Kr. 187. Freitag, de« 9. Juli 1886. m. Jahrg. ((liiurMsWI Krgan für die Interesftn der Arbeiter. 4 FmmWmueii. E» vergeht wohl kein Tag, ohne daß verschiedene Zeiwngeu die Ferienkolonien anpreisen, deren treffliche Wirkungen auf die Gesundheit der Kinder betone» und die t;eude der Kinder, welche das Glück habe», an dieser ommerfrische Theil nehme« könne», schon im Borau» in lebhafte» Farbe» schildern. Und wer freute RA nicht über die Freude der Kinder. wer nicht über ihr Wohlergehen in de» Ferienkolonien? Auch wir gehöre» zu denen, die sich freue» und die der Uederzeuguog find, daß de» Ferienkolonie» ei» richtiger Gedanke zu Grunde liegt. Aber andern« theil» muß auch betont werde», daß die Bedeutung der Ferienkolonie» ungemein überschätzt wird. So lasen wir neulich in einer liberale« Zeitung, daß die Ferienkolonie» ei» Bewei» dafür seien, daß eine richtig organifirte Selbsthilfe ohne Gesetz, ohne neue Steuer», ohne revolutionäre Agitation die unschätzbare WohUhat der Ferienkolonien in Volkskreise gebracht habe, welche tau« daran gedacht hätten, dieselbe für ihre« Nach« wuch« zu verlange». Alle, sei freiwilliger Entschluß von einigen«ohlthätige« Männer« und Frauen gewesen, dem fich immer neue WohIthSter anschlöffen.„So arbeitet die ganze Nation an ihrer Erhebung au» Elend, Schmutz und Gemeinheit.— Den unschuldigen Kindern wendet sich da» Mitgefühl zu, die für die Schuld an dem Unglück ihrer Vorfahre« büßen." Die Ferienkolonien streben darnach, der Zukunft ei» gesundere«, ftischere» und leistungsfähigere« Geschlecht entgegenzuführev. Hier wollen wir zunächst Halt mache« und über solche Tiraden, welche einer guten Sache nur Schade« zufügen, einige Worte äußer». Zunächst möge man einige Zahle« betrachten. Die Zahl der Schulkinder in ganz Deutschland beläuft fich auf Millionen, die Zahl derer aber, die in Folge mangelhafter Ernährung«, und anderer Existenzbedingungen de« Auf» enthalte« in Ferienkolonien benöthigt find, beträgt mindesten» eine volle Million. Diese Schätzung ist eher zu niedrig als zu hoch gegriffen. Und wie viele Kinder genieße» jetzt die Wohlthate« de» Znflitut« der Ferienkolonien? Im Herbste wird wahr» scheinlich eine Statistik herausgegeben werde«, in der wir die genaue Zahl vorfinde» werde«. Wir unterschätzen sicherlich nicht, wenn wir die Zahl, die sich im vorigen Zahr« auf zirka 20 000 belief, in diesem Jahre auf 25000 Kinder angebe«. Dann kommt auf 40 hilfsbedürftig« Kinder ein unterstützte«. Und da« ist die Frucht einer mehr als jehnjährigen Thätigkeit. Allem An« schein« nach aber wird die ganze Thätigkeit nicht weit über IeuMeton. M«e Mutter. Roman von KZrtedrich 8 e r ft ä ckle r. (Fortsetzung.) Ob er'wa« haben wollte? Nein; er schien unruhig, aber die alte Frau auch keine Person, gegen die er sich ausspreche» konnte. Er schüttelte mit dem Kopf und horchte nur immer hoch auf, wen« fich unte» im Hause etwa» regte. Immer heftiger wurde dabei sei» Fieber, und da» vorher so bleiche Gesicht flammte jetzt ordentlich in wilder Gluth. Dt« Roste war wieder einmal hinunter gegange«, um etwa» zu besorge», al» fie plötzlich rasch die Treppe herauf kam und mit ängstlicher Stimme sagte: „Herr Du meine Güte, die gnädigste Frau Gräfin i selber unten und will heraufkomme«- die Ehre! U wie'» hier auSfieht-«a. die wird schön schauen! Aber wer hat daran mich gedacht?" Und dabei schob fie hastig Alle« au» dem Wege, wa» fich«be»«icht gut zeige» ließ, und wischte«och mit ihrer Schürze de« eine« dem Bett gegenüber stehende« Stuhl ab, auf dem fie gewöhnlich saß, al« die Thür schon aufging und die höh«, stattliche Gestalt der Gräfin auf der Schwelle stand. Da« kleine Gemach hatte vielleicht«och«i« so ärmlich ausgesehen, al« in dem Augenblick, wo die elegante Gestalt ver Dame in ihrem schwarze«, rauschende» Seidenkleide �luenucxuc umher«, & Äuge schon fragend und forsche? auf dem»atlitz de» Kranken, der, al» er ihre« Schritt auf der ......." war. vom "sank und ttiederstartte. � ...«an, versteinert über die.hohe Ehre" stand indessen die Roste in der Ecke und knlxte nur einmal»ach dem das jetzt schon erlangte Resultat hinauskommen. Doch da» ist eine Annahme, die wir beute»och nicht beweise» könne«, die aber ihre« Grund in der Abnahme aller Modesache« hat. Und die Unterfiützungssache« find meist Modesachen. Man denke nur an die Vereine gegen Verarmung und Bettelei, die gegen die Verarmung absolut nicht» und gegen die Bettelei nur herzlich wenig ausgerichtet habe» »nv die in letzter Zeit auch au» der Mode gekommen sind. Wir wollen also bei den Thatsache» bleiben. Danach können gegenwärtig 975 000 hilfsbedürftige Kinder nicht in die Ferienkolonie« geschickt werden. Und mit den 25 000, welch« dieser Wohlihat theilhaftig werde», will man ei» ge» sundere», leistungsfähigeres Geschlecht erziehe»! Das heißt doch den Mund allzu voll zu nehme«! Und wenn man da» bei das Eingreifen de» Staates oder der Gemeinden in dieser an und für fich so eminent wichtigen Frage verwirft, so glaube» wir, daß mau dann durch die Privatkolonie« auf die Dauer mehr Unheil al« Segen schafft. Die kleine Minorität der zu Ferienkolonie« herange» zogen«« Kinder gleicht de« Glückliche», welche in der Lot» terie«in gute« Loo« ziehe«, während die Masse der Kinder, welche unberücksichtigt bleiben, die Niete« gezogen habe«. Da« Schlimmste aber dabei ist, daß Zufall und Willkür bei der Au«wahl entscheide» und Verbitterung in die Herzen der zahlreiche«„Uebriggebliebenen" bringe». Um so unzutreffender ist e«,„daß nicht» unwidersteh» licher die in de» Arbeitergemüthern angesammelte Verbitte» rung««»lösche, al« wen« fie die Thcilnahme gewahre«, welche die Veranstalter der Ferienkoloaien für ihre unglück» liche« Kleine» empfinden".— Gerade die„Arbeitergemüther" fühlen, daß die Privat-Ferienkolonie« zunächst ganz unge» «ügend find, für die unglückliche« Kleinen zu sorge» und daß dann bei der Auswahl derselbe« allerlei Rücksichte» und Anschauungen maßgebend sind, welche vielfach die Verbitte» rung in de« ArbeitSgemüthern erhöhen müffe». Bei der Auswahl der Kinder wird oft genug auf die moralische Haltung, ja auf die religiös« oder politisthe Stel» lung der Elter» Rückficht aenommen und de« Kinder« diese Stellung entgolten.„Den unglückliche» Kinder« wen» det fich da» Mitgefühl„ab", die für die Schuld oder da» Unglück ihrer Vorfahre« büßen."--- Aber was hat schließlich die Schuld oder da» Unglück der Vorfahre» überhaupt mit dieser Frage zu schaffen? Die aanze» soziale» Zustände find derart, daß von Schuld und Unglück des Einzelnen kaum mehr die Rede sei« kann: die ganze arbeitende Klaffe befindet fich in der Lage, daß fie für Kinderpflege und Kindererziehung viel zu wenig leiste» kann, daß fich also fast sämmtlich« Kinder der Arbeiterklasse andern, um dem vornehme» Besuch ihre Ehrfurcht zu er» weise«. Aber die Gräfin, deren Blick nur über fie hinglitt, sagte leise:.Geh'» Sie hinunter, gut« Frau, ich habe mit dem Kranke« et»a« zu sprechen." „Zu Befehl, Frau Gräsia." .Und komme» Sie nicht eher wieder herauf, bi» ich Sie selber rufe." „Zu Befehl, Frau Gräfin." Die Alte war seelenftoh, da oben weg zu komme«, und wie ihr die Gräfin nur so viel Raum an der Thür ließ, daß fie hindurch konnte, ohne ihr auf da» Kleid zu treten, schoß fie die Treppe hinab. Die Gräfin war mit dem Maulwurstfänger allein; aber noch immer sprach fie kein Wort,«och immer haftet« ihr Blick wie ftagend und ungewiß auf de» eingefallene« Zügen de» vor ihr Liegende», und erst al» dieser keine Miene machte, fie anzureden, und nur wie krampfhaft in die Decke griff, sagte fie leise: „Sie habe« mich zu spreche« verlangt. Wa« kann ich für Sie thun?" Der Maulwurfsfänger drehte langsam de» Kopf«ach ihr um, den« selbst diese Bewegung that ihm weh; dann aber flüsterte er, daß die Worte kaum zu dem Ohr der Gräfin drangen und trotzdem wie mtt einem Schlage da» Blut au« ihre« Wange» jagten: „Also hast Du de« Ring wiedergekannt, Ottilie? Bist Du wirklich gekomme», um mir Lebewohl zu sagen?" „Heiliger, allmächtiger Gott!" stöhnte die Gräfin und faßte ihr Herz mtt beide» Händen, al» ob sie e« festhalten wolle in der Brust.„Wäre e» denn möglich— wäre e» den» wahr...?" „E« ist wahr, Frau Gräfin," sagte der Alte, indem ei« bittere« Lächeln um sein« Lippen spielte,„die Jammergefiatt hier auf dem Bett, zerschossen und von Krankheit nnd Alter gebrochen, eigentlich auch schon halb verfault, mit dem schleichende« Tod in de» Glieder«, ist Alle«, wa» von dem einst so lebentlustiaen und gefeierte» Friedrich von Eitropp übrig gebliebe«. Wenig, nicht wahr? Verdammt wenig— und da« Wenige selbst verstümmelt und mißhandelt I" in der Lage befinde», die„unschätzbare Wohlthat" der Fe« rienkolonien für fich in Anspruch zu nehme«. rch eben wttd die Gefahr heraufbef Privatferienkolonie« mehrVerbttterung in denArbeiter gemw her» Dadurch eben wttd die Gefahr heraufbeschworen, daß die erzeugen, weil fie unzulänglich find, weil die Gabe» un» gleich vertheilt werde», weil die Auswahl der Kinder nicht »ach Prinzipien, sonder» nach Willkür und vielfach auch»ach Voreingenommenhett erfolgt. Da aber in de« Ferienkolonie» an fich ei» gesunder Gedanke liegt, de« auch mir mit Freude» begrüße«, dethalb sollte die gesammte Gesellschaft, repräsentttt im Staate, der ja auch der Letter de» Schulwesen« überhaupt ist, fich diese« Gedanken» annehmen, sollte ihn auf die Höhe de« Rechte« und der Gerechtigkeit hinaufführe« und da«, wa» jetzt Privatwohlthat und Almosen ist, zur S t a a t» s a ch e mache«, zur Staat» Pflicht erheben. Dan» erst würde» die Ferienkolonie» ei« Anrecht habe« auf die Lobe»hhm»en, die ihnen jetzt in einige» Blätter» gesungen werde«, dann aber auch mtt Recht und in vollem Maße._ fit llmmlmische UolkZmrWch md dieomklikllllifchellArdkilttirzalliflltiiiiieil. IV. (Veral. Nr. 150, 151, 165.) § Der allmälige Ersatz der Fachvereint durch allgemeine ArbeiterverbLnd« ist in dm Vereinigten Staaten unter ver« schiedenen Formen erfolgt. Da bei einem Streik nicht die Konkurren, au» allen anderen veruf»jweigen in gleicher Weise zu befürchten ist, da z. B. so gut wie ntemal» ein schwächlicher Weber die Stell« eine» robusten Maurer» fich aneignm wird, so mußte man zuerst daran dmken, wenigstens die verwandten Be- rufSzwetge in eine einheitliche Organisation zusammm» diejenigen Genossen in einm"Verband�' zu�mtinl wctche bei der Herstellung desselben Produkte» thätig sind. Bettachten wtt ,.». vre Ziganenfadrikation. In der- seldm find— nach WalterSbauien— vier Arten vn« 9irhrH*m beschäftil machet und Zigarren pack«. Nebmen wir an. die BerufSaenoffen machet und Zigarrerpacker. Nehmen wir an, die je einer Ablheilung feien in einer Gewerkschaft vereinigt. S« ist nun klar, daß. wenn um die vier Verbindungen ein gemein- same» Band aejchlungm ist, fie dem Unternehmerthum eine gewicht, ger« Macht entgegenstellen können, al» wenn jede Gr- Die Frau stand, da» Gesicht in dm Händen bergend. mitte« in der Stube; kein Laut kam über ihre Lippen, aber die ganze Gestalt zitterte und bebte, und des Alten Blick haftet« fast wehmüthig und mitleidsvoll an ihr..Setz' Dich, OMlie,— etwa» näher zu mir; ich kann nich: so laut sprechm und fühle, daß ich auch«icht mehr lange sprechen werde. Ich weiß Alle«, wa« Du fragen möchtest. ich will Dir Alle« mit wenige» Worte« sagen. Aber dann— mußt Du mtt auch eine Frage beantworten— nur eine einzige Frage, die mtt lange Jahre am Lebm ge- ftessm hat und die ich-«och vor meinem Tode gelöst habe« möchte. Setz' Dich, die Zeit vergeht und die Se- künde» fangen an kostbar zu werden." Die Gräfin machte eine Bewegung gegen da» Bett. und der Spitz, der bi« jetzt nur leise und fast unhörbar ge. knurrt hatte, schlug laut an. Der Maulwurstfänger pfiff leise durch die Zähne und sagte dann:„Ruhig, Spitz. „ist vorbei; Du wirst jetzt abgelöst von Deinem Posten. Sei ruhig, mein Hund, ich bin'« ja auch; hörst Du Da« kleine treue Thier knurrte zwar»och leise, aber e« kauerte sich wieder unter dem Bett zusammen und winselte nur»och ei« wenig, al» die Gräfin fast mechanisch nach dem Stuhl griff und sich darauf niederließ. Dan» lag er ganz still, schob die Schnauze wieder in seine langen Haare und blieb regungslos liegen, hielt aber immer»och die klein« blitzend«, schwarzen Auge» mißtrauisch auf da» Kleid de» ftemdartigen Besuch« geheftet. Auch der Kranke schim sich erst von der ungewohnt» Anstrengung de« Red»« zu erbol»; dann fuhr er lang- sa« fort: „Die Geschichte ist sehr kurz. Mein Vermöge» brachte ich durch— im Spiel; arbeit» konnte und wollte ich nicht; in Frankreich, wohin ich flüchtete, fälschte ich ew» Wechsel, um Geld zu bekomm», und wurde eingekerkert. Ich saß lange Jahre und kehrte,»Wich freigelassen,«ach Deutschland zurück; aber d» Baron hatte ich im französische» Ge- fängniß oder vielmehr schon vor dessen Thür gelass», lebe» mußte ich, Geld hatte ich kein«,— da» Einzige, wa« ich verstand, war da» Spiel und die Jagd; Kroupier macht" «Ine Lranche der Arbeit durch die andere wenigstens»um Tbeil ersetzt werden. Bei dem großen New V orter Zigarrenardeiter« ausstand vom Jabre 1877 wurden in der That auch die Wickelmacher und Stripper für die streitenden Ztgarrenmacher verwendet. Bei einer Zentralisation der vier Ardeiiszweige ist dies unmöglich und der Unternehmer kann außerdem noch dadurch besonders reckt mürbe gemacht werden, daß, sobald der eine Verein einen Streit in's Wert setzt, auch die anderen sich ansckließen. Durch eine derartige Organisation haben die im Baumwollhandel thätigen Arbeiter einen großen Einfluß fich gewahrt. Dieselben bilden z. B. in New Orlea-i acht Gewerkschaften, welche aber wiederum in einen„Ring" vereinigt find, welcher von einem Exekutivkomitee geleitet wird, zu dem jede Trades Union ein oder zwei Mitglieder erwählt. Kein Streik und kein sonstiges Vorgehen gegen die Unternehmer ist ohne Billigung dieses Ausschusses zulässig; jeder Streit, dem der Ausschuß zuge' stimmt hat, wird aber mit dem Aufwand aller Kräfte deS Ringes autgefockten. Streikte etwa nur eine der acht Abthei- lungen und es gelänge den Unternehmern, in dieser Branche von außen her Ersatz zu schaffen, so würden sofort die steben anderen Abtheilungen vereint die Arbeit niederlegen und fich weigern, mit den„Scabs" zusammenzuarbeiten. Ein weiterer Schritt auf dem Wege zum Ersatz der ssachvereine durch allgemeine Verbände ist die Ver« einigung aller Gewerkschaften eines und desselben Ortes. Diese Vereinigung wird natürlich im Anfang meist eine ganz lockere sein. Eine Zentral« tomwisfion wird zwar meistens gebildet werden, aber dieselbe hat bisweilen gar keinen speziellen Fonds zu ihrer Verfügung, ne kann auch keine allgemeinen Beiträge erheben, sondern die beigetretenen Gewerkschaften nur zu fteiwilltgen Sammlungen auffordern, wenn irgend einer der Fachvereine streikt. Hier ist also der Einfluß der Zenttalinstanz mehr ein rein moralischer. Viele Trades and Labor Aasembliea verlangen aber, daß die einzelnen Gewertvereinr im Falle eines Konfliktes zwischen Unternehmer und Arbett die Angelegenheit der Aaiembly unterbreiten; letztere hat das Recht, allgemeine Steuern auszu» schreiben, mit denen fie der bedrängten Gewerkschaft zu Hilfe kommt, ferner hat der Zentralverband seine ständigen Beamten(Präsident, Vizepräsident, Sekretäre, Kasstrer, Revi- soren u. s. w.). Alle diese Arten der GewerkschaftSzentralisation umschließen nur„gelernte" Arbeiter: fie verhindern also besten Fallet, daß die organifitten Arbeiter eines Gewerbes mtt denen etneS anderen in Wettbewerb treten, fie bieten aber nicht die Hand zur Organisation derjenigen Ar« beiter, welche fich nicht in eine Gewerkschaft ver- einigen laffen, weil fie gar kein bestimmtes Gewerbe treiben oder nummerisch zu schwach find. Die bisher berührten Ver« bände— und neben ihnen noch andere ähnliche, die wir hier außer Acht laffen— können also die Gewerkvereine nicht vor der durch die ArbeitStheilung ermöglichten Konkurrenz der ungelernten Arbetter stcher stellen. Diese Erkenntniß, welche fich mit dem immer stärkeren Hervortreten der ungelemten Arbett natürlich mehr und mehr herausbilden muß, hat dem Orden der„Ritter der Ar« beit" seinen enormen Aufschwung gegeben. Derselbe nimmt nämlich alle Arten der Arbetter auf, verzichtet also auf eine gewerbliche, berufsgenoffmschastliche Grundlage. Politische Ueberstcht. Ueber das bei uns beltedte Verfahre« gegen Co« gialtfte« schreibt man der„Franks. Ztg.":«Obgleich die Po« lizei durch da» Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokraten eine fast unbeschräntte Gewalt befitzt und dieselbe neuerding» in einer Weise ausübt, daß selbst sehr gemäßigt Liberale an« fangen, bedenklich zu werden, scheint die osfizise Presse die Mittel zur Knebelung der Sozialdemokratie noch nicht für aus« reichend zu halten. Das Organ de» Herrn Reichskanzler» bringt eine Notiz mit der sehnsüchtigen Einleitung:„Wie man in England mit den Sozialdemokraten umzuspringen pflegt." Darin wird erzählt, bei einem Sozialistenmeeting im Hydepark sei einer der Führer, der eine rothe Fahne schwenfte, verhaftet worden; der Polizeirichter habe ihm aufgegeben, zwei ver« wögende Bürgen für sein friedliches Verhalten während der nächsten drei Monate zu stellen. Da er außer Stande war, die» zu thun, wurde er für drei Monate abgeführt. Was will nun das offiziöse Blatt mit dieser Erzählung beweisen, voraus- gesetzt, daß dieselbe richtig ist, was wir nicht beurtheilen können, weil wir im Augenblick nicht wissen, ob das englische Gesetz eine Präventivhast kennt. Soll etwa damit bewiesen werden, daß man in England die Sozialdemokraten härter anfaßt und ausgiebigere Mittel zu ihrer Bekämpfung hat? Der Versuch wäre doch zu plump. Weiß denn das offiziöse Blatt nicht, daß bei uns sozialistische Meeting» nach englischem Muster mtt rothen Fahnen unter fteiem Himmel nicht nur unmöglich, sondern schon als Gedanke ein hochver« rätherisches Unternehmen find, zu dessen Vereitelung wahr« scheinlich ganze Regimenter aufgeboten werden würden? Die ich nicht werden, so tief war ich doch»och nicht gesunken, zum Förster wollte mich Niemand, da"— ei» btttere», höh« »isches Lächeln zuckte um die Lippe» des Kranken—.de« nutzte ich eine frühere Pasfio« von mir, das Fallenstelle«, und— wurde Maulwurfsfänger. Sech« Jahre wanderte ich so in Deutschland umher, mich den Henker mehr um die übrige Welt scherend, bis es mir keine Ruhe mehr ließ, de» Ort wieder aufzusuchen, wo.. Er schwieg plötzlich; Todtenstille henschte in de« kleinen Raum, nur da« schwere Athme« der Frau unterbrach die Stille oder machte sie vielmehr noch unheimlicher. „Das ist eigentlich Alles," sagte der Kranke»ach einer Pause.„Du kanntest mich nicht wieder; hübscher war ich auch nicht geworden, und mi,«achte es Spaß, so inkogntto gerade mtt diesem Platz zu verkehre». Da begegnete ich neulich im Park einer junge» ftemde« Frau— wie ei« Messer flach mir deren Anblick durch'« Herz— es war, als ob die langen Jahre zurück, statt vorwärt« gegange« wäre«, und Du, Ottilie, wie ich Dich in all' Deiner Schönhett und Jugend gesehe«, standest wieder vor mir, wie vor einem Vierteljahrhundert, an derselbe« Stelle." Die Gräfin war aufmerksam geworde«; ihre Hände sanken langsam in ihre» Schooß, und da« große Auge haf« tele fragend auf dem Sprechende». „Ich erfragt« de» Namen," fuhr dieser endlich leise fort,„er kl-«g mir ftemd— Rottack— ich hatte ihn nie aehört." „Rottack?" hauchte die Frau. Der Maulwurfsfänger nickte, und sein Blick hing for« schend an ihren Zügen; aber er bekam keine Antwort. Angst und Schmerz lagen in ihrem Antlitz, aber die Lippen bliebe« unbewegt n endlich,„Helene Rottack. Aber Du mußt reden, Ottilie," fuhr er hefttger fort,„die Zeit verpfliegt, meine Pul, schlüge find gezählt, Du mußt meme Frage beantworten 1" „Und welche Frage ist das?' hauchte du Frau, welche fich dem alte», kranke« Man« vollkommen willenlos gegen« über befand.. „Was ist au» dem Kind geworden?" sagte der Alte deutschen Sozialdemokraten werden nach der obiaen Erzählung Engtand immer noch für das Eldorado der Freihett halten, wenn dort ein Sozialistenführer, der öffentlich eine rothe Fahne geschwenkt hat, gegen Bürgschaft zweier Zeugen straflos bleibt oder mangels dieser Bürgschaft nur auf drei Monate eingesperrt wird. Das ist nach deutschen Begriffen unter dem Regiment Puttkamer überaus glimpflich. In Berlin wagt der kühnste Sozialdemokrat kaum mit einer rothen Blume im Knopfloch zu erscheinen und was würde ihm wohl geschehen, wenn er mtt einer rothen Fahne auch nur fünf Schritte auf der Straße ginge? Soforrtge Verhaftung, eine UntersuchungS« hast von einigen Wochen oder Monaten, eine längere Gefängntß- strafe und dann die Ausweisung wären ihm ficher, wenn er nicht außerdem schon im ersten Augenblick von der Polizei mtt scharfer Waffe angegriffen würde. Solche Fälle find ja zahlreich dagewesen. Es find, nicht wegen rother Fahnen bei öffentlichen Meetings— denn dai ist doch überhaupt unmöglich—, sondern wegen sehr harmloser rother Abzeichen auf Spaziergängen schwere Strafen verhängt worden. Und dann im Hintergrund immer die Ausweisung! Wie glaubt die„Norddeutsche", daß ein Engländer wohl darüber denkt? Glaubt fie, daß ein Engländer es versteht, daß am Tage der Abreise deS ausgewiesenen Ab- geordneten Singe: sämmtliche Bahnhöfe, auch die, die er gar nicht berührt hat von ganzen Kompagnien von Schutzleuten zu Pferde und zu Fuß, in Uniform und in Zivil schon stundenlang vorher besetzt gewesen find, und daß jeder Reisende, bevor er auf den Perron gelassen wurde, ein peinliches Verhör zu bestehen hatte? Wir glauben, die Entrüstung, die fich über ein solche? Vorgehen in Berlin zwar immer stärker, aber doch nicht öffentlich kundgiebt, würde in London viel lauter gewesen sein. Versteht man es in England, daß am Tage der AuS- Weisung Singer'» ein Theil der Gamison des benachbarten Spandau, mtt scharfen Patronen versehen, marschberett gehalten worden ist? Versteht man ei dort, daß die Sozialdemokraten auf Landpattien stundenlang auf Schritt und Tritt von Gendarmen und Polizisten deglettet werden, während der nach Namen und Person bekannte Mörder de» Schiffling'schen Ehepaars von der Polizei noch heute nicht ergriffen ist? Wir vermuthen, daß auch der Proieß Jhring. Madlow im Auslände nicht verstanden wird. Der Mann, der angellagt war, an der Mißhandlung de» Fhring-Mahlow bei seiner Entlarvung theil- Senommen zu haben, wurde bekanntlich fteigesprochen, auf da» ikugniß zweier Zeugen, welche bekundeten, daß er stich damals in einem anderen Theile dei Saales aufgehalten habe. Der Staatsanwatt appelltrte gegen dieses freisprechende Errenntniß, das ist sein gutes Recht, gleichzettig aber wurden sowohl der Angeklagte wie die beiden Zeugen in Untersuchungshaft ge« nommen, als de» Meineids resp. der Anstiftung dazu verdächtig. Auf diesen„Meineid" nahm der Richter im Prozeß Jhring« Mahlow wiederholt Bezug. Jetzt find die Verhafteten eni« laffen, es ist keine Anklage gegen fie erhoben. Wie mag man wohl darüber im Auslände denken? Die„Norddeutsche" thäte besser, die Exemplifikation auf das Ausland zu unterlassen; fie wird Niemanden glauben machen, daß die Polizei irgendwo, vielleicht Rußland ausgenommen, größere Gewalt besitze als bei uns. Auch Leute, die fich bisher dem Sozialistengesetze zegenübec apathisch verhielten, werden durch die neueste Hand- >abung desselben aus ihrer Rube aufgeschreckt. Wer Ohren »at zu hören, kann fich jeden Tag davon überzeugen. Die leberzeugung, daß das jetzt beliebte Vorgehen gegen die Sozial« demolraten fie mit dem Ruhm des Martyrerthum» bekleidet und ihnen ungezählte neue Anhänger zuführt, wird immer stärker. Wir fürckren sehr, daß die Fortschrittspartei in Berlin hei den nächsten Wahlen einen schweren Stand haben wird, um die jetzt noch in ihrem Lefitz befindlichen Wahlkreise gegen die Sozialdemokraten ju behaupten. Unmittelbar vor der letzten Verlängerung deS Sozialistengesetze» hat die Polizei den Sozialdemokraten in Berlin eine ganz ungewöhnliche Rede- und Versammlungsfreihett gestattet, vielleichr nickt ohne Ab« ficht. Hätte fie das Gesetz damals so gehandhabt, wie unmittelbar nach der Verlängerung, wir glauben, selbst der jetzige Reichstag wäre zu einem andern Votum gekommen." Politische Hetzblätter. Die„Nordd. Allg. Ztg." druckt eine Notiz aus der gouoernementalen„Bad. LandeSztg." ab, in welcher auch die„Nation" ein Hetzblatt genannt wird. Wir haben gar keinen Beduf, die„Nation" gegen irgend Jemanden in Schutz zu nehmen, doch bewegt fich das Blatt in derartig ruhigen Formen, daß gerade jene Bezeichnung auf dasselbe paßt, wie die Faust auf das Auge. Natürlich giebt es in der zanzen deutschen Presse nur zwei bis drei anständige Blätter: »ie„Badische Landeszeitung, die„Nordd. Allg." und etwa noch der„Hannoversche Courier".— ES ist übrigens bezeich- nend, daß die Blätter fast aller Parteien fich gegenseitig Hetze- reien vorwerfen. Das legt gerade kein günstiges Zeugniß ab von der allgemeinen Haltung der deutschen Presse, die ja im Allgemeinen so gern die Nase rümpft und dm Hochmuth auf der Sttrne trägt. Eine verständige Verfügung gegen anonyme De- «unztattonen hat dem„Naff.©." zufolge der Landrath des RhetngaukreiseS erlassen. Die Verfügung betrifft die in letzter Zeit fich mehrenden Denunzialionm anonymen Ursprung«. leise.„Als der Graf aus Westindim zurückkehrte, konnte ich Dir nicht wieder nahm, denn ich wußte, daß er mich haßte. Bald darauf mußte ich selber flüchtm, schreiben durfte ich nicht— was ist aus dem Kind gewor« de», Ottilie?" Die Frau barg ihr Geficht wieder in de» Händm, aber fi: antwortete nicht, und fast mttleidig ruhte der Blick des Krankm auf ihr. „Fürchte nichts," sagte er endlich leise,„ich weiß, wel- che» furchtbare Unglück Dich in der letzten Zeit betroffen hat. Ich hätte e« vielleicht»«hindern können," setzte er düster hinzu.„Aengstige Dich nicht, daß diese Lippe», die so lange geschwiegen, jetzt plaudern könnten; ein Sterbender spricht zu Dir— was ist au» dem Kind ge« worden?" „Es lebt k" hauchte die Gräfin. „Es lebt?" rief der Kranke.„Und— und heißt Helme?" Die Gräfi» antwortete nicht, aber ohne zu ihm aufzu« sehe», neigte sie leise das Haupt. „Gott sei Dank!" stöhnte der Mann. Aber— mir wird auf rinmal so wunderbar schwach zu Sin», es flackert mir vor dm Augm. Gieb mir Deine Hand, Ottilie— laß uns versöhnt scheidm— so, da« ist lieb von Dir— Gott segne Dich— so— und nun geh'— Du darfst nicht länger hier bleiben. Schick' mir die Rosie herauf— die Alte oder die Bärbel, wm» fie unten ist. O, mein Gott, wie das brmnt— das Eis ist fortgeschmolzm und zu glühend heißem Blei gewordm...." Die Gräfi« hatte ihm die Hand gereicht: fie war auf- gestanden, und ihre Brust hob sich stürmisch, ih, Antlitz deckte Leichmfarbe. Sie wollte sprechm, aber fie konnte nicht. Willmlos. fast bewußtlos hatte fi« bis jetzt in der Gegenwart de« Furchtbare» gehandelt: was fie sich vorge- nommm, ehe fie da« Haus bettat, wie fie mit kalter Ver« achtung sriner»»klage begegvm, sein Erkmnm verleugne« wolle- e« war hingefqmolM, als jme Jammergestalt auf dem Bett, der Schattm deffm, der einmal im Lebe» ihre ganze Seele füllte, vor ihr lag. Alte Erinnerungen. Reue, Zerknirschung und Mitleid bestürmtm ihr Herz; aber Die Behörden, bei«elchm derartige anonyme Schreibm ein« laufen, sollm selbige als feige Verleumdungen an« sehen und fie nichi beobackten. Gleichzettig werden die Bürgermeister ersucht, diese Verfügung bekannt zu machen, damit alle wissen, waS anonyme Denunziationen zu gewärtigen haben. Der deutsche und der österreichische Telegraphen« taris. Die„Deutsche liberale Korrespondenz" mackt darauf aufmerksam, daß Oesterreich zwar auch den neuen Tarif für den internationalen Verkehr pudlizirt hat, dagegen für den inländischen Verkehr seinen bisherigen Tarif unverändert bei« behalten hat. Oesterreich war uns aber schon in der Billigkett des TelegraphirenS vorau», besonders waS längere Telegramme betrifft. Die höhere Grundtaxe(24 Kreuzer= 40 P.) wird mehr als ausgeglichen durch die billige Worttaxe von nm 2 Kreuzern=- 3,2 Pf.(zwischen Stationen desselben OtteS nur 12 kr. Grund-, 1 Kr. Worttaxe). Jetzt wird in Deutschland die Wotttoxe noch weiter auf 6 Pf. erhöht, in Oesterreich bleibt es bei 3,2 Pf. Die Taxe ist also in Deutsch« land fast noch einmal so hoch. Gegen die Polonifirung von Aamiltenname« hat der Regier ungspräfident von Marienwerder eine Verfügung erlassen und aufgefordert, mtt allen gesetzlichen Mitteln dagegen vorzu- gehen. Mit Recht wird der„Germania" auS Westpreußen ge« schrieben, daß vor dem Gesetze gleich strafbar ist die G e r« manisirung wie die Polonifirung von Namen. Willkürliche Veränverung von Namen ist im Interesse der RechtSficherheit nicht gestattet. In gemischten Bezirken find Nameniveränderungen der einen oder anderen Richtungsehr häufig. DaS Interesse der Rechtificherhett aber erheischt Maß- regeln, welche diesen Veränderungen nach beiden Richtungen entgegentreten. Die Unterschlagungen der Zahlmeister. Der„Nieder- schlefijche Anz." in Glozau weist darauf hin, daß die Zahl« meisteruntersuchung, welche im vorigen Winter so großes Auf« sehen erregte, noch immer nicht zum Abschlüsse gelangt ist, ob« wohl seit Einlettung derselben nun fast acht Monate vergangen find. Während die verhafteten Miiilärpersonm nach und nach sämmtlich bereit» vor Monaten freigelassen find, befinden sich die Angeklagten Wollank und Hagemann noch immer in Unter« suchungihaft. Bayerisches. Wie der„Voss. Ztg." ein Münchener Privaltelegramm meldet, ist das dorttge„Fremdenblatt"(Klub» organ der Ultramontanen) vom 20. Juni nachträglich ge» richtlich mtt Beschlag belegt worden, anscheinend wegen einer Aeußerung, der»ufolge da» Volk glaube,„daß in den oberen Regionen nicht AlleS mtt rechten Dingen zugehe". Ausgewiesen ist ferner auS dem Bannkreise von Leipzig der Ratettalwaarenhändler Zuckschwerdt au« Berlin, wohnhast in Plagwitz dei Leipzig. Zuckschwerdt gehö-te gleich» falls dem Vorstände deS aufgelösten Metallarbeiter-Fach« verein» an. Et« sozialdemokratisches Sommerfest, so meldet das „Annaberger Wochenblatt", hatte am vorigen Sonntag zahl« reiche Anhänger und Anhängerinnen der Partei nebst Svröß« lingen aller Altersgrade nach dem Greifenstein bei Geyer gezogen. Unter den Theilnehmern befand fich der sozialdemo« kratische Abgeordnete für den 19. sächstschen Wahlkreis. Herr Geyer. Zur Auftechterhaltung der Ordnung waren 38 Gen» darmeriepersonen aufgeboten. Eine behufS Demonstrationen von den Sozialdemokraten mitgeführte rothe Fahne wurde beschlagnahmt. Alle» vollzog fich in großer Ruhe. Oesterreich Ungarn. Man meldet aus Teplitz, 6. Juli: Heute unternahmen 6 eben gerichtliche Kommisstonen unter Zuziehung von einer Inzahl Vertrauenszeugen aus der Bürgerschaft und zahlreicher Gendarmertt-Asfiftenz in der Stadt und der nächsten Um« gebung Haussuchungen nach sozialistischen Schriften. Die gefundenen Schriftstücke wurden deschlag« nahmt. Belgien. Die von der Arbei.erparrei Belgien» zum 15. August beabfichtigte große Ardeiterkundgebung für da» allge« meine Wahlrecht findet in Brüssel statt. Ueber 50 000 Arbeiter werden also in den Straßen Brüssels das allgemeine Wahl« recht fordern. Kran, reich. Wir meldeten sckon, daß fich da» Zuchtpolizelgericht von Bourgoin, welches fich die ganze letzte Woche mit den Ver« hören der Angeklagten oon Chateauvillatn— Widerstand des FadrikdirektorS Fischer und seiner Leute gegen die zur Schließung einer Kapelle herbeigekommenen Gendarmen— und ihrer Zeugen beschäftigte, für inkompetent erklärte. Der Handel wird nun vor dai Schwurgericht gelangen. Henry R o ch e f o r t stellt diesen Fall mit denjenigm der Journalisten Ernest Roche und Duc«Quercy zusammen, welche in Villeftanche ebenfalls nach dem Schwurgericht verlangten, aber zuchtpolizeigerichtlich verurthettt wurden. Der Chefredatteur des „Jntranfigeant" schließt daraus, daü Gericht habe vom Justiz« minister Befehl erhalten, nicht weiter zu gehen, um die roya« ihre Kräfte verließe» fie, die Luft hier drohte fie zu er« sticke«. .Leb' wohll" flüsterte sie, und wie von Furie« gejagt, floh sie aus dem Zimmer hinaus in's Freie, in die Ein« samkeit. Draußen wurde ihr leichter. Wohl eine Stunde lang B fi« in dem wetten Park ans und ab. Endlich wandte ch wieder dem Schloff« zu und ging in ihr Zimmer »f. Noch hatte fie nicht ihren Hut abgelegt, als es leise a» die Thür klopfte. „Herein!"- Bärbel stand auf der Schwelle.„Ach, Frau Gräfin," sagte die Kleine, und die hellen Thrine» liefe« ihr an den Wangen nieder,„ich bin nicht hergeschickt, aber— ich— ich wollte Ihnen nur melde«, daß der alte Maulwurf, fänget eben gestorben ist." „Todt?" „Die Rofie sagt's. Er liegt kalt und starr auf de« Bett." Die Gräfin winkte mtt der Hand; BSrbel verließ schüchtern da« Zimmer. Die Gräfin Monford wanfte zu ihr«« Sopha. und Thränen- Thränen, die ersten, die fie fett lange« Jahren vergossen,«etzle« ihr die Wangen. Sie war glücklich, denn fi« konnte wrine». Pfeffer diktirt einen Brief. Wochen vergingen und Monate. Die rauhen Herbst- stürm« ttate« ei». Schnee fiel, und der Winter deckte die freundlichen Hügel und Gebirgszüge um Haßburg mit feine» werßen Decke und die Waffer mtt Ei«, und noch hatte die Monford'sche F-m.ilie mtt keinem Menschen in der Stadt meder verkehrt, noch halte die Gräfin selber die Stadt nicht wieder betteten, oder auch nur eine« einzigen ve- such selbst ihrer früher«« intimsten Freunde angenommen.. Der Zustand des Grafen schleppte fich freilich auch nur langsam hin; die früher eingetreten Schlaganfälle hatten fich mehrfach wiederholt, und so sehr Beide gewünscht habe« mochte», diesen O-t. der jetzt für fie so furchtbare El- tnnerungen trug, zu verlaffen und eine andere Gegend, ein Riftisch leritales Revolutionäre zuzen, während das Gericht von Villefran be, ebenfalls einen Befehle gemäß, weitergehen mußte, weil Roche und Duc- Du euch von den Geschworenen unfehlbar freigesprochen wären. Das Boll, welches fich frei wähnt, feht wohl, daß die Klei lalen noch immer die Herren find, und daß fie über die Nech tapflege wie über alles Andere verfügen." Die Fammer votirte mit 300 gegen 243 Stimmen den Schluß der Generaldisluffton er die Betreidezölle, be Schloß fodrmn die Dringlichkeit mit 307 gegen 257 Stimmen und verse job schließlich die Die tuffton der einzelnen Artikel auf Donnerft ag. Leg aortan beantragte, den von dem Senat gestrichenen Artikel, der forderte, baß nur französisches Material für die Bauten der Stadt Peris zur Verwendung fäme, wie Dether justellen. Der Antrag wurde mit 300 gegen 212 Stimmen abgelehnt. ( Barrien und Demole er flärten vor der Kommission, die Megt erung halte fest an dem Geses gegen alle revolutionären Affichen. Großbritannien. Der Vorsprung der Unionisten bei den Barlaments. wblen wächst noch immer. Während Konservative unb diffentirende Liberale am Dienstag 103 Size mehr inne hotten, als die Gladstoneaner, war diese Babl am Mittwoch bereits auf 155 geftiegen. Von den 415 bisher bekannten Bablen entfallen auf bie Ronservativen 218, auf die diffenti renden Liberalen 45, auf die Anhänger Gladstones 108, auf Die Parnelliten 44. Die Anhänger Gladstones gewannen 2 neue und ble Ronfervativen 4 neue Sige. In West Belfast unterlag der tonservative Kandidat gegen den Barnelliten Sexton, der mit einer Mehrheit von 100 Stimmen gewählt wurde. Wiedergewählt find Shaw Lefevre, Morgan, Mundella, Richard und Chamberlain. Auch in den Landbezirken scheinen Die Aussichten Gladstones teine günftigen. Die Times" äußert sich über das von der Kölnischen Beitung" gemeldete Borgehen Rußlands bezüglic Batums. Die aynische Kündigung des betreffenden wichtigen Artikels des Berliner Vertrages, meint das Blatt, müffe den englischen Staatsmännern und der englischen öffentlichen Mei nung einen gründlichen Argwohn gegen die Ehrlichkeit der rufftfchen Regierung einflößen; fte babe eine unangenehm be beutungsvolle Aehnlichkeit mit der Aufhebung der Schwarze Meer- Klauseln des Pariser Vertrags im Jahre 1870. Wenn England wieder angegangen werden sollte, an die Argloftgleit der ruffischen Diplomatie zu glauben, werde es fich jener düftern Bwischenfälle erinnern und fich sagen, daß die Schwierigkeiten einer englischen liberalen Regierung von Rußland in der Regel aur Begehung eines internationalen Bertrauensbruchs benugt würden. Der Schiffsbau an der Glyde liegt vollständig barnieder. Jm Monat Mai wurden dort 29 Schiffe von au fammen noch nicht ganz 16 000 Tons, in den ersten 5 to naten des Jahres 15000 Tons weniger als in dem ent sprechenden Beitraum 1885 und 50 000 Tons weniger als in 1884 vom Stapel gelaffen. Die Firma Denny hat eine Anzahl Flußfahrzeuge vollendet, welche in Stüde genommen und nach dem Irrawaddy geschickt werden sollen, um dort wieder zusammen gefest zu werden; die Firma Thomson baut an einigen Torpedofreuzern für die Admiralität und die Faier felblompagnie an den Dampfern für den Norddeutschen Lloyd. Ruffel u. Ro. in Bort Glasgow baben ein Dugend Segelschiffe von je über 1200 Tons in Arbeit. Wie es heißt, haben 8 Schiffsbauereien an der Clyde nicht ein einziges, weitere 12 nur ein einziges Schiff im Bau. Balkanländer. Aus Gettinje wird der N. Fr. Pr." gemeldet: Die vierzig gefangenen türkischen Grenzverleger wurden beute nach Bobgorizza catortirt, darunter einige Begs von Boljanci und Kolaschin. Die Eindringlinge waren 2000 Mann start. Nach einer Meldung des N. W. Tagebl." entfaltet bie Partet Niftic in Serbien eine fieberhafte Thätigkeit. Das Auftauchen zahlreicher Haiduken Banden in Serbien wird mit ben Agitationen der Karageorgevic in Busammenhang gebracht. König Milan soll demselben Blatte zufolge demnächst in Wien eintreffen. Nach Meldungen aus Salonicht durchziehen bulgarische Agenten Matedonien und verbreiten Proflamationen, welche das Bolt zur Erhebung auffordern. Außerdem sollen bewaffnete, aus Bulgarien und Rumelien tommende Banden auftauchen; eine derfelben habe einen ernſten Busammenstoß mit türkischen Truppen bei Roffowo gehabt. Amerika. Man schreibt aus Chicago, 25. Juni: Vor 5 Tagen schon ist der Prozeß gegen die Anarchist en Spies, Schwab, Fielden, Nebe, Lingg, Engel, Fischer und Genoffen oeröffentlicht worden, allein es ist noch immer nicht ge Jungen, eine Jury zusammenzubringen. Nicht bloß die Vertheidigung und der Staatsanwalt, die natürlich sehr wählerisch find, sondern auch die Bürger, die zum Ge wärmeres Klima zu ihrem Aufenthalt zu wählen, so so schüttelte doch der alte Ober- Medizinalrath dazu auf das entschiedenste ben Ropf und beharrie dabei, daß der Graf jegt an eine Reife gar nicht denken dürfe, wenn er sich nicht muthwillig der größten Gefahr aussehen wolle. Ihm bliebe vor der Hand nichts weiter übrig, als abzuwarten, ob sich sein sehr bedenklicher Bustand beffern würde, wozu er die Hoffnung feineswegs aufgegeben habe. Eräte der Fall ein, dann würde er selber eine Reise nach Italien oder einem andern warmen Himmelsstrich bringend an rathen. Ganz verändert war indessen die Gräfin selber ge worden. Wie fie früher die Pflege des Kranken fast aus schließlich der Dienerschaft überlassen hatte, so wich fie feit jenem Tag, an welchem fie das Gärtnerhaus besucht, faft nicht mehr von dem Lager des Gatten und wachte, wenn fich sein Bustand dann und wann verschlimmerte, halbe Nächte neben seinem Bett. Sie war auch viel freund licher mit den Leuten selber geworden, und sogar ber alte Haushofmeister, der ihr seit jenem Abend, wo sie ben Brief verbrannte, lange Wochen durch wohl ehr erbietig, aber doch wie scheu ausgewichen war, fing an, fich ihr wieder zu nähern und Mitleid mit ihr zu fühlen, denn er, vor allen anderen, sah und fühlte die Veränderung zum Besseren, bie mit ihr vorgegangen. Fiel fie doch mit einer wahren Haft über alle Briefe her, die ihr gebracht wurden, und legte fie bann traurig und oft mit einer unter brüdten Thräne bei Seite, wenn feiner von ihnen mehr die jest so heiß ersehnten Schriftzüge des verlorenen Rinbes trug. Aber Paula schien verschwunden; kein Brief von ihr war mehr eingetroffen, teine Beitung nannte Handor's Namen, feine Nachforschung, die sie im Geheimen, besonders burch den Ober Medizinalrath, anstellen ließ, führte zu irgend einem Resultat. Sie mußte todt fein oder Deutsch. land verlassen haben, denn alle Nachfragen blieben fruchtlos. In Haßburg felber hatte man die Monforb'sche Fa milie, die für Wochen lang bas Tagesgespräch gebilbet, faft vergessen. Eine Zeit lang wurde die Erinnerung daran schworenendienst berufen werden, tragen die Schuld an dieser langsamen Prozedur. Die meisten derselben behaupten, unein gedent ihrer Bürgerpflicht und ihres vor dem Berhör geleifte. ten Eides, ftelf und feft, fich eine Meinung gebildet zu haben, die nicht umzustoßen sei, nur um nicht in einem Projeffe fun airen zu müffen, der Wochen, ja Monate lang dauern lann. Ein Kanadier, Moses Mercot, Droschtentutscher seines Bet chens, erklärte zwar, er babe nie etwas Näheres über die Biele der Anarchisten, Rommuniften und Sozialisten gehört, weshalb er glaube, daß er im Stande sei, den Angeklagten einen un partetischen Prozeß zu bewilligen, allein auch er wurde nicht angenommen. Heute endlich find 4 Geschworene vereidigt wor den, die nun nicht mehr zurüdgewiesen werden können. Unter denselben befindet sich ein Major Cole, der ohne Stellung ift und das Geschworenenamt für ein Glüd hält, denn nicht nur erhält jeder Geschworene zwei Dollar täglich, sondern er wird auch noch mit Soft und Quartier versehen. Das fann ja eine recht angenehme Verhandlung werden. Die New Yorter Gerichtshöfe fabren fort, gegen die der Verschwörung schuldig befundenen ,, Boycotter" strenge Urtheile zu fällen. Fünf derselben find foeben zu Gefängnis ftrafen von 18-44 Monaten verurtheilt worden, und andere feben ihrem Brozeß entgegen. Alle diese Leute stammen vom europäischen Kontinent. In Milwaukee wurden dret der anläßlich der fürzlichen Streits verhafteten Anarchisten auf Die Anklage, fich verschworen zu haben, das Gerichtshaus nieder aubrennen und die öffentlichen Urkunden zu vernichten, ver urtheilt. In Pittsburg wurden 24 Roblengräber wegen Ausschreitungen, welche fte während eines Streits begangen, jeder zu acht Monaten Gefängniß verurtheilt. Von den Ber urtheilten waren 14 verheirathet und ihre Frauen und Kinder find jezt auf die Mildthätigkeit fremder Leute angewiesen. Im Staate Kalifornien follen gegenwärtig im Ganzen 98 640 binefen leben, wovon allein auf San Francisco 43 600 tommen. Die in San Francisco erscheinende 3eitung Morning Call" bofft, daß fich die Chinesenfrage balb von felber lösen wird, indem fte ausführt, die Chinesen, welchen es immer schwerer würde, Arbeit zu finden, wanderten in immer arößerer Bahl nach China zurüd, während die Bahl der Burüdbleibenden langfam aber ficher durch Todesfälle vermine bert werde. Da die Einwanderung in Folge des geseglichen Verbotes derselben faft gänzlich aufgehört habe, sei alle Aus ficht vorhanden, daß die Chinesen in nicht zu ferner Beit gänglich vom Schauplage verschwinden würden. Der Finanzausschuß des Repräsentantenbauses erstattet einen Bericht, der fich gegen den Randallschen Entwurf wegen Revision des Bolltarifs ausspricht. Afrika. Die von zahlreichen egyptischen Raufleuten nach gesuchte Wiedereröffnung des Handelsverkehrs mit dem Sudan ift von Der egyptischen Regierung in so lange als unstatthaft erklärt, als nicht eine friedliche Gefinnung unter den Mahdiften playaegriffen bat. In derselben Frage wurde bei Sualin von Diman Digma ein Nath abgehalten, welchem 50 Beduinen Chefs beiwohnten. Es tam zu heftigen Debatten und nachdem Dsman Digma erklärt hatte, die Eröffnung der Handelsver bindung mit Egypten wäre Berrath an der heiligen Sache, verließen mehrere Chefs mit ihren Leuten das Insurgenten Iager. In Washington hat fich unter dem Namen ,, United Staates u. Congo National Emigration Co.", eine Gesellschaft gebildet, um eine Dampferlinie zwischen Baltimore und dem Kongo Iande bebuts Förderung der Auswanderung nach und bes Handels mit legterem Lande zu errichten. Das Attienkapital beträgt 2000 000 Dollars. In Tanger der Hauptstadt Marottos, ift dem Sour nal des Debats" zufolge am 30. Junt der italienische Gesandte, Ecovaffo, auf offener Straße von einem raber angegriffen worden. Als der Gesandte dem Angreifer Vorhaltungen machte, zückte derselbe seinen Dolch und stürzte auf den Gesandten los. Ein Janitschar der franzöftschen Gesandtschaft eilte dem ita lienischen Gesandten aur Hilfe, entwaffnete den Araber, der Dann verhaftet wurde. Das diplomatische Rorps in Tanger ift aufammengetreten, um die marollanische Regierung zu ver anlaffen, energische Maßregeln behufs Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit zu treffen. Australien. Gerichts- Beitung. Wegen Störung des Gottesdienstes durch beschimpfen den Unfug batten fich heute zwei 12jährige Kinder, das Schulmädchen Anna Dundel und der Schullnabe Karl Lühr, vor der 94. Abtheilung des hiesigen Schöffengericht zu verantworten. Auf dem Grundstüde Stettinerstraße 47 befindet sich eine Kapelle der Berliner Stadtmisfion, in welcher an jedem Donnerstage und Sonntage Abends Bibelftunde resp. anderer Gottesdienst stattfindet. Schon seit längerer Beit nahmen die Besucher der Kapelle wahr, daß jedes Mal um die Gottesdienststunde auf dem Hofe des Nachbarhauses Nr. 46 ein fürchterlicher Standal verübt wird, durch den die Andacht in der Kapelle Störung erleidet. In Folge deffen ist es zwischen Den Angestellten der Kapelle und namentlich auch zwischen dem Stadtmisfionär Stolze und dem Eigenthümer des gedach ten Hauses zu lebhaften Auseinandersezungen gelommen, die aber nicht den Erfolg hatten, daß die lauten Beluftigungen von Erwachsenen und Kindern auf dem Hofe Stettinerftr. 46 während des Gottesdienstes aufhörten. Die Angestellten der Stadtmiffton wandten sich um Abstellung des beregten Uebel ftandes an den Kaiser und auch an den Polizeipräsidenten v. Richthofen. Der lettere bat nun angeordnet, daß während des Gottesdienstes in der Stadtmifftonstapelle Stettinerftr. 47 ein Schußmannspoften aufgestellt werde. Nach der An flage nun, fich auf die Bekundung bes bienft habenden Schußmanns, des Stadtmisfionärs Stolze und zahlreicher Kapellenbesucher stüßt, bat am Abend des 30. Mat b. J. während des Gottesdienstes in dem Nachbarhofe wiederum ein furchtbarer Lärm durch Johlen und Abfin gen zotiger Lieber seitens lauter fleiner Rinder, unter denen Die beiden Angeklagen die ältesten waren, stattgefunden. Nach der Ansicht der vernommenen Beugen wären die Kinder von ihren Eltern hierzu angeftiftet worden, denn sie wollen seitens erwachsener Personen drohende Aeußerungen vernommen haben. Der Schußmann relognoszirte die beiden Angeklagten, welche thre Betheiligung in brede stellten. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Uaftein trat Beweis für die Nichtbetheiligung der An geklagten an; der Amtsanwalt beantragte aber deren Verur theilung au je 6 M. eo. je 2 Tagen Haft. Der Gerichtshof erlannte auf Freisprechung der Angeklagten, die offenbar ange stiftet seien und die ohne Unterscheidungsvermögen gehandelt haben. Reichsgerichts. Entscheidung. Leipzig, 6 Juli.( Ein englischer Hochftapler.) Das Landgericht I in München ver urtheilte am 28. Dat den angeblichen englischen Kapitän Henry Bailey, auch Macdonald und Cool genannt, welcher in Süd Wales geboren ift, wegen Betruges zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß. Die ihm nachgewiesenen Strafthaten bestanden barin, daß er in Münchener Befchäften als vornehmer und reicher Engländer auftrat und mit Hilfe gefälschter Chels 2c. Waaren erschwindelte. Das Gericht tam auf Grund ver fchiedener Thatsachen zu der Annahme, daß Mr. Bailey bemaß die ein Hochftapler erften Ranges sei und Strafe auch mit Rücksicht darauf, Darauf, daß er schon in England beftraft ift, etwas höher. Aus verschiedenen in der Hauptverhandlung verlesenen Schriftftüden ging hervor, daß Der Angeflagte von den Behörden mehrerer Großstädte in Eng land, Belgien, Frankreich, der Schweiz und Desterreich wegen ähnlicher Schwindeleien gesucht wird, und dürften daher für Den braven Kapitän" bie nächsten 10 Jahre fich weniger an genehm geftalten, als die Vergangenheit. Bailey batte gegen Das landgerichtliche Urtheil Reviston eingelegt und fich darüber beschwert, daß einige seiner Beweisanträge abgelehnt seien und ferner gerügt, daß die Strafe so bob bemeffen set mit Die Rücksicht auf eine angebliche Bestrafung in England, aber gar nicht festgestellt sei. Der Reich Reichsgerichts vom 5. Juli die Verwerfung der Revifion, well anwalt beantragte in der Sigung des I. Straffenats des Die vom Angeklagten geftellten Anträge auf Ladung von Beugen und Sachverständigen in der Hauptverhandlung nicht wieder. bolt feien und auch der Angeklagte fich insoweit gar nicht be schwert fühlen könne, da er wegen der Strafthaten, bezüglich deren er Beweisanträge geftellt batte, gar nicht verurtheilt sei. Die Thatsache, daß der Angeklagte vorbestraft set, ergebe fich aus dem Polizeibericht von London, welcher ebenso gut wie die anderen von den auswärtigen Behörden eingelaufenen Schriftstücke ver lefen werden fonnten. Das Reichsgericht verwarf darauf die Reviston des Angeklagten. Der Bremierminifter von Vittoria, Duncan Gillies, bat beffen Inbalt das Vorgehen der Franzosen auf den an den Gouverneur Sir Heny Loch ein Schreiben gerichtet, Reu- ebriben bildet. Der Minifter ertiärt, daß er niot Soziales und Arbeiterbewegung. einzusehen vermag, warum ein Militärposten auf der Insel er richtet worden ist, was allem Anscheine nach eine Verlegung des zwischen Frankreich und Großbritannien geschlossenen Ver trags bilde. Er sagt ferner, daß keine gewaltthätigen Hand lungen von Seiten der Eingeborenen bekannt sind, welche das Vorgehen des franzöfifchen Befehlshabers rechtfertigen wür den. Bum Schluffe erklärt er, daß franzöfifche Truppen wichtige Punkte auf den Neu Hebriden besegt hielten. selben sollten so bald als möglich zurüdgezogen werden. Die wohl noch burch bie, nach dem Tob bes Maulwurfsfängers wohl noch durch die, nach dem Tod des Maulwurfsfängers gegen den Förster eingeleitete Untersuchung aufgefrischt, und dieser auch wegen Tödtung aber mit mildernden Um ständen, da er felber babet verwundet worden zu zwei Monaten Gefängnißßtrafe verurtheil. Jetzt hatte er diese abgesessen und Niemand sprach mehr davon oder bachte noch baran. ( Fortsetzung folgt.) Ans Kunst und Leben. Die luftigen Heidelberger", eine neue einattige Stu bentenpoffe mit Gesang und Evolutionen von Robert Linderer, gelangte geftern mit durchweg neuer Ausstattung an Delo rationen und Roftümen auf der Sommerbühne des Schweizer Gespielt wurde das von Heren Hummel inszenirte Stüd von gartens zum ersten Male mit beftem Erfolg zur Aufführung. allen Mitwirkenden recht flott. Die Folgen von Sensationsberichten. Einem ameri lanischen Blatte entnehmen wir folgende Mittheilung: Butte, 24. Juni. Der hiesige Daily Miner" batte eine Geschichte über die Tochter eines Herrn Georg Miller aus Anaconda ver öffentlicht, die angeblich ausgerückt und in biefiger Stadt ge Offiae fener Beilung und ließ, oben auf der Treppe flebend, traut worden fel. Miller fam nun heute her, ging in bie den Redakteur Biegenfuß berausrufen. Ich mach's hier gleich mit Ihnen ab", fagte Miller und zog den Revolver. Durch eine gefchickte Bewegung des Biegenfuß ging die Rugel jedoch febl. Dann warf der Siegenfuß den Schießbolt buchstäblich die Treppe binab und während dieser unten lag, würgte er ihn so lange, bis dritte Personen die beiden trennten. Miller wurde Dann verhaftet. Eine geprüfte Schiffslapitanin. Wie aus New Dort gemeldet wird, bat Frau Mary W. Coons dort foeben die Brüfung als Schiffsführer und Lootse in vorzüglichster Weise beftanden. Die Dame wird, nachdem fie ihr Bertifilat erhalten hat, den Befehl über die Dampfyacht Elizabeth" übernehmen. Frau Coons foll übrigens nicht die erfte Dame fein, welche Frau Coons foll übrigens nicht die erfte Dame sein, welche einen Dampfer befehltat. Im Jahre 1884 erhielt Frau Mary M. Milter aus New Orleans das Kapitäns. Bertifikat; feitdem befebligt fie den Handelsdampfer„ Saline". " Amerikanische Studenten. New York, 26. Juni. Jm Didinson College in Carlisle( Pennsylvanien) baben die Herren Studenten eine wahre Verschwörung angeftiftet, um eine Rollegin bei der Schlußprüfung zu Falle zu bringen. Aus Angst vor der Ueberlegenheit des Mädchens meldeten sich überDie überseeische Auswanderung aus dem Deutschen Reiche( über deutsche Häfen und Antwerpen) betrug im Monat Mai 1886 11 094 Personen, vom 1. Januar bis 31. Mat 33 977 Berfonen. Wie in den vorhergehenden Monaten dieses Jabres, so blieben auch diesmal die Biffern wesentlich hinter benjenigen der gleichen Beiträume der Vorjahre zurüd. Es belief fich nämlich die deutsche Auswanderung in den ersten fünf Monaten 1885: auf 56 182, 1884: 80 104, 1883: 80 813, 1882: 102 324, 1881: 102 519, 1880 auf 42 410 Bersonen. haupt nur drei von dreißig dieser Bengel zur Prüfung und bann erft, nachdem alle möglichen Schliche ersonnen waren, um bie Studentin zu ängftigen und zu verwirren. Das Mädchen bielt fich aber tapfer und trotte selbst bei der Schlußrede einem Sturm von Pfeifen, dem Losbrennen von Schwärmern" und großen Glode in einem Nachbargebäude. Frl. Longsdorf blieb Torpedos" im Saale und dem unaufhörlichen Läuten einer Sieger und trug das befte Beugniß davon. Dieser Vorfall ist hier teine Seltenheit; im Gegentheil, die Söhnchen unserer befferen Klaffen" thun überall das Möglichste, um den Mit bewerb der Frauen da auszuschließen, wo er fte treffen mag. Und die Alten handeln gerade so. Diese Herren find für freiefste Ronkurrens", wenn es sich um Fabrilarbeit handelt. Da haben fie sogar eine entschiedene Borliebe für die Ver wendung von Frauen. Aber der Mitbewerb der legteren als Advokaten, Aerate, Richter, Lehrer, in den böberen Berufen" überhaupt, ist ihnen ein Greuelaus schnödestem Eigennut. Wenn es an den Geldbeutel gebt, hört der Liberalismus auf. Budem fürchten die Jungen, die ihre Universitätszeit mit allerlei Dummheiten todtschlagen, die wissenschaftliche Ueberlegenheit Der Frauen. Den amerikanischen Mädchen muß es aber zum Lobe nachgesagt werden, daß fie fich weder durch billigen Hohn noch durch brutale Anfeinbung abschreden laffen, the Talent zu verwertben, wie fte Luft haben. Und fte haben darin gans unseren Beifall. Eine Liebestragödie. Wienert Blättern wird vom 5. b. aus Best telegraphisch gemeldet: Beute Morgen fand ein Boligift im Grafe nächst der Verbindungsbrüde einen Brief, einen Damenbut und eine Photographie eines Mädchens; er brachte die Gegenstände zur Oberstadthauptmannschaft. Der Brief, welcher geöffnet wurde, enthielt folgende Eiflärung: wir Unterzeichnete haben mit gemeinschaftlichem Willen, ohne gegenseitige Ueberredung, unserem Leben ein Ende bereitet; wir liebten uns. Rosa Steirer und Eduard Palsy, Rechnungs offizial im tal. ungarischen Finanzministerium." Die fofort eingeleiteten Recherchen ergaben, daß die genannten Berfonen seit gestern Abend verschwunden find. Sie brachten die Nacht im Hotel Szechenyi in Dfen zu, von dort entfernten fie fich Morgens um 5 Uhr, fubren mit einem Propeller nach Beft hinüber und gegen 6 Uhr wurden Beide auf der äußeren Sorotfarerstraße spazieren gehend gefeben. Es muß angenommen werden, daß das Liebespaar in der That einen gemeinschaftlichen Lob in den Wellen der Donau gefunden. Die Leich. name fonnten trop der emftaften Nachforschungen bis Mittag nicht aufgefunden werden. " Lebhafte Klagen über die neue Wirthschaftspolitik bringt die Sonneberger Beitung". In Erwiderung der deut fchen Bollerhöhungen verschließe das Ausland fich mehr und mehr der deutschen Einfuhr. Swet russische Räufer erklärten in Leipzig, daß fie nicht mehr nöthig hätten, nach Sonneberg zu geben, weil es absolut unmöglich geworden sei, Sonneberger Erzeugniffe nur weniges ausgenommen in Rußland zu importiren. Ein anderes Petersburger Haus schreibt Mitte Juni wörtlich: Infolge der bier herrschenden Bollverhältnisse babe ich mich entschloffen, das Geschäft mit Ihren Artikeln auf zugeben." Gin Haus aus Odessa schreibt um dieselbe Beit: Wir lönnen die meisten Ihrer Waaren nicht mehr importiren; schiden Sie nur, was 70 Stop.( 1,40 M.) per rufftsches Pfund Boll verträgt.( 1 Pfund deutsches tft nahezu 1% Bfd. ruffisches Gewicht. Buppen tönnen wir bei diesen Bollverhältnissen gar nicht mehr laufen, dergleichen werden in Mostau sehr schön ge macht c." Aehnliche Beweise lönnen leider auch für Frank reich, Defterreich, Schweden, Stalien c. leicht beigebracht wer den. Gewiß jedes biefige Haus ist in der Lage, damit aufzu warten und es wäre interessant, einmal eine Blumenlese solcher Ablagebriefe" au veranstalten. Faft jeden Tag laufen immer aus denselben Veranlassungen Biobsposten" ein. Nach Frant reich wurden 1. B. Attrapen, welche mit Spigen garnirt find, in ziemlicher Bahl verkauft; mit einem Male soll nun das gange Gewicht der Attrape als Spigen verzollt werden und die Folge ift, daß lein Stüd mehr dahin exportirt werden lann." In Landshut ist ein Schreinergefellenverein gegründet worden. Mittellose Bugereifte erhalten vom Verein fretes Nachtquartier. Auch ist im Vereinslolal Arbeitsnachweis. Daffelbe befindet sich im Gasthaus zur Goldenen Traube", Altstadt. Gestern fand die erfte Auflage ftatt. In Königshütte in Schleften wurde am 4. d. Nachmit tags eine von mehr als 200 Personen besuchte, von dem Arbeiter Heba zusammenberufene Arbeiterversamm Iung abgehalten, in welcher ausschließlich in polnischer Sprache verhandelt und die Zustände des Oberschleftschen Knappschafts vereins zur Sprache gebracht wurden. Die Bersammlung beschloß die Absendung einer Petition an das Abgeordneten baus, in welcher um die Abftellung einer Reihe von speziell aufgeführten angeblichen Mißständen gebeten wird. Die Ber. fammlung verlief ohne Zwischenfall. Vermischtes. Don Die Erschöpfung der Kohlenlager und deren möglicher Ersan. Vor einiger Zeit wurde in den Blättern die Thatsache erörtert, daß die Rohlenfelder Englands innerhalb einer Beit, die feineswegs in nebelhafter Ferne liegt, sondern ficherlich vor Ablauf des gegenwärtigen Jahrtausends eintritt, erschöpft sein werden. Was für England in einer nahen Epoche der Fall sein muß, wird allmälig auch in allen anderen Theilen der Erde stattfinden. Denn der Raubbau auf Roble Denn der Raubbau auf Koble wird mit fabelhaftem Eifer betrieben, man schafft herauf, was fich nur herauffchaffen läßt, und verschwendet die Steinfohle, als wenn fie unerschöpflich wäre. Sweifellos werden die beu tigen Nationen länger leben, als ihre Kohlenfelder ertragsfähig bleiben, und es ist teineswegs eine müßige Frage, was ge schehen soll, wenn die Kohle zu fehlen beginnt. Kürzlich hat nun Profeffor Clauftus in Bonn fich über diese Frage ge äußert. Bunäcbft betont er, wie wir der R. Stg." entnehmen, nachdrücklich, daß wir in Bezug auf den Berbrauch von mechanischer Energie in einer wunderbaren Belt leben. In national. ötonomischer Beziehung gelte im allgemeinen die Regel, daß von jeber Sache nur so viel verbraucht werden dürfe, wie in gleicher Beit wieder Davon produsirt werden könne. Sonach sollte Don Brennmaterial nur soviel benutzt werden, als durch das Wachsen der Bäume wieder neue erzeugt werden. In Wirklich leit aber verfahre man gleich lachenden Erben, die eine reiche Hinterlassenschnft verzehren. Kommt dann gelegentlich die Rede auf die dereinstige Erschöpfung der Koblenlager, so bört man wohl den Einwand machen, daß bis dahin die Wissenschaft längst ganz neue Mittel zur Wärmeerzeugung ge funden habe. Ja, man fann bisweilen die gelehrt flingende Meirung vernehmen, es werde vielleicht gelingen, das Waffer in ungeheuren, industriell verwerthbaren Quantitäten in seine Bestandtheile Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen ohne fonderlichen Aufwand von Kraft, und man babe dann an der Verbrennungswärme des Wafferftoffs eine schier unerschöpfliche Wärmequelle. Jeder Phyfiler weiß, daß diese Husficht eine phantastische ist. Es handelt sich dabei," bemerkt Clauftus, gar nicht mehr um Abwägung von Wahrscheinlichkeits. gründen, sondern man lann mit voller Sicherheit das Mög. liche vom Unmöglichen unterscheiden. Jede Schaffung von Energie ohne einen entsprechenden Abstand Energie ist absolut unmöglich. Der Vorrath von potentieller Energie, welcher in den Kohlenlagern vorhanden ist, verdankt seine Entstehung derjenigen Energie, welche die Sonne der Erde in der Form von ftrahlender Wärme, die zur Ernährung Der Pflanzen nöthig ist, in langen, dem Bestehen des Menschen geschlechtes vorausgegangenen Beitperioden zugesandt hat. Wenn dieser Vorrath verbraucht sein wird, so wird kein Mittel einer noch so vorgerückten Wissenschaft im Stande sein, eine weitere Energiequelle zu eröffnen, sondern die Menschen wer ben dann darauf angewiesen sein, fich mit der Energie zu be helfen, welche die Sonne ihnen im Verlaufe der ferneren Beit noch fortwährend durch ihre Strahlen liefert". Diese Energie bietet fich dar einerseits in den durch fortdauerndes Wachsen von Pflanzen neu entstehenden oxydations. fäbigen Materialien, andererseits in Bewegungen der Art, wie fte in Winden und in fallenden und strömenden Gewässern enthalten find. Besonders die Wafferbewegungen als Lieferer verwerthbarer Energie hält Clauftus für sehr wichtig und be tont, daß ein großer Wafferfall in dieser Beziehung ein Roblen bergwert von erheblicher Ausdehnung erseyen tönne, und ähn lich verhalte es fich mit allen schnell fließenden Bächen, Flüffen und Strömen. Diese Energie", sagt der berühmte Phyfitter, ,, wird durch die bis jest vorhandenen Mühlen und Wafferwerle nur in febr geringem Maße ausgenugt. Den bei Weitem größten Theil dieser Energie laffen wir nuplos verloren In der That würde es auch bei einem Waffer geben. falle einiger Größe, Größe, oder einem ftart fttömenden Fluffe mit großen Schwierigkeiten verbunden fein, alle in ihm vorhandene Energie an Ort und Stelle in swedmäßiger Weise zu verwerthen. Sollte es aber möglich wer ben, diese Energie nach anderen entfernten Stellen zu übertragen, so würde dadurch ihre nügliche Verwendung sehr er leichtert werden. Hierzu bietet uns nun Hierzu bietet uns nun die dynamoelettrische Maschine das Mittel, und hierin wird wahr scheinlich ihre Hauptanwendung für die Bukunft liegen. Während das lestverfloffene Jahrhundert sich dadurch ausgezeichnet hat, daß durch Erfindung oder volllommnung von Maschinen, unter denen die Dampf maschine obenan steht, die Kraftquellen der Natur in einer früber nie geahnten Weise dem Menschen dienstbar ge macht sind, werden die folgenden Jahrhunderte die Aufgabe baben, in dem Verbrauch dessen, was uns an Kraftquellen in Det Natur geboten ist, eine meiſe Defonomie einzuführen, und besonders dasjenige, was wir als Hinterlassenschaft früherer Bettepochen im Erdboden vorfinden, und was burch nichts wieder ersegt werden lann, nicht verschwen Derisch zu verschleudern. Je eher hierin eine Wendung ein tritt, Defto beffer wird es für die Bulunft sein. Die an der Spige der Bivilisation stehenden Nationen sollten sich bei Beiten aufammenthum, um die Ausbeutung ber Roblenlager in ähn licher Weise au lontroliren, wie in gut organisirten Staaten Die Ausbeutung der Wälder fontrolirt wird." Es ist dies ein Gebante, der ernstliche Erwägung verdient, wenngleich B.rantwortlicher Redakteur N. Don Ber freilich seine Berwirklichung vorerst noch in weiter Ferne liegt. Auch auf die gewaltige Energiequelle, welche die Meeresfluth repräsentirt, hat man schon aufmerksam gemacht, und zu ihr wird vielleicht dereinst England greifen müssen, wenn seine Steinkohlenfelder erschöpft find. Db es dabei aber den Wett Steinlohlenfelder erschöpft find. Db es dabei aber den Wett bewerb mit Industrieländern, die noch Rohlen befizen, wird befteben können, ist freilich eine andere Frage. Ein Todfeind der Kohlen. Unter dem Titel„ Ein Stüdchen Rosmos und der Roblenkonsum als allgemein schäd lich wirkende Ursache auf Alles, was lebt und webt auf Erden", hat ein Rittergutsbefizer, Herr Frans Redes( auf Natelfs bei Wizmit in Pommern) eine Broschüre im eigenen Verlage er scheinen laffen, in welch.r er eine ganz absonderliche Theorie vorträgt. Die oullanische Thätigkeit ist nach dieser Lehre weiter nichts, als ein Verbrennen unterirdischer Steinkohlenlager, her vorgerufen durch Zutritt von Wasser und Sauerstoff. Bevor der Bullanismus in die Erscheinung trat, muß nothwendig der Bullanismus in die Erscheinung trat, muß nothwendig eine andere plöglich erfolgte Ratastrophe vorangegangen sein, welche Ursache war, daß Pflanzen, Thiere, Bäume in unge beueren Maffen zusammengeführt wurden und durch ihre Menge Die Steinkohlenschichten bildeten.( Der Verfaffer stellt sich vor, Diese Katastrophe sei durch Busammenstoß mit einem fremden Weltförper erfolgt.) Bei allen jept fortdauernden Eruptions projefen find nach seiner Anficht die Steinkohlen der Pfahl im Fleische unseres Planeten, das Leichengift der plöß. lich untergegangenen Borwelt. Er steht hiedurch den Reim ge legt zum fchern Untergang der Erde. Die Vegetation ist be reits im Rückschritte, wir stehen im Anfange einer Bwergvege tation. Die rasche Entwidlung des Eisenbahnwesens wird - indem fte das Uebel fördert bald durch das daraus hervorgehende Elend überholt werden. Alle Mittel zur Abftellung der Nothlage, Arbeitsloftgleit und Unzufriedenheit wer ben unzureichend sein, da man nicht teine Luft schaffen und Den Erdboden entgiften lann. Der gänzliche Stillstand der gewerblichen und landwirthschaftlichen Thätigkeiten wird so Dann erfolgen; hierauf ein Vernachläfftgen der unterirdischen Roblengruben; es wird fich Waffer in den noch size in fich bergenden Kohlenlagern ansammeln, dies wird in Dämpfe über geben, immer großartigere Erdbeben werden fich zeigen, die Petroleumlager werden dann gleichfalls in Attion treten, die Size wird Alles verbrennen, was brennen lann, und zwar mit Gewitterſtürmen, Luftbränden, Verdunkelung der Sonne, Finsterniß! Der Berfaffer bat auch seine eigene Driginal theorie über die Erzeugung in Pflanzenfäften. Die Berstörung butch Paraftten ift nach dieser Theorie nicht die eigentliche Ursache der Krankheit, nur die uns in die Augen fallende. Die eigentliche Ursache ist Berwefung des Saftes; in den ver wesenden Pflanzenfäften zeigen fich Maden, aus denen Insekten entstehen, und zwar in jeder Pflanzenart anderes Ungeziefer. Nicht durch Insektenstich mit gleichzeitiger Eilegung entstehen diese Infelten Diese Inselten wie man allgemein annimmt. Die thierischen Baraftten z. B. in absterbenden Bäumen entstehen nach dieser Theorie durch Urzeugung: Stoden des Saftlaufes, Gerinnen der Säfte zwischen Holz und Rinde( Saftanbäufungen), Schei dung der fettigen Theile von den wäfferigen; Bildung von Konvoluten( eiförmigen Klumpen) fettiger Schleimmaffen; in diesen Klumpen entsteht ein buntler Buntt, welcher sich zum Kopf der fich entwidelnden Made ausbildet( mittelft generatio aequivoca). Jft die Made lebensfähig geworden, so durch bohrt fie die Rinde, zieht sich hierauf zurüd und beflügelt fich. Dann friecht fie aus dem früher von ihr gebohrten Loch und umschwärmt als fliegender Burafit( Borkenkäfer) den Baum. Es ist undentbar, daß etwas anderes als Urzeugung im Spiele ist, weil die Mabe fich unter der völlig unverlegten Rinde entwidelt; auch hat der Borlentäfer den Kopf von innen nach außen gerichtet, will den Geburtstanal mit dem Kopfe nach vorn verlaffen. Nun hat aber das maffen hafte Berbiennen von schwefelbaltigen und mitunter auch arfenithaltigen Steinloblen die Entwicklung schwefelsaurer_und Schwefligfaurer Gase zur Folge; in jenen Bäumen, deren Saft. irtulation nicht mehr lebhaft genug ist, zeigt fich der Einfluß dieser Gase am schlimmsten; Erkrankung der Nadeln, Stodung der Säfte, Barafitenbildung;- dies ist der bergang. Aehnlich verhält es sich mit der Reblaus. Daber find alle Aehnlich verhält es sich mit der Reblaus. Daber find alle Mittel vergeblich, weil sie fich gegen die Folgen und nicht gegen die Ursachen wenden. Die Rebe fräntelt ebenso wie andere Pflanzen und Bäume unter dem Einfluß der vergifteten Luft Pflanzen und Bäume unter dem Einfluß der vergifteten Luft viele Jahre, bevor sie so weit augerichtet ift, daß ihre Säfte in's Berberben gerathen, bis fte bei endlicher Bersegung aus fich selber heraus lausesüchtig wird. Auch die aus Schorn fteinen entweichenden giftigen Gafe und deren Verwüftungen in der Vegetation und im Gesundheitszustand der Bevölle. rung werden erörtert. Die Rartoffeltrantheit definirt Redes gleichfalls als eine Folgekrankheit, als eine sekundäre Erscheinung; die primäre ist die Dispofition zur Ent pflanzlichen und thierischen durch Er widlung von wird wird durch die fauren aeugung; diese Disposition Base hervorgebracht, welche fich beim Verbrennen von schwefel und arsenithaltiger Steintoble bilden: Störung der Säftesirkulation, Wucherung der Benorospora, Fledenbildung, Schwarzwerden und Absterben der Blätter, Schimmelpilze Dies ift der Vorgang. Der Verfasser geht genau auf alle Phasen der Erscheinung ein und glaubt, die kleine faben förmige Made tönne eine der Formen, welche die Trichine an nimmt, fein. Die Vegetabilientrantbeiten, welche fich im Jabre 1783 zeigten und andere spätere Epidemien find nach seiner Ansicht durch Krater der Bullane verbreitet.- Die Bereallentrantheiten: Honigtbau und Roft erklärt der Verfaffer fpeziell, indem er anf die Natur der ausgeschwisten Halm äfte reflektirt, sodann auch Muttertorn, Mehlthau u. f. w. Ebenso bas Absterben der Bäume( Krankheiten der Fichten, Linden, Maulbeerbäume, Rebentrantheiten) und zwar jede Spezialität für fich; aber auch die Cholera, die Drehkrankheit der Schafe u. 1. w. Der Cholerabazillus ift eine Folgeerscheinung; her. vorgegangen durch Urzeugung aus franten, theilweise in Ber wesung übergegangenen Säften! Ueberall Folgen des Rohlentonsums! Wenn nicht ein Mittel erfunden wird, den Kohlentonsums! Wenn nicht ein Mittel erfunden wird, den Wafferftoff als allgemeines Brennmaterial nußbar zu machen, Den Rohlenkonsum aufgören zu laffen, dann meint der Ber faffergiebt es fein Mittel geger alle diese verheerenden Seuchen. Eine Doppelhinrichtung in Bosnien. Montag, den 28. v. M., wurden in Doluja Tusla die Brüder Meho und Alija Nific durch den Strang hingerichtet. Dieselben sind nach einem im Jahre 1884 verübten Raube flüchtig geworden und trieben fich seitdem im Bezirle Tusla umber, wo fte verschie Dene Diebstähle und Naubthaten vollführten, bis es endlich Ende des vorigen Jahres gelang. ihrer habhaft zu werden. Da ste fich vor ihrer Hinrichtung renitent benahmen und offen brobten, fie würden dafür sorgen, daß fie nicht aufgehängt werden, wurden fie vom Scharfrichter schon im Rerler gebunden und so auf die Richtstätte geführt, wo fie die Exelution rubig an fich vollziehen ließen. Suerft wurde Meho und dann Alija Nific hingerichtet. Ierwedte, machte er fich, fein" Boot im Stiche laffend, auf die Beine, wanderte quer durch die Insel, stahl fich ein anderes Boot, und ſegelte Damit und ſegelte damit nach dem jütischen Hafen Frederikshavn, wo er das Fahrzeug am Strande liegen lieg und jobann, nach Verübung von einem halben Dugend mittels Einbruchs bewirkter Kirchendiebstähle im Jütischen, fich von der Polizei verfolgt sehend, zu Fuß südwärts durch Jütland bis nach Flensburg durchbettelte. Hier stahl er den Luftlutter Helene" fammt einem Kleinen Ruder boot und ftach wieder in See. Während der Fahrt rig das Schlepptau des Ruderbootes und es gelang dem Segler nicht, des legteren, welches in die See hinaustrieb, wieder habbaft zu werden. Die Reise mit dem Rutter feste er so lange fort, bis der mitgebrachte Proviant zu Ende war, und er feste des halb am Montag Nachmittag das Fahrzeug an der Südlüfte der dänischen Insel Aerö auf den Strand, begab fich an's Ufer und erbettelte fich einige Lebensmittel. Mit der Dunkel heit begab er fich nach dem Hafenorte Marstal und stahl von Bord einer Jacht ein seidenes Tuch sowie etwas getrocknete Bwetschen und sonstige Eswaaren, entwendete sodann das bei Der Jacht liegende Boot( Nr. 5!) und segelte damit nach der benachbarten Insel Langeland. Bei einem auch hier so fort begangenen Diebstahle fiel der fühne Wiling indeffen endlich in die Hände der Polizei und steht seiner Strafe ente gegen. Ein tühner Seeräuber wurde am Dienstag, ben 29. Juni, auf der dänischen Insel Langeland abgefaßt. Ein dänisches Blatt berichtet über die Streiche des echten Nach kommen der alten Witinger: Am Dienstag ist es der Bolizei auf der Insel Langeland geglückt, einen gemeingefährlichen Verbrecher, einen angeblichen dänischen Seemann Namens Pilegaard, au faffen, der folgendes eingestanden hat: Bor einem Monat bat er in Korsör ein Boot gestohlen und fich mit demselben an verschiedenen dänischen Rüftenplägen, überall steblend, umbergetrieben, sodann im Derefund mit gestohlenen Geräthen gefischt und fich darauf auf der Ropenhagener Rhede aufgebalten. Bur ibwechslung segelte er dann nach der füb lich von Slagen im Kattegatt gelegenen Insel Läsö und ver fuchte dort das Boot zu verkaufen; da er dabei aber Berbacht Gronheim in Berlin. Drud und Berlag von Mar Bading in Kleine Mittheilungen. Wien, 4. Juli.( Vermiste Alpenbefteiger.) Markgraf Alfred Pallavicini aus Wien hat mit dem Sekretär der nieder ländischen Gesandtschaft in Wien H. A. Crommelin und zwet Führern aus Kals von Lienz aus eine Befteigung des Groß glodners unternommen und diese sind seitdem vermist worden. Markgraf Alfred Ballavicini war ein paffionirter Tourist. Er unternahm alljährlich eine Reihe von schwierigen Gebirgstouren und ließ fich durch teine Ungunft des Wetters, durch feine törperliche Indispofition, durch kein lokales Hindernis abhalten, eine Tour zu vollenden, wenn er fte einmal projektirt hatte. Er ftand im 39. Lebensjahre. Im vergangenen Monat beschloß er, einen Ausflug in das Glocknergebiet zu unternehmen, das ihm aus früheren Jahren her wohlbekannt war. Er forderte awei feiner Freunde, die Herren Arthur Graf Coronini und .. Crommelin, auf, fich der Expedition anzuschließen. Die Herren einigten fich, Wien am 23. Juni Abends zu verlassen. An diesem Tage fühlte fich aber Graf Coronini unwohl, und im legten Augenblic entschloß er sich, in Wien zu bleiben. So machten also nur Martgraf Pallavicini und Herr Crommelin den Aus flug mit. Der Marlgraf batte furs vor seiner Abreise feinen in Wien wohnenden Eltern auf das bestimmtefte ver sprochen, am 30. Juni, spätestens am 1. Juli wieder in Wien zu sein. Er nahm auch nur das allernothwendigste Gepäd mit fich und fuhr am Abend des 23. Juni, begleitet von Herrn Crommelin, nach Tirol. Seit diesem Tage fehlt jede Nachricht über das Schicksal der Touristen. Der Markgraf hatte seinem Bater auch eine schriftliche Mittheilung über das Gelingen der Partie in Aussicht gestellt; doch der 1. Juli lam, ohne daß der Martgraf selbst oder ein Brief von ihm hier eingetroffen wären. Die Eltern warteten bis zum 2. Juli, un als noch immer feine Nachricht lam, wendeten fie fich auf telegragraphisch m Wege an die Gemeinde Lienz, um über das Schicksal thres Sohnes Austunft zu erhalten. Mittags traf eine Depesche aus Lienz ein, welche besagt, daß der Markgraf und sein Begleiter am Sonnabend, den 26. Juni, mit zwet Führern aus Rals eine Glodnerbefteigung unternommen haben und wahrscheinlich verunglückt find. Das Glodnergebiet werde schon seit dem 1. Juli auf das eifrigfte durchsucht; doch habe man bisher von den Verunglüdien noch teine Spur gefunden. Nach weiteren Nachrichten gingen die beiden Touristen von Kals aus mit den awel von dort aufgenommenen Führern Chriftian Rangetiner und Engelbert Rubisojer bis zur Stübl bütte, am 25. Juni gingen fe von bort weg, lebrten jebuch nicht mehr dahin zurüd. Die Nachforschungen haben erft Mitt woch früh begonnen. Man fand einen Rudjad und mehrere Gegenstände, die zur Ausrüstung der Touristen gehört hatten, und faft den ganzen Proviant, den fie auf ihre Tour mitge nommen hatten. Alles das wurde in die Stüblhütte gebracht. Die Spuren der Bermigten tonnte man bis zum Einstieg in den Glodnergrat verfolgen, von wo aus fte fich aber verloren. Hieraus geht hervor, daß Graf Ballavicini und sein Begleiter den Versuch gemacht haben, den Uebergang vom Kleinglodner auf den Großglodner zu unternehmen, welchen Graf Pallavicini schon vor zehn Jahren vollständig unter den größten Gefahren und Mühseligkeiten ausgeführt hat. Diese Bergtour hat der " Führer auf den Großglodner" in folgender Weise Führer geschildert: ,, Markgraf Alfred Ballavicini, Mitglied bes Alpenklubs Defterreich" und des Alpinen Klubs", verließ mit drei Führern am 18. Auguft 1876 um 6 Uhr Morgens das Glocknerhaus und langte nach andert halbstündigem Aufenthalt in der Wallnerhütte um halb 9 Uhr über dem oberen Bafterzenboden im Gletscherfall unterhalb des leinen Burgftalls an. Nachdem in eine sentrechte Eiswand eine Brefche mit dem Eisbeile geschlagen worden war, befand fich die Partie um 411 Uhr am Fuße des Eistouloirs, wel ches zwischen den beiden Blodnerspigen zur Scharte führt. Hier begann die eigentliche Arbeit; Tribuffer führte mit Kramsner, während Graf Pallavicini am Seile mit Führer Bäuerle folgte; 2500 Stufen mußten in das blanke schwarze Eis gehauen werden. Dabei war die Steilheit des Eises eine so exorbitante, Blagwechseln der Führer behufs Ablösung war nicht möglich, so daß sämmtliche Stufen von dem vorausgehen den Tribuffer allein bewältigt werden mußten. Steine lamen vom Großglockner herab, zum Glüd, ohne zu treffen, da man alle Vorsicht, soweit fie im Bereiche der Möglichkeit war, anwendete, um denselben auszuweichen. Man hielt mehr zur Linken und budte fich platt an die Eiswand. Nach sechsstündiger auf regender Arbeit, während welcher man fich in beständiger Lebensgefahr befand, wurden die Felsen etwa zweihundert Fuß unterhalb der Scharte betreten. Es war hobe Beit; Tribuffer erklärte, daß es ihm unmöglich gewesen wäre, noch einige Mi nuten länger bie Arbeit fortzulegen. Bollkommen burchnäßt und erstarrt durch die Eisfragmente, die beim Stufenhauen er barmungslos auf die Nachfolgenden niederstürzten, gönnte man fich eine Viertelstunde Raft. Die Spige des Großglockners wurde nun ohne Schwierigkeiten um 5 Uhr betreten. Um halb 10 Uhr langte man über den Hoffmannsweg nach 15ftün biger Wanderung im Glodnerhause an."-Berdienen Leute, die solche Narrbeiten treiben, noch Mitleid, wenn einmal Einer von ihnen dabei verunglückt? Die Triebfeder derartiger Waghalftgleiten" ist in der Regel die pure Eitelkeit und Großmannssucht. Neapel, 2. Juli. Vor einigen Tagen hörte die feit dem großen Ausbruche von 1872 von hier aus fürzlich beobachtete Thätigkeit des Vesuvs plöglich auf. Bei einer Besichtigung des Hauptkraters ftellte sich heraus, daß die obere Wand des selben, 50 Meter im Umkreise, eingestürzt, und daß diese unge heueren abgekühlten Lavamaffen in das Innere des Kraters ge fallen waren, wo fie den Feuerherd vollkommen bedeckt hatten. Allmälig jedoch hat fich die gewohnte Thätigkeit wieder einge stellt und Rauchmaffen, von Steinauswürfen begleitet, dringen wieber burch die im Innern verschlungene Kraterwand. Gin neuer Lavaftrom ist bereits wieder an der Mündung des Kraters ausgeftrömt und fließt langsam in der Richtung von Dffajano. Laibach, 5. Juli. Durch anhaltenden Regen wurden die Gruben des Bergwertes zu Sagor überschwemmt; die Waffer baltungsmaschine steht felbft sechs Meter hoch über den erften Horizont unter Waffer. Es ist Gefahr, daß der gesammte Rohlenbergbau eingestellt werden muß. Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilag 13422 SUZA EVA SVĀRĀVAARMÓAFACE ARKOEREE& AT D 8 be D g a b 译 De b e 18319 fd 50 20 al CAT SE LLESTONE D be fi he D in Beilage zum Berliner Volksblatt. Str. 157. Kommunales. Die Errichtung eines Gewerbe- Schiedsgerichts in Berlin ist bekanntlich vor mehr als Jahresfrist von den Stadtverordneten Tupauer und Genoffen beantragt worden. Unsere Hädtischen Behörden scheinen die Erledigung dieser Angelegens belt indes auf die lange Bank schieben au wollen, denn bisher bat nur eine Sigung der zu diesem Bwede gewählten ge mischten Deputation" und eine Sigung der von der genannten Deputation aur Borberathung der von den Antragstellern eingereichten Vorlage ernannten Subtommiffton ftattge funden Jnzwischen find andere Städte den Stadtvätern mit gutem Beispiel vorangegangen; fo baben die Gemeindebehörden in Stuttgart beschlossen, vom 1. Januar 1887 ab für Stutt gart ein Gewerbe Schiedsgericht zu errichten, in welchem Ar beitgeber und Arbeitnehmer, welche von den Interessenkreisen felbft gewählt werden als Schiedsrichter fungiren. Auch aus Frankfurt a. M. wird mitgetheilt, daß die legte Sigung der bortigen Stadtverordneten- Bersammlung Renntniß davon ge nommen habe, daß der Magiftrat fich mit dem Regulatio eines gewerblichen Schiedsgerichts in der Faffung, wie ihn die Verfammlung befchloffen, einverstanden erklärt bat. Möge man auch in Berlin diese Angelegenheit jest energisch in die Hand nehmen und der Stadtverordneten Versammlung nach den Ferten eine Vorlage zur Beschlußfaffung sugeben laffen. Beim Gewerts- Krankenverein zu Berlin belief| fich Der Aranetverbrauch im Januar 1886 auf 35 284 50 M., im Februaur auf 33 512,90 R., im März auf 38 205,05 M. Jn Summa für das I. Quartal b. J. 107 002,45.- An Rezepten wurden nachtagirt im Januar 46 962 M., im Februar 43 628 M, im März 49 966 M., zusammen 140 556 M. Der Durchschnittspreis eines Rea ptes ftellte sich auf 076 M. Medisin erbtelten im Januar 16 810, im Februar 16 581, im Rara 18 092 Bersonen.- Verordnungen fielen auf den Kranken im Januar 2,7 mit einem Betrage von 2,10 M., im Februar 20 mit einem Betrage von 2,02 m., im März 2,7 mit einem Betrage von 2,11 M. Lokales. Der Sauerstoffgehalt der Waldluft. Die ziemlich weit verbreitete Meinung, die Waldluft sei besonders reich an Sauerstoff, läßt sich wissenschaftlich nicht begründen, da einers feits die von einem Waldlomplege durch ben Assimilations. prozeß der grünen Blätter produzirte Menge Sauerstoff nur gering ist im Vergleich zum Gesammtvolumen Luft, und dieser Sauerstoff für den Athmungsprozeß der Bäume und die Drybationsprozesse des Humus zum großen Theil wieder verbraucht wird. Gleichwohl ichien es wichtig, die Thatsache noch durch eine experimentelle Prüfung festzustellen, welche, wie wir in Der Naturv. Rundich." lesen, E. Ebermayr im Herbst vorigen Jahres ausgeführt hat. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen, Die an febr verschiedenen Orten ausgeführt wurden, find in einer Tabelle übersichtlich zusammengestellt. In Mittel wurde Der Saue ftoffgehalt der Waldluft= 20,78 Bolumprozent und der der Luft im Freien 20,82 Bolumprozent gefunden; der Unterschied zwischen Maximum und Minimum betrug bei den Analysen der Waldluft 0,33 und bei denen der freien Luft 0,28. Durch diese Analysen ist somit der Beweis geliefert, Daß der Sauerstoffgehalt der Waldluft durchschnittlich derfelbe ift, als der der freien Atmosphäre; die geringen Unterschiede Der Bahlen fönnen auf die Ungenauigkeit der Methode zurüc geführt werden, welche aber das Resultat nicht wesentlich beeinflußt. Die Firigkeit moderner Schriftstellerei zeigt sich wieder einmal von ihrer häßlichften und geschmadlofeften Seite. Aus Budapest wird geschrieben: Das tragische Geschick bes Bayernlönigs ist das Sujet eines phantastischen Stüdes, wel ches vorgeftern unter dem Titel: Die Legende des Schwanentönigs" in der Chriftinenftädter Arena über die Szene ging. Das Buch des Franzosen Mendès ,, Le roi vierge", hauptsäch lich aber die Tagespreffe, welche zur Biographie des unglüd Itchen Fürsten noch immer Nachträge liefert, haben den anonymen Verfaffer inspirirt, und wenn auch die Inszentrung große Bühnenfenntnis verräth und manche Partie des Dramas augenscheinlich Beifall errang, so vermochte fich das Publikum doch nicht für dasselbe zu erwärmen und das Fiasto war un vermeislich. Verleumderische Bungen bezeichneten übrigens den Der Vorstellung beiwohnenden Schauspieler Bela Hetényi vom Nationaltheater als Verfasser des Stüdes, von dem man nun Halsschmerzen. Ein Bild aus dem französischen Soldatenleben von Georges Courteline. I. Es war bittertalt im Mannschaftszimmer und der Dra goner La Guillaumette glaubte, seine Nase sei erfroren, als er fie eine Sekunde lang unter der Bettdecke hervorstreckte. Um ihn herum erhoebn sich im tiefen Dunkel des weiten Raumes feine Rameraden und zogen fich an, ohne ein Wort zu sprechen. Der Rorporal war schon früher aufgestanden und machte nun einen Rundgang durchs Simmer, um die Mann schaft zu größerer Eile anzuspornen. Beim Bette La Guillaumette's, welcher sich wieder unter die Decke verkrochen hatte, hielt er plöglich an und rief, indem er auf ben Körper bes Dragoners flopfte: Be! Hollah! Hast Du die Abficht, erst morgen aufzustehen, mein Junge?" Da sich ber also Angesprochene nicht rührte, fuhr der Rorporal fort: Auf! Borwaris! Hörst Du nicht, was ich Dir sage?" La Guillaumette fledte den Ropf unter der Dede her vor und murmelte schlaftrunken: Ich stehe heute nicht auf, Rorporal, ich bin- frant." Bas, Du bist frant? Ja, zum Teufel, was fehlt Dir benn?" rief der Rorporal. Laß mich in Frieben," erwiderte ber Dragoner, indem er fich gähnend gegen bie Wand kehrte. Ich habe eine Augenbrauenverfchleimung." Lachend entfernte fich ber Rorporal und überließ den Faulpelz seinem Schidsale. Das Zimmer hatte fich allmälig geleert, bie Leute begaben fich an ihre Arbeit in die Stallungen. Wie schon bemerkt, herrschte eine furchtbare Rälte an jenem Morgen, so awar, daß das Waffer in den Rübeln fror. Die friebliche Stille im Simmer La Guillaumette's wurde plöglich unterbrochen. Freitag, den 9. Juli 1886. sagen lann: Rasch tritt der Mensch den Todten an. Als Gegenftüd hierzu erhält das Berl. Tagebl." das Birkular eines biefigen Kolportage- Buchhändlers augesendet, in dem ein foeben erschienener Roman angefündigt wird. Der Titel der ,, altuellen Dibtung" lautet: Die Geheimnisse des Königsschlosses oder Enthüllungen über Leben und Tod Ludwigs II. von Bayern, Historisch romantische Erzählung von A. Fauft. Im Die In der Anpreisung dieses Fabritats heißt es weiter: Aus der reichen Fülle der Kapitelüberschriften dieses spannendsten und gediegenften aller neueren derartigen Romane erwähnen wir nur folgende: Auge um Auge, Bahn um Bahn. Die Verschwörung in der Todiengruft.- Jm Boudoir der Tänzerin. Der Blutfauger. Ein weiblicher Satan. Unschuld und Wahnglaube. Der Gespenstertang. Des Henlers Töchterlein. Jt das Jafinn? Der Mann im schwarzen Mantel. Eine Bestie in Menschengestalt. Hofbräuhaus. Am giü en Strand der Spree. Meifter der Löne. Die wilde Jagd. Die schöne Sllavin. Ein Herz von Stein. Götterdämmerung. Am Mollen Die Räuber der Busta. Die Frau mit dem Kantichu. Gift oder Dolch? Bet den Schwarzen. Die Nige vom Starnberger See. Die Herenfüche. Im Strahl des Mondes. Der Diamantentaub. Die Macht des Gewiffens. Ein Blig aus betterem Himmel. Judith und Holofernes. Im Berbrecherleller. Petroleum und Dynamit. Was fich die Wafferlilien erzählen." Wir be neiden den Schriftsteller A. Fauft nicht um den traurigen Muth, Dieses durch die Kapitelüberschriften sattsam charakteristite traurige Opus gedichtet" zu haben. Leider giebt es laum ein Mittel, die Halbgebildeten und das Voll gegen derartige ver giftende literarische Einflüsse zu sichern. martt. Ueber Truppentonftanirungen batte bekanntlich der Ang. f. D. Havel." die sensationelle Mittbeilung gemacht, in d. Spandau wären in der Nacht zum Donnerstag voriger Woche Abtheilungen des vierten Garde Regiments und des Elisabeth Regiments in ihren Kasernen tonfignirt und hätten scharfe Batronen erhalten. Es sollte diese Maßregel mit der Aus. weisung Singers und den durch dieselbe etwa verursachten Un ruben in Zusammenhang stehen. Die ,, Kreuz Btg." erlläit nun in Bezug hierauf folgendes: Die Behauptung, es seien Abthei lungen der Regimenter in der Kaserne tonfignirt zur Verhütung foztaldemokratischer Unruhen, ift erfunden. Die aufgebauschte Beitungsnotiz ist entstanden durch eine plöglich erfolgte Rom mandirung von je einem D fisier und dreißig Mann des vierten Garde Regiments. F. und des Regiments Elisabeth außer balb der Garnison au einer Schießübung, welche am 2. Juli stattgefunden hat. Schweninger Attien. Unter den Handels- Nachrichten in der jüngsten Nummer des Deutschen Reichsanzeiger" befindet fich auch ein aus Heidelberg datirtes Jnferat, welches allge meines Intereffe haben dürfte. Danach ist unter irgend einer Nummer des Handels Registers eingetragen: Die Attien gefellichaft Profeffor Dr. Schweninger's Sanatorium Schloß Heidelberg mit Siz in Heidelberg". Als Gegenstand des Un ternehmens ist angegeben Bau und Betrieb eines Sanato tiums nach der Methode des Herrn Profeffors Dr. Schwe ninger aus Berlin, Betrieb des bisher dem Herrn Heinrich Albert gehörigen Schloß Hotels und der von dem Genannten bisher geführten Schloß Reftauration, Errichtung und Betrieb eines ausgedehnten Weinhandels und einer Drabtiell. Bahn". Die Höhe des Grundfapitals beträgt 1 200 000 m., die der einzelnen, auf den Inhaber lautenden Attien 1000 Mt. Grün der der Gesellschaft find Mainzer und Heidelberger Herren und ein Wiesbadener Rechtsanwalt. Den Vorstand bilden ein Herr Koch aus Mainz und Herr Albert, der bisherige Be figer des Schloßhotels. Im Aufsichtsrathe figen zwei von den Gründern und ein Heidelberger Rechtsanwalt. Daß verr Dr. Schweninger in irgend roelcher Weise bei der Leitung der Ge sellschaft oder an der ärztlichen Besathung des Sanatoriums betheiligt wäre, gebt aus der handelsgerichtlichen Bekannt. machung nicht hervor. Do sonst eine Betheiligung seinerseits ftattgefunden hat, läßt sich überhaupt nicht erkennen. Es mag ja auch schon dagewesen sein und Ben Aliba somit auch diesmal Recht haben, aber zu unserer Kenntniß war es bisher nicht gelangt, daß es in Berlin jest Geschäfte giebt, die fich mit Gewalt gegen die Käufer absperren müssen. Im Südwesten und Norden find zwei solche Häuser, die durch die Billigkeit ihrer Waare eine ganz seltsame AnziehungsDie Thüre öffnete sich und der diensthabende Rorporal rief: Rein Rranter hier?" La Guillaumette erhob sich leicht und sagte mit erkünftelt schwacher Stimme: La Guillaumette, Dragoner zweiter Klaffe." Der Unteroffizier notirte den Namen und verschwand. Der Krante hörte in der Entfernung die immer schwächer werdende stereotype Frage erschallen: Rein Rranter hier?" Nun hatte Guillaumette zwei Stunden Ruhe. Er hüllte fich benn auch sorgfältig in seine Dede und gab sich einem füßen Schlummer hin. Als der Krante erwachte, war das Simmer reins gefegt und die Helle des Wintertages strömte durch's Fenster. Himmeldonnerwetter!" rief La Guillaumette, indem er haftig von seinem Lager sprang. Es scheint schon vers teufelt spät zu sein." Die Kameraden find schon lange bei der Uebung und bie ärztliche Bifite wirb sogleich abgehalten werden," fagte ein Orbonnanzsolbat, welcher Stiefel pußte. H " Da heißt's dazuschauen!" rief der Rrante und leidete sich rasch an. Nun, vier Tage Arrest bekomme ich minde ftens, wenn der Doktor findet, daß ich nicht krant bin," fügte er wehmüthig hinzu. Der Gebante stimmte ihn traurig, da der Aufenthalt in bem falten, feuchten Arreste ihm in nicht sehr angenehmer Erinnerung stand. Ach was," rief er aber nach Rurzem hoffnungsfreudig, th werde bem Herrn Regiments arst fagen, daß ich Balsschmerzen habe. Das sieht man nicht so Leicht. II. La Guillaumette war als der Legte im ärztlichen Orbi nationszimmer erschienen. Die Untersuchung hatte bereits begonnen. Der Krante, der seine Rleidung fo arrangirt hatte, baß sein übernächtiges, faßenjämmerliches Aussehen wirksamt gehoben erschien, öffnete geräuschlos die Thüre und stellte sich im Hintergrunde des 3immers auf. Er hatte III. Jahege traft auf die Frauenwelt, für die ihre Artikel bestimmt find, ausüben. Ob der Reuleaux'iche Ausspruch auf das, was fie Db bieten, Anwendung findet, mag dahin geftellt bleiben, soll auch bter nicht untersucht werden; nur die seltsame Erscheinung verdient verzeichnet zu werden. Mehrmals am Tage, während der Stunden, in denen die Haupto tlaufszeit ift, füllen fich die Räume dieser Geschäfte mit einer so großen Bahl von Run binnen, daß es nicht möglich ist, noch mehr einzulaffen, die Thüren geschloffen werden, und daß ein Mann mit einer Stange vor das Haus poftirt wird, von der ein Blatat ver tündet, daß einfiweilen Niemand Einlaß finden kann. Dann geschieht das für Berliner Berhältnisse Unfaßbare: bie Frauen weichen nicht und beftürmen den Thorwart mit Bitten, fie doch einzulaffen, und drohen, andernfalls wo anders hinzugeben, worüber er dann bedauernd die Schultern zudt. Natürlich find solche Geschäfte nur in dichtbesiedelten Stadttheilen und dann möglich, wenn fie die auch unbedeutensten Artitel führen. Aber selbst mit dieser Einschränkung ist das Schauspiel ein durchaus eigenartiges. Die Arbeiten an der seit einigen Tagen in Angriff genommenen nenen Pferdebahnlinie durch die Jüdenstraße haben eine plögliche Unterbrechung erfahren. Gestern Mittag haben die dort mit dem Aufbruch des Asphalts beschäftigten Arbeiter die Arbeit niedergelegt, nachdem ihnen die geforderte Erhöhung von dreißig auf fünfunddreißig Pfennig pro Stunde verweigert worden war. Das mit dem Keil und Buschlag. hammer ausgeführte Brechen des Asphalts tft, wie die Arbeiter erklären, die härteste Arbeit, die es giebt, und erfordert eine außergewöhnliche Anstrengung der Kräfte. Die polizeiliche Maß- und Gewichtskontrole wird feit einigen Tagen in den biefigen Geschäften recht emfig und gründlich gehandhabt. Top Der wiederholten Ankündigung Der bevorstehenden Kontrole scheinen fich doch mehrere Ge schäftsleute nicht genügend vorbereitet zu haben auf den Be fuch der revidirenden Beamten, denn es ist gar nichts Seltenes in den legten Tagen, in einer Droschte den dienstlich bebelmten Schußmann zu erbliden, dem gegenüber auf dem Rüdfis ein Baquet tonfiszirter Gewichte oder eine blanke Wiegeschale liegt, die als unrichtig befunden und dem Arme der heiligen Her mandad verfallen find. Einiges Aufsehen erregte vorgeftern Vormittag die Wegnahme einer großen meffingenen Wageschale aus einem Schlächterladen im südlichen Theile der Charlotten ftraße. Die Eigenthümerin opponirte sehr laut gegen die von den Beamten ausgesprochene Beschlagnahme und veranlagte Dadurch eine njammlung Neugieriger vor dem Laden, die mit unverkennbarer Schadenfreude zusaben, wie die hübsche große Wiegeschale von dem blantgepugten Träger abgenommen, in eine Drosle geladen und nach dem Polizeipräsidium von einem Schußmanne transportirt wurde. Auf den Feldmarken der Umgegend von Berlin ist das Getreide in seiner Entwidelung schon so weit vorgeschritten, daß in den nächsten Tagen mit dem Mähen begonnen werden fann. Die Ernte Aussichten sind bis jest befriedigend, sowohl was den Rörnerreichthum, als den Ertrag des Strobes an langt. Legteres ift ziemlich lang und mittelstart, so daß es auch im Futterwerth befriedigen und zum Hädselschnitt verwendbar sein dürfte. Die Mehren find faft durchweg groß und fö: ner reich, die Körner selbst dick und mehlreich. Sommerroggen und spät gefäeter Roggen ist wegen des späten Frühjahrs diesmal noch etwas zurüdgeblieben, berechtigt aber ebenfalls zu den beften Hoffnungen. Die Kartoffeln stehen durchweg aut. Auch ein Jubiläum. Fünfundzwanzig Jahre find es iegt ber, soweit es fich verfolgen läßt, daß die ersten Anfänge des Briefmarkensammelns auftauchten und ebenso alt ist auch der Geschäftszweig, welchen dieser Sammeleifer im Gefolge batte: Der Handel mit gebrauchten Briefmarken. Vielfach be gegnet man der Anficht, daß die Paffion des Briefmarken. Sammeln ihren Höhepunkt heutzutage bereits überschritten habe; diese Anficht ist jedoch ganz irrig; es hat sich vielmehr gerade in den legten Jahren der Briefmarkenhandel noch ganz be Deutend gesteigert. Welchen Umfang er gegenwärtig hat, wird 3. B. daraus hervorgehen, daß eine einzige Nürnberger Firma allerdings eine der bedeutendsten in diesem Fache, die von Bechmeyer im vorigen Jahre 23 Millionen Stud gebrauchte Marten, mit einem Gewichte von 1610 Stilo, im Großbandel eingeführt hat; ebenso hoch belief fich die Ausfuhr dieser Firma. Schmudfedern auf Damenhüten. Bekanntlich hat der Federnschmud auf Damenbüten seit einigen Jahren in mancher Säson geradezu enorme Dimenfionen angenommen, und der feine Müge in die fahlen, verschlafenen Augen gebrüdt, wo burch sein gelbes, unrafirtes Geficht einen Stich ins Typhöse erhielt. Vor einem mit Tintenfleden überfäeten Tische, auf welchem bas Rrantenbuch lag, faß der Regimentsarzt und hielt eine Feber in der Hand. Ein langer, hagerer Bursche erzählte mit ehrerbietig- weinerlicher Stimme feine Leidensgeschichte. Genug!" rief ber Regimentsarzt barsch.„ Schuh her. unter, Fuß zeigen!" Der Patient that, wie ihm befohlen war. Der Arzt ergriff ben Fuß: Also das ist ber kranke Fuß! Thut Dir's hier weh, wenn ich brüde?" frug er. " Ja, Herr Regimentsarzt," wimmerte der Solbat, es brennt mich so sehr!" 110 Schuh wieder anziehen!" sagte der Arzt. Nichts baran; fleine Abschürfung vom Reiten; zwei Tage dienst frei; Fußbäber nehmen." Sodann rief er: Chantavoine!" Ein Rranter nahte in auffälliger Weise hinkend bem Was soll benn das wieder heißen?" rief der Arzt un willig. au rate. Herr Regimentsarat," erwiderte Chantavoine zaghaft, melbe gehorsamst, daß ich schon seit zwei Tagen.. der Schuh herunter!" schrie der Doktor, dessen Antlig fich röthen begann.„ Beinkleid aufftreifen!" Solbat in leiſem Lone. Ich habe heftige Schmerzen im Kniegelent," murmelte " So? Ich merke nichts davon. Dir thut das Rnie nicht web!" doch, Herr Regimentsarzt." Was? O doch, Herr Regimentsarst? Na warte, Du unverschämter Bursche," schrie der Arzt zornig, ich werde Dir o doch" schon geben! Hälift Du mich für blind? Glaubst Du, daß ich nöthig habe, mich bei einem Kranken zu erfundigen?" Herr Regimentsarzt, ich..." wiederholte Appell der Thierfreunde und Drnithologen an die garten Damenbergen ist ungehört verballt. In der That mußte Jenen auch bet Erwägung der toloffalen Maffen von ganzen Vogelbälgen, Flügeln und einzelnen Federn großer und lleiner Vögel, welche alljährlich in den Handel lommen, um die Vogelwell bange werden. Eine jüngste statistische Busammenstellung bewerthet die jährliche Einfuhr von Schmudfedern nach Eng land, von wo aus dieselben wieder theilweise ins Ausland geben, auf 3104 800 t. für Vogelbälge und 40 238 400 D. für Federn. Aus Englisch- Indien wurden für 30 452 000. Federn importirt. In Süd und Nordafrika wo befanntlich ble Straußenzucht gedeiht, wurden im Jahre 1883 in ben Buchtanstalten für 30 255 200 M. Straußfedern produzirt. Leider beschränkt fich die Industrie nicht auf die Rudera exotischer Häher, Dschungelhähne, Baradiesvögel, Birols, Kolibris, Staare, Lerchen, Hornfasanen, Pfauen 2c., sondern die Mode geht un ferer einheimischen Vogelwelt sebr nabe, und gewiß würde man zu befferer Einsicht gelangen, befäßen wir auch eine Statiftit über die jährlichen Opfer aus unserer Singvogelwelt. Auszeichnung. Die Tochter des aus Berlin ausgewiese nen Regierungsbaumeisters Regler, Frl. Johanna Reßler, Schülerin des Kunstgewerbemuseums in Berlin als Mufter zeichnerin, bat am 1. Juli die von der Kronprinzessin geftiftete Medaille für Runft erhalten. Ueber die Spielkarten- Fabrik und den Berlebt mit Spiellarten im Deutschen Reich für das Etatsjahr 1885/86 ift einer im Maibheft zur Statistit des Deutschen Reichs veröffent lichten Uebersicht zu entnehmen, daß die Gesammtzahl der Spiellartenfabriten wie im Vorjahre 61 betrug. Am Anfange bes Etatsjahres 1885/86 hatte der in diesen Fabriken vor handene Bestand an unverfteuerten Spieltarten 671 894 Spiele von 36 oder weniger Blättern und 177 936 Spiele von mehr als 36 Blättern betragen, und am Schluffe des Jahres ftellte fich derselbe auf 758 570 beam. 207 487 Spiele, nachdem im Laufe des Jabres 3 678 501 beam. 1 304 541 Spiele zu und 3 591 828 beam. 1275 050 Spiele abgegangen waren. Von biefem Abgange find verfteuert worben 3 388 796 beam. 205 744 Spiele( im Vorjahre 3 291 914 beam. 203 514 Spiele); 199 714 beam. 1 055 527( 1884/85 236 865 beam. 1074 943) Spiele wurden in das Ausland ausgeführt. Einschließlich der Dom Auslande eingegangenen und in den freien Verkehr ge tretenen Spiellarten find im Reichsgebiet überhaupt zur Ver fteuerung und in den Verbrauch gelangt 3 405 151 Spiele von 36 oder weniger Blättern und 209 664 Spiele von mehr als 36 Blättern( 1884/85 3 308 100 beam. 212 417 Spiele). hafteres ersetzt und die Ruhestätte der ihren Leiden auf fremdem Boden Erlegenen mit einer religiösen Feftlichkeit eingeweiht. Das ist die Bedeutung eines Grabbenimals, das wohl zu den unbekanntesten in ganz Berlin gehören dürfte. Weshalb leinerlei Inschrift von derselben Runde giebt, ist allerdings schwer zu errathen. Heute werden wohl glüdlicherwetse felbft folche Maffengräber auch von den Feinden" pietätvoller bes handelt. Die Berliner Künstler liegen fich mit dem Kunftreferenten einer bießgen Beitung seit einigen Tagen in den Haaren. Der Kritiker batte die Künstler in seiner Beitung etwas unsanft behandelt, und diese traten mit einer geharnischten Erklärung in die Deffentlichkeit. Wir hatten von dem Vorfall bisher feine Notis genommen, weil wir annehmen, daß derartige Rempeleien für unsere Leser wohl taum von Interesse sein bürften. In der Berl. Stg." findet sich nunmehr eine Einsendung, die uns der Beachtung werth erscheint. Die ,, Er tlärung", welche die Berliner Künstler in diesen Tagen gegen ben Kritiker eines biesigen Blattes erlaffen haben, so heißt es da, illuftrist recht drastisch den maßlosen Düntel, welcher feit der Jubiläums Kunstausstellung in den Köpfen dieser Herren fputt. Unparteilichkeit des Urtheils gestehen fie nur noch dem fenigen zu, der über alles, was die Herren thun und laffen, in Die Lobtrompete stößt, auß jeder anderen Meinung aber spricht nach ihrer Ansicht sofort„ ber Aerger über vermeintliche persönliche Vernachlässigung". Nun, so schreibt der Herr Einsender, es liegt für mich durchaus teine Beranlaffung vor, Partei zu nehmen für Herrn Adolf Rosenberg, der mir durch die Art, in welcher er bei jeder Gelegenheit seiner tonfervatio antisemitischen Gesinnung Ausdrud zu geben sucht, durchaus unsympathisch ist. Aber wenn der Herr ärgerlich war über persönliche Vernachläfftgung beim Rünstlerfest und diesem Merger durch Worte Ausdrud gab, so bat er nur im Sinne der großen Anzahl Derer gehandelt, die fich nicht weniger über persönliche Vernachlässigung beim Künstlerfest zu beklagen ge habt haben. Auch ich gehöre zu Denen, die ihr Billet mit 15 M. bezahlten und schon um 5 Uhr feinen Blaz auf der Tribüne mehr bekommen lonnten, weil die Herren Dffiziere und die Anverwandten der Künstler und der Mitwirkenden, die für 7 M. 50 Pf. refp. 5 M. schon um 3 Uhr Nachmittags, also zwei Stunden vor Kaffeneröffnung eingelaffen waren, die besten Bläge für fich in Anspruch genommen hatten. Ist das etwa Rünstlerlomment? Mag sein. Dann aber mögen die Herren, welche die Grenzen der Willtür so weit dehnen, daß dafür nur ein Ausdrud pafen würde, den zu gebrauchen nur die Rücksicht auf den Staatsanwalt verbietet, auch aufhören, fortwährend auf ihre Würde zu pochen. Denn wer fich über andere zum Sittenrichter aufspielen will, muß selbst erft zeigen, daß er weiß, wo seine Pflichten beginnen und seine Rechte aufhören. Dder glauben etwa die Herren, die so gern bei jeder Gelegen beit mit einer Erklärung" bei der Hand find, nur in diesem Falle nicht, daß fte, unpartetisch" gehandelt haben? Haben die Herren wohl schon einmal darüber nachgedacht, was wohl ge Die in Amerita rite graduirten Doktoren der Bahnheil Tunde nicht zu verwechseln mit den sogenannten amerikanis schen Bahnärzten, welche, ohne jemals in Amerila gewesen zu fein, einen täuflich erworbenen Titel führen haben sich in baben fich in Folge der Agitation, welche seit längerer Beit von den deutschen Babnärsten gegen fte in Szene gefeßt ift, veranlaßt gefeben, eine Deutsche Vereinigung in Amerila graduirter Doktoren ber Bahnheilkunde" behufs Wahrung ihrer gemeinsamen Standesintereffen zu begründen. Bugleich werden fie ein eigenes Fachschehen wäre, wenn ein Theaterunternehmer fich solcher Ge blatt unter dem Titel Journal für Bahnheillunde" heraus. gegeben, daß als Vereinsorgan viertelfährlich erscheinen soll. Der Hauptgewinn der Stettiner Pferde- Verloosung im Werthe von 10 000. ift von Herrn Sterneder für 2700 M. erftanden. Es ist ein Viererzug mit Equipage, ber übrigens nach dem Fuhrhalter" von morgen( Freitag) ab die Straßen von Berlin als Retiame Rutsche" burchfahren wird. Für Ausstellungs Hauptgewinne ist das ficher leine Reklame. Ein Grabdenkmal in den Baumanlagen zwischen der Ulanentaserne und dem Kriminalgerichtsgebäude in Moabit, so schreibt die ,, Bolts Big.", von beffen Existenz und Bes beutung allerdings nur wenige Bewohner der Residenz Renntniß haben dürften, da nur ein Bufall bei einem Umber Streifen in diesem Gehölz ihnen dasselbe sichtbar werden lägt, weil es rings von Büschen verdeckt wird hat sicher schon manchem Berliner, dem die Strafdrohung mit§ 368 bes Strafgesetzbuches nicht abhält, seine geographischen Kenntniffe burch Flaniren im Busch" au erweitern, ein gewiffes Ropf. gerbrechen gemacht, denn lein Beichen, teine Inschrift giebt Runde von denen, welche der mäßig bobe, dicht mit Sträuchern bepflanzte Bügel bedt. Ganz wie in Uhland's Des Sängers Fluch" es beigt:" Seinen Namen meldet tein Lied, lein Heldenbuch; versunken und vergessen!" so liegt dieser Grab bügel bicht an der Straße awar, aber unbemerkt von den Tausenden, welche täglich zu Fuß oder im Pferdebahnwagen an dieser legten Ruhestätte müder Erdenpilger vorüberziehen, und doch mag auch hier manch ein Held begraben liegen. Bon fundiger Seite wird uns mitgetheilt, daß unter dem Hügel, welchen jegt ein eisernes Kreuz in Sandsteinsodel schmüdt, Diejenigen Opfer des russischen Winterfeldzuges von 1812 ruben Franzosen, Ruffen, Deutsche( Rheinbundstruppen) welche hier in Berlin im Lazaretbe ihren Wunden oder in Folge von Krankheiten erlegen find. Bis zum Jahre 1863 bezeichnete ein hölzernes Kreuz die Grabftätte dieser Opfer der großen Menschenschlächteret, wie fte der Rüdzug von Moskau im Ge folge hatte; dann aber wurde gelegentlich des 50jährigen GeDenktages das alte zerfallene Kreuz durch ein neues, dauer Rein Wort mehr!" donnerte ber Arzt. Dir fehlt nichts! Rehrt! Marsch!" Während der Soldat zurüchinkte, schrieb der Regimentsarzt in das Krankenbuch: It vollkommen gesund. Vier Lage Arrest." Bier bis fünf Rrante folgten dem unglücklichen Chanta voine, bis endlich die Reihe an unsern Helden fam. La Guillaumette hatte mittlerweile seine Ellbogen unbemerkt fehr häufig an die Wand gestoßen, um seinen Pulsgang zu beschleunigen, und trat, als sein Name aufgerufen wurde, vor den Arzt. Herr Doktor," fagte er, ich habe starte Hals schmerzen; ich vermag laum mcine Menage zu schlucken. Ich habe auch ein wenig Fieber und kann feit zwei Nächten nicht schlafen." Der Doktor fühlte den Puls La Guillaumette's. Mund öffnen!" tommandirte er sodann nach kurzer Ueberlegung. " Der Dragoner that, wie ihm geheißen. Hm," meinte brr Doktor, fleine Entzündung." La Guillaumette, dessen Bunge unter dem Drude eines breiten Elfenbeinlöffels stand, welchen ihm der Doktor in den Mund geschoben hatte, war vor Staunen sprachlos." " Wir werden ihm ein Brechmittel geben," sagte der Arzt zu einem Rorporal ber Sanitäts- Abtheilung, ber als sein Behilfe funktionirte. Gilbert, bringen Sie mir die große Schachtel mit Brechpulvern." Gilbert öffnete den Medikamentenschrank, aus welchem ein starker Duft von getrockneten Kräutern hervordrang, und holte daraus bas Gewünschte. " So, mein Lieber, schluck das rasch hinunter," sagte der Doktor, indem er ihm ein Pulver reichte. Du bist wei Tage bienftfrei. Uebermorgen melde Dich wieder, falls Dir nicht besser sein sollte.". III. La Guillaumette befand sich während der zwei bienßfreien Tage so wohl, daß er sich am brittnächsten Morgen wieder bei dem Regimentsarzte vorstellte. Nun, wie geht es Dir?" frug der Arzt. fchäftsmanöver bebient hätte, wie fie? Und was waren die Herren vom Fefilomitee hier anders als Unternehmer? Be lehrt durch die geradezu unerhörte Behandlung, sollte deshalb das Publikum empfindliche Revanche nehmen dadurch, daß es biese Art von Künstlern, wenn im September die Wiederholung des Festes stattfindet, mit ihren Difizieren und Verwandten gänglich unter sich liege. Da bis dahin die alten Zanten des Feftzuges auch schon wieder etwas älter geworden find, dürfte Dies dem Einzelnen faum besondere Ueberwindung loften. Diese Pille dürfte den Hochmuth der eingebildeten Herren Diese Bille dürfte den Hochmuth der eingebildeten Herren Dom Künstlerkomitee doch wohl etwas herabschrauben. Ein ungetreuer Hausdiener. In dem Konfektions geschäft von Adolf Friedländer jun., Boftstraße 27, fungirte ein gewiffer G. feit zwei Jahren als Hausdiener. Er wurde für durchaus ehrlich gehalten und niemals lentie fich auf ihn der Verdacht, obwohl im Geschäft öfters Waaren auf räthselhafte Weise verschwanden. Gestern entdeckte ein Laufbursche in der Badlammer, in welcher G. die zum Versandt bestimmten Badete berzurichten hatte, unter einem Haufen Badmaterial ein Stüd Leinen, welches der Bursche aufnahm und dem Profuriften zu trug. Dieser ordnete jedoch an, daß jener das Stüd Leinen wieder genau an dieselbe Stelle lege, an welcher er es gefunden babe, bamit man durch Beobachtung den ,, ftillen Theilnehmer" endlich erwischen tönne. Der sodann von einem Ausgang heim lehrende Hausdiener wurde mit einer Besorgung nach der Blumenstraße beauftragt; er nahm seinen Ausgang durch die erwähnte Badklammer und als man nach seiner Entfernung bort nachsah, war das Stüd Leinen verschwunden. Nun wurde das Geschäftspersonal ausgesendet, dem Hausdiener zu folgen; bie Leute lehrten aber unverrichteter Sache zurüd, fie hatten Den Besuchten nicht mehr in Sicht bekommen. Als derselbe nach Verlauf von etwa einer Stunde zurückkehrte, wurde er befragt, wo er das Stüd Leinen hingebracht habe. 8. wollte aber von nichts wiffen und blieb auch beim Leugnen, als ihm mit der Polizei gedroht wurde. Er wurde daher in der That Der Revierpolizei in der Klofterstraße augeführt, welche eine Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen veranlaßte, bet der man auch einige aus dem Geschäft herrührende Waaren Herr Doktor," erwiderte La Guillaumette, es geht mir zwar schon ein wenig beffer, aber es ist immer noch nicht so, wie es früher war. Wenn der Herr Doktor vielleicht die Güte haben wollte, mir noch einmal das Pulver zu geben, welches mir neulich so gut gethan hat..." Es ist gut, La Guillaumette," sagte der Arzt wohl wollend. Mund aufmachen." La Guillaumette öffnete wieder den Mund wie ein Rarpfen, der Doktor fonstatirte abermals das Vorhanden sein einer fleinen, in der Abnahme begriffenen Entzündung, pinselte den Kranken mit Alaun ein, gab ihm nochmals zwei Tage dienstfrei und sagte ihm, er folle am britten Tage wieder tommen, falls der Halsschmerz nach diesem radikalen Wittel noch immer nicht gehoben sein follte. Also war La Guillaumette abermals in ber angenehmen Lage, zwei Tage lang das Leben eines Privatiers zu führen, während seine Rameraden ihre Pferde puzten, ihre Monturen ausklopften, zu den Uebungen ausrüdten und sonst ihren schweren Dienst versehen mußten. In In einem Anfalle von Schamgefühl entschloß sich La Guillaumette, wenigftens ein Tuch um den Hals zu binden. Noch breimal ftellte sich der Dragoner mit heftigen Halsschmerzen bei der Krankenvifitation vor und wurde brei mal als frant anerkannt. Der Regimentsarzt pinselte seine Rehle mit ungeheuren Quantitäten von Alaun, Job und ähnlichen angenehmen Substanzen ein. Der Müßiggang und die Annehmlichkeiten der Dienstfreiheit" waren dem Dragoner so sehr zur Gewohnheit geworden, daß er fich schon mit dem Gedanken vertraut machte, ben Rest seiner Dienstzeit von anderthalb Jahren als Halsleidender zu verbringen. Die fortwährenden Einpinselungen, denen sich La Guillaumette unterziehen mußte, hatten aber zur Folge, daß er eines schönen Morgens thatsächlich heftige Halsschmerzen verspürte und sich, nun allen Ernstes erkrankt, dem Dottor vorstellte. Der Regimentsarzt hatte aber gerade an diesem Morgen schlechte Laune und schäumte vor Wuth, als er des ewigen Kranken anfichtig wurde. vorfand. Das Stüd Leinen war indeß nicht darunter. Tros dem verharrt G. beim Leugnen und behauptet, dat er bie be Schlagnahmten Sachen anderweit gelauft habe. Näheres hier über vermag er jedoch nicht anzugeben, er wurde deshalb einst weilen falt geftellt. Durchgänger. In der Mittagsstunde des 5. b. M. präsentirte der bei der Firma Mar Jaffé jr. Hierselbst, Elsaffer ftraße 71, angestellte Kommis Karl Wigmann bei der Raffe der Diskonto Gesellschaft eine Quittung nebst Schreiben, beide mit dem Geschäfts ftempel und der Unterschrift Mar Jaffé fr. versehen. Da legtere trop sorgfältiger Prüfung ein Bedenten nicht erregten, so wurde die quitlirte Summe von 12000 m., da Wigmann bei der Kaffe auch persönlich bekannt war, aus bezahlt. Am Dienstag früb stellte es sich jedoch heraus, daß die Unterschriften unter der Quittung und dem Briefe täuschend nachgemacht waren. Wismann ist seit Montag Abend mit seinem Freunde, dem Supernumerar Hugo Gobisch, verschwun ben, unter Mitnahme der unterschlagenen Summe. Belde werden stedbrieflich verfolgt. Wißmann ist von fleiner Figur, blaffer Gefichtsfarbe, trägt das Haar glatt gescheitelt und bält fich militärisch stramm. Gobisch dagegen ist groß, hat gelocktes blondes Haar, große Füße, eine Narbe über der etwas ges rötheten Nase und stößt beim Sprechen mit der Bunge an. Beide find nahezu neunzehn Jahre alt. Uebrigens hat Wigmann, dem Beinehmen nach, noch eine andere geringere Summe unterschlagen, was lurz vor der zweiten feinem Chef zur Kenntniß gekommen war. Im Intereffe der Gerechtigkeitspflege muß es in hohem Grade erwünscht erscheinen, daß Seder, der über den Verbleib der beiden Bersonen Auskunft ertheilen tann, solches bei der Direktion der Diskonto, Gesell schaft, Behrenstraße 43-44, oder bei der löniglichen Staats anwaltschaft beim Landgericht I, Alt Moabit 11-13, zur Anzeige bringt. Ein merkwürdiger Theaterzettel ift gegenwärtig_in einem Bigarrenladen in der Markgrafenstraße ausgehängt. Der Bettel ist 105 Jahre alt und zeigt die Besezung von Emilia Balotti", als das Stüd am 24. Februar 1781 im damaligen Opernhaus aufgeführt wurde. Den Gonzaga spielte der be rühmte Unzelmann, unter den übrigen Mitspielenden befand fich auch der durch seine Bearbeitungen der Schiller'ichen Dramen sowie durch eine von ihm verfaßte Theatergeschichte Berlins belannte Plümide. Am Schluß enthält der Bettel noch folgende Mittheilung: Die allgemeine Betrübniß eines jeden Deutschen, der die Verdienste eines Leffing fannte, der mit Recht der Stols unserer Nation war, hat fich unseres ganzen Gefühls bemächtigt. Seine Urne verdient, daß man thr, soviel der Raum unserer Bühne erlaubt, auch heute die legten Ehrenbezeigungen, die aus der Fülle trauriger Herzen fließt, erweist. In dieser Abficht, die uns zur Pflicht geworden, wird Demoiselle Döbbelin nach vorhergegangener Trauermuft eine feierliche Rede vor dem Stüde unseres unsterblichen Lessing balten." Ein bisfiger Hund. Vorgestern Nachmittag gegen 6 Uhr wurde ein Knabe vor dem Haufe Chauffeeftraße 106 von dem großen Hund des in dem Keller wohnenden Grünkrambändlers Fr. Dermaßen in den Arm gebiffen, daß er laut auffchrie und dadurch die Aufmerksamkeit eines vorübergehenden Herrn er regte; nachdem dieser fich davon überzeugt, daß durch den Biß mehrere start blutende Wunden entstanden, führte er den Knaben sofort au einem rate. Der Hund war von dem Anaben nicht gencat worden. Nachbarsleute sagen aus, daß das Thier harmlos Vorübergebende oft beläftige. Die von dem Vorfall in Kenntniß gefeste Revierpolizet verfügte zuförderft Ablieferung des Hundes nach der fönigl. Thierarzneischule bebufs Observation. Die von Berlin aus stedbrieflich verfolgte und füngst in London ergriffene Frau Augufte Vogel, alias Baronin v. Clever, ftand am 6. d. M. in Betreff ihrer Auslieferung vor dem Buchtpolizeigericht in Bow Street. Diese Dame biente bekanntlich verschiedenen Berliner Kravattenfabrikanten" als Schlepperin, indem fie ihnen, als Difizierswittwe, die in vor nehmen Kreisen verkehrte, viele geldbedürftige Difistere zuführte. Sie veruntreute babet verschiedene Geldsummen und floh nach England, wo ihre Auslieferung nach Berlin beantragt worden ift. Da fie ihre Identität ableugnet, wird die Ankunft von Belegpapieren abgewartet. Der Mörder Keller follte, wie die ,, Botsd. Nachrichten" melden, am Montag in Bornstedt bei Potsdam ergriffen und in das Gerichts gefängniß zu Botsdam geliefert worden sein. Richtig ist, nach derselben Quelle, daß aus Bornstedt am Montag ein Mann wegen Bettelns eingeliefert worden ist, auf den das Kellersche Signalement zutrifft; selbst die Tätovirung am Arm ist vorhanden, so daß behufs Retognosjirung des Reller ein Kriminalbeamter von Berlin telegraphisch beordert worden ist. Hier ist über das Ergreifen des Mörders nichts belannt. Der Stsbgr. Stg." wird über den vielgesuchten Mann aus Eggersdorf noch geschrieben: Viel Lärm um nichts. Am 24. v. M. lehrte hier beim Gastwirth Lindenberg ein in dieser Gegend unbekannter Mann ein, der eine fleine 3 che machte, für die er, da er fein Geld bet fich zu haben vorgab, ein Bund Schlüffel als Bezahlung anbot. Der Gaft wirth, dem dieser angetragene Tauschhandel verdächtig vorkam, Ah, das geht zu weit!" schrie er. Halzschmerzen, die brei Wochen dauern! Das ist unglaublich! Ah, mein Junge, jetzt weiß ich schon, was Du hier suchst! Du bist ein Faulpela, ein Simulant!" Herr Regimentsarzt, ich schwöre Ihnen..." rief La Guillaumette mit heiferer, entzündeter Stimme. Ruhig sein!" donnerte ber Mediziner und fügte nach einer Weile hinzu:„ Wir wollen gleich sehen, ob Dir etwas fehlt. Mund öffnen!" La Guillaumette öffnete den Mund, in den der Doktor einen raschen Blid warf. Ha," rief er, dachte ich mir's boch! Nichts, gar nichts! Die Entzündung ist vollständig geschwunden Vier Tage Arrest! Ich werde Dich lehren, Dich krank zu melben, wenn Du gefund bist! Rehrt! Marsch!" La Guillaumette verließ hustend das Krankenzimmer und wanderte in den Arrest. Die Nacht war mörderisch talt und La Guillaumette mußte am nächsten Morgen in Folge einer heftigen Halsentzündung ins Militärspital überführt werden. IV. Da La Guillaumette mein Simmernachbar gewesen war, glaubte ich ihm am nächsten Sonntag eine Bifite im Spital abftatten zu sollen, um zu hören, wie es ihm gebe. Ich frug in der Aufnahmskanzlei nach:" La Guillau mette, Dragoner im 51. Dragonerregiment." Der diensthabende Sanitäts- Unteroffizier wendete den Kopf herum und sagte gleichgiltig: La Guillaumette? Er ist heute früh gestorben." Wie angewurzelt, schredensstarr blieb ich stehen. Was?... Wie?" ftotterte ich nach einer Weile.„ La Guillaumette ist geftorben? Ja, um des Himmels willen, wie ist denn das möglich?" Der Unteroffizier erwiderte mit dem größten Gleichmuth, während er eine Bigarrette brehte: Mein Gott, der arme Teufel hat Pech gehabt. Er ist auf die Abtheilung für Fiebertrante gekommen und bort hat er den Kopfiyphus erwischt. In drei Tagen war er damit fertig." fi t p tr α in N bi A ST of fc tr ge 21 lel 10 50 au al ge DE де 38 un 10 15 40 Di A 34 36 001 An ger 11 匡 t a 63 b 464" ", it musterte war ben ein scheues Wesen zeigenden Fremden arg wöhnisch, lieg tin aber, da er feine amingende Ursache dazu mußte und auch leine Weiterungen wünschte, unbebelligt seines Weges ziehen, ohne das Schlüffelbund zu nehmen. Kurz nach der Entfernung des Fremden gelangten hinzugekommene Gäste am Biertisch mit immer größerer Sicherheit zu der Annahme, daß der Fremde hochverdächtig sei, da deffen Aeußeres mit dem Signalement des Hausdiener Keller, des Mörders der Schiff ling'schen Eheleute auf's genaueste paffe. In Folge dieser Entdedung" gerieth selbstverständlich unsere ganze Gegend in Aufregung und es wurde in den umliegenden Waldungen nach dem verdächtigen Fremden, deffen Persönlichkeit dem Publikum genau geschildert worden, eifrig gesucht. Nach langer has hatte Die Jagd endlich Erfolg. Der Verdächtige" wurde dingfeft gemacht. Und als was entpuppte er sich? Als ein Gaft with aus dem Warthebruch,( seinen Namen und seinen Hei maihtort wollen wir verschweigen), der als renitenter Ehe mann feiner stärkeren, besseren Ebehälfte davongelaufen war. Ob die Jagd in petuniärer Hinsicht doch vortheilhaft gewesen, ob die Frau für den Wiedereinfang ihres Ehemannes eine gleich hohe Summe zahlen wird, wie auf den Mörder Keller ausgesezt ist, darüber bat bis jest noch nichts verlautet. Bor etwa sechs Wochen wurde in der Friedenstr. 88 ein alter Mann, anscheinend verhungert, auf dem Bürgersteige liegend, aufgefunden. Es wurde mittgetheilt, es sei ein emeritirter Lehrer aus Brandenburg a. 6. In Folge dieser Notiz find der N. A. 3." zufolge Ermittelungen angestellt worden, und es soll sich ergeben haben, daß der aufgefundene Christian Schuls nie Lebrer gewesen ist. Derselbe ifi vielmehr, nachdem er vom Militär mit dem Biollversorgungsschein ent laffen, bei der Eisenbahn und der Post in Stellung gewesen, jedoch von beiden Behörden wegen Trunkenheit entlassen worden. Er hat fich dann mehrere Jahre vagabondirend umber getrieben und ist einige Male in Sorrektionsanstalten detinirt gewezen. In einer solchen Anstalt hat er einmal den Mitge fangenen Unterricht ertheilen müssen und fich nach seiner Ent laffung den Titel Lehrer" beigelegt. Seit dem Jahre 1874 bat er fich hierselbst aufgehalten und eine Armenunterstüßung von 15 M. monatlich seitens des Magistrats erhalten. Ueber den Selbstmord einer Kellnerin wird folgendes berichtet: Die Kellnerin Mathilde Schmidt, ein Mädchen in der Mitte der dreißiger Jahre, batte ein Verhältniß mit einem Maurer Namens D. angelnüpft. D. muß aber wohl eine unDere in legter Beit bevorzugt haben, denn seit Kurzem versuchte er eine Trennung. Die Untreue des Geliebten verfekte nun Die Sch. so in Verzweiflung, daß fie Dienstag Nachmittag in der Wohnung deffelben Gift zu fich nahm und, the Jener Hilfe zu requiriren vermochte, ftarb. Behufs genauer Feft ftellung der Todesursache wurde die Leiche nach dem Dbdul tionshause geschafft. Vom Marunge'schen Mörderpaar. Die Staats anwaltschaft am Landgericht II ließ Mittwoch Vormittag durch einen ihrer Beamten dem Marunge'ichen Mörderpaare Mit theilung machen von der erfolgten Umwandlung der über fie verhängten Todesftrafe in eine lebenslängliche Buchthausfirafe. Ueber die Art und Weise, wie die beiden Mörder diese Nach richt aufnahmen, wird und folgendes mitgetheilt: Während Der junge Marunge die Nachricht von der Begnadigung mit erfichtlicher Freude aufnahm, schien Frau Marunge in hohem Grade enttäuscht. Sie hörte mit großer Spannung in den Mienen die Verlesung der Rabinetsordre an, als fie aber hörte, daß die Strafe in lebenslängliche Suchtbausfirafe" umge wandelt sei, fragte fte in überraschtem, langgedehntem Zone: lebenslänglich und als dies bejaht wurde, da begann fte ?" fürchterlich zu jammern und zu weinen. Wie aus verschiede nen weiteren Meußerungen geschloffen werden konnte, batte fte fich der Jllufion hingegeben, daß fie, wenn file begnadigt würde, höchftens einige Jahre im Buchthause zu fißen baben würde, eine Jllufton, die fie nunmehr grausam zerstört sah. Die Ueberführung beider Verbrecher nach dem Buchthause steht nunmehr unmittelbar bevor. Den ersten Todten in der am 1. Juli in Juli ins Leben getretenen Fuhrwerts. Berufsgenossenschaft wird wohl Berlin fich zuschreiben lönnen. In ben frühesten Morgenstunden des 1. Juli fuhr der bei Herrn Karl Richter, Frankfurter Allee 44, beschäftigt gewesene Kutscher Heider mit einem Wagen, auf dem Kälber geladen waren, die Friedenstraße entlang. In Folge von Müdigkeit stürzte er von dem Size, und zwar so unglücklich, daß der Hinterkopf aufschlug und der Verlegte so Dann von seinem eigenen Wagen überfahren wurde. Helder binterläßt, wie der Fuhrhalter" berichtet, eine ziemlich starte Familie, die nun der Dbhut der neuen Unfallversicherung unter ftellt wird. Der Handlungsgehilfe Wilhelm Kowalsky, der be fanntlich wegen Verbrechen wider das Leben und wegen Dieb ftahls, begangen gegen die Frau Geheimsekretär Baeple in der Dreyfeftraße, im Monat April d. J. vom Königl. Land und Schwurgericht Berlin I wegen des ersten Verbrechens zu lebenslänglicher Buchthausstrafe und wegen des Diebstahls zu 5 Jahren Buchthaus, nebst den entsprechenden Ehrenftrafen verurtheilt worden, ist, da nun auch das Reichsgericht die gegen bas Urtheil eingelegte Revifton verworfen hat, am vergangenen Dienfiag Nachmittag in das Buchthaus zu Sonnenburg über führt worden. Kowalsky betheuert noch immer seine Unschuld. Jäher Zod. Auf einer Bank im Garten des Restau ranfs in dem Hause Prinzen Allee 71 verstarb gestern Abend plößlich ein in der Biesenthalerstraße 17 wohnender Arbeiter in Folge eines Herzschlages. Derselbe war furze Beit vorher auf dem Marktplatz der genannten Straße beschäftigt gewesen, wurde dabei von einem Unwohlsein befallen und begab sich infolge deffen nach dem genannten Garten, um sich zu erholen. Nach Ablauf von fünf Minuten war er bereits eine Leiche. Sch. hinterläßt eine Frau mit mehrern Kindern. Die Ziehung der 4. Klasse 174. preußischer KlaffenLotterie beginnt am 30. b. M. und dauert bis zum 14. 1. D.; Die Erneuerung der Loose muß spätestens bis zum 26. d. M., Abends 6 Uhr, gegen Vorzeigung der Vorklaffe bei Verlust des Anrechts geschehen. Bewegung der Bevölkerung Berlins nach den Ber öffentlichungen des statistischen Amis der Stadt. Die fortge schriebene Bevölkerungszahl betrug am 13. Juni inkl. der nach träglichen An- und Abmeldungen 1335 667, hat fich demnach gegen die Woche vorber um 597 Seelen vermehrt. In der Woche vom 13. bis 19. Juni wurden polizeilich gemeldet 1880 augezogene, 1925 fortgezogene Personen; ftandesamtlich wurden 211 Chen geschloffen. Beboren wurden 869 Kinder, und zwar lebend: 417 männliche, 402 weibliche, zusammen 819( darunter 104 außerebeliche), tobt 24 männliche, 26 weibliche, zusammen 50( barunter 7 außerebeliche) Kinder. Die Lebendgeborenen, aufs Jahr berechnet, bilden 32,0, die Tobigeborenen 1,9 pro Mille der Bevölkerung, die außerebelich Seborenen 12,77 pCt. aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Lebend geborenen 12,70, die bei den Zobtgeborenen 14,00 pet. In ber tgl. Charitee und Entbindungs. Anstalt wurden 40 Kinder geboren. Gestorben( ohne Todtgeborene) find 696, nämlich 383 männliche, 318 weibliche Bersonen. Von diesen waren unter 1 Sabr alt 362( intl. 71 außerebeliche), 1 bis 5 Jahre 106( intl. 13 außerebeliche), 5 bis 10 Jahre 12, 10 bis 15 Jabre 5, 15 bis 20 Jabre 6, 20 bis 30 Jabre 36, 30 bis 40 Jabre 42, 40 bis 60 Jabre 73, 60 bis 80 Jahre 45, über 80 Jahre 9. Die Sterbefälle beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 67,24 pSt. sämmtlicher in dieser Woche Gestorbenen aus. Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Kindern starben 59 im ersten, 34 im zweiten, 39 im britten, 32 im vierten, 42 im fünften, 36 im fechften, 120 im fiebenten bis zwölften Lebensmonate; von denselben waren ernährt 43 mit Muttermilch, 1mit Ummenmilch, 208 mit Thiermilch, 3 mit Milchsurrogaten, 65 mit gemischter Nahrung, von 42 war es unbekannt., Markthallen Bericht von J. Sandmann, flädtischem Berlaufsvermittler, Berlin, den 8. Juli. Die faure Gurten. aeit macht fich in allen Artikeln durch anhaltende Geschäfts ftille bemerkbar. Berlin ist durch die Abwesenheit der wohl habenden Familien laum für die Hälfte der Bufuhren Konsu ment, ein großer Theil der zugeführten Waaren wird wieder nach auswärts versandt. Ronserven find gegenwärtig zu mäßi gen Preisen zu haben, weil die alte Waate geräumt wird und Die jährige wegen der noch vorhandenen frischen Waare noch nicht sehr begehrt wird. Es ist also gegenwärtig die günstigste Beit zum Einlauf. Es loften: Defenzungen 1,50-3 M., Sar Dinen in Del San Remo 40-45 Bf., Mal in Bel6 20-60 Bf. pro Pfund, franzöftsche Fruchtkonserven in Büchsen 2-3 M. per Kilo, Bratheringe 1,30-160 M. Delitatesberinge 1 bis 1,50 M. Polizeibericht. Am 7. d. M. Nachmittags wurde ber städtische Straßenreiniger Schmidt während der Arbeit plöglich unwohl und ftarb nach Turger Beit im Garten des Hauses Brinzen Allee 71, wohin er, um fich zu erholen, gebracht wor ben war, wahrscheinlich am Gehirnschlag. Bu derselben Belt Sprang ein Dienstmädchen in Folge eines Swiftes mit seinem Bräutigam am Tempelhofer Ufer in den Landwehr- Ranal, wurde aber, ohne Schaden genommen au baben, von einem Schiffer wieder ans Land gebracht. Am Nachmittage stürzte Die Tochter des Produktenhändlers Dietrich beim Spielen aus einem Flurfenfter des Hauses Pallisadenstraße 77 awel Stod werk tief auf den Hof hinab und erlitt durch den Fall so schwere innere Berlegungen, daß fie nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht werden mußte. An demselben Tage Abends fürste ein 6 Jahre alter Knabe in dem Hause Brandenburgftr. 7 beim Spielen auf der Treppe über das Ge länder derselben etwa 4 Meter tief auf den Hausflur binab und erlitt, außer Verlegungen im Geficht, einen Bruch des linten Unterarmes, so daß er auf ärztliche Anordnung nach dem Krankenhause Bethanien gebracht werden wußte. Gerichts- Zeitung. ph. Rache einer Frau. Weil Er nicht wiederkam" - das war der Anfang einer trübseeligen Geschichte, welche vor den Schranten der Straflammer des Landgerichts 11 ihren Abschluß fand in eine: nllagefache gegen den Maler Franz Engelhardt, aus Charlottenburg, wegen Unterschlagung. Sie war eine Wittfrau, des Namens Fischer, welche auf der Lebens leiter zwar eine beträchtliche Höhe bereits erftiegen fie( befindet fich zur Zeit, wie man zu sagen pflegt, zwischen 40 und 80 und vor Gericht wird die Bahl ihrer Lebensjahre auf 59 festgeftet), aber diese Umstände hinderten fte nicht, den ebenfalls nicht mehr jugendlichen und träntlichen, trosdem jedoch leichtlebigen mehr jugendlichen und tränklichen, troßdem jedoch leichtlebigen Maler Engelhardt, welcher bei ihr ein Bimmer gemiethet, als ben Nachfolger ihres Seeligen zu betrachten und ihm unentwegt alle Befugnisse eines zufünftigen Eheherrn einzuräumen in Bezug auf den Nießbrauch ihres beweglichen Vermögens. Ein hervorragendes Joyll scheint aber die Wittfrau dem Maler nicht bereitet au baben, zumal der lettere den Brivi legten feines Standes gemäß für Mannigfaltigkeit der Dbjekte schwärmte; er suchte und fand ein anderes, vielleicht höher schwärmte; er suchte und fand ein anderes, vielleicht höber werthiges Objekt zum Leidwesen seiner Quartiergeberin und tam nicht wieder. Wer vermag die Gefühle der alternden Dame au schildern; als alle ihre Jllufionen im Nebel der Trübsal zerrannen, ba ging fie bin und überlieferte den treu lofen Maler der Kriminalfuftis, indem sie ihn wegen zahlreicher Unterschlagungen der Staatsanwaltschaft denunzirte. Dies war ihre Rache. Dieselbe wird aber faum noch den Verräther ihres Herzens nachhaltig zu treffen vermögen, denn ihn hat inzwischen ein altes Bruftleiden dergestalt gepackt, daß er mit dem Stempel des Todes auf dem Angesicht in den Gerichtsfaal von einem Krantenwärter des Gefängniß Lazareths und dem Gerichtsdiener mehr getragen als geführt werden muß. Nur mit großer Mübe entringt fich der Iranten Brust des Angeklagten ein röchelndes Ja" auf die an ihn gerichteten Fragen des Herrn Vorfigenden, ob er im Stande set, bei der artiger Körperschwäche der Verhandlung zu folgen und ob er fich schuldig betenne. Nach dem Inbalt der Anklage foll Engelhardt in der Beit ihres Beisammenseins, beziehungsweise Reichthums in Berlin stehen, eine Dame in tefer Trauer erschienen, die fich als Wittwe eines Pefter Ingenieurs, Namens Herzberg bezeichnet und ein Empfehlungs schreiben des Sanitätsrath Dr. Wölfert vorwies. Dieses Schreiben war ein Bettelbrief; es wurde in ihm gesagt, daß Wittwe Herzberg in großer Noth fich befinde und die Unter ftütung wohlthätiger Menschen verdiene; fie bege die Absicht, einen Rindergarten zu gründen, um so thren Lebensunterhalt au erwerben; die fehlenden Mittel sollten durch milde Saben aufgebracht werden. Außer diesem Brief wies die ver schämte Arme" einen Bettel vor, auf dem eine Anzahl Herren gewichtigen Namens, wie Bleichröder, Bringsheim, Graf Pourtalis u. f. w. mit nambaften Beiträgen verzeichnet ftanden. Auf diese Dokumente viel eine große Anzahl von Leuten hinein, bie übrigens sämmtlich den Verlust von 10 oder 20 D. ertragen fonnten. Schließlich wurde der Schwindel entdeckt; bei einem Kaufmann hatte die Bittstellerin zufälliger Weise Empfehlungsbrief und Bettel vergeffen und bolte diese Schriftftüde auch nicht ab. Aus Mitleid fchickte der Kaufmann, um die arme Wittwe nicht um ihre wichtigen Ba piere zu bringen, beides an den Sanitätsrath Dr. Wölfert und bat ihn, seiner Klientin bas Bergeffene wieder zu über mitteln. Sanitätsrath Dr. Wölfert war sehr erstaunt, als er den Empfehlungsbrief las, den er nicht geschrieben hatte. Die Kriminalpolizei erhielt Renntniß und stellte feft, daß auch eine Anzahl Namen von Gebern auf der Lifte gefälscht fel. ALB Die falsche falsche Wittwe Herzberg wurde die Angellagte ermittelt. In der Verhandlung suchte fte the hell in frechem Leugnen. Ste bestritt rundweg, jemals mit dem Empfehlungsbriefe herumgegangen zu sein. Sie besichtete vielmehr einige andere Frauen. Nun zieren die Photographien dieser Damen zwar auch das Verbrecheralbum der hiesigen Polizei, ihre Phyfiognomien find aber so markant, daß fie mit der Angeklagten nicht verwechselt werden können, bie in der That auch von einigen Beprellten mit größter Bestimmtheit relognoszirt wurde. Es ist allerdings nicht ausgeschloffen, daß auch noch eine andere Berson, eine Blon bine- Marie Rohrbeck ist brünett- auf diese Papiere bin denselben Schwindel ausgeführt habe. Die Verhandlung gegen die Angeklagte wurde auf drei Fälle beschränkt; für die übrigen Fälle muß ein neuer Termin anberaumt werden, da die Geschädigten ,, ihrer Gesundheit wegen" fich im Bade befinden. Von diesen brei Betrugsfällen wurden zwei vollständig erwiesen; in dem einen Falle ift der fürzlich gestorbene Kommersienrath Reichen beim um 20 M., in dem zweiten der Kommerztenrath Lachmann um denselben Betrag betrogen worden. In dem dritten Falle war eine Ueberführung nicht möglich und hier erfolgte die Frei fprechung der Angeklagten. Jm Ganzen wurde fte zu einer Gefängnißftrafe von 5 Monaten verurtheilt, von denen drei als durch die Untersuchungshaft, die seit Anfang April dauert, als verbüßt betrachtet werden, und zum Verlust der Ehrenrechte auf 1 Jahr.- Im Herbst wird, wie bereits erwähnt, daß Verfahren in dieser Sache fortgefegt werden. Ein Antrag, Die Angeklagte vorläufig aus der Saft zu entlaffen, wurde in Hinblick auf die Vergangenheit derselben abgelebnt. + Der Kapenfell- Muff. Der Maler R. besaß eine reizende Rage mit prächtigem schwarzen Fell. Das Thier ftarb eines Tages; ein Sturz aus dem vierten Stodwerte auf bie eisernen Spigen eines Stadets ließ sein junges Leben ents fliehen. Dem Besitzer that es um den schönen Bels leid, der mit dem Kadaver in die Grube fahren sollte. Er häutete eigenbändig die Rage ab und bob das Fell auf. Nun ge brauchte seine Frau für den Winter nothwendig einen Muff. Als ihm daber sein Freund, der Kürschner S., den Vorschlag machte, ihm einen prachtoollen Muff aus dem Fall des todten Dachbasen anzufertigen, ging er bereitwillig darauf ein. Das Fell wanderte in in den Befit des S. und man fab es nicht mehr wieder. Denn der treulose Freund verlaufte es für 1 M. schnöbe an einen Händler; er batte teine Arbeit und war in Noth. R. ärgerte fich, daß seine Frau des warmen Winterschmuckes entbehren sollte und denunzirte den 5. wegen Betruges. S. wurde vom Schöffengericht in eine Geldstrafe von 10 M. genommen. Dom Oftober 1883 bis Juli 1884- alfo icon vor längerer Vereine und Versammlungen. Belt- baares Geld im Betrage von 60 Mart, Gold- und Werthsachen, Wäschestücke, der Fischer gehörig, bei Seite ge schafft bezw. versezt und das Geld für sich verbraucht haben, ferner ebenso die Uhr ihres verstorbenen Mannes, welche fie ihm geliehen, und schließlich hatte er eines Tages der Fischer einen Ring vom Finger gezogen und versest. Als einzige Beugin dieser Beruntreuungen trat die verrathene Wittfrau auf eine fleine jungfräulich schmächtige Gestalt, gang in Trauer getleidet und nur die furge, mit fchwarz weißer Verschnürung besetter Buavenjade bringt eine längst vergangene Beit in Erinnerung. Verluft thres Eigen thums bleibt in ihrer Aussage Nebensache, die Hauptsache in berselben ist vielmehr die Treulofiglert des Angeklagten, der ihr die Ehe versprochen und fie schließlich verließ, weil ihr ,, der Born so gut zu Geficht stehe!" Der Boifigende ließ, um das Sachverhältniß gehörig aufzuklären, ihren Klagen, die in fließenDer Lispelrede fich ergoffen, vor der Hand freien Lauf und dann richtete ee an die Beugin nur die inhaltsschwere Frage, ob ste nachher, als jener frante Mann dort auf der Antlagebant un terließ, fte zur Frau zu machen und nicht wieder fam, ibn an gezeigt. DieBejabung der Frage sprach allerdings nicht zu Gunsten der Beugin, aber der Gerichtshof mußte nach dem Buchstaben des Gesetzes urtheilen. Aus dem Ergebniß der Beweisaufnahme ging hervor, daß der Angeklagte die der Fischer gehörigen Be genstände mit Ausnahme eines Ringes, theils im Auftrage der Beugin verfeste, theils wenn dies lettere nicht der Fall ge wesen, den Erlös aus den Versagftüden mit der Beugin im gemeinsamen Haushalt verwendet. Wegen des Vergebens der Unterschlagung erkannte der Gerichtshof daher auf Frei sprechung; indeffen ward der Angelflagte, weil er der Fischer den Ring ohne deren Willen vom Finger gezogen und verseßt, in einem Falle des Diebstahls für schuldig erachtet und dieser balb au 14 Tagen Gefängniß unter Anrechnung der Unterfuchungshaft verurtheilt. + Eine weibliche Hochftaplerin, die unverehelichte Marie Rohrbed, ftand gestern vor der 92. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichts unter der Antiage des Betruges in mindestens 6 Fällen. Die Angeklagte, eine junge Person in den zwan siger Jahren, hat ein abenteuerliches Leben hinter sich. Unehelich geboren, entlief fte ihrer Mutter, die fich wieder ver heirathet hatte und tam nach mannigfachen Stidsalen nach Hamburg. Dort lernte fte einen gewiffen Dnas lennen, einen vielfach vorbestraften Menschen, mit dem fie aufammenlebte. Onas war Mitglied einer internationalen Hochftaplergesellschaft, Die in den Hauptstädten Europas ihr Wesen trieb. Auf einer dieser Runftretsen wurde Dnas verhaftet und mußte auf einige Jahre in's Gefängniß wandern. Marle Robrbed fam mit ihrem Kinde, deffen Vater nun festsaß, nach Berlin und schloß fich hier an einen gewiffen Styba an, der zu derselben Gesellschaft gehörte und nach einigen Monaten von demselben Gefchid, wie sein Vorgänger, ereilt wurde. Während Styba in einer böhmischen Straf anftalt fas, fand die Rohrbed einen dritten Galan, der sur Beit flüchtig ist. Während des Verkehrs mit diesen Männern blieb Marie Rohrbed nicht untbätig; fte ging ebenfalls auf Reisen und war balo in Breslau, bald in Hamburg, bald in Wien, bald in Berlin. Abgesehen von einer dreitägigen Haft. ftrafe, die fte in Wien wegen Falschmeldung erhielt, wußte fie jebe unliebsame Berührung mit den Berichten zu vermeiden, bis fte schließlich im März dieses Jahres in Berlin eine Unvorsichtigkeit beging, die sie auf die Anklagebant führte. In vorfichtigkeit beging, die sie auf die Antlagebant führte. In Diesem Monat war bei einigen Herren, die im Rufe großen + Der Fachverein der Mechaniker, Optifer, Uhr macher c. hielt am Mittwoch, den 7. d., in Nief's Salon, Kommandantenstraße, eine Vereinsversammlung unter Vorfis des Herrn Spieß ab. Bunächst erstattete der Kafftrer den Kaffenbericht. Hiernach betrug der Bestand am 1. p: il 166. 35 Pf., die Einnahme im legten Quartal 458 M. 76 Bf., die Ausgabe 329 M 77 Bf., fodas für dieses Quar tal fich ein Ueberschuß von 128 M. 99 Pf. ergibt. Nachdem Die Revisoren den richtigen Beftand der Kaffe und der Bücher bezeugt hatten, wurde dem Kafftrer Decharge ertheilt.- Bum Mitglied der Arbeitsnachweistommiffion wurde Herr Budisc gewählt. Hierauf wurde der umfangreiche und sehr intereffante Bericht des Delegizten des Vereins bei dem ersten Verbandstage der Mechaniter Deutschlands in Jena, des Herrn Bremer ( iegt in Hamburg) verlesen, der ein anschauliches Bild der Verhandlungen gab, die hoffentlich dem Gewerke von mannigfachem Nußen sein werden. Es wurde beschloffen, dem Herin Bremer für seine Arbelt ben besonderen Dank des Vereins auszudrüden und ebenso ben Jenenser und Stuttgarter Kollegen für ihre entgegenkommende und freundschaftliche Haltung beim Rongreß ausdrücklich im Namen der Berliner Kollegen Dant zu sagen.- Der Bors figende bat, die Ausfüllung der Fragebogen nicht zu vernach läffigen und eifriger als bisher au betreiben, um endlich brauch bares statistisches Material zu schaffen. Als legter Termin zur Ablieferung dieser Fragebogen wurde der zweitnächste Ber fammlungstag( in 4 Wochen) bestimmt. Auf diese Bestim mung soll durch die Versammlungs. Einladelarten ausdrücklich aufmerksam gemacht werden. Noch wurde beschlossen, die Namen der neueingetretenen Mitglieder immer in der nächsten Bersammlung bekannt zu geben und sodann schloß nach Erledigung des Fagelaftens die Sigung um 12 Uhr. Die Bereinigung der deutschen Stellmacher( Mit gliedschaft Berlin) hielt am 4. d. M. eine Mitglieder Versamm lung in Heinrich's Salon, Lothringerfir. 105, ab. Bunächst wurde Kaffenbericht erstattet. Demnach betrug die Einnahme intl. Bestand vom vorigen Quartal 64,52., die Ausgabe 57,98 M. An Raffenbestand verblieben 6,54 M. Die Neot foren bestätigten die Richtigkeit der Abrechnung und wurde dem Kafftter Herrn Wilhelm Decharge ertheilt. Bei der hier auf folgenden Wahl der biefigen Ortsverwaltung, sowie des Ausschusses wurden gewählt die Herren Glaubig, 1. Bevoll mächtigter; Wachaus, 2 Bevollmächtigter; Böhm, 1. Kafftrer; Wehner, 2. Kaffiter; Geelbaar, Schriftführer. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren Dreier, Hölzle und Grell; in den Ausschuß die Herren Mengel, Heider, Damle I., Gesche und Baulit. Bei Verschiedenes" wurde nach lebhafter Debatte die Wahl eines Bergnügungs- Komitees vorgenommen. Gewählt murden die Herren Baulid, Bölzle, Menzel, Schmiedile und Wismann. Es wurde dem Komitee aufgegeben, zur Veran ftaltung eines Sommervergnügens die erforderlichen Schritte zu thun. Nach Erledigung einiger internen Angelegenheiten Schloß der Bevollmächtigte die Versammlung. Verein für Feuerbestattung zu Berlin. In der Juli Vorstands figung beschloß der Verein, au der im Herbst vom Verein zu Frankfurt a. M. angeregten gemeinsamen Erlurston nach Gotha nebst Delegirtentag seinem Ehrenpräsidenten Dr. Herzberg die Bertretung des Berliner Vereins anzubieten. Auf diesem Delegirtentage wird der Berliner Verein die Abhaltung des internationalen Kongreffes für Feuerbestattung, welcher in diesem Jahre zu Mailand, 1887 in Wien, aufammen tiit, in Berlin beantragen. Der um die Kremation in Amerita verbiente Mr. Storer Cobb, Borfigender des Bereins zu Boston, wurde zum forrespondirenden Mitgliede ernannt. Mr. Stoter Cobb, der in London das Krematorium besucht hat, begiebt fich von Berlin über Gotha nach Italien, um die verschiedenen Syfteme der Leichenverbrennung fennen zu lernen. Als Bibliothekar wurde Reltor A. Martens, sum technischen Vereins. Tommiffar Herr C. F. Abel gewählt. Anmeldungen von Feuer bestattungen in Gotha werden im Vereinsbureau Breitestraße 5, Berlin C., entgegengenommen. Gesangverein„ Borbeerkrans". Sonnabend, den 10. Juli, abends 8 Uhr, großer Sommernachtsball in den Fest fälen der Philharmonie. Bernburgerstraße 22/23. Entree Herren 50 Pf., Damen 25 Pf. Billets find nur vorber au haben bei den Herren: Mar Bander, Am Friedrichshain Nr. 3, Ernst Dähne, Gipsstr. 12, Otto Liebich, Griebenowfir. 6, Carl Reimann, Rheinsbergerstr. 61, Hermann Raschte, Reinicen. dorferfir. 18e, Reftaurateur Fröhlich, Manteuffelstraße Nr. 86, Reftaurateur Schmaar, Blumenthalftraße 5, C. Schuls, Pappel Allee 127. * Gesang Verein Männer- Chor St. Urban. Butower ftraße 9( Bulower Garten) jeden Freitag Abend Uebungsftunde. * Berliner Turngenossenschaft( 6. Lehrlings. Abtheilung) jeben Dienstag und Freitag von 8-10 Uhr Abends in der Turnhalle, Behdenickerstr. 17. Der Fachberein der Schloffer und Berufsgenossen hält Sonnabend, den 10. Juli, Abends, 8% Uhr, in Bratwell's Bierballen eine Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht vom 2. Quartal. 2. Ersagwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder und Revisoren. 3. Auf nahme neuer Mitglieder. 4. Verlesung der neuaufgenommenen und der laut Statut ausscheidenden Mitglieder. 5. Verschie benes und Fragelaften. Billetausgabe zu dem am 19. Juli ftattfindenden Sommerfeste. Verein sämmtlicher Berufstlaffen Berlin II.( Einge schriebene Hilfslaffe.) Bersammlung am Sonnabend, den 10. D. M., Prinzenstraße 79. Aufnahme neuer Mitglieder, ebenso beim Raffirer Schuhmacher, Mariannenstraße 8, of 8 Treppen. Der Fachberein der Steinträger bält am Sonntag, den 11. Juli Vormittags 10%, Uhr, bei Scheffer, Inselstraße Nr. 10, eine Mitgiteder Versammlung mit wichtiger Tagesord nung ab. Rauchklub Weftend" Freitag, Abends 9 Uhr, im Hohenzollerngarten, Stegligerstr. 27. Vereinigung der deutschen Schmiede. Sonnabend, den 10. Juli, Abends 8½ Uhr, Versammlung in Bratwell's Bierhallen, Kommandantenfiraße 77-79. Tagesordnung: 1. Abrechnung der ehemaligen Lohntommiffion. 2. Regelung bes Arbeitsnachweises.- Gäste willkommen. Die Lohntommiffion der Töpfer Berlins bittet uns um Aufnahme folgender Bellen: Da am 2. Juli d. J. von den Töpfermeistern Berlins und Umgegend zur Regelung der Lohnfrage der Beschluß gefaßt wurde, vom 1. Juli d. J. ab 25 pet. Bulage auf ben altbestebenden Geselleniohntarif für das erste Jahr, also bis 1. Juli 1887, in allen Bofitionen zu zahlen, fordert unterzeichnete Lohntommiffton sämmtliche Arbeit geber des Töpfergewerbes von Berlin und Umgegend freund lichft auf, ihre werthe Unterschrift als Anerkennung des Be schluffes baldigft einsenden zu wollen, um ein endgültiges Re fultat dadurch zu erzielen. Die Lohnkommission der Töpfer gesellen Berlins und Umgegend, Grenadierftr. 33, bei Herrn Seefeld. NB. Töpfergesellen, welche fich ordnungsmäßig lege timiren fönnen, wird sofort da Arbeit nachgewiesen, wo der Lohntatif unterschrieben ist und bezahlt wird. Näheres eben falls Grenadierftr. 33. Kleine Mittheilungen. Bibliothek wurden gerettet; die mineralogischen Sammlungen find verloren. Es ist wenig versichert. Fünf Bersonen wurden verwundet. Das Feuer brach während der Prüfungen in Folge der Unvorsichtigkeit von Binlarbeitern aus. Hamburg, 6. Juli. Ein Erzeß von Landwehrleuten, welche am vorigen Sonnabend, von einer zwölftägigen Uebung bedrohten, dürfte ein böses Nachspiel haben. Das aus 3 aus Stabe lommend, ben Sergranten Braun in arger Weise Offizieren und 250 Mann bestehende Rommando ftand nämlich noch in dienstlichem Busammenhange und die Betheiligten waren den ftrengen Sagungen der Kriegsartikel unterworfen. Unterwegs sollen nun dret Leute, die früber mit Braun zus fammen in Sonderburg ihre attive Dienstzeit absolvirt haben, übrige Mannschaft wiederholt aufgefordert baben, den Braun, im Verein mit fünf anderen Gesinnungsgenossen die gesammte der früher einem von ihnen eine längere Feftungshaft verschafft haben soll, über Bord zu werfen. Alle, welche fich begütigend ins Mittel legen wollten, wurden von den Anstiftern des Erzeffes arg mishandelt. Einer der Difiziere, welcher in ruhiger Welse gegen das Verhalten der Erzedenten remonstrirte, erhielt einen so gewaltigen Stoß gegen den Leib, daß er gegen den Dampfleff I taumelte. Der Kapitän des Schiffes schloß schließlich ben bedrohten Braun in seine Kajüte ein und biste die Roth flagge. Bei Ankunft des Schiffes im hiesigen Hafen wurden bereits verschiedene Verhöre ftatt. Die Haupträdelsführer gefänglich eingezogen und es fanden Pilfen, 6. Jult. An hundert Soldaten und Unteroffiziere des 35. öfterreichischen Infanterie- Regiments, die fich im Laden des Handelsgremial Bräfidenten Motytschla durch Bigarrenspenden verleiten ließen, die Betition um Erhaltung der caechischen Realtlassen au unterschreiben, wurden au dreißigtägigem Arreft verurtheilt und allen Soldaten das Be treten des Ladens Motytschka's strengftens verboten. Brüffel, 5. Juli. Endlich ist das Näthsel der Berstückelung einer Frauenleiche gelöft. Die angebliche Studentenmyftifilation ift selbst eine Mystifilation; es liegt ein Verbrechen vor. Vor geftern ging aus der Stadt Biloorde die telegraphische Nach richt in Brüffel ein, ein schwarzer Stoffer fet vor einigen Tagen angekommen, aber nicht abgeholt; in Folge des ihm entfirömenden entseglichen Geruches babe man ihn geöffnet- es war der Rumpf eines Frauentörpers. Nach Brüffel geschafft, erwies er fich als zu den aufgefundenen Gliedern paffend. Man fand im Koffer Papierschnigel, aus denen fich die Adresse der Brüffeler Hebeamme Robelet in der Prager Straße der Vor ftadt Saint Gilles ergab. Dieselbe, der Juftis bekannt, unter bielt dafelbft eine Benfton für Damen, fie lebte getrennt von threm Manne, bielt fich aber einen Freund Masquelier. Jn wischen war der Kutscher, welcher den Mann mit dem schwarzen Roffer nach der Bahn gefahren, ermittelt worden er be zeichnete sofort Masquelier als den Befizer des Koffers. Nun Schritt die Bolizet zur Berhaftung beider. Im Hause fand man Berlen, genau denen gleich, die fich an den gefundenen Klei bern befanden. Nach langem Leugnen der beiden ftellte die Untersuchung fest, daß eine Frau aus Brügge od r Mecheln in die Rodelet'iche Penfion eingetreten, in Folge verbrecherischer Handlungen daselbst verstorben ist. Aus Besorgnis, die Juftis fönne einschreiten, beschloffen fte, die Leiche zu beseitigen und zu zerschneiden, Masquelier vollbrachte 8 Stunden nach dem Tode der Frau das Werk in 3 Stunden! Die Rodelet ver brannte den Ropf! Bei der Verhaftung der beiden Verbrecher fonnten fie nur durch die Polizei vor dem Lynchen durch die erbitterte Vollsmenge geschüßt werden. London, 6. Juli. Ein ernftes Unglüd ereignete fich geftern Morgen auf der Kaledonischen Eisenbahn unweit holytown. er von Glasgow tommende Schnellzug entgleifte in Folge eines genbruches an der Lokomotive. Wenige Minuten dar auf stieß der von Edinburgh tommende Rourterzug mit dem verunglückten Bug zueammen, wodurch die Lokomotive und ble meisten Wagen zertrümmert wurden. 35 Personen, darunter Die Lokomotivführer beider Süge, erlitten mehr oder minder er Lehte Nachrichten. Brüffel, 7. Juli. In der hiesigen Universität brach heute Nachmittag eine Feuers brunft aus, es werden die größten Anhebliche Verlegungen. ftrengungen gemacht, einem weiteren Umfichgreifen des Feuers Einhalt zu thun. Ein zweites Telegramm meldet: Die Feuerwehr ist bes Brandes Herr geworden. Der ganje rechte Flügel mit dem akademischen Saale ist vollständig zerstört. Ein Theil der Bibliothel ist gerettet. Endlich meldet noch ein Brivattelegramm der Boff. Stg.": Der Universitätssaal mit Ruppel und die Laboratorien find eingestürzt. Die medi ainischen Sammlungen, sowie 5000 der 120 000 Bücher der Theater. Freitag, den 9. Juli Belle- Alliance- Theater. Das Paradies, Ge Zu den englischen Wahlen. Bis jest find im Ganzen 464 Wahlen bekannt. Gewählt find 237 Ronservative, 49 diffentirende Liberale, 123 Anhänger Gladstone's und 55 Bar nelliten. Die Konservativen baben 47 Sige, die diffentirenden Fachverein der Steindrucker und Lithographen. Sonnabend, den 10. Juli: ſangspoffe in 4 Alten von Leon Treptowo unb 1. grosses Sommernachtsfest 2. Herrmann. Dend- Theater. Die Pariser Bluthochzeit. Bittoria Theater. Amor. Tanz Boem oon Luigi Manzotti. Walhalla Theater. Capricciosa. Kroll's Theater. Der Boftillon von Lonju. meau. Ranfmann's Bariete. Große Spezialitäten Borstellung. Baffage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Kaiser- Panorama, In dieser Woche: in Weimann's Volksgarten( Gesundbrunnen). Billets find zu haben bei den Herren Katser, Michaellirchfir 8, Hendrich, Langeftr. 86, Schuls, Schöneberg, Golsftr. 1, Sent, Büdlerstr. 15, Lehmann, Aderftr. 160, Breus, Brigerftr. 15, Kerlin, Bernauer ftr. 69, und in allen mit Blas laten belegten Handlungen. 162 Fachverein der Tischler. Sonntag, den 11. Juli: Eine interessante Rheinreife. Berrenpartis nadi dem Grunewald Das malerische Berner Oberland. Hertha- Retse. Carolinen- Inseln. Eine Reise 20 Bfg. Rinder nur 10 Bfg. ( Alte Fischerhütte). Die Theilnehmer fabren mit der Eisenbahn bis Schmargendorf. Von dort ab Fußpartie. Abfahrt vom Anhalter Bahnhof Borm. 8 Uhr Der Fadioerein der Pager Berlins 30 min., vom Schleftfchen Bahnhof 8 1br 37 veranstaltet am Montag, Sen 12. Juli, eine Min., vom Potsdamer Bahnhof 9 Uhr 14 Min. Außerdem geht ftündlich ein Bug ab. 64] 1986 Landpartie per Kremser nach den Pichelsbergen. Die Das Bergnügungs Romitee. Biften zur Ginzeichnung der Ebeilnehmer egen Fachverein der Rohrleger. 60] Liberalen 2, die Anhänger Gladstone's 21 und die Barnelliten einen Sig gewonnen. Su erledigen find fegt noch 206 Bablen. Von denselben müssen, wenn die Gegner Gladstone's die Mehr helt erreichen sollen, noch mindestens 50 zu deren Gunften aus fallen, da dieselben bis jetzt bei 286 Wahlen den Sieg davon getragen haben. Gladstones's Anhänger und die Barnelliten haben es bis jest zusammen nur auf 178 Sige gebracht, ihnen fehlen demnach zur Mehrheit mindestens noch 158 Size; fallen mehr als 48 der noch ausftehenden Wahlen zu Gunsten der Gegner aus, so ift Gladstone's Sache unterlegen. Die Differenz zu Gunsten der Antigladstonianer ist gegen gestern früb um 1 zurüdgegangen; fte beträgt heute noch 108. Den„ Daily News" zufolge wird am Dienstag oder Mittwoch der nächsten Woche ein Rabinetsrath stattfinden, welcher über das Verfahren Der Regierung gegenüber den Ergebnissen der Wahlen ent scheiden wird. Aufhebung des Batumer Freihafens. Das ,, Reuter'sche Bureau" bestätigt, die englische Hegierung habe von der rufft schen die Anzeige von der Aufhebung des den Hafen betreffen den Artikels des Berliner Vertrages erhalten; eine ähnliche Mittheilung sei den anderen Großmächten gemacht worden. Hierdurch werde Batum ein integrirender Theil des rufftschen Reiches. England dürfte seine Intereffen durch die Aufhebung nicht als besonders berührt erachten, da der englische Handel iegt über den perfischen Meerbusen gehe. Die englische Ne gierung würde daher auch teine vereinzelte Aftion unter nehmen, sondern im Einvernehmen mit den anderen Großmächten handeln. In den Kortes au Madrid haben die Verhandlungen über die Bivillifte begonnen. Der Republikaner Muro führte aus, daß die Könige die Beamten der Nation wären und gemäß den von ihnen geleisteten Diensten bezahlt werden müßten. Muro bekämpfte bann, wie den Pariser Blättern fabella und dem König Don Franz de Afftft gewährten Benweiter aus Madrid telegraphisch gemeldet wird, die der Königin flonen und bezeichnete die Sivillifte als viel au boch bemessen, jumal im Hinblick auf die pretäre Lage des Staatsschases. Der Republikaner Muro Inüpfte bieran eine Bergleichung der verschiedenen Bioillisten, um zu zeigen, daß die Republik die billigste Regierungsform wäre. Hiergegen wandte sich nun der monarchische Deputirte Nieto, indem er die Bivillifte mit aller Entschiedenheit vertheidigte und ausführte, daß die Republit gerade diejenige Regierungsform gewesen ist, welche in Folge des Bürgerkrieges Spanien am theuerften zu stehen tam. Die Ergebnisse der Wahlen zum Reichsversicherungsamt werten im Reichsanzeiger" fundgegeben. Von ten wahlberechtigten 57 Berufsgenossenschaftsvorständen und 44 Ausführungsbehörden find 57 und 42 giltige Stimmaettel abgegeben worden. Dabei erhielten die meisten Stimmen als nichtständige Mitglieder: 1) 3 144 961: Rommersientath baßler in Augsburg, Mitglied des Vorftardes der füb. deutschen Textil- Berufsgenossenschaft, 2) 1894 987: Bergwertsdirettor hilt in Aachen, Worfigender des Vor ftandes der Knappschafts- Berufsgenossenschaft. Die beiden Genannten find daher in der vorstehenden Reihenfolge zu nichtständigen Mitgliedern des Reichs- Versicherungsamts ge wählt worden. Ferner wurden Direktor Röside als 1. Stell vertreter des 1. Mitgliedes, Dr. Martius als 1. Stellver treter des 2. Mitgliedes, Direktor Guno als 2. Stellvertreter bes 1. Mitgliedes, Dampffägemühlenbefizers Schramm als 2. Stellvertreter des 2. Mitgliedes gewählt. Die lettgenannten berren find sämmtlich Berliner. II. Von den 2283 wahlberechtigten Arbeitervers tretern find 2123 giltige Stimmettel abgegeben worden. Die höchsten Stimmenzahlen als nichtständige Mitglieder er bielten: 1) 861 427: Bertmeist er Eduard Rudolf Chrift in M.- Gladbach, Arbeitervertreter der Papierverararbeitungs Berufsgenossenschaft, 2) 255 272: utmacher Rarl Raempfe in Bamberg, Arbeitervertreter der Bekleidungs induftrie Berufsgenossenschaft. Die beiden Genannten find ba fer in der vorstehenden Reihenfolge zu nichtständigen Mit gliedern des Reichsversicherungsamtes gewählt worden. Ferner wurden Arbeitervertreter Röttgen( Düffeldorf) als 1. Stell vertreter des 1. Mitgliedes, Arbeitervertreter Hardt( Wil helmsthal) als 1. Stellvertreter des 2. Mitgliedes, Arbeiter vertreter Start( München) als 2. Stellvertreter des 1. Mit gliedes, Arbeitervertreter pörI( Augsburg) als 2. Stellver treter des 2. Mitgliedes gewählt. Schweizer Garten. Am Friedrichshain. Haltestelle der Ringbahn. Am Rönigsthor. Täglich: Concert, Theatervorstellung, Auftreten der Specialitäten. Miss Lazel als lebende Kanonenkugel. Sensationsluftnummer der berühmten Majol- Truppe: Miß Lazel wird aus einer Ranone geschoffen und von Rig Sema aufgefangen werden. Abends: Große Jllumination und elektrische Beleuchtung. Voltsbeluftigungen aller Art. Der 3. Mutterglüd. Soeben ik schienen: Der eue Welt- Kalender für 1887. Mus bem reichen Inhalt heben wir hervor: Reichehaushalts- Etat des Deutschen Reichs.- Jerbrochene Ketten. Erzählung von Rob. Schweichel. Särtige Frauen und Saarmenschen. Ein Proletarierkind. Erzählung von E. Langer. Kampf zwischen Feuer und Wasser in der Welt. Bon B. Osw. Röhler. Wie man eine Million verbient.- Fliegende Blätter( humoristisch). Als Gratisbeilagen: 1. Sucia. 2. Blanche. 4. Die beiden lten, Ein Wandkalender. Preis 50 Pfennig. Stuttgart. 3.5. W. Disk. Versammlung Brake 44. Bu beziehen durch die Expedition, ZimmerWiederverkäufernshoher Rabatt. Fachverein der Metallarbeiter Der Vorstand. des Vereins der Battler u. Fachgen. in Gas-, Waffer- und Dampf- Armaturen. Versammlung Des Fadioereins der Steinträger Berlins Sonnabend, ben 10. Juli, in Gratwell's Bierhallen, Rommandantenftr. 2.D.: 1. Bericht des Vorsitzenden über das am Sonnabend, den 10. Juli, Abends 9 Uhr, Versammlung bei Seefeldt, Grenadierstraße Nr. 33. bel folgenden Komiteemitgliedern aus: G. Arndt, Ballifabenftr. 71; G. Kleber, Dranienftr. 171 Sonntag, den 11. Juli, Vormittags 10 Uhr, bei Stod; C. Jubl, Schleftscher Bahnhof 3; in Wiest's Saal, Rommandantenftraße 71/72: 6. Walter, Münchebergerftr. 31; A. Hennig, Granfeeerftr. 1; A. Röller, Borgstr. 18; H. Versammlung. Ebielele, Grunewaldftr. 14; in Schöneberg bei telfährlicher Rechenschaftsbericht. 2.D.: Vortrag des Ing. Hrn. Kiging. Bier 3. Rebben, Mariannenftr. 21; D. Hausschild, Romitees aur Landpartie. Verschiedenes und Wahl des Blanufer 7 bet Rump; L. Braun, Danzigerstr. 1. Fragelaften. Aufnahme neuer Mitglieber. Sonnabend, den 10. Juli, Abends 8 Uhr: Grosser Sommernachtsball in den Feftsälen der Philharmonie, Bernburgerstraße 22/23, veranstaltet vom Gesangverein Lorbeerkrang. Entree Herren 50 Bf., Damen 25 Pf. Sillets find nur vorher zu haben bei den Herren: Max Bander, Am Friedrichshain Nr. 3, Crnft Dähne, Gipsftr. 12, Otto Liebich, Grie benowftr. 6, Carl Reimann, Rheinsbergerstr. 61, Hermann Raichle, Reinickendorferstr. 188, Re #taurateur Fröhlich, Manteuffelstr. 86, Restau rateur Schmaar, Blumenthalftr. 5, C. Schulz, Bappel Allee 127. Freunde und Kollegen find hierdurch freundlichst eingeladen. 147 J. A.: Der Vorfhende. May Bander, Maurer Berantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Drud und Verlag von Mar Bading in Berlin SW. Beuthstraße 2. Quartal 2. brechnung. 3. belten. 2. Besprechung über das Stiftungsfe 2. Bestätigung Tagesordnung: 1. Innere Vereinsangelegen der Fachlommiffion. 4. Besprechung über die Landpartie respektive Antrag. 5. Verschiedenes. am 31. Juli bet Bublmann und Ausgabe der Mitgliedsbuch legitimirt. Billets. 3. Verschiedenes und Fragelaften. 57] Der Vorstand. am 11. Juli 1886, Vormittags 10% Uhr, in Scheffer's Salon, Inselstraße 10, 2 Tr. beiten, Berschiedenes. Nene Mitglieder werTagesordnung: Innere Vereineangelegen den aufgenommen. 591 Der Vorstand. Goeben erschten Nr. 30 des Babren Jakob". Bu bestehen durch die Expedition, Bimmer [ 2038 raße 44. J. A.: J. Babel, Invalidenftr. 22. Arbeitsmarkt. [ 58 Ein Korbmachergeselle auf Scheenenarbeit wird verl. bei. Schmidt, Strelißerftr. 25 III. Eine Frau zum Beitung austragen wird ver langt Kleine Andreasstraße 15 vorn 2 Treppen. Von 11 Uhr ab zu sprechen. Die Sozialdemokratie er dem Deutschen Reichstage. Romplet eft 1-5. tuer elksblatt", Berlin SW., Jimm Bu bestehen durch die Expedition bes ,, [ 63 44. [ 1057