Nr. 150 DmmerSag, W L Juli 1886. m. Jahrg. rrlinccDollisliliill. Lrgan für die Inlereffen der Arbeiter. DaS„Berliner VolkSblatt" chetnt täglich Morgen» auker nach Sonn und Festtagen. Sibonnementsprei» für Berlin frei ...» Hau» vierteljährlich 4 Marl, monatlich 1,35 Marl, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement i Mark. Ein, eine Nummer 6 Pf. Sonntag». Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungSpreiSliste für 1886 unter Nr. 769.) JusertiouSgebühr beträgt für die 4e«spaltete Pe.tt«tle oder deren Raum 40 Pf. ArdeitSmarkt 10 Bei g'ößeren Aufträgen hoher Radast nach Uederetnkunft. Jnjeratt werden bi» 4.... Nachmittag» in d-c Ex?»dstion, Berlin SW., Zimmersträhe 44, so wie von alle» Annoncen» Biireaux, ohne Erhöhung de» Preise», angenommen. KedaKtio«: Keuthstraße S.— Grpeditiou: Zimmerstraße 44. Abonnement«� Einkaäung. Sum bevorstehenden Quartalswechsel erlauben wir un», rdester Berlin» zum Abonnement auf das „Herliner Kolksblatt" mst der Gratiibeilage „IUustrirte» Smwtagsdlutt" eitmilaben. Wer der Sache der Ardeiter dienen will, helfe ein Unter« nehmen bef-stiaen, welche» bestimmt ist, die Forderungen und Wünsche der Arbeiter zum«uidruck zu bringen. Suche ein jeder von unseren bisherigen Anhängern, in dem Kreise seiner Freunde und Bekannten da»„Berliner Volktdlalt" zu verbrestm und sehe darauf, dah jeder neugefun« dene»blldu,g lasen. H«r Ieuilleton. «MW«!»«-wrl- «Hm W-tter. Aoman von Krtedrich verstSest»». (Fortsetzung) 3»ri der Diener sprangen zum alte» Herr«, ab« nut de» Armleuchter ließ er fich au« der Hand»thme». de»« »& foft«ImK ImACxi. r, w.~ r rCL___ rtHrr#Hht nt# t...ö twiputucwDvCNf MWV i wie gebannt an dem bleiche» Aatlitz seine» Sohne* ,ffia« ist geschehe,,« wiednholte«, d* W die Mut»« wtt«nem gellende» Aufschrei an d» Bahre de« �liebte» Kwde«, a« de« ihr H«z mst alleu Fasern hing, ���Hinauf mit Euch, Leute« rief«„rasch in da« Zw" „er, daß d« Kranke zu Ruhe kommt I Wolle» Sie fich«'cht der Dam» annehmen?« %%% Weit«e Worte waren auch unnütz. Während der Arzt selb« da» Kopfende d« Bahre mst unterstützte und alle Dien« zusprangen, Hobe» fie dieselbe leicht und ficher em« vot und trugen fie rasch die Treppe hinauf in da, Zjmm«, wo fie de« Unglürkliche» gleich mit d« Matratze, auf d« et hierher geschafft worden war, auf sein eigene« Lag« legte«. George, todtenbleich und matt, während die Mutter jetzt an sewem Best kniet« und seine Hand gefaßt hiest. war erschöpft und schloß die Auge», und d« Graf, de» Ar« de» Arzte»«greifend, sagte mst leis«, ab« fester Stimme: Rickert führte dort den Vorfitz und man kann fich denken, voa welchem.Geiste' die Verhandlung«»«füllt waren. Da» Wort„Bildung', da» bei den politischen Agitationen manchmal eine so große Rolle spielt, umfaßt ein«, sehr schönen Begriff und e» versteht sich ganz von selbst, daß jed« vorwärt« strebende Man«, d« e« mst dem Fortschrstt de« Menschengeschlecht« aufrichtig meint, für eine möglichste Berallgemeioe« rung dessen, wa» man wirkliche Bildung nennen kann, mit aller Macht und mst aller Kraft eintreten muß. Verfthlt ist nur, wenn üb« der Phrase von d«.Bildung" alle« Andere übersehen wird und wen» namentlich durch Eiasestigkest in de, Bildung da« Volk von den brennenden Tagetfrage» abgelenkt wnd. Ei giebt liberale und ultra« montane Arbeitervereine, doch deren Lest« sorge» dafür, daß die Mitglieder durch Vorträge über die Erfolge christ« licher Missionäre in Hiatemdiea oder über de» Mond u. dgl. von ihren wirkliche» Klasseninrnessen abgelenkt werden. Hier wirkt also die Emseittgknt schädlich. Die Lente, die da in Wietbad?» getagt habe», betreibe» freilich die Ver« tretuvg von„Volkibilbunz" nur al»„Sport"; daß da nicht« Besondere« herauskommen kann, läßt fich denke». Diese seichte liberale.Aufklärung" kau» de« Schaden nicht wied« gut machen, den die reaktionäre« Parteien anrrchre», indem fie dt« Unwissenheit bei dem Volke förmlich kulrioire». Merkwürdig war, daß die Hauptrede auf diesem Kon« greffe de» Verein» für Verbreitung von Volksbildung von einer Dame gehalten ward und zwar von ein« F ar� Professor Weber au« Tübingen— der Titel.Professor' ge« bührt jedenfalls nur dem Manne dieser Dame—, welche denn auch nach dem alte« fade» Rezept d« Frau Lina Morgenstern die Kochschulen und„hautwirthschaftlichen Lehrkurse" al» da» Hauptmittel für eine stich- tige Autbildung von junge« Mädchen empfahl. Nu», an sich kann man gegen solche» Unterricht gar nicht» einwenden, wen» man auch weiß, daß die Frauen au» dem Volke in d«„HauSwirthschaft" au»«aheliegende» Gründe» gewöhnlich besser informirt find, al» die sogenannte» feinaebildete» Dame«. Ab« diese Herren und Dame«, die da für Verbreitung von Volksbildung thätig sein wolle«, geberde» fich imm«, al« ob die Leute au» dem Volke, die Arbeit« ihre Frauen und Mädchen genau so viel Zeit hätte«, wie d« behäbige Bürger, d« Kapitalist oder d« Patrizier, um«eben de« täglichen Erw«b»och allerlei Nebenbeschäftigungen besteibe« zu könne». Wo solle« den» für die Töchter ver Arbeit« Zeit und Mstiel herkomme«, um„hautwirthschaftliche Schulen" zu besuche»? Da wirke man den« doch lieb« dafür, daß d« Familienvater so viel vndient, um Frau und Kinder nicht in die Fabrik schicken Wa»«st vorgefallen? Sie sind verpflichtet e« mir zu sagen; ich muß Alle« wisse« I" „6, kann auch leid« kein Geheimniß bleibe», Herr Graf," sagte der Arzt achselzuckend;„der junge Herr hatte heute Nachmittag um vi« Uhr ei» Renkvnst« mst dem jungen Grafen Bolten." .Mit Hubert?"„_, „Mit dem junge» Grafen Hubert; Graf Bellen hatte den erste» Schuß und traf seine« Gegner gleich zu furchtbar sicher. B«elte« Sie fich auf da» Schlimmste vor,' flüstert, « ihm leise zu,„Rettungt nur«ich» verpflichtet, er ist Nicht rwmal berechtigt, im Reich« tag zu erscheinen. V't. g der Verfoffung bestimmt:„Jede« Mitglied de« Bunde». usthe« hat da» Rtdbl, im Reichstag zu erscheinen." Der Bun« deSrath best- dt aber nur au« Vertretern der Mitglieder de« Br'nde« und Fürst Bismarck ist aiso zum Erscheinen im Reich». rag nur berechttgt in seiner Eigenschaft al» ein von dem König von Preußen ernannter Bevollmächtigter zum Lundcirath."— Diese AuS,ührung-n dringt daS Kanzlerblatt in einer Polemik g-gen*" Abg. Richter. Wenn fie überhaupt ernst zu nehmen find, so märe e» wohl tat beste, dem Reichskanzler durch Ver. faffungSSnderung daS entbehrte Reckt unumschränkt zu cr>bcilen, ihm zu gleicher Zeit aber— da R-chten ja immer Pflichten gegenüberstehen tollen— die V-rpflichtung aufzuerleg-n, auf Wunsch de» Reichstage» persönlich die Politik ver Reichs. Regierung zu vertreten. NegterungSpresse und Lotteriekollekte«. Herr Hopp, Verl-ger der„Drrschuuer Zeitung", bat eine neue Lotterie- kollekte erhalten. ES rst die» der drülr Verleger eine» regierungsfreundlichen Blatte», dem eine solche Sinekure zu Theil wird. Virat segnen«! D»e polnische und dänische Sprache und der Tele» graph. Mir d-m brutigen Tage tritt der neue Telearaphen- tarit und die neue Telegraphinordnung in Kraft. Man hat wohl nicht gleich darauf g-achtet, daß diese neue Ordnung innerhalb de« Deutschen Reich-» nur. den Gebrauch bestimmter Sprachen gestattet— der deutschen, englischen, französtschen, spanischen, italienischen, holländischen, portugiestschen und lateinischen Sprache— daß aber die polnische Sprache, wie überhaupt jede» slavische Jbiom außgeschloffen ist. Wir ge- stehen, daß un» diese Einschränkung unverständlich ist. Wir haben doch einmal zwei Millionen Polen im Reiche, und wir vermögen nicht abzusehen, weShald diesen der Gebrauch deS Telegraphen in ihrer Muttersprache verboten sein soll. Auch da» Dänische findet fich in obiger Auszählung nicht. Hautsuchuoge« in Kranksuet a. M. Wie die„Kl. Prefie" dettchtet, wurde früh 6 Uhr in der Wohnung und in dem G'schäNSdurcau de» H rr* Karl Hahn, Vorsitzender deS MaurerfachvereinS zu Frankfurt, Haussuchung nach verbotenen Schriften, doch ohne Erfolg, abgehalten. Desgleichen wurde bei dem Kasstrer de» Verein», Herrn Adam Weber, Hau»- suchung gehalten und wurden die Bücher dei Fachverein» der Maurer mit Beschlag belegt. Soztaltfttsche«. Verschiedene liberale Blätter, wie die »Volljztg." und die„Franlf. Ztg.", veröffentlichen folgende» Schriftstück au» Darmstaot:„Das Großherzogliche Ministerium de» Innern und der Judiz an fämmtliche Kreisämter. Selret l Bettest: Handhabung de» Sozialistengesetze». Da» Großher, ogls Mtniflerium de» Innern und der Justiz und die König!. Rrgre« rang in Wiesbaden haben mit Zustimmung de» Reichtkanzln» folgende Maßnahmen in rudrizirtem Bettest verelndart: Sämmtliche Polizciorgane haben genaue Listen zu führen über alle ihnen bekannten Sozialdemokraten und dieselben in von den KretSämtern noch näher zu bestimmenden Zwischenräumen nach beige gedenem Schema einzusenden. Die Listen ftnd dann zu vervielfältigen und gegenseitig auszutauschen. Die etnzel» nen Personen find scharf zu überwachen und alle Wahrneh- mungen umgehend höheren Ort» mitzutheilen. ES ist besonders dabei zu bemerken, wer agt'otorisch rhätia ist, oder nur alS Anhänger betrachtet werden kann. Die Wirthschaften, die von Sozialdemokraten geführt werden ober in denen Sozialdemo kraten verkehren, find der Obhut der AusfichtSdrhörde besonder» zu empfehlen; ed-nso habe man ein wachsames Auge auf die Leiter der Fechoeuine und deren Beziehungen zu den Sozial demokratm. Im Weiteren ist bei F> stltchkeiten, Bersamm- lungen und Beerdigungen ein vorherige» Verbot einer Auf. lösung vorzuziehen, und zwar unter steter Anwendung deS§ 9 'Udrizirten Gesetze». Ferner wird den KreiSämtem aufgegeben, die in Heffen e-fcheinerden so-ialdcmokratischen Blätter, als: „Offenbacher Tageblatt",„Ostenbacher Beobachter" und schmiert?" sagte er.„Zch kann mir doch nicht de«. ke», daß es auch nur de« geringste» Ei»fluß auf da» Publi- kum selber habe» könnte; also lasse» Sie ihn schreibe«. Notiz darf man ja doch von einem solchen Menschen nicht nehmen." „Da» sage» Sie, lieber Rebe," rief der Direktor; „aber ich kenne die Welt und mein Publikum beffer, und ich versichere Ihnen, der Artikel hat Sie hier zu Grunde gerichtet.* „Und wolle« Sie e» trotzdem versuchen?" „Ja, wollen Sie e» den« versuchen?" rief Krüger er« staunt.„Mann Gotte«, ich gebe Ihne» mein Wort, daß Sie bei Ihrem erste» Auftreten ausgepfiffen werden!" „Ich habe keine Furcht, Herr Direktor," sagte Rebe ruhig und entschlossen.„Mit solche» schmutzige» Waffe» kann ich allerdings nicht kämpfe« und werde e» nicht, aber wir könnm jetzt gleich an mir die Probe mache», ob da» Publikum wnklich ein Urtheil für fich selber hat, oder ob e« fich von jedem lumpige« Literaten letten und an der Nase herumfahre» läßt.* „Aendern Sie einmal die Welt." „Ich will sie nicht ändern, ich will fie nur kenne» lernen." „Na, da« Vergnüge» könne« Sie habe«,* mckie Krüger; „so viel will ich Ihne« aber sagen, ich habe Sie im Vor« au» gewarnt. Ich ritkire nicht« dabei, den« ich bekomme jedenfalls ei» volles Hau», und bin auch«och immer erbötig, Sie für einen vollen Monat zu evgagire», aber mit der Bediugung: fallen Sie beim ersten Auftrete« grüudlich durch, so ist unser Kontrakt gelöst.* „Und soll Herr Doktor Strohwisch da« Urtheil spreche»?* lächelte Rebe. „Nein," rief der Direktor,„Sie selber, den»«ach der nächsten Vorstellung bleiben wir nicht lange im Zweifel. Da« Gute hat e» jedenfalls, daß wir genau wiffe«, woran wir find." „Gut, ich nehme e« an,* nickte Rebe;„ich bin fest ent« schloffen, dieser NichtSwürdigkett zu begegnen, und hoffe da« Beste." „Hoffen, lieber Freund, hoffe« ist gar nichts," sagte der „DarmstLdter fteie Presse", zu abonniren und sobald Anhalt«» punlte zu einem Verbote rubrizirten Letr-fft fich ergebe« sollten, dieselben höheren OrtS sofort zu berichten."— Da» dkigegebene Schema lautet wie folgt:„fr an, Maibach, Schloffer, ledig, katholisch� 28 Jahre all, arbeitel in der Zentral« Werkstatt der Main Neckar- Bahn in Darmstadt, war vor vier Jahren nach Amerika ausgewandert, dort mit Most defteundet, kehrte 1885 zurück, seitdem Anarchist. Eltern leben noch, hul- digen sozialistischen Bestrebungen." Rervosttät gegen die rothe Farbe ist nach der„Freis. Z g.' auch dem AmtSoorsteher zu Burgwerben in der Provinz Sachsen eigenthümlich. Dort feierte der Ortiverein der Bau« Handwerker, welcher zu den deutschen Gewerkoereinen gehört, sein Stiftungsfest und hatte auch benachbarte O-tsvereine ein« geladen. Diese waren mit ihren Fahnen erschienen. Der AmtSoorsteher musterte die Fahnen uvd erklärte, daß die Fahne de» Ortsoerein» der Bauhandwerker zu Weißenfels ent» fernt werden müsse;„da er die rothe Farbe nicht ertragen könne." Die Farbe des genannten Vereins ist nämlich auf der einen Seite weiß, auf der anderen roth mit grünem Lorbeerkran, und trägt auf dieser Seit« die vatriotische In« schritt:„Deutschland» Heil und Heil auf» Neu! Deutsche Tugend, deutsche Treu!" Dieselbe W tßenfelser Fahne hatte dei dem Wetßenfelser Kaisers« stc im Festzuge vorangeftanden. — Damalt war freilich die Neroosttät gegen die rothe Farbe noch nicht epioemikch. DaS bayerische Gesammtministeriu« will nach der „frantf. Ztg." unmittelbar nach dem LandtagSschluß sein« Demisfion einreichen, um sofort wieder berufen zu werden. AlS Symptom der friedliche« Beziehungen zwischen Staat vud katholischer Kirche verzeichnet die„Kreuzztg." die nachträgliche Eciheilung von Dispensen von den zur An« stellung im geistlichen Amt gesetzlichen Erfordernissen an alle btiher in Rom, Innsbruck und anderen auswärtigen Anstalten ausgebildeten katholischen Geistlichen. Da» J-suttengesetz schließt zwar die I e s u i t e n auS dem deutschm Reichsgebiet auS, die J-suitmschÜler aber werden in Preußen zum geistlichen Amt zugelassen. Die„Kreuzztg." nennt da»„Fliedensatte." Im Kamernn-Gebiet find die Zustände sehr unbefriedi« gender Natur. Dem„Reuter'schen Bureau" wird darüber von dort unterm 23. gemeldet:„Die Eingeborenen haben alle Weißen geboycottet und sich geweigert, mit ihnen Handel zu treiben oder fie mit NahrungS« Mitteln zu versehen. Kein W-ißer kann ein Stück G-flügel oder einen Ochsen kaufen. Die Eingeborenen haben ferner dm Weg nach dem frischen Waffer versperrt, so daß die Weißm Sanj auf da» Regen waffer für alle ihre Bedürfnisse angewiesen nd. Eine Menge Favoreien den F uß hinauf find geschloffen worden und die Händler entlassen ihre Arbeiter. Die Einge- borenm zahlen alle ihre bei den weißen Händlern ein-e» gangenen Schulden und gehen keine neuen Geschäfte ein. Die Bevölkerung ruf dcldcn Seiten de» Flusse» hat sich verbunden» um glmeinsame Sache gegm die Regierung zu machen, Sie drohen nickt, noch wollen fie kämpfen, aber fie w-igern sich zu arbeiten. Ihre Häuser und Pflanzungen wurden sammtlich zer- stört, cli die Deutschen den Ort domdardirten, so daß fie nichts zu verltrren haben. Die englischen Handler haben eine Audienz bei d-m Bizekonsul und dem deutschen Gouverneur gehabt, und wenn kein Kompromiß erzielt wird, Weint es nur eine Frage der Zeit, wie lange die Händler ihre Faktoreien nock offen halten können, da fie täglich Geld verlieren." Eine Bestätigung dieser etwa» sensationell klingenden Nachricht bleibt jedenfalls abzuwarten. Parlamentarisches. In Neu-Ruppin soll die Ersatzwahl für den verstorbenen LandtagSada-ordneten v. Z uner Köpernitz den 15. Juli zu Gransee stattfinden. Die liberalen Wahl- männer werden fich wahrscheinlich der Stimmabgabe enthalten. Eigenthümlich ist e». daß WS jetzt nicht einmal der Name deS Kandidaten in die Oeffenilichkeit gedrungen ist. Oesterreich-Uugara. Da» neue, vom ReichSrathe beschlossene und dieser Taa« vubltzlrte Anarchtftrngrsetz wird am 11. August d. I. in K aft treten. Da daS bisher bestehende Ausnahmegesetz mit Ende Juni erlischt, wird eine Zwischenpause von über einem Monate eintreten, in welcher Diejenigen, gegen welche beide Gesetze gerichtet find, wiederum unter da» gemeine Recht kompetirm. Italien« Vom 28 zum 29. Mittags stno an der Cholera in Brindist 27 Personen erkiankt und 7 gestorben, in Latiano 68 erkrankt und 18 gestorben, in Francavilla 35 erkrankt und 11 gestorben, in Sanvito 21 erkrankt und 4 gestorben, in Monte« mesola 8 erkrankt und 1 gestorben, ftn Trieft soll kein neuer Cholerafall vorgekommen sein. In llndine kamen aber nach der Wiener„N. fr. Pr." 2 Cholerafälle vor, von denen einer tödtlich verlief. In Finme kam ein z wetter verdächtiger Fall vor. In Florenz ist am 24. Juni unter dem Vorsttzc DeS be» kannten Grafen Aurelio Sasfi, eine» Freunde? Mazzini'S, ein Arbeiter Kor greß eröffnet worden, welchem 300 italienische Direktor.„Aber wollen Sie wenigsten diese» Mal einen gute» Rath annehmen?* „Und welche», Herr Direktor?" Sie habm de« erste» nicht befolgt und, will ich recht ehrlich sei», vielleicht auch gut daran gethan. Ei« solcher Mensch wie dieser Sttohwifch und alle diese Art Leute ist nicht zu kaufen, sonder« nur zu miethe», da« heißt, mit einer Zahlung können Sie sich ihrer nie versicher». Sie brauche« immer Geld und sind unersättlich. Ader wen« e» Ihr Stolz auch vicht zuließ, jenen Bursche« zu besteche», so glaube ich, werde« Sie doch nicht» dagegen habe«, seine Pläne zu kreuzen." „Wenn das auf ehrenvolle Weise geschehe» kann." „Ehresvolle Weise?" sagte der Direktor, de» Kopf un» geduldig herüber und hinüber werfend.„Wenn mich ei» unreine» Thier anrennt, so sehe ich, daß ich ihm ausweiche« kann, und jede Weise ist dabei ehrenvoll, denn Selbster« Haltung bleibt da» Hauptgesetz w der Natur— ehrenvoll? Nenne» Sie e» etwa ehrenvoll, wen» Sie de« Abend au»« gepfiffen werden?" „Wenn es ohne mein Verschulden und ungerecht ge- schieht." „Und wer fragt danach? Ich bitte Sie um tausend Gottes willen, lassen Sie doch nur die verfluchte« Reden«» arte» und werden Sie vernünftig— ohne mein Verschulde» und ungerecht! Lasse« Sie Jemanden auf einen fal» sche» Verdacht hin einstecke« und ihm de» Kopf herunter schlagen, glauben Sie, daß ihm da« nachher eine Beruhigung fem kann, daß e» ohne sei« Verschulde« und ungerecht ge« schah? Lauter Redensarten; hier habe» wir es mit der Sache selber zu thun. und wen« Sie Alle» geschickt anfan- gen, läßt fich dem MoSje doch noch am Ende ei« Paroli bieten." „Aber wie?" .Da» will ich Ihnen sage»; Geld kostet die Geschichte, weiter nicht». Einige Dutzend Freibillet» sollen Sie von mir haben, dann engagire» Sie«och eine Anzahl kräftiger Kerle, die...* „Mein lieber Herr Direktor,' unterbrach ihn Rcbe, „auf solch« Spitzfindigkeiten verstehe ich mich nicht; da Setdiw Mtstimmt haben sollen. Mehrere sodaldemokattsche Berühmthewn und ParlamenUdeputirte, u.N. Maffia Marcora, Pellegrini und der Agitator Armirotti aut Mantua, wohnten der ersten S tzung, in welcher Unterautschüffe gewählt wurden, an.„Man steht auch hieraut. schreibt der„Hamb. Corr". wie rührig die Koiyphäm der Umsturzpartei stnd." Fraurreilch. Die Kammer wählte bei schwacher vethdligung in den Bureaus die Kommisfion für da! Gesetz gegen aufrühre. rische Aufrufe. 6 Mitglieder find nach der„Franks. Ztg." für den Entwurf der Regierung mit dem Zusätze von Dretzfus. nach welchem da! Gesetz auf Affichm der P-äten- denten eingeschränkt werden soll. 4 Mitglieder stnd gegen jede! Gesetz, 1 für Maßregeln gegen Revolutionäre und So zialisten allein; 6 Mitglieder gehören der äußersten Linken, 3 der radikalen und 2 der gemäßigten Linken an. Die Sprechleitungen haben in Frankreich bi! jetzt weder größere Ausdehnung erlangt, noch die vielen Mängel überwinden können, mit denen ihr Betrieb zu kämpfen hat. Der Postminister Granet geht daher mit dem Plane um, die bestehenden Telephonleitungen in den Besitz des Staate!»u bringen, der dann auch die erforderlichen Reuanlagen übernehmen würde. Nach seinem Plane, welcher den Kammern im Herbste vorgelegt werden soll, würde auch eine bedeutende Ermäßigung der Gebühren ein- treten. Der erste franiöstsche Handels» und Gewerbetag wird vom 10. bis 13. Juli im Trokaderosaale zu Paris statt- haben. Der HandelSminister Lockroq wird der Eröffnung bei» wohnen. Die Theilnahme ist unentgettlich und dürfte sehr bedeutend werden. Nach dem Programm und den Kundge- Bungen der VeranstaUer wird e» fich bei dieser Versammlung hauptsächlich um die Abwehr des ausländischen MitbewerbS bandeln. Nach der Meinung der Veranstalter wie aller Franzosen haben die ausländischen Nebenbuhler ihre Erfolge hauptsächlich nur der Unverfrorenheit zu verdanken, mit der fie franjöstsche Muster und Markm nachahmen und fälschen. Selbstverständlich sollen bei diesem„Diebetgeschäst" die Deut- schen in erster Reihe stehen. G r o tz b r i t a»» i e«. Einer der interessantesten Wahlkämpfe ist nach der„Voss. flg." der in dem Londoner Bezirk Holborn(westlich an die uy grenzend), denn dort bewirbt fich ein geborener Andrer äls Kandidat der Gladstone'schen Liberalen um ein Mandat für das Unterhaus. Bereits bei den letzten allge» meinen Wahlen kandidirte ein Jndier, ein bengalefischer Advokat aus Kalkutta, Namens Ghose, erlolgloS in G-emwich. Mehr Ausficht mißt man der jetzigen Kandidatur des Herrn Dadabhoi Naoroji in Holborn bei. Herr Naoroji, deffen fremd artiger Name Naurodscht(mit dem Akzent auf der ersten Silbe) ausgesprochen wird, ist ein Parse aus Bombay, also ein Ab kömmling jener perfischen Feueranbeter, die zur Zeit der muha- medanischen Eroberung ihres Vaterlandes in dir Verbannung nach Indien gingen. Ihre Nachkommen haben in der neuen Heimath fich den alten Glauben bewahrt und find zu großem Wohlstand gelangt, so daß gegenwärtig die Parsen. deren Hauptquartier Bomdav ist, unter allen Eingeborenen Indiens durch gesellschaftliche Stellung und Bildung hervorragen. Der englischen Herrschaft, die ihnm Sicherheit vor GlaubmSoerfol» gungen gewährt, find fie unbedingt ergeben. Der 1825 geborene Herr Naoroji hat auf dem Elphinstono Institut in Bsmbstz eine ganz englische Erziehung genossen und zeichnete fich schon frühzeitig durch so bedeutende Fähigkeiten aus, daß er mit 22 Jahren als„die Hoffnung Indiens" gepriesen wurde. Er widmete fich dem Studium der Mathematik und Naturwiffen- schatten und wurde selbst Professor in diesen Lehrzweigen an dem Institut, dem er seine erste Ausbildung verdankte. 1855 ging er nach London als Theilhaber in einem indischen Handels- Hause und hat seitdem die meiste Zeit seines Leben! in der ReichShauptstadt gewohnt. Auf längere Zeit ging er indeß nach Indien im Jahre 1874 zurück, um als Premierminister des Guttowar von Boroda die gänzlich zerrüttete Ver- waltung dieses Mahrattenstaates zu ordnen. E» gelang ihm daS zur vollsten Zufriedenheit aller anglo-indtschen Staatsmänner und seiner eigenen Landsleute. Gegen- wärtig ist er Mitglied des RegentschaftSratheS der Provinz Bombay. Die Londoner Morgendlätter veröffentlichten ein Schreiben Chamber lain'S, worin derselbe der jüngsten Behauptung Gladstone's, daß sein(Chamberlain's) irischer Landankaufsplan auf sein eigenes Ansuchen gedruckt und unter die Mitglieder deS damaligen Kabinets vertheilt wurde, widerspricht und erklärt, daß dies auf Gladstone's aus- drücklichen Wunsch geschah. Chamberlain fügt hinzu, daß seine Vorschläge in jedem wesentlichen Punkte von jenen dcr Re gierung abwichen und die Herstellung einer Sonderlegislatur in Dublin überhaupt nicht in's Auge faßten. Trotz dieser Er> klärung Chamberlain'S ist man allgemein der Anficht, daß der alle Fuchs Gladstone den Führer der Radikalen ange nagelt hat. wäre ei» Mittel, meiner Meinung»ach, eben so aiedrig wie da» andere." „Aber die größte» Künstler thu» es l" rief der Direktor i» Verzweiflung. „Das möge» fie mit ihrem Gewisse» ausmache«," sagte Rebe ruhig;„ich habe vielleicht, wie ich Ihnen'ger» zuge» stehe« w,ll, ganz eigenthümliche Begriffe von Ehre, aber «eine Meinung ist auch die, daß solche literarische Blutegel gar nicht«xistire« könnten und elend zu Grunde gehen müßten, wenn Alle so dächten wie ich. Von mir sollen fie wenigstens nie auch nur nur eines Groschens Werth Unter» stützung bekommen, uud sind fie nur die Ursache, daß ich am Theater nicht vorwärts komme, gut, dann habe ich mir selber wenigstens keine Vorwürfe z» mache« und kann nach- her mit Ehren die Bühne verlassen." --Wiever„mit Ehren", rief der Direktor ungeduldig. „Gut, dann mache» Sie meinetwegen was Sie wollen, ich werde mir die Zunge nicht weiter daran verbrennen; Sie haben'S urcht best«, verlangt. Und worin also gedenke« Sie da» nächste Mal aufzutreten? Unser Repertoir kennen Sie j«.' „Ich möchte Sie um de» Fiesko bitte», Herr Di- rektor." „Fiesko, hm- meinetwegen- Ein« ist so gut wie'« Andere, und Fiesko auch etgentlich lange nicht gewesen Also nächste» Mittwoch, wenn es Ihne» recht ist, denn Sonntag» bringt mir ein« Posse mehr ein." „Und als zweite Rolle möchte ich Sie um de»..." „Thun Sie mir de« Gefalle« und lasse» Sie uns wegen der zweite» Rolle noch nicht de« Kopf zerbrechen. Erst wolle« wir einmal sehen, wie die erste abläuft." „Sie scheine» kein rechtes Vertrauen zu haben." .Hab' ich auch nicht," sagte Krüger,„weil ich meine Pappenheimer kenne. Also auf morgen werde ich die erste Probe ansetzen, Herr Rebe, Sie sind doch fertig?" „Zib könnte die Rolle morgen Abend spielen." .Alle Wetter, Sie wären in der That ein brauchbares Mitglied! Handor mußte immer vierzehn Tage Zeit haben, und nachher haperte es»och. Ueberlege« Sie fich nur die Die zur Untersuchung der Ursachen der Handelsstockung niedergesetzte Kommisston hat in ihrem in diesen Tagen erscheinenden dritten Bericht die Ernennung einer kleinen Kommission zur Untersuchung der Silberfrage empfohlen. Balkawlimder. Londoner Blätter spr-chen von der Möglichkeit eines russisch. türkischen Konflikte» wegen der bulga' rischen Flage. Die Pforte hat die russtsche Not?, welche die Verletzung deS oftrumelischen organischen Statuts konstatiit und die Intervention der Pforte fordert, noch nicht deantwortet. Die Pfotte habe fich sogar geweigert, die vollständige Demo- biltstrung anzuordnen. Da! Wiener und das Berliner Kabinet rathen der Pforte, ihre allzugroße Nachgiebigkitt gegenüber Bulgarien aufzugeben, da sonst Rußland energischer austreten würde. Die Londoner Blätter sprechen fich gegen ein partielle» Vorgeben Rußlands auf der Balkanhalbinsel aus. Während Rußland unausgesetzt Unkraut zwischen den Weizen des Fürsten Alexander zu säen bemüht ist, macht in Bulgarien selbst das Einigungswerk immer weitere Fortschritte. Am Dienstag ist dem Fürsten die Antwortadreffe der Depu. tirtenkammer auf die Eröffnungsdotschaft übergeben worden. Im Anschluß an den Inhalt der votschaft Riebt die Adresse der Befriedigung darüber Ausdruck, daß Nord- und Südbul- garien unter dasselbe Szepter gestellt und ihre Vertreter in einer gesetzgebenden Versammlung vereinigt seien. Die Adresse dankt dem Volke und dem Heere, spricht das tiefste Verträum gegen den Fürsten auS und giebt ferner dem vollen Verstauen in die Humanttät und die Großmuth der Mächte, und nament» lich Rußlands, Ausdruck, welche» Bulgarien mit Wohlthatcn überhäuft habe.— Wenn dieseS Vertrauen nur nicht bald bitt.r getäuscht wird. Amerika« � Zur Reform des Zolltarifs ist in Washington im Repräsentantenhause von Randel am Montag ein Gesetzentwurf eingebracht worden. Derselbe schlägt eine Ermäßigung der Sin» fuhrzölle und der innerm Zollabgaben, eine Abänderung der Gesetze, betreffend» die Erhebung der Staatseinnahmen, sowie der Aufhebung aller inneren Abgaben vom Tabak und Zucker, ferner aller G-setze vor, welche den Verkauf von Tabak und dm Tadaksbau einschränken. Die! Gesetz, welches am 1. Jan. in Kraft zu treten hätt», würde eine Mmverung der Staatseinnahmen von etwa 35 Mill. Dollars herbei' ührm. Die Au- nähme de! Entwurfes gilt für höchst unwahrscheinlich. ..... Aus Chikago, 27. Juni, wird gemeldet: Die Strei« kenden der Lake-Sdore-Eisenbahn hemmen den Eisenbahnverkehr in der Stadt Lake. Gestern fanden mehrere Zusammenstöße mit der Polizei statt. Die Streikenden bemäch- tigtm fich zweier Lokomotiven, allein der Versuch, eine dritte zu erbeuten, schlug fehl. Die Polizisten, welche eine der Loko- motivcn bedachten, feuerten aus die angreifende Mmge und erschossen zwei Leute; 5 Aufrührer und 2 Polizisten wurden verwundet. Die Streiker haben das Lokomoiivenhau! im Be« fitz. DaS Gericht hat gegen 70 Streiker Haftbefehle erlassen und 30 wuidm thatsächlich verhaftet. Nur einem kleinen F-acht» zug gelang es, bis zu einem Punkte, 20 Meilen südlich von Chikago, zu gelangen. Die Streikendm stürzm Eismdahn» wagen über die Geleise und verfolgen Züge mit den von ihnm erdeuteten Lokomottven.(Mittlerweile ist es der Gesellschaft gelungen, verschiedene Güterzüge abzulassen. Red.) Asie». Die Zustande in Ober-Birma find fortgesetzt sehr un- befriedigend. Es werden zahlreich: Scharmützel der Engländer mtt dm Jnsurgmtm gemeldet. Kommunale». w. Nach den Angaben des statistischen Amtes der Stadt Berlin hat die Volkszählung im Jahre 1885 ergeben, daß hier vorbanden find: 35 330 Handwerktmeister. welche zusammen 62 452 Gesellen und Gehilfen und 13 284 Lehrlinge beschäftigen. Von den Meistern gehören den verschiedenen hier bestehenden Innungen 13 249 an, welche 31 988 Gesellen und Gehilfen und 7554 Lehrlinge beschäftigen. Die 22 081 Meister, weiche einer Innung nicht angehören, deschSstiam 30461 Gesellen und Gehilfen und 6730 Lrbrlinge. w. Markthalle im Osteu Berlins. Die von der ge mischten Deputation zur Beschaffung von Grundstücken zu Markthallenzweckm niedergesetzte Subkommisfion hirtt am Dienstag eine Sitzung ad, tn welcher über die Beschaffung eines passenden Grundstücks zur Errichiung einer Markthalle im Osten der Stadt berathm wurde. ES find mehrere Grund- stücke in Ausficht genommen tn der Frankfurter-, Andreas-, Koppenfiraße und am Grünen Weg. In einer demnächst statt- finvmden Sitzung wird ein definttiver Beschluß über die geeigneten Grundstücke gefaßt werden. w. Der Gastousu« aus de« städtische« Werke« nimmt alle Jahre an Ausdehnung zu. Bei Gelegenheit der Etatiberathungen pro 1885/86 wurde der Uederschuß der stävti- schen Gac werke, welcher in die Stadchauptkasse fließt, auf Sache mit de» Freidillet» noch einmal; ich gebe Ihnm mein Wort.. „Ich werde es mir überlegen, Herr Direktor," unter- brach ihn Rebe,„und bei jeder Stunde Nachdenken finde», daß ich so und nicht ander» Handel« konnte." „Sehr schön, Herr Rebe," sagte der Direktor trocken, „dann wollen wir einmal am nächsten Mittwoch sehm, wie dick die Mauer sei« wird, an der Sie Zhre« Kopf zu ver- suche» gedenke». Gute» Morgen!" „Gutm Morge», Herr Dnektor!" sagte Rebe und ver- ließ langsam und«achdenkmd da« Hau«. (Fortsetzung folgt.) An» Kunst und Zeven. Cchweizergarte« am Krtedrichshat«. Da« erste die». jährige große Kriegtfeuerwe.t der«»..fifmerwerker Gebrüder Niaffow und Bonander— die Erstürmung der Düppeler Schanzen— hat am Dienstag, von dem schönsten Wetter be- günfiigt. stattgefunden. Die Darstellung diese» pyrotechnisch- militärischen Schauspiels, bei w Ichem über 150 Personen mitwirkten, dürste nach dem allgemeinen Urtheil zu den groß- artigsten dieser Art zählen, die je aufgeführt wurden- ein Feuerwerk, wie es anfangs der 60er Jahre den berühmten Feuerwerlern Dodremont und Gebhard nur zu glücken pflegte und das alle ähnlichen Veraiistaltungen, welche in den letzten Jahren stattfanden, weit in den Schatten stellt. DaS groß- artig entworfene Programm wurde mit Aufwand enormer Kesten in vollendeter Welse durchgeführt. Diese Krieasfeuer- werke finden von nun ab, wie wir erfahren, regelmäßig jeden Dienstag statt. Eine Schreckeusthat pasfitte am 26. Juni, Vormittags, am allen Winterhafen zu Mainz.- Dortseldst ging ein junges Mädchen spasieren, das ein Kind auf dem Arme hatte, welche» es fottgesetzt liebkoste. Plötzlich sprang da« Mädchen, daS Kind fest an fich drückend, tn da» Wasser und verschwand auch sofort, während das Kind auf dem Waffer trieb. Sofort stießen Leute vom Ufer in Nachen ab und einem Schiffer glückte es auch. daS noch ledende Kind zu erfassen; auch da» Mädchen wurde beim Auftauchen gepackt, doch war es bereits völlig bewußtlos. Wiederdeledungsoersuche, die nun angestellt 3920000 M angenommen. In seiner letzten Sitzung hat aber daS Kuratorium der Gaswerke, welchem der Abschluß für das Rechnungsjahr 1885/86 vorlag, aus demselben den Ueberschuß auf 4440000 M. festgestellt, weil fich aus dem Abschlüsse eben ergeben hat, daß die Annahme de» Ueberschusse» bei Gelegen« bell der EtatSberathung fich um 520000 M. erhöht. Diese fortwährende Stetgerung de» Gewinnes aus den Gaswerken hat auch den Magistrat zu dem Beschlüsse veranlaßt, den Preis für den GaSkon fum durch Gatkraftmaschinen, d. h. für gewerb» ltche Zwecke, um 20 Prozent zu ermäßigen. verbessern«« der Straßenbeleuchtung. Da» Kma» torium für da« städtische ErleuchtungS vesen hat tn seiner Sitzung am Montag eine große Zahl von Verbrsserungen an der Straßenbeleuchtung beschloffen. Namentlich wurden die» jrnigen Siraßen in allen Stadtrheilen berückfichtigt, in denen Pserdebahn-Geleise bereits liegen oder gelegt werden. ThetlS soll die Zahl der Laternen vermehrt werden, theils werden an die Sielle von gewöhnlichen Slraßenbrennern b.'ssere(Bray» Brenner oder SiemenS-Brenner) trelen. Auch auf dem Köll« nifchen Fischmarkt und am Mühlenweg hinter den Damm» mühten sollen in Folge der Anlage der Pferdebahn Wolken» markt Svittelmartt Verbesserungen erfolgen und für dle Kork- firaßen-Ltnie stnd noch nachträglich neun neue Laternen mehr bewilligt worden._ Oerichts-Zeiwng. P. Der Franke'sche Mordprozeß befchäftigte gest-m das Schwurger-cht des Landgerichts I. Wegen vorsätzlicher Tödtung angeklagt erschien vor den Schranken der Dtenstknecht H-inrich Franke, gebürtig aus Brusendorf, jetzt 21 Jahre alt. Es ist eine graufize That, zu der der Angeklagte, in den Hauptpunkten der Anklage gemäß, fich schuldig bekennt. Am Morgen des 29. März d- I. fand man tn einem Graben an der von Mittenwalde nach Groß-Maschnow führenden Chaussee in der Nähe deS letztgenannten Dorfe» die Leiche der Dtenstmazd Karoline ThiniuS, welche bi» dahin bei dem OttSoorsteher in Gr.» Machnow im Dienst gewesen war; neben der Leiche, deren Schädel vollständig zertrümmert war, lag ein ausgerissener Baumpfahl und 5 verschiedene Theile eineS 2 bi» 3 Zoll starken Zaun» Knüppels. ES war offmdar, daß hier ein schändlicher Mord verübt worden war und nachZdem Thäter brauchte man nicht' lange zu forschen, denn es war im Dorfe hinlänglich bekannt, daß der Angeklagte mtt der Ermordeten, seiner Geliebten, desbalb nicht auf bestem Fuße lebte, weil dieselbe— Mutter eineS Kinde» und der Ge» burt eine» zweiten entgegensehend— den Franke aufgefordert, 5t zu Heirathen oder aber für fie und die Kinder zu sorgen. im Abend vorher, an einem Sonntag, hatte Franke seine Ge» liebte auS dem Geböft ihre! Dtenfih nn abgeholt, angeblich um mit ihr einen Spaziergang inS Freie zu untemehmen— in Wahrhttt aber nur in der Adstcht, fich ihrer zu ent!:dig?n. indem er fie tödtete. Den Verlauf der Mordthat schildert der Angetlagte beim Verhör im gestrigen Audienztermin selbst wie folgt-I Er habe nachdem er an jenem Abend mit der Thinius auf der Mittenwalder Dorf-Straße angelangt fei, derselben auf ihre Aufforderung, ihr G:lS zu geben, die Mtt- theilung gemacht, daß er nichts von seinen Eltern, wie er ver» gedenS gehofft, habe erhalten können; hierüber sei die ThiniuS sehr ausgebracht gewesen und habe ihn grob behandelt, dann sei er noch gröber geworden, weil sie ihm zu viel gequatscht habe. Präs.: Was hat die Thinius denn gesagt? Angekl.: Sie hat gesagt, ich soll und muß fie heirathen I Präs.: So daS nennen fie„quatschen?" Was haben Sie darauf gethan? Angekl.: Dann habe ich ihr von der Seite gestoßen. Präs.: Sie haben fie so gestoßen, daß fie in den Chauff:egraben ge» fallen ist! Angekl.: Ja! Präk.: Wie amen Sie nun sogleich darauf, die Thinius zu tödten? Angekl.: Sie hat zu mir ge- sagt: Heinrich, da hättest Du mir ja gleich todt schlagen können! Präs.: Und da schlugen Sie mtt einem Knüppel auf fie los? Angekl.: Ja, ich habe gedacht, nun ist e» mir egal, nun man zu! Der Herr Vor» fitzende erörtert de» Weiteren, daß der Knüppel, mit dem der Angeklagte die Ermordete auf den Kopf ge- schloaen, hierbei in fünf Theile zersprungen fei. Die lieber» bleibstl de» Schlaginstruments befinden fich auf dem Zeugen» tische; ferner ist als zweites corpus delicti ein Baumpfahl, thellweise noch mit dem Blute der Ermordeten despritzt, zur Stelle.— Um 11 Uhr begann die Beweisaufnahme; aus derselben geht hervor, daß, wie die medizinischen Sachverständigen KretsphyfikuS Dr. Falk und Dr. Gutlind begutachten, die ThiniuS nach dem Ergebniß der Odduttion an den unzählig vorgefundenen Schädelbrüchen verstorben ist; ferner kam im wei- leren V-rlauf zur Sprache, daß die Hilferufe der Ermordeten, als dieTbat geschah, im benachbarten Dorfe von Leuten gehörtwurden; drei Mann machten fich infolgedessen eilend» auf den Weg, konnten aber allsogleich, weil fie keine Laternen mitgenommen, der Ursache nicht näher nachforschen. Währenddem war der Mörder entflohen und mit kluger Berechnung beadfichtigte er damals fich einen Alibi- Beweis zu fichern, indem er fich im benachbarten Kruge unter die Tanzenden mischte. Den letzteren wurden, hatten auch Erfolg und so wurden Beide inS Spital gebracht, wo ihnen die erforderliche Pflege sofort zu Theil wurde. Da» Mädchen ist erst 16 Jahre alt, heißt Janson und ist auS Ockenheim; eS war tn einer Bürgerfamilte mit Nähen beschäftigt und wollte, wie e» angab, au» LebenSüber- druß fich da» Leben nehmen, konnte fich aber von dem liebge» wonnenm lZdiährtgen Kinde besagter Familie nicht trennen und wollte diese« mit in den Tod nehmen. Die Thai de» wie eS scheint irrfinnig gewordenen Mädchens wurde glücklich vereitelt. Da» Entsetzen der Eltern des Kinde» kann man sich denken; aber auch die Freude derselben, dasselbe dem sicheren Tode entrissen zu sehen. Eine Desertion auf hoher See. ES ist eine betannte Thatsache, daß Seeleute von ihren Schiffen, wenn dieselben in irgend einem Hafen liegen, mttunter desertiren, um fich dem Schmsdienst zu entziehen, daß aber ein Seemann, noch dazu ein Schiffsosfizier, sein in guter Segelordnung befindliches, ruhig seinen Weg verfolgendes Schiff in der Mitte de« OzeanS verläßt, dürste doch in den Annalen der Schtffsahrt vereinzelt dastcben. Das Schiff„Frank Pendleton", welches unlängst von der Südiee tn Queenstown anlangte, traf am 16. Mal auf 4 Gr. SBr. 23 Gr. WLge., also etwa in der Mitte zwischen Afrika und Brafilien, ein kleines Boot, sogenannte Dingut, tn welchem fich nur ein einziger Mann befand. An Bord deS „Frank Pendleton" genommen, gab derselbe an, daß er John B. Oulsten heiße und Steuerwann am Bord deS Schiffes „Arklow" gewesen sei, welche», auf einer Reise von Manila nach den Vereinigten Staaten begriffen, am 8. Mai auf hoher See von einem unbekannten Schiffe angerannt worden sei. Er, Oulsten, habe fich allein in dem Dingui gerettet, während die übrige Besatzung in Begriff gestanden habe, nach Zusammen« raffung einiger Effekten, in einem größeren Boo, edenfall» dle „Arklow" zu verlassen. Er habe fich dann, vom Winde ge» trieben, rasch von dem Sckiffe entferitt, die Nacht sei ange» brachen und am nächsten Morgen seien Schiff und Besatzung spurlos verschwunden gewesen, so daß er einsam und verlassen auf dem weiten Oz-an getrieben habe, bis er von dem»Frank Pendleton" gerettet wurde. Am Bord des letzteren SchtffeS schenkte man den Angaben des Mannes Glauben, in Queenstown aber kam die Sache den Behörden verdächtig vor, und in die Enge getrieben, gestand der Mann endlich, daß er die Geschichte deS Ansegeln» des„Artlow" nur erfunden habe und daß er stch in Wirklichkeit bei Nacht in dem kleinen Boot davongemacht habe, weil ihm das Leben auf der„Arklow'' unerträglich gewesen wäre. gab et auf Befragen für sein verstörte» leusjere die Erklärung ad, daß er ein galante» Abenteuer soeben erlebt bätte. Am nächsten Morgen fand man den Franke, den sofort Jedermann alS Mörder der eben ali Leiche aufgefundenen Thiniu» bezeich- nete, in seiner Behausung noch mit blutbestecktem Gesicht und Kleidern im Bett schlafend; er wurde sofort an die Leiche ge» führt, benahm sich dabei ober äußerst frech. 0rl»ootftebet Hanke, ehemaliger Dienstherr der Erschlagenen, stellte vor Gericht seiner ehemaligen Magd da» beste Leumund»» Zeugniß au». Al» Entlastung»- Einwand hatte der Angeklagte gellend gemacht, daß daS Kind, dem die ThiniuS da» Leben geben sollte, nicht da» seinige sei. Der nach dieser Richtung hin versuchte RechtfertigungSeinwand siel vollständig in'» Waffer.— Gegen 1 Uhr zogen sich die Geschworenen zur Berathung zurück, nachdem Staatsanwalt Dr. Menge für Schuldig de» Morde» unter Verneinung mil- demder Umstände plaidirt hatte. Der Wahlspruch der Geschworenen sprach den Angeklagten der vorsätzlichen mit lieber« legung ausgeführten Tödtung für schuldig, und zwar mll mehr al» 7 Stimmen. Stumm wie eine Bildsäule verharrte der Angeklagte bei Verlesung deS Wahlspruches. Demgemäß oet uriheilte der Gerichtshof den Angeklagten zum Tode und Ver- lust der bürgerlichen Ehrenrechte. Hebe* da» Urtheil de» Oberverwaltung�» erichte» über die Statuten der Maurer-Kranken- und Sterdekaffe (E. H.) zu Charlottenburg wird jetzt geschrieben:„Die genannte«äffe ist nicht eine sogenannte„freie" Hilsskaffe, d. h. eine Kasse ohne Beitritt», wang, wie e» die jetzt bestehenden eingeschriebenen HilfSkaffen ohne Ausnahme sind. Es ist nie bezweifelt worden, daß die Mitgliedschaft bei einer solchen freien HillSkaffe, vorausgesetzt, daß sie den Anforderun- gen de»§ 75 deS Krankenverstcherungsgesetze» genügt, von der Verpflichtung, irgend einer andern Kasse beizutreten, befreit, mag auch da» betreffende Mitglied außerhalb de» Sitze» der freien HilfSkaffe wohnen oder beschäftigt fein. Bei jener Charlottenburger Kranlenkaffe handelt e» fich dagegen um eine in Gemäßhett de» Gesetzes vom 7. April 1876 zu einer eingeschriebenen Hilsskaffe umgeformte, auf Grund der früheren preußischen Gesetzgebung bestehende sogenannte ottsstatutarische«äffe mit BeitriitSzwang. Gemäß§§ 85 Abs. I und 87, 88 deS Kranken- verstcherungSgesetzes hötten derartige Kassen mit dem 1. Dezember 1884 aus, eingeschriebene HilfSkaffen zu sein, und unter- lagen dem Vorschriften diese» Gefetze»; die in Rede stehende Kaffe ist also seit dem 1. Dezember 1884 eo ipao OrtSkranlen- lasse geworden. Nach§ 85 Abs. 1 und 2 a. a.O. mußten die Statuten nur, soweit sie hinstchrlich der Bestimmungen über die Kaffenleistungen und Kaffenbellräge, die Vertretung und Verwaltung der«äffe den Vorschriften de», Hirten Gesetzes nicht genügten, bis zum 1. Januar 1885 entsprechend abgeändert werden, widrigenfalls die höhere Verwaltungidehörde die erforderlichen Abänderungen vollziehen konnte. Alle übrigen Vorschriften deS Krankenveiffcherungsgesetze» dagegen traten für die bell. Kaffe mit dem 1. Dezember 1884 sofort auch ohne Aufnahme in die Statuten in Kraft. Zu diesen sofott gilligen Vorschriften gehött auch die de»§ 27 a. a. O., wonach unter bestimmten Voraussetzungen bisherige zwangsweise Mitglieder, welche au» der die Mitgliedschaft degrünsenden Beschäftigung auSschewen und nicht zu einer Beschäftigung übergehen, ver» möge deren fie Mitglieder einer anderen OltSkrankenkaffe ic. werden, ihre Mitgliedschaft fteiwillig fortsetzen können. Der Bezirksausschuß in Potsdam und daS Oberverwaltuna»gericht ! loben nun angenommen, daß ein bisher in Chorlottenburg be- chäftigt gewesener Maurer, welcher die dortige Arbeit aufgiedt und neue an einem anderen Orte, sagen wir in Poitdam, findet, dadurch aus der die Mitgliedschaft bei der Charlottenburger ZwangSkaffe begründenden Beschäftigung ausscheidet und zu einer Beschäftigung, vermöge deren er Mitglied einer anderen Ott». Krankenkasse wird, nämlich der Potsdamer, übergeht, nicht auf Grund de»§ 27 sc. freiwillige» Mitglied der Charlottenburger Kaffe bleiben kann, vielmehr gemäß§ 19 Abs. 2 a. a. D mit dem Antritt der Arbeit in Potsdam ohne Weitere» zwang». weise» Mitglied der Potsdamer Ort». Krankentaffe wird. Dieser Anschauung entsprechend haben beide Instanzen die in da» Statut der Charlottenburger Kaff- aufgenommene V-stimmuna, wonach in dem obigen Falle der det: essende Maurer freiwillt- ge» Mitglied der Charlottenburger Kasse bleiben kann und in diesem Falle von der zwangsweisen Mitgliedschaft bei der Potilamer Ott» Krankenkasse befrett sein soll, für ungesetzlich erklätt und zwar nach den maßgebenden Vorschriften mll Recht. CS sei aber nochmal» hervorgehoben, daß fich die in Rebe stehende Entscheidung auf einaeschrirbene HilfSkaffen ohne Bei» trittSzwang- und andere«iebt e», wie gesagt, seit dem 1. Dezember 1884 nicht mehr— nicht bezieht. Krautfurt a. M., 29. Juni. Au» der h-u'.igen Sitzung de» Schöffengericht» berichtet die„Fiks. Ztg.": In einer offent lichei Aergerniß erregenden Weise wurde am 19. Januar eine Schauspielerin von dem Handelsreisenden Philipp Hallig auf dem Roßmarv mißhandell. Er hatte kurze Zeit vorher sich der Dame in auffälliger und beleidigender Weise im Palmengatten genähert, und sie hatte ihn einen„stechen Juden" genannt. Nach einigen Tagen trat der Angeklagte in provokatorischer Weise im Palmengatten wieder an sie heran, und al» die Schauspielerin ihn abfertigte, antwortete er mit einer groben Beleidigung, wo- raus er wieder ein„unverschämter Jude" genannt wurde. Am 19. Januar begegntte der Reisende auf dem Roßmartt der Dame, verlangte von ihr Zurücknahme der Beleidigung, und al» sie dieselbe wiederholte, schlug er ihr einmal oder zweimal kräftig mit der Faust in» Geficht, so daß da» Blut floß. Die Leute liefen zusammen, und die AmtSanwallschaft biell sich de. rechtiat. auf Grund diese» öffentlichen Skandal» eine Anklage wegen groben Unfug» zu erHeden. Die Vettheibigung machte geltend, daß hier nur eine Körperverletzung vorliege und die b ÄS- igSÄ"Ä iS S" nannte den Vorsitzenden Eatti«„Bürgerprastdentt und ver- langte, daß ein Anarchist die Lehren seiner Partei Wer(rklare, da kein Advokat die» genügend verstehe, �in Vettheidiger unterstützte die» Begehren, auf welche» der Gerichtshof jedoch nicht einging. Gallo erging fich hierauf in heftigen Angriffen gegen die Regierung, gegen die Geschworenen und namenrlieb gegen den verstorbenen Untersuchunaslichter Blancard de» Saline», so daß der Präsident sein Bedauern darüber au»» sprach, daß der Angeilagte nicht als verrückt erklätt wurde. Der Staatsanwalt stellte endlich, al» die Verhandlung nicht wettet geführt werden konnte, den Antrag, die Schloßverhandlung auf eine andere Session zu verlogen, wo* der Gerichtshof auch beschloß. Gallo Uammette fich an da» Geländer an und mußte von den Gardisten au» dem Saal geschleppt wer- den.— Einet Vttvatmlltheilung der„Vosfischen Zeitung" über Galo entnehmen wir folgende»:„Galo bat seine Muße während der VerwahrungShaft im Gefängnisse Maza» dazu benutzt, seine Leben»geschichte niederzuschreiben. Er beginnt wll einer ganz lichtvollen Darlegung der anarchistischen Grundsätze, die er offenbar au» Fürst Krapottin'» Schriften geschöpft hat und erklätt fich bereit, sein Leben zu jeder Stunde für seine Uederzeugungen einzusetzen. Er fährt dann fort: ,�sch habe viel gelitten im Leben. Ich bin da» Opfer vieler Ungerechtigkeiten gewesen. Ich will aber Niemand persönlich St meine Leiden verantwortlich machen. Ich weiß zu genau, iß ste die nothwendige Folge der fehlerhaften Gesellschaft». Ordnung find... Ich verzeihe au» vollem Herzen alle» Böse, da» man mir, mir allein, zugefügt hat. Ich kann aber die Ungerechttgkeiien nicht vergessen, deren Opfer, wie ich au» schmerzlicher Erfahrung weiß, die ganze Menschbett ist.... Ich bin geboren im Jahre 1859 in Belle- JSle-au-M-r, Nieder» Bretagne. Ich bin ein nalü. liehe» Kind meiner Mutter, die selbst ein nalürliche» Kind war. Meine Großmutter war ein kluges, gefühlvolle» Weib und trotz ihrer Mutterschaft ohne Ehe von Allen, die sie kannten, geachtet. Sie war Dienstmädchen in einem bürgerlichen Hause, bei einem Advokaten; schlecht aenähtt. noch schlechter bezahlt, von Arbeit erdrück!, eine Sklavin. Der Sohn de» Hause» studitte Medizin und verbrachte die Fetten bei den Eltern. Eine» Tage» sperrte er die Großmutter in ihr Zimmer ein und that ihr Gewalt an. Da» arme Bleib dachte gar nicht daran, klagbar zu werden. Sie kannte da» traurige dretonische Sp ichwort: Für den Annen giedt e» keine Gerechtigkeit. Mit hattet Arbeit und Entbehrungen brachte fie e» fertig, meine Mutter groß zu ziehen. Diese wachte die Bekanntschast ttne» Schufter». Sie liebten fich. Sline Famllie wollte aber von ttner Verbindung nicht» wissen, weil er ein kleine» Geschäft, eine Werkstatt u. s. w. besaß, meine Mutter dagegen gor nicht» hatte. Man verh-i- rathete ihn mll einer Person, zu der er nicht die geringste Neigung hatte, deren VermögenSverhältniffe aber den seinigen entsprachen. Sech» Monate später hatte er fich von ihr getrennt und lebte mit meiner Mutter. So wurde ich geboren. Ich erfuhr also schon in meiner frühesten Kindheit, wat die sogenannte bürgerliche Ehe und Familie zu bedeuten habe. Wer war die wirkliche Frau meinet Vater»: die Mutter seine» Kinde», da» Weib, da» er liebte, oder die, welche man ihm aufgehaist hatte und die von Gesetze» wegen seinen Namen trug* Mit andern Kindern konnte der klttne Galo nicht spielen, weil deren Eltern e» nicht erlaubten und fie ihn wegen seiner unehelichen Gedutt verspotteten. Er war immer allein und spielte am Seestrande, wo er Muscheln und Steine sammelte. Seine Großmutter hatte ihn schreiben und lesen gelehrt. Später will er ohne Anleitung zu bedeutenden zoologischen und geologischen Kenntnissen gelangt sein, durch die eigene aufmerksame Beobachtung der Natur. Al» er dann Lehrbücher dieser Wissenschaften in die Hand bekam, war er erstaunt, da» meiste von dem, wa» darin gelehrt wurde, schon zu wissen, bi» auf die KunstauSdrücke, die ihm natürlich nicht bekannt sein konnten. 1871 verließen seine Eltern Belle Jele, wo ei ihnen schlecht ging, und wanderten zu Faß nach Nante». Unterweg» traten fie zwei Kommune- Flüchtlinge, deren düstere, entschlossene Haltung auf den Knaben einen tiefen Eindruck machte. Der kleine Gaio interesfirte fie und fie schrieben für ihn ttne Art kurzen Katechiimu» de» Revolutionärs nieder. Ein edler Menschenfreund, der einzige dem er begegnet sein will, ermöglichte dem jungen Galo einjährige» Vorbe- leitungSstudium für da» Lehrerseminar(Scole normale). Bei der Weltprüfung war et von 40 Prüflingen der zweite nach der Ordnung de» Verdienste»; dennoch erhielt et keinen Zulaß, weil er ein uneheliche» Kind war. Von da an warf er fich dem AnarchiSmu» in die Arme. Er arbeitete später in einer chemischen Fabrik, wo ihm Unrecht geschah, deging au» Roth Falschmünzerei, würbe gefaßt und veruttheilt und machte sich nach seiner Freilassung durch da» Börsenattentat bekannt." Soziales nnd Arbeitervemegang« Die feiten* verschiedener Handelskammern heraus- gegebenen Berichte für daS Jahr 1885 legen fast ttmnüthig Z-ugniß davon ab. daß wir im witthschaftlichen Niedergange begriffen find. Ueberproduklion, vermehrte floiiunenj find vorhanden, so heißt et in einigen Berichten, da» ist ein uner« freulichei Bild; in anderen aber klagt man wieder über Mangel an UniernehmungSlust, über Ansammlung müssiaer Kapitalien, Sinken de» Zin»füße». Faßt man diese Gegensätze in» Auge, so sieht man oie gänzliche Rtthlofigkeit, welche in den Kreisen der berufenen Vertreter dLi Handel» und der Gewerbe herrscht. Alle Handelskammern konstatiren den Rückgang, übet die Ursachen aber find fie uneinig; der einen find die Zölle zu niedrig, der andern zu hoch, andere wollen ste ganz abschaffen. Aber Vorschläge zur Besserung kann Niemand machen.„Die KttfiS wird ihr naturgemäße» Ende enttchen, wie alle früheren Krisen." Man vergißt dabtt aber, daß unsere wirthschastlrchen Lethältnisse in ein ganz andere» Stadium getreten find; daß die Ueberproduktion eine stehende Einrichtung zu bleiben droht, daß somit die Preise der Waaren staken, die Löhne zurück- gehen und nur die nothwrndigsten Lebensmittel fich auf einer bestimmten Höhe halten. Die Konsumtiontsähigkeit de» Volke» schwindet und somit w-rden wir nicht mehr den Wechsel von stehen fetten und stehen mageren Jahren haben, sondern die Krisen bleiben in Permanenz. Wie sehr die Korderuuge« bei Submisstoue« an«- ewaudergehe«, illustrirt auf» Neue die folgenoe der Hamburger„Bürgerztg." vorliegende Meldung au» Schleswig. Un- längst wurde die Einrichtung einer Dampfentwässerung in der Eiderniederung für die Schlichtinger Gemarkung und einen Thttl der Neuenfieier Schleuse- Einigung beschlossen. Die in Folge davon in letzter eingegangenen Submifston» Offerten, betreffend die Herstellung de« erforderlichen Entwässerung»- maschine, wurden vor einigen Tagen geöffnet. Die Anzahl derselben belies fich auf 6. 1) Die Firma Brodwitz u. Seidel in Berlin hatte 2 Entwürfe zu resp. 123C00M. und 810003». eingeliefert, 2) Nagel u.«aemp- Hamburg 4 Entwürfe zu 82000, 80500, 67200 und 65 200 3»., 3) die Gebrüder Howalot in Kiel hatten ttne Forderung gestellt von 68 600 3»., 4) die sächstsche Maschinenfabrik in Chemnitz von 67460 M., 5) die Maschinenfahril Cyklop in Berlin von 55 000 M. und 6) die Attiengesellschaft CarlShütte pr. Rendsburg von 48 800 M. Die Entscheidung erfolgte zu Gunsten der Fabrik Cykiov in Berlin, welche die Herstellung der Maschinette für 55 000 M. ,u beschaffen hat. Drängt fich da nun nicht unwtllkürltch die Frage auf: Wollte die unter ad 1 genannte Fabrik so kolossal viel mehr verdienen, wie alle übrigen! Oder beabstchtigte die unter 6 genannte Aktieimesellschatt der 9lufttoggebctin so und so viele Tause.rde von Mark zu scheuten s Da» Buchdruckergewerbe uud die Uafallverficherung. Nach den Ausstellungen für die Unfalloerficherung umfaßt laut dem in Hamburg erstatteten Berichte da» deutsche Buchdrucker- aewerde 5041 Betriebe mit 47743 verstcherungßpflichttgen Per» fönen. Seit dem 1. Oktober 1885 sind 256 Betriebsunfälle vorgekommen, welche ttne Ausgabe von 2985 M. veranlaßten Von den Betrieben ist ein Beitrag von 1 3». pro Versicherung». Pflichtige Person ausgeschrieben worden. Die Lohnnach- Weisungen ergeben, b i» im 4 Quartal 1885 die Löhne und Gehälter für obige 47 743 Personen betragen haben: a) kalkulatorisch richtiggestellte Lohnnachwellungen 10242 919 M„ b) von den Sektton»vorständen festgestellte Lohnnachwttsungen 10 762 667,57 5». Der Etat für die Unfallo-rstcherung wurde festgestellt pro 1886 auf 27000 M., pro 1887 auf 33480 M. Deutschland« Einfuhr Vau Pferde« deträgt 75000 Stück zu mehr al» 60 Millionen Mark. Dieselben kommen au» Osteuropa, Frankrttch. England, selbst au» dem kleinen Belgien noch 13—14000 Stück. Dopegen beträgt die Ausfuhr nur 20000 Srück zu 24 Millionen Mark. Der Zuwachs der Einfuhr war s. Z. ein rapider. Im Jahre 1872 betrug er noch 60000 Stück, 1874 schon 74600 Stück. E» giebt zu denken, daß Deutschland trotz de» Nothstande» der Landwitth. schaft an der Spitze der Pferde ttnfüdrenden Länder steht. Die stretkeude« Luxutpapierpräger btt Hain u. Mollet hatten am Sonnabend wieder ttne Unterredung mit dem be- treffenden Pttnzipal, um dm Sttttk in Güte beizulegen, wur- den aber mtt ihrm gerechten Forderungen, wmn auch einige Kleinigkttten zugeftandm wurden, abgewiesen. Bemerken»- wertb hierbei ist» daß der Fabttkant die Erklärung abgab, mit den Forderungen der Arbeitet voll und ganz einverstanden zu sttn, daß er aber dieselben nicht bewilligen könne, da die Kam- billig angenommen fei. Kollegen und Arbeiter Diese Anerkennung, daß unsere Forderung gerecht ist, gftbt un» den Math, auszuharren, bi» wir dm Sieg errunam boben. Ader cm Such liegt e» dazu beizutragen, dcß dieser Sieg gelingt, denn unsere Oraanisation ist eine seh? junge. und gehören zu derselben meist VeiHttratHete. wie auch die Streifenden größtmtbttl» Familienväter find. Wir richten da» hrt die Bitte an alle Arbeiter, die fich mtt un» solidarisch fühlen, un» in unserem Kampfe zu unterstützen und vor allem dafür Sorge zu tragm, daß der Zuzug zur amannt-n Fabrik so viel wie möglich fern gehalten wird. Briefe und Mit- ch-ilungen find zu lichten an I. Catpar. Sdönholzerstr. 8. Mtt kolleaialrschem Gruß die streikendm Präger der Firma Hain u. Mo»let. Uermischtes. Et« Schreibe« Ferdinand Laffalle's über Siegle», wahrscheinlich im Jahre 1863(e» enthält weder Dalum noch Ortsangabe) an einen Breslauer Bürger mit Rückficht auf die damaligen BreSlauer Wahlen gerichtet, wird in der„BreSl. Mörz.- Ztg." oerüffmtlicht. Diese» Schreiben, welche» wegen seiner scharfm Czarakterzeichnung, wie wegen de» Verfasser» allgemeine» Jnter,ffe beanspruchen darf, lautet:„Zi-gln» Wahl wäre ein großer Sieg der guten Sache und eine(einen Wahlerkrei» ehrende Anerkennung und Vergeltung eine» Mar» tyr.umS ohne Gleichen, da» er im Dienste De» Volke» auf fich genommen, bewußt, ooraulfehenb, und dennoch nie wankend. Hier einige kurze thatfächliche Angaben zu feiner Charakteristik: Schon 1830, ali junger Rechtsanwalt beim Kabinet der.unstrt, wurde et Dennoch um feine» ganz unvergleichlichen Dcaanifa» tionStalmte» willen später Oberbürgermeister in Biaadenburg — einige dreißig Jahre alt— und dethätigte dasselbe in dieser Stellung an Forsten, Rittergütern, Kiankenhäufem, A-beitS- bäusetn, Erziehungsanstalten, Schulen und dm woblthätigffm Reformen in der Kommunalsteuer. Daß er trotz dieser Hohen Stellung, näherer Bekanntschaft mit den Gliedern de» könig. liehen Hause», zu denen er in derselben gelangte, und Soßer Auszeichnungen, mit denen er in Folge dessen vom ose behandelt wurde, sich Dennoch nicht abhalten ließ, 1848 mit aller Energie für die Sache des Volke» einzutreten, zog ihm den ganz besonderen Haß de» HofeS zu. Er ist der ttnzige, welcher wegen der Steuerverweigerung ali Mitglied der N.-V. verurtheilt wurde(Buchet wurde e» nämlich wegen Auftu-S zu dm Bassen). Auf Die Festung gefetzt, de» Amte», der Orden für verlustig erklärt, auf ein Jahr au» seiner Vaterstadt ver- bannt, durch diese Verfolgungen um fein Vermögen gebracht, hat et gleichwohl nie um eine» Haare» Breite nachgegeben, nie an die Uebernahme eine» Amte» mehr gedacht, sondern feine große praktische Tüchtigkeit von neuem bewährt, indem er, in allen Sätteln ae echt, durch eigene Kraft fich zu ttner reich» lichenUnadhängigkett emporgearbeitet hat und an 300 Menschen in seinen invustttellm Urilernehmunpen beschäftigt.— Sein« na- tional ökonomiichen Sckriften: 1. 2B e ist dem Handwerkerstand zu helfen t 2. Die Fabriken Kreditgesellswaft; 3. Zur Reform de» »bgabenwesm», zeigen die gründlichen Kenntnisse, die er auch in diesem Fache befitzt und auch hier mll einem durchaus praktischen, nur aus die Wohlfart de» Volke« gerichteten Sinn verbindet. Seine pudlczistische Thätiakeit— et schrieb 1. die Hälfte der Leitartikel der„Nat-Zlg. im Jahre 1851; 2. die bekannten Artikel au» dem Abgeordnetenhause 1856 und wiederum»itko ein Viertel der Leitartikel; 3. in den Jahren 1852 oder 54 ein halbe» Jahr lang Lei.artikel für die„Neue Over Ztg." in Breslau— ist von allen Seiten als eine der wohtthätigstm anerkannt, die in der demokratischen Presse geübt worden ist. In Bezug auf die Gediegenheit seiner juristischen Kenntnisse werden ihm einige, obgleich nicht viele, Muglteder de» AdgeordnetmHause» etwa gleichstehen. In Bezug auf die Verbindung derselben mll den mannigfachsten Kenntnissen anderer Art nur äußerst wenige. In Bezug auf die Festig- kttt seine» Charakrer» keiner» mit Ausnahme seine» intimen Freunde» Waldeck vielleicht. Worin stch aber schlechthin Niemand mit ihm messen kann, ist(eine administrative Routine und Erfahrung. Darin gerade wäre er ein unvergleichlicher Gewinn für die Kammer. Ein ge» schultet Bureaulrat, mll allen Erfahrungen der Bureaukratie und mit dem Haß gegen dieselbe, mit dem seltensten Administration»- und Organisationstalent und mtt der ent- schiedensten und aufrichtigsten Liebe zum Volke.— Er wird in Der Kammer die Fortschrittspartei unterstützen und zugleich kräftig fortentwickeln. Hoch Breslau! Dein Lassalle." Ziegler gehörte nebst Johann Jacoby und Waideck zu den hervorragendsten und interessantesten P-rfönttchittten der preußischen konstlluirenden Versammlung und de» preußischen Landtage». Troy der großen Verschiedenheit ihrer scharf aus« geprägten, in fich abgeschlossenen Individualitäten haben Waldeck und Ziegler auch gesellig immer in den freundsaaft» liebsten Beziehungen zu einander gestanden, während Jacoby fich noch 1866 allmälig zurückzog und fich der Sozialdemo» Wie anschloß._ Kleine Mittheilungett. Duisburg, 25. Juni. Vor einigen Tagen langte au» Oberhaulen im hiesigen St. Vinzenz. Hospllat ein geheimniß. voller Patient an. Derselbe heißt Savin und war früher russischer Offizier. Er gehörte zur nihilistischen Patttt und mußte wegen verschiedener Attentate in» Ausland flüchten. Savin hielt stch zuletzt in Pari» auf, wurde jedoch von der französischen Regierung an Rußland ausgeliefert und befand fich auf dem Transport nach Rußland, al» er in Oderhausen erkrankte. Man brachte ihn zunächst im Krankmhause zu Oder» Hausen unter, schaffte ihn dann aber auf Veranlassung der Staat, onwaltschoft in da» hiesige Vinjenz-Hospikal. Der Mann wird, sobald e» sttn Zustand erlaubt, weiter nach dem Russen» reich befördert, wo feinet vennuthlich kein angenehme» Loa» harrt. Bromberg, 27. Juni. Im Monat März ct. wurden hier zwei russtsche, jüdische Personen wegen Bttteln» von dem hiesigen Amtsgericht mit je 1 Tag Gesängniß bestraft. Die Strafe haben sie oerbüßt, dttbe Personen befinden sich aber, wie die„Danstaer Z'g." schrttdt, seit jener Zeit noch immer in Hast, wttl die Polizei dieselben behusi ihrer Auslieferung nach Rußland festhätt, die russische Behörde ste aber nicht an« nehmen will. Trotzdem angesehene hiesige Bürger stch für die Entlassung Der Gefangenen bei Der detreffenden Behörde ver» wandt Häven, so hat stch in deren Schicksal noch nicht» ge» ändert. Beide Leute fitzen nun seit dem 3. beim. 20. Mäcz cr. in dem hiesigen Polizttgesänzniffe und der Zeitpunkt ihrer Entlassung ist unter dies-n Umstanden gar nicht abzusehen. Frankfurt a.%*., 25. Juni. Vorgestern Abend gegen 7 Ubr geriech auf dem Rangirbahnhofe der Main Neck ardahn ein Rangitet zwischen die Kohlenrampe und einen Rangir mg und erlitt einige nicht unbedeutende Verletzungen am Kopf (ein Ohr wurde ihm fast ganz abgerissen) und starte Quetscdunaeu der Brust. Marseille. 28. Juni. In der Stiergefecht,. Arena zu Nim«» sollte vergangene Nacht eine große Vorstellung statt- finden. Da die tteklrische Beleuchtung nicht sunltionirte, blieb der Zuschauerraum stockfinster. Eine drttßigtausendköpsige Volksmenge protestirte und ergab fich wüsten Unordnungen. Während Tausende von Personen unter wildem Gcschrtt au» den Thüren stürzten, zahlreiche Verwundete hinterlassend, drang eine andere tobende Volkt menge in» Innere der Aiena, warf Sessel, Bänke, Gerächschatten hinein und zündete dieselbe an. ES entstand ein kolossaler Feuerherd, die herbeigekommene Feuerwehr wurde mit Stttnwürfen empfangen, zwei Pompier» sind oerwunbet worden. Vzrantwonlicher Redakteur A. Eranheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin 8W„ Beuchstraße 2. Hier»» eine Beilage- Beilage zum Berliner Bolkvblatt. Pr. ISO. Donnerstag, den 1. Juli 1880. III« 9## P arlamentsberichte. «Uigeordveteuhoa». 96 Sitzung vom 28. Juni. 1 Uhr. »m Mniftertische: v. Putt kamer und liommiffarim. Da« Andenken dci gestern verstorbenen Ab.-. Kleist »on Bornstedt ehrt dai HauS in der üblicken Weife. Auf der Tazeiordnung steht zur äcdst die I teipellation der Adgg. Cderty und Halderstadt, betr>ff..'nd die Hebers»wemmungen in den Kreisen Hirsch« berg, Schönau u. s. w. Die I nterpellation lautet: i. Ist die königliche Staats- regierung über den Umfang d-r durch Ueverschwemmungen in den Kreisen Hirschderg, Sciönau, Löwer berg, Landesdut. Gä liy Luuban, Bunzlau und anderen geschädigten schiests tzen D st Uten verursachten Berheerungen unterrichtet? 2. Welche Matzreaeln gedenkt ivrmuell die königliche S-aatSregterung zur Llnderung veS NothstandeS in den erwähnten Gegenden zu treffen? Minister v. Putt kam er erklärt fich bereit, die Jnter- pellation sofort zu deantworlen. Zur Begründung deffclben erhält daS Wort Abg. Halbrrstadt: Die Erklärungen deS Herrn Mi- nisters v. Puttkamer bei der Interpellation Stromdeck waren nicht sehr ermmhtgend für die Jalerpillalton. Gleichwohl haben wir diese Jiterpellation eingebracht, weil die Perbä tniffe in d esem stalle dock etwaS anders liegen. Sie wissen, welche Berheetungen die auf dem Gebirge entspringenden Zufluffe der Oder, vermehrt durch Woltcnbrüche und andauernde Niederschläge, in diesem Frübjahr angerichtet haben. Auch Hagel- und Blitzschläge waren stärker als in früheren Jahren. Auf eine D-oastation der Forsten ist des Unglück nicht zurückzuführen. Die Schäden wiederholen sich fast alljährlich, aber selten ist die Verwüstung so plötzlich eingebrochen, wie in diesem Jahre. Nicht nur Gebäude und Giundstücke strd voll« ständig orrntchtet, sehr viele Brücken und Steg« sortgeschwemm», Slratzen, Kommunikationswege zerstö t, der Verkehr gehemmt, auch der Verlust von M.nschenleden ist m deklagm. Die Z r« stö:ung deS EigerthumS ist eine so bedeutende, daß die Ae- memden, welche von der Ueberschwemmung belroff.n find, gar nicht mehr in der Lage find, die Lasten für die Herstellung der Brücken und Straßen aufzudringen. DteS gilt insbesondere von den Kreisen in Bezug auf die Herstellung der zerstö-ten Straßen. ES wird daher sehr dringend gehrffl und gewünscht, daß die königliche Regierung auS den ihr zur Di« pofition stehenden Fond» den Gemeinden zu Hille käme. Ob eine Melioration der Flüsse dort, wo fie in die Ebene treten. vorzunehmen sein wird, um diese U-derschwemmuegen in Zu» tuntl zu mildern, würde ich den Interessen der königlichen Re- gierung überlassen. Mm'fter v. Puttkamer: M ine Herren, als die ersten Nachrichten vor den si-lefischen Wasserschäden nur aus Grund von Zeitungsberichten hierher gelangten, habe ich allerdings im ersten Augenblicke ernste Besorgnisse gehabt über den Um- fang und die Tragweite der dadurch herbeigeführten Schäden. Die inzwischen eingegangenen Berichte konstattren indessen glücklicher Weise, daß dieser Umfang bei Weitem nicht so er- hedlich ist, wie eS in den Zeitungen und anderen Berichten darg stellt war, und wie auch noch jetzt den Herren Jäter. pellanten zu Ohren gekommen zu sein scheint. Im glaube, ich werde im g-meinlamen Interesse am besten handeln, wenn ich Ihnen den vom Herrn Regierungipiästdenten des Regierung». dezirkS Liegnitz, um weichen Bezirk eS fich hauvt« sächlich handelt, erstatteten Bericht in extenso mittheile. Die feinen werden dann am besten urtheilen können, od in der That ein Nothftand vorliegt in dem Umfange, daß staatliche Hilf« einzutreten hätte. Der Bericht, der heute an mich ein- gegangen ist, lautet nach den üblichen Eingangsworten folgender- maßrn— ich theile eS Ihnen wö.tlich mit, ohne ein Wort hinzuzusetzen oder auszulassen—:„Nachdem bereit« der Boden in Folge vielfachen RegenS mit Waffer getränkt war, fand im Laufe de» 20. und 21. d. Mt«. ein unaevöhn» ltch starker und anhaltender Nieverschlag im weiten Umfange namentlich ab-r im Ouellgebiet der westlich in die Oder ein mündenden Gedi gtfluffe statt, welcher ausgedehnte U-ber- fluihunpen der läng« de» selben belegenen Ländereien zur Folge gehabt bat. Namentlich gilt dieS von der Katzbach und der in dieselbe eiimündenden„wülhenden N-iße", und von dem Bober- und Qaeisfluß. woaegen die Laufitzer R iß« schon außerhalb de« eigentlichen Regenzentrum» gelegen zu haben uns daher weniger betroffen zu sein scheint Die Hochfluthm haben die de« Iahte» 1883 an einzelnen Stellen erreicht, an wenigen üderschiitten,»um größeren Theil find fie etwas unter denen deS genannten JahreS geblieben. Da« au« den trüheren Jahren bekannte Bild, welches die betroffenen Ländereien nach Rücktritt de» W.fferi bieten, hat fich Wied«' holt. DaS gerade jetzt vielfach schon in Schoden stehende Heu ist weggeschwemmt, daS stehende Gras und Futter verschlickt, die Feld- und Gartensrüchte theilS ganz zerstört, theil« mehr oder weniger beschädigt, auch ein erheblicher Schaden an weggeriff-nen oder beschädigten Brücken und Stegen, an Straßen und Chausseen angerichtet. Die bei solchem Hochwasser stets eintreter den Er- fchetnungen der Versandung und Auskolkung einzelner Strecken, der Uferadrtffe und-Ausriffe u. dergl. haben pletchfall« nicht gefehlt; Bäume, Hölzer, Umzä mungen und dergleichen wurden bemuntergrtrieden, wogegen größere Schäden an Boden und WiithschaftSgebäuden nur vereinzelt vorgekommen zu sein scheinen. Es ist unzweifelhaft daher wiederum ein Schaden in größerem Umfang« entstanden, wa« um so bedauerlicher ist, als naturgemäß wieder dieselben Aojazenten betroffen find, welche bereits vor drei Jahren schwer aelttten hatten. Wenn trotzdem, wie es fich schon jetzt übersehen läßt, im Allgemeinen der Schaden an Feldfrüchten und Kultur und namentlich an Hab und Gu- der Anwohner«in geringerer gewesen ist ali im Jahre 1883, so ist dies theil« dem Umstände zu verdanken, daß die letzteren in Falze der durch die letzten Uederschwemmungen geschärften Aufmerksamkeit und in Folge de« seitdem besser orgariistrten Hochwassermeldedienste» fich zeitiger regten und ihre Vorkehrungen zur Rettung und Bergung treffen konnten, vor Allem aber dem Umstand«, daß das dieSjähtige Hochwasser doch durchschnittlich die Höhe de'je igen vom Jahre 1883 nicht erreichte und daß die Fluthw'lle fich schneller verlaufen hat, als die» damals der Fall war. So sehr daher der Schaden, welcher den Einzelnen auch diesmal oft in empfindlichster Wette betroffen hat,»u de« klagm ist, so glaube ich doch schon jetzt aus'prechen zu können, daß ein allgemeinerer und größerer Noihlland, welcher die Staatsverraltung zu oußergeiröhnlichen Maßnahmen ver- anlassen oder der Prioatwohlthätigkett Anlaß geben könnte, fich im großen Umfange thätig zu erweisen, nictt die Folge der diesjährigen Uederfluchungen sein wird. Das Urthetl darüber, od die Anrufung der StaatShilfe für einzelne Fälle rothwendig werden kann, muß ich mir zur Zeit noch vorbi halten und ge- statte mir nur noch, gehorsamst zu bemerken, daß ich bezüglich eines Theilrs deS unteren Boberlaufet- im Bunz'auer Kreise, welcher auch in diesem Jahre schwer detroffen i» und für welchen eine Eindeichung n öz-lich erscheint, mit Vorschlägen zum dauernden Schutz an de» Herrn Minister für Landwirlh- ichaft, Domänen und Forsten und an Ew. Exzellenz in nächster Zeit heranzutreten deadfichtige" Meine H»rcen, daS ist die Schilderung d's RegierungSprästdenten zu L-egnitz, eines Be« amten, von dem J-ver, der ihr kennt, von vornherein voraussetzen wird, daß fie durcha-S objektiv und in keiner Weise zu schwarz oder zu hell gefärbt erscheint. Hiernach, glaube ich, werden die Herren Jntetprllanten fick überzeugen, daß die StaatSregierung fich nicht in der Lage befindet, die Frage, od fie in größerem Umf-rnge in Form eines wirklichen N�thstandSvorscklageS an daS Haus zu treten habe, fich vorzulegen. Ich habe noch andere Berichte, welch« diese Auffassung der Sache in allen wesentlichen Punkten zu bestätigen geeignet find. So hat der Landrath de« Kreise« Laudan, eines der detroffen-n Kreise unaufgefv'dert an mich forgende» Tilegromm gerichtet: Fnter- pellatton Ebe.Iy veranlaßt mich zu der Anzeige, daß Waffer- jchäden im K eije Lauban unbedeutend, Staatthilse nicht er- forverlich. Ebenso hat der Regierun gSprästdent zu Breslau, bissen Bezirk in den Zeitungen auch als schwer beschädigt dar« g«st.-llt ist, folgendes an mtch telegrvphirt: durch Hochwasser ver N-iffe nur unbedeutender Schaden durch Fortschwemmen von Heu von den Wresen entstanden, im Kreise Hadelschwerdt Brücken und Wehre undr schädigt. Im Glatzer Kreise nirgends nennenswerther Schaven, auch im Fcankensteiner Kreise Ueber- schwemmungSjchäden nicht so deveurrnd, wie in den Z titungen dargestellt, erreichen nicht die Höhe der Ueberschwemmung von 1883. StaarShrlfe nirgend» beantragt oder angeregt. DaS Gesammtdrld, welche« fich sür die StaatSregürung au« diesem gewiß sehr bedauerlichen Vorfalle ergiedt, ist «in solche», daß wir bisher nicht in der Lage gewesen find und hoffentlich auch nicht in die Lage kommen werden, mit umfassenden Adhil'Smaßreaeln vorzugehen; ich wiederhole aber den Ausdruck derjelben Bereitwilligkeit, der ich bei der neultchen Interpellation bereits Ausdruck geaeben habe, dahin, daß in etnzilnen Fällen, wie auch der Herr R'gierungS« prästsent in Liegnitz fich zu deantragen vorbeyält, gewiß mit humaner Rückstcht verfahren werden wird und Anträge aut Be-- illigrmg von Bethilfen, um einzelne besonder« schwerbe- tioffene G undbesttzer im Nahrungsstande zu erhalten, wohl- wollend werden erwogen werdrn. Dazu werden aber meineS Erachtens diejenigen Fonds deS ElaatShauShaltSetatS aus- reichen, welche-ch schor neulich erwähnte, nämlich der Aller- höchste DrspostiionsfondS und da« Haupt-Extraordinarium. Wenn der Herr Interpellant am Schluß setner eben gehörten Darlegung auf Maßregeln gekommen ist, welche in Zukunft solchen Schäden vorzubeugen geeignet sein mögen, so kann ich verfichern, daß die SiaatSregierung, wie auch der Schluß de« von mir eben verlesenen Berichts ergiedt, nicht verfehlen wird, auf solche Adhilfemrttel zu fi rnen. Ich kann nur auS meiner früheren Eiellung als Oderprästbent derProainz Schlefien mitthei- len, daß di-S u- ausgesetzt im Auge deHalten wird, daß aber die Lösung dieser Frage oan, enorme Schwierigkeiten bietet Mir ist speziell bekannt da« B-rhältntß im Gebiet deS Boder, eine» der hier in Frage kommet den Nedenfliiffe der Oder. Da hat man ver chieven« Systeme, die gleichzeitig darauf hinzielen, die Hochwasserschäden möglichst zu verhüten und gleich, eilig auch Rcservorrs für die dürr« Zeit zu brlden. inS�Auge gefaßt, ins- cldaistni Regultiung und Eindeichung inS Auge zu fassen, darüber im Augenblick Auskunft zu geben, bin tch� nicht in der Lage. Ich desondere darauf h nauSgehenv, gewisse Sammeldaistn« im oberen Gebiet deS Boder anzulegen mit«normen AbschlteßungS- mauern, welche durch Schleusen geöffnet werden können und wodmch gewissermaßen eine Regulirung de« Wasserstandes mittelst Reservorrs hergestellt werden kann, wie eS in Belgien an einzelnen Stellen der Fall ist. Indessen hat fich— ich spreche nur auS meiner früheren Erfahrung, denn ich bin nicht darauf vorbereitet, die Sache hier ausführlich zu erörtern— bei den damaligen Vo arbeiten gezeigt, daß ein solche« System ganz unglaubliche G-tahrm iür die Sicherheit der unterhalb liegenden LandeStheile mit fich führen kann, weil man nämlich sehr schwer zu deurtheilen vermag, ob irgend eine Stau voriichrung, selbst wenn fie die riestgsten Mauerwerke darstellt, hinreichend stark ist, um dem Andränge bei ganz außerorvent- lich starker Fluth zu widerstehen. Sollte letzteres nicht der Fall sein, so würbe au« dem Durchreißen der Vorkehrungen ein ganz unabsehbarer Schaden, der wahrscheinlich mit dem Verlust zahlloser Menschenleben verknüp t sein würde, entstehen. Deshalb hat man fich auch nicht entschlossen, und ich glaube auch, man wirb ei nicht thun, dtefe« System anzuwenden. Dagegen hat der RegierungSpräfident in Ltegnitz j tzt aller- neuesten Dalums— der Bericht ist erst heut eingegangen, ich habe ihn nur flüchtig ourchgelesen—«in andere« System in Vo schlag gebracht, welches in einer Eindeichung auf beiden Seilen vesteht. Ob dieses bei den Interessenten Beifall finden, und od die SiaatSregierung in der Lage sein wird, die kann nur die Vereitwilligkeit der SiaatSregierung erklären, alle» da« zu beiückstchttgen, waS in dieser Beziebuna nach technisch richtig abgemessenen Grundsätzen zur Abwehr d-r UederschwemmungStchäven erforderlich sein wird. Wa« den hier vorliegenden konkreten Fall betrifft, so wiederhole ich, daß die amtlichen Berichte, die ich für zu-erlässtg»u erachten allen Grund habe, unS in diesem Augenblick keinen Anlaß geben, mit umfassenden Hilttmaßregeln, sei e« an die Landesvertretung, fei e« an die Staatsfonds, heranzutreten. (Bravo! recht«.) Buk den Antrag dei Abg. E b e r t y tritt daS hau« in eine Besprechung der Interpellation ein. Abg. Ederty: Ich bin dem Herrn Minister dankbar für eine umfassende Beantwortung der Interpellation und freue mich, daß die Regierung erforderlichen Falls in einzelnen dringenden Fällen Hilfe leisten will. Bei der Kürze der Zeit und da man wesentlich auf Z-itungSnachrichlen ange- wiesen war, war e« nicht möglich, spezielle Thaisachen über den Umfang deS eingetretenen Schadens beizubringen, um fo mehr bin ich befriedigt, zu hören, daß der Schaden vielleicht nicht so groß ist, al« e« nach den ersten Z-itungSnachrfchten den Anschein hatte. WaS aber den KreiS Hirschderg detrifft, so weiß ich auS den Lokalblättern und zuoerlässtgen Privat. nackrichten, daß die U derichwemmung dort ungeheuere Ver- Wüstungen angerichtet. Ob der Schade 2 4 oder 600000 M. beträgt, läßt fich noch nicht übersehen. Ich freue mich, daß in dieser Beziehung auf eine StaotS Hille gerechnet werden kann. Eine Eindeichung der Boder und Neiße ist um so wünschens- wert her, als get ade der Mangel derselben 1883 die Schäden mttoet schuldet bat. Abg. v. R r s s e l m a n n: Ich gebe zu, daß der Schaden sehr groß ist und freue mich, daß in einzelnen Fällen Hilfe gewährt werben soll. Ich möchte aber doch warnen, wegen jede« lokalen No hstandeS hier gewissermaßen gleich einen großen Lärm zu schlagen. Der Oserdrnck, die K eise Angermünve, Königsberg u. f. w. werden alljährlich von Uederschwemmungen heimgesucht, ohne daß hier ein Noihstand proklamirt wird. In Kressen belief fich der Schaven sogar auf 9C0000 M. Man follte nicht daS Land daran gewöhnen, immer auf die Staat«» Hilfe zu rechnen.(Beikall recht«) Adg. E b e r t y: Es ist uni nicht eingefallen» hier großen Lärm zu schlagen. Wir fühlten un« verpflichtet, angeficht« der Kalamität, welche ein.n großen Tbeil Schlesiens betroffen, we» nigster.S eine Erörterung herdetzusühren. Diese hat alle Par« tcten defriedigt. Adg. Friedrichs regt au« diesem Anlaß eine Regu» lirung der Ilmenau an. Damit ist die Interpellation erledigt. Auf Antrag der Adgg. v. Zedlitz und Windthorst steht daS Haus von einer Erledigung der noch auf der TageS» ordnung stehenden, zum Thell wichtigen Petitionen(u. A. über den Erlaß einei SckuldolationSgefetzeS) ab. Nachdem der Präsident die übliche GeschäftSüberstcht ge« geben, nimmt das Wort Abg. Windthorst: Wir stehen am Ende unserer Ge- schäfte, und ich glaube in Ihrer Aller Sinne zu handeln, wenn ich ausspreche, daß wir die glückliche Erledigung einer langen, mühevollen Arbeit nicht zum geringsten Theil der um- stchtigen und unparteiischen Leitung unseres verehrten Herrn Prästdenten verdanken.(Allseitiger lebbafter Beifall.) Zur Bezeugung dieses DankeS bitte ich fämmt- liche Herren, fich von ihren Sitzen zu erheben.(Geschieht.) Prästdent v. K ö l l e r: Die Worte, die ich soeben ver- nommen und die Sie, wie eS scheint, genehmigt haben, lassen mich hoffen, daß ich daS Wohlwollen und die freundliche Unter« stützung, deren ich mich im ganzen Lauf der Sesfion von allen Seiten des HauseS zu erfreuen gehabt habe, auch in diesem Augenblick mir anrechnen darf. Ich danke Ihnen Allen herz- lich dafür und ich danke insbesondere Denjenigen, die mich dei Bewältigung der Geschäfte wesentlich unterstützt haben, meinen beiden Heiren Kollegen im P.ästdiam, den Schriftführern und den H-rren Quästoren. Zam Schluß, meine Herren, lassen Sie unS wie immer, so auch heute Zeugniß ablegen, daß dieses Haus allezeit beseett ist von der treuesten E.gebenheit und Ehr- furcht gegen unseren König und Herrn, und daß, wie auch sonst die Meinungen in diesem Haus« auseindeegehen mögen, in dem Einen allseitige Uebereinstimmung herrscht, daß unseres Vaterlandes Wohlfahrt allein gewahrt ist unter dem fegen« vollen und ruhmreichen Regiment unseres Königs. E:- Majestät der Kaiser und König lebe hoch l(Die Mitglieder stemmen dreimal in diesen Ruf ein.) Ich schließe die Sitzung. Schluß 2 Uhr._ Herrenhaus. 22. Sitzung vom 30. Juni, 12 Uhr. Am Ministerttsche: v. Puttkamer, Friedberg» LuciuS und Kommiffarien. In einmaliger Schlußberathung genehmigt daS Hau« ohne Debatte einstimmig den Gesetzentwurf, betrrff-nd die Be- willligung von Staatsmitteln zur Beseitl» gung der im unteren Weichselgebiete durch die diesjährigen FrühjahrS-Hochfluthen her» betgeführten Verheerungen. E» folgt die verfassungsmäßig vorgeschriebene noch» maltge Abstimmung über dai Lehreranstel» l u n g S g e s e tz sür die Provinzen Westpreußen und Posen. DaS Gesetz wird einstimmig angenommen; die zu demselben beim Herrenhause eingegangenen Petitionen werden durch diesen Beschluß für erledtgt erklärt. Auch dem G.'E., detreffend die Berechnung derDienst» zeit von Beamten de« Kunstgewerbemuseums ertheilt daS Hau« auf den Antrag deS Referenten, Oberbür- germeifier von Forckenbeck, ohne Debatte unverändert seine Zustimmung. Der nun folgende Bericht der Matrikel- Kam« m i s s t o n, der über die seit dem 2. Mai vor. IS. im Per- sonalbeftande de« Herrenhauses vorgekommenen Veränderungen Mitthellung macht, wird durch Kenntnißnahme erledigt; die Legitimation der neu in da« Haus eingetretenen Mitglieder wird als geführt anerkannt. Demnächst stehen auf der Tagesordnung KommisfionI- bertchie über Petitionen. v. Kleist-Retzow deantragt, den letzten Gegenstand der Tagesordnung, feinen Antrag, betr. bessere Do» tirung und größere Selbständigkeit der evan» gelischen Kirche, vorweg zu derathen. Struckmann widerspricht dtesem Vorschlag«, die Ma» jortiät entscheidet fich jedoch im Sinne des Herrn von Kleist. E» wird sonach in die Verhandlung de« Antrages eingetreten, welcher folgenven Wo tlaut hat: an die königliche StaatSregie» rung den Antrag zu richten. daS Geeignete wahrzunehmen, daß bei Wiedergewährung größerer Freiheit und Seldslftändigteit an die römisch-katholische Kirche auch der evangelischen Kirche ein entsprechend größere» Miß von Freiheit und Seldstständig- """..... Mit''-'- krit und reichlichere Mittel zur Befriedigung der kirchlichen Bedürfnisse gewährt werden. Graf zur Lippe beantragt, den Antrag der PetiiionS» kommtffion zu überweisen. Die GeschüstSordnung schreibe vor, daß derartige Anträge mit einer Mottvirung rersehen sein und zunächst von einer Kommtsfion vorderathen werden müßten, bevor da« Hau» dazu Stellung nehme. Graf v. Zieten-Schwertn findet, daß die Bezug- nähme auf die katholische Kirche in dem Antrag eine zwar kurze, aber doch ausreichende Moiivirung ist wogegen Prof. B e s e l e r konstatirt, daß die Geschästtordnung scharf zwiichen Antrag und beizugebenden Motiven unterscheide, einegesckättS« ordnungsmäßige Bedingung tür die Behandlung deS Antrags also unerfüllt geblieben sei. Außerdem würde eS eine Rück- fichtSlostgkeit gegen den abwesenden Kultusminister bedeuten, trollte man ohne ihn in die Verhandlung dieses so wichtigen Gegenstandes eintreten. v Kleist-Retzow: Nur die Abficht der Herren Graf Lippe und Befeler, den Antrag nicht mehr mehr zur Behand- lung knmmen zu lassen, erklärt mir, weehalb fie gegen ihn mit so kleinlichen Argumenten vorgehen. Der Kultuiminister ist übrigen« von seinen Dienstreisen bereilS wieder nach Beilin zurückgekehrt....... Piof. Befeler verwahrt stch gegen den Ausdruck„klein- liche Argumente". Herr v. Kleist liebe eS überhaupt, in seiner subjettiven Kritik immer an die äußerste Grenze zu gehen, an einem andern Ott« habe er einmal seine(Redners) Argumente al«„Kinkerlitzchen" dezeichnet. Nachvem noch im Fortgang dieser Geschäftsordnung«» debatte Graf v. d. Schulendurg-Beetzendorf und Frhr. v. Maitz ahn da« Wort ergriffen haben, wird der An- trag G'af zur Lippe abgelehnt. Referent Giaf v. Z t e t e n- S ch w e r i n begründet nun- mehr seinen Antrag, ver Resolution beizustimmen. Der An- trag v. Kleist enthält dreierlet: er verlangt«tn größere« Maß von Freiheit für die evangelische Kirche und reichlichere Mittel »ut refriedigung der kirchlichen Bedüiiniffc und er iühn alS Motiv für dieje Wünsche die soeben v-r latholischen Kiicde ge» rrährte größere Freiheit an. Der Nothstand der evangelischen Kirche wird langst beklagt und überall gefühlt; seinen Höhe. punkt hat er durch den Kulturkampf erreicht. Der KulUr kämpf hat ihr viel mehr all der katbolischen Kirch« geschavet, obwohl die evangelische Kirche eigentlich nur der Putei halber in den Kampf hinein flkwgen war Dt se vcrw inutche Parität ist aber geradezu ein Märchen. Die katholische Gckwesteikir ch wird vom S'aate wie eine Prinzesstn, die evangelische wie ein Aschen- brövel behandelt. Ich gönne der katholischen Ki che den ihr vom Staate gewährten Glar z. aber wohlwollend muß er dann auch wenigsten» der evangelischen Kirche rntspr-chende F.eiket», Selbstständigkeit und ausreichende Mittel gewähren. Mit dem elfteren Berlangen ist kein Feldzug gegen da» Summepiskopat deabstchtigt. Ein solcher würne weder der Klugheit noch der Dankvarkeit entsprechen. Die Antragsteller deabstchiigen da» gerade Gegentheil. Unsere erbittertsten G gner lün.nten un» nicht» Schlimmer-» wünschen, al» daß wi- vom Summepis'cpat losgetrennt würden. Die Küche mürve dann in viele Denominationen zerfallen und die F-i-de mit ihrer end- giltigen Unteidrllckung leichtes Sp-el haben. Außerdem darf die evangelische Kirche nicht vergeffen, daß ihr seit Jahr- Hunderten die Hoh-nzollern ihren Schutz geboten haben und ferner bieten werden. Die Antragstcllir wollen loskommen von der Loimundschaft de» MnitterS und der Kammern. Sie wollen direkt mit ihrem obersten lH chof ve keh en. Die Dynastie ist evangelich, die Kammem nrcht. Der König ist evangelischer Christ und wird ale svwwas exüooxas nach kirchlichen Grundsätzen entscheiden. Da» können nickt die Kammern, nicht der Kultusminister, auch nickt dos Siaa's«' minifterium. Hier Ii gt die F'ffel, die wir bekämpfen. H rr Falk hat kmch die Kerchengemeinde- und Synodalordnung der evangelischen Kirche ein gewisse» Maß von Freiheit ge« währt, aber den letzten Rest kr chlicher Selbstständigkeit zer« stört. Von Vielen wird et al» ein- Schmach und Beeinträch- ttgung der königlichen Machtbefuzniß empfunden, daß kein Kirchengesetz erlassen werden darf, ohne daß seine Ungefähr- lichkeit von Staatiwegen vorher festgestellt ist. Es ist ein großer Unterschied, ob die dem obersten Herrn der Kirche zu machenden Vorschläge vom Minister oder von kirchlichen Be- örden ausgehen. Wa» die Fo derung reichlicherer Mittel an« etrifft, so ist e» für mich glcickgiltig, od das Versprechen für kirchliche Verpflichtungen von Staattwegen aufzukommen, s. Z. in die Gesetzsammlung aufgenommen worden ist oder nicht, da der Staat niemals die Adficht gehabt hat, Kirchengüter zu stehlen, sondern stet» einen Ersatz leist-n wollte. Während aber der katholischen Kirche reichliche Mittel vom Staate gege« den worden find, find wir in diesem Umhange nicht befriedigt. Ein katholischer Bischof bekommt 36000 M Slaatszuschuß. Der Generalsuperintendent, der eoangeli che Bischof, erhalt nur im Nebenamt 2400 M. Entschädigung. Seinen L.bensunter- halt aber muß er durch da» Hauptamt durch Bedienung einer großen Kirchen gemeinde aufbringen� Hier muß durch den Staat Wandel geschaffen werden. Für die praktische Ausdil« düng des jungen Theologen ist fast par nich'S geschehen. Hier muß die evangelische Kirche für den jungen Geistlichen, bevor er in sein Pfarramt eingeführt wird, eine Vorbildung entweder im Vikarial oder in Eemina.ien reclangen. Da» ist ein drin» gende» kirchliche» Bedürfniß. Auf die übrigen Wünsche in dieser Richtung will ich nicht zurückkommen. Es besteht ein ausgesprochener Nothstand, und lür einen solchen hat der preußische Staat noch immer Geld gehabt. Dt« Kourtoiste gegen den Kultusminister vernachläsfiaen wir in keiner Weise. Ich kann der Regierung nicht verdenk n, wenn fic im Augen- blick überhaupt zu dem Antrage nicht Stellung nimmt. Ich empfehle Ihnen den Antrag, da er nichts Unbillige» verlangt und zeitgemäß ist. v. Kleist. Retzow: Der Kulturkampf bedeu'et seinem Wesen nach da» Streben de» Staates nach der Herrschaft über die Kirche. Wenn dies von der Regierung der katholischen Kirche gegenüber al» ein Jrrthum erkannt ist, so sollte derselbe auch der evangelischen Kirche gegenüber anerkannt und zu.ück- genommen werden. Der Kulturkampf war nur gegen die katholische Ki-che deabstchtigt. die evangelische Kirche hatt« dem Eiaote nie etwas zu Leide gethan. Aber unter dem Namen der Parität und rein um des Prinzips willen wurde dem Staate auch die unbedingte H-nschatt übe: die eva, gelisch« Kircke gegeben. J-tzt nach Beseitigung de» Kulturkampfe» ist e» die Pfl cht aller evangelischen Christen, ihre Bedenken dagegen laut und rückhaltlos geltend zu machen. Die Herrschaft de» Staats über die evangelische Kirche hat zur Vo aussitzung«in christliche? Regiment, ein durch und durch christliches Staat»« wesen. In Wirklichkeit aber hat nach der Verfassung in lirch- licher Saison der Landtag mitzureden und eine bedeutende Einwirtung auf die Kirche zu nehmen, eine Körperschaft, wo Christen und Juden, Gläubige und Ungläubige nebeneinander sitzen. Die der K rcke durch die Syvodalordnung a-währte Freiheit ist sehr beschränkt gerade die vitalsten J-reuss-n darf sie nicht allein und unbehindert wahrnehmen. WaS ist das kür eine Freiheit d-r Kirche, wenn ihr Oderkaup! nicht die freie Entscheidung bat über die Annahme eine»«i chengesetze», nach« dem schon vorher ein von ihm ernonnies Verwolluagsorgan darüber beschlossen hat, ob daS fragi-che kir ck enpoltlischr Gesetz Gesetz werden soll oder nicht. DaS ist eine Entmündigung ve» Königs, eine Entmündigung der G neialsynode. Dieser Ein« spruch deS StaatsministeriumS hängt ab von seiner An» ficht darüber, ob solch ein Gesetz den Staatiintereffen zuwiderläust. Denn die Krone al» das H upt der evangelischen Kirche freimachen, heißt doch nicht den SummepiSkopat beschränken. Ader auch die Genrraliyr.ode muß frei gemacht weiden von dem kaudinischen Joch, daß fie selbst gezwungen ist, an die Spitze jedes Gesetze» zu schreiben: „Nachdem da» Siaatsministerium erklärt hat, daß gegen da» G-setz von Staatiwegen nichr» zu erinnern." DaS ift, vcr- glichen mit der weitgehenden Rückstchtnahme auf die katholische Kirche, ein Faust ckiag gegen dir Seldsiständigkeit der evan- gestschen Kirche. Sie ba> da» di» j tzl rrtlagen und wird eS auch weiter ertragen. Der Herr selbst, dem st- dient, hat stch Faustsckläge gefallen lassen müssen. Auch zu jedem Beschlüsse über die Selbstblsteuerung ist die Zustimmung des Slaari« Ministerium», in vielen anderen ist die Zustimmung der Gesetz- gedu-g aforderlich. In der Leitung der Klicke, in ihrem Veihäiimß zur Obrigkeit bestehen erhebliche Mängel. Die Obrix ketten find Kollegien, obwohl davon in der Urgeschichte der Kirche nicht» vorhanden war. Die Entw'.ckelung muß dabin gehen, daß die Personen, welche gegen- wältig die höchsten tirchlichen Aemter in den Provinzen inne haben, in dies.n Aemte n wehr gestallt werden und einen entsprechenden Einfluß auf die Kircke de« kommen. Die Kollegi'N find bei allem guten Willen büreau- k-atische Ongone, und bei allen Ernennungen und Besö.de- rungen spielt immer der vom Landlage abhängige KutiuSwinister die erste Geige, die Kirchenongane haben keine Einm'rlung. Ohne eine lebendige Kirche ai-.dt e» kein praktisch-« Christen- thum. Politische Bedenken fU d-n unserem Antrage nicht ent- aegen, e» ist ein Unrecht, die F eunve desselben al» orthodoxe Finsterlinge, al» Föederer hierarchischer Bestrebungen innerhatd der evangelischen Kirche zu bezeichnen. Struck mann- Daß der Antrag nicht so bedeutungs und harmlo? ist, wie der R-ferent eS darstellt, hat mir vie Rde de» Herrn v. Kleiit R vom bewiesen, der ken Schleier, hinter dem steh die S'nt-ägr verhüllen, bedeutend mehr gelüftet hat. Dieselben Gestcktsounkte wurden schon 1669 auf der hannosericken Landes y ode geltenv gemocht; di. damaligen Anträge Brüel liefen ebenfalls auf eine vom Staate durchaus unabhängsge Kirche hinau» und haben f. Z. sehr große» Auf« sehen erregt. Eine Erwiderung fetten» der Regierung fanden die mit Mojoittä» angenommenen Beschlüsse richt, rffenbar weil fie ibr zu ungehruerlich erschienen. Die ganze Zuständig- keit der Kultusminister» wurde für die Ktrchenbe Hörden rekla- mirt und auch rom SummepiSkopat nicht viel übrig gelassen. Man sieht au» diesem Beispiel, wohin die Tendenz de» Kleist« sch-n Anliage» führen kann: vestigia terrent! Bei dem Antrage und der Begrü ndung schein» mir vor Allem auffallend und höchst bevk! tl ch die Berufung auf die kalhoitsche Kirche. Die G uadlagen der katholischen Kirche find nach meiner Auffe-ss-ng von denen der protestanteschen so grundverschieden, daß eine einsacke Exemplifikation von der etnm aus die andere nicht zuläjfig ist; die Grundlagen find von einander namentlich auch nach der Richtung hin ver« schieden, vi» die pro«stantische Kirche gerade bei dem Prinzip der protestanlirchen Fie h it ihrem Wesen und ihrer Geschichte nach in v ei engerer, noihwendigtr Verbindung nickt blcs mit dem Linvetherln, sondern auch mit dem Staate steht und diese auch viel eher erträgt al» die katholische Kirch«, und als diese Verbinoung ihr auch gedeihlich und förderlich ist.(Oho!) Und dann in demselben Moment, wo Sie die Kirche vom Siaate loslösen wollen, mit dem Sie nichts mehr zu lhun haben wollm, scheut man sich nickt, reichlichere Mittel von demsrlbtn Staat zu verlangen I Das scheint mir ein offen- fichriaer Wider sp uch zu sein. Daß die katholischen Bischöfe 36 000 M bekommen, ist mir nicht bekannt, der Hildesheimer Bychof erhält nur 12 000 M.; aber diese Zahlungen beruhen aus rechtlicher Verxflichlung, weil man den Bischöfen, die früher Landetiü sten waren, ihren Befitz genommen hat.(Zwischen- auf: Uni auch!) Jedenfalls find das keine richtigen G-gensäye. Die Folge der Annahme deS Antrags wird fein, daß die osfizielle preußische Landeskirche ein großes Maß von EeUstständigk'it erreichen wird auf Kosten der Selbstständigkeit der Gemeinden und der pro« testantischen GewissenSfrerheit der einzelnen Gemeindemitglieder. (W vettpruch.) Man hat freilich noch die Güte, den obersten L'Ndesherrn alS«arnrnns episcopas noch beibehalten zu wollen. (Lebhafter Widerspruch.) Aber innerhalb der Kirche wird eine Majorttä Sherrschaft auskommen, die stch zur reinen Parteiherr- schast weiter entwickeln wird und unausbleiblich zu einer Schwächung deS Eummepttkopati führen muß. Die Kirche selbst wird einer Zersplitterung in Sekten anheimfallen wie in Han- r ooer. wo wegen einer kleinen Differenz beim Trauungigesetz die Orthodoxen aus der hannoverfchon Landeskirche ausgeschie- den find und die sepaitite Kirche in der P-ovinz Hannover gebildet haben, innerhalb welcher dann noch wettere E-.para« tionen eingetreten find. Solcher Entwicklung vorzubeugen, muß ein starkes landeSh-rrlicheSKirchenregiment vorhanden fein. AuS allen dielen G finden scheint ei mir heute nicht an der Zeit, einem Antrage von solcher Tragweite zuzustimmen. V el nöth'.ger alS eine E-wetterung der Machtfülle der Kirche scheint mir die enlliche Untellassung der viel-acken häßlichen Streitig- keilen dogmatischer Natu». Unsere Zeit ist nicht religionS- los. Vereinigen wir uns Alle, um mit allen geistigen Mitteln wieder zu einer im Volke wurzelnden Kirche zu ge- langen. Hiernach wird der Schluß der Diskussion beantragt. Graf v. d. Schulendurg-Beetzendort(für dm Schluß): Ich halte die U-bernahme diese» Antrag» au» dem andern Hause in der elften Stunde für eine That, und die Annabi't für eine Wohlfahrt für die evangelische Kirche. An, dieser Wahrbeit wt'den auch die Auksührungen, wie die des H-rrn Siruckmann, nichts zu ändern vermögen. Von der Fort« sctzung der Debatte kann ich mir jedoch keinen Erfolg ver- sprechen, da der Regierungstisch leider leer geblieben ist. Ich nehme an, daß die Regierung stch erst Zeit schaffen will und den Antrag ack referendum nimmt. Die Diskus fion wtro geschlossen und der Antrag mit er« hebltcher Mehihett angenommen. Der Pläfivrnt dringt hierauf zur Krnntniß, daß der Vize- präfident de» StaatsministeriumS die Mitgliever des Herren- hausei zu einer vereinigten Sitzung beider Häuser dei Land tageS im Sitzungssaal de» Ha.iseS der Abgeoidnet-n behuf» Entgegennahme einer Allerhöchsten Botschaft um 3 Uhr durch besondere» Anschreiben eingeladen hat, und giedt, da der Schluß der Sesston unmittelbar deoorsteht, dem Hause die üdl-chc Geschäftsüde, ficht. Graf Mottle sprecht dem Prästdenlm für die umfichtige und parteilose G.'schättssührung den Dank de» Hause« au»; die Mitglieder de» Hause» erbeben stch von ihren Plätzm. Präfident Her-og von Rattbor erwidert dm Dank de» Hause» in seinem Namen und dem der übrigen Mitglieder des Bureau», und schließt die Sitzung mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König, in welcher die Mtt« glieder dreimal enihufiastisch einstimmen. Schluß 2Zj Uhr. Schlußsitzung der vereinigten beiden Häuser de» Landtages. 3 Uhr. Am Ministertischt: v. Puttkamer, May« back, Lucius und v. Scholz. Herzog v. R a t i b o r: Auf Grund der Ver-inbarung bei» der Prästventen des Landtages eröffne ick die Sitzung.— AI» Schriltführer we-den fungiren die Herren Graf Zieten-Schwerin und von der Osten, die Abgg. Jmwalle und o. Quast. Der Vt.epräfident d-s S'aatsmimsterumS, Minister de» Innern von Putikamer. hat da» Wort: Minister v. Puttkamer: Ich habe dem Haufe folgende Allerhöchste Botschaft mitzutheilen(vie An- wrendm erHeden stch von ihren Plätzen):„Wir Wilhelm von Gotte» Gnaden, König von Preußen»c. haben auf Grund de» Art. 77 der Verfassung»- u'kunde vom 31. Januar 1850 den VizeprSfidenten U fere» EtaatSmir tsterium», v. Puttkamer, beauftragt, die gegenwärtige Sitzung der beiden Häufer de» Landtages Unserer Monarchie am 30. Juni in Unserem Namen zu schließen. Gegeben Bad Em?, 25. I>ni 1886. gez. W-lhelm. gegengez. vom Staat»- Ministerium." Im Namen Sr. Majestät de» König» schließe ich hiermit die S-sstnn de» Landtag» der Monarchie. Herzog von Ratibor: Se. Majestät der Kaiser, unser Allergnädigster König und Herr, Er lebe hoch!(Die An- wtsenden stimmen dreimal in den Ruf ein.) Schluß 3 Uhr 7 Minuten. Zokales. er. Die Ausweisung de» Abgeordnete« Singer hat in allen K- eisen der Bevölkerung ungemeine» Aufsehen erregt, obwohl dieselbe nach den vielfachen Andeutunaen und Auf« fo-derungen in der Presse kaum noch etwas Ucberraschende» haben ko-.ntc. Wenn etwa» bezeichnend ist, so ist ei das Ver« kalten der deutschfretfinnigen und auch der ultramontanen Presse in diesem Falle. Von dctden Seiten wird gleichmäßig dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß die Maßregel einen Mann betroffen bat, der in so umfangreicher und vielseitiger Weise für daS Wohl seiner ärmeren Mitbürger thättg gewesen ist. Mögen die Beleidsbezeugungen nun auflichtig gemeint sein oder nicht, so ist für un» nur das Eine gewiß, daß dieselben zu spät, viel zu spät kommen. Die D-uischfreifinnigen hätten stch derartige Konsequenzen de» Sozial stenpesetze? vor zwei Jahren und die Ullrawontanen bei der letzten Verläneerung des Gesetzes überlegen sollen; heuie, nachdem sie ihre Sanktion zu den Ausnahmezuständen gegeben haben, steht e» ihnen schlecht an, zu jammern und zu wehklagen. Da da» Sozialistengesetz bisher immer noch ein« Majorität gefunden Hai, so ist e» selbstredend erforderlich, daß dasselbe ohne Urterschied der Person auf alle Leute angewendet werden muß, die mtt den Bestimmungen de» Gesetz» kolltdtren. Wenn der Abgeordnete Singer Handlungen begangen hat, die gegen die Paragraphen de» Sozialisten« gesetze» verstoßen, so wird er selbst wabrichetnlich der Letzte sein, der für seine Pcrion eine andere Behandlung verlangt, ai» eine solche anderen Leuten zu Tdeil wird. Von diesem Gefichtspunlte au» betrachtet, verliert die Au« Weisung Singer» alle» befremdliche; so lange überhaupt L-ute au« ihrer Heimath ausgewiesen werden, die stch zur so.ialdemokratischen Partei bekennen, so lange kann die soziale Stellung des Ge« maßregelten von keiner Bedeutung für die Sxekuttobehörde sein. E» ist daher dmchaus nothwendig, die vielleicht gut ge« meinten Lamentationen der freisinnigen Presse auf Do« ihren gebüh. rende Maß zmückzusühren; was hilft e», daß man die Folgen einer Tgatiache deklagt, deren Grundursache man selbst ver« schuldet hat! Genau so handelt der Brandstifter, der ein Hau» anzündet und stch nachher die Haare ausraufen möchte, weil in dem brennenden G bäuve Menschen umkommen. Selbst« redend ist Vre Ausweisung Singer'» ein harter Schlag für vie sozialdemokratische Partei in Berlin, jedenfalls wird ste den« selben aber überwinden. Im Ucbrtgen erscheint unS jedoch die Ausweisung deS Restaurateuri I coky viel bedeutsamer zu fein, als die deS Abg. Singer. Die Personalien dei ausgewiesenen Jacoby find von der gesummten Presse veröffentlicht worden, eS ging aus denselben hervor, daß daS Sozialistengesetz Jemanden ge- troffen hatte, der in keiner Weis« d-r sozialdemokratischen Partei angebölle, der nur in rein geschäftlichem Verkehr mit Sozial« demokraten stand. Ww wissen nicht, od eS wahr ist, daß Jacody stch zur fretfinmgen Partei bekannte, wenn es stch jedoch so verhält, so mögen stch die Herren Freefinnigen diesen Fall als Warnung dienen lassen. Heute rächt stch ihre schwächliche Haltung von vor zwei Jahren an ihnen selbst, und sollten vie Befugmss«, welche die Fre. finnigen selbst in die Hände der ausführenden Behörden gelegt haben, noch mehr Lp'er in ihren eigenen Reihen fordern, so dürfte der Bevölkerung schließlich doch ein Licht aufgehen, wem in den wichtigsten, tief in daS bürgerliche Leben einschneidenden Fragen die Entscheidung eigentlich übertragen ist. Wir unserer« fett» unterschätzen die Kundgebungen der liberalen Presse keineswegs, e» ist ein wohlfeiles Vergnügen, Zeier und Mordio zu schreien über eine Fessel, die man selbst geschmiedet hat, und die wohltönenden Beifallsphrasen. in denen man stch heute ergeht, täuscht» denkende Menschen nicht über die wirklichen Thatsachm hinweg.— Der Abgeordnete Singer wird wie jeder andere Au?» gewiesene Berlin verlassen, od die Deutschfretfinnigen ihm Thränen nachweinen oder nicht, er braucht de» Mitleid von Leuten nicht, die an den verhängnißvollen Zuständen, unter denen wir leben, selbst mit Schuld find. Krankenverstcherung der Arbeiter. iNach der kaisen« lichen Verordnung vom 24. Juni 1886 tritt am 1. Juli 1886 daS Gesetz über vie AuSdebnung d-r Unfall- und Krankenver« stcherung vom 28. Mai 1685(R. G-Bl. S. 159) für die im § 1 Z ff Birma vorn 19. Juni griffen englische Truppen unter dem Major Halle# 1500 Birmanen an, welche hinter Paliffaden statt verschami waren. Obgleich die Engländer zwei Batterien Artillerß hatten, gelang e# ihnen doch nicht, den Frtnd zu vertreibe« mußten fich vielmehr nach einem hefligen fünfstündige Kampfe zurückziehen. Major Halle# ist verwundet. Berichte« aut Kairo zufolge haben die am oberen'. staiionirten englischen Truppen in Folge der Einwirkungen I abnorm heißen Jahretzett sehr viel zu leiden. In der letztb Zeit find 150 Mann gestorben; an einem Tage allein starbt« in Affuan 10 Mann ort Dmsetshire- Regiments, welche# Res ment bisher 40 Mann verlor. Der englische KriegSdamp! „Oronte#" überführt 700 marode englische Soldaten nat Zypern. Da die sanirären Verhältniffe nach W eben eingelaufenen Berichten fich immer bedrohlicher g» stalten, so wurde ein Garnisonwechsel in der Weise v erlügt daß die am härtesten mitgenommenen englischen Garnison«« durch egyptische Truppen abgelöst werden. Belgtsche Arbeiterbewegung. In mehreren Kohle» gruben in Paturaget, Quaregnon und WaSme# ist wtederrU eine Arbeitseinstellung eingetreten. Die Stteikenden verhalt» sich ruhig. Die Güterzüge der Lake-Ehore-Vah« verkehren wieV regelmäßig. Dteseiden werden von Poftzei beschützt. Polutschet. Der Landrach de# Kreiset Stuhm hat, f der„Dan,. Ztg." mitgeiheilt wird, eine Verfügung erlasi» nach welcher gegen die Polonifirung von Familiennamen, P wie gegen jede willkürliche Veränderung derselben mit Streck durch Stellung von Strafanträgen dezw. im Wege der?«« gtrnu�ii urcivtu|JU. Der Fraueuveretu in Gera. Die von dem fürst? reußischen LandrathSamt zu Gera unter dem 25 März d» angeordnete außerordentliche staatliche Kontrole übrr Frauen-Verein zu Gera" ist durch Entscheidung der Reick Kommisston vom 22. Juni aufgehoben worden. Kriefkaste« der Kedicktiott. P. T. Da# Gewünschte können Sie durch unsere El« dition, Z mmerstr. 44 bezichen. L. R., Pücklerstraße. Sie können Ihren Schult# beim hiesigen Gericht auf Rückzahlung det Darlehnt verklag« Wenn aber eine destimmte Zeit zur Rückgabe nicht besonck verabredet war, müffen Sie zuvor mit vierwöchentlicher? kündigen. C. V. 25 Die Kündigung ist erst am 16. d. M. erftl- also können Sie noch Mtethe sür den nächsten Monat 1 anspruchen. H 8 99. Ihre Frage ist unverständlich. R. L. Pallisadenftr. Sie können nur den Photogral» Herausgabe det B.lve# verklagen. Ein Schadenerso«; SÄrs ÄtVss& Ä Aond-rs lieb und theuer war. ist für die Etsatzsordeiung«' Belang da# H. H-, Wieuerftr. Ste können nur den Anspruch! — Unlerstützungigeid beim KonkurSgerichl anmelden. Sie die Anmelderrrst versäumt haben, entstehen Jbnen ck ding# desondere Kosten. Theater. Donnerstag, den I.Juli. »elle-Allianee-Theater. Da# Paradie#, Ge- sanaSpofie in 4 Aften von Leo Treptow und L. Herr mann._„. Ostend-Theater Di« Waise aus Genf. Wtttoria- Tveater. Amor. Tanz« Poem von Lutgi Wanzotti. »alhalla-Theater. Capr'.cciosa. 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