Kr. 159 Kotmtag, de« 11. Juli 1886. III Jahrg. SttlimrMM» Brgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Das„Berliner Volksblatt" «scheint täglich Morgmi außer nach Sonn unv Festlagen. AbonnementtpreiS für Berlin frei irrt Haut vierteljährlich 4 Marl, monatlich 1,35 Marl, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Marl. Einzelne Nummer 5 Pf. Gonmagt- Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. lEingetragm in der PostzeitungtpreiSliste für 1886 unter Nr. 769.) JnsertionSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzetle oder deren Raum 40 Pf. Zlrbeittmarkt 10 Pfennig«. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinlunst. Inserate werden bis 4 Uh» Nachmittags W der Erpedition. Berlin SW, Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preiset, angenommen. Redaktion: Kenthftratze Ä.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. Gm rsfiziöstt Wrmrs zezw die Kezimillz. Das fortwährende Thema der Besprechung in fast alle» Zeitungen bilde» in diesem Sommer die wirthschaft» liche» Fragen. Die Nothlage in sozial« Richtung wird jetzt fast überall anerkannt, wobei man sich nicht ine führen lassen darf, daß die Zadustiiellen die Lage d« In« dustrie, die Agrarier die Lage der Landwnthfchast mtt den schwärzesten Farben malen, während sie umgekehrt auf Landwirthschaft und Industrie einen weiße« Pinselstrich vor« zeichne». Daß muß man der spezielle» Zntnessenpolttik zu Tute rechne«. Ab« Alle» in Allem genommen, fleht« schlecht in der Welt und im e»g«e« Vaterlande. Zu de« Klage« der Industrie und d« Landwnthschast gesellen sich die des Handel« und de« Handwerk«. Die Roth mtt« de» Arbeiter» ab« ist notorisch. Wenn bei solchen Verhältnisse« sich in d« gegen- wärttgen ruhigen Zeit da» Augenmerk darauf richtet, wa« eigentlich selten« d« Allgemeinheit und wtbesondere seitens d« gesetzgebende« Faktoren im Reiche geschehe» sei, um solche« Zustände» vorzubeugen, od« Abhilfe zu schaffe«, so ist da» ungemein natürlich und loben«- werth. So kommt auch die„Nordd. Allg. Ztg.- in einem ihr« letzte« Artikel:„Rückblicke-, auf die Thätig- keit de« Reichstag« in Bezug auf die Eozialreform und die Arbett«schutzgesetzgebung zu spreche«. Daß genannte« Blatt von dem Segen dn«flere« überzeugt ist, kann man sich denke», da die bis jetzt nach dies« Richtung hin geschaffene« Gesetze, da« Krankeokassen- und da« Unfallgesetz, d« Initiative der Regierung ihre Eni» Pehung»«danken. Wir»ollen mit dem Kanzlerblatt heut« nicht darüber streiten, ob diese Gesetze für va« arbeitend« Volk von beso»d«em Nutze« find od« nicht— wir habe» un« darüber schon oft genug geäußert; ab« in einem gebe« wir dem Blatte recht, daß diese Gefetze in d« kurze« Zett ihre» Bestehen««och keine« thatsächliche« Anhalt zu einem sich«e» Unheil abgebe« könne«. Deshalb muß man zu «in« Beurtheilung auf Grund d« Wirkung der Gesetze«och einige Zett Geduld habe«. Eine theoretische V«urtheilu«g habe« wir, wie gesagt, denselben scho« mehrfach«»gedeihe» lasse« und auch die V«ttet« d« Arbetterpartei habe» be» kanntlich gegen diese Gesetze gestimmt. Doch«ehme« wir einmal an, die„Nord. Allg. Ztg.- habe recht— die Gesetze würde» sich binnen einig« Zett scho» als eineWohlthat für da« arbettende Volk zeige«, dann»«stehe« wir nicht, wethalb die Regierung so plötzlich halt gemacht » rt-tn.1 IleuMeton. M«e Mutter. Neman von Fsriedrich«erftäSZe». (Fortsetzung.) Er fand de« junge» Grafen Rottack scho« sein« Hanend, und dies« kam auf ihn zu, streckte ihm die Ha«d entgegen und rief:„Mein lieb« Znemia«, ich bin Ihne« unendlich dankbar für Ihre Freundlichkett. Wir haben Si, sehnsüchtig«wartet!- „Mw» best« Her, Graf!" .Kommen Sie h«ein— Helene ist auch drin und will Sie spreche»— wir müsse« zusammen bnathe», wa« zu Helene begrüßte den alte» Freund in d« That auf da« herzlichst«— ad« wie bleich und leidend sah sie au« — wo war da« Feu« und Lebe» gebliebe«, da« so»st au« ihre» gute« Auge« sprühte— wie wehmüthig lächelnd reichte sie ihm die Hand, und wie ängstlich drängte sie da»ach, die Lache«ledigt zu sehe», die jetzt ihre ganze Seele w Anspruch nahm: da« Schicksal d« arme» Rottack»«terstützte sie dari«.„Die Nachricht, die Sie un«»eul'ch gäbe«, Zeremia«,- rief« au»,„hat Be« stättguog«halte». Ich habe augenblicklich»ach Prag a« «ine« Freund geschrieben und heute Morgen kam die A»t« wort. Ei« Schauspieler, der sich dort Botlaw»aa»t« u«d ? Prag auftrat, schei»t allttding« dies« unglückselige Hanbot z« fti«, der jene Gegend jetzt uat« einem falsche» Name« bereist, möglich« Weise, um seine« Gläubiger» kei»e Spur seine« Aufenthalt» zu gebe». Da« Gerücht»annte dort wenigsten« jene« Name«.- „Und wo steckt« jetzt? Ist«»och i» Prag?- „Da« weiß Gott.- seufzte Felix-„vo» Prag sch«i»t er fort zu sein.- m „Er kann M nicht gewesen sei»," rief Helme,„die Be- hat auf ihrem sozial-reformatorischm Wege. Während näm- lich da« Kanzlerdlait die einzelne« Parteien im Reichstag und diesm selbst anklagt, fruchtlose Znitiattvanttäge zu ein« Arbeiterschutzgesetzgebung eingebracht und verhandelt zu haben, hat sie kein Wort de« Tadel« darüber, daß die Re- gierung ihre fruchtbare sozial-reformatorische Gesetz- f.ebung jäh unterbrochm hat, so daß vo» einem Alt«ver- orgu»g«gesetz kaum mehr die Rede ist. Da« kann doch nimnmehr der Regierung zum Ruhme g«eichm l Und wmn nun gar da« Regi«ung«blatt vo» einem eklatante« Schiffbruch der sozialdemokratischen Gesetzgebung«- kunst im Rcichtrage spricht, weil die Ablehnung der vorge- schlagene» Arbettsorganisationea geschah, wen» fern« da» Blatt sei« Bedauern darüb« autspricht, daß die Kommission nicht auch alle! übrigen Vorschläge vor da« Plenum de« Reichitaa« habe bringe» können, um die Ablehnung derselben vor dem Plenum zu konstatttm, so frage« wir einfach, we«halb hat die Regi«u»g solche» Berathunge» nicht ei« Ende gemacht dadurch, daß sie da« längft versprochene Invaliden« Pension«- und Ält«v«sorgu»gSgefetz für Arbeit« dem Reich«- tage vorlegte? E« ist ja selbstverständlich, daß, wen» die Regierung die Initiative«greift, derartige Gefetze formell besser»»«gearbeitet««dm, al» wen« fie vo« dm einzelnen Parteim eingebracht werde». Da» ist ab« wahrlich auch kein Kunststück, da d« Regierung die«öthige» Hilfsmittel und die»öthigm Gelder zur Ausarbeitung gmügmd zur Verfügung stehen. Doch die„Nordd. Allg. Ztg.-, die bi« jetzt nur indi« rekte, selbstverstävdlich ganz unbeabsichtigte Vorwürfe gegen die Regi«u«g«Hobe« hat, wird imm« deutlich«, indem fie schrerbt: „---- e« hätte d« Reichstag, fall«« glaubte, daß d«arttge Fragm auf Initiativanträge hin gelöst w«- de» köanm, wie er darch Ueberweisung derselbe» an eine Kommissron angedeutet, nicht zögern dürfen, dann auch seine Meinung zur Sache in Beschlüsse« zu formulire». Wen« da» nicht geschehen ist, und wm« auch die„Ergebnisse" d« Kommission«arbeit wohl wed« die Antragsteller»och Aadne beftiedigm möchtm, so glaubm wir vo» Neuem dem Zweifel Autdruck gebm zu sollm, ob de»» eine Jnitiativaesetzgebung überhaupt in der Lage sein kann, diese einen vollen Ueber- blick über die Bedürfnisse de» praktischen Leben« bedingenden Frage« in praktrsch brauchbaren Lösungen zu formulire«.- E« ist hier natürlich die Initiative de» Reich«- tag« resv. der einzelne» Parteim»ach einem altm par- lammtaüschm Sprachgebrach gemeint. So spricht man vo« „Z«itiativa»träam- au» der Mitte de» Reichttag», währmd man von„Regterungsvorlagm- redet. schreibung jea« Pnso», die« bei sich hatte, paßt doch wahrlich nicht auf Paula." „Hatte« Iemandm bei sich?" sagte Jeremias. .Allerding«," nickte Felix,„dies« BoSlaw soll mtt einem Fraumzimm« gereist sein, da« n für seine Frau autgab—«ine kleine, dicke Person, anscheinend eine Böhmi»— ab« Gott weiß, wa« da vorgegange» ist!' „Es ist nicht möglich I' rief Helme mtt« vorquellen- dm Thränm. „Frau Gräfin," sagte Znemia»,„et ist Alle» möglich auf d« Welt, besond«« da«; dm« daß fich eine anständige Dame»icht lange mtt diesem— Lump glücklich fühle« konnte, war vorautzusehm. Ab« wa« wolle« Sie jetzt thun?" „Sie sollm un» helfm, Z«emia« I" rief Graf Rottack. „Ich?- Ab« wie?" „Sie find mit dm Verhältnissm am Theat« bekannt. Sie habm hier ei»e Menge vo» Leutm kennen gelernt, und könne» dort rasch»me Bekanntschaften anknüpsm. Ich würde selb« reism, ab« ich darf jetzt meine arme Helme «icht allew lassen; so thu« Sie un« die Liebe und machm Sie dm Versuch, ob Sie«icht a« Ort und Stelle etwa« Näh«»««fahre« könnm. Daß Sie praktisch find, weiß ich— Sie werdm«icht« versäumm, und a« Geld steht Zhnm zu Gebot, wa» Sie brauchen." „Mein lieb« H«r Graf," sagte Z«emia« v«legm, „da» ist eine ganz eigenthümliche Sache, und ob ich g«ade u so etwa» passe, weiß ich wahrhastig»icht. Wirklich dm 'all gesetzt, daß ich sie finde, was kan« ich thun? Wmndie junge Gräfin bei ihrem jetzigm Manne bleibm will, wie kann ich al« ei« vollkommm stemder Mensch si« daran hin- dem, und ihr Man« würde mich erst recht a»sehm, wollte ich fie nur danach stagm. Ich glaub«, ich geriethe da i« ein« höchst unglückliche Situation, und müßte jedenfall« Wied« unverrichtet« Sache abziehe«." „Sie solle«»icht« thun, Znemia»,- rief Helene bittend, al« dm Thatbestaad«forschen— nur un« Gewisse« über dort berichtm, dm« wir kmam keine« Msnsche», auf dm wir rnr» soßfest verlasse» könnten, al« auf Sie." Wenn es nun aber richtig ist, wa« wir allerding« «och sehr bezweifeln, daß eine Jnittativgesetzgebung nicht» Ordentliches zu Stande bringen kann, dann hat doch die Regierung die doppelte Pflicht, derartige Fragen i« die Hand zu nehmm und sie zu Regierungsvorlagen zu ge» stalten. Alle Welt redet von Sozialreform und Arbeiter« schütz und die ärgst« Ruferia im Strette ist da» Kanzler» blatt fett Jihrm gewesen. Alle Welt«««kennt den Roth» stand im Volke und besonder» im Arbeiterstaode;«ad fast alle diejmigm, welche die„Repression d« Sozialdemokratie", von dn die„Nordd. Allg. Ztg.- in demselben Artikel mtt höh« Gmugthuuag spricht, billigen, erklären, daß zu gleich« Zeit d« Arbeiterklasse geholfen w«de» müsse, da die Repression ohne gleichzeitige Hilfe keinm Werth habe. Bedenke» ww die«, bringe« wtt un» alle die V«» sprechungen, welche d« Arbeiterklasse vo» den Organm d« Regierung bislang gemacht worden sind, in Eriannung, so finden wir de» allnding» indirekten Vorwurf, dm die „Nordd. Allg. Ztg." wacht, vollständig g«echtf«ttgt. Die Repression wird imm« schärf«, die Roth wächst, die Sozial-Reform stockt, an eine Arbeiterschutz zesetzzebuag wird nicht gedacht— das ist ein Zustand, der selbst dm glühmdstea RegierungSaahäng««icht zufttedmstellm kau», geschweige den» da« arbeitmde Volk. Kolitische Urbrrstcht. Da die deutsche GeWerbeausstellung i« Berlin für da» Jahr 1888 al« gescheitert zu betrachten ist und zwar durch allerlei partikularistiiche und egoistische fabrikantliche Machinationen, so wird e« fich gerade für diese Pattikularisten nunmehr empfehlen, um dem Gedanken nicht Raum zu geben, die deutsche Industrie stehe nicht auf d« Höhe der Zeich die Weltausstellung zu Paris im Jahre 1389 zu de« schicken. Geschieht die« nicht, so v«setzt fich die deutsche In« dustrie auf dem Felde der Wettdewerdung selbst einen Schlag, von dem fie fich nicht so leicht erholen dürfte. Und die Hoff« nung, daß die Patts« Weltausstellung keine allgemeine Be« deutung baben werde, da fich die Monarchim der republi- kanischen Tendenzen wegen, die vielleicht dott zur Schau getragen w«dm. zurück-iehen würden, ist eine völlig verkehne. Die Vereinigten Staatm von Nordamerika und alle amerikanischen Schwesterrepubliken w«den sich an d« Welt- auistellung betheiliaen und ebenso Großbrttannim mit seinen Kolonien. DaS gilt schon jetzt al« ausgemacht. Die Schweiz, Solland, Belgien und die skandinavischen Länd« haben keinen rund, von Paris fem zu bleibm und stcherlich auch nicht die Länd« dn Levante. Spanien und Pottugal wnden fich gleichfall», wenn auch nur schwach brtheiligen. Italien sträubt fich noch, doch werden dott die Gründe für die Bethelligung schließlich die gegentheiligm überwiegen. Bleiben dt« drn nordöstlichm Kaisnrttchr ausgeschloffen l Für Rußland hat der industttelle Wettbewerb gar keine Bedeutung, für Oefteneich eine „Hm, da» ließe sich scho» eh« hören," nickte Jeremias, .abkommen könnte ich jetzt hier; was ich zu thu» hatte, ist besorgt, und wen« ich wüßte, daß Ihne« damit«in Gefälle« geschähe..." „Ich würde Zhnm ewig dankbar dafür sehr," rief Helme. „Topp! ich reise," sagte Z«emiaS mtschlosse»,— „Zhnm, Frau Gräfin, habe ,ch»och nie'wa» abschlagm könnm, da« wisse« Sie wohl vo» alte» Zeitm her— A propos, nicht« wieder vo» Santa Clara gehört?" „Wir habe» Briefe«Hatte»," sagte Felix,„ab« t» steht«icht« darin, wa« Sie i»t««sfirm könnte— au»ge- »ommea, daß die Kolonie mit« Santo'« Führung blüht gedeiht und— ja, doch da« Eine— daß Baron Zeoijy plötzlich vnschwundm ist!" „Durchgebrannt," lachte Znemia»,„nur ei» Wund«, daß« fich so lange gehalten hat." „Und Direktor Sarno hat fich vnhettathtt," sagt« Helme. „Hunjeh I" rief Zeremia« voll« Grstaunm, indem et blitzschnell herumfuhr—„ob ich'« ihm nicht imm« prophe- zett Habel Ab« wm?' „Gin junge«, brave» Mädchen, die Tocht« eine» Kolonisten, die mtt ihrm Ell«» eine« d« furchtbaren Parc«ie>V«ttäge im Nordm durchgemacht hatte," sagte Felix. „Und e« geht ihm gut?" „Vottrefflrch— ab« jetzt, Zeremia«, ist keine Zett mehr zu v«säumm. Wm« Sie un« wirklich die Liebe«- zeigm wollm, so müssm Sie unverweitt aufbreche». Lind Sie mtt«armm Kleid«» versehm?".... „Hinlänglich— ich habe mich«och imm« nicht wieder a» die Kätte gewöhnm könnm, und ftter« mordmäßig. „Und bei Jhnm zu Hause geht Alle« gut?" „Danke, ja! Meine selige Frau ist Wied« ga»z auf dem Zeug." .»-« k. ,i.b- Gott, wie e« kommt, aber das Wort fährt mir imm« heraus. E« ist mir w Emern fort, al« ob mir die Frau ganz geringe, für Deutschland aber eine grofle, ein« entscheidende. Deutschland stellt fich leider Kit jetzt in dieser Frage auf die Seite der Unluitur deS Osten» gegen den ziollistrten Westen. Und da» ist ein nationale» Unglst» I Was hilft alle» Prach-rn und Prahlen mit dem Aufdlühen deutscher Industrie, alle» Pcunlen mit Kolonisation und Zivilisation, wenn im Kampie die Ech Dingen erlahmen, wenn man fich mit Rahland auf eine Stufe stellt? Die polllische R-aUton, in der wir un» best.den, kann jetzt nur durch wirthschaftltchen Aufschwung, durch allgemeinen Kulturfortschritt überwunden werden und da vor scheinen fich unsere Großindustriellen und die übrigen Träger der Macht zu fürchten.— Deshalb wird auch eine Be> thrtligung de» Deutschen Reich» an der großen Weltausstellung zu Piri» im Jahre 1889, die alle seitherigen Ausfiellungen trotz de» erdärmlichen Neidgeschret» um Haupteslänge überragen wro, kaum zu Stande kommen zum Schaven unsere» Vater. lande».— Vielleicht aber ist jetzt noch ein Lestnnen möglich? Autheil Berliu» au» der lex Hueue. Der jetzt zur Auszahlung oelangenve Antheil Berlin» au» der lex Hucnc beträgt nur 281 322 M. Die Ziffer erreicht kaum ein einzige» P'vzent der in Berlin zur Erhebung kommenden Kommunal- steuern. Damit vergleiche man die stolzen Reden, welche die Konservativen in Berlin seit Jahren geführt haben über den Segen der Steuerreform, die darau» folgende Entlastung der Kommunen und die darau» zu bewirkende Reform der Mteth». steuer. Der auf Berlin entfallende Betrag erreicht nicht vier Proient der in Berlin zur Erhebung gelangenden Mieth»- steuer. Die Fraueubewegung i« Dresden. Bekanntlich wurde f. Z. dem hiestzen A.ditlerinnenoerein die polizeiliche Ge- nehmigung feiner Etatuten mit der Motioirung verweigert, daß nach§ 22 de» sächsischen VereinSgesetze» nur dikposttion». fähige Pcisonen zu einem Verein zusammentreten dürfen, daß aber verheirathete Frauen und Mädchen unter 21 Jahren nach sächsischem Zivilrechte dieser Forderung nicht genügen und darum nicht Mitglieder eine» Verein» sein können. Selbst- verständlich wurde gegen diese Auffaffung der Polizeidirektion der Bischwerdeweg beschritten und die Eiche hat daher erst jetzt ihre endgiltige Erledigung gefunden,— leider nicht zu Gunsten der Fraucndestrebungen. Da» Ministerium hat näm- lich in Uebereinstimmung mit den unteren Instanzen die Ent« scheidung getroffen, daß nur Unverheirathete über 21 Jahren, Wittwen und gerichtlich Geschiedene einem Arbeiterinnen. verein beitreten dürfen. Da» provisorische Komitee erläßt daher heute ein Flugblatt an die„gesetzlich berechtigten Personen", morin dieselben zum Beitritt aufgefordert werden. Die Kon- stituirung de» Verein» auf der argegebenen Bast» soll am F eitag, den 9. d. M., stattfinden. Hoffentlich wird auch unter diesen erschwerten Existenzbedingungen dem Verein ein reicher Erfolg descheert sein. Ei« Auwachse« von veletdigungSdrozessev— schreibt die„Nation" in ihrer Wochenüderficht— ist von je her eine charaklerist sche Erscheinungsform der Reaktion gewesen. Je wtnigrr die öffentlichen Dlnge die Kritik vertragen können, um so mebr wird man geneigt sein, jede unvorfichiige»eußemng vor» Tribunal zu schleppen Bei den durch die Presse be- tangmen Beleidigungen ist cS nicht selten nur ein einzelner lutdruck, eine einzelne Wendung, bei der dir unterscheidende Kraft de» Redakteur» nachließ, welche Monate von Gefängnlß im Gefolge hat. Man hat nicht sellen bei Preßprozeffen da« Gefühl, daß nicht so sehr die verbrecherische Abstcht, al» der mangelhafte Stil destraft wird. Die stärksten und schmerz- h.ftesten Angriffe andererseits pflegen von Leuten auszugehen, die stilistisch gewandt genug find, um selbst auf den gefähr- Itchsim Gebieten fich ficher bewegen zu können. In den Be» leidigungSprozessen tritt eine gewisse Unreife de» öffenttichen Leben» zu Tage; deshalb find fic bei politisch reiferen Völkern auch mit Rech» mehr und mehr außrt Gebrauch gekommen. Nirgend» zeigt fich die» deutlicher al» in England. Wenn in Deutschland ein Poltttker gegen einen Nachtwächter nur einzelne derjenigen Jnvektiom schleudem würde, mit denen der konservative Parteiführer und ehemalige Minister Lord Randolph Churchill gewohnheitimäßig die gefeiertsten Männer England» ürcrscküttet, so würde er wahrscheinlich auf längere Zeit de» G-nuff-S der Freiheit deraubt werden. Diese Empfindlichkeit schließt daneben nicht au», daß e» zugleich für verdienstlich gilt, die Gegner der Regierung mit so starken Echimpfwotten zu belegen, daß selbst der Reptllimfond» an der Vater. landSlirde der schimpfenden Ehrenmänner nicht mehr zweifeln �"lieber die Hochkonservativeu und ihr«erhältniß zur Regierung schreibt man dem„Hamb. Corr.": Allmaltg. aber doch deutlich wahrnehmbar vollzieht fich innerhalb der deutsch- konservativen Partei eine V-rschteduna. welche bei weiterem Fortschreiten nicht ohne Einfluß auf ihren inneren Zusammen- halt etnerseit« und ihr Verhättniß zu der Regierung, nament- l»ch dem leitenden Staatsmann, andererseit« bleiben kann. Man hat dabei nicht allein an den Hammerstein'fchen Antrag «u denken, welcher Erörterungen im Echooße der Partei und tarken Mißmuth«ine» Tb eil» derselben gegen die Regrerung hervorgerufen hat. Die Antragsteller haben fich durch die schon em«al gestorben und j tzt erst wieder neu gebore» wäre. Aber wa» kann'S Helsen,' setzte er seufzend hinzu, „geschehen ist nun einmal geschehen, und da» einzige Glück, daß ,ch roch jetzt im Stande bin, Manche« gut zu mache», Wa« ich früher verdorben. Nachher gehe ich wieder«ach Brasilien.' .Sie wollen zurück?' rief Helene erstaunt. „Es wird sich nicht ander« machen— wa» soll ich hier, wen» ich da» Mädel versorgt weiß— aber jetzt habe» wir Andere» zu denken," brach er kurz ab,„und wie gesagt, wenn ich Ihne» damtt diene« kann, brech' ich oie Nacht«och auf— viele Vorbereitungen habe ich überdie« «,cht vöthig." „Und tausend Dank im Borau»,' rief Rottack, ihm die Hand herzlich schüttelnd,„Sie glauben nicht, welche Last Sie mir dadurch von der Seele nehmen." .Und wie heißt der Herr, der Ihnen von dort ge« schriebe»?" „Kommen Sie jetzt«it in mein Zimmer, Jeremias,' sagte der junge Graf,„dort übergebe ich Ihnen alle in uuinem Besitz befindlichen Notizen, und sobald Sie dort e»wa« Nähere« erfahren, telegraphiren Sie auge»blicklich." Ieremia» bedursie keiner große« Unterweisung, den» er fand fich außerordentlich leicht in Alle», also auch in da», wlS hier von ihm verlangt wurde. Dan» ging er noch ein- tral zu Pfeffer», um diesm anzuzeigen, daß er auf acht oder zehn Tage verreisen»erde, packie nachher seine» Koffer und erwartete da»» unten auf dem Bah»hof den Abendzug, der zw'sche« neu» und zehn Uhr durchkam. Jeremias auf Reise«. E» war bitterkalt die Nacht, und obgleich der März schon fest ein paar Tage» begonnen hatte, schien e» doch fast, al» ob der Winter«och gar nicht daran dächte, Ab. schied zu nehme», oder doch wenigsten««och einmal zu guterletzt zeige« wolle, wa« er eigentlich könne. Ieremia» versuchte zu schlafe», aber e« ging nicht; jede Viertelstunde stiegen Passagiere au» und ei»,»ad die Schaffner schlugen dann jedesmal mit de» Thürea, daß er mm« wieder erschrocken emporfuhr. Und wa» ging ihm Wahmehmuna, daß e» dem Fürsten Bismarck keineswegs er- wünscht sein kann, sofort nach Entwirrung der außcrordentlich verw(feiten Beziehungen de» preußischen Staate» zur katholi ichen Kirche eine neue Kirchenfrage in corpore evangelice entstehen zu sehen, nicht im Mindesten von der Verfolgung ihre» Ziele» abhalten laff-n, und fie warten nur auf den B.'ginn der neuen Stsston, um womöglich noch eine stärkere Nummer de» alten Faden» fort,usvinnen. Wetter aber liegen im Gebiete der RrichSpolitik Erscheinungen vor. welch? einen Wandel im obengedachten Sinne in AuSficht stellen. Die großen Brenner setzen, unterstützt von der deutschkonseroativen Fraktion, mit äußerster Energie ihre Agttation fort, um in geschloffener Ordnung ihr Jntereffe bei Regelung der SpirituSfrage über die Zugeständnisse der Regierung hinau» zur Geltung zu bringm. DieUnzufriedenbcit der Agrarier mit drm Festhalten Bismarck'» an der Goldwäbiung steigt von Tag zu Tage, und fie werden schließlich die Regierung für den Niedergang der Landwirthschast mit verantwortlich machen wollen. Die Oppo- fition gegen Bismarck braucht nur au» den privaten Kreifen mehr herauszutreten, und e» muß zu Au»einandersttzungen kommen, denen die Regierung wahrscheinlich eher Stand basten wird, al» die konservative Partei in fich selbst. Die Prote- girung der Mtttelparteien ist der extremen polttischen Richtung bekanntlich schon längst zuwider, und unter den gegenwärtigen Umständen kann und soll wohl auch da» Aufwerfen einer evangeltschen Kirchenfrage dazu dienen, eine entschiedenere Politik der Hochkonservatiom mit schärfere« Scheidung der Geister in» Werk zu setzen. U-ber die Geisteskrankheiten in regierenden Häusern schreibt Prof. Häckel, der berühmte Darwinist:„Besonder» find die GeisteSkranlhetten in ungewöhnlichem Maße in den regle- renden Häusern einheimisch. Schon der berühmte Irrenarzt ESquirol wie» nach, daß da» Verhältniß der Geisteskranken in den fürstlichen Häusern gegenüber denjenigen in der gewöhn« lichen Bevölkerung fich verhält wie 60; 1, da» heißt, daß der Wahnfinn in den Familien der regierenden Häuser sechizigmal so häufig vorkommt, al» in der gewöhnlichen Menschheit. Würde nun eine gleiche genaue Statistik auch bei dem erb- lichen Adel durchgeführt, so dürfte fich leicht heraulftellen, daß auch dieser ein ungleich größere» Kontingent von Wahnfinnigen oder Geisteskranken stellt, al» die gemeine, nicht adlige Mensch hett. Der Grund hiervon liegt in der unnatürlichen oder ein- fettigen Erziehung und in der künstlicken A-iperrung dieser „vrtvilegirten" Kasten von der üdrigm Menschheit. ES wer- den dadurch manche dunklen Schattensetten der menschlichen Natur besonber» entwickelt, gleichsam künstlich gezüchtet und pflanzen fich nun nach den VererbungSgesetzen mit immer ver> stärkterer Kraft und Einsettigkett durch die Reihe der Genera- tionen fort." Den au» Leipzig ausgewiesene« Sozialdemokraten ist ein Schreiben vom Lewziger Polizelamt zugegangen, in welchem den Betreffenden mttgetheilt wird, daß ihnen da» Betreten deiLetpziger B e l a g erun g»r ay o n» dt»»um 29. Juni 1887 ohne vorherige vollieiltche Genehmigung bei Geld- und Gesängnißftrafe bi» zu sech» Monaten stiengsten» untersagt ist. Zur Praxis de» Dynamitgesetze» liegt schon wieder ein ganz krasser Fall au» Gera vor. Ein Gcundbesttzer ist»er- urtheilt worden, weil er in Unkenntniß de» Gesetzes die er- folgte Anichaffung von Dynamit angezeigt, statt die zuvorige Genehmigung nachgesucht hatte! Leider tft die Session de» Reichstage» jetzt geschlossen und bleibt da» Gesetz nach wie vor unverändert in Kraft. OesterreichUngarn. Der UnterrichtSminister Dr. v. Gauisch, welcher äugen- blicklich in Böhmen die Schulen inspizirt. fand in den czechi- jchen Mitt.lschulen eine rrfchreckenve Unkenntniß der dse u t s ch e n Sprache. Allgemein werden, um derselben abzuhelfen, energische Maßnahiiim feiten» der Regierung er» wartet. Der Minister empfahl sofoit dringend den czechtschen Mittelschulen den Untenickt in der deutschen Sprache. „Narodni Listy" veröffintlicht Detail» au» einer Koire- spondenz, welche im vorigen Jahre Wischen dem östenetchisch- ungarischen Gesandten in Amerika, Baron Echäffer, und dem amerikanischen Staatssekretär Bayird anläßlich der Präger Theaterfahrt amerikanischer C.echen geführt wurde. Baron Schäffer schreibt an Bayird, Vte kaiserliche und königliche Re- eterung bade in Erfahrung gebracht, daß eine größere Anzahl Dechen Chtkazo» mit drm Dampier„LZrstfalia" nach Prag reisen wollen, angeblich um da» Nationalthrater zu besuchen. Da aber nicht ausgeschlossen sei, daß auch in Amerika fich auf- haltende cz e ch is che S o z talist en und Anarchisten die Gelegenheit benützen werden, um nach Oesterreich zurückzukehren oder Schriften revolutionären Charakters oder Sprenastoffe nach Oesterreich einschuggeln könnten, habe er (Echäffer) den Auftrag erhalten, die amerikanische Regierung darauf aufmerksam zumachen, und fie zu ersuchen, Maßnahmen zum Zwecke einer gründlichen Durchsuchung de» Gepäck« der czechtschen Tomisten, die al» Paffagiere der„West- falia" eingeschrieben find, durch die New Bnner Polizei zu treffen und alle verdächtigen Sachen, wie Exp'.ofiostoff; und auch nicht Alles im Kopf herum I Brafilieo, ja, in Bra- filie« wa:'« jetzt freilich wärmer, und dort hält« er nicht so zu frieren brauche«— aber wieder dahin zurück? Früher hatte er sich dort allerdings wohl befunden, aber die deut- sche« freundliche« Verhältnisse auch fast vergesse» gehabt. Jetzt, da er sie wiedergefunden, da er stch wohl darin fühlte, sollte er fie wieder verlassen und allein in die Fremde hinausziehen? Aber wa» wollte er hier? Sein Kind war jetzt bald versorgt und glücklich, und seine F-uu— war e« den»«och seine Frau, und er nicht rechtskräftig und für immer von ihr geschiede»? Ja, so lange sie krank lag, konnte er fie besuche« und mit ihr verkehren; jetzt, da fie gesund und kräftig geworden und fich von Tag zu Tag mehr erholte, mußte da» aufhören, da» fühlte er selber, oder er brachte fie in da« Gerede der Leute, die fich nicht leicht eine Gelegenheit entschlüpfen lasse«, lieble» von ihre» Nebenmensche» zu denken und zu rede«. Und sollte er in derselben Stadt mit ihr al« Fremder leben? Da« ging nicht,»ad e» war da» Allergescheidteste, er schiffte fich ruhig wieder nach Brasilien ei»— Brastlie»— Hundeleben dort, wa» ei» Mensch nur aulhalten mochte, wen« et nicht mehr in Deutschland rxistiren konnte. Er wickelte sich fester in seine dicke Rrisedecke, zog die Pelzstiefel»och höher herauf und drück«« fich wieder in die Ecke. Er wollte schlafen. Da» Grübeln und Nachdenke« sollte der Teufel hole«. So verging die Nacht und der Morgen dämmerte endlich durch die fest und dick zugefrorenen Fenster de» Koupee'». Ieremia« beschäftigte fich jetzt ein« Weile damit, sie mit Anhauche« wieder aufzuthaue», und brachte endlich glücklich «in kleine« Loch Stande, durch da« er hinau« ,»'« Freie sehen konnte, gab e» aber in Verzweiflung wieder auf, al« «r die nostlose monotone Gegend entdeckte, durch die der Zug brauste. Schaeefelder so wett da» Auge reichte; ein« zelae Züge von schwarze» Raben und dann und wann eine klein«, mager« Kieferndicknng: und dort drüben lag«in Dorf, ärmliche Hütten mit Strohdächer«, au» denen der blaue Rauch ia'i Freie quoll. Di«»u»ficht lohnte nicht der Mühe, um fich fast die Seele au» dem Leid zu hauche». revollttionäre Schriften, mit Beschlag zu belegen. In der Ant« wort Bayarv'» auf diese» Schreiben wirb darauf hingewiesen, daß die amerikanische Regierung mtt Rückficht auf die amerika- nischen Gesetze diesem Wunsche nicht entspeechen könne.— Eine solche Untersuchung hat aber doch ftattgefund-n, und zwar beim Landm der„Wrftfalia" in Deutschland. TchweiH. Der„Franks. Ztg." telcgravhirt man au» Zürich, den 8. Juli: Im KantonZrath verlangt AmSler(Demokrat) die«nertennung de» Streik» al« eine» gesetzlich erlaubten Kampfmittel». Der Kulturstaat dürfe dessen Durchführung nur dem gemeinen Recht unterstellen, der Aufruf zum Klaffende» wußisein sei berechtigt. Er konstatirt, daß bei dem Streik keine Exirsse noch exzevirende Versammlungen vorgekommen seien. Ein Konservativer wird gegen Locher, den Redner der öffent- lichen Volksversammlung, so brutal persönlich, daß ein sofor» tiqer Ordnungsruf und die Drohung de» Wortentzug» erfolgt. (Donnernoer Beifall der demokratischen Räthe und von der Tribüne.) B ü r k l t konstatirt den Umlauf skandalöser Lügen über die Streikenden in der konservativen Presse. Nach Schluß der Debatte wird um halb drei Uhr mit 133 gegen 49 Stimmen die Billigung der behördlichen Maß» nahmen ausgesprochen. Belgien. Der Brand der Brüjseler Universität hat tiefe Bestürzung und nicht minder starke Ettrüftung in ganz Brüssel hervorgerufen. Trotz de» Brande» des National» palafte» find die Löscheinrichtungen Brüssel» in jammerlichem Zustande geblieben. Trotz oller Schreierei und allen Groß» chun» ist bei jedem größeren Brande alle» rettungSlo» oer» loren! Auf der Brandstelle Panik, Unentschlossen beit, keine einheitliche Leitung; da» Material jämmerlich. Die Pferd« fehlen, die Schläuche platzen, dir Hähne paffen nicht, der Druck reicht nicht,— kurz. Mangel an allen Enden. Und dabei ist „au» Ersparnißrücksichten" kein einzige» staatliche» oder städti- sche» Gebäude vcrstchtrt, natürlich auch nicht die Uriverfilät. Da» gestrige Feuer hätte bewältigt werden können, wenn sich nicht überall die alle Lotterwitthschaft gezeigt hätte. In der Uni» verstiät selbst versagten vte Hähne, Schläuche, selbst der Feuer- melder! Al» die Feuerwehr erschien, wußte ste nicht, wie sie angreifen sollte.*1» fie energisch eingriff, war e» zu spät. Da» große Mittelgebäude mit dem prächtigen UnioerfitätSsaal, da» große Settengebäude— alle» Ruinen; nur der neue Flügelbau blieb erhallen. Der Verlust stellt sich auf 1200000 Frc». Die medizinischen Sammlungen wurden gereitet, aber sonst ging viel verloren Die mineralogische Sammlung ist zerstött; von den 125000 Bänden der B-bliothek find 25000— aber in sehr fragwürdigem Zustande: fie wurden au» den Fenstern geworfen— gerettet. Die Bidliotbel ist da» einzige, wa» ver- sichert ist, mit 200000 Frcs. Fünf Personen find verletzt worden. Wie da» Feuer emstanden, ist nicht festzefiellt. Dee Untverfität selbst ist eine freie; fie wird hauptiächlich durch Stadlzuschüsse erhalten. Schon jetzt wollen die keerikalen Blätter nicht» davon wissen, daß die Unioerfität auf aller Kosten wiederhergestellt wird; da» sei die Pflicht der„Liberalen und Freimaurerlogen." Die belgischen Zucker-Jndustriellen haben den Finanzminister ersucht, eine Zaschlagsteue: von 7 F.c». per 100 Kilo auiländischen Rohzuckers und von 8 Frei, per 100 Kilo ausländischen rätst ,irten Zuckerl zu erheben. In den Motiven heißt e». den vorliegendm Meldungen zufolge, daß der delgi» sche Zucker nur noch einen Marli tn England habe, Deutsch» land und Frankreich hätten ihm durch ihre Zulchlagsteuem de» Marli verschlossen. Dagegen überschwemmten Deulschland und Frankreich dank ihren Exportprämien den belgischen Markt mtt ihren Produkten; Deutschland habe stch de» ganzen belgische« Markte» tn rasstnirtem Zucker bemächtigt; keine ver belgische» Raffinerien könne konkurrtren. Die Peittion ist von de» Minister tn Erwägung genommen worden. Frankreich. In Frankreich scheint man wieder Versuche mit Arbeiter» genoffenschaflen machen zu wollen. Der G-neralrath des Seine» departement» hat die Bahnen der zwei von Hause au» ver- gründeten und dethald auch gründlich verkrachten Pferde» dahngesellschaften, welche Pari» mit den Vororte« verbinden, für 22 Millionen angekauft. Der General» rath will dieselben durch eine Genossenschaft betreiben lassen, zu der alle beim Betrieb beschäftigten Personen gehören sollen. Die Regierung hat die Sache guigeheißen und e» fehlt daher jetzt nur noch die Genehmigung de» Anleihen» durch die Kammern- Die Kommtsston zur Berathung de» Gesetzentwurfs gegen da« Anschlagen aufrührerischer Schriftstücke hat einstimmig eine Resolutton angenommen, tn welcher erklärt wird, daß die R-gieeung durch die destehmden Gesetze genügend geschützt sei, und welche die wettere Prüfung der Feage auf den Oltober d. I. verlagt. Ueber die französtschm Kammer-Verhandlunge« meldet man der„Franks. Ztg." au» Pari» 8. Juli: Passtz entwick-lt einen Gegenantrag, wonach die Erhöhung de» Ge- Er ließ die Oeffnung wieder zufriere« und bekümmerte fich nicht weiter um die Landschaft, bi» der Zug, endlich, etwa gegen Mittag, in Prag selber anhielt. Sr braucht«, dort angekommen, dm halben Nachmittag, um fich erst wieder zu restaurirm und ordentlich aufzuthaue», und benutzte indessen die Zeit, um fich au« dem Adreßbuch eine Anzahl Namen und Wohnungen abzuschreiben. Gegen Avead ging er auf seine erste Wanderung au», und zwar um zuerst jmm Herrn, eine» Baron von Toggen» bürg, auszusuchm, der dem Grafm Rottack geschriebm und an welche« ihm dieser einen Empfehlungsbrief mitgegeben- Dort aber, wie später beim Direktor de« Theater», erhielt er nur ganz unbestimmte vag« Nachrichte», die allein dari» üdereiastimmtm, daß jener BoSlaw, der wahrscheinlich« Handor, Prag vor einiger Zeit wieder verlassen und stch Schlesien gewandt habe. Wa» au»? Schlefim war groß,«ud auf ei» solches Gerücht hin konnte er doch wahrhaftig nicht»ach Schlefie« reisen, um dort seine Nachforschung fortzusetze». Eine ander« Sache, die ihn förmlich verwirrt macht«: war die genaue Beschreibung der Person, die Botlaw# sich gehabt; eine volle, üppige Gestalt, aber mit einem(T meinen final, che» Ausdruck in dm Zügen, die besonder« g## Champagner trank und t» der kurzm Zell ihre, Wenih# hier eine Masse Schuldm machte. „ Da« war auf keine» Fall die junge. bildschS� Komtesse Monford gewesm, und hatte wirklich Handor sei#«! Namen in Bo«law umgeändert, wo konnte er dann W* junge, unglücklich« GeschSpf zurückgelassm habm, da»* au, seiner Eltern Hau» mtführt?. Jeremias ließ fich übriam« keine Mühe verdrieße» besuchte sogar verschiedene Mitglieder de« dortigen Thea#"' um von diesm Nähere« über jene» Bo»law zu hör«"» vergeblich. Die Leute wußtm ebmfall« nicht« wetter, hrtfc Km- A an»# IHmäTm»*%»«»» A»«..1 CTTI. f___ r._»__«##K. daß der Herr Botlaw ei» einzige« Mal aufgetreten w«b,* « total mißfiel, schon am nächste» Morgen wieder abs«*«V sei— wohin? Lieber Gott, wer fragt« hier danach l leicht erfuhr er da» auf der Polizei..u Da« war ein»euer Anhaitipunkt— an die hatte Jeremias noch nicht einmal gedacht. Spoiastre'ch' treibejoIH»u ersetzen sei durch Abschaffung de? Zolls auf Ackeraerätb« und allmSUge Ernievrtguna der üdriaen Zölle um 80 pCt. Die Kammer verwirft mir 347 gegen 161 Stimmen den Antrag.— Der Senat verwirft den Antrag TtrardS, roh eingeführten und raffinirt ausgeführten Zucker joüftti zu machen, mit 153 gegen 110 Stimmen unv nimmt das Z u ck e r z o l l- grsetz ebenso wie die Kammer an.— Ein hefiiger Zwischen» fall trug fich in der Kommission für die Panama an leihe äu. Anviieux wirft dem Präsiventen Caffe vor, ohne W ffen ver Kommission der Preff« einen alarmirenden Be-icht über» mitteli zu haben Die Kommission beschließt, der Puffe hinfort keine ofsiziellen Mittbeilungen mehr zu machen und ver» wirft den Antrag, die Debatte zu schließen, mit 6 gegen 4 Stimmen. Da von der Gesellschaft weitere Dokumente zu ver» langen seien, sei hierdurch die Möglichkeit auSgeschloffen, die Angelegenhett vor den Ferien zu erledigen. Nach dem Schluß der Sitzung der Deputirten» lammet feuerte ein Individuum, vaS fich auf der Zuhörer tridüne befand, einen Revolverschuß ab und warf darauf «ine Anzahl kleiner Papierstücke in den Sitzungssaal. Der so« fort verhaftete Thäter befand fich im Besitze eines sechSIäuflgen Revolvers, von welchem noch ü Läufe geladen waren. Derselbe «rklSrte. er habe über den Kopf deS Präsidenten binweggezielt, «r sei ein Unglücklicher und habe durch seine That nur die Aufmerksamkeit auf sein Elend lenken wollen. Man hält den» selben für geistesgestört. G r o tz b r i t a«« i e»u . Die Parlamentswahlen in England ergeben nach «ne vor große Mehrheiten für die Gegner Gladston- s. Gegenwärtig haben die letzteren einen Vorsprung von 112 Sitzen. Nach den letzten Rachrichten entfallen von den bisher bekann» ten 524 Wahlresultaten auf die Konservativen 264, auf diffen- lirende Liberale 54, auf Anhänger GladstoneS 133 und auf Parnelltten 73 Sitze. In Jnoerneß unterlag Rodert Peel(Anhänger GladstoneS) gegen Finlay(diffentirender Li- deraler). „WaS wird die Pflicht Parlament sein," fra, „Druth",„fallS Mr. Glad nicht wetter fortführen kann? der Radikalen im nächsten LabouchSre in seinem Blatte Regierung dcS Lande» .. ES unmöglich machen, daß ir« gend jemand sonst fie fortführt Die» können sie leicht durch «in enge» Bündniß mit den Isländern bewirken. Die letzieren haben dadurch die Aufmerksamkeit auf da» ihnen vom Land- geschehene Unrecht gelen», daß ste bewiesen, daß. fall, mcht di: öffentliche Meinung Irlands befriedigt würde, die Gesetz. gebung für Großbrttannien und Irland stillstehen würde. Die verbündete Demokratie Großbritanntent und Irlands wird im Stande fein, noch klarer zu deweisen, daß nicht» geschehen kann ohne ihre Zustimmung gegenüber einer Kombination von TorieS, Whig» und einem Halden Dutzend Radikalen, welche keine eigenen Ansichten zu haben, sondern allein von der Ueder- z-ugung gelettet zu sein scheinen, daß allem, wai von einer liberalen Regierung kommt, in welcher fie nicht zählen, Opposition gemacht werden müffe, selbst wenn dadurch die TorieS zur Macht gelangen sollten." » i H.tblt Nacht zum Dienstag in Dublin in � RaügeWten Rtaoalle tragen wir noch folgenden ausführlicheren Bericht nach: Um Mitternacht wurden die Hauptstraßen von großen Menschenmassen durchzogen, welche, der Sache der Nationalisten anhängend, Gladstane und Parnell hochleben ließen, und sich durch Absingen nationaler Lieder in «ine gefährliche Stimmung versetzten, in der fie schließlich den konservativen Arbeiterllud in Nork-stre-t, sowie die an- stoßende Orangistenhalle belagerten. Die dortigen Jnsaffen begrüßten aber ihre Angreifer mit leeren Flaschen und anderen Wurfgeschoffm, und all die» nicht» fruchtete, wurden au» den Fenstern Schüsse auf die Menge abgefeuert, wobei ein Mann getödtet worden sein soll, während etwa 35 andere Personen zur ärztlichen Behandlung nach dem Hospital geschafft werden mußten. Die Anfang» schwache Polizetmacht war durchaus ohnmächtig, irgend etwa» zur Wiederherstellung der Ruhe zu thun, und erst al» später nahezu 600 Konstadler zur Hand waren, gelang e», die Volksmassen zu zerstreuen. Die Polizei besetzte demnächst den»rbeiterklub und verhaftete die dort an- wesend gefundenen 75 Personen. Die eingehendste Durch suchung de» Klub» und der Verhafteten hat keine Schußwaffen Su Tage gefördert. Aber eS wurden auch Frauenzimmer in cm Gebäude angetroffen, die man gleichfalls ins Gesängniß abgeführt hat, da man glaubt, daß fie die Waffen in ihren Kleidern versteckt haben. Ueder die nach dem Bekanntwerden de» Wahlergebnisse» in Londonderrv vorgekommenen Ruhestörungen wird berichtet: Ein MufikkorpS brachte Mr. Lewis, dem ge» wahlten konservativen Kandidaten, vor dem Jmperialhotel, wo «r wohnte, ein Ständchen. Reibungen mit vorbei ziehenden Nationalisten arteten alßbald zu Thätlichketten au». Die Polizei schritt ein und trieb mit ihren Knüppeln die Menge durch einen Seitenweg. Al» einige Herren und Damm. welche auf der Treppe vor dem Hotel standen, der Polizei zu» riefen, nicht zuschießen, wurden auch diese von den Konstablern angegriffen. Der anwesende Polizeirichtcr war nicht im er dorthin, und wen« e» auch einige Schwierigkeiten hatte, unter all' de« Beamte« endlich de« richtigen aufzufinden, der ihm über derartige Fremde Autkuuft geben konnte, so ließ er fich doch keine Mühe verdrießen, ja, saß selbst an- derthalb Stunde» mtt etner wahre» Engelsgeduld auf einer Baak im Vorsaal, zwischen lauter Talge» gefichter« und Dienstmädchen, immer von der Seite angesehen und de- ?itstert, wa« er wohl auSgeftesim habe« mochte, daß er hier tzm mußte, bis die Reihe an ihn kam— und dann auch «mfonst. Der betreffende Beamte brachte»irklich heraus, daß fich ein Schauspieler Bo»law vor einiger Zett hier in Prag drei Tage mit seine, Frau, Kathi BoSlaw, aufgehalten und im„König Wenzel" logirt habe, dann aber wieder abgereist sei. Sein Paß war jedenfalls in Ordnung gewesen; wa» kümmerte« fich die Leute darum, wohin„derartige» Volk" zog, wen» e» ihnen hier nicht zur Last fiel! „König Wenzel"— dort war vielleicht«och eine Mög> lichkeit, etwas Nähere« zu erfahre«, und Jeremias versäumte auch diese»»cht— u«b wieder vergeben». Der Wirth wußte vo« dem jetzige» Aufenthalt de« Herr« BoSlaw gar »icht»; er wollte aber, er wüßte e», daß er den Herr» noch fassen könnte, der nach bezahlter Rechnung seinem Kellaer »och eine Flasche Champagner abgeschwindelt und ehe er e» erfuhr, da» Wette gesucht hatte. Er schiwpfte dabei entsetzlich uns die Schauspieler, die seiner Meinung nach nur allein vethalb in der Welt herumzöge«, um arme Wtrthe zu be« und fich nachher in'» Fäustchen zu lache». Ueber die Frau, al» ZeremiaS diese erwähnte, wußte *5 0aT kein Ende zu finden. Da» sollte ein wahrer Drache gewesen sei», die mit seiner eigener Frau schon in der erste« Stunde Skandal gehabt und fich boden lo» gemein betragen hätte. „Und können Sie mir keine Spur angeben, wo ich den Mensche« wteder auffinden möchte?" .»Aha, Ihne« ist er wohl auch durchgebrannt?" lachte der Wirth. ,Za, lieber Freund, uud wen» Sie ihn käsen, rva würd'» Ihne» helfe«? Da» ist eine pauvre Wirih- »chast bei dem Pärchen, wenn die Madame auch aufge» Stande, der Polizei Einhalt zu thun; hierbei wurden mehrere Personen verwundet. Die Aufregung wuch» mehr und mehr, und e» wurde schließlich für nöt�ig befunden, da» Aufruhr« gesetz zu verlesen. Italien. Die Regierung trägr fich mit dem Gedanken, das Tele- vhon zu verstaatlichen und dessen Verwaltung mtt derjenigen der Telegraphen zu verbinden. Rußland. Der„N. Fr. Presse"' wtrd telegraphirt: Nach einer hieher gelangten Melvung aui London berichtete der hiefige englische Botschafter seiner Regierung, daß die Stimmung in Rußland in Betreff der bulgarischenFrage derart sei, daß bald wichtige Ereignisse zu bcsürchten wärm. Die der Er- Haltung de» Frieden» ungünstige Stimmung ist in ein bedenk- liche» Stadium getreten, wofür auch der Umstand zu sprechen scheint, daß auch die hiestgen Journale, die fast jede Polemik mit den auswärtigen Blättern eingestellt hatten, nun Tag für Tag darauf hinweisen, daß für Rußland der Augenblick zum Handeln gekommen sei. Als günstiger Moment für die Ein- mengung wtrd die hier gewünschte Auflösung der Sodranje bezeichnet, da Fürst Alexander fich dann nicht mehr auf den Willen deS bulgarischen BolkeS bei V-rstößm gegen Stipulationen wird berufen können. Soweit aber die Anschauungen der Regierung durchfickern, scheint ste stch in Geduld fassen zu wollen und in der Ueberzeuzung, daß daS bulgarische Volk selbst der Herrschaft deS Battenbergeri ein Ende machen werde, daß Eintreten dieses EreigniffeS als den Z:itpunkt für ein direktes Eingreifen gewählt zu haben. Daß die Regierung dabei an die Okkupation Bulgarien» denkt, wird dagegen um so mehr bezweifelt, al» daS erwähnte Ereigniß eine solche über- flüssig machen würde. Der„Od. Westn." dringt die Nachricht, daß der Jnbaber der Essener Werke, Krupp, mit der Absicht umgehe, in Niko« lajew eine Gußstahl- und Geschützfabrik einzurichten. Er hat bereits Spezialisten an Ort unb Stelle gesandt, um stch mit den lokalen Verhältnissen vertraut zu machen. Ein neuer Be- wei» dafür, daß da» Kapital keine Lande»grenzen kennt. Herr Krupp ist zweifellos ein guter Patriot, aber daS hindert nicht, daß un» die Russen dereinst mit Krupp'schen Kanonen gegenüberstehen werden. DaS Kapital steht jedem Zahlungifähtgm zu Diensten. Balka«läuder. Nach einer Konstantinopeler Meldung d«>„N.W. Tgbl." protestirt Fürst Alexander in setner Anlwon auf die letzte Note ver Pforte energisch gegen die Unterstellung, einen europäischen Vertrag verletzt zu habe«, er betont seine Treue aegenübec dem suzcränen Hof und verweist auf die friedliche Akte de» bulgarischen KabinetS: zugleich bittet er die fureräne Regierung, ihn nicht für die Sprache der bulgarischen Chau« vinisten verantwortlich zu machen. Eine Belgrader Meldung der„Politischen Corresvondenz" vcrstchert, die oeadfichtigten Truppen- Konzentrirungen im Süd« Osten Serbiens ständen angeblich mtt den von Montenegro geplanten Agitationen gegen die Dynastie Obrenooic in durch- au» keinem Zusammenhang. Der Zweck sei lediglich eine feld- mäßige Ausbildung der Landwehr. Nach Beendigung der Ekuvschtina-Vesfion werden wahrscheinlich in Anwesenheit de» Kör, ig» große Manöver statlfinden. Amerika. O'D onovan Rossa, der irische Dynamitheld, hielt in St. Loui» eine Rede, in welcher er u. A. sagte:„Wa« hat Mr. G lädst one al» Pailamentarier gelhan? Er hat gegen zahllose unserer Mitbürger Zwanglmaß-egeln angewandt und sie in die Gefängnisse geworfen. WaS haben die Land- Liguisten gethan? Sie baden Millionen amerikanischen Geld«» gesammelt, aber die werden die Freiheit Irland» nicht erkaufen. Ihre Arbeit ist nicht in der rechten Richtung. Ich weiß, ich könnte hundert Männer au» jenem Kreise in Irland bekommen und«den so viele au» jedem fenischen Zweigverein in Amerika, welche in vie vauptftadt de» britischen R-i-dro reisen und die Brandfackel an die großen architettontschen Blöcke jener alten Sllavenstadt legen würden, welche von Palast zu Palast, von Hote!» zu Gefängnissen und öffentlichen Gebäuden gehen und die Brandfackel so lange anwenden würden, bi» London in Flammen dastände, ein flammendes Denkmal für die irische Sklaverei." Afrika. Wie man der„Pol. Corr." au» Kairo meldet, ha der Ministerrath die von den englischen Behörden zur Be» wachung der Grenze gemachten Vorschläge genehmigt. In Folge diese» Beschlüsse» wird ein neue», au» Schwarzen bestehende» Regiment, welche» die Bezeichnung 13 Regiment führen wird, gebildet und a tt die vorgeschobenen Posten dirigirt werden. Ueberdie» hat der Ministerrath beschlossen, um einen öfteren Wechsel der Grenztruppen möglichst zu vermeiden, den über die vorschriflmäßige Zeit wetter dienenden Soldaten von 4 zu 4 Jahren entsprechende Aufbesserungen ihrer Besoldungen zuzuwenden. donnert genug geht; aber* ist ja Alle« falsch. Einen Brillaatschmuck hat die Person, der eine sechstausend Gulden werth sein»üßte, we-n er echt wäre' aber wo sollte die solche echte Steine herkriegen? Land»leute sind'«." „Herr Bo«law?" sagte Zeremia«. „Nein, die Steine— böhmische, mein' ich. Wen» Sie meinem Rath folge« wollen, lassen Sie ihn laufen;» kommt nicht« bei der Sache heraus, und Sie verreise» mehr Geld und Zeit dabei, al« die Lumperei werth ist. „Und wo sich Herr BoSlaw früher aufgehalten hat, davon wissen Sie gar nichts?" Nein, bi» auch«icht neugierig danach und weiß nur so viel, daß wir ihn hier»icht wieder zu sehe» bekomme» werden." E« war au« dem Maune nicht» weiter herau» zu be- komme», und Zeremia« begann eiozusehe«, daß er fich seine Winterreise«ach Prag hätte ersparen könne«, denn hier, an Ort und Stelle erfuhr er nur einzig und allein die Be- stätigung dessen, wa« sie schon ,» Haßburg über den Auf« enthalt de« Menschen in Prag gehört. Und sollte er«och länger hier bleibe»? Er wäre am liebsten gleich zurückgekehrt, aber dem Grafen Rottack lag die Sache so am Herzen, die liebe junge Gräfin hatte ihn so darum gebeten; er mußte jedenfall« noch ein paar Tage zugebe»; möglich ja doch, daß er»och irgend Jemanden traf, der ihn auf eine bessere Spur bringe« konnte. Er wollte e» jedenfall« versuchen, denn er haßte»icht» mehr, al« so ganz nutz- und erfolglos t» der Welt herumgefahren zu sei«. Nur allein von de« Schauspieler» selber konnte er aber hoffen, irgend etwa« über diese« vermeintlichen Handor oder seine früheren Verhältnisse zu erfahren; er studirte deshalb einige Theaterzettel durch, um keinen zu über« gehen, schlug die Wohnungen auf und trat dann seine Wa»deru»g an, die ihn allerding« mit einige» sehr inter- essanten Persönlichkeiten zusammenbrachte, sonst aber auch nicht den geringsten Erfolg hatte. Eisige behauptete» aller» ding», jener Bo»law sei ihnen bekannt vorgekommen und Gerichts-Ieiwng. Elberfeld, 8. Juli. Vom Schwurgnilbt wurde heute die Giftmörderin Anna Breidenbach au» Remscheid zum Tod« verurtheilt. Die Verurtheilte hatte ihrm eigenen Mann, dm Schmied Wilhelm Breidenbach, durch Phoiphor, den fie ihm fett langer Zeit in die Sneisen gemischt, langsam vergiftet. Nachdem der Körper bereit» vollständig zenüttet war, gab fie ihrem gutmütigen, aber wenig energischen und etwa» einfältt- gen Gatten, mit dem fie seit 15 Jahren verheirathet war, im März d. I.„den Rest", d. h. fie mischte eine sosgroße Portion Gift in den Eierkuchen, daß Breidenbach bald nach dem Ge» nuffe desselben verstarb. Die dreitägigen Verhandlungen ent» rollten da» düstere Nachtgemälde eine» zerrütteten Familien» leben». Al» Motive der scheußlichen That der Mörderin er» gaben fich hauptsächlich Ueppigkett und Genußsucht. Nach Be- seitigung ihre» Mannes wollte die 38 Jahre alle Person einen Andern Heirathen, um„in glänzenderen Verhältnissen" leben zu können. In der That hatte ste auch bereit» zu Lebzettm ihre» Manne» mit verschiedmen Personen intime Beziehungen angeknüoft. Eine verzweifelte Mutter. Pest, 8. Juli. Im Hofe einer zwischen Groß- und Klein Kanizsa liegenden Dampf- mühle wurde im vorigen Jahre die Leiche de» vierjährigen Söhnchens der Dienstmaad Elisabeth Deli aufgefunden. Die Aerzte tonstatirten, daß vaS Kind den Tod durch Erstickung im Waffer erlitten habe. In Folge dessen wurde die Mutter dei Kinde» in Haft genommen, dieselbe gestand auch, daß fie ihr Kind getödtet habe. Sie erzählte dem UntersuchungSrich- ter, daß fie vor etwa 7 Jahren mtt dem Kutscher Paul Hantl ein Lledeiverhältniß unterhalten habe, welche» jedoch durch die Einberufung Hanti'S zum Militär unterbrochen wurde. Später lebte die Deli mit einem Bäckergesellen und die Frucht diese« Verhältnisses waren zwei Kinder, von denen da» Eine bald darauf starb. EineS Tage» erhielt die Deli von ihrem frühe» ren Liedhaber Hanti ein Schreiben, in welchem er fie bittet, nach Fünstirchcn zu kommen, da er fich dort mtt ihr trauen lassen wolle. Sie reiste«ach Fünflirchen, wo fie etwa zwei Wochen mit Hanti in glücklicher Harmonie lebte. Mittlerweile erfuhr jedoch Hanti von dem Verhältnisse der Deli mit dem Bäckergehilfen Szttaka und er erklärte in Folge dessen seiner Geliebten, daß er fie unter solchen Umständen nicht heirathrn könne. Voll Verzweiflung im Herzen eilte die Deli heim und holte ihr Kind. In ver Nähe einer Dampfmühle befand stch ein warme» Freibad. Dahin begab fich die Deli mit ihrem Kinde auf dem Arm. Ste tauchte daS Kind unter dai Waffer und hielt es dort so lange, bis e» erstickt war. Dann legte fie den L:ichnam deS Kindel in den Hof der nahen Dampf- mühle und ging fort. In der Schlußverhandlung gab die An» geklagte an, ste habe die Tbat au» Verzweiflung darüber be» gangen, daß fie durch ihr Kind unglücklich geworden. Der Gerichtshof von Groß-Kanizfa verurtheilte die Elisabeth Deli wegen Morde» unter Berücksichtigung der mildernden Um- stände zu 15 Jahren Zuchthaus. Die tönigliche Tafel erhöhte heute die Elrafe der Angeklagten mit Rücksicht darauf, daß der Mord an dem eigenen Kinde verübt wurde, auf leben»« längliche Zuchthausstrafe. Soziales mtd Arveiterbewegung. Zum amerikanische« Schweinefleischverbot. Nachge- wiesenermaßen find nach dem Verbot in Deutschland gerade nahmhafte Fälle von Trichinenvergiftung vorgekommen un» zwar in Gegenden, wo ftüher wenig oder gar kein amerika- nischeS Schweinefleisch genossen wurde und jetzt natürlich kein» hingelangt. In der Provinz Sachsen, in welcher man massenhaft eigene Schweine züchtet, hat bii jetzt die Trichinose die größte Verbreitung gehabt, auch zu etner Zeit, in welcher da» ame- rikanische Fleisch bei uni noch Zugang fand; während im ganzen Norden, wo dasselbe am meisten verzehrt wurde, kaum ein Fall von Trichtnost» zu verzeichnen war. Die amerikanische Regierung hat nunmehr die strengste Untersuchung alle» amerikanischen Schweinefleische« angeordnet, um die europäischen Regierungen, besonder» die deutsche, zu veranlaff-n, da» Ver- bot aufzuheben; doch ohne Erfolg. Man steht darau», daß da» Verbot weniger au» sanitären Gründen, al» im agrarisch-« presse erlassen worden ist. Bi, jetzt hat die Nordamerika. Nische Regierung fich deschieden, ruhige Vorstellungen zu machen. doch scheint fie jetzt entschlossen ,u sein. Gegenmaßregeln der schärfsten Art zu ergreifen, die gerade denen bei un», welche da» Glück de» Lande» im Export suchen, sehr unangenehm sei« werden. Deshalb hören wir jetzt auch von verschiedenen Seiten eine früher gutgeheißene Maßregel beklagen, welche dem hei- mischen Ackerbau nicht viel nütze, der Industrie aber groß« Wunden zu schlagen bereit sei. Der Präsident der Vereinigte« Staaten ist nämlich vom Kongreß ermächtigt worden, wenn er e» für angemessen hält, die Einfuhr von Waaren aller Art au» solchen Ländern zu verbieten, deren Häfen gegen amerika- Nische Produkte verscbloffen find. Ob und wieweit der Prä» fivent von dieser Berechtigung Deutschland gegenüber Gebrauch macht, bleibt abzuwarten; auf die deutsche Jndustete muß aber jedenfall« ei« routimrkr Schauspieler, sei» jetziger Name thnen aber gänzlich fremd,«ad da er nie mtt irgend Ze- mandem von ihnen, ausgenommen auf der eine« Probe, verkehrt, habe man sich auch nicht weiter um th, be- kümmert. Da» war da« nämliche Resultat überall, wohin er kam, bei de» Herren wie bei de» Dame», und die letztere« besonder» verwahrten sich gleich vo» vorn herein gegen di« Möglichkeit, auch nur den entferntesten Umgang mit einem solche»„Paar" gehabt zu haben, wie jener Herr«ad Frau Bo»law. Zeremia« wurde dadurch immer unsicherer und zuletzt ganz fest überzeugt, daß er hier auf einer vollkommen fal- scheu Fährte herumsuche, denn Handor selber— wa« er ftüher von ihm gesehen— hatte fich immer sehr anständig benommen, und seine junge Frau, die liebenswürdige Kom» tesse Paula, hätte ja alle Herze» im Sturm erober» müsse«. BoSlaw und Handor mußten also ganz entschiede»-zwei total verschiedene Persönlichkeiten sein, und unter solche« Umstände» blieb e« dann allerding» da« Beste, nur wieder nach Haßburg zurückzukehren und von dort au» zu sehe», ob man»icht eine bessere Spur bekommen könne. Einmal mit diesem Entschluß im Reine» und im volle« Bewußtsein, in dieser ftemdm S-adt ftia Möglichste» ge- than zu haben, um da« in ihn gesetzte Vertraue« zu recht- fertige», packte er auch seine» Koffer wieder, zahlte seine Rechnung und ging hinau» ans de» Bahnhof, um sei» Billet zu löse«. Da» Wetter war bttter kalt, aber die Sonne schien hell und klar auf de» knisternden Schnee nieder, und eine Menge Leute waren unterwegs, um den freundlichen Tag zu einem Spaziergang zu benutze». Geputzte Menschen schntten überall an ihm rotüber oder er überholte fie; aber wa» kümmette« ihn die Fremden, er kannte doch keinen vo» ihnen, und eilte nur, ohne fich wetter umzusehen, dem Hautknecht nach, der in einem halben Trab, mtt seinem Koffer auf der Schulter» vor ihm her lief. (Fortsetzung folgt.) er R«chigewe Frontwechsel gegen die de« gesummten Volk« wohl dieser Zustand lähmend wirken, da fortwährend ihr da« Da« moklesschwerdt über dem Haupte hängt. Die Engländer hin» gegen effen amerikanische« Schweinefleisch ruhig weiter, ohne von der TrichinofU befallen|u werden» den Engländern aber wird auch für und für der groß« amerikanische Markt offen Sehen. 1080 Arbeiter haben in der Glasfabrik von Siemen« in Dresden ihre Kündigung erhalten, weil die Direktton eine Aenderung in der SonntagSarbeit hatte eintreten laffm. Früher fand dieselbe von 6 Uhr früh bi« 12 Uhr Mittags statt, nunmehr wurde fie verlegt auf 7 Uhr Abend« bi« Nacht« um 2 Uhr. Dadurch wurde in der That den Arbettern und deren Familien da« SonntagSvergnügen besonders im Sommer völlig geraubt. ES traten von 120 Arbettern nur 8 zur be stimmten Zeit an; nun will diese„humane" Firma durch all« gemeine Kündigung die Arbeiter zwingen, der neuen Verord- nung nachzukommen. Ueber sechi Stunden dürfen jugendliche Arbeiter bekannllich nicht an Sonntagen beschäftigt werden, deshalb wohl hat die Direktion die Zeit verlegt, so dah jetzt die jugendlichen Arbeiter nur ü Stunden am Sonntage und 2 Stunden Montag früh arbeiten sollen. Diese schnöde Ge« setzeSumgebung«igt, wa« eS mtt der von Max Hirsch und Genoffen angepriesenen Harmonie zwischm Kapital und Arbeit zu bedeuten hat und wa« die Regierungen ihrersettS bei der �Soziilreform" von den Fabrikanten zu erwarten haben. Dollen stch dieselben ja nicht einmal an die für fie so außer» ordentlich milden Bestimmungen der ReichSaewerbeordnung ballen! Fürwahr ein behördlicher Unternehmer dürste im Interesse am Platze sein. Sin sonderbare« verbot. Der Landrath von Guhrau den Einwohnern diese« Kreise« bei 9 Mark Strafe eventuell aststrafe verboten, nicht ortSangehörigen Bettlern eine Gabe zu verabreichen. Wir hallen diese« Verbot für durchaus un» gesetzlich, daneben aber auch für grausam. Ein im Sonnen» drand halb verschmachteter Wanderer bittet um ein Stück Brod und einen Schluck Waffer— nach dem„Verbot" de« Herrn Landrath«, der dm Namen von Goßler führt, soll dem Reisen» den diese Gabe versagt und derselbe zu der nächsten Natural» verpflegungistation, die zwei bi« drei Stunden entfernt liegt, verwiesen werden!— Sin vernünftiger und barmherziger Mensch wird stch wohl kaum an ein solches Verbot kümmem, welches mtt der Menschenliebe in grellem Kontrast steht und wohl auch seine gese»lichm Folgm nach stch ziehm wird. Zur Warnung für Näherinneu. ES besteht eine ge. fährliche Unsttte, Näh', Stick- und Knopstochseide mit Bleiwei« schweier zu machen, um durch erhöhte« Gewicht einen höheren Pcei« zu erzielen. Diese« Bleioxyd ist ein gefährliche» Gift, welche« eine langwierige Krankhett, die„Butkolik", hervor» zurufen im Stande ist und auch schon oft jahrelange« Siech. thum und VerdauungSschwäche hervorgerufen hat. Ein Chemiker fand kürzlich in einem Pfund Nähseide 18 Prozent dieser Gifte«, und eS ist daher nachdrücklich davor zu warnm, diese Seide, wie ei viele Näherinnen thun, in den Mund zu nehmen, durch die Lippen zu ziehen oder die Spitzezum Ein» fädeln mtt dm Lippm zu berühren, weil auf diese Weise Blei direkt verschluckt wird. Auch sollte keine Näherin mtt dm dlei» gefärbten Fingern ihr Butterbrod effm, sondem dieselbm zuvor recht gründlich waschen. Uermischte«. Ungarische Pouzei. Einer der eklatantesten Fälle von Tortur in Ungarn fand in dm letztm Funttagm vor dem Strafgerichte in Panksowa seinen Abschluß. Der Sachverhalt ist folgender: Am 19. Ottober 1884 führten die OrtSpolizisten von Csuioa einen gewiffen Csmcstn au« einem der dortigen WirchShäuser in den Gemeindearrest, und schon einige Stun» dm darauf wurde konstalirt, daß derselbe den Peinigungen der sechi Polizisten erlegm war. Auf die Kunde hiervon brach im Dorfe'.in förmlicher Aufruhr loS. Die tumulluirmde Menge umstellte da« Gemeindehau« und verlangte, angefeuert durch die Verwandtm des ums Leben Gebrachten, von dem Gemeinde» richter die Auslieferung de« Csmcstn mtt der Drohung, dm Richter wie alle Polizetorgane deS Orte« zu strinigm, fall« man ihrem Begehrm nicht willfahre. Schon war die Menge zu Tbätlichkeiten übergegangen, als glücklicher Weise daS Erscheinen des Stuhlrichter« de« Bezirkes e« verhinderte, daß die aufgeregte Menge ihre Drohung verwirklichte. Dem begütigmdm Zureden deS Stuhlrichter» gelang es, die Menge zu beschwich» tigen, worauf dann gegen die OrtSpolizistm die Untersuchung eingeleitet wurde. Dieselbe ergab, daß Csmcstn«uf entsetzliche Weise umgebracht wordm war. Unter den zahllosen Ver» letzungm fanden stch nicht weniger al« 11 Rippmorüche, sowie zwei lebmSgefährliche Beschädigungen am Schädel. Denselben Polizistm fallen im Vereine mit elf Polizeiorganen au« bmach» barten Orten noch vier wettere FSCtt von Tortur zur Last, wo- von zwei mtt dem Tode der Gepeinigtm endetm. In dm beiden anderm Fällen überstanden die Gemartertm zwar die Tortur, doch gehm ste heute al« Krüppel hemm. Die Ber» Handlung gegm die sechzehn Polizistm— einer war mittler» wette gestorbm— dauerte zwei Tage, e» wurden neun derselben zu IV: bi« 7 Jahren Zuchthaus und Kerkerstrafe verurthcilt. Die Übrigen Angeklagten mußten wegen Unzulänglichkeit der Beweismittel fteigesprochen werden. Uebe» de« vraud de« Zirfu« Ciniselli ta Reval be» richtet die„Reo. Ztg.": In der Nacht vom 28. zum 29. Juni um 2 Uhr ist der ZirkuS Ciniselli mit sämmtlichen Requisiten total niedergebrannt nur die Pferde wurden gerettet. Allem Anscheine nach ist daS Feuer in der ZirkuSrestauration, woselbst stch bi« um Mitternacht Publikum befunden hatte, zum AuS. druch gelangt und hat stch von dort unbemerkt im Jnnem weiter fortgepflanst, bi« die FlammmauS dem Dach heroorschlugm. Trotz der darauf sofort erfolgtm Alarmirung der steiwilltgm Feuerwehr war an ein« Rettung de« Gebäude« und der in demselben befindlichen Sachm selbstoersiändlich nicht mehr zu denken, da da« Feuer bei der durch die lange Dürre noch de» förderten Trockmhett de« lustig erbauten Holzzirku« mtt rasm» der Schnelligkeit um stch griff und ein ziemlich starker Wind die Flammen noch schürte. Kaum gelang es noch, rechtzeitig die Pferde au« dem Stalle auSzutreibm, al« auch schon da« Dach zusammenstürzte und Allr«, wa« stch darunter befand, in einem Flammmmeer begrub. Leider find bei dem Brande auch einige Personen verunglückt. Der langjährige Sattler de« Zirku« wmde vollständig verkohlt au« dem Schutte heroorge- zogen. Zwei andere Personen, ein Requistteur und der Zirku». «achter, konnten wenigstens noch lebend dem Flammermrer entrissen«erden, hatten aber bereit« so schwere Verletzungen und Brandwunden davongetragen, daß nur geringe Hoffnung für ihr Aufkommen vorhanden ist. Beide definden stch in Hospital Die auS dem Stall in größter Eile herauSgetttebe» nen Pferde rannten in wilder Aufregung führerlos umher. Mehrere derselben konnten nm mtt Mühe davon abgehalten werden, wieder in den gewohnten Stall zurück, urennen. Die meisten suchten daS Weite und jagten in stürmischem Lauf durch die Slraßm der Stadt oder in die Vorstädte: eine« der Thiere war in dm Sumpf hinter dem ZirkuS, der au« dem alten Stadtgraben mtstandm, gerathen, au« dem ei nur mtt großer Anstrengung wieder hervorgeholt werdm konnte. Au« de« Leb»« de« Hofbavrath Demmter, de« am 2. Januar d. I. verstorbenen früheren sozialdemokratrschen Ab» geordnetm, veröffentlicht der von dem Abgeordnclm Dietz her» auSgebene„Reue Weltkalender" für da« Jahr 1887 folgende noch wenig dekannte Erinnerung. Demmler, den eS empört«, daß da« mecklenburgische Voll nach dm 48« Stürmen trotz vielfacher Versprechungen immer noch keine freistnnige Ver- faffung bekam, stellte, nachdem er im Jahre 1846 zum erste» Male in den Schweriner BürgerauSschuß gewählt worden war, 1850, und zwar am 9. Februar und 18. September, Anträge, Magistrat und Bürgerschaft auffordernd, zur Sicherung deS bf drohten StaatSgrunvaesetzeS die geeigneten Schritte zu thun. DieieS rückstchtSlose Vorgehm gab dm Hofkreisen willkommene» Anlaß, gegen den verhaßten Mann» der mittlerweile zum Hof- baurath ernannt war, vorzuzehm. Hier war für einm Man» von der steimüthigm Gestnnung und der Charakterfestigkeit eine« Demmler kein Platz mehr. Unterm 14. Januar 1851er» hiett er einen Kabinettbefehl zugestellt, in welchem ihm mitge» theitt wurde, daß er ohne Ruhegehalt mit Johanni« diese« Jahres auS dem StaatSdimst entlaffen sei und zugleich aui dem Schloß bauauischuß auszuscheiden habe. Kurz vorher war an dem Schloßbau ein Ecklhurm vollendet und Demmler hatte in den Knopf de« Thurme« in drei gläsemm Flaschen Schrift» stücke, welche stch auf die Geschichte deS SchloffeS bezogen, nie- beigelegt. Au» dem Inhalte dieser Schriftstücke, die anaeblirt hochverrätherischer Natur sein sollten, glaubten nun die Fein« Demmler« einm Strick zu dessen vollständiger Vernichtung drehen zu können und so setztm fie e« durch, daß unter unend lichm Mühen und großen Kosten da« bereits abgebrochn» Thurmgerüst wieder aufgebaut und die Flaschm geöffnet u»! auf ihrm Inhalt untersucht wurden. Der Liebe Mühe wä aber umsonst, Demmler hatte keine hochoerrätherischen Schrift«» niedergelegt, da« Geld für den Gerüstbau war zum FenfW hinausgeworfen und gerechter Hohn und Spott traf die Beo anstalter dieser hochnothpeinlichen Untersuchung. Der E«* �rjog ordnete an, daß die im Thurmkopf beschlagnahmte» Schriltftücke, welche verschtedme Dummheiten der Nachfolgt DemmlerS unwiderleglich bewiesen, anderwetttg im BaueWt mauert werden sollten. So endete diese für Demmler ergötzliche, für seine F-inde aber sehr peinliche und zum Ttz" lächerliche„ThurmknopfdurchsuchungSgeschtchte." Würzbura, 9. Juli. Ein neuer Eisenbahnunfall hat sta hier ereignet. Der„Frankfurt. Ztg." wird hierüber folgen»«; telegraphirt: Heute Vormittag 10V: Uhr stießen im Kohlen« einige Güterwagen aneinander, so daß einer stch in einm haD entladenen Kohlenwagen bohrte und zur Hälfte schief auf G zu liegen kam. Zwei Wagm find sehr stark,«sei weniger»' schädigt. Ein Arbeiter 3»et Wagm find sehr stark, zuei weniger erlitt Quetschungen. Schweizer Garten. Am FriedrichShain. Hallestelle der Ringbahn. Am KönigSthor. •""SSÄiUV w" Großes Concert«. Borstellung. Austretm sämmtticher Spezialitäten, de» Komiker-Trio« Zona»,»rosch und Gliilrv, der Masol Urupp« in ihrer Senlationtluftnummer: filllss l»amel als lebende Kauoueukugel. Iii»» Lazel wird aus einen Kanone geschossen und von Miss Zerns aufgefangen wenden Die lustigen Heidelberger. Große Studenlenpofse mtt Gesang in 1 Akt. Volksbelustigungen aller Art. Rutschdahn. Elektrische Bahn. Tanzkränzchen. Gutree 80 Pf. t 1. S e s ch S f t�Iimmerstratz�r���I gy Abend«: Große Illumination und elellrische Beleuchtung. Grosses Kriegsseuerwert. Zum Schluß, zum ersten Male:»1® Sehlmeht bei Harenta. Große» milttärisch.pyrotechnische« Schauspiel unter Mitwirkung von 150 Personen. ReAaurant rd. Mit Wiener- Straße 81, empfiehlt allen Freunden und Bekanntm sein neu rmovirte« Wels«- und BalrUch-Bler-Lokal. 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Druck -----— 1-v � �------ ?it StMtWkttKt »or de« Ventfche» lieich» Komplet Heft �__——'— JAJ aaa.«MWW_ und Verlag von«a» vadtug in Berlin 8W, veuthstraße 2. Hierin eis» Arbeitsmarkt. Zinkgießer, Triciit- TailKi GiuzeiurrstO� zu Fabrikpreis Damm-Tatllm» A Kinder Blousen v-g Knabm-Anjüge» Rindet. Kleidchen «rteat-fKo in all. Farben voSÄ Bestellungen nach� ohne Prei« aust�ß nprode val«- 12- Ai 12. KnivsvittteiSttßt 1j" Loais LichtensieiJ Nähmaschinen......_ E.Franke, Saarbrückerfi� sämattl. k günst.VcV Beilage zum Berliner Bolksblatt. Ar. 159. Sonntag, den 11. Juli 1886. IIL Kommunales. Zur Beachritng für die tkommuualwählcr. Der MaMrat wacht drtannl, daß die Litte der stlmmsähtgm Lü ge? nach Borkchrist der§§ 19 und 20 der Ltakteordnung vom SO. Mai 1853 berichtigt und nunmehr in der Zeit vom IS. dt« etntchließiich den 30. Juli d. I. täglich von 9 Uhr Bormittagi diS 1 Uhr Nachmittags in dem ftädtischen Wahl buieau Lceit-str. 20», 2 Treppen, öffentlich autliegen wird. Während dieier Zeit kann j des Mitglied dlr Stadtgemeinde gegen die R chttgkeit der Liste Einwendungen erheben. Die selben müffen in der gedachten Zell schriftlich beim Magistrat angebracht werden; später eingehende EHpritch« können n�cht derückftchiigt werden. Die I. Abtheilung besteht auS denjenigen Wähle.n. w-lche mindest ns einen Steuerdetrag von 1530 80 M. sadien; die IL Adiheilrng beginnt mit dem Steuerbeirag« von 1530 70 M und endigt mit 331,80 M. während die HL Ad- thnlung mit dem letzteren Stcurrdetrage begwnL Der Ma> gistrat macht hierbei noch besonders darauf aufmerksam, daß bei Berichtigung der Wählerlisten in Betreff des Wöhr fitze» der stimmberechtigten Personen in Berlin dt« von denselben zu erstattenden An« und Abmeldungen be-ückffchtigt werden, und daß demnach auch diejenigen Personen, welche nur vorüber« gehmd nach einem Bade, in eine Sommerfrische u. s. w. ver» reist sin?, diesen Umstand a st ihrer Abmeldung aber nicht ver- merkt sondern fich einfach alS von Berlin venogen abgemeldet haben, ii der Wählerliste gestrichen worden find. •w. Die jetzt destehendt« Volizetlichru vefttmmuuge« über die Ädruhr von Schutt, Müll, Kehricht rc. haben eine Anzahl �uhr- und Bauunternehmer veranlaßt, beim künigl. Poitzelpräftdium einer Aenderung di.ser Bestimmungen zu de« antragen. Da« königl. Poltjetprälidium hat nun beim Magistrat angesragt. ob er geneigt sei, eine Aenderung namentlich der Vorschrift zuzustimmen, daß die zur Abfuhr vorgenannter Gegenstände zu benutzenden Wagen auf Federn rühm müffen. Der Mag st at hat deschloffen, dahin zu antworten, daß die- jenigen Wagen, welche nicht flüsstgen Inhalt bergen, ohne Federn gebaut sein können, solche Wagen aber, welche zum Fortschaffen flüsstgen Inhalts dienen, unter allen Umständen auf Fevern rüden mvff�n. Nach Mtttheilung de» Statistische« Amt» der Stadt Biriin fino vet den hufigen Standetämtern in der Woche vom alk A"kü bis inkl. 3. Füll er. zur Anmeldung gekommen: �b-schlikßungen, 847 Lebendgeborene, 34 Todtgedorene, eUo Ster befalle. Kokales. I» Verbindung mit der Einführung der«e«e« Stadlpostbeförderung durch die Berliner Packetfahrt und die vania wird eine recht intereffante Frage autgeworfen. U fter den Briefschaften, welche diesen beiden Gesellschaften zur Betölderung anvertraut«erden, dürfte fich insofern ein größerer Prozenisatz unbestellbarer Briefe ali bei der Post befinden, als den noch nicht eingeschulten Beamten der Privatgesellschaften die gewiffrrmißen ererbte und durch Uedung anerzogene Fin« dizkeit in der Bestellung mangelhaft adrelftrter Briefe fehlt. Nun aber dürfen Briefe von Unberufenen nicht eröffnet werden, ohne daß fie fich einer strafbaren Verletzung des Briefgeheim« nrffeS schuldig machen. Die kaiserliche Post allein macht eine Ausnahme. Sie darf zum Zweck der Ermtitelung des Ab- sendrr» unbestellbare Briefe öffnen. Da« Amt bedeutet ein ganz besordrrc» Verträum, man hat es daher auch Männern übertragen, bei deren Au»wahl ganz besondere Rücksichten watteien. Wie werden nun die Privatgelellschaften sich ver- halte" V Daß fie die Briefe nicht öffnen werden und fich nicht der Gefahr einer Strafverfolzung aussetzen, erscheint unzweifel- bait. Briefe, die nicht auf Ver Außenseite den Vermerk de» Absender» tragen, werden daher, wenn fie unbestellbar find, in den Bureaus der Privatgesellschaften liegen bleiben, bis man fie rellamtn. Auch darüber, wie lange fie aufbewahrt bleiben müffen, um auf eine Reklamation zurück geliefert zu werden, defteht eine Bestimmung noch nicht. Hier bietet fich in der Thal«ine Schwierigkeit, an die man vorher kaum gedacht hatte. In demselben Maße, in welchem der Betrieb zunimmt, wird fich übrigens auch diese Schwierigkeit erhöhen. Und der Be« trieb nimmt zu. Bei der Packetfahrtgesellschaft allerding» in Kerliner Sountagsplauderei. R. C. Al« ob die Thür eine« große« Vogelkäfig« ge» öffnet wird, so fliegen fitzt die Berliner hinaus i» alle Weit I»Laßt fie traben'— denkt der zioilrfirte Mensch (rnfach und wünscht ihnen alle möalichen Glück- und Segens« wünsche»ach. Die rothgebundene« Bücher von Bädeker paradire« auf alle» Ladentische«, und Zeder, der es fich fersten kann, legt fich et« solches ,u. Es v-r°°llstS°d,gt «eben dem»othwendigea Anmstecher die RersetorUUe und verleiht jeder Zammergestalt die obligate Würde. E« ist wirklich ei« herze, hebender Anblick, de» Reise. Vorbereitungen gewisser Herrschaften zusehen zu dürfeu. Der eine amüfirt fich damit. Abends, wen» nach zwölsstündiger Arbeitszeit die Geschäfte eigentlich längst geschloffen sei« müßte«, im«reise seiner.Zunge» Leute' de« Bädeker zu studire» und dabei er« opulente» Mahl einzunehmen. Für die.junge» Leute muß da» wirklich ei» unendliche» Vergnüge» sei», mr, hungrigem Magen de» au»aezeich«et«» Appetit de« Ehef» bewunder« zu dürfe«, und sehnsüchttge Blicke auf dre Erroße zu werfe«, wo»ach de« Tage» Last und Hitze glück- kichere Leute bereit» spaziere» gehe«. Man kann fich ganz bestimmt der festen Ueberzeugung hingebe«, daß jeder dieser jungen Leute dem Herrn Chef eine möglichst andauernde Reis« wünscht und sollte fich dieselbe selbst bi« i« die Ge- «ende« autdehne«, wo«ach allgemeinem Dafürhalte« der ififfer wächst Doch so find die Leute, Undankdarkest ist rine Untugend de» ganze» Menschengeschlecht,,»l« ob fie «'cht reich genug entschädigt würde« durch die brillante« Erzählungen und Schilderunge« von schöne« Geaenden, von der See und vom Gebirg«, mit denen fit»ach»bsolvirung der Reise i» überreicher Weise regaltrt werde«. Indessen, da, macht nicht». Für de« Berlmer gewöhn. liche» Schlage« herrscht jetzt die Landpartie und der«remser vor. Leider kann man auch hier sage«, daß nicht Alle« Gold ist. wo» glänzt. Wie häufig steht man nicht an den Straßen« eck.» jetzt lange Rethen von«remser» stehe«, geschmückt mit bunte» Lampion» und einem flatternden Banner,— eine Fabrrk macht mft ihre» Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein« Landpartie, oder der Chef der Firma Soundso giebt größerem und schnellerem Maße als bei der Hansa. Die elftere Gesellschaft bat den großen Vorspmng' inet bereits erprobten und für die Packrttahrt eingearbeiteten Organisation und des geschullen«ans ihre» Personal». Die Zahl der von der Packetfahrt und der Hansa zusammen täglich bekörderten Stadt« postsacken soll fich schon auf 50000 Stück dez-.ffern. Von der Charlottenburger Pferdebahn. Die„Neue Zeit" schreibt:„Bei unserer Pferdebahn find die zum Verdeck tührenden Treppen außerordentlich mangelhaft. Während auf sämmtlicken sonst in Deutschland kuisti enden Wagen zwischen den einzelnen Treppenstufen stck ein Schutzbrelt befindet, ist bei den Hübnerstieaen unserer Pferdeeisenbahn hiervon keine Rede. Die Folge diese» Mangel» ist natürlich die, daß die auf dem Hinterverron stehenden Personen, so oft Jemand daS Verdeck erklimmt, je nach der Jahreszeit mit Sand oder Schmutz überschüttet werden. Einer derartigen Belästigung ihrer Fahrgäste sollt« die Direktion eine» großen Verkehriinsti tutS doch vorbeugen, zumal die«lagen über diesen Uedelstand niemals verstummen."— Die„Neue Zeit" irrt fich in diesen AuSsührungen. Die Direktion tiefes großen Verkehrsinstituts hat weniger das Interesse deS Puolikum« als das ihrer Aktiv« näre im Auge. Wie kann man es da erwarten, daß eine solche Ausgabe gemacht wird? Die Aktionare könnten ja etwa» weniger erhalten, und schließlich müßte die Stadtverwallung Berlins die Beiträge, welche die Pferdebahn an die Stadt- Verwaltung zu zahlen hat, wieder hrrabsetzen, w>e daS schon drdattelo» im rothen Hau» geschah. Es bleibt daher AlleS beim Alten. Und den Sand auf den Kopf und den Aktionären die Dividende in die Tasche— so gehört fich's.— Daß man fich übrigens wohl niemals dazu entschließen wird, die Pterde« bahnen überhaupt in den städtischen Betlieb zu übernehmen, beweist folgende Mittheilung:„Die Charlottenburger Pferde« eisendahn>Gesellschaft ist mit der Thiergarten Verwallung in Verhandlung getreten wegen Legung eines Geleises durch die Große Quer« Allee. Falls diese Verhandlungen einen günsti« gen tBeiiouf nehmen, beadfichtigt die Gesellschaft die Herstellung einer Pferdebahn von der Bülowstraße durch die Zieten-, Mmthiner-, Magdeburger- und Bnrdlerstraße durch die Große Oueraller bis zur Charlottenburger Chnuffee zum Anschluß an die dortige Hauptlinie. Zugleich beadfichtigt fie, ihre gegen- wältig auf dem Lützowplatz ausmündende Linie über die von der Heydt- und Königin Äugustastraße bi» zur Bendlerstraße zu verlängern. Fall» die erwähnten Verhandlungen nicht zu einem günstigen E.gedniß führen sollten, will die Gesellschaft die Verbindung der neum Linie mit der Hauptbahn von der Bendlerstraße durch die Thiergarten- und LennSstraße herbeiführen."— Etwa» wird dieser Pferdebahn Gesellschaft wohl genehmigt werden; es werden immer neue Konzesstonen er- theilt, der Stadt immer neue Einnahmequellen entzogen— wahrscheinlich hat es der Steuerzahler dazu l Da» Bade« und Schwimme« gewinnt in erfreulicher Weise von Jahr zu Jahr an Ausdehnung, nichi bloß bei dem männlichen, sondern auch bei dem weidlichen Geschlecht. ES giebt in der That keine gesündere, empfchsensweithere Be- wegung alS das Schwimmen. Schon vor Jahren hat Prof. Dr. Buchow Schwimmen und Laufen als die Uebungen de« zeichnet, welche auf Kräftigung der Bnist und Erhöhung der illthmungslhäiigleit am meisten einwirken- Minister Dr. v. Goßler äußerte in der Sitzung vom 3. Februar 1886 im Ada«ordnetendause:„Wa» da» Schwimmen anbelangt, so ist «» in meinen Augen da» Ideal der Jveale für dir harmonische Ausbildung de» Körper». E» giebt keine körperliche Uedung, welche einem gut geleiteten Schwimmen fich vergleichen laffen könnte. Wenn Sie fich allein das Mechanische de» Schwimmen» vergegenwärtigen, so werden Sie anerkennen müffen, daß dabei jeder Körpertheil in einer ganz normalen Weise zur Thätigleit und jede Kraft des Körpers zur Entfaltung gelangt, und ich darf Sie daran erinnern, wie die ganze Weitung der Brust gerade bei dem durch geistige Arbeit so überlasteten Mädchen« leben von der äußersten Bedeutung ist." Die preußische Staatidebörde ist von je dem Schwimmen geneigt ge- wesen. Schon 1811, in dem heißen Sommer, in dem die Fälle dei Ertrinkens in erschreckender Weise fich mehrten, erging eine sehe eingehende Verfügung betrcnend de» Schwimmen». Sväier trug General v. Pfuel, der Begründer der Pfuei'schen Schwimmanstalt, viel zur Verbreitung dei Schwimmens bei; 1873 wurde da» Schwimmen und der seine» A» heiter» ein« Landpartie. Wie schön hört fich das nicht an und wie wenig steckt dahinter. Soll ma« de« Leuten die Zllufio» raube»? Wie frisch und rofig sehe» die Gesichter der jungen Mädchen au«, die ihren beste» Sonntagsstaat angelegt habe», wie glänzen die Auge« und wie möge« fie fich freue«, daß fie einmal in der freien Na- tur statt in dem dumpfe« Fabriksaal den Tag zubringe» dürfen. Und auch die Männer mache» vergnügte Gesichter, auch sie schütteln gern einmal auch a» einem Wochentage de» Arieitsstaub von fich ab. Was ist das End« vom Lied? Z» die Redaktionen der Zeitungen komme» am nächste» Tage ellenlange Bericht« gepflogen, die in mehr oder weniger schwuagtvolle« Worte« da» gute Einvernehme» zwischen Arbettgebern und Arbeit« »ehmern, die Generofität der erster«» und die glühende Dankbarkeit der letztere» schildern. Berlin spricht von den liebevolle« Arbeitgeber«, und diese umgürten fich mit dem ganze« Stolz, den da» Bewußtsem, eine gute, aber recht billige That vollbracht zu habe», verleiht. Wird die dem Vergnüge« geopferte Zeit bei passender Gelegenheit nicht doppelt und dreifach wieder eingebracht, und wer bezahlt eigentlich die gemeinschaftliche« Ausflüge? Wen« die Arbeiter über de« letztere» Punkt einmal nachdenken möchte», so würden die glänzende« Berichte wohl bald ei« Ende finde«. Wer ei« paar Groschen für sei« Vergnüge» übrig hat, der kann dieselbe» in Gemeinschaft mit seine» Kameraden verwende», ohne daß einer derartige» Festlichkeit Leute beiwohne», die ei-e« wirkliche» Durchbruch der Fröhlichkett schon durch ihre Anwesenhett verhindern. Man steht alle Jahre, wie fich dieselbe Komödie wie« derholt. E« scheint da» ein» der Uebel zu stin, ohne die Berlin nicht lebe« zu könue» scheint. Doch halt,«in» giebt'»»och und da» ist die magistratliche Buddelei. Unsere Leser wissen, daß erst jüngst in den Alpen wieder einige Personen verunglückt find. Ma» versteht de» Unver« stand dieser Leute in der That«ich», die erst schweres Geld verreise», bevor fie da» Glück habe«, fich Hals und Beine brechen zu fönae». Da habe» wir es doch in Berlin viel billiger und bequemer. Wer nur em einzige» Mal Abend« bei mangelnder Beleuchtung über die hervorstehen- de» Schienen einer umzubauenden Pferdebahn hingeschlagen Schwimmunterricht ordnungsmäßig überall da, wo es möglich ist, in die preußi'chen Schullehrer. Seminare eingeführt. Dt« kgl. Turnlehrer-BUdungSanstalt verbindet mit den im Wintcr abgehaltenen Turnkursen für Lehrer seit Jahren auch Schwimm» kurse(im Viftortabad, Neuenburgerstraße), in dcnen die Eleven ntchl allein Schwimmunterricht erHaften, sondern auch zu Schwimmlehrern ausgebildet werden. Im verfloffmen Winter wurde unter 78 Eleven 40 die Befähigung zur L-ttung dezw. E-theilung von Schwimmunterricht zuerkannt. Auch die Theil» nehmerinnen an den Turnlehrerinnen-Kurfen(April bis Ende Juni) erhalten in dem Viktoriabade zum großen Theile Schwimmunterricht, soweit ei überhaupt die Verhältniffe ge« statten. Es»erden dabei besonders die von aus värls gekommenen Damen berückfichttgt, welche zu Hau» keine Ge« legenheit haben, schwimmen zu lernen; denn leider ist für das Schwimmen des weiblichen Gelchlechts im Ganzen noch wenig gesorgt. Hier in Berlin mehrt fich die Ge» legenheit dazu von Jahr zu Jahr, nicht all in in gcschloffenen, sondern auch in Fluß- Schwimm« anstalten, wird aber noch nicht so benutzt, wie diei geschehen sollte. Auch das Winterschwtmmen ist für das weibliche Ge« schlecht(neben dem Schlittschuhlaufen) eine vortrelfliche und sehr empsehlenswerthe Bewegung. Man will beobachtet haben, daß dem weidlichen Geschlecht das Schwimmenlernen ebenso leicht, ja noch leichter falle, ali dem mänrnichen— wenn erst die anlängliche Scheu vor dem Wasser überwunden ist. Die Schwimmlehrerinnen werden durchweg al» tüchtig bezeichnet. In Wien, wo von dem weidlichen Geschlecht viel geschwommen wird, ertheilen meistens Lehrer auch den Mädchen Schwinm- Unterricht.— Wir finden diese Auslassungen in der„Voss 3 ig." und können uns mit den faktischen Angaben nur einverstanden erklären. Leider aber scheinen uns die Badeverhältniffe LeriinS viel zu günstig geschildert; wir vermissen immer noch genügende Einrichtungen, um namentlich dem arbeitenden Volke als solchem die Erfrischungen des Badens und Schwimmen» zu Theil werden zu laffen. Die Bemerkungen ein»«lner Herren in der Stadtverttetung, als eS fich um probeweise Einführung von Regendävern in d-n Grmeindeschulen handelte, beweisen, daß gerade in diesem P-nfte die Theorie mit der Praxis noch einen harten Kampf zu dest'hen hat. Das Retchsversicherunglamt hat soeben zwei für unsere Berliner Verhältnisse welentitch in Betracht kommende Bestim» mungen bezüglich der Handhabung des UnfallverficherungS- gesetzes getroffen. Nach der ersten dieser Bestimmungen soll in Zukunft dei der Heranziehung der Wagendaubetrteb« zur Verficherungspflicht eine Unterscheidung dahin stattfinden, daß solche Betriebe, in denen es fich um die Herstellung von Luxuswagen handelt, einschließlich der Herstellung von Drosch» ken, Postkutschen und Omnibuiwagen, dei der Eisen- und Stahl« Beruf« genoffenschast zur Einschätzung in die Gefahrenklaffe sowie zur BeitragSleistung herangezogen werden, wogegen an» der« Betriebe, in denen andere Wagen, namentlich Last-, Acker- und Arbeftswagen angefertigt werden, bei der Holzbe« mfsgenoffenschaft zur Ve, anlagung gelangen.— Die zweit« Bestimmung betrifft den vom RetchsoerficherungSamt letztin- stanzlich getroffenen Bescheid auf den Antra« eine» Be» triebS« U.ternehmer», welcher zahl, eiche Arbeiter mit der Reinigung von Glasscheiden und Glasdäch-rn beschäftigt. Da bei diesen Arbeiten sehr leicht Unfälle vorkommen können, so wendete fich der betreff nde MDZZM« dem Unternehmer erhobene Beschwerde für unbegründet, da die gewerbsmäßige Reinigung von Glasscheiben und Glatdächern an fich nicht alS eine Glaserarbeit dei Bauten aufzulaff-n sci und dieser Betrieb auch sonst nicht al» verficherungtpflichria im Sinne des Unfalloerficherungsgesetze» angesehen werden fönne. — Es wird damit eine nicht unbeträchtlich» Zahl von Arbeitern deren Beschäftigung im hohm Maße mit Urfalltgefahren x>tx. knüpft ist, von den Vorthellen der gesetzlichen Unfallverstche« rung ausgeschloffen. ...»et de« htestge« Lotterie-Kollekteure« sollen, wie eine Lokal-Kolrespondcnz erfadren haben will, schon jetzt so zahl« reiche Anmeldungen zur Notirung auf die erst vom 15. August ab zur Verausgabung gelangenden neuen(oermehrten) Loose K d« weiß ga«, genau, daß ma« in Berlin mit derselbe« Präzrsto» ferne gesunden Gliedmaße« einbüße» kann, selbst wen» man nur dieLeipzigerstraße hinabwandelt. Die Erdhaufe« und aufgestapelte« Bohlen, die Haufe» von Pflastersteine» biete« dem erfahrene» Kletterer ei» Feld äußerst gefährlicher und balsbrecherrscher Thätigleit. 1 Ö �* So habe» wir in Berlin Alle», was wir«n, nur wünsche« könne«; Gebirgslandschaften mitte« in der Stadt dafür sorgt der Magisirat.- Wasservergnügunge» am Plötzensee, es ist wirklich kein Grund vorhanden, daß der seßhafte Staatsbürger sei» Heim verläßt.— An» Kunst und leben. Unsere Zett zeichnet fich dadurch au«, daß ste neben den Ersendahnen und dem populären Kulminationspunkt ihrer Wirksamkeit, den Exkajüaen. auch noch die allervorzüglichsten Reisesurrogate darbietet. Das Ron plag ultra eines solchen. welche» an Mantgfaftigkett, Naturtreue und Umfang seines Gebiet» alle anderen um eine Lokomotiven-Nasenlänge voraus ist, ist unbedingt das Universal-Kaistr- Panorama in der Passage. Htzu tn diesem eigenartig erleuchteten Zr überlasten fährt unser »»ge auf dm Flügeln der Phantasie durch alle Länder unserer Erde. Da» hi-r Gebotene erjchetnt so wunderbar plastisch und naturwahr, daß man fich unwMlürlich frägt, ist dies nur Optik oder grerfvare Wirklichkeit? ..«perl- Trepow.«Wer V tele, bringt, wird Jedem etwa» bringen", so lautet die Devise de« obigen Etadliffement», welches es sich zum Prinzip gemacht hat, dem Publikum möglichst viele künstlerische Adwechselungm zu bieten. Den besten Beweis hter« für findet das alltäglich zahlreich erscheinende Publikum tn dm zur Zett dort engagttten Spezialitäten. Genüsse tn Hülle und Fülle werden hier servirt und in der That verlohnt es fich wohl der Mühe, diesem fteundlichen Etadliffement recht oft einen Besuch abzustatten. Spezialitäten aller Nationen w:tt» eifern hier um die Gunst deS Auditorium» und alle Produk» tionen, die auf dm verschiedenartigsten Gebieten vorgeführt werden, finden stets dm wohlverdicntcsten und gebührenden Applaus. Da» Etablissement„Sperl" zählt mit zu den erftm Srezialitälenthealem der R-staenz und erfreut fich von Tag zu Tag mehr der wärmsten Sympathie der Berliner Beröl» kerung und aller hter durchreisenden Fremden. d« preußischen JWofffnlotttile eingegangen sein, daß eine voll« ständige EffeVuirung der Aufträge völlig auigeschloffm erscheint. Allerdtng« berrscht in den detrrff-nden Kreisen lein Zweifel darüber, daß stch unter den neuen LooSdewntem eine nicht geringe Anzahl von Händlern b, findet die stch durch Zwischen- Personen bei Zeiten in den Best, von Lofterieloosen zu setzen suchen. Uebrigeni dürste e» nicht allgemein bekannt sein, daß bei der General!otteriedirettion nicht nur über die Zahl der Prtoatkollekten, sondern auch über die Mittelpersonen,»eiche diesen die Loose zuführen, ziemlich oenaue Listen geführt werden, in denen seit dem Jahre 1875 nicht weniger denn 201 Privatkollekten und 3388 Vermittler notirt worden sind. Unter dresen letzleren brfiiden sich auch Vankiert, Rentiert, Guttbe- fitzer, P.ediger, Profefforen, Lehrer, Künstler, Aerzte, veamte, Damm der„besseren" Stände und sonstige P-rsonm, von dmm man nicht vermuthctc, daß fie in dieser Welse den Handel mit Lotieiieloosen fördern. Zu unserem Artikel über die Jmpfkarte« und die damit zusammenhängenden Unzuttäglichletten des Jmpfens überhaupt erhalten wir von einem auswärtigen Leser tolgende bemerker swerthe Zuschrift: Zu Ihrem Artilel in Nr. 151 über JÖugtene" kann ich Ihnen eine Illustration geben. Vor zwei I ihren wurde mir mein Kind von unserem Sanitätsraih und fteisphtzfikuS krank geimpft. Ungefähr ein Dutzend Arbeiter- Ander wurden gleichzei.ig angesteckt, da die Mutter deS Ab« Impflings, wie sich später herausstellte, syphilitisch war. Diese Person machte auch auf Laien einen solchen Eindruck, daß man nicht begreift, wie von dem Kinde solcher Frau Lymphe genom« men werden konnte. Schuld trug hier also unbedingt der Kreisphyflkus, der überhaupt in seiner damals dokumcntirten Handlungsweise den Dr. Eisendart ziemlich getreu kcpirte. ES starben 3 Arbeiterkinder an Geschwüren. Meine Vor stellungen an das LandrathSamt, den Staatsanwalt, die Regierung, den Minister, kurz alle Bemühungen, die Mittel zur Kur der armm Kinder zu beschaffen, waren fruchtlos. Es wurden ja ewige Medizinalräthe zur Untersuchung gesandt, w ewem Falle auch ärztliche freie Hilfe zugesagt, die aber erst erschien, als der Impfling tobt war, aber von einer kostenfreien Behandlung sämmtlicher erkrankter Kinder war leine Rede. Mein eigenes Kind wäees stcher auch zum Opfer gefallen, wmn ich nicht volle ärztliche Hilfe schaffte, die wegen der hohen Arztpreise auf dem Lande auch mir schwer genug gefallen ist. Trotzdem nahm ich auch einen Arzt für die armen Arbeiter« Kinder, zunächst auf meine Kosten an. Lobend muß ich hier anerkennen, daß der Pfarrer des Orte», als er von der Sache «hört hatte, au» freien Stücken seine pekuniäre Mithilfe an- bot und mir auch thatiSchlich spät-r die Hälfte meiner Aus- lagen für die Arbeiterkinder, 90 Mark, also 45 Mark, zurückerstattete. Bei der Regierung war nicht« zu erlangen, mich hat also der Impfzwang ca. 100 Mark für mein eigene« Kwd und 45 M. für die Arbeiterkinder gekostet. Ich habe mir die Auslagen für die Arbetterkinder von der Regierung zurück« gefordert, aber die Antwort erhalten, es wäre kein Fonds dafür vorhanden. Daß ein solcher nach Ihrem Artikel auch heute noch nicht existirt, ist«ine Ungerechtigkeit, und muß wieder und wieder die Aendnung diese« UedelstandeS beantragt werden. Wenn die Kinder zwangsweise solchen Krankhetten ausgesetzt werden, kann seitens des Staats auch die freie unentgeltliche Kur übernommen werden, namentlich für Unbemittelte. Es ist unbegreiflich, daß von den vielen Volksvertretern noch nicht einer die freie ärztliche Kur für krank geimpfte Kinder beantragt !iat, und sollte e« geschehen sein, noch undegreislicher, daß ein olcher Antrag auf Widerspruch gestoßen sein sollte. Ich hätte vielleicht gleich von Anfang an Keffer gethan, mich an die Preffe Iu wenden. Durch meine Vorstellungen bei der Regierung «de ich nur erreicht, daß besagter KreiSphystkuS beim Impfen jetzt mit der größten Sorgfalt vorgehen soll und die vtertache Zell darauf verwendet, auch nur noch animalilche Lymphe de- nutzt. Dennoch können wieder Krankheiten folgen, und find dann Arbeiterkinder, namentlich auf dem Land«, ohne ärztliche Hilfe, wenn nicht fetten« der Vertreter der Arbetterintereffen Abhilfe geschaffen wird. Achtungsvoll H. Well«, Maschinen- bauer. Loppow bei Düringshof a. Ostbahn. Wir haben dem nichts hinzuzufügen, wünschen aber auch, daß im Parlamente von Seiten der Arbetteroertreter in diesem Sinne gewirtt würde Zar Verläageruvg der Charlottenstraße. Das zur Verlängerung der Charlottenstraße zwischen Georgenftraße und und der Spree erforverltche Straßenland ist im Befitze ver« schtedener fiskalischer Behörden, wie der königlichen Mtntsterial Baukommisston, des Ober- MarstallamteS und de« Hofmarschallamtes. Der Magistrat hat mit diesen Behörden fich wegen des Erwerbes dieses Straßenlandes in Verbindung gesetzt, und ist nach den bisherigen Verhandlungen zu erwarten, daß eine Einigung über die Bedingungen zur Abtretung de« Straßen« landes, in welches auch ein Thett des sogenannten Katzen- graben« fällt, in nicht allzu lanzer Zeit erfolgen wird. Es dürfte demnach die Durchlegung der Charlottenstraße in Bälde zu ermatten sein. In der«reuznug der Jerusalemer« und Leipziger» ktraße wird aegenwäriig eine der komplizittesten Figuren im Syiem der städtischen Pserdieisenbahr.cn hergestellt. Jnsteden W ichenkuroen«erden hier, wie die„Rat. Ztg." schreibt, aus den verschiedenen Schneidelinien des eisernen Kreuzes die Doppelzeletse der vier Straßenttchwngen einlaufen. Wenn demnächst auch die Bahnstrecke zwischen Sptttelmarkt und Molkenmarkt eröffnet sein wird, ist in dieser westlichen Ecke des Dönhofsplatz somit in der That ein Pferdeetsenbahn Zentrum hergestellt, in deffen Durchschneidungsvunkt? alle Hauptlinien aus den verschiedenen Richtungen der Windrose im städtischen Wetchdilde mtt seinen Peripherien zusammenlaufen. An Stelle der bisher asphaltitten Straßenbahnen wird auch hier zwischen den Pferdettsenbahngeleisen Holzpflaster gelegt. In Bezug auf die Anlage und Verzweigung de» Schien enretzes find« der vorerwShnte Kreuzungspunkt übrigens ein Seitenstück an dem KceuzungSpunft der Charlotten- und Französtschenstraße. Die Benutzung der verschiedenen Kombinationen wird ab« in d« Le-pztg« und Jerusalemerstraße eine um so größere sein, als ver Verkehr hier viel stärker und immer mehr anwachsend dahinfluthet. In dem Bericht über die Versammlung der Zentral- Krauten-«nd Eterbekasse der Maurer in d« gestrigen Nummer uns«« Zeitung befinbet fich eine tnthümliche Angabe. ES heißt daselbst:„Bezüglich d« Btstimmung des§ 19 de? Ortskrankenkaffenstatuts, daß Frauen von Mitgliedern, welche der Kaffe nachweislich volle 15 Jahre ununterbrochen angehört haben, beim Todesfalle des ManneS ein Sterbegeld von 50 M.«halten, detonte der Redn« den im Ganzen genommen ziemlich illusorischen Charaftn dieses Unter« stützungstitel«, da Fälle solcher Art unter dm bekannten heutigen Arbeitcrvcrhältniff n zu den allergrößten Ratttätm ge» hören, also nur höchst selten den Mitgliederwittwin Bottheil bieten dürften."— Der§ 19 des Ortskrankenkaffenstatuts lautet aber:„Die erwachsenen Kaffenmitglieder, welche d« Kasse ununterbrochm 15 Jahre lang angehört haben, erhaltm beim Todesfall« ihrer Ehefrau«in Sterbegllv von 60 Mark." Ein werthvolle« Spielzeug hatte stch die sechsjShttge Tochter«in« in d« Chaufieestraße wohnhaften Frau H. aus« gesucht. Die Kleine hatte fich mtt einem schwarzen Emt, enthaltend eine goldene Damen-Zylinderuhr. vor die Thüre de» Hause» hingesetzt, als ein anderes etwa 10 Jahre altes Mädchen in einem rothen Kleide an fie mtt dem V«sp:ichm h-ran« trat, ihr einen Bondon zu aebm, wenn fie ihc V.-S Etui über« lasse. Die kleine H., den W-rth des Etuis und s-inet Inhalts nicht kennend, ging auf den Tausch ein, worauf fich das andere Mädchen schleunigst mit dem Eiui entfernte. Die Uhr trägt die Nummern 18930 und 25990. Mit welcher Exaktheit die Berliner Sozialdemo- kratte agtttrt so schreibt die„Voss. Ztg.", trat am Donnerstag wieder in'S Licht. Ei gatt die V-ttreibung des von dem ausgewiesmm Reichstagsadgerrdneten Paul Singer an seine Wähler im viettm Berliner Reichstagiwahlkreise gnichteten (wie berettS mttgetheilt, inzwischen v«botenen) Abschieds- grußes. Nicht wenig« als zwanzigtausend Exemplare davon gelangten zur Ausgabe. Vor den Thürm der Wohnungm und Läden, auf Treppen und Absätzen, in Gastwirt hschaften, Wnkstältm und auf Neubauten wurde der in Gestalt eines Flugblattes abgefaßte Abschiedsgruß niedergelegt. Nur wenige „Parteigmoffen" wußten von der Adficht des Auigewiesmen, auf diese Weise zu seinen Wählern zu reden. Die Vor« bereitungen, der Druck und die Verth eilung blieben der Polizei unbekannt. Obgleich stch AlleS am hellen Tage vollzog, wurde auch nicht ein einziger Vettheiler behördlich fistirt. WaS wir wteverhott hervorgcvoben, ist thatsächlich eingetreten: die AuS- Weisung Eingu's hat ihm und d« Sozialdemokratie nament« ltch in den Vorstädten nur Schaaken von Anhängem zuge- fühtt.— ES liegt eben ein ganz and«« Zug in d'esm Leuten als in dm behäbigen Epicßbürgnn der„Voss. Ztg." Den Herren mag die Kühnheit und Beweglichkeit der Sozialdemo- kratie freilich wunderbar vorkommen, denn fie selbst werden niemals Flugblätter vettheilen, fie können das nur durch be« zahlte Leute thun, während es bei den Sozialdemokraten aus Liebe zur Sache geschieht. Dattn liegt eben„die Exakthett d« Agitation." Haussuchung. Bei dem Tisch!« Vick, Swinemünd«- straße 146, wurde am 9. Juli Abends eine polizeiliche Haussuchung nach verbotenen Schriften abgehalten. Gesunden wurde nicht?. Heute Bormittag 11 Uhr findet die feierliche Eröffnung d« ersten deutschen Ausstellung von Schuhmach-r-LehrlingS- arbeiten nebst Bedarfs- Attikeln im Medding'schen Konzetthause, Leipzigerstr. 48, statt. Der Katalog weist über 700 Nummern nach. Die Ausstrllung hat sämmtltche Kategorien von Schuhwerk und Maschinen aller Art aufzuweisen. DaS Entree beträgt am Sonntag zur E öffnungsfei« 1 M., von 1 Uhr ab 60 Pf. pro Person und 30 Pf. an jedem and«en Wochentage. Bei dem Strafgefäugniß zu Piötzeusee besteht sett dem 1. Juni d. I. eine ständige Feuerwehr. Dieselbe ist ge- bildet aus einem Kommandanten und einem Stelloertretir desselben, einem Spritzenmeist« und auS 12 Feuerwebrleutm. Der Kommandant ist der Anstalts-Jngenimr, sein Stelloer« tret« der Maschinmmeist«. Der Spritzenmeister und sein Vertreter werden vom Direktor des StrafgesängniffeS auS der Zahl d« Aufseher bestimmt, unt« denen fich einige gediente Feuerwehrmänner befinden. Als Feunwehrleute fungiren 12 von dem Direktor besonders dazu ausgewähtte Gefangene, deren Bestand nach Maßgabe der Abgänge jedttzeit sofort n- gänzt wird. Sie tragen eine eigene Mütze mit Nummnschtld und schlafen beisammen in einem gemeinschaitlich.n Schlaf« saal, so daß fie im Betürfnißfall ohne jeden Verzug vereinigt an den Ott der Gefahr dirigtrt werden können. Diese Feuer« wehr hat nun die Aufgabe, eine vorhandene Feunsgefahr so« fott im Entstehen und so lange zu bekämpfen, bis die tele« graphisch httdeigerufene Berliner Feuerwehr angekommen ist und in Akrion tritt. Fttner wird seitens der Direttion von Plötzensee beabstchtigt. im Strafgefängniß eine Einrichtung für Brausebäder zu treffen, wobei man die Erfahmngen des Ber« liner Verein« zur Begründung von Volksdädern verwerthen will. Zur Zeit«hatten die Gefangenen Vollbäd« in Wannen, die viel Zeit ettordern und viel Geld kosten. Während jetzt täg- ltch kaum 100 Gefangene gebadet werden können, dürfte et mit Brausebädern möglich sein, an einem Tage 400 zu baden und den Badeprozrß des gesammten GefangenendettandeS, d« jetzt fast 14 Tage in Anspruch nimmt, auf drei Tage zu de« schränken. Et» hiesiger Gewerbetreibender beabstchtigt, wie d« „B. B. K." mUrheiU, da» gesammte Ledergewerbe einhettlich zu regeln. Zu diesem Zwecke will« auf dem ehemaligen Vieh- Hofe in d« Brunnenstraße Einrichtungen treffen, nach denen daselbst die sämmtlichen in Berlin zur Bearbeitung kommen« den rohen Häute sofort geg«bt und die Leder zu den vn« schiedensten Jnduftrie-Arttkeln dn Lederbranche verarbettet w«« den. Es soll hindurch ein Votthett angestrebt weiden, der so- wohl dem Handel und Gewnde, soweit fie die Lederindustrie betreffen, alS auch d« Gesundheitspflege, der letzteren nament- lich durch Entfernung der Gerbereien von den öffenttichen Wasser läufen, zu Gute kommt. Der Unternehmer hat seinen Plan dem Magistrat mtt d« Bitte, um Förderung und Unter« stützung unterbreitet, dieser hat aber beschlossen, mtt Rackficht auf die zahlreichen der Stadtgemeinde gegenwärtig obliegen- den Aufgaden, den Antrag avzulehnen— Die einfache Ab- lehnung des Antrages erscheint uns denn doch eiwat zu über- eilt»u sein, und auß«dem gebietet auch wohl die Wichtigkeit desselben mindestens eine Prüfung. Ei ist auch in uns«« Zettung früh» von Anwohnern über das Unzuträgliche der Gerdnettn in sanitärer Beziehung geklagt worden; wenn stch also Abhilf« schaffen läßt, so sollte man einen d«artigen Plan nicht einfach verwnfen, sondern ihn recht eingehend und sorg« faltig studiren. Die Erhöhung der Telegraphengebühr durch de« »tue« Tarif ist Gegenstand hmletchrnder Erütterungen in der Presse. Wenn man 60 Pf. für eine Depesche mit zwei Worten statt 30 Pf„ mit drei bis fieben Wottm statt 35 bis 55 Pf. zahlen muß und wenn fich die Gebühr für Tepeichen von mehr als 20 Worten erheblich«höht, so kommt die kleine Ermäßigung für Depeschen von 10 bis 20 Motten wenig in Betracht. Ex-ellenz Stephan wird fich nicht wundern. wenn künftig die lleinen Depeschen stark abnehmen und statt ihrer viele Depeschen mit zehn Wor« ten, also zur gningsten Taxe kommen. Doch das mag die Zukunft entscheiden. Auf einen Nachiheil des neuen Tarifs, der bisher noch nicht besprochen, macht dn„Reichsfteund" aufmerksam. Dies« Nachtheil wurde mir, so schreibt der Ein« sender, gerade bei den ersten beiden Depeschen, die ich in diesen Tagen aus Eisenbahnstationen aufgab, recht unbequem. Erste Depesche— 16 Wotte, kostete 96 Pf. Ich zahlte eine Mark: im Telegraphenburcau waren keine 4 Pf. zu finden; in Norddeutschland braucht man Kupfnpfennige gar selten. Bei der »weiten Depesche von 11 Motten zu 66 Pf. war es ebenso. DaS Verlassen des Dezimalsystems im Tarif ist ein entschiede« n« Fehl«. Verlangen kann man aber, daß in den Telegraphen. ämtern genügend« Vorrath an Kupfermünze zum Herausgeben gehatten wird. Ueber die Harmouikafabrik von LH. F. Pietschmanu Söhne» von d« wir gestern mitthttlten, daß daselbst ein Stteik ausgebrochen ist, dringen so viele beftemdliche Mittheilungen in die Oeffentlichkeit, daß denselbcn entschieden näh« gitreten wnden muß. Wir meldeten bereit« am 26. v. Rts„ daß den Allordarbeitern zam 1. Juli eine R-duzirung dn bisherigen Akloidsätze von 25 bis 30 pCt. bevorstände. Diese M.ßregel ist nun eingetreten, dieselbe ist um so drückend«, da vre Ar- beitn dies« Branche in der jetzigen Jahreszett ohnehin meist nur halbe Tage beichäftigt wnden. Dn ausgebrochen« Streik scheint nun aber nicht allein auf die Herabsetzung der Löhne zurückzuführen zu sein, sondern die ganze Att und Weise der Behandlung in jenn Fadttk muß nach einem uns vorliegenden Schreiben die Ardeiter auf da» höchste ndittnt haben. Wir lassen hier einzelne Stellen de« Schttslstück« unverkürzt folgen. Es heißt da:„Der wöchentliche Andienst beträgt jetzt bei wo man Mos die Hälfte vndient, so daß die Zahlen 4-5 und 5-6 M. entstehen, worüber zum Beweise viele Lohnzettel vor- gettgt weiden können. Viel schlimmer ab« noch alS daS ist die Behandlung v« Arbetter durch die Meister, namentlich bei den Lälgemachem und Stimmern. Ist ein Arbeit« aus dies« Branche mit sein« Arbeit fettig, so kann« stundenlang matten und suchen, bis« das Glück hat, dm Meister in sein« Stube zu treffen. Alsdann aber muß« fich aufstlllm und gleichsam die Rolle eine» Dien«* od« eines Bettlers spielm, bis es dem Herrn gefällig ist, mal aufzublicken. Denn ansprechm od« gar stören darf man ihn nicht beim Effm, Lesen oder Schieiben, sonst könnte man fich einm gewaltigen„Anschnauzer" zuziehm." Große Entrüstung ruft unt« dm Arbeitern das Verhaltm de» Prokuristen dn Firma hervor. Als die Lohnh«adsitzung ein« geführt war, wurdm mehrere Deputatwnm, die seitens d« Arbetter zu dem Prokuristen erttsendtt wurden, um mtt diesem zu unterhandeln, von demselben kurz abgewiesen mit dn Be» merkung, daß, wmn die Arbett« zu dem vrrmindettm Lohn- satze nicht weit« arbeiten wollten, so sollten fie nur aufhören. Auf die Bemnkunz des einen Arbeit«?, daß fich von dem jetzigen Verdienst nicht einmal ein einzelner Mann ernähren, viel weniger eine ganze Famttie fich erhalten könne, wurde ihm die Antwott zu Theil, daß in Sachsen eine ganze Familie die Woche hindurch für drei Marl arbeitet I— Bei d«attigen Abfertigungen darf man fich frellich nicht wundem, wenn die Stimmung unter den Ardeitem eine keineswegs rofize ist. Der Lacktrer KolaeinSkt, welch« wegen der Affäre Bobkiewicz contra Jhiing Mahlow neun Wochen unschuldig in Untnsuchungshast gesessen hat, ist durch diese Angelegenheit auf das schwnste geschädigt worden. Er ist in Folge dies« Affäre auS sein« Stellung, die« acht Jahre hindurch bei der Niednschlefisch-Märkischen Eisenbahn innehatte, entlassen wor» den. D« Vorstand d« betreffenden Wnkstatt weigert fich, KolacinSki wieder einzustellen, wenn« nicht ein Z-ugniß des Polizei-Prästowms bttbringt, daß er politisch vollständig unbe- schottm ist. Ein derattigeS Ztugniß kann die Polizcrbeiörde aber nicht ausstellen. Das Verfahren der königlichen Werkstatt ist um so mehr zu bedauern, als K. durch die lange Unter« suchungshast fast schaKimüthig geworden und auch sonst in seinen Verhättnissen sehr zurückgekommen ist. Seine Frau ist erst vom Wochenbett genesen, fie konnte natürlich während der aanzm Zett nichiS verdimm und so mußte ein Stück d r Wtrthschaft nach dem and«m ins Leihhaus wandern. Hier bietet fich wieder ein Kapitel von dn Entschädigung unschuldig Jnhastitt«, es ist hier wieder einmal eine gefichette Existenz v«« nichlet worden. Daß K. in seinem Berufe ein tüchtiger Ar« beil« ist, beweist wohl d« Umstand, daß er acht Jahre lang in derselben Wnkstatt beschäftigt war. Sollte ein« unserer?. Leser für K. Ardttt haben, so rheilen wir hi« die Adresse des» selben mtt. Er wohnt Kl.»ndreasstr. 19 v. III. Schnellläufer. An dm Anschlagsäulen vnkündeten am Donnerstag Telegramme, daß ein SchneMäufer, Namens El- karius. in Folge einer Wette am Morgen des genannten Tage» früb 8 Uhr auS Magdeburg aufgebrochen wäre und Abends 7 Uhr in Berlin(16 Meilen von Magdeburg entfemt) an dtt Poisdamer Brücke eintreffm würde, um fich von da nach der «Schwedischm Eisbahn" in d« B-Üch«straßi pi begeben, wo er noch eine Zell lang laufen wollte. Der Mann langte auch — od von Magdeburg kommend, od« nicht?— zur bestimmten Stunde an der Potsdamer Brücke an, wo« von einer grossen Menge Schaulustiger empfangen wurde. Von dort soll er fich zu Wagen auch angeblich nach d«„Schwedischen Eisbahn" begeben haben.— Gestern befand sich übrigens mied« ein ähnliches Plakat an dm Anschlagsäulen. Wir halten ab«baupt von dem ganzen Schwindel, den diese H«rm„Kapitäns" mtt den ausländischen Namen, die fie fich beizulegen belieben, ausüben, nicht viel. Es ist durch derartige forzirte Leistungen schon viel Unglück geschehen. Wenn wir nicht irrm, hat fich auch der berühmte Schnellläuf« Käpnnick, der eine fast spiüchwöttlia* Populatttät genoß, schließlich die Schwindsucht an den Hals gelaufen. Eine» schlimme« Hundebiß hat im Laufe dieser Wock� wie die„Voss. Ztg." hört, der Wirth im Cas« Sadowa ander Oberspree, He« Pflug, früh« Kaifir« im Mosols'schen Lokatt» «litten. Derselbe hat einm Jagdhund, der von einem Thiel' arzt operitt wurde. Obwohl d« letzt«« nun davor gewarnt hatte, mtt dem Hunde vor Hettung in Berührung zu treten,. unterließ eS d.r He« deS Thieres doch nicht, zu demselben»u gehen und es sogar zu streicheln. Wütbmd biß d« Hund so- und durchbiß Herrn Pflug den Daumen der ihn auck nock ander cveitia v«mundend.•*! sott UM fich rechten Hand, wurden sofott Aerzte aus Köpmick und Bnltn herbeigeholt dtt dm Daumm abnahmen. Der Patient schwebt noch in großer Gefahr. Zur Mördersuche. In Grünau wurde vor einige« Tagm ein verdächtiger Mensch eingeliefert, auf dm das vis- nalemmt de» Doppelmörders Keller paßte. Vor sein« Unter- bttngung im Spritzenhause wurde d« v«meintliche Keller vi» fititt, und ihm seine vaarschast, aus 18 M. bestehend, abgenommen. Am andern Morgen, als dn Arrestant zum Verhör eholt werdm sollte, war d« Vogel ausgeflozm. Mit de» Zügel eines Wassereimers hatte« da» Schloß geöffnet und mit Hinterlassung sein« Barschaft dn Ottsdehörde da« Nack- sehen gelassen. Daß d« Vnschwundme, wenn auch nicht KeUer. so doch ein gefährlicher Verbrech« ist, dürste demnach kau« einem Zweifel unterliegen. Etue erschütternde Szene spielte fich gestnn Nachmitta» in der Schönhaus« Allee ab. Vor dem Grundstück der Schultheiß'schen Brauerei war ein altes Mütterchen befinnungs', loS zusammengebrochen, um welches stch rasch die Passantrv sammelten. Durch diesen Auflauf herbeigelockt, trat auch** Jnftrumentenmacher F. hinzu; kaum erblickte er die ohnmäck- ttge Greifin, so warf« fich nebm derleldm mit dem schmerz- lichen Ausruf:„Das ist ja meine Mutt« I" auf» Knie U5» nahm fie in die Arme. Die alte Frau hatte ihren in dtt Schönhaus« Allee wohnenden Sohn besuchen wollen, war abtt unterwegs vom Schlage gerühtt und vor genannten Brauertt zusammengebrochen. Noch lebend brachte fie der Sohn n#* in sein Heim; bei der späteren Ueberführung der Greifin na« d« eigenen Wohnung verstarb fie ad« in d« D-oschke. Diebstähle tu des Markthalle. In der Natt zu vW gestnn wurden in der Zentralmartthalle der Händlerin Fr-» Moeschke Gurken im Werth« von 15 M. gestohlen. Die Dieb« hatten die die Waaren dedeckende Leinwand heruntergenomm? und den übnbleidenden Rest wied r fein säuberlich zuzcdeckt- Emn anderen, und»war ein« Hettngshändlnin haben � scheinend dieselben Spitzbuben sämmlliche Behätter mtt 6»% ««n auf Boden gestürzt, fich offenbar die besten ausgesu«' und den Rest mit den Füßm zertreten. Die Spitzbuben H-U ßZMSWSL-Z �« Gestirn berichteten, ist von d« Krimtt a% worven. j. oon Kanalisationtardetten vom 6. Juli ob; die Kcausenstla«� von der J-rusalemerstraße, einschließlich des K euzdammes, � zur Kommandantenstraße, behufs der Umpflastnunz, wobei � Dampfwalze benutzt werden wird, vom 12. ö. M. ab; fVj, der Stralau« Platz behufs Ausführung oon RanaliW''' Arbeiten und die KalandSzasse dehuf» Umpflastnunz. -SSWZW'S- Ii au», wodurch da» Geschäft wesentlich erleichtert wurde. Es ist jcdoch zu tnonken, öafc noch vielfach verabsäumt wird, auf den Katzem die Tara genau zu bemerken und daß hierdurch die Abrechnung sehr erschwert wird. Auch empstehlt e» fich, die Butterfässer stet» mit Pergamentpapier voltständig auszulegen, damit die Butter nicht den Holzgeschmock anzieht und gegen die Einwirkung der Luft auch in den oberen Schichten mehr geschürt bleibt. ES kostet: Feinste Ost« und Westpreuhische 95—108 M., feine Anrtibuiter 90-95, feine M-cklenbureer, Prtegnitzer. Holsteiner ic. 86—90—92, II. 80—88 M-, Land» butter I 75- 80, II. 65-76, Galiztsche und anvere geringste Sorten 53—66 M. p. 50 Kilo.— Käse sehr gefragt, im Preise steigend, besonder» begehrt Bocksteinkäle und imitirter Schweizer. Quadrat. Bockfteinkäse 18-23, II. 12-17 Pe. p. Ztr. Lim. durger 30—38 und 16—25 M., echter Emmenthaler 70— 80, I. imitirter 50—60, II. 40—45 M.; echter Holländer 58—75; rheinischer 45-70 M-; echter Neufchateller 4.50 p. 20 Stück; Ramadovr in Staniol 46 M, in Pergament 36 M. p. Zir.; Camembert 8—8,50 p. Dtzd.— Eier, im Preise steigend 2,25 bi» 2,30 p. Schock nach Börsenusance.— G'müse und Ovst. Pstistwe p. Kiste von 12-20 Stück 1,50-1,20, Erdbeeren 20 bis 35 Pf. p. Pfd, GlaSkirschen 2,00-2.80, saure Kirschen 2 00-2,80, sü«e Kirschen 1,50-2,00 M. pro Tin« von 7 Liter, S-Voten 3—450, Blaubeeren 6—7 M., Stachelbeeren 6 bt» 7 M. pro Kord, reike Stachelbeeren 25—30 Pf. pro Pfd.» Pstsferlirge 7 M. p. Ztr., Tomaten 1-1,20 K. p. Dtzd., Guiken 18—25 Pf. p. Stück, grüne Wallnüffe 45- 50 Pf. P. Pfd., Koblrabi 0.75-1 20 M. p. Schock, Salat 50-75 Pf.. neue Kartrsf-ln ital. 7-8 M., Dabersck« 39 M, Zwiebeln 8 518 12 M., gelrocknete Morcheln 2,25—2,50 M. p. Pld., Blumenkohl 20- 60 Pf. p. Stopf, hiestge Bohnen 30 Pf. p. Lit., Mohrrüden 1 50 p. Sch-ffel, Fohanrisdeeren 25 Pf. p. Liter, schwarze holländische p, Pfd. 20—25 Pf., Himbeeren 40 dt» 50 Pf. p. Pfd.— Wild und Gtstügel in ausreichenden Quantitäten zugeführt. E» kosten: Rehe 60—80 Pf., Wildschwein 40—50 Pf., Hirsch 40—50 Pf. p. Pfd., wilde Enten 0,80-1,50, Bekassineu 30-70 Pf.- Alte« Geflügel schwer v-rkäufl-ch.— Junge Gänse 3—4.50 M., junge Hübner 45 bi» 80 Pf., junge Enten 90-2 00 M,, Tauben 30-45 Pf. p. Stück, Poularden 4 50-7,00 M., alte Hühner 1.00-1.50 M,— Fische. Ostseelach» 1 20-1,60 p. Kg., Steinbutte 0,80-1 M., Seezunge 1-1,40 M. p. Kilo, Schellfisch 20-32 Pf,, Zander 080 dt« Ij60 M.. Scholle 18-30, Hechte 1-1 60, Aale 0 80 bi« 1,40 M p. Kg., Makrele 40-60 Pf. p. Stück.— Kredfe 1 50 dt» 8 M. v Schock, Hummer 1,20—1.50 M, p. Pfd.— Geräucherte Frsch« dauernd knapp, besonder» grofie Nachfrage um Staucheraal. Kleine Flundern 2-3 M. p. Schock, Makrele 30 bi» 50 Pf. p. Stück, Aal knapp 0 90—1 50 Pf. p. Pfd.— Konierven. ES kosten Ochsenzungen 1.50-2 M„ Sardinen in Oel San Nemo 40-45 Pf,, Aal in Gelee'<0-80 Pf. p, Pfd., ftanzöfi che Fruchttonserven in Büchsen 2—3 M. p. Kg., Brat- beringe 1,50—1,60, Delikatrhheringe 1—1,50 M.— Die vorstehend notirten Preise find für den EngroSverkehrt gelten aber auch bei Aufträgen zur Effekiuirura nach außerhalb. Polizetbertcht. Am 9. d. M. Nachmittag» machte ein Mann in der Adolfstraße im Zustande hochgradiger Trunken- beit und erregt durch einen vorangegangenen Streit mit seiner Zuhalterin den Versuch, fich mittelst«ine» Tischmeffer» zu er- st�d«t�,fllgt» fich jedoch nur eine etwa 2 cm tiefe ungefähr- Me Wunde an der linken Brustsett« zu.- Zu derselben Zeit fiel ein 10 Jahre alter Knabe an der Schlefilchen Brück« von der Böschunade» Landwehrkanal», welche er unbefugt de. treten hatte, in» Wafier, wurde aber alsbald, ohne Schaden genommen zu haben, von einem in der Näh« befindlichen Schutzmann gerettet und feinen in der Eisend ahnstraße wohn. haftcn Eltern zugeführt.— Am Nachmittag desselben Tage» wurde ein 7 Jahre alter Knabe in der Köpnickerstraße durch einen dem Schlächter Schmidt, Badstr. 30, gehörigen, von dem Kutscher Schul, geführten Wagen überfahren und am rechten Schulterblatt schwer verletzt.— Am Abend» desselben Tage» gegen 10 Uhr wurde ein Neue Promenade 5 wohnhafter Herr auf dem Flu: de» genannten Hause» von dem dort ange- stellten„Plivat-Nachiwächter Rogac au» noch unbekannter Veranlaffung mit einem sogen.„Todtschläger" derartig über den Kopf geschlagen, daß er eine schwere Wund««rhi-lt und fich mittelst Droschke nach der Sanität»wache in der Brüder- strajje begeben mußte._ Gericht« Zeitung. Zu feinet großen Verwunderung erfuhr gestern der Arbeiter Wilhelm Vorwerk, der deschuld at war, am 6. Mai«. bei einer Frau Müncheberg gebettelt zu haben, daß sein Konto mit einer großen Zahl Vorbestrafungen wegen Bettelns.delastet ist, obwohl er weder die ihm zur Last gelegte That begangen, noch jemal» zuvor gebettelt hat. Frau Müncheberg und der Schutzmann bekundeten denn auch, daß e» nicht der Angeklagte war, der zwar auch nur den linken Arm hat— den rechten bat er während seiner Militärdienstzeit beim Kaiser-Alexander- Regiment durch Uederfadren verloren—, der gebettelt hat, sondern ein viel kleinerer Mann.»Da» ist kein Anderer, al» Wuh lm Hutzmann, welcher mein Nationale genau kennt", rief nun der Angeklagte au», der selbstredend freigesprochen wurde, während nach dem andern Ermittelungen angestellt werden sollen. t Unter der Anklage der Urkundenfälschung stand gestern der Handlungsreisende E. Bachram vor der zweiten Strafkammer de» hiefigen Landgericht» l. Der Ang« klagte, der bereit» wegen Unterschlagung zweimal vorbestraft ist, war stellung»lo» und benutzte, um fich Geld zu verschaffen, zwei Bestellzettel, die er von seiner früheren Stellung her bei der Firma Gebrüder Her, noch im Best» hatte. Er füllte da» «ine Formular au», fälschte die Untersch-ist und begab steh zu M. Hiller Nachflg.. wo er Waaren im Betrage von 28 M. darauf entnahm. Für 9 M. verkaufte er diese Waaren dann weiter. Im zweiten Falle glückte ihm sein Manöver nicht. Er schickte einen Unbekannten mit einem außgfüllten Bestell- Zettel, der aber nicht die recht»giltige Unterschrift der Firma Gebr. Herz, sondern nur die de» einen Inhaber» derselben ge- fälscht trug, zu Lewln u. Ko. und wollte ebenfalls Waaren erheben. Do.t wir man aber vorfichtiger; man lieferte die Waaren nicht au», sondern versprach nur, fie umgehend zu schicken. In einem Hausflur der Breitestraß« wartete Bach» ram auf den Ausgang de» Unternehmen». Al» nun sein Ab- gesandter mißmuthig erschien und ihm über den Fehlschlag der Sache birichtete, wurden fie bei ihrem Gespräche von dem Hausdiener der Firma Lewin u. Co. beobachtet, der Verdacht geichöpst und dem unbekannten Besteller nachgegangen war. Em Schutzmann wurde geholt und Bachram verhaftet, während eZ d,m unbekannten Gehilfen deffelben zu entkommen glückte. Der Staatsanwalt beantragte für jeden Fall der Urkunden- iälschung 6 Monate und eine Gesammtftrafe von 9 Monaten Gesängniß und Verlust der Ehrenrechte auf ein Jahr. Der Gerichtshof nahm jedoch an, daß keine Fälschung von Privat- erkunden, sondern ein versuchter und ein vollendeter Betrug zorlitge und erkannte auf eine G-sammtstrafe von 3 Monaten Gefangniß. «'n.eigenthümlicher«uklagesall weg«» verwechse» am 17. Juli 1884 mit Fräulein Auguste Wehrmann verheiratbet und war bereit» am 4. Juli deffelben Jahre» in der Lage, die Geburt eine« Knaben auf dem 10. StandcSamte anzumelden. Auf besondere» Befragen de» Standesbeamten bezeichnete er ftch selbst al» den Vater de» angemeldeten KtndeS, weich e« dte fei1 �ugo Max erhalten hat. In Folge ein-S Prozeffe». die Ehefrau de« Anaellagten gegen den wirklichen Vater ve» Knaben angestrengt hatte, kam die Thatsache zur Kenntniß der Behörde, daß der Angeklagte seine Eheftau überhaupt erst im April 1881 kennen gelernt hat. Ei war damit zugleich der Bewei» erbracht, daß er den Personenstand eine» Kiade» vor- sätzltch verwechsell und fich damit de» Vergehen» gegen§ 169 de» St-G. B. schuldig gemacht hat. Im Termine vor der zweiten Strafkammer de» hiefigen Landgericht» I räumte der Angeklagte die That unumwunden ein und gab an, daß et die falsche Meldung auf die dringende Bitte seiner Ehefrau erstattet habe. Mit Rückficht auf diesen mildernden Umstand verurtheilte ihn der Gerichtshof zum niedrigsten Strafmaß von einem Tag Gesängniß. t Wie leicht fich ei« Zeuge der G-fahr aussetzen kann, wegen sahrlä-figen Meineid» unter Anklage gestellt zu werden, beweist ein Fall, der gestern vor der zweiten Strafkammer de» hiefigen Landgericht» I ,ur Verhandlung kam. Samuel Arnim, der Angeklagte, ist Beamter der„Landwirthschaftlichen Bank in Berlin. An diese Bank verkaufte eine Frau Jordan vor vier Jahren ihr gesammte» Mobiliar mit der Festsetzung, daß ihr die weitere Benutzung deffelben gegen eine bestimmte Mieth»- rate zugestanden wurde. Waren schon damal» die Verhättniffe der Frau nicht glänzend, so verschlechterten fi: fich in den nächsten Jahren noch mehr, so daß 1884 ein Kaufmann Möller auf G und einer ausgeklagten Forderung an ihrem Eigenthum Zwangsvollstreckung vornehmen ließ und ihr« ganze Einrichtung in die P'andkammer geschafft wurde. Nun klagte die„Landwirthschaftliche Bank" auf Freigabe de» ihr gehörigen Mobiliar» und erstritt am 22. November vorigm Jahre» ein odfieg-nde» Urth-il, nachdem ihr Beamter Arnim beschworen hatte, daß alle Möbelstücke, die au» der Wohnung der Frau Jordan nach der Pfandkammer gnvandert waren, Eiqenthum der Bank seien, wovon er sich selber durch Befichtigung überzeugt hatte. Die Sachen wurden darauf wieder Frau Jordan auSgeltefert. Möller erfuhr nun, daß unter diesen Gegenständen fich ein„Antoinettentisch" be- fand, der nicht der Bank gehörte, sondern von Frau Jordan später erworben worden war. Amtm hatte also einen Falsch» eid geleistet: ei handelte fich darum nachzuweisen, od eine Fahr- läsfigkeit vorlag oder nicht. Die Beweiiaafirahme gestaltete fich für den Angeklagten günstig. Es konnte nickt festgestellt wer- den. daß der betreffende Trsch fich unter der Maffe der Gegen» stände befunden hat, welche A. befichtigte, e» wurde vielmehr nachgewiesen, daß überhaupt in der PfändungSkammcr keine strenge Ordnung herrschte, sondern daß einzelne Sachen der Frau Jordan in einer anderen Gruppe von Mobilien standen, die einer anderen Partei abgepfändet waren. Außerdem ist im Beschluß de» Zivtlgericht» von vier Tischen die Rede, von denen A. beschworen hatte, daß fie der Bank gehölten, während im PfäadungSprotokoll fünf Tische angeführt find, unter denen fich eben al» fünfter der„Antoniettentisch" befand. Ueberdie» stellten verschiedene Zeugen dem Angeklagten daß Zeugniß au», daß tt ein äußerst vorfichtiger Mann sei, der immer die Be» sorgniß ausgesprochen habe, einmal unschuldig wegen fahr- lässtg-n Meineid» denunzirt zu werden.— Demgemäß nahm der Gerichtshof an, daß Arnim in der That den Tisch au» schwarzem Polisanderholz nicht bemerkt und nicht etwa» be- schworen habe, von deffen Unrichtigkeit er fich durch eine sorg- fältige Prüfung hätte überzeugen können; er sprach den An- geklagten frei._ t Wegen zwanzig Pfennigen auf ein halbe» Jahr in'» Gesängniß. Heinrich Engel, ein junger Mann von 19 Jahren, hat trotz seiner Jugend bereit» ziblreiche Konflitte mit dem Gesetz wegen Vergehen gegen da» Eigenthum gehabt. Ob ihn nun ein unwiderstehlicher Drang zum Diebe gemacht hat, oder od ein Fehltritt au» jugendlichem Leichtfinn— al« er seine erste Strafe«hielt, war er 13 Jahre alt— ihn auf eine adschüsfige Bahn geworfen hat, die zu verlaffen ihn eine Kette unglücklicher Umstände und nicht zuletzt weit«hin seine Vorstrafen hinderten, die e» ihm noch mehr erschwerten, ehrlichen Erwerb zu finden— er ist seit dem Jahre 1880 sech» Mal wegen Diebstahl» zu Gefängnißstrafen verurtheilt worden, von denen dre letzte ein Jahr betrug. Seit dem 9. September 1885 b>» tief in den Frühhna d. I. hinein hielt« fich gut;« hatte Arbeit und Verdienst gefunden. Dann kam wtev« die Zeit der Arbeit»lostakeit und der Noth; Engel strich wieder in den Straßen umher und suchte verkeb- lich nach Beschäftigung. Am II. Juni traf« einen Kameraden, dem e» Keffer ging als ihm; er handelte unter d« Hand mit Uhren. Engel begleitet« ihn auf seinen Geschäftigängen. unter anderen zu einem Schiff«, der den wohlklingenden Namen Stöck« führte und am Schisfbauerdamm vor Anker lag. Während nun die beiden üb« den Ankauf einer Taschenuhr verhandelten, sah Engel ein gefüllte» Portemonaie offen auf dem Tische liegen. Er nähttte fich langsam der Geldtasche, von dn eine Anziehungskraft auszugehen schien, die V«- suckung wurde immer stärker, er konnte nicht mehr widerstehen und nahm schließlich ein stlberne» Zwanzigpfennigstück heraus. Unter einem Vorwande entfernte« fich. Diese» plötzliche Fort- gehen fiel ab« auf, d« Schiff« entdeckte seinen Verlust und man setzte dem Diebe nach. Als er fich verfolgt sah, warf er da» Zwanzigpfennigstück von fich und suchte zu entkommen. Er wurde eingeholt und verhaftet. Gestern stand er vor der zweiten S-rafkammer und erhielt die oben erwähnte Strafe zudiktirt. D« Staatsanwalt hatte den Rückfall de« oft Bestraften noch härter angesehen und ein Jahr Zuchthau» beantragt. Der Gerichtshof glaubte aber noch einmal Milde walten zu laffen müffen und dilligte ihm mildernde Umstände besonder» mit Rückficht darauf zu, daß Engel vor Beginn seiner Militär- dienstzeit steht, welcher eine deffernde Wirkung zugeschrieben wurde. Erzieherischer wirkt fie fichcrlich als die Zuchthaus- strafe, denn e» ist eine oft erprobte Erfahrung, daß ein Mensch, der einmal im Zuchthau» gesessen hat, demselben für immer verfallen ist. Die gerichtliche« Untersuchung»«»«« gegen die ver» tiner Arbeiteriunenbewegung dürften wohl nunmehr ge» schloffen und da» Hauptversahren vorauSstchllich bald nach den Ferien in Autficht st-hen. Nachdem berttt» im Laufe der vorigen Woche die Leiterinnen deS Fachverein» dn Mäntel- näherinnen und die de» sogenannten Nordveretn» Verhöre vor dem Untersuchungsrichter bestanden, geschab gestern Vormittag auch die Vernehmung der Frauen Dr. Hoffmann, Slägemann und Ihrer, sowie de» Fräulein Jagert vom„Verein zur Wah- rung d« Jntereffen der Arbeiterinnen", de» ältesten und größten. Sämmtliche Damen v«weig«ten auch diesmal ihre Bussage. Unter diesen Umständen unterblieb auch die Verlesung d« Aeußerunam, welche die Genannten in Arbeiterinneno«samm- lungen über die Betheiligung der Frauen am politischen Leben gethan haben sollen. Zurückweisung erfuhr die Eatgegenhattung, daß die bei den Haussuchungen vorgefundenen sozialdemo- kratischen Schriften von einem Handinhandgehen mit der Sozial- demokratie zeugten. Frau Dr. Hossmann meinte, al» Vorfitzende eine» derartigen Verein» bekäme fie Flugschriften und Brochüren jedweder Tendenz zugesandt. Der sozialistischen könne fie fich nicht gut entledigen oder nur unter Schwierigkeiten. Wie leicht könne da ein« Anklage wegen Verbreitung solcher Drucksachen kommen. In gleichem Sinne äußerte fich Fräulein Jagert. Wenn man ein verbotene» Luch bei ihr gefunden habe, so habe der V«ein damit nicht» zu thun; fie stehe al» Privatperson da und nehme allein die Verantwortung auf fich. Die Unsauberkett der Treppen und Flure in vielen vollgepfropften großen MtethSkasnnen Berlins und dessen Vororten wird leider immer mehr und mehr zu einer höchst lästigen Eigenthümlichkeit de» großstädtischen Leben»; wehe ab« derjenigen HauSfrau, welche e» wagt, Front zu machen gegen diese gesundheitSgesährltche Nonchalance, indem fie Reinhaltung der Treppen ,c. fordttte. D« Hauiwirth hört ihren Klagen achselzuckend zu und«theilt ihr schließlich min- vestm» den Rath: wenn'» ihr so nicht gefällt, doch einfach nach dem Geheimcaths-Viertel zu ziehen. In der Regel ab« entsteht au» solchem Anlaß bitt«e Feindschaft unt« dm HauS» bemohnern. In einer derartig üblen Lage befand fich die Frau de» ArbetterS Zcin; ihre wirthschaftltche Lag« gestattete ihr allerdingi nicht, in Berlin W. zu wohnen, trotzdem ab« hielt fi« auf äußere Reinlichkeit und deshalb fand fie am 11. Februar d. I. Veranlaffung, ihr« Rachaarin. der verehelichten M-tallschleif« Anna Böhling, geb. Linde, in Bezug auf die untnlassme Reinigung der Treppe gelinde Vorhaltungm zu machen. Frau Böhling ab« erachtete die» al» eine infame Beleidigung und lief eilmd» in ihre Wohnung, um einen Besen zu holen, jedoch nicht etwa» um den bnechttgten Wünschen der Nachbarin zu genügen, sondern vielmehr um ihr« Schlagfertigkeit der letzteren gegenüber darzuthun. Die» geschah in so ausreichendem Maße, daß Frau Zein, welche zu der Zeit fich in interessanten Um- ständen befand, au» mehreren Kopfwunden blutend in ihre Wohnung flüchtete und hint«her— wie fie angab— infolge der Verletzungen bettlägerig krank wurde. Das Rixdorf« Schöffeng«icht erkannte gegen die schlagfntige Frau Böhling wegen Körperverletzung mittelst eine» gefährlichen Wttkzeugt» — d-nn al» solche? ward das profane Hausgeräih angesehen— auf 2 Monate G-fängniß. Unter Bestreitung der ihr zur Last gelegtm Thatsache legte die Vnuttheitte Berufung ein. D.e Strafkammer des Landgerichts II hatte infolge deffen eine er» neuerte Beweisaufnahme zum Audienztermin verfügt. Das Gesammt-Ergedniß der Verhandlung war nun der Angeklagten insofern günfiig, al» in der Berufungsinstanz festgestellt wurde, daß die Verletzungen dn Frau Zein an fich nur geringfügige gewesm; deshalb erachtete die Slrafkammn die der Ang?» klagten ertheilte Lehre al» zu hart und unt« Zubilligung mit« dernder Umstände ward da» erste Urtheil aufgehoben und auf nur 14 Tage Gefängniß erkannt. Etue Anklage wegen Verkanfs von„Liebespulver gelangte vor dem Schöffengericht zu Budlitz(Provinz Pommern) am 5. Juli zur Verhandlung. Die Angeklagte, die ehevnlaffme Miethifrau Henriette Kunde, geboren 1830, hatte fich wegen zwei« Vergehen, de» Betrüge» und groben Unfug», zu v«ant» Worten, da fie nachweislich gewerbsmäßig die Karten legte, wodurch wiederholt Unheil in Familien gestiftet und Verlöbnisse aufgelöst sein sollrn, und zwei G.'hetmmittel, gen.„Liedespulver" und„Liedestropfen", welche Zuneigung resp. Abneigung be« wirken sollten, an Leichtgläubige gegen eine Bezahlung abge» geben hat. E» waren etwa 17 Zeugen erschienen, von denen jedoch nur 4 eidlich vernommen wurden, die Verrebmung v« übrigen Zeugen«achtete der Gerichtshof für überflüsfiz. Zwar war die Angeklagte im Wesentlichen geständig, doch beharrte fie fest bei ihrer Behauptung, die Medikamente habe fie nur mit dem Hinzufügen verabreicht, daß dieselben„Hausmittel" und„vor AlleS" seien, mit dem Kartenlegen habe fie nur ihren Scher, getrieben. Die Beweisaufnahme lieferte jedoch um« fangreicheS Material, so daß der Gerichtshof sehr bald eine» Befferen belehrt wu-de. Der hinzugezogene Sacho«stSndige normirte den materiellen Werth deS Pulver», welches— wie die Angeklagte sagte— auS fünf verschiedenen Substanzen bestehe. die natürlich von indifferenter Wirkung find, auf höchstens 10 Pf. Der AmtSanwali beantragte für die beiden Vergehen «ine Gesammtftrafe von 3 Wochen Gefängniß. Da» Schöffen» gerickt verurtheilte die Angeklagte zu ein« Gefängnißstraf« von elf Tagen und zu einer Woche Hast. Die sofortige Abführung d« Kartenlegerin auf die Dau« eine» Tage» Haft wegen ungebührlichen Betragens vor Gericht war das Ende der „Liedespulver Geschichte". Uereine mh Versammlungen Zentral-Kranken- und Begräbntßkasse für Frauen und Mädchen in Deutschland(E. H. Nr. 26, Offendach.) Mittwoch Abend 8 Uhr, in Gwtweil'S Bierhallen, lKomman» dantenstr. 77/79(unterer Saal), Hauptversammlung. TageS- ordnung: Geschäfts, und Kassenbericht pro 2. Quartal, Ergän» zungSwahl für den Vorstand und Verschiedenes. Die Zah'» stellen d« Kasse befinden fich dei Frau Grothmann, Wolgaster- straße 8 HI, Frau Strauß. Mehnertstr. 6 Hof park., Frau Schneid«, Blumenstr. 29 im Laden und Frau Schneider, rnrnrnm# -chMVUUW tungsfesteS der Kasse ein großes Sommerfest, bestehend aus Sommttnachtsball und Volksbelustigungen aller Art. Billets find auf sämmtlichen Zahlstellen d« Kaffe, sovie in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Preis 30 Pf. Rin« der frei. Gauveteitt»etlinet Bildhauer. Annenftr. 16. Dien«. 'VASÄ de» gesummten Vorstandes. 3. Verschiedene«.— Der Verein « m. find im VereinSlokal, Annenstr, 16, sowie in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben,«bendkaffe findet nicht statt. %% ÄÄÜI iffi» SSN'A Landpartie. Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer MufllUder. Sachverein der Tischler. Sonntag. 11. Juli, findet eine MiäMW dem geht Mndltch ein Zug ab. Nachzügler könnm vom PotS» damer Bahnhof bis Z-Mendorf fahren. Fachverein der Marmor» und Granttarbetter. Mon» tag Bttsammlung Alte Jakodstr. 48». Tagesordnung: Viertel» jahrsdertcht, Verschiedenes, Fragekasten. Verein der Modelltischler. Montag Abend 8 Uhr. Pcknstr. 63: VierteljahreSdertcht. Sonntag, den 25. d. Mle.: Landpartie nach Waidmannsluft. Berein Berliner Hausdiener. Montag, den 12. Juli. Pbends 9 Uhr, N u« Grünstr. 28 bei Jordan, vierte ordent« ltche Generaloersammlung. Tagesordnung: 1. Vierteljahr»« berickt des Rmdanten. 2. Mittheilunaen 3. ErgänzungSwobl de« EhrenrctthS. 4. Verlchtevene«. 5. F-agekasten. QuittungS» buch legitimirt. Da« LereinSabzeichen ist anzulegen. Unterstützuna»vereiu der Buchbinder it. Montag Abend 8'/, Uhr Generaloersammlung. Der Vorstand«sucht die M'tglreder, die Versammlungen drsser zu besuchen, ali e» in letzter Zeit der Fall war. Ganz besondns wird die frühere Verband»- Preßkommisfion eingeladen, um die an dieselbe ge« richtete Interpellation zu beantworten, und eS den Mitgliedern nicht gleichgiltig sein kann, daß die Zeitung ohne Weit««» in Stuttgart«scheinen soll. Auch werden die Vertrauensmänner ersucht, die Beiträge etnzukasstren, da jetzt jede Woche Unt«» stützungSgeld« zu zahlen find. Fachverein der Stetnträzer Berlin». Am 11. Juli cr., Vormitaas 10'/, Uhr, Versammlung in Schiffer'? Salon, Jnselstr. 10, 2 Tr. Tagesordnung: Innere VereinSangelegen- heiien, Verschiedenes. Neue Mitglied« werden aufgenommen. Fachverein der Drechsler, Knopfarbeiter und ver» wandten BerufSgenoffen. Montag, den 12. Juli, Abend» 8'/, Uhr, in Säg«'« Lokal, Grün« Weg 29: Generaloer» famtnlunfi. TageSordnuna: 1. vnicht über die Thitigkeit de« Vorstandl«. 2 Kaffentericht, Abrechnung über den Steael- ichen vtteU. 3. EraSnzungswahl de« Vorstände«. 4 Ver» schieden»« und �raarkasten. Quiiwngtbuch legitimtrt. Ardeiter-vettrttverein der Oranienburger Vorstadt und de« Wedding. G»nüthlichei Beisammensein mit Familien heute Sonntag Nachmittag bei Schlamm, Hochstraße Nr. 32». Biblioth«! und Beitraae Vormittags von 10—12 Uhr. Der Vorstand macht auf§ 6 de« Statut« aufmertsam. Kreie vereintgung der Graveure, Eiseleure rc Montag, den 12. Juli, Abend« 8V, Uhr, Annenstraß- 16, ordentlich« Generalversammlung. Tage«ordnung: 1. Geschäft- liche«: Ausnahme neuer Mitglieder, Bericht de« Nachweise« dureau«. 2. Bericht über da« verfloffene Haldiabr, st.ffende- richt. 3. Regelung der Unter stützunzt�rage. 4. Verschiedene«. Ränneraesangverei«„EchneeglScfchen" jeden Montag Abend im Restaurant Naungnstraße 78. Zitherklnb„Amphion. Jedm Montag Abend Uedungistunde im„Kursürstenkeller", Poftstraße 5. Kachveret« der Wertzengmacher verlin«. Sonntag, den 11. d. M., Vormittag« 10 Uhr, Versammlung stöpnicker- Straße Nr. 158. Tagesordnung: 1. Wahl eine« 1. Vorfitzenden. 2. Vereiniangclcgenbeiten. 3. Verschiedene«. Die Orttkrankentasse der Drechsler ic. veranstaltet am 12. Juli in der„Neuen Welt", Hasenhatde ein Sommerfest. Billet«, i 25 Pf. find zu haben bei den Herren: Deininger, Waldemarstr.31, Schmidt, Dorothemstr. 70, Schröter, Avmiral- straße 23, Beuster, Britzerstr. 43, Borchardt. Oranienstr. 190, Esch, Pallisadenstr. 5, Vischendorf, Kl. Stralauerstr. 12/13 und Fritsche, Fried richstr. 125. Kleine Mittheilungen. Wie«, 8. Juli.(Die Verunglückten vom Großglockner.) Ueder die Auffindung der Leichen de« Markgrafen von Pallavicini und seiner Begleiter melden die Wiener Blätter au« Lienz: Der Oderwirth in Rai«, Herr Bergerweiß, suchte seit Sonntag, den 4 d. M., mtt mehreren Kaiser Führem auf dem Pasterzengletscher nach den Verunglückten. Gestern fanden ste auf der Pasterze unter den Wänden de« Großglockner den furchtbar entstellten Leichnam de« Führer« Rubesoir. Derselbe hatte noch da» Gletscherstil umgebunden, ein Arm war ab- geriffen. In der Nähe lag der Hut eine« der Touristen. Der Bruder Rubesoir'«, welcher bei der Auffindung der Leiche an« wesend war, ging nach Kal«, um die Entdeckung zu melden. Sehr wahrscheinlich liegm die Körper der anderen Ver- unglückten nicht weit von dieser Stelle, fall« ste nicht im Sturze hängen geblieben find.— Der Glöckner hat gegen die Pasterze zu ungeheuer steile Wände, und die Glocknerspitze er- bebt fich 1300 Meter über der Pasterze. Die Partie dürfte fich kaum hundert Meter unterhalb de« Gipfel« befunden haben, al« der Absturz in die grauenhafte Tiefe erfolgte. Die übrigm drei Verunglückten find vielleicht auf der Pasterze von Rcuschnee zugewebt worden oder auch nicht ganz dorthin ge- langt, sondern in den Schluchten de« Glockneradsturze« hängen geblieben. In letzterem Falle wäre die Autfindung der Leichen sehr schwer.— Der„N. Fr. Pr." ging eine au» Windisch. Mattet um Mitternacht in Wien einge- langte Depesche zu, welche lautet:„Windisch-Mattet, aufge« geben 7 Uhr 15 Minuten Abend«, eingetroffen in Wien 11'/» Uhr Nacht«. Die verunglückten Graf Pallavicini und Genoffen wurden heute im Glocknerkaar an der Pasterze gefunden. Juliu« Meurer, Präfivent de« österreichischen Alpen« Klub»."— In tem Palai« Pallavicini fehlt hingegen jede derartige Verständigung.— Au« Lienz wird telegraphtrt: „Nach dem Otte zu schließen, wo die Leichen aufgefunden wur« den, nimmt man mit vieler Zuverficht an. daß die Touristen vom Tinschmitzer Gletscher au« über die Teischnitz. auch untere „Glocknerscharte" genannt, und von da über den Nordwestgrat auf die Spitze de« Großglockner« steigen wollten."— Die Annahme, daß die Verunglückten von einer Lawine verschüttet worden seien, erweist fich al« eine irrige. Die beiden Touristen haben vie.mehr mit den beiden Führern die Besteigung de« Glockncrgiprclz an der steilen Nordseite unternommen und scheinen di« zu einer ziemlichen Höhe gelangt, aber durch den Sturz eine« von ihnen alle Vier, da ste an einander geseilt waren, in die Tiefe geriffen worden zu sein.— Da« Glöckner- Kaar, wo man die vier Leichen fand, ist ein Gletscher, der fich zwischen dem Glocknergipfel und der Glocknerwand nordöstlich zum oberen P rsterzenglelscher herabsenkt. Prag, 6. Juli.(Verbotenen Fahnen.) Der hiefige deutsche Handwerkerveretn suchte bei der Polizeidirektton um die Be« willigung an, während der Dauer der gewerblichen Ausstellung am Mädchen-Lyzeum, wo eine Ausstellung staltfindet, schwarz- gelbe und schwarz-roth-goldene Fahnen aushängen zu dürfen. Gestern kam nun dcr Bescheid, wonach das Aushängen jeglicher Fahnen dem Vereine verboten wird. Odessa 7. Juli. Auf der Eisenbahn nach Podwoluczyst wmde Nacht«, knapp vor dem Pasfiren des Personenzuges, eine Bande von Uebelthätern überrascht, welche bereit« die Schienen aufgerissen hatte, um eine Entgleisung des ZugeS zu bewirken. Mehreren von der Bande gelang e«, im Dunkel der Nacht ,u entkommen. Einige jedoch wurden festgenommen und unter starker Bedeckung hierher gebracht. Man vermuthet, daß ,» hierbei nicht nur auf eine Ausplünderung der Paffagiere, sondern hauptsächlich auf eine Beraubung der ausnahmsweise sehr stark besetzt g.wesenen Geldpost abae'ehin war. Es de- steht daher der Verdacht, daß die Uebelthäter einen Komplizen im htefigen Postamte brben, der fie von dem starken Geld- trantvorte auf diesem Etsenbahnzuge benachrichtigt hatte. Pest. 8. Juli.(Verbrannt.) Die 20jShrtae Tagelöhnerin verehelichte Anna Gudara- Szaidlik war heute bei der Ziegelfabrik auf der Maglöder Straße mit einer Arbett beschäftigt. Hieibei kam fie dem Brennofen zu nahe, so daß ihre Kleider Feuer fingen. Im nächsten Momente stand die arme F.au gänzlich in Flammen. Die in der Nähe befindlichen Ardetter eilten wohl der Unglück« lichen zu Hilfe, doch hatte die Frau dereit« so schwere Brand- wunden erlitten, daß ste bewußllo» am Platze zusammenbrach. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Krakau. 7. Juli. Im bilstgcn Strafhause hab-n zwei Häftlinge, Ochwat und Muszyn«», einen dritten, Namen» Jelen, ermordet. 32 Mitgefangene waren bei dem Morde pasfive 3uschau:r. Die Ursache de« Mordes ist noch nicht be- kannt._ Kriefkaste» der Kedaktio«. v. und D. Sie haben Recht. Hirtmann hat Hamburg im Deutschen Reichstag vertreten. W. v. London hatte im Jabre 1881 eine Eimvohnerrabl von 3 814 571, Pari»(1881) 2 269 023, New Kork(1880) 1 206 299. Rechnet man jedoch Brooklyn, Jers'v Cr y, Hovoken und Lonz-Jtland-Cily. welche Orte mit New Uoik geschänlich eine Stavt bild.n, mit hinzu, so beträgt die Einwohner, vhl weit über 2 Millionen. Berlin hatte im J rhre 1880 1 122504, Wien im Jahr« 1880 1 020 770 und St. Petersburg im Jahre 1881 929093 Einwohner. Die Einwohnerzahl Peking« �ird verschieden ang-g-ben. Die Emen behaupten, ei habe 500000, die Anderen 2 Millionen Einwohner. I St. Sie find:» Ihre Frage unter der Chiffre W. V. mit beantwortet. SU St. Miethikontrakte müssen gestempelt werden, wenn der Betrag der für die ganze Mlethsdauer zu zahlenden Mtethe mindestens 150 Mark erreicht. Der Stempel beträgt für da« Hauptexemplar>/, pCt. deS Miethibetrage«, für daS Neben- exemmar 1,50 M. E. P. Ihre Kündigung ist verspätet und braucht vom Wiith nicht angenommen zu werden. Ihre Mietbszett läuft am 30 September ab. ES muß 3 Monate und 3 Tage vor dem Ablauf gekündigt werden, also spätestens am 27 Juni: doch ist die Frage nicht zweifellos. St.®. tu K. 1. Nach dem zur Anwendung kommenden Allgemeinen Landrecht beerbt der Mann seine Frau, und zwar erhält er, wenn Kinder da find, höchsten« den vierten Toeil, wenn Eltern, Geschwister und Geschwisterkinder ersten Grade« vorhanden find, den dritten, und wenn nur entferntere Ver- wandte bis zum sechsten Grade da find, die Hälfte de« Nach- laffes. 2. Ihre zweite Frage erledigt fich wohl durch da« Vor« stehende. 3. Sie können nur, wenn die Schwiegereltern ge« storden find, die von diesen gemachten Schenkungen im Namen Jores Kinde» anfechten, soweit durch dieselben deffen Pflicht« theil verletzt ist. R. Si Wasserthorste. 1. Wird berückstchtigt werden. 2. Berlin hatte 1883/84 51461 G-bäude auf 18 605 Grund- ttücken. Theater. Uli. ljaradie«, Be« Treptow und % gy Sonntag, den 11., B»lle-Sillia«ee-T heater. Da«' sanaspoff« in 4 Akten von Leon 8. Herrmann. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ästeud-Theater. Philippine Welser. Montag: Dieselbe Vorstellung. Mtikwria- Theater. Amor. Tanz- Poem von sutgi ManzottU Montag: Dieselbe Vorstellung. Mathalla-Theoter. Capricciosa. Montag: Dieselbe Vorstellung. Krall'« Theater. Der Troubadur. Montag: Fidelis. Kauttnau«'« Variete. Große Speztal, taten- Vorstellung. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A Kulaer-PaBorama. In dieser Woche: Die malerische sächsische Schweiz. Eine interessante Stheiuretse. Hertha-tzteise. «aroliueu- Inseln. Sine Reise 90 Pfg Kinder nur 10 Pfg. Jnr ßtfl. DtMung! Allen meinen wetthen Kunden, von welchen persönlich Abschied zu nehmen bei meinem Schei- den von Berlin mir nicht vergönnt war, sog« ich hiermit ein herzliches Lebewohl mtt der Bitte, dos mtt bisher geschenkte Wohlwollen auch ferner meinem Nachfolger Herrn Kchaeiderreit gütigst bewahren zu wollen. Hochachtungsvoll 76 JoL Zieaewetter. Freunden und Bekannten zur Nachi icht. daß ich Markasstrasse 6 ein Weiß-& KmWin-Mal eröffnet habe.[90 Clnstt»T Spickermann. Die Generalversammlung d«S Nnb. Msditi Zmmrleiltt (jokalverbaud Kretin«rntrnm) findet am Dienstag, de« 18. d. M., Abend« 8 Uhr, Kommandantensti aße 77/79, statt. Tagesordnung: 1. Kassenbericht pro April- Juni. 2. Neuwahl de» Lotalvorstande«. 3. Ver- fchiedene«. 4. Fiagtlaften. OuittungSbuch legitimirt. Aufnahme neuer MUglieder. � � �6 De» z-katvo»staad Oertt« C. I. A.: Juliu« Darge, KöSlinerstraße 3. Fachverei« der Drechsler, Kuopfarbeiter n. venu. Sernfsg. «rdentiich»««aerataersammtaaa am Montag, dm 12. Juli. Abend, 8'/» Uhr, in Kager'» Lakai, Grüner Weg 29. g3j Der Vorstand. Kanviverfammluna Äfflca" a® Äta »ratweil'« vierhalleu- Kommandanten- straße 77/79(unterer Saal). T.- O.: Kassen« baicbt pro 2. Quartal. Ergänzungswahl sür den Vorstand u. Verschiedene«. Um zahlreiche« Erscheinen«sucht 192] Der Vorstand. SMftteuce! Hiermit machen wir unsere Kollegen darauf aufmerksam, daß der Streik in d« Sauder'schm Werkstatt beigelegt ist, indem Herr Kauder erklärt hat, die betreffenden Stuckateure, welche gegen den Tarif verstoßen haben, zu entlassen Dagegen daueri das alte L« hältniß bei der Firma Esch& Schulz fort. 89 Die Lohn- Kommission: I.«.: Mio Keiudorf. BezirtS-Vereiu d. arbeitenden Bevölkerung de« Süd-Westen Berlin«. Aerrenfssspartie nach Marienfelde am Sonntag, oen 18. d. M. Treffpuntt 7 Uhr Vormtrtap« in Kabel» Kranerei, Bergmann« straße 5-7. Rege Belhe'ltgung der Miralieder erwünscht. Gast: und Gönner de« Verein« willkommen._ 54 Ullterstutzllvgsvtttiv d. Kvchbmder:c. Montag, den 12. Juli. AdmdS 8'/. Uhr, General- Versammlung in»ratMetl's Kler� allen. T. O.: 1. Adrrchnung pro 2. Quartal. 2. Interpellation an die vergangene Preßtommisfion in Betriff der Zntungkverlegung. 3. Verschiedene« und Fragetasten.— Montag, den 19., Mittag« IV« Uhr, findet eine Dampferpartie nach Taddert't Waldschlößchen statt. BtlletS find im Ve-ein sowie bei Fieuden-eich, Stallschreib-r- straße 24. zu haben.[91 Mitglieder-Derfammlnng der Central- Kranken» und Sterbekass» der Maler und verw. Berufigen.(E.H. 71). Lcrltnll. Dienstag, den 13. Juli, Abend« 3 Uhr, im Lokale Göttel. Andreasstraße 34.[81 Der Bevollmächtigte. Det Qcccin d. Fabrik, a. Laackarbeiter veranstalret am Sonntag, den 25. Juli, eine Familien-Landpartie per Kremser nach pichelsmerder. V i l l e t S für erwachsene Pe-.sonm i 2 M.. sür Kinder, die einm besonderen Platz ein- nehmen, 50 Pf., find beim Unterzeichneten und im Ar deUS nach weise. Buieau. Wrangelstr. 136, zu haben. Freunde und Gönner deS Vereint find freundlichst eingeladen.[78 I. A.; H. Löffle r, Grimmstr 5. Mttetteder-Dersammlnns d. kentral-Sranken- u. Sterbekasse d Maler n verwandt vernfsgenossen (E. H., Sitz Hanbura. Filiale Süd III.) Dienstag, den 13. d. Mt«., Admd« 9 Uhr. Alle Jakobstr. Nr. 83, Caf6 Reiher. Tagesordnung: Kaffcndericht. Wahl der Krankenkonlroleure. Verschiedene«.[68 Der Bevollmächtigt?. F. Caspar wild ersucht, seine Sachen inner- halb 3 Tagen abzuholen Linttnstr. 233, II. Kerren- und KnabmHarderoöe empfehle in gediegenen Stoffen und eleganter Ausiührung._[79 Ganze Anzüge von 15-45 M„ Frühjahrs-Uebeyieher v. 12-30 M.. Hosen v. 3-16M.. Drill. Jaquett« 2.50 M. Auch nach Maaß in kurzer Frist. �lelniann Rosenberg:, Berlin, Kornrnandantenstrasse, Ecke ündenstrasse, | stellen hiermit nach beendeter Frühjahrs-Saison ein reiche« Sertiment Kleiderstoffe zum gänzlichen Ausverkauf: Beige-Nopö, früher 65 Pf., jetzt Mir. 25 Pf.' Mohair-Satin, früher 75 Pf.,.«««««---- Beige-Mohair, früher 75 Pf., jaspe Diagonal, früher 1 M., Crep Foule, früher 1 M. 50, Diagonal de T Indes, früher 1 M., Crep Virginie, früher i M. 50, Fil ä Fil, früher l M- 50, Cachernire-Merveilleux, früher 1 M. 80, jetzt Mtr. 75 Pf.! 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