Nr. 162. Donnerstag, den 15. I«U 1886. III Jahrg. SnlmrWdsbkll Brgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Ausflchtkii. Im Ganze« wird von Zölle« eigentlich we«ig mehr gesprochen. Ma« hat de«« doch ei«gesehea, wie wenig die neuen Zölle und die ih«en folgende» Erhöhungen im Stande gewesen find, die a« diese Neuerung geknüpfte« Versprechu«- ge» und Erwartuvge« zu erfülle». Die enragirtkste« Schutz« zöllaer schweige« lieber refig»irt, we»« sie höre«, daß da» @«.treibe trotz der hohe» Einfuhrzölle«och billiger ge- worden ist als zuvor, all daß sie e« wagten, die alten ab- genutzten Redensarten vom.Schutz der nationale, Arbeit" wieder vorzubringen. Aber auch die absolute» Freihändler wisse« nicht mehr viel zu sage», den» die von rhnen prophezeste Erhöhung der Preise der mit Zöllen belegten Lebensmittel ist auch nicht eingetreten. Beide Theorien, der absolute Freihandel und auch der absolute .Schutz der nationale« Arbeit", find bankerott. Ihre Ver- fechter habe« nie begriffe», daß die allgemeine Le- b e»» h a l t u n g de« Volkes auf die LebenSmsttelpreife von west größerem Einfluß ist, als alle künstlichen Zollschranken. In gewiffen RegiemngSkreisea aber scheint ma« fich dieser Erkevntniß hartnäckig zu verschließen. Dort hat man offenbar d,e wirthschaft, politischen Theorien in einfache For- mein gebracht,«ach denen ma« ohne«eitere Rücksichten handelt. Eine solche Formel lautet:.Wenn ein Zoll nicht hilft, so muß er e, h ö h t werden l"— Diese Weisheit ist {war ebenso wenig neu al» tief; wir hörte» fie bei der ctzten Erhöhung der Kornzölle im Reichstage au« dem Munde einer sonst wenig bekannten Persönlichkeit, des sogenannte« Butterpfarrers S ch e l b e r t, des Abgeordneten für Kempten. Diese, geistliche Herr beschäftigt sich außer mit dem Seelen« heil seiner Gemeinde auch mit Butter« und Käsebereitung und beurtheilt den Weltmarkt«ach de» volkSwirthschastlichen Gesichtspunkten der Landbevölkerung im Allgäu. Er ließ damals eine förmliche Kapuzinade zu Gunsten der Korn» zölle lo« und meinte, ma» müsse dieselben so hoch mache», daß gar kein fremde« Kor» mehr über die Grenze kommen könne: dann sei der Landwirthschaft geholfen. Der Herr„Butterpfarrer' erregte damals im Reichstage keine geringe Hesterkeit. Dieser Tage aber kam die.Nord- deutsche AllgemeineZeitnng' und spielte ganz denselben Trumpf au». ES war bei Gelegenheit einer Be- sprechung de« Zollkriege« mit Rußland. Die russische Elsenindustrie im Ural hat an Absatz verloren und nun beabsichtigt»an in Rußland elne Erhöhung der Eisen« zölle; de« fich beschwerende» deutsche» Elsenindustrielle« erklärt nun die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", daß man Rußland an der Erhöhung seiner Eisenzölle nicht hindern könne. Die Hauptsache in Deutschland aber sei gegenwärtig die Beseitigung de« Nothstande» in der Land- » rtotaL] Ileuilleton. Gi«e Mutter. Roman von Ksrtedrtch Serftäcker. (Fortsetzung.) .Zch bin schon ruhig, Felix," sagte sie, unter Thräne» lächelnd, al« ihr Gatte zu ihr trat und ,hr fteundl,ch zu, rede» wollte.„Fürchte auch nicht, daß mich oben eine solche Schwäche übermannen wird. Du kennst mich ja, vertraue mir nur. und jetzt,' rief sie, indem sie«st ihrem Tuch die letzte« Thränenspure« entfernte,.laß mich gehen." Damit wandte sie sich entschlossen ab, schritt der Thür zu und die kleine, enge Treppe hinauf. Nur der Arzt be« gleitete fie, und Rottack und Zeremia« bliebe» unten in der dumpfigen wüste« Wirthsstube allein mit ihre» peinliche» Gedanken zurück. Helene hatte fich auch nicht zu viel zugetraut. Sie fühlte recht gut, wie viel jetzt gerade von ihrer Haltung, der Kranken gegenüber abhing, und leise und geräuschlos wohl, aber mit feste« Schritten stieg sie hinauf und öffnete selber die Thür, welche zu der arme« Verlaffene» führte. Ei» Glück, daß ihr der Anblick erspart worden, wie Jeremias fie gefunden, den» so ärmlich da« Zimmer auch aussehen mochte, so wäre« doch reinlich gehalten und durch« wärmt, und da« Bett dabei so gut, al« es nur in einer so flwinae« Schenke sein konnte. Die Wärterin saß am Bett, al« Helene eintrat, und ?a»d schüchtern auf, die Kranke aber lag, die Augen ge- schloffen, da« bleiche, abgemagerte Antlitz der Thür zugedreht, al- ob sie schliß Helene« ,og sich da« Herz zusammen. Allmächtiger Gott, wie sah die Arme au»?— Wohin war da« fröhliche Lächeln der sonst so liebe» Lippe» verschwunden, wohin da« Roth der Wange«, das schelmische Grübchen im Kinn? Und ol« sie die großen, dunkel» Auge« aufschlug und erstaunt, fast erschreckt die Eintretende anstarrte, da hätte Helene thr um de« Ha!« fliege» und an ihrem Herzen de» Gram au«- w i r t h s ch a f t und ma» wolle„der Frage desvoll- ständige« Ausschlusses fremder land- wirthfchaftlicher Produkte" eher näher trete«, al» der Frage der Eisenzölle. Da habe» wir'« also kurz und rund, wa« das Ziel einer Zollpolitik nach dem Herze« der Hintermänner der „Norddeutschen Allgemeinen" ist. Der Pfaner Schelbert wird fich freue», daß da« Kanzlerblatt in seine Fußtapfen tritt; vielleicht beklagt er sich gar darüber, daß ma« seine große Zdee von ihm geborgt hat, ohne ihn um Erlaubniß zu fragen. Die„Norddeutsche Allgemeine' und der„Butter- pfarrer täuschen sich indeffen alle beide. Die Nothlage der Landwirthschaft, soweit einesolchevorhanden, entspringt nichtauS dem Mangel an hohen Zöllen, sonder«, wa« wir schon so oft betont haben, aus der sinkende« KousumtionSkraft der Massen. Es werden heute immer»och Löhne gedrückt und Hände überflüssig gemacht. Diese Tendenz der Industrie drückt unmittelbar die Lebenthaltung der Arbeiter herab und ihr folgt das Ueberwiegen de» Angebots von Lebensmitteln und Gebrauchsgegenstände» über die Nachftage. Das Sinke« der LebenSmsttelpreife, soweit e« vorhanden, nützt dem Ar- beiter aber nichts, weil sein Verdienst weit rascher gesunken ist; Landwirthschaft und Kleingewerbe aber haben die Nach« theile, die au« diesem Verhältniß entstehen, mit zu tragen. Ma» kann beim kleine» Bauer, dessen Grundstück mit Hypotheken belastet ist und der für sein Korn, sein Vieh und sein Gemüse nur niedrige Preise erziele« oder e« gar nicht absetzen kann, von einem Nothstand reden; nur mögen stch nicht die Herren Agrarier zu AnwSlte» de» kleinen Grundbesitze« aufwerfe«. Was diese Herren wolle», wisse» wir sehr gut; ma« hat beim Branntweinmonopol ge- sehe«, wa« fie vom Staate verlange». Ihne» aber wird die „Norddeutsche Allgemeine" wohl au« der Seele gesprochen habe». Wenn ma» de« durch die Schutzzölle entstandene» Zollkrieg betrachtet, der fich nun beinahe überall an unsere» Grenzen abspielt, so sollte ma« meinen, schon dieser Zoll- krieg müßte Jedermann gründlich bekehren, der von unserem gegenwärtige« Prohibitivsystem eine Besserung unserer wirthschaftltche« Lage erwartet. Nu« stellt da«„freiwillige" Regierungsorga» als Ziel der Zollpolitik eine vollständig mittelalterliche Abspenung der Grenzen gegen alle ftemden landwirthschaftliche» Produkte hin! Schöne Aussichten! Und da» soll im 19. Jahrhundert einer ganzen Nation auf- erlegt»erde»„im Interesse der Landwirthschaft!' Mau muß wirklich fürchte«, die alte Mutter Erde, die genug giebt, um alle zu ernähre», könnte einmal boshaft und ärgerlich werde«, wen» fie so zusieht, wie die Menschen bemüht find, die Spende» der Natur einander abzuschneiden und sich das Leben zu erschwere«. Wenn fie einmal sage« weinen möge», der ihr die Seele zusammenschnürte. Aber fie bezwang sich. „Meine liebe Paula,' sagte fie, indem fie mit lautlosem Schritt dem Bett zuglstt und die herabhangende, fast durch- fichttge Hand erfaßte,„mein liebe», süße» Herz, wie geht e« Dir?' Paula antwortete ihr nicht. Mit immer wachsendem Staune« betrachtete fie die bekannte« Züge, lauschte sie den zättlichea, liebevolle« Laute». „Kennst Du mich nicht mehr, Paula?" „Doch, doch," flüsterte die Kranke,„Du bist der Engel, de» ich herbeigesehnt und der mich dorthin führe« soll, wo kein Schmerz und Kummer, kein Haß, keine Falschheit mehr ist— o. ich danke Dir, Gott, danke Dir recht au« voller Seele, daß meine Leide« jetzt ein Ende nehme»! O, wie leicht wirtf mir, wie wohl, wie froh, o, nimm mich zu Dir I Dew arme«, armes Kind— o laß mich scheiden!" Sie fiel zurück, Todtenbläffe deckte ihre Züge, fie war ohnmächtig geworden. Helene sprach kein Wort, nur ihr Tuch tauchte sie in kalte« Wasser und legte e» der Kranke« um die Schläfe, hielt ihr ei« mitgebrachte« Flacon unter die Nase und that Alle« still und geräuschlos, um sie ins Lebe« zurück- zurufe«. Der Arzt hatte fie dabei unterstützt. „Es wird vorübergehe»,' flüsterte er leise,„bleiben Sie stark, gnädige Frau— vielleicht geht doch«och Alles gut." Nach einer langen Weile schlug Paula die Auge« wieder auf. Helene war über fie gebeugt und ihre Blicke begegnete« fich. „So Hab' ich nicht geträumt," sagte Paula leise,„der Engel ist bei mir geblieben." Meine Paula, mein süße», liebe« Herz, kennst Du mich den« nicht mehr? Kennst Du Deine Helene nicht?" „Helene? Helene Rottack?' flüsterte die Kranke. Aber wie kommen Sie denn hieher, Frau Gräfin? Wie ist mir den«? Bin ich den« nicht...?" „Ich habe Dich gesucht und gefunden, Herz!" rief Helene, die nur mit Gewalt die vorquellende« Thränen zu- würde: Da fich Alle fortwährend streite», so kriegt Keiner mehr etwa«!»o bliebe» da die schönen Theorien der Herren mit dem Schutz der«attonale« Arbeit? Der Fall wird wohl kaum eintrete«, aber die Weisheit des Herrn Butterpfarrers und der„Norddeutschen Allge- meinen" steigt deshalb doch nicht im Kur«. Politische Urberstcht. Die diesjährige Geveralversammlung des Verein« für Sozialpolitik wird am 24. und 25. September in Frank' surt a. M. abgehalten werden. Auf der Tagesordnung befin» den fich: WohnungSnoth und innere Kolonrsation. Am ersten Tage wird Herr Oberbürgermeister Dr. Uiquel(Frankfurt a. M.) über„Die WohnungSverhältniffe der ärmeren Klaffen in deut. schen Großstädten" refettren; daS Korreferat hat Herr Pastor v. Bodelschwingh(Bielefeld) übernommen. An zweiter Stelle soll„Die innere Kolonisation mit Rückstcht auf die Erkaltung und Vermehrung deS mittleren und kleineren ländlichen Grund» befitzeS" von den Herren RittergutSdefitzer Sombart(Lerlin) und Profeffor Dr. Schmoller(Berlin) eingeleitet und erörtert werden.— Der Verein für Sozialpolitik wurde bekanntlich im Anfang der fiebziger Jahre gegründet, um die Opposttion der deutschen„Wiffenschafl" gegen da« Manchestetihum zusammen. zufassen. Die rückgratlosen deutschen Professoren wagten von Anfang an nicht, energisch aufzutreten, und seit nun gar Bti. marck offen dem Manchefierthum den Krieg erklärt hat, haben die„Kathedersozialisten" von selber auf jede führende Rolle verzichtet und stch mehr und mehr damit begnügt, zu allen Einfällen Seiner Durchlaucht, selbst zu den agrarischen und schutzzöllnerischen, eine wiffenschaftliche Sauce zu bereiten, ohne die der gründliche Deutsche auch die gewöhnlichste Jntereffen. polttik nun einmal nicht goutiren mag. Wie die englischen f arlammtl» und Regierungsenqueten, stnd die Leistungm dieser lite der zukünftigen deutschm Nationalölonomen von Jahr zu Jahr schwächer geworden; ei hält schwer, auf denjährltchen Versammlungen überhaupt noch eine Diskusston zu Stande zu bringen— wie lange wird e« dauern, daß der Verein vollends aufgehött haben wird zu vegetirm? Herr Miquel spielt j'tzt eine führende Rolle unter dm Sozialpolitikern und kein Mann wäre au» besser dazu geeignet. al« dieser Leisetreter und nacgfaftcn ♦Qtxtt» _ Die Zollkämpfe gestalten fich namentlich zwischen Deutschland und Rußland recht unerfreulich. Seitdem im Deutschen Reiche die Zollerhöhungen stattgefunden haben, ist die Ausfuhr nach Rußland der dortigen Represstvmaßregeln halber von 228 Millionm auf 169 Millionen Mark zurückge» aangen. Diese Antwott ist allzu deutlich und zeigt, welche ver. kehrten Wege wir mit unserer gegenwärtigen Zoll- und Wirth. schaftSpolitik wandeln. Wenn ei nun osstziösm Schreibern ge« fällt, die Hauptschuld an dieser Situation auf Rußland ,u schieben, indem man von der unersättlichen Habsucht der rufst- schm Fabttkanten nnd den schlechten rusfischen Finanzen redet, rückdränge« mußte.„Jetzt bleib' ich bei Dir, ich gehe nicht wieder von Dir fort, bis Du auf's Neue wohl und gesund und kräftig bist. Darf ich bei Dir bleibe«?' „Bei mir?' flüsterte Paula, während ihr Blick scheu im Zimmer umherflog.„Bei mir, der Ausgestoßene«, die ihre» Bruder und Vater gemordet hat? Bei mir?" Und dabei suchte sie Helmen« Hand von fich fottzudrücken. „Geh', geh' fort, daß Dich nicht auch der Fluch trifft, der auf mir ruht I" „Aber wa» sprichst Du Paula?" „Ich weiß Alle«,' flüsterte die Arme,„in dm Zkiw». m stand e«, die ich draußm gelesen— Alles— Alle« I ), daß ich gestorbm wäre, um nicht da»— da« zu er- trage« I „Hüten Sie die Kranke vor Auftegung I" flüsterte der Arzt. „Nicht Alle« ist wahr, was in dm Zeitungen steht, mein Herz," suchte Helme sie zu beruhigm;„Der« Vater ist wohl krank, aber er lebt." „Er lebt— ja," sagte Paula düster—„aber wie? O, Helme, und Du hast Dich nicht von mir gewandt, wo mich Alle», Alle« verlaffm?" „Nie, nie, mein arme« Kind," rief die junge Gräfin, „ich bleibe bei Dir; Du darfst mich nicht von Dir weism; e* wird«och Alle« gut werdm— hoffe nur, Paula!' „Alle« gut werde»? Ja," sagte die Arme leise, „wmn ich im Grabe liege— o, daß ich auSruhm könnte von oll' dem Herzeleid!' Sie lag wieder still und ruhig. Helene suchte fie zu trösten, aber fie antwortete nicht mehr, bis ihr Geist auf's Neue an zu wander« begann und wilde, erschreckmde Bilder vor die Seele heraufbeschwor. Sie jammerte dabei«ach ihrem Kinde, das man ihr weggenommm hätte, u»d wollte von ihrem Lager aufspringm, so daß sie nur mit ZJlühe ge- Ktm werdm konnte; dann lag fie wieder halbe Stunde» g still und wie tobt. Der Arzt schüttelte de« Kopf, die Erregung war zu viel für die Kranke gewesen: aber mit eines Engels Ge- duld saß Helme an ihre« Lager die ganze Nacht hindurch, und kein Schlaf kam i« ihre Äugm. S welche derartige Prohibitivzölle, wie ste Rußland jetzt eingeführt, veranlaßt hätten, so möge man doch gefälligst an die eigene Brust klopten. Unsere neue Zollpolitik ist gleichfalls entstanden durch die„unersättliche Habsucht" der deutschen Fabrikanten und der Großgrundbesttzer; dann wurde immer -auf die schlecht« Lage der Reicht ftnanzen hingewiesen, welche neue Zölle, neue Steuern auf Gedrauchtwerthe nothwendig mache, auf die s o u n g e m e t n schlechte Lage der Reichs« flnanzen. die es nicht einmal erwöglicht hat, lumpige 3 Mil» lionen Mark für die nationale Autstellung in Berlin zu de« willigen.— Bei dem ganzen Zollkrieg aber mit Rußland ziehen wir dm Rttntin. Gehen Rußlands Finanzen noch mehr zurück, so trägt Deutschland ganz besonders den Schaden. Rußland» Schuldm lasten auch auf un». Von Berlin au», ja von amtlicher Stelle wmde das Publikum zur Zeichnung auf die rusfische Anllihe von 1884 aufgefordert. Mit ihrem eigenen Gelde haben die Deutschen den Ruffen nicht nur ihre Eismbahnen zu Kriegszwecken(womöglich gegen Deutschland!) sondern auch ihre Fabriken erbaut, die un» jetzt bei den Zoll- kämpfm so ungemeine Konkurrenz machen und unsere Einfuhr nach Rußland immer mehr verringern. Und da» nennt man noch geniale auswärtige Politik!— Wenn nun auch von Deutschland» wie man in gouvemementalm Kreisen vorhat, der Zollkrieg noch mit größerer Erbitterung gegen Rußland gesührt wird, indem man die Einfuhrzölle auf rusfische Roh» Produkte, besonder» auf landwirthschastliche erhöht, so haben nur die Großgrundbefitzer, die jetzt schon staat» begnadeten, den alleinigen Vortheil, während das deutsche Volk auch bei diesem Experiment keinen Vortheil hat, und unsere wirthschaftlichen Verhältniffe noch mehr darunter leiden. Man steht auS Allem, daß u.»ser Vaterland in sozialer Hinficht immer weiter vom Regen in die Traufe geräth. Da» Reichsverftcherungsamt hielt am 12. d. M. die erste öffentliche Sitzung ab. Von den vier Sachen, die zur Verhandlung standen, ist nur eine von prinzipieller Bedmtung. ES handelte fich dabei um die Frage, die bei der Berathung des Gesetzes im Reichitage bereu» eingehend erörtert worden ist, od für ein zurückgebliebene» uneheliche» Kind die gleiche Rente wie für die ehelichen zu bezahlen sei. Ein in Hamburg in Ausübung seine» Berufe» umS Leben gekom« mener Maurer hinterließ außer seiner eigentlichen Familie ein uneheliches Kind, für welches er bi» zum vollendeten 14. Leben»« S jähre eine Alimentation von 6 M. für den Monat zu zahlen h verpflichtet hatte. Diese Alimentation erklärte fich die augewerkSgenoffenschaft bereit, weiter zu gewähren, auf Berufung de» Vormunde» de» unehelichen Kinde» setzte daS Schiedsgericht für diese» eine Rente in gleicher Höhe fest, wie für die ehelichen Kinder de» Verunglückten. Auf den von de» Genoffenschaft hiergegen erhobenen Rekurs hob das Reich»« verfichernngsamt heute die Entscheidung deS Schiedsgerichte» auf und bestätigte den Bescheid der Genossenschast. Da» ReichSverficherungSamt ging dabei von der Anficht au», daß der§ 6 de» UnfallverffcherungSgesetzei nur eheliche, legittmirte und adoptirte Kinder im Auge habe und daß uneheliche Kin« der rechtlich überhaupt nicht zu den Kindern de» Vater» ge» rechnet werden können- Diese Auffassung de» ReichSverfiche« rungSamte» entspricht thatsächlich dem Inhalt de»§ 6 des Un« fallvelficherungSgesttze» nach seiner ganzen Entstehungsgeschichte. Vera« bl ich hatten Anträge von Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei, sowie von Frei« finnigen und Nationalliberalen bei der Berathung de» Ge« setzes versucht, die Eristenz unehelicher Kinder von Verunglück« ten in derselben oder in annähernd gleicher Weise zu fichern. E» war nur eine sehr unbedeutende Majorität, welche die Fassung de»§ 6 in der jetzigen Gestalt befürwortete und an« nahm. Die Leitung der Dresdener Arbeiteriunenbewegnng ist dem Beispiele der Berliner VereinSoor stände gefolgt, indem fie umfangreiche Erhebungen über die weiblichen Lohnverhält« niffe unternimmt. Der Geranie, der einer solchen„Privat- enquete" innewohnt, ist ei« äußerst glücklicher. Nur auf Grund de» dadurch herbeigeschafften Matertal» kann fich eine praktische, Erfolg versprechende Agitation entwickeln. Weste Kreise werden aufgerüttett und interesfirt; Zahlen reden eben auch ihre Sprache. Und ist auch nicht alle» formgerecht, so erwäge man nm, daß unbemittelte Frauen und Mädchen de» werkthätigen Volke» fich dieser mühseligen Arbeit unverdrossen unterziehen. Schon möglich, daß eine ReichSenquete, die doch zu Anfang dieses JahreS unternommen sein sollte, von deren Resultaten man aber bisher noch nicht» gehört, muftergiliiger ist. Im Uebrigen glauben wir, dienen gerade diese von„unten" her durchgeführten Privatenaueten dazu, dem Staate zu zeigen, daß auch mit wenigen Mitteln Große» erreicht werden kann und daß eS seine Pflicht ist, selbst Hand anzulegen.— Wie in Berlin, so ist auch in Dresden die Form verständlich ad« gefaßter Fragebogen gewähtt worden. ES find im Gamm zrhn Fragen zu deantworren. Wir veröffentlichen dieselben hiermit:„1. In welchem BerufSzweiae arbeiten Sie?— 2. Name und Wohnung de» Arbeitgeber»?— 3. Wie alt find Sie?- 4. Sind Sie verheirathet?— 5. Wieviel Kinder haben Sie?— 6. Wieviel Stunden arbeiten Sie täglich?— Rottack und Jeremias, da der Arzt gegen Abend«ach der Stadt zurück«ußte, wo er auch ein paar gefährliche kranke Patienten hatte, verbracht« die Nacht ebmfall« m trauriger Weise in der Wirthsstube selber, und»och dazu in einem furchtbarm Tabaksdunst, da sich heute eine Menge von Neugierige» eingefunden hatte, um die Fremde» zu sehe«, die gekommen wärm, die kranke Frau abzuholm. Für heute ließ fich aber nicht» mehr daran indem, w orgm konnte vielleicht Rath geschafft werdm. Beide waren ja auch überdies an Beschwerden gewöhnt, und auf Stühlm und Bänke« richtete« fie fich ei», so gut e« eben gehm wollte. Gegen Morgen mdlich war die Kranke eingeschlafen, und Helme warf fich ebmfall« in ihrm Kleidern auf da« «och im Zimmer befindlich« Bett, um ei« klein wmtg zu rühm, während jetzt die Wärterin a» dem Lager der Krankm wachte. Paula schlief lange und sauft, und al» fie endlich er» wachte und die treue Freundin zu ihr trat, schlang fie ihre« Arm um deren Nackm, zog fie zu fich nieder und weinte still. „Meine liebe, liebe Paula, Du darfst Dich nicht wieder auftege», der Arzt hat e» strmg verboten." „Und womit habe ich da» verdient, Frau Gräfin,' flüsterte Paula,„daß Sie mir w mein Elmd gefolgt find?" ,O, nicht dm kaltm Titel, Paula, nicht das fremde Sie,' rief Helme bewegt,„nmne«ich Helme, nenne mich Schwester, dm»r Sott ist mein Zeuge, ich will Dir von jetzt an eine Schwester sein I" „Meine liebe, gute Helme— und Du bist mir nicht böse?" „Zch Dir böse, Herz, wo ich mein«igm Lebm für Dich hingebe» könnte?" „Paula schüttelte leise mtt dem Kopf und schloß die A>mm wieder, und Helme rührte fich nicht wester, um ihr volle und««gestörte Ruhe zu laffm. So lag fie volle zwei Stundm in emer Art von Halb» schlaf, aus dem fie erst durch dm zurückkehrende» Arzt wieder geweckt wurde. 7. Müssen Sie Sonntags arbeiten?— 8. a) Sind Sie daS ganze Jahr hindurch gleichmäßig beschäftigt 1 b) Tritt zeitweise eine ArbeitSoerkürzung ein und welche? c) Treten Pausen(Entlassungen) ein und auf wie lange?— 9. Wieviel verdienen Sie wöchentlich?— 10. Unterstützen Sie Jemanden durch Ihre Ardest?— NamenSunterschrift.— Wohnung.— ES wird gebetm, die Angaben streng wahrheitsgemäß zu machen, da die Namen der Ardesterinnen Geheimniß der statistischm Kommisston bleiben."— Die Fragebogen find in Dresden an 18 Stellen zu entnehmen, außerdem in Löbtau, Pieschen, Neu-Coschütz und Striesen. Binnen vier Tagen hat die Rückgabe zu erfolgen. Da» Institut der Einjährig-Freiwilligen. Erörterungen über eine Reform der Bestimmungen bezüglich deS einjährig» freiwilligen Militärdienstes, denen man jetzt vielfach in den Blättern begegnet, haben nach Erkundigungen, welche die „Magdeb. Ztg." eingezogen,„nur einen rein akademischen Charakter". ES liegt seit längerer Zeit„in der Abficht, auf diesem Gebiete umfangreiche Veränderungen ein» treten zu lassen: in welcher Weise die» indessen aeschehm soll, ist weiteren Festsetzungen vorbehalten. Beschlüsse find nach keiner Richtung hin gefaßt." Bestrafung von Landstreichern und Bettler«. Nach amtlichen Erhebungen ergingen folgende Bestrafungen im Reich: 1877: 219514, 1878: 280518, 1879: 316 846, 1880: 820 548, 1881: 319 359, 1882: 278140, 1883: 242473, 1884: 203 578. Die höchste Zahl von Bestrafungen bat danach im Jahre 1880 stattgefunden. Seitdem nimmt die Zahl ab, worauf die Er- richtung von Ardeiterkolonien und Pflegestationcn nicht-ohne Einfluß sein dürfte. Im Durchschnitt kommen jährlich auf 10 000 Einwohner im Reiche 60,3 Bestrafungen. Die einzelnen deutschen Staaten, geordnet nach der Anzahl der Straffälle, welche in dm Jahren 1877 bi» 1884 im Durchschnitt jährlich auf 10000 Einwohner nach der Zählung von 1880 kommen, nehmen nachstehende Reihenfolge ein: Bayern 137,6, Meck- lendurg-Schwerin 1239, Württemberg III, Schaum« bürg«Lippe 96,9, Baden 90,4, Lübeck 69,6, Hamburg 32,8, Hessen 78,5, Sachsen 76 8, Schwarzburg- Rudolstadt 75,1, Mecklendurg-Strelitz 726, Sachsen-Altenburg 72,1. Oldenburg 62,2, daS Reich 60,3, Braunschweig 54,3, Sachsen. Koburg« Gotha 48,3, Reuß ältere Linie 48,1, Sachsen- Weimar 47,1, Lippe 42,8, Elsaß-Lothringen 39,8, Preußen 38,2, Schwarzburg. Sonder hausen 23,8, Walveck, 26,5, Sachsen- Meiningen 24,3, Anhalt 23,7, Bremen 18,6, Reuß jüngere Linie 12,1 Straffälle. Polnische». Die,»Posen« Zettung" entnimmt dem „Lrendownik", daß die Polizeiverwaltung in Ostrowo vor den jetzigen Schulferien alle Schüler de» dortigen GymnafiumS, welche in Rusfisch-Polen heimathsberechtigt find, zu fich be- schieden und denselben eröffnet Hobe, ei sei ihnen nur gestattet, die genannte Schulanstalt bi» zu Michaeli diese» Jahre» be« suchen zu dürfen.— Ueberraschen könnte diese Maßregel der Regierung keineswegs; fie wäre lediglich eine weitere Konsequenz de» strengen Prinzips, welche» gegenüber dm Ausländern im allgemeinen und den Polm im desonderm zur Zeit durchge« führt wird. Im Gegentheil könnte man fich wundern, daß man den polnischen Gymnostasten noch eine so weite Frist bi» zum Ottober dewilligte, während man anderwärts verwaisten, hilflosen Kindern kaum wenige Wochm bis zum Tage ihre« AdschubeS zugestand. Bon der rnsfische« Grenze, 9. Juli. Kein Monat ver- geht, so schreibt die„Danz. Ztg.", ohne Uebergriffe in« serer rusfischm Grenznachbarn. In der vorigen Woche er» schimen bei einem Befitzer in der Nähe von MiefionSkowo ein russtscher Hauptmann, ein Wachtmeister und ein Kosak zu Pferde, zäumten ohne lange Umschweife ein Pferd de» Be» fitzerS auf und machten Mime, eS über die Grenz« nach Ruß- land zu mtführen. Der Befitzer protestirte ganz entschieden hiergegm, e» half ihm aber nicht»; die Ruffm meinten, da» Pferd sei auS Rußland herübergeschmugaelt worden und sie müßten e» daher wieder zurückholen. AIS der Befitzer sah, daß die Ruffen von ihrem Vorhaben nicht abzubringen warm, wandte er fich an seine Nachbarn um Hilfe. Diese eitten, mit Dung- und Heugabeln bewaffnet, herbei, griffen die Russen muthig an, nahmm ihnen die Beute ad und triebm fie über die msfische Grenze zurück. Durch die Zolluovelle de» vorigen Jahre» find die Zölle auf Oele, Oelsaaten und Oelfrüchte nach langem Kampfe der Jntereffmten im Reichstage in manchen Puntten geändert worden. Auf Oelsaaten und Oelfrüchte, auSgmommm Leinsaat, Baumwollensaat, RizwuSsaat, Palm- kerne und Kopra, ist ein Zoll von 2 Mark nm eingeführt worden. Den Einfluß deffelbm schildert der Jahresbericht der Aeltesten der Kaufmannschaft von Magdeburg folgender- maßen:„Die Bestimmung fällt für zwei beachtenSwerthe Zweige deutscher VerkebrSthätigkeit, nämlich den Handel mit den Kolonien und die Oelindustrie, schwer in» Gewicht, denn eineStheil» können bekannte Oelfrüchte, wie Erdnüsse, Lichtnüsse, Sesamsaat, nicht mehr im früherm Umfange verwendet werden, «eil fich da» Oel für Seifenfabrikation durch den Zoll gegen« über anderen Fetten zu hoch rechnen und nur Speiseöl vielleicht Trotz der furchtbarm Auflegung be» vergangene« Abend« fand er die Kranke aber heute bedeutend besser. Der Puls ging ruhiger und da» Auge war klarer. Sie hatte jetzt Helenm» Hand gefaßt, die fie, ohne ein Wort zu fprechm, festhielt, al» ob fie Furcht hätte, daß sie ihr wieder mtzogm werdm könnte. Helme hielt mit einer rührmdm Geduld bei ihr au», streichelte ihre Wange, küßte ihre Stirn und behandelte fie wie ein kranke« Kmd, da» nur durch Liebkofungm beschwichtigt sei« will. Rottack flagte dm Arzt, ob er einm Transport der Kranke»«ach der nächste« Stadt wenigsten» für möglich halte; davon wollte dieser aber nicht« wiffm, auf keinen Fall für die Folam stehe», und er unterblieb deshalb. Der Arzt sorgte aber doch dafür, daß die beide# Herren wenigsten» ei» bessere« Quartier und ein paar Bettm bei dem Geistliche« bekommen konntm, der fie in liebmSwürdiger Weife aufnahm und nicht einmal darin«achließ, al» er er» fuhr, daß fi«„Ketzer' wäre». Tr selber hatte schon die arme kranke Frau besucht und ihr auch in der That wmig- sten« da»»othdürftige Unterkommen bei dm arme» Leutm besorgt, und freute fich jetzt auflichtig, daß ihr die nöthige Hilfe geworden war. So verginge« vierzehn volle Tage, in dme« da» Be- finde» der Krankm herüber und hinüber schwankte. Mit heftigen Anfällm ausbrechender Phantafim wechselte« Tage der Ruhe— aber die Anfälle wurdm seltmer und schwä- cher, und der junge, kräftige Körper Paula'» überwand md- lich die furchtbare Mißhandlung, die er erlittm hatte und der er fast unterlegen wäre. Wie fich aber ihre Nerve« kräftigtm, schloß fie fich so viel inniger an Helme an, die wieder ihrersett» keine Mühe und Aufopferung schmte, wo e» der Pfiege ihre« geliebte» Schützling« aalt. Nach vier Woche« etwa gestand mdlich der Arzt die Möglichkeit zu, die Kranke nicht allein in die nächst« Stadt, sondern anch gleich»ach Prag tranSportirm zu könne», wo sie doch bessere Pflege und Bequemlichkett fand, und wen« auch noch jede nur mögliche vorficht gebraucht werde» mußte, hoffte er doch, daß die Reif« ohne Gefahr für sie ablaufe« würde.' Rechnung geben würde, anderntheilS aber verhindert der Zoll die Einführung neuer Oelfrüchte, die bei E.forfchung der Flot- unserer Kolonial-Gebiete aufgefunden werden. Da manche ölhaltige Saaten nur 20 Proz. Oel und 80 Proz. Kuchen liefeft auslandische Kuchen aber keinem Zoll unterworfen find, so muj der gesammte Saat- Zoll auf da» Oel gerechnet werden, v& theuert dasselbe also um volle 10 Mark." Au» Bayern. Die Münchener„N. N." schreiben: 9W dm Personen, die fich am Abend deS 8. Mai 1886 in d« demokratischen Versammlung in der„Neum Welt" befandeil und nach der erfolgten polizeilichm Auflösung nicht sofort ew- ferntm, erhielten kürzlich mittels StrafdefehIS Verschiedene W zu einer Woche Gefängniß. Unter den„Renitenten" befand fich damal« auch der ultramontane Abgeordnelt Haberland, welcher in einem anstoßenden NedenziwiNtl fich auf» Gemüthlichste mtt seinen Parlamentskollegen KrSb«, Auer und Bebel unterhielt. Oesterreich- Ungar«. Die„Narsdni Listy" veröffenttichen die smsationelle Nach richt, daß mit Baron Chertcc, dem Letter der böhmisch» FinanzlandeSdirektion, wegen Uebernahme de» Finanz' Ministeriums verhandelt werde, nachdem DunajewSki»» seine Entlassung angesucht habe. Chertec, welcher lnrze fl» dem HandelSamte vorstand, wurde bald nach dem AmrSantw DunajewSki'« nach Prag versetzt. Die„N. Fr. Pr." schreibt: Wie weit e» die Versöhnung S p o l i t i k in fiebm Jahren gebracht, daS kann Heu« Graf Taaffe von seinen intimsten Freunden selbst vernehmer- Unter der Aufschrist:„So geht eS nicht weiter l" bringt W Prager„P o l i t i k" de» CzechenführerS Rieger eine StSitt" runa der nationalen Verhältnisse, die an etndrinalrcher Beredsamkeit nicht» zu wünschen übrig läßt. Der Nationalitäteff Hader— erklärt da» Czechenorgan— habe fich in Oesterreilt nachgerade derattig verschärft, daß die Lage unerträglich ß» werden beginnt. Die Scheidung der nationalen Elemente moltt von Tag zu Tag die bedauerltchstm Fortschritte.„Diese widernatürliche Scheidung feiert dermalen förmliche Orgien, un! zwar nicht in räumlich beschränktm T heilen der Monarchü sondern mehr oder weniger überall, wo fich verschiedene Ratio- nalitäten berühren. Hier werden von deutschen Gemeinderäthe» slavische Bewerber feierlich von allen städtischen Aemtern au» geschloffen, dort werden Gasthäuser und Vergnügungslokale oo« nationalem Standpuntte auf die ProskriptionSliste gesetzt. rufSstände ein« und desselben Lande«, welche durch die gemein' samen Interessen auf dm mgsten Zusammenhang angewiesi» find, werden au» angeblich nationalen Rückfichten gewaltsa» auseinander gerissen und verfeindet. Bis in da» HeiligthiA der Familie dringt der nationale Hader ein, und kein Gedi«- läßt er verschont. ES kann keinem Dichter mehr ein DenW gesetzt werden, ohne daß fich der nationale Hader daran efli- fachm würde, und die verwickeltstm archäologischen und valäo' graphischen Fragen der Wissenschaft arten sofort in böswillig Streit au», in welchem nationale Mißgunst, Neid und 3)*' leumdungSsucht die Hauptrolle spielm. Wenn ein Fremde diese Verhältnisse studirt, so muß er schier zu der Ueberzeugu»S gelangen, daß Oesterreich nicht von Brüdern b«' w o h n t i st, die fich in Treue und Liebe zugethan find, so»! dem von lauter erbtttetten, gereizten und nach jedem Anloi zum Strett eifrig suchmven Widersachem; der betrübte Bürgss dieses Staate» aber begreift vollkommen, daß e» so— nit' w e i t e r g? h t I" DaS also ist daS Resuttat der siebenjährig«» Aera! Die treuestm Anhänger de» Kabinet» Taaffe jammer», daß die Lage unerträglich sei, daß e» nicht so weitergehe. Belgien. A Die Frage der allgemeinen Wehrpflicht wird zwar KJ eifrig besprochen, und man muthet auch der Regierung eW darauf bezügliche Projette zu, allein man wird gut thun, Jf Organisation eingegeben worden, sondem, wie man der„flrrW Ztg." au» Brüssel schreibt, durch die Furcht, dal eine« Tage« die zumeist den Ärbeiterkreiseo entnommenen Soldaten nicht mehr ganz»»», läßlich werden könnten. Da nun alle halbwIung von 240000 Dollars. Nach einer in St. LouiS angestellten Berechnung haben Freudengeschrei, daß die Leute au» der Etage unter ihm her- ausstürzten, weil fie glaubte», e« wäre Jemandem ein Un- glück begegnet. Jeremias mußte jetzt erzählen, aber er that da« nur in aller Kürze, denn er selber war mtt seiner Zett gedrängt; wie er aber zuletzt im Name» de» Grafen Rottack die zehn Louisd'or aus der Tasche nahm und auf dm Tisch legte, stand der Souffleur starr vor Schreck und Staune«. Er wollte H erst gar nicht glaube«, daß sie sei» Eigenthum sei« sollte«, blo« dafür, daß er einen Abend mit„Stelzhammer gekneipt." Al» e« ihm dieser aber wieder und wieder ver- sicherte und er fie in die Hand genommen nnd gewogen, und wieder auf dm Tisch gelegt und sich«och einmal hatte bestätigm lassen, daß da» fortan sei« Eigenthum sei, da kannte seine Ausgelassenheit keine Grenzm. Wie ei« Rasender sprang er in der Swbe herum, den Fez schleuderte er in die Ecke, ei» Pantoffel flog da, einer dorthin, und da« Hau« dröhnte von seine« Jubelrufe«, die dem Kriegsgeheul der Indianer nicht unähnlich waren. Jeremias beruhigte ihn nur mtt der größten Mühe, und als er fich endlich zufrieden gab, wollte er absolut in seine Kleider fahren, um mit seinem kleinen Wohlthäter, heute natürlich auf eigene Kosten, auSzuprobire», wo der beste Wein se». Jeremias wußte aber recht gut, daß er ihn dann dm ganze« Tag nicht wieder los würde, versprach ihm deshalb, wm» er e« irgend möglich machen könne, in einer Stunde etwa wieder herauf zu komme» und ihn abzuholm, und eilte dann in da» Hotel zurück, um von Rottack'« Ab- schied zu nehmm. I« derselbm Zeit, in der Mauser obm w seinem Zimmer fertig angezogm und mit einem schmählichm Durst saß und auf ihn»artete, fuhr Jeremias auf de» Bahnhof hinau» und eine Stunde später gen Haßburg. (Fortsetzung folgt.) die„Ritter der Arbeit" 100 000 Dollars während de» Streik» an den Gould'schen südwefilichm Bahnen ausgegeben, welche Summe von den Mitgliedern de» Verein» au'gcdracht wurde; die Streiker verloren 1000000 Dollar» an nicht zur Zahlung gekommenen Löhnen. Die Eisenbahnbeamten sagm, daß daS Geschäft der Linien sehr verringert wurde, währmd der Verlust an dem den Bahnen gehörigen Eigenthum mehr al» 3 Mill. Dollar beträgt. Afrtk«. Dem„Daily Chronicle" wird au» Kairo unterm 8. d. gemeldet:„In einer heute hier abgehattenen Versammlung, welcher Sir H. D. Aolff, Nudar Pascha, Stt Evelyn Baring, General Stephenson. der egyptische Kriegsminister, General Butler und Oberst Groo« beiwohnten, wurde beschlossen, im Einverständniß mit Lord Wolfeley'S Anficht Verstärkungen nach Wady Haifa zu senden, da die Lage am oberen Nil kri- tisch sein soll. Oberst Grove, welcher eigen» zu dem Zwecke im Aufttage Wolseley't nach Egypten gekommen ist, empsabl un- verzügliches Eingreifen. Zugleich vermtheilte er die Unthätic« kctt der brttischen Truppen in Affuan, da dies« der Grund der furchtbaren Sterblichkeit, welches in der letzten Zeit daselbst ge.- henscht hat, sei. Auch der egyptische Kriegsminister war für sofortigen Vormarsch und drängte zur Befestigung der Grenze, wonach die brttischen Truppen, wie er sagte, fich nach einem gesunderen Garnisonorte zurückziehen könnten. Ebenso empfahl er die Bildung einiger weiterer«ayptischer Rcgi- menter. Diese Vorschläge wurden von der Versammlung an» genommen. soziales mh Arveiterbemegung« Zur Krankeuverflqerung. Seiten» der Regierung ,u Arnsberg st-rd die Polizeibehörden ihre» Bezirks aufgefordert worden, Erhebungen über die Honorare, welche von Aerzten von den Kranlenkassen bezogen wer« den, anzustellen. In dem betr. Reskript wird zur Begrün- duna dieser Maßregel angeführt, e» sei die Wahrnehmung ge« macht worden, daß mehrfach van Setten der Aerzte die Steuerorganisation ver Kaffen benutzt sei, um durch Verein- barungen unter fich Honorarforderungen durchzusetzen, welche zu d en Leist unge n in keinem Verhältniß stän- den. Vielseitig wird auch von den Vorständen der Kranken- kaffen behauptet, die Rechnungen der Apotheker zeigten gegen früher eine abnorme Höhe und wird die Vermuthung laut, e» kämen stellenweise theuere Medikamente zur Anwendung, für welche billigere edenzweckentsprechend angeordnet werden könnten. Ein Züuftlertag der Glaser hat in Stettin statt« gefunden. 19 Jnrungen waren nach der„Freis. Ztg." durch 23 Dclegirte vertreten. Man klagt« darüber, daß auch Meister, welche nicht zu der Innung gehörten, den Metstettitel führten. Der Titel„Jnnungimeister" allein genüge nicht, um den Mit- gliedern der Innung ein besondere« Ansehen vor dem Publikum zu geben. Man beschloß deshalb zu petttioniren, daß im Wege der Gesetzgebung allen Meistern, welche nicht zur Innung gehören, der Meistertitel entzogen werden möchte. Außerdem wurde verhandelt über den TranSpott von Spiegel- und Fensterglas auf dm Eisenbahnen. Von verschiedenen R-dnern wurde betont, daß gerade die letz- tere GlaSgattung auf den Bahnen nicht sachgemäß behandelt würde. Aeußerltch bliedm die Kisten unversehrt, dagegm käme sehr häufig der Inhalt vielfach zerbrochm an. Eine Entscha- digung seitens der Bahnverwaltung stt nur in seltenen Fällen h-rbeizu'übren. E» sei aber auch zu erwähnen, daß Fabrikanten häufig nicht ttne dem zerbrechlichen Inhalt entsprechende Ver« Packung anwendeten. Die oberschlestsche« Großindustriellen erklärten vor kurzer Zeit noch- daß die wirtschaftlichen Verhältnisse in ihrer Gegeno noch derart leidliche seien, daß fie die weibliche Arbeit in der Montanindustrie noch nicht entbehren könnten. Aller« lei Unwadrh-iten haben wir diesen egoistischen Herren schon MSZMM unsere gesammte Industrie, besonder» die Eisen- und Stahl- industtte, gegenwärtig da» traurige Bild ttne» großen Nieder- Ans Knnft und leben. arten am KriedrichSham. Da» sechswöchige ajot Truppe mit dem Sensationsschaustück„Der Gastspiel der...... Flug eines Menschen au» der Kanone" oder„Die lebende Kanonmkugel" geht am 25. Juli zu End«,«m 26. d. MtS. begiebt fich die Gesellschaft nach Kopenhagen, um im„Kopen- Hagener Tivoli" ein neue» Engagement anzutreten. Eine gefährliche Wasserpartte Au» Philadelphia wird unterm 1. Juli aeschrieden: Ein tollkühner Mensch scheint der hiefiae Küfer C. D. Graham zu sein, der am Man- tag in einem risörmigen Fasse durch die Whirlpool Rapids arrsÄn% mittlere Durchmesser beträgt 33 Zoll. Graham wird inwendig in eine am Zentrum vom Deckel und Boden befestigte Hänge- matte geschnallt, so daß er bei sttner gefährlichen Reise nicht an die veitm anschlagm kann. Die Dauben find 2'/, Zoll dick und durch Ventile im D-ckel kann der Mann fich nach Belieben Lust zuführen. Mtt einem halb so großen Fasse wie da» obige, und mtt 40 Pfund«and beschwert wurde ttn Ver- such gemacht und daffelbe passtrte wohlbehatten die Fäll« binnen 3 Minuten; eS tauchte nicht ttn ttn, ige« Mal unter und zttgte keine Schramme, al» eS au» dem Waffer genommen wurde.— Wie der„Voss. Ztg." aus New Nor! telearaphitt wird, hat Graham glücklich über die Stromschnellen de» Niagara hinweg gesetzt. Unfreiwilliger Humor spricht au» nachstehender„Schafft- nachttcht" einer kanadischen Zettung:„Der Stapellauf der „Clythia" ging glücklich von statten. Der Tautaft wurde unter den üblichen Zeremonien von Miß Isabel Campbell voll- zogen, welche dabei eine entzückende Straßentoilette trug. Jhc Gewicht ist 1200 Ton« und sie kann sech» schwere Geschütz« unter Deck haben." ®0ot den Auge« der eigene« Mutter erschösse«. Pest, 13. Juli. Heute Abend gegen 10 Uhr wurden die Be« wohner de» Hause» Ungargaff« 36 durch einen Schuß alarmirt. Im Stiegenhause lag die Leiche eines jungen Manne», des 23jShriaen Schloffergesellen Josef Szebe-uzi, der stch durch ttnen Revolverschuß getövtet hatte. Seine Mutter ist bei dem im Hause wohnhaften Eisendahnbeamten Alexis I. CSetnefy bedtenstet und vollführt« der junge Mann den Selbstmord vor den Augen der unglücklichen Frau, dei welcher er Abends zu Besuche war. ES schttnt über der SzebSnyi schen Famlle, die einst bessere Tage gesehen hat, ein ttgene» V ihä.igniß zu walten. Der Vater de» jungen Mannes war Kassenbeamter in JäSberSny und jagte fich vor»ebn Jahren eine Kugel in den Kopf' ferner hat ttn Bruder Josef SjebSnyi'S ebenfalls durch Selbstmord geendet. Die Epitzevivdustrie des ErzgebiraeS, welche ehemals vielen Leuten ali einziger Erwerbizweig diente, ist schon fett mehreren Jahren im Rückgänge begriffen. Obwohl in den Klöppelschulen mit großem Fleiß« neue Muster ausgeführt und neue Artikel gefertigt werden, ist doch die geklöppelte Spitze nicht mehr der große ltonfumartikel, denn die Konkurrenz der Tüllstickerei einerseits und diejenige deS Spitzenstuhles anderer sestS macht stch ungemein fühlbar. Kaufmäuutsche« Proletariat. Welch großer Ueberfluß an KommiS vorhanden ist, geht daraus hervor, daß auf eine von einem Kölner größeren Geschäft an der Hochstraße auf drei zugleich ausgeschriebene Stellen annähernd 700 Offerten inliefen. Die Drechsler in Leipzig erhalten, wie unwidelsprochen in einer Versammlung auseinandergesetzt wurde, meist einen Lohn von 14—15 M. wöchentlich. Damit aber könne kaum ein Unverheiratheter, geschweige denn ein Verheiratheter auS> kommen. ES wurde b« schloffen, mit in die Arbeiterbewegung einzutreten und neben dem Streben nach Lohnerhöhung auch auf die Einführung dei MaximalarbeitStageS hinzuwirken. Ein Redner bemerkt, daß die Stein wbeiter zu Leipzig, welche sich gegen die Einführung eines MaximalardeitStagS erklärt hätten, noch allzu unmündig in fozialökomomischen Dingen seien, sonst würden fie anders entschieden haben. Die Slrbeiterentlassung in der Siemtnt'sche« Glasfabrik z« Dresden beträgt nicht 1000, sondern ca. 800. Ueber den Grund der Kündigung haben wir berichtet und zwar im wesentlichen richtig. Ein Arbefter der Fabrik macht noch folgende Mittheilungen: ,,WaS die Dauer der betreffen- den Nachtschicht anlangt, so sollte stch dieselbe zwar ursprünglich von 7 AbendS bis Morgens 2 Uhr erstrecken, nach einem von der Direktion aber schließlich erlassenen Anschlage sollte die- selbe aber gar b i I 3 U h r währen. Hinfichtlich der„technischen Gründe", aui welchm die SonntagSarbeit nicht zu besettigen sei, möchten wir unS zu bemerken gestatten, daß die Oefen (Wannrnöfen) während deS Sonntaai der Bedienung allerdings bedürfen; aber hierzu gehören nur etwa drei Mann. Gerade die jetzige Technik der Wannenöfen läßt ei am ehesten zu, die Arbeiter in ihrer großen Masse von der SonntagSarbeit zu befreien. Die Bemerkung, daß der einzelne Arbeiter von der betreffenden Sonntagsschicht nur alle 14 Tage getroffen wird, ist an stch richtig, aber ei muß in Bettacht ge- zogen«erden, daß der Arbeiter an seinem freien Sonntage erst Morgens 4 Uhr von seiner letzten Schicht nach Hause zurückkehrt, und daß hierdurch seine Sonntagsruhe doch wesent- »ich deeintr ächtigt wird. Die erwähnten„Reibereien" können nur ganz bedeutungsloser Art gewesen sein. Wenn ein Ein. zelner in der Aufregung einmal ein unbedachtes Wort spricht, so sollte man dieS doch nicht so Kagisch nehmen. Im Uedrigen vermtheilen wir jedeS ungemeffenc Betragen und wünschen nur, daß alle unsere Kollegen die nöthige Ruhe und Selbst- beherrschung dewahren."— AuS diesen Mtttheilungen geht noch bestimmter die Berechtigung der Arbeiter hervor, die ihnen aufgebürdete SonntagSnacht- Arbett zu verweigern. Gegen solche unerhörte RuSnützung der Arbeitskrast müssen gesetzlich- Schranken aufgebaut werden; hier wird allen verständegen und humanen Menschen so rech» deutlich die Nothwendigkett eineS MaximalardeitStagS vor die Augen geführt. Der Streik der Zimmerlente in Mülhausen t. E. dauert fort, und wie eS scheint, wollm die Arbeiter die von den Meistern festgesetzten Bestimmungen nicht annehmen, sondern eher Mülhausen verlassen, alS stch fügen. Die Meister bitten nach der„Frankf. Ztg."«inen Minimallohn von 3 M. 30 Pf. pro Tag und verlangen, daß bis 7 Uhr Abends gearbeitet wird. Die Gesellen wollen aber nur biS 6 Uhr arbeiten und verlangen 3 M- 20 Pfg. pro Tag. Man steht also, für die Gesellen handelt eS stch hauptsächlich um die Arbttttzett. Streik in Altona. Nachdem die Schmiedemttster die höheren Lohnforderungen der Gesellen abgelehnt, haben 74 Schmiedegesellen die Arbeit niedergelegt. Auch die Korbmacher haben wieder einen neuen Tarif aufgestellt und erklärt, über diejenigen Werkstellen, die denselben nicht annehmen würden, die Sperr« zu verhängen. Pereine und Uersammlungen Kr. Der Lokalverband dentscher Zimmerer, Berlin Zenttum, hielt am Dienstag bei Gratweil eine Geveralversamm- lung ab. Der Kassenbericht für da« 2. Quattal ergab: Einnahme 617,27 M., Ausgabe 379,59 M., mithin Bestand am 30. Juni 237,68 M. Die Mitgliedrrzahl ist von 856 auf 433 zurückgegangen, 161 haben sich abgemeldet; 262 find gestrichen worden.— AuS den Neuwahlen ging der folgend« Vorstand hervor: Darge, 1. Vorfitzender(wiedergewählt). Papst, 2. Vor, fitzender, Thiele, 1. Schriftführer, Plettner. 2. Schriftführer. Jäkel, Kasfirer. Zu Revisoren wurden Hilgenseld und Engel gewählt zu Kontroleuren Fr. Lindner und Kalk.— Herr Jäkel lud zur Bethelltgung an einer Versammlung ein, die üoer acht Tage Linienstraße 8 behufS Gründung einer UnterstützunaS- lasse für Zimmerer stattfinden wird. Herr Settzt thttlre ttn Zirkular de« Vorstandes des Bundes der Bau-, Maurer- und Zimmermttster mit, in welchem derselbe die Kollegen auffordert, behufS Wahl ttneS Gesellen-AuSschuffeS die von ihnen beschäf. tigten Maurer« und Ztmmergesellen getrennt und alphabetisch I«ordnet aufzuführen und anzugeben, wie lange ttn jeder der. elben bei ihnen in Ardett steht. Man«olle, fügte HerrStttzt llnzu, den Gesellen Ausschuß nur durch solche Gesellen wählen äffen, die mindesten» drei Jahre btt einem JnnungSmttster in Arbeit stehen. Er warnt« die Kollegen davor, an ttner solchen Wahl de» Gesellen Ausschusses sich zu berbttligen. Herr Darge wie« darauf hin, daß ttn so gewählter Gesellen. Ausschuß kaum 6 pCt. von der Gesammtzahl der Zimmergesellen Berlin» ver- treten würde. Herr Reuter theilte mit, daß die Innung»- mttster Berlin» die Forderung, daß der Geselle 5. einem und demselben JnnungSmttster drtt Jahre gearbeittt haben müsse, berett» aufgegeben haben. Man wolle jetzt schon jedem Ge- sellen, der bei JnnungSmttstern drtt Jahre gearbr'tet hat, da» Wahlrecht zugestehen. Herr Klemm derichtete, daß in Ham- bürg der Versuch der JnnungSmttster, in der Weise, wir e» jetzt die zur Innung gehörenden Bau-, Maurer, und Zimmer- mttster Berlin» planen, gefügige Gesellen. Ausschüsse zu Standezu bringen, an dem SolidarttätSg-fühl der Gesellen »Ittt*. Juli. Die Affaire gen Tagen eine vom politischen berufene überaus stark besuchte Seraphin Bondi beleuchtete da« der Hoffnung Ausdruck, daß die wissen werden, wa» fie Wähler Schremser wie» Lfister beschäftigte vor ttnt- Verein„Gewervebund" ein- Wählerversammlung. Dr. Vorgehen Pfister'S und gab deuischen Bewohner Wien« mit Herrn Pfister zu thun haben. auf die hochgradige Erregung hin, welche daS Verhalten de» Herrn GemeinderatheS Pfister in ganz Wien, besonder» aber in dem Wahlbezttke Margarethen hervorgerufen Hab«.„Ich spreche", sagte Herr Schremser,„als Mann, welcher den sogenannten unteren Schichttn de» Volkes angehört. Die angeblichen„Demokaten" berufen fich darauf, daß fie ihre Mandate den Fünfgulden-Männem verdanken. DaS ist eine Lüge: die Fünfgulden-Männer haben diese Leutt nicht in den ReichSrath oder in den Gemeinderath tntsendet." Der Redner erzählte sodann detaillitt den Hergang der Affaire Meyer Pfister und mttntt:„Man ist also, wenn man ein unbesonnenes Wott auSfpttcht, nicht mehr vor«ngedcrtt stcher- Die„Berichtigung" Pfister'» in den Journalen kommt mir gerade so vor. wie wenn Jemand, der auf dem Kopfe steht, behaupten will, er stehe auf den Füßen. (Lebhafter Beifall.) Wenn ich heutt an der Stelle Pfister'S wäre, ich würde Anstand nehmen, auf die Sttaße zu treten, ich müßte ja fürchten, daß AlleS mit den Fingern auf mich hinwttst.(Lebhaftt Zustimmung.) Denjenigen, welche Herrn Pfister und dessen Gedahren von früher kennen, kam übrigens sttn neuesteS Heldenstück nicht überraschend. Hat doch Pfister vor ttniger Zell den Gemttnderath Dotzauer aufgefordert, der. selbe möge gegen unS Ausschußmitglieder d«S„Gewerbebun- dei" die Anzeige erstatten, daß wir gehttme Zusammenkünfte abHallen.(Pfui. Rufe.) Herr Dotzauer antwottett jedoch da- malS dem Herrn Pfifier:„Reine Demokratie läßt eS nicht zu, daß ich ein Angeber werde." ES wäre die Pflicht deS Herrn Pfister gewesen, so'ort seine Ehren- stellen niederzulegen.(Lebhafte Zustimmung.) ES muß energisch gegen diesen Menschen Front gemacht werden." (Stürmischer Beifall.) Herr Wtldner erzählte, daß er vor einiger Zeit nach einer Rede, welche er in einer Arbeittrver- sammlung gehallen hatte, wegen Auttttzung gegen die öffent- liche Ruhe angeklagt worden stt. Pfister habe ihm zuvor in einer andern Versammlung zugerufen:„Wir werden Sie schon überwachen, keinen Schtttt dürfen Sie mtt machen, wir wer- den schon alle Ihre Agitationen ausforschen!" Der Vorfitzende ftagte hierauf, ob fich noch Jemand zum Wotte melde. AI» dieS nicht geschah, ergriff Herr Schremser abermals daS Wort und sagte:„Es hat fich also Niemand gefunden, um meine Anwürfe gegen Herrn Pfister zu widerlegen und ihn zu ver- theidigen. Pfister hat e» in der richtigen Erkenntniß de» Umstände«, daß ttn Sturm der Enttüstung die ganz« Wählerschaft ob sttneS Vorgehens durchbraust, vorgezogen, diese unsere öffenttich« Versammlung zu meiden. AuS taktischen Grün« den haben die„Demokraten" heute ttne separate Versammlung einberufen, um dann sagen zu können, daß hier in unserer Versammlung nicht die Anschauung der gesammten Wähler- schaft dei BezitteS zum Ausdruck gekommen stt."(Rufe: Sehr schlau I) Redner beantragte sodann ttne Resolution, wo- nach„1. Wilhelm Pfister aufgefordert wird, sein Mandat alS Gemeinderath der Stadt Wien, sowie alle sttne ihm von der Bürgerschaft dieses BezitteS übertragenen Ehrenstellen so schleunig alS möglich niederzulegen; 2. der Ausschuß deS fünf- ten Wiener Gemeindegebietes vttngend gebeten wird, bttm Gemeinderathe zu beantragen, daß Wilhelm Pfister auf Grund deS Gemeindestatuts auS dem Bezirksausschüsse abberufen werde". Diese Resolution wurde unter stürmischen Beifall»- bezttgungen einstimmig angenommen und dann die Versamm- lung geschloffen.— Herr Pfister hat inzwischen sttn Mandat niedergelegt.— Zu glttcher Zeit mtt der oben skizzitten Ver- sammlung fand auch im Gasthause„Zur Weintraube" eine vom Abgeordneten Dr. Lutger ttnderufene Wähler- Versammlung statt, welche von etwa drtthundett An- hängern desselben besucht war. Dr. Lueger erstattete sttnen Rechenschaftsbericht und beklagte fich über da» Vorgehen sttner Gegner. Hierauf brachte Gemeinderath Dotzauer die Affaire Pfister zm Sprache. Er bemerkte zunächst, daß er jeden Denun- zianten, wer er auch immer stt, erdärmlich finde, und behaup- tete dann, daß nicht Pfister, sondern der Zeuge Schulfinger in der detreffenden GettchtSverhandlung die Frage der MajestätS. beleidigung aufgeworfen habe. Btt diesen Worten wurde Red- ner vom Regierungsvertreter, Polizeikommiffär Weniger, unter- kroch m, welcher erklärte» eine Debatte über diesen Gegenstand nicht zulassen zu können, wttl der RechenschastSberrcht des Dr. Lueger dm einzigm Punkt der Tagesordnung bilde. Ein Wähler beantragte, eS möge speziell für die Besprechung der Affaire Pfister ttne allg-mttne Wählerversammlung einberufen werden, denn jeder Wähler Hab« da» Recht und die Pflicht, über diese ftagltche Angelegmhett gmau unterrichtet zu sttn. Kleine MittheUtwgett. rbahnuufälle. AuS Dresden, 10. Juli, wird gemeldet:„Der gestern Nachmittag von Wim nach Dresden abgegangene Kurterzug ist heute früh 2 Uhr dei Pirna auf die durch die heftigen Regengüsse heradgespülten Erdmassm ge- fahren, wodtt der Zug theilweise entgleiste und 3 Wagen dm Damm herunterstürzten. Es wurde jedoch Niemand verletzt. Der Güterverkehr ist stark gestört und wird vorläufig über eine andere Linie geltttet; die Paffagiere haben umzusteigen. Nach anderen Nachttchtm war eine Steinbruchhalde in Folge von Regengüssen auf die Lokomotive und den Backwagen herabge- stürzt: der Zug entglltfte in Folge deffm theilweise. Wie durch ein Wunder find da« Zugpersonal und die Passagiere unver- sehrt geblieben." Ueber«inen zweiten Eisenbahnunfall wird der„Frankf. Ztg." aui Capellm, 10. Juli, folgende« geschrieben: Auf ttnem Wegübergange zwischen Bad Laubbach und Capellm befand stch ein von den dortigen Basaltdrüchm kommender Steinwagen. Die beiden Pferde waren nicht i« Stande, den schwer- beladenen Wagen über die Gelttse zu bringm, als gerade der 8,20 Uhr fällige Lourierzug herangedraust kam. Trotz Noch- fignal, Gegendampf und Bremsen war der Zusammenstoß un- vermeidlich und erkolgte unter solcher Wucht, daß der Wagen mit seiner Last und den Pferden zur Seite geschleudrrt wurde. Der Lokomotive w iren der rechte Puffer und Zylinder einge- drückt, ferner war oa» Wetterdach de» Führer» beschädigt. Vom Gepäckwagen und dem folgenden ersten Personenwagm wurden die rechtsseitigen Trittbretter thttli abgerissen, theilS beschädigt. Die Gefahr einer Entgleisung war sehr nahe und ist nur durch glücklichm Zufall adgewandt worden; dmn die größten Steine lagen durcheinander auf dem Bahndamm« zerstreut; auch von den Trittbrettern der Eismdahnwagen mußtm Stttntrümmer abgeräumt werdm. Die Maschin« wurde durch eine au» Koblenz berufene ausgewechselt. Dem Führer der Schnellzug»« lokomottve Nr. 121 gebührt für sein« GeifieSgegmwart volle» Lob. Dt« Paffagiere kämm mit dem Schrecken und dreiviertel- stündiger Verspätung davon." Auch in Bremm ereignete fich am Sonnabmd, dm 10. Juli, ttn Unglücksfall, bei welchem leider drei Personen verletzt wur. dm. Bei dem Eisrndahnübergang an der Nordstraße war so- ebm ttn Sandzug passtrt, die Bahnwärter hatten die Barriere für Fußgänger schon geöffnet, zahlreiches Publikum, da» ge- warttt hatte, überschrttt berett» dm Bahnkörper, als ein« ein- zelne Lokomotive— wie die Bahnwärter auisagm unange- meldet— angefahren kam. DaS Publikum stob auseinander, drtt Personm jedoch, zwtt Frauen und ttn Mann, wurden er- faßt und zur Sttte geschleudert. Der Mann wurde lttcht am Kops verletzt, auch ttne Frau erlitt nur eine leichte Verletzung, währmd die andere, ttne etwa fünfzigjährige Näherin, anschei- nmd schwer verwundet liegen blieb. Sie wurde bewußtlos zu ttnem in der Nähe wohnmvm Arzte und später in ttn Dialo- nissenhau» gebracht. Die Wärter waren bereits im Begriff gewesen, auch die Saniert für Fuhrwerk zu öffnen, um den dereit» harrenden Pferdedahnwagm durchzulassm; um ttn Haar hätte da» Unglück also noch bedeutmd größer«erden können. Wien, 11. Juli. Ueber die Auffindung der Leichen der am Großglockner Verunglückten entnehmm wir einem Tele- Em von gestern Nachmittag folgende»:„Die mit der Auf- ng der Verunglückten bettautm Führer brachm unter ng de» Präfidmtm deS AlpenkludS, Herm Juliu» Meurer, gestern um 2 Uhr Morgens auf und klettertm an der smkrecht abfallenden Eismauer hinan, schritten über Eisfelder hinweg und gelangten nach vierstündiger Wanderung unterhalb der schroff absiürzmdm Glocknerwand auf da» Schneefeld, wo die ttgenttiche Aufsuchung stattfindm mußte. Unmittelbar vor ttnem furchtbaren Abgrund stehmd, begannen die Führer die Nachforschung. Mtt drtt Meter langen Stangen stießen fie in die mächtigen Schneemassm, um zu prüfen, od di.selden nicht ttnm harten Körper bergen. Auf diese Weise arbeiteten die Leute zwei Stunden. Um 8 Uhr Morgen» zeigte der Führer Unter» derger au» KalS sttnen Gefährten plötzlich an, daß er mit sttner Stange auf einen harten Körper gestoßen stt. Die anderen suchtm nun an dieser Stelle gleichfalls mit ihren Eilenstangen und konstatirten glttchfallS, daß ttn Körper im Schnee verborgen liege. Die Führer der ganzen Parti« nahmen jetzt die Schaufeln zur Hand und schaufelten langsam den Schnee fort. In der Tiefe von einem Meter fanden fie den Leichnam de» Führers Rangetiner. Rangetiner lag mit dem Kopf nach unten, auf dem Rücken, mit verf ümmten Arme« und Füßen. Der Kopf war zerschmettert, da» G-ficht zerschla- gen, oberhalb der Stirn ttne furchtbare Schramme. Die Mit« nen de» Führers waren verzerrt— er muß also einen schrecklichen Todeskampf durchgemacht haben. Um den Leib Range- tiner'« war ein Seil geschlungen; dasselbe war gespannt, zeigte also an, daß noch ttn zwttter Körper an demselben befestigt sei. Dem Seil entlang wurde« nun die Nachforschungsarbeiten im Schnee fori- gesetzt, nicht ohne große Gefahr für die Arbeitenden, wttl La- winen niedergingen. Nach ttniger Anstrengung wurde auch die Leiche de» Herrn v. Crommelin ausgegraben. Auch diese Lttche zeigte die Spuren deS furchtbaren SiurzeS und die gräßliche Zerstörung durch die Gewalt der Lawinen, durch welche Arme und Füße Verkrümmungen erlitten und die ganze Gestalt unheimlich entstellt wurde. Nun galt e», auch noch den Markgrafen Pallavicini zu finden und auszugraben. Zwei Stunden wurde da» Schneefeld in der angegebenen Weise ab« gesucht, allein ohne Erfolg. Nun beauftragte Herr Meurer die Führer Kehrer und Peter Rubisoier(einen Bruder de» verunglückten Führer«), auf die Glccknerwand zu steigen, um nachzusehen, od dort ttne Spur zu finden ist. Dieser Aufstieg auf die Glocknerwand war ungemein gefährlich, nicht nur weil der Grat scharf ist und der Weg erst im Schnee und Ei» auSgehaum werden muß, sondern auch weil über und unter dm Führern sowie zu ihren Sttten Lawinen niederstürzten. Die beiden Führer kamen jedoch glücklich hinaus! allein auch dieser Versuch blieb erfolglos. Um 12 Uhr Mittag» wurde der Rückzug angttreten und die gefundenen Leiche« mitgenommen. Die Leichm wurden in Säcke genäht und je zwei Führern anvertraut, von denm je einer ttn Sackende an sich nahm. Da» Bild de» Leichenzuge» war ein entsetzliche«. Voran schritten Herr Meurer und zwtt Führer und bahnte« den Weg über da» furchtbare Gietscherfeld, welches fich vom Glocknerkaar herab bis zur Morönenwand der Pasterze in ungeheuren Abstürzen hinzieht. Dann folgten, VorstchtS halbe« in großen Eitfernungm, die Führer, welche die Leichen trugen- Der Transport von der Unglücksstelle zum Pasterzengletschet war ungemein schwierig und gefahrvoll, weil der durch häufig herabstürzende EiSdrocken, die fich vom Gleis bruche dei kleinen im Glocknerkaar eingebetteten Sekun gletscher» loilösen, gefährdet ist. Ueber die Pasterze selbst dann wttter kostete der Transport wohl viel Mühe, war nicht mehr mit Gefahr verbunden. Um 5 Uhr Mittags la der Zug auf dem Pasterzendoden an, wo die Leichen Schlitten gebettet wurden. Die Lttchen blieben über Nacht 0 der Pasterze vor der Franz-Josefshöhe. Heute wurden die- selben nach Heiligmblut gebracht. Wien, 12 Juli.(Vom Großglockner.) Der Präsident Wiener Alpen-Kludi, Herr Meurer, ist heute nach hier zur: gekehrt. Er überbrachte die Nachricht, daß die Auifind Pallaoicini'S nur bei andauernd günstiger Wittemng, also r.. vollständigem Schmelzen de» Schnee», welcher an der Glockne? wand ttn di» anderthalb Meter hoch liegt, möglich«ei. Dabn ist nicht ausgeschlossen, daß die Lttche de» Verunglückt-» üb««' Haupt unauffindbar ist, wmn fie btt dem Schmelzen de» Schnee' in ttne Randklust oder einen Bergschwund geräth. Agram, 11. Juli. Ein wahnfinniger Mörder. 11. April l. I. erschien im Gemttndeamte Vrbanje(Slavon«W ein gewisser Milos Foreikovici mtt der Anzttge, er sei sein« Beschäftigung nach Bäckermeister und erstatte gegen fich stW die Anzeige, daß er im Walde Topolooecz in der verflösse'1«' Nacht einen jungen Wanderburschen ermordet habe. Da» e'- urnirnn in d« Wttt fri ihm zur Last geworden und< gehofft, auf diese Weise am ehesten den Tod, den«r stA beiwünschte, zu finden. Die sofort an Ort und Stelle em dete GerichtSkommisfion fand diese anfangs sehr unwahrsche'"' lich klingende Angade bestätigt, indem an dem angegebenen Orte in der That die Leiche ttnei jungen Menschen, wie der Rttsepaß auSwieS eine» gewissen Johann Herz au»«gram vorgefunden wurde. ForeSkovicS wurde nun dem Semlinn Gerichtshöfe eingeliefert, gab aber durch sttn Benehmen bau Veranlassung, an feinem normalen Geisteszustand ,u zwtt« weshalb er ftttenS der GerichtSärzte einer genaue.. Beobach unterzogen ward. DaS Ergebniß dieser Untersuchung war, ForeSkovicS an Geistesstörung leide, welche charakterifiri durch Austreten von Wahnvorstellungen und von VerfolzuN! wahn, und als originäre chronische Verrückihttt bezeichnet ff den muß. ForeSkovicS stammt auS ttner Familie, in web nachweislich Fälle von GeisteSkrankhettm vorgekommen find, bat auch, wie dem„Best. LI." geschrieben wird, gegen sttne F schon einmal einen Mordversuch unternommen, da er in der 8 Oy I-bte, daß ihn dieselbe vergiften wolle. Anfangs ttn tüchtig«: fleißiger Arbeiter und geschickter selbstständiger Meister, dem j* gut ging, sah er stch später, al» die Geschäfte abwärtS!- gehen anfingen, genöthiat. sein Hau» in Sid, wo er daw� lebte, zu verkaufen. Nun bemächtigte fich sttner auch% Wahnvorstellung, daß ihn seine Ortsgemeinde, der Brudjj seine Gattin, überhaupt alle Serben verfolgen, wttl er i« Hau» an ttnen Katholiken verkauft habe. ForeSkovicS begas ttn unstete« Wanderleben durch Serbien, in Sid, in Vidanr Mittlerweile verbringt er ditt Monate beim königlichen � richtShofe in Vinkorce in Untersuchungshaft wegen deS tat» auf sttne Gattin, er wird aber wegen konstattrter Grifi* störung freigelassen. Von Ott zu Ort wandert er umher; v? au» der Well, die ihn, wie er sagt, anwidere, zu entflwy versucht er e» stch zu erhenken; da ihn dieS nicht gelm» voU'ührt er endlich den Mord an einem jungen Buisch-n, � ihm nichts getban und den er nie vorher gesehen, nur um Gerichte zum Tod« verurthtttt zu werden. Aber auch dieSw' wird er fich vom verhaßten Leben nicht befttten können, die Untersuchung gegen dm Mörder auS Lebensüberdruß wm eingestellt und wird derselbe in die Landet-Jrrenanstalt Stenjeoec überführt werdm. Lemberg, 12. Juli. Der Gerichtslanzlist Friedrich Rtz" erschien gestern in der Wartehalle deS hiesigen Podzaw' Bahnhofes, um sttne Frau, die im verfloffenm Monate sellschast de» Johann Mucha nach Tarnopol durchgegangen ff" und von derm Eintreffen er gestern dmachrichtigt worden? zu erwartm. Zwischen Rychter und dem angekommmm Lff* paar entspann fich im Wartesaal ttn heftiger Wortwechsel. bald in ein Handgemenge auiartete. Rychter holte#1% au» der Rocktasche einen Revolver hervor und schoß denW dreimal gegen den Entführer seiner Frau ab. Blutüben sank Mucha zusammen. Er wurde sofort in»«ranken hau» portirt, währmd der Attmtäter verhaftet wurde. K Echmtedeberg, 11. Juli. Am 9. d. Mt».. fflw unÖ 11 Uhr, ging auf der Schneekoppe ein, rker Regm nieder, daß der«oppmwirth Pohl in der auifetzuna, daß durch die Regmgüsse Hochwasser en konnte, sofort nach der böhmischen unb der schlefischen- nach Groß. Aupa und Krummhübel, Depeschm abgegeben Am 10. Juli wüthete von früh 3 Uhr an auf der Kopf' starker Sturm. ES trat dabei ein Schneegestöber ein. etwa zur WinterSzttt um Wtthnachtm. Der ganze »gel sammt dm Koppmhäusem und der Kapelle war in ttngehüllt. Gegm 10 Uhr Vormittags waren beide V rantwortticher Redakteur», Srouhei« in Berlin. Druck und Verlag von«ax Badtvg in Berlin SW, Beuthstraße 2.- Hi-n« eiffT# Beilage zum Berliner Bolksblatt. Ur. 162 Donnerstag» den 15. Inli 1886. HI IatzB Dir Ziihrrsdkrilhle!>n lniPnschei FMKicheKtim für das Jahr 1885. n. Herr Kopf. _,(Schluf.) Kann n® nun Herr Kopf, der manchcsterliche, Unternehmer. freundliche Fabrikinspektor, wundern, wmn die Arbeiter ihm nttht so entgepenkommen, wie unter anderen Verhältntffen cS sicherlich der Fall wäre? r 11../•••• Auch im abgelaufenen Jahre bin ich 'kitenS der Arbeiter ebenso wenig wie in den Vorjahren be> nickstchtigt worden... Wenn nun auch für Jeden, der unter Arbeitern gelebt hat, diese mißtrauische Haltung derselben nicht neu ist, so ist diese Gleichgiltigleit immerhin de» dauerlich." Wer, wie Herr Kopf, um die Lohn-, Arbeitt», Lebentver» hältniffe det Pioletariatt fich so gut wie gar nicht kümmert, wie augenfällig in seinen Berichten, diesem vupe latio sozial« politischer Jnhalttlostgkeit, fich zeigt, der darf nicht erwarten, daß die Arbeiter ihm oertrauentvoll entsepenkommen. Wir können versichern, daß, wer wirklich unter Arbeitem, d. h. mit den Arbeitern gelebt hat, wer ihr Leben, Leiden, Streben kennt, ganz genau erfahren kann, wo fie der Schuh drückt. Der Bmeaukrat findet den Weg zum Herzen der Arbeiter ää«■Ä,&.n?u grÄÄ wuljt ift. MtffÄÄäÄÄÄÄÄ « i Fabrikwspektorat» zu würdigen weiß, fich nicht an Herrn Anton Kopf wendet, die« ein Urtheil ist, wie et drastischer nicht gefällt werden kann. Möge der Herr Fabrikinspektor fich bemühm, unter den Arbeitern zu leben, mit ihnen verkehren, fich an fie alt an die richtige Schmiede wenden, Über die Beurtheilung der Arbeit». Verhältnisse nicht von dm interesfirten Fabrikanten, sondern von den Arbeitern fich Material Holm, dann wird er keinm Grund «u solchen Klagen haben. ""www, wieder degangen werden wird- beschäftigten 144 Beu arm, wenn eS in ewigem Einerlei dahinginge? Wa» wir Luxus nennen, ist oft ein Th-tl der Kultur selbst; ei ist die Freude an Kunst und Schönheit. Wir würden über seine Berechtigung nicht streitm,»önnten alle für fich diese Berechtigung in gleich-m Maße zur G llung bringen. Dem ist aber nicht so und deshalb wird über den Luxu» nie d«» letzte Wort zutrefft* dm Urtheil» gesprochm werden. N hmen wir die Verhältnisse wie fie find und ziehen dem Luxu» seine Grenzen ohne Lauheit, aber mit Billigkeit. Die Frage, wie weit derselbe«ilaubt sei, wird neuesten» gewöhnlich auch dort ausgeworfen, wo man von Kunstgewerde spricht,- derjenigen Seite des Handwerk», welche noch blühen kann und nicht ohne Zukunft ist. E« bezeichnet da» Kunstgewerbe die Richtung de» Handwerks, die neben der zweckmäßigsten auch die schönste Form de» Erzeugnisses zu erzielen strebt. Wo sonst in der Technik die Hand Fabrikate erzeugte, da haben fast überall dt« Maschinen fie ersetzt und durch Maschinm werden sowohl Riesen appmate al« tausend kleine Artikel, alle Mittel- und Dutzendwaare hergefttllt. Aber da, wo das Handwerk zur Kunst fich erheben kann, wo Feinheit und Verzierung gefordert find, vermag fich noch oft die Hand zu behaupten und der Einzelne ist in der Werkstatt zu leisten im Stande, wa» sonst nur da» Großkapiial in hef- tiger Konkurrenz vollbringt. Ader e» dient da« Kunstgewerbe dem Luxus. Sollte fich der Handwerkerstand in die«bhän» gigkett dieser unsttilichen Macht begeben?„Zwischm dem rein st-rnlkbm und dem rein geistigen Luxus"- so nimmt Theo» vor Müller in einer Schrift über vre Handwerkerfrage da» Wort—„liegt der ästhetische, der nur deshalb recht» und links so vielem Achselzuckm begegnet, weil er eben in der Mitte liegt, da» heißt, weil auch in Bezug auf ihn die alte bis er da« Geficht seiner Frau am Fenster eine« Wagen» entdeckt. S-e steht ihn gleichfalls, öffnet die Thüre, ersteigt zu ihr ei« und steht voll Verwunderung, daß fie allein ist. „Wie geht den« da» zu?' fragt er erstaunt. Madame Movpavo«:.Nu«, die Herren find alle au»- gestiegen, einige gleich in Oiffel, die andern hier, weil ich mir da« Rauchm nicht wollte gefalle» lasse«. Aber warum hast Du den» nicht schon ftüher«ach mir ge- Movpavo»(welcher fich dessen schämt, wa« ihm be- gegnet ist):„Früher? Unmöglich, Kmd l Ich habe die ganze Zett über geschlafe« und bin eben erst wieder erwacht. So, nun geht'» endlich weiter." *# Szene<4. Der Zug hält in Maromme. Plötzlich geht die Koupeethüre auf und Herr und Frau Movpavo» sehe» einen Herr» einsterge«. der die Thüre eiligst schließt und sich sofort in eive Eck« drückt, oh»« fich um sie zu kümmern. Al« jedoch der Zug abgefahre, ist, erhebt er sich, setzt fich bequemer zurecht und schaut fich um. Sowie er Monpavon erblickr, ruft er entrüste» au«:„Herr, wa« fällt Zhoen denn ein? Mich belade» Sie mit Ihrer kleine« Mumie und hier finde ich Sie wieder, eifrig bemüht, die Kour zu schneide«?" Movpavo»(wüthend):„Kour schneide»? Wa» meine» Sie damit, mein Herr? Diele Dame—" Madame Monpavon:„Kleine Mumie? Soll da» heiße» ein Kind— sei« Kwd?" Movpavo«:.Beruhige Dich, Zephprtne, ich will Di« Alle» gestehe«. Wir konnten doch da» Kind nicht etwa be» halte« und adopirre«, also—", Madame Movpavo»(stößt eine» Schrei aus):„O, der Elende, er gesteht e» ei» I" und dabei bricht sie in hef- lige» Schluchzen au«.,_ Movpavo»:„Aber so laß Dw doch nur erst erzählen," Erfahlung gilt, daß die Extreme fich leichter thatsächliche An« eilennung verschaffen als die Vermittelung. Man muß fest> stellen, daß da« ästhetische vedürwlß ganz allgemein in ge« sundem Wachsen begriffen ist. Damit erweitern fich die Grenzen, außerhalb deren die lunstgemäße Form all Luxu« im tadelnden Sinne betrachtet wird. An die ästhetisch desrtedigende Form nicht nur aller schriftstellerischen und rednerischen Leistungen, sondern selbst an die Weise des ge« festigen und rein privaten Verkehrs werden immer höhere An- forderungen gestellt. Wir dürfen bei einem solchen Vergleich« freilich nicht die Zeiten einer weit zurückliegenden Vergangen- heit heranziehen, in welcher die äftheti chen Anschauungen auf allen Kulturgebieten ziemlich gleichartigen und bestimmten Ausdruck gefunden haben, sondern die jüngste Vergangenheit, etwa die erste Hälfte unseres Jahrhunderts, die fich durch den vollständigen Mangel an ästhittschen Ueberzeugungen auszeichnet. Im Vergleich hierzu haben wir einen entschiedenen Forlschritt in der ästhetischen Lebenshaltung gemacht. Die Er- höhung der Ansprüche an die schöne Formder gewerblichen Er- zeugnisse muß aber eine Erhöhung in der Sorgfalt bewirken, mit der diese Erzeugniffe hergestellt werden; dieS bedingt eine größere Arbeitsleistung, die mit höheren Preisen bezahlt wird und die befitzenden oder reichlicher verdiinenden Klaffen werden zu Mehrausgaben für ihre ästhetische Lebenshaltung gezwungen, welche dem Gewerbe zufallen." Diese Worte sagen nur Richtiges. Setzen wir hinzu, daß»olklwirthschaftlich auch ein kleiner Ausgleich erfolgt, wenn die Wohlhabenden davon — natürlich sollen fie fich in paffenden Schranken halten— durch Formenstnn und Schönheittgefühl di-r Be herrscht. Herr von Puttkamer hat ficherlich seine helle Freude daran, wenn er liest: In Altenburg setzte die Stadt einen Beitrag für den Skatkongreß aus; an achthundert Tischen wird gleichzeitig um die moderne Wenzelskrone gerungen wer« den. Oder wenn er liest, daß in Weißens« die Kegelvereine „Sandhase" und„Ratze" au» zehnstündigem PreiSkegeln der Vereine au« ganz Deutschland schließlich noch um die Meister- schaft zu ringen baden. Ohne Zaudern läßt er die Erlaudniß geben, daß der Raucherbund, der mehr alS 150 Vereine mit 3000 Mitgliedern umfaßt,«inen kostümirten Festzug durch die Stadt macht, um fich zum Stiftungsfest hinaus zu begeben. Mag da rauchen, kugeln und skatspielen wer da will. Im Vertrauen gesagt, auch der Schreiber dieser Zellen macht e« Sern mit, aber alle« zu setner Zeit und nicht auf Kosten näher egenderer und wichtigerer Dinge. Diese Art von Verein»« thätigkeit wird von der Behörde liebend gepflegt und gehätschelt. Herr von Puttkamer kalkulict ganz richtig: Wer im Festkomitee fitzt, um die Arrangements für den Raucher-Kongreß zu ver« anstalten, der wird, so nahe ei auch liegt, bei der Frage d«S TabakSmonopols nicht aufgeregt. Der lederne Orden, den er als Oberpfetfenwart trägt, entschädigt ihn für alle». ES ist nicht Zufall, daß solche Vereine und Kongresse jetzt üppig in'» Kraut schießen. Man steht st« gern. Sie lenken von der politischen Thäliak-it ab und fie vermindern die Opposttion, in dem fie die Gleichgiltigkeit an politischen Dingen«höhen. Auch da» ist ein bemelkinSwertbe« Zeichen der Zeit. Sine bemerkcnbwerthe Auffassung von dem Begriffe de? ärztlichen EtandeSehre finvet fich in einer Notiz eines hier erscheinenden medizinischen FachdlatteS. Gegen die in den Tageszeiten gen,— so heißt eS in der betreffenden Notiz— meist in den kleinen Provinzial- und Lokalblättern, fich so häufig wiederholenden öffentlichen Danksagungen von Patienten (meist auS den untersten VolkSklaffm) an Aerzte für die ganz besondere Sorgfalt und Geschicklichkeit, mit der fie ihre Be- Handlung geleitet haben, läßt fich nicht recht etwa« thun. Wir hoffen annehmen zu dürfen, daß dir Kollegen selbst in den meisten Fällen an diesen allerdings mißfälligen und anwidern- den Erklärungen, dt» doch in der Hauptsache darauf derechnet find, dt« Sorgfalt und Geschicklichkeit de» einen Arzte» vor der de« anderen Kollegen h-rvorzuhedtn, keine eigene Schuld tragen, wiewohl eS auch vorkommen mag, daß unehrenhafte Aerzte ihren Klienten die Anregung zu solchen unlauteren Mittelchm Madame Monpavon:„Nun, so warte ich, bis wir»ach Dieppe komme»,«nd dann advptire�ich da» Unglückskind.' Szene 6. Duppe. Ein Herr eilt in fliegender Hast an dem Zuge entlang und blickt angstvoll in jede« Wage«. Endlich springt er in ei» Koupee, au» welchem Kinder» gefchrei ertönt, und gleich darauf sieht man ihn, ein Baby im Arm, wieder aussteige». Ja demselben Augenblick stürze» unsere vier Reisenden auf de» Fremde» zu; Herr Monpa« entreißt ihm da« Kind, während die andere» beiden Herren ihn festhalte« und Madame Monpavon wie anßer fich ruft: „Haltet de» Dieb l' Ein großer Auflauf ist die Folge hievoo, und endlich schiebt sich der ganz« Knäuel in da« Bureau de» Etatton«. Vorsteher«. Einige Polizisten sind gleichfall» zur Hand, sie nehme« den vermeintliche« Kinderdieb zwischen und behandeln ihn nicht gerade glimpflich. S ie Bureauthür wird geschlossen, da« Publikum wird auSgisperrt, und nun kommen die streitenden Parteien zu Athem. Herr und Frau Monpavon, der Weinreisevde und der Holzhändler mache« ihre Aussage», zuletzt kommt der Dieb an die Reihe.! ,WaS wollte« Sie mit de« Kinde?' fährt ihn der Stationsvorsteher an,„wie wußten Sie überhaupt von seiner Gegenwart im Zuge? Sie werde««s nicht leicht finde», Ihre Handlungsweise zu verantworte».' „Ich denke doch, mein Herr," antsvrtete der Dieb, indem er seine von verschiedene« Püffen schmerzende» Arme reibt,„et ist ja mna Kind I Meine Frau ist unterwegs krank geworden, ist in Oissel ausgestiegen und hat mich durch diese« Telegramm(hier zieht er«in Blatt au« der Tasche) angewiesen, da» Kind am Bahnhof in Empfang zu nehme» I" Au« der„Post" nach dem Französtschen von C. B. zur PraxiSoergrößerung geben; im Allgemeinen wird doch wohl die negative Bildung deS resp. Publikum anzuschuldigen sein. Darum wird auch nurdannvonStandeSwegtN,durchEhlenräthe>c.. gegen den betr. Arzt, gegen welchen die Belobigung veröffentlicht wurde, einzuschreiten sein, wenn seine Initiative zu bewehen wäre, waS schwer möglich sein wird. Der Arzt freilich, der häufiger solche Danksagungen über fich ergehen läßt, wird mindesten» in den Verdacht kommen, daß er nicht Leben« klughcit und Energie genug befitzt, um solche Dinge zu verhindern und ein Arzt, der auf seine und deS Standet Ehre hält, wird Mittel zu finden wissen, um diesen schädigen Verherrlichungen ernst- lich entgegen zu treten.— Im großen Publikum wird man diese Anforderungm an die ärztliche StandeSehre nicht ver« stehen. Wer einmal genöthigt gewesen ist, zwei oder mehrere Aerzte an da» Krankenlager eineS Liedm zu rufen und mltan« gesehen hat, wie der Eine und der Andere zögernd und un« ficher an die Behandlung de« Patienten ging, auch wohl nach einer Diagnose, die fich schließlich alS falsch erwieS, behandelte, bis schließlich ein anderer, vielleicht jüngerer Arzt die Krank« beit richtig erkannte und mit Ruhe und Ueberlegenheit die Heilung herbeiführte, der wird fich dagegen verwahren, daß seine öffentliche, tiefempfundene Anerkennung für den betreffen-, dm Arzt, al»„mißfällig" und„anwidernd" und al»„schädigt; Verherrlichung" bezeichnet wird. Dem Arzt aber die Ver hin« derung solcher Veröffentlichungen zur Ehrenpflicht zu machen» daS streitet einfach wider die menschliche Natur. Wie weit der Verkehr in de» Markthallea und die Entwickelung de» GeschästSdetriedeS daselbst hinter dm gebeg« ten Erwartungen zurückgeblieben ist, beweism auch die Vor»: gänge in der am Sonnabmd'stattgehabten außerordentlichen Generaloersammlung der Aktiengesellschaft für Möbeltransport 1 und Aufbewahrung, welche die Spedition der Güter für die Zmtralmarkthalle zu besorgen hat. Et wurde die Eröffnung gemacht, daß weder jetzt noch für die nächste Zukunft ein< finanzieller Erfolg au» dieser Verbindung zu erwartm sei.' Charakteristisch ist übrigens ein Avis, welches den Aktionären von interesfirter Seite vor der außerordentlichm Generalver«.. sammlung zuging, in welcher bekanntlich der AufstchtSrath auf, 10 Mitglieder(bisher 6) verstärkt und ein zwetter Direktor j angestellt werden sollte. In dem AoiS beißt eS:„Ein, wie 1 bcabfichtigt, vergrößerter Verwaltungsapparat bei einem so ge«. ringen ANienkapital(375 000 M., sage dreihundert fünfund« i fiebmzig Tausend Mark!) rückt die Gefahr von MeinungS« I differenzen näher und hemmt eine gedeihliche Entwickelung... 1 Die Anstellung eine« zweiten Direktor« würde den Ausgabe« etat wesentlich erhöhen und vorauSfichtlich eine erhebliche Schmälerung der Dividende Herbeiführen." ES erfolgte die Ablehnung der beiden Antiäge. Gelegentlich etuer Besprechung der Konkurrenz, welche der RcichSpost in Berlin entstanvm ist, wird sehr zur rechten Zeit darauf aufmerksam gemacht, daß in vaqtrn der alte 3 Pfennigtarif für Stadtbriefe ununterbrochen fortbesteht und in Württemberg dieser billige Satz sogar auf den jedeS« maligen Umkrei» von 3 Meilen ausgedehnt ist. Nun degreist« man auch, warum die Bayern und Württemberger so zähe an ihrm Reservatrechtm festhaltm. Und st; machen mit ihrer», 3-Pfennigtarif vielleicht ein bessere« Geschäft, al» die ReichSpost mtt ihrem ö-Pfmnig- resp. lO-Pfennig-Tarif. Et« Bergsturz findet am Freitag Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr in den Rüdersdorfer Kalkbergen statt. Der« i selbe ist besonders interessant, da er im Hochbau, im Nauen« j bruch, ausgeführt wird, wo man eine 120 Fuß hohe Wand niederlegt. Wenn man e» uur versteht, zur richtigen Zeit und in der richtigen Weise seinen PattiotiSmuS in da» richtige Lickt zu stellen, so werden auch die Erfolge nicht ausbleiben. Vor etwa zwei Jahrrn, als die konservative Bewegung im Weste» der Stadt in lebhafter Weise fich kundgab in Folge der regung, welche ihr von einigen konservativen, nur im Intern der konservativen Sache wirkenden Männern gegeben wurde, da erschienen plötzlich eine Anzahl solcher Männer auf der, Bildfläche, von deren konservativer Gesinnung dii dahin nicht» bekannt war und die fich jetzt plötzlich al» Patrioten vom reinsten Waffer aufspielten, von der großen Menge aber; sofort al»„Streber" bezeichnet wurden. Unter diesen Männei», j welche damal« an der Spitze der Bewegung standen, befand fich auch ein„Bankier". Heute befindet fich der Herr, unter denjenigen, welche mit einer neuen Lolterie-Kollekte de- glückt find. Die Trawkaferne in der Waldemarstraße, welche am. 1. Ottoder geräumt wird und die Privatbefitz war— der Gar«' nison-FlSkuS hatte dieselbe nur gemiethet,— ist an die große tferdedahn-Gesellschaft verkaust worden. Die vorhandenen tallungen ließen dieselben für diesen Zweck wie geschaffen er«, scheinen. Kolaende» Kurios«« wird un» von dem Befitzer de« HauseS Z mmerftr. 37 mitgetheitt: Schon früher und auch jetzt halten häufig Personen in einem Hause Nachftage nach jener. Stelle, wo fie zu zahlende Gerichtskosten berichten können. Erst nach dem Hinweise darauf, daß hier wohl ein J-rthum vor- liege, da mein Hau« ein Privat« bezw. Geschäftshaus sei,>» dem fich keine amtliche Geldannahmestelle befinde, sehen Vre, Leutchen genauer auf die gerichtliche Gebührenrecknuna un» 3 finden nun erst herau», daß fie die Kosten im GerichtSgebäuve. Jüdenstraße, Zimmer Nr. 37, zu bezahlen haben!*3 König Ludw a U. an Kai«». Man schreibt der„Allg- Ztg." auS Wien: Eine Reihe von Briefen, welche der ver-, ftorbene König Ludwig u. an den Schauspieler Kainz gericht» haben soll, und, wie wir gerne annehmen wollen, auch wirlliS gerichtet hat, läuft seit kurzem durch die Blätter. Herr Kaint selbst hat fie, kaum daß da« Grad fich über seinem königlich� „freund" geschloffen, der unbeschräntten Orffentlichkeit über«; liefert. Wir wissen nicht, wa» für ihn bei der Veröffent- lichung entscheidend gewesen ist, ob schauspielerische Eitell.» und marttschreterische Reklame, oder der vielleicht verführeris» hoch gebotene oder gewährte Prei» der PceiSgebung, oder«Nf lich beide« zusammen; da« aber wissen wir, daß die V-röffer.t- lichung jener Briefe, und zumal unter den gegebenen IWJ ständen— noch ist e» sogar kontrovers, ob Briefe überhaupt so unbeschränkt in da» Eigenthum de» Empfänger» übergebt», daß er zu jeder Zeit ganz nach eigenem Belieben und Gw' dünken darüber verfügen darf— mindesten« al» eine wen» anständige erscheinen muß, daß,«aS fie etwa geschäftlich ltt' nutzt, nimmer aufwiegen kann, wa» fie fittltch VerwerflittU», an fich trägt, und daß e» niemal» und Niemandem ge statte � sein kann, an ein derart große» Unglück eine ganz gewöhrlico- private Spekulation zu knüpfen.— Wir haben dem ni«>' hinzuzusetzen.. Ein Berliner Familien-Ronean. Draußen im äußerst� i Norden Berlin«, wo daS lärmend« Treiben der Großstadt idyllischer Abgeschiedenhett erstirbt, spielt fich auch so wandte Roman ad, regen fich die Leidenschaften nicht minder mächt'?' al« unter dem südlichen Himmel Italien» oder Spante!''' Der Roman, den wir au» jener Gegend erzählen wollen, u schreibt da»„Verl. Tageblatt", dattrt schon einige Jahre Damal» hatte der Sohn de» reichen Hausbesitzer» F. mit 17jähiiaen Tochter des im selben Hause wohneriden L. e'� kleine Liebschaft angefangen. Vor etwa zwei Jahren hatte v- Don Juan aber seine Gunst einer anderen, gleichfalls in Hause seines Pater» wohnenden jungen Dame zugewendet, lw au« Eifersucht und Rache goß ihm Fräulein L.— nach B rühmtem Pariser Muster— e ficht. Allein Eifersucht macht goß ihm Fräulein L.— nach ■ eine» schönen Tage» Oleum in»% i »t blind, die Attmtäterin verfehlte w Ziel, und der Treulose kam mit einigen geringen Verletzung am Halse davon. Ein Strafantrag wurde wohlweislich n gestellt, die kleine Vittioleuse zog e» indessen vor, daS Hg zu verlassen und fick eine andere Wohnung zu miethen. war im Sommer 1384 geschehen, und im Ottober sollte»an' tigtm< nzwisck letzten! an die denselbe fea h« % ordnete lich auch ihr Vater die bis dabin inneaehadte Wohnung räumen. Derselbe, früher ein wohlhabender Mann, war aber noch zirka 90 Thaler Miethe schuldig, die er nicht bezahlen konnte. Der alte F. bestand aus seine Forderung und machte daS RetentionS- recht an den Möbeln geltend. Da trat Fräulein S-, die mütterltcherseiii ein Vermögen von einigen tausend Thalern besah, in einer Anwandlung von Grohmuth für die rück- ständige Miethe ein und übergab dem tzauswirth zur Etcher- stellung den Depotschein über ihr bei der ReichSbank deponirteS Vermögen. Vater L. konnte nun ausziehen, forderte aber nach einiger Zeit den Depotschein zurück mit der Motioiruna, dah seine Tochter minorenn, also nicht dtSpofitionSfähig sei. Natür- lich wurde dieses Verlangen abgelehnt und e» kam zum Prozeh. In zwei Instanzen wurde der HauSwirth zur Herausgabe de« Depotscheins verurtheilt; derselbe appcllirte j-doch an dai Kammergericht und wie« durch Zeugen nach, dah Fräulein L. im Beisein ihre« Vater« fich für die rückständige Miethe ver- bürgt und den Depotschein übergeben habe. Nunmehr wurde Fräulein L, in deren Namen der Prozeh geführt wurde, zur Zahlung der Miethe kostenpflichtig verurtheilt. Ihr Vater, der inzwischen so weit verarmt ist, dah er Blumenverkäufer geworden ist. gerieth auher fich, alS er die Höhe der Gerichtskosten erfuhr, die im Betrage von mehreren hundert Mark von seiner Tochter getragen werden müffen. Trotz seiner 60 Jahre gerieth er in solche Leidenschaft, daß er dem über 70 Jahre alten F. Rache schwor und sein Vorhaben auch am letzten Eonnabend ausführte. Mit feinem Blumenkorb am Arm trat er Nachmiltag gegen 2 Uhr in die Wohnung de« F.«in, hotte einen sogenannten„Todtschläger" hervor und versetzte seinem Gegner damit mehrere wuchtige Hiebe über den Kopf, um ihn „kalt zu machen", wie er dabei äußerte- Der alte F. setzte fich aber energisch zur Wehre, entriß ihm dm Todtschläger und eilte blutüberströmt und hllferusmd auf den Hof, ali L. ein Mefier gegen ihn zückte. Mehrere Hausbewohner nahmen nun dm L. gebührend in Empfang und stellten ihn wegm feine» Uederfalle» etwa« unsanft zur Rede. Da» sahen mehrere, auf einem gegenüberlitgmden Bau beschäftigte Handwerker, eilten dem L. zu Hilfe und schlugen wieder auf die ihn Angreifenden ein, so dah fich eine wahre Komödie der Jnungen entwickelte, während deren der Urheber fich heimlich au» dem Staube machte. Nach einiger Zeit machte die Polizei der Schlägerei ein Ende, griff den allen L. in einem Kornfelde auf und tran»portirte ihn sofort nach dem Molkenmarkt. Die Schluß» irÄSt Wte°1"""""w- folgen. Di« Ziehung dieser Lotterte deginnt am 30. Juli. Die Notiz t««nserer gestrigen Nummer, betreffmd dm Konkurrenzkampf zweier Geschäfte in der Rosenthalerstrahe. ist, wie wir auS zuverlässiger Quelle erfahren, hauptsächlich gegm die Firma A. Werthhetm gerichtet. Diese Firma bekämpft dm sogmannten gerichtlichen Ausverkauf und ist somit in ihrem autm Recht, Tie in der Notiz gegen die Firma gerichtetm Angriffe find daher augmscheinlick grundlos. MHWM alle Charlottenburger Maurer versammelt und der Altaeselle hieß vm Jubilar mit einer Ansprache willkommen. Der Ehren- trunk wurde dem Gefeierten in dem Glase gespendet, au» dem schon sein Vater und Großvater getrunken hatten, al» sie ,u Gesellen losgesprochen wordm waren. Da» Gla» war in der Lade Jahrzehnte hindurch sorgsam aufbewahrt worden. Am folgenden Tage feierten die Berliner Kollegm den Jubilar durch«in Fest in der Hasenheide, bei welchem ihm ein Pokal al» Angebinde überreicht wurde. Ein» blutarme Arbeiterfrau, die ibrm Mann am ver- floffmm Sonntag verloren, empfing al» Beihilfe zu dm«e» cidigungStoften von der htefigen Klempnertaffe 75 M. Sterbegeld und von dem Chef des Hause», in welchem der verstorben« Mann mehrere Jahre gearbeitet hatte, ca. 40 M. Diese beiden Summen hat fi« in einem Portemonnaie auf dem Wege von der Klepnerkrankenkaffe, Neu« Friedrichstrahe 7, bis nach ihrer Wohnung, AndreaSstr. 40, 4 Tr., wahi scheinlich in der Holz- marktstraße, verlorm. Vielleicht tragen diese Zeilm dazu bei, dah dieselbe wieder in den Befitz ihre» verlorenen Gelde» ge- langt. Hier die Adreffe: Frau Wandelt, AndreaSstrahe 4 Treppen. Ein dreißigjähriger Schlafbursche, d. h. dreißig Jahre hindurch Schlafbursche zu sein, ist in Berlin ficher eine Velten- veit. da das Schlafburschmleben gerade nicht zu den Anne hm- lichkeitm zu zahlen ist. Gewöhnlich trachtet doch ein Jeder danach, fich einen eigenen Hausstand und eine eigene Familie S gründen, oder, sofern Jemand ein unverbefferltcher Ehefetnd , fich eine eigene Behausung zu schaffm und fich nöthigmfall» ein«„Wirth'chafterin" zu halten. Zu einem wahren Unikum aber gestaltet fich ein„dreißigjähriger Schlafbursche", wenn derselbe, ohne zu wechseln, die langjährige Schlasburschenzeit in einer und derselben Familie absolvirt hat. Eine derartige intereffante Persönlichkeit hat Berlin noch bi» vor wmiaen Tagen aufzuweisen gehabt. Anfang» dieser Woche jedoch hat dieser seltm« oder seltsame Mitbürger sein so lange Jahre hin- durch innegehabte« Logt» verlaffen und hat seine letzt« Schlaf- stelle auf dem Frirdhofe der Elisabtth-Gemelndt in der Acker- straßc bezogen, woselbst er fich schon bei Lebzeiten ein stille» Platzchen zur letzten, ewigen Ruhe gekauft hatte. Der Mann soll übrigen» wohlhabend gewesen sein. Unglücksfall beim»estetgt« eive« Pferdebah«. wagen». Trotz aller polizeilichen und privaten Warnungen vor dem«estetgm eine« in Fahrt befindlichen Pferdebahn- wagm» ereignen fich doch noch tagtäglich derartige Unfälle. So versuchte vorgestern«dmd gegen 9 Uhr ein in der Jäger. straße wohnender Kaufmann M. am Prmzlauer Thor einen in voller Fahrt befindlichen Ringdahn-Tramway zu bestetgm, trat dabei fehl, fiel zur Erde und wurde mehrere Meter weit mit- ge schleift. Erst nachdem der Wagen zum Halten gebracht, tonnte M. von Augenzeugen au« ferner gefahrvollen Lage be« Neil werden. Leider erlitt M- neben äußeren Verletzunam auch den Verlust seiner goldenm Rrmontoiruhr mtt Kette. Dieselbe, die drei Äoldkapseln hatte, hat die Nummer 90104 resp. 9104. Eine eutfetzltche Viefseraffatre. welcher allem Anscheine nach wieder ein Mmschmleben zum Opfer fallen wird, spiette fich am Sonntag in der Mitlagiswnde am Spandauer Schiff- whrtSkanal in der Nähe der Jungfernhaide ab. Die beiden arbeitet Wienandt und Frisch, bewo zu den bekannten ,L>olz- nnern' der Jungfernhaide gehörig, waren miteinander in Streit ß«al>n. Wienandt erari fta. waren miteinander as«effer und ging mit demselben � 2"fFUfch lo». dessen G. ficht er bi» zur Unkenntlichkeit damit "b* j' so daß dieser al» todt auf der Stell« liegen blieb. etfoIßUnß de« Wienandt und gelang e» ihnen auch, l« ermitteln, jedoch machte«» große Schwierigkeiten. er. L9" LMest 8« machen, denn er setzte den Beamten den beftig. r* JL{j'.'PPjerftanb entgegen und bedrohte auch fie mit dem Meffer. 1» bf?.«» ♦ gefesselt, mittelst Lasso an dem Pferd« de» Julian >ltt W festigt und so nach dem Amt»gefSngnih in Tegel tranSportirt liegenden Verletzten vor da» Haut de» Herrn Dr. tz. an, um demselben ärztliche Hilfe angedeihen zu laffen. Dieser erklärte jedoch ganz kurz:„er habe jetzt keine Sprechstunde", und lieh den Kranken unbeachtet liegen. Derselbe wurde nun von einem requirirten Heilgehilfen mtt einem Nothverdand versehen und sofort in das Barackenlazareth in Moabit eingeliefert, bis wo> hin er noch immer ohne Bestnnung war. Wienandt ist am Montag, wiederum ficher gefeffelt, ebenfalls nach Moabit trans- portitt und zum UntersuchungS- Gefängnih eingeliefert. Dem Benehmen des Dr. H. gegenüber ist da» mehre er Spazier- gänger Hervorzuheben, die, ungeachtet fie fich im Sonntagsstaat befanden, ihrer Samariterpflicht genügten und dem Schwerver- letzten jede Hilfe angedeihen liehen, bi» der Gendarm fich deS- EwÄtsetzltcher Unglücksfall ereignete fich am Dienstag Nachmittag gegm drei Uhr an der Dragoner- und Münz- straßen Ecke. Die hübsche fiebzehn Jahre alte Tochter deS in der Zehvmickerstr. 8 wohnhaften Kaufmann Gollan, pasfirte um diese Zeit den dortigen Strahendamm, einen Korb am Arm und einen aufgespannten Sonnenschirm tragend, als fie plötz- lich in Folge der durch den Regen erfolgten Schlüpfrigkeit des Damme» ausglitt und zu Boden stürzte und hierbei mit dem Kopfe so unalü�lich zwischen Vorder- und Hinterrad eine» ge- rade vorüberfahrenden beladenen Kohlenwagens fiel, daß ihr im nächsten Moment von dem Rade der Kopf in einer Entsetzen eriegendm Weise zerschmettert wurde. Korb, Sonnenschirm und der ganze Körper bi« zu dm Füßen waren mit blutender Hirnmaffe bespritzt. Die Leiche wurde in den nahen Neubau getragen und nachdem man hier durch einen Zufall die Per- sonalim der Verunglückten festgestellt hatte, der Vater derselben benachrichtigt. Der alte Mann, der bald an der Ur glück» statte erschien, trregte mit seinen Wehklagen um seine einzige Tochter allgemeine« Mitleid. Ein Verschulden an dem Unfälle kann Niemandem, namentlich dem Führer deS Kohlenwagens nicht, zum Vorwurf gemacht werden.__ � Markthallen- Bericht von I. Sandmann, städtischem VerkaufSvermtttler, Berlin, Zentral- Markthalle, den 14. Juli. Gemüse und Obst. ES brachten Pfirfiche per Kiste von 12 bi» 20 Stück 1,00-1,50, Erdbeeren 15-20 Pf. per Pfd., Kirschm 9-15 Pf. per Pfund, Blaubeeren 6-7 M. per Scheffel, reife Stacheldeerm 20-30 Pf. per Pfund, Pfeffer- linge 7 M. per Ztr.. Garkm 15-20 Pf. per Stück, Schoten 3—4 M. per Scheffel, grüne Wallnüffe 45 bi» 50 Pf. per Pfund, Kohlrabi 50-75 Pf. per Schock, Salat 50 bi» 75 Pf.. Kopfkohl 1,20-1,50 M. per Mandel, neue Kartoffeln 3,50—4 M. per Ztr., Blumenkohl 20—40 Pf. per Kopf, Htm- beeren 30-40 Pf, schwarze Johannisbeeren 25 Pf. per Pfund, neue Pflaumm 30 P'., Birnen 35 Pf., Aepfel 35 Pf. per Pfund.— Wild und Geflügel. Es kosten Rehe 60—75 Pf., Hirsche 40-50 Pf., Wildschwein 40- 50 Pf. per Pfd., wilde Entm 080—1,50, Bekassinen 30—70 Pf., junge Gänse 3,00 bi» 4,50 M-, junge Entm 1—1,50 M., junge Hühner 0,90 bis 200, Tauben 30—45 Pf. per Stück, Poularden 4,a0 bis 7 M, alte Hühner 1,00-1 40 M. schwer verkäuflich.— Butter. ES lostet: Feinste Ost- und Westpreuhische 96 bi» 108 M., feine AmtSdutter 90—95, feine Mecklenburger, Prieg- nitzer, Holsteiner rc. 86— 90—92 M, Ii. 80—88 M., Land- butter i. 75—80, U. 65—76, Galizische und andere geringste Smtm 53—66 M. p. 50 Kilo.— Käse. Quadrat-Backsteinkäse 18-23, ll. 12-17 M. p. Ztr. Limburger 30-38 und 16—25 M., echter Emmenthaler 70—80, I. imitirter 50—60, n. 40—45 M.; echter Holländer 68— 75• rheinischer 45—70 M.; echt Neuschateller 4,50 p. 20 Stück. Ramadour in Staniol 46 M., in Pergament 36 M. p. Ztr. Camembert 8—8,50 p. Dtzd— Eier, im Preise steigend, 2,30 p. Schock nach Börsen- usanze.— Fische. OstseelachS 1,20—1,60 p. Ko., Steinbutte 080-1 M., Seezunge 1,00-1,40 p, Kilo, Schellfisch 20 bi» 32 Pf., Zander 80-160 Pf.. Schollt 18-30, Hechte 1,00 bi» 1.60, Aale 80-1,40 M. p. Kilo. Makrele 40-60 Pf. p. St. — Krebfe 1,50-8 M. p. Schock, Hummer 1,20—1.50 M. per Vfd.— Geräucherte Fische dauernd knapp, besonder» große c Gelte 70—80 Pf- P. P und, sranzöfische Fruchttonserven in Büchsen 2,00-3,00 M. p. Kilo. Bratheringe 1,50-1.60 M., Delikateßheringe 1,00-1,50 M, ruistsche Sardinen 1,50 M. Poltzetbericht. Am 13. d. M., früh, wurde eine Frau, welche in einem Pferdebahnwagen plötzlich unwohl geworden »ar. in die Polizeiwache in der Straußbrrgeistraß« gebracht und starb dort trotz sofort herbeigerufener ärztlicher Hilfe nach kurzer Zeit an Lungealähmung.— An demselben Tage erschoß fich ein Mann in seiner gerichtlich vcrstegeltm Wohnung in der Röniggrätzerstrahe, in die er durch'S Fenster eingestregeir war, offenbar au» Kummer über seine gänzlich zerrütteten Ver- mögmSoerhaltniffe.— Zu derselbm Zeit wurde die Leiche eine» etwa 40 Jahre allen Mannet, anscheinend ArbetterS, vor einem Grundstück am Elifabethufer au« dem Louismstädtischm Kanal gezogen.— Ebenfalls am Nachmittag fiel ein Arbeiter im Thorweg de» Neubau«» Gmthinastrahe Nr. 28 plötzlich zu Boden und starb auf der Stelle, wahrscheinlich am Schlagfluß. Sämmtliche Leichen wurden nach dem Leichenschauhause ge- bracht.— Gleichfall» am Nachmittage wurde ein 4 Jahre alter Knabe vor der elterlichen Wohnung in der Rttterstrahe von einem beladenen Heuwagm aberfahren. jedoch nur leicht ver- letzt, und ebenso ein junge« Mädchen in der Münzstrahe, an der Ecke der Dragonerstrahe, von einem deladmen Kohlenivagen überfahren und auf der Stelle getödtet, indem eS beim U-ber- schreiten de» Fahrdamme» ausglitt und dadurch zwischen die Räder de» Wagen» gerieth, ohne dah der nur im Schritt fahrend« Kutscher e» bemerken konnte-— Am Abend desselben Tage» wurde ein Herr in seiner Wobnung in der Nostizstraße todt im Bette liegend vorgefunden. Nach ärztlichem Gutachten ist der Tod schon in der Nacht vorher in Folge Schlagflufsc» erfolgt._ Gerichts-Zeiwug. Gesten» stand die erst« Reihe von Klage« in Sachen der Treppenbeleuchtung vor dem BezirkSau»schuh zur VerHand- lung und Entscheidung. Dieselben wurden gemäß dem in konstanter Rechtsprechung de» Oder-Vern-altungSgkricht» festge- haltenen Grundsatz, dah die Polizeibehörden in Preußen ohne Vorhandensein einer besonderen Verordnung lediglich auf Grund de»§ 10 Th. 2 Tit. 17 A. L.-R. berechtigt find, von dm Hauleigenthümern die Treppenbeleuchtung zu fordern, pure abgewrrsm. Trotz alledem hört in Berlin die leidige unfitte nicht auf, daß die Hausetgenthümer au» Übel ange- drachter Sparsamkett während der Sommermonate die Treppen nicht erleuchten. Um die Polizei zu täuschen, kommt«» selbst in dm sogenannten„herrschaftlichen" Häusern vor, dah nur der Hauiflur und allenfalls die erste Treppe erleuchtet wird. f Die„Berliner Wohuungszeituug" wird von kleinen Jungen ausgetrogen, die ein gelde» Blechschild auf der Brust und auf dem Rücken und«ine große Ledertasche an der Seite durch die Straßen eilen und dm Wohnungssuchenden die Zeiiung überbringen. Unter diesen Austrägern befindet sich auch der kleine Wellnitz, ein dreizebnjähriger, braungebrannter Bursche, der von sehr heißblütiger Natur zu sein scheint. AlS er am 26 April d. IS. mit seinen Blechschildern durch dt« Nostizstraße ging, neckte ihn eine Schaar Jungen und ließ ihn nicht zufrieden. Ja, der größte unter der Schaar, der dreizehn- jährige Paul Hannemann, schlug ihn einige Male mit einem Stocke auf daS lackirte Schild, daö er auf dem Rücken trug. Der kleine Mellnitz lief, um feine« Peinigern zu entgehen, in ein HauS hinein, feine Verfolger aber kamen ihm nach, Hannemann immer an der Spitze. Ein großer Spektakel erhob fich im Haufe, der eine Frau herauslockte, welche die ganze Gesellschaft hinauSttieb. Nun ging die Jagd wieder die Nostizstraße entlang. Mtt einem Male blieb da» gehetzie Wils stehcn und ließ Hannemann, der mit feinem Stocke herumfuchtelte, herankommen. Dann faßte er rasch in die Tasche und stieß dem Hinnemann mtt einem Gegenstande inS Geficht. Hannemann schlug einige Male zu unv Wellnitz nahm wieder die Flucht. Jizwischm warm die übrigen Ver- folget herangekommen.„Du blutest ja," sagte der eine zu Hannemann und wies auf eine Stelle unter dem linkm Auge. Der kleine Mellnitz hatte mit einem Taschenmeffer zugestoßen. Gestern stand er vor der 99. Abthrilung de» hiestgen Schöffen» gericht» unter der Anklage der vorsätzlichen Körprroerletzung mittelst eine» gefährlichen Werkzeuges. Die Verletzung, welche Hannemann davon getragen hat» ist zum Glück ein« leichte gewesen. DieWunde war nichttief und heilte gut. DerGelichtshof oerurthetite den reumüthigen und Tbränen vergießenden Angeklagten zu einer Geldstrafe von 3 Mark. Seine Jugend wurde bei der Strafabmeffung berückfichtigt und der Umstand, daß er in einer gewissen Nothwehr gehandelt habe. Der Vorfitzende er- mahnte den kleinen Sünder, fich die Strafe zur Warnung dienen zu laffen und den Gebrauch des MefferS bei Streitigkeiten etnzufiellen. t In bitterböser Laune war Fräul. Marie PoprawSka, als fie an einen Lehrer und an ven Rektor der 38. Gemeinde- schule zwei umfangreiche„Schreidebriefe" richtet«. Ihr Bruder, der kleine Max, war mit einer Schwiele an der Backe auS der Schule zurückgekehrt, die ihre natürliche Ursache in einer kräf- tigen Ohrfeige hatte, die von Lehrer» Hand gekommen war. Der arm« Junge war natürlich unschuldig. so urtheilte die schwesterliche Liebe, die Züchtigung lebensgefährlich,„wie leicht hätte unserem Max da» Auge ausgeschlagen werden können" und der Lehrer ein Barbar. Fräulein Marie setzte stch hin und verfaßte„im Auftrage meiner Mutter" die beiden Briefe. Man kann stch kaum eine Vorstellung davon machen, wie viel Schimpfwotte auf den vier Sei- ten jedes der beiden Schreiben zu finden find. Der Brief an den Lehrer beginnt mit dem frommen Wunsche, daß„ihm die Hände abfaulen möchten, mit denen er Max ge« schlagen habe". Sodann wird ihm jede Bildung und jeder Anstand abgesprochen und er mtt Virgleichen bevacht, welche feine Klugheit im Vergleich zu der einiger unserer nützlichsten HauSthiere sehr in den Schatten stellen. Den Schluß bildet eine nicht mißzuoerstehende Anspielung auf daS Gesetz der Wüste: Auge um Auge Zahn um Zrhn!— Der Brief an den Rektor ist noch deutlicher und reicher an ungeschminkten Ausdrücken.„Ein etngediloeter, dummer Schlestnger" ist die mildeste Bezeichnung, welche da« zornige Schesterher, erfinnen konnte, um den Lehrer zu bezeichnen. Die beiden Briefempfänger faßten die Sache fihr ungemüthttch auf und denunzirten die Brieffchreiberin und ihre Mutter wegen öffentlicher Beleidigung. Gestern standen Fräulein Marie P. und ihre Mutter vor der 93. Abtheilung de» hiestgen Schöffengerichts. Fräulein Marie erschien durchaus nicht so böse, wie man nach Probe ihre» Styl» hätte vermuthen können. Sie war ganz in Thränen aufgelöst und schluchzte her', erbrechend, al» der Staatsanwalt 14 Tage Gefängniß gegen fie und die Mutter beantragte. Der Gerichtshof faßte die Sache aber viel milder auf. Die Mutter wurde freigesprochen, weil ihre Thctlnahme nicht erwiesen, uad die Tochter zu einer Geldstrafe von 30 M. verurtheilt. f Ein Schlag mit dem Billardstock brachte den Me. chaniker W. auf 14 Tage in» Gefängniß. Am 9. Mai d. I. befand er fich mit einigen Freunden in einer Restauration in der»runnenstraße. Einer dieser Freunds hatte da» Unglück. von einem andern zufällig in eine Fensterscheibe gestoßen zu werden. Al» er nun den Schaden bezahlen sollte, machte er Einwendungen und behauptet«, ketn Geld bei fich zu haben. Die Witthtn machte nun W. ven Vorwurf, hetmlich fich da» «■Hl obengenannten Strafe. 5 UsMMZW fejferwjfiSSS m einem Gartenzaun abgeladen wordm. schaffte st« der Ange- klagte nach einem von der Arbeitsstätte adgefondettm Raum. Jene beiden Gesellen wurden zu Perräthern und bezichtigten ~« a* Entlassung au» der Arbeit- ihren ehe- gebm und dieser begutachtete daS Vorhandmfein von Verve- wmst und unverarbeitetem Pferdefleisch. Auf Grund de» Sachverstandigen- Gutachten» und der Zeugenauk- sagen sowie ferner, weil der Angklagte die Wurstwaare nicht al« von Pferdefleisch hergestellt selnm Abnehmern gegenüber bezeichnet, erachtete da» Rixdorfer Schöffengericht den Ang-, klagten deS Betruges und der Uebertreiung deS Gesetze» betr. den Verkehr mtt Lebensmitteln für schuldig und erkannte auf 3 Monate Gefängniß. Die Sache beschäftigte, infolge der sritm» deS Anklagten eingelegten Berufung, gestern die Strafkammer de» Landgericht« N. Der Angeklagte hatte unter Bestreitung fämmtltcher ihm zur Last gelegter Thatfachm die eingelegte Beluiung damit zu reebifertigm versucht, daß er die Richtigkeit de« Sachverständigen. Gutachtens in Frage zu stellen versuchte. Der Gerichtshof destä igte jedoch unter Verwerfung der Berufung da» erste Urtheil. Ein brutaler Ehemann hatte sich an Dienstag vor der Strafkammer des Landgerichts Ii zu verantworten. Der in Reinickendorf wohnhafte„Arbeiter" Karl Kalusche, jetzt 33 Jahre alt, heirathete vor ungefähr 4 Jahren eine Wtttwe, seine jetzt 47 Jahre alte Ehefrau, welche ihm zwar nicht, wie er gehofft, ein kleines Vermögen, sondern als Mitgift zwei Kinder aus erster Ehe zuführte. Nach einer sehr bewegten Vergangenheit, die Kalusche hinter fich hatte— er ist nach AuSwei« seiner Personal- Aven unzählige Male bestraft worden wegen Betrugs, Diebstahls, BettelnS und Landstreichens—, fand er Anfangs Gefallen an dem häuslichen Leben und das Verhältnis der beiden Eheleute zu einander war trotz des Alters. Unterschiedes ein leidlich gutes, bis Kalusche im Jahre 1883 abermals zu einer Strasthat ftch verleiten lieh und infolge dessen wiederum zu 6 Monalen Gefängniß verurtheilt wurde. Bei dieser Gelegenheit hatte die Frau Kalusche im Gerichtssaal erst von den zahl« reichen Vorstrafen ihres Ehemannes Kenntnih erhattm und von diesem Zeitpunkte ab stellte sich der eheliche Unfrieden ein, beson« der» da Kalusche nach Verbühung der letzten Strafe fich häufig betrank und dann im betrunkenen Zustande seine Ehefrau und die Stieftinder arg mißhandelte, so daß die Hausbewohner häufig der gequätten Frau zu Hilfe eilen muhten. Bei einem derartigen Vorgang am 24. Februar d. I. bedrohte Kalusche, nachdem er verschiedenes Hausgeräth zertrümmert, seine Ehefrau mit einem Messer; die Frau flüchtete infolge dessen auS seiner Nähe und lief auS der Wohnung nach der Flurtteppe; beoor fie jedoch die unterste Treppenstufe erreichte, schleuderte der Ehemann mit wuchtigem Wurf ein Stuhlbein von oben herunter der Frau auf den Kopf, sodaß dieselbe taumelnd niederfiel und ein« Verletzung der Kopfhaut in der Folge da« vonttug. Kalusche ward nun an weiteren Gewaltthätigkeiten dadurch gehindert, dah ihn die Hausgenossen überwältigten und mit Stricken gefesselt dem herbeigeholten Gendarm über- lieferten, welcher ihn in das Reinickendorfer AmtSgefängnth bracht«. Hier indessen tobte Kulasche wie ein Wahnstnniger in der Zelle; nachdem er die Stricke, welche seine Hände fesselten, mit seinm Zähnen zernagt, zertrümmerte er das gesammt« Zellen« Inventar, den Ofen und daS Fenster. Dleserhald war gegen Kalusche wegen Sachbeschädigung Anklage erhoben, außerdem aber hatte die Ehefrau den Strafanttag gestellt wegen körper« licher Mißhandlung und Bedrohung mit einem Verbrechen, nämlich des Todtschlagcs. Im Audienz- Termin bestritt der Angeklagte keineswegs die ihm zur Last gelegten Vergehen; er beantragte vielmehr einen Entlastung» beweis da» bin zielend, daß er seiner Ehefrau gegenüber nur von seinem Rechte als„Eheherr" Gebrauch gemacht, als dieselbe fich ge« weigert, ihre Einwilligung zur Auflösung eines Liebesoerhält« niffes, welches deren Istjährige Tochter mit einem Hausgenossen unterhielt, zu geben. Unter Ablehnung jenes EntlastungS- beweiseS— weil derselbe, eventuell erwiesen, die Strafbarkeit dennoch nicht ausschließen würde— erachtete der Gerichtshof den Angeklagten der drei bezeichneten Vergehm für schuldig auf Grund der stattgehablm Beweisaufnahme; demgemäß lautete daS Urtheil auf 4 Monate Gefängifiß. Die Gerichtsferie« machten fich im Moabiter Kriminal- 8erichtsg«bäude schon mit dem gestrigen Tag- recht bemerkbar; enn die sämmtlichen Strafkammern und der größte Theil der Schöffenabtheilungm hieven bereits keine Sitzungen mehr ab. Die Zunahme der spruchreifen Strafsachen der mittleren Gat- tung hat für die Dauer der diesjährigen Ferien gegen die Vorjahre eine besondere Einrichtung noth wendig gemacht; eS werden nämlich die Strafkammern 1—4 während der ganzen Ferien ununterbrochen 3mal wöchentlich forttagm und nur die beiden Berufungskammern 5 und 6 zu einer Berufungikammer kombinitt werden. Der Vorfitz der ersten Strafkammer ist für die Hälfte der Ferien dem Landgerichtsrath Brausewetter, für die zwev« dem Landgerichtirath Grünhagen, für tU dritte dem LandgerichtSrath Oppert, für die vierte dem Landrichter Schmidt und für die komdin'ite Berufungskammer dem Landgerichts- direktor Scharzeck übettragen. Die Schöffmabtheilungen wer« dm hingegen während der ganzen Ferien ihre Sitzungm er« heblich einschränkm. Dm Vorfitz zweier Abtheilungen erhält ein A chter, der in der Woche höchsten» dreimal Termine ab« hätt. Eine SchwurgerichtSsesfion wird auch währmd der dieS« maligen Ferien nicht stattfinden. Uereine und Versammlungen« Der Fachveni« der Metallarbeiter in Gas-, Wasser« und Dampf'Armaturen hielt am Sonnadmd. dm 10. Juli c-, bei Seefetdt, Brenadierstr. 33, eine Mitglieder. Versammlung ab. AIS erster Punft der Tagesordnung wurden innere Ver« «inlangelegcnheitm verhandelt. In Betreff eineS Antrages auf Unterstützung einet kranken Mitgliedes wurde beschloffen, in den Wertstätten Sammlungen zu diesem Zwecke zu veran« staltm. Die Veranstaltung des Stiftungsfestes am 31. Juli in Puhlmann's Etabliff-ment, Schönhauser Allee 148, übertrug die Versammlung dem Vorstand und find Btlleti dazu bei allm Vorstandsmitgliedern und den Zahlstelleninhabrrn zu haben. Die Zahlstellen befindm fich bei den Mitgliedern Krause, Bellealliancestr. 71; Amdt, Zehdentckerstr. 7»; Äreden, Weißmburgerstr. 69, und Müller, Landwehrfir. 9. Der Arbeitsnachweis ist bei W. Eggert, Schlegelstr. 33. Der Bezirksverein der arbeitende« Bevölkerung des Eüd'Weste« Berlins veranstallct am Sonntag, dm 18. Juli, eine Herren Faßpartie. Treffpunkt: Vormittags 7 Uhr in Habel'» Braueret, Bergmannstr. 5—7. Gäste find willkommen. Die Zahlstelle des Vereins befindet fich jeden Sonnabend Abend von 8 bis 10 Uhr Gneismaustraß« Nr. 17 bei Lindenborn. Demokrattscher Berei« zn Berlin. Donnerstag, dm 15. Juli, Abends 8'/> Uhr, Versammlung in den Arminhallen, Kommandantmstraße 20. Tagesordnung: 1. Der kleine Belagerungszustand und seine Anwendung. Referentm: Heir Rechtsanwalt Paul Töpner und Herr Dr. phil. Rudolf Grätzer. 2. Vereinsangelegenheiten. Gäste willkommen. Rauchklnb„Dämmerwolke" Donnerstag, Abends von 8—11 Uhr, im Restaurant Greiser, Rcichenbergerstr. 16. Rauchklnb„Arcona" jeden Donnerstag, AdendS 9 Uhr, Forsterstr. 9._ Vermischtes. Eine merkwürdige Ehrevbeleidigvng. Vor einigen Wochen fuhr ein alter Privatier, Marimilian Legrand, im Eilzuge von Paris nach Trouville. Einige Stationen von Trouville entfernt, als der Zug eben eine waldige Gegend passtrte, sah man mehrere junge Damen stehen, die dem Train und seinen Paffagieren mit ihren Taschentüchern Grüße zu« winkten. Legrand, der am Koupeefmster stand, machte eine ironische Miene und unterließ es, die Grüße zu erwidern und eine der jungen Damen rief tbm ein kräftiges„Aver Tölpel!" in den Waggon hinein. In Trouville hatte Legrand nichts Eiligeres zu thun, al» seine Beleidigerin auszuforschen, und einem Detektive, dem er hierfür 10 Franks versprochen, gelang eS, dieselbe in der Person der achtzehnjährigen Jtalimerin Rofitta Sanfcllce, die in Trouville zur Kur weilt, auSzukund- schaften. Dieser Tage verhandelte nun das Bezirksgericht ,u Trouville in der Ehrenbeleidizungs klage, die Legrand gcgm die Dame angestrengt; der Lokomotivführer, der Heizer und zwei Kondukteure haben die Beleibigung gehört und erschienen alS Zeugen Legrands. Ein gleichfalls im Zuge anwesender junger Osfijier, Robert Delonge, hatte den Damen für ihre Grüße artig gedantt. Er erklarte, er sei von der Gruppe im Walde so entzückt gewesen, daß er nur gesehm und nicht« ge« hört. Signora Rofitta sagte mit reizendem fremdländischen Akzent:„Wir hatten so lange ouf den Zug gewartet, wir wollten den Reisenden Freude bereiten, der Herr da schnitt ein Geficht, so habe ich ihn gezüchtigt." Der Richter redete Legrand inS Gewissen, auf die Bestrafung der jungen Dame zu verzichten, und meinte gutmüthia:„El ist eine so hübsche Sitte, beim Anlangen eines Zuges die Sacktücher zu schwenken, Sie hätten auch freundlicher sein können." Da aber Legrand ungalant auf seinem Rechte beharrte, wurde die kleine Jlalienerin zu 15 Franks Strafe zum Besten der Armen veruttheilt, welch« Summe fie lächelnd auf 20 Franks arrondlrte. .Eine geraubte vrant. Pardubitz. Der„Polab." erzähft folgenden Vorfall: Der Sohn des Landwirthi K. aus Chotsch verliebt« fich in die anmuthiae Franziska M. auS Beylcht(Bezirk Holitz), welche diese Liebe erwiderte. Da auch die Eltem der Verbindung der beiden nichts entgegenzusetzen hatten, wurden alSdal» Vorbereitungen zur ehelichen Vereint- guna getroffen, und dieser Tage sollte der Eheoertrag in Par. dubttz unterzeichnet werden. Inzwischen stellte fich ein eigen« thümltcher Zwischenfall ein. Da Franziska M. ein netteS Mäd- chen war, so hatte fie auch eine Anzahl anderer Verehrer, deren einer flch am 28. v. M. im Hause ihrer Eltern einfand und in resolutem Tone zu wissen verlangte, od es wahr sei. daß ihre Tochter fich verlobt habe. Auf die bejahende Antwort eilte er hinaus, um seine draußen beschäftigte ungetreue Gr. liebte aufzusuchen. Er wußte fie wevab von der«verlichen Wohnung zu locken, wo er fie fesselt«, ihr,— um fie am Schreien zu verhindern,— den Mund mit einem Tuche»u« stopfte und fie schließlich mit Hllfe eine» Kameraden in seine eigene Wohnung entführte, von wo fie seither nicht zurückgetehrt ist. Der nichts ahnende richtige Bräutigam erschien zur llntn« schrist deS EhevertrageS in Pardubitz; dort aber hatte fich statt der Braut deren Mutter eingefunden» welche schluchzend die Entführungsgeschichte erzählte. WaS weiter geschehen, ist bis« her nicht bekannt. Setzte Nachrichte». Bon de« Wahle« in Grotzbritanntea und Irland find jetzt 607 bekannt; es stehen somit nur noch 63 aus. Der Vorsprung, den die v-reinigten Konservativen und liberalen Unio- nisten vor den Gladstoneanern und Parnelliten haben, ist auf 137 gestiegen(367 gegen 230), die Mehrheit von 341 Unter- hauSmvgliedern, welche am 8. Juni gegen die Gladstone'it« Vorlagt über die irische Seldstcegierung stimmte, bereits ua> 26 übettroffen. Die TorieS allein find bis jetzt 297 Mann stark und können eS nach allgemeiner Schätzung auf 320 bringen; selbst dann aber würden ihnen noch 16 Stimmen an der absoluten Mehrheit des Unterhaus«» fehlen. Sie vertrete» thatsächlich nicht die Mehrheit des Volks und find, wenn str die Regierung übernehmen und mit Erfolg und einiger Aus« ficht auf Bestand führen wollen, auf die ständige Unterstützung eineS Theil» der liberalen Uniontsten angewiesen. Diese Unter« stützung zu gewinnen, darauf ist gegenwärtig ibr ganzes Be« stredm gerichtet, denn ohne dieselbe ist ihr Wahlsteg bedeu« tungSloS. Der Erfolg ihreS Bestrebens hängt von der Ent« schließung des MarquiS von Hartington ab, der thatsächlich zur Stunde Herr der Lage ist.— In Irland ist eS bereits wiederum zu Unruhen gekommen. Man meldet nämlich auS London, Mittwoch, den 14. Juli, früh! Nach aus Belfast hier eingegangenen Meldung«« fanden in der vergangenen Nacht, anläßlich eines daselbst von den O-angillen veranstalteten UmzugS, ernste Ruhestörungen statt. Di« Orangisten wurden von ihren Gegnern mit Stein« würfen angegriffen und erwiderten die Steinwürfe. Der Kam»! dauerte nahe,' M# dem fie anseh streuen. In._____________ zeitig ähnliche Ruhestörungen statt. Es wurden dabei sogar Gewehrschüsse gewechselt. Mehrere Häuser find fast vollständit zerstört, eine große Anzahl von Personen ist verwundet. Di« Straßen der Stadt find gegenwärtig von Infanterie« und Ka« vallerie- Abtbeilungen besetzt.— Nach neueren Nachrichte« wurden 2 Gendarmen und 2 Unruhsttster getödtet und 12 Pen f onen schwer verwundet. Auch in Limerik kam eS zu ernstlichen Ruhestörungen, wobei dje Polizei, da die Menge D weigerte, auseinanderzugehen, gezwungen wurde, von d« Waffe Gebrauch zu machen. Mehrere Personen find hierbei verwundet worden. Ueber die gestrige Feier de» franzöfische« National- feste» meldet ein Prioattelegramm der„Voss. Ztg." auS Paris! Das Nationalfcst läßt fich unter der republikanischen Erregunt durch die orleanistischen Umtriebe trotz Regenwetter schwung« voller, man möchte sagen fieberischer, an, als seit Jahr«»- Man steht mehr Fahnen und Inschriften, ei find mehr Loka>- feste vorbereitet. Gestern Abend gab es schon in allen Viertem Beleuchtunz und Fackelzüge mit Mufilbegleitung, wobei du Menge mächtige Begeisterung bekundete. Gegen 30000 Leute verließen Pari», Sondcrzüge brachten aber gegen 150(00 Mo« vinzbewohner. Die große Truppenschau verspricht«inen wahre» Paroxismu- hervorzurufen. ♦*• Verboten wurde auf Grund de» Sozialistengesetzes die im Druck und Verlag von Woerletn u. Comp, zu Nürr» berg 1886 erschienene Druckschrift:„Die wirthschaftlichen Krisen und die Sozialreform. Nach einem Vortrag(gehalten to einer Nürnberger Arbetterversammlung) von Dr. Bruno Scho"' lank."_ Kriefkasten der Redaktion. H. E.,»ergmaunstr. Wenden Sie fi» an bU R»*' Ersatz-Kommisston oder stellen Sie die Sache bei der Generau aushedung dem höchsten anwesenden Offizier persönlich vor. Sie haben in Ihrer Frage nicht angeaeden, ob Sie zu den Garde- oder Linienpionteren ausgehoben find. Im erster» Falle hätten Sie mehr AuSficht auf Erfüllung Wunsche»._, B. Ein solcher Verein ist un» nicht bekannt.— Wende» Sie sich an da» Bücgerrcttungtinfillut. Vorsttzender Direktion diese» Institut» ist Herr Stadtrath Schreiner. G. B. 49. Wenn der Wirth over fem Bevollmächttgtd den Miethttontrokt unterschrieben hat, so ist er natürlich niäs berechtigt, die Wohnung anderweitig zu oermiethen. SW aber blo» Sie den Kontrakt unterschrteben haben, so ist# Wirih an nicht» gefunden. Dyeater. Donnerstag, den 15. Juli. »elle-'AlUauee.Theater. Da» Paradie», G?« sanatpvsse in 4 Akten von Leon Treptow und *. Herrmann. m vstevd'Theater Philippine Weiser. Wrttoria» Theater. Amor. Tan» Poem von töutgi Manzottt. »-tthalla-Theater. Eaprtcciosa. Kroll'» Theater. Die Stumme von Portic'. »tRasma««'» Bariete. Große Speziairtären, Vorstellung. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A Kaloer-Psnorama. In dieser Woche: Die malerische sächsische Schweiz. Eine interessante Rheturetse. Hertha-Ketse. Carottueu-Zusel«. Eine Reise 90 Pfg Kinder nm 10 Pfg.___ Schweizer Garten. Am Friedrichshain. Haltestelle der Ringbahn. Am KöntgSthor. Täslich: Grosses Militär Concert u. Ertra-Borstellung. Auftreten der M«f»t-Ttttvpe in ihrer Sensationsluftnummer: ml«« Dasei als lebende Kanonenkugel. Miß Lazel wird auS einer Kanone geschossen und von Miß gema aufgefangen werden. Theatorvorftolüms, Auftreten der Kpeziatitaten, SauzkrSnzchen u. s. w. Kriegs- und Fronten-Feuerwerk der Pyrotechniker A. und E. Maffow, Bonander und Hornig. Alles Näher« die Anschlagssäulen. Tifchler-Berei«. Goneratversammivng am Sonnabend, den 17. v. M, Abends 9 Uhr, Koltbvserstraßr 4& (6-riäitu). T.'O.: 1. Kassenrevlfionsd-richt. 2. Vereinsangelegenheit. 3. Kassenbericht der Krankenun, erstützungskv ffe(E. H. Nr. 89). 4. Feststellung der G' hälter. 6. Wahl eine» Beisitzers. Nur Mitglieder haben Zutritt. 107 j Der Vorstand. Central- Krau Ken- und SterbeKaffe der Töpfer und verw. BemfSgenoffm Deutsch!.(E. H. 39), örtliche Verwaltung Berlin. Mttjottedrr-Nnrl'ammluug Sonntag, den 18. Juli, Vormittag» 10 Uhr, Grenavierstraße 33. T.'O.: 1. Wahl von 2 Revisoren für die örtl. V.'walt. Berlin. 2. GrschäftlicheS. Mitglttd». | k: ch legitim.[95] Die ö tliche Verwaltunz. Reichhaltiger laller und warmer FrOtetOckstisch. Einem geehrten Publikum empfehle mein Weiß- und Reichhaltiger Nlttagstlmch von 12 bis 2 Uhr, mit Bier ä Kouvert 50 Pf. _ Arbeitsnachweis für KlsTlersrbelter.-WU juhtunflSoon Hermann Stramm, Restaurateur, SkaUtzerstr. 18. »amsMiwMal August Herold lerlin SO«, 113 Skaiitzerstrasse 113. litöel-, Spiegel- n. Itolfta-Ägam Eigene Faprik. Solldfl Preise, Prompte Bedienung. s i Iii >tüZä\ m W j [Ii Einm tüchtigen, um ficht gen Kürschnergeseven KoobWOcher-Grstveu verlangt Fornfetft. Friewi»�� Korbmacherges, a. Scheenarb. vi. Schwedt�fl« an I •maniTDonlitfc c R daiteur Ist Grönheim in Berlin. Druck w __ i nachwet» de» Gauoerein» der Maler Abend» von 8—9 Uh; im Refiaurant% Rit'erstraße 123. � unt> Verlag von Max Boving in Berlln 8W. Beuthstraß, 2. »elznaherinne» bis ,u 12 Mal � Scimnabchm bis zu 7 Mark wöchcnU"?.» Frendenberg, ÄronenFj�