Nr. 158 Sonnabend, den 10, Inli 1886. III, Jahrg. SerlimrWksdlM Brasn für die Intrressrn der Ardriter. 4 Das„Berliner Volksblatt" «icheint täglich Morgen» außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSprei» für Berlin frei in» Hau» vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement ».Marl. Einzelne Nummer 6 Pf. Sonntag!. Nummer mit der tllustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Poftzritung?preiSliste für 1886 unter Nr. 769.) Jusertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmarlt 10 Pfennig«. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi» 4 Uhr Nachmittag» in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle« Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung de» Preise», angenommen. Redaktion: Kenthstraße S.— Gepedition: Zimmerstraße 44. D» Knlmtt Nerlriiz. Wir führten unlängst au», daß wir jede Abmachung im europäischen Konzert, von der Rußland nicht auSge- schlössen ist, al» einen Mißerfolg der westliche» Mächte be- trachte«. Wen» die» Manchem zu weitgehend erschiene» sei» mag, so habe» wir inzwischen für unsere Anschauung die vollgiltigste» Bestätigungen gefunden. Rußland hat de« Berliner Vertrag zerrissen. Zm Berliner Vertrag war bestimmt, daß B a t u m ein Freihafen bleibe« solle und nun hat Rußland ganz plötzlich erklärt, daß e» diese Klausel nicht mehr anerkennen wolle. Nach diesem Vorgehen hat der ganze Berliner Vertrag keine Bedeutung mehr, den« wen« Rußland ihn nicht hält, so werden ihn auch Andere nicht halten wollen. Da» »größte diplomatische Meisterstück de« Jahrhundert«" existirt also nur»och auf dem Papier. Man sollt« meine», die« müßte eine ernste Mahnung für all« anderen Mächte fei», sich künftighin gegen die Doppelzüngiglett und Wortbrüchigkeit der rusfische« Diplo- matte genügend vorzusehen. Di« russische Doppelzüngigkeit kann bald sprüchwörtlich werden. In diesem Moment ver- öffentltcht die bekannte.Politische Korrespo«. de« z" eine» osfiziösen Arttkel au» Petersburg, in welchem die Ziele der russis�en Orientpolttik deutlich genug angege. be« werde». E» wird offen mit einem Angriff auf vie Pforte und auf Bulgarien gedroht. Raßland läßt sich aber dabei als Hüter de» Frieden» hinstelle«, während e« doch wahrlich nicht Rußlands Verdienst war, daß e» jüngst zwischen Grieche« und Türke» nicht zum Schlage» kam. Richtig ist, daß Fürst Alexander von Bulgarien durch seinen Staatsstreich de« Berliner Vertrag zuerst gebrochen hat und es war leicht vor» herzusehe», daß jener Staatsstreich unheilvolle Folge» habe« würde. Nun sind sie im Begriff, einzutrete»; Rußland nutzt da» Vorgehe« Alexander» in seiner Weise au» und droht mit einem Angriff gegen ihn und die Türkei. Merkwürdig ist die Art und Weise, wie die« Vorgehe« Rußland« von einzelne» deutsche» Blättern aufgenommen wird. Da lese« wir in einem ziemlich einflußreiche» Blatte de» guten Rath, die Mächte möchten doch Rußland die Auf» Hebung de« Freihafen» von Batum gestatten, damit es viel- leicht seine Drohungen mit einem kriegerische« Vor- gehen am Balkan nicht wahr mache. Wenn diese Sorte von Prefle— notabene von deutscher Presse I— im Solde Rußland» stände, könnte sie auch nicht ander» schrei« den. Wir glaube» kaum, daß der Rubel«och auf Reise« geht; allein in solche» Fälle» wird ja freiwillig ge» leistet, was sonst nur gegen Bezahlung geschah. Die ohne- hin so anmaßende rusfische Diplomatie wird immer an« IkeuMeton. Mt»e Mutter. Roman von Kjrtedrtch« e r ft ä ckj»». (Fortsetzung.) Freundlicher hatte« sich indessen die Verhältnisse i» der Pfeffer'schen Familie gestaltet. Rebe'« Erfolg am hiesigen Theater konnte al» gesichert betrachtet werde«, den««ach der Aufführung de» FieSko wagte sich keine Opposition mehr heran»— oder wurde viel» mehr nicht mehr bezahlt und fiel deshalb von selbst weg.— Strohwisch hatte Haßburg verlasse», und Rebe bekam da» durch freien Raum Und ehrliches Spiel, sich feine Stellung am Haßburger Theater zu erkämpfe«, wa« er ehrenvoll that. Nach einander, aber von dem vorsichtige« Direktor immer nur von Monat zu Monat engagw, trat er in den be» deutendsten und schwierigste» Rolle» auf und zeigte sich bald al» ein so talent- und geistvoller Schauspieler, daß ihn da» Publikum immer lieber gewann und ihm jetzt allabend« lich die deutlichsten und lebhafteste« Zeichen seine» Bei- fall« gab. Aber trotzdem veränderte er seine L«be«»art nicht. Seine Gage war schon jetzt eine sehr anständig«, und er hätte mit Leichtigkeit ei» bessere» Quartter nehme» und besser lebe» können. Da« Gerechtigkeitsgefühl aber, da» ihn bisher ge» leitet, führte ihn auch weiter, und wen« er schon offen und ehrlich um HenriettenS Hand bei den Elter» an» gehalten»»ß ihre freudige Einwilligung erlangt hatte, Lüerte er sich doch, Henriette früher heimzuführe«, als er sich selber so viel Geld erspart habe, um seine, Frau eme freundliche und angemessene Heimath gründen zu tonne«. mähender werde«, wen» sie im Westen einen solchen Skia« venfin« findet. Dan« giebt es bei un» immer«och Leute, welche ernsthaft an die russische Freundschaft glauben, ob« schon diese„Freundschaft" sich schon im Zahre 1814 da- durch dokumentirte, daß die Russe« die Festung Danzig behalte» wollte». So steht,«ach de» Drohungen der.Politische» Korre» spondenz", eine neu« große Krifi» im Orient bevor. Er- wägen wir die Eoentualttäte«. Die Mächte werden zunächst wieder versuche», einer kriegerischen Aktion vorzubeugen. Die» wird nach der bisher gebräuchliche» Praxis nur dadurch möglich sein, daß man Rußland neue Konzessionen auf Kosten der Pforte, vielleicht auch auf Kosten des Fürsten Alexander macht. Diese neuen Konzesfionen werden Rußland ermuthige»,«och mehr zu verlangen. Kommt e« aber zum Kampfe, so wird die Türkei unterliegen müssen, den» dann wird man auch Grieche« und Serbe» im Felde sehen. Ob Englaad, Oesterreich und andere Westmächte in de» Kampf verwickelt werden, hängt von de« Umständen ab. Man sieht, Rußland läßt die Orientftage nicht zur Ruhe komme». Trotzig und entschlossen steuert e« seinem Ziel, der Vernichtung der Türkei, zu. Es beschwört fast alljährlich die Gefahr eines europäische» Kriege« herauf, indem es sich darauf verläßt, daß die europäische Diplomatie immer wieder«achgeben wird, um eben dieser Gefahr au«zuweiche«. Wir begreife» die schwierige Lage einzelner Regierungen gegenüber der russischen Orientpolttik. Nur begreife« wir nicht, daß man mit dieser Macht immer wieder Verträge schließt, während man doch»un wisse» kann, daß die Herren zu St. Petersburg dies« Verttäge nur mit dem Vorbehalt schließe», sie zu breche« und neue Verwickelunge» herbei zu führen. Da« bedeutet ein« trübe Zukunft. Wer find den« eigentlich dies- Männer, die unaufhörlich Europa mtt Drohungen beunruhigen? Sie sind nicht ein- mal im Stande, ihrem eigenen Lande auch nur die geringsten Reforme» zu gebe«; dort waltet ei« asiatischer Despotismus von Polizei und Bureaukratte, eine astattsche Korruption, und dazu kommt ei« soziale« Elend, da« aller Beschreibung spottet. Wie müsse» die Staatsmänner be» schaffen sei», welche solche innere« Zustände ihre« Vater- lande« ruhig mit ansehe« oder gar«och förder» und die da» ganze Ziel ihre» Stteben« in der Annektion von Länder« erblicke», die gegenwärtig in anderem Be» fitze find. E« find dieselben Beunruhigungen, die unsere Alt- vorder« durch Hunnen und Avare» zu erfahre» hatte»; seinen eigenen Herd gründe», und Henriette hatte ihn de»- halb nur um so lieber. Darin stimmte er aber ganz mtt Pfeffer überei», daß er jetzt bei Krüger auch auf eine» bestimmten und längere» Kontrakt dringe« müsse, den» da» Provisorium hatte lange genug gedauert. Rebe schrieb auch deshalb an Krüger, und heute war«ine schriftliche Antmort eingelaufen, worin sich der Direktor in den schmeichelhafteste» Au»- drücke« erbot, eine» fünfjährigen Konttakt mit Rebe al« erstem Liebhaber und Helden einzugehe«, und ihm ei« Konzept desselben unter sehr annehmbaren Bedingungen beilegte. Rebe hatte augenblicklich zustimme» wolle«, Pfeffer that aber Einspruch und behauptete, daß in«wer so wichttge» Angelegenheit auch«othwendiger Weise großer Kriegsrath gehalten werde« müsse. Außerdem sei e» nicht einmal gerathen, diesem„Blutsauger", w,e er seine» Direktor im vertrauliche« Gespräch gewöhnlich nannte, zu zeigen, daß man augenblicklich zuschnappe, sobald er eine« Brocke» au»- hielt. Er müsse zappeln, er müsse«ine Zeit lang in Un- gewißheit gehalten»erde«, dann erst dürfe man hoffe«, auf einen andauernd gute« Fuß mtt ihm zu komme«; sonst setze er seine« Schlachtopfer» doch augenblicklich wieder de« Daumen aus'« Auge. Rebe wollte dagegen protesttte«, aber e» half ihm nicht»; er wurde nicht überstimmt gerade, aber von Pfeffer überschrien, und willigte endlich lächelnd in eine»„großen Rath", der an diesem Nachmittag bei Pfeffer zusammenkomme» und Rebe'« Entschluß bestimme» solle. Pfeffer'« Schwester, die sich merkwürdig in den letzte» Monaten erholt hatte und schon tüchtig wieder im Hause wirthschastett. anangnte mit Jettche««inen große» Kaffee, und selbst Fräulein Basfini war dazu eingeladen worden und erschien, eine halbe Stunde vor der Zeit, im höchste« Staat und Putz, so daß Pfeffer augenblicklich in sein Zimmer stürzte, de« alte« Schlafrock abwarf, ein weißes, allerding» etwas„mitgenommene»" Halstuch umband und in seinen alte« blauen Frack mit blanke« Knöpfe« hineinfuhr, dazu ei« Paar schmutzige gelbe Glacöhandschuhe anzog, seine» sie haben nur eine etwa» mehr moderne Form angenommen. Wa« wird Europa wohl»och erduloea müssen, bevor dieser Zustand ein Ende nimmt! Die Hmertaisihe UMsmrWlst imb dikmmkmsihmArlikitttllrMisMieil. v. (Vergl. Nr. 150, 151, 155, 157.) § Lei den Rittern der Arbeit interesstrt un» für unsere Zwecke weniger ihr Programm, da» die verschiedensten Seiten de« industriellen und öffentlichen Leben« umfaßt. Auch die Zahl der Mttglieder, die sehr verschieden angegeben wird und wohl mindesten» auf 300 000, wahrscheinlich auf mehr al» eine Halde Million zu schätzen ist, kümmert unS hier wetter nicht. Um so wichtiger ist für unS die innere Organisation diese» Orden«. Wir erwähnten bereits, daß der Orden alle Schichten der Lohnarbeiter gleichmäßig ,u umfassen sucht, daß er also die enge Grundlage der Beruftgenossenschaft verlaßt, weil er die letztere bei fortgeschrittener ArbeitStheilung nicht mehr für auS« reichend hält. Der Orden gliedert fich nicht nach Berufen, sondern nach Ortschaftm. Die Arbeiter desselben OrteS treten zu Local Asaernblies zusammen und über diesen stehen alSdann die Distrikts> Versammlungen. Ihr Bereich fällt nicht etwa mit politischen Abgrenzungen zu- sammen, fie werden vielmehr je nach Bedürfniß, ohne Ansehen der Staat«- und GrafschaftSeintheilung gebildet, müssen aber wenigstens fünf lokale Vereine in fich zusammenfassen. Die lokalen Vereine, Zellen diese» Oraani»muS, entsenden Delegttte, für 100 Mttglieder einen, zur Distriktversammlung. Au» den Distriktoersammlungen werden wiederum Abgeordnete für die General Aesernbly entsandt, welche die höchste und letzte In« stanz für alle auftauchenden Fragen und Streitigketten bildet, und welche allein mit Zweidrittel-Majorttät die Gmndkonftt» tution abändern kann, während die unteren Verbände nm innerhalb gewisser Grenzen ÄuSfühmngsbestimmungen der all« gemeinen Regeln erlassen können. Sie stellt— nach WalterS- ausen— für die Mttglieder Reisekarten au», durch welche der Uederttitt von einem Lokalverein in den anderen ermöglicht RkV" S? CKSKS Gründung neuer Lokalvereine, fie entsendet Agenten und Agt- tatoren. Zur Revifion der Kassenbestände und zur Kontrole, od die Zwecke deS Orden» auch gehörig beachtet werden, ob die Etatuten überall in Kraft find, od das Präsidium (Grand Master Workrnan) seine Pflicht erfüllt, ist ein«uffichtt. rath(ExerntiTe Board) bestellt, der au« fünf Mitgliedern der Verbrüderung bestehen muß. Trotz seine« mehr territorialen al« berufSgenoffenschastltchen Aufbaues weiß der Orden den desonderen Zusammenhalt, welchen die gleiche berufliche Thätigkeit stets gewährt, recht wohl zu schätzen und für seine Zwecke zu verwenden. So existiren in großen Städten, in denen Leute gleicher Beschästi- Zplioderhut aufsetzte und der Schwester nun, in der linken Hand die lange Pfeife und an de» Füße»»och immer die grüngestickten Schlapp.Pantoffel«, entgegen ging, um sie höchst förmlich zu begrüße«. Pfeffer hielt den« auch, als Alle versammelt waren, in diesem Kostüm seine» Vortrag, und Jeremia» saß dabei und lachte, fing aber an, mit dem Kopf zu schütteln, al« sein Schwager Rebe aufzuhetzen begann, de» Koattakt zurückzu- weise« und höhere Bedingungen zu forder«. Die Gage war nämlich von Krüger selber so hoch gestellt, wie sie nur Haßburg mit seine« bescheidene» Verhältnisse» zahle« konnte, und Zeremia« protestirte heftig gegen jede solche Ueberschret» tung de« Möglichen. Pfeffer gab endlich«ach. .Tut, Kinder,' sagte er, während Fräulein Basstni daneben saß und an einem entsetzlich lange«, brennend rothen Sttumpf strickte,„ich habe nichts dagegen, wen« Rebe denn für eine solche Lumpengage bleibe» soll, wo er in Berlw und Wie« da» Doppelte bekomme» könnte..." .Wen« nicht dort alle Stelle» besetzt wäre», Herr Pfeffer,», „So habe ich auch nicht« dagegen," fuhr Pfeffer fort, „aber in Einer Sache müßt Ihr mir folge»— Rebe muß ihm eine« derbe» Brief schreibe«, in dem er de« Konttatt allerdings annimmt, aber diesem Blutegel, diesem Krüger, auch zu verstehen giebt, daß er ihn durchschaut und fich sei- «e» Werthe« vollkomme« bewußt ist." „Aber, bester Herr Pfeffer," sagte Rebe,„ich bi« nicht im Stande, eine« Brief zu schreiben, in dem ich etwa« An« dere» sage» soll, al« ich wirklich denke." „Dana werde ich Ihne« diktiren," rief Pfeffer. „Aber, Fürchtegott...", bat die Frau. „Mach' mich nicht böse," rief aber Pfeffer jetzt gereizt, .setze« Sie sich dahin, Rebe, dort liegt ei« Briefboge« und Feder und Dinte, und fangen Sie an I" „Aber willst Du da« nicht lieber mir diktiren, Onkel» che«," bat Henriette,„HoratiuS kennt doch«och nicht so ge» «au Deine Art und Weise?",, „Ach was, Art und Weise- er muß sich hmein finde». und so viel Verstand wttd er doch wohl haben 1 Schreibe» Sie, Rebe!" qung zahlreich sind, vielfach auf BetufSsenossm beschrankt« Unterveitine; aber diese find nun und nimmermehr etwa! SelbstfiändigeS, sondern stet« Glieder deS allgemeinen Lokal» oder DtstliktverdandeS, dem Arbeiter aller Art angehören. Eie stehen also auch viel weniger mit den gleichen Fachvereinen anderer Städte, alt mit den anderen Beruft« oder Lokaloer« bänden ihret Distriktt in Verbindung. Ein anderer Gestchttpunkt, nach dem die lokale Zusammen» faffurg vielfach modifijirt wird, ergiebt fich aut den Raffen« und Nstionalttätiunterschiedm in den Vereinigten Staaten. Eine danach bemeffene besondere Gliederung erfolgt der Sprache wegen, damit die Vereinsgenossen fich ordentlich verstehen und ihre Angelegenheiten gründlich erörtern können. Die Ritter der Arbeit verzichten lieber auf die in Amerika weniger wirksame Beruftgenoffenschaft und halten dafür um so srster an der Einheit der Sprache fest. Hinfichtlich der Raffe wird wie bei der Nationalität verfahren. Et giebt Lokalvereine, die nur Neger alt Mitglieder haben. In kleineren Orten können natürlich solche Unterschiede nicht gemacht werden, und dort gehören Arbeiter verschiedener Gewerbe, Nationalität und Raffe demselben Verbände an. Ebenso werden in größeren Städten oft viele Gewerbe, die keine große Ausbreitung ge« Wonnen haben, in einen Lokalverein zusammengefaßt. Man steht, der Arbeiter, der dem Orden der Ritter bei« tritt, thut dieß viel weniger in seiner Besonderheit als Tischler, Maurer, Weber oder sonst welcher Fachmann, als vielmehr in seiner allgemeinen Eigenschaft alS Ardeiter überhaupt. Gerade diese Zusammenfaffung aller Berufe giebt aber dem Orden seine Stärke und seinen Einfluß, wie ihn wohl noch nie eine prole« tarische Organisation der Welt auf gewerblichem Gebiete beseffen hat. Nehmen wir an, daß die Weber in den Ver- einigten Staaten streiken, so würde ihnen eine bloße Weber«, oder auch eine umfaffendere Textilarbeitergewerkschast nicht viel nützen, weil ihnen eine rerhängnißvolle Konkurrenz ja auch auS den Kreisen ganz anderer Arbeiter erwachsen kann. Nunmehr haben ste aber einen Rückhalt an den Hunderttausenden der Ritter der Arbeit. Kein Mitglied dieses Ordeni bietet fich den Unternehmern zum Ersatz der Weber an. Dam hat der Or« den noch daS Machtmittel deS BcycoitS zur Verfügung; die hunderttausende von Arbettern weigern fich vielleicht, die Waaren der verrufenen Firmen zu kaufen, fie können hierdurch die Un'ernehmer bankerott machen, auch wenn letzter« noch Autficht hätten, irgend woher Arbeiter zu bekommen.— Je mehr also die Theilung und Vereinfachung der Arbeit sorischreitet, desto mehr macht nicht nur der spezielle Berufs« genoffe dem BerufSgen offen, sondern der Arbeiter überhaupt dem Arbeiter, auch einer anderen Branche, Konkur« renz. Mit fortschreitender Theilung und Vereinfachung der Arbeit gilt et also nicht nur die lohndrückende Konkurrenz unter den engeren Berufsgenossin auszuschließen, wie biet die Ge« werkschasten und Fachvereine thun. Vielmehr tritt die Auf« gäbe immer stärker hervor, die Konkurrenz unter den Arbeitern überhaupt zu regeln, et gilt Arbeiter aller Branchen zu ein« heitlichem Handeln zu verbinden, und dat vermöge« nur Or« ganisationen, die, wie der Orden der Ritter der Arbeit, die Enge der beruftgenoffenschastlichen BastS verlaffen haben. Die Entwickelung solcher Organisationen in den Vereinigten Staaten ist also kein Zufall, sondern eine nothwendige Folge der Ent« Wicklung der dortigen Volktwitthschaft. Uolitische Ueberstchi. Ueber Auarchtsten und Sozialisten schreibt die Ham« burger„Bürgerztg.":„WaS fich jetzt„Anarchist" nennt, find ein paar Renommisten, von denen jeder einen agent provoca- tenr zur rechten und einen Spitzel zur linken Seite hat. Nicht ein Ardeiter steht hinter ihnen. Die Arbeiter— da» scheinen die Gegner der Arbeiterbewegung nicht einsehen zu können, oder zu wollen— find überhaupt nicht begeistert für Phrasen. Sie wollen ihre materielle Lage bessern, und je schlechter diese ist. desto ernster ist et ihnen damit; daß aber die materielle Lage nicht durch„Phrasen" gebeffert wird, dat weiß Niemand deffer, alt die Arbeiter selbst. Sogar in Frankreich, wo die Phrase eine größere Macht bildet alt in irgend einem anderen Lande, hat der sogenannte„Anarchismus" nie Wurzel unter den Arbeitern geschlagen, die fich von den„anarchistischen" Versammlungen stett fern hielten und die sogenannten„anarchi« stischen" Blätter(zum Theil mit Polizeigeldern gegründet, wie bekannllich der Polizeipräfett Andrieux weiland gestanden hat) mit philosophischer Ruhe an Abonnentenschwindsucht ster« den ließen— dem einzig vernünftigen, wa» dieselben thun konrten. Wir sprachen hier immer von sogenannten Anarchisten. Wirkliche Anarchisten, d. h. Leute, welche die Vernichtung deS Staats und die Auflösung der Gesellschaft in Atome erstriden, giebt'« heut zu Tage kaum noch.. Wat fich heute nach dem inlorretten Polizei. Jargon„Anarchist" und„anarchrsti ch" nennt, ist ein duntet Gemisch von Polizeispitzeln, renommisti« schen Konfufionträthen und beschränven Fanatikern etwa in dem Verhältnis«, daß die Polizeispitzel 70, die renommistischen Konfufionirathe 29'/io und die beschrankten Fanatiker V»° pCt. bilden. Und alle zusammen verhalten fich zur wirklichen Ar« Seine Schwester Auguste saß dabei und schüttelte lächelnd de« Kopf, aber fie sagte kein Wort; ja, alt Zere« miat auch dagegen rede« wollte, faßte sie nur seive» Ar« und flüsterte:.Laß ihn»ur machen I Er will«u« einmal seine« Wille« habe«; da« Zettche» wird scho« Alle« wieder in die Reih« bringe» I" Rebe schien nicht halb damit einverstande«, aber er mochte Pfeffer auch«icht böse mache«, setzte fich also a« de» Schreibtisch, rückte fich de« Boge« zurecht, tunkte die Feder ei« uad sagte:.Also, Herr Pfeffer?" Fürchtegott Pfeffer ging«och immer—«ine höchst posfirliche Gestalt— mit seinem Frack und den grünge« pickte« Pantoffel«, wie der lange« Pfeife— in der Stube auf und ab uad bliet den Ranch in kleine» helle» Wolke« von fich. „Sind Sie so weit?" Za I" �Gut l so fange« Sie an. Ueberschrift: Hm» Direktor «rüger hier,— Mohrengaffe, 42, erste Etage recht«,— erste Etage, recht». Haben Sie recht«?" .Rur weiter, ich komme scho»«st I" .Also- Sie Schaftkopf..." .»der, Her, Pfeffer," sagte Rebe und sah verwundert ztu ihm auf..._ .So schreibe» St« doch«ur, ich verliere ja sonst de« ��Rebe schüttelte mit dem Kopf, und Henriette stand, mtt der Hand sewe Stuhllehne gefaßt, und sah ihm lächelnd über die Schulter. Schreibe nur— schreibe." flüsterte fie, und ei« eigener Zug von Muthwille« zuckl« ihr dabei über da» liebe �?Hab«» Sie Schaftkopf?" �Habtv°Si?Ä>?ich eingesehen, wat ich Ihne» hier bin .Ab«/ wollt« Rebe wieder remonstriren. Zettche« hielt ihm jedoch rasch den Mund zu uad flüsterte wieder: .Schreibe nur!" Cr wurde gar nicht aut thr klug. De« betterpartei wie ein MaulwurfShau�en zum Chimdorasso. Daß von diesem Maulwurfthaufen so viel die Rebe ist, erhellt zur Genüge auS seiner Nützlichkeit für alle diejenigen, denen das„rothe Gespenst" feit Jahrzehnten so große Dienste ge» leistet hat und noch größere leisten soll. Die Wahle« zum sächsischen LaudeSverficheruvgt» amt haben nunmehr ebenfalls stattgefunden. Von den Ver» tretern der Betriebsunternehmer find gewählt vor» fern: alt erstes nichtständiges Mttglied: Konsul Leopold Off« mann in Leipzig, als deffm 1. Stellvertreter: Finanzrath Carl Zieger in DreSven, alt 2. Stellvertreter: Handelikammer» vorsttzender A. Georgi in Mylau und als zweite« nichtständi- g«S Mitglied: Fadrikbefitzer Alwin Türpe in Dretden, alt veffen 1. Stellvertreter: Hauptmann und Jntendanturrath Franke in Dretden, alt 2. Stellvertreter: Oberfinanzrath Theodor Opelt in Dretden. Von den Vertretern dir vnficher. ten Arbeiter find gewählt: als erstes nichtständige« Mit- glied: Klempner Georg Winterstein in Eutritzsch, alt dessen 1. Stellvertreter: Stellmacher Adolf Bruno Rothe zu Chem- Nitz, als 2. Stellvertreter: Expedient Karl August Winkler zu AltgerSdorf und alt zweite« nichtständiges Mitglied: Ober» sticker Heinrich Adolf Härtung zu Plauen i. Vgtl., als deffen 1. Stellverrtreter: Strumpfwirker Ernst Otto Landgraf zu Limbach, als 2. Stellvertreter: Proviantardeiter Anton Hau« bold zu Gohlis.— Da« Resultat der Wahlen zum Reichs- versicherungtamt th-ilten wir bereits gestern unter „Letzte Nachrichten" mit. Wir tragen heute noch nach, welche Ardeitervertreter eine große Zahl Stimmen auf fich viretnigten, ohne doch gewäblt zu werden. ES erhielten Stimmen als Mitglieder des ReichtoerfickerungSamtt die Ar» beitervertreter: 1) Wilhelm Frede zu Dottmund: 223 805, 2) Jakob Jena zu Forchheim: 214 039, 3) Karl Gutheit zu Berlin: 154 028, 4) Rodert Buchholz zu Berlin: 125 620, 5) Gustav tzailacker zu Heidenheim: 101 171, 6) Franz Förster zu EckerSdach: 90 244, 7) Franz Hartwich zu Oaermaldenburg: 97 438, 8) Moritz N.tschke zu Forst i. L.: 66 562, 9) Karl Meininger zu Mülhausen i. E.: 61 672, 10) Hermann Händel zu Pößneck: 56449. Der Rest der Stimmen zersplitterte fich auf zahlreiche Wahlkandidaten. Außerdem erhielten Stimmen als S t e l l v e r t r e t e r der Ardeitervertreter: 1) Leonhard Rupprecht zu Amb-rg: 202 140, 2) Franz Hartwig zu Ober- Waldenburg: 194 723, 3) Kail Lichtenberg zu Berlin: 141 786, 4) Wilhelm Buckbolz zu Berlin: 136 714, 5) Wilhelm Körner zu Berlin: 135 647, 6) Fahnert zu EiSlebcn: 117 678, 7) F. Fuchs zu Berlin: 115 479, 8) Karl Rentsch zu Augsburg: 105 420. Der Rest der Stimmen zersplitterte fich auf zahlreiche wettere Wahlkandidaten. 20 Stimmabgaben waren ungiltig, theilt weil fie nicht auf den diesseits versandten Stimmzetteln, sondern auf ungenügenden Abschnitten von Wahlaufrufen voll- zogen, theilt weil die Gewählten nicht auS der Mitte der Ar- bettervertreter entnommen worden waren. 6 Stimmzettel waren nicht ausgefüllt. Matzregel« gegen den Privatunterricht. In neuester Zeit scheint man in Preußen strengere Maßregeln gegen den Privatunterricht ergreifen zu wollen. Die Behörden sollen unterscheid:» zwischen Hauslehrern, Prioatlehrern und Privat» schullehrern. Nach den amtlichen Bestimmungen ist derjenige „Haut lehr«", den eine Familie zum Unterricht ihrer Kinder als Mitglied deS Hausstandes bei fich aufgenommcn hat. Haut» lehrer bedürfen einet Erlaubnißsch'ineS der betreffenden Regte» rung, in deren Bezirk fie eine solche Stelle annehmen wollen. „Privatlehrer" ist, wer gemäß eines Vertrages mit bestimmten einzelnen Familten die Kinder dttselben in ebenfalls festgesetzten Lehrgeaenständen unterrichtet. Die Prioatlehrer bedürfen eines Zeugnisses üb« ihre wissenschaftliche Befähigung. Piivatschullehrer find die Lehrer und Vorsteher von Privat- schulen. Letztere sollen nur an solchen Orten gestaltet werden, wo für den U terrichi der schulpflichtigen Jugend durch die vorhandenen öffentlichen Schulen nicht ausreichend gesorgt ist. Preuße« und die Erträge der Reichtzölle auf Ge» tretde«ud Vieh. Et ist, wie wir schon mitthetllen. jetzt festgestellt, daß die Summe, welche den preußischen Kreisen auf Grund der Lei Hu-ne für da« abgelaufene Etattjahr zu überweisen ist, rund 4 Millionen Mark beträgt. Nack der Lei Huen« find die dem preußischen Staatthauthatt zufließenden Einnahmen auS dem Ertrage der Retchszölle auf Getreide und Vieh, abzüglich einet Betrage« von 15 Millionen Mark, an die Kreise zu verthetlen. Bei den Verhandlungen de» Land» tage» über daS Gesetz hatte man auf eine viel höhere Summe gerechnet, alt jetzt überwiesen wird. Allndinas ist zu d«ück» sichtigen, daß für da« Jahr 1885/86 die Wirkung der Er« höhung der landwirthschastlichen Zölle nicht voll fich geltend machen konnte, da vor d« Erhöhung noch unv«hällntßmäßig große Mengen zu dem niedrigeren Satze eingeführt worden sind. Bei dem Umfange d« erforderlichen Abrechnungtarbeiten ließ fich die Ermittelung der den einzelnen Kreisen zufallenden Antheile an den überwiesenen Bettägen nicht vor Ende Juni bewirken, und aut dem gleichen Grunde w«den auch in den folgenden Jahren die Vntheilungen in dieselbe Zeit fallen. Die für 1885-86 zur Vettheilung gelangende Summe über- Brief konnte er doch«icht dem Direktor schicke«, dat ging ja unmöglich an. .Wat ich Ihne« hier bin und leiste— habe» Sie da,?" .Leiste," wiederholte Rebe kopsschüttelnd. „Dat Lumpengeld, wa« Sie mir biete«, ist freilich kaum die Hälfte deffen, was ich verdien«..." Rebe schrieb jetzt— er wollte wenigste«« einmal sehen, wat darau» würde, war aber fest entfchloffe», nie in dieser Weis« selber zu antworte«. „Haben Sie verdiene?" „Vndiene..." „Uad in den zwei Monate« Urlaub, die Sie vernünf» tiger Weise eingeschoben..." „Eingeschoben," sagte Rebe. „Werde ich da« Dreifache herausschlage«— aber ich komme doch w der Zett...' „Zn der Zett..." „AuS der Schmiere hier fort..." Rebe lachte, aber« schrieb weiter. .Ich fühle, daß Sie mtt mit dem Kontrakt da» Fell über die Ohren ziehe«— üb« die Ohre» ziehe« — ab« ich hoff« doch mit— dem Geld« autzukommea— Hol' Sie d« Deubel—' so, und nun Ihre« Name« dar- untn." .Und de» Brief soll ich fortschicken?" „Gewiß I" nickte Pfeffer.—„Aber nun lese« Sie mtt erst einmal vor,»a« Sie geschrieben haben." Rebe la«:„Sie Schafskopf!" „Ach, Do«v«wetter— Uufin» I" rief Pfeff«. „Za, ab« da« haben Sie mtt doch dittirt!" „Aber Sie müssen doch," brummte Pfeff«.—„den Teufel auch, Sie habe« ja gar keine« Begriff vom Briest schreiben— da weiß Zettche« btff« mit umzugehen—»a, lesen Sie nur wett« I" .Habe« Sie endlich eingesehen," las Rebe,„wat ich hi« dt« und leiste? Da» Lumpengeld, welche« Sie mtt bieten..." „Schwnenoth," schrie Pftffcr und riß ihm dat Blatt au« d« Hand,„da« wolle« Sie doch»icht an den Direktor steigt 4 Millionen Mark um«inen kaum nennentwerthm Be» trag, ei werden also auf die 13 preußiscken Provinzen im Durchschnitt wenig mehr alt je 300000 M. entfallen. Eine AutführungSoerordnung ver Minister deS Jnnem. deS Kultut und der Finanzen über die im Gesetz selbst vorgesehenen Ver» -rendungtzwecke ist bereit« im Apttl diese« Jahres«gangen. Die Ver Heilung an die Kreise erfolgt zu zwei Dritteln nach dem Maßstäbe des Sollt an Grund- und Gebäudesteuern bei Jahre« 1885/86 und zu einem Drittel nach d« durch die Volkszählung vom 1. Dezember 1885 festzestellten Zahl der Zisildevölkerung. Da die Ergebnisse der Volkszählung noch nicht endailtig festgestellt waren, so find die provisorisch festge» stellten Z'ff tn unter Vorbehalt eines etwa erforderlichen Aut» gleicht für daS nächste Jahr zu Grunde gelegt worden. Et erha-t-n demnach der Reg.-Bez. Köniatberg 141 319 M.. Reg� Bez. Gumbinnen 85 150 M„ Reg.-Bez. Dan, ig 73 436 M., R-g.-Bez. Marien�erder 94 563 M-, Bnlin 284 322 W Rea� Bez. Potsdam 174 132 M.. R-g.-Bez. Franlfart a. 0. 145 769 M, Reg.-Bez. Stettin 103 987 M„ Reg.. Bez. Köslin 64 999 Reg.. Bez. Stralsund 43 036 M., Reg.. Bez. Posen 125 627 M., Reg.-Bez. Blomberg 74 623 M., Reg.-Bez. Brei lau 223 521 M„ R-g. Bez. Libnitz 136112 Reg.-Bez. Oppeln 151021 Reg.-Bez. Magdeburg 169 528 M., Reg.-Bez. Merseburg 170 697 M., Reg. Bez. Erfurt 57010 M.. Reg. Bez. Schleswig 227 337 M.. Reg.-Bez. Hannover 73 630 M.. Rta.-Be,. Hilde«. heim 75 824 M.. Reg.-Bez. Lüneburg 64087 M., Reg. Bez. Stade 55029 M, Reg.'Be,. Osnabrück 37942 M., R-g.-Bez. Aurich 39 137 M.. Reg.-Be,. Münst« 69 608 M.. R-g.-Bez. Minden 38 973 M. Reg-vez. Arnsberg 140649 M, Reg.» Bez. Kassel 112 103 M.. R'g. Bez. WieSbaven 122 279 M„ Reg. Bez. Koblenz 73 917 M. Reg. Bez. Düff-ldori 222 994 M., Reg�Bez. Köln 119 030 M.. R-g. Bez. Tri« 80570 M„ Reg.» Bez. Aachen 60 740 M, Reg. Bez. Sigmartngen 8800 M„ zusammen 4002116 M. Zuckersteuer. Za den Arbetten, welche der Bundetrath noch zu erledigen hat, bevor er in die Ferien geht, gehört auch die Feststellung der AutführungSvorschriften zu dem am 1. August d. I. in Kraft tretenden neuen Zuckersteuergesetz. Ein Entwurf zu diesen Vorschriften ist, wie eS heißt, auch im R-ichSschatzamt bereitt au«gcarb:ttet und soll noch in dies« Woche dem Bundetrath zur Beschlußfassung zugehen. Polnische«. D«„Dziennik Poznantki" widmet der Schließung der Breslau« polnischen akademischen V«etne einen Leitartikel. Zum Schlüsse sein« Auslassungen sagt dat polnische Blatt:„Wir bemerken nur noch, daß d« traurige Vorgang, dessen Schauplatz Breslau und die dottigen polnischen akademischen Vereine bilden, abgesehen von allem Anderen, ein Eindringen in daS Gebiet der akademischen Selbstverwaltung und Freiheit involvirt. Die politische Behörde»«bietet da«. wat die UnionfirätSbehörde gestattet. Dat Jahr 1886 schont nicht dat, wat daS Jahr 1319, da»Jahr der Karlsbader Beschlüsse, unangetastet ge« j lassen. Die Angelegenheit hört nun auf, eine auischließ« lich polnische zu sein, fie wird zu einer Frage d« wissen» schastltchm und der akademischen Freiheit in Deutschland." Die Polizeibehörde zu Crimmitschau hat kürzlich einen aut Böhmen gebürtigen Stuhlarbeit« Namen» Behr auf Grund der sächsischen Heimathsgesetzis nicht allein auS Crim-; mitschau, sondern auch auS Sachsen überhaupt ausgewiesen.- Begründet wird diese Ausweisung damit, daß d« in Böhmen wegen sozialistischer Umtriebe schon mehrfach vor» bestrafte Behr fich auch in den Versammlungen der Crimmit» schauer Fachoneine mehrere Male alt Referent im sozialistischen Sinn« hervorgethan habe, daß er aber auch in letzt« Zeit in Crimmitschau die Anregung zur Gründung einer F r e i d e n»> kergemeinde gegeben haben soll(!). Behr hat in Folg«. dieser Verfügung sofort Berufung bei der Kreishauptmannschast zu Zwickau eingelegt. Sozialistische«. V«hastet wurden in Leipzig laut dem„Leipz. Tagebl." fünf Anbäng« der sozialdemokratisch««. Partei, ein Tischlergeselle aus Helltritt, ein Maschinenmeister auS Volkmarkdorf, ein Schriftsetzer aut Meerane, ein Tischler von hier und ein Eisendrehn auS Markranstädt wegen Vertreibung verbotener sozialdemokratischer Druckschriften. Bei den Haussuchungen wurde eine volle Kiste mit verbotenen so» zialdemokratischen Schriften beschlagnahmt. Bayrische». Die Nrrtkale„Amb. VottSzeitung" Ist wegen eine« Artikels gegen da« Ministerium Lutz, der dem „Frank. Bolktbl." entnommen war, am 5 d. M. mtt Beschlag belegt worden. OesterreichUngar»u DerDenunziantim Wiener Gemeinderath(et handelt fich um die bekannte Denunziation«» Affäre wegen Majestät»» deleidigung) erklärte in einer Wählervcrsammlung, er w«de sein Mandat nied«legen. Nach der Red« Lueger'S erhielt er jedoch ein großartige« Vettrauentvotum. Der ungarische Unterrichtiminister hat 12 Leutschauer Gymnasiasten wegen panslaoistischer Umtriebe relegitt. schreibe» I Zettche«, setze Du Dich einmal hi»— der Mensch ist so kindlich, alt ob er gerade aut der Schule käme— Sie möchte ich zum Sekretär haben!" „Ja, lieber Oakel," lachte Zettche«, und nahm Rebe'« Platz ei»,„nun diktire Du mtt einmal." „Also bist Du fettig?" „Alllt bereit!" Pfeffer, Rebe'« Brief in der Hand, diktitte au» de« junge« Mädchen genau daffelbe, wa» auf dem Blatt« stand, uad Ztttchen schrieb. Alt er nun wieder mit„Hol' Si« der Deubel" schloß, nickte Zettche« und stand auf. „So, nun lie« einmal vor." Jtttche« la»:„Hochverehtter Hm I" Pseffn nickte,„da» klingt scho» besser!' �Recht herzlich fteut ich mich, daß Sie Ihre Zweifel endlich besiegt habe« und mir vnttaue». Ich nehme de« mir gebotenen Konttakt mtt Dank an uad bin Ihnen b«' sonders für den zweimonatliche« Urlaub»«pflichtet, de« ich nicht allein dazu benutze» kann, andere Bühne» zu seh« und dort mein Glück zu versucht«, sonder» mich auch »och weiter autzubilde«. Ich fühle, daß Sie mtt mit da» Konttakt..." »Da« Fell über die Ohre» ziehen," sagte Pfeff«. „... ei« ehrende« Zeugviß mein« bithettgen Leistu»* gen geben," la« Zettche«,„und hoffe auf et« recht freu»� liche« künftige« Zusammenleben mtt Ihne» und meine« Kollegen." «W' Sie der Deubel,' nickte Pfeff« vngaügt. „Hochachtungsvoll," la« Ztttchen,„Ihr«gebenst« 0* tatttift Rebe."$ „Bravo!" rief Pfeffer,„der Brief hat Haud und Fu� Sehen Sie, Rebe, von dem Mädel können Sie»och lerne» I' „Za, ab« mtt« best« Herr Pfeff«,' lachte Rebe, ,»*«' Sie sagen: Hol' Sie dtt Deubel... „Mttne ich imm«„hochachtungsvoll", ttef Pfeffer y »da« versteht fich doch von selbst und steht«in Kind tt«� Schwede« und Norwegen. Die Ardetterversammlung in Obrero hat zur Freude aller Bougeoitblätter abgelehnt, näheren Anschluß an die sozialdemokratische Bewegung zu empfehlen. Schweiz. Die Regierung wies einstimmig den Rekurs der Schlosser gegen die Verfügung der Justiz in Betreff deS Streiks ab aui formellen und materiellm Gründen. Die Gotthardbefestigung soll nächsten? in NN' allst genommen werden. Die Hauptwerke sollen am südlichen iingang de» Tunnels in der Nähe von Birolo angebracht, bedeutende Festungswerke auch auf die Höhe de? Gotthard- Überganges verleat werden. In ähnliche Weise soll nach und nach die ganze Schweiz mit einem ehernen Festungsgürtel um- geben werden... Sra«rreich. Der Minister für Posten und Telegraphen schloß mit den Measageriea maritimes einen Vertrag ab, durch welchen der destehende Dienst geändert und hauptsächlich gefordert wird, daß nur in Frankreich gebaute Schiffe in Dienst gestellt und nur französische Kohlen verwendet werden. Der Vertrag hebt die Vortheile auf, welche in den Frachtsätzen den englischen Erzeugniffen zum Nachtheile der stanzöstschen Waaren gewährt waren. Der Ver.rag wird zu Ende de? JahreS 1888 in Kraft treten. Die Einnahmen deS Staatsschatzes im Monat Juni betrugen 3'/, Mill. Frank» weniger all die Voranschläge de? Budget». Die Einnahmen im ersten Halbjahr vieseS Jahre! betragen 33 Millionen we- Niger als in der gleichen Periode deS vorigen JahreS. Da? Difint rührt hauptsächlich von den geringeren Einnahmen an der Zuckersteuer her. Der Marineminister Aube hat in Ausführung de? Ver- bannungsgesetzrS beschloffen, den Prinzen Joinoille, weicher auf der Liste der Reservcabtheilung de? Malinegeneral- stadS stgurirte, sowie seinen Sohn, den Herzog de Panthievre, Schiffslieutenant der Reserve, au? den KadreS zu streichen. Ungeachtet der Gegenanstrengungen RouoterS wurde die Dringlichkeit für den Gesetzentwurf betreffs der Erhöhung deS Zolls auf Getreide von 3 auf S Frank« bewilligt. waS einer Annahme deffelben gleichkommt. Mit Ausnahme einiger Großgrundbefitzer ist die Mehrheit der Kammer nur deshalb für die Erhöhung deS EingangSzollS, weil st« wegen der be> vorstehenden GeneralrathSwahlen die Landbevölkerung nicht reizen möchte. AuS demselben Grunde enthält sich die Siegle. rung eine? Einspruch? gegen das Gesetz, obgleich fie daffelbe keineswegs für nützlich hält. Der von der Arbeitseinstellung der Grubenarbeiter in Drcazeville her dekannte Deputtrte und Ingenieur Lame hat in der Kammer den Antrag eingereicht, einem Arbeiter- syndikat eine Grube, die von einerGejell« schaft aufgegeben wurde, zur Ausdeutung zu überlassen. Laure will die Leitung de? UntemehmenS als Ingenieur übernehmen. G r o tz b r i t a»« i« u. Die Parlamentswahlen in England ergeben fort« tzt große Mehrheiten für die Unionisten, so daß die liöglichkeir einer Niederlage Gladstones sehr nahegerückt ist. BtS jetzt stnd im Ganzen 494 Wahlen bekannt, davon evt« fallen auf die Konservativen 249, auf diffcntirende Liberale 50, auf AnHanger Gladstone'S 130 und auf P-rnelliten 65— Bei den Wahlen in dm englischen Städten, die nunmehr de- endet stnd, wurden 144 Konservative, 22 diffentirende Liderale und 60 Anhänger Gladstone'S gewählt; London mit seinen Vorstädten wählte 49 Konservative, 2 diffentirende Liberale und 11 Anhänger Gladstonr's. In einem Artikel über da? bisherige Ergebniß der Parka» mentswahlen schreibt die radikale„Pill Mall Gazette":„Wir stnd geschlagen; darüber kann kein Jrrthum obwalten. DemoS hat gesprochen, frei von der Leber weg.„Nein, nein, nein!" So lautet die Antwort von Demo? auf der ganzen Linie. Nicht nur die Klaffen rufen Nein. Die Massen find auf Seiten der Klaffen. Die dt» heute(Dienstag) Morgen abgegebenen Gesammtstimmen ergeben eine klar« Volksmehrheit gegen da« Ministerium. Eine große Stadt nach der anderen hat stch gegen die Regierung erklärt, so daß gegenwärtig 70 Vertreter großer Städte gegen Homerule und nur 30 zu deffen Gunsten find. Schlecht, wie die Ergebnisse in dem Veilust von Sitzen stnd, stellen sie sich noch schlimmer, wenn wir die auf jeder der beiden Seiten abgegebenm Stimmen vergleichen. Wir haben 76 922 Stimmen von dem im vorigen Jahre abg-gebenen 489 000 verloren, d. h. wir haben 16 Proz. unserer Stärke von 1885 eingebüßt. Die Torie? haben nur 17 886 Stimmen oder nicht viel mehr al? 4 Proz. verloren. In Wahlkreisen, wo wir selbst in der düsteren Stunde der Reaktion im vorigen Jahre «ine Majorität von 24681 Stimmm hatten, haben wir jetzt «ine Majorität von 34 355 gegen unS. Die Bedeutsamkeit dieser Ziffern läßt stch nicht verkennen. ES handelt stch nicht länger um die Frage„Für oder wider Gladstone", sondern um die„Für oder wider Lord SaliSbury". In 30 Jahren(1855 bis 1884) find 5000000 Briten der Schwelle erschien. Jeremias kannte übrigen? die Livrse, «? war die des Grafen Roltack. „Sie entschuldige«— ist Herr Stelzhammer hier zu— ah/ unterbrach er stch, als er de« kleine» Man» erkannte und ihm eine« Brief überreichte—.wären Sie so freund lich, mir Antwort zu sage«?' Jeremias brach de« Brief auf. Er enthielt nur wenige Zeile«, in denen ihn Graf Rottack bat, fie doch, so bald es irgend anging, zu besuchen, da er dringend weitere Auskunft wünsch«. „Ist der Herr Graf jetzt zu Hause?" „Allerding«, uud wartet jedenfalls, bis ich ihm Antwort bringe." „Schön— dann sage« Sie ihm, ich würde gleich kommen." „Sehr wohl, Herr Stelzhammer," und der Diener ent» fernte stch. „Wegen der Geschichte?" ftagte Pfeffer, al» er fort war. „Jedenfalls," nickte Jeremias,—„und hast Du nicht« weiter von der Sache gehört?" „Nicht« weiter, al« wa» die Life erzählt hat." .Mtt Handor? meinte diese, da« ist stcher; die Ronelli, die vor einiger Zett in Prag gastirte, jetzt aber schon lange da fort ist, hat mir selber geschrieben, daß er unter einem andere« Namen dort aufgetreten, aber durchgefallen wäre. Wo er aber jetzt stecken mag, weiß Gottl" „Ub1> wie lange ist da« her?" „Ja, da« schreibt sie richt." „Ken»«« denn Niemanden in Prag?" „Keine Seele— wenn nur der Mauser noch hier wäre — der hat Verwandte in Prag und könnte e« von dort gewiß leicht erfahren." „Der Mauser?- Der Souffleur? Ist denn der fort?" „O, schon über sechs Woche«— er hatte ja eine» Zank mit dem Direktor und ging damals ab. Natür »ich aber hat Keiner von uns je wieder etwa« von ihm stehört." ausgewandert, 3500 000 nach dm Vereinigten Staaten, die aufgehört babm, britische Unterthanm zu sein, 1500000 in die britischen Kolonien. Jeder biilische Auswanderer, der nach fremdem Lande gegangen sei, könne— so behauptete man auf der Vereinigung der englischen HandelSkammem— auf 200 Lftr. Werth geschätzt werden. Er bringe also der Regierung de« neuen Vaterlandes«ine Revenue von 10 Lstr. Die 3 500000 Auswanderer hätten also den Reichthum der Ver» einigten Staaten in 30 Jahren um 35 Millionen Psund Sterling erhöht. Italien. Der„Münchener Allg. Ztg." schreibt man auS Rom, 4. Juli. Der sozialistische Abgeordnete Andrea Costa hat in der letzten Sitzung der Kammer den Ministerialpräst» dentm über die Verhaftung mehrerer Mitglieder der„Arbeiter» Vereinigung" und über die Schließung der Vereinigung inter» pellirt. In setner ziemlich gemaßigren Rede, welche seldsto«' ständlich die Ve, hafteten als unschulvige Opfer der Polizeiwillkür und die Verhaftung als grundlos und ungesetzlich hinstellte. war besonder« da» Bekenntniß von Interesse, daß die Sozia« listen— wie eS schon ihre maßlosen Hetzereien gegen die de» mokratische Partei in Mailand, eine der Hauptveranlassungen des polizeilichen Einschreitens, bewiesen haben— in der ge» sacrmten Demokratie, möge fie auch noch so radikal sein, eine verhaßte Gegnerin sehen. Wie Costa erklärte, will die Arbeiterpartei so wenig mtt den Anarchisten wie mit den Ra« dikalen etwa» zu thun had-n oder vermengt werden; mit den letzteren deshalb nicht, weil, wie er sagte,„die Radikalen nicht umhin können, Bourgeois zu sein". Die Arbeiterpartei habe ein gesondertes Programm und erstrebe wirth schaftliche und politische Reformen. Dem Redner zufolge hält stch diese« Programm durchaus innerhalb der gesetzlichen Schranken und werden die Richter stch nicht weigern können, dies anzuerkm« nm. Der Radikale C a v a l l o t t i versuchte der den radikalen Parlamentariern höchst unbequemen Lehre von der Spaltung der Anti- Monarchisten in Bourgeois und Ardeiter entgegenzu« treten, indem er Costa verstcherte, daß in Mailand„die ardei tende und denkende" Bourgeoifie mtt den Arbeitern ein Herz und eine Seele sei. Costa antwortete trocken:„Die Tren- nung der Arbeiter von der Bourgeoifie, auch der radikalen» ist eine unabänderliche historische Tyatsache. Sie hat stch in be- klagenSwerther Weise vollzogen; aber e« mußte nothwendiger« weise dazu kommen, denn daS Programm der bürgerlichen Demokratie kann nicht daS der Arbeiter sein." In Erwide- rung auf die Bemerkungen deS Ministerpräfidenten erklärte Costa, er behalte stch vor, die Frage von neuem zur Sprache zu bringm, weil die Jntereffen aller gesetzlichen Freihetten mit ihr zusammmhingen. Die Kammer vertagte stch hierauf bis nach den Sommerferien. Spanien. Galeote, der Bischofsmörder, soll während zweier Mo- natm von einer Kommisfion von Aerzten beobachtet werden, damit dieselben über seinen Geisteszustand ein Gutachten ad« geben kann, nachdem der Vertheidiger Galeote's denselben für wahnfinnig erklärt hat. Amerika. Die Einfahrt in den N e w. V o r k e r Hafen bei Sandy Hook soll vertieft werden, so daß da« Fahrwasser 30 Fuß tief bei niedrigem Wasserstande wird, wodurch die größten Dampfer, unabhändig von Ebbe und Flutb, einlaufen können. Der Senat hat 1 000 000 Dollar« für die Anfangsarbeiten bewilligt, und man hofft, daS Werk in drei Jahren zu vollenden. General Newton, welcher die Sprengungm bei der HellS Gate Ein« fahrt geleitet hat, hat die Pläne zu einer Reihe dauernder Verdefferungen gelicfert. Man glaubt, daß der Kongreß in dieser Session 3 000 000 Dollar« zur Vergiößrrung der amerikanischen Marine bewilligen wird. ES sollen zwei Panzerschiffe, jedes von 6000 Tonnen, drei Kreuzer, jeder von 3500 bis 5000 Tonnen, vier Torpedoboote und ein Torpedokreuzer gebaut werden. Die Einwanderung nach New. York ist in diesem Jahre um 20 pCt. geringer gewesen. Di* Fete r des vierten Juli(de« J-hreStagS der UnadhängigkettSerklarung) verlief, abgesehen von den üblichen Explofionen, FeuerSbrünsten und Unfällen, im ganzen Lande ohne Störung. DaS Benton Hotel in Chtkazo wurde ein Raub der Flammen, wobei leider zwei Personen um's Leben kamen und mehrere Feuerwehrleute Verletzungen davontrugen. Beim Abbrennen von Feuerwerk in Hartem, New Bork, fand eine Exvlofion statt, durch welche vier Häuser in Asche gelegt wurden; die einstürzenden Wände verwundeten mehrere Personen. In Peabody, Kansas, wurden durch Zasammem brechen einer Tribüne, von der da« Publikum dem Feuer werk zusah, zwanzig Personen mehr oder weniger schwer verletzt. «sie». Im Pendschab haben starke Ueberschwemmungen stattgefunden und eS ist ein« über 20 Meilen lange Strecke deS DammeS der Eisenbahn zwischen Sharanpore und Umballa fortgewaschen worden. Man befürchtet, daß der Paffagier „Wenn ich de» Brief nur einmal bekomme« könnte," sagte Jeremias. „Es steht weiter nicht« davon drin," versicherte Främ lein Bassini..Die Ronelli ist ja in Prag nur drei Mal aufgetreten und dann nach Schwerin gegange«, und schrieb mir auch das Wenige nur, weil sie glaubte, daß e« mich interessire« könne. Wenn nur der Mauser«och da wäre, der könnte un« gewiß wettere Auskunft verschaffen. Doch was liegt daran, wo stch der Lump, dieser Handor, jetzt aufhält, und ich möchte wirklich wisse», wa« der Graf mit dem zu schaffe« hat." „Ich will wenigsten» höre«, wa» er verlangt," sagte Jeremias, seine« Hut aufgreifend.„Sobald ich kann, komme ich zurück."(Fortsetzung folgt.) An» Kunst und Zede«. Ameisensuppe und Mückenkuchen. C-meron berichtet, daß in Zentcalafrika getrocknete Ameisen ein sehr gesuchter Handelsartikel seien, die man wegen Mangel« an animalischer Wahrung in der Mehlsuppe ißt. Am Njassasee sind Mücken« luchen eine sehr beliebte Speise. Sie stnd 2% Zentimeter dick und so groß wie ein Teller, inwendig schwarz und schmecken ähnlich wie Kaviar oder gesalzene Heuschrecken, also gar nicht Übel.(Na, na!) Diese Mücken, welche unter dem Namm Kungo bekannt stnd, treten in ungeheuren Massen zu gewiffm Z-iten auf; fie erfüllen die Lust bi« zu einer bedeutenden Höhe und schwärmen dicht über dem Waffer, in daS ste wegen ihrer Leichtigkeit nicht einsinken. Während man durch so eine Wolke hindurchfährt, muß man Augen und Mund geschloffen halten, denn der Jnbalt derselben fällt wie Schnee auf daS Geficht herab. Die Einwohner sammeln die Insekten und kochen daraus dicke Kuchen, die Millionen von Mücken ent« halten. Der älteste Amerikaner. ES vergeht fast keine Woche, daß nicht irgendwo in den Vereinigten Staaten die„älteste" ledende F-au entdeckt wird. Gewöhnlich stnd diese ältesten Einwohner Neger, bei denen stch da« Alter selten mit Bestimmtheit feststellen läßt, so daß die betreffenden Angaben stet« unsicher find. Kürzlich will man nun aber den wirklich„allerältesten" Mann aufgefunden haben, und zwar im Staate Louifiana in der Person eines geborenen Holländers, Namen« MeyerS, wie der Güterverkehr mehrere Wochen lang unterbrochm sei» wird. ES scheint, al« ob England stch wegen der Aufhebung de» Freihafens von Betum durch Rußland in Asten entschädigen wolle. In Petersburg wird der offiziösen Wiener„Polst. Korresp." zufolge die Eventualität einer englischen Be» setzung BadakschanS ernstlich ins Auge gefaßt und e» werden dadurch mancherlei Besorgnisse erregt. Behufs Abgab« eines Gutachten« fei der zentral-afiattsche ForschungSreisende Oberst Prschewaliki nach Petersburg berufen.— Badalschan, einst ein blühende« Königreich, daS aber jetzt völlig herabgekommen ist, gehört zu dem Hochlande deS afghanischen Turan, und steht unter afghanischer Oberhohest. Gerichts-Zeiwng. NeichSaericht«« Entscheidung. Leipzig, 8. Juli.(Ver» gleich mtt Stöcker beleidigend!) In der am 29. November 1885 erschienenen Nummer der„Oterschlefischen Nachrichten" in Kattowitz, deren Redakteur Herr Leopold Nevmann stch zum israelttischen Glauben bekennt, war unter der Rubrik„Sonn» tagsplauderei" ein Artikel enthalten, welcher stch mit den Ver» hältniffen der städtischm Fortbildungsschule beschäftigte. Der Verfasser führt« darin aus, daß er mtt diesem Institute gar nicht zufrieden sei und erzählte zum Beweise dafür, daß in der Fortbildungsschule nicht alle« so sei, wie es sein solle, eine Geschichte, die er duich Zufall erfahren haben wollte. Danach ließen die Lehrer die Schüler schriftliche Arbeiten anfertigen, in welchen die Juden verhöhnt wurden, daß ihnen komisch klingende Namen beigelegt würden. Nachdem der Verfasser über diese von ihm für wahr angesehene Thatsuche noch einige Bemerkungen kritischer Art gemacht hatte, sagte er zum Schluß: „Siöcker ist wohl hier KreiSschulinspettor geworden?" Der Schulvorstand und die Lehrer stellten wegen diese« Aufsatzes gegen Herrn Neumann Strafantrag, weil den Lehrern der un» t«rechtfertigte Vorwurf gemacht sei, daß fie dm Schülern Küster dtktirten, welche geeignet find, die Juden lächerlich zu machen, weil ihnen die Duldung antisemitischer Bestrebungm vorgeworfen und auch die Person de» Kreisschulin» speltorS in einen Vergleich mit der Person StöckerS gezogen wird- In der Verhandlung gegen Neumann, welche am 1. Mai vor dem Landgericht Beuthen stattfand, wurde zunächst festgestellt, daß nie solche Dittate vorgekommen find. Ein Schüler hatte eigenmächtig die Namm korrigttt, wurde aber dafür bestraft. Diese Arbeit war e« nun gerade, weicht der Verfaffer de» inkriminirten Artikels gesehen hatte. Da in der Verhandlung erörtert wurde, daß die Lehrer nicht alles kontroliren können, wat die Schüler thun, so wurde der dm Lehrern gemachte Vorwurf vom Gerichte als„erweislich nicht wahr" angesehen. Den Verfasser hatte der Angeklagt« nicht genannt, wohl aber die Verantwortung für den Artikel übernommen. Er derief stch dabei auf den Schutz dei§ 193 (Wahrnehmung berechtigter Interessen) und stellte die Adficht der Beleidigung in Abrede- Weiter behauptete er, er habe von dem Meister deS Lehrling« O. Kenntniß von der im Artikel gerügten Thatsache erhalten und die verhöhnenden Namm selbst gelesen. Davon, daß der Aufsatz außerhalb deS Unter« richtS geschrieben sei und daß der betr. Lehrer keine Kenntniß davon gehabt habe, habe ihm der Meister nicht» gesagt, er Hab« also angenommen, daß der Aufsatz mit Kenntniß des Lehrer« angefertigt sei. Deshalb habe er die Aufnahme deS Artikel» nicht beanstandet, weil er als Jude fich durch daS Verfahren der Lehrer verletzt gefühlt habe. Das Gericht sprach stch nun hierüber folgendermaßen im Urtheilt au»:„Der Artikel schildert, wie der Verfaffer zul der Kenntniß der mitgetheilten Thatsache gekommen ist und auf welche Weise die Juden karrikut worden find. Hierin kann nichts gesunden werden, waS durch die Form— der Schutz deS§ 193 wurde dem Angeklagten, weil er Jude sei, zugebilligt— verletzend wirkt, zu« mal Angeklagter annehmen konnte, daß der Artikel der Wirk« lichkeit entspreche. Umstände, daß er den wahren Sachverhalt hätte wissen müssen, find nicht dargethan, auch stnd keine Um» stände vorhanden, welche auf die Adstcht einer Beleidigung schließen lassen. Der Angeklagte ist bereit« 11 Jahre Leiter seine« Blatte« und nie mit der Anklagebehörde in Konflikt ge» kommen. Wenn auch zuaegebm weiden muß, daß in der Ver» gleichung de» Schulinspektor« mit Stöcker eine Form gefundm werden könnte, welche auf die Abstcht der Beleivtqung schließm ließe, so ist doch mtt Rückficht auf die höchst mittelmaßige Bil» dung deS Angeklagten angenommen, daß er nicht das Bewußt. sein von dem beleidigenden Charakter de« Vergleiche» hatte." Au« diesen Gründen erkannte da« Gericht auf Freisprechung. — Gegen diese» Urtheil hatte der Staatsanwalt Revifion ein- gelegt, die kürzlich vor dem IV. Strafsenate de» Reichsgericht» zur Verhandlung kam. Wenn der erste Richter, so hieß e« in der Beschwerde, die Frage nach der Form und den Umständen verneine, so böten diese Ausführungen die Wahr- scheinlichkeit eine» Rechts Jrrthum«; e« scheine, al» od da« Gericht bei der Form zugleich an den Zweck gedacht habe. Auch sei zu erwägen, od der witzelnde, förmlich sachwidrige Ton de« Artikel« in der That als nicht der Form welcher in St. Mary Parish in der Nähe von New Jberia wohnt. Derselbe ist im Jahre 1760 geboren und erfreut stch somit de« respektablen Alters von 125 Jahren und etlichen Monaten. Da diese Angaben durch Vorlegung de« Tauf- und AonfirmationSscheine« de» Betriffenden bewiesen worden stnd, scheint endlich der„Allerälteste" in den Vereinigten Staaten gefunden worden zu sein. Ein nener Mtkrob. AuS London, 5. Juli, wird ge» schrieben: Der durch seine Untersuchungen über die Cholera dekannte Dr. Klein will soeben den Ursprung einer Krankheit, welcher'/,° aller Sterdefälle in England zugeschrieben werden. de» Scharlachfieder», in einem Mikrob, dem sogenannten Mtkro» Koccu», gefunden haben. AI» vor einiger Zeit hier in St. John» Wood daS Scharlachsteber wüthete, ward deffen Verbrettung mit einer dortigen Milchfarm in Verbindung gebracht. Ein Kleinhändler, welcher von dort seine Milch bezog, sandte die- selbe argwöhnisch zurück; die Verwaltung schenkte fie den Armen, aber eine Woche später erwie» fich da« Geschenk auch bei diesen, die einem anderen Bezirk angehörten, ansteckend. Die angestellten Nachforschungen ergaben, daß diese Milch von vier neu angeschafften Kühen herrührte, deren Gegenwart in verschiedenen Ställen stet« von Ausbrüchen de» Scharlachfieder» degleitet war. Ihre Euter befanden fich in erweitertem Zu- stände, sodaß beim Melken stet« ein Theil de« Eiter» mit in den Eimer floß. Einimpfungen mit demselben verursachten bei Kälbern sofort ähnliche Zustände; bei der Züchtung deffelben trat ein bestimmter Mikro-KoccuS hervor, welcher besonders in der Milch gedieh und bei wiederholten Einimpfungen stet« ein bösartige« Fieber zur Folge hatte. Die wiffenschaftliche Leichen- schau eine« KaldeS, da» diesem Fieber erlag, erwieS dieselben pathologischen Veränderungen wie in den L.'ichen menschlicher Scharlachsteberkranken, und daraufhin hat denn Dr. Klein in einem amtlichen Berichte den Mikro-KcccuS als den UebeUhäter � 03m Klavier-Konzert. Ein französisches Blatt mahR au« Pari«: Dieser Tage gab ein langmähniger Pianist in einem Konzerte ein Furioso zum Besten, da« mit geradezu stürmischer Tonmaleret Himmel und Hölle in Bewegung fetzen zu wollen schien. Ein« alte Dame, die dabei vor Bewunderung verging, rief in ihrem Entzücken auS:„Ach, wUschön da« ist... J?tzt hört man den Lärm der Kanonen..- Jetzt wird die Stadt bestürmt, jetzt schlägt man stch in den Siraßen... Di« Sol» baten üderlaffen fich der Plünd-rung..-»Wenn fie wenigsten» da« Klavier fortschleppen möchten!"-------•-«- blütiger Nachbar. seufzte dagegen ein kalt» nach beleidigend angesehen werden konnte. Wenn dai Gericht meine, daß die Presse stets zur Wahrnehmung berechtigter Interessen diene, so sei ei ein RechtSirrthum. Der Reichinn« malt sagte zur Begründung seine» Antrage» auf Aufhebung de» Urtheil» folgende»: In einer früheren Entscheidung dieses Senates wurde ausgesprochen, daß ein Redakteur der zufällig Katholik war, fich nicht auf den§ 193 berufen könne, weil er dm Katholizismus habe verthetdigm wollm. Wenn der jetzige Angeklagte ein Blatt redigirr«, welche» ausschließlich dem Jnter« esse der Juden dimte, so wäre über die Zuläsfigkcit de»§ 193 zu dtskuttren, aber da» ist hier nicht der Fall, und der Hin- wei» auf die Konfejfion allein kann den Angeklagten nicht straflos machen, weil die Presse nicht dazu da ist, um jedem Konfesfiontangehörigen eine berechtigte Instanz für seine kon« fcsstonellen Bedürfnisse zu geben. Der Richter findet in dem Artikel einm doppelten Vorwurf, nämlich daß den Lehrern Förderung resp. Duldung antisemitischer Bestrebungen schuld» gegeben find, und den Vergleich de» Kreiischulinspektor» mit Slöcker. Nun sagt aber der Richter nicht, daß der Angeklagte de» ehrenkränkcnden Charakter» de» ersten Vorwurfe» nicht be« wüßt gewesm sei, sondem er stellt die» nur bezüglich de» zwetten fest. Da» gmügt aber nicht, um da» Bewußtsein de» züglich d«S ganzm Artikel» auizuschließm. ES wird also in der neuen Verhandlung zu prüsm sein, od dem Angetlagtm auch daS Bewußtsein gefehlt habe, daß er die Lehrer beleidige." DaS Reichsgericht schloß sich diesen Ausführungen durchweg an und hob da» Urtheil unter Zurückoerweisung der Sache in die erste Instanz auf. Vtanuheim, 7. Juli. Gestern wurde hier abermals ein Sozialistenprozeß verhandelt. Friedrich Traub war angeklagt, den„Sozialdemokrat" verbreitet zu haben. Die Anklage stützt« sich namentlich auf den Angeber und früherm Kompagnon de» Traub, Fahrbach— ehrlichen Angedenken». Dieser kam jedoch vor dem Gerichtshof sehr schlecht an. Selbst der Staatsanwalt hegte Bedmken htnstchtlich der Glaubwürdigkeit. Herr Polizei« kommiffär Gugendühler richtete seine Aussage gegen den An» gellagtm, indem er mit Nachdruck betonte, daß Traub schon längst Sozialdemokrat sei. Der Gerichtshof gewann die Ueber« aung, daß Traub nicht verbreitet habe, sondern daß Fahr« in der Behausung de» Traub dessen vachm durchschnüffelt und gelesen hat und in recht durchfichtiger Abficht denunzirte. E» war die? der zweite Prozeß, welchen Traub dem Herrn Fabrbach zu verdanken hatte und eS ist bei der gegenwärtigen Strömung dieser Ausgang de» Prozesse» doppelt freudig zu b-grüßm. Der Vorfitzmde richtete zum Schluß einige sehr de« herztgeniwerth« Worte an den„Zeugm" Fahrbach. t Unter der Anklage der Störung de» öffentliche« Gottesdienste» stand gestem der Tischlergeselle Ernst Heimlich vor der erstm Strafkammer de» Landgericht» l. Am 7. März d. I., einem Sonntage, hatte H. eine längere Bierreise unter« nommen und große Mengen von Schnap» und Bier vettilgt. tu seiner Trunkenheit gerieth er in die JnterimSkirche der t. ThomaS-Gemeinde, wo gerade der NachmtttagsgotieSdicnst stattfand. Er kletter'e auf den Chor empor und nahm in einem Kirchenstuhl Platz. Der Gesang der Gemeinde war zu Ende, die Stimmen einiger alter Frauen, dir etwa» außer den Takt gerathen waren, wurde durch dai mächtige Finale der Orgel überdröhnt und der Prediger begann seine Rede über eine Stelle aus den Paulinischen Briefen:„Der Apostel Paulu» sagt..." Da wurde er durch eine heisere Stimme unterbrochen, die von der Empore heradkam: „Ja woll der Apostel Paulu», den kenne ick..." Und nun folgte eine Fluth von Bemerkuugcn, wie fie die Trunkenhett «ingiebt. DerjPrediaer brach ab, die Gemeinde erhob fich, der Go1te»vienft war gestört und mußte unterbrochen werden. Nun versuchte man durch steundliche Ermahnungen, den Stören- fried au» der Kirche zu entfernen. Heimlich war aber hart» näckig und wollte dutchau» nicht gehen. Schließlich wurde ein Schutzmann geholt, der den Trunkenen zur Wache brachte.— In der Verhandlung fand fich die oft vorkommende Erschei- nung, daß über die Frage, ob ein Mensch betrunken und von welchem Grade seine Trunkenheit sei. die Anfichten sehr ge« theitt warm. Während der Angeklagte behauptete, fich an die Vorgänge an jmem Tage durchaus nicht mehr er« innern zu könnm, waren einige Zeugen der Mei- nung, daß der Störmfried nicht einmal angetrunken tewesm sei. Der Gerichtshof nahm jedoch zu Gunsten deS lngellagten an, daß er in der That angetrunken gewesen sei. Erschwermd fiel dagegm der Umstand in'S Sewicht, daß Heimlich al» Katholik dm Unfug tu einer protestantischen Kirche verübt habe. Hierin erblickt da» Gericht einen frivolen Exzeß und ging über den Anttag de» Staatsanwalt«, der einen Monat Gefängniß beanttagt hatte, noch hinauS, Heimlich wurde zu einer Gefängnißstrafe von 2 Monatm vernlheilt t Gin Stevolver-Skrtbent. Der Bürgermeister a. D. Laser verfaßte vor einigm Jahren eine Flugschrift, in«elcher er dm Geh. Kommerzienrath Gerson von Bleichröder bezichtigte, einen Meineid geleistet und Ehebruch begangen zu haben. Mit dieser Brochüre untemahm er nun einen Erpressungsveisuch; er forderte den Geh. Kommerzimrath auf, ihm sammtlichc Exemplare, da» Manuskript und die Belege für da» Sümmchen von nur 15000 Mark abzukaufen. Herr von Bleichröder that da» Klügste und dmunzitte dm Revolver-Skiibentm wegen Erpressung. Die Sache zog fich einige Jahre hin und de« schäftigte wiederholt die Gerichte. Gestern kam fie vor der ersten Strafkammer de» hiestgen Landgerichts endlich zur Erledigung. In der Verhandlung, die unter Au». schluß der Oeffentlichkett stattfand, gestand Laser, daß seine Behauptungen, die v. Bleichröder dcgangm habm soll, deweiSlo» seien. Er wurde der verleumderischm Beleidi- gung und der versuchten Erpressung für schuldig befunden und zu einer Gesammtsttafe von 1 Jahr und 1 Monat Gefängniß, «ovo« 1 Monat al» durch die Untersuchungshast verbüßt gilt, und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 2 Jahr ver- urtheitt. Die Vernichtung der Broschüre wurde ausgesprochen. t Sehr»ngemüthlich wurde der penfionirte Postbeamte V., alS er au» einem Schläfchen, da» er auf einer Promenaden« bank im FrtedrichShain in dm Abendstunden de» 6. Mai d. F. abhielt, durch die Hand de» Promenadenwächter» M. geweckt wurde. V. hatte eine schlimme Hand und hatte am Nachmittag da» Krankenhaus am FriedrichShain aufgesucht, war aber abge- wiesm und aufgefordert wordm, fich am Abmd wieder einzu- finden. Er hatte fich auf einer Bank niedergelassm und war schließlich eingeschlafen. Im Schlaf hatte er den Kopf wttt nach vom stnken lassen und da» Blut war ihm in'»(Besicht geschossen, so daß seine Ohren fich blau färbtm und die Gefahr nahe lag, daß er somüder von der Lank stürzte. Au« dieser lebensgefährlichen Haltung wollte ihn der mmschmsttundliche Wächter aufrütteln, er hatte aber kaum begonnm, so sprang V. auf und gab ihm einen tüchtigm Stoß. Unter lautem Schimpfm drang er noch einige Mal« auf dm Beamten ein, �53� er schließlich zur Wache gebracht werden mußte. Auch seiner Verhaftung leistete er Widerstand und stieß grobe Beleidigungen au». Da» Schöffengericht vemrtheitte ihn gestern >u einer Äesammtstrafe von 8 Tagen Gefängniß. + Wege« gemeinschaftlicher Körperverletzung standen aestem vor der 93. Abtheilung de» Schöffmgericht» ein ge- wisser M. und W. Im Febmar d. I. feierte der Grünkram» Händler F. seinen Geburtstag. Er hatte einige Freunde zu fich geladm und man war fröhlich und guter Dinge. Die Lusttaste mit war ein junge» Mädchm. Martha B.. welche bei F. arbeitete und mtt zur GeduttStag»feier eingeladen war. Eine Drehorgel wurde gespielt, man sang und ttank und sprach davon, ein Tänzchen ,u veranftatten. Mitten in diese allgemeine Lust platzte plötzlich der Vater d-r B, der sofott auf seine Tochter losging und fie ohne weitere» mehrmals ohr. feigte. Alle Anwesenden gerietben in Entrüstung über diese unmotivtrte Züchtigung und über daS rohe Benehmen de» Verantwortlicher Redakteur SU VaterS. W. kam auf B. zu und stellte ihn wegen seiner Tbat zur Rede. E» kam zu einer heftigen Auseinandersetzung, im Verlauf welcher W. dem B. einen Stoß gab, so daß er in eine Ecke fiel. Nun kamen zwei andere Anwesende hinzu und suchten den Streit zu schlichtm. Es ist aber möglich, daß bei dieser Gelegenheit der Vater von einem oder dem andem der FriedmSMster noch einige Püsse erhalten hat, jedenfalls blutete seine Nase heftig und sein Ge- ficht war verschwollen, al» er da» Zimmer verließ. In der Verhandlung gab B. an, seine Tochter deshalb geohrfeigt zu haben, weil fie einige Nächte nicht nach Hause gekommm sei. ES wurde aber festgestellt, daß Martha B. sehr oft deS Nachts bei der Familie F. geschlafm hat, weil ihr Vater ein sehr in« time» Verhältniß mit einer Wittwe unterhält. Der Gerichtshof beurtheitt die Sache sehr milde. Er nahm an, daß B. durch seine Ungedührlichkett die eigentliche Veranlassung zu der Szene gegeben habe, sprach den M. frei und vermtheilte den W. zu einer Geld strafe von 5 M. Soziales und Arbeiterbewegung. Die Rechtßgiltigkett von Fabrikordnungen. Von Interesse ist eine Entscheidung, welche daS Kölner Gewerbe- gericht dieser Tage in Bettest der RechtSgiltigkeit von Fabrik- ordnungen getroffen hat, welche gegen die Moral verstoßen. Die„Fr. Pr." schreibt:„Möge jeder Arbeiter mit Aufmerksamkeit diesen Bericht lesen und ihn seinen Käme« raden zur Beachtung empfehlen, damit er wisse, daß unmora- lische Verpflichtungen kein auch noch so mächtiger Fabrikant in sein Fabrikstatut aufnehmen und dem Arbeiter mit Hilfe nicht». würdiger Fallstricke den verdienten Lohn vorenthalten darf l Möge man die verschiedenen Fabrikstatuten einer gründlichm Prüfung unterwerfen und gesetzwidrige Fabrikordnungen der Oeffentlichkett preisgeben. Mögen aber in erster Linie die Groß« industriellen selbst Hand anlegen und auS ihren Fabrikord- nungen alle RechtSverdrehereim ausmerzen. Herr Konstantin Esser, Befitzer einer mechanischen Weberei w der Schaatenstraße in Köln, hat sein gesetzgeberisches Talent an seinen Arbeitem versucht und die sog. Fabrikordnung diese» Mannes enthält horrende Bestimmungen; man lese den§ 10, Dieser lautet ungefähr so: , Leder Arbeiter hat fich bei eintretender Krank« heit so'ort zu entschuldigen und zur Bekräftigung ein ärztliches Zeugniß vorzulegen. Kommt er binnen drei Tagen dieser Bestimmung nicht nach, so verliert er seinen Anspruch auf den noch guthabenden bereit» ver- dienten Lohn." Durch diesen famosen Paragraphen glaubte fich der Weberei« befitzer seiner Verpflichtung enthoben, dem Weber B. den ver« dienten Lohn in Höhe von 27 M. zu bezahlen. Mit demselben Weber hatte der Fabrikant Esser bereit» vor einigen Monatm vor dem Gewerbegericht gestanden. Esser war verurtheilt worden, den grundlos entlassenen Weber sech» Wochen lang zu beschäftigen oder ihm eine entsprechende EntschäZigung zu zahlen. Der Weder trat ein, um seine gesetzlichm sechs Wochen abzuarbeitm, erlrankte in der Zeit vom 10. Februar bt» 16. März und«bettete bi» 12. Mai. Al» seine sechs Wochen um waren, verlangte er von Herrn Esser seinm Lohn und den Entlassungsschein. Esser verweigerte beide».„Verklagen Sie mich," entgegnete er dem Manne.„Immer llagm, Herr Esser!" entgegnete der Weber.„Und ich ged' Ihnen da» Geld nicht!" Der Weber, de» Streites müde, arbeitete weiter und erkrankte, wie er sagt, au» Aeraer und Gram über die schmachvolle Behandlung am 12. Mai um 7 Uhr; um 9 Uhr macht die Fabrik Feierabend. Am 18. Mai meldet er fich gesund und will weiter arbeiten, damit er endlich daS verdiente Geld in die Finger bekäme. Profit Mahlzeit! Jetzt erklärt Esser:„Sie bekommen gar nicht» l"—„Warum 9"— „Darum.".!— Der Entlaffungifchetn wurde auch ver« weigert. Der Weber hätte inzwischen al» Meister in der Bayenfabrik anfangen können. Die Stelle ging ihm verloren, weil er kein Cntlassungszeugniß vorzeigm konnte. Nun klagt er auch auf Entschädigung. Esser soll ihm, weil er diei Wochen deswegen ohne Arbeit blieb, 36 M. zahlen. Vor dem Ge- Werbegericht erklärte der Vertreter de» beklagten Fabrikanten: Die Höhe des zurückgehaltenm Lohnes betrage 24.25 M. Dieses Geld verweigere Herr Esser laut§ 10 seiner famosen Fabrik- orsnung. Im Uebrigen stelle der Fabrikant in Abrede, daß der Weber schon vor dieser Zeit da» Geld und einen Eni- lassungischein gefordert habe, also keinen Anspruch auf drei Wochen Lohnentschädigung stellen könne. Da» Gewerdegericht entschied, daß dem Weber der vorenthaltene Lohn gezahlt wer« den soll, weil(im Hinblick auf§ 10 der angefühlten Fabrik ordnung) der Beklagte nicht» vorgebracht, wa» die Nichtzahlung rechtfertigen könne. In Betreff der Entschädigung von 36 M. giebt da» Gewerbegericht dem Herrn Esser auf, den vom Kläger zugeschobenen Eid zu schwören, daß e» nicht wahr sei, daß der Kläger zur rechten Zeit Lohn und Entlassung gefordert habe und vertagt die AuSschwörung auf 14 Tage. Zunahme der Sroßprodnttton. Im Jahre 1858 pro- duzirten die 32 in Schlefien vorhandenen KoakS Hochöfen im Ganzen 987 268 Zentner oder rund 1 Million Zentner. Die Produktion der 34 im Jahre 1885 vorhandenen Oefen hat 8250450 Zentner betragen. Der Werth bezifferte fich im ersteren Falle auf rund 5 Mill. Mark dagegen im anderen auf nur 21 Mill. Mark. Dt« Starrköpfigkett der Unternehme« bei Streik« führt zuweilen eigenthümliche Verhältnisse herbei. So in Bautzen, wo die Maurer streiken, um eine Lohnerhöhung durchzusetzen. Sie haben einm Ausschuß gebildet, welcher fich dm Bürgern zur Uebemahme jeder Maurerarbeit billiger al» die Meister anbietet. Währmd die Meister 28 Pf. pro Stunde verlangen, beansprucht der Ausschuß der Maurer nur 25 Pf. Durch diese« Konkurrenz Unternehmm eröffnen fich dm Streikenden ganz neue AuSstchtm. E» wird inter- essant sein, zu erfahren, ob die Gesellen mtt ihren Anerbietungen Erfolg habm. Niedergelegte Arbeit. Einige 25—30 auf der Veddel in Hamburg beschäfttgte Arbeiter stellten am Dienstag Morgen die Arbeit ein, da fie für dm auSbedungenen Lohn von 2 M. 50 Pf. pro Tag nicht weiter arbettm wollten. Alle Versuche der Arbeitgeber, die Arbeit unter den alten Bedingungen wieder aufzunehmm, blieben erfolglos. Recht erfreulich ist, nach der Hamb.„Bgrztg", daß die Arbeiter in vollkommm ruhiger Weife mtt den Arbeitgebern verhandelten und daß dieselben fich durch daS für fie ungünstige Resultat dieser Unterredungen nicht zu Störungen der Ruhe und der öffentlichen Ordnung hinreißen lteßm. Zum Ttschlerftretk in KottbuS. Werth« Kollegen I Nach lOwöchentlichem Andauern deS Streiks müssm wir zu unserem Bedanern konstatiren, daß wtt von unseren niedrigen For« derungen noch nicht mal alle» bewilligt erhalten haben. Wir luden die Meister vorige Woche zu einer Verhandlung ein, fie schrieben un» aber zurück, daß fie keinen von den Streikendm zu beschäftigen beabfichtigen, und verbitten fich jede wettere Belästigung. Der Lohn ist ja in den schlechtm Werkstätten etwa» gestiegen, aber nur um die Hälfte dessen, wai unsere Forderungm warm. Wir sahen un« nun nach obigem veranlaßt, eine Versammlung einzuberufen, in welcher beschlossen werden sollte, ob wir den Streik bemden, oder weiter streiken. Die Versammlung beschloß, daß weiter gestreikt werden soll. Nun waren auch 4 unserer Kollegen wegen 14lägiger Kündigung verklagt, also nach 9wöchmtltchem Streik fühlen fich die Herren Meister veranlaßt, ihre Gesellen zu verklagen. Durch die un» sauberm Mittel der Meister, welche fie gegen un» anwendeten, war e» un» nicht möglich, da» zu erzielen, wa» wir eigentlich erzielen wollten. 9 Meister, welche unterschrieben haben, geben den von uni verlangten Lohn und die übrigen gebm nur die Lronhetm in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing s Hälfte. ES find nun noch 10 Mann, welche weiter streikm. 4 haben die Arbeit wieder aufnehmen müssen. ES find noch einege Werlstellm ohne Gesellen. Wir ersuchen die Kollegen Zuzug fern zu halten. Mit kollegtalischem Gruß: Die Lohn- Kommission. Der Streik der Lux«»»Papier Präger bei Hain u. Moiler ist nun auf Grund Vereinbarung beider Theile be- endet, indem den Streikmden 5 pCt. mehr bewilligt wordm find, jedoch unter der Bedingung, daß die Leiter de» Streiks (CaSpar und Esser) nicht mehr beschäftigt werden. Wenn auch am Anfang deS Streiks seitens der Arbeiter beschlcss-n wurde, nur dann die Arbeit aufzunehmen, wenn Alle wieder in daS Geschäft eintreten könnten, ließ fich dieser Beschluß insofern nicht durchführm, al» mtt Bestimmtheit angenommen werden konnte, daß der Prinzipal unter allm Umständen an seiner Be» dingung festhalten würde und somit den andem acht die Ar- beitSftelle ebenfalls verloren ginge. Selbst die zwei Gemäß« regellm leistetcn auf ein Wiederanfangen Verzicht im Interesse der andem Kollegen. Alle Diejenigen, welche noch Listen in Händen haben, werden hiermit ersucht, dieselben so bald alS möglich an CaSpar, Schönholzerstraße 8, einzusenden. Da eine spezielle Abrechnung den Kollegen in nächster Zeit zugehen wird, ist e» dringmd nöthig, mit der Ablieferung der Listen nicht zu zögem, denn nur dadurch ist ei möglich, baldigst über Einnahme und Ausgabe Rechenschaft abzulegm. Kleine Mittheilnngen. Würzburg, 7. Juli. Ueber die Eisenbahnkaiaftrophe bei Würzburg wird folgender offizielle Bericht veröffentlicht:„Der Betrieb zwischen Rottendorf und Würzburg, welcher auSschließ» lich unter Aufstcht der Station Würzburg steht, ist so geregelt, daß da» eine Geleise von dm Zügen von und nach Nürnberg, da» andere dagegen von den Zügen von und noch Nürnberg benutzt wird, so daß die Kreuzungen der Züge jeder Route fahrplanmäßig in Rottendorf oder Würzbmg selbst stattzufindm haben. Nm bei erheblichen Verspätungen wird zur Vermei« dung größerer Verzögerungen der Anschlußzüge ausnahmsweise da» Geleise der Parallelroute. sofem dasselbe nicht durch Züge der eigmen Linie belegt ist, für Züge der anderen Strecke be- nutzt und die Begegnung der Züge auf der Strecke angeordnet. In einem solchen Fall wird folgende» Verfahren beobachtet. Station Würzburg verständigt Station Rottendorf telearaphisch, auf welchem Geleise jeder der deidm Züge zu verkehren hat, worauf Station Rottendorf zum Nachweise richtigen Verftänd- nisseS daS Telegramm nach seinem Wortlaute zurückgiebt, die BetriebSbeamtm in Würzburg und Rottendorf verständigen sodann die betheiligten Wechselwarter durch einm Dimstdefehl schriftlich von der getroffenen Anfügung gegen Unterschrist. Femer werdm die Lberkondukteure der betr. Züge durch fach- gemäßen deutlichen Vortrag auf dem Stundmpaffe und die Lokomotivführer durch gleichlautenden schriftlichm Befehl in Kenntntß gesetzt, sowie die Wagenwärter durch ihre Ober- kondutteure mündlich verständigt. Endlich hat jeder Zug, welcher dai Geleise der anderen Strecke befählt, vom an der Lokomotive ein rothe» Signal zu ttagen, welches den Bahn- wärtnn die Berechtigung zur Fahrt auf dem sogmannten falschen Geleise anzeigt. Genau diesen seit einer langm Reihe von Jahren an- standiloS in Anwendung gekommenen Vorschriften entsprechend, wurde am 1. Juli von dem BetriebSbeamtm in Würzburg be» stimmt, daß der von Bamberg kommmde, um 16 Minuten verspätete Postzug Nr. 49, welcher mit dem auf der nämlichen, Strecke verkehrmden Kurierzuge Nr. 53 fahrplanmäßig in Würzburg zu kreuzen hat, auf dem um diese Zeit freien Nüm- derger Geleisestrange von Rottmdorf nach Würzburg zu fahren und deshalb dem Kurierzuge 53 auf der Strecke zu begegnen habe. Von dieser Verfügung, welche in Rottmdorf dem ge- sammten bethettigten Personale vorschriftsmäßig bekannt gegeben und von diesem auch vollständig richtig vollzogen wurde, er- hielt in Würzburg da» Personal de» Zuge» 63 durch des BetriebSbeamtm die vorgeschriebene Mittheilung durch Stunden- paßoortrag, schriftlichen Befehl für den Lokomotivführer und mündliche Verständigung deS WagenwärterS. Außerdem wurde schriftlicher Dimstdefehl bei dm betheiligtm Wechselwärtern durch einen Boten in Umlauf gesetzt, wobei jedoch in der Verständigung der Wärter eine Verzögerung eingetreten sein soll. Von dem Signalwärter wurde au» di» jetzt noch nicht aufgeklärter Ursache da» von ihm ursprünglich richtig gezogen« Signal„Ausfahrt nach Bamberg frei" nach Ingangsetzung de» Zuge» 53 noch vor dessen Eintreffm am Signalbaume zuiückgezogm und durch daS Signal„Ausfahrt nach Nürn- derg frei" ersetzt. Die» bestimmte den Wärter der Auifahtt?- weiche, welcher nach setner übrigm» noch nicht erwiesmen Behauptung zur Zeit der Vorüberfahrt deS ZageS 53 noch nicht verständigt gewesen sein will, den ausfahrenden Zug statt in da» Bamberger, in daS Nürnberger Geleise einlaufen zu lassm, auf welch letzterem Führer, Lberkondutteur und Wagenwärter ungeachtet de» ihnen ertheiltm auSdrück« lichen gegmth eiligen Befehl» dm Zug unbegreiflicherweis« weiterlaufen ließen. Auch von dm betheiligten Bahnwärtern wurde demselben da» Haltzeichen nicht gegeben, obwohl Post- zug 49, alS auf dem Geleise der Nürnberger Strecke kommend, von Rottmdorf durch da» Läutwerk dieser Sttecke ,chon ge- räume Zeit abgeläutet war, und obgleich Zug 53 kein Signal ttug. Hiernach wurden ganz bestimmte und klare Sicherhett»- Vorschriften nicht beachtet. Tie Wirkungen deS Zusammenstoße» waren so folgenschwer, weil an der Stelle de» Zusammmstoße» der Autblick naa deidm Richtungen ein äußerst beschränkter ist, und die Züg« fich wegen de« tiefen Einschnitte» und der starken Krümmunll kaum auf eine Entfemung von 200 Metern in Sicht bekomme» konnten. Bei dem Zusammenstoße blieben sofott 10 Personen todt! 6 weitere find bt» jetzt ihren schweren Verletzungm erlege»- Die beiden Zugmaschinm find sehr stark beschädigt. Voll- ständig zettrümmert find drei Personenwagen, ein Bahnpost' wagen, ein Dienstwagen und zwei Güterwagen; weniger erheblich beschädigt acht Personen wagm, ein Bahnpostwagm un» ein Dienstwagen. Die straftechtliche und administrative Unter- suchung ist in vollem Gange." Da»„Bamberger Journal" macht dazu folgende merkungm: Also unter etwa 6 Zugbeamten auf einer wegen ihrer Gefährlichkeit und kompltzitten Fahrdiipofftion bekannte» Strecke und zudem nach empfangener schttftlicher und münv! licher Anweisung wußte kein einziger, welche» Geleise überhaup befahren werden sollte, resp. daß fie fich auf dem falschm d«- fandm! Da» ist un»— offen gestanden— ein Räthsel, defse» Lösung in den kommendm Verhandlungen wir mit Spannuns entgegensehm. Da» eine wird man aber schon jetzt sagen könnm» daß- mag ver Anlaß zum Unglück im Besonderen gewesen% welcher er will, die Katastrophe der Grundursache nach dura eine wirklich schwer verständliche— Sparsamkett bei der£«£ stellung der Bahnanlagen verschuldet ist. Wir habm} Bayern gewiß manchen überflüsfigm Kilometer Bahn geb# aber auf einer nur 8 Kilometer langen Sttecke, welche Glied von zugleich zwei großen Adem(Berlin- Stuttgatt u»? London Köln-Wtm) bildet, sich mit zwei Geletsm und einer � ihrer Umständlichkeit zu Jr'humern fcst herauSforderndm%, triedSanweisung zu dehelfen, ist wttklich eine Sparsam�! welche über da» zu billigende Maß hinausgeht. Jetzt, da «Kind im Brunnen liegt", wird ja wohl die unerschwtngst�, Summe für eine GeleiSverdoppelung auf 8 Kilometer auiK trieben werdm; bedauerlich ist aber, daß in solchen 8% immer und immer erst der Schaden die Rolle de» Lehrmeip' der Klughett übernimmt._ Berlin SW„ veuthstraße 2. Hierzu eine Beilud' Beilage zum Berliner Bolksblatt. »r. 1S8. Sonnabend» den 10. I«U 1886. III. Infe Die ialnnotigitiile FabriKzrsrtzzebaaz M»ine» jener Ziel», auf welches die Fadrilgcs'tze der einzelnen Staaten und die ökonomischen Thatsachen selbst unablässig hin. «beiten. Neulich ha� nach der„Züricher Post-, Nationalralh Vögelin am Grütlifest in G-cnchen diese Bestrebungen in fol. gender W ise zusammenfassend geschildert. Es warf der Referent einen Rückblick auf die ganze Eni. Wicklung, weiche der Gedanke einer internationalen Gesch. xediM genommen hat. Tie erste Anregung findet er in einem -«undeSarchio aufbewahrten, wie e» scheint im Jahre 1857 Araierunpen der europäischm Industriestaaten ver« sandten Zirkularschreiden eine» französischen Katholiken. Der. selbe verlangt ein durch Delegirte dieser Staaten aufzustellende» internationale» Gesetz über die industrielle Arbeit, dessen Haupt. punkte folgende find: Beschränkung der täglichen Arbeiltzeit w®550£ltn<£,.0U!.iwölf Stunden(zwischen 5% Morgen» und 8� llbt_ Abend»),— Ausschluß der Knaben unter 10, der Madchen unter 12 Jahren von der Betheili. gung bei industriellen Arbeiten,— Beschränkung der Arbeit»z«it für junge Leute unter 18 Jahren auf 6 und 10 Stunden,— Verbot aller Nachtarbeit(da» heißt Arbeit »wischen 3'/, Uhr Abend» und SV, Uhr Morgen») für Knaben unter 18 Jahren und für Arauen jede» Alter»,— Verbot aller ÄS Ä lÄÄSÄÄSfÄ noch Innen Erfolg. MMM-SSZXS London, Pari», Rom und Wien bei den betreffenden Re. giemngen zu sondiren, od ste geneigt wären, auf VerHand. lungm zu genanntem Zwecke einzutreten. Jndeffen konstatirt« der G'schäft»der,cht de» BundeSrathe» über da» Jahr 1831. Wy Anregung sei erst von einem Thetl der in Anfrage ge- tüt S la°U"dinps von der«undt»vers°mmlung k-iae spezielle Instruktion erhalten halte, beantwortet habe. Und so veil ef die Anregung im Sande. D« l— XSJKJU flM VV» allgemeine schweizerische Arbeitertag da» Nation alrälhliche P-stulat wieder auf und beschloß, e» solle dasselbe dem Bun- dezr athr neuerding» dringend zur Vollziehung empfohlen wer dm. Zugleich aber sollte für dm Gedanken bei dm deutschen und franzüstschm A deiier«reinen energische Propaganda gemacht wirden. Wenn die Regierungen dt« internationale Gesetz» (lebung nicht von fich au» an die Hand nebmm«ollen, so ollten ste durch die Macht der öffentlichen Meinung dazu ge. �ie'stehen nun heute die Dinge? Eine Fabrikgesetzge. dung hat fast jeder zivilifirte Staat Europa», anfangend von Frankreich und Englend, die beide im Jahre 1802«orange gangen find. Auch einzelne Staaten der nordamerikanischen Union: Maffachuset», Michigan, Minnesota, Ohio und Kali- fornien find dem Beispiel gesolat. Diese verschiedenen Fabrik. und Gewerbegesetze enthalten Vorschriften fast über alle Ver« hältniffe, die im Fadrikdetrieb vorkommen: über Beschränkung der Arbeit der Kinder, der Frauen, der Wöchnerinnen» über Mehrarbeit, Nachtarbeit, Sonntagtruhe, Pausen im Werktag». dienst, Freistunden für die Mahlzeiten, Admd. und Sonntag». schulen für die nicht Erwachsenen u. s. w. Nur zwei wichtige Punkte fehlen fast überall: die Haftpflicht de» Arbeitgeber» bei Schädigung oder Tödtung, die dm Arbeiter in seinem Dienste getroffen— und der Normalarbeitstag für Erwachsene. Letzterer existirt in England für einzelne Branchen, namentlich für die Metallarbeiter, sodann für alle Gewerbe in Oesterreich. Da» Gewerdegesetz vom 9. März 1881 setzt für die Erwachsmen ein tägliche» Arben»maximum von 11 Stunden fest, und eine Ministerialordnung vom 27. Mai 1885 gestattet einer Anzahl eine» von Gewerben und Gewerbekategorim für die Dauer Jahre» al» Uebergang eine weitere, zwölfte Stunde. E» ist begreiflich, wenn die Regierungen, welche in ihren eigenen Ländern den Normalarbeilitag für Erwachsene nicht eingeführt haben, kein Bedürfntß empfinden, fich ihn durch eine intemationale Konvmtion oktroyren zu lassen. Und so ist denn der Gedankt einer internationalen Regelung der Normal- arbelUzeU für Erwachsene wohl von verschiedenm Arbetter. kongreffen verfochtm, von dm Politikem und Theoretikem bii« her adaelehnt wordm. .,Wa» aber." fährt die„Zür. Post" fort,„ist gegenwärtig Üttngm?" U,n Wt tntm,allonaIe Gesetzgebung in Fluß zu §„Wir stehm nicht mehr auf dem Standpunkt, den wir im ahre 1883 auf dem Arbeitertag in Zürich einnahmm: der undesrath sei aufzufordern, seine dieifälligrn Bemühungen bei den au»wärtigm Regierungen zu erneuern. Man könnte ja w«hl dem Bundetrath diesen Auftrag geben und ihn ver. pflichten, denselben au», uführen. Aber man könnte ihn nlcht verpflichtm, die» mtt besonderm Nachdruck, mit Bt> aeisterung zu thun, wenn er nun einmal von einem solchen Schritte keinm Erfolg erwartet. Und hat der Bunde»rath wohl so sehr Unrecht, wenn er, angestcht» der ablehnen« dm Haltung, ja der ganz mtgegmsetzten Jntereffm der be« nachbarten Regierungen von etner neum Anregung bei den« selben fich nicht» verspricht? Ist nicht vielmehr eine aber. walige Abweisung ein schlimme» Präjudiz gegen die Sacht? Und muß man nicht sürchtm, wenn die Schweiz offiziell auf «erallgemeineruva de» Nsrmalarbeit»tagel dringe, man er« blicke darin da» Geständniß. wir hadenuvSmit unserm Fabrik geletz verrannt und wollm, da wir nicht mehr wohl zurück abladen? We folaIe®t'4eetunß ouf onl,ett Schultern � �ben im Zeitalter der Demokratie. Wir wiffm, daß Jveen nicht mehr von Obm herab auf dem Wege der Verordnung eingeführt werdm können, sondern daß fie zur Lffmtlichm llederzeugung werden müffen. Dann, wmn ihre Zeit erfüllet ist, finden fie sozusagen von selbst ihren obliga- torischm Au»druck. Und wie im Leben eine» Volke», so ist r» im Ledm der Völker im internationalen Verkehr. Auch hier müffen die Gedanken auSreifm, fich in dm Geistern einleben, dann werdm ste durch ihr« innere Kraft und Noch wendigkeit fich Geltung verschaffm ohne Diplomatie und trotz ihr. „Also auf Propaganda auf breiter Basi», auf Agitation unter den Arbeitern und Arbeitervereinen unserer Nachbasckänder kommt ei an. Und wer wollte an dem unaufhaltsamen Siegeslauf de» so einfachen Gedanken», die menschliche Arbeiis zeit in den Fabrikm menschlich, da» beißt international, zu regeln, verzweifeln? Ist nicht die ganze Frbrikarbeit eine inter. nationale? Die Maschine selbst, englische» Produkt oder nach mgltschem Vorbild konftruirt, ist international. Die Arbeiter an derselbm find, Dank der unbeschränkten Fluktuation und Freizügigkett, international geworden. Wenn wir reif find für englische Maschinen— sollten wir nicht auch reif sein für die englische Gesetzgebung betreffend ihre Handhabung? Denn nicht der Arbeiter handhabt die Maschine, vielmehr handhabt ie ihn. Die Macht der Thatsachm wird fich, find diese nur erst zum allgemeinen Bewußtsein durchgedrungen, auch hier, mit und ohne den geneigtm Willm der Regierungen Bahn brechen. Unsere Aufgabe ist, die Erkenntniß derselben in den weitesten Kreisen der Arbeiterklassen zu verbreiten. „Unterm 27. Juni 1857 hieß e»„internationaler Arbeit»tag aä»et»!" „Heute aber, den 27. Juni 1886, rufen wir:„Der inter« nationale ArdettStag soll und wird leben!" zokale». Fünf neue Apotheken. Nachdem die Anlage von fünf neuen Apothelen, 1) in der Ackerstraße, nahe der Jnvalidm- traße, 2) an der Kreuzung de» Grünen Wege» und der Kraut traße, 3) in der Möckernstraße, an der Ecke der Teltowerstraße, 4) aw Teutoburger Platze, an der Kreuzung der Fehrbelliner- vnd CfKstinenstraße. 5) am«üschir»platze im Zu« der Büschingstraße, durch den Herrn Oder.Präfidmten der P ovinz Brandenburg genehmiat worden ist, werden vom königl. Polizei. geeignete Bewerber zur Meldung binnen einer Präklusivfrist von sech» Wochen mit dem Bemerken aufgefordert. daß persönliche Vorstellungen zwecklo» find und die Bewer- bungen lediglich schriftlich zu geschehm haben. Gleichzeitig wird zur«enntniß gebracht, daß die beabfichtigte Anlage neuer Apocheken 1) in der K-nIftraße, an der Einmündung in die Fr-edrichstraße, 2) in der Neuenburgerstraße nur vorläufig au». gesetzt ist. Wie et« ungeheure« Spinngewebe muß fich, au» der Vogelperspektive gesehen, da» Pferdedahnnetz von Berlin au». nehmen. In allen Stadtgegmdm wird mit rastlosem Eifer ffiÖWFvül' jfie JiWÜW werfen werden. Je verzweigter aber diese Linien und je größer die Dividenden fich gestalten, um so emstlicher wird die Dt rettion nun endlich die schon so oft angeregte Frage der durch Einführung von sog. Korrespondmzbillet» herbei, uführmdm Ver kehr»erleicktterungm in Erwägung ziehen müffm. Von einem volllommm entwickelten Pferdctmhnsystem muß man verlangen, daß man mittelst d-ssclden jeden Punkt der Stadt zu erreichen im Stande ist. Ob diese« Maß von Vollkommenheit e erreicht werden wird, ist eine Frage der Zeit. Eine Forderung nach dieser Richtung hin zu stellen, wäre unbillig. Wohl aber kann da» Publikum verlangen, daß e». um nach einem durch da» vorhandene Netz zu eneichenden Punkt zu gelangen, nur einmal ein Billet zu lösen braucht, und je mehr Linien von der Pferdebahndirektion dem Betriebe übergeben werden, um so weniger wird ste diesem Verlangen in ihrem eigenen Interesse sowohl wie im Interesse de» Publikum» widerstehen können. In Pari» ist da» System der Korrespontenzdillett längst durchgeführt und ebenso findet man e» in zahlreichen Städten unsere» eigenen Vaterlande». E» ist also schwer zu begreifen, warum fich die Direktion der Berliner Pferdebahn immer noch gegen eine Maßregel sträubt, bei der Städte mit weit schwächerem Verkehr ihre Rechnung finden. Die Truppenkonstgnirunge« in Spandau kommen immer noch nicht zur Ruhe. Auf da» Dementi der„Kreuz. Zeitung" antwortet der„An,, f. d. Havell." in seiner letzten Nummer wie folgt:„Ein oifiziöse» Dementi, welche« unserer Notiz über die Truppenkonstgntrung entgegengesetzt wird. zwingt un», noch einmal auf die belegte«ngflegenheit zurück. zukommen. Die„Kreuz- Ztg." erklärt unsere Nachricht für„er. stmben" und will al» tbatsächlich nur eine plötzliche Komman- dirung von je einem O fizier und dreißig Mann de» vierten Garde. Regiment» und de» Elisabeth. Regim-nt, zu einer Schießübung gelten lassen.— Un» fehlt da» Verständniß für die Kühnheit, mit der man fich hier auf da» Leugnen verlegt. Die Konfignirung ist eine Thatsoche. deren Veröffentlichung zwar an gewissen Stellen unangenehm berührt haben mag, an deren Richtigkett aber nicht»u rütteln ist. E» war u.». die zehnte Kompagnie de» Elisabeth. Regiment». die fich in jener Nacht komplett bereit halten mußte, in feldmarschmäßiger Ausrüstung und mit scharfen Patronen auf Befehl sofort au». zurücken. Mit einer gewöhnlichen Schießübung kann doch diese auffällige Maßregel nicht in Verbindung gebracht werden. E» muß auf die belheiligten Mannschaften einen schlechten Em- druck machen, wenn fie in Bläitem, deren Leftüre ihnen so nah« gelegt wird. Vorgänge einfach bestritten finden. deren Zeugen fie selbst waren/'- Da» Svandauer Blatt scheint in Bezug aus mililärische Vorgänge recht gut insormirt zu sein; vielleicht erinnert man fich noch dt» Streite», welcher fich zwt- schen dem sächfischen Krt«g»minister und der R-dattion de» genannten Blatte« entspann, al» e» fich um die Uniform de» Pseudo- Offizier» handelte, der ein» der neum Repettrgewehre au» der Eltsabith. Kaseme gestohlen hatte. Soviel wir un» erinnern. behielt da» Blatt damal» mit seiner Behauptung Recht, daß der Dieb sächfische Osfizierluntform getragen hatte. Die Stadtbahn in verlt« and in Part«. Bekannt ich läßt die Pariser der Ruhm der Berliner Stadtbahn nicht schlafen: auch dort soll eine Stadtbahn gebaut werden. Unter den zahllosen Plänen definoet fich auch ein solcher de« Ingenieur» Tell'er. Die„Köln. Z'g." schreibt üb« denselben: „Dieser kühne Mann will seine Bahn mitten im Flußbette der Seine auf einem Viadukt anlegen, der so hoch ist, daß er den Verkehr auf den bestehenden«rücken nicht stört. Dre Bahn würde fich an die östltchm Bahnhö'e und an die westliche Strecke der Ringbahn anschließen. Von den an den Brücken belegenen Stationen au» soll ein strahlenförmige» N-tz von Pferdebahnen ausgehen." Ähnliche« steht man auch in ver ltn an der Jannowitzbrücke. Der im Spreedetl hinführende Viadukt überschrettet die Jannowitzbrücke. derm machtiger Verkehr fich ungestört unter demselben dahinbewegt. Da» Zusetzen der Wehre an de« Werder'sche» Rühle» wt d gegenwärtig zwar dazu benutzt, um die sog«» nannte Wasserpest auf der unterwärt» belegenen Spr e zu de- fettigen; veranlaßt ist diese Sperre aber durch die Abstcht, den zeitweiligen niedrigen Wasserstand auf der Oderspree zu Heden. Einigermaßen ist die» auch dereit» erreicht, indem seit letztem Sonnabend der Wasserstand von 32,26 auf 32 37, also um 11 ern oder ca 4 Zoll gestiegen ist.— Außerordentlich stark. bi» zu V» Fuß unter Wasser, wuchert vi« Wafiwpest gegen» «Srtig im Fluthgraben bei Alfen an de: oberen Schleuse. Gründlicher helfen würde freilich hier wie dort wohl nur eine tiefe Buidaggerung. Der erste Roggen die»jShrtger Ernte ist gestern in der Umgegend Berlin» geschnittm worden. In den Ortschaften an der Pot»damer Bahn, namentlich bei Steglitz, stand da» Ge. treibe schon in Garben gebunden auf dem Sloppelfelde und ebenso warm auch nördlich von Berlin bei Bernau und Biesen» thal die Schnitter mtt der Ernteardett eifrigst beschäftigt. Da» Korn hat eine stattliche Höhe erreicht, und auch die Fülle der Nehren dürft« dm Landmann zufrieden stellen. Augenblicklich st-hm die Kartoffeln überall in vollster BiÜthe und nur etwa» Regen fehlt zu ihrer weiteren günstigen Entwickelung. Auch Weizen» Hafer, Gerste zeigen fast durchgängig einen guten Stand, so daß die Befürchtungen wegen de» ErnteauSfall», die man glaubte hegen zu müffen, al» plötzlich im Mai strenger Frost eintrat, sich, abgesehen von der Obsternte, glücklicherweise nickt bestätigt haben. Wie wir dem im„Archiv für Anthropologie" erstatteten Gesammtdertcht über die von der deutschen anthropologiichen Gesellschaft veranlaßten Erhebungen über dt« Farbe der Haut, der Haar« und der Augen der Schulkinder in Deutschland ent» nehmen, umfaßt dies« Statisttt 6 758 827 Schulkinder. Darunter waren jüdische 75377— 1,1 pCt.. Von der Gesammtzahl gekörten dem blondm Typu»: 2149027= 31 80 pCt., dem brünetten Typus: 919822— 14,05 pCt., den Miichiorwm: 3 659 978--- 54,15«Et. Mehr al» die Hälfte aller Schul» linder fiel also den Mischlingen zu. Der Rest von 46«Ct. vertheilt fich in der Weise, daß etwa% dem rein blonden und X dem brünetten Tyou» angehörten. Von besonderem Interesse ist, d ß die terrttonale Verbreitung dieser beiden Hauv'typen ziemlich genau den geographischen Grenzen von Nord«, Mittel» und Süddeutschlanv entspricht. Von dem rein blonden Typu» entfallen auf Nordveutschland 43,3 bi» 33,6, auf Mitteldeutschland 325 bi» 25,3 und auf Süd» deutschland 245 bi» 18.4«Ct. Au» der Statistik geht ferner hervor, daß die Blonden nickt nach Osten abnehmen, sondern nach Süden und Westen. Die Provinz Posen zeigt fast dieselbe Zahl(36 2«EL) wie die Provinz Sachsen. Schle» fien steht in dem gletchm Range mit der Rheinprooin,. und Hessen> Nassau nimmt erst die neunte Stelle ein. Diejenigen Länder, welche mehr als 35«Ct. Blonde zählen, bilden ein zusammenhängmde« Gedlet, welche« den ganzen Norden Deutschland» umfaßt. Brem n, Oivmburg, Westfalen. W-ldeck. ja sogar Posen dmertten unter einander uur um 8«Ct. In dem eigentlichen Mitteldeutschland, Rheinvrovtn,, Hessen, Nassau, beide Lippe, Schwarzdurg. Rudolstadt, Reuß j. L., Königreich Sachsen, Anhalt, Kadurq. Gotha, zeigen die Blon» den schon geringere Prozentsätze(25«©:.) und in Süddeutschland haben Württemberg 245, Baden 243, Bay rn 20,4, Elsaß» Lothringen 18.4«Cr. Blonde. E» ergiedt sich hierau», daß der größere Theil der Länder und Pro- vinzen au» d.r südlichen Zone von Mitteldeutsch« land genau genommen mehr der süddeutschen al» der norddeutschen Art entspricht. Die Mainlinie hat also eine nicht abzuleugnende anthroporogische Bedeutung, nur daß fie in Thüringen«ine gewisse Strecke über da» Nordufer de» Flusse» hinaufreicht. Während in Württemberg, Baden und Elsaß da» Verhältniß ein sehr homogene» ist, zeigt Bayern hingegen große Gegensätze. Niederbayern weist den geringsten Bestand. 147«Ct., an Blonden aus, dann folgt Oder bay ern mt 16 9, die Oderpfalz mtt 132, Schwaben mit 193 und Mitteiftanken mtt 22.2«Ct. Von dem brünetten Typu» ent- fallen auf Norddeutschland 69 bi» 112, auf Mitteldeutsch» land 12,1 bi» 14 7 und auf Süddeutschlanv 154 dt» 25 2«Ct. Die Frequenz der Brünetten in den einzelnen Ländern und Provinzen steht somit im Allgemeinen in einem umgekehrten Verhältniß"zu der der Blonden. Von den gezählten 919 822 brünetten Schultindem entfallen auf da» Königreich Preußen 480 678, auf da» übrige Deutschland 469 144. Bezüglich ver territorialen Vertheilung ergiedt fich eine langsamere Zu» nahm« der Brünetten, trotz der schnellen Abnahme ver Blonden gegen Süden. Gleichzeitig erscheint hier eine Art von vertikaler Gliederung, indem die öst» lichen Länder mehr Brünetten defitzen, al« ihnen nach der Gruppirung der Blonden zuzukommen schienen. Pommern tritt hinter Hannover zurück, Ost- und Weflvreußen hinter Westfalen, am meisten aber finken die beiden Mecklenburg und Lübeck in der Reihe herab, so daß die ersteren von dem zweiten und dritten Platze unter den Blondm auf den fiedenten und achtm unter dm Brünetten komm:n.— Auch die jüdischen Schulkinder zeigm die drei Hauptkategorim: die Mischsormm bilden bei ihnen gleichfalls den Haupttheil. Vagegen überwiegt der brünette Typu» den blonden um da« Dreifache. Während für nicht jüdische Schulkinder, wie oben bemerkt, da» Verhält- uiß der Blonden zu den Brünetten 31,8: 14,0 ist, stellt fich dasselbe bei den jüdtschm Schulkindern wie 11,2: 42,0. I nerhalb der Mischsormm überwtegm die Grauäugigen und die Dunkelhaarigen.— Im Allgemeinen lassen fich schließlich die Ergebnisse dteser Statistik dahin zusammen fassen, daß in einem großen Gebiete von Zentraleuropa zwei Varietätm de» europäischen fXmschm überall neben einander wohnen und daß die ethnischen Einheiten, die Völker vom raffen. anatomischm Standpunkt au« detrachtet,«in komplizirte» Gemisch mindesten» zweier Varietätm und ihrer Mischlinge find. Der Dönhofeplatz gewährt gegenwärtig einen geradezu tollen Anblick. Mittm auf demselben, in der Näh« de» großen Kandelader» fierd drei mächtige Kessel zum Asphaltkochm eta» bltrt, welche mit ihrem Qualm da» Steindmkmal anräuchern. An der Krausen- und Jerusalemerstraßen Ecke lagern auf dem Platze große Haufm Pfiafterhölzer, die zur Straßmpflasterung innerhalb der neu gelegten Pferdebahnschienen verwendet wer» dm sollen und nach der Leipflgerstraße zu ist der Platz mit Breitem und Latten vernagelt, und au» dem Untergrunde de» dort aufgerissenm Straßendammei hervor ragen die neu ge» legten Schtenengeleise der Pferdebahn mit �r«" Unterlagen, deren sorgsältige Parallelen man hier in dem scheinbaren Ge» wirr der nach allen Richtungen führenden Weichen nur mit Mühe verfolgen kann.- Em Fremver könnte bei diesem An» blick glauben, hier hätten Barrikadenkämpfe getobt. Mtt wenig Rückficht auf die herrschende Temperatur verfahren gegenwärug die Verwaltungen unserer V rkehr». Institute. Auf den Halteplätzen mitten im Sonnmbrande de» Mittag» stehen die qzsndebahnwagen, deren SitzdSnke, wo st« den vonnenstro��n au»gesetzt find, heiß werden, und in gleicher Temperatur veflnden fich Mt sonnendurchglvhtm vestenwande und d\ Dick der Wagen; kaum daß ein leijer Luftzug durch wibrend de» Halten» geöffmte Vorderthür eind in gen kann. .Äicht die Spur erftischender Feuchtigkeit ist in solchem Wagen zn merken, und wird nun noch die Vorderthür beim«eginn der Fahrt geschloffen, so steht man Frauen und Männer mit geschroffrnen Augen stch zurücklehnen unter der Wirkung der betäubenden Athmosphare. Sollte e» denn so ganz unmöglich gn, diesen Uedelstanden wenigsten» einigermaßen abzuhelfen? ir möchten doch glauben, daß einige Arbeiter, die wahrend de» Sonnenbrandet die Decken und den oberen Theil der Wa. gen sowie auch die Fußböden auf den Halteplätzen mit Waffer dcbar deln, vielleicht auch eine angefeuchtete Fußdecke im Wagen ausbreiten, wohl eine erträgliche Temperatur herstellen könnten. E» brauchm ja nicht gerade Angestellte zu sein, die täglich von Morgen» 6 bi» Abend» 11 Uhr oder noch langer im Dienst stch befinden.- Womöglich noch schlimmer al» auf der Pierdedahn steht» auf der Eisenbahn und namentlich auf den nicht an der Stadtbahn liegenden pahnhöfen. Auf der glaSüdeideckten Abfahrtthalle brennt die Mittagssonne und er» zeugt eine Hitze, welche flimmern vor den Augen verursacht. 15 vi» 20 Minuten vor dem Abjange de» Zuge» fahrt der- selbe auf dem Parron vor.»veS steigt sofort ein. um stch einen guten Platz zu fichern; die Sitzplätze der dritten Klaffe find heiß, die Polster in der zweiten zum Ersticken; nirgend» ein Luftzug, nirgend« eine Spur wohlthuender Raffe. Man muß in den Koupces die Frauen und weniger robuste Männer gesehen haben, die halbdetäubt dasttzen und auf deren Ge- fichtern dichter Schweiß au»bricht. vckon ein öftere» gründ- ltche» Besprengen der Perron« mit Waffer würde hier von wohltätiger Wirkung sein. Für Leidende, die genöthigt find, solche Fahrten öfter zu machen, gestalten fich dieselben unter den geschilderten Perhältniffen zu einer wahren Tortur. Auch hier, sollten wir meinen, ließe fich bei einiger Zuvorkommen- Heft der Bahnverwaltungen sehr wohl Abhilfe schaffen. Ob eiserne, ob Grauitsäule« empfehlenswerther find, darüder geben bekanntlich die Anfichten der beauffichtigenden Behörden Berlin» auseinander. Zur Frage der Fmerficherheit von Granitsäulen wurden nun in einer der„Dtsch Bauzeitung" vvrlt» genden Zuschrift folgend« Bemerkungen gemacht:„Dal Berliner Polizeiprastdium hat bei der Zurücks.tzung von Granit. faulen zu gußeisernen vollständig Recht. Denn Granit ist in Folge de» Waffergehalte» seiner Feldspatkrystalle(welcher 24 Theile Waffer erreicht), bei einem Brand« ganz außerordent- lich geneigt, mit Gekrach unter plötzlicher Entwickelung von Wafferdampf zu platzm. Von erfahrenen Landwirthen werden deshalb Scheunen mit Mauern von Granitdruchftein für nicht» weniger al» feuerstcher gehalten. Im Gegenthetl soll e» sehr gefährlich sein. Löschmannschaften und Spritzen in der Rahe solcher Mauern auszustellen, da die herausplatzenden Granit- stücke oft weithin geschleudert«erden. Ob fich polirte Granit- säalen oder geschliffene Pfeiler ander» verhalten, al» rohe Stück« in Mauern gelegt, wage ich nicht ohne wettere» zu entscheiden, möchte e» jedoch bezweifeln." Da» hier zur Verbreitung gelaugte Flugblatt mit der Uederschrift:„Parteiaenoffen" und den Schlußworten „Hoch die Sozialdemokratie! Paul Singer." ist gestem auf Grund de»§ 11 de» Reichsgesetz-» gegen die gemeingefäbr- lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. ONober 1878 verboten worden. Da» vild eiuer Wtuddose im Kleiueu. aber in allen ihren Stadien, hatte man om Mittwoch Nachmittag 4 Uhr an der Kottbuser Brücke,»ei windstiller Schwüle und Gewitter. bildung im Osten erhob stch plötzlich ein Wirbelwind von Süd- wJkn u�d.H°pU.tz-n.tn ein�bunten wurden unruhig. Run setzte er über dm Kanal, dr» Waffer tief aufrührend. Die Last» de» Trichter» war nicht oiel größer al» ein Meter im Durchmeffer. Dicht neben der dahintobenden Luftsäule ging man in einer absolut windstellen Region. An den bobm Häusern der Manteuffelstraße brach fich die Kraft de» Wirbelwinde», und spurlo» zenann da» Luftgebilde vor den Augen de» Zuschauer». Diese» Zerplatzen wie da» einer Seifmblase war der frappanteste AK an dem ganzen Schaulpiel. 1000 Mark Belohnung. Die Direttion der Diskonto. Gesellschaft hat auf die Ergreifung de» wegm schwerer Urkundm- fälschung und Unterschlagung von 12000 M. flüchtig gewordenen Kommt» Karl Wtßmann au» Berlin eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt. Ueber die Ergreifung de» Mörder» Keller werden täglich neue und immer wieder unrichtige Nachrichten ver- breitet. Vorgestern Abend meldet« da»„Berl. Tzbl." nach einem s-iner berü— hmten Spattaltelegramme, daß der Mörder in der Nähe von Erfurt ergriffm sei. Wir kennm die Nach- richten de»„Berl. Tgdl." und nahmm von der Smsation»- Meldung keine Notiz. Der Erfolg lehrte, daß wir Recht hatten. Da»„Berl. Tgdl." mußte gestern seine Nachricht selbst wider- rufen. Eine Entgleisung auf der Sörlitzer Bahn. Der vorgestern Abend 7 Uhr vom hiestgm Görlitzer Bahnhof« abge- laffene Personmzug ist an der Weiche, welche in der Näh« von Treptow beim Anschluß der Stadtbahn fich befindet, zum großm Theil au» den Schimm gerathen. wodurch eine völlige Verkehrtspercung herbeigeführt wulde. Die Maschinen und die beiden ersten Wagm de» Zuge» hatten die Weiche bereit» glücklich passtrt, als diese au» einer noch nicht aufgeklärten Ur« fache stch plötzlich von selbst wendtte und hierdurch die übrigm vier Wazm zur Entgleisung brachte. Verletzungen vom Fahr- personal oder von den Paffagicrm find glücklicherweise nicht zu verzeichnen; die entgleisten Wrgen bliebm zwar aufrecht stehen, bohrten fich aber so tief und derart in dm Bahnkörper ein, daß beide Geleise unfahrbar wurden und r» einer längeren Zett und schwerer Arbelt bedürfen wird, um die Bahn wieder stet zu machen. Die Lokomotive und die erwähnten zwei erstm Wagm warm intatt geblieben, so daß die Paffagtere de» verunglückten Wagm» in jenen— so weit Raum vor- ! landen war— untergebracht und mit allerdings starker Ver- pätung weiter befördert werdm konnten. WeiberUft. Allen gegenwärtigen Strohwiitwern möge folgender Vorfall zur Warnung dienen, welcher einem in der B.-Straße wohnenden Fabrikanten, einem schon älteren Herrn, passtrt ist. Gedachter Fabrikant befindet fich seit Ende voriger Woche allein in Berlin, dmn sein« Gattin hält fich seit jenem Zettpunkt in einem thüringischen Erholungsorte auf. Berett» den zweitm Tag nach der Abreise der Gatttn erhält der Stroh- wittwer ein von zUrlicher Damenhand geschrie d-ne» Brieschen, in welchem die Schrrtberin, welch« dm Fabrikanten in einer Gesellschaft kennm gelemt haben will und die Abreise der Gatrin erfahrm bat. um ein Rendez-vou» in einer Konditorei bittet. Unser Fabrikant war natürlich zu viel Kavalier, um einer solchen Bitte nicht zu willfabrm.«r geht an dm be- stimmtm Ort, man gefällt stch und veradredet ein zweite» Zu- sammensetn, da» gemütblicher au»fallen soll. Der Fabrikant ist aber behindert und schreibt einen liebevollen Brief an seine neue Freundin, worin er(r* war am Montag) um ein Zu- sammentreffm am Mtttwoch Abmd bittet. Hoffnungsvoll, mit einem Rosmfträußchm in der Hand, betritt er da« Hinterzimmer einer Konditorei, dem Zusammenkunft« ort. wo er sein«— Frau antrifft, die ihm den ominösm Brief vorhält. Sie war um- gehend heigereist. Der unglückliche Ehemann war einer Weiderlist zum Opfer gefallen, die Freundin hatte im Auf- trage seiner Frau gehandelt. Jetzt bleib! die letztere in Berlin. Nette Brüder! Auf einem Grundstück in der Alexander- straße pflegen stch allnächtlich eine Anzahl Pennbrüder ein Asvl aufzusuchen. Dieselben erst euten fich di» dahin de» un- beftriUtnen v, fitze» dieser Echlafstellm, da der B-sttzer thnm kein Hinderniß in dm Weg stellte. Vor einigen Tagen nun fand fich ein neuer Schlafbursche in Gestalt eines halbwüchfi« gen Burschm ein. Jndeß war dieser Zuwachs dm alten Stammaästm keine»wegS willkommen, denn fie verbläute« den armen Jungen auf die jämmerlichste Weise und warfen ihn schließlich über den Zaun, so daß er nach der nächsten Sani- tätswache aeschafft und dort verbunden werdm mußt,. Ei« Roma« au» dem Berltuer Familieulebeu. In die„Arbeitsstätte für brodlose Frauen und Mädchen" in der Schönhauser Allee kam Dienstag eine junge 19 Jahre alte Frau, die Ehefrau de» Fuhrherm G. auf dem Gesunvdrunnm, direkt au» dem AmtSgefängniß von Tegel, um Aufnahme bittmd, welche ihr auch gewährt wurde. Die junge Frau war Freitag voriger Woche gesehen, als fie von der Hoden Chat- lottmburger Brücke fich in den Berlin-Lpandauer Schifffahrt»- kanal stürzte, von dm Schiffern aber gerettet und in das Amt»- dureau nach Tegel abgeliefert worden. Da» unglückliche Weib war al« 17jährige» Mädchen von ihrem Vater gezwungen war- den, ihren Ehemann ohne Liebe zu ihm zu herrathm. Dieser, ihrer Angabe nach ein Trunkenbold, und ihre Schwiegermutter behandeltm fie schlecht, so daß fie dem Manne bald vollständig entfremdet wurde, und wollte e« der Zuiall, daß ein ehemaliger Geliebter al» Kutscher ihre» Manne» ins Hau» kam. In kurzer Zeit kehrte die alte Liebe mtt emeuter Glmh zurück und es entspann fich zwischen Beiden ein Liebesoerhältniß, welch rS nicht ohne Folgen blieb und dahin führte, daß der Ehemann mtt Httfe s-iner Mutter die Ehebrecherin auS dem Hause wie» und dm Ehescheidungsprozeß anstrengte Nunmehr auch von dem ge- wiffenlosm Ehebrecher verlaffm, im fiebentm Monat guier Hoffnung, aerieth fie bald in die biltcrste Roth un» schließlich völlig in Verzweiflung. In der Adficht, fich da» Leben zu nehmm, hatte fie stch Opium verschafft. Sie begab fich nach der Jungfernhaide, nahm daS Gift, erwachte aber nach einem län- germ Schlaf und suchte nun durch Oessnung der Adern am linken Arm dm Tod. Ohne Messer wollte fie die» mit Glas- scherbm dewerkstelligm und zerschnttt fich mtt solchen den ganzen Arm, ohne zum Ziele zu kommen. Jetzt erst kam ihr der Ge« danke, im Waffer den Tod zu suchen. Auch hier sollte fie ihn nicht finden. Schiffer, die von ihrem Kahn au» den Sprung mit angesehen, rettetm die Lebensmüde und lieferten fie an dm AmtSvorsteher in Tegel ad, wo fie unter der aufmerk- samsten Pflege biS zum Dienstag verblieb. Den Bemühungen deffelden ist e» endlich gelungen, der Aermsten in der ge- nanntm Arbeitsstätte vorläufig ein fichere» Unterkommen zu verschaffm. Aus eine etgevthümliche Art verunglückte vorgestem Nachmittag der Bauecngulsbefitzer Wolter in Gatow. Der- selbe sah auf dem Felde eineS Bekannten einen Gegenstand, der halb mtt Erde dedeckt wir und einem Stück Eism glich. Er bückte fich nieder, um denselben aufzuheben. Kaum hatte er ihn aber berührt, al« eine Exvlofion erfolgte und seine rechte Hand durch Eismsplitter entsetzlich zerstückett wurde. Der Zeige- finger ist gänzlich von der Hand abgetrmnt. Der verhängniß- volle Gegenstand war, wie fich herausstellte, eine mtt Sprmg- -w» Kinde», wird hiefigm Blättern, wie folgt, berichtet: Vorgestern Abend gegen 8 Uhr stürzte au, dem,»ei Treppen hoch be- legenen Flurfmster de» Hause» Pallisadenstraße 77 ein kleines Mädchen auf die Fließen de» Hofe» herab und blieb mit zer- schmetterten Gliedern liegen. Dasselbe konnte von Niemand im Hause rekognoizirt werdm, wurde aber sofort nach dem städtischen Krankenhause im Friedrichshatn gebracht, wo eS bald daraus in Folge eine» erlittmm Schädelbruche» und an- oa» i>v,iaz,i,ge�».0wtrrwm oe»'ArdtttKS Dietrich, Waßmann- straße 34 wohnhaft, relognoSzirt worden. Dem Poltzet« lieutcnant de» 44. Revier», welch« bald nach dem Vorfalle zur Stelle war, wurde mttgethetlt, daß da» Kind wahrscheinlich nicht von selbst zum Fmster binauigefallm, sondern hinaus» geworfen wordm sei. Ein Mann, der um die gedachte Zeit die Trepp« heradlam, sah da» Kind in Gesellschaft eine» größerm Mädchens am Fenster stehen und hörte die von dem letzteren gesprochenen Worte:„Wenn Du nicht stille bist, werfe ich Dich zum Fenster hinab I" Der Mann legte diesm Worten seldstoerständlich lein Gewicht bei, aber kaum hatte er dm Hof detretm, da fiel da» Kind hinter ihm her. Als daS größere Mädchen wurde die zwölijährige Tochter der in dem Hause Pallisadmstraße 77 wohnenden Wittwe Schneider ermittelt. Nach längerem Leugnm hat die kleine Schneider gestem Nach- mittag dem Kriminal-Kommissar Grützmacher folgendes Ge« ständniß abgelegt: Sie sei von ihrer Mutter gegen Abend nach der Waßmannstraße geschickt wordm, um eine Besorgung zu machen. Dort traf fie die kleine Dietrich, welche ein Paar goldme Ohrringe in dm Ohren trug. Diese Ringe erweckten ihren Neid und ihre Habgier. Um in Lefitz derselben zu ge- langen, lockte fie da» Kind nach der Pallisadmstraße. Dort hafte fie ihm die Ohringe au» und beschloß, um ihre That zu verdecken, daS Kind zum Flurfmster hinauszuwerfen. Sie hob daffelde auf da» Fensterbrett und öffnet« den Fensterflügel, da kam jmer Mann die Treppe herab, fie schloß deshalb daS Fmster wieder und nahm daS Kind herab, um sofort, nach- dem der Mann außer Sicht war, die mtsetzliche That auSzu- führen. In ihrem Geständniß gab fie dm Umstand zu, daß fie die That mit voller Überlegung ausgeführt hob«. A«» unglücklicher Liebe stürzte fich ein junge» Mädchen vorgestern am Temxelhofer Ufer in dm Landwehrkanal. Sie wurde jedoch noch ledmd von einem Schiffer, welcher fich mit seinem Kahne in der Nähe befand, ohne Schaden genommen zu haben, herausgezogen und ihrer Tante zugeführt. Verunglückte» Kind. Vorgestern Nachmittag wollten zwei Schulmävchen ihre Verwandten in Steglitz besuchen und wanderten nach Schönederg, um dort die Eismbahn zu besteigen. In der Angst ,u� spät zu kommen, versuchten fie die steile Böschung an der Station hinabzuspringen, wobei die lljährtge Olga Köhler au» der HagelSdergerstraße verunglückte. Sie kollerte hinunter, schlug mtt dem Kopfe auf einem Steinhaufen auf und wurde kurz vor Ankunft de» 3.38 Zuge» leblo» von eZeii Die jüngere vegl und die Verwandten terin mußte von dem Un- der Station wei allein nach Steglitz reisen glück verständigen. Auf schreckliche Weife ist ei« Jrrst««iger um» Leben gekommen. In Rixaon wohnte in dem Hause Hermannstraße - �ffett geraumer Zeit ein Schloffer, deffm irre Reden auf Geistes geslörthett deuteten. Dennoch ließ man ihn unge- hindert gewähren, da er fich harmlo» zeigte. Am verfloffmen Sonnabend verfiel derselbe jedoch plötzlich in Tobsucht, stürzte auf die Straße, auf welcher Steinseyer eben beim Pflastern beschäftigt warm und eröffnete auf letztere, wie auf einen Droschlmkutscher ein heftige» Stetnbombardement. Die An- gegriffenen setzten fich zur Wehr« und traf ein Steinsetzer mit einem Pflasterstein dm Angreifer so kräftig, daß dieser dlut- überströmt zusammenbrach. Am Dienstag ist der Wahnfinnige in Folge eine» Schädelbruche« im Krankenhause gestorben. Gegen dm Steinsetzer ist dir Untersuchung eingeleitet. _ Am Potsdamer Hase« ist der Andrang der Schiffe zum AuSladm gegmwärtig so groß, daß dieselben acht Tage und noch läng« warten müssen, bi» fie zum«ulladm beilegen könnm. Es ziehm dieselben deshalb von der Oberspree her auch vor, Frachten nach Charlottmdurg und der Havel hin zu bringen., Natürlich vrrtheuert die» wieder dt« Wasserftachtm auf Veriin. Et« verlasse«««aß Am 27. Mai d. I. hat ein etwa 20jShrtger Mann von schlanker Gestatt, bekleidet mit dunklem Anzüge und kleinem runden Hut, in einem Schanklokal der Anklamerstraße 41 bei seinem Fortgange einm noch gut erhal« t.nen Streichdaß nebst Bogm mit dem Ersuchen zurückgriaffm, diese Gegenstände eine kurz« Zett aufzubewahren. Der Uabe- kannte ist jedoch nicht wieder gekommen. Der Streichdaß ist mit Wachsletnwand umwtckett und an dem Settenhalter mit einer Perlmutterblumt ausgelegt. Personen, welche über den Eigenlhümer dieser Gegenstände Au»kunst geben könnm wolle« fich gefälligst in den Vormittagistundm auf dem Kriminal- kommiffariat, Zimmer Nr. 87, melden. Markthallen- Bericht vo« I. Sandmann, städtischem Verkaufsvermittler, Berlin, dm 9. Juli. Butter. Die Zu- fuhren dieser Woche fielen meist beftiedigmd in der Qualttät au», wodurch daS Geschäft wesenttich erleichtert wurde. E» ist jedoch zu moniren, daß noch vielfach verabsäumt wird, auf den Fäffern die Tara genau zu bemerken, und daß hierdurch die Abrechnung sehr erschwert wird. Auch empfiehtt es fich, diese Butterfäffer stets mit Pergamentpapier vollständig auszulegen, damit die Butter nicht den Holzgefchmack anzieht und gegen die Einwirkung der Lust auch in den oberen Schichten mehr geschützt bleibt. ES kostet: Feinste Ost- und Westpreußische £6—108 M., feine AmtSbutter 90—95, feine Mecklenburger� Priegnttzer, Holsteiner«. 86 bis 90—92, II. 80-88 M., Landbutter L 75-80, II. 65—76. Galtzier und andere geringere Sorten 50—60 M. per 50 kg. Käse sehr gefragt, im Preise steigend, besonders begehrt Backsteinkäse und imitirter Schweizer- käse. Preisnotirungen wie im letzten Berichte. Polizeibericht. Am 8. d. M. Morgen» wurde vor einem Grundstück am Kortbuser Ufer die Leiche eine» Mannes, welcher nach einem vorgefundenen Schriftstück der Asfistmt Saemisch sein dürste, au» dem Landwehr- Kanal gezogen und nach dem Leichenschauhause gebracht.— An demselben Tage Vormittags fiel der in der«tterltchen Wohnung, Schönederger Ufer Nr. 40, 4 Treppen hoch, allein befindliche 5 Jahre alte Sohn de» Vor- kosthändlers Francke beim Hinaussehen au» dem Fmster auf dm Hof hinab und erlitt durch den Fall eine V-rrmkung der Leckmknochm.— An demselben Tage Mtttag» fiel der in der Fraiserei von Radelfohr, Pallisadenstr. 77, beschäftigte Tischler Mmger während der Arbeit plötzlich nieder und starb auf der Stelle, wahrscheinlich am Schlagfluß. Die Leiche wurde nach dem Leichmschauhause gebracht.— An demselben Tage Nach- mittags fiel von einem die Brunnenstraß« entlang fahrenden, mit altem Eisen beladenen Wagen ein etwa 12 Kilogramm schwere» Stück herab und einem vorbeigehenden Knabm so auf dm Fuß, daß derselbe bedeutend verletzt wurde. Gerichts-Jeiwng. P. Die Peruvtan and Voltdia« Land Cowvanh— «ine Oulstorp'sche Gründung— beschäftigte gestern die 2 Straf- kammer des Landgericht» Ii. Veranlassung hierzu bot eine gegen den früheren Liquidator der genannten Gründung, de« Fabrikbesitzer und Kaufmann Faull zu Charlottmbmg, wegen fabrläsfigen Meineide» und Arrestbruch» dezw. Pfandverstrickung erhobene Anklage.— Bevor Heinrich Quistorp, der jetzt in Amerika weilende Kolonisation»- Direktor(Anfang» 82) ausgewandert. hatte er eine Anzahl Forderungen im Betrage von zirka 150000 M. dem jetzt angeklagten Liquidator zedilt; ein Verzeichnis dieser sämmtlichm Forderungen war dem Ange- klagten seiner Zeit übergeben worden In der Reihe der letzreren war auch ein Gmndschuldbrief über 50 000 M. auf ein der Peruvian and Bolivian Land Company ehe- mal» eigenthümlich zugehörige» Grundstück in Rvlershof, im Grundbuch-Register eingettagen, benannt. Al» nun später da» gesummte Vermögen der Gesellschaft mit Beschlag belegt wurde, gab der Angeklagte an, daß der qu. Posten von Quistorp an einen Heim von Arnim berett» im Jahre 1882 vor einem Notar zedirt worden sei und hierüber brachte er eine tor unter dem Zwange de» Manifestation-.Eide» da« Vorhan. densein jener Forderung überhaupt verhetmflcht. In der Wahr- heit aber hatte Faull die qu. Forderung fich von jenem Herrn von Arnim, der indessen aller Nachforschungm ungeachtet nicht mehr zu ermitteln st, zedirm lassen und dieselbe demnächst in einem Restaurant in der Nahe der Börse einem Kaufmann Kuhnow wetterzedirt- dieser brachte mit demGrundschulddrtefein der Hand da» Grundstückin Adlerhof zur Subhastation und erstand daffelde demnächst im Verkaufstermin für 900 M. al» sein Eigenthum.— Dem Angeklagten wird demnach vorgeworfen. den Manifestationseid fälschlich geleistet und Vermögensstücke vor der gerichtlichen Beschlagnahme verheimlicht zu haben Er bestreitet beide, und führt zu seiner Entlastung an. daß er von seinem Vorgänger, dem früheren Liquidator Baumeister Ho-lke. erfahren habe, da» qu. Grundstück sei noch Eigenthum derGe� 'llschaft. In der Sache selbst war He'nri» Quistorp während sein« letzten Anwesenheit Hierselbst al» Zeuge vernommen; seine Aussage diente dem Angeklagten eher zur Entlastung. Der gegen den Angeklagten wegen l diente Staatsanwatt beantragte gegen den Angeklagten wegen' beider Vergeben 3'/, Monat Gefängniß; der Gerichtshof erachtete den Angeklagten jedoch de» fahrläsfigen Meineide» nichtschuldia und erkannte demgemäß wegen Arrestbruchs auf 1 Monat Gefängniß. P. Die Lokale mit weiblicher Bedienung betreffend fällte gestern die 2. Strafkammer de» Landgerichts u eine be- achtenSwerthe Entscheidung. Ein Ehepaar, der Reflaurateur Wilhelm Böttcher und deffen Frau Wtthelmine, stand vor den Schranken diese» Gerichtshose» unter der Anklage der Kuppelei infolge der Denunziation einer Kellnerin, welche früher in dem von den Eheleuten gegenwärtig betriebenen Re- stauration»lokal, Kttchstraße 26 zu Charlottendurg, bedienstet gewesen und nach ihrer Entlassung verschiedene Details über die im Böttcher'schen Lokale Üblichen Geschäftsgebräuche zur Kenntniß der Anllagedehörde gebracht hatte.— Die beiden Angeklagtm bestritten hartnäckig die ihnen zur Last gelegten Thatsachen, fie räumten aber ein, daß m ihrem Lokal zu ver- schiedenm Zeiten die Gäste gewöhnlichen Rothwein mit 4 Mark für die Flasche bezahlten, ebenso 3 Mark 50 Pfennig für ein„Maitrank" genannte» Gemisch, welches fie den Gasten von weiblicher Bedienung kredenzen ließen. Wie übrigen» au» der Beweisaufnahme hervorging. gab'S in jenem Lokal zettweise auch Hieb« von„zarter" weib« licher Hand.— Obwohl nun von Seiten einiger durch die An- schuldig: lt- denn, so führt der Herr Vorst, ende, Landgerichts-Direktor Bei! mann, bei der UrtheilSoerkündigunq au«, die Verurtheilung begründe fich allerdings nur thatsächlich auf die Aussage der Deaurziantin. e» sei aber notorisch und deshalb hinreichend Savirend, daß die hohen Weinpreise in derartigen Lokalen ) stet» mit dem unlauteren Treiben in denselben decken so sei«« auch im vorliegmden Falle gewesen. Da« Unheil Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf so lange Zett zum abschreckenden Beispiel dienen. Kereine und Uersammlungen- Die Zevtral-Kranke«-«nd Eterbekasse der Maurer u. s. w., Grundstein zur Einigkeit(«. H. 7 Altona). OrtSoer- wallung Berlin, tagt« am 7. Just. Abend», im Lokale„San». souci, Kottbuserstraße 4*. Die Versammlung war auf Grund °°r 14 Tagen erlassenen SSulenanschlage« der hiefige« OrtSkrankenkaffe ver Maurer einberufen, welcher die Miithei- lung enthielt, daß die«-ffenmitgltederbetträge der OrUkaffe hierauf beim Boistakde der Zentralkranienkafse(F. W tahl» reiche auf jene Publikation bezügliche Utifragen und Zlnrrgun« gen einliefen, so beschloß derselbe,>ur Erledigung der Ange- leaenheit die Einberufung dieser außerordentlichen General» versammluna, welche von 1200 dii 1400 Theilnehmern besucht war. Den Vorsttz führte Herr Pfeiffer, als Referent sprach in längeren, sehr beifällig«ufgenominenen AuStührungen der Kasfirer Herr Blaurock. Er erläuterte an der Hand der beiden viatuten d«r hiesigen O.tSkrankenlaffe und der Zentralkrankew kaffe der Maurer k. die den beiden Kaffen zu Grunde liegen� den VerwaltungSgrundsSye dahin, daß bei der letztgenannten Kaffe die jetzt bei der Oltskrankenkaffe thatsächlich vorgekom- menen Anordnungen einfach unmöglich gewesen sein würden, da dai Eeldfiverwaltungtprinzip der Zentralkaff« den Mit» tliedern da» Recht wehrt, auischließlich selbst über ihre eigenen lngelegenheiten zu bestimmen, und den«ufstchtSdrhörden lediglich daS Recht einräumt, daß Beschlüffe nur dann zu deanstanden und aufzuheben find, wenn dieselben notorisch den Bestimmungen de» Gesetzes zuwiderlaufen. Ferner verwies der Redner auf dl« vielen Beschwerlichkeiten, welche den Arbeitgebern resp. Unternehmern und Meistern sowohl alS auch den Arbeltnehmem bei den bekanntlich so häufigen Beiänderungen de» Arbeits verhältniffr» entstehen. Im engen Zusammenhange hiermit analtzstrte der Redner die darauf bezüglichen Paragraphen. So müffen beispielsweise die Kaffenmttglieder ihre Mitglieds» rechte innerhalb acht Tagen durch besondere Anmeldung resp. Weiterdezahlung der Beiträge jedesmal extra wahren, sobald fich ihr Ardeitiveihältniß verändert hat. In Folge deffen habm nach§ 12 diejenigen Mitglieder, welche nicht volle 52 Wochen hintereinander ihre Besträge regelmäßig entrichtet haben, nur ein Anrecht auf dreizehnwöchentliche lirankenunterstützung, während den Mitgliedern der freien Hilf»-(Zentral) Krankenkaffe eine ähnliche Verkürzung ihrer Unterstützungsansprüche erst nach Ablauf van 2 Monaten auf« legt werden kann und die Mitglieder der Zentralkaffe auch de» Vorzugs genießen, in Fällen etwa ein- tretender ArbestSlofigkeit oder sonstigen Unfällen in der Familie — unter den heutigen Verhältniffen leider nicht» Seltene»— die Stundung der Kaffenmitgliederbeiträge bei der örtlichen Verwaltung— und zwar unbeschadet ihrer vollen statutarischen Unterstützungsansprüche� und Rechte— beantragen resp. von derielb-n erwirken zu können. Freilich genöffen, bemerkte der Redner, die OrtSkrankenkaffenmitglieder den Schein-ort heil einer den Unternehmern, Arbeitgebern auferlegten partiellen Krankenvelficherung» Beitragszahlung in Höhe von 15 Pf. wöchentlich; aber eine solche Beihilfe dürfte, ganz abgesehen von ihrem ünerhaupt„problematischen Werthe"— bezüglich deS „WiederbezahltmachenS leiten« der Unternehmer aus den Ge» sellenlLhnen" nicht ganz nach Jedermann» Geschmack sein. „Selbst ist der Mann." Wenigsten» verzichte er(Redner) für seine Person gem auf jede derartige Unterstützung. Bezüglich der Bestimmung de»§ 19 de» OrtSkran kenkaffenstatutS, daß Frauen von Mitgliedern, welche der Kaffe nachweislich volle 15 Jahre ununterbrochen angehört haben, beim Tode»falle de» Manne» ein Sterbegeld von 50 M. erhalten, detonte der Redner den im Ganzen genommen ziemlich illusorischen Charakter diese» Unterstützungititel». da Fälle solcher Art unter den betannten heutigen Ardeiteroerhältniffen zu den aller. größten Rarttäten gehören, also nur höchst selten den Mit. gliedcrwsttwen Northetl bieten dürsten. Die Zentral- kaffe dagegen biete ihren Mitgliedern Gelegenheit zu einiger Sicher stellung der Zukunft ihrer Frauen für den Todesfall durch Erwerbung solcher Unterstützung». ansprüche durch eine besondere„Frauen Sterdekaffe" für Kassen» Mitglieder. Hieran reihte fich eine längere, animtrte DUkussion, an der fich b, sonder» die Herren Bock, Rückrr, der Vertrauen«» arzt der Zentral Krankenkasse der Maurer rc., Dr. Großmann, und andere betheiliaten. Der letztgenannte Redner vertheidigte die wegen LS.fizkett mehrfach angegriffenen«aff'närzte der Ort»krank«nkaffe, indem er zu ihrer Entschuldigung hauptsächlich auf ihre Ueberbürdung mit Berufsarbeiten aufmerlsam machte. Auch die Herren Scheel, Pfeiffer und Grothmann tllustrtrten durch Hinwet« auf erwiesene Thatsachen au» dem Beruftleben der Maurer und Baudandaerker überhaupt den»um Tbeil gegenstandilosen Charatter und die Geeingweithigkeit mancher Bestimmung de» Orttkrankenkaffen-Statut», sowie den Vorzug, welchen vor demielden die Bestimmungen deS freien HilfS- Krankenkassen- Statut» verdienen, namentlich In Beziehung auf die freie Auswahl der Aerzte und des Seldstb-stimmungSlecht der Mitglieder in allen Verwaltungisachen. Mhrere Redner, besonders Herr Dr. G:oßmann, verbreiteten sich eingehend über die zahlreichen und großen Vortheile, welche der neue, in raschem Emporblühen begriffene ärztliche SanitäUverein für Arbeiter(Männer, Frauen und Kinder) schon jetzt seinen Mit» glteden' zu bieten im Stande ist. Energisch wurde allseitig zum Eintritt in denselben aufgefordeet. In seinem Schlußworte konftatirt« der R-kerent, daß die freie Hllftkranlen» kaffe ihien Mitgliedern bei Weitem mehr und größere und durchweg solidere Vorth-il« zu bieten vermag, al» die Ort». krankenkaffe,' worauf der Vorfitzende Pfeiffer noch miitheilte, daß die nächste ordentliche Mitgliederversammlung der Zentral- Krankcnkaffe am Sonntag, den 18. d. M.. im„Salon zum Deutschen Kaiser", Lothringerstrafe, stattfinden und auf der Tagesordnung derselben die VterteljahreS-Abrechnung und statutarische VorstandSwahl stehen wird. Allgemeine Kranke«, und Eterbekasse der Metall- arbetter(E. H. 29 Hamburg), Filiale Berlin in. Mitolie verVersammlung Sonntag, den 11. d. M., Vormittag» 10� Uhr, Manteuffelstr. 90. Tagesordnung: Kassenbericht pro Mai und Juni d. I, sowie Wahl eine» Arzte» zm Behandlung der arbeitsfähigen kranken Mitglieder. Auch find daselbst Billet» zu dem am 17. Juli d. I. in der„Urania", Wrangcl» straße 9—10, stattfindenden Sommervergnügen zu haben. Der Reinertrag kommt den hilfsbedürftigen Kranken zu Gute, we»- halb um zahlreiche Betheiligung gebeten wird. Die Zahlstellen bleiben an diesem Abende geschlossen, find jedoch am Sonntag, den 18. Juli, Vormittags von 11—1 Uhr geöffnet. Saqverei« der Lvxutpapter. Präger und.Schläger. Sonmag. den 11. d. M., Vormittag» 10% Uhr. in Seefelvr'» Saal, Grenadierstr. 33. TageSordnuna: 1. Vierteljährlicher Kafferb nicht. 2. Vortrag de» Herrn Schmidt: Ueber Grün- dung und Fortgang de» Vereins. 3. Dtikusston. 4. Antrag aus Auflösung deS Verein,.- Die Mttgliedn werden drin» gend ersucht, zahlreH und pünktlich ,u diesn Versammlung zu nscheinen, da diese» jeden all, die letzte Versammlung ist. welche vom alten Vorstand einbnufen wird. Derselbe ist nicht mehr gewillt, trotz seiner Bemühungen, welche er fich im Ver» laufe von nahezu'/« Jahren gegeben hat, vor leeren Bänken zu tagen.(Siehe heuttae» Inserat.) Sachveretn der Tischler. Die Zahlstellen d«S Ver» ein« befinden fich: 1. Blumenstraße 56 auf der Tischler» h-rb.rge 2. Skalitzerstraße 18 bei Stramm. 3 Belle» ää6.- £n0 genommen und neue Vtltin»mUgIi-d«r auf. MMMUZZ ii«K~11 i* a'«vujcniaacn von o— u uüv �vtuv» PoUdamer Bahnhof S Mr 14 Min. Außerdem geht stündlich ein Zug ab. Nachzügler können auch vom Potsdamer Bahn» tag. den 12. Juli. Abends 8% Uhr. Mttgliid-rversammlung in „-Sanssouci"(oberer Saal), Kottbuserstraße Nr. 4 a. Tage»- ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Klarleguna de» Statut». 3. Wahl deS Vertrauensarztes. 4. Wahl von Krankenbesuchem. 5. Verschiedene«.- Der Bevollmächtigte der Filiale weist darauf hin, daß die letzte Versammlung am 9. Mai so schwach besucht war, daß die Tagesordnung nicht erledigt werden konnte und die Versammlung vertagt werden mußt«. Wenn die Mitglieder so wenig Jntereffe für ihre eigene Sache zeigen. so müffe auch der Vorstand zuletzt die Lust und Liebe zur Ar» deit verlieren. Die Mitglieder werden daher dringend er» sucht, zahlreich in der Versammlung am Montag zu erscheinen. Zum Besten hilfsbedürftiger Mitglieder veranstalten die Filialen«erlin 5 und 6 der Allgemeinen Kranken» und Sterdekaffe derMetallaibeiter(E.H. 29, Hamburg) am Sonn» abend, den 10. d. M. im Berliner Prater, Kastanien Allee 6 bi» 9, ein großes Sommerfest, bestehend au» Konzert, Theater und Ball unter Mitwirkung sämmtlicher SpeztalitSten. Anfang 4'/, Uhr. Die Kaffeküche ist von 3 Uhr ad geöffnet. Billet» KÄtr.%% haben. DeS guten Zweckes wegen wäre eine recht zahlreiche «etherligung erwünscht. Die Zahlstellen find an diesem Abend geschloffen und werden die Beiträge dafür Sonntag, den 11. Juli, Vormittags von 11-1, entgegen genommen. Berband der Möbeldolirer Berlin»«nd Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß während der drei Monate, wo die Versammlungen vertagt find, die fälligen Beiträa» in folgenden Zahlstellen entrichtet werden könnest: 1. bei Ecke, Zehdenicktlstraße 2; 2. bei Wirsing. AndreaSstraße 44: 3. bei Moritz, Manteuffelstraße 27.— In jedem der drei genannten Lokale ist heute Abend von 8 bi» 10 Uhr ein Kasstrer anwesend und find diese Zahltage von jetzt ab alle 14 Tage des Sonnabend». Nächster Zahltag am 24. Juli. Die Aufnahme neuer Mitglieder findet ebenfalls in obigen Zahlstellen statt. Milalieder, welche länger al» drei Mo» nate mir den Beiträgen im Rückstände find, werden gestrichen. Gleichzeitig macht der Vorstand darauf aufmerksam, daß zum Sonntag, den 8. August, eine Dampferpartie mit Mustk pro» jeltirt ist, und daß die Listen zu« Einzeichnen hierzu heute Abend in dm Zahlstellen auSlicgen. Die Partie geht nach Hankel»» Ablag« und ist da» Fahrgeld auf 1 Mark für Erwachsene und 50 Pfg. für Kinder festgesetzt. Zum Sonntag werden die Kollegen mit Familien un 2 Uhr Nachmittag» im Lokale Stralau Nr. 4(Hallestelle der Dampfer von der SchillingSbrücke) zum gemürhlichen Kaffeekochen eingeladen. veerdtgnngSverei« Berliner Zimmerlente. Heute, Sonnabend, 8'/, Uhr, in Keller'» Hofjäger, tzasenhaide, große» Sommervergnügen, verbunden mit der Feier de» 50jävrigen Gesellen-Judiläum» de» Zimmerpoliers Herrn Risch. Billet» sind zu habm bei den Herrm Günther, Rüveridorferstr. 29, Würtenberg, Teltowerstr. 34, Weinert, Gerichtstr. 26, Dietrich, SolmSstr. 18, Hof IV. Arbeiter-vezirkSverein der Resenthaler Vorstadt. Große Famtlienpartte deS Vereins am Sonntag, den 18. Juli. Freunde und Gönner de» Vereins find willkommen. Näheres Inserat am Dienstag und Freitag nächster Woche. Zentral-Krauken» nnd Sterbekasse der deutschen Waaenbaner, Bezirk IV. Sonntag, den 11. Juli, Vormittags 10 Uhr, Versammlung in Richter'» Restaurant, Kottduserftr. 2. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal. 2. Wahl der OrtSverwaltung. 3. Innere Kaffenangelegenheiten.- Zu derselben Zeit findet die Versammlung deS Bezirt vn mit der» selben Tagesordnung bei Rothacker, Teltowerstr. 2, statt Kachveret« der Metallarbeiter in Gas», Wasser» und Dampfarmaturen. Sonnabmv, dm 10. Juli. Abend» 9 Uhr, Versammlung bei Seefelvt, Grenadierstraße Nr. 33. Tage». ordnung: 1. Innere V«r«ln»anarlegenheiten. 2. Besprechuna über da« Sttftung»sest am 31. Juli bei Puhlmann und AuS» gäbe der Billet». 3. Verschiedenes und Fragekastm. Allgemeine Kranken-«nd Eterbekasse der Metall» arbetter(E. H. 29, Hamburg.) Filiale Rixvorf. Sonntag, den 11. Juli. Vormittag» 11 Uhr, Berlinerstr. 136, Mitglieder» Versammlung. Diejenigen Mitglieder, welche daS Statut vom 1. Juli noch nicht desttzm, könnm daffelde in der Versamm» lung in Empfang nehmen. Auch werden von 10 bis 11 Uhr Beiträgt angenommen. Bezirksverein de« tverkthätigeu Volke» der Schön» hanser Vorstadt. Der Kasstrer nimmt jeden Sonntag, Vor» mittags von 10—12 Uhr, Beiträge mt gegen bei Nitz, Weißen- burgerstr. 70. Zugleich macht der Vorstand auf§ 5 de» Statuts aufmerksam. Zentral- Kranken» und Eterbekasse der Drechtler und verw. Beruftgmoffen(E. H. 48), Bezirk v., Sonntag, dm 11. d. M.. Vormittag» 10'/, Uhr, in Woltag's Lokal, Loch« rtngerstr. 59, Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: Vierteljährlicher Kassenbericht. Bericht von der General Versamm- lung. , Dänischer verein„Freya". Versammlung jedm Sonn» abend, 9 Uhr, Rosmthalerstr. 39. Dänische Blätter find vor» handm. _ Gesangverein„Eängerlust", Pallisadmstraße 9. Jedm Sonnabend Abend 9 Uhr UedungSstunde. verein der Tandeusrennde. Jeden Sonnabend Abmd» SV, Uhr Sitzung im Restaurant Kleemann, Laufitzerstraße 41. Gesangverein„Hararonta". Jeden Sonnabmd Abend» 8 Uhr UedungSstunde im Restaurant, Alte Jakobstr. 38. � 3n der Hermontkafabrt» von Eh. F. Pietschwann Söhne ist, wie uns mttgelhetlt wild, am Dienstag ein Streik aufgebrochen. E» haben die Stimmer, eln Theil der Tischler und sämmtliche Klaviaturmacher die Arbeit niedergelegt. Wir kommen auf die Verhältnisse in jener Fabrik noch zurück. Vermischtes. Sin Besuch beim König von Samoa. Vom deutschen Südsee Teschvader, dem früheren westafrikanischm Geschwader, da» bekanntlich seinm Weg von Kamerun über Sanstdar nach der Südsee amommm, geht der„Saale-Zeitung" ein Bericht über einen Besuch der Geichwader-Otfiziere bei dem König von Samoa zu, dem wir folgende» entnehmen: Am 8. Mai unter» nahmen die O-fiziere des„Bismarck" eine Fahrt nach LSulu» momga, einem Orte, der an dem westlichen Ende der Nordküste von llpolu liegt. Dort ist die Residenz de» Gegenkönigs Tomaiese, welcher jetzt, nach der Vertreibung de» Maltetoa, von den Deutschen begünstigt wird. Unter Mufikdeglettung fuhren die deutschen L'fiziere an Land. Am Strande waren in langer Reihe in zwei Gliedern die Truppm de« König» in weißen Hosen, schwarzen Jacken, rother Leibbinde, alle mit SnidergewehltN bewaffnet, aufgestellt. Sie bildeten auf beiden Setttn de» Wege» Spalier und machten a-rf Kommando ihrer Offiziere Gnff« mit den Gewehren, die sehr exakt au»» geführt wurden und unseren Hantelübungen ähnelten. Jede» Kommando wurde durch den dumpfen Ton einer großen Trommel begleitet. Darauf gelangte man in da» Dorf, da» in einem Palmenwalde wunderschön gelegen ist. Hier hockten in bestimmten Gruppen von je 200 die älteren Männer und die Knaben, während die weidlichen Familimglieder vor jeder Hütte mit den Kindern lagerten. Der Zug ging nun auf da» König». hau» zu, da» sehr sauber und reinlich war; es besteht au» einer oblongen Hütte, die inwendig ganz mit Matten belegt oder ausgehängt war. Uederall waren Guirlanden angebracht und Blumen, an denen Samoa srhr reich ist, in Gläsern und alten Blechköpfen aufgestellt. In einer Ecke stand«in Tisch mit Stühlen und Banken. Der König Tomasese trat herau» in englischer KorvettenkapitänSuntform; er ist ein stattlicher Herr von ca. 50 Jahren, mit sehr intelligenten GestchtSzügen. Di« Offiziere setzten fich in der Hütte nieder und die offiziellen Reden, die theil» der Admiral, theil» der Generalkonsul hielt, begannen. Der erster« sprach natürlich englisch: seine Worte wurden dann von einem Dolmetscher übersetzt. An der einen Wand der Hütte kauerten, wie dort üblich, mit gekreuzten Beinen die Prinzesfinnen in halbeuropäischer Kleidung. Rosen und andere Blumen im Haar. Es waren viel« sehr hübsche Mädchen darunter; fie degrüßten unsere Offiziere mit Händedruck und forderten dieselben auf, fich zu ihnen auf die Matten zusetzen. Jede erklärte nun einen der Herren— ländlich, fittlich— für ihren„Freund"(ferengi), und dieser Freund mußte fie nun während deS ganzen Nachmittag» begleiten. Er wurde in die Wohnungen der resp. Eltern geführt und bekam Kawa zu trinken, d. i. da» Nationalgetränk der Samoaner, den tue „Freundin" mit schönem Munde vor seinen Augen zurecht kaute. Diese Zubereitung ist nicht gerade sehr appetitlich. Die Kawawuczel wird nämlich zerkaut, mit dem Speichel in be« sonder» zu diesem Zweck bestimmte Näpfe gespien, die in jeder Hütte hangen, dann werden die festen Bestandtheile zurück- gelassen, da» Flüsfige ausgedrückt und getrunken. Da» Ganze steht au» wie Seifenwaffer und schmeckt etwa» nach Pfeffir. Außerdem wurde noch Zuckerrohr vorgesetzt, daS von den Schönen ebenfall» vorher präpartrt wurde, indem fie mit den Zähnen die Rinde abriffen, um da» saftige Innere dem „Freunde" zu üderlaffm. Ritterlichen Sinne» fügten fich die Herren in da» Unvermeidliche mit dem trostlichen Ge« danken, daß die Deutschen Pioniere in Afrika oft noch ganz anderen Förmlichkeiten sich ,u unterwerfen haben, wenn fie da» völlige Zutrauen der Eingeborenen gewinnen wollen. Gegen Abend begaben fie fich dann in eine in der Mitte de» Dorfe» gelegene Hütte, wo der Admiral, der Generalkonsul und der King bereit» Platz genommen hatten, um die Siwa», d. h. Tänze, der Eingeborenen mit anzusehen. Es wurden Haupt« sächlich Kriegstänze aufgeführt von ganzen Truppen, die fich jetzt, die Gefichter schwarz demalt, in ihr Nationalkostüm ge- worfen hatten und bald vorrückten, bald zurückwichen. Dann folgten einzelne Tänze von 3-4 Männern, während die übrige männliche Bevölkerung dazu sang und trommelte. E» kamen hierbei ungeheure Gliederverrenkungen vor, die eine ganz besondere MuSkelanstrengung erfordertm. Die Siwa» der Weiber wurden nicht getanzt. Der die Tänze der Samoaner begleitende Gesang klingt gar nicht übel und ist stet» mehr« stimmig. Die Sprache derselben hat einen großen Vokalreich- lhum: so heißt z. B.„danke" ka-akstai,„Doktor" fowai,„guten Tag" ta lo fa,„gut" lele. Nach Beendigung der Tänze wurde die übliche Ovation für den Admiral in Gestalt von Geschenken gebracht. Die einzelnen Familiengruppen kamen unter Fühmng ihrer Häuptlinge herbei; jeder trug ein Huhn, Eier, Kawawurzeln, ein Schwein k. im Arme. Sigenthümlich ist die Zubereitung der Fleischspeisen. E» werden nämlich Steine in einer Grube dt» zu hoher Temperatur erhitzt, dann die Asche herautgenommen, die Steine gesäubert und nun Bananen. Hühner, ja ganze Schweine, welchen letzteren auch ine in den Bauch gepackt werden, daraufgelegt Da» lanze wird wieder mit heißen Steinen und Palmdlättern bedeckt und 1 bi« 2 Stunden in dieser Grube gelassen. DaS so geschmorte Fleisch schmeckt sehr gut und wird, in Streifen auS- einandergeriffen. ohne Messer und Gabel gegessen. Nach Empfang der Geschenke, die unter einem plötzlichen Geschrei vor der Hütte niedergelegt wurden, ließ man dieselben in Boote schaffen, und wir nahmen Abschied, von den„Freundinnen" noch bi» an den Strand degleitet. BestechnngSkünste. Da Gladstone, der englische Premier-» minister, gegenwärtig wieder daran arbeitet, den Jrländern ein eigene» Parlament zu gewähren, ist e» an der Zeit, daran zu erinnern, wie und auf welche Weise den J-ländem ihre varla» mentarische Selbstständigkeit verloren ging. Al« 1798 ein großer und wohlorganistrter Aufstand der Jrländer, obgleich keine Rede; es kam nur darauf an, die Mitglieder des Dubliner Parlaments zu gewinnen und die Pfaffen, welche ein Interesse an sttnem Fortbestehen hatten. Lord Castlereagh wurde mit dem Geschäft beauftragt und führte es auS wie ein«aufmann. Er hmdelte mit den einzelnen Mitgliedern einen Preis ab, je nach den Bestechungskosten, die fie aufgewandt. oder der Palronage, der fie ihren Sitz verdankten. Der »M,»ÄÄÄ Ä-ffi versprochen, wa« fie nur wünschten: den Katholiken die Emanzipation, der StaatSkirche größere Sicherheit, den »yfe von dem Londoner Parlament nicht ohne h.fligen Widerspruch der Opvosttion, namentlich Fox', beschlossene Bill in Dublin ohne Schwierigkeit angenommen. Sie oereinigte die beldm salsrÄi,.Ä;s ä Peer» und 100 Unterhausmitglteder senden sollte. Alle Gesetze blieben in Kraft.'" Eisenbahn,«g im Sturm Der in Rußland noch nie vorgekommene Fall, daß ein Eisenbahn, ug von einem Sturme «faßt und fortfle:iffen wurde, ereignete fich in der Nacht vom 23. Jur.t nach Enahlungen von Augenzeugen auf der Strecke Wubelsturme ��"un�mdems" den' fÄs«issm.° d�Ä»! zehn leere und drei befrachtete Waggon» von dem hohen Damme herabstürzten und zertrümmert wurden. Die Paffa. giere de» alsbald nach der Katastrophe angelangten Personen» Hrlferuf« der unter den Trümmern begrabenen Bahndedienste- ten, von denen der Wazenschmterer und der Bremsen-Kondu» teur fast zur Unkenntlichkeit»ermalmt worden waren. Nach Angabe von Sachverständigen soll die Ursache dieser Katastrophe in der Nachlasfigkeit de» Ober» Kondukteur» de» erwähnten Zuge» gelegen haben, welcher die Thür der leeren Waggons nicht geschloffen hatte, so daß der Sturm fich in denselben verfangen konnte. Glücklicherweise blieb die Lokomotive mit K'»•""" Der Kampf zwischen Apotheker« und Drogisten nimmt nachgerade sehr bedauerliche Verhältnisse an. Die letzteren flnd zum großen Theil« geprüste Apotheker, die, weil fle keine Aul ficht haben, eine Avotheke kaufen zu können, und teine Neigung, auf die Verleihung einer Kon, esston ,u warten, fich in anderer Richtung eine Existenz zu schaffen gesucht haben. kurrenz ist bei Apothefern um fo empfindlicher al» bei Drogisten, die billiger verlaufen alS jene. Andererseits ist aber die Grenze zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem sehr schwer zu ziehen, wie»ahlreich vorliegende gerichtliche Urtheile dar» thun, und endlich darf nicht übersehen werden, daß manch« Artikel, welche in jedem HauShalle heut zu Tage gebraucht werden, beim Bezug au» der Apotheke fich übermäßig theuer stellen. ES wird schwer einleuchten, daß man gezwungen sein foll,«inen au» zwei oder drei Kräutern bestehenden Brust- tbec au» der Slpothele>u holiN, während der Drogist jeden einzelnen Bestandtheil de» Thee« für stch verkaufen kann, oder daß der Drogist zwar rein« Karbolsäure führen, nicht aber die verdünnte, da» Kardolwaffer, verkaufen darf. Auf dem Gebiete de» Apotheken» wesen» ist eine Neuregelung längst nothwendi� und auch längst geplant, doch ist man ossiziell der Jahren nicht mehr näher g.treten, weil man vor dm unleugbar rorhande« nm vchwimgkeittn zurückschreckt. Jetzt ist e» so weit ge« kommen, daß in einzelnen Orten die Apotheker»u Ver- «inigungm zusammengetreten find, derm Zweck e» ist, die gegm die Bestimmungen gegen da» Apothekenwesen verstoßenden Drogisten p» dmunzirer, und daß von letzteren versucht wird.'-*■*""* zur... angewendet Kleine Mittheilnngen. Würzburg, 7. Juli. Der ,, Franks. Ztg." wird tele- graphirt: Soeben erfahre ich noch, daß auch im Militärlazareth drei verwundete Lehrer liegen, wovon weder da» Bahnamt noch die Polizei etwa» zu wtffm scheint. E» stnd die» Martin Keßler(au» Nmstadtle»), Johann Friedel(Weimarschmieden) und Karl Schuler(Tchonungm). Warschau, 6. Juli. Da» Städtchm Dolhinow im Gou- vemement Wilna war vor wmtgen Tagm der Schauplatz einer argm Judmhetze. Die„Post-Ztg." schreibt darüber folamdeS: Da» alte Märchm vom Christenblut, welche» die Juden zu rituellen Zwecken gebrauchm sollen, war auch hier die unmittel- bare Ursache der Verfolgungm. Ein 12 jähriger Bauernknab« war nämlich eine» Tage» spurlos verschwunden und winde erst eine Woche darauf im berachbartm Walde, an einem Baume hängend, todt aufgefunden. Den Körper de» Knaben bedeckten unzahlige Beulen und Wunden. Die sofort eingeleitete gericht- liche Untersuchung nach dem Urheber de» Verbrechen» blieb erfolglos. Da fielen einige Uebeldenkende auf den Gedanken, nglo».»o Juden hättl ! Anlaß de» die au» Anlaß.. Bauern zum Entschluß zu Eine mehrere Tausend ätten dm Mord verübt. Die» um die katholischen Feiertag» zahlreich herbeigeströmtm uberfi bringen, die e zählende uden Mge warf allen. stch am hrllm lichten Tage in unstnniger ZerstörungSwuth und plündernd und raubend auf die jüdischen Lädm und Häuser. Möbel und Betten, Liqueurflaschen und Zigarrm, kurzum alle» Bewegliche wurde auf die.Straße geschleudert. Die fltehendm Judm wmden erbarmungslos mit Fußtritten und Stockschlägm trattirt, daß viele auf den Straßen in Folge der erhaltenen Wunden liegen blieben. Etwa 23 Israeliten erlitten derartige schwere Verletzungen, daß deren Heilung fraglich ist, während die Zahl der leicht Verwundeten fich an hundert deläust. Von einer Vertheidigung konnte bei dem plötzlichen Ueberfall und der geringen Polizeimacht keine Rede sein. Da» au» Wilna telegraphisch herbeigerufene Militär kam dereit» zu spät. Zwei ge darauf langte der Gouvemeur au» Wilna am Orte der plroph« an, und erließ persönlich die nöthigm Ver- füaungen, um die sofortige Verhaftung der Schuldigen zu ver. anlaffm. Rom, 4. Juli. Oifiziell wird zwar erklärt, daß der Ge- fundhcitSzustand in Jlalim verhältnißmäßig gut ist, allein, wenn man bedmkt, daß der Monat Juni hier geradezu nordisch kühl gewesen und daß die Cholera gleichwohl in den Provinzm Ferrara und Brindist mit Heftigkeit aufgetretm ist, so kann man wohl nicht allzu vertrauensselig der Zukunft entgegensehen. Obgleich selbst da» Krtegsministerium eine Verordnung erlafim hat, nach welcher die Manöver im Lombardlschen und Vene- tianischen wegm der sanitären Verhältniffe Italien» unter- bleiben sollm, erklärte der Ministerpräfidmt doch vor«iniam Tagm in der Kammer, daß die Gefundheittverbältnisse Italien» ziemlich befriedigende seim. Die großen Zentrm de» Lande» find allerdings glückliä erweise bisher ziemlich choleraftei geblieben. Von Vmedig beginnt der Dämon zu weichen— nur vier Cbolerakranke befinden fich dort noch in Pflege—, Bologna wo einige Fälle vorgekommen stnd, scheint wieder normalen G:sundheit»zustand zu haben, in Flo- rm» und Mailand find vor mehreren Wochen nur wenige leichte Fälle oorgekommm. Dagegen stnd in den übrigen großen Städten Italien», in Turin, Rom, Neapel und Palermo keinerlei Krankheitlfälle vorgekommen. Da» kleine Städtchm Codigoro in der Provinz Ferrara ist ein Pestherd ersten Range» gewordm, denn von 2000 Einwohnern hat die Cho- lera mehr ali hundeit Perscnm bereit» hinweggerafft. Einen Hauptgrund für die Ausbreitung der Krankheit steht man in dem Mangel an Trinkwasser und man hofft, daß die Regie- rung dort bald bessere Wafferoerhältniffe schaffm werde. Vorläufig hat e» Bologna in edler Weif« auf stch genommm, Codigoro mit Trinkwasser zu versorgen. Sporadisch tritt die Cholera auch in anderen Ortschaftm der P ooinz Ferrara auf» so in MaffafiScaglta, Mesola, Copparo. Während jedoch unter dm mehr als hundeit Krankm Codigoro» die Hälfte gestorben ist, sterben in den anderen Ortschaften nur wenige. Nebst Bologna kommt auch Turin dm Krankm von Codigoro werk» thätig zu Hilfe. Die dortige Sccleta Cioia schickte eine ganze Gesellschaft nach dem Ferrarefischm ab, die stch durch ihre Dienste nützlich macht, Kognak und Wein vertheitt, eine Volks- küche aufgerichtet hat und da» Kilogramm Fleisch für 90 Zmtefimi an die Bevölkerung verabreicht.— Furcht- barer als in der Provinz Fenara wülhet jedoch die Seuche in der Provinz Brindist und ste tritt dort ungleich heftiger auf als in früherer Zeit in Neapel, Palermo und Spezia. Da» Städtchm Lattano zählt 7000 Einwohner. Die Stadt ist der wahre Pestherd. Nun ist währmd 13 Tagm fast b der Stadtbewohner Lattano'» erkrantt, denn e» find 570 Cholerafälle, darunter 140 mit tödtlichem Ausgange, vor- gekommen. Auch in der nahen Kommune Francavtlla d-zimirt die Krankheit die Einwohner. Von Neapel au» stnd Arrzte und Krankenwärter nach der infizirten Provinz Brindist abge- SVlUlißrN vru» AsVV* fuiwr U1IV»VHIV mtyi. M»vu»tu# ist. Die Bösartigkeit der Seuche in jenen Orten wird verschiedenen Ursachen zugeschrieblN, und zwar der grobm Un- wiffenheft der Bevölkerung, welche Mißtrauen gegen die „Dokloren" zeigt, und dem Mangel an Latrinen und Kloaken. Da» Jsoliren der Kranken wird unter solchen Verhältnissen schwer durchzu führm sein, weil e» in jenen Orten auch an leeren Gebäuden zur Einrichtung von Cholera- Lazarethen ge- bricht, und e» wird wohl nichts Andere» übrig bleiben, als auf elde Cholera-Lazarethdaracken zu errichtm. Aber auch diesem Projekt stehm Schwierigkeitm entgegen» und namentlich die große Hitze, welche gegenwärtig im Süden herrscht. Rom, 7. Juli. Von gestern Mittag bis heute Mittag find an der Cholera in Codigoro 9 Personen erkrankt und keine gestorben, in Brindist 8 Personen erkranft und 5 gestorben, in Latiano 70 erkrantt und 26 gestorben, in Mesagne keine er- krankt und ein« gestorben, in Oria 3 erkrantt und 1 gestorbm. in San Vito 22 erkrantt und 4 gestorbm, in Francavilln 76 erkrantt und 34 gestorben, in Venedig 2 erkrantt und 1 ge- stürben. In Erchie stnd von vorgestern Mittag bi» gestern Mittag 12 Personen erkrankt und 2 gestorben. Rom, 8. Juli. Von gestem Mittag bis heute Mittag find an der Cholera in Codigoro 7 Personen erkrantt und eine gestorben, in Venedig 1 erkrantt und 2 gestorbm. in Brindist 7 Personen erkrantt und 4 gestorben, in Francavtlla 49 erkrankt und 19 gestorbm, in Latiano 45 Personen erkiankt und 21 gestorben, in San Vito 27 erkrantt und 4 gestorben, in Erchie 8 erkrankt und 1 gestorben. Letzte Nachricht« Wahle« in Srohbrita . te». Uebes die Wahle« in Srotzdritannien und Irland meldet ein Prtvattelegramm der„Voss. Ztg." von gestem: Di« Torte« mochten gestern keine beionderm Fortschritte in dm Landkreisen, doch ist der Vortheil, der ihnm durch die Zer- splitterung der liberalen Partei entstanden ist, bereit» so groß, daß selbst die äußersten Anstrengungen in Kreisen, wo die Wahlen noch unvollzogm stnd, die Niederlage der Regierung nicht mehr verhindem könnten. Andererseiti ist e» zweifelhaft, ob die Tori«» eine Mehrheit erlangen, vermöge welcher ste die Regierung ohne den Beistand der liberalen Unionistm über- n-hmen könnten. Gegmwärtig find 137 Gladstonianer, 66 Parnelliten, 45 Unionistm und 253 Torie» gewählt. Von den Verdleidmden 169 Woblm dürften nach einem ungefährm Ueberschlag dm Parnellften 22, den Unionistm 20, dm Torie» 50. und den Gladstonianer» 77 zufallen. Zum Wirthschaftsaufschwuug. Nach der Statistik de» Oberdergamt» in Dortmund stnd im zweiten Quartal diese» 3010 Mann. Arbeiterkündtgung in Westfalen. Auf Zech« Hugo bei Buer ist angeschlagen, daß am 15. d. M. 150 Ardeiter gekündigt werd'N müffm. Sozialistische». Eine für dm 8. d. M. in Hirfchderg an- gekündigte Versammlung der Tischler, anderer Handwerker und Arbeiter, in welcher die Sozialdemokraten Görcki- Berlin und Conrad- Bre»lau sprechm sollten, wurde auf Grund de»§ 9 de» Sozialistengesetze» polizeilich verbotm. Kriefkaste« der Kedaktiott. A. H. 46. 1. Sie brauchen die Weste nur gegm Er« stattung de» Ihnen für dieselbe geschuldetm Arbeitslohne» herauszugeben; wegen früherer Lohnforderungen dürfen Sie dieselbe aber nicht zurückbehalten. Vor der Drohung mit dem Staatsanwatt brauchen Sie stch aber nicht zu fürchten. 2. Erb« ansprüche verjähren in der Regel in 30 Jahren. Wo Sie da» Gewünschte bekommen können, ist uni nicht bekannt. «. W. 1886. Der Wirth ist nicht berechtigt. Ihnm willkürlich die Wasserleitung abzusperren. Sie können ihm dafür einen Abzug an der Miethe von etwa 10 bt» 15 P pro Tag machen, ohne daß er dadurch da» Recht zur Exmisfio« klage erwirkt. Treuer Abonueut W. V. Ihre Fragen zeichnm fit mehr durch Mannigfaltigkeit als durch Präzision au». 1. Wenn Sie auf Grund de» Soztalistmgesetz-.» ausgewiesen werdm, so brauchen Sie bloß dm betreffenden Beziri, auf den fich die AuSweisungSmaßregel bezieht, verlassen, eine Transportirurig über die Reichsgrenze findet nicht statt. Falls Ste aber in Ihrer Eigenschaft al» Ausländer ausgewiesen werden, wozu der Staat ohne Wettere» beftigt ist, so müssen Sie e» stch ge- fallen lassen, bi» an die Grenze Ihre» Lande» zwangsweise svedirt zu werdm, wie da» schon wiederhott geschehen ist. 2. Zu Ihrer Vcrhetrathung gmügt die Beibringung eine» Taufscheines. E» wird das Aufgebot nur dann in Ihre« HeimathSort durch Einrücken in ein dottige» Blatt bekannt ge- macht, wenn Sie seit nicht mehr al» 6 Monaten hier Ihre» Wohn fitz haben. 3. Od Ihrem Naturaltsationigesuch ent- sprochm wird, läßt fich im Voraus überhaupt nicht bestimmen- Es hängt ganz von dem Ermessen der Behörde ab. 4. Die Wahl eines neuen Vorstandsmitgliedes müssen Sie der Po- lizei anzeigen. Dt« Vorstandsstyungm brauchen Sie bei der Polizei nicht anzumelden. 5. Es ist eine B-leidigung, wen» man Jemandem aus offene: Postkarte an Zahlung einer Schul» mahnt. A. E. Stellmacher. Wie viel Zeit die Zwangsooll' streckung au» einem Urtheil de» Gewerdezericht» in Anspru» nehmm kann, läßt stch nicht genau angeben. Der Bellagte tan« innerhalb 10 Tagm durch Zustellung einer Klage Berufung a» den Rechttweg einlegen. Die lOtSgige Frist beginnt, wen« der Beklagte vor der Gewerdedeputatton erschienm ist und ver- handelt hat, mit dem Tage der Verkündung, im anderen Fa« mit dem Tage der Zustellung de» UrtheilS. Die Exekution*} ........... der Verurtheilte Berufung«" »fschub. „... Kasse befindet stch bei ss� Brot nonn, Wolgafterstr. 8, in. 65. Sie können den Beginn Ihre» Gewerbe»** Magistrale schriftlich oder persönlich anmelden(Rathhame Zum Eintritt in eine Innung können Sie nicht gezwunge« werden. Theater. Sonnabend, den 10. Juli. Belle-Ulliemee-Tdeater. Da« Parodie», Ge- sanaspossr in 4 Akten von Leon Treptow und L. Herr mann. DKtvd-Theäter. Philippine Welser. «tktoria- Theater. Amor. Tan» Poem von iuigi Ranzotti. Oatiialla-Theater. Capricciosa. ftMll'» Theater. Aennchen von Tharau. Kmrsmaua'» Variete. Groß« Spezialttäten- Lorstellung.__ "Passage 1 TrT 9 M.- 10 A. Kalser-Panorarns. In dieser Woche: e interessante Rheinreise. Eine________________________ Da» malerische Verner Oberland. Hertha-Reise. Saroltuen-Jnsela. Eine Reise 20 Pfg. Kinder nur 10 Pfg. Falko, der Kerkzeagouujul. fiecUns. Sonntag, dm 11. d. Mt#., Vorm. 10 Uhr: U»»fW««z««« Köpnicker-Straße Nr. 168. Tagesordnung: 1. Wahl eine» 1. Vorsttzen« dm. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedme». 72] P. Kuh Icke, Ersendahnstraße 32. An die löpfenaeiflet und TöpfergMfen Berlins I Da am 2. Juli d. I. von dm Töpfer- mrtstem Berlin» und Umgegend zur Regelung der Lohnftage der Beschluß gefaßt wurde, vom 1 Juli d. I. ab 25 pCt. Zulage auf dm all- bestehenden Gesellmlohntarif sü da» erste Jahr, also bi» 1. Juli 1887, in allen Positionen zu zahlen, fordert unterzeichnet, Lohnkommisfion sämmtliche Arbeitgeber des Töpfergewerbe» von Berlin und Umgegend freundlichst auf, ihre Werth« Unterschrist al» Anerkennung de» Be- schluffe» baldigst einsmdm zu wollm, um ein mdgiltige» Resultat dadurch zu erzielen[65 Die Lohnkommisfion der Töpfergefelle« »erltn» und Umgegend, Grenadierstr. 33 bei Herm Seefeld. NB. Töpfergesellen, welche stch ordnungs« mäßig legitimiren können, wird sofort da Arbett nachgcwiesm, wo der Lohntarif unterschriebm ist und bezahlt wird. Näherei ebenfalls ladierstraße 33. Arb.�Sez.'Verem der Orauieu burger Vorstadt u. d. Weddiug. «emLtht. Keisammenfein mit Familt» Sonntag Nachm. bei Schramm. Höchste. 32a. Bibliothek und Betträge Vorm. von 10—12 Uhr. Wir machen aufmerksam aus§ 6 deS Statut» 71] Der Vorstand. Uhren-Fabrik 6. Scharnow, besteht seit zwanzig Jahren. tmrli» S..«raairnst». 15%,«ch» M-ritzpt., empfiehlt unt. 3jährig. Garantie zu allerdilligsten Preisen: Silb.Zvlinder-Ubrm 15,18,20, 24 M.; gib. Zylinder. Uhrm mit Remontoir- Aufzug 24—30 M stlb Anker. Uhrm m.Remontoir. Aufzug 36, 40, 45, 50 311.; goß). Tamenuhrm 30, 33, 36, 40, 45 Mark; gold. Damenuhrm mtt Remontoir-Aufzug 36, 40, 45, 50—150 M.; gold. Herren- Re- montoir-Uhrm von 50 M. an; Regulator-Uhren zu Fabrikprcism, 8 u 14 Tage „_ AuSwahl dm billigsten Prelsm. reinigen 1,50 Mark. zu den dtlligsten Preisen Ztzlinderuhr reinigm 1,50 1 Reue Feder 1,60 Marl Reparaturen nach Ueberewunst.[11 Tricol- Taillra- Gi«kelverka«f zu Fabrlitpreiaca. Damm- Taillen v.2,00. Kinder» Blousm».2,00, Knadm- Anzüge v.5.00. Kinder- Kleidchm v.3,00. «rlwt-ftoff in all. Farben vorräthig. Bestellungen nach Maß ohne Pretsauftchlaa. Anprobe daselbst. 12. K,»«>«»,>i„Sr°ße 12. Lonte Llchtensieln. Soeben erschien Nr. 90 de» „Kahren Jaliov". beziehm durch die Expedition, Zimmer 44.[2038 Schweizer Garten. Am FriedrichShain. Haltestelle der Ringbahn. Am KSntgSthor. " Großes Concert«. Vorstellung. Auftreten sämmtlicher Spezialitäten, de» Komiker Trio»##««*, Grosch und GlSfar, der Majol-Tmepp« in ihrer Sensationsluftnummec: i IfKlss Ickaxel als lebende Kanonenkugel.] Miss Lasel wird aus einer Kanone geschossen und von Miss Zerns aufgefangen werden. Die Instigen Heidelberger. Große Studmtmpoffe mtt Gesang in 1 Att. Volksdr zen aller Att. lttustigungen_______._ Rutschdahn. Elettrtsche Bahn. Tanzkränzcht« ««tr« 80 Vf. __ Abend»: Große Illumination und elektttsche Beleuchtung. Großes Kriegsfeuerwert. Zum Schluß, zum erstm Male: Dl« Schlacht bei üfacenta. Große» militärisch pyrotechnische» Schauspiel unter Mttwttkung von 150 Personen. innnnnni s r« t Hllfiäi f. n B il » 8 sir« ilTlSil Hparw m m. wriar wwt Fachverem der Papierpräger und-Schlager. General-Versammlung am Sonntag, dm 11. Juli. Vorm. 10% Ufar bei Seefetdt, Grenadierstroße 33.' mmjmxi �, Zinkgießer, IW wiÄi.SÄ, Arbeitsmarkt._ Versilberer und FarbigmA verlangen AeLge»»b Günther, Anvtta»�> Geübte Aebeite» auf Regenpaleto� und außer dem Hause können fick melden»' � auch Schneideew r«, welche da» Regenmäntel erlernen wollen. Kl. Alrxanv<�'> Gesellen auf Mäntel in und außer verl. Chottnerftr. 15, Hof 4 Tr. b. Kai!". Verantwottlicher Redatteur«.«ronhttm in ve-ltn. Druck und Verla« von«°r vadtug in Berlin 8W.«mthstroße 2. Ein Korlimacheroeselle auf Scherns � wirb verl. btt g. Schmidt. Strelltzett»-�