Kr. 154 Dienstag, de« 6.|«H 1886. ni. Jahrg. rrlintcDolblilall Brgsn für die Inlercffrn der Arbeiter. 4 DaS„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgen» außer nach Eonn- und Festtagen. Abonnementsprei» für Berlin frei tn's Hau» vierteljährlich 4 Äark� monatlich 1,3� Marl, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement ».Mark. Einzelne Nummer 6 Pf. vonntagI-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungipreiSlist« für 1386 unter Nr. 769.) Jusertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltete Pelitzeile oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmarkt 10 Bei größeren Aufträgen Hoher Rabatt nach Uedereinkunst. Inserate werden bt» 4. Nachmittag» in der Erpedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von alle« Annoncen» Bureaux. ohne Erhöhung de» Preise», angenommen. Kedaktio«: Kenthstraße Ä.— Grpedition: Zimmerstraße 44. Kriezzgrsahrm. Unsere offiziöse» Blätter habe», wie e» scheinen will, de« Befehl erhalten, lrästtg ia die krieztirompete zu tute«. Vor einiger Zeit behauptete« fie, et sei Frankreich«it seinem demokratische« Kriegsminister, da» de« europäische« Friede» bedrohe, und»u« ist e« wieder Rußland, wel» che» diese Rolle übernommen hat. Daß die rusfische Orient» politik eine stete und gefährliche Bedrohung de« europäische» Frieden» ist, braucht man nicht erst heute einzusehen; da« ist ein« Thatfache, die schon sett mehr al» hundert Zahre« feststeht und welche heute zu verkenne« eine an Dummheit grenzende Kurzfichtigkett erfordert. Man darf bei alledem indessen nicht außer Acht lasse«, daß die Frage der Erneuerung de» Militärsep t e« n a t» in nächste Näh« gerückt ist und daß die Offi- ""«» möglicher Weise jetzt schon an der Arbeit find, um für diesen Staatsakt erforderliche.Stimmung" in de» ziöse» möglicher Weis« jetzt die für diesen Staat Mafien vorzubereiten. Wenn dem deutsche« Philister so recht eindringlich geschildert wird, von welchen Feinden wir in Deutschland ring»um bedroht find, dann geräth er ia eine Art von Panik, die ihn alle» im schlimmste» Lichte er- blicke» läßt. Er steht dann schon die Franzosen über de« Rhein, die Kosaken über die Oder rücke« und drängt seine Vertteter, womöglich«och mehr für die MilitärauSgabe» zu bewillige», al« die Regierung selber verlangt. Ob e» de« Offiziösen gelinge« wird, bei dem Philisterthum ei» Gruseln vor einem rusfisch-franzöfischea Kriege auch diesmal zu errege», scheint un» kaum zweisel» Haft; der Philister glaubt ja da» Unwahrscheinlich« oft lieber, al» da« Wahrscheialiche. Wen« wir sonach dem offiziöse« Geflunker an und für sich wenig Werth beilege», so find wir un» über die Be» dutung der russischen Orientpolitik doch völlig klar, nur daß wir der offiziöse» Weisheit dabei völlig ent» rathe« können. Die vielderufene Orientfrage, die stet« ew Knäuel mit tausend Verwickelung«» bleibt, droht wieder emporzusteigen und von Neuem eine kritische Lage über Europa heraufzubeschwören. Englische Blätter halte» eine« rusfisch-türklsche« Krieg, der ganz Europa i« seine Wirbel hiaeinreiße« kann, für unvermeidlich. Nu», so weit ist e» wohl«och nicht, wen« auch die rusfische« Regie- rungsblätter eine äußerst drohende Sprache gegen die Türkei und gegen Alexander von Bulgarien führe». Aber daß die Situation nicht unbedenklich ist, sei zugegeben, nur ist sie «»eben immer, so lange Rußland der gegenwärtige Spielraum für seine Zntrigue« und Wühlereien verfügbar bleibt. Wir betrachte» e» al« eine« großen und in seine« Wirkungen kaum zu schätzenden Erfolg der rusfische» RaDtrrf» rtrt«.] Iseuilteton. Gwe Mutter. Roman von KZriedrtch«erstäckler. (Fortsetzung.) „Ja. halbe« Gulden.' lachte Peter,..da wäret Ihr diese« Mal schön angekommen— mit halben Gulden wird stch nicht befaßt, aber wie gesagt, wenn'« nicht ist, ist«» nicht,' und dabei fiel er wieder über da» Rind» fleisch her. Herr Walther saß ihnen eine Zeit lang schweigend gegenüber und sein Blick streifte dabei ein paar Mal Zere» mia«. Daß der mit darunter stak, hatte er im Nu weg, und der Man» sah noch dazu au», al» ob er zahle» könne. Er trank sein Bier au». .Kellner, unser« Gläser find leer l' sagte ZeremiaS und Peter« nickte bestätigend mit dem Kopf. Der Riese machte eine halbe Verbeugung gege» den kleine« Mann, al» An« erkennung seine» Verdienste» um da« öffentliche Wohl,«ahm aber da» Gespräch nicht wieder auf und schien die Sache an fich kommen zu lafie«. Peter« aber sagte auch nicht« weiter, «ine höchst übelflüssig« Bemerkung ausgenommen, daß er heute eine» entsetzliche« Durst habe, und trank stark dabei. .Kellaer, unsere Gläser find leer!" rief Zeremta» wieder "ach einer gar nicht etwa so langen Pause. ...Bitte." sagte diese» Mal Herr Walther, schob aber doch dem Kellner sei» geleerte» Gla» hin. Die Stille wurde ihm aber unheimlich— mit Efie» waren fie fertig. Zere» mw» nahm sein« Zigarrentasche heran», zündete sich eine Zrgarre an und offerirte dieselbe dann dem Gegenüberfitzen- den und Peter». Beide Herren akzeptirte». „Donnerwetter." sagt« Peter»,„da» ist wa» Feine»- alle« Respekt I' „Ausgezeichnet," bemerkte Herr Walther, und blie« de« Rauch mtt Kennermiene durch die Nase. Sei« yis-a-vio Diplomatie, daß ei ihr immer wieder gelingt, Bündvisse mtt westliche» Staate« resp. Regierungen zu schließe». Diese Regierungen, sie mögen sonst sein, welche fie wolle«, erscheine« un« immer im Lichte der Uebervortheilte«. Indem Rußland sogenannte Bündnifie schließt, macht e« den übrigen Staate» ein Zusammengehe« gegen de» de» europäischen Frieden bedrohenden Koloß an der Neva unmöglich. Rußlaad verlangt von seinen Ver- kündeten all« nur mögliche« Rücksichten, e» selbst nimmt aber keine solche». Dirse Politik ist sehr einfach, aber ge« wohnlich von Erfolg. Man kann auch unschwer die Beob- achtung machen, daß Rußland» Verbündete ebensoviel Rück« sichtnahme sich auferlegen, al» Rußland selbst fich Rücksicht« lostgkeit gestattet. Wenn nur einmal ei» SiaatSman« erstände, der eine wahrhaft europäische Politik zu treibe» ver- möchte. Seine große Aufgabe müßte darin bestehen, einen große« westliche» Staatenbund zu begründen, der sich nicht gegen da» rusfische Volk, wohl aber gegen de« russischen Mllitäide»poti»mu» und gege» die rusfische Orientpolttik zu richten hätte. Ein solcher Westbund würde die rusfische Orientpolittk sofort lahm legen und die stete Bedrohung de» europäische« Frieden» durch die rusfische Diplomatie wäre ««»geschlossen. Dan» erst könnte Europa aufathme«. Dann wäre e» auch möglich, daß die in einen Westbund vereinigten Staate» untereinander Verträge abschlöffe», die eine nunmehr volktthümliche und weniger kostspielige Wehr» Verfassung zur Grundlage hätte«. Diese Staate» hätten dann nicht nöthig fich durch groß« und kostspielige Heere gegenseitig mit einem wirthschaftlichen Ruin zu bedrohe»; fie hätte» nur gegen de» einen Feind im Osten gewappnet zu sein und da« würde den gegenwärtige» Apparat nicht erfordern. Man wird von Seiten der Herren am grüne» Tisch diesen Gedanke« al» eine Träumerei verlachen; da« wissen wir. Nu», die Herren am grüne« Tisch dürfen fich auch nicht rühmen, für de« europäischen Frieden besonder« viel ge- tha» zu habe«. Mit dem europäischen Friede« wäre« die grünen Tische freilich so ziemlich überflüssig, und welch' ein Unglück, wen» wir keine grünen Tische und keine Diplo- maten mehr hätte«! So etwa» wagt fich ein guter Bürger kaum zu denken._ PolMsche Ueberstcht. Gegen de« Tischler Verndt. den einen der Vermtheilten im Prozesse ChristenseN'Berndt, finden wir jetzt in den ver- schtedenften Zeitungen«eußerungen, welche e» ol» eine au»- gemachte Sache hinstellen, daß Berndt der Polizei Spionen- dienst« geleistet habe. Demgegenüber möchten wir darauf hin- weisen, daß fich nach unseren Informationen Berndt in allen stieg augenscheinlich in seiner Achtung; Strohwisch rauchte nichtswürdige Zigarre». Der klein« Jeremias aber war ei» praktischer Geschäft»- man» und fühlte, daß jetzt die beide» würdigen Leute viel besser mit einander zu Stande kommen würde«, wen» er nicht dabei wäre. Seine Gegenwart störte mehr, al» daß sie half. Er stand auf und sagte:.Ach, lieber Herr Peter», Sie entschuldigen mich wohl; ich habe«och in der Nachbar« schaft etwa» zu thun und hole Sie in einer Viertelstunde wieder ab, berichtet ist Alle»— habe die Ehre'— und dabei drückte er dem Theaterdiener noch eine» Zehnguldenschei« ia die Hand, aber so, daß Herr Walther Zeuge der Bewegung sein mußt«. Dann machte er eine« kleine» Spaziergang, und zwar eine volle Viertelstunde. Al» er aber wieder in die Schenke zurückkehrte, fand er Peter« allein vor, der mit freudestrahlendem Geficht hinter einem frische« Kruge Bier saß. .Nu«?' „Alle» in Ordnung,' lachte dieser,„Sie alter Men, schenkenner Sie— kapital gemacht— auigeßeuguet. Mit Ihnen möchte ich öfter zu thun haben. Donnerwetter, wen» ich da bedenke, wie zäh unser Alter ist I' .Und er wird nicht pfeife»?' sagte Jeremia». .Da» Unmögliche dürfen wir nicht verlange«," er» widerte achselzuckead Peter»,„aber— er läßt fich'rau»- schmeiße«, und damit habe» wir Alle« gewonnen.— Ja, Sie lache«,' fuhr Peter» halb beleidigt fort,„aber glaube» Sie etwa, daß da» eine Kleivigkett ist? Wenn der Stand halte« will, bringe» ihn zwölf Mensche» nicht hinaus, und zu g'vße« Skandal müssen wir vermeiden, sonst mischt fich doch die Polizei hinein. So aber ist Alle« in Ordnung. Pfeife» muß er, da» steht ein Kind ei»; er hat da» Geld dafür genommen, aber er bleibt nahe der Thür stehen, dann fuhrwerke« wir ihn wie der Wind hinaus, und damit ist der ganzen Oppofitton die Spitze abge- brache«.' „Und da» kostet?" „Ein Heidengeld— fünfzehn Gulden; er wollte e« Acbeiteikreisen Berlin» noch de» alten, unerschütterten Ver« trauen» erfteut, daß also die Arbeiter weder dem Zeugniß de» Jhring- Mahlow, noch dem Urtheil de» Girichttvorfitzenden in diesem Fall« zustimmen. Unternehmerpatriotitmu». Die„Republtque frarcaise" druckt mit großem Aufwand von Entrüstung«in geschäftliche» Rundschreiben ad, da» eine deutsche(die Bonner) Fahnen« fabrik an Pariser Fahnenhandlungen gerichtet hat, um den« selben dreifarbige(franzöfische) Fahnen für da» Ratio- nalfest anzubieten. Da« Blatt hat also keine Ahnung davon gehabt, daß seit der Einführung diese» Feste» alljährlich viele Millionen blauweißrother Fahnen und Laternen zum 14. Juli au» Deutschland nach Frankreich ver« schickt woroen find. Da» hindert natürlich nicht, daß die beut« schen Unternehmer fich über dieselben chauvinistischen National« feste der Franzosen ereifern, welche fie mtt ihren Fahnm schmücken. Dt« Gewürzmüller Deutschland« beanspruchen da» Recht, den armen Leuten statt Pfeffer ein Gemisch von Pfeffer und Sand und Staub bieten zu dürfen. Sie haben nämlich an den Reichskanzler«in« Petition gerichtet, dahingehend, daß an Stelle der gegenwärtig von den meisten chemischen Unter- suchungSämtern vereinbarten höchsten Grenze de» zulässigen Aschengehalte» de» gemahlenen schwarzen PfefferS von 6'/, pCt. eine solche von 12 pCt.«ingeführt werde. Die Petenten füh- ren au», daß der Pfrff:r durch Trocknung auf der Erde mtt Erdllümpchen verunreinigt werde, welche nur mit großen Kosten herausgelesen werden könnten, daß der auf dem Transport stch bildend« Pfefferstaud in geradezu untrennbarer Weise oft 10—20 pCt. Sandpartikelchen enthatt« und bei seinem Werthe(von Petenten in der Jahreseinfuhr auf 740000 M. berechnet) doch nicht fortgeworfen werden könne, daß der Pfeffer al» Luxuögenußwittel den minder bemittellm Klaffen gänzlich entzogen würde, wenn nur best e Waare an den Markt ge- lassen»erde.— Für die Armen scheint dm Gewürzmüllern Alle» gut genug. Wirthschastliche Krähwinkeleieu. In dem 1885« Jahresbericht der Handel»- und Gewerbelammer für Mittel« franken wird darauf aufmerksam gemacht, wie allgemach in Bayern der Protektionismus auch anfange, nach Schutz gegen preußische Konkurrenz zu rufen. So siechm # B. bayrische Mehlinteressenten die bayerische Regierung zu bestimmen, der Konkurrenz schlestscher Mehle durch Erhöhung der Etsendahntarife entgegen zu tretm. Die Handelskammer laßt einen Vertreter dieser Bestrebungen in ihrem Bericht direkt zu Wort kommm und dieser äußert fich in folgender Weise: „In Roggmmehl beherrschten Norddeutschland und Sdilefim trotz der guten neuen Ernte fast vollständig den Mar». Gegen Ende de» Jahre» kamen abermal». Frachtermäßigungen und AuSnabmctartfe für Mehlsmdungen au» dm östlichen und nörd« lichm Provinzen Preußen» und Bayern», die welche bayerische Industrie abermal» auf» schwerste schädigtm. Gegen die Un- erttäglichkeit und Ungerechtigkeit solcher systematischen Be« günftigung der preußischen Müllerei und Schädigung, ja Ver- nichtung der bayerischen Müllerei muß fich solche mit allen Mitteln wehren. Die norddeutschen Großmühlen find ohnedie» aber nicht eine» Kreuzer billiger thun. Seine Ehre stände auf dem Spiel." „Gut," lachte Jeremia« vergnügt;„kommt nicht darauf an, und für die Uebrige» stehen Sie?" „Jetzt habe ich keine Sorge weiter," rief Peter«,„nun muß ich aber fort. Donnerwetter, e» ist schon ein Uhr vorbei, und ich kann nur die Beine unter die Arme nehme«!' „Haben Sie»och etwa» getrunken?" „Nur«och vier Gla»— da« geht jetzt mit auf die oße Rechnung— also adieu, Herr Stelzhammer, bei ompeji sehe» wir un» wieder.' Und«it einer eleganten Verbeugung schoß er au« dem Zimmer. „FieSko oder die Verschwörung zu Genua. FieSco, Graf von Lavagna— Herr Rebe" stand mit groß gedruck- te» Buchstaben auf den feuerrothen Zettel», die überall in der Stadt angeklebt warm und die Augm auf sich lenkm mußtm. Zugleich hatte sich aber— wer weiß den« durch wm solche Sachm bekannt«erde»— da» Gerücht verbreitet, Rebe würde heute Abend ausgezischt werden, und wer nicht aus Theilnahme für da» Stück und die Darsteller hineinging, suchte fich ein Billet zu verschassm, um dm Skandal mit anzusehen, so daß schon um vier Uhr an der Kasse sämmtliche Plätze vergriffm warm. In sofern hatte der Direktor also ganz richtig svekulttt. Er bekam ein auSverkausteS Hau», sogar da» Orchester mußte geräumt werde«, und im Uebrige» war er nach keiner Sette hin gebundea; er konnte da» Resultat ruhig mit an« � � Rebe selber erfuhr von allm dm gegen und für ihn «och einmal fleißig durchzugehen. Em paarmal hörte er Schritte auf der Treppe, und et klopfte b-' ihm an. aber er gab keine Antwort; dm« nur dem Thraterdrmer hatte er ei» bestimmte« Anpoche» gelehrt, wie er fich bemerkluh machm sollte, wen» er vielleicht irgend etwa» von der Dr« «Wob zu bestelle« hätte. Aber dieser kam nicht, und alle» Andere« blieb die Thür verschlossen. durch bit billigen Bezüge ihres Rohmaterials unfern Mühlen gegenüber zu sehr begünstigt." Der große Sozialifteuprozeß, der bekanntlich vom Reichsgericht an das Landgericht zu Freiberg in Sachsen zu anderweiter Verhandlung zurückverwiesen worden ist, kommt am 26 I u l i zur Verhandlung. Angellagt find unter anderen die ReichStagSabgeocdneten Auer, Bebel, Dtetz, Frohme und v. Vollmar. Den Prozeß Jhring-Mahlow bemtheilt Rechtsanwalt Munckel in der„Nation" in vielfach zutreffender Weise. Ueber den Jhrtng schreibt er:„Jhring hat sich nicht begnügt, stiller Theilnehmer an sozialistischen Versammlungen und Vereinen zu sein, er hat auch eine hervonagende Rolle spielen wollen, um Vertrauen zu erwecken. Die Anwendung einer erst lünst. lich zur Anschauung zu bringenden vchrist(mittelst Blut. laugensalz) und iner Geheimschrift— die allerdings schon einmal vor Jahren in der„Börscnzeitung" veröffentlicht ge» wesen ist— Dinge, welche er geständlich anderm Vereins» mitgliedem gezeigt hat, laffen diese Adficht deutlich erkennen. Sie enthalten auch schon die Andeutung einer provozirenden Thätigkeit— ein Vorwurf, über welchen Jhrwg eben jetzt fich beklagt— weil kaum anzunehmen ist, daß Jhring an eine Anwendung der von ihm gelehrten Geheimtunst in harmloserem, rein gesetzlichem Sinne geglaubt haben kann....... Wenn Jhring Geheimschriften lehrte in der VorauSficht, daß fie, wenn überhaupt, so zur Umgehung der Gesetze angewandt werden würden, so ist eS nur eine Steigerung seiner dadurch bewiesenen Neigung, wenn er auch Anleiiungen zur Verletzung der Gesetze gegeben haben sollte- Ader die M ö g l i ch l e i t ist noch nicht die Wahrheit. Die unmittelbare Anreizung zum Verbrechen, und gar etwa durch eigenes Beispiel, ist weit ärger und verwerflicher, als die Spielerei mit Heimlichkeiten, die nur möglicherweise zur Ge» setzeSverletzung führen. Die Anreizung, das Auftreten alt söge» nannter Agent provocateur ist von Seiten deS Herrn Ministers autdrückltch gemißbill'at; würde übrigens an öffentlicher Stelle immer aemtßbillrgt werden müffen, selbst wo fie im Stillen etwa Billigung fände. Der Agent provocateur weiß und muß wissen, daß ihm im Falle einer Ertappung Schutz nicht zu Theil werden kann. Deshalb ist eS ein lebhaftes Interesse, einen dahin gehenden ihm ge- machten Vorwurf abzulehnen. Er steht al» Zeuge, über ein derartiges Verfahren befragt, genau auf der Stelle eines Menschen, der über ein von ihm selbst begangenes Verbrechen zeugeneidlich Auskunft geben soll, und— wenn er eS began» gen— keine andere Wahl hat, als zu gestehen oder einen Meineid zu begehen. Daß ein unter solchen Umständen adge. gebeneS Zeugniß geringeren Werth hat, als ein freies Zeugniß. erkennt da» Strafgesetz selbst an, indem eS den unter solchen Umständen geschworenen Meineid milder bestraft; und man muß die felsenfeste Ueberzeugung deS Herrn Ministers de» Innern zu dem fittlichen Werthe sämmrlicher ihm unterstellten Beamten thellen, wenn man durch solche» Zeugniß den dem Zeugen gemachtm Vorwurf eigener verwerflicher Handlungen für endailttg beseitigt erachten will." Den Aeuße» rungen Munckel'» über dm Eindruck der geheimen Verband» lungen wegen der Anschuldigung gegen Jhring in Betreff der Majestätsbeleidigungen entnehmen wir noch dak Folgende: Ueber die beiden anderwett dem Jhring schuld« gegedenm veleidigungm find je zwei Zeugm vecnom» men worden. Die Aussagen der Zeugen stimmen voll» ständig mit einander überein. Je zwei Zeugen bekunden den einen, je zwei dm anderen Vorfall. Ihre Aussage entbehrt de» innetn Zusammenhanges nicht. DaS ergangene Erkenntniß selbst bezeichnet fie als gut erfunden. Jhring selbst hat der gröberm der beiden Beleidigungen gegenüber nicht etwa den Standpunkt der reinen Verneinung eingenommen, sondem den, daß nicht er, sondern ein anderer, der über diesen Punkt nicht g-hörte Zeuge Tabert, die beleidigende Aeußerung gemacht habe. Er machte diese Erwiderung, indem er in anscheinend beadstchtigt wirkungsvoller Weise auf dm Tabert losging. Erst auf Beftagen der Vertheidigung, od er denn die Majeftättbeleidiguna des Tabert zur Anzeige gebracht habe, berichtigte er seine Aussage dahin, daß da» eigentlich deleidi gende Wort von Tabert nicht geäußert, sondern überhaupt nicht gefallen sei. Seine Aussage machte auf die Zuhörer— nicht auf die Richter— den Eindruck de» Gegenthetl» der Wahrheit. Man wird bei allem Mißtrauen, welche? man dm sozialistischen Aussagen entgegen» bringen mag, auf Grund der Zeugenaussagen den Eindruck nicht vermeiden können, daß etwa» Wahre» dm Aussagen zu Grunde liegen muß. Jhring aber leugnet alle». Gerade deswegen spricht die Wahrscheinlich» keit gegen ihn- Herr Munckel schließt damit, ihm scheine die erhobene Beschuldigung begründet,„daß Jhring bei seiner unter dem falschen Namen Mahlow geführtm Ueberwachung sichnicht auf die Rolle deS Beobachter» de» schränkt, sondern zu Dynamitthaten und Ma« jestätSbeleidtgungen anzureizen versucht hat. Demgegenüber kommt eS auf ein Mehr oder Minder in den anreizenden Handlungen sehr wenig an." So kam die Theaterzeit heran, und schon eine Stund« vor Oeffnung der Kasse drängte sich da» Publikum der Gallerte und de» Steh Parterre» vor de» verschiedene» Thüre» de» Eingang», mit Ungeduld die Erschließung der« selbe» erwartend, und kaum geöffnet, füllte» sich die Räume. Die haute voUe kam später, aber fie kam, de»» Viel« hatte« an jmem erste» Abend dem so plötzliche» Auftrete» Rebe'» nicht beiwohne« könne«, und ma» war überhaupt neugierig geworden, wie fich ei» junger Künstler, de»»m» bi« jetzt gewohnt gewesen al» Statisten zu betrachten, ent« Wickel» würde. Außerdem sollte er ja auch de« vielbcsproche- «,» Handor Platz einnehme». Wirkliche« Jntereffe für ih» fühlte«»ur Wenige. Was kümmerte sie der Schauspieler, fie wollten fich amüfire«, und wen« e» im Theater ei« we»ig Skandal gab, desto bester; welchm trefflichen Unter« Haltungsstoff hatte ma« da»« wieder auf morgen I Daß die Existenz eine» junge» Talent» auf dem Spiel stand— wer dachte dara«, oder sorgte fich desHalbs Wie die Vorstellung aber heranrückte, wurde dem Di« rektor doch nicht wohl bei der Sache, dm» durch seine Kundschafter hatte er schon lange erfahrm, wa« für dm Abmd beabsichtigt, und wer dabei betheiligt war. Und wo stak Peter»? Ob er de» Mensche» wohl habhast werde» konnte, der wie ei» losgelaffener Zrrwirsch in der Stadt umherfchoß l Aber wa» konnte ihm Peter» auch Helfe»? Wa» will aescheh'«, e» mag gescheh'n l deklamirte er mit Pathos vor fich hin und ging da«» in'» Theater und auf die Bühne, um zu sehe«, ob dort wenigsten» Alle» t» Ordnung und keine Störung zu be« fürchte» wäre. Dm Schauspieler« selber hatte die Stimmung im Publikum aber auch nicht verborgen bleibe« könne», und fie wußtm au« eigmer Erfahrung, welch böse» Zeiche» e# ist, wen« schon im Borau» bei einem Stück Skandal ange» kündigt wird. E» giebt immer eine Masse nutzlose« Volk, da« mehr Freude vara«, al« a» einer guten Aufführung findet, und zuletzt de» Skandal, wen» er wirklich nicht au»» brechen sollt«, provozirt. Sie Alle wußten aber»icht, wie de» Dostors Stroh- „Sozialistischer Hetzbold", so wird von der gouverne- mmtalm„Badischm Landeszeituna" der ReichttaftSadgeordnete E i n a e r genannt, und die„Nordd. Allg. Zeitung" druckt diese Titulalu' mit Behagm nach. Alle Nattonalltberale« im Königreich Sachsen waren zu einer großen General Bei sammlung nach Meerane demfen. Es Hatten st cd aber zu dieser General- Versammlung, wie da» ,,Le>pj. Tagebi." mit Bedauern berichtet, noch nicht 70 Per- fonm eingefundm, obwohl der nationalliberale Verein für da« Königreich Sachsm 700 Mitglieder zähle. Trotzdem wird diese Partei nicht müde, von ihrem Aufschwünge zu retm. Während die Reichsschuld tu Deutschlaud in jedem Jahre wächst, vn mindert fich die Staatsschuld tn den heim Vereinigten Staaten von Amerika. Im Monat Junt hat dort dieselbe um 9 060 000 Dollars, also über 36 Millionen Mark abgenommen. Im Staatsschätze befanden fich am 30. Juni ca. zwei Milliarden Mark! Der RetchttagSabgeordnete Viereck sprach am 1. Juli in Groitz(Sachsm) in öffmtltcher Volksversammlung über so» ziale Fragen und soziale Reformen. Al» Herr Viereck im 2. Thcile seine» Vortrag« von seinem Thema abwich, ersuchte ihn der überwachende Polizeibeamle, Bürgermeister Protze, strmg bei der Sache zu bleiben. Der Vorfitzende der Ver- sammlung sprach Herm Protze da« Recht dazu ab und ver» langte, daß dieser fich an ihn. den Borfitzenden, wenden solle. ES ertolgte daraufhin die Auflösung der Versammlung. Wegen verdeeituug sozialistischer Flugblätter in polnischer Sprache wurde Schvfferaeselle Liczbinstt in Posen zu 9 Monaten Gefängniß veruttheill. Oesterreich-Uugarn. Eine treffende Illustration zu der spstematischen Zurück» setzung, welche daS Deutschthum in Oesterreich erfährt, liefert die Prager M ldung von dem Verbot der für den 4. Juli vom Deutschm Handwerkerverein in Prag beabfichttgten feierlichm Enthüllung de« Kaiser Josef-Denk« mal». Diese polizeiliche Verfügung ist um so seltsamer, al« die Feier im Sattm de» Verein» stattfinden sollte, demnach in keinem öffentlichen Lokale und an einer Stätte, zu welcher die Czechen keinen Zutritt haben und somit auch keiner Provokation ausgesetzt find. Der Handwerkerverein hat Berufung an die Statthalterei eingelegt. Selbst da» offiziöse Wiener„Frem- denblatt" ist unzufrieden mit dieser Maßregel und hält e» für „in hohem Maße bedmllich,«mn sogenannte öffentliche oder politische Rückfichten auch auf Vorgänge in dm Versammlung»« plätzen geschlossener Vereine, demnach in privatm Versamm- lungilokalen in Anwendung kommen sollten. Da Anhänger einer anderen Nationalität zu einer solchen Feier nicht geladen werden, an derselben auch nicht theilnehmen, die daselbst ae» battenm Reden gar nicht anhören können— so könnte die Provokation nur in dem Bestand« de» deutschen Handwerker« vereine« selbst liegm und in seiner freien VereinSthätigkeit. DaS ist aber Hn Standpunkt, dm eine Regierunaidehörve einzunehmen bemfen zu sein scheint." Die Prager„vohemia" wurde wegen einer vesprechuna de« Verbote» der Feier konfiszirt. Nach einer Wiener Meldung de«„Berl. Tagebl." hat die Statthalterei dießBerufung de» Deutschm Handwerker. vereirS abgelehnt.„ Der Wiener Gemeinderath inszenitte am 2. Juli eine Demonstration gegen dm demokratischen Gemeinderath Pfister, auf dessm Denunziation ein Büraer wegen MajestätSbeleidi» gung verunheitt wurde. Al« Pfiffer heute in der Sitzung er» schien, verließen 72 Gemeinderärhe dm Saal, woraus der Bür« germeifter die Sitzung wegen Beschlußunfähigkett schloß. R« tz l a � d. Den„Mosk. Wed." find vom Ural au» Mittheilungen zugegangen, nach denen dort eine wahre Nothlaae de« Volk« droht. Die Eismhüttm stellm ihre Thätigkett ent» weder ganz ein oder schränken fie wenigstm« sehr ein.„Da« Hereinbrechen eine« Volks. NothstandeS erscheint unvermeivlich, wenn da« Eismgeschäst auf dem devorstehenden Jahrmartt in Ntshny.NowgoroV schlecht geht; und unter den gegebenen Um» ständen muß e» ja wett schlechter gehen, alS auf dem letzten Jahrmartt, wo die Fabrikdefitzer großattige Eismvorräthe un« verkauft nachbehielten. In Folge dessen wurde die Produttion im vorigm Jahre eingeschränkt und eine Menge Arbeiter blieben ohne jegliche Existenzmittel. Die ausländische Konkurrenz drückt nämlich die Eisenpreise derartig herab, daß unsere Fabrikbestver nicht einmal ihre»ulgaben bezahlt machen können." Da» Satkow'sche Blatt schlägt daher eine abermalige Zollerhöhung auf ausländische» Elsen,„um weniasten» 25 pCi." vor, wie solche» auf dem Kongreß der Elsentnvustriellen hervorgehoben wurde und schreibt au» diesem Anlaß:„Da« Gesuch der Eisenindustlicllm wurde offenbar von der Finanzverwallung berücksichtigt und der Frage von der Zollerhöhung tn dem an- geführtm Maßstab; sollte Fmtgang gegedm werden; aber, wie e» heißt, in Folge d'.ingmdm Verlangen« von Seitm Deutsch. land«, wurde die Vorlage dieser Maßregel bis zur nächsten Session(de« ReichZiathS) hinauSgeschovm, während e« doch dringend geboten war, unserer Montanindustrie Hilfe zu dcingin noch vor dem bevorstehenden Jahrmarkt tn Nishny-Nowgorod. wisch boshafter Artikel durch de« Aufsatz über die Monford'sche Familie völlig paralpfirt worden. Der bessere Theil de« Publikum«, und, Gott sei Dank, bei jedem Publikum die Mehrzahl, war entschiede« enttüstet darüber, und dadurch auch fest«ntschloffen, seinen Beifall nicht zurück- zuhalten, wen« ih» der Schauspieler wirklich verdiene« sollte. Wa« fich dann im Patterre vorbereitete, mußte ma» eben abmatten. Um sech« Uhr sollte die Vorstellung beginne». Etwa eine halbe Stund« vorher betrat Zeremia», ziemlich erschöpft von dem heutige» ereignißvolle» Tag, Graf Rottack'« Woh, »ung und wurde von dem Diener, der ih» rasch wieder, erkannte, sogleich gemeldtt. Graf Rottack war allein im Zimmer, al« Zeremia« in einer Transpiration, die»icht« zu wünsche» übttg ließ, da»« selbe bettat. .Nu«, Zeremia«, wie geht'»?' redete ihn der junge Graf fteundlrch an.„Sie habe« fich lange»icht bei»»« sehe« lasse». Wa» tteibe» Sie?' .Wa« ich in«einem Leben»icht geglaubt hätte, Herr Graf," sagte de, kleine Mann, fich de« ganze« Kopf abttockaend;„ich werbe Leute an, um im Theater»u applaudirm.' „Wollen Sie selber auftreten?" lachte Felix. „Dann stelle ich Zhnen«eine Hände ebenfall« zur Ver« fügung." .Danke Zhnen,' nickte Zeremia»,.ich nehme fie an. wen« auch nicht für mich selber. Aber ich bin Zhnen»och die Erzählung von meinem veul-chen Adenteuer schuldig, und wen« Sie eine» Augenblick Zeit hätte», den» lange kann ich selber«icht.. „Setzen Sie fich, Zeremia«— für Sie immer.' Zeremia« ließ fich»icht lange»öthigen und erzähltt jetzt dem junge» Grafen mit kurze» Worte» zwar, aber immer dabei nur da« Hauptsächlichst« hervorhebend, seine eigene kleine Familienangelegenheit. zu welcher der Schau« spieler Rebe und dessen neulicher Erfolg in engster Bezie« hung stand; dann die Bosheit jene« Literaten und sein neu« liche« Begegne««U demselben, und jetzt dessen rachsüchtige Die Klagen vom Ural her sollen, wie verlautet, die Aufmerk« samkeit der RegierungSlreise aus fich gelenkt haben und ma» deabfichtige angeblich, in Anbetracht deS Jahrmarkts den Zoll durch daS Minister komitee erhöhen zu laffen urd zwar al« zell« weilige Maßregel, bi« die Frage auf der nächsten Sesston deS Reichsrath« auf legislativem Wege eingehend eröttert wird." Hierzu bemerkt die„Nowoje Wremja", daß diese letztere Mel« dung, soviel ihr bekannt, ganz unbegründet sei. Außerdem aber verlangt da« Moskauer Blatt noch eine Erhöhung de« Kredits auf Eisen. Schwede» und Norwegen. In der Stadt Oerebro ist in diesen Tagen ein großer Ardeiterkongreß abgehalten worden, der verschiedene. auch für wettere Kreise nicht unintcreffante Beschlüsse gefaßt hat. An erster Stelle plädirte derselbe für die vollständige Religionsfreiheit und verlangte wetter die Verlegung der Wahlen auf Sonn« und Festtage, defferen Schulunterricht, Trennung der Schule von der Kirche, Beseitiaung der in« direkten, die Lebensbedürfnisse oerl Heuemden Steuern und Einführung diretter, piogresstver Einkommen- und ErdschastS« steuern, zehnstündige Arbeitszeit, allgemeine Unfall und Alters« verficherung mit staatlicher Beihilfe und besondere Verantwortlichkeit für den Arbeitgeber. Die Versammlung beschloß mit Bezug auf die Wahlftaae in Stockholm eine Zmtralleiturg zu errichten, von der Reiseapostel in die Provinzen gesandt werden sollen, um Mafienpetitionen zu erwirken. Die Peti« tionSlisten sollen eventuell dem nächsten Reichstage»orgelegt weiden. G r o tz b r i t a«» i e«. England» Staatseinkünfte in dem am 30. Juni verflossenen ersten Quartale de» laufenden Finanzjahres de« zisserten ssch auf Lstr. 20 183 737 und überschritten diejenigen de» entsprechenden Quartals dei Vorjahre» um Lstr. 49 011. Wai die einzelnen Einn-Hmequellen betrifft, so lieferte die Ge« däudesteuer, oerglichen mit dem gleichen Zeitraum 1885, einen Mehrertrag von Lstr. 30000; die Einkommen und Verwögenk- steuer brachte Lstr. 620000; die Post Lstr. 100000 uns die Zinsen für Darlehen Lstr. 42 395 mehr al» im entsp'echenden Quartal de» Vorjahres. Dagegen blieben die Zölle um Lstr. 477 000, die Getränkeüeuer um Lstr. 130 000, die Stempel« gebühren um Lstr. 55 000, die Bodcnsteuer um Lstt. 10000, der Telegraph um Lttr. 20000 und verschiedene andere Ein« künfte um Lstr. 51 384 hinter dem Etträgniß de» entsprechenden Quartals von 1885 zurück. Belgien. Ein Manifest deS„Generalratb«i derArbette r", welche» in den sozialistischen Organen„Peuple" und„Vooruit" veröffentlicht wird, erklärt, daß alle Arbeiter am 15. August nach Brüffel kommen müffen. FallS aber die Behörden die geplante Manifestation wie die für den 13. Juni beadfichtigte untersagen, so wäre ein allgemeiner Streik im Land« zu organistren. Da» Manifest schließt mit den Motten:„Wir wollen und müffen daS allgemeine Stimmrecht erhalten." Kranrreich. Die klerikalen Blätter geben fich große Mühe, den äugen« blicklich gegen den Fadrikdtrektor Fischer(Chateau« villain) und dessen Mitangeklagte verhandelten Prozeß in» Lächerliche zu ziehen. ES bandelt fich bekanntlich um den offenen Widerstand, den der Fadrildirektor Fischer mit seinen Ardeiterinnen dem Unterpräfetten und seinen Gendarmen ent« aegensetzte, die gekommen waren, um eine in der Fabrik de« findliche Kapelle zu schließen. Fischer schoß auf die Gendarmen, die Ardeilirinnen— 300 an der Zahl— fielen mit Knüppeln und Stangen über die Gendarmen her, worauf auch diese Feuer gaben, eine Arbeltettn tödteten und fünf verwundeten. «u» den Verhandlungen ergiebt fich nun, daß die mitangettag- ten OrtSaeistlichen und die Nonnen Fischer und die Arbeiterinnen aufgehetzt hatten, und daß die Gendarmcn tbatsächlich nm in der Seldstoerthiidigung ge» schoffen haben. Der„Figaro" findet eS luftig, daß man ein Dutzend junge Müschen auf die Anklagebank setzt, und ver« spottet die Regierung ob dieser Weiderverfolaung. Die Sache wird aber nach der„Köln. Ztg." doch bedenklich, wenn man steht, in welcher Weise diese Arbellettnnen von der Geistlichkeit aufgehetzt worden find. Nach den Zeugenau« sagen hat der Pfarrer fie ermahnt,„MS auf« äußerste ouljupalten" und „recht laut zu brüllen". Die Schwester Josephine hat ihnen gesagt, die Polizei dürfe nicht gegen Frauen einschreiten, und diej-nigen, die fich beim Widerstand am meisten auszeichneten. würden in den Zeitungen genannt werden! Vor Ankunft der G-ttchtilommilston wmden die Arbeiterinnen von der vchwcster Su.arnu militärisch in Reih und Glied aufgestellt und mtt Stangen bewaffnet, und die Schwester Josephine sprach ihr Klettkalen als einen angenehmen Scher, und verübeln e« der Regierung im höchsten Grade, daß fie dazu nicht I, und Amen lagen will. £> MtssSnTlf* W g-za>»esteu Beziehung dazu, seufzte tief auf. „Wre wunderbar da« in der Welt ist,' sagte er..daß Eine« Glück de« Andern Elend bngt I Während durch jene« Menschen Flucht Zhr junger Freund Lorbeern erntet und sich eine Existenz erringt, geht auf der anderen Seite darüber er» alte« edle« Hau« zu Trümmern." W 1% M 5-" »Auf mich?' erste« Rang"� Wo* ei» Billet besorgt für de- _ 1 lachte Felix.„Aber, bester Zeremia», wttl» rch da« Theater besuchen wollte, würde ich mir doch da« selber besorgen." .ab» kein« mehr,' ttef Zeremia«,.da« ist j« gerade die Geschrchte.»icht um eine Million; Al/e« aukver« kaust b,« r» die Puppen hinauf." „vo voll wird*? «Na, da kommen Sie schön an; die eine Hälfte vo- Haßburg fitzt drinn und die ander« steht vor der Thür/ .«3» der That? Und hat Zhr Rebe wirklich brav g* sptelt?" nx"icht allein, er ist auch ei» ehrlicher. a°' ständiger Kerl, der fich auf so gemein« Kniffe nicht tinlaß', und da..." „Haben Sie ihm da« besorgt,' lächeltt Felix. Gegenüber dem Pariser Stadidahn- Unter« nehmen nimmt der dortige Stadtrath eine ablehnende Hal- tung ein. Nngefichti deffen einigten fich. wie die„Voss. Ztg." cul Pari? meldet, die Arbeiter« und Ünternehmer-Eynditate zu einem Mafien-Bittgesuche, welches grofie öffentliche Arbeiten für unerläßlich erklärt, wenn die seit vier Jahren bestehende Krise die Arbesterdevölkerung nicht zu verzweifelten Hand- lunaen treiben sollen. Oer Stadtrath beschloß:„Alle Bau« stoffe müffen französtsch, von den zu beschästigenden Arbeitern darf höchstens ein Zehntel Ausländer sein; in den V er- waltungirath wählen die Arbeiter drei Ver« t r e t e r; ihre PenstonStaffr verwalten fie selbst; wenn daS Attienkapllal über sechs Prozent trägt, so gehört ein Zehntel deS UeberschusseS den Ardeitern; billige Arbeits- züge werdm eingerichtet. Italien« Pom 1. bis 2. Mittag find an der C h o l e r a in Codi» goro 5 Personen erkrankt und 1 Person gestorben, in Venedig 2 Personen erkrankt und 2 gestorben, in Brindist 18 Personen erkrankt und 9 gestorben, in Latiano 105 Personen erkrankt und 32 gestorben, in Lria 3 Personen erkrankt und 3 gestorben, in Frar caoilla 44 Personen erkrankt und 18 gestorben, in Sin Vito 26 Personen ertrankt und 7 gestorben: vom 2. bit 3. Mittag find in Venedig 2 Personen erkrankt und 1 Person gestorben, in Brindist 11 Personen erkrankt und 5 gestorben, in Lattano 79 Personen erkrantt und 23 gestorben, in Oria 14 Personen erkrankt und 2 gestorben, in Francavilla 76 Per« fönen erkrankt und 23 gestorben, in San Dito 16 Personen erkrankt und 8 gestorben. Depretii mottvirte gegenüber Costa'S Interpellation über die Sozialistenveryaftungen in Mailand das Vorgehen der Regierung durch die StaatSgefährlichkeit der Ardeiterpropaganda und erklärt, die Regierung werde weiter so handeln. Balka»lä»der. Nach amtlichen Angaben hat Serbien im letzten Kriege nachfolgende Verluste gebabt: Gefallen find 14 Osfiztere, 63 Unteroffiziere und 669 Soldaten; verwundet wurden 97 Offiziere. 418 Unteroffiziere und 4055 Soldaten. Der Gesammtverlust betrug 6957 Mann. Gegen Verpfändung deS SchulfondS in der Höhe von zwölf Millionen Dinars wurde in Serbien eine Staats- sparkaffe angelegt, um ein Anleihen von acht Millionen aufzu« nehmen. ES erhebt sich dagegen eine starke Oppofilion inner» halb der Fortschrittspartei selbst. „Der'Marschall NuSret Pascha, von welchem kürzlich eine rusfische Zeitung behauptet hatte, daß derselbe bei Gelegenheit eineS Hoffestei in Teheran für die Vereinigung s ä m m t- licher islamitischer Staaten behufs Bekämpfung der christlichm Einflüsse gesprochen habe, erhielt bei seiner Ankunft in TifliS den Befehl, sich sofort nach Erzerum zu begebenkund dort das Weitere abzuwarten. Man ist in Konstantinopel der Anficht, daß der alle Herr in der Verbannung bleiben wird. Hiermit würde wieder eine der europäerfeindlichen Persönlich« kellen au» der Umgebung de» Sultan» ausgeschieden. Ein Sohn NuSret Pascha'» steht beiläufig alS Lieutenant bei einem der preußischen Garderegimenter. » c m Amerika. Jo Hann Most scheint im ArbeitShause sehr schlecht de» Handell zu werden. Dasselbe befindet stch in dem zwischen Manhattan und Long Island im Säst River gelegenen Black- wellS Island. In dem Arbeitshaus auf dieser schönen Insel find zur Zeit 1157 Gefangene der verschiedensten Vergehen und Verbrechen wegen untergebracht. Weiberprügler und Diebe, Trunkenbolde und Einbrecher arbeiten da neben dem Anarchisten Most für die Stadt New Uork. Man findet da Leute, die nur zehn Tage, und solche, die fünf, sechs Jahre abzufitzen oder vielmehr adzu- arbeiten haben. Ein Theil der Gefangenen wird in einem Steinbruch beschäftigt, andere müssen in der Schmiede, wieder andere in der Stellmacherwerkstatt und der Rest in der Schuh- fabril arbellen. In der Anstatt find nur 800 Zellen voihan« den, weShalb in vielen Zellen zwei Befangen« untergebracht find, obgleich so eine Zelle nur 7 Fuß tief und 3�Fußbreit ist. Alle Gefangenen stehen da einander gleich. Sie tragen braun« und weißgefireiste Anzüge, haben Morgen» um 6 Uhr aufzustehen, um 6'/« Uhr ihr au» Brot und Kaffee bestehendes Frühstück einzunehmen und um 7 Uhr an die Arbeit zu gehen. Mittag» giedt's Suppe und Fleisch, AbendS jedoch wieder nur Kaffee und Brot. In der Anstalt herrscht eiserne Disziplin. Die Gefangenen dürfen unter fich kein Wort wechseln. Monattich ein Mal ist e» ihnen gestattet, einen vriefzu schreiben und den Besuch Verwandter zu em« prangen. Most ist in der Schmiede beschäftigt, wo er bald Oel in die Bohrlöcher zu gießen, bald ein Rad zu drehen hat. Most macht, seines Vollbarte» und seine» Haupthaares beraubt, mit dem entsetzlich entstellten Gesicht einen geradezu schreck lichen Eindruck. Seine Aufführung in der Anstalt wird aber als eine geradezu musterhafte bezeichnet, er hat noch nicht den geringsten Verstoß gegen die Hausordnung begangen. ,» ist beinahe so'was- aber thu« Sie mir de« Te» falle» und gehen Sie,'« ist wahrhaftig ei» gute» Werk!" „Und ich soll auch applaudire»?" ,Wa» Sie könne«: ziehen Sie nur keine Tlacöhand« schuh- cm, e» flappt besser." „Da» ist nicht Übel," lachte Roitack gerade au»; .da werbe» Sie mich also mit einem Freibillet zum Klaquiur?", r „Nennen Sie'», wie Sie wollen, aber haue« Sie nur tüchtig ein," rief der kleine unverwüstliche Bursche;„ich wirk« unten." �,„ Traf Rottack schüttelte de« Kopf.„Tut, ZeremiaS," sagte er endlich,.ich will gehen." „Bravo! Der erste Rang ist die Hauptsache." „Aber ich habe eine Bedingung zu stellen." .Stelle» Sie." .Sie find mtt vielen Leute« de» Theater» bekannt." Zeremras nickte. «Schön, so bitte ich Sie, genaue Nachforschungen zu halten, ob jener Handor nicht wieder irgendwo aufgetaucht und wo er dann zu finde» ist." .Der ist Zh«e» wohl auch noch schuldig?" rief Zeremia»..Ja, der hat Gott und dt« Welt an« gepumpt.'._ „Da» nicht," lächelte Graf Rottack:„aber mir liegt sehr viel daran, seinen jetzige« Aufenthaltsort zu erfahren, und ich»ürde Ihne« unendlich dankbar sein, wenn Sie mir Autkunft darüber brächten." „Ja, was an mir liegt, mein lieber Herr Graf, da könne» Sie fich fest darauf verlassen. Ich habe freilich »och nicht viel Bekannte, aber Pfesser kennt die ganze Theaterwelt von A bis Z, und wa» der Ein« da nicht weiß, weiß der Andere. Irgendwo muß er ja doch wieder zum Vorschew kommen." „Also verlasse ich mich auf Sie." „Da» können Sie, und wenn— Hurrjeh, da schlägt'« Sech»— mache« Sie, daß Sie hinüber komme«!" Und wie der Blitz war er zur Thür hinaus. Er hatte fich auch in der That nicht verhört; die «chloßuhr schlug gerade«och, als er vor die Thür E h t k a g o, 30. Juni. Heute fahren Güterzüge auf der Lake Shore-Eisenbahn, all; jedoch mit polizellicher Bedeckung. Bei der Abfahrt de» Zuge« lärmten und schrien die Stretker und warfen ganze Salven von Steinen. Die Streiker erklären, daß st« enschlossen find zu einem langen und hartnäckigen Kampfe._. Philadelphia, 30. Juni. Die hauptsächlilbfien Walz« werke in htefiger Stadt find heute geschloffen, da 1500 A r« beiter ihre Thä tigkeit eingestellt haben und eine Lohnerhöhung beanspruchen. Gerichts-Zeiwng. Da» Erkeuvtniß im Münchener Lozialtste««Pro»tH. in. WaS nun die regelmäßigen Zusammenkünfte der Genoffen anlangt, so fanden solch« statt in den Wirthschaften deS Georg Birk und deS Kart Blchteler. Es kann wohl keinem Zmcife» unterliegen, daß da» Vorgeben, e» fänden fich an bestimmten Wochentagen in diesen Wirthschaften jeweils ein Fachverein, oder der Ausschuß eine» FachveretnS, z. B. der Metallarbeiter, der Schneider und dergleichen zusammen, nur den Versuch bildet, die Zusammenkünfte stet» derselben Genossen al» un« verdächtig erscheinen zu lassen. Hierfür spricht die von meh- reren Zeugen, so Badette Ecker, Maria Walburga, Gsöttner Karl Bichieler und G. Lutz, bestätigte Gepflozenyell der Ge» nassen, ihre Unterhattung immer leise und mit gedämpfter Stimme zu führen, so daß nur die an dem betreffenden be» sonderen Tisch fitzenden Personen, nicht aber uneingeweihte Fremde von dem gefühlten Gespräche etwa» hören tonnten, namentlich die Zeugin Babette Ecker hat hervorgehoben, daß die Leute immer sehr geheimntßvoll thatm und so leise zusam« men sprachen, daß selbst fie als diese Leute bedienende Kellnerin nie verstehen konnte» waS fie sprachen. Eine harmlose Fach« vereinSversammlung würde fich«inen in solcher Unterhaltung liegenden Zwang schwerlich auferlegen. Bei solchem Ver« fahren blieb aber auch den Zusammenkünften, obwohl fie in öffentlichen Lokalen stattfanden, immer noch der Charakter von geheimen Zusammenkünften gewahrt, da fie unter falschem Namen, sogenannter fremder Firma und derart stattfanden, daß die vesprechungSgegenfiände für dritte Personen Geheimniß bleiben— ein Verfahren, welche» voll« kommen geeignet war, daS Auffallende von Zusammenkünsten in Separatlokalen oder an geheimen abgelegenen Orten zu ver- meiden. Eine derartige Zusammenkunst hat nach Angabe der Zeugen G- Lutz und Rudolph Bauer am dritten Pfingstfeier« tag 1885 bei dem Wirthe Birk stattgefunden und gewann Ru- dolph Bauer von dieser Zusammenkunft den Eindruck, al» ob sein und deS G. Lutz Erscheinen den Versammetten unange- nehm gewesen sein, wenn er auch nicht wie G. Lutz beim Ein- tritt in dai Gastzimmer den Ruf:„Ruhig!" gehört hat. ES ist noch auS den Angaben der Zeugin Elise Emmen hervorzu« beben, daß nach ihrem Wissen der Klub, dem der Angeklagte Urhan angehört, fich bei dem Wirthe Bichieler zu versammeln pflegte. Da» Stattfinden einer Klub< Versammlung in der Pschorrschen Wirthschaft bekundet auch noch der Zeuge G.Lutz. Eine Klubversammlung hat ferner Elise Emmen noch belauscht, welche im Getergarten abgehalten wurde; fie hat hierbei beob« achtet, daß die Angeklagt« Gaigel- Urban»mschretbunarn machte, Gelder einsammelte und schließlich den Tag und Ort der nächsten Versammlung bestimmte, und erzählte auch Ba« bette Gaigel- Urban in einem ihrer Briefe davon, daß Elise Emmen die Klubfitzung belauscht habe, daß ste au» Eifersucht mll Anzeige drohte. waS lächerlich sei, da ste allein nicht» machen könne und Eifersucht der Anzeige zu Grunde liege. ES wurden aber auch größere Versammlungen der Ge- Nossen beobachtet- Ein« solche fand statt am 2. August 1885 im Hirschpark bei Nywphendurg, an derselben nahmen etwa 30 bis 40 Personen Theil, welche stch nach und nach in der dortigen Wirthschaft zusammen fanden. Dieselben saßen etwa» absell» von den übrigen Gästen. ES wurden von einigen Theilnehmern Reden gehalten, dann wurden kleine Zettel— offenbar Wahlzettel für eine Ver.inSwahl— vertheilt und ein Theilnebmer— Urban— machte Aufschreibungen. Während dieser Verhandlungen stand einer der Theilnehmer an dem nahen EingangSthor, ging auch hin und her. unzweideutig al« Warner für den Fall de» HerankommenS polizeilicher Organe. Nach einiger Zell löste fich die Versammlung auf und er- schienen erst Frauen und Kinder der Theilnehmer. All' die» ergiebt fich au» den AuSsagm der Z.ugen Han» Kalb, Anton Deboi und Maria Hoffmann und wird der Angeklagte Löben« berg von beiden ersteren Zeugen, der Angeklagte Urban vom Zeugen Deboi bestimmt alS Theilnehmer wieder erkannt. Endlich ist noch eine g:ößert Versammlung in d.-r Maffendach« schen Brauerei am 18. Ottoder 1885 durch den Zeugen Heinrich Klein festgestellt worden. Derselbe kam an diesem Tage in die genannte Brauerei, fand das gewöhnliche Gastzimmer voll besetzt und wollte deshalb in dem Nebenzimmer Platz nehmen. AlS er deffen Thür öffnete, sah er in diesem etwa 20 Männer fitzen, welche über sein Er- scheinen— er ist PoltzeibezirkSrommiffar— sehr Überrascht trat, und er lief mehr al» er ging dem Theater zu, um sich, dort angekommen, zu seinem Sperrfitz durchzu« arbeite»._(Fortsetzung folgt.) K«s Kunst und Zeven. Telephon und Telegraph. Bereft» in Nummer 153 unsere» Blatte» berichteten wir, daß ein belgischer Ingenieur van Ryffelberghe daS Problem gelöst hat, auf ein und dem« selben Draht zu telegraphtren und zu telephoniren. Die ameri« lanischen Telegraphengesellschasten luden den belgischen Erfin« der letzthin ein, eS mit seinen Apparaten einmal auf wirklich langen Linien zu versuchen, und soeben ist der offizielle Bericht hierüber erschienen. In demselben heißt»»: Nach«inigen einleitenden Versuchen auf Linien von geringer Ausdehnung, die den Zweck hatten, zu ermitteln, od der Fernsplechoerkehr nicht den Verlehr mll dem Ouadruplextelegraphkn störe, welche Versuche sehr günstig ausfielen, wurden zunächst die Linien Newyolk-Chikago und Baltimore- Chikago der Ballimore und Ohio Telegraph C». zum Schauplatz der Versuche erkoren. Diese Gesellschaft besttzt auf der zweitgenannten Linie nur eiserne Leitungen, und so kam eS, daß die Stimme nur auf eine Entfernung von 400 km drang. Auf elfterer Linie hat fie jedoch Kupferleitungen verlegt. Welchen Unterschied da» ausmacht, erhellt aus der Thatsache, daß man fich ohne wette? ei gleich beim ersten Versuche zwischen Fostoria und Aldany(941 km) unterhielt. Den entscheidenden Versuch er- möglichte in deffen erst da» Sntgegenkomm n der United Line» Telegraph Co., welche zwischen Newv-nk und Chikago söge- nannte Kompounddrähte von 6 mm Durchmesser befitzt, d. h. Drähte auö einem Sern von Stahl, der mtt Kupfer umhüllt ist. Die betrcffenden Drahte haben eine Länge von 1625 km, welche, in eine verständlichere Sprache übersetzt, so viel de» deutet, wie die Bahnentfernung zwischen Eydtkuhnen und Basel über Berlin, Nordhausen und Heidelberg, also die weiteste Entfernung, welche in Deutschland zurückgelegt werden kann. Die Drähte verrichteten während der Versuche zugleich den regelmäßigen Ouadruvlextelegrapbendienst. Der Berichterstatter fährt sodann fort:„Als die nöthigen Veranstallungen getroffen waren, trat einer von un». Herr Mayer, mit einer gewiffen Beklemmung an da» Mikrophon, bracht« die Empfänger an die Ohre« und rief: Hallo! Chikago!— Hmrah! rief er gleich darauf auS. E» ist unglaublich! Er hatte nämlich so- eben die Stimme deS Ingenieurs Stewart in Chikago mit erschienen. Zeuge erkannte unter den Anwesenden mehrere bekannte Sozialdemokraten, fragte, ob vielleicht daS Zimmer abonnirt sei. und glaubt auch eine bejahende Antwort gehört zu haben. Nack kurzer Zelt verließen die Anhänger der sozial« demokratischen Partei, Viereck, Kopp, EoerSmann, da» Neben» lokal, dann kamen noch mehrere heraus, setzten stch zu ihren in den äußeren Gastlokalttäten anwesenden Frauen und Kindern und andere gingen in den Tanzsaal. Bei dieser Sachlage, insbesondere, daß Frauen und Kinder in den äußeren Loka- lttäten saßen, während die Männer fich in» Nebenzimmer begaben, Hai fich dem Gerichte genügender Anlaß zur thai« sächlichen Feststellung ergeben, daß e» fich auch hier um eine VerttauenSmänner- Versammlung der in Frage stehenden Ver» bindung handelte. Ei gehörte ferner zu den Zwecken der Verbindung die Auf» bringung von Geldmitteln zur Bestreitung der Kosten und Auslagen für verbreitete Flugblätter und vergleichen— eS er« folgten solche Verbreitungen selbstverständlich auf Kosten der Verbindung; desgleichen waren Geldmittel aufzubringen für da» Maffenabormement deS unter die Genossen verbreiteten „Sozialdemokrat"; endlich wurden, wie sich aus einer Rrihe von im„Sozialdemokrat" veröffentlichten Empfangsbestätigungen zur Gewißheit ergiebt, Gelddettäge von betrachtlicher Höhe unter den Münchener Genossen gesammelt— unter dem Pseudonym„Feuerländer" M. 556, dann außerdem noch weiter M. 1162 für verschiedene Zwecke, al» Unterstützungen von an» geblichen Opfern de» Sozialistengesetze», sowie auch für stan» zöstsche Sozialisten. Daß diese Sammelgelder an eine Zentral» sammelstellr abgeliefert und deren Empfang im„Sozialdemo» krat" bestätigt worden ist, liefert zugleich einen unumstößlichen Beweis für die Thatsache, daß die Münchener Verbindung mit einer Zentralleitung zusammen hängt und naturnothwendig von deren Befehlen abhängig, denselben unterworfen ist und in der That diesen Befehlen auch Folge leistet, wie ja zum Ueber- fluff« auch verschiedenfache, im„Sozialdemokrat" enthaltene Aufforderungen zur Einsendung der Sammelgelder darthun. Daß auch verschtevene Gegenstände und öffentliche Angelegen» Helten den Gegenstand der in der Verbindung stattge» babten Lesprechunaen bildeten, zeigt die im„Sozialdemokrat" Jahrgang 1385 Nr. 8 enthaltene hier beispielsweise auf» zuführende Erklärung:„Wir baden im Anschluß an die Züricher Resolutton ur.S mit allen gegen eine Stimme gegen die Dawpfersudoention ausgesprochen. München, den 11. Februar 1885. Die Münchener Parteigenossen." Die Verbindung beschäftigte fich desgleichen mit den Ver- Handlungen in der Streitsache der Parteigenossen Schönlank und Viereck, ebenso mit Anträgen über den Ausschluß von Frauenspersonen auS der geheimen Organisation und Grün« dung eine» sozialdemokratischen FrauenvereinS, wie fich die» zur Genüge auS den Briefen der B. Gaigel- Urban ergiebt. Daß die Genossen fich verpflichteten und bestrebt waren, daS Dasein der Verbindung vor der StaatSregierung geheim zu halten, ergiebt fich schon genügend aus dem bisher Angeführten, ,u welchem fich aber noch weitere Anhaltspunkte in dieser Richtung anfügen. Um Genossen nicht unnöthig einer Gefahr, verrathen zu werden, aui zusetzen, pflegte man fich zumeist nur mii Vornamen, oder wie in den Briefen der L. Gaigel-Ürdan nur al» Genosse B. oder C., d. h. nur mit dem AnsangSbuch» staben zu nennen. Duisburg, 1. Juli. Am 26. Juni c. spielte stch vor der Strafkammer de» hiefiaen Landgericht» ein Prozeß ad. welcher verdient, wetteren Kreisen bekannt zu werden. Im Laufe de» letzten Winter» wurden auf der hiefigen Zuckerfabrik, Brockhoff und Komp., Arb.iterentlassungen und Lohnredukttonen in Srößerem Maßstabe vorgenommen; außerdem aber ein sehr renge» Regiment von dem jungen Brockhoff, Sohn deS be« kannten VoiltwiithfchastSratheS Fr. B.'ockhoff, eingeführt. Be» sagtem jungen Herrn alfistirten mehrere von demselben auS Böhmen mitgebrachte Personen, welche alt Aufseher, Ober« magazinverwait« ic. angestellt waren. Schimpfworte»c. waren an der Tagesordnung, seit der Nachkomme deS verehrten Volks« wirlhschaftSrathe» daS Direktorium übernahm. Ei wurde den Arbeitern begreifl-ch gemacht, daß die Arbeitskräfte demnächst au» Böhmen bezogen würden, fall» man nur mucken würde. Uns a» nun Viele die Arb-it in Folg- der schlechten Be« Handlung und der fortwährenden Lohnabzüge einzustellen ae> iwun-en waren, hat man in der That den Versuch mit Bömaten gemacht. Dieselben haben aber nicht lange hier auSgehalten. indem ihnen die Behandlung tc. doch etwa» ,u„böhmisch" vorkam. Zur Zeit de» hohen Schnee», am 14. Januar d. I. hatten fich 6 zum Theil entlassene und zum Theil frei» willta ausgeschiedene Arbeiter in der Nähe der Zucker» fabrtk aufgestellt und vertrieben stch die Zeit mit Schneeballen werfen und sehr bald fanden stch andere Leute ein, die stch an dem Vergnügen btiheiltgten, wie denn überhaupt Jung und Alt zu der Zeit mit Schneeballen warf. Zwei der erwähnten böhmischen Aufseher, ein gewisser Schustern und einer Namen» Schoffcrath, kamen au» der Fabrik und wurdm nun ebenfalls mit Schneebällen beworfen. Dieselben fanden aber diesen Spaß mit ihrer sogenannten veamtenwürde nicht vereinbar und suchten mit richtigem Jnstintt in der nächsten Wirthschaft einer solchen Kraft und Deutlichkeit vernommen, daß er fich einbildete, sein Kollege st. he hinter ihm. in demselben Zimmer in New-Uork und nicht in einer Entfernung von 1625 km. Ich ergriff meinerseits den Fernsprecher und war Über da» Eraebniß in da» höchste Erstaunen oersetzt. Die Stimme war klar und deutlich und von einer wunderbaren Kraft. Ich verstand sogar daS Gesvrochene, alS ich die Tele» phone um 3-4 cm von meinem O,r entfernt hielt..." Da» mit ei nicht heißen sollte, eS bandele fich um Versuche von geübten Technikern, wurde eine Wärters, au gerufen, die nie in ihrem Leben ein Telephon gesehen hatte, und da« Ergebniß war da» gleiche.„Ja, die Verständigung innerhalb der Ort» schast ist selten so bifriedtgend wie diejenige, weiche wir mtt unseren Apparaten durch einen SttomlreiS von 3250 km er» zielten, d. h. einen KretS, der zwei Drittel der Entfernung »wischen den Küsten der alten und neuen Well entspricht. Wenn nun auch nicht gerade anzunehmen ist, daß da« Tele« phon den Telegraphen oalv ganz verd angen wird, so ist eS doch ganz zweifellos, daß wir in Folge der Neu N orker Ver« suche einer bedeutsamen Umgestaltung auf diesem Gebiete ent» gegengehen. Eine Theatergeschichte. Vor fünfzig Jahren defand fich unter den Choristen de» Theater» zu Bergamo in Oder Italien ein armer, sehr bescheidener junger Mann, den alle seine Kv meraden ganz besonder» liebten und welcher, um seine arme Mutter besser unterstützen zu können, gleichzettta Schneider« geselle und Chorist war. Eine« Tage» kam der Sanger Nazari zum Schneider und p-odirte ein paar Beinkleider an. Der Geselle kam ihm bekannt vor, er fragte und erfuhr, daß er auf der Bühne im Chor mttstnge.„Haft Du eine gute Stimme» fragte Nazari.„Sie ist nicht besonders," antwortete der Schneidergeselle,„ich bringe mit Mühe da» S herau».»Laß hören," sagte Nazari. Der Chorist begann und brachte mir einiger Mühe da« ö heraus.„Nan da? AI"„Herr, daS geht nicht!"„Singe A. UngllWliwer!" Mit großer Anstren» gung gelang e» dem Choristen.„Nun da» E! rief Nazari. „Da, bin ich nicht im Stande."»Da, E sage ch. oder bei H fJ freudig auS.„Und nun sage ich Dir ein Wort, mein Sohn, wenn Du Dich fl-ißta üben willst, so wirst Du der erste Tenor von Italien werden." Nazari hatte fi» nicht geint. D» arme Chorist, welcher, um stin L«-en;u fristen, zugleich alS Schneidergeselle arbeitet-. besaß schließlich ein Vermöge» von einer Million Lire; eS war der berühmte Opernsänger Rudini. V — eint» PoNzkideamten, der sich ihnen denn auch in der Person de? Polizeidiener? Echlichttng zm Verfügung stellte. Nachdem diesem die früheren Ardeiter der Zuckerfadm al? die Rädels» führer dezeichnet waren, stellte der Beamte die Betreffenden zur Rede, wobei man sich beruhigte. Jetzt aber erschien der Wagen de? jungen Beockhoff und einer der jungen Arbeiter warf mit einem Schneebällen auf diesen Wagen. Dem Polizeidiener war da? Veranlaffung gmua, den Betreffenden zu verhaften. Der junge Mann aber sträubt« fich ansang?, ging dann je« doch gutwillig mit. Eine nicht ermittelte Frauensperson, über die Verhärtung und Behandlung de? jungen Ardeiter? empört, soll den Kollegen de? Arrestanten zugerufen haben, so wa? nicht zu dulden, und da die jungen Leute, wie konstatirt worden, ziemlich getrunken hatten, so folgten st« dem Polizeidiener nach, um ihren Genoffen zu befreien. Da der Polizeibeamte blank ziehen wollte, so wurde man Hand» gemein, und so erhielt derselbe einige leichte Wunden am Kopfe, welche ihn 8 Tage dienstunfähig machten. In diesem Moment erschienen die Bömakcn wieder auf der Bildfläche, und zwar mit Revolvern bewaffnet, welche fie fich in der Fabrik a?holt hatten, und feuerten nun lustig darauf lo?, wobei einem Arbeiter der Arm zerschmettert wurde. Die Arbeiter flüchteten, von Echüffen verfolgt, in Nebengaffen. Datz nicht zahlreiche Verwundungen vorkamm, ist fast ein Wunder zu nennen. Die betreffenden Arbeiter wurden im Laufe de? Tage? verhaftet, einer sogar, welcher gar nicht bei der Affäre zugegen war, aber zufällig an dem Tage von der Fabrik entlasten worden war. Nach und nach wurden die Verhafteten entlasten, bi? auf den» jenigen- welcher dem Polizeidiener die Verwundung beigebracht hatte. Dag die Revolverhelden eingesperrt worden wären, wie man allgemein annahm, davon war keine Rede. Die Unter« suchung soll zwar in dieser Richtung auch geführt worden sein, hat aber nicht? zu Tage gefördert, ttotzdem die Burschen selbst gestanden, dag fie dem Wachtmann, wie Schafferath im Termin erklärte, mit der Waffe deigestan« den seien. Die gebrauchten Revolver lagen denn auch auf dem Gerichtshof. Seite«? de? Vorfitzenden de? Gericht? wurde auf eine diesbezügliche Bemerkung erklärt, dag«ine Verfolgung der Scharfschützen nicht erfolgen könne, da man nicht wtffe, wer von den Beiden dem Arbeiter die Schugwunde beigebracht. Da trat ein Mann au? dem Zuhörerraum hervor, welcher erklärte, er sei bereit durch einen Eid zu erhärten, dag der junge Mensch mit der Brille, welcher fich Schafferath nenne, dem Arbeiter die Schugwunde beigebracht. Sellen? der Staatsanwaltschaft wurde dem Manne jedoch bedeutet, dag er in der heutigen Verhandlung nicht zu verwenden sei, da die Anklage fich nicht gegen die Leute richte, welche geschaffen hätten Do? Ergebnig der Verhandlung war, dag die Angeklagten zu 12, L, 4 und 3 Monaten Gefängnig verurthetlt wurden. Der Vertheidiger de? noch in Untersuchungshaft befindlichen Ver- wundeten hatte nur einen schwachen Anlauf gemacht, mildernde Umstände zu erlangen. Leider hat die kindische Art, wie die Verurtheillen ihrer Migstimmung möglicher Weise Lust machen wollten, zum Bedauern aller Menschenfreunde ein so traurige? Ende für fie genommen. Anfang? hatte die Staatsanwalt- fchaft die Abficht, ein Landfriedensbruch-Veibrechen au? der Rngelegenhell zu konstntiren, wa? vielleicht auch gelungen wäre, wenn fich nicht namhafte Schutzzeugen freiwillig gestellt hätten. Aber auch so find die Leute hart genug gettoffen worden. soziales«ttd ArveLterbemegmtg Zur Uufallverstcheruug. Wie ungemein wichtig e? für durch Unfall verletzte Personen ist, fich davon zu überzeugen, od auch die der Rente zu Grunde gelegte Summe den that sächlichen Lohnverhältntffen entspricht, dafür lieferte die Sitzung de? Schiedsgericht? am 30. v. M. den besten Beweis. Die „Wests. Volksztg." berichtet darüber folgendes: Der Wittwe K. genannt M. zu 0. war durch Schreiben der Knappschaft?» berufsgenoffenschaft S. d. 23./4. mitgetheilt worden, dag ihrer Rente die Summe von 954 M 50 Pf. al? Jahresverdienst zu Grunde gelegt sei und fie demnach mit ihren acht Kindern eine Rente von monatlich 48 M 50 Pf. zu beanspruchen habe. Da nun ihr Mann im letzten Jahre 1139 M. 89 Pf. verdient hatte, so glaubte st«, zu einer höheren Rente berechtigt zu sein und .egte, nachdem fie beim Rechtsschvtzverein fich Rath erholt, Berufung gegen die obige Umerlage ein. Herr Berg- Affeffor C. Krabler au? Alieneffrn führte nun in der betreffenden Sttzvna demgegenüber aus, dag K in 359 Arbeitstagen 1139 M. 80 Pf. allerding? verdient habe, und mache da? pro Tag 3 M. 75 Pf. aus. Dies« Summe mll 300 Arbeitstagen ergebe einen Jahresverdienst von 952 M- 50 Pf., welcher der Berechnung zu Grunde gelegt sei. Auch betonte Herr Krabler noch, dag diese Berechnungsweise von der Sektion so eingeführt und stet? so verfahren worden sei. Da? Schitd?ge.icht gab jedoch der Frau Recht und konstatirt«, dag die oben erwähnte Art der Festsetzung nicht gesetzlich richtig sei, sondern vag ver Mann im letzten Jahre 1139 M. 89 Pf. in 359 Arbeitstagen verdient und darnach auch die Rente festgesetzt werden müffe. Die Frau wird also hiernach statt bisher 48 M. 50 Pf. nun mehr al? 58 M. erhalten. Die Borfiasche Maschtueubau-Austalt bat fich ent. schloffen, de,, Lokomotivbau nunmehr gänzlich einzustellen. Die Anstalt soll in der letzten Zell mll fortwährendem Verlust gearbeitet haben. Uederhaupt soll der grogen Konkurrenz wegen der Lokomotivbau nicht mehr lohnend sein, sodag die Fabriten, die noch im Betrieb find, mit Verlust arbeiten. Also auch dieser einst so blühende Geschäftszweig ist der planlosen Pro- duktton und der blutigen Konkurrenz zum Opfer gefallen. Die Arbeittlofiakett und die Roth unter der Bremer» havener Ardeiterklaffe ist nach dem„Rordd. Wochenbl." immer noch eine groge; täglich kann man Hunderte von Familien- vätern am Hafen Herumflehm und stcy vergeblich um Ardell be- mühm sehen, und find diese Aermstm häufig gezwungen, um nicht schlieglich der Armenpflege zur Last zu fallen, ihre Arbell?» krast um einm Preis zu verkaufm, bei dem es eben nicht mehr möglich ist» nur Halbweg? al? Mensch leben zu können. Wie aber von gewiffen Leuten diese Nothlage der Arbeiter denutzt wlld, um die Löhne auf da? tiefste Niveau her» unterzudrücken, davon in nachstehendem ein Beispiel: Ein hiefiger(Bremerhavmer) Ballast- Lieferant, Namen? Klutb, hatte die Lieferung de? Ballastes für da? Rostock« Schiff „Marianne" übemommen, und dann die Arbeit wied« in Akkord»«geben, und zwar wurde gezahtt für die Last Sand an Bord de? Schiffe? zu schaffen 10 Pf. Die dafür mgagirten Arbeit««zielten dann bei dies« schwrren, aufreibenden Arbeit einm Tage?v«dimst von 1 Mark 50 Pf. Od es möglich ist, davon zu existiren und eine Familie zu«nähren, überlaffen wir der Beurtheilung unser« Les«.— Aber nicht nur auf die MSnnerarbeU erstreckt fich diese ungerechtfertigte Ausbeutung der Nothlage, nein l ste zieht auch die Frauen» und Kinder« arbett, als die noch wenig« widerstandsfähige, erst j:echt in £ ihren Bereich. So zahlt der hiefige Strohsacklieferant Delemon seinen Ardettertnnm für 10 Strohsäcke zu nähen, zu stopfm und auf Gewicht zu machen— sage und schreibe: 30 Pfennig, also pro Stück 3 Pfennig. Und dabei kann dies« edle He« nicht etwa den Einwand«hebm, dag« durch die Konkurrenz zu solchm Schundpreisen gezwunam sei: denn er ist alleiniger Lief«ant dieses Artikels für dm N o r d d e u t s ch e n L l o y d, und dekommt jedmfoll? seine Waare ganz anständig de» zahll. SÄ!« rfr'T.|»£ Ä montag je 15 Feuerwehrjuppen an. Die Juppen find zwei- reihig. je mit 10 Knopflöchern versehen, und war der verein- barte Arbeitslohn zwei Mark pro Stück, wozu d« Schneid« noch die Fournituren zu liefern hatte. Lei gut« Arbett waren weit«« Lieferungen solch« Juppen in Ausficht gestellt. Die Arbett fiel zm vollsten Zufrtedmhett de? hiestgen Zvischm- händl«? aus, ad« diesem war jetzt der Preis zu hoch, indem « die Arbeit im Zuchthau? zu Ludwigsburg viel billiger an» gefertigt«halte. Wie viel H«r R. jetzt dort pro Stück bezahlt, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. 80 Pfennige Lohn für schwere Arbeit! Die beim Bau der Wafferleitung zu P a s s a u beschäftigten Erdarbeit« haben dm Streik«Ilärt, nachdem ein Gesuch um Aufbefferung des Lohnes, d« ungefähr 80 Pf. pro Tag bettägt, erfolglos geblieben war. Welche Unsumme von Jammer und Elend liegt in dies« einfachm Notiz! I« Hamm in Weftfalm ist eS gleichfall? bei dem Bau der dortigen Waff«leitung zu«in« Ärbeitieinstellung gekom- mm, weil die versprochene Lohnnhöhung nicht eintrat. Die Arbeit« waren deshalb derartig in Aergcr gerathm, dag fie mitten in der Arbeit aufhörten und auch andere Arbeiter v«anlagtm, mit ihnen gemeinsame Sache zu machm; da die Polizei einschritt, gab es grogen Tumult, sodag drei„Rädel?» führer" vtthastet wurden. In Hamm aiedt es leine sozial- demokratische Partei: auch keine Arbeit«organisation. Die Arbeit« an d« Wafferleitung haben überhaupt keine Ahnung von d« deutschen Arbetterbewegung. Vermischtes. Rettung auf See. Der White. Star- Dampf«„G«manic" bat auf sein« letzten Reise unt« desondnen Umständen die Rettung zwei« Seeleute ausgeführt. Die beiden Matrosm gehörten zu dem im Glorcester heimathderechtigtm Schoon« „LUian Baxter" und waren am Morgen de? 18. Juni, während ihr Schiff auf den Banken von Neufoundland der Fischeret oblag, mtt einem Boote ausgeschickt wordm, um ein 1'/» See» meilen entferntes Netz aufzuholen. Während fie hiermtt be» schäftigt warm, wurde es neblig, so dag fie ihr Schiff nicht wieder aufzufinden»«mochten. Die beidm Leute ruderten vom Freitag Morgen 8 Uhr bis Sonntag Morgen 11 Uhr umher und wmdm dann aus 43° 37' N. und 38° 70' W. von dem Dampfer„G«manic" aufgesundm, der fie nebst dem Boote mit nach Livrrpool nahm, wo letztneS gegenwärtig in d« Schifffahttsausstellung zu sehen ist. Es ist ein linnes Fahrzeug von nur 15 Fug Länge und scheint sehr gebrechlich zu sein, befitzt dabei ab« eine aug«ordentlicht Seerüchtiakeit, denn vor einiger Zeit hat ein ähnliche? Boot an der Küste von Neuschottland die ganze Besatzung eine? grogen Schiffe? geborgen, al? die Rettungsboote daffelbe nicht zu«reichen v«» mochten. Die Zeiten de? frische« freie« Räuberlebens, von denen man in Europa wie von v«gangmm Dingen redet, g»einen doch noch nicht vorüb« zu sein, und gewissenhafte abrikanten von Smsation?» und Schau« Romanen würden noch inmrr ein reiches Fbld zu nützlichen Slud'.en finden — nicht etwa in der Türkei, in Griechenland und anderen „wilden" Ländern, sondern in dem höchst zivilistttm Korfika. N-uerdings ist dort das edle Räuberhandwerk wieder in vollem Aufschwung«, und eS sollen fich wie der„Tewp?" berichtet, jetzt nicht weniger alt fünfbundert Bandtten in dm korfi/chm „Maqui?" aufhaltm, ollen Nachforschungen der Obrigkeit trotzen und den Gendarmm ab und zu erfolgreiche Gefechte liefttn. Im Laufe von wenig Monaten find sechs Gendarmen in solchen Kämpfm getödtet worden, und ein stedmter ist vor wenigen Tagen den Wunden erlegen. Neulich babm die Räud« sogar dm Bischof von Ajaccio, Herrn de la Foata, unt« folgenden Umständen gefangen genommen: Der Bischof, welcher fich auf ein« Dienstreise befand, wurde fünfzehn Kilometer vor dem Dorfe Piedicrcce mit seinem Gefolge durch zwei Männer auf» gehalten, die ihn mit ihrm Gewehren in Anschlag bedrohten, zugleich aber da? Zeichen de? Kreuze? machten. Sie forderten dm Bischof auf, ihnen zu folgen, wa? dies« auch ohne Widerstand that,„da er glaubte, dag die Räub« ein junge? Mädchen entführt hätten, und nun von ihm die Vornahme der Trauung verlangen würdm." E? scheint daraus heroor» zugehen, dast so etwa? in Korsika zu dm mehr oder minder alltäglichm Vorkommniffm gehört! D« Fall war ad« ein i anz and«« und noch merlwürdig««! Die Räuber fordertm nämlich vom Bischof die Abbnufung de? Geistlichen ein« be- nachbartm Gemeinde, der ihr Migfallm«regt hatte, und fie setzten ihm so lange zu, bi» er einm Eid leistete, dem Wunsche zu entsprechen. Nachdem« den Eid geleistet hatte, verschwanden fie; der Bischof ader war von diesem Abmteu« so erschreckt worden, das)« mehrere Tage daS Bett hüten mugt«. Eine andere Geschichte— aleichsall? au? neuester Zeit— ist auch recht lustig: Eine Militär Aushedungkkommiiston macht eine Rundreise. In einem kleinen Dorf« de« BefirkS von Sattine wird d« die Kommission beglettmde Militärarzt von einem Notabeln gebeten, einem verunglücktm Manne seinen ärztlichm Beistand zu gewährm. D« Mann hatte den Fug gebrochen, der Arzt renkte ihn ein, legte ihm einm V«band an, und die milttärischm Mitglieder der Kommisfion sprachen dem armen Verunglückten ihr tiefstes Beileid au». Die Kommisfion setzte ihrm Weg fott und unterhielt fich noch üb« dm Vnletztm, d« ihr Jntereffe«regt hatte. Wie grog war ab« ihr Er- staunen, al» nach einiger Zeit ein« d« fie begleitenden Ein» gebotenen ihnen mittheilte, dag ste die Ehre gehabt hatten» einen der gefürchtetstm. von der Gmdarm«ie seit lang« Zeit eifttgst gesuchten Bandtten von Angeficht zu Angestcht zu sehen I Und dabei sagt man noch, dag die Romantik und die— Ge- müthlichkett aussterbe. Et««euer Doktor Ta««er. Man schreibt d« Wien« „Deutschen Ztg." au? Bologna folgende kurios« Geschichte: D« dekannte italienische Afrika Retsmde Giovanni Succi, d« dttzeit in Forli, sein« Vaterstadt weilt, behauptet, in Afrika einen au? verschiedenm Kräutern gebrannten Liqueur entdeckt zu habm, der die Eigenschaft drfitzt, den menschlichen Körp« innerlich zu mumifiziren(?) und dadurch gegm die BcSürfniffe von Speise und Trank unabhängig zu machen. Um seine Be hauptungm zu erhärten, stellfr fich Succi, nachdem« mehrere Gläs« sein«? LiquemS getrunken hatte, unt« die Aufstcht «ine? au» Aerzten und angesehmm Bürgem bestehmden Komitä? und ist seit jener Zeit. z«bn Tage, ohne jegliche Nahrung geblieben. Die Aerzte ettättm während dies« ganzen Zeit den Pul? für vollkommen normal, die H«z- und Muskel» thätigkeit für eine eh« grstttgette. Um zu beweisen, dag« im Volldesttze sein« Kräfte sei, ging« eine Wette«in, im Verlaufe welcher« den fieben Kilomet« betragenden Weg zwischen Forlimpopoli in 47 Minuten zu-.ückiegte. Hierauf unt«brach er sein Fasten und begab fich nach Bologna, wo« fich der medizinischen Fakultät zu ein« Hungerprobe zur Verfügung stellte. Die Antwort ist noch auSftändig. Succi hatte vor einig« Zett seine Entdeckung dem Oberstm Sanität?. rath in Rom zur Verfügung gestellt und fich zu einer Probe dereit erklärt. Man glaudtejedoch,« sei geisteskrank und hielt ihn einige Tage auf dem Leobachtunaszimmer. Succi befitzt ein« von 17 Zeugen unterschriebene Erklärung, wonach{«» lOtägtge? Fasten in Forli thatsächlich ordnungsgemäg staitge« fundm habe. «tue Dame i« de« Pariser Akademie de« Wisse«- schatte«. D« am 28. v. Mts. abgehaltenen Sitzung der Arademte der Wiffenschasten zu Paris wohnte zum ersten Male eine Dame bei. ES ist die? Fräulein Kraseski, die unter dem Titel eine?„Titularprofeffor?" an der Univnsttät zu Stockholm mathematische Vorlesungen Hütt. Ueder de« Selbstmord«wer junge» Dame brachte die englische Zettung„Daily Chronicle" vor einiger Zeit folgend? Mittheilt'nz au? Dover: Der Leichenbeschauer in Dov« hielt gestern eine Untersuchung wegen de? Selbstmord«? einer jungen deutschen Dame Namen? Ada Seidett ab, welche au? dem Finster ihre? Schlafzimmer? in der oberstm Etage des Hauses hinuntergesprungen war. Die Untersuchung ergab, dag da? Mädchen in sehr herzloser Weise v«laffm worden war. Vor einem Monat logirte fich die Verstorbene, eine feine Dame, hi« ein und unterhiett eine Korrespondenz mit einem Dr. I. Harvey Smith in Frankfurt am Main, Bockenheim« Landstrage 12.(Die„Franks. Zig." bemerkt hierzu, dag ein solcher Name im dortigm Adregkalmd« nicht zu findm sei.) Die Dame war vor vi«zehn Tagen niedergekommen und da ein Migv«hältnig mit der Familie, bei welch« ste wohnte, entstanden war, so telegraphirte fie an Dr. Smith, h«üd« zu kommen, worauf sofort eine ablehnende Antwort erfolgte. Dies« Umstand schien der Dame schwer auf der Seele zu liegen. Am Montag traf ein Brief mit einem Check aus Deutschland ein, allein die Dame lehnte es ad, dm« selben zu lesen und ste sagte, ste habe an Stelle dessen Dr. Smilh erwattet. Am Dienstag Morgen las fie jedoch dm Bttef und bald darauf, während die Wättettn für einm Augenblick au? dem Zimm« gegangen war, öffnete fie daS Obnfmst« und stürzte fich auf den Hof hinunter, wo ste sofort tobt liegen blieb. Ein Bttef ähnlicher Att, wie ihn die Vnstorbene er- halten hatte- war von Dr. Smith an die Vermiethettn gettchtet wordm, und in diesem Bttefe, welchen der Leichenbeschauer »erlaS, hieg ei:„Ich habe einen Brief von 6—«halten und sende ihr 5 Lstr., um ihre Schuld dtt Jhnm zu bezahlen und jetzt mag fie hingehen, wohin fie will und ihr Kind mit fich nehmen. Ich beabfichtige, bald nach London in Geschäften zu reisen und btt dies« Gelegenheit werd« ich bei Jhnm vor- sprechen, in keinem Falle ader w«de ich kommen, um S- zu versöhnen. Wenn Sle rauh und unangenehm sttn will, mug fie einm Weg au? ihren Trudeln suchen. Vielleicht hilft ihr ihre Mutter, allein ich will von ihr nicht mehr gequält sein. Lassen Sie fie gehen, wir w«dm da? End« sehen. Die Leichen- jury gab ihr littheil auf Selbstmord während ztttweilig« GetsteSkörung ab und sprach zuglttch ihren lebhaften Unwtllm üb« da» herzlose Bmehmm de? Herrn Dr. Smith au?. Wer braucht eine« treuen Hund 7 Folgende?, durch die Unterwüifigkttt sttn« Sprache anmuthende Jns«at finden wir in d«„Frtf. Ztg"-„Wer braucht einen treuen Hund? Ein verh. Mann, 39 I. alt, mtt Sprachkcnntn. und kautm. «f., sucht Beschäftigung. Ref. an hies. Platze. Off. u. 18357 an die Exp. d. Ztg." Kleine Wittheilungen. Würzburg, 2. Juli. Ueder da? Eisendahnunglück schrttbt der hiefige General-Anzttg« folgende?: Wie da? Unglück mt- standm, darüb« herrscht noch keine Klarheit; so viel ist gewiß, dag dasselbe nur durch ttn Vetsehm hervorgerufen sein kann. Folgendes, wofür wir selbstonständlich kttne Verantwortung übernehmen können, da da? Nähere erst die Untersuchung fest- stellen mug, wird uns al? wahrschttnllche Ursache von zuv«- lässta« Serte mttgetheilt: D« von Würzburg adfahrmde Blitz- zug yatt« regelmäßig auf dem rechten(Nürnberger) Gelttse zu fahren, während dn ihm von Rottendorf mgcgmkommrnde Zug da? linke(Bamberg«) Geleise zu befahren hatte. D« von Rottendorf herttnlaufende Postzug soll eine Lttspätung gehabt haben und soll ausnahmsweise die Wttsung«gangen sein, dag dieser letztere Zug statt auf seinem gewöhnlichen (Bamberger) Geleise auf dem Nümb«g« Geleise, d« von Würzburg abfahrende Blitzzug dagegen auf dem Bamberg« Gelttse fahren sollte. Während nun der von Rottendorf kom- wende Zug dieser besond«n Weisung mtsprechmd auf da? Nürnberger Geleise gebracht wurde, ist der von Würzburg ab- gehmde Blitzzug au? bi? jetzt noch nicht bekannten Gründen nicht auf da? Bamberg« Gelttse üdergeltttet, sondern auf seinem gewöhnlichen Nürnberg« Gelttse belassen wordm, wo» durch, da nun beide Züge auf einam und demselben Geleis« fich befanden, der Zusammenstog unauSblttblich war. Auch soll eS ein weiteres Versehen gewesen sttn, dag an dm beiden Lokomotiven nicht, wie e? Vorschttft ist, wenn gegen dir Regel ttn Zug ein andere? Gelttse defäbrt, die üblichen rothen Schttbm angebracht waren. Wie d« schwer»«mundete Lokomotivführ« des Kutt«» »uges, Weidner, uns mitthttlte, war das Erblicken de? von Rottendorf kommmden Zuge? da» Signal zum Brcmsm, Gegm- dampf geben, und d« Zusammenstoß selbst da? Werk ein«? Augenblickes. Dem Zusammenstog folgte ein lauter Krach, der, in ver Ferne gehött, einem Kanonenschug glich. Ganz unbe« schreidlich schreckliche Szenm entwickelten fich nach dem Unglück. Die«stm am Platze warm die sofort alarmittm Mannschaften des 2. Feld'Artillerie Regimmt«, welche mit Fuhrwerk und einem Wafferwagen an die Ungiücksstätte eiltm und mit deren Hilte die Rettung?« und Auftäumungsardttten sofort begannen. Auch Militär- und zivilärztliche? P«sonal war bald zur Stelle» da? nrm sttn Samartterwerk begann. Die Verwundeten wurden auf Stroh gedeltet und im Schritt zur Stadt in? Julius« spttal gefahren; auf jedem Wagen befand fich stets ttn Medi» ziner, welch« den Verwundeten unterweg» die«ste Hilfe leistete. An Fahrmaterial ist, wie lttcht ecllärlich, sehr viel z«- stört worden. Die bttden Lokomotiven„KrobSburg" und „Gundelfingen", die ganz in ttnand« gefahrm waren, find gänzlich unoruuchdar, ferner find zwtt Pafiagierwaqm und ein Gepäckwagen volländig zersplittnt; der Tender de» PostzugeS lag aus d« Lokomotive, der de? Kurierzuge» war in sttne Lokomotive hinttngtdohlt."— Do? bisherige Ergebnig der amtlichen Uuttrsuchutig üb« da? Eisenbahn-Unglück ist, dag Offizial Ehrlich aug« Dienst gestellt wurde. Er schrieb nicht vor» schriftsmägig in den vtundmpag:„Kreuzung aus dem Doppcl- gelttse". Deshalb unierlieg der Oberiondufteur Dürr, den Führer Weidn« dm Stundmpag unterschreiben zu lassen.- Dürr hat schon einmal ttn Bahnunglück in Marltbibart mit» gemacht. D« Postzug von Bamberg fuhr auf dem richtigen Gelttse.— Einzelne ergreifende Szenen, die fich nach der Kata- strophe erttgneim. w«dm dem„F. K." dettchttt:„Zwei' trank pottirte Kranke starben noch auf dem Korridor, wo fie vor- läufig nied«gesetzt wurden, und zwar zwei Frauen, eine ältere Landsrau und die junge, hübsche Frau Fleischmann au? Markt- breit. Sie schien im Augenblick de? Zusammmstoge? ihr Kind gestillt zu haben. Da? Kind an der Muiierbrust blieb unver- letzt und wurde hernach im Garten de? Hospital? h«um- qelragm, während man die Mute« bereit? in dn Lttchm- kämm« niedergesetzt hatte. Ein Mann starb wmige Minuten nach d« Operation, er hatte viele Brüche und innere Verletzungen. Zwei oder drtt d« Opcttrten dürften noch leicht dm Folgen der Operation respektive den Verletzungen erliegen. Au? ein« Familie, die vom Landgut in der Nahe kam, um Würzdurger Verwandte zu einer Geburtstagsfeier zu besuchen, wurden vier Personen onwundet; Mann und Frau «litten Beinbrüche und Kopfverletzungen, die Sckwest« des Manne? ebmfall? einen Beinbruch, während die Tocht« mit lttcht«en Kontufionen davonkam. Ein Mann gederdtte fich wie rasend; er wollte nicht glauben, dag seine Frau nicht im Spital sei; er hatte ste mit dem Postzug«wartet. Sie sei todt, und man wolle e? ihm vnhttmlichm. Man führte ihn in die Lttchmkamm« und deckte alle Lttchm auf. Er fand seine Fiau datunt« nicht, aber ebmso wenig war er von sttn« Angst befreit." Die Veranlassung de? Unfalles war, lautamtlich« Mit- theilung, die in Würzburg erfolgte Adlenlung de? Blitzzuge? Nr. 53 auf falsche? Geleise. Da? Personal de? Zuge? lieg diesen verhängnigoollen Umstand auf mchr als 3 Kilometer Entfernung unbeachtet. Mit dm im Spttale Bestordmen zähst die Katasttophe 16 Todte und 28 Schwerverwundete, dann gegen 30 Lttchtverwundete. Verantwortlich« Redaltem R. Eroaheim in Berlin. Druck und Verlag von Max vadiag tn B«lin 8W„ Beuthstrage 2. Hierzu eine Beilage Beilage zum Berliner Bolksblalt. Pr. 154. Dienstag, den 6. Juli 1886. III IM) ZoKales. Tie Schulden der Stadl Berlin belaufen fich gegen» wältig nach Avzug der noch ieftliependen neuen 3�o:ozentigen 50 Mill onen» Anleihe auf 157 500000 Mail, wovon in diesem Jahre IJl Millionen Marl zur Amorlisation gelangen werden. Auf den Kopf der Bcvöllerung Berlins entfällt eine Schulden« lall von 111-112 Marl, während in Paris au? den Kopf 600 Marl und in Wien 170 Marl entfallen. Die Ammtisalion und Verzinsung dieser Schuldenlast wenden vollständig durch die Uederschüffe der GaS-, der Wafferwerle und deS Vtehbo'eS»c. gedeckt. Webet die Fahrt deS Reichstagsabgeordneten Singer läßt sta> die„Geiw." unter dem 3 Juli folgendes schreiben: «Soeben Abends#5 Übt ist Paul Singer mit dem Expreß- zuge in Bad O»? Hausen in Begleitungeines Geheimpolizisten eingetroffen. In Hannover, wo er den Wagen verlaffen wollte. um eine Erfrischung zu nehmen, wurde ihm der Austritt aus dem Wagen nerweigert und der Polizist übernahm die Be- sorgung deS Gewünschten. Singer sah bleich und angegriffen au«; dem Abschiede von Berlin mag wohl eine schwere Sitzung vorausgegangen sein." Die Mittheilung, daß Singer in Hannover nicht den Wagen verlaffen durfte, ist offenbar falsch, denn Singer kann außerhalb IdeZ Belagerungszustandes von Berlin machen, wai er will. Die Polizei kann ihn wohl bewachen, aber ihn zu nichts zwingen, so lange er die Staats- gesetze einhält.— ES ist unS übrigens nicht ganz klar, waS der Korrespondent der„Germ." unter„einer schweren Sitzung" versteht. Sollte er mit jenem Ausdruck vielleicht eine„solenne Kneiperei" bezeichnen wollen, so wollen wir dem gegenüber nur betonen, daß Herr Singer einer der mäßigsten und dedürfnißlosesten Männer ist, dem eS niemals eingefallen ist, fich an„schweren Sitzungen" im Sinne deS ultramontanen Schreibers zu detheiltgen. Die Rubrik„Betrage«" in dem Gefindedienstbuch hat schon oft zu Bedenken über ihre Zweckmäßigkeit Anlaß gegeben. Einen neuen, wenn auch etwa« eigenartigen Beitiaz hierzu haben am Freitag Abend die Grünkramhändler B.'schen Ehe- leute in der Adalbertstraße geliefert. Beim Abzüge deS Dienstmädchens schrieb der Hausherr in ihr Dienstbuch„Betragen zur Zufriedenheit." Seine defiere Hälfte, die ihm bei dieser Ar bell aufmerksam über die Schulter gesehen hatte, erhob so- fort gegen dieses Zeugniß den entschiedensten Widerspruch. DiS dabei stehende Mädchen, an ähnliche häulllche Szenen gewöhnt, strich den aufgezählten Lohn ein, nahm ihr Dienst- buch und verschwand, um zum Transport ihrer Sachen eine Droschke herdetzuholen, während die Meinungidifferenzen über ihr Betragen zwischen den beiden Eheleuten einen immer bedenklicheren Czarakter annahmen. Die Madam ergriff einen langen Besen, der Mann einen Stuhl und als auch dieser Kampf zu keiner Entscheidung führte, rückten fich die Beiden unmittelbar auf den Leib. In dieser intrreffanten Perfaffung traf fie daS zum Abholen ihrer Sachen zurückkehrende Dienstmädchen mit dem Droschkenkutscher, und bald kamen auch andere Leute in Folge de! SoeftakelS herbei. Man suchte die beiden zu einem Ballen verschlungenen Leute auseinander zu bringen und hierbei stellte fich hieraus, daß die Gattin ihre jedenfalls sehr gesunden Zähne so fest in die «in« Hand ihrct Ehemannes eingeschlagen hatte, und zwar in den unteren Daumenmutkeln, daß fie, wie Augenzeugen ver- ! Ichern, nicht im Stande war, die Hand wieder fteizulaffen, andern diese Befreiung erst von den Anwesenden bewirft wer- den mußte. Die gebissene Hand schwoll sofort unförmig an, so daß der Mann fich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Od eine solche„Herrschaft" wohl im Stande ist, über daS „Betragen" deS Dienstboten, oder überhaupt über Betragm zu urtheilen? Der Polizei-Prästdeut erläßt folgende Bekanntmachung: Die im Verkehr befindlichen GaSmeffer sollen aichamtltch ge- prüft und gehörig gestempelt sein. Im Verkehr find jedoch vielfach GaSmeffer vorgefunden worden, welche unzureichend oder gar nicht gestempelt find. Da die GaSmeffer einer Kon- trole seitens der Polizeib-amten nicht unterliegen, so wird daS Leuchtgas verwendende Publikum wohl daran thun, die in seinem Gebrauch befindlichen GaSmeffer selbst in Bezug auf vorschriftsmäßige Stempelung zu prüfen und in ZweifelSfällen «ine amtliche Untersuchung herbeizuführen. Die Stempelung «ir.ei GaSmeff.rS kann nur dann für zureichend erachtet werden, wenn jeder Eingriff in daS Innere deS UmschlußgchSuseS ohne Verletzung des Aichstempels unmöglich ist. Bei den Ueineren Attila uaii die Haama. Von I. von Pflugk-Harttuug. (»«S der„Allg.Ztg."). (Fortsetzung und Schluß.) Beide Theile werde» besorgt in die Zukunft geblickt haben: der Zahl»ach war das Hunnevheer überlegen, e« wurde von einhestlichem Kommaudo beherrscht. Der Ja« telligenz und Bewaffnung«ach lag das Uebergewicht auf tömrscher Seite, der außerdem die viele« festen gallischen Städte für Vertheidigung zu statte» käme«. Hätten die Hunne« gesiegt, würde Westrom zwei Jahrzehnte früher ge« stürzt, ewtge Zeit alle« durcheiaander gegange« und daa« da« germanisch« Uebergewicht wieder hervorgetreten sein, den« die Hunnen waren weder volkreich»och entwickelt ge- nug, bei ihnen erwies sich da« Ganze zu sehr auf eine Per« so», auf Attila zuge pitzt, um ein Weltreich behaupten zu könne«. Daß der Angriff nicht Ztalie« traf, welche« doch. näher gelegen, die Hauptstadt barg, wird seine» Grund in der fränkisch-vandalischen Etnwtrkung und in der größeren Z-rfahrenheit Gallien« gehabt Hab«,. Ztalien« Städte hatten fich erholt und waren»och fester und zahlreicher al« gallischen, überdies fehlte e« in dem Lande an dem, wa« �re Hunnische« Reiterschwärme am meiste» bedurften, an S-tter für die Pferde. a-angfam fammelte» fich die weitverstreute» Heerhaufe« baute«»ab, fnne Häuser waren au« Balken und schön ge- glättetem Tafelwerke gefügt und von eine« Holzzauve um- gebe«» da« de« König« ragte al, da« stattlichste, dicht von v-rnehmen Leibwächter« umstellt, die je an eine« bestimmte» ag« Wache Hulte«. Der Zaun war mit Thürmen ver, 2%' im H° e befanden fich Gebäude mtt Holzschnitzereien « fi-l r?? �®0?et,f0nn«richtet. Auf hölzernem Thron« m«AtJLa* b4r �rwalttge, unscheinbar i« Krerse der hochge« wachse«» Germanenfürste«, ein schiesäugiger Orientale«eben GaSmeffern bei welchen da« Gehäuse meisteniheil« aus mehreren vinch Lötburp! zusammengrfügten T heilen befi'ht, stnv so viel AudungSstemp.'l rölhig, daß keiner jenrr Theile ohne Ver- nicbtunp eineS Stempels abgetrennt werden kann. Bet den «offen GaSmeffern, welche zur Zeit in Bertin ausschließlich im Gebrauch find, soJ«, in der Regel fich drei AichungSstimpel voi finden.(Trockene GaSmeffer, deren zukünftige Verwendung am hicfigen Orte nicht ausgeschlossen ist, sollen wenigstens fünf Aichstempel tragen.) Bei den tn neuester Zeit geaichten Gak« meffern bleiben hierbei diejeniaen Stempel außer Rechnung, welche da« die Herkunst, den FuffungSraum u. f. w. bezetch- nende Schild gegen Abtrennung fchützen. Da« Ueberfchretten der Poltzetstunde scheint die ve- börde nun auch gegen die Gäste im Wege de» polizeilichen Strafverfahren« ahnden zu wollen. Bisher wurde tn solchen Fällen fiel« nur der Wirth in Strafe genommen, sobald tn seinem Lokal noch Gälte über die Polizeistunde verweilten und betroffen wurden. Auf den Einwand deS Wtrthes, daß die Leute trotz wiederholter Aufforderung fich nicht zum Verlaffen de« Lokalei verstanden HStt~n, wurde nur dann Gewicht ge- legt, wenn der Wirth zugleich nachwies, daß er gegen die be- treffenden Gäste den Strafantraa wegen Hausfrieden«- bruche« gestellt habe. Die Unzuträzlichkeiten diese« Verfahrens, die namentlich darin bestanden, daß der Wirth genöthigt fein konnte, entweder gegen dm Gast ein Strafverfahren zu veranlassen, oder selbst wiederholt und vielleicht zu Unrecht bestraft zu werden, scheint nun auch die Polizei eingesehen zu haben und um den Wirth nicht in die Zwangslage dem Gaste gegenüber zu bringen, verfolgt fie nunmehr die Polizeikontravention auch gegen diefm. In einem solchen Falle matte kürzlich der angeklagte Gast den Einwand, daß ihm der Wirth ausdrücklich erlaubt habe, über die Polizeistunde hinaus zu bleiben. Dai Gericht hielt diesen Einwand jedoch für unerheblich, da der Wirth zu solcher Er- laubniß nicht berechtigt sei, und daS Kammergericht alSi kleines Obertrtbunal bestätigte die veruriheilcnde En.scheidung, tn der eS einen RechlSirrthum nirgends erkennen zu können erllärtk. Weber de« auf Grund des Sozialistengesetzes au»« gewiefeue« Schriftsteller Jen» L. Cyristenfe« erfahren wir da» Folgende: Chrtstenfen, zu R allen düll tn Schleswig geboren, ist jetzt 30 Jahre alt und war früher Lehrer in Ham- bürg. Ein Kenner der nordischen Literatur, mit deren jetzigen Hauptvertretern Björnson, Strtndberg. u. A. er in persönlichem Verkehr steht, hat er eS durch Selbststudium zur Beherrschung von sechs bi» sieben Sprachen gebracht. Lilerarischm Kreisen «uerst durch eine Tegrär- Biographie bekannt geworden, drang Christensm'S Name auch in» weitere Publikum, als er bei Elifcher in Leipzig den„Modernen BildungSfchwindel in Schule und Familie, sowie im täglichen V-rtehr" erscheinen iilß. In Oesterreich wurde da« Buch verboten, in Deutschland wuide gegen den Verfasser und Verleger Anklage wegen „Gotttilästerung",„Beschimpfung der christlichen Kirche" und „Beleidigung des Kaisers" erhoben. In den»rsten Instanzen erfolgte die Veruftheilung beider zu mehrmonatlicher Gefäng- nißstcafe. Da» Reichsgericht hob jedoch die Elkenntniffe auf. Ebenso wurde da« beschlagnahmte Buch wieder freigegeben. Sett etwa Jahreifttst nur noch im Dienste der sozialdemokra- tischen Publizistik und der Berliner Agitation stehend, zeichnete stch Chrtstenfen durch seine Bildung und den Einst seine« Wesen« au». Ec war e». der«n jener diesjährigen Mär, ver- fammlung«edel'S dm Vorsitz fühfte. Zuletzt wurde er tn die Jhring- Mahlow'sche Angelegenheit verwickelt und bekanntlich zu sech» Monaten Gefängniß veruithetlt. Wie schon erwähnt, ist gegen daS Urtb-tl die Berufung eingelegt. Die kühle Witterung de» Juni» welche erst in dm letzten Tagen zu Erde ging, wurde vielfach als abnorm be« trachtet, ja alS noch gar nicht dagewefm. DaS ist fie aber durchaus nicht, fie ist im Gegentheil ziemlich normal und durch den jährlichen Gang der Sonnenbahn bedingt. Daher er« scheinen diese KälterÜcksälle im Juni jedes Jahres und zwar stets in derfelbm Weife: vorher hohe Wärme, dann Gewitter mtt Hagel, Regmgüffe und rauhe Winde aus Nordwesten. Die gleichmäßige jährliche Erscheinung läßt auf eine gleich- mäßige Wrsache schließen, und da» kann nur die Sonne sein. Sie erreicht im Juni ihren höchsten Stand für die Nordhälste der Erde, fie geht im hohen Norden fast kaum unter. Wnge- heure Eis und Schneemaffen schmelzen dadurch daselbst und erzeugen eine weitauSgedehnte Zone von VerdunstunaSkälte, welche zugleich hoch mtt Wafferdampf beladen ist, besonder« de» blondgelockten Begleiter«, aber stolz von Haltung, der Blick lebhaft und durchbohrend. Attila war verschlagenen Geiste«, tief ernst und voll Selbstbehenschung, doch aufbrausend im Zorne, machte er durch die wüthige Gewalt seine» Wesen« selbst feste Männer erbeben. Grausam gegen Feinde, hochfahrend»nd durch Ansprüche imponirmd, wo e» zweckdienlich erschien, verstand et dennoch die Freunde zu fesseln. Wa« sei« brütendes Htm eroberungssüchtig, wettblickend ersann, führte er durch mit der Kraft eine« Soldaten und der Brutalität eine« Wilde«. Würdig schritt er einher, abstechmd von seinem reichgeschmückim Gefolge durch einfache« Gewand und un- verzierte« Schwert. Keine Gestalt hat so brette Spuren in der deutsche» Sage hinterlaffm,»ie die de» fremde« Hunnenfürste», de« gewallig«» Etzel. Wenngleich er eine Art von Lagerdorf besaß, so war sei» Köaigihum doch noch da« Wanderkönigthum der Steppe; die leichtbewegliche« Zelte wurde» aufgeschlagen und adae« krochen, je«ach Laune und Bedürfaiß. Zog der Herrscher ei» in seinm holzaesügtm Hauptort, so empfinge» ihn Mädchen, die singenv in Reihe» vor ihm herschnttm unter dünne« weiße» Schleiern, welche fie hoch ausgebreitet, so daß unter jedem Schleier deren siebe» und mehr gingen. Vor dem Hause eine» seiner Vertrautm angelangt, trat dessen Gemahlin mit vielen Dienerinnen hervor, huldigte dem Gebieter und bot ihm Wein und Zukost, welches sein Gefolge auf einer filberneu Tafel in die Höhe hielt und er selber, zu Pferd fitzend, kostete. Attila besaß unter viele« Frauen eine Hauptgattin Namens Kerka. Sie wohnte in einem der Hofgebäude, dessen Bode» mit wollenen Teppiche» bedeckt war. Dort lag fie auf»eichem Lager von Dienerinnen umstanden, während andere ihr gegenüber auf dem Boden kauerten und bunte Fäden in feines Linne» stickte», welche« zum Schmucke der Kleidung verwendet wurde. Im Hauptgebäude standen in der Halle Sessel läng« den beide« Langseite» der Wände, fie diente« de» Gäste» in der Nähe de« Erdboden«. Zugleich ist in Süd- und M'.tleleuropa die Lust über dem Boden sta'k erhitzt worden, fte dehnt fich nach oben hin au«, fi: lockert fich auf, wie man sagt. Bllmälig wird da« Gleichgewicht der Luftwaffen dadurch gestört, eS entsteht eine gewaltige Bewegung der Luftschichten, die kalte treibt unten nach dem Süden, die warme fließt oben gegen Norden ab. Wie alle Gase gehen aber diese Luft« schichten bald in einander über, fie diffundiren. Je nach der Stärke der Schichten und der Geschwindigkeit der Bewegung entstehen dann an der BelührungSschichte durch die Rndang der Luft- und Waffel dampfmoleküle mehr oder minder starke Gewitter mit Hagel oder sogenannte Wolkenbrüche mit leb- hafter Abkühlung. Die Wrsache dieser GewitterabkühlungS- Perioden ist also der Einbruch eineS mächtigen polaren Luft« ströme» in unsere erwärmten Luftschichten und zwar fast auS» nahmSlo« auS Nordwesten, also wahrscheinlich von Grönland her.— Diese Erscheinung kehrt alle Jahre mit ziemlicher Regelmäßigkeit wieder. Auch dieSmal war die Witterung so ziemlich wie auch in anderen Jahren, nur war die AbkühlungS- Periode etwa« regnerischer und auch länger, wa« darin seinen Grund hat, daß dt« Hitze vorher ganz ungewöhnlich war und zwar in fast ganz Mittel und Südeuropa. D-ihald war die warme Luftschicht"iel ausgedehnter und mehr aufgelockert, aber ebenso die kalte weit mächtiger. Daher erfolgte der Einbruch auf einem so großen Gebiete zugleich. Dazu kam noch, daß der höchste Luftdruck, daS Maximum, in der Nähe von Sckott- land lagerte und lange Zeit nicht wich, während am Adriaiischen Meere eine Depresston lag. So war der kalte Nordwest lange Zeit der unser Gebiet allein beherrschende Wind. Die feuchten Dämpfe von Süvweften h terinnenbewegung befindet, werden unS einige Angaben richtig gestellt, die fich auS Anlaß der Abreise des ReichitagS- abgeordneten Paul Singer au« Berlin in den Berichten dar« über voraefunoen haben. Wnklar ist eS, wenn geschrieben wird. der Ardeuertnnenvnein hätte eine Deputatton entsandt. ES giedt deren drei und zwar dm„Verein zur Wahrung der In» tereffen der Arbetterinnen", den sogenannten„Nordverein" und den„Fachoerein der Mäntelnähertnnm". Welcher war eS? Im ganzm warm aber, wie unS mitgetheilt wird, nur zwei Damm au« den ehemaligen Vorständen dieser Vereine erschie» nen und zwar auS dem erstgenannten; aber in Niemanden« Auftrage. Leide Damm, dem AuSwtesmen geschäftlich und fteundschastlich nahe stehend, waren aui eigenem Antrieb ge« kommen. Wnd nun etwa« über daS Verhättniß Singer'S zu den Ardeiterinnenoereinen. Stöcker und sein Anhang haben viel darüber gefabelt. In Wahrheit beschränkte fich jedoch sein Thun für dieffeldm in Wntelstlltzung von Armen und Kranken. Nie hat er dirigtrmd in die inneren und äußeren Angelegen« hellen der Vereine eingegriffen. Et« bei der jetzige« Jahreszeit geradezu»«erkrSg>> ltcher Zustand d« findet stch auf dem Bahnhof Stralau« RummetSdurg. Auf dem Perron dieses Bahnhof» befindet stch eine Wartehalle, welche von allen Seiten der größten Zugluft auSgeffyt ist. Der Wind weht äußerst scharf über den Perron und stnv die Passagiere dem Winde schutzlos preisgegeben. Diese Zuglust ist dort um so empfindlicher, al« der Bahr Hof hoch liegt und man erst den Berg hinanklimmen muß. Wer jetzt im Sommer mit Gepäck dort oben anlommt, ist in Schweiß gebadet und muß stch dann auf dem Perron mit Gefahr für die Gesundheit dem Winde aussetzen. Abhilfe wäre hier dringmd wünschenSwerth. Erst am Donnerstag klagten mehrere Frauen darüber, indem fie meinten:„Hier kann man stch dm Tod Holm." Die Saison der Seeschlange naht wieder heran und die Journale wüsten wieder viel mit jener tntereffanten Vogel- jpezieS, die selbst den hindoftantschen und japanischen Journa- listen auf» Beste bekannt ist, mtt der so überaus flugferttgen Ente rechnm. Woher kommt denn eigentlich diese Bezeichnung JSnte" für— phantastische Zeitungsnachrichten ¥ Der detannle Waffervogel kann doch nicht etwa als Symbol der Leichtigkeit und Schnelltgkett gelten; wenn man diese Eigenschaften in beim Mahle, die auf der rechten für die vornehmere». Inder Mitte befand fich ei« Diva« für dm König und dah-nter «in Ruhebett, welche» Schleier und bunte Vorhänge ver« hüllten. Auf der Thürschwelle wurden die Gäste mit einem Trunk bewillkommt und daa« nach dem Range gesetzt. Die nächsten Vertraute» und Söhne de» König« hatten ihren Platz recht« und link» neben ihm. Wenn Alle saßen, trat der Mundschenk ein und bot Attila eine Schale Wein, dieser nahm sie und begrüßte de», welchen er auszeichne« wollte. Der Geehrte stand auf und setzte sich erst nieder, wen« der König gmippt oder auSgettuvkm hatte. Schließlich er« Hobe» sich die Gäste ihrerfett» und tranken dem fitzende» König Heil. Tische wurde« hereingetragm, zuerst für Attila, dann für die übrige«, je für drei und mehr Personen. Die der Gäste wurde« mit silberne» Schale» und leckerm Gerichten »eich besetzt, der königliche zeigte bloß Fleisch auf hölzernem Teller, die Gäste erhielte« goldene und silberne, er selber nur eine« hölzerne» Becher. Nach jedem jöange der Speise» II d stand man auf und trank auf da« Wohs de« WurtheS. Beim Abendgraue« wurde« Fackel» angezündet, zwei Sänger stellte» fich dem Könige gegenüber und besangen seine Siege. I« der von reichlichem Weingenusse gehobene« Stimmung gaben fich die Gäste dem Ausdrucke ihrer Gefühle hin, die eine» jauchzten in SiegeSfreude, den andere» ranne» erinnerungsschwer die Thränm über die Wangm— fie warm stech und alt geworden. Wie bei de» Grieche» auf de« Emst der Tragödie die Kurzweil des Lustspiel« folgte, so trat auch hier jetzt ei« skythischer Narr herein, der durch sei» Gebahre« allgemeine« Gelächter erregte, ihm folgte ei« buckeliger und krummbeiniger Zwerg. Bis tief in die Nacht dauerte da« Gelage. Auch Attila'« Gemahlin, Kerka, ließ zu Tisch bei ihrem GeschäftSttäger lade». Da stand jeder Anwesende auf, bot de» Fremdm einen vollm Becher, und wmn er ausgetrunken hatte, umarmt« und küßte ihn der Geber. Man steht, es herrschte ei» wohlerdachte« Zeremoniell, steht, welch' eine Rolle darin da« Trinke« spielte;— am t\n«m treffenden Bilde hätte zusamwenfaffen wollen, hätte man doch zw-ifelloi einen ander n Voael, vielleicht die Echwalbe, als dejetchnend für die flüchtigen Phantastereien gewählt. In einer Pariser journalistischen Gesellschaft, welche eine sehr glücklich gewählte internationale Farbenstellung hatte— sie bestand aus etwa einem Dutzend Franzosen und einigen Dcuischen, Engländern, Italienern, Amerikanern, Belgiern und Spaniern— wurde die Frage nach der Prooenienz der Ente kürzlich gründlichst diikutirt. CS wurde mindestens ein Dutzend der vcrlchtedenartigstrn Vcrstsnen und Anekdoten vorgebracht, die fich tndeffen alle mehr oder minder selbst a.S— Enten charakterlfirten. Ein belgischer Journalist aber, der stch wäh- rend der Ditkusfion entfernt hatte und nach einiger Zeit wieder mit einem alten, vergildtm ZeitungSexemplar zurückgekehrt war, bewies durch unwiderlegliche Dokumente, daß Brüffel der Ge» burtsort der Ente sei! ein humorvoller Akademiker Cor» nrliffen ist der Vater deS geflügelten Schutzengels der Journale in der„thatenlofen, der schrecklichen Z-Ü". Corneliffen war nämlich durch die vielen»iderspruchö vollen Gerüchte der Journale in den vierziger Jahren höchst aufgebracht; an einem Tage verkündeten die Zeitungen» daß nicht ein Fleckchen an dem sonnigen polstischen Himmel zu erblicken sei, während fie am nächsten Tage eine verderbenschwangere Wolkendecke daS Fir mament bedecken sahen, um wieder am nächsten Tage darauf AlleS in absoluter Klarheit zu entdecken und sofort mit Grazie in infinitnm. Der Gelehrte wollte nun einmal sehen, wie weit die Leichtgläubigkeit der HerauSgebw der Zeitungen gehe und schickte an einige der hervorragendsten folgende Er» zählung von der Gefräßigkeit der Enten ein:„Man hat dieser Tage ei en merkwürdigen Versuch angestellt: Man sperrte zwanzig Enten zusammen. Man zerhackte nun eine von ihnen ganz und gar mit Federn, Knochen, Schnabel und Pfoten und setzte ste den anderen vor. Diese ließen auch nicht da» Ge- ringste übrig. Am folgenden Tage zerhackte man abermals eine und setzte ste den restirenden 18 Enten vor, am 3. Tage wurde eine dritte Ente tranchirt und so fort, bis am 19. Tage die vorletzte Ente geschlachtet und der letzten vorgesetzt wurde, die fie mit Stumpf und Stiel verzehrte." Diese Notiz ging durch sämmtliche Journale Europas und Amerikas— wo sogar verfchieoene Redaktionen die betreffende Ente in ihrem Mas, um aufweisen wollten— und daher dattrt fich der AuS- druck„Ente"' für jene bekannten kleinen— Pikanterien der Reporter. Die Nothwendigkeit, neue SanitätSwachen zu er- richte«, macht fich immer mehr fühlbar; die vorhandenen ge» nügen bei weitem den Bedürfnissen nicht; es ist trotz aller An« strengungen nur unter den schwersten Opfern der mtldthätigen Geber möglich, die an die Wachen gestellten Anforderungm zu befriedigen. So wurde unter den 110 Malen, in welchen die SanitatSwache, Blumenstraße 59, im verflossenen zweiten Quartal in Anspruch genommen, nur in fieden Fällen sofort Honorar dezahlt; und während auf die Stadtbezirke 115—151 65, auf die angrenzenden Stadtbezirke 35 Fälle kommen, er- schienen auch Patienten weit entfemter Gegenden, wie auS der KönigSgrätzer, SolmS, Wrangel-, Franseckiftraße, ja sogar auS Lichtenberg, Wilmersdorf»c. ES wurden 58 innere und 52 äußere Krankheiten, auf der Wache 44, in den Wohnungen der Patienten 66 Fälle behandelt. In vier Fällen war die höchste Lebensgefahr vorhanden; unter diesen einmal Blutver» giftung. ES ergiedt fich auS dieser Statistik, daß so lange die Kommune nicht helfend eintritt, eS nm der ferneren Opfer- Willigkeit unserer Mitbürger gelingen kann, den Bestand der Wache zu fichern. Antüffltch de« bekaunten„Glünauer-Affäre" der Berliner Maurer Landpartie wurde am Sonntag, den 4. d. M. Mittags, der Maurer Herr Roll in seiner Arndtftraße 13 partene gelegenen Wohnung dehufS informatorischer Zeugen- vei nehmung polizeilich nach dem Molkenmarkte ststirt und dort in vorläufige Sich-rheitShaft genommen, auS der er bis zm Stunde noch nicht entlaffen ist. lie„Nat-Ztg." erzählte kürzlich vo« eine« Zahn- arzt. der lür das Ausziehen eimS Zahnes und die Nachträg» liche Behandlung der Wundstelle einer in Berlin vorübergehend weilenden Amettkane-in mehrere hundett Mark berechnete und, als fie die sofortige Bezahlung in dieser Höhe beanstandete, dieselbe auspfänden ließ. Die„Nordd. Allg. Ztg." bestätigt im Allgemeinen jetzt diesen Vorfall. Sie giedt die genaue Höhe dei Betrages auf 191 Mark an und führt die einzelnen Posten der Rechnung wie folgt an:„Eine schmerzlose Operation; diverse Konsultationen; vier Besuch« im Hotel und eine Golbplatte mit zwei Zähnen".„Gewiß keine unbescheidene Forderung", fügt die„Nordd. Allgem." hinzu. Darüber find die Anstchten ficherlich sehr gttheilt. Jedenfalls hätte der nach „amerika-.ischem System" ardeitende Zrhnarzt sehr wohl wissen können, daß er bei dem amerikani>chen Generalkonsulat eine Instanz finden würde, die e» fich»m Ausgabe macht, Miß» b-lltaketten, die zwischen Besuchern auS Amettka und hiestgen Geschäftsleuten fich ergeben, auszugleichen. Der Personenverkehr ans der Berliner Stadt- und Ringbahn war, wie jetzt bekannt wird, am 14. Juni d. I., dem z weuen Pfingstfeiertage, der stärkste seit dem Bestehen der Bahn. ES wurden auf den Stadt- und Ringbahnstationen ein» schließlich Giunewuld verkauft: nach Vororlsstation-n 75 711 Fahriarten, nach Stadt- und Rtngdahr stationen 135 076, zusammen 210787 Fahrkatten. In dieser Zahl find enthalten: hunnische» Hofe war eben germanische Eilte maßgebend, ohne jedoch tief in das Damenboudoir vorzudringen, dieses blieb orientalisch. Auch daS Volk lebte in alter Weise da« hin, daS Pferd bildete»ach wie vor seine« kostbarsten Besitz; statt des Weizen» pflegte«an Hirse zu essen, als Fährboot« ausgehöhlte Baumstämme, al« Licht angezündet« Rohrstengel zu verwenden. Wollte man eine» Gast besonder« ehre«, so sandte man ihm Lebensmittel und hübsche Frauen zum Bei» lager. Aber wieder sehr bezeichnend: da« Tettänke war deutscher Meth und deutsche« Bier. Die Strafen erwiesen stch roh, Kreuzigung war landesüblich. Jedenfalls lebte e» sich unter dem Szepter Attila'« so gut, daß ein verwöhnter Grieche ihn dem byzantintsche» Regiment« vorzog. Trotz seiner Macht blieb er patriarchalischer König, der in eigener Person vor seinem Haus« Recht sprach. Hier nun drängten sich die verschiedenste« Völkerschaften zusammen und schwirrten die mannigfachste« Sprache« durch» einander, vor allem, al««S im Herbste 450 de« große« Heerzug de« Osten» gegen Westen galt. Ein wilde» Völker» gewimmel rückte Donauaufwärt« an de« Rhein, der im Frühling 451 überschritten wurde. De« Kern de« Heere« bllveten die hunnische» Reiter und die HilfSttuppe» der Ost» gothe« und Gipiden; uoterweg» mußt« die streitbare Mann» schuft Folge leiste«: die der Sueben, Ouaden, Marko- manne«, Thüringer Bukterer, rechtsrheinischen Burgunder und Franke«. Mit einer Armee, die auf 500000 Man» angegeben wird, bettat Attila gallische« Bode». Am Ostersonaabend ging M-tz in Flamme» auf, im Zuni wurde Orlean» umlagert, mährend ausgeschwärmt« Schaar«« Nordfrankreich durchstreiften. Die Stadt ver» theidigtt fich muthig unter ihrem glaubentbeaeisterte» Bischöfe, sah fich aber schließlich doch zur Ergedüng g«. nöihtgt, und hatte dadurch alle Schrecken eines eroberten Orte« zu gewärtigen. Die Bewohner sollten al» Sklave» verloost werden, schwer mit Beute wurde» die Wagen be» lade», da plötzlich nahte Entsatz: e» war As'.iu» mit seinen Bundesgenosse». 32 581 Fahrkatten nach den Bahnlinien in der Richtung Erkner, Llchtenderg, Spandau und Potsdam; 8397 Karten nach den Stationen Johannisthal und Grünau, der Görlitzer Bahn und 34 733 nach Station Grunewald. Die auf den erstgenannten Vorortiflanonen nach Stadt- und Ringbahn flationen verlauf- tm Karten find bier nicht mit ein begriff m. Der Verkehr nach den Stationen Grunewald sowie Johannisthal und Grünau muß seinem ganzen Wesen nach zum Stadt- und Ringbahn» verkehr gerechnet werden. Ferner sei bemerkt, daß für die Stadt- und Rinabahn gegen 6060 Abonnementsscheine in Be> rutzung find. Nimmt man nun an, daß jeder Abonnent im Durchschnitt auch nur zweimal an diesem Tage die Stadt- und Ringbahn befahren hat, so würde der wirkliche Verkebr auf derselben zu 135 076+ 8397+ 34 723+ 12000= 190 266 Personen zu schätzen sein. Zur B-wältigung dieses VerkebrS waren außer den gewöhnlichen 280 TageSzügen noch 142 Zwischen, üge eingelegt worden. Die„wilden" Huudefävger nehmen überhand. DaS Hunde besttzende Pubtrkum wird in ausgedehntem Maße von ihnen geprellt. Die offiziellen Hundefänger find mit Quittungen ausgestattet, welche den Stempel der fiskalischen Addeck-rei tragen- Indem das Publikum meist diese Quittungen nicht fordert, macht eS den„wilden" Hundefängern ihr Gewerbe Auf einen Zechpreller, welcher die Befitzer von kleineren Hotels und Restauraleure gebrandlchatzt hat, sei in Folgendem aufmerksam gemacht. Am 30. v. M. erschien in einem Hotel in der Mittelstraße ein junger Mensch, anscheinend 17— 18 I ihre alt, und verlangte auf drei Tage Logii, daS ihm auch gewährt wurde. In daS Fremdenbuch trug stch derselbe als Oekonom Theodor Neumann aui Frankfurt a. O. ein und gab vor, stch Set eine Stellung alt Reitlehrer in irgend einem Institut chen zu wollen. Nachdem er 3 Tage in qu. Hotel logitt hatte, verschwand er auf Nimmeiwiedersehen, ohne seine Zeche bezahlt zu haben, und begab stch in ein Schanklokal in der AnvreaSstraße, wo er ebenfalls eine Zechschuld von 4 M. machte und sodann auch von hier spurlos verfchwand. Der angebliche Neumann ist von mittlerer Statur, hat rothe Gefickisfarde, schielt auf dem linken Auge und macht den Eindruck etneS Bauern. Er trägt dunklen Stoffanzug, einen Hut(Tiroler) von schwarz und weißem Etrohgeflecht mit einer Feder. Im Südweste« BerltuS wüthete am Sonntag Abend wieder ein« jener Feuer, deren Gefährlichkeit und Ausdehnung nur dadurch beseitigt und verhindert wurde, daß wir eine Feuerwehr besttzen, welche die ihr gegen da« zerstörende Element gegebenen Kampsmittel mit ebenso viel Energie als Geschick zu verwenden weiß. ES hardelte fich am Sonntag um einen Dachstuhlbrand deS Hause« Lichterfelder str. 2. aber bei der Nahrung, welche daS Feuer auf den Bodenräumen in dem Balkenwerk selbst und den vielfachen leicht brennbaren Gegen- ständen, welche auf dem Boden lagetten, gefunden, war der Brand ein so heftiger, daß nur die umfangreiche und kräflige Thätizkeit gutgeschulter Mannschaften eine größere Gefahr de« seittgen konnte. Nach dem Feuerschein zu uttheilen mußte der Brand ein sehr ausgedehnter sein, denn derselbe war weithin namentlich tm Nordwesten und Westen der Stadt, fichtdar. Die Nähe der großen VergnügungSlokale. Tivoli, Bock»c., hatte die Folge, daß fich eine nach vielen Tausenden zählende Zuschauermenge in der Nähe der Brandstätte eingefunden hatte und bis in die späte Nachtstunde den Schauplatz der Feuer- wehnhätigkeit umlagerte, obgleich die Löschung deS Brande« selbst schon nach etwa zwei Stunden, um 11 Uhr Abends, voll» zogen war. Zwei Darrpfspritzen und mehrere Handdruckspritzen waren in Tbätigkeit und wahre Unmassen von Waffer waren nöthia. um Herr d-S vernichtenden Element« zu werden. Wegen Krankheit ist der Journalist Adolph Berg» schmtdt, Ver detanntlich wegen mehrfacher Erpreffungen ver» urlheitt wurde, au« der Strafhaft entlaffen worden. Kumpagnie— Lumpanie, sagt dai Sprüchwort. Am Sonntag Vormittag sprang ein Herr auS einem Hinterhaus« der Brüderstraße eine Treppe hoch in den unter den Fenstem vorbeifließenden Mühlgraden. Da derselbe jetzt glücklicher Weise nicht tief war, konnte man ihn mittelst einer Leiter herausholen. Zwei Kompagnons, welche fich trennen, waren dei der Auseinandersetzung in so heftigen Streit gerathen, daß der eine fich vor Wuth direkt auS dem Fenster dei Komplott« in'« Waffer stürzte. Ueder Ktfchkonsum in Dentschland. Einer der Haupt- fächUtKsten Vortdette, deren fich der»tvittsttte Mensch erstellt, ist die Möglichleit verschiedenartigster Nahrung. DaS Thier ist auf eine höchst einfache Speisekarte angewiesen und auch die unzivilifirren Völkerschaften haben eS meisten« nicht biffer; die Zivilisation deginnt bei ihnen mtt größerer Abwechslung in der Art der Ecr ährung und mit der— Kochkunst. Nun kann fich aber kein Volk rühmen, eine gute nationale Küche zu baden oder, waS dasselbe besagt, stch angemessen und gut zu ernähren, wenn e« einen bedeutenden Theil der Gaden der Natur von feiner Tafel ausschließt. Während der Franzose Gemüse, Fleisch, Fisch— AlleS für feine feine Küche auszunutzen weiß, ist dem Engländer die Kenntniß der Gemüjederei'.ung meistens vn- sagt, er bringt fie fast roh und unschmcckhaft auf den Tisch. Wir in Deutschland haben einen anderen Mangel: wir entsagen zu beharrlich der F schnahrung; wir find entwöhnt von dem Genuß deS FischfleijcheS. ES erklärt fich dieS auS der Gestal» tung unseres Lande«; daS Meer ist den meisten Deutschen zu Im letzte» Augenblicke hatte» fich die Kräfte de« Westen« zusammengefunden, Dank der energischen Rühngkett de« Heermerster«. Die Burgunder kamen, vo» ihrem Könige Gundeuch gefühtt, die Franken de» Merooäu« und selbst sächsische und allemaaisch« Schaar«« schloffen fich an. Am metsten Schwierigkeiten hatte« die hochstrebendea Westgothen berettet, endlich einigte man sich dahin, daß sie al« selbst» ständige« Heer unter ihrem König Theoderich»eben dem de« Asttu« opertten sollte». Der Aufzug vor Orleans wirkte überraschend, die Hunnen, nicht genügend gesammelt und geordnet, zogen fich zurück, wurde« aber ereilt und geschlagen. Die Furcht vor dem Feind« war damit gebrochen. Attila ging über die Seine in die Ebenen der Champagne, deren breite Flächen ihm die vortheilhafteste Verwendung für seine überlegene Reiterei gewährten. Hier vereinigte et seine HeereSmassen, offenbar unter wiederholte« Gefechte«. Auf den catalaunischen Felder», zwischen Chalon» und TroyeS, wohl bei einer früheren Ottschaft Moir-y, kam e» zur Entscheidung; wahrscheinlich im August. Hübe» stand Theoderich mit de» Westgothen auf dem rechte», AsttuS mit den Römer» auf dem linke» Flügel, in der Mute die weniger »uverläsfigea Alanen. Drüben kommanditte Attila mtt seine« Kerntruppen da« Zentrum, während fich die Gepide» und Ostgothen auf dem linke» de« Westgothen gegenüber befanden. Zwischen beide« Heeren, oder auf der eine« Seite derselben erhob fich ein Hügel. Man zauderte, da« blutige Ringen zu beginnen. Attila lebt« nicht in der Zu» verficht de» Siege«, er soll Wahrsager befrag«, und diese sollen geantwortet haben: er werde geschlagen, aber der feindliche Führer falle». Erst um die drttte Nachmittagsstunde rückten beide Theile gegen de» Gipfel de« Hügel«, Aötiu» erreichte ihn zuerst und wies die anstürmenden Hunnen ab. Der Kampf stock,« ein wenig, dann kam es zum Handgemenge zu einem solchen,„von dessevgleichen nirgend« im Alterthume de« richtet wird." Im Gedränge fiel Theoderich. die Seine« entfernt. Woher sollen die Fische kommen? Da der Fisch nur an Ort und Stelle ver, ehrbar auS Mangel an Kommuni» WilmSmittelN' war er sehr billig geblieben- so billig, daß schließlich Niemand ihn mehr züchten wollte urd daß Fischer und arm gleichbedeutend war. So kam eS, daß unser Volk fich allmälig von der Fischnahrung entwöhnte, die man ihm nicht mehr bot. Diese Entwöhnung war ein großer Nachtheil für unser VolkSthum. Der Aufbau deS menschlichen KöiperS verlangt gebieterisch auch die Fisch- Nahrung. ES war zur Zeit der größten Abw-ndung vom Fischkonsum, daß jeneS Wort vom„skrcphulöien G findet" fiel. Ja! Skropheln, daS ist die Antwort der Natur am zu große Beschränkung in der Mannigtaltigkett der Kost. Da« wußte die katholische Kirche sehr wohl, al« fie einen Fischtag in der Woche anordnete; dieser Fasttag ist nicht allein eine religiöse, er ist auch eine hygienische Einrichtung und sollte von Jedem adoptirt werden, ver fich und seine Gesundheit lieb har. ES gehört schon ein fester Wille der Haussrau dazu, da— wo er »ichl existitt— solch' einen Fischtag in der Woche einzuschieben und unabhänderlich festzuhalten. Diejenige, welche eS»Hut, «meist ihrer Familie eine große Wohlthat damit. Nun ist e« heute nicht mehr so schwer, die Fi chnahrung der heimischen Küche wieder einzuverleiben. Da« Meer ist freilich dem deut- schen Binnenlande nicht näher gekommen; aber im Fluge durchmißt die Lokomotive die Entfernung. Der Schellfisch und Dorsch, die Seezunge, der Butt, ja selbst der so empfindliche Hering, in weiter Nord- oder Ostsee gefangen, liegen nach 24 oder 48 Stunden tief im Binnenlande auf der Takel deS Kon» fumenten. Ader auch unsere Süßwasser-( Fluß-)Fische werden selten noch da genoffen, wo fie gefangen werden. Von Böhmen oder Galizien au« wandert der Karpfen, in durchlöcherten Schiffen, den Fluß binab, um in Hamburg oerspeist zu werden. Der Stettiner Zrnder und Hecht findet seine Zuberettung in einer Leipziger, Frankfurter over Wiener Küche; ostpreußische Neun» äugen und Kitter Sprotten und Bücklinge gehen über ganz Deutschland bis hinab an den Bodensee und von da dringt der geräucherte Felchen hinauf biS wieder nach Frankfurt a./Ä. und weiter, vom Lachse gar nickt zu reden, der vom Rhein, der Weser und Oder auS die Tafeln aller deutschen Wohl- schmeck« versteht. Freilich ist der Fisch nicht mehr so billig, al« zur Zeit, wo man ihn nur am Orte des Fange« verzehren konnte und wo er verdorben war, wenn man ihn fünf Metten weit versührt bitte. Jrtzt brauchte kein Pfund Fischfleisch mehr am O.te d?S Fanges zu veiderben(wie e« dock leider dei großen Fängen auf See noch zuweilen massenhaft geschieht), wenn die ganzen Einrichtungen unser« Zeit(Eisenbahnen, Eii- und Kaltehäuser«.) so ausgenutzt würoen, wie ei eigent- lich geschehen sollte. Obgleich Millionen selten oder nie Frsche essen, an Konsummten fehtt e« doch nicht. So ist denn der Fisch durch die Erweiterung deS Konsumgedietei im Preise gegen frühere Zeiten gestiegen. DaS mußte auch geschehen, wenn die Fischproduktron fich Heden sollte. Und fie bat fich ge« Hoden. ES werden wieder mebr Karpfen gezüchtet. Für Fluß- und Seefischerei wird viel gethan, Forellendäche werden neu besetzt und unsere Hochseeflscherflotte soll fich vergrößern. Jeder von unk kann sehr einfach zu solch« Hebung eine« nationalen Berufs dei» tragen, wenn er mehr Fische und auch Seefische ißt. Der Preis kann trotz der oben erwähnten Steigerung dabei Wir Hinderniß fein; find doch Dorsche und Schellfische billig zu haben, giebt e« doch den so feinen Zand«(freilich in gefrorener rusfisch« Maare) schon an vielen Orten sehr billig. Nicht lange wird ei daurrn, und die fttschen(grüner) Heringe unserer Küste werden, leck« und schmackhaft dereitet, ein Liebling«» Saisongettcht unserer Binnenländer bilden. Wie soll man nun aber Fische kaufen?— Au« jener Zeit, wo Fijche nur am Otte dei Fange« vnzehrt werden tonnten, Vatrrt das Vorrmhttl gegen tovte Fische. Damals konnte man lebende Fische bab-n oder— man hatte gar keine. Heute ist da« ander«. Dank der Eisendahnen. ES ist ja nicht zu leugnen, daß«in Fit», so eben gefangen und direkr auS dem Waffer in den Topf od« die Pfanne gesteckt, am besten schmeckt. Wer kann ihn denn aber so haben? Nur d« Fischer selbst! Die Konsumenten bekommen ihn selten in dieser Beschaffenheit. Wollen sie sesthaltm an dem Spruche:„Nur lebende Fische in die Küche!" so find ste in der Auswahl auf die Fische beschränkt, die nicht allzu weit von ihrem Wohnorte getanaen werden(Karpfen nehmen wir aui); und od nicht der Fisch in dem engen Hall«, d« zuletzt seine Wohnung war(in der Gefangmschaft), an Fleisch und Wohlgeschmack viel ver- loren bat, da« kann der Konsument nicht wissen. Damtt wollen wir keinetweg» vom Kauf lebend« F.sche adrathen; ein gut« Fisch händl« weiß seine ledende Waare schon angem.ssen zu hatten. Da« lluterliegt keinem Zweifel. Kaufe da lebende Fische, wo Du daS Zutrauen hast, daß ste vom Verkäufer richtig behandelt und gut gehalten find. Aber da« Vorur» theil gcaen tobte Asche laß fahren, es ist nicht mehr zeitge» maß. Wollten wrr daran festhalten, so wäre eS nicht» mit der Einführung der Seefische in unsere Küchen. Freilich kann man auch diese(oder einzelne davon) lebend kurze Zeit im Waff« hatten und tranSpottiren. DaS wäre aber nur für sehr reiche Gutschmecker und Wn VoikSnahrungSmittel mehr. Die See» W ,5'•üeST«S Ä Der große schone Hecht und Zand« oder Barsch od« Blei der cstpreußischen und pommerschen Haffe(so schön und groß, von erfaßte wrlde Wuth, fie scheine« erst de» ihnen entgegen» stehenden Flüge! über den Haufen geworfen zu habe», um oonn auf da« hunnische Zenttum abzuschwenken, welche« die Alane» hart bedrohte. Attila selbst gerieth in« LedenSge- fahr. Alz der Abend kam, fand er die Hunnen auf die Wagenburg zurückgetrieben und die römisch-westaothischea Lraie» vollständig gelöst. Za wüstem Gewoge war alle« drunter und drüber gegange», TheoriSmuad. Theoderich« Sohn und Astm« sprengte» umher, nicht wissend, ob zwrschta Freund oder Feind. � 5Di« blutigste Schlacht jener schlachtenreiche« Zett war geschlagen. Von der Sonne de» nächste« Morgen« wurde wette« L-tchettfeld beleuchtet, worüber alsbald die Sage s$ Blut anschwoll w,e nach Regengüsse«, und daß die ver- EÄ M daraus getrunken, um ihre» Durst»u J" der Ntbelungenvoth klingt die« wieder, als sich dte kampfende» Burgunder am Blute der >.odte» erquicke». Die aufgeregte Phantasie ließ et mtt (au rJ"? Sinügen, sonder» die Er« schlagene» sich in die Lüste erheben und dort da« Ringes voueuveu. k ft at�a"u* abgewiesen, aber nicht besiegt. Z» der Wagenburg ordnete er die Seinen, dr« Hörner er» dröhnte», al« ,«t er bereit, wieder im Felde zu erscheme», doch geschah e» nicht. Ebensowenig wagten dte Verbünde« '5°- ihn anzugreifen, fie beschlossen tn einem KciegSrathe, rhn zu belagern und durch Nahrungsmangel zum Rückzua« zu zwingen. Z« dichtem Leichkahaufe« wurde Theoderich gefunden und angesichts dt« Feinde« unter Waffenschall und Liederqesang bestattet. Wie schon in der Schlachtbeschreibuag, so ist nnser Haupterzähler Zordave« leidtr auch in den Mittheilurrge« über die Folgen der Schlacht weder genau«och zuoerlisfig. Es scheint, daß man fich auf beiden Setteo durch die schwere» Verluste tief erschüttert fühlte, daß Attila nach io festem Fleisch, weil er im Brackwaffer gelebt hat), kann nicht lebend in München und Kassel geliefert werden, sondern nur geschlachtet. Wie man sich gewöhnt hat, den LachS ausge- schlachtet zu kaufen, so muß man eS auch mit diesen Frschen machen, und sie schmecken deshalb nicht schlechter. Hat man doch burck Eisoerpackung je. es so weit gebracht, daß der viele Meilen weil transportirte Fisch so fnsch ist wie-- ja! wie fast ein erst aus dem Waffer genommener. Fat fast! — den Unterschied sucht oft ein Gourmand vergebens, wenn die Umstände ihm nicht vorher verrathen find.— In dieser Beziehung haben wir sehr viel von den Holland«n zu lernen. Das ist eine Fischeination, ein fisch, ffcndei Volk wie die Engländer-, aber während der Engländer wenig wählerisch in der Ftjchnabrung(er ißt o«t Seefische, die ein Deutscher nicht möchte, wählend er unsere Flußfische oft verschmäht), ist der Holländer sehr peinlich in Allem, was Fisch heißt. Bei ihm ist nun nicht der lebende Fisch das Höchste, sondern der g- schlachtete, nämlich der gekrimpte. Krimpen nenn! man es, wenn man den F.sch, sobald er gefangen ist, schlachtet und ihm dann quer über den Leid eine Anzahl Male einkerbt. Dieses Sinkerden läßt fich an einem abgestorbenen Fische nicht mehr au» führen wie bei einem erst lrästtg lebenden und dann ge- schlachteten. Weißes Fleisch und diese Kerbschnitte geben in Holland den Fischen den höchsten Mark preis. Sind fie so zu haben, so verlangt kein Holländer nach lebenden. Erst wenn wir ebenso gewöhnt find, erst wenn der geschlachtete Fisch auch bei uns— neben dem lebenden— seine volle Geltung hat, kann sich unsere Fischerei, auch unsere Hochsrefischer flotte ent» wickeln und erst dann kann der Fisch auf unserer Tafel wieder ganz heimisch werden zum Vorrheil und zur gesundheitlichen Entwickelung unseres ganzen Volkes. Wegen eines unheilbaren Rückenmarkleidens ver« giftete fich vorgestern Nachmittag durch Cyanlalt der zwei- undzwanztgjährtge Handlungsgehilfe Georg Kaeßner. Derselbe wmde von seinen Wirthsleuten in seiner Wohnung in der Pren, lauerstr aße bereits todt vorgefunden. Nachdem der Arzt die Todesursache konstatirt, wurde die Leiche auf Viranlaffung der von dem Selbstmorde aviftrten Revierpolizei nach dem Leichenschauhause behusS gerichtlicher Obduktion überführt. Aus einem mit der Adreffe seines in Chemnitz lebmdm VarerS vorgefundenen Brief ging daS obenerwähnte Motiv zum Selbst- mord de« Unglücklichen hervor. von einern qualvollen Todt ist Frau Dr. Schulze- Delitzsch am Freitag in Telrow, wo ihr in dem Hause deS Superintendenten Lange ein Unterkommen bereitet worden war, ereilt worden. Dreseld« hatte vergeffcn, vor dem Ein« schlafen das Licht auszulöschen, die Flamme faßte Feuer und ergrrff im Augenblick Leid« und Bettwäsche. Eine Ohnmacht, in die Frau Dr. Sch. in Folge deffen verfiel, machte Hilferufe unmöglich so daß nur laute» Stöhnen die nebenan Schlafenden von dem Unglück in Kenntniß setzte, welche da» Feuer nur mit größter Mühe löschten. Die Leibwäsche war fast ganz verbrannt und der Körper stark verletzt. Freitag Abend nun ist die Un- glückliche ihren Qualen erlegen. Wie erinnerlich, erregte eS vor einiger Zeit peinliches Aufsehen. alS eS nothwendig wurde, gegen die Wutwe des bekannten Ginoffenschaftt, Anwalts das Entmündigungsverfahren einzuleiten und durchzusühren. Das Marnnge'sche Mörderpaar ist begnadigt worden. Am Freriag ist dt« bezügltche kaiserliche Kabinetsordre ringe- gangen. Man glaubte in GerichtSlreisen von Anfang an an eine Begnadigung der Verurtheilten, well angenommen wurde, daß der Kaiser das.Tovrturtheil an einem Weide nicht voll- ziehen lasten würde, und die Begnadigung der Mutter auch dir des Schnes unvermeidlich machen mußte. Die Aussicht auf Begnadigung schwand indeffen umsomehr, je mehr Zeit verging. Thatsächlich find 14 Wochen seit der Verurtheilung oerslrtchen, etwa dieselbe Zeit, in welcher sonst bereits die Hin- rrchtung stattfindet. Der Kaubmörder Keller oder irgend ein atter ego dieses dlutgtertgen Scheusals wurde in der vergangenen Woche i» mindesten» sechs verschiedenen Gegenden gesucht und ver- folgt. Auch in der Nähe von Werneuchen glaubte man ihm auf der Spur zu sein und sandte ctn Aufgebot von Gen- darmen dem befürchtete« nach. In der ganzen Gegend war man nicht wenig beunruhigt; schließlich erwieS fich auch hier di: Bermuthung alS trügerisch; man fand nicht den Rauhmör« der Keller, sondern eine wettauS weniger gefährliche, wenn* gleich auch nicht gerade angenehme Persönlichkeit. In Alt- Landsd-rg kam dieser Tage zu einem Schuhmacher ein Hand- werkt harsche und bot ihm seine Dienste an. Der Meifier sah den Gesellen eine Weile prüfend an und rief dann plötzlich: „Donnerwetter, find Sie nicht der Raudwikder Keller?" Ueder diese Worte gerieth der Bursche, der mit dem Gesuchten Aehn- lichkeit haben soll, dermaßen in Schreck» daß er schleunigst da» Weite suchte. Vielleicht wollte derselbe fich auch nur den un» angebmen Folgen einer etwaigen Verwechselung entziehen. Im Arbeitshause befanden stch am 1. Juni c. 31 Fa Milien mit 105 Personen, am 1. Juli war der Beftanv 56 Familien mit 214 Per fönen. Da« Asyl für nächtliche Obdachlose benutzten im Laufe des Monat» Juni 4741 Personen unv jwar 4333 Männer, 408 Frauen. Von diesen Pcrsonenwurden dem Krankenhause Moabit 41, dem Kcankenhause am Friedrichs- Hain 2 überwiesen. 278 der Polizei vorgeführt. Berltuer Asyl für Obdachlose. Im oeifloffenen Monat Juni c. nächtigten tm Mäanerasyl 8980 Personen, davon da- -Paanoaie« heimkehrte, ohne ernstlich von den Verbündete» verfolgt zu werde«; daß der jageudliche nunmehrige Gothen- löaig Thorrsumrrd die Verfolgung wünschte, der erfahrene Aetiu« aber davon abrieth, well durch fie nicht, mehr zu gewinnen, möglicherweise viel zu verlieren war, daß er-S für wichtiger hielt, sein Verbündeter Thorismund gehe«ach Toulouse und fich«; fich streitbare« Brüdern gegenüber die Herrfchast. Da« Abendland sah Attila'» WelteroberungSpläne al« gescheitert an, nicht also er selbst. Er benützte den Winter zur Sammlung eines neue« Heeres, mit dem er 453 unerwartet i» Italien eintraf. Aquileja fiel, die beutsgierige« Schaare« ergossen fich über Venetie» und die lomdardische Ebene. Ei« Theil der geängstigte« Bewohner flüchtete sich auf die Sandbänke de» Adriatischen Meere», bei der Müa> duag der Brenta, wo allmälig aus einem Lager Ver- triebeuer das stolze Venedig«wachse« ist. Mailand und Pavia wurde« erobert, der Schrecken war so groß, daß der Kaiserhof daran dachte, von Raveova in de« Orient zu fliehen; Attila plante auf Rom. Allmälig jedoch«folgte «in Umschwung: das Klima Italien««zeugte Seuche« i« Heere, die vielen feste« Städte und die Bergmauer de« Apennins«schw«te« de« Vormarsch, der Mangel a» Pferde- futter«uß fich geltend gemacht und Aötiu» wird Truppe» zummmengezoge» habe«. Feindl.ligkeite« von Seiten der Ostrom« kamen hinzu, wie es heißt auch der Abnglaube, ~®irich wegen Einnahme des ewige« Rom bald ins �"ken müssen. Als eine Tesandfchaft bei Attila «schten, Papst Leo an d« Spitze, schloß er eine Ueberein- kunft, w Folge deren et Norditalien räumte und üb« die Donau zurückging. Di« geistliche Sage hat diese,«st« weltgeschichtliche Auftreten de« Papstthumt verherrlicht, fi« laßt neben ihrem Helden die Gestalt des Apostels Petrus ttscheive», daß entblößte Schw«t in d« Hand, dem Eroberer Tod und Verderben drohend. Wie ein verwundet« Tig« lau«te Attila in sein« Ebene, hie Mißerfolge zehrte» ihm am Lebensmark; dem beten 1421 Personen, im Frauenasyl 1321 Personen, davon badeten 146 Personen. Der Vorstand macht darauf aufmerk- sam, daß er einen Arbeitsnachweis eingerichtet hat und bittet dringend, von Vakamm jeder Art. männliche Arbeit« betr. dem Hausvat« de» Männerasyls, Büschin gstr. 4, weibliche Ar- beit« betr. der Hausmutt« des Frauen asy», Füstlirstr. 5, Kenntniß zu geben, damit eine Zusendung der qualifizirten Personen unverzüglich erfolgen kann. Poltzei-Vertcht. Am 3. d. M., Vormittag», wurde ein 6 Jahre alter Knabe beim Spielen vor dem Hause Möckern- straße Nr. 135 von einem Schlächterwagen überfahren und er- litt anscheinend innere Verletzungen deS UnlerleibeS.— In gleich« Weite verunglückte an demselben Tage, Abends, ein 5 Jahre alles Mädchen vor dem Hause Friedrtchsfeldnstr. Nr. 28 und erlitt einen Bruch deS rechten Oderschenkel», so daß es auf ärztliche Anordnung nach dem Krankenhause im Friedrichs Hain gebracht w«den mußte.— An demselben Tage, Nach- mittags,«schoß fich ein Mann in einem Kloset de» Schlefi- schen Bahnhofes. Die Leiche wmde nach dem Leichenschau- Hause gebracht.— Am 4. d. M., Vormittags, wmde der ob- dachlose Arbeit« Battel vor dem Grundstück Birkenstraße Nr. 19 bewußtlos aufgefunden und nach dem Kranken- Haufe in Moabit gebracht.— An demselben Tage Nachmittags stürzte ein H-rr, al» er in der Nähe sein« in der Bellealliance- straße belegenen Wohnung von dem Verdeck eineS in der Fahrt befindlichen Pierdeeisendahnwagens absteigen wollte, auS eigener U Vorsichtigkeit kopsüb« auf da» Siraßtnpflaster hinab und erlitt durch den Fall nicht unbedeutende Verletzungen am Kopfe. — An demselben Tage AdrndS v«such!e ein Herr in sein« in d« Friedrichsfiraße delezenm Wohnung fich mittelst eine» ReooloerS zu erschießen. Er wmde schw« verwundet auf ärztliche Anordnung nach dn CharitS gebracht.— Zu derselben Zeit entstand in dem Hause Lichterfelderstr. 2 au» nicht er- mittel!« Ursache Feuer, welcbes fich schnell über den Dachstuhl und eine darunt« belegene Wohnung verbreitete und dieselbe völlig zerstörte. Di« Feuerwehr war mehrere Stunden in ThSttgkeit._ Gerichts Ieiwng. Kann eine Vereins- Versammlung d« polizeilichen Auflösung verfallen, obwohl vorh« der Schluß derselben selten» de» Vorfitzenden formell verkündet worden? Diese Frage wird demnächst die höheren Instanzen beschäftigen und zwar in ein« gegen den Buchdrucker Robert Schultz« an- hängigen Strafsache wegen Uedertretung deS§ 17 Alinea 2 deS Sozialtstengesetzes. In ein« imSepIemb« v. I. Hierselbst stattgehabten V«sammlung eine» Arbeiter- Bezirksvereins hatte Schuitze von seinem Recht als Vorsitzender Gebrauch gemacht und den Schluß dieser Versammlung verkündet, allerdings unt« eigenthümltchen Umständen' während d« überwachende Polizei- Lieutenant über anstößige Redewendungen eine» Redner», deS Schriftsetzers Kunkel, Notizen gemacht, hatte der Vorsitzende den Redn« mitten in seinem Vorttage mit den Worten unt«brochen:„Ich schließe die Versamm- lung 1" Die» geschah lediglich in der Adfichl, der bevorstehenden polizellichen Auflösung auf alle Falle zuvorzukommen; trotz deS formell verkündeten Schluffe» der Ansammlung und während d« größte Theil d« Anwesenden, ebenso wie der Vo: fitzende, stch bereit» anschickten, den Saal zu»«lasten,«hob fich nachträglich d« üderwachmde Polizeibeamte und gad post festnrn die entgegenstehende Erklärung ab, daß die qu. Versammlung auf Grund des§ 9 de» Si""......."' daß"-------' dieser Aufforderung die" Erklärung entgegen, daß« die Ver sammlung als Vorfitzend« geschloffen und eS dah« feine, de» Schultze Obliegenheit sei, für die Räumung de« Saal» zu sorgen. In Folge dies« Erklärung ward Sch. sofort vrrhastet und hinterh« gegen ihn wegen Uedettretung de»§ 17 l. c. Anklage«hoben. Da« Schöffengericht hatte die polizeiltchersett»«folgte Auflösung jener Versamm- lung alt- reicht zu Recht destehend angenommen gerichtlichen UctheilS und Schultze ward demgemäß zu ein« Geldbuße von 100 Mark eventuell 10 Tagen Gttängniß ver- urcheilt. Gegen diese» Utthell hat nun d« Staatsanwatt v. Ang«n wiederum da« Rechtsmittel d« Revision eingelegt. D« Vertheidiger deS«ngellagten hatte in der veru>ung«. instan, geltend zu mache» o«'ucht. eS habe, nachdem d« An- geklagte die V«sammlung geschloffen, eine Auflösung d«selben nicht mehr stattfinden können; dieser Einwand war von der Strafkamm« al« nicht zutreffend nachtet worden auS folgend« Begründung: Selbstverständlich— so führt da» Urthetl der Strafkamm« au»— kann eine Versammlung, die überhauvt nicht mehr existitt, nicht mehr der Auflösung vnfallen, der Umstand ab«, daß formell zwar d« Schluß ein« Versammlung verkündet worden ist, beweise noch kewrSweg«, daß fie auch tharsächlich ,u bestehen aufgehört Hab«. De» weiteren wird angenommen, daß di- qu. Ansammlung, well die Anwesenden stch nicht eat ftrnt. fottgetaqt habe; deshalb gerade, weil die Vnsammlung fich nicht auflöste, habe d« Polizetlieutenant die Auflösung ausgesprochen od« aussprechen können. Von Zuerkennung byzantinische» Kaiser Marcian sandte er die Aufforderung, den alten Tribut de» Theodofiu« zu zahlen. Plötzlich ist« gestorben, im Zahr« 453. Nach einem Berichte soll er fich zu seine« viele« Frauen noch die schöne Jldiko gesellt habe«. Bei der Hoch, est aber übernahm et fich in Wein, und al« man am anderen Morgen in das Brautgemach trat, fand man den König am Blutsturz erstickt, da« Mädchen aber weinend, mit verhülltem Haupt. Von ander« Seite heißt es: Attila sei auf Anstifte« de« Asnu« Nacht» durch da« Meff« eine« Weche» gefällt. Die Welt athmete auf, gebrochen lag die„Gottesgeißel.- Zm freie« Feld, unt« seidenem Zelte bahrte« die Ge- treue« seine st«blichen Reste, die besten Steiter umritten fie mit feierlichem Lerchengesänge, dann ließe« fie sich auf dem Grabhügel zu einem Gelage»ied«; noch einmal wollten fie fröhlich sein, ihren König in d« Mitte. Bei strll« Nacht übergaben fie den Tobten d« Mutt« Erde; von drei- fache« Sarge, einem goldenen, silb««e« und eisernen, um- schloff.«. Feindetwaffea und Schmuck senkte« fie mit hinab. Und daß Niemand die Ruhe de» Ruhelosen störe und den geborgenen Schatz gewinne, erschlugen fie die, welche die Gruft gegrabe». Nicht nur die Herrlichkeit dcS Königs, auch die des Reiches ist damals»o« den Hunnen bestattet. Attila'« zahlreiche Söhne geriethe« in Streit, sie all« wollte» hetrschen; doch nun«Hoden fich zwischen ihnen die Pflichtigen germanischen Völker, voran der bedeutendste unter den Könige», Ardarich, mit seine» Gepiden. Za Pannonie», am Fluffe Neda, kam es zu einem furchtbar blutigen Kampfe, in welche« die Hunnen geschlagen wurden, und d« älteste von den Söhne» auf der Wahistatt blieb. Nach d« Nied«- läge vermochten fich die Besiegten nicht mehr zu halten, fie wurde« ostwärts an die Küsten des Pontu« getrieben und in ihre« Kernlauden erhoben Germanien» Söhne da« Haupt. Die Hunnen hatten ihre historische Arbeit gethan: fie hatte» eine neue Epoche d« Weltgeschichte eingeleitet. einer Gefängnißstrafe hatte der Gerichtshof abgesehen und zwar mit Rückficht auf die„desondere Lage deS Falls" und deihalo, weil der Angeklagte thatsächlich nur, solange noch die V«- sammlung erlaubt war, von seinem Rechte als Vorfitzmter Gebrauch gemacht. In d« Revifions' Rechtfertigung be- mängelt nun der Staatsanwalt die«gangene Entscheidung, indem er ausführt, daß die festgesetzte Geldstrafe gesetzlich nicht qeri-chtfertigt sei; nach dm Ktstimmungen des§ 17 Soz.- Ges. ist gegen denjenigen, welcher fich an einem ver- dotenm Verein oder an ein« aufgelösten Versammlu-g als Leiter, Vorsteher, Ordner k. detheiltgt, auf mindestens ein Monat Gefängniß zu erkennen; demnach hätte d« Angeklagte auf Grund der seitens des Berufungsgerichts angenommenen Festsiellung, nach welcher« sich nach poliieilich« auf G.-und des§ 9 deS Sozialisten- Gesetzes erfolgt« Auflösung nicht ent- lernt,— wenigstens ju dem Slrafmindest Betrage von ein Monat G-fängniß vtruriheitt werden follm. Dn Staatsan» walt tritt femer in seinen Ausführungen der Annahme des Instanz RlchtnS entgegen, daß zur Erfüllung deS Thatbestan» des des§ 17 2 l. c. der Angeklagte nach erfolgter Auflösung der Vrrsammluug noch als Leiter fich habe b-theilizen müffen; dieser Annahme vermeint d« Staatsanwalt aus dem Grunde nicht beitreten zu können, weil die Leitung ein« polizeilich ausgelösten— aber vielleicht noch nicht auseinander gegangenen Versammlung nicht recht denkbar sei und ein solch« Umstand schw«lich im Gesetz gemeint sein könne; der§ 17 setze vielmehr den vorliegenden Thatbestand voraus und will nur die Leiter bez«. Vorsteh« härter bestrast wiffen. — Da» Maß der Widersprüche voll zu mach n, hat nun ebenfalls der Angeklagte. indem er Vrrletzung einer Rechtsnorm geltend gemacht, da» Rechtsmittel der Revifion eingelegt und wird demnach die obige Frage— für das V«einSwesen von wettgehendst« Bedeutung— Erledigung finden. t Auf eine etwas aewaltthättge Art suchte stch ein Herr Lmz von ein« Miethsschuld zu befreien, die bis auf mehr alS 60 M. fich fummirt hatte. Er wohnte bei ein« Wittwe, die den kriegerischen Namen Mari fübite, im übrigen aber ein- sehr gutmüthige Person war. Trotz dieser Gut« müthigkeit schien es ihr doch sehr bedenklich, alS ihr Mtether eine» Tage» Mime macht-, fich ohne Abschied zu entfnnen und al« Andenken nur seine Schuld zurückzulaffen. Sie sah stch nach ein« werthvolleren Erinnerung um und»«schloß den Sonntagsstaat ihres„mödlirtm Herrn" in ihren Schrank. Herr Lenz zog auS, ohne seine Kleidungsstücke mitnehmen zu können, aber er kam wied«, um fie zu holen. Eines schönen Tage»— es war d« 29 April d. I.— überraschte er seine früd«e Wirthin mit seinem Besuche. Frau MarS dachte,« wolle sein- Schuld begleichm und ließ ihn bereitwillig eintreten. Er hielt fich aber weder mit Zahlungen noch mit Worten auf, ging geradcn Wege» auf den Schrank los, in dem sein zurückbehaltener Sonntagsstaat vnschlosien war und schlug mit einem Beile, da« in der Nähe lag, die Thürfüllung em. Al« die überraschte Wirthin protestlren wollte, gab« ihr noch einen freundschaftlichen Stoß, der fie zu Bo- den warf. Ungehindert»«ließ er mit seiner Beute die Wob- nung. Gestern kam für ihn da» böse Ende nach. Die Vttaf» kämm«»«mthcilte ihn wegm strafbaren Eigennutzes und wegen Sachbeschädigung, zwei Handlungen, die nicht alS selbst. ständig, sondnn als in ideal« Konkurrenz geschehen aufgefaßt wurden, zu einer Woche Gefängniß. Das Metneidsverfahren gegen die Tischler Bobkiewtcs und Wittkowski, auf welche« bei der Verhandlung gegen den Schriftstell« Cziistmsen und den Tischler Bernd! fetten» deS Vorsttzendm AmtSgcrichtSrath Bartlfiut so häufig hingewiesen worden ist, um die Zeuzm zur Abgabe ge-viffenhaft« Aus- sagen zu veranlaffen, ist bereit« am Sonnabend eingestellt und die»«haftet gewesenen Angeschuldigten auS der Haft entlaffen worden. Diese» Resultat war übrigen« von vornherein vor» auszusehen, weil die Anschuldigung fich nur auf daS Moment stützte, daß Bobkiervic, stch wirderholt selbst damit gebrüstct hatte, den Krtminalschutzmann Jhring am 2. Februar er. tüchlig mit verhauen zu baden. Wittkowski und ein zweiter Zeuge Üiüü ■ MMWM dm Säugling auszusetzen; mitleidige Leute würden ihn finden und für ihn sorgen. Inzwischen war e» Admd ge. worden. Sie hüllt- da« Kind fest in da« Tuch ein. welche» fie um die Schutt«» gehabt hatte und legte es dann in den heUnleuchtetm Hausflur eine» Hause» in o« Jüdenftraße nieder. Sie selb« entfernte sich. Das Kind wurde gefunden und in Pfl-ge genommen. Die Mutter stand gestem vor der Siraskammer des hiesigen Landgnich!» unt« d« Anklage de« Diebstahls und d« Kindesaussetzunä. Der Staatsanwalt be- antragte für beide V«brechen eine Gefammtstrafe von 6 Mo- naten und 8 Tagen Gflängniß. Der Gerichtshof konnte zu keiner Entscheidung kommen; er beschloß, den Termin zu ver- tagen, und die Frau, welche da» ausgesetzte Kind gefunden hat, al» Zeugin darüber zu vnnehmen, ob daffelde in hilflos« Lage so, daß eS nur durch einen Zufall entdeckt worden fei, aufgefunden worden wäre oder nicht...... f Fahrlässige Bandstiftung. Der Mal«gebllft Henke arbeikete am 11. März d. I. in dem Neubau Kurfürstenstr. 81. Der Tag war kalt und Henke wünschte fich heißen Kaffee, um dir«starrten Glied« zu«wärmen. In der Parterrestube, in welcher er zu thun hatte, war von d-n ZImm«ern, die vorh« dort lhättg gewesen waren, ein eiserner Ofen auf ein« Balten- unterläge, über weiche Mauersteine gelegt waren,«richtet worden. Aber die Zimmere: hatten den eisernen Ofen bei ihrem Weggänge mitgenommen und pthen geblieben war nur die Unterlage, die noch mit grau« Asche dicht bedeckt war. Auf diesem primitiven Feuerherd häufte nun der Mal« Säge- und Hobelspäne und andere Holzabfälle zusammm, zün« dete ste an und setzte seine Kaffeekanne daneben. Dai Feuer praffelte lustig und bald war der Kaffee heiß. Nun trat H. da« Feuer mit dem Fuße au« und spritzte mit seinem Maler. Pinsel noch einige Male aus die glimmenden Spähne, bis alle« erloschen zu sein schien. Dann ging er— inzwischen war die Dämmerung eingebrochen und hinderte am Weiterarbeiten— ruhig nach Hause. Da« Feuer war aber nicht todt. Durch eine Fuge zwischen den Steinen war eine glühende Holzkohle auf die Balkenunterlage gefallen und begann dort ihre Zerstörungkarbeit. Vom Fußtritt nicht getroffen und vom Waffer nicht erreicht fraß ste sich in den Balken ein, brachte ihn zum Glimmen und. vom Luftzuge an- gefacht, stoß ste schließlich al» leuchtende Flamme in die Höhe. Um ein Viertel nach Zehn in der Nacht bemerkte der Bau« Wächter den Feuerschein im Parterrezimmer. Die Feuerwehr wurde alarmirt und ste fand eine ziemlich bedeutende Brand- fläche vor. Die Balken und Bretter de« Fußboden« waren in einim Umfange von 8 Fuß im Geviert durchgebrannt, ja biS tut Decke war da« Feuer emporgeschlagen und hatte die Echaal- vretter durchfreffen. Aber die Hilfe war noch zur rechten Zell gekommen und der Brand wurde leicht gelöscht.— Gestern stand Henkt vor der Sirafkammer de« Landgericht«. Der Gerichtshof sah die Fahrlässtgkest al« eine leichte an und in Rllckstcht daraus, daß der Schaden ein verhältnißmäßig geringer ist, erachtete er mit dem Staatsanwalt eine Geldstrafe von 20 M. gegen Henke für angemeffen. Uereine und Uerfmumlungene hfe. Die Berliner Maurer, denen bekanntlich die Erlaubniß zur Abhaltung einer am vorigen Sonntag, den 4. d., polizeilich angemeldet und beabstchttgt gewesenen öffentlichen Vers-mm« lung auf„Tivoli" nicht erlheilt wurde, gehen, wie un« mit« gel heilt wird, mit der Adficht um, zum nächsten Sonntag einen neuen Versuch zu machen, eine öffentliche Versammlung mit ganz besonders wichtiger Tagesordnung zu Stande zu bringen. Im Hinblick auf den streng der Adficht der Behörden, hin- fichtlich eine« durchaus ruhigen und gesetzlichen Verlaufes der Gewerkschaft«« und Lohnbewegung der Maurer, entsprechenden einzigen Gegenstand der Tagesordnung geben fich die Ver- anstalter entschieden der Hoffnung hin, daß die Versammlung unbeanstandet werde abgehalten werden können. Die Tage«. ordnung der detreffenden nächsten öffentlichen Maurer. Ver« sammlung soll, unseren Gewährsmännern zufolge, lauten: „Berathung und Beschlußfaffung über die geeignetsten Mittel und Wege, um unter strengster Beobachtung der bestehenden Gesetze und Verordnungen ver Behörden die Lohn- und Gc« werkschaftibewegung der deutschen und speziell der Berliner Maurer fortsetzen und unter Vermeidung von Konflikten und Spaltunqen vollenden zu können." t Der Veretw zur Währung der Jutereffen der Klavterarbeiter tagte am Sonnabend, den 3. d. M. in Grat» weil'« Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79 unter Vorsitz de« Herrn Schaar. Herr Dr. Benkendorf hielt einen intereffanten Vortrag über da«„Findl!ng?wtsen", der Anlaß zu einer an geregten Diikusfion und Fragestellung gab.— Sodann wurden die Lohnabzüge erörtert, die in der Neumeier'schen Piano- fortefabrit vorgekommen find und die biS zu 10 xCt. betragen. Unter den augenblicklichen Verhältniffen erschien es nicht ange- bracht, zu einem Streik zu greifen. Man beschloß aber, alle diejenigen Kollegen, die in Folge Arbeit treten, alt Gemaßregelte zu unterstützen.— Vorstande heiten. die._. + Der Fachverei« der Putzer hielt an Sonntag, den 4. d. MtS., in seinem Vereintlokale, Jnselstraße 10, eine gut besuchte Mitgliederversammlung ad. Der Kaffenbericht, den der Kasfirer erstattete, ergab, daß nach Abzug der für die Landpartie dewilligten 250 M noch ein Bestand von 228 M. 38 Pf. in der Kaffe verbleibt. Nachdem die Revisoren die richtige Buchsührung und da« Vorhandensein des angegebenen Bestände« bekundet hatten, wurde dem Kasfirei Decdarge er« theilt. Die Mitglieder zeichneten fich hierauf in die Lasten der Theilnehmer an der Landpartie ein; 260 Theilnehmer meldeten fich an und erlegten je eine Mark. Die Landpartie, deren Ziel, wie bekannt, die PichclSberge find, wo Herr Schmidt sein Lokal den Putzern für den Tag zur Verfügung gestellt hat, wird am 12. Juli per Kremser unternommen werden. Die Wagen werden in den verschiedenen Stadttheilen vertheilt werden, um die Theilnehmer bequem und zur richtigen Z-it an den allgemeinen Treffpunkt, da« Vereins- lokal zu befördern. Von dort geht eS, früh Morgens um 6 Uhr, mit Mufik hinau» in'« Freie.— Sollten die Kosten de« Ausfluges den Voranschlag übersteigen, so wird da« Defizit, wie deschloffen wurde, von der Vereintkaffe gedeckt werden.— Nach Erledigung eine« Antrage« um Gewährung von R-chiS schütz wurden noch die jetzt überall eingetretenen MiethSstetge- rungen zur Sprache gebracht und man erörterte den Vorschlag, der Lohnabzüge au« der zu betrachten und demgemäß dem n- von Sellen der ArbeUer eine Kommandit- Gesellschaft zur Her» stellung freundlicher und gesunder Arbetterwohnungen zu fiünden; diese« Projett— so war die allgemeine Anficht— edarf jedoch erst einer näheren und gründlicheren Bcspre« chung. Der Verband deutscher Zimmerleute, Lokalverband Berlin Süd und Umgegend, hall Mittwoch, den 7. Juli, AdendS 9 Uhr, Martannenstr. 31—32, seine Versammlung ab. Nur Zimmerleute haben Zutritt. Zeutral- Krankeu»«ud Eterbekasse de» Deutscheu Seuefelder Buude», Verwaltungsstelle Berlin. Alexander- straße 31, im Rrstourant Weick, heute Abend 8 Uhr: Mitglieder» und Verwaltung«« Versammlung. Wahl von 2 Ver« waltung«- Mitgliedern. Zeutral-Kraukeu»«ud Sterbekasse der Maler und verwandten BerufSgenoffen Deutschland«(E. H. 71 Hamburg), Filiale l(Nord). Mitglieder» Versammlung Dienstag, den 6. Juli et, AdendS 8'/» Uhr. Ackerstraße 144(VorstädttscheS Kafino). Kraukeu» und Sterbe»U«terstütz«ug»kasse der Ber- Ituer Hautdiener. Mittwoch, den 7. Juli, AdendS 9% Uhr, Linienflr. 66, ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Auflage. 2. VierteljahreSbertcht. 3. Erledigung eingegangener Anträge. 4. Verschiedenes. Fragekasten.— Statutenbuch le« gitimirt. Fachverein der Schlosser»ud BerufSgeuossen. Der Vorstand ersucht alle Mitglieder, welche gesonnen find, ihre Rechte am Fachverein auch ferner zu wahren, spätesten« biS zur nächsten Versammlung, welche Sonnabend, den 10. Juli, stattfindet, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Kleine Mittheilnnge«. Bukarest, 30. Juni. In der Nacht de« 24. Juni ist der in einer der belebtesten Straßen, der Calea Moschilor, wohnende Russe Halowano« neb» seiner Frau und 4 Kindern förmlich abgeschlachtet worden. Wie man dem„P-ster Lloyd" schreibt, galt Halowanow bei seiner Nachbarschaft al« ein wohl- habender Mann, der fich durch seinen Handel mit russtschen Heiligenbildern, wie ste in Rumänien massenhaft verkaust wer« den, ein hübsche« Stück Geld verdiente und diesen Verdienst durch Sparsamkeit zusammen zu halten verstand. Halowanow selbst hat au« seinen verhällnißmäßtg recht günstigen Vermöaeni« verhälmiffen kein Hehl gemacht und hatte einem seiner Nach- barn erst kürzlich voller Genugthuung mllgetheilt, daß er mit dem in der Fremde erworbenen Gelde in die Heimath zurück kehren werde, um sich daselbst anzukaufen. Am Abend hatten fich die Eltern mit ihren kleineren vier Kindern im gemeinsamen Wohn- und Schlafzimmer zur Ruhe begeben, während der ältere Sohn, ein Knabe ron 14 Fahren, mit dem Diener Nikolai, einem von seinem Vater au« Barmherzigkeit in'« HauS genommenen russtschen Landsmann», in einer zugleich als VertaufSladen dienenden Kammer schlief. Al« der Knabe nach 5 Uhr Morgen« erwachte, hatte Nikolai bereits da« Lager verlassen. Doch schenkte der junge Halowanow diesem Umstände keine Auf» merlsamkeit und begab fich, wie er da» alltäglich zu thun ge« wohnt war, kurz vor sechs Uhr in da« gemeinsame Wohnzim« mer. Hier aber bot fich dem armen Fungen ein entsetzlicher Anblick dar. Auf dem Bette lag sein Vater mll durchschnittener Kehle, ihm zu Häupten die Leiche einer kaum anderthalb Jahre alten Schwester, während die L-ichen seiner Mutter und seiner drei Brüder in großen Blutlachen auf dem Boden lagen. Auf da« Jammergeschrei de« Knaben ellten die Nachbaren herbei, doch kam ihre Hilfe zu spät. Die Thäter, welche der Frau Halowanow« den Unterleib aufgeschlitzt und die drei jüngeren Knaben mit Berthieden getöstet hasten, waren bei ihrem Mordwerk mit einer erschrecklichen Gründlichkeit vorgegangen, um fich so- dann an die Sprengung und Plünderung der Truhe zu machen, in welcher Halowanow sein vom übrig gebliebenen Sohne auf mindesten« 10000 Fr. angegebene» Baargeld auf« bewahrte. Da der vorerwähnte Diener Nikolai verschwunden war, mußte fich der Verdacht nothwendigerweise auf diesen mit den Gewohnheiten de« Hause« vollkommen vertrauten Burschen lenken. Doch hat derselbe die schreckliche That wohl nur mll Unterstützung eine« oder mehrerer Mitschuldigen aus« führen können. E» schstnt auch zwischen den Eheleuten Halo- warow und ihren Mördern ein heftiger Kampf stattgefunden zu haben, wobei die Kinder wohl Lärm geschlagen hätten, wenn fie nicht von anderer Seite mit Gewalt daran verhindert, dezw. gleichzeitig mit ihren Eltern hingeschlachtet worden wären. Wie ve, lautet, hat man die Spur deS Diener« Niko- lat bis Rustschut verfolgt und dessen Festnahme ebendaselbst veranlaßt. Brüssel, 3. Juli. Auf der Bahn von Brüssel nach Vil- vorde fand man in einem hölzrrnen Koffer einen weidlich, n Rumpf, von dem der Kopf und die Gliedmaßen getrennt waren. Aus dieser Entdeckung scheint fich zu ergeben, daß die in der Vorstadt St. Grlle« in einem Guanosacke aufgefundenen Glieder einer Leiche nicht au« einer Anatomie herrührten, son- dern daß beide Funde auf ein Verbrechen schließen lassen. In Folge d ffen ist in der Bevölkerung von Neuem große Auf» regung entstanden. Gotha, 30. Juni. Der dreifache Raubmörder Thaldorf, welcher in Gräfentonna vorgestern hingerichtet wurde, hatte im Januar vorigen JahreS einen Einbruch in die Mühle zu Dietharz unternommen und dabei den Müller, drffen Frau und ein Dienstmädchen ermordet; der kleine fiebenjährige Sohn de« Müller« erhielt furchtbare Verletzungen, kam»der mit dem Leben davon. Vor dem Schwurgerichte in Meiningen stand dem Mörder der einzige noch lebende Z-uge der graustgen Mordszene, der kleine Knabe, als Zeuge gegenüber. Er trägt ein furchtbare» Wundmal al« stete Erinnerung an die SchreckenSnacht an der Stirn. Die Verhandlung endete mit der Verurtheitung Tialdorf'« zum Tode. Bii zum letzten Augenblick hat der Mörder ge« leugnet. Noch vor vierzehn Tagen, als die Hinrichtung schon stallfinden sollte, suchte er durch einen Revistontantrag die Vollstreckung der Strafe zu verhindern, ei ist ihm jedoch nicht gelungen, seine Schuldlosigkeit nachzuweisen. Bigamie. Aus Dilttzheim schreibt man dem„B.Ld»b.": Allgemeines Aufsehen erregt hier folgende Begebenheit: Vor etwa 5 Jahren wanderte ein hiefiger Einwohner, der Wagner Georg W. na» Amerika auS, da sein G-schäft in Folge nach- läsfiger Betreibung bedeutend zurückgegangen war. Seine Frau nebst vier Kindern ließ er jedoch zurück. Kürzlich erschien er wieder, brachte aber statt der erhofften Reichthümer eine Frau nebst einem Kinde mit. Orschon er wußte, daß seine erste Frau noch lebt, harte er kein Bedenken getragen, eine zweite Ehe ein» tugehm. Unter Vorspiegelung unwahrer Thatsachen hatte er seine zwelle Frau bewogen, ihm nach Deutschland zu folgen. Da jedoch die Sache ruchbar wurde, erfolgte seine Verhaftung. Ketzte Nachricht-«. Zu den englische« Wahlen. London. Sonntag, 4. Juli, früh. Bis jetzt find 148 Konseroative, 26 dissentirende Liberale, 54 Anhänger Gladstones und 17 Parnelliten gewählt. Die Konservativen haben 16 Sitze, die Anhänger Gladstone« 9 Sitze und die diffentirenden Liberalen durch die Wa'ol von CollingS in Birmingham einen Sitz gewonnen. Harcourt ist in Derby wiedergewählt, der Admiralität« sekretär Hiddert ist bei der Wahl in Oldham unterlegen. Die Morgendlättcr ver» öffentlichen ein zwischen dem früheren Präfidenten des Lokal- Regierungsamt«. Balfoux und Gladstone geführten Brief- Wechsel. Aus demselben ergiedt fich, daß Gladstore im De« zemder vorigen Jahre« den Tories seine Unterstützung zur Lösung der Frage der künftigen Verwallung Irland» anbot und dabei hinzufügte, er defitze authentisch: Nachrichten darüber, daß hinter Parnell eine Macht stehe, welche zu Ge- waltakten in England schreiten würde, wenn dem Verlangen der irischen Partei nicht durch ein wesenliche« Zugcständniß Rechnung getragen werde. Die Züricher Arbeiterdemonstration scheint die schweizer R-giecung zu einer M-ffenautweisung von aus« ländischen„Sozialisten und Anarchisten" benutzen zu wollen. Der Pariser Stadtrath hielt gestern unter besonderer Ffterlichkeir seine erste öffentliche Sitzung. Bisher war das Publikum von denselben ausgeschloffen. Die in Warschau erscheinende„Gazeta Handlowa" meldet, die ru fische ReichSregierung beabfichnge anzuordnen, daß die russtschen Eisenbahnverwaltungen künftig Betriebs« Maschinen, Waggon«, Maschinentheile u. s. w. nicht mehr au« dem Auslande beziehen dürfen. *** Verboten auf Grund de« Sozialistengesetze« wurde die Druckschrist:„Zwti Geschichten au« dem vollen Leben. Von*** I. Da« Alt- Modell. II. Morgenroth. Züeich 1886. Verlags Magazin.(I. Schadelitz.) Druck von I. Schabelitz, Zünch"._ Kriefimste« der Redaktion. W. W. Retchenbergerstr. Ihre Veisammlung« Anzeige ist un« erst heute(Montag) zugegangen und konnte deshalb nicht aufgenommen werden. E R 93. R. 1. Wo Sie fich am besten im Posaunen- blasen ausbilden können, ist un« nicht bekannt, vielleicht erthettt einer unserer Leser Autkunft.- 2. In jeder Annonzen« Expedition. O. V. Adalbertstr. Od Sie verpflichtet find, für Ihre Mitkläger die Kosten mitzutragen, kann nicht allgemein bf antwo tet werden, es kommt vielmehr auf die Lage deS einzelnen Falles an. Zwei Wettende. Ein wirklich von der G.seyzebung an« eikannre» in primae noctis hat es niemals irgendwo gegeben; thatjächlich besteht daffelde aber noch vielfach, d. h. die Guti« Herren maßen fich dafielde an und haben oft die Macht, ei auch durchzusetzen— natürlich nur in Rußland. Theater. Dienstag, den 6. Juli. Belle-Alliance-Theater. Da« Paradies, Ge« sana«posse in S Atten von Leon Treptow und & Herrmann. �, Dstend-Theater. Die Jungfrau von Orlean». Btttoria» Theater. Amor. Tan». Poem oon Luigi Manzottr. Walhalla-Theater. Capriccwsa. Kroll'b Theater. Aennchen von Tharau. Kavftnanu'tz Bartete. Große Spezwltiäten« Vorstellung.___ Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Kalser-Pmnoram«. '0� In dieser Woche: e inte Eine interessante Sthewreise. DaS malerische verner Oberland. Hertha-Retfe. Carolwen-Jnsel«. Eine Reise 90 Pfg- Kinder nur 10 Pfg. Soeben erschim Nr- 30 des „Mahren Jakob". Zu beziehen durch die Expedition. Zimmer» ßraße 44.___[2038 Wieder vorräthig! Pit ÄDldmolirM ,or dem veutscheu tieichstaze Komplet Heft 1—5. IbmH* 44._[1037 0. Karkosky, ttuBadicc, so., Pückter-Etraße 16, SO.[1890 Schweizer Garten. Am Friedrichshain. Hallestelle der Ringbahn. Am KöntgSthor. Dienstag, den 6. Juli 1886: Großes Mtlitiir-Concert«. Extra-Borstellung. Austreten sämmtlicher Spezialitäten, u. A. de« humoristischen Komiker TrioS Jona«, Grosch und Gläser, sowie der Wasol-Urnppe in ihrer Sensationsnummer: Jfiiss Eiasel als lebende Kanonenkugel. Miss Lazel wind aus einer Kanone geschossen und von Mise Zema aufgefangen werden. SheatervorsteUnng. Eanzlrränzchen. Nolkabelultigunoen aller Art. Krieg:«- und Fronten-Fenerwerh der Pyrotechniker A. und E. Maffow, Bonander und Hornig. Zum Schluß, zum ersten Male: Ol« Schlacht bei Wörth. Großes militärisch vy-otechnische« Schauspiel unter Mitwirkung von ca. 130 Personen. Gntre« 50 Pf. Billeti vorher 40 Pf. Alles Nähere die RnschlagSsäulen. □mmmmr S .1 mm! i f ö£: 1 - m s «t 0 s �- 1« ! » m:' 12 iäi| iTPiiii? i...• ip iiTilii s I 5 I «I £ imwM n> I Z I I I �3* cuuuuunuuuiiBüuuuuuuuüUüuuüuuuuuuuuuuimunuüuuuuuuuula I Die Expedition, Zimmerstr. 44, fordert alle Inserenten von Vereiusnachrichten ans, sämmt- liche Annoncen an die Expe- ditiov zu senden, den Betrag entweder gleich beizufügen oder die Inserate mit dem BereinS- ftempel und der deullichen Au- gäbe der Adresse Desjenigen zn versehen, bei dem die Be- trüge einzukasfireu find. ÄrbeitsmarKt. Pktfilbmr o. FardWchtt, sowie einen Arbeiter, geübt im Leisten ein- schlagen, verlangen Krüger& Günther,«ndreasstr. 10. Ser-erge«. Kerltehr». k*I sowie Zentral-Ar» '.tieitsniubwei» de» Fach. »min« der Tischler O. Blnmenatr. 56. Di« Arbeits. Vermittrlung geschieht unentgettlich. Adressenausgabe an Wochentagen von 8'/, biS 9»/, Uhr Abends. SonntagS von 9-11 Uhr Vormittags� Der unentgeltliche Arbeits- Nachweis der Klavierarbeiter befindet fich Skalitzerstr. 18 bei Stramm. [1750 Veraniwortlicher Rrdaveur 8t ssrouhei« in Berlin. Druck und Verlag von Max vadtug In Berlin 8W. BeutMaße 2.