ei» einzig Städtchen drin, eine jede abgesondert für sich mit ihren Sorgen und Freu- de», ihre« Leidenschaften, ihrem Ringen und Streben. Wen von uns Alle» ist nicht schon einmal ei» solch' Gefühl überkomme«, wenn er Abend« in später Stunde durch ein« Straße wanderte und die verschiedenen, nur durch dünne Mauern getrennt,» erleuchtete« Familienwohnungea sah I Hier Licht und Ganz und laute Fröhlichkeit; dort, dicht daneben, nur durch eine» dunklen Strich geschiede«, Eammer und Elend und bleicher Sorge nagende Pein; hier migkeit und Liebe in dürftiger Dachkammer, und dicht esse», um die e« sich handelte, und in diesem Fall ent- scheidet einfach der Mächtigere. Wo ist nun all da« Geschrei gebliebe» von der große» und welthistorischen„neuen Aera," die durch die sozialesti- scheu Gesetze inaugurirt werden sollte. Man hört nicht« mehr und e« ist de» Schöpfern der beide» Versicherungsge- setze wohl selbst nicht recht Ernst, wen« sie auf ihre beide» Leistungen zurückblicke» und behaupten, in diese« Gesetzen stecke die Grundlage für eine bessere Zukunft der Arbeiterklasse. Herr vo» Bötticher giebt sich wohl vo» allen Regierungsmänner« am meisten per- sönlichen Illusionen hin. Er sieht schon die Arbeirermafle» unter die Fahnen der Regierung strömen. Herr vo» Bötticher malt sich die Welt eben auch seine« Wünsche» entsprechend au«. Er würde staune», wen« er wüßte, wie sehr er sich täuscht. Oder sollte er wirklich glauben, die.Segnungen" der Unfall- und Krankenversicherung seien so groß, daß die Arbeiter über denselben da« Sozialistengesetz, den Be- lageruug»zustand und de« Stteikerlaß übersehe« würden? Wrr könne« un« da» kaum denke«. Diese verflossene Session de« Parlaments, so überreich an Arbeite« und so überarm an Resultaten, ist auch ei» Zeiche« unserer kranke« Zeit. Es fehlt an allen Ecke» und Ende« und Niemand weiß zu helfen. Manche helfen sich mit einem gewisse«.Galgenhumor" über diese Situation hinweg, aber damit ist nicht« gethan. Da« Volk kann darauf keine» Werth legen. Wen» die parlamentarische Mehrheit de« Wünschen des Volkes keine Rechnung trage» will, so wird sie auch kein Vertraue» mehr habe«. Da» wird Herr Windthorst, der erste Koulissenschieber im Reichstage, bot* erfahren. vn-b>>--«»as Gunsten oci«.oerler ein- gebrachten Anträge zu Fall gebracht hat. Der dabei ge- machte Aufwand von heuchlerischer Schönrednerei ist ganz ohne Bedeutung. PoUtifche Urberstcht. Der Mannfaktur- Arbeiter- und Arbeiterinnen- verein in Spremberg ist auf Grund de» Vereinsgeietzes vom 11. März 1850 poUzetttch geschlossen worden. Die Polizeioer« weltung bezeichnet in ihrer Begründung den Verein als einen politischen, in welchem seit dem Bestehen verschiedentlich öffmt- liche Angelegenheiten erörtert und berathen worden seien. Da der Verein, wie aus den Statuten und aus der Bezeichnung de« Vorstandes al«„Lolal"volstand hervorgehe, einen Neben- verein des allgemeinen„deutschen Manufaktur- Arbeiter- und Arbetterinnenvereins der Weder, Tuchmacher, Färber, Zeug« und Kattundrucker, Spinner, Wirker und Poiamentirer", mit dem Sitz in Gera, gebildet habe, so sei er in Mdeispruch mit dem Vereinsgesetz getreten, daS jede Verbindung selbständiger politischer Vereine untersage. darunter, daß Eine« die Schritte de« Ander» hört, Haß und Zwietracht. So bildet jede» Hau», jede für sich abgeschlossene Wohnung in der That eine eigene kleine, abgeschlossene Welt für sich selber. Da drinnen wird geboren, geleb», ge- storben, ohne daß der Nachbar mehr davon erfährt, al« wir von jenen Sterne« wissen, die Abend« vom klare« Nacht- Himmel niederfunkel»; und während wir heute«in F-st feiern und die Gläser lustig zusammenklingen, drückt»eben- an ein arme« Weib dem Gatte« die müden Äuge» zu, und weineud knieen am Bett die arme« Waise«. Aber die Wellt rollt und mit ihr Fortuna«'« Rad, de» einen Sterbliche« hoch empor zu Glück und Freude hebend, während es zu gleicher Zeit vielleicht de« Nachbar unter seinem Gewicht zermalmt. Und wie rasch wechselt da«; wie sehnen wir thöricht oft de« nächsten Tag, die nächste Stunde herbei, anstatt un« der gegenwärtigen zu freue», und wissen doch nie, was in dem Schooße der herbeige- sehnte» für un« verborge» liegt; Dank dem Himmel, daß wir e« nicht wissen! Wie wenige Tage, ja Stunden fast, waren erst ver» gange«, daß man in Haßburg die Mooford'sche Familie, über welche alle Gabe« des Glück« verschwenderisch ausge- streut schienen, beneidete, und jetzt? Kummer und Leid waren in die prachtvolle« Gemächer eingezogen, und doch hatte da« Unglück erst begonnen, die gierige Hand nach ihnen auszustrecken. Eill und geräuschlos glitten heute die sonst so über» müthige« Diener durch die leere» Räume; scheu und laut« lo« thaten sie ihre Arbeit, und wen» Einer dem Andern et- wa» zu sage» hatte, geschah e« nicht mehr mtt fröhlichem Zuruf, sonder» in lessem Flüstern. Drinnen in seinem Zimmer, am offenen Fenster, den Kopf in die Hand gestützt, saß der alte Graf und starrte hinau« in'« Leere. Er hatte sich vo» seinem gestrige» An- ?all vollständig erholt, und der Oder-Medizinalrath war !choa vor einer Stunde wieder in der gräflischea Equipage zurück in die Stadt gefahren. Wa« sollte er auch länger hier thu«; die beide« Verwundete« konnte sei» Famulus besorgen. Zu« Auarchistenputsch in Ch'eago. Die Chicago« Granc.Jmq hat endliw«nen Berickl Ud« thre Untnsuchungen bitteffs der Tynamitaffäre dem Gericht vowlegt und dies« Bericht enthält einige demellenSwerthe Zugeständniffe. E stenS muß die Grand Jury eingesteben, daß die E e n s a t i o n S> berichte der Presse, wonach die Anarchisten einen zahlreichen weiloer, wagten und wohlorganistrten Anhang in Chicago haben, große Waffmvorrä.he und Dynamitlager bereit halten und umfassende Bordneitungen zu� Dewolirung d« ganzen Etadt getroffen haben sollten, eitel Gespensterseherei war. Die ganze gefährliche Anarchistenmacht denägt nach den Erwitte' lungen dies« Grand Jury wahrscheinlich keine 50, gewiß aber nicht 100 Mann, denen einige Hundert unwissender Leute blindling« folgen. Zweiten« muß die Grand'Jury zugeben, daß die Dynamiter in keinem wirklichen Zusammen- hang mit den Streiks und der Ärdeiterbewegung gestanden haben. Dritten«, und da« ist für un« am interessantesten, hat die Grand Jury autgefunden. daß die Anarchisten ourchau« nicht identisch stnd mit den Sozialisten und Kommunisten, welche fie auf 2—3000 Personen in Chicago schätzt.— Der Bericht der Grand-Jury verräth trotz mancher Jrrthüm« und tendenziöser Entstellungen mehr Einstcht in die Bewegung, al« wir erwa'tet hatten. Sie weist den Anarchiste« durchau« den richtigen Platz an, wenn fie sagt, daß ihre Bedeutung weniger in ihrem direkten Anhang im Volk bestehe, al« in ihrem systematischen Bestreben, die Agitationen anderer Organi- sationen und die durch Streiks verursachte Aufregung und Un- ruhen für ihre Pläne auszunutzen. In Bezug auf die Be- theiligung der angeklagten Anarchisten an der Bombenwerferei will fie direlte Beweise in Händen haben, daß ein von den Angeklagten geleitete« Komplot bestanden habe. Wir müssen die Gerich«Verhandlung abwarten, ob es bewiesen wnden kann, daß fich diese Anarchisten dt« zu ein« solchen Höhe de« Wahnstnn« wirklich haben versteigen können; aber beklagen können fie fich wahrhastig nicht, daß für diele Dynamit-That, die so ganz wie eine Ausführung der von ihnen so lange ge» p'edigten Tastik autfieht, auf fie der Verdacht der Anstiftung fällt. Im Uebrigen ist der Bericht d« Grand Jury ganz in reaktionärem Geiste gehalten und verräth den sehn« lichen Wunsch, die Dynamit-Affäre zur Be. schränkung der Rede« und Versammlung«« freihett auszunutzen. Zu de« Grenzstrettigketten der Zünftler unter ein- ander liefert auch die„Baugewerktztg.", da« zünftlerische Organ des VerbandeSsdeutscher Baugewerksmeister, einen Beitrag. Da« Blatt fühlt fich beunruhigt durch die Eingabe der ständigen Deputation de« JnnungSauischuffei der vereinigten Innungen in Berlin an den RetcbStag. betreffend„die vnwanvten In- nungen". In dieser Eingabe heißt es:„Alt Grenz« gegen die Hantirung de« Zimmermann« wurde da« Leimen des Holze« durch da« Gesetz verboten werden. Wir glauben ober, ei giebt viele Z mmervieister, welche mehr Leim al« die Tischler ver- brauchen, z. B. jeder Zimm«meist«, d« den Treppenbau al« Spezialität betreibt. Oder soll d« Treppenbau und auch da« Anfertigen von Thülen dem Zimmermann verboten sein? Dann steht in d« Eingabe:„Die Vertretung der Dach-, Schiefer« und Zlegeldecker Jnnurg erklärte fich für allein« stehend insofern, al« die Dachdeckergesellen von anderen Arbeitern ersetzt würden. Dagegen komme es vor und sei alth«g«bracht, daß die Dachdecker in Folge der strengen polizeilichen Handhabung de« Gerüstwesen« an Häuselfassaden die rohen Anstreich«arbeiten besorgten und auch Klempner vielfach beschäftigten." Also der Maurermeister darf künftig ein Ziegeldach k. nicht mehr eindecken, während andererseits die Dachdeckermeister Mal«« und Klcmpnermcister al«»ver« wandte Gewerbe" für fich in Anspruch nehmen wollen. Man steht, solche„Abgrenzungen" find nicht leicht und die Besttm- amna de« Begriffs„verwandte Gewerbe" ist mehr al« schwi«ig. Wir giauor..,»<« Hanowrrre» ug u»* Gegenstand, da« Werk al» so che« herstellen können mit Hinein- ziehung aller nolhwendigen Nebenarbeiten, sonst legt er sein Geschäft lahm und unterglädt seine Exist-.nz."— Wer einen obligatorischen Befähigungsnachweis will— bemerkt hierzu die „Frcis. Ztg."—, muß auch eine genaue Abgrenzung d« Hand- werke von einander wollen. Wer da« letztne nicht will, muß überhaupt auf zünftlnische Organisationen verzichten. Autisemtttsche«. Zur„Unterstützung d« antisemitischen Bewegung" wurde vor etwa 2 Jahren in Main» ein fich „Wucherptlle" nennende» Blatt gegründet, da« mit wenig Witz und viel Behagen gewissenhaft jedes Verbrechen und Vergehen regtstrirte, da« auf irgend einem Winkel de» Erdball« von einem Israeliten degangen ist oder degangen sein soll. Trotz verschie- dener Zuwendungen— bei der letzten Reichstags wähl wurden ihm von dem bekannten flüchtigen Ehrenmann KinSderger be- deutende Beträge als Lohn für dt« für Herrn von Schauß de- triebene Agitation zugewendet— ist da« edle Blatt nach der „Franks. Ztg." nunmehr wegen Mangel an Abonnenten und Sudfistenzmitteln sanft entschlafen. Sein Herausgeber und Re- dakteur empfiehlt fich jetzt al« öffentlicher Schreiber zum Ab- fassen von Bitischriften und Gelegenheitsgedichten. Der Graf hatte heute Morgen durch den Hauthof- meist««fahre«, daß der Maulwurfsfänger durch den Förster beim Wildern ertappt und in« Bein geschossen sei. Die Avzeige war in der Stadt gemacht worden und die Polizei herausgekommen, um de» Thatbestand zu untnfuche». Aber wa« kümmerte« den alte« Heu» diese gleichgiltigen Menschen, er hatte andere Dinge im Kopf; fie sollte« ihn damit zu« friede« lasse«. m Da der Förster übrigen« mit einem heftige« Wund« fieber ebenfall« im Bette lag, ließ man ihn jetzt gewähren, um de« Termin etwa« später anzusetze« und zu untersuchen, ob er zu dem Schnsse berechtigt gewesen, d. h. ob er ihn in Selbstvertheidigung getha«, und dagegen sprach aller. ding«, daß der Getroffene de« Schuß nicht von vor«, so»« der« seitwärts und sogar mehr von hinten bekommen hatte. Mau wollte de» alte» MaulwurfSfänger auch in da« Kran« kenhau« bringe«, aber der gerade dazu kommende Famulu« de» Ober-Medizinalrath« litt da« nicht Wie er die Wunde genauer untersuchte, stellte fich herau», daß der Knoche« de« Oberschenkel« zersplittert war, und der Verwundete lag in einem so heftigen Fieber, daß an eine» Transport gar nicht gedacht»erden durste. Die Polizei konnte hier vor der Hand gar nicht« thu», nicht einmal an Ort und Stelle ver« höre«, de«« der Kranke phantasirte wild und toll durcheiu« ander. Von den Beiden lief ihnen auch jetzt Keiner fort, und fie mußten eben ruhig liegen bleiben. Die Gräfin befand fich in ihrem Zimmer; fie hatte e« vermiede«, heute Morgen mit ihrem Gatte« zusammen zu treffe«. Sie wollte ihn nicht wieder aus'» Neue aufrege», wie sie dem Haushofmeister sagte. Ruhe war für ihn das Beste. Nach ihrem Sohne hatte fie einigemal gestagt, aber George war noch nicht zurückgekehrt. Sobald er kam, sollte e« ihr gemeldet werden. E« schlug gerade Zwölf auf der Schloßuhr, als er in den Hof einritt. Er stieg langsam die Treppe hinauf, zu dem Zimmer seiner Mutter, die aber erschrak, al« sie seiner ansichtig wurde.,„„ „Um Gott. George, wie siehst Du au«?' rref fie ihm entgcgen,„Du bist krank; Dein Gesicht gleicht einem Tobten." I« München stnd endlich die Berathungen über die Roth- wendlftketi der Regentslbaftseinsetzuna zum Abschluß gekommen. Mit 151 Stimmen, d. h. einstimmt?, hat am Samstag der Landtag seine Zustimmung zu der Einsetzung der Regentschaft erklärt. Damit ist der am 9. Juni vorgenommene staatsrechtliche Akt legalifirt worden; am 28. Juni wird Prinz Luitpold den vorgeschriebenen Eid leisten und Bayern wird di« auf Weitere« ein Königreich ohne König sein, denn der Kranke von Fürstenried kann doch nicht als solcher nur in be« schränftem Sinne gelten. Die Ausführungen de« Referenten Bonn in der Kammersttzung enthalten die folgenden D-tail« über den geistigen Zustand des verstorbenen König« Ludwig II.: Auf dem Bahnhof umarmte der König Ludwig, so oft er ihn auf längere Zeit verließ, eine Säule, während er fie, sobald er fich nur für kürzere Zeit entfernte, blo« berührte. Erinne rungen an schreckliche Träume veranlaßten den König zu ge« radrzu gräßlichen Ausbrüchen. Ein Stallknecht Namen« Zurde wurde von ihm derart gestoßen, geschlagen und an die Wand geschleudert, daß e« nicht ausgeschlossen ist. daß der nach Jahre«- frist eingetretene Tod de« kleinen schwächlichen Manne« mit jenen Mißhandlungen in ursächlichem Zusammenhange stehe. Der König besann fich stundenlang auf besondere Strafen.— Ein Kammerdiener sollte auf einen Esel gelegt und auf der Landstraße herumgeführt werden. Kammerfourier Heffelschwerdt erhielt den Auftrag, den früheren KliegSminister General v. Maillinger im Burgverließ einzusperren.— Auch die Prinzen waren von solchen Befehlen nicht ausgeschlossen.— Heffelschwerdt erhiett ferner den Auftrag, den Finanzminister Riedel zu ergreifen und nach Amerika zu schaffen. Die Staat«. minister nannte er:„Pack",„Gefindel",„Gischmeiß". Der Re« ferent verla« einen eigenhändigen Brief de« Königs an Hessel- schwerdt wegen Einberufung de« Landtage« dehuf« Beschaffung vieler Millionen für die Baupläne de« Konig«. In dem Briefe heißt et:„Paffe recht auf und besorge e« gut! Sprich umgebend mit Ztegler, sage ihm, daß die jetzigen Minister weg müssen, fie haben fich bei mir unmöglich gemacht. Er wird es über- nehmen, wenn die Sache besorgt ist, wie ich will. Die Kollegen soll er mir selbst vorschlagen. Schneider soll gleich fort und einen tüchtigen Sekretär besorgen. Auf die Kammern ist ein Druck auszuüben und wenn fick die Kammer steift, dieselbe aufzulösen. Andere her! va« Volk sehr bearbeiten! schnell! Sage, daß außer den Rückständen noch ein paar Millionen dazu dringend zu beschaffen wären. Sage ihm, daß die Bauten meine Hauptlebensfrage und Hauptleben«fteude find, baß ihr Stocken mich unmöglich macht, daß ich an Selbst- tödtung denke. Die Bauten dürfen nicht mehr stocken; wenn er ei fertig bringt, dann wird er mein Leben retten. Geh' rasch an die Deckung, nicht mit Vorschüssen, die find meiner unwürdig. Dann ist die Zivtlliste wieder in meinen Händen. Rasch vorwärt« I Die Schlafzimmer von Ltnderhof, die Schlöffer von Hohenwatt und Falkenstein! Mein LedenSglück hängt davon ad." Heffelschwerdt wurde nach RegenSburg ge« schickt, um bei dem nunmehr verstorbenen Fürsten von Thurn- Taxi« ein Darlehen von 26 Millionen zu negoziiren. Durch Vermittlung de« Herzog« Ludwig in Bayern sollte der Kaiser von Oesterreich um ein Darlehen angegangen werden. Ein Flügeladjutant wurde nach Stockholm zum König von Schweden gesendet, auch in Brafilten wurde der Versuch, ein Darlehen aufzunehmen, gemacht, ferner wurden Personen nach Konstantinopel zum Sultan, nach Teheran zum Schah gesendet, um Geld aufzutreiben. Für den Fall, al« die« nicht möglich sein sollte, wurde der Befehl gegeben, Leute zu werden, um in die Banken von Frankfurt, Stuttgart, Berlin und Paris inzubrechen. Vier Mann wurden entsendet, je zwanzig Millionen herbeizuschaffen, ohne daß Einer vom Anderen etwa« wissen durfte, so daß auf einmal 80 Millionen flüssig geworden wären. Charakteristisch ist, daß auf einzelnen Zetteln lediglich die Zahl angegeben ist. Bei nach®«'� l»«»«* picht k«fr»mb«n, bog man fich auch an ven trafen von � wenden wollte, doch berechtigt die« in keiner Weise zu einem polttischen Hintergedanken. Richtig ist, daß ein Maschinen« Erfinder, Armand Faure au« Algen, der übrigens gar nicht zu existiren scheint, mit einem Briefe vom 7. Januar 1886 die Gewährung eine« Darlehen« durch Rothschild angeboten habe, aber der Schreiber de« Briefe« erwähnt durchaus nicht« von einer Aufforderung oder sonstigen Veranlassung.-- Die Nöthen de« Rahinet» Lutz müssen sehr groß sein, denn man spielt jetzt gegen die katholische Kammermajorität Bayern« al« höchsten Trumpf den Vatikan au«. Die„Allgem. Ztg." macht hochoffiztö« diesen Versuch in folgender Weise:„Die Stellung der maßgebenden vatikanischen Persönlichleiten gegen- über den hochwichtigen, über ein dem katholischen Glauben tteu ergebene« Fürstenhaus und ein Land von überwiegend katholischer Bevölkerung hereingebrochenen tragischen Vorgängen wird hier vielfach besprochen. ES verlautet mit großer Be- stimmtheit, daß die jüngst durch die Blätter gegangene Auf- faffung de«„Moniteur de Rome" in keiner Weise die An- jchauung der Kurie wiederspiegelt; e« sollen vielmehr authen« tische Belegstücke hier vorliegen, au« denen zur Evidenz hervorgeht, daß die Ueberzeugung der leitenden vatikanischen .E« ist nicht«, liebe Mutter, wie geht e« dem Vater?" „Besser, er ist auf. Der Ober-Medizinalrath meint, e« fei nur eine Ohnmacht aewefe« und habe nicht« zu sagen. Aber DuZ mußt Dich schone«. Die Aufregung dieser Nacht hat Dich furchtbar angegriffen und Du bist wohl auch ohne Speise und Trank geblieben." Sie klingelte, und al« der Diener da« Zimmer betrat, rief fie ihm zu:„Da» Frühstück für meine« Sohn; bringen Sie e« herein." „Ich danke Dir Mutter, ich fühle weder Hunger noch Dmst." „Aber Du mußt etwa« aenieße«, daß Du mir nicht auch am Ende krank wirst. Wir haben Elend genug im Hause, da« weiß Gott," sagt« sie mit düsterer Stimme. Wieder schwiege« Beide, und der Diener kam jetzt herein und brachte einige Speisen, zu denen er eine Karaffe mit Portwein auf de» Tisch stellte. George schenkte fich ein Gla« Wein ein, da« er leerte, und aß ei« paar Bissen; dann schob er de« Teller zurück. Er war aufgestanden und ging tta paarmal im Zimmer auf und ab. „Mutter," sagte er endlich leise, indem er vor ihr stehen blieb,„Paula wird sicher in diese» Tage« an Dich schreiben." „Nenne mir de« Name» nicht mehr," rief di« Gräfin heftig, indem ihr Blick selbst finster und drohend wurde, „ich will ihn nicht wieder hören." „Es ist der Name Deiner Tochter, Mutter,— Deine« Kinde«.' „Ich habe keine Tochter mehr," sagte die Gräfin, in- dem fie sich gewaltsam emporrichtete.„Nie hat eine Tochter ihre Eltern tödtlicher beleidigt, nie gewaltsamer die Bande zerrisse», die sie an fie banden. Es ist geschehen, aber de»- halb kein Rücktritt auch mehr möglich. Ich kenne fie nicht mehr." „Da« ist nicht möglich, Mutter," rief Georg« bewegt, „so unuatürlich kann Dein Herz nicht denke« I Paula war unser Aller Liebling, gut und uvschuldsvoll, und daß die Zunge eine« schlaue», bübische« Verführer« fich in ihr Ohr Kreise, in vollkommener Uebereinstimmung mit der bei den besonnenen bayerischen Politikern bestehenden Beuttheilung der Dinge, mit Entsckztedenheit dahin gerichtet ist, daß unter den gegenwärtigen kritischen Zeitverballniffen die unabweisbare Verpflichtung bestehe, vor allem durch da« einmüthige Zasam- menwirken aller Fraktionen und unter Verzichtleistung auf jede Parteidestrebung die Gemüther zu beruhigen und die Regie« -Regenten zu stärken." Die ultramontane ist freilich anderer Anficht. Nach ihr„wird den Interessen de« Lande« geopfert werden rung de« Prinz „Germania" daS Kabinet Lutz müssen." Schweiz. Am 8. Juli soll die Sitzung d«s Züricher KavtonSrathes stattfinden zur Behandlung dei regierungSräthlichen Berichtes über die Giünde de« Erlasse« gegen die streiken- den Schlosser, dem demokratischerseit« die Verantwortung für die Skandalszenen vom 16. d. M. zugeschoben wird. 30 Liberal Konservative haben, nach der„Franks. Ztg.", auf Be- schleunigung dieser außerordentlichen Sitzung gedrungen und dadurch da« Bureau zu obigem Termin aenöthigt. Nun ist beim Bezirksgericht vom Fachverein der Schloffer und den Grütlivereinen Klage anhängig gemacht gegen RegierungSrath Spiller sowie die auStührenven Potizeiorgane wegen AmtSmiß« brauch, Verfassungsbruch, Freiheitsberaubung. So einfach dik- her die Lage war, so kcmplizirt wird fie durch die Verlegung der Rathifitzung auf einen Termin, bis zu welchem da« Ge« richt noch nicht schlüsfig geworden sein kann. ES giebt Liberal« genug. welche erschrecken vor der selbstgeschafienen Situation. Die Unparteilichkeit de« Rtchterstande« läuft die höchste Ge« fahr. Denn die unanständige Prcsfion, welche ein für die Regierung günstige« Votum de« Kantor krathe« auf da« Gericht ausüben muß, wird von ollen ehrlichen Leuten empfunden werden. Spricht aber da« Gericht trotz Allem dm Arbeitern die Berechtigung zur Klage zu und veruri heilt Spiller nebst seinen Organen, so ist eine bedenkliche Kluft zwischen der Rechttanschauung der Richter und derjmigen der Rälhe auf« gethan. Belgie»u Seit Beginn voriger Wowe hat die grcße Arbeit«« Kommission, die von der Regierung im April d. I. de- Huf» einer Enquete über vie Lage der Arbeiter in den In« dustrie« und Ackerbau- Bezirken einberufen worden war, ihre Sitzungen im Palai» der Akademie begonnen. Da« Werk dieser Kowmisfion begegnet, nach der„Franks. Ztg.", in der Presse wie dei den zunächst Jnterelfirten einer sehr getheilte« Aufnahme. Selbst gemäßigt liberale Blätter nehmen an ein« zelnen F-agen, die fich in dem Questionnair« befinden, Anstoß, so namentlich an jenen, welche nach dem Religionsbekenntniß der Arbeiter und dem Einfluß forschm, den die Ausübung oder Vernachläsfigung desselben auf die allgemeine Haltung der Ar« beiter gehabt und haben. Die„Etoile Belge" und andere Biälter sehen hierin einen Eingriff in die Gewissenifteiheit, der klerikale Genter„Bien Publik" hingegen gerade einen Vorzug- Wieder Andere finden die Fragen zu zahlreich und ausgedehnt, während selbst manche Mitglieder der Kowmisfion eher noch dal Fragebuch vervollständigen und die Enquete noch umfangretchei machen möchten. Da« letztere begreift fich um so eher, al« die Kommisfion di« auf zwei oder drei eigentliche NationalökonomtN- worunter der Professor Hektor Denis, ausschließlich au» Vertretern der Groß- Industrie, Minen' besitzern und Finanzleuten zusammengesetzt ist, oc» denen nicht wmige ein Interesse daran haben, die ganze Ei" quete möglichst in die Länge zu ziehen. Wa« die Arbeite', um die allein e» fich dei der Sache handeln soll, betrifft, haben die Organe der Arbeiterpartei noch vor Eröffnung dck KommisfionSberathungen unter dem Hinweise auf den voa> Gmter Kongreß gefaßten Beschluß jede Theilnahme an dieses Enquete abgelehnt und hauptsächlich mtt der Motivirung, vok ntebr ein einziger Arbeiter in der Kommisfion vertrkten s't ES ist die» ein großer Fehler bei Zusammensetzung der Ref misston gewesen. Trotzdem aber jene Blätter den beitern gerathen baden, auf die Fragen, welche � Kommisfion an die einzelnen Vereine richten wird, keine fünft zu geben, find doch etwa 30 Delcgirte von Arbeits' Syndikaten der Einladung der Kommisfion gefolgt und habe" fich am ersten SitzungStag« im Akademiesaale eingefunden, lediglich mit ihnen beraihm wurde. Am Mittwoch wurden# Chef« von Jndustrieunternehmungen vernommm und der Pl� der Arbeit vorläufig festgestellt. Die Kommisfion hat fich% drei große Sektionen getheilt und wird die Resultate ihrer»u* Theil durch die einzelnen Mitglieder in dm verschiedene» Theilm de« Lande« mündlich und persönlich vorzunehmend� Nachfragen und Untersuchungen so viel wie möglich schrisll'� niederlegen lassen. Anfang« hatte man die Vertreter der Prep nicht zugelaffen, in der heutigen Plenarfitzung ist jedoch dies«' Mißgriff wieder gut gemacht worden. Sehr bedauert wird von progresfistisch-radikaler Seite, daß in da« Fragebuch solt' Fragen, die fich auf die Arbeiter-Kooperatiogenossenschasten Ui>° die Steuerlast, welche die Arbeiter zu tragen haben, nicht avi' genommen worden find. Die Sektionen, in die sich di? Ko«'' mtsfion gleich bei ihren Vorarbeiten getheilt hatte, haben dW zu stehle« wußte, o, bedenke, daß e» fie schon unglückl� gemacht, laß sie nicht auch damit die letzte Stütze o#" lierev, die fie auf der Welt hat, die Liebe, de» Schutz ih� Eliernr „Der ward ihr im reichste« Maß zu Theil," evtgeg«� mit zusammengezogme« Braue» die Frau.„Kein Kind mehr geliebt und auf de» Hände» getragen worden, � diese« falsche, undankbare Geschöpf. Laß fie jetzt er«t� wo fie gesäet; auf unsere Liebe hat fie keine« Ansp� mehr.". „Aber der Vater wird sie nicht verstoßen," rief@#*9, heftig,„er kann e« nicht, sie war von je sei« Liebling Er wanote fich, al« ob er zu ihm eile» und seine Hilfe a' flehe« wolle. „Wenn Du ihn tödten willst," rief die Mutter heM „dann gehe jetzt zu ihm und nenne ihm Deiner Schwefl? Namen! Er hat fich kaum von seine« Schwäche erholt** der Arzt streng befohle», daß Alle« ihm ferngehalten aerd' müsse, wa« ihn nur im geringsten aufregen und an de« littene« Verlust mahnen könne. Versuch' e», aber die Folg" auf Dich selber I" t „Troßer Gott," stöhnte George,.wa« für Hilfe'a* die Unglückliche von fremden Menschen erhrffen,»(** eigene» Elter« ihr Herz vor ihr verschließen?" n „Sie het sich fremden Menschm in die Arme geworf�' sagte die Mutter kalt,„fremde Menschm mögen ihr de auch da« ersetzen, wa« sie hier muthwilltg von fich gestoße»' sie hat keine Elter» mehr." „Arme Paula 1� seufzte George. Aber Ein«""{f st |......■ fremde» Menschen, fich desselben anzunehmen,.«ud�lo� mir, Mutter. von Deinem Bist Du wirklich im Stande, Herzen zu reiße», dann gestatte ei« Brief von Paula— sie wird und muß ja — so sende ihn an Rottack«, die mir zugesagt.. „Bist Du«ahnfinnig?" rief die Mutter, orde«'' erschreckt emporfahrend.„An Rottack«? Und»a« 9 die rmt unserem Hause zu thu«?'_.. ,6« sind brave, treffliche Menschm, die P�.�- Herzen lieb haben," sagte George bewegt;„bei denen I fie dann wenigsten« Rath und Trost und melletch» Aragen, obgleich ste von einzelnen Mitgliedern gestellt waren, outgeschlossm. Der von Hekior Denis gestellte AnKaa, die ie deS Anlaufs der Kohlenbergwerke durch den Staat, fowte jene, betreffend die Rolle der Arbeiter Eyidilate bei der Kooperation mit aufzunehmen, hat leine Berücksichtigung ge- funden. Andere VmschlSge sind zwar bnückäcbtigt, aber so abgeschwächt worden, daß fich wenig E.spricßlicheS von ihrer Beantwortung erwarten läßt. Vor Allem aber fehlt der Kom» misston daS Vertrauen der Maffen. Fraurseicy. Die monarchistischen Organe begleiten daS Manifest deS Grafen von Paris mit Bemerkungen, welche die Tragweite deffeiben womöglich noch erhöhen. Es schreibt „Eoleil":„DaS Exil hat begonnen, es wird kurz sein... Die Erbschaft auf die Revublik ist eröffnet.... Der Erbe ist da.... Frankreich will die Ordnung. Die Republik kann dieselbe nicht verbürgen. Die Monarchie wird ste ihm sichern." Cassagnac tn der„AutortlS" bemerkt:„Wir find keine Royaliüen und wir könnten unS nicht an das König. reich anschließen... Wir finden daS Manifest deS Grafen von Paris so wie«S sein mußte: sehr energisch,«ntschloffen, im höchsten Grade jenen Stempel der Autorität tragend, welche bi« jetzt in Kundgebungen deS konstitutionellen Königihumt gefehlt hat.... Der Graf von Paris kennt sein Recht und auch seine Pflicht und wird diese nöthigenfallS jenem voraus- gehen lassen." Der„Figaro" findet den Protest deS Grafen von Parts„tadellos nach Form und JnimU" und knüpft an da« Schriftstück folgend« Betrachtung:„Die Z;it des groß- artigen SichfügenS in da« Schicksal ist vorüber. Man wird nicht mehr sagen:„Sohn deS heiligen Ludwig, steigt zum Himmel empor I", sondern:„Sohn de« heiligen Ludwig, kommt recht bald zurück, die anständigen Leute werden Euch dazu be« hilflich sein." Diese Bemerkung wirkt geradezu komisch, wenn man fich erinnert, daß die Wort«:„LIs de Saint-Lonis, monte« au ciel!" von dem Geistlichen gesprochen wurde, der den un> glücklichen König Ludwig XVI. auf« Schaffot begleitete. Diese Erinnerung war wohl am allerwenigsten geeignet, den Grafen von Pari» zu einem Versuch, den Thron seiner Ahnrn zu be- steigen, zu ermuntern. m m � Der P a p st hat an dm Grafen von Pari« sein Bedauen» wegen der Vertreibung auS seinem Vaterlande ausgedrückt. Er ermahnt ihn zur Ergebung in die Entscheidungen der Vor- sehung und bittet ihn, zu hoffen. Schließlich erthetlt er ihm und seiner Familie den apostolischen Segen. Freyeinet deponirte der Kammer den HandelZoertrag mit China, der Frankreich sehr begünstigt. Die äußerste Linke beschloß nochmal» bei Freycinet Schritte iu thun, damit die Reinigung de« hohen Bcamrenthum« vor bem 1. August, vor den GeneralrathSwahlm beginne und die beiden übrigen Gruppen zur Theilnahme einzuladen. Italien. Der Wim«„N. Fr.Pr." schreibt man:Die Verhaftungen von italienischen Sozialiften(!) in Mailand und die behördliche Auflösung der Arbeitervereine Paacio operajo und Pigli di lavoro verdienen Beachtung. Die Regierung Icheint der anarchistischen(!) Agitation ernstlich zu Leibe zu gehen und ist«ntschloffen, den Verhafteten, unt« welchen fich sojialtsttsche(I) Kandidaten der letzten Kammerwahlm befinden, den Prozeß al« Verschwörer zu machm. In Oder-Jtalien soll e«, dem offiziellen Telegiamme zufolge, 159 Vereine geben, welche dem sozialifti- schen Programme der Arbeiterpartei beigestimmt haben. Die nalienische Kamm« zählt nur drei sozialistische Abgeordnete: Costa, Moneta und TedeSchi. In d« Sitzung der italienischen Kammer haben gleich- zeitig Nicotera und Bonghi, zwei in ihren politischen An- Ichauungen gewiß grundverschiedene Männer, Anträge aus A b- Schaffung deS Listen-SkrutiniumS eingebracht. Mnisicrpiäsident DepretiS bemerkte, er habe fich bisher nicht überzeugen können, daß bat Listen- Skrutintum so arge �beistände im Gefolge habe, wie die Antragstell« behaupteten, ft sei aber durchaus nicht dagegen, daß die Kammer die Frage ttttäge Aller Wahrscheinlichkeit nach wird daS nächsten« ge> Aehen. Fast alle hervorragenden Abgeordnetm Italien« haben schon gegm die Listenwahl«klärt. ... Vom 25. bi» 26. Mittag find ander Cholera inBrin- ?ifi 15 Personen«krankt und 3 gestorben, in Latrano 24 Per- l°nen erkrankt und 7 gestorben, in San Vito 4 Personen er- 'sankt und 2 gestorben.- In Trieft glaubt man übrigens tinen Cholerafall mtdeckt zu haben- Am 25. erkrankte dort die jährige Wittwe Therese Beligoi unter vndächttgen Erjmp. Jörnen; die Kranke wurde in» Chol«alpital gebracht, wo fie tm iiaufe der Nacht starb. Abmd» wurde in einer Villa weit außerhalb der Stadt ein HjährigeS Mädchen von Kolik und Erbrechen befallen. D« behandelnde Arzt erklärte den Fall für choleraverdächtig, worauf das Hau« isolirt und dessen Bewohn«, da die Krankt in häuilicher Pflege bleibt, einer zehn- Jägigen Observation unterworfen werden.— Die Nachricht von ?tm Auftreten der Cholera in Portugal soll hingegen misch sein. Wied« dm Weg zurück zum Herzen d« Eltern fiadeo. Willst Du mir daS versprechm, Mutter?" „Du bist von Sinnen l" sagte die stolze Frau finster. »Soll ich selb« Fremde« unser« Familie Schmach auf- becken? Ich begreife Dicht nicht, George. Aber." fuhr ste plötzlich aufmerksam w«deud fort, ,wa« solle« all' dies« Reden? Bleibst Du den» nicht selber hi«? Du sprichst ßecade, al« ob Du Vorbereitungen zu ein« größere« Reise ltäfest." E« ist möglich, daß ich i« diese» Tage« auf einige Leit fortgehe, sagte George leise;„ich weiß c| noch nicht, >ch muß erst mit dem Vater darüb« sprechen." „Und willst Du un««icht«ach Ztalie« begleite«?" „Vielleicht— vielleicht komme ich nach.' „Du bist so sonderbar, George. Wa« hast Du?* „Nicht«, liebe Mutter; d« Kopf thut mir weh vom dielen Denke« und Grübeln." Die Gräfin nickte leise vor sich hin, sie kannte da« Ge« fühl selber.„Wohin willst Du jetzt?" „Zum Vater hinüber.* »Rege ih» nicht auf; ich wollte lieb«, Du miedest ih« für ein paar Tage." „Er würde unruhig« w«dm," sagte George,„wen»« »dich«icht wie gewöhnlich sähe." „Du willst mit ihm üb«— die Entflohene sprechm?* „Nein, Mama, fürchte daS«icht. Ich muß e» Gott anheimgeben, daß er Eure Herzen Wied« dem Kinde zu- wendet: ich fühle, daß meine Stimme zu schwach dafür ist. Lebe wohl, Mutter I" Er nahm ihre Hand, sah ihr eine« Moment«nst und wnurig i» die Auge«, schloß sie daa» in die Arme u»d 'üßte ihre Wange. „ Die Gräfin«widerte di; Umarmung«icht, sie duldete üe nur, sagte auch kein Wort, und George»«ließ rasch oa» Zimm«. . De« Vater fand«noch imm« in d« nämlichen Stel- Ang, wie er schon stundenlang gesessen. Erst als George r" Zimmer betrat, wandte« zu« st rasch und wie er« Meckt da« Antlitz der Tbür»u. fionb dann auf und saate chnckt da» Antlitz der Thür zu, stand dann auf und sagte 'fo:„Ah, Du bist e«, George!* R« tz l a« d. Das Projekt einer Volkszählung in ganz Rußland welches bereits 1883 im Ministerium deS Innern auSgembeite und dem Finanzministerium vorgelegt wurde, soll, wie die „St. Pet. Ztg." hört, erst realifirt werden, wenn die Frage von d« Kopfsteuer erledigt ist. Dann erst wird eS dem Reich»- rath zur Begutachtung vorgelegt werden. Balkauläuder. Meldung der„Pol. Korr.": Die Auswanderung der Muselmanen auS den verschiedenen Disttilten OstrumelienS ist in der letzten Zeit entschieden in Zunahme begriffen.— An den BifeftigungSardtiten von Adrianopel wird mit großer Energie gearbeitet; dieselben umfassen auß« d« Instand- setzung der bestehenden Fortifikationen auch den Neubau eines detachirten FortS in der Entfernung von mehr als ein« Stunde von d« Stadt. Eine Anzahl von Industriellen, darunter auch mehrne Deutsche, hatten wegen Bezahlung d« in d« jüngsten Zeit von ihnen der griechischen Regierung gemachten Lieferungen ernsthaste Befürchtungen, da die»«abredeten Zahl- fristen nicht innegehalten wurden. Auf eine neuere dringende Vorstellung hin hat fich jetzt daS Ministerium TrikuplS entschlossen, die Bezahlung aller dies« Gläubig« thunlichst tnntthalb 14 Tagen durch ein Paris« Bankhaus bewirken zu lassen. Amerika« In dn Stadt Lake kam eS zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und den streikenden Bahndediensteten. Die Polizei machte von der Schußwaffe Gebrauch. Zwei Ar- beiter wurden verwundet. Afrika. Die Eisenbahn von Durban nach Ladysmith(Südafrika), welche bei einer Länge von 190 Meilen in der Richtung der Goldfelder von Transvaal läuft, ist unter großen Freuden- dezeugungen der Eingeborenen«öffnet worden. Diese Bahn schließt die Goldfelder auf. Australie«. Bis vor Kurzem war West- Australien min«alogisch un- durchforscht geblieben. Vor Kurzem find aber aui dem Nor- den von West-Australien Goldfunde von solcher Bedeutung gemeldet worden, daß wanden ersten sanguinischen Nachrichten mißtrauen mußte. Mit d« neuesten Schiffipost bringt nun: der„Stvney Morning Herald" vom 13. Mai eine umfassende Darstellung dies« Funde. DaS australische Blatt enthält im Wesen folgende Mittheilungen: 300 englische Meilen von Port Derby und dem Cambridge- Golf gegen da« Inn«« de« Landes ist eine Alluvialgold enthaltende Gegend gefunden worden, welche schon jetzt für daS ausgedehnteste Goldgebiet in�Australien gehalten wird. Alle Leute, welche dort waren, haben Gold zurückgebracht und find nur gekommen, um fich zu v«proviantiren und wieder zurückzukehm. Aus dem übrigen West-Australien, auS Neu- Süd- WaleS, wie Neuseeland und Eidney find bereits Viele aufgebrochen, um die neue Konjunktur auszunützen. Die Goldgräber hallen die Fundorte möglichst geheim. Eist 40 Mann sollen den Anfang gemacht haben. Es wird bestätigt, daß bereits bedeutende Quantitäten sofort verkäuflichen Goldes gefunden wurden, wovon Klumpen von 1 bi« zu 190 Unzen. Ein Gräber, NamenS Morgan, kam nach Port Derby mit einem 2»/, Pfund schweren Klumpen soliden Goldes zurück. Der Gewährsmann deS„Eidney- Morning- Herald" laufte selbst am 12. Mail 48 Unzen von zwei Leuien, 22 Unzen von einem Zweiten, 11 Unzen von einem Dritten und 7 Unzen von einem Vi«t«n. Eine Partie soll 240 Unzen nach Sidney gebracht haben, von dem ein Klumpen 19 Unzen wog. ES ist durchweg gutes Gold. Alle Klumpen und Nüsse find verwaschen, und zwar so. daß man schließen kann, daß die Mineralschichten selbst nicht sehr weit entfernt iein können. Herr Hardman, der Geologe der Regierung von West-Austra- lien, hat da» Gutachten abgegeben, daß im Norden ein gold- haltige« Gebiet von 8500 bis 4000 englischen Ouadratmeilen existire, und daraus wird in Sidney der Schluß gezogen, daß diese« neu entdeckte Goldfeld sich al« da« er- giedigste und dauerhafteste erweisen werde unter allen, welche bisher in irgend einem Theile d«Erde ge- funden worden. Die Gewähr für diese Mittheilungen, welche, fall« sie fich bestätigen, ein; bedeutende Tragwette befitzen würden, müssen wir natürlich dem australischen Blatte über- lassen._ Kommunales. w. Im Frtedrtch-Wtlhelms-Hospital betrug die größte Zahl verpflegter Personen an einem Tage des EtatSjahre« 1885/86 624, die kleinste 596. litt. Mär, 1886 verblieben 600 Personen, 53 Domestiken und 547 Hospitaliten in der Anstalt. AuS dem Bericht über die Krankenpflege und Eterdllchkeit geht hervor, daß die Männer nicht ein so hohe« Alter erreichen alS die Frauen. So z. B. erreichten von den Verstorbenen ein Lebensalter von 81 bis 90 Jahre 5 Männer und 12 „3a, lieber Vater. Ist Dir jetzt besser?* „Gewiß, gewiß. Wo ist Deine Mutter?" „In ihrem Zimmer drüben." „Zch w«de zu ihr hinübergehen; es ist so einsam hier." „Recht einsam, Vater." Der alte Graf sah ih« rasch und streng an, strich sich ab« dann mit d« Hand üb« die Stir« und sagt«:„Es ist gut so, ich habe e« gern, ich bi« gern allein. Ab« wo hast Du den» den ganzen Morgen gesteckt?" „Ich war in der Stadt, Vater; ich wollte.. „Zch brauche«icht zu wisse», was Du wolltest." „Mein lieb«, lieb« Vater!' Er hatte de« Vater« Ha«d ergriffen und hielt sie fest i« der seinige«. D« alte Graf sah ih« an; dann legte er ihm die an- den- Hand auf de» Kopf und sagte leise:„Ich will zu Deiner Mutt« gehe«; laß mich jetzt lo«, George." „Lebe wohl, Vater!" „Gehst Du wied« fort?" „Ja, ich habe»«sprachen um vier Uhr i« der Stadt zu sein.' „Gut, gut, ab« bleibe nicht zu lange." Georg küßte die Hand, die er in der seivige« hielt. D« alte Graf ab«, al« ob« fürchte, daß d« Soh»»och von etwa» Anderem sprechen werde, machte sich lo«, winkte ihm mit der Hand und verließ dann rasch das Zimm«. Eine Vi«telstunde spät« ritt George wied« langsam zum Thor hinaus. D« Himmel hatte sich umzogen, d« Wind heulte da« Thal hinauf und ei» feiner Rege« begann zu falle». Er fühlte e««icht. Draußen vor dem Thor hielt« sei» Thier noch einmal an und wandte de» Blick zurück auf da« Schloß. „Lebt wohl!' sagte« leise und bewegt.„Gott be« schütze Euch I" Und da« Pferd wieder herumwerfend trabte« rasch auf der Straße hinab, die«ach Haßburg führte. Ueb« die bewaldete» Berge zöge« die Wolke» in wild« Hast; von dort herüber leuchtete auch schon fahl« Bl>tze Schein und der Wind riß a» de« alte« Bäumen, al« ob« ihre Kraft und Zähigkeit erproden wolle. Frauen, üb« 90 Jahre 3 Frauen und kein Mann. Au» Kommunalmitteln war ein Zuschuß von 187 613 57 M. erforderlich. Bei der von 221 426 verpflegten Personen, darunter 18 734 Domestiken, Wärter und Wä-terinnen, stellen fich die Kosten ein« Person pro 1. April 1885/86 auf 309,08 M. w Die Frequenz unserer Gemetndeschulen war am 1. Mai 1886 folgende; El bestehen zur Zeit 159 Gemeindeschulen mit 2878 Klassenzimmern(inklustoe 13 unbesetzte) und 1 Privatelemcntarschule mit 12 Klaffenzimmern, da« find zu- sammen 160 Schulanstalten mit 2690 Klaffenzimmern(inkl. 13 unbesetzte). Von den 2678 Klassenzimmern der Gemeindeschulen find 1994(inkl. 1 unbesetztes) in eigenen Schulhäusern der Stadt verlin, 561(inkl. 12 unbesetzte) in gemietheten Räu- wen. Die Fassungskraft aller Schulen zusammen ist folgende: 2554 denutzte Klaffenräume haben 146 345 Plätze, 136 fliegende (überzählige) Klaffen haben 8614 Plätze, dazu 13 unbesetzte Klassenzimmer mit 552 Plätzen, find also 2703 Klaffen mit zusammen 155 511 Plätzen(76 803 Knabenplätze, 73 703 Mädchen- Plätzen). Bei 2690 Klaffen find in den benutzten Klaffenräumen (einschließlich der fliegenden Klassen) 5063 Plätze frei, d. h- pro Klaffe 1,88. Wird jedoch die Fassungskraft der Klaffenräume in der Weise berechnet, daß, wie festgesetzt, in einem Klaffen- räume(I. und II. Klaffe) höchsten! 60, der Mittelstufe(HI. und IV. Klaffe) höchsten« 65, der Unterstufe(V. und VI. Klaffe) höchsten» 70 Kind« aufzunehmen find, so fällt die Gesammt- zahl der disponiblen Plätze um 682, es find dann nur 4381 Plätze unbesetzt, d. h. pro Klaffe 1,63 Plätze. Die durchschnittliche Besetzung einer Klaffe betrug am 1. Mai 1886 55,72-----+ 0,10. Die Zahl der eingeschulten Kinder betrug am 1. Mai 1886 149 896(73 648 Knaben. 76248 Mädchen). gegen 1. November 1885 4660 Kinder(2388 Knaben, 2272 Mädchen).mehr. Kozwle»«nd ArveitervewegUng. Defizit in de« Gemeiudekraukeukassen. Die Mün- chener Gemeindekrankenkaffe hatte im Jahre 1885 eine Einnahme von 551 392 M 18 Pf., eine Ausgabe von 633 122 M. 39 Pf., sonach ein Defizit von 81 730 M. 27 Pf. Mit dem Jahre 1887 treten in München die„OclSkrankenkaffen" in Kraft, von denen man eine Entlastung der Gemeindekaff: von weiteren solchen Defizit« hofft. Dürfe« die U«ter«ehmer thu«, was de« Arbeiter« verböte« ist? In Berlin wurde wieder eine Anzahl Ar» beitn zu Geldstrafen und Kosten verurthM, weil auf einem Flugblatt, entgegen dem§ 6 de« Preßaesetze«, durch ein Ver- sehen der Name und Wohnort de« DruckerS und Verleger» nicht ganz der Vorschrift entsprechend angegeben war. Die Berlin« Inhaber von vaugeschäften verbreiteten, od« der kleine Hausen von Zünftlern, der fich diese Firma angemaßt hatte, verbreitete, nach dem„Bauhandwerkn", im April d. I. ein Flugblatt, in welchem die Gesellen und die Führ« der- selben deschimpft und verleumdet wurden und auf dem- selben war weder Drucker noch Verleger angegeben. Wir haben nicht gehört, daß die Verbreiter bestraft worden find. Die Geschäftsspekulationea werden von den Man- chestriern noch immer als das Heilmiitel zur Hebung unserer wtrthschastlichen Zustände angepriesen. Herr Bamberger hat die« im Reichslage noch vor kurzem gethan und jetzt unternimmt es daS„Oesterceichische Zentralblatt für Handel und Gemerbe", der Spekulation gar ein hohes Lied zu fingen. Die Spekulation belebt Produktion und Konsumtion, ste belebe vor Allem den Handel, der die Zivilisation in die fernsten Länder trage. Vergessen wird nur immer bei solchen LodeSgefängen, daß die Spekulation die Krisen verschlimmert, indem ste die planlose Produktion fördert.- Man steht aber darau«, daß solche Lob- lteder der Spekulation noch die weiteste Verbreitung finden, daß die sozialen Irrlehren des ManchesterthumS noch immer einen breiten Boden haben. Das ortsübliche Daaeloh« beträgt in Stolp(Pommern), also in einer St ad t, 1 M. 20 Pf. für erwachsene männliche Ardeiter. Diese Angabe ist seitens der städtrschen Behörden gemacht worden. Und da redet man noch imm« von einem wirthschafttichen Aufschwung. Ei« Maurerfachverei« wurde i« Schleswig ge- bildet. Ferner ist e« gelungen, in Lüneburg einen Fach« veretn der Eteinttäger und Bauarbeiter in» Leben zu rufen. ». Töpfer« ist durch die Meister da» Lokal für den ArbeitSnachwei»„abgetrieben" worden. Die Meister hatten dabei die Absicht, die in AuSficht stehende Lohn» deweguna zu behindern. Sie glauben, wenn die Kollegen nicht wissen, wo der Arbeitsnachweis fich befindet, werden fie Verwirrung schaffen. Al« letzten Schachzug haben noch ste ihren eigenen, den Meist« Arbeitsnachweis in da« Lokal der Gesellen gelegt. Letztere bitten nun alle Kollegen hierauf Rück- ficht zu nehmen. Der Töpfergesellen von Dre«. befindet fich jetzt Neue Gaffe Nr- 41 bei Herrn Gasch. Zuzug nach Dresden ist augenblick- lich nicht lohnend und müßte deshalb abg«athen werden. Es war eine sehr lange Zeit in Haßburg schöne« u«d trockene« Weit« gewesen. Jetzt schie« e«, als ob fich die Elemente dafür eatschädige« wollte», um mit verstärkt« Wuth ihre« Retge« aufzusühre». Em zürnend« Blitz, al» wenn sich da« Firmament öffnete, und hiat«dreia ei» Donnerschlag, d« die Erde«bebe» machte, und alle Schleuse« des Himmel« öffnete» fich.--(Forts, folgt.) Aus Kunst nnh Zeven« Räch lauger Pause werden im Schweizer Garte« wieder wie im vorigen Jahre jeden Dienstag die großen Kriegs- feuerwerke, vetbunden mit Schlachtenpanorama, aufgenommen. Für den heutigen Dienstag wird zum ersten Mal die Erstür- mung der Düppel« Schanzen al« Schlußstück zur Datstelluna anlangen, dem ein imposantes Fronten- und KaSkadenfeu«wnt Etablissement Gebotenen sowie de« Enttee« verweise» wir auf daS fich in der heutigen Nummer befindliche Inserat. _ i« Neapel. Eine Neuerung auf dem Gebiete d« Heilkunde, die Thierblut Trinkhallen, hat fich in Neapel die allgemeinen Sympatbien im Sturme erobert. Jeden Morgen zwischen 8 und 10 Uhr kann man einige Hundert Damen und Herten zu den Bluthallen, die neben dem Schlachthause aufgeschlagen find, pilgern sehen, um das Thi«. blut frisch von den noch rauchenden Thierkadavern zu«halten. Dies« neue Kur, von den jungen Doktoren de Bouts und Reale propigirt, soll nach den Aussagen d;r Patienten wahre Wund« wirken. Hinfallige Frauen, bleichsüchttge- hysterische Jungfrauen werden binnen kurzem frisch und blutreich, anamlsche Kinder blühen in wenigen Tagen auf, kranke Greise werden kräftig; alle Personen aber, die fich de« neuen Genuß- mittels regelmäßig bedimen, sollen bald erhöhte Lebens- und Arbeitskräste spüren. Kein Wunder, daß fich Alles zu dem neuen Heilmittel drängt und bereits die Errichtung eine» Bluttrinkhallen Etablissement« in großem Siyle mit sorgfältig« Sotttrung der einzelnen Blutsorten geplant wird. Auch die an manchen Stellen d« Stadt errichteten VolkS-Bluttrink» ha? Theater. Amor. Tan». Poem von Luigi M-nzotti. «allner-Theater. Der Mikado. ftaufniann's Variete. Große Spezialitaten. Vorstellung._ Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Knlüer-Panoram«. In dieser Wo»«: Reise durch verner Oberland. Amerika.— Ealitornien.— Mond. Hertha-Reise. Earolinen-Jvsela Eine Reise 20 Pfg Kinder nur 10 Pfg. ftiBiifn-fiejitfaaewin„vmerzagt". Da heute, Dienpag den 29. Juni, der letzte Abend ist, wo wir bei Iarodq, Landsberger- straße 82, zusammen sein lönnen. so laden wir alle Mitglieder ein, fich zu einem GlaS Bier «cht zahlreich einzufinden.>2020 «. Franke. Die Lohn-Kommtsfion der Töpfer-Gesellenschaft Serlius und Umgegend>2031 bringt hiermit zur Kenntniß, daß dieselbe polt, ei. lich nicht aufgelöst ist, sondern nach wie vor alle Angelegenheiten, welche die Töpferlohn bewegung betreffen, besorgt und Grenadier- straße Nr. 33 bei Seefeldt von Morgen! 8 bis Abend» 6 Uhr zu sprechen ist. Töpfer- gesellen, welche fich ordnungsmäßig lezitimiren Kinnen, wird sofort da Arbeit nachgewiesen, wo der neue Lohntarif der Gesellm vom 1 Juli d. I. ab dezahlt wird und unterschrieben ist. Die Lohnkommisston d Töpfer Verl.«. Umg., pr. Adr.: Grenadierstr. 33. Restaurant Seefeldt. Laut Telegramm auS Leipzig weiden die Rohrleger Berlin» gewarrt, nicht unter 6 Mark pro Tag für die Firma Schmidt-Schönbrenner Der Vorstand de» Kachvereta» der Rohrleger»erltv». 2 eleg.Fr z. mab.B-ttft m.Fdb.(neu) ä nur 45M, Schlfst Kdsp Veriii.Kchsp. tpd.Dresdst.63 b Wirth. Frdl. Schläfst, f. H. Skalitzerstr. 3, Hos T, Betsch. Schläfst, f. H. d. Dodrat, Skalitzerstr. 5, v. II Die Expedition, Zimmerstr. 44, fordert alle Inserenten von BereivSnachrichten auf, fämmt- liche Annoncen an die Expe- ditio« zv senden, den Betrag entweder gleich beizufügen oder die Inserate mit dem Vereins- ftempel und der deutlichen An- gäbe der Adresse Desjenigen zu versehen, bei dem die ve- trüge einzukassiren sind. Schweizer Garten. Am Friedrichshain. Haltestelle der Ringbahn. Am KönigSthor. Dienstag, de« 89. In lt 1886: Or« Coneert u. Extva-Toratolliiiig. Auftreten sämmtltcher Spezialitäten, der Ducttiften Geschm. Hessat, der berühmten Maiol-Trnvp« in ihr-r SensattonSnummer: Itiss loasel als lebende Kanonenkugel. Theater-Vorstellung. Tanzkränzchen. Abends: Große Illumination und elektrische Beleuchtung.-_______ Kriegs- ii. Fronten-Feuerwerk M olkobelnftisnnaen«Iler Art. GlektrischeGtf'enbah«. zlntsch- bahn u. s. w. der Pyrotechniker A. und E. Maffow, Bonander und Hornig. bluß: Die Erstärmnne: der Düppeler Schau: zen. Zum Schluß:_ TrosieS militärisch pyiotewnischeS Echauspicl unter Mitwirkung von ca. 160 Personen. Entre« 50 Pf.— LilletS vorher 40 P-.— Allel Näzere vie Anschtaglsäulen. Die Buchdruckerei v«n Max Bading Berlin SW., Beuth-Strasse 2 empfiehlt sich zur Anfertigung von Druck-Arbeiten jeden Genres bei prompter und solider Bedienung. 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Der erste Absatz des§ 10 erhält folgende Fassung: Die Kasse gewährt ihren Mitgliedern: a. eine Krankenuntcrstützung nach Maßgad« deS§ 13, b. ein Sterbegeld nach§ 17.. �„ Art. n. ifS P.18 am Schlüsse folgenden ZufÄ- „Mitglieder, welche der K-fte langer als 13 Wochen, sedoch kei» volles Jahr angehören, erhalte» bei UnterstützungSfällen die Krai" ke«Unterstützung nur für eine» Zeitraum, welcher die Dauer vel Mitgliedschaft nicht überschreitet! FardiejenigenMitglieder. welck' aufGrund deSs4derKasseange! dören, beginnt daS Anrecht aUi Krankengeld lZ 13 No. 3) sechs W»' che« nach Beginn der Mitglied' f ch a f t." _„ Art. HL 3m§ 32 erhalten die ersten beiden 6� nachftkhenve veränderte Fassung: „Der Vorstand besteht auS 18 Mitglieds Die Wahl derselben erfolgt durch die General' Versammlung in der Weise, daß in getrennte� Wahlversammlung 13 Mitglieder von den t» der Generalversammlung stimmbcrechtig'en Kassk»' Mitgliedern au« ihrer Mttte und 6 von den d" Generalrersammlung angehörenden Arbeitgedd» gewählt werden." Art. IV. Im§ 33 erhält der zweite Satz folgende o#' änderte Fassung: «Nach Ablauf de! ersten JahreS scheidet% Hälfte der Vorstandsmitglieder und zwar' Ardeitgeber und 6 Kassenmitglieder au*." Art. V. Der§ 35 erhält folgende veränderte Fassung „Der Vorstand wäblt aus seiner Mt.te w die Dauer von 2 Jahren einen Vorsttzindm einen Stellverireter desselben, einen Schuflfüh� und dessenStellvertreter.". Der stellvertretende Vorsitzende vertritt% Vorsitzenden bei Behinderung oder im Außw desselben. Art. VI. In den§§ 45, 47, 60 werden die «Drei der gelesensten Zeitungen" aufgeho� und durch die Worte: «Zwei der gelesensten Zeitungen" ersetzt. Art. Vll.. Im§ 51 bei No. 8, werden hinter„und' � Worte eingeschoben: „Bestätigung de!" Art. VHL Im§ 54 wird stall„§ 22" gesetzt „§ 31." Art. IX., Dieser Nachtrag zum Stahlt tritt mtt% Tage der Genehmigung desselben durch Bezirksausschuß in Kraft. Berlin, den 10. April 1886. Ver Vorstand. H Kranck, E. Groebe« Vorsttzender. Schriftsührer- hierdurch� Verantwortlicher Redattem«. Kronheim in Berlin. Druck und Verla« von«ax vadtog in Berlin SW« Beuthstraße 2. Vorstehender Nachtrag wird nehmigt. Berlin, den 7. Juni 1886.(L. 8.) Der Bezirksausschuß;u Berlin. Rorjf� Iii/ Hierzu eine®» 2 Farbe, der« il Frauer 52S verschn w »»um i Farbe« T-öße j*w«b Höbest schärft, ßarter Siebt, «Sliwl «erebel fd "V d>«seS selbst Beilage zum Berliner Bolksblatt. »r. 148. Dienstag, de« 39 Inni 1886. Parlamentsverichte. Deutscher«etchStag. (Fortsetzung des Berichte» über die Sonnabendsttzung.) Zur Beraihung steht der Gesetzentwurf, betr. die Be« Neuerung de» Branntwein». Fina", minister v. Scholz: Meine Herren, nach dem Berichte Ihrer XXll. Kommisston und nach den Verhandlungen, die in der Kommisston stattgefunden haben, sowie nach den Verabredungen der Parteien de» Hause», die zu der heutigen Tagesordnung geführt haben, scheint e» mir nicht zweifelhaft zu sein, daß der Reichstag entschloffen ist, die Vorlage der verbündeten Regierungen, betreffend die Besteuerung de» Branntwein», abzulehnen, und zwar abzulehnen nicht Mo» in der Form de» Entwurf», welcher dem Reichstage wirklich zw gegangen ist, sondern diese Ablehnung würde, glaube ich, sach> lich auck aufzufaffen sein zugleich al» die Ablehnung eine» zweiten Entwürfe», über den. wie ja bekannt geworden ist, die verbündeten Regierungen fich ihrerseits bereits in ovontam verständigt haben. Auf den ersten Anblick lönnte e» den Ein druck machen und macht es vielleicht auch auf Viele den Ein- druck, daß damit nicht bloS ein im Sinne der verbündeten Regierungen höchst bedauerlicher Abschluß der jetzigen Arbeiten de» Reichstag» auf diesem Gebiete herbeigeführt worden sei, sondern daß die Lage der Sache selbst darnach als eine sehr auSstchtslose, eine traurige erschiene. Ich will die Herren meinerseits nicht lange aufhalten, ich möchte nur den Grund meiner etwas froheren Annahme noch gleich ausdrücklich kon» statiren; das ist der, meine Herren: Zum ersten Male bei den Verhandlungen der Kommisston, die der Reichstag mit der Lorberathung diese» Gesetzentwürfe» betraut hatte, ist doch von dm vier großen Parteien de» Hause» dreien eine Einigung ge lungen, welche über die allgemeine Anerkenntniß de» Bcdürs nisse» der Vermehrung der Einnahmen de» Reiche» und der Staaten über die allgemeine Anerkenntniß, daß der Brannt« wein ein geeignete» Steuerobjekt sei, hinau» zu dem überein> stimmenden Ausspruche gekommen ist, daß dem Bedürsniß nach Vermehrung der Einnahmm de» Reiche» und der Staatm durch eine Verbrauchsabgabe auf den Branntwein neben der Maischraumsteuer Abhilfe zu schaffen sei. In diesem posttiven Gedanken haben stch von den vier großen Parteim de» Hause» drei in der Kommisston geeinigt. E» ist allerdings übrig geblieben eine sehr bedeutsame Differenz über die Art und Weise der Erhebung dieser VcrbrauchSabgabe, nammtlich über diejenigen Mittel und Wege, welche zugleich einzuschlagen sein würden, um einer verheerenden oder doch sehr benachtheiii- gmden Wirkung der neuen Steuer auf da» Brennereigewerbe und unmittelbar auf die Landwirthschaft zu begegnen. Es ist auch eine große Differenz geblieben zunächst über die Frage, in welcher Höhe diese Steuer zu erheben sei, Differenzen, die e» eben nicht möglich gewesen ist in der jetzigen Verhandlung der Kommisston zu beseitigen, Differenzen, die es auch noch schwer genug sein wird, auf dem weiteren Wege zu einer allseitig be- ftiedigenden Lösung zu dringen, und die Folge davon ist zu- nächst, daß die vierte Partei, die auch hier negkrend der Sache tzrgenüderstand, ihre Freude, ihren Sieg zunächst feiert! eS 9% in niesem Falle:„gaarta, gandet", aber ich hoffe, meine Heaen, diese Freude wir» nur eine kurze sein. Der Weg zur Verständigung unter dm 3 großen Parteien, die hier die Ma- lorität des Hause» bildm, hat begonnm, und ich vertraue, daß vif diesem Wege da» Ziel, wenn auch vielleicht nicht zur vollen Befriedigung jede» Theile», so doch in einer mittleren Linie «er Befriedigung für alle schließlich erreicht werden wird. „ Abg. Dr. Delbrück: Ich kann mich auf eine kurze Er- «ärung oeschränken. Ich habe bei der erstm Lesung die Bedin- üungm auigesprochm, unter denen ich im Stande sei, der Vorlage >u,»stimmen. Ich konnte mich nicht einverstandm erklären mit den undurchführbaren Kontrolmaßregeln und fand, daß da» landwirthschaftlich« Interesse nicht gmügend gewahrt sei. Ich wie» hin auf die Mittel, durch welche diesen Bedürfniffen nach- üekommm werden könne, nämlich durch GenoffenschaftSbildungen wrd durch eine Skala in der Besteuerung. Ueber alle diese Dinge ist eine Einigung nicht erzielt worden, und deshalb bin ich nicht in der Lage, für die Borlage zu stimmen. ._ Abg. Rickert: Der Herr Finanzminister ist immer hoffnungsvoll. Für sein Branntweinmonopol erhoben fich nur drei Stimmm im Reichstag, er blieb hoffnungsvoll. Fetz wer- dm zwei seiner neuen Vorlagen wiederum von fast Allm ge- iodtei, und er erweckt bereit» darau» wieder einen hoffnungS- vollm Johannistrieb. Auch diese KommisstonSoerhandlungm haben wieder den Beweis geführt, daß e» viel leichter ist, große ZU ZÄ litt Klsw. Von Ernst Koppel. Rachdruck verbotm/s Die Rose ist die Königin der Blume». Nicht nur ihre Farbenpracht und ihr köstlicher Duft stempelt fie dazu, so»« der» ihre Art, welche ei» Amor, wie ideale» und finnliche« Frauenreiz zugleich auszuströmm scheint. Deshalb ist fie «ach gleichsam ei» Element der lyrische» Poefie, da», trotz- de« e» bi« zum Ueberdruß ausgestaltet, dennoch nie darau» verschwmde» wird. Aber auch unendlich mannigfaltig, in Unzähligen Forme», Farben, Arte» und Gestaltungen zeigt sich die Rose, auch dann der Frauennatur ähnlich. E» ist kaum möglich, fie Alle zu kennen; stet» überrascht ein»euer Farbento», eine abweichende Gestaltung, sei e» in For« und Größe der Blätter, in Fülle der Blumevkrone oder in sonst 'tgevd einem Merkmal, Unterschiede, die fich theil» auch dem blödeste» Blick, in ihren feineren Uebergängea nur dem ge« schärfte» und begnadeten Auge offenbaren. Noch unendlich Karter in der Abweichung ist der Duft, de» diese königliche und doch so weibliche Blume autströmt. Wer fich in ihr ver- Uest, wftd erkennen, daß e» eine Art Psychologie der Rose Siebt, den» da« Aroma, da« fie ausströmt, ist stärker oder schwächer, schärfer oder milder, ei» so seelenvolle», daß e» als hie Seele dieser wunderbare« Blume gelten kann. Sie, «» Kind de« ferne« Ostens, hat fich in Europa wunderbar ukklimatifirt und wie ein Schooßkind ist fie hier gepflegt, 'veredelt, vermannigfaftigt worden. . Zum Dank dafür erfreut fie nun alljährlich Alt und 3u»0, Arm und Reich, Hoch und Niedrig mit demokrati- scher Unparterlichkeit, trotzdem aber eine geborene Herrscherin, v«e für all« ei» Lächeln übrig hat und zu repräsentire» ver- steht. Freilich giebt e» auch Seiten« und Nebenlinie» vlese» königliche« Geschlecht», aber auch diese zeige» Adel selbst xn ur scheinbarem Gewand, so die Haidenrose, die am "e blüht und die in ihrer wilden Lieblichkeit den Wände« Entlastung' Versprechungen zu machen, al« ste einzulösen. Die Kammisston hat auch den Antrag Kleist zu Tage gefö dert. Da» ist wahrlich keine Grundlage für eine künftige Reform, in der Kam- mtsfion ist der Antrag dereit» hinreichend gewürdigt. Leider hat fich die Regierung dielen Antr rg gegenüber srhr entgegenkommend gezeigt. Eine Ueberraschung, wenn auch nicht erfreuliche, brachte die auf mein wiederholtes Andrängen erst in letzter Sitzung bei der Feststellung deS Bericht« abgegebene Erklärung des Finanzministers, daß«ine Erhöhung der Gehälter der Offiziere in nächster Zeit deadfichtizt werde und daß dazu die höhere Branntweinsteuer verwendet werden solle. Der preußische Flnanzminister hat sehr entschieden detont, daß der Mangel eines konstitutionellen Steuerbewilligungsrecht» in Preußen aufrecht erhalten werden müffe, um zu keiner parlamentarischen Machterweiterung zu kommen. Gerade dieses aber ist ein Hinderniß der Steuerreform. Diese Vorlage ist ein weiterer Schritt auf dem Wege der Verschiedung der Steuerlast zu Ungunsten der Aermeren ohne Äquivalent einer anderwettigen Entlastung. Hoffentlich wird daS Land in der nächsten Zell über die Sachlage aufgellätt werden und zu einer noch kühleren oder vorfichtigeren Haltung gegenüber den Finanz- vorlagen der Regierung kommen. Die Finanzpolitik der letzten Jahre fortführen, bedeutet die Finanzen des Reich», der Einzel- staaten und Kommunalverbände verwiirm, immer stärkere Heranziehung der ärmeren Klaffen und Vermehrung der Ausgabe- lasten. Wenn wir im Herbst zurückkommen, werden wir jede Finanzvorlaze nach diesen Vorgängen mit noch mehr Mißtrauen zu xrüfen haben. Da» Resultat wird, daran zweifle ich nicht, nicht daS sein, da» der Herr Ftnanzminister erwartet.(Beifall links.) Finanzminister v. Scholz: Nach Herrn Rickerti Aeuße- rungen sollte man annehmen, daß die 300 Millionen au» der Branntweinsteuer allein oder hauptsächlich für die V-r» befferungen der Ofst der. Besoldungen aufgewendet werden sollen. Ich bade die Z ffern nochmals nachgesehen. Ich hatte Herrn Abg. Rickert neulich privatim mitgeihetlt, es würde stch die Erhöhung der Besoldungen beim Reiche, nach denselben Gajnvfätzen win früher in Preußen berechnet, auf etwa 30 Mill. Mark belaufen; in der That find e» nur 24'/» Mill. Mark, die etwa dabei in Frage find, und da wären die Reichideamten nicht«inbegriffen. Das ist also nur ein kleiner Antheil von dem, wa» wir mit der Erhöhung der Branntwein- steuer erreichen wollen, und da» ist doch nicht daS, wa» allein als Zweck bezeichnet werden kann. Da» ist eine Ueber- treidung, aber diese» Bedürsniß nicht gesehen und geleugnet zu haben, ist kein Ruhm, und kann ich nur bedauern. Im Uebriaen theile ick die Anstcht de» Abg. Rickert, daß da» Laad die Pause zur Prüfung der Bedürfnißsrage benutzen wird. Suchen Sie doch nicht immer die Fabel wieder zu Kräften kommen zu lassen, al» ob e» fich um Bedürfnisse Handelle, die die Regierung stch einbildet! Welche Regierung würde davon Vortheii zu haben glauben? Ich hoffe, daß der Herr Ada. Rickert erfahren wird, daß das Land mit der Regierung' in Anerkennung deS Bedürfnisses einer Meinung ist, und daß er daher demnächst lebendiger und bereiter auf unserer Seite für die Abhilfe de» Bedürfnisses einstehen wird.(Beifall recht».) Abg.». H e l l d o r f f: E» ist klar, daß wir jetzt eine Einigung über diese Frage nicht erzielen werden, aber ich theile andererseUS die Hoffnung de« Flnanzminister», daß die Dilkusston über diese Dinge wesentlich dazu beitragen wird, mit der Zeit ein Branntweinsteuergesetz zu Stande zu dringen. Je weiter man stch mit der Sache beschäftigt, umsomebr wird man zu der Erkenntntß kommen, daß der Weg de» Mono- pol» nothwendtgifhum eine zweckmäßige Konsumsteuer durchzuführen. Dadurch allein kann da» landwirthschaftliche Jntereffe gewahrt werden. Abg. Windt Horst: Wir glauben nach wie vor. daß der Branntwein daS geeignetste Steuerobjekt ist und daß eine Branntweinsteuer dazu dienen kann, um da» Defizit in den Einzelstaatm zu decken und um Bedürfniffe zu defriedigen, wie beispielsweise die Kanalbauten in Preußen. Man könnte auch den Kommunen zu Hilfe kommen. Od eine höhere Be- soldung der Offiziere eintreten soll, will ich heute nicht unter- suchen. Andererseits aber können wir ja gar nicht übersehen, welche Ausgaben die Regierung noch in Ausficht genommen hat Ich könnte deshalb nicht über da», wa» meine Freunde in der Kommisston vorgeschlagen haben, hinau» gehen, so lange ich nicht den neuen Militäretat voll und ganz vormirhabe, damit e» nicht wieder so geht wie 1879, daß dir größte Theil der Steuern an dem oberen rer erfreut und ihn selbst auf einförmiger Landstraße an Garten und Heimalh gemahnt, so die MonatSrose, deren Duft sanft aber lieblich einschmeichelnd selbst«och im Herbst die Sinne mit Sommerlust erfüllt. Immer mehr tritt die Rose die Henschaft über alle Blumen an, auch über diejenige«, die ihr rivalisirend gegen« über traten, so vor allem die Camelie, die fich weder an Mannigfaltigkeit der Farbe und Form, geschweige den» an Duft mit ihr messen kann und im Vergleich zu ihr starr und seelenlos erscheint. Wen» eine Blume prächtig nnd farbenreich erscheint, legt der VolkSmuad ihr den Beinamen der Rose auf, so die Stockrose, die Wasserrose u. s. w., obgleich fie durchaus nicht» mit dem königlichen Geschlecht gemein haben, wohl der beste Beweis dafür, wie hoch man ihren Werth anschlägt. Da besonder« im Norden die Blüthezeit der Rose, da fie Hof hält und Tag« und Nacht- feste sonder Zahl feiert, nur kurze Zeit währt, wie alle« Schöne aus Erde», so sucht wa» die Erinnerung an sie wenigsten« in ihrem Duft festzuhalten. Auch darin ist der Orient, ihre Muster und da« Rosenöl ist Essenz, von der bekanntlich die hinreicht, um Gegenstände mit tränke». E» ist dann, al« ob die Rose ihre Seele darin ausgehaucht hätte und wen« man diesen Dust einathmet, überkommt e» den Menschen wie die Erinnerung an Lenz und Liebe, an die Jugend und ihre Selrgkett, den» e» liegt etwa» eigenartig Mystische» darin, da« wie alle» derartige eben unerklärlich ist. Auch andere Dinge, wie Seife u. s. w. habe» der Rose ihren Duft entlehnt und manche Frau ver- schmäht nur deshalb diese Blume als Schmuck, weil fie fürchtet, von dieser Nebenbuhlerin in den Schatten gestellt zu werde». Weibliche Jugend und Schönheit dagegen schmückt sich gerne mit ihr; fie erkennt da« schwesterliche, verwandte Element. Alle» Schönste und Herrlichste, wa» die Me.steri» Natur hervorbringt, vergleicht ma» gern mit der Rose und die dichterische Phantasie bezeichnet den Busen des Mädchen» ferne Heimath, ei« eine oietbegehrte kleinste Quantität Wohlgeruch zu Ende der Leipzigerstraße hängen bleibt. Dazu hat auck Herr Rickert s. Z. beigetragen, und ich freue mich, daß er H ute nicht mitmachen will. Ich bin in der Zwischenzeit oiel im Lande berumgekommen. Die Leute wollen gar leine neuen Steuern. (Sehr wahr!) Wir müssen un» durchaus beschränken. und wenn wir anerkennen, doß die Beamten wünschen müßten, mehr zu haben, so haben wir un» andererseits zu fragen, ob wir selbst im Stande find, eS zu zahlen. Die Regierung mag stch gegenwärtig halten, daß überall die größte Sparsamkeit noth thut. Man sollte nicht immer neue Auigaden in AuS« ficht stellen und Hoffnungen, die man später nicht erfüllen kann. Ueberall hat man mir gesagt, wir können nicht mehr geben. Am besten wäre nach meiner persönlichen Anstcht eine einfache Fadrikatsteuer.(Hört, hört!) Ich kann ste ja nicht durchsehen, jedenfalls ist ste am rationellsten. Wir werden gegen die Vorlage in der heutigen Gestall stimmen. M>nister v S ch o l z: Die Haavtsevürfniss: hat Herr Win't« Horst völlig ignorirt, die Uederweisung der Grund- und Ge» bäudesteuer an die Gemeinden(Zuruf links: An die Gemeinden?), die Befreiung von den Zuschlägen zu diesen Realsteuem, die Uebernahme der Hälfte der Schullasten auf die Staatskasse; hat denn da» Volk dem Abg. Windthorst verstchert, diese Au»« gaben gern weiter tragen zu wollen? Gewiß nicht. Hier ist die Regierung besser inkormirt, indem ste anerkennt, daß über den Druck dieser Steuern geklagt wird, und daß man den Entschluß der Regierung mit Freuden begrüßt, wie in Preußen das Herrenhau» durch einen fast einstimmigen Beschluß ver Regierung verstchert hat. Ich muß also die Darstellung und Beleuchtung der Bedürfnißfrag« durch den Adg. W.ndthorst als völlig unzutreffend zurückweisen. Abg. Buhl: Der Standpunkt meiner Freunde in der Branntweinsteuerfrage ist bekannt. Wir wollen daS System der Lagerhäuser weiter ausbilden, Krediteilllchterunaen für die Branntweinsteuer und eine fakultatioe Fabiikatsteuer einführen. Abg. Kayser; Die Vorlage bezweckt nur, eine neue Steuer den alten zuzulegen. Es ist gut, daß der Abg. Windt- Horst stch in Arbeitertieisen hat feiern lassen- eS hat die» wenigsten» seine oppofitionelle Stellung zur Regierung ver« mehrt. Die Regierung hat weder in der Kommiiston, noch hier gesagt, d.ß fie für die neue Steuer eine alte aufzugeben geneigt sei. Eine Verbesserung der Gehälter der höheren Beamten halte ich angestcht» oes allgemeinen wirthschaftlichen Niederganges für voll» kommen unberechtigt. Man sollte die Gehälter der Minister, Geheimräth« und Polizerprästoenten etwas beschneiden, dagegen z. B. die Gehälter der Briefträger erhöhen. Der Hauotein» wand gegen diese Steuer ist, daß ste von dem ärmsten Theil« der Bevölkerung getragen wird. Ich habe in der Kommrsston die Regierung gefragt, wie e» mit der weiteren AuSiührung der kaiserlichen Botschaft gehatten werden solle, und ob die Mittel aus diesem Gesetz zur Ausführung der AlterSoerior» gung verwendet werden sollen? Der Minister hat mir nicht geantwortet, nur einige Konservative haben gesagt, daß solche Ausgaben natürlich auch auS diesen Mitteln befriedigt werden sollen. Ich bin fest überzeugt, daß die Regierung nicht daran denkt, für diese Zwecke etwa« zu thun, sondern nur für da» Heer und die Marine Ausgaden machen will. Abg. Grad: Die Vertreter de« Elsasses find prinzipielle Freunde einer Branntweinsteuer-Erhöhung, um dem über» mäßigen B anntwetngenuß entgegenzutreten. Was den vor» liegenden Gesetzentwurf betrifft, so stimmen ste gegen diese Ver« brauchssteuer und würden an deren Stelle eine französtfche Steuer von 125 Franks pro Liter lieber sehen, die bei der Versendung erHoden wird. Dieser Vorschlag würde weniger lästig sein für die kleinen Brenner. Die einzelnen Paragraphen de» Gesetze» werden darauf einstimmig abgelehnt. Der Prästdenr erklärt hierauf, daß da» Hau» nunmehr am Ende seiner Arbeiten angelangt sei, und giebt die übliche Uederstcht über die GeschäftsthStiakeit de» Hause», au» der hervorgeht, daß dem Hause find, darunter 10000, die ziehen. In dm üblichen Formen erfolgt gegen 2'/« Uhr der Schluß de» Reichstage»._ Abgeordnetenhaus. 95. Sitzung vom 23. Juni, 11 Uhr. Am Mtnistertische: v. Puttkamer, v. Boetticher Maybach, Luctu», Friedberg und Kommissarim. wTdÄzmE al« Rosenknospe», die Lippen eine» schönen Weibe« al« Rosenlippen u. s. w., werl ste kein schmeichelhafteres und bezeichnendere» Gleichniß zu finde» im Stande ist. Wenn ma« de» Lerz mit Recht die Jahreszeit der Ahnung, der sehnsüchtigen Erwartung nennt, und als sei» Symbol da« Veilchen gelte» läßt, die jungfräulich bescheidene Blume, so bezeichnet der Sommer die Zeit der Erfüllung und sei» Symbol ist die Rose, die blühende, volleatwickelte Weiblichkeit. Wa» ist ihrer Pracht, ihrem Reiz am sonnen« helle« Tage, wa» dem geheimnißvollen Zauber ihrer Düfte in warmer Sommernacht zu vergleichen! Wie viele Träume von Liebe und Lust durchziehen de« Sin», wenn man fie einathmet und mit wie wehmüthigea Gefühle» sieht ma« die königliche Blume endlich welken und sterbe«! Das Mädchen freilich, die MeascheaknoSpe, hat im Ge- fühl der Jugend»ur für die erblühende Rose Sinn und Auge, die reife Frau aber im Mittag de« Leben» überschleicht bei dem Welken und Absterben diese« Frauensymbol« ein Hauch de» vorhandene» Atter« und ein Frost überschleicht ste, noch ehe der Sommer zu Ende... Aengst lich betrachtet sie die ersten Falte», die fich um den Mund, auf der Stirn zeigen, oft«ur dem schärfsten Auge erkennbar, aber dennoch vorhanden, wie auch die Rose Zeichen de« nahenden Ver» fall« oder Absterben« trägt, w nn sie»och in voller Pracht zu stehen scheint. Nur der Blick de» Kenner» vermag sie zu entdecken; für die Frau aber wie für die Rose ist e» fatal, daß die Kenner meist auch Liebhaber sind und um« gekehrt. Wie mit den Reize« de« Weibe» ist e» auch insofern mit der Rose beschaffen, al« Manche diejenige vorziehen, welche die Kioipe eben zersprengt, Andere sich an der vollauf» geblühten berausche«, wie der Dichter e« ausdrückt: Die jungen unerfahr'ne» Glieder, Sie find gar rührend anzulehn, Doch reizend find geniale Auge«, Die unf're Zärtlich! rt versteh». Heine. Wer aber die Rose in de« sorgfältig gepflegte» und Wuf der TagtkordnunA steht zunächst die Lerathung de» »om Herrenhaus« in abgeänderter Faffungzmückgelangten Eni« wurss einer AreiSordnung für Westfalen. Eine D fferen, zwischen beiden Häusern besteht nur bezüglich de» § 27. Räch dem Beschluß de» Abgeordnetenhause» sollte die Ernennung de» Amtmannes durch den Oderpräfidenten auf Grund von Borschlägen der Amtsversammlung, über welche der KceisauSschuh stch zu äußern hat, erfolgen. DaS Herrenhaus hat deschloffen, daß die Ernennung d«S Amt« manne? durch den Oberprästdenten auf Vorschlag de» Kreis- ausschuffcs, über den die AmtSoersammlung gehört werden muß, erfolgen soll. Abg. v. Heereman beantragt, die Beschlüffe de» Ab- geordnnenhaust» wieder herzustellen. Abg. Arhr. v. Heereman äußert sein ledhastei Be- dauern, daß die staatSmänntsche W-iSheit der M'jorität, von welcher der Minister v. Pu tkamer gesprochen, dt« Provinz Westfalen mit dem Ge etze beglücken werde. Die ungewöhnliche Gereiztheit de» Minister», gerade seinen Ausführungen, sowie der auffallende Mangel an Höflichkeit ihm gegenüber, laffe e» ibm zweifellos erscheinen, daß auf jener Veite keine vpur von Kennwiß darüber bestehe, was den bestehenden Einrichtungen Westfalen» stch am beste" anschließen laffe. Unannehmbar werde daS Gesetz durch die W ederhcrstellung des ersten Beschlüffe» nicht, er bitte daher, seinen Antrag anzunehmen.(Beifall im Zentrum.) Minister v. P u t t k a m e r: Herr von Heereman begann damit, daß ich bei der früheren Berathung dieser Borlaae ihm gegenüber eine ungewöhnliche Gereiztheit und«inen Mangel an Höflichkeit an den Tag gelegt habe. Ich habe bei Durch- ficht meiner früheren Ausführungen auch nicht einen Schatten davon entdecken können. ES würde mir lieb sein, wollte Herr v. Heereman mir solche Stellen in meinen Reden zeigen, denn es ist mir da» Unangenehmste, persönlich anzustoßen, weil die» regelmäßig der Sache selbst schadet.(Sehr wahr! rechts.) Bei der jetzigen Geschäftslage und der Auffaffung de» Herren- hause» habe ich die Uederzeugung, daß, wenn diese» hohe Hau» hier seinen lirüheren Beschluß wiederherstellt, für diese» Jahr da» Gesetz gar nicht zu Stande kommt. Ich weiß, daß die» für«inen großen Theil des Hause? keinen Eindruck machen, sondern freudig begrüßt werden würde, aber ich glaube, e» würde die» einen sehr wesentlichm Hiatus in der politischen Entwickelung unsrreS Lande» bedeuten. Nach meiner be» scheiden;» Auffaffung desteht überhaupt gar kein wesentlicher sachlicher Unterschied bei der Ernennung der Amtmänner, aber richtiger ist doch die Auffaffung de» Herrenhause». Die Amt- Männer find doch etwa» mehr als reine Kommunalbeamte, fie 8nd im Wesentlichen Obrigkeiten für die Gemeinden, deshalb l eS richtiger, daß nicht die unterste Kommunaltnstanz, sondern der Kreisausschuß die Vorschläge macht. Dieser ist auch beffer in der Lage, die Qualifikation der Betreffenden zu prüfm und sachgemäß zu beurtheilen. Ich kann also nur dringend bitten, daß Sie in dieser letzten Stunde daS Gesetz nicht noch an diesem meiner Meinung nach untergeordneten Punkte scheitern laffen.(Beifall recht.) Abg. Graf Hue de GraiS weist zunächst darauf hin, daß an diesem an stch unbedeutenden Punkte da» Schicksal de» janzen Gesetze» hänge. Die auf» Neue vorgeschlagene Fassung ade dem anderen Hause sammt den Gründen dafür ja schon vorgelegen; da man nun nicht in der Lage sei, neue GestchtS« punkte für die Wiederherstellung vorzubringen, so wiffe er nicht, wa» daS Hecrenhau» bestimmen sollte, seinen Entschluß zu ändem. Adg vom Hede(N.-L.): Ein großer Theil meiner gründe wird für die Wiederherstellung der Faffung de» Abge- ordretenhause» stimmen, in der Hoffnung, daß da» Herrenhau» seinen Widerstand fallen laffen und unseren Beschlüffen zu- stimmen wird. Abg. Barth spricht stch im Sinne de» Grafen Hue de Grai» für die Herrenhau»>Voilage au». Abg. Windthorst: Ich bin im Allgemeinen gegen die KreiSordnung und gegen die Provinzialordnung insbesondere. Meine Erfahrungen in Hannover rechtfertigen ein Mißtrauen auch gegen diese Borlaae. Mein Widerstand wird aber wohl nicht» nützen; die Regierung will» so und daS Haus beschließt danach. Wenn e» stch hier wirklich nur um einen kleinen Unterschied handelt, wie kommt e» denn, daß die Re- gierung die» im Herrenhause nicht ausgesprochen hat? Sie würde dann das Herrenhaus überzeugt haben, daß e» richtig sei, sich dem Beschluß de» Abgeordnetenhauses zu alkomodiren. Ich hatte diesen Unterschied ganz und gar nicht für unerheblich. Man will eben die Amtmänner in die Hand der Regierung stellen. Haben Sie denn überhaupt die Sicherheit, daß der KretSausschuß aristokratisch- konservativ zusammengesteM ist? BiSher find im Kret»auSschuß die Großgrundbefiyer grundsätzlich elimtnirt worden. Ich sehe gar nicht ein, weshalb dieses Gesetz nicht zu Stande kommen sollte. DaS HauS hat immer noch �eih unstren Beschluß zu akzeptiren.(Beifall link» und im �Minister v. Puttlamer: ES ist erfahrungsmäßig ver- gedlich, den Abg. Windthorst von eingewurzelten vorgefaßten Meinungen abzubringen. Er hat heute mit zwei absolut un- gehegte» Gärte« des Norde«» gesehe«, der ke»«t ihre wahre Natur«ur unvollkommen. Um diese zu entfalten, bedarf fie der So««e, der Wärme de« selige« Süden«. Z« Norde« erscheint die Rose stet» als ei« wen» jauch glückliche» Pro- dukt der Kultur, im Süde» dagegen wirkt sie mit ei»er Naturkraft, die zauberhaft ist, obgleich fie auch hier durch die Kultur eingebürgert und heimisch geworden ist. Aber u«ter dieie« Himmelsstriche«, die de« heche« Athem de« Orient« hauche«, we«n auch etwa» gemäßigter, entwickelt fie sich wie t» ihrer Urheimath und i« manche« Gegend«« Ztalie»« wird ma« beim Anblick ganzer Felder, die fie bedeckt, a« die märchenhafte» Rosengärten von Schira» erinnert. Im Süde» beginnt fie im April ihre herrliche Blüthe, die de« Mai überdauert, um sich unter der Gluth der Juni- so»«« zu verflüchtige«, da sich dann ihr Leben gleichsam i« sich selbst zurückzieht, während gerwge Sorten, wie die Mo- »at«rose, fast da« ganze Zahr im Freie» blühe«, die heißeste« Monate auSgevomme«, denn im Süden ist e» nicht die Kälte, Kdern da» entgegengesetzte Element, die Sonuengluth, welche frohe« u»d freie» Entwicklung blühenden Pflanzenlebeo» erstarrend Einhalt gebietet. Auch im Süde» ist die Rose vorzugsweise eine Gmtenpflanze, aber in wie freier Entfal- tung und Gestaltung zeigt fie fich hier! Z» solchem Maße ist e« der Fall, daß der Eindruck de» Künstliche« völlig ge« Hobe« ist und fie als der natürliche Bestandtheil so mancher blühende« Wildniß erscheint, die da» ordnende Werk der Menschenhand«ur»och undeutlich erkeunen läßt, wie e« gerade im Süde«, wo die Natur übermächtig ist, der Fall zu sei« pflegt. Während die Rose im Norde« auf wohlgepflegte« Beete», an gerade« Stöcke« oder i» Töpfe« fei» ordentlich und säuberlich gedeiht, überzieht fie im Lüde« ganze Mauer», ganze Bauerwiesen»nt ihre« i« de« gesättigsten Farbe« glühenden Blüthe». Echliwgenhast windet fich der Stamm, dicht über dem Bo- d.n schon reich belaubt, a» de» glatten Wände« und Stämmen empor, um fich w hundert Zweige und Aeste auszubreitk«, die zur Zell der Blüthe unter der leuchte»- den weißen, rothe» oder poldenen Pracht der Blumen ver- schwinde». Wie ein Wafferfall stürzt fich ihr Gerank übe, richtigen Tbatsachen operirt.(Hört! hört! recht».) E» find eine aanze Reihe von Großgrunddesttzern in den hannooersckim SelbstnerwallungSorganen, von denen ich hoffe, daß fie fich ihrer Pflicht als Staatsangehörige bewußt sein werden, aber die den Beweis dafür noch zu erbringen haben.(Beifall rechts.) Adg. Hansen: Ich balle e» für eine Beleidigung diese» Hause», wenn der Abg. Windthorst sagte, die Majontät de- schließe nach dem Willen der Regierung. Der Adg. Windt- Horst hat stch im Laufe der Fahre viele» angewöhnt, ich will nicht sagen angemaßt, wa» nur ihm und keinem anderen Mit- 8liede nachgesehen wird. Ich werde für die Herrenhausfaffung immen. Abg. v. d. Reck(K): Ich bitte Sie, im Interesse einer guten Selbstverwaltung! dem Antrage Heereman zuzustimmen. Es wäre keine gute Selbstverwaltung, wenn der K'eiSausschuß bei der Wahl der Amtmänner ausschlaggebend würde.(Leb- hafter Betfall link» und im Zentrum, Zischen recht».) Abg. v. Liebermann: Wir stehen jetzt an einem Wendepunkte: entweder da» Gesetz kommt zu Stande, oder e» wird auf unbestimmte Zeit zurückgelegt, denn ich kann mich nicht der Hoffnung hingeben, daß da» Herrenhaus uni nach» zugeben gewillt ist. Deshalb bitte ich Sie, bei dem Be- schluffe deS Herrenhause» stehen zu bleiben, nachdem diese» in den wesentlichsten Punkten uni nachgegeben hat.(Beifall recht».) Abg. Richter: Ei ist doch bezeichnend, daß für die Faffung de» Herrenhause» von der Rechten heute nur Redner gesprochen haben, die zu den höheren BerwallungSbeamten gehören. Der Einzige, der nicht dazu zählt, hat gegen die Fassung de» Herrenhauses gesprochen. Ich bestreite dem Herrn Minister» daß e» fich hier um Rückfichten der Kourioifie gegen da» Herrenhau» handelt. Wenn die KreiS- und Pro- vinzialordnung scheitern sollte, so könnte un» da» gerade recht sein. Leider ist das in keiner Weise zu hoffm. Ließe da» Henenhau» die Borlage schellern, so wäre das ja ein so ver- nichtende» Urthetl über Herrn v. Puttkamer, wie e» bisher nie« mal» ausgesprochen. Dazu ist da» Herrenhaus viel zu klug. Die Entscheidung liegt nun bei der nationalltberalen Partei. Herr v. Heede hat un» zwar verfichert, daß der überwiegende Theil seiner Partei mit un» stimmen würde, aber für die Zu- sammensetzung de» HauseS kann un» da» nicht glücklich machen. Der„anerkannte Führer der Partei", Herr o. Eynern(Heiter. kell), ist Gegner de» Antrage» Heereman, ihn und seine Freunde trifft also die Verantwortung. Wie aber auch die Entscheidung fallen möge, e» bleibt die» immer ein schlechte» Gesetz.(Beifall links.) Nach einigen wetteren Bemerkungen der Abbg. v. H e e r e- man und Windthorst wird die Generaldebatte geschloffen und ohne Spezialdiskuifion sofort zur namentlichen Ad- stimmung über den Antrag v. Heereman»um§ 27 übergegangen. Derselbe wird mll 141 gegen 139 Stimmen a b- gelehnt. Es folgt die Verlesung der Interpellation von Stromdeck: 1. Welche Resultate habm die amtlichm Ermittelungen ergeben, welche über die durch Ueberschwemmungen Anfang» diese» MonatS in den Kreisen Duderstadt, Einbeck, Göttingen, Heiligenstadt, Nordhausen, Osterode, Worbis und angrenzenden Bezirken verursachten Verheerungen stattgefunden haben? 2. Welche Maßregeln beabsichtigt die königliche Staats- regierung zur Linderung de» Nothstandes in den erwähnten Gegenden zu treffen? Nachdem Minister v. Puttkamer fich zur sofortigen Be- aistwoctung derselben bereit erklärt hat, erhält zur Begründung da» Wort Abg. v. Strombeck: Der durch die Ueberschwemmungen im Gebiete de» EichSfelve» verursachte Schaden beschränkt fich nicht auf den geringen Umfang, von dem man in der vorigen Woche Kenntniß hatte; er ist weit größer und recht- ferttgt die Einbringung einer besonderen Interpellation durchaus. Minister v. Puttkamer: Durch behördliche Berichte ist die StaatSregierung allerdings davon unterrichtet, daß in den genannten Gegenden durch ein mit Blitz» und Hagelschlag verbundene» Gewllter erhebliche witthschaftliche Schäden her» beigeführt worden find. Auf die zweite Frage erkläre ich: Staatsregierung und Volksvertretung haben anerkannt, daß man unter gewissen ganz außergewöhnlichen Verhältniffm für wirthschaftltche Schäden in einzelnen Landeitheilen mit Mitteln de» Staate» einzutreten wohl in der Lage ist. Aber Regierung und Volksverttetung find auch stets der Meinung gewesen, daß im wahren und wohlverstandenen Interesse de» Staate» die Grenze, di» zu welcher in finanziellen Beihilfen de» Staate» zu geben ist, sehr vorfichtig zu ziehen sein wird(Zustimmung rechts): eS könnten sonst Konsequenzen und Präzedenzen entstehen, deren Umsang schlechterdings nicht abzusehen ist, welche dahin führen könnten, da» Gleichgewicht der Staatsfiaaazen in bedenklicher Weise zu schädigen. Ader im Großen und Ganzen, wie der Herr Ab- geordnete verlangt» von vornherein auf dm Boden zu treten, daß wlr eine moralische Verpflichtung zur Hilfe anerlennm, Thore, Mauer», Säuleo, überwuchert Baumkrone«, so daß ma« die Rosen für Blüthe« von Eiche», Platane«, Ulme« hält, so dicht umkränzt find diese edel« Stämme von der lieblichm Blume. Bald als fester Kranz, bald als lose» Gewinde, bald als freiflatternde oder hängmde Gurrlavde, als Laub oder Laubgang, in hundert Gestalte* und Forme» erscheint fie, selbst in de« Schattiruogm ihre« Laube« wun- derbare Farbentöne vo» grü«, bläulich, golden, b,» zum tiefe« Roth und Brau« hervorzaubernd, stet» aber de» edelsten Einklang der Farbe zwischen Blume und Blatt zeigend, eine organische Natur, mit Küvstlerwissmschaftm begabt. Dort steht fie in festgefügtem, kräfrigem Wuchs einzeln oder in Gruppen, kaum Männerhöhe erreichend, hier schwebt fie frei in Ranke», eine Baccha«ti«, trunken vo» Sonnengluth und Eonneulicht. Bald erreicht fie die Höhe eine» Kinderkopfe», wie im Norde» die«ach ihr benaunte Bauerrose, bald erscheint fie zwera- Haft in zierlichster Gestalt, meist weiß oder gelb, aber in einer Fülle der Blüthe«, daß ma« staunend dieser unversiegbar scheinende« Naturkraft gegenübersteht, die de« Wanderer au« ihrem Ueberfluß mit tausmd hellen oder weißen Flocken, wie mit sommerlichem Schnee überschüttet. Eo unendlich ist die Fülle, daß eine«eue Blüthe die ältere verdrängt,«och ehe die Stunde der Welken» gekommm und daß die ältere Schwester noch i« der Zell ihrer lieblichsten Entfaltung fich im Andrang der Jüngere« loslöst und zur Erde sinkt, ei« merkwürdige» Sinnbild der Diage, die fich im Raum dränge«, stoße« und verdränge«. Aber ob im Norden oder Süden, die Roseazett ist so recht dazu beschaffe«, de» Reichthum und die Fülle, de« Glaaz und die Güte der unverstegbarea Natur den Sterb- liehe» zu offenbare«, Ist sie vorbei, so ist*», als ob der Sommer seine« höchste» Reiz eingebüßt habe, e» ist wieder Aschermittwoch«ach dem Karneval, da ma» über die Ver- gänglichkeit aller Schönheit auf Erde« mehr al» sonst»ach- zudenken geneigt ist. Der Dichter aber hat Recht, wen» er singt: „Laß' uns scherze», laß' un» kosen, s Den« e« ist die Zeit der Rose«." dazu ist die StaatSregierung nicht in der Lage, und ich hoffe, daß eine voruttheiltfreie Prüfung der Angelegenhell durch da» hohe Haus letztere» zu keinem anderen Ergedniß führen wird. ES schließt— ich wiederhole die»— für einzelne Fälle nicht au», daß man die Gewährung von mäßigen Unterstützungen regierungsseitig in» Auge fassen wird. Abg. F m w a l l e: Die Worte de» Minister» beweise« leider das Gcaentheil von Theilnahme für die betroff-nen Landestheile, ich bedauere, daß er so wenig warme Worte für die schwere Kalamität gefunden hat. Zur Prüfung seiner Be- hauptung, daß die Nolh so groß sei, um Staatshilfe zu recht« fertigen, hat unS der Minister gar kein Material beigebracht; eS soll einfach der Grundsatz gellen:„Hilf Dir selbst!" Ich rufe dem Herrn Minister die Worte zu, welche neulich einer seiner Herren Kollegen bei der Kanalvorlage anwendete:„Mann mit zugeknöpften Taschen, Dir thut Niemand wa» zu lieb; Hand wird nur von Hand gewaschen, wenn Du nehmen willst so gieb." Hier find die Worte mehr am Platze al» damals; ich bitte ihn, dieselben zu beherzigen. Minister v. Puttkamer findet e» begreiflich, daß der Vorredner in seinen Ausführungen zur Beantwortung der Interpellation eine gewisse Engherzigkett gefunden hat, muß aber nochmall darauf verweisen, daß StaatShilfe nur bei außerordentlichen wirthschastlichen Schädigungen zu gewähren ist. Darauf vertagt fich da» HauS. Schluß 4'/, Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. (Interpellation Ebertq. Halberstadt, betr. die Ueberschwemmungen in Schlefien, Petitionen.) Lokales. Am Maybach-Ufer beginnt bereit» neue» Leben au» den Ruinen zu blühen. Zunächst am Kopfe der Brandstätte, die von der Schintestraße im Südwesten her schlangenarttg fich nach Südosten di» zum Kottbuser Damm ausdehnte, steht man die ausgebrannten Schlacken der verschiedenen Brennstoff-, nament« ltch de» Kolophonium», die den großen Brand hauptsächlich her« vorriefen, aufgeschichtet. Zu grünschimmernden, fast granit- artigen Massen zusammengeschmolzen, find dieselben zu hohen Wällen aufgeschüttet, nachdem fie mühsam au» dem fast meter« tiefen Feuerpfuhle, der während de» Brande» fich gebildet hatte, herausgearbeitet worden find. An eine Wiederherstellung der Schmieröl- Fabrik an dieser Stelle ist jedoch, wie wir hören, aus feuerpolizeilichen Gründen nicht zu denken. Unter desonderen Restrittionen für die Aufbewahrung von Stroh, Heu und Getreide wird auch der Wiederaufbau de» hinter- wärt» angrenzenden Fuhrgeschäst» nur geschehen können; doch wird dam» schon begonnen. Dagegen ist die weiter anaren- zende Holzschneidefabrtk, deren Gemäuer zum größerm Thell flehen geblieben ist, in vollem Aufbau begriffen und auf de» am Kottbuser Damm belegenen Holzöfen nimmt man kaum noch etwa» von der durch da» Feuer angerichteten Verwüstung wahr. Ein besonder» erfreuliche» Bild bietet schließlich die Gärtneret nach dem Brande dar, die so arg zertreten, doch auch versengt worden war. Fast wunderbar haben hier Obst- bäume, deren Laub und dichte» Gezweig völlig gebräunt und verkohlt erschien, frische» und kräftige» Laub an verschiedenen Stellen zu treiben begonnen und die Gattenfläche selbst prangt im dichten Schmuck der Sommerflora und grünet Gemüse. Allseitige Beachtung, besonder» seitens unserer Sanitätsbehörde«, verdient ein Vorgang, der un» von einea> der Betheiligten gemeldet wird. Von einem Hause der Man« teuffelstraße au» fand gestern Nachmittag die Beerdigung eines Eisenbahndetriebssekretar» statt. Schon beim Betreten des Hause» nahmen die erschienenen Leidtragenden einen schrecklich penetranten Geruch wahr, der stch al» von der Leiche de» Ver« ftordenen herrührend herausstellte, welche hier in der Woh« nung drei Tage lang aufgebahrt war.«l» der Sarg mll de« Verewigten in den Leichenwagen gehoben worden war und bt Freunde, Kollegen, Vereine, Deputationen jc. sich dem Zug« anschließen sollten, war die» ganz unmöglich, denn der Win« ttteb denselben den schrecklichen Verwesungsgeruch direkt ent« gegen; selbst die zu beiden Seiten de» Leichenwagens gehende» Leichcnträger konnten den Geruch nicht aushalten und mußte» die beiderseitigen Trottoir» pasfiren. Auf dem W:ge bis zui» Friedhofe waren die in einiger Entfernung von dem Leichen- wagen gehenden Personen genöthigt, zur Niederkämpfung des immer wieder aufsteigenden Ueoettett stärkere ErfrischungSmittel zu stch zu nehmen. Al» der Leichenwagen auf dem Kirchhos« angelangt war und der Sarg herausgehoben wurde, war de« Boden de» Wagen» vollständig mit Leichenwaffer bedeckt. Es ist geradezu unbegreiflich, wie e» möglich war, daß die B«- wohner des detreffenden Hauses in der Mameuffelstraße den gesundheitsschädlichen Geruch aushalten konnten, vornehmlich aber die au» Frau und sechs Kindern bestehende Familie deS Verstorbenen. Der Vorgang zeigt aber, wie dringend nolb' wendig eS ist, während der wärmeren FahreSzrit die Leilb« eine» Verstorbenen sofott nach der Leichenhalle transportiren i» laffen. ES wird die Aufgabe unserer Santtätsbehörden sei», hier die nöthigen Anordnungen zum Schutze der Gesundheu der Einwohner in dm vorliegenden Fällen zu jichaffen. Einsturz einer Lanvuugsbrucke t« Grüna«. Kirf nach Schluß der Ruder- Regatta hat fich vorgestern Abend>» Grünau noch ein Unglücksfall zugetragen, nicht unähnlich jene« schrecklichen Katastrophe in Tabbert'S Waldschlößchen; ei»« Anzahl Personen ist, wie das„Bett. Tagedl." eriährt, o»' einer kleineren Landungsbrücke eingebrochen und in» Waff«| gestürzt, doch ist, nach dm diShettgm Nachrichten, der Verlust von Menschenledm nicht zu beklagen. Im Stein'schen Aaltest' lokal ist läng» der festen Dampferlandungsbrücke eine kleine!« niedrige Laufbrücke angebaut, rvelche für die landenden gnügungSboote und die den Verkehr zwischen beiden Uier» vermittelnden Fähren bestimmt ist. Eine lleine Treppe vom Gatten her zu dieser ziemlich mangelhast konstruirt«» Brücke. Durch den gewalligen Berkehr, der am Sonntag dott henschte, war dieser kleine Laufsteg arg mitgenommen worve»- ein Stück von der Wafferseite war schon eingebrochen. diese» bedenklichen Zustande» wurde die Brücke fortwäbren� von dm autsteigmden Paffagierm wetter denutzt. Gegen 7 landete eine von etwa dreißig Personen besetzte Fähre an D''' kleinen Treppe an. Zehn bis zwölf Insassen waren bereit» ousfl? stiegen und drängten fich auf Treppe und Brücke, al» plötzU» da» ganze gebrechliche Bauwett nachgab und sämmtliche vanw befindlichen Personen ins Wasser stürztm. Die Stelle ro»' dott ziemlich tief, und so gelang e» nm wenigen der Verun glückten, unter denen auch vier Damm waren, festm Fuß Waffer zu fassen. Alle» eilte dm mit dem Tode Rtngenb«? zu Hilfe. Die noch in der Fähre Befindlichen zogen der dem Boote zunächst liegenden Personen in daS Fahtt«»» zurück. Einer der Schiffer, welcher auf der Treppe grstano« hatte und mit eingebrochen war, hielt stch mit einer Hanl»» Boote fest, mit der anderen ergriff er eine der gefährde! Damen und hielt dieselbe über Waffer, bt» Beide werden konnten. Zwei Einjährige, die gleichfalls in» gestürzt warm, erllettetten einm in der Nähe definblw) Fischkasten, der an einer Kette befestigt war.%%« f g) riß aber unter ihrer Last und fie fielen in» Waffer zurück. �,� nem gegenüberttege en zu retten. Die! m Th-il von hilfre _____ j» ihren eigenen strmgungm, da» Lind zu'erreichen. Dott demühte man � so schnell als möglich für die Durchnäßten eine Anzahl t»«« � Kleidungsstücke zu beschaffen; begreiflicherweise waren wmig aufzutreiben und die Verunglückten mußten fich M«r so gut und so schlecht e» eben ging, schon zufiieden, da» iß-»»v. Uiiv ,w, ic ic Ii III» ituaii" II--— j..« blieb ihnen nun nicht» übrig, als einem gegenllbettugen v c zuzuschwimmen und sich in diesm zu retten. Di« U � gefährdeten Personm wurden zum Theil von hilf-«!�, (« herausgezogen, theil» gelang e» thrm eigenen � Kahne en ändm Sufammtnbiudb noch am hellen Tage eingetreten war, denn im andern Falle hätte wohl manch einer sein Leben bei der Rata- strophe lassen müssen.— DaS ist die Da stellung eineS Augen. zeugen, welcher den Vorgang von der oberen festen Dampfer- biücke beobachtet hatte, nachdem er kurz vor demselben Betrach- tungen darüber anaestellt, od man ei wohl noch wagen werde, den wackeligen und theilweiS eingebrochenen Laufsteg benutzen |U Nach der Mittheilung einer hiefiae« Korrespondenz beschästtgt fich die deutsche ReichtpondehSrde damit, der Prioatkonkurrenz auf dem Gebiete der Packetdetörderung und der Biiefbestelluna in Berlin entgegen zu arbetten. Wie ver- lautet, wird nun seitens der Postverwaltung deabfichtigt, zu- nächst noch drei weitere sogenannte Packet- Postämter hier ein- zurichten, um dadurch eine beschleunigtere B-stellung der ein- gehenden Packetsendungm zu ermöglrchen. Ferner wird ge- plant, daS hier noch von verschiedenen Sätzen erhobene Packet« Best-llgew(15, 20 25 und 30 Pf.) nicht unerbeblich zu er- mätziaen. Ob freilich diese Vaßregel, die schon längst geboten erschien und au» Billigkeitlrückstchten hätte getroffen werden müssen, noch den erhofften Erfolg erzielen wird, bleibt jetzt, nachdem die Privatlonkmrmz in der Packetbeförderung einen so auzermvemlichen Erfolg erzielt hat, sehr abzuwarten. Daß die neueste Einrichtung der Packetfahrtgesellschait, die veförde- rung von Siadtdriefen zu ganz geringen Portosätzen, der ReichSpostverwaltung ebenfalls nicht glcichgilttg ist, geht daraus hervor, daß bereit» an maßgebender Stelle eine Er- Mäßigung deS StadtbriefportoS in ÄuSffcht genommen sein soll. Daß aber trotzdem daS neue Unternehmen profperiren wird, erscheint nach Lage der verschiedenen Verhältnisse zweifellos. Welche» Vertrauen demselben bereit» entgegen« gebracht worden ist, beweist die Thatsoche, daß am zweiten Tage seine» Bestehen» nicht wenige Boten gegm siebenhundert Bestellungen tagtüber auszuführen hatten. Der Restaurateur Jakoby in der Landibergerstraße schließt heute Abend sein Lokal. Et« vetera« der Arbeit. Der Beerdigungsverein Ber« liner Zimmerer begeht am 10. Juli in Reller'S HofjSger ein ebenso schöne» wie seltenes Fest. ES handett fich darum, einen Kameraden zu ehren, der in Ehren ergraut ist. Der Zimmerer- polier Loui» Rlsch. Belle- Alliancestraße 88 wohnhaft, feiert an diesem Tage sein fünfzigjährige» Gesellenjubiläum. Herr Atsch lernte am 11. Juli 1836 au«. Am 11. Juli 1861 feierte er sein fünfundzwanzigjährige» Jubiläum, und damal» mochte er wohl kaum glauben, daß er nockmal» 25 Fahre hindurch Axt und Säge führen würde. Der Jubilar hatte in seinem Leben Jahre lang mtt schweren Rrankheiten zu kämpfen, jetzt erfreut er fich für sein Alter aber wieder einer bemerkeniwerthen Rüstigkeit. Möge dem Veteran der Arbett ein heiterer Lebensabend beschieden sein. Zum zweite« Male autgewiese«. Am Donnerstag ist dem au» Berlin autgewiesenen Regierung». Baumeister Keßler, Welcher in Brandenburg auf der kleinen Garten straße Woh- nung genommen hat, wie erzählt wird, eine AuSweisungSordre zugestellt worden,«ach welcher er binnen drei Tagen Branden- vurg zu verlassen hat. Die Ausweisung gründe« fich— nach dem„Rurm. Wchbl."— auf die mehrfachen Bestrafungen, die der Herr aufzuweisen hat. Zaungäste. Am Abend de» großen Rünstlerfeste« wur- dm auf den den Lehrter Bahnhof pasfirendcn Stadtbahnzügen zahlreiche Rontravenienten abgefaßt, die mit ihrem auf der Station„Friedrichstiaße" nach Station„Thiergarten" gelösten Billet mchrere Mal hin und zurück fuhren, um während der Vorbetfahrten etwa» von dem großen Aufzuge zu er« schauen. Die i«»euerer Zeit zuuehmeude Unsicherheit auf den der Bewachung leiten» der Gendarmen anvertrautm Landstraßen in der nächsten Umgebung der Refidenz ist ein« rtgenthümliche Erscheinung, die vielfach von den Landbewohnem Mt ver militärischen Organisation der Gendarmerie in Ver- Mung gebracht wird. Der Offizier, der mit dem Sicherh«it»- «tenft der Gendarmen gar nicht» zu thun hat. sondern nur die militärischen Befehl« ertheilt, die sogen.„Kommunikationen" abhält und den Zustand der Uniformen, da» Putzen derselben und der Waffen kontroltrt, ist der direkte Vorgesetzte, während der Landrath den Gendarmen nicht» zu befehlen, sondern nur Aufträge zu ertheilen berechtigt ist, aber selbst weder ein Strafrecht hat, noch Verweise ertheilen kann. Oft begegnet man auf den Landstraßen Gendarmen mit Gewehr und vollständiger Ausrüstung, diese befinden fich dann aber auf dem Wege nach oder von der Rommunikation, wo nicht selten, wie die„Staatsbürger Zeitung" schreibt, von den alten Leuten vor einem jungen Offlzrer haben Griffe gemacht wer- den müssen. Ob solche Uedungen und so häufig im Interesse ver öffentlichen Sicherhett nothwmdlg find, da» ist schwer zu beurtdeilm. . Fürsorge für deu arme« Maua. Die an der Nord- bahnstrecke Berlin- Oranienburg gelegenen Orte Hermtdorf, WaidmannSlust und Schönhol, fangen immer mehr an, Ziel- Punkte unserer Berliner Sommerfrischler zu werden. Der Ver> trhr auf der Strecke hat bereit» solchen Umfang angenommen, daß zu seiner Bewältigung an den Sonn- und Feiertagen be« sondere Station« beamte nach den Haltepunkten WaidmannSlust und Schönholz geschickt werden. Bestemdend ist eS nur, daß noch keine Schritte gethan find, ein zweite» Geleise anzulegen. Die ganze Last de» Verkehr» von den Fern-, Omnibus- und «xtrazügen ruht auf der eingeletstgen Sttecke, wa» nicht allein die ordnungsmäßige vesörderung de» Publitum», sondem auch die Verantwortlichkeit der vettiebideamten in nicht geringem Maße erschwert. Die Anlage eine» zweiten Geleise» auf der Omntbutstrecke Berlin- Oranienburg ist ein dringende» Bedürf- niß. E» gewinnt fast den Anschein, al» wenn diese Verkehr»- an den Wochentagen nur 60 Pf., an den Sonn- und Feier- tagen dagegen 80 Pf., während man doch umgekehrt annehmen sollte, daß man darauf bedacht sein müßte, durch Verkehrs. Erleichterungen dem minder begüterten und an den Wochen- tagen unabkömmlichen Theil der Berliner Bevölkerung die sonn- täglichen Erholungen mehr zugänglich zu machen.(Die Ein- richwng der Potsdamer Bahn, daß an Sonntagen keine Extra- Retourbillet» ausgegeben werden, wirkt ganz ähnlich.) Zu de- dauern ist e» endlich, daß auf Station Gesundbrunnen keine Rttombillet» nach WaidmannSlust, sondern nur nach Herm»- darf verabfolgt werden; so tritt der merkwürdige Fall ein, daß Derjenige, welcher vom Stettiner Bahnhof nach Waidmann»- tust fährt, nur 60 Pf., derjenige, der vom Gesundbrunnen nach dort fährt, aber 80 Pf. zahlen muß. „ Von einem alte« Achtundvierziger, der fich in unver- schuldeter Noth brfindet, erzählt eine Lotaitonespondenz: Unter den noch lebenden Personen au» jener Zeit defindet fich der Maschinenbauer Siegerist, der alS VolkSführer vom März bi» «um Juni 1848 fich hervorthat und Vamal» unt:r den Berliner Arbeitern dedeutenden Anhang hatte. Er wurde zu einer mehr- söhligen Festungshaft verurtheilt, die er auch verbüßt hat. Später hat man in der Oeffentlichkeit nur noch selten etwa» von ihm gehört! er ist der christlich.sozialen Partei und der Stocker'schen Agitation wiederholt in Vereinen und Ver- jammlungen entgegengetreten. Mit dem Alter de» Manne» Icheint et mit seinen Verhältnissen mehr und mehr abwärt» »igangen zu sein. Zwar noch arbeitsfähig und selbst ein ge- Kickt« Arbeit«, hat er doch schon seit Jahren fast gar keine Beschäftigung mehr, so daß er schließlich, wie der Bericht- £Watl« au» dem Munde eine» Berliner Armen RommisfionS- �orsteher» erfahren hat, der öffentlichen Armenpflege anheim- Gefallen ist. Siege rist wohnt in einer elenden, feuchten Keller. Ahnung in der Rosenstraße 21 in Berlin, fast allen HauS- rathe» entbehrend, im buchstäblichen Sinne de» Worte» Stroh al» Lagnstätte benutzend. Die Unterstützungen, die er au» kommunalen Mitteln«hält, reichen kaum au», ihn vor dem Hunger zu schützen. Da er bei seinem Alt« von 73 Jahren in ein« Fabrik keine Arbeit mehr findet, so hat er seit läng«« Zeit seldststanvig Blumentische mit Fontaine gefertigt, wozu'« ausreichende» Werkzeug befitzt. Leider fehlt e» ihm jedoch so sehr an Bestellungen, daß sein Erwerb äußerst kärglich ist. Die plötzlich erfolgte Verhaftung de» in der Brüder- straße wohnenden Schneidermeister» G. erregt dort große» Aufsehen. G., ein Mann in den 50« Jahren, soll d«eit» seit längerer Zeit zuerst mtt seinen Dienstmädchen in gewaltsam« Weise Handlungen begangen haben, welche diese stet» v«- anfaßten, schon nach 3 od« 4 Wochen den Dienst wieder zu kündigen. Al»« schließlich befürchtete, daß die Polizei durch den häufigen Wechsel der Dienstboten aufmertsam werden würde, nahm er fich vor, seine Unthaten an kleinen Mädchen auszuüben und führte die» scheußliche Vorhaben auch folgender- maßen au». Seine Frau betreibt in einem Hause der Brüder- straße einen Odsthandel, den fie täglich mehrere Stunden v«- läßt, um Obst einzukaufen. Während dies« Zeit befindet sich G. in dem Laden und diese Gelegenheit benutzte«, um kleine Mädchen unter allerlei Versprechungen in den Laden zu locken, die er dann mißbrauchte. Mehr«« vem G-'schättSlokale gegenüber wohnende Raufleute wurden durch da» Treiben de» G. aufmerksam und verständigten ht«von die Reoierpolizei, welche in der Näbe de» detreffendln Hause» zwei Schutzleute in Zivil postirte, die den G. beobachteten. Schon am zweiten Tage sahen dies«, wie G. zwei kleine Mädchen in den Laden lockte und die Thür hinter ibnen schloß. Jetzt traten die Beamten hinzu und nachdem fie Einlaß erhalten hatten, wurde G. sofort festgenommen und in Untersuchungshaft geführt. E« finden jetzt Ermittelungen darüb« statt, in welchem Umfange G. seine Ruchlofigkeiten getrieben hat. Eine exemplarische Strafe ist ihm stcher. I« großer Lebensgefahr befand fich am Sonntag eine Anzahl klein« Rinder im Alter von 5 bi» 7 Jahren. Der 17 jährige Sohn eine» in der Nähe d« Moabiter Brücke mit seinem SchiffSfahrzeug liegenden SchiffttS unternahm gegen 7 Uhr Abend» auf d« Spree eine Rahnfahrt nach der Lesfing- brücke zu und entbot zu derselben die auf dem im Zuge d« Paulstraße befindlichen Wiesengrundstück spielenden Rind«, von denen ein großer Theil unb.-ausfichligt war. Ein Vor- arbelter von der Lehrter Bahn sah vom Spreeuf« dies« Fahrt zu und nahm zu seinem großen Schrecken wahr, daß d« Kahnführer derartig stark betrunken war, daß er von der einen Seite auf die andere taumelte und dadurch fich und die Rind« in die Gefahr brachte, zu«trinken. Auf seinen Anruf, an» Uf« zurückzukommen, ford«te d« Schiffer ihn und noch einige andere Personen auf, mit ihm zusammen die Waff«partie zu machen. Der Vorarbeit« sagte zu, und mit Mühe gelang e» dem trunkenen Bootführ«, an da» Ufer zu rudern. Nachdem zunächst die Rind« an» Land gebracht waren, nahm der Vor- arbeiter neben dem Schiff« im Rahne Platz. Wie nothwendig diese Theilnahme war, ging auS dem nachherigen Verhalten de« jungen Schiffer» hervor. Derselbe sprang nämlich mitten im Strom in» Wasser und wiederholte diesen Sprung noch einige Male, nachdem er von den Änderen in den Rahn hin- eingezogen worden war. Schließlich legten fich einige Schiff« in» Mittel und brachten den inzwischen entnüchterten jungen Burschen auf da» Fahrzeug seines Vater». I« eiuer gegen professtoutrte Leicheusiedderer wegen Diebstahl» schwebenden Untersuchung ist die Ermittelung de»- jenigen H«rn von Wichtigkeit, welch« am 24. Mai d. I. bei dem Trövl« Cranz, Oranienstraße 30, ein*, filderne Zulinderuhr Nr. 25 049 für 6 Mark gekauft hat. D« detreffende He« wird ersucht, fich event. auch schriftlich bei der hiefigen Kriminalpolizei, Zimm« Nr. 75», zu melden. Ueber deu Selbstmord de» sechtzigsährigeu Bild- Hauer« Ernst H. derichtet eine Lotaitonespondenz: H., der in ziemlich bescheidenen Verhältnissen lebend, in der Ritt«- straße 49 wohnte und bei den Bewohnern de» Hause» dadurch Aufm«lsamkeit«regt hatte, daß er seit längerer Zeit Spuren von Ttefstnn zur Schau trug, wurde gestern früh von seinem Wirth an einem Wandhaken«hängt vorgefunden. Angestellte Belebungsversuche blieben erfolglos, da die Todtenstarre schon seit einigen Stunden eingetreten war. H. soll durch die vor einiger Zeit erfolgte Flucht sein« Ebeftau nach Amerika, einem Gerücht zufolge, schw«müthig geworden sein. Markthalle«- Bericht von I. Saudma««, städtischem VerkaufSvermitller, Berlin, den 28. Juni. Wild und Ge« flügel. Nachdem etwa 14 Tage lang die Zufuhr eine sehr geringe gewesen ist, häuften fich die Zusendungen ganz bedeu- tend, und weil die Händler noch vielfach direkte Zusendungen erhalten, d« Handel also noch nicht in der Hand der Äer- kaufSvermittler allein liegt, wird d« EngroSpre!» sehr gedrückt, während im Detailhandel von einer Preisherabsetzung den Konsumenten gegenüber nicht» zu m«ken ist. Rehböcke p« Psund 55—70 Pf. weichend. Vielfach v«nachläsfigen die Ab- send« die GesetzeSvorschrift, wonach da» Geweih oder die Ge- schlechtStheile, besonder» der Pinsel, am Wilde erhalten bleiben müssen, und setzen ihre Sendung dadurch leicht der Konfi»- kation au». Wildschweine 35—45 Pf. per Pfd. Junge Gänse 2,75—3,50 M. per Stück. Junge tzühn« 50—80 Pf. gung« Enten 1—1,20 M. pro Stück, Tauben 30—40.— Für bst und Gemüse finden von Dienstag ab regelmäßig jeden Morgen um 4 Ubr Auktionen statt, über welche Bericht er- folgen wird.— Butter, Käse und Et« im Preise unv«- ändert. Polizei-Bericht. Am 26. d. M. Vormittags wurde in der Nähe der Von d« Heydtbrücke die Leiche de» seit dem 21. d. M. vermißten Frotteur» Pöttke au» dem Landwehrkanal E)gen und nach dem Leichenschaubause gebracht.— An dem- en Tage Mittag» wurde eine Frau, in der Schönhaus« tt wohnhaft, in einem Pferdestalle daselbst erhängt vorge- funden.— An demselben Tage Nachmittag» wurde in dn Bandelstraße, vor dem Hause Nr. 10, ein 7 Jahre alt« Knabe von einem Bierwagen überfahren;««litt am Kopfe und am Bein nicht unerhebliche Quetschungen und mußte nach dem städtischen Krankenhause in Moabit gebracht werden.— Am 27. d. M. Mittag« wurde ein jung« Mann in seiner in der Alten Jakobstraße belegenen Wohnung bewußtlos auf dem Bette liegend vorgefunden und mußte mittelst Krankenwagen» nach der Charitee gebracht werden. Nach einem vorgefundenen Briefe liegt versucht« Selbstmord vor und zwar, wie ärztlich festgestellt, durch Genuß von Blausäure.— An demselben Tage Nachmittag» wurde ein 10 Jahre alter Knabe beim Baden an unerlaubter Stelle in der Nähe der Oberdaumb ücke mitten in der Spree plötzlich schwach und fing an zu sinken. Er wurde von dem Ardeiter Ztehm gerettet und seinen in d« Oppelner- straße wohnhaften Eltern zugeführt.— Zu derselben Zett schlug ein von einem Ardeiter und drei in sein« Begleitung befind- lichen Personen besetzter Kahn in der Nähe der Lesffngdrücke um. Sämmtliche Personen fielen in'» Waffer, wurden aber von in der Nähe befindlichen Schiff««, ohne Schaden genom« men zu haben, wieder an'« Land gebracht.— An demselben Tage Abend» durchschnitt fich ein in der Großen Frankfurt«- straße wohnhafter Mann mit einem Tischmeff« die PuISadem d« rechten Hand. Er wurde nach der Charit« gebracht.— Zu derselben Zeit wurde ein Mann in einem zu sein« in d« Böckhstraße belegenen Wohnung gehörigen Bodenraum erhängt vorgefunden._ Gerichts-Ieiwng. Der Prozeß gegen Christensen und Berudt auS Anlaß d« Affäre Jhring-Mahlow kam gestern vor der 37. Abtheilung de» Schöffengericht» zur Verhandlung und endete nach acht- Sündiger Dauer mtt d« V«urthellung d« beiden Angeklagten zu je 6 Monaten Gefängniß. Der Andrang de» Publikum» war groß, ab« der Wunsch, dm Verhandlungm beizuwohnen, wurde vnhältnißmäßtg nur Wenigen«füllt, da der Zuhörer« räum klein und im Augenblick besetzt war. Auf den Gängen pattouMirtm etwa 20 Schutzmänner und eben so viel, wenn nicht mehr, Polizeibeamte in Zivil waren anwesend. All Vor« fitzender fungirte Amt»gericht»rath Bathistu», die Anklage ver- trat Staatsanwalt Wagner, in den Händen der Rechtsanwälte Munckel und Freudmthal lag die Vertheidigung. Punkt 10 Uhr wurde die Sitzung eröffnet und mit d« üblichen Zeugmvernehmung begonnen. Als Angeklagte erschimen der Tischler Franz Bnndt und d« Privatlehrer Im» Lawri» Christensm; al« Belastungszeugen die Schutz- männer Jhring und Schultz«; al» EnttastungSzeugen die Ar« beit« Tabert, Langer, Püchel, Eis«t, Rittmeister, Baar», Gelhaar und Fuch»; endlich warm noch die Polizeideamtm Graf Stillfried, v. Mauderode, Schöne und Weinert vorge« ladm. D« Vorfitzende bem«tte den Beamten, daß auSdrück« lich die vorgesetzte Behörde ihnen gestattet hat, umfangreiche AuSsagm abzugeben: je«schöpfmd« und unumwundener ihre Antworten wären, desto mehr AuS ficht habe ihr« Sache. Die Entlastungszeugen machte er darauf aufmerksam, daß gegen die beidm Zeugen, welche im Prozesse Bobliewicz bekundet haben, daß jm« am 2. Februar den Schutzmann Jhring nicht ge» schlagen habe, ein Verfahren wegen Meineid« eingeleitet wordm sei, weil d« Verdacht vorliege, daß ihre Aussagen falsch seim- Die Entlastungszeugen sollten fich durch Parteiftmndschaft und ParteidtSziplin nicht verführm laffm, von der Wahrhett abzuweichen. Jm übrigen bemerkte er, baß « die Oeffentlichkeit nur bei denjenigen Puntten auszuschließen denke, wo e» unbedingt nöthig sei. E» werde zunächst alle» da» nörtert wttden, wa» fich ohne Gefährdung der öffent- lichen Ruh« und Ordnung»«handeln lasse. Die Anklage ist weaen verleumderischer Beleidigung«Hoden und stützt fich auf § 187 de» Strafgesetzbuches. Berndt und Christensen werden beschuldigt, in Bezug aus Jhring wiffmtlich falsche Thatsachen verbreitet zu habm, die geeignet find, denselben verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen. Nach d« Anklagt ist d« Schutzmann Jhring im Herbst 1885 mit d« Ueberwackung d« Versammlungen de» Arbeit«.Bezirk!- v«ein» für den Osten von seinen Vorgesetzten beauftragt wor- den und hat fich, um diese Aufgabe zu lösen, unt« dem Namen Mahlow und unt« Angabe seiner früheren Professton al» GÜrtl« al« Mitglied in den Verein aufnehmen lassen. ES war ihm ausdrücklich anbefohlen worden, fich passiv zu ver- halten und nur zu beobachten. El wird nun behauptet, daß die beidm Angeklagten wahrheitSwidrig den Jhring beschuldigt hätten,« sei»geut vrovooatoar. Er habe die Anfertigung von Dynamit öffentlich angegeben, habe 5 Dynamitbomben selber mit bringen wollen und gerathm, dieselben in öffentliche Gebäude zu werfen, damit„die Band« vor Berathung de» Sozialistengesetze« einen ordentlichen Schreck bekomme." E» leuchte ein, wie widerfinnig diese Behauptung sei, da durch Attentate nur ein« Verschärfung de« Ausnahmegesetze» herbei- geführt werdm würde. Fem« soll Jhring nach der Behaup- tung de» Angeklagten Cbristensm in der Nähe de» kronprinz- lichm Pafai» eine Majestätsbeletdigung ausgestoßen haben. Der RetchitagSabg. vinger habe alle diese Behauptungen dann gelegentlich seiner Rede bei der Berathung deS Reichstag» über die Verlängerung de» Sozialistengesetze» verwendet. So- weit die Anklage. Beide Angeklagte bekennen fich nicht schuldig. ES wird zu ihr« Vernehmung geschritten. Angeklagter Tischler «emdt, 25 Jahre alt, ist seit 1883 Mitglied des„Arbeiter- BezirkSoereinS für den Osten BnlinS". Er giebt an, im Monat Nornmb« von ewigen Freunden auf Jhring aufmerksam ge- macht worden zu sein, dessen Benehmen Verdacht erweckt habe. Um nun zu prüfen, ob dieser Verdacht nicht einen Unschuldigen treffe, bade« gesucht, die Bekanntschaft Jhring» zu machen. — Vorsttzender: Wäre e« nicht besser und aufrichtig«, wenn Sie st» von Jhring ganz zurückgezogm hältm?— Angetl. Berndt: Verdächtigt kann heutzutage sehr leicht jemand werden. E» gilt erst zu prüfen. Vorsitzender: Also au» rein philantro« pischem Interesse wollen Sie vi« Bekanntschaft de» I. gemacht haben? Da» kostetJhnmZett? HabenSie die?—«ngekl. Berndt; Ein solche» Opfer bringen wir gem. Am 25. Dezember v«. anstaltete der Fachveretn der Tischl« ein Vergnügen in den Räumen de» Keller'schen Restaurant», AndreaSstraße 21. Ich nahm daran Theil und traf dort Jhring. Er bot mir ein Gla» Bi« an und begann zu erzählen, daß er in der Schweiz gewesen sei und dort Erfahrungen in Betreff der„Spitzel" ge- macht habe. Dort ließe fich noch im freieren Ton reden, al» hi«. Sein Benehmen machte mich stutzig und um ihn weit« zu prüfen, lud ich ihn ein, am 27. Dezember nach einem Lokale in der Blumenstraße zu kommen, wo einige Freunde von mir fich treffen wollten. Vorfitzenber: War diese Zusammenkunft die erst«, d e überhaupt stattfand. ,u der Jhring eingeladen wurde? Angeklagter Berndt: Unter un» kamen wir öfter zu- lammen. Diese Zusammenkunft wurde expreß de» Jhring wegen veranstaltet. Wir unterhielten un» über die TageSfragen. So sprach ich über die „LuxuSfrage".- Vorfitzender: Ist eS der Beruf eines Tischler- aesellm, über dm„LuxuS" zu sprechen?- Angeklagter B.: weiß wie tief hinein, wenn da» herauskommt!" Durch solche Reden fiel er un» noch mehr auf und später sagte ihm Püchel auch direkt, wofür er ihn halte. Wir stellten UN» nun die Aufgabe, ihn vollständig zu mtlarven und kamen zu diesem Zweckt am 3. Januar zusammen. Wir sprachen wird« über die TageSfragen und Jhring sagte:„Mit dem ParlamentariSmu» geht e« doch nicht weiter. Blickt auf Rußland, wie e» dort geht." Unser Verdacht bekam neue Nahrung, al» ein Zimmermann Schmidt, wie wir später«fuhren, ist er der Flurnachdar Jhring» und steht in dessen Solde, zu dem Schneidermeister Ted». Pallisadmstr. 43, kam und ihn fragt«, ob er verbotene Druckschriften für ihn [«r ä ÄJir£%-s z ss de« Tage» im Lokale de» jetzt ausgewiesenen Wesenack«zählte. Jhring drängte fich hi«bei in auffällig« Weise zwischen unS. SpA« begletteten wir. ich. Püchel. Hasmbein und Jhring, den WitttowSki nach Hause und Hasenbetn und ich begaben un» mit ihm in seine Wohnung im vierten Stock, um die p°U»eiltche� Bescheinigung über die Haussuchung einzusehen. Püchel und Jhring bliebm unten. ES war Nacht und die HauSthür geschloffen.«lS wir lange oben blieben. gwg Jhring zu dem Nachtwächter, sagte, er sei Polizeibeamter und ließ fich da» Hau» aufschließen. Wir waren sehr e> staunt. al» er oben klingelte. Er sagte ad«, er habe dem Nachtwächter « sei Polizeide-mter und sei so hineingekommen. Wied« verstartte fich uns« Verdacht. Dann gingen wir noch zusammen in«ne Kneipe.- Vorfitzender: Sie«zählen so oft. daß Sie in Kneipen waren. Waren Sie nicht arbeitslos? - Angeklagter xstrndt: Jhrirg bezahlte sehr oft für un». Die Zeche ist auch nicht groß, die Arbeiter machen. Auf dem Wege von d« Kneipe sprach Jhring mied« davon, daß« Dynamit fabriz re. Ich sagte, ich wolle ihn besuchen, um mir die Fa. ÄÄÄ ÄÄ «in„Spitzel"«uf vuiner Fährte sein, der seh«, wohin ich gehe und dann bei ihm eine Haussuchung veranlassen würde. Wenn aber da» Dynamit gefunden werde, da» er besttze, so komme er auf mehrere Johre in» Zuchthaus. Ich ging nicht zu ihm. Er gab uns auch eine Gebeimlchrift an und schrieb al» Motto auf die Blätter: Kauft Revolver. Später riech er un», einen Koup zu veranstalten, um der„herrschenden Bande einen Schreck einzujagen." Die Führer der Sozialdemokraten seien Kapitalisten und au» diesem Grunde sei ihre Haltung im Reichttaae eine so schwächliche. Er werde fünf von ihm verfertigte Dynamitbomben mitbringen, welche man in die Häuser werfen müffe; vor allen Dingen werde man die Telegraphenleitungen vernichten und die Bahnhöfe zerstören müssen. Vor fitzender: Glaubten Sie, dah Sie und chre wenigen Freunde etwa» erreichen würden?— Angeklagter Bernvt: Wir hielten es für unmöglich.— Borfitzender: Wohl nur fattisch, aber im P-inzlp waren Sie einverstanden?— Angeklagter Berndt: Darchau» nicht. Der Bndacht, es mit einem agsvt provocateur zu thun zu haben, wurde immer lauter, und da ich damals keine Arbeit hatte, wurde ich von meinen Freunden beauftragt, dem Manne nachzuzehm. Bald darauf, in einer Frauenoersammlung bei Keller, gelang e» mir, den Mahlow zu entlarven. E» saß nämlich an einem Tisch ein mir von Ansehen bekannter Polizei- beamter und um nun die Sache zum Klappen zu bringen, sagte ich so laut, daß e» dieser Polizeideamte hören konnte: „Ich weiß jetzt, welche Rolle Mahlow spielt I" Ich hatte mich nicht getäuscht; Mahlow wußte bald von dieser meiner Aeuße- rung und konnte ste nur von dem Polizeibeamten erfahren ! laben. Er erwartete mich am 31. Januar vor meinem Hause, prach erst davon, daß er ein ganz ehrlicher Mann sei, stagte dann, wie viel Schulden ich habe und sagte schließlich, daß er Polizeideamter sei. Er redete mir nun zu, auch in den Dienst der Polizei zu treten und zeigte mir drei blaue Bücher mit allerlei Namen von Leuten, welche alt verdächtig polizeilich observirt würden. Ich sagte erst, daß ich da mit meinem Ge» wissen in Konflikt kommen würde, er beruhigte mich aber mit der Bemerkung:„Da» Gewissen muß vor allen Dingen über Bord geworfen werden." Dann aber ging ich scheinbar auf da» Anerbieten ein, um den Mann zu entlarven; er sagte, daß ihm der Polizeirath Krüger direkt dm Auftrag ertheilt hat» mich anzuwerben, daß ich mir alle Donnerstag am Denkmal im Friedrich»hain einen Lohn von 20 Mark abHolm könne»e. jc. Ich erzahlte daS ganze Abenteuer am Nachmittage meinm Freunden und erhielt den Austrag, Alle» daran zu setzen, um den Mann zu mtlarven. Ich sollte am Montag, 1. Febmar. dem Poli�trath Krüger vorgestellt werden, Mahlow sagte mir aber, daß Herr Krüger die Bor- stellung erst in 8 Tagen wünsche, und mir dann meine Legitimation ausstellen wird. Ich sah dann doch wohl etwas niedergeschlagen au» und Mahlow redete mir zu: Lassen Sie doch daS dumme Gewissm bei Seile und denken Ste an Ihre Existenz, sorgen Ste nur für eine ausgedehnte Klubdildung, damit wir bald alle im Sack haben, denn das Sozialistenge. setz steht bevor. Mahlow hatte mich schon wiederholt trakttrt und mir schon früher einmal 3 M. 50 Pf. geliehm. ErÜdm reichte mir nun dm Schuldschein darüber und noch 6 M. und ich mußte eine Quittung unterschreidm, in welcher ich de- stätigte, von einem Schutzmann SM. 50 Pf. für Berichte auS sozialdemokratischen Versammlungen erhalten zu haben. Am Abend war ich niedergeschlagen. Mahlow rieth mir, mich zu beruhigen; die Sache gehe auch ohne Agitation weiter. Ich solle so extrem wie möglich austreten und mich nur vor per» sönlichen Beleidigungen hüten. Passtrm würde mir nichts. �Strebe mir immer darnach, Klub» zu gründen, so fügte Jhrtng linzu,„damit wir daS� ganze Nest auf einmal ausnehmen können. Wir brauchen Material zur Verlängerung des Sozia. listmgesetzeS." Am 2. Februar erfolgte dann die bekannte Katastrophe, die Entlarvung in öffentlicher Versammlung, wo- bei«S zur Mißhandlung de» Mahlow kam. Ich Hab« alle meine Erlebnisse dem ReichStagSabqeordneten Singer mitge- theilt und dieselben Herrn Singer dann auch schriftlich zuge- stellt.— Auf eine Anfrage de» Vo.fitzenden oerwahrt stch schließlich der Angeklagte noch energisch gegen die Geltend- machung eineS Verdachtes, als ob er jemals Parteigelder unter- schlagen habe und als od er selbst seinen Parteigenossen al» verdachtig erschienen sei. Dem Staa'Sanwatt antwortet der Angeklagte noch, daß Madlow in dem sogenannten„Diskutir- klub" auch öffentlich von Dynamit gesprochen habe. Ueder seine eigene Thättgkeit fügt der Angeklagte auf Befragen d«S Staats- anwaltS hinzu, daß er sehr viele Versammlungen belucht und auch mehrfach in Frauenversammlungen und bei Herrn Stöcker gesprochen habe.— Vorsttzender: Wie kommt ein Tischler- geselle dazu, stch immerwährend in Versammlungen herumzu- Neiden?— Berndt: Ich nenne da» nicht herumtreiben. Für mich find die Versammlungen eine Bildungsstätte.— Damit schließt daS Verhör de» ersten Angeklagten.— Der 30 Jahre alte zweite Angeklagte, Schriftsteller Christensen, erklärt, daß er seit Oktober v. I. in Berlin sei, aber schon lange der Partei angehöre. Den Jhring habe ich, wie der Angeklagte weiter deponirt, Ende November im An- schluß an einen von mir gehaltenen Vortrag kennen gelernt; er sprach mit mir über den Vortrag und äußerte stch so radikal, daß ich ihn für einen Anarchisten hielt. Später äußerte er eine so große MajestätSdeleidigung, daß er verdächtig wurde, und»S fand dann bei Ebersdach eine Zusammenkunst statt, zu welcher auch Jhrtng geladen war und bei welcher derselbe beobachtet werden sollte. Fast jedes Mal, wenn wir mit ihm Ksammen kamen, hat er von Dynamtt gesprochen und darauf »gewiesen, daß es mit dem mäßigen Parlamentiren nichts werde, daß die sozialdemokratischen Reichstagsadgeordneten Schlafmützen und selbst Kapttalisten seien%. k. Er hat auch vielen Genossen Weisungen über die Anfertigung von Dynamit ertheilt und einmal auch gesagt, er werde dem- nächst Tynamitbomben mttbringen. Einige hielten die» für einen schlechten Scherz, ich hiett die Ausführung dieser wahr,- witzigen Idee aber doch für möglich, und da wir dadurch kom- promittirt werden konnten, rieth ich den Genoffen, daS nächste Mal nicht zu Eberslach zu gehen, sondern anderswohin. Wir beaustragten Berndt, den Jhring inzwischm zu beobachten und namentlich darüber zu berichten, ob derselbe etwa ins Polizei- präfidium gehe. Am Sonntag, den 31. Januar, Nachmittag», «ab uns dann Berndt ganz genaue Enlhüllungm über die jersönlichleit de» Mahlow und wir riethen ihm, um da» Ver- stauen desselben ganz zu erwerben, die qu. Quittung in der geschehenen Weise zu unterschreiben. Ich habe da», wa» Berndt für Heim Singer aufgeschrieben hatte, umgearbeitet. Ich bleibe dabei, daß Jhring zu mir selbst wiederholt von der Anfertigung der Dynamitdomben geiprochen und daß ich selbst gehört habe. wie Jhring auf eine Frage de» Zeugen Tabert:„Hast Du denn heute Dynamit mitgebracht?" antwortete:„Nein, ich bin nock nicht fertig geworden, aber ich dringe es dai nächste Mal mit." Bevor zur Zeugenvernehmung geschritten wird, wünscht der Vorfitzende das Skriptum zu erhalten, welches die Mitthei- lungen Christensens und Bemdt'S an Herrn Singer enthüll. Der Vertheidiger Rechtsanwalt Freudenthal oerweigert aber die Herausgabe. Es seien in diesem Schriftstücke noch mehrere Zeugen genannt und seine Klienten befürchteten, daß, wenn diese Name» zur Kenntniß kämen, noch mehr Personen auS- Sewiesen werden würben.— Nun folgt die Zeugenvernehmung. irrt« vorläufiger Aussetzung der Vereidigung deponirt der erste Zeuge Schutzmann Ferdinand Jhring. der angtebt 32V, Jahr alt zu sein, folgendes: Vom 4. November bis zum 25. Dezember habe ich mich zunächst darauf. beschränkt, die Hauptagitatoren Christensen, Voigt, Weis«, Tabert zu beobach- ten. Am 25. Dezember hatte ich dm Auftrag, daS Vergnügm de» FachvereirS der Tischler zu überwachm. Hier drängte sich Berndt an mich und lud mich zum 27. Dezember ein. Ich iabe niemals von der Bereitung des Dynamit gesprochen. uch bin ich an jenem Tnge zum erster Male mit Christensen zusammengekommen. Die Thüren zu dem Zimmer, in welchem diese„harmlosm" Zusammenkünste statttanden, warm ge. schloffen. Trat der Wirth oder das Dienstmädchen mit Bier ein, so wurde die Diikusfion unterbrochen. Am 27. Dezember war die dritte Versammlung dieses„DtSkutirklubt". Sie waren durchaus nicht unschuldiger Natur diese Zusammenkünfte. Chriflmsm hat dort MajestätSbeleidigungm ausgcstoßm. Berndt habe ich dezahlt, er ist mein Vigilant gewesen und hat mir wichtige Nachrichten überbracht. So theilte er mir mit, daß die Polen bei Wesenack Zusammenkünfte abhielten. Er sagte mir, daß bei Rafalski, bei einer Frau Jakodt, Louismufer 2 wohnhast, eine Sendung verbotener Druckschriften zu steffm sei und wir fanden thatsächlich dort 1195 Exemplare. Für diese erhielt er 3 M. Seine Zeche bezahlte ich stet». Später sagte er mir. er sei zwar arbeitslos, aber Singer unterhalte ihn, dafür müsse er in konservative und antisemitische Versammlungen gehen, um diese zu sprengen. Am 31. Januar traf ich ihn früh. Er klagte seine Roth und wollte ca. 38 Thaler hoben. Ich mar nicht im Stande und hatte auch nicht die Absicht, diese unverschämt« Forderung zu bewilligen. Er theilte mir hierbei mit, daß im Laufe dieses JahreS der dritte Partei- Kongreß stattfinden werde. Im Ganzen habe ich ca. 50 M. an Auslagen und baarem Gelde dem Berndt bezahlt. Er war mir wichtig, weil ich die Umtriebe der hiesigen polnischen Sozialdemokraten zu überwachen hatte. Ich erfuhr, daß Bobkiewicz einen Gelddrief über 450 M. nach Paris wahr» scheinlich an Mendelssohn geschickt habe. E» wurden hier im katholischen Gesellenoerein polnische sozial revolutionäre Flugblätter vrrbreitet und ein fester Klub gegründet. An der Spitze stand der jetzt ausgewiesene Buchbinder Jani»zew»ki, jetzt ist der Letter der Drechsler Tabert.— Vorfitzender: Welchen Zweck hatten Sie, als Sie stch von Berndt eine Quittung über 9,50 M. ausstellen ließen?— Zeuge Jhring: Ich woMe das Geld nicht auS der eigenen Tasche gegeben haben, sondern eS mir von der Behörde zurückerfiattm lassen. Sodann erzählt der Zeuge, daß er die Methode, die vielen schon vorher bekannt war, angegeben habe, mit Eisenchlorid und Blutlaugensalz eine sympathische Dinte herzustellen. Ebenso habe er den Leuten eine Quadratschrist gelehrt, die einem Artikel der„Berliner Börsenzeitung" au» dem Jahre 1882 über die Mittel, durch welche stch die russtschen Nihilisten verständigten, entnommen sei. Er sei überzeugt, daß Berndt ihn nur deshalb bei seinen Genoffen denunzirr habe, weil er auf seine hohe Geld- forderuna nicht eingegangen sei. In der ersten Zusammmkunst am 27. Dezember v. I. habe ihn Püchel geftagt, ob er als Mechaniker nicht wisse, wie Dynamit hergestellt werde. Er habe geantwortet: Er wisse eS nicht; ei gebe aber genug Bücher, die es mittheilten. Bei einer Zusammenkunft im so- genannten„Lustleeren Räume", einem fensterlosen Zimmer bei Wesenack, habe der Kaufmann Hosenbein ein Stück Blutlaugen- sal, herumgezeiat und da sei geftagt worden:„Das ist wohl Dynamit?" Diese Bemerkung sei al» scherzhaft aufgefaßt worden. Zum Schluß bestätigt der Zeuge noch, daß ihm der Wachtmeister Weinert und der Kriminalkommiffariu» v. Tausch ausdrücklich befohlen hätten, stch vor Prosokationen zu hüten. — Der nächste Zeuge ist der Drechslermeister Tabert. Der Staatsanwall spricht unter Hinweis auf einen Artikel in der Nr. 27 deS„Sozialdemokrat" vom 29. Juni 1882, in dem klargelegt wurde, wie die Sozialdemokratie von der Bedeutung des Eides denke, stch gegen die Vereidigung aus und beantragt die Verlesung de» genannten Artikels. Auf den Widerspruch der Vertheidigung hin beschließt der Gerichts- Hof, den Artikel nicht zu hören und Tabert nach nochmaliger eindringlicher Vermahnung zu vereidigen. Vorher bewerft er, daß er wisse, daß politische Freundschaf? kein festes Band bilde. Er werde von seinen Parteigenossen in letzter Zrtt nicht mehr so geachtet wie früher.— Der Angeklagte Christensen erklärt das damit, daß Tabert, ein guimüthiger und vertrauensseliger Mensch, Sachen«zähle, die er nicht erzählen solle.— Tabert bestreitet, der jetzige L'iter der Polendewegr ewegung zu sein. Ich habe nicht gehört, daß Jhring von Dynamit sprach; ich kann mich nicht mehr darauf bestnnen.— Zeuge Tischler Langer weiß ebenfalls nicht» davon, daß Jhring von Dynamit gesprochen habe.— Zeuge Tabert(von der Vertheidigung defragt): Jhring hat zu mir gelegentlich geäußert, wir sollten e» machen, wie es in Rußland sei. Dort dehenschten 12 Nihilisten den ganzen Staat. Er habe nicht erwartet, daß ich auf einem so lleinlrchen Standpunkt stehen und von Sozialreform rede. Ich solle doch wissen, daß nur Gewatt helfe.— Zeuge Jhring: Da» find nicht meine Worte, sondem die des Herrn Christensen. ES ist zum mindesten eine Frechhett... Vorfitzender ermahnt zur Mäßigung.— ES folgt die Ver- nehmung de» Tapezier» Püchel. Derselbeldekundet, daß am 27. Dezember im Lokale von Ebersbach stch Jhring an den Tisch zu ihm gesetzt und ihn geftagt habe, ob ich wohl wüßte, wie Dynamtt gemacht werde? Er nannte mir darauf die Be> standthetle.— Vorfitzender: Welche find«»?— Zeuge: Es find Fremdwörter, ich habe die Namen vrrgeffen.— Vorsttzender: Das ist sonderbar.— Zeuge: Er empfahl mir ein Buch von Johann Most„Revolutionäre Kriegswiffenschaft"..— Zeuge Jhring: Ich kannte da» Buch damals gar nicht. Außer- dem verwechselle ich immer Marx mit Most.— Zeuge Püchel: Ich erzählte den Vorfall 8 oder 14 Tage später meinem Schlaf- wirth Baar». WUtkowtli sagte zu Jhring, er habe drin- genden Verdacht, daß er die Ursache der Haussuchung bei ihm ge- wesen sei. Hierüber war Jhring sehr beleidigt, er soll sogar Thränen vergossen haben.— Vorfitzender: Haben Sie das letztere gesehen?— Zeuge: Nein.— Vorsttzender: Sagen Sie nur, wa» Sie wissen.— Zeuge: Dann sagte Jhring: Wenn e» mft auch so geht, wie Wittkowski, dann kriege ich 2 Jahre Zuchthaus, solche Quantitäten Dynamit finden Sie bei mir. Berndt hörte da» mit an.— Vorsttzender: Angeklagter Berndt. warum haben Sie un» diese neite Ge» schichte nicht erzählt?— Angekl. Berndt: Da» habe ich ge- than.— Vorsttzender: Ich erinnere mich nicht mehr, die Herren Schöffen haben ebensalls nicht notirt.— Vertheidiger, Rechtsanwalt Freudenthal: Ich berufe mich auf das Zeugniß de» Berichterstatters Fränkel.— Vorfitzender: Nun, eS mag sein.'ss— Der nächste Zeuge, Klempner Eifert, weiß nichts zu bekunden.— Zeuge, Tischler Rittmeister hat am 27. Dezember gehört, wie Jhring mit Püchel über die Bereitung von Dynamit sprach. Jhrtng habe öfter» gesagt, daß Most ein tüchtiger Mann sei. Vorsttzender: Wann soll Jhring daS gesagt haben?— Zeuge: Daraus kann ich mich nicht bestnnm.— Der nächste und letzte Entlastungszeuze, Tapezier BaarS hat ebensallS gehört, daß Jhring am 27. Dez-mder mit Büchel über die Bereitung deS Dynamits sprach. Am nächsten Tage habe ihm außerdem Püchel von diesem Gespräch erzählt. — Vorsttzender macht auf den Widerspruch zwischen der Be- kundung deS Püchel, wonach daS Gespräch r. ll BaarS 14 Tage später erfolgt sei und dieser letzten Angade des Zeugen BaarS aufmerksam.— Zeuge BaarS: Jhring sagte, Iwß er Dynamitbomben anfertige, die in die öffenilichen Gebäude ge- werfen werden müßten.— Staatsanwalt zum Zeugen: Sie haben ein sehr gute» Gedächtniß?— Rechtsanwalt Freuden- that: Der Zeuge Laar» hat ein genau so gute» Gedächtniß, wie der Zeuge Jhring, der stch auf alle Einzelheiten b innen hat.— Es wird nun noch Graf Sttllftied, Beamter t politischen Polizei vernommen. Er stellt dem Schutzmann Jhring da» beste Zeugniß au». Seine Fühmngsattefte au» der Mtlt- tärzeit und über seinen Dienst als uniformirter Schutzmann bezeichneten ihn al» einen zuoerläffigen, ruhigen, besonnenen und wahrheitsliebenden Menschen. Dieses Urtheil müffe er aus seiner Erfahrung bestätigen. Die Berichte Jhring'S seien objektiv gewesen, seine Angaben hätten sich stelS al» richtig erwiesen und da» Material, welches er gebracht, habe wichtige Aufschlüsse enthalten.— Vertheidiger Rechtsanwalt Munckel: Der Herr Graf häll die Stellung de» Schutzmann» für natur- gemäß objektiv?— Zeuge Graf Etillfried: Allerdings! Eben« sowenig wie der Sittenpolizist ein persönlicher Feind der Prosti:uirten ist, ebensowenig war I bring ein per« jönlicker Feind der Sozialdemokraten. ES wurde hierauf die Bewrisaufnahme über den ersten Theil der Be- hauptungen der Angeklagten geschloffen und zum zweiten übergegangen. Ueder dtt Majenäisbeleidigungen wurde unter Ausfchluß der Orffentlrchkcit verhandelt, ebenso erfolgten unter gleichen Umständen die Plaidoyer» de» Staatsanwaltes und der Vertheidiger. DaS Urtheil lautete wie bereit» angeführt auf je sechs Monate Gefängniß für jeden Angeklagten. Die Begründung de» Urtheil» lassen wir morgen ausführlich folgen. Der Verhandlung wohnten der Polizeidirektor Krüger und der erste Staatsanwalt von Angern bei. + Heber da» sogenannte Retentionsrecht de» Hans- Wirth» gegenüber dem Mtether find rechttirrrhümliwe An- schauungen weit verbreitet. Man meint allgemein, daß der Hau» wirth verpflichtet sei, ausdrücklich und wörtlich dem Miether, der ihm den ZinS schuldet, zu erklären, er mache stj des strafbaren Eigennütze» schuldig, wenn er. ohne die Schuld zu bezahlen, die Wohnung räume. Dem ist nicht so. Da» Gesetz giedt dem Wirth ohne Wettere» das Recht, die Möbel zur Deckung der Miethe zurück zu beHallen; er hat nicht nöthig, auf diese Bestimmung besonder» aufmerksam zu machen. In einem solchen Jrrthum behauptete ein Fräul. A., die gestern vor der zweiten Strafkammer de» hiefigen Landgerichts al» Ange- klagte stand, befangen gewesen zu sein, al» ste am 1. April v. I. aus ihrer Wohnung Elsafferstr. 11„rückte". Der Prozeß kam deshalb so spät zur Entscheidung, well der Ausfall der Zivi klage abgewartet werden mußte, welche der Hautbesttzer C gegen seine frühere Mietherin angestrengt hatte. Der Zivil- rtchter hatte zu Ungunsten des Frl. A. entschieden, ihr Einwand. ste habe die Wohnung verlassen, weil ihr der kontraktlich be- stimmte Bodenraum nicht angewiesen worden s«i, war ohne Beweis geblieben. So nahm auch der Strafprozeß, der ihr wegel strafbarm Eigennutze» gemacht wurde, einen schweren Verla» für ste. Und mit hineingezogen wurde auch ein jung Kaufmann, dnn ste ein möblirte» Zimmer vermtethet hatte. hatte seiner Wirthin den G fallen gethan, an dem Tage, welchem ste dm heimlichen Umzug bewerkstelligen wollte, dem HauSwirth zu gehen und ihm zu verfichem, die Sali „werde glatt gemacht werden". Eine Stunde später war die Wo nung leer und der junge Kaufmann trieb seine Gefälligkett' weit, die auf der Straße stehendm Möbel zu überwachen J Anbetracht de» geringen Objekts— die Schuld betrug 20 3% — und der bisherigen Unbescholtenheit der beiden Angeklagte» wurde Fräulein A. zu einer Geldstrafe von 30 M. und Helfer zu 10 M. verurtheilt. r. 1 «» ,» Vereine nnd Versammlungen th. Der Gauveretn der Maler hielt am 27. d. M- den Gratweii'ichen Bierhallm eine Generaloersammlung o* in welcher zunächst die Neuwahl de» Gesammtvorstandes voll' zogen wurde. Der Vorstand setzt stch nunmehr wie folgt � sammen: Erster Vorsttzender Herr Bar», zweiter Vorfitzenbfl Herr Sy, erster Kasstrer Herr Opitz, zweiter Kasstrer Herr Ww Schultz, Schriftführer Herr Wendler, Leifitzer Herren Husch defi und Gräy, Revisoren Herren Bläschke, Herzog und Küßn» Die Remuneration für den Kasstrer wurde in bisheriger HiW 24 M. pro Monat, beibehalten. Der von dem Kasstrer Heru Küßner vorgelegte Rechenschaftsbericht mußte behuf» mdgilM Erledigung auf die nächste Versammlung verwiesen werden, Einwendungen gegen einzelne Positionen gemacht wurden, eine Aenderung des Berichts bedingen. So wurde u. B. schloffen, die für die Streikenden in Bielefeld bewilligten 33 r sofort an die Kontrollommisfion in Hamburg adzusmden rf die dortige Empfangsbescheinigung al» allein atlligen B«� anzuerkennen. Es kommen sodann die Namen der aufgenof menm und auSgeschiedenm Mitglieder zur Verlesung.& laufende Mitgliedsnummer ist 478; ausgeschieden au» W Verein find in Folge Ausschlusses 1, in Folge Abreise«' Berlin 1, in Folge rückständiger Beiträge(länger alt 5Mo� 187 Mitglieder. Die Berathung über die Fachschule wurde-'. vorgerückten Zeit wegen von der Tagesordnung abgesetzt P, beschlossen, zu diesem Zwecke eine außerordentliche Versammv? einzuberufen, doch wurde der neue Lsrstand beauftragt, detv Erlangung de» SchullokalS die nöthigen Schritte zu thun, sofi in Erwägung zu ziehen, daß die Unkosten der Fachschule M durck diese selbst gedeckt werden. Mttgetheilt wurde noch, r die Protokolle über den Kongreß pro Stück 10 Pf. käuflich r haben find.... * Zentral-Kranken- und Sterbe Kasse der TiW? und anderer gewerblicher Ardeiter.(Eingeschriebene Hrlfsrffi zu Hamburg.) In den stehen hiefigen Verwaltungsstellen R jetzt sämmtliche Neuwahlen der Verwaltungsbeamten erscheint in'» Hm 4. Mark. „ Zum alle Arbe rinzuladei Wer Nehmen l Wünsche Such dem Kce Lolksdlat Vene Gefl wirklich h Blattes ii beginnen »on dem Da» OOl worden. Für� diejenigen Arbeiter, welche"gewillt find, oi£ dei-utreten, lassen wir die Adressen der � genannter Kasse w» vn vollmächligten und Ortikasstrer der einzelnen Bezirke r folgen:. Bezirk A(äußere Louisenfiadt). Bevollmächtig H. Noeske, AValbert str. 89, vorn M. OrtSkasfirer: W, Geili" Äanteuffelstr. 115, vorn II. Bezirk B(innere Louisenstadt). Bevollmächtigter: G. RE Soiephstr. 14, Hof links IV. OrtSkasfirer: F. Etügellv� ilschinerstr. 93, Hof recht» L. Bezirk C(Halleschei Thor). Bevollmächtigter: F. K% Wartenburgstr. 26, vorn im Keller. OrtSkasfirer: O. Michas' Solmsstr. 74, vorn IV. Bezirk v(Moabit). Bevollmächtigter H. Nilschnionn, k dergerstraße 25. Ortskasfirer O. Haffelbach, Perledergerstl-,„ Bezirk E(Wedding und Gesundb unnen). BevoMJp tigter H.�Faist, Dalldorferstr. 3. OrtSkasfirer M. Pietsch, � �Bezirk F(Schönhauser Thor). Bevollmächtigter W. fL Fehidelltnerstraße 51, v. L Ortskasfirer F. Blume, Stt� straße 58, v. Iii. Bezirk Ö(Frankfurter Thor). Bevollmächtigter W- Langestraße 22, 2. Querged. Ii. Ortskasfirer A. Böhlke, � Frankfurterstr. 129. Ferner find für da» Zentrum Berlin» drei neue stellen eingerichtet: Postfir. 20», bei Sctzke; CharlottenfjLw, bei Linke(Kellerlokal), und Oranienbmgerstraße 52, bei nahe der Friedrichstraße. In letztgenannten drei Lokale" den vom 3. Juli ab jeden Sonnabend Abend von Beiträge in Empfang genommen und neue Mitglieder fastet für den Man , Beste! sowie von »Mommen &P .„Dal sÄ . Und stA stch t» u« wider. E 'ast allen genommen * Gauveretn Berliner Heute Btdliothek-Adenv. Bildhauer, Annenstk- Die Rohrleger Berlin» werden nach einem TeM&iif ■■ fir....... auS Leipzig ersucht, nicht unter 6_ Schmidt und Schönberner nach Leipzig zu reiien und a � arbeiten. Der Vorstand de» Fachvereins der Rohrleger dm Kollegen diese» durch Inserat bekannt. Kriefkaste« der Uedaktio«., Gubeuerstraße. Eine solche Kasse ist. u». � bekannt; Sie können jedoch, auch wenn Sie(elfcftstanv� je» vcianm, luiiucn icuocu, uurn ivrvn Nicht Tischler find, der Zintral-Kranken- und Stlr«' L m "•b»tn4 » i R �'4 nach" Karras, vor genommen 'wer alt« einer Q .Uchkeiteu, stein« Erke stand desh Hi-He and oo%( wan ihm{ Vollme lb, *8 ehle. Der nnd«ebci stunde uv schmerz ü wlnen Kla wtrug. ,,„Nun, �ervei» wi Lander bi .„Lieb« mai» suvv, 1 äCAt vW»•* r 1' Tischler«. beitreten. Die Aufnahmefiellen stnden St Wem." To,,**».«, unsens Blattes unter„Vereine v*<* n heurigen Nummer sammlungen". Kennst». 45 Das Inserat kostet 4 Mark. .„Aber te Verantwortlicher Redakteur R Lrouheim in Berlin. Druck und Verlag von Max»adtng in Berlin SW. Bcuthftraß« 2.