Nr. 160. Dienstag, den 13 Juli 1886. lH Jahrg. erlmrVÄlisdlxIl Brgan für die Interessen der Arbeiter. DaS„Berliner Volksblatt" «scheint täglich Morgen» außer nach Eonn> und Festtagen. Adonnementsprei» für Berlin frei in» Hau» vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Marl,"' 4 Mark. Einzelne Nummer 6 Pf. Eonntagi.Nummer iingetragen in der PostzeitungSpreiZliste für 1886 unter Nr. 769.) rk, monatlich 1,35 Morfi wöchentlich 35 Pf. Pf. Eonntags-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. Insertion» gebühr beträgt für die 4 gespaltete Pelitzeile oder deren Raum 40 Pf. NrbeitSmarkt 10 Pfennig». Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bi» 4 llh» Nachmittag» in der Expedition, Berlin SW, Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung de» Preise», angenommm. Redaktion: Keuthstraße S.— Expedition: Zimmerstraße 44. Da« leitende „Time»", hatte GlidstM'5 Uiliillllze. N Organ der englischen Bourgeoisie, die also Recht, al« e» dem Ministerium Tladstone für de« Fall einer Parlamenttauflösung eine Niederlag« prophezeihte. Die Wahlen find in diesem Moment noch nicht gavz vollzogen und die Gegner de» irische» Projekt» find schon zahlreicher al» im vorigen Parlament. Ob die Regierung unter diesen Umständen vorläufig wird auf die Durchführung de» irische» Projekt» gänzlich verzichte« müsse«, wird sich zeigen. E» scheint so. an kann dem englische« Volke gewiß viele gute Eigen« e« nachsage«; seine schwache Seite, vielleicht seine schwächste, ade, find die Vorurtheile, von denen e« in Bezug auf Irland befangen ist. Da» hat sich bei diese« Wahlen wieder zur Evidenz gezeigt. Man will nicht» lerne«. Sett Jahrhunderten ist e» die irische Frage, welche England um seinen polittschea Friede« im Inner» bringt und hemmend und lähmend auf jede gesunde Entwicklung einwirkt. Wir schwärmen sonst nicht für Gladstone, aber man muß ihm zugestehe«, daß er eine» große» Entschluß gefaßt hatte, um dre einzig mögliche Lösung der ir, scheu Frag« hnbeizuführen. Er wollte Eng- land von diesem Pfahl befteie«, der in serne« Fleische steckt. Die Engländer haben die» nicht gewollt; nun werden sie die Konsequenzen tragen müsse«. Man sollte meine», ei« Volk, welche» wie da» englische so stolz auf die eigene« Rechte und Freiheiten ist, müsse solche auch ander« Völker» gönne«. Aber man sucht eine solche Großmuth bei den herrschende« Klassen in England vergeben». Indien und Irland leide« in gleicher Weise unter dem englischen Druck und in dieser Behandlung von Provinze» und Kolonien kommt die ganze englisch« Krämer« natur zum Vorschein. Man sucht vergeblich nach Gründen, die e» rechtfertigen könnte», daß man Irland verweigert, wa« man Australien längst gewährt hat. Die Tone« frei» lich sehen in Zugeständnissen an Irland eine»Zerstückelung' de« britische» Reich». Aber der gegenwärttge Zustand ist den» doch wett mehr eine Zerstückelung al» eine Durchfüh« rung de» Gladstone'sche» Projekt», den» Irland befindet sich unter den gegenwärtige« Verhältnissen in einer Art perma« «ente« Kriegszustände» und ei« schlimmerer Zustand läßt sich doch eigentlich kaum denke«. Die Volkeklasse» England» haben bei dieser Gelegen« heit wieder einmal gezeigt, wie sehr sie«och ein Werkzeug der herrschende« Klassen find. Dm eigmtlichm Vortheil au» der Knechtschaft Irland» ziehen doch nur die Lord» und die großen Grundbesitzer. Von einem so freie» und stolze» Volk wie da» englische hätte man wohl erwartm könnm, e» werde seinen Brüdern in Irland jubelnd zu Hilfe eilen «ad bereit sei», ihm da» verhaßte Joch zu erleichtern. Nicht» ■ rtrt»«.] JfeuM'eton. M«e Mutter. «oman von Ksriedrtch«erstäckse». (Fortsetzung.) .Herr Stelzhammer!' schrie ihm'da plötzlich Jemand so laut und so nahe in die Ohren, daß_ er ordentlich� zu« sammmfuhr und sich'"— aber«in kleiner, sch« 8 bestürzt umsah. Dicht»eben ihm stand iächtiger Herr, etwa» schäbig gekleidet, mit einer lange» ttalientschm Zigarre im Mund, der ihn janz erstaunt ,u betrachtm schien.„Ja, wo zu« Teufel o«mm S i e dm» her?' Jeremias würde da« ausdruckslose Gesicht im Lebm nicht wieder erkannt habm, wäre er nicht durch da» unmäßige Schreie» de» Mann«, an die Persöalichkett erinnert worden. „Herr Du meine Güte.' rief er au»,„habe ich nicht da« Vergvügm, mit Herr» Mauser.. „Na. versteht sich- kennen Sie mich»och?" .„Hth, Hausknecht I Heb. Hollah!' schrie Jeremias Pfell schoß er hinter dm» vorangegangmm Hausknecht her, um diesm mit sein« Sachen wieder zurück in da» Hotel zu dirigirm. Mauser blieb indessm ordentlich verblüfft mittm auf der Straß« stehe». Der kleine Fremde au« Haßburg hatte ihm etwa« Wichtige» zu sagm, und brannte dabei durch, al» ob er vor der Polizei davon liefe! Er sah ihm köpf« schüttelnd«ach und überdachte sich eben, wa» möglicher Weise die Ursache eine» s» wunderlichm Bettagen« sei« könne, al« Jeremia« mit dem glücklich eingeholten Hausknecht, dem er schon unterwegs seine Ordre« gegeben, zurückkehrte, sich um diesm anch gar nicht weiter kümmerte, sondern ohne Um« stände dm Souffleur unter dm Arm faßtt und zu ihm sagte: von alledem; da« mglische Volk läßt sich von den Konservativen beschwätzen,«» läge in seine« Interesse, daß Irland unter« drückt, bleibe und die Verfechter der Selbstständigkeit Irland« ziehm bei dm Wahlen dm Kürzerm. E» wird»achgerade hohe Zeit, daß da» englische Volk sich von dem bisherigen Parteiwefm frei«acht. Die mglischm Arbeiter vor Allem sollten sich doch nicht von den Konservative« na»- führm lassm und nicht so kurzsichtig sei«, zu glaube», ei» unterdrückte» Irland läge in ihrem Interesse. E» wird freilich nicht leicht sei», die euglischm Arbeiter zu einer selbstständigm Klassenpol!" die groß« Niederlage de» Chartismus immer«och fort« oolttik zu bewege«. E« sch &. daß wirke und dm Arbeiter abhalte, selbstständig da« polittsche Gebiet zu betteten. Aber seitdem sind doch die Verhältnisse andere gewordm und der englische Arbeiter nimmt eine viel einflußreichere Stellung«in, al» zur Zett des Chartt»« muS. Die Arbeiter wärm im Stande, der Entwickelung England» ei»« Wendung zum Bessere» zu geben, wm« sie sich al« selbstständig« Partei organisirtm. Aber e« giebt eben auch Leute genug, die ei» Interesse daran habm. daß die Arbeiter dies nicht thun, und leider wird diesm Leute» von dm Arbeit«» geglaubt. Bei alledem wird der Ausfall der Wahle« nicht hindern, daß die Selbstständigkeit Irland« zur Thatsache wird, über kurz oder lang. E« ist ei» guter Gedanke, eine zeitgemäße und rettmde Idee, und eine solche bricht sich immer durch. Di« öffentliche Diskussion hat eine Mmge«euer Anregungen gebracht, die alle die Wirkung habm, die altm Parteien in ihrem Bestand« zu erschüttern. Es weht em frischem, ei« mehr demokratischer Geist*5 England und seine Wirkungm werden sich bald im ganze» pomischts Lebm England» fühlbar machen. Die Äsche Frage ist in«in neue» Stadium ihrer Eni« Wickelung gettetm. Da» Gladstone'sche Projekt wird nicht wehr von der Tagesordnung verschwinde», wa« die Torri« auch machm mögm, und eine» Tages wird auch„die Niobe der Nattonm", wie man das unglückliche Irland genannt hat, seine ersehnte Selbstständigkeit habm und behaltm. PoUtische Ueberstcht. Land gegen Stadt. Der Gegensatz zwischm Land und Stadt ist fast so alt wie die Kulturgeschichte und spielt in der modernen Politik eine hervorragende Rolle. Nach dem be« kannttn„Theile und herrsche", denutzen...... Fraktionen diesen Gegensatz, um einen den anderen auszuspielen. Und»war lautet land und auch in anderen Staaten de» Festlandei eine angeb. lich konservativ« Devise: Land gegen Stadt! DaS Land ist bei un» dt« Stütze de»„konservativen Gedanken»"(wie man da» Ding euphemistisch nennt). In Folg« der größerm»bge- „Herr Mauser, Sie habm einm schmählichm Durst, wie? Hab' ich nicht recht? Man sieht'« Ihnen an, einm " llde«» th ist und dm find doch kein Durst, der unter Brüder» fünf Gulden wert! e« Sünde wäre mit Wasser zu löschm. Sie Kostverächter?' „Bitte," schrie Mauser,„nie im Lebm gewesen, und habe auch wissmtlich nicht» getha», um einm solchm Ver- dacht zu rechtfertigen." „Schön, dann kommm Sie mit mir," rief Jeremia», „oder wmn Sie einm Platz wissm, wo vorzüglicher Wem zu habm ist— dm« da» hiesige Bier soll der Tmfel Holm, wen» er Lust hat—, so führm Sie mich, daß wir ei« halbe» Stündchm plaudern können." JTrinkm Sie gern Ungarwein?' fragte Mauser, dem das Wasser schon im Mund zusammenlief. „Leidmschaftlich." „Brav, dann kommm Sie, dann bringe ich Sie zu einem Platz, an dem Sie ein Gla» Adeltzberger kostm sollen, «ach de« Sie alle zehn Finger leckm— bildlich gesprochm, »atürlir" „Guter Mensch,' sagte Jeremias gerührt, während sich die Vorbeikommmdm schon um die Beidm sammelten, weil fie glaubte», e» beginne dort eine Prügelei, so furchtbar chrie Mauser. Jeremia« faßte ihn aber ohne Wettere» unter de» Arm, und da ihm Mauser die Richtung bezeich- nete, schrittm sie zusammen über die Brück« und bettatm bald darauf eine« jmer altm Schmklokale mit gewölbtm, kellerartigm Räumen, wie sie sich in viele» altm Stidtm, besonder« aber in Oesterreich finden, wo dann ei« höchst mittelmäßige» Bier, aber ei» ganz autgezeichneter Wein ver« zapft wttd. Dort, jeder vor der Hand mit einem Seidel wackem Adeltberger vor sich, saßen die Beidm und Jeremia« ergab sich jetzt in da» Unvermeidliche, von seinem Gefährten halb taub geschrie» zu werde», nur um au» ihm heraus zu be- kommm, wa» er wußte. Glücklicherweise befand«» sich aber in diesem Augenblick gar keine Gäste weiter in dem nieder», Halbdunkeln Raum, dmn zum Abendbier war e»«och zu früh, und da» schöne klare Wetterlhatte sie alle in« Freie hmauSgelockt. schlossenheit, de» ifolirteren Wohnen» und der kleinlicheren Verhältnisse ist die ländliche Bevölkerung im Durchschnitt eng- hrrziger und neuen FSeen weniger zugethan, alt die dicht zu- sammengedrängte der Städte, die heutzutage fast ausnahmslos Handels- und Industriezentren find und den Pulsschlag der modernen ökonomischen Entwicklung fühlen. Dem„Bruder Bauer" zu schmeicheln, ihn durch allerhand hübsche Ver» sprechungen zu ködem, ist heutzutage da» A und O einer ge» wissen„konservatiom" Politü, und bi» dato hat„Bruder Bauer" auch seine Schuldigkeit gethan, wie die zum Platzen gefüllten GAdkatzen unserer braven Herren Aararier beweisen. — Im gegenwärtigen Augenblick ertönt auch tn einem anderen Lande der Ruf: Land gegen Stadt I aber ertönt in anderem Sinn als bei uns— au» radikalem Munde, statt au» ton« feroativem. Zwar ist eS auch der Führer einer Regierung, der diesen Ruf erschallen läßt, allein der Führer einer Regierung» die stch, statt Hemmschuh sein zu wollen, an die Spitze der Bewegung gestellt hat. Wir sprechen von Gladstone und der englischen Regierung. Da» englische Wahlsystem ist ein ganz andere» als daS unfttge. Die Städte und daS Land biloen Wahlkreise für stch. Au» Gründen, die wtt hier nicht erörtem wollen, haben die stadtischm Wahlkreise die bei einer allgemeinen Wahl vor den wählen, der großen Mehrheit nach gegm Gladstone und die irische Reform entschieden; und da» Schicksal Gladstone» und der itischm Reform hangt jetzt von den ländlichen Wahltteisen ab. Früher Bollwerke des grund« befitzendm konservativen Adel», sind die ländlichen(GrafschastS-) Wahlkreise, seit die Landarbeiter durch die letzte Reformdill da» Wahlrecht bekommen haben, Pfeiler de« Radikalismus ge- wordm. Man wird stch erinnern, daß fie schon bei der vorigen ParlammtSwahl, nachdem die Städte Gladstone im Stiche gelassen, ihn wieder herau»hiedm und siegreich ins Ministerium zurückführten. Wird dies wieder geschehm? ES ist schwer, die Frag« zu beantworten, da die heutige Lag« von der da- ---------~-•----nthu jland« ijÄWtoÄ5S«rS�'SÄM",Ä'"un»'£i ö« MÄrM1""- G"™"'"" Lebm einzutreten. Englands, länolichm -------------------------- ist vom Standpunkte de» Geistlichen au» nicht schlecht. Nur dürfte der Re- gierung die heutige Verwendung der Gelder viel werthvoller erscheinen als alle christliche Seelenrettung. Dem Verdienste seine Lotteriekollette. Dem Vor- , enden de» konservativen Verein» in Demmin, Kaufmann mmermann, ist die neue Lotteriekollekte daselbst verliehen worden. Jeremias brauchte mit seiner Sache nicht hinter dem Berg zu halte«, un» nachdem er vor allen Dingen Mauser'« Neugierde inbetteff Haßburger Neuigkette» beftiedigt hatte. erzählte er ihm geradezu, we«halb er hierher gekommen sei. It und sich so gefreut habe, ihn anzutteffe«. War also jmer Bo»law wttklich der vermuthet« Handor? _.Na versteht sich,' schrie Mauser, wie Jeremia, nur die beide« Name« zusammen nannte.„Ich sage Ihne«, Hand verspreche», keinem vom hiefiam Personal seine» wirk- lichm Name« zu verrathm. Er habe, wie er meinte, seine Gründe, hier nicht gekannt zu sei», und darin log er gewiß nicht. Ich versprach'« ihm auch und Hab'« bi» jetzt ge- halte»; wm« Sie aber apart deshalb hierher gereist kommen, so sehe ich nickt ei«, w««halb ich'« Ihnen ver- heimlichm soll. Wa» scheert«ich der Mosje Handor oder seine saubere Mamsell!" „Aber da» konnte doch unmöglich die junge Komtesse Monford sei«! Heh, Mamsell, bitte«och um ein paar ftssch« Seidel für un«; der Wein ist wirklich aulgezeichnet." „Freut mi, daß er Ihn« schmeckt,' sagte da» dralle Schmkmädel und«ah« die leere» Seidelflaschen mit fort. „Die? Bah," rief der Mauser, der dem Mädchen freund- lich zugmickt hatte,„Gott bewahre, wm« fie auch jetzt ihre Brillante» trägt. Da» arme Geschöpf hat er ja schon lange fitzm lasse», weil fie krank und elmd wurde."' „Sttzm lassm?" rief Jeremias, fast von seinem Stuhl emporfahrmd. „Jh versteht sich, da» war doch klar, daß er sich mit der nicht lange herumschleppm würde.'» ist ei« gewisse«. loser Halunke."_ „Aber wo, um Gott«« willm, bester Mauser? Wissm Sie nicht, wo fie zu finde» ist? Gerade ihretwegen bin ich ja hier, wa« scheert mich der Schuft, der Handor I" „So?" sagte Mauser.„Ja, ob fie«och jetzt da fitzt, weiß ich nicht, vor zwei Monate« aber ttaf ich sie zufällig in einem kleine», erbännlichm Dorf, ein paar Meile» vo« hier: Hrzib." f. Bitte Versammlung von»tettneteibeflbertt ou« dem Königreich und der Provinz Sachsen und au> Anhalt hat in Leipiig beschloffen, die Produktion in der neuen Kampagne um 20 pCt. einzuschränken. Da» ist vernünftiger, al» da» fortwährende Rufen nach Staatshilfe. Nur hätten die Brenner schon eher ffch rühren sollen. � � Der Reichstagsabgeordnete Viereck wurde, wie der „A. Abendztg." geschrieben wird, nun nachträglich auch noch in den Münchener Geheimdund-Sozialistenpr o z e% hineingezogen. Bei der Beweiserhebung des genanntm Pro» zeffeS wurde nämlich gerichtlich konstatirt, daß am Kirchweih- fonntage des vorigen JahreS eine„Klubfitzung" in der Maffen« bach'schen Brauerei, im VolkSmund daS„kleine tzofbräubauS genannt, stattfand, die der Polizeikommiffar Klein per Zufall entdeckte. Derselben wohnten u. A. der Kaufmann Kapp, Schneider EverSmann und Schreiner Böttger an. Die letzten zwei verdanken ihre Berurtheilung wesentlich der Thatsache, daß "x an dieser Zusammenkunft Theil genommen hatten; Kapp ogar lediglich, da er durch sonst nichts belastet werden konnte. Btereck» der erwiesenermaßen auch dabei war, blieb außer Ver- folgung. Auf diesen auffälligen Umstand glaubte nun der Herautgeber deS im Piereck'schm Berlage erschienenen gedruck- ten ProzeßberichtS in einer fffußnote speziell hinweisen zu müffen. Die Folge war, daß die k. Staatsanwaltschaft ihr„Uebersehen" durch nachträgliche Klagestellung wieder gut machte. Viereck will den Beweis erbringen, daß die der richterlichen Ueber« zeugung als Klubfitzung erschienene Zusammenkunft eine straf. bare gar nicht war, sondern eine durchaus zulässtge, die von ihm veranstaltet wurde, um in einer rein privaten Angelegen- 'eft den Rath und die Anficht einzelner Parteifteunde zuhören. IS Belastungszeugen hat die k. StaatSanwaltschast den Polizei- kommiffar Klein und den Kaufmann Kapp vorgeschlagen, weiter, wie erwähnt, eben dieser Sitzung halber zu 3 Monaten Ge- fängniß verurtheilt wurde und der Administrator d«S Viereck- schen Verlagsgeschäst» ist. Die Beschwerde gegen da» verbot de» allgemeine« Wählerversammlnng in Braunschwetg, in welcher der Reich»- tagSadgeordnete Bloi Bericht erstatten sollte, ist nunmehr auch vom Herzogl. StaatSministerium zurückgewiesen. DaS Ministerium erklärt stch mit den Ausführungen der Polizei- direktion und der Kreitdirettion,„welche in ver vom Reich»- taaSabgeordneter Blo» in früheren Jahrm hier entwicketten Thätigleit«eitere Unterstützung finden,„in völliger Ueber- einstimmung."— Mit der früheren hiesigen Thätigleit de» Abg. BloS dürfte wohl seine im Jahre 1872 stattgehabte Funktion al» Redatteur de»„Braunsch. Volktfreund" gemeint sein, welche ihm seiner Zeit wegm Beleidigung de» Polizei« direttorS und späteren Mitgliedes deS Ministeriums Meyer S Monate Gefängniß einhrachte, die er im alten„Kloster" verbüßte. VersammlnngSverbot. Eine auf Sonntag, den 11. Juli, Vormittag» 10V» Uhr, anberaumte öffentliche Versammlung in Crefeld, in welcher Ferdinand Gillei auS Elberfeld einen Vorttag über„Soziale Reformen" halten wollte, ist auf Grund de» 9 de» Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie verboten worden. ES ist dies da» erste sozialistmgesetzltche Versammlungtverbot in dieser Stadt. Hier- nach scheint e» auch hier mit der„milderen Tonart" vorbei zu sein. Offenbar ist der„schärfere Ton" in Folge einer allae» meinen Verfügung„von oben herab" angestimmt worden. Um darüber Klarheit zu erhalten, wird der Einberufer gegen da» ortSpolizelliche Verbot den Weg der Beschwerde beschreiten. Haussuchungen. Seiten» der Polizeibehörde in Ham- bürg sind bei vielen Arbeitern, welche am Sonntag vor acht Tagm an dem Leichengefolge eine» verstorbenen Zigarren- arbeiterS Theil genommen haben, HauSsuchungm nach sozia- listischen Schriften angeordnet wordm, indeffen in allen Fällen resullatlos verlaufen. Zum Vorschlag de« Herr« v. Leu»»«« Reich.Sze» richtsrath bemerkt die Lrantf. Zta."„:Man kann nicht umhin, zu bedauern, daß Männer, die eine so leidenschaftliche, fast fanatisch«uMr-nhe politische Ader besitzen, zu dem höchsten Sitz deutscher Rechtssprechung berufen werden." Ueber die wirthschaftltche Lage Oberschlesien« im Allgemeinen läßt stch der soeben im Druck erschienene Bericht der Handelskammer für den Regierungsbezirk Oppeln über da» Jahr 1685 also au»:„Auch dieimal haben wir über keine er- freuliihe Entwickelung von Handel, Industrie, Gewerbe und �andwirthschaft in unserem Bezirke zu berichten, und wo gegen da» Vorjahr eine Aenderung eingetreten ist, so ist e» fast ohne Ausnahme eine Wendung zum Schlimmer» gewesen. Die von unserer Montanindustrie im Jahre 1879 so freudig begrüßte Einführung eine» Eingang», olle» auf Eisen hat die daran geknüpften Hoffnungen leider nur in der ersten Zeit erfüllt. Wenige Jahre darauf erhöhten Rußland und Oester- r.ich theil» ihre schon bestehenden Zölle, theil» wurden von ihnen neue auf solche Waaren eingeführt für die jene Länder ein ergiebiges Absatzfeld der Industrie unsere» Handelskammer- Bezirte» bildeten. So machte stch in unserem Bezirke immer mehr und ganz besonder» im Jahre 1886 der wirthschaftliche Rf ckgang bemerkbar, unter dem seit einiger Zeit allerdings, „Wohl bekomm'» Ihnen!' sagte Zeremia».„Und wisse« Sie nicht, wie da« Dorf hieß?" Mauser sah ihn erstaunt an.„Ich nannte e» Ihne« ja eben: Hrzib." „Wie?" rief Jeremias verblüfft. „Hrzib 1* wiederholte«och einmal Mauser mit einem ganz entschiedene« Kopfschleudera. „Du meine Tüte," sagte Zeremia»,.ich glaubte vor- hin, Sie hätte» geniest!" .Za, Sie müsse» auch niese«, wen« Sie'» ausspreche« wollen," versicherte Mauser;„ganz verfluchte Name», die böhmische«, die Zunge geht Einem ordentlich entzwei." „Und wie weil von hier liegt da» Dorf?" „Ach, mit der Eisenbahn kommen Sie hald hin: aber garantire» kann ich Ihnen nicht, daß fie noch dort ist. Sie war damal« krank im Wirththause; ich sah sie w der Gast- stube und hätte fie auch gern angeredet, aber fie zog sich so furchtsam vor mir zurück, daß sie mir leid that, und ich dachte mir auch, daß e» ihr gerade nicht angenehm sei» könne, Zemande» au» Haßburg zu begegnen." Und wie kommt«an am best«» dorthin?"� .Wie Sie hinkomme«? Sie fahren bi» Podiebrad mit der Bah« und nehme« stch dort eine« Wage« oder Schlitten. Wo logire« Sie den« hier?" .I«.Schwarze» Roß"". „Donnerwetter, Sie geben'» fein- aber der Wirth dort kann Ihne« genau die Route beschreibe«. Ich fürchte, Sie machen eine Metz gerfahrt, den« ich kann mir nicht denken, daß stch da» arme Weibchen in dem Rest zwei Monate auf- 8 lünMh* Mann war damal» bei ihr f" „Gott bewahre, der bummelte in der Welt herum. Wie mir die Wirth«leute sagten, hatte er fie dort gelassen und versprochen, gleich zurückzukehre«, war aber schon vier- zehn Tag« fort, und wie er jetzt hieher kam, trieb er sich mit einem so gemeinen Geschöpf herum— pfm Teufet I" .Ab« Sie nannte» doch dort ihren Name», daß die Leute in ihre Heimath schreiben konnten?' rief Zemmia». „Wo'« mich nicht juckt, kratz' ich mich nicht" sagte Mauser;.wenn fie da» wollte, konnte sie'« selber thun. wenn auch in minder hohem Maße, fast alle Länder Europa'» leiden."— Inzwischen ist die Oberschlestsche Handelskammer durch den offiziösen Artikel der„Nordd. Allg. Ztg." belehrt worden, daß dir gegenseitige Zollschraube zwischen Deutschland und Rußlan i nur zu beiderseitigem Wohle funftionirt und als eine Bethätigung freundnachbarlichrr Beziehungen aufzu- fassen sei. Bayrisches. Der Redakteur des„Fränk. VolkSdlatt" eauck. jnr. I. Nicki au» Trippstadl(Pfalz) wurde nun auch noch nachträglich wegen Ministerbeleidigung in Untersuchung gezogm. „Der Hang»um Idealen in der konservative« Jugend", welchen die konservative Preffe feiert, richtet fich, wie die„Neue Stettiner Ztg." treffend bemerkt,„auf die OffizierSepauletten, den RegierungSaffeffor, den Landrath und dergleichen und erblickt die höchste Blüthe irdischen Streben» in einer Karriere, die nach wenigen Jahren- bei einem GeHall von 64 000 M. angekommen ist." Polnisches. Der Jahresbericht de» Vorsteberamt» der König»derger Kaufmannschaft beklagt auf» lebhafteste die Au»- »eisung der rusfisch-polnischen Unterthanen, eine Maßregel, welche zwar in Bezug auf die dem Königsberger Handel un- erläßlichen Personen zurückgenommen worden, die indeß einen Theil der rusfisch-jüdlschen Händler veranlaßt habe, die Stadt freiwillig zu verlassen, und die auch die sonst zeitweilig her- kommenden rusfischen Kommtsfionäre davon zurückgehalten habe, Königsberg wieder aufzusuchen. Dadmch sei dem Handel eine Anzahl höchst nützlicher Elemente entzogen worden. Jener Maßregel schreibt der Bericht zum Theil wenigsten» auch den bedeutenden Rückgang de» Getreidehandeli zu- während näm- lick in den ersten vier Monaten de» Jahre» 1884: 60 947 und 1885: 86 813 Toni rusfische» Getreide eingeführt worden find, betrug die Zahl in diesem Jahre nur 20 168 Ton», also noch nicht den vierten Theil der Quantität au» der nämlichm Zeit de» Vorjahre». Oesterreich- Ungar«. Zu der neulich ausführlich besprochenen Wiener D e n u n- , i a nt e n- A s f a i r« ist ein kleiner Nachtrag zu liefern. Der Gemeinderath Pfister, welcher einen kleinen Industriellen und Familienvater wegen einer von diesem vor mrhreren Jahren begangenen MajestätSdeleivigung denunzirt und in» Unglück gestürzt hat, berief eine sogenannte Wahlerversammlung ein, die er aber derart zu gestalten wußte, daß nur ein moziger Bruchtheil au» seinen Wählern bestand, während seine An- Hänger au» allen Theilm Wien» und verschiedene obskure Ele- mente die ungeheure Mehrheit der Versammlung bildeten. Die also zusammengesetzte„Wählerversammlung" hat dann dem famosen Herrn Pfister ein Vertrauensvotum ertheilt; aber dieser Herr besaß noch immer Geschmack, die Versammlung zutreffend zu taxiren, und er beantwortete deren Vertrauensvotum mit der Erklärung, daß er— sein Mandat niederlegt. Und dieS- mal hält der Herr Pfister auch sein Wort. Er hat aufgehört, Gemeinderath zu sein, und die Wiener Stadtoertretung ist dadurch der peinlichen Lage entrückt, einen Mann in ihrer Mitte haben zu müffen, der fähig ist, aus Rache seinen Mitbürger zu denunziren und unglücklich zu machen. Dem„D. T." wird auS Wien geschrieben: Erst jetzt wieder hat die Frag« der„Ueberfüllung der Tram- waywaggon»"— so alt, wie die Gesellschaft selbst— Streiflichter auf die Zustände unserer Hauptstadt und der dort grasfirenden Einflüsse geworfen, dic allen großen Parlament»« reden Sturm'», Herbst'», Plener'S und dm gewaltigen Demo»- strationen deS deutschm Klub» zum Trotz an einer Wiederge- burt Oesterreich» völlig verzweifeln laffm. AuS BetriebSrück- fichtm, Erwägungen der Ersparniß werden nm so viele Wagen abgelaffm, daß unausgesetzt eine Ueberfüllung der Tramway- waggon» eintritt, die cn«onn- und Feiertagen fich zu einer KaiamitA, zu einer ernstm Gefahr steigert, die schon viele Katastrophen im Gefolge hatte. Interesse de» Publikum» und der Börse stehen hier im Gegensätze; stet» stegtm die Börsianer und die„Eingeweihten" der Tramway Gesellschaft. Endlich kommt eine mergische Verfügung gegen dm Unfug der Ueber- füllung der TramwaywaggonS: die nach jahrelangen Enquetm und Kommisfionen— eine schier lächerliche Eigmthümlichkett in solchen Fragm— in» Werk gesetzte Reform d«S Tramway- verkehr» verwirklicht fich, dt« Neuerung toll mit dem 1. Juli d. I». mergisch gehandhadt werden. Große Freude beim Vublrkum; die TramwvunisSre hört auf, dtt Stehvlatze im Innern verschwinden, da» lebensgefährliche Sichdrängm und Stoßen nimmt ein End«, der Famllimvatcr athmet auf nach so viel Jahren bitterer Roth; die Tramway-Gesellschast wird den Verkehr erweitem, die niederträchtige AuSschrotung der Verhältnisse wird fartan verschmäht. Ader die Hand de» Ver- hängniffe» macht fich fühlbar; die Tramway Gesellschaft hatte an die letzte Instanz, daS Handelsministerium, rekurrirt und da» letztere gab dem Rekurse statt, fisttrte alle von den unteren Instanzen erlaffenm Verfügungen bi» auf spätere Zeit. ES bleibt vorläufig„AlleS beim Alten". Belgien. Der volkSwirthschaftliche Ausschuß hat seine Arbeiten im Hmnegau, und zwar in La LoumiSr begonnen. Werde mich hüte« und mich in Familie«- Angelegenheiten mische«— einmal gemacht, und nicht wieder." .Od man wohl«och heute Abend hinkommen könnte?" sagte Zeremia«, der keine Ruhe mehr hatte. „Sie find wohl toll?" rief Mauser;„eS dämmert schon und die Nächte find stockdunkel. Wen» Sie Nacht» von Podiebrad fort wollte« und bei dem Schnee vom Wege ab- kämen, könnten Ei« Hal» und Beine breche». Wolle« Sie absolut«achsehe», so fahren Sie morgen früh mit Tage»- anbruch weg; nachher habe» Sie de« ganze« Tag vor fich. 'S wird doch ei» vergeblicher Gang sei«, den« sie ist nicht mehr dort." „Und in»elchem Wirth« hause war fie?" „Z» welchem s Glauben Sie, daß m dem Nest mehr wie ein» ist? N«, da könne« Sie nicht irre gehen." „Aber de« Name« von de« verWÜ»schte« Ort behalt' ich i» meinem Lebe» nicht. Wie hieß er?" .Hrzib;«a warten Sie, ich gehe nachher«tt Zhne« in Ihr Hotel und beschreib' es dem Wirth selber. Da» wird das Gescheidteste sein— wie?" .Sie find ei» Goldmann. Herr Mauser; ich weiß nicht, wie ich e» Zhne« danken soll." „Bitte," schrie Mauser;.trmken wir»och ein Seidel?" „Sech«, wenn Sie wolle»," rief Zeremia»,„da ich heute Abend doch nicht mehr fahre» kann; denn ich glaube selber, e» ist am besten, ich warte bi« morgen früh." .Denke« Sie nur gar nicht daran." „Dann find Sie auch heute Abend«ein Gast, und Sie haben sich noch außerdem eine sehr wackere Familie zum höchste» Dank verpflichtet." „Reden wir«»» gar nicht mehr davon," schrie Mauser, äußerst vergntbat über die Ausficht eine« fidele» Abend»; „famoser Zufa», daß wir un» hier getroffe» habe» und— A propon, wie geht e» denn Fräulein Basfini, Ihrer Fräu- lein Schwägerin? Sie soll leben, Herr Stelzhammer, Sie soll, hol' mich der Teufel, leben!" Zeremia» fand, daß dem kleinen Mann der starke Wein etwa« zu Kopf gestiegen war, und da jetzt auch schon mit anbrechendem Abend einzelne Gäste eintrafen, schlug er ihm Trotz der Abmachungen der sozialistischen Blätter dezeichnete« etwa 1000 Arbeiter 17 ihrer Genossen, dem Ausschuß Rede zu stehen. Die Forderungen der Arbetter lauten: achtstünvige Arbeitszeit, einerseits um der Zuvielerzeugung Einhalt zu thun, anderseits um die Kräfte de» Ardetteri zu schonen. Mindestlohnsatz von 4-5 Frk». für den Tag. Die Arbeiter bezeichnen Diese Summe al» unentbehrlich für den Unterhalt einer Familie und dürsten dabei schwerlich über da» Ziel schreiten. Eine dritte Forderung geht dahin, daS allgemeine Stimmrecht einzuführen. Sollten die ersten Punkte auch nur theilweise zugestanden werden, so würden die Arbeiter den letzten wohl von selbst fallen laffm. Frankreich. Wie wir schon melseten, haben die Adga. Barodet, DeSmonS, Cantagrel und Labordere, Vorstand»mttgliedei der äußersten Linken, fich heute zu dem KonseilSvrSfidmten de Freycinrt begeben, um ihm dm Wunsch der Grupp: zu übermitteln, daß Duc-Quercy und Roche, die zwei wegen der Vorgänge in Decazeville verurtheilten Sozialisten, zum Nationalfest am 19. Juli begnadigt würden. Herr b; Freycinet erwiderte, dt« Ereigniffe von Decazeville lägen noch zu nahe, al» daß er dem Begehren Folge geben könnte, ver- sicherte aber die Delegirtm der äußerstm Linken seine» und seiner Kollegm guten WillmS, indem er ihnm da» Ver- sprechen gab, Duc-Quercy und Roch«, so wie die» nur möglich sei, in Freiheit setzen zu lassen. Die ftanzöfischm Zeitungen widerrufm da» Gerücht, daß Freycinet der rusfischm Regierung geantwortet habe, Frank- reich werde der Bakum. Frage gegenüber eine vollständig gleichgiltige Haltung beobachtm; der Minister habe vielmehr dm Mächten erklärt, daß die sranzöfisch« Regierung, getreu ihrer in der bulgarischen Frage eingeschlagenen Polttik, ihre Anficht erst zu erkennen geben würde, wmn die unmittelbar betheiligten Mächt« fich auSgesprochm hätten. Grotzbritauuieu. WaS wird Gladstone angesichts der ungünstigen Wahlen thun? Der Manchester„Guardian", welcher mehr ali irgend ein andere» Provinzialbiatt Fühlung mit Harvarden unterhält, drückt stch darüber au» guter Quelle ungefähr wie folgt auS: Gladstone soll die Adstcht habm, stch au» dem politischen Leben zurückzuziehm, wenn da» Land seine irische Polttik verwirft. Ader unter den Freundm Gladstone'« gilt dieser Entschluß nicht für endgtttig. Sicher aber ist, daß im Falle die Grafschaftm dm Flecken folgen und also dm Kon- servattven zu einer Mehrheit im Unterhause verhelfen, gegen Ende der nächsten Woche ein KadinetSrath einberufen werdm j wird, um die AmtSabgab« zu beschließm. Gladstone würde Salitbmy zu seinem Nachfolger empfehlen und Hartington| zwar in dessen Ministerium nicht eintreten, aber seiner Gofolg- i schast eine freundliche Haltung gegen da» neue Kadinet zur Pflicht machen. Od dann SaltSdmy die Einberufung de» neum Parlammtt bi» Oktober vertagen oder sofort dm August zur Erledigung der zur Fortführung der Regierung noch« wendigsten Geschäfte und Geldbewilligungen benutzen werde, um dann bi» im nächsten Februar Zeit zu gewinnen, bleibt, noch fraglich. Von Gladstone aber wird angmommm,' daß er, fall» er an der Spitze seiner Partei bleibt, alle» aufbieten werde, um den Konservatiom die Lösung der irischm Frage zur Befriedigung der Parnellttm zu erleichtern; dmn er schreibt stch nach wre vor da» Verdimst zu, diese Frage durch sein kühne» Auftreten lösunglfähig gemacht zu Hadem Soweit die Bomerkungm deS Manchester„Guardian", welche» wie gesagt, große Beachtung verdienm. Da» Organ der Parnelliten,„United Jreland', spricht fich folgendermaßen über die Wahlen au»;„W!r glauben, daß die diesmaligen Wahlm von der Vorsehung ebenso gefügt worden find, wie die Abstimmung über die zweiv Lesung der Homerulevorlaae. Wäre die letztere günstig fÜt unS verlaufen, so wäre die» ein Unglück statt eine» Segen» aewesm. Die Vorlage würde während der Session zu den Akten gelegt worden sein, die Drahtsieher würden Gelegenheit bekommen haben, die Seele herau» zu schneiden, mglische An« gelegenheiten wärm zur Berathung gekommm und die Minister würden fich so lange al» möglich der Nothwendigkett ent- schlagen haben, da» Skelett au» dem Schranke hervor zU Sehen. Jetzt kann im Gegmtheil kein Fortschritt in ngland stattfinden, bi» diese Frage ein füralleMalgelöst ist. Es mag fich für die Homerule nicht minder gut erweisen, wenn Rr. Gladstone in den die»« maligen W-Hlm eine zettweilige Niederlage erleidet. Da» englisch« Volk würde die Frage nicht richtig würdigen, bi» e» beide Settm ders.lbm kennen gelernt hat, und vielleicht wird gerade die Erfahrung, welche man mtt einer Schaar ehrloser, an dem gewaltigm Problem h-rumfl.ckmder Politiker macht, dazu dienen, für den einzigen Engländer, welcher fähig ist, die rage carte blanche nach seiner Weise im Namen Gotte» JU sen, daS zu erlangm, wa» von Nötben ist. Unsere El' Wartung jedoch geht dabin, daß Mr. Gladstone carte blanche (freie Hand) erhalten wird, ohne daß überhaupt solch' ein un« vor, noch einen kurze» Spaziergang zu mache» und da»» im„Schwarze» Roß" zu soupirm. Da» war nicht abzuschlagen, und Zeremia« brachte später den kleinen fidele« Souffleur— der glücklicher Weise, heute Abend nicht zu soufflirea hatte, oder e» wäre um da» Stück geschehen gewesen— auf seine eigene Stube, wo fi' bei einem delikate« Abmdbrod und noch delikatere« Weine« so lange zusammensaßm, bi« Mauser selber erklärte, heute fände er den Heimweg nicht mehr, so viel sei sicher, und morgen würde ihn der Nachtwächter wohl halb oder drei« viertel erfroren an irgend einer Straßenecke treffm. Dem wollte ih« Zeremia« doch nicht aussetze«, ließ ihm also ei« Zimmer im Hotel gebe», brachte ih» selb« zu Bett und traf dann sein« Vorbereitungen,«m am nächste» Marge» mtt dem Frühzug nach Podiebrad und von da ohne Säume» »ach jenem bezeichnete« Dorf mit dem entsetzlichen Name» hinüber zu fahre«. Am liebste« hätte« freilich gleich noch heute Ab»»' »ach Haßburg hinüber telegraphirt, daß« eine Spur 6** funden habe und ihr jetzt folge« wolle, um Rottack» wenigste«' einige Hoffnung zu mache». War ab« da» junge unglü»' lich« Wesen nicht mehr i» jenem kleinen Nest und verlor dort«ied« ihre Spur— wa« da»»? E« blieb im«1«' besser, erst dort a» Ort und Stelle seine Nachforschungen i-s beginne», wa»« auch«tt d« größte« Sicherheit th»' durfte, denn wen«« die Komtesse auch schon in HaßbM» gesehe« batte, ih» kannte fie auf keine« Fall, selbst rot«' n auch seine» Name» nannte._ Bei« Porti« ließ er fich jetzt nur»och auf die TaJjt schreibe«, daß« zur rechten Zett geweckt sei« wollen u« legte sich mtt dem beruhigende» Bewußtsei« schlafe«, jetzt ein bestimmte« Ziel zu habe«, dem« nachsaht' könne, und nicht mehr läng« in d« Zne umh« suche»» müssen. J Zeremia» hatte am vorige« Abend wie Maus« r. tüchtig gebechert, aber d« kleine Man» konnte auch � ordentliche Portio» vertragen, und um halb sech« Uhr JL nächsten Morgen saß« schon fertig angezogen und% bereit vor seinem Kasse, und unten klingelte« auch 9leJ®jp rauf die«tt tönenden Schelle« behangenen Pf«de, al» zeitig«» Ministerium zur Exlflen» kommt. Die liberalen Untoniflen werdm zu Pulver zerrieben werden, die Torie» werden keine maßgebend« Majorität erhalten; da» parla- mentarische Spiel wird wiederum in unseren Händen sein und eine neue Wahl wird dir jetzigen auf dem Fuß« folgen, eine Wahl, in welcher die unselige Allianz, in der Torie» für Radi« kalt stimmen, ihr Ende erreichte und eine neu wieder herge- stellte liberale Partei in» Parlament tritt, deren Schibboleth Gladstone und Homerule ist." Der HandelsauSwei» für Juni ist ziemlich destie« digend und bekundet, daß die Hauptzweig« der britischen In- dustrie im Wiederaufschwunge find. Verglichen mtt dem ent- sprechenden Monat im Vorjahre weist die Ausfuhr eine Zu- nähme von Lstr. 818787, die Einfuhr eine Abnahme von nur Lstr. 135 043 auf. Der Export erreichte einen Gesammtwerth von L. 18536076, während der Import stch auf L. 29 101 941 bezifferte. Für da» verfloffen« Haldjahr deläust stch, verglichen mit dem entsprechenden Zeilraum von 1335, die Abnahme der Einfuhr auf L. 19 086 785, die der Au»fuhr auf L. 1 036 326. Die»Time»' bespricht nochmal» die Latumfrage und meint, obwohl die Frage nicht wichtig genug sei, um einen ernsten Streit zu veranlaffen. müffe doch von der Thatsache Kenutniß genommen werden, daß Rußland eine direkte Heraus- fmdeiung an England gerichtet habe, welche« seine Politik dem- gemäß gestalten müffe. Durch dm Widerruf de» Art. 69 de» Lerlmer Vertrage» werde die von England auf dem Berliner «ongreffe eingegangene Verpflichtung, den BUtuB qno ante betreff» der Dardanellen zu respekttren, zum todten Luchstaden, ebenso wie Rußland erlange England seine Freiheit de» Han- delns wieder. � Italien« Die der Mehrzahl nach sozialdemokratisch ge- finnten stimmberechtigten Bürger von Ravenna und Forbi de« abfichtigen, den wegen„dreifachm Mord«»" zu zwanzigjähriger Zuchthausstrafe vermthmtm Amtlcare Ciprtani. dessen Wahl in'» Parlament bekanntlich annullirt wurde, wiederum zu wählen. Sie werdm in ihrem Vorhaben durch dm Führer der Partei, Andrea Corta, unterstützt. Derselbe hat kürzlich im Bagno von Porto Longono seinen guten Freund besucht und berichtet in den radikalen Blätter» von der Unterredung, welche er mit Ciprtani gepflogen hat. Cipriani sprach die Ueber- zmgung au», er wäre verurtheilt worden, weil er der Pariser Kommune angehört habe, welche Hoffmtlich auch in Italien noch proklamiN«erden würde.„Verwunderung erregt e».- schreidm die liberalen Blätter- daß die Strafanstaltttbeamten dem notorischen Demagogen Andrea Corta erlaubtm. einen Besuch abzustatten und mtt ihm politische, Staatsumwälzungen betreffende Gespräche zu führm." Spanten« „„ Die spanische Deputtrtmkammer gmehmigte mit 303 gegen 21 Stimmen die Z i v i l l t st e und verwarf dm Antrag Ro« mero Robledo's(lonservativj auf Erhöhung der ZivlUiste für die Regmtin— welchen Antrag die Regentin schon vorher zurückgewiesm hatte. Einer Madrider Korrespondenz der„Krmz-Ztg." zufolge weN>« WSpantm eine republikanische Erhebung vorberellet. Danach zählen die Republikaner auf dm Bestand von 4-5000 Mann, geführt von Offizierm de» HeereS und einer großen Anzahl von Sergeanten. Die Parole zum Lo». schlagm soll von Ruiz Zorilla gegeben werden und, wie e» heißt, gewiß noch vor Schluß de» Jahre». Die Insurrektion soll ihren Anfang in einer schon jetzt dafür bestimmten Festung nehmen, derm Garnison ganz in dm Händen der Republikaner sei. Nur in einem Punkt sollm die Insurgenten noch unent- schloffm sein; sie seien noch im Zweifel, wer dl« militärische Führung de» Aufstand«» übernehmen soll. Aber alle» deute darauf hin, daß der Aufstand, wenn auch vielleicht nicht erfolg reich, doch umfaffend und schrecklich sein werde. Die Regie. rung habe zwar Verdacht geschöpft, aber st« scheine die Spurm der Verschwörung nicht mtdeckt zu haben. R» h l a« d. Der„N. Fr. Pr." wird au» Konstantinopel berichtet: Rußland ist schon seit Jahren thätig, B a t u m» militärischen Werth zu heben. Allerding» wurden kleine Befestigungen auf. gelassen, dafür aber da» wichtige Ruruntabia verstärkt und auch gegen die Landseite durch Schanzen erweitert. Außerdem wurden«nichtet 9 große Magazine in Lazarchane, 4 Pulver magazine in Sekinda, 7 Militärspitäler. In den Magazinen befinden stch 70 Krupp- und 100 andere Geschützt, Gewehre, Munition, 3000 Torpedo». Schwere Kanonen stehen in den Magazinen auf Schimon und können mit der Bahn nach Ru- runtama gebracht werden. Der„Dzimnik Poltki" meldet au» Peteridurg, daß unter � Raufkulen an der perfischen Grenz«, läng» der trantta»- plschm Eisenbahn, englische Spion« verhaftet wurden, welche die Festung»pläne skizzirtm. Die Verhafteten seien nach Prtertburg gebracht und in der Festung internirt worden. Battanlände». Nach dem ungarischm Regierungtblatt„Nemzet" steht, wie man der„Voss. Ztg." meldet, da» Verweilen Höherer i" Kutscher au» de« Thorweg herau» und vor da» Hau» fuhr, um dort seinm Paffagier zu erwarten und nach dem Bahn- Hof zu bringen. Und der Wind pfiff nicht schlecht am Muß herauf, der Himmel hatte sich dabei umzogen, und es fing an gestormm Regen herunter zu werfen, der, wo er in« Geficht traf, wie Nadeln stach. Aber wa» half'«; der Weg mußte zurückgelegt werdm, und mit einer Anzahl wollmer Decken versehen, die er sich vom Wirthe geborgt hatte, um nachher von Podie» brad Fuhrgelegmheit zu nehmen und ordmtlich eingepackt zu sein, warf er sich in sein Koupee und sah mit Ungeduld der Zeit mtgegm, die ihm Tewißhett über die Gesuchte bringen sollte. Zn Podiebrad hatte es auch keine Schwierigkeit, ein Fuhrwerk nach jmem Dorfe, deffm Ramm er deutlich ge- Uneben auf einem Zettel bei sich trug, zu findm.und gegm Mittag etwa errichte er dm kleinen Ort und hielt bald darauf vor der Schmke— einem traurigen, wüsten Aufenthalt. Und hier sollte er die junge, an jede Bequemlichkeit von Zugend auf gewöbnte Komteffe finden? Er schauderte ordmtlich, al» er fich d,e Möglichkeit dachte, daß sie hier monatetang allein und freundlo» gehaust Hab«. Da» war auch gar nicht möglich, und er fürchtete jetzt fast ebmso, ihr hier zu begegnm, wie er fich ftüher danach gesehnt hatte, fi« anzutreffen. »Und wa» mach« ich mit dm Pkerdm, Herr?' fragte Schlittens' Jeremia» vor der Schenke au« dem »�te� fie ein, Freund," lautete die Antwort,„ein Stall wird doch hier zu finden sein. Ich bleibe wahr- schetnlich ein paar Stunden hier und fahre dann wieder zurück.' Damit trat er in da» Hau» und in die niedere, furchtbar geheizte Gaststube, au» der ihm aber ein widerlicher Dunst mtgegmschlug. daß«, ordmtlich erschreckt einm M- »ent in der Thür stehen blieb, um sein, Lunge erst an diese Atmosphäre zu gewöhnm. Gäste warm nicht im Zimmer, einen Fuhrknecht au»- genommen, der am Tische saß, ein große» Gla» Brannt- msstscher Offiziere in Bukarest im Zusammenhange mit einer rusfisch-rumänischen Konvention zm Sicherung de» Durch- marsche» russischer Truppen durch Rumänien für den Fall einer russtschen Besetzung Bulgarien». Darauf wird die Einberufung de» rumänischen Ministerrath« S nach Einaia unter Vorfitz de» König» zurückgeführt. Die Bevölke- rung zeige fich bmniuhigt. weil rusfischc Truppenkonzentrirungen in Beffarabien mit den Plänen bezüglich der Besetzung Bul- garten» in Zusammenhang gebracht werden. Die Meldung d«S Pefler„Nemzet" wiid offiziös al» erfunden bezeichnet. Amerika« Das Gesundheitsamt wird in Folge der aus Italien ein. treffenden beunruhigenden Berichte Über die C h o l e r a voraus. fichtlich eine strenge Quarantäne für die von Miitelmeer- Hafen kommenden Schiff« anordnen, fall» die Krankheit größere Dimensionen annimmt. Diese Schiffe werden in der Lower Boy zurückgehalten; den Kapitänen soll nicht eher die Er- laudniß zum Landen ihrer Ladungen ertheilt werdm, bis letztere desinfizirt find. Trotz der Vorherrschaft de» Kapitalismus in den Ver- einigten Staaten dringen dort doch in Folg« d«S politischen Einfluffe» der Arbeiterklasse gelegentlich arbeiterfreund- l i ch c Gesetze durch, auf die wir Deutsche noch viele Jahre werden warten müssen. So hat jetzt wieder mit tiner seltenen Promptheit da» Repräsentantenhaus die Smatsvorlage betreff» Legalifirung der Inkorporation nationaler Ge- werkschaftsvereine(National Trade« TJniona) arrge nommen und damit einen wetteren Schritt zur Förderung der friedlichen Beilegung von Streitigkeiten zwischen Arbeit und Kapital gethan. Die Arbeitskommiffäre verschiedener Unions- staatm,| B. Peck von New Bork und Mc Hugh von Ohio. hatten in ihren letztm statistischen Jabresberichlm auf die Vor- theile hingewiesen, welche den Gewelkschaftsoeretnen des Landes au» einer Vorlogt wie der obigen erwachsen mußtm; und wenn dieselbe auch in ihrer ursprünglichen Fassung nur Bezug auf dm Distrikt Kolumbia und die Territorien bane, so ist fie doch schließlich dahin amendirt worden, daß ihren Bestimmungen zufolge die Organisationen in dm Städten nur nöthig haben, fich mit dem in Washington bestehenden GewerkschastSoerein zu verbinden, um aller Vortheil« de» Jnkorporationsgesetze» tbeilhastig zu werden. Die Haupibestimmungm der neuen Vorlage, welche gegenwärtig dem Präfivcntm Cleveland zum Unterzeichnen vorliegt, find folgmde: Unter einem nationalen Gewerkschastsvereine im Sinne de» Gesetzes soll jede Arbeiter« Organisation verstanden werdm, welche zwei oder mehr Zweig- vereine in dm Staaten oder Territorim der Union befitzt und den Zweck verfolgt, das geistige wie daS leibliche Wohl ihrer Mitglieder zu fördem, deren Löhne und Arbeitszeit zu reguliren, ihre indioiduellm Rechte zu schützen, fie in KrankheUSsallen zu unterstützen rc. Nationale Gewnlsckastsverein« sollen, wenn fie ali solche inkorporirt find, die Privilegien aller anderen inkorporirten Körperschaften ge> n i e ß e n. indessen nicht mehr Grund- oder persönliches Eigen thum besitzen dürfen, al» für die Zwecke, für welche fie in korporirt wurden, noshwmdig ist. OerichtK-Zeitwtg. Düsseldorf, 9. Juli.(Freie Presse für Rheinland und Westfalen.) Vor einiger Zeit stand vor der hiestgm Straf- kammer der Gesammtoorftand der verbotenen Mitgliedschaft „Vereinigung der Metallarbeiter Deutschlands, Mrtciliedschast für Düffeldorf und Umgegmd". bestehend au» dm Personen Gerhard Mirbach, 1. Vorsitzender; Richard Heidt, 2. Vor- fitzender; Loui» Gemmer. 1. Kasfirer; Wilhelm Weinforth. �Kasfirer-Nikolaus Linxweiler, 1. Schriftführer; Engelbert Schier, 2. Schriftführer und August Tewe», Revisor. Die vorgenannten waren angeklagt, gegen§ 17 de» Gesetzes vom 21. Oktober 1878 gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie gesündigt zu haben. Beweise konnten absolut keine beigebracht«erden, und selbst der unter Eid»er- nommm« Kriminal.«ommiffar tonnt« nur erklären, daß in diesem Falle nur Muthmaßungm beständen; er habe di« An- geklagten flöhet vernommen und wisse nur, wa» ihm zu Protokoll dittirt worden sei. Die Strafkammer war jedoch der Anficht, daß die Beschuldigten nur zu dem Zwecke einen Verein gründm wollten, um fich die Gmehmigung zur Fort- destehung eines verbotenen Verein» zu erschleichen, auch sei die Art und Weise, wie der Vorstand mit dem Zmtraloorstande in Mannheim in Verbindung gestanden, sehr verdächtig und sei darau« zu schließen, daß die Angeklagten von Mannheim au» inspirirt worden seien, um den Verein fortzusetzen. Auf letzteren Fall wurde bei derUrtheilSverkündigung besonder« Gewicht gelegt, er sei dethalb noch besonder» hier erwähnt. Kurz vor der Auf. lösung de» Verein» erhielt der Vorfitzende Mirbach ein Schrei den von Mannheim, worin mtt dem Zaunpfahle gewinkt wurde, daß die Vereinigung bald aufgelöst werden würde. Dieser Brief kam nur dem Mirbach und Kasfirer G-mmer zu Geficht, nicht den andern Vorstandsmitgliedern. Dann kam ein zweller Brief von Mannheim, worin der dortige Vorstand bat, im Arbeiter-Smanzipationskampfe auszuhaltm; derselbe kam aber wei» vor sich hatte und au» einer kurzen, schmutzigen Pfeife Wolken stinkenden Tabaksqualm« ausstieß. Jeremias war in Brasilien gerade nicht mit sehr vorzüglichem Tabak ver- wöhnt worden, der hier roch ihm aber doch außer dem Spaß. Aber wa« half e»,«* mußte ertragen werden, und mit einem freundlichen Gruß gegen den Mann, der ihm nur kurz zunickte, wandte er fich an ein weibliche« Individuum, möglicherweise die Wirthin oder vielleicht eine Dienstmagd, die aber von Schmutz starrte, und fragte fie, ob hier im Hause eine Dame fett einiger Zeit logire. Die Antwort, welche er bekam, war böhmisch; da» Frauenzimmer verstand kein Wort deutsch und zeigte nur dabei auf den Fuhrknecht, der ihr wahrscheinlich al» Dol- «etscher dienen sollte. (Fortsetzung folgt.) Ans Kunst nnd Zeven« Im Schwetzergarten wird am heutigen Dienstag zum ersten Male da» bereit» schon gestern angekündigte py-otechnisch- mtlitärische Panorama der Schlacht bei Magenta(am 4. Juni 1859»wischen Oesterreichtin und Franzo'en) und zwar unter Mitwirkung von ca. 150 Peisonen zur Darstellung gelangen E» ist die» da» für die Franzosen fiegreich ausgefallene Treffen, nach welchem der franzöfilche Oberdefehlthaber Mac Mahon von Napoleon den Titel eine» Herzogs von Magenta erhielt. Dem KrieaSfeuerwerk voran geht ein großartige» Brillanten- Feuerwerk der Ptziwttchniker A. und E. Maffow, Hornig und Bonander: da» vor und nach dem Feuerwerk stattfindend« große Militär-Konzert, verbunden mit einer Extra-Vorstellung, verspricht insofern interessant zu werden, alt in dem Programm derselben die Sensationt-Luftpiecen der spanischen Gymnastiter- Familie Majol: Miß Lazel als lebend« Kanonenkugel, sowie die üderau» humoristische Studentenpoff«»Die lustigen Heidel- beiger" mit aufgenommen find. Der Einttittsprei» ist diesen Abend auf 50 Pf. erhöht worden(stehe Inserat in der heutigen Nummer unserer Zeitung) jedoch find villet» vorher zum er- mäßigten Preis« von 40 Pf. in 6«n_mU Plakaten belegten nicht in die Hände deS Vorstandes, sondern lag bei' der„Hoch- löblichen" ad acta. Doch kurz und gut. der Gerichtihof ver- urtheilte den Vorsitzenden Mirbach zu 30 M. und die anderen Mitglieder zu je 20 R. Geldbuße und im Unvermögensfalle zu 6, resp. 4 Tagen Gefängniß nebst Tragung der Kosten. Der Herr Staatsanwalt beantragte für Mirbach, al» die Seele de» Verein» und intelleftuellen Urheber de» neuen Unterneh- wen», vier Monate und für die übrigen Angeklagten mit drei Monate Gefängniß.- Herr Rechtsanwalt Belle» führte die Vertheidigung in sehr geschickter Weise-— ES wurde sofort Reviston angemeldet.— Zur näheren Beleuchtung de» Urtheil» möge folgende» dienen: Im November de» Jahre» 1884 konstttuirte fich hierselbft der Lokalverein„Fachverein der Metallarbeiter Düfieldorf» und Umgegend" mit einem von einer selbstständigen Kommission selbst ver« faßten Statut. Letztere» wurde polizeilicherseit» genehmigt und mit Stempel versehen' mithin bestand der Verein recht»- kräftig. Nun fand zu Weihnachten deffelben Jahre» der Kongreß der Metallarbeiter Deutschland» zu Gera statt behufS Gründung einer Vereinigung, die fich über ganz Deutschland erstrecken sollte. Düffeldorf war nicht durch einen Delegirten vertreten. Nun wurde aber im F-bruar de» Jahre» 1885 durch eine Generalversammlung beschlossen, der„Vereinigung der Metallarbeiter Deutschland»", welche inzwischen schon florirte, beizutreten. Sofort wurde auch da» Statut ab- und da« Vereinigungsstatut angemeldet md auch genehmigt. DaS Weitere ist bekannt. Da» Verbot traf einen Tag zu früh ein, der Vorstand war im Begriff, da» alte Statut wieder einzu- reichen, wa» dann auch noch geschah. Die Gm« zmigung wurde aber versagt und alle diesbezüglichen Versammlungen verboten. Der Vorstand wandte fich deschwerdeführmd an'» Ministerium de« Innern. Di« Untersuchung ließ nicht lange auf stch warten und die Anklageschrift blieb nicht au». Nun fand wunder» barer Weise der Gerichtshof eine Aehnlichkeit zwischen dem altm und dem neuen Statut. Wirklich wunderbar I Denn e» versteht stch doch von selbst, daß,«mn da» Vereinigungsstatut den Normalarbeitstag von 10 Stunden, Vermehrung der Fabrikinspektoren tc. In feinen Paragraphen verzeichnet hatte, daß dann ein Verein, welcher dieselben Tendenzen verfolgt, nicht etwa die Vermehrung de» stehenden Heere», der Marine und vielleicht noch Kolonialpolitik in sein Programm aufnimmt. Also war eine Aehnlichkeit zwischen Lokal- und Vereiniaungsstatut doch ficher vorauszusehen. Ei empfiebt stch also in künftigen ähnlichm Fällen, daß Fachvereine da» Statut lineS Krieger- oder Landwehrvereini fich zum Muster nehmen, vielleicht entdeckt man dann nicht so leicht«ine Aehnlichkeit. Und nun die Mannheimer Briefgeschichte. Dieselbe zeigt wie- der einmal, wie dehnbar die Paragraphen des Auknahmege- setze» find, derart, daß man auf Gmnd derselben Jemanden für die Handlungen eineS Andern verantwortlich machen kann. ES handelte fich um die Fortsetzung de» verbotenen Vereins. Gut! Aber dann hätte in diesem Falle doch der Mannheimer Zentraloorstand angeklagt werden müssen; denn von ihm gingen die zur Fortletzung de» Verein« au'munterndm Briefe au». Doch die» nur nebenbei. Thatsache ist ei, daß der hie« stge Vorstand auch ohne die Winke von Mannheim ganz da»- selbe gethan, und auch nicht ander» thun konnte, al» wa» er jetzt gethan hat. Wenn die Herren aber auch von der Schnellig- keit frappirt wurden, mit der der neue Verein angemeldet war- den ist, so mögen fie wissen, daß, wenn ein solcher Verein mit Gewalt auseinander gekettt wird, e» sehr schwer fällt, ihn wie- der in« alte Geleise zu bringen, weswegen auch die schnelle Neuanmelvung von der Eiwägung abhängig war, daß die Ver» einSthätigkeit dahin keine zu lange Unterbrechung erleiden müffe. Wenn nun bei der nochmaligen Verhandlung keine Freisprechung erfolgt, wo wird al»dann die Thür« im Gesetz sein, durch die der Arbeiter, der stch einer Organisation, welche ihm nützen kann, anschließen will, wieder auf den Boden deS gemeinen Rechts zu treten vermag? Münster(Wests.), 10. Juli. Vor dem hiestgm Schwur» gerichi gelangt am Dienstag, den 13. d., eine Anklage gegm ie Wittwe deS Bergmann« Heinr. Tibi au» Wattenscheid (Weftf.) wegen Gattenmord» zur Verhandlung. Dieselbe soll laut der«nNage am Abend de» 28. Dezbr. v. I. ihren Ehe- mann, mit welchem fie auf dem Heimwege vom Bottroper Viihmarkt begriffen war, hinter eine auf freiem Felde errichtet« Strohdieme gelockt(angeblich. um dort vor der Kälte Schutz zu suchm) und mit einem Revolver erschossen haben. Augm- zeugen find nicht vorhanden. Frau Tibi behauptet, ein Dritter. der gleich darauf entflohen sei. habe den Schuß gethan. Im Hause der Verdächtigen fanden fich indeß Kugeln von gleichem Kaliber mit der bei der Sektion im Schädel de» Ermordeten gefundenen Kugel, die sogleich dm Tod drsseiben zur Folge gehabt haben mußt«. Die Angeklagte unterhiett hinter dem Rücken ihceS Ehemannes ein Verhällniß mit einem anderen Bergmann. und die Anklage nimmt an. Frau Tibi habe durch die Ermordung de» Gatten bezweckt. um diesen Neben- beziehungen di« legale Form geben zu können. Auf dm Au«< gang de« Sensation«- Prozesse» ist man in weiten«reisen gespannt. Tod eine« Liebespaares. Von Wien au» wird da» freiwillig gesuchte Ende einet jugendlichen Liebespaar» in der liedlichsten Gegend der dortigen Berge gemeldet. Vor nicht langer Zell wurde in festlicher Weif« die Eröffnu-ig der neuem Schuvbütte auf der hohen Wand begangen, welche daselbst von der alpinen Gesellschaft„Die Waldegger" in einer Höhe von über 1000 Metern erbaut worden ist. Diese Hütte empfing nun auch eine«lutweihe: ein junge,. verzweifelnde» Liebespaar hat in derselben durch Selbstmord gemd-t. Angesicht, der Reize einer wildromantischm Alpenwelt, in deren Anblick man sonst wohl da» Erdmsetn doppelt schön finden mag. schieden die Beidm au» dem Leben. Am 1. d. Ml», wurden von einem Jager in der Hütte die Leichen aufgefunden. Zwei Tage vor» bn mochte nach dem Ergebniß de, L-kalaugmschein» der Doppelselbstmord autgejührt worden sein. Da» Paar hatte fich die PuUadem geöffnet und da» verströmende Blut hatte den Estrich der Hütte roth gefärbt. In dem daselbst auflie. genden Fremdenbuche hatten fie zuvor ihre Namm eingetragen und in rührenden Worten Abschied von Eltern und Ver- wandten genommen. Der jugendliche Selbstmörder ist der 19 jährige Goldarbeiter Josef Kuburek au» Wim, seine Todetgefährtin heißt Adelheid Fibich und ist 17 Jahre a't. Die Leichen wurden nach der Ortschaft Waidegg gebracht und daselbst unter großer Thellnahme der OriSeinwohner de« erdigt. von Sunde« zerrisse«. Einm gräßlichen Tod erlitt in dem ariderlhalb Meile von Rakwitz lPr. Posen) entfernten Dorfe Selmtczin, die 16 jährig« Tochter eine» dortigen Knechte». Dieselbe wurde von ihrem Vater mit einem Auf- trag« an dm Vogt, welcher mit dem dortiam Inspektor zusammen auf einem Hofe wohnt, betraut. Doch warm beide zufällig nicht anwesend. Al» nun das Mädchen von dort nicht zurückkehrte, hielt der besorgte Vater Unschau nach seiner Tochter: al» derselbe den Hof betrat, bot stch ihm ein schauder« haster Anblick dar. Die beidm großen Rae« LuxuShunde de» Jnsvektor» zerrten an der blutigen Leiche seiner Tochter herum. Nachdem die Bestien unschädlich gemacht, gewahrte man, daß die Leiche di» zur Unkenntlichkeit zerrissen war, nur durch die «leider ließ fich die Jdmtttät feststellm._ �, Eine neue montenegrinische Stadt. Die im Bau de- griffme Stadt Mirkova Varosch wird am 7. November eingeweiht und offiziell al» Stadt vrotlamirt werden. Dieselbe wird vor der Hand nickt mehr al» 60 Häuser zählen, allein fie weist hübsch- Plätze und breite Sttaßm aus, die dem Orte da» Au». sehen einer wirklichen Stadt verlelhm. Soziales und Arbeiterbewegung. Ge!chSfttspekulationen nicht mehr als«ine Wohlthat für unsere wtrthschaftlichen Zustände anzupreisen wagte. Dies war die Zeit nach dem sogenannten wirthschaftlichen Aufschwung, wo man die Folgen der maßlosen Konkurrenz in der heranbrechen« den KrifiS so plötzlich vor Augen sah. Gerade von Veiten der Freihändler empfahl man dann Einschränkung der Produktion. die aber gleichfalls nicht ,u Segen geführt hätte und auch von den Produzenten selbst nicht tnnegehatten worden wäre. Nun aber trat die vchutzzollära«in, die wieder in den„geschützten" Industrien zu rastloser Thätigkeit, aber auch zur Ueberproduk- tion führte. So war man auf denselben Standpunkt wie vorher gekommen.— Schutzzoll oder Freihandel— beide zeigten fich für die Hebung unserer wirthschaftlichen Zustände völlig impotent. Sie haben beide keine dauernde Einwirkung auf dieselbe. In der Aera des Freihandels Noth und Elend im deutschen Arbetterstande, ebenso wie in der Aera des Schutz« zollS. Preist man die freie, ungemeffene und schrankenlose Produktion an, so tritt man auch gleichzeitig für Ueberproduk» tion und Krisen ein; preist man die Einschränkung der Produktion an, so tritt man wiederum für Entlassung von Arbettern, für Lohnverkürzung ein, die ein weiteres Sinken der Konsumttonskratt zur Folge haben. Es kommt Alles auf daS» selbe hinaus. 3Me technischen Fortschritte erhöhen die Thätig« keit des Maschinenbetriebs, erleichtem die Erzeugung der Produkte, sie reduziren die menschliche Arbeit, so daß eine Ueberproduktion unter allen Umständen heideigeführt«erden muß, wenn nicht Kauf» und Konsumtionskraft des Polles wesentlich erhöht wird. Dies kann nur dadurch geschehen, daß, wie auch der bekannte, in der Nationalökonomie wohlbewan- derte frühere Abgeordnet« Miguel kürzlich hervorhob,„die Gütervertheilung eine richtigere wird," daß von den Produzenten ein größerer Theil auf die Hauptkonsumenten, das arbeitende Volk, fällt alS bisher. Nicht die Produktion ein« schränken, wie man jetzt vielfach meint, kann vi« witthschast« lichen Zustände heben, sondern die Konsumtionskraft des Polle» auf eine höhere Stufe dringen— das allein kann frommen. Deshalb find wir auch mit allen venjmiam Volks« wirlhen einverstanden, welche ein« flotte Produktion unter allen Umständen empfehlm. Di« zahlreichen Werth«, welche geschaffen werden, müssen doch schließlich ein Unterkommen finden, und da» Volk in seiner Masse gewöhnt fich an neue Bedürsn'ffe. Dadurch wird der Kutturfortschritt im Wesent» lichen bedingt und die Gesellschaft nach und nach gezwungen, Mittel und Wege zu einer richtigeren Vertheilung der Pro» duttionswerthe zu finden, da sonst Stillstand oder Rückschritt in der Zivilisation zu verzeichnen sein würde. Die Maffe der Konsumenten bildet aber der Arbesterstand; wenn ihm bei einer verständigen Regelung der Produktton ein größerer An» theil am Gewinn zusällt, als jetzt, so wird die Konsumtion vermehrt und die Produftion kann fich dann auf einer bestimm« ten Höh« hatten. Di« Spekulationen auf dem ausländischen Marli find dann nicht mehr so heftig, wenn der inländisch« Markt lohnender geworden ist. Die Krisen»erden dann nicht mehr in solcher Kraft und Fntenfivttät auftreten wie jetzt; «ine allgemein verstänvige Regelung»wischen Produftion und Konsumtion bahnt die Wege zu witthschaftlichem Wohlbefinden der Maffe des Volks. Daß dabei die Untemehmer fich nicht mehr ihre» übergroßen Kapitalgewinns erfreuen würden, daß auch die oft angepriesene„Züchtung von Millionären" aushören, daß die Spekulation auf ein geringes Maß herabsinken würde, das ist selbstverständlich, aver wahrlich kein Unglück. Und diese„gerechtere Vertheilung der Güter" kann in geordneter, ruhiger Weise auf dem Wege der Gesetzgedung. wie wir schon oft yervorgebob'n haben, Herbeigeführt werdrn. Eine aus« giebige Aibeiterschutzgesetzgebung mtt Festsetzung einer Maxi« malardeitszeit und Anstredung eine» MinimaUobnes, mit Ein» führung einer tüchtigen Arbertervertretung in Arbeitskammern würde schon ein guter Anfang sein, dft„gerechtere Verkeilung der Güter" anzubahnen Wenn aber einmal ernhafte Sozial« So wollen wir trotz aller Bedrängnisse heutiger Zeit frohen Blicke» vorwärt» schauen, in der Ge»ißkeit. daß die Aera der Ueberproduftton, de, schrankenlosen Konkurren, und der tollen Spekulation vernünftigen und gerechten, auf einer vollst hüml cten Sozialreform aufgebauten wirthschaftlichen Zuständen weichen *�3# Mülhausen im«Isafe haben am 9. d. M. sämmt« liche Zimmerlcute vi« Arbeit eingestellt,„ohne daß jedoch", wie verschiedene Blätter dieser Nachricht hinzufügen,„Ruhestörrmge n vorgekommen wären".— Das llingt so, als wenn bei jedem Streik Ruhestörungen vorkämen und hier nur eine Ausnahme vorläge. Die Sache liegt hingegen umgekehrt. Bei 100 Streiks kommen ungefähr 3—4 vor, wo die sogenannte öffentliche Ruh« gestört wird, und dann find es meist immer Elemente gewesen, Me nicht zu den Str eisenden gehörten, welche die Ursache zu dm Ruhestorungm abgabm. 8 Zur Gefängnifearbeit. Der„Rheinisch-Westf. Zettung" zreibt man au» Remscheid, 8. Juli: Die Ardestgeber und rbester der Lastingschäftefabrikation der Gemein« dm Burg, Dabringhausen, Dhünn, Wermelskirchen, Burscheid und Köln hadm auf eine an dm Reichskanzler gerichtete Bstt« schritt eine Antwort vom Ministerium des Fnnem erhalten, : elch« den Bittstellern die Kündigung der wegen diese» Ar« beitszweige« seitm» der Sttafanstaltsdireftionen gelchloffmen Konttafte zusagt. Man hat nur die Sttafanstatt Ziegenhain ausgeschlossen, weil der dortige Ardeitsbetrieb bereits mit Rückstcht auf die Plüschweberei im Kreise Soltrgm seiner Zeit beschränkt wordm ist. Von der königttchm Regierung zu Düffeldors wird dam roch folgmde» demertt:„Aus den sehr eingehenden Srmsttelungen de» Bürgermeisters von Wermel» kirchen haben wir entnommen, daß auch ohne dos Hinzuttetm von 200 StrafanstaltSardeitern schon ein übermäßige« Angebot von vorgebtldetm«rdettsftSsten für die LaMngschästefabrllation vorbanden ist. Um daher ein wester«» Sinken der Löhne zu verhindern, empfehlen wir dringend eine Vereinbarung der 10 Lastingschäfle'Fabrtkanten, welche in Wermelskirchen, vur« scheid und Köln vorhanden find, b hin, daß sie entweder de« stimmte Minimal» Verkaufspreise festhaUm o�r imr zu be« stimmten Minimallöhnen arbestm laffm. Dte.Prttskonvention. welche vom 1. Oltober 1884 bis zum 1. Juli 1886 bestanden hat, berechtigt m der Annahme, daß eine Elneuerungderselden wohl möglich ist, wenn die an Zahl gettnfim, dm Weltmartt beherrschmden Firmen nur einig find. Em« solch« Konvention liegt eben so wohl im Jntereffe der Fabrikanten als der von ihnen beschäftigten Ardester." Di« vehördm find von der königlichen Regierung beaustragt wordm, auf daS Zustande« kommm einer Preiilonvention oder einer Vereinbarung über Mtnimallöhne bei den 10 LastingschSste-Firmen in Burscheid. Köln und Wermelskirchen nach Kräften hinzuwirken und über von Ztg." geschrieben: Ä wechsffifltn lU�stützuna" Ut«rbttter» verbände habm die»rdestersamilim doch vielfach« Noth fciden müssen; gleichwohl haben sie auf ihren For derungen fest bestanden. Ebenso habm die Arbeit« geber durch den Ausstand der Ardester großen Schadm erlitten, viele Geschäfte standen in ihrem Betriede still. Jetzt nun ist ziemlich Alles wieder in Ordnung und im A l l g e« meinen eine Verkürzung der Arbeitszeit aus acht bis neun Stunden täglich mit vollem Lohn und theilweise auf zehn Stunden mtt erhöhtemLohn unter den verschiedenen Ge« werken erreicht."— Diese Nachrichtm lauten für die amerikanischen Arbeiter günstiger, als die von der offiziösen Preffe in Deutschland gemachten Berichte. Die Schmiede t« Altona haben in einer am 8. Juli stattgehabten Versammlung beschloffm, vom 12. Juli ad zu verlangen, nöchigenfalls durch Einstellung der Arbeit, die Be« s'itigung der SonntagSardeit, die Einführung einer lOstündigen Arbeitszeit und Beidcbaltung de» bisherigen Lohnes, wie 50 pCt. Zulage für nöthige Nachfeierabmd»Rrbeit und jedm Sonnabend-Abmd LohnauSzchlung. Es wurde darüber ge« klagt, daß die Schmiedegesellm jetzt eine Arbeitszest von 5 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends haben, kein Famllimledm kennen und fich um Frau und Kinder nicht kümmern iönntm. Dazu komme noch, daß die Gesellm am Sonntag»um Husbeschlag herangezogen würdm. Neumünster, dm 7. Juli 1886. Werth« Kollegen! In Anbettacht unserer schon seit 0 Wochm dauernden Arbeitseinstellung fühlen fich verschiedm« Zeitungm veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß der Stteit der Former hier am Ott« als be« endet angesehen werden müffe, indem der größte Thest der Stteikenden die Arbeit wieder aufgenommen habe. Zur Auf« klärung dime folgendes: Es arbeitm in der Fabrik des Herrn Rohwer jetzt größtentheils Arbettsleute, welchm versprochen ist. daß ste in kurzer Zeit die Formerei erlemm und dann viel Geld verdimm können,(?) sowie einige Lehrlinge und die be« tteffmden Former I. Schell und W. Weck. Letzterer ist diese Woche von Altona-Ottmsm herüber gekommen und hat(kotz« dem er uns eine gegentbeilige Verficherung gegeben hat) angefangen zu arbeiten. Werthe Kollegen, wir ersuchm Euch, diesen Zeitungsnachrichten keinen Glauben zu schmkm; sobald der Streik beendet ist, werden wir es w der„Bürgerzeitung", sowie in sämmtlichev aibeiterfreundlichen Blättem bekannt machm. Vor Allem ersuchen wir Euch dämm, den Zuzug strenge fern zu haltm und so viel wie in Eurm Kräftm steht uns zu unterstützen. Alle Sendungm find zu richten an C. Karstedt, VollShalle. I« de« Kistenfabrik von Enge«. Dresdenerstroße 75, haben gestern sämmtlich« Arbeiter die Arbett eingestellt. Herr Enger hat seit langer Zeit die Arbeitslöhne derarttg reduzirt, daß fich die Arbeiter nothgedrungen zu diesem letztm Schritte ezwungen fühlttn. Herr Enger verweigerte entschieden dt« sorderung der Arbeiter und zwar in geradezu gröbster Weise. llle Kollegm und Bemfsgenoffm werdm bringend gebeten, den Zuzug fern zu halten. vermischtes. Perpfetaam�iiioblle. In neuerer Zeit macht ein „Perpetnmn mobile" viel von fich redm, welche» dem Erfinder auch patentirt sein soll. Der Apparat besteht au» einem WagedaUen. der an beiden Enden Magnet« trägt. Diese wer« den von andern oberhalb und unterhalb angebrachten Mag« neten abwechselnd angezogen und abgestoßen und der Wage- ballen dadurch in fortdauernde schwingende Bewegung gesetzt. Diese Bewegung nun wäre auf eine Ueine Kurbel mit Schwungrad zu übertragen und dadurch eine für mancherlei Zwecke ausreichende Kraft nutzbar gemacht. Zum Betriebe eines mäßigen Uhrwerkes, wenn Gewicht oder Feder durch unseren Motor ersetzt werdm sollen, würde der Apparat keine bedeutenden Dimenstonm erfordern, wäbrmd für dm Betrieb einer Nähmaschine allerdings schon ziemlich große Magnet« an« gewendet werdm müßtm. Da die Kraft der Magnett aber allmälia nachläßt, so müßtm letztere außerdem auch zeitweilig furch Bereichen mit anbeten Magneten regenerirt werden. Das Prinzip des Apparates ist jedmfalls nicht neu. Bereit« Zimboni hatte einm Apparat konstmiri, der nach seinem Er« finder benannt wird, den man aber auch als«ttkttisches Perpeumm mobile bezeichnet. Zu diesem werdm zwei ttockme Säulen, die aus unechtem Gold-(Kupfer«) und Silber«(Zinn-) Papier zusammen gesetzt find und aus etwa je 2000 Paaren bestehen, so neben einander gestellt, daß bei der einen der posttive, bei der andern der negattv« Pol unten ist. Diese beiden Pole werben durch einen Metallstretfen in gut leitend« Verbindung gebracht, bilden somit eine eigme Säule; daS Ganze bleibt isoiirt. Diese oberen Enden der beiden Säulen« Hälften mdigen in kugelförmig ausgebildet« Köpfe. Auf einem dritten isolüttn Säulchen ist An leichtes, aus Glas und Me-all gefertigtes Pendel mittelst Schneide aufgehängt; da» obere Ende trägt einen Ring, daS untere eine Vorrichtung, um die Lage des Schwerpunktes regulirm zu können, daß das Pendel lattl aufgehängt ist. Dieses bleibt nicht in der Wage stehen, sondern senkt fich langsam gegen eine der beiden Kugeln, welche die Pott der Säule blldm, ladet sich daselbst mtt der demseldm eigenen Eleftrizität, wird abgestoßen, nähert fich der andern Kugel, wird dort neutralistrt und darauf mit der diesem Pol zukommmdm Eleftrizität geladm; dies Spttl setzt stch fort, bis allmälia, wenn auch erst nach langer Zeit, in« folge der chemischen Einwirkung, im Innern der Säule, deren rlettrisch« Energie erschöpft ist. Di« Oszillationsdauer wechsett innerhalb gewiffer Grenzen mit dem Feuchtigkeitszustanve der Atmosphäre und darum ist dieses elektrisch« Pmdel zum Be« triebe einer Uhr nicht zu gebrauchen. Im pbpfikalischen Ka« dinel der Untverfität zu Innsbruck ist laut„Emtt.« Anlp für Optik und Mech." ein solche» Pendel seit dem Jahr 1823 in Bewegung. Eine« sonderbare« Tanzanlafe hat kürzlich ein Buda« pester Verein gewählt. Der Leichenveretn„Droben sehen wir uns wieder" veianstallett vor einigen Tagen ein Abmdkrän»- chen mit Tan, zum Besten der Anichasiung eine« neuen Lei« chenwagens. Eine seltenere Veranlassung zu einem Balle wird stch wohl kaum finden lasten 1 Depeschen-Styl.(Ein junger Ehemann, der seine Gattin mit Zwtllingm erfreut hat, telegraphirt an seine Schwieger« mutter:„Emilie hat Zwillinge geboren; morgen mehr." Kleine WittheUnnge«. München, 9. Juli, ueber die Ursachen des Eisenbahn« Unglück» bei Würzburg schreibt das„Bapr. Vaterland":„Die amtliche Mittheilung über das Eisenbahnunglück in Würzdurg ist, wie nicht anders zu erwarten war, dahm ausgefallen, die Schuld auf die unteren Beamten abzuwälzen. Der Letrttbs« beamte in Würzburg hat vollständig lorreft gehandelt und man kommt aus dem Erstaunen nicht heraus,»tt der Schnellzug entgegen den bestimmt gegebenen Befehttn auf falsche» Gelei» kommm konnte. Unser Erstaunen hierüber ist weniger groß. Nach der amtlichm Miltheilung und den Daifiellungen in der Preffe steht dtt Tha- fache fest, daß der Betriebsveamtt in Würzburg dtt ganz korreftm schrifilichm Befehle gegedm, aber dm Vollzug nicht überwacht hat; er bat dm Schnellzug ab« gehen lassen, ohne für fich die Gewißheit zu habm, ob das ge« sammte betheiligte Personal von seiner Anordnung verständigt war. Deshalb hätte er dm Zug nicht abgehen laffm dürfen. bis die Empfangtbestätigungm m seinen Händen warm. Bei so gefahroollm Mantpulationm kann et nicht genügen, bloi Anordnungen einem votm zur Bestellung zu übergebm und fich um dm Vollzug nicht mehr zu kümmem; eine vollständige Recht« fettigung für dm Betriebs deamten wäre nur dann gegeben, wenn, wie in der Preffe behauptet worden ist, die Ueberwachung der Wechsel, folglich auch die Anweisung der Wechselwätter ausschließlich in die Obliegenheit des Oderstationsmeisters fällt. In diesem Falle hätte der Betriedsbeamte mit der Uebcrgab« der schriftlichen Befehle an dm Oberstationsmeister seine Pflicht erfüllen und müßte die wettere Verantwortung vollauf dieser übernehmen.— Unaufgeklärt ist nach dem amtlichen Bericht, wer an dem Signalwechsel im letztm Augmblick die Schuld trägt. Das Signal war gegeben„Ausfahrt nach Bamberg frei" und wurde im Augenblick b:r Abfahrt eingezogen und auf„Ausfahrt Nürnberg frei" gestellt.— Diesen Signalwechsel hat der Signalwächter ficherlich nicht aus freiem Antrieb vollzogen und ein Auftrag konnte ihm nur aus dem Betriebs« bureau durch die eleftrische Verbindung zugehen.— Somit liegt ein schwere» Verschuldm der Telegraphisten vor, das aber nicht eingestanden werden darf, weil die Verantwortung für dieselben entweder auf den Betriebsbeamtm oder auf dtt Verwaltung übergehen mußte.— Faßt man nun zu« Sennen, daß der Wechselwärter von den getroffenm nordnungm erst nach Ausfahrt be« Schnellzuges verständigt wurde, der Signalwärter, in Verbindung mit dem Bettiebsbureau stehend, in dem Augmblick, als fich der Zug in Bewegung setzte, das Signal„Ausfahrt Nürnberg frei" stellte, der Lokomotivführer und der Oderkondukttur mtt den direkten Anordnungen der Betriebsbeamtm versehen anstandslos auf dtt Nürnberger ausfuhren, daß ferner das Signal auf der Bamberger Linie für dm Schnellzug erst geraume Zeit nach der Abfahrt des ZugeS gegedm wurde, für den Wechselwärter nur der schriftliche Befehl, nicht aber das für dtt Bahnwärttr bestimmte, an der Lokomotive befindliche Signal maßgebend ist. daß derselbe Schnellzug häufig auf dem Nürnberger Geleise adgelaffm wurde, dann wird auch diesem Bedienstettn nur ein minimatts Verschulden beigemessen werdm können.— Dtt Ursach« an dem mtsetzlichm Eisenbahnunglück liegt zweifellos in der willkürlichen Betriebsleitung, wodurch das nur mechanisch eingeschulte Personal irre geführt wurde, und diese Schuld trifft ausschließlich dm Bahnamtsvorstand.— Wozu stellt man einen so theueren Beamten auf, der nicht ein« mal im Stand« ist. die Betriebsleitung zu regeln l— Dtt Bahnhofverhältniffe könnm dm Betrieb erschweren, nicht aber die Ursach« an einem solchen Unglück bilden.— Der Antrag des OderdahnamteS auf Einrichtung einer Doppelbahn zwischen Würzburg und Rottendorf war sehr gut gemeint im Jntereffe der Bettttbsdeamten, aber in der Abweisung auS finanziellen Rückstchttn ein Verschulden der Verwaltung an diesem Unglücke adzulettm wäre, im höchsten Grad« ungericht.— Der Betrieb ist seit vielm Jahren, Dank der Umficht des Personals, trotz der systemlosen Einrichtung, ohne Unfall ausgeführt worden und das große Unglück wäre wohl niemals eingetreten, wenn der Amtsvorstand ficher seiner Pflicht bewußt gewesen und die unerläßlich nothwmdtgen festen Normen in unabänderlich«» Form gegeben hätte.— Diesen allein trifft, zum mindesten moralisch, die ganze Schuld an dem grauenhaften Eisenbahn« unglück, weil er seinen Verpflichtungen, die ihm die Stelle eineS BahnamtsvorstandeS auttrlegr, nicht nachgekommen ist- Zum Vergnllgm bezahttn rofa unser« Beamten nicht!" Würzburg, 9. Juli.(Vom Eisenbahnunglück.) Die Ge neraldirettion der Verkehrsanstaltm giebt bekannt, daß weiter von den bei dem Faulenbacher Unglück Verletzten heut« Frau Anna Rosenblatt gestorbm ist.— Der„Würzb.Tel." schreibt: „Dasselbe Unglück wie am 1. Juli wäre beinahe vorgestern früh auf derselben Strecke am Faulmderg passttt. Ein Güter« zug und ein Persenmzug. der eine im Einfahren, der andere im Autfahrm begriffen, waren auf daffelbe Geleise gerathen und wären unfehlbar auf einander gestoßm, wenn man de» verhängnißvollen Fehler nicht noch im letzten Augenblicke de« merkt und der Bahnwärter durch Signatt den auifahrenVtN Zug angehalten Härte." München, 10. Juli.(Konfiszttt.) Durch Beschluß de« Landgertchr« München I wurde die Nr. 21 vom 23. Mal 18* de» in Wien erscheinenden„Wiener Witzblatt" auf Antrat der kgl. Staatsanwaltschaft eingezogen. Dieselbe enthielt ei» Gedicht, welches ein Vergehen der MajestätSdeleidigung invol- virte und deshalb konfiSzirt worden war.— Der ultramontaire Deggendorser„Donaubote" dringt in seiner heutigen Numme» daS Handschreiben des Prinz-Regenten, dessen Wortlaut ein weißer Raum folgt, mit der Etikette„konfiSzirt". Wie«. 9. Juli.(Vom Großglockner) Neueren Nack' richten zufolge ist von den Verunglückien bisher nur dtt Leick» de» Führer« Rubisoier ausgefunden worden; dtt Liichna»» Pallavicini's, Crommelin's und de» Führer» Rangetiner W man noch nicht gefunden. Der Führer Rangel.ner hinterläßt «in« Frau und vier Kinder.— Au» Ltmz wird gemeldet, daß der jüngere Bruder des verunglückten Führers Rubisoier bn den Nachforschungen noch den Leichen der Verunglückten a> gestürzt ist; er ist furchtbar verletzt und es ist keine Hoffarwt vorhanden, ihn zu retten.— Der Heiligenbluter Führer Tu? duffer befand fich zur kritischen Stunde Vormittags am 26. Juw hier in der Hofmanns Hütte und hörte den Absturz der wächte, in Folge dessen die Gesellschaft verunglück.«. Er h'� das Getöse für eine Lawine und schenkte ihm kein« rveitZ» Aufmerksamkeit. Das Wetter ist neblig und regnerisch. Nochforschungen waren gestern wegen der Gefährlichkett Aufstieges zum Glöckner« Kaar und der dort niedergehende» Lawinen unmöglich. Dtt Auffindung der Leichen% Markgrafen Alfred Pallavlctni, des Herrn v. SrommeoJ und des Führers Rangetiner kann daher noch lange vu� daS Wetter verzögert werden. Abgesehen davon, vaß Ausstieg über die Gletscherbrücke zum Glockner> Koar schwitz ist, find auch die Nachforschungen bei der Lawine, in atlofi die Verunglückten vermuthet werden, furch reut Lawinen(r fährdet. Die Absturzstelle defindet fich nordwestlich von% Hofmanns« Hütte(höchster Punlt der Glocknerwand), wo urj» dem Glocknerwandarat senkrecht« Felsen st«h:n— Siiömentt Regen verettelte Mittwoch und Donnerstag die wetteren betten. Ob in den nächsten Stunden«ine Befferung des* ter» eintrttt, ist ungewiß. Jetzt find alle verfügbaren K-fc. und einige Heiligendluter Führer versammelt, welche den en* günstigen Moment denützen wollen, um die Bergung% Leichen vorzunehmen. Obwohl dtt Lage derselben bekannt Z bedurste es einer größeren Anzahl tüchtiger Männer, um■: aesährliche Arbeit, die Leichen au» dem Schnee und der%% klust herauszuholen, zu unternehmen- Dies« Zahl von W, nein ist jetzt beim Glocknerhause versammelt.— Ein Tlettgraj vom 11. Juli meldet: Dtt Leiche des holländischen GesaA schaftssekretärs Crommeltn sowtt dtt des Führer« Ranges welche bei der Besteigung des Großglocknei» verunglückten ausgefunden worden. Nach der Leiche de» Markgralen victni wird noch gesucht. Brüssel» 7. Juli. Das Mädchen, dessen L ichna» j der Hedcamme Rodelet und deren Liebhaber MaSquelie» JK| stückelt worden ist, heißt Emma Augusta Beelmann. Rädchen war 1846 in Brügge geboren und diente zuletz� Ladenmädchen bei dem Biüfieler Schuhwaalenfabru»� M. I. Hofer. Die Eltern des Mädchens machten Äng�A welch« an der Identität keinen Zweifel übrig ließen, und% Frau Hofer erkannte die in St. Gilles gefundenen Klew� stücke als der Beekmann gehörig. Das Mädchen«ak 6. Juni zu seinen Eltern gereist, hatte diese aber miedet� 18. Juni verlassen, um fich ang-blich nach Brüssel zu deg«� Jn Wtlllichkett war fie in dtt Wohnung der Rodettt gega"� wo stt umkam. B rantwortticher Redaftem«.«rouhei« in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing w Berlin 8W„ Beuthstraße 2 Kriefkaste« der Redaktion. � % Da» fvH Inftti SA M« I« t» ?. 3 Da» Heft kostet 30 Pf. und ist in der Er» diese« Blattei, Zimmerstr. 44, zu haben. Hier,« eine Beilage zum Berliner BolkMalt. »r. 160, Dienstag, den 13 Inli 1886> III Die Iahmilerichll der tiMsiheil FibriKicheKwm für W Zahl 1885. � Herr Hopf. Beiannflich find Herrn Hopf, der in Nürnberg seinen Eitz hat, die ReffierungSdtjirke Oderpfalz und RegenSburg, Ober- franken. Mittelfranken, Unterfranlen und Aschaffenburg unterstellt. Heber die Lage der Industrie in feinem Auffichisbezirke berichtet der Fabrikinspeltor mancherlei Unerfreuliche».?>n ein- zelnen Branchen sei ein durch die verminderte Zahl der Arbeiter und die reduzirte Arbeitizeit sehr fühlbaier schlechter Geschäft»« gang wahrzunehmen gewesen und zwar in Tabak-, Goldtressen- und chemischen Fabriken und Lptegelglasdelegen; die Eptegel- schleifen hatten 8 Wochen lang die Hälfte de» Betriedes eingestellt. während die Färbereien und Appreturen Oderfrankens vom Spätsommer an in solche» Stocken gericthen, daß trotz verminderter Arbeiterzahl die Arbeitszeit wesentlich reduzirt werden mußte. Diesem wirthschaftlichem Niedergang steht ein namhafter „Aufschwung, erstchtlich in baulicher Erweiterung und ver« mehrter Arbeiterzahl" gegenüber, und zwar in den mechanischen Webereien Oberftanken», in den mfttelftänkischen Golvdraht- fabrilen und Facettenschleisercien. Wir leugnen aar nicht, daß B. in den oberfränkischen Textilsabriken ganz bedeutende Unternehmergewinne, Dividenden UNO Tantiemen„heraukgesprungen" find, wie erbärmlich aber Lohn- und Arbeitsverhältniffe, wie jammerlich die wirthschast- liche Ltdenthaltung gerade der oberftänkischen Weberbcvölkerung ist, da» ist auf Grund quellenmäßiger, unwiderlegt gebliebener Berichte den Lesern de»„Berliner Volktdlatt" zur Genüge dargestellt worden. Wa» soll man aber zu Herrn Hopf sagen, wenn er schreibt: „Im großen Ganzen hat stch daher, mit Ausnahme der ge- nannten wenigen Industriezweige, in der wirthschastlichen Lage der Arbeiter gegenüber dem Vorjahre nach meiner Beobachtung wenig geändert, da auch in der Lohnhöhe kein Wechsel wahr- zunehmen war.(a. a. O. S. 41.) Also d» Löhne haben seit 1834 fich nicht verändert. Wie standen fie damals? Herr Hops wird doch stcherlich darüber Auskunft geben können?>■. a wir die„Amtlichen Mittheilungen" auS den Jahresberichten der Fabrilinsvrktoren für 1884 nach! Da heißt«S(S. 251): „Eine Äenderung in der Höhe de» Arbeitilohne» habe ich mit einzelnen ganz örtlichen Ausnahmen nirgend» beobachtet." Demnach im Jahre 1884 wie 1883! Her mit den„Amtlichen Mittheilungen" für 1883! Hier wird Fabrikinspeltor Hopf doch wonigsten» posttive Angaben liefern. Da heißt e»(S. 346): „Eine Benderung der Arbeitslöhne im Berichtsjahre gegen- über dem Vorjahre habe ich nicht wahrgenommen. Da» ist ja da» reine Vexirspiel. Allein wer au» unserer ossiziellen sozialpolitischen Literatur etwa» Thatsächliche» ermit- kein will, der muß solche Geduldproden durchmachen. Her mit den Fadrikinspektorenberichten für 1832! „WaS mich meine Beobachtungen in nun 560 Fabriken belehrten, hat im abgelaufenen Jahre keine Äenderung der Lohnverhältnisse stattgefunden.... Ich verweise auf da» in meinem vorjährigen Bericht über den Lohn Gesagte." (a. S. 332.) Endlich wird e» Licht. Fest steht also, daß nach der ausdrücklichen Erklärung des Herrn Hopf fest 1881 die Löhne sich nicht verändert haben. WaS theilt nun der Fabrikinspektor in diesem Bericht 2o9) mit? Nach ihm bewegt stch der Wochenlohn für Fabrikarbeiterinnen zwischen 6-8 M. und finft stellenweise auch auf 4 M. her- ad. Am niedrigsten stehen dieselben in den oberpsälztschen GlaSschleisereien mit 3 M., während er in den mittelfränkischen Metall Hammerwerken und Bronzefabrilen, in Goldpapier- fabrilen und Baumwoll-Spinnereien 12-14 M.,„in einzelnen Ein Krizerltiig im Kttlwr„Zulizischw Eartea" von Gerhard vo« Umyntor. (Rachdruck verboten.) „Wo nur Zettchen bleibe» mag?" dachte Pächter But« Merfeld, der i« einem»agelneue», seidenglSazende« Alpaka» Röckche«, da» fette, wetterbraune Antlitz vo» einem breit» rrewpige« Strohhut beschattet, vor dem Restaurant de« Zoologischen Garten» saß und de» Rauch einer importirte» Havanna in die Lust blie«. @* war um die Zeit der Sommerwende, aber der kühle und regnerische Zuni hatte erst heute de» erste» steuud- liche» Sonnenblrck gestattet, u»d so war e«, trotz des lache«» de» Hrmmel», immer»och stisch. Der dicke Pächter erregte daher w seiner dünne« Hu»d»tag,kleidung an de» benach» barte» Tische« ei« gewisse» Anstehen, während er seinerseit» die heruuteraekommene» Städte, wahrhaft bemitleidete, die alle de» Ueberzieher entwede, auf dem Leibe trugen oder wenigste«» hinter sich über die Stull«h»e geha«ge« hatte». „BeklagenSwerthe Leute!" brummte er vor sich hin, „durch Laftmangel und Tashitze verweichlicht u»d entartet! Sind gnüstet, al» ob sie eine Nordpol-Expeditio» vorhätte» l Verfluchter Papiergesta«! I" Di« letztere Bemerkung wurde durch de« Dust einer Zigarette veranlaßt, die fich et» i« der Näh« fitzender Stutzer qbe» angezündet hatte. ,,50as ist nun der großstädtisch« Geschmack I" fuhr er i» seiner heimliche« Betrachtung fort,„so ei» feine« Herrchen raucht stinkende« Papier, al» ob e» der reinst« Tabak wäre; e» würde auch Fettdärme oder wollene Lumpen rauche«, wen» die Mode e, vorschriebe. Doch. Butterfeld. ärgere Dich nicht! E» ist trotz alledem gar nicht so übel hier. Kellner I' Der Gerufene,«st der Nummer 46 am Frackauffchlage, trat h«ra»: „Sie befehle«?' Fällen besonderer Leistungsfähigkeit selbst(!) auf 17 M- steigt. Für die männlichen gelernten erwachsenen Arbeiter fand Herr Hopf den nievrigsten Wochenlohn in einer Jnftrumentendraht- fabrtk de» Flchtelgebirge» mit 8 Mark, während der große Durchschnitt fich zwischen 12 dt» 16 M. bewegt.„Sehr Hobe Löhne für die gelernten Arbeiter finden fich in den Metall- Hammerwerken und Bronzefabriken mit 18 bis 32 M. wöchentlich, in den Hammfabriken mit 20 bi» 25 Mark, Pinsel» fabrilen mit 18 bis 28 Marl, in den oberftänkischen Baum- Wollspinnereien steigt der Wochenlohn auf 21 Mark, in den Webereien bis zu 16 M., während der Handweber de» FichtelgebirgeS mit Beihilfe seiner Familie nicht leicht mehr al» 8 M. wöchentlich verdient. Gute Löhne bestehen auch in der Bierbrauerei, wo der MonatSlohn eines Brauerburschen stellenweise auf 90 M. nebst freier Schlafstelle und täglich 7 Liter Bier steigt, während in der Gegend des Frankenwalde», wo die Schiefertafel Fabrikation als Hausindustrie betrieben wird, der Arbeiter froh ist, wenn er einen ständigen Monats- verdienst von 20 M. hat.", m Wir wollon uns nicht dabei aufhalten, daß für eine Reihe bedeutender Industrien, so für die Maschtnenindustrie, alle Angaben fehlen. Wer aber diese detaillirten Angaben durch« liest, der muß anerkennen, daß Herr Hopf sehr bescheiden in seinen Ansprüchen— bezüglich der Arbeitslöhne ist. Wai„steigt" nicht Alles in dem eben zitirten Paffu»! Au» welchen Quellen schöpft Herr Hopf? AuS den An- gaben der Fabrikanten. WaS für Löhne geben diese gewohnlich an? Die der bestbezahlten Arbeiterschichten, der aristokratischen Proletari-rmindcrheit, die der Werkführer, Vorarbeiter und anderer Elitearbeiter. Eine Arbeiterin mit 3, 4, 6 M. Wochenlohn, wa» ist da», wa» bedeutet daS? DaS heißt in dm meisten Fällen: Zwang zur Pro« stitution, denn selbst das niedrigste Maß der allernoth- wendigsten Bedürfniffe, de» Vegetiren» kärgste Nothdurst kann doch ein solcher Verdienst nicht deckm. Nach de» Tage» Last und Mühm, nach der aufteioenden Thätigkett in der Fabrik, in der Werlstatt muß die fleißige, ehrliche Ar« beiterin, sofern fie nicht Angehörige hat, bei denen fie Host und Logis umsonst oder doch halb umsonst bekommt, wenn fie nicht dem Hunger preisgegeben sein will, auf andere HilsS- mittel finnen. Und wa» bleibt ihr üd-ig?- Unter 100 Fällen 99 mal die Straße. Und daß die durchschnittlichen Löhne der erwachsmen Arbeiter ein Jammerdasein gerade ermöglichen, daß dieselben auf die Arbeit von Frau und Hind angewiesen find, das leuchtet Jedem ein. Zu wenig zum Lebm, zu viel zum Sterben. Wie nun. wenn die wirthschastltche Hrise, dieser stete Gast unsere? modernen WirthschaftSsyftem», die Proletarier zum Feiem zwingt, wenn die Arbeitsstätten geschloffen, wenn Hun« derte fleißiger ArbeUer außer Brod gesetzt, wenn die Löhne verkürzt werden, wenn ArbeitSlostakeit und Hunger die Fami lim deS werklhätigen Volke» heimsuchen. Da hören wir von Herrn Hopf selbst, daß im zwcitm Halbjahr 1885 in der hauSindustriellen Handweber« i Ober franken» eine große Anzahl die halbe Zeit feiern mußte, daß in der bedeutenden, durch Hungerlöhne und Trucksystem cuS. gezeichneten oberftänkischen Hausindustrie der«orbm acherei über mangelnde Arbeit und gedrückten Arbeitslohn geklagt wurde. Wer die Bewegungen de» ArdeitSmartteS, wer die Wtrth« schaftSgeschichte deS letzten JahrfünfS genauer verfolgt— und daS soll doch«ine Hauptaufgabe de» FabrikinspektorS fein—, der weiß auch, daß die allgemeine schleichende ökonomische HrifiS einen immer ärgeren Roth- und Mißstand erzeugt, die Maffenarmuth vertieft und verbreitert, die soziale Frage immer mehr verschärft hat. Die offiziellen Berichte der BourgeoiSorganisationm, Handels, und Gewerbekammern u. f. w., fie alle wiffen ein Lied davon zu fingen. Gerade in den letzten Jahrm hat ein stetes Sinken der Löhne,«ine Verschlechterung de» nationalen Standard of life*) stattgesundm. *) Sprich: standard of leif Haltung. witthschastliche LebenS« „Würden Sie mir wohl die Freude mache« und diese« Markstück anvihmen? So! sehe» Sie, da» ist vernünftig. Nu» könnte» Sie mir wohl gelegentlich ein« Minute schenke«, um mir über Die» und Zene» Auskunst zu gebe». Wann fängt dm» da» Konzert an?" „Um fünf Uhr, mein Herr. Die Do»«erstag«-Ko»zerte fa»gm immer um fünf«»." Butterfeld zog feine schwere goldme Remontoiruhr und sagte unzufriedm: „Es ist aber schon zehn Minute»»ach Fünf.' „Die Musiker habe« vielleicht Zugverspätung. 6« spielt heut die Kapelle de« erstm Garde-Regiment» au« Potsdam unter Direktion Friedrich Wilhelm Voigt." „Ist wohl was ganz Besondere»?' .Da« will ich meine«, mein Herr I Sehm Sie nur, wie fich der Gartm füllt!" Z» der That, der große Raum vor dem Restaurant— der Berliner könnte e» auch„Wirthshau»' nenne», dachte Butterfeld— war bi» auf dm letzten Stuhl besetzt, und in dem breite« Gange»ntm wogte die nicht seßhafte Ämae, die daS fitzmde Publikum zu beidm Seiten schaulustig musterte. „Sehr nett hier!' sagt« der Pächter,„könnte ich wohl «in paar Erdbeerm bekommm?" .Sofort, mein Herr." Der Kellner enteilte de« Banne de» gesprächigen Herm. „Muß doch'mal zusehm, ob ich Zettchm nicht mt» dicke." Pächter Butterfeld reckte de» mächtigm Kopf und lugte de» breite« Gang zwischm dm Tische» mtlaag in der Rich« tung de» Orchester«. Von daher strömte die Prozession ge« putzter Fraum und Zungftäulei», die in Beglettung von Gattm und Brüdem, Freundm und Kourmacher» härm, sehm und bewundert werde« wolltm, in stetigem, unerschöpf» lichem Drange dem Haupttummelplatze de» Vergnügen« zu. Sahnfarbme, ziegelrothe, buntgewürfelte und manneblaue Sonnmschirme machte» e« jedoch dem scharfe« Auge de» Pächter» unmöglich, auch nur ei» einzige» Gesicht zu er» kmne». Herrn Hopf« Sache war e» nicht mit zwei Zeilen die ganze Lohnfrage abzufertigen und uns von 1885 auf 1881 zurück, uoerweisen. Ein Fabrikinspektor hat die Arbeiterfrage, also die Ar» beitSstatistik, also die Lobnstatistik gründlich zu studirm. Er hat die Lohn-, Leben»-, Arbeitsverhältniffe unter ge» nauer Bnückstchtigung der verschiedenen Jndustttebranchen in feinem Bezirke fortlaufend zu verfolgen, den ökonomischen Ba« rometerstand gmau zu fixiren, stch ali Vorstand der sozial» politischen Wetterwarte für seinen Bezirk auch der Pflichtm diese» Amte» voll und ganz bewußt zu werden und zu bleiben. Nicht schablonmhaft'bureaukrattsch-manchrsterlich, wie Herr Hopf die» gethan, soll man vorgehen, man muß zu den eng» ltschen und amerikanischen Arbeitsinspektoren in die Schule gehen. Oder wenigsten» zu dem einzigen Fabrikinspeltor in Deutschland, der feiner Aufgabe von sozialwiffmschastlichen Ge- fichtSpuntten auS gerecht zu werden stch bestrebt, zu Dr. Wo'ff in Düffelvorf! So viel für heute!_(Schluß folgt.) Kommunales. w. Die Ausgabe« für die VON der Stadtgemeinde angk« kauften Grundstück« betrugen im VerwaltungSjahr 1885/86 zusammen 3 654 228,50 M.. davon entfallen auf den Anlauf für Schulgrundstücke 1 1149228,50 Mark, auf den Ankauf der Dammmühlen 2250000 M und auf den Anlauf eines großen BrundstückSkomplexe» hinter dem FriedrichShain 255 000 M.; dagegen wurden eingenommen für den Verkauf von G:und» stücken, abgesehen von dem großen Grundstück des Fürstenbaus«» und der alten Münze an der Werder- und Hurstraße 1 563 447 M. Zum Zwecke von städtischen Bauten, namentlich Schuldauten, find sech» städtische Grundstücke überwiesen. w. Der Gewtnuantheil der Stadtgemeinde von den Halksteindrüchen in Rüdersdorf belief fich für das Verwaltung?» jähr 1885/86 auf 65 948,20 M. Zu Arme« Unte»stütz««gSzwecken find bei der Haup!» Stifiungtkaffe im Monat Juni cr. eingegangen: An Ver» mäcktniffm und Geschenken 2593,40 M.: au» Hollektengeldem 712,00 M.; auS schiedsmännischen Vergleichen, Zessionen ic. 467.85 M. In Summa: 3773,25 M. w. Gesuche um unentgeltliche Ueberlassung von Nähmaschine« oder sonstigen HandwerkSgeräthen auS der Padersteinstiftung feiten» hilfsbedürftiger Bewohnerinnen der Stadt Berlin, welche verarmten Familien angehören, christlicher und jüdischer Religion, müffen unter Angabe der Religion der Bittsteller bi» zum 8. August cr. einschließlich in dem General» bureau der«rmenverwaltung im Rathhause, Zimmer 67 ein» gereicht werden. Gesuche ohne Angabe der Religion, sowie vir- spätete Anträge bleiben underückfichtigt, auch ist eine nach ge» stelltem Antrage eintretende WohnungZveränderung sofort im genannten Bmeau anzuzeigen. Zentral' Viehhof. Im Monat Juni d. I. find auf dem städtischen Fleischfchau« Amt 19 909 Schweine auf Trichinen untersucht und darunter 23 trichinöse und 56 finnige Schweine ermittelt wnrden, welche alS zur menschlichen Nahrung unge- eignet verworfen worden find. Kokale». . � Kündigunge««vd MiethSsteigerungen aus Anlaß des letzten Umzug», und HündigunaSterminS am 1. Juli d». II. werden au« allen Theilen der Stadt berichtet, und namentlich werden die Mietbisteigerungen für kleine Wohnungen in Höhe von 10 bi» 25 pCt. de« bisherigen MiethSbetragei von den Witthen zum 1. Oktober d. I. ad verlangt. In der Pückler- und MuSkauerstraße wird für Wohnungen, die bisher 450 Mark jährlich kosteten, vom 1. Oktober ab eine Jahres» miethe von 555 Mark gefordert; in ver Glimmstraße und in der Gegend am Urban, die fich mit den Jahren allerding» be» deutend gehoben hat, aber immer noch ohne eine direkte Ver- tehr»oerdiodung mtt dem Zentrum der Stadt ist, find die kleinen Wohnungen für 225 M. bi» auf 270 M pro Jahr und noch höher gesteigert. In vielen Fällm find die Wirthe, ohne mit den bisherigen Miethern den Versuch einer Verständigung zu machen, sofort zur Kündigung geschrittm. Da an ein Zurück» „Hilf Himmel!" brummte er verwundert,„da« find wohl die„zoologischen Kinder?"" Eine Schaar kleiner Mädchen ging gerade bei ihm vor» über, sech«», sieben- bi« achijährige gedrechselte Puppen, in weiße» oder rosa oder gemusterten, kurze«, hinten gebauschte» Kleidchen, breite, seidene Schärpe» um die Hüsten, ziegel» roth« Strümpfe, Strohhüte mtt Feder», Bänder», Spitzen, Blume«, je nachdem, seidene Handschuhe in der Farbe der Schärpe», und Alle so zierlich, so selbstbewußt, so gar nicht verwundert, sonder« mit einem so drollige« Zuge von Ueber» sätttgung und Blastrtheit um die frischen Lippe«....,«* war rein zum todtlache«. Und der gute Butterfeld lachte wirklich, und sei» breiter Mund zeigte zwei Reihe» wundervoller Zähne, für die manche der erwachsene» Modedame» ei» Jahr ihre« Leben» in de« Kauf gegeben hätte. „Donnerwetter!" dachte er belustigt,„wenn jetzt plötz» lich der alte Kreuzberg Mucke» bekäme und er schleuderte sei« Denkmal mtt«iner Feuergarbe in die Luft, und au» seinem Krater stäubte ei» Aschenregen und verschüttet« die ganze Profitmahlzeit hier zehn Fuß tief, und«ach 3000 Jahren würde» diese„zoologischen Klein««' auSgegrabe« mtt dem durch ei« Wunder erhaltene« Tande ihrer merk- würdigen Anzüge, in welche Kategorie lebender Wesen würde wohl der Naturforscher diese Dinger dann zähle«? würde er sie überhaupt für Mensche« halte»?' „Hier find die Erdbeere»!' rief der Kellner und stellte eine kunstvolle Pyramide übergroßer Gartenftüchte auf de« Tisch. „Kosten?" „Eine Mark, mein Herr."__ „Hier, nehme« Sie... Der Rest ist für S»e. Fängt den« da« Konzert noch nicht an?"_„ .Doch, mein Herr. Eben erhebt der Kapellmeister de» Taktstock." Bumm! bumm! ratapla»! dröhnte e» durch de» Gar» ten.«in Armee-Marsch hatte begonnen. Butterfeld hatte da« Eintreffe« der Musikbande übersehen. .Schade, daß Jettche»«och nicht kommt," bedauerte der wieder allein Gelassene.„Diese infame Korsetkaufe, eil «thm der MiethSpreise in keinem Fall« zu denken ist, so haben d!e HauSbesttzer freilich nicht» zu ritkiren. Schlimmsten Fallt vermietben fie, wenn fich der geforderte Preis nicht erzielen läßt, später etwa» dilliger, aber wohl kaum billiger al» bisher. In jedem Falle wird der Umzug zum l. Oktober ein bedeuten der weiden und die ohnehin ungünstigen Mtethtverhältniffe für kleine Haushaltungen werden sich noch ungünstiger gestalten. Wenn man bedenkt, daß nach den letzten Er« Hebungen in unserer Stadt von den Jahreseinkommen zwischen 600 bis 1200 Mark oft 25 bis 40 pCi. allein für Mtethe ver. auSaadt werden, daß 28 pCt. aller Berliner in Hotgedäuden, 9 pCt. in Kellern und 7 pCt. vier und mehr Treppen hoch wohnen, daß von 198640 kleinen Wohnungen(mit je bis 2 heizbaren Zimmern) 22 890 übervölkert waren, d. h. auf ein einzelne» Zimmer sechs und mehr Bewohner, auf zwei heizbare Zimmer zehn und mehr Bewohner kamen und daß in solchen über« völkerten Wohnungen 159 630 Menschen in verlin Hausen während noch 3130 Räumlichkeiten ohne jede H'izgcleaenheit zu Wohnunatzwecken benutzt werden, so dürste sich dieieS recht traurige Bild unserer hauptstädtischen WohnunaSverhältniffe nach dem 1. Oltober noch trauriger gestalten. Taß die Mietht« steigerungen zu einer Zeit erfolgen, wo daS Baumaterial notorisch billig ist und gute Hypothelen zu billigen Zinsen überall angeboten werden, ist nicht verständlich. Daß die durch die WohnungSnoth im Jahre 1872 erzeugten Zustände stch wiederholen könnten, ist zwar für» erste noch nicht zu befürchten, aber immerhin wäre eS gut, wenn die steigernden HauSwirthe und noch mehr die fpekulirenden Häuserkäuter stch ihrer moralischen Verantwortlichkeit in den jetzt wirthschastltch ohnehin stark be- wegten Zeiten bewußt würden. Posttag, Postftuvde und Postmiuute. Hora mit— die Z-it verfließt. Der gewaltige Umschwung, welchen da» ge« sellschaftliche Leben seit dem Entlehen der Schnellposten, Dampfschiffe, Eisenbahnen und Telegraphen erfahren hat, prägt fich, wie die„Deutsche BerkehrSzeitung" schreibt, im Verkehr de« Publikums mit der Post in den Begriffen„Posttag" und „Poftstunve" treffend au», denen man nachgerade auch die ..Postminute" hinzufügen könnte. Um die Mitte und gegen Ende deS vorigen, sowie noch am Anfange dieses Jahrhunderts sprachen unsere Vorfahren vielfach vom Posttag». ES war dteS jener wichtige Tag in der Woche, an welchem die Post am Orte ankam, Nachrichten von fernen Lieben eintrafen und stet» große Bewegung und Leben, insbesondere in den Schreib- studen der Behörden und Kauflrute entstand; meist ging die Post an demselben Tage auch weiter. Die bekannte Swrist« stellerin Johanna Schopenhauer, Tochter de« Großhänd- lerS Trostener in Danzig und Mutter deS Philosophen Arthur Schopenhauer, führt im Eingänge ihre» WerkeS: „Jugendleben und Wanderbilder" ausdrücklich an, daß sie an einem Posttage(deren«S in der großen Handelsstadt Danzig damals nur zwei in der Woche gab) im Jahre 1766 geboren sei. Sie fügt nicht ohne Humor hinzu, wie deshalb Einigt behaupten wollten, ihre Ankunft gerade an diesem Tage sei ihrem Vater nicht ganz bequem gewesen, weil fie ihn in seinen Geschäften störte, denn bekanntlich mußten die Kaufleutr dm Posttag thunlichst ausnützen, wmn sie ihre Geschäfte fördern und nicht etwa Verluste aller Art erleiden wollten, zumal die Zell im kaufmännischen Leben und nicht nur in diesem Geld ist. Noch vierzig Jahre später lheilt der Engländer John Carr in der Beschreibung seiner Reise durch Dänemark, Schweden, Norwegen, Rußland und Preußm(veut'che Ausgabe Rudolstadt 1806) unter Anderem mit, daß er bei seinem Aufenthalt in Danzig im Jahre 1804 fich nach der Vorstadt und dem Hafmort Neufahr- waffer degebm hatte, um stch von dort noch Kopenhagen einzu- schiffen. Da indeffen ein starker Sturm dlie» und mehrere mg- lisch« Kapitäne, die fich dort defanden, verfichertm, dieser hielte öfter» drei Wochen an, so kehrt« er nach Danzig zurück, ohne dort Jemanden zu kennen. Er ging deShald noch dem Wechsel- Hause eineS schon bejahrtm englischen Kaufmann» und erzählte ihm in Gegenwart mehrerer Schreiber seine Geschichte mit der Bitte, er wolle gütigst einem derseldm, der mgltsch verstände, erlauben, ihn für einige Minuten nach dem Posthause zu de- glettm, um seine Freunde wieder einzuholen.„Der Kauf- mann mtt gram» Haaren, ohne daS Geficht zu verändern, sah kalt auf mich hin und antwortete kurz:„ES ist heute Posttag!" und ohne ein Wort hinzuzufügm, kehrte er zu seinen Rechnungen zurück." Carr deurtheilt dies« allerdings nicht höfliche Handlungsweise wohl etwa» zu derb, wenn er hinzufügt:„Dieser Engländer war im Handel von Danzig alt geworden, und der edle Geist seine» Vaterland«» hatte stch in Selbstsucht, thunlichst viel zusammenzuhäufm, verwandelt." Der Begriff de» Posttage» ist in unserer schnelllebendm Zeit vollständig abhanden gekommen, zumal heutzutage jeder Tag ein Posttag ist in den Welt- und großen Handelsstättm spricht man nur noch von einer Poststunde. Von London ist bekannt, daß zu einer gewiffm Zett am Tage, insbesondere in derZitp, fich ein ungehmrer Verkehr bemerkbar macht. Die Straßen scheinen gleichsam in einm Ameisenhaufen verwandtU zu sein, in den man dai Ende eineS Stock» gesteckt hat. Et ist die» die Poststunde. Die Laufburschen der Bankanstalten und Kaufleute stürzm stch durch die aufgestelltm Reihen der„CabS", Meine gute Schwägerin könnte fich auch ohne solch' ei« Marterinstrument behelfea, fie hat da» Zeug dazu. Ist fie am Ende schon hier und sucht mich? Aber wir haben so n deutlich verabredet:„vor die Kneipe." Die Kneipe .ier, ich bin auch hier und Zettche» fehlt»och. Na, meine klewe Trude wird der Tante ein hübsch schiefe» Mäulche» machen, daß fie da» erste Mufikftück versäumen mußte! Die Leute spiele« wirklich famo«.... alle Achtung 1" Er lauschte»ieder der Kapelle und wiegte de» Kopf in energischem Takte. 3» der Veranda de» Restauranl» saß a« langer, blumengeschmückter Tafel ein Dutzend Provivzbewohver, Herren und Damen, bei einem heitere« MtttagSmahl; man schien eine» Geburtstag zu feiern, und ein alter Herr, dessen Schädel haarlo« wie eine Billardkugel war, hielt gerade mit hochrotheul Angeficht und champagnerfeuchten Lippe» ewe Tischrede. Butterfeld, der dicht unter der Veranda saß, benutzte die Mufikpause und lauschte dem Toast. „Und so wünsche« wir denn," sagte der Alte, der fich mit der Rechte« auf eine aeleerte Eektflasche stützt«,-während er in der Linke» einen abgegessene» Kompotteller schwenkte, „der kleinen Dorit«och neu» und neunzig Lebensjahre und recht bald eine« männliche« Spielgefährte«. Ich hoffe, unser Wunsch wird in Erfüllung gehen; die Mutter de« GeburtstagSkinde« soll doch nicht umsonst die Vögel da drüben so lange und nachdenklich betrachtet haben." Er deutete auf die rothbeiniae«, weißgefiederte», lang- geschnäbelte« Thiere, die jensett« de« großen Weiher« auf einem Beine behaglich am Ufer standen und stumm und philosophisch-refignirt, wie e< Störche« geziemt, dem tolle« Treibe» der Menschen zuzuschauen schiene». Eine heiter« Lachsalve belohnte de» provinzialstädtischen Witzbold, der in seiner kindliche» Unbefangenheit auf die etwaige Nachbar- schaft krittscher Lauscher gar keine Äückficht«ahm.„Sehr gut!" murmelte Butterfeld,„die Leulche« wissen zu leben, und amüfire» fich für ihr Geld; aber die beide« Dame» hier nebenan— Donnerwetter!— wa» mache« die für essigsaure Gesichter k" die au» Briefen bergestellten Packete in der Hand, mtt der Schnelltgkett der R-nnpferde, um noch rechtzeitig im Haupt- postamte zu erscheinen. Anerkanntermaßen ist dies für London die entscheidende Stunde deS TageS.— In Paris macht fich die„Poststunde" ebenfalls, wenn auch nicht in demselben Umfange wie in London, bemerkbar. In Deutschland tritt die„Poststunde" im Allgemeinen weniaer ali in London und Pari» in die Erscheinung, weil die Postanstalten gehalten find, die Postsendungen btS zur kürzesten Frist vor Abgang der Posten in Empfang zu nehmen und mttzu- senden. Trotzdem giebt eS eine größere Anzahl Orte mtt wich- tigen EisenbahnzÜgen mtt Postoerbindungen, welche letzter« man benutzen muß, damit die aufzuliefernden Sendungen einen bestimmten Zweck erreichen können. Da könnt« man mtt grö« ßerem Rechte von einer„Postminute" sprechm, zu der die Postsendung spätesten» aufgeliefert sein muß, wenn fie noch Beförderung erhalten soll, zumal ja der Abgang der Züge und Posten auf die Minute geregelt ist. In demselben Maße, wie die Zahl der PosttranSporte fett hundert Jahren vermehrt worden ist und die Beschleunigung der Beförderungen stattgefunden hat, in demselben Maße ist auch unser ganze» Leben gegenüber demjenigen unserer Vorfahren beschleunigt worden, denn jede im Verkehrswesen gemachte Eroberung von Zeit und Raum kommt nothwendig dem menschlichen Leben überhaupt zu Gute und trägt dazu bei, daß daS Blut de» gesellschast- liehen KörprrS nach allen Richtungen hin lebhafter und schneller wird. Poftverkehr der Stadt Berlin. Ueber den Postverkehr der Stadt Berlin im Jahre 1885 werden in der„Deutschen BerkehrSzeitung" folgende Mittheilungen gemacht. ES waren Postanstalten in Berlin 148 vorhanden. Eine Postanstalt ent- fällt somtt auf 10062 Einwohner. Amtlich« Verkaufsstellen für Postwerthzeichen bestanden 106. Postbrieftästen waren vorhanden 1136. DaS Gesammtpersonal der Postverwaltung de« lief fich auf 7263 Köpfe, nämlich 3044 Beamte, 3791 Unterbeamte und 433 Postillone. Die Posthaltereien zählten 599 Postpferde und 812 Postwagen und Schlitten. Zu unserem Artikel über de« Streik i« der Har- moutkafabrtk vou Ch. F. Pietschmann und Söhne er- halten wir Angaben, die mit den von uni erwähnten That- fachen in mannigfachem Widerspruch stehen. Zuvächst wird unS verfichert, daß nur eine Abthettung und zwar die Stimmer streiken, und daß die Lohnreduttion im Ganzen nur 10 pCt. betrug. Bei einzelnm Branchen war dieselbe allerdings eine etwa» höhere, well die Firma, um konkurrenzfähig bleiben zu können, stch zur Anschaffung von neuen Maschinen genöchigt sah, welche die Arbeit ganz erheblich vereinfachten. Ebenso find die Aeußerungen deS Prokuristen von unserem Referenten gänzlich falsch aufgefaßt worden. Nach Etnstchtnahme in die unS vorliegenden Lohnbücher der Firma stellen stch auch die Angaben über die Lohnv- rhältniffe al» unzutreffende herau». Sine Anzahl Arbeiter veranstalteten Sonnabend Abend ein« Landpartie nach Johannisthal. Obgleich die Nacht etwas kalt war, amüfirten fich die Theilnehmer auf» Beste. AlS die- selben gegen Morgen auf dem Heimwege den letzten Thell d«S Treptower Park» passtrten, stimmten einige der Ausflügler die Ardeiter-Marseillaise an. ES währte jedoch nicht allzulange, so ertönte von hinten eine Ruhe gebietende Stimme. Auf dies« Aufforderung zur Ruhe brachen die Sänger sofort ab und verhielten sich ruhig. Durch die Signalpfeife eineS Gendarmen waren plötzlich vier andere noch zur Stelle, die die Arbeiter nach dem AmtSgefängniß zu Treptow brachtm, woselbst die Ardeiter nach Aufnahm« ihrer Personalien und Durchsuchung jede» Einzelnm von 4% Uhr Morgen» di» 11'/, Uhr Vormittag» stehend in dm Zellen verbleiben mußten. Der„Westfälische Merkur" schreibt in«tgmer Ange- legenheit:„Die Herren Dr. Lewysohn, Dr.Zomow und S. Perl vom„Berliner Tageblatt" könnm noch immer nicht zur Ruhe kommen. Nachdem fie vor dem Schöffmgericht und dem Land- gericht ihren Prozeß(au» Anlaß der Affaire Maler Gräf) gegen un» verloren, haben fie jetzt Revifion eingelegt. Ueber eine bekannte antisemttsiche Pleite, den au» DreSven gemeldeten Bankerott Pinlett'S, de» Herausgebers der antisemitischen„Reform", witzelt die im Dietz'schen Ver- läge in Stuttgart erschetnmde humoristisch. politische Monatsschrift der— nach Stöcker—„verjudetm Sozialdemokratie", nicht unzutreffmd, wie folgt:„In Dreiden hat Pinkert, der Herau»ged«r der antisemttischm„Reform" Bankerott gemacht. vt»her dchauvtete er immer, die Maffe hinter stch zu Huben; nun aber fürchten seine Gläubiger, daß fich au» seiner Maffe nicht viel herausschlagen läßt." Di« Furcht mag sehr begründet sein. Der Poltzet-Prastdent Herr vou Rtchthofen hat neu. lich mtt dem Giafm Pückle: und Herrn von Meerscheidt- ülleffem eine nächtliche Rundreise zum Studium der Wiener afi'S unternommen. Die Folge derselben soll eine strmgere Aufstcht über dieselben sein. Eine erste Verwarnung soll die Verkürzung der Offenhaltung bi» 1 Uhr, eine zweite die Setzung auf die Polizeistunde nach fich ziehen. Vor einige« Tage« erwähnten wir di« Meldung eine» hiefigm Berichterstatters, daß vtadtkämmerer Runge dm Eigen- In der That, die zwei ältere« Zuaafraue», die der Pächter eben bettachtete, sahen nicht besonder» erbaut au»; fie erhobm jede eine schildkrotgefaßte Lorgnette—„Augen- kieker" nannte der unbewußt juristische Butterfeld der- artige Znstrummt«— und streifte» mtt veraichtmdm Blicke» di« Tafelrunde obm in der Veranda. Butterfeld schüttelte fich schaudernd, und zur Gewinnung eine» fteundlichere« Eindrucke« musterte er dm landschaftliche» Hintergrund diese« sommerlichm Stelldichein» der Berliner„gutm Gesellschaft". Der groß« Weiher mit seinem in die Luft geworfenen, zerstäubenden Wasser- strahl, die Ufer mtt dem bunte» Gewimmel seltener, schimmernder Vögel, recht» der künstliche Fel« mtt der rauschend«« Kaskade, jensett« de» See» da« tempelähnliche Au»ficht«häuSchm, auf dessen blumengeschmückten Dache Damm mit wetthi« leuchtende» Schirme» saßen, und überall prächttge Truppen hochragender, breitwipfeliger Bäume,«» war in der That ein Bild, wie man e» nicht oft wiederfindet. Und hier im Vordergründe de» Bllde» diese Hunderte und Hunderte dichtbesetzter Tischchen, in regel- rechtm Viereckm angeordnet, so daß genügende Verbindung«. wege dm Kommmdm und Fortgehendm zur Verfügung standm, und untm, am Fuße der tischebedeckkten Tenassm der brette, ausgespart« Gang mtt den balzmdm Stutzer* und dm pomphaft ihr Pfauenrad schlagmdm SchSnm, eine wahre Lästerallee, die auch da» sanfteste Zünglei» eine» harmlosm Beobachters zu scharfm, b»«haste» Bemerkunam herausforderte I Auch der Pächter macht« seine Bemerkungm, und diese Bemerkungen ttafm manchmal dicht»ebm da» Schwarze. „Nu, seh' Einer doch mal, ob da» unglückselige Wurm dort nicht die spitzm Absätz« gmau unter der Mitte de« ein- gezwängtm Fuße» hat! Die muß ja binnen emer halbe« Stunde die schönstm Wadmkrämpfe kriegm l Di« andern Damen, die ihr begegne«, sehen alle etwa« wegwerfmd zur Seit«. Muß wohl nicht viel daran sein... vielleicht Halbwelt. Di« alte ehrbare Frau dort trägt die Schuhe »ach einem vemünftigerm Muster... solche Absätze hat meine Schwägerin auch... wo fie nur bleibt s e« ist wahr- haftig gleich Siebe»! ich muß doch emmal auf di« Suche gehm." thümem der Häuser Gertraudtenstr. 2—7 eröffnet habe, der Mogistrat müsse eine Verbreiterung der Gerttaudtenstraße mtt Rückficht auf die am 1. August zur Eröffnung kommende Pferdebahnlinte nach dem Molkenmarkt vomehmen und sei daher gezwungen, die Häuser zur Verbreiterung der Straße anzukaufen. In einer Zuschrift auS Zürich tyeilt Herr Kämmerer Runge der„Voss. Zrg" mtt, daß diese Eröffnung, welche vor einigen Tagen erfolgt sein soll, nicht stattgefunden hat. Er habe wohl früher mtt mehreren Eigenthümern gesprochm, in der letzten Zeit sei indeß nichts geschehen und auch der Magistrat habe einen betreffenden Beschluß nicht gefaßt. Die Pferdebahn« Angelegenheit ist ferner mindestens vorläufig dadurch erledigt, daß nur ein Geleise durch die Gerttaudtenstraße zwischen Petri« straße und Roßstraße, dai zweite Geleise durch die Scharrn« straße geht. Die Ausbeute der Fischer auf dm inneren Spreewaffer» läufen ist sehr gering. Wa« gefangen wird, find kleine Fische, die gar keinen Werth besitzen. Da» immer größer werdmde Getriebe der Großstadt bewirft, daß die Fische stch nach ein- samen und ungestörteren Gegenden zurückstehen. Früher ge- hörte die innere Spree zu einem fischreichen Gewäffer, da» ziem- lich hoch verpachtet wurde. Folgende ergötzliche und lehrreiche Geschichte, welche wir dem„Schönederger Wochenblatt" mtnehmen, dürfte nicht verfehlen, auch dai Interesse aller Berliner in Anspruch zu nehmen. Da» genannt« Blatt schreibt: Plakate an den Ber- liner Anschlagisäulen tbeilttn gestern dem staunenden Publikum die welterschütternde Mär mit, daß der König aller Schnell« laufet am Morgen aui Magdeburg abgelaufen sei und, die 20 Meilen lange Tour in einem Tage durchmachmd, gegen 7 Uhr Adendi an der Potsdamer Brücke eintteffm und dann noch auf der Schwedifchm Eisbahn 45 Minuten unentwegt im Kreise herum lauft» werde. Gewiß eine anständige Leistung der Lunge und Beine. ES kam nun aber anderi. Nach 6 Uhr Nachmittags sahen die Maurer, die an unserem neuen Schul- Hause in der Mühlenstraße arbeitm, drei Jünglinge, von Berlin kommend, auf dem Felde zwischm Schöneberg und der Verbindungsbahn einschwenken. Hier mtlleidete fich der eine vollständig, zog einen mit rochen Schleifen verzierten MaSken- anzug an und die große Tour von Magdeburg auS begann nun hier. Dft Maurer von dem Bau waren gerade bis zur Hauptstraße gekommm, wo schon ein großer Trupp Neugieriger stand, alS der kühne Jüngling, der König aller Weit« läufer, im Dauerlaufschritt vorbeistampft«. Wie zum Spott trabten seine beiden Kollegen, mtt den Kleidern und Kalauern deS Laufkünstleri deladen, hinterher. Leider dauerte die Freude nicht lange. An der Großgörschmstraße, kaum auf Berliner Terrain anzelangt, nahmen Berliner Schutzleute den Verwege« nen in Empfang. Auf sein Litten, fie möchten ihn doch laufe» lassen, sonst verliere er seine Wette, ward ihm von der Polizei dft Antwort, daß er seine Wette schon gewonnen habe, und da er im MaZkenanzuge in den Hunditagen nicht die Straßen Berlin» pasfiren durfte, auch ein Umkleiden auf freier Sttaße nicht gestattet wurde, so mußte er seine von der langen Tour ermüdeten Glieder einer Droschke anvertrauen, dft chn, wie wtt hören, nach der Schwedischen Eisbahn schaffft. Bon eine« Seite, welche al» in die Lerhältnisse der Berliner Sptelerwelt eingeweiht bezeichnet wird, erhätt ein Lokalberichterstatter folgende Mtttheilunaen:»Die Geschäfte der sogmannten Buchmacher auf unseren Rennplätze« stehen jetzt in voller Blüthe. So groß wie jetzt war die Zahl derselben vor der erfolgtm Abschaffung de» Totalisator» nicht; fie hat stch verzehnfacht. Da» größte Kontingent stellt Hamburg; Berliner find wohl kaum ein Fünftheil unter ihnen. Man hat keinm Begriff, welcher Gattung diese Menschen find» dft oft mit den angesehensten Ve-.tietem der Aristokratie in Ge« schäftSbeziehungen stehen, nicht wmige find bereit» mehr oder minder mit den Strafgesetzen in Konfltti geraihen. Sie besuchen die Rmnplätze nicht nur der Rennen und der Buch' macherei wegen, sondem auch, um von da ihre Opfer zur» Spiel zu verschleppm. Findet fich kein geeigneter Ort, so müssen die EisenbahnkoupeeS dazu dienen. E» wird als Thaisache de- richtet, daß kürzlich einem Kavalier auf einer Eisenbahnfahrt von Hamburg nach Berlin von derartigen Buchmachern im Spiel etwa 8000 Mark abgenommen worden find. Da» Ver- steckte dieser Manipulation macht e» der Polizei schwer, dm Spielern da» Handwerk zu legen. Ei« Jrrfiuntger durch einen Steinwurf getödtet. Der Vorfall, über welchen wir unter dieser Spitzmarte vor- gestern berichteten, wird der„Berl. Ztg." von einem zwettM Berichterstatter in ganz anderer Weise dargestellt. Der Be- rtchterstatter schreibt: Betreff» der TodeSart de» in der Her- mannstraß« 145 angeblich durch einm Steinwurf getödtetm verrückten Schlosser« ist bweiti festgestellt, daß derselbe am delrnnrn tremens gelitten und in dem Zustande der Trunken« hett einen Droschkmkutscher zu einer Fahrt nach setner Wohnung engagirt hatte. Hier angekommen, kamen Beide wegen der Bezahlung in Wortwechsel, dft dalv in Thätlich« ketten ausartete. Der Kutscher ergriff den Unglücklichen, warf ihn gegm eine Wand und schlug mtt dem umgekehrten Peitschenstiel auf ihn ein, trotzdem er dereit» sein Geld von Der wollzüchtmde Herr erhob fich. „Kellner I Ich komme wieder: haften Sie mir meine» Tisch frei!" „Verzeihen Sie, mein Herr," flüstert« Nummer 46 Höf« lich,„ei dürfen hier keine Plätze reservat werde»..." „Hm, hm! versteh«... Freijügigkett, unbegrenztes Niederlassungsrecht... bei mtt zu Land« ist da« ander«.-- wen« ich in meinem pommerschea Wirthihau« mein Plätzchen auf eine« Augenblick verlasse, und ei» Anderer wollte fich inzwischen auf demselben einniste», Donnerwetter, er würde schnell geaug in di« Höh« fahr««, wen» ich zurück lehrte." „Vielleicht lasse« der Herr de» Schirm hier liege«; ich will dm Tisch im Auge halft«..., wm» e« irgend mög' lich ist.- „Hier ist der Schttm, und hier leg« ich meine» Hut dabei... so I Da» wird wohl eine genügende Scheuche füe die Raubvögel sei»." Der Kellner lächelte und der Pächftr trug baarhaupt seine zweihundert und sechs, ig Pfund Flesschgewicht würde« voll davon. Er wollte Zettche» suche», aber da« Tannhäuser- P�' vourri, da» die Mufikband« gerade zum Bestm gab, fesselte ,ha derart, daß er vor dem nischmähnlich gewölbtm Orchester' bau stehm blieb und im Genüsse der ihn übermächtig'rtfr* dm Schallwelle« schwelgte. Ze lauter, je besser I Da» wa» doch einmal wieder eineMuftk! Sei» Her» jauchzte in dieses betäubmdm Tonfalle. Doch das Forttsfimo mmderte fich' zarter und inniger wurdm dft Akkorde, und ergreif«*1' quoll da« Lied:„An dm Abmdstem", au« dm bjt seeftm Bla»- Znstrummft«. Ei» dumpfe», M*. unheimliche« Grollm störte Butterfeld'» Andach'- Wa« war da» k Solch eine« To« hatte er schon einmal' der Wildniß gehört, al» er, ei» zweiundzwanzigjährrB Züngling, seinen damaligen Herm«nd Prinzipal, dm Graft' auf einer Reise durch Nordafrika beglettm durfte! 9'. erblaßte Erinnerungen wurdm wieder frisch und lebejjW&J da« Zägerherz regt« fich; er ließ die Mufi!. sei» und ging dem mächtig lockenden, unhei«"� Ton««ach. (Schluß folgt.) der Wirthin de* Gemihhandeltm erhalten hatte. Diese hat angegeben, dem Verftoi denen 7 M-, die er bei sich hatte, ob» Senommen und davon 1 M. dem Kutscher bezahlt und 6 M Ii sich ali rückständige Miethe behalten zu baden. Dessen im», geachtet aber schlug der Kutscher noch auf den Schlosser ein, bis derselbe auf dm Hof retirirte. Von hier aui flüchtete er sodann in seine Wohnung, wo er anfing zu rasen. Hier drang nun eine fremde Person ein, welche die Mißhandlungen mit einem Stein fortsetzte und die sodann mit völlig blutigen Händen die Wohnung verließ, ali der Gendarm PeterS in derselben ankam, bevor dieser dm wahrm Sachverhalt erfuhr. Demselbm ist ei jedoch inzwischen gelungen, diese Persönlich« keit festzustellen, die sHststellung d«S Droschkenkutschers dürste indeffm größere Schwierigkeiten verursachen, da Niemand auf die Rummer der Droschke geachtet hat. Der Kutscher soll ebmfallS mehrere Verletzungen im Geficht habm. Von Stein« würfen seitens der Steinsetzer ist danach gar keine Rede. Der Verstorbme hinterläßt eine Frau mit 4 kleinen Kindern.— Hoffmtlich gelingt eS der Behörde, möglichst bald Aufklärung in die duntle Sache zu bringen. Zu de« beliebtesten KliegenvertitgungSmittel«' gehört nächst den Flitgenstöckem und der Fliegenflasche auch daS FlUgenpapitr, daS mit seinen grausmden Todtenkovf-Bildem dm Kleinm ein sehr eindringliches„Nicht daran lecken I" pre- digt. Aber wenn der Kleine, der die nöthige Zeit dazu hat, »usteht, wie die Fliege gemüthlich die Feuchtigkeit oon dem grinsenden Todtenkops absaugt und dann vergnügt davon summt, dann steigen auch wohl in seinem kleinen Kopfe Zwei« fel über die„Gefährlichkeit" des GtfteS auf. Die Sache ver- hält fich nämlich' Droguenhändlern, Kaufleuten und Gewerbetreibendm und auch nur gegen den von der Polizei zu lösmden Glftschetn verkaust werden darf. DaS übrige Fliegenpapier dürste kaum mit etwaS Schlimmerem als mit dem TodtenkopfS-Bilde präparirt sein und vor dem fürchtet stch keine Fliege, noch weniger tödtet er eine. Ein größere« Schadenfeuer brach vorgestem Abend nach 10 Uhr auf dem Grundstück WemdergSweg Nr. 15b in dem Weißwaarengeschäft oon venedix. deffm Lifiger mit seiner Familie bis dahin noch nicht voa einer Landpartie zurückae- kehrt war, auf bisher noch nicht ermittelte Art au». DerLadm ist ganz ausgebrannt und daS Feuer breitete stch bi« zur Wohnung de» im ersten Stock wohnenden Biunnmdaumeisters Schreiber auS, da» über dem Laden beleaene Zimmer total ver« nichtend. Erst nach mehrstündigtr angestrmgter Thätigkeit der Feuerwehr gelang eS, da» Feuer zu bewältigen, jedoch zogen sich die Austaumungiaibeiten bis gegen Morgen hin. Auch Herr Schreiber war nicht anwesmd, denn derselbe hatte mit ferner Familie vor einiger Zeit Sommerwohnung bezogen. Ein zweites Feuer brach gestern Abend 7V* Uhr in dem Lager' keller der Firma Johanne» RUschl, Alte Jakobstraße 59, au», welche», genährt durch ein größere» Quantum Kaiseröl, in kürzester Zeit unter Entwicklung mächliger Rauchwolken de« deutende Ausdehnung annahm. Der schleunigst von der Linden« straße requiritten Feuerwehr gelang e» sehr bald, bei Elemente» vetr zu werden. i»™ Ä�sthrtse Knabe Georg Montac hat fich r « e*»bcntä 6 Uhr aus der elterlichen Wohnung. Krupp- straße 13. entfernt, um zu spielen und ist bi« heut« noch nicht wiedergekommen. Bekleidet war derselbe mit einem blaugrauen Sommeranzug, ist seinem Alter angemessen groß, aber untersetzt, bat dunkelbraune» Haar, braune Augen und etwa» abstehende Ohren. Jeder, der über den Verbleid diese» Knaben etwa» an- zugeben weiß, wird dringend gebeten, den Etteln Nachricht zu geben. Gesperrt werde« die östlich« Seit« de» Schinkelplatze», von der Werderstraße bl» zur vchloßdrücke, einschließlich der Einfahrt von derselben, dehuf» ASphaltirung und Ein« legung von Pferdebahngeleisen vom 12. d. Mt». ab bi» auf Wettere» für Fuhrwerke und Reiter. Bewegung der Bevölkerung Berlin« nach den Ver öffentltchunaen de» statistischen Amt» der Stadt. Die fortge. schriebene Bevölke-ungS�ahl betrug am 19. Juni inkl. der nach. trägltchen An- und Abmeldungen 1 335 608, hat fich demnach gegen die Woche vorher um 59 Seelen vermehrt. In der Woche vom 20. bi» 26. Juni wurden polizeilich gemeldet 2510 zugezogene, 1825 fortgezogene Prrsonen: standesamtlich wurden 191 Ehen geschloffen. Geboren wurden 814 Kinder, und zwar lebend: 410 männliche, 380 weibliche, zusammen 790(darunter 100 außereheliche), todt 10 männliche, 14 weibliche, zusammen 24(darunter 6 außereheliche) Kinder. Die Lcdendgeborenen, auf» Jahr berechnet, bilden 30,8, die Todtgedorenen 0,9 pro Mille der Bevölkerung, die außerehelich Geborenen 13,02 pCt aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Ledend- geborenen 12,66, die bei den Todtgedorenen 25,00 pCt. In der kgl. Charitee und Entbindung».»nstatt wurden 40 Kinder geboren. Gestorben(ohne Todtgeborene) find 756, nämlich 402 männliche, 354 weibliche Personen. Von diesen waren unter 1 Jahr alt 374(inll. 70 außereheliche), 1 bi» 5 Jahre 116(inkl. 8 außereheliche). 5 bi» 10 Jrhre 22 10 bi» 15 Jahre 2, 15 bis 20 Jahre 10, 20 bi« 30 Jrbre 29, 30 bi» 40 Jahre 42, 40 bi» 60 Jahre 85, 60 bi» 80 Jahre 65, über 80 Jahre 11. Die Sterbefälle beim Atter von 0 bi» 5 Jahren machen 64,82 pCt. sämmtlicher in dieser Woche Gestorbenen au». Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Rindern starben 68 im ersten, 30 im zweiten, 36 im dritten, 47 im vierten, 31 im fünften, 38 im sechsten, 24 im siebenten bi» zwölften LebenSmonate; von denselben waren arnährt 49 mit Muttermilch, 1 mit Ammenmilch, 192 mit Thiermilch, 11 mit Milchsurrogaten, 63 mit gemischter Nahrung, von 59 war e» unbekannt. Todesursachen waren besonder»: Lungenschwindsucht(76), Lungenentzün. dung(33). Bronchialkatarrh(14), Kehlkopfentzündung(12) Krämpfe(28), Gehirnschlag(18), Gehirn- und Gehirnhäute«! Trjphui(5), Diarrhöe(53), Brechdurchfall(162), an anderen Krankheiten starben 170 und durch Selbstmord 11, davon tfte vvKWS %'$ �wo?ner' in�Bnltn 29?, in Breslau 30.6 in Frankfurt a. M. 25,2, in Köln 26,4, in Dresden 24.� in München 30,8, in Bremen 19,1, in Stuttgart 21,4, in Wien 24.6. in Pari, 21,6, in London 15,4, in Liverpool 18,0. In der Woche wurden dem Polizeiprä« fidium gemeldet al» ernenn an Typhu» 51, an Masern 193, an Scharlach 42, an Diphtherie 96. In den 9 größeren Krankenhäusern wurden in der Bertchttwoche 772 Kranke aufgenommen, davon litten an Masern 18, an Scharlach 3, an Diphtherie 13, an Tyobu, 11, an Rose 7. E» starben 126 Personen oder 16,7 vCt. aller in der Woche Ge- storbenen: al» Bestand verblieben 3434 Kranke. m Markthallen« Bericht von J. Eandma««. städtischem Verkaufsvermittler, Berlin. Zeniral-Marlthalle. den 12. Juli. Wild und Geflügel. Da» Geschäft in diesen Artikeln war in der verflossenen Woche sehr ruhig, und auch heute ist von einer Besserung nicht zu berichten. Der lokal« Bedarf ist gering, und der Versandt nach außerhalb ist bei dm ungenügenden und theurm Transportmitteln für eine so verderbliche Waare nur in seltenen Fällen möglich. Zur Vermeidung der Thierquälerei sollen die Käfige für lebende» Geflügel so doch sew, daß da». selb« undeengt ist und den Kopf hock halten lann E» kosten: Rehe 60- 75 Pf.. Hirsche 40-50 Pf., Wildschwein 40-50 Pf. pro Pfund, wilde Enten 80 Pf. bi» 1,50 M., Bekassinen 30 bl« 70 Pf. pro Stück, junge Gänse 3-4.50 M., junge Enten �l-I.SO M., junge Hühner 90 Pf. bi» 2 M., Rauben 30 bi» Polizeibericht. Im Polizeibericht vom 8. d. M. ist mtt« getheilt worden, daß die 3'/, Jahre alte Tochter de» Produtten« Händler» Dietrich, Waßmannstr. 34 wohnhaft, im Hause Pallisadenstr. 77 au» dem Flursenster de» 2.©locke« auf den Hof hinabgestürzt und schwer verletzt nach dem städtischen Krankenhause im FriedrichShain gebracht worden ist; dort ist da» Kind an den erlittenen Verletzungen bereit« gestorben. Wie stch durch die nächträglichm Ermiltelunam herausgestellt hat, liegt kein bloßer Unglücksfall vor. Ei hat fich vielmehr « geben, daß da« Kind durch die 12 Jahre alle Schülerin Marie Schneider, die Tochter einer in der Pallisadenstraße wohnenden Frau Schneider, oon der Straße nach diesem Hause gelvckt worden ist. um fie dort der goldenen Ohrringe zu de« rauben, und daß fie da» weinende Kind sodann, um stch vor Entdeckung zu fichern, abstchtlich mit voller Ueber« legung au» dem Flurfenster auf den Hof hinabgestürzt hat.— Die Schneider hat bereit» vor der Polizei, wie vor dem Richter ein volle» Geständniß der ruch- losen That abgelegt und namentlich auch die abficktliche Tödtung de» Kinde» zugestanden.— Am 10. d. Mt»., Nachmittag». wmde der Arbeiter Bölle vor dem Hause Mauer- straße Nr. 65 beim Uederschretten de» Fabrdamme» durch einen von dem Kutscher Dreschke gefühlten Bierwagen überfahren. Er erlitt nicht unerhebliche Verletzungen an der Stirn und am rechten Arm und mußle nach Anregung eine» Nothverdande» nach der Charilee gebracht werden.— Zu derselben Zeit wurde ein 3 Jahre alte» Mädchen in der Winterfeldstraße, al» e» über den Fahrdamm lief, durch einen von dem Kutscher Buchner geführten Wagen überfahren und erlitt hierbei eine bedeutende Quetschung de» Oberschenkel».— An demselbm Tage, Nachmittag», vergiftete fich ein Gürtler Lehrling in einer Werlstatt in der Zimmerstraße mittelst einer Stlberauflösung. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— Am 10. d. Mt»., Abend», wurde eine Frau in ihrer Wohnung, in der Ehorinerstraße Nr. 8, welche fie nach Angabe ihrer Flur- nachbarn seit dem 8. d. Mt». nicht mehr verlassen hatte, todt aufgesunden. Da die Todesursache nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnte, wurde die Leiche nach dem Leichmschauhause gebracht.— Am 11. d. Mi», hatte'stch der Arbeiter KielezemSki auf etnm Prellstein an der Ein- fahrt zum Grundstück Chausseestr. 80—81 gesetzt und fiel, vom Schlage getroffen» plötzlich todt nieder. Ebenso starb zu der- Slden Zeit eine Frau plötzlich in ihrer Wohnung in der lexandrinenstraße. Die Letchm wurden nach dem Leichen« schauhause gebracht.— An demselbm Tage Nachmtttag» machte ein KaufmannSlehrling in der Wallnertheatei straße dm Versuch, fich zu erhängen, wurde aber noch rechtzeitig loSgeschnttten. Bald darauf wicderholle er den Versuch, wurde aber auch dieimal gerettet und auf ärztliche Anordnung nach dem städti- schm Krankenhause im FriedrichShain gebracht.— Zu derselbm Zeit entstand in dem L'gerkeller eine» Kaufmann» in der Attm JakobSstr. 61 durch Fahrläfstzkeit eine» Hausdiener», welcher da» zum Anzünden einer Lampe benutzle Streichholz noch brennend wegwarf, Feuer, welche» die Thätigkeit der Feuerwehr etwa eine Stunde in Anspruch nahm.— Am Nachmittag wurde im Thiergarten in der Nähe de» Kroll'schen Etablissement» die bereit» stark verweste Leiche eine» neu geborenen Knaben Im Gebüsch gefunden und nach dem Leichenschauhause gebracht. — In der Nacht zum 12. d. M. mtstand in dem Weinberg« weg Nr 15b belegenen Vosamentierwaarenlager au« noch nicht bekannter Veranlassung Feuer, welche» den Loben nebst Inhalt völlig zerstörte. Die Feuerwehr war längere Zeit in Thätigkeit. GerichtS'Zeitnng. Die verltnerArbettertnueubewegung vor demRichter- stuhle. Die fünfte Strafkammer de» Landgericht» I hat nun« mehr die gegen die polizeiliche Schließung de»„Verein» ,ur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen" gerichtete ve- schwerde zurückgewiesen. Der Beschluß sei hiermit theilweise wiedergegeben:„Durch polizeiliche Ermittelungen ist nach Lage der Atim hinreichende» Material für die Annahme erbracht. daß der„Verein zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen" ein Verein ist. welcher bezweckt, politische Gegmstände in den Versammlungm zu erörtern. Selbstverständlich können nicht die Statutm eine» Verein» dafür, ob derselbe al» politischer anzusehen ist. allein maßgebend sein, sondern e» kommt wesmt- ttch darauf an, welch- Gegenstände thatsächlich in den V-rein»- versammlungm fortgesetzt erörtert worden find und ob dies« Erörterungen Vereinszweck warm. Nach dieser Richtung ist aber vorliegmdmfall» ausreichende» Material vorgebracht, um dm„Verein zur Vertretung der Interessen der Ar- deiterinnen" al» einen politischen erscheinen zu lassen. ES find ferner in dm qu. Verein FrauenSpersonm al» BereinSmttglieder aufgenommen worden.(Der Verein desteht doch nur au» solchen.) Die vorläufige Schließung de» qu. Verein» seitm» der Polizeibehörde war daher nach§§ 3», 16 der Verordnung vom 11. März 1850 zweifellos zuiässtg, weiter aber auch bei der ganzen Sachlage die Rufrechtelhailung dieser polizeilichen Schließung bi» zum Erkenntniß in der Hauptverhandttmg gemäß§ 16 a. a. O am Schluß durch die zuständige GerichlSbebörde unbedenklich für geboten zu erachtm. Fraglich konnte c» hierbei nur erfcheinm, ob nach jetziger Lage der Gefetzgebung der Untersuchungsrichter oder die Strafkammer für die qu. Beschlußnahme zuständig find." In ausführlicher Begründung wird dann dem ersteren die« zugesprochen. Al» der Begründung entbehrend wird ferner der von dem Recht» beistand de» ArdeUermnen« Berein» gegen die Unzulässtakeit einer Voruntersuchung, vielmehr sofortiger Erhebung der Anilaze, erhobene Protest bezeichnet.(S.§ 6 Abf. 2 Nr. 2 de» Ein führungsgesetze« zur Straf Prozeß. Ordnung) Die Berechtig»»« de» sogenannte« Schweine- werfe»« aaf dem städttsche« Zentralviehhofe unterlag nunmehr auch der Prüfung der sechsten Strafkammer hiefigen Landgerichts l. Bereit» seit dem Bestehen der alten Viehhöfe wurden, um etwaige Finnigkeit an den lebenden Schweinen zu erkennen, die Thier« auf den Rückm aeworfm, ihnen ein Knebel in die Schnauze gesteckt und die Zunge gewaltsam her- ausgezogen und destchligt. Dieser Körpenheil ist nämlich derjenige, an welchem fich Finnen, wenn sie vorhanden find, vor- zugs weise festsetzen. An dieser Prozedur nahm der Vorstand de« Thterschutzoerein» Anstoß und veranlaßt« durch wiederholie Vorstellungen da» Berliner Polizeiprästvium nicht nur seine Organe»um Verbieten de» Schweinewerfen» auf dem Vieh- Hofe anzuweism, sondem auch die auSübmden Personm wegen Zhicrauälerei und Uedettretung diverser Polizeiperordnungm unter Anllage zu stellen. Da» Schöffengericht hat, wie seiner Zeit mttgetheilt worden ist, aus Freisv-ckung der Angeklagten erkannt und hat hiergeam die AmtSanwaltschast Berufung«in- 5»legt. Staatsanwalt Waaener hob in seinem Plaidoyer da» Interesse de» Poltzeipräfidlum» an dem Ausgang dieser !io«efft hervor und beantragte, indem er die bei dem Schweinewerfen stattfindende rohe Mißhandlung al» zweifellos hinstellte, die Berurthellung der AngrUagttn zu je 30 Marl event. je 3 Tagen Hast. Ob der Gerichtshof auch in dem Nichtbefolgen den derBefehle der verschiedenen Schutzleute noch de« sondere Uedettretungen annehme, sei für ihn unerheblich. Der Gerichtshof erkannte auf Verwerfung der Berufung, hielt also die Freisprechung der Angeklagten aufrecht. Weder§ 117 de» Straßenpolizetreglement«, noch da» Viehofreglemml könnten hier Anwendung finden, well ei fich bei crsterem um Vorgänge auf einer öffentlichen Straße, bei letzterem um die Ordnung auf dem Viehhofe handle, wovon hier nicht die Rede sei. Beireff» der Tbieiquälerei könne er auf fich beruhen bleiben, ob eine rohe Mißhandlung stattfinde oder nicht; denn e» gehöre zur Anwendung de»§ 360 Nr. 13 de» Str. G. B. daß entweder die Quälerei an einem öffentlichen Orte oder in Aergerniß er- regender Weife vor fich geh«. Die ViehofSbuchten find aber nur den Interessenten zugänglich, und daß diese ein Aerger- niß an dem Schweinewerfen nähmen, werde wohl Niemand behaupten._. Bon der Etnschmuggelung der verschiedene« Warst- arte» vo» Pferdefleisch ia die Verkaufsgeschäfte ergab einen umfassenden Einblick der Verlauf einer Verhandlung, welche gegen den Kaufmann Karl Bromcke wegen Uedettretung der Polizeiverordnung vom 24. September 1854 vor der 94. Adthellung des Schöffengericht» stattfand. Nach§ 2 der angezogenen Verordnung dürfe Pferdefleisch oder Fleisch waären zu welchtn solche» verwendet wird, nur an bestimmt bezeichneten Stellen oder von den übrigen Fleischsotten getrennt unter An« bringung einer deutlich erkennbaren Tafel mit der Aufschttst: „Pferdefleisch" feilgehalten werden. Auf die Denunziation de» Roßschlächter» Rodde hat vor einigen Monaten in dem Geschäft de» Angeklagten eine Revision der zum Verkauf gestellten Wurstvor- räthe stattgefunden, welche ergab, daß die geführte Schlack- und Mettwurst pferdcfleischhattig war. Der Angeklagte bezeichnete sofort al» seinen Lteseianten den HandelSmann Lout» Goldmann, Rügenerstr. 88, jetzt Bellermannstraße, und gab an, daß er die Schlackwurst mit 80 Pf„ die Mettwurst mtt 55 Pf. pro Pfd. de« zahlt habe. Di« Antlagebehörde nahm nun an, daß B. au» diesen Preisen die Verwendung von Pferdefleisch zur feilgehaltenen Wurst hätte ettennen und deshalb die vorgeschttebene Tafel anbringen müssen. Im Termin legte der Angeklagte die Ge« schäftSkatte de» Goldmann vor, auf welcher derse be sein Geschäft al»„Wurst« und feine Fleischwaaren' Handlung" bezeichnet. Schon sein Porbesttzer habe die Wurst von Goldmann bezogen, und dieser habe stch ihm unter Vorlegung setner Ratte empfohlen, ohne auch im Entferntesten die Qualität seiner Waare anzudeuten. Da auch die Preise durchaus nicht allzu niedrig find, wa» der vernommene Sachverständige bestätigte, so war er in dem Glauben, nur reelle Waare zu erhatten. Der al» Zeuge vernommen« Goldmann bestätigte die Angaben de» An« geklagten, und wurde ihm deshalb vom AmtSanwall und vom Voifitzenden vorgehalten, daß er eigentlich auf die Anklagebank gehötte, weil seine Gesckäftskatte zur Täuschung seiner Kunden vurchau» geeignet fei. Der AmtSanwalt behielt stch auch da» Einschreiten gegen Goldmann vor; der Angeklagte wurde frei- gesprochen. f Ei«„gebildeter" Mann, der Ktstmfabttlant Johann Friedrich Reib, suchte auf eine recht rohe Weise im Frühling d. I. seine Rache zu befriedigen. Seit einigen Iahten lebte er mit dem Vizewirth de» Hause» in dem er wohnte, dem Inspektor Schöneberg, in beständigem Kampfe, der fich bi» zur erbtttertsten Feindschaft steigerte. Jnjuttenprozeffe wurden von beiden Seiten anhängig gemacht und bi» zur letzten Instanz auSgefochten; beide Parteien zahlten Kosten und Strafgelder. Schließlich genüaten Herrn Reib diese Mittel nicht mehr, um den Gegner zu ärgern und zu beunruhigen, er griff zu einem drastischeren. Eine» Tages lauette er dem Jnspettor auf der Treppe auf und warf ihm, ohne daß ein Wortwechsel voran« geganzen wäre, eine Hand voll fein gemahlenen Pfeffer» in dt« Augen. Zum Glück hatte diese Nichtswürdigkeit keine weiteren schlimmen Folgen. Der Inspektor mußte nur einige Tage die entzündeten Augen kühlen, aber ihre Sehkraft erlitt keine Ein« büße. Bestem stand der Herr Fabrikant vor der 91. Abtheilung de« Schöffengerichts. Auch vor Gericht legte er Proben MWKMMU beruhigen und um ihm klar zu machen, welche, Benehmen vor W! ÄÄKÄ.-"- �hm ein Geselle in kurzer Zell einen Schaden von 1600 M. zugefügt habe, erscheint nur so ve ständlich. Der Schaden soll da- durch entstanden sein, daß der Gesell« Fteischstücke, die voll- kommen brauchbar und gesund warm, in den Korb geworfen haben soll, der den Abfall an Knochen mthielt. Ist diese An« gäbe wahr, so muß e» j-denfall» in dem Geschäft an jeder W-MMMSZ «St ÄÄ«SÄÄ. fi diesen Umstanden wurde er von der Anklage des Betruges um fich etnm VermögenSvottheil dadurch zu verslhaffm. Kereiue«ttd Nersammtunaen der Generalversammlung de« Kachv« rein« der Schlosser, die am Sonnabend bei Gratweil stattfand, wurde zunächst der Kassenbettcht für da, 2. Quartal erstattet. �.ie Einnahmen haben(inkl. de» Bestände» von 54.86) 170.93 'jä? äs nommenen Ergänzungswahlen gingen hervor die Herren: alt 2. Vorfitzenden, Leveribeil al» 1. Sch-ifttübr-r; der 2. Kasstrer Herr Getth und der 1. Bibliothekar Herr Kube wurden w edergewähtt. Zu Revisoren wurden die Herren Eapell, Nickchen und Dreier gewählt. Darauf verla» der 1. Vorsitzende die Namen der(18) im 2. Quartal neu aufge« nommmen Mitglieder und die Namen der(ca. 140) Mitglieder welche, well fie länger al» drei Monate keine Beiträge gezahlt, laut Statut aufaehött haben, Mitglieder zu sein und theilte mit, daß die Zahl der MUgltever, die früher einmal schon 550 betragen habe, jetzt nur 110 betrage. Herr Miethe berichtete al« Vorsitzender der Rechtsschutz Kommisston Über drei Falle, in denen der Rechtsschutz gewährt worden ist. In einem der Prozesse hat der Kläger grstegt. Ueber dm Au»gana de» zweiten hat da« betreffende Mitglied derKommlsston nockkeine Mittheilung gemacht. Der drille ist noch nickt entschltd-n. N*.�ejt»nachwei».Kommisston bat 10 Mitgliedern und einem Nichtmttgltede Arbeit verschafft.— Der Vo.Rpe, de, Herr sei. die an de» Verein», höhere Löhne herbeizuführen, rnhiMiT fei, VereinSthätigkett nur darin bestehen könne, da» Interesse dem Vereine in den Mitgltevem rege zu erhallen und W. selben zu veranlassen, daß sie nach Kräften für den Verern agitiren nnd schloß die Versammlung mit der Mtttbeiiung, daß am 13 Juli in der tzatsenhaide tm Lokale Keller'» Hof« jäger da» Sonmerfest de» Beretn« stattfinden werde. Der Fachveret« der Steinträger Berlin« hielt am Sonntag, den 11. Juli, in vcheffer< Salon, Jnfelstraßr, eine Mitgliederversammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Innere VereinSangelegenhetten. 2. Verschiedene». Herr Wallenthtn sprach zunZchst von drr Wahl d«r Fachkommission und fra« die anwesenden Mitglieder derselben, ob fie ihr Amt b« halten wollten. Dieselben erklärten stch dazu bereit. An Stelle bei Herrn Noack, welcher als zweiter Vorfitzender gewählt war« den ist, wmde Herr Otto Arndt alt Fachkommisfionimitglied gewühlt. Al» dritter HilfSkasfirer wurde Herr Knaak, als Kasfirer zum GeneralfondS Herr Schölzel und Herr Wirges zum HilfSkasfirer gewählt. Nachdem die Wahlen beendigt waren, verlas der Vorfitzend« die noch fehlenden ausgegebenen Listen vom vorigen Jahr und forderte die Anwestnden auf, dieselben abmliefern oder Aufklärung zu geben, auf welche Weise die Listen abhanden gekommen find.— Nachdem wieS Herr Wal« lentbin darauf hin, daß«S für den Kasfirer schwierig sei, die Beiträge in der Versammlung zu erheben, da derselbe nicht im Stande wäre, den Verhandlungen zu folgen. Redner forderte die Mitglieder auf, fich recht rege nach den Zahlstellen zu be« mühen, um dem Kasfirer seine Thätigkeit etwaS zu erleichtern. Nachdem wurde von der Versammlung beschloffen, die Namen der restirmden Mitglieder zu vrrlesen, waS auch durch den Kasfirer geschab. Herr Wallenthin forderte alle Restanten auf» ihre Beiträge spatesten» diS Montag, den 12. v, zu entrichten, widrigenfalls die Betreffenden abgemeldet werden. Zu„Ver- fchiedeneS" führte Herr Wallenthin au», daß gegen Denjenigen, zu machen sei, da die Staatsanwaltschaft welcher in einem Lokale eine Vereinskarte beschädigt habe, nicht» . 1'■(" die Klage zurückgewiesen Hab« und auch ein Rechtskundiger gerathen habe, die vache ruhen zu lassen. Herr Rennthaler befürwortete, die Sache nicht ruhen zu laffen, sondern den Wirth zur Rechen- schast zu ziehen, da derselbe die Erlaubniß ertheilt hat, die Karte in seinem Lokal anzuhängen und die Wirthin nicht daS Recht hat, VereinS-Eigenthum vernichten zu laffen. Nachdem fich noch mehrere Redner in demselben Sinne ausgesprochen, wurde beschloyen, die Sache weiter zu verfolgen. Ein An« trag, einem erkrankten Mitgliede eine Unterstützung zu gewäh- ren, wurde der Fachkommisfion zur Recherche überwiesen. Nach. dem eine eingegangene Beschwerde erledigt war, machte der Vorfitzende bekanut, daß die nächste Versammlung am 15. August stattfindet» soll. t Der Fachverei« der Sattler und BerufSgetrosse« tagte am Sonnabend, den 10. d., unter Vorfitz des Herrn Kabel in Gratweil'S Bierhallen, Kommandantenstraße. Der Vorsitzende gab zunächst einen Bericht über die Thätigkeit de» Vereins im zweiten Quartal de» laufenden JahreS. Derselbe konstatirt ein erfreuliches Wachsthum; 48 neue Mitglieder haben fich aufnehmen laffen. Der Besuch der Versammlungen war rege und überall trat daS lebhafte Intel effe der Berufs. genossen für die Organisation zu Tage. Der Vorfitzende schloß hieran die Bitte, auch fernerhin dem Vereine treu zu bleiben und mit allen Kräftm dazu beizutragen, die Organisation groß und kräftig werden zu laffen. Die Vereinigung sei das einzige Mistel, einem weiteren Sinken der Lebenshaltung entgegenzuwirken. Hierauf erstattete der Kasfirer Kaffenbericht. Nachdem die Revisoren bestätigt hatten, daß der Bericht in allen Punkten richtig sei, wurde ihm Decharge ertheilt.— Der Vorstand hat drei Mit. glieder, die Herren Kuhnke, Matschulat und Raschle in die Kommtsfion gewählt, welche daS Projekt, eine Fachschule zu gründen, weiter auiarbesten soll. Diese Wahl wurde von der Versammlung bestätigt.— ES wurde beschlossen, am 15. August eine Dampferpartie mit Familie nach Schmöckwitz zu unter» nehmen, zu der»uS der VereinSkaffe 50 Mark bewilligt wurden. Mitglieder, welche fich an derselben dethetltgen wollen, können fich in die Listen eintragen, welche in der„ArbeitSver- Mittelung"(Krausenstraße) und bei den Mitgliedern deS Ver- gnügung». Komitees auSIiegen.— Die Versammlung, welche am Sonnabend, den 24. d. MtS., stattfinden sollte, fällt zu Gunsten der Krankmkaffenversammlung, welche auf diesen Tag verlegt ist, au». bfs. Die zum vorigen Souutag i« Aussicht geuom- meue Sffeutltche Versammlung der Berliner Maurer ist hiS auf WestereS vertagt worden und soll— wahrscheinlich— zum nächsten Sonntag(d. 18. d. M.) nach„Tivoli" einberufen werden. Die Tagesordnung lautet:„Bcrathung und Beschlußfassung über die geeignetsten Mittel und W'ge, um unter strengster Beachtung der bestehenden Gesetze und Ver- ordnungen der Behörden die diesjährige Lohn urd G.'werk- schaftSbewcgung der deutschen und speziell der Berliner Maurer im Jntereffe der Sache der Maurer- Gesellenschaft unter ganz. licher Vermeidung von Konflikten und schädlichen Spaltungen fortsetzen und vollmden zu können." ieutral- Kranken-«ud Sterbekaffe der Maler ie. E. H. Nr. 71, Hamburg). Filiale Berlin Ii. Dienstag, den i3. Juli, Abend» 8 Uhr, bei Göttel, AndreaSstraße 34, Mit- glieder- Versammlung.— Die Filiale Berlin ni(Süd) halt ebenfalls heut«(Dienstag), Abend» 9 Uhr. im Cafs Reyher. Aste Jakodstr. 83, eine Mitglieder Versammlung ad mit folgender Tagesordnung: Kassenbericht. Wahl der Krankenkonrroleure. Verschiedenes._ Zentral- Krauken- und Begräbnij) lasse für Frauen und Mädchen(Etng. HilfSk. Nr. 2G in Offenbach.) Mittwoch, den 14. Juli, Abend» 8 Uhr, in GratweilS Bierhallen, Kom- Mandanten straße 77/79(unterer Saal), Hauptoersammlung. T�O.: Kaffenbericht pro 2. Quartal. ErgänzungSwahl für den Vorstand und Verschiedene». Eine versammluug der Zimmerer findet am Mist- woch, den 14. Juli, Abend» 8% Uhr, in Stemund'S Lokal, Lintenstr. 8, statt. Tagesordnung; Ist e» angewandt und möglich, eine Spar- und DarlehnSkaffe für die Berliner Zimmerer zu errichten, welche bezweckt, ihre Mitglieder in Roth- fällen, ArbritSlostgkeit K. zu unterstützen? Verband deutscher Zimmerleute(Lokalverband Berlin Zentrum), Dienstag, den 13. d. M., Abend» 8 Uhr, Kommandantenstraß« 77/79, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Kaffmdericht pro April-Juni. 2. Neuwahl de» Lokalvorstan- de». 3. Verschiedene». 4. Fragekasten. QutttungSbuch legitt« mirt. Aufnahme neuer Mitglieder. Zum Beste« der UuterstützuugSkasse de» Verein» „Berltuer Wappeu", bestehend au» den Unterbeamten de» hiestgen Magistrat», findet Mittwoch, den 14. d. M., Nachmittag» 5 Uhr, in Bützow's Brauerei am Prenzlauer Thore ein große» Milstärkonzcrt statt. Zahne in die Schulter und den linken Arm Bibel'» einschlug. Man hielt ihn für verloren. Btdel bewo'"-te aber sir diesem furchtbarm Augenblick seine GeisteSgeg-nr, rt, er«hob fich langsam und packte, al» er wieder aufrecht stand, mst seiner Rechten die Gurgel de» Löwen mit solcher Gewalt, daß dieser seine Beute fahrm ließ. Inzwischen hatte ein Wärter eine Seiten......''-.-. gehen Der B__________________ ließ fich von drei Aerzten auSileiden und untersuchen und e» ergab fich, daß er 17 größere und kleinere Wurden hatte, von denen übrigen» keine gefährlich sein soll. Sie wurden ver- Kunden und der Patient dann nach seinem Landhaust in Scitenthür deS Zwinger» geöffnet, durch die der Löwe abzu- gehen pflegt und fich nun in der That, laut brüllend, entf Der Bändiger, der fich diesmal nicht al» solcher bewährt' Kleine Mittheilungen. Brüssel, 9. Juli. Ueber den bereit» gemeldeten Brand der Brüsseler Universität wird noch folgendes berichtet:„Am 7. Juli gegen die Mittagsstunde zu wurde der erste Alarm und drei Stunden später standen von dem prachtvollen Bau zwischm der Rui l'JmpSratrice und der Rue deS SolS nur mehr die nackten Mauern aufrecht. DaS Feuer war im chemischen Ladoratorium entstanden, wo einige von einem Exveriment herrührmde glimmende Kohlen unvorfichtigerweise liegen blieben und einige leicht entzündbare chemische Produfte in Brand stecktm. Obwohl da» Korp» der Pompier» so rasch als möglich erichien, gewann die Flamme an Boden, ergriff daS ganze Laboratorium, die anstoßendeBibliothek, den prachtvollen akademi- fchen Saal, die meisten linkiseittgen Hörsäle und drang bi» in die Rektorat»' und PrüfungSräume vor. Die Pompier» hatten alle erdenkliche Mühe, da» Uebergreifm der Flammen in die um» liegenden Häuser zu verhindem. Unterdessen brach eine Räum- lichkeit der Univerfität nach der anderm zusammen. Die Zink- kuppeln stürzten zu Loden und rissen zwei schwerverletzte Pom- pieri mit fich herab. DaS erste Stockwerk de» Gebäude! be- gann zu wanken und der Giebel der Frffade, welche gegen die Rue de l'JmpSratrice gerichtet ist, drohte niederzustürzen. Stu- denken, Professoren und Pompier» wetteiferten in der Rettung »en. iWbff fnnnt� nur hfr wichtiger Schriften und Sammlungen. Leider konnte nur der langjähriger Studien darstellen. Von der Bibliothek, welche nicht weniger al» 65000 Lände enthielt, wurde nur ein kleiner Bmchtheil gerettet. Die meisten Sammlungen, darunter die werthoolle mineralogische, gingen zu Grunde. Der Gesammtschadrn dürfte wohl die Sunme von 2 Millionen Frank» übersteigen. Die Brüsseler Universität wurde am 20. November 1834 eröffnet. Sie war eine„freie Univerfität", indem der Staat kewerlei Auffichts- recht ausübte, aber auch keine UnterhaltunzStosten zu tragen hatte. Die Kosten wurden au» einem von einer Reihe von Gründern gebildeten MillionenfondS bestritten. Dieser Fond» ist durch die Zerstörung der Univerfität erschöpft, da Gebäude und Sammlungen zusammen nur für 200000 Frank» ver- fichert waren. Wenn also kein neuer Fonds aufgebracht und keine StaatShtlfe geleistet«erden sollte, so hat die Brüsseler Univerfität. welche über 2000 Hörer zählte, aufgehört zu bestehen" Strasburg i. E., 12. Juli. Zum ersten Male seit 15 Jahren fanden hier gestern die GemetnderathSwahlen statt. Gewählt wurden 9 Altdeutsche und 23 Altelsäffer, darunter 5 Autonomisten, 10 Protestler, 4 elsässtsche Klerikale, 4 Elsäffer ohne bestimmte Parteistellung. Außerdem haben 4 Stichwahlen stattzufinden. Unter den Gewählten befinden fich Bezirttprä. sident Back, Beigeordneter Holzapfel, welcher zweimal gewählt wurde, sowie KablS und Lauth. Pari», 7. Juli.(Im Löwenkäfig.) Die Menagerie deS Thierdändiger» Bidel hat seit Kurzem, wie sie die» alljährlich zu rhun pflegt, den großen Jahrmarkt von Neuivy bezogen und war gestern Abend gegen 10 Uhr mit Schaulustigen angefüllt, al» ein Engländer, welcher Bidel seit zehn Jahren Schritt auf Schritt folgt, um dabei zu sein, wenn er von einer seiner Bestien gefressen wird, im Begriffe stand, seine Wette zu gewinnen. Bidel war mit seinem Exerzitium mit vier Löwen und zwei Eisbären schon zu Ende und in dem Hauptzwinger allein mit dem Löwen„Sultan" zurückgeblieben. Er befahl ihm, fich an dem Gitter aufzustellen und«ie ein Wappenihier fich da mit einer erhobenen und einer niederhängenden Vorder. totze zu präsentiren, al» s