Nr. 156 Do»merAag, de« 8. I«1i 1886. IH. Jahrg. SnlwerVMlM Krgsn für die Inleresftn der Arbeiter. 4 Die DedeilZmtIrl>lmsr. E» ist eine»«leugbare Thatsach«, daß die Leben»« mittelpreise i« der letzten Zeit gesunken sind. Nach de« sorgsamen Ermittelungen, welche die„Statistische Rone- spondenz" angestellt hat, find seit Mai 1885 billiger geworden die Rartoffel» um 13,7 pCt., die Gerste um 10,0, der Roggen um 9,3, Erbse» um 6.9, Weizenmehl um 6.0, inländische» Schweineschmalz um 4,8, Roggenmehl um 4 0, Speisebohne« u« 2,8, Hammelfleisch um 2,8, Rindfleisch um 2 5, mittlerer roher Zavakaffe um 2,2, Ralbfleisch um 1,8, Eier um 1,5. Eßbutter um 1,4, Schweinefleisch um 0,8, Speck um 0,6 pCt. u. s. w. Sine Preissteigerung wurde nur bei Linse», Heu, Stroh wahrgenommen. Ueber diese allerding» merkwürdige Erscheinung z°r« breche» fich die Herren„Volkiwirthe" aller Schattirungen den Ropf. Die Agrarier benutze« fie, um über den Roth« stand in der Landwirthschast zu klage«. Die Schutz« Zöllner jammern, daß die Schutzzölle nicht hoch genug seien und die Freihändler behaupte«, e» sei nun erwiesen, daß Schutzzölle gänzlich nutzlos seien. Ander« wieder behaupten, die niedrigere« Preise seien ei» Glück für die Arbetter.,,. j Wer da wohl Recht habe» mag? Man steht, die ökonomische« Zustände gestalte» fich «ach ganz dgenen Gesetzen und nicht«ach den Theorie« der Gelehrte«. Und jene Gesetze bleibe« unsere« Herren Gelehrte» sehr häufig verborgen, so klug und weise und scharsfinnig sich die Herren auf dem Ratheder im Professoren« frack auch dünken mögen. E» gab eine Zeit, da die Preise der Lebentmittel fich steigerte»; da» war im Ansang de» vorige« Zahrzehnt». I« den wenige« Jahren der Prosperität nach dem Rriege stiegen auch die Arbeitslöhne. Aber die Steigerung der Löhne hielt nicht Schritt mtt der Steigerung derLebentmittelpreise;«» blieb hier immer«in starke» Mißverhältuiß bestehen, da« in der Lebenshaltung der Arbeiter zu« Ausdruck gelangt. Dan« kam die entgegengesetzte Tendenz; die Löhne be« ganne» zu staken und staken therlmeise immer«och. Nu» fiake» auch die LrbenSmittelpreise. Aber ist da« ei« Zeichen einer Besserung? Mit«ichte». Sinken der Löhne und Sinke» der Lebensmittelpreise stehe» allerdings im Zusammenhaag. Mit dem Sinke« der Löhne mußten die Arbetter fich einschränken; fie begnügte« fich mit dem Aeußersten. Qualität und Quantität ihrer Nahrung mußte» abnehme«. Fleisch kam seltener auf iden Tisch; Brod ward vielfach durch Rartoffeln ersetzt; Gemüse besserer Qualität verschwanden. Die Nach« frage«ach einer ganzen Reihe von Artikel««ahm ab und damit mußte« diese Artikel im Preise sinken. Es » rtotm.) Ieuilleton. M«e Mutter. Roman von Friedrich Gerftäck'e». (Fortsetzung.) Geh'. Schloß es noch mit mit dauert." „Aber ich kann doch jetzt nicht fort, bis die Roste wieder herauf kommt." „Geh' nur, Riad, ich braucht jetzt nicht»; ich schlafe so lange, und da ist's besser, wenn ich Ruhe habe." Du Kleine zögert« noch einen Augenblick. E» war ihr »tcht recht, daß sie ihr« Pflicht versäume« solle— aber der Kranke bat fie so sehr. .„2ch wtll der Rofie sagen, daß fie dann und wann einmal heraufguckt, und der Großvater muß auch gleich heimkommen," nickte sie, band den Ring dann in ihr kleines Taschentuch, daß fie ihn ja nicht verlor, und stieg die Treppe h'nab, um de« Austrag auszuführe«. 3« ihrem Zimmer am offene» Fenfi« stand die Gräfin Monford in Trauer gekleidet und sah gedankenvoll auf da» Wundlich« Landschastbild hinaus, da» fich. jetzt steilich un« hwä' unbewundert, vor ihr entfaltete. Aber wie auch i» tL«kbroche» sei« mochte, ihr Stolz war ei nicht, ÄÄt' Ä? unzugängllcher diese Brust einem wärmeren Gefühl ge- macht habe. Während ihre« Gatte« Krankhett waren»och zwei Briefe an diese« eingelaufen, und zwar von Handor selber u r**�4 ohne nur eine« Aufenthalte» an de» Grafen adri «.zugebe», und so stech und' unverschämt nur Geld, Summe« für fich fordernd, ja, sogar mtt Drohungen «« Falle der Wetgerung gefüllt, daß die Gräfin ff? ,m auflodernde« Zorn zerstörte. Und diese« kam vor, daß man große Rornmasse« nicht einmal zu Schleuderpreisen lo« werde» konnte und daß fie ver« darbe«. E« ist begreiflich, daß bei dem sinkende« Verbrauch von Lebensmitteln, den die geringere RonsumlionSfähigkeit der Masse»«ach fich zog, der Gewerbetreibende, der Kaufmann, der Bauer ganz empfindlich leide» mußte«; sie leiden auch noch darunter. 3» diese» Klasse» dominirt jene« Philister« thum, welche« es von jeher für eine„freche Anmaßung" erklärte, wenn die Arbeiter höhere Löhn« begehrte». Nu« wird die« Philisterthum für seine Bornirtheit hart gestraft; die niedrige« Löhne äußern ihre Wirkung, der Rückschlag für Handel und Gewerbe tritt ein und e» tritt de» Herren Philistern sehr fühlbar vor Augen, daß fie selbst nicht» verdiene«, wenn der Arbetter nicht» verdient. Ob fie frei- lich de» ganze« Zusammenhang dieser Schiebungen in der ökonomische« Welt begreifen werden, da» steht dahin. An Ueberfluß von Einsicht hat unser Philiflerthum«och niemals gelitten. Da» ist eine harte Lehre für unsere mittlere» und auch für die„höheren" Klasse», den» die letzteren werde« wieder durch die Mtttelklaffe» in Mitleidenschaft gezogen. Allein andere Lehren al« solche find nicht eindringlich genug. Da konnte man zehnmal Haarklei» beweise», daß da» stetige Sinke« der Arbeitslöhne seine» Rückschlag auf alle anderen Verhältnisse ausübe» müffe; man war und blieb ei« Prediger in der Wüste. Nun aber, da man am Geldbeutel verspürt, daß etwas faul ist, glaubt man leichter. Man wird nun wohl bald begreife«, was e» be« deutet, wen« die Masse der Arbeiter in Stadt und Land zu wenig verdient, um davon erträglich leben zu könne«. Schlechte Löhne rächen fich immer an der ganzen Gesell- schaft. Da» ist dem heutigen System eigenthümlich und auch erklärlich. Wen» ein Glied eine« Körpers benachthei» ligt wird, so leide« die andere« Glieder und Körpertheile auch darunter. Und wen» die zahlreichste Klasse der heuti- gen Gesellschaft, die Arbeiterklasse, wirthschaftlich leidet, so müssen die» die anderen Erwerbsklasse» mitempfinde». Das zu begreifen sollte wirklich nicht so schwer sei». Man sieht, wie die Arbeiterftage keine bloße Magen« frage, sonder« eine Kulturfrage im allgemeinsten Ein«, de» Worte» ist. Leider wird fie nicht überall so aufgefaßt, so»« der»«ach veraltete«, schablonenhafte» Gesichtspunkte« beut» theilt und das ist ei« Unglück für unsere Zeit. Politische Urberstcht. Die„Rordd. Allg. Ztg." hat wieder einmal einen Be« wei» für die Unmöglichkeit de» Sozialismus gefunden, und zwar diesmal nicht bei dem im Stillen von ihr so hochverehrten Schulz». Delitzsch, sondern in der„Voss. Ztg." Mensche« wegen hatte die eigene Tochter ihre Elter« ver« lassen I Kein Schmerz lag auch jetzt in de» Züge» der finstere« Frau; das war Trotz allein, starrer, unbeugsamer Trotz dem Schicksal gegenüber,«od während ihr thränenlose» Auge unter de« zusammengezogene« Braue» heroorblitzte, ballte sich unwillkürlich die weiße, mtt Ringe» bedeckte Hand, al« ob fie einem Feind begegne— und doch stand ihr kein Feind gegenüber; nur in der eigene» Brust wohnte er, und klopfte und bohrte und mußte gewaltsam niedergehalten werde«. Ueber de« Gartenplatz kam die kleine Bärbel mit ihren Blumen, sah die Gräfin am Fenster stehe» und machte ihre» Rnix. Aber die Gräfin bemerkt« fie gar nicht, wen» auch ihr Blick fie streifte, bis das Kind endlich, da» von der Dienerschaft immer unbelästigt hinaufgelassen wurde, draußen schüchtern anklopfte. Niemand antwortete; Bärbel klopfte«och einmal, und da«och immer keine Antwort erfolgte, öffnet« fie die Thür. E« war schon oft vorgekommen, daß fich die Frau Gräfin nicht in ihrem Zimmer befand; dann ging fie doch hinein und legte ihr die Blume» auf de« Tisch. Heute aber mußte fie ja drin sei», Bärbel hatte fie selber am Fenster ge- sehe». Wie fich die Thür öffnete, drehte fich die Gräfin um und erblickte da» Kind; Bärbel war ihr Pathche«, und sie hatte die Klein« immer gern gehabt. „Grüß' Gott, Frau Gräfin!" sagte da« Kind mtt einem tiefe« Rnix, indem fie ihr de» Strauß entgegenhielt;„hier bring' ich die Blumen." „Ach danke Dir, Bärbel; lege fie nur auf Tisch, ich werde fie selber in die Vase stellen." Die Kleine gehorchte und blieb dann zögernd stehe«. „Willst Du«och etwa», Bärbel?" Bärbel drehte da» Tuch verlege« in der Hand herum und knüpfte dann de» Ring herau».„3a, Frau Gräfin," flüsterte fie:„bei uns liegt der arme Mensch krank, der Maulwurstsänger..." ri„. „3fl, ich weiß, er ist vom Förster geschossen. .3a, sehr, und da— da hat er mich heute ge- bete»...' de» ES handelt fich dabei um ein Bergwerk im ArUge. Departe- ment, daS von einer Genoffenschaft von Bergleuten betrieben wird, da» aber den Ai.theilhadern nur ein kümmerliches Da» fein gewährt. Wir wollen heute hierzu nur folgendes bemerken: Die geringe Rentabilität der geschilderten franzöfischen Grube rührt nach den eigenen Angaben de» KavzlerdlatteS offenbar davon her, daß fie im hilflosesten Kleinbetrieb, ohne giößere Maschinen und technische Anlagen, bewirthschaftet wird. Unter solchen Verhältniffen gehen, wie die„Nordd. Allg." selber wissen wird, nicht nur GenoffenschaftSunternehmungen, sondern erst reckt dir„Privatgeschäfte" zu Grunde. Unsere ganze mo» Verne WirthschastSentwicklung ist ja ein großer, eindrucksvoller Beweis dafür, daß die kleine Privat Unternehmung ebenfalls dahinfiecht und schließlich ganz erlischt; der einen Assoziation» welche man glücklich in Frankreich entdeckt hat, können wir hunderttausende von gleich bedrängten Kleinbetrieben entgegenstellen, die unter privater Leitung stehen. Be- säßen wir also die allzu ungebundene Logik der Herren vom Preßbureau, so müßten wir zu höchst bedenkliiben Schlüssen grade für die Privat wirthschaft kommen.— Im Uedriaen ist e» noch nicht lange her, daß uns da» Kanzlerdtatt bei Ge« legenheit de» TabakSmonopolS auf da» eingehendste de« wiesen hat, welche enormen Vortheile ein Volk durch B e sei» t i g u n g der Rente der Privatdefitzer erzielen könnte. Wenn da» alle» heute schon vergessen sein sollte, so find wir gerne bereit, nochmals mit den offiziösen Zahlen aufzuwarten. Die Bedeutung der Unfallversicherung kann sonst von der gouvernementalen Presse nicht genug in den Himmel erhoben werden. Nunmehr machen die„Verl. Pol. Nachr." selbst darauf aufmerksam, daß in der norddeutschen TextilberufSgenossenschaft nach den gemachten Erfahrungen die Gesammtziffer von Entschädigungen und Renten aller Art in den ersten fünf Vierteljahren, welche für die G-sammtziffer von 93 972 Arbestern zu leisten find, im ganzen die Summe von 15 000 Mark nicht übersteigen wird, sodaß auf den Ardeiter durchschnittlich 16 Pfennig für fünf Viertel Jahre kommen. Die Berliner Ausstellung. Am Schluß einer längeren Ausführung per Erklärung dt« ablehnenden Beschlusses de» BundeSrathS bezüglich der ReichSdeihilfe für die Berliner Au». st-llung von 183S sagen die inspirirten„Verl. Pol. Nachr.": Sicherlich wird, wenn die witthschastlichen Verhältnisse fich wieder bestem und über den Plan einer deutsch-nationalen Ausstellung Einverständniß auch zwischen den maßgebenden Kreisen der Industrie erzielt ist, dem Unternehmen die Unter- stützung de« Reichs nicht fehlen; daß dieses Wohlwollen kein rein platonisches sein, sondern auch die materielle Veite der Sache in fich schließen wird» zweifeln wir keinen Lugen- blick.. Ueber die Abreise Singer'« machen einige Zeitungen mißliebige Bemerkungen dahin, daß der Abgeordnete anstatt am FliediichSbahnhof am Schlefischen eingestiegen sei,„um so die ganze Fahrt durch Berlin zu machen," und somit seinen GefinnungSgenoffen Gelegenheit zu einer ganz eigenartigen Demonstration zu geben.— Wie wir genau wissen, ist der Abg. Singer deshalb am Schlcstschm Bahnhofe eingestiegen, „Nun, um wa«, Bärbel? Braucht er etwa»?" „Nein, Frau Gräfin," sagte die Kleine ängstlich, den» «< kam ihr jetzt gar so entsetzlich vor, daß sie bestelle» sollte, der alte, schmutzige Maulwurfsfänger wolle die Frau Gräfin sprechen;„nein, er hat Alle« und die alte Rofie pflegt ihn." „Und wa» will er sonst? Was hast Du da, Bärbel?" „Den Ring hat er mir gegeben," sagte da« Kind, jetzt gewaltsam Muth fassend, den» e« hatte ja versprochen, den Auftrag auszurichten;„ich— ich sollte ihn Euch bringe», Frau Gräfin?" „Mtt?" rief die Gräfin erstaunt.„Von wem?" „Von dem alte« Fritz, und er möchte— er meinte, er — er wäre recht krank— und er möchte die Frau Gräfin gern sprechen." Da« Kind seufzte recht au» voller Brust auf— jetzt mar'« herau«. Di« Gräfin schüttelte»och immer erstaunt mtt dem Kopf; e» mußte da jedenfalls ei»3rrthum obwalte», und die Kleine hatte irgend eine» Auftrag verkehrt ausgerichtet.„Und zu mir solltest Du den Ring bringen?" „3a. zu Euch, Frau Gräfin, und ihn Euch selber in die Hand geben." Dre Gräfin streckte den Arm au», und da» Kind reichte ihr den kleinen Goldreif, de« fie mit zwei Finger««ahm und gleichgtltig einen Moment betrachtete; aber plötzlich wurde ihr Blick stier und haftete wie entsetzt auf dem ein- fache« Schmuck. „Wer gab Dir de« Ring, Bärbel?" ftagte fie und faßte de» Kinde» Schulter.„Wer? Wo kommt er her?" „Ach, Frau Gräfin, ich kann ja nicht» dafür!" bat die erschreckte Kleine;„der kranke Mann gab ihn mir." „Der Geschossene?" „3a, Frau Gräfin." „Und wie heißt er?" „3a, da« weiß ich nicht," sagte Bärbel, immer schüchterner werdend f„Fritz heißt er, de» alte» Fritz nennen fie ihn im �„Wo hat er de« Ring her?" ftagte die Gräfin, aber mehr mtt fich selber, als mtt dem Kinde sprechend. ,3a, da» kann ich Euch auch nicht sagen," rief die »eil derselbe im 4. Berliner ReichSiaglwahllreise liegt, den Singer vertritt. Die Zersplitterung tu den Reihe« der Eozialdemo- tratie ist das ständige Thema der nationalliberalm und oisijtösm Zeitungen in den gegenwärtigm tzundStagiferien. So wird die Thatiache, daß auch in Hamburg eine Arbeiter« zeitung für dal Bauhaudwerl erscheint, all«in tiefer Riß, der in die Sozialdemokratie gemacht sei, geschildert. Dann spukt auch da» alte Märchen wieder von„Laffalleanem" und „Marxisten", und besond«r» die„Nordd. Allg, Ztg." macht stch zur Zwischenträgerin solcher Gerüchte. Wir können der böchstebrenwerthen Kollegin nur den Rath aeben, stch über solche Zersplitterung zu freuen: wenn die„Nordd. Allg. Ztg." recht hat, dann ist ja so wie so da» Ende der Sozialdemo« kralie in nächster Näh« und da» tägliche Schimpfen de» genannten Blatte» auf die Sozialdemokratte übeiflüffig; da»« selbe würde nur an den Fußtritt de» Esel» erinnem. „Ein weitschauender politischer Geist" de» national- liberalen ,Leipj. Tagebl." erklärt, daß jetzt die Handhabung de» SoziallstengesttztS eine korrekte sei.— Auf solche» Urtheil könnm diejenigen, welch« da» Sozialistengesetz zu Hand- haben haben, sehr stolz sein._ Der Mainzer Arbetterwahlverei«. Da» Mainzer KretSamt hat soeben über den von ihm am 10. Juni d. I. auf Grund de» Sozialistengesetz«» verbotenen, ncuaeg! ündeten Arbeiterwahlverein da» LiauidationSverfayren er- öffnet, nachdem die ersterwähnte Verfügung rechtökr ästig ge- worden ist. Zum Liquidator de» aufgelösten Verein» wurde ein hiestxer Polizeisckretär ernannt. Da»„Vermögen" de» Verein» wird jedenfalls«in sehr geringe» sein. Sozialistische» vegräbnitz. Hamburg, 5. Juli. Gestern Nachmittag fand da» Begräbniß de» in der Diakoniffenanstatt verstorbenen Agitator» S ch l u d e ck statt, lieber 3000 Parteigenossen mit rothen Schleifen und dunkelrothen Rosen ge- schmückt hatten sich zur Beglettung eingefunden. Von der Polizei waren edenfall» zahlreiche Mannschaften aufgeboten, die in sechs Wagen dem Zuge vorauSfuhren! Am Grabe suchte ein Führer der Partei zu sprechen, al» er daran verhindert wurde, warf er seine rothe Schleife auf den Sarg, und viele Anwesende folgten seinem Beispiel. Im Uebrigen wurde die Ordnung nach leiner Richtung hin gestört. Et« großer Soztalisteuprozeß wird am 29. Juli wieder in München vor der U. Strafkammer de» k. Landgericht» l ver« handelt. Die Anklage ist wegen Vergehen» gegen da» bayeri- sche VereinSgesetz gegen 21 Schneider erhoben, welche nach der Aufhebung ihre» Fachverein» die VereinSoersammlungen fort- setzten und in denselben auch schon vorher Politik gettieben und stch dem Zentralverein in Gotha angeschloffen hatten. Für die Aushebung de» Eiusuhrverbote» auf ameri» kauische» Schwetuesteisch ttitt sehr lebhaft da» national« liberale„Leipziger Tageblatt" ein. Da» Verbot sei einem be« deutenden Theile» de» deutschen Volke» von Anfang an eben« so unsympathisch gewesen wie dem amerikanischen.„Da lange Jahre hindurch Millionen von Deutschen ohne Schaven ameri« kanische» Schweinefleisch verzehrten, Engländer, Holländer» Belgier ic. ei noch ohne zu erkranken verzehren, so hat die Praxi» hier vollständig die Theorie widerlegt und letztere ist ohne Werth. Vor Allem haben unsere armen und«bettenden Klaffen ein R-cht darauf, daß ihnen die Fleischnahrung nicht durch solche Verbote erschwert oder vertheuert werde, und namentlich au» diesem Grunde werden wir die Beseitigung d-ffelben mtt Freuden begrüßen." Dm biederen sächsischen Nationallibrralen scheint mit einem Male bange zu werden, da die Vereinigten Staaten mit Repressalien drohm und diese in erster Linie die säch fische Textilindustrie treffen würden. Der Eifer für den„«men Mann" ist also au» diesem Munde ettel Heuchelei. Da» polnische Aufl«deluug»gesetz erscheint einzelnen bedrängten Grundbesitzern al» da» beste Mittel, ihre Besitzungen preiswerth an den Mann zu bringen. Al» Beispiel hierfür theilt der„Lredownil" folgende» mtt:„Dieser Tag« kamen nach Posen zwei Grundbesitzer au» dem Kreise Mogilno, um eine Audienz bei dem Herrn Oberpräfidenten nachzusuchen, da« mit dieser al» Vorfitzender der Anfiedelung»>Kommisfion ihre Landgüter ankaufe. Al» ihnen bedeutet wurde, daß in Posen eine solche Kommission noch nicht vorhanden, auch der Herr Oberpräfident nicht Vorfitzender derselben sei, gingen beide, weil fie ihre hdmatbliche Scholle nicht lo» werden konnten, betrübt ihrer Wege." Da» genannte Blatt bezeichnet diese Thatsache al» ein Süßer st tramige» Zeichen der Zeit. Au» der garzen Fassung der Mittheilung geht hervor, daß e» fich um "'-Ä i��fitz�and.� putsche« vruudbesltze» erinnert der„Kury-r Pozn." daran, daß die Zahl der selbstständigm größeren»efitzungen tn dn Prooinz Posen stch auf 2053 mit einem Areal von 1584297 Hektar = 6 337 188 Morgen bttiffert. Hiervon kommen auf den FiSlu», die Kirchen und Korporationen 13 pCt. oder 203 955 Hektar---- 828 820 Morgen. Im Privatdefitz verbleiben somit 87 pCt. oder 1 380342 Rektor---- 5 521 368 Morgen, welche fich in den Händen von 1659 Besitzern befinden. Von letzteren find Kleine, immer ängstlicher werdend.„Er wird ihn doch nicht gestohlen habe»? Ich sollte keinem Mensche« etwa» davon erzähle«; aber ich kann ja wahrhastig nicht» dafür I' „Rein, Bärbel, beruhige Dich," sagte die Gräfin, fich gewaltsam fassend,„ich weiß, Du kannst nicht» dafür; Du bist ein gute» Kind, und hast nur Deinen Aufttaa auige« richtet. Also ist der Man» wirklich so krank und kann nicht auigehe«?* „Ach Du lieber Gott," sagte die Kleine,„nicht einmal trage« könne« Sie ihn: sehr krank ist er. Aber er wird den Ring doch nicht gestohlen habe«?' „New, Kwd, ich glaube nicht; ich— werd? ihn selber darum frage«— vielleicht hat er ihn gefunden." „Und er gehört Euch?" „Ja, Bärbel. Aber nun geh' wieder«ach Hause. Sag' ihm, wen» ich heut« spaziere« ginge, würde ich bei Euch einmal vorkomme« und, wen« er so sehr krank ist, sehe», od fich etwa» für ihn thu« läßt." Bärbel knixte. E» war fast, al» ob sie«och etwa» sage« wollt«; aber fie brachte nicht» mehr herau» und schien auch froh, wieder fort zu komme«, den» die Sache mtt dem Ring ging ihr doch»och immer im kleine» Kopf � Za einet merkwürdige« Unruhe aber verließ fie die Gräfin, den» kaum hatte fie die Thär hinter fich zugezogen. al» sich diese in ewe« Fauteuil warf und, ihr Antlitz mit de» Händen deckend, ein« lange Weile regungilo» fitze«. blieb' dann sprang fie auf und betrachtete wieder de» Ring — war e», daß ein Zweifel in ihr aufstieg, ob e» der rechte '' Sie hielt ihn gegen da» Licht und prüfte ihn genau, »d klwgelt«.. � �,. „Der Hauihofmeifler soll herew komme«. Der Diener schloß die Thür wreder, und«ach«wer [Beile kam der alte Man» und stagte, wa» die Gräfin «fehle. „Hußma««,' sagte die Frau, welche indessen ihre 649 Polen, deren Besttzstand 656476 Hektar---- 2 625 904 Morgen— 42 pCt. beträgt. E» bleiben somtt in den Händen von 1010 deutichen Befitzern 723 899 Hektar---- 2895 596 Morgen=— 45 pCt. de» Gesammr Großgrundbefitze». Diese Statistik dezieht stch auf den Besttzstand am Schlüsse de» vori- gen Jahre». Auf der Last» der 2� Millionen Morgen de» polnischen Grundbefitze» stützt fich, wie der„Kmyer" nicht mit Unrecht behauptet, nicht allein da» Schicksal einiger Hundert Adelifamttim, die Existenz mehrerer Tausend polnischer Wirth« schaftibeamten und mehrerer Hunderttausend Ardeiterfamilien, sondern auch die Prosperität eine» bedeutenden Theil» der polnischm Industrie, de» Handwerk» und de» Handel». Der Verlust eine» jeden dieser zehntausend Morgen von diesen 2% Millionen sei ein furchtbarer Verlust für die Entwickelung der polnischen Gesellschaft. Zum Schluß wendet fich der „Kmyer" an dm Kleinarundbefltz, indem er an dmselben dm Appell richtet, durch Wirthschastlichleit und Sparsamkett die heimathllche Scholle zu erbaltm und giebt fich der Hoffnung hin, daß„die Liebe zum Vaterlande und Gefahren de» gegenwärtigen Augenblicks" den polnischen Grunddefitzem Muth geben werdm zur tapferen Behauptung ihrer Stellung, auf welche die gesammte polnische Gemeinschaft stch stützen soll. Die Choleragefahr. E» wird in ärztlichen Kreisen in»- besondere schmerzlich empfundm, daß, trotzdem die Cholera- gefahr nun schon seit Jahrm hart an den Grenzen unsere» Vaterlande» steht, ein zugleich die neueren Forschungen derück- stchtigende» Seuchengesetz, wie ein solches für die Veterinärmedizin erlaffm ist, noch immer nicht erschienen ist. In Preußen find in dieser Beziehung noch immer die allen Verordnungen au» den dreißiger Jahren maßgebend, welche die Anordnung von Maßregeln gegen verheerende Seuchen im wesmtlrchin der Polizei überlassen. Herr Profeffor Virchoo hatte im vorigen Jahre erst noch bei den Etat»berathungen im preußischen Abgeordnetmhause auf diesen bedauerlichen Mangel hingewiesen, leider ohne Erfolg. Denn bi» jetzt hat man nicht gehört, daß auch nur die ersten Schritte zum Erlaß eine» solchen Gesetze» gethan wären. Zur russtscheu Freundschaft. Die„Breil. Morgen-Ztg." entnimmt Warschauer Blältem folgende»: In Warschau ist dieser Tage eine osfiziell au» Petersburg abgesandte Kommission, deftehmd au» dm an höheren technischm Lehrinstituten ange- stellten Profefforen Janzind, Hlin und Joffy, eingetroffen, welche die Verhältnisse der Fabriken im russisch, preußischen Grenzgebiet, insbesondere in der Fabrikstadt Lodz, in Kalisch, Sosnowicc und anderen nahe der Grenze gelegenen Osten, „satgemäß" feststellen und geeignete Vorschläge zur„Auf« befferung" dieser Verhältniffe der Regiirung vorlegen soll. Die Entsendung dieser Kommission ist durch eine Maffenpetition von Moskauer Fabrikanten veranlaßt worden, welche die Ein- schränkung resp. Aufhebung der im Grenzgebiet, insbesondere in Lodz, bestehenden von Deutschen etablirten Fabriken verlangten. Die deutschen Fabriken, so führten die Petenten au», beständen, den gesetzlichm Bestimmungen zuwider, unter Umfiändm, mtt denm die einheimische Industrie nicht lon- kurrtten könne. Deutsche und speziell schlrfilche Fabrikanten hätten scheinbar, um die Entrichtung der bedeutendm Ein« gangSzölle zu ersparen, ihre technischen Institute über die rusfisch.polntsche Grenze verlegt, thatsächlied aber dienen diese Quasi Fadritanstalten nur dazu, den Absatz jmseiti der Grenz« angefertigter Fabrikate zu vermitteln, wodurch nicht allein den Moskauer, sondern nicht minder den russisch polnischm Fabri» kanten namhafte materielle Schädigungen entstünden. Schon im vergangenen Jahre sei zum Zweck der Beseittgung dieser Mißstände der Delegirte au» dem Zolldepartement in Peter»« bürg, Vilecici, nach dem russisch- preußiichm Grenzgebiet amt- lich entsendet worden, doch hättm e» die interesstrtm Persönlichkeiten verstanden, aus den Delegirten zu eigenem Vortheil einzuwirken. Gegenwärtig glaubt man, daß die Kommisfion e» Amte»„qewtffenhaft" walten werde. E» gilt bereit» al» auigrmachte Thatsache, daß eine ansehnliche Zahl von Deutschen unterhaltener Fabriken im russisch-preußischen Grenzgebiet aufgehoben werden wird. Wmn sich diese Voraussetzungen, wa» an« geficht» der herrschenden Stimmung kaum zu bezweifeln ist, bestätigen, so erwarten nicht nur zahlreiche deulfche, auch schlestsche Fabrikbesitzer in Russisch Polen, sondem auch Tausend« von deutschen Fabrikarbeitern, die daselbst lohnmd deschästtgt werdm, bedeutmde materielle Verluste. Oesterreich-Ungar». Die Abhaltung einer österreichischen Gewerbe« auSstellung in Wien im Jahre 1888 ist, wie man dem „Berl. T." schreibt, gesichert. Nachdem verschiedene Hindetniffe sich dem Plan mtgegengestellt und die Regierung u. A. auch den Vorbehalt gemacht hatte, daß die Ausstellung nicht al» �ubelfeier der vierzigjährigen Regierung de» Kaiser» Franz oseph gelten dürfe, weil die Ausstellung keine allgemeine österreichische sei, eine Jubelfeier jedoch nur von allen Völkern de» Staate» veranstaltet werdm könnte,— ist e» nunmehr gelungen, alle Bedenken und Schwierigketten zu besiegen. Die Ausstellung wird vom niederösterreichischen Gewerbeverein ver« anstaltet und bietet aus diesem Grunde die bestmögliche Ge« avze eiserne Ruhe wiedergewonnen hatte,„wa» für ei« Rmsch ist da» eigentlich, dm in jener Nacht der Förster geschossen hat? Wo kommt er her und wie lange ist er schon da?" „Za, Frau Gräfin," sagte der alte Mann achselzuckmd, „viel Gmaue» bi» ich auch nicht im Stande, Zhne» darüber zu sagm. Ich weiß nicht einmal seinm volle« Ramm, denn hier auf de« Schlosse wurde er«m immer Fritz oder, wie ihn die Leute nannten, der alte Fritz geheißen, der fich, wie all« derartigm Subjekte, im Lande herumtreibt und dort eine Zett lang bleibt, wo er Beschäfttgung findet." „Und wie lange ist er hier?" .E» mögen jetzt drei oder vier Jahre sei«, daß er in die Gegend kam, ich weiß e» wirklich selber nicht einmal mehr genau; e» war da» Zahr, wo die Maulnürfe so über» Hand genommen hatten, und in deren Vertilgung zeigte er sich außerordmtltch geschickt. Nachher war er elnmal wie» der von Zett zu Zett fünf bi» sech» Monate verschwunden, dann kam er wieder. Jetzt mag er auf» Neue fett etwa zwei Monatm in der Gegend sei«, und der Förster hatte ih« schon lange in Verdacht, daß er nicht blo» dm Maul» würfm und anderem Ungeziefer nachstellte; er war aber zu schlau, al» daß er ih» erwische» konnte, und nur in— i« jener Nacht mochte er fich vielleicht ficherer fühlen al» sonst, und hatte wohl nicht geglaubt, daß der Förster auf seinem Posten wäre." „Und hat er sich zu Zeitm im Schlosse selber ge» zeigt?" „Nie, Frau Gräfin. E» ist eigmtlich ei« sonderbarer Kauz; mit de» Bedimtm hat er nie verkehrt, und die haben ihn auch deshalb immer verspottet, daß er stolz wäre. E» scheint ein heruntergekommene» Subjekt, da» vielleicht ein» mal bessere Tme gesehen hat. In der letzte» Zeit fing er aber auch an fich dem Trunk zu ergeben, und da» muß ih« jetzt besonder» so krank gemacht haben. Ich fragte vorhin den Doktor; er wird'» nicht mehr lange mache«. Der Brand ist zu der Wunde gekommen, und da fich da» Bei« nicht amputirm läßt, wird er wohl seinen letztm Zagdstwel verübt hoben. Mir thu»'» leid um de« Förster, der kommt währ für da» Gelingen. Die Vorarbeiten werdm bald mtt aller Energie aufgenommen«erden, und bei dem regen In- tereffe, welche» stch allenthalben dafür zeigt, darf man ihr rasche» Fortschreiten mtt Sicherheit erwarten. Der Arbeiterführer RieSmann, gegm welchen wegm einer in einer Grazer Arbliterversamwtung gehaltmm Rede eine ftrafgerichtliche Verfolgung eingeleitet worden, er« klärte in einer Zuschrift an seine Parteigmoffen, daß er demnächst wieder in Greiz eintreffm und fich dem Gerichte selbst stellm werde. Belgien« Vor einigm Tagen haben auch wir einer der„Voff.Ztg." zugegangenen Nachricht Erwähnung gethan, nach welch» der bekannte belgische Gmeral Brialmont von seiner Regierung nach dem Haag gesandt wäre, um den Abschluß einer militä« rischen Defensivallian� zwischen Belgien und Holland anzubahnen. Weiter war in dem erwähnten Blatte gesagt worden, daß ,» noch nicht einmal einen Handel»- vertrag zwischen beidm Reichm gebe, trotzdem ein solcher von dm betdersettigm Jndustriellm dringend gewünscht werde. Zu dieser Angelegenhett schreibt man nun der„Jndep. beige" au» dem Haag, daß die obige Nachricht von dem Defenstooertrage gänzlich u n r i ch t i g sei. Möglicherweise könne bei einem Diner, welche» dem General Brialmont von seinem alten Freunde, dem Grafen von Limburg- Stirum, veranstaltet wor« dm, von der Nothwmdigkeit die Rede gewesen sein, daß Hol« land und Belgien für den Fall großer europäischer Ereignisse einander unterstützen, von einem Schutz- und Trutzbündniffe zwischen beiden könne jedoch auf Grund der Belgtm durch die internationalen Verträge zugewiesenen eigmartigm Stellung keine Rede sein. Mit Bezug auf die Frage wegm de» Hon« deliverttage» bemerkt der Korrespondent, ein solcher Vertrag existire berett» sett Jahrm und gestatte beiden Nationen, in Flieden mtt einander zu leben; auch seien dt« kommerziellen und industriellen Jntereffm Belgien» und Holland» nach jeder Richtung hin gewahrt. Holland. Man schreibt der„Franks. Ztg." au» Amsterdam, 5. Juli. Al» der Soziaiist Domela Nieuwenhuy» gestern vom Haag hier eintraf, erwartete ihn an der Eisenbahnstation eine große Anzahl Personen, um ihn nach dem Volkipark zu geleitm, wo er eine Rede halten sollte. Al» der Zug am Heerengracht an« langte— so meldet die„Jndep. b."— suchte die Polizei die Menge zu zerstreum, in Folge dessen ein Zusammenstoß erfolgte, bei welchem mehrere Sozialisten verwundet wurden. Dann ließ die Polizei die Demonstranten mhia weiter ziehen. Im Volkipark erklärte Nieuwenhuy» in einer Rede, daß der Sozialismus in Holland jetzt in die Periode der V e r f o l» g u n g e n eingetreten sei, allein die Stunde seine» Triumphe» sei näher al» man glaube. Währmd der Rede hörte man plötzlich schreien. Der„Sosialtst" Geel batte au» einem Re« voloer auf den Polikommiffar Storck geschossen, welcher stch auf dem Platze inmitten einer Gruppe von Poltzetbeamten be« fand. Die Kugel war am Ohr de» Kommissar» vorbeigepfiffen, hatte aber Niemanden verletzt. Geel wurde sofort»ethastet und die Polizei säuberte die Umgebung de» Gebäude» in wel» cher die Versammlung stattfand. Darauf ermahnte der So« zialift Fortryn die Anwesenden, mhia zu bleiben, damit die Polizei keinen Anlaß erhalte, die Versammlung aufzulösen. Nieuwenhuy» bestieg abermals die Tribüne, um seine Rede fortzusetzen, an deren Schlüsse er die Hoffnung aussprach, daß da» Ende de» Jahrhundert» ficher den Triumph der sozialistischen Prinzipien sehen werde. Nieuwenhuy» und Fortnyn begaben sich sodann, von ihren Freunden de« gleitet, zur Eisenbahn, um nach Rotterdam zu fahren. Eine starte Holizeieikorte folgte dem Zuge und die PoliMcn machten wiederholt Gebrauch von ihren Säbeln, um die Menge fern zu halten. Die Vertteter von England, Deutschland, Frankreich, Belgien und Holland, die unter dem Vorsitz de» Henn E. R. Röhnsen drei Wochen im Haag zusammen waren, um den Verkauf von Getränken in der Nordsee»a regeln, haben sehr bedeutsame Beschlüsse gefaßt. Da» Ver« kaufen starker Getränke, sowie da» Kausen derselben auf See ist verboten und soll bestrast werden. Da» Verkaufen an Fischerleute, die mtt Fischen, Segeln, Tauwerk und sonstigen SchiffZgegenständen die starten Getränke bezahlen, wird de« sonder» streng bestraft. Der Verkauf anderer Artikel al» Spirituosen ist auf See nur denjeniaen Schiffen gestattet, die Erlaubniß dazu erhatten haben. Diese Vergünstigung wird eingezogen, sobald mehr Spirituosen al» ein geringe» Quantum an Bord geschickt wird. Die Kremer der verschie« denen Mächte sollen al» Polizei auf See da» Gesetz überwachen. Uebertteter de» Gesetze» sind der Gerichtsbarkeit ihre» Lande» unterstellt. Krasrretch. Zur Neu-Hebriden-Frage bringt„National" fol» gerbe kecke Autlaffung gegen die Engländer: Einige englische und australische Blatter und Telegramme deuten auf die Möglichkeit hin, betreff» dieser Inselgruppe eine Grundlage dadurch gewiß in Ungelegenheiten, und hat fich doch nur seine» eigene« Leben» gewehrt. Außerdem macht er fich ei« Gewisse» darau», den armen Menschen so schwer getroffe» zu haben." Die Gräfin stand am Fenster und sah gedankenvoll hinau». Der Haushofmeister blieb an der Thür. Sie hatte ganz vergessen, daß er im Zimmer war. Nach einer Weile fragte er endlich:„Befehle« Sie sonst«och etwa», Frau Gräfin?" „Ich?— Nein— ja so— e» ist gut, Hußman«, ich danke Euch!" Und der atte Diener verließ geräuschlos da» Gemach. Oben i« kleinen GärtnerhäuSche» ging e» mit dem Kranke« recht schlecht. Der Oder-Medizmalrath war dort gewesen, hatte fich die Wunde angesehen und Alle», wa» bi» jetzt dafür geschehen war, gutgeheißen. Aber e» stellte fich schon.wieder ein Fieber et«. Der Verwundet« schien von einer merkwürdige» Unruh« erfaßt zu sein und klagte auch über Schmerze« im Körper, über ein krampfhafte» Ge» fühl in der Herzgegend. Der Ober-Medizinalrath verordnete Ruhe und EiSumschläg« und al» einzige Nahrung eine dünne Wassersuppe; da,««ahm er Hut und Stock und verließ de« Patienten. Bärbel war zurückgekommen und zum Kranke« hinauf ««gange«; aber die alte Roste saß noch im Zimmer, und i« wußte nicht, ob fie in deren Gegenwart etwa» von dem Ring und der Frau Gräfin erwähne» durfte. Aber der Kranke kam ihr zu Hilfe. „Roste," sagte«,„gebt mir doch eine« Trunk frische» Waffer. Nein, nicht von dem," fuhr er fort, al» die Site ihm au» dem Kruge einschenken wollte,„da» steht schon so lange im Zimmer; bitte, holt mir stische», gleich vo« Brunnen." .Geh', spring einmal hinunter. Bärbel, und hol' frisch Wasser," sagte die Alte;„Du hast junge Beine." „Rein, geht Ihr nur selber; die Bärbel soll mtt(#" dessen da» Sr» wieder auflegen, fie versteh»'» so gut." „Na, ich dächte, ich hätt't auch immer geschickt 0** macht." für ein Einverständnis zu finden. Man will nämlich, daß wir auf die Einführung rückfälliger Verbrecher verzichten, dem eng- lischen Handel vollkommenen Schutz zusagen und die Insel Rapa an England abtreten. Mit dem gtotzten Nachdruck treten wir gegen letztere Bedingung auf. Abgesehen davon, datz die Insel Rapa einen Sutzerst fichern Hafen desttzt, liegt dieselbe auf der graben Linie zwischen Australien und der Landenge von Panama: dieselbe wird deihald ein nothwendiger Lan- dungipunlt für die Schiffe, welche durch den Panamakanal nach Australien fahren. Nun besitzen aber die Engländer in jener Gegend des Weltmeer» nicht» und möchten fich deihald Rapa aneignen. Frankreich behält die Insel Rapa sowohl al» die Neu Hedriden, welche zu Neu Kaledonien gehören, und ihr Engländer wöget euch im Stillen Ozean eine andere Lage suchen. E» ist nicht durchaus nothwenbig, datz ihr überall im Stande seid, den Welthandel zu unterbrechen, wenn e» euch gefällt.—„Voltaire" und„Paris" protestiren gegen die Ab- tretung der Insel Rapa an England al» Entschädigung für die Annexion der Neu Hebriden durch Frankreich. Die äußerste Linke der Deputirtrnkammer hat den Beschluß gefaßt, bet Gelegenheit de» Nationalfeste», 14. Fuli, die mg not1 Iß«ng der Sozialisten Duc-Quercy und Roche, welch« in Veranlaffung der Arbeitt einstellung in Decazeville verurtheill wurden, zu beantragen; dagegen wurde der Antrag Matllard», auch die Begnadigung der Mör- der Watrin'S zu verlangen, abgelehnt. G r o tz b r i t a«« i e«. Nahezu die Hälfte der englischen Wahlen ist voll- zogen und wenn auch die nunmehr deginnenden Wahlen in den Landbeztrkm wesentlich zur Stärkung der ministeriellen Partei beitragen mögen, so läßt stch doch schon jetzt sagen, daß in dem für Gladstone günstigsten Falle da» Parteiverhältniß wieder hergestellt wird, wie ei vor den Wahlen bestand. Viel wahrscheinlicher aber ist e», daß die sogenannten Unionisten, nämlich die vereinigten Konservativen und liberalen Tezesfio- nisten eine Mehrheit über die Gladstonianer und Parnelliten erhallen werden. Von einer bedeutenden Majorität Gladstone» aber kann nicht mehr die Rede sein. Klar ist auch schon jetzt, daß die Homerule Frage kein tiefgehende» Jntereffc im Volle erregt, denn auf beiden Seiten haben bedeutend weniger Wahler al» im vorigen Herbste abgestimmt und namentlich unter den Liberalen find die Stimmenthaltungen so zahlreich, daß man leicht erkennt, wie widerwärtig denselben der Gedanke ist. mit den Torte» zusammen gegen da» GroS der liberalen Partei zu stimmen. Die Torie» klagen denn auch schon über laue Unterstützung feiten» der liberalen Unionisten, indeffen wird man e» diesen wohl nicht Übel nehmen können, daß fie nicht für Lord SaliSbury arbeiten wollen, vi» Sonnabend Abend waren 345 316 Stimmen für Gladstonianer, 58 965 für liberale Unionisten, 316 807 für Konservative und 2911 für Parnelliten abgegeben, so daß die Liberalen, wenn fie nicht durch die unglückliche irische Frage gespalten wären, auch die»- mal ein bedeutende» Uebergewicht über die Torte» hätten. Da» liberale Birmingham hat 7 Unionisten gewählt, die Städte im Süden England» haben stch fast ohne Ausnahme und die- i'Nigen im Norden überwiegend gegen Gladstone» Homerule- Politik erklärt, und wenn die Landveztrle nicht ungewöhnliche Atberraschungen bereiten, darf man jetzt schon annehmen, daß die Verwerfung der Homerulebill durch da» vorige Unter. hau» der Anschauung der Mehrheit de« engltschm Volle» ent- sprochen hat. Nach einer Depesche au» Londondeuy haben am 8. Juli anläßlich der Veröffentlichung de» Wahlresultat» ernste Ruhe« störungen stattgefunden. E» kam zu einem Zusammenstoß zwischen der Polizei und diffentirenden Liberalen, welche stch vor dem Hotel, in welchem der Kandidat der letzteren wohnte, vcrsammell hatten. Mehrere Personen wurden verwundet. Wie au» Dublin gemeldet wird, find dort an 100 Verhaftungen in Folge der letzten Unruhen vorgekommen. Sämmttiche Ver- hastete waren in dem Orangistentlud versammelt gewesen. Der Lord-Mayor hat einen Ausruf an die Bürgerschaft erlaffen, in welchem er dieselbe auffordert, angestcht« der schmachvollen Vor- gänge an der Auirechlnhailung der Ruhe und Ordnung mitzuwirken und fich nicht zu ungesetzlichen Schritten hin- reißen zu laffin, die Schuldigen würden den Gerichten über- geben werden. Rußland. Al» das offiziöse Organ de» russtschen auswärtigen Amte» vor acht Tagen die drohende Bemerkung machte, daß die Ver« letzung„europäischer Vereinbarungen" seitens de» Fürsten von Bulgarien„nicht ohne Folgen bleiben könne", wußte man nicht recht, wie die» zu verstehen sei, zumal da» offiziöse Blatt hinzu- fügte, daß die Mißachtung de» europäischen Arcopag»„bedenkliche Ermuthigungen in fich berge". E» scheint nun, daß hier- mit eine Vettragtverletzung von Seiten Rußland» im Borau» gerechtfertigt werden sollte, denn wie man der„Köln. Ztg." au» London mtttheill, hat vor einigen Taam der dortige rusfische Botschafter, Baron Staal, der englischen Regierung eröffnet, daß die rusfische Regierung die im Berliner Vertrage von 1878, Artikel 59, erwähnte Freihafenstellung Batum» „Ja, Roste; aber bitte, laßt'« j-tzt einmal die Bärbel thu» I" .Na, meinetwegen; mir kann'« recht fein." Die alte Puso« war ei» wenig in ihrer Shre gekränkt, aber fie»ahm de» Krug auf und humpelte damit, immer vor sich hin murmelnd, die Treppe hinab. .Nu», Bärbel, hast Du'« ausgerichtet?" .Ja; ich Hab'» Such ja versprochen." .Gute» Kind; und ihr selber gegebe»?" «30." „Und wa» sagte sie?" .Sie wunderte fich, wie ihr zu dem Ringe kämt. Habt Zhr ihn gefunde», Maulwurstfänaer?' »3a, Kind, ich Hab' ihn gefunden, im Park draußen. Und»trd fie komme«? Sagte fie e» Dir?' „Sie will vorkommen, we«» fie spaziere» geht, u«d sehe», ob e« Euch an'»a« fehlt." Der Kranke athmete tief auf. „Bärbel l" „3a, wollt Ihr'wa»?" „Da uvte» a» dem Beitpfoste» hängt mein« Weste; h' einmal hi», Kmd." .Wollt Zhr fie habe»?' „Nei»; i« der linke» Tasche steckt ei» blanker Thaler. Hast Du ih» gesunde»?' „Za, da ist er.' .Behalt' ihn, Bärbel, de» sollst Du habe»." «De» ganze» Thaler?" -Thu' ihn in Deine Sparbüchse, Ki»d.' .Aber darf ich den» da« viele Geld beHalle«? Groß- vater zankt gewiß." ,.." mir aber zum Andeuke», ich kann Dir ja doch snnst nicht« gebe», u«d Du hast mich so oft ge» pfUgt. .Aber da» muß ich dem Großvater sage», heimlich dmf ich th» mcht behalte».' «Sag'» nur dem Großvater, Kind, er wird Dir'» er- Joube«. So, und nun leg' m» da« E,« auf; die Rvfie wird gleich wiederkommen. O Gott, wie da» feuert am Schwarzen Meer aufgehoben habe. Durch eine solche Wiederholung de» Spiels von 1870— Rußland denutzte damal» bekanntlich Den deutsch franzö fischen Krieg dazu, um stch in eigenmächtiger Weise von der Schwarze« Meerklausel de» Pariser Vertrage» lo»zusagen— sollen die Ruffen über die diplomatische Niederlage der zarischen Regieiung in Bulgarien getröstet werden. Im Frieden von San Stefano hatte fich die Pforte zur Zahlung einer KriegSentschädieung von 1410 Millionen Rubel verpflichtet und mit Rückficht auf den schlimmen Zustand der Finanzen der Türkei eingewilligt, an Stelle der Zahlung von 1100 Millionen einen Theil von Armenien mit den Städten Kar», Bajazid und Batum an Rußland abzutreten. Diese Bestimmung de» Verttage» von San Stefano war neben derjenigen über die Ausdehnung eine» unabhängigen bulgari- schen Fürstenthum» bi» zum Aegäischen Meere diejenige, die am meisten den Zorn de» Minister» BeaconSfield erregte. Lange Verhandlungen zwischm BeaconSfield und Gortschakow hatten endlich die Vereinbarung vom 30. Mai zur Folge, wonach unter Anderem da» Thal von Alasckkert und die Stadt Bajazid wegen ihrer Wichtigkett für den Handelsver- kehr zwischen der Türkei und Perfien an die Pforte zurückgegeben, der Hafen von Batum aber ohne weitere Beschränkung Rußland Waffen wurde. Trotz dieser Zu- geständniffe versuchte aber BeaconSfield auf dem Berliner Kongresse noch eine weitere Beschränkung Rußland» in Bezug auf da» letztere Gebiet zu erzielen und am 6. Juni erklärte Gortschakow, daß der Kaiser fich entschloffen habe, Batum zum Freihafen zu machen, um auf diese Weise den uneingeschränk- tm Handelsverkehr mit Perfien zu sichern, der seinen Hauvt- karawanenweg über Batum nehme. Lord BeaconSfield nahm diese» Zugeständniß damal» mit Dank an, wenn er auch nicht verhehlte, daß er lieber Batum auch fernerhin türkisch gesehen haben würde und er sprach die Hoffnung au», daß der Frei- Hafen tm Interesse de» Aufdlüben» Rußland», der Türkei und aller Völker ein gemeinsamer Mittelpunkt für ihre vereinigte Thatkraft und Unternehmungslust werden möge. In Wirk- lichkeit haben die Ruffen die betreffende Bestimmung de» Ber« liner Vertrage» nie rcspektirt, denn fie bauten sofort Festung»- werke. Die Bevölkerung von Batum hat fich seit der Befitz- nähme durch die Ruffen verdoppell und indem letztere die Stadt durch eine Zweigbahn mit der Eisenbahn Poti-Tifli» verbanden, lenkten fie den Verkehr von und nach Perfien von Trapezunt und ver alten Sarawanenstraße durch Türkisch- Ar- menien nach Batum ab. Auf ernstlichen Widerspruch würde die rusfische Regierung bei ihrem VerttagSdruche— fall» ein solcher wirklich beabfichtigt ist— nicht stoßen, obgleich die Ver- einigung Oftrumelien» mit Bulgarien der zarischen Regie- rung durchaus keinen tristigen Grund giedt, in solcher Weise vorzugehen. Der dirigirende Senat in St. Petersburg hat der „Minuta" zufolge, kürzlich dt« sehr wichtige Frage interpretirt, in welcher Weise eine gerichtliche Verfolgung stattzufinden habe, wenn die Juden ohne obrigkettliche Genehmigung gemeinsam Gottesdienst verrichten. Der Senat hat beschloffm, den GerichtSdezirken zu erklären, daß der§ 41 de» Frieden». richtet- Strafreglements fich nicht auf häuSltche GotreSdienste bezieht, wenn solche nicht von Unordnungen begleitet find. Balka»la»der. Au» einer Korrespondenz der„Köln. Ztg." au» Varna entnehmen wir, daß an der M t t s ch u I d Nabokow'» an der Verschwörung gegen den Fürsten von Bulgarien nicht mehr ,u zweifeln sei. E» wäre erwiesen, daß er zwei Barken gemiethet hatte, welche fich am Tage de» Einzüge» de» Fürsten in Burga»(9./21. Mai) zwischen Me sembria und Anchialo» bereit halten sollten und auch bereit gehalten worden find. In diesen Barken befanden fich Ledens mittel für zwei Tage süc etwa 30 Mann. Erwiesen ist ferner, daß die Abficht bestand, dem an einem kun auf den 9./21. Mai folgenden Tage von Konstantinopel in Burga» eintteffenden Dampfer der russtschen DampfschifffahrtSaesellschast einige Barken entgegenzusenden, welche etwa 40 Mann ausschiffen und nach einem von Nadolviv noch zu bezeichnenden Punkte bringen tollten.. Ob wohl da«„Journal de St. P«ter». bourg diesen Thatsachea gegenüber fortfahren wird, die Un- schuld de» Verschwörer» Nabokow zu betheuern? Amerika. In liberalm Blättern lesen wir: Ueberall im Lande haben die Behörden begonnen, energisch gegen da» Anarchisten- unwesen vorzugehen. Sowohl in Chikago wie in Milwaukee und St. Loui» haben Prozesse gegen eine große Anzahl von Anarchisten, welche fich an den RuhestSmngen in dm ge- nanntm Städtm betheiligt hatten, begonnen. Die meisten der Angeklagten find eingewanderte Deutsche. In Milwaukee find im Laufe dieser Woche zwei der Anstiftung zum Aufruhr an- geklagte Anarchisten, Namen» Protzmann und Dampf schuldig vefunden worden. Auch die B o y c o t t e r werden energisch verfolgt. Paul Wilzig, eine« der Mitglieder der„Zentral Labor Union", welche angeklagt find, einen Loycott gegen da» Konzerttokal von Tbeiß in der 14. Straße in Szene gesetzt und von dem Befitzer 1000 Doll. erpreßt zu haben, wurde schuldig u»d klopft! Du wirst'» nicht mehr oft zu thu« brauchen, Bärbel." E» war fast, al» ob da» viele Sprechen oder auch vielleicht die gerade vom Arzte verbotme Aufregung ih» übermäßig angegriffen habe. Gr schloß die Auge«, war sehr blaß geworden und lag still und regu«g»lo« auf seinem Bett. Die Rosie wollte ihm da« verlangte Wasser geben; aber er antwortete ihr gar nicht, und BS'bel selber schlich sich leise hinunter, um dm Troßvater im Park aufzusuchen und ihm da« Geschenk zu zeigm. Etwa nach einer Ewnde öffnete der Kranke die Augm wieder und sah fich verstört um. Nur die Rofie war bei ihm im Zimmer.(Fortsetzung folgt.) Ans Kunst und itbtn. Ei« höchst traurige« Famtlieulebe» hat Sonnabend in Grebenstein auf grauenvolle Weise seinen Abschluß gefun- den. Sin dortiger Einwohner, der früher besser« Tage gesehor und in seinen VermögenSverhättnissen zurückgekommen war, machte vor kurzem sewem Leben gewaltsam durch Erhängen ein Ende, Frau und zwei Kinder in HUfloser Lage zurücklaffend. Von allem entblößt, von Vielen zurückgestoßen und verlassen, fristete die Frau mit ihren beiden Kleinen ein kümmerliche» Dasein. Sonnabend übermannte fie die die Verzweiflung, fie machte ihrer trauriam Existenz ebenfall« ein gewaltsame» Ende — fie ertränkte fich mtt ihren zwei Kindem im„Kelzer Teiche". Dm vierjährigen Knaben stürzte sie vorher in den Teich und dann, mtt dem zweijährigen Kinde auf dem Arme. sprang die unglückliche Frau ebmfall» in da» tiefe Wasser. Alle drei ertranken. Die Trvckeuleguug des Kopaitsee» in BSotien(Mittel- Griechenland), welche zuerst der franzöfische Jngmieur Mr. Sauvage im Jahre 1846 angeregt kalte, ist, wie au» Athen berichtet wird, nun mdlich verwirklicht. Der vom Kopaitsee au» durch die franzöfische Kopaltgesellschaft angelegte Kanal. welcher die Gewässer de» See» nach dem von der Natur au» mehr eingeengten See von Hylike ableiten soll, ist kürzlich in feierlicher Weise eröffnet worden. Lei der Eröffnungsfeier kielt Mr. Pochet, der Chefingenieur der französtschm Gesell- schaft, welcher in dm letztm Jahren die Ardettm geleitet hatte, Sesprochm und fünf andere MUglteder der„Zentral Labor lnion" sehm ihren Prozessen auf dieselbe Anklage mtaegen. (Nach einer Devesche vom 4. Juli find 5 Boycotter in New- Nork zu 18 di» 44 Monaten Gefängniß v wurtheilt wordm. Red.)_ Gerichts Zeitung. Reich«gertcht«'Ents cheidmrg. Leipzig, 5. Juli.(Aui einer kleinen Stadt.) Wegen widerrechtlicher Beraubung der versönlirbm Freiheit waren der Bürgermeister von ReisenSburg, Taver Mader, der zugleich dem Berufe eine» Bäckermeister» obliegt, sowie der Gemeindekämmerer und Armmpfleger B. und der Gemeindediener St. von dem Landgerichte in Mem- wingen unter Anklage gestellt. Da» Opfer derselben war die ledige Todtengrädertochter Anna Lurz, welche auf Gemeinde- kostm unterhalten wird und an Epilepste leidet. Dieselbe hatte dadurch, daß fie auf ihren Wanderungen nach anderen Ort- schastm öfter« befinnungilo» zu Boden fiel und dann nach ihrem Wohnorte tranSportirt weiden mußte, der Gemeinde schon viele Unkosten und dem Bürgermeister, sowie dem Ge- meinderathe manchen Kummer bereitet. Als nun die Unglück- ltche tm vorigen Herbst in Kaufdeurm wiederum befinnungS- lo» auf der Straße liegen geblieben war und neue Kostm verursacht hatte, beschloß der Bürgerweister unter Zu- stimmuna de» Gemeindeauischuffe», die Anna Lurz in da» von ihr dewohnte Zimmer im Armenhause einzuspenm, sodaß solche Unannehmlichkeiten wie die erwähnten nicht mehr vor- kommen konnten. Die Mitangeklagten führten diesen Beschluß au» Sie gaben der L. eine größere Quantität Brot mtt in ihr Zimmer und versperrten dann die Tbür mtt Draht, den fie fich von der L. selbst geben ließen. Einm Widerstand hat ihnen diese nicht mtgegmgesetzt, auch nicht gesagt, daß fie mit der Maßregel nicht einverstanden sei. So mußte fie mehrere Tage in der Gefangmschaft fitzen und bekam ihr Essen durch einen Schieder in der Thür. Nach einigm Tagen wurde ihr wieder die Freiheit gegeben. Da« Landgericht erkannte nun zwar an, daß objektiv eine Freiheitsberaubung vorliege, nahm aber an, daß da» subjektive ThatdestandSmerkmal bei dm An« geklagten gefehlt habe und sprach fie deshalb frei. Da« Be- wußtsein der Widenechtlichkeit wurde deshalb für au»geschloffen erachtet, well die Angeklagten annehmen konnten, daß die Lurz mit der über fie verhängten Maßregel einverstanden sein werde. Da» Urthett wurde von der StaatSanwattschaft im W.ge der Revifion angegriffen. Derselbe führte au«, e» wäre um die Freiheit der Bewohner de» Deutschen Reiche» schlecht bestellt, wenn ein Bürgermeister den ersten besten Einwohner nach Gutdünken gefangen setzen könnte. Der angeklagte Bürger- meister hätte doch soviel«iffm müffen, daß eine Strafe nur durch die dazu befugte Behörde auf Grund einer vorher- gegangmen Verhandlung verhängt werden könne. Die Fest- stellungen de» Urtheil» seien zu dürstig und daher die Möglich- keit, daß stch da» Gericht in einem Rechttirrthum befunden Hab«, vorhanden. Auch hätte geprüft werden müffrn, ob nicht etwa da» Schwurgericht zuständig gewesen wäre. In der Sitzung de» Reichsgericht»(l. Strafsenat) vom 5. Juli beantragte jedoch der Reichianwalt die Verwerfung der staat»- an»altlichen Beschwerde, denn durch die Annahme de» Richter», daß der Bürgermeister fich für berechtigt gehalten habe, die L. auf einige Tage einzusperren, sei der Thatbestand de«§ 341, speziell die Vorsätzlichkeit, beseitigt. Im üdrigm kämpfe die Revifion hauptsächlich gegen die thatsächlichen Feststellungen an, und könne deshalb keine Beachtung finden.— Da» Reichsgericht schloß stch diesen Ausführungen an und verwarf die Revifion. Hage», 2. Juli. Der Eisenbahn- BetriebSsekretär a. D. Runde, welcher in der Nacht vom 4. zum 5. Juni d. I. dem Fabrikanten Schnettler den Bauch aufgeschlitzt hatte, in Folge deffen Sch. zwei Tage später starb, stand gestern vor dem Schwurgericht. Der G.richtShof erkannte auf Freisprechung, da durch die Beweisaufnahme festgestellt worden war, daß Runde von Schnettler angegriffen worden und beim G.-brauch de» Messer» im Stande der Nothwehr gehandelt hatte. R. wurde sofort au» ver Haft entlassen. genommen, fitzen noch 15 Angeschuldigte auf der Anklage- bank. Vier wurden freigesprochen, ein Rentier zu vier Monaien Gefängniß, die Uedrigen zu je einem Monat ver. urtheitt._ soziales und Arveitervewegnng. iÄ'ää CiegeS zuge macht, und die Weise, in der man bither den tief empfundenen wirthschaftlich-polttischm Uedeln detzukommm eine Rede, in welcher er die Bedeutung de« vollendeten Werke» Sommer zum größten Thette verschwindet, wodurch der See i" einem Sumpf voll von MiaSmen verwandelt wird. Im WAMMM de» See» besteht mit einem Schlamme, dem Produkte der Zersetzung organischer Stoffe, welchen die GebirgSflüffe dort ansetzen und der zu einem reichen Dünger wird; sowohl i äg&eWmMSHB adoptirten Plane der durch die Trock-nleguna gewonnene Grund da» zu seiner Bewässerung nothwendige Waffer zur Genüge zugeführt erhalten. In Ungra wird sie einm Wasserfall von 25 w haben. wodurch ein« hvdraultsch« Maschine in Lewe. aung gesetzt wird, die da» zur Bewässerung von 70 000 Morgen Land«« ettotderUtfee Wasser besitzen und durch Röhrm nach allen Thetlen letten wird. Im Ganzen werden 100000 Morgen bewässert werdm. Zudem wird die Gesellschaft in«ntbe- dont eine Wafserlr-ft von 12000 Pferdm besitzen,«uch sü der Beweis erbracht, daß fich da« gewonnene Terrain wunder, bar zur Anlage einer Fabrikstadt eignet. Heute könne schon mit Gewißheit vorau»gesagt werden, daß die bedeutende Wasserkraft auf große Entfemungm nutzbar gemacht werben kann. Da» ganze Land werde au» dem geschaffenen Werk Vortheile ziehm und die neue th-ffaltsche Eisenbahn, welche nothwendiaerweise an der KopaiSlandschaft vorbeiführen wird, wird daseldst wichtige Elemente de» Handel» vorfinden. Hierauf wurden die Schleusen geöffnet und die G-wäffer de» Kopaitsee» stürzten über«inen Katarakt von 7 m Höhe in den neuen Abzugtkanal und durch diesen nach dem Hylikesee. Da» tausendstimmige.Zita" der GesellschastSarbeiter verhallte vor dem brausenden Getöse, den da» bisher gleichsam von Menschenhand zurückgehaltme und nun plötzlich entfesselte Element in seinem jähen Sturze ver« ursacht«. Der Eindruck, welchen diese» prächtig« Schauspiel bei allen Theilnehmem deffelben hinterlassen, wird sicherlich ein unvergeßlicher bleidm. sucht?, erinnert sehr an den Kampf mit dem bekannten viel- löpfigen Ungeheuer. Glaubt man durch Palliativmittel auf der einen Seite Befferung erzielt zu haben, gleich macht fich die alte Feindin auf einer anderen um so energischer geltend.— Weil man den Lauf der naturgemäßm Entwickelung unserer ölonomilchen Verhältniffe nicht vorurtheilSlo» erkennen will, erwartet man die AbhUf« von ganz verkehrten, unzureichenden Maßnahmen. Der Zug der Zeit geht auf die allmälige Pro« letarifirung aller derjenigen, welche daS Geschick zur Unseldst- ständigkeit verdammt hat. Mag auch dem Einzelnen hin und wieder ein Erfolg aus setner Thätigleit dauernd erblühen, für die große Mass« ist dieS gleichgillig, ja fast ein Beweis mehr für die UnadwendbalkeU ibreS VerhangniffeS; denn die meisten jener bevorzugten Emporkömmlinge weiden bald die Ausbeuter ihrer früheren Leidensgefährten.„Hie arm— hie reich!" unter dieser Devise wird schließlich der Austrag der bis zur Unerträglich« keit gesteigerten Mißverhältnisse erfolgen, wenn nicht vorher unter eigenster Mitwirkung der Ardetterklafs« eine verständige Reform in« Leben tritt. Zu unseren bisherigen Erfahrungm gesellen fich warnend immer neue. Früher war«S der Handarbeiter allein, den seine Roth zur Erkenntniß trieb, jetzt kommen in rascher Folge die anderen Stände. Manchem ihrer Angehört- gen wird allerding» die traurige Klarheit nur mit schweren Opfern fich entringen; denn der Traum, noch zu den Aristo« kraten unter den vielen Tausenden Werkthätiger zu gehören, war eben zu schön. Wir wollen dabei ganz von jener Schaar scheinbar noch bester gestellten Beamten vorläufig absehen und nur auf daS Heer der Handlungsgehilfen hinweisen. Berlin, Hamburg, Chemnitz%., vor allem aber auch unser Thal kann in dieser Hm ficht BeherzigenswertheS lehren. Nachdem der Glanz der Milliardenjahre verflogen, trat auf dem weiten Felde der kaufmännischen BeiufSarten, welche für viele Väter und Söhne die Verwiiklichung schönster Hoffnungen vermeintlich darstellten, der unausbleibliche Rückschlag schnell ein. Diese Schnelligkeit läßt Uneingeweihte sogar oft in der Schwindel- periode die alleinige Ursache suchen, während diese in Wirklich- keit die Entstehung eine« kaufmännischen Proletariat« nur be« schleunigte. An die Stelle der mit ausgesprochenem Klastenstolze erfüllten Kommt« ist nunmehr eine Armee schlecht be- zahlter, unzufriedener oder arbeitsloser Leute getreten. Nicht immer find e« dazu die schlechtesten Kräfte, welche da« Kontingent dieser Reservearmee ständig vergrößern, obwohl drei in der Regel naturgemäß der Fall sein muß. Ein einziger Blick in den Jnseratentheil unserer Blätter zeigt, welche Konkurrenz unter den Anstellung Suchen- den förmlich wülhet, und welche hohen Anforbe-ungen man von Seiten der Prinzipale an die zu Engagirenden stellt. Die Arbeltgeber dürfen fich die besten Kräfte auf dem überfüllten ArbeitSmaikte auswählen, ohne dmch den Widerstand der wirthschaftlich Bedrängten behindert zu sein. Also diese Um- stände zusammen schaffen in Kürze eine Masse von überzähligen beschäftigungslosen Mittelmäßigkeiten, die sich indeffen bald in ein gebildeter««, auch bessere Köpfe untec seinen Vertretern zählendes Proletariat oerwandelt. Wir schildern hier keine«- wegS zu schwarz, denn wir kennen Geschäfte im Wupperthale, welche ihre jungen Leute mit 50, kommt eS hoch, 60 M. monatlich besolden und dabei noch die beste Auswahl haben. Wären Ramm nicht anrüchig, wir würden ohne weiteres eine solche Firma nennen, so bleibt aber immer der Weg allgemeiner Er« örterung. Wie nun junge Leute, welche besonders anständig gekleidet sein müssen, mit derartigen Gehältern auskommen, ohne Unterschlagungen oder andere Unredlichkeiten zu begehen, ist manchem unerklärlich; wie eS injZukunft gehen wird, ist uns noch unbegreiflicher. Kommt e« doch schon heute vor, daß ein stellungsuchender Kommt« einem Bettler gleich von Thür zu Thür vergeblich wandern muß. Nur ein« kann da helfen: Vereinigungen der so Bedrängten und ihrer besser fituirten Beruftgenoffen find unter Mitwirkung einstchtiger, einflußreicher Manner zu bildrn, so lange die Selbsthilfe noch zweckmäßig ist.,. Nicht nur i« Arbeiterkreisev, sondern auch in den niederen und subalternen Beamtenkreisen bringt die große Konkurrenz Notb und Elend hervor. Die ohne weitere Penfion entlassenen Miiitäranwärler drängen fich schaarenweise, um eine Ztotlstellung zu erhalten, und taufende von kaufmännisch gebildeten tüchtigen Männern laufen stellen« lo« umher. Trotzdem unterstützen die königl. Regierungen den „Deutschen Offizierveretn", und seine penstonirten Mit- weicht ihre Arbeit zu geringerem Lohne anbieten nnen. Di« Regierungen erlassen nämlich an verschiedene Magistrate und andere Zivilbehörden folgende« Rundschreiben: „DaS Direktorium de« Deutschen Offiziervereins in Berlin theilt in einem Rundschreiben vom 26. v. M. mit, daß der Deutsche Osfizierverein e« in den Bereich seiner Thätigleit ge- zogen hat, verabschiedeten Offizieren Beschäftigungen und An stellungen zu verschaffen, da eS denselben, selbst bei unausgesetzten Bemühungen, ungemein schwer wird, ohne eine solche vermittelnde Zentralstelle sich einen neuen ThätigkeilSkreiS im bürgerlichm Leben zu eröffnen. Um nun die Angebote aller derjenigen Stellen, welche fich zur Besetzung durch ehemalige Offiziere eignen, dem Deutschen Offizierveretn fortlaufend zuzu- führen,«endet fich derselbe an die Ministerien. Regierungen rc. und strebt an, die gesammtm Kreise der Großgrund« besitzer undGroßindustriellen hierfür zu interesstren. Der Verein glaubt, daß gerade auf dem Gebiete der Industrie und deS Großgrunddefltze« fich an vielen Stellen daS Be- dürfniß geltend mache, für besondere Vertrauens« funitionen, wie z. B. Kassenverwaltung, Ober. aufficht über Etablissement«, Bureaux ,c„ Persönlichkeiten ge- Winnen zu können, welch« mit verhältnißmäßtg geringen GehaltSansprüchen große Zuoerlässtgstit und einen höheren Bildungsgrad verbinden. Da» Direktorium würde eS übernehmen, in jedem einzelnen Falle die eingehendsten Nachforschungen über Charakter, Befähigung und Leistung«. fähigkeit det betreffenden Bewerbers anzustellen und hierdurch die möglich beste Garantie geeigneter Vorschläge bieten."— Viel ist zu dieser Reklame nicht zu sagen. Sie beweist nur. daß die ehrliche Arbeit im Preise immer werthloser gemacht wird. Daß fich aber veradschiedele Offiziere besonders zu Kasstrerposten eignen sollen, daS müssen wir auf« lebhafteste bestreiten. Uusere neue WirthschaftSpolitik, die viel belobte, wirkt geradezu Wunder. Die groß« Eisenfabrik in Flensburg von Dittmann und vrix, die lange Jahre hindurch gute Ge« schäfte gemacht hat, stellt den Betrieb völlig ein, da die gegenwärtige Lage de: Eisenindustrie ste dazu zwingt. Einem sonderbaren Nothschrei giebt die„Freis.. Ausdruck. Da» Blatt schreibt:.Ledhafte Klagen über Eisenbahnverstaatlichung wurden in der Generalversammlung deutscher Hüttenleute in Düffrldotf am 27. Juni, wie uns ein Theilnehmer der Versammlung berichtet, vielfach laut von Seiten der Direktoren großer Werke, welche früher mit dem größten Eifer für die Verstaatlichung der Bahnen eingetreten waren. Man vermißt die Konkurrenz der einzelnen Linien untereinander üderau« schmerzlich."— Also noch mehr Ueberproduktion, noch geringere Preise, noch geringere Löhne —(« lebe die blutige Konkurrenz auf allen Gebieten! Bei der„Freifinnigen Zeitung" allerding« kein Wun- der, die sogar für die Entstaatlichung de« Postverkehri«in Länzlkw bricht. � Ueder eine w Sache« der Krankenverficherung vom städtischen KrankenverficherungSamte zu Leipzig resp. dem dor« tigen Amtsgericht« getroffene Entscheidung drii zt da».Leivz. Tgbl." folgende Mittheilung:„Der§3 des Reichsgesetze» vom 16. Juni 1883, detreffend die Krankenverficherung der Arbeiter, bestimmt, daß diejenigm Personen auf ihren Antrag von der VeistcherungSpfljcht zu befreien find, welche im Krank- heitkfalle mindesten« für 13 Wochen auf Verpflegung in der Familie de« Arbeitgebers oder auf Fortzahlung de« Gehalts oder Lohnes Anspruch haben. Diese Bestimmung de« Gesetze« hatte in der Praxi» eine dahingehende Auslegung erhallen, daß die Arbeitgeber in den konkreten Fällen den Anforderun- gen de« Gesetze« glaubten zu genügen, wenn sie mündlich (oder auch schriftlich) einfach die Verpflichtung übernahmen, für die bei ihnen beschäftigten Personen in ErkrankungSfäll-n in obgedachter Weise zu sorgen. NeuerdingS hat jedoch dai KrankenoerficherungSamt diese einfache Verpflichtung für unge- nügend erachtet, und in Folge eineS vom Arbeitgeber ein- gelegten Rekurse« hatte fich da« biefige Amtsgericht unlängst mtt der Frage zu beschäftigen. Dieses hat nun in seinem Entscheide folgende GefichtSpunkte aufgestellt: Zunächst ist eS bei jedem Antrag auf Befreiung von der Verficherungipflicht nöthig, daß ein genügender BuSwei« über die Solvenz de« Arbeitgebers vorhanden ist. Sodann müssen aber auch dt« Ansprüche de« Arbeftnehmer« vertragsmäßige, notariell be- § laubigte sein, die ihn in die Lage versetzen, seine eventuellen Forderungen, wenn der Arbeitgeber dieselben nicht befriedigen will, auf dem Wege der ZwangSoollftreckung und Pfändung, also ohne Verzug beizutretden. Der Vertrag muß daher exzeptionilo« stipulirt fein. Wai die Höhe der Kranken- entschädigung betrifft, so ist mindestens da« zu gewähren. waS daS Gesetz den Krankenkassen al« Leistung auferlegt. Wie de« Weiteren hervorgehoben wird, find diese GefichtSpunkte deshalb aufgestellt worden, um eine Umgehung de« Gesetzes vermöge des§ 3 zu verhindern, die sonst sehr leicht ermöglicht werden kann. DaS aber ist der Wille de« Gesetzgeber«, der Jedem die Wohlthaten de« Gesetzes stcher stellen wollte, entschieden nicht gewesen."_ Uermischtes. A« de« Prange« I DaS„Rastenburger KreiSblatt" ent- hält nachstehende amtliche Bekanntmachung deS dortigen Land- rächt amte«, welche beweist, daß der Mädchenhandel nach Süd- amerika in üppigster Blüthe steht:„Die nachstehend aufge- führten Personen haben fich von Buenos« Aires und Montevi- deo au«, zuweilen mit faljchen Legitimationen und oft mit be- trächtltchen Geldmitteln versehen, nach Europa, insbesondere nach Deutschland begeben, um junge Mädchen dmch falsche Vorspiegelungen nach verschiedenen Plätzen Südamerikas be« Hufs ihrer Unterbringung in öffentliche Häuser zu verlocken: 1. Israel Klopper, gebürtig au« Suczari« Bukowina. Statur stark und groß, blondes Haar, als besonderes Kennzeichen auf einer Wange eine große Narbe. Führt verschiedene Reise-Do- kument« bei fich. Wohnt in BuenoS-Aire«, Calle Libertad Nr. 285.— 2. Leib Greif, gebürtig auS Drobobycz, Galizien. Statur groß und stark, wenig blond braunes Haar auf dem Kopfe. Reist unter dem Ramm Starth(in Bordeaux verhaftet und verurtheill).— 3. Josef Ratz, geb. au« Zurawica, Galizien. Statur groß und stark, Haar blond, ist mit öfter- relchtschen, italienischen, brafilianikchen, türkischen Retse-Doku- menten versehen. Wohnt in Bueno«- Aire«, Calle Tucu- mann 424.— 4. Moritz Keiffcr, geb. au« Colomca, Galizien. Statur mittrlgroß, schwacher, blonder Haarwuchs, GefichtS- färbe blaß.— 5. Lazar Goldcnburgh, geb. au« Littau, Ruß« land. Statur mittelgroß, stark gebaut, Haar schwarz. Ist mtt englischen und türkischen Reisedokumenten verseben. Wohnt in Bueno« Aire«, Calle Tucumann Nr. 210.— 6. Karl Rock, geb. au» Czernowttz, Galizien, Statur stark, Haar blond, seit 1870 in Buenoi.AireS, und beschäftigt fich mit Kuppelei, 55 Jahre alt, wohnt Calle Corrimte« Nr. 509.— 7. Jakob Salamowitsch, gebürtig au« Batnochau, Rumänien. Statur mittelgroß, mager, Haare graumelirt, GefichtSfarbe dunkel, seit 1872 in BuenoS Aire«, Calle Libertad Nr. 37.— 8. Jean Sallowtch, gebürtig aus Bukarest, Rumänien, Statur klein, mager, braune« Haar, bleiche Gesichtsfarbe. Augenblicklich in Gesellschaft setner Schwester Mathilde in Europa, um Mäd- chen nach BuenoS-Airei zu bringen. War vor drei Jahren in Bordeaux im Gefängniß wegen Kuppelei. Wohnt Calle L'dertad Nr. 269—271. Ist mit falschen Dokumenten ver- sehen, argentinischem Paß, seine Schwester ebenfalls.— 9. Moritz Goldberg, gebürtig au« Lemberg, Galizien. Statur mittelgroß, stark gebaut, wenig rotheS Haar auf dem Kopfe, GcfichtSfarde roth. Ist mit allen möglichen falschen Dokumenten versehen, hält fich nur vorübergehend in Bueno?« ttiret auf.— 10. Jakob Golo- sitin, gebürtig au« Galijien Statur mittelgroß, Haar und Kifichtsfarbe roth. Seit 1877 in BuenoS-AyreS. kommt al« Pfetfenhändler nach Europa und nimmt Mädchen zum Verkauf mtt nach BuenoS-AyreS. Seine Frau Rebekka Goldstein, ge bürtig aus Lemberg, Galizien. Statur mittelgroß, stark ge baut, schwareS Haar, bereist Emopa zu gleichem Zwecke. Zwei Schwestern derselben, welche in Lemberg Kartoffelhändlerinnen find, engagiren dort schon Mädchen, um als Kasfirerinnen, Kellnerinnen rc. zu ihrer Sckwester nach BuenoS-AyreS zu gehen. Die eine heißt Eune Stark, die andere Ettel Seiden« wurm, wohnen in Lemberg Ulica owacowa Nr. 8. Augenblicklich ist Jakob Goldstein in Deutschland in Begleitung einer gewissen Karoline Held, ebenfalls auS Galizien gebürtig.— 11. Moritz Schöner auS OfiaS Apiiborf, Galizien. Statur groß und stark, Haar dunkel, wohnt in BuenoS-AyreS, Calle CorrienteS. 12. Lasar Schwarz, gebürtig au« Tultscha, Rumelien. Statur groß und stark, schwarze« Haar. GefichtSfarde dunkel, 35 Jahre alt, auswärt« gebogene Bein«. Wobnt in BuenoS-AireS, Calle Tucumann 362, degiebt fich all« 3 dti 4 Monate nach Europa, im Monat Januar war er in Mülhausen und reift unter dem solchen Namen Prim, ist w Bmnos-AireS naturalifirt al« Argentiner.— 13) David Stein, geb. au» Konstantinopel. Statur mittelgroß, mager, Gesichtsfarbe blaß, Haar schwarz. Ist 29 Jahre alt, wohnt in BuenoS-AireS, Calle Cerito 71.— 14) Josef Goldfeld, geb. auS Rußland. Statur groß und stark, Gesichtsfarbe roth, Haar gefärbt auf schwarz, hat spär« lichen Haarwuch«, ist 50 bi« 55 Jahre alt und treibt die Kuppelei seit 1872. Reist mit falschen Reisedokumenten; in der Regel gebraucht er einen englischen Paß au« Kalkutta. Wohnung Calle Temple 372.— 15) Raum TerniawSky geb. aui Rußland, Statur groß, mager, blaffe GefichtSfarde, Haar tunkel, ist 35 bi« 40 Jahre all. Wohnt in BueneS-Atre« Calle Libertad 263. Reist mtt falschen Papieren.— 16) Peter und Anna Anster, geb. au» Maltaria, Rumelien. Statur groß, mager. Haar grau. Wohnen jetzt in Montevideo, Calle Alzaibar 65. Damit dat Gesetz weniger gegen ste und einen gewissen Karl Roch ausrichten kann, haben fiefich vnständtgt, mit den Mädchen von Buenos Airek nach Montevideo und umgekehrt zu wechseln.— Die hauptsächlichsten Hafen orte, von wo die Kuppler ihre lebendige Waare verschiffen, find Marseille, Bordeaux, Havre, Souihampton. Liverpool, London, Antwerpen, mitunter auch Hamburg und Bremerhafen. Be« sonders find Oesterreich-Ungarn, Galizien, Deutschland und die Schweiz die Gebiete, von wo diese Waare ausgeführt wird und in denen Zubringer und Zubringerinnen den Kupplern in die Hände arbeitm. Die städtischen und ländlichen Polizei- deHörden setze ich hiervon mtt dem Ersuchen in Kenntntß, gegen diese» Treiben eventuell einzuschreiten." Möge e« ge« lingen, diesen Subjekten ihr schändliche» Handwerk zu legen. Ueber da« Wiedemwache« de« Krater« Ktlauea auf den SandwichSinseln schreibt man der„Voss. Ztg." au» Amerika: Am 1. Juni, Abend« 7% Uhr, bemerkte man auf der Insel Hawaii plötzlich einen sehr hellen Widerschein über dem Krater Kilauea. Vom Vulkanhause wurden sofort drei Führer den Berg hinaufgeschickt. Dieselben kehrten in drei Stunden zurück und berichteten, daß der Widerschein von geschmolzenen Lavamaffen herrühre, welche den ganzen«rater und sein« Um« gebung derartig erhellten, daß die Führer bi» zum Boden de» Abgrund« zu sehen vermochten. Di« Stelle, wo das Feuer wieder durchgebrochen ist. befindet fich recht« vom erloschenen Feuersee Halemaumau. Die Lava kochte in einem der Löcher, Verantwortlicher Redakteur«.«rauhet« w Berlin. Druck und Berlag von«ax»adtug in Berlin 8W„«euthftraße 2. auS welchem seit den letzten zwei Monaten dichte Rauchwolken aufsteigen. Die Führer vermochten jedrch die geschmolzene Lava, die fich etwas unterhalb dem Rande de« Riffe» befand, nicht deutlich zu sehen. Die Oeffnung, die ursprünglich dlol 4 oder 5 Fuß im Durchmesser maß, hatte fich bi« 30 Fuß erweitert, und der Widerschein blstb deutlich und in unver- mindetter Helle au» der Ferne fichtbar. Einer der Führer be- hauptete, daß da» Feuer bereits zu weit um fich gegriffen habe, um wieder ver schwinden zu können. Um 4 Uhr am nächsten Morgen war der Schein nicht nur noch fick bar, sondern hatte an Stärke und Helligkeit zugenommen: auch b-ttug die Oeffnung am Boden de« Kraters bereits 50 Fuß im Durchmesser. Man gedenk! den Fortschritt de« Feuers und die charakteristischen Merkmal« de« wiedererwachten Vulkan« aufmerksam zu de« obachten und weitere Berichte stehen in Aukficht. Somit dürfte da« Wunder de» Feuersee« Halemaumau fich von neuem entwickeln. Verwendung de« Petroleum« al« Hetzmaterial. In der Londoner Royal United Service Institution hielt vor einigen Tagen der Genieoderst Stewart einen interessanten Vortrag über die Verwendung des Petroleums al« Heizmaterial für Dampfer und Lokomotiven. Bereits feit zwölf Jahren brennen die den KaSvt- See und die Wolga drfahrenden Dampfer, wie der Vortragende berichtete, die Rückstände (msstfch„Astatti") de« rohen Petroleum», nachdem die flüch- tigeren Oele abdestillirt worden find. Auch alle Fabriken und Ralfinerien in Baku, etwa 100 an der Zahl, heizen ihre Dampf. keffel nur mtt den Rückständen, die in neuerer Zeit auch in den zahlreichen Fabriken in Zaritzin und anderen Oiten an der Wolga, sowie in Moskau und in einer Petersburger Fabrik Eingang gefunden haben. Nachdem da« rohe-Lel au» den etwa 8 englische Meilen von Baku gelegenen Quellen von Balakahana aep'unvt ist, wird dasselbe in flache Basfin« geleitet, wo e« kurze Zeit verbleibt, damit fich der Sand, mit dem da» Oel vermischt ist, ablagert. Alsdann wird daS Oel in Reservoir« gepumpt und aus diesen durch Röhren'yfteme, tuten e« zwölf verschiedenen Gesellschaften gehörende giebt, nach den Raffine- rien an der Bai von Baku geführt, wo man ei ingroßen eisernen Kesseln entweder allein durch Feuer oder durch überhitzten Dampf, während die Keffel gleichzeitig an der Außenseite durch dirette Einwirkunz eineS Petroleumfeuers erhitzt werden, destillirt. Zunächst werden die unter den Namen Benzin und Gasolin bekannten flüchtigen Oele, darauf daS weit schwerer entzündbare Kerosin und Solaröl entfernt. In Baku bezeichnet man alle« Oel von 0,780—0,860 spezifischer Schwere (Waffer— 1) al« Kerosin. Alle», wai größere spezifische Schwere hat hat als 8,860, wird in die Rückftände-TankS ge- leitet und alS Heizmaterial verwendet, dai mtt größter Sicher- hett selbst nach den heißesten Gegenden verladen werden kann, weil alle leicht entzündbaren Substanzen aui dem rohm Oel entfernt worden find. Eine Grenze verloren. Unsere Kolonie Kamerun reicht nach dem Vertrag mit England noidwärt« bis zum Rio del Rey Nun haben die beiden bekannten schwedischen Kolonisten Knutson und Valdau fich zu ihrer Ueberraschung überzeugt, daß dieser Fluß gar nicht existtrt; wai man an der Küste Rio del Rey(Königifluß) nennt, ist nur ein Aeftuarium. eine Meeresbucht, in welche fich einerseits Arme des Calabarfluffe«, anderersett« der Meme ergießen. ES wird somtt eine neue Grenzbestimmung nöthig. Kleine Mittheilnngen. Würzburg, 6. Jul. Der bei dem Eisenbahnunglück ver« wundete Lehrer Pfister aui Mainberg, an dessen Aufkommen gezweifelt wurde, ist jetzt ebenfalls gestorben, so daß die Zahl der Tobten 17 deträgt.— Die„Dem. Korresp." kommt bei einer Besprechung de« Würzburger Eisenbahnunglück« zu der Anficht, daß ei eine verhängnißvolle Sparsamkett war, die beiden, von einem großen internationalen Durchgangsverkehr in An- spruch genommenen Linien Würzburg-Bamberg und Würzburg- Nürnberg auf der gemeinsamen Strecke Würzburg- Roltendorf mit nur zwei Geleisen zu betreiben, anstatt daß der Bedeutung deS Verkehrs entsprechend jede Linie ihre zwei eigenen Geleise befitze, wie die« z. B. zwischen München und Pastng der Fall sei.„Man wird unS einwenden." schreibt die„Dem. Korr.", „daß solche Doppelanlagm viel Geld kosten und die bayntschm Eisendahnen ohnehin nur eine geringe Rente abwerfen. Natür- lich ist die Rente eine mager«, weil man das Eisendahnnetz in vielen Theilen de« Lande« weit über da» Bedürfniß ausgedehnt hat, ohne gleichzetttg für die erforderlich« Sicherheit deS Be- triebeS ju sorgen. Der Bau von Hunderten Kilometer Eisen« bahn hatte in Bayern sehr gut noch aufgeschoben werden können, ohne da« wirkliche VerkehrSbedürfniß zu beeinträchtigen. Wir erinnern beispielsweise nur an die zwei Linien zwischen Regen«- bürg und Nürnberg und an da« Gewirr« von parallel laufen« dm Lahnm recht« und lintS der Pegnitz oberhalb Nürnberg«, für welche gewiß ein dringende« Bedürfniß nicht vorhanden war. Wir könnten diese Auszählung noch weiter fortsetzen. Aber schon da« Angefühlte beweist, daß nicht immer finanzielle Rückfichten bei dem Babnbau ausschlaggebend waren. E« ist ein öffentliche« Geheimniß, daß man viel« Linien gebaut hat, um fich den Adgeordnetm der betreffend«: Wahlbezirke gefällig zu erweisen und von den- selbm gelegentlich Gegendienste zu erhalten. Auf diese Weise ist da« Eisenbahnnetz vorzettig, auf Kosten der Sicherheit de« Bettieb« ausgedehnt worden. Allerdings ttifft hier auch ein Theil der Schuld die Abgeordneten selbst, die im Uedrigen fünf gerade sein ließen, wmn ste nach Beendigung der Session nur ibre Bahn mit nach Hause bringen konnten, um hierdurch ihre Wiederwahl zu fichern. Die Hauptschuld aber trifft die Regierung, die tcett mehr alt der einzelne Abgeordnete ver« pflichtet ist, nicht nur die Autdehnung deS Eisenbahnnetze«, sondern auch dessen Sichelheit fortwährend im Auge zu dehal« ten. Der bayerische VerkebtSminister dürfte schwerlich wie Herr Maybach nach dem Steglitzer Unglücke nachzuweism im Stande sein, daß er die Beseitigung da Mißstände auf der Würzburg- Rotlmvorfer Strecke rechtzeitig bei den Kammem angeregt und die Mittel dafür gefmdett habe. Man wird jetzt, wie bereit« gemeldet wurde, eine Anzahl von Beamten zur Untersuchung ziehen und die Schuldigm strafen. Damtt wird tndeß keinerlei Bürgschaft gegen die Wiederkehr solcher Kata« strophen gegedm sein. Die Hauptsache ist, daß man die wahr« Ursache de» Uebel« beseitigt, und zwar nicht blo« auf der Strecke Würzburg Rottendorf, sondern überall da, wo ähnliche Mißstände bestehen. Wo internationale Züge verkehren oder sonst ein großer Verkehr zu bewältigm ist, sollten Doppelge- geletse die Regel sein. Lei Strecken aber, die ganz außerge- wöhnlich im lokalm und internationalm Verkehr belastet find, sollim noch weitere Sicherheitsmaßregeln eingeführt werden. Nur dann wird«in« vollständige Vorsorge, soweit eine solche überhaupt möglich ist, gegen»die Wiederkehr derartiger Unglücksfälle getroffen sein."— Eine bessere Besoldung und Ver- kürzung da täglichm Dienstzeit da Weichenstella und sonstt- gm Untadeamtm da Eisendahnm dürste ebenfalls wesmlltch zur Verhütung von Effmbahnunfällm beitragen I Riesa, 4. Juli.(Via Menschm erstickt.) Da die Pumpe in da Jauchmgrude de» GutidefitzaS Striegler in dem nahen Leutewitz nicht richtig funktionttte, stieg da Mittelknecht in dieselbe hinab, um nach da Ursach« de« Schadens zu forschen. Ali daseid« nach einiger Zett nicht wieder aschten, begab fich da Schwager de» Besttzer«, und al» diesa ausblieb, der letztae selbst in die Tiefe. Da von keinem da Eingestiegenen ein Lebenszeichen gegeben wurde, rief die geängstigte Frau Striegler einen Nachbar, dm Gutsbesitzer Henning, herbei, da auch sofott in die Grude stieg und daS Schicksal der Anderm, den Erstickungstod, I hellte. Ein anderer Nachbar, der Gutsdestv-c -ikhrmann, kam bei wettam Nachforschungen mtt einer Be« täubung davon. Hierzu eine Beil««« Beilage zum Berliner BoMlatt. Ar. 136 Dotmerstag, de« 8 I«U 1886. III lufe Lokales. Die Uumelduu» unsallvelfiqerungtpfltchtizer va«> betriebe dcu-ff>> d,«läßt da» töntgl. Potizct�Prästdtum unterm 3. Juli tolzend« Bekanntmacbuna: „ü Bekonnlmachuna vom 27. Biai 1886 im R-ichS- Gesetzblatt Nr. 17 Seite 190 hat dn Bundeirath auf Giunv de«§ 1 Ndl. 8 de« UniallonilcherungSgesetze« vom 6. Juli 1884(ReichS Gesetzblatt Seite 69) beschlossen. ÄtbtUtr und Betriedsbeamte, welche von einem Ge- werdetreiber den, dessen Gewerbebetrieb fich auf die Au«- ftlhiung von Schreiner-(Tischler), Emsetz«, Schlosser- oder Anjchläaerarbeiten bei Bauten«streckt, in diesem Betriebe beschäftigt werden, mit der Wirkung vom 1. Januar 1887 an für verfichelungsrfluhttg zu«- klären. Gemäß§ 11 de« UnfallverficherungSgesetze« ist daher jeder Unternehmer eine« der vorgenannten Betriebe verpflichtet, den- selben unt« Angabe de« Gegenstände« und der Art de« Be- triebe«, sowie der Zahl der durchschnittlich darin beschä tigten vnstcherungSpflichtigen P«sonen binrun ein« vom Reich». Ve.fichnunaSamt zu bestimmenden Friß bei d« untnen Ver> waltungidehö de anzumelden. In Ausführung dies« gesetzlichen Bestimmungen hat da« Reichtverficherungtamt eine Anmeld-frist bis zum 1 September 1886 einschließlich festgesetzt, und diese Frist durch Bekanntmachung vom 10. Juni 1686 im„Zentralblan für da« Deutsche Reich" und im amt- lichen Thert« de«„R ichS-Rnzeiger«" veröffentlicht. Demgemäß werden die Unternehm« d« vorstehend auf- gewhrten, in die b«uf»genossenschaftliche Organisation aufzu- nehmenden, im Poltuidezirl B«lin vmhandenen Betrink hier- durch aufgefordert, binnen obiger Frist die Anmeldung bei der mit den Obliegenheiten d« unteren Verwaltungtbehörde im Sinne de» Gesetze« betrauten Abtheilung ll de« PoltzelpräfidiumS, und zwar: durch Vermittelung desjenigen Polizeirevier«, in welchem die Betriedtstätte, bezw. die Wohnung d«S Betrieb«. Unternehmer« fich befindet, zu bewirken. Im U'brigm wird wegen d« Anmeldung auf da» nach. stehend abgedruckte, vom Reich«. Vnficherungsamt empfohlene Anmeldeformular hingewiesen. Die Anmeldepflicht«streckt fich nicht auf die Unternehm« von Betrieben, weiche auf Grund de!§ 1 Absatz 3 und 4 de» UnfallvelstcherungSarsetz-s als Betriebe mit Motoren oder mit mindestens zehn Ardeitern in daS Kataster einer BerusSgenossen. schast bneit« aufgenommen worden find. Schließlich werden die betheiligten BetriebSunt«nehm« noch besonder» darauf aufmerksam gemacht, daß Derjenige, welcher die vorgeschriebene Anmeldung nicht bi« zum 1. September d. J. bewirkt, hierzu dezw. zu der«forderlichen Au«- lunft nach§ 11 Absatz 3 de« UnfallvnficherungSgesetze« durch Geldstrafen im Betrage dt« zu einhundert Marl angehalten ««den kann. Bttlin. den 3. Juli 1886. Königliche« Polizet-Bräfidium. von Richthofen. Untersuchung von Rahruug«. und Geuutzmittel«. Im Laufe de« HionalS Mai d. I. wurden in Berlin in Au». tuh'.ung de« G-ietze« über den Lertehr mit Rabrung«. und Genußmitteln polizeilich 320 Proben von Nahrungsmitteln au« ««schiedenen Handlungen angekauft und zur chemischen Unter« suchung gebracht. Htnvon wurden 12 Artikel, nämlich Grie«, Butter, Kakao, Zichorien, Chokolade, Zucker, Milch. Himbe«. liqueur, Piment, Jngw«, Pfeffer und MaziSdlüthe in 72 Einzelfällen beanstandet. Von den Beanstandungen von Butter fi-len sech» auf eine Maare, welche hi« al«„GutSmischbuttei", „Holsteinische GutSmiscbbutter", auch„Mischdutt«" allein be> Zeichnet wird. Dies« Waare ist fast immer nicht« al« Kunst- dutt«, enthält nur geringe Theile Butt« fett und die gewählten Namen find nur auf Täuschungen berechnet. Unt« den Kakao- Moden fanden fich mit Mehlzusatz hergestellte Mischungen. Eine ziemlich«bedltche Zahl von Zichorien enthielt einen großen Gehalt von animalischen Verunreinigungen. Unter den Äe- würzproben ist namentlich Pfeff« th-us vnfälscht, theilS sehr umein befunden worden; al« B«fälschung«mittel dienten vor. wiegend Wachholderbeeren.— Im Laufe de« Monat« Juni wurden in Berlin im Ganzen 3625 polizeiliche Milchreoistonen Allkcdotell aus dm Mistealkbeu von Ottomar Beta. sRachdruck verbo'en.I Auf de« Brett««, die die Welt bedeuten, müsse« oft (wie in der wirklichen Welt) auch stumme Personen mitspiele«, welche man Statisten nennt. Sie bekommen ent- weder bi« 75 Pfennig für die einzelne Kunstleistung, od« stehen in festem Engagement und werden in allen nur denk- bare« Kostüme» zur Schau gestellt. Manchmal bilde« ihrer drei eine Armee und werden auf Befehl de« feind- lichen Sieg«« decimirt, oder fie find„Gesellschaft', und zeichne« fich in diesem Falle vor de« ordentliche« Mit- gliedern der Bühne dadurch au«, daß fie im Salon baumwollene Handschuhe trage», Stikkungea flüssige« GevreS in ua- durchstchtige« Trinkgefäße» erhalten, und ihre Frackschöße uut Stecknadeln zurechtstutzen. Zm Allgemeinen find fie „Volk", und trete» al, solche- in Schwärmen al« Gefolge. Pilger. Rttter. Bürger. Zigeuner, Räuber. Schiffer, F'kcher und Jäger auf; bald haben fie auch Einzelfizure» zu üb«- nehme«: Wachtposten, Page«, Bediente, Mohre«, Scharf- richte», Dämonen und Gespenst«, Kais«. Bischöfe und sonstige zur Ausstattung benöihigte Personen. In diesem Fall« nennt man fie der größeren Bühne»„Figuranten", «nd al« solche haben sie ihren Fuß schon auf d« unterste �wfe der dramatischen Letter gesetzt, find bereit in Worte ««zubrechen und fich kühnlichst in die Regione» de« Schau- ipieUrthum» aufzuschwingen. berühmte Komiker Beckmann war ursprünglich f" b"«ttger Statist und Figurant und legte al« solcher in««in improvifirten Kamps« mit einer q r. a-, iH* ia Vergessenheit liege» gebliebene» Zaubetflöten-Schlang« seine hohe Begabung für die «'williüll.che Komik so glänzend an de« Tag. daß fich ihm alsbald der Pfad zu de» höchste» Ehren der darstellende» hettere»«„vst öffnete. Die berühmteste deutsche„Julie" der Jetztzeit war ebenfall« eine solche Statistin und viele ihrer namhafte« Kollege« und Kol- leginne» habe» al« stumme Mitwirkend« zuerst da« Licht vorgenommen, bei denen in 21 Fällen 164 Liter Milch zu leicht wiegend vorgefunden wurden und zur Vernichtung ge. langten. Gegen die Uebertreter wurde da« Strafverfahren eingeleitet. Sicherlich wird unsere Lcsertnue« folgende amtliche Bekaantmamung iuteresstreu, die erste, welche der Rath der oereinigten Städte Berlin und Kölln üderhauvt veröff-nt- lichte, und die fich fast ausschließlich mit dem schönen Geschlecht defaßt. Sie erschien im Jrhic 1335 und lautet folgender maßen:„Wir Rathmänner, alte und neue, von Berlin und Kölln thun kund durch diesen Brief, daß wir in unserm Rath« e nmütbig übereingekommen find, wie die folgenden Punkte sollen Jahr au« Jrhr ein gehalten weiden. Zum Ersten wollen wir, daß weder Frauen noch Jungfrauen an Armspan- gen oder Geschmeide mehr tragen sollen, al« eine halbe Mark werth ist. Auch feine P-rlen sollen fie nicht mehr tragen, al» eine halbe Mark werth ist. Ferner sollen weder Frauen noch Jungfrauen golddurchwirkte Tücher tragen; auch soll keine Jungfrau goldene Reifen oder Kränze tragen, die mehr kosten, alS eine Mark. Ferner befehlen wir, daß weder Frauen noch Jungfrauen Zobelpelz und Besatz auf ihren Kleidern und Mänteln tragen. F-rner wollen wir, daß Keiner, bei seinem Bürgereide, er sei Mann od-r Frau, bei Hochzeitm mehr Schüsseln aufsetzt auf seinen Tisch, denn vierzig; den Drosten(Ehrengästen) soll man nicht mehr geben, al« zehn Schüsseln. Die Sptelleute dürfen nicht mehr alt drei Schüffrln«halten. Nicht mehr al« fünf Gerichte soll man den Gästen bei ein« Hochzeit aeben. Fnn« wollen wir auch, daß die Jungfrau, die dem Manne gegeben wird, oder die Wittwe, die fich wieder verheirathet, da» deHalten soll, wat man ihr schenkt, und rS nicht wieder herau-geden soll. Inner, wenn eine Frau ihren ersten Kirchgang thut nach der Nieder. fünft, so soll fie nicht mehr Frauen laden, al« zu drei Schüsseln, und soll dabei N emand beschenken. Fnner wollen wir. daß Niemand Stänken hal'e. und Bi« schänke nach dem Ltttten d« letzten Betalocke. Wo daS geschieht, sollen Wirth und Gäste gepfändet werden.(O Siechen, o Sedlmay.l!) Nach dem letzten Läuten soll auch Niemand mehr auf v« Straße tanzen, weder Mann« noch Frauen. Ferner soll Nt-mand höher kegeln oder würfeln, als um fünf Schillinge. Endlich wollen wie auch, daß wenn einer eine F-au od« Jungfrau zur Ehe nimmt von außerhalb, und diese groß Geschmeide brächte in unsere Städte, so soll fie e« tragen dürfen einen Monat lang, da« ist oier Woche, und nicht läng«. Und die> jenigen, die diese Sta'uten drechen, die sollen an die Rath- männer bezahlen zehn Mark und die, die etwa durch Fürbitte solche Strafe hindern wollen, die sollen ebenso viel bezahlen." Die Königlich Preußische General-Lotterte-Dtrektton veröffentlicht folgende Befanntmachung:„Es wird hrermit zur öffentlichen K.'nntniß gebracht, daß die au« Anlaß der V«. Mehrung der Zahl d« Loose der Königlich Preußischen Klaffen. Lot.erie von der 175. Lotterie ab neuerrichieten Kollettmen bis auf einige wenige Stellen, für welche jedoch bereit« bestimmte Personen defiamrt find, in Berlin, sowie in den P ovinzen desetzt find. Wiit«e Bewerbungen um diese Kollefieurstellen find daher zwecklo«. Bei der unoerhältnißmäßig großen Zahl der eingegangenen BewerbungSgrsuche können besondere Bescheide auf dieselben nur insoweit ertbeilt werden, al» dazu noch«ine desondere Veranlassung vorliegt. Z-'gleich wird mit Bezug auf den in der 2. Beilage der Nr. 133 deS ..Drutfchen Reich«, und Preußischen«laatS.Anzeig«»" ver- öffentlichten Plan zur 175. Lotterie noch besonders bekannt gemacht, daß der Verkauf der Loose zu derselben bei sämmt- lichen Lott«ie< Einnehmern spätesten« am 16. August d. I zu beginnen hat, daß ein«heblich« Theil dieser Loose in Achtel- abschnitten, sogenannten Achtelloosen, zum Verkauf gelangen und zu diesem Zwecke jed« Königlichen Lottnteeinnahme eine entsprechende Anzahl solcher Achtelloose überwiesen werden wird." Neue Stadtbrtes.Kormulare von grauer Farbe kommm von heute ad fetten« der Berliner Packetfahrt Gefellsthaft zum Vertrieb. Geschlossene Formulare find mtt einer 3 Pfennig- Marke bedruckt und können in Oklavformat zu Oktav zu- sammengelegt und an den Kanten zusammengeklebt weiden. Offene Briefe losten nur 2 Pfennig, gleich den d«eit« seit länger« Zeit eingeführten Korrespondenzkarten. Zum Kauf find die Formulare in allen Annahmestellen d« Gesellschaft zu haben. Jede Annahmestelle ist mtt einem Briefkasten versehen. der Lampe« erblickt. Datum Respekt auch vor dieser Srattsttk! Uebrigen« sind diese Brave« fich zum größte« Theile sehr deutlich bewußt, daß fie— salva venia— die Mutterlauge bilde», au« der spät« da« künstlerische Krpstall hervor- schießt. Al« Gmil Devrient starb, rief einer au« ihrer Mitte pathetisch und schmerzlich bewegt:„Schon wieder einer von un« dahin I'(Seltsame Ironie de« Tode«, daß der größte Hamlet der deulsche» Bühne zugleich Hoftath, Rttter pp. und Gutsbefitzer—„einer von u««" wurde, al« wir den Lorbe«! auf seine« Sarg legte» I) E« giebt gewisse Kategorie« von Anekdoten, welche meist mit ein« bestimmten Person verknüpft find, wie die vom alten Fritz, von Blüch«, de« Sanitättrath Heim, Wrangel, dem alte» C-.rf u. A.; ein aud«e« Genre wied« behandelt gewisse Schemata, wie die Anekdoten üb« Schill«'«.Räub«', deren Aufführung an kleinen Bühne« meist die einer improvifirten Posse bint« de» Kouliss«« zur begleitenden Folge hat; endlich unterscheidet man die Per st- flöge gewiss« Stände, unter denen die Schneidnzunft obenan steht, und dicht«eben dieser die d« Statisten. Entstehungsursache der meisten„statistischen" Anekdote« ist da» gewaltige Gefühl d« eigenen Bedeutung in diese» „Bühnen-Mitwirkenden"; dazu gesellt fich übertrieben« Eifer, krankhaste En«gie, Hypertrophische» Pfl chtgesühl und der schädliche Drang, die„Rolle" zur Geltung zu bringe«. „Hab' ich'« Ihne» so recht gemacht, H«r Kollege?' ftagte eine« Tage« ei» Etatist unser« v«ewigte» Meister Döring am Schluß d« GerichtSscene im.Kaufmann von Venedig." „Wa« habe» Sie den« überhaupt gemacht?" „Den Gerichttdien«, Herr Kollege," lautete die Antwort. .Ei» andermal machen Sie nicht die Thür auf, H«r Kollege! Da« ist Shylock'« Sache— Sie haben mir eine» der beste« Effekte weggenommen, Sie hämische Klapperschlange!' donnerte ihn d« Altmeister an, und der „Kollege'»«duftete. Lebhafte Parteinahme herrscht in d« statistische» Welt bei Gelegenheit von Schlachte». Em alt« Vet«a», d« in — W« eine eilige und filb«e Briefbestellung wünscht, dem ist vorläufig immer noch die Benutzung der kaiserlichen Post anzurathen- Un« ist e« beispieltwetje schon ziemlich häufig vor» gekommen, daß Briefe, welche die Prioatgesellschasten besorgten, zu spät eintrafen. Bei einer Zeitung ist da« für Les« und Redaktion gleich unanaenrbm. Die außergewöhuitche« meteorologischen Erscheinungen, welche die Gewiiter stürme von Krofim a. O. und Wetzlar degleitet zu haben schienen, v«anlaßten den Dlrettor de« königlich preußischen meteorologischen Institut«, durch den wlffenschattltchen Oderbeamten de« Institut», Dr. Aßmann, an O r und Stelle eine genaue U tersuchung d« Phänomene, so- wett es au« den Berichten von Augenzeugen, sowie au« ihren Wirkungen möglich war, vornehmen zu lassen. Die auSsübr- lichm Berichte Aßmann» sollen demnächst in einer fachwiffen» schaftlichen Zeitschrift zur Veröffentlichung gelangm. Die be- zeichneten Etemenia-ereizniffc haben Veranlassung dazu gegeben, die Errichtung von GewiU«deobachtungtstationen zu deellen. Der vorläufige Bericht de» Dr. Aßmann demertt darüber in seinem Schlußwort:„Im Äärz 1876 wurde ein Theil d« chemischen Fadril in Wetzlar vom einem Sturm abgedeckt; doch sollen hierbei Wirdelerschetnunaen nicht bemerkt worden sein. Erinnern wir un«, daß im Jahre 1873 die Stadt Zehdenick mm großen Theile durch ein ähnliche« Phänomen»«stört wurde, daß im Sommer 1885 bei Karlsruhe eine durch Herrn Baudirektor Honzell sorgfälttg untersuchte Windhose den Wald verwüstete, daß fern« d« Botanische Garten zu Berlin im vorigen Jahre unt« ähnlichen Bedingungen Beschädigungen erlitt, so kommt man zu dem Schluß, daß derartige Phänomene in unserem Lande doch nicht gar so selten find, wie man gemeinhin annimmt. Diese Annahme wurde naturgemäß durch dm Mangel der näheren Unter- suchung und Erforschung der Phänomene bestä.kt» ron welchen man eben auß« einigen kurzen Zeitungsnotizen nicht« weiter hörte. So finden fich z. B. Unter» suhunaen de« gewiß hechinteressanten Wirbeisturme« von Z-h- d-nick? D« Grund ad« wiederum, weibaid diese mächtigen Erscheinungen spurloi an dem größerm Publikum nicht nur, sondern auch an dm Fachmännern vorübergingen, ist in der völligen Unzulänglichkeit der Einrichtungen auf meteorologischm Gebieten zu suchen. Odne ein genügmd dichte« N-tz von Be» obachtungsstationcn blerdt da« Wichtigste, die Erforschung d« inneren meteorologischm Gründe, unmöglich. Nachträgliche Untnsuchungen können, wenn auch noch so sorgfältig ange» stellt, nur die grödstm Erichetnungm zu einem Bilde ver- einigen, üb« dessen Rtchtigkett in allm Punkten stet« Zweifel herrschen können. Einige konett abgelesene Barometer od« gut sunltiontrmde Barographm, einige Windfahnen und Ther» mometer, vor Allem ad« auch eine hinreichend große Zahl üb« da« ganze VeodachiungSgediet möglichst glrichförmig»erthetlter, gut gescdult« Beobachter, welch«, wenn auch ohne instrumentelle Hilfsmittel zu befitzm, doch über alle ungewöhnlichen atmo- sphärifchm Ereignisse sofort die notbwmdigsten Aufzeichnungm machen und thunlichft bald an die Zmtralstelle einsenden, liefern für die Erforschung«olcher Vorgänge mehr und bessere» Material, al« die eifrigste Nachlese zu oeschaffm vermag. An- g» ficht« der«schreckenden Ereignisse, von welchen eben ge» sprochen wurde, besteht detbald auch die Abficht, mit d« Er- richtung eine» Netze« von Gewitter deobach'ungSstattonm, wie e» z. B. in Bayern od« auch in einigen Th-ilen P eußen«— d- b- in der Pcooinz Sachsen, der Uckermark und in einem Theile von vchleften— berett« dest-hr, noch raich« vorzu- gehen, al» e» nach dem ursprünglichen Plane für die R- or- aanisation de« königlichen meteorologischm Institut« in Au«. ficht genommen war. Von veitm d« Dtrektton de« Institut« hat dethald dies« Punkt auch berett« bei dem Entwürfe für dm Etat de« lommendm Rechnungsjahre« in geeigneter Weise Berückfichtiiung gesunden." Der„1886«: iüdamertkantschen Ausstellung in Berlin" wird fetten« ver deutschen Industrie und Handel«»«», sowie besonder« von den dm transatlantischen Verkehr vermittelnden Schtff'ahrtsgesellschasten lehyaste» Interesse entgegengebracht. Nachdem berett« früher schon die„Hamburg- Süvamertkaniiche TampfschifffahrtSaesellschaft" und die„Drutsche Dampf'chiff» fahttSgesellfchatt Ko»moS" fich bereit«klärt battm, da» Unter. nehmen durch Fracht«lelchterungen zu begünstigen, hat j,tzt auch die„Hamburg. Amerikanische Packetfahrt- Akttengesellschast" eine Frachiermäßigung von 50 pCt. ihre« Tarif« auf alle für die einem KriegSstück von Hugo Müll«(am Wall»«- Theater in Berlin) mitwirkte, kam sofort«ach d« ersten Vorstelluna zum Direktor. .Herr Direktor," sagte«,„daS geht nicht! Ich kann auf keinen Fall bei dm Schubbejack«, dm Franktireur», bleibm. Da« paßt fich für einm alte« prmßrschen Unt«» offizi«, wie ich bin, nicht I Sie müffen mich bei dm Preuße» anstelle».' I» diesm Kämpfe« kommt e» zuweilm zu hitzige» Aktionen, wenn z«ei Armem, recht« und link« au« dm Seiteucoulrffm stürzend, mtt Schild und Schwert und Epe« aufeinand« platzm; ja, e« geht sehr selten ohne Beu'm ab, und die Schlacht spinnt fich allenfall» auch einmal hinter dm Kouliffm in manvigfachm Scharmützeln weit«. I» England, wo man Alle« so realistisch wie möglich ,« gestalte« pflegt, zeiate fich ei» Kriegt Held unt« dem Kommando Richard III. in der Schlacht bei Bo«worth Mit einem Pfeil durch die Rase. Der Regisseur gab ihm einm halbm Sovereig»,.um seine Wunde z» pflastern,' worauf am nächsten Abend d« Kampf so hitzig entbrannte, daß die V«letzu«gm allgemein wurden, da« Blut maßweise troff und weitere„Pflaster" nur«och durch dm Thearnarzt verabfolgt werden konnten I Bekannt ist d« rühmliche Kampf de« Am«ikaner» Forrest mtt sech« Stattstm von Richmond« He«, den.Land- streich«» und heimathlosm Schuft«»." Ein« der letzteren floh vor dem«aturwahrm vp,el seine« Angreifer« üb« die Rampe und grab in die aroße Trommel hinein, ei» zweiter »«kroch fich in dm Souffleurkasten, und ei» drttt« klomm mit affenartig« Geschwindigkett an d« Konlissmlett« em- por bi« in die Sosfitm, wo« au« voll« Kehle .Feunl' schrie. D« gewaltige Mime dagegm ««folgte die drei Andem in sein« Berserker-ruih bi« unt« da» Podium, wo d« Kampf noch lange rumorte. Er war durch mehr«e recht gut gezielte T«zm und Tiesquartm auf'« Höchste g«eizt worden und suchte seinem«mpörtm Blut auf solche Weise Kühlung zu v«- schasse». E» empfiehlt fich dm lettendm Wimm, vorstchtig mtt dem Selbstgefühl d« Statistm zu operirm, eine Lehre» Zlutstellung bestimmten Güter eintreten lassen, die von folgen« dm Häfen auSlaufm werden: Veraan*. Tamp'co, Progreso, Port au Prince. Gonaivei, Kap Haiti, Petit Goaoe, IS Smie. Aux Cayri, Jacmel. Puerto Plata, Lamana, Colon, Eada« nilla, Puerto Cabella. La Guayra, Et. Thoma», Cartagena, Cura?ao, Mapagaez und Porce. Wai die jmseitS Colon am Süd- und Nord Pactsic. sowie in Zentral- Amerika gelegenen Plätze anbelangt, so defindet fich die letztgenannte Gesellschaft mit den in Betracht kommenden dortigen defreundeten Dampf- schifffahrttgesellschasten wegm Frachtermä�igungm noch in Unterhandlungen� die jedoch vorautfichtlich zu einem günstigen Resultat führm werden. ES ist sonach alle AuS ficht vorhanden, daß die Ausstellung dm auf ste gesetzm Hoffnungen und Er. Wartungen voll und ganz mtsprechm wird. Die Berliner Typographische Gesellschaft beschloß in ihrer letzten Sitzung, die in der Zeit vom 19. dii 23. Mai d.J. im Oderlichtsaale de» Berliner RathhauseS ausgestellten Zeitungen und Zeitschriften dem Zestunai-Museum in Aachen zu überweisen und daS Unternehmen auch weiterhin durch that» kräftige Förderung zu unterstützen. Aui BuenoS-Airei ist dem ZellungS- Museum eine Sammlung der gegmwärtig in der Argentinischen Republik erscheinenden Zeitungen und Zeitschristen zugegangm. Au« de«„Geheimnisse» der Eozialdemokratie" läßt fich die„kölnische VolkSzeitung" von ihrem Berliner Korre- spondcnten folgende Räubergeschichten berichten:„... Für Leute, die fich nicht von vornherein durch ihr AeußereS alS Arbeiter kenntlich machen, ist eS jetzt nicht gerathen, fich in «ine von Arbeitern besucht« Wirthschast zu wagen: auf arg. wöhnischeS Anstarren und mürrische Zurückhaltung stößt man stcher. In manchen Arbeiterkneipen warnen rothe Plakate vor polstischen Gesprächen; in anderen Kneipen wieder hat man finnretche Vorkehrungen getroffen, um dem Stammpublikum erkennbar zu machen, wenn nach Anficht de« WIrtheS„die Luft nicht rein" ist. In einem von Arbeitern viel besuchtm Lokal der äußeren Loutsenstadt befindet fich zu dem Zweck am Büffet eine große Tabakdose, die auf der einm Seite schwarz, auf der andern roth gefärbt ist. Zeigt die dem Lo'.al zuge- kehrte Seite„roth". so ist nach Anficht de« hinter dem Schank- tische hantirenden WtrtheS„die Luft rein"; glaubt er aber einem neu eintretenden Gast mißtrauen zu dürsm. so genügt eine Drehung, und die Dose zeigt den Gästen da» warnende „Schwarz", welches am besten mit„Vorficht!" oder„Habt Acht I" gedeutrt wird. So kann eS kommen, daß beim Ein« tritt eineS fremden Gastet plötzlich alle Gespräche verstummen und den Fremdling bald«in unheimliches Schweigen um« fangt, das höchsten« durch einige anzügliche Redensarten und Berliner Witze unterbrochen wird. Kurz nach Erlaß de» Sozialistengesetzes hatten die sozialdemokratischen Wirthe bereits ähnliche Einrichtungen getroffen: im Laufe der Zell hatte fich aber daS Mißtrauen ziemlich gelegt, diS et neueidina« wieder in ausgedehntem Maße hervorgebrochen ist. ES ist vieS nach dem Falle Jhring-Mahlow durchaus erklärlich." Der„verein Berliner Droschkenkutscher" feiert heute Nachmittag 4 Uhr in Weimann'S Volktgarten, Gesund» brunnen, Badstr. 54—66, sein dritte» Stiftungsfest, verbunden mit Bannerwcihe. Auftreten fämmtlicher Künstler-Spezia« litäten, unter welchen die beliebte Hugoston.Troupe her« vorzubeden ist. Große» Militär-Konzerl, ausgeführt von der Kapelle de» zweiten Garde-Ulanen-RegimentS unter Leitung de» Direktors Herrn Neese. Ebenfalls wird der beliebte Männergesangverein„Rosalia" bei der Enthüllungifeterlichtett mitwirken. Den geehrten Damen ist die Kaffetüche schon von 2 Uhr ad geöffnet. Für Kinderbelustigungen ist in bester Weise gesorgt, und erbätt jedeS Kind eine Stocklaterne und Kappe gratis. Entte« 50 Pf. „Für Herren und Damen" wird jetzt auf den Stadt« bahnhöfen ausgestrichen und durch„für Männer und Frauen" ersetzt. Da hier alle Stände reisen, so trritirte die vornehme Inschrift häufig Leute rom Lande. Sie stutzten und kehrten um, indem fie glaubten, diese Einrichtung sei nicht für fie. Der Zrrthum wird also fortan auSgeschloffm. Eme wahre Brutstätte für da« Ungeziefer find all jährlich die Alleedäume an den über da» große Exerzierfeld bei Tempelhof führenden Straßen. Gegenwärtig find dieselben bereit« wieder von den Raupen so kahl gefreffm, daß außer dem Holz nur noch Blattstiele an denselben bemerkbar find. Von den kahl gefreffmen Bäumen verbrettet fich da» Unge« ziefer auf die in der Nähe befindlichen Gemüsefelder, die dem« selben sodann zum Opfer fallen. Die Regierungsverordnung wegen deS Abraupen» der Bäume, welch« alljährlich im Monat Fcbruar erlaffen wird, scheint, wie die„R'xdors. Ztg." schreibt, für die Garnisonve waltung von Berlin keine verbindliche «rast zu haben; wenigsten» ist noch niemals beobachtet, daß diese Bäume innerhalb der vorgeschriebenen Zeit abgeraupt worden find. Auch einer Strafanzeige seitens der Gendarmen, die da» Abraupm der Bäume seitens der Prtvatdesttzer mit anerkmnenSwerther Strenge überwachen, gegm die Garnison- Verwaltung können fich dt« Bewohner TempelhosS nicht ent- Annahme eine« anderen!tame«« geht nicht so leicht von statten. In jürgster Z:it hatte ein hiefiger Hand- welche ein Held urd Liebhaber in Oldenburg zu seinem Leidwesen mißachtete. Der Betreffend« hatte eine» Calderon» scheu Ritter zu spielen und seine Rolle besagte, daß er eine Räuberbande in die Flucht zu schlage» und dadurch sein« Donna zu befreie« habe. Der stolze Spanier aber hielt*# für unerläßlich, die rSuberische« Statisten auf der Probe durch unzählige Wiederholungen der Szene auf« Aergste zu chikaniren, wofür den« die Vergeltung seften» der empörte» Masse« nicht ausblieb. Am Abend deklamirt der jugend« liche Held rm höchste« Patho«: .Ein Ritter meine« Blut« Hebt hoch da» Schwert gen Himmel, Und Blitzen gleich prasseln Streiche, G'nug, hundert von Euch zu verjage« I' worauf der fast um Haupteslänge größer« Räuberhaupt« man« ihn einfach bei de» Beine«»ahm, während Andere seine Arme ergriffe« und den tapfere« Krieaer unter furcht« barem Gelächter de« Auditorium« davonfchleppten. Der blamirte Held fiel in Ohnmacht, der Vorhang folgt« ihm, und jede Aufklärung über da« Schicksal de, in vollster Natürlichkeit die Hände ringendt« Dame war für diese« Abend abgeschnttten. Einer ähnlichen Chikane verdanken wir die Anekdote von de» kriechende» Griechen. Ei» sächselnder Inspizient hatte fich mtt dem Führer der Statisten entzweit; da diese nun emeS Abend« al«.griechisch« Krieger" ihre« Stichwort« harrten, schrett der Inspizient ungebuldlg:„Kriechen I Krieche« I Rau«, Kriechen 1" worauf denn All«— an ihrer Spitze der boshafte Letthammel— auf alle» Viere« dem geehrte« Publik» ihre Aufwarwog machten, und dem Drama«benfall« ei« vorzettige««»de bereitete«. Sehr gefährlich ist e«. wie häufig Beispiele lehre«, dem Statisten er»« Meldung anzuvertrauen, sei dieselbe auch noch so kurz; den» zum freien Gebrauch der Artikulation«. Werkzeuge vor aller Oeffentlichkett, im Strahl von tausend Lampe», gehört immerhin einige Uebung. Allbekannt ist da» Versprechen jene« Statisten, welcher auf die Bühne ge. schickt wird, um nur die drei Worte zu rufen:„Die Rache fiegt I* und in Folge defien Publikum und Personal mit werker aeschästlich sehr darunter zu leiden, daß die Kunden seinen Namen, einen überaus langen, polnischen, nicht auszusprechen vermochten. Selbst langjährige Bekannte begnügten fich, wenn fie mtt oder von ihm sprachen, damit, fich einer im Laufe der Zeit gang und gäbe gewordenen scherzhaften Ab- kürzung zu bedienen an Stelle seine« richtigen Namen», den thatsächlich Keiner zu behalten oder auszusprechen im Stande war. Der Handweiker wandte fich deshalb an daS Polizei- präfidium mtt der Litte, den Namen seiner Mutter führen zu dürfen, umsomehr, al» nachweislich seine Eltern und sein Groß vater, aui Ostpreußen gebürtig, Deutsche find, die selber nicht wissen, wie ste zu jenem polnischen Namen gekommm. Er mußte nun zunächst die Erlaubniß seiner Mutter, sowie die seinei OnkelS, de« BniderS seiner Mutter, einholen, und schließlich nach vielen Schreibereien, Laufereien u. dergl. wurde ihm gestattet, den Namen seiner Mutter zu tragen, auch ein amtliche« Schriftstück erhielt er darüber ausgestellt. Nunmehr ließ er fich einige tausend Karten anfettigen und versandte dieselben an seine sämmtltchen Kunden und GeschäftSfteunde, da« mtt diese von seinem NamenSsechsel Kenntniß erhielten. Damit war indeß die Sache noch nicht abgemacht. Wettere Unzuträg- lichkttten und Scherereien erwuchsen ihm auf dem Standes- amte. Do t wurde ihm bei Anmeldung eine? Kindes bedeutet, daß die Eintragung nur auf Grund des TaufzeugnisseS, der Militärpaxiere oder der Heirathtuttunde de» VaterS erfolgen könne. Um de» PttnzipS willen verwies ihn der Beamte an da» Landgettcht, welches entschied, daß da« Kind auf den jetzigen Namen de» VaterS einzutragen sei. Aehnlich erging ei ihm, alS er einige Zeit darauf verzogen war und auf einem anderen EtandeSamte wiederum eine GeduttSanzeige zu machen hatte. Erst nachdem er eine beglaubigte Abschrift der land« gerichtlichen Entscheidung bttgebracht, die bei den Akten de« erst erwähnten Standesamtes geblieben war, gelang e» ihm, die Eintragung d«S KindeS auf seinen jetzigen Namen zu erwirkm. Wa« hat der Schornsteinfeger mit dem Ofen zu ihn«? Halte die Frage nicht für eine müßige, lieber Leser! Glaube nicht, fie sei eine Ausgeburt der„sauren Gurke"! O nein! Ihre Entstehung reicht zurück in die Zttt der ernst und geistvoll geführten Debatten um da» Branntweinmonopol. MUten unter statistischen Berechnungen über die Spiritus« Produktion, über SpirttuSverwendung zu gewerblichen Zwecken, über Spiiitusexport und Zunahme der Trunksucht tauchte die Frage auf: WaS hat der Schornsteinfeger mit dem Ofen zu thun? ES war im Mai dieses JahreS, als ein dicket Aken» Heft mU Berichten au« allen Refforti der preußischen Finanz« Verwaltung zur hochgeneigten Verfügung dem Herrn Finanz- minister vorgelegt wurde, und der Jnhatt diese« AftenhefteS behandelte die mehrerwähnte Schoinfteintegerfrage, welche da« malS da» gesammte preußische Finanzreffort bewegte. Unter den schweren Kämpfen gegen Parlament und Presse gewann der Herr Finanzminister doch noch Zeit, diese wichtige Frage zu lösen, denn schon am 22. Mai erging der ewig denkwürdige Ministerialerlaß, daß zur Beseitigung mehr« fach hervorgetretener Zweifel bestimmt werde, die Kosten für die Reinigung der in den öffentlichen Dienst. gebäuden der Verwaltung der indirekten Steuern befind« lichen Oefen nicht, wie die Schornstttnfegerlöhne, bei den Hau» wirthschaftSkoSen, sondern bei den Kosten für bauliche Repa- raturen in Anrechnung zu bringen. Dieser Erlaß wurde auS« führlich motivitt, indem man die Zugehörigkeit der O'enreini gung zum Bauwesen klarstellte, während die schwarze Funltton deS Schornsteinfegers nur alt eine lediglich hauiwitthschaftlichen Zwecken dienende erachtet wird. Freilich hat diese Entscheidung außerhalb de» preußischen Finanzriffort« kaum praktische Be- deutung; möglicher Weise kommt daS ReichSverstcherungSamt noch auf die subtile Unterscheidung zurück und grenzt danach den Kreil der UnfallberusSzenoffenschaften ab. In Zukunft wird also der llttn« Feuerriepel, wenn er in seiner bekannten Manier mit gespreizten Beinen über der Dacharenze eine« FinanzgedäudeS und eine« anderen Hause« steht, die» mit der gelheilten Empfindung thun müssen, halb alS hau» wirthschast- licheS Faktotum, halb al» Angehöriger des edlen Bau.and« werks betrachtet zu werden. AlS Produkt der echt preußischen, streng formalen und rechnungsmäßigen Verwaltung» bueeau« kratie verdient dieser Schornsteinfeger. Erlaß jedenfalls Be« achtung. Da« anhaltende»rächttge Wette» hat eine Landpattie« und AuiflugS Wuth erzeugt, wie ste seit Langem nicht zu kon- statiren war. So kommt» denn, daß die Gastwitthe der umliegenden Vergnügungsorte ein dttllante« Geschäft machen- Die Preise«ür Kremser find recht ansehnlich hoch geworden und namentlich für Pattien an dm Sonntagm find dieselben kaum noch zu dezahlm. Unter den Ausflüglern werdtn viele Klagen Über die schlechte Verpflegung laut, welche ihnen tür theures Geld in den Sommerlokalen zu Theil wird. Da« Bier wird in mttst'/.«-Litern vetschentt, dann noch nicht ttn- mal der Füllstrich respektitt, ist oft warm und stark verschnitten und die Speisen find klein, theuer und da« Fleisch nicht immer frisch. Um überhaupt etwas zu bekommen, remonstrirt man nicht, währmd man in einem Berliner Restaurant eine derar« tige Geldschneiderei fich nicht gefallen laffen würde. der ominöse» Meldung:„Die Sache ttecht 1" in konvulfivische« Gelächter versetzte. Meldungen geschult auszurichten, ohne die stet« bereit« Lachlust der zuschauende« Menge zu reizen, ist in der That nicht so leicht, wie e« aussteht.„Wer etwa« kann, der wird geehrt," sagt Göthe, und e« ist möglich, daß er auf diese» Ausspruch al« Regisseur gekommm ist, in welcher Eigmschaf» er fich zweifellos oft genug über Ungeschicklich» kettm seiner Statistm geärgett habe» dürste. 3ch habe e««inst selbst mit angesehen, wie ei« Regisseur einm Bedimtm 6—7 Mal da« Einttetm durch die Thür und da» Prismtirm eine« Briefe« wtederholm ließ, freilich mit einer großm Re- verenz dazu— dm» der Adressat war ttn Fürst.--- Am Abmd pasfirte ttotzdem ei» Unglück. Rebm der Thür stand ei« Stuhl, de« man auf der Probe zu placttm unterlassm hatte. Ueber diesm bei der R-vermz rücklings stolpern und Hals über Kopf zwischm Thürum« rahmung und Wand verschwindm, war für dm wackem Lakaien da» Werk wmiger Sekunde«. Einige» Trost be« züglich ttne« späteren Wiederauffindm« de« plötzlich Ver« schollmm, gewährten nur seine Bttne, die«och ttne Zeit lang fichtbar blieben. .Mord und Brand Unser Fritz geht durch die Wand!" sagte hierauf der Fürst, welchem«* gelang, dm durch die Lust fiiegcndm filbeme» Präsmtitteller glücklich aufzufangm, er erbrach und la» ruhig dm Bttef, bi« da« Publikum sich auSgttodt hatte. Mtt der Andacht aber war'S für diesm Abend doch so ziemlich vorüber. E« ist daher erklärlich, daß ei» geschicktes Faktotum für Meldungen sehr bald zum geschätzten Mitglied wttd. Z« Fraakrttch nennt man solche Mimen 3. bi« 4. Klasse„accewoire". Der betreffend« Künstler beim Porte Et. Marti» in Pari«, Mr. Fomdonn« war in seine, Weise ebenso berühmt wie Mr. Lemaitre. Al« er eine« Tage«. Überzeugt von seiner Wichtigkeit, zum Thsätre franeais übergehe» wollte, kam die Gesellschaft dahm übertt«, ihm die„große Garderobe" zu öffnm. Er Epree-Reiniguag. Auf der Spree unterhalb der köntg« lichen Mühlen bis herab zum Schloß find seil Sonnabend Mannschaften in großen, quer gegen die Sttömung gelegten Pramen dabei, mit Haken und Harken da» Flußbett zu säubern von dm gerade in diesem Sommer überwucheinven Wasser« gläsern, der sogenannten„Wasserpest" und ähnlichm Pflanzen, die bereits gleich langen mächtigen Farrendüscheln tue ganze Wasserfläche, vornehmlich in der Nähe der Kurfürstendrücke be« decken und selbst in den Stromschnellen festen Fuß gefaßt haben. Da die Arbeit uttpiünglich in der bedeutenden Sttö- mung und dem tiefen W„sscr eine mübtame und zettraubende war, so hat man die Wehre bei den Mühlen fast geschloffen, um den Wafferstand auf ein möglichst niedrige« Niveau zu dringm und die Strömung zu mäßigen. Eine schaulustige Menge pflegt fortwährend am Brückengeländer der eigmarttgen GraSernte zu,»sehen. DaS Anbringe« von Hängematten geschi-ht von unseren Auifltglern und Sommerwohnern in der näd ren Umgebung sehr zahlreich und oft in recht rückfichtiloser Wcise gegen die dabei benutzten Bäume. Ost genug steht man da« ja sehr bu lübte, zweckmäßige und arg nehme Netz der Hängematte zwischm zwei jungen Bäumen angebracht, deren noch schwache Stämme fich unter der zri chen ihnen schwidenden Last gegm einander beugen und nach öfterem d:i artigen Gebrauch schief in die Höhe wachsen, wenn fie nicht gar, infolge t Ii teuer Beschädigungen an der Rinde, ganz ttngehen. ES schtt t sebr nötirg, daß zur Anbringung von Hängematten nur kräfrige Slt,:e Bäume gewählt weiden, damit nicht etwa tt.r generelle» Verbot der Foistoerwaltung dem so bell b im Genuß de» Hänge» mattenvergnügens ein jäbei Ende bereite. Die räthselhaste Entführung der ZwillingSsch western von welcher dtr„L..A." zu erzählen wußte, hat fich in wohlge- fälliger Weise aufgeklärt. Die beiden Mädchen haben, gegen den Willen des strengen VaterS, durch Vermtttelung von Ver» wandten anderweite Uiiterkunst gefunden. DaS ist Alle». Spreequelle. Am 4. Juni hat die feierliche Einw rhunz der neugefaßten 480 Met r yoch am Kottmar, in der scchfiichen Lbirlrufitz, inmitten staliticher Buchen gelegenen Sprc- quelle, welche disber als Radendrunnen bezeichnet zu werden pflegte, durch den Walddorfer Humbolvtrerein stattgefunden. Allerdings wird dem Rabenbrunnen der Anspruch auf den Namen der Spreequelle desttttten. Nach wtffenstastlichen Gcundsätzm gilt, wie die„Vofi. Ztg." bemalt, der Bach als Ouellbach, welcher die böckst gelegene O'ielle, den längsten Lauf und D t größte Woffettülle hat, und die« tr ffl bei dem durch EderSoach fließenden Dorlbache, welcher aai dem Rabmbrannen kommt, zum großen Thett zu. Ader traditionell wird die Quelle auf dem«uhzahl bei Gertdorf, der Spreedom, ali d'e Spreequelle bezeichnet, und fie hat ein historisches Anrecht darauf durch Eaichtung des Spreedornhäuschens. zu dessen Erdauungtkosten Friedrich IL eine Summe von 50 Thalern geschenkt hat. Au« diesem Spreeborn bei Gcridorf kommt der Bach, welcher fich von Gersdorf aui an der böhmiftten Grenze hinschlong-tt und al»„Spree" bezeichntt wird. Von ihr führ« dai näch' gelegene Dorf den Namen Spieedorf. Der durch Ederi ach fließende Dorfbach, dem man jetzt die Ehr: vindichen will, der eigentliche Ouellbach der Spree zu fttn, well sein Quell am Kottmar Höver liegt, als der Spreebom, wird in Urlundm der Ober» dach genannt, und von ihm hat Ederidach(in laufieer Mund- ott Aebe bach Oberdach) seinen N.rntn. Ueber die geschichtliche Entwicketnng der Nähknnst schrttdt ein Mitarbetter ver„Tägl. Rundschau":„Zunächst wollm wir die erstaunlich ilingende Thatsache mittbeilen, daß das Nähen viel neuern Uisprungs ist, als da» Sticken. Man stickte schon zu Zeiten der alten Römer höchst kunstvoll, aber daS Nahm kannte man kaum. Die rttchen Gewänder der Latttner bedurften keiner Naht; in freien, durch Agraffm ge« feffetten Faltm umwallte die Toga und da» Pallium die Glieder. Nur Zierathen nähte man an die Gewänder oder benutzte den allerdings längst erfundenen Nähstich zum Sticken. Wiewohl man im Orient, woher doch alle Pracht stammt, schon in alter Zttt etwas vom Nähen wußte, so war es voch sehr verschiedm von dem, waS wir heutzutage Nähm nennen, und bestand in nichts anderm als einem leichten Zusammenhängen der Gewänder, und diese» Amt-ag dem Manne ob und nicht der Frau, der Frau blieb der Webstuhl üderlaffen. Erst mtt dem Gebrauch der Wäsche, welche dm Alten wenig Bedürfniß war, da fie dieselbe durch das Badm ersetzien, wurde da» Näden ttne Ziothwendigkett. Da kam da» feine Linnm» da» die fleißige HauSfrau de» Norden» mtt ihren Mägden spann, und mtt ihm der Wunsch, dieses Linnm auch in zweck» mäßige Kleidungsstücke zu verwandeln. Welche Schwi-rig» kettm die Verfertigung der Wäsche hoben mußte, mag au» dem Umstand erstchtlich sein, daß e» Königinnm gab, so z. B. Elisabeth von England, welche sechs Hemden desaßm. DeS erstm Hemde» geschieht Erwähnung anläßlich der httliam Segoline im achten Jahrhundett nach Christo. In Frankeich soll im 15. Jahrhundett die Gemahlin König Karl» VII. die ersten leinenen Hemden getragen haben. Selbst Ludwig XIV. halte in sttner Jugend noch Mangel an ganzen Leintüchern. E st im vergangenen Jahrbundett finden wir daS Nähen auf der Slufe heutiger Vollendung— ja, vielleicht sollie fortan das Recht habe», Mr. Lemaitre„rnon carna- rade" zu«enve« und Madame Theottne bat ihn um da« vettrauliche„Du"— will zu deutsch sagen: Da« kolle- giale„Ahr"— oder neuerdings laut Uebereivkunfi der Mttglieder be»„Deutschen Theater»",„Euer Hochwohl« geboren." Man hatte Mr. Fombonne richtig erkannt. Er streikte nicht, und blieb sttnev Kollege» treu, nach«ie vor Briefe bringend, Stühle setzend. Meldungen machend, und da» Alle» mit Meisterschaft. In künstlerische. Hinficht gilt die Regel, daß oft ttne Kleinigkeit das Garz« zur Vollendung oder auch um die Vollendung bringe» kann. Miene. Geste, Haltung und To» auch de« Geringste» unter den Mitwirkende» sollen in die .Sttuatton" passen. Diese««icht genug zu greifend« Prinzip ist Deutschland in der Neuzett namentlich durch die„Mttainger" wieder zur Herrschaft gebracht worden, wo der Statisterie die außerordentlichste Aufmerksamkttt ge» schenkt wird— nach der Meinung Mißwollender sogar zu viel. Run, immerhin besser, wen» die Statisten zu«ünst« lern werde«— ali wen», wie dies an andere», bedeutende» re« Bühnen nicht« Unerhöite«, die Künstler im Sattste». Rang stehm I Da» Richtigste wäre e» auch die kleinste« Rolle« nur wirkliche» Künstler» anzuvertrauen; nur dürfte freilich i» der Praxi« die Durchführung unmöglich fttn I' Bei de« Meininger» hat da«„Volk" stet» eine so wohl» ttnstudirte Rolle auszuführen,«ie bei de» alte« Gttechm einst der Chorus; und das ist stcher ttn kllnstlenscher Ge» winn gegenüber der saloppe« Manier, i« welcher man„da« Volk' bi« vor Kurzem auf de« meiste« Bühne« deha«. delte.— Daher find Siücke, in deue» durch Massendemoa» stratione» gewirkt werde« kann, wie.Iulm« Cäsar",.Tell", .Walleastein',„Hermannsschlacht"— Liebling«, und Muster» lerstungen der Meiainger. Da höre« wir da«„bttfällige Gemurmel', da«„wilde Durcheinander der Stimmen", d«»„Lärm im Hintergrund", die„Rufe de« Entsetze«»' der„Entrüstung" und des„Beileids"; wir sehe«:„große Bewegung!"„Allel steht stan!"„Das Volk rennt durch« einander, die Arme über de» Köpfe« schwingend'; sogar,«ai mühevolle Arbeit anbelangt, ausgebildeter alS heute. Damals galt die Zeit noch nicht so viel und rS wurde auch auf de« Untenicht des NahenS größere Sorgfalt verwandt. Dt« Frauen auS den höchsten Kreisen beschäftigten fich damit. D e Ausstattung in Wäsche spielte eine gro�e Rolle, die ste heutzutage längst eingebüßt hat. Wäsche wurde der Stolz jeder HauSfrau, und die Verfertigung de: selben galt alS eine Kunst. Selbst groß« Männer verschmähten eS nicht, ihr Vergnügen daran kundzugeben. Goethe erfreute fich ungemein an den wohlgefüllien Wäscheschränken seiner Mutter, der Frau Rath, und in Hermann und Dorothea legte er der Mutter Worte deS Lobe! über die Leinwand in den Mund. Noch vor 40 Jahren hielt man ei für eine Unmöglichkeit, je etwas zu erfinden, daS den feinen, mühsamen Steppsaum ersetzen würde, dem man eine ungeheure Wichtigkeit beilegte. Welche Mühe und welchen Aufwand von Denken kostete damals die feingefalteäe Brust eines ManneShemdeS I Ader wie kostspielig war dasselbe auch zugleich! Noch vor einem Jahrzehnt schüttelte manche exemplarische HauSfrau den Kopf zur Maschinennäherei, aber heute hat ste über jeneS Vorurtheil g st-gt." Bei einem Pfandleiher ist eine filberne Zylinderuhr mit Goldrand und der Nummer 3412 nebst Talmikelte, an deren oberen Ende fich ein Wolfikopf und al» Berloque ein wildes Schwein befindet, in Beschlag genommen worden, welche wahrscheinlich auS einem Diebstahl Herrührt. Die Uhr kann auf dem Kriminal-Kommiffariat Zimmer 82 in Augenschein genommen werden. Die Scdöpke'sche Färberei, Planufer 91, war gestern früh von 1 Uyr ab die Statte eine» recht kräftig entfalteten BranbeS. Derselbe ist in dem Maschinenhause zum Ausbruch gelangt und hatte, al» die ersten Löschzüge anlangten, bereit» seinen Weg in da« anstoßende, mit elfterem in Verbindung stehende eigentliche Färdereigebäude gefunden, von welchem da» oberste Stockwerk nebst Dachgeschoß— die Appreturanstall enthaltend— ebenfalls schon lichterloh in Flammen standen. Auf daS Aeußerste gefährdet war der der Brandstätte gegeiüber- liegende offene Trockenschuppen. in welchem beträchtliche Zeug- vonäthe in langen Lagen aufgehängt waren, und"in auf dem Nachdargrundstück befindlicher, dicht angrenzender Hai, platz. Der Angriff wurde in der F-ont mit der GaS- und Dampf. spritze aufgenommen; dieselbe fand an dem Kanal Aufstellung und konnte in Folge der günstigen Wafferentnahm« mit vollster Kraft ihre Wirkungen entfalten. Eine zweite Anariffskolonnr drang mit den Schlauchleitungen zweier Handdruck, pritzen von der Boeckhstraße auS gegen die Hinterfront deS Brandherdes vor. Wenn eS auch bei den vorgeschrittenen Zerstörungen innerhalb der betroffenen Gedäudethetle NennenSwerthe» nicht mehr zu erhalten gab, so gelang eS wenigsten«, eine Weiter- Verbreitung de« BrandeS auf die noch intakten Fabrikräume zu verhindern, und nach Verlauf von kaum einer Swnde war dai Löschgeschäft soweit gediehen, daß daS Gro» der Ab- theilungen zu den Wachen zurückbeordert werden konnte; zwei Lösch, üge mußten noch zum Schutze zurückbleiben. Gegen 4 Uhr verließen auch diese die Brandstätte, nachdem jede Ge- fahr eines Wtederaukdruchs deS Feuert verschwunden war.— Den WobUtarschaden hat die Elberfeider Feuerversicherung»- gesellschaft zu tragen. Aus de« Doppelmörder«eller wurde dieser Tage in dem benachbarten vchmiedeberg eine große Hetz, und Treib- jrgd abgehalten, bei welcher der Verbrecher unfehlbar ergriffen worden wäre, wenn er nur dabei gewesen wäre. Ein höherer städtischer Beamter von Schm'edederg, der eben den hinter «eller erlaffenen Streckbrief gelesen, sah auf der Straße einen Mmschen, auf den da« Signalement vollkommen paßte. Er rief den Menschen an; derselbe stutzte und wandte fich zur Flucht. Nun war jeder Zweifel gehoben und die Jagd begann, Volizeideamte, Schreiber, Bürger, Knechte, alles schloß fich der Jagd an, die Frauen kreischten und schloffen die Thülen, e« war eine unbeschreibliche Aufregung in dem Städtchen. Immer toller lief der angebliche Mörder, immer gewaltiger schwoll der Haufe seiner Versolger an, denen man es alle.dtng» nicht ver- denken kann, daß st« stch nicht allzusehr beeilten, denn einem solchen verzweifelten Verbrecher ist nicht recht zu trauen. End- lich, als die Velfolger gar nicht näher kamen, hielt der Ver- folgte, sch'inbar erschöp't, still und nun blieb den tap'ern Häschem nicht« übrig, al« ihn festzunehmen und ihn zum Bürger- metster zu bringen, wobei er denn auch, ganz gebrochen, keinen Widerstand leistete. Beim Bürgermeister aber muß fich der Gefangene ganz gründlich als ein ganz anbetet ausgewiesen haben, denn er wurde sehr bald«ntlaffen; e» war dem Bur- schen die helle Freude darüber anzusehen, daß et ihm so schön gelungen, die Schmiedederger einmal recht in Trab zu dringen. Beim Anstreiche« eine« Hause« in der Leipziger- straße ereignete fich neulich ein seltsamer Zwischenfall. Ein Mann in dunkler Kleidung schien, wie die„Post" erzählt, irgend etwa« auf der Straße beobachten oder abwarten zu wollen und lehnte stch an die Ecke de« Hause«, waS den natürlichen Erfolg hatte, daß er auf dem Rücken seines schwarzen RcckeS eine ganze Portion Farbe mit davontrug. Paffanten machten ihn darauf aufmerksam, worauf er mit lauter Stimme» „tumuliuarischer Lärm und Volktgewühl'— Alle«.... in Lebentgröße! Wie viele Mühe e« kostet, die Statisterie zur Durchführung solcher Lektionen en rnasse.abzurichten", oder besser„auszubilden" und zu trainire», vermag der Laie weder zu begreife»«och zu beurtheilen, denn«ehr oder weniger ist jeder Mitwirkende in solchen Massenscene» zur Durchführung einer Einzelrolle bestimmt, wenn nicht Zeder Zedem in den Weg gerathea soll. Und was dabei zu de».Mitwirkenden" gerechnet wird, habe» wir oben schon einigermaßen charakterifirt I Daß unter solchen Um« ständen dre erste« Kräfte, welche in dieses scheinbare Chao« eingreifen, z. B. die Stichwörter hinein werfe» müsse«, auf den vielfachen Proben übermäßig angestrengt werde«, bleibt allerding« zu beklagen, und man thäte wohl daran, um keine heisere« Helden herausstelle« zu müssen, ihre Rolle« auf de« Probe« durch jüngere lernbegierige oder ältere er- fahreve Kräfte markire« zu lassen. Bi« vor Kurzem hatte man in Deutschland die Statisterie mehr al» integr'renden Theil der Koulisse» und der Versatzflücke betrachtet. Ein un« bekannter Direktor de« diente fich z. B. de« Kommandos:„Alle Versatzstücke raus I — Die Statisten auch!"— Wenn nun die Koultssenmalerei ihrer Brest« und ihre« Lapidarfiil» wegen verrufen ist, so iheilt diese» Ruf die Malerei auf de« Statistengefichter» I Diese Massen- Schminkkunst wird en gro:— etwa wie in Amerika da» Barbiere«— betriebe« und ist ungemein wirkungsvoll. Ein statirender Mohr z. B. muß im Geficht mmdesten» ebenso schwarz sei« wie ein Paar neue Trauer« Handschuh«. Daher konnte e» fich ereignen, daß jüngst ein solcher Statist von dem übereifrigen Znspi.ientea in Strafe aenommen werden sollte, weil er sich nicht dunkel gevug ge- färbt und von de« Kamerade« zu sehr abstach. Später stellte et fich den» heraus, daß dieser strafbar« Statist ein wirklicher Mohr war. Sin weniger verschwärztes als gebräuntes Schick- fal traf die gefammie Statisterie m Karlsbad, nach der Vorstellung von.Indigo'. Die Direktion hatte Anrl'nschmiuke geliefert, welche die Haut dermaßen im- prägnrrt, daß an de« folgenden Tage» die sämmtliche» Te- zu den noch an dem Hause beschäftigten Arbeitern gewandt, Schadentersatzansprüche geltend machte. Die Hausbewohner traten hinzu und et kam dann zu allerdings nicht uninteressanten, aber schließlich so lärmenden AuSeinandersetzunzen, daß ein Etraßenauflauf entstand und die Polizei einschresten mußte. Die Frage: Od, well der Mann nicht da« Recht gehabt, fich an da« Hau« zu lehnen, er die Folgen dieser unberechtigten Handlung selbst zu tragen habe, oder ob er Regreßansprüche habe, weil an dem Hause der übliche Zettel„Frisch gestrichen I" gefehlt— mußte sonach ungelöst bleiben. Der Betroffene scheint fich damit jedoch nicht beruhigen zu wollen, denn erver- ließ den Kampf» latz mit den bei dieser Sachlage gewißlich nahe- liegenden Worten:„Ich werde Euch da« anstreichm!" Von einem Flaschenbterwage«, der in schnellster Gang- art die Friedrichstraße in der Nähe der Tonhalle entlang ge- fahren kam, fiel plötzlich«in Kasten mit Flaschen von oben herunter und einem Mann derart auf den. Kopf, daß der Ge- troffen« sofort zusammenbrach und nach einem Krankenhaus« gebracht werden mußte. Unter qualvolle« Schmerze« ist am gestrigen Tage in der Königlichen Charitee der 16jährige Kaufmanntlehrltng Max R. verstorben, der fich, wie gemelvet, am letzten Sonntag in seiner Wohnung durch einen Schuß in die Brust zu ent- leiben versuchte. Neber eine« Aufsehe« erregende« Selbstmordversuch wird der„Voff. Ztg." berichtet: Der Kaufmann Max Löwen- thal, Mitinhaber eines bedeutenden Paffementerie Engroige- schäftS in der Brüderstraße, welcher bis zum März v. I. Reisender in einem hiefige» EngroSgeschäft war, trat im April 1885 in diese« Geschäft alt Sozius ein und zeigte von den ersten Wochen seine» Eintritt» an ein unftäteS Benehmen. Vor mehreren Monaten stellten fich plötzlich TobsuchtSerschetnungen ein; ohne jede Veranlassung ging L. auf einen anwesenden Geschäftsfreund lo« und forderte denselben auf. bei Vermei« dung deS Hausfriedensbruches da« Lokal zu verlassen. Man glaubte damals, daß dieser Anfall vorübergehend sein würde, und unterließ et daher, den Geisteszustand deS Lösenthal unttrsuchen zu laffen. Am letzten Sonntag waren im Komtoir der Firma mehrere Geschäftsfreunde, sowie beide Sozien zu- sammen, ali L. wiederum starke Erregung zeigte und schließlich mit einem der Herren in einen Wortwechsel gerieth. Plötzlich verließ L. das Komtoir und begab fich nach dem Hinteren Lagerzimmer, anscheinend um etwas zu holen. In dem nächsten Moment aber hörten die im Komtoir anwesenden Herren Fensteraeklirr und einen heftigen Schlag. Der Sozius und die übrigen Herren eilten ans Fenster und sahen, daß Löwen- thal von der zweiten Etage auS in den am hause vorüber- fließenden Mühlengraden gesprungen war. Die vom Neben- hause au« sofort angestellten Rettungsversuche waren von Er- folg; L. wurde noch lebend auS dem Waffer gezogen und mittelst Droschke, von zwei Personen bewacht, nach seiner in der Prenzlauer Straße belegenen Wohnung gebracht. Abermal« ei« Wasserangtück. Am Dienstag Mittag kentene auf der Dahme gleich hinter der«öpenicker Brücke ein Seegelboot„Die lange Anna", einem Schweden gehörig, wet- halb fie die schwedische Flagge am Gaffel führt. Alle Welt kennt in Folge deffen„Die lange Anna", ein alteS, aber sehr flache« Boot. Jnveß die Stelle hinter der Brücke ist gefährlich. weil nach längerer Deckung durch die hohen Bäume eine« Parket hier plötzlich der Wind scharf einsetzt. Mit dem Eigen- »hümer befanden stch an Bord ein Schwimmmeister au« Berlin und deffen 8 jährige» Söhnchen. Der Schreck muß den Schwimmmeister gelähmt haben, denn er ertrank, während da» Kind mit Mühe gerettet wurde. Dasselbe wurde in einer de- nachbarten Villa gastlich aufgenommen und von mehreren hinzugeeilten«erztm behanvelt. Der erttunkene Vater lag am Ufer, während ver Schwede mit Hilfe von 6 Mann daS Boot durch AuSpumpm wieder flott zu machen suchte. DaS traurig« Ereigniß hatte halb Köpenick auf die Beine gebracht. Der frühere« Hebamme»rnesttne Katz, geb. H-imann, bier, Kleine Franksuricr Straße 17 wohnhaft, ist durch rechts« kräftige« Erkenntniß de»»e,ir»au»schuffeS vom 4. Mai d. I. die Approbation al« Hebamme entzogen worden. Markthalle«. Bericht vo« I. Sandma««, städtischem Verkaufivermittler, Berlin. den 7. Juli. Wild und Geflügel waren in ausreichenden Quantitäten zugeführt. Der Bedarf 50 Pf„ Hirsche 40-50 Pf., wilde Enten 0 80-150 M., Be- kasfiner 30—70 Pf. An Geflügel findet nur junge« leicht Abiatz, während alieS schwer die normalen Preise erreicht; junge Gänse 3—4.50, junge Hühner 45—80 Pf., jung« Enten 90-2,00, Tauben 30- 45 ptr Stück. Poularden 450— 7.00 M., alte Hühner 1,00-1,50 M Gemüse und Obst finden zu den bisherigen Preisen schlanken Absatz. Die Zufuhr ist dem Be- darf entsprechend und nur zeitweilig in einzelnen Artikeln etwa» gering. Luiter und Käse virblieben heute auf den etwaS erhöhten Preisen, obwohl der Verkauf dadurch erschwert wurde. Polizei Bericht- In der Nacht zum 6. d. M. stürzte fich in der Auguststraße ein Dienstmädchen nach einem Abends vor- färbte« trotz Waschen» und Reiben» al» Indianer herum- laufen mußte». E» waren ihrer fünfzig so Betroffene und man kann fich da» Entsetze» der Kurgäste denke«, welche plötzlich eine Art vo« Rothsncht an diesem weltberühmte» Badeort ausgebrochen glaubten. Zm großen Ganzen färbt fich der jüngere und eifrige Statist mit Enthusiasmus, und eine« Mohren zu spielen ist die Sehnsucht aller statir enden Anfänger. Ei« solcher war'», auf Koste« vo» dessen Negromanie man fich folgenden grau- same» Scherz erlaubte. E» wurde dem Betreffenden Hoff- nung gemacht, einer große« Gesellschaft in einem amerika- «ischen Salon im fünfte» Akt vo»„Lora, de« Pflanzer» Tochter" de» The« präsentrre» zu dürfen. Die Künstlerfreude de» brave» Bursche« war unbeschreiblich; er schminkte fich emsig mehrere Siunden lang so schwarz wie die Nacht und hüllte sich alsdann in eine« wahrhaft idealen Lakaien- Anzug. Endlich— man hatte de« Unglückliche» so lange in der Garderobe festzuhalten gewußt— endlich naht der große Moment, der Vorhang hebt fich:„Raus I" ruft der Zu- spizient— und der Anfänger tritt mit bebendem Herze« und klapperndem Plateau durch die Thür— vor da» Pu- blikum? Nein, vor ei» vollkomme« leere« Hau»! Das Stück hatte nämlich«ur vier Akte. Die ganze Gesellschaft war an diesem furchtbaren Complot betheiligt, und selbst der Direktor hatte eine« kleine» Mehrverbrauch an Ga» nicht gescheut, um die Täuschung vollkommen zu mache». Ach, ttotzdem--- diese junge« Enthufiastea find beneidenSwerth« Mensche»! Sie gehen ganz' auf in de« Moment, und find überzeugt, daß alle Augen «ur auf fie gerichtet find, daß um sie fich die ganze Handlung eine« fünfaktige« Drama» dreht und wen» fie dann gar ei« paar Wort« zu spreche« haben, machen sie au« diesen ein groß-« fünfaktige« Trauerspiel. Welche Enttäuschung trifft eine« solche« Enthusiasten oft schon»ach wenigen Monaten; nach ei» paar Zahlen ganz sicher! Et würde für manche unheilbare Zllufionäre in der Politik und Staatskunst vielleicht schon«in halbes Lusttum„statistischer Arbeit" genügen, um fie auf immer von diesem Leiden de« Htzper-Zdealitmu« zu lurire«. Hier stattgefundenen Streit mit dem Bräutigam au» dem Küchen- enster der eine Treppe hoch belegenen Wohnung seiner Herr. schast auf den aSphaltirien Hof hinab. ES erlitt durch den Fall schwer« innere Verletzungen und mußte mittelst Droschke nach dem Katholtschm Krankenhause gebracht werden.— Am 6. d. M. Mittag« wurde ein Mann an der Ecke der Oranien. burger- und Friedrichstraße durch einen von dem Kutscher Tüt« ling geführten, vorschriftswidrig schnell um die Ecke fahrenden Flaschenbierwagen überfahren und erlitt einen Rippenbruch.— Zu derselben Zeit wurde auf dem Grundstück Chauffeestraße 46 ein unbekannter, etwa 60 Jahre alter Arbeiter schwer krank vorgefunden. Derselbe starb, bevor der sofort herbeigerufene Arzt zur Stelle war, wahrscheinlich am Herzschlag. Die Leiche wurde nach dem Leichensch auhause gebracht.— Am Nachmittage desselben Tage» vergiftete stch«in Mädchen in der Wohnung seines Bräutigam» Seyvelstraße mittelst Arsenik und starb, trotz schnell herbeigeholter ärztlicher Hilfe, noch am Abend desselben Tage«.— Am Nachmittag wurde in der Brunnenstraße ein Mann von einer Droschke überfahren und am linken Unterschenkel nicht unbedeutend ver» letzt. Er mußte auf ärztliche Anordnung nach d.r Charttee ge» bracht werden.— An demselben Tage Abendi wurde ein s-it längerer Zeit geisteskranker Mann in seiner in der Chaussee» straße belegenen Wohnung erhängt vorgefunden.— In der Nacht zum 7. d. M. entstand in der am Planufer Nr. 91 belegenen Färberei auf bisher unaufgeklärte Weile Feuer, durch welches daS Keffeihau» und da» Leim- und Trocken Appretur» Gebäude völlig zerftött wurden. Di« Feuerwehr war länger« Zeit angestrengt in Thätigkett. Gerichts-Zeiwng. Die schwere Mißhandlung, weiche der Steueraufseher Richard Maaß dem verstorbenen Mitredakteur an der„Bert. Gerichtszeitung", Richarv Jüterbock, am zweiten Pfinastfeiertag vorigen JahreS zugefügt und welche offenbar deffen Tod ver» ursacht hat, scheint nun doch nicht ungesühnt bleiben zu sollen. Während daS hiefige Landgericht l mangels hinreichenden Be- weiseS de» Kausalnexu» zwischen den erlittenen Verletzungen und dem eingetretenen Echlagfluß daS Verfahren einstellte, er- achtet die vorgesetzte Bchörve deS Maaß diesen Fall in Ver» dindung mit dem anderweitigen Verhalten desselben für der» artig gravirend, daß fie daS Disziplinarverfahren auf Amts« entsetzung eingelettet hat. In demselben find bereit» zahlreiche Zeugen vernommen worden. Der in der vorige« Woche hier ausgewiesene Reftan- ratenr Jacoby ist derselbe, welcher Ende Mai cr. wegen Urdertretung der Polizei Verordnung vom 18. Juli 1851— unbefugten Abhalten» von Tanzlustbarleiten verbunden mit Ueber- tretung der Polizeistunde in 9 Fällen— von der 95. Abtheilung deS hiefigen Schöffengericht» zu je 2 Tagen Haft und in der Verschärfung der Einzelstrafen zu einer Gesammtstrafe von drei Wochen Hast verurtheitt worden ist. Zu unserer großen Ge- nugthuung find wir in der Lage, mitzutheiien, daß auch der E.ste Staatsanwalt zu Gunsten de» Verurtheilten gegen diese» merkwürdige Urtheil Berufung«ingelegt hat. Nach Z 6 der gedachten Verordnung ist prinzipaliter überhaupt nur eine Geldstrafe zulässig, welcher erst im Falle deS nachgewiesenen Unvermögens eine Freiheitsstrafe substituirt werden darf. Herrn Jacoby hat einige Tage später auch die Verurtheilung wegen Uebertretung der Polizeistunde getroffen, welche in der Nicht» sprengung einer polizeilich genehmigten und überwachten Ver« sammlung um 11 Uhr mit Eintritt der Polizeistunde gefunden worden ist. Hiergegen hat nun der Angeklagte Berufung ein- gelegt, auf deren Ausgang man in den Kreisen der Vereins« angebörigen sehr gespannt ist. + Wegen Mißhandlung de» eigene« Kinde» war die Frau de« Kutscher» Br. vom Schöffengericht am 19. Dezember vorigen Jahre» zu einer Gefängnißstrafe von 6 Monaten verurtheitt worden, während gegen den 70 jährigen Vater der Frau, Namen» G., eine Gefangnißstrafe von 14 Tagen wegen desselben Deliktes erkannt worden war. Der letztere beruhigte P�bei feiner Strafe, während die Frau Reoiston einaelegt hatte. Diese Berufung kam gestern vor der fünften Straf- kammer deS hiefigen Landgerichts l zur Verhandlung. Da« erste Urtheil wurde durch folgende Gründe gerechtfertigt. Nach dem Zeugniß de» Fluinachdar» der«r., de» Fahrherrn«!. erstreckten fich die Züchtigungen, welche die unnatürliche Mutter in barbarischer Weise an ihrer vorehelich geborenen elfjährigen Tochter Anna vollstrecke, über einen Zeit- räum von 2 Jahren. Seit dem Jahre 1884 hörte K. fast täglich, wie Anna geschlagen wurde, trotzdem daß da» Kind durchaus nicht besonder» ungezogen war. Die Frau erklärte dem Zengen einmal selber, als er fie fragte, we»- halb fie ihre heiligsten Pflichten so oerl-tze: fie habe Anna nicht selber genährt, und liebe daihalb daS Kind nicht. Da» Mädchen war durch die Mißhandlungen so eingeschücht rt. daß fie nicht Klage zu führen wagte und auf F-agen, welche Nach bar«leute an ste richteten, stumm blieb. S-idst dem Manne der Mutter Anna» wurden die Mißhandlungen zu arg und er verdot der Frau, da« Kind in seiner Gegenwart zu schlagen. Eine» TageS war K. selbst Augenzeuge einer empö.enden Szene. Am 29. Juni 1884 wurde Anna 10 Iah- alt. Die Mutter nahm an diesem Tage eine Generalreinigung an dem Kinde vor. Al» Waschmtttel benutzte fie grüne Schmierseife. Nun mußte dem Kinde von dem scharfen Seifen- schäum etwa» in die Augen gekommen sein, denn e» be- gann dieselben zu reiben. Hie, über gerieth die Mutter so in Zorn, daß fie dem Mädchen eine Ohrfeige versetzte, welche blutige Striimen in der Wange deS Kinde« zurückließ, die mehrere Tage lang zu sehen waren. Schließlich empörte fich K- so sehr über die ungerechtfertigten Mißhandlungen, daß er Anzeige machte, zum Vormund ernannt wurde und den Strafantrag stellte, deffen Erfolg oben mitgetheitt ist.- In der heutigen Verhandlung bestätigten daS Kind und sein Vor- mund wiederum ihre ersten Angaben; eine Entlastung»z«ugin wußte nicht« zu Gunsten der Angeklagten vorzudringen. So wäie die Sache sehr ungünstig für Frau Br. ausgeschlagen, wenn ihr nicht ein zufalliger Umstand zu Hilfe gekommen wäre. Der Vorderrichter hatte sein Urtheil gegen Frau Br. nur auf den durch das Zeugniß de» K.«wie- senen Fall am Geburtstage der Ann- gestützt und hierbei irrlhümlich angenommen, daß da» Da- tum der 29. Juni 1885 und nicht, wie e« thatsächlich war, der 29. Juni 1884 gewesen sei. Dieser Jrtthum wurde in der RevtstonSverhandiung Hemer» und bervoraehoden, daß da« Vergehen demnach al» verjährt anzusehen sei So erkannte der Gerichtshof nach dem Antrage de» StaatSaawaits, dai Ver- fahren einzustellen und da» erste Urtheil dahin abzuändern, unnatürlichen Mutter entfernt und bet fremden Leuten untergebracht ist. -f„Die Bevormundung der Polizei muß endlich eiumal aufhöreu I"- Dcr Student der Philosophie B.. der diese Bemerkung in der Nacht zum 4. März d. I. in der Nähe eine» Schutzmann«» machte, gaa mit diesen Motten sein« Anficht nicht etwa über irgend ein politische« E-eigniß, sondern über die polizeilichen Maßregeln zum Besten, welche in diesem- Jahre den„Bockunfug" einzuschränken d-stimmt waren. Er hatte ste tief empfunden, al» er mit zwei Freunden dem„de- rühmten" Lokale in der Nähe de» KreuzbergeS einen Beiuch abgestattet hatte, der durchaus kein formeller, sondern ein sehr intimer gewesen war. Nun waren die drei auf dem Heimweg begriffen und hatten stch, um fich gegenseitig zu stützen, unter die Arme genommen. Mochte der Weg nun glatt sein oder ste sonst unter den Einflüssen einer ge- wissen Macht stehen, nach einigen SchrMen kam Sin er von ihnen, ein aewifler St., WS Fallen und stürzte der Läng« nach hin. Velbstverständlich hatten die Menschenfreund- lichen Genoffen die Verpflichtung, ihrem Gefährten wieder auf die Beine zu helfen. Diese Arbeit wurde mit groher Mühe und lautem Halloh verrichtet und einige Passanten—„Bonzen" w der Studentensprache geheißen— sammelten sich um die drei. Nach einiger Zett wiederHolle fich dies« Szene. Derselbe Unglücksrabe, der schon vorher in den Schnee gefallen war, hatte fich von den beiden Führern loigeiiffen und war mll ausgebreiteten Armen auf«ine Dame loSgeeill, die ihm entgegemam. Erschreckt trat die Dame zurück und nun warf sich der Jüngling quer über daS Trottoir, indem er mit bohler Stimme vellamirte:„Nur über meine Leiche führt der Weg." Eine Bierleiche war eS ficherltch.— Diese Scherze sollten aber nicht unbestraft bleiben. Sin Schutzmann, derselbe, welcher die oben genannte Bemerkung B.'S gehört hatte, war aufmerksamer Zeuge diese« Treiben« gewesen und plötzlich fühlte fich der Deklamator durch den Arm de« Gesetze« auf die Beine gestellt. Al« die beiden Begleiter hinzukamen, war ihr Freund verhastet und drei Schutzleute, der eine war w Zivil, beschäftigt, ihn zur Wache zu dringen. Sie redeten ihm zu, fich zu fügen und folgten freiwillig der Eskorte. Einige Neugierige schloffen fich an. Voran ging der Verbastete unter Begleitung eine« Schutz» manne«. Dann folgten die beiden Freunde, B„ der Gegner der polizeilichen Bevormundung und ein gewisser G. der noch ziemlich nüchtern war und fich sehr pasfiv bei dem ganzen Vorgang verhielt Dann kamen die beiden anderen Schutzleute. Mitten auf dem Platze vor der Polizeiwache drehte fich B. um und sagte zu seinem Gefährten:„Jetzt folgt un« der Auswurf der Mensch- hell I" Die beiden Schutzleute dezogen diese Bemerkung auf fich und erklärten B. für verhaftet. GeKern hatte er fich vor dem hiestgen Schöffengericht wegen groben Unfug« und öffent- licher Beamtenbeleidigung zu verantworten. B. suchte seinen Antheil an dem Treidm al« sehr unbedeutend hinzustellen und bestritt energisch, mit sewer Bemerkung die Schutzleute gemeint zu haben; dieselbe habe fich vielmehr auf den Schwärm Neu- gieriger bezogen, der ihnen gefolgt sei und ste belästigt habe. Dieser Einwand fand bei dem Gerichtshof Glauben. Wegen de« groben Unfug« wurde B. in eine Geldstrafe von 30 Mark genommen, während die Beleidigung al« nicht er. wtefm betrachtet wurde. Der Staatsanwalt hatte eine Geld- strafe von 150 Mark beantragt. Generaloersammlung. T.'O.: 1. Berichterstattung über die Beendigung der Arbeitseinstellung bei der Finna Borset und Weller. 2. Berichterstattung über die Veranstaltung de« Stiftungsfeste». 3. Innere Angelegenheiten. Pereine und Uersamminngen» Die hiesige Echweizertolonte, resp. die Mitgliedschaften der hier bestehenden zwei Schweizer UnterstützungSgesellschaften und de« Verein« der Schweizer Studirenven, veranstalten nächsten Sonntag, den 11. Juli, im Deutschen Vereinihause» Wilhttmstr. 118, eine größere Fistlichkeit, die, dem vorliegen. dm reichhaltigen Programm nach zu uithetlm, eine recht glänzende zu werden verspricht. Dieser Feier liegt eine doppelte Veranlassung zu Grunde und wird die Betheiligung der drei Mitgliedschaften in Folge dessen«ine allgemein« sein. Ersten« feiert an diesem Tage der hiefige Schweizeroerein da» 25 jährige Jubiläum seines Bestehen«, zweiten« wird in Ge» meinschast mit diesem Fest« die für die Schweizer ruhmvolle Erinnerung der Schlacht bei Sempach anläßlich de« 500 jährigen Gedenktage« diese« wichtigsten Moment« in den Unabhängig- keitSkämpfen der Eidgenossen in weihevoller Weise gefeiert wer- den. Da« Festkomitee bejweckt mit dieser Veröffentlichung, alle hier in Berlin und Umgegend lebenden Schweizer, die einer der drei Gesellschaften noch nicht angehören, auf diesen Anlaß aufmerksam zu machen und zur Theilnahme aufzufordern. Da« Fest wird Nachmit agi 5 Uhr durch ein Girtenkonzert in dem hübschen Garten de« Festlokale« eingeleitet; der eigmtliche Festakt beginnt Abend« 8l/i Uhr im großen Saal. Der Verew„Berliner Turnerfchaft"(Korporation) läßt e» fich angelegen sein, während der großen Ferien mit seinen Schüler- Aotheilunaen häufig Turnfahrten zu veranstallen. So unternehmen am Sonnabend, den 10. d. M., Abend«, die I. und die vm. Jugend- Abtheilung(Turnhalle Prinzenstraße 70) gemeinsam eine Nachtturnfahrt nach den Müggeldergen, woselbst da« allgemeine Ritter- und Bürgrrspiei zur Ausführung kom- mm soll. Die Rückfahrt wird Sonntag Nachmittags von Grünau au« angetreten werden. Wir machen b-sonder« die- jmigen Eltern auf die Jugend- Abthellungm der„Berliner Tmnerschaft", diese« größten aller Berliner Turnveretne, auf- Knaben vollauf Gelegenheit gegeben, fich nach Herzenslust ,u tummeln, und wenigsten« einmal jede Woche werden ste au« dem Staube der Großstadt hinausgeführt in die freie Natur. Demokrattscher Veretn zu Berlin. Am Donnerstag, dm 8. d. Mt«., fällt die Sitzung au«. � Kachverei« der Metall schrauben-, Aacondreher und BerutSgenoffen Berlin«. Sonntag, den 11. Juli, Vormittag» lyt Uhr, im Lokale de« Herm Weickt, Alerandtrstraße 31, Kleine Wittheilungen. Wie«. 5. Juli. Der Denunziant Pfister ist nun— wie man au« Wien berichtet— völlig abgethan. Auch seine mgeren Partetgmoffm haben ihn in Acht und Bann erklärt. Ein Wiener demokratische« Wochenblatt, welche« noch bt« zur letzten Stunde für ihn eingetrelen war, erklärt folgmdes:„Seit wenigen Stunden find wir im Befitze einer authmtischm Ad- sibrift de« amtlichen Protokolle« vom 18. Mai, in welchem Pfister jme unrühmliche Denunziation niedergelegt hat. die sett einigen Tagen die Bevölkerung Wimü in so hohem Grade erregt. Durch da« Gesetz verhindert, dm Wortlant diese« in- teressantm Attmstücke« zu veröffentlichen, müffen wir uni darauf deschränkm, da« abschriftlich vorliegende Dokument summarisch al« ein Konglomerat böswilliger Angeberei zu be« zeichnm, bei dessen Lektüre e« staglich bleibt, wa» man mehr anstaunen soll, die geistige Leschränttheit, welche einen solch' moralischen Selbstmord begeht, oder dm absoluten Mangrl jeder Selbstachtung, der eine solche That überhaupt ermöglicht. Nebmbei bemerkt ist auch die Annahme ganz irrig, daß Pfister fich blo« damit begnügte, eine vor Jahrm begangene Majestät«- deleivigung zur Kenntniß der Behörbe zu dringen; sein lieber eifer ging viel weiter, indem er Personen und G-schehniffe denunzirte, die«it der MajestätSbelndigung in gar keinem Zu« sammmhange stehen- Wenn dieser Mann überhaupt einem vernünftigen Rath« noch zugänglich ist, so möchten wir ihm einen solchm in der redlichsten Absicht erthetlen, Alle« auszubietm, damit die von ihm einberufene Wähler- Versammlung nicht stattfinde. Wozu noch dm Gegnern obendrein da« wohlfeile Vergnügen der öffentlichen moralischen Justifiztnmg bieten? Pfister lege sofort sein Gemeinderaths- Mandat nieder und verschwinde so geräuschlos al« nur irgend möglich von der Bildfläche der Oeffmllichkeit. Jeder brillante Schiußeffett diese« sozialen Drama« erscheint al« ein— sträflicher LuxuS." Wie«, 5. Juli. Währmd de« heftigen, aber kurzm Ge- witter«, da« in dm ersten Nachmittagsstunden de» gestrigen Tage« über Wim niederging, schlug der Blitz in einen Thurm der Stephantkirche, in welchem der Thürmer von St. Stephan sein Observatorium aufaeschlagm hat, ein. Der Stahl zer. störte die Drähte der Telegraphenlettung und unterbrach so den Verkehr zwischen dem Thürmer und der Zentrale der Feuerwehr. Die Arbeiten zur Behebung diese« Schaden«, der eine Meldung an die Feuerwehr oom Thurme zu St. Stephan au« unmöglich macht, wurdm sofort in Angriff ge- nommm. Prag, 6. Juli. Gestern schlug der Blitz in die Geist. kirche ein, al« der Pfarrer zu predigm begann. Derselbe war in eine Klamme gehüllt, die ihn jedoch nicht virletzte. Nur am Hauptaltar wurde ein Bild heradgeriffen und ein stlderner Leuchter abgeschmolzen und in der Saknstei ein Brett abge- rissen. In der Kirche warm etwa 100 Personen anwesend, welche fich alSbald deiuhigten, nachdem der Pfarrer die Pre- digt wieder ausnahm. Zwei Fraum wurden ohnmächtig weg- getragen. Rom, 6. Juli, Abend». Von gestern Mittag bi« heute find an der Ebolera in Codtgoro 3 Personen erkrankt und 4 gestorben, in Brindifi 6 Personen erkrankt und 10 gestorben. in Latiano 50 Personm erkrankt und 28 gestorben, in Oria 5 Personen erkrankt und 8 gestorben, in San Vito 33 Personen ertrankt und 3 gestorben, in Fravcavilla 29 Personen erkrankt und 25 gestorben, in Ostuni 5 gestorben unter den früher Erkrankten. In Venedig kam keine Erkrankung und kein Tode«- fall vor. Trieft. 5. Juli. Au« Fiume kommen ernste Meldungen über die dortigen sanitären Zustände. Sett dem 23. Juni sollen im Ganzen acht Todesfälle durch Cholera vorgekommen sein. Gestern waren adermal« fünf neue Erkrankungen zu ver- zeichnm. Die au« Agram hrlbetgerusmen Gerichtiärzt« lonstatirten bei den obigen Todei fällen, daß der Settion« defund afiaiische Cholera ergeben habe. Ein« spätere Meldung besagt: In Fiume und im Litoral« tritt die Cholera stärker ai» vi«her auf. Der ungarische Minister de« Innern erließ eine Zirkularverordnung, sämmtliche Behördm zur Vorstcht mahnend; er ordne'e eine dreitägige Beobachtung der Passagiere au« Fiume an, sowie die Desinfektion de« Gepäcke« und ihrer sonstigen Habseligletten. London, 5. Juli. Ein 17jSh:iger Bursche, Namen« John OSbome, der von einem jungm Mann Namen« Mailing unter der Drohung, ihn eine« unnatürlichen Berdrechen« zu bezichtigen, Geld und eine Uhr im Werthe von 40 Lstt. erpreßt hatte, wurde in Ztntral'KriminalgerichtShof in London zu lebenslänglicher Zuchthauistrafe vermtheilt. Dannstadt, 5. Juli. Am vergangenen Frettag bat fich ?>« dermttilälische Kommandeur de« L-ndrSzuchthause« Marim- schloß, Major Kattretn, erschossen. Ketzte Nachrichte». Sa« eagltsche« Wahlkampf. London. Mittwoch 7. Juli, ftüh. E« find nunmehr 387 Wahlm bekannt, davon entfallen auf die Konservativen 204, auf die diffentirendm Ltderalm 44. auf die Anhänger Gladstone« 93, auf die Par- nellitm 41. Wiedergewählt find Shaw- Lefevre, Morgan, Mundella, Richard und Chamberlain.- Die liberale„Pall Mall Gazette" sagt:„Wir find geschlagm. Die Gesammt- summe der bisher abgegedenm Stimmm erzielt eine unzweifel- Haft« Mehrheit gegen Gladstone und die einzige Frage ist nur noch, od Lord SaltSbmy nock die Landbezirke erobern wird." - Dublin, Mittwoch, 7. Juli. In letzter Nacht fiid ernste Ruhestörungen nicht vorgekommen. Nur durchzogen zahlreiche Volkshaufen die Straßen unter Abfingen de« Ltedei:„Gott schütze Irland." An«»nstralten wird telegraphirt, daß die französtschm Truppen, welche an den NeuenHedriden- Inseln gelanvet haben, au» zweihundert Mann Marine-Jnfanterte mit vier Geschützen bestehen. Die Hälfte davon ist in Port-Havana (Issel Sandwich), die Uebrigen in Port- Sandwich(Insel MaUicolo) ausgeschifft worden. Der englische Korrespondent in Melbourne bestätigt, daß Admiral Tryon die Verstcherung erhalten habe, daß die Franzosen durchaus nicht die Absicht hätten, etwa« gegen die Verträge von 1878 und 1383 ,u unter- nehmen.— Die im Hauotblatt von unS mitgetheilte Aeußerung de«„National" klingt freilich ander«. _ Die türkisch-montenegrinische« Grenzschannützel find beendigt. Amtliche C-ttinjer Nachrichten konstatiren, daß reguläre türkische Truppen nahe an der Grenze während de« GrenzkampfeS vollkommen passtoe Zuschauer waren. Aber auch außerdem müßte e»& priori al« ausgeschlossen erscheinen, daß amtliche türkische Kreise irgendwie die Hand im Spiele gehabt haben sollten. Beschränkung der Koalitionsfreiheit. Die belgische Regierung bereitet nach dem„Berl. Tagedl." ein Gesetz vor, durch welche« die das Veranstalten von Arbeitseinstellungen erleichternde Koalitionsfreiheit der Ardeiter eingeschränkt werden soll. Für da« im Wahlkreise Rnvdin-Templi« durch den Tod de« Abgeordneten von Zeuner erledigte Landtag«- Mandat ist zu der schon am 15. d. M. stattfinvenden Wahl der LehnschulzengutSbefitzer Lamprecht zu Klein-Mutz von konservativer Seite aufgestellt worden. Kriefkasten der Redaktion. H. Sit. 9 Sie können wegen ungerechtfertigter Eni- laffung auch schon vor Ablauf der 14 Tage bei der Gewerde- deputation auf Entschädigung klagen und auch die Herausgabe Jbrei HandwerkSzeugei verlangen. Wenn Sie innerhalb der 14 Tage anderweitig Arbeit bekommen, so müffen Sie den ver- dienten Lohn von der Entschädigungssumme abrechnen. E. R. Fehrbellinerstr. fei; müffen in der mündlichen Verhandlung vor dem Schöffengerichle al« Beistand ihrer löjährigen Tochter zugelassen und zum Worte verstattet werden. Da« Gericht ist aber nicht verpflichtet, Si: zum Termine vor- zuladen. B. M. Unsere« Wissens hat der Verein für Rechtsschutz und Justtzreform kein ständige« Vereinidureau, sondern ver« sammelt fich nur an jedem ersten Dienstag de« Monats in den Gratwett'schen Bierhallen. Ob Sie also bei diesem, übrigen« ausgesprochen„deutschfreistnnigen" Vereine Rath und That in gerichttichen Angelegenheiten erhalten können, wissen wir nicht. Wenden Sie fich mündlich an die Redaktion unserer Zeitung. A. 91. Eine Eheschließung ohne Zustimmung de» Vater« Ihrer Braut ist nicht möglich, da, wie das Gericht ganz richtig bemerkt, nur großjährige Kinder auf richterliche Ergänzung der Einwilligung klagen können. Der Vater ist aber zur Unter« ftützung der Tochter verpflichtet. Kommt er dieser Verpflichtung nicht nach, so beantragen Sie beim Amtsgericht l die Zu- ordnung eine« Pfleger« für Ihre Braut und llagen Sie dann gegen den Vater. Auf unsere Anfrage in Bezug auf Posaunenblasm em- pfehlen un« mehrere L-ser au« Deffau da« Posaunenkorp« de« voitiaen evangelischen JünglingSverein«. Die Mitglieder diese« Verein« sollen noch besser„tuten" können wie die Bläser vor Jerichow, die bekanntlich die Mauern umpust tcn. P. D. 10. Sie geben ein viel zu unklare« Bild Ihrer Veihäilniffe, al« daß wir Ihnen eine destimmte Auskunft er- theilen könnten. Vielleicht demühen Sie fich gelegentlich ein« mal zu un«. Theater. Donnerstag, den 8. Juli- Belle-Allianee-Theater. Da« Paradies, Ge- sanatpoff« in 4 Ätten von Leon Treptow und L. Herrmann. DHend-Theater. Die Pariser Bluthochzeit. »Moria- Theater. Amor. Tan» Poem von Luigi Manzotti. Mftkhalla-Theater. Capriccios». Kroll'» Theater. Aennchen von Tharau. Kanfman»'« Variete. Große Speziulitätt," ___ Vorstellung.______ . Passage 1 Tr. 9 M.— 10 A. %lAjnr K nlo er■ P an or am«. In dieser Woche: Eine interessante Rheinreise. Da« malerische verner Oberland. Hertha-Reife. Saroltnen-Jnsel«. Eine Reise 90 Pfg Kinder nur 10 Pfg. Da« Sommervergnügen de« Seerdigungs-Vereius berliner Zimmerleute, verbunden mit der Feier de» 60 jähr. Gesellen- Jubiläums fa Stmauepofoes£nt Bisch* findet Sonnabend, de« 10. Juli, Abend« 8*/, Uhr, in Keller'» HofjSger, Hasenbaide, statt. Billet» hierzu find zu haben bei den Soeben erschien Nr- 30 de« .»Kahren Zaßob Schweizer Garten. Am Friedrichöhain. Haltestelle der Ringbabn. Am KönigStbor. Täglich:«oncert, Theatervorstellnng. Anftrete« der Kprcialitaten. aUss l-asel als lebende Kanonenkugel. Sensationslustnummer der berühmten Ntajol-Truw«: Miß Lazel wird au« einer Kanone geschossen und von Miß Zema aufgefangen werden. Abend«: Große Illumination und elevrische veleuchtung. Volksbelustigungen aller Art. Reichhaltiger kaller und warmer FrQhsttlcitttisch. 1753 Einem geehrten Publikum empfehle mein Weiß» und Reichhalliger Mittagstisch bi« 2 Uhr, mit Kouvert 50 Pf. WM" Ardeltanarhwel. für KlaTlerardelter.-W> Achtungsvoll Hermann Stramm, Reftaurateur, Skalitzerstr. 18. Sonnabend, den 10. Juli, Abend« 8 Uhr: Grosser Sommemaohtsball in den Festsälen dtk Phtlharmonte, Berndurgerstraße 22/23, oeran staltet vom Gesangverein Lorbeerkranz. Entree Herren 50 Pf., Damen 25 Pf. Killet» find«nr vorher zu haben bei den Herren: Max Zander. Am FriedrlchShain Nr. 3, Ernst Dähne, Givsstr. 12, Otto Liebich, Giie- benowfir. 6, Carl Reimann, RhetnSbergerstr. St, Hermann Raschle, Reinickendorferstr. 18«, Re« «aurateur Fröhlich. Manteuffelftr. 86, Nestau« rottut Schmaar. Blumenthaistr. 5, C. Schulz, Pappel- Allee 127. Freunde und Kollegen find Rerdurch freundlichst eingeladen.[47 I. A.: Der Porsthende. Max Zander, Maurer Htslrks»trei« pliNMt. Den Mitgliedern zm Nachricht, daß heute Abend usfer N«r«f'ergee Hterhalle«, LandSdergerstraße 82. geschlossen wird. Wir ersuchen unsere Mitiihedir, sowie alle Genoffen, fich mit ihren Familien zu diese» AbschiedSseste recht zahlreich einzufinden. 55] Der Vorstaad. I.A.: E. Franke. Wieder vorräthig! Nie ÄMlßtWkriitit m de« veutscheu Reichstage Komplet Heft 1-5. trab» 44. 1106? Ei« Arbeitsbmsche, welcher bereit« bei einem Töpfer gearbeitet W' wird sofott verlangt bei D. Dolle, Töpfermeister. 56] Mulacksttaße 18. Verantwortlicher Redakteur R Cronhetm in Berlin. Druck und Verlag von«ax vadtag in Berlin 8W. Beuthstraße 2.