urbe nem Beine Der in doch ent auf für des Der Boot rieb. Isen, Den lacht Enige wat aur ng us = auf lüd theit bent gen ungs Mr. chts ftets Dom aile and ler ben ige 9 b te rbe Regi pfe nad ben 86 fügt one blen eru alte teb affe cen po 0. eid Fr Lo ag no fol 2p Nr. 151. Freitag, den 2. Juli 1886. III. Jahrg. Berliner Volksblatt Organ für die Interessen der Arbeiter. Das Berliner Volksblatt" " erscheint täglich Morgens außer nach Sonn und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin fret in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Bf. Bostabonnement 4 Mart. Einzelne Nummer 5 Bf. Sonntags Nummer mit der illuftritten Beilage 10 Bf. ( Eingetragen in der Boftzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) Redaktion: Beuthstraße 2. Abonnements- Einladung. Bum Quartalswechsel erlauben wir uns, alle Arbeiter Berlins zum Abonnement auf das Berliner Volksblatt" einzuladen. mit der Gratisbellage » Illustrirtes Sonntagsblatt" 28 Wer der Sache der Arbeiter dienen will, belfe ein Unter nehmen befeftigen, welches bestimmt ist, die Forderungen und Wünsche der Arbeiter zum Ausdruck zu bringen. Suche ein jeder von unseren bisherigen Anhängern, in bem Reiſe ſeiner Freunde und Belannten das Berliner Volksblatt" zu verbreiten und sebe darauf, daß jeder neugefun bene Befinnungsgenosse sein Versprechen, zu abonniren, auch wirklich hält. Unsererseits werden wir bemüht sein, den Inhalt unseres Blattes immer reichhaltiger zu gestalten. Ende nächsten Monats beginnen wir mit der Beröffentlichung des Romans ,, Spuren im Sande" von dem beliebten Erzähler Das Ewald Auguft König. „ Berliner Volksblatt" Loftet für das ganze Vierteljahr frei ins Haus 4 Mark, für ben Monat Juli 1 Mark 35 Pf., pro Woche 35 Pf. Beftellungen werden von sämmtlichen Beitungs- Spediteuren, sowie von unserer Expedition, 3immerstraße 44, entgegen genommen. Für außerhalb nehmen alle Boftanstalten Abonnements für das nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark ent gegen. Die Redaktion und Erpedition des„ Berliner Volksblatt". Wirthschaftliche Erkenntniß. Vor nicht langer 3eit begrüßten wir es mit Freuben, daß auch diejenigen Arbeiter, welche durch ihre rauhe Beschäftigung veranlaßt, bis jetzt wenig Luft zu geistiger Anregung befundet haben, fich in Fachvereinen zusammenschließen, gemeinsam ihre Lage überlegen, gemeinsam Be fchlüſſe faffen, um diefelbe zu verbessern und so immer mehr aus dumpfer Roheit oder stumpffinniger Erkenntniß heraus tommen. Durch das Zusammenschließen der Arbeiter zum 3wede fozialer Erkenntniß wird der erste Schritt zur wirthschaft lichen und geistigen Hebung derselben gemacht. Fagbrudsrboten.] Feuilleton. Eine Mutter. Roman von Friedrich Gerstäder. ( Fortsetzung.) Während Rebe die Unterredung mit dem Direktor batte, wurde bei Pfeffers ein ganz eigenes fleines Familienfest gefeiert. Der Mutter tränklicher Zustand schien sich nämlich in den wenigen Tagen, ja, man fonnte faft Stunden sagen, fo wesentlich gebeffert zu haben, daß Alles im Hause einen freundlicheren Charakter annahm. War es die veränderte Diät gewesen? Der frühere Doktor, der Theaterarzt( der Thierarzt", wie ihn Pfeffer gewöhnlich nannte), der die Stelle durch Protektion erlangt, hatte die arme Frau anf Gott weiß was furirt, und ihr fast jebe Nahrung entzogen. Es war eine ganz neue, von ihm erfundene Hungerkur, der, wie das Gericht ging, bis jetzt erst wenige Menschen zum Opfer gefallen. Dadurch aber kam Henriettens Mutter von Tag zu Tage mehr herunter, bis sie zulet so schwach wurde, baß sie nicht einmal mehr aufrecht figen fonnte. Wenn aber Jeremias auf der Welt irgend etwas haßte, so war es Hunger, oder gar eine Hungerfur, die ben Rörper natürlich so schwächen mußte, daß er sich gar nicht mehr, nicht einmal gegen den Arzt, helfen und schützen tonnte. Er ruhte deshalb auch nicht, bis er Pfeffer, oder vielmehr Auguste bewog, einen andern Dokter herbeizuziehen, und dieser erklärte benn auch natürlich augenblicklich, daß fte der frühere ganz falsch behandelt habe und die Krante bei einer noch furze 3eit fortgesetzten ähnlichen Rur nicht fowohl ihrer Krankheit, als ihrem Magen erlegen wäre. Nahrhafte Speisen wurden verordnet, und Jeremias schleppte herbei, was nur aufzutreiben war: ein Glas stärkenden fräftigen Weins; eine Stunde später fland ein Dutzend Flaschen alten Portweins in der Stube, und dann womögInsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltete Betttjeile oder deren Haum 40 Bf. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Simmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Expedition: Zimmerstraße 44. Wir hoben vor Kurzem noch besonders hervor, daß die fogenannten Steintreiber( Pflasterer) in Leipzig einen Verein gegründet haben zur Erringung befferer Arbeitsverhältnisse und wir erklärten es für einen großen sozialen Fortschritt, daß ends lich auch solche durch die Raubheit ihrer Arbeit zurüdgebliebenen Arbeiter den Anfang machten, fich mit fozial- politischen Dingen zu beschäftigen. Daß bei solchen Vereinigungen die Errin gung höheren Lohnes der erste Schritt ist, den sie thun, ist selbstverständlich. Dieser Schritt liegt nahe, er ist so natürlich, daß man sich wundern müßte, wenn er nicht gethan würde. Alles Andere Arbeitszeitverkürzung, Sonntagsruhe, Beschränkung der Frauenarbeit, Arbeitervertretung in den gesetzgebenden Rörpern- Alles bas liegt viel ferner und es gehört schon ein gewiffes sozial ökonomisches Verständniß dazu, um den Nußen dieser Forderungen für die Arbeiter in seinem vollen Umfange zu verstehen. Nun hat der oben genannte Fachverein der Steintreiber die Forderung eines Normalarbeitstages einmüthig abgelehnt; dies begrüßen das nationallibe rale Leipz. Tageblatt" und die offiziöse Nordd. Allgem. 3tg." mit Freuben und bezeichnen das Auftreten dieser aus wirklichen Arbeitern zusammengesetzten Versammlung gewiß von Interesse." Wäre man vor fünfzehn Jahren zum Beispiel den Maurern und 3immerern mit der Forderung des Normal. arbeitstags gekommen, so würden diese wirklichen Arbeiter" gleichfalls diese Forderung zurückgewiesen haben, aber im Laufe der Beit haben sich die Maurer und 3immerer in Deutschland durch ihre Vereinigungen, in welchen fie der fozialen Frage näher getreten find, über das allgemeine Bildungsniveau der Leipziger Steintreiber weit emporge hoben und proklamiren jetzt selbst den Normalarbeitstag als ein Palladium der Arbeiterfache. So erzieht sich der Arbeiterstand selbst zur sozial- polis tischen Erkenntniß. Daß dies der liberalen, tonservativen und offiziösen Preffe und den Hintermännern berselben unlieb ist, tönnen wir wohl begreifen, aber der Arbeiterstand wird deshalb auf seinem Wege nicht innehalten. Wie aber in diesem Falle die Steintreiber in Leipzig, mit denen die Nordd. Allg. 3tg." und das Leipz. Lage blatt" so liebevoll tolettiren, so erklären sich auch alle fo tal- politisch ungebildeten Arbeiter für Beibehaltung der Rinderarbeit, weil sie einen momentanen Vortheil für sich davon haben und bie schwere Schäbigung nicht begreifen, welche für die Sittlichkeit, für die Humanität, für die Ents widlung der Nation und des Menschengeschlechts überhaupt in der Rinberarbeit liegt. Auch diese Arbeiter überlassen Auch diese Arbeiter überlaffen wir getroft der Sympathie der genannten Blätter. Daffelbe lann man über das Verbot und die Bea schränkung der Sonntags- und Frauenarbeit sagen, gegen bie fich gleichfalls alle ungebildeten und egoistischen Arbeiter wenden. Wenn man aber hierbei den Standpunkt dieser that sächlich unwürdigen Elemente im deutschen Arbeiterftande gegenüber den bewußten und gebildeten Arbeitern vertritt, wie fann man dann für den Kaffenzwang oder gar für Schulzwang eintreten, die gleichfalls den größten Widerstand bei den unaufgeklärten Arbeitern gefunden haben? Es ist allerdings ein bemerkenswerthes 3eichen, daß bie Träger der Reaktion sich auf solche Elemente füßen; fie sind eben mit ihrem Latein zu Eade und holen die Leipziger Steintreiber zu Hilfe. Die„ Norbb. Allg. 3tg." erklärt bei Erwähnung des Beschlusses der Leipziger Steintreiber, daß die Sozial bemokratie den Normal desgl. Maximal- Arbeitstag zum Angelpunkte ihrer Agitation gemacht habe. Das ist ja auch bis zu einem gewissen Grabe völlig richtig; nebenbei ist die Erringung eines Normalarbeits ages ein ganz friedliches und gefeßliches Streben. Das offiziöse Blatt aber vergißt, baß nicht nur bie Sozialdemokraten einen Normal arbeitstag wollen, sondern, daß auch die wissenschaft wie z. B. lich gebildeten fonservativen Dekonomen, Robbertus demselben nahe stehen. Außerdem aber be fißt der Normalarbeitstag in ber konservativen Partei zahl reiche Anhänger. So wollen wir hier nur noch hervorheben, daß bas offiziöse Blatt Arm in Arm mit einem nationalliberalen in einer fozial- ökonomischen Hauptfrage die Herren Dr. L. Bamberger und Dr. Mar Hirsch verständnißinnig begrüßt. Diefe find in der That die nationalökonomischen Rumpane der Norddeutschen Allgemeinen Beitung", welche sogar in wirthschaftlichen Fragen den Mund recht staatssozialistisch voll nimmt. H Allg. 3tg." ben legt genannten Herren nicht zuvorgekommen Wir sind fest davon überzeugt, daß, wenn die„ Norbb. wäre, diese sich auch auf die wirthschaftliche Er tenntniß der Leipziger Steintreiber berufen haben würden. Die amerikanische Volkswirthschaft und die amerikanischen Arbeiterorganisationen. II. § Wir schilderten gestern, wieweit in den Vereinigten Staaten die Theilung und Vereinfachung der Arbeit getrieben ift, und wie dort in den entwidelten Großindustrien jeder Ar beiter nicht mehr die vielseitige Hantirung eines ganzen Ge lich etwas Bewegung, vor der Hand noch im Simmer, und ich das erst einmal in Händen hätte und das vermalebeite so viel frische Luft als thunlich. Half dieses Alles, ober war es mehr ein Gemüth leiben gewesen, das auf der Seele der Kranken gelegen, aber schon seit gestern Abend trat eine entschiebene Mende rung zum Befferen ein, und Henriette sang heute Morgen wie eine Haidelerche im Hause herum. Die Mutter faß am geöffneten Fenster, benn nach der geftrigen stürmischen und falten Nacht hatte sich die Luft gereinigt und die Sonne schien warm und flar. Jeremias war fort gewefen, um Rebe aufzusuchen und Näheres über seine weiteren Pläne und Aussichten zu hören, aber er traf ihn nicht in seiner Wohnung und mußte unverrichteter Sache wieder zurückkehren. Das ist ein ganz verzweifelter Mensch, Auguste," fagte er, als er in dem fleinen Simmer auf und ab ging und sich den fahlen Ropf fragte, wie ich gestern mit ihm 1prach und ihm meine Hilfe in Allem, was Jettchen betraf, antrug, faßte er mich bei der Hand und sagte:„ Mein lieber Herr Stelzhammer, ich danke Ihnen herzlich für Ihre guten und freundlichen Absichten, und Sie wissen, daß Jettchen's Besitz das Höchste ist, was ich erstrebe, aber ich bin auch fest entschlossen, ihn mir selber zu verdanken. Ich will mir später nie Vorwürfe machen können, daß ich durch meine Frau vorwärts gebracht sei." Und da hat er ganz recht," fagte Pfeffer, der in diesem Augenblick eingetreten war und die letzten Worte hörte, der Stebe ist ein ganzer Kerl, bas sage ich noch einmal, und es thut mir jetzt schmählich Leib, baß wir ihn früher fo unter der Kanone behandelt. Na, wie geht's heute Morgen, Bufte, beffer? Donnerwetter, Du kriegst ordentlich wieder rothe Baden!" Die höchfte Beit, daß ich von Brasilien herüber fam", rief Jeremias, Shr hättet sie hier heilig verhungern laffen." Der verdammte Theaterfriseur," fluchte Pfeffer, na, tomm Du mir über die Schwelle, ausgenommen zu einem Krankheits- oder Pensionirungsattest! Du meine Güte, wenn Romöbienspielen an den Nagel hängen könnte!" Wünsch' Dir die Beit nicht heran, Fürchtegott," niďte die Frau, alt werben wir Alle früh genug, und zehntausendmal lieber von Morgens bis Abends arbeiten, als fo ba liegen und anderen Menschen zur Last fallen." Bur Last fallen," brummte Pfeffer, wem bist Du schon zur Last gefallen, und laß Du das Jettchen hören, aber alle Wetter," unterbrach er sich plöglich, aus dem Fenster sehend, kommt denn da nicht Fräulein Baffini wie ein orangefarbener Bligftrahl angeschossen? Na, die muß eine Neuigkeit haben, da möchte ich meinen Hals brauf verwetten." " Rommt fie benn her?" fragte Jeremias. Was" das Frauenzimmer für eine Eile hatte!" Eben ist sie in die Promenadenthür hineingefahren. Wer weiß, was sie hat," sagte feine Schwefter. nicht so rasch, darauf kannst Du Dich verlassen. Da ist " Sicher nichts Gutes," nidie Pfeffer, font liefe fie irgend ein Unglück geschehen, oder der Teufel sonst wo los. Ich lenne meine Schwester." kannst," lächelte die Frau, und Du hast sie doch lieb, Wenn Du nur immer' was auf die arme Life bringen und ich möchte keinem andern rathen, Uebles von ihr zu reben." Wenn fie nur ein Klein wenig Vernunft annehmen und sich nicht immer so verflucht lächerlich machen wollte," fagte Pfeffer, fonft ist fie ja gut genug, und auf's Theater paßt's. Sie spielt aber den ganzen ausgeschlagenen Tag Romödie, von dem Augenblick an, wo fie Morgens auffteht, bis Abends, wenn sie wieder einschläft. Ein verrückteres Frauenzimmer ist mir in meinem Leben noch nicht vorge tommen." „ Habt Ihr es schon gelesen?" rief in diesem Moment die befagte Dame, wie sie nur den Kopf zur Thür hereins ftredte, habt Ihr das Schandblatt schon gesehen? Es ist himmelschreiend, daß so etwas nur die Senfur passirt. Da fönnte man ja eben so gut in Brasilien bei den Ranibalen Leben 8" werbe S, sondern nur ein« und dieselbe einförmig« Theilthätig« seit autübt. Et folgt daraus weiter, daß es in Nordamerika Berufs- arbeiter in unserem gewöhnten, fast nöcfcte man sagen, handwerksmäßigen Sinne viel weniger giebt als bei uns. Um dies möglichst scharf hei vortreten zu lasten, sei es unS einen Augenblick erlaubt, zu übertreiben. Denken wir unt die Entwickelung, wie fie sich heute über- all vorbereitet und wie ste in manchen Industrien auch bereits vollendet ist, bis zu ihrem letzten in der Zukunft liegenden Ausgangspunkte vorgeschritten, so würden die sämmtlichen Gewerb« der ganzen nationalen Produktion in lauter einfachste Thätipkeiten zeifttzt sein, in Thätigkeiten, die eben wegen ihrer Einfachheit Jeder jeden Tag auiüben könnte. Damit würde für jeden Einzelnen daS Feld seiner beruflichen Wirksamkeit unendlich erweitert sein. Heute stände er vielleicht in einem Eiab iffement der Eisenindustrie an der Maschine, ein Vierteljahr darauf wäre die Konjunktur in der T xtilbranche günstiger und er könnte am Webstuhl oder der Spinnmaschine thätig sein, weil daS gar keiner besonderen Vorbildung be- dürfen würde. Tann bricht vielleicht eine Krise über diesen Industriezweig auS, und er geht in die Zigarrenfabrtk oder er wendet fich in eine der großen Fleischereien, wo er das gleich- förmige Schneiden, Zerlegen oder Abwägen sehr rasch zur vollen Zufriedenheit ausführt, oder er setzt vielleicht die voll- ständig vorbereiteten Stücke in einer Tischlerei zusammen. WaS ist dieser Mann nun? Eisenarbeiter? Aber er kann vielleicht nichts, als an der Bohrmaschine eine Eisen- platte durchlöchern. Ist er«in Weber? Aber für die Branchen der Weberei und der damit verknüpften Gewerbe führt man heute schon für Amerika etwa 158 streng geschiedene ArbeilSabtheilungen an und nur ei n e derselben hat unser Ardeiter ausgefüllt: er ist also nur der 158. Theil eines auS gelernten WeberS nach alter Weise, von dem bekanntlich in Deutschland drei oder mehr Fahre Lehrzeit verlangt wurden. Also ist er Ztgarrenmacher? Ader eine Zigarre hat er nie gemacht, außer etwa zum eigenen Ver- anügen, er hat nur Blätter geschnitten oder entrippt, oder er hat einen Theil der vielen Zubereitungen an den Deckblättern vorgenommen. Ist er Tischler? Nein, er hat nur gewiffe, genau paffend gelieferte Stücken zusammengeleimt oder polirt und lackirt. Ist er endlich Fleischer? Aber sein« Tbätigkeit beschränfte fich darauf, den nebeneinander hängenden Schwei- nen die Gurgel durchzuschneiden, oder fie in den Brühdottich zu werfen, oder ihnen den Bauch aufzuschneiden, oder fest- gelieferte Mengen SalzeS mit festgelieferten Mengen Fleisches zu mengen.*) Mit anderen Worten, er hat keinen gelerntm Beruf im heutigen Sinne mehr, an den er während seines LebenS festgekettet wäre,— sondern er ist lediglich„Arbeiter", er ist ein Arbeiter, der für alle Berufe gleich tauglich ist und der seinm Beruf auch ganz frei wechselt. Welch odei flächen Spott hat man nicht von jeher über die „utopisti chen Sozialisten" rrgoffen, welche in ihren ZukunftS- dildern von einem sptelartigen Wechsel des Berufes sprachen! Aber auch hier haben die hochmüthig belächelten Utopisten eine großartige Sehergabe entfaltet. Wir können heute bereits wissenschaftlich nachweisen, wie die ganze Eni- rrick.lung der Großindustrie unfehlbar alle beute vielfach noch für unentbehrlich gehaltene Berussverknöcheruna vernichtet. Soweit die Großproduftion schon herrscht, ist die Einschränkung d«S Produzenten auf ein Gewerbe schon vernichtet(man denk« an unseren Tischler-, Fleischer-, Weber-, Zigarren- und Metall- arbeiter). und mit jedem Fortschritt der Großproduktion schreitet dieser Nivellirungsprozeß fort. Freilich in der heutigen P r i v a t w i r t h s ch a f t nur mit dem Erfolg, daß der Ar- deiter überhaupt nichts ordentliches mehr lernt, daß er zeit- lebens an die ödeste, eintönigste Tbeilarbett— heute in diesem, morgen in jenem Gewerde— gefeffelt ist. Aber in der Zu- kunft wird ei doch wahrlich ein leichteS sein, während der Zeit, wo der Arbeiter früher in langen Jahren«in spezielles Gewerbe lernte, bei dem er Zeit seines Lebens hlieb, während dieser Zeit, sagen wir, jedem Arbeiter «ine allgemeine technische und wiffenschastliche Bildung auf technischen und wiffenschaftlichen Schulen zu geben, und *) Die amerikanische Groß-Schlächterei schilderte Dr. Rudolf Meyer, der bekannte konservative Sozialpolitiler, vor drei Jahren wie folgt:„Das lebende Schwein wird an einem Hinterfüße gepackt, derselbe wird an einer Kette befestigt, an der das Thier in die Höhe gezogen wird. Ein Mann schneidet ihm den HalS auf und schiebt«S ein Stückchen weiter, ein anderer läßt es in«inen Behälter voll kochenden WafferS fallen, durch den wird e« automatisch auf einen Tisch gehoben, an einer fortiausenden Kette befestigt, zwischen Schabmeffern durchgezogen, die eS rein schaben, dann wild ihm der Kopf abgeschnitten und«S wieder an der Kette in die Höhe gezogen. Man schneidet den Bauch auf. weidet es auS und schiebt den aufgehängten Körper in das Eishaus. Diese ganze Prozedur, während derer das Schwein etwa durch fünfztgHände geht(was hat da jede Hand zu thun?), dauert keine fünfzehn Minuten."(Ursachen der amerikanische« Konkurrenz S. 532 bis 583.) „Bitte," meinte Jeremias. „Nun, Hab' ich es nicht gesagt?" lachte Pfeffer. „WaS hast Du gesagt und was ist vorgefallen?" rief die Schwester heftig. „Na, da» mußt Du doch am besten»iffe». Wa» hast Du denn da für ei« ZeiiungSblatt in der Hand?" „Habt Ihr da» Stadtblatt noch nicht gelesen? Dan» habt Ihr nichts gelesen," rief Fräulein Basfini mit Emphasts. „So, und was fleht drin?" „Eine Kritik über Rebe." „Alle Wetter! Gut?" „Da lies, mach' Dir ei» Vergnügen," sagte Fräulein Basfini,„hier, von Herr» Dr. Strohwisch, Deinem gute« Freund." „Meinem gute« Freund?" brummte Pfeffer, indem er da» Blatt»ahm und leise vor fich hinmurmelnd an zu lese» fing. „Und habt Ihr schon gehört." fuhr indeffe« Fräulein Basfini fort, um ja keine Zeit zu versäume»,„daß fich de» Lump», de» Handor's wegen die beide« iungen Grafen von Monford und Bolten gester» duellirt habe« und Graf Bol- te» de« ander» todtgeschossen hat?" „Oh Du lieber Gott," stöhnte Auguste,„die arme« Eltern!" ,3a, da» ist nun nobel," sagte die Schwester,„damit gebe« fie einander die Ehre wieder, daß fie fich abschlachte». Die ganze Stadt ist voll davon." „Und so»eiche, vornehme Leute I' „Za, wie gut könnte» die es habe»; aber ob es wohl Jemand einmal weiß, wen« es ihm wohl ist. Gott be- wahre, immer will«'s«och«ohler haben, bis er zuletzt drin fitzt. So reiche Mensche«; fie fitzen ja im Geld, ste wiffe» nicht nicht wie tief,»nd silberne Spuckaäpfe solle» sie in de« Zimmern habe«; aber Hochmuth kommt vor dem Fall." „Me Teufel l' rief Pfeffer, der indessen die Einleitung überflogen hatte und jetzt zu dem Kern de» Ganze« kam. Jeremias stand nebe» ihm und sah ihm über die Schulter ins Blatt. später jenen Wechsel der produftiven Thätigkeiten eintreten zu laffen. wie er wünschenSwerth erscheint, damit der Mensch nicht einseitig und beschränkt wird. Ader wir irren hier von unserem eigentlichen Gegenstande ab. Es lag unS nur daran, die Bctürch.ungen zu zerstreuen, mit denen man heute noch vielfach den geschilderten Eatwick lungsgang betrachtet Er fordert, wie die Zunahme der Er- findungen und Maschinen, heute freilich unsägliche körperliche und geistige Opfer, um später aber um so größere Segnungen zu verbreiten. Zu den Opfern, die er heute fordert, gelört nun auch die Vernichtung der berufsgenossenschaftlichen Arbeiter-Organisationen(der Gewerkschaften im engeren Sinne, der Fachvereine), der wir unS nunmehr zu- wenden._ Berichttaung. In dem gestrigen Artikel, Seite 2, Zeile 15 von oben muß t» beißen: Die mittelalterliche Lehrordnung „mit ihren vielen Lehrjahren und ihren Prüfungen", nicht: „ohne Prüfungen"._ Politische Ueberstcht. Nationalltberale«. Richtige Quaffilhänse find die NationatUderalen immer gewesen; doch schlimmer all jetzt waren ste r» niemal». Da» kommt davon, weil die Partei- sührer selbst wiffen, wie wenig Achtung ihre Partei noch befitzt und wie deshalb Alle» jetzt darauf ankommt, durch einige ge- schickte Phrasen da» Dekorum zu wahren. Wir haben die» bei der Rede deS Herrn Miquel in Kaffel gesehen und sehen es noch deutlicher bei der Rede, die vor ein paar Tagen der nationalliberale ReichStagsadgeordnete Meyer- Jena auf einem Parteitage der sächsischen Naticnallideralen, der in Meerane stattfand, gehalten hat.— Herr Meyer erklärte, daß die national- liberale Partei keine Bismarckpartet»ans xbrass wäre, sondern den Fürsten Reichskanzler nur dann unterstütze, wenn fie mtt ihm übereinstimme. Im Reichstage haben die Nationallideralen sett 1876 noch niemals Nein gesagt, wenn Fürst Bismarck ernstlich da» Ja forderte. Ist da» keine Anhänaersebaft«ans phraae? lieber die Kolonialpolitik, die natürlich oie National- liberalen auch unterstützt haben, sprach Herr Miyer von großen Erfolgen in dem Augenblicke, wo auS Kamerun die Nachricht kommt, daß die ganze deutsche Kolonisation in Weftafiika in Frage steht. Das Srptennat wollen die Nationalliberalen sreuvigst bewilligen, obwohl fie fich für eine wahrhaft konstitutionelle Partei ausgeben. Ein Konstitutioneller aber hält fest an seinem jährlichen Ludgetrecht. Die Nationalliberalm zeigen deshalb, das fie weder liberal, noch konstitutionell find, obgleich Herr Meyer das Wort liberal ganz besonders für fich und seine Partei in Anspruch nahm. — Für die geheime Wahl trete die nationalltberale Partei ein; kein Wort aber sprach Herr Mnaer über die Bei- beHaltung der allgemeinen und direkten Wahl zum Reichstag oder gar für die Ausdehnung derselben auf die Landtags- und Bemeindewahlen. Da verließ ihn der Liberalismus wieder vollständig. Die wirklichen Rechte des Volkes will der Redner vertheidigen, so sagte er, daß die nationalliberale Partei den Maßregeln gegen die gemeingefähr- lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie zugestimmt habe, weil fie(die nationalliderale Partei) gewillt sei,„die heilige Staats- und Gesellschaftsordnung gegen das gefährliche Treiben geschäftsmäßiger Demagogen aufrecht zu erhaltm."— Acht Jahre hat fich nun da» Sozialistengesetz gegen die„ge- schästsmäßigen Demagogen" gewandt und mit jedem Jahre ist die Zahl und der Einfluß derselben auf die Maffe des Volkes größer geworden. Wenn der nationalliderale Redner erklärt hätte, die nationalliderale Partei habe für das Gesetz gestimmt, um die Arbeiter nieder zu halten und die Kapital- macht zu fördern, dann würden wir ihm eher geglaubt baden. Die richtigste Annahme aber ist, daß die nationalliderale Partei auch bei dieser Gelegenhett einen Wunsch des Fürsten Bismarck erfüllt hat.— Deshalb macht e» einen lächerlichen Eindruck, wenn die Nationalliberalen noch immer fich bauschen und blähm. Ueber die polnische„sozialrevolutionäre" Agitation in Berlin schreibt man dem offiziösen„Hamb. Corr." anläßlich de» Prozesses Berndt- Chriftensen:„Es war bisher nicht de« kannt, daß in Berlin eine polnisch sozialrevolutionäre Agita- tion bestanden und fich u. St. auch auf den Katholischen Ge- sellenverein erstreckt hat. Die Häupter unterhiellen Verbindung mit dem im Posen« Nihilistenprozeß bestraften Anarchisten Mendelssohn in Pari». Hiernach zu urtheilen, und nach dem Zcugniß seines Vorgesetzten hat I bring die ihm ausgetragene Rolle eineS Spion« nicht ohne Erfolg durchgeführt" Ueber den Ansaaag de» Prozesse» Berndt- Christensen schreibt die liberale„Posen« Zig.":„Wenn man die Eikennt- nißgründe, wie fie nach den in den Zeitungen enthaltenen Be- richten öffentlich verkündet find, al» Ausgang sein« Beurthellung nimmt, so kann man fich schwerer Bedenken nicht entschlagen. Da» Gericht hat die Entlastungszeugen, die vereidigt find, für unglaubwürdig erachtet, dahingegen alle Angaben de» Schutzmannes Jhring, der fich im Auftrage d« politischen Po.izei „O Du Lumpenkerl," murmelte er leise vor sich hin, und ballte schon in Gedanke» die Faust. „DaS ist ja ein sauberer Patron!" „Wie? Na, was habe ich gesagt?" „Was schreibt« denn?" sragte Auguste. „Kannst die Bescheerung gleich lese»— ei Du Himmel- Hund, Du verdammt« I Wenn er ihm fünf Thaler in den Rache« geschoben hätte—" „3a, schieb einmal, wenn Du nichts hast," sagte Fräu- lew Basfini. „Das ist derselbe Mosje, dem ich einmal auf Rebe's Treppe begegnet bin," rief Jnemia». „Nein, da hört Alle» auf," schrie Pfeffer,„ei zum Teufel mit dem Wisch!" und damit knillte er das Papier zusammen und schleuderte es auf die Erde. „Aber Fürchtegott," rief Fräulein Basfini erschreckt, „die Zeitung gehört ja de« Schuhmach«, meinem Hau»- Herr«— wa» hat den« das arme Papier nur gethan?"— und sie hob e» auf und glättete es wieder. „Bitte, laß e« mich einmal lesen," sagte Auguste, und streckte die Hand danach au«. „Ja, ich möchte e« auch einmal haben," meinte Zere- mia»,„kann man den» so eine Nummer zu kaufe» be- komme»?" „Gewiß, in der Expedition, aber da« fehlte auch noch." „Ich möchte doch eine Nummer haben", meinte der kleine Man», indem er fich heftig die Hände rieb,„und wen» es nur das wäre, um jede« Mißverständniß zu ver- meiden." „Mißverständniß?" „Da» ist schändlich," sagte Henrietten» Mutter,„wirk- lich boshaft, niederträchtig, und ich begreif« nur nicht, daß sich da« Publikum die» gefallen läßt. Er sagt ihnen doch darin mit dürren Worten:„Ihr versteht Alle nichts, daß ihr so ei» Wesen von dem Rebe macht, ich bin d« allein Kluge I" „Und so ei» Lump kriegt ein Freibillet," rief Pfeffer, „na, wen« ich Direktor wäre, ich wollte Dich befrei- billettea!" als vermeintlich« Sozialdemokrat zu Spionirzwecken in die Arbeitnkretse drängt und der für seine Angaben nicht« als ei» LeumundSzeugniß deS ihm vorgesetzten Kriminalkommiffarius beibringen konnte, alS wahrheitsgetreu angesehen und ist so z« der Ueber, euguna gelangt, daß ver Angeklagte Tischlerg-sell« Berndt ein bezahller Vigihnt de» Jhing war und daß all« dem ReichStagSabgeorve-eten Singer von den beiden Ange» klagten gemachten Mttheilungen üb« Jhrwg's Dynamit« gespiäche und Maj-stäisbeleidigungen böswillige Verleumdungen seien! WaS wir in Preußen in der ersten ReaftionSzeit er« lebt haben, sollte zur äußei sten Vorstcht bei Beurtheilung d« Aussagen von Personen mahnen, die fich im Auftrage oder mit Voiwissen der Polizei, ali Beamte, oder sonst gegen gute Bezahlung alS»«meintliche G-finnungSgenoffen in solche Kreis, drängen, von denen die Polizei meint, ste könnten politische Verbrechen planen. Wir«inner», daß die Ohm und Pinrig in dem Prozeß Waldeck Meineidige und Fälscher waren, aber bei der Staatsanwaltschaft, dem Untttsuchungsrtcht« und d-m Anklagesenat de» Kammergerichts— aber nicht bei den G> schworenen Glauben fanden. Wir erinnern an die durch den Tod des Obttbürgnmeisttts Becker und deS Dr. Ladendorf Wied« in daS Gevächiniß zurückgerufenen drei Hochoerraths- prozeffe von Köln, Berlin und Rostock, wo bochachlbare ehren- werthe Männer in großer Zahl, darunter die späteren Reich»- tagSabgeordneten Becker, BürgnS, Julius und Moritz Wiggers auf Grund der meineidigen Zeugnisse von Polizisten und Po- lizeispionen wie de« K onzeugen Hentze von gelehrten Richtern und von Geschworenen zu den schwersten Strafen unschuldig verurtheilt find. ES ist möglich, daß Jhring im ehrenwntbm Gegensatz zu Hentze und Genossen steht, aber seine Auisag« allein würde uns nicht überzeugen." Das„Deutsche Tagebl." steht in dem Umstand, daß Sozialdemokraten bei dem Deutschfreifinnigen J coty verkehr» ten, einen neuen Beweis dafür, daß der„Freisinn" d«„Nähr- voter d« Sozialdemokratie" sei. DaS trifft im vorliegenden Falle umsomehr zu, al« He« Jocody einen ganz gute« Mtttagstisch geführt haben soll. Uebrigens würde ei den fteistnnigen Blättern nicht schwer fallen, konseroative Bi«- wirthe als„Nährväter" der sozialistischen Arbeit« nachzu- weisen. Z« dem Diätenprozesse gegen Hasenelever schreibt man d«„Saale- Zenung", daß der FiSluS, wie auch wir schon ge- meldet haben, in d« ReoistonSinstanz(vor dem ReichZgeiicht) den Einwand der Un,ustSrdigk«it deS Reichsgericht« erheben werde, da daS Objekt, um w-lcheS es sich hier Hindelt, lange nickt 1500 M. erreiche.„Man vnsucht die«, wie folgt zu begründen: In der beim Landgericht Halle im Somm« 1885 angestellten Klage ist die Höh« de« KlageobjeftS nicht an- gegeben worden. Später ist von dem Vorfipenden der in. Zivilkammer, welche fich mit der Klage zu oefaffen hatte, an den klägerischen Vntieter, Justizrath Schlieckmann, daS Ersuchen gerichtet worden, die Höh« de« KlageobjekieS anzugeben, um hi«- nach die Kosten ftststellen zu können. Justizrath Schlieckmann gab darauf da« Objeft auf 1500 M. an. Jetzt nun soll der Vertreter deS FiSkuS in Leipzig diese Angabe wiederrufen, wozu man nach ein« Entscheidung det ReitSg«ich s berechtigt ist. Der FisluS, der fich auf die V«handlung nickt wieder einlassen will, behauptet weil«, daS e» Sache des RevistonS« kläaerS Hasenclev« sein werde, zu beweisen, daß ein revisionS- fähiges Objett vorliege."— DaS genannte Blatt bemerkt zu dies« Zuschrift, daß eS dem Abgeordneten Hasenclever nicht schw« sein würde, den Beweis zu führen, daß er mehr als 1500 M. Diäten erhalten habe; dann ist die„Saale- Zettung" auch nicht in der Lage, die vorstehende Mittheilung auf ihre volle Richtigkeit zu piüfen.— Bus guter Quelle erfahren Ber- lin« Blätt« noch, daß der Abgeordnete Haiencleo« schon einen Kostenoorschuß für die Reviston an daS Reichsgericht hat ein« senden müssen, welcher der Höhe einer.Summe von ca. 1600 M. entspricht. ES wird also dem FiSkuS nichts helfen; er mag sich noch so sehr dagegen sträuben, er wird den eigenrhüm lichen Tendenzprozeß vor dem R-ichtgericht sehen. Mehrere Töpfermeister hallen an den BundiSrath eine Eingabe gertchtei, in der ste die Befreiung d-r gewerblichen Töpfercibetriebe von der Unfalloersicherungipflicht beantragten. D« Eingabe ist jedoch, soweit sie sich auf Be- triebe bezieht, welche von zustär dtger Seite als unter die Vor« schrift d-S§ 1 de» Ui fallveistchttungtgesetzeS faller d«achtet wurden, keine Folg« gegeben und im Ucdeigen dieselbe alS gegenstandslos abgewiesen worden. Die HaudelSstockung in Kamerun.„Zur„Berichtigung" der Meldungen de»„Reut. Tel. B." üb« die Lage in Kamerun schreiben die„Bnl. Pol. Nachr." offiziös:„Die alaimirenden Berichte, welche da«„Reuter'sche Bureau über har d-lSpolitische Verwickelungen»wischen dm weißen Händlern in Kamerun und der einheimischen Bevölkerung so eben ver- öffentlicht hat, find wir auf Grund authentisch« Informationen dahin zu berichtigen in der Lage, daß der auSgebrochenen momentanen HandclSstockung ein irgendwie politischer Crarakt-r durchaus nicht beiwohnt. Dergleichen Erscheinungen gehören in westafrikanischen Lerhältniffen nicht eben zu den Selten- heiten, sondern treten regelmäßig dann ein, wenn Käufer und „Der Mensch wird außerdem j-tzt Alles daran sitzen, um de» arme» Rebe vollends zu rutnirea." fagie Fräulein Basfini,„denn er darf jetzt ja nicht einmal mehr applaudirt werte», sonst hätte er nicht recht gehabt." „Natürlich," sagte Pfeffer,„was der jetzt thun kann, thut er." „Und ich glaube nicht einmal, daß ihn der Direktor «ach d« Rezeufio» wird« spiele* läßt," fuhr Fräulein Basfini fort,„ich kenne ihn, und was d« für eine Angst vor diesem ausgesteckten Strohwisch hat, kann gar kein Mensch glauben." „Da»» geschieht ei» Unglück," sagte J«emia», und seine Stimme hatte etwas Feierliches,„dann geschieht wahrhaftig ew Unglück." „Na, was wird für ei« Unglück geschehen," brummte Pfeffer,„wer einmal Pech habe» soll, verliert die Butter vom Brod." „Da kommt Zettchm," rief die Mutter rasch, die da» junge Mädchen draußen hörte,„thut die Zeitung weg; sagt ihr nicht« davon, da« arme Kind kränkt fich sonst zu sehr." Fräulein Basfini schob fie rasch in ihre Tasche, aber wie Zeitchen eintrat, stockte da« Gespräch und Jeremias selber machte ei« so bestürztes Geficht, daß fie gleich wußte, es war etwas vorgefallen. „Tuien Morgen mitsammen," rief fie lachend aus. sah aber All« dann«fiauvt im Kreise an und sagte:„Nun, wa» habt Ihr denn, Ihr seht mich ja Alle so merkwürdig an, wa» ist den»? Mutter, ist irgend etwa« geschehen?" „Nichts, was uns beträfe, Kind," fiel aber hier Fräulein Basfini ei», die fich noch am erste« faßte,„aber hast Du roch nicht» von dem Unglück bei Monfords draußen gehört?" .Leid« ja."«'ckte Zeitche« traurig—„Du lieb« Gott, so ein junges, hoffnungsvolles Blut, und in seinem frischeste« Alter I" „Kanntest Du den junge» Grafen?" „Ich habe ihn draußen im Schlosse gesehe«, als ich früher d« Komtesse manchmal Arbeite« hinausbrachte, und in letzter Zell ist er auch manchmal mit Graf Rottack hier Verkäufer nicht handelseins zu werden vermögen. Da nun augenblicklich d?r PreiS für Palmöl und Palmkerne auf dem europäischen Martte erheblich gewichen ist, so müffm die Händler in Westafrika, wenn sie nicht mit Verlust arbesten wollen, billige Einkäufe zu realistren suchen. Umgekehrt liegen die Dinge bei den Eingeborenen, deren Urtb-il sich die Welt- Marktkonjunktur völlig entzieht und die ihre Waare daher nur zu den früheren Preisen adaeben wollen, zu d-nen sich jetzt kein Käufer findet. Daß eine„Hand ltstockung in Kamerun besteht, wird also im Vorstehenden ohne Weiterei zugegeben. Und wester ist nicht» behauptet- Rord- Schleswig. Ausweisungen. AuS dem dies. seitigen Slaaisgrblete ausgewiesen worden find der Aui- wanverunaSagent»nderS Terkelsen, zu HaderSleden, gebürtig au» Röddmg, dänischer StaatSunterihan. weil lästig gefallen, und der Ardeiler Karl Andrea» Riffen, gebürtig au» Arrild, KreiS HaderSleben, wegen unerlaubten Aufenthalt». Et« Flugblatt in München, welche» eine Amnestie ver< langte und eine Unterstützung deS Ministerium» Franckenstetn durch die Sozialvemokraten in Auistcht stellte, ist von der sozialdemokratischen Partei nicht ausgegangen, wie Abg. von Vollmar in dm Münch.„Reuest. Nachr." mittheilt. An« Leipzig wird un» geschrieben: Bekanntlich ist von der KreiShauptmannschast die Druckjchrist: An die Wähler de» XU. und XIII. Wahlkreise» verboten worden. Dieselbe wurde von den Arbeitem in der Etadt und Umgegend in zahlreichen Exemplaren verbreitet, wie wir hören, eye fie ver- boten wordm war. Dai Flugblatt soll die Antwort auf die wiederholte Verhängung deS Belagerungszustandes über Leipzig sein und ist allerding» in scharfen Worten abgefaßt. Beim Verbreiten de» BlatteS wurden 6 Personen verhaftet und, wie da»„Leipz. Tgbl." meldet, am selbigen Tage ein Schriftsetzer wegen anarchistischer Umtriebe. Welcher Art diese waren, haben wir nicht erfahrm können.— Auch in Rötha, dem Sitze de» Generalfeldmarschalls der konservativen Partei, de» Herrn von Friesen, fand zahlreiche Verbreitung d:S Flugblatte» statt und zwar sofort am 27. Juni, wo von einem Verbot noch nicht die Rede war. Acht Verbreiter wurvm verhaftet, doch nachdem ihre Personalien festgestellt waren, sofort wieder ent- laffen. Reben einer Auseinandersetzung über den Belagerung». zustand enthält da» Flugblatt noch einen Aufruf für die rm nächsten Jahre stattfindende ReichStagSwahl. Rußland. Wie man der„Poltt. Korr." aus Warschau meldet, wird gegmwärtig, nachdem die Forttfikati onen von War- schau renovirt und erwettert wordm find, an der Vervoll. ftändigung der Befestigungen bei Modlin gearbettet. Vier Fort» alter Konstruktion werden in einer den Anforderungm der modernen KrtegStechnik entsprechenden Weise umgestaltet und außerdem ist der Bau von acht fortifikatorischen Werfen in Angriff genommen worden. Der Bau wird mittelst der zahlreichen, theilweise au» dem inneren Rußland herangezoge. nen Ardeiterparttm rasch geführt. Auf der Linie Chelm. Warschau ist der Bau mehrerer großer Kasernen für die dort eivzurichtendm neuen Gamisonen im Zuge. ES heißt, daß auf dieser Linie(bei Zultn) ein befestigte» Lager errichtet wer- dm wird. .. Belgien. r. Cozialtßen und Anarchisten haben fich in ihren Anschauungin jitzt vollständig getrennt und schlagen fortab gesonderte Wege zur Erreichung ihrer Ziele ein. Die Sozialisten und sozialistischen Arbeiter erstrcben zunächst auf gesetzlichem Wege da» allgemeine Wahlrecht, die Anarchisten dagegen halten daS für nutzlos und für einen über» wundmen Standpunkt! fie wollen die Revolution. Leider wird dteLag« der Arbeiter immer trüber. Die Kohlen- werke, die die Forderungen der Ardeiter nicht erfüllen wollen, zum Theil auch nicht könnm(Verminderung der Arbeitszeit und Lohnerhöhung), ziehen eS vor, den Betrieb der Werke ganz einzustellen, und somit wächst das Elend. deffen Ende nicht abzusehen ist.— Der franzöfische Minister des Innern hat schon, um fich die delgischm Arbeiter fern zu halten, die Zoll- beamtm angewiesen, alle nach Frankreich zu Fuß Einwandern. den zu durchsuchm und keinen Arbeiter, der nicht 15 Franks bei sich hat, in daS Land«inzulaffm. Heber mehrere neue Streik» berichteten wir gestern unter„Letzte Nachrichten". H o l l a» d. Da» Verhältniß zwischen Belgien und Holland ist zwar äußerlich ein freundschaftliche»; während aber Belgien schon mehrfach Anregung gegedm hat, intimere Beziehungen mit Holland anzuknüpfen, zeigte die holländische Regierung stets Widerstreben gegm solche Annäherung, und e» ist noch nicht einmal gelungen, einen Handelsvertrag zwischen beiden Ländern abzuschließen, obgleich die Industriellen auf beiden Seiten denselben sehnlichst herbeiwünschen. Trotzdem setzte Belgien seine Annäherungsversuche fort. So hatte die Regte. rung, wie der„Voff. Ztg." au» Brüffel geschrieben wird, den Chef des Generalstade», Gmeral Brtalmont, nach dem Haag geschickt, um ein militärische» VertheidigungS- dündniß anzubahnen. An einm augenblicklichen Erfolg vorbeigeritten. S« war derselbe, Onkel, der damals dem armen Junge« hier vor dem Hause, dem Graf Volten dm Karre» überritte» hatte, Geld gab, um ihn für de» Verlust zu mtschädigm." „Uud der Nämliche hat ihn jetzt todtgeschosse»?" „Und was für Strafe bekommt der»«»?" „Strafe?" sagte Fräulein Basfini,„solche vornehme Herrm werden sie auch strafe«! Uebrigen» ist er»och die- selbe Nacht fortgereist, und nun sucht ihn, wen» Ihr ihn habe» wollt." „Aber wa« hast Du»ur, Vater?" sagte Zettche«, die erstaunt Jeremias betrachtete. Dieser war indessen in der Stube, sich immer die Hä»de reibmd, auf und abgegangen, und so mit seine» eigmea Gedanke» dabei beschäftigt, daß er die Frage»icht eiamal gleich hörte. »Wa« ich habe Kind?" sagte er dann, als Jettchen die Worte wiederholte,„oh, oh, nicht», ich dachte«ur in dem Augenblick gerade a»'was, ich habe«och etwa» zu thu«, beiuah' hätte ich'« vergessen. Also gute» Morgen mit ein« ander!" „Wo willst Du dm« hw. Jeremias?' „Ich muß einmal»ach Hause, ich komme nachher wieder 1" „Um zwölf Uhr essen wir." „Gut, ich werde kommm, sollte ich aber um zwölf Uhr nicht da sei», so wartet nicht aas mich, den» e» ist d°ch möglich, daß ich Abhaltung bekäme," und mit dm Wortm schoß er zur Thür hinau». „Was hat nur der Vater?* sagte Jettchen verwundert; „« sah so merkwürdig verstört, so zerstreut au,." „Gott weiß e»," brummte Pfeffer,„irgend«och ei« paar brasilianische Schrullm vielleicht, die ihm im Kepf herumgehm I Laß ihn nur laufm, der findet fich wieder zurecht, dafür ist mir gar«icht bange. Wo warst Du, Jettchm?" „Ich habe de« Brautkranz fortgetragm," sagte da» lunge Mädchm,„und jetzt gar nicht» weiter zu thu», al» de» bestellte» Kranz für Graf Rottack zu machen." «Da» ist gescheidt, da kannst Du Dich mdlich eiamal auSruhm." glaubte fie selbst nicht und General Brialmont ist jetzt auch ohne solchen au» Holland zurückgekehrt; er hofft aber, den holländischen militärischen Kreisen, in denen er eine freundliche Aufnahme fand, die Wichtigkeit und die Vortheile eine» Ver- tbeidigungSbündniffe» so klar gemacht zu haben, daß fie den Plan nicht au» dem Auge verlieren werden. Frankreich. Der Senat nahm die Vorlage der 250 Millionen-Anleihe der Stadt Pari» mu 179 gegen 81 Stimmen an, nachdem er dm von der Kammer gemachten Zusatz, die Stadt dürfe für ihre Bauten nur einheimischeArbeiter und Materialien verwenden, mit großer Mehrheit verworfen hatte. Nach gmaueren Angaben find in der Kommisfion der Kammer fünf Mitglieder gegm jede» Asfichengesetz, fünf für den Antrag DrepfuS, eine» für dm Antrag der Regierung. G r o ß b r i t a»« i e u. Der frühere englische Premier, Lord SaliSburv.da» Haupt der TmieS, rafft fich ziemlich spät auf, um auf die von Srttm Parnell» gegm ihn und sein Kabinet vorgebrachten Be- schuldigungen wegen seiner irischen Politik zu antworten. Saliidury stellt nach einem Wolff'schen Telegramm aus London entschieden die Behauptunam Parnell» in Abrede, daß da» kunservatioe Kabtnet dm Plan eine» irischm Parlaments in Erwägung gezogen oder begünstigt habe; ebmso dementirt SaliSomy die Bebauptungm Parnell» betreffs seiner Unterredung mit Lord Carnarvon. Italien. Nach lebhafter zweitägiger Debatte über den von Bonghi eingebrachten Antrag, dem Ministerium da» sechSmonat« licht Budget zu bewilligen, sprach die Kammer dmch Annahme einer Tagesordnung Bongbi's dem Ministerium ein Vertrauensvotum mit 220 gegen 153 Stimmen au». Damit ist auch die Annahme de» Antrag» Bonghi gefichert. Vom 29. bis 30. Mittag find an der Cholera in Brindifi 5 Personen erkrankt und 11 gestorben, in Lttiano 67 erkrankt und 24 gestorben, in Francavilla 27 erkrankt und 15 gestorben, und in San Vito 13 erkrankt und 11 gestorben. """" Äalkaulander. Acht Jahre find versloffen, seit im Artikel 9 de» Berliner Vertrage» bestimmt wurde, daß die Kongreßmächte ein Jahr nach der Konstttuirung de» Mrstenthums Bulgarien die Höhe deS Tribut» festsetzen werden, welchen daffelde an die Pforte zu mtrichten hat, und noch Immer ist diese Bestimmung nicht ausgeführt. Die Pforte hat kein Jntereffe, die Feststellung zu deschleuntgm, dmn fie hat den bulgarischen Tribut an die Inhaber türkischer Bond» zur Verzinsung und Amor- tisation der türkischen Staatsschuld abgetreten, und Fürst Alexander kann erst recht warten. Wie nun der„TimeS" aus Konstantinopel aeschrteden wird, haben die BondSdefitzer einen Vertreter nach Sofia geschickt, um mit dem Fürsten über die Regelung der Angelegenheit zu unterhandeln. Sie werdm jedoch so bald noch nicht auf einen Erfolg zu rechnen haben, denn in dem Entwürfe für das bulgarische Budget für 1887 hat der Tribut keinen Platz gefunden. Ander» verhält eS fich mit dem ostrumelischen Tribut, welcher alljährlich in dem tür- tischen Budget unter den Einnahmen mit 24 Mtll. Piaster — 5400000 Franks eingestellt erscheint. Ein- oder zweimal bat die Regierung der autonomen Provinz Ostrumelten den Tribut voll bezahlt, dann hat ihn aber die Provinzialversamm- lung noch unter dem Generalgouverneur Aleko Pascha eigen- mächtig herabgesetzt, und schließlich ist die Zahlung ganz ver« geffen worden. Da die Pforte an der Regelung dieser Angelegenheit ein viel größere» Jntereffe hat, so wird Fürst Alexander, wenn er die für ihn unentbehrlichen guten Be- Ziehungen zur Pforte erhalten will, fich entgegenkommend zeigen müssen. Der ostrumelische Tribut ist aber viel zu doch angesetzt. Als Beigabe»um bulgarischen Budget ist der Na- tionalversammlung in Sofia ein ostrumelische» Budget vorgelegt, welche» mit einer Einnahme von 13400000 Franks und einer Ausgabe von 13200000 Frank» abschließt. Daß bei solchen Einnahmen und Ausgaben die Provinz nicht über 5 Millionen jährlich als Tribut an die Pforte abgeben rann, ist klar, auch abgesehen davon, daß da» ostrumelische Budget darauf einge- richtet ist, die U-berlastung recht augenfällig ,u machen. AuS Konstantinopel erhalten die„Daily New»" folgende» Telegramm vom 26. Juni:„Der Ministerrath am Donnerstag entschied fich gegen eine ansehnliche Demodilifirung der Armee. Der Beschluß ist wichtig, da er die Besorgniffe der Pforte in Betreff der Hattung Rußland» andeutet." Amerika. Da»„Bureau Reuter" meldet: Im Repräsentantenhause brachte Mr. King von Louisiana eine Resolution ein, worin die Verficherung Frankreich», daß der Panama, Kanal ein Prioatunternehmen unddiefranzösischeRegierung in keiner Weise für denselben haltbar zu machen ist, wiederholt wird. Die Resolution lenft ferner die Aufmerksamkeit auf die Nachricht, daß die ftanzöstsche Regierung eine Anleihe empfohlen habe, wodurch fie fich mit dem Unternehmen identtfiziren würde. Amerika würde, heißt eS in der Resolution, mit großer Be- „Aber die Zeit wird mir lang werden, und wa« hätte ich Alle« zu thn» bekommen könne» I Wie viele Arbefte» waren bestellt, aber Vater wollte e» ja nicht leiden." „Ganz vernünftig von ihm, denn Du hättest Dich kaput gearbettet, da« ist sicher. Nu» aber steh«ach Deiner Küche, Schatz, daß wir'was zu effe« bekomme« l' „Ist Alle» in Ordnung, Onkel," nickte Jettchea,„ich brauche nur ei» wenig»achzulege», den« während e» kochte, bin ich blot die zwei Schritt hinüber gelaufen. Punkt zwölf Uhr kann das Essen auf dem Tisch stehen." Jeremias stieg in einer«nbeschreiblichen Stimmung die Treppe hinab, und niemand Ander« war die Veranlassung dazu, wie der arme, unselige Rezensent. „O Du Federfuchser," rief er dabei halblaut vor sich hin und ballte die gar»icht so unansehnlickie Faust gegen da» Treppengeländer,„o, Du verfluchter Federfuchser— hätt' ich Dich, wie wollt' ich Dich l" Aber er hatte ihn eben nicht,»»d e» blieb ihm nicht» weiter übrig, als Rebe auf- zusuche», um mtt diesem zu besprechen, was fich etwa in der Sache thu» ließ, den» daß sich etwa« thu« ließ, davon war er fest überzeugt. (Fortsetzung folgt.) soraniß und Mißgunst irgend eine Maßnahme betrachten, welche Frankreich als Nation mtt dem Kanal identi- fiziren würde, da ein solche» Verfahren gegm die Politik de» amerikanischen Volke» verstoßen würde. Endlich ersucht die Resolutton den Staatssekretär, dem Kongreß jede Auskunft über eine Angelegenheit von so weittragender Bedeutung und von solcher Gefährlichkett für die nationalen Interessen mttzulheilen. Am 27. Juni wurde eine stark besuchte Volksversammlung in Eincinnati abgehalten, um Betträge für Mr. Parnell und die ministerielle Partei in dm bevorstehmden englischen Wahlen zu sammeln. E» wurde ein Verein zu dem Zwecke gebildet, zu deffen Präfidmt der frühere KriegSsekretär und Gesandte am msfischm Hofe, Mr. Taft,«mannt wurde. An« Kunst und jeden. Kirchliche Jntoleran». Köln, 24. Juni. Die„K. Z." erzählt: Am 9. d. verstarb hier ein allgemein geachteter Mann, Krieger ouS dem Feldzuge von 1870—71, an der Lungen- schwindsucht. Er war katholischen Glauben» und fleißiger Be- sucher seiner Kirche. Seine Frau und Kinder aber find evan- Selischen Glauben». Auf dem Sterbebette empfing er von dem laplan seiner Pfarre, den die Frau herbeigerufen, die letzte Oelung und die General-Absolution. Ein von dem Geistlichen zurückgelaffene» Formular sollte dann der Kranke zu der Erklärung unterschreiben, daß er seine Kinder katholisch erzogm wiffen wolle. Er kam aber nicht wieder zum Bewußtsein und starb, ohne die Untnschrift vollzogen zu haben. Die Wittwe wollte dem gestorbmen Gatten ein ehrenvolles katholische» Be- aräbniß geben lafien. empfing aber auf ihre Bitte feiten» der Geistlichkeit den Bescheid, daß eine kirchliche Beerdigung dem Gestorbmm nicht zukomme. Auch der Kaplan in Melatm, der Gerichts-Zeitnng. t Unter der Anklage der Bigamie stand gestern der Maler Ignatz Gundermann, ein vierundfünfzigjähttger Mann, vor der ersten Strafkammer de» hiefigen Landgericht». In Posen verheirathete er fich am 20. Januar 1861 mit einer ge» wiffen Luitgarda RokowSka und lebte mit ihr bi» zum Jahre 1870 zusammen. Die Ehe war besonder» in den letzten Jahren keine glückliche', nach dm Behauptungen de» Manne» war die Frau, nach dm Behauptungen der Frau der Rann der schuldige Theil. Schließlich verließ Gundermann heimlich seine Frau und fünf Kinder und ging nach Rußland. Die Fcau, die feinen AufenthalSort erfahren hatte, forderte ihn auf, zurückzukehren und die Familie zu unterstützen. Er kümmerte fich aber um diese Aufforderung nicht, well e» ihm, wie er sagt, selber in Rußland schlecht ging. Im Jahre 1874 lernte er in Riga ein Mädchen Namen» Henriette Kallmeyer kennen und ließ fich mit ihr nach evangelisch- lutherischem RituS trauen, obwohl ihm bekannt war, daß seine in Deutsch- land abgeschlossene Ehe noch zu Recht bestand. Seinerzweiten Frau halte er übrigm» verheimlicht, daß er schon verheirathet sei. In diesem Jahre kehrte er nach Deutschland zurück und die Doppelehe wurde entdeckt. DaS Gericht verurlheilte dm durchweg geständigm Angeklagten zu einer Gefängnißstrafe von 1 Jahre, von der 1 Monat durch die Untersuchungshaft alS verbüßt angesehen wird und zum Verlust der bürgerlichen Ehrmrechte auf 1 Jahr.— Gundermann kann zufrieden fein» daß sein Verbrechen in Deutschland und nicht in Rußland zur Adurtheilung gekommen ist- im Reiche de» Zaren steht auf Bigamie Deportation nach Sibirien. Ewe Klage der OrtSkrantenkasse für da» GastwirthS« gewerbe wider den Kommiffar zur Wahrnehmung der öffmt« Itchen Ordnung gelangte vorgestern vor dem BezirksauSichuß zur Verhandlung. Der Strett drehte fich um eine Statuten« anderung genannter Kasse. In der Generalversammlung der Krankenkaffe vam 8. April war eine Erhöhung der Betträge für die Kaffmmitglieder der Ii. und V. Klaffe beschlossen worden. Diesem Beschluß versagte der Bezirksausschuß am 11. Mai seine Genehmigung auS folgenden Gründen: Die qa. Bei- ttäge deliefen fich biiher auf 33, 27, 18 und bezw. 15 Pf. und sollten erhöht werden auf 36, 30, 24, bezw. 18 Pf. Da der Statutennachtrag vom 26. Juni den durchschnittlichen Taaelohn dieser Klaffm festsetzt aus 3-240—150 und bezw. 1,30 M., so übersteigen die erhöhten BettragSsätze die Norm von 2 pCt. diese» Tagelohn». In§ 50 Absatz 2 de» Statut» vom 25. November 1884 ist aber bestimmt, daß über eine der- artige Erhöhung nur getrennt von den Vertretern der Kaffmmitglieder und den Vertretern der Arbeitgeber Beschluß gesaßt werden kann. Eine solche getrennte Abstimmung hat aber nicht stattgefundm. Gegen diesen Beschluß beschwerte fich die OrtSkrankenkaffe bei der zuständigen Instanz, welche wiederum der Bezirksausschuß war. Der Beschluß zur Versagung der Genehmigung beruhe, wurde ausgeführt, auf einer mißoerständ» Itchen Auslegung deS§ 31 des ReichSgejetze», betreffend die Krankenvnficherung der Ardetter vom 15., 6. 83. Danach sollen die Beiträge nicht über 2 pCi. de» durchschnittlichen TageilohnS festgesetzt werden. Die erhöhten Beiträge betragen aber weniger al» 2 pCt., also ist die Schlußfolgerung de» Bezirksausschusses verfehlt. Der Kommiffar zur Wahrung der öffentlichen Ord- nung mußte die Richtigkeit dieser Ausführungen im Rudienz« termin zwar zugeben, der Bezirksausschuß aber erkannte dennoch darauf, die beschloffene Statutenabänderung zu gmehmigen. ES kommen hier nicht nur die Interessen der Versicherung»- verpfl'.chtetm, sondern auch die der Verficherung, berechtigtm in Frage; deshalb hätte von den Vertretern der Kaffenmitglieder und dm Vertretern der Arbeitgeber getrennt Herathen werden müffen. Halle a. E-, 28 Juni. Da» Schwurgericht verurtheilte den Bürgermeister Pitschmann in AlSlebm nach fünfstündiger Verhandlung wegen SittlichkeitSvergehen zu sechi Monaten Gefängniß. Kassel. 27. Juni. Ueber die gräßliche Mordthat, welche fich am 15. Mai auf den„Bruchmühlm" bei Gladenbach, Krei» Biedenkopf, zutrug, haben wir damal» kurz berichtet: Der Müller Schuppner schoß seinen Todfeind, den Müller Klingelhöfer, nieder. Echuppner, der Mörder, stand nun vor gemessenen Befehl erhalten hatte, weigerte fich, den Todtm auf dem Friedhofe einzusegnen. Ein zahlreiche» Trauergefolge er- wieS aber dem Verstorbenen die letzte Ehre, die ihm seine Kirche au» dem einzigen Grunde versagt hatte, weil er die katholische Erziehung seiner Kinder nicht versprochen hatte oder vielmehr sterbend nicht mehr versprechm konnte. AuS dem amertkantsche« Gerichtsleben. New- Vork, 15. Juni. Ein deutscher Friedensrichter zu North Platte, Nebraska, hat dieser Tage ein merkwürdige» Ucthell in einem Falle abgegeben, in welchem ein Mann, dm Bestimmungen de» Slocum Gesetze» zuwider, geistige Getränke verkauft hatte. Der Staatsanwalt hatte die Verhaftung de« Angeklagten erwirkt und diesen in der ficherm Voraussetzung seiner Verurtheilung vor die Schranken de» Gerichtshöfe« Sr. Bestrengen führen laffen. Der Staatsanwalt legte den Fall dar und stand eben im Begriff, einen BelastungSzeugm auf den Zeugenstand zu rufen, alS der Friedensrichter den Gefangenm zum größtm Staunen deS SlaatSanwaltS ohne vorherige» V-mehmen der Zeugen entließ.„Aber Ew. Ehren", wandte der Staatsanwalt ein,„ich kann ficherlich den Nachweis dafür liefern, daß dieser Mann schuldig ist."„Ich weiß die»," erwiderte der Frieden»- richter,„allein da» Slocum- Gesetz ist„no good" und ich werde Niemand unter demselben verurtheilen."„Ader Ew. Ehren," fuhr der Staatsanwalt mtt triumphirender Miene fort,„da» Obergcricht hat entschieden, daß dasselbe konstitutionell ist." „Dafür kann ich nicht». Bio» well da» Odergericht einen verd.... ten Raum au» fich machte, seh« ich mich noch lange nicht verpflichtet, auch au» mir einen verd.... ten Narren zu machen. Da» Gesetz ist nicht recht und der Ange- klagte kann gehen." Wie viel Elend fich unter der alänzenden Außenseite de» Theater» birgt, davon wird aus Pari» ein Beispiel be- richtet. Während einer der letzten Avfführungen der„Jüdin" in der Opära sah man in der Szene de» großen Zuge» im ersten Att in dem Augmbltck, alS Kaiser Sigismund in aller seiner Pracht und Herrlichkeit die oberste Slufe, die zur Ka- thedrale führt, betretm hatte, denselben plötzlich wanken, die Stufm htnuntertaumeln und ohnmächtig zusammenbrechen. Der schnell herbeigerufene Theaterarzt konstatirte bald, daß Kaiser Sigismund— vor Hunger ohnmächtig aewordm war, da der in den kaiserlichen Gewandem steckende Chonst, wie fich herausstellte, sett dreißig Stunden keine Nahrung zu fich ge» nommm hatte. Eine schnell unter den Künstlern veranstaltete Kollekte hat dem geschwächten Choristen bald wieder auf die Beine geholfen. dem Schwurgericht. Die Verhandlung dauerte zwei Tage, geftern und vorgeftern, bei großem Andrange des Bublikums. Schuppner legte ein unumwundenes Geständniß ab und gab über die Motive und Ausführung des Verbrechens folgendes an: Seit zwanzig Jahren mit dem Erschoffenen, dem Befiger ber dicht anliegenden oberen Bruchmühle" burch fortwährende Broseffe verfeindet, habe dieser aus Geschäftsneid, Eigennus sc. alles daran gefeßt, um ihm, seinem Nachbar und Konkurrenten, zu schaden und ihn womöglich von Haus und Hof zu bringen. Aus den Alten wurde denn auch nachgewiesen, daß die beiden Müller unaufhörlich zusammen progelfirt; seit den legten brei Jahren hat der Antlagte allein fieben Prozesse gegen Klingel böfer verloren. Die Streitigkeiten arteten schließlich in Thätlichkeiten aus und Schuppner überfiel Klingelhöfer eines Tages auf freiem Felde, warf ihm Meineid sc. vor und prügelte ihn dermaßes durch, daß er wegen dieser Mißhand. lung zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt wurde. Am 15. Mai sollte er diese Strafe antreten. An diesem Tage set aller Haß in ihm wieder aufgeftiegen, giebt Schuppner an, und der Gedanke, um seinen Todfeind brei Monate im Gefängniß zu fizen und Familie, Haus und Hof schutzlos bem Treiben desselben preisgeben zu müssen, hätte eine furcht bare Wuth in ihm aufgeftachelt, so daß er nicht ganz Herr feiner Sinne gewesen set. Er set hinaufgeeilt, habe das mit Schrot geladene Gewehr geholt und in den rechten Lauf eine Rugel geladen. Wie Schuppner selbst offen einräumt, bat er, das Gewehr schußbereit im Anschlage, mindestens eine Stunde auf der Lauer gelegen, ehe er den Schuß ficher abgeben fonnte. Dann aber nahm er den auf dem Hofe herum bantirenden Todfeind genau auf's Korn- ein Schuß frachte und, von Der Kugel mitten durchs Herz getroffen, fant Klingelhöfer tobt zu Boden. Der Mörder floh in die Wälder; überall vergeb lich gesucht, stellte er fich nach Beerdigung des Erschossenen ganz unerwartet selbst dem Gericht und legte ein Geständniß ab. Aus den Beugenaussagen ging hervor, daß Schuppner dem Klingelhöfer häufig mit Todischießen gedroht und nicht nur Diesen und seine Angehörige wiederholt infultirt und mishandelt, sondern sogar feine Ehefrau mishandelt und dermaßen ge schlagen und bedroht hatte, daß fie die Ehescheidungsklage schon vor Jahren einreichte. Alle Beugen schildern Schuppner, cinen 46 Jahre alten großen ftarten Mann, als sehr brutal und niemand weiß ein Wort zu seinen Sunfien vorzubringen. Das Gegentheil wird von dem ermordeten Klingelhöfer be fundet. Derselbe war versöhnlich und hat wiederholt versucht, fich mit seinem Todfeinde auszusöhnen, was dieser jedoch zurüdwies. Die Anflage lautet auf Mord und wurde vom Staatsanwalt eingebend motivirt und erläutert. Troßdem verneinten die Geschworenen die Frage nach Mord und nahmen nur Todtschlag an, worauf der Schwurgerichtshof auf eine Buchthausstrafe von 13 Jahren und 10jährigen Ehrverluft er Tannte. des Erzgebirges und Voigtlandes ist der Umstand, daß trobem und tros der dadurch selbstverständlich bedingten geringen Rentabilität sehr vieler der fleineren Bahnen dennoch auch die Staatsfinanzen fich gut dabei stehen, indem sämmtliche Staatsbahnen zusammen im Durchschnitt the Anlagefapital mit mehr als 5 Prozent verzinsen. Agitation für die Sonntagsruhe. Wie die Manu fafturiften, machen auch die Schuhmacher in Altona gegenwärtig fehr große Anstrengungen, ein gemeinsames Schließen thre Läden an Sonniagen zu ermöglichen. Die Sache wird insofern ihre großen Schwierigkeiten haben, als ohne Einverständniß ihre großen Schwierigteiten haben, als ohne Einverständniß mit den Kollegen auf St. Pault und in Eimsbüttel eine Eini gung nicht zu erzielen sein dürfte. Man sieht auch hier wieder die Schwierigkeiten und die Unmöglichkeit der privaten Regelung der Sonntagsfrage. Nur das Gesez vermag hier zu helfen. Maurerbewegung. Auch in Eckernförde( Schleswig) be. ginnt es sich unter den Bauhandwerkern zu regen; so ist vor Kurzem ein Fachverein der Maurer daselbst begründet worden, bei deffen Vorfißendem sehr bald eine Haussuchung stattfand. Vermischtes. Ein bewegtes Leben. Eine der wundersamsten Rarrièren bat der bekannie New Yorker Advolat Enoch Edmund Price binter fich, der es von einem Preisfauftkämpfer bis zum ge fuchteften Rechtsanwalt gebracht hat. Price wurde im Jahre 1832 als der Sohn eines Quaters, der von Beruf Mechaniler war, in London geboren. Er hat turze Beit auf der Drforder Univerfität ftudirt. Allein Abenteuersucht war sein hervor. ragendfter Charakterzug, und so verließ er bald die alte Welt, tagendfter Charakterzug, und so verließ er bald die alte Welt, um Ruhm und Reichthum in der neuen jenseits des Ailan tischen Ozeans zu finden. In Boston, wo er landete, wurde er zuerst Schantgebilfe( bar tender) in einem Lotal, in wel chem die crême der damaligen Preislämpfer verlehrte. Price befaß eine außerordentliche Körperkraft und mit seinen mächtigen Schultern, seinem furgen festen Hals und den fühnen Augen war er so recht zum Jdeal eines Gladiators ge fchaffen. Es dauerte auch nicht lange, so begann er, fich in Sporttreisen hervor zu thun. Am 1. Dat 1856 focht er fein Mai 1856_focht erftes Bufalladebüt mit einem gewiffen Joe Coburn. Der Rampf umfaßte 160 Runden und dauerte 3 Stunden. Beide Gegner waren einander voll gewachsen, und so blieb Die Schlacht unentschieden. Der Preis, 600 Dollars, wurde unter Beide getheilt. Die Bewunderung, die beide Gegner für einander faßten, war so groß, daß fie nie wieder im Kampf einander gegenüber traten, vielmehr lebenslange treue Freunde geblieben find. Brice's nächster und berühmtefter Bweilampf war mit dem Auftralier Kelly, der nach New York gefommen war, um den beften Rämpfer Amerila's sum Faustlampf heraus zu fordern. Dbwohl Kelly für unbeftegbar galt, batte Price dennoch den Muth, diesem Champion ent zu Soziales und Arbeiterbewegung. gegen tu treten. In Boint Abino, in Kanada, wurde Das tommt von Herzen. Die Baugewertszei. tung", das Drgan der Jnnungsmeister, giebt am allerneu ver- frorenften ihrer Freude über die Butilamer'schen Erlasse Ausbruck. Sie schreibt in Nummer 47: Seitdem in Berlin mit fräftiger Hand und energischem Willen den Aufreizungen Der Arbeiterführer das Handwert gelegt worden ist, haben wir hier Nube belommen. Die Maurer und Bimmergesellen dürfen wieder arbeiten, ohne befürchten zu müssen, daß fie von den Streitbrüdern baran verhindert werden; und auch die täglichen Arbeiterversammlungen, in welchen von den Apofteln( von was für Aposteln. Red.) höchft verderbliche Grundfäße gepredigt wurden, haben nun doch zum großen Theil aufgehört. Man wagt jest die Versammlungen laum noch einzuberufen, weil fie große Untoften verursachen und doch selten genehmigt wer ben Wenn in Berlin endlich zu etwas energischen Maß regeln gegriffen worden ist, so können wir solches Vorgehen der Regierung nur danken. Aber auch die rubigen Arbeiter find erfreut über diese Unfollverhütungsvorschriften". Sie fönnen boch wenigftens arbeiten, wie und wofür fie wollen." Dieses Loblieb auf Streit und Versammlungszirtulate ift so charalte. ristisch, daß es leiner besonderen Erläuterung bedarf. Die rubigen" Arbeiter find nach der Auffaffung der Bunftbolde, und der sonstigen Febling'schen Kameradschaft diejenigen, die so lange und so billig fich außnügen laffen, wie die Herren Meister, Baufpetulanten, Gründer und verwandte Berufsgenossen zur höheren Ehre, tbrer Intereffen" wollen. Nun, wir müffen ge ftehen, das Meisterthum ohne Maste gefällt uns mehr, als in Der fozialreformatorischen Humanitätspoje. D über diese ,, tubigen" Arbeiter. Allein Rube ist die erste Bürgerpflicht. Mit welchem innigen Behagen lolportirt das Muster. Meisterblatt auch die Nachricht, daß die braunschweiger Regierung in Folge der Bauhandwerker- Lohnbewegung fchon jest ernst baft an die Verhängung des fleinen Be lagerungszustandes denken soll." Und mit welcher Muth fällt die Baugewerks Btg." über die städtischen Behörden in Braunschweig her, die mit Umgebung der Meister direkt mit der Gesellenschaft in Verbindung getreten find und ganz gut dabei fahren. Die profitlüfternen Unter nehmer find über diese ebenso humane wie pratiische Maßregel gang aus dem Häuschen. Sie schimpfen wie die Rohrspayen, fte die sonst submiffeft in Devotion erftetben vor der hohen Obrigkeit. Aber da beißt es: Obrigkeit absolut, wenn fie uns Den Willen thut! Wen lann es also wundern, wenn mit all' Der Arbeiterfreundlichkeit, die diesem Moniteur der Bauunter. nehmer eigen ist, die Baugewertszeitung" zum Schluß aus. ruft: ,, Wir glauben, daß wenn die Arbeiterbewegungen in dem großen Stil, wie fie in diesem Jahr begonnen haben, fortge, fegt werden sollten, alle Staatsregierungen bald zu der Ein ficht tommen würden, daß großen Uebeln auch nur mit ftarten Mitteln zu begegnen ift." Also leine Sozialreform, sondern ber Appell an die Polizei zur Niederbaltung der rein gemert schaftlichen Lohnbewegung, die fich fügt auf den§ 152 der Reichsgewerbeordnung. Gleiches Recht für Alle! Unternehmertolerans. In Birna fündigten die Schub machermeister den dem Unterstütungs- Verein beutscher Schuhmacher angehörenden Gehilfen. Bor Zuzug wird gewarnt. Daß Sachsen der an Eisenbahnen reichste deutsche Staat is, wußte man schon, doch überrascht es, aus einer ftatistischen Vergleichung der Länge fämmtlicher Bahnen da felbft mit der Oberfläche und der Einwohnerzahl des Landes des Näheren zu ersehen, wie viele Landestheile daselbst die Wohlthaten einer Eisenbahnverbindung genießen, richtiger ge fagt, wie wenige fte nicht genießen. Wenn erft die som legten Landtag bewilligten Eisenbahnen noch gebaut und die bereits im Bau begriffenen vollendet sein werden, wird Sachsen zirka 2400 Rilometer Eisenbahnen befigen und es werden dann auf 100 Quadrat Kilom. Bodenfläche 16 15 Rilom. oder auf je 1 Quadrat Meile 8.89 Kilom. Bahnlänge lommen, besgleichen auf 10 000 Einwohner 7.61 Rilom. Babnlänge. Sachsen hat 143 Städte, von diesen werden nach Vollendung der im Bau begriffenen und der zum Bau bestimmten Eisenbahnen nur noch 32 Städte nicht unmittelbar an solchen liegen. Es find bas faft insgesammt fleinere Städte mit weniger als 5000 Ein wohnern; die einzige davon, die über 3000 Einwohner bat, Mylau, liegt nur 2 Rilom. von der nächsten Bahnstation entfernt. Bon den auf fächfischem Gebiete gelegenen Bahnen befinden fich im Eigenthume des Staates 89.61 pet. im Betriebe des Staates 90.68 Prozent, im Eigenthum fäcftscher Privat gesellschaften noch nicht 2 Prozent, im Eigenthum nichtfäch ficher Gesellschaften ca. 9 Prozent. Nicht weniger erfreulich, als diefe so außerordentlich weite Verzweigung des sächftichen Eisenbahn. neges über das ganze Land bis hinauf in die enafte Thäler und selbst auf die nur irgend dafür zugänglichen Höhe Streit ausgefochten. Price flegte nach 11 Runden, in benen er den Prahler Kelly windelweich schlug, und gewann den von der Sportswelt ausgefesten Preis von 1000 Dollars. Beim Ausbruch des Bürgerkrieges trat Price in die Armee ein und machte verschiedene Schlachten unter dem Oberbefehl des General Joc Hoofer mit. Die blutigen Schlachten scheinen feinen Thatendurft und seine Kampfesluft endlich gesättigt zu haben, denn nach Beendigung des Krieges warf er allen Jugendübermuth auf die Seite und wandte sich ernsten Ar beiten au. Er widmete fich fortan dem Rechtsstudium unter dem hon. William Seward und wurde nach mehreren Jahren zur Bald darauf Anwalts- Praris in Washington zugelaffen. ftebelte er nach New York über und eröffnete dort in Gemein schaft mit dem Colonel Sweat fein Anwalts- Bureau. Das Glüd begünftigte ihn auf das Beste. Er wurde einer der ge fuchteften dvolaten und erwarb fich bald ein bedeutendes Ver mögen, daß er in den verschiedensten Unternehmungen ange legt bat. So ift er Mitbefizer eines Theaters in Williamsburg, einer Vorstadt von New- Dort, ist Theilhaber eines großartigen Leibftalles und vieler anderen Geschäfte. Außerdem hat er sich auch als Schauspieldichter und Novellift hervor gethan. Sein Wert über die Kunst des Fauft und Ring lampfes" gilt als das Meisterwerk dieses Zweiges der Wiffen schaft," Als Anwalt hat er erft lesthin in dem berühmten Mordprozeß des Texaners Holland, der den Falschgeld Schwindler Tom Davis überliftet und über den Haufen ge schoffen, viel von fich reden gemacht. Seiner glänzenden Ver theidigung hatte der Mörder" es zum Theil zu danken, daß er freigesprochen wurde. " Abenteuer eines Bicycliften. Aus Konstantinopel, 19. ds., wird der Frantf. Stg." geschrieben: Der bekannte Velocipedist Stevens, der einer Wette aufolge mit seinem Bebitel die Reise um die Welt machen will und vor einigen Monaten von hier aufgebrochen war, um über Kleinaften, Berflen, Turkestan und Afghanistan nach Indien zu gelangen, ist vor ein paar Tagen mit einem Messageriedampfer hierher zurüdgelehrt. Die Afghanen scheinen ihn für einen Spion oder dergleichen gehalten zu haben, und nahmen ihn faktisch bei Fureab, zwischen Herat und Kandahar, gefangen. Nachdem er neunzehn Tage von ihnen feftgehalten war, gestatteten fte ihm, fich wieder dahin zu begeben, von wo er gefommen war. Bet Der Rückkehr verweigerten than aber die Ruffen den Durchgang burch Turkestan, so daß er sich endlich wieder in Batum nach dem Goldenen Horn einschiffte. Herr Stevens hat seinen Plan Deshalb nicht aufgegeben, sondern gedenkt jest über Suez und Rurrascht Indien zu erreichen. Sie", Von der Tournüre. Herr Fr. ift ein junger, etwas über müthiger Bantbeamter; Fräulein Klara V., eine hübsche, junge Rigenserin, die am 27. Mai, bei einem Be'uche der Bolls beluftigungen auf dem Marsfelde bei Petersburg, mit einer mächtigen Tournüre ausftaffirt, alsbald die Augen des aben. teuerluftigen Fr. auf fich 30g. Weniger erröthend, desto mehr aber anzügliche Bemerkungen machend, verfolgte ,, E" und plöslich- so bekundete jest die unglückliche Tournüre Inhaberin vor Gericht seit Fr. hinzugefprungen und habe fich rittlings auf ihre Tournüre gefeßt, worüber das herum. flebende Bublifum in ein unbändiges Lachen ausgebrochen. Sie bitte denn auch ein hohes Gericht um Verhängung des höchften Strafmaßes gegen den schrecklichen Uebelthäter. Fr. mußte das Fattum, daß er wirklich auf der Tournüre Bl genommen, zugeben, behauptete jedoch, es sei das aus Ber fehen geschehen. Fräulein. trug eine so toloffale Tournüre erklärte er daß es absolut unmöglich war, hinter ihr einberzugeben. Bwei Mal so groß, Herr Richter, als ihre jegige! Ich ging hinter ihr, stolperte zufällig auf die Tournure und fegte mich allerdings darauf hin, aber wahrhaftig im Ver sehen!" Da die Beugen die Klage beftätigten, so verurtheilte der Richter den Angeklagten zu sehn Tagen Arrest. Versteigerte Inseln. Auf dem Londoner Auktionsmarkt wurden vor einigen Tagen awet norwegische Inseln versteigert. Es waren die beiden Inseln Loppen und Kalven, unweit Trom foe im Norden von Norwegen, die als werthvolle Jagd und Fischereigründe geschildert wurden. Loppen hat einen Umfang von etwa 8 englischen Meilen, und die kleinere Insel Kalven Don 3 Meilen. Das daselbst anfäffige Fischereivöllchen beschäf tigt fich mit dem Stockfischfang. Die Leute trodnen den Fisch in äußerst primitiver Weise und senden davon große Quan titäten nach Frankreich und Italien. Als besonderes Retzmittel für Käufer wurde von dem Auktionator hervorgehoben, daß auf den Inseln eine Leberthranfabrik nugbringend erichtet werden Tönnte. Nach geringer Ronkurrenz wurden die Inseln für 1000 Litr. augeschlagen. Ueberfall auf einer Eisenbahnstation. Auf der Station Jastebnit bei Trencsin wurde in der Nacht zum 25. v. Mts., wie dem Wiener Frdbl." berichtet wird, burch ver Der Helbete Männer ein rauberischer Ueberfall ausgeführt. Stationsbeamte Bedoyi wurde durch acht Mefferstiche lebens. gefährlich verlegt. Mit den geraubten Schlüffeln wurde die Raffe zu öffnen versucht. Der Stationspader wurde ebenfalls verlegt. Die Räuber ergriffen die Flucht, als ein Bug in die Station einfuhr, und es gelang ihnen, zu entlommen. Begreifticher Wunsch. Ein Kandidat für ein Abgeord netenmandat bestieg in einer Wählerversammlung die Tribüne und begann: Meine Herren!" Aber alle folgenden Worte blieben bei dem schwachen Drgan des Redners unverständlich. Blöglich rief ein Bubörer mit Stentorftimme: Das wundert mich gar nicht, daß ein Mann mit so schwacher Stimme die meinige haben möchte!" Unter dem schauenden Gelächter der Versammlung verließ der Kandidat die Rednerbübne. Der Erfindungsgeift der Yantee's ist wirklich bewun dernswerth. Bindet da ein Biebermann, der an den roman tifchen Ufern des Codorus in Pennsylvanien wohnt, seinen Gänsen und Enten furze Angelschnüre mit halen und Wurm an die Beine und jagt fte dann ins Waffer. Die Fische beißen an und zerren an der Schnur, worauf das Federvieb erschroden ans Ufer eilt, am Bein hinten einen Fisch. Das Uebrige bes sorgt der Farmer. Kleine Mittheilungen. Breslau, 25. Juni. Die Bresl. 3tg." meldet: Heute Abend verbreitete fich in der Stadt das Gerücht, es habe ein Buchdruckerei Wertführer einen& brburschen erschlagen. Wir haben über den Vorfall genaue Erkundigungen eingezogen und folgendes als thatsächlich ermittelt: In der Harasgaffe Nc. 2 gelegenen Jungfer'schen Druderet ist seit Kurzem zum Betriebe Der Maschinen ein Gasmotor aufgestellt worden. Die Leitung dieser neuen Einrichtung wurde dem fich als„ Buchdruderel Maschiniften" bezeichnenden Buchdrucker Edmund. über tragen. Derselbe war zu diesem Swede aus Leipzig, woselbst seine Frau mit einem Rinde gegenwärtig noch verweilt, nach Breslau gekommen. Einer der Arbeitsburschen, der 13 Jahre alte Sohn des in der Friedrichstraße Nr. 18 wohnhaften Schuh machermeisters S., Namens Georg, hatte dem Maschiniften aus ziemlich geringfügiger Ursache ergernig gegeben. In Folge beffen stellte. fura vor 7 Uhr Abends den Burschen aur Rede, hierbei verfeste er ihm eine ziemlich starte Dhrfeige. Der Knabe schien durch die Dhrfeige teinerlei Berlegungen ers litten zu haben, doch schon nach wenigen Minuten fant er plöglich lautlos zur Erde. Wie der schnell herbeigerufene Dr. med. Steinis feftftellte, bat Georg K. höchstwahrscheinlich durch den Schlag eine Gehirnverlegung erlitten und ist bei dem Niederfallen bereits eine Leiche gewesen. Herr Polizei fommiffarius von Rädern ließ die Leiche nach dem im Klofter der barmherzigen Brüder b findlichen gerichtsärztlichen Settions Total schaffen. Der Maschinenführer. wurde wegen Verdachts der vorfäßlichen Körperverlegung mit tödtlichem Erfolge sofort in Haft genommen. Thorn, 28. Juni. Der am Sonnabend vom Schwur gericht wegen Meineides sur vier Sabren Buchthaus verurtheilte Kaufmann Jidor Abraham, ein 60 Jahre alter Mann, bat heute im Gefängnisse versucht, fich das Leben zu nehmen, inbem er eine Salbe verichlang. Es foll feine Hoffnung vor handen sein, ihn am Leben zu erhalten. Hamburg, 29. Juni. Die junge Dame, die wegen der anosymen Briefe verhaftet ist, Fräulein Juliane B., hat jest endlich ein unumwundenes Geständniß abgelegt, indem sie zugegeben, etwa 40 Familien und einzelnen Bersonen Kränze, Blumen, Briefe, des frivolsten Inbaltes 2c. zugesendet zu baben. Troßdem wird fich die Untersuchung noch weiter in Die Länge stehen, da verschiedene Umstände immer noch neue Bernehmungen erforderlich machen. Die anfänglich vermuthete Geistesstörung der Verhafteten hat fich nach ärztlichem Urtheile als irrthümliche Annabme herausgeftellt. Fürstenwalde, 30. Juni. Wie der Voff. Btg." ge schrieben wird, steht seit beute Mittag die Hartwig'iche Woll. spinnerei in Flammen. Mehrere Arbeiter sollen im Feuer umgelommen sein. Freifing, 28. Juni. Ein biefiaer Arzt theilt mit, daß in zwei Tagen( 24. und 25. Juni) 5 Vergiftungen in drei ver schiedenen Familien durch Schwämme in seine Behandlung ge tommen seien. Die Schwämme waren dieselben, welche in an beren Jahren ohne Nachtheil genoffen wurden. Es scheint also, daß die naßtalte Witterung der vergangenen Wochen in diesen Schwämmen ein besonderes Gift erzeugt hat. Die Er fcheinungen waren Uebellett, Kopfweb, Eingenommenheit des Kopfes, Berluft des Bewußtseins, Budungen durch die Blieder, träge Reaktion der Pupillen, große Schwäche und Verlangfamung des Pulses und Delirten. Eltville( Rheingau), 27. Juni. Als heute Morgen die Entelin des Herrn Bl., Beamter am hiesigen Eisenbahnbureau, ibre beiden Großeltern vergebens erwartete, ließ fte gegen 10 Uhr deren Bimmer erbrechen; beide alten Leute wurden eischoffen im Bette aufgefunden. Die Frau war tobi, während der Mann noch einige Lebenszeichen von fich giebt, doch obne Befinnung ist. Bei beiden geht die auß einem neuen Revolver herrührende Schußwunde in die Stirn und es scheint, als ob Herr Bl. zuerst seine Frau und dann sich erschossen. Ein nebenliegender Bettel gab an, daß fie beide nach reiflicher Ueberlegung beschlossen, aus dem Leben zu scheiden. Die Kinder des Ehepaares find sämmtlich erwachsen und verforgt. Die Entelin war zum Besuche in Eltville. Die alten Leute lebten in guten Verhältnissen. Literarisches. Bon der Neuen Zeit", Stuttgart. Verlag von J. H. W. Diet, ist soeben das fiebente Heft des 4. Jahrgangs er Schienen. Inhalt: Abhandlungen: Das Mutterrecht. Studie über Entstehung der Familie. IV. Von Paul Lafargue. Barla mentarisches. Bur Wohnungsnoth der arbeitenden Klaffe. I. Bon Heinrich Braun. But Reform des Mittelschulwesens in Deutschland und Frankreich. Ludwig Börne. But Sälular feier seiner Geburt. II. Von Wilhelm Blos. Literarische Rundschau: Julius Lippert, Kulturgeschichte der Menschheit. F. W. 6. Wagener, Die Mängel der chriftlich sozialen Bes wegung. Richard Reuter, Soziale Reform und Verfassungs ftaat. Notizen: Die Gefahren der See. Briefkasten der Redaktion. Nixdorf. Ein Schadensersatzanspruch des Wertführers gegen den Fabrilanten ist nur begründet, wenn dem legteren ein grobes Versehen an dem Unfall aur Laft fällt, wenn er also ohne besondere Anstrengung der Aufmerksamkeit hätte er lennen müssen, daß das Schild im Ganzen nicht abgenommen werden fonnte, ohne den Werkführer der Gefahr der Verun glüdung auszufeßen. Wenden Sie sich an den Magistrat mit Der Bitte um ein Armenatteft, reichen Sie daffelbe beim bie figen Landgericht I mit dem Antrage ein, Ihnen das Armen recht zu bewilligen und einen Anwalt zu bestellen. Dem leg teren Gesuche müssen Sie eine Darstellung des Sachverhaltes beifügen und auch die Beweismittel, die Sie benugen wollen, 3. B. die Namen der Zeugen benennen. A. 8. 66. Wenn Sie mit Ihrem Lieferanten die Liefe rung guter Waare ausgemacht haben, so brauchen Sie schlechte nicht anzunehmen und fönnen Schadenersag verlangen. Die mündliche Abrede, Sie sollten 60 Pf. von je 3 Matt Rabatt erhalten, ift auch neben dem schriftlichen Kontratte giltig und berechtigt Sie, volle 60 Bf. abzuziehen. Gerichtliche Bestrafung brauchen Sie feinesfalls zu befürchten. Verantwortlicher Bedakteur N. Gronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilage. 82 133 P Б 5 1 11 13 I a Б fo 143 434 t f b A fo รูป if VA SOLO 32 32 ER GU#MTURE ACCESS CODEDEŠAS A br fo to 1 b 11 九 b ft ft fo et bi ft Id bi Beilage zum Berliner Volksblatt. Der 13. Die Die tde ne tte ich. ert Nr. 151. Die Der Int an en 111 en en be ute in Bir nd 2 be ng et er bft ch gre b. น ริ ge ur ge. ets er ene ich bet ets Der 13. Sts ort Lit Ite bat in or Det Bt Ju ze, au in ue ete ile e. ier in ers ge an int in St DeB er, 18Die au, gen Den end one Der ob Sin her Die rgt. ute 8. ets ber cla I. ens Lat Ефе Bes 83. cers ren I er ers men un mit Ste en Let tes en, efe chte Die Datt Lund ung ge Die Jahresberichte für die bayerischen Freitag, den 2. Juli 1886. bältnissen der betreffenden Branche befteben, welche geeignet find, Gewerbefrankheiten zu erzeugen, sei es, daß die Ar beitsräume ungefund find, sei es, daß die Ernährung mangel Behausung schlecht Fabrikinspektoren für das Jahr 1885. bat, jei es, baß des Arbeiters I. Allgemeines. Der Bericht des Herrn Engert. ( Schluß.) Intereffant find einige Details in Sachen der Arbeitszeit, Die der Fabrilinspektor mittheilt. So ift in den Torfgräbereten die tägliche Arbeitszeit eine wechselnde, im Frühling und Herbst beträgt fte, abzüglich der Mittagspause, 11, im Hochsommer 12 und 13 Stunden. Hegel mäßige allgemeine Zwischenpausen existiren nicht. Aehnlich ist es in den Steinbrüchen. Nun ist die Arbeit gerade in diesen Betrieben eine äußerst anstrengende und, wenigftens in den Steinbrüchen, auch besonders gefährliche. Die effettive Arbeits. zeit bätten wir. Wie nothwendig aber wäre es, daß Herr Engert, der doch sonst mit sich reden läßt und dem eifiiges Bemühen nicht abgesprochen werden tann, aus seiner Reserve herausginge und uns über die Lohnverhältnisse, über die wirth, fchaftliche Lebenshaltung in den einzelnen Branchen unter richtete! Wie lann man ein gründliches Urtheil über die materielle Lage der Arbeiter fällen, wenn die lohnstatistische Grundlage fehlt? Unerhört find die Mißstände in den Industriezweigen, in welchen vorwiegend ausländische Arbeitskräfte angewendet werden. Der oberbayerische Fabrilinspektor hat bereits in seinen früheren Berichten die verdammenswerthe Ausbeutung der italienischen Kulis gelennzeichnet, welche aus dem Lande der Deangen maffenbaft nach Deutschland importirt werden, weil fte bis zur Naturgrenze des Arbeitstages, weil sie zu den billigften Löhnen arbeiten, weil sie den einheimischen, steuer zahlenden Arbeitern Schmugtonfurrens machen, weil sie die Deutsche Arbeiterbewegung hemmen. Höret, was Engert über die Italiener in den alt bayerischen Ziegeleien erzählt. Dieselben schaffen von 4 oder 5 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends und noch länger. Es giebt durchschnittlich blos eine Mittagspause( von 11 bis 12 Uhr). Diese tägliche Arbeitsdauer von 14 bis 15 Stunden aber reicht nicht aus, um die profitlüfternen Unternehmer zu befriedigen. Weil nämlich bei ungünftiger naffer Witierung die Arbeit öfter ausaefegt werden muß, wird bei monobellen" Nächten schon um 2 Uhr Morgens, nach taum 5ftündiger Ruhe die Arbeit wieder begonnen und mit 2 oder 3 baldflündigen Unterbrechungen bis Anbruch der Nacht fort gefest, Die Arbeitsdauer tann dann einige Tage lang bis zu 17 Stunden betragen."( A. a. D. 5. 8.) Schuß der nationalenfärbeit durch Kulieinfuhr Sozial reform durch fiebenzehnstündigen Magimalarbeitstag, und alles auf dem Wege der freien Vereinbarung!" Charatteristisch ist es, daß in den mit deutschen Arbeitern betriebenen Biegelwerten und Thonwaarenfabriken die tägliche Arbeitszeit nur eine 10-12ftündige ift. Aber durch die italienische Konkurrenz werden allmälig entweder die deutschen Arbeiter außer Brod geworfen, oder, falls fte nach italienischem Muster fich richten, auf die niedrige Kulturstufe threr italienischen Kameraden herabgedrückt. In den Spiegelalasschleifen hat man entrever ununter brochenen Tag und Nachtbetrieb oder 14ftündigen Arbeitstag, in den Walzwerten hat man 12ftündige, in den Kunst. schlossereien und Kaffenfabriken 11stündige Arbeitsschichten. In den meisten Textilfabriken bat man 12ftündige, in Baumwollspinnereien und in zwei Webereien 13stündige Arbeitszeit. In einer mittleren Baumwollweberei wird das Werk aur Sommerszeit schon Morgens 4 Uhr in Gang gefeßt, und den Arbeitern der Butritt geftattet(!). Ueber die Hälfte derselben macht hiervon Gebrauch, um den Verdienst etwas zu er höhen(!)." Wie gütig von diesem mittleren Baumwollweb herrn, feinen Arbeitern die gaftlichen Thore der Fabrit schon so früb zu öffnen! Bwar wären für die abgeraderten, schlecht genährten Menschen zwei Stunden mehr Schlaf( die offizielle Arbeitszeit beginnt um 6 Uhr) febr nöthig, um die Kräfte wieder zu reproduziren. Aber die Bezablung ist so schlecht, daß fte fich diese Erholung zum großen Theil nicht gönnen lönnen, und um zu existiren, d. b. vegetiren, fich desto rascher durch folche Uederarbeit ruiniren. Die Fabrikanten thun überhaupt alles, was sie den Ar beitern an den Augen absehen lönnen. Eine ,, bedeutende Weberet stellt es den Arbeitern frei( wie buman!), über Mittag fortzuarbeiten, was auch vielfach geschicht." Wie erbärmlich gestellt müssen diese Leute sein, wenn fie nicht einmal die Mittagspausen benußen lönnen! Aber man muß zugeben, daß diese Baumwollbarone für die Befreiung der Ar beiter das Menschenmögliche leiften: fte befreien fte von den Mittagspausen, fie stellen fie stellen es ihnen frei, weiter au arbeiten, te treiben die Freiheit der Arbeit auf die Spige Freiheit, die fte meinen, die den Beutel füllt," können die Fabritherren fingen. Die lapitalistische Leporelloliste ist so lang, daß wir nur noch Weniges davon den Lesern mittheilen können. Der Raum würde nicht ausreichen, wollten wir alles bringen. In den Holzstoff, Holzpappen und in den Bellulose fabriken wird Tag und Nacht, auch an Sonn- und Feier tagen, mit Ausnahme der höchsten Feiertage, im Durchschnitt 12 Stunden gearbeitet; regelmäßige Rubepausen giebt es bierbei nicht". Mehnlich ist es in den Bapierfabriken; in einer Schöpfpapierfabril ,, beginnt übrigens die Arbeit nach angeblich uraltem Brauch schon um 3 Uhr Morgens( im Winter um 3 Uhr) und dauert bis 6 Uhe Abends, daher( nach Abzug einer und stündigen Mittagspause) täglich 14 bis 14% Stunden". Wie fie am uralten Brauch" hängen, die Herren Unternehmer, wenn fie dabei profitiren! Die Maschinen sind ficher jüngeren Datums. Sehr optimistisch urtheilt der Herr Fabrikinspektor über den Einfluß der Arbeitszeit auf die Gesundheit und Lei stungsfähigkeit der Arbeiter. Er sagt: Selbft ange ftrengte lange Tagesarbeit scheint im Allgemeinen nicht schäblich zu wirken, wenn nicht gleichzeitig besondere, einzelnen Betrieben oder ganzen Betriebsarten anhaftende schlimme Einflüsse in Betracht tommen." Solche Allgemeinheiten, die nichts und Alles besagen, gehören nicht in einen Fabrilinspeltorenbericht. Wenn Herr Engert fich die Berichte der englischen Fabrikinspektoren und Die Reports der nordamerikanischen Bureaus für Arbeiter ftatiftit, wenn er die Schriften eines Hirt und Merlel über Bewerbebygiene, wenn er die Morbilitäts- und Sterblichkeits. ftatiftit genauer durchsehen würde, dann lönnte er finden, daß lange Arbeitszeit stets von Uebel ist. Schon deshalb, weil Diese besonderen Einflüffe" für unser Lohnproletariat stets vorhanden find. Sei es, daß dieselben in den Arbeitsver " ist Im Großen und Banzen tann man ohne Ueber treibung sagen, daß alle diese eben angeführten Einflüsse zus fammenwirfen, daß die soziale Resultante dieser verschiedenen wirthschaftlichen Komponenten fteis ift: Leiblich geistige Ents artung der Arbeiterflaffe. Und zwar ganz besonders durch die lange Arbeitszeit unter Mitwirkung der anderen genannten Fattoren. Deshalb ist ein Hauptziel der Arbeiterbewegung die gefegliche Berkürzung des Arbeitstages, die ihre Einwirkung auf Lohn, Arbeits-, Lebensverhältnisse haben wird und haben muß. Wenn ein gefeglicher Marimalarbeitstag bestande, wenn die Arbeiter der Tafel und Spiegelglasfabriken, deren Arbeit eine der schwersten und ungefundeften ift", nicht unmäßiger Tag und Nacht hindurch währender Placeret ausgesetzt wer Den, um nachher 20 Stunden Erholungszeit" zu haben, dann würde das unregelmäßige Leben der Arbeiter während der Erholungszeit" aufhören. Gleichmäßigere Bertheilung " der Arbeitszeit, mebr Pausen, Mehreinstellung von Arbeits fräften, das ist die Parole. Und wenn für beffere Fabriketa richtungen, rationelle Ventilation u. f. w. gesorgt würde, dann fiele auch das unmäßige Trinken während der Arbeit" fort. Wer übrigens die Bluthhige in solchen Glasbläsereien kennt, begreift, daß die Leure durftig werden. Die Herren Fabrilanten sollen oft auch unmäßig trinken, ohne Glas zu blafen, aber! Wenn Herr Engert aber von den Fabrilärsten über den bygienischen Theil der Arbeiterfrage die nöthigen Informationen erwartet, so lönnen wir diese Hoffnung nicht theilen. Diese Leute find meistens ganz von den Fabrikanten ab hängig, alio teine unparteiischen Berichterstatter und Kritiker. Den Fabrikinspektoren fleinere Bezirke geben, ihnen unab hängige Aerzte bezw. Medizinalbeamte zur Seite stellen, das würde von Nugen sein. Der Abschnitt: Wirthschaftliche und fittliche Zustände der Arbeiterbevölkerung enthält für unsere 8vede, d. h. zur Be urtheilung der Arbeiterfrage, so gut wie nichts. Diesem Mangel abzuhelfen, dazu bedarf es Entfernung des Bureaukratismus aus dem Fabrilinspektorat, bedarf es einer freteren Luft, als wir augenblicklich haben. ( Fränt. Tagespoft.) Kommunales. Von der projektirten Martthalle im Often Berlins. Die gemischte Deputation für die Auswahl der Markthallen Grundfiüde hat vor längerer Beit eine Subfommission ernannt, welche unter dem Vorfiße des Kämmerers Runge zuerst fich mit der Beschaffung eines Markthallengrundstücs in der hatte, und jetzt ein geeignetes Grundfüd im Stralauer Viertel Luisenstadt, das belanntlich jest gefunden ist, zu beschäftigen melt. Es ergab sich, wie die ,, Nat. Big." schreibt, bet Prüfung ermittelt. Die Sublommission bat fich am Dienstag verfam melt. Es ergab fich, wie die ,, Nat. Big." schreibt, bet Prüfung der zahlreichen eingegangenen Weldungen, daß möglicher Weise ein passendes Grundstüd in der Nähe des Undieas, Blages, auf dem jest ein großer Mattt besteht, gefunden werden lann. In Folge deffen wurde Stadtbaurath Blankenstein ersucht, genaue Pläne mehrerer solcher Grundstüde durch die Plan. Tammer aufstellen zu lassen und die sonst erforderlichen Er mittelungen für eine spätere Sigung einzuleiten. An der Holzplatz in der Holzmarktstraße, die vorzugsweise für Fische Errichtung einer Markthalle auf dem sogenannten Eger'ichen bestimmt sein soll, hielt die Kommiffton feft. " Die neu erbaute städtische Desinfektions- Anstalt in der Reichenbergerstraße foll, wie zunächst in Aussicht genommen worden ist, am 1. Auguft d. J. in Betrieb gesetzt werden. Bugleich hiermit wird, wie die Allg. Medis. Sentral Big." bernimmt, beabsichtigt, die zwangsweise Desinfizirung aller berjenigen beweglichen Gegenstände einzuführen, die in solchen Wohnungen fich befinden, deren Inhaber mit Infektionstrant. heiten behaftet gem fen find. Die Desinfektion erfolgt durch beiße Luft( 117-120 Grad Celfus) und gespannte strömende Wafferdämpfe, welche durch Röhren in die Stäume, in denen Die Desinfektion erfolgt, geleitet werden. Auf dem Zentral- Schlachthof wurden in der vorigen Woche an den brei Hauptschlachttagen, trotzdem wir uns in der Mitte des Sommers befinden, noch immer 3045 Schweine geschlachtet. Es sind das 298 Schweine mehr als im vorigen Jahre. Der bedeutendste Hauptschlachttag ist fortwährend der Donnerstag, der Kleinfte der Dienstag; der Montag tommt dem Donnerstag oft ziemlich nahe. Lokales. Auf dem Gebiete der Hygiene find, wie nicht zu leugnen ist, besonders in Berlin erfreuliche Fortschritte gemacht worden; wieviel indeffen nos zu thun übrig bleibt, dafür hier nur ein fleines Beispiel. Zugleich mit den Jmpftarten, d. h. den gedruckten polizeilichen Aufforderungen an Eltern, Pflege eltern und Vormünder, ihre impfpfl'chtigen Kinder, Pflege. befohlenen oder Mündel impfen zu laffen und über die erfolgte Impfung den Nachweis zu führen, welche Katten zugleich als Einlaßkarten zur unentgeltlichen Impfung dienen, geben den betr. Empfängern gebrudte Verhaltungsmaßregeln für die An gehörigen der Jmpflinge zu, deren§ 1 also lautet: Aus einem Hause, in welchem ansteckende Krankheiten, wie Scharlach, Masern, Diphtheritis, Kroup, Reuchbuften, Fled yphus, rosen attige Entzündungen oder die natürlichen Boden herrschen, dürfen die Japflinge zum allgemeinen Termine nicht gebracht werden." Es ist dis also ein strikter Befehl, welchem fich zu unterwerfen ein Jeder verpflichtet ist. Ein gegebener Befehl ift bekanntlich dann am besten, wenn er feinerlei Zweifel und Untlarbeiten aufkommen läßt. An einer Unflarbeit, die auf jeden Fall hätte vermieden werden müssen, leidet aber der§ 1 der Verhaltungsvorschriften für die Angehörigen der Impf Inge" und zwar bez. des Begriffes herschen". Gemeinbin verbindet man wohl mit dem Begriffe herrschen" die Vor ftellung einer Epidemte", d. b. einer Massenertranfung. Wenn Daber in einem Hause irgend eine Krantbeit berrscht", so ist damit gefaat, daß in dem betr. Hause Massenertranfungen" an einer Kranth it stattgefunden baben. In diesem Falle müßte auf alle Fälle die Sanitäts Kommission oder die sonstige maßgebende Behörde genau informirt und orientirt fein und nicht im Allgemeinen, sondern ganz speziell für jedes infi irte den Haus Befehl erlafen: Aus dem und dem Hause dürfen Jmpflinge zum allgemeinen Jmpftermine nicht gebracht werden, weil c. So aber bleibt es jedem Einzelnen überlassen, au beurtheilen, ob in dem Hause, in dem er seinen Wohnfig bat, eine anfstedende Krant beit berrscht. In Häusern mit geringer Einwohnerzahl mag dies möglich sein, in unseren modernen Miethsfasernen, welche " " III. Jays fich auf 4-5 flödige Vorder, Hinter und Seitengebäude ver tbellen, ist eine solche Beurtheilung nach eigenem Ermessen mit unendlichen Schwierigkeiten verbunden, wenn nicht etne vollständige Unmöglichkeit. In einem Hause tönnen getroft alle oben angeführten Krankheiten vertreten sein, ohne daß ein Einzelner Kenntniß davon befizt. Ahnungslos, tm besten Glauben werden die Jmpflinge aus einem solchen Hause zum allgemeinen Impftermin gebracht und der eigentliche Swed dieser im§ 1 enthaltenen Vorschrift, einer Ansteckung vorzu beugen, dudurch vollständig vereitelt. Es ist hieraus erfichte lich, daß in jedem Hause eine sanitäre Kontrole geübt werden müßte, welche am besten in die Hände des betr. Hauswirths oder dessen Stellvertreters zu legen wäre. Alle Ertrantungen an den oben genannten Krankheiten, welche den Ausschluß von dem allgemeinen Jmpftermine bedingen, müßten an ge nannter Stelle entweder von dem Familienvorftande oder von dem rate, auf Grund deffen Gutachten der Familienvorstand Kenntniß von dem Charakter der Krankheit erhält, gemeldet werden; bier fönnte die Behörde leicht sichere Informationen erhalten über die Gesundheitsverhältnisse der Wohnhäuser und darnach ihre Maßregeln treffen. Ferner heißt es im§ 9 der Verhaltungsmaßregeln für die Angehörigen der Jmpfl nge": Bei jeder erheblichen, nach der Impfung entstehenden Estiantung ist ein Arzt zuzustehen." Hier müßte es wohl richtiger beißen Bei jeder e beblichen, durch die Impfung entstehenden Krank beit ist ein Arzt auzuziehen." Wer nun aber die Verhältn fe der armen Bevölkerung fennt, wer weiß, was es heißt für eine arme Familie, einen Arzt zu holen, wer da weiß, wie häufig dem liesuchenden vor der eventuellen Hilfeleistung oor allem die Frage vorgelegt wird: ,, können Sie auch bezahlen?" oder wie in den meisten Fären sofort nach dem abgestatteten Krantenbesuche von dem Arste Bezahlung verlangt wird, der wird es begreiflich finden, daß diese Vorschrift in sehr vielen Fällen nicht befolgt wird, was wiederum zur Folge hat, daß Die Kinderstertliteit in bedeutendem Maße erhöht wird. Wenn bei dem bestehenden Impfswange die Behörde der armen Beobiferung Gelegenheit aur unentgeltlichen Impfung giebt, so sollte die Behörde der armen Bevölkerung auch Be legenheit geben zur unentgeltlichen Heilung der durch die obli gatorie Jmpfung entstehenden Rantheiten, derselben zum mindesten unentgeltliche ärztliche Behandlung resp. Aufnahme in einem Kranten bause gewähren. Die öffentlichen Kliniten find in diesen Fällen nicht in Betracht zu stehen, da es nicht wohl angängig tft, ein schwer entranftes Rind in eine oft weit entfernte Riinit zu tragen. Angemessen würde es erscheinen, wenn der Jmpfarst, welcher die unentgeltliche Jmpfung polls zogen, auch die unentgeltliche Begandlung der an den Folgen der Impfung erkrankten Rinder übertragen erhielte. Wir glauben in Bo stehendem zeitgemäße Anregungen gegeben au haben, welche wohl einer weiteren Erwägung werth erscheinen dürften. Die Vorarbeiten für die südame ikanische Ausstellung, die für dieses Jahr in Berlin projektirt ist fint bes reits soweit vorgeschritten, daß an dem Zustandelo nmen nicht mehr zu zweifeln ist. Die Ausstellung soll im September ers öffnt werden und wird u. a. befonders Rohprodukte Süd ameritas enthalten. Die Hamburg Südamerikanische Dampfs fchifffahrts gefellschaft" hat die Beförderung der Ausfteuungs objette bis Hamburg foften los übernommen. Von den vers schiedenen hier hauptsächlich in Betracht fommenden Staaten Südamerikas wird Argentinien namentlich Produkte der Land wirthschaft ausstellen; Uruguay wird durch seine Fleischegiralte fabritate vertreten sein; Beru wird eine Ausstellung von dort gische Sammlungen sowie Photographien senden. Am reich gefundenen Alterthümern arrangiren und Chile will ethnolo haltigften wird die braftianische Abtheilung der Ausstellung beschickt sein, die besonders Kaffee und Rugbölzer en halten wird. Der Bentralverein für Handelsgeographie", zu deffen Hauptbeftrebungen die Einführung der Booulte Südamerika's nach Deutschland gehört, beabsichtigt für diese Ausstellung mehrere Koloffalgemälde, die landwirthschaftliche Szenen aus Südamerika darstellen, anfertigen zu laffen. Eine neue Gewerbetrantheit hat Prof. Georg Lewin bei den Berliner Silberat bettern entbedt. Jm legten Herbst hielt sich in der Charitee ein Arbeiter auf, der an seinem Hands teller und an den Fingern eine Reihe blauer Flede zeigte, die nicht verwischbar maren und angeblich schon viele Jahre hins durch bestanden. Die Aerzte in der Charitee hatten delei Fecke bisher noch nicht beobachtet und wusten darum nicht Bescheid. De gelegentliche Erzählung des Patienten aber, daß er früher einmal Silberarbeiter gewesen, gab einen Fingerseig für die Etstehung der Flecke. Es wurde, der Voff. Sta." zufolge, ein minimales Stüdchen Haut aus einem der Fiede chemisch und mikroskopisch untersucht und nach beiden Methoden gelang Der Nachweis von Silber. Es wurde nunmehr bei den hieft gen Silberfabriken Umfrage gebaiten, ob fich dort bei den Arbeitern gleichfalls Flecke der bezeichneten Art an den Händen vorfänden. Die Untersuchung ergab, daß dies bei faft allen der Fall war und insbesondere bei denjenigen Arbeitern, welche es mit der teineren Bearbeitung des Mtalles, wie mit dem Breffen, Biseliren, Graviren au thun haben. Prof. Lewin nimmt an, daß sich die Arbeiter gerade bei den feineren Berichtungen mit ihren Jnftrumenten, z. B. den Sticheln, leicht die Haut verlegen, und daß dann kleine S Ibertheilchen in die Wunce einbringen und in die Haut abgelagert werden. Prof. Lewin nennt die Krankheit ,, lo ale Gewerbeargyrte". Eine ganz neue Art von Versicherung ist vom Mi nifter des Janern einer tiengesellschaft fongeiftonist worden, die ihr Domizil in Frankfurt a. M. genommen hat. Der Bwrd dieser Gesellschaft ift a) Mobilien und Jnmobilen gegen den Schaben zu verfichern, welcher an denselben du ch Ausströmen von Waffer aus der in den Versicherungslokalttäten befindlichen Wafferleitung entstebt; b) die Kontrolitung und event. Instandhaltung der Wasserleitungsöhren und Krahnen in den bet ibr verfchetten Lotalitätes zu übernehmen. Ob die Attiengesellschaft einen derartigen Bufpruch baben wird, daß fte profperit bezw. besteht, muß erst die Bulunft lebren. Der provisorische geschäftsführende Ausschuß für die nationale Ausstellung versammelte sich am Dienstag zu einer Sigung, deren 3ved es war, zu der augenblicklichen Sachlage Stellung zu nehmen. Der Ausschuß faßte, nach der Boff. Btg.", zunächst die Eventualität ins Auze, daß der Bundesrath zu einem ungünstigen Bestluß gelangt, und war einstimmig der Anficht, daß die alten in diesem Falle fofo: t definitio zu schließen selen. Es wurde dann einer längeren E.örterung unterworfen, wie weiter zu verfahren fein würde, wenn die Entscheidung des Bundesraths nach Wunsch aus. flele. Da die 8 iftimmung des Reichstags erforderlich, und da die Seffton def ben toeben geschloffen, fein Wiederaujammen treten aber vor Oftober nicht zu erwarten ist, so entstand die Frage, ob gleichwohl und auf die Gefahr bin, daß der Reichss tag fich schließlich ablehnend verbaite, mit den Vorarbeiten forturabren set. Es wurde hervorgehoben, daß die dafür vor läufig bewilligten Mittel für Alles, was bis dahin geschehen Tönne, völlig ausreichend seien, und daß man dieselben schlimme ften Falls umsonst verwenden würde, abgesehen davon, daß das dadurch gewonnene Material feinesroegs gänzlich ver loren set. Der Ausschuß einigte fich mit Rückfot hierauf zu dem Beschluß, unverweilt die au aunächst erforderlichen Schritte au Thun. Bor Allem soll mit der Konftituirung des definitiven Ausfiellungs Romitees vorgegangen werden, welches aus den hervorragend. sten Industriellen und Finanziers aus ganz Deutschland zu fammenzuseßen ist. Hieran würde fich dann die Einsetzung des Definitiven geschäftsführenden Ausschusses schließen, und es würde so schleunig als möglich eine Konkurrens für die zu er richtenden Baulichkeiten auszuschreiben sein. Außerdem würde es Sache des Zentrallomitees sein, das ganze Reich mit einem Neg von Spezialfomitee's zu überziehen, denen die Aufgabe zufiele, die Beimi telung wischen den zu ihren Kreisen gehören ben Ausstellern und der Oberleitung zu übernehmen. Da ferner die Stadtverordneten Versammlung ibre Bewilligungen an die Bedingung gefnüpft hat, daß ein Garantiefonds von mindestens 3 Millionen Mail geschaffen werde, und da wohl anzunehmen ist, einerseits, daß es teine Schwierigkeit haben werde, ihn auf diese Höhe zu bringen, andererseits, daß auch Das Reich sich damit einverstanden erklären werde, so soll sofort ein Entwurf des Wortlauts der betreffenden Verpflichtungs scheine longipirt und auf seine Rechtsverbindlichkeit geprüft werden, damit die Ausgabe derselben nach der Entscheidung des Bundesroths ohne Bögern erfolgen fann. Die nach den ange gebenen Richtur gen zu treffenden Maßnahmen sollen in einer unmittelbar nach jener Entscheidung zu berufenden weiteren Sigung des Ausschusses feftaeftellt werden. Die Ausweisung des Reichstagsabgeordneten Singer hat den Berliner iyl- Verein für Obdachlose feines langjäpris gen Kurators des Männerasyls beraubt. Der Vorstand trat Deshalb gestern Abend zu einer außerordentlichen Sigung au fammen, um zu berathen, wie Ersatz zu schaffen sei. Es wurde ohne Debatte der einstimmige Beschluß gefaßt, teinen Antrag an den Verwaltungsrath wegen Neubesezung dieses Amtes au ftellen, sondern die hervorragenden Verdienste des Herrn Paul Singer für die dem Männerasyl in mehr denn 10jähriger opferfreudiger Thätigkeit geleifteten Dienste und den sylvers ein im Allgemeinen dadurch anzuerkennen, daß sein Name im Borstand weiter geführt und die Verwaltung des Männer Asyls provisorisch von einem anderen Vorstandsmitgliede ge führt werde. -Der Pirnaische Anzeiger" schreibt: Das namentlich an der Spree in Ebren stehende Kalauer Rapitel ist neuerdings burch mehrere Beiträge aus unserer sächftschen Echweig be reichert worden. Auf dem Wege nach dem Prebischthor," fo erzählte fürzlich ein Berliner Epaßoogel, lungert immer eine Menge Börsenfpetulanten", ich meine Simulanten, herum, bie der eine als blinder Harfner, der andere als Invalide auf Rüden auf die Börse der Reisenden spekuliren. Unser Führer machte uns eben auf die fich durch fich selbst erklärende Thatsache aufme: tsam, daß es nach einem warmen Regen immer viel Regenwürmer" gebe, als ein fahrender Mann mit einem Waldhorn an uns berantrat und Miene machte, fich für ein leines Douzeur au produziren. Die Vordersten warfen ihm rasch ein paar Pfennige in den Hut, damit er schon lieber nicht spiele, aber der mit mir am Ende des Buges schreitende richtige Berliner fagte: Nee, for nischtist nischt. Erst blasen!" Der in der Freiheit drefitte Waldhornift tam schließlich in Verlegenheit und geftand, daß er gar nicht spielen lönne. Na, wozu schleppen Sie sich denn mit dem Horn?" Das is Sie ja nur, um den Herrschaften Schred einzujagen; se geben Dann viel leichter was." Jottvoll!" rief der Berliner, bas is also das Schreckhorn" der fächfisden Schweiz. Und Sie ftellen fich immer nur so, als ob Sie blasen fönnten" Ja, bas is a gang erlaubter Wit von mir, ich bin nämlich aus Blasewin." ihn von jedem Matel rein zu waschen. Trogbem bleibt die Boff. Big." bei ihren erften Angaben stehen, indem fie gestern schreibt: Der Russe erschien bald nachher auf unserer Res baltion und stellte einige nebensächliche Angaben unseres Be richterstatters richtig: Er war noch nicht von Berlin abgereift, sondern steht erst im Begriff es zu thun, er ist auch nicht ver heirathet gewesen, obwohl er felbft früber vorgegeben hat, Familie zu beften. Von diesen Berichtigungen nehmen wir Notis. Alle übrigen und zwar die belastenden Angaben hält unser Gewäorsmann vollständig aufrecht, und zwar unter An gabe des Weges, auf dem die bestrittenen Mittheilungen auf thre Wahrheit hin zu prüfen find. Wir haben diesen Weg be schritten und werden, sobald Klarheit in der Sache geschaffen, auf sie zurüdlommen." Man darf wohl gespannt sein, mit wem man es eigentlich hier zu thun bat. Das Verbot gegen den freifinnigen Berliner Arbeiterverein zur Abhaltung einer Versammlung ist von dem Polizeipräsidenten auf dagegen erhobene Beschwerde nachträglich aufgehoben worden. Ein fachmännisches Urtheil über den gegenwärtigen Stand der Elettrotechnik. Von der Firma Siemens u. Halste ift dem Magiftrat ein ausführliches Erpofé über die Frage der elektrischen Beleuchtung zugegangen. Daffelbe weist nach, daß die elektrische Beleuchtung au einem bestimmten Abschluß ge langt ist, welcher fernere wesentliche Vervollkommnungen aus schließt, so daß der Zeitpunkt eingetreten ist, in welchem fich Die Kommunen schlüffig zu machen haben, ob sie die Einfüb rung des elektrischen Lichts in die Hand nehmen wollen. Die Sache habe jetzt einen so ficheren technischen und finanziellen Boden, daß derartige Anlagen auf eine nachhaltige Rentabili tät rechnen lönnen. Es sei feftgeftellt, daß selbst an dem theil weisen Mißerfolge der städtischen Elektrizitätswerte nur die Mangelhaftigkeit der Dampfmaschinen schuld sei. Die Gasbe leuchtung büße überall an Terrain ein. Große Hallen, Bahn höfe, induftrielle Etablissements, Geschäftsräume sähen wir elektrisch beleuchtet und nirgends babe fte bis jetzt wieder weichen müssen. Auch die hygienische Seite läßt das Expo 6 nicht außer Acht. Das Exposé beleuchtet ebenso eingehend die finanzielle Seite, wie den Stand der Elektrotechnit, welche noch weiterer Vervollkommnung zugänglich set, die aber den Kern der Sache nicht mehr träfen. Wie kommen falsche Nachrichten in die Zeitungen? Die Antwort hierauf bildet ein trauriges Rapitel aus dem Leidensbuche der Redaktionsnöthen. Man nehme an, ein Neporter, ber ab und zu irgend eine zutreffende Meldung ein fchickt, sendet in später Abendstunde eine solche Notia. In schickt, sendet in später Abendstunde eine solche Notiz. In jeder Redaktion fragt man fich: Soll man es melden, oder erst auf die Wahrheit hin prüfen? Jft nun eine solche Prü fung unmöglich, dann fest man fich der Gefahr aus, cine immerhin bedeutsame Nachricht nicht rechtzeitig publisirt zu haben. Man giebt die Nachricht somit unter Vorbehalt. Aber der Vorbehalt der Redaktion schwächt beim Publikum die Nach richt teineswegs ab. Kommt nun das offizielle Dementi und man geht der Sache ernstlich auf den Grund, so stellt sich's vielleicht heraus, daß sich irgend ein Wigling den Scherz" machte, dem Reporter einen Bären aufzubinden. Daß der Ne porter durch einen solchen Schers" um Ansehen und Ver trauenswürdigkeit kommt, das bedenken die Freunde eines folchen recht lindischen Ulls nicht, fie erfezen thm auch den Schaden nicht, den er durch das wachgewordene Mißtrauen erleidet und haben überhaupt tein Gefühl für die Unanftändig. feit eines solchen Treibens. Es giebt eben reine und schmutzige Kanäle unvoll! ommen bleibt alles Menschenwert. " Eine neue weirädrige Droschte eifter Klaffe erregt seit einigen Tagen Auffeben. Sie gleicht jenen englischen Cabs, feit einigen Tagen Aufsehen. Sie gleicht jenen englischen Cabs, bet denen die Bügel über das Wagended hinweggeführt wer den, während der Kutscher seinen Siz in der Höhe des Decks am hinteren Theile des Wagens hat. Die Droschte trägt die Nummer 2001. Der Thiergarten und seine Originale. Man hört und lieft oft Klagen darüber, daß die Originale" in Berlin im Aussterben begriffen seien; der verflachende Bug unserer Belt sei der Entstehung von Sonderlingsnaturen ungünstig. und boch tauchen immer neue Räuze auf, freilich muß man fte aufzusuchen verstehen und wiffen, wo fie am beften gedeihen. Der Berliner Thiergarten, der trop der Unzahl seiner täglichen Besucher dennoch Raum genug zur freien Entfaltung von Absonderlich leiten giebt, ist ein besonders günftiges Objekt zur Beobachtung origineller Individuen, die fich auffällig von dem Durchschnittsbesucher abbeben. Seit einiger Beit wird daselbst ein geradezu prächtiges Exemplar von Sonderling beobachtet, dem ein Berichterstatter den Namen Thiergartenbichter" beigelegt hat. Der Mann dichtet" aus Ueberzeugung, aus beiligftem Drange; er bichtet viel, denn er hat viel freie Stunden; und nicht in seinen vier Wänden quält er fich mit feinen Dichtungen, nein, er folgt der Eingebung der Muse in Gottes freier Natur und schreibt seine Phantaften unter dem grünen Laubbach im Thiergarten nieder. Schäße hat der grünen Laubbach im Thiergarten nieder. Schäße hat der Mann jedenfalls nicht erworben, vielleicht verschmäht er fie. Offenbar ist die Beit feiner Schöpfungen nicht reif. Sein Anzug ist in einem bedenklichen Zustande; fein, mit einem ftruppigen töthlichen Bart umrahmtes Denlerhaupt ist mit einem Hut bedeckt, der in seinen jüngeren Tagen den Kopf eines Elegant geziert haben mag. Der Bleistift, den er zum Niederschreiben seiner Verfe gebraucht, ist mit einem Bindfaden an einem Knopf seiner Wefte befestigt; an einem anderen Bindfaden hängt ein Stückchen Ravirgummi, dem man es anftebt, daß es schon manchen verfehlten, zu Papier gebrachten Gedanken wieder vernichtet hat. So fist er Stunden lang auf einer Bant, in der Hand ein abgerissenes Ottavheftchen und unbekümmert um seine Umgebung vertraut er einen Vers nach dem anderen dem gebuldigen Papiere an. Es ist ein Epos, welches er aur Beit in Arbeit hat. Das Einwohner- Meldeamt, welches gestern das Jubi läum feines 50 jährigen Bestehens feiert, gehört zu denjenigen polizeilichen Inftitutionen, ohne welche Berlin jest ganz un denkbar wäre. Die Blätter, welche in dem daselbst gefübzten Einwohnerregifter liegen, bieten eine frause Mannigfaltigkeit, denn bei der Einordnung der Blätter werden unter Umständen ziemlich gleichlaufende Namen nicht tegttalisch, sondern nach dem Wortllange zusammengelegt, ohne daß auf die kleinen Ab. weichungen in der Schreibweise der ähnlich flingenden Namen Rüdficht genommen wird. Es werden deshalb die Namen wie Meyr, Meter, Mater und Mayer, Aigner und Eigner, Jung und Young, Jork und Vork u. 1. w. als gleiche Namen be trachtet und deren Registerblätter unter demselben Buchstaben aufammengelegt. Nicht aufgenommen werden die nur durch reifenden Fremben, die den fremden Gesandtschaften beige gebenen und die dem stehenden Heere angehörenden Personen, so lange die letteren unverheirathet find und feinen eigenen Hausstand bilden. Das Hauptregister ist mit der Beit zu einem umfaffenden Familienregister geworden, welches allen möglichen Sweden der Polizei und der Staatsverwaltung dienstbar gemacht wird, benn es enthält außer den Wohnungsvermerlen auf den Blättern auch noch allerlei Kennzeichen, welche über etwaige Vorftrafen, gerichtliche oder polizeiliche Berfolgungen, Bivilstandsverhältnisse se. Auskunft geben. In einem repo nitten Regifter" werden die Namen aller derjenigen Personen geführt, welche durch Verheirathung in einen anderen Haus ftand getreten find. Ein Strafregifter" enthält die Verzeich niffe aller gerichtlich beftraften und unter Polizeiaufsicht stehen den Personen unter Bufaß des Tenors der gerichtlichen Ersanftebt, daß es schon manchen verfehlten, au Papier gebrachten lenntniffe. Ein Revierregifter" befteht aus den Abschriften Der Hauptregisterblätter, aber nach den Revieren geordnet, in welchen die Betreffenden wohnen. Ueber den großen Umfang der Geschäfte des Einwohner Meldeamts find erst fürzlich die entsprechenden Mittheilungen gemacht worden. " Ueber die zweckmäßigste Abdeckung der Berliner Bürgersteige handelt ein längeter Artikel der Deutschen Baugewertszeitung". Derselbe spricht fich gegen die Abdeckung mit Asphalt wegen der Undurchlässigkeit desselben gegen at mosphärische Niederschläge aus. Während die mit Granit platten und Mosait befestigten Bürgerfieige lärgft wieder ge trocknet find, ist der mit Aphalt belegte Bürgersteig noch län gere Belt naß und schmutzig. Die Undurchlässigkeit tann beim ueftrömen von Gas in den Robileltungen, sowie beim Springen von Wafferrobien für die Anwohner erhebliche Uebel stände im Gefolge haben. Der Artikel fallegt:„ Nach allem fann wohl behauptet werden, daß der aus Granitplatten und Mofail gemeinfam hergestellte Bürgerfteigbelag für die Ber liner Berhältniffe immer noch der zwedentsprechendste ist, da Die Vorzüge die Mängel bei weitem überwiegen, zumal fich legtere bei guter Ausführung fast durchweg beseitiger und un schädlich machen laffen. Die Platten müffen sauber bearbeitet fein, gleich große Stüde bilden, an den Ranten scharf anein ander schließen, vor allem feft unterstopft werden und überall gleichmäßig aufliegen. Beim Mosait hängt zunächst viel von ber richtigen Auswahl der Gefteinart und der Größe und Ebenheit des Kopfes ab. Ferner ist darauf zu sehen, daß die Steine möglichst eng und dicht verfest werben. Is Material follte man nus gleichartige Steinarten verwenden, welche bie Herstellung einer möglichst ebenen Stopffläche ermöglichen, also Bafalt, Grauwade und hatte Sandsteine, dagegen leine Gra nite, am wenigften aber die mätschen." Ueber jenen Russen, der 9 Jahre lang hier in Berlin Tags über chemische Kollegien besuchte und Nachts fich bei der Straßenreinigung sich beschäftigen ließ, brachten wir vor eini gen Tagen nach der Boff. 8tg." einige recht auffällige Mit theilungen. Nach diesen Mittheilungen entpupple fich der Ruffe als ein Spion und nur die Frage war offen geblieben, in weffen Diensten er eigentlich stand. Der Redakteur des ,,!" nahm fich des Stuffen im Berl. Tagebl." an, und versuchte Dtöhnend erschallen weithin die wuchtigen Schritte Der Maffen; Mächtig schwillet der Strom und immer mächtiger wird er!" Dies lonnten wir in einem günftigen Augenblick von feinem Wert erhaschen. Die Herameter scheinen ihm aber noch nicht so recht geläufig zu sein; langsam und mit höchfter Sorg falt aäblt er die einzelnen Bersfüße ab. Da entbedt er einen Vers, der etwas zu furs gerathen ift. Hergerlich zieht er die Brauen zusammen, greift zum Gummi und dann aum Blei stift und stellt das Ebenmaß her. Um die Mittagszeit nimmt er dann ein neben ihm liegendes, in schwarzes Wachstuch gebülltes Bündelchen unter den Arm, welches feinen steten Begleiter bildet, und verschwindet in der Richtung nach Berlin Nord. Die Blumenräubereien auf unseren Kirchhöfen find gegenwärtig im beften Gange und die ange strengteste Auf mertjamleit des Aufsichtspersonals vermag dagegen nicht viel auszurichten. Die ertappten Blumendiebe find gewöhnlich barmlose Leute, die aus Unüberlegtheit oder auch wohl aus Unachtsamkeit eine Blume abpflücken und diese ruhig in der hand tragend von dem Aufseher betroffen werden, während Hand tragend von dem Auffeber betroffen werden, während bie profeffionirten Spizbuben mit so viel Umsicht und Schlau beit zu Werte geben, daß fie selten oder nie zu ertappen find. So batte vor einigen Tagen die Wittwe eines vor Kurzem verstorbenen Bantbeamten mit ihrem neunjährigen Töchterchen dem Grabe ihres Mannes auf dem Thomaskirchhof einen Be such gemacht; bet biefer Gelegenheit pflückte das Kind von einem fremben Rosenftrauch eine Blüthe ab und wurde am Ausgange deswegen angebalten und auf das Kirchhofßbureau gebracht, wo Frau und Kind ein banges Verhör zu bestehen hatten. Um dieselbe Beit beschäftigten sich an dem äußeren Ende des Kirchhofes ein paar verdächtige Gestalten an den Gräbern und es wurde von anderen Anwesenden bemerkt, wie einer derselben einen Rorb über den Kirchhofszaun hinweg hob und dieser Korb draußen auf dem Felde von einer anderen Berson in Empfang genommen wurde; ebe die 8 ugen dieses Borganges fich über die Bedeutung desselben llar wurden, waren die Uebelthäter längst verschwunden. Es wäre wohi nicht zu viel von unseren Kirchhofsverwaltungen verlangt, wenn für die Zeit der Sommermonate die Anstellung einiger Wächter, namentlich in den ftilleren und wenig besuchteren Theilen der Archböfe gefordert wird, denn gerade in diesen fiilleren und weniger besuchten Theilen find die Diebereien am ärgften, und die hier thätigen Diebe wiffen fich der Kontrole am Ausgange wohl zu entziehen. Ja! schön schläft fich's in einer Scheune, wenn drauf der Stegen leise tlopft; so mag fich's ruhen im Todtenschreine, wenn brauf die Freundeszähre tropft! Die Wahrheit dieser Hefempfundenen Dichterworte- wenigftens in ihrem erften Theile haben am legten Sonntage mehrere Berliner Mechanifer erfahren, die eine Partie nach Fürstenwalde und in die dortige Umgegend unternahmen. Am Abend von einem plög lichen Regen überrascht, suchten fte Schuß unter dem vorfp: in genden Dachrande einer einzeln auf dem Felde stehenden Scheune und entdeclen bei dieser Gelegenheit, daß das Scheus nenihor nur mangelhaft verschloffen war und die eiserne Thors framme nur lose in dem Holz ftedte. Schnell öffnete die aus fechs Personen bestehende Gesellschaft die Scheune und da der Regen andauerte, so beschloß man hier zu übernachten und machte fichs in den wenigen vorhandenen Heu und Strohvor räthen so bequem wie eben möglich. Plöglich aber wurden die Schlafenden durch ein beftiges Hundegebell an dem nur lose angelehnten Scheunenthor gewedt und eine leineswegs freundliche Stimme fragte: Wer tum Düwel is denn bie drin? Jm nächsten Moment flog das Thor auf und der Dorflöter probirte mit Nachdruck seine Zähne an den Beinen eines schnell aufgefprungenen jungen Mannes. Mit einiger Mübe lies fich des Hauses redlicher Hüter von der Ungefährlichkeit seiner Bäste überzeugen, nahm auch verschiedene Gaftgeschenke, Bigarren ac. in Empfang und verband sodann dem Berlegten die nicht uns erhebliche Bißwunde, wobei nach der bekannten Bauernregel, um die Heilung au fördern, von dem Hunde ein Büschel Haare abgeschnitten und auf die Wunde gelegt wurde. Der Regen tropfte zwar noch die ganze Nacht, aber schön geschlafen hat feiner von der Gesellschaft. Freilich muß man, um solchen Genuß richtig zu würdigen, auch Dichter sein. Wer ein reicher Bauherr tft, pflegt man gewöhnlich schon an dem Gerüft zu erkennen, von dem ein Neubau um geben wird. Nimmt man den Riesenbau des neuen Reichstags Palastes am Königsplay in Augenschein, so findet man hier das Vollendeiste, was in Bezug auf Baugerüfte 2c. geschaffen morden. Alles zeigt Gediegenheit und auch eine gewiffe Vornehmheit. Die Gerüfistangen find aus ftarten, ganz neuen Mastbäumen gebildet und die Querballen mit etfernen Schrauben aneinandergefugt. Ringsum das Gerüst in Höhe der ersten Etage läuft eine Barriere, welche ein herunterstürzen der Arbeiter 2c. verhindert. Das Bauterrain wird von Teles legraphendrähten durchzogen und das Baubureau, sowie die Aufseherwohnungen befinden sich in soliden Gebäuden, welche wieder sämmtlich abgerissen werden müssen. Auch eine Erbschaft. Das Haus Friedrichstraße 202 foll wegen Erbtheilung am 17. Auguft zwangsweise versteigert werden. Das Haus hat nicht weniger als 83 Eigenthümer, Darunter einen Arbeiter, einen Schloffer, einen Reftaurateur, einen Feldwebel, einen Bildhauer in Newport, einen Haupts mann, einen Gerichtsaffeffor, einen Apotheken befizer u. s. f. Die Antheile vartiren von 20 bis zu 1/1600, aber es fommen auch 11/1000 und 11/120 Antheile vor. Die Abrechnung muß ein hübsches Stüd Arbeit geben. Es giebt doch zu fomische Leute. In die Sanitäts wache der Wtarfgrafenstraße tam in der vergangenen Nacht ein Mann, welcher bei einer Rauferet zwei nicht unbedeutende Mefferstiche, einen in den Hinterkopf, ben anderen in die rechte Bade, erhalten hatte. Als der Inhaber der Gantiäiswache fich Dabei machte, dem Geftochenen nach Sondirung der Wunden biese zu vernähen, weigerte er fich ganz entschieden, dies zuzus laffen, da er den hierdurch verursachten Schmerz nicht aus balten tönnte". Er bat nur, fich das Blut abwaschen zu dürfen, die Wunden würden schon zubeilen". Da der Mann nicht gewaltsam gezwungen werden kann, so mußte von dem Bunäben der Wunden Abstand genommen werden. Die Untersuchung gegen den Direktor Fischer von der deutschen Kunstgewerbehalle ist nun endlich spruchreif ge worden und wird in den Gerichtsferien eine der beim Land gericht I au bildenden Ferienftraflammern beschäftigen. Die Verhandlung, für welche drei Tage in Ausficht genommen ftab, findes unter dem Vorfiz des Landgerichtsrathes Günhagen flatt. Termin ift auf den 10. bis 12. Auguft angefeßt. Die Wertheidigung des Angeklagten führen die Rechtsanwälte Sello und Dr. Staub. Ere Ein sehr bedeutender Dachstuhlbrand hat gestern Vormittag das erst seit zwei Jahren neu erbaute mächtige Gebäude Kommandantenfiraße 70, Ede Neue S.ünftraße, heim gesucht. Derselbe trat gleich recht fräftig entfaltet in die Ein scheinung, denn als seine Wahrnehmung furz vor 7% Uhr von Baffanten erfolgte, batten die Flammen schon in der Kome mandantenstraße sowie auch in der Grünftraße das Dach durche brochen und beim Eintreffen der ersten Löschzuge lohie über die gesammie Dachkonstruktion bereits ein in sich zusammen hängendes Feuermeer empor Die auf der Hauptfeuerwache in ber Linder firaße mündlich erstattete Melbung erhielt fefort nach dem Ausrüden der ersten Löschbereitschaft eine lebhafte Juustration durch in der Fluchtlinie des Egeraierhofes be meitbaren hellen Flammenschein, weshalb sofort und ohne die Nachmeldung Mittelfeuer" abjuroarten, der für diesen Fall bestimmte größere Löschtrain nachgesandt wurde. Dem mit zwei Dampfsprigen und einer Hanudrudsprige unternoms menen Angriff boten fich recht günftige Momente, in bem sowohl von Der Kommandantenstraße als auch Don der Neuen Grünftraße die Brandstätte auf be quemen Treppen erreicht werden konnte; eine wesentlice Hilfe erhielten die auf diesen Wegen vorbringenden Rolonnen Dadurch, daß ein Schlauch der mit je zwei Schlauchleitungen arbeitenden Dampfsprigen über die große mechanische Leiter hinweg in die Font an der Rommandatenftraße emporgefühit wurbe, von wo besonders ber bobe thurmattige Ausbau, welcher bis zur Spize lichterloh brannte, mit Erfolg bestrichen werden konnte. Nach Verlauf von noch nicht einer balben Stunde war die größte Wuth des Feuers bereits gebrochen und nach einer weiteren halben Stunde daffelbe vollständig gelöscht, so daß es nur noch die Aufräumungs- Arbetten zu vollbringen gab; lettere sogen fich bis gegen Mittag bin. Die Dacwohnungen find vom Brande, abgesehen von gering fügigen Beschädigungen an den Deden, verschont geblieben, bagegen haben dieselben durch Wasserschaden nicht unbeträchte lim gelitten, von welchem auch, wern auch in bedeutend mäßigerem Umfange, die oberste Etage betroffen worden ist. Die Bodenräume, welche ausnahmsweise die bekannten Bretters verschläge nicht enthielten, waren faft leer, ſo daß hauptsächlich nur Immobiliarschaden entstanden ist, welchen die städtische Feuer- Sozietät zu tragen bat. Ein frecher Einbruchsdiebstahl an Betten, welche feit Wochen in einem fünf Tieppen hoch gelegenen Bodenverschlage Des Hauses Raupach fir. 5, aufbewahrt waren, ist am Mit woch oder wie fich vorläufig nicht genau festellen lägt in der Nacht zum Donnerstag, vom 30. Juni zum 1. b. M., zur Ausführung gelangt. Bwar find die gestohlenen refp. ge raubten Werthobjekte, ein sog. Oberbett und diet Kopftiffen, von denen eine mit blaugrauem Drill überzogen war, von verhältnismäßig nur geringem Belang, doch beanspruchen die Art und Umstände des Einbruchsdiebstahls, der vielleicht von soge nannten Hausdieben" begangen wurde, eine besondere Bes in FARDIARACASSOS CX- 5223CRC.SHEINZERA QAZ5323233COME COM CERERE D be БЕ ju ju fo et fa im fel B Бе er na fel in un Ar be b ge pl รบ SDR Ба DO fal jät ge V Ar the en 1, in 配 D D ge uf e, et n X= le To It Is 3 Er It t $ t n 5 e n e 2 t achtung, indem fte alle im Aufbewahren und sorgfältigen Ver schließen von Eigenthumsobjelten auf den Haus- Bodenverfchlägen ziemlich fahrlässigen Leute zu größerer Vorsicht mahnen dürfien. Ein bestimmter Verdacht liegt hinsichtlich der Persön lichkeit des oder der Diebe und Einbrecher nicht vor, boch läßt fich mit stemlicher Sicherheit annehmen, daß es fich dabei um eine oder mehrere, mit den betreffenden Lolalverhältnissen ges nau vertraute Personen gehandelt haben wird. Mehrere Thüren der Bodenverschläge, von denen, beispielsweise einer berselben eine mit Winterkleidungsstüden angefüllte große Rifte enthielt, wurden zum Theil in zwar nicht erbrochenem, doch ersichtlich so verlegtem Bustande vorges funden, der darauf schließen läßt, daß der oder die Tpäter in einzelnen Fällen fich fruchtlos mit gewaltsamen Deffnungs versuchen der Vorhängschlöffer" bemüht haben mußten. Die Haupteingangsihür zu den Speicherräumen( zum Boden"), welche nur mit einem gewöhnlichen, menig Sicherheit garan trenden Schloffe verfeben war, scheint mit einem einfachen Werkzeuge, einem Halen oder Stemmeisen, erbrochen worden zu sein. Sie fand sich am Donnerstag Morgens um 8 Uhr, als eine im Hause wohnende Frau die Bodenräume öffnen und betreten wollte, in weit geöffnetem Zustande vor. Allem Anscheine nach find die gestohlenen bezw. geraubten Betten ver mittelst eines im daneben liegenden Bodenverschlage befindlich gewefenen größeren Sades, der jest gleichfalls vermist wird, fortgeschafft worden. Die Revierpolizei hat bereits an Ort und Stelle den Befund und Sachverhalt auf Grund der Mitthei lungen der geschädigten und anderer Miether des Hauses zu Brotofoll genommen, um hiernach weitere Recherchen anzustellen. Jedermann, der darauf bezügliche Angaben zu machen im Stande sein sollte, die geeignet sein könnten, auf die Spur des oder der Einbrecher und Diebe oder der gestohlenen Sachen zu führen, wird im Interesse der öffentlichen Sicherheit um fo fortige Mittheilung des in Rede Stehenden bei der Revier polizei des betreffenden Bezitts Berlin O, oder beim fönigl. Boitzeipräfidium gebeten. In dem Wenndorfer Graben bei Baumgartenbrüd wurde Dienstag Morgen um 1/6 Uhr von Capusher Arbeitern eine männliche Leiche, welche in gebüdter Stellung in dem Waffer stand, entdeckt, die an's Ufer herangezogen wurde. In dem Leichnam wurde ein Arbeiter, der wenige Tage auf einer Biegelet in Schmergow bet Br. Kreuz gearbeitet und dort durch fein verstörtes Aussehen die Aufmerfiamfeit feiner Umgebung erregt hatte und welcher seit einigen Tagen von da verschwun Den war, vermuthet. Schon auf der Biegelet glaubte man nach dem Verschwinden des Mannes, daß derselbe der Raubmörder Keller gewesen und rief man nun nach Auffindung des Leich. nams von Berlin Kriminalbeamte, sowie Frau Kaifer, welche in dem Hause der Mödernstraße mit den Schiffling'schen Che leuten zusammengewohnt bat und den Mörder genau fennt, weil derfelbe unter den Fenstern ihrer Wohnung häufig die Bierfäffer scheuerte, telegraphisch herbei, welche au am Diens. tag Abend gegen 7 Uhr an Ort und Stelle eintrafen. Bald Darauf traf auch eine Gerichtefommission aus Potsdam ein. Der Leichmann lag mit dem Geficht nach unten und ber hauptete Frau Raifer, daß nach Figur und Kleidung derselbe mit dem Raubmörder Keller identisch set. Als jedoch später der Leichnam umgedreht wurde, verneinte Frau Kaiser die Jdentität und zwar, weil dem Leichnam die Tätovirung auf Den Armer, die Reller bekanntlich bat, sowie einige Bäbne fehlten, während Reller sämmtliche Bäbne befigen foll. Auch Die Haare des Leichnams bat Frau Kaifer als nicht autreffend erachtet. Der Leichnam ist der eines ungefähr 25-26 Jahre alten Mannes und mißt 160 Ctm., mogegen Keller nur 150 Etm. groß sein soll. Die Kleidungsstüde, außer der Weste, wurden von der Gerichtslommi flon mitgenommen. Gemäß den Veröffentlichungen des kaiserlichen Gefundheitsamts find in der Beit vom 13. bis 19. Juni cr. von je 1000 Bewohnern, auf den Jahresdurchschnitt berechnet, als geftorben gemeldet: in Berlin 27,1, in Breslau 36,8, in Königs berg 25,8, in Köln 26,1, in Frankfurt a. M. 148, in Wies baden 14,1, in Hannover 19,0, in Raffel 17.9, in Magdeburg 23,2, in Stettin 26,6, in Altona 17,9, in Straßburg 29,7, in Meg 15,4, in München 28,4, in Nürnberg 34,5, in Augsburg 30,8, in Dresden 22,0, in Leipzig 18,7, in Stuttgart 18,7, in Karlsruhe 23,0, in Braunschweig 22,6, in Hamburg 26,1, in Wien in Budapest 38,1, in Prag 30,8, in Triest Kratau 27,5, in Basel 12,5, in Brüffel 24,1, in Amsterdam 19,0, in Paris 21,4, in London 14,9, in Glasgow 24,5, in Liverpool 18,2, in Dublin 22.9, in Edinburg 20,8, in Kopenhagen 21,1, in Stocholm 20,0, in Chriftiania 18,7, in St. Petersburg 29,2, in Warschau 32,8, in Ddeffa 40,1, in Rom 23,4, in Turin 28,9, in Venedig 46,5, in Butarest, in Alerandiia 51,2. Ferner in der Zeit vom 22. bis 29. Mal cr.: in New York 24,1, in Philadelphia 16,3, in Baltimore 20,0, in San Franzisto in Bombay 24,3, in Raltutta-, in Madras 31,9. - in F Markthallen Bericht von J. Sandmann, städtischem Verkaufsvermittler, Berlin, den 1. Jull. Wild und Geflügel. Die Bufuhr war heute sehr gering, so daß, um den Bedarf zu Deden, höhere Preise bewilligt wurden. Rehe wurden mit 50 bis 8C Bf. per Pfund bezabit. Wildschweine 35 bis 45 Bf., junge Gänse 3-4,50 M. per Stüd, junge Hübner 55-90 Bf., junge Enten 1-1,50 M., Tauben 30-45 Bf. per Stüd, Bou latben 450-7 Dt. Der Bedarf an Wild und Geflügel ist in fortdauernder Steigerung begriffen, die Bufuhr aber eine unregelmäßige, dementsprechend treten fleine Preisswa fungen cin, die aber bei regelmäßiger Lieferung nicht ins Gewicht fallen. Bei Geflügel ist das Sortiren der Qualitäten in be fondere Käfige oder Abtheilungen nöthig, um einen beferen Breis zu erreichen. Gemüse und Dbft bei der großen Zufuhr im Preise weichend. Butter. Die Bufuhr ift bedeutend. Käse größere Nachfrage, im Breise fest. Geräucherte Fische sind fehr Inapp, besonders große Nachfrage um Näucheraal, der im Breise erbeblich geftiegen ist. Polizei Bericht. m 30. v. M. Mittags fiel der Kutscher Starpe am Blanufer von dem von ihm geführten, mit Steinen beladenen Wagen und wurde von demselben überfahren. Er erlitt schwere innere Beilegungen und mußte auf seinen Wunsch nach dem Krankenhause Bethanien gebracht werden. Bu der felben Belt fil der Schlächtermeister Grir in der Bapenftraße in Folge eines Radbruchs vom Bod auf das Straßenpflaster und erlitt eine nicht unbedeutende Verlegung am linten Fuß. Er wurde mittelst Riantenwagen nach ber Charité gebracht. Un demselben Tage Nachmittags wurde ein Mann in den Anlagen an der Ulanen Raserne in Moabit erhängt vorgefunden. - Bu derselben Belt wurde ein Mädchen beim Ueberschreiten des Fahrdammes an der Potsdamer und Stegligerstraßen Ede berfahren. An demfelben Tage Abends wurde ein nicht genügend beaufsichtigtes 2 Jahre altes Rind auf dem Rüftriner play von einem Arbeitswagen überfahren, jedoch anscheinend nur unbedeutend verlegt. Bu berseiben Zeit wurde ein Mann in seiner in der Noftiziraße belegenen Wohnung er bängt aufgefunden. In der Nacht zum 1. b. M. fiel der Rutscher Heider, wahrscheinlich im Schlafe, in der Friedenstraße pom Bod bes von ihm geführten Wiebwagens und wurde über fahren. Er mußte mitteist Droschle nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht werden. - Gerichts- Zeitung. Die auf Mord lautende Anklage gegen den Mufilus Wohlers, welcher befanntlich beschuldigt ist, feinen eigenen fünffährigen Eohn im bumboldhafen ertränft zu haben, lam geftern vor dem Schwurgericht beim biesigen Landgericht I sur Berhandlung. Den Vosis führte Landgerichtsrath Gart, die Antlagebehörde vertritt Staatsanwalt Dr. Stephan, als Ver theidiger stand dem Angeklagten der Rechtsanwalt Wronter bet zur Seite. Der 36 Jahre alte Angellagte Richard Wohlers, welcher bisher noch nicht bestraft ift, ftammt aus Berlin, hat fich schon in früher Jugend zum Mufiler ausgebildet, war fteben Jahre beim Militär und ernährt fich seit 1875 als Privatmufitus. Er unterhielt seit mehreren Jahren mit der in amischen verstorbenen Weichelt ein Verhältniß, aus welchem amet Kinder entsproffen. Das ältere brachte er feiner Mutter unter, während das jüngere anfangs bei einer Frau Saul in der Rheinsbergerstraße ein Unterlommen gefunden batte; im April d. J. nahm der Angeklagte das Kind zu fib und bezog mit demselben eine Schlafftelle bei einem gewiffen Sparmann. Am britten Diter feiertage begab er fich um 3 Uhr Nachmittags mit dem fünf jährigen Knaben, welcher den Namen Johannes trug, nach dem Polizeibureau, obin er wegen seiner mangelhaften Anmeldung bestellt war. Dann machte er mit dem Kleinen einen Spaziers gang und da Sparmann denselben nicht mehr bei fich behalten wollte, suchte er bei einer befreundeten Familie in der Röslinerstraße ein anderweitiges Unterkommen für den Knaben nach, ohne damit zu reufftren. Dann ging er aum Spielplat an der Ede der Müller und Gerichtsfiraße, ließ daselbst den Snaben spielen und suchte selbst eine benachbarte Reftauration auf, wo er ein Glas Bier trant. Von dort aus begab er fich nach dem Gartenplas, wo der Knabe wieder mit anderen Jungen spielte. Da Sparmann dem Angeklagten untersagt hatte, mit dem Knaben die Schlafftelle wieder zu beziehen, so scheute fich Wohlers, vor Eintritt der Dunkelheit sich nach Hause zu begeben, er schlenderte vielmehr die Invaliden ftraße entlang bis zum Hamburger Bahnhof. Hier hat, nach seiner Behauptung, seine große Nothlage ihm den Gedanten aufgedrängt, fich das Leben zu nehmen. Auf die Vorhaltung des Präsidenten, daß für Mufiler doch gerade im April gute Gelegenheit zum Verdienst geboten werde, antwortete der Angeklagte, daß es ihm unmöglich gewesen sei, das zum Unterhalt nothwendige Geld zu erwerben, ja er habe felbft während der Feiertage nichts verdienen fön nen und das Kind habe ihn sehr am Fortlommen gehindert. Den Gedanken zum Selbstmord habe er schon mehrere Tage mit fich herumgetragen und weil er eben in den Feiertagen nichts verdient hatte, sei ihm am Abend des dritten Feiertages der feste Entschluß gekommen, den Plan zur Ausführung zu bringen. Er sei deshalb mit dem Kinde auf die andere Seite des Humboldthafens nach der Seite der Charitee zu gegangen. Vors.: Zwischen 9 und 10 Uhr sah man Sie den Kanal entlang geben. An den Seiten des Kanals ist ein Geländer, so daß man nicht ohne Weiteres ins Wasser fallen oder sprin gen tann. Blöglich war aber der Knabe im Kanal; wie tam er denn dorthin? Angell.: Ich fann darüber nichts sagen, denn ich bin damals ganz von Sinnen gewesen. Vors.: haben Sie den Knaben nicht in das Waffer geworfen?- Angetl.: Nein. Bras.: Was thaten Sie dann, als nun der Knabe im Waffer lag?- Angell.: Ich bin dem Knaben nachgesprungen, um ihn zu retten. Bräs.: Sie verfolgten alio in dem Moment, wo Sie selbst in den Kanal sprangen, nicht den Bwed, fich das Leben zu nehmen, sondern den Knaben zu retten? Angell.: Ja.- Präs.: Ihnen selbst wurde noch rechtzeitig Rettung gebracht und Sie wurden von Schiffern aus dem Waffer gezogen? Sie find dann nochmals ins Wasser aefprungen, wurden wieder herausgezogen, haben fich aber gegen Shre Rettung gefträubt. Endlich wurden Sie in die Charitee gebracht? Angell.: Ja.- Präs.: Die vorliegenden Ums stände deuten aber doch darauf hin, daß der Knabe nicht ins Waffer gefallen, sondern gewaltsam ins Waffer geftürst worden ift, denn die Beschaffenheit des Drtes läßt darauf schließen, daß Der Knabe bei dem Sturze einen größeren Bogen beschrieben baben muß. Angel.: Das weiß ich nicht. Vorf.: Es ist auch auffällig, daß Sie bet Shren polizeilichen Vernehmungen widersprechende Angaben gemacht haben. Buerft baben Sie angegeben, daß Sie aus Versehen in das Waffer gefallen seien, bann erst traten Sie mit der Behauptung hervor, daß Sie die Abficht hatten, fich zu ertränken. Angell.: Ich fann nur sagen, daß ich den Knaben nicht ins Waffer ge worfen habe; das hätte ich gar nicht fertig bekommen. Präs.: Sie haben uns aber noch immer leine Erklärung dafür gegeben, wie der Knabe nun eigentlich ins Waffer gefommen ist. Es tingt doch sehr unwahrscheinlich, daß er hineingefallen, denn es ist ein Geländer am Kanal. Haben ste ben Knaben nicht etwa bei der hand genommen und in's Waffer gezogen?- Angell.: Nein, das habe ich nicht gethan. Präs. Es ist auch auffällig, daß Sie an einem Zaae, wo Sie sich das Leben nehmen wollen, den Knaben mit fich führen und ihn gerade mit an den Drt nehmen, wo fte den Selbst. mord ausführen wollten. Da bätten Sie doch einen Beobachter fortwährend in Shrer nächsten Nähe gehabt.- Angell.: Ich fonnte das Kind nicht zu Hause laffen. Weitere Momente ergab das Inquifitorium nicht. Die gerichtlichen Sachver ständigen, G: h. Rath Dr. Wolff und Sanitätsrath Dr. Long ftimmten darin überein, daß der Knabe im Schlamm des Ka nals erftidt set, denn bei der Obduktion der Leiche wurde im Munde, in den Dhren, in der Luftröhre und sogar in den Lungen Schlamm gefunden. Im Geficht hatte die Leiche eine Verlegung, doch fonnte nicht feftgeftellt werden, ob dieselbe von einem Schlag berrührte, oder davon, daß das Kind etwa beim Sturze mit dem Kopf auf den unten entlang führenden Treibelweg geschlagen ist. Der Beuge Former Betsche hat den Angeflagten mit dem Rinbe an jenem Abende am Ranal gesehen und es fiel ihm auf, weil der Angeklagte um diese Abendzeit ganz langsam hin und her ging. is fich die beiden Personen eine Strede von ihm entfernt hatten, hörte er plöglich einen Rinderschrei und einen Klatsch, als ob Jemand ins Waffer gefallen wäre. Ob nun der Fall ein ge waltsamer oder die Folge eines unglücklichen Bufalls mar, barüber lann der Beuge nichts angeben. Als er näher gefommen war, bemerkte er einen schwarzen Gegenstand auf dem Wasserspiegel und in einiger Entfernung davon den Angellag ten, welcher aber auch plötzlich verschwunden war. Auch die Beobachtungen bes Beugen Herrmann reichen nicht viel weiter. Der Beuge hat einige Schiffer alarmirt und mit deren Hilfe wurde der Angeklagte aus dem Waffer gezogen. Nachdem er eben erft zum Bewußtsein gebracht worden war, stürzte er fich nochmals in bas Waffer, und als man ihn herausholen wollte, widerfeste er fich heftig und bielt den Ropf immer wieder unter Waffer. Der Vorftzende hält dem Angeklagten vor, daß, wenn er den Knaben hätte retten wollen, er fich doch hätte bewegen und sich nicht so rubla hätte verhalten müffen. Der Vertheidiger be ftritt feinerseits, daß es möglich sei, bei dem Scheine der ein zigen in der Nähe fiehenden Laterne die Vorgänge im Waffer sigen in der Nähe fiehenden Laterne die Vorgänge im Waffer fo genau zu beobachten, wie es die Beugen behaupteten. Der Bertheidiger hält diesen Umftand für einen sehr wichtigen, wünscht überhaupt eine genaue örtliche Bezeichnung der Stellen, wo das Kind ins Waffer gekommen, wo der Angetlagte felbft ins Waffer stürzte und erklärte, daß er eventuell in der Lage fein würde, eine Berlagung des Termins und Abhaltung eines Lolaltermind zur Besichtigung des Thatortes und der Be leuchtungsverhältnisse au beantragen. Mehrere Schiffer be ftätigten die Art der Rettung des Angeklagten. Ste hörten plöglich einen Kinderschrei, sahen dann zwet Hüte und einen Duntien Rörper auf dem Waffer schwimmen und reiteten den Angellagten dann in der angegebenen Welse. Derselbe habe fehr start nach Schnaps gerechen, babe auf die Frage, was aus dem Kinde geworden sei, nichts geantwortet, sondern sich sofort wieder ins Waffer gestürzt.- Der Kriminalfommiffarius Sühne deponirt, daß der Angeklagte bei seiner ersten Vernehmung in der Charitee ganz andere Aussagen gemacht habe, als später. Damals hatte er angegeben, daß er mit dem Knaben an jenem Cute gespielt und denselben aus Versehen ins Wasser geftoßen habe! Er selbst habe nicht schwimmen fönnen und habe sich nur ins Waffer geftürzt, damit etwaige Beugen des babe fich nur ins Waffer gestürzt, damit etwaige Beugen des Vorfalls später nicht etwa einen Vorwurf und falsche Schlußfolgerungen darans ziehen sollten, wenn er nicht selbst auch ins Waffer ging. Der Beamte belundete auch noch, daß der Angellagte Aussicht hatte, eine Beschäftigung außerhalb Ber lins zu erhalten und daß ihm dabei die Exiftens des Kindes, welches er nicht unterzubringen wußte, wohl hinderlich war. - Die beiden Frauen, bei denen das Rind untergebracht war. ebenso der Wirth des Angeklagten find darin einig, daß ber felbe ein im Ganzen ruhiger und ordentlicher Mann sei, ber in legter Belt mit Nabrungsforgen zu lämpfen hatte und fich Deshalb wohl zu derselben Beit einige Male betrunken hat. Bu dem Kinde war er stets freundlich und aufmerksam und hat sich um dasselbe immer befümmert. Der Präfident präzis firt ble legten Aussagen des Angeklagten nochmals dahin: Er fet an jenem Abend mit seinem Sohn spazieren gegangen; fein Kopf sei ihm sehr voll gewesen, weil er Nahrung sorgen hatte und nicht wußte, wo er den Jungen unterbringen sollte. Er habe sich allerdings schon mehrmals mit Selbstmordgebanken getragen, doch nicht an jenem Abend. Wie der Knabe ins Waffer gefallen, wisse er nicht zu sagen, er selbst sei ihm in bem dunklen Drange, ihn zu retten, nachgesprungen. Ans Inüpfend an die Bemerfungen eines vernommenen Schuß mannes über die Leuchttraft der qu. Laterne, wiederholt Rechtsanwalt Wronter nochmals feinen Antrag auf ne fegung eines Termines zur Lokalbefichtigung, und da der Staatsanwalt fich diesem Antrage anschließt, feßt der Gerichtshof einen solchen Termin sofort an und vertagt die weitere Verhandlung auf Nachmittag. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung beginnen alsbald die Plaidoyers. Staatsanwalt Dr. Wagner bemerkt: Es sei nicht au verkennen, daß der Angeklagte Mitleid verdiene, daß er strafbar gehandelt sei jedoch nicht zu leugnen. Allein er ( Staatsanwalt) wolle nur auf vorfägliche Tödtung unter Nusschließung des Kriteriums der Ueberlegung plaidiren. Eventuell beantrage er: Das Schuldig wegen fahrlässiger Tödtung auszusprechen. Der Bertheidiger plaiditt für volle Freisprechung, Da die ganze Sache unaufgeflärt sei. Die Geschworenen ers achten den Angeklagten der fahrlässigen Tödtung für schuldig. Der Gerichtshof verurtheilte demnach den Angeklagten, dem Antrage des Staatsanwalts entsprechend zu 1 Jahr Gefängnis. + Ein Rowdy, der schon viele Gefängnißftrafen erlitten und wegen Diebstahls bereits zweimal im Buchthaus gesessen bat, stand in der Person des Arbeiters" Rosengarten geftern vor dem hiesigen Schöffengericht. Er selber nennt fich Ar beiter", es ist aber viel wahrscheinlicher, daß er als Beschüßer gewiffer Damen" fungirt und fich von ihnen ernähren lägt. Der Vorfall, welcher ihn wegen groben Unfugs und Beamten beleidigung auf die Anklagebank geführt hat, trug sich in der fünften Morgenstunde des 10. Mai d. J. am Rosenthaler Thor in der Nähe des Roth'schen Restaurants, einer Nachtkneipe legten Ranges, zu. Dort hatte der Angeklagte geseffen und sich, wie er jagt, orbentlich angeschment". Mit einem Freunde verließ er das Lotal und auf der Straße will er von zwei Baffanten ohne Grund geschimpft und geohrfeigt worden sein. Diese Angaben tragen den Stempel der Erfindung an der Stirn, benn Rosengarten ist schon dem Aeußern nach ein wahrer Riese und muß über toloffale Körperkräfte ver fügen. Er prahlte auch vor Gericht mit seiner Etärke, ohne zu bedenten, daß er fich dadurch felber Lügen firafe. Als ich gefchlagen wurde," erzählt er, schlug ich wieder, und meine Herren vom Gericht, sie würden auch gefchlagen haben, denn ohrfeigen laffen wir uns doch nicht! Nun ging's los dem einen gab ich einen Rippenstoß, daß er in den Rinnftein trudelte, der andere fiel eine Rellertreppe binab." Die Gemishandelten riefen Schußleute herbet und Rosengarten wurde zur nächsten Polizeiwache gebracht. Dort benahm er fich im höchsten Grade ungeberdig, so daß er gefefelt werden mußte. Er prahlt nun weiter: Mit vier Hanfftriden. wollten mich die Herren Beamten Inebeln, aber damit tamen fie doch nicht an. I fagte: Kindertens, damit kommt ihr mir boch nicht und riß die Stride entzwei." Er sagte aber nicht nur bas, sondern er schimpfte in ist wiederzugebender Weise auf die Herren Beamten". Seine gewaltthätige Robbeit tam auch auf dem Gericht zum Borsadein. Auf dem Korridor hatte er Lärm gemacht und mit den Gesichtsdienern Krawall ange fangen; fein ungebührliches Benehmen segte er auch vor den Richtern fort. Er fiel dem Vorfißenden fortwährend ins Wort, überschrie den Staatsanwalt und erreichte, daß ihm aur Beruhigung eine 48stündige Haftstrafe zubittirt wurde. Das Urtheil gegen ihn lautete megen des groben Unfugs auf 3 Wochen Haft und wegen der Beamtenbeleidigung auf einen Monat Gefängniß. Als Rosengarten abgeführt werden follie, um sofort seine Haftstrafe anzutreten, schien er nicht übel Lust zu haben, im Gerichtsraum Widerstand zu leisten. Er wollte abfolut nicht von der Stelle und erft den energischen Bugreifen von vier Gerichtsbienern und Schußleuten gelang es, ibn aus bem Saale zu entfernen. Sein Wuthgebrüll hallte noch ge= raume Zeit im Korridor wider. + Ein leichtsinniger Streich führte einen jungen Mann, den Bureauvorsteher Emil G. ,, vor die Straffammer hiesigen Landgerichts. Seine Beschäftiguna batte ihn dazu gebracht, als Rechtskonsulent noch nebenbei Geld zu verdienen. So be forgte er seit einigen Jahren für den Bierverleger H. die juristischen Arbeiten. Im vorigen Jahre erhielt er von H. einen Wechsel von 60 t.. den er gegen den Schwager des felben eintlagen solte. Die Klage hatte auch Erfolg: der Schuldner eitlärte sich bereit, in Ratenzahlungen allmälig feine Schuld zu begleichen. Nun ist es zweifelhaft, ob G. die bes stimmte Anweifung von b. erhalten bat, die Ratenbeträge fo fort an ihn abzuführen. G. behauptet, daß er erft, wenn alles abgezahlt fei, die volle Summe abzuliefern gehabt habe. Eines Tages fragte ihn nun. beiläufig, ob denn sein Schwager noch gar nichts gezahlt habe, und da meinte denn G., er habe noch feinen Bfennig erhalten. Diese Lüge tug üble Früchte. Eines Tages traf der Bicroetleger zufällig seinen Schwager und dieser gab ihm 20 M. als legten Betrag ber Wechselschuld. Natürlich war h. sehr betroffen; vor wenigen Tagen hatte ihm der Bureauvorsteher erst versichert, daß sein Schwager noch gar nicht ans zahlen bente und hier war von vollständiger Tilgung der Schuld die Rede. H. ließ G. zu fich rufen und verlangte nun dringend, daß er ihm alle Beträge, die er eingezogen habe, fofort ausliefere, und nur so viel zurück behalte, als er für sein Honorar und für die Kostens auslagen zu beanspruchen habe. Jm Gangen hatte so G. ant b. 20 M. zu zahlen. Er zahlte aber nicht und nun brachte . die Sache zur Anzeige. Der Gerichtshof hielt die Untreue für erwiesen und verurtheilte nach dem Antrage des Staats. anroalis ben G. zu 4 Wochen Gefängniß. Die bekannte Privattlagefache des Schriftstellers Simon May gegen den Profeffor der Theologie, Hermann 2. Strad, gelangte gestern in vierter Jnfianz vor der sechsten Straflammer biefigen Landgerichts I zur Verbandlung. Im gegenwärtigen Verfahren handelt es sich ausschließlich noch um die Widers flage des Beklagten gegen den Kläger, da ersterer auf die Klage rechtsträftig freigesprochen worden ist. Die Widerflage, welche Profeffor Etrad lediglich zur Abwehr gegen den wider ihn gerichteten ganz ungerechtfertigten Angriff erhob, stüßte fich auf bie im Antisemitenbund gehaltene Rede des lay und auf deffen Publikation in der Boft". Bet erfterer Gelegenheit war behauptet, daß Strack in Folge seiner Vertheidigung des Judenthums bezüglich des Kolnidreigebetes tein Briefter der chriftlichen Kirche mehr sei und daß er aus Furcht vor der jüdischen Preffe zum Ignoranten des Kolnidreigebetes berabe gefunten set. In dem Inserat in der Poft" war gefagt, daß die Angaben des Sirad und seiner Gewährsmänner ein Gewebe von Berleumbungen set. Das Schöffengericht hatte nur in der legteren Reußerung eine Beleidigung gefunden und daher den " May ju 80 m. verurtheilt. Der von diesem eingelegten Berufung batte fich Strod angeschlossen, und verurtheilte die Be rufungslammer am 21. Januar den Bay auch wegen der aweiten Beleidigung zu zusammen 100 M. Die Publikations befugniß wurde dem Widerkläger im Reichsb." und in der Kreuz Btg." zugesprochen. Gegen dieses Urtheil bat May Revifion eingelegt, und das Rammergericht hob das Berufungs erfenntniß auf, well§ 186 Str. 3.-B. angewendet ſet, obwohl bie Fefiftellung nur aus§ 185 getroffen war. Im heutigen Termin blieb May aus und wurde Abwesenheitsverfahren befchloffen. Profeffor Strad schilderte die schlimmen Folgen, welchen er durch die Klage des May ausgesezt gewesen. Sogar Die Annahme des Justizraths Leffe zu seinem Mandatar fei ihm von seinen Gegnern zum Vorwurf gemacht worden. Er bitte, ibm in den Urtheilsgründen eine volle Ehrenerklärung au verschaffen, damit er den verlorenen Frieden wieder gewinne. Der Gerichtshof entsprach diesem Wunsche, indem er sein früheres Urtheil wieder berftellte und dem Widerlläger die Publikationsbefugniß in der„ Poft" anstatt in der ,, Kreuz Btg." zusprach. nicht lange. Die Mama" ward plöglich unangenehm und ftrengte einen Prozeß gegen ihn an; und Home war nicht allein genöthigt, das Geld, das er durch ungebührliche Beeinfl fung und Trug" erlangt, berauszugeben, sondern auch auf der Beugenbant fich einem Verhöre außjufeßen, welches ihn und das Griftergeschäft so bloßstellte, daß er seitdem von der Bild fläche verschwand. Der Nichter erklärte ihm, daß fein Eystem barer Unfinn sei ,,, wohl geeignet, die Schwachen, Thoren und Abergläubischen zu betrügen und die Anschläge schäbiger Abenteurer zu fördern." Seitdem war Home ein geiftig, förperlich und finanziell denn der Prozeß loftete ihm ein Heidengeld gebrochener Mann; und mit ihm brach das Ansehen des Spiritismus selbst in England zusammen. Kleine Mittheilungen. Wien, 29. Juni.( Aus dem Wiener Gemeinderathe.) Der Gemeinderath Wilhelm Pfister hat, wie wir bereits mit theilten, vor einiger Beit gegen den Gemeinderath Hermann Mayer die gerichtliche Anzeige erstattet, daß derselbe fich eine Majestätsbeleidigung babe zu Schulden lommen laffen, in Vereine und Versammlungen. Folge deffen auch der Beschuldigte verurtheilt ward. Gestern Fachverein der Former und verwandten Berufsgenossen. Der Vorstand macht bekannt, daß die Fragebogen an jedem Sonnabend nach dem Ersten und Fünfzehnten Abends in den Bablstellen: Weinbergsweg 15 b bet Michelsen und Ritterftraße 123 bei Sobite in Empfang zu nehmen find.( Auch für Nichtmitglieder.) Beiträge werden daselbft angenommen von 7-9 Uhr Abends. Allgem. Kranten und Sterbekaffe der Metallarbeiter( E.. 29 Hamburg), Filiale 4. Sonnabend, den 3. Juli, Abends 8% Uhr, Versammlung Andreasfirage 26 bet Maliz. Tagesordnung: Kaffenbericht. Verschiedenes. Der Gauverein Berliner Bildhauer veranstaltet am Sonntag eine Erlurfion nach dem Botanischen Garten. Die Theilnehmer versammeln fich dafelbft Punkt 9 Uhr. * Im Verein der Maschiniften und Heizer_hält am Sonntag, den 4. b. M., Nachmittags 5 Uhr, der Ingenieur Herr Ulrich März einen Vortrag über: Davey's Niederbrud. Dampf. Kleinmotor." Rauchflub Westend" Freitag, Abends 9 Uhr, im Hohenzollerngarten, Stegligerftr. 27. " * Rauchtlub Unitum" jeden Freitag Abend 8 Uhr Adalbertstr. 4. * Berliner Turngenossenschaft( 6. Lehrlings. Abtheilung) jeden Dienstag und Freitag von 8-10 Uhr Abends in der Turnhalle, Behdenickerstr. 17. " Vermischtes. Spiritistisches. London, 27. Juni. Der in Auteuil bei Baris erfolgte Tod des ehemaligen Spiritiftentönigs Daniel Home ruft in der hiesigen Preffe das Andenken an den glänzenden Anfang und fläglichen Sturz dieses merkwürdigen Mannes wath, dessen Laufbahn mit dem Blühen und Ver wellen des Spiritismus selbst zufammenfällt. Er trat ins Dasein als armer Schotte mit dem zweifelhaften Vermächtnisse feiner Mutter, welche ihn angeblich in einem Gefichte am selben Tische mit einem Kaiserlichen, einem Großherzoglichen und einem Engelpaare" erschaut. Das Geficht bewahrhettete fich; er ward der vertraute Freund des Kaisers und der Kaiserin Der Franzosen. Seine beiden Gemahlinnen waren beide Ruffinnen aus vornehmen Familien, die aweite folgte geftern feiner Babre. Die feinste Gesellschaft" öffnete ihm die Thüren in London wie in Paris und anderen Hauptstädten, und wer weiß, welche Stanbederböbungen noch seiner gewartet hätten, wenn nicht im Jahre 1868 ein Prozeß vor dem englischen Kanzleigerichtshofe dazwischen gekommen wäre. Frau Lyon, eine reiche Wittwe, litt an dem Wahn, daß ihr todter Mann erst nach Verlauf son fteben Jahren wiedererscheinen werde. Home leitete Damals in London ein sogenanntes spiritualistisches Athenäum; die Wittwe mit ihrem Gelde und ihrem Wahne paste ihm; er beschloß, fte von beiden Gebrechen zu heilen. Er zog feinen Hausgeist" zu Rathe und dieser brachte der Wittwe aus der überirdischen Welt die Botschaft:„ Ich liebe Daniel( Home), er foll mein Sohn sein, daher auch der Deinige." Die Witwe ließ sich dies nicht zweimal sagen, nahm Daniel Home an Rindesstatt an und übertrug ihm nicht allein fofort 24 000 Ltr., sondern vermachte ihm dazu noch ihr ganzes Vermögen im Werthe von 150 000 ftr., von welchem er im Ganzen ungefähr 60 000 ftr. bezog. Leider dauerte das zärtliche Verhältniß Theater. Freitag, den 2. Juli fand nun eine vom politischen Verein Klein gewerbebund" ein berufene Wählerversammlung ftatt, in welcher gegen Pfifter einstimmig folgende Resolution gefaßt wurde: In Erwägung, daß es nicht der Beruf eines Gemeinderathes sein kann, gegen Motive Anzeigen wegen politischer Delikte bei Behörden zu er Duttbürger aus Rachsucht oder einem anderen verwerflichen ftarten, welche die Eriftens des Angezeigten zu vernichten ge eignet find; in fernerer Erwägung, daß Gemeinderath Pfister burch sein bekanntes Verhalten in der Gerichtsfache des Herrn Hermann Mayer sich des Vertrauens freter Männer und Bürger dieser alten deutschen Stadt untoürdig gemacht bat, be Schließt die Versammlung folgende Resolution: 1. Wilhelm Pfister wird aufgefordert, sein Mandat als Gemeinderath der Stadt Wien, sowie alle feine ihm von der Bürgerschaft dieses Bezirks übertragenen Ehrenftellen so schleunigft als möglich niederzulegen. 2. Der Ausschuß des V. Wiener Gemeinde begirls wird dringend gebeten, beim Gemeinderathe zu bean tragen, daß Wilhelm Pfister auf Grund des Gemeindeftatuts tragen, daß Wilhelm Pfister auf Grund des Gemeindeftatuts aus dem Bezirksausschusse abberufen werde." Wien, 26. Junt. In einem Walde in der Freischlinger Freiheit gegen Bambling fand vor mehreren Tagen, wie das Begirlsgericht in Langenlois hierher mittheilt, eine Hausbefizers todbier einen ziemlich frisch erhaltenen Kopf eines 40 bis 50jährigen Mannes, Die Nasenspite des Kopfes fehlte, ein Theil der Schlundiöhte war noch vorhanden und ragte aus dem Halse, der wie von Füchsen angefreffen schien, hervor. Bwei Männer, welche zufällig hinzulamen, hoben den Kopf auf, fpießten ihn auf einen Stod und entfernten fich. Unweit des Fundortes wurde später ein Tuchfled, welcher der Farbe nach von dem Mantel eines sogenannten Bläser Kroaten herrühren dürfte, gefunden. Das Bezirksgericht in Langenlois hat über diesen Vorfall Erhebungen eingeleitet. " " Peft, 30. Junt. Ueber einen schrecklichen Kindesmord wird dem Beft. Lloyd" aus Moor folgendes berichtet: Bor etwa sehn Tagen tam die 18jährige Marie Seehoffner, welche beim Moorer Spezereihändler Josef Chomat diente, zu ihren Eltern nach Hause. Das Mädchen fah elend aus und konnte fich laum fortbewegen. Auf ihren eigenen Wunsch wurde eine Hebamme geholt und diese konstatirte, daß das Mädchen vor wenigen Stunden ein Kind zur Welt gebracht haben mußte. Die junge Berson gestand dies zu und erklärte, ihr Dienstgeber habe das Rind als Pfand zurüdbehalten. Die Hebamme wartete einige Tage und ging dann zu dem Spezereihändler Chomat. Diefer war über die Fragen der Hebamme nicht wenig erstaunt und wieß der Frau schließlich die Thür. Nun erstattete die Heb amme von dem mysteriösen Falle die Anzeige, worauf eine Untersuchung eingeleitet wurde. Es stellte fich heraus, daß der Vater des von der Marie Seehoffner geborenen Kindes der Sohn des Spezerethändlers, der 18jährige Karl Chomat gemesen. Dieser hatte sein Kind gleich nach dessen Geburt er mordet und mit Hilfe des Mädchens im Garten verscharrt. Man förderte die Kindesleiche zu Tage. Dem Kinde war der Hals mit einem nicht sehr scharfen Inftrument durchschnitten worden. Der Kopf hing nur noch mit einem Stückchen Haut am Rumpfe. Die weitere Untersuchung der Kleinen Leiche er gab, daß das Kind lebend zur Welt gelommen war und daß es auch in hohem Maße lebensfähig gewesen sei. Sowohl der Rindesmörder als seine Geliebte wurden in Haft genommen. Der junge Chomat war im Geschäfte seines Vaters als Gehilfe angestellt." Dec Fadioerein der Pager Berlins veranfialtet am Montag, Sen 12. Juli, eine Belle- Alliance- Theater. Das Baradies, Ge 1986 8. Herrmann. Dend- Theater. Die Waise aus Genf. Bittoria Theater. Amor. Tans Poem von Suigt Mangotti. Landpartie fangspoke in 4 Atten von Leo Trepion und per Kremser nach den Pichelsbergen. Die Listen zur Einzelchnung der Theilnehmer liegen bei folgenden Komiteemitgliedern aus: G. Arndt, Ballisadenftr. 71; G. Kleber, Dranienftr. 171 bei Stod; C. Juhl, Schlesischer Bahnhof 3; C. Walter, Münchebergerstr. 31; A. Hennig, Branseeerftr. 1; M. Röller, Boritgftr. 18; 6. Thielele, Grunewaldftr. 14; in Saöneberg bei W. Rebben, Mariannenftr. 21; O. Gausschild, Planufer 7 bei Rump; L. Braun, Danzigerstr. 1. Versammlung des Vereins Balhalla- Theater. Capricciofa. Kroll's Theater. Hennchen von Tharau. Kaufmann's Variete. Große Spezialitäten Borstellung. Baffage 1 Tr. 9 M.- 10. Kaiser- Panorama. In dieser Woche: Reise durch Berner Oberland. zur Wahrung der Interessen Amerita. Californien. Mond. Sertha- Retse. Carolinen- Inseln. Eine Reise 20 Bfg. Kinder nur 10 Pfg. Schweizer Garten. der Klavierarbeiter Sonnabend, den 3. Juli, Mbends 8 Uhr, in Bratweil's Bierhallen, Kommandanten Straße 77/79( untere Säle). Am Friedrichshain u. Haltestelle der Ningbahn. genbeiten.- NB. Billets zum Sommerfest Täglich: Gr. Concert u. Vorstellung 2. D.: 1. Vortrag des Herrn Dr. Benkendorf über das Findlings- Wesen. 2. Vereinsangele werden in dieser Versammlung ausgegeben. Der Vorstand. 23 Auftreten der neu engagirten Specialitäten, der engl. Gymnaftiter Leglere, der Duettisten Geschw. Haufen, des humoristischen Romiker Trios Jonas, der Grosch und Gläser, des Instrumental- Romilers Hrn. Jachtau, des Tenoristen Hrn. Alberti, soste des Baritonisten Hrn. Michaelts. Zimmerleute! [ 17 General- Versammlung Central- Kranken- u. Untertühungskaffe der Deutschen Bimmerer Sonntag, den 4. Juli, Vormittags 9 Uhr, Rottbuserstraße 4a. 2.D.: 1. Bwed und Biel der Kaffe. Refe rent: Herr Mta a t, Dranienftr. 166. 2. Ber Im Felsensaal: Tanzkränzchen, fchiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenom [ 1842 men. Sämmtliche Bimmerleute haben als Bäfte Abbs.: gr. Illumination u. elektrische Beleuchtung. Butritt. J. A.: E. Schaefer, Stromstr. 29. Theater- Vorstellung. Boltsbeluftigungen aller Art. Wieder vorräthig! Die Sozialdemokratie vor dem Deutschen Reichstage Romplet eft 1-5. Bu einer Beft, 30. Juni.( Selbstmob auf den Schienen.) Bor bem Wärterhause Nr. 6, räcft der Station Maglod, auf der Strede der ungarischen Staatsbahn warf fich am 25. ds. die 26jährige Vilma bajnos aus Natos Csaba vor die Lolomotive eines daher brausenden Buges. Die unglückliche Frauentperson wurde, da der Führer den Bug nicht mehr zum Stehen bringen fonnte, überfahren. Der Hermfien wurden beide Beine abge fahren; auch zermalmte ihr der Asdentaften der Maschine den Unterleib. Noch lebend wurde die Selbstaö derin nach Maglob gebracht. Ste tonnte noch angeben, daß fie die That aus Lebensüberdruß begangen, und gab dann den Geift auf. Auf der Strede zwischen den Stationen Motrin und Villany wurde gestern ein anscheinend dem Arbeiterftande anget öriger Mann von einer dabe: brausenden Lolomstive förmlich gern almt. Man vermuthet, der Arbeiter babe fich in selbstmörderischer Abficht auf die Schienen gelegt. Modena, 26. Junt. Die deutsche Thierbändigerin Karoline Sonntag wurde am vergangenen Sonntag bei einer Produktion mit einem toloffalen afrikanischen Löven von diesem mit den Branten an der Bruft gepackt, zu Boden geworfen und gräßlich verwundet. Eine große dänische Dogge, welche die Thterbändigerin in den Käfig begleitet hatte, versuchte vers gebens ihre Herrin gegen die wilde Bestie u vertheidigen. Schlt ßlich gelang es mittelst einer Lange den Löwen von seinem Opfer loszumachen. London, 28. Juni. Das Schagamt hat der tgl. Gesell schaft Geidmittel bewilligt, um eine Expedition zur Beobach tung der am 29. Auguft ftatifindenden totalen Sonnen flafter nig zu entsenden. Die Sonnen finsterniß ist in Greenwich nicht fichtbar. Die Expedition wird fi an Bord eines Boftdampfers am 29. Jult nach Barbados einschiffen, dort einen Tag weilen und von da an Bord eines britischen Kriegsschiffes nach der Insel Grenada befördert werden, wo aur wittjamen Beobach tung der Finsterniß mehrere Stationen errichtet werden sollen. Die Expedition wird im September in England zurüc erwartet. Lette Nachrichten. Die Wahlen in England werden beute ihren Anfang nehmen; am Sonnabend wird sich dann bereits einigermaßen erfennen laffen, wie die Ausfioten für oder gegen Gladstone chefter, Liverpool, Leeds, Aberdeen, Salford und Barto find ftehen. Die am Sonnabend wählenden Städte Bristol, Man bedeutend genug, um dem Beobachter aus dem Ergebniß ihrer Wahlen weitergebende Schlüffe zu gestatten. Was die nicht angefochtenen Wahlfige betrifft, so berechnet P. M. G.", daß Großbritannien 63, Jrland 55 solcher Size aufweift, deren ,, In baber" auf Gladstone's Seite stehen, während die Gegner des felben in Großbritannien über 144, in Jrland über 15 verfügen. Von den 144 Sigen find 43 in den Händen unionistischer Liberaler, 101 in denen der Ronservativen. In dieser Kategorie von Parlamer ismitgliedern bä ten demnach die Gegner Gladftone's einen Vorsprung von 41 Stimmen. Die österreichische Regierung hat den Bolllrieg mit Rumenien in volftem Umfange aufgenommen. Zu den bisherigen Verordnungen auf diesem Gebiete gesellt stb jest eine neue, welche die Einführung rumenischer Prove niengen nach Desterreich auch auf Ümmegen zu verhindern bestimmt ist und die Beibringung von Ursprungszeugnissen vorschreibt. Verboten auf Grund des Sozialistengesetes wurde der Fach verein der Metallarbeiter für Leipzig und Umgegend und zwar auf Grund§ 1 in Berbindung § 6 bis Sozialistengeseges. Briefkasten der Redaktion. H. D. Wiesenstr. 1. Die betreffenden Versonen find mit den von Ihnen genannten identis. 2. Die Definition ( Begriffsbestimmung) ist die Verneinung gewiffer Eigen schaften." E. P. Pantstr. Das ist uns nicht bekannt. 6. 27. Jhre beiden Anfragen sind mit Nein zu de antworten. R. M. 100. Der Sat: Aus den Eiern entschlüpften junge Hübner" ist grammatisch richtig. G. N. Grüner Weg. 1. Sie find nicht verpflichtet, vorcheliche Schulden Ihrer Frau zu bezahlen. 2. Die Abmachung Don Ratenzahlungen ist, solange die Raten pünktlich innegebalten werden, für den Lieferanten bindend; er tann also nicht das Ganze auf einmal verlangen. Herrenpartie [ 18 Die Expedition, Zimmerstr. 44, fordert alle Inserenten von der Maler Berlins am Sonntag, den 4. b. M., Sammelplat liche Annoncen an die Erpe= Vereinsnachrichten auf, sämmt= von 7-9 Uhr Morgens bei Jaresti in Smargendorf, ladet alle Stollegen dition zu Sollegen dition zu senden, den Betrag freundlichst zur Betheiligung ein Auguft Schatowett, Maler, Ritterstr. 115. entweder gleich beizufügen oder Ich nehme biermit die Hrn. Paul Dölle am die Inserate mit dem Vereins3. April u. 3. Juni cr. zugef. Beleid. zurück und erkläre bens. für einen Ehrenmann. G. Fabian. stempel und der deutlichen Angabe der Adresse Desjenigen Thlt. Drantenstraße 4 II, I zn versehen, bei dem die Be träge einzukaffiren sind. Für 10 Thlr. ein g. Vians( Eiſen), 11.40 Soeben erschien Nr. 30 des PP Wahren Jakob". Bu bestehen durch die Expedition, Simmers traße 44. Selbstunterricht [ 2038 in der einfachen und doppelten faufmännischen [ 800 Buchführung und Darstellung eines neuen abgekürzten Sytems zur doppelten Buch methode von C. Schmidt, Lehrer der Handelswissenschaft. Preis 1 M. 50 Pf. 1. Bu beziehen d. d. Exped. d.„ Berliner Volksblatt", Berlin, Zimmerftraße 44. Frol. Schlafft.f.Hrn. Brandenburgftr. 11, Hof 4Tr. pünktlichen Berliner Volksblatt" Fachverein der Puter. Sur antillen Lieferung des [ 2003 Sonntag, den 4. Juli, Bormittags 11 Uhr, im Bereinslotal, Inselstr. 10: Mitglieder- Versammlung. sowie sämmtlicher in Berlin erscheinenden Tag: 30 bnung: Raffenbericht. Vereins. 8eitungen empfiehlt fic Bu beziehen durch die Expedition des Ber- angelegenheiten. Ausgabe der Billets zur Land. liner Volksblatt", Berlin SW., Bimmer partie.- Um zahlreiches Erscheinen ersucht # raße 44. [ 1037 20] Der Vorstand. Die Buchdruckerei von MAX BADING BERLIN SW., Beuth- Str. 2 empfiehlt sich zur Anfertigung von Druckarbeiten jeder Art bei prompter und billiger Bedienung. Kosten- Ansehläge und Papierproben gratis und franco. Am 21. Juni tit bei dem Feste der Klempner frankenlaffe ein Ueberzieher im Saal vertauscht worden. Näheres Admiralstr. 13 II b Zieg.[ 19 Korbm.- Gef. a. Scheen- Ard. v.Schwedterstr. 36. Der unentgeltliche ArbeitsNachweis der Klavierarbeiter M. Kirsch, befindet sich Skalizerstr. 18 Admiralstr. 28. bei Stramm. Berantwortlicher Redakteur St Cronheim in Berlin. Drud und Verlag von Mar Bading in Berlin SW. Beuthstraße 2. [ 1750