N». 155 Mittwoch, de« 7. In» 1886. III. Iichrg. ertarDoteliloll Drgan für dir ünlrrrffru der Arbeiter. 4 iolkSblatt" ___________________________„esttaaen. AdonnementZpreiS für Berlin frei Hau« vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,85 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement «iJHtttl Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntagt-Nummer mit der illusttirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PoitzeiNrngSpreiSliste für 1886 unter Nr. 769.) DaS„Berliner erscheint täglich Morgen« außer nach Tony, und JnsertionSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Pelttzetle oder deren Raum 40 Pf. ArdeitSmarkt 10 Pfennige. Bei größeren Austragen hoher Rabatt nach Uedereinkunst. Inserate werden bt« 4 11h» Nachmittags in der Erpedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. Redaktiv«: Keachstraße S.— Erpedition: Zimmerstraße 44. Saison morte. Die Parlamente find geschlossen, die Reich«botea ruhen auf ihren Lorbeere« au«, die Minister gehe« in die „ tte«, desgleichen die Teheimräthe und alle diejenige«, welche besonders dazu berufen sind, die Staats- oder Reich«» Maschine in Tang zu halten. Z« der„tobten Zeit" kann man diese Funktion untergeordneten Personen übertragen, die den« auch de« Oefteren zeigen, daß sie diese„Ar» leit" mindeste-« ebenso gut verrichten wie ihre Herren und Meister. Die Tteuergroschea laufen ja regelmäßig ein; im Zeiche ohne Exekutor, da dasielbe fast nur indirekte Steuer» verbraucht, in de» Staate» und den Ge» n e i» d e« vielfach m i t dem Exekutor. So ist ja Oel genug da, um einen etwa« triviale« Autdruck zu gebrauche«, die Reich»- und Staattmaschiae zu schmieren, l» daß die Leiter dieser Maschine, wen« sie einigermaßen ordentlich wirthschaften, niemals in Verlegenheit komme« und sich der naison morte in aller Ruh« und Zufriedenheit hingeben können. Ander« aber liegt e« mit den Oel» spendern selb st. Niemal« ist für sie eine Ferienzeit vorhanden, in der sie sich erhole» können. Tritt die>etbe aber gezwungen durch Arbeitslosigkeit ein, so bringt sie keine Erholung, sonder» Roth und Elend. Die„todte Zeit", wie sie den höher gestellte« Klassen, ja selbst zahlreiche» subalternen oder mittleren Beamte« willkomme« ist, wie sie überhaupt jeder thätige Mensch ab und an braucht, um sich recht frisch zu erhalte», kennt da« Volk in seiner Masse nicht. Bei den bester gestellten Klasten tritt in der saison morte die Genußsucht, die Zerstreuungslust in hervor» ragender Weise zu Tage, der dann in rastlose« Reise« in romantische« Gegenden oder in den Luxusbäder» gefröhnt wird, weil diese Art der Zerstreuung in letzter Zeit besonder« modern geworden ist. Liest man nun die Kurliste«, blickt man sich im Allge» meinen um, wer und welche Klassen sich auf LuxuSreisen bestnde», betrachtet man die Preise, welche für solche„Er» holungen" gezahlt werde», so klingen die Klage» der Be» amten über niedrige Gehälter, die Klage« der Landwirthe über Erttaglofigkeit der Landwirthschaft, die Klage» der Kapitalisten über geringe Dividende« und die Ein« Wendungen der Fabrikanten gegen„hohe" Löhne geradezu als ein Hohn. In der That aber ist da« arbeitende Volk erholung«- bedürftiger, als die sogenannte„Gesellschaft, in welcher der weibliche Theil da« ganze Zahr hindurch gar nicht, «Och»»«» rtstat.] Ieuillteton. Gi«e Mutter. Rom«, von Ksrtedrtch SerftSSle». (Fortsetzung.) Da« Orchester beendete eben sein Vorspiel, und Zere» mia« hatte gerade«och Zeit, einen Blick im Theater selber umher zu werfe», wo Kopf an Kopf gedrängt saß, al« der Vorhang aufging. Fräulein Rottenhöfer al« Leonore trat auf; aber sie spielte heute Abend befangen, und kein Wunder, den« überall im Theater hatte sich schon daS Gerücht eine« beabsichtigte« Tumult« kund gegebe», und die Schauspieler selber konnten unmöglich unter diesem Eindruck ihre Ruhe bewahre». Pfeffer, heut« übrigen» nicht beschäftigt, ging in Tode«» angst hwier der Szene auf und ab und alle» Mensche» scheu au« dem Wege, und der Direktor selber hatte sich in seine kleine, völlig versteckte Loge geflüchtet, von wo er Alles über» sehe« und doch selber nicht gesehe« werde« konnte. Jetzt kam die vierte Szene mtt Julia und FieSco, und im Parterre lachte Jemand laut; aber Alle« sah ihn an, e« war zu ftüh und wurde Ruhe geboten. Rebe überttaf sich selber; mit voller Ruhe und edlem »nstanv und zuletzt mtt glühender, hinreißender Leidenschaft spielte e, die Szene durch. Seine ganze Persönlichkeit paßte dabei vortrefflich zu dem Grafen Lavagna; ei» reiche», ge« ichmackoolle« Kastüm hob sie«och mehr hervor, und die «ame» waren entzückt von ihm. 3>m Parterre wurde jetzt hier und da leise mtt vi»ü««flüstert, aber da bei seinem Abgang kein Zeiche« de« Beifall, gegebe» wmde, unterblieb auch jede Gegen» demonstratio». Jeremias hatte indessen immer vom Parket aus nach bekannt« Platz im erste» Rnng hinaufgesehe», ob Graf Roltack noch«ich, erschienen wäre. Jetzt trat Fresco wieder auf, und in der«ächste» Szene mtt de» drei schwarze« Ma«ken erschien auch Graf Rottack der männliche Theil vielfach nur zum Zeitvertreib und zur Erholung von den Strapaze« de« materielle» Genusses ei« wenig arbeitet. Natürlich ttifft dies nur eine» Theil der Wohlhabende«. Mancher von ihnen muß es sich ja auch sauer»erde« lasse», denn auch an diese Häuser klopft mehr und mehr die Sorge an. Da nun das arbettende und erwerbsthätige Volk in wirthschaftlicher Beziehung keine„todte Zeit" im Sinne der saison morte kennt, so soll sich dasselbe auch in politischer Beziehung derselbe« nicht überlasse«. Es soll in den Sommermonate», soviel in seine» Kräfte» steht, weiterarbeiten an seiner Befreiung vom wirthschaft- liche» und soziale« Drucke. Da« arbeitende Volk soll de«» halb vorzugsweise seine polttische Erziehung in« Auge fassen, damit e« de« herrschende» Parteien in jeder Hinsicht mehr und mehr gewachsen werde. Grade die Zeit der polittsche« todte« Saison ist hierfür am geeignetste». Die stürmische« Debatte« sind vorüber; e« ist Windstille eingetreten, in welcher Zeit der Seemann die Bücher selber Wissenschaft, m welcher er die Zeichen de« Firmament« studiren kann. So solle« auch die Arbeiter, die Pioniere und See» leute einer neue« sozial-politischen Welt, sich weiter aus» bilden durch eifrige« Lese« guter Bücher, durch kraftvolle Unterstützung aller derjenige» Z ei» tunge« und Zeitschriften, aus denen sie Gr» muthigung und Grkenntniß schöpfe« können. Sie solle« sich wieder sammeln zu neue», weitere» Be» strebunge« in ihrem eigene» Interesse und zum Wohle der Gesammtheit. Rastlo» eilt die Zett vorwärts und im Nu ist wieder die todte politische Saison gewichen dem lebendige« Treibe» und Ringen, wie die Windstille auf dem Meere durch er» frischende Brise« und Welle» abgelöst wird, die oftmal« geradezu in wildem Sturm endigen. So steht auch den Arbeiter»«och mancher Sturm be- vor; sie solle« nicht verzage», sondern Ruh« und Kraft dazu sammeln durch Befestigung manneSwüidiger Anschauungen und Ideen, durch eigenes Lernen und durch Belehrung un» selbstständiger Kamerade«, wohl angebracht gerade jetzt in der„tobten Zeit", wo weniger als sonst Tagesereignisse von der Betrachtung der Hauptfrage« ablenke», damtt die poli» tisch lebendig« Zeit sie wieder voll und thatkräftig auf dem Platze findet. In diesem Sinne begrüße» wir auch für de» Arbeiter- stand mit Freude« die gaison morte. und nah» seinen Platz ein. Auch diese Szene ging vor» über und die mtt Bourgoguino, und jetzt kam die Haupt» szene mit dem Mohre», den Höfke« ganz vortrefflich gab. Aber auch hier regte sich»och nicht«. E« war ordentlich, al« ob Alle, die Rebe'» Spiel beftiedigte, gefürchtet hätten, durch irgend ein BeifallSzeiche« de» angedrohten Tumult her» vorzurufen, und dt« Gegenpartei schien strenge Ordre zu habe«, nicht zu beginne«, weil sie sich dadurch leicht in Nachtheil setze» konnte. Der Vorhang siel, Todtenstille herrschte im Hause, bis sich dieselbe in ei» laute« Flüstern auflöste. Jeremias war aufgestanden und hatte sich umgedreht. Sei» Blick fiel auf ei« rothe», dicke« Gesicht mit blonden Haare«, da» ihm lächelnd zunickte,— das war richtig Herr Walther. Er stand nicht wett von der Thür, und wie er wetter suchte, erkannte er auch mttte« im Parket, aber auf einer der letzte» Bänke desselben, de« Doktor Strohwisch, der ihn hämisch und wie triumphirend belorgnettirte. Jeremias lief die Galle über. War der Bursche seine« Siege« so gewiß? Aber der Vorhang ging wieder auf, und jetzt ließ sich die für Alle unerträglich werdende Aufregung nicht länger zurückhalte«. Schon in Fieteo'« erstem Auftrete« mit dem Mohre« sprach Rebe die Wort«:„Von einem Schurke» da« avzu» hören!" so ganz vortrefflich, daß im erste« Range Eintge applaudirte«, unter ihnen Rottack; im Parterre wurde dar» auf an zwei, drei Orten gezischt, aber da« konnte auch Ruhe bedeute«. Damit aber hatte der Kampf begonnen, den» die vorhin ihre« Beifall gezeigt, ärgerte« sich jetzt, daß sie Jemand daran verhindern wollte. Da« Flüstern steigerte sich während der folgenden Szene», die Rebe ganz vorttefflich gab, wozu Direktor Krüger hinter seinem Gttter fortwährend beifällig mtt dem Kopfe nickte; und al« er sich vom Mohre» den Arm ritze« ließ und mtt dem AuSruf:„Mörder I Mörder! Besetzt die Wege,— riegelt die Pforten zu I" abstürzte, kam es zum Ausbruch. Jetzt wurde nicht allein vom Parterre au», sonder» auch vom ersten und zweiten Range lebhaft applaudirt, Die mmlmilchk UrlliZmrWist imd die amnikmischm ArlieilmWmMimm. in. (Vergl. Nr. 150 und 151.) § Die Gewerkschaften der Arbeiter haben vor allem den Zweck, günstigere Arbeitsbedingungen(höheren Lohn, kürzere Arbeitszeit) zu erzielen. Es leuchtet nun ohne weiteres ein, daß die Gewerkschaften, welche bei un» fast immer nur einen BerufSzweig umfassen— man denke an unsere Tischler», Klavierarbetter-, Maurer», Schloffervereine— in ihrem Kampfe gegen die Uebermacht de» Kapitals ganz ver schieden gestellt sind» je nachdemdie Arbeit vorwiegend eine gelernte oder unge» lernte ist. Denken wir un« in einer Stadt die Fleischerei in der alten handwerksmäßigen Weise ausgeübt. Jeder Meister hat vielleicht neben einem Lehrling einen Gesellm. Dieser muß natürlich alle», mal zur Fleischerei gehört, gründlich kennen. Er schlachtet also Kälber und Schöpse sogut wie Schweine, vielleicht auch Rinder, wie dies in kleinen Städten heute noch jeder Schlächter thut. Er bereitet dann da» Fleisch zu, er macht all« einzelnen Wurstsorten, er pökelt und räuchert. Da« alle« ist nicht leicht erlernt, aber der Geselle muß«S kennen, denn wenn ihm irgend eine der Fertigkeiten fehlt, so� vermag der Meister, der keinen zweiten Arbeiter hat, sein Geschäft nicht zu betreiben. Nehmen wir nun an, die Gesellen der Stadt seien mit ihrer Löhnung un- zufrieden und stellten einmüthig die Arbeit ein, da die Meister im guten nicht nachgeben wollen. Die Verlegenheit der letz» teren ist in diesem Falle keine geringe. Ardeiter brauchen ste, denn allein werden ste in ihrem Geschäfte nicht fertig. Brot» lose Männer, die gern arbeiten möchten, find zwar in der Stadt vielleicht vmhanVrn, aber dieselben find leine gelernten Fleischer. Und ehe ein beliebiger Arbeiter von der Straße daS alle» lernt, wa« von einem Schlächter der geschilderten Art verlangt werden muß,— dazu gehört ein Zeitraum von vielen Monaten, vielleicht von mehr al« einem Jahre. So lange kann der Meister aber nimmermehr warten, er ist also zum Entgegenkommen gezwungen, die Gesellen werden ihre Forde« rungen durchsetzen. Ganz ander«, wenn die kleinm Fleischer verschwunden find, wenn an Stell« der vielen kleinen Schlächtereien fich, wie in Amerika, wentge große Etabltff-mei.ti erheb« n, in denen eine weitgehende ArbeitSthetlung und Anwendung von Ma. schinen herrscht. Auch hier find die Arbeiter möglicherweise alle dmch eine Gewerkschaft verbunden, auch hier stellen ste vielleicht, wenn der Druck von oben zu stark wird, gemeinsam die Arbeit ein. Ader hier ist die Lage der Unternehmer eine ganz andere. Wir sehen davon ganz ab, daß sich wahrschein» lich mit der Einführung von Maschinen und neuen Pro- duktionSmethoden eine Reservearmee drodloser Fleischer gebildet hat. die gern und um jeden Preis die Stellen ihrer streikenden während an den verschiedensten Stelle« da« Zische» die Bravo« zu übertäuben suchte. Leonore und Rosa ttaten rasch auf, konnten aber nicht zu Worte kommen und zogen sich bestürzt zurück. Darüber wurde gelacht, und jetzt ertönte der erste Pfiff, mit dem Herr Walther selber da« Zeichen gab und der an verschie« denen Seite» ei« Echo fand. „Da haben wtt's," stöhnte Krüger und sank in seine» Stuhl zurück; ,o, dieser Strohwisch!" Aber die Oppofitton war stärker, al» die Pfeifer ver» muthet hatten. Im Parterre wurde eine Bewegung bemerk« bar, und nach verschiedene» Richtungen hin drängten sich Mensche», während Parket und erster Rang plötzlich fest eot» schiene», ihre« mit Recht gespendete« Beifall nicht »ertäube« zu lasse». „Rebe heraus I" tönte es auf einmal an verschiedene« Stelle», und ei« gellende« Pfeife» antwortete,— da» war Strohwisch selber. „Hinau« mtt dem Lump!" rief Jeremias, der fich nicht «ehr mäßige«, aber auch nicht von seinem Platz konnte, wo er emgekeilt saß. Wieder pfiff e« recht» und link«. Aber „Httrau«, hinaus mit de» Kerle»! Rebe herau«! Bravo, bravo!" tobte e« jetzt von allen Seite», und Herr Walther, der in voller Gemüth«ruhe unter einer Parketloge lehnte und laut vor fich hin pfiff, al« ob er sich ganz allein in einer einsame« Gegend befände, sah sich plötzlich von zu ihm andrängenden Lcuten gefaßt und fortgeschoben. „Na, holla," rief er,„was ist da«? Ich habe meine» Platz bezahlt!" Aber er leistete dabei nur geringe« Wider« stand, und Strohwisch, der aufgesprungen war, beobachtete in ziemlicher Spannung die Entfernung seiner Hauptstütze. „Rebe herau» I" schrie es jetzt wieder von verschiedene» Seiten, und ein schallender Applau» folgte. Wieder Zischen und Pfeife», aber schon bedeutend in der Minorttät»nd nur vereinzelt.„Rebe heraus I' schrie da» Publikum, und links und recht« wurden rndesse» einige räthtelhafte Individuen au« dem Parterre hinausgeworfen. „Gebe heraus! Rebe heraus!" Krüger war auf die Bühne gesprungen. Rebe weigerte sich, hinaus zu gehen, aber auf de« Direktor» Bitte« und Beschwören gab er endlich nach und trat hinau». Kollegen einnehmen würden- Wir wollen annehmen, alle Fleischer, die biSber beschäftigten und die bisher unbeschäftigten, würden auS der GewerkSkaffe«halten und keiner habe dt« ge> rtngfte Neigung, unter dem geforderten Tarif zu arbeiten. Hier wäre offenbar daSJdeal der heutigen Fachvereine verwirklicht: alle Ardeiter desselben Berufs gehörten ihm an und alle Kollegen wären einig. Und doch würde daS sehr wenig fruchten. Die Unter nebmtt bekommen in diesem Falle zwar keine„Fleisch«" alS Ersatzarbeiter. Ader waS thut daS? In wenigen Tagm find andere Arbefter— mochten fie ftüher sein, wa» sie wollten— dazu angelnnt, die einfachen Theilardeiten in den Soßen Schlächtereien auszuführen. Ein ftüher« Maut« neidet vielleicht die Kehlen ab, und ein ehemalig« Bäck« mischt gewiffe Fleischsorten mit gewiffen Gewürzen. WaS kann eine Arbeiterorganisation, die noch so vollkommen ist, die aber nur daS eine Gewerbe der„Fleisch«" umfaßt, dagegen auS» richten? Den Sieg könnte sie nur dann erwarten, wenn fie alle brotlosen Arbeit« zum Widerstand gegen die Groß« schlächt« organifiren könnte: wenn fie auch der Tagelöhner, d« Maurer, Tischler, Schloff« sich« wäre, die jetzt ihre Pläne durchkreuzen. DaS heißt aber mit anderm Worten: Die Ar- deit«organisationen dürfen fich mit fortschreitend« Technik nicht mehr auf ein Gtw«be beschränken, fie müffnr vielmehr alle die Gewerbe umfaffen, auS denen die Unternehmer Ersatz holen könnten. Mit jed« weiterm Ausdehnung d« ungelernten Arbeit w«d«n die heutigen bttussgenoffenschaftlichen Arbeiterverbände widerstandsunfähiger und widerstandsunfähiger, weil fie nur die Konkurrenz der engeren BenisSgenoffen zu regeln vermögen, und weil mit fortschreitender Bereinfachung d« Ar« beit auch die stellungslosen Arbeit« aller andnen Berufe mit in Konturren» treten. Ein Webersachverein kann wohl den Webern und Weberinnen allen einen einheitlichen Willen ein- flößen, ab« er kann nicht verhindern, daß ländliche Tagelöhn« auS der Provinz, Dienstmädchen auS der Stadt, vnunglückte und arbeitslose Existenzen au» allen Lttufen fich von den Unternehmem zu Spottpreisen anw«ben laffen und sehr bald „weben". So lange die Web« noch drei Jahre gelernt haben mußten, um in ihrem Berufe zu genügen, würde ein derartig« V«ein vollständig ausgereicht haben. Sobald aber jed« Arbeiter, auch wenn« gar nichts gelernt hat, rasch den Webstuhl zu bedienen vermag, dann vnmag auch allein dtefEinigkeit der Arbefter aller Berufe den Kampf gegen daS Unternehmelthum halbwegs zu einem autfichtSoollen zu gestalten. Unsere Arbeiter haben schon bei den verschiedensten Streiks ähnliche Wahrnehmungen machen können. Auch wo die be- theiligten Berufsgen offen einig waren, haben die Unternehmer fich dadurch zu helfen gewußt, daß fie irgend welche uner« fahrene Arbeit«, womöglich vom Land« und auS der Provinz, einstellten und rasch anlernten. In Amerika, wo die Berein- fachung der Arbeit viel weit« entwickelt ist, als bei uns, ist diese» Verfahren natürlich bedeutend leicht«, d« Kampf der Fachv«eine entsprechend schwierigerer und deshalb haben fich dort vielfach schon die berufSgenoffrnschaftlichen Arbtit«v«eine aufgelöst und zu großen allgemeinen Arbeiter- verbänden zusammengethan. Politische Urberstcht. Die Regternug will et« Arbeiterschutzgesetz a«»- arbeite« lasse«,— da» ist die überraschendste Nachricht de» heutigen TageS, welche sonderbraer Weise au» dem Haupt- quam« der„Heilsarmee", auS Wormi kommt. In den Rück- blicken auf die letzte ReichStagSsesfion— schreibt die„Franks. Ztg."— war vielfach von dm vergeblichen Bemühungen der parlammtartschen Initiativ« auf dem Gebiete dn Arbeit«- fchutzgesetzgedung die Rede und nicht etwa auf Grund von Vermuthungen, sondern an der Hand von Thatsachm wurde die Erfolglofigkeft auf dm mangelnden gutm Willen deS Reichskanzlers zurückgeführt. Da, geschah nicht nur von Seiten der„Oppofition", von der gerade derjenige Theil, dem man Voreingenommenheit gegen den Fürstm Bismarck vorzuwerfen pflegt, dieimal mit demselben sehr zufriedm war— sondern auch au, dem Lager der konservativen Sozialreform«, die fich stet, mit Emphase auf die kaiserliche Botschaft vom 27. No- vember 1881 berufen. Noch der„Wormser Zeitung" nun hätten wir Alle d« Regierung Unrecht gethan, denn da» Blatt ist, „auf beste Informationen gestützt, in der Lage miizutheilen, „daß die ReichSregierung bereit» mit der Ausarbeitung eine, Gesetzentwurf» betreffend den Schutz der Arbeit« beschäftigt ist. dessen Vorlage schon in der nächst«« Reich»« tagSsession erfolgen wird".- Wir werden ja srhm, vor der Hand find unsere Erwartungen die dmkbar "���Eine Denvvziatio« liest die„Freis. Ztg." auS unser« Notiz über die polizeftich protegirten Gewerkvereine de» Dr. Hirsch(in Nr. 153 unseres Blattes) heraus. Mit d« iourna« listischen Unv«frolenheit, welche die Leitung der„Freis. Ztg." auszeichnet, kann man in der That Alle, fertig bringm. AuS d« Konstatirung der Thatsache, daß die Gewerkvtteine im Stürmischer Applaus und ei« einzeln« gellender Pfiff dazwischen, den d« von Bttzweiflung getriebene Rezensent als letzte« Versuch selb« ausgestoßen. Jetzt ab« war die Geduld de« Publikums auch erschöpft. „Hinaus mit ihm 1" schrieen die ihm Nächste«, während da« übrige Publikum nur soviel stärk« applaudnte. Stroh- wisch wollte sich wehre«— umsonst; er klammerte fich an die Parketlehne— umsonst. Kräftige Arme hatte« ihn ge- faßt, und während Rebe unt« rauschendem Applaus abging, beförderte das Parten« mit ein« mnkwürdigea Geschwindig- keit und unt« dem«och fortwährend lebhafte» Applaudften des erste« Ranges und dem Zubelgeschrei dn Gallerte de« unglückliche» Rezensent«« vor die Thür. Jetzt hatte Rebe gesiegt. Ja d« Szene mit dem Mal« und nachher mit de» Verschworene«»urde er rauschend applaudirt, ohne daß die Oppofition auch nur einen Gegenlaut gewagt,«ach dem Akte wie«ach alle» übrige» Akte« stürmisch und zum Schlüsse sogar, etwa» Unerhörte» für Haßburg, dreimal hnvorgnufe«. Krüger umarmte ihn auf der Bühne vor alle» übrige» Mitglied««, und bat sich seine« Besuch auf morgen früh au», und da» Publikum ging mtt dem beruhigende» Gefühl«ach Hause, seine» Willen durchgesetzt u»d fich vortrefflich amüsirt z» haben. Daß Rebe ein ausgezeichnet« Schauspiel« sei, darüb« war von dem Augenblick an nur eine Stimme i» Haßburg, u»d sein Triumph»urde vollkommen, al» am nächsten Mor- aen die Nachricht die Stadt durchlief, daß d« Eigevthüm« de« Stadtblatte» H«r» Doktor Sttohwisch die Redaktion de» Feuilleton» gekündigt habe. Der boshafte Aufsatz üb« die Mouford'sche Famile hatte ihm de« Hal» gebrochen. Der alteMaulwurf»fä»ger. In d« Stadt Lebe» u«d Bewegung, lärmende Ver- g»agu«ge«, fröhliche« Schaffe« u«d Dränge«- drauße« auf dem Monford'sche» Stammfitz duwpfe Schwüle und Grabesruh«. Ja, die Sonne fihte»«och so warm und golden auf die schattige» Waldungen und de« sorgfäftig gehaltenen Gegensatz zu den Fachvereinen nicht al» polittsche Organisa- ttonen behandelt würden, macht da» Richter'sche Blatt: wir forderten eine derartige Behandlung. Wir werden unS durch solche Verleumdungen nicht darin deirren laffen, immer und immer wieder darauf Hinzuwersen, wie die Polizei, auch wenn fie fich auf andere Gesetze al» da» Sozialistengesetz beruft, einen Unterschied macht zwischen„ftetfinnigen" Ardeiter- vereinen und solchen, bei denen man sozialtstftche Tendenzen vermuthet; nicht um die fortschrftllichen Vereine mtt polizri- licher Bevormundung zu beglücken, sondern um Klarheit darüber zu schaffen, daß die Behörden auch bei der Anwendung de» VereinSgesetze» vom Jahre 1850 nur in den Bahnen de» Sozialisten- gesetzeS vom Jahre 1878 wandeln. Die Feststellung und wiederholte Betonung dieser Thatsache halten wir für unsere politische Pflicht. Wir haben dabei nicht nöthig, un» immer gegen alle denkbaren Unterstellungen zu verwahren, weil unsere Leser ganz genau wissen, daß wir nicht die Au�deh- nung der heutigen Unfreiheit der Fachoereine auf alle Ardeiter- Verbindungen, sondern vielmehr die den Manchesterleuten gewährten Freiheften mindestens auch für die Fachoereine fotdern. Zar Berltaer Autstelluna. Bei der Abstimmung de» BundeSrathi über die Berliner Jndustrie-Auistellung hat fich Preußen, wie der„Nat.-Ztg." mitgetheill wird, neutral verhalten und erklärt, seine Stellung von der Majorität abhängig machen zu wollen. In jenen Kreisen der Industriellen, in welchen man alle» aufgeboten bat, die Ausstellung im Jahre 1888 zu Stande kommen zu laffen, will man jetzt versuchen, auf privaten Wegen die Summe von 3 Millionen Mark zusammenzubringen, welche man vergeblich alS ReikyShilfe er- wartet hat, um das Untern. hmen dennoch zu Stande kommen zu laffen.— Da» dürfte jedoch gänzlich auSfichtSloS sein. Da» Sletch«verficheruugS»mt führt bekanntlich nicht nur die Oberautficht über die UnfallSgenoffenschaften, sondern ihm wohnen auch richterliche Funktionen bei. Für diese richterliche Thätigkeit, insbesondere also wenn eS fich um die Entscheidung vermögensrechtlicher Streitigkeiten bei Veränderung des Be- stände» der Genoffenschaften oder Rekurse gegen die Entschei« dung der Schiedsgerichte handelt, erfolgt die Beschlußfassung unt-r Zuziehung zweier richterlicher Beamten. Zum ersten Male wird da» ReichSoeefichemngSamt am nächsten Freitag, den 3., seine richterliche Funktionen wahrnehmen. Auch etu Kulturgradmesser. Die von dem italienischen Ministerium für Ackerbau, Industrie und Handel herausgegebenen „Annnli di Statistica"(Jahrbücher der Statistik) dringen eine intereffante Zusammenstellung über den Verbrauch von periodi- schen Zeitschristen in einer Reihe von Kulturländern. Liebig wollte am Seifekonsum den Kulturzustand einet Volkes meffen, ein besserer Maßstab dürfte der Zeitungskonsum sein, dieses Barometer des öffentlichen Lebens. SS wurden ausgegeben: aus eine Zeftung in im Jahre Zeit« entfallen schriften Einwohner den Ver. St. von Amerika 1880 11314 4443 ::;;: W S,% lÄ""a.n6::: S 5S1 ISil Frankreich...... 1881 3 716 10 138 Großbritannien».Irland 1881 3083 11409 Schweden...... 1880 348 13 120 Oesterreich...... 1880 1 378 16070 Ungam...... 1880 646 21 343 Italien....... 1883 1 298 22 350 Rußland und Finnland. 1880 776 109 611 Dai Deutsche Reich defindet fich an vierter Stelle und wird nur von zwei Republiken und einer freisinnigen Monarchie überflügelt. Da» absolute Kaiserreich Rußland steht selbstver- ständlich an der Spitze— von hinten. Zur Kanalfrag». Da» Reich gedenkt den Nord-Ost- see-Kanal selbst zu bauen und zu diesem Ende eine au» Technikern und Verwaltungsbeamten zusammengesetzte beson- dere Baubehörde zu errichten, welche den Namen„Kaiser.iche kanalkommisfion" führen soll. Neben den Erwägungen, daß die unmittelbare Leitung de» Bau«» durch da» Reich vor der ursprünglich deabfichtlgten Uede, tragung an Preußen wegen der mtt dem letzteren Verfahren nothwendigen Wefterungen den Vorzug verdient, haben auch andere Rückstchten und int- besondere der Wunsch, für dies große nationale Unternchmen auch die nichtpreußischen Techniker nutzbar zu machen, diesen Vorschlag veranlaßt. Ferner ist nach offiziöser Verficherung für diese Entschließung die Erwägung mitentscheidend gewesen, daß daS Reich bei diesem Unternehmen die Gelegenheit zur pravischen Durchführung derjenigen sozialpolitischen GestchtS- punkie erhält, welche in der kaiserlichen Botschaft vom 17. November 1881 niedergelegt find:„Denn nicht nur wird dieses große, zu seiner Durchs ührung Jahre bedürfende Unternehmen den Anlaß zu einer mustergiltigen Organisation der Kranken- und Unfallverficherung für die bei dem Bau beschäftigten zahl- Rase« nieder, die Blume« blühten und duftete« wie vor- dem, der kleine Bergstrom rieselte rasch vorbei und rauschte und plauderte, und die Nachtigallen sangen Abend» ihr wunderbar ergreifend Lied; aber still und geräuschlo« glitten die Diener in dem alten Schlosse umher, öffnete« und schloffen die Thüre» leise«»d vorsichtig und sprachen nur flüsternd mtt einander. Der alte Graf hatte fich bis jetzt noch einigermaßen wohl gefühlt, wenigsten« jede« Tag seinen kurze» Spazier- gang gemacht. Gester» Abend aber,»och i» spater Stunde, war er plötzlich wieder, gerade al» ihm der Haushofmeister seinen Thee i»« Zimmer brachte, vom Stuhle gefalle« und lag jetzt in dumpfem Hinbrüten in seinem Bett«. Der Ober-Mediziualrath war»och w der Nacht von Haßburg herau»geholt worden und saß an dem Lager de» Kra»k«n. Da» war keine Ohnmacht mehr gewesen; der Tod hatte deutlich an de» Leben» Pforte geklopft, und der alte Arzt fühlte wieder und wieder de« Pul» de» Kranke«, stand dann auf. ging im Zimmer auf und ab und setzte fich wie- der am Bett nieder. Die Gräfin kam avr selten in das Zimmer de» Kran- ke», der allerding« nicht bewußtlos, aber vollkomme« theil- «ahmlo» auf seinem Bette lag. Er beantwortete auch keine de, an ihn gerichtete» Frage«, sah wohl«ach der Thür, we«» fich diese öffnet«, starrte da»» aber wieder halbe Etun- de« la»g zur Deck« empor. De» Ober-MedizinalrathS Famulu» war indeffe» vo» der Tärt»erwoh«u«g herüber gekomme«, um Bericht abzu- statte» und de« Arzt zu bitte», fich de» Verwundete» dort «be» selber einmal anzusehe». E« ging sehr schlecht mtt ihm, u»d er fürchtete, da eine Amputation a» der Stelle unmöglich war, da» Schlimmste. Die Wunde«ahm u«g«- wöhnlich rasch eine» bösartige» Charakter an, da fich der Verwundete«och außerdem in heimlicher Weise Branntwein verschafft und unmäßig davon getrunken hatte. Der Ober-Medizinalrath schüttelte»»geduldig mit dem Kopf, versprach aber im Laufe de» Morgen« htnübe, zu komme», und fragt«, od fich der Geschoffe«e nicht tranSpor- tire» ließe. reichen Ardeiter geben, sondern man wird dabei auch die Mangel, welche lückfichtlich der WohlfahrtSeim tchwngen bei Unternehmungen ähnlicher Art häufiger hervorgetreten find, vermeiden und in Bezug auf Wohnung«., Speiseeinrichtung, Befriedigung deS Spardedürfniffei«. den Arbeitern während deS Baues ein geregelte eS Dasein fichern können."- H-ffent- ftch erfüllen die Thatsachen später diese Versprechungen. Für de« Umfang der Provinz Ostpreußen find nun auch auf Grund de» Gesrtze» vom 6. Mal d. I. Anordnungen betreffs deS VolkSschulwesenS getroffen worden. Danach werden Arbeitgeber, welche ohne Erlaudniß der zuständigen Schul- behörde entweder schulpflichtige Kinder während der Unterricht«. stunden beschäftigen oder die Beschäftigung solcher Kinder in ihrem Dienste wahrend der Unterrichtl stunden durch ihre Auf. seher, Gehilfen oder Arbeiter dulden, fall« nicht nach den Gesetzen eine härtere Strafe verwirft wird, für jeden Tag einer derartigen Beschäftigung eine» schulpflichtigm Kinde« mtt einer Geldbuße von 1 bis 30 M. oder verhältniß mäßiger Hast bestraft. Beleidigungen de» König« vo« Bayer«. Der Straß. burger„VolkSfteund" frischt eine nicht uninteressante Erinnerung wieder auf. Er schreibt:„Der Tod de» unglück.ichen König» von Bayern führt unS auf einen Prozeß zurück, der vor 3 biS 4 Jahren gegen unS angestrengt wurde. D-n Erzählungen und Urthetlen der öffentlichen Blätter zufolge gab bereit» da- malS der König durch seine Prachtbauten und andere Erzen. trizitäten Anlaß zu gewiffen Bedenken. Nun, da erlaubte sich der„VolkSfteund" damals zu sagen, daß in Elsaß man von solch einer Person gewSdnt sei, zu sagen, fie sei„gepickt". Da» Wort ,st in unserer Volkssprache gleichbedeutend mtt dem hoch. deutschen„exzentrisch". Der„VolkSfteund" wurde vor Gericht gezogen und zu sech« Wochen Gefängnis) und zu den Gerichts, kosten verurtheilt. Nun lesen wir im offiziellen ärztlichen Be» richt über den geistigen Zustand deS Königs, daß derselbe an Verrücktbeft litt und diese Krankheft schon lange Jahre hinauf- reiche. Wir wollen nicht rekriminirm, fern davon. Allein.. Der auch vo« uns wiedergegebene hesstschp Mintstertalerlaß wird nach der„Franks. Ztg." bei den- Wiederzusammer.tritt der zweiten Kammer Gegenstand einer Interpellation dftden. Mehrere Abgeordnete, darunter ein hervorragende» Mitglied der katholischen VoUSpartei, haben de- schloffen, daS Ministerium darüber zu interpelliren, ob e» bei dem Erlaß auS eigenem Antrieb gehandelt habe und wodurch' ei hierzu veranlaßt sei, oder ob da» Zirkular einer allgemeinen Weisung von Berlin seine Ent. stehung verdankt. Bersammluuge«. Der ReickStagSabacordnete Geiser hielt am 1. Juli zu Hanhau, am 2. Juli zu Chemnitz zahlreich de- luchte Versammlungen ab mtt der Tagesordnung:„Uesere Volksbildung, wie ste ist und wie fie sein sollte". Der ver- lauf der Versammlungen war ein guter; der Redner erntete großen Beifall. Versammlungsverbot. Der„Freien Presse für Berg und Mark" schreibt man au» Bremen, 5. Juli: Die Erlaffe de» Herrn von Puttkamer fangen auch hier an zu wirken. Der Vorstand de» Fachvereini der Texttl-Branche hatte auf Sonntag Morgen 11 Uhr nach der Schützenhalle eine öffent« liche Versammlung der Weber, Wirker, Riemmdreher ,c. ande- räumt, um neue Mttglieder zu werben. AlS Redner war Herr Wesch-Krefeld angemeldet. Am Samstag Nachmittag erhielt der Einberufer ein Schreiben det Oberdürgermeisteramte», laut welchem die Versammlung auf Grund dei§ 9 de» Gesetze» gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie verboten wurde. Da da» Verbot erst spät bekannt wurde, so Site fich in der Schützenballe ein zahlreiches Publikum einge« nden, welche» hier erst Kenntniß von der behördlichen Maß- regel erhielt. Weißenfels» den 1. Juli. Ein der sozialdemokratischen! Partei angrhöriger Zigarrenbändler hatte in dem Fenster seiner Wohnung eine rotbe Kattungardine, nach Anficht de» Bürgermeisters in ostentativer Weise, angebracht und wurde deshalb mit einer Geldstrafe von 50 M. belegt. Gegen dieselbe erhob der erster« bei der königl. Regierung Beschwerde, wurde aber mit derselben abgewiesen und mußte, da er die über ihn verhängte Geldstrafe nicht zu erlegen vermochte, im hiefigen GerichtSgefängniß eine achttägige Haftstrafe verbüßen. Al« vor einiger Zeit der ReichStagsabgeordnete Viereck, welcher in Naumburg einen öffentlichen Vortrag gehalten hatte, mit mehreren Parteigenossen in einem öffentlichen Lokale eine Besprechung abhalten wollte, wurde derselbe au» diesem von der Polizei verwiesen; gleiche« fand statt, al» die Leute fich in einer anderen Ganwirthschaft niederließen. Zum Schluß versammeften fie fich in verschiedenen Kähnen auf der Saale. Belgie«. Au» Brüssel, 3. Juli, schierbt man der„Voff. Ztg.": Der Generalrath der Arbeiterpartei bat ein fulminante» Manifest an alle Arbeiter Belgien» erlassen. ES heißt darin:„Arbeiterl Die Leute, die un» regieren und unS wie Sklaven behandeln, haben geglaubt, daß eS genügte, unsere E» war ganz unmöglich; bei der geringsten Bewegung schrie er laut auf. Der alte Maulwurfsfänger befand fich wirklich in einer bösen Lage und hatte die ganze Nacht ei« heftige» Fieber gehabt. Erst mtt der Morgendämmerung ließ da» etwa» «ach, und er fiel dann i» einen unruhige« Schlaf, auS dem er manchmal mtt einem Schrei emporschrcckie. Gegen zehn Uhr wachte er auf und aß etwa» Wassersuppe, aber er fühfte fich todesmatt. Al» ihm der junge Arzt nachher die Wunde verband, bettachtete er fie selber auch kopfschütttlnd und sagte dann, indem er ihn fest ansah: .Höre» Sie'mal, Herr Doktor, die Ränder gefallen mtt nicht; ich habe in meinem Lebe» schon zu viel Der- artige« gesehe«. Da» kommt mtt beinahe vor wie der Brand — hm?" „So weit ist'«»och nicht," beruhigte ihn Frank,„aber wenn Ihr»och«ine» Tropfe» Branatweia trinkt, steh' ich Euch für nicht,." *3», jetzt hat'» der Branntwein getha»",«ickte der Alte vor fich hin.„Daß Ihr Doktore» doch immer genau wißt, woher e» kommt, aber«ie, wohin e« geht! Ich merke schon, wie di« Geschichte ist, faul, überfaul und..." Er biß vor Schmerz die Zähne auf etnaader und fiel, während der Arzt die geöffnete Wunde wieder verband, auf sein Kissen zurück. So lag er wohl eine halbe Stunde. Der Arzt war fortgegange«, und di« alt« Wärterin, di« ih» pflege» mußte, da man dem Kind im Haus« da» nicht Alle« überlasse« konnte, war hinunter in die Küche gestiegen, um fich ihr Mittagesse» zu bereite«. In der Zeit mußt« dann immer de« alte» Jona» Enkelin dei ihm fitze«, um die Wärter!» i rufe» zu können, we»» er etma» verlangte, oder ihm selber vielleicht kleine Handreichuage» zu thu». Der Verwundete hatte eine Weile still gelegt» und auf seine Decke aiedergestant. Endlich sagte er leise: „Bärbel I' .Ja, Herr Fritz," antwortete die Kleine, welche aM Fenster stand und auf die grüne« Büsche hinaus� schaut«,„wollt Ihr Wassers Ich habe frische« mit herauf' gebracht." Maniftstatwn vom 13. Juni zu verbieten. Sie täuschen stch. Wir lämpsen für unser Recht und wir werden siegen! Nicht« kann ein Volk, da» eine Sache will und fest will, anhalten. Die Nichtwählcr, diejenigen, die kein Recht aber alle Lasten haben, diejenigen, die am 13. Juni in Brüffel zeigen wollten, dah fie etwa« sein wollen in ihrem Lande, werden am 15. August auf ihrem Posten sein! Ueberall organistre man fich! Am 15. August werden die Regierenden, die Befriedig. ten, die Herren in Brüffel sein, um die Revolution von 1830 zu feiern, die sie zu ihrem Nutzen ausgedeutet haben I Die Söhne der Kämpfer von 1830 werden auch fich daselbst ein. finden, um Gerechtigkeit ,u fordern! Aber wenn noch einmal unsere Kundgebung untersagt wird, wenn noch einmal wir autzerhald de» Gesetze» gestellt werden, dann werden wir un» ernstlich organifiren muffen, um unsere Forderungen durch ein andere» MUtel zu erreichen:die allgemeine Arbeit». einstellung! Ja! überall laßt un» korporative Gesell» schatten bilden, deren aufgesammelter Gewinn un» Arbeitern Belgien» erlauben wird, die Arbeit im ganzen Lande an dem- selben Tage einzustellen. An» Werk Genoffen! Am 15. August alle in Brüffel! Wir müssen unsere Rechte al» Bürger er- langen I Schon zu lange fordern und bitten wir, da» kann nicht immer dauern! Gerechtigkeit muß geübt werden; aber dazu muß man stark sein und die belgischen Proletarier wer- den e» sein, um den Regierenden da» allgemeine Wahl» r e ch t zu entreißen, da» fie un» verweigern! Wir wollen da» allgemeine Wahlrecht, wir werden e» haben 1" Zur„Lösung der gesammten sozialen Fragen�' im weitesten Umfange auf religiöser Grundlage tritt mit Zustimmung de» Papste» ein katholischer Kongreß am 26. September in Lüttich zusammen. Der Kongreß währt vier Tage; in drei Sektionen will er die religiösen, sozialen, ölo> nomischen und die hierauf bezüglichen gesetzgeberischen Fragen lösen. Hoffentlich giebt der Kongeß noch ein oder zwei Tage zu. wenn er die soziale Frage in vier Tagen nicht au» der West bringt. H» l l a»». In Amsterdam eingelaufene Berichte aus Niederlän« d i s ch I n d i e n melden haarsträubenbeDinge über die verwahrlosten Zustände in der dortigen Verwaltung, welche an einer Stelle spart und an der andern da» Geld mtt vollen Händen fortwirst. Nach dem letzten AuSweiS zählt da» ntederländisch-indische Heer etwa 16000 Mann Infanterie, davon kommen 10 000 Mann auf die 18 Feldbatatllone, während die übrigen 6000 Mann über den ganzen Archipel in verschiedene Garnisonen vertheilt find, von letzteren find durchschnittlich gewöhnlich zwei Drittel für Felddienst untauglich, so daß man etwa über 2000 Mann kriegStüchtiger Leute verfügt. So müßte der odnungSmäßige Zustand sein, in der That zähtt aber das Heer im Augenblick etwa 8000 von der Beri-Beri- Krankheit(einer Art Ruhr) er» griffene Kranke und wenn keine entschiedenen Maßregeln dagegen ergriffen werden, dann werden nach neun Monaten über- Haupt keine gesunden und kriegStüchtigen Soldaten wehr im Heere sein. In der Regel darf man nach der„Magd. Ztg." annehmen, daß, wenn ein solcher Kranker auch wieder hergestellt wird, wozu«S aber immer mehrere Monate braucht, er doch für den Felddienst für immer ungeschickt bleibt. An diesem traurigen Zustande trägt allein die Regierung die Schuld, da die letzte Ursache dieser furchtbaren Krankheit nur die schlechte Ernährung der Soldatm ist. Denn am I.Juli 1835 hat man au» SparsamkeitSrückstchten für Atjeh den T a r t f für die Verpflegung herabgesetzt, während an die LeistungS« krast der Soldatm die höchsten Ansprüche gemacht werden; üderdiei ist die verabreichte Nahrungsoschlecht.daß fie häufig altbald, nachdem fie auSgetheilt ist, weggeworfen wird. Allerdings hat die Regierung dadurch Ersparmffe erzielt, aber diese werden durch die Summen wieder verringert, welche die Regierung der niederländischm DampfschifffahttSgesellschaft für die Ueberbringung der Kranken nach Java bezahlen muß. Im vorigen Jahre find 1800 Soldaten an der genannten Krank« heit gestorben, die stch auf der Westküste von Sumatra in schreckmerregender Weise verbreitet, und e» ist unglaublich, aber wahr, daß man diesm Hungerleidertarif auch im Militär- spttal eingeführt und dadurch jedm Monat einige Tausend Guldm erspart hat; aber e» werden Tonnm GolveS nöthh sein, um da» Heer überhaupt wieder auf kriegStüchtigen Fü zu dringen." Der Verfaffer dieses Berichts ersucht andere Blätter ausdrücklich, die hier namhaft gemachten Thalsachen aufzunehmen, vielleicht werde dann die allgemeine öffentliche Entrüstung dm erwünschtm Druck auf die Regierung auS- üben. Noch empörmder ist die Schilderung eine» Augen- zeugen über die B e h a n d l u n g der au» Atjeh nach Padang überbrachten kranken Soldaten, die während der nur drettägigm Ueberfahrt dutzendweise wegstarben. Da» Handel»- blatt von Batavia, welches diese Schilderung veröffentlicht, hofft, daß dieselbe im Jntereffe der Ehre der Regierung über- trieben sein möge, e» fürchtet aber sehr, daß fie der Wahrheit nur allzu sehr entspreche. Vor Allem wird eine Rmdesetzung deS Gcneralgouverneurpostm» nöthig sein, da der bisherige „Nein, Kind, jetzt nicht/ antwortete der alte Maul- wurfsfänger;„aber willst Du mir einen recht große» Dienst erweise«?" „Zch darf Euch keine« Branntwein wieder bringe»/ sagte die Kleine erschreckt;„der Herr Doktor hat so mtt mir gezankt/ „Da» sollst Du auch nicht, Kind/ lautete die matte Antwort;„den letzte« in diesem Leben werde ich wohl getrunken habe«. Hast Du mir nicht gesagt, daß Du jcden�Tag zur Frau Gräfin hinaufgehst und ihr Blumm „Ja, Herr Fritz, wen« die alte Rofie wieder zu Such heraufkommt, gehe ich gleich. Großvater hat fie schon ab« gepflückt— immer Mtttag«/ „Uni stehst Du die Gräfin selber?" „Za, jedesmal; ich gehe immer gleich zu ihr in'» Znnmer- ich darf/ „Willst Du mtt einen Gefalle» thu»?" „Recht gern, wenn ich kann." Der alte Maulwurf»sSager schwieg, zog aber von dem kleinen Finger der linke« Hand eine« schmalm Goldreif mtt einem kleine« grünen Stein herunter. Vor acht Tagen »och war der Ring in'» Fleisch gewachsen gewesen, so daß «an ihn fast gar nicht mehr sehe» konnte; jetzt fiel er fast von selber ab. .„Willst Du mtt auch verspreche». Bärbel«, daß Du �nem Menschea etwa» von dem, was ich Dir jetzt sage, erschreckt � doch nicht» Böse«?" ftagte da» Kind »�"n. Bärbel«, nicht» Böse«, im Gegentheil. vielleicht macht eS mich wieder gesund. Aber höre, Kind, dm Ring h,«r— verlier ih« mir ja nicht— d» Ring nimmst Du mit hinauf zu der Frau Gräfin, und wen« Du ihr die Blumm bringst, gieb' ihr dm Ring und sag' ihr. hier bei Euch im Hause liege Jemand sehr krank und wünschte fie «och einmal zu sprechm/ „Aber die Frau Gräfin soll doch nicht zu Euch her- überkomme«?' sagte da» Kind bestürzt;„da» thut fie gewiß Mlht." indische Vizekönig nicht die erforderlich« Thatkrast zu desttzm scheint, um den vollm Augiasstall zu reinigm. In einer Konferenz der lideralm Kammermehrhett mtt dem Minister Präfidmtm HeemSkerk wurde beschloffen, daß da» Ministerium im Amte verbleiben solle, jedoch unter der Bedingung, sofort die Vorlag« zur Reviston der Verfaffung im Sinn« der Erweiterung de» Wahlrecht» ein- zubringen.«„, Rußland. Ein Zirkular der Oberpreßverwaltuna untersagte dm Re» daftionen, etwa» über Bestellungen von Minen böten für die Schwarzemeer-Flotte. welche in England und Frankreich gebaut werden, zu veröffentlichm. Ein gleiche» Verbot erging berett» im Seotemder 1883. Au» der Kreisstadt Wileiki, Gouvernement Wilna, kom- mende Paffagiere erzählm, daß in dem 42 Werst entfernten Flecken Dolainowo von Landleuten, welche zur Kirchmmeffe gekommen, eine I u d e n h e tz e veranstattet worden sei. Außer Demolirung von vielen Häusern, Budm, Plünderung de» Eigenthum« u. s. w. soll e« viele Verwundete, ja sogar einige Todte geaeben habm.„.. In Moskau wurden ewige Falle von Erkrankungen an „akutem Eingeweide-Katarrh" festgestellt, darunter zwei mit tödtlichem Ausgange. Obgleich die Krankheit keinen epidemischen Charatter hat, ordnete der Generalaouverneur dennoch die Errichtung einer bakteriologischen Station für die entsprechenden Untersuchungen an.(Der der K-anlhett ge- geben« Name scheint ein beschönigender Auidmö zu sein.) Fraurreich. Der Sttafgericktshof in Bourgoin, vor welchem die Ver« bandlung über die Vorgänge bei Schließung einer Kapelle in Chateau-Villain stattfand, hat stch in Uebereinstimmung mtt dm Anträgen der Vertheidiger für tnkompetmt in dieser Sache erklärt. Die Angeklagten werden daher vor da» Schwur» gericht gestellt werdm. Handeliministcr Lockroy äußerte, nach dem„Berl. Tgbl", zu einer Delegation, die um die Gründung ewe» Revolution»- museums für 1889 bat, daß die Ausstellung und die Er in- nerungsfeier der Revolution auseinander zu halten seien; er würde für letzter« da er natürlich ewe glänzende Feier wünsch«, vom Parlament einm besonderen Kredtt von vier Millionm fordern. Am Sonntag haben die au» T o n g k i n g nach Frankreich zurückgekehrten vier Batterien de» 12. und 13. Artillerie. Regiment« ihren feierlichen Einzug in VincenneS gehalten. E» wurden von politisch unbekannten Persönlichkeiten patriotische Reden gehaltm, in denen auch die üblichen Hinweise auf den Verlust von Elsaß Lothringen nicht fehlten. Al» dm anwesMl den Generalen, unter denm fich Sausster befand, da» endlos« Gerede zu viel wurde, führte man die Truppen einfach weg. Natürlich machm manche deutsche Blätter ein großes Auf» heben von den Redeüöungen der obskuren Schreihälse w Vwcenne». Gro hbritauuie«. Von den Wahlen in England find bisher 245 bekannt. Danach find bi» jetzt 148 Konservative, 26 diffmtirende Liberale, 54 Anhänger Gladstones und 17 Parnellirm gewählt. Die Konservativen haben 16 Sitze, die Anhänger Glavstone» 9 Sitze und die diffentirmdm Liberalen durch die Wahl von Colling» in Birmingham einen Sitz gewonnm. Harcoutt ist in Derby wiedergewählt, der AdmtralttStSsetretär Hibbert ist bei der Wahl w Oldham unterlegen. Eine Vorstellung von der Erregung de» Wahl kämpfe» mag daS von Algernon Swinburne in der„Time»" veröffentlichte„Lied für die Unionisten" geben, welches den „Bruderkuß zwischen dem Schwätzer Gladstone und dem Mörder Pamell" brandmarkt.„Seht"— so heißt e» darin—„wie die lange Zunge(Gladstone) die bluttriefende Hand leckt I Seht, wie der Mann der Worte den Mann deS Blute» um- armt I Hört den Spruch, mit welchem der Zungenheld dm maulaufsperrenden Gaffer bethört.... Die LebmSlust und -inher auf dem Pfad« gleißender Schmach Alle» billigt er. wenn nur auf da« Denknal von Englands Verderb die Zeit dm Ramm„Gladstone" schreibt. Dieb« und Mörder, deren Hände noch roth von Blut und derm Zungen noch schwarz von Lügm, schreien und klatschen:„Mit Gott, für Gladstone und Pamell I" Aber die von Lob und Tadel unbehelligte Wahrhett erwidert:„Ist der Himmel oder die Hölle daS Ziel d«S Truges und Blute»?"" Da» Gedicht de- steht auS nicht weniger als fünfzehn vierzeiligm Strophen. Balka»lä»der. In Scutari werdm der„N. Fr. Pr." zufolge viel« polt- tisch« Gefangene erwartet, welche angeklagt find, in Mittel Albanien eine revolutionäre Bewegung zu Gunsten Griechenland» vorbereitet zu haben. Dieselben follm vor den türkischm Militärgerichten abgeurtheilt werden. Ein Beispiel mit welchen Mitteln Rußland die Türkei gegendenFürstenvonvulgarien hetzt. liefert eine Konstanttnopeler Korrespondenz der„Köln. Ztg." in welcher e» heißt:„Am Donnerstag erschim Herr Onou, der „Gieb ihr nur dm Ring, Herz/ bat der Maulwurfs» fänger,„und richte au«,«a» ich Dtt gesagt habe, weiter nicht«. Willst Du da» thun?" „Gewiß; da« ist nicht» Böse»/ „Und Du sprichst aber mit keinem Mmschm dar« über?" „Ich will'« Keinem sage«, ich verspreche e« Such, und wa» man verspricht, muß man haltm, meinte die Mutter selig immer." (Fortsetzung folgt.) An» Knust und Zebe«. M. S. Da» 20. Provi«»ial- Gesangtfest de» Mär- kische« Zentral- Sängerbünde» in Nen- Kuppt«. Am Morgen de» letzten Sonntag« führt« ein gewalltger Extra, ug dtt Mitglieder de» M C. 8. B. nach Neuruppin, woselbst die Sänger um 8 Uhr Morgen» eintrafen und auf dem Bahnhofe vom vorttgen Fest-Komitee empfangen wurden. Nachdem fich der Festzug- destehend au» 62 Vereinen mit 44 prächtigen Jahnen und Bannern— rangirt hatte, wurde in dtt reich ge» schmückte Stadt einmarschirt. Am vchulplatze fand unter einer mächtigm Ehrenpforte die Begrüßung seitens der Stadt durch den Herrn Bürgermeister von Schulz, welcher die Sänger mit warmm, herzlichm Wortm willkommen hieß, statt. Der Bundes» vorsttzende, Herr Lorgie, dmkte im Namen der einkehrenden Sänger mit ku, zen, kernigen Worten. Der Neuruppiner Sänger- bund war vollzählig erschienen und begrüßte die Berliner S-ngeSbrüder mit Mücke'»„Gott grüße Dich". Zum Schluffe sangen all« Sänger vereint Mozart'» BundeSlied „Brüder reicht die Hand zum Bund/, womit dieser feierliche Att sein Ende erreichte. Nachmtttag» 5 Uhr fand da» Haupt« lonzert auf dem städt. Turnplatze statt, da» Wetter war günstig und dekhalb der Besuch ein sehr reger. Leider war die Absperrung de» FestplatzeS ganz ungenügend, so daß eine Kontrole ganz unmöglich war. Die Kaffe wird diesen Fehler gewaltig gefühtt haben.— Da» Programm bracht« unter Wilh. Hand wergS trefflicher Leitung folgend« Chöre:„Wickinger AuS- fahrt" von Ch. BlaufuS;„Der Wald im Frühlina" von A. Röhr:„Dämmerung" von Th. Winkler;„Am Ort, wo meine Wiege stand" von Wilh. Handwerg;„Ritter» Abschied" von Joh. Kinkel:„Lied der Deutschen" von Mendelssohn; „SW ruht der See" von H. Pfeil:„Waldabendschein" von rusfisch« GeschäftSttäger. auf der Pforte und erklärte,„feine Regierung habe die Beweise dafür in der Hand, daß die Türlei in Bulgarien im Sinne de» Fürsten Attxander gear- beitet und mit diesem sowie mit England zusammen gegen den russtschen Einfluß gewühtt habe. Die rusfisch« Regierung sei darüber unzufrieden und ersuche die Pforte, damach zu sehen, daß dtt international festgestellten Rechtsgrundlagen in dem Vasallenstaat geachtet würden". Um dieser Mitthetlung, die übrigen» blo» mündlich war, noch mehr Nachdruck zu geben, überreichte die rusfisch« Botschaft am Sonnabend eine Note, in welcher die Pforte aufgefordert wurde, jene 200000 Pfund EntschädigungSgelder, welche fie einem früheren Abkommm nach an msfische Unterthanm zuzahlen hat, nunmehr auszuzahlen, und zwar auf einmal. Ferner soll in AuSficht gestellt worden sein, daß Rußland dtt Pforte in einer schriftlichen Note für wettere Ueberschreitungen de» Fürsten Alexander bezw. der Sodranj« verantwortlich machen würde. Hiermit ist der Grund klarge« legt, um deffent willen die letttnden türkischen Kreise seit dem Ende der vorigen Woche mtt wachsender Besorgniß auf die bulgarischen Vorgänge blickten." Nach einer Meldung der „Kreuz, tg." au» Part» rüstet die Türkei nicht ab. Die Armee in Makedonien und Rumelim bleibt komentrirt. In politischen Kreisen befürchte man im Herbst die Wiedereröffnung der orientalischen Krisi». Einen Putsch ehemals türkischer jetzt montenegrinischer Eingeborener meldet die Wiener„Neue Freie Presse" auS Cettinje. Danach überschritten am 2. d. M. Morgmi mehrere hundert bewaffnete Türken au» Koluschtn den Grmzfluß Tara, zündeten die nächsten Häuser an, besetzten die Befestigungen und nahmen zwei Kapttäne gefangen. Die Montenegriner griffm die Eindringlinge am folgendm Abend an und ver- trieben die Türkm. Eine Anzahl Türfcn ist mit den gefan« gmm Kapitänen in einen Häuserkomplex eingeschloffm und ihnen Pardon zugesagt, fall» ste die Kapitäne ausliefern. Der Verlust der Montenegriner beträgt 7 Todte und 13 Verwundete. — DaS Wölfische Bureau meldet über denselben Vorfall: In der Nacht zum 2. d. wurde Majkoocc von Muhamedanem, welche au» drei montenegrinischen, ehemal» türkischen, im Mai mit Gewalt besetztm Dörfern ausgewandert waren, in einer Stärke von angeblich 2000 Mann überfallen. Zwei montene» grinifche Kipitäne wurden zu Gefangmen gemacht. Die Türken wurden mit Verlusten zurückgeworfm und 60 Mann eingeschloffm. Amerika. Der kanadische Fisch eretstreit dauert noch immer fort. Nach einem Wolff'schen Telegramm au» New- Uork hat da» englische Kriegsschiff„Terror" abermals zwei amerikanische Fischerfahrzeugc bei Shelburne an der Küste von Neuschottland mit Beschlag Hegt. Der Schatzmeister der irischen N a t i o n a l l i g a bat weitere 25000 Dollars(1 Dollar ist etwa 4 Mark) an Mr. Pamell gesandt. Der Gesammtbetrag der in dieser Woche ab« geschickten Gelder deläuft fich auf 85000 Dollar». Dtt New Vorker Jury in dem wegm BoycottenS gegen dtt„Ritter der Ardett" angestrengten Prozeß hat fich nicht zu einem Wahrspruch einigen können. Der Strom der europäischen Auswanderung, deffm große Mehrheit stch di» vor wenigen Jahren nach dem Norden deS amerikanischen Kontinent?(Bereinigtm Staaten und Kanada) wandte wird seit einiger Zeil in stärkerem Maße von dem südlichen Th-ile Süd. Amerika» angezogen, deffm klimatische Verhältnisse denjenigen unserer gemäßigren Zone ziemlich nahe kommen. Von den hier in Bettacht kom« mmden Ländem wird in besonderem Maße die Argenti- nische Republik bevorzugt, deren HandelSdeztthungen zu Europa im Zusammenhange mtt der stettg zunehmenden Ein- Wanderung im Laufe der letzten fünf Jahre einen ganz außer- ordentltchm Aufschwung genommen haben.. Auch der Eni- Wickelung de» Jnlandverkehrs widmet die Regierung diese» großen Lande» eine besondere Sorgfalt und viele Millionen werden alljährlich auf die Erschließung deS Innern durch den Bau von Eisendahnen, Kanälen und anderen VerkehrSstraßen verwandt. Die Mittel zur Befriedigung dieser an ste heran tretenden kulturellen Aufgabm pflegte dtt Regierung bitheran WSS-NW-ZZ der Nationalversammlung gab, stieg die gesammte Handettdc- wegung de» Lande» von 412 Millionen Mark im Jahre 1880 auf 760 Millionen Mark im Jahre 1885, hat fich also beinahe verdoppelt. Da« Budget der Republik(mtt Ausschluß de». torigen der einzelnen Staaten) delief fich 1880 auf 80 Mill. Mark. 1885 hingegen auf 156 Millionm Mark. Der Tonnen- gehalt der in argentinischen Häfen angekommenen und abge- W? sÄlÄX %%.%%%%: gute« Z-ichm für fernere gedeihliche Sntwickelung de« Lande» darke«-«aesehm werden, daß die Prästdentenwahl. welche früher häufig zum Ausbruch von Un uhm Veranlassung gab. und„Heute scheid' ich" v. C. Jsenmann. Die Ausführung der G-sange, von denen dtt fünf zuerst ge- nannten zum ersten Male gesungen wurdm. war nicht immer eine„gute" zu nennen. Wir haben den Bund schon viel besser fingen hören! Wir sahen während de» Konzerte» vttle der fce,ttenm®in0?:rin}iL�m Sängerzetchm auf der Brust, den edlen Gerstensaft schlürfen, ohne auch nur einmal da» Podium zu betteten. Die Direktion sollte gegen säumige Sänger mtt aller Strmge vorgrhen, denn sonst geht der so schwer er- "meene„gute Ruf" de» Bunde» sehr bald wieder verlorm. Di- Vereinsvorstände können hier in erster Reihe helfen und find für ihre MUglieder verantwortlich zu machm; wird dm- noch gegen die Fefto.dnung gesündigt, so scheide man die wider- spenstigen Vereine au«, denn dttselden gehörm nicht in eine Sängervereinigung. welche da» Beste will. — Am Montag, Vormittag» 10 Uhr, fand in der Klosterkirche, zum Besten der Stadtarmen, ein„geistliche» Konzert" statt, welches in allen seinen Thellen al» vorzüglich gelungen bezeichnet werdm kann. Der„kleine Chor" de» Bundes und dtt Solisten de» Konzert«: Fräulein Anna Morgenstern. Berlin, Herr Oikar Laheits Berlin. Herr Wilhelm Handwerg. Berlin und Herr O. Seidel, kgl. Seminar.Mustltehrer in Neu-Ruppin, rangen vereint um die Palme de« Sttge» und wurde dm Besuchem des Konzerte» ein hoher Kunstgenuß zu Theil. Herr Direktor Handwerg hat die Abficht, diese» Konzert in einer Kttche Berlin» zu wiederholen. Am Nachimllage vereinte ein gemüthltcher Komme!» die Sänger auf dem Wein« berge. Abend» 11'/« Uhr fand dtt Rückfahrt statt. Bon all dm geschmückttn Häusern fiel Bernau» Hotel auf; di« ange- brachtm Sängerwahlsprüche entzückten die Festgäst«. König Ludwig I: aus der Bühne. AuS Pest wird geschrttben: Die dramatische Schnellfiederei, deren fW«» deutscher Dichterling befleißigte, indem er d� tragische Geschlck de» Bayernkönig» tür die Bühne„bearbettett. fand hier einen flink zaubemden Nachahmer. Die ungarische Schauspieler« % r. KS.»s& jh S S/EH«E ihre» Wesen» auf der Bühne zu»eigm. diesmal ganz glatt oetlauftn ist.' Hoffentlich bebt'drt daher der am 12. Onober dieses JahreS devorkehende RegierungS« antritt deS neuen PrSfidenten Juare» Colman den Beginn «stier neuen Zeit ungetrübter und ungestörter Entwickelung deS Landes und seiner reichen Hilfsquellen. Asien. Die Lage de« russisch, persischen Handel» stillt der auS Perfien nach Rußland zurückaelehrle Abgesandte de» FwaniministeriumS, General> Major Bajew, in sehr trübem Licht dar. In Regierungitretsen ist man zur Zeil mit Maß. nahmen zur Ausdeff-rung der HandelSbetiehungen mit Perfien beschäftigt, doch dringt allem Anschein noch die Ueberzeugung, daß mit RegierungSmaßnahmen allein wenig geholfen werden kann, immer mehr durch. TxrS Vordringen dei englischen Obersten Lockhart nach Badackschan, dem wirthiichsten der halb unabhängigen afghanischen Chanate, drängte diese Frage wieder in den Vordergrund, da den Engländern in diesem Fall nicht blo» strategische, sondern auch handeltpolitische Absichten zuge» schrieben werden. Rußland hat den besten Theil deS Ämu« Daria in seinen Händen und veriraut auf seinen Einfluß in Buchara, doch ökonomische Folgen dieser günstigen Umstände äußern fich dermaßen spärlich, daß eS unternehmungslustigen ausländischen Kapitalisten kaum schwer fallen könnte, ven Handel dort an fich zu reißen, und Rußland somit bloß der Ruhm bleiben würde, die» Gebiet fich unterworfen zu haben. Ruhm aber, sogt Kollow, ist Rauch und weiter nichts. Wie der Londoner Korrespondent de»„Manch. Guard." erfährt, hat der Mabarajah von Caschmir beschloffen,«ine Eisenbahn vonCaschmir imAnschluß an da» indische Eisenbahnnetz bäum zu laffm. Ran ist bereits mit der Vrrmeffung beschäftigt. Die Bedeutung der neum Bahn für den Handel nach Ofiwrkestan und Zentral- asten liegt auf der Hand. Von den Engländem werden große Hoffnungen an das Projekt geknüpft. Gerichts-Zeiwng. Da» Erkeuntutß im Müncheuer Eozialisten-Prozetz. IV. „TaS Einführen von Uneingeweihten ist untersagt. Derm Erscheinen unterbricht selbst da» nur leise geführte Gespräch, ja selbst daS fernere Beisammenbleiden. Den Gmoffen ist nach ihren eigenen Aeußerungen, sowie auS Vorbestrafungen ein- zelner Mitglieder genau bekannt, daß da» Gesetz derartige Verbindungen unter Strafandrohung verpönt und werden Reueintreimd« auf die Bewahrung dei Geheimniffei der Ver> bindung rc. nach Angabe deS Zeugen Lutz förmlich mit Hand- schlag verpflichtet. ES hat auch die Zeugin Elise Emmen bestätigt, daß die Angeklagte Gaigel' Urban schon die vom Angeklagten Böttger der Zeugin gemachte Mittbeilung, die B. Gaigel gehöre zum Klub dei Urban, alS einen Vertrauens« durch bezeichnete, welcher den Ausschluß aus der Verbindung v» Folge habe, wie auch Gaigel-Urban in einem ihrer Briefe davon spricht, ei sei eine Schande für B, d. h. Böttger, der Emmen die jeweiligen Kludfitzungen zu verrathen. Die Unter« ordnung der hiestgen Verbindung unter eine Zentrallestung ist obm schon betont worden, e» ergtebt aber auch daS in der Verhandlung vom 11. d. MS. entrollte Bild der Gesammt- organisation, dann der Promptheit, mit welcher dieselbe in den bekannt gewordenen Fällen arbeitet, insbesondere bei Verthei- lung von Flugschristen, deutliche und für die richterliche Ueber. zeugung vollkommm genügende AnhallSpunkte, daß dm ve« fehlen und Anordnungen der Obmänner und VerttaumSmännrr der hiesigen Verbindung von ihren Genoffm unweigerlich und unbedingt Gehorsam geleistet wird." Sowett der allgemein begründende Theil de» UttheflS; eS folgt nun die Aufzählung der einzelnm Angeklagten und der ihnen zur Last gelegten Handlungen. Einer ewgrhenden Kritik de» ErkenntniffeS enthalten wir unS, nicht etwa weil wir der besonders in liberalen Kreisen geheuchelten Theorie huldiam, daß man vor richterlichen Aussprüchen daS Opfer deS Intellektes bringen und in stummer Ergebung alles unbesehen hinnehmen müfftk was ein drei, oder fünsköpfigeS Richterkollegium als „thatsächlich festgestellt" zum Besten gtebt, sondem weil wir der Ueberzeugung find, daß daS Urtheil gegen fich selbst zeugt und UNS der Nothwendigteit einer Kritik überhebt. Einige Bemerkungen wollen wir unS aber doch erlaubm. Wir machen den Richtern nicht den Vorwurf der Partei- lichkeit, aber wir wiffen auch, daß der Richter, wenn er den Talar anzieht, um Recht zu sprechen, seinen inneren Menschen nicht ab. und den Patteimann nicht bei Seite legen kann. Unter den Richtern befand fich ein Anhänger und Land. togSadgeordneter jener Pa:t-i, welche eS der Sozialdemokratte zu verdanken hat, daß fie die beiden ftüher beseffenm Münchmer ReichStagSmandate einbüßte. WaS Wunder, wer n in diesem Falle der Richter beim Parteimann fich Rath holte und dieser sagte: ohne Organisation hätte die sozialdemokratische Partei nicht so auf. treten können wie geschehen; da aber daS Gesetz eine öffentliche Organisaticn nicht duldet, so muß die vermuthete Organisation «ine geheime sein. Wie leicht konstruirt fich nun nicht daraus die geheime„Verbindung" mit verbotmen Zwecken rc.! Beson- der», wenn man eS fich im letzterm Punkte so leicht macht, wie dieS daS Urtheil mit dm„Instruktionen" und der Verbreitung der Flugschriften. Man kann dem Urthcil ruhig zugeben, daß die„Instruktionen" dazu bestimmt waren, auch bei späteren Flugblätter. Vertbeilungen den Vertheilern als Information zu vimm, also gewiffermaßen der Rahmm für eine aus die„Dauer" bestimmte Verbindung zum Zweck der Verbreitung von Flug. blättern zu sein' damit ist aber noch lange nicht die Voraus. fetzung de»§ 129 erfüllt. Dieser Paragraph stellt Verdin. düngen unter Strafe,„zu deren Zweckm oder Beschäftigungen gehört, Maßregeln der Verwaltung oder die Vollziehung von Gesetzen durch ungesetzliche Mittel zu verhindern". Sollten also die Jnstruvionm etwa» deweisen, dann müßte erwiesen sein— da da» Flugblätterverthetlm an fich nicht» Strafbares ist— daß die Flugblätter selbst verboten waren, oder daß es fich in Zukunft um die Verbreitung ver» botener Fluaschristen gehandelt hätte. Beides ist aber nicht der Fall. Die in München verbreiteten Flugblätter find zur Zeit ihrer Verbreitung nicht verboten gewesen, e» ist also durch deren Verbreitung nach keiner Richtung irgend ein« Maßregel der Verwaltung noch die Vollziehung eine» Gesetzes zu ver. hfofcem versucht wordm..., Alle« also, wa» da» Urthell in Bezug auf die In- struftionen auisührt, fällt in fich zusammm, well die Bast» eine schiefe ist, von der die richterliche Voraussetzung ausgeht. Wa« ron den Instruktionen gilt, gilt auch von dm Versammlungen. Man deachte, alle in der Verband. lung zur Sprache gekommenen Versammlungen Häven staitgefundm in öffentlichen Lokalen und in Gegen. wart der übrigen Gäste. Die einzige Versammlung aber. welche in einem Nebenzimmer stattgefundm babm soll, die in der Maffmdach'schm Brauerei� bat so wenig dm Eindruck einer Versammlung gemacht, daß d« Poltzeikomimssar Klein, der in das Zimmer getreten ist, nichts weiter davon zu sagen weiß, al» üw ihm die Gäste „überrascht" erschienen. Wenn e» eine Versammlung gewesen wäre, warum hat der Polizeibeamte fie nicht aufgelöst und die Ramm der Anwesenden feftgestellr? Wa» aber die geheimen Unterhaltungen dettifft, welche so geheim gehaltm wurdm, daß nicht einmal die bedienenden Kellnerinnen alle» verstanden, waS da gesprochen worden ist, so müffm wir gestehen, daß wir unseren Sinnen kaum trautm. al« wir diese» Beweismoment lasm. Also wer in Zukunft bei seiner Unterhallung in einem öffentlichen Lokale nicht so laut schreit, daß die ab- und zugehende Kellnerin oder der Kellner gmau alles börm, wa» gesprochen wird, der nimmt an einer „geheimm" Versammlung Theil und setzt fich der Gefahr au», een Geheimbündelei unter Anklage gestellt zu werdm. ES e wohl Waffer in» Meer tragm, wollte man einer solchm stellung gegenüber auch nur noch ein Wort der Kritik verlieren. Wiesbaden, 4. Juli. Seit einigen Taqm beschäftigte da» gegenwärtig tagende Schwurgericht ein Raubmordpcozeß voll graumhaster Details. ES handelt fich um den zu An» fang 0. I. an dem Landwitth Schneider zu Biebrich Mosbach begangenen Mord. Angeklagt find als Thäter I. Andel auS Fehlheim(venSheim) und I. Mallmann auS O. Hirzenach (St. Goar); als Beihelfer N. Zöller aus Fehlheim und ali Anstifter F. Aldrecht aus Hetzburg(Weimar). Die Tbat ge« schah am 25. Januar d. I. Am Morgen wurde der 64 Jahre alle Mann todt im Bett gefunden. Er war Wtttwer, wohnte allein in seinem Hause. Am Morgen kam die Aufwärterin; da» Thor war verschloffen, Hau», und Studenthllre standen weit offen. Ein Pult war erbrochen, verschiedene Kleidung». Sücke, eine goldene Uhr u. a. fehlten. Schneider lag ermordet i seinem Bette. Im Hof und Garten fand man im Schnee die Spuren, die zur Entdeckung der Thäter führten. Die Verbrecher hatten zusammen im Ge» fängniß zu Wiesbaden gescffen; dort hatten fie den Plan verabredet. Andel hatte mit Aldrecht im Jobre 1876 dei Schneider gedroschen und damals diesem einmal 100 M., ein« mal 2200 M. gestohlen. Andel hatte 2'/, Jahie Gefängntß erhalten; Aldrecht war wegen ungenügenden Beweise» freige» sprechen worden. Jetzt hatten fie vermuihet, daß Schneider von seinem verkauften Getreide wieder viel Geld besttze, und den Plan zum Diebstahl und— wenn der Bestohlene erwache— zur Tödtung gefaßt. Die Angeklagten find in der That ge« ständig. Andel drang in daS Zimmer; Schneider erwachte, Andel schloß ihm den Mund und Mallmann tödtete ihn mit dem Meffer. Darauf erbrachen fie ein Pult, fanden aber kein Geld. Sie nahmen gemeinsam mit Zöller Kleider und Weißzeug, eine Weste mll einer goldenen Uhr u. a. mll. Dann gingen fie fort zu Aldrecht» der in dem Steinbruch bei Castel wohnte. Dort theilten fie den Raub und ließen Aldrecht einige Stücke. Von da begaben fie fich auf die Heimreise.— Laut dem gestern abgegeben Wahlspruch der Geschworenen wurden Andel und Mallmann zum Tode, Zöller zu ledenS. ländlichem Zuchthaus, Aldrecht zu zehn Jahren Zuchthaus ver« soziales«nd Arbeitervewegnngc Die Verminderung der inländischen Kaufkraft wird jetzt von allen praktischen Geschäftsleuten zugestanden und als daS Hauptübel, durch welche» unser« wirthschafttiche Lage gegen. wärttg eine so tramige geworden ist, angesehen. Der Um- schwung ist sehr rasch erfolgt. N-ch vor Jabretfrist hoffte man alle» von der Hebung deS Export«: man jubelte der Dampfer- subvention und der überseeischen Kolonisation zu und träumte davon, daß daS Deutsche Reich in die Fußtapfen von Großbritannien treten würde. Trotzdem nun die Kolonisation schon zahlreiche Opier und bedeutende Geldsummen verschlungen bat; trotzdem unter Böllerschüffen, degeistiltrn Reden und Champagnertrunk der erste SuboentionSdampfer in See ge- stochen ist, ist die Kolonisation»' und auch die Export- degeiflerung bedeutend am Schwinden. In fast allen Handel». kammerberichten, die unS zu Gesicht gekommen find, in fast allen Reden wirklicher und vermeintlicher Nationalökonomen tritt der Gedanke zu Tage, daß der große Konkurrenzkampf auf den Exportgebieten die Ueberproduktion nur vermehren, die wirthschafttiche Kr'.st» nur verlängern und verschärfen würde. Sine wesentliche Verminderung der Produktion, um dadurch die Konsumtion mehr mit derselben in Einklang zu bringen, wird nur noch von der„Tante Voß" mit einer kaum begreiflichen Halsstarrigkeit vertreten, trotzdem die von den national, ökonomischen Mitarbellern der deutschfteifinnigen„Nation" dieser Standpunkt geradezu als ein spießbürgerlicher und verderblicher dezeichnet worden ist. Und daS ist er auch. Jede Einschränkung der Produktion de- deutet besonders in der heutigen Krifis eine weitere Verwinde. rung der Kaufkraft dei Volke», die jetzt schon in bedenklicher Weise hervortritt. Jede Lohnkürzung trifft schließlich die Unter- nehmer selbst,«eil fie die Preise der Produktion finken läßt und schließlich die Produktion weiter vermindert. Seither waren dt« europäischen Kulturnationen auch in der glücklichen Lage, ihre vielfach schlechten Waarrn auf den außereu opätschen Markt zu bringen und dteselden zu hohen Preisen zu verkaufen. Jetzt aber, und besonders seitdem Nordamerika mit in den> Konkurrenzkampf eingetreten ist und fast olles Produziren kann, waS es selbst verbraucht, ist die wirthschaftliche Lage eine ganz andere geworden. Gewiß waren ei für die Herren Fabrikanten selige Zeiten, al» ste noch>. B. ihre Stahlwaarcn (beffcr gesagt: Blechwaaren) mit einigen hundert Prozenten Reingewinn nach TrxaS oder Mexiko liefern konnten und chre Arbeiter mll einem geringen Lohn abspeisten! Jetzt wird bei diesem Export wenig mehr verdient und die Ardeiter erhalten einen noch weit niedrigeren Lohn. Wenn nun aber eine Ver- Minderung der Produttion unS nicht au» der krisenvollen, der traurigen Zeit führen kann, wenn ferner bei Beibehaltung einer flotten Produttion die Absatzgebiet« fehlen, die Preise der Produlte und die Löhne immer mehr finken, wa» dann? Der Jahresbericht de» österreichisch. ungarischen General« konsul» zu Berlin zeigt unS, daß neben einem Rückgang der Ausfuhr aus Deutschland auch ein Sinken deS einheimischen Absetze» stattgefunden hat. den man schon an den starken AuS- fällen der Eisenbahn� Einnahmen erfahren könne. Die» zeige eine Veimindnung der inländischen Kaufkraft. Diese aber sei das größte Uebel. Wenn wir andere Betichte und besonders die der Handelskammern lesen, so erfahren wir noch, daß im vorigen Jahre der Arbeitslohn im Allgemeinen nicht gewichen sei, daß aber, falls die KristS noch andauere, daS Jahr 1886 vielfach Lobnreduktionen dringen werde. Unsere Leser wiffen, daß diese Prophezeiungen fich zum Theil leider schon erfüllt haben. Alles in Allem genommen muß also in erster Linie der Verminderung der Kaufkraft im eigenen Volke entgegenge- treten«erden, in zweiter Linie die Kaufkraft de» Volkes er» böht werden.— Wie soll da» aber geschehen? Wir haben die Wege schon angedeutet noch vor Kurzem, indem wir unS auf den Ausspruch d«S Dr. Miquel stützten, der eine richtigere Vettheilung der Güter unter die Produzenten verlangt, jedoch ist dabei immer zu betonen, daß/ solange die Jntereffenten in Staat und Gesellschaft am Ruder find, da» bedeutende Opfer, welches eine gerechtere Gütervertheilung in dem Produttioni- prozeß verlangt, von dm Besttzenden nicht gebracht wird.— Dazu können dieselben nur durch eine tiefeingreisende soziale Gesetzgebung zum Wohl« de» Volkes und zum Heile de» Pater. lande» gebracht werden. Die Jahresberichte der schlefljche« Handelskammer« find voll von Klagen über den schlechtm Geschäftsgang. So theitt die Handeiskammer zu Laudan mit, daß die Hoffnungen auf ein befriedigendes Geschält, welche man noch zu Anfang de» Jahre» 1886 gehegt habe, fich durchaus nicht erfüllt hätten. Diesem Ausspruch schließt fich die Handelskammer von Hirschberg» Schönau fast mörtlich an, welche zugleich über die„verminderte Kauskrast" des Publikum» klagt und diese verantwortlich macht für die wirthschaftliche Kalamität. Sonderbarer Weise lobt dieser Bericht die Wirkungen des Schutzzoll». Auswärtige Märkte feien nicht verloren gegangen, aber— der Konsum ist überall kleiner gemorden. Dann sei der inländische Marli vor der auswättigen Konkurrenz doch itmaS geschützt worden. Wir aber fragen, wa» da» denn für ein« Bedeutung hat. wmn fich fort und fort tie Kaufkraft bei unS verminvert? Die Waarmpreise werden durch die Schutzzölle auf einer gewiffm Höhe gehattm, eS find aber leine Leute da. die diese Preise dezahlm können. Man steht, daß unsere Industriellen in ihrer Verlegenhett recht unlogische Bocksprünge machen. Dann erfahren wir auch au» diesen vertchtm, daß dt» Ende 1885 die Arbeiterzahl und die Lohnsätze noch keine desondere Aenderungen erfahren hätten,„daß fich aber eine Verschlechte« rung der Lohn- und ArdeUSverhältniffe nicht länger mehr ab« wenden laffe".— Man steht, der Arbetterfland geht immer mehr trotz de»„wirthschastlichm Aufschwung»", welchen gouverne« mentale Blätter heute noch tapfer verkünden, einer traurigen Lage mtgegen. Die„WohlfahrtSetnrichtnngea", welche von dm Fabrikanten getroffen werden, haben sehr oft einen argm Bei« geschmack der Prosttmacherei. Wie schwärmen die Fabrik- inspektoren für den Unternehmer, der Arbeiterwohnungm baut! Wie oft macht aber dieser ein guteS Geschäft, wie sehr feffctt er den Arbeiter an die Scholle, macht ido von fich abhängig. So theitt ein österreichischer Gewerderath, der G r a z e r Fabritinspektor, mit. daß er derartige„WohlfahrtS"einrichtungm gefunden hat, die„finster, dumpfig, mehr einem Stalle ähn« lich waren". Human und profitabel! Solinger Säbelklinge«. Die in Solingm für die eng- lisch« Armee gefertigtm Säbelklingen müffm folgende Probe bestehm: Die Klinge muß zuerst eine Belastung von 16 Kilogramm auf die Spitze gelegt ertragen, ohne eine Durchbiegung erkennen zu laffm. AlSdann wird dieser Druck so vermehrt, daß die Klinge sich durchbiegend um 16 Zentimeter verkürzt und trostdm» wieder gerade springt. Nach einem mit der Schneide unter Anwendung voller ManneSkrast auf«inen Eisendlock auSgeführtm Hieb und einem gleichen mit der Rück- feite, wonach durch Einlegen in eine vertiefte Schablone die genau vorgeschriebene Krümmung kontrolirt wird, folgt die Biegeprobe. Zu diesem Behuf wird die Klinge in einem de« sonderen Apparat flach einer Biegung von 90 Grad ausgesetzt und muß wieder genau grade springen. Darauf wird da» Ge« wicht derselben unv endlich die Lage deS Schwerpunkte» unter- sucht, und nun erst schlägt der Beamte seinen Abnahmestempel daraus. Zum Tisckjlerstreik in Freibnr« i. Br. Kollegmk Unsere billigen Forderungen, die wir an die Herren Meister gestellt haben, wurden un« gänzlich oerweigert. Wir hatten zuerst dm Antrag auf 10 stündige Arbeitszeit und Regelung der Akkcrdpreise gestellt. Darauf wurde unS bei der Besprechung seitens der Meister die Mittheilung gemacht, mit 10� stündiget Arbeitszeit könnte die Sache auf friedlichem Wege geschlichtet werden. Tarauf gingen wir auch ein, um die Sache friedlich abzumachen. Aber leider w'.r daS nur eine Vorspiegelung. dmn 2 Tage später rief der Obermeister seine Kollegen zu« ,'ammm und wir hofftm«ine Entscheidung in diesem Sinne zu erhalten, bekamen aber die schriftliche Mitthetlung vom Obermeister, daß fich die Meister zu keinen weiteren Verband- lungen mehr bergeden werden. Darum, werthe Kollegen, haltet Zuzug fern. Nur dadurch wird un» die Entscheidung in dieser Sache, worin e» oorauSstchtlich zum Kampf kommen wird, er« leichtert. Die Kommisfion der Schreinerg« sellen Freidurg i. Br. Alle Sendunzen find zu richten an Schrnner Kleiber, Giüne« wäldersttaße 12. Kleine Mittheilungen. Wien» 2. Juli. Ueber die bekannt« Denunziantengeschlcht« schreib» die„N. Fr. Pr." folgende«:„Der Wiener Gemeinde- rath bat heute in der Affalre Pfister, welche seit Wochm auf den Lippen oller Mttgltever dieser Körperschaft brannte, ein stummes und doch deredie» Urtheil abgegeben. Als der Mann, der nicht davor zurllckjcheute, einen politischen Gegner w«»en eines vor d:«i Jai,r«n unüberlegterweise begangenen DelikleS (Majtstättdeleidigung) der Polizei anzugeben, heute deN Sitzungssaal betrat, erhoben fich von den anwelmdcn 79 Ge- metnderäthen 63. um den Saal zu verlaffen. Nur ein lltin'* Häuflein intimer Parteigenossen verblieb und zeigte in seiner Schwäche, mit welcher überwältigenden Mehrheit der Gt» meinderarh das Vorgeben Pfister'» vemrtheitte. Al» auf reit in den Blättem veröffenUichten Bericht über die Gericht»« vei Handlung Pfister in einer Reihe von„Berichttgungm" sich zu rechtfeitigen versuchte, hatte man im Gemeinderathe da» Crgebniß dieser Versuche abwarten«ollen, ehe man fick M einer Kundgebung entschloß. Al» fich aber geiabe durch di-se „Berichtigungen" die volle Wahrheit der gegen Pfister vot* gebrachten Anklagen erst reckst erwies, beschloß der„Fortschritt»? Klub", die Initiative in der den Gemeinderath ,o peinlich berührenden Angelegenheitm zu ergreifen und Mitglieder sämmtlicher Parteien, mit Ausnahme der„Demokralen" oder vielmehr de»„intimsten" Kreises derselben, zu einer Be!?«' chung einzuladen. Eine solche fand schon gestern in kleinerem Kreise statt. Man erkannte, daß dem Gemeinderathe als Kör/ prrschalt leine Macht zustehe, ein Mitglied, welches fich In l'ost cher Weiie kompromUtirte, aui seiner Mitte zu entfernen, un» daß dieS nur durch die Wählerschaft selbst geschehen könne- Eben so wenig Recht stand dem Gemeinderathe zu, Pfister au» der Bezirkioertretung abzuberufen. Nur die Stelle eine»% meniathei konnte dcms-Iben über Beschluß des GemeinderatpJ entzogen werden. Es stellte fich aber heraus, daß Pfister st» 1884 dem Armenrathe nicht mehr angehöre. Unter solche» Verhältnifftn und in der festen U-berzeugung, daß der meinderath diesem Manne gegenüber Stellung nehmen mütst' wurde beschloffen, mit Pfister nicht mehr gememsam im Rat? der Stadt zu fitzen, blt die Wählerschaft durch eine Neuwa? ihr Urtheil abgegeben, und zwar sollten säma«' liche MUglieder der Versammlung den Saal» dem Momente verlassen, in welchem Pfister denselben bettelt Der Beschluß wurde denn auch durchpeftihrt. Die„Der?' traten" hatten kurz vor Leginn der Sttzuna«sah en, daß' der vertraulichen Sitzung ein die Affäre Pfister behandelnd Antrag eingebracht werden sollte, und beeilten fich, Pfister,!� wie es heißt, heute der Verhandlung fernbleiben wollte, bol» zu laffen. Die Sitzung hatte mittlerweile begonnen. Die E' laufe waren erledigt, und eben trat Dr. Scholz an den ferententisch, al» Pfister eintrat. Wie auf ein Kommando txV fich die ganze Rechte, daS Zentrum und ein Theil der Llnk? um demonstrativ den Saal zu verlaffen. Nur Dr. Lueger ü? dessen intimster Anhang blieben im Saal zurück. Der W styenv« mußte die Sitzung unterbrechen, und al» auf wie»» holte Aufforderung, im Saale zu erscheinen. Niemand d? Rufe folgte, die Sitzung schließen. Mit welcher Scheu man% Pfister ausweicht, beweist der Umstand, daß im PräsenzprotoiA nicht einmal ein Name unter dem seinigen st-bt, sonv� daß eS der noch ihm Kommende vorzog, seinen Namen K eine neue Seite zu setzen. Diese in der Chronik uns«? Stadtveriletung einzig dastehende Demonstration soll so M forlgesetzt werden, bt< Herr Pfister den Sitzungen fernbl? oder durch eine Neuwahl in den Bemeinderath tn die S'J Vertretung neuerlich entsendet werden sollte. Herr Pfister» Hielt fich dieser tief verletzenden Demonstration gegenüber M unempfindlich. Er lachte und scherzte mit einigen 9% Paitetgenoffcn, und als auch diese ziemlich saure 3% zeigten, entschloß er sich, ein Abendblatt auS der Tas«� ziehen und zu lesen. Nachdem der Vorfitzende die geschloffen, entfernte er fich jedoch schleunigst auS dem Niemand wagte eS, die Partei des Gemiedenen zu Nur Dr. Lutger schrie. alS der Vorfitzende mittheitte, da»( Mitglieder, welche dm Saal verlaffen hatten, nicht wiyU denselben zurückkehren wollten,„Sie sollen gar nicht y kommen!" ES har also dm Anschein, ali ob der Führ«' J Demokraten den Gemeinderath am liebsten auS Herr«'' j» Schlage Pfister« zusammengesetzt sehen möchte. Da»'. „Demokrctte" von heute!" V.rantwortltcher Redakteur R. Cronhetm tn Berlin. Druck und Verlag von Max«adtug in Berlin 8W., Leuth ftraße 2. Hierin eine Beilage mm Berliner BolNlatt. »r. 155. Mittwoch, den 7. Mi 188«. Hl Üns Nnsxhnu bei Uisällni mich hm N«silll»nslchrr«Wgksitz, Die Unsalloerficherunki. Gesetzaebung hat nicht nur einm neuen, biSber ganz unbekannten Jnstanzenzug geschaffen, son- dern auch Fristen festgesetzt, innerhalb welcher die Ansprüche bei Vermeidung deS Verluste» derselben geltend zu machen find.— Tie Neuheit der Sache und noch mehr die Wichtigkeit derselben laffen ei dringend erforderlich erscheinen, den In- fianeenzug de» Unfallgesetzei fich recht klar zu machen. Dast an Unklarheit hierüber nicht bloi Privatleute, sondern selbst Behörden und Vertreter,(wie Anwälte und dergl.) der Ver- letzten leiden, erklärt dai Reichioerstcherungiamt au» freien Stücken. Gewöhnlich wenden fich dieselben in ihrer Rathlostgkeit sofort an die letzte Instanz, da» ReichkverficherunaSamt in Berlin, bedenken jedoch nicht, daß diese» gar nicht betugt ist, ihr« Angelegenheit zu ordnen und zu führen, daß fie fich viel mehr durch die Verzögerung de» Beschreiten» de» richtigen Instanzenwege» empfindliche Nachtheile(wie Versäumung der Frist) zuziehen können. Um diesem Uebelftande vorzubeugen. hat da» Reichsver- ficherungSamt zu Berlin diejenigen allgemeinen Ausführungen zur Nachachtung publizirt, welch« ei auf die falsch angebrachten Eingaben bisher zu erwidern pflegte. Da in ihnen eine über- fichtliche und außerdem amtliche Belehrung über da» Verfahren bei eingetretenen Unfällen enthalten ist, so wollen wir ihnen durch Abdruck eine größere Verbreitung geben. Behörden wie Veificherte finden darin die nöthige Anleitung, um die Sache nicht durch Formfehler zu schädigen. I. Allgemeines. 1. Gegen die BerutSgenoffenschaften können Entschädi- gungSansprüche nur erhoben werden, wenn durch einen Be> triebiunfall eine auf Grund de» Unfalloerstcherungigesetze» vom 6 Juli 1884 beziehungsweise de» Auidehnungsgesetze» vom 28. Mai 1885 versicherte Person getödtet ist oder eine Körperverletzung erlitten hat, die den Tod oder eine Erwerb»- Unfähigkeit von mehr als dreizehn Wochen zur Folge hat. Bei einer Erwerbsunfähigkeit von kürzerer DKuer hat fich der Verletzte an die Krankenkaffe, welcher er angehört, zu halten(§5 Absatz 2 Ziffer 1 und 2 de» Unfallveificherungs- §§ 1 ff. de» KrankenverficherungSgesetzet). 2. Dre Feststellung der Entschädigungen toll ohne Antrag der Berechtigten durch die dazu berufenen Organe der Ge< noffenschaften(§ 67 a. a. O.) von Amt« wegen bewirkt werden, sobald die Thatsachen, welche den Entschädtgungtanspruch und seinen Umfang bedingen, feststehen(§ 58 a. a. O), wofür meisten» schon durch die nach§§ 53 vi» 56 a. a. 0. vorgenommene amtliche Untersuchung die erforderliche Grundlage gewonnen sein wird. 3. Entschädigungsberechtigte, für welche die Entschädigung nicht von BmtSwegen festgestellt ist, haben ihren Entschädigungs- anspruch bei Vermeidung de» AuSschluffe» vor Ablauf von zwei Jahren nach dem Eintritt de» Unfall» anzumelden(§ 59 Abs. 1 a. a. D). U. Anmeldestellen. a. Betrieb« mit Mitglied« schein. 4. Bezüglich der Stelle, an welche solche Anmeldungen (Ziffer 3) zu richten find, kommt e» zunächst darauf an, ob sich der Unfall, in Folge deffen der Entschädigung! anspruch erhoben wird, in einem Betriebe ereignete, für welchen ein Mitglied- schein ron eimr BerufSgenoffenschast ert heilt worden war. Ist diese» der Fall— worüber der Betriebsunternehmer Auskunft geben kann—. so hat nach§ 59 Absatz 1 a. a. O. die An- Meldung de» Entschädigungsanspruch» bei dem nach Maßgabe de» Gesetze»(§ 57) oder Statut» zuständigen Genoffenschafts« organe(GenosimschaftSvorstand. SektionSvorstand, Vertrauens» mann) zu eifolgen. Welche» Organ im einzelnen Falle zuständig ist, wird zunächst bei dem BetriebSunternehmer zu er« forschen, eventuell durch Nachfrage entweder bei dem Gmoffen- schafls oder SektionSvorstand oder bei dem zuständigen Ver< trauensmann oder bei der OrtS» beziehungsweise Polizeibehörde zu ermitteln sein. Sollten diese Wege zu keinem Ergedniß führen, so em» »stehlt da» ReichSverficherungSamt den Entschädigungtberech- Von Emile Zola. Acht Tage waren verflossen, seit Lucien Berard und Horte« se Lariviere ihre Hochzeit gefeiert. Seit dreißig Jahre« betrieb Madame Lariviere ei» Epielwaarengeschäft in der Rue de la Chaussee d'Anti« in Pari». Sie war ein« über- mäßig schlanke Frau von nicht sehr angenehmem Charakter, aber sie halte, trotz ihre» despotische« Charakter«, die Hand ihrer Tochter Lueie», dem einzige» Sohne«ine» Kurzwaaren» g ndler», nicht verweigern könne«; doch war e« ihre Abficht, « junge Paar scharf zu überwache«. Laut Heirathsvertrag sollte sie da« Geschäft ihrer Tochter abtrete« und ein Zimmer t» der Wohnung de« junge» Ehepaare» bewohne», aber fie blieb doch die Seele de« Geschäfte« und führte e» unter de« Vorwande fort, die Kinder w de« Gang desselben ein» führe« zu müsse». .. So kam d« Monat August. Die Geschäfte giugen sehr schlecht, d»e Hitze war drückend, und Madame Lariviere unangenehmer den» je. Sie duldete e« nicht, daß Lucien fich auch nur et»«« Augenblick in Hortense.« Nähe gehe« ließ. Hatte sie n»cht«fi kürzlich die junge« Leute im Lide« ertappt, wie fie fich küssm wollte« s Und da« acht Tage »ach der Hochzeit I Eine nette Wirthsch-ft! Da» giebt de« Haus« bald eine« schönen Ruf| Zu ihrer Zeit wai'« «"*>«». Nie hat Madame Lariviere ihrem Manne erlaubt, iia!? 2abtB°uch nur mit den Fingerspitze« zu berühre». uebrigen, wäre thm so etwa« gar nie in den Sin» ge- N- t0l<$e Weise und nicht ander» gründet man Ruf etne» Hause». ??üte auch gar nicht, sich gegen die Schwieger- muiter aufzulehnen, sondern begnügte sich damit, hinter ihrem Rücke« semer jungen Frau Kußhändchea zuzuwerfen. Eine» Tages jidoch war er so frei, daran zu erinnern, daß die beiden Familien vor der Hochzeit versprochen hatten, ihnen em« Hochzeritreise zu bezahlen. Madame Lariviere biß fich auf dre L ppe» und sagte: fpazitten*' � � Nachmittag im Bot« de Vincenne« tlgten, bei der OrtSbehörde die Einholung einer amtlichen Au» kunft feiten» der zuständigen unteren Verwaltungtbebörde über Namen und Wohnort de« Vorstsenden de« Genoffenschaft«- vorstände» zu erbitten. Die unteren Verwaltungsbehörden find dieffeit» durch Zu- sendung einer Nachweisung der Namen, Sitz: und Bezirke der BerufSgenoffenschasten, der Sektionen und der Schiedsgerichte, ferner der Namen und Wohnorte der Vorfitzenden der Ge- nossenschafts. und SektionSvorstände, sowie der Schiedsgerichte in den Stand gesetzt, eine solche Auskunft zu«rthellen. Der Entschädigungsanspruch ist sodann bei dem in vor- stehender Weise ermittelten Genoffen'chaftSoorstand anzumelden und letzterer gleichzeitig zu ersuchen, die an ihn gerichtete Ent- schädigungs Anmetvung, fall« er nach dem Statut zur Ent- schetdung darüber nicht berufen sei, an den zuständigen Sek- tionsvorstand eventuell Vertrauensmann zur wetteren V«ran> anlaffung abzugeben. 5. Gegen den vom Genossenschaft«, beziehungsweise SektionSvorstand oder Vertrauensmann zu erlassenden Bescheid, durch welchen die Entschädigung abgelehnt oder in einer der Ansicht de« EntschäsigungSderechtigten nicht ent- sprechenden Höhe festgestellt wird, steht dem letz leren die Berufung auf schiedsrichlerltche Entscheidung zu(§ 62 Absatz 2 a. a. D.) Diese Berufung ist bei Vermeidung de« Ausschlüsse» binnen vier Wochen nach der Zustellung de» Bescheide» bei dem Vorfitzenden desjenigen Schiedsgerichte» zu erheben, in deffen Bezirk der Betrieb, in welchem der Unfall fich ereignet hat, belegen ist. Wer dieser Vorsttzende ist, muß in dem Bescheide angegeben sein.(§ 62 Absatz 3 a. a. O.) b. Betriebe ohne Mrtgliedischein. 6. Ereignete stch der Unfall, in Folge dessen der Entschädigungsanspruch erhoben wird, in einem Betriebe, für welchen ein MitgltedSschetn von einer Beruf»- genoff-nschaft nicht erthellt worden war, so hat die anmeldung de» Entschädigungsanspruch» bei der unteren Ver- waltungidehörde(gewöhnlich PolUetdehörde, Landrath) zu erfolgen, in deren Bezirk der Betrieb belegen ist. Dieselbe hat den Entschädigungsanspruch mittelst Bescheides zurückzuweisen, wenn fie den Betrieb, in welchem der Unfall sich ereignet hat, für nicht unter den Z 1 a. a. O. de»t«hungsw>ise§ 1 de» AuS- dehnunzsgesetze» faxend erachtet; anderenfalls hat fie die Feststellung der Genoffenschaft, welcher der Betrieb angehört, nach Maßgabe der§§ 34-37 de« Unsallverstcherungsgesetzei herbeizuführen und, nachdem diese Feststellung erfolgt ist, dm ange- meldeten EntschäviaungSanspruch dem zuständigen Vorstände zur weiteren Veranlassung zu überweisen, auch dem Entschädi- gungSberechten hiervon schriftlich Nachricht zu geben(§ 59 Absatz 4 a. a. O) 7. Gegen den Bescheid der unteren Verwaltung». behörde(3 ff« 6), durch welchen der Entschädigung»«»- spruch au» dem Grunde abaelehnt wird, weil der Be- trieb, in welchem fich der Unfall ereignet hat, für nicht verstcherungspflichttg erachtet wird, steht dem Verletzten und seinen Hinterbltedm-n die Beschwerde an da« Reichsverstche- rungS-Amt zu. Dieselbe ist binnen 4 Wachen nach der Zu- stellung de» ablehnenden Bescheide» bei der unteren Vermal- tungidehörde einzulegen(§ 62 Absatz 1 a. a- D.) c. Da« Äusdehnungsgesetz vom 28. Mai 1885. _ 8- Da« Gesetz üver die Auldelmung der Unfall- und •" den gesammten«et-ieb der Post-, Telegraphen- und Eisendahnverwaltungen, sowie jämmtliche Betriebe der Marine- und Heeresverwaltungen und zwar einschließlich der Bautm, welche von diesen Verwaltungen für eigene Rechnung ausgeführt werdm, seinem vollm Umfange nach in Kraft getreten. Auf Unfälle, weicht fich in dm vorgenannten Betrieben vom 1. Oktober 1885 an ereignet haben, finden die oben unter Nr. 1-7 wiedergegebenen Bestimmungen de» Unfallverstche- Staatsbetrieden zunächst durch die- den unteren Ver- waltungsbehörden dteSseit« gleichfall» bekannt gegebenen- AuSführungSdehördm erfolgt, bei dmen der EntschSdiguna«- anspruch anzumelden ist(§ 1,§ 2 Absatz 3,§§ 3, 7. 8 und 10 de« Auidehnungsgesetze» vom 28. Mai 1885). Die junge» Eheleute sahen fich bestürzt an. Hortense fand ihre Mutter lächerlich. Nicht einmal Nacht» ließ fie fie mit ihrem Mann allein. Beim geringste» Ge- räusch eilte Mama barfuß herbei, klopfte an und er- kundigte fich, ob sie krank seien. Antwortete» fie:«ei«, so rief fie: .Dan» wäre e« gescheidter, wen« ihr schlafe» würdet. Morgen schlummert ihr mir sicher am Laden- tisch ein.* Kurz, e« war nicht mehr zum«»»halte«! Lucim zählte alle Ladenbefitzer de« Viertel« auf, die fich eine kleine Erholungsreise gönnten, während ihr« Elter» oder zuver- äsfige Angestellt« ihre Stelle vertraten. Der Handschuh. 'abrikant au» der Rue Lafayette ist in Dieppe, der Messer- chmied au« der Rue St. Nicola« in Lacho» und der Gold- chmied am Boulevard mit seiner Frau in der Schweiz. Jawohl, alle besser fiwirte» Leute gönnen fich einen Monat Ferim. „Dabei geht da» Geschäft zu Grunde, mein Herr,* schrie Madame Lariviere ents-tzt.„Zu meiner Zeit ging man alle Jahre einmal am Pfingstmontag in« Boi« de Vincenne», und wir habm un« dabei nicht schlechter befunden al« jetzt. Ich wiederhol« Ihnen, daß Sie mit solchm Landstreichereim unser Hau«»och zu Grunde richte« werdm.* „Aber e« war ja ausgemacht, daß wir un» eine Resse gönnen sollten,* wagte Hortmse einzuwendm.„Be- finne dich nur, Mama, du selbst hattest Dein« Zustimmung gegebm." „Mag sei«, aber da« war vo, der Hochzett. Bor der Hochzett kommt man leicht dazu, solche Dumm- heile« zu versprechm. Jetzt ist e« an der Zeit, ernsthaft zu sein." Um einen Wortwechsel zu vermeiden, ging Lucim au«. Er wäre im Stande gewesm, seine Schwiegermutter zu er- würgm. Nach zwei Stundm kchrte er ganz verändert zu- rück, sprach freundlich mit Madame Lariviere und ein Lächeln spielte um seine Lippen. „Hast du die Normandie schon gesehm?' ftagte er Abmd« seine Flau. zokale». Ei« charakteristische» Kennzeichen unserer augmblick- lichen gesammten winhschaftltchen Verhältnisse ist bekanntlich der niedrige Zinsfuß, zu dem bei genügender Sicherheit de« Schuldner« Kapitalien zu haben fi-d. Auch für unseren Ber« ltner Häuserdefitz wachen fich diese Verhältnisse bemerkbar, allerdings nicht in ver Weise, daß die Allgemeinheit darau» Ratzen zöge. Nachdem unser« städtische Sparkasse kürzlich die Be- leidungsgrenze für erste Hypotheken zu Gunsten der darlehn»« suchenven Hausbesitzer erweitert und die Gewährung eine« niedrigen Z-nSfußei von der mehr oder minder günstigen Lage der Grundstücke abhängig gemacht hat, folgen auch andere Kreditinstitute diesem Beispiel, und das Angebot erster Hypo- theken zu niedrigem ZinSiuß ist ein große«. Ader einmal stnd die gerichtlichen Formalttäten bei Löschung der allen und Ein- tragung einer neuen Hypothek mit soviel Notariat» Gericht». tosten und Stempelabgaden behastet, daß durch diese der Unterschied im Zinsfuß gleich auf Jahre hinau» vorweg aufgezehrt wird und die Hausbesitzer meist nur gezwungen zu dieser umständlichen und kostspieligen Hypotheken Konver- tkung schreiten, und sodann besitzt auch nur selten der Hau»- desttzer da» nöthige Maß der Selbstverleugnung, um bei billigerm Hypocheken auch die Miethen billiger zu bemessen: in den weiiau» meisten Fällen wird der Herr Hauibesttzer die billige Hypothek fich gefallen laffen und gemeinsam mit seinen Nachdaren für weitere Erhöhung der Miethen agitiren. also Vorthetl« nach zwei A chtungen zugleich zu erreichen suchen, ohne daß die große Menge der Miethcr von den Vortheilm de« niedrigeren ZrnSfuße» etwa» merkte. Ein hiestger, in der Köp-nickerstiaße wohnender Grundbesitzer, der bei solcher Hypo« ih-ten-Umwanblung zugleich nach einer dritten Richtung Vor. theile suchte, indem er von den gerichtlichen Formalitäten ab- sah, um die Kosten zu sparen, ist dadurch in arge Verlegenheit gekommen. Er veranlaßt« den Besitzer seiner ersten Hypothek, die zu 5 pCt. eingetragen stand, diese einem anderen Gläubiger abzutreten und traf dann mll dem letzterm da« Abkommen, statt der 5 pC!. nur 4 pCt. Zinsen zu zahlen. Im gerichtlichen Grundbuche wurde von dem ganzen Geschäft, ebenfalls der Kosteneisprrniß w-gen, nicht» vermerkt. Vor Kurzem ist nun der neue Gläubiger gestorben und der Vormund der minorennen Kinder läßt zvar die Zesfion der Hypothek gelten, will aber von d-r Abmachung eine» billigeren Zinsfußes nicht» wissen. Der sparsüchtige Hauswirth wird also einen kostspieligen Prozeß zu sühnen haben und im günstigsten Falle die Kosten für die Umschreibung der Hyoothek nachträglich bezahlen. Da» Wohuungsuche« in Berit« ist infolge der stch mehrenden Ansprüche, welche die Berliner Hauswirth« mit wenigen Au»nahmen sowohl betreffs der Wohnungimiethen, alS auch in Bezug auf die Personalien der eoent. Miether heute stellen, eine der schwierigsten und undankbarsten Arbeiten — und eine Arbeit ist e« auf alle Fälle— geworden, die ein Mensch zu vollführen gezwungen ist. welche nicht allein De- müthigungen aller Art, Aerger, Verdruß und gesundheitliche Schäden, hervorgerufene Ueberanstrengung sondern auch finan. zielle Nachtbeile im G-folge hat. Wo in aller Welt eine „raffende" Wohnung finden? Wer ergründet die Räthsel, die sich gehrimnißvoll hinter den fünf Wörtern:„Hier stnd Wohnungen zu vermiethen" verbergen? Etliche Vermieih r baden wenigsten» einm, wenn auch dürftigm An- ä» rar "«M. Beringe Entgegenkommen für überflüssig und glauben 'Ms r-s.?« erforschen. Hat man nun glücklich den Wohnste des Hauswirths entdeckt, so wird man, obgleich man mit ausgesuchtester Höflich. keit demselben entgegmtiitt, von diesem doch mit mißtrauischen Blicken empfangen. Auf die bescheidene Frage nach den ,u vermiethendm Räumlichkeiten erfolgt die barsche Geaenfraae' ..Wa« suchen Sie?" Sind beide Theile genügmd orientMsö «bittet man fich die gütige Erlau miß. fich die detreffenden Raumltchkeitm ansehen zu dürfen und macht nun die erforder- wieder fortzugehen, daß keine der vakanten Wohnungen„paßt'5 Tag» darauf brach ein Gewitter lo» im Epielwaarm- laden. Papa Berard, der al« Bonvivant gilt und alle Ge- schäfte rasch zu Sade zu führm weiß, machte seinen Kinder» k,ne« Besuch und lud fich zum Frühstück ei». Beim Kaffee SSM' We- „.."Wa» soll da«?* ftagte Madame Lariviere mit wuth. erstickter Siimme.' „Zwei Billett erster Klasse für eine Rundreise in die Normandie! W,e gefällt Euch da«? Einm Monat in der ftischm Lust, und ihr kehrt munter und rothwangig zurück." Madame Lariviere war starr vo: Entsetzen. Sie hatte Lust, zu protestirm, aber mit Papa Berard, der immer da« letzte Wort haben will, mochte fie fich nicht in einm Streit einlassm. Um da» Maß de« Enssetzen« voll zu mache», be- stand der Kurzwaarenhändler darauf, daß die Reisenden den nächsten Zug bmütze» sollten, und er wollte fie nicht eher au» de« Augm lassen, al» bi» sie im Koupee sitzen würden. „Wohlan," schrie Madame Lariviere wüthmd,„so nehmt meine Tochter fort; da» ist mir am Lade lieber, al« wmn fie fich im Ladm küsse». Ich werde uaterdessm für die Ehre de« Hause» sorgen." Und so geschah'«. Der Schwiegervater beglettete da» Paar an den Bahnhof, nachdem er ihnen kaum Zeit ge- lassen, da« Nothwmdigste in einm Koffer zu stopfm, und verabschiedete fich mtt schallenden Küssen. Auch empfahl er ihnm, alle« genau zu betrachten, um ihm nachher mit Er- zählm die Stundm verkürzm zu könam. Da» werde ihm Spaß mache».,.„ Auf dem Perron beeiltm fich Hortmse und Lucim, ein leere» Koupee zu besetzm. Richttg hatten sie auch da» Glück, ei« solche« zu finden; doch kaum hatten fie fich driane« bequem zu einem t»te ä t»te eingerichtet, so sahen fie mit Bedauern eine» Herrn einsteige«, der fie durch große Blillm- aläser strmg musterte. Der Zug setzte fich j» Bewegung. Traurig lehnte fich Hortmse ans Fenster und stellte sich, al» ob fie die Landschaft betrachtete, aber Thränen ttatm ihr in die Auge««nd verhülltm ihrem Blicke die Landschaft. Itn Nnfordtlungen an eine paffende Wohnung auf ein Minimum heradgesurken und W man nv» tagelangem fruchtlosen Euchen fich endlich entschlrff-n,«ine Wchnung zu nehmen, so kommt daS Schwierigste deS Ganzen, da!„Kontrcttmachen". Ein armer Sünder auf der Anklagebwk kann sich nickt unbe» haglicher sühlrn, als ein Wohnungsuchender in dieser Situation, ein Richter kann einen Verbrecher nicht schärfer inqairiren. als der HauSwirth seinen boffnungövollen Micther.„Wie heißen Sie?"„Was find Sie V"„baden Sir Familie?"„Gedenken Sie lange wohnen zu bleiben?"„Wollen Sir adoermiethen?" „Wo arbeiten Sie?'„Wie lange find Sie dort in Ardeil?" u. d m. Hat man alle diese Fragen mit Unterdrückung aller Opposttion gewiffenhaft deantworret, so kommt die Schluß« frage:„Wo wohnen Sie jetzt?" und erleichtert, von der frohen Hoffnung beseelt, daS Exrrnen zur Zufriedenheit de« Examinanden bestanden zu haben, beantwortet man auch diese Frage, in der Erwartung, daß nurmehr feierlichst der Kontrakt geschloffen weiden wird. Doch weit gefeblt! Be- dächtig greift der Herr Hauiwirth nach Feder und Papier(in anderen Fällen der„Herr oder die Frau Verwalter"), notirt fich die erhaltene Avreffe und spricht die großen Worte ge. laffen aus:„Kommen Sie morgen wieder, ich werde mich erst nach J jnen erkundigen!" Voll gerechter Entrüstung verläßt man nunmehr da« ungastliche Hau« und harrt der Dinge, die da kommen sollen. Will man die Berechtigung der Vorfragen auch nicht in Abrede stellen, indem e» einem Hau«wirthe nicht gleichgilttg sein kann, waS er für Mt-ther in sein Hau« de« kommt, so muß man doch die letztere Handlungsweise ganz entschieden verwerflich und unwürdig finden, indem dadurch ein traurige« Denunzianten w-sen groß gezogen wird. Die Er« kundigungen können doch nur bei dem HauSwirthe eingezogen werden, von dem der betr. Mtether wegzieht. Mag derselbe nun gekündigt worden sein oder gekündigt haben, so entsteht zwischen Wirth und Miether, wenn ein solche« nicht schon vor her bestanden bat, in Folge der Kündigung häufig ein„ge« fpanntes" V-rhältniß. Fällt nun da« Uitheil, da« der befragte Hauswirth über den betr. Miether fällt, nur einigermaßen un> günstig au«, so erhält derselbe die neue Wohnung nicht, wie zahlreiche Fälle beweisen. Die» wiederholt fich so lange, bi« man einen„koulanlen" Hauswirth findet, der eine paffende Wohnung zu vergeben hat, der mit weniger Schwierigleiten Kontrakt macht. Jedenfalls find die geschilderten, thalsächlich destehenden Verhältniffe durchaus unwürdige, um so mehr, al« die Hauswirthe du'ch die Bestimmungen ihrer Miethskontralte in jeder Hinsicht ficher gestellt find. Häuserankauf. Wie un« mitgetheilt wird, hat vor einigen Ta�en der Stadtkämmerer Runge die Eigenthümer der Häuser Gertiaudtenstr. 2 di« 7, die Herren Friedländer, Lewi und Koch zu fich nach dem Rathhause kommen laffen und ihnen eröffnet, daß der Magistrat eine Verbreiterung der Gert audten« straß« mit Rückstcht auf die am 1. Auoust d I. zur Eröffnung kommende Pserdebahnltnie nach dem Molkenmarkt vornehmen müffe, und er daher gezwungen sei, die vorgedachten Häuser zur Verbreiterung der G-rtraudtevstraße anzulaufen. Aus diesem Grunde forderte er die Geladenen auf, die Verkauf«» summe anzugeben und ersuchte fie, die Wohnungen nicht mehr auf längere Zeit zu vermielhen, da der Anlauf in nächster Zeit erfolgen soll. Welch' unsinniges Gerede! Die„Berliner Börsen- Zeitung" muß bedenklich unter der Hitze leiden. Sic schreibt: „Wie nachträglich verlautet, hatte die Ausweisung Singer'« noch einen besonderen Gcunv. Ei soll dieselbe nämlich nicht außer Zusammenhang mit der Thatsache stehen, daß in letzter Zeit von der Internationale oder auch noch von anderer deutsch» seindltcher Seite in Paris Gelder an die hiesige Eozialdemo- kratie gelangt find, die darauf derechnet waren, auch hier einen Putsch hervorzubringen. Auch sollen darüber sehr ernste Ver» Handlungen zwischen der Reichsregierunq und der französischen Regierung stattgefunden haben. Od Herr Singer darum ge» wüßt hat, muß dahingestellt bleiben; doch soll dieser Vorgang da,» oeranlaßt haben, mit besonderer Srrengr gegen die hiestge sozialdemokratische Agitation einzuschreiten." Autweisung. Gestern Mlttag gegen 2 Uhr wurde der Drechsle, metfrer Herr Heinrich Tadert, Münchebergcrstr. 16, nach dem Molkenmarlt zitirt, woselbst ihm eröffnet wurde, daß er Berlin und dos Gebiet de« kleinen BelagerungSzu» standeS di« Freitag Mittag 2 Uhr zu verlaffen bade. Herr Tabert war bekanntlich di« jetzt Vorsttzender de« Arberter» Bezirks� Verein« de« Osten« und war Zeug« im Prozeß Berndt Christensen. Der Ausgewiesen« läßt eine Frau und drei Kinder in Berlin zurück. Wie wir erfahren, ist die«eußerung de» RecktSan walts Munckel, die wir gestern wiedergaben:„Der Zeuge Tabert sei wegen der beiden MajestätSdeleidigungen des Zeugen Jhring nicht vernommen worden"— unrichtig. Herr Tabert ist im Gegentheil gerade über diese Punkte der An- klage vernommen worden. �... KrohrS tu schwerer Zeit.„Die Woche fängt gut an". so sagten wir un« gestern Nackmittag im schattigen Garten de« Th. Keller'schm Hofjägers, al« wlr den Klängen der Mufik lauschten und eine festliche Menge auf und nieder wandeln Lucien besav» sich auf Mittel, um den unbequemen Herrn los zu werden, allein e» fielen ihm nur allzu «»ergische ei«. De« eine Mal hoffte er, daß der Reise. geführte in Naote« oder V.rnon aussteige» verde, aber eitle Wünsche, er reist bi» nuch Havre. Luc'ea entschloß sich, seiner Frau die Hand zu drücke». Da fie verheirathet sind, so ist e« erlaubt, seiner Zärllichkeit AuSdnick zu geben. Jedoch die Blicke de« alten Herr» wurde» immer strenger. Es lag auf der Hand, daß er diese Zärtlichkeit durchaus mißbilligte. I» Folge dessen zog die junge Frau ihre Hand erröthend zurück, und der R.st der Reffe wurde still» schweigend fortgesetzt. Z» Rouen, dem Reiseziel für de» heutigen Tag, stieg da« junge Paar au». Vor der Abreise halte sich Lucien mit einem Reisehand» buch versehe«. Sie stiege» in einem der darin empfohlene« Gasthöfe ab und sahen sich sogleich von>iaer Schaar Kellner umringt. An der Tadle d'hote wagte» fie kaum»in paar Worte zu wechsiln, weil fie von einer Menge von Leuten fixirt wurde«. Sie zogen fich früh zurück, um allein zu sei»; aber die Wände der Schlafzimmer waren so dünn, daß die Zimmer- »achbarn keine« Schritt»hun konnten, ohne gehört zu werden. Sie hatte» kaum den Muth, die geringste Bewegung zu mache«, oder etwa gar zu hosten. „Sehen wir un« die Stadt an und reise» wir dann weiter nach Havre," schlug Lucien vor. Den ganze» Tag waren fie aus de» B«i-e». Sie besichtigten die Kathedrale und den Buttnthurm, ein alte« Bau» werk, düS aus den Steuer« erbaut worden, welche die Geist» lichkeit von aller Butter der Umgegend erhebe« lteß Sie be» suchte» de» alten Palast der Herzöge der Normandie, die alten Kirchen, die man al» Spitäler benutzt, de« Platz der Zungfrau von Orleans, da« Museum, ja sogar de« Kirchhof. Al« ob sie eine Pflicht zu erfülle« hätten, schenk,«« sie fich kein einzige« historisch interessante« Gebäude. Zumal Hortense langweilte fich dabei, und tag« darauf war fie so wüde, daß fie im Bahnzuge schlief. Ja Havre erwartete sie neue« Ungemach Die Gasthof» betten waren so schmal, daß mau ihnen ei» Zimmer mit zwei Bette« avwie«. Hortense empfand die« al» eine Beleidigung und fing an zu weinen. Lucien ttöstets fie, indem er schwor, nicht länger in Havre z« bleiben, al» unbedingt«öthig sei, sahen. Nach Monaten harten Schaffen« und Sorgen« mancher Art waren an drei Tausend„Träger der Arbeit" mit Frauen und Kindern der Einladung des Verein« zur Wahrung der In,(reffen der Klavierarbeiter zu einem„Sommerfest" gefolgt. Ei gaff dem UnterstvtzunaSsond« für kranke Mitglieder de« ge» nannten Verein«. Der. Garten, in traditioneller Weise mit Fahnen und Wappen geschmückt, bot, nachdem der Abend hereingebrochen, ein entzückende« Bild. Der flimmernde Glanz der Lichter, die Buntheit der Ballon«, welche gleich schwebenden Leuchtkugeln fich von Baum zu Baum zogen, dann die färben» reiche bengalische Beleuchtung, Alle« vereinte fick zu einem har» manischen Ernzen- Während fich im Saale die Paare schwitzend im Tanze drehtm, saß die Mehrheit der Festtheilnehmer beim Bier in Hunderten von Gruppen scherzend und plaudernd zusammen. Al« fich um 9 Uhr Abend« der imposante Kinderfackelzug unter Vorantritt eine« Mustkkorp« in Bewegung setzte und man die herzige, überquellende Freude der zutünftigen Staatlbürger sah, wurde wohl auch in Erwachsenen»« wieder die Erinnerung an die eigene frohe Kindheit wach— wer eine solche hatte. Da« Fest schloß in später— pardon— in früher Stunde. Es mochte 2 oder 3 Uhr sein, al« die Letzten den Tanzsaal ver. ließen. So vemahmen wir wenigsten«; wir traten früher den Heimweg an. Z» der Frage, od die Standesbeamte» den Namen „Luciser" al« Vornamen zurückzuweisen belugt find, erhalten wir au« unserem Leserkreise folgende Zuschrift.„Nicht allein der Name„Luciser" wird in neuerer Zeit feiten« de« Stande«» beamten ungern gehört, bei Anmeldung auch anderer Namen, welche nicht gerade Heilige der katholische Kirche oder Personen au« Deutschlands Geschichte ic. bezeichnen, werden Schwierig' ketten gemach». Ende voriger Woche meldete ein Vater, disfident, auf dem zustänstgen Standesamt hierselbst die Geburt eines Sohne« an und wünschte die Eintragung der Namen„Karl" und„Gracchu«". Drr Standesbeamte machte jedoch Vor- stellungin wegen de«„Gracchu«", verweigerte die Eintragung und ersuchte nach längerem Hin» und Herreden um Angabt eine« anderen Namens. Der Vater wurde hierüber ärgerlich, desann fich jedoch und nannte„Hubert" al« einen für seinen Sohn ihm paffend erscheinenden Namen. Doch auch dieses wurde trotz seine« Anklänge« an dm öfter g-bräuchlichm„Herbert" für durchaus unannehmbar erklärt, und der Standesbeamte meinte, daß er den Namen„Gracchus" denn doch vorziehe. Nach weiterem Diikutirm kam dann schließlich der Stande« beamte dem Wunsche de« Vater« nach und schrieb„Karl, Gracchus" al« Vornamen de« kleinen Weltbürger« ein. Man kann zwar über den Wohlklang de« Namen«„Gracchus" ver- schieden« Meinung sei«, wmn aber„Cäsar, Aimin" ic. als Vornamen nicht gegen die guten Sitten verstoßen, dann dürste doch auch„Gracchu«"(Name zweier VolkSführer in der römischen Geschichte) durchaus ohne Anstand zugelaffen w«den. I« dem Bericht über die letzte Sitzung der Aeltestev der Berltoer Kaufmannschaft wird Herrn Singer folgender „Nachruf" gewtvmet: Paul Singer war Mitglied der Sach- verständigen- Kommission für giwerblicke Angelegenheiten, wie der ständigen Deputation der Textil- Interessenten und steht fich durch seine Ausweisung auS Berlin veranlaßt, diese Aemter niederzulegen. Die Stelle dieses durch seine rege Theilnahme und seine Sachkunde geschätzten Mitgliedes bleibt einstweilen unbesetzt. St« interessanter Fund ist bei Gelegenheit des Ausbaue« de« Hauset Gertraudtenstraße 23 gemacht worden. In einem Zimmer de« Erdgeschosse« ist ein gewölbter Raum, welcher al« Tresor benutzt wurde, 2 Met« hoch, 1.55 Meter tief und 85 Zentimeter breit, freigelegt worden. Der Raum ist durch eine eiserne Thür mit zwei gut erhastenen Schlöffern geschloffen, die Thüreinfaffung, au« Sandstein gearbeitet, liegt mit der verzierten Seite nach innen. Noch der Kompofition und Bearbeitung zu schließen, find die Ornamente Ende de« 15. od« Anfang de« 16. Jahrhundert« entstanden. Es ist jedoch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß nach dem großen Brande der Petrikirche, welche bekanntlich unter Friedrich Wilhelm l. vollständig zerstört wurde, ein Stück auS den Ruinen beim Aufbau deS HausrS, wo eben der Fund gemacht wurde, benutzt und eingemauert ist. Da der oben beschriebene Raum beim jetzigen Ausbau entfernt wird, soll derselbe, wie die„Börs.'Zia." schreibt, mit Einwilligung der HauSeigen» thüm« dem Märkiichcn Provinzial Musrum übergeben werden. DaS Ganze ist übrigen« sehr gut erhalten, wenn auch die scharf hervortretenden Kanten und Verzierungen d« sehr gut gearbeiteten Säulen etwa« deschädigt find. Herr Hagenbeck hat mit seinen Menschenkarawanen ent- schieden Unglück und trotz seiner überau« bombastischen Re- tlame wird« nur allzuhäusig auf faulem Pferde«tappt. Wir erwähnten kürzlich, daß Herr Hagendeck mit einigen„blau- blütigen" Gästen au« dem gesegneten Kamerunlande in Ham- bürg weile. Natürlich waren die schwarzen Herrschaften nur Prinzen und andere hochgeborene Little.Popo«. In d«„Köl- Nischen Ztg." finden wir nun folgende Notiz au« Hamburg: „Der schon«wähnte Prinz Dido von Dtvoftadt. welch« kürz- um die Stadt oberflächlich kenne» zu lernen. Am Morge» de« folgende» Tage« begann wieder die tolle Fahrt nach Sehenswürdigkeiten. Sie vnließe» Havre und hielten sich in jeder Stadt, die ihr Führer angab, einige Tage auf. Sie besahen fich Horfleur, Cae», Bayeux, Cherbourg, richtete« eine Unordnung in ihre» Köpfen a«, venvechselten Kirchen und Ort», vamen, und die rasche Aufeinanderfolge von neuen Ein» drücke» stumpfte fie für alle» ab. Nirgend» fanden fie eine» glückliche» friedliche» Winkel, wo fie fich ohne indiskrete Zuschau« hätten umarmen könne«. Nach und«ach sähe» fie gar»tchi« mehr, sonder« setzte» ihre Reise fort, wie eine lästige Pflicht. Da fie nun einmal abgneist waren, mußte» fie auch mied« zu Hause ankommen, Eine« schönen Abend» ließ Lucien da« bedeutung«» schwere Wort falle«:„Ich glaube, ich ziehe deine Mutt« vor." Am folgenden Tage reiste« fie»ach Granville. Lucien war verstimmt und warf düstere Blicke auf die Gegend, die fich fächnartig zu beide« Seiten d« Bahnlinie ausbreitete. Plötzlich hielt d« Zug bei ein« kleine« Station, einem reizende» Nest, da« uat« grüne» Bäume» ganz v«- steckt lag. „Hier wolle« wir aussteige», komm schnell,' rief Lucien sein« jungen Frau zu. „Aber diese Station steht.ja nicht im Reiseführer",«» wid«te sie v r««nd«t. „Da«««wünschte Buch! Du sollst gleich sehen, wa» ich damit thun w«de. komm, steige nur schnell an»." „Ab« uns« Gepäck!' „Da« haben wir gar nicht nöthig." Hortense stieg au», der Zug braust« weit« und ließ die beiden auf dem schöne», grünen Fleck zurück. Kein Lärm ringsum, die Vögel sangen in de» Zweigen, und ei» klarer Bach rauschte im Thale. Lucien warf sei» Reisehandbuch in den«sten beste» Suwpf, und nun waren fie frei. Dreihundert Schritte entfernt lag ein eivjame« Wirth», hau«, difien Besitzerin ihnen ein große», weißgetünchte«, freundliche» Zimm« einräumte. Die Mau«» waren wohl eine« Met« dick. Ueberdie« belästigte fie kein einzig« Gast, nur die Hühu« sahen ihrem Tzeibe» neugierig zu. lich da« Sommerrennen auf d« Horn« Koppel besuchte und gegenwärtig im Haaenbeck'schen Thierpark mit„Gefolge" aus« gestellt wird, beftehs wie mir von wiffenv« Seite mitgetheilt wird, in kein« Weise die Ahnenprode, sondern ist ein Käme« run« Neger wie alle andern, ohne irgendwelche fürstlichen Vorrechte." Herrn Hagenbeck ist trotz de« Herrn Profeffor Buchow schon öfter da« Malheur passtff, daß ihm recht un» liedsame Raffenoerschiebungen unterlaufen find. Daß er jetzt einen ganz gewöhnlichen Kameruner zu einem Prinzen von Geblüt macht, kann ihm leicht eine afrilantsche MajeftätSdelei» digung eintragen. Hoff:ntlich giebt'« in Groß, und Klein- Popo noch keine Staatsanwälte. Mit unverkennbarer Bitterkeit werden vom Berlin« Volksmunde jetzt die Süßigkeiten eine« durch seine Reklame bekannten hiesigen Bonbonfadrikanten behandelt. Zu den Klängen de« bekannten Walzer« au« Don C-sar fingt die weidliche, den Süßigkeiten huldigende Jugend in unseren Tanzlokalen den«baulichen Text: Komm herab, o Maria von Donat, mit deinem Heil-Husten-Lonbon. Damit kann man Einen vergiften und der Andere der weiß nischt davon I— Od diese« echte Berliner Volkslied ein Produkt de«„guten Geschmacke«" ist, darüber find die gelehrtesten Männ« noch nicht einig. Eine Räuberpistole, wie ste die Sauregurkenzeit wohl kaum ärger ausbrüten ka'.n, läßt fich die„Verl. Ztg." in Folgendem«zählen:„Das wdte Tantchen." Die junge Gattin eineS am HauSvotgteiplatz wohnenden Fabrikanten engagirte vor einigen Wochen ein der äußeren Erscheinung nach sehr ordentliches Dienstmädchen in einem Gesinde-VermiethungS» bureau. DaS Mädchen hatte, obwohl nicht mehr sehr jung, ein zuvorkommendes Benehmen und kleidete sich tief in Schwarz, was ihr sehr gut stand. Auf die Frag- d« jungen Grttin, ob fie nicht am 1. Juni d. I. ,u ihr ziehen könnte, meinte ste, nein, daS ginge unmöglich, da ihre„Tante" gestorben sei, uns ste dieselbe erst unter die Erde bringen lassen wolle, auch den kleinen„Nachlaß" derselben, der ihr zugefallen, an fich nehmen möchte, doch wollte fie am 7. v. M. bestimmt zuziehen, was denn auch geschah. Schon beim Antritt deS Mädchens fiel e« auf, daß ste ihre Sachen auf einem kleinen Möoelwagen, und zwar in nicht weniger als drei großen Körben, einem Koffer und einer Kommode verpackt, anbi achte. Auf die Frage, woher fie die vielen Sachen, für deren Beh«berguna kaum Platz sei, habe, erwiderte fie weinend, daß dies„die Erbschaft von Tant- chen" sei.!Am ersten Abend nach ihrem Antritt fehlte der Madame bereits ein großes Tischtuch; am zweiten Tage vermißte fie noch andere Gegenstände auS der Küche und Wirth schast: stlbeme Löffel u. deral. Die junge Frau glaubte, das adgegangeüe Mädchen sei unehrlich gewesen, theilte ihren Verdacht dem neuen Mädchen mit. Natürlich destärtte das Mädchen die Frau in ihrem V«dacht. Zwei Tage nach dieser Unterredung f«hl.'e der Madame plötzlich ein fllbernei Besteck, daS fie erst vor wenigen Stunden in Händen hatte und ein Kostüm für ein kleines Kind, daS kaum im Hause abgegeben war. Dai stets in Schwarz gekleidete Mädchen meinte nur:„Madame wird die Sachen wohl verlegt haben, werden fich schon finden." Die Sachen fanden fich nicht, dagegen vermißt« auch der HiuSherr plötzlich 2 Paar Hosen, Stiefeln u. s. w. aut seinem Spinde. Nunmehr lteß derselbe einen Kriminalbeamten rufen. DaS Mädchen leugnete hartnäckig jeden Diebstahl, doch wurden bei Oeffnung der Sachen sofort da« Silber- Besteck. die Sachen de« Hausherrn u. f. w. vorgefunden. Aber da« Ausfiaden dieser Sachen war nichts zu dem, wu« noch kam: verschiedene kostbare Schmucksachen, goldene Uhren, goldene Ketten, silberne Messer und Gabeln, kostbares Porzellan, Glasgeschirr und prächtige Kleidung«' und Wäschestücke, Sparkaffenduch über mehrere hundert Mark»c. jc. wurden vorgesunden. ES ist be» reit« tonstatirt, daß alle diese Gegenstände von dem Mädchen bei den letzten süns Herrscha'ten, bei denen ste gedient, gestoh- len worden find. Zwei Damen, bei denen fie diente, staroen während der Zeit, daß fie dort im Dienst war, unv fie halte die Frechheit, fich auch einen Theil der Garderobe derselben anzueignen; u. A. einen kostbaren schwarzen Umhang einer Frau Profeffor, den fie ungenirt nach dem Tode trug. Aus allen Stellen, die fie annahm, brachte ste die Geschichte von dem„todten Tantchen" vor, so daß fie, ohne auffällig zu«» scheinen, die Zeichen au« den Wäschestücken„entfernte" u-{• w. Da« Mädchen hatte, wie stch herausstellt«, einen„Liebhaber", und zwar ist derselbe Familtenvater von fünf theil« schon er» wachsenen Kindern. Da« Dienstmädchen und ihr Bräutigam find verhaftet."— Ein Dienstmädchen, welche« mit einem Möbelwagen zieht, ist sehr gut! Wenn daS warme Wetter nicht bald nachläßt, werden die Dienstmädchen noch den Räch» hauSthurm stehlen und in ihren Koffern verdergcn. Der W»rth etae« Restaurant« an d« Odnspree wollte zu Sonnabend ein Plakat mit einem kleinen niedlichen Ge» dicht an die AnschlazSsäule ankleben lassen. Der bei ihm zu Somm« wohnende konservative Schriftsteller Isenbeck hatte e« ihm mit einem Anklänge an ein bekannte« Lied in Paul Hesse'« Roman„Im Paradiese" angef«ttgt, da der Wirlh Adam heißt. Eö bewegte fich in d« Reimform der deutschen „U»s«e Billet« gelte»»och acht Tage," sagte Lucien, „ich denke, wir bringe« hin de» Rest unser« Ferien zu.' Und welch' eine glückliche Zeit war da« I Vom frühe» Morgen an wavdnte» sie auf unbekannte» Fußpfade», v«» loren sich bald i» ein Wäldchen, bald kletterten sie an einem Hügel h«um. So lebten sie ruhig und»«steckt unter grünen Bäumen, die ihre juuge Liebe schützte». Ei» and« Mal folgten sie dem Lauf eine» kleinen Lache«. Hortense sprang wie ein der Schule entlaufene« Kind, zog ihre Schuhe au« und»ahm Fußbäder. Lucien brachte fie zum Schreien durch eine» un«wartete« Kuß auf den Nacken. Sogar d« Mangel an Leibwäsche belustigte fie. E« machte ihnen Spaß, sich so vnlaffe» zu fühlen in ein« Einsamkeit, wo kein Mensch ihre Anwesenheit vermuthete, Hortense mußte von d« Wirthw Wäsche leihen von grob« Leinwand, die ihr die Haut scheu«te. Ab« ihr Zimm« war gemüthlich. Sie schloffen fich darin ei«, sobald die still und dunkel gewordene Gegend fie nicht mehr hinauszog. Sie«laubte« nicht, daß man sie wecke. Oft ging Lucien selbst hinuot« und trug da« Frühstück, Ei« und Kotelette« h«auf, ohne daß« irgend Jemand«laubte, in« Zimm« zu komme». Und so schmeckte da« Frühstück ausgezeichnet, wen» man e« am Rand de« Bette« zu fich nahm, und e« dau«te lange und wollte nicht ende«, den« e« gab mehr Küsse al« Bisse«. Am siebente» Tage waren fie«staunt und bettübt dar« üb«, daß fie so kurze Zeit gelebt hatte». Sie reiste» ab, ohne nur den Namen de« Orte«, wo sie fich geliebt hatten, zu kenne». Erst m Pari« fande« fie ihr Gepäck wied«. Wenn Papa B«ard die junge» Leute nach ihre» Er« lebmffe» fragt, werfe» fie alle« durcheinaad« und behaupten, fie halten da« Me« in Cae» und de« Buttnthurm in Havre gesehe». „Donnerwett«,' fluchte d« Alte,„und ihr«zählt mir »tcht« vom Arsenal in Cherbourg!" .O,' antwortete Luc;«,„'S ist ei» kleine« Arsenal, «tcht d« Rede wnth, e« steht kein einzig« Baum dort.' Dann pflegt Mab. Lariviere die Achsel» z« zucke» mit der leise» Beme-kung: ,@« ist nicht d« Mühe werth, zu reise«, wenn man ja nicht einmal da« Wichtigst« kennt. Vorwärts, Hortevfe, Scherz beiseite und au de» Ladenttsch I' Meisterstngtt und ed«nso in deren Tonart:„Als Galt der Herr dem Adam hieß— Sich trollen aui dem Paradies— Da brach für alle, Wetb und Mann— DaS allerg! öfite Elend an»c.— Doch Goit der Herr voll Gnad und Huld— Hat mit der MenscdheU viel Geduld— Flugs schuf er«inen neuen Garten— Deh soll ein neulr Adam warten u. s. w." Die Polizei verbot die Anbeflung des PlakateS, weil eS— eine Gotteslästerung enthalte. ES ist in der That gut, daß das Lied„Ali Noah auS dem Kasten lam" schon früher gedichtet worden ist. Von verschwundenen ZwillingSschwefteru weiß der „2..A." folgende räthse! hafte Geschichte zu erzählen, welche seit dem Montag voriger Woche den Norden der Stadt beschäftigen soll. Die beiden am 18. Januar 1864 zu Berlin geborenen Töchter deS KürschnermetsterS Reiß, Amanda und Klara, find auf ganz räthselhafte Weise auS dem Hause ihrer Eltern, Elsaffirstr. 6, seit dem genannten Tage verschwunden. Be- wohn« des HauseS haben am Montag Nachmittag 1»/, Uhr eine Droschke vor dem Hause vorfahren sehen, der ein Maun entstieg, der bald darauf mit den b-iden jungen Mädchen die Droschke wieder bestieg und in westlicher Richtung mit ihnen davonfuhr. Beide junge Damen lebten mit ihren Eitern im besten Einvernehmen und haben«st Sonntag vorher mit diesen daS Konzert im Bötzow'schen Etablissement besucht. Die Eltnn vetmuthcn eine Entführung beider Töchter. Um die Spur derselbm verfolgen zu können, bittet der Bat« dm Droschken- lutscher, welcher Montag Nachmittag in Begleitung det frem« den unbekannten Mannet mit den beiden jungm Damen vom Hause Elsaffnstr. 6 abfuhr, um Mittheilung, wohin er mit den drei Pnsor en gefahren, und verspricht dem Droschkenführer eine gute Belohnung. Recht schttmm erging eS am Sonntag Abend der Man- sardenwohnung des PenfionärS Macke im Hause Lichterfelder« strahe 2 Die Familie war ausgegangen, und während ihrer Abwesenheit gelangte in der undeaufstchttgt gebliebenen Woh- nung ein Brand zum Ausbruch, dessen Entdeckung vom Nach- barhause erst erfolgte, nachdem die Flammen mit dem Mo- biliarinhalt zweier Stuben bereits vollständig aufgeräumt, die Decken durchbrochen hatten und an verschiedenen Stellen zum Dacht herausschlugen. Mit oem Eingreifen der kurz vor 10 Uhr alarmirten Feuer«ebr, welche gegen den Brandherd mit der GaS und Dampfspritze, unter Asststenz einer grohen Hand- druckspritzt, vorging, wurde die Macht der äuherst kräftig ent» fachten Flammen zwar bald gebrochen, doch währte eS fast eine Stunde, bevor ihre endgiltige Niederlage destegelt war, wäh- rend die AufräumunzSarbeiten erst heute früh gegen 2 Uhr ihr Ende erreichten. Wahrhaft ergreifend war der Jammer der Frau, als ste bei ihrer Rückkunft die Verwüstung sah: denn das Mobiliar ist nur sehr mähig bei der Norddeutschen Fcuervelficherung»- Gesellschaft vnfichert. Die Schädigung einer Anzahl ander« Miether deschränkt fich auf den Verlust der in den Bretterverschlägen auf dem Boden untergebrachten Wirthschastigegmstände:c und beansprucht gegm den von dem Macke'fchen Ehepaar erlittenen Verlust jedenfalls keine Bedeutung. Ueber die Entstehungsursache deS BrandeS und über seine unbemerkte beträchtliche Entfaltung fehlt biS jetzt noch jede Autklärung. Eine Jagd auf eine« Taschendieb fand vorgestem Abend in der Gegend deS H-lleschen ThoreS statt. Ein Herr, der dort die Pferdedahn der Ringbahn destieg, verspürte in demselben Augenblicke, als« auf dem Hinterperron Platz nehmen wollte, einen Ruck. In der Meinung, er sei mit seiner Kleidung irgendwo hängen geblieben, reoidtrte er dir selbe und bemnkte im nächsten Moment, daß seine Uhrlette lote herab- hing. Die Uhr fehlte und die Kette war mittelst eineS Werkzeugs abgeschnitten warben.„Meine Uhr ist mir gestohlen worden I" rief der Bestohlene sofort; in diesem Augenblicke verließ aber auch einer d.r P-rronfahrgäste den in voller Fahrt befindlichen Wagen und machte fich auS dem Staude. Der Brstohlene nahm sofort die Verfolgung auf, andere schlössen fich tbm an, und ein tolle» Jagen durch die Straßen begann. In der Neuendurgcrstraß« wurde der Flüchtige envlich gesaßt und nach dem nahe gelegenen Polizetrevt« aedracht. Man hatte, wie die »A. F. Z" meldet, rtnen guten Fang gemacht. Venn der auf der That Ertappte wurde als ein vielfach oorbeftraft« Taschen- vieb relognoSzirt. der wegen früherer Diebstähle stecksrieflich vnfolgt wird. Die Uhr halte er unt«wegS von fich geworfen, ste ist aber spät« gefunden worden. Eine jener turbulente« Szene«, wie ste im Moabiter GnichlSzebäude grade nichts seltmeS find, spielte fich am Sonnabend Nachmtttag auf dem eine Treppe hoch belegenen Koiridor ab. ES waren ewe Anzahl Frauensleute zur Ver- nehmung vor dem Unte suchungSctchter auS dem Gefängnisse vorgeführt worden, darunter eine Alte, die zwar nicht in Ehren, wohl aber in Verbrechen grau geworden ist. Die ganze Grupse wurde bis zum einzelnen Aufruf einstweilen in eine DetenitonS- zelle gesperrt. Plötzlich ertönt« auS dn Zelle fürchterliche» Be- kreisch, ein Bote springt hinzu, öffnet die Zelle, springt aber blitzschnell zurück; denn vor ihm steht die siltr vollftär dig nackt. Sie hatle fich sämmtlicher Kleider, und selbst de» H-mdeS entledigt. Dabei kreischt, tobt und schimpft ste wie eine Wahn- finnige. Man versuchte ihr durch eine Thürritze hindurch gut zuzur-den, e» war aber alles umsonst. Da selbstverständlich kein Mann die Zelle betreten konnte, so entschloß man fich endlich, die StattonSaufsehertn auS dem Gefängniffe d-raufzu- holen. Diese erklärte sofort, daß die Alle nur fimulirr. In der That gelang eS ihr durch freundlich«» und bestimmte» Zureden, die Alte wenigstens soweit zu beruhigen, daß ste ihr die Kleider wieder anlegen konnte, eS währte aber noch geraume Zeit, ehe die Gefangene vernehmungSfähia wurde. Di« übrigen weiblichen Insassen der Zelle hatten die Aufforderung der Bolen, die Alte wieder anzukleiden, abgelehnt. Durch da» Dröhnen eine» Schusses wurden Sonntag Abend gegen 9 Uhr die Bewohner deS Hauses Fiiedrichirr. 249 jäh aufgeschreckt. Ein in dem genannten Hause wohnender löjährig« KausmannSlehrling Mox Rodarick hatte fich ver- mittelst eines ReoolveiS einen Schuß in die Brust beigebracht. Laut stöhnend und fich in Schmerzen windend, wurde der Seldstmörd« in seiner Stube aufgefunden und auf Anord- nung eine» hinzugnufenen Arzte» nach der königlichen Charitee geschafft, woselbst man an seinem Aufkommen zweifelt. Ueber da! Motiv zu d«»«zweifelten Tbat war nichl» zu ermitteln. .. Der�vtelen BerUner» wohldekannte Klavierspieler de! GrsellichastShause» in Grünau,«in junger Mann in den zwanziger Jahren, wurde seit Mittwoch Abend vermißt, ohne daß ma.r wußte, wa» au» ihm geworden war. Gcstnn Morgen nun aurde seine Leiche im Wasser zwischen den Booten vor dem Gesellschaftshause vorgefunden. ES wird nun vermuthet, daß der Klavierspieler, welcher für Wasserfahrten beim Monde». stein schwärmte, bei einer dieser Fahrten in der Mittwoch»- nacht aus dem Kahn gefallen ist und seinen Tod gefun den bat. Ei« Segelboot kenterte am Sonntag während deS starken Wrndk» Himer Grünau auf der sog. Krampe und seine drei stürzten in'» Waffer. ES gelang mehreren Schiffern, Uauf Zillen befanden, die in der Nähe lagerten, die retten und daS Eegclbot gegen eine gute K-w.�der flott zu machen. � w Wüstling. Am Sonnabend wurden, wie der „Staated. Z»g. geschrieben wird, einige Schutzleute durch 1?: J 6aiau' aufmerksam gemacht, daß etn Mann ein l.eines Mädchen an fich gelockt habe und mit ihr die nicht mehr«leuchrete Treppe«inet Hausei in d« Kommandanten- Maße hrnautgegangen sei. Die Schutzleute und mehrere Haus- genossen, dre fich am Euchen detheiligten, landen den Unhold Opfer.auf dcm Boden. Der Wüstling wurde natürlich sofort verbastet und steht einer gerechterweise schw«en «traf« entgegen. Der Vorfall mag aber dm Eltern zur War. nung dienen, ihre Kinder de» Abend! nicht unbeaufstchtigt auf d« Straße zu lassen. Markthallen- Bericht von I. Sandmann, städtischem VerlaufSvermitil«, Berlin, den 5. Juli. Butt«. Trotz d« großen Zufuhr haben Butteweise wegen de» zunehmenden Bedarfs, besonders für den Exvott eine Besserung erfahren. Die neuen Buttersendungen zeizen jedoch vielfach eine so gelinge Haltbarkeit, daß man dieselben schnell vergedm muß, um einer Werth»«minderung vorzubeugen. E» kostet: feinste Ost- und Westpreußtsche 95-105 3»., feine Amt, dutter 90 bi« 95 M., feine Mecklenburg«. Priegnitzer, Holstein« w. 86-90, II 80-87; Landdutt« I 75-80 II 63-75«., Galtzische und andere geringste Sorten 50—65 M. per 50 Kilo.— Käse behauptet den«höhten Preisstand. Quadrotbacksteinkäse 18—23, 1112-17 p« 50 Kilo. Limburg« 30-38, II 16-25 M.; echt« Emmenthai« 70— 80, l imrtirt« 50— 60, Ii 40— 45 M.; echt« Holländer 53—75 M; Rheinisch« 45-70 M.;«cht« Neufchatell« 4,50 18. per 20 Stck.; Ramadaux in vianiol 46 M, in Pergament 36 M. per 50 Kilo; Cammendert 8,00 dt» 8.50 per Dutzend. Eier im Preise steigend 2,20—2,25 M. per Schock nach Börsenusanze. Polizetbericht. Am 5. d. M. Vormittag» wurde auf dem Zentralviehhof ein Krabe von einem Pferde, welches ihm zur Beaufstchtizung übergeben worden war, und da» er unbe- fugt« Weise bestiegen halte, abgeworfen und erlitt dabei nicht unbedeutende Verletzungen am Kopf und am Fußgelenk.— An demselben Tage Nachmittag» wurde ein 4 Jahre alte» Mädchen an d« Ecke d« Frieden- und Fmchtstraße durch einen von drm Kutscher Braunschweig geführten Schlacht«- wagen überfahren. E» erlitt einen Bruch de» Obrrarm» und de» Unterlief«» und mußte nach dem Krankenhause im Fried- richSdain gebracht werden.— Zu derselben Zeit gerieth ein Knabe in der Bnnburgerstraße mit seinem Veloziped unter die Räder eine» eben vorüberkommenden Ardeitswagen», so daß er überfahren und am Oderschenkel nicht unbedeutend verletzt wurde.— Am Nachmittage gerieth durch unvorsichtiges Um- gehen mit Licht im Lagerkeller eine» Kaufmann» in der DreS- denerstr. 85«ine Quantität Petroleum in Brand. Die Feu«- wehr löschte daS Feu«, welche! bedeutenden Schaden noch nicht angerichtet hatte, in kurzer Zeit. Gerichts-Zeiwng. t Schlaglichter auf da» SubmifstonSwesen warf eine Verhanblunz, die gestnn gegen den Kohlenhänvler A. vor der ersten Strafkammer de» hiesigen Landgerichts stattfand. A. hatte im Lizitationt verfahren den Zuschlag für die KoaiL- lieferungen an das GarnisonSlazarelh in Tempelhof erhalten. Hiernach hatte er stch unter Stellung einer Kaution»«pflichtet, dem MilitärfiSku» 10000 Ztr. Koakt im Laufe de» JahreS 1885/86 zu einem Preise von 89% Pf. pro Ztr. m liefern. Schon bei diesem Satze war sein Verdienst nicht hoch. Der EngroSpreiS betrug 75 Pf. pro Ztr„ wozu noch Auslagen an Arbeitslohn, Fuhrgeld rc. in Höhe von 10 Pf. pro Ztr. kamen. Nun stieg plötzlich der Preis des Koaks auf 105 Pf. pro Ztr. so daß für A. ein groß« Verlust in Autficht stand Da» war eine Lage, welcher« mit s:in« Börse und sein« Moral nicht gewachsen war. Er«- fand ein Mittel, um stch zu retten und beging einen groben Betrug. Er verstand eS, das Taraaewicht der beladen«« Wagen dadurch zu fälschen, daß« schwere Wagen m-hrmals über die Wage gehen ließ und die Wiege- zettel dann auf«eichte Wagen verlheilte. 64 Fälle find ihm in d« Zeit vom 25. Septemd« bi» zum 11 März d I. nachge- wiesen; im Ganzen hat« 1700 Zentner weniger geliefert,' als er angegeben und dezahlt«halten hat.— Der Staatsanwalt hielt diesem VertrauenSbruch gegenüber eine hohe Strafe für angemessen und beantragte eine Gefängnißstrafe son 1 Jahr 6 Monate, eine Geldstrafe von 1500 M. und Verlust der Ehrenrechte auf 2 Jahre. Der Gelichtshof ging unter diese» Strafmaß herab: A. wurde zu ein« Gefängnißstrafe von 9 Monaten und zum Verlust d« bürgerlichen Ehrenrechte auf 2 Jahr verurtheitt. Von einer Gelvstrafe wurde abge. sehen. Für die«reise der»iehhofS.Juteresseute« ist ein« Enticheidung der sechsten Slrattamm« hiestgen Landgericht» i von besonderem Interesse. In ein« Bekanntmachung der Dtreltion de» städtischen Zentralviehhofes, unterzeichnet Haus- bürg, vom 19. Dezember 1883 wird angeordnet, daß die Oder- treib« vorn an der Kopsbedeckung ein« Metallschleife mit einer Numm« al» Abzeichen zu trogen haben. Die Nichtbefolgung dieser Vorschrift ist alt eine Verletzung der für den VtehhofS- betrieb«laffenen Poltzeiverordnuna vom 17. Februar 1881 bezeichnet worden. Eine große Mehrzahl der Obeiretb« alias Vi-Hexpedienten hielt stch nicht verpflichtet, dieser Anordnung nachmkommen, und auch ihr juristischer Beistand Rechtsanwalt Dr. Fränkel vertrat im Termin vor dem gedachten Gerichtshofe die Anficht, daß nicht d« Direktor Hausdurg, sondern nur der Magistrat zum Erlaß von AuSführungidestimmungm berechtigt sei. Die fragliche Bekanntmachung verletze sogar§ 1 der Reichs- gewerdeordnung. D« Gerichtshof erachtete aber die Bekannt- machung für durchaus rechtsverbindlich und vnmtheilte drei Obertreid« zu je 6 M. event. je 2 Tagen Halt. t Mutter und Tochter. Der Handelsmann Aw. keine Leute»u beschäftigen, die nicht fachkundig find, da ohne da» Mitwirken d« Meister die Stuckateure für solide Arbeit nicht sorgen können.— Nachd-m die 4 Kollegen gewählt waren, wurden noch die jüngst vorgekommenen Fälle besprochen, tn welchen sowohl Prinzipal« al« auch Gehilfen den zwischen beiden Th-llen abgeschlossenen Kontratt über die Lohn- und Arbeitsbedingungen gebrochen haben sollen. . Die polizeiliche Genehmigung wurde versagt, der zu heute, Mittwoch, anberaumten Versammlung de» Ardetter-ve- zirkSverein»„Süd-Ost". Die Tagesordnung dieser Versamm« iung lautete: 1. Vortrag de» Herrn Dr. Slahn üb« HundS» wu'.h und Impfung. 2, Kommunal«». 3. Verschiedene» und Frage.asten. Der verein für Feuerbestattung zu Berlin zählt gegen- wältig 620 Mitglied«, nachdem für etwa 30 Mitglieder, welche in Folge von Diffnenzen mit dem früheren Vor- fitzenden ausgeschieden waren, 35 neue Mitglieder zuge- tretm find. Der verein ehem. Schüler der«gl. Friedrichstädt. Knadenschnle(Reinboli'sche Schül«) hat fich die Aufgabe ge- stellt, seinem ehemaligen, am 15. Mai 1883 verstorbenen Rektor H. A. Reinbott einen Gradstein zu setzen und hält zur wetteren Besprechung hierüber eine Generalversammlung am Donnttstag, den 8. d. MI»., AbendS. 9 Uhr, im Deutschen V«retnShause, Wilhelmstr. 118, ab, wozu alle ehenaligen Schulkam«aden eingeladen find..... Verein für Technik«nd Gewerde, Wttielstraße 65. Mittwoch, Abtnd» 8% Uhr, Vortrag. Gäste willkommen. Fachverei« der Tischler- Die BerrinSdidliothek ist am Donnttstag, den 8. Juli, Abend» von 8 bi» 9 Uhr im VereinS- lokale, Neu« Grünstraße 28 sJordan'» Salon) geöffnet. Daselbst können Bücher von den Mitgliedern in Empfang ge« nommen und gelesene Büch« zurückgeliefert werden.— Zum Sonntag, den 11. Juli, wird vom VeranügungSkomitee de» Vereins eine H«renpartle nach dem Grunewald arrangirt. Xwffpunö In Schmargendorf. Die vbfabit der Züge wird durch Inserat in der FreUagtnummer diese? Blatte» bekannt gemacht._ Kleine Mittheilungen. Bremerhaven, 5. Juli. Ein schwere« Unglück ereignete fich aestem Vormittag auf dem Terrain de» hiefiaen Güter- bahnhof» in der Nähe de» neuen Hafen«. Die in Sehe wohnhafte Wäscherin Ehefrau Hillemann, kam von dem Schnell' dampfer„Eider", wo ste Geschäfte gehabt hatte und ging zur »bkürzung de» Wege» statt die Straße entlang quer über die Schienengeletse der Eisenbahn, wo gerade rangut wurde. Un- bekümmert darum lief ste zwischen den einzelnen Zügen und Wagen hindurch und wollte so auch zwischen einem gerade im Stangiren besindlichen Zuge und mehreren Wagm durchlaufen. Von dem beaufstchtigenden Beamten und mehreren anderen Personen wurde sie angerufen, ohne fich jedoch halten zu laffen. Zwischen dem ersten Puffer kam fie noch hindurch, al» ste jedoch eben vor dem zweiten war, stießen die Wagen aufein- ander, die Hillmann zwischen den Puffern zermalmend. Al» die Wagen durch den Stoß wieder auseinander geprallt waren, stürzte der Körper hinab auf die Schienen, wo er von dem nachschiebenden Wagen noch überfahren wurde, so daß der Arm und der rechte Fuß von dem Körper getrennt wurden. Der gräßliche Vorfall war geschehen, ehe e» noch den Zu- schauem möglich gewesen war, etwa» zum Verhüten deffelben St thun. Der fürchterlich verstümmelte Körper wurde in die ädttsch: Leichenbaracke übergeführt. Der Tod der Unglücklichen muß auf der Stelle erfolgt sein. Dieselbe war etwa 52 Jahre alt und bat eine Reibe schon älterer Kinder. Forst t. L.. 2. Juli. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern in der ersten NachmittagS-Arbeitistunde bei dem Neubau de» Kilian'schen Wohnhause» in der Bahnbofstraße. Einer der dort beschäftigten Maurer, der beim Bau de» Treppen- lse» thätig war, stürzte plötzlich kopfüber in da» Erdgeschoß »ad und erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach wenigen ten seinen Geist aufgab. Der schnell herbeigeholte Arzt konnte nur den bereit» eingetretenen Tod konstatiren. Der Vemnglückte soll aus Oberschlefim zugereist sein, David heißen und unverheirathet sein. Gera, 3. Juli. Gestem Abend ereignet« fich in dem Buchdtnderei-Gelchäft und der Lehranstalt für Handvergoldung von Horn u. Patzelt in der Kaiser Wilhelmstraße hier ein enl- setzlicher Vorfall. In dem Garderodezimmer der Lehranstalt lagerte ein Faß Spirttu» von 50 Liter Inhalt. Einer der Schüler, der 26jährigt(taubstumme) Wilhelm Melcher au» Effen, öffnete den Hahn und hielt ein brennende» Schwefel- Hölzchen darunter; au» welchem Grunde, da» ist noch nicht aufgeklärt. Der Spiritu» explodirte und im Nu stand der junge Mann, wie das ganze Garderobezimmer, in Flammen. Die Spiritusflamme schlug in den ArdeitSsaal und ergriff einen dicht an der Thüre arbeitenden anderen jungen Mann, einen Schweizer, Jultu» Liebreich au» Basel. Er lief in seiner Angst mtt den brennenden Kleidern auf die Straße, seine Kollegen hinter ihm her, um ihn niederzuwerfen und die Flamme zu ersticken, was ihnen endlich auch gelang. Ein dritter Schüler wurde leicht verletzt. Der Schüler Welcher au» Effen ist heute Nacht im städtischen Krankenhause den Brandwunden erlegen; mit dem Baseler soll e» bedenklich stehen. Der Brand im Zimmer und in der Anstatt wurde leicht be- wältigt. Aürstenberg, 3. Juli. Ueber die große FeuerSdrunst, welche hier am l. Juli die bekannte große Dampfwollspinneret von Hartwig bis auf den Grund vernichtete, so daß jetzt nur noch die vier Mauern stehen, berichtet die„Frkf. Oder« Ztg." folgendes:»Gegen Mittag ertönte Feuerlärm, während gleich- zeitig fich über der Fabrik eine dicke, schwarze Dampswolke erhob. Da« Feuer griff so reißend schnell um fich, daß schon eine Viertelstunde später die sämmtlichen Stockwerke ein ein- zig«» Feuermeer waren. Gerettet itt wenig, einige Säcke Wolle; alle» übrige an Material und Geräthschaftm, Maschinen)c. ist ein Raub der Flammen geworden. Glücklicher Weise ist kein Menschenleben zu b-klagen, obwohl da» Feuer ausbrach, al» alle» noch bei der Arbeit war und die Menge F-tt und Wolle ic., welche in allen Räumen lagerte, da» Feuer sofort in all« Räume fortpflanzte und ein Entkommen der Arbeiter und Arbeiterinnen, zumal da» Feuer im unteren Stockwerk entstand, sehr erschwerte. Die meisten Mädchen sprangen au» dem dritten Stockwerk, und e» ist al» ein Wunder anzusehen, daß nicht erhebltihere Verwundungen vorgekommen find. Aller- ding» ist wohl kaum eine dieser BedauernSwerthen ohne Verstauchungen rc. davon gekommen. Eine Arbeiterin mußte in ein benachbarte» Hau» tran»porttrt und ärztlich« Hilfe herbei- geholt werden. Da die Fabrik hart an der Spree liegt, so war an Waffer kein Mangel, und gelang e» unserer tüchtigen Feuerwehr, da» Feuer auf die Fabrik selbst zu beschränken. Hier war allerdings, da Fußböden, Wände, Geräthe, Material rc. mit Oel zurchzogen waren, nicht» zu retten." London, 3. Juli. Di« groß« Baumwollspinnerei der Firma Watson u. Ko. in Ktddermtnster ist ein gänzlicher Raub der Flammen geworden. Der angerichtete Schaden wird auf 100000 Lstr. geschätzt und ei find durch da» Brandunglück nahezu 1000 Ardetter beschäftigungslos geworden. New Bark, 2. Juli. E ne furchtbar« Explofion fand heute in der Fabrik der Atlantic TynamU�Gesellschakt zu M'CainS- ville, New' Jersey statt. Von Den zehn im Äischungihause de- schäftigt gewesenen Arbeitern ist auch nicht ein erkennbares Ueber bleidscl aufgefunden worden, zwölf andere Personen wur- den verwundet. Di« Erschütterung wurde in einer Entfemung von 30 Kilometer gespürt und die Fenster zerbrachen auf eine Entfernung von 7 Kilometer. Ungefähr 2500 Pfund Dynamit «xplodirten und e» entstand dadurch eine Höhlung von 50 Fuß im Geviert und 6 Fuß Tiefe im Erdboden. Andere 100 Fuß entfernte Fabrikgebäude wurden auch zerstört. Theile von den Leichen der Umgekommenen wurden 1 bis IVi Kilometer weit vom Schauplatz de» Unglück» aufgelesen. Letzte Nachrichte». Zur englische« Wahlbewegung liegen folgende Nack- richten vor: London, 6. Juli, früb. Es find nunmehr 307 Wahlen bekannt, davon entfallen 168 auf Konservative, 36 auf Dissen tinnde Liberale, 76 auf Anhänger Gladflone's, 27 auf Parnelliten. Dilke unterlag bei der Wahl in Chelsea mit einer Minorität von 176 Stimmen. Wiedergewählt find Labouchere, Bradlauzh, George Hamilton und EtanSfeld. Die Konservativen und diffentirenden Liberalen haben zusammen 25 Sitze, die Anhänger Äladstone'S baben 10 Sitze gewonnen. Dublin, 6. Juli. In vergangener Mitternacht machte ein Volkshaufen einen Angriff auf da» Lokal de» konservattven Ardeiterklub» und auf die Orangistenball und versuchte, die Thüren zu er- brechen. Die darin befindlichen Personen feuerten av» den Fenstern auf die Angreifer, von denen einer gelöst, t und 36 verwundet wurden. Schließlich wurde von der Polizei die Ruhe wieder hergesteA.+ � Die bayerischen Minister hatten ihr Entlaffungsgesuch eingereicht. Der Prinzregent hat die Demisfion abgelehnt. Ftnanzpoittlsche«. Die Gesammtsumme der auf Grund der lex Huene zur Bertheilung gelangenden Mehrerträge au» den neuen landwirthschaftlichen Zöllen beläust fich, den „Berl. Pol. Nachr." zufolge, auf wenig mehr als 4 000 000 M a r k. In diesen Tagen dürften die Provinzial- regierungen mit den nöthigen Instruktionen in Betreff der an die Kreise zu überweisenden Summen versehen werden. ßten Beschluffe gemäß die diesen Lohn nicht veranlaßt würden, denselben in drücken. Die Kollegen sollten dem gtf> nicht unter 50 Pf. per Stunde arbeiten, zahlenden Arbeitgeber Folge der sonst für fie erwachsenden her abzudrücken. Die Zimmerer derjmi wetter, wo nicht 50 Pf. per Stund« gezahlt würden, sollten fich, fall» fie gewillt seien, die Arbett niederzulegen, dehuf» Regelung der Unterstützung an ein» der Lohnt glieder wenden. Konkurrenz ebenfalls derjenigen Plätze, so heißt e» sstonsmit« Ans Grund de» Cozialikengesetze« find von der königl. KreiShauptmannschaft zu Leipzig vorgestern zwei Mitglieder de» aufgelösten Metallarbeiterverein», die Scklofiergesellen Hermann Deumer au» Halle und Georg Friedrich Ernst Johanne» au» Berlin von hier und dem Bezirke der Amtihauptmannschaft Leipzig ausgewiesen worden. Driefkasten der Redaktion. I. L. 100. Der Wtrth kann jederzeit auf Exmisfioir klagen, und Sie können nur dann Schadenersatz verlangen» wenn eine bestimmte Kündigungsfrist zwischen Ihnen und dem Wirtb vereinbart war. G- W. Da» Verlangen des Eigenthümeri de» Nachbar« grundstück«, Sie sollten Ihr Firmenschild entfernen, ist unberechtigt. W B. Wienerftr. Sie müffen zu den Baukosten für die Kirche deittagen, wenn Sie Mitglied der betteffenden Kirchengemeinde find. G. K, Georgenktrchstratze. Da» Strafgesetzbuch spricht nur vo» einer„lebenslänglichen Freiheitsstrafe, eine Ver- urtheilung auf Zeitlebens würde aber natürlich ganz dieselbe Bedeutung haben. O. H. in H. Die Sache ist sehr schwierig durchzuführen. E» müßten alle diejenigen, welche zu der betr. Sammlung bei« getragen haben, den FitkuZ auf Herausgabe de» gepfändeten Geldes klagen. Die Haupischwieriakelt wird dabei der Nach« wei» bilben, daß da» gesammelte Geld mit dem vom Gericht»« Vollzieher weggenommenen identisch ist. F. H. 1. 1) Au» Ihrer Schilderung ist kein Grund er« stchtlich, der eine Anfechtung de» Testamente» rechtfertigen würde. Daß Ihr Sckwiegervater durch seine Frau beeinflußt worden ist. zu deren Gunsten zu testtren, macht da» Testament nicht ungiltig. Od sich sonst, etwa wegen Vernachlässtgung der oorgrschriedenen Formen, ein AnfechtungSgrund finden läßt, können wir nicht beurtheilen. 2) Die Erden oder einer der« selben muß unter Etnreichung der Sterbeurkunde die Eröffnung de» Testamente» beantragen, zum Termin brauchen fie nichi anwe end zu sein, sondern erhalten ine Autfertigung von Amtswegen zugeschickt. 3) Eine Klage wegen Anfechtung de» Testamentes ist beim Gericht des letzten Wohnfitze» des Erb« laff