Kr. 16B Freitag, den 16» Juli 1886. III. Jahrg. MerMkÄllti Drgan für dir Interessrn der Arbeiter. 4 Da«..Berliner Volksblatt" ngetragen in der PoktzeitungSvreiSItfte für 1886 unter Nr. 769.) JnsertionSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petttzeile oder deren Raum 40 Pf.»rbeitimarN 10 Pfennig«. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinlunst. Inserate werden bt» 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allm Annoncen- Lureaux, ohne Erhöhung deS Preise», angenommen. R-taUimt: Keuthstriche 2.—«rprdition: Zimmerstr«ße 44. I, Hmmme üdrr Harmme. Es ist bekannt, daß man überall von der Harmonie wischenKapital undArbeit redet und behauptet, aß dieselbe vorhanden sei und nur von unzufriedenen Leute» gestört würde. Daß Kapital und Arbeit harmonisch zusammen wirke» könne», zum Beispiel in einer Assoziation, wo das Ka» pital de» Arbeitern gehört, wer möchte da« bezweifeln? Aber wo da« Kapital, welche« sich vermehren will, in einer Hand, die Arbeit aber, welche recht hohen Loh» erhalte« will, in einer anderen Hand ist, da tritt da« e n t- grgengesetzte Interesse zu Tage und selbst die gutmüthigste» M-nschen können diesen Wiederstreit nicht ändern. Die Disharmonie zwischen Kapital und Arbeit herrscht in der heutigen Gesellschaft. Und die Leute, die am meisten von der Harmonie zwischen Kapstal und Arbeit rede«, wie z. B. der bekannte Dr. Max Hirsch, sie müssen es selbst häufig genug erfahren, daß ihre Theorie» recht große Löcher habe». Auch die Arbeitervereinigungea, welche den Hirsch'schen Gewerkvereinen angehören, haben oft genug durch Arbeitseinstellungen die so sehr gepriesen« Har» mo»»e gestört. Weshalb ließ da« Dr. Max Hirsch zu? Warum unterstützte er die Rebellen gegen die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit? Aber die Streikende» hatten doch ganz recht, sie be« kamen zu wenig Loh»? Gewiß l Aber handelt da» Kapital im Interesse der Harmonie, wenn es zu wenig Loh» zahlt? Und ist den» wiederum ei» Streik seitens der Arbeiter ei» Ausdruck de« Harmoniegefühls? Man blicke sich nur in der ganze» zivilifirte» Welt um und man sieht, daß die Streiks schier kein Eade nehme» wollen. Man sei also ehrlich! Die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit besteht nur in de« Köpfe« einiger Schwärrner und— Volksoerführer; in Wirklichkeit besteht sie»icht. Nun giebt e« aber auch«och andere,»och sonderbarere Harmonielehrer. So lasen wir neulich, daß ein Groß- fabrikavt den großen Spruch gelassen aussprach,«daß im einträchtigen Zusammengehen zwischen Handwerker» und Zndustiellen die beste Förderung der beiderseitigen Interesse« liege." Näher begründet wird diese famose Behauptung nicht; deshalb wollen wir die« hier in kurzer, exemplarischer Weise thu«. Diese„Harmonie zwischen Groß- fabrikation und Handwerk" ist ei»»och größerer Humbug, al» die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit. Nehmen wir zum Beispiel ein Handwerk, welche» vielleicht da« bedeutendste von allen ist, da« Schneiderhandwerk. Ehe«och die Kapitalentwickelung sich zu der jetzigen Höhe emporgeschwungen hatte, MMnS» rtottn.] JeuiLLeton. Git»e Mutter. «»«an von K!r i e d r i ch Gerftäck»». (Fortsetzung.) Die Werbung. Jeremias hatte schon von dem böhmtsche« Dorf au«, wie er nur etwa die ungefähre Zeit seiner Rückkehr be- stimme« konnte, nach Hause geschrieben, und lauter Jubel empfing ihn hier, denn Rebe war in der Zeit«icht müßig gewesen. Direktor Krüger hatte seine» Kontrakt kontrafignirt «nd wie er selber der Liebling der Publikum geworden, besserte« sich auch seine pekuniäre« Verhältnisse. Ja den vergangenen Monate«, wo er fast«och spar- samer gelebt al» je. kaufte er von der jetzt ziemlich hohe» Gage nach und nach, wa« er in der Wirthschaft brauchte. Jettcheni't Aussteuer war ja schon von dem Vater reichlich bedacht worden, und alles jetzt bereit, um die Trauung in der nächsten Zeit zu vollzrehm. An demselben Sonntag, an dem Jeremias von seiner Reis« zurückkehrte, wurde» sie zum ersten Male aufgeboten, und Jettche» fühlte sich selig in dem Gedanken, nun bald nicht mehr allein zu stehe« und dem Geliebte» ganz anzugehören. So eifrig das Jeremias früher auch selber betrieben hatte, so niedergeschlagen zeigt« er sich aber jetzt. Sei» ganze, Humor schien ih» verlasse» zu habe», und wen» er sich auch fast«och herzlicher und theilnehmender gegen Alle benahm, als bisher, so lag doch jedenfalls etwas auf seiner Seele, da» er Niemandem anvertraue» mochte. Anfang, drang Pfeffer in ih», ihm zu sage», wa« ihn drücke. Geldsorgen konnte» da««icht sein, denn er schleppte Geschenke nach Geschenke» für Jettche» i»S Hau»— aber «a» dann? Jeremias wich indeß allen Frage» au», und «an mußte ih» endlich seinen Weg gehen lasse«. So war die Zeit immer mehr herangerückt. E» war gab e» in alle« größeren Städte« Tausende und aber Tausende von Schneidermeister«, welche«ine» und mehrere Geselle» beschäftigte» und ein leidlich gutes Auskomme« Hände« die Großindustrie de« Schneidelhandwerk« sich de- mächtigt hat. nachdem die„Goldenen 110" de» Verkauf von BtkleivungSgegenstände« vermitteln, find auch die selbststän- dige» Handwerksmeister im Schneidergewerk quantitativ und qualitativ sehr reduzirt worden— die meisten arbeite» al« Lohnarbeiter, möge« sie sich auch„Schneidermeister" nennen, für die größere« industriellen Kleider- Magazine. Wen« die Harmonieapostel von diesen „Handwerksmeistern" reden, so möge« sie wohl recht habe«, diese müsse»„einträchtig mit den Industrielle» Hand in Hand gehen"— sonst verliere» sie ein« fach ihre Arbeit. Aber nimmermehr ist zu leugnen, daß die Großmdustrie, der Großhandel die selbst- ständige« Schneidermeister„in aller Eintracht' ver- nichtet hat. Und wo e«»och selbststäadige Meister giebt, so werden sie von de« Kleiderindustriellen»ach und«ach verdrängt werden. Und da» nennt man„beiderseitige In- teresseu".— Danke schön! Wie bei de» Schneider», so bei de» Schuhmacher», bei de» Tischler», bei alle« Handwerker«, wo sich da» Groß« kapital, die Industrie de« betreffende» Geschäftszweige» be- mächtigt hat. Auch die selbstfiändige» Weber find längst vernichtet — da« ist allzu bekannt. Die selbstfländigea Schmiede- meister find gefolgt. Uns ist eine Gegend bekannt, wo im Jahre 1850 in einer einzigen Bürgermeisterei 945 kleine Meister da»„industrielle" Schmiedehandwerk betriebe»— sie verfertigte» Kaffeemühlea, Pfannen, Schippe», Hacke« u. f. w.— Alle diese Meister hatte» S— 3 Ge- feilen, alle hatte« retchlichliche» Brod. Große industriell« Unternehmungen waren auf Meilenweite«icht vorhanden. Im Jahre 1861 gab e« in demselben Bezirk«och ca. 700 selbstfiändige Meister und zwei größer« Fabriken; 1875 nur«och 320 Meister und 7 größere Fabriken, welche sich des„Geschäfts" bemächtigt hatte». Wie e» gegenwärtig in jener Gegend steht, dafür fehlen uns die»öthige« An- gaben. Voraussichtlich aber find die selbstständigen Meister wohl völlig verschwunden— die Großindustrie hat sie au» lauter Liebe aufgefressen. Da» nennt man Harmonie zwischen Industrie und Handwerk; diese Harmonie stellt sich würdig zur Seite der vielgepriesene» Harmonie zwischen Arbeit und Kapital. Also habe» wir auf unserer schönen Welt: Harmonie über Harmonie. Freitag geworden, am Sonntag wurden die Brautleute zum letzte« Male aufgeboten und Montag sollte die Hoch- zeit sein. Jeremia« hatte bei Pfeffer« zu Mittag gegessen, aber fast kein Wort dabei gesprochen. Nach dem Effe» faß er auf dem Stuhl am Fenster, und Jettche« war gerade hwauigegangen, um de» Kaffee herein zu hole«. „Wa» siehst Du mich so sonderbar an, Jeremia»?" sagte Auguste.„Ich weiß gar«icht, wie Du heute bist." „Ich freu« mich," erwiderte der kleine Mann, aber mit ganz wehmüthiger Stimme,„daß e» Dir wieder so gut geht, Auguste. Du hast Dich in der Zeit, wo wir in Böhme« steckte«, merkwürdig erholt." „Wenn wir nur erst einmal herausbekomme» könnte«, wa« Sie in Böhme» gemach» haben," rief Fräulein Basfini. „Wahrscheinlich," meinte Pfeffer,„wird'««icht die ganze Stadt wisse« solle«,«nd deshalb erfährst Du'» nicht." „Als ob ich«icht schweige» könnt«!" „So lang« Du«icht« weißt, gewiß. Aber» ist wahr, die Tust« hat sich merkwürdig in der Zeit erholt; da» dank' ihr aber der Teufel, keine Sorgen mehr, gute Pfleg«— da» schlägt an!" Jeremia« nickt» freundlich.„Ja," sagte er,„und ich kann Euch jetzt mit gutem Gewisse» verlasse», den» für da» Jettche« ist ja auch gesorgt." „Verlassen?" rief die Frau rasch.„Und willst Du wirklich wieder fort?" „Ich muß, Auguste," sagte der kleine Man« traurig. „Sieh, ich habe noch so viel da drüben zu besorge«, eine Menge Land, Kolonie«, die jetzt in ftemden Händen find «nd verwahrlost werde«, wen» man»icht de« Leute» dann und wann auf die Finger steht. Auch Geld Hab' ich«och drüben ausstehen, wa« ich nicht gern einbüße« möchte, und von dem Verkauf de« Hotel» weiß ich auch«icht einmal, ob die Rote» all« richtig eingezahlt sind." „Hm," brummte Pfeffer und schritt, de« blauen Qualm ausblasend, in der Stube«achdenkend auf und ab. Aber Politische Urberficht. Der Kongreß deutscher Echuhmachermetster, der in den letzten Tagen in Berlin stattfand, hat den Zllnttlern wir- der einmal reiche Gelegenheit gehoten, ihr wahres Geficht und ihren beschränkten EgoiimuS«u enthüllen. Aver Welt geht e», nach den Rednern des Kongresse», ,u wohl und die Gefangenen in den Strafanstalten werden zu human behandelt, die Lehr- linge und Gesellen erfreuen fich einer zu großen Ungebunden- heit und sollen durch Lehrlingsbriefe und Ardeitidücher wieder unter eine„gehörige Kontrole" gebracht werden, den Fabritanten find ihre Maschinen nicht besteuert und vollends die Juden schöpfen bei allen Geschäften den Schaum ad. Nur die Meister, oder vielmehr nur die JnnungSmeister dulden und leiden schier übermenschlich. Oder ist eS etwa nicht die schlimmste Zurück- fetzung, daß den Innungen nicht allein die Lieferung der Militarstiefel anvertraut ist? Ist e» nicht daS bitterste Unrecht, daß die Innungen nicht allein berechtigt find, die billige Lehr» lingtarbeit auszubeuten? Nicht einmal die Berliner Innung, die bereit» ihr 602. Jubiläum feiert» bat dieses Recht erhalten!— So klang et au» allen Reden de» KongrisseS heraus, und— wa» bezeichnend ist— die Regierung war durch verschiedene Beamte vertreten und drückte fich den Meistern gegenüber stets in verbindlichster Weise au». Der Vorfitzende konnte zur größten Freude der Hörer sogar mittheilen, der KriegSmintster habe einer Deputation die be« stimmte Verficherung gegeben: beim WiderauSbruch eine» Kriege» würden Stiefeldestellungen für die Armee ausschließlich bei de»�Innungen erfolgen. g diese» zen die Nichtzünftler, igen wird; nach den Urtheilen t gierungßorgane über die Unfitilichkett deS Boycolt möchten wir Wir werden ja sehen, ob die �Regierung d n c i"'."__......" zur Durchführung dringen wird; nach den Urtheilen der Re» Boucottsyftem gegen die Nichtzünftler wirtlich e» zunächst bezweifeln. Einstweilen aber können wir den JnnungSmeiftern daS Zeugntß nicht versagen, daß fie ihrerseits alle überflüsfige Bescherter heit gründlich abgelegt haben, die fie dem Handwerkerstande immer zum Vorwurf machen. Kommt die Frage der Reich»etsenbahnen wieder in Fluß? Vor einigen Tagen wurden wieder einmal Gerüchte über die bevorstehende Verstaatlichung einzelner größerer Privat- MWKWMW berichtet.„Seitens mehrerer Finanzgrößen war an einer Stelle, die notorische Beziehungen zum preußischen Eisenbahn. mtnisterium hat, angefragt worden, ob der in Bayern ringe- tretene Regierungswechsel wohl geeignet erscheine, da» jetzt gerade zehn Jahre alte Reichleisenbahnprojekt wieder in Fluß zu dringen, resp. od da» bayrische StaatSministerium, da» ja da» volle Vertrauen W Prirz-Regenten befiel, dem Projekte grundsätzlich feindlich gegenüderfiehe. Die Antwort soll nun dahin gelautet haben, daß die in Boyern, dem zweit- größten Bundesstaate, erfolgte Gestaltung der Dinge allerdings zu der Annahme berechtige, daß dort die Reichte, sendahn frage von jetzt ab eine streng sachliche Prüfung erfahren werde, zu- mal da« derzeitige Ministerium seinen bisherigen Widerspruch einzig auf da» entschiedene„Nein" de» König« Ludwig gestützt Auguste sagte kein Wort; sie sah still und traurig vor fich nieder und seufzte tief auf. „Und wann willst Du wieder fort, Jeremias?" fragte sie endlich so leise, daß er die Worte kaum verstehen konnte. „Gleich«ach der Hochzeit," lautete die Antwort;„der Dampfer geht, glaub' ich, am Dreizehnten oder Fünfzehnte», und ich möchte noch ein paar Tage in Bordeaux bleiben. um dort Manche« einzukaufen." „Der Vater will fort?" rief Jettche» erschreckt, die eben de« Kaffee gebracht und die letzten Worte gehört hatte. „Um Gotte« willen,«ein, Vater, Du darfst un« jetzt nicht wieder verlasse» I" .Es muß sei«, liebes Herz." sagte der kleine Mann jerührt, während sie ihre Arme um ih« schlang,„e« muß ei»; gern thu' ich'« ja auch nicht, da« darfst Du mir wohl jlaube», und ich— ich komme auch wohl bald wieder zurück, obald ich mich losmachen kann drüben. Wo ist den« der Rebe eigentlich hin?" „Er hatte etwa« wegen feine« Anzüge« für morgen zu bestellen," sagte Fräulein Basstni; er muß gleich wieder- kommen." „Und wie traurig wird Horattu« fein," sagte Jettche», „wenn Du uv« sobald wieder verläßt und Dich gar»icht mehr an unserem Glück« fteust! Jetzt ist mir der ganze frohe Tag verdorben, den» ich werde ja doch nur immer an den Abschied denken." „Ich wollte Euch eigentlich gar nicht« davon sagen," bemerkte Jeremias kleinlaut,„bis dicht vor dem Abschied, aber e« ging doch nicht an; e« ist doch«och so Manche» zu besprechcn, und da— da bleibt'« immer besser, man weiß«S eine Weile vorher, daß man sich danach richten kann." „Und kannst Du die Geschichte da drüben den» gar nicht durch jemand Ander» besorge» lasse«?" ftagte Pfeffer noch einmal, indem er vor ihm stehe« blieb.„Du sagtest doch ftüher, Du hättest eine» zuoerläsfige» Man» drüben." „ES geht nicht, Kinder, ei muß sein," schüttelte Jere- «ia» mtt de« Kopf;„'« thut mir selber leid genug, aber f- habe. Sei aber Bayern für die ßtofct Aktion gewonnen, so würden bei der zweifellosen Geneigtheit Badens und Hessens auch Württemberg und Lachsen nicht mehr widersprechen können, während von den norddeutschen Kleinstaaten überhaupt keine Oppofition zu befürchten stehe. Preußen werde dann aber gewiß vorher wenigstens die„schweren" Privatbahnen— mit Ausnahme der pfälzischen Bahnen— in leinen Besitz bringen, um dieselben später mit einem angemeffenen Vortheile, der wenigstens«inen Theil der für die Entwickelung des nord> deutschen BahnnetzeS gebrachten Opfer ersetze, an daS Reich abzutreten." Wir reproduziren diese Mittheilungen» ohne die Einzelheiten zu kommentiren. Lehr optimistisch erscheint unS aber die Unterstellung, daß Bayern jetzt mehr denn früher geneigt sei, seine VerkehrSanstalten— Post und Telegraphie müßten ja selbstverständlich gleichzeitig abgegeben werden I— dem Reiche zu üderlaffen. Auch der Regent wird schwerlich auf gewisse„Reservatrechte" verzichten. Der drohende Zollkrieg mit Rußland. Die„Nowoje Wremja" antwortet auf die Drohung der„Nordd. Allg. Ztg.", welche für eine weitere Erhöhung der russischen Eisenzölle eine Erhöhung der deutschen Getreidezölle in Aussicht gestellt hatte, mit der höhnischen Bemerkung, daß sich Rußland durch eine solche Eventualität in keiner Weise von weiteren Erhöhungen der Jndustriezölle abschrecken laffen würde. DaS russische Blatt schreibt: Unsere Landwirthschaft existirt durchaus nicht nur für die Ernährung und Beheizung der Deutschen. Rußland erntet zirka 300 Millionen Tschetwert verschiedenen Getreides, von welchen im Jahre 1884 39 740589 Tschetwert, davon nach Deutschland nur 8 159 699 Tschetwert. exportirt wurden. Abrr von diesem Quantum ging ein Theil de« Getreides nur auf Kommission nach Deutschland, und Gott weiß, von wem eS dann gekauft wurde. Nehmen wir jedoch an, daß alleS Ge« kreide von den Deutschm konsumirt wird und daß mit der Erhöhung der Zölle die Zufuhr russischen Getreides umS doppelte abnimmt. CS stellt dieS für unsere Getreideproduk» tion einen Verlust vo» IV, pCt. dar— ein Quantum, daS sehr leicht in Rußland untergebracht werden kann, wo der Bauer weitaus noch nicht nach Belieben effen kann, und wenn die Fabriken geschloffen werden, ganz zu essen aufhört. Daffelbe zeigt sich beim Holze. Von letzterem wurde im Jahre 1884 für 37 941 106 Rubel auSgesührt, davon nach Deutschland für 14 487 098 Rubel. Doch die ganze Holzausfuhr ins Ausland ist nichts im Vergleiche zum Holz« konsum Rußlands, und bis jetzt wird von unS Holz beinahe nur auS den westlichen Gouvernement» ausgeführt. Der Ver« lust deS deutschen Marktes ist ein Verlust nur für einige Ge« Senden, vor Allem aber für die preußische Ltadt Memel und ie Juden, die mit Hol, spekuliren; Absatz für russisches Holz findet stch auch in Rußland, da die Häl'te Rußlands unbe« waldet ist und dort da« Holz dreimal theurer bezahlt wird, wie in Deutschland. Durch Wafferkommunikattonen dirigircn wir daS Holz(wenn überhaupt der Holzscklag noch weller so forzirt werden soll) auf unsere eigenen Märkte. Wir wünschen daher den Deutschen den vollsten Erfolg bei der Erhöhung ihrer Zölle auf Getreide und Holz. Ein Unterschied wird frei« lich darin bestehen, daß, während Rußland, indem eS den Deutschen die Eiseneintuhr abschneidet, vermöge innerer Kon kurrenz seine Eisenpreise zu einer nie dagewesenen Billigkell bringm kann(wie eS dies für Zitz, Kerosin, Lalz, Drahteisen u. s. w. bereits erreicht hat), in Deutschland jeder Pfennig, der zu den Holz« und Getreidezöllen zugeschlagen wird, eine direkt« Lteuer für die Konsumenten darstellt, und letztere kön« nen von nirgendher eine Erleichterung erwarten, weil eben Land- und Forstwtrthschast nicht die Ressourcen einer grenzen« losen Produktion haben, ähnlich der, wie fie im Bergwerkibe« trieb praktizirt wird."— Diese Abfertigung der„Norvd. Allg. Ztg." ist für letztere um so unbequemer, als die Ausführungen der„Rowoje Wremja" der Hauptsache nach eben unbestreitbar find und mll denjenigen deS um die deutschen Milliarden« intereffenten so besorgten Mitarbeiters der—„Kölnischen Zeitung", dessen Artikel wir neulich erwähnt, stch begegnen. Polnische«. In Folge der gegen die polnischen akademi« schen Vereine an deutschen Univerfitäten gerichteten Maßregeln der preußischen Regierung erwarten die an außerdeutschen Hochschulen bestehenden polnischen Ltudentenvereine, daß die polnischen Ltudiienden vielfach die dieffelligen Universitäten verlassen werden, um an ausländischen Hochschulen ihre Ltudien fortzusetzen. So erläßt nach der„BreSl. Ztg." der polnisch-akademische Verein„Ogniiko"(Herd) an der Univerfität in Wien an die polnischen Kommilitonen einen Aufruf folgenden Wortlaut«:„Der Vorstand de« polnisch« akademischen Verein„OgniSko" in Wien thut allen denjenigen polnischen Kommilllonen, welche die Absicht haben, im Ltudien« jähre 1886/87 Ltudien halber nach Wien zu kommen, und welche mll den Wiener örtlichen Verhältnissen nicht vertraut find, kund, daß mll dem 1. Oktober cr. hier ein auS Mitglie« dern de«„OgniSko" bestehende« Komitee in'S Leben tritt, welches den Zweck hat, dm hier eintreffenden Kommilitonen hilfreich zur Leite zu stehen und ihnen insbesondere beim Aufsuchm von Wohnungen, billigen Lpeisewirthschaften, wie läßt sich eben nicht ändern, und, Du lieber Gott, das junge Volk braucht mich ja auch nicht mehr, die haben jetzt genug mll einander zu thun." „Und wir Allen?" sagte Pfeffer. „Na, ich— ich Hab' Euch ja doch jetzt einmal wieder gesehen und weiß, daß es Euch gut geht, und alles Andere — aber da kommt Rebe," unterbrach er stch rasch, indem er seinen Hut nahm;„sagt'S ihm nachher, wenn ich weg bin, ich möchte die Geschichte nicht noch einmal durcharbellen. „Nun, wo haben Sie gesteckt, Rebe?" fragte er diesen, al» er vor der Thür an ihm vorbei wollte.„Zettchen hat stch schon gesorgt, daß der Kaffee kalt würde." „Sie wollen fort?" „Ich komme nachher wieder." „Dann gehen Sie doch einmal bei Rottack» vorbei, Herr Sielzhammer. Er begegnete mir vorhin auf der Straße und bat mich, Ihnen da« auszurichten." „Sind fie zurück?" „Sett heute früh. Eben ist auch die Nachricht ringe« troffen, daß in dieser Nacht der alte Graf Monford ge» storben sei; da draußen ist'« jetzt recht öde gewordm." „Du lieber Gott," seufzte Jeremias,„also doch noch I Ja, da will ich gleich zu Rottacks gehen." Und Rebe freundlich zunickend, schritt er an ihm vor« über aus der Thür und die Treppe hinab. Es war ihm recht weh und weich zu Linn, aber die Anderen durften ja doch nicht» davon merken, und stch tüchtig zusammennehmend, schritt er den kurzen Weg hin- über nach Rottack« Hau», wo er auf da» herzlichste begrüßt wurde. Er fand dort auch zu seiner Freude, daß stch Paula wieder so well erholt hatte, um die Reise unge- fährdet fortsetzen zu können. Nicht einmal die Dienerschaft im Hause wußte aber, wer die junge Fremde sei. die krank und verschleiert angekommen, und jede Möglichkett eine« Ausplaudern» war dadurch abgeschnllten. Jeremias wunderte sich fteilich manchmal im Ettllen, weshalb gerade Rottack» ein so aufopferndes Jntereffe an der jungen, unglücklichen Komteffe nahmen, aber feine eigenen Pläne beschäftigten ihn doch auch zu sehr, um lange darüber nachzudenken, und darnach geftagt hätte er überdies bei Anmeldung, Aufnahme rc. mll Rath und Tbat behilflich zu sein." Wie verlautet, beabsichtigt auch eine Anzahl BrcS- lauer polnischer Studenten, mll den Schluß deS Semester« Breslau zu verlassen, um ihre Ltudien im Auslände fort« zusetzen. Sozialdemokratische Leichenfeier. Da«„Münchmer Frdbl." schieidt; Gestern Nachmittag 2% Uhr wurde die Hülle eineS Lozialdemoltaien Namen» Job Klcmbönig, gebürtig au» PöttmeS, A.'G- Aichach, Lchuhmachergeselle hier, unter Be- gleitung von mehreren Hunderten seiner Genossen zur Erde bestatte!. Der Verstorbene, erst 21 Jahre alt, litt seit längerer Zeit an der Lungenschwindsucht und erlag derselben schließlich vergangenen Sonnabend Mittag, nachdem er die letzten zwei Tage noch fortwährend von dem jün asten Lozialtftenprozeß fieberte, ver für ihn mit drei Monaten Gefängniß endete. Er behauptete bis zu seinem letzten LebenShauche, daß er un« schuldig verutthetlt worden sei und daß er nicht begreife wa» man von ihm wolle, er habe keinem Geheimbund angehört. An seinem Grabe legte Schuhmacher Lanttl im Namen ver Sozialdemokratie einen Kranz mit rothen Blumen und langer rother Lchleise nieder. Als er jedoch dem verstorbenen Kameraden einen kleinen Nachruf widmen wollte, entzog ihm der Polizeikommiffär Klein da« Wort und weiter, weil der Redner nicht sofort einhiell, erklärte er:„Herr Lanstl, nicht weiter! Sie haben Ihre Schuldigkeit gethan." Der Redner brach ab; in diesem Moment tnlonirte ein Eängerchor ein ernste» Lted. wodurch die Sttmmung di« zum Schluß der Be« stattung eine durchaus feierliche und würdevolle blieb. Von den Leidtragenden trugen eine An'ahl rothe Blumen und Schleifen im Knopfloch. Sozialdemokratisches. Die Dortmunder Sozialdemo- kraten, so schreibt die„Dortmunder Ztg", machten am 10. Juli einen Autflug nach der Ludwiglust bei Berghofen. Dieselben hatten sich an der Kronen bürg oersammelt und marschirten um 2 Uhr mit 12 Mann Mufik durch Hörde nach dem Festplatz. ES mochten mll Frauen und Mädchen»ohl 1000 Personen sein. Wie wir hören, waren Deputationen aus Dorstfeld, Marten, Kirchlinde, Annen und Iserlohn erschienen. DaS Freikonzert wurde von einer Härder Kapelle ausgeführt. Die jungen Leute amüfirten fich durch Tanzen auf der Wiese. 8# Uhr wurde der Rückmarsch mit Musik angetreten. In Hörde wurde von einigen Theilnehmem Feuerwerl gemacht, wodurch der sehr lange Zug sa ön beleuchtet war. Jm Uebriaen verlief dat Fest sehr schön ohne die geringste Liörung. Die Sozialdemokraten verstehen eS,„auch im Stillen Feste zu arrangiren.— So da» Dortmunder Blatt. UebrigenS ist die Entdeckung, daß die Sozialdemokraten auch im Stillen Feste zu arrangiren" wissen, etwa? verspätet. Vor e-niger Zeit ver« anstaltetrn die Sozialdemokraten au» Zwickau und Um» gegend eine Landpartie nach Dänkritz. Verschiedene sächstsche Blätter erzählten und fanden auch in der offiziösen Presse in verlin getreue Nachbeterinnen, daß ei bei dieser Parti« zu „Aufruyr und Gewultthätigkeiten" seiten» der Sozialdemokraten gekommen sei. Au» der nunmehr stattgehabten GerichtSoer« Handlung ist zu ersehen, daß eine Person wegen Widerstand» gegen die Staatsgewalt und Beleidigung zu drei Monaten Gefängniß bestraft worden ist. Und da« nennt man Auftuhr, blo» um die anderen Gesellschaftsklassen gegen die Ardeiter aufzuhetzen._„ Zum Münchener Sozialtstevprozeß Der„Franks. Ztg." schreibt man auS München, 13. Juli: In dem vor dem hiesigen Landgericht am 11. Juni d. I. verhandelten Sozia- ltstenprozeß, der mit der Vrrmtheilung einer großen Zahl An« geklagter wegen Thellnahme an einer geheimen Verbindung rc. zu theilweise nicht unempfindlichen Strafen endete, spielte die Aussage de» Po lizetosftzianten Auer eine Roll«. Dieser Auer wollte durch den Buchbtndermeister Schneider Mittheilungen über die hiesige Sozialdemokratie erhalten haben. Da» Gericht lehnte den Antrag der Verthetviaung, den im Saale anwesenden Schneider zu vernehmen, ad, und stützte fich auf die eidliche Aussage dei Auer. Schneider aber behauptet, er habe jene Mittheilungen nicht gemacht. Ei liegt sowohl im allgemeinen öffentlichen Interesse, al» im besonderen der Angeklagten, daß dieser Widerspruch gelöst wird. In diesem Sinne hat soeben der Abgeordnete Vollmar an die tgl. StaatSanwallschaft am Landgerichte München l eine Ein« zade gelargen lassen, auf deren Bescheidung man gespannt ein darf. Den Vertrag mit Serbien, betreffend den gegenselligen Schutz der gewerblichen Muster und Modelle, ist bereit» heute dem Bundetrath zugegangen. Derselbe bestimmt im Artllel 1, daß die betderseitigen Angehöligen in Bezug auf die gewerd« lichen Muster und Modelle denselben Schutz wie die ein« heimischen genießen sollen. Um fich diesen Schutz zu fichern, haben die beiderseitigen Angehörigen nach Arltkel 2 die Gesetze und Vorschriften zu befolgen, welche in dem detreffmden an- deren Lande in jener Beziehung gelten oder künftig erlassen werden. Artikel 3 desagt, daß die Ratifikationsurkunden mög« lichft bald in Berlin ausgewechselt werden und daß die Ueber- einkunft zehn Tage danach in Kraft treten und diS zum Ablauf eines Jahre» nach erfolgter Kündigung fetten» eine» der nie; wa» kümmerte da» auch ihn, und er hatte Rottack» viel zu lieb, als ihnen einen andern Beweggrund zuzuschreiben, al» aufopfernde Freundschaft. Dem jungen Grafen Rottack— Helene war bei der Kranken in ihrem eigenen Zimmer— entging aber dagegen nicht die auffallend gedrückte Stimmung seine» kleinen Freunde«, denn eine solche augenscheinliche Schwermuth war er nicht an ihm gewohnt. Er fragte ihn deshalb direkt um die Ursache, und Jeremias gestand ihm denn nach einigen Zögern endlich mtt eine« gewaltsam heraufgezwungenen Humor, daß er wieder nach„Brumsilien" zurück wolle, um dort nach seinem Etgenthum zu sehen, und daß e» ihm schwer werde, jetzt von hier fortzugehen. „Aber haben Sie mir denn nicht selber gesagt," fragte der junge Traf,„daß Ihnen Rohrland in Santa Clara Alles besorgt und daß Sie dem da» Ganze übergeben Fitten? Auf Rohrland können Sie fich doch fest ver» „Felsenfest," bestätigte Jeremias,„besser al» auf«ich selber." „Und weshalb da die Reise, wenn Sie nicht gern gehen?" „Herr Traf," sagte Jeremias entschloffen und sah fich vorher wie scheu im Zimmer u«, ob fie auch ganz allein wären,„ich— ich will Ihnen reinen Wein einschenken; ich muß Jemanden haben, mit dem ich einmal offen sprechen kann, e« drückt mir sonst wahrhaftig da» Herz ad." „Und daß Sie Keinen haben, Jeremias, der»ärmeren Antheil an Ihnen nimmt, wissen Sie doch," sagte der junge Traf herzlich.„Kann ich Ihnen mtt etwa« helfen, so reden E»e ftei. Haben Sie vielleicht zu viel Ausgaben gehabt und brauchen Sie Geld? Heraus mit der Sprache, offen und ehrlich! Ich bin reich, und wo ich Ihnen helfen kann.. Jeremias schüttelte den Kopf.„Da« wir'« nicht," sagte er mtt einer komischen Verlegenheit,„Teld»är' da, und wie ich zurückkam, fand ich sogar wieder einen Wechsel von Rohrland vor; ich habe mehr als ich brauche, oder doch vollkommen genug." „Aber wa», um Gottes willen, kann Sie sonst so nie« Kontrahenten in Geltung bleiben soll. Eine der Vorlage bei« gefügte Denkschritt führt da» dereUS über die Veranlassung der Uedereinkuntt Mügetdeilte weiter auS. Die indische Konkurren» zeigt stch deutlich an der riefiaen Zunahm- derWetzenverschiffung nach Europa. Dieselbe stieg von 5 587 000 Ztr.(engl. Zentner 50.8 Kilo» gram») im Jahre 1876/77 auf 21 061 000 Ztr. im Ja st« 1885/86. Der billige indische Weizen soll durch chinesische Schutzzollmauern von Deutschland ferngehalten werden. Aber e» steht fest, daß er trotz d-s KornzollS die Grenzen über» fluthet; den Zollzuschlag zahlt die große Masse, die dadurch vertheuerteS Brod erhält. Aber die ostrldtschen und die anveien Großgrundbesitzer erhöhen dadurch nur etwaS, wenn auch nicht in dem Maßstabe wie fie gehofft, ihre„angemessene Rente. und das ist doch die Hauptsache. Oesterreich Ungarn« Der„Dzienntk PolSkt" in Lemberg spricht fich über dm Erfolg der T a a f f e' schen Misston folgendermaßen auS: Wm hat eigentlich Graf Taaffe versöhnen wollen, alS er vor siedm j Jahren an die Spitze der Regierung trat? Wir gestehm uiu umwunden, daß wir, so wie un« seinerzeit die Versöhnung»« Parole al» ein neuei spezifisch österreichische» Regierung«?-»« gramm in Verlegenheit gebracht hat, auch jetzt ungeachtet siebenjähriger Erfahrungen nicht im Stande find, auf jene Frage eine befriedigende Antwort zu geben. Hat denn Graf Taasse vorausgesetzt, daß die Deutschen von der Herrschaft zu- rückgedrängt, stch mit dem System der Gegenpartei versöhne«' lassen«erden? In einem solchen Falle wäre Oesterreich das einzige Vorbild erne» konstitutionellen Staate», in welchem die Pa- tei de» gestürzten Regimes, statt in Opposition übermgeh-n, fich gar zu dem neuen System bekehren läßt. Wenn fich diese sonderbare Voraussetzung nicht erfüllt hat, so trägt daralt keinesfalls daS österreichische Parlament die Schuld, sondern. einzig und allein Graf Taaffe. Diesem falle ei zur Last, daß der parlamentarische Kampf in Oesterreich nunmehr einen Ch» ratter angenommen hat. der daS Gegentheil von Versöhnonl ist. Die Versöhnung der Nationalitäten war von Grund aus da« falscheste politisch. parlamentarische Programm, an dessen Verwilkiichuna ein Staatsmann kaum ernstlich denken kann- Eine solche Versöhnung ist Sache der Nationalttälm selb? und ihrer Führer; Graf Taaffe hat nur daS zuwege gebracht daß die Opposition ihren polttischen Standpunkt aufgab W stch zu einer-xllufio nationalen Partei formirte, und ai! stehen nicht an, zu behaupten, daß die Bildung deS Deutscht Klub» in erster Reihe dat Verdienst oder die Schuld»n Taaffe'schen System» ist. Der Minister« Präsident hat derevs die Ueberzeugung erlangen mllffen, daß sein politisches gramm zu einem ganz andern Ziele führt, als zu dem u? sprünglich von ihm angestrebten. Wir sehen davon ab, das von den Parteien der Rechten keine einzige stch in Bezug a» ihre Aspirationen defriettgt zeigt; aber da« wird doch Nieman- Slauben, daß die Deutschen mit der gegenwärtigen Lage i") teden und einverstanden seien. Alle Anzeichen lassen darM schließen, daß diese Unzufriedenheit unter den Deutschen irnjjr größere Dimensionen annimmt, und doch ist e» ja die AW® de» Grafen Taaffe gewesen, eine allgemeine Versöhnung W beizusühren... Die Mission Taaffe'» istnunfl*' scheitert, und da» ist der Grund, weShalb er jetzt ofstn und rückhalllo» den Rückzug antritt. Schweden und Norwegen. Der Arbeiterlongreß in Oeredo, den wir schon einmal � rührten und der bekanntlich die Verbindung mit den Sozialist� ablehnte, faßte folgende Beschlüsse: 1. ES ist vollstänViS Religionsfreiheit zu gewähren. 2. Alle Wahle« in Schweden haben an einem Sonn- oder Festtage fia% finden, und die ReichstagSwahlen zur zweiten Kammer � ganzen Reiche an einem und demselben Tage. Alle und unbescholtenen Schweden, welch« ihren VervstlchWW/' gegen Staat und Gemeinde nachkommen, find zu allen schen und kommunalen Wahlen stimmberechtigt. 3. E» ist verdefferter und kostenfreier Schulunterricht mit« allgemeinen Bürgerschule all Grundlage in der Weise führen, daß von dieser ein direttec Ueoergang zu dm HW Schulen staltsindet. Die Schule ist vollständig von der K zu Nennen. 4. Alle indiretten Steuern, welche die Lei bedürfniff« vertheuern, find abzuschaffen, dagegen find d� und progressive Einkommen« und Erbschaftssteuern einzufützw' 5. Da» Strafgesetz ist in humaner Richtung m# arbeiten; Unbemittelten ist kostenfreie Rechtshilfe zu gewäh� und die Einführung von Schiedsgerichten ist anzustre� 6. ES ist ein N o r m a l a r b e t t S t a g von 10 Stunden e>* zuführen.(Ein Nebenantrag, betreffend das Verbot der So»! und Festtags«, sowie der Nachtarbeit wurde mtt 37 gegen Stimmen abgelehnt.) 7. Mit Unterstützung de« Staat» eine allgemeine Ardeiter- Unfall, und Penstons- V ersia' r u n g einzuführen. Die Ardettgeber sind für die Unfälle W' Ardeiter veramwortlich, wenn der Unfall eine Folge fw« hafter ArbettSanordnungen oder mangelhafter Echutzmä ist. 8. Die schwedischen Arbeitervereine schließen stlb internationalen Friedensbestrebungen an. fdJS sn! derdrückeu? Ihr Lieblingiwunsch, die Verheirathung 3K Tochter mit dem juvgen Rebe, ist seiner Verwirklich'? nahe, Ihre Frau hat sich, wie Sie mir selber sagen, fj kommen wieder erholt und ist gesund, an Geld fehl* Ihnen auch nicht— also an wa« sonst? Herau««tt � Sprache, Jeremias; Sie haben un« mit»ahrer Aufopfl beigestanden, machen Sie mir jetzt auch die Freude, daß Ihnen helfen kann." Er hatte ihm dabei eine Zigarrenkiste und einen hingeschoben, und Jeremia», fich immer noch verlegen bedienend, sagte:„Ja, sehen Sie, Herr Graf, da» ist � ding» eine wunderliche Geschichte; e« fehlt mir eig««" an gar nicht«, als— an der Hauptsache." „An der Hauptsache?" „Sobald Zettchen aeheirathet hat," fuhr Jeremias i „so zieht selbstverständlich die Mutter zu den Kinder«, auch Pfeffer hat fich oben in dem Hause Stübche»,, Kammer mtt einer reizenden Autsicht gemiethet. 6*�, mich dann Mutterseelen allein hier ttgendwo als 3 geselle einquartiren und auf meine alten Tage da sitzen?"-j, „Ja, aber weshalb ziehen Sie denn nicht zu 3" Kindern?"* „Ich?" rief Jeremias ordentlich erschrocken. ,3� ba« geht ja doch gerade nicht. Von meiner Frau d geschieden, und so lange sie krank, elend und in konnte kein Mensch etwa« Ueble« darin sehen, wen« dem Hause au« und ein ging. Jetzt aber,»o sie rüstig und gesund ist und mtt mein ftühere» nicht»"'_ Betragen vollständig vergeben hat. darf ich nicht in zs bamlbe£Saii< mit ihr it» hm«ut. �. z« wohnen, wo man eine Familie im Orte hat. hielt ich auf die Länge der Zett nicht an», und"" besser, ich«eh« bei Zeiten.". aß, Die UnterHaliung zwischen Rottack und Zeremian w eine Weile, weil letzterer schwieg; dann aber ft%# Rottack:„Also in Brasilien haben Sie wttklich Schweiz. Die Vollivnsammlung, weiche am Montag in Zürich statt- fand, war sehr stark besucht. Referent Conzett wiederholte noch einmal alle«esentlichen Entwickelungen de« Schlosser« streils, behante bei seiner Anficht, daß Spiller die Ver- fassunz verletzt habe, krittfirte hierauf die Beschlüffe der Re« gierung und d«S KantontratheS, sowie den Inhalt der Adreffe an den Regierungtrath. Der Redner hob auch hervor, daß man seinen Autdruck, man habe im Rothfall auch noch Vetteril aewehre, auf die Goldwage gelegt habe, während Blätter am Zürichsee mit viel gefShilicherm Drohungen um fich geworfen haben. Nach Conzettt Rede machte Schnirpel, Mitglied des Vorstandet det SchlofiersachveretnS, die Mittheilung, daß von letzterem Berchthoid, Prästdent det kantonalen Gewerbevereint, und ein Grütlianer damit betraut worden seien, noch einen letzten Versuch zu machen, ein Abkommen mit den Schloffer- meistern zu vereinbaren, daß aber bit setzt die letztern fich noch nicht autgesprochen haben. Auch werde in den nächsten Tagen eine Delegirtenversammlung aller Fachvereine einberufen wer- den, welche darüber entscheide, wa» die Schloffer für weitere Schritte unternehmen sollen. Gegen Autlaffungen det Schrei« ner Mau, der anarchistische Andeutungen machte, prote« stirte Conzett mit Entschiedenheit und wurde Pfau dat Wort entzogen. Die Versammlung einigte fich schließlich für folgmde Resolution:„Die 800 Mann starke Volktversammlung erklärt, 1*5® der Beschlüffe der Regierung und det Kantont- �'het und trotz de» Adreffensturmt unentwegt zu den organi- firten Arbeitervereinen halten und das Bestreben derselben, die wahren Schuldigen herausfinden und bestrafen zu laffen, mit allen Mitteln unterstützen wir)-" H o l l a» d. Die Regierung geht mit dem Gedanken um, für die Ar« beiter auf den ReichSmarinewersten«ine Art Altertver« sorgungt« und Unterstützungtkasse zu errichtm. Dam» würde der Staat aut seiner bitherigen Zurückhaltung gegenüber der sozialen Frage herauttreten, in der außer dem mtt großer Mühe zu Stande gekommenen Gesetz über die Regelung der Kinderarbeit in den Fabriken noch nichts ge> schehen ist. Wa» man seiner Zeit, alt fich die Kunde von dem in Tjomat in der Rähe von Batavia autgebrochenen und im Blute von etwa 50 Eingeborenen erstickten Aufstande ver- ÄÄLÄÄVt&fökÖS babm, im vollsten Umfange bestätigt. Der Landberr von Tjomat konnte jahrelang seine Befiyung in aller Ruhe und Ordnung regieren, bt» vor kurzem ein neuer Ajststent Restdent für diesen Bezirk ernannt wurde; die bekannte, namentlich bei jüngeren Beamten zu Tage tretende Sucht der Vielregiererei rief einen kleinen Aufruhr hervor, welcher dem Tjamat(dem Polizeiches) de» Bezirkt dat Leben kostete. Der Landherr machte nun von dem ibm zustehenden Rechte Gebrauch und ernannte einen anderen Tjamat, der aber von der Regierung nicht anerkannt wurde, weil er ein Blutsverwandter det vori- ?r Tte �völlerung denselben sehr gern gehabt >!»»*Pfireiao0ouJ,c.ttnm bestellte, ohne fich irgendwie um da» Recht de» Landberm zu kümmern, einen neuen Tja« mat, und die» war die Ursache jene» Ausstände», deffm Au». auch und Unterdrückung ein Regierungstclegramm au»»ata« via seiner Zeit mit dem Zusätze meldete,„daß wahrscheinlich die Bedrückung der inländischen Bevölkerung durch den Land« Herrn den Aufstand hervorgerufen habe." Man steht darau», fügt die„Köln. Ztg." hinzu, daß der schon so oft erhobene Vorwurf, daß e« zweierlei Wahrhetten, eine osfizielle und eine nichtoffizielle giebt, auch für da» niederländische Indien de« gründet ist. Belgien. Der verstorbene Senator Malou hinterläßt ein Ver« wogen, da» auf 20 Millionen Frank» geschätzt wird. Ein nroßer Theil deffelben geht in den Belitz der Jesuiten über. Äußer seiner sehr frommen Wittwe find nämlich nur folgende Erben vorhanden: der einzige Sohn, der Jesuitenpater und Profeffor am Jesuitenkolleg in Mon» ist, und zwei Töchter, von denen die eine Nonne, die andere an den klerikalen Senator Baron Huart verheirathet ist. Der hohe Kleru» veranstaltet denn auch für den Verstorbenen unter Würdigung seiner großen Verdienste um die Kirche eine prunkvolle Trauer« feier. Alle klerikalm Journale bringen sein Potträt und feiern ihn überschwänglich. Den Jesutten fließen dedeutende Mittel zu. Frankreich. In Frankreich find die geistlichen Kongregationen alt solche dekanntltch aufgelöst worden, wie e» denn auch zwischen der Staatsgewalt und den Jnsaffen verschiedener Klöster bei der Aufhebung der letzteren zu ernsthaften Konflikten kam. Die klerikalen Blätter berichten nun aber über ein vollständige» Defil� von Kongregationen» die fich au» Anlaß der Aus« stellung der Leiche de» Kardinal-Erzvischof» von Pari», Gutdert, tige« zu thu«, nicht» wenigsten», wa» Ihnen nicht Rohrlaad eben so gut besorge» könnte?" .Gar nicht»," schüttelte Zeremia« mtt dem Kopf;„da« »ar nur eine Ausrede, den« sage« kann ich'« ihnen ja doch nicht." .Und Ihre Frau ist Ihne» wieder gut?" .Ei ist«in wahrer Engel von einer Frau, und ich fühle erst jetzt, wa» ich für ei« Esel gewesen bin." »Dan« erklären Sie mir aber auch Ein»: weshalb laffen Sie fich nicht wieder mtt Ihrer Frau trauen?" „Hurrjeh," rief Ieremia», von seinem Sitz emporsah« rend..da« geht ja aber doch nicht; wir sind ja ge« «Aber lieber, best«, Freund," lachte Rottack,„warum geht den« da» nicht? Ich kenne verschiedene Beispiele, daß sich früher geschiedeve Gatteu wieder haben traue« laffen. Sie find ja Beide frei und unabhängig, und wer in aller Welt will sie daran hindern oder könnte et Ihnen, wenn Sie Ihre Frau«och liebe», verdenke»?" „Und Sie glauben wirklich?" rief Zeremia», ganz ver« stört von all' de» Gedanke», die ihm jetzt durch den Kopf schössen..„ „Glauben— wa» soll ich glaube«?" sagte der junge Traf..Die Sache ist außer aller Frage. Sie erwerbe» sich dadurch ei» Recht, für die Frau, der Sie einst ewig« «.reue versprochen und dann ei» bische» gewiffenlo» durch ou Lappe« ginge«, auch in ihrem Alter zu sorge» und da», «?? nt llelitten, wieder an ihr gut zu machen; und seien ®te überzengt. daß man e» Ihne» überall sogar hoch an« rechne» und Si, deshalb schätze» und liebt« wird." „Ach, mein bester Herr Graf," sagte Zeremia», indem er wieder rn seine» Stuhl zurücksank,.da» ist ja schon seit lange» Monde» mein Lieblingtwunsch gewesen, schon wie Auguste»och krank war. um sie aller Sorge für da» Kind zu entheben; aber ich habe nie geglaubt, daß e» möglich wäre, und dann— wenn ich e» mir manchmal doch sage!!" 88 mt iWWet an bei Ä#uta9<1' f8 � »Fehlt Ihne««och daran?" lächelte Rottack. in der chapelle ardente de» erzbischöflichen Palaste» einfanden. Nach den Kapuzinern kamen die Jtsuiten, welchen die fttre« des Scoles chretiennes, die Franziskaner, die oblats de Mane immacnlee, die Maristen, die Dominikaner u- s. w. folgten. im Hinblick auf diesen Aufzug wirft nun die„Rövudlique .ran?aise" die Frage auf:„Wieviele nicht autorifirte und unlängst verbotene Kongregationen waren also daselbst an- In Frankreich ist vorgestern, am 14. Juli, wie alljährlich da« Nattonalfest trotz de» schlechten Wetter« ohne Zwischenfälle gefeiert worden. Da» Fest knüpft bekanntlich an die Erstürmung der vaftille an und verherrlicht den Sieg der repudlikanischm Partei über ihre Gegner. GrohbritaAuie«. Bi» jetzt find im Ganzen 631 Wahlen bekannt. Auch die neueren Ergebnisse haben den Unionisten noch weitere Verstärkungen gebracht. Dieselben haben dither zusammen 330 Sitze tnne, also 44 über die absolute Majorttät, während die Anhänger Gladstone'» und die Parnelliten erst 251 Sitze zählen. Die Konservativen allein haben biiher 307 Mandate inne, e» fehlen ihnen also noch 29 an der absoluten Majorttät, während im Ganzen nur noch 39 Wahlen autstehen. Die «nhänger Gladstone'» zählen 170, die Parnelliten 81 Sitze. Bei den gestrigen Wahlen gewannen die Konservativen 7 Sitze, die Gladstonianer 1 Sitz. Nach Schluß der Parlamentswahlen wird, einer Dudliner Meldung zu Folge, die Parnellttische Partei ein Meeting abhalten, welche» an das irische Volk im In« und Auslände ein Manifest erlaffm wird, da» die Rathschläge der Fährer an die Anhänger der Partei in Betreff deren Haltung während der bevorstehenden Kampagne im neugewählten Parla- mente enthalten soll. Da»„Reut-r'sche Bureau" bezeichnet die Nachricht der Wiener„Presse" von einer Note England» an die Mächte, worin u. a. gesagt sein sollte, daß England an- geficht» des Vorgehen» Rußland» in Bat um drei Panzer« schiffe in die Dardanellen entsenden müßte, um fich vor weiteren Uederraschungrn zu sichern, alt vollkommen un- begründet. Spante«. Die Spanier treffen, nach Mittheilungen, welche dem „Tempt" von den PHUippinen-Jnseln zugehen, ernsthaste Ver- anstaltungen, ihre durch den Schiedsspruch de» Papste» aner« kannten SouveränetätSrechte hinfichtlich der Karolinen« Inseln thatsächltch zur Geltung zu bringen. Nachdem der Korrespondent lonstatirt hat, daß die auf der Insel Nap au»« geschifften Truppen kein deutsche» Schiff angetroffen haben, weist er darauf hin, daß auch spanische Handelshäuser nunmehr ernsthast beginnen, Komtotr« aus den Inseln einzurichten. Der einzige Repräsentant Deutschland» wäre nach dem Gewäbr»> mann de»„Tempi" ein Kaufmann, der an jedem Morgen eine Fahne in den preußischen Farben hißt. Nicht ohne G'nug« thuung fügt der Korrespondent jedoch hinzu, daß dem deutschen Kauknanne gegenüber eine patrtottsche Spanierin wohne, welche die Hiffung der preußischen Fahne mit dem Aufziehen zweier Fahnen in den kastiltanischen Farben beantwortete. Bedenkt man nun, daß ein Zwischenfall, welcher nach der Anficht spa- nischer Blätter einen Weltbrand zu entzünden drohte und den Scharsfinn de» Papste» al» Schiedtrichter in Anspruch nahm, mtt der vom„Tempt" gemeldeten Idylle auf der Insel Uap gewissermaßen seinen Abschluß erhielt, so bleibt nur zu wünschen, daß die Nationen auch in Zukunft, wenn e» irgend angeht, derartige friedliche„Lösungen" ihrer Slreitfälle nicht von der Hand weisen mögen. Rußland. Der bekannte Orientalist Profeffor Vamböly bespricht im „Pester Lloyd" die Latum. Frage und demerkt: Schon vor zwei Jahren ist erwähnt worden, daß Rußland trotz aller Stipulationen de» Berliner Vertrage» die Befestigung»werke von vatum nicht nur nicht niederreißt, sondern ununter» brachen verbessert und vermehrt. So oft der Bau- Unternehmer in seiner Rechnung da» Wort„Festungswerke" anführte, wurde dasselbe von der Behörde gestrichen und durch da« Wort„Spi- tat- Reparaturen" ersetzt, weil zufällig in der Festung einige Krankenzimmer fich defanden. Nachdem nun diese» Spital jahrau» jahrein gehörig rcnooirt und befestigt worden, brauchte man schließlich nur da» Aushängeschild herab, un, hmen, um die freie Hafenstadt in einen stark befestigten Hafen umtaufen zu können. Dieser einzige genug tiefe und sturmfichere Hafen an der Ostküste de» Schwarzen Meere» soll nun derjenigen Bestimmung zugeführt werden, welche ihm die Russen schon läng» zu geben beabfichtigen. Sie deeilten fich hiermit umso mehr, al» im vorigen Jahre, während der Ausbruch eine« eng- ltsch-russtschen Kriege» drohte, eben Latum al» jener Punkt bezeichnet wurde, von welchem au» die Engländer sehr leicht ihre Operationen gegen den K-ukasut deginnen könnten. Diese» Thor soll nun venammelt werden. Stünde Rußland auf der ganzen Länge seiner Offenfivltnie, von Batum bi» nach Ba- daschkan, schon schlagfertig da, so würde eine ablehnende Hal« tung England» sofort ganz ernste Folgen nach fich ziehen. „Ja," sagte Zeremia» kleinlaut,„ich brächt'» nicht über die Lippen." „Soll ich da«» Ihre» Freiwerber mache»?" „Sie— Sie wollte«?" „Und warum«icht? Trüg ich doch«ur dazu bei, einer braven Frau ihre» brave» Man» wiederzugebe», und wie glücklich werde» die Ihrige» sei«, wenn Sie fich»icht wieder von ihnen ttenae»- wollen." „Ach Gott, ja. und ich auch," seufzte Zeremia»;„e» war immer mein Liebli»g»wuasch gewesen, aber»ur ganz im Stille», mich a« dem aämliche» Tag mtt«eiaer seligen Frau— ach, Uasi»», da» Wort kommt mtt immer auf die Zunge— mtt meiner geschiede»«« Frau wieder ttaue» zu lasse», an welchem Zettche» Hochzett machte." .Da» wäre allerdings ei« w-mg rasch," lachte Rottack,„und möchte Schwierigkeiten mache«. Ihre Papiere habe» Sie?" „Alle» i» musterhafter Ordnuug." „Brasilianischer Bürger dazu, hm, wtt wolle» einmal sehe». Aber erst müsse» wtt doch wohl mtt Ihrer Frau sprechen." „U«d Sie wollten da» wttklich thun?" „Höre» Sie einmal, Jeremias," sagte Graf Rottack, indem er a«fsta»d und seine» Hut»ahm.„Bleiben Sie einmal da fitze». Da» Sprichwort sagt freilich: Gut Werk will Weil« haben. Aber ich denke, et» gute» Werk kann man»icht zu bald thu». Da stehe« die Zigarren» in de» Karaffe» dort auf dem Büffet steht Portwei» und Sherry, wen« Sie t» der Zett eiaer Stärkung bedürfen sollte«. I» einer halbe« Stunde bringe ich Ihnen Latwort." „Ich ttinke Zh«eu indessen den ganze» Portwein au»," sagte Jeremias. Rottack lachte, nickte ihm zu und verließ da» Hau».— (Fortsetzung folgt.) Doch da die» nicht der Fall und Rußland noch weit davon entfemt ist, mit seinen Vorbereitungen fertig ,u sein,(o muß und darf England unter keinen Umständen in den Fehler von 1870 verfallen. Die ungerechtfer. ttgte Nachgiebigkeit vor 16 Jahren hat den darauf folgenden russtsch-türkischm Krieg v-r schuldet; eine Nachgiebigkeit tn der Batum- Frage würde aber nebst einem neuen russisch-«mtt schen Kriege auch noch den Fall von Herat nach fich ziehm. Amerika._ i In Guatemala ist am 25. Mai endlich ein Gesetz er» lassen worden, da» einem Zustand ein Ende macht, dessen Fortdauer bis auf unsere Zellen am wenigsten in einem konstitutionellen Freistaat für möglich gehallen werden soll'e. Bi» in die neueste Zeit ist nämlich hier noch auf» reichlichfii! die Tortur angewandt worden, und ste hat zahlreiche Opfer g-fordert. Jetzt endlich, nach langen Berathungen, bat die ge- setzgebende Versammlung des Freiftaate» Guatemala am 21. April ein Gesetz erlassen, und der Präsident Barilla» sowie der Staattsekretär de» Innern und der Justiz Femando Cruz haben e» am 25. Mai vollzogen, wonach diese Tortur für die Zukunft unmöglich gemacht wttd. Afßen. Die Lieferung von 1500 Tonnen Stahlschttnen ist von der japanischen Regierung der Firma F. Krupp in Essen nach der„Time»" überttagen worden. Der Prei» bleibt 25 M. unter dem billigsten englischen Angebot. Gerichts-Ieiwng. Da» Oberverwaltungsgertcht hat tn einem Endurtheile dahin erkannt, daß Kommunen nicht gezwungen werden können, Mittelschulen oder höhere Töchterschulen einzurichten. Die Ver« pflichtung zur Errichtung und Unterhaltung von Unterricht«. anftalten, von Schulen, denen da» Allg. Landrecht im§ 12 Tit. 12 Thl. n die Bezeichnung„gemeine Schulen", die spätere Gesetzgebung diejenige von„Elementar, und Volktschulen" dett legt, weist da» Allg. Landrecht in§§ 29 ff. II 12 den zur Schule gehörigen Hausvätern, der Schulsozietät, zu. Die polt« tischen Gemeinden find defugt, mit Zustimmung der Kommunal« aufstchttbehörde, die Schullasten den Schulsozietäten abzunehmen und in Kommunallasten zu verwandeln. Diese Uebemahme einer fremden Verdindlichleit kann indeß deren bisherigen Um- fang nicht ändern und insbesondere nicht ihre Erweiterung zur Folge haben. Mittelschulen und höher« Töchterschulen dienen auch dann nicht der allgemeinen Schulpflicht, wenn in ihnen theilweise in ihren unteren Klassen dieselben Gegenstände gelehrt werden, wie in den außerdem destehenden obligatorischen Volt»« schulen. Mit letzteren laffen sie fich nicht identifiziren, sofern ihr Endzweck über die Bestimmung der obligatorischen Volk»« schulen htnautgeht. Ste bilden vielmehr einen eigenartigen Organismus, tn welchem ein Zusammenhang aller zur Schule gehörigen Klaffen in der Weise stattfindet, daß die oberen auf den unteren ruhen, so daß letzter« in kontinuirlicher Folge nur die Vorbereitung für die weirere Fortbildung der Schüler ge- währen.— Ohne jeden Einfluß auf den Charaller der Schule ist auch die Qualifikation der an derselben beschäftigten Lehrer, sowie der Umstand, daß dieselbe eine Berechtigung zur Erthet« lung ailtiger Abgangszeugnisse nicht defitzt. Wie», 12. Juli.(Ein Kuß.) Ali vor einigen Tagen der Professur». Kaandidat Alfred Getzoff und sein Freund, der f rivatbeamte Ludwig Schwendt, vom P rater über den Franz osephtquai gingen, sahen ste von der Ferne ein junge» Mäd- chen, da» träumerisch in dm Donaukanal blickte. Beide waren sofort in ihrem Urtheil darüber einig, e» sei die» da» schönste Mädchrn, da» sie je gesehen. Al» sie in dessen Nähe kam», versperrten sie ihm den Weg, und Einer von ihnen hatte den Mulhvillm, da» Mädchen zu umarmen und einm Kuß auf ihre Lippen zu drücken. Die junge Dame stieß einm Schrei au», der aber in dem Wortgefechte verhallte, da» gleich darauf durch die Intern, ttton zweier Ehemänner, die am Arme ihrer Gattinnm hinterher ge» gangen waren. entstand. Dieser Kuß hatte zur Folge, daß xlttn Getzoff und Schwendt von vem staatSanwalisckufrl.chm Winternitz, hatte Gelegenheit, ein kleine« Essay über den Kuß frei nach den populärsten Dichtern zu geben; er machte geltend, daß da» Benehmen der Angeklagten wohl gegen den Anstand, aber nicht gegen die Sitllichkeit verstoßen habe. Der Richter sah in dieser Umarmung, so unberechtigt sie war, noch immer emen Kuß in Ehren und sprach beide Angeklagte frei. An» Kunst und leiten. Nr. 14 von„Rode und Ha«»", praktische tllustrtrte Frauenzeitung mit illustritter belletristischer Beilage(Deutsche VerlagSgesellschast Dr. Ruffak u. Ko. in Berlin, Vierteljahr». Soziales tmd Arbeiterbeweanna. «Olnitoe Arbeite«. Bekanntlich strömen die meist un- geb ideten und bedürfniß oscn. da» heißt an Zivilisation dedürf- nißlosen polnischen Arbeiter im Frühjahr schaaren weise nach prei» IM.) ist soeben au»gegeden worden. Sie bringt in ihrem Hauptblatt eine Fülle von nützlichen H-ndarbellen und p, allischen Modeabbildungm. Von letzteren verdient besondere Erwähnung eine Ktndergruppe, welche oen Damen die«nfer- tigung geschmackvoller Garderode für Kinder tn allen Leben». stufen ermöglicht. lieber die vulkanische« Eruptionen, welche im Juni in Neuseeland stattgefundm haben, werden folgende Emtel- KAen berichtet: Zuerst gerieth der Tarawerabkrg in Thätig. SSÄMÄÄÄJSÄÄ Erhebungen haben fich gebildet, au, welchen Geys« Hervel sprudeln. Unablasstz verdüsterten Staubwolken den Himmel um die MtUagSzttt und begruben mehrere Dörfer mit einer zehn Fuß dicken Aschenschicht. Der Verlust von 20 Menschen- Ufcn. raomnter auch einige Engländer, ist bereit» lonstatirt. Da» Vreh verhungerte, da e» wegen de« Staube» nicht zum Araft gelangen konnte. Großes Elend herrscht in dem ganzen Distrikt. Andere mit dem Ausdruch verknüpfte Erscheinungen waren stark« Blitze, furchtbare Erdbeben, Schwefelgeruch und bleifarbene Wolken, welche von Gewittern auseinandcrge aai wurden. Eine Nordpol-Expeditton auf eigne Faust plant der Oberst GUder, welcher sich al» Begleiter Schwatka's und al» Theilnehmer an der Expedition de« Rodger'», sowie bei der Aufsuchung der„Jeannette" schon viekach im Norden versucht bat Er will fich durch ewen Walfischfahrer nach dem Cumberland-Sund bringen lassen, dort eine Antahl Eskimo« anwerben und mtt diesen, völlig ihre L'bm, weise theilend, die verlassene Station der Greeley'schen Expeditton zu erreichen suchen und fich dort förmlich ansttdeln. Von dort au» wird er versuchen, läng» der Küste von Grönland und allenfall» über da» Et» nach Norden zu dringen. Er beabsichtigt, nur einen kleinen Lebensmittel- Vorcath mitzunehmen und ganz wie die ESkimot vom Erttage der Jagd zu leben.— Ein andere» kühne» Unternehmen beabsichtigt der amerikanische Ingenieur R. E. Peaty zu versuchen, die Durchquerung von Grönland von der Disco-Bay nach dem Franz-Josess Fjord. Er gedentt, durch die Etkimo» Depot» fo weit wie möglich nach dem In- land hinein errichten zu laffen, und dann den letzten Rest der Tour nur in Begleuung eine» oder zwettr Mischlinge zu wagen. MM-ldeutschland, bkscmdn» in die Gegenden de» Zuckenüben« bauet und der Ziegeleien. Dann giebt et fast täglich Streitig. leiten mit den heimischen Ardeitern, da die fremden erheblich die Löhne drücken. So kam et auch vor einigen Tagm wieder auf der Ziegelei in MSllendorf bei Osterdurg zu großen Skan- dalen, die mit Demolation von Ardeiterhütten endeten. Die polnischen Arbeiter, in Erdhütten wohnend, zufrieden mit Speck, Brod und Fusel, hatten durch ihr Verhalten zu dem Unfug die nöthige Veranlaffung gegeben. Die intellektuelle Urheberin solcher Szenen ist aber die Habgier der Grundbefitzer und Unter« nehmer, welche durch Agenten die fremden Arbeiter zu billigeren Ahnen heranziehen., m, In Elberfeld hat stch vor einigen Tagen ein Verein zur Vertretung der Interessen de« werkthättgen Volke« gebildet. Wir wünschen ein fröhliche« Gedeihen. Ueber die Tuchindustrie zu Reichenberg in Böhmen macht da« Wiener Handeltmuseum folgende Angaben: Reichen» berg erzeugt jährlich(mit Umgebung) 200000 Stück Tuch« waaren aller Art, im Gewichte von 4 Mllionen Kilo, davon Sommerwaren 120000 Stück von 3 600000 Meter, Winter- waare 80 000 Stück von 2400000 Meter. Bei 2.50 st. Durch» schnittswerth der Sommerwaare und 3,50 st. Durchslbnitttwerth der Winter waare hat die Gesammtproduktion einen Werth von 17,4 Millionen Gulden. Die Waaren werden bi« auf etwa 2 Prozent, welche nach Nord und West exportirt werden, über» wiegend in Oesterreich-Ungam abgesetzt, von wo fie allerding« vielfach von den Konfektionären verarbeitet nach Süden und Osten versandt werden. Die Arbesterzahl, ausschließlich der Meister, Werkführer, Buchhalter, beläuft fich auf 10 000, davon find 6000 Männer, 2000 Frauen, 2000 jugendliche Arbeiter, mit Wochenlöhnm von 3—8 st.: 4000 Handwebstühle und 600 mechanische Stühle find im Betriebe. Zur Erzeugung der Tuch» waaren im Gewichte ron 4 Millionen Kilo werden Garne im Gewichte von 5 Millionen Kilogramm gebraucht. Davon wer- den 400000 Kilogramm eingeführt. 4 600000 Kilogr. in den 70 Spinnereim mit 124000 Spindeln in Reichenberg und Um» gebung gewonnen. Die AuSstchten de» Töpferstreik« in Dresden find auie. Vor Zuzug fremder Arbeitskräfte find dieselben voll» ständig bewahrt geblieben, auch find keine Abfällige zu ver» zeichnen. ES haben 54 Ofensetzer Dreiden verlassen, 57 ar» besten in den Geschäftm, welche den Tarif bewilligten, 19 ar» beitm für ihre HauSwirthe, 3 find trank, 4 find ihrer Beschäf» tigung wegen ausgeschlossen, 12 Verheirathete und 6 Ledige find nur noch außer Arbeit. E« arbeiten nach dem Meister» tarif nur 24 Ofensetzer, darunter 3 alte, die ebenfalls von der Bewegung ausgeschlossen wurden; et arbeiten also gegen den Willen der Streikenden nur 21 Minderbegabte Ofensitzer. Unterstützung geht ungenügend ein, da die Kollegen, welche nach dem Tarif weiter arbeiten, 25 pCt. ihre» Verdienste« bei der Lohnkommisfion abgebm. Unter de« Schmredegeselle« in Altona herrscht noch immer eine große Aufregung, die Arbeitseinstellungen nehmen fortgesetzt zu. Die in Arbeit Gebliebenen hadm fich freiwillig erboten, von ihrem Wochenlohn je 2 M. für die Streikenden abzugeben. Die Meister haben beschloffen, fest gegen die ver« einigtm Gesellen vorzugehm. Jeder hat fich verpflichtet, 50 Mark Konventionalstrafe zu zahlen, wenn er auf die von den Gesellen gestellten Bedingungen«ingehe. Viele unverheirathete Gesellen find abgereist. Wider Erwarten haben auch die In« nungSgesellm, auf derm Bleibm man gerechnet, fich der Be« wegung angeschloffen.» Die Kohlenarbeiter in den Kardiffer Minen de» Mar» qui« Londonderry streiften, fett ihnm eine versprochene Lohner« höhung nicht ausgezahlt wurde. Für 3 Gruden war mit dem 15. Juni eine Erhöhung von 5 pCt. in Aussicht gestellt wor» den, doch ist diese bit jetzt noch nicht auSbezahst worden. Die ArdeilSeinstellung umfaßt bereit« 1500 Personen au» 2 Gruden, während die in der dritten arbeitenden über den Streik noch unschlüsstg find. An» Hannover wird un« berichtet, daß der Maurer« streik dort noch keineswegs beendet ist, wie einige hiestge Blätter bereit« meldeten. Solche falschen Nachrichten dürftm wohl lediglich auf da« Bestreben der Unternehmer zurückiu« führen sein, stch von Auiwärt« billigere Arbeitskräfte zu be» schaffen. Die Streikenden ersuchen dringend, den Zuzug fern zu halten.(Siehe auch Inserat.) vereine und Versammlungen. Der Sachverein der Rohriege, hielt am 11. Juli bei Rieft, Kommandantmstraße 71—72, eine Versammlung ab, in welcher zunächst der Ingenieur Herr Kisting einen Vortrag hielt über die heutige Konkurrenz in der Rohrlegerbranche. Der Lortragende legte klar, wie der heutige Geschäftsgang be» trieben wird. In der Veranschlagung einer E.ftwäfferungS. Anlage in einem Hause hatte eine Firma diese Anlage auf 1603 M. 69 Pf. veranschlagt, wogegen eine ander« Firma nur 1100 M. berechnete. Referent suchte durch Zahlen zu beweisen, daß nach genauer Berechnung der Materialpreije, de« Akkord» resp. de» Arbeitslöhne«, die letztere Firma nicht auf reeller Bast» bestehen kann und der Lohn der Rohrleger durch solch« Unterdietungen sehr gedrückt wird. An der De» datte betheiligte fich Herr Kreb«, welcher erNärte, daß der Lohn in der betreffenden Fabrik 24 M. pro Woche betrage. Sin anderer Redner meinte, die Sache liege ander«; man habe ihm, ali der in der Fabril um Arbeit anftagte und 24 M- beanspruchte, erwidert: der höchste Lohn betrage dort 21 M., einig« Arbeiter erhalten sogar nur 18—19,50 M. Nachdem wurden noch einige interne VeretnSangelegenheiten rc. be« sprachen.— Hierauf erstattete der Kasstrer dm vierteljährlichen Kassenbericht und wurde ihm Decharge erth ilt. Zum Schluß wurde ein au« 5 Mitgliedern bestehende« Komitee zur Aran- irung einer Landpaitie zum Sonntag, den 25. Juli(nach nlrnkrug) gewählt. Der»esanaverei« de« Freireligiöse« Gemeinde früher„Mov'S Sängerbund", macht Sonntag, den . d. NL einen Ausflug nach Erkner- WotterSdorfer Schleuse und ladet Mitglieder und Freunde zu recht zahlreicher Bethel- ligrmg ein Treffpunkt bi« 8 Uhr früh Bahnhof Erlner, dt« S'/, Uhr WolterSdorfer Schleuse, Nachmittag« 3 Uhr„Fang. schleuse" bei Welling; die bequemsten Züge per Arbefterdiller« hin und zurück zu 80 Pf. find ab: Friedrichstraß« 5 Uhr 17 Minuten und 6 Uhr 13 Minuten, ab Alexanderplatz 5 Uhr 24 Minuten und 6 Uhr 18 Minuten, ab Schlefischen Bahnhos 5 Uhr 31 Minuten und 6 Uhr 31 Minuten. Die Uebung«- stunden finden regelmäßig jeden Mittwoch Abend von 8 dt« 10 Uhr Abend« Münzstraße Nr. 5 statt. Sachverei» der Schneider. Den Mitglieder zur Kennt» niß, daß auf Beschluß vom 28. v. R. die Versammlungen de« Verein« auf unbestimmte Zell vertagt worden find. Mel« düngen, Beiträge und Aufnahme von Mitgliedern jeden Mon» tag Abend in Gratwell« Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79. (Kleine« Gartenzimmer.) Die noch ausstehenden Billet« vom Pfingstrergnügen bittet der Vorstand daselbst auszugleichen» damit die Abrechnung veröffentlicht werden kann. Vermischtes. Ueber die Wahlagitation in einer Vorstadt London» schreibt da« Kopenhagener»lall„Pollliken" u. a. folgende«: JCer in Chelsea entschiedenen Wahlniederlage de« Sir Charle» Dille war ein beispiellos« Wahlkampf vorangegangen. Im Jahre 1885 hatte derselbe mit 4291 gegen 4116 auf den Tor, Whitmore gefallene Stimmen gefieat. Die diesmalige Nied«. läge hatte« lediglich seinem bekannten Ehebruchskandale zu verdanken. Die Torie« beuteten denselben auZ. Zu allen Hinterthürm der gesammten Vorstadt Chelsea drangen obszöne Darstellungen de« Sündn« hinein, Verzeichnisse sein« Mai» treffen wie seiner unehelichen Kinder und sein« sonstigen Au«- schweifungen. Ueber viele derselben wird fich Sir Charle« Dille ebenso sehr gewund«t haben, wie ihrer Zeit in New- Norl Sarah Bernhard üb« die Lebensbeschreibung der acht Söhne, die fie Piu« IX. geschenkt haben sollte.„Je nach der politischen Gefinnung de« Eigenthümers war in der King« Road von Chelsea j>d:« Hau« blau(To y) oder gelb(„Buff": Whig) dekorirt. An einem Whighause zählte ich zwischen dem Parterre und dcr ersten Etage nicht wenig« als 56 Llakate mll„Stimmt für Dilke!" Von d« ersten Etage bi« zum Dach ist das Hau« vollständig verschwunden und lediglich ein gelbe« Riesenschtld übrig, auf welchem man einen über« natürlich großen Gladstone auf Besuch in Irland die Folgen seiner irischen Reformgesetzgedung betrachten steht. Auf den Feldern wächst üppige« Korn, wohlgenährte Jcländer dengeln die Sense, ein« blühende Bau«Sfrau steht vor dem Minister und läßt ihr wohlgenährte» Kind demselben die Hand küffen. Im Vordergrund de« Bilde« gehen ein Schwein und ein Huhn, beide so fett, daß fie beinahe platzen. Ein kleineres Bild darunt« zeigt SaliSbury auf Besuch in Irland. Jetzt ist da« Feld unfruchtbar, da» halbnackte Kind schreit vor Hunger, bewaffnete Polizisten treiben da« zerlumpte Bauernweid au« sein« Hütte, da« Schwein ist so mager geworden, daß d« Maler ihm den Schwanz versagen zu sollen geglaubt hat. da« Huhn fehlt gänzlich; wahrscheinlich ist e« aufgegessen. Ueber diesen seltsamen Riesenbilvern hängen au« jedem Dachfenster Fahnen, üb« die Straß« find an Schnüren Tüch« mll gelben Schleifen befestigt, neben ihnen hängen Papptonnen mit dem Namen Sir Charle« Dille. Ardellen die Whig« mit Mal«ei, so die Torie« mit Plastik oder sogar durch Veraugcnschein- lichung in natura. An ein« Stell« steht man auf einem hohen Ptedestal eine ungeheure»«schimmelte Brotrinde angebracht, darunt« steht: Gladstone dem armen Manne. Neben der- selbcn liegt auf einem noch höheren Piedestal ein prächtig« Honigkuchen von ein« Halden Tonne Groß:; unter demselben steht: Salisdmy dem armen Manne.— Spat am Nachmittag wurde in dm veröffentlichten Stimmlisten ein Defizit von ca. hundert Stimmen für Dilke konstatrt. Um diefelbe Z-ll kamen die Arbeiter au« den Fabrllm; dieselben nahmm die vorautfichtliche Niederlage mll Erbitterung auf. So oft ein mit gelben Farben behängter Wagen kam, zitterte die Straße von Jubelrufen, aber wenn ein eleganter Wagen mll blauen Schleifm seinm Weg zu bahnm suchte, wurde d«selbe von einem solchm Pfeifenkonzert begrüßt, daß die«schreckten Insassen schleunigst umzuwenden und da» Wahllokal auf einem Umweg aufzusuchm befahlm. Einmal wurdm einige blau dekorirt« H«ren sogar au« ihrem Wagen geworfen und dieser mll Kutscher und Pferden gelb delörirt, bi« fich die Polizei in« Mittel legte. Spät am Abmd fuhren drei junge Damm, von Kopf zu Fuß gelbgekleidet, in einem eleganten Kabriolet; der neben dem Kutsch« fitzmde Lakai trug einen Hut mit d« Aufschrift: „Stimmt für Dilke!" Der Wagen wurde angehalten; unt« mdlosm Bravo« überreichte ein He« dm Damm drei Borquet« gelbe Rosm. Etwa« nach 8 Uhr wurden die Wahl« lokale geschloffen und begann die Stimmenzählung. Durch die Straßen wogte eine leidenschaftlich enegte Mmschenmaffe." Um Mllternacht wurde da« Wahlresultat bekannt, wonach Whllmore mit einer Majorllät von 176 Stimmen über Dilke gestegt hatte. Schändlicher Mädchenhandel. Au« Gmf wird offiziell gemeldet, daß Ende April fich ein Mensch in Bordeaux bei einem dortigen AuSwandnungS-Agentm vorstellte, um durch ihn auf einem Dampfschiffe Passage für fich nebst seiner Frau und zwei Töchtem zu nhaltm. D« Beamte entdeckte aber bei Untersuchung der Papiere de« anaeblichm Herm Neuwann, daß desondert die Taufscheine der Mädchen gefälscht waren, um fie für älter«scheinen zu lassen al« fie wirtlich sein kann. ten, und« setzte davon die BehSrdm in Kenntniß. D« An- geklagte und seine Frau wurden daher gefangen genommen, während man die beidm Kind« durch Vermiltelung de« deut- schen Konsul« in ein Kloster brachte, bi« man fie in ihre Hei» math zurückdefürdern konnte. Sie erzählen nun, daß fie von Münchm kämen, wo d« angebliche N. und seine Frau ihre Eltein bewogen hätten, fie mll nach der ftanzöfischen Schweiz gehen zu lassen, wo fie sehr einträgliche Stellungen al« Dienstmädchen in vomehmen Häusem«halten sollten, wo« ihnen natürlich sehr angenehm gewesen sei, weil fie sehr arm wärm. In Gmf angekommen, habe indessen der N- ihnen gesagt, daß fie mll ihm nach Südamerika geben müßtm, wo fie gar nicht zu arbettm brauchten, immer in Seide gehen und mll Diamanten geschmückt««dm würden und sehr viel Geld verdlmm könntm. Sie hätten nun ab« gros kommen und ernstlich verlangt, zu ihren Ei zukehren; allein da stc vorher(noch in München) alle ihre schlichten Kleid« auf dm Rath de« N. und seiner Frau zurückgelassen hätten, so wärm sie jetzt ganz in d« Gewall dies« Leute gewesen und hätten ihnm folgen müssen. Die Untersuchung, der man indessen die beiden Verbrecher unterwarf. ging sehr langsam vorwärt«, da fie lange Zell jede Auskunft verweigerten. Endlich gestand jedoch die Frau, daß fie sett vielen Jahren die Geliebte und Gehilfin de« N. sei, und eigentlich Jos-pha HauSln heiße. Er habe fie durch außn» ordentliche V«sprechungen dabin gebracht, seinetwegm ihre sehr anständige Familie zu verlaffm, und seitdem habe ffe ihm bei seinem schmachvollm Gewerbe Beistand leisten müffen. Er Hab« fie nach und nach gezwungm, ihm die jungm Mädchen zuzuführen, die« dann an alle möglichen öffentlichen Haus«, meisten« ad« nach Südamerlla vnkauft habe. In München ständen fie mit einer Zeitungsoerkäuferin in Vndindung, die ihnen auch diese beiden Mädchen für 30 Mark zugewiesen hatte. Die Behörden überzeugten fich nun außerdem, daß der Name N. nicht d« wirkliche de« Vn< drecker« sei, und daß« nicht in Deutschland, sondern in Konstantinopel gebürtig wäre. Ja, fie hatten stark dm Ver« dacht, daß der im Jahre 1878 unt« dem Namen C. Koch öffentlich vnfolate Sklavenhändler mit diesem Uedelthät« idmtisch sei, und daß« folglich damals schon viele Hund«t armer Mädchen in« entsetzlichste Elend verkauft habe. Jeden» fall» steht nach dm Aussagen d« Joseph» HauSter fest, daß « seit 9 Jahren in Deutschland und Frankreich wegen d« artig« Geschäfte hin» und hergereist ist. Gleichwohl konnte dn sogenannte N. in Frankreich nicht vnurtheitt w«dm, weil« kein nachweisbare» Verbrechen auf«ranzöfischem Boden begangen hatte, und so hat man ihn nebst sein« Gehilfin schließlich doch freigelassen!— Sollte nicht endlich ein inter« nationaler Bund zum Zweck d««nsten Verhind«ung solcher Ungehmttlichkeitm geschlossen werdm? m«heschetdaugtslaliftik. Im Jahre 1885 wurden 1242 Paris« Ehen geschieden. Bekanntlich ist die Möglichkeit, eine Ehe scheiden zu lassen, in Frankreich sehr jungen Datum«. Diese geschiedmen Ehen vertheilm fich dem Sranve nach, wie folgt: 10 auf Juristen, 19 auf»erzte und Apotheker, 24 auf Künstl«. 156 auf andere freie Erw«dsarten, 124 auf Ver» waltungideamte. 422 auf Industrie und Handel, 251 auf Ar» better und Tagelöhn«, 181 auf solch« ohne Gewnbe(Renti«« u- s- w.). 95 auf Leute rmdekannt« Erwerb,-nt. Tie Zeitschrift Illustration", der wll diese Statistik entnehmen, demerkt hierzu:„Die Ehescheidung, steht man. ist viel häufig« in den wohlfttuirtm Klaffen, bei Leuten, welche entweder umhäiig find od« dm* eine mehr geistige«eschästigung habm, al« bei den armen Leuten oder denen, die auf ihrer Hände Arbell ange- wiesen find. Gerade im Mittelstände findm meisten, die- oße Furcht be» Eltern zurück- Auch hier auf Stände vertheilt, war in dem Stande der fi» ErwerbSarten der Mann in 100 Fällen 59 mal der w schuldige Theil, bei den Renti«» 88 mal, bei der Verwald« und in d« Arm« nur 33 mal, bei dm Arbeitem und T« löhnern nur 17 mal!! Auch diese Ziffem gebm zu ttnlf In bezug auf Ehen mll od« obne Kind« fand die E&'w dung statt in 751 Fällen ohne-Kind«, in 222 Ehen, die> 1 Kind hatten, in 92, in denen 2, in 40, in denen 8, in• in denen mehr alt 3 Kinder vorhanden warm. Haifisch oder Ente. Am vorigm Montag Mtttor so erzählt daS Trieft«„Cittadino"— badete ein drevf jähriger Knabe in d« Näh« von Miramare im Meere, all vor fich einen ziemlich großen Fisch bemerkte, der foftwähi« bin und her schwamm. Da« denseldm für einen hielt, so ergriff er ihn beim Schweife, hielt ihn fest und« gann nun um Hilfe zu rufen. Einige Fischer eillen'Ar- herbei und schleppten dm Fisch an« Ufer, wo e« stch l'tf daß ei ein jung« Hai war. Kleine Mittheilmtge«. Würzburg, 12. Juli. Wo« da» Eisenbahnunglück» 1. Juli detrifft, so ist da« gesammte P«sonal de« Schnell« mtlaffen wurden und die Bahnwärter bi» zur Unglück«? find suspmdirt. Nachträglich hat da« Unglück vom 1.? noch weitere Opfer gefordert; au« Passau wird nämlicks meldet: Der Geoäckkondukteur von d« hesstschen Luvwlg«? He« Andrea« Petz au« Mai-z, weich« schon sell Jahre«> Schnellzug auf d« Strecke Paffau Mainz beglfttet, kam« am 2. Juli, also am Tage nachh«, an welchem da« S? Eisenbahnunglück bei Würzburg fich ereignete, in P»ssau an- 1 Petz entsetzte fich über die schrecklichen Szmm an d« Unalt ställe, die er beim Vorbeifahren gesehen, so. daß« am str« Nacht« von Kiämpim befallm und Samstag früh vom SK gerührt wurde. Er wurde auf Anordnung de« Arztck' städtische Krankmhau« verbracht, wo« SoflJ Morgen an Abdominaltyphu« verschiedm ist.— J die vnunalückte Frau Rosmblatt ist den«Illtmen' letzten gestern Abend«legm.— Leider v«größert stck Zahl der Opk« de« Unglück« noch weit«, da«st jetzt Namen verschieden« altbald in Privatpflege genommener> letzungen bekannt w«dm und bei einigm, wie fie s-ldl! fang« glaubten, unbeschädigt od« mtt leichterm Verletz« Davongekommenen fich nachträglich inn«e Schädm So ist, wie die„N. W. Z." erfährt, bei ihrem F (Haugering) die Gatiin de« GutSpächt«« Müll« von rieb in Pflege, die eine schwere Rückgratoerletzung erliste« und nun einen langwi-ngen HeilungSprozeß durchmachen � Frau Müller ist da« vierte Glied d« Familie HÄD* hausen, die von dem Bahnunglück schw« betroffen wu> drei and«e Angehörige derseldm find noch im JuliuS'M Behandlung. F«n« wird au« Dettelbach gemeldet, dal dortig«, im verunglückten Postzuge gewesen« Einwohne� mittelbar nach dem Vorfalle dem Anscheine nach völlig* schädigt heimgeeilt war, daselbst ab« jetzt infolge nss Blutungen bedmllich erkrankt darnied« liegt. Von de« troffenen werden jedenfalls sehr bedeutende Entschädigt forderungen erhoben werden. Wie da» ob-n erwähnte[ höet, haben unt« and«em die Angehörigen de« um'« Leben qekommenm Rauhwaarmhändleri Busses Frankfurt a. M. eine Entschädigung von 150000 M. r gemacht. Dortmund, 11. Juli. Eine eigenthümliche flW? szene erzählt der„Wests. Merk.": Ein hiefig« Bürg« jju vorgestern einen Svastergang in die Felder und kam*«% einem einsam belegenen Teiche vorbei. Am Ufer deffelbst>A er einen Mann stehen, d« seelenruhia zusteht, wie jn** y liche Personen zusammen mitten im Wasser herumwa>Ä,s» Ä SÄÄ. Auf eine weitere Bemerkung de« ob dieser gleichgiltig�z, wort vollständig Vnblüffien weigerte fich der Gatte und. mit größter Entschiedenhett, V«Iuche zur Rettung der«« zu machen. Darauf springt d« Herr selbst in« Wasser- glücklicherweise überall so geringe Tiefe hatte, daß e« fu>, erstredten Zweck nirgendwo reichte, packte seinen Krückfto« fest und— prügelte die beiden Lebensmüden, al« fie niaft willig wollten, nach allen Regeln der Kunst au« dem- Elemente heraus. Jetzt eijählt: ihm Ver Mann, ftjj!, 16 Jahre alle Tochter habe ein schlechtes Liedeivrrhat»�, habt, deshalb hätten stch Frau und Tochter ertränken � und er habe nicht« dagegen gehabt. � Pretzburg, 3. Juli. Bei Gelegenheit einer heute � vorgenommenen poltzeilichm Slreimng in d« Umgebuft., Preßburg wurde in dem am rechten Ufer der Dona» K lichen Au Gasthause von dem die Streifung leitenden»F torporal ein v«dächtig aussehend« Rann angetroffen, i". j Besitze man ein auf den Namen Martin Nozkovic«%» Arbeitsbuch fand. D« Wachekorporal nahm die V««� diese« Manne« vor, d« stch auch scheinbar ruhig ließ. Lei der Schiffbrücke angelangt, mußte gewart« � da die Brücke, um da« Durchpasstren d« DampfschN möglichen, eben geöffnet war. Nun riß fich der»rretim j lich lo«, warf seinen Hut weg und sprang in die gleich machten Schiffleute und der bei der Brücke', Wachmann einen Kahn lo«, man fuhr dem Seldftmor°�, und«reichte den wied«hott au* den Wellen SufteM-J, auch beinahe in d« Nähe dn Privatschwimmschule; IrL tauchte dn Unbekannte plötzlich wied« unt« und darauf spurlo« in den Fluthen; der Leichnam ist nicht aufgefunden worden..«« Trieft, 14. Juli. Von gestern Mittag bi« b'ute�j find hier an der Cholera 3 Personen«krankt und 1 Nach Meldungen au« Fiuwe find daselbst in den lctzs� undzwanzig Stunden sech« Cholerafäll« vorgekommen, drei Todesfälle. Rom, 13. Juli. Von gestern Mittag bis b«t< J find an dn Cholera in Codigoro 11 Personen«ftaew„ gestorben, in Venedig 2 gestorben, in Francasilla 73 u und 26 gestorben, in Latiano 33«kranft und 12 gest�K San Vito 17«kranft und 4 gestorben, in Erchie V% und 5 gestorben, in Meffagne 2 nftan», in Ofluii erkrankt und in Oria 1 gestorben.- In Trieft find M tag Mittag bi, gestern Mittag 12 CholerafLlle W erkrankten Personen) und eine neue Cholcraeikiankun« kommen. find an der V rantwortllch« Redaftem«.«rovheim in««lin. Druck und»erlag von«ax Babrög Rom, 14. Juli. Von gestern Rittag bi«/ Cdolera in Codigoro 3 Personen ertrag jl aenoroen, tn Venedig 1 Person gestorben, in kantt urd stgestorben. in San Vtw 20«kranft und 1 i tti Ostuni 1 Person gestorben, in Oria 2«fconlt ftorben, in Eichte 8 erkrankt und 2 gestorben in 44 erkrankt und 17 gestorben, in Latiano 25 10 gestorben und in San Donaci 6 erkrankt un" starben. Kriefkasten der Kedakttotf* D. G- 100. 1. Die deutschfreifinnige Partei noch nicht. 2. Der v«storbene La»ker war niew�,» der konsnvativm Partei. 3. Die Postkarte enthält Beleidigung und berechtigt fie zweifellos, die Pri«""!�* Beleidigung zu«Heden. Vorh« müffen Sie aber, der derselben vor den Schiedsmann laden.... V. P. H-. voyenftr..ihre Braut muß versu� yi. ihre Entlassung au« dem Dienste vor dem 1- Vjjf reichen. Verpflichtet ist fie, bi» zu dies« Z-tt y bleiben, auch wenn fie fich vorh« verHeirat hen in Berlin SW„«euthstraße 2. Hierzu Beilage zum Berliner Bolksblatt. Ar. 163 Freitag, den 16. Juli 1886. 111° Ichööc Lokales. Soziale Lügen.„Lprick die W-Hcheit unier allen U,i» ständen, und wenn selbst die Welt darüber auS ihren Angeln gehen sollte 1"— Da» ist ein alter Grundsatz, der schon den Kindern gelehrt wird, und den zu befolgen die meisten Men- schen fest überzeugt find, vorzugsweise wohl dies nigen, welche in einer AuwlilASstellung, sei es nun al« Familienoberhaupt, Staa�baamter oder Lehrer, diesen Grundsatz, daß Wahrheit vor R-«ficht gehe, durch ihre Thaten und Hanvlungiweise Praltts» zur Aus'ühruna bringen sollen. Und doch ist daS Lagen in der sozialen Welt, in der Gesellschaft, in der Familie, in der Politik, so allgemein an der Tagesordnung, alt - durch Gesetz uno Herkommen direkt piivtlegirt wäre. Flr den ehrenwerthesten Menschen, sowohl Mann wie Frau, wird selten ein Tag vergehen, an welchem er nicht ohne Be- denken eine Lüge ausspeicht. Würde man die Behauptung:„Sie find ein Lügn.r!" sp-ziell an«inen Einzelnen richten, so würde dieS in den meisten Fällen eine Jnsurienklage nach fich ziehen, während doch tür eine solche Beschuldigung der Beweis der Wahrheit leicht zu erbringen wäre. Betrachten wir die v«r> Jcdtedenen E-entualiiäten beim Aussprechen dieser gesellschaftlichen lügen einmal näher. E« klingelt an der Koriidorthür. Der Ton di-ser Klingel dringt die furchtbarste Unruhe in der Häus' lichkeit hervor. Der Hausherr springt vom Schreibtisch auf. die Frau vom Hause, die Töchter, Alle stürzen aihemloS dem Diener, welcher öffnen witll entgegen und raunen diesem halb- laut zu:„Ist*,— ich bin nicht Hause!"— „Sollte Fräulein V drautzrn klingeln, so bin ich vor zehn Mi< nuten auigtgangen!—„Ich habe auch das HauS verlaff-n. ich hatte einen nothwendigen Geschäftsgang!"-„Sagen Sie ich würde es gewitz sehr bedauern, nicht dagewesen zu sein!"— So flüstern alle zugleich durcheinander, indem ihre Bestchts. züge vor Aufregung fich dabei verzerren. Keiner hat den Much, einfach die Wahrheit zu sagen, der Mann, daß er nicht bei der Arbeit gestön sein will, die Damen, weil fie ein einfaches Hauikletd tragen, in welchem fie fich nicht vor Fremden sehen saffen«ollen. Mit solchen Unwahrheiten wird der draußen Stehende abgewiesen. Aber damit ist es keineswegs genug. die Lüoe wird noch verschärft. Wenn man einige Tage darauf Herrn X oder Fräulein N begegnet, werden dieselben mit heuch. lerischem Bedauern angesprochen, mit Händedrücken, Umarmun. gen, wohl gar mit Küffen regalirt:—„Sic waren vorgestern bei mir, ach, wie leid hat es mir gethan, daß dies vergebens geschah. Kaum fünf Minuten kann ich fort gewesen sein: ich Uundere mich nur, daß wir uns damals nicht noch in unserer Straße begegnet find!" Da, verbindliche Lächeln de» Ange- redeten ist auch eine gesellschaftliche Lüge. Er weiß, daß alle», was ihm gesagt wird, unw ihr ist, aber Gebrauch und Sitte erheischen, auf diese unwahren Verficherungen in gleicher Weise einzugehen und so belügen fich Beide in wahrhast rührender Uederein- stimmung. Dieselbe Lügenhaftigkeit kommt bei den meisten fest» lichen Einladungen vor. Viele derselben werden nicht ernsthaft gemeint, sondern nur auS Zwang und gesellschaftlicher Rück- fichtnahme erlaffen. Der Gastgeber athmet auf, wenn gewiffe Personen absagen, und anderseits find viele abschlägliche Ant- «orten durchaus unwahr motivirt. Der Eine fürchtet fich, zu langwellen, der Zweite scheut die Kosten einer Revanche, noch Andere besttzen nach ihrer Anficht nicht hinreichend elegante Toilette, um nach Wunsch glänzen zu können. Aber Nie- mand entschuldigt sein« Absage mit wahren Gründen. Alle schützen Unwohlsein, heftige Körperleiden vor, um ihre ab- schlägliche Antwort tu motiviren und gesellschaftlich nicht anzu- stoßen. Und wieviel, und waS Alle», wird nun erst von jenen zusammengefabelt, welche in solchm Gesellschaften erscheinen! Einer überbietet den Anderen im Renommiren. Alle er» gehen fich in unwahren Schmeicheleien gegen den Gastgeber und Alles,«aS zu dessen Familie gehört. Die Kinder deS Hauses gleichen kleinen Pavianen, find vorlaut und zudringlich, aber fie werden reizend gefunden, auf den Sckooß genommen, geliedkost, für Wunderkinder erklärt. Die Schwester der Hausfrau, eine mondscheinschwärmende Jungfrau, welche die Rosen mindesten« schon vierzig Mal blühen sah, glaubt Nicht oft genug verblümt darauf anspielen zu tönnen, daß fie noch halbe Anwartschaft auf Flügelkleider habe. Die karmin- gefärbten Lippen lieblich spitzend, frägt fie ihren Nachbar:„Das Aussehen täuscht recht oft! Wie alt z. B. hatten Sie mich, mein Hin?" In Anbetracht ihrer schön angemattm Wangen Irr«sie schrislsiellmsche Urrsuch eil« UMKiad«. Von Elise Grimpe. Mit rasender Schvelligkest fliegt da» Schiffchen, geworfen '' von kundiger Hand. Fieberhaft glänzen die große« blauen le% Augen de« Weber», und fieberhaft arbeitet und gährt es rastlos hinter seiner hohen fteien Stirn. Kühn rrngt sei« Geist mit großartige« Stoffe«, die ihm sei» warmes, tiefe« Gemüth in Füll« bietet. Kaum kann er die ans ihn ei». stürmend-» Gedanken bewältige«. Da« Her, klopft, die Pulse fliege», aufgeregter glänzt sei« Auge— und jetzt formen fich im Geiste schöne Sätze. Er kann nicht ander«, er ver- läßt de» Webstuhl, eilt an ei« Trschche«, greift«ach Feder und Tinte und schreibt. Er schreibt und finnt— dann schreibt er wieder; wa« fragt er dabei nach Grammatik, wa« «ach Satzbau? Zn leidenschaftlichen Worte« giebt er seine« ungestüme« Gefühle» Ausdruck. Nu« find sein« Gedanke« in beredte« Buchstaben auf dem Papier gefeffelt, und seine Augen überfliegt»«och einmal da« Geschriebene. Aber er kann fich«och nicht zufrieden gebe», er muß auch wiffe», wie sei» Werk auf Andere wirkt. Die Andere« find zwar nur sei» gute« treue« Mütterchen, wtlche« ledoch seinen Sohn wohl »ersteht._. Und er liest ihr mit erregter Stimm« vor. Zetzt ist er an«in« Stelle angelangt, wo er in hinreißenden Worten da« tief empfundene Leid der Armuth malt. Sei« warme« Herz fühlt da« Geschilderte doppelt--- die Stimme zittert--- Shtänen fallen auf da» Blatt. Beschämt bedeckt er sei» Antl'tz. Leise fährt die Hand der tteuen, verfländvißvollcn Mutter liebkosend durch seine blonde« Haare und streichelt die brennende« Wange«, während ei» freudiger Stolz au« ihre» Auge» leuchtet.»Du mußt da« drucken laffe«, mein Sohn," sagte fie dabei halblaut mit be- wegter Stimme. Die arme Frau hatte»och«« eine solche Sprache gehört. Z» solch lebendiger wahrheitSgetteuer Weise hatte wohl«och Niemand die Roth und da« Elend der Nach» und der trügerischen Kerzenbeleuchtung glaubt fie diese Frage ruhig stellin zu können. Wa« würde wobl nun darau» werden, wenn der Gefragte die Wahrheit sagen wollte ¥ Alle Welt würde Z-ter schreien, raß er nicht die gesellschaftlichen Lügen, die erwartet wurden, mir einem beschicken Anstrich von wahrer Uedcrzeugung vorbrachte!„Wie alt meine Gnädigste?— und derjenige, welcher gesellschaftlich zu lügen nicht verschmähi. wird erwidern.—„rathe ich nicht zu hoch, wenn ich detnahe die Mitte der Zwanzig annehme?"„Sie find al» Physsognom ein Meist«",— lächelt die vterzigjährtae Schöne,—„im nächsten Herbst werde ich fünfundzwanzig Jahr!" Der galante Münchhausen verneigt fich und dentt dabei im Stillen:— „Fünfundzwanzig Jahre! Da« find Kilojahre, die rechnen doppelt, da gehen immer zwei auf eins! Beim Verlaffen ein« solchen GeseUschast regnet e« soziale Lügen, denn jeder sucht nach DanleSworten im Supnlatio für den so genußreich ver- brachten Abend, wenn er auch Angstschweiß geschwitzt hat bei d«n genossenen Klavierkonzerten drr Familienmitglieder de« Gastgeber», und seine Kehle zusammengezogen wurde bei dem Genuß de» kredenzten DreimanneiweinS, weicher seinen Namen mit Ehren trägt, weil drei Männer eigentlich dazu gehören, um dm zu halten, der trinken muß. Und nun erst die sozialen kleinen und großen Lügen im Staatsdienst!„AuS G-sundheitSrückstchten wird der Herr Gene- ral v. Ä. zur DiSpostlion gestellt, au« Gesundheitsrücksichten wird der Hnr Wirtliche Geheimrcth T. v« fionirt, aus Gesundheitsrücksichten wird der Herr Oderlehr'i R. au« der Restdenz in ein« Provinzialstadt versetzt. Kein Arzt der Welt würde die Störungen dieser betreffenden Gesundheiten wohl je lmiren können, denn die Entfernung au« GesundheitSrückstchten dies« Herren markirt nur, daß fie an maßgebender Stelle mißliebig geworden find. Ei ist nicht„opportun", die Wahrheit zuzu- gestehen, man spricht lieber„durch die Blume", da« duftet besser. Von den Erlassen im Altenstyl führt eine Gedanken- drücke zu den Briefen. Wie wenig aufrichtig und ernst find die Ueberschriften und Anreden in den Briefen gemeint!„Mein Hochvnehrt«!"— wird an Jemand geschrieben, d« auch nicht die leiseste Verehrung verdient, und„Meine Gnädigste" wird eine F au brieflich angeredet, die al« äußerst ungnädig bekannt ist. Und nun erst die unfinnigen, unwahren Unterschriften d« Briefe!„Ihr ganz«geben««, Ihr unterthäntgst«, Ew. Hoch- wohlgeboren in äußerst« Devotion ersterbender",— ist da« etwa« Ändere« al« geschriebene Lüge? D« Briefschreib« würde fich bedanken, wenn er diese in einem Briefe einem Anderen, oder fich selbst beigelegten Prädikate tbatsächlich vertreten und nach dem lügnerischen Wortlaut dieser Prädikate handeln sollte. Er würde e« höchlichst übel nehmen, wenn der Brtefempjäng« von ihm einen Beweis sein« Ergebenheit oder gar eine unter- tbänige Haltung beanspruchen würde, trotzdem er dieS Alle« ihm brieflich, schwarz auf weiß, klar nnd deutlich oerstch«t hatte. Lügen, nichts wie soziale Lügen l Auch die rothen Zettel mit d« Aufschrift:„Ausverkauf", an den Schaufenstern viel« Läden in großen und kleinen Städten find Lügen, nur gemacht, um einfältige und vertrauensselige Käufer in den Laden zu locken, ein Gebahren, ebenso lügnerisch wie die in die Augen fallende große Zwei, welche als scheinbarer Kaufpreis an die Waare ge- heftet ist, um bei dem Publikum die fälschliche Voraussetzung zu er- wecken, daß d« det, essende Artikel nur zwei Thaler koste. Betritt Jemand den Laden und wünscht die bezeichnete Waare für zwei Thaler zu kaufen, so wird ihm jetzt die Marke mit d« großen 2 nahe vor die Augen gebracht. Er ficht nun hinter der 2 noch ein verschwindend kleine», kaum fichtbares»/• stkh-n. Für die scheinbar mit 2 Thalern verkäufiich fignirte Waare wird jetzt 2'/, Thaler verlangt. ES war eine lügne- rische Machination, um den Käufer in den Laden zu locken, in der Vorauksetzung, daß, wenn d«selbe fich erst in dem V« kaufsgewölde befände, er fich durch falschen Ehrgeizund durch Furcht vor Aufsehen verletten lassen würde, eine Waare über ihren Preis zu kaufm, oder doch mindestens mehr Geld auizu- geben, ali er fich ursprünglich vorgenommen hatte. Die heutige gesellschaftliche wie geschäftliche Welt huldigt in Allem dem Grundsa»«, daß die Sprache nur vorhanden ist und gebraucht wird, um die Gedanken zu««hüllen. Die Wahrheit will Niemand hören, weil fie Fehler, schwache Seiten, Last« auf- deckt, und da alle Menschen, mehr oder weniger, mit Fehlern und schwachen Seiten behaftet find, so scheuen fie fich, die Wahrheit zu vernehmen, weil fie fürchten, durch dieselbe kam- bar», ja, da« eigene Weh geschaut und in Worte zu faffe« gesucht, wie ihr Sohn jetzt that.-- So schriftstellerte der Weber lange und beschrieb Blatt auf Blatt. Mochte darum da« dürftige Mahl täglich«och kärglicher ausfalle«,« und fein Mütterchen klagte« doch niemals.„Es ist seine Bestimmung," betet« oft mit gefaltete» Hände» und stiller Ergebung die gute, alte Frau, wev« die Noth sie zu fühlbar drückte.»Seine Bestimmung", flüsterte ste traumumfange«, wenn sie mitte» in d« Nacht erwachte und ihre» Sohn noch wach üb« da» Tischchen gebeugt, od« tn da» flackernde Flämmche« d« kleine« Oellampe starre« sah.— War e« wirklich Bestimmung, die den junge» Web« trieb, seine Gefühle und Anschauungen zu Papier zu bringen? Bestimmung, die ihn trieb, tief hinemzubltcken in da« Weh und Leid, da« ihn umgab, welche« au« jeder kleinen Nachbarhütte laut und klagend, wen« auch wortlo«, in fein H«z drang.— Ha, wie da« wühtte und kochte, bohrte und schm«zte, wen» « an seinem geistigen Auge die Bilder de« Glend« vorüber ziehen ließ. Wen» fich nicht» regte und bewegte und nur au« snner gefolterten Brust sich schwer d« Athem rang, dann— dann dachte«, wie er wohl helfe«, wie« eine« Weg au« diesem unendliche« Zammer finden oder wenig- sten« suche« könne.„Et muß eine Rettung, eine Erlösung kommen, die ua« von dies« Qual, von diesem Druck befreit, d« auf un» lastet," rief e« unaufhörlich in seinem Jnnttv. Und plötzlich fällt e« wie ein Lichtstrahl in sein gemartertes Hirn, ein« edle Begeisterung flammt au« feine» klare«, ausdrucksvolle» Auge«; et glaubte den richtigen Weg, auf dem Hilfe kommen kann, gefunden zu habe». Voller Feuereifer ergrefft« die Fed«, und langsam, mit ungeübt« Hand schreibt et oft bis der Morgen graut. So treibt et ei Wochen, Monate lang, feiner eigenen Sorge« nicht achtend, seitdem ihn die trostlose Lage d« Gesammt- heil«amenlo» tief ergriffe« hat.-- Endlich hat« da« ansehnliche Manuskript f«ttg,«ach seiner Meinung da« Mittel, welche« Rettung au« Roth und Elend enthält. Vor allen Dingen will er damit seine LeidevSgenoffen aufrütteln, die durch täglich« Entbehrungen geschwächt, in dumpfer Lethargie v«sunke« und widerstand«- lo» da« Elend üb« sich«gehe« lasse«. Voll stolz« Freude promittirt zu werden. Die Unglücklichen ad« welche in ihr« urp attischen Ehrlichkeit und ihrem stolzen RechtlichkeitSgefühl die Wahrheit rücksichtslos zu sagen wagen, werden zu Lügnern gestempelt, um davurch für die wurmstichigen Seelen, welche etwa« zu ondergen haben, unschädlich gemacht zu werden. In engst« Verbindung mit der Gesellschaft steht die Mode, und welche Abweichung von der Wahrheit der Natur haben wir hier bei den Kleiderformen zu regtstriren l Die watttrten Schultern und die gefärbten Bärte der Herren, die Frisuren und die angeschnallten Sattettournü''en der Damen, wa« find fie? Nichts al« eine„Vo fpiegelung falsch« Thatsachen, nicht« al« Lügen, soziale Lügen," und gewiß nicht die kleinsten. Ehre Demjenigen, welcher fich in dieser Welt von Lüge zu behaupten versteht und dreifache Ehre Dem, der, trotz des Bewußtsein« von dem Regiment ver Lüge, dennoch den Muth hat, die Wahr- heit zu sagen. Der Gemeindekirchenrath von Et. Georg läßt soeben im Wege der Zwangsvollstreckung einem Nachbarn 42 Fenst« eine« bewohnten Hausei zumauern. Ein Fall wie dies« ist in Berlin noch niemal« dagewesen. Der alte Georgenktrchhof am Neuen Königstbor läuft in der Friedenstraße tn einen spitzen Winkel au«. Gerade auf der Grenze de« Friedhofe« in der Richtung nach der H ineridorferstraße ist eine neue Straße projektirt, welche bereit« im Jahre 1872 mit kaiserlicher Genehmigung in den Bedauungipian der Stadt Berlin aufge« nommen worden ist. Da« an dieser projeltirten Straße dezw. an der Grenze de« Friedhof« belegene Rachbargrurrdstück bildet demnach eine stumpft Ecke. Auf diesem Grundstück«baute in den Jahren 1332/83 der Etaenthümer Schwenterlry drei Häuf«, die jetzt die Nummern Fliedenstraße 97, 98 und 99 führen. Nr. 97 ist als Eckhau««baut worden, liegt genau tn der Baufluchtlinie der projeltirten Straße und»war nach dies« Sette mit 7 Fenster Front, tn 6 Etagen also 42 Fenster. Vor dies« Front liegt nun, ein« Nadelspitze ähnlich, ein Zipfel de» Kirchhof« in G'stalt eine« spitzen Dreieck», dessen beide Längtsetlen etwa 50 Fuß lang find, während die schmale Seite genau 17 Fuß mißt. Al« He« Schwenterley die Zeich- nung zu diesem Hause bei den städtischen und poltzetiichen Baubehörden einreichte, war er 17 Fuß von der Grenze de» Kirchhof« zurückgeblieben, um so die Berechtigung zu haben» Fenster nach d« KirchhofSieite anbringen zu tönnen. Die Bau» polizei gab ihm ab« den Rath, den ersten Bauplan zurück»»- ziehen, da» Hau« an die Grenze heranzurücken und eine diesbezüglich umg arbeitete neue Zeichnung einzureichen, weil sonst die ganze Baufluchtlinie der projeltirten neuen Straße geftöit würde. He« Schwenterlcy folgte diesem Rathe, der neue Bau- plan wurde ebenso von der städtischen wie von der polizet- lichen Baudehörde genehmigt und d« Bau begann. Ohne jed« wede Störung wurde d« Bau zu Ende geführt und va« Hau« in allen Tb-ilen vermiethet Jetzt plötzlich kam der Kirchenrath mit einem Protest gegen die nach dem FrtedhofSzipfel führenden Fenst« h«au«, e« entstand ein Prozeß, der für den Besttzer de« Hause« in erster Instanz verloren ging. Natürlich wurde der ganze Instanzen, ug erschöpft, nachdem ab« der Prozeß seit dem Jahre 1883 gedauert hat, ist derselbe vor ganz kurzem de- finitto zu Ungunsten de« Besttzer« und zu Gunsten der G-orgen- gemeinde entschieden worden. Ebenso lange wie der Prozeß haben auch VngleichSoerhandlungen zwischen den Parteien ge« schwebt. Zuerst erbot fich der Besttzer de« Hause«, für die Fenster einm Kanon an die Ktrchengemeinde zu entrichten und diesen Kanon auf sein Hau» eintragen zu lasten, da« wurde abgelehnt. Dann erbot fich Herr Schwmterl.y, den vor dm MUKURZW an die armen Töchtergemeinden von St. Georg, die Et. Bot» tholomäu»- und die Markusgemeinde je 3000 Mark zu zahlen. — Alle» umsonst— der Kirchenrath von St. Georg bestand auf seinem Schein und besteht noch heute darauf. Al« da« Urtheil rechttkräittg wurde, kündigte He« S. wegen„nothwen- dig« baultcher Veränderungen" seinen sämmtlichen Mtethem zum 1 Oktober, aber der Kirchenrath lehnte ad, die Fenster dt» zu diesem Zeitpuntte zu belassen, hat vielmehr unter Zuziehung eine« G«tchtSvoll,ieher» auf Kosten de« Verurtheilten ein Ge- rüst anbringen und mit dem Vermaunn der Fenster beginnen hebt und senkt fich seine Brust beim Anblick der beschriebene» Blätt«.„ES ist mir gelungen," jauchzt« triumphirend in 'hm.„Ich habe de» Weg, der un« Alle zum Glück führe» kann, gefunden I---• Doch jetzt, al«« fich mit dem Manuskript, an welche« « die kühnsten Hoffaunge» knüpft, auf dem Wege zur Stadt befindet, beschleicht rha ein ängstlich«, nie empfunden« Klei«, muth.„Werde ich auch edle Menschen finden, die meine Arbeit«»«kennen, mir hilfreiche Hand biete« werden?" fragt er sich zweifelnd. Dm» daß er wohlgeborgm unter seinem Rock ei» W«k von größter Bedeutung trägt, darüber waltet bei ihm kein Zweifel.„Ab« werde« die Herren auch meine Arbeit aufnehmen?---" Von quälend« Ungewißheit gefoltert, steht« endlich «ach vielem Frage« und langem Suchen vor d« Thür de» Redakteur» de« Pcovinzialblatte«. Da« H«z klopft ihm fast hörbar, leise klopft er.... O, welch herbe Enttäuschung! — Wie war er nur wird« auf die Straße in da« Mensche«, gewühl gekomme«, da« ihn jetzt wie höhnend umtost? Er weiß e« nicht. In seinen Ohre» klingt noch immer der sarkastische Spott, mit welchem man ihm die Thür gewiesen. Wie sagte doch der dunkelbärttge barsche Man» zu ihm? »Ihre Arbeit ist absolut unbrauchbar, und e« wäre gut, wen« Sie erst Unterricht in der Grammatik nehme« würde«, ehe Sie fich anmaße«, Andere zu belehrm." Unbewußt ballt« die Fäuste und knirscht mit de« Zähne».„W« soll un« denn be, lehrm?»« fühlt mit un« und wer denkt daran, un« zu helfe», unsere Lage«träglicher zu mache»? Wer kann da« überhaupt besser deutlicher thun. al« wir selbst?" Und tmm« bitterer wird sei« Groll.„Und dem„H«rn da obm" zum Trotz sollm meine Leiden«genossm lesen, wa« ich für fie geschrieben, und»a« wir zu thun haben, um da»«drückende Joch vo» un« abzuschütteln," murmelte et fiaster. Und wieder fragt und sucht er, dann tritt er endlich bei einem V«lag»buchhS»dl« ei«. Wen«« auch hi« wenig« schroff behandelt wird, so geht e» doch mit der gleichen Au«fichi«lofigkeit vo« danne», denn hi« heißt e«: „Haben Sie Geld." Warum fordert der Man» vo« ihm Geld?— Sein Blut, sei« Lebe« will er gerne und freudig zur Lind«u«g de» Elends hingebe«, welche««hier in diesen loffttt. Die noch nicht vermauerten Fenster find einst Ivtilen vernaaelt worden. Die geschädiflten Miether haben daqegen Protest erhoben und gegen den Kirchemath wegen vefiy�ö ung ütllogl. Ein Urtheil hat aber in der lurzen Z-it noch nicht er- lassen werden können und dethalb nimmt die V-rmauerung ungestörten Fortgang. W'e die Sache end n wirb, ist vorläufig noch nicht abzusehen. Natürlich erregt der Fall auß'rordent, lichei Aufsehen. Die Bürgerschaft jene» Stadtiheil» steht durchweg auf Seiten de» B-fi«ec». der ohne bö'e Adstcht und eigentlich ohne Schuld in diese» Dilemma geraih-n ist. Allgemein wird getadelt, daß der Kirchenralh so streng auf seinem Schein besteht und jede» billige Au»gleichSgebo» rurückveist. Zur Angelegenheit der Voltt-vrause Bäd-r erfahren wir, Da* die Unternehmer auf ihren Antrag vom 16. Fan. cr. 61» zum 17. Juni cr. vom Magistrat noch keinen definitiven Bescheid erhalten hatten, aber au» den mit dem Maq strat ge- vstagenen Verhandlungen ersehen mußten, daß ihr K' uck, de» treffend die Gewährung einer Parzelle auf dem Waffertbor. playe zur Erbauung de» ersten kleinen Badehause», ohne Vor« läge der Sache in der StadtoerordneteN'Versamwlung abgelehnt sei. Da üderdie» einem Vereine, der stch zur Errichtung von Volk» Wannen Bädern gebildet hat, wie die„National Z ilung" in ihrer Nc. 409 vom 7. Juli cr. derichtet, die Erlaudniß zur Erbauung zweier Badehäuser auf dem Pappelplatze und am Parke in der Waldstraße vom Magistrat in Autficht gestallt worden ist, baden die erstgedachten Unternehmer, um ihrer Sache ohne Beihilfe der städtischen Behörden einen schnelleren Aortgang zu schaffen, ihre Verhandlungen mit dem Magistrat abdrechm zu müffen geglaubt und in nachfolgendem Schreiben an den Oberbürgermeister Herrn von Forckenbeck unter dem L. Juli cr. ihre Baupläne zurückverlangt: „Euer Hochwohlgeboren beehren stch die Unterzeichneten den ergebensten Dank für da» ihrem Antrage vom 16. Jan. cc„ betreffend die Errichtung eine» Volk« vrause-Badehausc» auf d-m Wafferthorplatze, entgegengebrachte Jrnmffe und Wohl. wollen hiermit verbindlichst auszusprechen. Auch dem Herrn Stadtrath Borchardt verfehlen wir nicht zu danken für sein Jntereffe und seine Bemühungen an der Durchführung de» von der öffentlichen Meinung al» so sehr nützlich und sogar al» dringend notwendig anerkannten Unternehmen». Wo da» Allgemeinwohl so deutlich in dm Vordergrund tritt und wo Manner in selbstlosester Weise die Mühewaltung übernahmen, da» Wohlergehen der Allgemeinheit durch ein nach so vielen Richtungen hin nützliche» Institut zu fördern, wie in dem in Rede stehenden Falle, durftm die Unternehmer erwarten, daß die maßgebenden Stimmen in der Mehrheit aus ihrer Seite stehen mußten. Die» scheint nicht der Fall gewesen zu sein, denn nach der un» noch nicht einmal offiziell mitgetheilten Beschlußfassung der Mitglieder der Bau und der Garten-Deputation vom 1. Mai cr. soll unser Antrag vom 16. Januar cr. dort abgelehnt und soll in Folge dessen eine endgillige Vorlage unsere» Antrages in der Stadt- verordneten- Versammlung für inopportun erachtet worden sein. Wir mthaltm un» jede» Urtheir» über die in die O-ffentlich« teit gelangten und un» nur theilweise direkt auigrsp ochenen Bedmken der Gegner unsere» Projett». Nachträgt ch ist un» allerdings durch dm Herrn Stadtrath Borchardt noch am 28. Juni cr. der Vorschlag übermittett worden, wir möchtm zur Errichtung de» ersten Ladehause» ein andere» städtische» Grundstück benutzen— da» Ga»> Anstalt»- Terrain in der Gitschinerstraße, die Pumpstation dort, den G'meindrschulbos in der Waffertho.straß«, die Pumsttion ind«rReichmbcrge.stcaße. Nach genauer Prüfung dieser Vorschläge hat fich aber ergeben, daß diese Grundstücke nicht einmal den lleinen Raum zur Er dauung eine» Bade Hause» gewähren, und daß anderntheil» auch die Zweckmäßigkeit der Anlage dort, weil fie dem Publi- tum nicht in die Augm fallen würdo, verneint werden muß. Die Untemehmer haben ja die Pflicht, die ihnen für die Aus- führung freiwillig gespendeten Geldbeträge zweckmäßig zu ver« wenden. Fall» nun ja die un» vom Herrn Stadtbaurath Blankenstein kürzlich abgegebene Erklärung, er würde unserem Antrage auch dann seine Zustimmung ertheilen könnm— An» fang» war dieser Hm nur mit der von un« vorgeschlagenen Fassade de» Badehause» unzufriedm wenn wir eine Käthe« drale auf dm Wafferthorplatz hinstellen wolltm, maßgebend sein sollte, so sehen wir un» gmöthigt, unsere Bemühungen bei dm städtischm Behörden al» erschöpft zu erachtm und da» Projett in anderer Weise zum Austrage zu bringen,— zumal die Leffmtlichkeit drängt, dm Anfang zu sehen, und wir auch den von anderen Großstädten un» zugegangenen Ersuchm um Mittheilung unsere» Baupläne» und unserer Vorderechnungen dir versprochmen Znsagm nicht länger vorenthalten können. Wir ersuchen daher dm Oberbürgermeister ergebenst, un» unsere dem Magistrate mft dem Antrage eingereichten Vau- plane gefälligst umgehmd zurücksenden lassen zu wollen." Recht««angenehme Zustände herrschen gegenwärtig in der Brunnenstraße. Die Srraße ist schon seit geraumer Zeit vom Rosenthaler Thor ab„gesperrt". Der Straßendamm de« findet stch in dem bekannten chaotischen Zustande, wie ihn Um« Pflasterung und Legung von Pferdedahnschimm mit stch brin« Blätter» wahrheu»getreu enthüllt, während er zu gleicher A it auch de« Weg z« Reitung zeigt; aber Geld— hat er nicht, da» kann er nicht geben.——————— Schon ruht der Abend auf der Stadt, und«och immer wandert der Weber mft snnem Manuskript umher. Ec hat k.ine« Menschen gefunden, der ihm Sympathie für seine, unter dm bittersten Eotbehrungm fertig gestellte Arbeft ent« gegen geführt hätte. Zrtzt kommt er von einem Professor, zu dem ihn ein anderer Buchhändler geschickt, und der ihn soeben mit feinem Lächeln zur Thür« hinautkomplwimtirt hatte. Die dunkle Nacht und der feine sickernde Regen mahnen zur Heimkehr. Auch fühli er ein unbehagliche« Gc» fühl in seinem Magen, dem er oo« Morgm« au nicht» ge> boten hat. Er merkt nicht, daß da» der Hunger ist, er dmkt an nicht», nur an seine Blätter, in denen da« Mittel mt« hatten ist, da« Elend, wen« nicht ganz zu beseitige«, so doch bedeutmd zu mildem. Und wie hat man dies« Arbeit beur» theitt?— die Arbeit, zu welcher ihn die wahre Mmschm» liebe uneigennützig angeftiebm hat.— Wie ihn doch diese bfttere Erfahrung entmuthigt und die Nerven erschlaffe» läßt. Nur mechanisch wandelt er vorwärt». Er fühlt fich selbst nicht, aber Alle« was in der letzte» Zeit ans ihn eingewirkt, tobt und rast noch ein« mal mft verzweifelter Gewalt in ihm und droht ihn zu er« f ickea. Da taucht vor ihm in dem feuchtm Dunkel da« leine, langgedehnte Heimathdörfchm auf. Gleich freund liche« Stemm blinken ihm die vielen erhell!«» Fensterchm entgegen. Und ei« Hoffaungistrahl durchzuckt ihn bei diesem Anblick, ein stiller Frieden zieht in sein erbitterte» GemÜth. „Warum habe ich mich auch«ach der Stadt an fremde Leute gewandt," mft er aufathmmd wie von schwerem Druck befreit.„Um Euretwillen habe ich gearbeitet, Such die viele« schlaflose« Nächte geopfert und Euch will ich auch meine Arbeit anvertraum. Wenn idr daaa alle wollt, werden wir unsem gemeinschaftlich«« Willen schon durch setzen." Und von neuem Muth beseelt, eilt er leichiea Schrftte« weiter. Jetzt steht er zwischen den kleine« Häuschen und blm> kendm Fevfierchen; er hört Stimmen, sogar Lachen. O, gen Die Zufahrten zu den Häusern find durcb Steinhaufen, Sandhügel und andere Hird�rniffe derartig verl-gt, daß den ou»- und einpasfirenden Fuhrwerken der in den Häusem woh- p enden Geschäsi» und Geweih t eidenden kein anderer Weg offen bleibt al» die Fußgängerpaffagen, wa» bei dem dortigm lebhakten Verkehr niwi gerade angenihn ist. Echt. Gewifie Sorten von Eisenbahndillet» haben einen breiten rothen Strii'en in der Mit-«, der leider— abfärbt. Damen mit hell- n Handschuhen, welche ihr Billet arglo» in der Hand ballen, sehen plötzl ch den rothen S'.reisen auf ihrem Handschuh abgedrückt. In den Waggon» hört man regelmäßig die heftigsten Ditkusstonen über diese heimtückischen Billet». Eine Farbe, wilche stch brffer dem Papier und weniger dm Handichuhen der Inhaber einprägte, wäre deshalb dringend am P aye. «tue sehr ernste Mahnung bringt die„Baug. Ztg.". bei den N ubauten nicht Bauschutt al» Füllmaterial in den Zwischendecken zu verwenden, da Pilz-bttdung und Haut- Ichwamm die un» itteldare Folge davo r find. Der Autor de- har ptet, daß bei der jetzigen schnellen Bauweis.' mehr al» 50 Prozent aller Häuser mehr oder weniger vom Hautschwamm er- griffen werden. Hauptsächlich macht jede» Hau» fich ebm zum Herd von JnfettionSkrankheiten. wenn e» mit diesem Bauschutt vollgestopft ist. Die meisten Kiankheiten, wie D'phthcritiS, Scharlach, Malern, Cholera:c., werden bekanntlich durch Pilze von großer Kleinheti, so daz fie nur mit den besten Vergrößerungsgläsern fichtbar werden, fortgepflanzt. Di; Pilz- sporen finden fich im Bauschutt und erlangen ihre Keimfähig- keit, sobald fie die nöthige Feuchtigkeit und Warme erhallen. Diese Keimdedingungen aber b-kommen fie in dm Zwischen» deckrn durch die Zimmertemperatur und die Fruchtigkeit, welche durch Aufwisch m, Auttchmern der Zimmer oder andere Zu- fälliaketten mtsteht. Niemand sollte daher heute noch, wo Bauschutt that Schlich al» für die Gesundheit der Menschen ge- fähriich erkannt und festgestellt ist. diese» Material in die Häuser bringen, nur um einen geringen Vermögmivortheil dadurch zu erlangm. Da» beste Füllmatcriai ist reingewaschcner, trockener Kietsand. Auch Koakilasche und Kohlmschlackcn find zu ver- wendm, wenn man fich die llederzeugung ron ihrer R-inheit verschaffen kann. Jetzt, wo viele Häuser soweft gediehen find. daß man die Balkenlagen staatt und mii Füllmaterial bedeckt, wollten wir nicht unterlassen, auf die Gefährlichkeit de» Bau schult» für Zwischendrckcn hinzuweisen. Ans dem für die Markthalle im Norde» bestimmten Terrain herrscht eine emsige Thältgkeit. Viele Hände find de- schäfligt mft dem Abb-uch der angekauftm Baulichkeiten und nehmen diese Arbeiten einen raschm Fortgang. Gegenwärtig find schon die anderen Wohnbäuser in ver Ackerstraßc in An- griff genommen worvm und dieselben bereit» di» in da» zweite Stockwerk hinab adget agm, während die hinterm Baulichkeiren schon gäN'lich beseitigt sind. Nrch kurze Zill und auch die vorderen Wohnhäuser find von dem Erddovm verschwunden. Dem Blicke de» Beschauer» bietet stch jetzt bereits ver Bauplatz in seiner ganzen respektablen G öße dar und gestattet eine an« nähernde Vorstellung von der räumlichen Ausdehnung der zu« künftigen Martthalle. Der Bauplatz selbst hat freilich jetzt noch ein chaoiische» Aussehen; die AusräumungSarbriten werden indessen bald beendet sein. 200 tüchtige« Ofensetzer» ist, laut Plakat an dm An» schlagsäulen, die Loznkommission der Töpfergesellen in der Lage Arbeit bei solchen Arbeitgebern nachzuweisen, welche dm G-sellenlohntarif mit 25 pCt. Aufschlag unterschiieben haben. Auch von dm Meistern stlber werden Gesellen in größerer Zahl verlangt, ein Zeichen, daß e» weniger an Arbeit, al» an ÄibeUtttäften mangelt und die Bausaison in vollster Blülhe steht. Die ehemalige Reezengaffe in Berlin erfreute fich bekanntlich der desonderen Vorllede der Anaehöriam bei Schuh- machergewerbe», infolge dessen diese Gaffe wohl hauptsächlich stadtbekannt, ja sprüchwörtlich geworden ist. Diese Vorliebe scheint fich in neuerer Zeit auf die Linienstraße übnttagm zu haben, werigstm» aus om Theil derselben von der Oranim- durgerstraße dt» zum Koppen platz. Wer fich die Mühe nimmt, diesbezügliche Studien zu machen, der wird finden, daß stch auf diese kurze Strecke nicht weniae: al» 24 Schuhmacher meister verthnlm, von denen 19 offene Kelleraeschäfte hadm, während nur 5 ihr A'wnbe in dm resp. Wohnungen be- Ireidm. Der übrige Thrii der Liniensteaße ist weniger dickt mit Schuhmachern befirdell. Zu dm 24 Schuhmachern gesellt fich auch noch eine Lrderhandlung, Tirppanstalt und Schäfte- fadrik, die naturgemäß voctr-ffüch in ihre Umgebung hinein« näßten und stch kaum einen günstigeren Platz wählen konnten. Die Perronsperre ans der Sörlitzer Bah» hat immer noch sehr viele Unmträglichlcitm im Gefolge, obgleich auf die Zwecklostgkeit der Maßregel schon vielfach in der Presse hinge- wiesen wurde. Et wird un» berichtet, daß kürzlich in Schmöck witz stch solgmder recht sonderbarer Zwischenfall adspiette. Am Sonntag, den 4. d. M.. traf Abend» 9'/« Uhr der letzte in Schmöckwitz haltmSe Lokalzug ein. Die Maschine stand direkt vor dem Bahnhof, und als da» Publikum den namentlich für wie e» ihn mächtig hu zieht zu seine» LeidenSger offen.— Er hat fich so lange fcra von ihnen gehalten, sich ihnen fast entfremdet. Da» kam von tem viele» Grübeln und Denke«. Aber jetzt drängt e» ihn unwiderstehlich zu de« klemm erleuchteten Fenster». Nur ein Wort will er hören, e« soll ihm Trost bringe»»ach diesem böse» Tag. Er will dadurch Gewißheit habe«, daß fie all« fühlen wie er, daß in jeder Brust dres.lbm Gedanke» ruhe», welche ihn bewegen, und e« nur eine« Anstoße» dedarf, fie zu mi« fesseln. »Horch! nannte da nicht Jemand meinen Namens— Wahr« hastig," und deutlich dringt eine bekannte Stimme an sein lauschmde« Ohr.—„Also jetzt wiffm wir e», der Hubert ist übergeschnappt."—»Er wollt« immer etwa« Beffere» sei», der aufgebtasme Geck," schaltete ei» Anderer ei«.— „Za, und die alte Mutter läßt er hungern."—„Ist ihr lonz recht, die Alte ist ja ganz v-marrt in ihrm iuagm,"— so tönte« die Stimmm durcheinander. Dem Lauscher zittern die Knie, er lehnt eiam Augen- blick wie geistesabwesend an der nasse» Holzwand. Dan« rafft er fich zusammm und eilt wette,. Er will mehr höre». — Stärker und intmstver wird der Regen, aber er fühlt e» nicht. Wirr hängt ihm da» feuchte Harr um Stirn und Schläfe. Seine Kopfbedeckung hat er verlore«, doch er achtet nicht darauf. Von Fenster zu Fmster eilt er in fieberhafter Erregung und horch».- Ade, wa» ist da« I treibt dm» der Wahnfin» mit ihm sein Spiel? Er preßt die pochmdm Schläfe gewaltsam mft der feuchte», kalten Hand. Nein kein Wahnfinn,— auch hier, wie an den viele» anderen Fmster», hört er sehr vernehmlich denselben Hohn, di.s-lbe Schmähung,«m« auch in anderer Weise.„Die Mutter muß hmt« zu dm Nachbarleute» gesprochm hadm und darum höre ich überall da« gleiche Gespräch ,« murmelte er dumpf und drückt dabei da« bleiche Geficht in die Hände % ÄÄW« ÄÄÄ S? weradm auch nicht verstanden, verhöhnt,.„rückoc °S.%% Damm mit steter Lebensgefahr passtrenden Bahndamm enil« eilte, um noch nach Berlin kommen zu können, wurde»> Passagiere von dem Zugpersonal immer rveiter nach hinten f wiefrn mit dem Bescheide, daß die letzten Wagen noch t» leer seien. Plötzlich wurde da» AbfahclSfignal gegeben v eine Gesellschaft von 13 Personen mußte zusehen, wie> Zug ihnen einfach vor der Nase wegfuhr. Der o' fuhr so schnell, daß zwei Herren, welck« eine Dame f da» Trittbrett heben wollten, welche» ungefähr 1 M:ter bor war al» der Bahndamm, die größte Müh: hatten, die D» nur wieser herunierzubcinzm. Die St-lle, an welcher ü# Vorfall zutrug, ist gänzlich unbeleuchtet, die Böschung schnöd unmitt-ldar am Bahndamm ab, fie liegt außerdem ein# licke» Stück vom Schmöckwitzer Bahnhof entfernt auf frei» Felde. Die Herren trugen dm Vorfall in da» auf ver Llat* ausliegmde Besch verdeduch ein, find jedoch bi« jetzt ohne M richt geblieben. Sie haben die Adficht, die Sacke weiter» oerfolgen, fall» dieselbe nicht in genügmder Weise a# klärt wird. Eine gute AnSrede ist besser al» ein Rechtsanwalt, seit einigen Tagen die Ehefrau eine» im Südm unserer 6$ wohnenden Fleischermeister» zu sagen, und die kluge Gest!'» frau bat recht. Gute Freunde, getreue Rachbarm und dergleW wie fie nun lrider in Berlin nicht seltm vorkommen, wollt nämlich beim Beginn der beißen Tage gefunden haben,* gewisse, von der Frau Meisterin bezogene Fkiickm# „mufften", wie der Berliner sagt, oder daß ste zur mensckli» Nahrung ungeeignet seien, wie da» Nahrun gSmittelgesetz» elwai weitläufiger aber juristisch bestimmter ausdrückt.* eine bei der Polizei erstattet« Anzeige erschienen dmn«*' eine» Morgen« in aller frühe drei Herren und betraten fof* als die Frau Meisterin eben den Laden öffnete» die Verla» räume, nickt um da» übltcke Handgeld zu bringen, sondern* unter den Vorräthm im Ladm«in wenig Musterung zu batt> deren Resultat war, daß mehrere Stücke Fletsch au» dem La» als verdorbm konfiSzirt wurden. Die Frau Meisterin war# zweifelt; ihr Mann war augenblicklich nicht anwefmd und» er später auf da» Polizeidureau deschicdeu wurde, machst' einm Einwand, der ebenso wahrscheinlich klang, wie auf n» lichm Scharfsinn schließen läßt; er behauptete, daß die» fltzirten Fleischstücke garnicht zum Verkauf bestimmt I »efen seien. Seine Frau habe eben dm Ladm geöffnet,� Musterung unter den Fleischoorräthen zu halten, aber ehe fie»' gekonnt, sei fie von dm Beamtm überrascht worden. Di«? fiSzirten Stücke würden stcher vom Verkauft ausgeschlossen? wenn die Beamten nicht den Anordnungen seiner Frau gekommen wären. Die Frau Meisterin bestätigte natürliöjj treulich die Angaben ihre» Manne» in allen Stücken ud? die Dmunziantm auch die bereft» früher gekauften FW? waarm ohne nachweit barm Schadm für ihre Gesundheit?? «ehrt hatten, und fich au» einigen Uederdleibseln die 1*0*5 Beschaffenheit beim Verkauf der inzwischen verstrichenen< wegm nicht mehr feststellm ließ, so lehnte die Staatsan� schast ein Einschreiten ab, da nicht bewiesen werden könne, � die Beschuldigten verdorbm« Ziahrungs mittel feilgeh� hätten. Au« dem Vorfinden derselben bei dem unmtttt? nach der Oeffnung de» Ladm» erfolgtm Besuche der Be«? sei auf ein Feilhalten de» verdorbmen Fleische» noch nickif schließen.— Der Fall dürfte die Folge haben, daß künsttofi Beamten ihre B.'suche während der gewöhnlichen V-riaU!*! machen und ob st: dann dm Verkäufern angenehmer find,? cm frühen Morgm, wenn dei Laden noch leer vor Kunde» � da» scheint doch mindesten» zweifelhast. Eine verunglückte Hochzeit, die gestern im Norde»? Stadt statifinden sollte, giedt gegenwärtig dort dm allgan�r- Gesprächsstoff ad. Die einzige Tochter eine» dortige« � habenden Hauieigenihümer» war bis vor etwa 2 Jadie» f., einem hiestgm Architekten verlobt. Die Verlobung dessen aufg-hoben, well fich angeblich Zweifel an haftigkeit dei Charakter» de» Bräuiiqam« herausstellten. � fand stch ein Anderer, und von Nmem wurde die y? 23järize Dame glückliche Braut. Am Dienstag sollte,«i»' „Berl. Lö.'s.-Ztg." in Erfahrung gebracht hat, die feiert, der Ehebund vor dem Standesbeamten geschlosssn» die Einsegnung desselben vor dem Geistlichm vollzogen Sämmtliche geladenen Zeugen und Hochzelligäste«me. jedoch am Dienstag früh Bttefe, in denen ihnen mugeu� wurde, daß„unvorhergesehener Hindernisse" wegm du v, zeit nicht statifinden könne. Nach einer Verston soll die vr� von dem erstm Bräutigam„entführt", nach der anderen 1»* „geraubt" sein.{- Starke Eelbstirouie. Auf einer Anzahl von 8«®'* sah man heule eine Landpartie- Gesellschaft fich dura Straßen Berlin» bewegen, derm erster Wagm eine groß» mit der Inschrift:„Eilgut nach Dalldorf" trug. Theilnehmer trugen wetze Mützen. SS warm die vt> einer W-ißbierstud«. � Eme drollige Bestellung hat ein Hamburger Hau» ,,u längst dei einer großm Berliner Hutfabrll gemacht. a-j nämlich dem„Hamb. Korr." zufolge einen größeren*\ wa« ich geschrieben? und nur für fie,— o, sie soH? sofort erfahren, um urtheilm zu können.".. Im ersten Augenblick warm die Leute ganz ers«' � wie auf einmal ohne Gruß der Hubert, bleich, durck»� und mft wirrem Haar, unter fie tritt. Er wollte fp%„ sagen, wa« ihn hierher geführt, aber er fand ferne, 3« krankhafter Erregung sucht er in feine« Tasche»" bringt da» Manuskript zum Vorschein._ u Mft einem vielsagenden Lächeln weife» die Leull. deutsam«ach der Stw», indeffe» ei« schlauer, halb-ü� Bursche, fich schnell zur Thür hi»a-»schleichi. um die bartleute herbei zurnfe». Echo« tritt Einer herein, da«och Einer und darauf wieder einige. Sin jeder will mft eigenen dm köstlichm Spaß ansehm od« ihn vermehrm.__ 3«1tt hat Hubert eine passmd« Stelle gefundm, et � lesen, ab« nur unarttkulirte Laute kommm au» seiner E- greift«ach dem Kopf, wihrmd seine fi-berheiße» über die»ngesammeltm schweifm. Auf jedem breit f( zogenen Gesicht liest er de» Hohn, die Echadenft«� mtsetzt fich vor dem stupidm Grinsm. Wie mft Griff umspannt e» sein Gehim, vergeblich will etfi«hfi(£ rooll« Spaß haben, viel Spaß. Die breiten„ Gesichte komme» näh«,- sei«« Brust dehnt fich «mm gellmdm Schrei.-«r streckt die Händ« vor. Leute ahzuwchrm— er taumalt und bricht kraft� � sammm. Da» wüste Gelächter verstummt uad machi große» Panck Platz___-y» «.vi f"S* viele» Woche»»ild» Phantastren» b? endlich zu fich kam, da schaute er in die feuchWM � äuge« von seinem liebe» treum Mütterchm. � Worte waren die Frage nach seine« Manuskript._ ff Mit einem beruhigenden Lächeln zog die pö Nolle, welcher fie die Wirkung eine« ZaliSman» M au« den Kissen hervor. Still lächelnd schloß der Sohn die Auge« j"% stärkendm Schlummer. Dm» daß seine Blätter»» t'ge» Werk enthielten, da« stand bei ihm fest- dem.— sogenannt« Shapeau claqae anfertigen, und»war von Himmel- blauem, rosa, hellgrünem und violettem Etidendezuge. Diese Hüte find natürlich nicht für Hamburger DandieS bestimmt— denn wir»irtlifirte Europäer bringen eS höchsten« zu rosa- farbenen Schlipsen und Tanzstrümpfen— sondern werden nach Kamerun gesandt. Ergreifeude Gegensätze bietet da« Leben jiden Tag. Am Mittwoch gegen Arend lehtte ein mit fröhlichen Menschen besetzter Extradarrpf« unter den heiteren Klangen eine« Mufik» korp« die Spree thalwärti nach Berlin zurück, während seine Wellen die Leiche eine« ertrunkenen Knaben bei Wtlhelminen» Hof in da« Schilf spalten. Einige Schwierigkeiten»«ursachte am Mittwoch Nach« mittag die Personalfeststellung eine« Kutscher«, der am Kott» buser Damm einer dort auf dem Straßendamm haltenden Obst« Händlerin in ihre Ktrschenvorräthe gefahren war und unter denselben grotze Verheerungen angerichtet hatte. D« herbei- S«usene Schutzmann erfuhr von dem Attentat« auch bald deffen Nationale, aber der Frage nach seiner Wohnung ver- stand der Roffelenk« meiste! Haft au«zuwe!chen. Alle«, wai der- selbe auf die an ihn gerichteten Fragen antwortete, ging etwa dahin:„Bis die vorichte Woche hatte ick kane feste Wohnung nicht, aberft jetzt wohne ick vi« a vi«!" Unter diesen Umstän- den blub dem Schutzmann nicht« Anderes übrig, ali den Fuhrmann nach d« Revierwache einzuladen. Dort muß da« »Bt« a vis" wohl näher festgestellt worden sein, denn man sah den Mann von dort bald zurückkehren und mit dem Aus« drucke unvnicnnbarer Selbstzufriedenheit sein Fuhrwerk besteigen. Erstickt. Gestern Nachmittag kamen zwei bei dem Fuhr- hnin Lehmann, hier, Wteneistr. 18, beschäftigte Personen auf folgende Art umS Leben: Der eine, mit Namen Klappstein, war, wie un« derichtet wird, damit beschäftigt, dm Dünger in die auf dem Hofe befindliche Grube zu w«fen, al« ihm au« Unachtsamkeit eine« von den Dcckbrettern in die Grube fiel. Um e« herauizuholm, stieg er mit einer Letter in die Grube hinab. Er hatte auch noch so viel Kraft, da« Brett hinauszu- werfen, stürzte aber dann, ohnmächtig geworden, rücklings von der Leiter und blieb auf dem Boden der Grube liegen. Den Kutscher Schoppenhauer, d« ihm al«bald zu Hilfe eilte, und der die Lei!« hinadstwä, traf leid« daS gleiche Schicksal: auch er wurde durch die Gase bewußtlos und stürzte auf den Klapp. stein. Die Wiederbelebungsversuche, welche ein schnell herbei« gerufen« Heilgehilfe von der EanttätSwache de« Görlitzer Bahnhofs alidalv mit dm Verunglückten vornahm, blieben auch bei dem jüngeren Klappstein, welch« noch schwach athmete, ohne Erfolg. Die beiden Leichen find bereits gegen Abend nach dem Leichenschauhaust geschafft worden. Selbstmord eine« Arzte«. Ein in d« Jnvalidenstraße wohnender Dr. med. fit machte gestern Abend durch Einnehmen von Cy ankalt seinem Leben ein Ende. Bei Entdeckung der That war der Tod d«eitS eingetreten, so daß von Wieder« delebungtversuchen abgesehen wurde. Ueb« da« Motiv zur That»«lautet nicht« Bestimmtes. Die Leiche wurde auf An« ordnung der Behörde behufs gerichtlicher Obduktion nach dem Leichenschauhause geschafft. Ueber eine« vergtstungsfall berichtet eine Lokal Korre« spondenz folgende«: Im Dorfe Zeuthen, wo gegenwärtig die erste Kompagnie d« Garde.Pioniere liegt, hatte der dortige Schulze für einig« dort einquartierte Soldaten am Sonnabend da» Mittageffen zu kochen übernommen und stellte dazu einen rieflgen, lange nicht in Gebrauch gewesenen kupfernen Kessel. Fast unmittelbar nach dem Genüsse deS Mahl«, nachdem zum Glück nur ein Theil d« Soldaten da« Effm zu sich gmom« men, stellten stch bei ihnen V«giftungSsymptome ein, so daß sofort der Arzt herbeigerufen werdm mußte, d« den Soldaten Brechmiitel eingab. Am Sonntag befanden fich die Mann« schaften wieder außer aller Gefahr. Sin Auge ausgestochen wurde gestem Mittag einem fX» Burschen der Straßenreinigung durch dm Sohn eine« Zigarren« Händler« in d« Beuchstraße. Die beiden jungm Leute waren durch die Proookation de« letzteren in der Beuthstraße in Streit gerathen. au« dem fich eine regelrecht« Prügelei ge- staltet«. Der Kampf wurde so heftig geführt, daß ein de« Wege« gehender Herr nicht im Stande war, die an d« Erde fich herumwälzenden Parteien auS einander zu bringen. Erst dem tn«gtschen Dazwischentreten eine« Unterosfizier« gelang die«. Aber eS währte nicht lange, da stach der etwa 16 Jahre alte Sohn de« ZigarrenhändlerS mit einem spitzm Nagel nach dem Geficht de« etwas jüngeren SiraßenreinigerS. Ein schrecklich« Schmttzenlschrei und der Ruf:„Mein Auge, mein Auge I" bewie«, daß der Nagel einen edlen Theil de« Geficht» getroffen hatte. Bald entströmte ein Blutstrom dem schwer verletzten Auge. Al« da Bursche daS Unheil sah, wa« er an- gerichtet, riß« fich laß und floh nach dem Laden seiner Elt«n. Er wurde aber von erregten Paffanten herausgeholt und mit dem so übel zugnichteten armen Burschen nach dem Polizei Bureau am Spittelmarkt geführt. Ein bedauerlicher Unglücksfall mit tödtlichem Aus« gange, durch den eine Famttte in tiefen Schmer*»«setzt worden ist, ereignete fich gestem Vormittag am Elisabelh Uf«. Das 8 Jrhre alte, ftlr hübsche Töchterchen eines im Hause Britzerstraße 7 wohnenden Schuhmachermeisters ein Zwilling«- lind, fiel beim Spielen in den Kanal, wa« nur von ihrer gleichallrigen Schwester demalt wurde. Da« Kind machte von dem Vorfall einen Schiffer mit den Worten,„die Elise ist eben in» Waffer gefallen," aufmerksam, und dieser machte stch so'ort an die Rettung de« Kinde». Nachdem r» ihm gelungen war, da» Sind vor oem letzten Auftauchen zu«fassen und aus dem die geringsten Wieder b-lebungsversuche anzustellen. Sodann brachte man e« nach d« elterlichen Wohnung und rief ärzt- liche Hilfe herbei. Dieselbe kam zu spät, e« konnte nur noch der bereit« eingetretene Tod konstatirt werdm. Ertrunkener Landwehrmann. Am Dienstag Vormittag wurde durch Schiff« im Louisenstädtischen Kanal, vor dem tause am Elisabeth« Ufer 27, die Leiche eine« Manne« an« and gezogen, bei welchem fich ein Land Wehrpaß vorfand, lau- tend auf den 1859 in Blazewurtz bei Kasel, Schlesten, gebore« nen Arbeit« Wendelin Dziatzko. D-r Paß destättgte, daß jen« noch bi« zum 10. Juli die Uedungen der Landwehr mitgemacht habe. Die Leiche wurde nach dem Leichenschau« hause geschafft und spät« von einem Feldwebel al» die deS D. relognoszirt. Die Ratten der Abdeckerei tu tut Müllerstraße find gegm wärtig wieder eine wahre Landplage für die ganze Um- gegcnd bi« Tegel und H-rmSvorf; dieselben find nicht nur wegen ihrer Größe und Dreistigkeit, sondern auch wegen ihr« Gsträßigkeit bekannt und gefürchtet. Am Freitag schoß der Ristaurateur W. Gaarz an der Tegeler Chaussee ein ganz ab> norm grosieS, anscheinend sehr alte» Exemplar, von dem die amtlichen Fleischb« schauer Gatscher und Rosenkranz Präparate entnahmen, um fi« auf da« Vorhandensein von Trichinen zu untersuchen. Der erstere hat da« Präparat au» dem Vorder. theil, der ander« auS dem Hintettheil entnommen. Beide fan- .•- ,? den UntersuchungSodjekten sowohl vnkapsett« al» unver« kapselte Trichinen vor. In dem au» dem Vordertheil ent« nommenen, ein«. Erbse großen Präparat wurden an tausend Trichinen konstatirt. Markthalle«. Bericht von I. Saudmaua, stoischem BerkaufSvermitller, Berlin, Zentral. Marlthalle. den 15. Juli. «ütter. In den ersten beioen Wochentagen htelt die am Schluß �JBorVoche gemeldete größere Nachfrage an, während gestern ursd heute daS Geschäft stiller verlief. Trotz der großen Zu- fuhrm war ei doch möglich, die Buttrrpreise für fernste Qua« tuaten auf dem erhöhten Preisstand zu erhalten und um ein Sttinge» zu steigern. ES ist wohl nicht zu bezweifeln, daß jetzt, wo bereit« ein bedeutend« Theil de» hiefigen Butt«, und Käsegeschäfte« in der Markthalle fich abwickelt, die Produzenten ihre Waare recht vortheilhaft in der Markthalle verwerlhm. Die Preise stellen fich tür: Feinste Ost- und Westpreußttche 96 bis 108 Tl.. feine GutSbutter 90-95, feine Mecklenburger. Holstein«»c. 90-95 M.. IL 80-88 M., Landbutter L 75 W» 80, II. 65-76 M. Gallzische un, andere geringste Sorten 55-66 M. p. 50 Kilo.- Käse. Die Zufuhr an Kase ist sehr nhedlrch, genügt aber kaum der Nachftag«. Die jetzt häufig auf den Markt geworfenen fehlerhaften Qualitäten finden nur schwer zu ermäßigten Preisen Abnahme. Besonder« begehrt find gute Quadrat. Backst-'nkäse und imiiirte Schweiz-rkase. Ei kosten L Enmenthaler 68-80, imitirter 50-60 II. 40 bi« 45 M.: echt« Holländer 69—75 M-; rheint'cher 43-60 M.; Quadrat-Backsteinkäse l 18-23, II. 12-18 M.; L-mburger 30—38 und 18-25 M., echter Nmfchaieller 4,50 p. 20 Süd, Ramadour in Sianiol 46 M., in Pergament 36 M. p. Z'r. Camembert 5.00-3,50 pr. Dtzd.— Eier, im Preis« steigenv. 2 40 p. Schock nach Börsenusanze.— Gemüse und Obst. Es brachten Pfirfiche p« Kiste von 12 bi» 20 Stück 1,00— 1 50, Erdbeeren 15-20 Pf. per Pro., Kirschen 9-15 Pf- v» PW., Blaubttten 6-7 M. p. Schrffil, reife Stachelbeeren M- 30 Pf. per Pfund, Pfcffnltnge 7 M. per Ztr., Gurken 15-20 Pr. v« Stück. Schoten 3-4 M. ver Scheffel, grüne Wallnüffe 45 bis 50 Pf. ver Pfund. Kohlrabi 50-75 Pf. v« Schock, Salat 50 bi« 75 Pfg., Koptkohl 1,20-1,50 M. p« Mandel. neue Kartoffeln 3,50-4 M. per Ztr., Blumenkohl 20-� Pf. p.Kopf, Himbeeren 30- 40 Pf, schwarze Johannitbenen 25 Pf. per Pfund, neue Pflaumen 30 P., Birnen 35 Pf., Aevfel 35 PL per Pfund.— Wild und Geflügel. ES kofien Rehe 60-75 Pf., Hirsche 40- 50 Pf.. Wildschwein 40- 50 Pf. p�Pfd., wilde Enien 0,80-1.50, Bekassinen 30-70 Pf., junge Ganse 300 bi« 4,50 M.. junge Enten 1-1,50 Tl., junge Hühner 090 bi« 2,00, Tauden 30—45 Pf. pn Stück. Poularden 4,j0 bi« 7 M, alte Hühner 1,00-1.40 M. schwn vnlauflich. -Fische. OstseelachS 1,20-1.60 p. Ko.. Steinbutte 0 80 bis 1 M, Seezunge 1,00—1,40 p. Kilo, Schellfisch 20 bi« 32 Pst, Zander 80-160 Pst, Scholle 18-30, Hechte 1,00 di« 1,60, Aale 80-1,40 M. pr. Kilo, Makrele 40—60 Pst pr. St.— Krebie 1,50-8 M. p. Schock. Hummer 1.20-1,50 M.v« Pfd. - Geräucherte Fische dauernd knapp, besonders große Rachfrage um Räuckrraal. Kleine Flundern 2-3 Marl per Schock, Makrele 30-50 Pf. p. St., Aal knapp 90-150 Pf. pr. Pfd. — Konsnoen. ES kosten Ochsenzungen 1,50 bi« 2 00 M, Sardinen in Oel San Rrmo 40— 45 Pf., Aal in Gelee 70 bi« 80 Pf. p. Pfund, französische Fruchtkonsnven in Büchsen 2,00-3,00 M. p. Krlo. Bratheringe 150-1 60 M., Delrkateß. Heringe 1,00—1,50 M, russische Sardinen 1,50 M. Polizeiberimt. Am 14. d. M. früh wurde ein junger Mann in sein« Wohnung in der Jnvalideafiraße todt vorge- funden. Er hat fich wahrscheinlich durch Zyankalt vergiftet.— An demselben Tage Vormittag« fiel ein lleine« Mädchen von dem am WtlhelmS-Ufer festgelegten Kahn ihr« Eltem in da« Waffer und ertrank.— An demselben Tage Nachmittag« fiel auf dem Schillnplatz der Arbeiter Wachsmuth in Folge eigen« Unoorfichtiakeit von einem Arbeitswazen h«ab, gerieth dabei unter die Räder deffelden und erlitt durch Uederfahren an« scheinend schwere innere Verletzungen. Er mußte mittelst Droschke nach sein« Wohnung gebracht««den.— Zu der« selben Zeit fanden der Stallmann Schoppenhau« und der Droschkenkutscher Klappstein in ein« Pferdedunggrube des Grundstücke« Wienerstraße 18 durch Einathmen giftig« Gase plötzlich ihren Tod. Scvoppenhauer war, um eine in die be« deckte Grude gefallene Bohle Herauszuholen, unvorfichtiger Welse ohne eine genugende Lüftung d« Grube abzumatten mittelst ein« Letter hinabgestiegen und brach, unten angekom« men, sofort bewußtlos zusammen. Um ihn zu retten, versuchte d« Arbeit« Radzujewski hinabzustetgen, mußte jedoch schon nach Zurückleaung einiger Leitersproffen den Versuch aufgeben, da ihm daS Athmen unmöglich wurde. Nichtsdestoweniger stieg auch d« Kutscher Klappstein in die Grube, verlor ad« unten ebenfalls da« Bewußtsein. Erst nachdem d« ganze Odetdelaq von der Grude entfernt worden war, gelang es, die beiden Verunglückten heraufzubringen. Die sofort von einem Arzt angestellten Wiederbelebungsversuche blieben leider«folg. lo«. Die Leichen wurden nach dem Leichenschauhause geschafft. In der Nacht zum 15. d. M. stürzte ein Mann in dem Hause Grün« W g 116 au« eigen« Unoorfichtigkeit durch dai Flur- fenster de« 2. Stockwerks auf den Hof hinab und erlitt einen Bruch des rechten Unterschenkels. Er wurde nach dem städtt« sehen Krankenhause im Friedrichshain gebrachst Gerichts-Zeitung. Wie Einer««Versehens Prügel bekan». Einen ver. hängnißvollea Fehlgriff deging im Mai d. I. d« Schlächter« geselle Karl Julius Götzke;« war in einem Tanzlokal in Box« Hagen von vier anderen Berufsgenoffen nach stattgehabtem Strett gründlich„verpautt" und demnächst mit größter Ge- fchwindigtcit auf die Straße geworfen worden. Hi« stand er nun wulhentbrannt, hinter einem Baum»«steckt, auf d« Lau« in der Abficht, seinen G gnern den angechanen Schimpf heimzuzahlen. Inzwischen aber eilte seine Braut in liebevoller Fürsorge zu seinem in der Nähe wohnenden Vetter, dem Gärtner« söhn Juliui Obst, und entbot denselben zum Beistand. Der Vetl« leistete dem Ruf bereitwilligst Folge und machte stch auf den Weg; kaum aber hatte er stch dem Standort de« Götzke genähert, so sprang der letztere au« seinem V.rst'ck hervor und schlug den Obst mit einem wuchtigen Stockhieb auf den Kopf, sodaß der Getroffene sofort ohnmächtig zusammenbrach und hinterher längere Zeit im antiseptische« Verband festliegen mußte. Götzke halte seinen Vetter, von d« nächtlichen Dunkelhett irre« geleitet, für einen jener Schlächtergesellen, welche ihn vorher durchgeprügelst gehalten und zu spät ward er den Jrrthum ge> wahr, ali v« gemißbandelte Vetter unter Außerachllaffung de« vnwandtichaftlichen Verhältniffei gegen ihn den Strafantrag wegen Körperverletzung stellte. Da» Schöffengericht vermtheilte den schlagfertigen Schlächtergesellen zu 6 Wochen Gefängniß und derselbe versuch«« nunmehr sein Heil in d« Berufung«- instan», indem er im gestrigen Audienztermin vor d:r Straf- kammer de« Landgerichts n zu kein« Entschuldigung anführte, daß er gewiffccmaßen in d« Nothwehr zu bandeln geglaubt und fich nur in Bezug auf die Person im Jrttham defand. Diese Einwendungen«achtete der Gerichtshof als unerheblich, obwohl der Jrtthum deS Angeklagten alt«wiesen angenommen ward; dies« aber sei einflußlos auf die Beurtheilung d« Straf« darkeit, denn— so führt der Vorsttzende zu dem Angeklagten gei endet au«—:„Wenn Sie Einen au» Versehen todtschießen, w«d«n Sie nimmer freigesprochen!" Da» Urtheil lautete unter Verwerfung der Berufung auf Bestätigung der ersten Entschei U�z. t Mit der Affaire Jhrtng-Mahtow stand eine Sache in einem gewiffen Zusammenbange, die gestern die 91. Ab- tbeilung de» hiefigen Schöffeng«icht« deschäftiate. Am 28. Juni d. I, dem Tage dn Vnhandlung gegen Lerndt und Christensen, war eine große Anzahl«rdetter nach Moabit in da» Gerichtsgebäude gekommen, um dem Gange de« P ozrffeS zu folgen und seinen AuSgang abzumatten. D« erste Wunsch «füllte fich nur für wenige; der Zuhörerraum war klein und im Augenblick von Leuten besetzt, die ebenfalls„intnesstrt" waren. Es blieb den Albeitern nichts anderes übrig, al« in nahegelegenen Restaurationen den V«lauf der Affaire abzu« warten. Unter ihnen befand stch auch der Maler Fritdrich Wilhelm Lattermann, der zum Unglück für fich einem überaus heftigen Charakter defitzt, welcher ihm bereit« viermal Strafen wegen B-amtendeleiotguna eingetragen hat. Auch an diesem Tage führte ihn sein Mißgeschick an einm der zahlreichen Polizeibeamten in Zivil oorüb«, dt« in Moabit waren, um„Demonstrationen" zu verhüten. Lattermann'« Haß und Verachtung waren ko stark, daß« im Vorbei- gehen vor dem Beamten ausspie. Nicht genug damit, gerieth er im Lokale des Gastwirthi Wunsch mit den Beamten in Streit, den der Gastwirth damit beendete, daß er den Ang«« klagten hinauiwie«. Im höchsten Grade erregt, traf Latter- mann auf der Straße den Beamten, mit dem er da« erste Renkontre gehabt hatte, wieder und rief ihm einige Beleidi« gungen zu. Er wurde sofort verhaftet. DaS Schöffcngericht verurtheilte ihn zu 6 Monaten Gefängniß, während der Amt«- anwalt selber nur 4 Monate beantragt hatte. Der jugendliche Soh« eines Handwerkers hatte durch die Schuld eine« Nachbarn seine« Vater« ein Auge eingebüßt, und vnlangte der Bat« deS Verletzten in Folge dessen eine ganz erhebliche Entschädigungssumme von dem Beschädig« seine« Seche«, weil durch de r Verlust de» Auge« der Knabe in der Wahl seine« Berufe« sehr beeinträchtigt sei, indem er nur einen solchen B«uf wählen könne, in welchem sein einziges Auge nicht angestrengt werde. Somit sei z. B. irgend ein Studium überhaupt ausgeschloffen, und doch habt der Vater gerade die Abficht gehabt, seinen Sohn studiren zu laffen, well die Mittel dazu vorhanden seien. DaS Gericht sprach in d« Entscheidung de» über diesen EntschSdigung»anspruch ange« stillten ProzeffeS den Grundsatz au«, es sei zulässtg, auch bei einem Knaben den künftigen Vermögensverlust einzuklagen, der durch die eingetretene Unmöglichkeit, einen gewiffen Leben«« beruf zu ergreisen, entstanden sei. Es entspräche den allge- meinen Grundsätzen vom Schadenersatz, den vorautfichtltch ver- ringerten Erwerb für einen gewiffen gegenwättigen und be- rechenbaren Verlust zu halten, da der zukünftige V«Iust jetzt schon al« nach dem gewöhnlichen Laufe d« Dinge feststehend angesehen werden könne, während es darauf, daß mancherlei zufällige Ereigniffe und Einflüsse denselben noch vereiteln könnten, nicht ankomme. Ob der Verletzt« einen gewiffen Er- werbszweig bereit« ergriffen habe, oder im Begriff sei, ihn zu ergreifen, oder auch nur dazu entschlossen sei, erscheine gleich- giltig, wenn ihm nur die Fähigkeit dazu nicht etwa auch ohne die Beschädigung jrtzt schon abgebe, also die Unmöglichkeit nicht bereit« vorliege, den beadfichtigten Erwerb üd«haupt oder in gewiffem Grade machen zu können.— Daß das Interesse be- ziehentlich der Minderwerth im Vergleich zu Beschäftigungen, zu denen der Besitz der Sehkraft beider Augen nicht gehöre, schwer zu ermitteln sei, könne auf die Zuläsfigkeit der Klage keinen Einfluß haben._ Kerewe und Versammlungen� t Eine Versammlung Berliner Zimmerleute tagte am Mittwoch, den 14. d. M., unt« Vorsitz deS Herrn Seitzt im Siemund'schen Lokale, Lintenstranße. Die V«sammtuna» die He« Jäkel mit der Tagesordnung:„Ist es angebracht und möglich, eine Spar- und Darlehntkasse für die Zimmerer Ber« lin» und Umgegend zu«richten, welche den Zweck hat, ihrm Mitgliedern da« Ersparte zurückzugeben und ihnen Darlehen zu gewähren in besonder« festzustellenden Fällen d« Roth?" ttnb«ufen halte, war sehr schwach, von ca. 30 Personen besucht. He« Jäkel«örtnte eingehend da« in der Tagesordnung genannte Projekt, über welches er das Gutachten d« Ver- sammlung einholen wollte. Er wie« zunächst, um die Roth- wendigkeit einer solchen Kasse zu begründen, auf die große Roth hin, welche durch zeitweise Arbeitslostgkeit unter den Kollegen entstehe. Da wäre nun eine Kaff: recht am Platze, welche in solchem Falle die in besseren Tagen ersparten Geld« ihren Mitgliedern auszahlte und ihnen auch in der äuß«sten Roth Darlehne gewährte. Eine solche Kasse werde von d« Behörde fich«lich genehmigt werden und werde Keffer wirken, alS alle übrigen Fond« und Kaffen, bei denen nicht da« Prinzip de- stehe, daß nur diejenigen Unterstützung«hielten, die Gelder beigesteuert hätten. Eine solche Kasse werde die besten Käme- raden durch ein feste« Band vereinigen und werde am ehesten späterhin im Stande sein, einen leistungsfähigen ArbeitSnach- weis zu errichten, zu dem Gesellen und Meister Vertrauen hätten und der den Arbeitslosen Rückhalt gewähtte. Nach ein« Krtttl der Mängel de«„GeneralfondS'5, bei dem die s k schreibegeld soll 1 M. betragen, die wöchentliche Einlage 50 Pf., von denen 10 Pf. auf Verwaltungsunkosten de- rechnet werden, während 40 Pf. dem Mitgliede gutgeschrieben werden, die jeder Zeit zurückgezahlt werden. Im Todesfälle erhalten Frau und Kinder die er'parten Einlagen zurück«. Außerdem soll die Kasse in Fällen, die vom Vorstande be« sonderS zu prüfen find, eine oorfchußweife Untnstlltzung von zweimal zwölf Mark in zwei auSei anderliegenden Wochen ge- währen, die ratenweise abzuzahlen find. Ja« Leben treten soll die Kasse, nachdem 4 Wochen lang EinschreibeUsten auSgelegen und die Eintrittsgelder eingegangen find. 6 Wochen lang müssen die Beiträge geleistet sein, bevor Vorschuß gewährt wird ic. Aus den Ueberschüffen der Kasse soll der Reserve- fond» angesammelt w«den. Auch glaubt He« Jäkel, daß der „GennalfondS" eine Beisteuer leisten wird.— Zum Schlüsse verficherte der Revn«, daß eiae solche Kaff: das ein, ige Mittel sei, einen festen Zusammenhalt unter den Kollegen zu schaffen in einer Zeit, wo alleS gewelkschaftliche Leben ,uv«schwindendrohe.— Die Diskussion zeigte, daß da« Projekt fich etnis sehr geringen An- klänge« z-r erfreuen hat. Die Henen Lehmann. Seitzt, Meißn«, Korttow und ElSholz nahmen eine durchaus ablehn. nde Hai. tung gegen den Vorschlag ein, die nur von dem einen Redner mehr, von dem andern weniger schroff hervorgehoben wurde. Man sagte, daß ein solch« Plan gar sehr nach„Hirsch-Duncker" schmecke; die vulgepeiesene„Selbsthilfe" sei in ihrer KläzltchkeU von dem Ardeiteistande seit lange«kannt worden, man iolle fie nicht wieder aufzuwärmen suchen. Nur durch eine gründ- liche Sozialieform, durch die Festsetzung eines gesetzlichen NormalarbeitStagei u. s. w. kann die Arbeitslostgkeit vermindett und die Lage der Arbeiter gebessert wer- den. Könne der Arbeiter, waS sehr zu bezweifeln sei, überhaupt noch von seinem Lohne Ersparnisse machen, so sei für ste die städtische Sparkasse da, wo keine so hohen Ver- waltungSkostm zu zahlen feien, wie ste im Pole« deS Herrn Jäkel vorgesehen wären, und wo die Einlagen verzinst würden- Man könne auch nie wissen, welche Stellung die Regierung zu einer solchen Kasse nehmen und ob fie dteselde nicht eines schönen TageS beschlagnahmen würde; dann hätten die Arbeit« umsonst gespart. Der Verband deutscher Zimm«leutt sei die Stätte, wo kameradschaftlicher Geist am besten gepflegt würde. Das engherzig« Projett de« Herrn Jätet sei ein V«- stoß gegen die Solidartlät. Die Arbeiter müßten fich gegenseitig helfen und d« Starke den Schwachen unter» stützen. Allndlng« erhielten bei Streik« oft Die« jenigen Unterstützungen, die keinen Pfennig Bei« trag zum Fond« geleestet hätten; ein« solche Unterstützung müffe ad« erfolgen, um die unstcheren Elemente abzuhalten, fich zu jedem Preise anzubieten und so die allgemeine Lohn- höbe ungünstig zu beeinflussen. Auch sei ei jetzt durchau» nicht an der Zeit, derartige Projekte in die Welt zu setzen, wenn man nicht den Verdacht erwecken wolle, man habe Hintergedanken. Könne der Arbeiter erst wieder freier um stch blicken, dann sei e« angebracht, solche Vorschläge eingehend zu behandeln.— Herr Jäkel fand nur in den Herren Weiß und Kruse Vertheidtger seine« ProjekleS, o�r richtiger eine wenig« harte Beurtheilung desselben. He« Weiß hielt die Saehe für wichtig genug. um fie einer großen Verfamm. & ÄrwÄ1, ä Jäkel, der in seinen verschiedenen Ewtderungen über Wieder- bolungen nicht herauiaekommen war und nur den einen neuen GefichtSpunkt h«oorgehoben hatte, daß man„auf Staatshilfe unmöglich«arten könne." behielt sich die Entscheidung darüber vor» od er«ine große Versammlung mit derselben Tagetord' nung noch«inberusen wird.— Alt prinzipielle Antwort auf da« Projekt gelangte folgende von Herrn Lehmann eingebrachte Resolution gegen 4 Stimmen zur Annahme: Die heute, den 12. Juli d. I., in Stemundt Salon anwesenden Ztmmerleute erklären et für Pflicht der Regierung, dafür zu sorgen, daß die Gesetzgebung, welche den Namen Sozialrcform tragt, in dem Sinne gehalten wird, daß eine Verhinderung der Ardeittlosig- keit durch Einführung einet Normalardeitttage», durch Ad- schaffung der Sonntagtarbeit, Verbot der Kinderarbeit und Beschränkung der Frauenarbeit zu erreichen erstrebt wird.— Hiermit schloß die Versammlung. Der Eanttättveret« für«rbetter beiderlei Se- schlecht«(Eingeschriebene Hilfekasse Nr. 85) hält am Sonntag, den 25. Juli, Vormittag? 11 Uhr, im Lokale de« Herrn Scheffer» Jnselstr. 10, seine ordentliche Generalversammlung der stimmberechtigten Mitglieder ab. Der Verein hat in letzter Zeit erfreulicher Welse an Mitglieder« zugenommen, und hofft der Vorstand, daß der Verein in allen Arbeiterfamilien Freunde finden wird. Die Kinder- und Frauenkrankheiten treten im Verein recht zahlreich hervor. Wie unt der Vorstand mit« theilt, scheinen et vielfach chronische Leiden zu sein, welche bei der Aufnahme der Mitglieder nicht angegeben worden find, den Verein jedoch stark belasten. Ein Maffeneintritt der Ar« beiter wäre jedoch im Stande, allen diesen Leidenden Hilfe zu bringen. Dem Verein steht eine große Zahl tüchtiger Spezial- ärzte zur Verfügung. Der Vorstand wird stett bestrebt sein, durch populäre medizinisch« Vorträge über KrankHtkerschei- nungen und deren Verhütung den Mitgliedern Aufklärung zu verschaffen. Dat Motto det Vereint lautet:„Alle für Einen und Einer für Alle I" Deshalb sollte kein Ardeiter, dem dat Wohl seiner Familie am Herzen liegt, diesem Verein fern bleiben. Kranken« und Begräbntßkasse det Vereint sämmtlicher Beruftklaffen(E. H.), Zahlstelle lV. Versammlung jeden drstten Sonnabend im Monat, Abendt 8V» Uhr, Karlibad und Flottwellstraßen. Ecke bei Kuß...„ v_... Zentral« Kranke«« und Sterbekasse der Drechsler und verwandten Beruftgenoffen(E. H. 48) Bezirk C. Sonntag, den 13. Juli, Vormittags 10'/, Uhr, in den„Arminhallen". Kommandantenstraße 20, Mitgliederversammlung. Tagetord- nung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Ergänzungtwahl det Vorstandet. 3. Verschiedenes. Verei« zur Wahrung der materielle« Interesse« der Fabrik- und Haudarbeiter. Sonntag, dm 18. Juli, Vorm. 10'/, Uhr, Andrea? str. 26 bei Mahlitz, Mitgliederversammlung. T. O.: 1. Monat, bericht der Revisoren. 2. Wahl det eisten Vmfitzmdm. 3. Verschiedenet. Autgabe der Billett zur Land« parite. Gaste, welche dem Vereine dettretm wollen, find will« kommm. Der Verein Berltue« Stuckateure feiert am Sonn- abmd, den 24. Juli, in der„Philharmonie", Bernburger« straße 22/23 sein fünfte? Stiftungsfest, destehend in Sommer- nachttdall und Militär- Konzert im Garten. Auch ist für Ktn» derbelustigung Sorge getragen. Sämmtliche Festräume find elektrisch erleuchtet. Billett fiid zu haben bei Prechelt, Thurm« straße 64, Montag, Bamimstr. 50 Papke, Belforterstr. 27, tz offmann, Corneliutstr. 6, Schulz, Gr. Frantfurterstr. 8d, sowie in ver Vereintoersammlung, welche am Montag, den 19. Juli, in Rieft'? Salon stattfindet. Der Fachvereia der Tischler hält am Sonnabend, den 17. Juli, Avendt 8'/, Uhr in Jordan? Salon, Neue Grün« straße 28, seine ordentliche Grneraloelsammlung ad. Taget ordnuna: 1. Bericht det Vorstandet und der Ardeittoermttte- lungt Kommission. 2. UnterstützungSgesuch eines Mitgliedes. 3. Wahl von zwei Beitragsammlern. 4. Eisatz wähl der Ar« beittvermiitelungi Kommisfion und det VergrügungSkomiteet. 5. Ein Rechtischutzantrag. 6. Eventuell« Erledigung der im Fiagekasten niedergelegten Fragen.— Diese Versammlung findet b.stimmt statt. Dat Ouittungtduch legtttmirt. Neue Mitglieder werden aufgenommm. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall« arbeiter(E. H. 29 Hamburg) Filiale Berlin 6. Sonntag, den 18. d. Mt»., Vormittag 10% Uhr, Gartenstraße 123 bei Krüger, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl einet Vertrauen?-Arztet. 3. Medizinal- angelegenheiten und Verschiedenes. Ketzte Nachrichte«. Die eugltsche« Wahle«. Bit vorgestern Abend 7 Uhr find in England weitere 24 Wahlen vollzozen worden. Die« selben brachten den Konservativen 10, den unionistischen Liberalen 3, den Gladstonianern 8 und den Parnell ten 3 Sitze ein. Die Gegner Gladstone't zählen nunmehr im Ganzen 380, die Anhänger, die Pamelliten miteiageiechnet. 251 Gewählte. Der Vorsprung der erster«» beträgt somit 129(gestern 127). Die Konservativen allein mit 307 Gewählten befinden fich den drei anderen gegenüber, welche bis jetzt zusammen 324 Unter« hautsttze fich gesichert haben, mit 17(g- stein mit 13) Stimmen in der Minderheit. Den Gladstonianern allein find die Kon« seroatioen um 137(gestern 135) Unterh�utstimmen überlegen, den Gladstontanem und unionistischen Liberalen um 64, den Gladstonianern und Parnelliten um 51. Um die absolute Mehlheft zu erlangen, müßten die Konservativen au? 29 der noch autstehenden 391 Wahlen alt Steger hervorgehen. Die? ist sehr unwahrscheinlich; dagegen steht jeyt fest, daß ste nur einer verhällnißmäßig geringen Unterstützung von Seite der unionistischen Liberalen bedürfen, um eine sichere Mehrheit zu erhalten. Selbst wenn fie nur noch aut 5 Wahlen alt Sieger hervorgehen sollten, wat doch eine sehr ungünstige Voraus- setzung ist, würde der Anschluß von 2 Dutzend Whig? genügen, ihnen die absolute Mehrheft zu fichern. Et dürften fich aber mehr alt 24 Whigt finden, welche unter den gegenwärtigen Verhältniffen selbst ein rein konservatives Kabinet der allein noch möglichen liberal- parnelltti'chen Kombination weit vorziehen. Das frauzöstsche Rationalfest fand einen wenig glück- lichen Abschluß. Hierüber wird telegraphisch gemeld- t: Pari?, 15. Juli. Ii der Nacht brannte au? Anlaß der fortgei-tzlen Feier de! Nationalfestet die Kirche von Jorg durch die um den Thurm aufgehängten Lampion? zum Theil ab. Z»el Personen haben dabei Verletzungen davongetragen. Dieser Vorgang wird jedenfalls die klerikalen Blätter von neuem»er» anlassen, dagegen zu protestiren. daß die Kirchen bei Gelegen- beit det Nationalfestet illuminirt werden müssen. Alt einige Kirchenoorstände fich weigerten, ihre Kirchen mit Fahnen aus- schmücken zu lassen, wurde bekanntlich vor einigen Jahre« zwangsweise vorgegangen. China«nd der Papst. Wie Reuter't Bureau erfährt. wäre ein Uedereinkommen zwischen dem heiligen S-uhl un! China abgeschloffen. Danach würde der heilige Stuhl fort?« in Peking durch einen Internuntius vertreten sein und sei Monstgnore Agliardi für diesen Posten ernannt. Derselbe würde nächsten Monat nach Peking abreisen. Die Regierung von Peking solle ausdrücklich gewünscht haben, daß die Abreise deS Internuntius so bald alt möglich erfolgen möchte. Die„Wiener Ztg." meldet: Der mit der Leitung der Wiener Polizeidtrektion betraute Hoftath Freiherr vv« Kraut ist zum PrästSenten der Wiener Poltzeidirektton ernanw worden. Kriefkasten der Redaktion. R. W. Dat Dreyse'sche Zündnabelgewehr wurde i* Jahre 1840 in Preußen alt Militärwaffe eingeführt und ziW zunächst für die Füfilierbataillone. C 6. Die von Ihnen genannte Sterdekasse ist unt ni» bekannt; wir können also weder zu« noch adrathen, derselbe« beizutreten.„ I. M. 1. Bei der Reichttagtwah! find Sie wähl berechtigt, auch wenn Sie leine Steuern zahlen.— Um tw Wahlrecht bei der Stadtverordnetenwahl ausüben zu lönnj* müssen Sie mindesten? 6 M. direkte Steuern zahlen. Miethtsteuer wird hierbei nicht mitgerechnet. Nur Diejenige find also Kommunalwähler, welche mindesten? in die zw meiste. 44, abzugeben. Theater. Freitag, den 16. Juli. »elle-Alliauee-Theater. Da» Paradiet, Ge- ianatposse in 4 Akten von Leon Treptow und S. Herrmann. m Nsteud-Theate«. Philippine Welser. -Ktttoria> Theater. Amor. Tanz. Poem von Luigt R-nzottt. 'Bslhalla-Theater. Capriccios-». W-Nva-Ä% emwmrn. Borstellung.____ Passage 1 Tr. 9 M.- 10» Kalaer-Psnoram«. In dieser Woche: Di« malerische sächsische Schwetz. Eine interessante Rheiuretse. Hertha- ttetse. Eine Reise« Pfg. Caroltuen �Juselu nur 10 Pfg. Kliem's Volksgarten. Hasenhaide 1. Montag, de« 19. I«li 1886; Gross. Sommerfest de? ladmnme der Sdilofftt und Kerufagenosslen. Grosses MHithr-Concert, grosser Ball, Hlndertanx und verschiedene Belustigungen. KUtcts» 25 Pf. find noch zu haben bei den Henen: Mathias, Manteuffel straße 42 u, bei Pohl; Lehmann. Hollmrnn« straße 42 U; Polländer, Mittelstr. ö; Kaschube, Simeonfir. 6 Ho? III; Hellfrteh, Zietenstr. 6t>; Krause, Temvelherrenfte. 10 I; Mieth«, Al-xin- Alexandrinenstr. 123, drinenstr. 118»; Gertz. Haf ItnlS U; Opatz, Se 119] dastianstr. 50. Das Komitee. Schweizer Garten. Am FriedrichShain. Haltestelle der Ringbahn. Am KönigSthor. Täglich: Großes MUttär-Coucert«. Extra-Borstevung. Auftreten der Majot-Trutzv« in ihrer Senfationiluftnummer: aülss Laae: als lebende Kanonenkugel. Miß Lazel wird aus einer Kanone geschossen und von Miß Zema aufgefangen werden. ThratrmorsteUuug, Auftreten der Kpeziatitäte«, Tanzkränzchrn u. s. w. Kriegs- und Fronten-Feuerwerk der Pyrotechniler A. und E. Maffow. Bonander und Hornig. Alle? Nähere die Anschlags fäulen. Erkläre hiermit, daß der MaurerstreiK in Hannover noch nicht beendet und Zuzug fern zu halten ist. 117] Ludwig Temme, Maurer, Hannover. Versammlung der Mftglieder de? Vereins zur Wahrung der Jntereffeu der Klavierarbetter Sonnabend, den 17. Juli, Abends 8'/, Uhr, in GMt»sU's Pirrhattrn. Kommandanten. straße 77/79(unterer vaal). Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bock über:„Die Parafiten de» Menschen." 2. Pereintangcl-aenhettm und Fragetaften. NB. Die Mttalieder werden ersucht, die Abrechnung bei Billets vom Sommerfest so schnell als möglich erfolgen zu lassen. ! 18J Der Vorstand. Arbeiter- Sezirks> verein der vofeuthaler Vorstadt. Eroke Familienpartü mi Musik. Treffpunkt: 10 Uhr Bahnhof Gesund« Vj««.AiSSS?« Juteressenverein der Kisten««. Koffermacher. Sonntag, den 18. Juli: Zaudpa-tle«ach mtinmu Abfahrt 8'/» Uhr vom Gorlitzer Freunde und Belannte find will« Lahnhof kommm. [121] Der Vorstand. Sauitats-Verein für Arbeiter beiderter Geschlecht».(E. H. 85). Sonntag, den 25. Juli, Vormittag? 11 Uhr. findet die[124 GrdeuUlche(fitntrai- U erfammlung o r MUglieder im Lokale de« Henn S ch e f f e r. J selstraße Nr 10, statt. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Ergär.zunatwahl des Vorstandes. 3. Staiutenanderung und zwar der§§ 5, 6, 9 und 11. 4. Verschiedene Kaffmangelegenheiten. Das Mitgliedsbuch legmmirt.— Um pünkt« liche? Erscheinen ersucht Der Vorstand. I. A.: Juliut Ditrich, stellvertr. Vorfitzmder, Fürstendergerftr. 10. Zentral-Krauken u. Begräbniß- kasse der Buchbinder.(E. H.) Sonnabend, den 17. Juli, Abends 8'/, Uhr, in den Arurtuhalle«, Kommandantmstraße 20, K auptver samnelusg. Tagesordnung: 1. Kassen« und Geschäftsbericht. 2. Berichterstattung über die statt- .(«babte Generalversammlung zu Hannover. Referent: Paul Schneider; Korreferent: Mehner t.— Die Zahlstellen befinden fich: Naunynstr. 60 im Keller bei£). Schneider; - Oranienplatz bei Sperling; W-inmetster« und . Rosmthalerstraßen Ecke bei Schröder; Große Friedrichstr. 34 bei Reichert. Dat Kaffenlokal «findet stch Stallschreiderstr. 26 bei verger.— Ohne Qutttungtbuch kein Einlaß.[122 Der Vorstand. Aufruf a« die Former und Strnfsgenofen KeM Kollegen! J Ei ist durchaus nothwendig, wenn wir Former und Berufsgeno», eine wirkliche Besserung unserer materiellen Lage erstreben wollest,�? wir uns bis in die kleinsten Details über die Gcsammtlage W® Hältnisse unseres Gewerbes klar werden, und dies kann,«»ie einleuchten muß, nur durch die Aufstellung einer gründlichen Lohn- and Arbeite-Stalistik erfolgen. Möge fich nun aber auch jeder Einzelne bewußt sein,! nur durch eine große Einigkeit der Kollegen, sowie ein gemeinsam Zusammenwirke» der Kollegen mit dem Vorstande des Fachvereins. heilsames Wirken für die Zukunft, ein Wiedererblühen unserer traut? gewerblichen Verhältnisse zu erwarten ist. Also darum, Kollv bemüht Euch um die ausgelegten Fragebogen, damit wir einmal s(W auf weiß beweisen können, wie schlecht es in unserm Gewerbe au# Die Fragebogen liegen aus in den Zahlstellen: forden, W bergsweg 15 b bei Michelsev: Süden, Ritterftraße l#*« Sodtke, an jedem Sonnabend nach dem 1. und 15., Abends von'! 9 Uhr. Kollegen wacht auf! _ Per Vorstand des Fachvereio* Central kraukeu- u. Aterbekasse Tricot-Tdillen-Aab� der Tischler'''' � und anderer gewerblichen Arbeiter (E. H Rc 3 Hamburg). Das IviS'-rige Atiftu«a»f«st obiger Kasse finvet am Montag, de» 19. z«tt, t" den beiden elegant st« n Lokalen«riltnS(Aeue M«U, Halmhaide, und im Ehdliffemerft«is- heüer Cbauffeeftraße 88) durch Toncert. gnurwnk, TheatervorsteUnng Kinder- delufttgmts«« aller Art statt. Die Kaffee« kücke ist dm beehrten Damen von 3 Uhr ab geöffnet. Von 6 Uhr ab großer Sommer- «achtaball. Herren, n,elche daran theilnebmen, zahlen 50 Pf. nach. Eröffnung beider Lokale um 3 Uhr. Anfang o-t To'certi um 4 Uhr. Killet? a 30 Pf. find auf fämmtlichen Zahl« stellen unserer«äffe, sowie in den mtt Plakaten belegten Handlungen zu haben. Programme am Eingang« der Lokale. Der Uberschuß ist für die Jnoaltden unserer K/ff- defi-mmt. Die Mitglieder sowie die Freunde unserer Kasse ladet zu diesem Feste ganz erg.'bmfi ein Das NergnSomroo K omttee. Hl 5' R Kchkt's KmdcllNkhl ist- weil absolut stärkefrei, das einzig wirluch empfehle ntwerthe Kindernahrung?, mittel, welches von den Herren Aerzlen sowohl zur Ernährung wie zur Heilung von Darmkatarrh und Brechdurchfall m t bestem Erfolg verordnet wird. mg Soeben erschien Nr. 30 des „Maürm Zu beziehen durch die ii?ße 44. dttion, Zimmer. [2038 1% Kommaudaste» strass« ftuwirkllchen Der Einzel Kindt rtuiUen l-L. Kinderkleidch.| Kn�bmanzügib� defind-r fich v-� Kaden r-n-lovA lelbst.— werden in 3 jQ ohne Pc(i?auff«" gefertigt. «rieot'l �, in allen F«�■ räihi?' recht eben Allen re« i Fräul ferti Louis Llchtenste) __ zu achten.____-e# Wieder vorräthigl Kit ÄjuldemskrM m dem Deutschen Kelchs hielt_ staunt Komplet Heft Zu deztehm durch die Gop«! liMff»otkOdlatt". Keeltn tsast» 44. Ärdeitsmarkt. Korbmacherges, a. Scheenarb. vl. Sch p-lzuSkerluae« biß zu �2 A jehrmadche« diS zu 7 Marl voWT} Freudenberg, Arontl� Gule vfeufetzer_ t>\ werben ge-cn erhöhten Lohn d«' � Zimmerstraße 64, verlangt. Ä ist ei! Frau, wuiu, -3ett i verspz oder, Herr neibe« wenn «icht s ich hi« schickt ! etwa» hatte i redete, VeraMworttichcr Redakteur#L T»-»ei« in Berlin. Druck und Verlag von«ux vadwg in LeUtn 8W. BnUhstraßr 2.