Nr. 166 Dienstag, den 26. InU 1886. HS. Jahrg. ScllimrWdsM Brgan für die Interessen der Arbeiter. Zur Dihmiizssriize. I» diese« Tagen ist wieder viel die Rede gewesen von der Wohnung»noth in großen und kleinen Städten und von den Mitteln, ihr abzuhelsen. Mancherlei ist vor- geschlagen worden; doch kann man nicht sagen, daß jemand den Arbeiter« eine« wirklich gute» Rath hätte geben können, wie billige Wohnungen, in denen man einigermaßen mensch. lichen Anforderungen entsprechend leben kann,»u be. schaffe« sind. m■!? in1 d« That schwer, unter de« gegenwärtige« Verhältnisse« eine« Ausweg zu finde«. Eine völlige Lösung der Wohnungsfrage würde nur bei einer völlige» Aenderung unserer gesammte» wirthschaftliche« Zustände möglich sei» und ist es sonach gegenüber den momentanen praktische« Be- dürfniffen kaum nothwendig, darüber zu diskutire«. Das moderne WirthschaftSsystem, dessen Tendenz die Bildung einer Großindustrie auf alle» dafür erreichbare» Gebieten ist, hat ganz andere, ja entgegengesetzte Eigen» schafte«, als die Betriebs« und Produktionsweisen früherer Epochen. Dem alten Handwerk mit seinen festen und starre« Forme« wohnte naturgemäß«ine große Stetigkeit inne und der Ortswechsel war bei dem Arbeiter und Handwerkige. selle» oder dem Meister etwas Seltenes. Die modern« Industrie mit ihre» verschiedene» Betriebsweisen aber wirft große Massen von Arbeitskräften bald dahin und bald dort- hin, so daß an einem Orte, wo bisher Wohnungen genug vorhanden waren, plötzlich Mangel an solche» entstehen kann, während es umgekehrt möglich ist, daß nach Vollendung großer Bauten. Erdarbeiten«. s. w. an einem Orte ganz plötzlich eine Menge von Wohnungen leer stehen, weil die Arbeiter sich anderswo beschäftige» lasse» müsse». Dieser Wechsel ist natürlich von großem Einfluß auf die Preise der Wohnungen. Dazu kommt das Anwachsen der große» Städte, wohin Alle« vom Lande und au» der Provinz strömt, wa» daheim keine Beschäftigung finden kann. Obscho««nabläsfig gebaut wird, so kann man doch in de« meisten große» Städte« von einer WohnungSnoth für de» Arbeiter spreche«. Im Verhältniß zu dem gegenwärtige» Einkomme« des Ar« beiters sind die Wohnungen viel zu theuer. Außer dem An« drang trägt dazu auch die Art und Weise bei, wie die Häuser heute gebaut werden und eS kommt noch hin« zu, daß die HauSeigenthümer gegenüber der überall salleiden Kapitalrente bemüht si»d, einen möglichst große« Miethsertrag zu erziele«. Aus dem immerwährende« Wechsel in unserem wirth- schaftlichen Lebe», aus dem unaufhörliche« Ab« und Zu« ströme« vo« Arbeitskräfte« ergiebt sich ganz von selbst, daß jene Bestrebungen werthlos find, die für de« Arbeiter die Nachdruck verbot««. Jeuilleton. [1 Spure« im Sande. Roman von Ewald August König. Im Eisesbahu-Koupö. .Ewsteige« i« der Richtung»ach B. I' riefe« die Schaffner der mit Handgepäck beladeue» Menge zu, die aus de» geöffnete» Wartesäle« herausströmte. Di« größere Mehrzahl stieg w die zunächst stehende» Koups» ei», andere, die offenbar beabsichtigten, sich eine» möglichst bequeme» Sitz für die lange Reife zu verschaffe«, schritte« suchend und prüfend an der lange» Wagenreihe hinunter. Unter diese» letztere« befand sich ein schlanker, elegant gekleideter Herr mit blondem Haar und Vollbart,«i«e aristokratische Figur, der eine breit«, gedrungene Gestalt i« schlichter, bürgerlicher Kleidung folgte. Der Herr hatte endlich ei« Koupee gefunden, er flieg «in, ordnete sei« Handgepäck und machte e« sich w sewer Ecke bequem, ohne auf seine» Begleiter zu achte«, der mit seine« Vorbereituuge« rascher fertig war. Jetzt begegnete« sich die Blicke ver beide«— die blaß- blaue«, etwa« stechende« Augen de» erstere« mit dem halb- verschleierte« Blick bliebe« einig« Sekunde» lang forschend auf dem gebräunten, wetterharte« Antlitz de« schlichte« Manne, ruhen, da«» wandten sie sich gleichgiltig ab. „Um Verzeihung," brach jetzt der andere da» Schwei- »e«,.ich ine wohl nicht, daß wir un» drüben schon begeg- «et find s Mew Name ist Lutter, Paul Luttn; Sie wäre« auch drüben w dm Mwm, ich habe Sie augmbltcklich Wied« erkannt, Herr— lieber Gott, jetzt kann ich dm Name« nicht findm,««d doch schwebt er mir auf der Zunge—' „Baro» vo« Berga» I" erwiderte der elegante Hen kühl. .Berga»— ganz recht," fuhr Lutter fort, während n mtt der breite» Hand über sei«m brauvm Vollbart strich, «drübm führte» Sie dm Freihenntitel»icht u»d Sie thatm Lösung der WohnungSftage darin erblicke», daß er sich ei» eigme« kleines Hau« verschafft. Da ist wieder viel vo« Arbeitergevossmschafte« die Rede, die kleine und billige Wohnungen bauen sollm, welche von de» Arbetter» durch Tilgung jährlicher Ratm«ach und»ach al» Eigenthum er- worden werden könne». Das wäre recht angenehm, wen« eben«icht di« Hauptbedinguug fehlte— die Stetigkeit der Beschäftigung. Ei« Arbeiter, der in dem Magazin eine« Kaufhauses dauernd angestellt ist, mag ei» Interesse habe«, sich ei» eigme» HäuSchm zu erwerbe». Aber auch er kann i» unbehagliche Situattonen mit seinem.Heim" gerathen. Wenn die Firma fallirt, die ihn beschäftigt, wa« fäng, er dann mtt dem Häuschen an, wen« er i« der Stadt keine Beschäftigung mehr bekommt? Ganz anders aber ist e« mit de» Arbeiter«, die de» große» Bewegungen der Industrie folgm müssen, bei de« Tabak« arbeiter«, Maurern, Schneider«, Tischlem Schuhmachera tc. Für diese hat ei« eigenes Hau» nur wenig Werth; es könnte ihnen unter Umständen sehr zur Last werdm. Mit de«„billigen" Arbeiterwohnungen hat es w den großen Städte» seine vielfache« Schwierigkettm. Wen» sie abgesondert außerhalb der Stadt stehm, möge» sie billig sei«; wächst aber die Stadt z« ihnen Hera», so daß sie an de« Verkehrslinie« liege«, so steige» sie ga«z vo« selbst im Preise. Und liegen sie allzu weit vo« der Stadt entfemt, so hat da« für den Arbeiter gewiß keine Vor« theile. Dm Arbeiter» i« diesem Falle Selbsthilfe vorzuschlagm erfordert«wen ziemliche« Grad von Kurzfichttgkeit. Ueber- Haupt will uns der Begriff„Arbnterwohnuugm* gar nicht so recht gefallm. Sind d«nn die Arbeiter vo» der Vor- sehung dafür bestimmt, Wohnungen zu habm, die sich durch geringere Behaglichkeit vo» den Wohnungen anderer Leute unterscheiden? Wir find immer«och der Meinung, s« lauge un» kein besserer Vorschlag gemacht wird, daß«ine staatliche Taxation der Gebäude und eine gesetzliche Fest» stellungderMiethgpreise Viele« mommta» besser« könnte. Wir haltm die««icht für eine Lösung der Wohnung«- ftage; wir wissen auch, daß die Preisbewegung solche künst- lichm Schranke« vielfach durchbricht, allein wir find ebm doch der Meinung, daß eine gesetzliche Fixirung der Mieths- S reise immer«och besser wäre, al« der gegenwärtige Zu- and, wmn sie auch i» viele» Fällm ihrm Zweck»icht er« reiche» und unwirksam gemacht werde« würde. Leider wird man sich schwerlich zu einer solche« Maß- regel entschließe«. recht daran, man aiebt dort keinm Groschen dafür. Sie find wohl auch mit dem Schiffe„Barbarossa" gester» hier a«- gekommm?• So»««»genehm dem Baro» diese Unterhaltung anch sei« mochte, schim er doch rasch in da« Unab« änderliche sich aefundm zu habm, ei« spötttsche« Lächeln umzuckte flüchtig ferne Lippen. „Ich erinnere mich«icht, Sie auf dem Schiffe gesehm zu habm," sagte er i« ironsschem To«e. „Das ist begreiflich," erwiderte Lutter achselzuckend. „Ich bin al« schlichter deutscher Handwerker Vorkajüte gefahren." „Und jetzt fahrm Sie zwetter Klasse?" „Es giebt leider bei diesem Zuge kein« billigere Klasse und di« Bummelei mit dem Marktzuge ist mir verhaßt." „Sie habm drübm wohl«icht gefunden, wa» Sie suchten?' ftagte der Baron spöttisch.„Ts ist freilich man- chem so erga«gm. Wartm Sie einmal— Lutter? Ich er- innere mich jetzt de« Namen«; hattm Sie nicht eine» Bru- der— hm, e» war kurz vor meiner Abreise—" „Weshalb soll ich besireitm, wa« ich ja doch»icht leugnm kann I" unterbrach Lutter ihn, dessen Wa«ge« sich plötzlich dunkler färbtm, während e» in seine» braunm Augm zornig aufblitzte..3« ihrer unselige» Verblendung habm die Digger« ih« gemordet." .Hatte er«icht selbst einm Mord begang«?' „Nein, er«ar unjchuldig I Gott möge an sein« Mör« dem die schwere Blutschuld räche« I" Der Baro« zuckte mtt dm Achsel», aber ehe er eine Antwort geben konnte, wurde die kurz vorher geschloflme Thür« wieder geöffnet. „Schnell, schnell," rief der Schaffner,.sonst bleibe« Sie zurück I" Zwei junge Dame« stieg« hastig ei», ihnen folgte ei« eleganter Herr, der«ur wenig älter war al« sie. Die Dame» warm offenbar Schwester« und beide hübsche, ftische Erscheinungen; sie hatte« beide goldblonde« Haar, beide eine« recht moquante» Zug in dem sonst an« muthigen Antlitz, und die Aehnlichkeit in der äußere« Er- scheinung wurde durch die völlige Uebereinstimmung der Toilettm»och mehr hervorgehobm. Sie scherzt« und lach- Volitischr Zleberstcht. Der Regierungsbaumeister Keßler ist auch aus Stadt und Land Braunschweig ausgewiesen worden. Die dem- selben zugeaangene Verfügung hat folgenden Wortlaut:„Da Ihnen in Folge verübter Vergehen, welche Sie al« der öffent- lichen Sicherheit gefährlich erscheinen lassen, durch Verfügung deS Könizl. Preußischen RegierungS-Prästventen zu Potevam vom 19. v. M. auf Grund de»§ 2 de« Königl. Preußischen Gesetzes über die Aufnahme neu anziehender Personen vom 31. Dezember 1842 der Aufenthalt in der Stadt Branden- bürg a. H. untersagt ist und Sie demnach im Königreich Preußen einer Aufenthaltsbeschränkung im Sinne deSZ3Abs. 1 de« ReichSgesetze« über die Freizügigteit vom 1. Nov. 1867 unterliegen, so wird Ihnen von der unterzeichnet« Lande»- Polizeibehörde auf Grund deS§ 3 Abs. 2 deS angezogen« Reichsgesetzes der Aufenthalt im H-rzogthum Braunschweig verweigert und aufgegeben, binnen drei Tag«, von dem Empfange dieser Verfügung an gerechnet, da« Gebiet der hiestgen Stadt und deS Herzoztbum» zu verlassen. Braun» schweig, den 14. Juli 1886. Herzogliche Polizei-Direktion. Orth. An Herrn RegiemngS-Baumetster Keßler, hterseldst." Da« angeführte Reichsgesetz über die Freizügigkeit bestimmt in s 3 Abs. 1 und 2:„Insoweit bestrafte Personen nach den Land eSge setzen Aufenthalts- Beschränkungen durch die Polizei- Behörde unterworfen werden können, behält e« dabei fein Bewenden. Solchen Personen, welche derartigen Aufenthaltsbeschränkungen in einem Bundesstaate unterliegen, oder welche in einem Bundesstaate innerhalb der letzt« zwölf Monate weg« wiederhosten Betteln» oder weg« wiederholter Landstreicherei bestraft worden find. kann der Aufenthalt in jedem andern Bundesstaate von der LandeSpolizeidehörde verweigert werden." WaS nun die Sttafm betrifft, welche Herr Keßler erlitten und die den Anlaß boten, in Brandenburg gegm ihn auf Grund de» preußisch« Polizeiaesetze» von 1812 die Ausweisung zu verfügen, so fei hier bemerkt, daß Herr Keßler freilich vor länger al» 13 Jahr« wegen unbedeutenden Vergehens eine Freiheitsstrafe verbüßt«, die damals so geringw-rthig veran- as■ ä"ä™ sA& ä berrn Mer»al« der öffentlichen Sicher- heit gefährlich" erfcheinen lassen. Ob man im Reichstage bei h&M fÄÄf"*"""""*""""" Vollständige« Mangel an Patriotismus warfen n« lich die offiziösen Blätter dmjenigen Unternehmern vor, welche e» wag« wollt«, die PariserWeltauSstellung im Jahre 1889 zu beschicken. Ueber die Abgeschmacktheit diese» Vorwurfe» brauchen wir unS wohl nicht erst auszulassen. Auch unsere Unternehmer werdm stch gegeben« Falle» an die krankhaste Empfindlichkett unserer RegierungSkrelse sehr wenig te» mit ihrem Begleiter, der in dm erste« Minute« gmua S thun hatte, die viel« Tücher, Tasche», Schachtel» und chirme unterzubringea, und erst, al« die» alle« geordnet und der Zug längst im Fahrm war, fand« fie Zeit, ein« kurze« prüfmde« Blick auf die Reisegefährten zu werfe«. „Sind Sie e« wirklich, Lutter?' fragte der junge Her« «ach einer Weil«, währmd er da« goldene Lorgnon auf di« Nase klemmte und darauf die Spitzen sewe« schwarz« Schnurrbarte« empordrehte..Sie kmnm mich wohl nicht mehr? Referendar v. Gottschalk— ja so, zur Zeit, al«Sie auswanderte«, befand ich mich»och auf der Univerfiiät, aber meine Familie werdm Sie kmnm, Ihr Vater, der Schlosser- meister Lutter,»ar oft i« unserem Hause." „Gewiß, ich kenne Sie»och und auch Ihre Fräulein Schwester»,"«ickte Lutter, ohne davon Notiz zu»ehmm, daß die beidm Dame« recht auffallend die Oberlippe kräu- seltm,.ich hoff«, Ihr Herr Vater, der Herr Geheimrath, befindet sich noch wohl?" .Danke, danke,' erwidert« der Refermdar gnädig.„Sie bringm Ihrm Eltem eine böse Nachricht mit l' .Wisse« Sie e« schon?" ftagte Lutter hastig. „Unser Konsul drübm hat un« die Geschichte be- richtet— wer hätte da» vo« Ihrem Bruder Ko»rad erwartet I" .Wen» ich Ihne» sage, daß er schuldlos war, so wer» de» Sie mir vielleicht«icht glaubm," erwiderte Lutter, ttef und schwer aufathmmd,„aber Wahrheit ist es, und ich weiß «icht, wa« ich dm« gäbe, wen» ich jetzt«och seine Unschuld beweisen könnte. Der Herr Baro» v. Berga» hier, der mtt mir zugleich in Kalifomie» war, wird m 120 000— 130 000 fl. gehabt zu haben, die ihm jetzt zurück«- stattet werden sollen, obwohl er stch zur eingehend-n Zirtd- nun.Vegung über diese angeblichen Ausgaden nicht Herb-Wt. Der frühere HandelSministcr trage die Schuld daran, indn» der Staat sein Aufstchtirecht nicht auigeüdt habe. Di« „Deutsche Ztg." fordert die Intervention des Staate» in düsn Angelegenheit und fragt:„Leben wir denn in einer Zeit Faustrechti auf wirthschaftlichem Gebiete?" Im vorigen Monate wurden au» den im ReichSrathe vw treten en Königreichen und Ländern 67 Individuen, näsrliä 55 Männer und 12 Frauen» Personen, ausgewiesen, hin- von entfallen aus Unoarn 22 Individuen, auf Rußland 17, auf Preußen 14, auf Italien 7, auf Bayern 3, auf da» Gros, herzogthum Baven 2 und je ein Jndiotvuum auf Frankrebt und auf Sachsen. Unter den nach Italien ausgewiesen« fieben Personen befinden fich der 27 jährige Gärber Gioeon» BoSco, auch Tonfo genannt, der Handarbeiter Amdrogü France» chini Rictert und der Handelsagent»ngelo Receee welchm vom«rettgerichte in Bozen, beziehungsweise von W Poltzeidirettion in Trieft, wegen politischer Umtriebe der Alf' «nthatt in ZiSleithanttn verboten wurde. Rußland. Rußland schließt stch mehr und wehr gegen da» Ausland ad. Die„MoSk. Ztg." erklärt fich mit großer Heftigkeit gege« die, wie e» scheint, regicrunaiseitig begünstigte Abstcht einig« großen ausländischen Firmen, in Südrußland Zweiz- geschäfte anzulegen, wie da» Krupp in Ntkolajew vorb-l während außerdem der große belgische Unternehmer Cickeck dort eine Werst begründen will. Die„Kreuz, tg." schlieft darau», daß die genanntm Unternehmer, vor allem der deutscht, auf größere Schwierigkeiten stoßen werden,.al» ste geahm habm mögen; mit der Gegnerschaft Katkow'» müffe in R4 land jedermann rechnen. Die zunehmende Adschließung Rut' land» gegen den Westen sei der Hauptsache nach sein W-» —*u» Thom berichtet die„Thom. Ostd. Z.": Rußland M reitet dem deutschen Handel immer neue Schwierigk-'ten. 25* jetzt ab erhebt e» einen Eingang», oll von etwa 20 M.»« Tausend Ziegel. Damit hat der Ziegeladsatz der an% Grenze belegenen Ziegeleien nach Rußland gänzlich auf gehört. Vor Kurzem wurden die Bewohner de» l» nischen Grenzbadeorte» Ciechoclnnek von den rusfisl* Behörden angewiesen, ihre Bedürfnisse nicht n* au» Thom, sondern au» Warschau zu beziehen. Durch di> Maßregel ist der Thomer Handel empfindlich geschädigt' früher ein sehr ledhafter Verkehr mtt den polnischen Grenze� bestand. Da»"Journal de« Dedat»" meldet, Lord Rosebery i an die ru, fische Regierung einen sehr entschiedenen Pr» gegen die Aufhebung Freihafen» von Bat« England erNärt. der Artikel 59 de» Berliner Vertrage» sei< bindende Verpflichtung für Rußland, daher dessen gegentb" Interpretation unzulässig sei. England detrachtet den rusfi. Schritt al» eine flagrante Verletzung de» Vertrage», der soll art ganz in Frage gestellt werde. Andererseit« zeigen. anderen Mächte große Glrichgilttgkrit dieser Sache gegenü* Die Pforte hat bisher weder einen Vorschlag gemacht«* einen Entschluß gefaßt. Tchw-iH. Der„Köln. Ztg." meldet man au» Bern, 17.% Der Entwurf de» va» internationale Eisend ab" recht betreffenden Vertrages ist heute unterzeichnet worW* Belgien. Wenn die Kommission zur Untersuchung** Ardeiterverhaltntsse ihre Aufgabe ernst nimmt,? wird fie viel« Mißstände aufdecken können. Schon jetzt hat fl Umfrage im Allgemeinen, wie fie einstweilen nur mündltt J den Ardeitern gehalten wurde, manche Au»sage ergeben, die Unternehmer schwer belastet. Ein 66jähciger Kohlengra? in La Luoiöre führte au», daß er von seinem zehnten Ledn? jähre an beschäftigt war und während der 55 Jahre unvv� brocken 1% pCt. seine» Lohne» an die AlterSoecsorgungtt� abgehen ließ. Im Dezember vorigen Jahre» wurde deutet, er sei zu att und könne gehen; all er eine Versorg beanspruchte, wurde ihm entgegnet, e» sei kein Gur Ueberführung nach Neu.Caledonien ver- unyetlt. An« Kunst und Lebe». Im Schweizergarten findet heut« das für vorigen Dienstag angekündigte, jedoch wegen der ungünstigen Witte- rung ausgefallene Gr. Brillant Fronten- und Kriegsfeuerwerke d« Pyrotechniker Gebrüder Maffow, Bonander und Hornig statt. Unter den vielen Abwechselungen de» Feuerwerk». Pro� ßiamm» wird diesmal etwa? noch nie dem Publikum gebotene» „Die Kaiserfront" abgebrannt werden. Zum Schluß wird zum SaSSSSäS«« MMSSS-S« ein« Schleife, auf welcher zu lesen ist:„Römerbrücke bei Main,. Erbaut unter den römischen«aisern Trojan und Maximtn. Hieran schließm fich yach recht, und link» zwei Medaillons, welche die Btldnisie genannter Kaiser, sowie deren Namen und Regterungszett enthalten. Der unter« Theil zeigt die Römerbrücke mit ihren beiden Brückenköpfen Mainz und Castel genau nach jener Bleimedaille, welche bei Lyon auf- gefunden wurde. Der hinter« Boden, welcher gleichsalls reich «sä T-, dem Rheine entfernt, und au, dem Holz derselben ist 1886 imampKe handenen Holzresten sollen noch zwei weiter« Fässer angefertigt werden, welche nach Amerika bestimmt find. « Amttikanische Rckiame. Aus Washington schreibt man: Am 28. Juni ließ Präsident Clevcland im Paiiser Zirkus für den Abend eine Loge miethen. Sofort ritte der Direktor in eine Druckerei, um neue Zettel herstellen zu lassen; eine Halde Stunde später war an den Straßen angeschlagen:«Präsident Cleveland und seine neuvermählte, junge, schöne Frau erschei- nen heute im Zirkus." Der Zweck war erreicht, das Haus zum Erdrücken voll; allein der Prästdent» den es wahrscheinlich verdroß, fich als„Programm- Nummer" gedruckt zu sehen, er- schien nicht. Nach Schluß der Vorstellung stürmte ein Theil deS Publikums an die Kasse und verlangte unter dem Vor- Soziales«ttd Arlteiterbewegung« Ueber eine« Kellnerftreik wird der Hamburger„Bürger« Zeitung" aui vtendal geschrieben:„In der Gewerbe« und Industrieausstellung in Stendal haben am I.Juli die Magde« durger Kellner Streik gemacht. Der Gmnd war folgender: Die Killner, zum größten Theil verheirathete Leute, erhielten für ihre Dienste keinen Löhn, wohl aber pro 3 Mark Umsatz 16 Pf. bei freier Beköstigung. Ihr Verdienst betrug pro Tag 1,50 Mark im Durchschnitt, davon aber gingen ab für LogiS mit Kaffee 75 Pf. pro Tag. Ali st« zum 1. d. M. geftagt wurden, ob fie bis zum Schluß der Ausstellung, 11. Juli, unter denselben Bedingungen bleiben wollten, verlangten fie 3,75 M. täglich Jixum. DaS aber lehnten die Ristaurateure ab, und so verließen die Kellner die Ausstellung. ES ist ein trauriges Z-tchm der Zeit, daß eS Leute giedt, die für 1,50 Mark taglichen Verdienstes stch abquälen müffen, noch trauriger aber, daß die Kellner auf Bettelgeld von Gästen angewiesen find. Dai kommt aber nur daher, weil wir Kellner nicht organifirt find. Nur durch eine gute Organisation können wir unS wieder die Stellung erringen, die wir früher eingenommen haben. ES wäre zu wünschen, daß dieS die Kollegen recht bald einsehen und Hand an's Werk legten." Die Arme« in Preußen und Englaud. Di« kürzlich erfolgte Veröffentlichung der Hauptziffern der preußischm Armenstatistik liefert im Vergleich« mit den Srmenzählungen anderer Länderzur Zeit sehr beachtenSwerthe Ergebniffe. In England und Wales, woselbst seit langen Jahren Zählungen der der öffentlichen Armenpflege Anheimgefallenen oorge« nommen«erden, betrug der„Stat. Korr." zufolge die Zahl der Ende Januar er. auf diese Weise Unterstützten 770 570 oder 2,8 pCt. der wahrscheinlichen Bevölkerung, während in Preußen im ganzen Laufe deS letzten JahreS 3,7 pEt. aller Einwohner im Wege der öffentlichen Armenpflege unterstützt worden find. Bis 1872 hatte fich in England die relative Armenzahl über 4 und gewöhnlich unter 5 pCt gehalten(ihr Maximum erreichte fie 1863 mit 5,39 pCt. zur Zeit der söge- nannten Baumwollennotb), von 1873 an ging fie unter 4 und 137?, 1878 sowie von 1882 ab unter 3 pCt. In den Jahren 1884 und 1885 erreichte fie ihren niedrigsten und 2.74 pCt. Arbetterinnenzustände tu Eüdtyrol. trotz aller Enqueten und trotz der Warnungen Stand mit 2,71 Wie traurig eS der Aerzte um daS LooS der Arbeiter in Wälschtyrol bestellt ist, davon wiffen die bellageniwerthcn Arbeiterinnen in den Seiden» »innereien ein spinnereien ein Lied zu fingen. AuS Trient wird der „Meeraner Ztg." vom 10. d. geschrieben: In Vigolo Vattaro bei Trient ist in der dort bestehenden Seidenspinnerei ein Streik ausgebrochen, da alle dort beschäftigten Arbeiterinnen, etwa 500, mit einem Male die Arbeit einstellten. Diese Fabrik, im Befitze einer franzöfischen Gesellschaft, wird von Baron Trentini geleitet, und die Arbeiterinnen müffen bei einem Lohne von 30 bis h ö ch st en S 38 Kreuz e r täglich 13—14 Stunden arbeiten! Das Begehren der Spinne- rinnen geht keineswegs auf Lohnaufbefferung, sondem auf Herabfetzurg der Arbeitszeit; die« Bezehren ist gewiß ein sehr berechtigtes, und man begreift nicht, daß der ganze Apparat der zu Beginn dieses JahreZ einberufenen, unter dem Vor« fitze deS Leiterl der Statthalterei-Ablheilung in Trient im Beisein des ehemaligen GewerdeinspektmS Rosthom abgehaltenen Enoute, in welcher die Aerzte ausdrücklich auf die s a n i t S t S« widrigen Zustände in der Seidenspinnerei und daS Gesundheitswidrige der 14 stündigen Arbeitszeit hinwiesen, nichts gefruchtet hat. Wie der Korrespondent vernimmt, wird noch in allen Seidenspinnereien in Wälschiyrol 14 Stunden lang täglich gearbeitet' man berückfichtige nur die Interessen der Fabrikanten, die behaupten, daß fie die italienische und französtsche Konkurrenz nicht aushalten könnten, wenn man ir« grnd welche Aenderungrn in den bestehenden Verhältnissen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eintreten laffe. Der Streik in Vigolo Vattoro ist übrigens zur Zeit noch nicht be- endet, da von keiner Seit« Konzesstonen gemacht werden, und die Behörde fich bisher darauf beschränkt hat, durch Sicher- heitSorgane die Ordnung aufrecht zu erhalten, ohne eine Ver« Mittelung anzustreben. Schließlich wird noch mitgeth-ilt, daß den Gemeinde vorstand doch endlich ein menschliches Rühren beschlichen und derselbe einen Protest gegen daS Vorgehen des Leiters der Fabrik erhoben hat, �da derselbe alle ihm von der 2) I Sanitätsbehörde angeordneten Vorkehrungen underückstchtigt unter den Arbeiterinnen sehr gar einige mit tödtlichem AuS« ö nn freilich der Gemeindevor- Üand und die Sanitättdehöide von Vattaro dem undarmherzt- gen Verfahren deS LeUerS jener Fabrik kein weiteres Mittel vorzukehren wiffen, als unwirksame Proteste, dann dürste den armen Seidenspinnerinnen, deren Mittel für die längere Fort- setzung deS Streikt bald erschöpft sein werden, in ihrem Elende nicht geholfen werden. Au» Hauuover macht die dottige� Kommission bekannt, daß der Streik der Maurer noch nicht beendet ist. Kr. Rohlede»'» Bureau tu Müvchen, Heßstraße 3L Die Ardeiter-Fachvereine werden ersucht, fich an der Arbeiter- stattstik ununlerdrochm zu betheiligen und regelmäßig alle Vierteljahre Berichte nach folgendem Frage-Schema an daS Bureau für Arbetterstatistik einzusenden: 1) Wie viel Mitglieder zählt der Verein? Wie viel BerufSgenoffm find am Ort a) männliche, d) weibliche, e) jugendlich«(Lehrlinge)? Wie viel zur Zeit arbeitslos? Wochenlohn a) der höchste, b) der niedrigste, c) der DurchschnittSlobn? 5) Wie viel BerufSgenoffen arbeiten zum Durchschnitts- lohn? Wie viel verdienen mehr? Wie viel weniger als den Durchschnittslohn? 6) Arbeitszeit a) die höchste, b) die niedrigste, c) Durch. schntttS«(übliche) Wochenarbeitszeit? 7) Wie viele arbeiten a) die übliche, b) mehr, c) weniger als die übliche Arbeitszeit? Bemerkunaen über Sonntags, Nacht- und Ueberarbett, Preise der Lebensmittel und Wohnungen(JahreihauShaltS« budaetS). Unternehmergewtün u. A. find stet» erwünscht und werden benützt. Die Ergebnisse dieser Berichte werden, wie btSher, im„Recht auf Arbeit" und den in Arbetterkreisen ge« lesensten Zeitungen veröffentlicht. Die löbl. Fachvereine han- dein im eigenstm Interesse, wmn fie fich möglich vollzählig betheiligen I Besondere Werkstattfragebogen find, daS Hundert zu 4 Mark, nach wie vor durch da» Bureau, sowie alle Filialen und Kolporteure zu beziehen. Der statistisch; QuartalSbeittag st auf 3 Mark festgesetzt. Deutsche Echteueulieferuuge««ach Japan. Der Londoner Korrespondent de»„ManchesterlGuardian" schreibt: „Zufolge Prioatbriefen aui der Hauptstadt Japans ist eS einer deutschen dortigen Firma soeben gelungen,.ür die exklufioe Lieferung von Schienen für die Dauer von 8 Jahren mit den Regierung» Eisenbahnm einen Kontrakt abzuschließen. Der auS der TranSastion erwartete Profit wird auf 200000 Lstr. veran- schlagt. Bisher wurden Schienen und alle Elen« und Stahl- waaren w England gekauft." Der Streik der Etfeuarbeiter tu Sh-opshtr«. welcher 22 Wochen dauerte und 700 Mann umfaßte, ist seit gestern beendet. Die Lohnverhältn ffe find wie folgt:egulirt worden: Für die Tonne Eisen wird 6 Shilling«(6 Marl) bezahlt, im Vergleich zu früher eine Aufbesserung der Arbeitslöhne'. Ueberstunden werden extra berechnet. Unterstützungen wurden während der Dauer de« Streik» bis zum Betrage von über 5000 Lstrl. auSgezahtt. Uereine mh Nersamminngen Der Fachverei« der Tischler hielt am Sonnabend, den 17. Juli» seine ordentlich« Generalversammlung in Jordan'» Salon, Neue Grünfir. 28, ab. Dieselbe nahm die Berichte de» Vorstände» und der verschiedenmKommisfionen deS Vereins über ihre Thättgkett während de» zweiten Quartals entgegen, erledigte ein Rechtsschutz- und ein UnterftützungSgesuch und vollzog die Ersatzwahl der»rbeitSvermittelunaSkommisfion und eine» Kontroleu S.— Nach dem Bericht deö Rmdanten beläuft fich die Einnahme de» letzten Quartal» auf 459,90 M., die Ausgabe auf 544.07 M., der Bestand der Kaffe betrug am 30. Juni 1661,75 M. Dem Rendanten wurde Decharge ertheilt.— Der Bibliothekar berichtete, daß stch die Bibliothek eine» größeren Zuspruch» als im vorigen Quartal zu erfreuen hatte.— Der Vorsttzende berichtete über den Verlauf der von Mitgliedem deS Verein» gegen ihre Arbeitgeber ge- führten Prozesse in gewerblichen Streitigkeiten. Et wurden im abgelaufenen Quartal zwei Prozesse von den klagenden Mit- gliedern gewonnen und einer verloren.— Die ArbeitSvermttte- lungvkommisfion war in diesem Quartal in der Lage, 284 ArbeitSadreffen an arbeitsuchende Kollegen auszugeben.— Die Versammlung bewilligte sodann dem sett Dezember v. I. kranken Mitgliede Ender eine einmalige Unterstützung von 20 Mark und gewährte einem anderen Mitglied« die Kosten für dm von ihm gesührtm Prozeß in zweiter Instanz, welcher in erster Instanz zu Gunsten deS Mitglied«» mtschiedm wurde.— AlS« dann wurde Herr Hirfing an Stelle des Herrn Urbahn, welcher verhindert ist, sein Amt wetter zu orwalten, zum Kontroleur gewählt.— Hierauf erklärte fich die Versammlung mit der Er- richwng zweier Zahlstellen im Westm und Südwesten Berlins einverstanden, wählte zwei Beitragsammler für dies« Zahlstellm und beschloß die Zahlstelle für dm Südosten Berlins nach dem Lokale von Kunzmann, Skalitzerstraße 107, zu verlegen. Im weiteren Verlauf wurde die Werkstelle von Hardt(Dorothem- straße) einer krttischm Besprechung unterzogm und von zwei Mitgliedem die Bewilligung der Kostm zm Führung eines Prozesses g'gm Herrn H. beantragt. Dieser Antrag wurde dem Vorstand zur Berückstchtigung überwiesen.— DaS Eommerftst de? Verein» findet am Montag, den 16. August, in der„Neuen Welt"(Hasmhaide) unter Mitwirkung d«S ge« fammten KünstlerpersonalS dieses Etablissements statt. Der etwaig« Ueberschuß, der bei diesem Feste erzielt wird, soll zur Unterfiützuna kranker und hilfsbedürftiger Mitglieder verwandt werdm.— Nächste Versammlung am Sonnadmd, den 7. August, in demselben Lokal». t Der Verein zur Wahruug der Juteresse« de, Klavierarbetter hielt am Sonnadmd, den 17. d. M., in Gratweil» Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79, eine Mit« gliederversammlung unter Vo.-fitz de» Herrn Schaar ab. Der angekündigte Vortrag de» Dr. Bock über„Die Parafitm de» Menschm" mußte ausfallen, da der Herr am Erscheinen ver« hindert war. Man ging dethalb sofort zur Erledigung der VereinSangelegenhettm über. Nach Bewilligung einiger Unter- fiützungSgesuche wurde mitgetheilt, daß bisher 58 Fragedogen zur Ausgabe gelangt find» von dmen noch 16 ausstehen. Dieselben find sobald als möglich auszufüllen und abzuliefern. Man beschloß außerdem, an die Arbeiters von 40 Fabriken, welche noch nicht mit Fragebogen belegt find, Fragebogen brief- Nachdem ein Antrag, durch JBnnonzm lich einzuschicken._____.... in verschiedenen Zeitungm und durch Säulman- schlag zum Besuch ver Versammlungen«inzuladm, mit d-r Mottvirung abgelehnt wordm war, daß die Ankündigung in einem Blatte, welches ausschließlich die Jntereffm der Ar- briter oertritt, genüge, und e» nicht Sache deS Verein» sei, die Einnahmen aui dm JnsertionSgebühren für Blätter zu«er. größern, die der Ardeiladewegung mißgünstig oder feindlich gegenüberstünden, wurde noch erwäbnt, daß die Auerbachstche Schwimmanstalt in Stralau den Eintrittspreis für die Mit- gl-eder von Ardeitervereinm, die stch legitimirm könnten, auf 10 Pf. festgesetzt habe.— Eine Deputation der Harmonika« macher hat fich an den Vorstand gewandt und um Aufnahme und Anschluß dieser Branche an dm Verein gebeten. Der Vorstand ist hiermit vollkommm einverstandm: von der Einficht ausgehend, daß die Harmonikamacher allein zu schwach seien, um selbstständtg einen Verein zu glündm, begrüßt er diesen Wunsch mit Freuden und heißt die neuen Mt'glteder von Herzm willkommen. Derselben Anficht waren alle Redner, welche dm Anschluß besprachm. Besonder» her« vorgeboben wurde, daß nicht erst der Streik der Harmonika- arbetter bei Pietschmann die Veranlassung zu diesen Beitritt»« erklärungen gegeben habe. Eine Anzahl Harmonikaarbetter ließm stch aufnehmen. Krete veretutguna sämmtlicher i« der chiruraifchen Branche beschäftigten BerufSgenoffm. Dimstog� den Ä. Juli. AbendS 8V, Uhr, im Seefeld'schen Lokale, Grenadierstraße 33, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Statistik über den Verdienst der BerufSgenoffen in dm Werlstäiten der Metallbranch». 3. Verschiedenes und Frage« tasten. Gauverein der Maler verltu». Vcrsammlung Dienstag, den 20. d. M., AbendS 8'/» Uhr, in Gratweil'S Bierhallen, Kommandantenstr. 77—79. Tagesordnung: 1. Kassenbericht 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Fachschule(Referent: Kollege Op'tz). 4. Verschiedene»(Vergnügen de» Verein«). 5. Frazekaften.— Gäste haben Zutritt. Kachvereiu der Mechaniker, Optiker, Uhrmacher. chirurgischer und anderer Jnfttummtenmacher. Mittwoch, den 21. Juli, AbendS 8V» Uhr. im Lokale de» Herrn Rieft, Kommandantenstr. 71,72, Versammlung. T.-O.: 1. Vottrag. 2. Diskussion. 3. Erledigung der Angelegenheit Ettinger. 4. Verschiedene». 5. Fragetasten. Gäste willkommen. Auf« nähme neuer Mitglieder. Die Mitglieder werdm ersucht, die auk gefüllten Fragebogen bis spatesten» 4. August ab- zugeben. Deutscher Eenefeld:r-B«nd, Mitgliedschaft Berlin. Dimstag, dm 20. Juli, Abend» 8 Uhr, im Restaurant Weich Alexanderstr. 81, Versammlung. Vermischtes. Eine originelle Berechnung über da» im letzten Jahre in München gebraute Bier geht dem„Münckmer Fremden- blatt von einem Fachmanne zu. Ein Quantum von 1006 487,87 Hektoliter Malz ergiedt rund 2113 625 Hektoltter Bier. Um stch von der kolossalen Masse de» BiereS einm Be« 9. kenk man stch einen kleinen Bter-See, welcher 44679,14 Kubikmeter oder 446 791,40 Hektoliter faßt und eine Länge von 300, eine Breite von ca. 149 und eine Tiefe von bat. Wenn man nun diese vterlach« mit einem sogen. Waffersteftm, da, wären 2 Liter per Minute, in Maßkrüge abfassen woltte, so wäre ein ZeUraum von 42 Jahrm und viSfflSP"»brnewanver gestellt, gäben eine Reihe von ca. 4470«ilometem, da» wäre ungefähr eine Strecke von Lissabon durch Spanien, Frankreich. Deutschland bi» Nischni-Nowgorod °n der Mrischen(Sfcenze. DaS Gewicht de« Biere» beträgt ungefähr 911 455 Zentner und wollte man e» auf der % Ä« fchoft freigelassen worden, wie anfänglich berichtet wurde. Er Von der„Deutschm neuerdingS Plj stellte in Abrede, daß er eine ihm anvertraute Obligatio«� untreut habe. Mühlsteine au« GlaS. glaS-Attimgefellschaft" in Freden werdm________„ steine au» Gla» angefertigt. Eine runde, 8—9 Ztw. P® Scheibe wird auf der Reibseite mittelst Diamant gerissen j» die Fugen durch eigm» konstruirte Meißel eingehamn. oi Vervolländtgung einer erforderlichen stärkeren Dicke de» M steine» wird Zemmt, in Formen gegossm, verwandt. B eigenartigen Fabrikate find schon zahlreich bestellt. Es 0® verstchert, daß diese GsaSflächen 10—15 Jahre im GebiM ihre Schärfe behalten, wogegen bekanntlich die btshnitl> Steine eine der Abnutzung entsprechende öftere Aufbeffw» erfordern. regierungsfeindliche Partei nicht kenne, er habe bisher liberal gewählt und werde die» so lange thun, bi» aflij Parteien ein ähnliche» Programm haben werden, mögt> Name sein wie er wolle. Und da er unter„Bedingtüv da» Amt eine« Gemeindeschöffen nicht annehmen wolle, st* er den gnädigen Herrn Landrath, od die Ablehnung hia! folgen könne. Nach einigem Bestnnm bejahte der Herr Ä* räch die Frage und bedeutete Herrn Winkler, daß diel Nebenbureau, wahrscheinlich vor dem Herrn KreiSsekretLr,< folgen könne. Dort gab Winkler die Eillärung ab und! der Beamte ihn nach dem Grunde seiner Ablehnung frn erwiderte W. lächelnd:„DaS werden Sie wohl wissen."' dieser„Grund" in daS Protokoll aufgmommm ist, Winkl« nicht zu erzählen. Wir schild«n diese Angell so, wie wir fie au« dem Munde de» Herrn Winller e Er«zahlte unS, daß ein ähnlicher Füll dem OitSvo Rieting in SckmlendoF palstrte. He« Winkler erzählt,. « könne die Wahrheit seiner Angaben eventuell eidlia' härten." Wie«, 16. Juli. Die Besocgniß d« Fachmänner 1 die Cholera, welche im vorigen Jahre so verderblich in IT reich und Spanien wüthete, überwintern werde, hat fich' bewahrhettet. Seit einigen Wochen find Cholera Buj' au» dm Küstmstädten de» Rdriatischen Meeres ein« stff Rubrik, aber ur.vrrkmnbar ist der Charatter der Seuche lich verändert;«» ist, als ob fie fern von dn Heinwn verhänzrrißoolle Energie eingebüßt hätte. An leir.em ste biSbe: epidemisch aufgetreten niemals ließ fich ein dar« Zusammenhang zwischm den einzelnen Erkrankung«' � «kiien. Dies« spo.adiswe Charatter im ZusammlnWSy, d« Thatsache, daß die Chotera trotz t»« wonia Verkehrs stch ungemein langsam ausbreitet, ermuu/B besten Hoffnungen, aber nicht zu mehr. Absolute Sorglostss wäre ein Fehler, der stch bitt« rächen könnte, und ei besser, ein« Gefahr ini Auge zu jehm, als fich Üben*j zu lassen.— In Wien ist der Glaube verbreitet, al»% die B-Hörden, welchen die öffmtlich« Gesundheitspflege oK die Sachlage zu optimistisch b-urtheilen, indem von, Vorkehrungen nicht» verlautet. Die Behörden vermetvt«, mit Recht, die Berölterung zu allarmiren, denn war stet» ein schlecht« Rathgeder. Ad« ste entfalte» 3 energische, wenn auch geräuschlose Thätigkeit, und insbeif, da» Stadtphysttat hat die Maßregeln, welch« gelegentlia r vorjährigen Epidemie angeordnet worden waren, seilher gesetzt durchgeführt. Ständige SanitätSaufseb« habt», Pfiicht, die Straßen und Plätze, die Uter der Wien««Jj Donaukanals, die Herdergen, Gast« und Kaffeehäuser, M| Oertlichieiten, welche«sah'.ungSgcmäß der Verunreinigt»»! sonders autgefttzt find, zu lontroliren und ihre Wahrnehn dem Stadtphyfilate mttzuthtilen. Bei Tag und Nacht; Kommifstonen, welche die zur Kenntniß gebrachten ÜebeljL prüfen und die zweckentsprechenden Maßregeln anordnen. Fj mftn le» ftfifai*#«« mm mTT#*t uttv � man nicht, wie in früheren Jahren, an allen Ecken w£i| Karbol riecht, so liegt der Grund darin, daß d« die Wunderlrast der Karbolsäur« in prophylaktischrr durch die neueren bait«iologischen Forschungen stark eri«� wurde. ES wird jetzt wenig« exten fiv, aber dafür% intensiv« deiinfizirt. Um die Einschleppung der nach Möglichteit zu vnhindem, werdm alle au» J'0' � kommenden Reisenden von städtischen Anzien besucht, die Leibwäsche vistttren und die nöthigm VorfichtSM«»� treffen.. Trieft, 16. Juli. Von gestern Mittag bi» heute* find hier acht Erkranlungm, worunter ein Militär, un° Todesfälle an Cholera vorgekommen. Unter letzteren s stch ein« bereit« früh««krankte Person.— In Fiume lA den letzten 24 Stunden 6 Erkrankung»- und 2 TodeA�i Folge von Chol«« vorgekommen. Rom, 16. Juli.(Cholera- Bulletin.) 24 Stunden in Codigoro 7 Etkranlungen, 2 Venedig 1 Erkrankung»-, 1 Todesfall; in Brindisi kunzen, 5 Todesfälle, worunter 3 von früher Erb Francavilla 36 Erkranlungm, 19 Todesfälle, wo«, früher Erkrankten: in Latiano 16 Erkrankungen, 7 worunt« 2 von früh« Erkrankten: in Oria 9 Erkn 3 Todesfälle; in San Vito(dei Rormanni) 3 Erb 6 Todesfälle von früh« Erbanftm; in Ö iunt 3 ErbA, 3 Todesfälle; in Mesagno 2 Erkrankungen, 1 Tode»!® Kriefkaste« der Kedaktw». j\ _ F- M. Die betreffende Zeitung können Sie � Vost befteUen. dteielde ist im Post. ZeUung»kat-l-S Nr. 1006 eingetragen. Her, man«. Jawohl.' . W. L., Wienerstrabe. Ohne näher« lhatsoa� Kind vom Hof hnuntttzujaam, wmn nicht, ..tethSkontralten, auch in dem Jhrigm bestimmt ist, Aufmthalt auf dem Hofe v«botm ist._(„n»? Zwei Wettende. 1. Die Zahl der Pfttdekräfte Frage so allgemein< verschieden sein, so daß die Frage so allgemein »orten ist.— 2. Schiffsmaschinen dürsten von ihN'PBitS- sein.— 3. Je nach der Art d» Maschine ganz vcri® � «0*1 B ratttworttich« Redasteur St. Crirnftfi« in««lin. Druck und»«lag von«ax B�g in B«,in SW„«euthstraße 2 laßt fich da keine unt«ste Gr, nze angebm. ». 13. Wollen Sie Ihre Frage nicht Wahrscheinlich nicht tiyai.«n. Hterio«tete f». Kleine Mittheilungen. Wüstegtertdorf, Kr-tS Waldmburg, 13. Juli. D« „Grenzb." erzählt seinen Les«n folgendes„mnkwürdige> schichtchen":„Sonntag Nachmittag erschim in un>< Redaktionibureau ein Herr August Winkl«, HauSbefitz» ß Kynau, der unS behufs Veröffentlichung in unserem„Greafi «zähste, daß er, nachdem er bereit» 12 Jahre die Ehre 6» Schöffe der Gemeinde Kynau zu sein, bei der vor ein» Wochen erfolgten Neuwahl fich wied«um der Ehre der Wu® wähl zu«freuen hatte. Er«llärte stch zur Annahme» Wiederwahl bereit, doch— die» sollte ihm nicht leicht werte Einige Zeit darauf erhielt« nämlich eine Vorladung* 3. Juli vor dem königlichen Landrath Herrn von Liere»> Waldmburg in Schlesien in in« in dem Termin näher* kannt zu gebenden Sache. Herr Winkl« erschim pünttlichk dem Termin, und da mußte er ungefähr folgendes au» te Munde de« Landraths Herrn von Lines«fahren:„Sie P zum Schöffen der Gemeinde Kynau wiedergewählt, Sie köite die Wahl nur annehmen, wenn Sie entweder regieruiit freundlich bei Reich»- oder LandtagSwahlen stimmen, over; ganz d« Wahl mthatten. Nachdem der Herr Landrath( noch von einigen Bestrebungen der konservativen Partei� Kenntniß gesetzt hatte, erwiderte Herr Winkl«, daß er r Beilage zum Berliner BolNlatt. »». 166 Dienst-«, de« 30.|«H 1886. III MEr>: Da» FMKiisxektiklt i» Gkstttmch. Dat Institut de» FabMnspektorat» ist in O meine Auswanderung«twaS nach und die Straßen nahmen ein ruhigeres Aussehen an. Auch Schüler« und Turneraui. flüge mit Trommeln und Fahnen an der Spitze wurden mehr- fach unternommen und daß daS Berliner Element auch im weiteren Umkreise nicht fehle, dafür sorgten die„Landvartien", welche sowohl Privatgesellschaften als auch Vereine zu Fuß und per Kremser in ausreichender Zahl veranstaltet hatten. Da die Witterung thatsächlich gehalten, waS sie ver'prochen hatte und fich beständig erwie», so ist wohl der verfloff.-ne Sonntag als kein verlorener zu betrachten, vielmehr mit Sicherheit anzu- nehmen, daß Feder seine Rechnung fand, die Eommerwirlhe sowohl wie die Sommergäste, und eS ist nur zu befürchten, daß manchem der letzteren auf Rechnung deS schönen SonntagS— die Rechnung etwaS zu hoch geworden ist. „Die schöne« Tage von Araujuez" find nun auch für jeneS stille vom großen Weltstadtverlejzr wenig berührte Stadt« viertel, welche» die lange Louisenstraße mit ihren Querstraßen und Annexen bildet, und daS man gemeinhin unter der Be« zeichnung„quartier latm" versteht, vorüber. Die zweckt AS« phaltirung und Anlegung der Pferdebahnltvien„Neues Thor— Zentral'Bahnhof" nothwendig gewordene UmdudSelung der Louisenstraße hat berettS vor 14 Tagen ihren Anfang ge- nommen und schon steht man vorn Reuen Thor ab bis zur Schumann straße hinauf daß Straßenpflaster in der ganzen Brette de» FahrdamrneS aufgeriffen— nur die schmalen Bür- gersteige find der Paffage freigetaffen—, so daß es einer ge- wiffen dergtouriftischen Routine bedarf, um mit heilen Gliedmaßen die fich zu Miniatur- Chimbaraffo'S aufthürrnenden Erde- und Pflasterstein-Pycarniden zu übersteigen. Die ganze Gegend dort trägt augenblicklich«inen hochalpinen Charatter und gewährt im Gegensatz zu ihrer früheren friedlich stillen Fvylle ein stark revolutionär angehauchte» Bild! Fa, die schönen Tage find vorbei! Bald wird dort, wo man die Pferdebahn nur al» ew allzuflllchtigeS Momcnldild kannle— fie durchschneidet bekanntlich jene Gegend, und an der Karlstraße. in kaum mehr al» sekundenlanger Brette, indem fie fich nach dem Königsplatz windet—, ein geräuschvoller Verkehr eiabltrt sein, ein Konkurrenzkampf zwischen Pferdebahn und OmnibuS, der wohl an fich geeignet sein dürste, jeneS Gelehrtenviertel in geschäftlicher Beziehung zu heben, der aber Manchen au» der dort schon jahrelang seßhaften Bevölkerung au» der gewohnten Ruhe aufstören wird. Seit die dentschen Einfuhrzölle in so bebeutendem Maße erhöht worden find, können namentlrch die in solchen Dingen weniger bewanderten Privatleute bei Bezug von auS« ländtschen Maaren gar nicht vorfichtig genug auf die Verzollung derselben achten. Sie ritkiren sonst, um so leichter zu Schaden zu kommen, al» bei Handhabung der neuen Zollsähe fetten» der Zollbehörden mehrfach arge Unregelmäßigkeiten untergelaufen find. AlS Belag dafür kann u. A. der nachstehende Fall dienen, in welchem, wie der„Magd. Ztg." verstchert wird, Tausende von Bestellern empfindliche Verluste erleiden. Ende vorigen JahreS erschien in zahlreichen deutschen Blättern eine Anzeige, in welcher eine Wiener Firma unter Berufung auf eine große Lieferung für den ZirkuS Renz in geschickter Weise Pferdedecken zum Preise von 3 M. anbot. ES find ihr darauf hin namentlich von Landwitthen sehr zahlreiche Aufträge ,u- S(gangen. AlS die Sendungen eingingen, waren die Besteller hon wenig erbaut, weil fich der Preis für die gerinawerthigen Decken einschließlich Porto und Zoll auf über 4 M. stellte. Es stand ihnen aber noch eine sehr unerfreuliche Uedeirarchung bevor. Ganz neuerdings, nachdem fett dem Bezug der Decken in den meisten Fällen über ein halbes Jahr verfloffen ist. machte ein revidtrender Zollveamter die Entdeckung, daß in den fraglichen Pferdedecken,(welche nach Maßgabe de» Satze» für Thierhaare verzollt waren), einige wollene Streifen enthalten seien und daß die Decken deshalb al» Wolle versteuert werden müßten. Sämmtliche Zollämter erhielten darauf die Weisung. den fich au» den beiden Zollrudriken:„Thierhaare" und „Wolle" ergebenden sehr bedeutenden Unterschied nachträglich von allen Betheiligten einzuziehen. So find denn beispiel»- weise von einem Besteller, der drei solcher Pferdedecken bezogen hatte, dieser Tage 14 M.(schreibe vicrzchn Marl) 10 Pfennig ein solches Verhöre« verzeihlich und da bei uo» Schmal» hau« Küchenmnfier war, eilte ich schleunigst zu meiner Mutter und erzählte ihr da» Gehörte. Diese aber wollte mir»Mrlich nicht glauben, schalt mich au» und sagte: „Dummer Zunge, wer weiß wa» Du da wieder gehört hast; überhaupt habe ich Dir schon oft gesagt, daß Du nicht immer stehen bleibe» sollst, wenn fich erwachsene Leute etwa» erzählen, Kinder müssen nicht alles aufschnappe» und weiter tragen." Gewiß wäre meine Mutter»och lange nach Mütter» gewohnheit in dieser Redeweise fortgefahren, wen» nicht gerade in diesem Augenblick ein« Nachbarin in unsere Stube getrete» wäre, die meiner Mutter mit sehr wichtiger Miene die Mittheilung machte, daß ihr Sohn erzählt habe, daß jetzt Preßfteiheit sei, daß fie aber gar nicht recht wisse, wa» da» zu bedeute« habe. Nur so viel»iffe fi», daß ihr Sohn gesagt habe, daß die« gut für die Zeitungsschreiber sei. Durch diese für Frauen hochpolitische Unterhaltung und durch die Scheltworte meiner Mutter fiel ich natürlich au» allen meine» Himmel», dachte aber nicht im Geringste« wetter darüber«ach, den« während die Frauen»och in der besten Unterhaltung begriffe« waren, nickte mir der Knappe de« im Vorderhäusche» wohnenden KiebSritter»') freundlich Sund— husch war ich zur Thür« draußen und half de» ursche» Vesperbrod verzehre». Seit dieser Zett aber bin ich über die Bedeutung der Preßfteiheit sehr gut belehrt worden, indem ich durch Geldstraf« und einige Monate Ge» fängniß Zeit und Gelegenhett fand, über diese» ominöse Wort, da» mft in meiner Kindheit schon einmal Kopf« zerbreche« gemacht, nachdenke« zu können. Eine« Tage», einige Zett bevor unser Nachbar ein so kurzlebige« Ministerdasei» anttat, e« war schon Herbst, gab e« für ua» Kinder ei» Ereigniß. Im Vorderhäuschen war eine Wohnung leer geworden, und wir hatten gehört, daß„fremde" Leute, d.h. Leute von„weither" da« Quartier beziehe» würde«. Wir Kinder waren auf diese„fremden Leute" nicht wenig gespannt. Der Tag de» Einzüge« de, Leute war endlich«schiene». Eine» Morgen», al« wtt die *) Spitzname für den Setter. NachttagSzoll eingehoben. Mithin stellt fich der Preis für eine Decke, deren wirtlicher Werth von Sachverständigen auf etwa 2'/, M. geschätzt wird, auf nahezu 9 M- Die taudeSpolizerltche Verfügung, auf Grund deren der„Arbetter-BeztrkSoerein für den Osten Berlins" verboten wurde, hat folgenden Wortlaut: LandeSvolizttliche Verfügung. Der im Jahre 1884 begründete Arbeiter. Bezirks verein für den Osten Berlins bat seit seiner Begründung bti zur Gegen. wart in zahlreichen Ver ammlungen eine rege Thätigkeit ent« wickelt, welche fich ali entjchtedene Ver'olgung jozialvernokratt» scher Jntereffen charatterifirt. In der VereinSoersammlung vom 25. Aurust v. IS ist auch von dem Vorfitzenden auS- drückirch erklärt worden, der Verein huldige sozialdemokratischen Ten derben. Edenio st�d in zahlreichen Vereinlversammlungen die im § 1 dcS ReichSgesitzeS vom 21 Oktober 1878 bezeichneten Bestrebungen in offenkundigster Weise zu Tage getreten, indem bekannte Sozialdemokraten in agitatorischer Weise sozialistische Lehren vorgetragen haben, so daß die Auflösung der Ver« sammlungen auf Grund de«§ 9 de» Gesetze« vom 21. Oktober 1878 zu wiederhotten Malen erfolgen mußte. Die Schürung de« KlaffenhaffeS und die Aufteizung der Arbeiter gegen die bifiyenden Bcvölkerungtklaffen zieht fich durch die meisten Reden in den Vereintversammlungen hin» durch. Endlich läßt die Betheiligung de« Ardeiter-Bezirks» verein» für den Osten Berlins aa den Ausflügen nach G'ünau und Köpenick zur Feier det TodeStageS Laffalle'S in den Jahren 1884 und 1885 in Andetrawt der bei diesen Gelegenheiten ftattgefundenen Demonstrationen keinen Zweifel darüber, daß der Albert er-BezirkSver-in für den Osten Berlin« als ein Verein anzusehen ist, in welchem sozialdemokratische auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung ge« richtete Bestrebungen in einer den öffenttichen Frieden, in«- besondere die Eintracht der BevölkerungSklaffen gefährdenden Weise zu Tage treten. Auf Grund der§§ 1 und 6 deS ReichSgesetzeS gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird daher der gedachte Verein verboten. Der Polizei-Präfident. v. Richthofen. Haussuchung. Am 17. d. M- wurde bei dem Zigarren- Händler M. Äcyer, Koppcnstr. 66, wahrscheinlich im Anschluß an da» Verbot der beiden Arbeiter- Bezirksvereine eine Polizei- liche Haussuchung abgehalten. Et wurden ein Stempel d«S Ardeiter. BeztrkSoeretn für den Osten Berlins und 13 ver« schieden« Nummern de«„Sozialdemokrat" in Verwahrung ge- nommen. I« Betreff der KabrikS- Krankenkasse« herrscht in hiefigen Ardetterkreisen, wie wir un« vielfach zu überzeugen Beleaenheit hatten, noch mancherlei Unklarheit über die Rechte und Pflichten, sowie überhaupt über den Werth und die Sicher- heit dieser nach dem neuen Ardeiter-Krankenoerficherung»gesetz anerkannten Art von Arbeiterkrankenkaffen. Zunächst ist That- fache, daß sämmtliche Verpflichtungen dieser Fabrikstassen in keinerlei Abhänaigkeilsverhättniß vom FadrikSdetriebe stehen. Selbst für den Fall einer auf längere Zeit hinau» den Fabrik«- betrieb unterbrechenden resp. unmöglich machenden Zerstörung der Fabrik durch FeueiSbrunst werden die Verflichtungen ihrer Krankentaffe nicht hinfällig, d. h. so lange eben die Mittel zur Erfüllung derselben laut Kaffenbestand diip nibel find. Erst wenn e» in diiser Hinficht heißen muß:„Wo du nicht bist, Herr Organist, da schweigen alle Flöten", ist e« auch um die Ansprüche der armen Verstcherten geschehen und fie haben da« Nachsehen. An dieser verhängnißvollen Klippe ist eben schon so manche Fabrik» krankenkaffe geicheitert. D-Shalb kann jeder gegen Krankheit verfichirte Arbeiter von Glück sagen, wenn er nicht Mitglied einer örtlichen kleinen Krankenkaffe, sondern einer nationalen, zentralistrten großen, freien HtlfSkaffe ist, deren Geschäftsbetrieb dem verstcherten Lohnarbeiter alle Garantien bietet, die früher resp. vor dem Bestehen de« Hilf», lassen- uad neuen A'beiter-KrankenverficherungSgesetzeS nur für die pib legirten, gut fituitten, herrschenden GesellschaftStlaffen auf dem Gebiete der F-uer- und anderweitigen Assekuranz durch leistu-fttfähige, auf Grund großkapitalistische: Finanzirung alle Sicherheit gewäh leistende Äffekuranzinftitute vorhanden und nur den„cd-ren Zehntausend" allein zugänglich waren. von dem Stadtverordnete« Hrn. Herold erhalten wir mit der Bttte um Aufnahme folgendes Schreiben:„Auf den in Rc. 164 der„Staat» dgr- Ztg." vorn 17. Juli enthaltenen, meine Person betreffenden Artikel sehe ich mich veranlaßt, folgendes zu erwidern. Am 29. Jani d. I. vergnügte ich mich mit mehreren Freunden in einem Gartenlokal mit Kegel- spielen. Von dort au»«ngagirten wir den Kutscher Klose mit seinem Gefährt zu einer Tour nach der Hasenhaide, weil einer der Theilnehmer einen schlimmen Fuß hatte. Der Preis wurde in Zeugengegenwart mit 4 M. vereinbart. Al» die Rückfahrt angetreten werden sollte, wurde der Vorschlag laut, daß der Kutscher un» Alle bii vor meine Wohnung fahren sollte, wo- für dersrlbe 5 Mark verlangte, womit wir un» auch einver- standen erklärten. Bor meiner Wohnung angelangt, forderte der Droschkenführer plötzlich 6 M., die zu entrichten wir un« natürlich fast endlose« Wagevreihen, schwer und hoch mit Weinfässer» belade» und mit sechs bi« acht Pferden bespannt, an unsere« Augen vorbeipasfirea ließen, hielt auch vor unserer Hofthür ein Wage« mit Möbeln beladen. Unsere Aufmerksamkeit, die sonst bei solche» WeintranSporte»— Eisenbahnen gab e««och wenig— ans die in weiße wollene Decken gehüllten Kutscher gerichtet war, lenkte fich natürlich dem wtt Möbel» belade««« Wagen zu und wtt machten un« auch sofort bei dem Einzug« insofern nützlich, al« wtt kleinere Wirthschaft». gegenstände, über deren Gewicht wtt uns aber nicht selten täuschte»,»ach der leerstehenden Wohnung ttugen. Herr und Frau CaSpari— so hießen die»eueinziehen« de» Leute— und deren vielleicht löjährige Tochter hatte» ihre Freude an unserer emfigen Geschäftigkeit. Freilich, an diesem Morgen war et schon ordentlich herbstlich ftisch und da»tt, so lange e« Halbweg» ging, barfuß gehen mußte«, berührten wtt beim Gehen so wenig wie möglich den Erd» boden, und halb ttippelnd, halb hüpfend, halfen wtt de» für un» Kinder schon jetzt nicht mehr„fremden Leuten" ihre« Einzug bewerkstellige«. Von diesem erste» Tage an war ich oft und viel bei der„Tante" CaSpari und bei„Tante" Lenchen, so nannte» wtt nämlich Fcau und Helene CaSpari von nun an. Auch „Onkel" CaSpari war immer fteundlich und gut zu ua». Und so kam e«, daß ich für die beiden Frauen der„Schickt tanz"(Bore) für manche kleine» Besorgungen wurde Da« Zahr 1848 wtt seine» Katzenmusiken kam heran und ging vorüber. Helene CaSpari aber wurde größer und war. wie alle Frauen, jung und alt. im Hause sagten, ein sehr schöne« Mävche« geworden. Z» ihre» schöne» großen blaue« Auge», sowie ihrem volle« und doch schlanken Wuchs ähnelte fie ihrem Vater, der aroß und stark war, und au« dessen immer »och schönen, bartlose» Geficht, ein paar blaue, mildblickende ?ugen.uf un« Kinder herniedersahe«. Z, ihm Kleidung. die schlicht, aber stet« sauber und man könnt« beinahe sagen »legant war und in ihrem immer munteren und gel weigerten, da wtt vorher den bestimmtenP reiS auSbedungen bat!» ES entstand nun allerdings ein Wortwechsel, der aber keim» weg» durch mich, sondern einzig und allein durch den Drolchk» fühtet hervorgerufen wurde. Ich habe dm Mann alleidiG berührt, jedoch nur in der Abstcht, ihn zu beruhigen. Ich«a auch»ich! vom Wächter auf die Polizeiwache„gebracht" v» den, sondern habe mich mit dem Droschkenführer freiaM dorthin begeben, um meine Personalien seststellm zu laß« damit wir eventuell später die Sache vor Gericht zum AuStot bringen konnten. Merkwürdiger Weise ist nun die„SltdA Ztg." in der Lage, ihren L-scrn berichten zu können, daß 0 bereit« am Donnerstag voriger Woche ein polizeiliche« ElMJ rnandat von 15 Mari erhalten habe, während mir dasselbe ci> am Sonntag, den 18. d. Ms. Morgen«, übermittelt worda ist. Im Uedrigeir bin ich nunmehr keineswegs gewillt, M Sache auf fich beruhen zu lassen,— ich werde in Bezuz f da» polizeiliche Strafmandat richterliche Entscheidung omuffj und gegen den Droschkenführer wegen Ueberschreitung seien Tarifs ebenfalls vorgehen. August Herold." Die Auslösung der letzte« Versammlung de« BereiA für Rechtsschutz«ud Justtzresorm, gegen welche seitens«« Vorstand» Beschwerde geführt worden, ist durch Bescheid W Herrn Polizei Präsidenten v. Richthofen vorn 16. d. M j® gerechtfertigt erachlet worden. Da deS qu. Schriftstück aucd? wettere Kreise von Interesse sein dürtte, drucken wir dasse» im Wortlaut ad:„Berlin, 16. Juli 1886. Euer WohlgedoS eröffne ich auf die Beschwerde, detreffend die Auslösung M Versammlung de« Verein« für Rechtsschutz und Justiz'eformvo» 1. d. M. auf Grund de»§ 9 des ReichSgesetzeS vorn 21. Olto* 1878 ergebenst, daß ich nicht in dir Lage bin, die AuflSsool der vorgevachten Versammlung für ungerechtfertigt zu erklare» da in dem Auftreten de» sozialdemokratischen Reichstag»««' ordnetm Kayser ali Redner mit Rückficht auf deffm biShenS agitatorische Thätigkeit daS Zutagetreten von verbotenen v# strebungen, wie sie im§ 9 de» ReichSgesetzeS vom 21. Osto* 1878 naher charatterifirt find, zu erblickm ist. Der PolrsS Prästvmt v. Richthofen. An den ersten Vors. p. p. W Rechtianwalt Kauffrnann."— In Gemäßheit eine» bemj früher gefaßten Besch luffe» wird der Vorstand gegen diel» Bescheid die weitere Beschwerde bei dem Minister d«S Im"* v. Puttkamer einlegen. Ueber die Landung eine» vorgestern in Berlin aw stiegenen Ballon« der Luftschiffer-Abtheilung de« EisenbA regimente» wird dem„Pos. Tabl." auS Bentschen, 16. 9* geschrieben: Heute Mittag Vil Uhr ging über unsere Stobt» einer Höhe von etwa 3500 Meter ein Luftballon HW Alle« glaubte, daß die» ein Ballon gewesm sei, wie lg gewöhnlich zum Scherz abgelaffm werben, und eine Sg Kinder verfolgte ihn, da er hinter der Stadt sehr schnelll fallen begann. Um so grüßer war daS Erstaunen, olli vermeintliche Spielzeug zwei Mmschm mit fich führte, aA auf dem ChroSnltz.Wetdenvorwerker Terrain Anker warfen� dem Korbe, in welchem fie fich befanden, entstiegen. ES der Lieutenant Freiherr von Haagen und Unteroffizier»2 von der Luftschiffer-Ldtheilung aui Berlin; dieselben% seit früb 4V« Uhr Berlin mit dem Ballon verlassen un» gegen 12-/« Uhr glücklich, wenn auch mtt einigen Scha leiten, gelandet. Der ausgeworfene Anker hatte nämlich gut gefaßt, die beiden Herren konnten den Ballon allein halten, weshalb fie die in der Nähe befindlichen Feldas zur Hilfe riefen. Diese liefm in Furcht und Befiürzung 1-� fie wurden aber von einem ehernaligm Artilleristen» welche» Belagerung von Paris im Jahre 1870—71 mitgemacht, Anderen belehrt, und mit Hilfe dieser Leute wurde der geborgen. Für die Befitzer vo« Goldfische« ist eine Beodac�Z interessant, die kürilich in einer hiefigen Familie gemacht wv den ist. Zum Geburtstage eine» Mitglieve» der Famtlif.,� kam diese« ein GlaSbasstn mit zwei Fischchen ,u� und die munterm Thierchen bekamen ihren Plap dWfUJ einem Spiegel. Schon am nächsten Tage war eine» dertW chen todt; ein neue» wurde gekaust, aber auch die» und � andere ging nach kurzer Zeit ein. Man schimpfte weidii«. den betrügerischen Fischhändler, der Schuld an der, wie man. nahm, kranken Beschaffenh-ir der Fische hoben sollte und. trotzdem al» gesund verkaufte. Neue Fische wurden von andern Händler bezogen, auch fie erlitten nach kurzer Zeu� Schicksal ihrer Vorgänger. Auf» Höchst« überrascht dui» u beständigen Mißerfolge, stellte man nun in der Famiii* � den nächsten Fischen aufmerksame Beobachtungen an unv� mertte denn auch bald, daß die Fische beständig nach der Spiegel zugekehrten Seite des BasstnS schwammen und L oft mit ziemlicher Heftigkeit gegen die GlaSwand de«»o anstießen. Die Sache ist als» nur so erklärlich, daß die Thier« ihr Bild im Spiegel erdlicktm und in dem LeWZ bort lu andern sticken m fttlanotn. fnrtftei'cfci mit vvauMV« MI»V wv*»»VHVIS VSltVVII.- fiF für viele Familien, in denen solche Goldfischchm gehalten� den, von Interesse sein, dmn man hört oft Klag- über lich betrügerisch« Manipulationen der Goldfischhändler,. man fich da» schnelle Absterben der Thiere nicht erttären' _____________*"3 der„Tante" CaSpari stet» sauber und mtt Tardioe«.� weiße» Sopha- und Polsterstuhlbezügea gesch®., Wohnung. Die Fcau trug fie!« ei» saubere« Häubchen und erzählte mtt oft vo« ihrem früh oerfior� Eöhnchm Herrmaa», sobald fie aber darauf zu 1P£5 kam, wurde ihr« Stimme»eich, und wenn Helme zu- � war,»ußte sie der Mutter Gespräch auf andere G«ge»P p zu bringe».„Onkel" CaSpari aber»urde bei folge*, legenheiten oft böse und verbat sich da«„Teheuie< dadurch nicht« gebessert würde. u Eine» Tage« gegen Abend ttaf ich„Tante" Rrft fiivx«rts»£r*TVi*4 Ktfl 4» u al« fich kurz vor unserem Hause ei« Soldat, ei* offizier— so viel milttärisch« Kenntnisse hatte ich 1J Zeit schon, um da« unterscheiden zu können— JJLjß verabschiedete. Einige Tage darauf sah mich � Soldat auf der Sttaße, winkte mich zu fich übergab mir einen Brief, de» ich aber Fräulein Hele*'� bemerkt abgeben solle. Diesen Auftrag desorgte ich% Solche Aufträge bekam ich dann öfter vo» eben � Soldaten, und that mtt ordentlich etwa« zu Gute, w«* j der„Tante Lenchen" eine« solchen geheimm«uftr« Z zurichie» hatte. Freilich wußte ich zu jmer Zeit*�.a# daß ich er» Amorsbote gewordm. Auch plauderte. niemanden darüber, d, ich ja so wie so viel bei Ccrtpari verkehrte, der Soldat aber meine fo»NL> schwregenheit»och jedesmal mit einigen KupftM einer Düte Bonbon oder Kirsche», je»ach der 2 � erkaufte. ,/ So geschah e« auch eine« Sonntag« Nachm'l�, j» denr die Ackerbürger der Vorstadt ihre* Ern«-' .Schützenkönig» abhielte«. � Wir Kinder, namentlich wir Zungen«, ffj Grabe« zu breit und kein Zaun zu � halten un« an dem Sonntag Bormtttage f auch auf dem GeHöste pünklich eiogefu»°e üüÄ< dem de, Erntekranz geputzt und hergerichtet Wtt zeigte» un« auch hier dienstwillig, um fehle*»" und Blumen, die da und dort immer«och»7 � Erntekranz befestigt wurde», herbeizuholen. Das" V Jedenfalls soll man vermeiden Goldfische vor einen Epiegel zu stellen. vor einige» Tagen wurde von einer hiesigen EngroS- strma der Lehrling, ein achtzehnjähriger junger Mensch, mit einem lleinen Geldbeträge fortgeschickt, um etwai einzulaufen. AlS derselbe jedoch mehrere Tage lang ausblieb, und der Prinzipal zu den Eltern des Vermißten schickte, erfuhr er hier, wie man unS mitttheill, den Grund deS Ausbleibens. Der Lehrling war wegen eines EittlichleitSverdrechenS, welches er an einem zwölfjährigen Mädchen begangen, von der kriminal« Polizei verhaftet worden. Eine nnstnnige Wette ist vor einigen Tagen zum Aus- trag gebracht worden. Ein Handelsmann verzehrte auf Grund einer Wette in dem Neuen Markthallen- Restaurant, Acker- straße 147, in kürzester Zeit 2Zj Pfd. gekochten Schinken resp. Pökel« fleisch mit Senf und dem dazu gehörigen Brod. Er gewann ein Achtel Bayrisch Bier, welches natürlich sofort ausgetrunken wurde. Nächste Woche will er Vi Schock Eier auf einem Sitz zu fich nehmen. Ein höchst rasfintrter Diebstahl mit auSgeseimter betrügerischer Manipulation wurde vorgestern in dem in der Alexanderstraße belegenen Juwelengeschäst von Elsaffer von einem unbekannten fetngelleideten Hochstadler zur Ausführung gebracht. Der betreffende Herr ersuchte den anwesenden In« bnöer dei Geschäfts, ihm behufi Ankaufs eines werthvollen BrtllantringS eine Kollektion zur Auswahl vorzulegen, und es wurde demselben, wie üblich, eine voll« Garnitur überr icht. Nach längerer Besichtigung erklärte der Fremde, daß er sich zum Kauf eineS der ihm vorgelegten Ringe nicht entschließen könne, da fie seinem Geschmacke nicht entsprächen» und reichte Herrn Elsaffer die vollbesetzte Kollektion zurück. Demselben kam e» dei einem Blick über die Ringe so vor, alS od sich einer mit einem Similistein darunter de« fände, und er überzeugte fich bei genauer Besichtigung von der Richtigkeit seines Verdachts. Der vermeintliche Käufer that zwar, als ihm die Elnschmuggelung deS unechten Ringe» vor» gehalten wurde, sehr entrüstet und drohte mit einer Beletvi« gungt klage, doch ließ fich Hrrc Elsaffer dadurch nicht abhalten, nach der Kriminalpolizei zu senden und den Fremden bis zum Erscheinen der Beamten in seinem Laden festzuhalten, v-lbst« verständlich mußte er fich einer V fita.ion unterziehen lassen, bei welcher noch ein zweiter Similiring vorgefunden wurde. Den echten Ring hat der Gauner in Gegenwart der Beamten und deS Personals verschluckt. Hoffentlich wird das W-rtb- stück inzwischen wieder zu Tage gefördert worden sein. _.�«'wdzwanzig Pferde verbrannt. Da, HofspedstionS. Geschäft von F. A. Fischer hat wegen umfangreicher baulicher Veranderungm auf seinem Grundstück Prenzlauerstraße 23/24 den GeschaflSbetrieb vorübergehend nach GreifSwalverstr. 59/60 verlegt und dort auch den Pfervebestand untergebracht. In dem Pferdestalle brach am Sonntag Abend aus bisher nicht ermittelter Ursach« Feuer auS. Obgleich ein Wächter auf dem Grundstück stationirt ist, so wurde daffelbe doch erst wahrge« nommen, alS eS fich dereit» über daS gesammte Stallinnere, lowte auch über da» im Dachgeschoß befindliche wohlgesüllte Fouragelager verbreitet hatte. Wie es heißt, soll der Wächter, anstatt sein«, Dienst zu versehen, geschlafen haben. Die Folge d« späten Entdeckung war, daß 21 Pferde, sämmtltch äußerst werthoolle Thier«, an ihren Krivpen elendiglich umkamen, nur 2 Pferde konnten noch mit knapper Roth dem Flammentode entriffen werden. Die Feuerwehr wurde um 10 Uhr alarmirt; fie kam erst an, als eS nichts mehr zu retten gab. Arbeit gab cS für fie trotzdem noch die Hülle und Fülle, denn durch da» in einen mächtigen Flammenhaufen verwandelte StallgedSude wurden die benachbarten, sehr beträchtliche Werthe an Güiern enthaltenden Remisen äußerst gefährdet. Eine schnelle Nieder« llegung deS BrandeS war dethalb dringend geboten und mit aller möglichen Energie eröffnete die Feuerwehr den Angriff. Derselbe wurde mit einer Dampsspritze und zwei Handdruck- spritzen durchgeführt; da» Ergebniß bestand in der vollständigen Erhaltung der bedrohten Remisen, so daß wenigsten» nach dieser Richtung hin Verluste nicht zu dellagen find. Da» Stall- gebSude war inzwischen zusammengebrochen, nachdem durch die furchtbare Gluth die Kadaver der umgekommenen Pferde fast vollständig zu Asche gebrannt. Die Thtere waren äußerst mäßig oerstchert. Von dm Gütem ist nichts verbrannt, so daß das betreffende Geschäft keine Störung erleidet. Markthallen«Bericht von I. Sandmann, städtischem VerkaufSvermittler, Berlin, Zentral- Markthalle, dm 19. Juli. WUd und Geflügel. ES kosten Rebe 60-75 Pf.. Hirsche 40-50 Pf.. Wildschwein 40- 50 Pf. p. Pfd., wilde Enten 0,80—1,50, vekasfinm 30—70 Pf., junge Gänse 3,00 bi» 4,50 M., junge Enten 1—1,50 M., junge Hühner 0,90 bi» 2,00, Tauben 30—45 Pf. per Stück, Poularden 4,o0 bis 7 M. alte Hühner 1,00-1,40 M. Butter. Die ge« ringe Zufuhr feinster Mecklenburger und feinster Ostpreußtscher Butter verursachte, vereint mtt dm günstigen Berichten au» Hamburg, London und Kopenhagen, eine Preissteigerung, die fich j-doch nicht aus die in großen Posten zuzeführten gertn« grren Qualitäten erstrickte. Die Preise stellen stch für frische seinsteOst- u. Westpreußtiche 100 bi» 108%., feineGutsbutter 1. 95 bi» 100-105, U. 85-90, Iii 80-85. Landbutler i 75 dt» wir natürlich von der Hausstau auch unser Stück Ernte« kuchen und für un« Kinder war da» bei dem ganzen Ernte« feste eigentlich die Hauptjache. Bei dieser Gelegenheit war mir aber nicht entgangen, daß die jungen Bmschen und Mädchen, die al» Knechte und Mägde bei den Ackerbürgern dienten, außergewöhnlich aufgeregt warm und Smsehaltm und Knüppelschwingm übten. Ich glaubte, daß die» mit dm bei den Erntefesten sonst üblich gewesenen Volksbelustigungen zusammenhing, und freute mich schon auf da» Ernte» fest, bei dem die Kinder auS der halben Vorstadt gewöhnlich die ungeladenen aber dankbaren Zuschauer waren. Am Nachmittag« deffelbm Tage« war ich nicht wenig betroffm, al« ich von meinen Eltern und Nachbarsleuten «indringlich vermahnt wurde, nicht in dm„Schützenkönig" zu gehen. Kinder, so hieß es, dürfen diesmal dem Ernte« fest nicht beiwohnen. Auch sollten wir Kinder un» nicht unnöthig auf der Straße herumtreibm, da wir zu leicht überfahrm werden könnten. Auf unfern Einwurf, daß de» Sonntag» gar kein Fuhrwerk auf der Straße verkehre, wurde un«.schlagend nachgewiesen, daß da* doch der Fall sei. Nie war da» Hofthor so wie an dem Tage von dm Frauen de» Hause» mit mütterlicherer Vorsorge bewacht worden. Nur unter Aufsicht de« Mütter durftm wir Kinder un« dm Auszug de» Erntekränze, nach dem.Schützenkönig" »an der Wette ansehen, dann aber mußten wir unweigerlich die Straße verlaffen. Nachdem wtt Kinder un» nach Kinderart dm Erntekranz,«tt dem daran hängendm Hahnschlagm und Sackhüpfen au» dem »topfe geschlagen und unseren Spielm h'ngegebm hatten, einige Stundm darüber vergangen sein mochten, tönte p'öhuch ein wilde» KriegSgeschrei an unser Ohr. Die» Z°tm und uns nach dem Thorweg stürzen, um auf die «traße zu gelangen, war ein». Aber am Thor« angelangt fanden wir dasselbe verschlossen und konnten nur zwischen den Holzstaketm desselben hindurch sehe«. Das wilde Geschrei »rang immer näher und bald sahen wir, so breit die Straße ****- Soldatm mtt blank gezogenem Säbel drei Reihm dicht aneinander einherstürmm. ffitner oder zwei konnten sich nicht v«fagm, an dem Thorweg zu rütteln, vielleicht um Schutz Kit 80, n. 65-76 M. Galizische und andere geringste Sorten 55-66 M. p. 50 Kilo.- Käse. Die Nachfrage nach imitirtem Schwei, erkäse. sowie nach Quadrat-Backsteinkäse besserer Quali- tät war eine andauernde, während echter Schweizer unbeachtet blieb. L echter E-nmenthaler 78-83, tmitirtrr L 50-60, n. 40 bi« 45 M.; echter Holländer 58-75 Mark; rheinischer 43—60 M.; Ouadrat'Lacksteintäse L 18—23, n. 12—18%.; Limburger 30—38 und 18-25 M, echter Neufchateller 4,50 p. 20 Stück, Ramadour in Staniol 46%., in Pergament 36 M. pr. Ztr. Camembert 5.00—8.50 pr. Dtzd.— Ei«, 20 bis 30 Pf. per Pfund, Kohlrabi 50—75 Pf. per Schock, 35 Pf. per Pfund, Zwiebeln 4,50-5 M. per Ztr.— Geräu- Polizei-Bertcht. Am 16. d. M, Nachmittags, wurde in der Prenzlauer Allee ein Knabe durch einen von dem Re- fiel der mit dem Reinigen der Freitreppe de» Deutschen Dom» auf dem Ger.darmenmarkt beschäftigte Arbeiter Rettig von der Treppenwange auf daS Steinpflaster und erlitt dadurch so schwere Verletzungen am Kopfe, daß er nach Anlegung eineS NothoerbandeS auf der nächsten Polizeiwache mittelst Droschke nach der Charttee gebracht werden mußte.— Zu derselben Zelt starb plötzlich der mit seinen Estern im Asyl für obdachlose Familien untergebrachte Sohn des Buchdruckers Hering. Die Leiche wurde behufs Ermittelung der Todesursache in daS Leich-nschauhaui gebracht.- An demselben Tage, Nachmittag», wurde in der Pantstraße der Arbeiter«läse durch einen von dem Kutscher Mohr, Gartenstr. 114, ungeschickt gelenkten Ar« beitswagen am rechten Fuß verletzt; in der Großen Hamburger« straße wurde ein Knabe von einem ArdeitSsuhrwerk, dessen Führung einem jungen Burschen überlassen worden war, überfahrm und an der rechten Hand und an beiden Unterschenkeln schwer verletzt.— Zu derselben Zeit siel auf dem Neubau Lübeckerstraße 11 der Steinträger Harenberg in Folge Fehltretens von der Letter und erlitt dadurch eine Verstauchung des Rückgrats, so daß er mittelst Trage- korbt nach dem stadtischen Krankenhaus in Moabit gebracht werden mußte.— An demselben Tage, Abends, wurdm eine fett längerer Zett an Melancholie leidende Frau in ihrer Woh- nung in der Templtnerstraße, am 18. d. M. früh ein Ardeiter in einer Kegelbahn in der Blücherstraße und ein unbekannter, dm besseren Ständen angehöriger Mann an einem Baum in der Nähe de» Pionier- UedungSplatzeS erhängt aufgefunden. Die Leichen wurden in das LeichenschauhauS gebracht.— Am 18. d. Mt»., Vo. mittags, brannte in der Pappel-Allee in der Nähe der Verbindungsbahn eins Windmühle nieder. Wahr« fcheinlich ist daS Feuer von in der Nähe stch herumtreibendem Gestnoel angelegt worden.— Zu derselben Zeit machte ein« in der Großen Fcankfurterstraß« wohnende Frau den Versuch. fich durch Genuß von Brennspiritus zu tövtcn. Sie mußte nach dem städtischen Krankenhau« im Fiiedrichshain gebracht werden.— An demselben Tage, Abend« nach 10 Uhr, brach in der in der GreifSwalverstraße 59/60 belegenen Hartgummi- Fabrik von Magnus Feuer auS, durch welches ein neben dem Fabrikgebäude belegener Stall, in welchem fich 21 Pferde befanden. völlig ze. stört wurde. Von den Pferden konntm nur zwei gerettet werden, die andern verbrannten. Dt« Feuerwehr war mehrere Stunden angestrengt thätig. Gerichts- Zeitung. Eine für alle Krankenkassen wichtige Frage. Am 2. November vorigen Jahres verschied durch Selbstmord, an dm Folgen einer Phosphorverglftung, die Frau de» HauShäl- terS R. in Breslau. Die Verstorbene war seit dem 25. Fe« bruar voriaen Jahres Mitglied der„Kranken- und Sterbekaffs für Haushalter(eingeschriebene HilfSkasse) gewesen und die Betträge waren von ihr bis Ende Oktober pünktlich bezahlt worden. R., gleichfalls Mitglied der genannten Kasse, bestritt die Kosten des Begräbnisses seiner Fi au und begehrte dann unter Einreichung deS TodtmscheineS von der Kasse da« üb- liche Krankengeld von 45 M. Die Kasse verweigerte jedoch die Zahlung mtt der Begründung, daß fie dazu nicht ver- pflichtet ist, weil die Verstorben« durch Selbstmord ihren Tod gefunden. R., dem da« nicht einleuchten wollte, wurde hierauf dei dem Amtsgericht gegen die Kasse auf Zahlung der er» wähnten Summe klagbar. Zur Rechtfertigung der Forderung berief er, beziehungsweise sein Vertreter, fich auf die§§ 10, 16 und 21 der Statuten der Kasse. Der erstge« nannte Paragraph stcherl jeoem Mugtüde a) Kranken« zu suchen und fich zu retten. Denn hinter den Soldaten stürmten vielleicht eben so viele Leute, die knechte der Acker« bürgec und Arbeiter aus den Fabriken mtt Sensen, Knüppeln, Wagenrungen und— Säbeln, die fie den Soldaten entrungen und hieben unaufhörlich auf dieselben ein. ES waren dies die Mannschaften zweier oberschlesischer Regimenter, die in B. wegen ihre« Verhaltens während de» JahreS 1848 in keinem guten Andenken standen. Mancher von ihnen verlor bei dieser Schlägerei vvlxo Schlacht, die fich im„Schützenkönig" entwickelt hatte, einen Arm, Hand u. s. w. oder büßte gar sein Lebe» ein. Als die Soldaten vorüber und die„Sensenmänner" zurückgekehrt, konnten wir un» auf die Straße wage«. Kaum daß der Thorweg geöffnet war, sah ich denselben Soldaten, von dem ich so oft, sowie auch an demselben Tage, einen Auftrag an„Tante Helene" ausgerichtet, kurz vor unserem Hofe auf die Stadt zuschreiten. Er war nicht im.Schützenkönig" gewesen, da« war anscheinend kein Lokal, da« er zu besuchen pflegte, sondern er hatte auf einem nahen Spaziergange auf Helene vergeblich gewartet. Dicht vor unserem Hofe wurde er gepackt, zu Boden geworfen und so lange wurde von der wüthenden Menge auf ihm herumgeschlagen, bi» er seinen Geist auf dem Straßenpflaster aufgab. „Tante Helene" hatte den Vorgang vom offenen Fenster au» mtt angesehen. Wahrscheinlich hatten die jungen Leute ein Stelldichein durch meine Vermittlung verabredet, dem nachzukommen Helene durch den Verschluß de« Thorweg» außer Stande war. Al» ,ch in die Stube der CaSpari'schen Eheleute kam, waren eine Anzahl Frauen damtt beschädigt, Helene, die einer Ohnmacht erlegen, wieder in» Bewußisein zurückzubringen. Eine Woche später, am nächsten Sonntag, folgte ich und alle Hautbewohner dem Sarg« Helenen» nach dem Friedhofe. Nicht lange Zett darauf zogen die Ca«pari'schen Eheleute tief gebeugt nach ihrer früheren Hei« math im Elsaß. Da« aber war da» letzte Erntefest, da« im„Schützen« fönig" abgehalten wurde. Unterstützung, b) ein Sterbegeld nach Maßgabe dei§ 16 zu. Der letztere lautet:«Für den Todesfall eine» Mitgliedes ge« währt die Kasse den Hinterbliebenen ein Sterbegeld und zwar für die weiblichen Mitglieder von 45 M."§ 21 endlich sagt: „Das Sterbegeld für ein verstorbenes Mttgliev wird gegen Ein« lieferung d«S standesamtlichen TodtenscheineS denjenigen Hinter« bliebe««« desselben gezahlt, welche daS Begräbniß zu bewirken haben." Die Beklagte, dezw. deren Vertreter, machte dagegen geltend, daß nach§ 53 des Gesetze», detreffend die Kranken» verficherunz der Arbeiter, zur Entscheidung der streitigen Frage nicht da» Amtsgericht sondern die Ausfichtibehörde, im ge« gebenen Fall« der Magistrat zuständig sei. In dem ange» zogenen Paragraphen des KrankenverficherungsgesetzeS heißt es: „Streitigkeiten, welche zwischen den auf Grund dieses Gesetzes zu verstchernden Personen oder ihren Arbeitgebern einersetts und der Gemeinde- Krankenversicherung oder der O.tskrankenlasse anderseits über die Verpflichtung zur Leistung oder Einzahlung von Beiträgen oder über Unterstützung»« Ansprüche entstehen, werden von der Ausfichtibehörde entschieden. Gegen deren Entscheidung findet binnen zwei Wochen nach Zustellung der- selben die Berufung auf den Rechtsweg mittelst Erhebung der Klage statt. Die Entscheidung ist vorläufig vollstreckbar, soweit e» fich um Streitigkeiten handelt, welche Unterstützungsansprüche betreffen u. s. w." DaS Amtsgericht war der Anficht, daß dies« Bestimmung auf den vorliegenden Fall vollkommen zutreffe. ES erklärte fich deshalb für unzuständig und wie« den Kläger, ihm die Kosten de» Verfahren» zur Last legend, ab. Bei dieser Entscheidung hat fich R. vor der Hand beruhigt. Er hat fich nicht an die Aufstchtibehöide gewandt und zwar lediglich deS« halb, weil et die unvermeidlichen kosten scheut. Daß die Frage noch nicht zum Austrage kommen soll, ist jedoch im allgemei ien Jntereffe auf da» lebhafteste zu bedauern. Jedem Vorstande einer Kcankenkaffe und jedem Mitgliede einer solchen liegt daran, zu wissen, ob auch im Falle de» Selbstmordes daS Sterbegeld zu zahlen ist. ES wäre schade, wenn die Gelegenheit, diese prinzipielle Frage zum AuStrag zu bringen, ungenützt vorüber« ginge. Selbstmorde find ja glücklicherweise nicht so häufig, daß derselbe Klagegrund in Kürze wieder zu erwarten wäre. Viel« leicht findet stch Jemand, der R. behilflich ist, den Anspruch weiter zu verfolgen. Z« diplomatischen Unterhandlungen zwischen dem serbischen Gesanvten und dem Auswärtigen Amt einer- und diesem und dem preußischen Justizministerium andererseits, so- wie zu mehrfachen Untersuchungen hat ein an und für fich ganz harmloser Alt Veranlassung gegeben. In der bekannten Straf- fache gegen den Stellenvelmiltler Littmann hat d-r Ver« theidiger desselben Rechtsanwalt Dr. L ö w y auf Grund de» § 219 Abs. 1 der Strafprozeßordnung den hiefigen serbischen Besardten durch einen Gerichtsvollzieher zu dem vor ca. 14 Tagen anberaumt gewesenen Termin unmittelbar al* Zeugen laden lassen, und zwar mittel» gewöhnlichen Formular», in welchem u. A. die Strafandrohung im Falle unentschuldigten AuS» bleiben» enthalten ist. Die Zustellung erfolgte nicht durch die Post, sondern durch den Gerichtsvollzieher dirett. Hierüber war der Herr Gesandte höchst indignirt und reichte eine ge- hamischte Beschwerde bei dem Herrn Reichskanzler ein. Da» Auswärtige Amt entschuldigte stch in einem längeren Schreiben und sagte dem Gesandten eine sorgfältige Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen zu. DaS Gleiche geschah seitens deS Herrn JustizministerS. welchem die Beschwerde de» Gesandten zur weiteren Veranlassung zuging. Außerdem ordnete dir Minister die veranta-oitliche Vernehmung de» detreffenden Gerichtsvollziehers att und ersuchte die Aufstcht führenden Amts« lichter um entsprechende Jnstruirung der Gerichtsvollzieher. Der Gerichtsvollzieher ist bereits vor einigen Tagen vemommen worden und hat fich ausschließlich auf den vom Rechtsanwalt Dr. Löwy erhaltenen Auftrag um persönliche Zustellung einer Ladung gestützt. Der Inhalt diese» vom Rechtsanwalt de- glaubigt gewesenen Schriftstücks habe ihn, den Berichtsvoll« ziehr, gar nicht berührt. Rechtsanwalt Dr. Löwy steht event. gegen ihn zu richtenden Schritten ruhig entgegen, da er nur innerhalb seiner Funttion als Berthetdiger gehandelt hat. Die Exterritorialität de» Gesandten sei kein Hinderniß, denselben al» Zmgen zu laden, und stehe dem auch§ 18 des Gerichts« MSHUSSS-S hatte in der Ladung fortbleiben müssen. t Die vrillanttaubenaffaire de»„Berliner Tage» blattt gelangte gestern zum vierten Male vor das Gericht und hoffentlich auch zur endgiltioen Entscheidung. Die Be« rufung�instanz sollte darüber befinden, ob da» Urtheil deS Schöffengerichts vom 29. April d. I., welche« auf 14 Tage Haft gegen Dr. Max Wolff, der. Verfasser jenes„sensationellen" Artikels in Nr. 120 des„B. T." vom 7. Mär, d. I.. . und auf 3 Tage Haft gegen Sigismund Perl, den verantwortlichen Redakteur de» lokalen TbeileS jene« Blatte«, gelautet hatte, aufzuheben oder zu bestätigen fei. Die Vorgeschichte der Affaire ist bekannt; fie hat mehr Geräusch gemacht, al« ihre Wich« «gleit verdient; nur an die Hauptsachen möge erinnert werden. Im Stile eineS Hintertreppenroman» war von einem Diebstahl erzählt worden, den die Gattin eines„unserer höchsten Be« amten", eine anonyme Gräfin, an dem Brillantenschmuck einer Rivalin bei einem«alle degangen hätte. In den„höchsten" GesellschastSlreisen sollte der Vorfall fich zugetragen haben; wer will es da dem Staatsanwalt verdenken, wenn er ein« Gefährdung der Integrität jener Kreise befürchtend Anklage gegen den Verfasser und den Redakteur erhob. Der berühmte § 360 dei Strafgesetzbuches, der in feinem elften Absätze von ver Erregung ruhestörenden LärmS und von der Verübung groben Unfug» spricht, mußte den Boden für die Anllage abgeben. Allmälig wurde die Sache zu einer canas eslibre aufgebauscht: die juristischen Vertreter de»„B. T." traten den Beweis für dir Wahrheit der Angaben jene» Artikels an und konnten ihn— nicht führen; der Staatsanwalt zog seinerseits Artikel der ausländischen, besonder» der italienischen Preffe an. um die destruktive.„vaterlandSfeinliche" Wirkung solcher DiebstahlSgeschichten nachzuweisen, pikante Enthüllungen über gewiffe journalistische Schleichwege und a" wisse Geheimnisse de» Preßdureau» schienen sschtzzu bieten und schließlich wurde festgestellt, daß der Rechtsanwalt Hentig der Uequell des ganzen Unheils gewesen sei, der durch eine ssngtrt« in juristischen Kmsen zur Hebung juristischen Verstandes vorgebrachte Erzählung indirekt dem Reporter Wolff Gel-genheit gegeben hatte, 60 Mark— so hoch wurde der Brillantentaubenartikel Ibewerthct— zu verdienen. DaS Schöffengericht war der Anficht, daß alle Momente, die den Begriff deS groben Unfugs erschöpften, gegeben seien und erkannte wie oben erwähnt. Die Beruftinstanz gelangte zu einer anderen Entscheidung. Von der Vrrtheivigung waren der Justizrath Eisermann und der Rechtsanwalt Jakodsohn geladen worden. Beide bekundeten, daß im Januar od-w Februar d. I. der Rechtsanwalt Hentig in einer Gesellscha't von Juristen, die nach einer Sitzung des Vereins Berliner Rechtsanwälte fich noch nach dem Lövenbräu de« geben hatte, die Brillanttaudengeschtchte mtt allen Details und so lebhast erzählt habe, daß dl« Zu- Hörer in den Glauben versetzt wurden, er erzähle etwa» Aktuelle» und Wirkliche», bei vrm er selber um Rath ange« _....--- wurde nicht allein hätten, alS fie im Vertrauen auf die Glauwürdiqkeit dei Recht»- anwaltS Hentig den Artikel verfaßten und veröffentlichten. Auf diesen Umstand machte besonders der Vertheidiger de» Dr. Wolff, Rechtsanwalt Dr. Stram. in feinem Plaidcy-r aufmerksam, da» fich durch scharfe juristische Aus« führungcn hervorhob.— Rechtsanwalt Michaelis stellte einen neuen Eventualantrag: die Vorladung bei Trafen Püikler, zum Beweise darüber. daß zur Zeit der Veröffentlichung des Artikels eine Kammerzofe. Namens Anna Böike(?). aus Berlin plötzlich virschwunden sei. Diese Beweisaufnahme wulde durch das UrtheU des Gerichts überflüssig, welches auf Frei- sprechung beider«ngeklaglen lautete. Der �chtlhof nahm an, daß weder der dolna erwiesen, noch eine Fahrlässigkeit de- gangen sei. Absolute Gewißheit sei von dem Reporter nicht ulaudwürdiaer Gewährsmann gelten müffen.— Mit dieser Freisprechung wird hoffentlich die Geschichte zu Ende sein. Das „Berliner„Tageblatt" kann die BrillanMude,„die glan, ende Urheberin so vielen Aufsehens" nunmehr befriedigt in sein großes Museum niederlegen, in dem eS alle die frühzeitigen Hundstagsmerkwürdigkeiten aufbewahrt, die es seinen 70000 Gläubigen bereit! vorgesetzt hat. P.«leine Ursachen- große Birkungen. Ein an fich geringfügiger Umstand führte den kaum 19 jährigen Metalldreher Paul Rostmann aus Charlottenburg in arge Un- annehmlichleiten. An einem GestellungStaae im Mär, d. F. war Rosemann mit dem Backergesellen Mosch im Hagefischen Restaurant lediglich auS dem einfachen Grunde w Streit ge- rathen, weil der letztere bekleidet mit seinem mehlbestaubten Arbeitsanzuge ihn, den Rosemann im Vorbeigehen mit dem Beide wieder aufeinander und nunmehr lreß fich Rosemann verleiten, zum Meffer zu greifen; er stach den Mosch hinterückS in das linke Echulterblatt.— Diese rasche That des Jähzorns führte den bis dahin unbescholtenen Rosemann ins Un» M; sein Gegner stellte gegen ihn den Strafantrag wegen schwerer Körperverletzung und es war bereits Anllage gegen ihn dieserhald erhoben. Nun aber hatte dieser Umstand den Rosemann zu einer höchst bedauerlichen kllutthat verlettet: in der Voraussetzung, daß er wegen der Mefferaffare in» Ge- fängr.iß wandern werde, versuchte er fich und seine lOiahnge Geliebte, die Arbeiterin Marie Fetzer. zu tödten, indem im Frühjahr d. I. er erst auf diese und demnächst auf sich selbst mit einem Revolver feuerte. Die Kugel traf da» Mädchen in die Backe: sie ist zwar geheilt aber durch eine Narbe zeitlebens entstellt. Rosemann, der von den selbst zugefügten Verlrvungm wieder hergestellt worden ist, ward wegen versuchten Mordes vor das Schwurgericht des Landgericht» n gestellt, und nachdem ihn die Geschworenen unter Annahme mU> dernder Umstände des versuchten Todtschlags für schuldig befunden, zu ein Jahr sechs Monaten Zuchthau» verurtheilt. Hiermit hatte aber die LiebeStragövte ihren Ab schluß noch nicht gefunden, denn gestern stand Rosemann vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts II, un sich zu verant- warten wegen der dem Bäckergesellen Mosch zugefügten Körper- Verletzung— der Ursache seines Leids. Die Fetzer, welche kotz de» auf ste begangenen Mordversuchs das LiedeSoerhältniß mit dem Angeklagten nicht gelöst, erschien im gestrigen Audienz- t rmin als Enllastungszeugin und versuchte durch ihre Aussage den Rosemann zu entlasten. Auf Grund der Beweisaufnahme erachtete jedoch der Gerichtshof den Rosemann der vorsätz- lichen Körperverletzung für schuldig und erkannte auf 2 Mo- nate Zuchthaus zusätzlich. Schiedsgerichtliche Entscheidungen. Der Arbeiter N. S. verletzte fich am 3. Oktober 1886 in der Stadtsäge zu Kempten dadurch, daß ihm durch die KreiZläge, welcher er zu nahe ge- kommen war, zwei Glieder de» Zeigefingers der rechten Hand abgeschnitten wurden. In Folge dieser Verletzung war S. bis »um 7. Dezember, allo im Ganzen 9 Wochen arbeitsunfähig. Vom 7. Dezember an war S. wieder in seiner früheren Eigen- schafi in der Stadtsäge beschästlat und bezieht seitdem auch seinen früheren Lohn.- Der Vorstand der bayrischen Hol,. indnstiie-Berufsgenoffenschaft erkannte deshalb eine Entschädi- aungspflicht der Genossenschaft für ganze oder theilweise Er- werbsunfähigkeit in Folge des Unfalls mit Bescheid vom 4. Jan. d. I. nicht an, gegen welchm Bescheid S. rechtzettig Be.ufung »um Schiedsgericht erhob. Letztere» wie» mittelst Erkenntniß vom 1. Mai d. I. die Berufung au» folgenden Gründen zurück:„Durch die Verhandlungen und die Allen hat das Gericht die Uederzeugung gewonnen, daß der B'rusMtäger zur liche Handarbeit verrichten, mit solchen Verletzungen behastet find wie S-, trotzdem aber doch ihre Arbeit ebenso gut verrichten könne», wie andere Aroeiter und deshalb auch gleichen Lohn beziehen, wie die andern. Es kann deshalb auch da» Vorbringen de» S„ daß ihm nur au» Humanität derselbe Lohn bezall werde, wie früher, keine Berücksichtigung finden, es war vielmehr, da auch nur thellwetse Erwerbsunfähigkeit de» S. nicht angenommen werden kann, dessen Berufung ab« zuweisen."— Sollte fich wirklich die Praxi» herausbilden, solche in oben genannter Weise verungliickie Ardeiter mit ihren Forderungen auf Entschädigung gänzlich abzuweisen, so wäre die» sehr bedauerlich, da doch stcher der Fall eintreten kann, daß der Verunglückte eines schönen Tage» von seinem Arbeit- geder entlassen wird und er dann vielleicht nicht wieder„ebenso einfache Arbeit" findet. vajcnajl VIS HVsvwii»»»"» vv» o— Zett in seiner Erwelbssahigleit durch die ihm widerfahrene Verletzung nicht deschränkt ist. da er unmittelbar nach etfol„'er Heilung mit gleichem Lohn wie vorher in dem nämlichen Be� triebe weiter beschäftigt worden ist und da überhaupt der Ver- tust eine» Finger» je nach der Beschäftigung nicht immer eine theilweise Erwerbsunfähigkeit begründet, denn Brdeiter, die bisher gewöhnliche Handarbeit getrieben haben, find bei kleineren Verletzungen nicht als theilweise erwerbsunfähig zu dettachten, sobald sie andere, ebenso einfache, wenn auch von ihrer diShecigen Beschäftigung abweichende Arbeit verrichten; ihreThätigUit als gewöhnlicher Handardeiter auch in ähnlichen Beschäftigungen fortsetzen können. Letztere» ist bei S. der Fall, da, wie die Erfahrung lehrt, nicht selten Arbeiter, die gewöhn- Uereine mifc Nersammwngen« Die Zentral-Kranken- und Cterbekasse der Maurer rc. (Grundstein zur Einigkeit) Berlin l. hielt am Sonntag, den 18. d. M., im„Salon zum deutschen Kaiser, Lothringerstr. 37, eine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Die von dem Kasfirer Blaurock verlesrne Abrechnung ergab eine Einnahme von 25 138 M. 97 Pf. Dem steht eine Ausgabe von 25 136 M. 52 Pf. entgegen; hiervon find an die Hauptkaffe 14800 M. gesandt worden, bleibt demnach ein Bestand von 2 M. 45 Pf. Die Abrechnung wurde von den Revisoren als richtig anerkannt und hierauf dem Kasfirer Decharge ertheil?. Alsdann schritt man zur Neuwahl des Vorstandes. Hierzu bemerkte Hcrr I, Dietrich, man möge von einem Wechsel des Vorstandes, namentlich des Bevollmächtigten und Kasfirer», Abstand nehmen, denn der fortwährende Wechsel dieser deidcn Beamten, nachdem ste fich kaum eingearbeitet haben, vermsache in der Verwaltung sehr viel Störung, darum ersuche er, den jetzigen Vorstand, namentlich den Bevollmächtigten und Kasfirer, wieder zu wählen. Herr Jänicke trat dieser Anficht entgegen, er meinte, die Mit- glieder de» Vorstandes sollten, wenn ihre Zeit um ist, da? Amt von selbst nicht wieder annehmen, damit fich auch andere Mit« glicder in Bezug auf die Kaffenverhältniffe ausbilden könnten. Herr Schulz widersprach diesen Ausführungen. Wiedergewählt wurden sodann die Herren Pfeiffer(Bevollmächtigter), Blau- rock(Kasfirer) und Krieg(Schriftführer). Zum 2. Bevollmäch- tigten wurde Herr Sprenger(bis jetzt 2. Kasfirer) gewählt. Zum 2. Kasfirer wurde Herr Kaufmann(bisheriger Revisor) und zum 2. Schriftführer Herr Breitzke gewählt. Ferner wur- den zu Revisoren gewähll die Herren Poppe, kastan und Schulz. Alsdann wurde noch die Ersatzwahl eines zweiten Ersatzmannes in Unfallangelegenheiten an Stelle des Herrn Bebrend vorge- nommen. Die Wahl fiel auf Herrn Käpernick. Die Herren Herm. Raschle, Gustav Raschle, Hohensee und Nordmann wurden als Kontroleure bei Versammlungen gewählt. Die Wahl von Krankenbesuchern wurde abgelehnt und dem Vorstand anHeim- gegeben, dieselben nach§ 26 des Statuts zu ernennen, damit auch diejenigen Mitglieder zur Krankenkontrole herangezogen werden welche nicht in die Versammlungen kommen. Zu„Verschiedenet" sprach Herr Bock den Wunsch au», in nächster Zeit eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu veranstalten mit der Tagesordnung:„Zur Klarstellung des UnfalloerstcherungSgesetzes", da verschiedene Mitglieder noch nicht wissen. wie fie sich bei etwaigen Unfällen zu verhalten ' rben; diesem Wunsche wurde zugestimmt und hierauf die ersammlung geschloffen. Gewerkschaft de« Metallarbeiter Berlins und Um- gegend. Den Mitgliedern, welche in der letzten Generalver- sammiung nicht anwesend waren, theilt der Vorstand mit. daß die Abänderung des§ 4 des Statuts in der von der Behörde gewünschten Form angenommen ist und die bisherige Fassung desselben§ außer Kraft tritt. Die Reiseunterstützung wird von den Kasfirern Lenzner, Weddingstraße 3, und Bzrdow, Man- teussclstraße 65, Abends 7—8 Uhr out dezahlt; auch werden dort die Beiträge entgegengenommen. Die Harmonikamacher verlins werden zu einer heute, Dienstag, Abends 8 Uhr. in Meisters Lokal. Schönhauser- Allee 161 stattfindenden öffentlichen Versammlung eingeladen. — Die Etnberufer erlassen folgenden Aufruf an die Harmonika- macher Berlin»: Kollegen, itrbeiter! Was schon lange vor- auszusehen war, wird eintieten; die traurigen Lohnverhältniffe unserer Berufegenossen zwingen uns, an Euch heranzutteien mit der Bitte, die zu Dunstag Abend einberufene Versamm- lung sämmtlicher Harmonikamacher Berlin» recht zahlreich zu besuchen. Wir bitten Euch, für weiteste Verbreitung dieser Em- ladung sorgen zu wollen. In dieser Vera-nmlung wollen wir uns derathen und Mittel und W ge suchen, um eine Ver- befferung unserer traurigen Lage herbeizuführen. Da» Komitee. verband deutscher Ztmmerleute, Lokaloerband Berlin Süd. Mittwoch, den 21. Juli. Abend« 81/» Uhr. im Lokal * Pfeifen-Rauchklub„vahia", Pücklerstr. 16 im JJ> staurant Herzog, jeden Dienstag und Freitag Abends 9W Kleine Mitttzeilmtge». Pr. Holland, 15. Juli. Der russtsche Unterthan Kiew» nermeister Katzenfuß, der bereits mehrere Jahre btestgcr A» wohner ist, wurde vor Jahr und Tag mtt seiner Familie» Landes verwiesen. Demselben gelang es zu wiederhol» Malen, von der königlichen Regierung Aufschub zu erhalt da» letzte Mal bi» zum 1. Juli c. Da Katzenfuß auch bis I diesem Termin das Land nicht verlassen hatte, so wurde i vor einigen Tagen festgenommen und mit seinen Kindnn du einen Transporteur nach Jllowo, an der russtschen Gr» gebracht und dort dem GrenzvolizeikommiffariuS übcrg« Die vorher gemachten Aeußeruagen de» Katzenfuß, daß erj seinen Kindern vielleicht früher in Pr. Holland zurück st? würde als der Transporteur, hat er, wie das„O. V" J» thellt, nur zum Theil verwirklicht, da er mit seinen Kivdw erst am Nachmittag des Dienstag hier eintraf, während Transporteur schon mit dem Morzenzuze nach Pr. Hw% zurückkehrte. Nachdem Katzenfuß die Kinder bei seiner lebe.-den Schwiegermutter wieder abgeliefert, hat er um» Ort verlassen; wohin er gegangen ist, ist«ficht ermit» worden. J Seehausen i. A., 12. Juli. Von einem schweren W glücksfall wurde der Uhrmacher Richer in Werben am 7. d.* betreffen. Derselbe hatte, um einige Revaraturen an der THZ uhr auszuführen, in Begleitung seines zwölfjährigen Sob» den Thurm bestiegen. Während nun der Vater mit der u» beschäftigt ist, tritt der Knabe an das Schallioch, wobei er B mit dem Oberkörper zu weit hinauideugte. Plötzlich verIP der Kleine dai Gleichgewicht und stürzt zum Entsetzen» Vaters den 60 Meter hohen Thurm hinab.-Der alhcw» herunter eilende Vater findet den Knaben als Lfiche vor;* Hirnschale war vollständig zertrümmert. Mailand, 15. Juli. Vom 1. Januar bis zum 30. 3g 1836 kamen in Mailand 104 Selbstmorde vor. Keine 6� Italiens weist eine solch schreckliche Zahl von SeidstaitfJJ auf. Die Roth unter einem Theil der arbeitt»! Klaffe ist eben sehr groß. Unter den 104 Selbstmörvern W 68 Arbeiter, 16 Handwerker, 11 Kaufleute, 8 Beamte n* 1 Lader. ._„.-----.iitglteder aufgenommen. 3 Ketzte Nachrichte». Das englische«abtuet kam am Sonnabend üb«- vor dem Zusaminentritt des Parlaments z u r ü ck z u t r e tn um nicht vie abtrünnigen Liberalen zu zwingen, stch mit Konservativen zu einem indirekten Mißtrauen» votum gei Regierung zu verbinden. Lord Gianville wird stch ins leben zurückziehen, Lord Rosebe-y die Führerschaft der L im Oderhause übernehmen. Von der Uederzeugunj drungen, daß ein Torykabinet, in welchem die abtrv-zz Liberalen nicht vertreten find, eine sehr schwierige&'''Z einnehmen würde, fitzen die To-yführer alle Hebel*&!, Hartington zu bewegen, mtt seinen Freunden in das � kadinet einzutreten. Et ist vorgeschlagen worden, den vj von Argyll zum Kabinett chef zu machen, unter dessen neuBj Führung Hartington und Saiiidmy in Harmonie zusa»� wirken könnten. M Schweilerische Miiitärkreise haben die ErrichtlftsS Alpentruppen für den Gebtrgskrieg ins Auge gefaßt. dieidetresss Versuche im Gange, nach deren Adsoloirun« unverzüglich die nöthigen Maßregeln zur Ausbildung Ausrüstung solcher Truppen ergriffen werden sollen.� u. A. in jever Division die 10- Zmtr.- Feldbatterien dri» Regiment 5 Zmtr.-Bergartillerie ersetzt werden dürften- Im vundesrathe wurden am SonemBenb fcu �. anträge über die Ausführung des Zuckersteuergests� wie dies vorauszusehen war. ohne Debatte angenommen die?.bstimmenten im Plenum fich ausschließlich aus den- gltedem der zustehenden Ausschüsse zusammensetzten-. übrigen Gegenstände der Tagesordnung, welche die zolla«� Behandlung von SchiffSdaumaterial deirafen, wurden zur Kennlniß genommen. Man tremfie stch in der Vor« erst in der zweiten Hälfte des Oktober die Arb-iten aufzunehmen. Ein- formelle Vertagung unterbleibt, wie* hört, in diesem Jahre auf höhere Anordnung. EiN<� rufung deS Lundesr.rihe« für den Fall außerordentlicher� gaben könnte also gegebenen Falles in jedem Augei#* folg-n. J Lübeck hat nunmehr eine staatliche elektrische anstatt. Di- Bürgerschaft dewilligte zu deren Anlage � Mark._ Briefkasten der Kedaktio».* ft. ft. Verllagen Sie den Fabrilanien bei der GrA Deputation des Magistrat», Breiteftr. 20a(Köllniicfee''S Haus). Sie müssen doit die Klageschrift in zwei einreichen. j Theater. Dienstag, den 20. Juli. Da» Paradies, Ge- von Leon Treptow und velle-Alltanee-Tbeater. fanasposse in 4 Akten vc 8. Herrmann. Ostend-Theater. Philippine Welser. tdsittsria- Theater. Amor. Tanz. Poem von «uigl M-nzottt. Wnihalla-Theater. Capricciosa. «roll'« Theater. Martha.__ - 10 A Passage 1 Tr. 9 M.- 1( Knincr-PnHoram 3« dieser Woche: Neu! Zum ersten Male: u. Reise durch die Pyrenäen. Die«nalelische sächsische Schwei». Hertha-Reise. Sarolineu-Inseln. «ne Reise 90 Pfg.«inver nur 10 Psg. Geueral-Vers ammluug der Ortskranken-Kasse der Böttcher Berlins am Mittwoch, den 28. Juli 1886, Abend« 8 Uhr. sa in Heise'« Kalo», Ltchtenbergerstraße 21. Tagesordnung: 1. Wahl für drei au»- scheidende Mitglieder. 2. Abrechnung. 3. Ver- schiedenes.— Sämmtiiche Delegirte werden zu eingeladen.— Um recht zahlreiches Er- « bittet(149 Der Vorstand. _ A. Seemann. vSnstige Gelegenheit: Umzugshalber find in meinem G-schäft feine schwarze und braune FUchüte, die 12 Mark ge- tostet, für den billigen Preis von[147 8 Parkt pr.»tück!! zu verkaufen. O. Frnnde, vnrgftr. 9. Schweizer Garten. Am Friedrichshain. Haltestelle der Ringbahn. Am KöifigSthor. Dienstag, den»V. Znii: Großes Militär Concert n. Extra-Borftellung. Auttret-n der P«i»i»Tmpp» in ihrer Sensationkluftnummer: Miss Lame: als lebende Kanonenkugel. Miß Lazel wird aus einer Kanone geschofi-n und von Miß Zema aufgefangen werden. Theatem-rsteUmtg. Auftrete« der SperiatitSten, Tan, Kränzchen u. s. w. jiegs- und Fronten-Feuerwerk .ääwää':' am-«. �«»ttsasmto. mm Die Hinterblieben-« J WinDss- Zum um eil Arbeits- Vermittelunl Adrcffrnzusgabe an 9V, Uhr Abends. Sonntags Vormittags. Freunden und Bekannten ich p«rttn«araHe 6 ein., Mkiß-& KMihbttl- enotr. Verontwortltcher Redakteur st.«e anbei« in Berlin Arüettaharfchen oerl. Schmk. Oranienstr. 53. Druck und Verlag von«.« BOin* in«erlln 8W eröffnet habe. Gnatar Spi«** Beuthfiraße 2.