Ur. 153 Sonntag» den 4. Juli 188k. Hl Jahrg. ((liiurMsMI Brgan für dir Inlerrsfen der Arbeiter. 4 Da«„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgen» ouftn nach Sonn- und FMagen. Abonnementsprei» für Berlin frei in'« Hau» vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement ».Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntagt-Nummer mit der tllustrirten Beilage 10 Pf. getragen in der PoSzeitunalpreisliste für 1886 unter Nr. 769.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitjeile oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmarkt 10 Bei größeren Aufträgen Hoher Rabatt nach Uedereinkunft. Inserate werden bi» 4 Nachmittag» in der peditton, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Zureaux, ohne Erhöhung de» Preise», angenommen. KedaKtio«: Keuthstraße Ä.— Erpedition: Zimmerstraße 44. Em imtiml-litttiil«„Uitorrecht". Auf dem von un» schon erwähnten«atronal'liberale» Parteitag für Sachsen wurde der Abg. Meyer(Jena)»och weit übertroff«» durch den Generalsekretär de« Zentral» komitee» der«ational-liberalen Partei, Herr» Jerusalem au» Berlin. Der Herr gefiand übrigen« zu, daß im ganze» Au«» lande ei» Haß gege« da» Deutsche Reich und gegen die Deutsche» überhaupt vorhanden sei, wie früher nicht. Die» komme durch die Macht de» Deutschen Reiche», aber auch durch die schlechten wirthschaftliche» Verhältnrffe,«» denen gegenwärtig alle Nation«» krankte». Die«„aber auch" ist in de, That bezeichueud. I« alle« Länder» sucht ma» nach der Ursach« der wirthschaftliche» Kalamität, und da ma» sie w de» allgemeinen sozialen Zu» ~'nbe« nicht finden will, so vermuthet man sie außer ande». So find die Raffen äußerst erbost auf da» Deutsche Reich u«d deffen Zollpolitik und suche» ihre wirth» schaftliche Lage durch Kawpszölle zu verbeffer». Die Sym» pathie» der Amerikaner für Deutschlaad find sehr am Schwiade« seit der Zeit de» Schweiaeeinfuhrverbo!» und de« hohen Petroleum»zolle». Auch die deutsche» Getreide« zölle habe» jenseit» de» Ozean» verschnupft. Und wenn ma» auch nicht durch Kampfzölle antwortet, so lockert ma« doch die Handeltverbindunge», macht Waarenbestellu»ge» in andere« Länder» und sucht die deutsche Produktion nachzu» ahmen, wodurch der deutsche Export«ach Amerika bedeutend leidet. Ma» sieht, daß weniger die«ationale Macht Deutsch» land» die andere» Völker zum Haß treibt, sonder» weit mehr die Zollpolitik Deutschla»d», welch« die Kawpfzöll« und und Gegenmaßregeln der anderen Länder hervorgerufen hat. Da e< nun aber vorzugsweise die Kaufleute sind, welche am meiste» unter de» Nationen mit einander in Verbindung treten und diese wieder durch die Kampfzölle am meisten leide«, so ist die Ursache de«„Haffe«' gege» Deuffchland leicht gesunde», ohne die ewige aatioaalltberale Phrase vo» der Macht de» Deutsche« Reiche». Herr Jerusalem will„«ach berühmten Muster«" (Dr. Miquel u. a. m.) de» harte» Gegensatz»wische» Ueberfluß und Entbehrung milder«. Da» sei III eine Hauptaufgabe de» Staate». Aber dieser Gege»satz niemal« ganz zu beseitige», wie«» die Sozialdemokratie «olle, weil da» Recht de« Stärkere» durch die Natur begrüudet sei. So l Wen» da« wahr ist, wa« faselt ma« da««»och von der Aufgabe de« Staate«? Dann hat ja die Lehre de« Manchesterthum« recht! Da»» habe« auch zum Beispell die Russen völlig recht, we»a sie dermaleinst Deutschland «IchtnUI» rtetem.] Iseuilreton. Eine Mutter. Roman von Kjriedrich verftäckse». (Fortsetzuag.) „Aber««» sage» Sie mir um Gott«» willen, Jeremia»,' rief Rottack, al« sie wieder zusamme« auf der Straß« wäre»,.»a« hat Sie denn zu eiarm solchen Gewaltstre»ch bringe» kö««e«? Wir find doch hier»icht mehr i» Bra» fUifti* „Meia lieber Herr Graf,' sagte der klei»e Ma»» und schämte sich jetzt ein w«»ig der Rolle, die er gespielt, „Sie habe» recht— ich hätt'«»icht thua solle», aber die Galle lief mir über. Der Mensch war ein Rrzeasent, u»d — da Hab' ich»och einmal den Hausknecht herau«aekehrt; aber ich verspreche*» Ihnen, e» soll zum letzte« Mal gc schehe« sei», den» ich darf Ihne» doch kei«« Schande mache»!' „Und wa«, beim Himmel, habe« Sie mit den Reze«» » zu thu»?' lachte Graf Rottack. .Da« ist weitläufig, da» erzähle ich Ihne» ei» andermal. Und wie geht e« der Frau Gräfin I" „Sie ist unwohl,' seufzte Felix;„manche» Leid ver« wandter Freunde hat sie tief betroffen u»d aagegriffe«. Aber von Ihnen selber weiß ich gar nicht» weiter, seit wir bei je«em Fräulein— wie hieß sie doch gleich?" „B*m«L" „"3*, ganz recht— bei jenem Fräulein gesehe«. Habe» Sie Flieden mit Ihrer Familie geschloffen? Sie hätte» un« wohl einmal, al» alte» Fuuade», Nachricht gebe» können." „Ich gesteh«, daß ich wie ei» schlechter Kerl g«ha»delt habe," rief Jeremia«;„aber ersten« wußte ich»icht. ob ich Ihne» recht kam, und da«« Hab' ich die Zeit über so viel zu thun gehabt. Aber Gott sei Dank, e« geht Alle« recht gut, und wenn Sie«» mi, erlaube«, so komme ich einmal diese» Tage» und statt« ausführliche» Bericht ab.' sente« zu ,Do unterjochen und zu einer russischen Provinz mache», da« heißt, wen» sie die„Stärkeren" find. Da«„N a t u r r« ch t" de« Stärkere« ist demnach un» antastbar, man»ennt e« ja ei» heilige» Recht. Wen» somit irgend ei» kräftiger Arbeiter de» Herr» Jerusalem wegen seiver obige» Aeußerung, die auch dem stärkeren Kapital da« Recht der Ausbeutung über die schwächere Arbeit«kraft zuschreibt, gehörig durchbläue» würde, so müßte der geehrte Herr ohne Murren»ach seinem eigene» Aulspruch diese«„Naturrecht" de« Stärkere» ertrage». Herr Jerusalem wird eiasehe«, daß unter Bestie» und wilde« Völkerschafte» die Natur dem Stärkere» da« Recht giebt, den Schwächer» aufzufressen, daß sich die menschliche Gesellschaft aber verwahrt, ei» solche«„Recht' auch für sich unbedingt gelte» zu lasse». Leider geschieht die«»och lange nicht in genügendem Maße. Noch giebt e« keine Gesetze, keine Schiedsgerichte, welche verhindern, daß ein mächtige« Reich ei» andere« we- »iger mächtige« mit Krieg überzieht, obwohl dem„Nawr- recht de« Stärkeren" auch hier schon durch Neutralität««- klärung verschiedener schwächere« Staaten ei« Damm ent- gegengesetzt wird. Noch giebt e« keine soziale Ord»u»g, welche de» gegenseitigen Kämpfe» i» wirthschaftlicher Beziehung ei» Ende macht, wo der Schwächere dem Stärkere» unterliegt, u»d die so unendlich viel Elend über die Menschheit bringe». Aber da«u» dieser Zustand herrscht, deshalb soll er bleibe«, weil er auf einem.Naturrecht" begründet sei! Menschensatzunge» find e» und kei« Naturrecht! N«d Men- schensatzungen könne« geändert werden. Wo ist da«.Naturrecht' de« Stärkere» gebliebe«, seine Mitmensche» al« Sklave» beHandel» zu dürfe«? Die«„Naturrecht" ist von der menschliche» Gesellschaft längst verurtheilt morde» und der Stärkere hat zu ver- zichte« auf fein vermeintliche«, angemaßte«.Recht", we«n die Gemeinsamkeit diese« Recht al» em ihr verderbliche» a»- erkennt u«d et abschafft. So steht e« in der Gesellschaft mit dem Rechte de» Stärkere» überhaupt; wird irgend ei« derartige» Recht ihr efährlich, so schafft sie e« ab— der Stärkere kan» auf ein Naturrecht poche» so laut wie er will. Und so wird >ie< die Gesellschaft auch vollbringe« m Bezug auf„eine gerechtere Vertheilung der Güte,', wie sich Dr. Miquel ausdrückt, der Stärkere, da» ist der Unternehmer, mag sich sträuben, so viel er will. Die jeweilige Gesellschaft e,ke»«t»ur Einzelrechte a«, we»« dieselbe» ihr passe», we»» fie ihre» Anschauungen entspreche«. Die Gesellschaft aber äadert sich vo» Jahr zu „Da« soll ei» Wort sei», Jermia«," sagte Graf Rottack ihm die Haad reichend.„Glaube» Sie mir, wir habe» die alte» Freunde«och«icht vergisse« und viel zu wenig neue gefunden, um fie entbehre» zu köa»e»." .Lieber Herr Graf..." .Auf Wiedersehe«, Jeremia« I" Und Graf Rottack schritt, tief aufseufzend, die Straße hinab. Die Ko»tremi»e. i, zu Ende gespielt. Sei» Gegner, der junge Graf Bo'te», schien seit der Zeit verschwunden;' er hatte jedenfalls de« Staat verlasse», und die Seku»da»te» wurde« verhört und sähe« ihrer formelle« Strafe ent- gege«, die ihae« aber jedenfalls leicht genug gemacht wurde. Der junge Graf war, vo« einem prächtigen Leiche«- gepräage begleitet, in die Familiengruft beigesetzt worden, und wie die unglückliche» Eltern in da« Schloß zurück- kehrte», schie« da« sonst so gastfteie und alle» gesellige» Freuden geöffnete Hau» in ein düstere« Kloster verwandelt zu sei». Draußen da» blitzende Thürschloß de« Gartenthor» deckte, der englffche» Sitte«ach, ei» Trauerflor— der größte Theil der Dienerschast war entlasse» worde»; der alte Graf wollte die viele» Menschen nicht mehr um sich sehe«, die Fenster wurde» verhängt und«ur so weit geöffnet, um da«»öthigste Tageslicht herein zu lasse«, und die Gräfin selber lag gebrochen auf ihrem Bett. Der Verlust Paula'« hatte fie erschüttert, aber weit mehr ihre« Zor« al« ihren Schmerz erweckt; der Verlust de« Sohne», a« dem ihr Herz mit aller Liebe hing, deren e«»ur fähig war, brach die Kraft, die fie bi« dahin auf- recht gehalten, und sie gab sich jetzt so wild und rücksicht«- voll ihrem Grame hin, al« sie ihn vorher hart und kalt i« ihrer Brust zurückgehalte«. Da« war ei« ttaurige« Lebe« jetzt i» dem sonst so I fröhlichen Hause, und der alte Haushofmeister schlich wie Jahr, vo« Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde. Was heute«och al« ei» Recht erscheint, dcsse» Ausübung ist morgen schon ein Vtrbreche«. Ma» sieht daran«, wie es mit einem Rechte steht, welche«„durch die Natur de- gründet ist'. So kan« auch die Gesellschaft einmal i» die Lage kam- men, die Ausbeutung der Arbeitskraft durch da« stärkere Kapital al««icht«ehr zeitgemäß avzufehe» und ei» Verbot dagegea erlasse», wodurch da« heutige Recht zu einem Verbreche« gcstempelt würde. Man sieht, wie oberflächlich der„Generalsekretär der gesammte« nationalliberale» Partei Deutschland«" seine Auf- gäbe erfaßt hat, indem er de»„Ueberfluß' al« da« stärker« Element hinstellt und die„Entbehrung" al« da« schwäche« und zu gleicher Zeit da« Recht de« Stärkere» al« durch die Natur begründet. Mit solche« Phrase» kann man die heutige« gesellschaftliche» Zustände»icht vertheidige»; wäre Dr. Miquel, der von solche« Sachen doch etwa« versteht, nicht„Hinterfrontmarschall' der Partei, sondern noch der eigentlrche Führer, da«» wäre Herr Jerusalem wohl nach solche» albernen Leistungen die längste Zett Generalsekretär gewesen. Auf da« übrige Geschimpfe de» Herr« gegen die Sozialdemokratie und auf die Bemerkung, daß die deutsch« fteisinnige Partei die Verbündete derselbe» sei, wolle» wir »icht ei»gehe». Auch sei« Loblied auf de« National- liberalismu« kan» ma»»icht ernst«ehme», da ei au« solcher Kehle erklungen ist. Wen« Herr Jerusalem«icht mit an der Spitze der «atio»alliberalen Partei stände, so würde« wir un« über» Haupt«st demselben nicht beschäftigt habe», so aber ist es vo» Jnterresse, die sozialökonomische» Größe« dieser aufge- blase»«» Partei kennen zu lerne». Die PoUti/che Ueberstcht. Regierung scheint e» flch ,«r Anfgabe »n habe«, die Hirsch. Duncker'schen Gewerk. vereine nach Kräften zu fördern. Schon der Erlaß de« Sozialistengesetze« war für diese fortschrittlichen Arbeiter. organisatioiren ein mächtige« FörderungSmittel, die Versamm- lung»> Verordnung wird e« noch mehr sein. Die Fachvereine dürfen theil« gar nicht mehr, theil« nur unter den erschwerendsten Bedingungen tagen; die Gewerloereine werden von den Be» Hörden nicht einmal für politische Vereine erklärt. Herr Hirsch läßt jetzt in allen deutschen Zettungen die Reklametrommel i» lärmendster Weise rühren und wir sollten un« nicht wundern. wenn er wieder eine ganze Menge Aibetter in seine Netze, d. h. für die manchesterltche Opposition einsängt. Der Regte. r�a�matuliren wir zu diesem Erfolge ihrer„staattsozia. ei» Geist in den Räume» umher, al« ob er die Ver- lorene» suche u»d ihre« Verlust»och«icht glaube» könne, »och»icht denke« möge. So aufmerksam er aber dabei de» Gräfe« selber bediente, so scheu hielt er sich vo» der bi« dahin geliebte» Herrin zurück, de«» an dem Abend, an dem sie de« Brief seiner liebe» kleine» Komtesse kalt und«rbarmungSlo» i» die verzehrend« Flamme warf, hatte sich sei« Herz ihr entftemvet und wieder und wieder zuckte ihm der Gedanke durch de» alte» Kopf, daß Gotte« Strafgericht dafür da« jetzt dem Unter. gang geweihte Hau« betroffen habe. Der Graf selber fteilrch brauchte fast keine Bedienung. Er verließ sei» Zimmer«ur dann und wa»«, um eine halbe Stunde auf der Terrasse auf und ab zu gehe» und frische Luft zu schöpfe», fühtte sich aber so schwach, daß ih» «i« Diener dabei unterstütze» mußte. Er sprach wohl immer vom Reise« und defahl dem Haushofmeister drei-, viermal im Tage, die Koffer zu packe« und Alle« herzurichte«, ab« der Ober-Medizinalrath, der Morgen« und Abend« kam, schüttelte dazu mit dem Kopf. Der Graf war unmittelbar«ach de« gehabte» Auf- regunge» viel zu schwach, um jetzt an eine Reffe denke« zu könne«. Er mußte sich jedenfalls erst wieder, eine kurze Zeit wenigsten«, erhole«. I» vier oder sechs Woche« ließ fich eher darüber rede». Jetzt brauchte er vor alle» Dinge« sorgsame Pflege und Ruhe. Ruh«, Du großer Gott, Ruh« henschte allerding« in dem Hause, aber die Ruhe de« Grabe», und wie scho« Jeder die Stätte der Trauer vo» selber mied, wurde» selbst die wenigen Personen, die theilnehmend Trost spende« woll- te», abgewiesen. Auch Graf Rottack war hinaufgefahren, um de» Un» glückliche» sei« innige« Beileid auSzuspreche» und vielleicht zugleich etwa« Nähere« über Paula'« jetzige« Aufenthalt zu erfahren, um die sich Helene sorgt« und abängnigte; aber weder Graf»och Gräsi» nahmen eine« Besuch an. Sie ließen der Nachftage danke», fühlte« fich aber jetzt zu leidend, um Fremde zu empfangen. Rottack wandte sich sogar an den Haushofmeister, um vo» diesem etwa« über de» gegenwärtige» Aufenthalt der Me„Nordd. Nllg. Atg." hob neulich die Anficht von Leroy'Beaulieu al«„besonders beochtenswerth" hervor, daß durch dilligere Lieferung der Produite an die Konsumenten die Krisen beseitigt werden könnten. W'r widerlegten seinerzeit diese Anficht durch dm Hinweis auf das eherne Lobngesetz Heute schreibt auch der— übrigens offiziöse—„Hamb. Corr.": „Leroy-Beaulieu weiß nichts anderes vorzuschlagen. alS daß Gesellschaften oder einzelne Persönlichkeiten die Reform deS Kleinhandels in die Hand nehmen. Da» läuft ungefähr auf unsere Konsumvereine hinau». Wer aber glaubt, daß solche Verein« die KonsumtionSfähigkeit erhöhen und damit der Welt- handelSkrifiS ein Ende machen könnten, muß mit einer sehr naiven Auffassung begabt sein." Mit einer sehr naiven Auffaffung„begabt, liebes Kanzlerblatt! Di» Berliner Ausstellung. Der BundeSrath hat in seiner Plenarfitzung am ftreitag beschlossen,„daß schon mit Rückstcht auf die ablehnende Haltung eines großen Thells der Industrie gegenüber dem für das Jahr 1888 geplanten Ausstellung» unternehmen von der Einstellung eines Betrages von 3 Millionen Mark in den ReichShauShaltsetat deS Jahres 1887/88 abzusehen sei."— Mit diesem Beschluß ist über da» Sonze Unternehmen der Stab gebrochen. Der„provisorische usschuß", der die Vorarbeiten bis zu dem jetzt erreichten Punfte geleitet, wird der erfolgten Vereinbarung gemäß seine Aufgabe als erledigt betrachten und die Fortführung de? Werkei sofort einstellen. Lotteriekollette« uud Stepttlieublätter. Die„Alt- preußische Zig," meldet dm vierten und fünften Fall, daß Verlegem gouvernementaler Zeitungen Lotttliekolleftm zuge« theitt worden find. ES find dtei der Verleger der„Danziger Allgemeinen Zeitung", Schroth Danzig, und der Verleger der „Marimburger Zeitung", Halb-Mariendurg. Etue Zusammenstellung der Reduer im Reichstage giebt wie alle Jahre einen nicht uninteressanten Rückblick auf die eben abgelaufme Eefston. An der Spitze steht diesmal Abg.». Köller, welcher 157 Mal zu Worte gekommen ist, da- von allerdings 84 Mal als Referent für den Milftäretat, im Uebrigen ragt, wie gewöhnlich, Abg. Dr. Windtborst mit 113 Mal hervor, ihm folgt dann Abg. Rickert mit 78, Schräder mit 59, Spahn mit 54, v. Helldmff mit 53, Frhr. von Maltzahn- Gültz mit 50, Richter(Hagen) mit 48 und Dr. Bamderger mit 44»c. Durch diese Aufstellung find zugleich die Hauplredner der Deutsch- konservativen, dei Zmtrums und der Deutsch- Freistnnigen genannt; von dm Nattonalltberalen tretm hervor die Abgg. Dr. Hammacher 38, Struckmann 35, Dr. Buhl 33, Dr. Meyer(Jena) 32 Mal; von der Deutschen Rcichspartei ». karborff 25, Graf v. Behr- Behrenhoff 18 Mal. Bei der sozialdemokratischen Partei habm die Mitglieder (24) mit alleiniger Ausnahme der beiden Abgg. Dietz(Ham- bürg) und Wiemer, sämmtlich gesprochen; Abg. Kayser erhielt das Wort 35, Singer 24 Mal. Von den Bundesrathi-Beooll- mächtigten nahm der Reichskanzler das Wort 11 Mal, sein Stellvertreter Staatsminister v. Boetticher hat fich bei seiner vielsestigen Thätiakeit 75 Mal an der Debatte betheiligt; außer- dem find zu erwähnm kriegSmtnister Bronsart v. Schellmdolff 31, Schatzsekretär v. Burchard 24, Finanzminister v.Scholz 15, Staatsmtnister v. Puttkamer 12 Mal. Im Laufe der Sesston wurden im Ganzen 31 Ordnungsrufe ertheilt und zwar 5 an dm Abg. Bebel, 4 an den Abg. Singer, 3 an dm Abg. Frohme, je 2 an die Abgg. Hasenclever, Kayser, v. Vollmar und Rickert und je 1 an die Abgg. Liebknecht, Auer, Edler v. Graeoe, Dr. Windthorst, v. Helldorff, Dr. Barth, Viereck, Sabor, Bock(Gotha), v. d. Osten und v. köller. Die ReichSfivanze«. Nach offiziöser Berechnung habm die Einnahmen de» Reichs auS den Verkehrsanstaltm pro 1865/86 einhMinu» von 1420000 M. ergeben und zwar de- trägt dasselbe bei der Post und Telegraphie 768500 M.. bei der Eisenbahn 148000 M, beim Bankwesen 510000 M. Dem GesammtminuS stehen Mehreinnahmen im Betrag« von 1 400000 M. bei den verschiedenen Verwaltungseinnahmen gegenüber. Dieses PluS ist hauptsächlich durch Münzgewinn bei AuSplägung von Einmarkstücken u. s. w. erzielt. Die AuS- gaben haben in ihrer Gcsammtheit, wie schon hervorgehoben, eine nennenswerthe Abweichung von der EtatSsumme nicht er- geben, so daß das GesammtminuS von 17'/, Millionen einzig und allein auf Rechnung des enormen Ausfalls bei der Rüdensteuer zu setzm ist. Im Ganzen betrugen die bei der Schlußabrechnung in Betracht kommenden Ein« nahmen des Reiches pro 1885/86 566 900000 M., die Ausgaben 584300000 M.. so daß der Fehlbetrag sich auf rund 17400000 M. beläuft., �.. Dte Ausübung der Jagd seit««» der Lehrer ist viel- fach besprochen, ebenso die ministerielle Entscheidung über diese Angelegenheit vielfach in Zweifel gezogen worden. Jetzt läßt der UnterrichtSminister eine bereit« am 5. September 1884 erlassene darauf bezügliche Verfügung dahin bekannt machm, daß dt« Ztrkularvrrfügung vom 20. Mai 1853, wenngleich zu einer ausdrücklichen Aufhebung derseldm kein genügender Anlaß vor- liegt, doch w ihrem ganzen Umfange nicht aufrecht erhalten werden kann. Di« Lehrer find durch keine gesetzliche Be- stimmung von der Ausübung der Jagd ausgeschlossen, fie ist Komtesse zu hören. Lieber Gott, der alte Man» wußte selber««cht« darüber und liebte seine Herrschaft viel zu sehr, da« von ihr weiter zu erzählen, daß sie mit eigenen Händen die einzige Kunde ihre« verlorenen Kinde« vernichtet hätten— und ein weiterer Brief war doch nicht ein« getroffen. Graf Rottack mußte unverrichteter Sache wieder nach Haßburg zurückkehre«. Empört war er aber hier, in dem sogmannten Stadt- blatt einen ganz gemeinen Artikel über die Verhältnisse de« Monford'schm Hause» zu lesen, auf welches Doktor Stroh- wisch eine spezielle Malize zu haben schim. Es ist wahr, der alte Graf hatte ihn früher nicht mit der Hochachtung behandelt, die er glaubte als Vertreter der Presse bean- spruchen zu dürfe«. Sein erster Besuch im Schlosse war allerdings angenommen, aber nicht einmal durch eine abge« gebme Karte erwidert worden, sein zweiter schlug total fehl, und nicht eine einzige Einladung war an ihn, ttotz aller„Feste und Gelage", wie er e» nannte, ergangm. Man hatte ihn vollständig ianorirt. und er konnte deshalb eine so gün- stige Gelegenheit, fich zu rächen, nicht unbenutzt vorüber Leider verfehlte er aber dadurch vollkommm dm be- abfichttgtm Zweck, denn die Familie Monford war in Haß- bürg wirklich beliebt gewesen. Die altm Henschaftm galtm allerdings für stolz, aber kein Nothleidmder hatte je ihre Thür unbeschmtt verlassm, alle Armen- und Wohlthätigkeits« Anstalten der Stadt warm von ihnm stets auf das ftei- gebigste bedacht worden, und der junge Graf und die Korn- tesse durch ihre Liebenswürdigkeit und ihr offene», ftmnd- liche» Betrage« gegen Jeden, mit dem sie in Berührung kämm, allbeliebt in ganz Haßbnrg gewesen. Da» furcht- bare Schicksal der Eltern bei so schwerem Verlust trug dann ebmfall» noch dazu bei, alle Schatten in dem allerdings etwa« übermüthigen Charakter der Gräfin selber zu ver» wische»; was mußte ihr Mntterherz jetzt mpfiadm.— Desto unangmehmer wurden dte Leser fast ohne Ausnahme von der rückfichtslosm Schadenfreude berüh-t, mit welcher ein Leitarttkel de» Blatte« da» Unglück diese« Hause« besprach. ihnen daher zu gewährm, wmn nicht in ver Persönlichkeit oder Amtsführung Gründe vorliegm, aus welchen st« im dimstlichm Interesse einem Lehrer zu untersagen ist. Aus allgemeinm Er- wägungen oder Beiürchtungen darf die« nicht geschehen, es müffm vielmehr nachweisbare Thatsachen vorhanden sein, durch welche fich die Regierung veranlaßt findet, von ihrer Disziplinar« defugniß Gebrauch zu machen. Die Etraßburger Tabak- Manufaktur hat den Prozeß wegm ihre» Fadnt, eichen»,„die schwarze Hand", endgillig verloren; das Reichsgericht hat die Revision gegen das Urtheil des ÄppellationsgerichlshofeS zu Kolmar verworfen, und somit hat dieses Urtheil, welches die schwarze Hand der Firma Schaller u Bergmann zuspricht, Rechtskraft erlangt. Da an der in dem Urtheil vorgesehenen Eiveileistung seitens der ge- nannten Firma nicht zu zweifeln ist, so hat die Manufaktur da« Recht verloren, ihre Packet« und Kistm mit dem Zeichen der schwarzen Hand zu versehen. Schweiz. Ueber die Verhandlungen betr. Erweiterung der Haftpflicht schreibt man der„Nordd. Allg. Ztg.": Was die Haftpflicht der Arbeitgeber betrifft, so handelt es fich im jetzigen Moment nur um eine Erweiterung de« schon bestehm- dm tzapftpflichtgesetze«. Gemäß einem vom 25. Brachmonat 1881 datirten Gesetze ist der Fabrikant bereits haftbar, wenn in den Räumlichketten seiner Fabrik und durch den Betrieb derselben ein Angestellter oder ein Arbetter getödtet oder körperlich verwundet wird, sofern er selbst oder ein Mandatar, Leiter»c. durch ein Verschulden die Verletzung oder dm Tod herbeigeführt hat. Diesen Schutz genießen also nur die in einer Fabrik verletztm Arbeiter, obschon es eine ganze Reihe von Industrien und Gewerben gefährlicher Natur giebt, welche nicht in den mgen technischen Begriff einer Fabrik gebracht werden können. Die Haft- und Entschädigung» Pflicht auch für solche Arbeiter zu statuiren, hat fich das neue Gesetz zum Ziel genommen. Die Hastpflicht, nach dem Beschlüsse des National- ratheS, wird ausgedehnt: 1. auf die Gewerbe, in welchm explodtrbare Stoffe gewerbsmäßig erzeugt oder vermehrt wer- den; 2. auf die nachstehend verzeichneten Gewerbe, soweit sie nicht schon unter Ziffer 1 fallen, wenn der Gewerdeunternehmer elementare Kräfte verwendet oder in der Regel mehr als fünf Arbeiter beschäftigt:») Eisenbahn-, Tunnel-, Sttaßen- und Brückenbau, Telephon- und Telegrapheneinrichtung, b) das Aufstellen und Abbrechen von Maschinen, c) Bauhandwerk, d) Steinbrüche, Gruben und Bergwerke, e) Fuhrwerk- und Fahrverkehr. Vielfach betrachtet man die Erweiterung der Hastpflicht nur als Uebergang zur Unfallverficherung der Ar- bester. Rußland. Wie der St. Petersburger Korrespondent der„Daily News" erfährt, ist eS der russischen Polizei gelungen, D e g a- jew zu verhaften, der am 23. Dezember 1883 den Polizei- chef Sudeykin ermordete. Degajew wurde in Oesterreich fest. genommen und unter starker Bedeckung nach St. Petersburg gebracht.. �. In dm Trctjakow'schen Baumwollspinnereim und Webereien in Serpuchow dei Molkau, welche 7000 Ardeiter beschäftigen» wurde die Arbeit eingestellt. Belgien« Der„Weser-Ztg." schreibt man aus Brüssel, 30. Juni. Die unleidlichen Stretkzustände in Gmt dauern fort. Zwei große Spinnereien find geschlossm und der Verein der Fabrikherren hat beschloffen, dte durch die Arbeitseinstellung geschädigtm Besttzer, um den Forderungen der Arbeiter ent- schieden entgegen zu treten, zu entschädigen. Dabei bandest es fich hier nicht um dte Löhne, sondern um die Beschwerdm der Arbeiterinnen, die durch dte von den Werkmeistem für die geringsten Verstöße verhängtm Geldstrafen fich in ihrer Extstmz bedroht sehen. Unter Vorantragung von Schildem mir den Aufschriften„Helft den Spinnerinnen! Wir wollm wie die Mmschen behandelt werdm!" ziehen fie durch die Stadt, aber die Fabrikbesttzer wollen keine Zugeständnisse machm. Die Streikwuch(?) hat schon so weit um fich gegriffm, daß die Arbester der Bäckerei, die fich dte Ardester selbst gegründet haben und die allen Arbeitern billiges vrod liefert, streiken und nur arbeiten wollen, wenn nicht mehr all« Arbeiter, fon- der» nur fie allein den Beiriebsgewtnn erhaltm.(?) Ist diese Situation"schon eine bedauerliche, so ist der neue Strestaus- druch im Borinage noch viel schlimmer. Das ganze vasstn Moni ist wieder in Erregung. Diesmal fordern die Arbeiter kategorisch statt derArdeitszeit von4UhrMor- g« n S b i S 7 U h r A b e n d s(I) nur die Arbeitszeit von 6 Uhr Morgen» biS 7 Uhr Abend« bei unvermindertem Lohn. Haben die Kohlmbergwerke bi« Donnerstag da« nicht bewilligt — so erklärten die Delegtrtcn dem Bürgermeister von Je- mappeS— so wird überall die Arbeit eingestellt. Schon jetzt wieder aller Orten partielle Streiks. In Framelies habm schon 1250 Ardeiter die Arbeit eingestellt; die in hornu und WasmeS lehnen das Einsteigen in die Grubm ab. Die Werke bewilligen nicht die Forderung— die Situation ist sehr ernst. >ss»ss»Wsssss>«ss»s«» Emen unglücklicheren Moment hätte Strohwssch auch nicht wählen können, wen« ihm wirklich ein Erfolg am Herzen lag, al« in derselbe« Rammer den Versuch zu machen, die Entrüstung de» Publikums gegen die Thcaterdireknon aufzurufen, die an diesem Abend dre Keckheit haben wollte, ihnen Herrn Horattus Rebe nochmals als Fresko aufzu- zwingen, dem er ei« gänzliches Fiasko prophezeite. Da» Blatt wurde Herrn Rebe unter Kreuzband ins Hau» geschickt. Jeremias hatte es ebenfall« gelesen, aber er ließ fich an de« ganzen Tag nicht bei Pfeffer» blicken, sondern lief in einer merkwürdigen und an ihm sehr ungewöhnlichen Auf- regung in der Stadt herum. Die Klagesache mit Strohwisch konnte es auch nicht sei«, denn die war schon abgemacht und er diese« Mal mit einer nicht unbeträchtlichen Geld« strafe davon gekommen. Er taucht« auch oft in abgelegenen Sttaßen in kleine, ganz unansehnlich« Spelunken ein, mtt deren Bewohnern er einige Zeit verkehrte, stieg in dem Hause in de« dritten, in jenem in den vierten Stock hinauf, und entwickelte überhaupt eine Thätigkett, wie er fie vielleicht fett seine« Dienstjahre« in Brasilien nicht mehr ge» zeigt hatte. Um zwölf Uhr suchte er dabei kein Hotel auf, um fich «ach der ungewohnte« Anstrengung zu restaurtte«, sonder« eine ganz gewöhnliche, noch dazu außer dem Weg gelegene Bierkneipe uud Schankwirthschaft, wo er fich ein Glas Bier und eine Portion Graupe« und Rindfleisch, die ein« zigen Gegenstände, die auf der Speisekarte standen, gebe« ließ.— Er hatte dort aber noch nicht lange gesessen— und es war dabei augenscheinlich, daß er Jemanden«rwartett, denn er sah fortwährend nach der Thür— al» Peter», der Theaterdiener, auf der Schwelle erschien, ihm ziemlich ver- traut zunickte, seine« alte« Hut an einen Nagel hing und fich dann, wie zu einem alte« Bekannten,«eben ihn setzte. »Na, da« ist gescheidt, Pete,«, daß Ihr kommt," sagte Jeremias. »Werde doch die Fütterung nicht versäumen," be» .. Sranireich. Ein eifriger Karholik und Legitimist, Herr Perrot de ka Rosemontolse, veröffentlicht eine:„Nein, eS giebt kein Hau« Orleans mehr!" betitelte Flugschrift, in welcher er nachweist, daßLudwigPhilippnichtderSohndeSunter dem Namen Philippe EgalitS bekannten Her, ogivonChartre». sondern etnesitalieni- schen Gefängnißw ärterS, Namens Lorenz» Chiapptni, war. Der Herzog und dte Herzogin von ChmtreS reisten«ach der Darstellung Perrot'S um jene Zeit in Italien alS Graf und Gräfin de Joinville und sahen fich na» einem Mittel um, fich für alle Fälle des unermeßlichen Vermögens zu versichern, welche« der alle Herzog von Pont- hi-ore mir einem männlichen Sprößling von ChartteS hinter- lassen konnte. Zu diesem BeHufe wurden fie mit dem Ge- fängnißwärter zu Modigliano, Diözese Faenza, einig, wenn die Gräfin de Joinville eine Tochter, seine Frau aber einen Sohn gebären sollte, einm Tausch vorzunehmen. DieS geschah genau w. wie e« vorausgesehen war. Die Tochter deS französischen Prinzenpaare« wurde auf den Ramm Maria Stella Chiappini und. der Sohn des Kerkermeisters auf denjenigen Ludwig Philipp S von Orleans am 17. April 1773 getaust. Maria Stella hetrathete später einen Lord Newborough und als ihr Pflegevater Chiappini im Begriffe stand, daS Zeitliche zu segnen, Ire* er fie in einem Briefe, der ihr erst nach seinem Tode zugestellt wurde, wegen dei Betruges um Verzeihung bttten. Auf diesen Brief hin verlangte Lady Newborough von den Ualienischen Behörden eine Berichtigung im Taufregistrr, welche denn auch vollzogen wurde. Brice interpellüt den Kriegsminister wegm Anschaffung ausländischen Hafers. Boulanger antwortet, wmn die Kammer die Ausschließung desselben beschließe, werde er eine Erhöhung der Kredite verlangen müssen. Die Kammer nimmt mit 329 gegen 204 Stimmen die Tagesordnung an, der Kriegsminister möge die einheimische Agrikultur möglichst de- rück fichtigen. G r o tz b r i t a«» i e«» Der Londoner Korrespondmt deS„Dublin Expreß" schreibt:„Die Meldung, daß Mr. Chamberlain destän« dig von bewaffneten Polizisten beglellet wird, hat große Aus« regung in Birmingham hervoraerufm» da Jedermann davon überrascht war. Nach weiteren Nachrichten aus privater Quelle, welche ich von Birmingham erhaltm habe, ist die irische Partei daselbst so außerordentlich thätig, daß eS nothwendia ist, fie gmau zu beobachten. Vielleicht hofft man, daß Mr. Chamber- lain wie Earl Spencer und Sir William Harcourt, auch Homeruler wird, um dm unerträglichen Auimerftamkeittn der DeteNivs zu entgehen. ES ist bekannt, daß Sir William Har- court Freudenthänm an dem Tage vergoß, alt die DeteftivS zurückgezogen wurden, und fich gelobte, niemals wieder da« in ihn von den Parnelliten gesetzte Verttauen zu täuschm. Ader Mr. Chamberlain ist auS besserem Stoffe, und die feigen Drohbriefe, welche ihm täglich gesandt werden, werdm ihn nnr in seinem Entschlüsse bestaikm, seine Pflicht seinen protestanti« schen irischen Landsleutm gegmüber zu erfüllm. Sein großes Verbrechen ist, daß er es gewagt hat, die Orangistm zu ver« theidigm. Dm ersten Schutz erhiell er aus London, wo die Behörden Nachricht von einem Anschlag erhielten, Mr. Cham- derlainS Wohnhaus mit Dynamit in die Lust zu sprengen." Ein Berichterstatter der„Birmingham Mail" hatte gestem eine Unterredung mit Chamberlain über die von den Feniern gegen ihn geplanten Anschläge. Derselbe sagte, daß Freunde, welche die Pläne der irischen Extremisten zu kennen in der Lage wären, ihm mitgetheilt hättm, daß eine Verschwörung bestände, ihn zu ermordm. Die Londoner Polizei habe ihn gleichfalls gewarnt. Lord Hartington befinde fich auch unter polt« zelltchem Schutz. Dte„Daily NewS" zititten eine Bemerkung'Salilbmy'S, daß er es schwierig fände,„existirende Phänomme mll dem vorausgesetzten gesunden Menschenverstand« deS Premierminister» zu vereinigm", und sagen dann: „Dies ist die rationelle und höfliche Sprache Lord SaliiburyS gegmüber dem hervorragendsten Engländer seine« Zeitalters. Lord SaliSbury hat vt-le Rollen gespielt. Er hat die meisten der Prtnzipim verschluckt, zu denen er sich jemals bekannt hat. Er hat dte unverhüllte Verachtung Mr. Dtsrarli'S mit knechtischer El geben heit für Lord Beaconsfield zurückdezahlt. Er ist vermöge des irischen Votums ins Amt gelangt, und hat dann seine Bundesgenossen über Bord geworfen. Aber sein bitterster Feind konnte ihm keine tiefere Erniedrigung gewün cht haben, al» daß er in dieser Weise demüthig die Manieren Lord Ran- dolpf Churchill'« nachahmt." Italien. Vom 1. bi« 2. Mittags find an der Cholera in Codi» goro 5 Personen erkranft und 1 Person gestorben, in Venedig 2 Personen erkrank und 2 gestorben, in Brinvifi 18 Personen erkrank und 9 gestorben, in Latiano 105 Personen ertrank und 32 gestorben, in Oria 3 Personen erkankt und 3 gestorben, in Francavilla 44 Personen erkrank und 18 gestorben, in San Vtro 26 Personen erkrank und 7 gestorben. Es wird gemeldet, merkte dieser,„wo sollte nachher die Kraft und Ausdauer herkommen I" „Und Alles in Ordnung?" „Alles, aber ich sage Jham, Herr Stelzhammer, ich fühle meine Beine nicht, und habe de« letzten Groschen von dem Geld« ausgegeben 1" „Hier ist mehr," nickt« ihm Jeremias zu, indem er ihm eine Zwanziggulde«- Note w die Hand drückte, „wmn es die Leute nur vernüaftiz anfange«, daß es nicht auffällig wird." „Na, da könnm Sie fich ganz ans«ich verlassm, ab« der Durst.. „Kellner, zwei Glas Bier!" „Darin, dächt' ich, hittt' ich einige Hebung,' fuhr Peter» fort, und wischt, fich schon im voraus«ach de« Bier dm Mund, Alle« mtt dem gehörigm Avek und zur rechte« Zettl' „Und wmn welche pfetfm?" »Desto besser, die werdm hinausgefuhrwerkt. Uebri. gm» habe ich mtt«och einm Hauptkerl für derlei Sache» — ein außerordmtlich nützliche« Mitglied, wie unser Direktor sagt, hier um zwölf Uhr herbestellt, weil ich ihn nicht zu Hause ttaf." „So? kommt er?' „Gewiß, es ist eine Art verdorbme« Gmie, der Ge» legmheitsgedichte und dergleichm macht und eigentlich mtt dem„Doktor" befteundet. aber, lieber Gott, er hat immer Dnrst; Ihr Wohl, Herr Stelzhammer, und ein paar Gulvm mehr auf die eine Seit« könnm da schon'was aus» richten!" »Sie wisse«, Herr Peter«, daß e« mtt auf ei« paar Guldm nicht avkommt." „Sehr hübsch von Ihnen, Herr Stelzhammer," be» merke Peter«,„wollte, ich könnte dasselbe von mir sage»" „Wmn die Sache gut abläuft, soll es Ihr Schade ge- »iß nicht seml' „Was thut man nicht im Interesse der Direktion." de» merke Peter» bescheiden,„und wmn uns der Rebe nur ei« klein wenig hilft, und ich bi« fest überzeugt, er wird seine Sache gut machen, so— ab» da kommt stieß er plötz« bafl wegen der Cholera die großm Manöver, welche bei Padernona und Gomme hätten stattfinden sollen, abbestellt wurden, und daß sämmtliche Manöver auf den Herbst ver« schoben werden sollen. AuZ Trieft wird von einem, aui Udine von zwei neuen Choleratällen derichtet. Die Triester Polizei« Direltion hat au» Sanitätsrückfichten die Abhaltung von Kirch« wethiesten im Triester Territorium verboten. Aui Nume wird die Erkrankung eines Honvedsoldaten an Cholera berichtet. Die Seedehörde meldet, daß auf Luca di Guipana ein Fall von Cholera nostraa vorkam. Der Hafenlapitän von Ragusa wurde deaustragt, die von Guipana eintreffenden Schiffe ärztlich unter- fachen zu laffen. Spante«« Die Rede, welche General Lopez Dominguez am verfloffe- nen Montag im spanischen Kongreß gehalten, hat große» Auf« sehen erregt. Der General bestand auf der Nothwendigkeit radikaler Reformen in der Armee und besonders im OfstzierkorpS. Die Unzufriedenheit sei durch Akte dei Favori- tiimu» und die systematische Ausschließung der liberalen Ele- mente so allgemein geworden, daß diejenigen, welche ein Jntereffe daran hätten, die Armee zur Revolte zu treiben, alle Auificht auf da» Gelingen ihre» Planes hätten. Der General setzte hinzu, daß, wenn nicht so schnell als möglich ernste Reformm eingeführt würden, eine Katastrophe möglich sei. Durch ein Dekret werden au» Anlaß der Geburt de» Königs AlphonS Xlll. die Strafen für gemeine Vergehen, aber nicht für politische und militärische, erlaffen. Ein Diebstahl ist also besser, als ein politische» Vergehen! Balkanläuder. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Pforte hat de- schloffen, verschanze Lager in UeSküd und Adrianopel zu er« richten und die nöthigen Arbeiten haben in beiden Orten bereit» begonnen. Es soll dadurch einem etwaigen durch autländische Umtriebe angezettelten Versuch, einen Ausstand in Makedonien zu«regen, vorgebeugt w«den. Amerika« Au» Philadelphia wird der„Times" gemeldet, daß die Angestellten der von Chikago ausgehenden Eisenbahnen daselbst eine Zusammenkunft gehabt haben, in welcher fie zwar ihre Sympathie den Streikenden der Lake Shore Bahn au»sprachen, ab« zugleich beschlossen, stch denselben nicht anzu« schließen. Kommunale». w. Von den zu Markrhallenzwecken gemietheten Stadtbahnböge« beim Bahnhof Alexanderplatz find vi« Bögen noch unbenutzt. Der Magistrat hat nun beschlossen, in einem dieser Bögen da» Fleisch schauamt für da» nach der Markthalle in der Neuen Friedrichstraße von auswärt» an- lammende frische Fletsch zu«richten, während die drei anderen Bögen zu Verlaufshallen für dieses Fleisch eingerichtet werden sollen. Die städtische Laudeputation wird Auftrag erhallen, sofort mll der Pflasterung der Zufahrtsstraßen zu diesen Stadt« dahndögen vorzugeben. Elektrische Beleuchtung in der Handwerkerschnle. D« Magistrat hat beschloffen, die für die städtische Handwerker« schule in dem Vord«hause in der Lindenstraße bestimmten Räumlichkellen mll elektrischer Beleuchtung zu versehen; e» soll jedoch die Ausführung in diesem Jahr nur so weit gemacht w«den, al» die Mittel dazu in dem betreffenden Etat resp. Anschlag vorgesehen find. Nach dem VerwaltungSbertcht de» Magistrat» über die britische Straßeuban-Polizei-Verwaltnng pro 1. April 1885/86 haben, wie wir der„Nat.-Ztg." entnehmen, dieser Ver- waltung in dem angegebenen Zellraum 50 Projekte zu Pferdebahn Neu- und Erweiterungsanlagen, zur Feststellung d« Brelleneintheilung der Straßen, zur Herstellung einer Ent« wäfferungtleitung durch die Stadtgemeinde, zu Neu« resp. Um« Pflasterungen, sowie endlich zur Festsetzung von Bauflucht- Imien, serner 2486 Bauprojekte vorgelegen. Von diesen Bau» «rojekten wurden durch die Antragsteller zurückgezogen 18, abgelehnt 152, noch nicht erledigt 101, genehmigt 2215. Von den genehmigten Projetten betrafen 1191 größere und 1044 kleinere Baulichkeiten. Fem« warm auf den Ausbau von Stadtbahn« dögm 16 Projekte gerichtet. w. Die Große Berliner Pferdeeisenbahn-Aktien« gesellschast beabfichtigt die Anlage d« PrerdebaHnstrecke Molkenmarkt- Spittelmarlt bis zum 1. August c. für den Betrieb fertig zu stellen und hat den Magistrat mit Rückstcht darauf«suchl, die Fertigstellung d« Pflast«arbeit« in d« Jüdenstraße möglichst zu beschleunigen. Auf Vorschlag des Kuratorium» de» Zentral-Vteh- Hofe» hat der Magistrat, wie wir der„Voss. Ztg." mtnehmen, deschloffen, d« Stadtverordnrten-Versammlung die Genehmigung eines Tarife» für die Untnsuchung de» von auswärt» einge« führten frischen Fletsche» nach folgenden Sätzen vorzusthlagen; Für ein halbe» Schwein 1 M.(einschließlich für die Unter- suchung auf Trichinen), für ein Rind 30 Pf., für ein Kalb lich seine» Nachbar heimlich mit dem Ellboge» an.„Da» ist der Hauptmatador von Alle»— aber jetzt ruhig, daß er uicht» m«!t. Laffe» Sie mich«ur machen." Der Eintretende war eine ganz auffallende Erscheinung, ei» baumstark« Mensch mit blonde« Haaren und blaue«, etwa» verschwommenen Auge». Die Nase dabei ei»»enig g«öthet, da« Geficht unrafirt, ging«, in eine» braunen, sehr abgetragenen Ueberrock trotz der warmen Witterung bis oben hin eingeknöpft, so daß auch nicht die Spur von rein« Wäsche fichtbar wurde. Den Hut hatte« dabei keck und zuversichtlich auf einem Ohr fitze« und i» du Ha»d trug« ein dicke» spanische» Rohr. Wie er i» die Thür ttat, warf er einen Blick in da» »och sehr spärlich besetzte Zimmer, bemnkte PUn», nickte ihm huldvoll zu, hing dann ebenfall» seine« Hut an de« Nagel und setzte fich, oh«e Z«emia» well« zu beachte«, dem Theaterdien« gerade gegenüb«. „Wollen Sie mit effen?" fragte d« etwa» schmutzig auiseheode Kellun oh«, viele Umstände,„Graupen und Rindfleisch!"_ m, „Dimke—®Ifl« Bier l' war die Antwort.„Nun, Peter», wie geht'S? WaS treibt Zhr?" „Haben Sie denn schon gegess««, Hnr Walther?" fragte dies«... „Ich?— hm—«ei«— speise gewöhnlich spät«.." _„Na, aber dann zur Gesellschaft.— Heh, Kellner, flouvert für dm Herr» I" rief Peter«, der fich alle gesell- fchafiliche» Formm angeeignet hatte.„Die H«rm kmnm stch wohl«,ch nicht? Herr Walther, eine literarische Größe; Her, Stelzhamm«, ei« Kaufmann au« Brasilien I" „»«genehm, Ihre Bekanntschaft zu machm," sagte Herr Waith« mit einem völlig gleichgiltige« Geficht, indem « verlangend«ach dem ebm gebrachten Bier hinstbu sah, und auch drei Viertel de« Glase« auf einm Zug le«te. «Wa» wollten Sie denn, P«t«»? Sie warm bei mir im Haufe. Zch hatte einige Besuche ju machen." «Sind Sie schon auf heute»bevd mgagirt, Herr Walthn?" fragte Peter», d« weitere Umstände nicht für hielt. 10 Pf„ für einen Hammel 10 Pf.; in Gemäßheit de»§ 13 dei Reaulativ» soll diese Gebühr auch für jede» Stück unt«> suchte» Fleisch, gleichgiltia welche Größe ei hat, erhobm wnden. Für jede der b«eit» eröffneten Markthallen und für die noch bestehendm offenen Märkte sollen 8 Fleischschauämter«richtet werden, von dm 4 in die Markthallen vttlegt und die anderen 4 in da,u zu miethenden Lokalitäten in der Nähe ver öffent- lichm Märkte untergedracht werden sollen; da» Personal für diese 8 Schauämt« wird besteben au» 17 Thierärzten, ebenso viel Prodenebmern und etwa 60 Fleischbeschauern; für da» in d« Zmtral-Martthalle einzurichtende Fleischschauamt find 3, für jedes andere Schauamt 2 Thi«ärzte in Ausficht genommen; die Fleischbeschau« sollen größtenthells aus d« Zahl der auf dem Zentralschlachthof in Thätigkeit fich defindenden Fleisch« deschau« entnommen werden. Die Verwaltung der städtische« Kletschscha« hat stch im letzten Rechnungsjahr(1885/86) günstig gestellt. Die Ein« nahmen aus dm Schauäedühren haben statt 239 500 M. 261 511 M. also 22 011 R. mehr betragen. Die Vermehrung fällt fast auischließltch auf die Untersuchung d« Schweine, die stark zuzenommen hat und noch fortwährend zu steigm scheint. Die Ausgaben haben fich fast nur dei den Remun«ationm d« Fleischbeschauer erhöht, die im Ganzen 142 901 M. betragen haben. Der Uedttschuß war auf 40686 M veranschlagt, er deläuft stch aber auf 47 880 M. und ist bereits auf das laufende Rechnungsjahr 1886/87 übernommen. Gerichts-Zeitung. Da» Erkeuntniß im Müncheuer Soztalisten-Prozeß. ii. EI ist jedoch der Natur der Sache nach undenkbar, daß eine derartige in großem Maßstabe angelegte Organisation mit Aufgebot von so viel Personen, mit Beischaffung so v«schte- dentlich« Hilfsmittel in'» Ledm gerufm werden sollte, zu dem einzigen Zwecke, eine im Ganzen wmig dedeutende Flugschrift zur Verthetlung zu bringen. E» läßt sich auch kaum begreifen, welche» irgmd bemerkenswertheS Interesse d« Angeklagte Franz Andrä haben konnte, die nicht unnheblichm Kosten, die Arbeit und Mühe, sowie die Gefahr solch« Verthetlung auf fich zu nehmen,— während andererseits wohl verständlich ist, daß eine bestehende Verbindung von Angehörigen der sozial« demokratischen Partei von den ihr zu Gebote stehmden Ocganm Gebrauch macht und so zu sagen im Fluge tausenve von Exemplarm einer ihre Grundsätze verbrettmden Druckschrift über eine ganze Stadt ausstreut, um für ihre Parteizwecke zu wtrkm, sei es durch Verbreitung ihr« Jdem, sei es durch Schaustellung d« Größe und Kraft ihr« Mittel. Einen vollgiltigen Beweis für die Richtigkeit dies« An« nähme liefert die obm schon«wähnte Mtttheilung eines München« Parteigenossen unter dem durchfichtigen Pseudonym „Bogenschütze" in der Nr. 32 des„Sozialdemokrat" über die in einer Stunde erfolgte V«breitung von 50000 Exemplaren eines Flugblatte» in der hiefizm Stadt am 3. August 1884. Eine derartige rasche Ausbreitung einer so großen Anzahl von Flugblättern war nur möglich unter Zuhilfenahme einer Organisation d« Genossen, wie ste die mehrerwähnten In- struktionm darbieten und wie fie die Mittheilung in Nr. 32 des„S.-D." unter Betonung dei Studiums de» Stadtplane» selbst andeutet. Auch die Herstellung d« vorliegenden Exemplare der In- struktlonen auf autoaraphischem Wege und d« in den Jnstruk- tionen enthaltene Auftrag, die einzelnen Exemplare der Jnstmltion nach geschehener Verthetlung d« Druckschriften wieder an die Obmännn zurückzugeben— offenbar um ste dei weiter«folgenden Vertheilungen wieder zu benutzen— läßt den dauernden Zweck der au» den Instruktionen fich«geben« den Organisation auf daS Deutlichste erkennen. Ein wetter« Zweck der Verbindung ist nachgewiesener« maßen auch die Verbreitung d« Druckschrift„Sozialdemokrat". Au« den Adonnementseinladungen der Redattion de»„So« zialdemokrat" ist zu entnehmen, daß diese» Blatt bei Etnzelbe- stellun« pro Quartal M. 4,40 bezw. M. 3, dagegen bei Be- stellung von wenigstens 10 Exemplaren nur M. 1,80 pro Quartal kostet. Bei Etnzelbestellung erfolgt die Zusendung p« Post und find die so bezogenen Exemplare auf möglichst dünne» Papier gedruckt. Bei Maffenabonnement erfolgt die Zusen- dung lediglich an einen am Bestellungiorte wohnhaften Ver- trauen» mann, der die Verthetlung an die einzelnen Adnehm« übernommen hat. Die Versendung erfolgt unter ein« söge- nannten Deckadresse und die Exemplare de» Maffenabonne- ment» find, wie der Augenschein zeigt, auf grobe» gewöhnliche» Papi« gedruckt. Solche, da» Papier de» Maffenabon.rement» zeigende Exemplare wurden bei einer Reihe der Angellagten vorgefunden. Den Bezug deS Blatte», dessen Vnthellung an die Veltrauenimänner, die Einholung der Abonnementsgeld« von diesen und Verrechnung und Ablieferung der Gelder an die Redaktion in Zürich hatte der Angeklagte Franz Andrä übertragen erhalten, während die Vertrauensmänn« die Ver- theilung de» Blatte« an die Genoffen und da» Einsammeln H«r Waith« nickte einfach, während« die für ihn bestellten Speise« in Empfang nahm und trotzdem, daß« sonst spät« speiste, mtt außerordentlichem Erfolg zu bear- bette« begann. „Alle Wetttt," rief Pet«», da« wäre mir aber nicht lieb I Sie selber würde» qiel dabei v«säumen, Herr Walther, denn es liegt uns viel daran, daß die Vorstellung heute Abend eine befriedigende ist I" „So?" sagte Herr Waith«. „Abn vielleicht ließe es fich doch«och verewigen." „Möchte wohl schwerlich gehe«, Peter»,— ich wttde pfeifen," sagte der Herr mit ein« bodenlose« Ruhe. Jeremia« zuckie zusammen, Pet«» gab ihm aber unter de« Tisch ewe« Stoß mtt dem Fuß. „Hm," meinte« da»», al» ob in d« Antwort nicht da» g«i»gste Auß«gewöh«liche gelegen hätte,„da« ist dann fteilich etwa» Andere». Schade, aber wenn'« nicht ist, ist e« nicht— Sie hätte» indeß ew schön Stück Geld v«- dttnen können!" „Bah," sagte Herr Waith« verächtlich, und kaut« da» nicht ganz zarte Stück Rindfleisch, ,wa« Zhr schön Stück Geld nennt— ftei Enttee und eine» halbe» Gulden Klvpf- geld. Die and«e Seite ist bequem«, dabei kau» ich die Hände in de» Tasche« behalten." (Fortsetzung folgt.) Ans Kunst und Zeven. Schwetzer-Garte«. Da» für diesen Sonntag in Au»- ficht genommene Peoaramm verspricht insofern ein sehr inter- effante» zu werden, alt dasselbe um eine überaus humoristische Studentenpoffe: Die lustigen Heidelbttger, in welcher da» ge- sammle Bühnenpersonal mitwirken wird, dereicheit werden soll. d« Abonnementigeld«, sowie die Ablief«ung an Franz Andrä zu besorge« hatten. E» ergiebt fich die» mtt voll« Bestimmthett au» den Auf- Zeichnungen des dem Franz Andrä abgenommenen Notizbuches, welche selbst in der nun enträthselten Geheimschrift gemacht zu haben er in der Hauptv«handlung vom 11. d. M. zugievt, allerdings mit dem wenig werthvollen Beisatz, er könne fich auf diese Notizen nicht mehr«innnn. Die in diesem Notiz- buch enthaltenen Aufschretbungen beziehen fich augenscheinlich auf das Maffenabonnement des„Sozialdemokrat" und lassen entnehmen— und zwar schon auf der inn«en Seite des Um» schlag«?— daß 222 Abonnenten vorhanden waren, welche bei einem Preise von 1,80 M. pro Quartal und bei Gewährung von 15 Freiexemplaren 399,60 M.— 27= 372,60 M. zu bezahlen hatten. Auch die weiteren Abrechnungen liefern ein gleiches Er» gebniß, wie». B. die pro 2. Quartal 1836 für 208 Abonnenten mtt 374,40 M. unter Zugutrechnung von 15 Freiexemplaren mtt 27 M.---- 347,40 M. Mtt der Zahl der hieraus stch er» gebenden Abonnenten stimmt die dei d« kgl. Polizeidirektton München gemachte Erfahrung insofern üb«em, al» mehrere hier» h« gelangte, aber beschlagnadmte Maffensendungen deS„Sozial» demokrat" gewöhnlich ihrer Zahl nach mit der im Andrä'fchen Notizbuch verzeichneten Abonnentenzahl übereinstimmten. Die in dem Nolizduche alt Abonnenten aufgeführten Angeklagten stellen den Bezug de»„Sozialdemokrat" nicht in Abrede, wollen folchm aber durch einen Unbekannten bestellt, zugestellt«hallen, und dem Unbekannten bezahlt haben, mtt Ausnahme deS M. Ernst, welch« direkt in Zürich bestellt haben will, ab« zugiebt, durch einm Unbekannten zugestellt erhaltm zu haben. Au» diesen Zugeständniffen ergiebt fich ein unumstößlich« Beweis für die Richtigkeit der Andrä'fchen Liste, sowie dasü-, daß die dort aufgeführten Namen, nicht etwa die Namen dritt« Pttsonm, sondern genau die Namen d« detreffmdm Angeklagten find. ES erscheint hiernach auch hi« nachgewiesen, daß die Organisation d« bestehmdm V«bindung alS Mittel zur un» gehinderten Verbreitung der vnbotenm Druckschrift„Sozial- demokrat" benützt wordm ist. Die Zwecke d« Verbindung werden gefördert durch Versammlungen der einzelnen Klub», sowie Vnsamm» lungen d« Vertrauensmänn«. Der Bestand der or» gamstrten Verbindung ist, wie schon hervorgehodm, er« wiesen durch die vorliegmdm Schriftstücke. Für den» selben ergiebt fich aber gleichwie über die stattgehabten Zusam« menkünste und Versammlungen vollgilttg« Beweii durch die Aussagen d« vernommenen Zeugen. Die Glaubwürdigkeit zwei« zunächst in Lettacht kommmder Znigm G. Lutz und Elise Emmen wurde in Zweifel gezogen und demänaelt, unt« Aufstellung d« Behauptung, daß beide Zeugen zu ihren Aui» sagen lediglich aus Gehäsfigkeit od« Rachsucht gekommen seim, uno daß G. Lutz überhaupt al» ein verkommmer Mensch keinen Glauben verdtme. Wa» in letzter« Richtung vorgebracht und durch Zeugen dargelegt wurde, besteht lediglich in der Be« hauptung, G. Lutz, d« augmtcank war und in der That auch bcreU» v«stordm ist, habe fich Unterstützungen au»»«Kranken» lasse verschafft auch für jene Zeit, in d« er wied« arbeiten oder in'» WirthShau» gehen konnte. ES kann diese Thasache auf fich beruhm, da selbe an fich kaum geeignet ist, die Glaubwürdigkeit»;* Zeugen, der seine AuSsagm unter dem Verbände de» Eide» und fast im Ange» fichtde» Tode» gemacht hat, zu beeinträchtigen. Die Glaubwürdig» reit deid« Zeugen, selbst wenn fie von Rachsucht geleitet— wie die Zeugin Emmen selbst zugtebt, fie war al» ftühne Geliebte de» An« geklagten Urban durch seine Beziehungen zu sein« jetzigen Eheftau Babette Gaigel eif«süchtig geworden— stch veranlaßt gesehen haben, Aussagen üb« ihr Wissen zu machen, wird hierdurch um so weniger beeinträchtigt, al» ihre Anga:en in bestimmtest« Weise mtt den übrigm erhobenen Beweisen, so namenlltch den mehr erwähnten Instruktionen, sowie den Briefm d« Babette Gaigel-Urban übereinstimmen. Die Angabm des Georg Lutz hinfichtltch der bestehenden Organisation d« V«» dindung finden fast wörtlich ihre Bestätigung in dem Inhalte der vorliegenden Jnstruklionen und find auch im Uedrigen nach sä»s Verthetdigung, G. Lutz hätte, wenn selbst Mitglied etneS ge» Heimen Klub», nicht al» Zeuge detgezozen und nicht beeidigt werden dürfen,«ledigt fich durch den Hinweis auf die That- fache, daß G. Lutz nach sein« Aussage al» Mitglied in einen «lud nicht eingetreten ist. Soziales««d Arveitervewegang. Der Normalarbeitstag«ad die Gesundheit der«r» better. In den„Schweizerischen Blättern für Gesundheit«. pflege" wird die Frage aufgeworfen:«Ob dem NormalardeitS« tag wirtlich eine so hohe Bedeutung zukomme." Die Antwort d« Redaktion genannten Blatte» lautet:„Gewiß, derselbe ist Bei eintretender Dunkelheit wird Miß Lazel ihre gefahrvolle Luftnummer: Der Flug au« d« Kanone, bei elektrisch« Beleuchtung zur Aufführung bringen. In Betreff der Volk»- delusttgungen«freut fich die neu angelegte Rutschbahn der regsten Benutzung dei Publikums. Für tommenden Dienstag wird wieder ein großartiges Kriegs- und Frontenfeuerw«k von den Pyeotechntkem de» obengenannten Etablissement» abge,, brannt werden, deffen effektvolle» Schlußtableaux diesmal da» Programm der Schlacht dei Wörth bilden soll. Sperl— Treptow. Die reizende Kostümsoubrette Mlle. Blanda Felicitas. welche im Bonffes- parisien« zu Pari» die größten Erfolge davonaetragen, gtebt heute ihr erstes Debüt. Der indische Gaukler Sidy Said mit den noch nicht hi« ge» sehenen equilibristischen Produktionen, der mustkalische Klown Harrt», der nicht weniger als auf 20 Instrumenten seine Welsen «tönen läßt, sowie die Blondina fWres, welche ihre so schwie» rigen Produktionen auf dem 100 Fuß hohen Thurmseil exeku» tiren, treten gleichfall» auf und heben wir diese Künstler au» dem reichen Rep-rtoir besonder» hervor. Am nächsten Mittwoch wird stch hier d« erste Athlet der Welt Mr. Reeou produztren. Eine interessante«hainreise sowie das malerische Ber- ««Oberland wird in dieser Woche in dem vielbesuchren Kaiser» Panorama, Paffage, zu sehen sein. Nene Motoren. Ein Ersatz für den Dampf behuf» Er» zeugung von Kraft zur Bewegung von Maschinen ist in einem neuen Präparate der Soda in Amerika entdeckt worden, welche« «.in mächtiges Betriebsmittel liefern soll. In Chikago wird ein Straßenbahnwagen mittelst eines Soda> Motors ohne Feuer, Dampf, Geräusch und sonstige Unannehmlichletten ge« fahren. Nur dreizehn Minuten find erforderlich, um den Apparat zu füllen, welcher dann sechs Stunden hindurch un» unt«drochen arbeitet. Die Boston» und Albany Compagnie «baut gegenwärtig ein Basstn für 8000 Zentner Soda, um einen solchen Bettieb in Boston einzuführen. Eine Gesellschaft in MinneapoliS, Minnesola, V. St„ schließt einen Kontrakt ab, um alle ihre Straßendahnwaaen mit Soda-Motoren von zwei Pfttdekraft zu versuchen. D« in Hamburg gemachte Versuch, die Elekttizität als Kraft für die Bewegung solcher Wagen zu benutzen, ist In der Hauptsache gelungen und befmven stch die dabei benutzten Apparate unt« den Sitzen der üfahrgane. Die Einführung dies« Fuhrwerke steht auf einer Straßenbahn» linie bevor und wird die Benutzung der Pferde bei derselben übelfMdg»�({rev tin Zjvtlisator. Wie der„Shen Pao" ankündigt, hat stch eine große Anzahl d« Eingeborenen der Insel Formosa der chinefischen Regierung unterworfen. Liu-Ming Cbuang hat nun in Amoy mehrere tausend Rafir» meffer ankaufen laffen, welche an die Häuptlinge d« Stämme vertheilt werden sollen, um allen ihren Unterthanen nach chinefiich« Mode die Köpfe raflren zu lassen. Der„Shen Pao" knüpft nun daran die Bemerkung:„Die Wilden von Formosa werden nun rasch zivllifirt werden." von groß« prinzipieller Wichtigkeit in der NrdeitergesundheUI« pflege, wenngleich seiner Zell kein Geringerer al» Bismarck dagegen war. Letzteren vermögen wir überhaupt in hygienischen Fragen nicht als größte Autorität zu betrachten, sonst hätte er nicht auch eine Bertheidigungsrede zu Gunsten deS SchnapseS gegenüber dem Bitte halten können. Die exakte Beobachtung einer bestimmten, nicht übermäßig langen und strengen Arbeits« zeit unter der Bezeichnung Normalarbeititag ist für das körperliche, geistige wie stttliche Wohlbefinden oer Fabrilbevöl« kerung von hohem, leider gerade von den interesswlen Kreisen oft nicht genügend anerkanntem Werthe. Feder Menschm» und VolkSfteund giebt zu, daß, um ein wirklich menschenwürdiges Dasein zu haben, ein gehörige» Maß körperlicher Ruhe nach vollbrachtem, nicht zu lange dauerndem Tagewerk durchaus nöthig sei. Der industrielle Arbeiter, zumal derjenige mit ein« förmigem Posten an der Maschine, soll ausreichende Muße haben, seinen Geist durch BethMgung an edlen gesellschaft. lichen Genüssen, in Vereinen, durch Lektüre eineS guten BucheS zu veredeln, stch seiner Familie zu widmen, um fich erst dann auch recht al» Mensch zu fühlen. Zur Unfallverstchervng. Die ordentliche GenoffenschaftS' Versammlung der Glasberufsgenossenschaft, welche im Juni in Berlin stattgefunden hat, hat auf Antrag des Vor« stände» beschlossen, den Berufsgenossen folgende Einrich« kungen zurVerhütung vonUnfällen zu empfehlen: 1. Lederne Schutzmanschetten am Unterarm für die TafelglaS« blanche und vpiegelglaSfazetterie. 2. Schutz pritschen der vorderen Trommel, bei sogenannter französtscher Arbeitsweise. 3. Zudecken der Schwenkgruben, soweit die» möglich. 4. Schutz- Vorrichtungen bei Kreissägen. 5.»r schaffung von Werkzeugen zum Auflegen der Treidriemen während des Betriebs. 6. Bedeckung und Einfriedigung niedrig liegender Kammräder. 7. Einfriedigung der Schwungräder. S. Schutzgeländer vor dem Kollerwerk, wo solches nach den Anlagen thunlich ist. Zugleich ist der Vorstand beauftragt worden, nach Erledigung sämmtlichcr im Gesetz vorgeschriebener Formalitäten der nächsten A-noffenschasts Versammlung eine vollständige Verordnung über UnfalloerhütungSvorschriften vorzulegen, welche demnächst dem Reichsverstcherungsamt zur Bestätigung überreicht werden soll. Ferner nahm die Versammlung einstimmig einen nur zwei Klaffen umfassenden Gefahrentarif mtt 100 xCt. resp. 80 pCt. BeilragSquote an. Mehrere Genossenschafttvorstände baben beim Reich». verflcherunasamt deantragt die durch das Rundschreiben vom 10. Dezember 1885 für die Einreichung der Gefahrentarife bis zum 1 Juli 1886 gesetzte Frist zu verlängern. Das Reichs- verficherungsamt hat diesem Antrage stattgegeben und steht der Vorlegung der Gefahrentarife nunmehr bis zum 16. August 1886 entgegen. Die russische Zollpolitik erhält unsere Schutzzöllner fort- während in Auftegung. Zwar ist kürzlich, ohne daß bi» jetzt ein Widerspruch hervorgetreten wäre, gemeldet worden, die kürzlich'geplanten, namenttich gegen Deutschlands Eisen- und Kobleninvustrie gerichteten Zollerböhungen seien von der rusfischen Regierung bis zum nächsten Jahre vertagt worden, doch ruft begreiflicher Weise diese Meldung keine Beruhigung hervor. Daß die russtsche Regi-rung fich von denselben Grund« sätzen leiten läßt, welchen auch unsere WirthschastSpolittk ent- fprungen ist, und der ganze Unterschied nur darin desteht, daß unS Rußland in der Absperrung des eigenen Landes und in der Anwendung der das Ausland schädigenden Maßregeln um einige Schritte voraus ist, wird von der schutzzöllnerischen Presse nicht anerkannt. Sie macht Rußland bittere Vorwürfe, weil es glaubt, durch dieselben Mittel seine Erzlager und seine Eisenhütten vor ausländischem Wettbewerbe zu fichern, durch welche unsere Gesetzgebung die nationale Arbeit geschützt und den einheimischen Markt gestchert wissen will.— In unserem heutigen Lettartikel finden unsere Leser schon einen PaffuS über die Folgen der neuen deutschen Zollpolitik, auS welcher die „Kampf, ölle" entstanden find. Die Stellmacher Berlin'» scheinen dem von beiden Seiten berathenen und angenommenen Lohn- und Akkordtarif, welcher neben einer Aufbesserung der Löhne die zehnstündige Arbeitszeit sowie Abschaffung der SonniagSardeit vereinbart, nicht nachkommen zu wollen. Auch dm von ihnen inS Leben gerufmen Arbeitsnachweis scheinen fie vollständig zu igroriren. Gestützt auf den großen Zuwachs von junam, billigen, mit den Berliner Verhättniffen nicht vertraui-n Arbeittkr ästen, houn fie fich die Leute von dm christlichen Herberg n. Die für solch« Hintergehung des Jnnungideschluffe» festgesetzte Strafe von 3 M. scheint als ein Blendwerk. Wir können über ein solches Gebahren eineSTbeilt der Meister nur unser Bevaue:n auSvrückm. Denjenigen Meistem, welche in oben erwähnter Weise, durch die Ausnutzung billiger Arbeitskräfte, den besser gestnnten Meistem eine solche unbillige Konkurrenz bieten, scheint daS Verständntß gänzlich zu fehlen, daß fie gerade durch solch ein Vorgehen dem Untergang ibres Handwerk» in thatträstigster W-ise oorardeitm. Doch hoffen wir von dem Takt und der Charaverfestigkett verschiedener Meister, daß dieselben in G:- meinschaft mit den Gesellen die vorgenommene Hebung des Handwerks unentwegt zur Ausführung dringen werden. Emil Menzel, Stellmacher, KrauSnickstr. 16. Adolph Elein, Stell macher, Straßburgerstr. 31, IU. Die Maschinenbauer der Firma Wilson Sous u. Co. in Hull wolltm mtt dem 1 Juli die Arbeit niederlegm, weil ihnen eine Lohnerhöhung von 5 Prozent verweigert worden ist. Die Lohnbewegung erstreckt fich über nahezu das ganze Tyne- und Weargebiet und werdm dem Streik der„Wilson"- Maschinenbauer bald diejenigen der übrigm Fabriken beitreten. Auch unter dm Schiffbauern macht stch eine Bewegung zu Gunsten einer Lohnerhöhung geltend. Kleine Mittheilungen. Würzburg, 1. Juli. Ueder das gräßliche Eisenbahn« Unglück entnehmen wir einem Bericht des„Bamd. Joirrn." folgendes:„Tausende und tausende Trauernde stehen jetzt, 6 Uhr Abends, noch am Unglücksplatz, wo immer noch kurcht- bar verstümmelte Mmschm unter den Trümmern der Wagen und Lokomotiven eingezwängt liegen und hunderte von Militär. Personen im Verein mit Fachleuten unverdroffm und brav ar- beitm, die Spuren des gräßlichen Unglücks fortzuschaffen und die Körperthetle der Tobten aus den Trümmern hervorzuziehen. — In der Nähe des Josephthofes, wo die Bahn eine scharfe Biegung macht, fuhren beide Züge mit aller Kraft aufeinander. Der Oberkonduveur des Schnellzuges hatte noch Zeit, das Nothfignal zu geben, die Häberleinbremse fallen zu lassen und dm heranbrausendm Zug zu sehen und zu rufen. Er ist leicht verwundet, ebmso der andere Kondukteur, welcher den Ruf hörte; der Schnellzug wurde infolge deS BremsmS etwa» mehr geschont. Die Gewalt des Zusammmstoßes war derart, daß der Tmder deS PostzugeS nach unten gekehrt auf der aufgethürmten Lokomotive gefchleudert und von 3—5 Waggons überdeckt wurde. Nach Aussage des Schnellzug- Kondutteur» hörte man ein hundertfaches Wehgeschrei nach dem Zusammmstoß— dann war AlleS ruhig!— Sofort eilten 500 Mann auS der nicht allzuweiten Artillerie- Kaserne herbei und griffen mit Opfermuth und Energie ein und bald bedeckten Leichen und Verwundete die Böschung und ein Weheruf der letzteren durchdrang die wette Umgebung! Die SanitätSkowpagnie mtt Tragbahren und Wagen kam bald im Laufschrttt und begann da» traurige Amt ihres Dienstes. Auf Arttlleritwagm kamen bereits Leichen in die Stadt, in einem Güterwagm liegen 11 Todte, Männer verstümmelt und Frauen zerrissen, unkenntlich und thetl» ohne Gliedmaßen I Dazwischen blutige Schwer- und Leichtverwundete, welche in 4 Waggons geschafft und in den Bahnhof gefahren wurden. Lokomottv« führer Oeselein ist todt, seine Frau war im letzten Wagen, blieb leicht verwundet und konnte noch ihrem in die Eisen- theile eingekeilten tobten Mann den Ring vom Finger ziehen, dann wurde fie wezgeschafft. Zwei Heizer todt, der württem» belgische Postkondükteur schwer verwundet. Ein bayrischer Postinspcltor im ReichSpostwagen und Kondukteur Schußler schwer verwundet, ebenso Oberkondutteur Röder und der zwette Lokomotivführer. Die Gattin d«S Weinhändlers Fleischmann von Marttdreit, 21 Jahre att, welche mit ihrem Kinde vom Bade kam und von ihrem Manne am Bahnhof erwartet wurde, ist todt, das Kind schwer verwundet. Soeben liegt ein fünfjähriges Kino im Bahnhofwartesaal 3. Klaffe im Sterben. Der Weg zum Juliusspital»"d auf der Bahn steht auS wie «in Verbandsplatz. Hier ein Verwundeter, dort ein T'anSport und dazwischen die Wagen, auf welchen die Tobten mit Stroh bedeckt und von Polizei und Soldaten begleitet— schwarz verbrannte Laichen bergen!— Wahrlich, ein herzzerreißendes Bild, daS die ganze Einwohnerschaft Würzbura» mtt Schmerz und Wehmuiy erfüllt und out die Straßen beisammen stehen und trauern täßr.— Die Zahl Ott Tobten kann noch nicht festge- setzt werden, da auch in Prioathäusern Schwerverwundete liegen. Ein Arzt gab 24 Todte an. Verwund tte füllen Bahngebäude und JuliuSspital, alle Aerzte find Herbeigeeilt. Militär sperrt im weiten Kreise den Unglücksplatz ab. Gcvcck, Zollgüter, Post werden(in tausend Stücke zerrissen) in Wagenladungen fort- geschafft, ein Bild gräulicher Ztrslörung, welches die Leichtver« mündeten und Kontufionirten mit hohlen Augen und schrecken- erregter Miene noch vergrößern. Das war ein UnglückStog, wie er nicht gräßlicher gedacht werdm kann!" Würzbnrg, 2. Juli. Heber da» gestrige Eisenbahnunglück wird folgender amiliche Bericht veröffentlicht:„Der Postzug Nr. 49 stieß heute auf offener Strecke zwischen Würzbnrg und Rottendorf, und zwar auf dem Nürnberger Geleise mit dem Berliner Krurierzuge zusammen. Ei wurden in Füge dieses Unfalles 10 Paffagiere und Bedienstete auf der Stelle ge- tödtet, 10 Personen schwer und etwa 20 Personen leicht verwundet. Die Ursache des Unfalles erscheint roch nicht festgestellt." Als Todte, deren Zahl bis jetzt, mit den inzwischen ihren Ver- letzungen Erlegenen, auf 15 ermittett worden ist, werden ge- nannt: Ida Fleischmann auS Marktbreit, Weißer aus Et.Georgm, Georg Held, Reisender auS Butzbach, Hüter aus Overberg, Pfarrer Haßloch auS LülSfeld, Moritz Buseck au» Frankfurt a. M., Emil OSkar, Lehrer auS Stadtprozeltm, femer eine BauerSftau von etwa 50 Jahren mtt Rückfahrkarte Berchtheim-Würzburg. ein Mann von 35 Jahren und ein Mädchen von 20 Jahren, Wittwe Weglein aus Würz- bürg. AlS meist schwer verwundet find ins Ho'pnal aufgenommen: Jak. Einstein aus München, Postmeister Wied« mann au» Würzburg, Marie Junghann» au» Würzburg, Christian Sauer- brey aus Euerdach, Abgeordneter Georg S-ydold au» Karls- stadt, Margarethe Herzog aus Dürrschütz, Joh.Heyl auSThor- heim, Karl Demmerlein aus Fürth, Schimpf auS Frankenwein- beim, Jos. Schneller au» Würzburg, Nikolaus Emmerling aus Ntmpar, Joh. Michael Pfister, Lehrer auS Mainberg, Simon Schüßler, Kondutteur, Wolf, Lehrer aus Berchtheim, Christine Höver au» Rothenberg, Christine Hcyl auS Thorheim. Rezine EneS auS Rotten dort, Kath. Schneider aus Stammdach, Marz. Völker au» Hermheim, Marz. Flcischmann aus Marktbreit, Adam Günther auS Zellig, Jos. Büchner, Postschaffner aus Neudietendorf, Jos. Neubauer aus Dtngolzhausen, Lehmann aus Frankenweinheim, Oskar Richter aus Leipfig, Rentner FuchS, Meta S-ibold und Frtedr. Lutz. Die Verletzungen find meist schwere Knochenbrüche, Schädel- Verletzungen und Quetschungen der innern Organe. Ueber die Entstehung des Unglücks wird der„Franks. Zig." geschrieben:„Der Z-sammenstoß erfolgte etwa 3 Kilometer oderhalb Würzdurg auf dem sogenannten Nürnberger Geleise, genau auf einem Wegübergang. Etwa 150 Fuß von der Un- glücksstätte gegen Rottenburg zu, macht die Bahn eine scharfe Biegung, und zwar in einem tiefen Einschnitt, in Folge deffen eS den beiden Lokomotioführem unmöglich war, einander so zeitig sehm, daß eine Vermeidung oder auch nur eine erhebliche Abschwächung der Wucht deS Zusammenstoßes möglich gewesen wäre. Immerhin steht fest, daß der Kourierzug gebremst hat, in Folge deffen er auch rerhältnißmäßig weniger unter der Wucht de» Zusammmstoßes zu leiden hatte, als der noch dazu auf starkem Gefälle daher kommende Postzug. Die beiden Lokomotiven stehen jetzt ineinandergerannt da, das Bambcraer Geleise ist frei, die Züge lahmen langsam über die Stelle. Die zu beiden Seiten der Geleise liegenden Trümmer zeiaen die kolossale Zerstörung. Eine Schuld eiies W'chselwSrters (Weichenstellers) erscheint nach der Sachlage ausge- schloffen, da stch zwischen Würzburg und Rottendorf in einer Entfernung von 7 Kilometer auf freier Strecke kein Wechsel befindet. Der Fehler scheint ficher auf einer dieser betven Stationen im Adlassm begangen zu sein. Fahrplanmäßig soll der Postzug 1 Uhr 20 Min. im Bahnhos Würzburg einlaufen, der Kourierzug um l Uhr 20 Min. aus- laufen: wird dteS eingehalten, so ist ein Zusammmstoß außer- bald des Bahnhofs unmöglich. Der Postzug hat heute eine Verspätung gehabt, der Kourierzug ist trotzdem ausgelaufen, merkwürdigerweise auf dem nämlichen Geleise, obgleich die Strecke bis Rottendorf zweigeleifig ist. ES soll in dieser Be. ztehung auf der Strecke Würzburg Rottmdorf schon sett längerer Zeit ein eigentbümlicher, eines festen Grundsatze» entbehrender Brauch im Ablassen der Züge und in der Benutzung beider Geleise h-rrschen. Es heißt nun(was ich j:doch nicht verbürge), in Folge deffen sei heute in Rottendorf ein Tele- gramm der Station Würzburg irrthümlich aufgefaßt worden, was fich auS der Untersuchung ja erbeben wird." 1. Geschäft: Jimmerstratze Nr. 30.| L « K Die von Mitgliedern des Fachvereins der Schneider gegründete PndllM-ll. Kshftsffgkltoffeusihilst der Ichneiiin in Berlin(£. GK) empfiehlt ihr Lager fertiger Herren-Garderobe, sowie ihr reichhaltiges Lager In» und ausländischer Stoffe, ebenfalls Futter, Borte und Knöpfe. Kerren-Harderoven jeder Art werden nach Maaß angefertigt. Der Porstand und Perwaitnngsratst. 1245 2. GeschSf t: Lothringerstr. 51(Ecke Wtivbergswes). Restaurant r d. 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Juli: dr« Krlews-Feuerwepli der Pyrotechniker A. und E. Maffow. Lonander und Hornig. Zum Schluß: Die Schlacht hei Wörth. BroßeS militärisch. pyrotechnisches Schauspiel unter Mttwttkung von ca. 150 Personen. 1 SS: Sperl-Treptow. S«- 1 5 Gr. Gala-Theater-Torstellnng u. Concert. s ■ Blondin froren, die phänomenalen Tburmseillünstler, ZRr Harri», der mustka flj H tische Clown, Geschw. Andy und Feppl Kessler, Wiener Duettisten, Sidy- I Bald, der indische Gaukler, Frl. Makley und Felicitas, Chansonetten, Mr. Beilstser, Kugelläufer, ic. Volksbelustigungen. Kaff-eküche.[45| 182. Schönhauser Allee W. | OmniduS Haltest, am Sckönh. Thor. Im Hause d. Badcanst. part. 15000 Sommer-Paletots,"" 8, 10, 12, 15— 25 Mk. 12000 elegante Bock- n. Jaquett-Anzfige, Mit Stoff«, von IQ— 36 Mk, 6000 Pattftt-ManUl und Kpit/rn-Manteleto vom einfachsten bis z. eleganten. ?nnden- und Purschon-Anzug» in geviegenen Steffen von 4 Mk. an. Schwarze uch- und Kammgarn- Anzüge, Röcke, Hosen(auch getragene), Lüstre. u. 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In Folge besten landen fich hier eben nur wenige Adschtednehmende ein. Eiwa 50 dit 60 G.stnnungtgenosten de» Ausgewiesenen umstanden Singer. Da» Verhalten war ein sehr ruhige». Inzwischen fährt ein Zug vom Giunewald ein. Alle Fenster find dicht belagert, die RoupeeS überfüllt. Wie die Lotomotioe pfeift, erhebt fich ein drödnende», anhaltendes Hochrufen au» dem Zuge. E« find die F.eunde Singer», die ihn im Vorüderfahren und während der Zug eine Minute hielt, feiern. Er selbst trat einige Schritte vor und nahm den Hut ad. Von jetzt ab wiederholten fich diese Szenen zunächst auf dem Gchl0 manchem Chmlottendurger in B-ziehurg-n steht, lätzt wieder einmal etwa» von fich hören. Der große Gründl ist in Bueno» AyreS angelangt, um sich nach Paraguay einzuschiffen. Die in Bueno»»yrei erscheinende„La Plata- Post" dringt eine Meldung, nach welcher Heinrich noch erfreu« ltcher Weise ganz der alte ist. Da» Blatt schlldert nämlich, wie Q.iftorp auf der Landung»brücke geprahlt habe, datz er dort 400000 Morgen Land desttze, die er verschenken wolle. Er habe fich aber auch nicht abgeneigt gezeigt, etwa« zu ver- taufen unv sogar Geld darauf als Anzahlung zu nehmen. Freilich weitz er nicht anzugeben, wo seine Morgen eigentlich liegen. Es ist nach seiner Angabe dort sein nächster Zweck, eine Expeditton nach Voltvia zu leiten zum Zveck des Baue» einer Eisenbahn; Leute, welche recht viel Kap tal haben, find ihm dabei sehr willkommen und verspricht er jedem die Herr- lichsten Stellungen mit den hochllingendsten Namen. Die„La Plata-Post" schreibt, datz e» dort, wo jeder die Vergangenheit und dm Ausfall der Gründung Quistorp'S kennt, nicht nöthig sei, vor der Theilnahme an seinem Geschäft« zu warnen. ES schien aber nach den von Ouistorp vorgezeigten Vollmachten für Länderoerkauf, ausgestellt von angesehenen Personen, als od in Europa wieder einige hereinfallen wollten. Datz Heinrich Quisto p vor einiger Z-il von England auS den gmialen Versuch machte, seine alten Gläubiger und Landsleute in Deutschland noch tiefer hineinzulegen, habm wir unseren Lesern damals mitgethetll. In verschiedene« Orte« ist es«eueidivg» wieder vorgekomme«, datz der Name„Lucifer" al«„gegen die guten Sitten verstotzend" vom Standesbeamten zurückgewiesen wurde, und zwar auf Grund höherer Verfügungen. Man scheint «icht zu wiffen, mal dieser Name eigentlich bedeutet. Lucifer hettzt Lichttiäger oder auch Lichtbringer und war bei den Alten der Name de» Planeten Venu» al» Morgenstern. Sogar bei den Ejristen der ersten Jahrhunderte galt.�uclfer" noch al» ein« verehrungSwürdige Erscheinung. Die Kirche bezeichnet Christum al» die„Sonne der Gerechtigkeit", welchem die Mutter Ch»isti, die durch allen Zauber der kirchlichen Kunst Kerli»er Kotttttagsplauderei. R. C. Der heutige Sonntag ist der erste der sogen. Hundttagtferien. Wer erinnert fich nicht noch de« Gefühl» unendlichen Wohlbehagen«, welches wohl jede« Hoffnung«' vollen Schuljungen überkommt, wenn er am Anfang dieser schier unermeßlichen Faullenzerperiode steht. Fast unendlich dehnt fich der Zettraum vor un» au», tva«»st natürlich«,, al« daß der junge Staat«bürger den Plan faßt, sofort die Ferienarbeiten in Angriff zu nehmen, «« nachher ia süße« Nicht«ihun förmlich schwelgen zu können? AI» planmäßig vorgehender Oekonom berechnet er fich g«iz genau, daß er die Fülle der Arbeit bei angestrengtem Fleiß ganz gut in einer halben Woche bewältigen kann, es bleiben ihm dann noch ganze lange drei und eine halbe Wochen. Und wa» ist da« End« vom Lied«? Wenn ber letzte Sonntag anbricht, liegen die Schulbücher noch in Sf* staubigen Ecke, und wahnfinnige Angst treibt da« junge vn»»u verzweifelten Entschlüssen, rastlo« fliegt die Feder -K* Papier, aber in einem Tage kann selbst der flinkst« m a Pensum von vier Wochen nicht überarbeiten. Riefige Dintenklexe zieren die Reinschrift, und die Rechen- «xempel starre, von unauflöslichen Fehlern. Und da« Nach- spiel der.Fementuh« find Hiebe und Nachfitzen, und ca« roihangestrichev« UebungSbuch fliegt dem jugendlichen Sünder um d,e Ohren. So wechselt im Leben Freude und Leid, Regen und «onnevschein. M« ist«< ganz unverständlich, daß die Rettungen heute immer noch den Beginn der großen Schul- und Porste verherrlichte Madonna, als Stell» matvtlva, heil- veitünoend vorausgeht. Als„Morgenstern", also als Lcciftr, wird ste in der lauretanilchen Litanei angerufen. Und tozar Christus selbst w rd von der Kirche ausdrücklich Lucifer genannt, wie z. B. in der Lithurgie des Cbm samstagS, wo bei der feieiltchen Weihe der Osterkerze Christus al» Lccifer de- sungen wild mit der Beifüauno, datz er der Lueifer sei, der keinen Untergang kenne(Lucifer ille, inqnam, qni nescit occasnm). Lucifer war denn auch lange Zeil ein christlicher Tautname. So spielte der Bischof Lucifer von Calarit während der arianiichen Streitigkeiten als der ellrigste Pertheidiger de» Dogmas von der Gottheit Ch:isti eine so große Roll-, daß, so etwa wie heutzutage die extremste Fiaklion der Katholiken fich als„Ullramontane" bezeichnet, die damalige extreme Fraktion fich„Luciseraner" nannte. Unsere Frommen»rauchen fich also vor dem Namen Lucifer nicht zu entsetzen. So beliebt aber ursprünglich dieser Name war, so wurde er nach und nach, weil ihm die Idee der Licht- Verbreitung anhaftet, bei allen Denen vnhatzt, welche die Finsterniß mehr lieben als daS Licht, und denen jede Auf- kläiung auf religiösem Gebiet ein Gtäuel ist. Deswegen ver« leumvete und verdächtigte man Jeden, der neue Ideen aus- sprach und Licht unv Wahrheit unter den Volksmasten zu ver- breiten suchte, als einen leibhaftigen Satan und machte end- lick, um ja das Volk vor allen Vcrkündern de» Lichte» zurück- «uschrecken, au» dem id-aien Lucifer dem„Lichtträger" oder „Lichtbringer", den Obersten aller Teufel, um auf diese Weise jeden Periuch zur Verbieitung von Aufklärung und Licht al» TeufelSwerk zu d-nuirztren. Nun, da» Licht, bissen Bestim- mung e» ist, zu leuchten, kann dauernd nicht unter den Scheffel g-stellt werden. So gewaltig die Mächte der Finsternitz auch sein mögen, ste können nicht der Welt bleibend da» Licht der Einficht und der richtigen Eikenntnttz der Dinge vorenthalten. Stärker und gewalliger erbebt es fich aus der langen Nacht de» Geiste« empor. Die Morgenröihe einer neuen Zeit bricht an unv die hellen Sonnenstrahlen der Wahrheit und Gerech- ttgkeit werden über Allen leuchten. Der richtigen Erkenntnitz wird die erlösende Thal folgen, und die menschliche Gesell- schast im G.ist' der wahren Humanität zum vollen, gleichen Genutz der Wahrheit, der Freiheit unv bei Friedens ge- langen. A«»weisnag. Wie unS mitgetheill wird, ist der Schrift- stell« Christensen gestern auf das Polizeiprästdium zitirt worden, woselbst ihm mitgetheilt wurde, datz«das Gebiet des kleinen Belag«ungsjustanveS innerhalb 48 Stunden zu ver- lassen habe. Reichthum macht nicht immer glücklich. Eine bebau«. liche Familtenepisode hat grotze Trauer über eine in Marien- dorf wohnhafte Millionärfamilie gebracht. D« Sohn des Bauerngultdc?.««» H. daselbst verlor vor etwa 2 Jahren durch einen unglücklichen Zufall sein Leben- Obwoh! festge- stellt wurde, datz nur ein Zufall daS Unglück veranlatzt hatte, fatzte da» Gerücht im Volke, datz ein Selbstmord vorliege, doch festen Futz. Der unglückliche Vater zog fich daS dnartig zu Gemüth, datz er fast liesfinnig wurde und um seinen vchmnz zu betäuben, fich angewöhnte, Trost in der Flasche ,u suchen, ohne daran zu denken, datz er stch geistig dabei zu Grunde richte. Nachdem« bereit» einmal früh«, während einer lSng«en Regenperiode, mit geladenem Gewehr auf die Dorfstratze kam und daffelbe gen Himmel, in der«bstcht„den tt-den Gott»u«schietzen". abfeuert«, hat er Dienstag den Versuch gemacht, fich selbst zu erschietzen. Mit dem Gewehr, durch weicht» d« Sohn sein Ledm verloren, wollte« fich selbst in die Brust schietzen. Der Schutz ging jedoch fehl, so datz er nur eine leichte Wund« an d« linlen Schult« davon getragen hat. Zu seiner Sicherheit und Kur ist der Bedauern». werlhe nach der Kgl. Klinik geschafft worven. Wa« ein«rief vor hnndert Jahre« au« Amerika kostete. Dem Postmuseum ist vor einiger Zeit vom Herrn Landdrost von Dmgun al« Kuriosum ein Briefumschlag über- wiesen worden, welch« zu einem Briefe von gewöhnlicher Stärke gehört hat. Der Brief war au« Philadelphia(Per- einigle Staaten von Amerika) abgesandt und an den Urgrotz vater de» Einsender« de» Umschlag«, Oberstlieutenant von Pceffentin in Stnnberg(Mecklenburg) g«ichte». Der Umschlag trägt die Paststemp-l dezw. Posto«mnke von Philadelphia, Lonvon, Kalai«, Brüssel, Haag, Amsterdam und Hamburg, wo- rau» stch der Beförderungiweg de» Briefe« von selbst ergiebt. Leider giebt k-iner der Poststempel Aufschlutz über da« Jahr der Betördnung: da jedoch der Adressat nach Angabe setne« Urenkel»«st im Jahre 1760 nach Sterndera üdergestedelt ist und dort bi« zu seinem Tode im Jahre 1789 gewohnt hat, so mutz die Aufgabe dezw. Ankunftszeit de« Briefe» in die Zeit von 1760 bi» 1789 gefallen sein. Der Brief war unfranktrt; nach Ausweis der auf dem Umschlag angebrachten Postoer. merke hatte d« Adressat für den Brief nicht wenig« al« 5 Thaler 12 Schilling mecklenburgisch oder in der Reichs- Währung 18,60 Mark Porto zu zahlen. ferien preisen. Man sollt« doch lieber da« Ende bedenken, denn es giebt wohl kaum etwa« Trübseligere«, al« wenn die Schule wieder beginnt und der Schüler hat seine Auf« gaben nicht gelöst. Seit vielen Jahren bin ich der Tyrannei de« Rohrfiocke««ntflshm, ab« heute noch quält mich manch- mal in schw««n Träumen da« wuthoerzerrte Geficht de« Schulmonarchsn, d« mir ein durchaus fehl« hafte« Exerzitium unter die Nase hält. W« kann dafür, daß die Erinnerung an v«floffe»e Zeiten nicht Jedermann gleich angenehm im Tedächtniß haften bleibt? Die meisten Menschen vergessen nur allzuleicht die unangenehmen Augenblicke, ste gedenken mit Vorliebe nur d« angenehmen Stunden. Da« ist leid« nicht all« Leute Sache. Man muß die Erinnerung gleichmäßig de» wahren, nur so hat man ein gleichmäßige« und treue« Bild d« V«gangenhttt. Ab« den Kindern allein geht e« nicht so. Auch einzeln« Erwachsene geben fich mtt gleichem Leichtfinn dem äugen- blicklichen Vergnügen hin. Heute begegnet man tn den vcrschiedenfien Lokalen der Reichshaupistadt ein« bestimmten Kategorie äußnst lebenslustig« Gäste, die fich mit ein« wahren Wuth in alle nur mözlichen Ge« nllsse stürzen. Es find die H«ren Sttohwittw«, die selbst den flottesten Junggesellen in den Schatten stellen. Diese Leute find in d« That ganz merkwürdig, ihr Be- nehmen fordert unwillkürlich zu Betrachtungen üb« die An- nehmlrchk-iten de« Eheleben« heraus, und wenn man die für einige Zeit unbeweibten Ehemänner beobachtet, so muß man Ueber die mißliche« Verhältnisse, welche sür die Marttleute durch die neuen Mailihallm geichnffcn worden find, eryaltm wir von einem uns«« Bcrichterftalttt die Wie» d«gabe eine« Zwiegespräch« zwischen«in« der Stände» inhaderwncn der Mar'tballe in der Zimmnstratze und ein« Kundin derselben, d-ffen Ohrenzeuae der betreffende Bericht«» statt« gewesen. Die gedachte Marltftau— so«gab die Unterhaltung— bezieht schon seit 22 Jahren die Märkte Berlin« bezw. jetzt die Äartthalle und wohnt tn Weißensee. Sie müsse, so bemerkte ste in klagendem Tone, täglich Morgen« um 3 Uhr aufstehen und fich, nachdem ste einige Vorbtteitungen und Anordnungen für ihre Kind« und den Haushalt getroffen» von Hause fortbegeben, wohin ste erst spät am Abend total er» müdet und abgespannt zurücklehre. Ihre Kind« bekäme ste nur schlafend zu sehen und entbehrten ganz der mütt«Iichen Aufstcht und Pflege. Sie selbst sei gezwungen, den ganzen Tag über in nahen Reftaurationskellern stck zu verpflegen, denn datz fie während d« dreistündigen MtttagSpause fich nicht nach ihrer Wohnung begeben könne, sei natürlich. Dazu käme das hohe Standgeld, welches den ohnehin K«ingen Verdienst noch dedeutend schmäl««. Wie das noch werden würde, wisse fie selbst nicht. Sie hätte nicht geglaubt, datz man mit Zer» störung jedes Familienlebens eine derartige Neueinrichtung schaffen würde. Auf dm Einwurf der Kundin, warum ste nicht lieb« die Zmtralmarkthalle in d« Neuen Friedrichstratze beziehe, da diese doch ihr« Wohnung bedeutend näh« liege, «widerte die Marlttrau, datz fie hier noch schlecht«« Geschäfte machen würde. Sehr dedauerns werth seien die unglückltchm Händler mtt Holzwaaren:c., welche ihren Platz auf der Galerie angewiesen«ballen hätten; wenn bi« n'cht ein Marfthallen» besuch-r aus Neugierde die hohen Treppm besteige, eigens zu einem Einlaufe thue er eS nur im seltensten Falle.— Das ist, so bemerlt uns« Berichterstatter, im Allgemeinen die Etim» mung, wie st« unter den Marktleuten jetzt vorherrscht. Datz man auf ihre Wünsche und Beschwttden mehr Rückstcht nehmm sollt«, wäre gewiß sehr«fordttlich. E» giebt nickt wenige alte«ellner in Berlin. Eine ganze Reihe von Jahren tn einem und demselben Ristaurant tbätig, haben ste stch dort eine Art Sonderstellung erworben. Sie dürfen fich Manche« herausnehmen, nicht selten sogar in die Debatte eingreifen, die am Stammtisch gepfloam wird, wie denn auch ihr trocken« Humor der ganzen Stammtisch» Gesellichast zur Erheiterung dient. D« alte Kelln« liebt«», den Stammgästen Tttel beizulegen, die ihnen eigentlich gar« nicht zustehen. Er macht den Kaufmann zum Komm«zimrath, den Barbier zum Doftor, dm Beamten zum Geheimrath und den Kommi» zum Baron od« Lieutenant. Diese Stande», «höhung seiner Gäste wird ihm nicht selten so geläufig, daß er allen Ernstes glaubt, dm Personen ständen die Tttel und Würden, die er ihnen beigelegt hat, auch wirklich zu. Auch in ihrer Abwesmhett wird er von ihnen mtt der Achtung sprechen, welche ihrer„Stellung" gebührt. Uederzählt der K-llner des Admds die Häupt« sein« Lieben und steht einen Stuhl le«, so wird er unruhig- Erscheint der Vermißte aber noch nach» träglich, so wird er mit ganz besonderer Freude begrüßt. Der alte Kelln« ist durchaus kein Feind von Trinkgeldem, doch unterscheidet« stch gewöhnlich darin von seinen jüng«m Kollegen, daß bei ihm nicht das Trinkgeld den Gast macht. Er hält ein großes Stück auf liebevolle Behandlung und ein Gast, der diese mit einem, wenn auch bescheidenen, Trinkgeld zu verneinen weitz, ist ihm der liebste. Auch dem Wirth gegen« über darf fich d« alte Kellner etwa» h«ausnehmen, denn et A&3A'»%%%,%"" Eine empörende That eine« Han«besttzer«, de» H«m Mamnmeister« Brandt, Bremerstraße 16 und 18 wohnhaft, wird uni von einem uns«« Les« mitgetheilt. In dem Hause diese« Herrn wohnt ein Schuhmachermeist« Namen« Mrtzke. Die Kir-d« deS letzteren spielten am 2. d. M. auf dem Hofe de« genannten Grundstücke«. Od die Kinder ungezogm waren, kann unser Gewährsmann nicht verbürgen, kurzum d« Herr HauSwirth verjagte die Kind« vom Hofe und»«griff stch sogar thätlich an denselbm. Er verfolgte die Kinder schlietzlich dl» in die ellerltche Wohnung, woselbst er von dem Bat« aufge« fordert wurde, die Wohnung zu verlaffm. Sr that die» auch, ab« nicht etwa, um die Leute nunmehr in Ruhe zu lassen, son» dem nur um mit Verstärkung zurückzukehren. Herr Brandt befitzt nämlich einen Hund von ungefähr 75 cm Höhe unv mit diesemHund drang er in die Wohnung de» vchubmacherS, um mit ihm Streit anzufangen. Al» Metzle den Brandt aufforderte, die Wohnung zu verlaffen, schlug letzter« auf ihn ein, und da stch der Schuhmacher zur W.hre setzen wollte, sprang der Hund auf ihn zu und zerdttz und zerkratzte ihm die ganze B.ust. He« Brandt hörte nicht eh« mit den Mitzhandlungen auf, bi» d« Schuhmach« zusammmdrach und liegen blieb. Hiermit war He« Brandt ab« noch nicht zufrieden.« z«schlug noch mehrere WirthschaftSgeqmstände; da» Kleiderspind hat er bei» spielSweise in 7 Stücke zertrümmert. Al» fich Herr Brandt nach den Heldmthaten in seine Wohnung begab, erschienen fich doch sagen, daß e« wohl kaum Rosen ketten sein können, die fie während de« ganzen Jahre« tragen. Im Gegentheil, d« weitaus größte Prozentsatz d« v«heira»heten Männer, die fich nota dene überhaupt den Luxu» eine« Strohwttt»«» thum« leisten können, müssen alle unter einem furchtbar schrecklichen Pantoffelregiment stehen, sonst könnten fie, ein» mal der F-sseln ledig, wohl kaum so gänzllch außer Rand und Band sein. Wir würden von solchen Dingen wohl kaum spreche», wenn wir nicht davon überzeugt wären, daß in Arbeit«» kreisen derartige Verhältnisse niemals Platz greifen. Es ist dah« auch nicht möglich, daß wir Ehemänner bei den in den Bäd«n weilenden Ehefrauen denunziren können. Vorläufig trennt fich in unseren Kreisen da« Ehepaar auch während der allerheißesten Jahreszeit nicht; d« Arbeit« und seine Frau bedürfen d« Erholung bekanntlich nicht. Diese ist natür» lich nur dem Bourgeois nothwendig. d« sich im Somm« von dem Nichtsthun im Wint« wieder herstellen muß. E« giebt eben verschiedene Leute auf der Welt und ebenso»«schieden find die Bedürf» nisse derselben. D« Eine hildet fich ei«, daß er, weil« alle seine Gelüste befriedigen kann, ein Mann ist, der auf d« Höhe sein« Zett steht, und daß es ganz natürlich ist, daß Jed«mann seinem Geldsack unterthan sein muß. Die Welrordnuvg will es so. und w« sich dagegen auflehnt, verdi-nt mindestens aufgehängt zu w«den. DaS ist die alte Geschichte, ob fie jedoch imm« so bleiben wttd, ist mindestens fraglich. W Stbutzkute, die aber von Herrn Brandt auch nur mtt groben Worten angefahren wurden. Ein Kommentar hierzu ist wohl übnflMa. Die tiäufi�e« Visse von ftteniottetn mit tSdtlichem, in einem Falte Jnfinn herdetführendm Aui aange, welche in diesem Jahre bereit« zur öffentlichen Kenntnis gelangt find, möchten e« nicht überflüsfig erscheinen lassen, die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese einzige Giftschlange Deutschland«, welchem außer ihr nur noch die Ringelnatter, die Echwalbacher Rätter und die Schlingnatter, alle drei völlig unschädliche Schlangen, angehören, an dieser Stelle hinzulenken. Die Wir. kung de« Bisse« der Kreuzotter ist bezüglich de« Maße« ver- schiedenartig und zerfällt in die ganze Reihe denkbarer Ab» stuiungen zwischen leichtem, wenige Stunden dauerndem Um Wohlsein und schnellem Tode. Maßgebend ist die Menge de« eingeführten Gifte« und die Dispofitton de« Blute«, dem e« sich zumischt. Merkwürdig ist, daß der Biß der Kreuzotter auf gewisse Säugethiere, so auf den Igel, auf Jlti«. Wiesel, Schwein, ebenso auf mehrere Raubvögel (Bussarde nammtlich) und Rabenarten fast leine oder nur wenig bedeutende Wirkung au«übt. Ge. wöhnlich schmerzt der Biß auf der Stelle wie der Stich einer Biene oder Hornisse; sehr selten geschieht e«, doch kommt e« zuvor, daß der Verwundete augenblicklich, wie vom Blitz geteossm, niederstürzt, wenn nämlich der Zahn ein be» deutende« Blutgefäß verletzt und da« Gift unmittelbar dem Blut beimischt. Gewöhnlich schwillt der gebissene Körpertheil und seine Umgebung bedeutend an, manchmal bi« zu monströsem Umfange; in einzelnen Fällen zeigt fich wenig, manch« mal gar keine Geschwulst. Eine nie fehlende Folge ist da« Sinken der Kräfte bi« zur Todekmatttgkeit; da« Bewußtsein wird manchmal getrübt, schwindet auch wohl auf kurze Zeit gänzlich; doch behalt auch nicht seltm der zum Tode Getroffene die volle Geiste«krast bi« zum letzten Athemzuge. Fast immer tritt erschwerte Respiration, Brustbeklemmung, oft entsetzliche Bangigkeit ein, fetten Fieber, meist dagegen glühmder Durst. Der Tod selbst tritt milde auf; man sieht den Unglück- lichen ohne Kampf, sanft, ruhig, ergeben hinscheiden. Außer Berührung mtt dem Blute, selbst im Magen, äußert da« Gift wenig oder keine Wirkung; die Haut der Lippen und der Mundhöhle dagegen, zumal skordutischer Konstitutionen, bildet leine genügende Schutzdecke zwischen Gift und Blut, und e« ist daher da« Aulsaugen einer vergifteten Wunde nicht unter allen Umständen so ganz unge- fährlich, wie gewöhnlich angenommen wird. Immerhin bleibt augenblickliche« Aussaugen der Bißwunde dringend anzurathen, denn jedenfall« findet dabei nur ein ganz geringer Theil de« Giftet den Weg durch die zarten Poren der Lippen in« Blut, eben hinreichend, eine lokale, bald vorübergehende, wenn auch sehr lästige Geschwulst hervorzurufen; die Hauptmasse de« Gifte« dagegen, welche nun weggespieen wird, könnte, wenn ungehindert in« Blut eingetreten, da« Leben selbst gefährden. Viel ist gewonnen, wenn e« gelingt, da« übrige Gift, so lange bi« ärztliche Hilfe erscheint, in der Bißspur festzuhalten, und et sind nur wenige Stellen de« Körper«, welche die zu diesem Ziele führende Behandlung nicht ertragen. Da« Ver« fahren desteht einfach darin, daß irgend ein harter Körper, ein Stückchen Holz, Stein, Metall auf die Bißstelle fest aufgebunden wird. Der erzeugte Druck drängt da« Blut in den umliegenden Gefäßen zurück und unterbricht, in- dem er fie schließt, ihre aufsaugerde Thätigkeit. Der Lehrer und Naturforscher H. O. Lenz erzählt einen sellenen Fall von Vergiftung durch den Kreuzottcrbiß, die, wenn auch nicht tödt- lichen, so dock nicht minder tragischen und bedaurrlichen Vorlauf nahm. Elisabeth Jäger in Waltertbausen, al« ein schöne« Mädchen bekannt, hatte im Alter von 19 Jahren da« Unglück, beim Einsammeln von Heldelbeeren in Den nackten Fuß von einer Kreuzotter aediffen zu werdm. Anfänolich achtete fie wenig darauf; bald aber nahm Geschwulst und Schmerz der- maßen zu, daß fie ohnmächtig zusammensank. Glücklicherweise war ihre Mutter in der Nähe, die fie nach Hause schaffte. Ein Wundarzt wurde gerufen, da« Uebel nahm allmälig etwa« ad, allein 20 volle Jahre lang wurde da» Bein nicht wieder gefund und zeigte abwechselnd alle mögliche Farben. Plötz- lich verschwand die Krankheit au« dem Beine und warf fich auf die Augen, die einige Zeit schmerzlich litten und endlich erloschen. Nach zweijähriger Blindheit erhielt die arme Lei- dende zwar da« Augenlicht wieder, aber nun verbreitete fich da« Uebel durch den ganzen Körper und verursachte bald da, bald dort Schmerzen und endlich noch dazu fast völlige Taub- hell. Al» Len, fie sah, war fie 60 Jahre alt.«in einziger, unscheinbarer Biß der Kreuzotter hatte ein lange« Menschen- leben vergiftet! In Gegenden, welche Kreuzottern nachge- wiesmermaßen beherbergen oder ihrer Beschaffenheit nach von solchen bevölkert sein könnten, ist e« nicht gerathen, mit bloßer Hand in den Höhlungen abgestandener Baumstrünke, unter durchwachsenem Steingerölle, in dichtem Gekräute, in dürrem Waldlaub zu stöbem, fich auf bauschige MooSlaaer oder Reit- büschel niederzulassen, ehe fie nicht mtt dem stiefelbewehrten Fuß oder einem Stock geprüft find. Die deutsche vrouzewaaren-Jndustrie. Der Jahre». bericht der Aeltesten der Kaufmannschaft beklagt, daß fich die Berliner Bronzewaarenfabrikation auf Abwegen befinde und giedt die Schuld hieran der immer mehr zu Tage tretenden Sucht nach Billigkeit. Hierzu bemerkt die„Voss. Ztg.": Wtt müssen die Berechtigung diese« Vorwurf« anerkennen, wenn wir in Betracht ziehen, daß man noch vor einem Jahrzehnt für Bronzewaaren Preise anlegte, die sich fast nur nach der Schön- hett de« Modell« und der Sauberkett der Ausführung richteten und dem Fabrikanten einen Nutzen ließen, der weit mehr be- trug, wie der gewöhnliche rechnungsmäßige Gewinn irgend eine« anderen Fabrikat« ausmacht. Besonder« war die« der Fall, so lange Frankreich quafi da« Monopol in der Fabri- kation von Bronzewaaren besaß und ohne Konkurrenz den Bedarf der ganzen ztvilistrten Welt deckte. Al« aber bei dem Ausbruch de« deutsch ftanzöfischen Kriege« die au« Frankreich vertriebenen Deutschen die Bronzewaarenfabrikation nach Deutschland verpflanzten, veränderte fich der ganze Industrie- zweig nach einer mehr kommerziellen Richtung. Der eigent- liche Bronzeguß hörte au', e« wu dm unter dem Namen «cuiTre poll" Fabrikate in die Wett gesetzt, welche zwar den Namen„cnms" führten, denselben aber sehr wenig verdienten. Da« große Publikum war dauernd der Meinung, daß ouivre poli eine besonder« kostbare Bronze- Komposttttion sei und fand, theil« wegen de« äußeren Glänze«, tbeil« wegen de» durch die geschwärzten Vertiefungen der Ornamente erzeugten an.ilen Auisehen«, lange Zeit an diesen Fabrikaten großen Gefallen. Der Kunstkenner beklaate die Mode, durch welche alle Eigenschaften, welche ein Kunstaegen- stand befitzen soll, verloren gingen; seine Klagen und Mahn- rufe aber blieben unberückfichtigt, da fich der kaufende Händler- krei», gerade weil ein besondere» Verständniß zur veurthellung von cviTie poli nicht erforderlich war, vergrößerte und dieser Erfolg den Fabrikanten in der Hoffnung bestärtte. seine Um- sätze verdoppeln und verdreifachen zu können. Immer neue Muster«erden geschaffen, immer neue Fabrikanten etablirten fich und um da« Geschäft an fich zu reißen, übertraf immer einer den andem an Billigkeit. E» konnte bei dem oft ge- tadelten Fehler der deutschen Fabrikanten, ihre Waaien unter. schiedtlo» jedem Händler zu üd:rlassen, nicht ausbleiben, daß cuivre polii im waaren Sinne de» Wort« auf der Straße lag und durch diesen Umstand in den Augen de« Publikum» ent- werthet wmde. Dazu kam noch die Imitation in Zmk und die Fabrikation der gedrückten Messtngdlechwaaren. Wenn auch der Metallwerth von omvre poli oder, um doS Kind beim richtigen Namen zu nennen, von Mesfingguß kein so erheb- licher ist, um die Preise, welche man für franzöfische Bronzen anzulegen gewöhnt war, zu rechtfertigen, so darf man doch andererseits nicht außer Acht lassen, daß die cvivrs poli. Fabrikation Handwerker erfordert, welche mit ibcen Händen arbeiten müssen und fich maschineller Vor- richtungen hierbei nicht bedienen können. Nicht allein, daß zum Formen eine große Sachkenntniß erforderlich ist, welche erst nach langer Uebung erworben wird, so gehören zum Montiren der gegossenen Gegenstände auch geschulte Arbeiter. Mit Rücksicht darauf, daß durch den Schliff resp. die Politur die Feinhett der Ziselirung verloren geht, ist diese bei der Fa- brikatton von cuivre poli allerdings weniger Hauptsache, wie bei der von echter Bronze. Letztere stellt fich sowohl deshalb, al« auch wegen der schwierigeren Formerei, welche möglichst in einem Stück geschehen muß, weil jede Lothnaht, welche bekannt- lich gelb, also nicht der Bronzefarbe entsprechend ist, fichtbar sein würde, theurer al« die Anfertignng von cuivre poli Wie dem aber auch sei, immerhin ist die Fabrikation von cuivre poli, obwohl nicht tm gleichem Maße wie die der echtm Bronze, unter da« Kunsthandwerk zu rechnen, während die Fabrikation von Zinkguß ebenso wenig wie die von gedrückten Messing- waaren einen Anspruch hierauf machen kann. Bei den Jmi- tationen bat man zwar verstanden, da« Aeußere der cuivre poli-Fabrikate zu geben; nach langen Bemühungen ist es ge- lungen, die Ztnkgußwamen mit einem so vorzüglichen galoa- ntschen Ueberzuge zu versehen, daß oft Sachverständige nicht in der Lage find, beim ersten Blick die Imitation vom Echten, zu unterscheiden. Da« galvanische Bad ist aber auch da« einzige, welche« die Fabrikation von Zink Sußwaaren vor derjenigen von Zinnsoldaten und sinderpistolen auszeichnet, da in allen übrigen Punftm der Anfertigung eine vollständige Uebereinstimmung stattfindet. Der Guß geschieht in Messtngformen und kann von jedem beliebigen Ardeiter ausgeführt werden, während die einzelnen Gußtbeile bekanntlich mit dem Löthkolben, also auf kaltem Wege(cuivre poli wird im Feuer gelöther) vom Klempner zusammengelölhet werden. Allerding« erfordern die Kosten der Messing(Sturz-)formen, ebenso wie bei den Drück- waaren die Herstellung der Stanzen, ein weit größere« Kapttal, al« die Modelle dir cuivre poli-Muster und gerade deshalb eignet fich die Fabrikation von Ztnkguß- und Mesflngdrückwaaren ganz besonders zum fabrikmäßigen Betrieb. Dieser hat daher auch im Laufe der letzten Jahre große Dimensionen ange- nommm und dazu beigetragen, die cuivre poll-Fabrikation lahm zu legen, indem Imitationen von gleichem Umfang und Aeußeren zu erheblich billigeren Preisen in den Handel ge» bracht wurden. In Folge dessen verschlechterte fich der Absatz der cuivre poli-Fabrikate in so bedeutendem Maße, daß die Fabrikanten gezwungen wurden, auf Mittel und Wege zu stnnen, dem uebel abzuhelfen. Sie fühlten, daß die Zeit de« euivre poli vorüber sei und entschloffen fich endlich, die Anfertigung von echter Bronze zu versuchen. Die cuivre poli-Fabrikation, obwohl eine Verirrung de« guten Geschmack«, war dennoch eine vortreffliche Schule für die Bronzewaarenfabrikation und wir finden heute Muster echter Bronzen, welch; sowohl in Bezug auf Formen wie hinsichtlich der Ziselirung und sonstigen Aussührung Zeugniß von den rapiden Fortschritten ablegen, welche die deutsche Bronze- induftrte in verhältniß mäßig kurzer Zeit gemacht hat. Zu wünschen wäre e«, daß der deutsche Fabrikant, und insdeson- dere der deutsche Bronzewaarenfabrikant. anfinge, fich seinen Händlerkreis auszusuchen, damit seine Erzeugnisse nicht immer und immer wieder in Magazine kommen, welche einen in Permanenz erklärten„Ausverkauf" zu ihrem Geschäftsprinzip gemacht haben. Wenn fich auch vorerst al« Folge einer ge« wissen Reserve seitens de» Fabrikanten der Absatz ermäßigen sollte, so scheint uni der spatere Nutzen, der fich dadurch zei- gen würde, daß die Kunsthändler und Spezialgeschäfte den deutschen Bronzeerzeugnissen ein um so größeres Interesse ent- aegendringen, ein wett werthvollerer und dauernderer zu sein. Nur auf diese Weise kann e» der Bronzeindustrie möglich werden, sich gegen die Konkurrenz der auf Maffmadsatz gerich« teten Zlnkgußtadrikatton wirksam zu schützen und fich vor dieser in Zukunft alS Kunsthandwerk auszuzeichnen. Daß der Mörder Keller nicht gefunden wird, ruft begreifliche Erregung hervor. Die Nachrichten, wo man überall den Gesuchten gesehen baden will, mehren fich. So verbreitete fich am Sonntag in Fehrbellin daS Gerücht, Keller sei auf der dortigen Feldmark bemerkt worden. Die Botenfrau Sooft war in Leglettung ihre« Sohne» in früher Morgenstunde von Fehr- dellin nach dem benachbarten Dorfe Brunne gegangen. Ungefähr auf der Hälfte de» Wege» kam au» den Feldern ein Mann in vollem Lanfe auf beide zu, machte kurz vor ihnen einen Augen- blick Halt und verschwand dann in ein nahegelegene« Roggen- feld. Die Beschreibung, welche beide von dem Aeußeren de« Manne« machten, paßt allerdings genau zu dem veröffentlichten Signalement de« Mörder«. Auch andere Personen, welche bald darauf desselben Wege« kamen, ebenso einige Ackerwirthe, die behuf« Lefichttgung ihrer Feldftüchte die Gegend pasfirten, wollen einen dort in den mit Ropgen, Kartoffeln und Klee bestellten Feldern herumstreifenden Menschen ge- sehen haben. Die Polizei, welcher sofort Mtttheilung gemacht worden, machte fich in Begleitung einer An- zahl von Einwohnern zur Verfolgung de« vermeintlichen Mörders auf. Nach stundenlangem vergeblichen Bemühen kehrten dieselben erst spät Abend« wieder zurück. Die unternommenen Messungen der deutlich hinterlaffenen Fußspuren sollen eben- fall«, gleich wie die voranaegedene Personalbeschreibung, mit dem im Signalement de« Mörder» angegebenen Maße über- einstimmen. Der jetzige hohe Stand derFeldfrüchte begünstigt daS Fortkommen und Slchverbergen de« Flüchtling« sehr. Ebenso hat auch Brandenburg a. H. seine Keller-Aufregung. Man schreibt von dort:„Da« Gerücht, daß der Mörder Keller in der Nähe unserer Stadt gesehen wurde, sowie die AuSficht, die auf Ergreifung desselben ausgesetzten 200 Marl zu verdienen, haben einen Theil der Bevölkerung in eine hochgra- dige Aufregung versetzt. Uederall wittert man den Mörder, viele beschäftigungslose Arbetter durchstreifen die Umgegend, und eS find auch einige Fälle vorgekommen, daß Leute ange- halten und mttaeschleppt worden find, deren Schuldlofigkeit sich dann bald herausstellte. Die tollsten Gerüchte werden ver- breitet und finden auch Glauben. Hoffentlich gelingt die Fest- nähme de« Mörder« bald. Ein gräßlicher U«glück«fall ereignete fich vorgestern Nachmittag in der vierten Stunde in dem Hause Breitestraße 8 in dem zu den Druckereiräumen der„Vosstschm Zeitung" führenden Treppenhause. Ein in genannter Druckerei beschaf- tigter Setzer Grundt hatte in Folge eine« Schwindelanfalle« den Setzersaal verlassen, um fich an die frische Luft zu begeben, muß indessen die Besinnung wohl total verloren haben, denn anstatt die Treppe hinunterzugehen, erstieg er die zur nächsten zweiten Etage. Kaum dort oben angekommen, wandelle ihn wahrscheinlich ein stärkerer Schwindelanfall an, denn plötzlich verlor er da« Gleichgewicht, taumelte rückwärts und stürzte köpf- über über die Steintrexpe in die Tiefe auf den Flur. Mtt erschmettertem Schädel und mehrfach gebrochenen Gliedmaßen suchte der Unglückliche, welcher in der Neuen Jakobstraße 4 wohnt, verheirathet und Vater mehrerer Kinder ist, fein Leben au«. Die sofort benachrichtigte Revierpoltzei ordnet« später die Ucderfühiung der Leiche nach dem Leichenschauhause an. Zwei Ladendtedtnne« wurden am 1. d. M. von der hiesigen Kriminalpolizei festgenommen. Bei Durchsuchung ihrer Wohnungen fanden fich die verschiedensten Reste von gestohlenen Stücken Leinen, Kachemir, Parchent, Tuchstoffen rc. vor. Außerdem fand man eine größere Ouantität gestohlener Peterstlie, die die Frauen von einem Felde hinter Rummel«- durg nahe der Köoenicker Haide gestohlen haben wollten. Da« Feld der Thätigkeit dieser beiden Frauen war vorzugsweise da« Frankfutter Viertel und in demselben Posamentierwaaren-, Schuhmacher und Delikateßwaaren- Handlungen. Beide, in den vierziger Jahrm stehende Personm haben fich da« Au«- sehen von Handelsfrauen gegeben und find verschieden ge« kleidet aufgetreten. Bald erschienen fie im Regenmantel, bald in schwarzem und türkischem Umschlagriuche. Ein Theil der gestohl.nen, noch nicht rekongoizitten Sachen, sowie die Pho- tographien der Diebinnen liegen an jedem Vormittage von st bi« 12 Uhr im Kriminal-Kommissariat Molkenmarkt 1, 2 Tr.» Zimmer Nr. 77, zur Anficht event. Retognition au«. Al» Lerche au« dem Wasser gezogen wurde am 30. v. M- in Charlottendurg an der Schleuse eine unbekannte, etwa 25 Jahre alte FrauenSperson, deren Persönlichk-it bis jetzt noch nicht ermittett ist. Die Verstorbene, anscheinend Dienstmävchen und in schwangerem Zustande, hatte blonde« hinten in einen Zapf zusammengeflochtene» Haar, braune Augen, dicke Nase, aufgeworfene Lippen und war von kräftiger Ge- statt. AIS besondere« Kennzeichen hatte fie am Daumen der rechten Hand und im linken Handteller eine Warze. Ihre Kleidung bestand au« einem grünen Kleide mtt Uederwurf und Schoß taill-. Die Laidwäsche ist mtt C. F. gezeichnet. Vergiftung. Ein au» Sachsen gebürtiger ca. 22 jähriger Handlungsgehilfe Georg Kaeßner wurde gestern Nachmittag in seinem Logis, in dem Hause Prenzlauerstr. 15, von seinen Wirthsleuten todt aufgefunden. Ein sofott hinzug-rufener Arzt konstatitte als Todesursache Vergiftung mittelst Cyankali und wurde die Leiche später auf Veranlassung der von dem Selbst- morde avifitten Revierpoltzei nach dem Leichenschauhause de« Huf« gerichtlicher Obduktion übergeführt. Aus einem mit der Adresse seines in Chemnitz lebenden Vaters vorgefundenen Brief ging al« Motiv zum Selbstmord ein unheilbares Rücken» marksleiden hervor. Ein Schlafstellendieb, welcher seit Anfang vor. Mi«. sein Unwesen treibt, indem er fich in Schlafstelle einmiethet und sich unter rechtswidriger Zueignung von Bettstücken Nichts heimlich entfernte, ist von der Kriminalpolizei in der Person de« mehrfach vorbestraften Schlächtergesellen Fcrka ermittelt und festgenommen worden. Ferka ist vierundzwanzig Jahre alt, von großer kräftiger Figur mit dunkelblondem Haar und einem Anfluge von Schnurrdatt. Da p. Ferka in 3 Fällen de« Diebstahl« überfühtt und anzunehmen ist, daß er noch anderweitig Diebstähle ausgeführt hat, so wollen Personen, welche glauben, durch den Thäter geschädigt zu sein, fich auf dem Kriminalkommissariat Zimmer 75a melden. Nach Mittheilung de» Statistische« Amt» der Stadt Berlin find bei den husigen Standesämtern in ver Woche vom 20. Juni bis inkl. 26. Juni er. zur Anmeldung gekommen: 191 Eheschließungen, 835 Lebendgeborene, 30 Tootgedorene, 748 Sterbefälle. Markthallen- Bericht vo« I. Saudma««, städtischem VerkaufSvermittler, Berlin, den 3. Juli. Wild und Geflügel waren heute wieder in größeren Mengen zugeführt, behaupleten aber dennoch den gestrigen Preisstand- Bi« jetzt find andere Wtldarten als Rehdöcke und Wildschweine kaum in nennen«» werthen Posten am Markte gewesen, doch habe Ich hoffentlich schon in meinem nächsten Bettchte von der empfangenen Zufuhr anderer Atten zu berichten. Die Zufuhr deckt nur knapp den Bedarf. Preise ungefähr wie gestern. Rebe 60 bi« 8C Pf. Wildschweine 35—45 Pf. per Pfund, junge Gänse 3—4,50 M-, junge Hühner 45— 80 Pf., junge Enten 90 Pf. bi« 2,50 M., Tauben 30- 45 Pf., Poularden 450—7 M. per Stück. Gemüse und Obst, die Zufuhren verhältnißmäßig ge- ring, die Preise steigend. Butter und Käse befestigen fich und weisen eine Preissteigerung auf. Eier gefragt. Sendungen erwünscht. M. 2,10—2,20 per Schock nach Börsenusanze. Polizeibertcht. Am 2. d. M. Morgens vergiftete fich ein junger Mann in seiner Wohnung in der Prenzlauerstraße mtt» telst Blausäure.— Zu derselben Zeit wurde ein von einer Frau gesühtter Wagen an der Prenzlauer- und Lothringer- straßen-Ecke von einem Bierwagen angefahren. Die F.au wmde dabei vom Wagen geschleudett, gerieth unter die Räier desselben und erlitt eine nicht unbedeutende Verletzung am linken Fuß, so daß fie in der nahen Santtät» wache ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.— An demselben Tage Mittag« wurde der Arbetter Schildewahn vor dem Hause Km« st oße 51 durch einen vom Dache herabfallenden Stein getroffen. Er erlitt eine nicht unbedeutende Verletzung am Kopf und mußte fich, nachdem er von einem vorübergehenden Arzt ver« bunden worden war, nach der Chatttö begeben.— An demselben Tage Nachmittag» worein Dienstmädchen in der PotSdamerstr. 82a mit Plätten beschäftigt. Au» Unoorfichtigkeit ließ e« dabei da» Plätteism auS dem Küchenfenster in dm Hof hinadfallm und traf dasselbe einm 9 Jahre ölten Knaben au« demselben Hause und fügte ihm eine schwere Wunde am Kopfe zu.— Zu derselben Zeit stürste ein Schriftsetzer tm Quergebäade de« Hause« Breitestrdje Nr. 8 au« unbekannt gebliebener Veran« laffung von der Treppe de« zweiten Stockwerk« über da« Ge« länder in dm Treppenflur hinab und starb auf der Stelle. Die Leiche wurde nach dem Lelchmschauhause gebrachi— Am Nachmittag desselben Tage« explodirtm in der Packlammer de« Postamt« Nr. 51, Andnaift-aße Nr. 32, zwei Prckete mtt bmgaltschen Streichhölzern. DaS Feuer ergriff auch die hölzerne Wandbekleidung de« PackraumeS wurde aber von der Feuer- wehr bald gelöscht.— Zu derselben Zeit gerieth in der Küche de« Schankwirth» Keller, AndreaSstraße 21, eine Quantität Spiritut durch unvorsichtige« Umgehen mit demselben in Brand, wobei der Arbeiter Schmelzer nicht unbedeutende Verletzungen im Geficht erlitt. Gerichts-Zeiwng. t Ei« Verwandlung»künftler. In den Rauchtheatein unserer Stadt produzirm fich von Zeit zu Zeit„Künstler", deren Spezialität dattn besteht, in einem Augmdlick ihre Garderobe zu wechseln, au» einem Garvelieutenant fich in eine schöne, mit höchstem Chik gekleidete Dame zu verwandeln» au« der Dame ein alle« Mütterchen, aui dem Mütterchen ein biederer Landpastor zu werden. Nicht ganz auf der Höhe dieser Kunst befindet fich der Taubstumme Wilhelm DraSSow. er scheint aber ein ausgesprochene« Talent für diese« Fach zu befitzen. In einer FrühjahrSnacht diese» Iah',« traf ein Nachtwächter auf der Schletermacherstraße einen Mmschen an, der ihm durch seine ungewöhnliche Beleibtheit auffiel. Er ging näher und redete den Dicken an. der ihm jedoch die Antwort schuldig blieb und nur durch Zeichen andeutete, daß er weder hörm noch sprechm könne. Der Wächter mochte hierin wobl nur Verstellung sehen, noch andere Verdachtsmomente kamen hinzu, und kurz entschlossm erklätte er de« Taubstummen für verhastei Auf der Polizei entpuppte fich— im wö.tlichen Sinne— der Dicke al« ei« Einbrecher. Er hatte nicht mehr und nicht weniger alS drei verschiedene Anzüge außer seinem eigenen auf dem Leibe, die er au« der Baubude eine» Neubau« in d.r Schleiermacherstraße, die er mtt Gewalt geöffnet, gestohlen hatte. Derartige Diebstähle scheinen die Spezialität Dra»dow'« zu sein; er ist bereit« zweimal wegen ähnlicher Einbrüche de- sitaft worden. Der Gerichtshof legte diesmal der Ausbildung seiner künstlettschen Fähigkeiten eine dedeutende Freiheitsstrafe in den Weg. DraSdow wurde wegen schweren Diebstahl» im Rückfalle von der, wetten Strafkammer de» hiefiten Landge« richt« I gestern zu einem Jahr Gefängniß verutthetlt. t Et»«ngeftellter der Firma William Sptndler. der Laufbursche Wilhelm S., stand aeftern vor dem hiestgen Schöffengericht unter der Anklage, 60 Mark, die er für da« ge« nannte Geschäft einzukasfiren hatte, sich zugeeignet haben. Am 13. Mai d. I. hatte ihm der Buchhalter verschiedene Packete übergeben, die er dm Kunden überbringen und dafür Zahlungen annehmm sollte. Alt am Abend de« Tage», an dem er diesen Auftrag auSgefühtt hatte, S. fich im Besitze so großer Geld« mittel sah, ließ er fich verleiten, in einer Restauration fich über dm Dmst hwaui zu erquicken. Er fand ackere Gesellschaft, die ihm nach Jfcäftm holt, auher seinem auch noch den größten Theil deS ihm anvertrauten Geldes durchjub ringen. Am nächsten Tage wurde da» Vergnügen fortgesetzt. 6. unternahm eine Vergnügungsfahrt nach Spandau und hier ging in Würfel' und Kartenspiel der letzte Rest deS Gelde» verloren Die Reue lam. ali die Firma bereits den vt-afantrag gesteM hatte. Um seine unfinnige That wieder gut zu machen, begann 6. allwöchmtlich von seinem Verdienst Abzahlungen an da» geschädigte Geschäft zu leisten, die bereits die Höhe von zirka 20 Mark erreiche haben. Diesem Umstände verdankte der noch gänzlich unbestrafte E. auch, daß seine That von dem Gericht». Hof milde beurthlilt wurde. Er erhielt eine Geldstrafe von 30 M. zudiliict._ �. t„Wie ein ESemann gehe ich in den Straßen um- her und ve>theile die Schriften an hohe und niedrige Herr« schatten: denn alle find ste mir gleich"— mit diesen Worten schilderte Herr EllaS Cohn, jene bekannte, den Humor herauifordernde Figur der Stöcker'schen Versammlungen, jener tadakschnupfende und Juden verspeisende semitische Antisemit seine Thatigkeit als Judenmisstonar in den Straßen Berlin». Im Auftragt deS Herrn Baron von Ungern> Sternberg betreibt Elia» Cohn daS mühselige Geschäft, durch Vertheilung von Stöcker'schen Predigten den Juden Geschmeck am Christenthum beizubringen. Auch die Kinder zieht er in den Kreis dieser Straßen kolportage hinein; für die kleineren hat er fromme Bildchen, die größeren, die bereits lesen können, giebt er die Herz und Geist zugleich bildenden Traktätchen des zweiten Luthers in die Hand. So unschuldig, so harmlos und so kindlich diese Beschäftigung nun auch zu sein scheint, so ist ste doch mit gewiffen Gefahren oerknüpft, von denen eine Verhandlung, die gestern vor der 88. Abtheilung de» hiesigen Schöffengerichts stattfand, Zeugniß ablegte. Vor dem Richter standen drei junge Koufleute, jüdischer Konfesston, Alixander Süßktnd Grün, Gustav Gerson und Cornelius Sigismund Hirschfeld, unter der Anklage deS groben Unfugs und Gerson außerdem noch unter der Beschuldigung der Sach» beschädigung. Die Besttzer dieser klangvollen Vornamen kamen am 26. AprU diese» JahreS, am zweiten Oster- feiertoge, mit einigm Bekannten aui der Synagoge der „jüdischen Reformgemeinde", wo da» jüdische Ostertest de- gangen worden war. In der Elsafferstcaße trafen ste EliaS Cohn, der von einem Schwarme Neugieriger umgeben seine Schriften auStheilte. Die geniale Stim de» kleinen Mannes bedeckte ein sabdathlicher Zy'inderhut, ein Umstand, der für den Fortgang der Geschichte nicht unwesentlich ist. Im Vor- übergeh'n baten fich die drei KommiS eine Probe der feilgebo- tenen Drucksachen au», ste kamen aber mit diesem Wunsche sehr schlecht an;„wie ste erzählen, rief Elia» Cohn:„Nun Schmulchen, Dir gcb' ick keinen Zettel; ich kenne meine Pappenheimer!" EliaS Cohn bestreitet den Wortlaut cnt- schieden, in der Sache giebt er aber zu, den„Juden" die Schriften verweigert zu haben, weil ste doch nur„Unfug damit getrieben hätten." Auf die Frage de» Vorsttzenden, woran er denn erkannt habe, daß die Herren Juden seien, erwiderte er mtt einem schlauen Lächeln:„Mir fällt«in KoupletverS ein, den ich einmal vor Jahren auf der Meffe al» Reftain eine» LiedeS gehört habe. WaS ein Cbochem(kluger Kerl) ist— der weiß ganz gewiß— Ob'ne Näse koscher oder keife i»." Diese Vernachlässtgung der Misfionarpflicht erbitterte die drei Erkannten.„Oste«haime, oste Chamor.(Du bist ein Rindvieh und ein Esel) riefen ste und meinten, wenn EliaS Cohn in den Himmel komme, werde er auf der ersten Bank unter dem Chamorin(Plural von Chamor) einen Platz erhalten. Der schlagfertige Stöcker'iche Apostel entgegnete:„Da kommen die Juden hin, die waren eher da al» wir Christen." Dieser Stteit um die Himmelsanwartschaft endete in einem Faust schlag, mit dem Gerson den Zylinderhut Cohn'S eintrieb und in einem Stockhieb«, der den kleinen Fanatiker an der Wange verwundete. Polizeibeamte kamen hinzu und zerstreuten den Auflauf, der stch inzwischen vergrößert hatte und führten beide Parkten zur Polizeiwache. In der Verhandlung sollte nun der Werth de» beschädigten Cohn'schen Hauptschmucke» festgestellt werden. Cohn bezifferte ihn auf 10 Iii., gab aber zu, daß der Hut bereit« 6 Jahre all sei und schon„manchen Sturm durchgemacht habe." Hierbei gab er auch einige Detail» über seine Familtenverhältniffe, au» denen hervorgeht, daß er mit seinen Kindern und Verwandten wegen seines GlaubenSwechselS vollständig zerfallen ist; ein BewtiS, wie sehr unstnniger Fanatismus Banden, die sonst die festesten in der Well find, lösen kann. DaS Urtheil lautete wegen de» Unfug» gegen jeden der drei Angeklagtm auf eine «in« Geldstrafe von 30 M.; wegen der Sachbeschädigung wurde Gerson außerdem noch in eine Sttafe von 15 M. genommen. Triumphtrend verließ Elia» Cohn dm Gerichtssaal, nachdem er fich vorher noch durch ein„PrieSchen" erfreut, deffen Quantität den räumlichen Verhällniffen seiner Nase entsprach. Die Legitimirung durch eiue Studeutenkarte feite«» eine» exzedtrende» jungen Manne» trug dem Kandidaten der Medizin Dr. Theodor Rosenderg, eine Anklage wegen groben Unfug»«in. Der Angeklagte erklärte im Termin vor der 96. Adtheilung de» hiestgen Schöffengericht», von dem ihm zur Last gelegten Vorfall nicht nur nicht» zu wiffm, sondern zu der fraglichen Zeit auch zu Haus« gewesen zu sein und bereit» geschlafen zu haben. Er sei auch niemals polizeilich fiftirt oder festgestellt worden. Der al» Zeuge erschienene Schutzmann er- klärte mtt aller Bestimmtheit, daß der Angeklagte der Smedent nicht sei. Da fich derselbe durch eine Studentenkarte Nr. 9» legilimiit hatte, habe er von dessen Ststirung Abstand genom- mm. Seiten« der UnioersttätSdehörde sei alSdann der Ange- klagte ermittell worden. Derselbe erklärte noch, daß er die» nicht begreife, da er bereits seit dem Herbst v. I. exmatrikulirt sei. Selbstoerständlich erfolgte die Freisprechung de» unschuldig Angeklagten. Die Befolgung eine» feiten» de» Dienstherrn erhal- tenen Beseht», nämlich mit einem unvorschriflSmäßtgen Wagen Straßenmüll abzufahren, trug dem Kutscher Friedrich August Klitsch eine Verurtheilung wegen Uebertretung deS Straßenpolizei. Reglements zu 1 M. eoent. zu 1 Tag ein. Die 95. Abiheilung de» hiesigen Schöffmgericht» stellte die Richtig. kell deS Einwände» dei Angeklagten, daß ihm sein Dimstherr die Benutzung de» betr. WagmS bei eigener Verantwortlichkeit anbefohlen Habe, fest, nahm aber an, daß der Angeklagte diesem Befehle Widerstand«ntgegmsetzen mußte. Ein vrndermörder. Agram. 30. Juni. Georg Ra dinooic», 46 Jahre alt, verheirathet, Vater von drei Kindern, hatte im vergangenen Jahre mit seinem Bruder Johann die Vereinbarung getroffen, daß er ihm den ihm zukommenden Theil an dem gemeinsamen Vermögen im Betrage von 40 fl. in zwei Raten auszahlen solle. Am 17. Mai saßen die Brüder im WirlhShause beisammen und tranken drei Liter Wein. Teorg verließ da« WtrthShau» ftüher als Ivan. Zu Hause fngelangt. setzte fich Georg vor die Thür und plauderte mv Wnem Weihe. Bald darauf kehrte auch Ivan heim und for> ÜÜ iü drütker Weise die erst« Rat« seine, AntheilS. Georg i w„ Mühe, seinen Bruder zu beruhigen und sagte zu ihm, er werde pünllich am Termin da» Geld erlegen. = nicht zu beruhigen: er drohte seinen Bruder zu«stechen, wenn er nicht sofort zahle. Georg begab fich nun in die Küche, um, wie er sagte, Holz zu spalten; Ivan verfolgte ihn mit seinen Drohungen und üderschrttt die Schwelle der Küche, worauf Georg seinem Bruder mit der Holzhack« einen so heftigen Schlag auf den HalS versetzte, daß ■LÄ �nden fiel. Georg wiederhrlte im höchsten Zorne die «chlage und maflalrirte seinen Bruder, fortwährend rufend: «wer ist Dein Theil, h,er ist Geld, hier Alle» I" RadinovicS gesteht die That zu, führt jedoch zu seiner Vertheidigung an, daß er total betrunken und sehr erregt war; er bereue lief seine unüberlegte That. DaS Gericht sprach dm Angeklagtm schul- dig und verurtheilte ihn wegen deS Verbrechen» deS gemeinen Morde» zum Tode durch den Strang. Aerewe«nd Uersammlnuge«. Der Interessen- verew der«tsten- und Koffermacher hielt am 28. Juni eine Mtgliederv.'rsammlung ab, in welcher zunächst 6 Mttglteder zur Ausarbeitung eines neuen PieiS- tarif» für Dampf- sowohl wie für Handwerkstätten gewählt wurden. Weiter wu.de über Streikangelegenheiten und Un- terstützungen verhandelt. ES wurde ferner beschlossen, die VereinSb dliothek durch Ankauf von Darwin'« Schriften zu vergrößern und B bliothek- und Rechmabende im Verein ein- zuführen. Zum Schluß wurde noch über die am 18. Juli stattfindende Landpartie nach Grünau gesprochen und sämmt- liche Kollegen zur regen Theilnahme daran aufgefordert. E» soll versucht werdm, bei der Bahndirektion eine Ermäßigung de» Fahrpreises zu erzielm....... Bezirksverein de» werkthätigen Volke» der Schön. Häuser Vorstadt. Der Vorstand macht bekannt, daß die ein- zrlnm Mitglieder deffelben ihr Amt al« Vorstandsmitglieder, trotz Ablauf ihrer Mandate» so lange weiter verwalten werden» die die polizeiliche Genehmigung zur Abhaltung einer General- Versammlung hehusS Neuwahl deS Vorstandes ertheilt wird.— Die Zahlstelle deS Vereins befindet fich Weißenburgerstlaße 70 bei N>tz, Sonntags Vormittags von 10 btS 12 Uhr. Die Mitglieder werdm ersucht, dieselbe recht fleißig zu besuchen. Neue Mitglieder werdm aufgenommen.__ �, Die Zentral Kranken- undEterdekasse der Drechsler ie. (E. h. 48) veranstalte» am Montag, dm 5. Juli, in„Kliem S VolkSgatten", Hasenhaide 1, ein Sommerfest, verbunden mit Sroßem Militärkonzert, Ball und Belustigungm aller Art, al»: fiarionetlentheater, Fackelzug u. s. w. Anfang de» Konzerts 4 Uhr Nachmittags. Die Kaffeküche ist von 3 Uhr an ge- öffnet. Bittet»& 20 Pf. find vorher zu habm in sämmttichen Zahlstellen der Kaffe, in den mit Plakaten belegten Hand- langen und bei sämmtlichen Vorstandsmitgliedern der Ver- wallvngm A. B. C. und v. Sanveretu Berliner Bildhauer. Annenstr. 16. Dien». tag, den 6. Juli, Referat über die Berliner Jubiläum«- Kunst- Ausstellung. Verband deutscher Zimmerlente, Lokaloerband Osten. Dm Dimstaa, den 6. Juli, AdendS 8 Uhr, Proikauerstr. 37/38, Mttglkder. Versammlung.— Neue Mitglieder werden aufge» nonnnen. Arbeiter BezirkSkverein de« Oranienburger Vorstadt und de» Weddiug. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Beiträge seven Sonntag in Schramm'S Lokal, Hochstraße 32» von 10— 12 Uhr Vorm. und an den Wochentagm beim Kasfirer Paul Sillier, Tftststraße 46» pari., jeden Abend entgegengenommen werden. Die nächste Versammlung soll am 12. Juli stattfinden. Arbeiterverein„Gemüthlichkeit" für Reinickmdorf und Umgegend. Die zu heute, den 4, Juli, anberaumte statuten mäßige Versammlung ist, wie unS mitgetheilt wird, auf Grund des Z 9 de» Soz-alistengesetzeS verboten worden. verband deutscher Zimmerlente.(Lokalverband Berlin West.) Montag, den 5. d. M:S., Abend» 8% Uhr. in Gründer'» Salon. Schwerinstraße 26, Bersammlung. TageSmdnung, 1.«affmdericht. 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedene» und Fragekasten. Quittungtbuch legitimirt. Neue Mitglieder werdm aufgenommen. UnterstütznngSvereiu deutscher Schuhmacher. Man. tag, Abend« 8'/, Uhr, Versammlung dei Mündt Köpnickev ftraße 100. Tagesordnung; Vortrag de» Herrn BaginSki über die Entwickelung der Schuhmacherei in gewerblicher und ge werkschaftlicher Hinficht. Gäste willkommm. Etue öffentliche Bersammlung der Ranrer, welche beute, Sonntag Vormittag, stattfinven sollte, wurde polizellich nicht aenehmtgt. Männeraesangverei«„Schneeglöckchen" jeden Montag Abend tm Restaurant Naunynstiaße 78. Zttherklud„Amphton". Jeden Montag Abend UedungSsiunde im„Kurfürfimkeller", Poststraß« 5. Dänischer verein„Freya". Versammlung jeden Sonn abend, 9 Uhr, Rosenthalerstr. 39. Dänische Blätter find vor- Händen._ Uermischte». Der religiöse Kanatttmn» treibt in Amerika wunder- liche Blüthen. Außer dem ziemlich harmlosm Echreiervölkchen der HeilSschSeler find e» vor Allem die sogenannten Revi- valisten oder Widere: Wecker, TewiffmSstachler, denen unter den modernen Wanderp:cdtgem daS größte Ansehen, die allge meinst« Ausmerlsamkett gezollt wird. Die hellsten Sterne dieser fünft find die Inhaber der religiösen Firma Moody and »ankey, zwei oornehme Eiferer au» den Vereinigten Slaaten, die von Stadt zu Stadt, von Land zu Land reisen und stch die Neu-vekehrung der glaudenSschlaffen Christenheit zur Auf. gab« gemacht haben. Sie spielm mtt vertheilten Rollen: der «ine von ihnen hat eine wunderbare Tmorstimme und eine die Damm bezaubmde Erscheinung. Er fingt währmd dei in irgend einem Lokal oder selbst aus der Snaß« zusammenbeiu- fenen Gottesdienstes die Hymnen und Choräle, der ander« ist ein machtvoller Redner, und so haben beide überall den unge- heuersten Erfolg, von dem ste leben, und zwar sehr gut leben. Da» gänzliche Widerspiel dieser vornehmen Auguren der besten Gesellschaft ist ein gänzlich unwissender Revivalist, der gegen- «artig die Augen Vieler auf fich zieht. Ei ist der Cowboy Lampasa» Jake, seine Domäne find die wüsten Prärim, die Bergwerke de» fernen Westen» der Vereinigten Staaten. Ueber seine Zuhörer übt er eine unbegreifliche Macht au». Jake ist ein sonderdar.-r Bursche von machtigem Körperbau, mit einem struppigen Bollbart über eingesunkmm Backm, großem Mund, hoher Stirn und einer weit tönmdm Stimme. Dteser groteike Wander pr-dig-r weiß nicht» von der Eristenz anderer Revi. valisten. Wenn Jake vredtgt, hat er stet» den Revolver in der Hand. Er geht in irgend«in Schnapilokal, wo die Spieler und Abenteurer beim Karten- oder Würfelspiel fitzen, und beginnt, den gespannten Revolver in der Hand, folgender- maßm:„Ich komme, um mit Euch ein Wörtchen über Eure unsterbliche Seele zu reden, also haltet ein Weilchen die Mäuler! Wir leben in einem freim Lande, wo Jeder reden darf, wie er will, und jetzt will ich reden I" Niemand muckst, da Jake ein schneller und gesürchteter Schütze ist. Jake steigt nun auf einen Stuhl und fährt mit gellender Stimme fort:„Wie viel« von Such werdm über kurz oder lang mtt den Stiefeln an den Füßen sterben und in der Hölle frühstücken! Ihr braucht mich nicht wütbend anzusehen, Ihr Säufer, Landtten, Spieler, Diebe und Mörder! Ich kenne Euch und war eben solch' ein Sünderl Halt da, Du Schleicher —(mit erhobenem Revolver gegen Einen, der fich„drücken" will)— hier geblieben I Der Teufel kriegt Dich doch l— Einen wohlgenährten, gezeichneten Stier kmnt Ihr alle und wißt, wem er gehört! Der hat seinen Herrn, seinen Stall, seinen Schutz! Wem aber gehört der Maverick(herrenloser TexaS-Bulle)? Ihr seid alle MaverickS! Der Maverick hat kein Brandzeichm, er strolcht brüllmd umher, di» irgend wer ihm dm Lasso überwirft und da» Brand, eichen aufdrückt. Ihr seid Maverick», btS Euch der Teufel fein Zeichen aufbrennt. Er hat eS schon gethan! Ihr habt feinen Lasso um den HalS! Noch giebt er Euch volle Stricklünae, morgen aber biaucdt er Brennholz, und dann„laffot" er Euch hinunter! Mir kann Keiner von Euch tmvonirm! Ich bin Treiber in Texa» ge- wesm, war City Marsbai in Lao-pasaS. Ich bin mit dm Heerde» vom Canadian- River di» zum North« Platt« gewandert, von Kansai- City bi» La» AnimaS. Aber nie habe ich eine jämmerlichere Heerde als Euch gesehen! ihr zeichnet Euer Vieh mit rother Farbe, der Teufel wird uch auch roth anstreichen, von Kovf diS zu Fuß, und wmn'S ihm paßt, malt er Euch schwarz darüber. Mancher unter Euch fühlt schon seinen Lasso, riecht schon sein Feuer. Ich wette Euch fünf Dollar», Ihr habt vor ihm Angst! Ich wette Euch zrhn Dollar», Ihr gebt waS drum, ein RettungSmittel zu finden, damit Ihr nicht gebraten werdet! Ich wette Euch hundert Dollars, ich weiß Euch Rettung! Auf die Knie, Alle, und beult! So ist'S recht! Alle, sag' ich! Wa»? Du da bist störrig? Runter auf die Knie, oder die blaue Bohne pfeift Dir um die Ohren! Brüllt um Rettung, wie ein TrxaS Stier, der bi»»um Bauch im Schnee steckt!- So ist'S recht! Noch lauter! Da» ist brav!— Der Teufel hat feine Heerde, aber der riebe Gott auch! Des Teufel» Heerde weidet auf Schwefel und Pech, GotteS aber auf süßem GraS und Blumen! Der Herr streckt seine Arme nach allen MaverickS, nach allen Lämmern und verkrüppelten Böcken au», ste brauchen nur zu blöken, und der Teufel mit seinem Lasso und seiner Feuergabel ist machtlo». Wen wollt Ihr zum Herrn wählen, Ihr elmden Sünder? Gott oder dm Teufel?— Daß Ihr nicht aufsteht, ehe ich mtt Euch fertig bin! Ich weiß, wa» Ihr sagen«erdet, wenn ich fort bin! Jake ist fromm geworden! Ihr habt nicht die Kourage, e» mir in'S Geficht zu sagen I Ihr werdet nachher schimpfm, Religion sei gut genug für die ziviltstrte Welt! Ihr traut Euch aber nicht, eS jetzt zu sagen! Ihr seid mir nette Brüder und würdet Euch nett tm Himmel ausmachen! Die Hölle selbst würde erblassen, wenn Ihr naht, Ihr Räuber! E: mannt Euch, putzt Euer Fell! Weidet auf der Wiese der Rechtschaffmheit. und Ihr werdet Fleisch und Fett ansetzen I Oder bleibt bei der Sünde, und Ihr magert ab, daß Euch die Haut lose um die Knochen klappert!" Nach dieser Kapuzinade steigt Jake wieder vom Stuhl und steckt seinen Revolver ein. Dann geht er seiner Wege. Trinken, Schwören und Kartenspiel lommm alSdann wieder in Gang. Reiseabenteuer. Professoren und Gelehrte habm de» kanntlich da» Recht— zerstreut zu sein. Einen etwa» zu aus- gedehnten Gebrauch von diesem Rechte machte jedoch zu seinem eigenen Schadm«in Budapester Gelehrter, der vor wenigm Tazm mtt seiner jungen Gattin über Wien und Prag nach Karlsbad zum längeren Kuraufmthalte reifte. Herr Professor v. K..... y traf am Sonnabend Abend in Wien ein und benutzte Montag zur Weiterreise nach Prag den Kurierzug der Franz-JosefS-Bahn. Kaum hatte fich jedoch der Zug in Be« wegung gesetzt, al» der Professor die unliebsame Entdeckung machte, daß er seinen kleinen Handkoffer, der mehrere für ihn unentbehrliche Gegenstände enthielt, im Hotel zu Wien vergessm habe, worüber er ganz trostlos war. Er veranlaßt« deshalb seine junge Gattin, in Gmünd auszusteigen, um an den Hotelier in Wien zu telegraphiren, daß man den Koffer direkt nach Karlsbad senden möge. Die Dame stieg in Gmünd au», hatte fich aber unglücklicherweise bei dem Geschäfte de» Tele« graphiren» etwa» zu lange aufgehalten und— der Zug fuhr ohne fie fort. Nun befand fich der H«rr Professor in heller Verzweiflung, um so mehr, da er die Fahrkarte der Gattin im Befitze hatte und mit Sicherheit annehmen mußt«, daß sein« bedaumSwerth« Frau nicht so viel Geld dei fich habe, um mit dem nächsten Zug die Reise fortsetzen zu können. Die Fahrt von Gmünd nach Prag gestaltete fich daher für den armen Gelehrten zur furchtbaren Seelenpetn. Endlich in Prag angelangt, stieg er au», um mit dem nächsten Zuge zurück nach Gmünd zu seiner Gattin zu reisen. In seiner unglückseligen Zerstreuung hatte er aber im Koupee feinen Reiseplaid und seine Hutschachtel vergessen, mußte er doch seine ganze Aufmerksamkeit darauf konzentriren, keine» der vielen kleinen Gepäckstücke ver Gattin zurück zu lassen. Sechs Stunden später befand fich der Herr Professor wieder in Gmünd, die Gattin, die er dort suchte, fand er aber nicht— dieselbe war gerade ein Stunde zuvor mit dem Personenzuge nach Prag gefahren. Die Nacht über mußte der Professor in Gmün» zubringen, während stch seine Gattin in Prag, fitae Reisekoffrr in Wien und sein Reiseplaid und seine Hutschachtel zur Stunde unbekannt wo defanden. DeS anderen TageS fand fich da« Ehepaar endlich in Praa zusammen, fie hatten aber alle Lust zur Bcstchttgung der Sehen»würdigktiten verloren und reisten au» Angst vor weitern Abenteuern unverzüglich nach Karltdad ad. Kleine Mittheilungen. Celle, 1. Juli. Herne wurde hier ein bei Ausübung seines BeruteS verunglückter Arbeiter, der Zimmerer G. Wolter. von seinen Kameraden zur letzten Ruhe geleitet. Der Ver. ftorbene verunglückte vor Kurzem beim Schneiden von Hol, an i" ouf gräßliche Weise. ES flog nämlich <*n®lück Hol, von der Sage zurück und»erriß«hm die link« Seite de» Halse», die Schlagader un» die Luftröhre. U/.tcr Hoffnung» oollen Zustande befindliche Frau und vier kleine Kinder, welche leyi, ihre» Ernährer» beraubt, traurig in die Zukunft blicken. Der V-runglückle war ein eifriger Förderer der GkwerlschastSdewegung und für diese im Herbste vorigm Jahre» auch in Bremm thätig, von wo er nach Weihnachtm wieder nach hier zurückkehrte, um in einer Dampfsägeret wegen mangelnder Beschaftigung in seinem Berufe al» Holzschneider Arbeit zu nehmen, wo er auf so schreckliche Weise verunglückte. Ehre seinem Andmken. Dirschau, 2�Juli. Eine gräßliche Mordthat hat stch in dem etwa eine Meile von hier entfernten Dorfe Gr..Malsau ereignet. In dem Dorfe lebte der Knecht Schul, in bisher an/ch-wend«lücklicher Ehe mit seiner Frau. Am Dimstaa er. griff dieselbe plötzlich ihre beiden Kinder und sprang mit ihnen in den Teich de» Dorfe». Leider konnten herbeigeeilte Per- fcnen außer der Mutter nur da» eine Kind dem nassen Ele. wente lebend mtretßm, während da» andere ertrank. Im Laufe Nacht fand jedoch die noch in ihrer Wohnung weilende Schulz Gelegenheit, unbemertt auch da« zweite, der Rata, st'vphe glücklich entgangene Kind dem Tode zu überliefern, indem fie dem Kinde mit einem Messer die Kehle durchschnitt. Auf das G: schrei seiner Schwiegermutter erwachte Schulz in dem Augenblicke, al« seine Frau auch ihn mit einem Beile zu ermorden im Begriff- stand. Der Bedrohte sprang auf und eille seiner flüchtenden Frau in einen Nebenraum nach, wo dieselbe versuchte, stch durch Mefferschnitte in die Kehle da» Leben zu nehmen. ES gelang schließlich, die zweifache Mörderin zu fesseln, und gestern wurde dieselbe von ihrem eigenen Gatten dem hiestgen Amtsgerichte zugeführt. Au» mancherlei Anzeichen, die in letzterer Zeit bei der Frau zu Tage traten, glaubt man mit Bestimmtheit auf geistige Unzu» rechnungifähigkeit der Mörderin bei Ausübung der grauen- haften That schließm zu dürfen. Duisburg, 30. Juni. Eine von mehreren benachbarten Lokalblättern gebrachte Notiz, daß der hier befindliche(ang-h- ltch wegm nihilistischer Umttiebe) verhaftete rufstsche Offijier Savin au» dem St. Vincenz-Hospital-Gefängniß miflohen sei, scheint derselbe stch zu Herzen genommen zu haben. Gestern saß derselbe« noch wohlverwahrt in der festen KranlenzeUe, bewacht von einem Wächter, heute morgen aber war der Ver« haftete nicht mehr zu entdecken. Nach Aussage de» Wächter» fand derselbe heute früh detde Thüren der festen Zelle geöffnet und den darin tnhaftirt gewesenm Kranken verschwunden. Di« Polizei ist nach allen Richtungen hinter ihm her. Tavger. 80. Juni. Gestern Abend machte ein mit einem Dolche bewaffneter Maure aui dem Innern ein Attentat auf den italienischen Gesandten, welcher jedoch nicht verletzt wurde. Der Attentäter wurde in» GefSngniß geworfen und auf Befehl der maurischen Behörden gepeitscht. Gottetzberg(Schlefien), 29. Juni. Der Bergmann Opitz von hier vnunglückie gestern Nachmittag auf dem Charlotte- Schacht der vereinigten Glückhtlfarube zu Nieder-tzermtzdorf dadurch, dah er in den Schacht hinabstürzte. Der Leichnam wurde in gräßlich verstümmelter Weise an» Tageslicht ge« fördert. Brüssel. 1. Juli. 3» ist jetzt festgestellt, daß die in einem Sack« gefundenen, zerstückelten Gliedmaßen eine» Weide» au» dem Spital St. Pierre herrühren, wo der Körper ana- tomischen Lehrzwecken für die Univerfitätsstudenten gedient lte. Die Polizei forscht jetzt nach dem Urheber diese» e-el». da, ganz abgesehen von der hierdurch entstandenen allgemeinen Auftegung, die von den Gerichten angestellten Nachsuchungen einen Kostenaufwand von etwa 500 Frl». verursacht haben. London, 1. Juli Auf der Great vvn Irland fand Mittwoch Nachmittag unweit Portadown htbarei Eisenbahnunglück statt. Die Lolomotive eine» von Northern, Eisendahn adown ein furchs■jl_____„WWW Dublin kommenden Personenzuge» entgleiste und stürzte in einen neben dem Damm laufenden Graben, wobei all« Waggon» mit Au»nahme de» KonduIteurkoupee'S mitgerissen wurden. Vier Passagiere wurden getödtet und etwa zwanzig verwundet, viele so schwer, daß an ihrem Aufkommen gezwlifett wird. Ketzte Nachrichte«. englische« Wahle«. Bi» jetzt find 102 Wahlen Dieselben haben da» Gleichgewicht der Parteien bis« geändert. Gewählt find, nach der„Boss. Ztg.", 04 TorieS, 14 Unionisten, 36 Gladstonianer, 8 Parnelltten. Die Torie» gewannen Herefordshire, Süd- und West Salford, Die vollzogen, Hasting», Falmouth, Süd-Bristol, die Gladstonianer Leith, wo Gladstone unbeanstandet gewühlt wurde, den Börsen bezirk Liverpool, Südwest- Manchester, wo Jccod Bright den Tmy kandidaten Lord Hamilton bestegte, serner Nord-Manebester, Ost Leed» und CariiSle. Churchill, Smith, Hick» Beach, Caine, Gorst, Herbert Gladstone, Plaqfatr und Bomke wurden mit bedeutenden Majoritäten wieder gewählt. Gladstone bleibt Vertreter von Mtdlothian, mithin est eine Ersatzwahl für Leith erforderlich. Die Betheiligung der Wähler an der Abstimmung ist die» Mal weniger rege ai» im November v. I. *** Zum Formerstreik i« Neumünster, Werth« Kollegen! Acht Wochen find bereit» verflossen und doch ist bi» jetzt nicht» Bestimmte» zu sagen, wann der Streik zu Ende geht. Die Verzögerung der Entscheidung liegt nicht an un», sondern lediglich an den zwei Arbeitern, welche da» Wort, welche» fle )urch eigenhändige Unterschrift bekrästtgten, gebrochen und fleich nach Ausbruch de» Streik» die Arbeit unter den allen durch eigenhändige Unterschrift bekrästtgten, gebrochm und »estimmungen aufgenommen haben— e» lassen dieselben kein Mittel unversucht, au» Rendsburg Former(wenn wir diese so nennen können) hierher zu locken, welche un» die Niederlage bereiten sollen. Ader. Kollegen, wir find fest davon überzeugt, e» wird ihnen nicht gelingen. Kollegen, wir können und dürfen unter diesen Umständm die Arbeit nicht wieder aufnehmen, wenn wir uns und unsere Famile vor einem Ruin bewahren wollen. Wir haben auch unser Ehrenwort gegeben und werden es halten. Darum haltet vor allem Zuzug fern und unterstützt un» ferner, wie ihr e» bis jetzt gethan habt. Sämmtlich« Sendungen find an C. Karstedt lVolkShalle) zu richten. Mtt kollegiaiislbcm Gruß: Die Kommmisfion. Alle arbeitersteund- lichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Kriefkaste« der Redaktion. 2000. Wenn der unbekannte Mann Ihnen den Rock für seine Schuld an Zahlungsstatt gegeben hat, so können Sie mll letzterem machen, wa» Sie wollen; ist aber der Rock al» Pfand gegeben, so müssen Sie dm Namen de» Unbelanntm ermitteln und diesen dann verklagen. Nr. 1003 Sie können das Haustrgewerbe jederzeit, nicht bloß zu Anfang eine» Kalenderjahre» beginnen, müssen da»- selbe aber zuvor bei der Steuerbehörde anmelden. Wollen Sie auch außerhalb Berlin» mit dem Wanderlager umherziehen, so dürfm Sie den Betrieb erst nach Einlösung eine» Gewerbescheine» beginnen. Alter Abouneut Pücklerftrahe. 1. Der Wirth muß Ihnen den fehlendm Schlüssel liefern und, wenn er Ihrer Aufforderung dazu nicht nachkommt, fich gefallen lassen, daß Sie den Schlüssel anfertigen und die Kosten von der Miethe abztehm. 2. Nach den meisten Miethskontratten siebt den Mtrthern im Falle einer theilweism Entziehung der Wasser- leitunq keine Entschädigung zu. Celle. Ja, Llondin ist zu der angegebenen Zell in Berlin, und zwar in der„Neuen Well" in der Hasenhaid« ali Seil« tänzer aufgetretm. N. P. 1. Klagen Sie auf Zahlung der Reparaturkostm und erklärm Sie ftch in der Klage zur Herausgabe der Wäsche- stücke bereit. Auf Grund de» Urtheilt können Sie dann die Wäsche durch einen Gerichtsvollzieher pfändm und versteigern lassen. 2.„Frsch" ist eine Bezeichnung, die man flotten Lehe» männern oder auch solchen Damen beilegt, die elegant oder lustig find, ohne fich an die herrschmden Sitten zu haltm. F. P. Es kommt auf dm Wottlaut JhreS MiethSkon- trakte» an. Gesetzlich gilt die sogenannte stillschweigende Bei« längerung immer auf ein Jahr; wenn aber in Ihrem Kontrast stebt, daß derselbe bei nicht erfolgter Kündigung fich immer um 2 Jahre verlängere, so brauchen Sie vor Ablauf dieser Zett eine Kündigung nicht zu beachten. A. W. 1. Nur der Ehemann kann die gezahlte Miethe zurückverlangen, nicht auch seine Ehefrau. 2. Die Klage ist bei dem betr. Amtsgericht anzustrengen, für Berlin beim Amts- gericht l. Theater. Sonntag, den 4. Juli. Delle-Alltauee-Tbeater. Da» Paradies, Ge- sangSpoffe in 4 Alten von Leon Treptow und Jj. Herrmann. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dstend-Theater. Die Pariser Bluthochzett. Montag: Die Jungfrau von Orleans. Btttoria- Theate». Amor. Tanz. Poem von füuigt Manzottt. Montag: Dieselbe Vorstellung. Btzalhalla-Theater. Capricciosa, Montag: Dieselbe Vorstellung. ttroll'S Theater. Amnchen von Tharau. Montag: Die Entführung au» dem Serail. ktaufma««'» Variete,«roße Svezialttärm- Borstellung. ..... j, 1 Zr. 9 TO.- 10». alRer-Panorama. In dieser Woche: Eine interessante Nhewreise. Da» malerische Ber«»r Oberland. Hertha-Neise. Carolin en-Jnsel«. Eine Reise 90 Pfg. Kinder nur 10 Pfg. Zum heutigen Wiegenfeste unserer Freundin Frau Paula Stmdorss die innigste Gratulation.[46 Ihre Freunde und Freundinnen. Tb. Keller's Hofjäger, Basenhalde. Montag, de« 5. Juli 1886: Grosses Sommerfest verbundm mit Sommernaehis-Ball, veranstaltet vom Vmn zur Kukruug der lufattftn des JUttoietacBeitec sie« de« zinterKLstnugefoud« für »olle Mitglieder des Herein«. __ Grosses Oonoert,"WA au»geführt von der Kapelle des Hm. Abarbanell. Von 4-6 Uhr großer Kinderian» verbundm mtt O-«d»«r-g»a. Präzise 9 Uhr großer KinderfartrelznL, wozu jede» Kind eine Stock- loterne gratis erhält. Von 6 Uhr ab beginnt der ziomm«rnacht»-Sa0. Herren, die daran theilnehmm, zahlm 50 Pf, nach. Kasseneröffnung 2 Uhr. Anfang des ConcertS 4 Uhr. Entree 25 Pf. Stüet» find zu haben bei sämmtlichm Vor- standsmitgliedern, Skalitzerstraße 18 bei Stramm und in allen mit Plakaten belegten Handlungen. ES werden alle Mitglieder, Freunde und Gönner de» Vereins hiermit eingeladm. 1947] Oer Vorstand. Da» polizeilich» Derdot ist aufgehoben und steh! de« N-eguSge« nicht« eutgegeu. Sonnabend, den 10. Juli, Abend» 8 Uhr: Grosser Sommernaohtsball in den Festsälen der Philharmonie, — MI» ein tarn �ernduraerstraße 22/23, veranftallet vom Gesangverein Lorbeerkranz. . ree Herren 50 P'., Damen 25 Pf. WUlei« find nur vorher ,u haben bei den Herren: Max Zander, Am Friedrichthain Nr, 3, Emst Däbne. Gipsstr. 12, Otto L'ebich. G te- benowstr. 6, Carl Retmann. Rhein«dcrgerstr.61, Hermann Raschle, Reinickendorfeistr. 13«, Re staurateur Fröhlich, Manteuffelstr. 86. Restau» ratem Schmaar, Blumenthalstr. 5, C Schulz, Pappel-Allee 127. Freunde und Kollegen fin» hterduich freundlichst eingeladen.[47 I.A.: Der Horstlzende. Max Zander, Maurer. Di««entral-Kranken- n. Kterbekass» der Drechsler und verwandten Berufsgenossen iE H. 48) veranstaiket zum Besten der Kasse am Montag, de« 5. Fall, in Kiie«'« Kolk»- »arten, Hasenhaide 3tt. 1(rie-a-Ti« dem Tum» «lo»), ein Sommerfest, verbunden mit große« Militür Toneert und Belustigungen aller Art. Billet»» 20 Pf. find in sämmtlichm Zahl- illen zu haben. Um rege Belhelltgung bittet 19] DaS Vergnügungtz-Komitee. Ii Seit dem 1. Juli werden bei uns bi» auf Weitere» [1871 Kleiderßoffe viel billiger verkauft. Waschechte Cattnne jetzt Mtr. nur 35 Pf. Waschechte feine PercalS jetzt Mtr. nur 80 u. 40 Pf. Hübsche helle Wollstoffe für Stratzenkleid jetzt Mtr. nur 25 Pf. 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Kterbekasst der Maler und nenn. H«ruf» genossen Deutschland» (ffi. H. 71 Hamburg). Filiale I(Nord), Dienstag, den 6. lull cr, AbmdS 8'/, Uhr, Ackerstraße 144 lVorstadtischeS Kastno). Um zahlreiche» Erscheinen ersucht 36] Der Bevollmächtigte. AutAwMung: «legaut» Herren. und Knaben- Anzüge. sowie Da«enkl»ider, Aegen-Mäntel»c. im Tuch. Geschäft[41 PriNMstr. 53, gegmüber der Turnhalle. Die Expeditwu, Zimmerstr. 44» fordert alle Inserenten von Vereinsuachrichten auf,sämmt- liche Annonce« an die Expe- ditiou zu senden, den Bettag entweder gleich beizufügen oder die Inserate mit dem BereiuS- stempel und der deullicheu Au- gäbe der Adreffe Desjenigen zu versehen, bei dem die Be- ttäge eiuznkasfiren sind. Tricot- TaiM- Fatoit Einzelner kauf zu Fabrikpreisen. Damm« Taillen 0.2,00, Kinder- Blousen v.2,00, Knaben- Anzüge 0.5,00, Kinder. Kleidchen 0.3,00, «rieot-Atoss in all. Farben vorräthig. Beftellunzen nach Maß - Anprobe daselbst. 12. Kt«lliavda«tt»ßtstjt 12. Lonis Lichtenstein. 0. 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