Nr. 16L Mittwoch, btn 14. goli 1886. III. Sicht». SttlmnVMW Lrgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Das„Berliner Volksblatt" «rschrint täglich Morgen» auker nach Sonn und Festtagen. Abonnementsprei» für Berlin frei in» Hau» vierteljährlich 4 Marl, monatlich 1,35 Mars wöchentlich 35 Pf. Postadonnement ».Marl. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit der tllustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Poitzeitungipreiilifte für 1886 unter Nr. 769.) Jusertiousgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzetle oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pfennig» Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi» 4 Uhr Nachmittag» in der Erpedition, Berlin SW, Zimmerstrahe 44, sowie von ollen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung de» Preise», angenommm. Redaktion: Kenthstraße 2.— Erpedition: Zimmerstraße 44. „Zum AillKmnm Ulld zum Abslhied" Wir lesen jetzt wieber recht häufig U kouservativen und nationalliberalen Blättern die Empfehlung der Prügelstrafe für die sogenannten Vagabunden und Verbrecher der verschiedensten Kategorien. .Zu« Willkommen und zum Abschied 25 Stockhiebe — da» würde den Strolchen da« Wiederkomme» schon ver- leide» I* »l« wen» die„Strolche" überhaupt schon wiederkämen? Man frage dieselbe« nur und man wird höre», daß fie große Scheu habe» vor de« Arbeit»häuser» und Zucht- Häusern, auch wen» dort die obligatorische Prügelstrafe nicht eingeführt ist. Lohnende Arbeit ist, einige wenige ganz ver» kommen« Leute ausgenommen, ihr heißer Wunsch; dies be» weise» die meist überfüllte« Arbesterkoloaie», wo e« wohl Arbeit, aber keine lohnend« giebt. Viele der Aermste» gehen au« diese« Kolonie», in denen fie«» nicht besonder» gut hatten, in denen eisern« Strenge regiert, nach der abge» laufen e» Zeit mit schwerem Herze«, lediglich weil fie gehen inüssen. Die Arbeit scheue» die Meiste« nicht, nur da» ver- gebltche Suchen«ach Arbeit. Und dafür, daß die verworrenen wirthschaftliche« Zu- stände, die Hast und Tier der Konkurrenten tausende und aber tausende von Mensche» brodlo««acht, fie zur Arbeit». lofigkeit verurtheilt, de» halb solle« diese Verurtheilte» «och Prügel erhalten. Heilige Tnechtigkest! Wie man in der heutige« Zeit mit Dir umspringt, wie man Dich besudelt! Welche Wirkungen aber die so vielfach angepriesene Prügelstrafe hat, da» wollen wir an einzelnen Aussprüche« erfahrener Juristen, Mediziner und Strafanstaltsdirektore« hier unser» Leser» vorführe«. Zunächst fällt ua« eine Notiz in die Hand, au« welcher hervorgeht, daß bi« zum November 1882 im städtische» Armenhaus zu Gera die Jnsasie««ach dem Reglement einer körperliche« Züchtigung unterlagen. Der Temeinderath hob aber diese Bestimmung im Reglement auf, weil fie nicht mehr zeitgemäß sei. Dan» aber geht au» dem Bericht hervor, daß die Prügelstrafe seit achtzehn Jahre» in der Anstalt nicht verhängt worden sei. Der Vorsteher dieser Anstalt, der da« Recht hatte, seine„Zöglinge* prügeln zu laffe«, nahm davon Abstand, weil ihm diese Strafe unmenschlich. bestialisch vorkam. Erste Lektion für die Snhänger der Prügel» strafe 1 In feinem Lehrbuch de» deutsche« Strafrecht« sagt Profefior B e r n e r:.Die Prügelstrafe vernichtet da« Ehr» gefllhl und damit die Grundbedingung der Besserung. Ja, e entspricht nicht einmal dem Zweck« der Abschreckung, den» AeuiLLeton. I8c4tta4« Eine Mutter. Roman von Ksr i e d r t ch Serstitcke?. (Fortsetzung.) Er wandte fich jetzt an diese« und wiederbolte seine Frage, bekam aber auch keine Antwort, den» der Man« unterhi,lt fich jetzt erst eine ganze Weile mit der Frau in einem Kauderwälsch, von dem Jeremia» natürlich keine SierbenSfilb« verstand. Endlich drehte er wieder den Kopf »ach ihm hemm. „Wen suche« Sie?" sagt« er allerding« auf D misch, aber so gebrochen, daß Jeremia» genau aufpafie« mußte, wen« er die Worte versteht« wollte. „Eine Dame," sagte Jeremia»,.die vor etwa zwei oder drei Monaten in diese» Dorf gekommen und allein hier gebliebe» ist." .Eine Dame?' wiederholte der Man» erstaunt und mit dem«spfe schüttelnd.„Wa« sollte die hier mache«?' „Ein junge« Frauenzimmer." lenkte Jeremia» ei«, der daran dachte, daß der Bursche unter Dame vielleicht etwa» «an» Andere« verstand. „Ja so I" rief der Fuhrknecht, und jetzt begann wieder «in lange, Tespräch mit dem Werb hinter dem Ofen, da« beschäftigt«ar, ei« paar Suppennäpfe auszuwischen. Jeremia« wartete auch geduldig seine Zeit ab, um die Beiden »»cht z« störe». .Sie kam mit einem Manne?" ftagte endlich der Fuhrknecht wieder, und Jeremia« nickte nur. „Und der Man« ging nachher fort und kam nicht wieder?' „Dieselbe. Ist fi«»och hier im Hause?" Der Fuhrknecht schüttelte mit dem Kopf..Rein, die ist lange fort.' »Fort? Uber wohin?' rief der kleine Man« in Ver- fie ruft in dem Gestraften Haß, Entrüstung und Widerstand auf; wie alle beschimpfende» Strafen wirkt die Prügelstrafe im umgekehrten Verhältnisse der Schuld und der inner» Verderbtheit, sie wirkt moralisch vernichtend auf de« Ehrliebend«», während diese tiefgreifende Wirkung bei de« Ehrlose« wegfällt."— Der berühmte StraftechtSlehrer Wittermeyer aber äußert fich folgen» dermaßen:„In Bezug auf Strafen entscheidet der Grund- satz, daß als Strafen keine angewendet werde» dürfe», welche durch nutzlose Quälerei oder durch die Ungleichheit, mit der fie auf verschiedene Personen wirke«, häufig viele Gefangene erbitter« und durch Unterdrückung de» Ehrge» fühl««achtheilig wirke«, z. B. körperliche Züchtigung" Zweite Lektion für die Anhänger der Prügel» straf« I Der bekannte und vielbelobte Sanitätlrath, Dr. B a e r, der seiner Zeit in Plötzensee Tefängnißarzt war, kann nur mit dem.gerechteste» Widerwillen" die Prügelstrafe au«- üben sehen. Er will sie, da sie einmal bestehe», bei Dt»« zipliaaroergehea in den Anstalten nur in den allerseltenste« Fällen angewandt wissen. Er bemerkt in seinem berühmte« Buch über da« Tefängnißwesen übe, derartige Strafmittel im Allgemeine«:„Ist e< nicht eine alte Erfahrung, daß dort, wo die schwerste» Strafen mit unbeugsamer Strenge bei jedem Vergehen verhängt werde», daß in diesen Anstal» ten am meiste» geprügelt und am meiste« gestraft wird? So wenig die schwerste« Kerkerstrafe» mit alle» den Höllen» Werkzeugen der strafenden Gerechtigkeit, so wenig Galeere« und Tretmühle« genützt habe», um abschreckend oder bessernd zu wirken, gerade ebensowenig vermöge» die schwere« Latten» arreste, Prügelstrafe», Hungerkost, Eise«, Zwangsjacken und Zwangsstuhl autzurichte«, um die große» Zahle» der rück- fällige« Verbrecher in unsere» Tage» zu ver» minder«.' Dritte Lektion für die»nhänger der Prügel» jiCßsC I Der berühmte Strafrechtslehrer vonHoltzendorff äußert sich folgendermaßen über den Gegenstand:.Bei de» rückfällige« Verbrecher» läßt fich der bestimmteste Bewei« führe«, daß dieUnwirksamkeit derFreihett»- strafe« in demselben Maße steigt, al» man fich zu ihrer Durchführung!»hysischer Zwang«» mittel oder körperlicher disziplinarer Strafmittel bedienen muß und die Person zur Un- selbstständigkeit herabsetzt." Vierte Lektion für die Anhänger der Prügel« strafe! Aber viel schärfer«och trifft der Strafanstalttdirektor Müller in einer kleine» Broschüre de» Kern der Sache, indem er ausruft:„Der Gefangene, welcher e» bi» zur zweiflung..Kann mir denn Niemand sage«, wo fie fich jetzt aushält?" „Bei Blthrad." „Herr Gott, wieder so ei« Name!" stöhnte Jeremia». Aber wo liegt da«?' „Wo da» liegt?' sagte der Mann erstaunt. „Ich meine, ob e» weit von hier ist?" „Ne," sagte der Bursche. „Aber wie komm' ich hin?" .Wie Sie hinkomme»? Na, ganz leicht; grab' über die Straße hinüber, da« vierte oder fünfte Hau» links.' „Hier im Ort?" rief Jeremia» und fuhr mit Blitze»« schnelle von seinem Eitz empor. M„Nu ja, versteht sich,' nickte der Man«;.da» Weibsen hatte kein Geld mehr, und der Wirth hier, mit nur einer ordentliche» Stube im Hause, wo fich Fremde unterbringe» ließe«, konnte die doch nicht Jemandem lasse«, der nicht einmal mehr bezahlte. E» war aber auch zu kalt, um fie auf die Straße zu setze«; fie wäre draußen erfroren, und da ist fie derweil bei Blshrad» untergebracht." Die Frau fuhr wieder dazwischen und redete auf den Fuhrknecht ei«, während dieser ihr beifällig zunickte. „Wa« sagt fie?" ftagte Jeremia«. „Wenn Ihr zu dem kranke» Weibsen gehörtet," meint sie,„so solltet Ihr auch da» zahle«, wa« fie hier«och schuldig ist, denn die paar Lumpi», welche fie zurückbehalten hätte, wären nicht die Hälfte werth." „O Du mein großer Gott," seufzte Jeremia» vor fich hin,„zu welch' erschrecklichem Elend bi« ich da gekomme« I" „Und wolle« Sie'« zahlen?" fragte der Man«. „Ja, Alle»— gewiß!" rief Jeremia« in furchtbarer Auftegung;„führen Sie mich nur hinüber. Hier, guter Man», hier habe» Sie Geld, komme» Sie mit hinüber und zeige». Sie mir da« Hau»; ich möchte keinen Augenblick mehr versäume». O, da» arme, unglückliche Geschöpf!" Paula. Der Fuhrknecht betrachtete erstaunt da» Silbergeld, da» ihm Jeremia» in die Hand drückte, war aber rasch erbötig, de» reiche« Loh« mit so leichter Mühe zu verdiene«, und körperlichen Züchtigung komme« läßt, wird auch durch diese nicht gebessert werde»; der Eindruck wird nicht weiter gehe«, al« da» Gefühl der Haut. Wa« aber«och weit mehr gegen die Anwendung der körperlichen Züchtigung al« Di»» ziplinarstrafe spricht, ist, daß damit nach und»ach der Geist der Rohheit und stumpfer Gefühlslofigkrtt s o» wohl bei de« Gefangenen, al« bei dem an» gestellte« Personal fich festsetzt; dieser Geist ist die größte Gefahr für ein« Anstalt, er wird niemals btsser», sonder« stet« nur verhärte« und da««och vorhandene Bessere im Gefangene« zerstöre».' Fünfte, derbe Lektion für die Anhänger der Prügelstrafe I Schließe« wir unsere Zitate mit einer Befürchtung des frühere« Gefängnißarite« Dr. Siebert in Bezug auf die Gefährdung der Gesundheit durch die Prügelstrafe; durch die» Zitat erhält man auch zu gleicher Zeit ei» Bild von de« momentane« Wirkungen dieser brutale» Züchtigung. Der genannte Arzt sagt: .Nach Coyland solle» Rückenmark»affek» t i o» e», selbst«och zeh« Jahr«»ach de« erhaltene« Schläge» entsteh«», respektive deutlich werde«. Lähm««» gen der untere» Extremitäten solle« al« die Folgen der Erschütterung de« Rückenmark«», und Läh» mung de« Mastdarm« und der Blase die Folge» lokaler Reizung einzelner Partten desselben bei Schläge« auf da» Kreuzbein sei». Die Blässe der Haut, da» Zttter« der Glieder, die Beklemmung und Stockung in der Athmung, die Beschleunigung de« Herzschlag«, da« Schreie» und Brülle« mit darauf folgender keuchender, de» Nervensystem», und zu diesen komme» SL.Ä«n Ä m, ÄÄ %% gefährlicher werde», wen« die Ueberfüllung und Reizung de» Herzen« zu Extravasate« in innere Organe, Hirn» oder Lungenschlag, oder zu einer Erweiterung de« Herzen« selbst führen." Sechste«och derbere Lektion für die An» Hänger der Prügelstrafe! Sind die Herren«unmehr mit dieser moralische» Züchtigung, die wir ihnen habe«««gedeihen lasse», zu» frieden? Oder sollen wir«och weiter fortfahren? Doch «ew, wir»olle« mit unserer Züchtigung aufhöre«, fie ist za auch grausam genug— die Anhänger der Prügel- strafe müßte»»ach diese« Zitate«, wen» fie«och Scham» trank nur eben noch vorsichtig sein Gla« au«, daß ihm in» dessen niemand Fremde» darüber kam. Dann führte er de» kleinen Man« ohne Wettere« über die Straße hinüber in da« kaum hundert Schritte entfernte Hau«, wo die Krank«, der Aussage der Wirthi««ach, jetzt untergebracht sei» sollte. .Aber hier wohnt fie doch nicht?' rief Jeremia» ordent» lich erschreckt au», al, ihn der Fuhrknecht auf eine Hütte zuführte, die eher einem Stall, al« einer menschliche» Woh- nung glich,.da« ist ja doch gar nicht möglich I' „Wenn e» die ist, die Sie suche» und die ihr Man» hier hat fitze« lasse«,' brummt« der Bursche, der schon Angst hatte, daß er da» Geld wieder herausgeben müsse—„gewiß. Gehe» Sie doch nur erst einmal hinein." Jeremia», doch wahrlich mit manchem Außergewöhn« liche« auf feine« lange« Reise« und Irrfahrten vertraut, schauderte, al» er de« kalte», schmutzige«, niedere« Raum betrat; sei« Führer schien aber hier bekannt, und an ihm vorbeigleitend, öffnete er die Zimmerthür und rief einer dort �fitzende«, widerlich häßliche« Frau etwa« auf Diese nickte nur und deutete, auf eine andere Thür, und al« Jeremias, wirklich zitternd vor Furcht, die Gesuchte in diesem entsetzlichen Aufenthalt zu finde«, vorwärts trat, stieß fei» Führer eine andere niedere Thür auf, die zu einer kaum zeh» Fuß im Quadrat haltende» Kammer führte. Dort stand ein Bett— wen» ei» erbärmliche» Holz- gestell mit Stroh darauf so genannt werden kann, und auf demselben, mtt einer einzige« dünne»,«och überdies zer- rissenen wollene» Decke überworfe», lag eine schwäch- tige»eibliche Gestalt. Nur ei« ungewiss«« Licht fi-l durch ein fensterartige» Loch im Dach in de« öde« Raum, der nicht einmal geheizt werde« konnte, und neben dem Lager stand ei» zerbrochener irdener Krug mtt Wasser, wahr- scheinlich al« einzige Labung. .Großer, allmächtiger Gott" rief Jeremia«,.da« hier. die Jammergestalt, ist doch nicht die Komtesse Monford?" Wie er den Namen nannte, hob die Kranke de« Kopf, und et» wachsbleiche« Geficht, mtt unnatürltch großen aefühl habe», i« der That vor Scham i» die Erde stvke».——— Ma» sieht Ott! Vorstehendem, daß die Prügelstrafe i» hygienischer Beziehung ebenso verdammenßwerth ist, al» im moralischer. Man will den Tenfel durch den Beelzebub, die Rohheit durch Rohheit außtreibe«! Bedenkt man nun«och, daß die angeführte« Zitate sich gegen die w viele» Tefäognisie«, Straf« und Besieru«g»a»stalte« schon einge- führte Prügelstrafe wegen Disziplinarvergehen wende«, so ist e« um so tramiger, daß Mensche«, die sonst von„Humanität" vielfach überfliege«, die Prügelstrafe als„Willkommen" und .Abschied" in den Gefangenenanstalten empfehlen, also»och neben der de«„Vagabunden" und Verbrecher» von.Rechts» wegen"»uertheilten Strafe. Professor Röder, der sich auch mit der Frag« be« schäftigt hat, wünscht, daß alle Anstaltidirektore» und Ver» »altungSbeamten, welche die Lattenstrafe verhängten, nur eine Swnde lang selbst in eine solche Marterkammer einge« sperrt würde»,„um zu wisse«, wa» sie thun"; »ir wünsche», daß alle Prügelstrafenschreier selbst nur ein Dntzend Etockprügel aufgezählt erhielten,„um zu wisse«, wonach sie schreien". Politische Weberstcht. «» wäre geschossen worden— soll„ein sehr kons«. »ativer Mann, der in der Lag« war, die Abstchien de» Reich»« kanzln» zu kennen", zum Korrespondenten d«„Franks. Ztg." geäußert haben, al» letzterer frug, wa» nach der etwaigen Ab« lehnung deS Sozialistengesetze» geschehen sein würde. Nach dieser Bnechnung würden die Schüsse den Reich»tag' sofort »m Annahme eineS„noch schärferen" Gesetze» gebracht haben. Wir geben diese Mtttheilung einstweilen ohne jeden Kommentar wieder. Ist sie aber richtig, dann würde vielleicht manchem unverbesserlichen Optimisten Klarheit darüber austauchen, warum die Regierung während der Berathung de» Sozialistengesetze» d« sozialistischen Agitation in Berlin die Zügel schießen ließ. D« Äeichßkanzl« hegte die„ficht« Erwartung, daß bald Er« eignisse eintreten würden, auf Grund deren der Reichstag ein noch schärfere» Gesetz annehmen würde." Hoffentlich versteht man jetzt auf allen Seiten, warum wir e» in den letzten Mo« naten für unsere erst« Pflicht hielten, unbedingt zur Ruhe zu mahnen.! Die große deutsche Landliga, welch« die V«staatlichung von Grund und Boden anstrebt und zwar in dem alten Sinne, wie fie radikale Bourgeoisökonomm in ihrem Haß gegen den konservativen Großgrunddesttz schon oft empfohlen haben, ist nunmehr glücklich gegründet worden, und zwar mit einem solchen Programm, daß fie es über einen harmlosen De« b a t t t r k l u b sicherlich nicht hinau» bringen wird. Unter dem Wahlspruch: Für Kaiser und Reich! soll die Landliga,„fern den Bestrebungen all« politischm Parteien", zunächst den Grund« und Bodenkredtt in die Hände de» Reiche» dringen, um die ehrliche„Arbeit"„au» d« Abhängigkeit vom Kapita« liSmu» zu befreien". Et sollen damit zugleich die„sozialt- stischen" Reformen, welche die kais«Itche Botschaft ankündigte, fortgesetzt und vollendet w«den. Da« genügt wohl, um die Konfusion zu kennzeichnen, welche in den Köpfen dies« naiven Reform« unausrottbar festfitzt. Zur rufstfche« Freundschaft. Da» handelspolitische V«haUniß zwischen Rußland und dem'-Deutschen Reiche wurde dies« Tage von der„Nordd. Allg. Zig." in einem ziemlich scharfen Artikel gegen da» Katkow'sche Organ ,,Ro»k. Wed." in einer Weise beleuchtet, welche d« angedlichen sonstigen „thurmhohen" Freundschaft zwischm beiden Reichen fich« nicht entsprungen war. Nua«örtert auch die„Kölnische Zeitung" diese» Tyema und bringt von einem„bewährten Kenner" der russischen V«hält«isse einen Artikel, der eine ganz unverkenn- bare Spitze hat. Da» Kölnische Blatt bringt folgende charakte« ristische Auslassungen:„Die neueste schutzzöllnerifche Drohung Rußlands, seine Eisenzölle um 25 pCt. zu«höhen, kann un» nicht übenaschen, nachdem wir fett Jahren haben beobachten können, wie jedesmal, sobald ein Industriezweig drüben in Roth gerieth, od« sobald man Ebbe im Staatssäckel spürte, die Steuerschraube auf ftemde Artikel zur Hand genommen wurde. Dai find langsame Schritte zur Ausbildung eine» System«, an dessen Verwirklichung man kaum mehr zweifeln kann, de» Systems vollständig« wirthschaftlich« Vereinzelung deS russischen Reiche». Man täuscht sich bei un» noch imm« häufig in der Benrthetlung Rußland», well man bei unS noch zu sehr an den wirthschaftlichen Glaudenisätzen hängt, die, wie man glaubt, allerwärt» gleich kräftig wirksam sein müssen. Man meint z. B., daß, wenn wir unsere Kornzölle di» zu einem gewissen Maße«höhen, wir Rußland zwingen können, daß Rußland die Drohung d«„Nowoje Wremja", den Zoll auf alle deutschen Fabrikate um 75 pCt. zu erhöhen, nicht auszuführen vermöge, well e» dieser Fabrikate nicht ent- behren könne. Dem ist meine» ErachtenS nicht so, denn wenn dunkle» Augen starrte ihn an. Er kannte e» nicht— ab« die Hand, welche die Decke zurückschob, war zart und fei«, und die Fing« so dünn, daß e» fast au»- sah, al« ob sie bei d« gningsten Anstrengung abbreche« müßte«. Z«emia« stand sprachlos vor Entsetze«, ab« d« kleine vrakttsche Man« hielt fich auch nicht lange bei unnützen Ge« fühliäußerungea auf. Ordentlich krampfhaft faßte« de« Man«, d« ihn hierhergeführt, am Arm, und zog ihn wied« hinau« vor die Thür und dem WirthShause zu. „Nun, ist fie'S nichts" rief dies«. »Ja, ja— kommt— kommt nur mit"--« mußte Zemande« habe«, der für ihn sprach, und athemlo» betrat« wied« die dumpfe, dunstige Wirthtstube. Hi« ab« war indeß d« Wirth selb« zurückgekehrt, d« ei» ziemlich gute« Deutsch sprach, und Z«emia« hatte da» kaum auSgefund«», al»« auf ihn einstürmte. „Habt Ihr ein gute« Zimm« hi« im Hauses" „Äa, Herr I" „Was geheizt werde« kann?" „Ja, Herrl" „Habt Ihr ei» gute», warme» Bett s" „Ist auch zu beschaffen:«» flehe« zwei drin!" �Wollt�Jhr mir da« Zimm« für eine» gute» Preis „Warum nicht— wen» Ihr baar Geld zahlt?" „Hi« ist Geld— ist es geheizt?" „Nein, Herr, wa« solle» wir ei» Zimm« heize», i» dem Niemand wohnt." .Könnt Ihr e» gleich heize», ab« rasch?" .Gewiß," rief der Wirth, der staunend die Anzahl Silbnstücke betrachtete, die ihm J«emia« in kodesangst in die Hand gedrückt, und dann rief« ,i« böhmischer Sprache sein« Frau et« paar Worte zu, die rasch zum Ofen humpelte, dort eine» Arm voll trockene» Holz»ahm und da« Zimm« damit vnließ. „Und kann Eure Frau eine gute, kräftige Suppe koche«, mit einem Huhn darin und Eiern?" .Ei« habe« wir jetzt nicht, H«r," sagte d« Man», .ab« ei» Huhn ist da, und die Suppe soll bald fertig sein." wir und etwa Oesterreich und Frankreich allesammt auch dem russtschen Korn den Eingang völlig versperren wollten, und wenn kein ftemde» Fabrikat mehr üb« die rusfische Grenze käme, so würde nicht» desto weniger Rußland bleiben, wa» e» ist, würde eine Großmacht sein, Truppen halten, daS Volk würde leben, arbeiten, vielleicht nicht einmal revolutionften. Nur eines würde fich ändern: Rußland würde seine Schulden nicht mehr bezahlen, und wenn wir als die Gläubiger uns« Geld haben wollten, müßten wir'» un» mll dem Schwert i» der Faust selb« holen. Rußland ab« ist nicht Deutschland od« England; S können Tausende und Abertausende um ihre gewohnten fremden Fabrikate gebracht w«den, ihre Nahrung»« zweige können vernichtet, e» können hunderttausende zum V«« hungern gebracht werden— und der Staat geht ruhig seinm Gang weiter, da» Volk ist ärmer, noch ärmer, als jetzt, aber eS lebt weiter, v«,ehrt, wa» der Acker giebt, und gewöhnt fich die ftemdm Fabrikate ab, wie e» fie fich angewöhnt hat. Dazu ist d« Russe fähig, nicht aber d« Deutsche od« andere Europäer; denn die Kultur ist dem Russen noch ein zu ftemdeS, seiner Natur uneigene» Ding, dessen« auch entbehren kann, wenn Gott und d« Zar e» so wollen. Wenn man hinmtt rechnet, muß man bald merken, daß wir im Nach- theil find bei jedem Zollkriege, dtt ernsthaft wäre. Ein halb bankerottes Land ganz bankerott zu machen, mag nicht allzu schw« fallen, wenn man seine Thüren schließt; aber wenn man selbst der Hauptgläubiger dieses Lande» ist, so scheint e» weise, den Bankerott nicht herbei« zuführen, ehe man fich üb«legt hat, wa» man dann thun muß, um zu seinem Gelde zu kommen. In Deutschland liegen etwa z wei Milli arden russischer Pa« piere. Wenn wir nicht entschloffen find, nöthigenfall» dies« zwei Milliarden un» mit demSäbelzu holen, sollten wir, eh« wir einen ernstlichen Zollftieg w- nnen, unt darüber klar wttden: ob unS dai Jntensse der nhad« der zwei Milliarden od« dasjenige unserer Industrie eurer ist. Gewiß ist aber auch, daß die Jnhab« oon zwei iilliardea Schuldpapieren de» Schutze» bedürfen, sobald die Gefahr einKitt, daß fie ihr Geld verlieren. Grht Rußland auf dem heutigen Wege wett«, vollendet e« seine chinefische Mau« gegm Europa, so w«den wir schon deshalb im Nach- theil sein, well wir die Gläubig« sein« vielen Schuldscheine find. Uns«e Bankm find bereit, für einen tüchtigen äugen« blicklichen(!) Gewinn noch weitere Millionen dem Nach- bar zu leihen; die UmwandlungSoerhandlungen find noch nicht abgebrochen. Ad« uns« Publikum sollte auf d« Hut sein, daß e» seine Gelder nicht eine» schönen TageS hinter d« cht, nefischen Mauer verschwinden steht."— Aehnliche Mahnungen prach vor Monaten bereit» der Abg. Liebknecht im Deut- chen Reichstage au». Damals hielt e» die Regierung wie die offiziöse Presse noch für geboten, die unbequemen Warnungen todtzuschwetgen. Wal seitdem geschehen ist, um die neueste Wandlung in den leitenden Kreisen zu erklären, wiffen wir nicht. Immerhin berührt e» un» sondnbar, daß eS ganz äußerlicher Anlässe dedarf, damit die Wahrheit im Deutschen Reiche gehört wird. Etwa» vom ReichShund. D«„Germania" schreibt man au» Meiningen, 11. Juli: Da»„alleinige amlliche Organ mit rechtSvttbindlicher PublikationSkrast für die Stadt Meiningen" feiert den„glücklichen Augenblick", in welchem ftirst Bismarck auf der Reise nach Kisstngen dm Bahnhof Ritschenhausen passtrte. Derselbe habe fich bei einem von dem „H«rn" Gymnasiasten Seebald ausgebrauchten Hoch dem Publikum gezeigt.„Herr Bahnhofs-Jnspeltor Hauck hatte so- yr die Ehre, mtt dem Fürsten in ein Gespräch zu gelangm. iei dies« Gelegenheit gewahrte der Kanzl« mit fichtlichem Wohlgefallen die große Dogge deS Herrn Hauck, die sodann dem Rcichthund TyraS, welcher fich mit im Zuge befand, vor- gestellt wurde. Beide prächtigm Thiere schienen Wohlgefallm aneinander zu finden." Mit dies« Hundevorstellung scheint e» ad« doch nicht ganz seine Richtigkeit zu haben; denn, wie die gleichfall» nattonalltderale,„Magd. Ztg." d«ichtet, war nicht d«„Reichthund" TyraS in höchsteigener P«son zugegen, sondern nur dessen Skllvertret«(TyraS ist zum Bedauern all« Nationallid«alen krank). Da»„alleinige amtliche Organ" wird Hoffmtlich d« Nothwendigteit tiner B«ichtigung fich nicht verschließen. UebrtgenS müßte e» doch auch ein un«« träglicher Gedanke für ein nationalliberale» Gemüth sein, daß ein gewöhnlicher Hund dm„ReichShund" angefreundet haben sollte! »«» Bayer«, 10. Juli. Die„Donau, tg." berichtet: „Die Nr. 55 de»„Deggendorf« Donaudoten", Organ de» Stadtpfa««» und Landtagsabgeordneten Pfahl«, ist auf An- ordnung de» königl. Staatsanwalts konfiSzirt worden. DaS Blatt brirgt an der Spitze den Erlaß dei Prinz. Regentm an da» GesammtstaatSministnium und ließ, anknüpfend daran, einen Artikel folgen, beginnend mit den W oiten:„Schweigen st Gold, Reden ist Silber." In diesem Artikel ist der regent- chaftliche Erlaß einer Kritik unterzogen, welche mit dem Satze chließt:„Denn da» VerKauen d« loyalm Katholiken ist nicht )er blinde Glaube d« Byzantin«." Die Beschlagnahme er« olgte wegm Beleidigung de» Prinz- Regmten." „Rasch nur, rasch," rief Ieremia»,.ich bezahl« Alle»!" «nd wie ei« Pfeil schoß« au« der Thür hinau», griff dranße» im Schlitten alle» von wollene» Decken auf, wa« « saffe« konnte, und rannte damit in da» gegenüber liegende Hau».___ De, Fuhrknecht, der wohl gem«kt hatte, daß hi« Geld S verdienen war, dm» d« kleine Fremde warf mit dm ilbnMckm nur so um fich, hatte ihm dabei geholfen, und dort breitete« Alle», wa»« mitgebracht, üb« die Kranke au», um fie nur erst einmal zu erwärmm. Da» besorgt, ordnete« mtt Hilfe seine« Dolmetsch«» die aufgelaufme Rechnung d« Krankm— nur wenige Gulden für dm Aufmthalt, und schickte diesm dann fort, um Leute herbeizuholm, welche die Kranke mtt Ahrem Bett in da» für fie b««ttet« Zimm« kagm konnten, sobald e» nur durchwärmt war. Wa« läßt sich mtt Geld nicht Alle« machm! Die Wtrthw fmert« ei«, daß d« Ose» k»ik«te; die Betten wurdm durchwärmt, eine gute,«ahrhast« Suppe bneitet, und die Träg«, dmm Znemia» indessm an Branntwein gebm ließ,»a» sie Kinkm wollten, wartete« geduldig, bi» d« kleine wunderliche Fremde ihnm befehle» würde, da» Bett mtt dn Krankm aufzugreife» und in da» Wirthihau» herüberzukagen. Zttemia» dachte dabei an Alle«. Auch ei» paar Mädchen hatte« indeß besorgt, welche die Krank« von ihrem Sttoh« lag« in da» warme und weiche Bett legm sollte», und al» « Alle« nun b«eit hatte, ging« mtt ihnen hinüber, um fie abzuholm. Die arme Kranke, die unt« dm vielm wollme» Decken zum«stm Mal wied««ach lang« Zett mochte warm gewordm sein, hatte diese über ihren Kopf gezogm, und erst al« sie die fremde» Stimm« um fich hört« und fühlte, daß ihr Bett selb« angefaßt wurde, warf fie«« schrockm die Decke von ihrem Gesicht zurück. „Um Gotte««illm, wa« wollt Ihr mtt mtt?— o, laßt«ich ruhig st«bm!' „Frmnde find da, gnädige Frau," antwortete ab« Z«e«ia», dem die Rührung fast die Stimme«stickt«— „Ihre Sorge und Roth hat aufgehört, wir bringe« Ei« Die offizielle« vttichte über de» diesjährigen Eaateustaud in Preuße« machm im Ganzen amomme» einen befriedigenven Eindruck. Namentlich find e» vi« beide» Hauptgetreidegattuv gen. Roggen und Weizen, die eine Mittel- «nie in Aussicht stellen, mit Au»nahme einiger Bezirke i» der Provinz Schlefien. Geringer erscheint dagegen der di-i- jährige Stcohertrag. Auch Haser und Gerste, sowie Kar« toffeln scheinen eine normale Ernte zu versprechen. Vom ReichstagS-Abgeordnete« L. Viereck erhalte» wir mit der Bitte um Aufnahme folgende» Schreiben: ehrte Redaktion! Nr. 154 de»„Berl. Volksbl." enthält eine Notiz üder eine Versammlung, die ich in Groitzsch(nicht: Groitz) am 1. d. M. mit der Tagesordnung:„Soziale Frage» und soziale Reformm" abgehalten habe. In dieser Notiz findet fich d« Satz:„Als Herr Viereck von seinem Thema abwich, ersuchte ihn der überwachende Beamte, Bürger- meist« Protze, streng bei der Sache zu bleiben." Ich Hab« dem gegenüber zu konstatiren» daß ich zur Kennzeichnung der« jenigen sozialen Resormpoli'.ik, wie fie Hit Ana Bismarck- f uttkamer entwickelt hat, u. A. auch auf die Bestrebungen zur ntschädigung unschuldig Verurtheilter hinwies, denen gegen« üb« die Regierung fich ablehnend verhielt, während man i» der Behandlung de» Polizei-Kommiffär» Meyer in Frank- furt a. M. geradezu einen Bettrag zur„Entschädigung schuldig Verurtheilter" geliefert habe. Eine solche Bemerkung war ge- wiß keine Abweichung von meinem Thema. Die Anmaßung sächstsch« Polizeiorgane, die Redn«— noch dazu ohne In« anspruchnahme de» Vorfitzenden— einfach„zur Sache" j» rufen, ist bisher von allen wirklich fteistnntgen Organen alt in Unfug bettachtet worden, d« zu einer geradezu unerhörten Konsequenz führen würde: zur vollständigen polizeilichen Bevormundung der vorhande- nen Reste unserer„Versammlungsfreiheit". Indem ich Sie höflichst um Abdruck vorstehend« Er- kl-rung ersuche, zeichne mit vorzüglich« Hochachtung Mitglied deS Deutschen Reichstage». Oesterreich-Uugaru. Da» Mitglied deS Wien« Gemeinderaths P f i st e r, Übel dessen Fall an dieser Stelle berichtet wurde, hat nunmehr sei» Mandat niedergelegt, nachdem seine Kollegen abgelehnt hatte» mit einem„Denunzianten" zu verkehren. Ueb« den Verlauf der letzten Sitzung deS Gemeinder atheS liegen folgende Mit- theilungen vor. Der Vorsttzende Dr. Prix erklärte: Ich habe den Henen folgende Mittheilung zu machm: Unmittelbar vor der Sitzung wurde mir ein geschlossmer Brief ohne Adresse auf dem Kouvert von Steite des Herrn Dr. Lutger übergebe», mit dem Ersuchen, dmselden zu eröffnen. Ich habe diese» Brief eröffnet und au» dem Inhalte entnommen, daß« o» den Herrn Bürgermeist« gerichtet und unterschrieben ist: W- Pfister. In diesem Briefe wird die Erklärung abgegeben, daß Gemeinderath Pfister sein Mandat niederlegt. Außerdem ent- hätt de» Brief so vehemente Ru»fälle, daß ich Anstand nehmt, den Inhalt der geehrten Versammlung mitzutheilen.(Ledhast« Bewegung.) Die Mandat»- Niederlegung wird»ur Kenntnis genommen. Dr. Prosfinaga: Ei könnte den Anschein gewinnen» al» od d« Inhalt diese» Schreiben» dem Gemeindnathe un-fl- genehm sein od« etnm Schein von Wahrheit für fich habe» könnte. Da e» in dies« kaurigen Affaire notbwmdtg ist, da» da» Charatterdild de» auigeschiedenm Herrn Pfist« nach jeder Richtung an da» Tageslicht kttt, deantrage ich die Verlesung de» Briefe».(Allgemeine Zustimmung.) ES gelangt hieraus folgendes Schreiben durch den Vorsttzendm zur Verlesung- „Herr Bürgermeister! Trotzdem mir in 0« am 7. Juli dielt- Jahre» stattgehabten Wähleroersammlung(Hetterkeit) dt» fünften Bezirke» da» volle Vertrauen mit einer an EinM' migkeit grenzenden Majorität(Gelächter) ausgesprochen wurm, hau« ich doch die in dies« Versammlung abgegebene Erll«' rung, daß ich mein Mandat al» Gemeinderath nieverlege, auf- recht und verständige Sie, He« Bürgermeister, schriftlich da- von. Ich sehe mich zu diesem Schritte veranlaßt, weil ich c» unter mein« Würde«achte(GelächKr), mtt Männ«n»usam« menzufitzen, welche, de» geringsten GerechttgleitsaefühleS ledrg, über einen Kollegen(Oho!) mlhellen, ohne ihm G-legenhiit zu geben, fich zu oertheivigen. Ich nehme dai vewußisnn m» mir, meine Pflichten treu unv im Jnt«effe mein« Wähler, und nur dirser, erfüllt zu haben, und e» erfüllt mich mit tiefer Trauer(Heiterkeit), daß die Wahrung der Jntereffcn meiner geliebten Vaterstadt Männ«n anvertraut ist, welche, ob»« eigene Ueb«zeugung, ausschließlich dm Rathschlägm und ve' fehlen ein« korruvten, feilm Presse folgm.(Rufe: Unerhört I) Wien, 3. Juli 1886. W- Pfister." Die Henen««den diese» Brief zur Kenntniß nehmm, ab« auch dai zur Kmntniß neb- men, daß sowohl ich, alS andere Kollegen prüfen werden, oo wir unS eine solche Tonart oder solche Jnvektiven gefallen laffm brauchen.(Ledhast« Beifall.) Wie die Wiener„Presse" meldet, tritt im Laufe dieser Woche im Minist«tum des Aeußern w Wien die österreichilÄ- ungarische Zollkonferenz wegen de» ZollkampsiS w» Rumänien zusammen. Zu d« Konferenz sollen außer de» in ei« gndciet HauS, wo Sie ordentliche Pflege siade» sollen."_ Paula starrte ihn«och imm« ängstlich an, auf et» Zeiche» von Ietemia« hoben aber die vi« Männer da« Bev rasch empor, und ehe fie»och Einspruch thun konnte, rooX et gedreht und im ander» Zimm« und durch diese» h» auf die Skaße gebracht. Dort liefen Neugierig« znsamme«- Die arm« junge Frau hüllte fich«schreckt wieder in ihr< Decke» ei», und wenige Minuten spät« befand fie fich i»> and«» Hause. Hi« ftettich mußte fie dm Fraum üb«laffm w«de«, den» da» unbeholfm« Gestell ließ sich nicht die schmal« Treppe hinanfschaffm. Ab« diese wußtm auch vorKeffM damit umzugehen, und mtt Hilfe d« Decke» und«»# Stuhle» trugen fie die Arme rasch und leicht hinauf legtm fie in da» für fie schon h«g«ichtete durchwärt»'' Bett._ Da« in Ordnung und d« Wirthi»«och einmal d>° Suppe auf die Seele vindmd, beorderte Z««mia« die Pfa� wied«, um so rasch al« möglich zur Stadt zu fahrm. y »«sprach ab«»och am Abmd mtt; einem Arzt« zurück- zukehre», und eine Viertelstunde spät« glitt d« Schlitie» unt« fröhlichem Schellengeklingel»ach Podiebrad hinübk- Zttemia» that ab« nicht« halb. Von dort«ahm** nicht allein de« bestm Arzt mit, d« aufznkeibm war, d«n auch eine gute und tüchtige Kraalmpfleg«!», schickte zugleich ei» Telegramm«ach Haßburg, da» nur v Worte mthielt:„Graf Rottack, Haßburg. Kommen — gefunden— krank— elend. Prag, Schwarze« m#" Jeremias." Mit dem Doktor und d« Wärtni» kehrt««»och demselben Abend zu dem Dorf zurück, und«st al»« gethan, wa» in seinm Kräfim stand und wa» überh�-. vor dn Hand nur möglich« Weise z« thun war, M* L »med«»ach Prag zurück, um dort Rottack'« Ankunft,° jedenfalls den nächsten Zug bmutzte, zu«warten. mochte dann bestimmen, wa» wett« geschehe» solle. Wie Jnemia« ab«»ach Prag zurückkehrte, fa«d schon ei» antmortmde« Telegramm vor. dit l *• et l a* - S band»ltpolMschtn Vertrdtin der Regierung aucb Delegirte der Etsendahntarif.Abtheilungen der bewerseiligen Ministerim»u« gezogen werden.! R« fz l a« d. Ueber die jüngste PerjonalverSnderung in der msfischen Diplomatie berichtet der„Pester Lloyd", daß die Ernennung Hitrowo'i, dei früheren diplomatischen Agenten in Bulgarien, zum rusfischen Gesandten in vularest und die Ernennung JivolSky't, deS früheren Sekretär» der russtschm Gesandtschast in Bukarest zum diplomatischen Agenten in Sofia, einen neuen Erfolg der Panslavisten dedeuten. Hitrowo's Agitation gegen den Fürsten Alexander sei de« kannt, und durch Jivoltky'» Vermittlung seien die in Ruß« land für die Unterstützung der panslavistischm Agitation auf der Balkan Halbinsel gesammelten Gelder an ihren Bestim« mungsort gelangt. Beide Ernennungen hätten in Sofia und Bukarest sehr unangenehm berührt. Die Bat umfrage scheint doch noch nicht adgethan zu sein. Die Wiener„Poltt. Korresp." meldet, daß England und die Türkei stch verständigt haben, Europa zu einem Kollektiv Protest, oder wenigsten» diejenigen Mächte, die einer solchen Aufforderung Folge zu leisten entschloffen ffnd, zu einem gleichzeitigen Protest gegen die von Rußland dekretirte Aufhebung der Freihafenstellung Batum» zu be« wegen.— Dieser Schritt wird einen realm Erfolg wohl nicht nach fich ziehen. Belgien. Die klerikalen Kreise haben jetzt ein wachsame» Auge auf die Armee. Ihre Blätter denunziren dem stammen Krieg». minister, daß nach der von ihnen glücklich zu Stande gebrach« ten Fertigstellung de» Berzeichniffe» aller belgischen Freimaurer gegen 1200 Offiziere den Freimaurerlogen angehören. Eine in Belgien ungewöhnliche Maßnahme de» Kriegtministeri ruft nicht geringeres Aufsehen hervor. In der Stadt Gent ist die s o, i a Ii st i s ch e A g t t a t i o n eine sehr thätige und unstrei« tig die in Belgien rührigste: in Folge der sehr ausgedehnten Thätigkeit der sozialistischen kooperativen Gesellschaften gehören wette VolkSkreist der sozialistischen Partei an. Diese Agita« tion hat auch die Mannschaften der dort garnisonirenden In« santerieregimenter ergriffen; der Minister hat dieselben jetzt nach Ostende und Brügge versetzt. Nicht weniger al» 800 Verurtheilungen haben in folge der Zerstörung der«audoux'schen Gla, werke stattgefun« den und damit ist die kapttalistische Justi, noch nicht einmal zustieden. Tine ganze Anzahl«lagen find noch ,u erledigen. Der holländische Sozialist Domela-Nteuwenhui», welcher vorgestern in Gent eintreffen sollte, wurde angehalten und über die Grenze geschafft. Der frühere Finanzminister Malou, der hervorragende Redner und Führer der klerikalm Partei, geboren 1810, ist am 11. d. auf seinem Landgute in Woluwe gestorben. Frankreich. Für die französtschen GeneralrathSwahlen hat der Ar a f v o n P a r i» dm royaltstischm Wahlau»schüffen ziem« lich bedeutende Summen zur Verfügung gestellt. E» wäre in der That ein Harber Schlag für die Republik,«mn er nach dem Ausfall der Wahlen sagen könnte, daß da» Land seine Ausweisung mißbillig« und auf« neue gezeigt habe, daß die Republik in den letztm Zügen liege. Wie ernst der Graf e» meint, beweisen die Schlußworte der Ansprache, die er gestern in Tunbridge Well» an die Abordnung der royalistischen und katholischen Fomnaliften richtete:„Ich bin bereit," so sagte er,„aber da» Land muß auch bereit sein. Ihnen, meine Herrm, fällt der größte Theil der Ausgabe zu; Ihr Werk muß mtt dem der Aulschüffe gleichen Schritt halten. Ermuntem Sie alle Gutgefinnten; gewinnen Sie die Zaudernden. Machen Sie ihnen klar, daß e» ohne eine starke Regierung keine Frei« hett geben kann." Noch zuverfichtltcher zeigte fich die„Reine", wie man die Gräfin von Pari» jetzt hier bezeichnet.„Mtt Recht kann man sagen," so sagte fie beim Empfang der Ab« geordneten,„daß wir in die Zeit de» Handeln» eingetreten find; wir zahlen auf Ihre erleuchtete und ergebene Mitarbeit, um den Jntereffen Frankreich», der Sache de» Recht» und der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfm." Einen Vorgeschmack davon, mit welchen Mitteln die Royalisten bei den Wahlen zu wirken gedmken, liefern die Vorfälle in Castagnol» im Tarn« Departement. Al» nämlich der dortige Bürgermeister die von dm Royalisten an dm Mauem dei Ort» angeschlagenen Zettel mit dem Aufruf de» Grafen von Pari» herunterreißen ließ, wurdm sofort neue angeschlagen, und mtt der Flinte an der Wange drohten die royalistischen Agenten jedm niederzuschießm, der e» wagen würde, die Anschläge abzureißen. Anstatt gewattsam einzu« schreiten, wandte fich der Bürgermeister an den Präfetten, diesem aber erschien die Sache so heikel, daß er fich um Auskunft nach Pari» wandte, von wo nach dm letztm Nachrichtm noch keine Weisungen eingetroffen warm. Da» Einschreiten der Behörden hat insofern allerdings vom Rechtsstandpunkte au» etwa» Bedenkliche», al» fie fich dabei di» jetzt auf keinen Gesetzesparagraphen berufen. Wa» den ,Zch komm« mtt dem»Schstm Zug; wen« wir wetter fahren müssen, seien Sie am Bahnhof/ Dadurch wurde allerding« die wenigste Zeit versäumt, und Zeremia« behielt auch in der That kaum Raum genug, um etwa« zu genießen und gleich darauf wieder nach dem Bahnhof hm au» zu fahren; denn wenn Graf Rottack den ersten Abendzug benutzt hatte, konnte er zu Mtttag recht gut in Prag eintteffm...., Und er kam in der That. aber nicht allein, denn Helme hatte e< sich nicht nehmen lassen, ihn zu bealettm, und Je» remia», al» er sie am«oupeefmster entdeckte, rief ordent« lich erschreckt au«:„O Du mein Gott, die Frau Gräfin!" Rottack ließ ihm aber keine lange Zeit, fich zu besinnen »Mein lieber Jeremias," rief er, herausspringmd und ihm herzlich die Hand schüttelnd,„wie dankbar find wir Ihnen I Aber wo ist die Unglückliche— hier?' „Noch zwei Stunden zu fahren. Herr Graf.' »Lösen©te rasch Billet», daß wir den Zug nicht ver« säumen." Da» war bald geschehen und da» Gepäck umgeschrieben Jeremiat stieg mit ein und hatte nun Zett genug, ihnen unterweg» all' die Einzelhertm zu erzählm und wa» bi» jetzt geschehen war. Helene zerfloß dabei fast in Thränen; aber sie eilten ja doch auch nun zur Rettung herbei, und in peinlicher Ungeduld zählten fie die Minute», die fie noch von ihrem Ziele trennten. Schon vor der nächsten Etation unterwegs telegraphirten sie wegen eine» großen, bequemen Echltttm» oder zwei kleinerer, die am Bahnhof berett stehen sollt«, und Helme nahm sich hier wirklich kaum Zeit, etwa» zu genießen, al« fie selber schon weiter drängte. Ewa um zwei Uhr«reicht« fie Podiebrad, und e» war noch hell« Tag. al« fie endlich da» kleine,«bärmliche Dorf vor fich lieg« sah«.— Und dort lag Paula? Helme saß bleich und die Hände gefaltet in ihrem Schlttt« und sah scheu und ,itt«nd auf die klein««bärMl uchen Hütten, die ihre Armuth und ihr El«d nur zu deui "ch verriet heu. Und vor ein« von diesen— e» war we» nigfien» eine d« größten— hielt jetzt da» Fuhrw«k. Ein and«« Schlttt« stand schon vor d« Thür; e» war d« Ernst der Lage noch«höht, ist die Thatsache, daß die An» archisten zuweilen Partei für die Royalisten ergreifen.„Der bekannte Paris« Anarchist Torelli«, der fich augenblicklich in Bourge» aufhält und dort viel Geld verausgabt, hat, so schreibt wenigsten» die„Köln. Ztg.", die Maßke abgenommen. und wird nicht müde, in den Volksversammlungen, die« ab« hält, immer wieder zu«klären, daß die Monarchie der Heu« tigen Republik entschieden vorzuziihm sei."— Wir bezweifeln ese Meldung einstweilen noch, würd« un» ab« auch nicht wundem, wenn sie zutrifft. Et liegt ganz im Charakt« einer so gedankenlosen Polttik de» ExperimentirenS, wie fie d« An- archiZmus darstellt, daß er heute zu diesem, morgen zu jenem verzrveifelten Mittel greift— und niemal» etwa»«reicht. Au» einer Unterredung de» Abg. Laur mit dem Krieg»« minist« geht hervor» daß augenblicklich in der Waffenfabrik von Chatelbrant mtt ein« Anzahl Muster von Repetir« a e w e h r e n Versuche gemacht w«den und daß eine endgilttge Entscheidung d« Verwaltung demnächst getroffen werden wird. Der Kriegsminister hat überdies Befehl gegeben, 17 Jäger« bataillone und 16 Infanterieregiment« mit Repetirgewehren zu v«sehen. Da die bei der Marine Infanterie, welche fast ausschließlich Magazingewehre hat, angestellt« Versuche gut autgefallen find, will der Kriegtministn die ganze Arm e e mit Repetirgewehren autstatten und sollen zu diesem vebufe im nächst« Hnbst bedeutende Bestellungen in den Waffen« fadrtken gemacht w.rden. Zwischen der Regietung und d« Panama«Ka n a l« Gesellschaft ist e» zum Bmch gekomm«. Germain Casse, Vorfitzender de» Autschuffe» d« Deputirtenkammer für die Panama-LooSanleibe, verlangte von Leffep» die Gesellschafts- bilanz von Ende Juni und Vorlage d« V«träge mit den Ardeit»unt«nehmern. Darauf«klärte Leffep».« verzichte auf die Staatterlaubniß zu ein« Lootanleihe. In einem Brief an seine Attionäre erklärt Leffep», er w«de an der Spitze von 350000 Franzos«, seinen Aktionären, unermüdlich für die Vollendung de» Panamakanals fortarbeit«, und schlägt die Emisston von 600 Millionen neuer Obligationen an. Der Verwaltungtrath der Panama« Gesellschaft hat da» Leffept'sche Zirkular d«eit» genehmigt. G r o h b r i t a»» i e«. Die Parlamenttwablen in England Hab«, wie setzt feststeht, Gladstone eine Niederlage gebracht. Schon jetzt, wo die Wahl« noch nicht einmal alle vollzogen find, haben die Gegn« Gladstone» in der Homerule« Frage die absolute Majorität. Bi» jetzt find 585 Wahl« von 670 bekannt; davon entfallen auf die Konservativ« 291, auf die diffentiren« den Liberalen 62, auf die Anhänger Gladstone» 165 und auf die Parnelltt« 74.— Hartington ist in Roffendale mtt 5399 Stimm« gegen einen Anhänger Glad störet, d« 3949 StiMl m««bielt, gewählt worden. Die Hoffnung, daß die länd« lich« Wahlkreise den Autfall der Anhäng-r Gladstone» in den Städten deck« würden, hat fich also nicht bewahrheitet. Schon jetzt verfügen die Untontstm über eine Mehrheit von 13 Stim men. Den Konservativen allein fehlen noch 47 Stimmen an d« absoluten IMajorität, welche ste schwnlich noch«halt« werden, so daß ein konservative» Kabinet trotz der Niederlage Gladstone» kaum an» Rud« kommen dürfte. In welcher Weise die Ministerfrage schließlich gelöst werden wird, ist noch völlig ungewiß und wird wahrscheinlich«st der am Donner» tag stattfindende Kabinetsrath entscheid«. D« konservative Lord Saltsbury hat dem gemäßigten libe« l« Lord Hartington die Bildung eine» Koalition»« Ministerium» vorgeschlagen und zwar auf folgend« Grundlage: Gewährung ein« Selbstverwaltung(local govenunent) an England, Irland und Schottland, Reform d« Gesetze betreffend die Uebertragung von Land und Verstär« kung de» Einfluffe» der Eingeborenen in Indien auf die Lokal« v«waltung. Wenn Lord Hartington zu diesem Programm leine Zustimmung gtebt, werden in da» Koalition». Kadinet d« Herzog von Argyll, Goschen und Sir Hemy Jame» ein treten. Balka»lä»der. Nach d« Wi««„Neu« Freien Presse" fand« in den letzt« Tag« zwischen Türken und Montenegrinern bei Kolaschin abermal» zwei heftige Zusammenstöße statt; die beio«stitigen Verluste seien bedeutend. „Rem, et" meldet au» Bukarest die Ankunft zweier Regimenter russischer kaiserlicher Garde in Kischeneff. Bratiano unterläßt au» Rückficht dieser Bewegung die gewohnte Badereise in» Au»land. In ungarischen politisch« Kreisen hofft man, ein« thätlichen Angriff Rußland» gegen Bulgarien auf diplomatischem Wege hintanhalten zu können. Nach einem Telegramm de»„Reut. Bureau»" au» Kon« stantinopel vom Sonntag soll stch Bulgarien im Laufe d« mit d« Pforte neu«ltch gepflogen« Verhandlungen verpflichtet Hab«, den GrundztnSrückstand Ostrumelten» auf die Zeit vom September 1885 bi» März 1886 im Betrage von 92 000 Pfund ehebaldigst, wenn möglich binnen 14 Tag«, zu bezahl«. Der im Budget zur Deckung de» Grundzinse» für Ostrumelim im laufenden Rechnungsjahre geforderte Kredit de» wieder h«über gekommen« Arzte«, der ihnen unten in der Wirthistube entgegentrat. Er staltete den Fremd« ein« kurz« Bericht über d« Zustand der Krank« ab, d« leid« Hei««» gehegte Furcht bestätigte. Ihr Zustand war in d« That bed«klich. Nach einem falsch« Woch«bett der Kälte und dem Mangel preis« gegeben, wahrscheinlich noch von geifiia« Aufregung ge« quält, hatte die Arme ein bösartiges Fiev« ergriffen, und möglich, daß treue Pflege die Gefahr, in d« fie schwebe, noch abwenden könne; ab« man möge fich auf da» Schlimmste wenigsten« gefaßt mach«. Helmen liefen, während« sprach, die hell« Thrän« an d« Wang« nied«; ab« fie untnbrach ihn mit keinem Wort, und«st al«« geendet hatte, sagte fie leise und btttmd:„Darf ich zu ihr?' „Sie hat gest«n Abend wieder viel phantafirt,' meinte d« Arzt,„ist ab« hmte ruhig«, und w«n Sie nicht selb« fürchten, sie zu stark aufzureg«..." „Aber eine Wärterin muß fie ja doch haben I" „Der Herr dort bat schon gest«n eine recht brave P«son dazu besorgt," sagt« d« Arzt,„und e« ist wirklich Alle» ge» scheh«, wa» jetzt noch, nachdem d« richtige Zeitpunkt längst »«säumt worden, nur irgend geschehen konnte. Möglich ab« auch, daß e» die Kranke w.sentlich beruhigt, w«n fie ein befreundete« Geficht an ihrem Lager steht; dem Her« würde ich ab« entschieden abrath«..." „Ich gehe allein," rief Helene;„Hab« Sie auch keine Furcht, Hnr Doktor, daß ich fie aufregen w«de. Ich bin ruhig— gewiß, ich bin ruhig," setzte fie rasch hinzu, al» d« Arzt wi» zweifelnd mit dem Kopfe schüttelte;„ich wnde sich« kein Wort sag«, wa» fie nur im g«ingst« erregen könnte. Ab« da» arme, verlaff«« Kind muß doch erfahr«, daß Freunde w d« Nähe sind, die üb« fie wach«, und diese« Gefühl wttd ja dann auch gewiß zu ihr« Be- ruhigung mtt beitragen." „So gehen Sie, gnädige Frau," sagte d« Arzt freund» lich,„ich v«laffe mich ganz auf Sie, und bringen Sie d« armen Dame,«a» ihr bi»h« so ganz gefehlt hat: Trost I' Hel«e legte Hut und Mantel ad; ihre Glied« zittert« sei berathen und bewilligt worden, die bulgarische Regierung habe um die Absendung türkischer Delegtrt« gebet« und auch die ehebaldigste Regelung all« übrigen Ftnanzstagen zu« g'fi-b«lt. Amerika. Am 8. Juli wurden in New« Bork sechs Böhm«, welche die Bäck«ei d« Frau Landgraf doycotteten, well die- elde einige deutsche Arbeiter den Böhm« zu Gefall« nicht «tlaff« wollte, weg« Verschwörung zu Gefängnißstraf« v«« urtheilt.„In Anbetracht ihrer Unwiffmhett und zur Schau getragenen Reue" kamen fie mtt dem leicht« Strafmaß von 10 di» 30 Tagen davon. Ein neuer Kniff wird gegen die Sozialisten und Anarchisten ausgespielt. Derselbe besteht darin, ste zu verhindnn, die Post zur Beförd«ung von Brandschlist« zu mißbrauchen. In Pilisdurg wurde ein gewiff« Joseph Ftick auf diese Anklage hin verhaftet. Am 27. vorig« Monat» wüthete ein schreMch« Orkan auf Jamaika, welch« Schaden im Betrage von 500 OOO Dollar anrichtete. Ein Telegramm meldet au» S t. Domingo» daß Gmeral Uliffes Hnaux wiederum zum Präfidrnten der Republik für die Jahre 1886—88 erwähtt worden in. Durch eine Proklamation der kanadischen Re» g i e r u n g werden alle an dem letzten Aufstand im Nord» rvrst« Betheiligten begnadigt, mtt Ausnahme derjenigen, welche vorsätzlich« Mord zu begehen versuchten. Die Truppen find bereit» au» l dem Nordwest-Territorium zurück- gezogen, da alle Spuren der Unzufriedenheit verschwunden fiad und die Jndtan« fich durchau» friedlich verhalt«. Asien. Seitdem die Engländer den birmanisch« König Thebau absetzt«, weil« fich an den Köpfen seiner Verwandten ver» griff und sein Land in defländiger Ausregung hielt, find in Birma mehr Menschen um» Leben gekomm«, FeuerSbrünste, Plünderungen und Ruhestörungen entstanden, al» die» unter bundnt Thebau» der Fall gewesen wäre. Die Alompra« Prinzen, welche Thebau» Erbschaft beanspruchen, entsmd« ihre Vorposten bi» in die Nähe Mandale»; an allen Punkten fanden Scharmützel statt; ein mörderische» Klima mit seinen Regenschauern und glühenden Sonnenbränden füllt die Krank«» Häuser und die Engländer kommen nach und nach zu dn Er» kenntniß, daß ste im Grunoe nicht viel klüg«, vorstchtiger oder kriegStüchtig« warm, al» die Franzosen in Tongting. Sie Hab« durchaus dieseld« Fehler gemacht, find mit ein« Hand« voll Soldaten in ein Land gezogen, von dessen Bevölkemng und Stimmung ste nur ob«flächlich unterrichtet waren; und die Folge ist, daß ihre ursprüngliche Abstcht, die arm« Btr» manen gegen die Thorheiten ihrer Herrscher zu schütz«, an ihr« eigenen Thorheit scheitert. Der Augenblick ist daher noch fern, daß jeder Birmane zum Zeichen seiner höhnen Gefittung stch friedlich die Nase in ein baumwollene» Taschentuch au» Manchest« schneuzt; und bi» dahin wird« noch oft die guten allen Zellen König» Thebau zu bejammern Gelegenheit Hab«. Gerichts-Zeiwng. Der Konkurrenzkampf unter de« Sargfabrtkante« und Händlern wird bekanntlich mtt ein« Heftigkeit und Er- btttenmg geführt, wie auf keinem anderen Gebiete de» Ge- werbebetriebe». Vo. gestern gelangte ein drastischer Belag hier- für zur Kenntniß der 94. Abtheilung de» Schöffengericht». Die Sargfabrikanten Gustav Schönborn und Moldt haßten stch ingrimmig wovon viele Beleidtgungkprozesse Zeugniß gaben. E» mag auch wohl zum größten Tyeile den Tischler Moldt die Abficht geleitet haben, seinen Konkurrenten zu ärgern, al» er denselben durch Bieten einer höheren Miethe zum Bttlaffm Kn« bisherigen Wohnung und Geschäftsräume in der Eisen« hnstraße zwang, um fich selbst dort zu installirm. Am Zieh» tage, den 1. Oktober, kam e» zwischen den feindlichen Parteien laffcnen Wohnung erschien, um noch einige kleine zurückgebliebene Gegenstande zu holen, traf fie dereit« die Frau Moldt, mit Scheuern beschäftigt, dort an. In nächsten Augenblicke lagen fich die Frauen im wahren Sinne de» Worte» in den Haaren. Frau Schönborn war ohne lange Vorrede sofort zu Thät- lichkeiten übergegangen. Ihr Mann, der vor der Thür wartete, eille auf den Spektakel herbei und kam sein« Frau zu Hilfe, indem« mtt gefälltem Regenschirm auf die Frau Moldt losstürzte. Die Spitze der Waffe traf den vorgehaltenen Unterarm der letzt«« und fügte ihr eine tiefe Fleischwunde ,u. Dann ergriff Schönborn die V«wundete und warf fie so heftig gegen die mit einem großen Fenster v-rsehene Thür, daß die Scheibe zerbrach und Frau Moldt im Ge ficht durch die GlaSsplttter so erheblich verletzt wurde, daß ste acht Tage W in Bethanien bat. zudringen müffm. Gleich nachdem Frau Mold iampfunfShig geworden, erschien auch der« Mann auf der Bildfläche, diesem«ging e» ab« noch schlimm« al» so, daß sie sich kau« aufrecht halt« konnte. Sie mußte fich erst sammeln, wieber Fassung«lang«, ab« ihr stark« Geist überwand da« bald. (Fortsetzung folgt.) An» Kunst und leben. m Ueber einen Schtffsbraud auf See berichtet die „Nordsee-Ztg." folamde«: Da» norwegische Schiff„Jorsal- farer", Kapttän Stoesen, verließ am 20. Februar d. I. dm Hafen von Newcaftle(N. S. W.), um eine Ladung Kohl« nach Honolulu zu bring«, und war am 14. Ap.rl bi» auf 4° 41' südlich« Breite und 158*41'«estlicher Länge gekommen. al» der«ste Steuermann um 2 Uhr Morgen» bemerlle, daß au« der vord«en Luke, welche der Ventilation wegen stet« offen gehalten wurde. Rauch aufstieg, Man fand, daß die inne.e SchiffSverplankung an einer Stelle heftig verbrannt und die Kohlen ladung in ver Näh« stark angeschwefelt war. Trotz der angestrengtesten Löschv«suche kam man nach einigen Tag«— da» Schiff befand fich auf 12* nördlich« Breite und 168* westlicher Länge, mitten im Stillen Ozean— zu der Ueberzeugung, daß der„Jorsal farer" rettungSlo» verlorm sei. Man setzte dann die Boote au», verprooiantirte dieselben so gut wie mög» lich und verließ da» brmnende Schiff, nachdem man noch in ein« gut»«korkten Flasche einen Bericht über da» Unglück de» Schiffe» al» sogenannte„Flaschenpost" den Well« anvertraut hatte. Am 24. Nacht» war da» Schiff nur ein einzige» Flammenmeer, und machte daffelde, bi» in die Masten hinauf brennend, ein« graufig schönen Eindruck. Die Schiffbrüchigen befand« fich damal» etwa 550 Seemeilen von den Sandwich« Inseln; nachdem fie fieb« Tage gesegelt und noch ca. 70 Seemeilen von den genannten Inseln entfernt war«, wurd« ste von einem in Sicht gekommen« Schiffe ausgenommen und am 16. Mai in Honolulu gelandet, sämmtlich wohlbehalten und gesund.,, Lebe wohl! Ein in Altona wohnhaft« Heiz« hat am 8. Juli der Behörde in Eimsbüttel ein« Zettel eingeliefert, den d«selbe in der Außen-Alster bei der Sierichbrücke in ein« antreibenden Flasche gefunden hat. Der Zettel enthält mtt Bleistift geschrieben folgende Zeisen:„Sollten diese Zeilen je einen Erreichen, so bitte ich diese» an betr. Stelle zu meld«. Nicht Lebm-Üd«druß, sondem meine Verlobte hat mich in dm Tod getrieben. Lebe wohl Toni Beek, vor einem andern Richter seh« wir un»«ied«. Dein Garlan." seiner Frau, denn be!m Betreten der Schwelle wurde er sofort durch einen gewaltigen Hieb, den ihm Echönborn gegen den Kopf«U einem scharfen Instrument— einem Schrauben» schlttssel— versetzte, zu Boden gestreckt und dann von dem Schönborn'schen Ehepaar blutüberströmt zur Thür hinauf» geworfm. Wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung angeklagt, wurde Schönborn ,u 2'/, Monat, die Ehefrau zu I Woche Gefängnitz verurtheilt. «eichDgerrchtSentschetdung. Leipzig, 12. Juli. Sin beleidigter»mtsrichter. Bor dem Landgerichte in Bautzen wurde am 16. Mai gegen den Rechtsanwalt Mofig von Ahrenfeld in Löbau verhandelt, welcher der Beleidigung deS Amtsrichters Schmalz in Schirtigwald« angeklagt war. In einer Anklage- fache gegen den österreichischen Favrikanten Katzel, welche vor dem Schöffengerichte in Schirtigwalde zum Auftrage kam, hatte der Beschuldigte als Vertheidiger fungirt. Katzel war wegen Steuerhinterziehung zu 113 M. Strafe verurtheilt worden und der Sicherheit halber in Haft behalten, während er zur Zeit der Untersuchung, die etwa 3 Jahre gedauert haben soll, auf freiem Fuße war. Eist nach Erlegung einer daS neunfache der Strafe betragenden Kaution hatte ihn Hrrr Amtsrichter Schmalz wieder freigelaffm. Katzel hatte dann beim Landgerichte Bautzen Berufung eingelegt, war aber abgewiesen worden. Hiervon mußte dem Vertheidiger M. v. A. Mittheilung gemacht werden, aber durch gewiffe Umstände wurde die Zustellung det landeSgerichtnchen Beschlusses an ihn verzögert. Der Vertheidiger, der Über die Geschäftsführung des Herrn Amtsrichters Schmalz, nammtlich bezüglich der er- wähnten Sache, seine eigenen Gedanken hatte, beschwerte stch nun in einem amtlichm Schreiben an den LandgerichtSprästdenten über den Amtsrichter und gebrauchte darin etwas kräftige Wortes; u. a. sagte er, eS sei fast romisch, wenn der neunfache Betrag der Strafe als Kaution gefordert werde. Der Landgericht»- präfident als amtlicher Vorgesetzter de» Amtsrichters erblickte hierin ein geringschätzendes, beleidigende» Urthetl über den- selben und stellte Strafantrag. Die Strafkammer war der- selben Anficht und verurtheifte Herrn Mostg zu 60 Mark Geldstrafe. Seine Revifion gegen dieses Urtheil kam am 10. Juli vor dem m. Strafsenate de» Reichsgericht» zur Verhandlung, wmde aber auf Antrag de» ReichSanwalte» verworfen, da in den Feststellungen de» Urtheil» kein RechtSirrthum zu erblicken fei. Der Reichsanwalt sprach stch aber nebenbei dahin auf, man könne sehr wohl der Anficht sein, daß die vorgesetzte Be- Hörde des Amtsrichter» für diesen etwa» zu empfindlich ge- wesm sei._ Soziales und Arbeiterbewegung« Folgende Gemeindekrankenkasse« t« Sachse« hatten nach dem.Leipz. Tagebl." im vergangenen Jahre Defizit»: Stadt Döbeln, Stadt LeiSnig, Verband LeiSnig, Verband Roßwein, Stadt Burgstädt, die Verbände Medewitzsch, Flößberg, Stöntzsch, Leipzig, Großwiederitzsch, Markranstädt, Zwm- kau, Mügeln, Colditz, Würzen I., Trebsen, Brandl» und die Stadt Nerchau.— Unsere Offiziösen werden kaum Über jede dieser Kassen dasselbe Geschrei erheben wie über jede der freien HilfSkaffen, die da» Gleichgewicht zwischen Einnihmen und Aufgaben noch nicht hergestellt hat. Der Werth der OrtSkeankenkasse« und die Sympathie für dieselben, schreibt der Mannheimer„Pionier", läßl fich an der geradezu beispiellose» Gleichgiitigkett aus Seiten der Unternehmer wie der Arbeiter bemessen. So wurde« in Mann« heim die Gmeralversammlungen von 6 OrtSkaffen vor kurzer Zeit aufgeschrieben, doch fanden stch theilweise gar keine, oder nm 1, 2 bezw. 3 und 4 Personen ein. ES bleibt der Kom» misfion nichts andere» übrig, als alle 6 Kassen in Verwaltung zu nehmen.— Die Dimstdoten-Krankenkaffe hat da« erkleckliche Sümmchen von 18000 M. Zuschuß au» der Stadtlaffe er» forder� � Atstenfabrik von Enger, Dresdenerstraße 76, ist wegen entstandener Lohndifferenzm. wie wir gestern schon vermutheten, nunmehr wirklich eine Arbeitseinstellung auSge- krochen. Herr Enger war der Anficht, daß die Ardeiter zunächst dafür sorgen sollten, daß die Preise fi r die Dampfarbeit erhöht würden, er selbst könne mtt denjenigen Prinzipalen, die mit Dampfbetrieb arbetten, nicht konkmrtren. In Folge dessen begaben fich gestern(Dienstag) zwei der gewäblten KommtsfionS- Mitglieder, die Herren Liedtsch und Tschernio, nach der ge- nannten Fabrik, um zunächst durch gütliche Verabredung den unliebsamm Zwischenfall au» der Welt zu schaffen. Sie stießen hierbei jedoch auf ein ganz sonderbare« Benehmen bei ihrem Sinttitt in die eigentlichen ArdeitSräume. Vom Kollegen Lat�- bürg, dem Zuschneider der Fabrik, wurde den KommisstonS» Mitgliedern einfach die Thür vor der Nase zugeworfen mit dem Bedeuten, sie sollten fich den Prinzipal auf der Sttaße suchen. Al» die KommisstonS Mitglieder fich nunmehr nach dem offenen Laden deS Herrn Enger begaben, um mit diesem selbst Rück- spräche zu nehmen, wollte fich dieser Herr zuerst überhaupt nicht auf Verhandlungen einlassen, und erst nach langem gütlichen Zu» reden verstand er stch zu der oben erwähnten Auflassung über die „Dampfprinzipaie". Die KommisfionSmttglieder entgegneten ihm hierauf, daß gerade von diesen Leuten tarifmäßig bezahtt werde und daß daher durchaus kein Gmnd vorliege, gegen diese Fabrikanten vorzugehen. Herr Enger nahm diese Aeußerungen jedoch sehr ungnädig auf und statt aller wetteren Antworten ergriff er einfach einen Ochsenziemer, der zu allem Ueberfluß mtt einer Bleikugel versehen war, und bekomplimen» tirte in dieser nicht mißzuverstehenden Art und Weise die Kom- misfionSmitglieder zur Thür hinauf. Ein fernere» Verhandeln mit Herrn Enger war unter diesen Umständen nicht möglich. Herr Enger hat fich freilich au» der„Christlichen Herberge" anderweitige ArbeUSkräste verschafft, wie weit er jedoch mit diesen kommen wird, dürste Herr Enger zu seinem Schaden bald selbst erfahren. Die berufsmäßigen Kistenmacher Berlin» werden ja wohl wissen, wa» fie zu thun haben. Die Berliner Tabatindustrie wurde im verflosstnen Jahre in 176 Betrieden mit 1465 Arbeitern out geübt. Damit aber wird der Bedarf der Tabak- und Zigarrm- Fabrikation lange.'eicht gedeckt'�die größeren Fabriken lassen ihren Bedarf in Schlefien, der Mark und Westpreußen anfertigen, da die Höhe de» ArbettSlohne» in Berlin eine Konkurrenz mtt Sach« sen, Westfalen und Süddeutschland unmöglich macht. Sehr beträchtlich ist die Einfuhr ausländischer Tabake in Berlin. Sie betrug im Vorjahre: 2070469 Kttogramm unbeardettete Tabakblätter, 73 196 Zigarren und Zigaretten, und 6277 son- sttge TadakSfabrikate. Die verhättnißmäßig geringe Anzahl importirter Zigarren läßt darauf schließen, daß die üderwie- gende Mehrzahl von Zigarren, die al» importirt bezeichnet werden, erst in Berlin au» ausländische» Tabakblättern herge- Aufruf der Freibnrger Tischler an die Tischler und verwandten Berufsgenossen Deutschland». Kollegen! Arbeiter! Wir stehen in einem Kampfe mit unfern Arbeitgebern. Unsere Forderung, die wir stellen, ist die Ein führ un g der zehnstündigen Arbeitszeit. Alle Versuche, die von unserer Sett« in sechswöchentlicher Unterhandlung mit den Herren Meistern gemacht wurden, find gescheitert und da die Wissen- schast auf den technischen Gebieten täglich giößere Fortschritte macht, folglich auch täglich mehr Ardetter brodlo» werden, werdet Ihr unsere Forderung nicht nur al« eine gerechte, sondern al» eine nothwendig; betrachten. Da wir von einigen Mestern in Erfahrung gebracht hatten, daß wir die 10>/,.stündtg- Arbeits. i«tt auf güüichem Wege erreichen könnten..twiattn wir unS, um einen Streik zu vermeiden, auf lV'/,-stür,d,ge ArdettSzett. Jedoch von einer daraufhin einberufenen Generalversammlung der Innung wurde auch diese reduzirte Forderung dahingehend beantwortet, daß die Meister stch aus keine Unterhandlungen mehr einlassen könnten, bevor wir nicht da»„I n n u ngS- schiedSgericht anerkannt hätten",«a» wir, da e» au» S Meistern und 2 Gesellen desteht, mtt Recht ein parteiische» nennen können. Ueberhaupt können wir un» nicht genug»un- der«, daß jetzt dm Herrn JnnungSmeistern so viel an dem Schiedsgericht gelegen ist, da der Obermeister in der dazu ein- berufmm Versammlung erklärte, man werde mtt dm Gesellm wenig Federlesen» machen. Sie(die Meister) brauchten kein Schiedsgericht, daS wäre nur zum Nutzen der Gesellm! Wa» wir jedoch sehr bezweifeln müffm, denn auch hier find viele Meister, die am Zahltag den Lohn nicht aufzahle» können. Ja, in einer Besprechung der Kommission erlaubte stch der Oder- metster der Innung sogar mtt herauSfordemdem Hohn B sagen, er würde sofort 10 Mark zahlen, wenn die esellm streikm, worauf ein anderer ebenso höhnisch 15 Mark versprach und der Obermeister noch bemerkte: warum denn gerade die Schreiner am faulsten wären. Kollegen! Ihr werdet einsehen, daß wir nicht länger mtt verschränttm Armen zusehen können, denn die Meister geben zu, daß unsere Forderung eine gerechte ist und weigern fich dennoch die 10 stündige ArbettS- zeit einzuführen; als Grund schützen fie vor, e» sollte nur erst eine andere Branche(Maurer, Zimmerleute ac) den Anfang machen. Kollegen! Ihr werdet einsehen, daß wir un» durch einen so wmig stichhaltigen Grund nicht noch jahrelang an dem GSngeldanve herumführen lassen können und find wir mtschlossm, vertrauend auf Euere Hllfe und Solidarttät den Stteil mit allen un» zu Gebote stehenden Mitteln durchzu- führen. Allem Anschein nach wird der Strett ein ausgedehnter werden und haben bis jetzt ca. 100 Mann die Ardett nieder- elegt, wovon dt» 30 Mann abgereist find, während noch 150 ann durch die Kündigung di» nächsten Sonnabmd gebunden find und dann auch aufhören werden. ES haben die Forderung dt» jetzt 8 Meister bewilligt mit zusammm ca. 40 Arbeitern und glauben wir, wmn un» die Kollegm genügend unterstützm, daß wir unsere Forderung so durchführm werden, wie sie unserer Organisation zur Ehre gereichen muß. Nun bitten wir sämmtliche Kollegen, dm Zuzug nach hier streng fem zu haltm und un» auch sonst zu unterstützen, da wir auch in jeder Hinstckt unsere Schuldigkeit gethan hoben. Mit kollegialtschem Gruß und Handschlag die Kommisston der Schreinergesellen FreiburgS i. L. Briefe find zu richtm an I. Klaiber, Schreiner, Grünwälderstraße 12 in Freiburg i. B. Die Maurer«nd Zimmerer in Dresden haben auf die Mittheilung, daß auf einem Bauplatze die Arbeit infolge Lohndiffermzm mit dm Arbeitgebern eingestellt und von diesen die Wiederaufnahme der Arbeit verlangt worden sei, widrigen- fall» der Lohntartf gekündigt werben solle, laut dm„DreSd. Nachr." beschlossen, die Arbeitssperre aufrecht zu erhalten, und, fall» die Drohung der Meister verwirklicht werden sollte, mit einem allgemeinen Streik zu antwortm, um fich die bisher mit der Wirksamkett de» neuen Lohntarifs erzielten Er- rungmschastm nicht entwindm zu lassen. Uermischtes. Zur Sicherstellung der Reisende« gegen Attentate während der Fahrt hat man in neuerer Zett bei dm Eisenbahn- zügen sogmannre Jnterkommunikationtfignale zur Einführung gebracht, welche der Reisende bei drohender Gefahr in Thätig- keit setzen kann. Neuerding» find nun wettere Versuche zur Herbeiführung eine» geeigneten Schutzes für die Eisendahn- reisenden angestellt worden. Unter anderen hat ein franzöfischer Jngmieur, Boudenoot. zu diesem Zwecke einen akustischen Apparat tonst, uirt. Dieser Apparat ist in der Kugel der Wagenlampen untergebracht und bildet so eine Art akustische Kammer, die ihrerseits in ein Rohr aufläuft, welches stch läng» de» ganzm Eisendahn zuge» hinzieht. Am Ende diese» Rohre» befindet fich ein MunbstÜch welche» e» dem Zugführer ermög- licht, jede» außergewöhnliche Geräusch in einem Wagen sofort wahrzunehmm. Die Möglichkeit zu hören, ist danach geordnet, daß die Zugführer nur ein außergewöhnliche» Geräusch, nicht aber die Unterhaltung der Reisendm vernehmen. Weiter hat ein gewisser Aeler einen Aoertiseur konstruirt, bei welchem der bloße Schrei in einem Wagen gmügen soll, um eine elektrische Klingel in Bewegung zu setzen und dadurch den Zugführer zu benachrichiigen. daß etwa« Außergewöhnliche» stch im Zuge er« eignet habe. Jedenfalls find diese Apparate auf ihre praktische Verwmddarkett erst noch zu erproden. Eine BahnhofSkomödie. Unter dieser Spitzmarke wttd dem„Würzd. Journal" unterm 8. Juli geschrieben:„Geehrte Redaktion! Gestatten Sie, daß ich Ihnen einen kleinen Vor- fall mtttheile, der stch gestern Admd dreiviertelsteden Uhr auf dem hiestgen Bahnhofe ereignete. Ich hatte etwas auf der Lahnpost zu thun gehabt und da eS gerade die AbgangSzett de» Frankfurter Kurierzuges war, ging ich hinauf auf den Perron, wo der Zug auch wirklich noch stand und eben zum Abgang bereit war. ES wurde dreimal abgeläutet, der Zug- führer giedt da» Abfahrtszeichen, der Maschinenführer pfeift zweimal, da erhebt fich plötzlich ein homerische» Gelächter de» auf dem Perron bestndltchm und sonst herumstehenden Publikum», so daß die Passagiere de» Zuge«, durch den Lärm aufmerksam geworden, die Köpfe ängstlich zu den Fenstern heraussteckten, derett» ein andere» Unglück vermuthend. Sie werden die Lösung errathen: die Maschine war nicht anae- koppelt und fuhr ohne dm Zug ab! Daß fie so nicht vi» Frankfurt gefahren, ist lediglich der SicherhettSletne zu ver- danken, welche ste sofort pMfen ließ! Ihre Solovorstellung beschränkte fich daher auf einige Meter. E» war da» erste Mal, daß ich eine derartige komische Szme miterlebte; ich lachte darum zunächst auch mit den Uebrigm au» Herzen». gründe. Später jedoch fiel mtt der Gedanke ein, daß dtt Ur« fach« diese» Ereignisse» auf Kopflvfigkeit, wenigstm» aber auf Unachisamkett beruhen dürfte, und daß man ebmso die anderen Wagen ungenügend koppeln könne, ohne fich vor Abgang de» Zuge» davon zu Überzeugen, od Alle» in Ordnung sei, so daß dann«nie Gefahr naheliegend erscheine. Diese» heitere Vorkommniß hat also immerhin seine ernste Sette." Sine unheimliche Kollektion. Der berühmteste Henker aller Zeiten, Samson, hat eine neunzehn Bände umfassende Kollettion von HimichtungSbefehlen, vom 7. April 1808 bis zum 8. Dezember 1832 datirt, hinlerlaffm, welche bei einer der letzten Versteigerungen in dm Lefitz der„historischm Bibliothek" der Stadt Pari» um den Preis von 360 Frank» übergegangen ist. Jeder einzelne Band ist mit einer Tafel, von der Hand de» Scharfrichter» selbst geschrieben, versehen, die er in der geringm Muße, welche die Justiz jener Zett diesem Repräsentanten der öffentlichen Gewalt übrig ließ, anzufertigen pflegte. Denn die am Ende jeder Tafel aufgestellte Statistik erzählt, daß er im Verlaufe von 25Jahrm 7143 Urtheile vollzogen hat. da» macht durchschnittlich im Jahre 317 Exekutionm. Nm zweimal während 25 Jahren bestieg Samson die Guillo« tine unnöthigerweise. Da» erstemal, 1815, zur Hinrichtung de» Grafm La Valette, Ex-Beneral- Direktor» der Post de» Kaiserreich», der am Vorabend der Exekrttion, dank dem selte- nm Ruthe seiner Gattin, au» der Conciergerie flüchten konnte; ein zweiteSmal, 1817, für den Falschmünzer Philipp Jean- Antoine, der kurz vor der Hinrichtung begnadigt wurde. Sin abenteuerliche» Lebe« hat ein erst im 11. Lebensjahre stehende» Mädchen geführt, welche» fich Marie Haber- mann nennt und am 7. d. M. mit einem deutschm Dampfer? von Antwerpm in Hambmg eintraf. DaS ohne Arme ge- borme Kind, dessen Eltern al» in der Wottmannstraße zu Hamburg«ohnmd bereit» ermittelt worden find, war von dttsen vor längerer Zett einem Schaubudenbesttzer überlassen worden, der dasselbe zusammen mtt einer ebenfall» ganz ad- norm gebauten Frau in Frankeich, Belgien, Holland»c. zur Schau gestellt, nach Angabe de« Kinde» aber auch stet» gut behandelt hatte. Zu seinem Unglück kam aber der Mann dann auf dm Gedanken, nach Amerika zu gehen, um dort die Schau- stellungen fortzusetzm. Die amerikanische Polizei machte ab« indessen ihre Erlaudniß dazu von einer zu stellenden Kautton von lOOOO Dollar» abhängig, und da der Mann diese Summe nicht erschwingen konnte, reiste er mtt seinen beiden Pflegebe» fohlmen nach Antwerpm zurüek. DaS Glück war ihm ab» auch hier nicht hold, und der Mann war infolgedessen ge- wissmlo» genug, plötzlich spurlo» zu verschwindm und die beidm armm Wesm ohne alle Mittel in der fremden Statt zurückzulassen. Wa» au« der verkrüppelten Frau geworben, ist nicht bekannt' die kleine Habermann aber irrte so lange bet- telnd umher, bis fich endlich mitleidig« Mmschm fanden, welche da» Kind an Bord de» Schiffes brachten, mit dem e» in Ham- bürg angekommen ist. Die Kleine ist ihren Eltem wieder zu- geführt worden. ZirknSszene. Man schreibt auf Kodurg, 7. Juli: Ein dem zum >u. Ein _..______ Knaben, dm er— währmd er stch mit dm Füßen hoch odm an der Spitze de» ZirkuSdache» an zwei Ringen festhttlt— mit seinen Zähnen an einem dem Knaben um die Lenden geschlungenen Gurt packte und ohne Hilfe der Hände in der Schwede haltend, im Kreise drehte. Schon neigte stch dtt Produktion ihrem Ende zu, da durchzitterte ein hundertfach» SchreckenSschret die Lust: der Riemen, den der Knabe um den Leib trug, war g-platzt und d» Knabe mtt klatschmdem Geräusch hinab in die Manege gestürzt, au» der er bewußtlos und blutend hinweggetragm wurde. Ein anwesend« Arzt leistete dem Verunglückten dtt erste Hilfe, während dtt Vorstellung zu Ende geführt wurde. Etsenbahn-Unsallftattftik. Im Monat Mai kamen auf den deutschen Eisenbahnen, ausschließlich BapernS, beim Be- triebe an Unfällen vor: 5 Entgleisungen auf freier Bahn, 19 Entgleisungen und 10 Zusammenstöße in Stationen und 117 sonstige Unfälle. ES find dah» 127 Personen verunglückt, sowie 28 Eisenbahnfahrzeuge erheblich und 106 unerheblich beschädigt. E» wurden von dm 21 778 741 beförderten Reisenden 4 verletzt, von Bahnbeamtm und»rdettttn im Dienst beim eigentlichen Eisenbahnbetrieb 9 getödtet und 68 verletzt und bei Nebmbeschäftigungen 1 getödtet, 12 verletzt; von Steu«- ic. Beamten 2 verletzt, von fremden Personen 10 getödtet und 6 verletzt, sowie bet Selbstmordversuchm 14 Personen getödtet und 1 verletzt. Ein Mädchen an die Kette gelegt. Au« TobolSk wird berichtet: Dieser Tage erschim ein«wa 9— 10 Jahre alte» Rädchen, in schrecklich vnwahrlostem Zustande in dem örtliche« Polizeibureau und beklagte fich bittttlich über ihrm Stiefvater. E» stellte fich herauf, daß der Unmmsch da» Mädchm etwa zwei Monate lang auf dem Hofe an der Kette gehaltm hatte und ihr dabei die unmenschlichste Behandlung angedcihen ließ Sie wurde förmlich wie«in Hofhund behandelt. Auf irzend eine Weise gelang e» dem Kinde endlich stch loszumachen und zu entfliehen, worauf eS schnurstracks zur Poliz« eilte. Vom Wrack de» gesunkene« Cunarddampfer» „Oregon" find in vttgangen» Woche 181 Postbeutel in Sicherheit gebracht und an da» New-Uorkn Postamt abgeliefert worden. E n Postbeutel wurde am Strande bei Kap tzatlera» aufgefunden, so daß von den 598 Postdeuteln an Bord de» „Oregon" 461 geborgen find Unter letzteren befindet fich ein großer Theil d« Briefe für dtt Ver. Staaten, Kanada, Mexiko und Kuba. Diese Briefe find in ziemlich gut« Vnsassung und werden, nachdem fie getrocknet worden find, weitndefördett werden._ Kleine Wittheilungen. Echaffhansen. 10. Juli.(Mordversuch im Zuchthau»� �nMördtt GrieShab», der vor etwa zehn Jahren, taßK im AU» von kaum achtzehn Jahren stehend, auf der Engt Schaffhausm eine vom Mark heimkehrende Frau überfirl UN» tödtete, hat gestern Nachmittag im Ardeitfsaal dn Sträfling, in dem er eine» Buchbindermesstt» habhaft wndm konnte, den Aufseher Meier angefallen und ihm eine Anzahl Stiche beige- bracht. Durch andere im Saal fich aufhallende Sträflinge konnte», nachdem ihn ein» derselben zu Bodm geschlagen, Die Wunden MeierS sollen glück- unschädlich gemacht werdm. licherweise nicht tödtltch sein. Rom, Sonnabend, 10� Juli. Bon gestern Mtttag bi» heute Mittag find an d» Cholera ertrankt in Codigoro 8 Per- sonm, gestorben 1 Person, in Venedia 1 Person«krankt un® 2 Personen gestorben, in vrindist 15 Personen erkrankt un® 6 gestorben, in Latiano 32 Personen ertrankt und 15 gestorben, in Francavilla 59 Personen erkrankt und 21 gestorben, in SaN Vits 12 Personen erkrankt und 3 gestorben, in Oria 1 Person erkrankt und 1 Person gestorben, in Mesagno 1 Person erkrankt. in Ostani 1 Person erkrankt und 1 Person gestorben. Rom, 11. Juli. Cholera Bulletin. Von gestern Mttto» bi» heute Mtttag kamen in Folge der Chol«a in Codlg«' 12 Erkrankungen und 5 Todesfälle, in Venedig 6 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Brindisi 3 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Latiano 28 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Sg* Vito 15 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Francavilla 52 krankungen und 33 Todesfälle vor. V rantwortlichtt Redall cur«. Eronhei« in Berlin. Druck und»«lag von Max Babing in Berlin 8W, Leuthstraße 2. Literarisches. Da»„Recht ans Arbeitt' veröffeatlicht folge«®** Aufruf. Der Herausgeber diese» Blatte» beabstchtigt, die t* Zeitungen veröffentlichten HauShaltungSbudget» demschtt** beiter zu sammeln und auf Grund ein» möglichst großen**' zahl derselben eine statistische Studie üb« die KonsumvtthM nisse und die LebenSbaltung deutsch« Arbeiter erscheinen y lassen. Je reichhaltiger und genau« da« Material ist,® klarer und bi» in die Einzelheiten zuverläsfig die einzeln* Arbeitttbudget» find, desto wttthvoll« und glaubwürdig« wm die darauf bafirende Arbeit sein, desto prazittre Forderung� werden fich aussprechen lassen; deshalb ersuchen wir alle 9% dattionen, Ott in ihren Blättern solche Budget» veröffentii* haben, um Einsendung von womöglich 2 Exemplaren der treffenden Nummern. Die Arbeiter, die solche Budget» Gl und genau geführt« HauShaltungsdudgetS veröffenM haben, w«den freundlichst aufgefordert, un» die% nungSbüch« aus kurze Zeit zur Verfügung zu stell*' Natürlich wird strengste Diskretion gewahrt und den Namen nicht veröffentlicht werden. Wir den un» auch vertrauensvollst an die vielen®e% schen Ar bettet, die üb« ihre Aufgaben und Einnahmen geng Rechnung führen und solche bisher noch nicht veröffent»? haben, und bitten fie, un« auf kurz« Zeit die RechnungSbüjJS oder zum Mindesten ganz genau auSgearbettett Aufzüge or denselben mit Angade von Alt«, Beschädigung, event. NeOn beschäftigung, ond«n Einkommensquellen, Zahl, Geschlecht rw Alter de:«wnbend'n und nichter werbenden Famiiienzlte»v WobnungSvtthältnisse»c. einzusenden. Je genau« und sf», hattiger diese Angaben sein werden, desto freudig« werden" von un» degrüßt wttden. Wir glauben nicht müssen, daß wir strengste Wahrheit und nur Wi Angaben wünschen. Jede Tendenz lttgt dies« wiss lichen Untersuchung f«n und eben dmch die Wah einzelnen Angaben nnd durch die streng wlssenschaftlick arbeitung dnselben soll die geplante Schrift für Freun Gegner einer wahren Sozialreform werthvoll werden. Interesse an der genauen Kenntniß d« Lage der deu>l°� Nrdeittrdevöllerung, welche» Allen gemeinsam ist, dtt£) ernstliche Sozialreform wünschen, läßt unS hoffen, daß„z passende Matertal bald und vollständig eingesandt w«dtf Kj Alle Redakttonen, dtt dm Werth em« solchen Untersu® � zu schätz«, wissen, w«dm um Nachdruck diese» Aufruft sucht. D« HnauSged« de»..Recht auf Ardett". vetl�' Hierzu eine Beilage zum Berliner Bolksblatt. i*. 161. Mittwoch, den 14 Juli 1886. III IntzB- Komm«nalrs. w. Vou de« Marlihallen. Die Uiter. Kommission für die Verwaltung der Marl, hallen II., Iii. und IV. hielt am Dienstag eine Sitzung ab, in welcher eine Anzahl Lermtethungen und sonstwer �laufender Geschäfte der Verwaltung e. ledigt _...„ übrigens sehr unbedeutende Zahl der leerrsteh-n- den Marltstände hat sich.''''—- wurden. W sich, wie der letztere MonatSiappoit be weist, gegen den Vormonat sehr wenig geändert. In der oemralhalle ist entschieden Mangel an Raum und mutz bei- halb Voilehrung getroffen werden, die von der Stadtgemeinde gemielheten sieben Stadtbahnbogen so schleunig alt möglich in betriedS- und gebrauchsfähigen Zustand herzustellen.— Die Sitzung deö Plenums deS Martrhallen-KuratoriumS schlotz sich die Sitzung der Unter Kommisston an. Et wurde eine grotze Anzahl laufender GeschäftS-mgelegenheiten erledigt. Hervorgehoben-sei hier, datz vom 15. d. M. ab der Fahrplan für die Markthallenanschlutzdahn eine wesentliche Aenderung darin erleidet, datz der erste zur Marlthalle sührende Zug anstatt 20 Minuten nach Mitternacht, erst 3 Uhr 20 Min. Morgen? vom 15. d. M. in die Markthalle einlaufen wird. Dann wird dieser Zug alle Güter zuführen, welche mit Zügen eintreffen, die Berlin biß um die MtUernachttstunde oder unmittelbar danach erreichen. Femerhin ist aber auch von diesem Zeit- punkt ab vorgekehrt, daß Marktgüter von der Markthalle nach der Provinz Beförderung finden und endlich soll noch nach Bedarf«in Zug eingelegt werden, welcher 1 Uhr Nachmittag» aerhanWungen unter den betheiligten Behörden wegen weiterer Verkehrierleichtemngen für den Eisenbahnanschlutz im Sug«.— Die Marlthallen-Verwaltung hatte cinen an der Dorotbeenstratze in der Vorderfront de» Marlthallenarund. jiüaS belegenen Laden an einen Butterhändler zum Betriebe s-ine, Butteraeschäfti vermiethet. Hierdurch fühlten sich einigt rn der Mark, halle mit Butter handelnde Standinhader beein- trachtigt und haben die Stadtgemeinde wegen de» ihnen an- gedlich zugefügten Schadens, unter Vorbehalt der Feststellung der Schadmtsümme im Einzelnen, auf Entschädigung verklagt. Da« Landaer cht Berlin hat diese Klage am 7. d. M. ohne wettere Beweisaufnahme abgewiesen. Kokale». Betreffs der Ausflülle von Schüler« hat der Kultus- minister neuerding» eine Zusammenstellung der in den einge- sandten Berichtm niedergelegten Wahrnehmungen und Finger. »tige machen lassen, in welcher besonders die folgenden Bemerkungen von allgemeinerem Jntereffe find: Die einfachste Art der in Frag« kommenden Schülerauiflüge find Spazier- Sänge, welche ein Lehrer mit der Klaffe, deren Ordinarius er t oder welche ihm sonst genau bekannt ist, auch wohl nach Umständen ein paar L-Hrer zusammen mit Klaffen, die ein- ander nahestehen, an schulfreien Nachmittagen unternehmen. Bestimmung tws'ljtaßtS der Wanderung nach dem Matz« der Kräfte der Schüler, Ausfüllung der Zeit in einer Weife, welche die Thellnehmer an dem Spaziergange zusammenhält unter thunlichster Beschränkung der Dauer einer etwa nothwendlgen Erfrischung, Festsetzung der Zeit, zu welcher die Eltern die Rückkehr ihrer Söhne zu erwarten haben— Forderungen, welche selbstverständlich für Ausflüge von größerem Umfange dieselbe Geltung deHallen und noch höhere Bedeutung ge- Winnen. Nicht in der Weite der zu überwindenden Entfer- nungen ist der Werth solcher Ausflüge zu suchen oder in einer bi» zur Abspannung führenden Anstrengung der Körperkräfte; die Bedeutung derselben liegt überhaupt, zumal an kleineren Orten, weniger in der Richtung der Gesundheitspflege als auf dem Gebiete der Erziehung. Für einen größeren Theil der Schüler ist e» von hohem Werth«, datz sie bei der im Vergleiche zu dem Aufenthalt in den Schulräumen ihnen grstatteten Freiheit in ihrem kameradschaftlichen Verlehr, in den Aeutzerungen ihrer Heiterkeit und de» jugendlichen MutheS und Ueder- muthe» sich unter dem Auge de» Lehrer» an die Grenzen guter Sitte gewöhnen; und nicht minderen Werth hat e» für den Lehrer, öfter» an Schülern, welche in den Lehrstunden Gill Rmzerttilg im Klllntt„Mogislh-ll Girtkil" von Gerhard von Amyntor. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Ohne nähere Kenntniß de« Garten»— er war zu« erste« Male hier— nur der Leitung seines scharfe» Gehör» sich überlassend, erreichte er da« RaubthierhauS. Eine Schaar Schaulustiger drängte sich in de« lange« Gang i« Inner« de» Hause»; er folgte»ach und bald stand er verblüfft vor dem Käfig« eine» männlichen Löwe«, der hoch aufgerichtet, mit gierig offene» Ange««ach dem Wärter blickte, welcher eben�de» benachbarte« Tiger» seine abendliche Fleischportio« auf eiserner Gabel zusteckte. Verlangend brüllte der Löwe; et waren mächtige, schütternd« Töne, die die EiseustSbe de« Käfig» in Schwin- gunge» setzte«. Mehr«« Dame» traten ängstlich zurück; eine derselbe« wurde bleich, und hielt sich umnkend an die älter« Freundin: .Komm herau», Ella! ich kann«s nicht ertragen." „Weil Du«och angegriffen bist... ich habe e» ge« fürchtet. Der Weg ist stet; wir könne« gleich gehen." Sie entfernten sich beide. Wieder brüllte der Löwe, lang, anhaltend, in immer mächtiger schwellende« Rhythmen. „Wundervoll I" sagte Butterfeld; e, hätte dem romgliche» Thiere am liebsten eine« Kuß gegeben. Der Wärter kam und befriedigte die Gier des Hung- »ige». Da» Gebrüll verstummte. Der Löwe streckte sich nieder und schlug sei« furchtbare« Gebiß in de« blutigen Fraß. Wie bezaubert stand der Pächter. Er vergaß Raum «nd Zell, die Schwägerin und sei« Töchterleia, und in «unschloser Anschauung genoß er dm Höhepunkt de» heu- 'igen Abend». „Kommt, Kinder," sagte eine Mutter hinter ihm zu ihm fast unzugänglich geblieben warm, in ihrer Theilnahme an den Spielen und in ihrem sonstigen Verkehr Chaiakterzüge zu entdecken, welche ihm dieselben dauerno naher bringen.— Ungleich schwieriger ist die Leitung von Ausflügen einer oder mehrerer Klaffen, welche einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Hier kommt nicht allein in Frage, für gute, zweckmäßige und billige Verpflegung zu sorgen, sondem ei hantelt fich vor allem darum, in richtiger Abwechselung die Zeit so auSzu- füllen, datz die körperliche und geistige Frische dt»»um Schluß andauert.— Ausflüge ganzer Schulen sind im Allgemeinen nicht zweckmäßig, die grotze Zahl der Thellnehmer, die Ver schiedenheit der Körperkräfte und die Fater-ffen zwischen Sextaner und Primaner hindert die erziehliche Wirkung. Die Vereinigung der ganzen Schule zu einem AuSfluge von halb oder selbst ganztägiger Dauer erscheint kaum in einem anderen Falle begründet, al» wenn dieser Auiflug den Czaraller eineS Schulfeste» annimmt, in welchem die Schule ihre eigene Zu- fammengehörigkeit al» ein Ganze» feiert, vielleicht selbst unter Theilnahme der Eltern einige: Schüler. An mehreren Lehr anftaltm besteht eine derartige Einrichtung als alte, in fester Ueberlieferung bewahrte Sitte. Wo die» der Fall, geziemt e» fich, eine für die Erinnerung der Schüler und für den Zu- fammenhalt der Anstalt werthvolle Sitte durch zweckmäßige Entwickelung und durch die entschiedene Abwehr von AuS- schreitungen zu erhalten. Heber die Dauer eines Tage» hinaus ausgedehnte AuSflüge gebm zu erheblichen Bedmken Anlaß. Hier ist die Verantwortlichleit der Lehrer eine besonder» gesteigerte. Durch die einem solchen Ausfluge unter Aussetzung de» Unterrlchle» zugewendete Zeitdauer wird weit über die Aufaabe der Schule in den Be> reich übergegriffen, welcher dem Eliernhause für die Ferienzeit überlaffen ist; zugleich wird auf die Zustimmung der Eltern zu den erheblichen Kosten, ungeachtet der ihnen formal zustehen- den Freiheit der Entscheidung, dadurch ein bedenklicher Druck ausgeübt, datz die Verwaltung von der Schule ausgeht. Al» Unterbrechung deS Unterricht» und der Arbeit der Schüler find nicht bloi die auf den Ausflug selbst verwendeten Tage, son- dern in gewiffem Matze einige Tage vorher und nachher in Rechnung zu bringen; und noch mißlicher ist die Lage der- jenigen Scküler der dett«ffenden Klaffen. welche während der Zeit am Schulorte zurückbleiben. Zur Theilnahme an solchen Autflügen weiden jedenfalls nur Schüler der oberen Klaffen zuzulaffen fein. Allen den vorgenannten Spaztergä'.gen und Wanderungen ist der Charakter der Freiwilligkeit in jeder Hin« ficht zu wahren. Bei Klaffenfpaziergängen von der bloßen Dauer eine» Nachmittag», namentlich wenn fie zu einem Kostenaufwand keinen Anlaß geben, ist die Theilnahme aller Schüler gewiß wünfchenSwerth; aber dennoch hat die Schule, sofern nicht der Spaziergang durch fein« Zweckbestimmung als ei« Theil deS Unterrichts, B. de» botanischen, zu de- trachtm ist. von einer Verpflichtung der Scküler zur Theil nähme, etwa gegen den erllarten Willen der Eltern. Abstand zu nehmen. Die Schule kann einzelne Schüler aui dis- ziplinaren Gründen von der Theilnahme ausschließen und wird von diesem ihr nicht zu bestreitenden Sttafmittel den vor sichtigen Gebrauch machen, durch welchen seine Wirkung de. vm»»»st, Ulla, VUVK.H.» X,u«.— hlr*fi oder indirekt zur Pflicht gemacht, so tft den Amflilgen frn Borau» ihre rechte Bedeutung vertämmert, welche sie nur zu erreichen vermögen, wenn fie von den Schülern al« eine ihnen selten» der Lehrer erwiesene besondere Freundlichkeit emptun- den und mit Dank aufgenommen werden. In jedem Falle wird für die seitens der Schule veranlaßten Ausflüge zu er- fordern sein, daß jeder Thellnehmer die Zustimmung seiner Eltem, bezw. ihrer Stellvertreter, nachgewiesen habe; selbst bei kostenfreien Ausflügen von geringer Zeitdauer müffen ja die Eltern über den Zeitpunkt der Rückkehr ihrer Söhne in Kennt niß sein. Bei Autflügen, welche Kosten verursachen, müffen die Eltern über die Maximalhöhe des zu erwartenden Kostenbetrages vorher bestimmt benachrichtigt fein. Wenn die Rosien nicht vorfichtigst in Betracht gezogen werden, so könnte es leicht geschehen, daß Lehrerkollegien durch eine Opferwilltgkeit über ihre Berufspflichten hinaus, statt deS Danket, Verstimmung in den Kreisen hervorrufen, auS welchen den Schulen ein Theil ihrer tüchtigsten Schüler zugeht, oder zu dem Vorwurfe einer bevorzugenden Berücksichtigung der Wohlhabenheit den Vorwand darbieten. Abhärtung. Die» Wort gehört jetzt auch mit zu den ihrer kleinen Schaar,„daß wir den Beginn der elekttischen Beleuchtung nicht verpaffen." Butterfeld fuhr au» seiner Verzückung empor und kehrt« in die Wirklichkeit zurück. Er zog die riefige Taschenuhr «nd rief erschrocken: .Kreuzelemeat! Halb neu«! Meine Frauenzimmer... wo bleibe« sie denn?" Eilig wandte er sich dem Garten zu. Um eine Bank de« Raubthierhauses hatte fich eine neu- gierige Truppe gebildet. „Sie ist ohnmächtig I" sagte eine Stimme. „Wie ihre Brust reucht; rief«ine andere,„sie muß z» schnell gegange« sein." Da« Weine« eine» Kinde» ließ fich gleichzeitig ver- nehme»: „Papa I Papa! ich will aber zu meinem Papa l" „Trudchen 1" rief der Pächter erschrocken und schon hatte er mit kräftigen Armbewegungea die dicht« Menscheomauer durchbrochen,„Kind, wa« giebt e» denn s Hier bi« ich! Dem Papa ist de, Dir!" Die Kleine warf fich um de« Hals de« Vater«; ihr« Angst war durch die Gegenwart de« brave» Manne« wie fortgezaubert. „Mein liebes Kind!" Er küßte die derbe», gefunden Wange« der Sechsjährigen und stellte die Emporgehobene wieder auf ihre Fiißche«,„endlich habe ich Dich wieder! Wa» ist denn mit der Tante? Zettchea, bist Du krank?" Er war an die Bank getrete» und beugte fich über eine »ach Athem ringende ältere Dam«. „Gott... sei... Dank, Rudolf,... daß.. wir uu«... finden," stöhnte die Schwägerin,„mir ist... gar Sin einziger Blick de» Pächter» erkannte die Ursache de» Leiden«. �. „Soll gleich besser werde«. Komm' nur mtt. Meine Hmschaften, Sie erlaube» wohl." Er hatte die Schwägerin mtt der Rechte« umfaßt«nd führte fie dem nahen Raubthierhause zu, während er Trudchen mtt seiner Linke» festhielt..... Die Leute blickte« verwundert dem barhäuptige« Herr» modernen Schlagworten, und die Abhärtung de» Körper» de» trachtet man als eine» der wichtigsten Hilfsmittel ver jetzigen nnd künftigen Generation, da» zu Gesundheit. Körperstärke und WidernandSfähigkett gegen schädliche Einflüsse verheifeir soll. In früheren Zeiten hörte man weniger von der Roth- wendigkett der Abhärtung sprechen. ES lag die» nickt allein daran, daß damal» noch wenig für Volkswohl und öffentliche Gesundheitspflege ae chah und diese Zustände wenig erörtert wurden, alt vielmehr daran, daß diese Abhärtung nicht erst Menschen zm Pfl.cht gemachtzu werden brauchte, sondern den mei« sten von den Verhältniffen geboten war. Wir brauchen zuerst nur an die Art de» früheren Reisen» und Fortlommen» zu erinnern, al« e» noch keine Dampf-Wagen und-Schiffe gab. Wie siel« Männer und Frauen, ja Kinder wurden da zu Botengängen verwendet, mochten e» regelmäßige oder gelegentliche sein, und halten wahrlich Gelegenheit genug, bei oft grundlosen Wegen in jeder Witterung, wo e» oft stundenlang keine Em» kehr gab, fich abzuhärten l Da: ging bi» in alle Stand- aufwärts bi» zu den wenigen, die über Pferde und Wagen zu verfügen hatten oder Posten benutzen konnten, und selbst diese bitten Gelegenheit genug, fich ab» zubärten. Nicht nur die Marktfrauen, Pastoren- und Guts» besitze Siöchter, die einander oder die Stadt besuche: wollten, und die Städterinnen, die die» gem erwiderten, waren auf Fußwanderungen angewiesen. Aber wie wenig ist solches Fuß» wandern heute nothwendtg und wie noch viel wmiger wird e» geübt! Wie mußten die jungen Handwerker, denen„da» Wandern" Pflicht war, wie alle Fußreisenden bei solcher Ge» legenheit unvorbereitet oft an Abhärtung fich gewöhnen» eine Abhärtung, dt: viel größer und schwerer war, als diejenige, welche h-utzutage die Militärzett auferlegt und über welche unsere männliche Fugend so leicht Klage führt! Als die Ver» lauftläven und Werkstätten noch nicht geheizt waren, als e» keine Doppelfenster gab und die dienende Klaffe wie viele Andere in eiskalten Bodenkammern schlief— da gab e» Ge» legenheit zur Abhärtung. Die HauSarbeit war di» in die best* fituirten Familien hinauf damal» viel beschwerlicher al» jetzt, wodurch die Mädchen abgehärtet wurden. Da» Rezept da« maliger vernünftig-r Hausärzte zum Vorbeugen wie Kuciren von Bleichsucht und Schwächltckteit hieß für Mädchen: körperliche Arbeit im Hause, und für All«: B-wegungin freier Lust ohne Wetlerscheu und Furcht, fich zu erkälten. Fetzt nun soll die „Abhärtung" systematisch betrieben werden— die Zeit, welche sonst die Töchter kö.perlicker HauSarbeit mtdmeten, widmen st« jetzt kalten Waschungen, dem Turnen, Schwimmen u. s. w.— und dabei fcheuen sie für ihre Ausgänge Hitze wie Kalle, Wind und Regen, und ein weiter oder holpriger Weg im Freien über Land, selbst wenn er zu einem Vergnügen führt. ist ihnen zu viel! Vor jeder körperlichen Strapaze fürchten fich diese Abgehärteten. Gerade weil die veränderten Verhält» niste der Geflenwart mehr geistige Anforderungen stellen al» früher, sollte Niemand die körperlichen scheuen und diese in der Arbeit suchen, aber nicht unnützen Modedeschäfttgungen od« liegen, die, wenn sie nicht zu wirklicher durchgkhender Ab» Härtung fuhren, sondern sonst jede körperliche Verwöhnung. Bequemlichkeit und Faulheit fortbestehen laffen, nicht» Ruhe kann der Mensch fich normal entfallen und gesund werden. Ueder eine Berufskrankheit der Bäcker werden gegen» wättig in den htestgen klinischen und zahnärztlichen Anstalten eingehende Beobachtungen angestellt, und zwar au» Anlaß einer im zahnärztlichen Institut zu Leipzig gemachten Ecfahrung. über welche ein dort fungirender Arzt folgende« mittheilt: Fch habe hier Gelegenheit, eine grotze Zahl von Patienten au» dem Gewerbe- und Arbeiterstande zu sehen und bin durch nichts überrascht worden, al» durch den schlechten Zustand der Gebisse unserer Bäcker. Die!eld«n werden von Zahn. Kartet(Zahnfäule) in einem solchen Grade befallen, datz ich, seitdem ich mit dieser Erscheinung bekannt bin, in vielen Fällen au» dem zerstörten Gebiß den Beruf de» Patienten richtig errathen habe. Die KarieS ist eine weiche, rasch fortschreitende. Ihre LieblinaSstellen find die Lippen« und Wangenflächen der Zähne und die Defette haben neben ihrer Autdleitung in die Tiefe eine grotze Niigung zur AuS» breitung in der Fläche de« Zahne»; fie beginnen am Zahn» fleifchrande und rücken von hier schneller gegen die Schneid« als unter das Zahnfleisch vor.— Die sämmtlichen Patienten, «ach, der de« Eindruck eine« Trunkenen gemacht habe» würde, wen» er nicht gar so sicher auf seine« säulenähnlichen Beine« geschritten wäre. „Wärter, Sie solle« eine Mark habe»... weise« Sie wir eine« Raum an, wo ich diese Dame hier einen Moment vor fremde« Auge« berge« kann." „Bitte, mein Herr, spazieren Sie gefälligst hier hinein." Der Thierwärter deutete auf«in Kämmerlein, da» sich in der Nähe de» Löwenkönig« befand und zur Aufbewahrung von Geräthschasten zu diene« schien. „Komm, Jettchen, komm, und Du, Trudchen, kommst ebenfalls mit, ich lasse Tuch nicht mehr ohne Aufficht. Solche Dummheiten zu mache« I... Schwägerin, ich kenn« Dich gar nicht mehr wieder. Schnüre gleich Dein Korset auf.„Du bist da« Einzwängen nicht gewöhnt.. bei u«S zu Hause hast Du eine« Umfang von reichlich anderthalb Meter,«nd hier willst Du wie ein Kerbthier umher» schwirre»? Siehst Du I jetzt bekommst Du besser Lust! Wirf de« eisernen Panzer nur dreist fort... Du willst nicht? Gut, dann gieb ihn her— ich wickle ihn zusammen und knöpfe ihn unter meine» Rock. Nun, Trudchen, hilf der Tante zuhake«; fie ist wieder genesen." Z» der That, Tante Jettchen konnte wieder athme» und spreche». Alle drei krochen au» dem enge« Verschlage, und eben wollte die Schwägerin den Schwager«ach seinem Hut frage«, al« ei» fürchterliche« Brülle« fie erschreckte und «erstummen machte. Zitternd klammerte fie sich an Butter» w .°d de« Dwongehende« � � b€B« fo lange gesteckt?" fragte der Pächter, der seine Dame« jetzt dem Konzertplatze Rudolf. Du glaubst««»icht, wie lange ich in der Korseifadrik warten muß'-." berichtete die korpulente Schwägerin,„für meinen Umfang war kerne einzige Schnür» brüst passend, und e« dauerte wohl zwei Stunde«, dt» ich die ich beobachtet habt, stavdtn»wischen dem 17. und 23. Leben». iabre, also in einem Atter, wo sonst die Zähne noch xut er- hallen ,u sein pflegen. Ei ist wohl kaum daran»u zweifeln, daß wir e» hier mit einer Krankheit ,u thun baden, die im ursächlichen Zusammenhangt mit dem Berufe steht.— Der be> treffende Arzt erklärt dann die auffällige Erscheinung al» über. einstimmend mii den gemachten wiffenschaltlichen E-fahrungen, namentlich damtt, daß die Erzeugung gewiffer Eäuren. welche eine schnelle Zerstörung der Zähne herbeiführen, an die Gegenwart von gährungSfähigen«ohlenhovraten gebunden ist. Die» erkläre die merkwürdige Erschet. nung. Co lange die Bäcker arbeiten, athmen fie Mehl- staub ein, und wer 2 Ubr Nacht» aufsteht und erst nach mühsamer körperlicher Nachtarbeit seine Ruhestätte auf. sucht, wird fich um die gründliche Reinigung setner Zähne nur mit spärlicher Sorgfalt kümmern. Ja, e» ist fraglich, ob den Bäckern damit viel geholfen wäre, denn die Zeit der Arbei!»- stunden genügt schon für da» Zerstörungtwerk de» M so arge. Vermuthlich werden aber dre Müller noch mit dm Bäckern konkurirren können, und bitrüber wünscht der betreffende Arzt von seinen Kollegm Nachricht zu er. hatten. Et«e der verkehrsreichste«»rücke« unserer Stadt ist ohne Zweifel die Oraniendrücke Sie bildet die haupwerbtn. dung zwischen der äußeren Lulsenstadt und dem Zentrum. E» mußte daher seit langer Zeit die tzauptsorge unserer städtischen Bauverwaltung sein, entweder die Brücke dm Anforderungen de« stetig wachsenden Verkehr» entsprechend zu gestalten, oder aber sie nach Möglichkeit zu entlasten. In der einen wie in der anderm Hinficht ist viele» gescrehen, aber man darf wohl sagm, mtt möglichst vielem Ungeschick. Zunächst ist die Brücke immer noch von Holz. In letzter Zeit hat fie allerding» einm eisernen Oberbau erhalten, deffen plastische Brauchbarkeit aber von vielen Seiten stark angezweifelt wird; od mit Recht oder Unrecht, dürfte fich im kommendm Winter heraui stellen. Gegenwärtig ist man bemüht, wenigsten» für die zahlreichen Fußgänger eine stchere Paffage herzustellen, indem man zu beiden Seiten erhöhte Laufbrücken baut. WeShalb man die» nicht gleichzeilia mit dem erst ganz kürzlich erfolgten Umbau bewerkstelligt hat, ist dem beschränkten Unterthanenverstande di» jetzt noch ein Räthsel. Zur Entlastung der Brücke wurde bereit» vor längeren Jahren mtt erheblichen Kosten die sehr schöne steinerne Luisenbrücke gebaut, über die man selten einen Wagen fahrm steht, während auf der Oranienbrückc, nammt« lich an den Tagen, wo neben ihr der Heu- und Strohmarkt stattfindet, die Fuhrwerkt fich oft zu einem leben»grfährltchen ChaoS anstauen. Die KöntginbrÜcke, welche ebenfalls zu ihrer Entlastung dienen sollte, erfüllt ihren Zweck noch viel weniger, weil ste außerhalb j-deS StraßmzuzeS liegt. Dagegen ist der Hauptstraßenzug, welcher lediglich bei dieser Frage von Be« deutung sein konnte, nämlich die Linie Waldemarstraße. Bukowerstraße, vollständig außer Betracht gelaffen. Eine Brücke in diesem Straßenzuge würde den Görlitzer Güter» und Kohlen- bahnhof in tast direkter Linie mit dem Zentrum verbinden und der Oraniendrücke zweifellos den wettauS größten Theil de» LastverkehrS abnehmen, aber hier bildet da» Waffer de» Kanal» nach wie vor ein unüdersteigltche» Hinderniß. Et ist in der That schwer zu begreifen, warum man fich in dieser sett langer Zeit schon so vielfach erörterten Angelegenheit immer noch nicht zu einem Radikalmittel entschloffen hat. Ohne Zweifel ist die Oraniendrücke ein» der Schmerzenikindt unserer Bauverwaltung, aber man sollt« fich doch endlich sa,en, daß«ine berzhast« Operation wirksamer ist, alS da» ewige Flicken und Pflastern. Entweder möge man eine entsprechend breite steinerne Brücke, oder aber endlich die schon so lange geforderte Verbindung im Zuge der obengenannten Straßen herstellen. In der bisherigen Weise kann e» unmöglich weiter gehen. � Nach dem v-rtcht.d-» MWe« Obys�jerarM Hofe» im Monat Juni d. I. geschlachtet: 7700 Rinder, 7873 Kälber, 19071 Schafe und 19 909 Schweine, zusammen 54 553 Thier«; in demselben Zeittaume de» Jahre» 1885 find dagegen geschlachtet 6917 Rinder. 6722 Kälber. 17605 Schafe und 18411 Schweine, zusammen 49 655 Thier«, so daß also in diesem Jahre mehr geschlachtet find 4898 Thier«. Von ganzen Thieren find zur menschlichen Nahrung ungeeignet de- �nden und deswegen beanstandet und zurückgewiesen 38 Rin der, 8 Kälber, 9 Schaf« und 196 Schweine, unter den letzteren 56 wegen Finnen und 23 wegen Trichinose. Diese trichinösen Schweine waren sämmtlich inländische Landschweine, und ge. hörten 14 davon einem einzigen Schlächter und warm zu gleicher Zeit au« derselben ViehkommissionShandlung angekauft worden: die angestelltm Recherchen haben ergeben, daß die Thier« mit größter Wahrscheinlichkeit auS einem Gehöft stam- men, mit Sicherheit konnte die« indeß nicht festgestellt werden, weil dt« Schweine vor dem Schlachten mehrfach die Befitzer gewechselt haben. An einzelnen Organen und Theilen von Thierm ftnd zurückgewiesen und beanstandet: von Rindern 1758, Kälbern 4, Schafen 552 und Schweinen 988, glücklich meine» Kauf davontrage» konnte. Wir habe« u«» gleich i» de« Pferdebahvwage» gesetzt uad als wir hier emtrafe», Dich vergeben» vor dem Wirthshause gesucht. Nti», so eine Menschenmenge! E» ist ja voller, al» bei un» auf dem Jahrmarkt«! Al« wir Dich nirgend« fanden, find wir durch dm Garte» geirrt; ich muß wohl zu schnell Segange« sei», den« auf einmal wurde mir schwarz vor de» lugen und ich war gezwungm, mich auf der Baak uiederzulassm. Gott sei Dank, daß Du»n« trafst; da» Kind hat fich rein todt geängstigt." .Nun, da« soll mir eine Lehre sein," sagte der Pächter, „in Berlin muß«an ei» Fraumzimmer nie von der Strippe laffe«. Wo zum Teufel ist dm« der Tisch mtt meinem Hut und Schirm?" Vergeben« musterte er die Tische, die all« besetzt warm. .«ellner 1" .Sie wünschm?' .Wo ist dm» mein Platz und wo find meine Sachen?" Nummer 46 schaute fich um. .A» Ihrem Ttsche fitzm jetzt die vier Damm dort. Sie müffm mtschuldigm, e«»ar mir unmöglich, de« Platz frei zu hatten." .Aber mein Schirm, mein Hut?" „E» thut mir leid, mein Herr... ich weiß wirklich nicht, wer sie genommen hat. Es treibt sich allerlei Ge» findel herum... man kann wirklich nie vorsichtig gmug *'„Dg« merke ich. Na, lafsm Sie'« man... Sie könne» nichts dafür... e« ist die, wette Lehre, die ich heut gewinne, in Berlin muß man seine Sachm hübsch in der Hand behaltm. Bringe« Sie eine Flasche Sett und drei Gläser." „Wollm fich der Herr nicht»ach der Veranda bemühm? e» ist Platz dort." �..„..„ „Meinetwegm. Komm, Jettche», komm mnn Kind. Bald saßm fie auf dem Platze, wo die Geburt«. taoSgesellschaft getafett hatte und feiertm bei emem Glas« Schaumwein das glückliche Wiederfindm uad Jettchens schnelle Gmesung. In eine Serviette gewickelt lag da» Kor» Die Wortlänge bei Telegramme«. Die unnchtiae Natrilbt, daß die Wortlänge bei Telegrammen nur zehn Buchstaben betragen dürfe, hat zu nachstehender Verfügung de» ReichSpostomt» Beranlaffung gegeben:„Da» Publikum ist, wie wahrgenommen worden, anscheinend durch unrichtige Zeitungsnotizen zu der irrigen Annahme veranlaßt, daß sett dem 1. Juli die äußerste Wortlänge bei Telegrammen auf zehn Buchstaben für das Wort eingeschräntt sei. Da« ist unrichtig. Die äußerste Wortlänge bei gewöhnlichen Telegrammen im europäischen Verkehr beträgt nach wie vor fünfzehn Buchstabm. Die Einschränkung auf zehn Buchstaben findet nur bei Tele» grammen in sogenannter verabredeter Sprache und, wie bisher, bei außereuropäischen Telegrammen statt. Die VerkehrSanstalten wollen eS fich angelegen sein lassen, auf Berichtigung deS vor- gekommenen JrrthumS sofort und in thunlichst durchgreifender Weise hinzuwirken.". w Engländer über deutsche Kommis. In London fand in diesen Tagen ein Kongreß der englischen Handelskammern statt, welcher u. A. auch über die Ausbildung de» Kaufmann» verhandelte. In dieser Beziehung bemerkt anläßlich deffen die „St. Jame» Gazette":„E» konnte nicht fehlen, daß der deutsche Kommt» die Aufmerksamkeit der leitenden Geschäfts- männer in unseren großen Städten auf fich gezogen hat, und diese Herren erklärten, warum er so oft den Engländer au» dem Felde schlägt. Vielleicht ist der Hauptgrund der, daß er billiger arbeitet. Seine vedürfniffe find einfach. Er kann ohne viele Dinge fertig werden, an die unsere Land»leute ge» wöhnt find. Er ist fetten ein„Stutzer" und verschwendet nicht seine Mittel an Hüte und Westen. Sein Jntereffe am Theater ist verhaltnißmäßig gering, wodurch er Zeit und Geld erspart. Da er kein Athlet ist, so macht er keine Ansprüche auf Boote, Bicycle» und dergleichen. Da» etwa» geringere Salair ist in- deß nicht der einzige Beweggrund, den der englische Prinzipal bat, wenn er einen auslandischen KommiS engagirt. Der Deutsche ist ohne Zweifel viel beffer ausgebildet— wenigsten» für GeschäftSzwecke. Der Angel- Sachse hat AlleS zu lernen, wenn er in» Komtoir tritt. Der Teutone ist gut im Rech« nungSwesen, hat die Buchführung gehörig gelernt und kennt eine oder zwei Sprachen neben seiner Muttersprache. Die» war die Schlußfolgerung, zu der die Handelsherren gelangten, und fie elklärten, daß, wenn wir un» von dem deutschenKom« mi» befielen wollen, wir unsere eigenen Jungen der Mittel» klaffe in vernünftiger Weise erziehen müffen. Da« Spreche« aa Gräber«. Unter diesem Titel ver- öffentlicht Herr Carl Scholl, der Sprecher der Nürnberger freien religiösen Gemeinde, im Juniheft seiner Blätter ,.E» werde Licht" einen längeren Aussatz über in den meisten freien Gemeinden noch üblichen Gebrauch, nach welchem der Sprecher bei Todesfällen, Geburten, Hochzeiten ,c. in Kreisen der Ge- meindemitglieder„Ansprachen" zu halten hat. Herr Scholl setzt auseinander, daß dies« offiziellen rednerischen„Verrichtun- gen", welche den freireligiösen Predigern zugemutbet werden, mit dem reinen Prinzip der freien Gemeinde im Widerspruch stehen und einen Rückfall in» alte Ktrcbenthum bedeuten. E« sei viel beffer und richtiger, wenn bei Familienvorkommniffen, seien dieseiben trauriger oder freudiger Natur, ein Freund oder Bekannter statt eine» ofstziellen Prediger« spreche, der, wenn er ein Mann von Gemüth, fich doch nicht beliebig in eine ernste oder heitere Stimmung versetzen könne k. Auch die sonstigen Auseinandersetzungen in dem äußerst lesen»« und be- herzigenSwerthen Aufsatz über dm Unfug, der in verschiedmen Formen mtt den offiziellen Grabreden u. s. w. getrieben wird» finden unserm vollsten Beifall. Die Thättgkeit der erste« and älteste« Sanität»- wache, Brüverföaße 22/23, wird von Monat zu Monat mehr in Anspruch genommen und verthetlm stch die Fälle nicht nur auf die Stadtbezirke„Alt- Kölln", �Friedrich-Werder" und „Neu-Kölln". für welche Bezirke die Wache eigmtlich destimatt ist, sondern auch Bewohner der Friedrichstadt, Dorotheenftadt, to öä"äs rmd der Nacht ein Arzt und ein Heilgehilfe stet» im Wach« lokal anwesend find, eine Einrichtung, die nur noch bei 2 oder 3 anderen Wachen ex'sttrt. Im Monat Juni kämm 77 Fälle gegen 65 im Vorjahre zur Behandlung und betrafen hiervon 38 innere Krankheilen und 39 äußere Krankheiten. In der Wache fanden 45 Fälle ihre Erledigung, währmd in 32 Fällm ein Besuch de» Arzte« im Hause der Patienten nothwendig war. Sofortige Zahlung wurde in 7 Fällen mit 10 Mark geleistet. In dem verfloffenm Vierteljahr wurdm in der Wach« 214 Fälle behandelt, von denen 92 innere Krankheiten und 122 äußere Krankheiten betrafen. Im Hause der Pattmten fand in 72 Fällen ein Besuch de» Arztes statt, während die ü ort gm 142 Fälle auf der Wache erledigt wurden. Alle diese angefühlten Zahlen spre« chen wieder für die Nothwendigtett, weitere Sani« tätSwachm in Berlin zu errichten. Eine Vermehrung der Wachen kann aber nur dann stattfindm, wenn die städtischen Behörden die Wachm mtt Geldmitteln unterstützen, da die sämmtlichen Berliner SanitätSwachen di» jetzt durch die Mild- thättgkeit der Bewohn» erhallen werden und man e» unseren sei auf dem Tische. Der Pächter hatte einm vom Kellaer geliebenm Zyliaderhut auf, der aber ei» wmig zu eng war uad ihm ein knabenhaft» drollige» Aussehen verlieh. Trud» chm mußte dm Papa immer nnd immer wieder ansehm und lachte dabei die helle« Thräaen. .Kinder," rief Butterfeld, der beim drittm Glase sein seelische» Gleichgewicht wieder gewonnm hatte,„et ist eigmt» lich ganz nett hier! Und diese Musik l Die Kerl» blasen famo«! Schade, daß man nicht taazm kann!" Er trommelte dm Takt de» Etrauß'sch« Walzer» auf dem weißm Tafeltuche. I» der Veranda und im Orchester brannte» zahlreiche Gasflammen und verliehm dem Bild«, da» sich vor dm trunken« Blicke» der biederm Landbewohner autbrettete, einm magische» Glanz. „Ach l" machte Tante Jettchen,„was ist dmn da»? ei« Fruerwerk?" Wie ei» Blitz hatte es aufgezuckt, und taghell war plötzlich der große Raum mtt seinm vielm Tausmdm von Mens chm erleuchtet. .Wundervoll l" rief Butterfeld. „Als ob die Sonne fchime, Papa I" tönte e» von Trud» chm» Lippm.„Wer hat dm« all' die Lichter auf rinmal angezündet?" „Das kann ich Dir jetzt nicht erklären, mein Kind: da« thut der elektrische Sttom, von dem Du«och nicht« verstehst. E« ist die reine Hexerei I Die Berliner fiad doch Tausmdsassa«!" Er»ahm den zu mgm Hut ub und setzte ihn in seiner gerechtm Entzückung so hart auf de» Tisch, daß er ihn verbmlte. „Aber Rudolf!"«ahnte Jettche». „Schadet nicht» I werd'* dem Eigmthümer ver» Slttm. E« ist ganz prächtig hier! Noch eine Pulle, iellner I" Der Walzer war verklungm. Der Pächter, dem immer wohler wurde, wandte fich an die Schwägerin: .Nu», Jettche», thu' die Augen auf und guck' Dir die Leute an I Hier soll fich da» ganze gebildete Berlin ver» Mitbürgern, die größtenthrili für mildthätige Zwecke schon stark genug engagirt find, durchaus nicht zumuthen kann, ihre Opferwilligkeit weiter auszudehnen, zumal die Unterhaltung einer Wache(wie die erste Sanitätiwache), in der während b» Nacht ein Arzt und ein Heilgehilfe anwesend find, ca. 5000 M. pro Jahr kostet. Bi» jetzt bekommen die SanitätSwachen von der Stadt keine Unterstützung, vielmehr müffm die Wachen der Stadt noch Abgaben zahlm. Die 1. SanttätSwache, Brüderstraße. zahlt für ihr Lokal, welche» nur in der Nacht geöffnet ist, jährlich 72 M. MiethSfteuer. Seit einem Jahre bereit» liegt die Petttion wegen Uebernahme der Wachen durch die Stadt bei der Stadlverordnetmversammlung, ohne daß bisher ein Beschluß darüber gefaßt worden ist. Die Verwendung vo« Natur» Et* zu Spetsezwecke« erscheint nach dem Ergebniß neuerdings vorgenommener Unt»« suchungen im höchsten Maße bedenklich. Auf Veranlassung der Direktion einer hiestgen Eisfabrik- Aktiengesellschaft untersuchte der bekannte gerichtliche Sachverständige Dr. Bischof Natur- Ei» von sieben verichiedenen Gewässern. Da» Resultat der chemischen Untersuchung war. daß alle sieben Sorten einm mehr oder minder reichlichen Gehalt Ammoniak und Salpeter-Säure besaßen. Bei der baverioskopischm Untersuchung stellte fich ferner herau», daß in einem Kubik- Zmtimeter de« Schmelz« waffer« bei Kultur deffelden auf Nähr- Gelatine 148 000 bi« 880000 lebensfähige Keime enthalten waren. Die gleiche Un» tersuchung von Ei», daS au» unserem Berlin» LeitungSwaff« gewonnen war,»gab einm Gehalt von nur etwa 2C0, vom Wasser au« d» Oo»spree 120000 und vom Wasser au» d» Unterspree nicht wenig» als 3 bis 4 Millionen lebensfähig» Keime. Die gesundheitsschädliche Beschaffmhett unseres Spree- waffer» in Folge d» Verunreinigung deffelbm mit dm Effluvien d» Stadt tritt in dem Ver» hältniß v» an dem Eise der Oder» und d« Unterspree ermittelten Zahlen recht deuttich hervor. Da» au» destillirtem Waffer im Wege d« Fabrikation ge« wonnme Kunst- Ei» muß fiet von allen Bakterien sein. In den hiefigm sanitätSpoltzeilichen Kreisen ist nun auS Anlaß de» vornwähnten Untersuchungiresuttate» die Frage angeregt wor- den, ob fich nicht ein Verbot d« Verwendung deS innerhalb einer gewiffm Strecke auf d» Spree gefiormen Eise» empfehle, und e» ist zur Mottvirungein» solchen Polizeiverordnung aus ein im vorigm Jahre in Wien erlaffeneS V»bot hingewiesen, wonach eine bestimmte Strecke der Donau, an welch» eine Anzahl von Kanälm und Fabrikaewäffnn mündeten, von der EiSgewinnung ausgeschlossen wird.— Einem passtonirtm Ei«» «ff« dürft« e» eine intneffante Rechmaufgade sein, nach Fest- stellung de» Resultat» der dakterioskopischen Unt»suchung, auS- zurechnen, wie viel Hunderttausende von Ledewejm bei jedem Löffetchen voll Himbe»- oder Vanilleeis dm Weg alle» Fleische» wandem. Die Arbeite« an der Errichtung de*«ene« Polizei» Prästdtalgebände* am Alexanderplatz schreiten rüstig fort; so gehen die Arbeiten der Kasteneinsenkungen gegenüber der Stadtbahn ihr» Vollendung entgegen und an d» Alexander» straße ist mit dm Kellermauerungm btteit» begonnen worden. Wenn nicht unvorhergesehene Fälle eintreten, dürsten die Ar« dettm am End« der dieijährigm Bauperlode dt» zum Erdge« schösse gediehm sein. Ei« interessanter Konkurrenzkampf ist gegenwärtig in der Rosenthalerstraße entbrannt. Daieldst hat sich schon seit länger» Zeit eine Firma etablirt, welche in augenfälliger Welse dem staunenden Publikum verkündet:„Detailverkauf z» Engroipreisen". Da in diesem Geschäfte Alle» und womöglich noch etwa» darüber zu haben ist, wa» nur irgendwie in 9% Konfektion«, Posammtier-, Wäsche blanche ,c. schlägt und w* Preise thatsächltch fabelhaft niedrige find, so hat diese« lSeschafi in dortig» Gegend d»tit» eine gewisse Berühmtheit erlangt und der Zudrang de» kauflustigen Publikum» ist«in ganz enormer. Neu»vtngs ist nun neben diesem Geschäfte, und zwar unmittelbar daneben, ein„Ausverkauf au» der Konkursmasse von..."»öffnet worden, in welchem genau dieselben Wraren feilgebotm w»den, wie in dem vorhergenannten Geschäfte. Die Schaufenster beid» Geschäfte gewähren einm wunder« lichen Anblick. Die ausgestellten Waarm find sämmtlich mtt großen Plakaten versehm, auf denen die Preise verzeichnet find» welch« auf dm ersten Blick darthun, daß ein» immer billig» »»kauft, als d» ander«. Lachmd geht da» Publikum von einem Schaufmster zum and»en und kann ei nicht begreifen, wie e» möglich ist, daß die Waarm zu solchm Spottpreisen»»kauft werden können. Verwundnt fiagt fich ein Jed», wa» eigent- Nch bezahlt wird, d« Stoff od« die Arbett. da die verlangten Preise für ein» von beiden nicht zureichen, viel wmiger für �ides. Daß die übrigen Geschäftsinhaber unt» dieser Schleuderkonkurien, gewaltig zu leiden haben, ist natürlich, da die große Masse leid» immer noch da mtt groß» Vorliebe kauft, wo e»„dillig" ist und imm« noch nicht zu d» Elnficht gekommm ist, daß e» vo theilhaft« ist, bessere Waare etwa» theur» zu bezahlen. Die betreffmden Geschäftsinhaber wnden jedenfalls ihre Rechnung finden, ob auch da« kaufende Publikum, ist eine and«e Frage. sammeln, w soweit e»»och nicht in die Bäder und Sommer« frischen abg»eist ist...' „Na, höre mal, Rudolf, Dein Wort in Ehrm! ab» der Mensch dort mtt dem v»wttteriea, runden Filzhut und dem eckigen Frauenzimm» am Arm... wenn du beiden zum gebildeten Berlin gehören, dann.." »Kind, da« kennst Du»och nicht, in ein« so große» Stadt mischt sich manch ei» räudige« Schaf unter die Hende. Aber sieh Dich nur um: nur d« Hof fehlt, sonst find alle Stände hi« vertreten. Dort, da« ist ei» Gmeral; da driibm d» Herr i» blau« Seide mit langem Zopf« ist ei« Chinese,» soll zur Gesandtschaft gehöre»; hi» unt» un», d» mit d» goldmen Brille ist ei» berühmt» Beinabschaeider und Professor d« Univttsität..." „Woher kmnst Du ihn denn?" „Hat mtt Alle« Numm» 46 verratbe». Uad dort— »ei«! guck' Dir nur einmal diese Lieutenant« an, wie si< durch dm breite« Gang stolzfim, wie fie fich die Bärtche» drehm und recht« und link« liebäugeln I Da» reine Peleton« feu«! Die armm Fraumzimm», die da am Gange fitzen, müsse« wa« auShaltm! Uaiformm vo« allm Farben I Hell- blau und weiß? Die Sorte kmne ich»och gar nicht. Muß wohl rin deutsch«, Bunde»br»d» sein. Nu, sage, Jettchm, ist e» nicht ei» h»; liehe« Panorama mit Wandel« bild«»?" Und er schlug der Schwägerin so kräftig auf die Schult», daß die Dam« schmnzlich zusammenzuckte und, halb ngötzt, halb schmollmo,«einte, fie würde eine» blaue« Fleck al» Fslge sein« BetfallsSußnuag davon- ttagm. „Paff I" knallte e« i» d» Nähe. „Man hat geschossm, sagte Trudchm,„warum dm«?' _.„Ach." belehrt« die Tante,„da« wird«t«e Champagner- ssasche sein, die geknallt hat.-- „New, da« Mädel hat Recht,"«klärt« kategorisch der Pächter;„da« war ei» Schuß I Da» Kind hat da» feine Butt»feld'sche Gehör. Laß un» mal hingehen und sehe», wa« es giebt." Sie stiegen die Stufm d« Veranda hinab und wandle» sich link» in dm einsamnen Theil de» Garten». Dort,»or dm Raubvögelhäusem an rin» Ausbuchtung de» Wasser- Der flüchtige KommiS Karl Wihman«. welcher auf rtne den Namen der Firma Max JaffS jun. tragende und von tbm gefälschte Quittung hin am 5. Juli bei der Ditlonto» Gesellschaft die Summe von 12000 Mark erhob und dieselbe zu einer mit seinem Freunde, dem Supemumerar Hugo Gobisch, gemeinschaftlich unternommenen Vergnügungsreise nützlich zu verwenden suchte, ist auf derselben ergriffen worden. Die Ent deckung des Fällchers erfolgte, dem„Verl. Tagebl." zufolge, auf folgende Weis«: Auf der Eisenbahnfahrt nach Genua machte ein Berliner, Namens Lehmann, die Bekanntschaft von zwei jungen Herten, die sich ihm gegenüber mit voller Offen» herzigflit über ihre Reisepläne aussprachen. Lehmann verad» schievde fich von denselben auf einer Station. Hier las er in den ihm nachgesandten Zeitungen u. A. auch den gegen Witz» mann erlaffenen Steckbrief und fand die Personalbeschreibung so übereinstimmend mit der Erscheinung deS einen der weiter- gedämpften Paffagiere, daß er seine Wahrnehmungen und die erhallenen Mittheilungen über die Reisepläne der Beiden sofort an die Diskonto Gesellschaft telegraphtrte. Die darauf veran- laßten Schritte der Behörden hatten zur Folge, daß Wtßmann mit seinem Komplizen Gobisch gestern Abend in Marseille an Bord eines Schiffes, welches fie nach Algier bringen sollte, durch den dortigen Konsul verhaftet wurde. Eine Schlägerei a«S eigenartiger Veranlassung ent- wickelte fich am Sonnabend in einem Schantlokal in der Mariannenstraße. Ein hiefiger Schneidermeister traf dort mit einem Lotterie-Kollekteur zusammen, von dem er vor Kurzem ein Loos gekauft hatte. Als der Kollekteur von dem Spieler in der üblichen Weise ein Loos ziehen ließ, konnte dieser nicht begreifen, daß die gezogene Nummer mit einer 0 anfing. Der fünfstelligen Zahl war nämltch, um die fehlende sechste Stelle zu marliren. eine 0 vorangestellt. Der Schneider behauptete, eine solche Nummer könne gar nicht gewinnen und forderte und erhielt ein anderes Loos. Am Sonnabend nun kamen beide, der Kollettevr und der Schneider zufällig in dem Lokal zusammen und ersterer wies aus der Ziehungsliste nach, daß das zuerst von dem Schneider gezogene Loos mit dem respel» tablm Gewinn von 15000 M. herausgekommen war. Diese Mtttheilung versetzte den Schneider in eine gewaltige Auf« rezung; er drohte Jeden zu prügeln, der ihm in die Quere käme und als nun die Neckereien erst recht fortdauerten und der Schneider seine Drohung wahr machte, zog er bei der P.ügeUi den Kürzeren und wurde schleunigst zur Abkühlung an die ftische Luft defördert. Nichts gewonnen, geprügelt und rauSgeworfen, daS ist doch wirklich ein UnglückslooS! Unfall. DaS dreijährige Töchterchen eines Tapezirers in der Slralauerstraße wurde durch einen Unfall ganz eigener Art am Montag Nachmittag schwer verletzt. Das Kind fvielte vor dem Hause der Jüdensttaße 36, als ein beladener Roll wagen in den Thorweg de» gedachten HauseS einbog. Eine im Hause wohnende Frau ergriff schnell daS Kind, um dasselbe vor dem Uoderfahrenwerden zu retten, nahm eS auf ihren Arm und stellte fich mit dem Kinde inmitten deS Thorweges auf einer dort angebrachte Bordschwelle auf. um so den Wagen an fich vorüberfahren zu lassen. Der mit Stückgütern u. s. w. bt laden«, Wagen streifte die Frau jedoch derart, daß dieselbe daS Kind fallen ließ, welches alsdann mit seinen Beinchen unter die Hinterräder de» Wagens zu liegen kam und schwer« Verletzungen davon trug. Die sofort benachrichtigten Eltern schafften ihr Kind in ihre nahebelegene Wohnung, woselbst ärztliche Hilfe schnell zur Stelle war. Ueber einen jagendlichen Einbrecher berichtet der „B. V.-K." in folgender Weise: Mrl großer Frechheit hat vor einigen Tagen ein IZjährigtr Knabe einen Elnbmchidiebstahl degangen. In dem Hause Spandauerstraß« 6 befindet fich das Partiewaarengeschäst der Gebrüder A. Auf dem Bodenräume lagern bedeutende Waarenvonäthe dieser Firma. Der jugend iiche Dieb hat diesen Bodenraum erbrochen, bedeutende Men- gen der Waaren an sich gebracht, um dieselben an einen TröS> ler zu verkaufen. Von setner Mutter über den Erwerb der Sachen befragt, gab er an, dieselben von einem Herrn geschenkt erhalten zuhaben. Durch Zufall kam einer der Czefs genannter Firma hinzu, als der Knabe mit dm gestohlenen Sachen von der elterlichen Wohnung die Treppe hinabstieg, so daß sein« Verhaftung bewirkt und er in Untersuchungsarrest abgeführt werden konnte. Durch den am 19. v. Mts. eingelieferten nahezu 40jährtgeu Schlafftellendieb Ritter, welcher fich als Eisenbahndeamter und von außerhalb kommend bezeichnete, ist unter anviren Sachen eine Nein«, ganz neue 14larätige goldene Damen-Remontoir-Zylinderuhr, auf 10 Steinen gehend, und die Fabrilnummer 33 436 tragmd, gestohlm und oerpfändet wordm. Personen, welche glauben, daß ihnen die vor- beschriebene Uhr gestohlen ist, wollen dieselbe auf dem Krimwalkommlffariat, Zimmer 79, in Augenschein nehmen. Selbstmord vermittelst Leuchtgas. Gestern früh gegen 5Vi Uhr wurde der Befitzer einer Konditorei in der Schön« hauser Alle« von seinem Personal, auf dem Fußbodm setner Wohnung liegend, todt vorgefunden. Ein penettanter Gas geruch, welcher aus dem besagtm Zimmer in die Konditorei oiang, hatte Verdacht erregt, und schritt man zur gewaltsamm i?" Hecken», hatte ein Wärter im Scheine de» elektrischen Lichte« eine der großen Ratten erlegt, die der Aufzucht der Wasservögel leicht gefährlich werde«. Der Schütze drückte eben die Patroaenhülse aus seiner Teschine und sah fich scheu um, ob der mäßige Knall nicht eine der näher sitzenden Damm erschreckt habe. Nur ei« paar Knabm warm hinzu gelaufen und beobachteten neugierig da« fernere Verhalten de« Wärter«. Dieser kroch durch da« Gebüsch am Ufer zurück«ach dem Wege, faßte die Ratte am kahlm Schwänze und schlug langsam die Richtung nach einem der Raubvögelkäfige ei«. Der Pächter mit Kind und Schwägerin folgte ihm. Der stattliche Steinadler, dem die Ratte vorgeworfm worden war, flog von seinem Baumstumpf hernieder in de« Sand, schlug dm rechtm Fang in die Beute und flatterte mit ihr wieder auf semm erhöhtm Sitz. Prüfend blickte er durch da« Drahtgitter«ach dm Zuschauer«; doch da ihm diese keine Besorgn»ß einzuflößen schime», senkte er wieder da« Haupt und faßte m,t der Spitze de» Schnabels ei« Haarbüschel der Ratte, um es auszurupfm. �„Der Racker ist ei« Schleckermaul," lachte der Pächter ergötzt,„er richtet dm Brate« erst zu, bevor er anbeißt." hnüb�ie Schlaginstrumente der Kapelle dröhntm rhythmisis 'vft« Armeemarsch kenne ich!" rief Butterfeld fuchen" kommt, daß wir unsere« Platz wieder Sie kihkM. .. Plötzlich rief der Pächter:„Wartet hier!" und schnell fvtgte er einem Herr», der eben vorüber gegange« war. wandtm fich, um nach der Veranda zurück zu Zettchm und die Kleinm hörtm einige unverständliche, M gewechselte Worte, dann dm Schall hastig enteilmder �chrüte. dann wurde es still- sie standen allein und sahm einander verdutzt an. „Was hatte Papa denn?" fragte Trudchm ängstlich. b«.«T Schwägerin kam ein schlimmer Verdacht: st« hielt oen Schaagee für betrunken. Daß sich Betrunkene nicht so incht einem Wettlaufe zu unterztehm pflege», war der reinen, Orffnung des Zimmer». JedmfallS liegt ein Selbstmord vor, denn die Gashähne waren offen und die Brenner von den- rl den abgeschraubt. Für die Motive zu der That fehlt bis etzt jeglicher Anhalt. Der Betreffende war verhetrath-t. Die Leiche wurde behufs gerichtlicher Obduftion nach dem Leichen- chauhause geschafft. Markthalle«-Bericht vo» I. Sandmann, stoischem Verkaufsvermttiler, Berlin, Zmtrat- Markthalle, dm 13. Juli. Gemüse und Obst. Die kühle Witterung und der Regen machten ihren Einfluß auf das Odst- und Gemüsegeschäft in ausgedehntester Weise geltend. Denn abgesehen von dem ge- ringen Konsum, der während der Ferienzeit üblich ist, wird verselde bei kühler Witterung noch erheblich vermindert. Andererseits ist des RegenS wegm die Waare in der feuchten Atmosphäre gar nicht haltbar und muß um jeden Preis loS« geschiagm werden. Dementsprechend stellten sich die Preise für einige Arttkel ganz außerordentlich niedrig. Es brachten Pfirfiche per Kiste von 12-20 Stück 1-1,50, Erddeeren 15 bis 20 Pf. per Pfv., Kirschen 9-15 Pf. per Pfund, Blau- beeren 6—7 M. per Scheffel, reife Stachelbeeren 20-30 Pf. per Pfund, Pfefferltnge 7 M. per Ztr., Garken 15— 20 Pf. per Stück, Schoten 3-4 M. per Scheffel, grüne Wallnüffe 40 bis 50 Pf. per Pfund, Koblrabi 50—75 Pf. per Schock, Salat 50-75 Pf.. Kopfkohl 1,20-1,50 M. per Mandel, neue Kartoffeln 3,50-4 M. per Ztr., Blumenkohl 20—40 Pf. per Kopf, Himbeeren 30-40 Pf, schwarze Johannisbeeren 25 Pf. per Pfund, neue Pflaumen 30 Pf., Birnen 35 Pf., Aepsel 35 Pf. per Pfund._ Polizerbertckit. Am 11. d. M. Nachmittags wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Oranimstraße erhängt und am 12. d. M. früh ein anderer in seiner Wohnung in der Schönhauser Allee todt auf dem Fußbodm des Schlaszimmers liegend aufgefundm. Das Zimmer war mit Gas angefüllt, die Gasröhren geöffnet und sogar die Brenner abgeschraubt, so paß anzunehmen ist, daß er sich durch Einathmm deS Gase« selbst getödtet hat.— An demselben Tage vormittags lief ein 6 Jahre alter Knabe beim Spielen auf dem Straßenvamm der Linienstraße unter die Räder einer im Schritt fahrmden Droschke und wurde von derselben überfahren und so verletzt, daß er nach der Klinik in der Ziegelstraße gebracht werden mußte.— An demselben Tage Mittags wurde ein 8 Jahre altes Mädchen vor der elterlichen Wohnung, Mariannenstr. 29, durch einen von dem Schlächter Helfenstein aus Britz geführten Wagen üb«rfahrm und am rea,ten Fuß oerletzt.— An demselben Tage Nachmittag? sprang ein undelannter etwa 25 Jahre alter Mann vor einem Grundstück Neu-Kölln am Waffer in die Spree, wurde aber sofort von Schiffern herausgezogen. Ruf der Polizeiwache, wohin er demnächst behufi! Feststellung seiner Pcrsönlichlett gebracht worden war, erkannte ihn der hinzugr- zogen« Arzt als irrsinnig und veranlaßte seine Uebersührung nach der Chaiitee. Gerichts-Zeiwug. Zn dem l» Nr. 157 unseres Blatte« veröffentlichten Geriwtsdericht über die Kapelle der Berliner Stadtmisston er- halten w!r von den Eltern der angeklagt gewesenen Kinder folgende Aufklärungen: ES haben unsere Kinder gespielt, ehe das BereinShauS der Chr. S. hier war, je nachdem wie Kinder fich eben zusammen« finden. Sie spielen mal 2 oder 3 Tag: hintereinander, manchmal 3—4 Wochen aar nicht. Wir hattm überhaupt keine Ber- anlaffung, den Kindern in Nr. 46 das zu verbieten, was dmen in 45, 44, 50 u. s. w. erlaubt ist, denn wir wohnen auch hier nicht umsonst. Zwischm dm Angestellten des Vereinihauses und dem Eigenthümer de» Hausei 46 ist eS nicht zu Auseinandersetzungen gekommen. Die lauten Belustigungen der Erwachsenen muß Jemand geträumt haben.— Am 30. Mai ist auf unserm Hofe weder leise noch laut gesungen worden, Radau und Zotenlteder find unfern Kindern noch unbekannt, «er die gehört, mag fich bestnnen, wo und von wem er fie hört«, von unfern Kindern nicht. Richtig ist, daß die Kinder gespielt haben, wobei aber immer nur ein« zu sprechen hatte. Von dem Spielplay der Kinder find wohl 12—15 Fuß bis zur Grenzmauer, die Mauer selbst ist 10—12 Fuß hoch, kurz und out, wer die Kinder nicht sah, wußte eben nicht, daß fie spielten. Durch das Erscheinen des Schutzmann? wurde es, da die Eltern Protest erhoben, laut. Die beiden Angeklagten hatten fich in Wahrheit nicht am Spiele detheiltgt. Das Mädchen mußte ihre kleine Schwester warten und der Knabe saß auf einem Faß und aß sein Abmdbrot. Belastungszeugen waren vier, davon drei Bedienstete d«S Vereins, welche doch wahrlich nicht durch die Grenzmauer gesehm haben können. Im Uedrigm bekunden wir noch, daß unserm Ktndem zum Beweis«, daß ste nicht als Strolche aufwachsen, gute Schulzeugniffe zur Seite stehen und mehrere derselben jahrelang die Sonntagsschult de- suchen, natürlich in der Kirche, welche nur drei Minuten ent- fernt ist. t Eine Kraftprobe. Der Handelsmann Josef Berthold saß eines Nachmittags im März d. I. in der Schöneck'schm Restauration und spielt« zum Z-itvertteid mit dem Wirthe eine unerfahrenen Seele unbekannt: auch hütete fie sich, ihrem Verdachte Worte zu leihm, und sagte nur: «Zch weiß nicht, was Papa vorhat. Zch denke, wir werde« e» gleich erfahren." Sie harrtm bange Minuten; es war unheimlich an diesem entlegenm, wenig besuchten Orte. Endlich tönte ei« dumpfe» Krache«, wie wen« eine Lokomotive verathmend in eine« Bahnhof einfährt. „Rudolf, bist Du'S?" fragte Zettchm zaghaft. „Allerdings," stöhnte es als Antwort. Die Gestalt Butterfeld's tauchte au» dem Dunkel de» Laubschattens. Bei feine» Damen angekomme», verschnaufte er erst wortlos; dann begann er empört: „So ein Hallunkel Unter Hundert« hätte ich meine« Hut heraus erkannt... und mein Schirm war es, ich will einm Eid darauf leistm. Erst leugnete der Schlingel; wie ich mich aber nicht im mache« ließ und«ach einem Wärter rief, da gab er Fersengeld. Ich hinterdrein, oh, der alte Butterfeld kann trotz seines dickm Bauches auch«och die Beine in die Hand nehmen. Wer weiß, ob ich dm Schlingel nicht eingeholt hätte, aber hinter dem Elephantenhaufe war er verschwunden. Kinder, dieses Elepbantenhaus I Da» müßt ihr sehm! so etwas giebt es bei uns auf dem Jahrmärkte dm« doch nicht!..." „Aber, Rudolf, jetzt in«achtschlafmder Zeit? Nein, «ei»! morgen ist auch noch ei« Tag; Trudcheuist müde, ich dmke, wir mache« uns jetzt auf de» Rückweg." „Wie Du willst, ich bin einverstanden. Will blv««och dm geliehmm Hut dem Kellner znrückgebm..." „Gewiß, und ich will mein Korset Holm I Sie ginge««ach der Veranda. Zunge«, lustige« Volk halte sich an ihrem Tische nie- dergelassm. Die erst halbgeleerte zweite Flasche Champagner war abgeräumt; die Serviette mit der eingewickelte« Schnür- brufl nicht zu findm. „Kelloer," rief Butterfeld. „Sie befehlm?" „Haben Sie meine« Sekt bei Seite geschafft?" „Sehr wohl, mein Herr, ich wußte nicht, daß Sie wie- derkämm; die Flasche steht unberührt... Partie Puff. Das Spiel war noch ntiht zu Ende, da mußt« der Wirth es einstellen, weil zahlreiche Gäste fich eingefunden hatten, die bedient sein wollten. Berthold war wieder auf fich allein angewiesen und begann fich zu langneilen. Da fiel sein Blick auf eine volle Achteltonne Bier, die in der Nähe de» Schanttische» stand. Er versuchte ste emporzuheben und begann Krastproben mit ihr anzustellen. Nach einigm Versuchen fand er, daß fie zu schwer für seine Kräfte wäre und er meinte zu dm umherstehmden Gästen:„Na, wer die Tonne mit der ausgestreckten Hand hochhedm und fie so fich über die Achsel werfm kann, daß der Spund nach oben gekehrt bleibt, dem zahle ich zwei Mark!"—«Da kann man fich ja rasch zwei Mark verdienen" erwiderte ein stämmiger Böttchergesell, faßte zu und warf fich scheinbar mühelos die schwere Tonne auf die Achsel.„Na, Männeken," meinte er dann gut» müthig zu dem verblüffien Handelsmann, dieses mal brauchen Sie die zwei Mark nicht zu blechm, lassen Sie ei fich eine Warnung sein und geben Sie ein paar „Weißen" zum Besten."— Aber der Handelsmann wollte hier- von nichts wiffen, er behauptete, die Kraftprobe fei nicht den Bedingungen gemäß ausgeführt worden und begann von neuem mit der Tonne zu hanttren. Hierbei fiel fie ihm aus den Händen und rollte einem Gast«, der an einem Tische seinen Kaffee trank, über die Füße. Jetzt wurde der Lärm noch größer. Die einen waren erbittert, daß Berthold die„Weißen" nicht zum Besten geben wollte, die andern, daß er mit seinen Kraft- proben die übrigen Gäste inkommodire. Schließlich wurde der Handelsmann an die Lust befördert, nachdem ihm noch der Gast, dem die Biertonne über die Füße gegangen war,„an- ständig ein paar Ohrfeigen"— so sagte er— gegeben hatte. Statt nun nach Hause zu gehen und fich mtt den Kraftproben zu begnügm, die er veranlaßt hatte, rannte der Handelsmann wüthend vor der Destillation auf und ab und nannte die gule Kneipe eine„elende Räuberhöhle". Das empörte den Wtith, zumal er de merkt hatte, vaß Berthold nicht einmal sein« Zeche vollständig beglichen und noch 20 Pfennig zu bezahlen habe. Frau Schöneck ging nun hinaus und forderte den Handelsmann auf, ruhig zu sein und lieber seine Schuld zu bezahlen. Berthold drehte fich um und stieß die Frau von fich. Nun sprang der Wirth hinzu und griff den Handelsmann an. Er warf ihn zu Boden und schlug ihm die Nase blutig. DaS war die dritte Kraftprobe, welche Berthold an diesem Tage zu sehen bekam. Gestern stand Schöneck und seine Frau vor der 92. Abtheilung des hiestge.r Schöffengerichts unter der Anklage der gemeinschaftlichen Körperverletzung. Sie wurden aber beide freigesprochen. Keiner der vernommenen Zeugen hatte bekunden können, daß die Frau an der Schlägeret sich betheiligt habe. Da so eine Bemeinschaftlichkeit ausgeschloffen war, mußte auch das Ber« fahren gegen den Schankwtrth eingestellt werden, weil ein Strasanrrag auf einfache Körperoerietzung gegen ihn nicht vorlag. f Wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und wegen Körperoerietzung hatte daS Schöffengericht s. Z. den Arbetter Haut zu einer viermonatlichen Gefängnißstcase verur« thcilt. Die Straf« war deshalb so hoch aegriffen, weil H. be- rettS neunmal wegen ähnlicher Delikte bestrast wordm ist, und weil er dem Beamten, der in der rechtmäßigen Ausübung seine» Amtes begrtffm war, thätlichen Widerstand geleistet und ihn in den Arm gebissen haben sollte, was durch da» Zeugniß deS Schutzmanns bewiesen wordm war. Gegen diese» Urlheil hatte H. recht, ettig Revtston eingelegt und so kam die Sache gestern vor der V. Strafkammer de» hiesigen Landgericht» zur Verhandlung. Der Zeuge, Schutzmann Klinger beschwor von neuem folgende Angaben: Der Arbeiter Haut sei im Revier« als ein gewaltthätiger Mensch bekannt, der häufig mtt seiner Frau in Strett gerathe. Eines Tages sei der Vizewirth des Hause», in dem H. wohne, zu dem Polizeiwachtmeister gekom» men und habe gebeten, den H. xut Ruhe ermahnen zu lassen, der wiever solchm Lärm in seiner Wohnung mache, daß es niwt mehr auSzuhaltm sei. Darauf habe er(Zeuge) fich im Aui- trage feine« Vorgesetzten in die Wohnung de» H. begeben und ihm„gut zugeredet". H. sei aber sofort wütheno aufgesprungen, habe ihm Schimpfwörter zugerufm und gemeint. er sei genau so viel Werth, wie der Vizewirth. Als der Mann fich nun gar nicht habe beruhigen wollen und gerufen, man solle ihm da«„Beil" geben, habe er ihn aufgefordert ihm zur Wache zu folgen. Nun habe ihn H. am Rocke gepackt, er habe ebmfall« zugeiaßt, hätte aber wieder loilaffen müffm, weil H. ihn so heftig in den Arm zediffm habe, daß der Arm sofort angeschwollen und er 6 Tage lang dienstunfähig gewesen sei. Schließlich sei die Verhaftung deS H. mit Hilfe eines anderen Schutzmanne« bewerlstelligt worden, den er fich zu seiner Unter- stützung habe holen lassen.— Soweit die Aussage de» Schutz- mannS Ktinger. Die Daistelluna, welche ein Entlastungszeuge, den H. zum Termin mitgebracht hatte, von dem Vorfalle gab, lautete ganz ander«. Dieser Zeuge, der Arbeiter Roes«, der Sch.afbursche bei H. war, erzählte den Vorgang folgender« maßen: H. habe ruhig in der Küche auf einem Stuhl gesessen, Der Schutzmann, der plötzlich erschienen wäre, sei ohne weitere» auf H. loSgeschritten und habe denselben „Schon gut, trinke« Sie de» R-st auf mein Wohl. Habe« Sie vielleicht auch ein Korset, da» in eine Serviette gewickelt war, aufgehoben?" „New, mein Herr, habe nicht« derartige« gefunden. Hätte« der Herr es mir zum Bewahren gegebe«..." „Siehst Du. Jettchen, da» Schicksal hat entschiede«. Dein Korset ist futsch. Wrr wolle« ihm keine Thräne nachweine»; es ist besser so; ich kaufe Dir ei« seidene» Die gettöstete Schwägerin lächelte. Sie standen alle drei am Ausgange. „Nehmen wir eine Droschke?" fragte Jettche«. .Kann da« Trauerkutschentempo dieser Berliner Gondel« nicht leiden," entgegnete Butterfeld,„meine Erntewage« fahre« schnelle,.' „Dann benutze« wir die Pferdebahn." „Auch das nicht, Theuerste l' Er neigte seinen Mund an Jettche«» Ohr und flüsterte:„Habe 25 000 Mark Wollgeld in der Brieftasche; ich scheue mich vor de» Berliner Langfinger«, deren Bekanntschaft wir schon heute machten. Weißt Du was? Wir gehen zu Fuß die Thiergartenstraße entlang; es ist ei« famoser Abend." Sie schrttte« in die ftische Kühle der Parkpartie«. Ueber ihnen flimmerte» die Sterne und hinter ihnen ver- hallte« die Klänge einer Koazertpolka, die hin und wieder vo» dem Gebrüll eine« Raubihiens unterbrochen wurden. „Du wirst Dich erkälte«, Rudolf,' sagte»ach«ine, Weile stummbefriedigte» Wandern» die Schwägerin,„sn ohne Hut..." „Sei unbesorgt, Zettchen I Der Sekt hat mir einge« st und mir ist so wohl... so köstlich wohl! Berlin ist joch ei» famoses Nest! Hörst Du die Bestie»? so ei« Stück Wüstenlebe« mitte« in der Kultur des elektrische» Lichtes und der Taschendieberei... es ist ei« Wunder. Morgen kaufe ich Dir da« Kleid und mir eine« Hut. Komm, Trudchen, ich werde Dich trage«— Du bist müde.'——— A ¥ für v«rhast«t erNärt. H. habe ihn ruhig««fragt, ob et«in« Bescheinigung Hab«, die ihn zu einer solchen Maßregel berechtige. " scheinigung sei Der Schutzmann hatte erwidert, eine solche Bescheinigung gar nicht nöthig und habe sofort mit Gewalt versucht, den H. von seinem Stuhle emporzuzetten. Von dem Biß in dem Arm hat der Zeuge nichts gesehen, von den Echimpfreden nicht? gehört. Er gtebt ihm bei der haben, weil Der i Gerichtshof erkannte n.ch kurzer Berathung auf Verwerfung der Revision' und auf Bestätigung dei ersten UrtheilS. Da« ...... e Aussage deS eidliche Zeugniß dei Schutzmann« sei durch die Roes« in seiner Glaubwürdigkeit nicht erschütt-rt worden. Die Strafe sei einem so oft wegen desselben Vergehen? bestrasten Menschen gegenüber durchaus angemessen. JJmine und Versammlungen + Der Vereis der Berliner HasSdteser hielt am am Montag, den 12. d. M., in Jordan'« Salon, Neue Grün« straße 28, seine vierte ordentliche Generalversammlung ab. Der Rendant, Herr Bändel, erstattete den lkaffenbericht. Hiemach betrug die Einnahme im verflossenen Quartal 407,25 Mark, die Ausgabe 606,80 Mark, so daß die Ausgabe die Einnahme um 196,55 Mark übersteigt. Diese Differenz, welche ium ersten Male seit Bestehen des Verein« fich eingefunden at, ist auf den großen Betrag zurückzuführen, der an Unter- tzungSgeldern im vergangenen Vierteljahr an Verein«- Mitglieder zur Auszahlung gelangt ist; außerdem noch auf den Zuschuß von 134,80 Marl, der zur Bestreitung der Kosten der Kremserparlie aus der VereinSkaffe geleistet wurdeMDer Vorfitzende fügte hinzu, daß die Statutenlommisfion fich eingehend damit beschästigen würde, eine bestimmte Norm festzu- stellen, nach der die Unterstützungen künftig ge- währt werden sollen, um ähnliche Defizit« zu vermeiden. Nachdem hieraus einer der Reoisorm bestätigt hatte, daß bei der Prüfung der Kasse und Bücher alle« m vollkommenster Ordnung gewesen wäre, wurde dem Rendanten vor der Ver- sammlung Decharge ertheilt. Einige UnterstützungSsachen gelangten sodann zur Erledigung. Die Ergänzungswahlen de« Ehrenrathe«, der die Gesuche um Gewährung von Rechtsschutz zu prüfen hat, nahmen eine geraume Zeit in Anspruch, da ver- schieden« Personalfragen in die Debatte gezogen und beim ersten Wahlgange mittelst Stimmzettel gewählt wurde. DaS schließliche Resultat war, daß an Stelle des Herrn Heidenreich, der zum zweiten Vorfitzenden dei Verein« gewählt worden ist, Herr Grützner in den Ehe inrath eintritt.— Die übrigen zur Erörterung gelangten Punkte waren ganz interner Natur. hi. In der Seneralversammlsng de« Unterstützung«. verein« der vnchbtnder, die am Montag bei Gratwetl statt- fand, wurden die zwei ersten Punkte:„Abrechnung pro 2. Quartal" und„Interpellation an die Preßkommisfion in Be- treff der Zeitungsverlegung" von der Tagesordnung abgesetzt. Zu„Verschiedenes" nahm ein Mitglied da«_Wort, um seine gesetzt haben, und charatteristrie diese Art und Weise de« Bor- gehen« als dem Solibarttatigefühl geradezu Hohn sprechend. Herr Rohmann fühlte an, daß er vor 14 Tagen in einer Vor- stands-Sitzung die Gründe dargelegt, die dm Verband«- Vorstand bestimmen könnten, die Zeitung von Berlin nach Stuttgart zu verlegen, daß er für dm Beschluß de« Verbandsvorstande« nicht verantwortlich zu machen sei, und daß er nicht oerpflichtet sei, die Korrespondenz die er al« Redakteur und Verbandibeamter mit dem Verbands-Vorstande führe, dem Berliner Vereine vorzulegen. Die Herren Freudm- derg, Mehner! und Schneider sprachen fich edmso, wie Herr Linke auS. Auch der Buchdruckereibefitzer Herr Römer erklärte, derg, Mehner! und Schneider sprachen fich edmso, wie Herr daß er fich veranlaßt gefühlt, den Verdandivorstand in einem Schreiben au�die Inkorrektheit seines Verfahren« aufmerksam zu machen. Nachdem wurde noch mitgetheilt. daß zu der vom Verein veranstalteten, Montag, dm 19. Juli stattfindenden Dampferpartie nach Tabbert'S Waldschlößchen(Abfahrt um Uhr von der Schillingidrücke) Btllet« 4 75 Pf. bei Freudenreich, Stallschreiberstraße 24, und bei Kerckhoff, Ritlerstraße 122, zu haben find. Zentral- Kranke«,«nd Sterbekasse der Tischler le. (E. tz. 3 Hamburg). Das 10 jährige Stiftungsfest der Kasse den 19. Juli, in zwei Lokalen, und»war Mißbilligung darüber auszusprechen, daß in Betreff der Unter« stützung nicht nur die verhei.atheten Kollegen mehr berücksichtigt wer dm, alS die unverheirathetm, sondern von den unver« hetratheten der Eine eine Unterstützung bekomme, »W._. der Andere aber nicht. Dem gegenüber wurde von mehreren Rednern daS Verfahren de« Vorstande« gerechtfertigt. In Bezug auf den Antrag, welcher gestellt wurde, daß der Berliner Unterstützung«- verein wegm der Beanstandung seiner letzten Abrechnung und wegen Wegnahme der Buchbinderzeitung von Berlin au« dem Verband« austreten möge, kam man zu dem Beschluß, in der gegenwärtigen Versammlung über diesen Antrag zu diskutiren, aber dehuf« endgiltiger Entscheidung den Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung zu fetzen. Herr Linke eröffnete die DiSkusfion mit dem Hinweise auf die Thatsache, daß der Beschluß, den Druck der Buch- binderzeitung von Berlin nach Stuttgart zu verlegen, von dem VerdandSvorstande und dem Redakteur Herrn Rohmann gefaßt und auch ausgeführt worden ist, ohne daß dieselben vorher dm Vorstand de« Berliner Verein? von ihrer Abstcht in Kmntniß findet um Monti. in der„Neu-n Welt", Hasenhaide 36c. und im Eiskeller Eta- hliffement, Chausseestr. 88, statt. Die Feier besteht au« Konzert, Feuerwerk, Theatervorstellung und Kinderdelustigungm aller Art— Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr Nachmittags ab geöffnet. Anfang des Konzert« 4 Uhr. Von 6 Uhr ab großer Sommernachtiball; Herren, welche daran theilnehmm, zahlen 50 Pf. nach. Der Uederschuß ist für die Jnvalidmkaffe be« stimmt. BilletS& 30 Pf. find auf sämmtlichm Zahlstellen der Kasse sowie in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Programms werden am Eingang zu den Lokalm aus- gegeben. Der Verein der Fabrik- und Handarbeiter veranstaltet am Sonntag, dm 25. Juli, eine Familimpartie per Kremser nach PichelSwerder. BilletS für erwachsen« Personen 4 2 M., für Kinder, die einen besonderen Platz einnehmen, 50 Pf., find beim Unterzeichneten und im Arbeitsnachweise- Bu-eau, Wrangelstr. 136, zu haben. Freunde und Gönner deS Verein« find eingeladen. Zentral- Krankenkasse der deutsche« Wagevbaner, Bezirk 4. Mitgliederversammlung am Donnerstag, den 15 d. Mts., Abend« 8 Uhr, im Lokal des Herrn Kloth, Dresdener- straße 10. Tagesordnung: 1. Abrechnung über das 2. Quartal. 2, OrtSverwaltungS-Wahl. 3. Verschiedenes. Die freie Organisation junger Kanfleute hält am Donnerstag, den 15. Juli er., Abends 8V» Uhr, in Niest'S Salon, Kommandantenstr. 71/72, eine Mitgliederversammlung deS Herrn Rechtsanwalt Pink über„Rechtsoer- ab. Vortrac.>. � hältniffe zwischen Prinzipal und Handlungsgehilfen."— Antwortschreiben der Gewerbedeputation in Angelegenheit de« Krankenverficherungizwange«.— Verschiedenes. Gäste haben freien Zutritt. Stadtverordnete der verschiedenen Parteirtch- tungen und die Mitglieder der Gewerbedeputation find«in- geladen und haben theilweise bereits ihr Erscheinen zu- gesagt. Verein für Technik«nd Gewerbe, Mittelstraße 65. Mittwoch, Abend« 8% Uhr, Vortrag. Gäste willkommen. Ranchklnb„Uatenm" jeden Mittwoch, Abend« 8 Uhr, Adalbertstr. 4. Kleine Mittheilungen. Etraßburg L E., 12. Juli. Wie die„Straß b. Post" schreibt war die Tizeilnahme an der Gemeinderaths wähl am Sonnabend und Sonntag so stark wie vormal« nie. Fast 80 pCt. der Wahlberechtigten haben ihre Stimmen abgegeben, selbst Bettlägerige fuhren zur Urne. Gestern Nachmittag waren die Vergnügungiorte der Umgebung alle schwach besucht; in den Straßen der Stadt dagegen herrschte reges Leben. Al« der Abend vorrückte, wurde die Spannung fieberhaft er egi. Nach Mitternacht wurden durch ein Extrablatt sämmtliche Wahlresultate bekannt gemacht. Im dritten Wahlbezirk wur« den sieben Deutsche gewählt: Bezirkspräfident Back, Advokat Leiber, Rmtner Hochapfel, Professor Goltz, Bau-Untemehmer Back. Etsmbahndtrektor v. Guörard, Kaufmann Jacodi; ferner im siebenten Bezirk ein Altdeutscher gewählt, Kaufmann Grobe. Im ersten Bezirk erhielten die gemäßigten Elsäffer Bergmann und Petiti 1958 und 1955 Stimmen, 1208 der protestlerische ReichStagsabg. Rabis. In zweiten Bezirk haben die Gemäßig- ten Klein und Petti 2088 und 2024 Stimmen, Flach, der Präsident des protestlerische« Ausschusses, 1346 und Lauth, der letzte maire von Straßburg, 1678 Stimmen erhallen.— In Metz find zwölf deutsche Kandidaten durchgekommen, in Saar- gemütrd vier Deutsche und in Weißenburg zwei. Ron», 12. Juli. Von gestern Mittag bis heute Mlltag find an der Cholera in Rodigoro 2 Personen erkrankt und keine gestorben, in Venedig 6 erkrankt und 4 gestorben, in Brindifi 1 erkrankt und 2 gestorben, in Frar.cavilla 76 erkrankt und 16 gestorben, in Latiano 6 erkrankt und 10 gestorben, in Ostuni 1 erkrankt und keine gestorben, in Mesagne keine erkrank und 1 gestorben, in San Vito keine erkrankt und 2 gestorben. in Erchie 11 erkrankt und 4 gestorben. Kehle U achrichte«. Von den Wahlen in Großbritannien«nd Irland stehen jetzt nur noch 85 aus. Die vereinigten Tones und liberalen Unionisten haben vor den Anhängern Glsdstone't und den Parnelliten einen Vorsprung von nicht weniger als 125 Abgeordneten. Die Zahl der gewählten Tories ifi bereit« um 40 größer als ihre Vertretung im letzten Unterhause betrug(291 gegen 251); aber an der absoluten Mehrhett fehlen den Tories doch noch immer 44 Mitglieder. TorieS und libe-, rale Unionisten zusammen find bereits 356 Mann stark und' verfügen somit über die absolute Mehrheit im Unterhäusern allein, wenn auch der jwhigistische Flügel der liberalen Unii nisten dauernd an dem Bunde mit den Konservativen fe ballen sollte, ganz ausgeschlossen ist es, daß auch die Grupp Chamberlatn, die in unionistischem Sinne gewählt hat, ferner- hin mit den Konservativen geht. Die Zerrissenheit der Pa... Verhältnisse, welche in den beiden verflossenen Parlamentsp rioden den Regierungen SaltSbury'« wie Äladstone's so schwere Hindernisse bereitet hat, wird auch dem neuen Unterhause ihr Gepräge aufdrücken. Das Parlament wird nach Beendigung der Wahlen, sobald als die« irgend thunlich ist, einberufe» werden, wie dies Gladstone selbst vor Auflösung des Paria« mentS für dm Fall, daß seine irische Poltttk vom Lande ver- uttheilt wird, angelündigt hat. Der Herzog von Aumale wurde aus Frankreich auSgc wiesen. ♦ Eine Versammlung von Sozialdemokraten in Görlitz am Sonntag wurde nach den ersten Sätzen der Rede oo» Görckt polizeilich aufgelöst. Kriefkasten der Kedaktiott. G. G. zn Steinenbrück. Ein Beschluß dei Abgeord- netenhause», wonach Tanzmusik in Zukunft nur in geschlossene!' Sälen abgehalten werden darf, existirt nicht. Vielleicht hfl* aber der dortige Landrath oder eine andere Behörde eine derartige� Verordnung erlassen ib B. 1000«nd Richard R. Die Koste, e einer Testament«' aufnahm« richten fich nach der Höhe de« Vermögen«. Wende» St« fich persönlich an die Redaktion unseres Blattes. O. V. 10. Fragen Sie da« erste beste Kind auf fs* Cltage, da« wird Ihnen die Frage beantworten, zu wel<»" Partei der Abg. Singer gehör«. ' Nein. wet Wettende.......... .. L. Od es ein Fachblatt für Fabrikanten künstli� Blumen giebt, ist un« nicht bekannt Vielleicht giedt einck unserer Leser hierüber Auskunft.„ E. v., Grtebenowstraße. Jeder Anfrage muß o» Abonnementsqutttung beigefügt werden. Briefliche Antwov können wir nicht ertheilm. Theater. Mittwoch, den 14. Jult Telle-Allianee-Tdeater. Da# Parodie«, Ge- sanaiposse in 4 Akten von Leon Treptow und £. Herrmann._ t Trnd-Theater Philippine Welser. wittoria- Theater. Amor. Tanz Poem von Luigi Msnzotti. Wslhalia-Theater. Capricciosa. t�roU'» Theater. Aennchm von Tharau. tiunfmann'« Variete. Große Speztalllätm- Vorstellung. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A Knlaer-Panoram«. In dieser Woche: Die malerische sSchsische Schweiz. Ein« interessante Rheinreise. Hertha-Reise. Earolwen.Inseln. Eine Reise 90 Pfg- Kinder nur 10 Pfg. Ich spreche allen Denen, die an meinem 50 jährigen Gesellen> Jubiläum theilgenvmmen und mich in Keller'« Hofjäger so freudig über- rascht habm, meinm herzlichsten Dan! aus. & Ri 103] Usch, Zimmerpolier. Allen Freunden und Bekannten zur Nach» richt, daß ich jetzt meine Zkeftanratio«, Schweizer Garten. Am Frievrtchshain. Haltestelle der Rmadahn. Am KönigSthor. Dienstag, de« 18. Inli: Großes Militär Concert n. Extra-Borftellung. AuHretn der Majol-Trnpp» in ihrer Sensationsluttnummer: Miss l-axel als lebende Kanonenkugel. Miß Lazel wird au» einer Kanone geschossen und von Miß Zema aufgefangen werden. Sheakernorstellnng, Auftreten der Kpeziatitäte«. Tanzkransche« u. f. w. [riegs- und Fronten-Feuerwerk Hauptversammlung dec Srntcatatanften a. LfgräbÄ Kasse für Fraaen vml Madlke» (Etng. Hilfst Nr. 26 in Offendach). dends 8 Uht. Mittwoch, den 14. Jult Abend«__.„ in GrakmeU« Sierhallen, Kommanvaw� __ straße 77/79 luntertr Saat). T.'O.: Kassenbericht pro 2. Quartal. gänzungSwahl für den Vorstand u. Verschieden� Um zahlreiche« Erscheinen ersucht Der Vorstand-, «enerat-Dersammknno der der Pyrotechniker A. und E. Maffow, Bonander und Hornig. .ÄÄ:»le Sehlaclrt bei Magenta. Große« mtlitärisch.pyrotechnisches Schauspiel unter Mllwirkung von 150 Perionen. W Sniree 50 Pf. Killet» vorher 40 pf.-W» Alles Nähere die AnschlagSsSulen. Weiß u. VairWhin-KM � in der Keichenlier-rerstr. 134 eröffnet habe.? 77 Speisen und Getränke in bekannter Güte. Um geneigten Zuspruch ersuchend zeichne hochachtungsvoll G. Girke. Wo speisen Kie? In der ersten alten pom- merschen Küche, Oranten- straße 181, Hof poriette, bei fUeiv. Frühst. 30 Pf.. MittagStisch m. Bier 50 Pf Adendtisch, v. 30-50 P Lm nach Auswahl. p PcodaRfiü» and Koüstoffgenossens� der$diMidn za firelia(f.®-) Montag, d.n 19. Juu 1886, Abend« f" ,,w bei Herrn Waßmann, Leipzigerstr. w TageSordnunst:.... Vietteljahresbericht. 2. Geschäftliche» Der Verwaitunzsrattz� ibrif Tricot Taillen-Fal IS Kommandant»» straffe IS. j — Der Sint.lverM wirklichen Ii- gros P eisen: � Damentaillen 2.00] Kindertaillen liT5r5 Kinderittidch. S'.Mjtf Rncbenonzügeö.OOl| befindet fich portett»� Laden, trproberi, ».'wW ohne Preisaussch� in allen Farben rälhtg. Arbeiter- Syirks. verein der voseuthaler Vorstadt. Sonntag, den 18. Inli 1886: Große Familienpartie. Rendezvous; Vormittag« 9 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen.— Gäste und Gönner des Verein« find willkommen.[102 Cigarren- u. Tabak-Handlung e»«roa en detail Fritz Goercki Louis LichtenstelA Siij »u achten. Nähmaschinen Sä E. Franke, SaarbrückeM> 1 g.Pla««.löTHIr.,lz.40Thl.z.vOranienflr.4U. L Berlin so,, Admiralstraße 40(frühere„Sinbt'i verlangt «nd Mädchen zur Erlernung der%» � arbeit werv. oetl. bei Fräulein Wtttko" ff Wrangelstraße 87. Verantwortlicher Redakteur R. Tronhei» in Berlin. D-u- und Verlag von«Ntz«�ing u, Berlin 8W. Bemhnraß. Korbmacherges, o. Scheenarb. vl. Schw»° . %