Ztr. ISS. Sonnabend» den 3. I«H 1886. III. Jahrg. ((iiiurlMliiil. Lrgan für die Interessen der Arbeiter. Im Zkitolter der Streiks. Daß wir in einem Zeitalter der Streiks leben, ist gar keine Frage. Die ArbeitSeinstellnngen häufen sich und wir werden im Laufe dieses Sommers sich noch manchen Lohn- kämpf zwisch»n Unternehmer und Arbütcr abspielen sehen. Unseren Philistern ist das ein Greuel. Der liberale Phi« lister konnie seiner Zeit nicht genug die Freifinnigkeit und Opferbereitschaft seiner parlamentarischen Vertteter rühmen, die sich entschlossen, in die Gewerbeordnung den bekannten Paragraphen aufzunehmen, durch welchen auch den Arbeitern gestatte» wurde, behuf» Erzielung besserer ArbeitSdedingun« gen Vereinigungen zu bilden. Heute freuen sich dieselben Philister, daß jener Paragraph durch da» Sozialistengesetz völlig illusorisch gemacht worden ist. Unsere Stillung gegenüber den Streiks haben wir schon zu häufig dargelegt, al« daß dies heute noch einmal eingehend nothwendig wäre. Aber es ist schwer, ein festsitzende« Vor- urtheil wieder zu beseitigen. So besteht bei dem biederen Bürgerthum einmal die Meinung, die Streiks feien lediglich eine Muche» schuft der deutschen Arbeiterpartei, die doch als politische Partei auftritt. Unser liberales und zünftlerischeS Vürgerthum hat im Allgemeinen wenig gelernt und wenig vergessen; daher giebt et unter demselben auch Leute, welche der Meinung find, die Arbeiterparrei habe gar kein anderes Ziel, al« da«, da« Loo« der Arbeiter durch Arbeitsein- pellungen zu verbessern. Man bezeichnet die Streiks einfach als die Wirkungen„sozialistischer Agitation". Nun, die Arbeiterpartei hat als politische Partei mit den Streiks gar nichts zu thun. Da man egen die Arbeiterpartei immer so gerne auSlän- ische Vorfälle vermerrhet, so wollen wir auch einmal da« Ausland in den Kreis unserer Betrachtungen ziehen. Die klassischen Länder der EtreitS sind ohne Zweifel England und Nordamerika. Zn beiden Ländern find die größten Streik« von V reinigungen in Szene gesetzt worden, die weder einen sozialistischen noch einen polinschen Charakter überhaupt an sich trugen. Wir erinnern an die bekannte Verbindung der„Ritter der Arbeit" in den Vereinigten Staaten. Zn England'gab e« einmal eine Zeit, da die Arbeitseinstellung mit der politischen Agitation verquickt war. Es war die« zur Zeit der Chartistenbewe- ung, die in England lange Zeit hindurch hohe Wogen hlug und da« Land in mächtige Auftegung versetzte, aber die Streikbewegung der Chartisten trug einen ganz anderen Charakter, al« die von heute. Al« den Chartisten da« all- gemeine Wahlrecht, da« sie forderten, abgeschlagen worden war, beschlossen sie, von ihren Gegnern durch eine allgemeine Arbeitseinstellung die Gemährung de« allgemeinen Wahlrechts zu erzwingen. Selbstverständlich konnten JeuMston. Rr4tn>4« rMra.] M«e Mutter. Roman von Friedrich«erft»«e». (Fortsetzung.) Rebe fand er allerdings, aber bei ihm selber auch nicht die geringste Unterstützung in der Angelegenheit. Rebe blieb dabei, daß die Persönlichkeit, von welcher der Angriff stamme, so tief unter ihm stehe, daß er gar nicht» in der Welt mit ihm anfangen könne, und wa« da« beträfe, gegen ihn zu agiren, so würde er sich dadurch mit diesem Sirohwisch genau auf eine Stufe stellen, daran sei also gar nicht zu denken, Die einzige Waffe, welche er in Händen habe, sei die, dem Publikum durch seine Darstellung zu beweisen, daß jener gelogen habe; weiter könne er nicht», werter werde er nichts thun. Zeremia» such# ihn darauf aufmerksam zu machen, daß er sein Forikommen an hiesiger Bühne sichern wolle, und Rebe behaupieie, das wäre nur dadurch möglich, daß er alle Chanzen liefe. Ab«, sich jetzt und für eine Vorstellung einen Erfolg sicher« und damit alle übrigen noch in Frage gestellt lassen, käme ihm ungefähr ebenso vor, al« ob Jemand über einen mächtigen Strom schwimmen wolle und zuerst in einem Teich versuche, ob er sich eine so lange Zeit über Waffer halten könne, bei dem Versuch aber Blasen unter die Arme binde. Er täusche Niemanden damit al« sich selber, und müffe dann später dafür büßen. E« war mit dem Menschen nicht« anzufangen, denn er blieb hartnäckig dabei, daß er ehrenvoll siegen oder lieber ferne Stellung aufgeben und anderswo beginnen wolle; denn nur dadurch könne er sich siine Selbstachtung und die Achtung anderer ehrenwerthen Leute bewahren. Jeremias mußte ihm ja wohl im Herzen Recht geben. E« war ganz hübsch und ehrlich gehandelt, aber dumm, stockdumm, wenn«r da« auch nicht gerade au«lp:ach, und in voller Verzweiflung lief er endlich hinüber zu Direktor Rrüger, um von diesem vielleicht eine andere Anficht zu sie damit nicht durchdringen, denn e< stellten eben nur die Anhänger der Chartisten die Arbeit ein. Der allgemeine Streik, der von den Anhängern des Raffen Bakunin wieder al« da« einzig wiiksame Kampfmittel hingestellt worden ist, gilt beute überall al« ein Phantom. Aber nach dem Ver« fall der Chartistendewegung eniwickelte sich in England da« Sireikwesen erst recht. E« kamen die durchaus unpolitischen Gewerkvereine in Aufschwung, die dem Streikwesen eine bis dahin unbekannte Ausdehnung gaben. Man sieht, die Streik« find von Vereinigungen, die mit Politik nicht« zu thun haben, am meisten gepflegt worden. Nur bei un« will man da« Gegentheil behaupten und ist sogar in„höheren Regionen" davon überzeugt, wie der bekannte Erlaß de« Herrn von Puttkamer beweist. Die Arbeitseinstellung ist eine so alte Erscheinung, daß man glauben sollte, e» könnte eigentlich Niemanden ein- fallen, dieselbe mit politischen Angelegenheiten in Verbindung zu bringen. Da« Alterthum weist eine Menge von Arbeitseinstellungen auf; wir erinnern an den großen Streik der Waffenarbeiter unter Kaiser Aurelian, bei dem e« zu einem bluiigen Straß-nkampfe kam. Zm Mittel- alter und in der Neuzeit zieht sich die Arbeit«- einfiellung wie ein rother Faden durch da« soziale, gewerbliche und ökonomische Leben. Man denke an den bekannten langwierigen und zähen Streck der Schuh- knechte von Augsburg vor vielen hundert Jahren; waren damals auch„sozialistische Agitatoren" thätig, die nach der Meinung unserer Staatsmänner die Etteik» au« dem Boden stampfen k Sozialismus und Arbeitseinstellung find Dinge, die in ar keinem Zusammenhange stehen. Aber, sagt man, die "ozialisten ziehen Vortheil au« den Streck«. Da« möge man doch erst einmal de« Näheren begründen. Worin sollen diese Vortheile bestehen? Die Arbeiter, die sich ganz auf« Streiken verlegen, zeigen für die politischen Angelegen- Herten gewöhnlich wenig Jntereffe, und das ist doch für die Arbeiterpartei keineswegs ein Vortheil. Die Arbeitseinstellungen sind kein Produkt einer Partei- agitation, sondern entstehen, sobald die Konjunkturen des ArbeitSmarkte« dem Arbeiter ungünstig sind. Da» sollte doch nicht so schwer zu begreifen sein. Aber während die Emen die« zu begreifen nicht im Stande find, wollen e« die Andern absichtlich nicht begreifen. Da» ist für Niemand gut._ Politische Ueberstcht. Die Folge« der Ausweisung de« Herr« Abgeord- «eteu Singer demthrilt die„Franks. Ztg." in einem längeren Artikel folgendermaßen:„Diese Maßregel muß dak Odium des Auinahmeiustande« auch in Kreise tragen, die bisher wenig hören. Da« Mittagessen bei Pfeffer'» hatte er lange ver- geffen und versäumt. Hier fand er seinen Mann. Krüger, dem selber daran lag, daß sich Rebe am hiesigen Theater behaupten möge— denn wo fand er solchen ersten L'ebhaber gleich für die Gage wieder, mit der ex sicher die erste Zeit mit Rebe ab- schließen konnte—. gab Jeremias in Allem Recht und war so vollkommen in jeder Hinsicht seiner Meinung, daß ein Gespräch fast ganz unmöglich wurde. Der Direktor»heilte dem kleinen, lebendigen Fremden auch ganz auftichtig seine eigenen Ansichten über den Rezensenten mit; weshalb sollte er sich auch gcniren? Strohwisch kostete ihm überhaupt jährlich viel Geld, und Jeremias begriff zuletzt nur da« nicht, wie man sich noch mit einem solchen Menschen abgebe« und in persönlichem Verkehr mit ihm flehen konnte. „Lieber Gott," sagte der Direktor,„was will ich da- gegen thun? Soll ich mir mein ganze« Theater fort- während schlecht machen lassen? Da« Publikum bekämt doch zuletzt, wenn e« da» alle und alle Tage hörte und lä'e, einen Widerwillen dagegen und ginge mir schließlich gar nicht mehr hinein; deshalb zahle ich ihm da« Blutgeld und stopfe ihm da« Maul." „Also mann ist Fitco?" „Nächsten Mittwoch; wenn Sie etwa« tbun könnten — aber um Gottes willen, ohne daß e« Rebe erführe, denn er würde die ganze Geschichte verderben—, so wäre es mir sehr angenehm, und auf meine Unterstützung dürfen Sie rechnen." „Aber in welcher Art?" „Ich will Ihnen sagen, wa» ich fürchte," erwiderte Krüger.„Ich iürchte,", Strohwisch wird Anstalten get, offen haben, Herrn Rebe da« nächste Mal auspfeifen zu lassen; er hat mir genau daffelbe schon einmal gemacht." „Aber da» Publikum wird sich da» nicht gefallen lasse«." „Lieber Gott, alle Menschen erfreuen sich zuweilen an einem Skandal," sagte Krüger,„und wenn nur drei oder vier w derartigen Arbeiten geschickte L-ute vorrheilhaft im Parterre plazirt sind, so finden sie überall ein paar nicht»- davon berübrt worden find, denn Singer's gemeinnützige und industrielle Thä igkeit ließ in bü-ge>lichen Kreisen seine Zuge« bö igkeit zur Sozialdemokratie in den Hintergrund treten, Männer aller Pa-leien schätzen in ihm den ehrenfesten Bürger, den uneigennützigen, selbstlosen Mann, den unermüdlichen Förderer all-r humanen Bestrebungen, den fried- und ordnungsliebenden Kaufmann und«S wird in der Bürgerschaft wohl Niemand sein, der die Frage, ob derBuferthali dieses Mannes die öffentliche Ordnung und Sicherheit der Retchihauptstadt gefährden könne, ehrlicher Weise mit Ja»u beantworten wagen wird.— U?d ist die Maßregel prakliich? Man kann sich eine« Lächeln« kaum erwehren, wenn man dedenkt, daß dem Aui- gewiesenen da» ReichslagSmandat gerade in de i-nigen Zeit deS Jahre«, in der das öffentliche L-den rege ist. den Auf» enthalt in Berlin gestaltet und gegen jegliche Vkxation der Pol'zei schützt. Herr Singer wird— und darin lieg« ein gewisser Humor— gezwungen, sich im Sommer auSwärtS au'zu- halten, im Winter dezieht er fein alteS Heim in Berlin trotz Belagerungszustand und Ausweisung. Die Berliner aber haben sowohl für den Ernst wie für dm Humor einer Sache stet« volle« Veiständniß gezeigt und eS ist un« keinen Augenblick zweifelhaft, daß sie dasselbe auch in diesem Falle wieder de« währen werden. Wie? das wird Herrn v. Puttkamer der Tag der nächsten Re'chStagiwahl in einer Z ffer der Wahl» stimm n deS 4. WadlkreiseS der Hauptstadt zeigen, die Ben Satz auS der letzten R'ichstagSrede de« Ausgewiesenen:„ES kann Niemand besser für un« arbeiten, alS Herr v. Puttkamer selbst", in einer tür alle Welt, also auch für die R-.gterung, üderzeugendm Weise illuftnren wird." Sozialpolitische Reformen. Die liberale„Saale- Z stung" wirft einen Ruckolick auf die verflossene Reichstag» iesfion und betont die gänzliche Unfruchtdarkeil derselben an sozialvolttischen Resormen.„Man kann tifelde zwar", so fährt da« Blatt lort, „in soweit bestreiten, alt daS UnfalloerstcherungSgesetz erweitert und insbesondere auf die sorst- und landwirthtchafckichen Arbeiter ausgedehnt ist, eine Reform, welche wir durchaus nicht unterschätzen wollm. Aber dieselbe«ar einerseits doch nur eine Konsequenz au» dem schon vor zwei Jahren beschlossenen Unsallgeletze und sie berührt andererseits nicht die schon in heftiger Entzündurg befindlichen Theile d:S sozialen Körper«. Für den intustriellen Arbeiter hat die ReichStagSsesston nichts gebracht al« die Verlängerung deS Sozialistengesetzes. Also nur ein didenklicheS und beträchtliche« MinuS, wenn man anders die allmälige Beiuhigung der arbeitenden«lassen al» ein Ziel betrachtet, daS aui'S Innigste zu wünschen ist. Die Verantwortlichkeit für diesen Fehlschlag trifft wiederum nicht dm Reichstag, sondern die Reichsregierung. Alle Parteien de« Reichstag« ohne jede Ausnahme haben fich um eine Fortbildung der im Deutschen Reiche noch allzu weit zurückgedliedmm Fabrikgesetzgebung bemüht, und wenn unter den gestellten For- derungm, insbesondere in dem sozialdemokratischen Arbeiter« schutzaesetze, sich auch noch manche? und selbst vieles Unei süllbare befand, so enthieltm ste doch auch gar manchen Keim, der bei einigem Entgegenkommen der Regierung wohl zu einer gedeihlichen Frucht hätte entwickelt werden können. Aber die» Entgegenkommen fehlte ganz und gar. Ja der de» nutzige Jungen, die ihnen helfen. Sie glauben gar nicht, wie da» Pfeifen ansteckt." „Hurrjeh," sagte Jeremias,„vielleicht käme er selber hinein: wenn ich nur dann in der Nähe wäre!" „Er selber würde sich wahrscheinlich ruhig verhalten, aber da» Ganze dirigiren." „Na, warten Sie'mal, dagegen ließe fich doch am Ende nach'was thun. Apropos, haben Sie Polizei im Theater?" „Auf die dürfen Sie nicht rechnen�" sagte der Di» rektor;„allerdings stehen ein paar Mann im Vor» faal aber bei derartigen Gelegenheiten verhalten sie fich rem passiv." „Sehr schön," sagte Jeremias,„weiter verlange ich nicht», und nun empfehle ich mich besten« l" „Sie find fremd hier in der Stadt, Herr Stelz» Hammer?" „Fremd allerding«; aber'ich glaube, ich weiß Jeman- den, der mich unterstützen kann." „Darf ich fragen, wen?" „Ihren Thealerdiener Peter»." „Da find Sie rn vortrefflichen Händen," lachte Krüger vergnügt;„aber lassen Sie ihn um Gottes willen nicht ahnen, daß ich von der Sache etwa» weißl" „Haben Sie keine Sorge— Brite, bemühen Sie sich nicht, ich fiade schon meinen Weg I Und während der Di» rektor oben in seinem Zimmer, fich vergnügt die Hände rei- Bend, auf und ab ging, stieg Jeremias langsam die Treppe hinunter. Direktor Krüger wobnte zwei Treppen hoch, und zede Etage bestand au« zwei Abtheilungen Stufen, die in dem alten Hause ziemlich steil aufwärts führten, aber durch Seiten» ftnster hckl erleuchtet wurden. Jeremia« war eben den ersten Absatz hinabgestiegen, al« ein Herr dicht unter ihm die Treppe heraufkam und zu ihm auftah. Der Fremde, welcher etwa einen Kopf größer al« unser kleiner Freund sein mochte, stand noch drei oder vier Stufen unter ihm. al» er den Kopf zu ihm empordrehte und Jeremia« plötzlich halten blieb. „Hurrjeh I" rief er au«, indem er sich so klein machte, wff«nd«n Kommisfion, welche in sehr anetkennentwertber Weis» monatelang angestrengt arbeitete, um wenigster S betreffs der F drtkaufstchr, sowie der Air der« und Fi auenm beit ein greifbares Ergebnis>u e-reichm, nahmen die Komm ssaie drS BundeSrathei eine ltihl ablehnende Haltung ein. Namentlich in Folge deffen verschleppten fich die Verh.ndlungen ungemein und al« nun doch noch ein äußerst zahmer, nur auf Sie Ver- meh ung der Fabrtltnspettoren und die Vertleirerung'hier Au'fichtSbezirle abzielender Beschluß an daS Plenum g« langte, wwde er von demselben angenommen, aber bald darauf vom BundeSiath abgelehnt. Aus welchen Gründen, ist unbekannt und auch auf dem Wege der Vermwhung kaum zu entdecken. Denn die Fadrikaufficht ist eine reichtgesetzHche Einiichtung und da fit nach jedem Jahresbericht der betriffenden Beamten nur erst sehr unvollkommen eingerichtet ist, so kann schlechter dtngS nicht abgesehen werden, woS die verbündeten Re- gierungen veranlaßt hat, den sachlich so dmchaüS de- gründeten Beschluß der Volksvertretung abzulehnen. Diese Unfruchtbarkeit der ReichStagssesfion an sozialreformatorischen Ergebniffen ist nun aber um so bedauerl'cher, als fie mit einer starken polizeilichen Eieschränkung der»tbfst«' drwegung zusammentrifft. Die Etreikerlaffe vom 11. April und 11. Mai d. I. find scharf angewandt worden, zunächst in der Hauptstadt, dann aber— weniastenS der erstere— an vielen anderen Orten des Reichs. Dazu kommen die Ver- Handlungen in dem Prozeffe Jb'ing Mahlow, welche zwar noch dem Urih-il deS Berliner Ell öff-ngericd.S diisen vtelderufenen Geheimpolizisten alS dal Ovter einer V'rlcumdung hingestellt, aber doch in jedem Falle Einblicke in die polizeiliche lieber wachuna der ArbeUerbewegung geliefert haben, die vom fiit- liehen Standpunkte aui keineswegs erfreulich genannt werden können. Die Aulweisung de» Kaufmanns Paul Singer aus Berlin, die eben g- meldet wird, wiid auch in sehr weiten Ar- beiterk. eisen bösel Blut machen; Singer ist ein sehr»influß reicher, aber zugleich ein sehr maßvoller Führer der sozialdemo« krotischen Parlet und hat fich in Berlin durch gemeinnütziges Wirken die persönliche Achtung auch solcher Berölkerungl- schichten erworben, die der sozialdemokratischen Agitation in schroffer Abwehr gegenüberstchen. Ein äußerst unerfreulicher Zug in dieser Ausweisung ist die drnunziatorische, selbst vor groben Unwahrheiten nicht zurückschreckende Wuth, mit welcher die„Chrtftlich'Soziale Korrespondenz" deS Herrn Stöcker uns die„kreuzzcitung" dieselbe verlangt haben. Steht man dieses Anhäufen sozialpolitischen Zündstoffs Hand in Hand gehen mit dem gänzlichen Stocken der sozialreformatoriichen Gesetz gebung, dann kann man fich schwerer Besorgniffe nicht er- wehren. Bei Erlaß de» Sozialistengesetzes erklärte die Regie« rung selbst, die mechanische Unterdrückung müffe mehr schaden all nützen, wenn nicht gleickzeiria die gerechten Beschwerden des ArdeiterstandeS auf dem Wege organischer Gesetzgebung beseitigt werden; unS will scheinen, daß diese richtige Erkennt. niß augenblicklich gar sehr verdunkelt ist."— So schreibt ein gemäßigt liberales Blatt! Die Wirkung der vorjährigen Zollerhöhnnge« wird in den neuesten Handelskammer berichten fast üveretnitim- mend folgendermaßen geschildert: Die Erwartung der Zoll« erhöhungen delebt den d, treffenden Geschäftszweig; man im- portirt große Quantitäten derjenigen Artikel, betreffs deren man die Einführung höherer Zölle erwartet;— die Preise steigen. Darauf tritt der Zoll ein. Der inländische Markt ist durch die großen spekulativen Jmportationen überfüllt; der Absatz stockt, die Preise finken und der Importeur, der schließ- lich die Waare nicht mehr halten kann oder will, schlägt die- selbe endlich zu Preisen loS, die ihm trotz der Zollerhöhung keinen rechten Gewiin bringen. AuS dieser naturgemäßen UebeigangSentwickelung sucht man bekanntlich hier und da den Schluß zu ziehen, der Zoll vertheune die Waare nicht. Der Schluß ist selbstverständlich falsch. In dem Uedergangtstadium wird nur die volle Wirkung doS Zolle» durch die abnorme Konkurrenz der betreffenden, noch zu billigeren Sätzen ringe- führten ausländischen Waaren zeitweilig paralystrt. Spater tritt die preiSsteiaende Wirkung bei all jenen Waaren. bei denen der inländische Konsum nicht zum Vollen vom Jnlande gedeckt werden kann, unfehlbar ein, d. h. daS inländische Preis- Niveau erhöht fich gegenüber dem Weltmarktpreis um die Differenz der inländischen Zollsätze, wie daS». Ä. bei den Gr- treidepreisen schon seit geraumer Z'it ganz klar ,u Tage tntt. Natürlich kann auS anderen Uriachen der W-ltwarkipreiS gleichzeitig finken. vielleicht so U»f. daß dieser Preis sammt dem höheren Zoll zusammen noch nicht den Preis vor der Zollerhöhung erreicht. Da aber jeder Preis nur eine relative Bedeutung bat, so kann eS bei der Würdigung der Wirkungen von Schutzzöllen auch immer nur darauf ankommen, wie hat fich in Folge der Zollerböhungen der Preis im Jnlande im Verhaltniß zu dem Preise d«S Weltmarkt» verschoben. Zum Prozeß Berudt- Christense« schreibt die„Franks. Zeitung":„Klar ist jetzt schon Eines und darauf legen wir mehr Gewicht, al» auf eine Kritik de» schöffengerichtlichen Uc- theil»: die Gefahr für die öffentliche Moral, die daS Spionirsystem in politischer Richtung mit fich bringt. Wir daß er seine« Kopf ziemlich in eine Richtung mit dem die Tr ppe Heraufkommenden brachte und beide Hände dabei auf die Knie« stützte.„Habe ich nicht da» Vergnügen, de» Herr« Doktor Strohwisch vor mir zu sehen?" „Das ist allerdings mein Name," sagt« der Herr..Und mit wem Hab' ich die Ehre?" „Na, seh'« Sie einmal an," rief Jeremias, ohne die Frage zu beantworte«,.und so hüMch allein unter vier Augen l Da erlaube« Sie mir vielleicht, Ihne« gleich zu sogen, mein lieber Herr Strohwisch, daß Sie ei« ganz miserabler, erbärmlicher Dintenkleckjer und Schubbrjack find!" „Sie alberner Esel I" rief der Doktor, der gar vrcht gleich wußte, über wa« er am meisten erstauae« sollte, über die höfliche Anrede oder über die kleine, geduckte, tomische Gestalt, die vor ihm kauerte und die er deshalb auch, was persönliche Kraft anbetraf, bedeutend unterschätzte.„Wa» unterstehen Ei« sich? Fort, oder ich werfe Sie die Treppe hinab I" .So?" sagte Jeremias, de, nur auf eine solche Ein« ladung gewartet zu haben schien, drückte fich mit der Linken seineu Hut fest und hatte aber auch im vöchste« Moment schon den Doktor beim Krage«, der fich wie ei» Kind in seinem Griffe wand. „Herr, lasse« Sie mich loS I" schrie er. „Treppe hinuvter— so?" rief Jeremias..Wunder- volle Idee- Kopf weg unten!' Und ehe der„Doktor" nur eine« Hilferuf autstoßen könnt«, hatte er ihn herumgedreht, und wie ein Pfeil schoß er die Trepp: hmüö. Jeremias' Blut war aber fitzt aufgeregt. Alberner E>rl hatte er ihn genannt— wa« vorangegange«, zählte nicht — und die Rezension geschtiebe«, und da unten kullerte er auf der Treppe herum. Unglücklich für ihn trug Doktor Strohwisch auch ein spanische« Rohr in der Hand, und J-remia« wußte eigentlich später gar nicht mehr recht, wie es gekommen war; ehe er fich aber auf etwas besann, war er die Stufen hinab unten bei seinem Schlachtopfer, hatte ihm der Stock au» der Hand gerissen und zerwalkt« ihn da- bei«ach Herzenslust. haben vor nicht langer Zeit daS Urtheil mitgetheilt, daS Herr v. Bismarck al» BundeitagSgesandter in Frankfurt am Main über dieses Lyliem gefällt hat, dasselbe ist geradezu verrichtend gewesen und bleibt e» für alle Ziiten. ES ist ein Fehlgrfi, da» kiimiralisttsche Drtektivwesen auf die Thätigkrst politischer Port'im auszudehnen; eine geschehene strafbare That auf- spü en und aufdecken und eine mögliche verhinrer?, ist »weieliei. Im ersten Fall hat der Beamte einm gemessenen klaren Austrag, er soll für eine desttmmie Handlung den oder die Thäter ermitteln; im anderen Falle soll er auf die Spuren fich etwa vorbereitender Handlungen kommen und hier kann ihn übermäßiger Eifer oder mangelhatteS Geschick leicht dazu verleiten, dergleichen Dinge selbst zu fingiren, um diejenigen, die man derselben fähig hält, auf die Probe zu stellen. Damit wird dann aber au» dem Deteftiv ein axovt provocateur, der urtcr Umstä den einmal daS Richtige». ff n kann, den aber neunmal Zafall oder Berechnung äffen können. Die Thätig- keit, die solcher Ueberwachvng unterliegt, wird fich natürlich immer ängstlicher von der O ffentltchkeit abschließen, da» M ß t auen wird wachsen und eine Erbitterung erz ugen, die durch GerichtSurtheile, welche dem Spion volle Glaubwürdigkeit bei- legen und dieselbe derjenigen absprechen, die Odjette seiner V'gilation waren, aus'» Aeußerfte gesteigert werden kann. Wenn die politische Polieei nicht im Stande sein sollte, auf die Anwendung deS Spionir- und D-tekttvsystemS zu ver- zichten, so sollten die Gerichte wenigstens e» mit der Be- urtheilung derGlaubwürvi gleit derAgenten äußerst scharf nehmen. Sie haben ja ein Vorbild an dem Reichegericht, das bekanntlich in dem HochverrathS- prozeffe, in welchem Horsch alt Zeuge figurirte, zu dem Spruch gelangte, daß dem Z-ugniß desselben trine Beweiskraft beizu. messen sei." Hern» Miquel wird auf seine Rede in der„Breslau« Ztg." folgendes erwidert: M'guel wendet fich gegen die jüngere Generation, die für die nationalen Errungenschaften keinen Sinn habe, und später stellt fich heraus, daß er damit die Fort schritt« partel meint, die doch von meist alten Männern geführt wird. Er rühmt die ftüberen Verdienste der national« liberalen Partei und hat kein Wort datür, daß an diesen Ver- diensten Männer wie Forckenbeck, Stauffenberg, Bamberger einen größeren Antheil h�den, alS er selber, der in der ganzen Zeit deS Bestehens de» Nation alvereinS stet» zu den sehr un- iuverläsfigen Ar hängern der preußischen Spitze gehört hat. Er führt auS, daß die feudale Produktionsweise keine Berechtigung mehr habe, und verschweigt, daß Niemand so thätig gewesen ist, al» er, um die agrarischen An'prüche zu verthetvigen. Schließlich will er alle poltrischen Streitfragen, den„Kampf der Fraktionen" beseittpt sehen und die soziale Frage allein al« Schiboleth der politischen Bewegung gelten laffen. Wer da meint, eS lnffe fich jemals ein politisches Leben ohne politische Kämpfe denken, der will die Natur deS StaatSleben» von Grund au» bekämpfen. Er stellt fich mit Worten auf die Seite derer, welche eine gerechtere Vertheilung de» Eigenthums verlangen und thatsächlich ttitt er für Diejenigen ein, welch« da» Recht auf Rente, die Erhaltung der Reichen in ihrem ge- genwärtigen Vermögensstande verlangen. Ueber eine« nationale« Gentleman schreibt man der „Fränk. Tagespost":„Folgende Geschichte verdient ntedriger gehängt zu werden. Der badische Landtag S-Adge- ordnete Wetnhändler Däublin von Efringen, der rational liberalen Partei angehöcig, kann eS seit langer Zeit nicht verwinden, daß sein KreiS durch den fmtschrtttltchen Ad geordneten Pflügler im Reichstage vertreten wird. Et ist Herrn Däublin bis jetzt nicht gelungen, von d-m Vertrauen der Wähler getragen, an Stelle Pr'S in den Reichstag zu wandern. Da der Liebe Müh' umsonst, stellte man dem P. bei der letzten Wahl einen anderen nationalliberalen Kandidaten entgegen. Indessen erwieS fich auch dieses Beginnen al» erfolglos. P. ging abermals al» Sieger au» der U-ne hervor. Da ersann man einen Ausweg. Weil dem fortschrittlichen Abgeordneten persönlich und direkt nickt beizukommen war, richtete Däublin gegen den Sohn, den Vater zu vernichten, an die Slaa'San- waltschaft eine den Vorwurf eineS SittlichkeiiSvergeheni ent- hallende, anonyme Anzeige mit verstellten Echriftzügen und fehlerhafter Orthographie. In der hierauf eingeleiteten Unter- suchung mußre Däublin auf seinen Zeugeneid bekennen, der Verfasser dieser Denunziation zu sein. Daß unter den odwaltenven Verhältnissen nicht Pflichtgefühl den Herrn LandtagS-Abgeordneten bei seiner Anzeige leitete— warum dann anonym?— hat er abermals erblich durch srine Erklärungen zugegeben, die Anzeige sei die Antwort auf einen ihm zugekommenen Drrhdrief, welchen er(ohne Angabe von Gründen) dem ReichttagsabgeordneteN P. zur Last legen zu müssen glaube. Also niedere Rache gegen einen bloS muth- maß lichen Gegner! Bedarf diese HandlungSwerse noch eine» Kommentars? Wir find begierig, zu hören, waS die national- liberalen Herren Kollegen im Lande zu dieser Zierde ihrer ihrer Fraktion sagen und wie fich die Wähler bei der nächsten LandtagSwahl zu diesem Manne ihreS Vertrauen» stellen werden." Strohwisch schrie um HiUe und versuchte zuletzt, zur Ver- zweifluag getrieben, Gegenwehr; aber jetzt wurde Jeremias erst recht böse. In der Etage, wo er fich befand, wurden Stimmen laut, und um de» Kampfplatz auf neutrales Ge« biet zu verlege«, faßte er den Unglückliche« wieder beim Krage» und warf ihn vor fich her de» nächste« Absatz hinunter, von wo nur«och eine niedere Stufenreihe bis zur HauSthür blieb, und hier folgte Fortsetzung. Oben in der zweite« Etage stand Direktor Krüger, schaute über da» Geländer hinab und hätte vor Wonne applaudire» möge«, wen» er e« fich nur gettaut hätte. Unten in der ersten Etage war da« Dienstmäkchen und dann der Herr Ober-AppellationSrath T. mit der Frau Ober-Appella- tionSräthin und Fräulein Tochter heraus gekommen. An der HauSthür, da der Schall de» Tumult» hinautdrang, hatten fich ebenfalls Leute gesammelt und drängte« zuletzt bi» in» Hau« hinein. Und oben auf dem ersten Absätze stand Jeremias und prügelte Strohwisch, bis er den Stock in Atome zerschlage« hatte und seine» Arm nicht mehr rühre« konnte; dann warf er ihn den letzte« Absatz hinunter, den Stummel des spanischen Rohr«, mit einem sehr zierlich geschnitzte» Elfenbernknopfe daran, hinter ihm her, unv während er selber an ihm vorüberschritt, sagte er:„So, H.rr Doktor, jetzt wünsche ich Ihne» wohl zu bekommen. Mein Name ist Jeremias Stelzhammer.' „Herr Stelzhammer," sagte da et» Man« in einem rothen Kragen, der sich indessen durch die immer anwachsen- de« Zuschauer in da« Hau« gedrängt hatte,.«» thut mir leid, Sie in Ihrer Beschäftigung zu stören." „Bette, ich bi« eben fertig," meint« Jeremias. „Nun desto besser," sagte der Mann;„aber nun ersuche ich Sie auch, einmal ei» biseben mit mir zu kommen, denn ich habe hier auf Ruhe uad Ordnung zu sehen." „Mein lieber Herr," erwiderte Jeremias, jetzt nicht im geringste» um die Folge« besorgt, den« er sah wohl, daß er e« hier mtt einem Polezeidiener zu thu» hatte,„Ruhe herrscht jetzt, und daß der Herr da ordentliche Prügel besehen hat, wird er Ihne« selber bezeugen könne». Ich hoffe, Sie find nun befriedigt." Die Versetzungen der Staatsbeamte« polnischer Na-- ttonalttät aus oen früher polnischen LanseStherlen nach deut- tchen Provinzen deS preußischen S.aatS nehmen ihren weiteren Verlauf. So fins am 27. o. M. die Seminarrehrer Görtz au» Rawicz nach Ltebenthal in Niederkchlesten, BiczanSti und Simon au» Paradies, ersterer nach HrldeSheim. I. tzierer nach Paderborn versetzt worden. Der höhere Schula-nttkandidat Kmoch, welcher al» Lehrer der Mathematik unv Naturwissen« schalten am Gymnafiun von Rozasen wirkte, ist durch tteinisterlalreskript denachrichtiat worden, daß er weder w der Provinz Posen, noch in Westpreußen, noch in Schlesien angestellt werden könnte, und hat, al» er fich hierauf nach Königsberg wendete, auch von dort eine abschlägige Antwort erhalten. Europa und die Cholera. Nach dem letzten stärkeren Austreten der Cqolera in Mitteleuropa von 1873 wurde in wetteren Kreisen die Frage wegen Nothwendigleit eines blei- denden gemeinsamen Organ» zum Schutze der europäischen Staaten gegen alle Arten von Seuchen, insbesondere gegen die Cholera, aufgeworfen und anerkannt und von den Machten bereits auf der internationalen EanitätSko.iferenz zu Wren im Fahre 1874 grundsätzlich gebilligt. Dabei ist eS indessen trotz aller späteren Anregungen seither verblieben und selbst auf der letzten intern ationalm SanttätSIonserenz in Rom hat man sich damit begnügt, einen fachmännischen Unterausschuß einzusetzen, welcher Vorschläge in Betreff einer internationalen Verein« batung zur Bekämpfung der Cholera machte. Dieselben find in Gestalt einer umfangreichen Denkschrift den einzelnen Staaten unterbreitet w07den, damit dieselben ihre Stellung- nähme zur Schaffung eineS internationalen GesundheitSauS- sckuffeS vorbeietien können. Angesichts der langsam heran- nahenden Cholera, deren einstige Kraft zwar gedrochrn zu sein scheint, wäre eS, nach dem«Hamb. Corr", in hohem Grade erwünscht, wenn die internationale Sanitätikonserenz baldigst wieder zusammentreten und endgilttg darüber beschließen würde. Alle Mächte find einig, England allein widerstrebt. Im Inten ffe seine» Verkehrs mit Indien widersetzt eS sich der strengen Anwendung wirksamer Vorsichtsmaßregeln in Egypten, dieser wichtigsten Durchgangsstation der Cholera auf ihrem Wege von Indien nach Europa. Im See- und Quarantäne- rath Egyptens hat England dm auSschlaggebmden Einfluß und denutzt denselbm, al» ob die Verbreitung der Cholera ein geringeres Uedel sei al» die Beschränkung seines HandelSoer- kehr». Nach Depeschen auS Kairo wurde am 21. Juni dem englischen Frachtenvampfer„Ganges" die Erlaubniß zur Durch. tahrung de» Suezkanals gegeben, odschon auf diesem Schiffe TodeStälle durch Cholera vorgetommen sein sollen. Bestätigt fich diese Thatsache und hat fie die defürchtetm Folgen, so werden die europäischen F-stlanvSstoaten mit allem Fug und mit größerer Entschiedenheit alS bisher auf die Einsetzung einei bleibenden tnternattonalm Organ» drängen dürfen, um einer derartigen bedenklichen Handhabung der öffmtllchm Gesundheitspflege durch die egypttsche, von England ab- hängige Regierung im Jntereffe de« englischen Handel» und auf Kosten der europäischen Gesundheit in Zulunst vorzu» beugen. Schwei». Die Robrschacher Arbeiterschaft brinat den Streiken- den in Zürich ihre Sympathlm in Wort und That entgegen. Eine Sammlung in den Werkftäiten der vereinigten Schweizerdabnen ergab die schöne Summe von nahezu 300 Fr., welche zum Theil dem Prozeßfond» zugewendet werden sollen. Belgie«. Die in den Kohlenmtnen o«S Borinage am 29. v. RiS. neuerdings ausgekrochenen Streik» drohen, nach der„Frantf. Ztg.", fich auszubreiten. Die Ardeiter verlangen Lohnerhöhung und Beginn der Arbeitszeit um 6 statt um 4 Uhr Morgen». Die Arbeit ist eingestellt in fünf Gruben, bei WaSmeS, Cae«m«s, FramerteS, Quaregnon und Paturage». Die Lage Ver Kohlm- tndustrie ist schlecht. In einem Schacht bei Jemappe» mußte der Betrieb wegen der niedrigen Kohlmpreise und de» schwierigen Absatzes eingestellt werden; ein gleiches wird be- züglich anderer Betriebe befürchtet. Die Streit» verlaufen bis jetzt ruhig.— Die Streiks in den Spinnereien und Bleichereien en Gent find am 30. v. Mts. beendigt und zwar ohne Erfolg für die Spinnereien. In Amsterdam wurden in dm letzten Nächten nach dem „Bert. Tgdl." an allen Straßmecken Plakate aufrührerischen Inhalt» angeschlagen, die zum gewaltsamm Siurz de» König« thum» auffordern. Al» Thäter ist der Sozialist Belderok ver« hastet worden, in deffen Befitz mehrere hundert Ex>nnplare ge« funden wurden; als Druckerei ist die der Nihilisten angegeben. — DaS tltngt etwa» unglaubwürdig. Araurreßch. Der französische Sozialisten- Kongreß in Pari», zu dem mehr al» 300 Delegirte anwesend waren, hat nach achttägiger Dauer am 27. ckuni seine Verhandlungen ge« schloffen.„Im Gegensatz zu ftüheren Jahren— schreibt die „Doch nicht so ganz," lachte der GerichtSdiener,„Sie müssen mit." „Vrrhiften Sie dm Kerl im Ramm de» Gesetze» I" schrie jetzt Strohw sch, der fich kaum von seiner Betäubung erholt hatte.„Ich bin hier auf die nichiSwürdigste Weise «Ott ihm augefalle« und mißhandelt worden; mein Eigen- thum ist dabei zerstört, mein Stock in Selhstvertheidiguug zerschlagen, meine Hose zernsse« und beschmutzt.. „Die Keile uennt er Selbstvertheidigung I" lachte Jeremias. „Na," meinte der Polizeidiener mit einem Blick auf die robuste Testalt de» Doktor»,„Sie sehen mir allerdings au», al» ob Sie fich hättm wehren können; aber das ist einerlei, Sie mögen da« Beide vor Gericht auSmachm." „Aber ich we-de doch nicht..." „Ja, Tie müsse« auch mtt," sagte der Manu trocken; „ich kann hier nicht untersuche«, wer angefangen hat. Also bitte, machen Sie keine Umstände." „Immer mehr Leute hatten sich indessen i» da» Hau» gedrängt; dm« wa» steht da» Publikum lieber, al» eine Prügelei mit späterer Abführung der Betheiliqte« durch die Polizei, die gerade so dazu gehört, wie die Verlobung von zwei verliebte« Paare« am Ende eine» Lustlpiel». „Meine Herren." sagte der Dimer der öffmtlichm Sicherheit zu de« Eindrängendm mit jene, Hochachtung, die er stet» Leute» gegenüber beobachtete, gegen welche„noch nicht« Gravirmde» bekannt gewordm,"„seien Sie so gut und gehe« Sie«ach Hause; Sie sehm, e< ist Alle« vor- über. Bitte, mache« Sie Platz, e» kann ja kein Mensch durch." Die Leute gaben langsam Raum; aber Doltor Stroh- wisch brauchte«och einige Zeit, um seine sehr deraagirte Torlette wirer etwa« in Ordnung zu bringm. Et wollt« auch»och Schwierigkeitm machen, mtt«wem Polizeidiener am helle« Tag durch die Straßen zu gehe«, aber e» half ihm nicht». Der Manu de» Gesetze« blieb unerbtttltch wie da« Gesetz selber, und wenig« M nntm später expedirte der würdige Beamte die beidm Uedelthäter zum innigm Ver« gnügm einer Anzahl zerlumpt und anständig gekleidet« Sttaßenjunzen nach dem Raihhau» hin. ultramontan«„Germania"— nobm das sozialistische Revoln- lioniparlament die» mal einen sehr ruhigen Veilauf. SS ist diel ein Beweis, daß die Parteigänger der sozialen Revolution in aller Ruhe stch zu organificen gelernt haben und ihren WS- herigen Eifersüchteleien und Zwisttpieiten Schweigen zu ge bieten verstehen, um mit vereinten Kräften den Kampf gegen die bestehende Ordnung in Angriff zu nehmen. AuS diesem Grunde ist gerade die Ruhe, mit welcher der Kongreß seine zielbewußten Bestrebungen zm Geltung zu bringen sucht und über dieselben öffentlich verhandelt— die Verhandlungen fanden nämlich öffentlich statt und waren stets von einem sehr zahlreichen Publikum besucht— nur um so beunruhigender; und wenn hier auch noch von keiner unmittelbaren Gefahr die Rede sein kann, so weiß man doch schon, wo die ständige Be. drohung der Zukunft zu suchen ist. Vorerst will der Sozia- listen Kongreß seine Wünsche und Beschlüffe freilich nur auf parlamentarischem Wege zur Autfübrung dringen. Von dm diesmaligen Wünschen und Beschlüssen, welche ein hierzu ge> wähtter Ausschuß von 11 Mitgliedern der Deputirtenkammer und dem Pariser Gemeinderath zur Kenntnißnahme zu unter- breiten hat, sei nur kurz erwähnt, daß der Kongreß die vorn Handelsminister Lockrny im Parlament unlängst eingebrachte Vorlage für Ardeiterschiedigerichte einstimmig ver- warf, die Abschaffung deS gegen die„Internationale" gerich. teten Gesetzes verlangte, und die Errichtung von Arbeits- b S r sen in Paris sowie die gesetzliche Einführung eineS ststündigen ArdettStageS forderte."— So der Bericht der „Germania". In Frankreich macht die Entfernung de! Generals S a u s s i e r auS seiner Stellung alt Gouverneur von Paris durch den Kriegsminister Boulanger vieles Aufsehen und drängt selbst die Prinzenausweisungen vorübergehend in den hinter grund. Sausster hatte seinem von Boulanger strafweise ver- setzten Stabschef General Buffenard in einem Tageibefehl daS höchste Lob gespendet. ES wird behauptet, daß Boulanger dm Streit adfichtlich hervorgerufen habe, um Sausster auS seiner machtvollen Stellung al» Gouverneur von Pari» zu vertreiben, und diese, durch einen unbedingt ihm unterthävigen General zu besetzen. Da» Ministerium, von dem Vorgehen BouiangerS gar nickt erbaut, machte nach einer Pariser Meldung der „Köln. Ztg." bei Boulanger Vorstellungen, die dieser als eine Einmiswung in seine Befugnisse nachdrücklich zurückwies. Sausster wäre im Falle einet großen Kriege» bestimmt gewesen, den Oberbefehl über daS gesammte sranzöstsche Heer zu über- nehmen. Sausster ist ein alter Republikaner und er war selbst unter dem Kaiserihum so geachtet, daß er trotz seiner republi- konischen Richtung nicht auS der Armee entfernt wurde. Nach einem Wolff'schen Telegramm au» Pari» hat Boulanger schließlich doch noch nachgegeben. Nachdem vorgestern der Ministerrath die Annahme des EntlaffungSgesuchS des General» Sausster einstimmig abgelehnt hatte, richtete der KriegSminister Boulanger an den General ein Schreiben, worin er ihn er- sucht, auf seinem Posten zu bleiben. G r 0 h b r i t a»« i e«» Bei den vorgestern begonnenen Parlamentswahlen stnd nach den bis jetzt oorlieaenden Nachrichtm 15 Konservative, ö diffenttrende Liberale, 3 Ministerielle und 2Parnelliten ohne Opposition wiedergewählt worden. Unter den Gewähltm de- finden stch Chamberlain und Bright, sowie der bisherige Sprecher de« Unterhauses. Die Zeichnungen für den„Volkspfennig", d. h. den Wahl- fonds zum Besten ministerieller Kandidaten, haben die Höge von 2200 Pfd. Sterl. erreicht. Italien« Der parlammtarische Ausschuß, welcher über das Verlangen de» General-Prokurator», 6 zueikannte Strafen wegen sozialdemokratischer Umtriebe und Preßvergehen an dem Abgeordneten Moneta vollziehen zu dürfen, sein Gutachten abgeben soll, hat unter dem Vorfitze de» Ex. stndaco von Neapel, Herzogs di San Donato beschlossen, erst nach 6 Monaten wieder zusammenzutreten. Die ministeriellen Blätter find natürlich entrüstet darüber. Vom 20. Juni 6ii 1. Juli stnd an der Cholera in Brindifi 20 Personen«rkranli und 8 gestorben, in Oria 5 erkrankt und 3 gestorben; in Erchic 8 erkrankt; in San Vito 18 erkrankt und 11 gestorben; in Francavilla 53 erkrankt und 17 gestorben; in Carovigna 1 gestorben in LUiano 100 erkrankt und 21 gestorben; in Codigoro 11 erkrankt und 2 gestorben; in Venedig 3 erkrankt und 1 gestorben.— Die Provenienzen auS Oesterreich- Ungarn unterliegen in dm Häfen und Inseln de« Ionischen Meere» und de» Mittelländischen MeereS einer siebentägigen Quarantäne. Portugal. Portugal steht im Begriff, serne Verkehrsbeziehungen mit China auf neuer Grundlage zu reorganifiren. ES handelt stch gegenwärtig darum, eine diplomatische Spezialmisston nach China zu schicken, um einen Handel» und Freundschafttvertrag abzuschließen. Dieses Projekt war bl» jetzt auf Schwierigkeiten gestoßen, weil die portugieftsche Kolonie zu Macao vom poli- tischm und ökonomischen Standpunkte au» eine ganz besondere Die Straße herab kam Graf Roitack. Er sah ernst und angegriffen au», und al« er dem Mensch-nkväuel be- Segnete, wollte er ebm, von der Berührung damit zurück- heuend, nach der anderen Seite der Straße hinüberbiegen, al« sein Blick auf Zeremia» fiel und er erstaunt und ver- wundert stehen blieb. „Aber, Jeremias, um Gotte« willen, was haben Sie denn gemacht? Was ist vorgefallen?" „Nur eine Kleinigkeit, Herr Graf,' lächelte der kleine Mann, aber doch etwas verlegen, in solcher Gesellschaft ge. rade von ihm betroffen zu werdm;„ich und der Herr da geriethen ein wenig aneinander.' „Ich leiste Bürgschaft für den Herrn,' sagte Felix zu dem Gmchtsdiener;„mein Name ist Graf Rottack.' ..»Thut mir leid, Herr Graf," erwiderte der Mann v- 7ba! � nicht annehmen zu können. Meine Pflicht kl* bsiden Männer auf's Rathhau» hinaufzuführen ÜIÜ IJrqf'ä6 machen. Dorr notirt dann der Herr Aktuar den Fall, �d wenn Sie mit hmaufgehm, so hat senngst, Schwierigkeit, daß der Gefangene augmblickitch auf frerea Fuß kommt." „Schön." „Aber, bester Herr Graf!" „Gehm Sie nur voran." lächelte dieser,„denn etkor- wen möchte ich mich ntcht gerne lassen; ich folge Ihnen aber augenblicklich." Er zog stch zurück, denn einige der Zuschauer, die viel- leicht gehofft hatten, daß irgend ein gewaltsame, Einschreiten sonst ein amüsanter Zwischenfall eintreten könne, preßten näher. DaS Rathhau« war nicht weit entfernt, «ad nachdem die beiden Feinde, nicht gerade zur Erbauung de« ziemlich bö« zugerichteten„Doktor*", noch eine Weile im Borsaal hatten warten müssen, da gerade ein Dienst- Mädchen wegen versuchten Diebstahl« verhört wurde, kamen sie endlich vor. Die Verhandlung war übrigen« eine kurze; Zeremia«, »er vorher seinen Vor- und Zunamen wie überhaupt eine *ärze Lebensbiographie zu Protokoll geben und erklären ««ßte, daß er noch nie vor Gericht gestanden, leugnete Stellung einnahm. Der Gouverneur derselben hat, wie seine Vorgänger, den Charakter eine» portugi-fischn Bevollmächtigten bei den Regierungen von China. Japan und Siam. Trotz dieser Situation soll ein Spezialgesondter nach Peking ad- gehen. Balkauläuver. Nach Berichten aus Sofia wird die Nationalversammlung von der Regierung voraussichtlich noch in dieser Tagung um Bewilligung einer Anleihe von 60 Millionen Franks angegangen werden, welche zum allgiözten Th-ile für Eisenbahn zwecke, insbesondere für den Ausbau der Orientanschlüffe auf bulgarischem Gebiet verwendet werden sollen. Wie Budapester Blätter hinzufügen, hätte die für den Ausbau der Orient- bahnen gebildete bulgarische Gesellschast G-ossew in Er- mangelung genügender Kapitalien deutsche Kräfte, und zwar die Dresdener Bank uod Eoendrup, zur Betheiligung ge- wonnen, und Vertreter derselben weilten bereits in Sofia, um die günstig verlaufenen Verhandlungen zum Abschluß zu dringen. Ei ist die Betheiligung deutschen Kapital« an den Lrientdahnen dringend zu wünschen, da dieselben sonst vollends in die Hände zweier eben so grundsatzloser al« deutsch- feindlicher Beldmächte(Baron Hirsch und Ottomanbank) gelangen würden. Nfrik«. Die Aufrrchterhaltung oerenglischenOkkupationS- p olitik in Egypten dürfte stch in ihrem bisherigen Um fange kaum noch längere Zeit hindurch fortführen lassen. DaS ihr entaesenstebende tzinderniß gehört zu denen, welche aller menschlrden Willens- und Machtaufbietung spotten, weil e» in nicht wegzuschaffenden natürlichen Ursachen wurzelt. Fort und fort laufen aus den englischen Garnisonen an der egyptischen Südgrenze, namentl ch au» Affuan, wahrhaste HiobS Posten üdcr den Gesundheit» zufiand der Truppnr ein, welch leetere bei einer H-tze von 126% Grad Fahrenhe t im Schatten(!!) dahin- sterben, wie die Fliegen, dergestalt, daß ganze Bataillone und Regimenter biS auf einige unscheinbare Reste zusammen- ge-chmolzen stnd. Hitzschlag und Eingeweidesteber stnd etwaS ganz Alltägliches; die Lazarelhe ünd überfüllt mtt Kranken, Sterbenden und Tobten. Den größten Prozentsatz der Verlust- listen stellen die ganz jungen Soldaten, aber auch die abge- därtesten Veteranen erliegen dem mörderischen Klima. Die Regimenter Dorset, Durham und Berkshire haben beispielS- weise jede» über die Hälfte ihreS SolldestandeS eingebüßt. Wie die unerträgliche Hitze erschlaffend auf den leidlichen Zu« stand der Leute wirkt, so scbädtgt die fortwährende Krank- heitß- und Todesgefahr Moral und Willenskraft, und rrduzirt den Grad der Kriegsdrauchbarkeit der Truppen auf ein Minimum. In ihrer derzeitigen Verfassung würden die englischen Garnisonen an der Südgrenze Egypten» kaum im Srande sein, einem ernstlichen Anfalle der Ausständischen die Spitze zu bieten; tS ist eben so sehr ein G-bot der Menschlich- keit al» der militärischen Kluzhiit, einen GarnisonSwechsel in dem Sinne zu vollziehen, daß einheimische Truppentheile an die Stelle der europäischen treten. Il-drigenS dürfte der sanitäre Ruin, womit da« füdegypttsche Klima die desselben ungewohnten europäischen Naturen bedroht, auch nicht dazu beitragen, dem Ministerium Gladstone die egypiische Affäre sympathalischer zu machen. Wahrscheinlicher ist, daß der Be« setzungs ayon eine noch engere Umgrenzung erfahren wird, soweit dies ohne dttelte Infragestellung der straregischen Beherrschung deS für die milttärifchen und handelspolitischen Bedürfnisse Englands in Betracht kommenden Thetlei von Egypten ge- fchehen kann. Au» M a s f a u a h wird gemeldit, daß OSman D igma, der Grneral de« verstorbenen Mahdi, alle von Maffauah nach dem Sudan abgegangenen Karawanen angehalten und beraubt hat. Der Asrikareifende Graf Antonelli, welchrn man für tobt gehalten hat, soll mtt andern Jtallenern am Rothen Meere an- gelangt sein._ Gerichts-Zeiwng. Da« Erkenntnth im Münchener Sozialisten-Prozeß. i. Wir haben an anderer Stelle schon ein« kurze Besprechung de» ProzrffrS gebracht, der am 11. Juni stch vor dem Münchener Landgericht abgespielt und der in seinem Ausgange für eine Anzahl von Arbeitern so oerhängnißvoll geendet hat. Bei der Wichtigkeit de» Gegenstandes und d-m Umstände, daß unter den heutigen Verhaltniffen eS durchaus nicht zu den Unmög- lichketten zählt, daß solche und ähnliche Prozesse auch an an- deren Orten statthaben können— lasen wir doch erst dieser Tage, daß die veschlußkammer de» Landgericht» in Mainz eine ebenfalls in derselben R chtung sich bewegende Anklage nieder- geschlagen hat— glauben wir nicht nur unseren Lesern, sondern weiteren Kreisen einen Dienst zu erweisen, wenn wir dieselben mit dem Haupttheil deS Erkenntnisses, wie e» von der Harn- durger„Bürger-Zeitung" mitgetheilt wird, bekannt machen. Wir laffen dabei die Einleitung des Erkenntnisses, soweit dieselbe fich nur auf Formalien und die Aufzählung der nicht, den Doktor Strohwisch zuerst angefaßt und geprügelt zu haben, und da Graf Rottack jetzt ebenfalls vorgelassen wurde und erklärte, Bürgschaft für da» Erscheinen de» Herr« vor Gericht leisten zu wollen, so wurde der De- linquevt entlasse«. Der Doktor, eine allbekannte Persönlichkeit in Haßburg, blieb noch oben, um seine Klage gegen de» Ueberfall zu formuliren und gleich aufnehmen zu lassen. (Fortsetzung folgt.) An« Kunst und getreu. Die Töne der Erde. Die Versuche, welche anläßlich der nun vollkommen gesicherten Telephon- Verbindung Wien Brünn während mehrerer Monate unternommen werden mußten, haben zu sehr interrss inten Wahrnehmungen geführt. Man lernte bei dieser Gelegenheit tellurrschc Geräusche, die Erdtöne, kennen. Wie bekannt, benutzt man beim Telegrophiren zur Rückleitung der Elektrizität keine zwrtte Telegraphen linie, sondern die Erde, welche al» Leiter dient; nach dem neuen System kann man solche Linien auch zum Tilephomren verwenden. Wenn man jedoch beim Telcphoniren nicht die Erde, sondern einen zweiten Draht zur Rückleitung der Elektrizität, zum Schließen de» elek- irischen Stromes oerwendet, so find, wie man bei diesen Ver- suchen wahrger ornmcn bat. die telephonischen Töne viel reiner uns klarer, während bei der Erdoerbindung die Stimmen durch Geräusche vermengt werden, die nur von der Erde herrühren können. Das empfindliche Telephon wird offenbar schon durch die leisen Töne, welche die Erwärmung der Erdoberfläche her- vordringt, gestört, ganz abgesehen von den stärkeren Gerau'chen, welche hier unv da au» dem Ervinnern je nach der vulkanischen Beschcffönhett deS Boden» empordringen und fich weithin fort- pflanzen. Telephonistische«. Der Brüsseler Ingenieur und Mi- ntsterialdtrettor Van Ryselderghe, der E stnder der Benutzung der Telegraphendrähte zu Telephonzwecken— seine Erfindung wird auch von der deutschen Telezraphenverwattung benutzt— berichtet ausführlich ütiet die von ihm selbst in Amerika angestellten Telephonoersuche, die die überraschendsten Erfolge er- geben haben. Er spricht seine Ueberzeugung auS. daß alle Hauptstädte Europa» durch einen internationalen Telephon- dienst verbunden werden könnten und da» Wort ohne Schmie- Namen der Angeklagten und der Zeugen bezieht, fort und be- o innen bei der Begründung de» unseren Lesern bereit« bekannten UctheU«. „Die am 11. d. MtS. stattgehabte Hauptoerhandlung hat zunächst folgende« Ergebniß geliefert: 1) In den letzten Jahren, namentlich im Jahre 1885 bis auf die neueste Zeit, hat in München unter den Anhängern der sozialdemokratischen Partei eine für eine längere Zeitdauer bestimmte, über die Ausführung blo« einer konkreten Handlung hinausreichende, längeren Bestand habende Verbindung bestanden, deren Dasein, Verfassung und Zweck vor der Staats- regierung theil« nach ausdrücklicher Verabredung, theil« nach stillschweigendem Einverständnisse der Mitglieder, theil« bei dem gesetzwidrigen Zwecke der Verbindung al« für jede« Mit» glied an fich selbstverständlich gebeim gehalten werden soll, und in welcher gegen unbekannte Obere Gehorsam, sowie gegen bekannte Obere unbedingter Gehorsam durch Unterordnung der einzelnen Mitglieder während der ganzen Dauer der Mtt« gliedschaft unler den, sei e« durch Meheheittdeschluß, sei e« durch Befehle der Oberen zum Ausdrucke gebrachten Willen der Gesammtheit— theil« durch ausdrückliche Worte und Handschlag, theil» durch andere konkludente Handlungen, durch die Erklärung, w die Verbindung eintreten zu wollen, und durch dm Eintritt selbst— versprochen wird und zu deren Zwecken und Beschäftigungen e» gehört, Maß- regeln der Verwaltung und die Vollziehung de» Reichs« gesrtzeS gegen die gemeingefäbrlichm Bestrebungen der Sozial- demokraiie vom 21. Oktober 1878»c. durch ungesetzliche Mittel, so insbesondere durch V-rdreltung von nach§ 11 und 12 de» angeführten Gesetzes verbotenen Druckschriften— namentlich der in Zürich erscheinenden periodischen Druckschrist„Sozialdemo« trat"— welche Verbreitung auch in der Thai erfolgt ist— zu verhindern und zu mikrästen. Die Theilnahme an dieser Verbindung bildet für jedes Mitglied ein Vergeben au»§ 129 de» R-St.-B.-B. in recht- lichem Zusammmtreffen mit je einem Vergeben auS§ 128 de» R-St G.>B., beide wider die öffentliche Ordnung im Sinne deS§ 73 de» R. St. G-B. 2) Da» Bestehen vor besagter Verbindung ist ihaisächlich festgestellt vor Allem durch die dem Gerichte vorgelegte» Schrift- stück«; zu diesen zählm die dem Angeklagtm Franz Andrä abgenommenen Instruktionen, Aufschreibzettel, Notizbuch und Stadtpläne, die bei der Angeklagten Babette Gaigel, jetzt verehelichten Urban, aufgefundenen, von ihrer Hand ge- schriedenm Bliefkonzepte, die bei den einzelnen Angeklagten beschlagnahmten Schriftwerke, Notizbücher und endlich oer- schiedene Stellen aus einzelnm Nummern der Druckschrift „Sozialdemokrat". Die Organisatton der Verbindung erglebt fich zunächst in der anschaulichsten und unbezweifelbarsten Weise au» den dem Angeklagten Andrä bei dessen Haftnahme abgenommenen drei Jnstruftionen. Nach diesm ist die Stadt München in drei Thelle getheilt, unter Vorbehalt der Formirung eineS 4. TheilS, der zugleich einige Vororte umspannen soll. Jeder Theil hat ein Ausschußmitglied al» Obmann, die drei Stadtthcile zerfallen in einzelne Bezirke: der 1. Stadttheil mit 10 Bezirken mit zusammen 90 Mitgliedern, der 2 Stadttheil mit 9 Bezirken mit zusammen 80 Mitgliedein, der 3. Stadttheil mit 6 Bezirken mit zusammen 59 Mitgliedern und den sogenannten Vertrauensmännern al» Leiter; Summa 229. Daß dem in der That so ist. erhellt auch au» den schon erwähnten Briefen der Babette G.-Urdan, in welchen sie von den bestehenden einzelnen KludS. von stch selbst als Mitglied eine» derselben und von deren Verhandlungen mehrfach spricht. DrS Gleiche ist zu entnehmen au» verschiedenen Nummern deS Parteiorgans„Sozialdemokrat". In Nr. 32 deS Jahrgang» 1884 erzählt ein Münchener Genosse unter dem Namen„Bogenschütze" oon einer am 3. August 1884 erfolgten Vertheilung«ine» Flugblattes in 50000 Exemplaren, welche Vertheilung in einer Stunde ge« Arh-n war, da die Genossen den Stadtplan ftudirt und die Bezirke mit der nötbigen VertbetlungSmannschaft belegt hatten. Jahrgang 1885 in Nr. 1 und 40 enthält Abonnementieinlavung der Redaktion mit der Aufforderung zu Maffenadonnement bet den Vertrauensleuten bezw. den zur Vertheilung de»„S.-D." an den einzelnen Orlen bereiten Genoffen. Die Nummern 4, 6, 7, 8, 10, 34, 51 enthalten Kundgebungen der Münchener Verbindung, unterzeichnet theil»: „Die Vertrauensleute",„München er Genoffen",„Münchener Parteigenossen". Die Nr. 35 enthält eine Bekanntmachung der Redaktion über die Versendung der sogen.„Schwarzen Liste" mit der Er- klärung, daß dir selbe nicht Prioateigenthum der Vertrauensleute sei, sondern zur Ocientinmz der Genossen durch die Vertrauensleute dienen wlle. r gleit oon London nach Kalkutta durch die jetzigen Telegraphendrähte übermittelt werden kann. Die Versuche tn Amerika haben ergeben, daß man mit Eilenkondukioren nicht über 400 Kilometer hinaus deutlich verstehen kann. Dagegen werde mit den Kupferkonduktoren die Harste Wiedergabe der Stimmen er« ziett selbst auf den weitesten Entfernungen; bet einer Entfernung von 1625 Kilometer(New-Uork— Chikago) ertönte jedes Wort so Har, daß man eS im Zimmer gelpiochen glaubte. Mit Drähten von angemeffenem Durchmesser lünne man, behaustet Van Ryselderghe, direkt ohne Zwtschenstaltonen in jeder Ent- fernung auf den Kontinenten telephoniren. Die Versuche stnd in den verschiedensten Entfernungen mit Drähten auS verschiedenem Metall und Umfang angestellt worden.„Mit einem Draht von angemessenem Umfange, so schließt Van Ryselderghe, garantire ich den Erfolg für jede geforderte Entfernung unv wäre eS die oon Part» nach Prktnz." Die schändliche Blutwurst. Dem Aufsatze eineS Fach- blatte» über die G: schichte der Wurst entnehmen wir folgende Stelle: Besonder» interessant ist die Libensgeschichte der allbe- tarnten Blutwurst, welche bei ihrer Entstehung im frühen Mittelalter ein Gesetz zu ihrem Verbot beroorrief. Et war der morgenländische Kaiser Leo der Vierte(386-911), der folgende Verordnung geg>n die Blutwurst erließ:„Wie haben in Er« fahrung gebracht, daß die Menschen so toll geworden stnd, theil» des Gewinne», theil« der L Bericht». Der ganze Artikel bezwecke keineswegs einen tendenziösm AuSfall«gen die Justizbehörden, sondern nur die berechtigte Mahnung eine» Preßorgani an die Behörde, und die einzig obwaltende Tmdmz sei die, jeden gegm die Behörden zu erhebenden Vorwurf möglichst bald zu beseitigen. Da» am Schluß angeknüpfte Raisonnemmt sei durchaus zu« läjfig und in den mäßigsten Grenzen gehalten, sonst würde jedwede Kritik in Rede, Versammlung und Presse aufhören und die sogenannte Preßfreiheit zur vollständigm Preßunfrei. hett werden. Der Vertheidiger führte schließlich noch den Schutz det§ 193 Str. G. B. in« Feld und gab eyentaaligviine die Erhebung de» Wahrheitsbeweises über die Behauptungen de» Abg. Heine anhetm. Der Gerichtshof vertagte denn auch die Verhandlungen und beschloß, zum nächsten Termin den Staatsanwalt Schöne zu Halderftadt, den Inspektor Otto, dm Aufseher Kühne und den Abg. Heine zu laden. Kozialesund Arbeiterbewegung. In der ve»eral.Versamml««g de» Gesellschaft für Verbreitung von Botttdildung, die vor Kurzemählt wmden, ein Mehr von 14 378 Seelen. Bewohnte Häuser giebt eS 73 290. Dl« Be- völkeiung fängt dabei an, fich von den inneren nach dm äußeren Stadttheilen zu verschieben. Die Bezirke werden von dem Mittelpunkte der Stadt auS in Schneckenreihe gezählt; der erste Bezirk umfaßt u. A. Louore und Tuileiien, wird daher auch Louore zubenannt. Der 1, 2., 3., 4., 5., 6, 9, 10. und 11. Brürk haben 61 973 Einwohner verloren, indem st« jetzt 961 955 zählen, gegen 1 033 92? bei der vorletzten Zählung. Der 7., 8.. 12., 18. 14., 15., 16, 17, 18.. 19. und 20. Beeirk haben fich um 76 351 Seelen, von 1 106 000 auf 1 182 378 oermehrt. Em Thetl der Pariser Auswanderung bat stch auch in dm vor dem Wallgraben liegenden Vorstädtm und in der wetteren Umgebung nieder. gelassen. Doch dürfte derselbe nicht sehr beträchtlich sein, da d.e dorthin führenden Pferd-bahnen und sonstigen V-rkehrSeinrichtungm keine Zunahme, sondern vielfach eine Mmderung der Einnahmen aufweisen. Sicher ist nur, daß in Paris selbst im vorigen Jahre eine Abnahme der Bwölleeuna eingetreten sein muß. Im Januar d. I. ffandm 52383 Wohnungen von zusammm 51 652 390 Frc». MiethSwerth leer oder 16 565 Wohnungen mtt 15 139u00 Frc«. Miettztwerth mehr als bei Veranlagung der Steuem tm Januar 1885. Während der zwei ersten Jahre des letzten Jahrfünfts hatte eine namhafte Mehrung der Bevölkerung stattgefunden, während die drei letzten Jahre Verluste gebracht haben. Währmd dieser Jahre find auch die Einnahmen der städtischen Verbrauchssteuern, der Omnibus, und Pferdebahn Gesellschaften, Droschken u. s. w. in merklicher Weise zurückgegangen. DaS verhindert indessm nicht, daß die städtische Ve'wallung neuer Räumlichketten bedarf. Schon unter dem Kaiserreich war daS SiadthauS viel zu klein, weShalb demselben gegenüber mehrere große Gebäude sür die U terbringung städtischer Behörden und Anstalten, namentlich der Armenverwaltung und der Sparkassen, eriichtet werdm mußten. Jetzt soll ein große» Gebäude auf dem Boulevard Henri IV. errichtet werden, um die Verwaltung deS städttschm Unierrtchti- und PrüfungSwesm» unterzubringen. Auch sür die städtttch« Bibliothek werden neue Räume er- forderlich weiden. Im Archiv der Stadt Paris find nämlich Urkunven aufgefunden worden, denen zufolge die Bibliothek de» Institut« de Franc« städtisches Eigenthum ist. Diese Bücherei zählt ungefähr 40 000 Bände, außerdem Handichrttten, die sich fall sämmtlich auf die Geschichte und die Verhältnisse der Stadt Pari» seit den ersten Zeiten ihre» Bestehens de« ziehen. Die Stadt Verwaltung will nun die nötbiam Schritte thun, um ihr Eigenthum wieder zu erlangen. Hoffentlich wird ste den gewünschten Erfolg dabei haben und dadurch eine mi±« tige Sammlung, welche bis jetzt einen verschlossenen Schatz bildete, der Ocffenttichkeit zugänglich machen Mit der jetzigen städtischen, meist neuere Werke enthaltendm Btbliorhek würde Part» dadurch wohl die beträchtlichste städtische Bibliothek er- langen, welche irgmd eine Stadt deffgi. Dec Hrushall der Sladt Pari» ist für 1857 auf 302310667 F-ankS ange- schlagen, wovon 45594800 Frank» außerordentliche Ausgaben. Um letztere zu decken, sollen.40 Millionen den neuen Anleihen von 250 Mill. entnommen werdm. Hier- bei mag demerkt werdm, daß fich daS Vermögen der Stadt Paris auf 4 Milliarden 769 Millionen und 895 608 Frl». deläuft. Hiervon kommen 1 616 895 6C8 F:kS. auf städtische Gebäude, Liegenschaften und bewegliche» Eigenthum(Gclv, Bücher- und sonstige Sammlungen, HauSrath rc), 3 MiUtar- Vm auf die Straßen und Plätze, 153 Mrll. auf den Anlhett der Stadt an den Gasanstalten, Wasserleitungen und Sielm." — Das„Bulletin municipal oissciel" veröffentlicht eine Ta- belle über da» Ergebniß der Volkszählung in Part», au» welcher erstchtlich, daß die Zunahme der Bevölkerung eine größere als die von der„Voff. Ztg." angegebene ist. — Die offizielle Tadelle wirb von einem Bericht de« Dr. JacquetS Bertillon, Chef der statistischen Brbeitm der Stadt, begteitet. Herr Bertillon bemerkt vorerst, daß die Bevölkerung fast allgemein mit gutem Wrllen stch den Arbeitern der Zählung unterzogen hat. Man hat in gewissen Blättern viel von lächerlichen Äntwoiten geiprochen, die von einigen Einwohnern gegeben worden find. In Wirklichkeit fir d solche Zettel sehr selten. In den meisten Häusern gab es deren keine, in weh- rerm waren fie einzeln, zwölf bis fünfzehn höchstens. Diese Unregelmäßigkeiten haben keine Bedeutung. Die Volkszählung ergab folgende»: 1886 1881 Unter-chied Bewohner..... 2256080 2 239 928+ 16162 Häuser...... 73 831 68123+ 5705 HauSraltungen... 860 763 849740+ 11202 Die Zunahme ist nach dm Vierteln stark verschieden. Man kann die Bewegung mit den Worten zusammenfaffm, daß die ArrondiffementS veS gentium» zu Gunsten der Vor» stäote abgenommen haben. Drr Gericht» Vollzieher in Verlegenheit. Ueber eine seltsame Pfändungkgeichichte wird der„Fr. Pr. f. Rheinl. u. Westi." folgmde« berichtet:„Wie nicht» auf der Weit ohne Lücke ist so auch nicht unsere seinerzeit schwer geborene Zivil» Prozeß-Ordnung vom 30. Januar 1877; ein die» beweisender, jüngst vorgekommener Fall ist nicht nur sür Juristen von Interesse. Ein GntchtSvollzieber in Iserlohn war von einer tn einem Jnjuiimprozeß fiegreich gebliebenm Partei mtt der zwangsweisen Beitreibung der oerauSaabten Kosten von dem unterlegenen Gegner beauftragt. Bei Vornahme der Exekutton fanden stch kerne dem Schuldner gehörende pfändbaren Gegen» stände vor, außer einer ziemlich stattlichen Büchersammlung. Die Zwangsvollstreckung stuß aber auf eine unerwartete, nirgend! vorgesehene und wohl noch nicht dagewesene Schwierig« keit; der Eigenthümer der«tdltolhek hat!« in Auswahl der Bücher eine eigenthümliche Liebhaberei entwickelt, beinahe ohne Ausnahme destanden die We.ke aut solchm, welche unsere VerwaltungSdehördm fürsorglicher Weise verdolen haben zu verbreiten. Nach der Zioll-Prozeß-Ordnung war nun der Ge» richttvollzieher verpflichtet, diese Bücher zu pfänden, also jedeS derselben mit seinem AmtSstegel zu versehen und solche dann öffmllich zu verlaufen(denn verbotene Schriften fallm nicht unter diejenigen Sachm, welche nach§ 715 der Zivil Prozeß. Ordnung der Pfändung nicht unterworfm find), gleichviel, ob er stch hierdurch einer durch ein andere» Gesetz mtt Strafe be- drohtm Handlung schuldig wachte; andemjettS könnte man dem entgegen halten, daß ein Beamter, welcher nur seine Pflicht erfüllt, dieserhalb nicht bestraft werden dürste. Ohne Zweifel wäre der öffmtliche Verkauf der Bücher eine Ver» brettung derselben gewesen. Der die Exekutton betreibmde Glaubiger hat schl'.eßlich auf die Pfändung verzichtet, was insoweit zu bedauern ist, als dadurch ver vorliegende Fall nicht zum Austrage gekommen ist; auch hätte stch gar schön folgende, dem Verkauf vorangehende Annonz« ausgenommen:„Der unterzeichnete Gerichtsvollzieher verkaust am.... in seinem Pfandlokale öff-nilich eine Anzahl Bücher, u. A. drei voll» ständige Jahrgänge(gebunden) des tn Zürich erscheinenden „Sozialdemokrat" u. s. w. Kriefkaste« der KedaktilM. C. H.. Solingen. Wenden Sie fich unter Beifügung von 25 Pf. und de» nothwendigen Rückporto» an da» hiestg« Einwohner.Meideamt, Berlin C, Postfiraße. fU K., Grstner Weg. 1. Schreiben Sie wegen des Todtenschein» an da! betreffend« Pfarramt in Brandenburg- 2. E« ffnd NM die Rückstände von länger als vier Jahren verjährt. Verantwortlicher lSedaktem R.«ronhetm in«erlin. Druck und Veriaz von Max«adtug in verlin 8W„«eulhnraße 2. Hierzu eine Velins* Beilage M Berliner Bolksblatt. »r. 15Ä. So««abend» de« 3 Juli 1883. in|«umr>, zokales. Cittt höchst b-«n,uhiaende MttthetlUUg, Sie wic unter «U« Reserve wieveiaeden, finden wir w dem in Svandau erscheinenden„Anzeiger für da» Havelland". Die Nachricht lautet:„Gestern Abend lDonnerstag) etwa um 11 Uhr wurden, wie wir hören, infolge einer von Berlin hier eingetroffenen Ol vre Abcheilungen de» 4. Garde. Regiment» und de» Elisabeth» Regiment» in den Kasernen lonfignirt. Die Solvaten erhielten scharfe P rtronen und muhten fich bereit hasten, in jedem Augen, blick auözu ücken. Der Befehl zum Auimaisch ist aber nicht erthcilt worden. Wie verlautet, würben in Berlin Unruhen au» Anlaß der Ausweisungen defürchtet." Es scheint ur s, al» od man hier eine vielleicht militärisch dienstliche Angelegenhest in durchaus sensationeller Weise aufbauscht. Sollten die Be- Hörden in Berlin wirklich Unruhen befürchten, zu welcher An» nähme uns vorläufig kein Grund vorzulieaen scheint, so ge> nügten aller Wahrscheinlichkeit nach zur Niederbrückung eine» Putsche» die Polizeimannschaften. Im Ucdrigen aber hat doch Berlin eine Garnison, die an Stärke nichts zu wünschen übrig läßt. Was miiffen da» übrigen» für Berichte sein, auf Grund deren fich die Behörden zu dcrartigm Maßnahmen entschließen können l Wir können an die Wahrheit de» oben Mitgetheilten nicht glauben und hoffen, daß die Nachricht möglichst schnell und möglichst präzi» richtig gestellt wird. Sollten fich die An gaben j-doch wider Erwarten bestätigen, so ist jedem Denkenden tn den weuigtn Zeilen unsere ganz« polstische Sstuation äußerst klar und scharf gezeichnet. Jedermann weiß nunmeh-, woran er ist. Die Berliner Arbeiter werden so vernünftig sein, und Niemandem zum Einschreiten mit der Waffe Beranlaffung Erden. Nur die Ruhe und Br sonnenhell, welche die«rdeiter et« zu wahren wußten, werden über da» Schwierige der »igen Lage hinweghelfen. Die Erfahrungen der letzten Jahre idtn e» gelehrt, wie vorzüglich man e» verstand, selbst ganz unschuldige Voigänge zu gewissen Zwecken au»,»nutzen. Man diwahlt Ernst und Selbstbeherrschung, ohne diese gehen alle bisherigen Errungenschaften unweigerlich verloren. Wer e» ehrlich mll der Sache meint, der halte fich von Auischreitungm fern, fie nützen weder dem Einzelnen, noch der Allgemeinheit, aber fie können für die gesammte Arbeiterschaft ganz unbe» rechenbare Jolgen haben. Die Postkarte« der verkehrtzanftalt„Hausa", welche, wie jede» neue Unternehmen, die Mängel bisheriger In- stitutionen möglichst>u beseitigen oder doch zu verbeffern sucht, tragen auch einem Erfordernisse Rechnung, dessen Außeracht' lassung bisher die Bestellung der Postkarten und ebenso der «riefe ungemein erichwerte. Es befindet fich nämlich in dem vorgedruckren Adresscnschema unter der WohnungSangabe auch «ine auSzu'üllende Rubrik„Treppe", welche bezweckt, die Lage der Wohnung genau zu bezeichnen und deren gewissenhafte Ausfüllung da» Adtraaen der Briefe durch die vrtefboten un. gemein erleichtert. Dirse Neuerung ist um so wichtiger, al» fie in Folge der Neigung, oorgedruckte Schema» gewissenhaft au»- zufüllen, das große Publikum allmältg hieran gewöhnt, so daß «» schließlich die Angabe der Lage der Wohnung im Hause (... Treppe, vorn oder Hof) auch auf die Briefe, welche keine vorgedruckren Schema» haben, überträgt, wie überhaupt auf «lle Stadtpoftsendungen, weShald ei wohl zu wünschen wäre, wmn auch die kaiserltche Post diese Neuerung bei ihren Post» karten, Postanweisungen»e. zur Anwendung dringen möchte. Wenn e» auch nicht immer möglich ist,«ine derartige genaue WohnungSangabe zu machen, so sollte eS doch auch wlede um in allen Fällen, wo dieS möglich ist. nicht unterlassen werden, da eine derartige Bezeichnung den Verkehr bedeutend erleichtert und beschleunigt, den Boten viel Müh« und Verdruß erspart und dem Publikum selbst mehr Garantie bietet für die prompte Bestellung der aufgegebenen Postsachen. So haben wieder einmal kleine Ursachen große Wirkungen. Die mit dem 1. Juli er. erfolgte Einführung de« ermäßigten Btllettartf« auf der Stadt- und Ringbahn hat fich nur in geringem Maße de» Beifall» de» diese Bahn benutzenden Publikum» zu erfreuen, und verhält e» fich hier- mit ebenko, wie mit der Einführung de» neuen Telegraphen- tarif». Während die Zehnpfennigstrecken auf der ganzen Tour um je«ine Station erweitert worden und der Pm» sür die 2. Wagenklasse für diese Touren von 20 auf 15 Pf. ermäßigt worden ist, hat man e» unterlassen, für die Benutzung der S. Klasse 15 Pfennigtouren einzuführen, so daß z. B. für die Attila nad die Himeii. Von Z. von Pflugk.Harttung. (»«S der„Allg. Ztg."). Da» welle Flachland, welche« fich vom Baltischen bi» zu« Schwarzen Meere erstreckt, sah um da» Jahr 370 ei» nahezu unbekannte« Volk« hineinstürme» in die Weltge- schichte.@* war wohl von uralisch-finnischer Abkunft, trug den Name« der Hunnen und kam au» der Heimath der meiste» Nomade», au« de« unermeßlichen Steppe» de» öst- liche« Zentralafien. Etwas rhetorisch, wohl unter dem Einflüsse gothischer Berichte, werden fie un» al« Barbare» geschildert, die an Wildheit alle andere» hinter fich ließen. Auf untersetzem, starkknochigem Körper saß ei»«nverhältr.ßmäßig großer Kopf, dessen Bartlofigkeit und durchstochene Backen die sunkelvden Schlitzaugen«och widerlicher hervortrete» ließe«. Sie kleideten fich j» Leinenzeug und Felle, die sie am Körper behielten, bi» dieselben in Fetze« zerfielen. Mit ihre« kleine», struppige», ah« zähe» Pferden schiene» fie wie verwachse» zu sein, vo» denen herab fie alle« betriebe«: kaufe« und verkaufe», esse«»»d trinke«, ja selbst zu schlafe« pflegten fie, auf de» Hai« der Mähre gebeugt. Berllt«» hielten fie ihre Volktversammlungen, und da» rohe Fleisch ritten fie mürbe, statt e« zu koche«—«in offenbar uralter und lange aufrecht erhaltener Brauch, da un« Marco Polo «der fall« vom Rohessen des Fleisches in der Tartarei be- Achtet. Die Fremdlinge hatten nicht Hau« noch Herd, foa- der» wanderten ruhelos umher, ihre dürftig« Hab« auf einem Karren gelagert. Ausgebildet« Königsherrschakt be- fiand a»fa»g,»ich»; u«ter der Führung ihrer Häuptlinge zogen fie in de» Kampf, lichteten die Reihe» der Gegner durch ein-» Hagel vo» Pfeilen, um alsdann mll « ldem Geheul« vorzustürmen. Stieße« st« auf ernste» Widerstand, so prallten fie zurück, um plötzlich schwenkend den Angriff zu erneuern uvd allcS über de» Haufe« zu rennen. Zm Handgemenge kämpfte« fie ohne Rückficht auf «igen« Deckung, da« Schwert in der rechte», eme Schlinge ** der linke» Hand, mll der fie de« Gegner zu umgarne» Strecken Belleoue-Alexande platz, Lehrter Babnhof-Jinnowitz brücke p.p., ach wie vor 20 Pf. zu bezahlen find. Dahingegen ist der Verkauf von Bündeldillet» tn Fortsall gekommen, für welche bisher eine 10 proz. Preisermäßigung gewährt worden war. Die Benutze? der srüherm kurzen Zehnpfenntxtouren und bei Zwanzigpfennigtouren, sowie auch ein, einer Dretßigpfennig ftrcck n büßen die ihnen durch die Entnahme von Bündel- btllctS btiher gewährte Preißermäßig ein. Vielleicht genügt dieser Hinweis, um die Eisenbahnverwaltung noch zu einem welleren Schritt auf dem betretenen Wege zu veranlassen, nämlich Fünfte hnpfennigstrecken einzusühren und die Ststtrung in der«uSgade von Bündeldillet« wieder aufzuheben. Unter der Epttzmarke„Eine Stunde im Aufnahme- Bureau der königlichen Charllee" schreibt eine Lokallorrrsvon- denz: Den Beamten in dem Aufnahme« Bureau ist schon oft der Vorwurf der Grobheit gemacht worden; würde fich j-doch Jemand die Mühe nehmen, nm ein« Stunde die ungeheure Arbeit, welche dies« Beamten zu dewältigen haben, zu beodach- ten, so würde er anders urihetlen. Während des Vormittags find zwei Beamte, Nachmittag» dagegen nur einer im Bureau anwesend. Von den 5—7 Personen, die durchschnittlich tn der Nacht gestorben, find zuvörderst j: 3—4 Tod'«anzeigen zu schreiben auch dir Geburten und die in der Nacht aufgenommenen Kranken find einzutragen. Während dieser Arbeit kommen schon wieder einige Paltenten, die aufgenommen zu werden wünschen. Wärter kommen, um die Kranken, welche am Mittag entlassen werden, streich-n zu lassen. Für jeden Entlassenen ist ein EntlaffungSschetn auszufüllen und in die Bücher einzutragen, wohin er enilassen wird, e» find die» mitunter gegen 100 an einem Tage. Dann kommt auch wohl dazwischen ein Geisteskranker, deglellet von einem Dutzend Angehöriger, eine heillose Bei wirrung in dem Büreau anrichtend, dazwischen meldel der Pottier, daß vor dem Portal eine Droschke mit einem Schwerkranken halte, dessen P rsonalien schnell noch fest- gestellt werden müssen, ehe er auf die Station geschafft wird. Mit einem Wort, bei dieser aufreibenden Thätigkell nimmt e« nicht Wunder, daß die Beamten zeitweise energisch austreten.— Wir haben hiergegen Zweieilet einzuwenden. Ersten« müßte unter allen UmstäadtN darauf hingewirkt werden, daß fich im Aufnahme-Bureau der Charit« eine genügende Anzahl von Beamten befindet, um die nothwendtgen Arbeiten zu erledigen. Sind fünf Angestellte dazu nicht im Stande, so soll man eben zehn beschäftigen. Es ist einfach unmenschlich, zu verlangen, daß arme Kranke unter der ArbeUSüberdürdung der Beamten leiden sollen. Zwecke-« aber dürfen auch andere Leute, die gerade nicht Beamte find, aber mindestens eben so beschäftigt wie diese, dem Publikum gegenüber niemals„energisch" wer den, sondern müffm fich einer stet« gleichbleibenden Höflichkeit defleißtgm. I» nächster Nähe der„Vosfischev Zeitung" beging gestern die Familie G.üer ein im rastlosen Getriebe der Welt- stadt aewiß seltenes stille? Jubiläum; ei wurden an diesem Tage hundert Jahre, daß die Tischlerei von Glüer der N-ch- bar der„Vosfijchm Zeitung" ist. Da« Blatt erinnert an diese Thatsache in folgenden Worten: Im Jahre 1786 heftete Herr M. S. Alberthol, der damalige Besitzer de« Grundstück? Breite Straße Nr. 8, etliche Oktavdiätter in einem schwärzlichen Deckel zusammen und trug zu oderst auf der ersten Seite mit stcherem Gänsekiel folgendes Memorablle ein:„Die Viertel Jahrige Miethe vom 1 sten Jully 86 bi« 1 sten Ottober 1786 habe ich n°? b'"" Glüer richtig erhalten." Im Verfolg deS Hefte» «rgiebt fich, daß Herr Glüer stel« feinen Verpflichtungen nach- kam und au» von seinem MtethSherrn nicht gesteigert wurde. dt« Anno 1792 Herrn Alderthal» sonst so feste Hand zu zittern begann und einen Kranken auf dem Sterbebett verrieih. Vom 1. Juli desselbigen Jahre? bescheinigte fortan ein Herr Wernicke die regelmäßigen Z rhlungen. Er bediente fich anfangs derjelden OuittungSformel wie sein Borgänger; allmäiia aber stellte er fich auf srtnen eigenen Stil und schrieb am 1. April 1795:„Die Vierteljährige Mthte von R-ujahr bi« Ohstem ist mich von d. HE. Glüht Richtig Bezahlt." Zrhn Jahre später war da« schwarze Büchelchen voll geschrieben, und Herr Wernicke ver- zeichnete zum Schluß am 1. Oktober 1805 mit einer gewissen Feierlichkeit:„Die Viertel- jäyrige Mckhe ist mich Von dem Herrn Glüer Richtig bezahlt, und habe biß betzo keine Mithi Forderung an dHEn. Glüer zu machen." Nach einiger Frist segnete auch Herr Wernicke da« Zeilliche, und auf den alten Herrn Biüer folgte 1804 ein junger. Dieser nahm fünfzehn suchte«, während er ihre Hiebe parirte. Treue und Glaube waren ihnen fremd; hingegeben der Gewalt de« Augenblick«, hatten sie von Kindesbeine» an gelernt, Kälte, Hunger und Durst zu ertragen. Sie erschienen al« ein von jeglicher Kultur unberührte« Nsmadenvolk vo» entschieden kriegerischer Begabung, geschickt selbst in große» Massen milllärisch zu Handel«. Schon i« zwecke» und dritte« Jahrhundert scheinen fie die Gegenden nördlich vom Kaukasus oder die zwischen Wolga und Ural durchstreift zu habe«, dann ge- rieihm ste durch unbekannte Ursache« in Wanderbewegung und überschritte» zu Anfang der 70cr Jahre die Wolga. Zuerst stieße« fie auf da« rossereiche, gewiß germanische Volk der Alane», da« besiegt und.auSeivaodergesprengt wurde, dann warfen fie fich auf die Treuthunge« oder Ostgothe«. Wohl leistete deren König Hermanarich muihvoll Widerstand. ES war umsonst, stech und alt, machte er seinem Lebe» ei« End«. Da« von ihm gegründete Reich zerfiel, «in Theil seiner Völker verstärkte die Sieger, welche unauf- haltsam weiter gen Weste» drängte». Dort wohnte« zunächst die Westgothe«, durch Zerwürfnisse im Inner« unterwühlt, gerade im UebergangSstadium zu einer umfassende» König«. Herrschast unter Athanarich dem Balthe» begriffe«. Wie hätten fie widerstehen solle»? Ja mondheller Nacht durch. schwammen die Hunnen de« Dnjester, Athanarich mußte «ine« verlustreichen Rückzug a« de» Pruth antrete», dann gar in die Berge Siebenbürgen« entweichen und fich schließ- lich in einer unzugängliche» Burg der Earmaten ein- schließen. Mit Beute beladen rückte« die Hunnen weller und weiter, vor fich her aufgescheuchte Massen. Bald„verbrei- teie» fich im Inner« de« römischen Reiche« schreckliche Ge- rüchte über die Bewegungen unter de» nordischen Völker«, die verschiede» waren von de» frühere»; es hieß, au« dem aanze« Gebiete vom Schwarzen Meere bi« zu dem der Ouade« und Markomannen sei eine Menge bisher unbekannter Bar baren stamme vertrieben und ziehe nun dem Donau- Ufer entlang," so berichtet der Zeitgenosse Ammia». Ei» Theil der landlos gewordene» Germanen kam über Jahre später wider jene» alt« Hell-ur Hand und schrieb auf die Innenseite deS Deckel? mit Bieifttftzügen, w Ich- bi« heut» ficht Kar stnv:„1810 b'S Johanny. von Jodani y 1786 wohne ich 33 Jahr, 18»cd, 15 mein Varer." 1819 aber wurde ein neuer Kontrakt geschlossen, und der nunmehrige Br Schristseite wird die Mittel» fläche durch die gestrichrUe Ziffer 20 ausgefüllt. Die konzentrische Randfläche erhält die Umschrift„Deutsches Reich" nebst der Jahreszahl und bierunter je durch einen Stern getrennt die Wrrthangabe 20 Pfennig. Zunächst sollen fünf Mlll.Mark der neuen Münze geprägt werden. Da»«uschtagwesen, wie ei stch bei un« mit den Plakat- faulen, mit der polt, ctltwen Zensur und mit noch vielen anderen Ä&'zia ää&ä,«tic ganz in der Räze gelegenen und al« vommeraufenthalt sehr deliebten kleinen Dörfchen gehandhadt wird, deffm Bewohner allerding» da» stolze Wort„Bad" nicht selten vor den Namen ihre» Wohnorte» setzen. Um einem längst gefühlten B dürf« niffe abzuhelfen, hat ein G-undstücksbefitzer auf fernem Grundstücke ein„schwarzes Brett" angebracht, wo nun Jedermann seine für die Oeffentlichkeit bestimmten Schmerzen zum Aus» druck bringt. Die Lektion an diesem schwarzen Brett ist sehr belehrend und unte: richtet den Leser schnell über wichtige Ver» hältniffe in dem kleinen Orte. Obenan steht dai ttuigedot der noch zu vermiethenden Sommerwohnungen; darunter de- sagt ein aufgeklebter, mit Dtnte geschriebener Zettel, datz deute das so beliebte SommernachtStanzkränzchen in dem Saale bei die Donau auf byzavt'uische« Gebiet, überwarf sich mit be» Beamten, griff zum Schwerte und erschütterte da« Kaiser- thum bi« in die Grundfeste». Unterdessen fitzte« sich die Hunnen in ihre« Eroberungen fest, diese«ach Kräfte« er- wetternd. Ihr Herrschaftsbereich erstreckte fich von Panoo- nie» bi» zum Ural, war aber unter eine Anzahl von Haupt- linge» zersplittert und beruhte guten Theil» auf unterwor- fene« Völker», die«eben ober mit ihnen durchmischt wohnte» und meisten« in einem Ve» Hältnisse der Tribut- und Lehn«- Pflicht standen, welche« ihre inneren Zustände nicht sonder- lrch beeinflußte. Die namhaftesten dieser Pflichtige» Völker gehörte« der großen gothischen Gruppe an. Zunächst die Ostgothea; sie wohnten, stail gelichtet, läng« der unteren Donau in Au«. läufern wohl bi« Paonoaien. Unter dem Sohue und E ikel Hermanarich« hob sich ihr« Mach» wieder durch glückliche Kriege gegen germanische Nachbarn. Nach dem Tode de» Enkels läßt die Sage die Gothen 40 Jahre ohne Köviz zu- bringen, in Trauer um den jugeavliche« Helden; die Umrisse der Gothengeschichte beginne« im Halbdunkel zu verschwimmen. Nach längerer Unterbrechung bestieg Wa« lamer den Thron, mll dem zugleich seine beide» Brüder her- vortraten. Neben de» Ostzothe» ist al« da» mächtigste Germanen« voll da« der G-pwen zu nenne», zu dieser Zell vielleicht das zahlreichere. Sie Halle» sich tn der Gegend der Kar» parthen niedergelassen und ihr König Acdarich galt al» Ver» trauter de« Hunnengebieter«, al« hervorragendster Fürst unter den Pflichtige«. Außerdem haben wir die leichtberitteve« Scbaaren der Heruler, die kampfesfrohe« Rugrer, die Ekire», Twillingen und andere bis zu de« Euebe», wohl Biuchtheilen der Quadea an der mittleren Donau. Die eiqentl-.che Groß» macht nördlich de« Strome« aber war das Volk der Hunnen, welche» zunehmend mehr zu dem römischen Reiche in Be- ziehuog trat, in friedliche und feindliche. Sie griff n 424 in die Th oawirre» der Westhälfte ein, 425 gingea fie in hellen Haufen über die Donau, durch« zogen plündernd Thrakien und gelangten bis in die Gegend vo» Konstantwopel. Zu wirkltcher Bedeutung für bis N. N. stattfindet, und daneben wird auf einem mit unfichere» Hano gescbrltdmen Piatat von dem Tischler Z. gebeten, eine au« seinem Krantenstuhi im Walde verlorene Echraud« beim Wiidnaui finden abzugeben. V'i Kird rmädchen scheint etwas nackläsfig zu sein, denn sie hat augenscheinlich mit eigener Hzrd und Orthographie und einem Stückchen Kreide aufge« schrieben, daß ein„Kinderstrumppf nebst Schiechen und ein Wollknaul" im Walde verloren und bei ihr abzugeben find. Beruhigend wie die schöne Waldlutt auf kranke Nerven, so wirkt auch diese? idyllische Anschlagwesen auf den Berliner, der die hochpolitische Bedeutung kennt, welche heutzutage auch dem geringsten VersammlunaSplakat an unseren hauplstädttschen RnschlagSsäulen beigelegt wird. Tie, Zelte", die ältesten Vergnügungtlokale de« Thiergarten», find setzt füntvtertel Jahrhunderte alt geworden und gebönn somit in ihrer Art gewiß zu den bemoosten Wahr zeichen Berlin». Auch die„Z'lte" verdank'» ihren Ursprung der Idee eine« stanzöfischen Refugie'S. DaS erste Z'lt mit dem Sckilve der..goldnen Gant" und der Inschrift„von Oie (Momioie) fait tont"— Geld macht Alles— war 1760 eröffnet worden; andere folgten nach. Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts aber waren die Zelte nach dem W rffer zu lauter kleine, niedrige Häuser; vor denselben standen etwa 9 Fuß hohe Bretterbuden, welche außen mit Austernschalen benagelt waren. Die ansehnlichsten dieser Lokale waren nach dem„Bär" der Scha'fiall, ein langes Viereck, und die Zuckerdose, ein Rund« bau, beide im Winter mit eisernen Oefen primitivster Art ver- sehen. Am Saume des Waldes, dem jetzigen ersten rechts ge- legenen RestaurationSlokale gegenüber, befand fich ein Lein- wandzelt, in welchem der Hottheater Konditor Reibetanz Ge- frorenes und vorzüglichen Ki schlucken feilbot. Die Mufik wurde von vier, höchstens sechs Personen ausgeführt, der Leith-n. vermuth. lich dadurch, daß sich durch ein weggewmfenes brennendes Streichholz oder Zigarrenende der angesammelte Pferdedünger entzündet hat. Tai Feuer wurde von der Feuerwehr in kurzer Zeit gelöscht._. Gerichts-Zeitung. Hege« de« Redakteur Joseph Paul Pulkrabeck au« Berlin, der als Redakteur der längst einaegangenm„Berliner Freien Presse" wegen PreßvergehenS 1880 zu längerer Frei« heitistrafe veruriheilt und dann flüchtig wurde, erneuert die «gl. Staatsanwaltschaft beim Landgericht l. unterm 25. Juni den St.ckbrief zum fünften Male. t Wegen Freiheitsberaubung hatte fich die Schneiderin Klara Kutschte gestern vor der ersten Strafkammer deS Landgericht« x zu verantwolten. Eine Frau Runge hatte bei ihr ein Kleid bestellt, dessen Ablieferung fich sehr verzögerte. Am 24. Februar d. I. machte fich Frau R. mit einer Bekannten, dem Fräul. Therese Dreßler, aus den Weg, um da« Kleid ab- zuholen. Als fie hinkamen, war Frau Kutschte mit der Arbeit auch fettig und bereit, da» Kleid gegen Bezahlung sofott aui« zuliefern. Frau R. besah stch da« Machwerk und äußerte den Wunsch, e« zu Hause anzuprodiren, die Schneiderin solle mit kommen und dort ihr Geld erhalten. Frau K. war hiermit nicht einverstanden, fie meinte, Kleider, die sie anfertige, säßen so gut, daß eine vorherige Anprobe überflüsfig sei. E« kam zu einem Strette, den die Begleiterin der Frau R. da« durch zu beendigen suchte, daß fie da« Kleid über den Arm nehmen und stch entfernen wollte. Nun sprang Frau Kutschke auf, eilte an den beiden Frauen vorüber und schloß die Studenthür zu, so daß Frau R. und Fräulein Dreßler eingeipertt waren. Wie lange ihre Gefang.nschaft dauerte, ließ fich nicht feststellen. Die Beiden behaupteten aller« dingS, fast eine Stunde lang ihrer Freiheit beraubt gewesen zu sein. Der Portier aber, den Frau K. fich zu Hilfe holte, meint, daß höchsten» 5 Minuten vergangen wären, bis er auf dem Schauplatz erschienen sei. Nun wurde die Thür wieder geöffnet, und da» Fräulein mußte fich bequemen, da« Kleid dazulaffen. Im Hautflur kam e» noch einmal zu lebhaftem SrrtU, bei dem ei sogar Prügel gesetzt haben soll. Die Denunziation wurde erst eingereicht, als die Schneiderin im Wege Vei Zivilprozeffri ihre Arbeit bezahlt verlangte.— Der Gerichtshof sprach, wie auch der Staatsanwalt deantragt hatte, dle Angeklagte frei, weil ihr da« Bewußtsein gefehlt hatte, eine strafbare Handlung zu begehen. t„Schiebungen". Der Berliner Dialett hat einen sehr bezeichnenden AuSvruck für gewisse Handlungen, die hatt an Betrug streifen, al» solcher aber juristisch nicht zu faffen find. Besonder« im Häuser- und Grundstücks wucher find solche Schie- bungen gebräuchlich; zweifelhafte Existenzen, welche fich nicht scheuen, mit einem Aerwel da« Zuchthaus zu streifen, wenn ihr Weg fie nur zur Million führt, wissen mit erstaunlicher Geschicklichkeit die Karten so zu mischen und zu verschieben, daß fie dem Gesetz ein Schnippchen schlagen und der scharf- finnigste Staatsanwalt seinen Witz vergeben« aufbietet,«er« schleierungen de« Vermögensstandes, Scheinvetträge, Wechsel über Tausende von Mark, die niemal» präsentitt werden, Beiseitrschaffung von Befitzodjekten— da« ist der Apparat, welchen der„Schieber" mit jener hartnäckigen Schlauheit an- wendet, welche nur die Sucht„Geld zu machen" geben kann. Wohlvertraut mit den Vorschriften deS Gesetze«, weiß er fie um so besser zu umgehen, und wenn der Weg, den er ver- folgt, auch niemals der de» Anstände», deS Vertrauen« und der Ehrlichkeit ist, so kann ihm dieser Mangel mit Recht In einer Gesellschaft gleichgiltig sein, die den Werth eineS Menschen allein nach dem deurl heilt, wa« er hat. Wenn Hinz dem Kunz zwei Mark stiehlt, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß» daß Hinz gefaßt wird und auf einige Wochen oder Monat« je nach Umständen in« G-fängniß wandert: hat Hinz oder 20000 M. nicht aestohlen, sondern— fich zu- geschoben, so ist der gelehrteste Richter ohnmächtig und eine Bestrafung unmöglich. In Knisscn und Pfiffen unerschöpflich, von geschickten Rechtskundigen berathen, stet» bereit einen ManifestationSetd zu leisten, durch Zwangsboll« streckungen nicht zu tiessen, für den Gerichtsvollzieher uner« reichdar, wissen fie durch die Maschen de« Rechts zu schlüpfen und fuhren, obwohl ihre Befitzlostgteit gerichtlich attesttrt ist, da» Leben eine» reichen Manne«. Wenn durch eine Gerichts« Verhandlung eine solche Schiebung aufgedeckt und der Nachwei« geführt werden soll, daß strafbarer Eigenutz vorliegt, so zeigt fich der Fall zunächst wie ein unentwirrbares Knäuel. Der Angeklagte geht mit der Sprache nicht herau« und sucht Ouersp.üngt zu machen. Sein Rechtsanwalt stellt Beweiianträge über BeweiSanträge. Die Zeugen können zur Klärung der Sache wenig beitragen. Tchlreßlich fällt der Gerichtshof ein fretsprechendrS Urthetl und triumphtrend ver« läßt der Angeklagte die Anklagebank. Im Korttdor empfängt er die Glückwünsche setner Freunde. Das ist die Re«el.— Testern stund der zweiundseldzigjähriae Kaufmann Gustav Ksamer vor der ersten Strafkammer hiestgen Landgerichts I unter der Anklage, bei einer drohenden Zwangioollstreckung Bestandthetle feine» Vermögens veräußert, nsoettioe bei Sette gebracht zu haben. Der Angeklagte deuichnet fich selber al»„kleinen Rentier". Bus dem Jahre 1869 hat ein Kaufmann v. an ihn eine Forderung über oa. 22000 M. die au» einem Häuser« und Hypoth-kenschacher herrührt. Diese Forde« rung ist dt« heute mcht einzutreiben gewesen, trotzdem K. der thatsächliche Eigenthümer zweier Häuser, da» eine liegt in Moabit, Waldstr. 32a, da» zweite in Retnickendorf, Justus« straße, ist. Der„kleine Rentier" ist ein so hartnäckiger Schuldner daß er in der Zeit von 1874 bis 1875 ein Jahr lang in Schuldhast saß, ohne stch zu einer Zahlung zu bequemen. Exekutionen fallen bei ihm fruchtlos aut, denn er hat fich vor- trefflich vorzusehen gewußt. Nomineller Eigenlyümer on beiden genannten Grundstücke war ein Kaufmann St., ein Mann, der nicht über einen Pfennig eigenen Vermögens ge- ? �ahre 1884 starb St.; K machte diese» fatale Er» eignife aber durch ernen Vertrag wieder wett, den St. von seinem letzten Krankenbett aus noch unterschrieben hatte. In diesem Vertrage verpflichtete St. fich und seine Erben. die Grundstück« zum Betrage der bi« zum Tage des Abschlüsse« de« Vertrages auf denselben hastenden Hypotbekenschuloen an«. zu verkaufen und räumte demselben va» Verkaustrecht ein. Diese« Schriftstück und alle au» demselben herrührenden Rechte schob K. dann an«inen gewissen Horstmann weiter, der als Gegenleistung einen Wechsel über 49 000 M. ausstellte, zahlbar nach sechs Monaten, sobald Horstmann in den Besty der Grundstücke gelangt wäre. Horstmann, der Milch- Händler engro» sein will und sein jährliches Einkommen auf 40 000 M. beziffert, eine Angabe, die von anderer Seite nan tn Zwtt'el gezogen wurde, strengte gegen die Erben de» Zivtlprozeß an und gewonn Venselben in zwei �.ifianzrn Diese Vorgänge waren inzwischen dem Gläubiger S"„,- i, � iu Ohren gekommen und er brachte den Fall zur Anzeige. Die Staatsanwaltschaft erhob nun die Anklage wegen strafbaren Eigennutz gegen K. K. gab in der Verhandlung ohne wettere« zu, daß die Verträge mit St. Schelnv-itrSgr gewesen seien, b-rief stch aber auf da» Zeuzniß drs H., daß der Vettrag mtt ihm ein wirktichrr, kein voigrschodener sei._ Da» Zeugnitz de, H. fiel auch nach den Wünschen des„tleirnn Rentier" aut; dies war entscheidend. Der Staatsanwalt mutzte selber die Freisprechung deS Ange« "°üten beantragen, die der Gerichtshof auch aussprach. K. entfernte stch mit einer Miene, al« habe er bereits wieder Wege entdeckt, die ihn um die Zahlung der Schuld von 1869 herumzuführen geeignet wären. Breslau, den 1. Juli. Zu den Diätenprozessin wird der „Volltztg." geschtteben: In dem Diätenprozeß gegen den R>ichStagSabgeord''eten Kräcker wurde dem tlägerischen Anwalt aufaegrbkn, ein Druckcxemplar de» Protokolls über den im Jihre 1876 in Gotha stattgehabten Soz'alistenkongreß ttnzu- reichen. Weiter wurde beschloffen. Beweis darüber zu erHeden, ob: 1) auf dem Kongreß ein Beschluß dahin gefaßt worden ist, daß den ReichStagiabgeordnrten der fozialdemokratischm Partei, welche im Patttiinteresse zu stimmen fich verpflichten würden, Diäten gezahtt werden sollen; 2) ob der Inhalt de» eingereichten Druck-x-'MplarS de» vordezeichneten Protokolls mit den auf dem Kongreß stattgehabten Verhandlungen und ge« faßten Besitlüffen übereinstimmt; 3) ob der Bcklaate aus dem sogenannten Diätenfonds der sozialdemokratischen Partei wäh« rend der in der Klage angegebenen Zeit einen Betrag von mindesten? 1818 M. erhalten hat. Zur Vernehmung über diese Fragen wurden bekanntlich die Herren Bebel. Liebknecht, Singer, Rittinghausen, Spindler, Fritzsch« und Hasselmann al» Zeugen namhaft gemacht.HAuf die Vernehmung ver letzteren drei Herren wurde, da dieselben nicht mehr in Deutschland wohnen, verzichtet. In der Verhandlung in erster Instanz hatte der Beklagte zugegeben, au» dem Diätenfond» 1501 Mark erhalten zu haben, und da der kläge« rische Anwalt diese zugestandene Summe am 29. März c. al» richtig angenommen und auf den von dem Beklagten nicht an« erkannten, streitig gebliebenen Mehrbetrag von 317 Mark verzichtete, wurde die Frage 3 irrelevant und so konnten auch die vernommenen Zeugen über di« von dem Bellagten erhaltene Diätensumme nichts angeben. Die Herren Singer und Ritting- hausen waren auf dem Kongreß nicht anwesend und konntm demgemäß auch nichts darüber bekunden, ob die auf dem Kon« gieß stattgehabten Beschlüsse und Verhandlungen mtt dem Druck« exemplar des Protokolls übereinstimmen. Die Herren Bebel und Liebknecht geben zu, daß da» Protokoll die Verhandlungen im Großen und Ganzen richtig wiedergtebt, beide fügen aber hinzu, daß die auf dem Kongreß gefaßten Beschlüsse durch die Ereignisse de» Jahre» 1878 längst antiquirt und in keiner Weise mehr bindend für die sozialdemotratische Partei find. Auf die F�ge zu 1, daß nur denjenigen Abgeordneten der sozialdemolratischen Partei, die im Partelinteresse zu stim- men fich verpflichten, Diäten gezahlt werden, gehen die Bekundungen der Herren Bebel und Liebknecht dahin, daß nach der sozialdemokiatischen Partttpraxts stet» stillschweigend vorausgesetzt wird, daß diejenigen Abaeoidneten, welche auf da» sozialdemokratische Programm gewählr werden, und von denen auch ein Theil Diäten ei hält, nach den Pattelgrundsätzen stimmen würden. Würde aber selbst ein Abgeordneter bei Verhandlungen und Abstimmungen de» Reichstage» eine von der Majorttät abweichende Meinung vertreten, so würde er d-Shalb, so lange er Mitglied der Pariet ist, sein Recht auf Diäten nicht verlieren. Diese Bekundung entspricht auch durchaus den Verhält- niffen, wie ste in der sozialdemolratischen Pattei zu Tage ge- treten find. E« sei hierbei nur an die Verhandlungen über Schutzzölle, Dampsersuborntion, an die Forderung de« Mintmallohnes im Arbeiter- Schutzgesrtzentwurf u. f. w. er« innert. Der Abgeordnete Singer vermag, da er dem Kongreß nicht beigewohnt, auS eigener Wissenschaft zu dieser BewetSirage nicht« anzugeben. Er halt einen solchen Beschluß aber für unwahr- schetnltch, jedenfalls entspreche die Praxi« der sozialdemokrati« schen Partei demselben nicht. Herr Rittinghausen, der dem Kongreß ebenfalls nicht beiwohnte, bekundet, daß, soweit er in Erfahrung gebracht habe, auf dem denannten Kongreß kein Beschluß gefaßt worden ist, daß den Reichstagsadgeordneten, welche der sozialdemokratischen Partei angehören, unter der Bedingung Diäten gezahtt werden sollen, daß fie fich ver« pflichten, gegen Empfang dieser Diätm räch einer bestimmten Richtung im Parteiintereffe ihre Stimme im Reichstag« abzugeben und ihrer Uederzeugung hierdurch irgend einen Zwang anzuthun. Termin in dieser Sache ift auf den 21. September ange- setzt. Gleichviel, wie der Entscheid auch ausfallen möge, so wird da« Reichsgericht fich doch damit zu beschäftigen haben, da der Beklagte schon in erster Jrrßanz eine solche Summe al« tn Empfang genommen zugestanden hat, daß der höchste Gerichtshof daS letzte Wort in der Sache zu sprechen hat. Anderseits aber ist nicht anzunehmen, daß der FiSluS, falls Abweisung der Klage erfolgt, fich dabei deruhigen wird. Uerewe und Uersamminngem Der Fachveretn sämmtlicher an Holzbearbeitung»« Maschine« beschästigten Arbeiter hielt am 28. Juni bei Säger, Grünerwea 29, �eine Mckgliederaersammlung ab, welche stch mit inneren VereinSangelegenheiten brlchäsligte. Es wurde von verschiedenen Miigliedern detont, daß stch die Kollegen mehr an der Aufnahme der Unfallstatistik delh-iltgen möchten, denn eS fei bestimmt anzunehmen, daß nm die Hälfte der Unglück«. fälle dem Verein gemeldet werden. Der Vorsttzende machte bekannt, daß Unglücksfälle im VcreinSlokal, Grünerweg 29, bei Säger, im ArdeitinachweiSbureau, Marienufer 4 bei Jahn und beim Schriftführer de» Verein», Herrn Koboldt, Grünauer« straße 18 XV, angemeldet werden können. Die Versammlung beschloß auch, eine Berufsstatistik vorzunehmen, zu diesem Zweck Fragebogen drucken zu lassen und dieselben in den Werlftellen zu vetthrilen. ES würden folgende Fragen in Betracht kommen: 1. Wieviel Maschinen find tn der Werkstatt und wieviel Ar« deiter? 2 Wieviel beträgt der Lohn pro Woche? 3. Wieviel Stunden beträgt die Ardett«zeit täglich und wieviel die Woche? 4. Wünschen Sie eine kürzere Arbeitszeit und wie lange?— Die Versammlung erklärte fich sodann mtt der provisorischen Ernennung de» Herrn Richter zum Mttgliede de» Vergnügung». Komi!« einverstanden. Der SommernachtSdall de» Verein» findet am 31. Juli in„Kiiem's Volligarten", Hasenheide 1, statt; ferner jeden Sonnabend geselliget Beisammrns in der Kollegen bei Säger, Grünerweg 29. Die nächste Versammlung ist am 26. Juli tn demselben Lokale. * Zum Besten der Keankenkafle der Gürtler«nd Bronzenre(E. H. 60) findet am Montag, den 5. Juli, in dem prachtvoll delottrten und Abend» bengalisch beleuchteten Garten der„UnionSdrauerei", Hasenhaide 3-5, ein Sommer- fest statt. Da» Festprogramm ist ein sehr reichhaltige». Außer großem Mrlitärkonzert werden Schaustellungen und Belusti« gungen verschiedener Art geboten; so findet u. A. ein großer Festzug statt, darstellend„Schneewittchen» Brautzug", zu wel- chem prachtvolle Kostüme exüa angefertigt worden find. Ele« gante Wagen und Pferde befinden stch im Zuge. Außerdem in der großen Halle Vorführung verschiedener Menschenracm und dresfir'.er Thiere.— Für Kinder Theatervorstellung und Bobonregen; Abend» Fackelzug, wo«» j-det Kind eine Stock« laterne gratis erhält. Von 6 Uhr ab im Tanzsaale großer Ball. Die Kaffeelüche ist von 2'/, Uhr an g öffnet. Anfang de» Konzert» Nachmittags 4 Uhr. Billeti ä 25 Pf. find vor- her bei den Vorstandsmitgliedern und auf den Zahlstellen zu haben. Kassen p ei! 30 Pf. De» guten Zwecke» wegen können wir eine rege Betheiligung an diesem F-.ste nur empfehlen. Zum Besten hrlftzbedürftigep Mttgliede« veranstalten die Fllialen Ber tn 5 und 6 der Allgemeinen Kranken- und Sterdekaffe der Metallardetter(E. H. 29, Hamburg) am Sonnabend d-n 10. d. I. im Berliner Prat-r, Kastanien Alle 6 di» 9, ein große» Sommerfest, bestehend auS Konzert, Theater und Ball unter Milwirkung sämmtlicher Spezialitäten. Anfang 4V» Uhr. Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr ad geöffnet. Btllet» find vorher in den Zahlstellen sowie in den mit Plakaten de- legten Handlungen T« 25 Pf., reservirter Platz 40 Pf.) zu haben. De» guten Zwecke» wegen wäre eine recht zahlreiche Betheiligung erwünscht. Die Zahlstellen stnd an diesen Abend geschloffen und werden die Beiträge dafür Sonntag, den 11. Juli, Vormittag» von 11—1 entgegen genommen. Verein»»« Wahrung der Interessen der Klavier« Arbeiter. Sonnabend, den 3. Juli, Abend« 8 Uhr, in Grat« weil'S Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79(untere Säle) Versammlung. T. O.: 1. Vottrag de» Herrn Dr. Benkendorf über da» FindlingS-Wesen. 2. VereinSangelegenhettm.— BilletS zum Sommerfest werden in dieser Versammlung au»« gegeben. Zentral- Kranken- nnd Unterstützung»« Kasse der deutsche« Zimmerer. Sonntag, dm 4. Juli, Vormittag» 9 Uhr, Kotlduserstcaße 4a, General> Versammlung. T.- O.: 1. Zwick und Ziel der Kasse. Refe>rmt: Herr Matz, Oranien- str. 166. 2. Verschiedene». Neue Mitglieder werden aufge« nommen. Säwmtliche Zimmerleute haben al» Gäste Zutritt. Fachveretn der Patzer. Sonntag, den 4. Juli, Vor« mittag» 11 Uhr, im VereinSlokal, Jnselstraße 10, Mitglieder« Versammlung. Tagesordnung: Kassenbericht. VeretnSange« legenhetten.— Der Verein veranstaltet am Montag, den 12. Juli, eine Landpattie per Kremser nach den PichelSdergen. Die Listen zm Cinzeichnung der Theilnehmer liegen bei folgen« den Komiteemitgltedern auS: G. Arndt, Pallifadmstraße 71; 6. Kleber, Oranienstraße 171 bei Stock; C. Jahl, Schlestscher Bahnhof 2; C.Walter, Münchedergerstraße 31; A. Hennig, Granseeerstr. 1; A. Küller, Borfigstr. 18; tz. Thieleke, Grüne« waldstr. 14; in Schönederg bei W. Rehden, Mariannmstr. 21; O. Hauischild, Planufer 7 bei Rump; L. Braun, Danztgerstr. 1. — In der Versammlung find ebenfalls BilletS zu haben. Fachveretn der LnxuS-Papier-Präger«nd Patzier« Schläger. Mitgliederversammlung am Sonntag, den 4. Juli, Vormittags 10% Uhr, tn Seefeld'S Salon, Gcenadterstr. 33. T>O.: 1. Die Arbeits- und Lohnverhältnisse unserer Branche. 2.DiSkuIston. Referent: Herr Schmidt. Gälte stnd willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Mitglieder, welche mit Jhrm Beiträgen im Rückstände find, ersucht der Vorstand die- selben zu entrichten. Der KasfirerSchmidt wohnt Rheintberger- straße 55 II. Die Maler Berlin» unternehmen am Sonntag, 4. Juli, eine Herrenpartie. Sammelplatz Morgen» von 7 di» 9 Uhr bei Jaretzlt in Schmargendorf. Verein der Berliner Bananschiäaer. Sonntag, den 4. Juli, Vormittag« 10 Uhr, Verein». Versammlung bei P-euß, Oranienstr. 51. Ouittunaibuch legtttmirt. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Etucka« teure Berlta» Montag, den 5. Juli, Abend» 6'/, Uhr im Lokale de» Herrn Rieft. Kommandantenstr. 72. Tagesordnung: 1. Die unerledigte Resolution, betreffend da» Abfallen von Stuckiheilen. 2 Der Kontraktbruch von Seiten der Meister und G.hitten. 3. Verschiedene». Der Kachverein der Stetndrncker und Lithogratzhen veranstaltet am Sonnabend, den 10. Juli, in Wttmann's VollSgatten, Gesundbrunnen, sein erste» große» Sommerfest, wozu Kollegen und Freunde freundlichst eingeladen find. Billet» a 30 Pfennig stnd zu haben bei den Kollegen Kaiser, Mtchaelkirch« Platz Nr. 3; Hendrich, Langestr. 86; Schulz, Schöneberg, Golzftr. 1; Gent, Pückl-r« straße 15; Lehmann. Ackerstr. 160; Preuß, Brchklftraße 15; Kerlin, Bernauerstr. 69, sowie bei sämmtlichen VorstandSmtt« gliedern und tn allen mit Plakaten delegten Handlungen.— AlleS Nähere durch Annonze. Gesangverein„Sängerlust", Pallisadenstraße 9. Jeden Sonnabend Abend 9 Uhr U«dung»stunde. Verein der Taubenfrennde. Jeden Sonnabend Abend« 8% Uhr Sitzung im Restaurant Kleemann, Laufiyelstcaße 41. Gesangverein„Harmonta". Jeden Sonnabend Abend» 8 Uhr UebungSstunde im Restaurant, Alte Jakobstr. 88. Uermifchtes. SM Protokoll aufgenommen, au» welchem hervorgeht, daß da« Boylottiren auch hier zu Lande Eingang gefunden: E» er« scheinen die beiden Herren k. k. GerichtSadjazenten Dr. Vittor Wagner und Aloi« Dcxat und geben nachstehendes an: Wir haben di» 21. April laufenden Jahres bei dem hiestgen Gastwitthe Karl Jagodic die Mittag», wie Abendkost bezogen, und zwar al» tagliche Gäste. Am 21. Aprll sagte nun Karl Jagodic, daß er un» von nun an die Verabfo'gung der Kost, respektive der Speisen und Getränke verweigere, und hat auch an die Adresse eine» Jeden von uns im gleichen Sinne abgefaßte Briefe gesendet, we»hald wir noch am selben Tage sein Gasthau« vertreßm und selbe» seitdem nicht mehr ft.qu'niirt-n. Auf unsere Eclundigung erklärte fich die Gaftwlrthtn PuSnik auS angeblicher Gefälliglett bereit. un» die Mittag», und Abendkost zu verabfolgen. Am 23. Mai lündigte fie jedoch, respektive sagte, daß fte vom 1. Juni an« gefangen, an un» keine Kost mehr verabfolgen könne, weil fie angeblich in Folge der Krankheit ihre» Manne» daran ge« htndett sei. Wir begaben un» hernach am 28. Mai zu dem Gastwitthe Krau», beziehungsweise ließen wir denselben durch den Diurnisten A. Svetlin befragen, od er un» Mittag« und Abend« warme Küche geben könne. Al« wir auf die de« jahende Zusage hin am Abende desselben Tage« speisen wollten, wurde un« jedoch durch di- Kellnerin Elisabeth Svetlin die Post gesendet, daß wir weiterhin keine Kost de« kommen würden, angeblich au» dem Grunde, weil Frau Kraus von dem hiesigen Realitätenbesttzer Hugo Tanschitz abgeredet worden fei, un« die Kost zu liefern. Einen weiteren Versuch, in einem der Mareiner Gasthäuser noch die Kost zu belommen, haben wir thttl« wegen der Obskurität der Lokale, theil« au« dem Grunde nicht gemacht, weil e» notorisch ist, daß daselbst nicht ausgekocht wird. Wir feben uns vom 1 I mt l. I. daher in die Lage versetzt, in keinem Gasthauslokale St. Marcini die unentbehrliche Vettöstigung zu finden. Indem wir die straf« gerichtlichen Schrttte gegen die dejüzlichen Gastwitthe wegen verweigerter Verabfolgung unentbehrlicher Libensmirtel vor« behalten, stellen wir daS Begehren: 1. Da» löbliche Ge» meindeamt St. Marein möge un» die amtliche Bestätigung darüber zukommen lassm, daß die Gastwitthe C. Jagodic, Krau» und PuSnik warme Kost verabfolgen, da» ist autkochen. 2. Daß un» die besagten Wirthe die Verdfolgung der Mittags- und Adendkost verweigern. 3. Daß in anderen Gastlokalen nicht ausgekocht wird. 4. Das löblich« Gemeindeamt möge in geeignetem Wege dahin wirken, daß unS, al« für den Ort St. Marein ernannten k. k. GerichtSadjunkten, der stand/s« mäßige Unterhalt verschafft werde, respettioe dahin wirken, daß wir auf unsere Kosten nach den ottsüblichen Marktpreise tn einem anständigen Gastlokale die unserm Stande entsprechend« Verpflegung und Bedienung finden. Schließlich bitten wir um eine Abschrift dieses Protokolls und um die rheiröal'che Erlegung, da wir sonst od Mangel« eine« Unt«*atttS genötbtgt wären, im Wege unserer vorgesetzten Behörde Adh.tte zu suäien. Aloi« Dorai m. x., k. k. GerichtSadjunkt; Dr. Viktor Wagner w. p., k. k. GerichiSadjunlt. Geschlossen und gefertigt: Lorger m. p., Javornik w. p., Schrtttführer.— Bei der tn Folge Gemeindebeschluffe« mit den Gaftwirthen in St. Marien vor« genommenen Vernehmung wurden die von den Beschwerde» führern angegebenen Thatsachen vollkomm?« bestätigt." Kleine Wittheiluttgen. «ür»b«rg, 1. Juli,«in sckrecktiche« Sismb�bnunglück it fich ntianel. Heule Mittag» 1% Uhr stte? der Stuttgatt. �«rliner Schnellzug mit dem von«amdera kommenden Poft lug. welcher um 1 Uhr 20 Minuten hier eintreffen sollte, doch 15 Minuten Verspätung hatte, zwischen hin und Rottendorf reien Strecke auf einer freien zusommm. Der Zusamwenstoh war ein furchtbarer. Man hat WM 10 Todtt. ca. 10 Schwer verletzte und ein« noch nicht bestimmbare Anzahl Leichtaerwun- deter lonstatirt. Todt find Zugführer Oefelein. schwer verletzt ist Posttnspektor Wtedemann. leicht verletzt die Landtags. abgeordneten Sauerbre, und Sellner und«ahnmeister Witt. mann lObernhorf). Die Schwerverletzten wurden in'» Spital verbracht- Sämmtliche Zivil, und Militär. Aerzte. Professoren und Asfistenten. die SanstätSkompagnie mit 6 Transport. wagen find an der UnglüSSstelle. Die Artillerie sperrte durch Kordon den Platz ab. Die Sttuatton ist grauenhaft. Im Juliuispttal liegen, wie der„Franks. Ztg." um 5 Ubr 15 Mm. telegraphirt wird, 20 Schwerverletzte, darunter S.'ifenfi-der Schneller-Donauwörth smehrfacher Beinbruch), Juwelier Wein« steiN'München(Beinbruch). Daselbst ist Fnu Fleischmann. Marttbrett geworden; schwerverletzt ist ein Kind derselben. Die Szenen, die fich in den Krankensälen abspielen, find Herker. reihend; Mütter rufen nach ihren«indem und umgekehrt; dazwischen da« Jammem und Stöhnen der zum Tode Ver« letzten.— Sin Telegramm der„Voff..Ztg." vom 2. Juni früh meldet, dah btt dahin 17 Todte und zahreiche schwer und leicht Verwundete gezähtt waren. Unter dm Vemn. glücktm sei anscheinend kein Nmddeutscher. Der Schnell. zug Würzdurg> Schweinfurt. Berlin, welcher fahr. planmäßig um 1 Uhr 20 Minuten Mittag? in Würzburg ab- geht, ist unmittelbar nach Verlaffen dei Bahnhofs, zunächst deß ' bei der neuen Artillerie,«aseme, woselbst er auf dai rechtiseittge Geleise übergeleitet wird, mit dem Post- zuge Bamberg.Würzburg, der um 1 Uhr 20 Minuten in Würz. bürg einlaufen soll, zusammmgestohen. Die Wucht de» Zu- sammmstohe» wird durch die außergewöhnliche Steigerung der sogenannten„Rottendorfer Steige" erklärt. Der Führer deS Bamberger Postzugei dürfte um so wmiger im Stande ge wesen sein, recht, ettig Gegmdampf zu geben, als er, von Rottendorf herabkommend, dm au» Würzburg ihm entgegen. kommenden Schnellzug kaum gesehen haben kann, denn eben bei dem erwähntm Straßenüdergang macht die Bahn eine Biegung und die anliegenden Gebäude sowie die Pappel-Allee verdecken die Auificht. Schon sett Jahren war von allen Fachmännern die Erweiterung dei Bahnhofes und die Ver< mehrung der Geleise gerade auf den nach Oftm und Norden au»laufenden Strecken als dringlich und nothwmdtg erkannt worden, ohne daß man bei dem Mangel an Mitteln zur Au»< führung dieser M Brüssel. 30. laßregel schritt. Juni. Ueder da» bereit» in Nr. 150 des „Verl. volkSbl." gemeldete Lerbrechm werdm folgmde Sinzel» hettm berichtet: Eine Polizeipatrouille fand Nacht» 11 Uhr in der Brüsseler Vorstadt Saint Gilles auf dem Trottoir vor dem Hause Foinvstraße 67 einen grauen Sick. Auf demselben stand in großen Buchstaben: Aufgelöster peruanischer Guano Nr. 7. darunter ein«reu, und Nr. 10. Da dm Polizeibeamten der Sack verdächtig vorkam, brachten fie ihn eiligst nach dem Polizeibureau. Man öffnete ihn und fand zu Aller Entsetzen noch warme blutige T heile eineS mmschlich-n«ö peri; Hände, Füße, Oberarme, alles zerschnitten; nur zwei Theile sehllen, der Kopf und der Rumpf. Ein herbeigeholter Arzt konstatirte, eS seien Theile von einer etwa 35 Jahre alten Frau her- rührmd, die Hände ließen aus ein Mitglied der besseren Stände schließen. Sofort wurde ganz Saint Gilles, all« Brunnen k. abgesucht; man fand weder den Kopf, noch dm Rumpf, aber auf unbebautem Terrain eine Anzahl Kleidungsstücke, wie eine Merinotaille mtt Schmelz besetzt, einen blauen reich besetzten Unter« rock, eine Tournüre, ein mtt gelber Seide gamirtes Korset. Die abgeschnittmen Glieder beweisen, daß eine sachverständige Hand oder ein Fleischer den Körper zerschnitten. Bi» jetzt ist die Leiche nicht ivmtifizirt, auch eine Spur dei Thätec» nicht entdeckt wordm. Peruambueo, 28. Juni Der Dampfer der Royal Mail Company, der„Tagus", von der Argentinischen Republik, Uruguay und Brafitien nach Europa unterwegs, ist in der Nähe von Bahta. Brasilien, gestrandet und wird wahrscheinlich vollständig Wrack werden, da er tief im Sande fitzt. Die Mannschaft und Paffagiere haben fich in dm Bootm gerettet. Die Poststücke wurden gelandet und die Ladung wird wahr. scheint, ch ebenfalls geborgen werdm. Eltville, 29. Juni. Ueder dm berett» gemeldeten Doppel. seldstmord wird d m„Rh. Rur." weiter geschrieben:„Herr Bl, der fich am 28. Morgen? geschaffen, ist gestern Admd seiner Verwundung erlegm, ohne daß er daS volle Bewußtsein wiedererlangt hat. Der 51jährige Mann und die K2jährige Frau warm einander mtt der größtm Liebe zugethan. Kurz vorher hatte die Frau die Leußerung gethan, al» hätten fie Furcht, eS werde der eine Edetheil den anderen überleben. Das wollten fie beide nicht. Au! diese Furcht führt man das Motiv zu dem Doppelmorde zurück. Betde hadm ein beider. seitig unterzeichnetes Schriftstück hinterlaffen, daß fie nach reif« licher Uederlegung gehandelt hätten. Der Mann, der sett langer Zeit mit Kopfweh sehr geplagt war, hat seine Ver- wögensverhällniffe bis in» Eingehendste geordnet. London, 29. Juni. Der Wohlthätigkeitsoerein der Lon« doner Drolchkenkutscher feierte dieser Tage sein Jahresfest unter dem Vorfitz deS LordkanzlerS. Letztgenannter verknüpfte mit dem Toast auf dai Gcdethm de» Vereins eine längere Rede, in deren Verlauf« er die Ehrlichkeit de» Londoner „Cabai" rühmte und dieselbe durch zablreiche Beispiele unter Beweis stellte. Zwischen den Jahren 1880 und 1884 wurden in Droschken 94 167 Gegenstände gelassen, welche von dm Kutschern der Polizei übergedm wurden. Unter diesen Gegen- ständen befanden fich zwei Beutel mtt Juwelen im Wertbe von 1500 Pfd. Sterl. resp. 750 Pfd. Sterl.; Banknoten im Werth« von 830 Pfd. Sterl.; zwei Obligatorien von 3000 Pfd. Sterl. und 1500 Pfd. Sterl.; daar,s Geld im Betrage von 250 Pfd. Sterl.; ein vrillantschmuck im Werth« von 850 Pfd Sterl. k. Es giebt gegenwärtig etwa 14000 lonzetstontrte Droschkenkutscher in London.__ Ketzte Uachrichte«. Die englischen Wahlen. Vorgestern wurden 37 größten- theilt unbeanstandet« Wablm vollzog«», wovon 16 auf die Konservativen, 10 auf die Untoniften, 8 auf die Giadstonianer und 3 auf die Parnelltten entfielen. In fünf Wahldeztrkm Birmingham» wurden einschließlich Chamderlain'S und Brigbl't liberale Unioniften gewählt. Unbeanstardet wiedergewäh t find ferner JameS, Peel, der Sprecher deS Unterhauses, um Bryce. Al» schlimme Vorbedeutung wird von Manchen das Ecgebniß der Wahl in Colchester aufgefaßt, wo drr bisherige Toi y ver. treter(Trotter) mit vergiößerter Majo.ität wiedergewählt wmde, Brighl hiell eine Rede in Birmingham, worin er über Glad« stonei irisches Programm unbarmherzig den Stab brach und als Gegenplan emp'ahl, alle iri chm Vorlagm nach der ersten Lesung einem aui dm Hund rt irischen Abgeordnetm de» Unterhauses gebildeten Sonderausschüsse zur Begutachtung zu unterbretten. *** Wie au» München telegraphirt wird, will da» vor. tige klerikale„Fcemdmblatt" wissen, da« Ministerium Lutz hätte seine Entlassung eingereicht; dieselbe sollt« spätestens gestern früh dem Pttnz- Regenten unterbreitet wer. den.— Bekanntlich war dieser Schritt für den— jetzt finge. tretmm— Moment de» Abschlüsse» der Regentschaft» Ein« setzung vorhergesehen worden, und man nahm an, daß der Prinz-Regmt die Entlassung dei Kabinet» nicht annehmm werde. Der Glockevprozeß i« Rheinbrohl ist nach vierjähriger Proz-ßsühmng durch das Lmogertchr in Neuwied in der Hauptsache zu Gunsten der katholischen Kirchengemeinde ent. schieden worden. Dai Uttheil verbietet der Zioilgemetnde jedm Gebrauch der Kirche und der Glocken>u eoangeltschen Begräbnissen oder sonstigen nicht katholischen Zv.'ckm bei 100 Mark Strafe für jedm Fall der Zuwiderhandlung. Dagegen erkennt das Gericht der Ztoilgemeinde das Recht zu, zu be- stimmten öffentlichen Gelegenheitm, wie Weinlese, Schulart« fang, Kaisers Geburtstag tc. mit dm Glocken läuten zu laffm. — Man wird fich erinnern, daß im Jahre 1882 die Polizei unter Führung d-S Landraths die Glockenthürme gewaltsam er« brach, um dai Läuten zu einem evangelischen Begrädniß zu veranstaltm. Theater. Sonnabend, den 3. Juli. Da» Paradies, Ge« � scm�o�w'5�U«�von�cmÄre»tow' und L. Herrtrann. vveud-Theater. Die Waise aus Genf. Bttto»ta- Theater. Amor. Tanz. Poem von iluigi Wanzotti. «alhalla-Theater. Capriccios«. Vorstellung._ age 1 Xr. 9 M.- 10 A. In dieser Wocke: Reise durch venrer Oberland. Amerika.— Ealttornien.— Mond. Hertha-Reise. Earoltnen-Jnseln. Sine Reise 30 Pfg. Kinder nm 10 Pfg. ükWl»I-k»MÜ Größte» und eleganteste» der Neuzeit! Ersatz für sämmtliche Berliner Panorama! Die TBcto Piccoldi s zwei Jahren. Zu mhlreichem Besuch ladet ergeben» ein Wlttwe Plecolomiwl, 1930]_ Haseahatde 7»>. Unserm Freund«asta» Mttzei zu seinem heut. Geburtstage ein donnemves Hoch. Mensch, vergiß die Eckd-stille nicht! E.H. R.L. H.Z. er« Schweizer Garten. Am Friedrichsbain. Haltestelle der Ringbahn. Am Königsthor. Coneert n. Vonstellunzr Austreten sämmtlicher Spezialitäten, der Duettisten Geschw. Kessat. dcS humoristischen Komiker Trios Herren Jona«,«r-fch und«lSler, sowie der berühmten Majol-erupp« in ihrer Sensation». Lustnummer: AURiSiV tazeä als lebende Kanonenkugel. Iii»» Lazel wird aus einer Kanone geschossen und von Miss Zema aufgefangen werden. Theatervorstellung.»SÄrKiSTeSTÄ. Im Saale: Tauzkränzchen. Elektrische Beleuchwng. Guire» 30 pfg. Dienstag, den 5. Juli: Oi*. Krle�«-F©n©rwerk der Pyrotechniker A. und E. Maffow. Bonander und Hornig. Zum Schluß: Die Sehlacht hei Wörth. GroßeS militärisch, py.otrchnrschcs Schauspirl unter Mitwirkung von ca. 150 Personen. Fachverem der Tischler Die Mitglieder werden ersucht, in jeder Werkstatt einen Kollegen zu deauftragm, die Beittäge sämmtlicher dort beschättigtm Mit» glied-r Sonnabend» auf der nächstbelegmen Zahlstelle abzuliefern. Die Zahlstellen de» Ver» ein» befinden fich: 1. Blummstraße 56 aus der Zischlerherberge. 2 Skalitzerstraße 18 bei Stramm. 3. Belleallianceplatz 6 bei Hilscher. 4. Aionskirchplatz 11 bei Hohn. 5. Müller- straße 184 bei Häring und 6. Gneisenau- und SolmSftraßen-Ecke dei Lindenborn. Daselbst werden jeden Eonnabend von 3'/, bi» 10 Uhr Abend» Beiträge von dm Mitgliedern in Em« pfang genommen und neue Vereintmitglieder aufgenommen. Der Bettrag beträ.t monatlich 40 Pf. Mitglieder, welche länger al« drei Monate mit ihren Beitragen im Rückstände find, werden auS der Mitgliederliste gestrichen. Unserm Freund«tt-»um heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnernde» Hoch. Od er weeß wohä?[2040 Trlcot-TaiUen- FatoiL «inzelverieauf zu Fahrlltprelaen. Damm-Taillen v.2,00, Kinder. Blousen v.2.00, Knaben. Anzüge v.5,00, Kinder-Kleidchen v.3.00, | 8rU«rt-»t*ir ' in all. Farben vorräthig. Bestellungen nach Maß ohne Preiiausschlaa. Anprobe daselbst. 12. KsNwavhavtevsttgjt 12. U Lonls Lichtenstein. Wieder vorräthig! Die SosiOewdtttit ,or dem veutscheu Reichstage Komplet Heft 1—5. Mraft» 44.___ l1037 Soeben erschien Nr. 30 de» „Mahrm Iallov". Zu beztehm durch die Expedition. Zimmer. straße 44.[2038 rnrnrnrnr irrxrnrxrrrrrrqgri�mr�� I a= i " s V Mio Bi M;i. Ii m iß, H u ■S) «.« s s v-l Z «Ii a i »» I»•» S m,« | I Ii ;1 5 1 CUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUU UUUUUUÜU UUUUUUU U Ü X}£. i Arkeiter-Aezirksvereiu für dm Hstm Aerlins. Zur Klrtipfe»««« der Keiträge find folgende Zahlstelle« errichtet: 1. beim Kaffirer Albert Bercer, Ktrau!) l- ergee-Ktrass» 27 II, Wochentags von 7—9 Uhr Abend«, Sonntags von 9-12 Uhr VormMag«- 2. bei H.-rrn Tischlermeister Baal Langer, Lauge Ktraße 79, parterre linst», zu jeder Tageszeit. 3. im Uestanrant, Znrn Fenerhaltea", Rödersdorfer Ktrasse 8, Montag» und Sonnabend«, Abend« von 7—10 Uhr.[40 Aufnahme neuer Mitglieder beim Kasstrer. Der Vorstand. Aezirksver. d. werkt?. Walkes der Schönhauser Mörstadt. Da un« die Genehmigung zur Generalver- sammlung behufs Neuwahl de» Vorstand!» nicht ertheilt wurde, so«.klären wir hiermit, daß wir unser Amt so lange dehaltm werden, bis uns eine Gene, aloerlawmlung eriaribt wird. Der Vorstand. I. A.: E. Schmidt. NB. Die Zahlstelle deS Verein» befindet fich Meiljenburger straffe 70 bei Ritz Sonntags Vormittags von 10—12 Uhr. Die Mitglieder werdm ersucht, recht fleißigen Gebrauch von derselbm zu machen. Neue Mitglieder werden aufgenommen.[29 «eneraloerfanlnelmtg der Mitglieder der Kau- und Fadrist- arbeiter-Kranken-«.KegrSdniffkassesEH) am Sonntag, den 11. Jult, Vorm 10'/» Utzr, in Köger's Lokal, Grüner Weg 29. T. D.: Kaffendnicht und Kassenangelegenheit. DaS Qutttungsduch legitimirt. Um zahlreiches Erscheinm ersucht[31 De» Vorstaud. I. A.: Wilh. Reinert. — Mitglieder, welche die„N-ue Tischler- Zettung" b, stellt haben, können die letzten Num« mem derselben von Herrn Lindner, Hollmann« ftiaße 43, IV, an Wochentagen von 8—9 Uhr Abends und am Sonntag von 9—12 Uhr Vor« mittags abholen.[34 __________ Der Vorstand. Veueral-Nerfautmlaug des Vereins der Einsetzer(Tischler) Sonntag, den 4 d. M., Vormittags 10 Uhr, Neue Friedrich»raße 44. Das Vereiuo-stomMerfest, verbunden mit Theater und SommemachtS.Ball, findet Msn« tag, den 12. d. M., Schönhauser-Allee 156 im Deutschen VoUi-Theater statt.[35 Der Vorstand. Louistustadtischer Sestrks-Vertlu �Vorwärts". Morgen(Sonntag) Nachmittag:[28 Grmöthl. Keifammeufeiu«. Kafferstoche» in der V e r e i n»« B r a u e r e i zu Rixsorf. Die Zahlstellen befinden fich jeden Sonnabmd von 8—10 Uhr dei Decker, Holzmarktgasse 3, Sonntags Vormittags und Wochentags Abend von 7—9 Uhr bei Köudermauu, Gitschiner« straße 61 I. Di« Mitglieder werden noch besonders auf§ 4 Abs. c dei Statuts aufm. gem. Arb.-Bez.-Vereiu der Orauieu- burger Vorstadt u. d. Wedding. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Bei« träge jedm Sonntag in Schramm'» Lokal, Hoch. straße 32, von 10—12 Ugr Vorm. und an den Wochentagm beim Kasfir-r Paul Sillter, Trift- straße 46», vart., jeden Abend, entgegengenommen werdm. Nächste Versammlung am 12. Juli. [30] Der Vorstand. Uhren-Fabrik GL üchamow, besteht sett zwanzig Jahren, Korliu 8.,«rauirustr. 158, Gest» Moritzpl., empfiehlt unt. 3jährifl. Garantie zu ollerdilligsten Preisen: Sild.Zylinder-Uhrm 15,18,20. 24 SN.; filb Zylinder Uhren mtt Remontoir Aufzug 24—30 M.; filb Anker- Uhren m.Remontoir« Aufzug 36, 40, 45, 50 3)1.; goß». Damenuhren 30, 33, 36, 40, 45 Mark; gold. Damenuhrm mtt Remonroir- Aufzug 36, 40, 45, 50— 150 M.; gold. Herren- Re« montoir-Uhren von 50 M. an; itor-Uhren zu Fabrikpreisen, 8 u 14 Tag« zu den billigsten Piepsen. Zylinderuhr reinigm 1.50 Mark. Neue Feder 1,50 Mark. Reparaturen nach Uebereinkunst.[1776 Da mich m. Frau Aug. L.'mcke, g-b. Strtetzel, bösw. Weise verlaff. hat, so warne ich hier«. Jed., »ers. etw. aus m Nrmen zu dorgm, da ich für nicht» aufkomme.[32] Ed. Lemcke, Lindowerstr. 17. Zur pünktlichm Lieferung de»[2008 „Verlwer Volksdlatt" sowie sämmllicher in Berlin erschetnendm Zeitungen empfi-blt fich HI. Klrseh, _»dmtralftr. 28.__ Arbeitsmarkt. Korbm-Ges. a. Scheen- Ard. v.Schwedterstr. 36. Vnanlwortticher Redakteur R Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von«ax«adtug in Beritn 8W. Beutst straße 2.