Sr. 149 Mittwoch, de« 39. Juni 1886. EH. Jahrg. erlimVMMl Argan für die Interessen der Arbeiter. 4 Abonnement»� Eintnäung. Zum btvorstehenden Ou-rtolsmechsel erlaubin wir un», alle Arbeiter«erlin» zum Abonnement auf das „ZerUurr Uotk-btatt" mit der Gratisbeilage „Illastrirt-s Ksnntagsblatt" einzu�den�er � Arbeiter dienen will, helfe ein Unter« nehmen bef.stiaen, welche» bestimmt ist, die Forderungen und Wünsche der Arbeiter zum Ausdruck zu bringen. Suche ein jeder von unseren bisherigen Anhängern, in dem Kreise seiner Freunde und Belannten das„Berliner Lolttblatt" zu verbreilen und sehe darauf, daß jeder neugefun« dene�GestnnungSgenosse sein Versprechen, zu abonntren, auch Unsererseits werden wir bemüht sein, den Inhalt unsere» Blatte» immer reichhaltiger zu gestalten. Ende nächsten Monat» beginnen wir mit der Veröffentlichung d Süfctf$ et pg*** Euch lerne« solch' traurige» Gedanken hm; Sie iÖ»«r«m Schuß i»'« Bein, der kann bald wieder bet Knoche» ist gebrochen," sagte der Maul« MttftsSuger;„ich fühi't, morsch entzwei, und ob er sich Eatwerihung der Rohmaterialien und Halbfabrikate unter da» Niveau de» je Dagewesenen; über Preisrückgang der fertige» Waare und Herabdrückuag der Löhne in Folge einer stetig wachsenden Konkurrenz; über immer schwieriger werdenden Absatz auf dem Weltmärkte; über verminderte» Nutzen und sogar über Arbeit ohne jede« Gewina oder gar mit Verlust. Thatsächlich sehen wir die gleiche Erscheinung im freihäadlerischen England, wie im schutzzöllnerischea Amerika und dieselbe Nothlage im Lande der Goldwährung, wie in denen der Doppel- oder Papierwährung." Wir sehen hier also, daß unsere Behauptung, die wir schon oft gemacht, Schutzzoll oder Freihandel sei im wirth- schaftlichen Getriebe eine untergeordnete Frage, auch von einer Seite anerkannt wird, die so recht eigentlich mitten im Kampfe steht. Ueberall dieselbe wilthschaftliche Erscheinung, überall derselbe wirthschaftliche Rückgang, überall Ueberproduknon und Uaterkonsumtio» im Lande de» Schutzzolls sowohl, wie im Laade de» Freihaadel«. Auch in Deutschand hatte» wir unter der Aera de» Freihaadelt dieselben Ecscheiaunge», wie jetzt unter der Aera de» Schutzzoll«, nur daß jetzt die Krist» tiefer geht und andauernder wirkt, al» vor zehn Jahren. Daran ist aber in der Hauptsache die immense Eatwicklung, der große Fortschritt in der Maschiaentechaik und auf allen wirthschaftliche» Gebieten Schuld. Und bei dieser Entwick- luag werden alle späteren Krisen«och intensiver, noch dauernder sich gestalten, al» die gegenwärtige. Wen» a'so die Freihandelsära ebenso wenig etwa» taugt, al» die fchutzzöllnerische, wenn die Krifts in den Länder« des Schutzzoll« ebenso scharf auftritt, als i» den Länder« de« Freihandels, da»» taugt eben die ganze gegenwärtige Wirthschaftsordaung nicht, dann muß diese geändert werden, wenn die Nationen nicht zu Grunde gehen sollen. Diese Konsequenz müßte auch die Barmer Handelskammer au« ihren Angabe» ziehen. Anstatt dessen empfiehlt sie al» Heilmittel sonderbarer Weise Zollbefreiungen von Rohpro- dnkten, Eisenbahntarif-Nachläsie» und Exporterleichterungea, Abschluß günstiger Handelsverträge. Hierdurch aber wird die Produktion noch vermehrt, ohne daß die Konfu-ntiontfähigkeit geHobe» wird. Da» fühlt der Berichterstatter selbst, der zugleich er- klärt, daß wir in einer Zeit leben, in der zu viel gewirth» schaftet worden sei und noch werde; nur durch maßvolle« Arbeite« und Spare« vermöge da» ökonomische Gleichge» wicht der Welt wieder hergestellt werde». Man sieht, wie der Bericht mit sich selbst in Wider- sprüche ge.'äih. Zollbefreiung vo« Rohprodukten und Ver- Minderung der Arbeit reimt sich ebenso schlecht zusammen, .Der Knochen ist allerdings gebrochen," sagte der darum doch nicht alle Hoffaung ver- Arzt. Der »aber Schuß muß außerordentlich nah« abgefeuert zusami ammenleime» läßt, der Teufel weiß et." junge lore». sein." „Viel Zeit hatte er allerdings nicht," brummte der Maulwurftfäuger, bitter vor sich hinlachend,„denn ich war eigentlich schon in de« Büsche« drin; e» können vielleicht eine acht oder zehn Schritt gewesen sei», vielleicht nicht so viel. Die Schrote haben höllisch zusammengehalten, nicht war?" „Et ist beinahe wie ein Kugelschuß," bestätigte der Arzt.„Habt Zhrde«««och Schmerzen?� „Nicht mehr, al» um einea gewöhnliche« Mensche« verrückt zu machen," sagte der arme Teufel;„ich kann aber eine» Puff vertrage». Wie lange leb' ich noch, Doktor?" „Unsinn, schwatzt nicht solche» Zeug! Ihr werdet«och manchem Maulwurf gefährlich werden." „Glaub's kaum," brummte der Alte,„so viel versteh' ich auch vo» der Geschichte. Schienen kann man de» alte» Knochen da oben nicht mehr, abnehme» auch nicht, also friß, Vogel, ober stirb. Wir müssen'» abwarten, wie Schräder i« der Gosse. Ich will auch gar nicht wisse», wie lang'» «ocki dauern könnte, wenn sich der Schuß ausheile« sollte, ich meine«uii, wen«— der Brand dazu käm', wie viel Zett ich dann noch etwa zum Lebe» hätte." „Darüber sprechen wir später," sagte Frank, dem be- sonder» daran lag, daß sich der Verwundete keinen trüben Gedanke« hivgebe« uud dadurch seine Lage verschlimmern sollt'.„Jetzt seid gute« Muth's, Freund, ei geschieht hier Alle wa« für Euch geschehe» kann, und bi» Ihr tiauSpor- tirt»erden könnt, müßt Ihr nun schon hier auShaltea.' „Trvntportirt? Ja," brummte der Verwundete,„ich we.ß schon, auf dem alten, verdammten schwarzen Leichen« kästen— thut mir nachher kein Finger und kein Bein mehr weh." „Vor der Hand noch nicht," lachte Frank.„Uebrigent hütet Euch vor spirituöse« Getränke«— keinen Branntwein, keine« Wein uud kei» Bier; de» Kaffee hier könnt Ihr trinke», der regt nicht auf." wie Eisenbahn-Tarif-Nachlässe vo» Produkte« und Sparen der Konsumenten. Wenig arbeiten und spare« würde un» sere wmhschaftliche Lage nur i» hohem Maße verböser«, anstatt sie zu verbessern. Wen« der Bericht dann«och erklärt, daß sich die Pro« duktion niemals nach dem Begehr richte, sonder» kein Maß. halten kenne, so ist da» allerdings richtig, aber durchaus nicht zu verurtheilen, weil dadurch die Produktion in hohem Maße die Träger«« der Zimlisaiio« wird, da sie die Bedürf» nißlofigkett unter den Massen verdrängt und die Begierde derselben antreibt, die Produkte zu befitzen. Mau hemme also nicht die Produktion, weil man da- durch da« Fortschreiten der Zivil, satiou hemme« würde: man földere vielmehr die Kovsumtion, wodurch dann die Produktion wieder und selbstverständlich durch beide die Zlvillsatio« gefördert werden würde. Dieser»irthschaftliche Grundsatz sollte maßzebend sei»; er sollte allen kleinlichen Streit um Freihandel oder Schutzzoll verdrängen— nur dadurch, daß die Masse» koasum« tionSfähiger und zwar auf die Dauer werden, kann ei» wirthschastlicher Aufschwung hervorgerufen werde». Natürlich können die» einfache Lohnerhöhungen nicht erzwingen, weil ja der Lohn selbst abhängig ist vo» dm wirthschaftliche« Schwankungen, und die Lohnerhöhung des kalb bald wieder der Lobneraiedrizung weichen muß. Die Kon» fumtiontkraft der Massen kann auf die Dauer nur erzielt werden durch eine gerechtere Vertheilung der Güter an die Produzente«. Da» Lohnverhäliviß muß einem andere» Ver- theiluvgsmodu« weichen. Dieser Gedanke muß auch wohl dem bekannte«, in wirthschaftliche» Divgen wohlbewanderten uud früher so- zialistisch angehauchten Dr. Miquel vorgeschwebt habe«, al« er vor einige» Tagen, wie wir unfern Lesern schon mitge« theilt haben, auf einer nationalliberaleu Versammlung zu Kassel erklärte, daß e« gelte, soziale Reformm durchzuführe», welche eine gerechtere Vertheilung der Güter und eine ge- rechte Befriedigung der nach Emanzipation strebenden Klasse« zur Grundlage habe« müßten. Wir sind damit einverstanden— und da auch im Jahre 1886„der Rückschlag fast auf der ganzen Linie der Juvustrie" weiter zu verzeichne» ist, da die wirthschaftliche Krifi» immer intevfioer, immer drohender wird, so ist es hohe Zeit, daß solche wirthschaftliche Grundsätze und Mahnungen, wie sie oben autgesprochen find, bald zur That werde«. Die gegenwärtigen wirthschaftliche« Zustände könnte» andernfalls zu dauernde« werde» und dem Volke und Vater- lande die tiefsten, unheilbaren Wunde« schlage«. Also auf zu einer wahre« tiefgreifende« Sozial-ReformI „Nein, da» weiß Gott," sagte der Maulwurftfäaaer. „höchstens die Galle, daß man ei» solche« Spülwasser Kaffee vennt; also auf Wasser und Brod gesetzt?" „Nur für kurze Zeit; sobald bei Wundfieber vor- über rst, dürft Ihr wieder kräfttge Nahrung zu Euch nehmen." � „Aber das ist vorüber." w' 3it „Und der iß?" , Förster möcht' ich gern einmal anschau'n, wie dem sei» Gesicht heut' Morgen aussteht," lachte der Ver. wundeie,«grimmig in sich hinein.„Ruhig. Spitz." fuhr er aber gle,ch darauf, de» Hund beschwichtigend, fort, al« dieser Mch au zu knurre» fiag. Ob der nur den Titel des Schuftes hören kann ohne stch selber zu giften! Ruhig. mein Hund, unsere Zeit kommt doch vielleicht noch einmal!" Er fiel matt und erschöpft auf sei» Lager zurück, de.« alten, tauben Jona« war nicht« zu reden— begreiflich tu wache«. W«Acher A.t sie den Kranken zu behandeln Hab«. Da« Kind fürchtete sich aber vor dem alten, ungeselligen Burschen, der. wen» er allein war, immer vor sich hin lachte oder fluchte; ebenso auch vor dem kleine», btisnen Hund, der sie immer avknurrte, wen« sie zu« Laaer wollte, und Frank beschloß deshalb, selber hinüber in da« Dorf zu gehen, um eine erfahrene Wälterin zu enaaaire» Der Zustand der Wunde war allerdings bedenklich und e» durfte in der Behandlung derselben nichts versäumt werden. Da» Gewitter hatte nachgelassen, der Wind stch aber von Südwest nach No.dwest herumgedreht, und ein feiner kalter Rege» peitschte auf die Eide nieder. Wie der Abend endlich dämmerte, war eS recht kalt und unfreundlich ae- worden, ja. so rauh, daß die Gräfin dem eine» Dien« be. fahl, i» ihrem Kamin ei« kleines Feuer anzuzünden. S« Politische Ueberstcht. Eine»ouderbare Auffassxug der wi, lhschaftlichen Divge hat die„Noidd. Aug. Zetung", die aute'wäalte No.lüirpfttin der neuen Wnth choft?» und Sozialpolitik, in« dem sie an leitender Sielle einen Aufsatz des franLst.chen Monchesteimannes Lerry Beaulieu über die Urlachen der beutiften Krisen zum Abdruck bringt. L-roy-Beaulteu gesteht die Thatsache einer allgemeinen Ueberprovuktion be> reitwlllrg zu, und unter den Heilmitteln, welche er dagegen empfiehlt, erscheint dem Kanzl, rtlalte„namentlich eines de« achten« Werth", die Beschränkung deS„über flüssigen Räderwerks", mit welchem der wirthschaftltche OrpaniSmu« beute überlastet sei, d. t. deS Zwischenhandels.„Wir befinden uns," sagt Lercy Beaulieu,„in einer merkwürdig anormale« Lage; die Pr'i e der Produkte st ken beim P oduzenten und werden gleichwodl nicht niedriger für den Konsumenten. Die Zahl der Zwischenhändler vermehrt fich mit der wachsenden Differenz zwi cken EngroS und Detailpreis dergestalt, daß fie seldst ketneSwegS glänzende Beschäste machen. Da der Kon- sument von den niedrigen Preisen keinen Portheil bat, nimmt die Konsumtion nicht in dem Maße zu, wie die Produktion wächst. ES bandelt fich mtrhin darum, das Gleichgewicht her» zustellen zw'schen einer enorm angewachsenen P ovuktion und einer station är gebliebenen Konsumtion. G-sellschasten und ein« zelne Persönlichkeiten müßten d>e Initiative zu einer Reform deS Kleinhandels ergreifen. Es muß eine Reorganisation angestrebt «erden, welche eS dem Konsumenten ermöalrcht, von den niedrigen Preisen zu profiiiren, damit der Produzent seinerseits in der AuSdehnuna deS Konsums eine Kompensation für den Niedergang der Preise finde. Wenn auf diese Weise die Preise«ür den Konsumenten fich vermindert haben werden, wird dieser neue Gewohnheiten annehmen, er wird mehr kon- sumiren und die Krise wird ihr Ende erreichen."— Die „Nordd. Allg. Ztg." weiß also noch nicht, was seit Laffalle jeder Arbiiier und jeder boltwegS gebildete Nationalökonom weiß. Die„Nordd. Allg. Zkg." nimmt auch hier wteder— und dabei weiß fie nicht verächtlich genug von den Manchester- männern zu sprechen— einen Slandpunlt ein, wie ihn vor mehr alS zwanzig Jahren S chulz e- Delitz s ch verfocht, der bekanntlich auch durch Verbilligung deS Konsums, durch Konsumvereine und ähnliche» den Verbrauch, die Lebenshaltung der Mafien zu steigern gedachte. Und was erwiderte ihm Laffalle und was erwidert heute jeder halbwegs Kundige aus ähnliche Ausführungen?„So lange nur ein- zelne Kreise von Ardei'ern zu Konsumvereinen zusammen« treten(bezw. ihre Maaren billig beziehen), so lange wird der a l l g r m e i n e ArdeUSlohn nicht durch dieselben berührt und so lange werden also die Konsumvereine den Arbeitern, welche zu ihnen gehören, durch die dilligere Konsumrion eine unter« geordnete Erleichterung ihrer gedrückten Lage gewähren. So« wie aber die Konsumvereine mehr und mehr den gesammten Arbetrer stand zu umtcffen beginnen, tritt vermöge deS ehernen Lohngesetzes die nothwendige Aonsequenz ein, daß der Ar» deitSlohn infolge de» billiger gewordenen Lebensunterhaltes um ebenso viel fallen muß." Herr Leroy« Beaulieu mag fich nun die Verbilligung im Detailhandel anders erzielt denken, als durch Konsumvereine; daS Resultat bleibt jedenfalls dvffelbe: mit den billigeren Lebens« Mitteln sinkt der Lohn. Et ist also unter den heuligen Ver- bältniffen niemals daran zu denken, daß durch solche Mittel der Konsum gesteigert und der Verbrauch der übermäßigen Pro- duktion angepaßt wird. Dazu gehört eine Sozialreform, welche daS Arbeitiverhältniß selbst einer Umänderung unterwirft, welche den Arbeiter der Lohnsklaverei entzieht, ihn seldst zum Herrn der Produkrion und damit zum Befitzer der Produkte macht. Die Sozialreform der Regie ung trägt gerade deshalb den Todeskeim in fich, weil fie an das ArdettSverhältniß selbst nicht zu rühren wagt; nicht einmal an eine Beschränkung der Aus- Nutzung der Ardeititraft— durch Normalarbeitstag und ähn- lichei— will fie herantreten. Daran wird fie scheitern und daran ist fie in den Augen aller Einfichtigen heute schon ge« scheitert. Der Polizeikommissar Meyer in Frankfurt a. M. ist nach dem„Berl. Tagedl."„noch nicht" begnadigt. AuS der Korrespondenz erfahren wir zugleich, daß da« Gnadengesuch Meyer» von hervorragenden Mitgliedern deS Magistrats und der Stadtverordneten. Versammlung unterstützt wurde— eine Thatsache, zu der wir un« keine weiteren Bemerkungen erlauben wollen, weil fie für fich selbst genug spricht. In der angezo« aenen Mtttheilung heißt e» dann weiter:„Daß Kommissar M-yer schon jetzt wieder als Kriminalkommissar seinen Dienst versteht, hat mit seiner Begnadigung gar nichis zu thun, da derselbe vom Gericht nickt mit irgend einer Strafe belegt wurde, die ihm die Ausübung eines öffentlichen Amtes un« möglich machte. Demselben wurden tnzwrschen auch die Ge« Haltidezüge, die während der Untersuchungshaft eindehalten waren, ausgezahlt. Meyer wird daher, auch wenn seine Be« gnadigung nicht erfolgt, im Dienst verbleiben. Eozialisttscheß. Eine behufs Gründung eineS Fachvereins auf den 28. Abends einberufene allgemeine Versammlung fröstelte fie, und der Raum kam ihr heute überdies so öde vor. Es war völlig Nacht geworden und der Haushofmeister, von einem Diener begleitet, der zwei große filberve und prachtvoll gearbeitete Armleuchter auf de» Tisch stellte, hatte die schwerseidene« Gardinen vorgezogen. Am Kamin, den Blick stier und nachdenkend auf die glühende» Kohle» darin geheftet, saß die Gräfin,«eben ihr am Trsch, mit einem Haufen von Zeitungen und Büchern vor fich, der Graf. Aber kein Wort wurde zwischen ihnen gewechselt, keine Frage gestellt, und der alte Herr hielt eben eine große, bunt und elegant gedruckte Karte zwischen de« Fingern, die Einladung zu dem heutige« Ball ,n Haßburg. Nur sei« Blick hastete darauf und seine Lippe« zogen fich zu einem bittern Lächeln zusammen. „Wo nur George heute blerbt?" sagte die Gräfin»nd« lich, aber mehr zu sich selber, als zu ihrem Gemahl sprechend, leise vor sich hin.„Er weiß, wie allein wir hier find." Die Thür ging auf und fie wand»« rasch den Kopf; aber es war nur der Haushofmeister, der die Theemaschine mit den Tassen hereinbrmge« ließ. Draußen heulte der Nordwest und fegte die Terrasse rein: die dichtbelaubte» Bäume rauschten und schüttelte« schon hier und da einige vergilbte Blätter los, die vom Sturm weit hinab in» Thal getragen wurde». „Ist der Briefträger noch nicht da gewesen?" ftagte der Graf.„ „Noch nicht," erwiderte der Haushofmerster,„aber er kann jede» Augenblick kommen; es ist jetzt seine Zeit, Her» Graf." „Wie das da draußen stürmt!" „Der Regen hat nachgelassen, Herr Graf; aber einen solche« Sturm weiß ich mich nicht zu entsinne», seit wir hier oben wohne«. Es ist, als ob er die Bäume au« der Erde reiße« wollte." „Arme Mensche», die jetzt draußen i» Wind und Wetter find," nickte der Graf,„arme Menschen!" Der Haushofmeister seufzte tief auf, aber er wagte nicht weiter etwa« zu sage«, ordnete da« Theeservice, rückte den der Tüncher, Maler und Lackirer in Mainz wurde von dem Polizeiamt auf Grund deS§ 9 de« Sozialistengesetzes untersagt. Denjenigen Frennden von Ansnahmemaßregel«, welche fich immer ihrer Verdienste um die staatliche „Ordnung" rühmen, hält die„F>anli. Ztg." sehr treffend ent« gegen:„Ja, wo ist denn die Ordnung bedroht gewesen? Eiwa in Spremderg, wo das Emschretten der Bürger ge- nügle, dem Auihedungskrawall halbreifer Burschen ein Ende zu machen? Da haben doch fürwahr die Antisemiten ganz andere Leistungen aufzuweisen gehabt; ohne daß man daraus V-ranlaffung nahm, die Ordnung für bedroht zu erklärm. Und hat man im Auslande fich etwa bemüßigt gesehen, auf die zum Theil ja nicht unbedeutenden Exnffe der Arbeiter mit einer Kopie des preußisch-deutschen Systems, mit AuS- nahmemaßregeln zu reagiren? Nirgend hat dieses System Nachahmung gefunden und schon in diesem Umstand liegt eine Äerurtheilung deffelben, denn damit ver- künden jene anderen Staaten den Grundsatz, daß mit mechanischen Mitteln politische und wirthschaftliche Bewegungen nickt zum Stillstand gebracht werden können. Wir br streiten nicht, daß die Sozialdemokratie fich in dm letzten Jahren auch in der Lohnbewegung bemerklich gemacht hat, während fie fich früher fast abmehrend derselben gegenüber verhielt, aber woran liegt da«? Doch nur daran, daß ihr das politische Aktion»- «'biet durch das Ausnahmegesetz verschlossen wordm ist, daß >r verw-hrt ist, ihre Ideen zu entwickeln. In solcher Lage würde fich jede Partei nach AuSkunstimitteln, ihre Propaganda zu erhalten, umsehen und etwas Anderes hat die Sozialdemokratie, als fie in die Lohnbewegung eingriff, auch nicht gethan. Was aber wird der Erfolg sein, wenn ihr auch dieser Weg ver- legt wird? Zunächst, daß die gesammte Arbeilerwelt dahin gebracht wird, ihre Sache mit derjmigen der Sozialisten sür die gleiche anzusehm und fich der Partei zur Verfügung zu stellen. Wir fürchten, die nächsten Wahlen werden der Regierung und ihren An- hängern zeigen, daß fie fich von der Wirkung mechanischer Mittel im Kample gegen die Sozialdemokratie die verkehrtesten Vorstellungen gemacht haben. Man hätte fich doch durch die Geschichte des Kul urkampfeS belehren lassen können, denn fie spricht zu den Machthabern eine sehr deutliche Sprache, aber es scheint, als seien dieselben auch solcher drastischen Belehrung unzugänglich. Nicht nur, daß man eine falsche Lahn einge- schlagen hat, man geht auf derselben, um der schlimmen Wir- kungen willen, immer weiter, man sucht durch Verschärfung der Milte! eines Uebel» Herr zu werden, da« erst dem Mittel selbst sein WachSthum oerdanft, der alte Satz von der Fort- zeugung des Schlimmen dewährt fich hier wieder und seine unheilvolle Bedeutung wird an maßgebender Stelle erst bekannt werden, wenn eS zu spät ist, wenn alle Mittel erschöpft find und trotzdem daS Unheil im Zuge ist." Ttätenprozefle. Der FiSkuS soll in der am 25. Ncvdr. anstehenden RevifionSinstanz vor dem Reichsgericht gegen dm verklagten Abg. Hasenclever den Einwand der Un zuüän- digkeit deS Reichsgerichts beabfichtigm, weil daS Objekt im vorliegenden Falle noch nicht 1500 M. beträgt. In der Klage des FiSkuS war die Höhe des OdjeNS nicht beziffert. Militärmusikkorp«. Die„Freis. Zig." schreibt: Den Militärmufikkorpt ist bekanntlich die Mitwirkung bei Sommer- festen sreifinniger Vereine untersagt. Dagegen ist der deutsche Anttsemitendund in der Lage, für sein demnächstigeS „antisemitisches Familien« und Volksfest" die Mitwirkung von Militärmufikkapellm anzukündigen. Der„Reichs anzetger" brachte gestern die Verordnung, betreffend die Ausdehnung der Unfall« und Krankenversicherung auf dm Baggereibetrieb; den gewerbsmäßigen Fuhrwerks«, BinnenschiffsahrtS-, Flößerei-, Prahm- und Fährdelrieb, sowie den Gewerbebetrieb des Schiff«- ziehen«(Treidelei); den gewerbsmäßigen SpeditionS, Speicker« und Kelleretbetrieb; dm Gewerbebetrieb der Güterpacker, Güterlader, Schaffer, Bracker, Wäger, Meffer, Schauer und Stauer; ferner die B< kanntmachuna, betreffend die V e r l ä n g e- rung de» kleinen Belagerungszustandes in Leipzig. Oesterreich-Uitgarn. Oesterreich hat wieder einen Handelsminister. Wie schon angekündigt wurde, hat die amtliche„Wimer Ztg." die Ernennung de» Marqui« von Lacquehem am Sonntag pudlizirt. Der bisherige interimistische Leiter deS Handels- Ministeriums, Herr v. Pußwald, ist in dm Ruhestand einge- treten. Eine Versammlung der Arbeiter-Krankm- und Invaliden- kaffe am Sonntag wurde erregter Szenen halber in Wien be« höldiich aufgelöst. Schweiz. Auf der Gmeralversammlung des schweizerischm G r ü t l i- vereinS, zu dem aus allen Theilen der Schweiz 230 Dele« girte der Arbeitervereine nach Grenchm gekommen waren, wurde beschloffm: es sei eine allgemeine Streik« und kleine» Tisch mit der Maschine etwa» näher zu seiner Herrin hin, und verließ dann da« Gemach. So verging wieder eine halbe Stunde. Draußen wurde die Borsaalthür geöffnet und schlug gleich darauf, vom Sturm gefaßt, wieder heftig zu. Der Graf schreckte empor, beruhigte sich aber wieder und nippte an einer Tasse Thee, die ihm die Gatt« eingeschenkt. Schritte draußm— der Haushofmeister kam selber her» ei«; er trug einen silbernm Teller in der Hand, auf dem ei» Brief lag. Aber seine Hand zitterte, und mit vor Freude fast bebmder Stimme rief er:„Ein Brief, Herr Graf, ein Brief, der Postbote hat ihn eben gebracht!" Unwillkürlich streckte der Graf die Hand danach au«, aber er ließ fie wieder finkm.„Woher ist er?" ftagte er leise. „Za, mein bester Herr, da« Postzeichm kann ich nicht erkenne», e« schwimmt mir Alle« vor dm Augm; aber die Schristzüge kenn' ich, die lieben Schrifizüge l' „Ich will ihn nicht haben," sagte der Graf und wandte dm Kopf zur Seite, als ob er fich seiner Schwäche bewußt sei;„ich will ihn nicht haben." „Aber die gnädige Frau Gräfin nimmt ihn dann," sagte der alte Mann;„o, dem Himmel sei Dank, da kommt doch endlich Nachricht!" Er hielt den Teller der Gräfin hin und sei« Blick dankte ihr, al« fie den Arm danach ausstreckte. Finster und schweigend»ahm die Gräfin dm Brief; nur einm Blick warf fie auf die Adresse— e« warm die Schriftzüge ihrer Tochter— und ohne weiter ei» Wort zu sagm, schlmderte fie dm Brief auf die glühmde» Kohle» im Kami». „Frau Gräfin I" schrie der alte trme Dimer fast ent« setzt auf,„er ist von Ihrer Tochter, von der liebe», liebm Komtesse I" Und fast unwillkürlich wollte er zuspringm, um da» auflodernde Papier noch zu rettm. „Halt!" sagte die Gräfin streng, indem fie den Ar« abwehrend vorstreckte.„Hußmann, Ihr überschreitet Eure Grmzen 1" Der alte Herr hatte ebmfall« fast unwillkürlich eine Bewegung gemacht, al» da« Papier in die Flamme flog, seldz�s aber e« war auch nur ein Moment gewesen; dann nickte? wie zustimmend mit dem Kopf und murmelte leise vor hin:„E« muß sei», e« muß sein; e« geht nicht ander«: Eine Rettung de» Briefe« war nicht mehr Die Gluthhitze de« Kamin« hatte ihn in wmigen Seku«« zerstört, nur noch ei« kleiner Haufe schwarzer, krusten� Asche lag auf dm Kohle». Der alt« Mann iieß/� Teller, dm er in der Hand hielt, sinken, und ei» paar Thränm glänzte» ihm in dm Augm; aber er sagt« L, Wort weiter— er durfte nicht. Dre Frau Gräfin ihn schon in seine Schrankm zurückgewiesen, und da« n nie nöthig gehabt,«och nie, so lang« er zurückdmkm � die vielen, viele» Jahre. Er konnte nicht« weiter saS�' z, war ihm verboten wordm, und daß er da« Kind, die 8 � dige Komtesse, hatte mit erziehe» helfm und ihre Zug � m,t fast Vaterliebe überwacht, lieber Gott, e< war ja« ein Dimer de« Haufe«, und da» vielleicht nicht mehr seine Schuldigkeit gewesm; wie hätte er könnm Ansp'.� darauf gründe», die ihm«och nie, selbst im Traum# eingefallen waren 1 Nur da« Eine stand fest, da» arme, verlaffme atte geschrieben; in ihrer Macht war e« gewesen zuersa? � wo fie jetzt weile, wie e$ ihr gehe— und der BrttT| der Flamme rettungslo« und für immer zerstört je- Mit dem Bewußtsein verbmate fich der alte Man�z» müthig, und mit einem recht schmerzlichen Blick auf l � Henn, der über dm Tisch gebeugt saß und nur m* leise vor fich hin mit dem Kopf nickte, verließ rr Zimmer._.«I# „6« ist Alle» vorbei," sagte der Graf si-h der Haushofmeister schon lang« die Thür wieder h'** riit zugezogm hatte—„Alles vorbei, Alle« vorbei!„(ii, George bleibt? Und so glücklich hätte« wir ser« so glücklich!", lest« Er»ahm eine Zeitung auf, al» ob er dana wollte; aber die Buchstabm tanztm ihm vor den er sah nur ei« große« Blatt Papier mtt flimmernden und nur manchmal warf er dm Blick fast wie vor � voll nach der Gattin hinüber- aber fie recht gehabt. E» durfte ja nicht sei«, t» dürft« l MaßregelungSkasse»u gründen. Dieser Beschluß, welcher von weitgehendster Bedeutung ist, wurde nach leb« hafter Diskusfion unter Namensaufruf gefaßt. Damit dürfte daS Streikwesen in der Schweiz in ein ganz neues Stadium treten. Die Züricher Konservativen danken der Regierung für ihre Haltung beim Schlosserstreik und fordem auf,„mit aller Energie auch in Zukunft Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhallen, die persönliche Freihett zu schützen und Ausschreitung«', welche dem Kanton Zürich zur Unehre gereichen und die w- publik schänden, zur Ahndung und Strafe zu dringen." Ein schwieriges Kapitel für die Bundesversammlung bildet die Frage der Erweiterung der Haftpflicht. Seit i Aufstellung deS Fabrikgesetzes hat wohl keine Frage von solcher I Tragweite die eidg-nötstschen Räthe beschäftigt. Das Ziel, aus welches von radtlol-demokratischer Seite hingesteuert wird, ist die allgemeine und odligatotische(staatliche) Unfallverficherung! man glaubt, eS könne nur durch eine solche den bestehende» sozialen Schäden begegnet werden. Es ist auch hier keine Aus« ficht vorhanden, daß eine Vereinbarung zwischen Nationalrats und Stänverath noch in dieser Session erfolgen werde; W Nationalrath wird zu einer bezüglichen Beschlußfassung ge> langen, während der Standerath erst im Herbst den Gegen- stand derathen wird, so daß die öffentliche Meinung fich hin- reichend über die Tragweite der nattonalräthlichm Vorlag' orientiren kann. Belgien. Während auS Antwerpen die befremdliche Nachricht ei»- geht, daß lein nach der nordspanischen Küste bestimmtes Schiß ohne Waffen und Munition den Hafen verläßt, tritt das bei- gische Ministerium den französischen Thronpräten- venten gegenüber sehr korrekt auf. Ktinerlei Demonstratio« oder Agitation im neutralen Belgien— ist die Anordnung, und die Brüffeler Polizei hat strenge Weisungen in dieser Richtung erhallen. Daher, wa« der Regierung sehr angenehw. der Entschluß des Grafen von Paris, nicht in Belgien z» bleiben. Auch der Minister deS Innern hat dem Vertreter deS Prinzen Vittor gegenüber fich dahin ausgesprochen, das Belgien ihm frei bleibe, so lange er die Gesetze achte und nicht demonstrire. Die Brüffeler Polizei beobachtet sein und seiner Umgebung Treiben sorgsam. Kraut reich. Die Beschrankungen der Preßfreihett, vo» denen wir am Sonntag sprachen, scheinen nicht lange auf sta warten zu lassen. Die Regierung hat der Deputirrenkammer eine Vorlage über daS Verbot des Anschlags oder der Aus- l'gung aufrührerischer Schriften überreicht. Dir Regierung hat in diesem Falle derartig schnell gehandelt, da die Vorlage allen Parteigruppen der Kammer völlig unerwartet gekommen zu sein scheint. Der Gesetzentwurf kautet;„Art)- Das Anschlagen oder öffentliche Auslegen aufrührerisckrl Schriften wird mit einer Gesängnißstrake von 6 Tagen bis f einem Monat und einer Geldbuße von 16 bis 500 Franks oder nur mit einer dieser beiden Strafen delegt. Art. 2. Die i» in diesem Gesetz vorgesehenen Vergehen werden dem Schwur- gericht überwiesen." Die Kammer hat die Dringlichkeit drr Vorlage beschlossen, so daß die Kammerabtheilungen sofort eini» Ausschuß zur Berathung zu wählen haben und die endgiltigf Beschlußfassung beschleunigt wird. Dle äußerste Linke betracbw die Vorlage als eine Maßregel, die nicht nur gegen die PrinM sondern unmittelbar auch gegm fie gerichtet ist. Um eine sola' Ausdehnung zu verhindern, haben Camille Dreyfus rw° Climenceau folgende Fassung vorgeschlagen: DaS M schlagen von Plakaten, die von Prätendenten ausgehe- welche da« soeben von den Kammern genehmiS? Verdannungsgrsetz trifft, wird mit Gefängnißstrafe von° Tagen di« zu einem Monat und einer Geldbuße von 16 P 5C0 Fils, oder einer dieser beiden Strafen delegt. Unter republikanischen Kammergruvpen hat die Vorlage heftigen ZF�, spall hervorgerufen. Ein Privattelcgramm aus Paris nM drr„Voss. Ztg.": Maret ruft in einem Artikel des„Radic»' betitelt:„Der zweite Schritt": DaS Vorausgesagte trifft Greift man erst zu Aus nahmemaßregeln, so find bald«Jf Freiheiten gefährdet. Zuerst die Prinzenverjoaung, jetzt** Einschränkung einer Form der Preßfreiheit. ES wird uns«? vollen Wachsamkeit bevürkm, um eine allgemeine R«»'' tion zu verhindern."„TempS" und„Röpubl. ftan?." sä»'? offen, die gemäßigten Abgeordneten würden die Voilege bu>° annehmen, wenn dieselbe fich mehr gegen die Jntra» sigenten und Sozialisten alS gegen die unschädliflP Prinzen richte. Um dieser Deutung vorzubeugen, will die& dikale Linke die Vorlage bloß in der Dreyfut'schen Fass� bewilligen. DaS Manifest des Grafen von Parti wird stÄ während an vielen Orten angeheftet und den ländlichen lern unter Kreuzband in Millionen Exemplaren zuges«'� Nächsten Sonntag findet hier unter Vorfitz von Lambert' Saint Crolx eine Versammlung der monarchistischen Redastew der Provinz statt, um eine allgemeine Methove des Zeitung� l* sür den Grafen von Paris festzustellen. er franzöfische Kriegsmintster General Boulanger M k.! r, mit seinem Armee- ReorganisationS. Projekt auf größeren Wider- stand, al! er zu finden wohl vorausgesetzt hatte. In den Pa- riser Blättern findet man fast täglich Einsendungen, welche den ein-n oder anderen Theil deS ReorganilationSplaneS heftig an« greifen. Auffallend ist ei, daß überall da, wo General Boulanger fich an daß preußisch- deutsche Muster anlehnt, die Opposttion v'istummt. Inzwischen hat eS den Anschein, alS ob der politifirende Kriegsminister seine Stellung doch allzu sehr überschätzt. Er hat angefangen, nicht bloS daS Ministerium, sondern auch alte Generale zu terrorifiren, und damit wird er wohl auf unbefieglichen Widerstand stoßen. Sein letzter Kon- flilt galt dem Gouverneur von Paris, General Eautsster, der fich jedoch seiner Haut zu wehren wußte. Die BureauS der drei republilanischen Gruppen verwarfen den Antrag der äußersten Linken, von der Regierung be- stimmt«« Erklärungen über die Reinigung des Beamtenpersonals zu oerlangen, da die gegebenen ge« nügen. Gro tzbri tauuie«. Die englischen Blätter beschäftigen fich bereits mtt der .age, wer der Erbe Gladstone'S in der Führung der .tderalen lein solle, wenn der„große alte Mann" sich von den politischen Geschäften zurückgezogen haben wird. Die„Pall Mall Gazette" fragt:„Wer wird der liberale Premiermtnrster der Zukunft sein, wenn Glavstone der Große zu seinen Batern gegangen ist? ES giebt keine erbliche Nachfolge in unserem politischen Königreich; aber ein Premierminister mag einen an- deren nominiren, ehe er stirbt, und Mr Gladstone hat wahrend der letzten paar Monate zweimal öffentlich Lord Rosebery für diese Ehre bezeichnet„Loid Rosebeiy"— sagte Mr. Gladstone jüngst-„ist ein Mann, von dem Sie noch mehr hören werden, als Sie bereits gehört haben, und in ihm steht die liberale Partei dieses Landes den Mann der Zukunft." Die Manchester'«! Auswahl wird um so auffälliger durch Mr. Gladstone'S weitere Aeußerung, daß„er nicht ohne U-beilegung spreche, denn, wenn er es leichthin sage, würde er nicht nur eine Ungerechtigkeit gegen Lord Rosebery, sondern auch gegen sie(die Zuhörer) begehen." Der Mann der Zukunft ist neun- vnddreißtg Fahre alt. Mr. Gladstone wurde erst Premier- minister, alS er neunundsünfzia Jahre zählt«; somit hat Lord Rosebery noch immer vollauf Zeit, die Wahl seines Führers zu �Mr? Gladstone hat nunmehr seine Wahlpropaganda auf englischem Boden begonnen, und zwar in Manchester, wohin er fich am Tage vorher von Haward-n begeben, de- «leitet von seiner Gemahlin und mehreren Mitgliedern seiner Familie. Der Empfang, welcher dem greisen Staatimanne in d» reichen Handelsstadt, die früher eine Burg des Liberalismus war, aber bei der letzten ParlamentSwahl fich dem Torylhume w die Arme geworfen, bereitet wurde, war ein überaus herz- licher. Die Fahrt vom Bahnhof« nach der FreihandelShallc, wo da» Meeting abgehalten wurde, bei welchem Gladstone Wach, glich einem förmlichen Triumphzuge. Enorme Menschen- Waffen füllten die Straßen, durch welche der Premier fuhr, und die Halle selber war vollgepftopft. Al» er fich erhob, um da» Wort zu ergreifen, wollten die Beifalltbezeugungen kein Ende nehmen, und die Zuhörerschaft sang im brausenden Chore „Por he'g a jolli good fellow", ein Lied, da« gleichbedeutend ist mit dem deutschen„Hoch soll er leben." Nachdem fich der Jubel gelegt, begann Gladstone seine Rede, die fich auSschließ- lich mit der irischen Frage beschäftigte. Unter anderem führte er aui, Chamberlain beanstande die Landantaufibill; er möchte aber dem Lande seinen eigenen großartigeren Plan unterbreiten, den er der Regierung im Februar vorgelegt habe. Dieser Plan stehe im seltsamen Gegensatz zu seinen jüngsten Erklärungm. Die LandankaufSvorlage könne verbeffert und Umgeändert werden. Nur darin sei die Regierung unwandel- bar, Irland eine tüchtige, von Frländern geleitete Regierung iu geben. Fn Liverpool hob Gladstone die Schwäche der «°n H a r t i n g t o n gegen die Politik bezüglich Jrlandt�vor- , J(, während er fie jetzt unterstütze, so habe er 1881 ge- glaubt, dieselben hätten Unrecht, jetzt glaube er. fie hätten stecht. Italien« _ Ueber die in Mailand erfolgte Schließung von Arbeitervereinen und die gleichzeitigen B e r h a f- tu n g e n liegen nunmehr in den italienischen Blattern naher« Mittheilungen vor. Wie der„Corriere della Sera meldet, befindet fich unter den Verhafteten auch ein oewiffer KerbS, und da» Blatt fügt hinzu, daß bereits seit den früheren Ruhe- störungen, welche durch die„Brodangelegenheit" hervorgerufen wurden, beschloffen war, gegen jenen einzuschreiten. Die übrigen Verhaftungen waren mit Haussuchungen und der Beschlagnahme von Schriftstücken verdunben. Da» Vergehen, wegen deffen die Angeschuldigten unter Anklage gestellt weiden sollen, ist daffelbe, welches auch den römischen Sozialisten Malmosta, Merltno und anderen zur Last gelegt wurde: Ver- lchwörung zu dem Zweck, die gegenwärttg in Italien destehende sei», die Ehre de» Hause» stand auf dem Spiel, und der wußte jedes Opfer gebracht werde«, jedes— selbst das eigene flivd I, Aber die Ehre de» Hauses forderte noch mehr. Wieder war eine kleine Zeit vnfloffe», da wurde» draußen vor dem Haufe Stimme« laut, al« ob eine Anzahl fremder Mensche« unten im Garten ankäme. Die Gräfin horchte dort hinüber; jetzt war alle» wieder ruhig und die Hausthür ging auf und fiel wieder zu. Dann sprangen einzelne Leute im Schloß selber rasch vorüber. Was war da«? � �, Sie ergriff die«eben ihr stehende Glocke und drückte darauf, daß der To» hell und laut durch de« stillen Raum schallte. Niemand gehorchte dem Ruf. Wo war der Diener, de« ferne Pflicht in da» Vorzimmer bannte? Die Gräfin wiederholte ungeduldig da« Zeiche». Da öffnete fich rasch die Thür und einer der jüngsten Lakaien stürzte mit verstörtem Angesicht herein. �.Was ist, Charles? Was habt Ihr da draußen? Weshalb hört Niemand?" --Ach. gnädige Frau Gräfin," rief der junge Bursche Kauz entsetzt,„fix— sie bringe« ihn!" „2ha— wen?" rief der Graf und sprang von seinem Sitz empor. „Den jung,« Hern, Grafen." „George?" schrie die Gräfin und Leichenblässe deckte ihre Züge. .2a," jammerte der jung« Mensch,„ganz blutig und I« blaß!" Der Graf gab keinen Laut von fich; einen der schwere« silbernen Armleuchter griff er auf«nd schritt der Thür zu. „2ch bitte Dich um Gottes willen, George, bleib' hier!" t'ef die Gräfin, die ebenfalls aufgesprungen war und seine« Arm faßte. Der Graf sah fie mtt einem eifig kalten Blick an. «Willst Du mich auch noch von meinem letzte« Kinde wen»«»?" sagte er mtt einer Stimme, die gar keinen irdi- Ton mehr hatte, und al« ihn die Gräfin erschreckt, «.Zttzt frei ließ, verließ er da» Zimmer, aus dem fie ihm st wrllenlo», an alle» Glieder» zitternd, folgte. Regierungsform zu beseitigen, sowie die Bevölkerung zum de- waffneten Aufstande und zum Bürgerkriege aufzufordern. WaS die Auflösung der Arbeitervereine betrifft, so heißt«S in dem vom 22. Funi 1886 datirten Dekrete der Präfektm von Mailand allgemein, daß die Vereinigung„Partito operaio" („Arbeiterpartei") sowie die ihr affiliirten Vereine„Pigli del lavoro, di resistenva"(„Söhne der Arbeit, deS Widerstandet"), welche die Staturen der Arbeiterpartei angenommen haben, ebenfalls aufgelöst find. Da die italienische Regierung bereits wieder hott für fie unangenehme Erfahrungen mtt angedlichm sozialistischen Verschwörungen machte, ist nicht auSgeschloffen, daß diese Erfahrungen fich nunmehr wiederholen werden. Der „Köln. Ztg." wird denn auch gemeldet, daß daS Vorgehen der Regierung erfolgen soll,„um die von der konservativen Mehr« heit abgefallenen Abgeordneten wieder zum Anschlüsse zu ver- mögen." Also aus Gründen der Wahlpolitik, wegen der Eifersüchteleien der bürgerlichen Parteien unter einander müssen fich die Arbeiter die Zerschlagung ihrer Organisationen und ihre Verhaftung gefallen lassen. Vom 26. zum 27. Mittags find an der C h o l e r a in Brindist 24 Personen ertrankt und 12 gestorben, in Latiano 29 Personen erkrankt und 4 gestorben, in Frarcavilla 11 Personen erkrankt und 4 gestorben und in San Vito 8 Personen erkranlt und 2 gestorben. Vom 27. zum 28. Mittag kamen in Brindlst 19 Cholera- Erkrankungen und 8 Todesfälle vor, in Latiano 50 Erkrankungen und 9 Todesfälle, in Francavilla 8 Erkrankungen und 4 Todesfälle, in San Vito 11 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Erchte 4 Erkrankungen und ein Todesfall. Amerika. Zum Präfidenten der südamerikanischen Republik Chile ist, wie von gestern auS Valparaiso gemeldet wird, der Minister de» Innern, Balmaceda, gewählt worden. «sie». Die Verhandlungen betreffend Birma zwischen England und China sollen nach einem— anderweitig noch nicht be- stätigten— Telegramm d«S Pariser„Journal deS TSbatS" aui Shanghai abgebrochen sein. Australie«. Der Generalsekretär der Kolonie Viktoria brachte in der gesetzgebenden Versammlung eine Bill ein, wodurch ein B e« wässerungisystem für eine Fläche von 3 250000 Morgen Lande» geschaffen werden soll. Die Kosten werden auf Lstr. 3 300 000 geschätzt._ Kommunales. Ueber das städtische Beerdtgnngswefen und die Fried- Höfe der Stadtgemeinde Berlin hat der Magistrat den Ver- waltungibericht für die Zeit vom 1. April 1885 dt» 31. Mär, 1886 veröffentlicht. Der Stadtzemeinde Berlin gehören demnach folgende 4 Begräbnißplätze: 1. Der städtische Begräbntßplatz in FriedrichSfelve; 2. ver Begräbnißplatz in der Friedenstraße; 3. der Begräbnißplatz in der Gerichtsstraße; 4. der Charitee- Kirchhof. Zur Anlage deS städtischen BegräbnißplatzeS in FriedrichSfelde wurde seitens der Kommunalbehörden ein 25 Hektar 53 Ar 22 Quadratmeter großes Terrain angelaust. Von diesem Terrain find der Magistrats- Kommisfion für da» städtische BestattungSwesen bi» zum Schluß der Berichtsperiode 12 Hektar 52 Ar 98 Quadratmeter überwiesen worden, während der Rest noch als Ackerland verpachtet war. Auf diesem Fried- Hofe wurden in der Zeit vom 1. April 1885 bi» 31. März 1886 für Rechnung der Stadtgemeinde 2355 und gegen Bezahlung 63 Leichen beerdigt. Seit der am 21. Mai 1881 erfolgten Eröffnung deS Friedhofes bis zum 31. März d. I. haben auf demselben im Ganzen 12645 Beerdigungen stattgefunden.— Auf dem Begräbnißplätze in der Friedenstraße finden Beerdigungen nicht mehr statt; die auf demselben be- findliche Leichenhalle wird als Zentral- Sammelstelle für alle Leichen, die für Rechnung der Stadtgemeinde beerdigt werden müssen, denutzt. Der vordere Theil de» Friedhofe?, auf dem fich keine Gräber mehr in Pflege befanden und auf dem die VerwesungSperiode bereits abgelaufen ist, wurde im vergange- nen Jahre seitens de» Magistrats der städtischen Grundeigen- thumS• Deputation zur Verwaltung überwiesen und von dieser al» Holzplatz vermiethet.— Auf dem Begräbnißplätze in der GerichtSstraße find im verflossenen Berichtsjahre 13 Leichen auf reservlrten Stellen beerdigt worden, so daß am 1. April ct. noch 202 Stellen, auf denen beerdigt werden kann, vorhanden waren.— Auf dem Charitee- Kirchboke wurden in der Zeit vom 1. April 1885 bi» 31. März 1886 von zahlungsfähigen Personen nach dem für den städtischen Begräbnißplatz in FriedrichSfelde gellenden Tarife an Gebühren 3058,50 Mark eingezogen. In dem EtatSjahr pro 1885/86 find auf den 4 städnschen Friedhöfen inSgesammt vereinnahmt worden: 10 355 02 M.. die AuSgabe betrug 33 362,44 M.. so daß die Stadtgemeinde einen Zuschuß von 23 007,42 Mark zu leisten hatte. Sie sollte» nicht lange über das Geschehene in Zweifel bleiben. „E» hilft nicht, wir könne» e» nicht verheimlichen," hörte« fie de« Hofmeister sagen,„der Stern de» alte« Hause« ist gesunken 1" Unten die HauSthür war geöffnet: fremde Männer trugen eine Bahre herein, auf der em Sterbender lag. Der alte Graf schritt die Treppe hinab, al« ob er auf Lust ge gange« wäre; er fühlte keine Stufe unter fich, er sah nichts als ein todtenbleiches Antlitz, daS von dem Licht zweier Fackeln und darüber gehaltener Kerzen furchtbar deutlich erhellt wurde. „George," sagte er, und er selber hörte nicht einmal den Laut der Worte,„George, wa» ist geschehen?" „Unterstützt meine« Vater," sagte der Verwundete leise, „und dann tragt mich hinauf in mein Zimmer— vorsichtig, e« thut gar so weh!" (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Zeven. Eperl- Treptow. Die Produktionen der in diesem Etabltffement auftretenden Thurmseilläufer Blondin freres bieten den staunenden Zuschauern de» Wandelbaren und Räthselhaften so viel, daß man fast eher an eigene Sinnen- täuschung zu glauben versucht wird, ali an die Möglichkett dieser phänomenalen Leistungen. Dir jugendlichen, in der That großartigen Spezialitäten haben während der Zeit ihre« Auftretens den Beweis gegeben, daß menschliche Beharrlichkeit und Auidauer da» Großartigste zu erreichen im Stande stirb. Schwetzergarten am Friedrichshain. Der große Er- folg, den da» Sensationsschaustück der Majol Truppe„Der Flug eines Menschen au» der Kanone" hier täglich erzielt, erweist fich nicht allein alS ein nachhaltiger, sondern steigert fich von Vorstellung zu Vorstellung. DaS Etabltffement ist fast immer gut besucht und die vielbewundert« Miß Lazel— die ledende Kanonenkugel— hat fich im wahren Sinne de» Wortes„im Fluge" die Gunst deS Publikum» erworben. Während der gymnastischen Produttton strahlt der Fontainen- Park, in welchem dieselbe stattfindet, in elettrischem Glan,. Gerichts-Zeitung. Rttz, 25. Juni. Ein scheußliches Verbrechen wurde gestern und heut« vor dem htestgen Schwurgerichte verhandelt. ES find angeklagt: 1. Vittor Hazotte, 2. Wittwe Hypoltt« Hazotte, deffen Schwägerin, 3. Ehefrau Soinette, Stiefschwester der letzteren, alle drei au» Amö'�court, Kreis Chüteausalin», uttd beschuldigt 1. der Viktor H. seinen Bruder Hypolite ermordet, 2. die Wittwe Hazotte und deren Schwester ihn hierzu ange- stiftet zu haben. Die Angeklagte find vermögende Bauersleute und eS war die jetzt verwittwete Hazotte mit Vittor Hazotte verlobt, al» derselbe zum Militär ausgehoben wurde. Während er in Erfurt diente, stellte der Bruder Hypolite dessen Braut vor, daß fie ihn heirathen solle, worauf dieselbe auch einging; fie schrieb dieserhalb dem Viktor H. einen Absagebrief, womit fich dieser auch zufrieden gab. Als er jedoch im Jahre 1882 vom Militär zurückkam und fich verheirathen wollte, hielt ihn leine frühere Braut und jetzige Schwägerin hiervon ab und begann mit ihm in ehebrecherische Beziehungen zu treten; diese wurden unterstützt von der Stiefschwester, Ehe» frau Eomette, mit welcher Vittor H. ebenfalls intime Beziehungen gehabt zu haben heut« gesteht. Bei diesen Thatsachen war es um den ehelichen Frieden deS Hyp. H. geschehen, er schlug und schimpfte seine Frau, wa» diese veranlaßt?, im Februar 1885 die Ehescheidungsklage beim hiefigen Landgericht einzureichen, welche jedoch im Juni 1885 abgewiesen wmde» da, wie eS in der Begründung des UttheilS hieß, fie die Ver« anlassung zu der schlechten Behandlung gegeben habe. Nun planten die Frauen, den Ehemann Hazotte auS der Welt zu schaffen, die Ehefrau H., um den Viktor H. zu heirathen, die Ehefrau Sornette, wie die Anklage annimmt, um den Viktor H., der ja nach auswärts heirathen konnte, nicht zu verlieren. Da» Schwesterpaar gab nunmehr dem Vittor H. 30 Franks, um in Nancy einen Revolver zu kaufen, am 28. November v. I. verreiste die Ehefrau H. mit ihren zwei Kindern nach Luneville zu ihrer Mutter, nachdem fie noch vorher mit dem Vittor H. intimen Umgang gepflogen hatte, in der Nacht schleicht fich Vittor H. in das Hau» seines Bruder« Hypolite, der ahnungslos schlafend im Beite liegt, und tödtet ihn durch einen Schuß hinterS Obr. Der Verdacht lenkte fich sofort auf Viktor tz., welcher am nächsten Tage verhaftet wurde, ein gleiches Schicksal widerfuhr der Ehefrau Hazotte, alS fie von Luneville zurückkehrte, und eS wurde später auf Grund deS GeständniffeS beider die Ehefrau Sornette ebenfalls in Haft genommen und unter Anklage grstellt. Die Geschworenen sprachen den Viktor H. schuldig, seinen Bruder oorsätzlich ge« tödtet zu haben, schloffen jedoch die Ueberlegung auS, bejahten bei der Ehefrau, nunmehrigen Wittwe Hazotte, daß fie dem Vittor H. mit Rath und That Hilfe geleistet habe, verneinten jedoch dieselbe Frage bei der Ehefrau Sornette. Das Urtheil de» Schwurgerichts lautete nach diesem Verdikt auf Freisprechung der Sornette, 15 Jahre Zuchthaus dem Vittor Hazotte und 12 Jahre Zuchthaus der Wittwe Hyp. Hazotte. Sine rothe Rosengeschichte spielte fich am 18. Juni vor dem Forum de» Schöffengericht» zu Ludwigshafen ab. Vor einiger Zeit starb in Ludwigshafen der Eisendreher Weimar, welcher ver sozialdemokratischen Partei angehörte und dem seine Patteigenoffen zum Grab da» Geleit gaben, wobei fie rothe Rosen im Knopfloch trugen. Etwa 260 Stück dieser Rosen wurden verkaust, so viel wurden also von den Theil» nehmern auch getragen. Am 18. Juni standen nun fünf Ar» beiter vor Gericht, um fich wegen„öffentlichen Aergemißgeb mS" zu verantworten. Der AmtSanwalt führte nämlich au», daß eS vielfach Anstoß erregt habe, daß bei dem Leichenzug die rothe Farbe von den Theilnehmern so ostentativ getragen worden sei, und daß diese» Anstoßerregen geahndet werden müsse, um so mehr, alS di« Angeschuldigten notorische Sozial- demottaten seien, die ihren bestimmten Zweck dabei im Auge gehabt hätten. Die Angeklagten vertherdigtm fich sehr gut und daS Gericht sprach fie sämmtlich frei. Reichsgerichts» Entscheidung.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 28. Juni.(Wegen Urbertretung deS PreßgesetzeS) waren der Buchdruckereid-sttzer Emil Schmidt und die Kaufleute Gebrüder Enderlein in Chemnitz unter Anklage gestellt; da« dortige Landgericht hatte fie aber am 15. April d. I. steige- sprochen. Die gegen dieses U-theil von der Staatsanwaltschaft eingelegte Berufung kam am 24. Juni vor dem M. Strafsenate deS Reichsgerichtes zur Verhandlung und führte zur Aufhebung des Chemnitzer Erkenntnisses. Tie beiden Enderlein, welche in Chemnitz eine Baumwollenwaaren- und Wäschehandlung be- treiben, empfanden im November v. I. daS Bedürfniß, ihre Handelsartikel dem Publikum für da» WeihnachtSfest in empfehlende Erinnerung zu dringen und beadfichtigten, fich dazu einer eigenartigen Form zu bedienen. Sie setzen fich daher mit dem Mitangeklagten Schmidt in Verbindung und wollten mehrere Tau'end Reklameblätter drucken lassen. Schmidt rietb ihnen aber von dieser Form ad, da erfahrung»- mäßig daS Publirum derartigen Drucksachen nur einer sehr flüchtigen oder gar keiner Beachtung würdige. Er schlug ihnen aber vor die Form einer gratis zu verbreitenden Zeitung zu wählen, da eine solche für den Empfänger immerhin einen ÄTÄ Ä „Mode und Hau»"(Deutsche VerlagS-Gesellschaft Dr. Rußack und Komp., Berlin W., Viertelj-hrspreiS 1 Mark) ist wieder sehr reichhaltig. Pratttsche, vorzüglich bildlich reproduzirte Mode- Neuheiten und Handarbeiten bieten der Damenwelt nützlichen Stoff zu häuslicher Beschäftigung. Im„HauStheil" und„Mei- nungSauStausch" befinden fich dem praktischen Bedürfniß der Hausfrauen angepaßte interessante Aufsätze. _ Et« unheimliches Verbrechen wird au» Paterno in Italien fignaltfirt. Ein junger Bursche meldete fich dort, von Gewissensbissen gepeinigt, bei dem Gendarmen und zeigte an, daß sein Vater bereits dreimal die Tochter, seine jüngere, jetzt achtzehn Jahre alle Schwester, vergewaltigt und die von ihr geborenen Kinder mit eigener Hand mittelst eines BelleS erst zerstückelt und dann verbrannt habe. Alle drei Kinder waren lebendig zur Welt gekommen. Wie fich herausstellt«, hatten der Sohn und die Tochter bei dem scheußlichen Morde ge- Holsen. Die Politik aus de« Dameuhüten. In England hat fich die Homerule- Frage, den Angaben eine» scharfstchtigen Provinz-Berichterstatleri zufolge, auch der Damenhüte demäch. tigt. Konseroatrve Hüte kennzeichnen fich durch tüllumwundene gelbe und weiße Primeln. die unionistischen haben Chamber- lain's Lieblingsdlumtn, Orchideen, aufgepflanzt, während die Homerule-Hüte dai irische Kleeblatt neben blauen Kornblumen zur Schau tragen. ...*«s demGlabe per Gattin erschossen. Wim, den 24. Juni. Gestern Abend» vernahm der Tobtengräder auf dem Schmelzer Friedhofe in rascher Aufeinanderfolge drei Schüsse fallen. Er begab fich eiligen Schritte» zur Stelle, von welcher die Detonation gekommen war, und erblickte auf einem Gradhügel, welcher die Leiche einer Frau Aloista Tagelang birgt, einen etwa 65 jährigen Mann definnungSloS und in seinem Blute liegend. Der Unglückliche hatte auS einem sechSläustgen Revolver, den er noch krampfhast mit der Rechten umschlungen hielt, drei Schüsse gegen seinen Kopf abgefeuert und fich hierdurch lebensgefährlich verletzt. Der LedenSüder- drüsstge wurde in daS SechShauser Spital übertragen, wo er noch im Laufe der Nacht an den erlittenen Verletzungen starb. Heute wurde ftstgeftellt. daß der Selbstmörder mit dem Han- delSagenttn Alor» Taglang. Westdahnstraße 21 wohnhaft, iden» tisch ist. Ein unheilbare» Leiden hat den alten Mann in den Tod ettritden. Der Grabhügel, auf welchem er die That ver. übt«, ist der seiner ihm im Tod« vorausgegangenen Gattin. aewiffen Werth repräsentire und dadmch den in derselben«nt» haltenen Inseraten eine größere Beachtung gesichert werde. Die Brüder Enderlein fanden diesen Borschlag plausibel und überließen dem Schmidt die Herstellung de» Texte» der Zei« tung. während sie selbst nm die Inserate zusammenstellten. Bald erschien denn auch die erste Nummer dieser Zeitung unter dem Titel„Extrablatt. Unparteiische» Wochenblatt für die Stadt« und Landbevölkerung. Diese» Blatt erscheint di» auf weitere» jeden Sonnabend und wird grati» verbreitet". Von diesem Blatte erschienen sech» Nummern» von denen die vier eisten die Grundlage der Anklage bildeten. Dir erste Seite de» Blatte» war jedesmal durch politische Nachrichten angt' füllt, die Schmidt durch den noch nicht 21 Jahre alten Schriftsetzer Gneisel nach dem„Berl. Tageblatt" zusammenstellen ließ. Auf der Nr. 1 war nur der Drucker angegeben, nicht aber der Redakteur und Verleger de» Blatte». In den fol- gerrden Nummern war diesem Mangel zwar abgeholfen, aber m einer nach Ansicht der Anklage den gesetzlichen Bestimmungen nicht entsprechenden Art. ES zeichnete nämlich Schmidt al» Verleger, während die Brüder Enderlein alt die Veranstaller des Druckes als Berleger angesehen werden mußten; seiner war der eben erwähnte Gneisel al» Redakteur bezeichnet, ob- wohl nach§ 8 deS Preßgesetze» nur solche Personen verant- wortliche Revalteure sein dürfen, welche vcrfügungssähig(also hier mündig) find. Diese von der Anklage behaupteten That fachen wurden nun zwar vom Gerichte al» erwiesen angenommen, aber daffelde kam trotzdem zu einer Freisprechung, weil e» kein«„periodische Druckschrift" als vorliegend erachtete. In dieser Beziehung führte da» Urtheil aus: Die Brüder Enderlein hatten eine im Voraus genau bestimmte und auch nach der Zahl der Nummern beschränkte Druckschrift herausgegeben, die lediglich den Zwecken der Reklame diente und deshalb nicht unter die periodischen Druckschriften im Sinne de»§ 7 de» Preßgesetzes gerechnet werden kenn. Die ganze Tendenz de» Blatte» ging dahin, einzig und allein die W raren der Ge- brüder Enderlein zu empfehlen und anderen Personen war die Insertion nicht gestattet. Hieraus folgt, daß da» Blatt, in welchem die politischen Miitheilungen nur eine nebensächliche Zugade bildeten, nur geschäftlichen Zwecken diente, und bei einer solchen Druckschrift ist die Angade eineS Verleger» und Redakteur» keine Vorschrift. Die Revision der Staatsanwalt- schast wurde vom Reichkanwalte für begründet erachtet.„Der «ste Rechtsirrthum," so sagte derselbe in seinem Plaidoyer, ..liegt darin, daß die Druckschrift nicht al» eine periodische an« gesehen ist. Da» Gericht hat den periodischen Druckschriften gewiffermaßcn einen„ewigen" Charatter beigemeffen, aber e» kann nicht« Willkürlicheres geben, als dieses. Wenn z. B. vor einer Wahl ein öfter erscheinende» Blatt gegründet wird, um auf die Wähler einzuwirken, nach der Wahl aber wieder ein- geht, warum sollte da» keine periodische Druckschrift sein? Der Anspruch auf ewige Dauer ist ganz un- gerechtfertigt. Manche Zeitungen, die allerdings auf längere Dauer berechnet find, haben nur ein kurzes Leben, aber deshalb muß man sie doch unter die periodischen Druck- schriften rechnen. Abgesehen davon kann man, wenn man prinzipiell verfahren will, nur auf da» Aeußere einer Druck- schrist sehen; der mit derselben verbundene Zweck kommt gar nicht in Betracht, sonst würde man zu Willkürlichkeiten ohne Ende kommen. Wenn sich ein Blatt al» eine Zeitung giebt, wie hier, und auch der Hinweis auf periodisches Erscheinen nicht fehlt, so muß da» vollständig genügen. Auch da» ist rechtSirrthümltch, wenn die vorliegende Druckschrift al» lediglich den Zwecken de» Gewerde» und Verkehre» dienend bezeichnet wird. Der§6, 2 zeigt durch die Aufzählung der Druck- schriften de» Gewerbe» und V-rkchreS:„Formulare, PreiS- zcttel, Visitenkarten u. dgl", daß nur Druckschriften der ein- fachsten Art von den Vorschriften des§6, 1 und 7 befreit sein sollen. Daß aber ein Blatt mit politischen Nachrichten nicht unter diesen einfachsten Drucksachen fallen kann, weil daS Motiv der Herausgeber ist, Reklame zu machen, da» ist außer Zweifel. Wohin solche Konsequenzen führen, zeigt die Gründer. Periode der Jahre 1872/73, wo alle größeren Kreditinstitute die größten politischen Blätter in ihre Gewalt brachten, um durch dicselb-n Reklame für ihre scheinbaren industriellen oder finanziellen Unternehmungen zu machen. Sollten diese Zeitungen nicht unter den Begriff Zeitungen fallen, weil di- Unternehmer geschäftliche Zwecke damit verfolgten? Das wäre geradezu Thorheit. Ich beantrage daher Aufhebung deS U» iheils." DaS Reichsgericht entsprach diesem Antrage und ver- wie» die Sache an da» Landgericht Chemnitz zurück. Soziales und Arveiterbemegnag. J Der Vorstand der Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter(Sitz Hamburg) hat an die Aerzte und Krankenhauk-Berwaltungen ein Zirkular gerichtet, worin er folgende« ausführt:„Bei den fast durchgängig schlechten Erwerdsverhältnissen der Ardeiter ist eS in deren eigenstem Interesse geboten, die Beiträge zu den Krankenkaffen derselben so niedrig alt möglich zu normiren, während andererseits der eigentliche Zweck die, er Krankenkaffen nur durch eine nicht zu kurz und nicht zu niedrig bemeffene Unterstützung erreicht wird. Wird die Dauer dieser Unrer- stütz un g aber in'S Unendliche verlängert, so müffen die Bei- träge entweder bedeutend erhöht werden oder die Existenz der Kasse wird in Frage gestillt. Eine gewisse Grenze muß also für die Untnstützungsdauer festgesetzt werden, um ein Gleichgewicht zwischen Einnahme und Ausgabe ermöglichen p, helfen. Nun kommt eS aber nicht nur häufig, sondern ausnahmslos vor, daß besonder» solche Kranke, welche an Magenkatarrh, Lungenkatarrh, Rheumatismus, an einem Herzfehler u leiden, sich nach 20- bi» 26wSchentlicher KrankheitSdauer gesund, richtiger arbeitsfähig, melden und der Arzt diese Leute dann nicht als gebessert, sondern als gesund oder gehritt au« der Behandlung entläßt und die» auf dem Krankenschein vermerkt. Nach einigen Wochen melden sich diese Mitglieder gewöhnlich an derselben Krankheit wieder arbeit»- unfähig und deg'nnt nun, da ja der Arzt die völlige Genesung konstatirte, die Unterstützung wieder von Neuem für ein volle« Jahr, richtiger für die erste Hälfte eine» solchen, denn bi» zur zweiten Hälfte bleiben diese Mitglieder nicht krank, da sie ja dann nur die Hälfte der Unterstützung erhielten; und dies Spiel wird von Einigen regelmäßig wiederbolt. Wir glauben nun» daß eS nur de» Hinweise» auf diese Verhältnisse bedarf, um die Herren Aerzte, sowie die Verwaltungen der Kranken- Häuser unserer Bitte geneigt zu machen, welche dahin geht, „nur dann ihre Patienten al»„geheilt" oder„gesund" zu ent- lassen, wenn sie die Ueberzeugung haben, daß die Krankhrit derselben vollständig geHoden ist; und bttten wir noch be- sonder», auch dann immer nur den Vermerk„gebessert" zu machen, wenn eS sich um Krankheiten wie Magenkatarrh, Rheumatismus und ähnliche handelt, bei denen ein Konstatiren der völligen Genesung nach unserer Anficht fast urmög- lich ist." Die General-Dtrettiou der sächfische« EtaatSbahne« hatte im Jahre 1882— weshalb wissen wir nicht— plöylrch die Arbeitszeit der Streckenarbeiter von täglich 10 Stunden auf 11 Stunden erhöht. Dtese„Arbeiterfreundlichkett" hat die Bahnarbeiter nicht besonder» erbaut; sie haben schon mehrfach durch Bittschriften versucht, in die„allen guten Verhältnisse" zurückzukommen. Jetzt hat. wie man der Berliner„VolkSztg." mittheilt, wiederum daS Streckenpersonal sämmtlicher Bahnhöfe in Dreiden und ein großer Theil desselben in Leipzig ein Ge- such an die General-Direttion der Staatsbahnen gerichtet, in welchem um Wiedereinführung der zehnstündigen Arbeitszeit gebeten wird. Diese» Gesuch ist abschlägig beschieden worden, besonder» in Erwägung de» Umstände», daß die 11 stündige Arbeitszeit auf allen sächsischen Staatsbahnlinien eingeführt sei. Diesen Ablehnungsgrund hätte die sächsische Regierung, die sich oft genug ihrer Ardeiterfreundlichkrit rühmt, dadurch leicht de» fettigen können, daß ste auf allen sächsischen Staatsbahnlinien die zehnstündige Arbeitszeit einführte. Wir glauben, die Dresdener und Leipziger Petenten wären auch damit vollständig. zufrieden gewesen. Die fächstsche Textil-verufSgenossenschaft, welche am 23. d.M. in Dresden ihre diesjährige Generalversammlung ab- hielt, hat bei dieser Gelegenhett einstimmig dm nicht unwich- tigen Beschluß gefaßt, daß auch die Gattin deS Betrieb»- Unternehmers, sofern dieselbe an dem Betriebe al» Ar- betterin theilnimmt, oersicherungSsähig ist. Angeregt wurde diese Statutenänderung im Anschlüsse an einen Unfall, den die Ehefrau eine» kleinen BetriebsunlernehmerS, der zwei Arbeiterinnen angemeldet, und als eine derselben seine Frau gemeint, dieS aber nicht näher hervorgehoben hatte, kürzlich da- durch erlitt, daß ste eine Hand verlor. Da nun der Vorstand auf Grund eine» entgegenjiehraden Beschlusses deS Reichiver- ficherungSamteS nicht in der Lage war, dieser Frau eine Ent- schädigung gewähren zu können, so stellte derselbe sofort den Antrag auf Statutenänderung, welche mit rückwirkender Kraft, ohne alle Debatte, einstimmig beschlossen wurde. Die Lohnbewegung unter de« Barmer Arbeiter« hat allem Anscheine nach mit dem Streik der Kesselschmiede ihren Abschied gefunden. Die Arbeit in den Kesselschmiede- werkstättin ist in vollem Umfange wieder aufgenommen und sämmtliche Arbeiter haben wieder Arbeit erhalten. Die seitens der Ardritgeber gemachtm Zugeständnisse find im wesentlichen folgende: 1. Die ArdeitSzeii wird von 11 auf 10'/, Gründen herabgesetzt. 2. die U-berftunden. bezw. die Nachtarbeit wird mit IV, fächern und S. die GonntagSardrit mit doppeltem Satz de» festgestellten Lohne» in Anrechnung gebracht.— Dagegen dauert der Lobnkampf in Solingen noch fort. Wie der „Verl. Zig." geschrieben wird, wurde in der Imeralversamm. lung bei dortigen Gcheerenschleifer- Fach Vereins die Firma Leb- recht Llndner in Wald in Streit erklärt. Fortgesetzt- Lohn- redultrorren haben diesen Beschluß herbeigeführt. Kein Schleifer arbeitet mehr für genannte Fabrik. Der Schuhmacherftrrtk in Zürich ist noch nicht zu Ende. Die kleinen Meister haben eingewilligt, aber drei große Geschäfte, die am ersten die Forderungen bewilligen könnten, geben nicht nach. Zuzug ist fernzuhalten. Alle Sendungen fi d zu richten an A. Dinger, Restaurant Ganter, Schosse lgaffe,. Zürich._ Uerewe rnifc Versammlungen« Der Fachveretn der Mechaniker, Optiker, Uhrmacher, chirugischer und anderer Jnstrummtenmacher, hielt am 23. Juni bei Niest, Kommandantenstr. 71/72, unter Vorfitz, des Herrn Spieß eine zahlreich besuchte Mitgliederversammlung ad. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung: Bericht ver Delegtrten vom Vcrdandstoge der Mechaniker, Optiker, Uhrmacher und chirurgischer Jnstrumenienmacher, welcher am 12., 13., 14. und 15. Juni in Jena tagte, erledigte Herr Broike. Redner führte kurz etwa folgendes auS:„Die Betheiligung an dem Verbands- tag fei eine ziemlich starke gewesen. Vertreten war Berlin durch 5 D-legirte, Leipzig durch 3, Jena und Sluttgurt durch 2, Dresden, W-tzlar. Glashütte. Heidelberg. Rathenow, Chemnitz. Bockenheim und Wien durch je einen Delegirten. In das Bureau de» VerbandStage» wurden die Kollegen Bremer, (Berlin) als 1. Vo fitz-nder, Kirsten(Stuttgart) 2. Vorsttzender, Broike und Harrwiy(Berlins, Frenzel(Heidelberg Rathenow) und Thiele(Jena) zu Schriftführern gewählt. Sämmtliche Delegirte traten für die Organisation der Berufsgenoffert ein. Die Berliner Delegirten empfahlen Fachverrine, die im Kartell- Vertrag stehen, die meisten Delegirten der übrigen Städte traten für den Verband ein.— Das Endresultat war der Beschluß, daß überall, wo stch eine bestimmte Anzahl Kol- legen an einem Orte befindet, Zahlstellen deS V-rdandeS ein- zurichten seien. In den Orten jedoch, wo hiergegen von Seiten der Behörden Schwierigkeiten in den Weg gelegt wer- den sollten, sollen Fachoereinigungen nach Muster deS Berliner Fachverrins gegründet werden, welche untereinander in Kar- tellvertrag stehen. Weiter wurde ein Verband« stalut auSge- arbeitet; darnach zahlt der Verband Reiseunterstützung, ferner orwährt er Rechtsschutz in gewerblichen Streitfällen, Unter- stützung derjenigen Mitglieder, welch« durch ihr Eintteten für den Verband arbeitslos werden. Auch soll die Regelung der Arbeitszeit, des ArdettSlohns und deS Lehrlings wefenS, ferner die Stellenvermittelung, Pflege der Berufsstaiistik je. Zweck des Verbandes sein. Die Höhe des Beitrags be- trägt monatlich 40 Pf., daS Einschreibegeld 50 P'. Als Organ wurde nach sehr ledhafter DiSkusston die„Deutsche Metallarbeiter- Zeitung" angenommen. Hiermit erklärten stch die Delegirten Bmger(Bockenheim) und Zschochelt(Chemnitz) namenS ihrer Wähler nicht einverstanden; dieselben erklärten, daß, so lange der Verband kein anderes Organ zm Publikation benutzt, ste demselben nicht beitreten würden.— Die Berliner und Stuttgarter Delegirten unter« zogen daS Vorgehen der Genannten einer scharfen Kritik. Nachdem der Verdandstag noch die Wahl des Verbandsvor- sitzenden, deS Ausschusses und einrger Kommilfionen vorgenow- men hatte, gingen die Del-gtrten mit dem Versprechen aus« einander, mit aller Kraft für daS Gedeihen der Vereinigung zu wirken.— Der Sitz deS Vorstandes verblieb in Stuttgart und wurde Herr Kirsten zum Vorfitzenden gewählt. Der Aus- schuß wurde von Berlin nach J-na verlegt und als Vorfitzender deffelbenHrrr Schmidt gewählt. Nachdem dieVerrinsversammlung von Viesen Bericht Kenntnrß genommen hatte, wurde bekannt gemacht, daß das VerkehrSlokal und der Arbeitsnachweis des VereinS stch jetzt bei Herrn Poppe, Ltndenstr. 106, defindet. Die Mitgliederversammlungen finden wie bisher bei Niest statt. Herr Broske theilte mit, daß die ausführlichen gedruckten Pro- tokolle vom VerbandStage in einigen Tagen erscheinen werden, und daß am Sonntag, den 18. Juli, in der„Berliner Bock- Brauerei" von der Nationalen Krankenkasse der deutschen Gold- und Silberarbeiter und verwandten Berufsgenoffen zum Betten der Familien sckwererkranller Mitglieder ein Sommcrscst ver- anstaltet wird. Er ersuchte die Mitglieder um rege Betheiligung an demselben. HerrS orz wieS auf da» im„Berliner Prater" zum Besten der Metallardeiter-Krankenlaffe statisindende Vergnügen hin und ersuchte, auch diese» zahlreich zu besuchen. Nachdem noch einige auf Werlsiattangelegenheiten bezüglicht Fragen beantwortet waren, schloß der Vorfitzende die Ver- sammlung um 11% Uhr. Magdeburg, 28. Juni. Die streikenden Maurer und Zimmerer hieiien hier am Sonnabend Abend eine öffentliche Versammlung ab, in welcher zunächst der Maurer Seedig sein Bedauern aussprach, daß gerade jetzt, wo die Entscheidung w nahe liege, da» Interesse so schwach wäre; es sei jetzt ein« große Nachfrage nach Maurern gewesen. Die Kommission hätte mindestens etwa 70 Maurer zum Lohnsatz von 3,75 M. für den Tag unterbringen können, wenn sich nur solche gemeldet hätten. Er begreife nicht, w:e man noch zu dem Satze von 3,50 M. weiter arbeiten könne, wenn von anderer Seite mep geboten würde. In Anbetracht der außerordentlich günstiges Konjunttur habe die Kommission beschloffen, den Streik aufte» zu erhalten. Zimmergeselle Schulze derichtet über den Stal» de» Streik» der Zimmerer und meint, man könne mit dem# folg zufrieden fein, wenn auch ein vollständiger Sieg nicht f rungen worden sei. Wenn alle Zimm-rleute die in de« ersten drei Wochen entwickelte Auidauer beibehalte* hätten, so wäre der Eireik längst beendet worden- Daß nicht mehr erreicht sei, läge nur an den Gesellen- Redner verliest dann da» Schreiben der Meister an di- anv wärtigen JnnungSvoistände und lritifirt die Handlungswritt der hiestgen Meister, namentlich daß diese Leute auf die so' genannte schwarze Liste gesetzt hätten, du beim Eireik fast � nicht betheiligt gewesen wären. Auch der Zimmerer verurtheitt das Vorgehen dir Meist, r und fordert schließ!'« auf, treu zu: Organisation zu halten. Nach einer ziemlich{'"j hasten Debatte üoer den Stand de» Streik» und seine bi» erzielten Erfolge wurde folgende Resolution angenommen:«A, Erwägung, daß noch einige Arbu'�eher vorhanden find, f.* den geforderten Lohn noch nicht bewilligt haben, möge Dl heutige Versammlung beschließen, den partiellen Slrrik no«) aufrecht zu erhalten." Nachdem der Vor fitzende roch auffot°�' der Kommisfion Mitthrilung zu machen, wo der Lohvsatz®0. 37% Pf. für die Stunde noch nicht gezahlt werde, um -------—«■=-------"„iid Über dt« diese Bauplätze die Sperre verhängen zu fö nen, Versammlung%11 Uhr geschlossen., Verein für Technik und Gewerbe, Mittelstraß* w' Mittwoch, �bend» 8% Uhr, Vortrag. Gäste willlommen- verband deutsche? Ztmmerleute» Lokal Verband Nord. Sonntag, den 4. Juli, Vormittag» 10% Uhr, im Lo«* von Schramm, Hochstr. 32», Generaloersammlung. ordnung: 1. Kaffendeitcht. 2. Jahresbericht. 3. Neuwahl � Vorstände». 4. Verschiedene» und Fragekasten. Theater. den 30. Juni. DaS KSthchen von Heil- Mittwoch, Deutsche« Theater. velle-Alliauee-Tbeater. Da» Paradies, Ge- sanasposie in 4 AVen von Leo Treptow und KAeKch�Wilhelmstädtische« Theater. Der Zigeunerbaron._, Vsteud-Theater. Die Waise au» Genf. Viktor ta• Theater. Amor. Tan». Poem von Luigi Manzottt. Vorstellung.___ In dieser Woche: Isamm Reise durch»erner Oberland. Amerika.— Californien.— Mond. Hertha-Sietse. Karoltnen-Jnsetn. Eine Reise 90 Pfg. Kinder nur 10 Pfg. Wieder vorräthig! Zlie ZgMidkWkriltlt vor dem veutscheu Neichstage Komplet st»»»- 44. eft 1-5. »tttai»**»*«»• 8W., Siwurne- 11037 Schweizer Garten. Am Friedrichshain. Hallestelle der Ringbahn. Am KönigSthor. Mittwoch, de« 80. Juni: Zweiten Familien-Freudenfest. Auftreten sämmtlicher Spezialitaten. The.tervorst-llung,«inderdelustig�gen aller Art und Tanz, »dends: Illumination und Kinder-Fackelpolonaise. Entree 30 Pf. Kmder 10 Pf. _ Täglich: Concert nnd Verstell nmg._ Cigarren- u. Tabak-Handlung 1765 en irres en detail Fritz Goercki Berlm SO., Admiralstraße 40(frühere„Linde"). Import echter Havanna, Lager aller Sorten Ranch- und Schnnpf-Tabake. K-ich aiTovtlrt« gntzer-cht tSrüisch-r.»«Mfch-» »ad amerilreni scher Zigaretten«. Tabak«,«cht Kord hauser Kautabake.[891 Quittung. 15,60 Mk. von Arbeitern der Siegel'schen Steinnußknopf Fadril durch die Redaktion de» „Berliner VolkSblatt" erhallen zu haben, be- schein igt mit bestem Dank, Berlin, 30. Juni, SXBWa Frau Sehnlie, #; Kottbuser Damm 20, bei Degen. Einem geehrten p t. Publikum, insbesondere den Besuchern de»„Studentendad" empfehle ich mein Lokal besten». Achtungsvoll Jos. Urban, Schankwirth, Sorsterstrahe 56.[2036 2 eleg.Frz. mah.Britft.m.Fdd.(neu) imtt45M, Schlfst.Kdsp. Vertik.Kchsp. spd.Dcesdft.63 d Wtrth. KrankenverfichernnS der Arbeiter. Hiermit machen wir die detheiligrin K�,, auf die durch Säulen-Anschlag geschehen** � fübrliche Bekanntmachung übet das am 1- jLj 1886 erfolgende Inkrafttreten de» Gesctz-l?�, die Ausdehnung der Unfall- und Kram verficherung vom 28. Mai 1885(TraNsv� Gewerbe ic.) aufmerksam. Berlin, den 28. Juni 1886. M Gewerbe-Depntatio« des Magist»»"' _ E d e r t y.____ 0. Karkosky, tünudier, SO„ Pückler-Etraße 16, SO. Pzrantwortticher Redallem@L Sronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max vadtng in Berlin 8W„ Beuthstraße 2. Soeben erschien Nr. 30 des --Wahren Iakoö"-� Zu beziehen dmch die Expedition. 3%% »«te"_______— Frist. Schläfst, f.£>. Sialinerstr. 3, fcofjJL-� Ärbeitsmarkt. Erfahrenen Werkführer �, (für farbig und Silber) sucht H. Joof* Soldletft-ü�ab� veU� Hierzu eine Beilage zum Berliner Bolksblatt. Kr. 149 Mittwoch, den 80 Juni 1886. III i Lokales. Bott dem nunmehr aneoetoUfenen Reichstag» abge» «rdvelen Paul Stöger erhalten wir mU der lbiite um Aus- nahm« folgendes Schleiden: „In der Begründung des in dem Jhiitig. Mablow'schen Prowfi ergangenen E'lenntnifies erster Instanz soll, nach Zei- tungSderichten, der Vorfitzende diS GcrichtSho'eS Herr Amts- gerichtsrath Bardistu« gckuhert haben, ich hätte dem Reichs- tage einen sehr aufgebauschten Bericht über das Gebahren dei Jhring gegeben. �. bebaute, daß der Herr Vertbeidiger, ohne Zweifel durch die Sachlage gezwungen, nicht dem Wunsche, daS mir von dem Rngrll igten Christensen übergeben« Slriptum dem Gerichtshöfe zur Verfügung zu stellen� nachgekommen ist. Wäre dai geschehen, so würde Herr AmtsgerichtSrath Bar> distu« gefunden haben, daß ich im Reichstage über d-n Jhring nicht ein Wort mehr gesagt habe, al« mir die dem Gerichtshöfe unglaubwürdig erscheinen. den Zeugen, deren weitaus größte r T heil mir seit langer Zeit alS durchaus, uverlässig und ehrenhaft b-kanntist, mitgetheilt unddurch ihre NamenSunterschrift bestätigt haben. Nebenbei bemerke ich noch, daß die während der VerHand' lungen gemachte Mlttheilung.„Berndt werde von mir un er- halten und habe die Aufgabe, konservative und antisemitische Versammlungen zu sprechen", in allen Th eilen un« wahr ist. Paul Singer. � Ausweisung. Gestern Mittag um 2 Uhr«u de der Reich, tagiadgeordnete Herr Singer nach dem Polize'vrastdium beschieden, wo ihm eröffnet wurde, daß er auf Grund dcS § 28 deS Sozialistengesetze« ausgewiesen sei und spätestens binnen 48 Stunden, also biS Donnerstag Nachmittag 2 Uhr, Berlin und da« Gebiet des kleinen Belagerungszustandes zu vnlaffcn hibe. Auf die Mittheilung de« Herrn Singer, daß er zur Zeit allein seinem Geschäft vorstehen müffe,— sein Bruder weilt augenblicklich zur Kur in Karlsbad, und der andere Theilnehmer befindet stch auf Geschäftsreisen—, sowie auf den Hinweis, daß der bevorstehende Quartalsabschluß und der plötzliche Austritt auS dem Geschäft umfangreiche DiSpofitionen nöthig mache, die fich in 48 Stunden unmöglich würd-n er- ledigen laffen, wurde endlich die Frist bis Sonnabend Mittag um 12 Uhr verlängert. Herr Singer verläßt Beilin denn auch am Sonnabend Vormittag. Ausweisung. Vorgestern Abend um 9 Ubr wurde auch der R stauraleur Max Jakoby, LandSbergerstr. 82, auf G.und des Sozialistengesetzes ausgewiesen. Herr Jakoby gehört selber nicht der sozialdemokratischen, sondern der deulichfretfinnigen Partei an, ist Begründer dei„Spar- und KreditoereinS ehe« maliger Kampfgenoffen", Mitbegründer und noch jetzt eifriges Mitglied der Kriegerveretne„Slesvigia" und„MaiS" und hat in allen diesen Vereinen jahrelang den Vorfiy geführt. Seine Ausweisung dürfte wohl darauf zmückzuführen sein, daß in seinem Lokal österS Sozialdemokraten verkehrt haben, und daß Herr Jakoty dteS in seinem Geschäftsinter, ffe ge aastet hat. Z« de« Zeiten der WahllSmpfe, an die man heute beim Schluß aller Parlamente wohl auch einmal zurückdenken darf, da hat eS jede Partei sehr eilig, die bürgerlichen und staatlichen Tugenden ihreS Kandidaten in da» hellste Licht zu feben. Der Mann, der nach Berlin geschickt werden soll, zur Wahrung der Interessen nothletdender Industrieller oder mst dem GeitchtSvollzieher kämpfender Großgrunvdefitzer muß n-r türlich«in ganzer Wann sein, dem eS hei rger Ernst ist mit seinen Wählern, und der Tag und Nacht nicht raste, um nur für ihr Heil zu sorgen. Die Abgeordneten in Berlin spielen daher im Leben der Weltstadt eine markante Rolle und ohne ne würden viele hervorstechende Züge an dem Tag- und Nacht- l-den unseres lieben Berlin, fehlen. Der Abgeordnete, wie er sein soll, zur Vervollständigung der Phystognomie der„Saison" ist nothwendtg geworden. Wenn er geht und die Pforten der GesttzgedungStempel am Dönhofiplatz und dort unten in der Leipzigerstiaße am Schilderhäuschen fich schließen, dann dauern Tausende, die so gut rechnende Wirthin, zumeist eine ehrsame Schuhmacher«, oder SchnetderSgastin, der Weinhändler und sein Oberkellner, der Kafetier und noch viele, viele Andere. Der LandeSbote führt ein rechtes Doppelleben, wie kaum ein Anderer. Am Tage in der Kammer ein LandeSvater, der Da Trum Dlamu's. Eine orientalische Legende von Hugo Klein. Wachdruck verboten.) Der Khalif Merwa« IL erhielt von seinem Volke den Beiname» des„«fei« von Mesopotamien", wobei zu ko«. ßatiren ist, daß diese Titulatur gar nicht« respektirlicheS sn sich hatte Da« Trauthier mst de« langen Ohren g.lt eben »ur im Abendlande al« die Verkörperung der Dummheit und einfältigen Geduld. Z« Arabien aber weiß man da« nütz- liche Thier bester zu würdigen, ja e» ist wegen seiaer uner- müdliche« Ausdauer und zähen Kraft beim Er-ragea von Strapazen aller Art hochgeschätzt. Der Beiname eine«..Esel« von Mesopotamien" enthielt also für den letzte« der Omme- lade» in Arabien eine höchst ehrenvoll« Qualifikation. Meiwa» war trotz seiner persönlichen Tcpferkeit und anderer Charaktertugende», die«an ihm vachtühmte, ern nvglüchlicher Henscher. Er büßte für die Sünden seiner -vorfahre� deren gewaltthätigeS Regime dem Cramme die entfremdet hatte. Al, Abul AbbaS, der erste deS « i*1*** Abasfide», sein Banner eorfaltete, jauchzte thm Arabre» zu. Und dem kühne« Emporkömmling, der da 9vui0i' cnl JLe zu erober«, stand da« Glück zur Seite. Die Heerführer Merwan'» wurden überall geschlagen und io i J�be zu einem neuen Triumpfe des »Ä&»»% WäS s« über dessen Wohl und Wehe entscheidet und un« unsere Le- denSgesetze vorschreibt, von unS mit Ehrfurcht angestaunt, wenn wtr auf der Zahörertribüne fiyen und ihn auf seinem kurulischen Seffel thronen sehen— wird er, so bald die Nacht ihren Schleier über die Weltstadt gebreitet, daS Prototyv de, „guten OnkelS", seine Würde ablegend wie rinen lästigen Uederzieher und stch unter die Fröhlichen mischend und mit der Blüthe der Berliner Jugend an dem Becher der Welt stadt-Lust um die W'ste schlürfend.—— Kein Ort ist zu dunkel, den der Landbote, Licht und Segen spendend, nicht aufsuchen würde, keine Nachtstunde zu früh, mit der e« der Volksvertreter auf seinen Studienreisen nicht ausnehmen wollte und in manchem CatS, an welchem die In- schrist, au, Dante'«„dmna commedia" variirt, angebracht sein könnte:„Laßt die Familie draußen, die Ihr hier eintretet", tritt der fröhliche Gesetzgeber ein. Wo immer er aber auch er- scheint, beweist er, daß die ernste Arbeit der GesetzgebungS Maschinerie seinen Sinn für Frauenschöne nicht zerstört hat und daß ihn langwierige Kommisfionsberathungen, FraktionS> fitzungen und die oft trockenen Verhandlungen im Plenum der holden Minne, die ja in Berlin wild wächst, nicht abwendig gemacht. Mancher biedere Provinztale, der seinen Landrath, seinen Bürgermeister, seinen Stadtrath immer so zugeknöp't ge> sehen und den Mann seineS respektvollsten Vertrauens ganzer- gebenst in den Land- oder R-ichstag grwählt, würde baß er- staunen, wenn er seinen Vertreter in Berlin so wenig zugekr Soft und so lebensfreudig sähe. In Berlin taucht aber der Erste oller Honoratioren von Mottenburg und der„angesehenste GutSbefitzer seiner Gegend"— im Gewühl der großen Stadt unerkannt und mit Freuden unter, von den W-llen der LebenS fülle an den Strand der Lust und der Erholung getrieben. Hier ist er Mensch, hier will er'S sein, der liebe Onkel vom Lande, der„liebe Onkel". Im schlechten Sinne? O nein— mil Nichten. Mit Nichten, die sehr oft im Jahre Geburtstag und immer Hunger und Durst haben. Schmerzeriüllt und wehmuthSvoll trennt fich der LandeSdote, wenn die Stunde de, Land- oder ReichitagSschU.ff.-Z naht, von seinen ernsten Pfl chten, um wieder zu seinen„heimischen Och«en" und dem soliden, ab gemessenen Honoratiorenleben zurückzukehren, in welchem er der Jugend ein leuchtendes Vorbild von Staattbürgeitugend ist. Ader auch sein Scheiden hinterläßt manche Lücke im Leben und Etat der Weltstadt. Die Wirthin beklagt den Verlust ihre« seinen„möblirten Herrn", der„mit dem Kaffee und so" nicht so genau war und auch anderen Elementen fehlt der ge- müthliche alte Herr, d-m eS„auf ein paar Märker" gar nicht ankam. Kurz, der echte rechte LandeSbote, der fich Mühe giebt, mit den V-rhSltniffen Berlin» vertraut zu werden, gehört nun einmal schon zum Gepräge unserer Weltstadt. In Folge der erfolgte« Schaffung zweier Konkurrenz Institute sür die kaiserlich« Stavtpost BriesdesteUung wird, so heißt e«, nunmehr die Reichipostverwaltung eine Ermäßigung de, PortosatzeS herbeiführen, um den b-iven Prtvatanstalten den Boden für ein weiteres erfolgreiches Geschäft zu entziehen. Diese Befürchtung, welche sehr leicht zur Thatsache werden kann, bestand bereit« bei einer Anzahl hiefiger Persönlichkeiten, vre — wie auch seiner Zeit berichtet wurde— mit einer großen Summe(1 Million Marl) ein«ricfbestellungS- Institut für Berlin errichten wollten, welche» mit noch giöjjcrer Schnellig kett al« die Stadtpost und mit geringen PoriosStzen sowohl Werth- alS gewöhnliche Lriefsendungen bestellen sollte. Die Finanzier«, Venen daS Projekt zur eventuellen Subvention be- ztehungsweise Betheiligung vorgelegt wurde, verhielten fich aber passtv, denn fie sagten fich, daß der berechnete Verdienst dei den ermäßigten Portosätzen illusorisch werde, wenn die Post. Verwaltung ebenfalls die Portosätze reduzire. Daß daS Pu< blikum selbst dann der kaiserlichen Post treu bleiben wird, wenn zwischen den beiden Sätzen noch eine kleine Differenz besteht, liegt auf der Hand, denn unbedingt ist hier die Bestellung eine promptere und fichere. Für die jetzt errichteten beiden P'ivat- Briefbestell Institute liegt die Befürchtung vor, daß ihre Tage gezählt find, wenn die kaiserliche Reichipostverwaltung eine Er- Mäßigung de« StadtbriefportoS thatfachlich eintreten läßt. Die gegen daS Geheimmtttelwefe« vom hiesigen Polizeiprästoium getroffenen Maßnahmen sollen fich, Dank der Unterstützung, welche besonder« die Presse diesen Bemühungen zu Theil werden läßt, eines ganz bedeutenden Erfolge« er- fr'UlN. Die öffentlichen Anpreisungen werihloser Geheimmittel find seltener geworden und die H-rrcn Wunderdoktoren ver legen den Schauplatz ihrer Thätigkeit außerhalb unserer Stadt. zum Stehen bringen. Die Truppen hielten ihn für ein Phan- tom und flohen entsetzt au« seiner Nähe. Die Thore der Städte, vor welche« er erschien, schlössen sich vor ihm, dem Geschlagene» und Befiegten. Er mußte ein Alyl in Egypten suchen; dort fiel er in einen Hinterhalt und wurde von tückischen Meuchelmörder» niedergemacht. Man sandte Abul AbbaS seinen Kopf. So starb Merwan H, auf dessen Siegel die angesichi« seiner Schicksale doppelt bedeutungsvolle» Worte zu lesen waren: Du h tischest; roch erinnere Dich de« Tode«." Da« ganze Geschlecht der Om» mejade« wurde von dem Nbasfide« ausgerottet. Bio« ein letzter Sptößling de« Geschlechtes flüchtete sich«ach Spanien, wo er ein seldstständize« Khalifat grüadete. Gleich unglücklich wie al« Regent war Merwan al« Mensch. Sei» Kämpfe und Schlachte«, seine Siege und sei« Untergang gehören der Geschichte an. Hier sei nur da« unglückliche Liebesabenteuer seine« Leben« erzählt. Auf dem ersten seiner Kriegszüge, da er zum erste» Male unter einem Kriegtzelte schlief, hatte der Khalif eine« seltsamen Traum. Zwischen rosigen Wolken erschien ihm ein herrlicher Frauenkopf, der nicht« von den braune« Töchter» Arabien« an fich hatte. ES war eine Beautä ganz«xotischer Art, ste gerade deshalb auf den Nachfolger de« Propheten einen außergewöhnlichen Reiz ausüben mußte. Es war ein Ge- icht, auf d-sse« blendend weißer Haut ei« rosiger Schimmer aq und welche« eine Fluth reicher goldroiher Locke« um- wallte, wie fie Merwa» bis dahin nie mit Auge» gesehen »atte. Er sah»icht« wie diese« anmuthige Haupt und den Rand einer runde« Schulter, auf den da« Golvhaar herab- fiel: alle andere» Theile dieser zweifelsohne liedreiz-ndea, wunderholden Gestalt waren von dem eifersüchtigen Wolke». chleier verhüllt. Das schöne Frauenbild lächelte ihm holdsel'g zu. Dana zerthellte sich die Wolke ein wenig n ad Merwa» sah eine« runde», wunderbar geformte« weißen Arm wtt ISÄIÄ'%%% bleiben aber immer möglichst in der Nähe, denn in der Stadt der Intelligenz giebt te unter ihren Einwohnern noch immer zahlreich« Leute, we che den Gang zum Wunderdok or nicht verschwäben, wenn ihnen die Anorvnungin des Arztes unbe- quem find, oder dieser ein lanawiertgeS Heilveriahren in Aussicht stellt. Um nun auch die Uwgegend Berlin« vor den Arzneien der Heiikünftler zu wa n-n, hat das Kultu»-- mtnist-rium angeordnet, daß die Veröffentlichungen de« Ber» liner Polizeipräsidium« über wrrlh oie oder unwirksame Ge- Heimmittel auch in den«mtS und KreitdlSttern der angrenzenden Bezirke bekannt gemacht werden sollen. Zugleich werden»ie AmtSbehördm darauf aufmerksam gemacht, daß da« hiestge Polizetpräfi tum bereit ist in den einzelnen Fällen Auskunft auf auSwärtiae Anfragen darüber zu eriherlen, od ein dort angepriesene» Geheimmittel für die angegevenen Zw'cke schädlich, unwiiksam oder zu geringerem P eise zu de» ziehen ist. Die meisten G h-immi>tel bestehen bekanntlich au« Aizneist ffrn, die in allen Apotheken zu billigen P ei'en zu haben find und von den Wund>rärzten zu exorbitanten Preisen verkauft weiden. Die ärztlichen Mittheilungen des Polizei» PräfidiumS werden an andere Behörden ste S kostenfrei erfolgen. — Gegen die Einrichtung an stch ist niedts einzuwenden; aber wäre r« nicht b.ffer, wenn an Stelle der Pultiei eine Medizinal» behörde dufe Dinge in die Hand nähme? Da» Ritchtgefund» hettSamt, dessen Scheinex stenz schon wiederholt zu scharfen Bemerkungen im Reichtiage Anlaß gegeben hat, könnte hier vielleicht ein s-hr populäre« und dankbare« Feld für feine Thätigkeit finden. Verjchwnndene Länderets« auf dem rechte« Uf-r der Spree zwischen Berlin undKövenick Häven die Regierung zu PolSvam vc; anlaßt, eine R-v fion der Flurkarten dieser ganzen Strecke und in Folge dessen eine Neuverm ffung vor- nehmen zu lassen. Bei Du chstcht der alten Rezesse hat fich ergeben, daß ein großer Therl der ehemals fiskalischen Grund» stücke gar nicht m�h ooihanden, dezw. in Privaidefitz überge» gangen ist, ohne daß Kaufvertiäge oder sonst Schriftstücke über statlgehadten Bcfttzmechiel vorhanden find. Gegenwä-tig findet nun eine Vermeffung der geiammten Ufe-giunvstücke auf dem rechten Sp.eeufer zwischen Berlin und Köpenick um -ine Feststellung der Grenzen derselben statt, um danach die alten Befitzverhältniffe und das fiskalische Eigenthum wieder feststellen zu können. Diese Arbeiten können bri dem ungünstigen W-'ter und dem feuchten Zustand der vielen tiefliegenden Wiesen von den betreffenden Geometern nur sehr langsam und unter großen Schwierigkeiten gefördert w-rden. Gegen übermäßiges Schwitze« im Sommer. Die dem Anichein nach wieder waim werdende Jahreszeit erzeugt eine übergroße, sehr lästige TranSpiralion dcS KS- per«, auch ohne daß man stch hervorragend kö perlich anstrengt. Da« einfachste, beste und zugleich unschädlichste Mutel, um dem starken Schwitzen vorzubeugen, find mäßig kalte Waschungen de« ganzen Körper«, welche täglich früh und Abend« vorge» nommen weiden müff-n uid wodurch die Haut nach und nach abgehärtet wird. Warme Bäder taugen nich«, weil sie zur Verweichlichung der Haut beitragen, dagegen find kalte Bäder ebenfalls zu ewv'ehlen, wobei jedoch die Haut tüchtig gerteben werden muß. E n medizinische« Journal empfi hlt hierbei, den Bädern eine klein« Quantität elstgsaurre« Blei(Lletzuckei) zu- zuteyen; am Tage, wo man ein Bad mit 10 Gramm Blei» »ucker nimmt, soll man. wie da« erwähnte Blatt ausführt, die größte Hitze ertiagen lönnen ohne zu schwitzen. Da« Journal fügt hinzu, daß der Bleizucker— bekanntlich ein starke« Gift """ , Die Wasserpflanzen, welche fich alljährlich in der Spree Arbeit— herausgerissen zu werden, find bereit« wieder derartig gewachsen, daß die Spree an einzelnen Stellen ganz grün erscheint. Alljährlich, wenn wir im Zeichen der Landpartie« stehe«, passirt e« wohl jedem, daß er von naiurswwärmertschen Auiflüglern nach dem Weiter d.» kommenden Tage» gefragt wird. ES ist bekannt, daß da« Proph.zeien an stch schon eine schwierige und seltene Kunst ist, aber da« Welte, proph zeien ist vor allem eine undankbare. Durch eine undevachle, leichtstnnige Aeußerung über kommende Regenveihällmsse hat fich wohl fie dem Sireiter Mohammed« zu Füße» fallen und dann — erwachte Merwan. Da« selisam schöne Haupt hatte da« Herz Merwa»'« bezaubert. Er ließ sofort einen frommen PiUster hole», der sich gerade im Lager befand, einen hochverehrten Der» wisch, der sein« Tage zur höhern Ehre Allah'« und der dunklen K llernacht eine« syrische, Kloster« veib, achte und welcher seine Geißelungen und Kastetunge« nur unterbrochen hatte, um eine Pilgerfahrt nach dem Grabe de« Propheten zu machen, auf der er soeben begriffen war. Merwan erzählte diesem Manne seine Geschichte und sagte: „Derwisch, deute mir de« Traum 1" Der Derwisch senkte da» welke Haupt zur Erde, faltete die zitternde» Hände und that wie ihm geheißen war. „Du hast Deine Geliebte im Traum gesehe», allmäch. tiger Herrscher, da« Weib, da« Dich an de» Garten Mo- hammed» mahnen soll und die Freude», welche Dich dort erwarten." „Und wa» weiter?" .Aber die rothe Rose bedeutet Blut." Der Khalif blickte sinvenb in die Ferne. „Blut?" sagte er.„Zch denk« wohl. Ich werde«ir dt« Holde in einem blutigen Kampfe erobern." Der Derwisch schwieg zu dieser Ergänzung seiner Pro» phetie. Merwan entließ ihn reichbeschenkt. Durch alle Kriege und Schlachten begleitete da« Traum» bild den KhalUev. Zm heftigsten Kamp getümmel erschic» plötzlich vor ihm da» liebliche Haupt mit dem krausen Haar von goldrothem Glänze. Und im Wachen unv Träumen dachte er»ur an fie, die ihn in dieser Welt schon beglück«« ollte, wie e« die fromme Phantasie der Gläubigen nur von ener ander«, schönera, erwartet. Aber an die dunkelrothe Rose, die Blut bedeutete, ver» goß er im Lause der Zeiten, so Ubhaft auch die Züge der G- liebten und jeder andere Umstand der traumhafte» Er» scheinuvg ihm gegenwärtig bliebe». Jahrelang jagte er seinem Traumbild«ach, ohne es schon so mancher einen durchnäßten Damenhut oder ein un> brauchbar gewordenes Klrtd auf das Gcwiffen geladen, und heftiger Groll war der Dank für den Propheten. Ei könnte das natürlich garnicht vorkommen, wenn man bei Abgab« von Prophezeiungen immer die nöthige Vorficht beobachtete. Die folgenden Wetterregeln würden auch dem kühnsten Wahrsager keine Verlegenheiten bereiten: „Kommt der Regen aui Norden, dem kalten, Mußt du den Schirm nickt nach Süden hallen. Wenn der Rauch ganz senkrecht in die Höhe geht, So merke, daß zur Zeit der Wind nicht weht. Fällt daS Barometer in den Frühlingiwochen, So kauf' ein neues, wenn ei ist zerbrochen. Regnet«S am Siebenschläfer ins grüne Gras, So nimm den Schirm mit, sonst wirst du naß. Ist um Johanni große Hitzen, Dann werden Mensch und Thiere schwitzen. Schreien um Martini vor Kälte die Dohlen, Mußt du den Paletot vom Lethamt holen. Wenn der Hase seist zu Holze ziehen thut, So laß ihn braten, dann schmeckt er gut. Dreht fich der Wind von Süden nach Westen, So laß ihn fich drehen, das ist so am besten. Giebt'S im April viel Regengüsse, Dann kriegt man draußen nasse Füße. Zieht früh im Herbst die Lerche fort, Dann sucht ste ficher einen anderen Ort. Sind im Mai vom Schnee die Felder frei, Ist's mit dem Schlittenfahren auch vorbei. Wenn um Marien die Sonne sticht, Geh' in den Schatten, dann merkst du'S nicht." Sich selbst bestohle«! Der Schneidermeister M. war ein ganz prächtiges«erlchen, wenn er nur nicht eine Schwäche gehabt hätte— die übrigens nicht allein dem Ritter von der Nadel eigentbümlich ist— er zeigte eine große Verehrung für einen guten Schluck; diese Schwäche war aber um so entschuld' barer, als der Meister gewöhnlichen Fusel verschmähte und nur sein Augenmerk auf„etwas feines" richtete. Schneidermeister M. nun ging neulich— es war ein Tag vor seinem GeburtS« tage— in Abwesenheit seiner F.-au in den Keller hinab, um einige Bretter sür eine improoistrte Festtafel zu holen. Um zu dem ihm gehörigen Keller zu gelangen, mußte er an einem an- deren vorbei, in dem er ein paar Flaschen Wein demerste. Wehmüthig blieb er einige Augenblicke fiitnend stehen, zu ver- lockend winkten die schönen Flaschen. Unwillkürlich trat er noch näher und, er wußte selbst nicht wie eS geschah— plötzlich steckte der Schlüssel, den er in der Hand hiell, im Schloß. Ein etwas kiästiger Druck und die Thür ging auf. Ein kurzes Zögern, dann ein schneller Griff, und in jeder Hand eine Flasche, trat er den Rückweg an. Vergessen war die Fest> tafel, vergessen der Geburtttaa, M. schwelgte im Genuß deS Rebensaftes. Als seine Ehehälfte zurückkehrte, fand fie den theuren Gemahl in seltsam freudiger Stimmung. Als fie ihren „Emil" sanft aber nachvrückiich verwies, tlöstete er sein Weib« chcm die ihm vorhielt, er möge sein Geld sparen, damit, daß eine gütige Fee ihm den Göttertrank gebracht habe. Freilich fanden diese Reden bei der besseren Hälste kein Gehör; am anderen Tage wurde M. von ihr mit einem Blumentops und einem großen Kuchen überrascht.„Das beste, lieber Mann, 3k...... «aS ich Dir zugedacht, ist mir leider auf räthselhafte W-isc auS dem Keller gestohlen worden," sprach die betrübte Gattin; „eS waren zwei Flaschen Wein." Eine furchtbare Ahnung stieg in dem noch etwaS schwerem Hirn des Meisters auf. er be« giebt fich mll seiner Frau in den Keller hinab und richlig, fie bleibt vor der Thüre stehen, welche er mit dem falschm Schlüssel gestem geöffnet hatte.„Aber das ist doch nicht unser Keller," wendet der Meister M. kleinlaut ein.„Ach, ich vergaß ei Dir zu sagen, daß der Wiith uns seit einiger Zeit diesen Raum zur Benutzung gegeben hat." Nun blieb kein Zweifel mehr, M. hatte fich selbst bestohlen. Ein so unerfreuliches Geburts- tagSfest halte er noch nicht erlebt. Als er am Abend statt deS funkelnden WeineS ganz gewöhnliches Bier trinken mußte, löste fich der Bann seiner Zunge und halb ärgerlich, halb verlegen erzählte er den dummen Streich, den er begangen, seiner er- staunten Gattin. Et« Uebersall mit komische« Ausgange verdient gegenüber der großen Zahl von Uederfällen mit verhängniß- vollem Schluß Erwähnung. Ein in der Ltndenstraße wohnen- der Kaufmann kehrte von einem weiteren Spaziergange in der Nacht zum Montag heim und pasfiite hierbei den Kreuzberg. In der Nähe des„ThürmchenS" trat plötzlich ein großer Mann vor ihn hin, fragte den Kaufmann nach einer ihm unbekannten Straße und bierauS entspann fich ein Wortwechsel, in dessen Verlauf der Fremd« mit geballter Faust auf den anfangs ganz verblüfften Kaufmann einhied, dieser, eine untersetzte, kräftige Person, gewann nun aber seine Geistesgegenwart wieder und setzte fich so energisch zur Wehre, daß sein Gegner fich plötzlich umwandte und davonlief. In der Annahme, daß er mehrere in den Gebüschen versteckt liegende Freunde herbeirufen würde, suchte unser Kuufmann so schnell wre möglich davonzukommen. Hierbei kam er in der Dunkelheit zu Fall und schlug derartig wiederzufinden. Er gab es schließlich auf, fich in der Sehn- sucht«ach einem Phantasiegebrlde zu verzehren, da«, wie es schien, keine Verkörperung gefunden hatte. WaS wußte der Derwisch davon, der die TrSu«e deutet, weil man es ihm befiehlt? Merwan schien es ausgemacht: die Schöne, die Einzige, die seine kranke Seele mit dem Balsam der Liebe heile« konnte, war nicht von dieser Erde. Er konnte darum da« entzückende Bild nicht vergesse«, aber er verweilte bei demselben nur, wie bei der süßen Erinnerung an eine schöne Hoffnung, die ihn einmal beglückte, welche aber nicht in Erfüllung gegange» war und nie in Erfüllung gehen sollte. Die Christen in Arabien sahen in Merwan einen ihrer grausamste» Bedrücker. Der Khalif unternahm einmal einen spezielle« Zug nach Egypten, um dort gegen die fremde Lehre mit Feuer und Schwert zu wüthen, die Christen, die de« Glauben Mohammed« nicht annnehmen wollten, pfähle» und kreuzigen zu lasse«, ihre Hütten und Häuser dem Erd- boden gleichzumachen, ihre Kirchen und Klöster in Brand zu stecken. Auf diesem Zuge überfiel er auch eine kleine Ortschaft, die de» Namen Anim führte. Seine Truppe« wüthete« hier mit bestialischer Grausamkeit. Bald bildeten die fried- liche« Wohnungen nur ein Feuermeer, Alles wurde nieder- gemetzelt, wa« Widerstand leistete, ja sogar viele Frauen und Kinder wurde» unter grausamen Torturen vom Lebe« zum Tode gebracht. Andere schleppte man in die Sklaverei. Merwan ritt während der Metzelet, der Zerstörung uvd Verwüstung durch die Gasse« der kleinen Oltschast und ge- langte auch vor das nämliche Kloster von Anim, von dessen niederem Dache die rothen Feuergarben emporzüngelte«. Eben flüchteten fich die Nonne» aus ihrem brennende« A yle. Die wilde» Krieger warfen mtt de» Speere««ach deu wehrlosen Zungfcaueo, welche ihre Rosenkränze küßte«, da fie den Todesstoß empfingm. Da flüchtete eine letzte Nonne aus dem brennende« Hause. Sie strauchelte über die Leiche einer hingemordete« Gefährtin und fiel in da« Knie. Be, dem Sturze glitt da« Kopstuch von ihrem Haupte und eine reich« Fülle goldrother Locken wallte in anmuthigen Welle» auf das grobe Gewand herab, das ihre Schulter» bedeckte. mit dem Geficht zur Erde, daß er die Hilfe der SanttätSwache in der Margrafenstraße in Bn'piuch nehmen mußt«. Daß zwei Personen vor einander Angst bekomm!« und ReißauS nehmen, dürfte nur in den seliensten Fällen zu konstatiren sein. Glücklicherweise wird der Unfall keine ernsten Folgen haben. Ein ziemlich gefährliches Spielzeug find unter Um- ständen jene lleinen bunten LuttbaUon«, die eine so große«n. ziedungskraft auf unsere Jugend ausüben. Folgender Vorfall, der sich am Sonntag gegen Abend in der Neuendorfer Straße in Spandau zutrug, ist ganz geeignet, zur Vo ficht bei der scheinbar so barmlosen Spielerei zu mahnen. Ein Herr kam, mit seinem Kinde auf dem Arme, da» einen solchen Ballon an einer Scknur tt ug, von dem Schützer platze. Da trieb der ziemlich starke Wind den Ballon kräettg gegen die brennende Zigarre de« Vaters, plötzlich ertönte ein scharfer Knall, und einen Augenblick stand der Mann wie geblendet von der Flamme deS explodi'rten Körpers. DaS Kind blieb zum Glück unverletzt, doch waren der Bart und die Augenbrauen des Mannes stark versrngt. Bei einem Versuch, den sofott ein anderer Herr mit einem ähnlichen Ballon vornahm, erfolgte ebenfalls eine kleine Explofion. Es scheint also, als ob die bunten Grimmihüllen durchweg mit«xvlofivem Gas gefüllt find, welches fich bei der Berührung mtt offenem Feuer«nt- zündet. Im Rausch. Ein in der Großen F ankfurterstraße wohnender Kanzlist Theodor W. begab fich Sonntag Abend im angetrunkenen Zustande zu seiner in der Jnoaliverstc. 38 wohnenden Mutter. Als diese ihm über seinen Zustand wohl- gemeinte Vorhaltungen machte, wurde W. so wüthend, daß er Alles demolirte, waS ihm in der Wohnung unter die Hä.de kam. Erst durch die Intervention anderer Hausbewohner konnte der ZerstörungSwuth Einhalt gethan werden. W. hatte fich bei dem Exzeß an beiden Händen die PuISadein aufgeschnitten und mußte, anstatt in daS Polizeigcwahrsam durch einen Schutz- mann nach der königlichen Charitee geschafft werden. Ueber Dtphtherttts enthält der„Königlich Preußische Staatsanzeiger" folgende Mrttherlung:„Es giebt kaum eine Krankheit, welche in dem letzten Jahrzehnt so viel Kummer und Schmerz über zahlreiche mit Kindern gesegnete Familien gebracht hat, wie die Divhiheritis. Dieses Schreckgespenst verschont weder Arm noch Reich, weder Hütte noch Palast. Die Aerzte haben eS an Bemühungen nicht fehlen lassen, um dieses furcht« baren Feindes Herr zu werden, leider aber blieben dieselben der Krankheit im Allgemeinen gegenüber bisher ohne Erfolg. Auch alle die unzähligen Medikamente, welche dagegen in Vorschlag und Anwendung gebracht wurden, habrn leider in wenig ge. nügender Weise zur H-ilung geführt. Diese Mittel haben sich denn auch nach und nach in der Praxis gegenseitig verdrängt, um stetS wiederum neuen, vermeintlich wirksameren Platz zu machen; in letzterer Zeit sta- d daS Terpentinöl in besonderer Gunst, das fich aber eben so wenig im Allgemeinen bewähren dürfte, wie die früher angewandten Mittel. Bei dieser Vach- läge und in Betracht der Bedeutung, wrlche eine endlisch« Lösung der Frage sür die unter dieser Geißel in steter Angst ledenden Familien haben würde, sei auf eine Behandlungsart der Krank- heit hingewiesen, die fich nicht nur durch ihre Einfachhe t empfiehlt, sondern welcher auch deachicnswerthe Heilerfolge zur Seite stehen, da bei den so behandelten Patienten laut statiüi- schen Berichten die Zahl der Todesfälle bisher nur 2 bis 3 P.ozent deträgt. Der Erfinder dieser H-ilmithode, Dr. G. F. WachSmuth, Hai darüber in der„Allgemeinen medizinischen Zentral- Zeitung" ausführlichere Mittherlungen gemacht und dieselben auch wissenschaftlich zu begründen gesucht. Im Wesentlichen besteht seine Methode danach in einer starken Schwitzkur mittel« Etnwickclung der kitinen Patienten in nasse Laken und wollene Decken, sowie dann folgenden Bädern und Abwaschungen. Di« Behandlung setze die iödiliche Fieber. temperatur herab und scheide den Kranlheittstrss so energisch und schnell aus dem Körper, daß Heilung meist schcn in zwei bis vier Tagen erreicht werde. Besonders sei es die durch die starke Transpiration bewirkte W�sserentzirhung, welche, wie Dr. W. in der wiss-nschastlichen Begründung seiner Methode ausführt, den Salzgehalt des Blutes tonzrntrire und somit den parasitären, Krankheit erregenden Organismen den Nährstoff raube. Das Hauptgewicht legt der E.finder dieser Behandlungs« art auf die rationelle Ausführung der Entwickelungen, Applr- z-rung von Komvressen, Abwaschungen it., welche der Arzt dem jedesmaligen Falle anzupassen hat und die unter seiner Leitung von geübten Heilgehilfen oder Krankenwärtern methodisch de- sorgt werden müss-n. Dr. W. läßt eS fich daher angelegen sein, in besonderen gnstruktioitSstunden ein für all- Einzelheiten seiner Behandlung sorgfältig geschultes und geschick-eS Personal auszubilden. Zu diesen Vorträgen hat auch bereits eine aui- wältige städtische Behörde Heilgebilfen hergesandt. Obgleich und weil seine Handlungsweise die einfachste sei, mernt Dr. WachSmuth,«erde fie Siegerin über alle anderen bleiben; denn eS wirke keine andere so schnell und so ficher durch Hautihätig» kett und Förderung deS Stoffwechsels, da die Haut die giößte und beste Angriffsfläche bchufS Erwirkung der Ausscheidung von allerlei Krankhettsstoffen biete, eine Ueberzeugung, die ja Merwan blickte starr auf di se Nonne uvd vun, da fie daS Haupt umwandte und er ihr in das Antlitz blicken konnte, durchrieselte ein süßer Schauer seine Glieder. Sie war eS, sie war es wirklich— er hatte sie gefunden, endlich gefunden«ach vielen Jahren, da er längst aufgegeben, sie wiederzufinden! DaS war fie wirklich, die leibhaftige Ver- körperung jener vorahnuogSoollen Traumerscheinung, welche die Sehnsucht mit überirdische« Reizen ausstattete. Das war dasselbe herrliche Lockenhaar vo« der fremd« artigen Wunderfarbe, da« waren dieselbe« lieblichen Züge, dieselbe« hellblaue» Auge» von unsagbarem Reize, da« war derselbe schöne Arm mit derselben kleine», weißen, zier« liche« Hand— es war Alle«, wie er es im Traume gesehe». Nur der Ausdruck des schöne« Gesichte« war nicht der« selbe. Er hatte es im Traume hold lächeln gesehen und nun malte fich tiefer Glanz in dem engelgleichen Autlitze, da die Braut des Herrn ei» Kreuz, welche« an ihrem Gürtel hing, mit verzweifelter Geberde an die Brust drückte. I« diesem Augenblicke flog ei» Speer an dem Haupte der Dulderin vorbei— Merwan fuhr empor uvd streckte mit einem Schwerthiebe deu Mordgesellev nieder, welcher das kostbare Lebe» zu bedrohen gewagt hatte. Der Khalif gab dann Befehl, diese« Mädchen zu schützen und in sei« Zelt zu führe«. „Sie ist mein!" sagte er.„Niemand unterfange fich, sie auch nur mtt de» Fingerspitzen zu berühren!" Er eilte dann selbst in das Zelt, wo die Schöne mit dem aufgelösten Haar, in dessen Reiz da« Herz de» Khalife« sich verstrickt hatte, feiner harrte. Er achtrte nicht darauf, daß ferne Heerführer— fie wußten nicht, daß der Khalif zum Stelldichein ging— ihn begleiteten und mit ihm das Zelt betraten. Merwan fchrttt rasch auf die Christi» zu und sagte: „Glaube an Allah! Wenn Du auf die Worte des Propheien schwörst, wirst Du die Frau des Khalife«. Ich habe Dich im Traume aeiehe». Dich hat mrr Mohammed bestimmt. Du sollst die Meine sein!" Die Nonne jauchzte mcht freudig über die ihr gewor« gegenwärtig in den auf die Hautpflege und Reinlichkeit des Kö-pde»; toinv mu »Uber» �>eber ai wußten i . Ei» fe a» Den "•»«Hl ge ..Fll „, Der schmalz S Füh S kostb �«ttgebei Uebtt den Selbstmordversuch eine» Studenten wird folgenve» berichtet: Am Sonnabend Abend nahm ein in der Alten Jalodstraße wohnender, au» achtbarer Berliner Familie stammender»tnS. phil. Eugen H. in selbstmöcderischer Adficht Blausäure zu sich. Erst am Sonntag Mittag wurde der junge Mann von seiner Wirthin bewußtlcs im Bett liegend aufge- sunden, und die Polizei in Kenntniß gesetzt. Auf Beranlaffung derselben wurde H. sofort in die Charit« geschafft. Obwohl daselbst am Nachmittag und die ganze Nacht künstliche Ath mungen angew.mdet wurden, ist dennoch keine Befferung ein getreten. Ein eigenthümlicher Fall beunruhigt gegenwärtig unsere penstontrtcn F-uerwehrleute und wird bei der VolkSthümlichkeit der Feuerwehr selbst auch in der Stadt Theilnahme erregen. Ali kürzlich ein penstonirter Feuerwehrmann starb, kam die Wtttwe bei der zuständigen Behörde um Zahlung einer Wittwen penston ein. Darauf ist ihr der Bescheid geworden, daß dafür keine Stiftung oder sonst Mlltel vorhanden seien: Wittwen solcher Feuerwehrleute, die während ihrer Dienst, eit oder ganz kurz nach ihrer Penfionirung sterben, erhalten Pensionen auS der Kaiserin- Augusta- Stiftung: für Wittwen penstonirter Feuer- wehrleute dagegen ist diese Stiftung nicht bestimmt. Dieser Be- scheid ist jedenfalls in den Satzungen begründet; aber dann enthallen die Satzungen eine Unbilligkert, die bei ihrer Ab- faffung nicht beabstchtigt worden fein kann und welcher adge- bolfen werden muß. Die penfionirten Feuerwehrleute befinden stch überhaupt in schwerer Sorge; der erwähnte Fall hat fie ver- anlaßt, ihre Ansprüche zu mustern, und dabei haben fie ge- funden, daß fie gegen unvorhergtsehenes Unglück sehr unzu- reichend geschützt find; eS giebt nicht einmal eine Krankenkaffe für fie. Wir hoffen, daßstch ein Weg finden lassen wird, braven Leuten, die ihre beste Mannet kraft Jahrzehnte lang in unge- wöhnltch schwerem Dienst der öffentlichen Sicher hell gewidmet haben, den Ledeniabend von Sorgen frei zu halten. Mitte« im Schlesischen Bahnhofe befindet fich ein ver- glaster Raum, zu dem eine Treppe hinautsührt. Derselbe gleicht einer riefigen Kommandobrücke einrS SchrffeS und Abends ist er hell erleuchttt. ES ist die Kontrolstation, an welche sämmt- ltche einlaufende Züge von beiden Endpunkten der Stadt- und Ringbahn hergemeldet werden. Der Dienst hier ist ebenso anftrengungt. als verantwortungsvoll. Die Ablösung der Beamten erfolgt alle acht Stunden. � I« Tempelhof ertrank gestern früh ein junger Maler, der fich erst kürzlich vcrh-irathet halte, beim Baden. Welche Riesenarbeit das Entfemen eines einmal ge' legten AsphaltpflasterS mit zemcntirtem Untergrunde ist, kann man jetzt recht deutlich in der Leipziger« und Jerusalemerstraße beobachten, woselbst neue Pferdeettenbahnschienen eingelegt ««den. Obgleich hier Tag und Nacht zahlreiche Arbeiter thärig find, wird verhältnißmäßig nur wenig geschafft. ES dauert stets 10 bis 15 Minuten, ehe einer der starken Meißel mtt wuchtigen Schlägen in die steinartige Masse getrieben und ein Stück vcS Untergrundes abgesprengt wird. Durch diese Mühsame und zeitraubende Arbeit entstehen nicht nur sehr be- deutende Kosten, sondern der Verkehr wird auch durch die Langwierigkeit der Fertigstellung sehr gehindert. Andererseits Muß aber auch anerkannt werden, daß VaS ASphaltpflaster mit ttmentirtem Untergrund da» best« ist, weil eS eine sehr große WiderstandSsähiglett befitzt. Bewegung der Bevölkernng Berlin» nach den Ver- offentlichungen des statistischen Amt» der Stadt. Die fortge- schriedtne Bevölkerungszahl betrug am 5. Juni inkl. der nach- täglichen An- und Abmeldungen 1 335 070, hat fich demnach gegen die Woche vorher um 201 Seelen vermehrt. In der Woche vom 6. bis 12. Juni wurden polizeilich gemeldet 2841 wgezogene, 2220 fortge, ogene Personen; standesamtlich wurden fß3 Ehen geschloffen. Geboren wurden 844 Kinder, und zwar Übend: 408 männliche, 400 weibliche, zusammen 808(darunter % außereheliche), todt 24 männliche, 12 weibliche, zusammen %(darunter 8 außereheliche) Kinder. Die Lebendgeborenen, Mi Jahr berechnet, bilden 31,0, die Todtgeborenen 1,4 pro Äille der Bevölkerung, die außerehelich Geborenen 12 68 pCt. aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Ledend- Srborenen 11,73, die bei den Todtgeborenen 22,22 pCt. In der Igl. Charit ee und Entbindung»- Anstalt wurden 38 Kinder Geboren Gestorden(ohne Todtgeborene) find 676, nämlich =58 männliche, 318 weibliche Personen. Von diesen waren unter 1 Jahr alt 321(inkl. 57 außereheliche). IM* 5 Jahre 92(inkl. 10 außereheliche). 5 diS 10 Jahre 17. 10 bi» 15 Jahre 6, 15 bis 20 Jahre 4. 20 bi« 30 Jahre 33, 30 bis 40 Jahre 47, 40 bi» 60 Jahre 77, 60 bis 80 Jahre 85, über 80 Jahre 14. Bie Sterbefälle beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 61,09 vCt. sämmtlicher in dieser Woche Gestorbenen aus. Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Kindern starben 61 im ersten, 24 im zweiten, 41 im dritten, 35 im vierten, 33 im fünften, 40 im sechsten, 97 im fiedenten bi» zwölften LebenSmonate; uon denselhen waren ernährt 26 mit Muttermilch, 1 mit Ammenmilch, 197 mit Thiermilch, 6 mit Mtlchsurrogaten, 61 mit Gemischter Nahiung, von 30 war eS unbekannt. Todesursachen waren besonders: Lungenschwindsucht(75), Lungenentzün- einige« Gotte weihen und«eine Gebote frei zum Himmel Achten kann. Ich will Dir dafür da» Teheimmß einer «albe enthüllen, die jede« Theil de» Körper» unverletzbar wacht, de« man damit bestreicht.* Merwan lächelte ungläubig. „„Und woher hast Du da« Geheimniß dieser wunder- thitigen Salbe?* „Der Heilige hat e» mir hinterlasse», der unser Kloster Mündete. Er hat e« in alten Schrrftea aufgezeichnet ge- landen und mir seine« Schatz auf dem Todtenbette über- Sebe»." Merwan machte eine abwehrende Bewegung mit der Zand. Da hörte er indessen eine Stimme in seiner Aihe. „Für diese» Preis, Herr, lasse fie ziehen." Merwan bemerkte erst jetzt, daß feine Räthe im Kreise ih» stände». Der Weiseste derselbe« hatte gesprochen r« in einem Augenblicke erfaßte Merwan de» tiefe» Sinn an ihn gerichtete», wohlbetonte» Worte. 3a, wen» e« �»e Salbe gäbe, die ihn unverletzlich mache» könnte, ja wen» fich nur der Ruf seiner Un verletzlichkeit, einer un- Zweifelhaften G»ade Totti», einer jeden Widerstand bezwia- Mnde» physische» Kraft durch die Lande verbreiten würde, ®an« mußte ihm das Volk, da» an die Wunder glaubt, witder i» Sckaare« zuströme». Dan« mußte der Sieg wieder an feine Fahne» gekettet sei», die Schwankenden wußte» wieder fest zu ihm halte«, die Zwerfler mußte« ent. waffnet, die Gegner vernichtet sei». . Ein morscher Thron war mit dieser Salbe wieder zu- Mtmenzukrtten— Merwan hatte die Wahl zwischen diesem 9to»e und seinem LebenSglücke. 9%. Den» er fühlte e«, sein Lebe»»glück hing an diesem �krbe. O, daß er fie nie gesehen hätte, statt vor diese "hl gestellt zu sei«. »Für diese« Preis, Herr, lasse fie ziehe».* ». Der um da» Wohl de« Herrn besorgte Knecht sprach L �wal« da» Wort. Merwan sah e» ein, er durfte vor Mbrera seiner Truppe« wenigsten« wegen eine« Weibe» fcei« 6" ei» ruhmreiche» Heldenthum nicht dung(48), Bronchtallatarrh(11), Kehlkopfentzündung(7), Krämpfe(27), Gehirnschlag(12), Gehirn- und Gehirnhautent- zündung(29), Kred»(14), Altersschwäche(19). LebenSschwäche(42), Abzehrung(12), Masern(14), Scharlach(6), Diphtherie(11), Typhu»(1), Diarrhöe(51), Brechdurchfall(134), an anderen Krankbeiten starben 157 und durch Selbstmord 6, davon durch Erschießen 1, durch Erhängen 2, durch Erttinlen 1, — Die Sterblichkeit der Woche auf datJahr derechnet, low men durchschnittlich auf 1000 Bewohner in Berlin 264, in Breilau 29 9, in Frankfurt a. M. 21,5, in Köln 31,3, in Dresden 25,0, in München 33,4, in Bremen 21,8, in Stuttgart 23,7, in Wien 25,2, in Pari« 20,7, in London 16,0, in Liverpool 18,9. In der Woche wurden dem Polizeiprä- fidium gemeldet als erkrankt an TuohuS 17, an Masern 184, an Scharlach 39, an Diphtherie 108, an Pocken 1. In den 9 größeren Krankenhäusern wurden in der Berichtiwoche 763 Kranke aufgenommen, davon litten an Masern 8. an Schar- lach 6, an Diphtherie 17, an TyvhuS 2, an Roie 7. Ei starben 119 Personen oder 17,6 pCt. aller in der Woche Ge- stordenen; als Bestand verblieben 3554 Kranke. inkl. 19. and der Spree in der Woche vom 13. bi» uni 1886.(Angabe in Metern.) Tage Am Oberbaum Dammmühle, Oberwasser. Dammmühle, Unterwasser. 13./6 2,52 2,44 1,04 14V6. 2,48 2,43 1,04 15./6. 2,46 2,42 1,06 16./6. 2,41 2,37 1,04 17y6. 2,41 2,38 1,01 18./6. 2,40 2,36 1,00 19./6. 2,40 2,36 1,00 Markthallen- Bericht von A. Sandmann, städtischem VertmifSvermitiler, Berlin, den 29. Juni. Butter. Die Zufuhren waren in den letzten Tagen sehr belangreich und überstiegen dm Bedarf, so daß nur mtt Mühe einem weiteren PreiSrückganae entgegengetreten werden konnte. Sehr erschwert wurde da« Geschäft durch Eingang von nicht genügend au». Snbeiteter Butter, deren Haltbarkeit beschränkt ist und die nell geräumt werden mußte. ES kostet: feinste oft- und westpreußische 95—100 M., mecklenburger, Priegnitzer 87—90, feine AmISbutter 90—95; II. 80—83, III. 70—78; Landbutter l. 78—80, Ii. 60—70—72.— Käse hat seit einigen Tagen eine erhebliche Preiistetgerung erfahren, weil die bedeutenden Lager ,u geringem Preise fast geräumt find. Es wurde bezahlt: □ Backst-inkSs« I 18-22, II. 11-16 M. per Ztr.; Limburger 30—38 und 16—25; echter Emmenthaler 70—80; I. imitirter 50—60; II. 40—45; echter Hollänver 65 bit 80, rheinischer 45 bis 70 M.- Eier kosten 2,10-2,15 M.-er Schock nach Börsen-Usance.— Gemüse und Odst. Der Markt in diesen Artikeln war heute nicht bedeutend, Pficfiche brachten in der Auktion 2,50 bi» 3.50 p. Kiste von 12— 20 Stück, E dbeeren 30 bi» 40 Pf., Tomaten 1,20 Ms 1,50 Pf., neue Kartoffeln 5M., alte 39.— Polizei-Bericht. Am 28. d. M., Vormittags, wurde ein Mann auf dem Boden eine» Hause« in der Eichendorffftraße erhängt vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem Leichen- schauhause gebracht.— An demselben Tage, Nachmittag», wurde ein 6 Jahre alter Knabe in der Holzmarktstraße in Folge eigener Uavorfichtigkeit überfahren und nicht un- bedeutend verletzt. Er wurde mittelst Droschke nach dem städtischen Krankenhaufe am FriedrichShain gebracht. Gerichts-Zeiwng. -s Die Begründung de» U» theil» im Prozeß»erndt- Ehrtstenfe« lautet therm wesentlichen Inhalt nach wir folgt: Ver Gerichtshof ist mtt dem Herrn Rechtsanwalt Munckel der Anficht, daß die Aufgaben der Polizeibeamten, die eine Misston wie Jbttng zu erfüllen haben, an fich eine schwierige ist, da die Gefahr nahe liegt, daß die Beamten auch beim besten Willen in eine Rolle gerathin, wofür wir, wie Rechtsanwalt Munckel richtig bemerkte, kein deutsches Wort, sondern nur die Bezeichnung„agent provocatenr" haben. ES war nun festzustellen, ob Jhring die Grenzen inne gehalten hat oder nicht. Mit dem Vertheidiger Rechtsanwalt Freudenthal ist der G-richtthof dabei der Anficht, daß der AuSgang deS Prozesses für den Schutzmann Jhring von großer Bedeutung ist; er ist eS aber auch für den Herrn, oer so große und — man kann nicht ander» sagen— aufgebauschte Berichte im Reichstage geliefert hat. Gar nicht ohne Jntereffe ist der Ausgang de» Projeffe« zugleich auch für den ersten Angeklagten, ver mit Jhring in Verbindung getreten ist. Der Gerichtshof ist der Uederzeugung, daß der Tischler Berndt in der That bezahlter Vigiiant de» Jhring gewesen ist. Daß die Thatsachen, welche die Anklage enthält, von den Angeklagten dem Reich»- tagiabgeordneten Singer mitgetheilt und dadurch verbreitet worden find, steht fest; daß fie nachher im Reichstage von Singer vorgebracht worden find, ist nicht weiter maßgebend. Doch— war diese» Mädchen nicht um seinen Preis zu betrügen? Der Gedanke durchzuckte in der Qual de» Lugen blick« sei« Hirn— und da er das Haupt der Nonne wieder zu« wandte, schien ihm dieselbe de» finster« Gedanke» vom Ge» fichte abzulesen. „Du schwörst auf den Koran, zu halte», wa« Du ver- sprichst', sagte fie. Er richtete fich stolz auf. .Da» Wort de« Khalife» genügt," erwiderte er mtt Höhest.„E« geschehe, wa» Du verlangst. Nachdem Du nicht an meiner Seite bleiben willst, gebe ich Dir die Frei- hest— sür Deine Salbe." Und nach einer kurze» Pause fügte er hinzu: „Berette mir die Salbe." „Erlaube nur, Herr, daß ich die Wurzeln der Pflanze«, die ich dazu brauche, in der Nähe Deiner Hütte suche.* Er nickte nur mtt dem Kopfe und winkte mit der Hand. DaS Mädchen verließ das Zelt, die Räthe folgten ihr. Sie wollien fie ficherlich alle bewache», diese wichtige Besitzerin eine» kostbaren Geheimnisse». Merwan blieb allein. Er setzte fich auf die weichen Kissen seine« Divan», begrub da« Geficht in die Hände und weinte bitterlich. Ei waren die ersten Thräaen, welche dieser stolze Herrscher vergoß, und auch die letzten. Welches Unglück ihn später auch heim- suchte, ob auch all da« Unheil eintraf, das in alte» Zeiten seinem Hause vorausgesagt worden war, ob man ihm auch ein Reich raubte, ob er auch als Flüchtiger an fiemde» Ge- staden Schutz suchen mußte— niemals nach dieser Stunde vergoß Merman II. eine Thräne mehr Die Christi» kam nach einer Weile wieder, mit ihr da« prunkvolle Gefolge da« Khalife», da» erwartungsvoll der kommenden Ereignisse hante. Sie wollte» wohl alle Zeuge» fein, daß der Khalif die Wunder- salbe empfing. Sie standen wortlos im Hintergrunde und der Nachfolger de» Propheten sah stumm de« Beginnen der schönen Nonne zu, wie fie ei« kleines Feuer anmachte, die Wurzel« der Pflanze» dörrte und dann zwischen zwei Stei- «e« zerrieb, wie fie de« Saft anderer Schäfte in ihre» fei- «e« Staub mischte. Es dauerte lange, bi« die Lilienhände Run zerfallen die Behauptungen Berndt'S und Christensen'S über die Thätigkett Jhring't in zwei Gruppen: fie betreffen seine Bereitwilligkeit, Dynamitdomden herzustellen und die MajestätSbeleidigungm, die er ausgestoßen haben soll. WaS die letzteren nun betrifft, so ist der Gerichtshof der An- ficht, daß dtefelben wirllich ausgezeichnet erfunden, mit großem Geschick erfunden find. SS klingt ja sehr wahrscheinlich, daß Jhring, um die Anderen zu reizen, solche Beleidigungen vorgebracht habe. Aber so glücklich die drei angeblichen von Jhring herrührenden Beleidigungen erfunden find, ein Punkt ist doch außer Acht gelaffen worden, der fie in ihrer wahren Natur alt Erfindunzen erkennen läßt. Chrtstensen will eine» Mittag» den Jhring in Zivillleidung auf dem Opemplatze ge« troffen und da von ihm die Majestätsbeleidigungen vernommen haben. Nun klingt das mit den Nebenumftänden zusammen ja recht glaublich; doch der Erfinder hat nicht derückfichtigt, daß Jhring wohl kaum mit ihm am hellen Mittag über dm Ooernplatz gehen wird. Jhring war jeden Augenblick in Ge« fahr, von einem bekannten Schutzmann in Uniform gegrüßt zu werden und da« nächste wäre doch gewesen, daß Christensm ihn gefragt hätte: Wie kommst Du zu dieser Bekanntschaft? Der Gerichtshof nimmt nicht an, daß Jhring fich einer so groben Unvorstchtigkett schuldig gemacht hätte. Wa» die beiden andtren Majestätsb-leidigungen betrifft, die zur Sprache ge« bracht worden find, so klingen fie ebenfalls ganz glaubhaft. Erwogen muß aber werden, daß das Material gegen Jhring schon vor dem 18. Februar dem Abg. Singer übergeben wurde und daß ficherlich die beiden Verfasser schon damals die an- geblichen MajestätSdeleidigunzen des Jhring in die Jnforma- tton aufgenommen haben würden, wenn die Behauptung nicht erst nachträglich aufgetaucht wäre. Ebenso würde Chrtstensen schon am 1. März vor dem Untersuchungsrichter der zwei anderen Beleidigungen gedacht haben. Dieselben fi'd erfun- den, die fünf oder sech» Zeugen, welche fie eidlich erhärtet, haben keinen glaubwürdigen Eindruck gemacht. Der Gerichts- Hof gewann vielmehr von diesen Zeugen dm Eindruck, alS ob fie da», was fie vorgebracht hätten, nicht erlebt haben, sondern, daß e» ihnen beigebracht worden ist. Da» Vo'her und Nachher fehlt an ihren Aussagen. ES ist auffallend, daß diese Zeugen nach einem Vierteljahr fich ganz genau zu erinnern wußten, wie die Majestättbeleldigungen ge- fallen find. DaS wäre nicht auffallend bei anderen Leuten, die an solche Aeußerungen nicht gewöhnt find, und bei einer MajestätSdelcidigung zusammenzucken; fie würden fie fest im Gedächtniß deHalten. Wer fich jedoch dabei nichts Besonderes denkt, behält fie nicht so genau. ES ist von der Vertheidigung bemerkt worden, daß auffallenderweise von Jhring der Behörde keine Anzeige wegen der Majestälsdeleidigungen, die er bei dm Zusammenkünften gehöit hat, erstattet worden ist. Sehr natür« lich! Der al» Sozialdemokrat verkappte Jhring hätte dann ja als Zeuge vernommen werden müffen. Seine MaSke wäre dadurch vorzeitig gelüftet worden. Der Gerichtshof ist der Anficht, daß die drei Majestätsbeleidigungen nicht vorgekommen, sondem wider deffereS Wissen erfunden find. Der andere Theil der Anschuldigungen gegen Jhring geht dahin, daß er llnterwei- sungen üser die Anferiigung von Dynamit und über da» Werfen von Dynamitbomven gegeben habe. Zwei Tage find firirt worden. Die erste Unterhaltung über Dynamit soll am 27. Dezember stattgefunden haben. Jhring sagt, Büchel habe ihn gefragt, wie Dynamit angefertigt würde; er, Jhring, habe da» einfach als Scherz aufgefaßt und ausweichend geantwortet. Auch Zmge Tabert bestätigt, daß er nicht» von der Dynamitgeschichte vernomm-n hat. In der That hat Jhring nicht im Ernst davon gesprochen. Einige Z-ugen haben zwar gesagt, daß fie an die Sache glaubten; VaS find aber junge Leute, denen man nicht glauben kann; ste find beeinflußt durch Parteideziehungen. Jhring verdient vollen Glauben, daß er die Sache nicht als Ernst aufgefaßt habe. Was seine Glaubwürdigkeit detr fft, so ist e» lichiig, wenn die Vertheidigung bemerkt, daß ein Polizeibeamler m einer solchen Luge fich unaukgeietzt im Stande der Un- Wahrheit defindet. In oieser Lage befinden fich aber alle Spione, auch unsere O»flziere, wenn fie in Feindesland gehen. Die Frage ist nur, ob etwas von dieser Lüge in seinem ganzen Wesen steckt. Gerade da» heutige Austreten deS Jhring hat aber gezeigt, daß er überall da, wo er die Wahrbeit sagen muß, bei der Wahrhett ge« blieben ist. AlS der Zeuge Tabert die Geschichte von der ge- legentlich deS KaiserjubiläumSfesteS gefallenen MajestätSbelei» diguna hier vorbrachte fuhr Jhring sofort auf Tabert loS und rief: Nicht ich. sondem Taben hat daS gesagt! Daß er nach. her diese Behauptung etwa» modifizwe, erhöht nur die Glaub» Würdigkeit. E« ist von den Herren Verthetdigem von der Be- amienobjektivität gesprochen worden. Der Gerichtshof stimmt mtt dem Zeugen, Grafen St.llftied, darin überein, daß der Beamte nrcht animo» gegen einzelne Personen vorgeht, sondern «ine ira et studio über die Dinge so berichtet, wie er fie steht. Graf Stillfried hat ausgesagt, daß Jhring's Berichte fich als vollkommen richtig erwiesen und fich alle später bewahr- hritet hätten. Hätte Jhring nicht» entdcckt, dann würden die Sozialdemokraten ihn ruMg haben laufen lassen. mit ihrem Werke fertig wurden. Merrra» hätte aber wohl auch»och länger in ihrem Anblick ruhig verharrt. „Hier ist die Salbe", sagte die Gefangene endlich, in» dem sie ihm diese in einer Schale bot:„Du kannst so- fort erprobe», ob fie hält, wa» ich versprochen habe.* Sie tauchte die Havd in die dicke Flüsfigkrit, die fie ihm darreichte, befeuchtete sich damit, die rothen Locken graziös zur Seite schiebend, dm weiße« Nacken und kniete vor ihm«teder „Ziehe Dein Schwert, hole au» und schlage zu! Wen» e» eine Salbe wäre, wie andere mehr, dann müßtest Du mir de« Kopf vom Rumpfe trenne». Dein Schwert aber wird in laufend Stücke zerspitter»— und ich— ich—ich werde unverletzt bleibe«...* E» schauderte dem Khalifen. Und wieder ließ sich die Stimme de« Diener» ver« nehme«. „Herr, Du kannst die Probe mache»!" Merwan zog rasch entschlossen das Schwert und schlug zu. E« dunkelte ihm vor den Augen, während ein Schreibe» Entsetzen» da» Zelt durchhalte. Zu de« Füßen deS Khalife» kollerte ein wunderlieblichtS Mädchenhaupt, umwallt von goldrothm Locke«. Und nun hatte e» auch den AuS- druck, de» er im Traume ge'efcn; ein rosiger Schimmer lag auf der weiße» Haut, die helle» Augen strahlten in seliger Wonne und um de» feingeschnittenm Mund zog fich ei» holdselige« Lächeln. Die Freude, die sich in diesem Lächeln matte, war fie nicht Spott? Spott über de« fromme« Betrug, dem er in die Falle ging? Au« dem kopflosen Rumpfe schoß ein dicker Strahl dunkle» Blute» hervor und überfluthete dm Boden de» Zelte«. „Die Rose, die Rose," murmelte der Khalif wie geistei- abwesend. Entsetzt verließen die Räthe daS Zelt und Merwa« blieb allein mit einem blutigen Mädchenkopfe, den er mit feine« Küsse« bedeckte. Wer fie war uud wie fie hieß, die schöne Märtyrerin ihre« Glauben» und ihrer Ehre, ist in keiner Chronik ver» züchtet. Wen« aber jemals Eine, so hat diese die Krone der Heilige» verdient. So sah aber Berndt ein, dah seine ganze Position bei den „Varteigen offen" durch seinen Umgang mit Jhling verdorben sei, wenn er jenen nicht verderbe. Und er that ei; er wendete ffch an dm ihm an Bildung überlegenen Christmsen und beide haben nun den Bericht an den Abg. Singer theili zugestutzt, theili erfunden. Der§ 187 kommt zur Anwendung. Ei de> darf einer hohen Strafe. Wai in dm früheren Zeiten dai Stilet that, wenn ei galt, den Gegner banditenmäßig umzu» brinam, das haben die Angeklagtm durch ihre verleua derischm Beleivigungm gethan. Der§ 193 kann in diesem Falle keinen Schutz gewähren. Die Angcklaztm Berndt und Christmsen warm nach dem Antrage dei Staatsanwalts zu bestrafen, zu je sechi Monaten Gefängniß und in die Kosten dei Ver» fahreni. Wie wir hören, wird die Vertheidigung gegen dieses Ur« theil sofort Reviston einlegen. KottbuS, 26. Juni.(Berurthetlt.) Von der hiefigm Stratkammer wurde beute der Führer der hiefigm sozialdemo» kratischen Partei, der Tuchmachergeselle Gley in KottbuS, wegen Verbreitung von verbotmen sozialistischen Schriften und weqm Abhaltung einer nicht polizeilich angemeldeten politischen Ver« sammlung in P-itz zu 1 Monat Gefangnih und 6 Wochen Haft, und der Schankwirth Seidel in Peitz wegm Hergabe einei Lokali zu obiger Versammlung und wegm Be« leidigung dei Bürgermeisters Hartmann, als dieser die Ver« sammlung auslöste, zu 1 Monat Gefängniß und 4 Wochen Haft verurlheitt. Eine wohlverdiente Gefänguißstrafe wurde, wie der ,,Voff. Ztg." unterm 27. d. M. auS Dreiven geschrieben wird, seitens dei dortigen Landgerichts über die 41jähiige Gattin cinei hiestaen Kaufmanns K. verhängt wegen etneS Vergehens gegen§ 274 dei Strafgesetzbuches. Um ihrem Dienstmadchm, welches den Dienst aufgekündigt hatte und zu einem ferneren Verbleiben in demselben nicht zu bewegen war, die Anknüpfung einei neuen Dienstverhältniff-S möglichst zu erschweren, hatte Frau K. in einem früheren Z.ugniffe dei Mädchens die Worte „und ehrlich" adfichtlich mit naffcn Fingern verwischt und nahezu unkenntlich gemacht. In diesem Vorgehm erblickte der III. Strafsenat dei Dresdener Landgerichii eine abfichtliche Fälschung einer Urkunde, durch welche dem Inhaber der letzteren ein Nachlheil zugefügt werden sollte und verurtheilt« deshalb die angeklagte Frau K. zu 3 Wochen Gefängniß. Uermischtes. Uereine mh Uersammlungem hi. I« der Versammlung dei Fachveretni der Schneider, die am Montag bei Gratwcil staltfand,(Heilte der Vorfitzende zuerst den Kaffmdericht über dai 1. Quartal mit. Ei verblieb am 1. April ein Bestand von 147 Mark. Der zweite Punkt:„Resultat der Verhandlungen der Lohnlommisston mit einigen Firmen", wurde von der Tagesordnung abgesetzt, weil dem Referentm nicht dai vollständige Material zugestellt war. Darauf kam der Anttag, die Zuschneideschule eiustweilen einzustellen, zur Verhandlung. Herr Täterow begründete seinen Antrag mit dem Hinweise auf die bekannten Ministerialerlaffe. Herr Stöger, der die Anficht aussprach, daß der Verein, so lange derselbe nur gewerbliche Zwecke verfolge, eine Auflösung durch die Polizeibehörde nicht zu befürchten habe, gab zu be» denken, daß der Verein, weit er inbetteff der Gefängnißarbett, der Ardeitizeit und der Frauen« und Kinderarbeit auf die Ge- setzgebung einwirken wolle, von der Polizeibehörde als ein politischer Verein angesehen und behandelt werde. Der Vorfltzende bemerkte, daß auch die schlechte Finanzlage deS Vereins zur Zeit die Eröffnung einei neuen Kursus der Fachschule verbiete. Die Abstimmung über den Antrag wurde ausgesetzt, da inzwischen drei Anträge auf Vertagung der Vereinithätigkeit und ein Antrag, in nächster Zeit nur alle vier Wochen eine Vereinsversammlung adzuhallen, eingegangen waren. Das Ergebniß der Dtskusfion war diei, daß der Antrag die Verein Sthätigkeit auf unde> stimmte Zett einzustellen, einstimmig angenommen wurde. In der DiSiusfion wurde hervorgehoben, daß durch die zwei Mi« nisterialerlaffe ei dem Verein unmöglich gemacht sei, für dm Zweck, beffere Lohnverhältniffe herbeizuführen, thätig zu sein. Nachdem auch der Antrag, die Zuschneiveschule einstweilen ein« zustellen, einstimmig angenommen war, wurde die Frage, ob noch eine Versammlung nöthig sein werde, dem Vorstände zur Entscheidung überlassen und derselbe beauftragt, Zahlstellen einzurichten und dieselben durch die Zeitungen bekannt zu machen. f Der Verein der Sattler und Sachgenosse« hielt am Sonnabend, den 26. d. M., eine gut desuchte Mitglieder. Versammlung in Gratweil't Bierhallen, Kommandanienstr. 77/79, unter Vorsitz dei Herrn Kabel ab. Der Vorsttzende referirte über die Gründung einer Fachschule durch den Verein. Er wiei darauf hin, daß die Jnnungimeister oft darüber Klage fühlten, daß die Auioildung ver Gehilfen so mangelhaft wäre. Da» beste Mittel, die thatsächlich oft vorhandenen Mängel in der Ausbildung zu verbessern, sei eine Fachschule. Da nun die Jnnungimeister bereit» im Begriff wären, eine ähnliche Einrichtung für fich zu schaffen, so dürften auch die Gesellen nicht zurückstehen, da eine Fachschule hauptsächlich für die jungen Leute derechnet wäre. Im Anschluß hieran wurde ein Antrag gestellt, wonach die Versammlung aus der Vereins. kaffe zur Erreichung diese» Zwecke» 300 M. dewilligt, über welche der Vorstand zu verfügen hat. Sie stellt demselben anHeim, 3 Mitglieder zur Ausführung dies:» BeschluffeS zu wählen und ste der nächstm Mitgliederversammlung vor- zustellen. Dieser Antrag wurde mit großer Majorität ange« nommen.— Unter„Verschiedenem" wurde der Antrag, dem- nächst ein Vergnügen zu veranstalten mtt Rückstcht darauf ab« gelehnt, daß die„Freie Hilftkaff« Hoffnung" am 17. Juli im „Eiskeller" ein Vergnügen abhält. Rege Betheilr ung ist er« wünscht. Die nächste Versammlung.findet am Sonnabend, den 10. Juli er., statt. Dem Vorfitzende« dei„Berliner Arbeiter. Vereins" ist auf seine Beschwerde über die Versagung der polizeilichen Genehmigung zu der Versammlung, die am 21. d. M. statt« finden sollte, dai folgende Schreiben zugeaangen:„Auf die Vorstellung vom 22 d. M- eröffne ich Ew. Wohlgedoren hiemtt ergedenst, daß ich mich nicht veranlaßt sehe, meine Bekannt« machung vom 13. Mai d. I. in Bezug auf den Berliner Ar- better- Verein außer Kraft zu setzen. Der Polizeiprästdent. v. Richthofen." Der Echönhanser Torn-Bezirk(Vereine Eicht, Vor« fiadt. Stud. d. Vet. Med. und Froh und Frei) feiert sein erstes Sommerfest am Sonnabend, den 3. Juli er., im Berliner Prater und heißt dazu frühere Mitglieder und Freunde der Vereine herzlich willkommen. Näherei bei Witte, Berafir. 6, part.; Schröder, Jnvalidenstr. 109, pari.; Konditorei. Metzer. �taße 40; A. Strube, Alexanderstr. 36. und auf den Tum« Ranchklnb„Westend", Freitag. Abendi 9 Uhr. im Hohenzollerngarten, Steglitzerstr. 27. * Rauchklub„Unikum", jeden Frettag Abend 8 Uhr ��Gesangverein„Sängerlust", Pallisadenstraße 9. Jeden Sonnabend Abend 9 Uhr Uebungistunde. Verein der Tanbensrennde. Jeden Sonnabend Abends 8'/, Uhr Sitzung im Restaurant Kleemann. Laufitzerstraße 41. Gesangverein„Harmonia". Jeden Sonnabend Abend» 8 Uhr Uebungistunde im Restaurant, Alle Jakobstr. 38. Ei« sonderbarer Urtheiltspruch deS Dorfgerichts ,u Rudjakow in Rußland wurde, wie vir„Kljewljanin" derichtet. unlängst an einem Liebeipärchen zur Exekution gebracht. Auf die Klage eineS Bauernweibei, daß sein Mann ein.Liebchen" habe und ste ganz vernachlässtge, beschloffen die Dorfältesten einer allen Sitte zufolge den ungetreuen Gatten und die Dame seine» Herzens auf folgende Art zu bestrafen. Die Beiden wurden entkleidet und ihnen nun verschiedene Körpert heile mit Theer angestmiert. Die betrogene Ehegattin fügte dem noch aui eigener Initiative Federn hinzu, so daß der Körper ihrer Nebenbuhlerin bald einen höchst eigenthümlichen Anblick bot, der da» Gaudium der Anwesenden bildete. Der Landgendarm denunzirte die Sache und wmde demzufolge eine Untersuchung eingelettet. Die Schulde« einei Rinifteri. Daß ein Land Schul- den einei König» bezahlt, kommt vor. Gewiß aber ereignet eS fich selten, daß eine Volksvertretung in feierlicher Sitzung der Regierung einen Kredit genehmigt, um die von einem verstor- benm Minister hinterlaffenen Schulden zu zahlen. Diei ist nun in der jüngsten Sitzung der rumänischen Depuitttenkammer geschrhen. Die Regierung erhielt einen Kredit für die Tilgung der Schulden dei im vorigen Jahre verstorbenen Mintsteri Konstantin Rosetti. Rosetti kämpfte für die gerechte Verlhei- lung von G.und und Boden an die hefitzlosen Bauern. Die Regierung will nun die Schulden Rosetti's bezahlen, allein sein Sohn Vintila erklärt in dem von seinem Vater gegründeten und auf ihn übergegangenen„Romanul", daß er Niemandem erlaube, die Schulden seine» Bateri zu bezahlm, vielmehr die- selben auS dem Ertrage der hinterlaffenen, nun in Druck ge« legten Schriften seine» Vater» zu decken gedenke. Kleine Mittheilungen. Münde«, 25. Juni. In unserer Stadt' erregt große Sensation die vor einigen Tagen in Hannover erfolgte Ver- Haftung dei jüdischen Kaufmann» St. von hier, während der- selbe in Hannover zum Besuch war, wegen Verdachts dei Be« ttugei und Wuchers. St. betreibt, wie der„Wesn-Ztg." ge« schrieben wird, hier einen schwunghaften Fruchrhandel und daneben ein Manufallurwaaren-Geschäft im Detailverkauf. Derselbe gilt als einer der reichsten, wenn nicht als der reichste Mann in ver Stadt. Seine Ueberführung von Hannooer hierher wurde bereits gestern erwartet, da die Verhaftung auf Requifiüon des hiefigen Amtsgerichts erfolgt ist, jedoch ist er dt» heute nicht eingetroffen. Zu jedem in der Richtung von Hannover hier anlangenden Zuge find aui diesem Anlaß Hunderte von Menschen am hiefigen Bahnhofe anwesend ge- wesen, die den Verhasteten, der natürlich seines ReichlhumS wegen hier viele Neider hat, sehen wollten. Man glaudt,. daß die Voruntersuchung eine geräumt Zeit in Anspruch nehmen wird, da eine Reihe von Belastungsfällen vorliegen soll. Setteni dei Amtsgericht» find auch die Geschästseücher mit Beschlag belegt worden. Wie man meint, soll ein früherer KommiS dei St. die Betrügereien zur Anzeige gebracht haben. — Warum nennt man den Herrn St. nicht beim vollen Namen? Angibnrg. 25. Juni Die förmlich organistrt gewesene Räuberbande Sp.'th und Genossen, welche mehrere Straßen« raubanfälle in der Gegend von Dachau und Bruck, eine größere Reihe der frechsten EinbruchSdiebttähle, nächtlicher Weile, in der Nähe von ZuSmarShausen und W-rtingm verübte und nach bestigem Kampfe mit der Gendarmerie in einer leerstehen« den Mühle bei Dinkelscherben festgenommen wurde, ist zur Ad« urtheilung vor da* am 30. Juni L I. beginnende Schwurgericht verwiesen; für die Verhandlung find mehrere Tage in Ausstcht genommen. Gotha, 23. Juni. Der Raubmörder Thaldorf wmde heute früh in der Strafanstalt Gräfentonna hingerichtet. Wien, 27. Juni. Nußdorf. Grinzing, H-iligmstadt, alle die reuenden Vo.orte am Fuße deS Kahlen- und Leopoldi» berge» find heute von einem schwrren Elementarschaden heimgesucht worden. In der ersten NachmittagSstunde fluthete ein Wolkendruch über diesen östlichen Theil Wiens nieder. In wenigen Minuten waren die kleinsten Bäche zu reißenden Strömen angeschwollen; dai Waffer trat überall aui den Ufern, Straßen und Wege, Felder, Gärten und Wiesen waren überschwemmt. Der Bahnhof der Zahnradbahn stand einen Meter tief unter Waffer. Mehr ali eine Stunde dauerte da» Unwetter, dem auch ein Menschenleben zum Opfer fiel. Arnheim(Holland), 26. Juni. Ueder den Mädchenhandel nach Holland geht dem„Weflph. Mrl." folgende Mittheilung zu:„Dienstag Mittag ließ fich hier bei Fräulein Beetz, den Ar stall zum Schutze allein- eine Dame mit dem Ersuchen an- ei Mädchen zu erbarmm, dai ste . angetroffen hatte. Die Dame, end, nahm auf ihrer Rückreise nach Rotterdam hier in Arnheim einige Stunden Aufenthalt. Auf dem Bahnhofe wird ste von einem deutschen Mädchen schüchtern gefragt, ob ihr der Weg in Arnheim be- lannt sei. Die Dame, selbst eine Deutsche, bejaht und erfährt nun, daß daS junge Vermittelung einer Frau in Köln hierselbst hafte Stelle bei feiner Familie bekommen. nicht, nur die Adresse: Torensteeg Nr. 12. diese Straße nicht, weihalb ste einen Gepäckträger ersuchte, da» Mädchen mit ihrem Koffer nach obengenannter Adresse zu bringen. Der eheliche Mann las dieselbe und fraate darauf höchst verwundert, ob ihnen wohl bekannt s-i, daß Torensteeg Nr. 12 ein öffenlllcheS schlechtes Hau» sei? Di, Dame war nicht wenig erschrocken, dai Mädchen brach in Thränen auS, der brave Mann indessen brachte beide nach Fräulein B-tz, woselbst die unglückliche junge Rheinländerin liebevolle Aufnahme fand. DaS arme Kind, noch keine 19 Jahre alt, wurde persönlich durch die Vorsteherin der Anstalt zu ihren Eltern in der Nähe von Köln zurückgebracht. Diese» schreckliche Beispiel dei abscheulichen Menschenhandel» glaube ich ihnen mttthetlen zu müssen, nicht um womöglich ein pikante» Aden- teuer zu liefern, nein, um Eltern und Unerfahrene zu warnen, daß ihre Kinder niemals ohne genügende Erkundigungen an fremden Orten und besonders in Holland und B'lgien fich in Stellung begeben und dann, um Regierung und Polizei wieder- holt auf diesen gräßlichen Menschenhandel aufmerksam zu machen. Dieses Mädchen wäre unrettbar verloren gewesen, wenn nicht zufällrg eine Landsmännin fich ihrer liebevoll angenommen hätte." Münster im Elsaß. 23. Juni. Heute wurde im benach- batten Dorfe Weier im Thal ein junger Mann zu Grade ge- tragen, der den Tod auf eine furchtbare Weise fand. Der Be- klageniwerthe fiel beim K-rschenbrechen so unglücklich auf einen spitzen Rebpfahl daß ihm derselbe über 30 Zentimeter tief in den Leid drang und der Unglückliche, so zwischen Erde und Himmel schwebend, zwei Stunden in dieser gräßlichen Lage verharren mußte, bii endlich zufällig Jemand vorbeikam. Der dedauemiwerihe Mann gab Anfangs noch schwache Leben»- zeichen von fich, wurde aber bald durch den Tod von den furchtbaren Leiden erlöst. Er hinterläßt seine ihm erst vor 14 Tagen vermählte Gattin. Paris, 25. Juni. Bei dem am 24. d. d. M. in dem Bergwerk von Ronchamp im Depattement Haute- Saöne statt- gehabten schlagenden Wetter find von 27 Arbettern ein einziger lebend und 16 todt herausgezogen worden. Direttrtze der hier de stehender Mädchen u. s. melden, fich über ein unter folgenden Ilm MorgenS von Köln k> Mädchen durch eine sehr vorth il- Namen kannte sie Die Dame kannte Rom, 21. Juni. Dem„Fremdenbl." wird geschrieben: „Erst jetzt, nachdem der seit der Katastrophe in den Schwefel« gruben herrschende Brand giößtenthttlt gedämpft werden konnte, emdeckt man nach und nach die schrecklichen Detail», welche die am 10. d. M. in den fiztlischen Schwefelgruben vorgefallene Katastrophe zu einer der entsetzlichsten der großen Bergwerk« katastropden stempeln. Die bedeutendste und reichste der Gruben ist die„Mintinella" genannte, welche der Hauptschauplatz der Katastrophe war. Dieselbe erfolgte am 10. d. M. um 11 Uhr Vormittag». In der ganzen Umgegend verspürte man plötzlich k'Wgei unterirdisches Getöse, und ali die erschreckten Leute dt» Gruden zustürzten, gähnten ihnen zahlreiche, mitunter 50 M«t gehaltene Rede wird von d.n„Daily Newi" ali seine be> Veutendste Leistung sett Beginn der gegenwärtigen Wahl- deweaung bezeichnet. Ein Londoner Privattelegramm d« „Voff. Zlg." meldet üher diese Rede: In seiner Lioeipool« Rede begegnete Gladftone mit mächtigen Beweisgründen ra» allen Einwänden gegen seine irische Politik. Die Massi» hätten steti über die Klaffen gest-'gt, wenn eS fich um Wahr hei Gerechtigkeit und Measchllchkeit gehandelt habe; er hege dt« Zuoerficht, ste würden auch diesmal fiegen. Der Homeruie' und der Landanlaufiplan seien nicht untrennbar verbunden, die Frage müsse abermals erwogen werden, wenn die ltderai! Regterung am Ruder bleibe. Gladftone ermahnte schltcßlia die Wähler, so zu stimmen, daß nicht länger gesagt werde auch England habe ein Polen. Der Lake Edore-Etseubahngesellschaftlgelang eS gester»- trotz der Forldauer de» Streiks, mtt Hilfe der Pol'zei ver' schtedene Güterzüge von Chikago abzulassen. .* Auf Grund dei Sozialistengesetzes verboten ward» die nich'perwviswe Druckschrift:„An die Wähler de» XU. uno Xlll. Wahlkreises", welche vollzogen ist mit„Die Sozialdemo kratie de« XII. und XIII. Wahlkreise«. Druck und Ve'lag der Schweizerischen Genossenschafts Buchdruckerei. Höflingen Zürich- Nachdem tu Lübeck der Streik der Lastadte- Arbeite» beendet ist, haben die Maurer die Arbeit eingestellt. Ts- Lübecker Polizei ist nach der„Kreuzztg." entschloffen, ö f f e n> liche Versammlungen der Maurer und Stern Hauer, in denen über die Streik-Angelegenheiten verbanvu werden soll, nicht mehr zu dulden,„da Verbefferu»! der ArdettSdedingungen nicht mehr Zweck de» sottgesttz'« Streiks ist." Die Polizei ist der Anficht, daß dem durch 1' zialdemokralische Agitatoren veranlaßten Streik nur noch o! Adficht zum Grunde liege, sozialdemokratische Umsturzdesn bungen zu fördern. Aui diesem Grunde sollen Versammir.»' gen ver Streikenden ferner nicht mehr geduldet werden. Kriefkaste« der RedaKtto«. W. N. 100. Die Etabltrung einei Klempnergeschät� brauchen Sie nicht der Polizei- wohl aber der Steuerdeho�' anzuzeigen. Für Berechnung der Gewerdesteuer werden Gewerbe in gewiss« Klaffen je nach dem Umfange eingtth»�' Für die einzelnen Klaffen bestehen feste Taxsätze. A. B. 101. Sie können daS Kind, da« Ihre Frau a- erster Ehe mitgebracht hat, nicht auf Ihren Namen lassen, wenn nicht dai hicfige Polizetprästdium die Naw«» ändeiung gestattet. Auch können Sie versuchen, ob daS mundschaftsg�richt Sie auf Ihren Antrag zum Vormund nennt. Große Kosten haben Sie nicht zu befürchten. J 9L v. 100. Wenn Sie bei Jemand nach zu verkauft»' Sachen anfragen, und dieser Sie auf einen anderen Tafl., stellt, so braucht er Ihnen den Zeitverlust nicht zu er'»?� falls auch an dem zweiten Tag ein Geschäft nicht zu Si» loMMt. F.». Beschweren Sie stch beim Oberstaatsanwalt u � dm ablehnenden Bescheid deS Staatsanwalts und legen der Beschwerde Ihre Gründe unter Benennung der«»"Vi Arbeiter dar.— 2. Wenn Sie vorstehende Beschwerde rechtzeitig, d.h. innerhalb zwei Wochen seit Empfang des ablehnenden Bescheids einreichen können, so stehr Jan«»,„s Fall der Zurückweisung der Beschwerve die Erhebung der beim Kammergericht binnen einei Monati frei. Die Klag»"m« von einem Rechtsanwalt unterschrieben sein. Wenn d»» gy. Frist nicht tnn? gehalten werden kann, so können Sie de«» � w- minister weitere Beschwerde über den Oberstaatsanwalt er-.- � — 3. Die zehntägige Frist gegen die Entscheidungen werdegnichtS wird nur durch Zustellung, n»«'- � durch Einreichung der Klage gewahrt.— 4. Ist bekannt. u�taih� R. B. 17. 1. Ein Dienstmädchen. daS fi* kü" will, kann jederzeit zum Ablauf des laufenden Ouatta � dtgen- Eine Kündigungsfrist ist nicht vorgeschriebe«,-j�iet, uneheliche Vater bleibt zur Zahlung von Alimenten verv»',.� auch wenn die betreffende Mutter nachher von einem ein Kind bekommt. straße- Vielleicht glückt eS Ihnen dort. können wir nicht deantworten; da müffm Sie st» u»d Verantwortticher Redakteur R. Cron Heine in Berlin. Druck und Verlag von Max Badtng in Berlin 8W. Beuth straße 2.