"K N-. 167 Mittwoch, de« Sl. In» 188«. U i Jahrs. erlimWksW Brgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" m. Abonnementtprci! für Berlin frei wöchentlich 3ö Pf. Postabonnement itnzrlne Nummer 5 Pf. Eonntagi-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzettungipreiiliste für 1886 unter Nr. 769.) JnsertionSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Peritzzile oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmarkt 10 Pfmnize. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bi» 4 Uh» Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Rnnonee»»- Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. Redaktion: Kenthftraße S.— Grpedition: Zimmerstraße 44. Em DillchestemM. I. Ja, ei« Manche, man«, wie« im Buche steht, ist Dr. Alixander Mryer, auch„Biermey-r" genannt, weil er das allerding»«ich, von ihm stammevde geflügelt, Wort im preußische» Abgeordnetenhause zitirte:„Da, Bier, welche» nicht getrunken wird, hat seine« Beruf verfehlt." Nachdem wir so de» Herr« Meyer, der im preußische» Abgeordnetenhaus Breslau, im Reichstag Halle a. E. ver. nnt, dem Publikum von seiner besten Seite vorgefühet haben, wollen wir auch die Kehrseite de» verehrte» Herrn ze,ge». Doch würde» wir das Vergnügen dem Publikum erspare», da der Spaß an fich nicht groß ist, aber Her, Meyer ist_ nebe« dem Abgeordneten Bamberger einer der festesten Säule« de» Manchesterthums und was man ihm eigentlich zum Ruhme«achsage« kann, einer der wuthigste» und unverstorensten Vertheidiger desselben, auch da, wo die manchersterliche Lehre in ihrer ganze» Brutalität, in ihrem scharfe» Gegensatze gegen da» Wohl der Arbester her. Herr Mey«, hat kürzlich in der„Nation" ein- sog«. nannte„Studie" veröffentlicht, der er de» Tstel„U n t e r. » e h m e r t a l e» t" gegeben hat und die von mancherster. licher, tieffinniger Weisheit geradezu übertrieft. Hören wir de» liberalen Abgeordneten einmal an. Es heißt in der erwähnte» Studie folgendermaßen: „Da» wirthschaftliche Talent wird von der bürgerlichen Gesellschaft mit der höchsten Beloh« » u n g vergolten, die fie zu vergebe» hat, nämlich mit großem Reichthum. Darin finden viele eine große Ungerechtigkeit, einen Beweis, daß unsere gesammte wirth. schaftliche Ordnung auf uofittliche« Grundlage» beruhe. Gin hervorragender Gelehrter, dessen Entdeckungen«och der ferne» Nachwelt zu Gute komme», kämpft sein ganze« Leben hindurch mit Nahrungssorge«, und ei» gewandter Makler, dem e» an aller soliden Bildung fehlt, verdient in täglich zweistündiger leichter Arbeit ei« Jahreseinkommen von hu». verttausend Thalern. Das kommt vor; e» wird häufig als verletzend empfunden und viele finde« es empörend." Prüfe» wir zunächst diese Bemerkung in Bezug auf ihre Richtigkeit. Ein Beispiel: War Stroußberg ei» .wirthschaftliche« Talent?" Herr Meyer wird stcherlich mit Ja antworten. Hat diese« wirthschaftliche Talent die höchste Belohnung von der Gesellschaft erhalte», nämlich de» große» Re'chthum? Antwort Ja und Nein! Der Mann wurde in der ersten Zeit, wo sei«„wirthstaftliches Talent" ver. hältnißmäßig noch gering war, ei» Millionär und al« das Talent de« größte» Höhepunkt erreicht hatte,«in Bettler. Nachdruck verboten. JettUIetcrn. Spuren im Sande. Roman von Ewald August König. [2 Lutter hatte fich wieder in seine Ecke gedrückt, er achtete nicht mehr auf da» Gesprich, trotzdem es auch für ihn Interesse habe« mußte, da es sich auf die Ereignisse der letzte« Jahre in seiner Vaterstadt bezog. Mancher, nach dem der Baron fich erkundigte und de» Lutter wohl auch gekannt hatte, war inzwischen gestorben, mancher war durch Erbschaft oder glückliche Unternehmungen plötzlich reich geworden, mancher auch ebenso plötzlich an de» Bettelstab gekomme». „Ich werde wohl manche« ander» fiade«, wie ich e« verlassen habe," sagte der Baron, al« fie dem Ziel ihrer Fahrt nahe waren,.nun. ich kehre ja auch als ei« Anderer Surück, da ist es den« besser, daß ich in neue mir unbekannte kreise eintrete." „Und darf ich hoffen, daß Sie auch un» die Ehre Ihre« Besuche« schenken werden?" fragte der Referendar, durch eine« Blick seiner Schwester« dazu aufgefordert. „Wenn Sie mir die Ehre erzeigen wolle«, mich in Ihr «lterlicheS Hau« eiazuführe»—" „Mit dem größte» Vergnüge» I" »Dan« darf ich ja hoffe», Ihne« dort recht bald wieder öu begegne«« wandte der Baron fich mit einer Verbeugung S>amen-.Die erste« Tage werde ich wahrscheinlich J?« M �amilie widme« müssen, ich thue e» schon deshalb, um ihnen ,u beweise», daß Sie mich nicht mehr al« da» enfnnt tenlble betrachte» dürfen." „»«üt« brauche» Sie sich wohl keine Sorge» mehr zu machen," scherzte Verena. .»So ganz sicher bin ich meiner Sache«och nicht", er. widerte er in demselben heitere« Tone,„man ist in unserer solide», nüchterne» Heimath nur zu sehr geneigt, jedem, der au« dem Goldlande zurückkehrt, mit einigem Mißtrauen zu begegne«. Man will die mitgebrachten Schätze mtt eigene« "uge« sehen, um an ihre Existenz glauben zu könne», man Mtt de» Eifolge» des„wirthschaftliche« Talent«' muß e» also doch seine eigene Bewandniß habe». Laflalle, den man doch auch, mit Erlaubniß deS Herr« Meyer, für einen leidlichen Nativaal-Oekonome» halten kann, war ganz anderer Ansicht, als letzterer. Lassalle meinte, daß der Unternehmer nicht für das, was e r thue, sonder» für das wa« andere Mensche« oder die wirthschaftliche» Verhältnisse, Naturereignisse«. thäte», verantwortlich gemacht werde. Da» tüchtigste „wirthschafiliche Talent" strauchle im Konkurrenzkampf am meiste«, da der Zufall viel häufiger, al» die Berechnung in diesem Kampfe entscheide. Diese Lassallv'sche Anschauung wird auch in der That durch die Praxi« reichlich unterstützt. Natürlich merkt man, wohin Herr Mcyer mit seiner Meinung hivzielt. Er will de» Uvteraehmirgewinn, de» momentane« sowohl als auch den dauernden, al« etwas ganz Natürliches, als Selbstverständliche« hinstelle«. Die Arbeit, die Mühe, die Tüchtigkeit de«„wirthschaftliche« Talents" hat diesen Unternehmergewin« ja hervorgebracht und diese Arbeit, diese Mühe, diese Tüchtigkeit allein wird durch die bürgerliche Gesellschaft belohnt mit schwerem Gelde I E« muß ja auch«in gewandter Makler sei», der viel Geld verdient— obwohl in Mehrheit die Dummen mehr Glück bei all' diese» Sp-kulanonen habe», al« die Klugen. So hinkt auch das Gleichviß mtt dem hervorragende« Gelehrten und dem gewandten Makler recht bedenklich. Greifen wir doch in die Miltelmäßigkeit hinein— wandeln wir doch die so oft gepriesene Mittelstraße. Ei» braver, ordentlicher Lohnarbeiter arbeitet täglich 12 Stunde« und erhäit von den neuerzeugten Wcrthen, wir wolle» an» nehmen 1000 M jährlich. Der Fabrikherr, auch brav und ordentlich, arbeitet täglich, wir wollen annehmen, gleichfalls 12 Stunden. Da« t« da« Geschäft gesteckte Kapital wird «ach dem bestehenden Fuße verzinst, da« Abschleifen der Maschine» berechnet und alle sogenannte Unkosten gedeckt. Wir wollen annehme», der Fabrikherr leistet qualifizirte Arbett und so soll derselbe für die Arbeit sechsmal fs viel erhalte« wie der Arbeiter für seine Arbeit, also 6000 Mark. Beim Jahresabschluß aber bleiben ihm außer diesen 6000 noch weitere 60 000 Mark übrig, die er gleichfalls und bei den heutige« wirthschaftliche» Zustände» mtt Recht in seine Tasche steckt. Nach Herr» Meyer bilden diese 60 000 Mark die hohe Belohnung, welche de« wirthschaft. lichen Talent von der Gesellschaft zu Theil wttd. Wen« nun aber bei ungünstige« Geschäftszeiten, an denen in der That das„wirthschaftliche Talent' gar keine Schuld hat, anstatt der 60 000 Mark Gewin» ein Verlust in ähnlicher Höhe entsteht? Was dann? Da«„wirthschaft. liche Talent" hat sich fichcrlich«och mehr angestrengt in den zweifelt an der Eolidilät eines Mannes, der drüben jede«. falls ein Abenteurer gewesen sein muß, kurz, e« find da so viele Bedenken zn beseitigen, so viele tief eingewurzelte Vorurtheile zu bekämpfen, daß man sich nicht der Hoffnung hingeben darf, gleich mtt offenen Arme« empfangen zu werde«. Apropo», Herr Referendar, ist der Komiker Schimmel«och an der Bühne?" „Schimmel? Eine» Komiker diese« Name»« habe ich nie gekannt, wohl aber kenne ich einen Souffleur Schimmel." Der Baron strich mtt der feine« aristokratische« Hand, an der ein Eolitär vom reinste» Wasser funkelte, durch seine« lauge» blonden Bart und blickte gedankenvoll vor fich hin. „Sollte er so tief herunterae'ommen sei«?" sagte er leise.„Ich war einst mit dem Manne befreundet, er gab mir manchen gute» Rath, es sollte mir leid thun, wenn sei» Geschick sich so bettübend gestaltet hätte." „So viel ich weiß, hat vor Jahre« einmal ein furcht. bares Ereigniß, ich glaube, der plötzliche Tod eines Bruders, ihm eine schwere Krankheit zugezogen," erwiderte der Refe- rendar,„von diesem Schlage soll er sich nie wieder ganz erholt haben." „Dann ist's derselbe," nickte der Baron,„dal thut mir wttklich recht herzlich leid." „Er hat die Tochter seines verstorbene» Bruder« zu fich enommen," fuhr der junge Herr fort,„sie ist ein bild« übsche« Mädchen und als Choristin engagirt." „Du bist ja in diese» Dinge» merkwürdig genau be. wandert!" warf Verena spöttisch ei«. Und dazu macht es mir nicht die geringste Mühe, da» olle« zu ersahre»," entgegnete er sarkastisch.„Die Baronin Raven interessirt fich»och immer sehr lebhaft für da« Theater und namentlich für diejenigen Bühnenmttglieder, die sie früher schon gekannt hat, da wird denn in meiner Gegen. wart häufig dieses Kapttel gründlich erörtert." „Es kann doch für Dich kein Interesse habe» I" sagte Konstavze mit leisem Vorwurf. „Weshalb nicht? Jedenfalls ist diese« Thema interessanter al» manches andere." trübe« Zeiten und doch, trotz all dieser Anstrengungen zahlt ihm die Gesellschaft nicht». Oder ist au» dem„wirthschaft. lichen Talent" so plötzlich ei» Dummkopf geworden, der die schlimme» allgemeine» GeschäftSzuständ« verschuldet hat? DaS wird selbst Herr Meyer nicht beweisen wolle«. Also mit de«„wirthschafrlichea Talent" ist eS nicht», und deshalb ist es auch nichts mit dem Gedanken, daß die bürgerliche Gesellschaft„wirthschaftliche Talente" mit Gold belohne. Glücksritter und allerlei wilde Spekulanten erringen meist im Konkurrenzkampf« die höchste Belohnung, die klingende Belohnung der bürgerlichen Ge. sellschaft, und nicht nur außerordentliche Gelehrte, sonder» brave, tüchtige Arbeiter, auf deren opfermuthPe« und a». dauernde» Schaffen die Myer'sche„bürgerliche Gesellschast" fich allein stützt, sie gehen bei der großen Belohnung fast leer au«. Man sieht schon hieraus, daß Herr M yer eine von den unhaltbaren Phrase» geleistet hat, die hinter dem Bier» tische noch leidlich klingen, aber vor ruhiger Betrachtung keine» Staad halten. Ja einem zweite« Artikel wollen wir«och einzelne weitere Eigenthümlichkeite» de» großen ManchestrierS den Leser» vorführen. PoUttsche Wrberstcht. Trotz ihrer Begeisterung für de» Reiches Herrlich- kett find vir Nalronalltbeialen mit dem ganzen Ver« lauf dcr RetchSentwicklung doch gar nicht zufrieden. Man hört jetzt in den Blättern dieser Partei fortwährend Klagen nicht nur über die wirthschafllichen, sondern auch über die politischen Zustände in Deutschland. Sie klagen über die Zerrissenheit der Partei Verhältnisse, über die bösen OpposttionS« rarteien, die keinen nattonalliberalen Gedanken zur Geltung kommen lassen; fie klagen auch über die Ultrakonseroativen» am meist, n aber darüber, daß die ReichSregierung den Gedanken, wenn st« denselben üderbaupt srmals gehabt bat, wieder auf. M#*» H Ha»»»« T HmA# Vl> �41 am L.__- f r***, m M vativen fich bis jetzt noch immer vergeblich bemüht haben. eine bleibende große Mittelpartei. eine zuver. lasfige konservativ liberale Mehrheit zu Stande zu bringen."— Diese Klage zieht durch die meisten Artikel der national« liberalen Presse. Uebrigens deffrr thäten die Herren, welche solche Unmöglichkeiten anstreben, fich doch konservativ auch zu nennen, da ja nicht nur nach dem Sprachgebrauch, nicht mir nach alter Parlamentmischer Anschauung, sondern nach der historischen Entwickelung kons«. vativ und ltb«al große, unvereinbare Gegensätze bilden. Ein Liberal«, der eine bleibende Pmteizusammengehörigkeit mit Konservativen empstehtt, hat eben aufgehört, ein Liberaler zu sein. Außerdem aber ist der Regierung an dieser geplanten .-Steht die Baronin Raven«och mit dem Theater in Verbindung?" fragte der Baron. „In dem Sinne, wie Sie e» meine»,«icht. Sie be. sucht allerding» das Theater ziemlich regelmäßig, sie ladet anch die«ste« Künstler u»d Künstlerioae» zu ihren kleinen Feste» ei», aber weiter kümmert sie fich»icht um das leicht« lebige Völkchen, sie mag wohl an de» Erfahrungen«enua habe«, die sie früher mit ihm machen mußte." „Und ich fürchte, Du wirst auch Deine Erfah« ruuge» machen," sagte V«ena mtt scharfer»etovung: die Baronin kann«och heute die einstige Schauspielerin nicht verleugnen." „Unfinn l" brummte ihr Bruder, indem er fich erhob, um da» Handgepäck herunter zu hole»,„die Baronin Raven rst»ach meiner Ueb«zeugung nie da, gewesen, wa« Du eine Schauspieler,« ,« nennen beliebst. Wir sind in uaserer Heimat, Herr Baron." „Und wo kan» ich Sie finden, wenn ich wieder mit Ihne« zusammentteffe» möchte?" ftagte Baroa v. Betgau, der jetzt auch sei» Gepäck zusammensuchte. Im Caft Schiller bi» ich jeden Mittag zwischen zwölf und ein Uhr." „Papa wttd hoffentlich die Equipage geschickt haben," sagte Verena besorgt. „Jedenfalls," erwid«te Konstavze, da» Köpfche« stolz zurückw«fe«d,„Papa klagt ja immer darüb«, daß die Pfttde nicht genügend beschäftigt werden." Der Zug hielt, Luttet stieg flüchtig grüßend au« und v«schwa«d gleich darauf in der Menge. Der Baron half de» Dame« au» dem Koupe» und trug ihnen eine» Theil ihre« Gepäck« zum Wage», wo er Abschied von ihren«ahm, dann kehrte et,»achdem er zu« vor«och eine« Kutsch« engagirt hatte, auf de« Perron zu« rück, um sei» eigene» Gepäck in Empfang zu nehme». Hin trat ihm Paul Luit« wieder eatgege»; auch er hatte eine« kleine» Koffer mitgebracht, de« er eben einem Gepäckttäger üb«geben wollte. Er wollte ruhig vorbeigehe», ab« der Baron blieb � �„Bitte, ei» Wort I" sagte et in herablassendem Tone. Wttttelpariei nichts geleaen. Knapp 80 Mitglieds feabtn die ?iationallid«ralen und Frritoniervativm zusammen im Reichs. tage; nehme man noch 20 Mitglieder, die„gemäßigten" auS der deutschkonservativen Partei hin,», so ist die Z�hl 100 tILcklich erreicht, also nur der vier:- Thetl der Stimmen im teichStage. Dafür aber kann fich die Regierung nichts kaufen — und daß diese Gesellschaft bei den nächsten Reichstags« mahlen verstärkt wird, daran glaubt nicht einmal mehr ein Nrtionalliberaler selbst. So wird eine Verartige„Mittel- partet" wohl immer nur ein schöner naiionalltberaler Traum bleiben., �, Die Schließung der Arbeiterinuenvereine wird in den regierungsfreundlichen Blättern jetzt mehrfach zu recht« fertigen gesucht. So bemerkte gestern die nattonalliberale „Magd. Ztg.": Nach§ 8 de« preußischen Vereintgesetze« vom 11. März 1850 gelten für Vereine, welche bezwecken, politische Gegenstände in Versammlungen zu«rörtem, noch nach» stehende Beschränkungen: a. sie dürfen keine Frauen tversonen, Schüler und Lehrlinge alt Mitglieder aufnehmen; b ste dürfen nicht mit anderen Vereinen gleicher Art zu gemeinsamen Zwecken in Verbindung treten. Auf Grund diese« Paragraphen ist seitens der Polizeihörde der Berliner„Verein zur Wahiung der Intel effm der Arbeiterinnen" geschlossen worden. Man hat nun mehrfach die Frage aufgeworfen, od das Vorgehen der Polizeibehörde dem Gesetz entspreche. Diese Frage ist zu bejahen; wenn in erster Linie wirklich festgestellt ist, daß der w Rede stehende Verein bezwecke, politische Gegenstände in Versammlungen zu erörtern, daß derselbe ein p o l i> tisch er Verein im Sinne de« Gesetze« war. Hierfür ist eine gesetzliche Definttion nicht vorhanden und auch die Entstehung«. geschichte des preußischen VeieirsgesetzeS bietet keinen genügenden Anhalt dar. Da auch unsere« Wiffen« En'scheidungen de« jetzt maßgebenden höchsten Gerichtshöfe« nicht vorliegen, so ist man zur Beurtheilung der Sache auf die Rechtsprecbung d«S früheren preußischen LbeitridunalS angewiesen. Nach einem Erkenntniß deS Lbeitrtbunal« vom 30. März 1874 ist nun eine Mehrheit von Personen, welche vermöge eine« Ueber. rwkommen» fich unter Leitung für längere oder kürzere Zell zur Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten vereinigt hat. ein politischer Verein im Sinne deS Gesetz«? vom 11. März 1850; ob diese« anzunehmen sei, ist nicht blo« nach den„Statuten" des Verein«, son- der» nach dem thatsächlichen Sachverhalt zu beurtheilen. In dem Erkennt-iß heißt e«» daß die vorzulegenden Statuten nicht maßgebend und bindend sein können für die behördliche Beurtheilung, die wirklichen Zwecke vielmehr von der Behörde selbstständtg unter Berückstchttgung aller zu ihrer stenntniß gelangten Thatsachen, namentlich der zu konftatirenden Thätigkeit de« Verein«, brurthellt und fest- gestellt werden müffen. In Uebereinstimmung mit dieser Eni« sweidung hat da« frühere Obertribunal fich am 28. November 1878 dahin ausgesprochen, daß nicht lediglich auf Grund eine« Paragraphen in den Statuten, welcher die Behandlung öffent- sicher Angelegenheiten untersagt, der Verein al« ein solcher an zurrkennen ist, welcher die Einwirkung auf öffentliche Ange> legrnbeiten nicht bezweckt, vielmehr unabhängig von der in den Statuten niedergelegten Auffaffung der„öffentlichm An« gelegenhetten" festzustellen ist, od die darin angegebenen pofi- fönt Zwecke fich nicht al« eine Einwirkung auf öffentliche An« gelegenhetten im Sinne de» Gesetzes darstellen. Eine schärfere Handhabung de« Eozwliftengesetze« ist für Heffen neuerdtng« mehrfach prophezeit wolden. Jetzt schreibt man auch der„Weser Ztg." au» Berlin:„An einen geheimen Erlaß der großherzoglich hesfischen Reginung. be« Reffend da« Vorgehen gegen die sozialdemokratische Agitation, ist mehrfach die Vermuthung geknüpft worden, daß nun auch in Heffen schärfere Maßregeln gegen die Sozialdemokratie in Anwendung gebracht werben sollen. Die hesstsche Regierung, in deren Bezirk die Sozialdemokratie zahlreich vertreten ist und nicht unerheblichen Einfluß gewonnen hat, ist bisher allerding« weniger energisch vorgegangen, al« e« etwa in Preußen der Fall ist. Al« unmittelbar nach dem Attentat gegen dm Poltzeirath Rumpff im preußischm StaatSmtnisterium die Frage erwogm wurde, ob e« angezeigt sei, über Frankfurt am Main den kleinen Belagerungszustand zu vnhängen, scheiterte die Ausführung dieser Maßregel an dem Widerstände der hesstschm Regierung, den kleinen Belagerungszustand zugleich über die benachbarten hesstschm GebietStheile zu verhängm. In Folge deffen verzichtete die preußische Regierung auf ihre Adstcht, von welcher ste fich ohne ein gletchzeittge« Vorgehen der hesstschm Regierung keinen Erfolg zu vnsprechen vermochte. Man nimmt an, daß der durch den„Sozialdemokrat" bekannt gewordme Erlaß der letzleren durch Vorstellungm de« preußischen Ministe« rium« de« Innern veranlaßt wordm ist." fammlung von dem überwachenden Poltzeikommiffar aufgelöst. Da ein Recht auf Abhaltung öffentlicher Der« sammlun gen hier zu Lande— abgesehm von dm reichZgesetzlichen B-stimmungen über Versammlungen zwecks !? „Wir möge» drübea Kameraden gewesen sei», i»so« er» wenigste«« al« wir Schicksalsgenosse» warm, hier, der Heimat find wir es nicht mehr, Sie werdm da« eir« sehen." „Gewiß, Herr Baron," erwiderte Paul bitter,„der Mensch fängt ja hier erst beim Baro» an, drüben—" ,3ch denke, e« wäre unnütz, über diese» Punkt lauge streite» zu wollen, wir lebe» hier w ganz anderm Verhält- »ijseu wie drüben. Ich sage Zhuea da« nur, damit Sie fich mir gegenüber nicht Vertraulichketten erlaub«, denen ich sehr ernst entgegentreten müßte; ich könute eben au« Ruckfichtm, die ich meinem Stande schuld«, nicht ander« Handel», und Sie würden fich dadurch verletzt fühlen." Ueber da» offene, ehrliche Geficht Paul'« glitt flüchtig ei» dunkler Schatte», schon in bietet Bemerkung lag für ihn eine Beleidigung. „Ich werde da« ficher vermeiden," sagte er,„Ihrer Warnung hätte e« nicht bedurft." „Sie mischte» fich währmd unserer Reise in höchst un- paffmder Weise so oft i»« Gespräch—" „Herr Baron!" „Zch will Ihnen da« weiter nicht übelnehmen," er« widerte der Baron, der vor dem zornflammendea Blick, der so plötzlich ihn traf, unwillkürlich erschrak.„Sie wissen ja nun, woran Ei« find. Wollm Sie fich hier etablire», so werde ich Sie gerne durch Empfehlungen unterstützen—" „Ich kann darauf verzichte« I" „Um so besser für Sie— adieu I" Paul griff nicht an dm Hut, sei» zornglühmder Blick folgte dem Edelmann, der rasch in die Gepäckhall« schritt, eine Verwünschung entrang sich leise seinm zuckenden L ppen. „Wohin soll der Koffer gebracht werdm. Herr?" fragte der Gepäckträger...„...„„, Wie au« einem böse» Traum erwachmd, fuhr Paul au« seinem Sinne» auf, er»a«»te dm Ramm und die Wohnung seine« Vater«, da»» verließ er langsam de» Bahnhof. Betreibung der ReichStagSwahlm— überhaupt nicht besteht, so dedarf eS bei un« in Fällm der Auflösung von Versammlunam der Berufung auf eine landesgesetzliche oder reichSgesetzltche Bestimmung nicht.— Da» ist ja da« wahre Jdealland für Herrn v. Puttkamer. Et« richterliche« Erkenntniß über Ton und Sprache der konservativen Presse. Witten, 15. Juli. In der Heu- tigen Schöffen gerichtSfitzung wurde der Redakteur der htestgen konservativ, antisemitischen Zeitung, Herr Kreutler, welcher den Redaktmr de« nationallideralm„Witten. Tagebl." in einem Zeitungsartikel in schwerster Weise beleidigt hatte, zu einer Geldstrafe von 300 M., welcher im UnvermögmSfalle eine Hast von 60 Tagen zu substituiren ist, oerurtheilt. DaS Erkennt- niß führt au«, daß auf Gefängneßstrafe würde erkannt wordm sein, wmn Herr Kreutler schon vorher wegen Beleidigung in der Pleffe bestraft gewesen wäre. Auf eine so hohe Geldstrafe aber habe erkannt werden müssen, weil die Aufgabe der Presse darin bestehe, da« Volk zu dildm, nicht aber durch gehässtge Angriffe eine perfide Sprache und Anschauungsweise in das Volt zu bringen, dmch welche« dieses selbst zu ähnlicher Au«. druck«' und Anschauungsweise verleitet werde. Eine eigenthümltche Verordnung. Der Herr Unter- richttminister von Preußen hat folgende« Rundschreiden an die vezirktregierungen erlaffm:„Der Lehrer an der Stadt- schule zu Freien walde in Pommern, Splittgeber, hat fich unter Umständm heimlich entfernt, welche keinen Zweifel darüber laffen, daß er fich der Unterschlagung der Gelder und Werth« paptere der dottigm Spar« und Vorschußkasse, deren Rendant er war, schuldig gewacht, und er wird daher steck« brieflich verfolgt. Dieser deklagenSwerthe Fall liefert einen nmen Beweis dafür, wie bedenklich eS ist. einem Lehrer die Uedemahme de« Postens eine« Kaffmrmdantm zu ge« stattm. Dahingehenden Anträgen darf nur ausnahmsweise widerruflich in Fällen entsprochen werden, in denm die Genehmigung durch da« öffentliche Jntereffe geboten erscheint und zugleich ausreichende Garantien dafür vorliegen, daß Nachlheile für die berufsmäßige Wirksamkeit deS LehrerS nicht zu be« sorgen find. Sehr auffallmd ist es, daß der genannte Lehrer die Rendantur hat übernehmen und längere Zeit ausüben können, ohne daß hierzu die Genehmigung der k. Regierung nachgesucht und ertheilt war. Ich erwarte, daß die k. Regie- rung die auS Anlaß de« gegenwärtigen Fall« getroffene Vor« sorge mtt allem Nachbruck verfolgen und hierdurch eine Wieder- holung unmöglich machen wird."— Gegen diese Verordnung können fich in der That und mit großem Rechte die Lehrer verwahren. Wie oft find andere Beamte mit ihren Raffen oder mit dm ihnen anvertrauten Geldem durchgegangen. Manche Bürgermeister find zugleich Sparkaffenverwalter und die Sekretäre der Herrm Landräthe haben gleichfalls derartige Nebmpostm. Wir hatten e« auch nicht für richtig, daß ein Beamter noch irgmd einm anderen bezahlten Posten hat. DeS« halb sollte eine derartige Verordnung nicht gegen die Lehrer allein, sondem gegm die Beamtm überhaupt erlaffm werden. Di« unteren und subalternm Beamtm aber und auch die VolkSschullehrer müßten dann auch einen Lohn erhatten, der hoch genug wäre, dmselbm auch ohne Nebmstellung ein an« ständige« Dasein zu fichem. Ja Leipzig wurde auf Requifition der Staatsanwalt» schast zu Spremderg ein Tuchscheerer verhastet und nach Spremberg abgeliefert, der wegm des bekannten Rekruten- krawall« verfolgt wurde und in Leipz'g seinm Wohnsitz genommen hatte. Ueber die Statutenschablvue« der ueueu Innungen bringt dt«„Weserzettung" einen sachverständigen Artikel von einem höheren preußischen Kommunalbeamten der Provinz Hannover. Derselbe bemerkt: ,Last wörtlich gleichlautend find diese Statu!m, ob ste für eine Großstadt mtt mehrerm hundert Jnnunglmetstnn oder ob fie für einen Landkret» mit kaum einem Dutzmd auf 10 Quadratmeilen zerstreut wohnenden Meistern bestimmt find. Hat zufällig in einer Stadt oder in einem Landkreise eine Schlächterinnung fich zuerst gebildet und find deren Statuten genehmigt, so ist 10 gegen 1 zu wetten, daß auch die Schloffer, Schuhmacher, Schneider, Bäcker tc. buchstäblich daffelbe Statut, nur mit Aenderung der Ueber« schrift, angenommm haben. Mit höchster Gedankenlosigkeit und in rein formalistischer Weise ist die Angelegenheit meistmS behandelt. Haben wir doch ein in aller Form genehmigte» Statut in der Hand gehabt, welche» sür einen Landkreit, in welehem 8 JnnungSmitglteder in 6 verschiedenen Orten zerstreut wohnen, bestimmt war, und da», well e« ohne jede Aenderung einem gleichen Statut für Hannover nachgebildet war, z. V. die Vorschrift enthält, daß der auS 5 Mitgliedern bestehende Vorstand jeden Montag Abend Sitzung habm sollte, in welchem fich ferner eine Menge detaillirter Bestimmungen über Handhabung der Ordnung in der JnnungSherberge vorfanden, obwohl eine solche gar nicht existttte." Der allgemeine deutsche Züuftlertag soll in diesem Jahre in Kösen stattfinden. In der„Allgem. Handwerker« zeitung", welche in München erscheint, werden die Hand« werker zur Reise nach Köln aufgefordert mit dem Hin« Dunkle Geschichte». Der Abend dämmerte schon, al» Paul vor dem Hause seiner Elter« stand. E« war klein und unscheinbar wie alle Häuser, die an dieser Straße lagen, und nur die weißen Gardinen gaben ihm ei» freundliche« Aussehen, fie zeugten von der Sorg« satt und der Ordnungsliebe der Frau, die im Znuer« diese« Hause« schaltete. Dumpfe Hammerschläg« schallte« dem Heimkehrende« entgege», al« er auf de» Flur trat; durch die offene Hof- thüre blickte er in da« Feuer, da« im Hintergebäude auf dem Schmiedeherd brannte, er hörte, wie die ranhe heisere Stimm« de« Vater« dem Lehrling in barschem Ton« eine» Befehl gab—« war alle«»och so wie damals, all er dem Vaterhause de« Rücke« wandte, um draußen Reichthümer zu suche«. Er öffnet« leise ein« Thür und blieb auf der Schwell« de« einfach, aber traulich etngerichtete« Eiübchen» stehe«; einige Sekunden lang ruhte sei« Blick voll inniger Liebe auf der alte» Frau, die mit dem Strickstrumpf i» de» welken Hände« am Fenster saß. Ihre gebeugte Haltung, ihr graue« Haar und die tiefe» Furche« w ihrem treu- herzigen Antlitz ließ«« erkenne«, daß Kummer und Sorge fie vor der Zeit gealtert hatten, und«in recht schwerer Kummer mußte noch jetzt ihre Seele bedrücken, da« bekundete de, tief« Seufzer, mtt dem fie die unterbrochene Arbett wieder aufnehme« wollte. »Mutter, lieb« Mutter k' sagte Paul leise. Sie blickte auf, der Strumpf entfiel ihce» zitternde« Händen, und mit einem Freudenruf breitet« fie die Arme a«S, die gleich darauf den geliebte« Sohn so fest umschlangen, al# ob fie thn m« wieder von fich laffen wollte» „Endlich I" sagt« fie mtt bebender Stimme, und Thräne» «offen unou�alffam über ihre Wange».„Mein lieber, lieber Paul, fetzt habe ich Dtch wieder, nun darfst Dn«ich mcht mehr verlasse», wen» Du nicht Deiner arme» Mutter M H«A,b«chen willst. Tag und Nacht hat e« mich»ach dt�em Wtedersehe« verlangt, nnd settdem Du un« schriebst daß Du komme« würdest, fand ich keine Ruhe mehr. D% arm« Konrad I Ich kann'«»och immer nicht glauben." ß wei«,„daß dort alljährlich der Seniorenkonvent der EtudeÄ Koro« ebenfall» derathe." Dtese Motioirung ist jedem originell. Oesterreich Uttgar«. In Oesterreich-Ungarn macht der Rücktritt de« Lg» kommandirenden Baron v. Evelsheim in Pest viele« Aufsiff Die JanSki-Affaire, die man endlich beigelegt glaubte,# dadurch von neuem wachgerufen. Nach einer Pest« thettung der„National-Ztg." wirft man dem Baron v. heim unter anderem vor, er hätte dt« Straßendemonl-� der Studenten gegen Jantki nicht dulden, sondern mW# Truppen einschreiten(ollen. Er hätte nicht im Einvernep mtt TiSza vorgehen und den Tadel gegen JanSki dB sondern einzig und allein dm traditionellm alt-SfterreiM Standpuntt betonen müffen. Von der Stimmung in' gotischen Kreisen giedt ein Artikel des„Pesti Naplo" Zeuzni welchem e» heißt, ein reicher ungarischer Magnat sei ntw' dm österreichischen Dienst angewiesen, und sein Stolz W e« nicht dulden, daß die„Hofgeneräle" mit ihm herum#** Die ungarische Nation feint dm neuen Magnatm wegen st» selbstbewußten Haltung. Er hat seine hohe Stellung dew* garischm Nationalgefühl geopfert und fich dadurch die W vaihien der Ungarn— ohne Unterschied der Parteien-j fichert. Nach dem„Berk. Tgdl." werdm für dm<#» EvelSheim Kundgebungen vorbereitet. R« tz l a« d. Die vesettiguna der Freihafenstellung B a i»« ruft nicht nur in England, sondern auch in Oesterreich un« allerhand Begehrlichkeiten wach. So schreibt man 1 Münchmer„Allg. Ztg." au» Wien: Auf dreierlei Art>> England dem rusfischen Vorgehen in der Batumfrage � gegnm. Die erste wäre ein Protest auf dem Papier, um Prinzip zu wahren, ohne dem Protest jedoch eine That W zu lassen. Die zwette wäre: da« Schwert ziehen und mW Schwerte in der Hand Rußland zur Achtung der Vertt' zwingen. England wird fich die« zu thun wohl üb Die letzte praktisch erscheinende Art besteht darin, Gleicl Gleichem zu vergelten und zu Rußland zu sagen: we die dir unangenehmen Punkte de« Vertrage« nicht hä werde ich mich ebenfall« davon dilpenstrm, dtejenigm S respekliren, die meinem Interesse zuwider find, und eli ctan den Vertrag nur Derjmige achten, der nicht die besttzt, fich über dmselben hinwegzusetzen. Da» Kadtnet, da« ohnedie« nur mehr kurz zu leben hat und die Verantwortung für einm Entschluß von wette Bedeutung nicht wohl übemehmen will, hüllt fich. Schweigen, nach dem jedoch zu urlheilen, wa« die W England äußert, scheint e«. al« ob die letzte der dreiM» am ehesten Gefallen finden würde. Hat der Zar fich du Att der Willkür über die Bestimmung de« Berliner 9 den Freihafen von Batum betteffend, hinausgesetzt. nunmehr auch England von allen ihm unbequemen, pflichtungen besrett. Wa» England aber in erster Äuge hat und wa» jetzt, nachdem Rußland stch im( Meere eine drdeutmv« Flotte geschaffm, von besonderer-. keit, ist, der eigenen Flotte die Einfahrt i»� Schwarze Meer zu sichern und umgekehrt russischen Flotte die Durchfahrt durit/ Meerenge zu verwehren, die Pofitton in ttnopel und mtt ihr die Tärkei zu schützen, die fich du zur Operationsdafl« bei einem eomtuellm nrum Krieg*' sebene Latum ohndie« wieder mehr bedroht sehen Pflichtet man dieser Auffaffung bei, so erscheint ob*% Oesterreich berechtigt, Bosnien und dl zrgowina zu annekttren, Bulgarien, fich«"41 rumeltm vollständig»u vereinigm, Serbien und Mo%\»# alle» in Beste zu tubrnen, wozu ste Muth und RnWJä besitzen. In der That lädt dt« rusfische Presse Ungarn förmlich dazu ein, die Okkupation Annexion zu verwandeln, und auch die bekannten F***"],, Annexion in Ungarn rübrm fich und meinen, die% Gelegenheit sei dazu so sehr paffend, daß man st*»'? säumen möge.„P. Navlo" hat sogar ein ganz»*»*» und will die Annexton durch die BoSniakm selbst of also durch eine Art Plebiszit geschehm lassen. Ptw5,, wohl von jetzt an Oesterreich-Ungarn bezüglich BoSnieM! Hand und braucht fich nicht mehr alt an dm Berliner gebunden zu halten, e« ist jedoch die Frage, ob e«"US', Rußland einm neuen Vorwand zu geben, seinerseits� Berliner Vertrag noch ein Loch zu reißen und dann einem Orte, der Oesterreich näher läge al» Batum. Rußland auf einer Annexion Bosnien» durch Oestnreich wird, macht dm Verdacht rege, al» würde man dieselbe! eigenen Zwecke brauchen und nur für fich arbettm wo» dem man da» Recht Oesterreich« betont. Uedrigm« wird in malischen Blättern jetzt vielf» die Insel C ypern al« KompensattonSobjett gelobt.�, bald fragt man, kaust man dem Sultan die Insel Der langjährige Statthalter Cypern«, Gmeral Liddulpb-, dem Wohlstand«, dem Werth« und dem Klima Cyp*� „Ja, der arme Konrad I" wiederholte r—,. Hand über die Augm fahrend, die auch ihm feuch» waren.„Wir müffen un« tröffe» mit dem Gedanke»». e« so befchloffm war, und meine Lieb« soll fich verd um Dir de» verlorenm Sohn zu erfetzm." Sie schlang noch einmal die Arme um ihn ihn, dann öffnete fie da« Fenster, da« auf dm Hof führte. „Peter I" rief fie. Noch ei» schwerer Schlag dröhnte au« den»_ gebilude herüber, dann schwieg plötzlich der Lärm>** z und die gedrungene Gestalt de« Schloffermeister«("9�1 dm Hof auf da« Vorderhau« zu. Auch sei« Haar war schon ergraut, auch«u«-. rusfigm Geficht sprach tiefer Stelenschmerz, jetzt i« wie Sonnenschein über diese« Antlitz, al« er ff*' lich de« Sohn« gegmüdersah. „Grüß' Dich Gott in de, Heimath I" rief« schwielige» Hände reichend..Ich hoffe,! zurück, wie Du gegange» bist, al#«in tüchtiger» Mensch, der dem redliche« Handwerk nicht worden ist." „Zch werd« Dir schon morgen zeige», daß„ v arbettm kann und will," erwiderte Paul, ihm W» z klaren Augm schauend,„hat da« Herz auch tfW', Stoß erhalte», Kopf und Arme find aesund „Wäret Ihr meinem Rath« gefolgt und zu � bliebm—". zjck ..Sag' da« nicht, Vater, da» Fieber hatte*** J trgnffen, wir mußt« hinüber, und Alle« wäre gu tl" wm» nur unser armer Konrad»och lebtel" Der Meister hatte da» schwarz« Sammtkäpp?� »ommm,«, hielt«ß zwischen dm Häudm«üb 9 Weil, finster vor fich hin. „Sag' mir««och einmal, daß er schuldU« f.#,, er endlich da« Schweigm,„ich kann mir nicht man einm völlig schuldlosm Menschen nicht« verurtheilm und hinrichte» darf. bin ich auch nicht so ganz klug geword«.. und besser verstehe», wm» Du mir die ganz« ._ ausgestellt; Lord Wolseley hob«S alt die beste mittelländische Truppenheilanstalt in den Himmel; baute man noch den einzig guten, gegen Asten gewandten Hafen der rd-i� '1 fur i4l blid zu CypeinS Erwerb ist günstig, vorausgesetzt, datz der Eultan seine Einwilligung giedt- Der Entgelt für Latum wäre dann gefunden. Allerdings mühte dann England fich darüber Aar werden, daß der eingefchlafene Vertrag mit dem Sultan, durch welchen stch England gegen die Abtretung Cypernt zur Bekämpfung Rußlands in«lein. Asten verpflichtet, wieder in volle Kraft trete. Nach einer der»Pol. Korr." aus Petersburg unterm 15. Juli zugehenden Meldung ist am 14. d. die nunmehr di« Merw vollendete Strecke derTranSkaSpischenEifen- bahn daselbst in Gegenwart der Generäle Komaroff und Annenkoff. zahlreicher russtschrr Truppen und 2000 turloma' nischer Reiter feierlich eröffnet. Ncklgien« fiS l>Ä8 Grefte Steuern zahlt. Der Senat besteht au, IRR«- Der heutige„Montteur" veröffentlicht die für 18L6 und 1887 festgestellte Liste der zu Senatoren Wählbaren. Darnach find in ganeBelgien nur 589 Personen zu Senatoren wählbar. Da die Wähler gleichfalls nur ZensuSwähler find, so ist die ganze Zusammensetzung de, Senat, eine derarrige, daß ausschließlich der große Grundbefitz, die hohe Finanz und die Großindustriellen in ihm vertreten find. In dieser Zeit der wirthschastlichen«rifi, ist wenigsten, rm Stand, der nicht leidet— der K l e r u S. Er hat reichlich Mittel um seine Macht immer weiter aulzudchnen. In Ant. werpen am Boulevard Leopold hat er für eine Million Franks «rÄÄ xMtiÄnÄ U bähen Verdienste um Belgien bekundet werden. Hat er doch besonders dazu beigetragen,„die Seele der Kinder vor dem Hauche der Freimaurerlogen und der Schulen ohne Gott zu WMW vorweg eine Summe zurückgelegt, um-falls die Sache vorGe- richt kommen sollte— Advokaten zur Vertheidigung annehmen zu können l Vorstchtiger kann man doch nicht sein. Zuletzt r?t??2? Stani, einem Schloßbefitzer abgenommen.— Cb da» zutrifft, wird ja da, Gericht entscheiden. Viele Mel. flSnd'ttÄ? Wb-n stch bekanntlich nicht al, SÄ'K'aMrrÄ.«.® ltchen Aufgaben die Deputtrtenkammer in 75 Sitzungen er. ledigt hat; e, steht sehr wohl, daß den Freidenkern die Frei- heit der L-ichendcstaitung und den Autonomisten de, Pattser GemeinderathS di« fieffentlichkeit der Sitzungen zugestanden wurde; eS fieht ferner, daß die Trennung von Kirche und Staat auf die Tagesordnung gesetzt und daß die Ausweisung der Prinzen beschloffen wurde. Wa, ist dagegen au, den Re- formen geworden, die den Bauern vor den Wahlen versprochen wurden» Und da, Gesetz über die Armee? Und so viele rungen führten schließlich zum Prinzengesetz und zu Drohungen gegen die Preß- und AnschlagSfreiheit, welche stch vielleicht während der nächsten Sesfion verwirklichen werden. Die Per- Handlungen über den Ausstand von Decazeotll« hatten kein gr:i?dares Ergebniß und die Arbeiter haben nicht, damit ge. wonnen; st« bleiben in derselben Lage wie die Bauern. Ver» sprechungen und nicht, al, Versprechungen, aber keine Reform» gesetze! Dagegen hatten die Steuerzahler da, Vergnügen, zwei große Ar leihen beschließen zu sehen, von denen die eine durch den Staat, die andere durch die Stadt Pari, aufae- nommen wurde. Der einzige Vertrag, welcher von der Re» gierung abgeschloffen worden war. der Schifffahrt, vertrag mit Jtalren, fand in den Augen der Kammer keine Gnade. Zu- letzt erlebte man da, Schauspiel, daß bald die Rechte, bald die Linke nach irischem Muster HemmungSpolitik trieb. Wenn man also im ganzen die parlamentarische Arbeitsleistung diese, zählst, und da» jetzt gleich, e, hat mir schon zu lauge schwer auf der Seele gelegen." „So wahr ei» Gott über«n» ist, Vater. Konrad war schuldlos!" sagte Paul, die Hand wie zum Schwur erhebend, war mir schrecklich, daß ich da« wußte und dennoch da, Entsetzliche geschehen lafle» mußte." I» den Auge« de, Schlossermeister» blitzte«» freudig auf, er drückte mit sanfter Gewalt seine» Sohn in de« alterthümliche« Lehnstuhl, i« dem er selbst seine» Mittag,« schlaf zu halte» pflegte. ..Marie, laß u«S einen Krug Bier holen," wandte er stch»u seiner Frau, deren Blick voll tiefinnerer Bewegung unverwandt auf dem Sohne ruhte,„warte so lange, Paul, Tu hast eine wette Reife gemacht, ei« kühler Trunk wird Dich erfrischen." Paul nickte zustimmend, sei» Blick schweifte durch da, Z,mmer undder Ausdruck feines G.sichtes venieth, wiewohl und behaglich er fich fühlte. „E, ist Alles«och so, wie ich e« verließ," sagte er nach einer lange« Pause,„»ich», ist verändert, nur Ihr beide seid alt geworden." „Wundert Dich das?" fragte der Meister. „Nein, ich konnte«, erwarte», und ich habe mir drüben oft Vorwürfe gemacht, daß wir damals beide Euch verli.ße», einer von u», hätte bei Euch ble be» solle«/ .Za. e« wäre besser gewesen/ .«Und dann wäre dieser eine unzufrieden geworden und w nie vergessen könne«, daß er dem innere« Trieb «'cht folge» durste," warf die Mutter ew. ■.dl wa8 sei« 1" erwiderte der Meister gedankenvoll. ,,„»■39* wolltet e, ja nicht ander,, und mtt Gewalt konnte ich Such«.cht zurückhalte«!' .<"'e Frau stellte den volle» Krug, de» die Magd n ,**% wettbauchige Etemhumpe« auf de» Tisch, «?ev0ttJ Schranke Brod, Butter und Käse, und während der Meister die Humpen füllte, forderte er Paul auf, wacker zuzugreifen. .,"Dein Koffer ist auch angekommen," sagte die Mutter, ««tz ließ ihn in Dein Zimmer bringe«, das schon lange auf »ich gewartet hat." Jahre, kaltblütig überschlägt, so findet man, daß in der Schluß- rechnung die Verlustreihe sehr lang und die Gewinnrethe sehr kurz ist. Wenn nun vollends, wie man bereit» angekündigt, die Kammer«st am 11. oder 21. Oktober wieder zusammen. treten, so werden die Budgetberathungen die November- und Dezemberfitzungen verschlingen. Alle, Uedrige wird ins Jahr 1887 verwiesen. Run kostet jede Kammerfitzung dem Land« 53000 Fr,, und jede Senat, fitzung 39000 Fr,. Der„Voss. Ztg." schreibt man unter dem 17. d. Mt»: Die Pariser Stadtbahn ist wieder m unabsehbare Ferne gnückt, doch ttägt der Gemeinderath hieran nicht allein die Schuld. Der von der Regi«ung befürwortete Plan litt an einem unverzeihlichen Mangel. Er verheimlichte, daß zur Herstellung der beiden oberirdischen Hauptbahnen bedeutende Enteignungen stattfinden müssen; er begnügte fich damit, an- zudeuten, daß die Herstellung dieser Strecken Aenderungen im Straßennetz nothwendtg mache, über welche stch Staat und Stadt verständigen würden. Run ist aber ein« sachliche Be- rechnung aufgestellt, wonach allein die Strecke von der Rae Drouot nach dem Bastilleplatz 400 Mill. Grunderwerd be« dingt, wenn die Bahn vier Geleise erhält und auf beiden Sitten Straßen angebracht werden, wa, bei der Dichtigkeit der Bevölkerung in diesen Stavttheilen gar nicht aufgeschoben werden kann. Auf der ganzen Strecke muß daher 35 Meter breit Boden erworben werden. Anstatt der 475 Mrll.. welche der Plan ergiebt, find daher mindesten, 875 Mill., wenn nicht eine Milliarde erforderlich. um da, Pattser Etadtbahnney auszuführen. Da» macht 40 Millionen Zinsen und Tilgung, während der Beitteb doch auch nicht unter 20—25 Mill. zu st-hen kommen kann. Jedoch find im besten Falle 18— 20 Mill. Einnahmen zu ermatten. OmnibuS- und Pferdebahngesellschaften haben hier zusammen etliche 40 Mill. Einnahmen. Aber ste werden selbst nach Eröffnung der StaWbahn noch den größeren Thetl de, Personenverkehrs behalten, da ste stch demselben bester anbquemen, als die Stadtbahn e, vermag. Diese würde hauptsächlich für den Vorstadtverkehr von größerer Bedeutung werden. Erst allmältg, nach Jahrzehnten, würde die Bevölke- rung fich der Stadtbahn anbequemen und in Wohnung und Geschäften fich auf deren Vermittelung einttchten. Patt, ist eine zu alte Stadt und zu sehr in die bisherigen Verhaltniste eingelebt, um so leicht und schnell stch ander« einzuttchten. Die Stadtbahn würde, wenn auch nur allmälig, die größte Um- wälzung hervorbringen, welche die Pattser Verhältniffe durch- gemacht haben. Da, Beispiel von Part, sollte man sich in Berlin merken. Will man dott den schon mehrfach geplantm innerm Ring der Stadtbahn wirklich bauen, so thue man e, so bald al, möglich. Je länger e, ansteht, desto kostspieliger wird die Ausführung und um so länger dauert e, dann, bi, fich die Bevölkerung damit eingettchtet und die Anlage fich verzinst. Ganz abgesehen davon, daß gerade jetzt daS Geld so billig ist. In Marseille fand anläßlich eine» gegen den Krieg, minister voulanger gerichteten Artikels, der in einem royalistischen Blatte erschienen war, eine Kundgebung zu Ehren des Minister« statt. Etwa 1000 Personen pfiffen zuerst vor der Redaktion jene, Blatte» und zogen dann unter dem Singen der„Marseillaise" vor die Redattionen der rupudlikanischen Zeitungen und nach dem DivifionS-Kommanda, wo„Vivo rAnnSel Vive I» ESpnbliqne! Viye Bonlanger!" gerufen wurde! Grotzbritauuie«. Gladstone hat an George Leveson-Gower(Neffe Earl Granville'S). den liberalen Stnpttttcher, der jüngst bei der Wahl im nordwestlichen Staffordshire unterlag, folgende, Schreiden gerichtet:„Ehester, 10. Juli. Mein Hebet George! Mir thut Ihre Niederlage wirklich herzlich leid; aber i leiden für eine edle Sache. E, wird Ihnen in etwa, zum Tröste gereichen, zu wist.n, daß schon im gegenwärtigen Augen- blick die ganze zivllistrte Wett auf unserer Sette ist. Ich hoffe, daß Sie noch lange Jahre vor stch haben, und glaube, daß nicht viele, wahrscheinlich nur wenige Jahre verstreichen welden, bi, Sie Genugihr.ung erhatten haben- Ich rathe Ihnen, stch mit Eifer auf da, Studium der irischen Geschichte zu werfen. Ich habe derselben so viel Fleiß zugewandt, wie mrr meine geringe Zeit erlaubte, und ich bin erstaunt darüber, daß fich nicht die Stimme des Volkes gegen die ver» leumderische Gemeinheit empört,— es gtebt keine Motte, welche stark genug find— welche die ganze Ge- schichte der Union beflecken. Mir selbst bleibt e, eme offene Frage, od, wenn die Narrhttt andauert, schließlich nicht, wa, ich aufrichtig bedauern würde, die Aufhebung der Verbindung mit Jrlan» die Folge sein wird. Die Zett wird die große Lehrettn sein und wirklich ist Alle, in Allem genommen, viel in kurzer Zttt geschehen. E, freut mich, daß auch Sie daran Antheil genommen haben." Man glaubt, daß Lord Hattington endgiltig abgelehnt hat, in ttn Koalition,-Ministerium zu treten, möge nun Lord SaliSdury oder der Herzog von Argyll Premierminister werden. E, wird behauptet, daß Gladftone entschlossen sei, die Oppofition im Unterhause zu führen und den Kampf um„Gerechtigkett für Irland" fottzusetzen. Die Dienerschaft „Gute Mutter," erwiderte Paul bewegt.„Wie oft habe« wir drüben Deine Liebe, Dttne Sorgfalt schmerzlich entbehrt! Man fühltS erst dann, was einem die Mutter ist, wen» man in fremdem Lande unter ftemden Mensche» lebt." Er reichte ihr über de» Tisch hinüber die Hand, sie hielt sie einen Augenblick fest in der ihrige« und wischte hastig die Thräne fort, die auf ste gefalle««ar. Meister Lutter hatte feine« Humpen auf eine« Zug geleert, er mattete geduldig, bi, Paul den letzte« Biffe« in de« Mund brachte und de» Teller zurückschob. „So, nun könnte« wir beginnen," sagte er, fich zurücklehnend und die Hände zwischen Brust und Schurzfell .Au, unsere« ftühere» Briefe« werdtt Ihr wiffen, daß e, u«, anfangs ziemlich schlecht erging,"«ahm Paul da, Wort,„wir fanden nur wenig Gold, mit schwerer, an- strengender Arbett verdiente« wir kaum so viel, daß wir das Leben fttste» konnten. Dazu hatte» wir mit de« Feindseligkeiten der übttge« Goldgräber zu kämpfe«, und die Unkenntniß der englische« Sprache berettete uns auch Hinderniff«, an die wir früher nicht gedacht. Aber der erste Schritt war«»mal geschehen, jetzt mußten wir auch aus- harren, und gerade Konrad war«, der trotz seines schwachen, gebrechliche« Körpers»ach jeder Enttäuschung wieder mtt neuem Muth die Arbttt begann. Wir wurden allmälig mtt der Sprache vertraut und fanden endlich auch eine» Platz, auf dem wir mit gvnstigem Erfolge arbeite» konnte«. Wir waren da allerding, von dem Auswurf aller Nationen um« gebe«, aber daran gewöhnt man fich rasch, man muß stch nur diese Leute drei Schritte vom Leib« halte«. Sie wachte« allerdings Versuche genug, mit un« im gute» oder im böse« anzubinden, aber die derbe« und beißende« Be- merkungen Konrad, scheuchten ste zurück, und so lebten wir still für un». Ein Hundeleben war', ftttlich, Ihr werdet', zugeben müffen, wen» ich Euch später einmal da, näher beschreibe, aber wir ertrüge»'» geduldig, sahen wir doch mtt jedem Tag« unsere Ecsparoiffe sich mehre«. Sobald unser Vermöge« die von un, fest- I gesetzte Höhe erreicht hatte, wollte» wir heimkehre», da, war in Downing Skeet(Miniftettum) hat berttt, Befehl erhalten, die Gladstone und seinem Personal gehöttgen Gegenstände fortzuschaffen. Am 18. d. fand nach der„Franks. Ztg." in London eine Sozialistenversammlung unter freiem Himmel statt. Die Polizei verlangte, daß dieselbe auseinandergehen solle, worauf der Sozt�listenführer Williams antwottet«, die Polizei werde durch ihr Vorgehen die Sozialisten nöthigen, geheime Versammlungen abzuhalten. Schließlich wurde dem Meettng gestattet, die Verhandlungen fottzusetzen. Italien. In Italien haben am Sonntag die nothwendig gewor« denen ErgänzunaSwahlen für die Deputtrtenkammer stattgefunven, bei welchen die Regierung einen Sitz gewonnen hat. Es wurde in Ravenna und Forli der Radikale Cipttant wiedergewählt. Außerdem wurde in Ravenna der Kandidat der Radikalen, Calvest, gewählt. In Ferrara wurde Jmbttani von dem ministeriellen Kandidaten Cavalieri geschlagen. In Reggio wurde der Kandidat der Oppofition, Vollaro, gewählt. — Cipriani, Wahl in Ravenna und Forli war von der Kammer für ungiltig erklätt worden, weil derselbe von den Gerichten wegen eines gemeinen Bergeh-nS bestrast worden ist. Seine Anhänger behaupten jedoch, daß Civttani'S Ver- urtheilung au, politischen Gründen und auS Partttgeist er- folgt sei. Amerika. In einer Versammlung der Verwalter der westlichen Eisenbahnen legten die beiden Ausschüsse Pläne vor, um die alten Raten wieder herzustellen. Dieselben wurden der Hauptsache nach genehmigt. Hierdurch findet der Eisenbahn« tarifkrieg sein Ende und werden die Frachtpreise nach allen Punkten westlich nach Chikago auf allen Konkurren, bahnen auf die alte Höhe gebracht. Endlich find die 12 Geschworenen beisammen, um den Prozeß gegen die kürzlich in Chikago verhafteten Anarchisten eröffnen zu können...„. Im Lause der Debatte im Repräsentantenhaus nannte Mr. Latrd, der republikanische Abgeordnete für Re- braSka, Mr. Cobb, den demokratischen Abgeordneten für In« diana. einen Lügner. AlS fich Beide später im Vorsaal Käsen, wiederholte er die Beleidigung in noch stärkerer Form. Cobb behauptete sodann, daß Laird ein Meineidiger sei. Hierauf versetzte Laird seinem Gegner einen starken Schlag inS Gesicht, so daß daS Blut au, Nase und Mund hervorquoll. Die Um» stehenden trennten schließlich die beiden Abgeordneten. AuS Mexiko eingegangene Nachrichten besagen, daß die Insurgenten die Stadt Guerro eingenommen und in BerthitdtgungSzustand gesetzt haben. E» wird hinzugefügt, daß die Insurgenten fich jetzt nach Nuevo Laredo zu bewegen._ Gerichts Zeiwng. Reichsgericht»- Entscheidung. Leipzig, 19. Juli.(Be- leidigung durch die Presse.) Von dem Landgericht« in han- nooer war der Buchdruckereibefitzer und Redakteur deS humo- listisch- satyrischen Blattei„Irrlicht", Herr Klapproth wegen Beleidigung zu 200 M. Geldstrafe verurtheilt worden. In- kttminitt waren zwei Artikel seine. Blatte,, entbatten in den Nummern vom 20. Dezember v. I. und vom 14. Februar d. I. In der Hauptsache dezogen fich dieselben auf den Gymnafial- lehret Herrn Dr. Kiel, wenngleich in dem ersten Attikel mehr von den Lehrern im Allgemeinen die Rede war, indem ihnen der Vorwurf gemacht wurde, fie seien„Zigarren und Schmöker- suchende und Verbindungen riechende Fanatiker". Der zweite Artikel handelte von einem„Dr. philadelphiae", den Verfasser des Buche,„Die Venu, von Kilo", welche. Buch al, ein alberne, hingestellt wurde. Da Herr Dr. Kiel ein Buch über die Venu, von Milo geschrieben hat, so mußte den Lesern, die mit den Verhältnissen einigermaßen vertraut waren, sogleich klar werden, wer gemeint war. In der Bezeichnung„Dr. philadelphiae" war da, Gericht natürlich auch geneigt, eine Beleidigung zu erblicken, aber e, glaubte dem An- fe x'-.° Wissen au. Scher, oder Dummhett„philadelphiae" gesetzt babe Der beleidigende Charakter der anderen Stellen fühtte dann zu der oben erwähnten Verurth-ilung. Mit dieser nicht zu- frieden hatte Herr Klapproth Äevifion eingelegt und darin ausgeführt, durch den ersten Artikel könne sich gar kein be- stimmtet Lehrer beleidigt fühlen, denn e, sei ganz allgemein von„einem" Lehrettollegium und„manchen" Erziehern darin die Rede; welche Schule in Betracht komme, sei auch nicht darin gesagt. Der ReichSanwalt beantragte jedoch die Ver- werfung der Beschwerde, da stch dieselbe ausschließlich gegen die BeweiSwürdigung wende. Es sei ganz zutreffend im Ur- thetle nachgewiesen, daß eine Beleidigung bestimmter Personen vorliege. DaS Reich»gericht(III. Strafsenat) verwarf daher die Reoifion. Zürich. Ein origineller Strafprozeß spielte fich in vottger von Anfang an beschlossen. Nebe» unserem Zelt lag da» Zelt eine« JrländerS, eines rohen Bursche«, der für sich allein Hausse, und dem jeder au, dem Wege ging. Master Pakick, wie er genannt wurde, hatte eine Mine entdeckt, die ihm reiche Ausbeute lieferte und unerschöpflich zu sein schien. Er wurde darum beneidet und angefeindet, man behauptete, in seinem Zelt müßten unermeßliche Schätze liegen, und mehrmals war schon der Versuch gemacht worden, ihn zu beraube», aber diese Versuche hatte er bi»her stet, zu ver- eitel« gewußt. Wen» die Agenten kamen, die da« Gold aufkaufte« und dafür gute« englische« Papiergeld zahlten, war Patrick stet« unter de» Verkäufer«, nie sah man ihn betrunken oder am Spieltisch, wo so mancher Goldgräber den Gewinn einer ganze« Woche in wenige» Minute« vergeudete." (Fortsetzung folgt) Ans Kunst und Zeven. Ei« ergötzlicher Streit ist zwischen einem Droguiften an der HerzogSstraße in Elberfeld und der Polizei ausgebrochen. Besagter Droguist hatte an seinem Hause die Aufschrift„Me- dizinal Droguerie" angebracht. Die Polizei, wahrscheinlich von den geschworenen Feinden der Droguisten, den Apothekem, darauf aufmerksam gemacht, fordette den Droguisten auf, daZ Wort„Medizinal" zu entfernen und ließ. alS dieser fich weigerte, dasselbe überpinseln. Der Droguist klebte darauf über die polizeiliche Maleret einen Zettel mtt der Aufschrist: „Polizeilich gestrichen." Ei« schreckliches Unglück ereignete fich am Freitag Abend etwa 2 oder 3 Meilen östlich von Dover. Ein Mit- glied der Küstenwache bemerkte am Rand« einer der höchsten Klippen einen mit Zeichnen beschäftigten Herrn und warnte ihn vor der Gefahr, der er stch aussetzte. Bald darauf packt« der Künstler sein Zeichenmatettal zusammen und schwang sein Gr- päck auf die Schulter, wobei er unwillkürlich eine Wendung machte und rückling, über die Klipp« stürzte, die an jenem Punfte mehrere hundett Fuß Hoch ist. Der Kastenwächter stieg sofort auf anderem Wege in die Tiefe hinab, wo er die Leiche Wilson, Hemingford-road, BarnSbury, London." Wocht vor der AppellationtUlmme! de« Odergericht« ab. Auf der Anllaaebant erschien ein gewisser Johanne« Egli von Dürnten(Kanton Zürich), in früheren Jahren al« hervor« ragende« Mitglied der Hochstaplerbande unter dem Namen »Baron von Dürnten" weit bekannt. Ungemein sprachenkun« dig, viel gereist, von feinen Manieren, machte er Hotel« und Bahnhöfe unficher urd spielte in feinen SalonS und Klub« eine heroorragende Rolle. Wegen feiner großartigen Echwin« deleien verbrachte er nicht weniger alt 23 Jahre im Gefängniß. ird um so eher die LeistunaSunfähigkeit der Genoffenschaflen herbeigeführt werden, alS sehr bald die Arbeitnehmer darauf fußen, da» schiedsgerichtliche Verfahren anrufen und un- bekümmert um deren Wissenschaft über die zur Verhandlung stehenden Strestftagen Personen alS AuSkunftSpersonen de« nennen werden, welchen bei augenblicklicher Ar beilSIoft gleit die gewährten Reisevergütigrmgen eine sehr angenehme Einnahme« quelle bieten." Die Selbstmorde im Königreich Sachse«. Wir finden in dem neuesten, vom königlich sächfischrn statistischen Bureau herausgegebenen„Kalender und statistischen Jahrbuch" einen besonderen Abschnitt, der die innerhalb einer 2üjährigtn Periode, von 1861 bis mit 1885, verzeichneten Selbstmorde im König« reich Sachsen betrifft. Demselben ist zu entnehmen, daß stch deren Zahl in der genanntm Periode von 643 auf 1146 gesteigert hat(noch 1854 betrug die Zahl nur 647). Dem« «mäß kamen auf 100000 Einwohner im Jahr« 1861 29, im Jahre 1885 36 Selbstmörde. Die Steigerung war indeß nicht ohne Unterbrechung. Zuerst stieg die Zahl bis 1868 auf 800, dann trat eine Abnahme ein, denn 1869 wurden nur 710, 1870 nur 657 und 1871 nur 653 Selbstmorde verzeichret. Auch die «Ulteriell günstigen Jahr« 1872 bis 1875 zeigten noch eine ver» biltnißmäßig nicht so Hobe Selbstmordzahl, 1872: 687, 1873: 723, 1874: 723 und 1875 1 745. Dagegen wuch« die Zahl in den nunmehr folgenden materiell ungünsti« gen Jahren sehr ralch und bedeuiend, denn e» wurden gezShlt 1876: 981, 18.7: 1114, 1878: 1126, 1879; 1121, 1880; 1171 und 1881 sogar 1218 Selbstmorde oder 42 Selbst. Mörder auf 100 000 Einwohner. Seit dem letztgenannten Jahre hat stch wieder eine Verminderung gezeigt, die freilich ohne Stetigkeit gewesen; man zählte nämlich 1882: 1128, 1883: 1205, 1884: 1114 und 1885: 1136 Selbstmorde. Die neuesten Erhebungen zeigen also, wie 1883, auch bezüglich des ooitgen Jahre« wieder eine Steigerung der absoluten Ziffer, wa« wohl tn erster Linie wieder auf den schlechten Geschäftsgang zurück« zuführen ist. Man bessere die materielle Lage des Volke« und mit dem Elend und der Verzweiflung wird auch der Selbst« mord abnehmen und schließlich ganz verschwinden. Erfreulich ist e«, wenn man einmal den Lesern ei.ie gute Nachricht in wuthschafllicher Beziehung mittheilen kann. Die Strumpfwaarenfabrikation in Apolda geht jetzt äußerst lebhaft; die Nachfrage nach Arbeitern ist bedeutend, woraus hervorgeht, daß Arbeit übergenug vorhanden, wenngleich der Lohn noch nicht in die Höhe gegangen ist. Allerdings gleicht diese er freuliche Mittheilung bei der Unsumme von schlimmen Nach« richten auf wirthschastlichem Gebiete einem Oeltropfen, den «ran auf die unruhigen Wellen spritzt. Auch die Handelskammer« in Baden klagen über schlechten Geschäftsgang. Wir wollen diese Klagen hier nicht wiedergeben, da fie stch nicht von den von uns schon mitgr« theilten anderen Handelskammern unterscheiden. Jntereffant ist nur, wenn der Karlsruh«, Bericht bemerkt, baß verschiedene Geschäfte unter der ausländischen und verschiedene Geschäfte «nter der inländischen Zollpolitik zu leiden haben. Dann aber «steht dieser Bericht auch offen ein, daß eine Anzahl von Ge« schäften, besonders von größeren, die Arbeiterzahl nicht un« wesentlich herabgesetzt hätte. .3« der Aktien-Wollwiischerei und Kämmerei i« Dühre« bei Hannover wurden im Jahre 1885 nicht weniger «U 13 Millionen Kilo rohe Wolle verarbeitet. 988 Arbeiter wurden beschäftigt und an Löhnen 625000 Mark auk gezahlt. Da» macht einen jährlichen DmchschnittSverbier.st von 631 M.! Man steht die Löhne find auch dort trotz der umfangreichen Produftion sehr gering. A«S dem HandrlSkammerberichte von Reust(Rhein« land) geht hervor, daß die Papierfadrikanlen für gesetzliche Einführung der Sonntags, übe eintreten. Sie haften dieselbe für«tn Mittel, um der Uednprodultion ent« aegenzutreten. Wir wollen dem nicht wideistreiten. da wir Anhänger der Sonntagsruhe find. Aver wir find der Meinung, daß die Aufhebung der SonnlagSardeit nach der angedeuteten Richtung hin keinen Einfluß auf die ProdufttonSverhältniffe ausüben kann, wenn nicht zu gleicher Zell«in gesetzlich ein- geführter Maximalardeftttag hinzukommt. Gesetzt, in einer Sabril herrscht gegenwärtig eine tägliche Arbeitszeit von 11 und eine SonntagSarbeitSzeit von 6 Stunden und letztere würde abgeschafft, so brauchte der Fabrikant im Uebrigen nur die tägliche RrbeitSzett von 11 auf 12 Stunden zu erhöhen, dann ««e an der WochenarbeUSzeit nicht« geändert. Also keine Halbheiten, die nichts nützen können. Die Zentral-Krankenkasse de« Zigarrenarbeiter. Die Zentral-Krankentaffe der Tadakarbeiter Deutschland« mit dem Domizil in Hamburg hatte bekanntlich im Vorjahre ein Defizit von 6? 000 M. Nach Nachrichten von der außerordentlichen da« Defizit zu decken. Mereiue und Uersammlunge«. Dresden, den 19. Juli. Die konservativen„Dresdener Rachrichten" schreiben:„Wohl an 2600 Personen füllten vor« gestern Abend den Saal ver Zentralhalle, die angienzenden Lokalitäten und die Gallerten bi« auf dm letztm Stehplatz, um ein hervonagendeS Mitglied der sozialdemokratischen Partei im Reichstage, dm Abgeordneten Hasenclever, über ein Verantwortlicher Redaftem R» Thema:„Die Arbeiterbewegung und§ 152 der ReichSge» werbeordnung" zu hören. Der Einberufer der öffentlichen Volksversammlung, ein Herr Isaak, auf den auch die Wahl alS 1. Vorsitzenden fiel, schickt« vorau«, daß in Folge de« bei einer am 28. April d. I. hier stattgefundmen öffentlichen Versamm- lung der Tabalardetter erso'gtln Eingriffe« in daS KoalitionS- recht der Ardefter eine Petition an den Reichstag zu Stande gekommen sei, deren Schwerpunft auf Beseitigung oder Auf« Hebung d«S VereinSgtsetzeS in den einzelnen deutschen Ländern dastre. Nach dieser Richtung werde auch der Vortragende sprechen. Hierauf ergriff Hasenclever, mtt langandauerndem Beifall begrüßt, daS Wort und zittrte nach einigen einleiten- den Bemerkungen über die Nothwendigteit der Arbeite! ver« einigungen den Wortlaut de« erwähnten Paragraphen. Dort heißt e« bekanntlich:„Alle Verbote und Strafbestimmungen gegen Gewerbetreibende, gewerbliche Gehilfen, Gesellen oder Fabrikarbeiter wegen Verabredungen und Ver> einigungen zum Behuf der Erlangung günstiger Lohn« und Arbeitsbedingungen, insbesondere mittelst Einstellung der Arbeit oder Entloffung der Arbeiter werden aufgehoben%." In diesem, 1879 der deutschen Gesetzgebung einverleibten Paragraphen stehe klar, daß Verbote gegm Be< strebungen der Arbeiter in dem Verein srahmen, sofern eine günstigere Gestaltung deS Arbeits oerhättnisseS bezweckt werde, nicht erlaffen werden dürften. Im schroffen G-gmsatz dazu halte man aber in einzelnen deutschen Staaten, insbesondere Preußen, Bayern und Sachsen auf Grund der dort existiren« den Vereinsgesetze derartige Verbot« aufrecht und motivtre da« einfach mft der Behauptung, die aufgehobenen Vereine seim au« dem ihnen gestatteten Rahmen heraus und in dai politische Gebiet eingetreten. AllerwärtS vermiffe man eine Direktive über die Frage, waS unter volittfchem Verein zu ver« stehen sei; die einzelnen Landesbehörden erblickten in jeder öffmtlichm VereinSkundgebung in Bezug auf Gesetzgebung, die Verfolgung politischer Zwecke, anstatt zu berückfichtigm, daß hiervon die Schritt« zu etner günstigeren Gestaltung dei Ar« deitSverhältniffeS unzertrennlich seien. DaS Reichsgesetz gehe über die LandeSgesetze(BravoS l) und um daS RechtSbewußt- sein deS Volkes zu stärken, sei ein Eingreifen der RetchS« regierung dringend nothwendig. Nachdem stch Hafen. clever als prinzipieller Gegner der Arbeitseinstellungen deklarirt hatte, wtil im günstigsten Falle nur ein momentaner Sieg der Arbeit über da« Kapital erreicht werden könne, immerhin aber von ihm der Streik al« ein anständiges Hilfsmittel, die Lage der Arbeiter zu verbeffem, auerkannt war, ging er zu einer Krttik de« viel angefochtenen StreikerlaffeS de« Ministers von Puttkamer über. ES sei eine patriotische Pflicht, dm seit 20 Jahren in Deutschland so erfreulich vorwärts geschlittmm Arbeiterstand hoch zu hal- ten; gerade dem Arbeiter stehe dai Recht der Vereinigung mehr wie jeder anderen Gesellschaft zu, und man treib« mit der deutschen Einheit, wie fie auch in der deutschen Ardeiter» bewegung zum Ausdruck gekommen sei, ein gefährliche« Spiel. Im Weiterverlaufe seiner AuSführungm streifte der Redner sein Verhalten im Reichstage gegenüber dem v. Puttkamer« schen Erlaß und bemängelte da« negative Verhalten der Reichs« regierung gegenüber den Eingriffen in daS KoalitionSrccht der Ardeiter in einer Form, welche den üderwachendm Polizeide» amtm, Herm Kommissar Hohlfeldt, veranlaßte, die Versamm» tung aufzulösen. Die Menge deantwortete die Auflösung mtt Hochrufen auf Haser clever und nahm eine fast drohende Hal« lunz zur Polizei an. Unter fortgesetztm demonstrativm Kund« gedungen dieser Art räumte die Menge langsam den Saal. In der Nähe d«S Ausgange« wurde trotzdem dai Gedränge so arg, daß der dort befindliche Ofm seinen Halt verlor und um- stürzte." An diesen Bericht nun knüpft daS genannte Blatt die tiefstnnige Bemerkung, daß auS den Deduktionen HasencleoerS jeder Unparteiisch« die Uederzeugung hätte gewinnen müffen, daß Hasmclever nicht zu dm gemäßigten Mitgliedern seiner Fraktion zu zählen sei: man vermisse bei ihm die objettioe ruhige Kritik über politische Fragen. Die„Dresdner Nach- richten" müssen'« ja wissm. Verein für Technik«nd Gewerbe, MUtelstraße 65. Mittwoch, Abend« 8# Uhr, Vortrag. Gäste willkommm. Rauchklnb„Untenm" jeden MUtwoch, AdmdS 8 Uhr, Adaldertstr. 4._ Kermischtes. Gewissensbisse. Skizze auS dem Pariser Leben von A. Chambeau. Wir F:«urvd« hatten eine« Abend« wieder einmal in §emüthlichem Betjammmsein allerlei Erinnerungen ausgetauscht. leder hatte da« eine oder das ander« Jugend« leb.. iß zum um Besten gegeben. BloS Maurice Letourneur, der eben erst in die Vertheidiarrliste eingetragen worden, war während deS ganzen Abend» stumm geblieben. Er lag bequem ausgestreckt in einem großen Fauteutl und folgte mit zerstreuten Blicken dem Rauch seiner Zigane, der in wirren Kringeln in die Luft stieg.„H.da, Maurice." rief ihm Advokat Gommery zu.„Du glaubst vtrlleich», Du bist bei einer Verhandlung, weil Du an ganz ander« Sachm denkst! Sehen Sie nur, meine Herrm, wai er für eine ernst« Miene macht. Sein Gestcht ist ebenso hermetisch zugeknöpt, wie sein prachtvoller Schlußrock. Vor. wärt», Maurice, erzähle unt etwaS, eine Geschichte au« der Zeit, wo Du noch SakkoS ttugst, die Du gewiffenhaft schuldig bliebst!"„Meine Freunde, ant- wartete Maurice Letourneur,„ich könnte Euch allerdings etwa» erzählm, aber«S ist ein Abmieuer, dei dem ich leine gute Rolle spiele. Ja, ich empfind« sogar GewiffmSbiffe, wmn ich daran zurückdmke, und ich bin überzeugt. Sie werden mich tadeln, wenn ich die Sache»um Bestm gebe."„Geh' nur, zier' Dich nicht," warf Gommery ein,„Du kannst Dich ja jetzt selbst veriheidigen, Du gewinnst also in jedem Falle, dmn wenn wir auch den Angeklagten verurtheilen, können wir wenigsten« dem Vertheidiger Beifall klatschm. Herr Dr. Le> tourneur hat da« Wort!" fügte er hinzu, indem er den dur« letken Ton deS GerichtSpräfidenten T. nachahmte. Jfhr erinnert Euch wohl noch de» kleinen Zimmer«," begann Maurice. „da» ich im Jahre 1880 in der Rue Jacob bewohnte. Ihr feiertet daselbst mein Doktorexamen mtt einem Freudenfeste, da» dem HauShirm Veranlassung gab, mtt am nächsten Morgen zu kündigen. ES war ein ruhige« Hau», daS von«ackeren Bürgersleuten bewohnt war, und ein förmliche« Aroma der Solidität ausströmte. Der gute Castel— wißt Ihr, der Eta OhfiiMl, M teWn«Ue'Sn S* d.m"fci SÄT W UÄS?-%% N MMZZWM fie Euch sogleich vorstellen. Äs SM Ki« tmmer dicht an den Mauern denen Straße mitunter hteft er ein sich r ä ä'äääS Kriefkaste« der V. K. Antonstraße. In_ b-iterdlatt.„Die Preffe", aber nicht... i(™. Donnerstag und Sonnabend. Wtt find nicht s Ä.J Ä-'Ä. ÄÄ'ÄÄrÄ*• � "--w*-— �-.«,%,. zrzz:T" Er führte ein äußerst eingezogenes, fast NösterlicheS# empfing niemals Besuche, und durch die Wand, die iw Zimmer trennte, hörte ich ihn niemals ein Lied fingen e» eine Melodie pfeifen. Er hat mich bei meinen Studien maiS gestört und kam niemals spät Nacht« nach Hause.? für meine Person war jedenfalls ein wett unbequemerer M bar, aber er hat fich meine rückfichtSlose Lebhafrigkett gefch lassen, ohne je eine Beschwerde zu führen. Die p» Person, von der ich Euch zu erzählm habe, ist � Frau...."„Aha!" schrien Alle im Chor.„Ja, eine fr« und zwar eine junge und schöne Frau, welche die Wohn« unter mir bewohnte. Sie war der TypuS der eleganten? riserin; ihr hellblondes Haar quoll unter dem Hütchen h«« daS ihr entzückmde« Gestchtchen einsäumte. Ihre Augen m etwaS klein, aber blau wie Türkise. Der feingeschnittene W geöffnete Mund ließ zwei Reihen schneeweißer Zähne za# den vollen rothen Lippen durchschimmern. Ein Stumpfnat» und zwei herzige Grübchen vervollständigten dm Eindruck bin GefichtS. Tie Einzelheiten waren sämmtlich reizend, dal» semble hinreißend. Ich traf fie oft auf der Treppe; fit WG wie ein Stieglitz von Stufe zu Stufe. Begegnete ich ihr-. drückte ich mich an daS Geländer, um fie vorüber zu W und zog respektvoll den Hut. Sie erwidert« meinen Gruß» einem graz'ösen Lächeln, da«„Gutm Morgm, Herr Nai% zu sagen schien. Ein solches Lächeln zog mir eine« seitens unseres Nihilisten einen so gehässtgen Blick> daß ich dei dem Gedanken, der arme Teufel lo» fich in die reizende kleine Frau verliebt jw* laut auflachen mußte.... An einem Nachmittag im W« nun saß ich allein in meinem Zimmer, röstete meine Beil«! dem flackernden Kaminfeuer, rauchte eine Unzahl Ziza«j und laS Gautier'S Gedichte. Plötzlich klopfte e» an m* Thür. Ich rufe„Herein!"— e« rübrt stch nicht». Ick j- also öffnen, und wer beschreibt mein E.staunm, alS ick» meiner l leinen Nachbarin gegenübeisehe. Sie trat rasck° drückte die Hand auf'S Herz, gleichsam um die Schläge' selben zu dämpfen, heftete einen langm, zugleich ttor und sanften Blick auf mich und sagte mit zitternder Si« „Ich habe Ihren Brief erhatten; Sie sehen, ich bin ff mcn..." Ich blieb regungSlo« vor ihr stehen; meine i hielt immer noch da« Buch umklammert und ich muß Zweifel ein sehr wenig geistreiche« Geficht gemacht den. Schon wallte ich ihr auseinandersetzen, daß A fall» ein Jrrthum vorliege und daß ich gar nicht gedacht habe, ihr zu schreiben. Allein im letzten Moments ich noch die nöthige Geistesgegenwart, stammelte einige sagende Worte und lud fie ein, am Kamine Platz zu w „Ist e« auch wahr, wa« Sie mir geschrieben Habens". -fie. Ich zerbrach mir nicht lange den Kopf über den' deS angeblich von mir stammenden Briefes und belheue Wahrheit aller darin enthaltenen Beistcherungen m», Sößten Energie.„Also, Sie lieben mich!" Mir% entn«rlast vom Herzen. Ah, wenn e» das ist, dachte da» ist ganz mein Fall! ES war dunkel und plötziick die Uhr meine« Zimmert die sechste Stunde. Alice erb Köpfchen und drohte mir mtt dem Finger:„Sic, Eck« Sech« Uhr! Jetzt wollten Sie fich tövten, wenn ich n« kommen wäre!" Ich gedachte wieder de« Briefe«, vofl� Alice gesprochen. Sapperloi, sagte ich zu mir, der Briefs« ist ein F-eunS starker Mittel. Ein gescheidter Kerl Ich mußte an mich hatten, um meiner Heiterkeit� allzu geräuschvoll Autdiuck zu geben. Wir schwiegen.� Plötzlich wurde die Stille durch dai Krachen einet f schuffe« unterbrochen. Derselbe war ganz in der Nah feuert worden. Wir sprangen vor Schrecken hoch in Ich stürzte auf den Flur hinaus. Thüren wurden ra!>>q geriffen und alle Stockwerke füllten fich mit MenstWv da» Zimmer meine« Nachbars, de« großen tramigen blieb geschloffen. Mein Her, schlug ,um Ze.sprWS-"-, rufe wurden laut, Fragen kreuzten sich„Dort wsrrr. man, indem man auf die verschlossene Thür deute» nächsten Augenblick hatte man fie erbrochen, und zi» ein Verbrecher lugte ich über die Menge hinweg._ Fußboden lag lang ausgestreckt ein großer dunkler R0 die Arme über die L-.ust gekreuzt, in der Stirn ein kreisrundes Loch." Kleine Mittheilunge«. � Wie«, 15. Juli. Urber die Auffindung der Leickl letzten der am Großglockner Verunglückten entnehmen» „N- Fr. Pr." folgende«:„Montag begab stch eine Ell? bestehend au« 12 Heiligenbluter Führern, denen � Gendarmerie. Poftenführer Höckel freiwillig anschloß, bekannte Unglücktstätte am Glockner-Kaar. Schon beia> stieg auf den Glöckner- Kaar«Gletscher nahmen die FOW. schwarzen Punkt seitwärts, gerade ober einer Gletscherspalt«, gegen da« Massiv de« Großglockner« zu-. hielten dieS jedoch für ein abgebrochene» FelSstück. die anderen UnglückSzenossen gefunden worden waren,' dm ganzen Tag bis gegen 8 Uhr N ichmittag« rastlol? ohne jede« Resultat. Es wurde deSwegm der Abw" getreten. Markgraf Sandor Pallaoicini war mtt eine» hl« nahe an da« Glockner Kaar vorgedrungen und y ganzen Tag auf dem Pasterzen- Gletscher mit dew glase die Arbeiten oben verfolgt. Gegen 3'/« Uhr des» wie die Führer Halt machtm, fich berietben und von bew dessen Spuren man deutlich von unten soh, abwichen, fi® die Felswände des Großglockner zuwendetm und na« � 20 Minuten abermals Halt machten und längere Sw.jjJ lirend dort verweilten. Odm hatte stch inzwischen MÜ ereignet: Di« Führer bemerkten wiederum dm auMTl schwarzen Punkt und beschloffen nachzusehm, wa» die«', der Stelle angekommen, fanden fie dm Markgrafen� Pallaoicini in sttzmver Stellung, mit den Füßen un%z über der gähnenden bretten Kluft, dm Körper nack gebeugt, die Arme brett auseinandergeschlagen.**■ A Theil d«S Körpers war von einer dünnen 6chneel°ff«A UMMW %%%%&.%& SMASZ-W» noch am selben Abend eintrafen. Gestern, A 5%%**/«10 Uhr, fand die Beerdigung Heiligenblut statt." Beilage zum Berliner Volksblalt. Ur. 167- Mittwoch, de« 21. I»li 1886» Kommunales. w. Die veerdtgwug de« verstorbene« Stadtverord- «eten.Bo�steher» Vüchteman» findet am Donnerstag, Vor. mittag« 10 Uhr, vom Festsaale de« Rathhause« nach dem Mathäi Kirchhof statt. Sämmtltche städtische Bureau« werden an dem Taae geschloffen bleiben. Anm�dnng schulpflichtige« Kinder. Eltern, Vor. tnündei jc. welche Kinder in die hiefigen Gemeindeschulen Ä?. 9- ausgenommen zu sehen wünschen, haben stch spätesten« bis*um 15. August d.J. mit den Impfscheinen der Kinder behuf« Einschulung der levteren bei den Bezirk«. «chullommisstonen zu melden. Anträge, welche erst nach dem 15. August d. I. eingehen, können von dm Schulkommisfionen nur dann für die betreffenden Bezirkeschulen berückstchtigt werden, wenn nach Unterbringung der früher angemeldeten Kinder in dm detreffmden Schulen noch Platz vorhanden ist. Die Schulkommisfionen find berechtigt, nach Befinden der Um- stände auch die Beibringung de« Geburttatteste«(resp. Taufscheine) der Kinder zu verlangen, zu deren kostenfreier Erlan. aung im Falle der Bedürftigkeit für die in Berlin geborenen Kinder von dm BezirUvorstehcrn Formulare in Empfang ge- nommen werden könnm. Diejmigen Eltern ic., welche am 1. Ottoder d. I. verziehen, und denm ihre neue Wohnung be. rett» vor dem 15. August d. I. bekannt ist, werdm gut thun, die Anmeldungen ihrer Kinder bei derjenigen Schultom. mtsfion zu bewirken, in deren Bezirk die zu beziehende neue Wohnung liegt. ��.��u Militär.Anaelegenheite« find bei der hiefigen städtischen Verwaltung in dem Etattjabre I.April 1885/86 von Reservisten und Landwehrmännern 22 Gesuche um Zurück. stelluna von der Einberufung im Fallt einer Mobilmachung ihrer hau«Iichen und gewerblichen Verhältniffe wegen einge- gangen, und haben von diesen bei der Militärbehörde 10 Gesuche Berückstchtiguna gefunden. Wegen vorzeittger Entlaffung au« dem stehenden Heere find 76 Gesuche eingegangen, von denen 48 von dem Magistrat befürwortet werden konntm. Von 1134 Gesuchen um Befreiung von bevorstehmdm Reserve» und Landwehr- Uebungen konnten nach dm angestellten Er- Mittelungen nur 534 zur Berückstchtigung empfohlen werden. Die Vernehmung von Zeugen dehus» Feststellung körperlicher Uebel und Leiden. welche vom Militärdienste befreien. al« Epilepfie u. s. w., ist in 13 Fällen verlangt worden und auch au«gesto,ben und hat in Folge deffen au» dem städtUchm Fn. validm» und Veteranen- Unterstützung». Fond» im EiatSjahre 1. April 1885/86 eine Zahlung solcher Unterstützungen nicht mehr stattgefunden. Dagegen erhielten in dem angegebeuen Zeittaum von den vetdltebenm Veteranen au« den Kriegen von 1813/15 drei laufende monatliche Unterstützungen von je 90 M., einer von 78 M. An Extraunterstützungen find an 6 Personen zu Weihnachten je 100 M. gezahlt werden. Die Gesammtkosten, welche für die Veteranen aufgewendet worden find, betrugen 4176 M. In Betreff der Jnvalidm resp. Hinterbliebenen der Gefallenen im Kriege gegen Dänemark 1864 find die End« März 1884 verbliebenen zwei Unterstützung«. Emvfän» gerinnen noch am Leben und werden mit monatlich 45 M. bezw. 30 M. unterstützt. Al« Weihnachtigeschenk ist beiden «tne Extr aunterstützung von 90 M. bezw. 60 M. geiablt worden. Die Gesammtkosten hierfür betrugen pro 1885/86 1050 Mark. zokate». Die tückische Echarlachkrankheit ist in den letzten Tagen in mehrerm Einzelfällen in der Louismstadt und zwei in der Nachbarschaft de» Loutsenstävtischen Kanal« zum Äuidruch ge. kommen. Nach den früher gemachten Erfahrungen kann diese Krankhett, auch wmn fie anfangs milde und vereinzelt auftritt, später doch in eine große und schwere Epidemie übergehen. Da «S sicher ist, daß der Scharlach stch ganz ausschließlich durch Ansteckung verbreitet, so ist den Scharlachkranken gegenüber die größte Vorficht nöthig. Durch Kleider, Bettm und andere Gebrauchtgegenstände. durch Bücher und durch Briet«, wahr» schein lich auch durch Nahrungimittel, welche in der Nähe de» Erkrankten sich befunden haben und ficher durch Milch kann diese Krankheit verschleppt und wirksam Übertragen werden. Da« letztere Fattum, das von englischen Medizinern längst alS |as Wädlhia wa Easamirmla. Ei««rinnerungSblatt a« de« 28. Zuli 1883»o« A. L e». sNachdruck verbotm.j A» einem klare«, helle« Sommermorge»,'als fast die «a»ze Bevölkerung de« schöne«, unvergleichliche« Badeorte« Easamicciola, sowohl die Eingebore«»» al« die Badegäste, sich im Freie» befand««, standen drei Personen i« aufge- regtem Gespräche«eben der Thür, die zur Bühne de« Teatro del Popolo, in welchem für dm folgenden Admd ei« neue«, glänzmde« Ausstattungsstück vorbereitet wurde, führt. Eme dieser Personm war eine alte, wohl anständig gekleidete, doch anscheinend«iederem Stande angehörende Frau, Mona Tiulia, wie man fie gewöhnlich in Jschia nannte. Neben ihr stand ei» alt« Priester, Fra Martino, welch«, seit Zahrm zum«fie« Male, stch vo» seinem abgelegmm Kirch« spiele auf Monta Rea»ur in d« Absicht mtf«»t hatte, um Mona Giulia'« Anliegm an Signor Rnbino, die dritte Person d« Truppe, zu unterstütze«. Dies« Letzt««,«in auffallmd prächtig gekleidet« Man« i« mittlerem Alter, war d« Eigmthümer de» Theat««, so« anch eine« großm Hotel« und al« ein« der reichsten und nnternehmmdstm Geschäftsleute d« Insel bekannt. Die UnterhaUuvg dauert« schon einige Zeit und« war auch augenscheinlich, daß Signor Rubino schon die Geduld ver« lore« Beut«. .«Sage« Sie kein Wort mehr, Mona Giulia I" rief« endlich ärgnlich/„und e« ist auch schade um jede» Wort, da« Sie hinzufüge«, Fra Martino; ich bin fest entschlossen. Die letzte Probe de« Stücke» ist fast bemdet— die Anzeige schon unterwegs— und die hübsche Jsaletta, da« Mädchm von Easamicciola, muß al« Glaucu»«scheine», da« ist mein Haupttruwpf." »Ab« bitte, Signor, dmkm Sie daran," wandt« er sanft zmedmd ei«,„daß e« nicht«ur die alte Giulia ist, welche nicht will, daß Zsaletta in dem uvpassmdm Kostüm auf d« Bühne«scheine, auch ihr Bräutigam, Paulo festgestellt erachtet wurde, findet gegenwärttg. und namentlich seit d« großen Scharlach- Epidemie, welche im vorigen J chre in Rostock wütbete, auch bei allen deutschen Aerzten An- erkennung. Bei Gelegenheit der Rostocker Epidemie erkrankten nämlich plötzlich Kinder in verschiedmen Häusern und Straßen. wo in der Nachbarschatt kein Scharlach vorhanden war und eS ergab fich bei näher« Nachforschung, daß alle diese Famili:» ihre Mtlch von einem Bauernhöfe zugeschickt bekamen, auf dem zu jener Zeit mehrere Personen vom Scharlach befallen waren. Nach den sorgfältigsten Ermittelungen und nach dem ein- stimmigen Urtheil der»erzte konnte die Krankheit nur durch die infizirte Milch»«breitet sein. Es wurde bei dieser Gelegenheit f«n« festgestellt, daß nur diejenigm er. krantt waren, welche die Milch ungekocht,»ficht ab« diejenigen, welche fie nur gekocht genossen hatten. Der letztere Umstand dürfte für Mütter und Hauifrauen besonder« beachten« werth sein. Für eine Wohnung, in welch« ein Slbarlachkrank« gepflegt worden ist. empfiehlt stch nach Be- endigung de« Krankenlager« eine gründliche DeSinfettion, wozu ja die neue Anstalt in der betreffmden Stadtgegend die beste Gelegenheit bietet.. � �» Mehren« Zeitungen habe« stch in den letzte« Tage« mit den Petitionen beschäftigt, welche die»«etntgten deut schen Thirrschutzveretne im Laufe der verfloffenen Sesfion dem Reichstag eingereicht haben und die— wenn fie auch nicht mehr zur Verhandlung im Plenum kommen konnten— doch in d« Petitionikommisfion die eingehendste Behandlung und die wohlwollendste Beurtheilung gesunden hat. Da« wesent- lich« Petitum der Thitlschutzvereine geht dahin, daß durch ein Reichsgesetz die Betäubung der Schlachtthiere vor ihrer TSd- tung zur Pflicht gemacht werde. Wer jemali in der Lage war, in die Methode de« Schlachten«, namentlich auf Dörfem und in kleinen Städten, einen Einblick zu gewinnen, wird unl bei pflichten, wenn wir behaupten. daß stch hier in der Thai der Humanität eine bedeutsame und dringliche Aufgabe eröffaet. Während in den meisten Großstädten die vorgängige Betäu- dung d« Schlachtthiere schon j tzt die Regel bildet, vereinigt stch anderwärt«— und insbesondere auf dem platten Lande— tradifionelle Gefühllosigkeit mit Vorurtheilen all« Art, um die qualvolle Methode des SchlachtenS bei vollem Bewußtsein der Thiere fortdauernd im Schwange zu erhalten. Vielfach kommen sogar noch ganz besondere Grausamkeiten zur Anwendung, die nicht einmal mit herrschenden Vorurtheilen entschuldigt werden könnm und die da« Herz jede« fühlenden Menschen um so tiefer empören müssen. Es ist ein Verdienst der deutschen Tdterschutzvneine, daß fie diese Mißstände endlich einmal zur öffentlichen DiSkusfion gestellt haben und wir zweifeln nicht, daß da« Plenum de« Deutschm ReichStoaeS, wenn ei— wie wahrscheinlich— schon in der nächsten Session über die ange» «gs« Frage.zu befinden hat, sein volle, Gewicht für eine dt« VolkSfittlichkett so tief berührende Forderung einsetzen wird. Da nun die Reich, regierung ihre Geneigtheit, diese Forderung in Rücksicht zu nehmm, schon frühnhin bekundet hat, so darf man hoffen, daß in nicht allzu fttner Zeit die von den Thterschutzvertinen gegebene Anregung in der Gesetzgebung ihren entsprechenden Ausdruck finden wird. Die V«handlungen über diese„Schlachtfrage" w«den ab« auch den«vetteren Nutzen haben, daß mancherlei andere, gleich. fall» die Thierquäleret belreff.-nden Punkte zur Lffenllichcn E öiterung lo-nmen. So insbesondere die, auch von juristischer Seite vielfach beanstandete Fassung del§ 360 Nr. 13 deS ReichSstrafaesetzbuch«. Diese ihrer Tendenz nach so wohl» meinende Vorschrift ist nämlich in ihr« Wirksamkeit durch die seltsamen Verllausulirungen, die ihr eingefügt find,«heblich beeinträchtigt. Sie lautet:„Wer öffentlich oder in Aergerntß erregender Weise Thier« boshaft quält oder roh mißhandelt, wird.... bestraft." Dadurch» daß hier dem Begriff dei Quälen« und der Mißhandlung die Prädikate„boShaft" und „roh" hinzugesetzt find, kommt d« gewissenhafte Richter in die Lage, im gegebenen Fall noch nach besonderen Kriterien boS- hast« und roher Gesinnung suchen zu müssen, ehe« vermtheilt. Al« ob nicht die Thatsache deS Quälen» und der Mißhandlung selbst schon zur Genüge die rohe bezw. bothafte Gestnnung deS Quälenden und Mißhandelnden zum Ausdruck brächte. Man kann getrost annehmen, daß zahlreiche Fälle der Thier- quälerei lediglich in Folg« jener beiden, mindesten« doch dm Schein der Einfch-änkung an stch tragenden Beiwörter unae. ahndet bleiben. Ebenso bedenklich ist der Zusatz„öffentlich oder in Aergerniß erregender Weise". Vielfach find auf Grund desselben Thierquäl« deswegen freig-sprochen worden, weil fie Rivittv, d« Sohn de« reichm Weinhäudl«« von Monta Rea, hat geschworen, daß er fie nicht heirathe» kann, wen»—" »Uvfinn I Und wa» schadet da« dem Mädchen s Sie kann jeden Tag Reichere und Schönere al« Paulo habe«, wen« sie will!" unterbrach der Theaterdirektor ihn heftig.„Ab« wa« wollen Sie damit sagen, daß Sie da« Charakterkostüm der Glaucu«»unpassend'«mnea? E« ist klasfisch, e« ist schön, Träfinnea habm e« schon im Karneval getragen. Doch warte« Sie und urtheilea Sie selbst. Da— sehen Sie hin!"— Die bildlich dargestellt« Anzeige de« Stücke« wurde in diesem Augenblicke die belebte Straß« entlang und bei ihnm vorüb« getragen. Die Hauptfignr de« Bilde» kellte Jsaletta in dem griechische» Kostüme dar, und da da« Bild mit ziemlich« Geschicklichkeit gemalt war, so zeigte e« fie in ein« sehr schmeichelhastm und keineswegs»«schickliche» Weise. »Da« darf nicht sein l' rief Mona letdenschaftlich. „Signor, gebm Sie mir auaenblicklich meine Nichte zurück. Sie haben mich üb« die Rolle getäuscht, die sie in dem Stücke spielm soll.' „Fällt mir nicht ei« I Ei« Kontrakt ist ei« Kontrakt, da« wird Ihne» jeder Sachverständige sage» und ich habe den unsrige», Mona Giulia, v« bliest und vttfiegelt,"«- wid«te der Direktor.„Und«och ein«, meine Liebe: Lasse« Sie mich nicht«och einmal hören, daß Sie un« die Kur» gäste«it Ihren unstnnige» Prophezeihungm eine» baldigm Erdbeben«»«scheuchen, oder—" seine Auge« blitzte» drohend.„Nun, ich»ill nicht drohen, aber ich könnte auf. hören, mich in Bezug de« Pachtzinses, de« Sie mir schon so lange schuldig find, so«achsichttg zu zeigen." Der alte Priest« redete Mona l«se zu,»achzugebm, da d« abgeschlossene Konttakt nicht mehr gebrochen werde» könne, al« sie vo» zwei jungen Männern, die eilig auf fie zukamm, u«t«brochm wurden. Ein« von diese» war Paulo Rivi«o selbst— ein hübsch«, kräftig«, jung« Landgutbesitz«, in seinen Fei«. ihre Grausamkeiten zwischm ihren vier Pfählen vomahmm» wo Niemand unmiiteldarec Zeuge ihre« V-rhaltmZ sein un» deshalb auch bei Niemandem unmittelbar Aergerniß«regt werdm konnte. Fever wird ab« zugeben, daß die erwiesene ThieequSKrei ebenso verdammt und geahndet zu wttden v«» dient, wenn fie nur durch Anzeige bekannt wird, al« wenn ste stch direkt in der Oeffentlichkeit abspielt, und daß eine Thier» quälerei, bei welcher nur gefühllos« Menschen anwesend find, sodaß im Augenblick de« Quälen« seilst keine Person Aergerniß empfindet, dadurch keineSweg« ihren Charatter als ein die VolkSfittlichkett verletzende« Delikt verliert. Cholera und Trinkwasser. In einem Artikel der„Köln. Ztg.", welcher sich mit diesem Thema beschäftigt, wird folgende v/aktische Forderung gestellt: Bei Choleragefahr sorge man für Retnltchleit im allgemeinen und ganz besonder« für durchaus reine« Trinkwasser; Städte mit großm Wafferllitungen könnm da« verhältniß mäßig leicht, z. B., wenn ihr Wasser au« fem» liegend!» Quellen kommt. Wo diese Bedingung nicht erfüllt ist, können die Blhörden immer noch viel zur Beschränkung der Seuche thun, indem fie überall und von Anfang an da, wo Cholerafälle auftreten, zwangsweise die Kloake auspumpen, die Nachbarschaft dciinfiziren und verdächtige oder gefährdete Bmnnm verschließen lassen. Aber auch wo derartige« Eingreifen nicht anwendbar, oder nicht wirksam ist, steht dem einzelnen Fami- lienvater ein sehr einfache« Mittel zu Gebot, d-rjeniam Ge» fahr, die au« dem Tlinkwaffer droht, die Spitze adzudrecken; er lasse seinen Haushalt nur gekochte« Wasser trinken. Dasselbe kann warm mit einem leichten Zusatz von Thee od« Kass e genossen, kann aber auch, nachdem e««rlaltet ist, durch eine kleine Beigabe von Brausepulver schmackhaft gemacht wer- den. Eine Messerspitze von doppelikohlmsaurem Natron und ebensoviel Weinsteinsaure, zusammen in die Waffe- flasche ge- rhan, genügen für zwei Ltt« gekochten Waffe.» und kostm kaum einen Pfennig.,, Bei den«ahlretche« Abbrüche«, die gegenwärtig in Berlin vollzogen werden, dürfte eine Untersuchung wegen fahr« lässget Körperverletzung von Interesse sein, die fich gegen einen diesigen Bauunternehmer licytet. Derselbe soll bei dem Ab> bruch eine« von ihm erworbenen Hause« am WeinbergSweg einem seiner Arbeitcr dm Befehl eriheilt haben, eine Mauer« wand vor dem Herunterreißen zu unterminiren. Kaum hatte der Mann diese Arbeit vollzogen, alt die Wand mit Krache« zusammenstürzte und mtt ihren Trümmern auch dm Arbeit« fortriß, der eine arge Quetschung davontrug, von welcher er trotz eine« längeren Aufenthalte« in der Charit« stch immer noch nicht erhott hat; e« erscheint überhaupt fraglich, ob er die Erwerbsfähigkeit wiedererlanam wird. Die SlaatSanwalt» fchaft ist nun gegen den Bauuntemehmer wegen fahrlSsszer Körperverletzung eingeschritten und hat auch bereit« die An- klage gegen ihn erhodm. Ihr ist der Rechtsanwalt Dr. Korn al» N-benkläg« betgetretm, indem er zu Gunsten seine« schw« verletzten Kltmten die Zuerkennung einer Buße beantragt. Ein drastische« Beispiel de« anspruchsvollen Gedahrm«. mit welchem fich die Zünftler selbst in solchen Fällen auf» spielen, in wellten fie Wohlthaten empfangen sollm, hat neu« lich die htestge Malerinnung gegeben. Dieselbe hat eine Fach- schul« für Zeichen, und Mal-Unterricht in ihr von d« Stadt unentgeltlich überlafienen Räumlichkeiten errichtet. Auf Ver- MM'WZW der Schule ,u verbessern. Der Minister hatte einen Staat«. zuschuß von 3000 M. in AuSstcht gestellt, wenn von der Stadt neben der Heigabe de« Schulraume«, d« Heizung, Beleuchiuna und de» Wasser« ein Bettrag von 1500 M. gewährt werde. Die Gewerde-Deputation, bezw. deren Unterricht» Kommisston erklärte fich nicht nur dazu bereit, sondern offertrte auch geeta» netere Schulräume al« die bisher benutzten, verlangte ad«, daß die Schule unter ein besondere« Kuratorium, bestehend au« den 6 bt«her al« Letter der Schule fungirenden JnnungSmit- «lt-dern und 2 Mitgliedern, wflche die Gewerbe-D-putation «nennen würde, gestellt werden sollte. Die Malerinnung, die £*tte3B!Si~£S d» Stadtgemeinde. lehnte aber die Errichtung de» Kurato- ijum« ab, da ste der Anficht sei, daß der Innung die Ein- richtung und Leitung der Schule, sowie die Entsch-ivung über tagtkleid««, doch, mit strengem, unmuthigem Gesicht«au«- drucke— d« Andere war ein« sein« Freuade, Manuel» Gorga«, ei» N»taria>«schreib«. .Wa« soll da« heißen?" rief Paulo au», indem« stch hauptsächlich an Mona Giulia wandte.„Wa« bedeutet diese» skandalöse Bild mein« Jsaletta in Knabenkleid«». welche« ich soeben gesehe» habe?' Die alte Frau machte dem junge» Manne eine v«. zweiflu»g«volle Geberde,»ährend Fra Martino traurig dm Kopf schüttelte. Paulo«rieth instinktmäßig,»a« zwischm ihn« und dem Direktor vorgegangen war, und brach sogleich, ttotzdem sei« Freund ihn warnend mit dem Ellboge« anstieß, in wüthende Drohung« gegen diese» letzter« au«. „Sie glauben mich mit Ihr« lächnlich« Anficht« üb« mädchenhafte Zurückhaltung Überzeug« zu köan«, Dummkopf?" erwid«te ärg«ltch d« Diuctor.„Da, seh« Sie her!" Paulo wollte eben eine wüthende Antwort gebe», al« sich die kleine Thür wied« öffnete und Jsaletta, vo» einer der Ankleiderinne« gefolgt, in ihrem glänzende« Theat«- kostüme auf der Schwelle erschien. Mona Giulia hielt sich schaud«nd die Auge» zu, al« sie ihre geliebte Nichte in dies« V«kleiduag«blickte, wäh- rend d« strenge Unmuth auf Paulo'« braunem Gesichte fich eh« vergrößttte al« verringnte. Jsaletta war«st fiebzeh» Jahre alt und so schön, daß Niemand ihr d« Titel, de« fie unt« de« Badegästen erhalt« hatte, zu bestreite» wagte. Man nannte sie nur:„Da» Mädchen von Easamicciola". Doch jetzt war« ihre Augen vom Wein« roth und fie hielt fich in furchtsam«, nie'v«geschlaqener Stellung, so, a!» ob fie d« vorwurfsvoll« Blick de« Geliebt« nicht ertrag« könnte. „Da ist siel Na, wie finde» Sie sie?' rief Signor Rubino triumphirend.„Da« soll die Krone de« ganz« Stücke«:„Die Zerstörung vo» Pompeji' sei«. O, e« wird ei» riesig« Erfolg werden!' „Da» wird niemals sei«— niemals I Mtt mein« Lehrplan und Unterrichtsmethode bleiben müsie, und ihr« Mit« § lieber all Fachmänner am besten deurtdeile« lönn'en. was für ie Fachschule nothwendig und nützlich sei, auch die Wahl der Lehrer beansprucht fie ausschließlich. Sie gestaltet also gnSdigst, daß die Stadt idr die Schulräume, Heizung, Beleuchtung und Wasser zur Vertagung stellen und einen baaren Zuschuß von 1500 M. leisten darf, bestreitet aber, daß derselben daß Recht zustehe, sich darüber zu vergewissern, waS auS der Schule wird. Die Folge ist, daß die Gewerbe'Dtputation dem Mi» nister erklärt hat, die Sladt sei nicht in der Loge, die Bedin« eungen der Innung zu erfüllen, daß also vorläufig die Maler- fachschule in der alS unzulänglich ernannten Verfassung ver- bleibt. Man darf mit einiger Spannung erwarten, wie der Minister fich zu den Ansvrüchcn der Innung stellt, dezw. ob er bereit sein wird, der Innung den StaatSzuschuß zu bewilligen und ihr gleichzeitig die Verwendung vollständig anheimzu« «eben. Ist die Uebertragung der Retourbillett strafbar? Diese für den Verkehr äußerst wichltgr Frage hat in jüngster Zeit die Fachkreise lebhast beschästigt und ist zu den ungezählten juristischen Kontroversm all eine neue hinzugetreten. Don den RechtSlehrern hat namentlich der bekannte Töltinger Professor Rudolf von Jhering für die Uebertragbarkeit der Retourbillett sich ausgesprochen, und dieser Anficht find auch zwei Urtheile der Oberlandeigerichte Naumburg und Celle beigetreten. Die entaegengesetzte Auffassung hat Altmann in Gruchot» Beiträgen 1886, Heft 1 vertreten. NeuerdingS behandelt daß Thema der Rechtsanwalt A. Westrum in der„Juristischen Wochenschrist" und sucht dort zu beweisen, daß, selbst wenn richtiger Anficht nach die RetourbilletS nicht übertragbar sein sollten, daraus noch nicht eine Strafbarkeit wegen Betruges gefolgert werden könne. Dieselbe sei ausgeschlossen wegen mangelnden oder doch unerwicsenen DoluS. Schließlich wird noch darauf hin» gewiesen, daß, wenn ein gutgläubiger Reisender daS von einem andern erworbene Retouroillet vorzeigt, darin wohl überhaupt keine Täuschung zu finden ist. Er sagt damit ja überall nicht und will damit nicht sagen, er habe daS Billet von vornherein für fich erworben, und würde vielleicht auf besonderes Befragen sofort ausdrücklich das Geaentheil erklären. Die Eisenbahn- Verwaltungen würden gut thun, wenn fie den Vermerk:„Nicht übertragbar" auf den BtlletS ganz wealaffm würden, da er doch weder juristischen noch praktischen W.rlh hat. Ueber eine sensationelle Verhaftung berichtet die „GerichlSzeitung" folgendes: Eine Verhaftung wegm Landes» verrathS, die vor einigen Tagen in dem nahen Schöneberg durch den dortigen AmtSvorstehcr Feurig unter Zuziehung Ber« liner Kriminalbeamten und Gendarmen erfolgte, machte dort nicht geringes Aufsehen. Seit längerer Zeit wohnte dort in dem Hause Hauptstraße 15 der ehemalige Ingenieur- Lieutenant v. Härtung mit einer Dame, zu der er in einem intimen Ver« hältniß stand. Plötzlich löste er dieses Vcrhältniß und trat zu einer anderen Pei stm in ein solches, mst der er eine Wohnung in der Hauptstraße 79 bezog. Die erster« soll nun dem früheren Geliebten, der von ihr vollständig unterhalten wurde, in die Karten gesehm und sogar einen Theil seiner Korrespondenz in Händen gehabt haben, auS der unzweifelhaft hervorging, daß v. Härtung Pläne der Magdeburger Festungswerke, wo er früher in Gamison gestanden, an auswärtige Staaten ver« rathcn hat. Diese Korrespondenzen hat fie der Behörde über- geben, und auf Grund derselben soll die Verhaftung erfolgt sein. Selbstredend entziehen fich die näheren Detail» vorläufig noch jeder Besprechung, v. Härtung wurde zunächst nach dem Milttärarrest in der Lindenstraße geschafft. Nachdem aber fest- gestellt, daß er nicht mehr in Milttäroerhältnisstn steht, ist seine Uederfühiung in den UntersuchungSarrest nach Moabit veranlaßt, wo am Mittwoch die standesamtliche Heirath mit seiner letzten Geliebten und demnächst sein Transport an daS Reichsgericht in Leipzig erfolgen soll. Behufs informatorischer Zeugenvernehmung wurde, wie ei« Berichterstatter mittheilt, am 17. d. M., in Sachen der Grünauer KonflittSaffäre der Berliner Maurer mit Land- gendarmm und Polizisten der Maurer Wagner in seiner Wohnung, Rttterstr. 122, verhastet und bi« jetzt nicht wieder fteigelassen. Der Stadtverordnete Herold hat den Redakteur der „StaatSbürger-Zettung" wegen Beleidigung verklagt. Die Oelfarbendrnckbtlder find jetzt fast gänzlich aus der Mode gekommen. Trotz ihrer vielfachen Fehler und Mängel erfreuten fie fich lange Jahre hindurch einer großen Beliebtheit und fanden namentlich als Prämim zu den bekannten Kolpor- tage-LteferungSwelken eine willkommene Verwendung. Ihr Haupifehler war ihre Prämieneigenschast, doch machten fich auch andere Mängel sehr fühlbar, z. B. daS Schwarzwerden des Goldrahmen», da» Verschrumpfen und Zersetzen deS Bilde» durch Feuchtigkeit, da da» Bild nicht auf Leinwand, sondern auf Papier gedruckt wurde u. dergl. m. Die Oelfarbendruck- dilder find jetzt fast vollständig verdrängt worden durch die GlaS-Chromodilder, die fich allerdings sehr vortheilhast vor dm Oelfardmdrucktildern Hervorthun. Der schreimde Äoldrahmm ist vermieden wordm und ist an dessen Stelle ein einfacher oder imitirt geschnitzter dunster Holziahmen getreten. Ferner ist da» Bild unter GlaS und zeigen die verschiedenen Dar« strllungm ein« saubere Ausführung und dai Ganze ein höchst gefälliges Aeußere. Die Glas Chromodilder gehören zwar auch zu den Oeldruckbildem, doch unterscheiden fich die ersteren von Zsaleita in der Rolle des Glaucu«!" schrie wild die alte Frau.„Sehen Sie da» arme Kmd an, Rubino, wie verschämt und gedemüthi�t e« aussteht l O, e« darf nicht sein I Sperren Sie«ich«in, wenn Sie wollen, ich frage nicht «ach dem Kontrakte. Zch werde Ihrer Aufführung ein Ende machen. Die Anzeichen de» kommenden Erdbeben» mehren sich mit jedem Tage. Jedesmal, wenn ich in den Felsspalt oben im Gebirge hinabblicke, sehe ich die Flammen im In« nern Heller und wüthmder»erden. Ich werde alle Frem« den aufrufen, daß sie eS fich selbst ansehen sollen, und werde ihnen sagen:„Da» Erdbeben steht vor der Thür. E» kann morgen, heute oder in einer Stunde schon da sein. Rettet Such auf da» feste Land, sonst seid Ihr ver» loren!"" .Warten Sie einen Augenblick," warf Paulo in ver- änderte« Tone ein, nachdem er vorher seinem Freunde Manuela etwa» zugeflüstert hatte.„Laffen Sie mich einige Worte mit Jsaletta sprechen, dann wird vielleicht noch Alle» gut." Er nahm die Hand de« jungen Mädchen» und zog diese ein wenig in den dunkeln Gang hinein, der zur Bühne führte. .Liebst Du mich noch, süße« Herz?" flüsterte er, al« fie fich allein sahen.„Willst Du noch die Meine werden?" Sie»arf fich ihm schluchzend in die Arme. „Ach, Paulo, kannst Du daran zweifeln?' er» "�sslein, nein I Sage mir also: Zwingt man Dich, diese Knabenrolle in dem Schauspiele zu übernehmen s" .Ja— ja: ich will nicht— ich haffe da« Ganze, doch hauptsächlich, weil e» Dir mißfällt— und der Tante. Aber, wa« kann ich thun, Paulo? Der Direktor hat den unter- schrieben«» Kontrakt und kann die alte Tante auch noch au» dem Hanse weisen. DaS darf ich doch nicht zugeben." „Gut.»ber Du möchtest womöglich dieser Ausstellung entfliehen?" ,O ja—«it Freuden, Paulo I Aber Signor Rubino, den letzteren dadurch, daß daS eigentliche Bild unlösbar auf die Rückseite der SlaSfchribe autgetragen ist. ebenso die da» Bild umgebenden Verzierungen, so daß da» Bild eigentlich nur au» der bemaltm resp. dedruckten Glasscheide besteht. Dem Auge deS Beschauer» ist die» indessen nicht erkennbar, vielmehr glaubt Jeder, ein unter GlaS gelegtes eingerahmte» Bild vor fich zu haben. Die durch diese» Verfahren erzielten Vortheile find in die Augm springend. Berlin wird, trotzdem diese Bilder schon ziemlich alt find, doch erst neuerdingi mit ihnen überschwemmt und finden fie auch bereitwillige Abnehmer, da fie einerfeitS einen ganz freundlichen Zimmerschmuck abgeben, andererseits der Preis ein nicht zu hoher ist(2 Stück 7,50 M. auf wöchentliche Theilzahlung), auch werden fie weder als Romar pramie gegeben, noch erhält man einen solchen alS Prämie. Perron und Konvee. Von dem Herausgeber des„Der- deutschungS-WörterdultS", RegierungS- und Baurath Otto Sarrazin, ist der„Kö'nischen Ztg." das nachstehende Schreiben zuzegangen:„Wieder und wieder geht mir mündlich und schriftlich die Anfrage zu, wie die vielgebrauchten Fremdwörter „Perron" und„Koupee" in gutem Deutsch zu bezeichnen seien, od wir eine brauchbare Verdeutschung dafür nicht hätten, ob e» denn nicht möglich sei, diese ganz und gar undeutschen Fremdlinge zu verdrängen u. s. w. Von halbwegS sachkun- digen Fragestellern pflegt dann— in einmüthiger Ueberein- stimmung— hinzugesetzt zu werden, daß beide Auidiücke um so weniger passend wären, alS fie in ihrer Stammsprache, im Französtschen, etwa» ganz Anderes bedeuten, als wir Deutsch« darunter denken. DerFranzoseverstehe unterxerron eineVortrepve oder Freitreppe und unter eovpS eine Ha okutsche oder den für Personen bestimmten Vorderraum einet Postwagen»(die beiden letztern Bedeutungen find übrigen» auch bei unS gebräuchlich), wahrend er unser Koupee oowparttment und unfern Perron qnai nenne. So seien beide Wö.ter sogar dem in Frankreich reisenden Deutswen nicht nur nicht von Nutzen, sondern eher geeignet, die schönste Verwirmng zu stiften.„Und welcher Schreibweise soll ich folgen"— ruft ein Fragesteller au»;„ich finde Koup�, Koupee, Kupce, Coupe«, Coups. CupS, Cupee und Kupeh?" Dai alle» ist nun durchaus richtig und durchaus wahr. Und dennoch wird die Verdrängung dieser Fremd- «örier bei ihrer allgemeinen und häufigen Anwendung sicher- lich großen Schwierigkeiten begegnen. Zwar halte ich mir für beide Wörter schon seit längerer Zei: Verdeutschungen ge- bildet; fie anzuwenden oder öffentlich vorzuschlagen, bade ich aber bi» jetzt, ehrlich gestanden, nicht gewagt. Die er« wähnten Anftagen scheinen indessen den Beweis zu liefern, daß in diesem Falle ein„Brdürfniß" wirklich vorliegt, und ihre große Zahl berechiigt wohl auch zu der Annahme, daß diese» Bedürfniß zu den„tief empfundenen" gehört. Wozu dann fteiltch noch ein Stück guten WillmS und freundlicher Nach- ficht seitens der Oeffentlichkeit kommen muß. um Vorschläge. gegen welche fich von diesem und jenem Standpunkte diese» und jene» immerhin wird einwenden laffen, nun auch that- sächlich fortgesetzt zu gebrauchen und fie dem Ohr und der Zunge geläufig zu machen. Ganz ohne deutsche Ausdrücke für den Perron find wir übrigens nicht; häufig genügen je nach dem Zusammenhang die Bezeichnungen AnkunftS- oder Bbfahrtsstelle, AnfunftS- oder AbfahrtShalle, Einsteige« oder AuSsteiaeplotz. Daß die Eifenbahnfachmänner den Lade- perron, den Kohlenpenon und dergl. schon längst als Ladt- und Kohlcnbühne, al» Laderampe oder Kohlenrampe bezeichnen, gehört streng genommen nicht hierher, weil wir e» hier in erster Linie mit demjenigen Perron zu thun haben, auf welchem die Eisen- bahnreiscnden aus- und einsteigen.(Einer erläuternden Entschuldigung für die Verwendung de» Worte»„Rampe" al» eine» deutschen Ausdruck» dedarf e» bei den geehrten Lesern, die zu den Verdeutschungseiferern ja nicht gehören, wohl nicht.) Die genannten deutschen Bezeichnungen AuSsteigeplatz, Einsteige- platz u- s. w. laffen fich indeß nur in einzelnen Fällen ge- brauchen, und zu ihrer richtigen Anwendung gehört in der Regel sogar eine genauere Orlskenntniß- da» unter allen Um- ständen verwendbare Wort fehft noch. Dem aufmeiksamen Be- schauer kann«S nicht entgehen, daß der Eifenbahiperron in seinem ganzen äußern Ansehen, seiner Herstellungsart, seinem Bodenbelag und so weiter eine große Aehn- lichkeit mit den Bürgersteigen unserer städtischen Straßen hat; und wer, au» der Stadt kommend, über den mit Platten belegten Bürgersteig wandelnd und ihn betrach- tend, zum Bahnperron geht, der mag kaum einen merllichen Unterschied wairaehmen zwischen diesem Bürgelsteig und dem gleichfall» mit Platten belegten, von dem Bürgersteig vielleicht nur durch einen Zaun getrennten— Bahnsteig, von dem au» er in seinen Zng steigen will. So scheint da» Wort„Bahnsteig" nicht fern zu liegen, und dilligen Anforderungen möchte e» wohl auch entsprechen. Abgeseben davon, daß der„Bahn- steig" dem Ein- und Aussteigen Rechnung trägt, theilt er mit dem Bürgersteig noch manche Eigenthümlichkeit. Wie dieser, ist der Bahnsteig ein befestigter, neben dem Fahrdamm oder der Fahrstraße— hier den Fahrgeleisen— angelegter Fußsteg oder Fußsteig, gegen die eigentliche Fahrstraße etwa» erhöht an- gelegt, mit sogenannten Bordsteinen eingefaßt, für Menschen be. stimmt jc.»ut die„Bahnsteighalle", die übrigen» außerdem wie bisher ein« Bahnhofchalle oder kurzweg Bahn Halle heißen kenn, bietet ebensowenig Schwierigkeit wie andere Zusammen. setzungen. Beiläufig möge roch demerkt werden, daß al» Ver- oder einer seiner Leute bewachen mich wie die Katze die Man».' „DaS schadet nicht». Mein Freund und ich, wir haben einen Plan entworfen, Dich heute Abend zu entführen. Wann sollst Du zuerst aus der Bühne erscheinen?' „Ungefähr fünf Minuten, nachdem der Vorhang auf- gezogen worden ist." „Schön! Kannst Du beim Aufziehen de» Vorhang«» schnell bis her laufen? Manuels und ich, wir werden hier auf Dich warten und ein Boot soll bereit sein, u« unS nach Neapel zu bringen, wo ich Freunde und großen Einfluß habe Willst Du kommen?"� „Ja, ja l" erwiderte fie eifrig. Sie drückten fich noch einmal die Hände, und da fie großen Lärm am«ingange hörten, wandte fie fich und ver- schwand in der Finsterniß. „Wa» ist denn lo»?" fragte Paulo seinen Freund, al» „Steh' selbst!" sagte Manuela lachend.„Mona Gmlia und der alt« Priester find dem Director WS-'WL- MUMM deutschung für den Perron auch da» an fich ganz zweckM Wort„Bahnflur" in Vorschlag gebracht und hin und M gebraucht worden ist. DaS Wort ist aber bereit» mit 8w belegt für daS Eistnbahn-«Vestibül", welch«» sich oft unmit» bar an den Bahnfieig anschließt. Man denke an denFrll,* ein Landesherr mit der Eisenbahn ankommt und der„Pen* für die Behörden, die Vertreter von Vereinen und dergln» abgeschlossen gehalten wird während zahlreiche Be»°«» der Stadt dichtgedrängt im„Bahnhof»- Vestibül" stehen,< dem feierlichen Empfange durch die Thüren zuzusehen. Beispiel zeigt sofort die Unzuläsfizkeit der Bezeichnung» Perroni al» Bahnflur, während Bahnsteig niemal» Zweifel# kommen läßt. Auch für da»„Koupee" find Verdeutschungen schlagen worden. So ist nammtlich der Versuch unter« omse „Verschlag" oder„Abschlag" dafür einzuführen, aber ohne» folg. Der Grund hierfür dürste darin liegen, daß wir � diesen Wörtern abgetrennte Lehältniffe untergeordneter*nl bezeichnen pflegen: Verschlüge in Kellern, Bodenrän* Ställen u. dergl.. und daß uns deshalb die Anwendung» die für Reisende bestimmten Wagenräume widerstrebt. Zw* lo» gute und auch manchmal gebrauchte Ausdrücke find M wagenabtheilung. Wagenadtheilung, oder wo Zweifel nicht o stehm können, Adtheilung. Von diesen ist aber nur die 8» wagenadtheilung allgemein anwendbar, und da» Wort V fich seiner unbeholfenen Länge wegen unmöglich etndürgl zumal wir die Zusammensetzungen Rauchkoupce, Koupeewss Koupee-Anordnung oder Einrichtung u. a. m. nicht< dehren können. Im übrigen läßt fich nicht wohl leulff daß der Begriff de» Adgetheilten, in einzelne Tis Zerlegten und Getrennten der Sache durchaus entspricht. dieser Gedanke könnte darauf führen, da» Koupee den theil" zu nennen. DaS neue Wort will dem Ohr zu« wohl nicht sehr behagen und erscheint vielleicht wenig« nehmbar, weniger glücklich gebildet und nicht so natürlich der„Bahnsteig". Sieht man aber von dem ersten Eia> auf da» Odr ab:— haben wir nicht den Abraum(das geräumte oder Abzuräumende), den Abdruck, die Abgabt, luft, den Absturz, Abstrahl, Abtrag, Abdampf und enolw dem„Abtheil" nächfiverwandten Abschnitt und Adsc� Eine Beruhigung für die Möglichkeit der Einbürgw de» AdtheilS kann man wohl darau» entnehmen, ff mehrere der mit abgebildeten Wörter, wie Absturz, Abg�* Abdampf, u a. nachweislich theil» noch nicht alten, theil» P jungen Ursprung» find. Und wa» selbst den verwandten„Antheil" betrifft, so gehört auch dieser weg» einer grauen Vorzeit an. Noch vor zwei Jahrhu«WJ war da» Wort setten und findet fich- nur vereinzelt; in M? düchern de» sechzehnten Jahrhundert» aber und in L% Schriften vermißt man e» sogar ganz. Erst im vorigen p? hundert wurde e» allgemein üblich und beute ist e» ei«* geläufigsten Wörter unserer Sprache. Und dabei hatte? für den Antheil in seinen beiden Hauptbedeutungen bereits, Wörter„Theil" und andererseits„Theilnahme", e» lag stff für die alten Deutschen da»„tief empfundene Bedürfnis! 5 Schaffung deS„Antheil»" nicht einmal vor, wie eS bei? zur Beseitigung de»„KoupeeS" obwaltet. Was,! dem Adtheil vor allem überstanden werden muß. ist Gewöhnung für unser Ohr. Dal menschliche Ohr aber 1%% ein wächsern Ding. Wie viele neu« Wörter hadm selbst wir tü Lebenden schon angenommen; geht man aber Hundeft& zurück, so füllen fie Seiten I Und da» warm vielfach� drücke, die fich dem Ohr« nicht etwa mit lieblichem% einschmeichelten und«S durch Wohllaut gefange» men und bestrickten, nein, e» find zahlreich« ungeberdige und knorrig. Gesellen darunter. Habe» Zt aber unter Ohr in denTheilen. die bei unfern AltvorN«*.� den Antheil haben aufnehmen müssen, er« bem Eindrü»? Abtheil» genügend Hingegeden, so giebt fich da» Weitere' selbst: der Rauchadtherl wird un» vom Schaffner arrgeaw! wird der Qualm zu stark, so öffnet man daS AdiheilfenM. doch die AdiheilcrSnung— man befindet fich ja in erne®■ theilwagen— da» Aufstellen einer Thür nicht ae kurzum, man wird in dem neuen Abtheil ebmso fitzen, liegen und fich strecken, wie in dem allm Koirptf-� dem Deutschen, so alt e» ist, doch nicht lieb Ss? zu sein scheint." Die„Köln. Ztg." bemerkt dazu: Die. stehenden Ausführungtn scheinen un» durchaus deweiSkrafuBj sein. Einen der schStzenswetthestm Vorzüge unserer Spraffl«, j fie un» erlaubt und erleichtert, für neue Begriffe neu«,% zwar echt deutsche Wörter zu prägm, hat der UrheW*- „Bahnsteigs" und de»„AdtheilS" fich in glücklichster WL nutze gemacht. AlS ein wesentlicher Vortheil muß e» daß die beiden Verdeutschungen gerade ihrer Neubii«� dag vre verven Verdeutschungen gerade ihrer wegen zu Verwechselungen keinm Anlaß geben, wie die»% Vorschlage— GeleiSgang oder Bühne für Perron—- YJ Abschlag, Abschnitt, Verschlag, Fach für Koupee— nur»u � thun würden, und daß fie andererseits doch ihre SrM in fich selbst tragen. Wie wir unS selbst die beiden zum Gebrauch aneignen werdm. so geben wir auch � Wunsche de» Verfasser» Ausdruck, daß auch andere 3%% die gleichmäßige Einführung derselben durch UebemahM« � Aufsatze» fördern mögen. xl In dt« hiesige« Häfe« laufen jetzt zahlreiche Ka»".�, dem während des WinterS in entfernten Waldungen fJ.j üenen Klobenholz ein. Beim Verladen deffelden auf die�j wie da« unheilbringende Leuchten vulkanischen decken konnte— denn dieser Platz existirie in nicht nur in ihrer Einbildung. Außerdem hatte Jr,*« Unglücksprophezeiung überall wiederholt, doch die waren leichlsianigerweise taub für diese Wahrneh?�«» und betrachteten fie al» den Aberglauben eine» th"™ alten Weibe«._ jf Erst gegen Abend fiel fie einigen Gendarme«'*» Hände, die sie schon feit vielen Stunden suchte» eilig die Siraße, welche am Strande entlang lref.» nach Casamicciola führten. p „Sieh', Du alte H.xe l' rief einer der Gendar«� dem er auf die unregelmäßig gebaut« kleine Stadt s y, die schon in einem Lichtmeere erstrahlte, da» sich' Wellen abspiegelte.. � Doch in demselben Augenblicke hörte man«in W murmelnde«, unterirdische» Geräusch und de, Bode«* leich'. doch merklich unter ihren Füßen. _--Wo««« Erdbeben bleibt, fragt Ihr?"®, V Frau, sich in erstauntem Triumph« hoch auft'ch'"�, � eigentlich selbst nicht daran geglaubt und 1 treffen ihrer Prophezeiung war nur ein wunderbarer gewesen. � .%"f die«nie, Ihr Elenden, Da ist«»*%(,' E« folgte ein zweiter Stoß, wohl nicht so ausz-sp�w,,« der eiste, doch immeihin bemerklich, und die®" flohen außer sich vor Schrecken und überließen weniger erschrockene alte Frau fich selbst. t � 1 E» war jetzt fast finster und fie wollte sich dem unbewußten Gefühle, daß die« da» Best« Nähe der See entfernen, al« zwei Männer, die t v einem kleinen Boote angekommen waren und hinauf rannten, an fie anprallten.. iv- „Oho, Mona Giulia I" rief einer derselbe*- Paulo Riviero war.„Laufen Sie an'» Boot h h» erwarten Sie un« dort,»ei allen Heiligen, der Käufer und beim Abkarren nach den Stätteplätzen wird manche» Glück Bork von den Kloben abgefplUtert. Vielfach werden diese Abfälle armen Leuten umsonst überlassm; so steht man bei solcher Gekgenheit am Ufer arme Kinder unv Frauen da» schätzbare Brennmaterial fleißig in Gäcke und Körbe sam- mein. Der Berliner Volkswitz hat diesen Gammlern die Be- zeichnung„Borkenkäfer" beigelegt. Die bretmeude» Lampion», mit denen sehr häufig die von der Landpartie heimkehrenden Kremserwagen von ihren Insassen geschmückt werden, nehmen fich zwar für den ent« ternteren Zuschauer ganz allerliebst au», fie find aber für die Jnsaffen der Wagen eine sehr gefährliche Beleuchtung. Am �-»ontag Abend gerieth in einem von der Oderspree zurück kehrenden Kremser in der Nähe de» Bahnhofe» Johannisthal ein solche» Lampion in Brand, in Folge dessen da» brennende Licht au» demselben herausstürzte und einer Dame auf da» Kleid fiel, da» sofort zu brennen begann: zwar wurden die Flammen sofort von den Anwesenden erstickt, aber man kann fich die Aufregung der im Wagen Gitzenden denken. Alle» sprang zu, ow gefährdeten Dame beizustehen und hierbei wurde ein zweite» Lampion herunterg-riffen, deffen Licht glücklicher. weise sofort erlosch. Die Dame kam mit ihrem verbrannten «leide, die, übrigen Anwesenden mit dm odligatm Gtearin. Ir/ r, t®ttn Barderobestücken und mit dem Schrecken davon; vteser letztere aber war so gewaltig, daß mehrere Jnsaffen de» «remser» e» vorzogen, autzusteigm, nach dem Bahnhofe zu gehm und von dort die Fahrt nach Berlin auf der Eisenbahn zurückzulegen. _ Auf etner Landpartie hat fich am Sonntag, wie der „Anz. f. d. Havell." schreibt, wieder ein Unfall ereignet, wel. cher übergroher Lustigkeit auf da» Konto gesetzt werden muh. Al» eine Gesellschaft von Berliner Autflüglern Morgen» nach Hakenfelde fuhr, fiel ein junger Mann, der auf dem Trittbrette eine» der Kremser gestanden und von dort au» allerlei Kurz- weil getrieben hatte, unweit Haselhorst herunter und wurde überfahren. Ein Rad ging ihm über den Kopf hinweg, so dafi namentlich der Unterkiefer schwer verletzt wurde. Der Le> ää ää deren Zusammensetzung Geheimnis de» Erfinder» ist und deren Geruch denjenigen der Fälalim vollständig verdeckt. Der so präpartrte Stoff wurde in einem mechanisch bewegten Rühr- werk zu einer teigigen Maffe verarbeitet, die dann in derselben Weife wie Ziegelsteine in viereckige Forgen gestrichen und, nachdem sie getrocknet, al» FeuerungSmaterial benutzt wurde. Seit �nigen Jahren jedoch werden die in der Trommel mit DAMSZZ . Der letzte Souutag, so schreibt die.,Nat..Ztg.", hatte wieder ungezählte Gchaaren in» Freie geführt, ein breiter Strom ergoß fich vom Görlitzer Bahnhof au» nach Grünau, Schmöck- witz und den anderen an der Oberspree so schön grlegenm VergnügungSorten. Daß aber diese Bahnverwaltung gegen die Au»flüglrr große» Entgegenkommen zeigt, kann man gerade nicht behaupten. So war für die AuSgade der Billet» für den um 12 Uhr 35 Minuten Mittag» abgehenden Zug nur ein Be» amw thätig; da» Publikum bildete vor dem Schalter eine dichte Kette� e» dauerte gerade 8 Minuten, ehe wir unter Stoßen, Drängen und Schieben bis zu dem Beamten gelangt waren, um da» Billet zu erhalten. Wenn statt de» einen Be> amten während der kurzen Äbfertigung»zeit zwei oder drei in Thätiakeit wären, so würden dem Publikum viel Unannehm- lichkeiten erspart bleiben, und die Eisenbahnverwaltung würde vielleicht auch eine größere Einnahme erzielen, denn auch wir haben eine Anzahl älterer Herren und Damen bemerkt, die, al» fie da» Gedränge vor dem Schalter sahen, den Bahnhos wieder verließen, nachdem fie erklärt hatten, daß fie unter den od« waltenden Umständen auf da» Vergnügen, Schmöckwitz zu be> suchen, verzichteten. In einem hiefigen Kraukenhause starb in der ver. gangenen Woche bald nach Iseiner Einlieferung der Arbeiter P-ikert, dem in der Tttel'schen Fabrik zu Bollensdorf durch »ine Lowry der linke Unterschenkel abgefahren worden war. Die begleitenden, sehr befremdlichen Nebenumstände laffen eine öffentliche Besprechung de» Falle» geboten erscheinen. Der Verunglückte war schleunigst nach dem nahe gelegenen Städt- chen Alt Landsberg gebracht worden und sollte auf Anordnung de» Laffenarztei Heqmann in da» dortige Krankenhaus ge- schafft werden. Der Arzt machte dem Bürgermeister Anzeige von dem Vorfallt und bemerkte auch, daß der Verletzte Mit« glted der dortigen Krankenkaffe und außerdem noch bei der Töpfereigenoffenschaft verfichert sei. Obwohl nun über die Verpflichtung der Kaffen gar keine Zweifel bestehen, machte der Bürgermeister, der übrigen» mit dem Kaffenarzte in einer ziemlich heftigen Fehde lebt, mit der Aufnahme in da» Krankenhau» Schwierigkeiten und verlangte eine richtig prophezeit. Geschwind, geschwind I Wir wolle« Zfalettg retten oder mit ihr sterben 1' Paulo und Manuela flogen fast durch die Siraßen, die fich scho» anfingen mit einer entsetzte», schreiende« Menge zu füllen, den» einer gewisie« Anzahl wenigsten» schrene» die Vorboten de» Erdbeben» doch nicht bedeutungS- io*- � Allein da» Teatro del Popolo strahlte im Lichterglaoz, al» die luv gen Leute endlich die Seitenthüre erreichten; man horte Mufik, die fich mit schallendem Applaus« beim Auf« ziehen de» Vorhange» mischte, und«» war augenscheinlich, daß dt« Zuschauer da drin»«« kein« Ahnung von dem Untergänge hatte», der ihnen drohte. .Schnell! Hier ist die Thür!" schrie Manuelo, indem {% � Paulo riß die innere Bühnenthür auf und in diese« J Augenblick« kam Zsaletta t» ihrem brillante« Bühnen kostüme An"*4 de» Gang auf fie zugerannt, während der Direktor (ftP und mehrere Andere ihr nachliefe». �„Reite mich. Paulo: rette mich l' s «A «alTl iK»rmen uno ' 3»n am®ln0an8e erwartete. i vi �bino eilt« mit wuthverzentem Gesichte und von sei««« ist«f Untergehe««» gefolgt ihnen»ach, doch ehe fie»och auf die Jpiwfc« hinaus gelange« konnte«, kam ei« stärkerer Stoß, der von einem Rolle« gefolgt war; da» Vestibüle stürzt« Mammen und beanib sie unter seinen Trümmer«. r..»Schnell I Schnell I Zum Strande! Zum Strande!" fchne Manuela und führte fie durch die bebenden Straße» mtt de» zusammenstürzenden Häuser», während die erschreckte Zsaletta, Dank ihrem KnabevkoMm, mit ihrem Geliebten in gltrcher Schnelligkeit folge» konnte. ,O, da» ist schrecklich — schrecklich l" Ei» neuer Stoß, der fie fast zu Boden warf, hob die Erde unter ihnen und ewige der letzte« Hänser, die fie eben ausdrückliche Bescheinigung de» Kaffenvorstande», daß dieser die entstehenden Kosten übernehme. Erst ein zweite» mergische» Schreiben de» Arzte» hatte den ge» wünschten Erfolg, nachdem der schwerkranke Arbeiter länger al» eine Stunde auf einer Bahre im Regenwetter vor der Thür de» Krankenhauses gelegen hatte und vom Blutverlust erschöpft worden war. Ader auch mit der Aufnahme in da» Kranken- hau» war dem armm Patienten nicht geholfen; der Armen- arzt Dr. Ltedtke, der zu de» Bürzermeister» Partei gehört und mit seinem Kollegen arg verfeindet ist, erklärte, daß er„au» Mangel an Asfistenz" den Kranken nicht amputiren könne, und so wurde der Kassenarzt, nachdem inzwischen ein halber Tag vergangen, aufgefordert, den Schwerverletzten innerhalb einer Stunde nach«erlin(ca. 3 Meilen) zu überführen. Al» er hier ankam, war e» leider zu spät und der Unglückliche starb noch in drrselden Nacht. Nach L-ge der Sache ist e» nicht ausgeschlossen, daß fich da» Gericht noch mit diesen Vorfällen zu beschäftigen hat.,_.. Eine historische Windmühle, und zwar im Norden der Stadt, ist in der Nacht zum Sonntag vom Erdboden ver« schwunden. An der Pappelallee, unwert der Station Schön- Häuser Allee, unmittelbar an der nördlichen Böschung der Verbindungsbahn stand eine alte Windmühle, die wegen ihre» Stando.te», ihre» Alter» und ihrer ewigen Unthatigkeit, de« sonder» aber dethalb, weil das Grundstück in da» Bahnterrain hineinreichte, ganz besondere Aufmerksamkeit erregte. Der Eigenthümer diese» Mühlengrundstücke», mit dem bereit» bei Anlage der Verbindungsbahn wegen Ankauf» desselben unter« handelt wurde, war unter leinen Umständen zum Verkauf zu bewegen, so daß die Bahn um die Mühle herum gebaut werden mußte. Wegen der für die Bahn darau» entstehenden Gefahr wurde dem Befitzer bereit» vor Jahren da» Mahlen auf der Mühle untersagt, so daß fich seitdem kein Flügel mehr gedreht hat. Fetzt soll die Eisenbahn in der unmittelbaren Nahe dieser historischen Mühle utt zwei Beleise verbreitert werden, und mußte zu dem Zwecke gegen den Eigenthümtr da» Enteig- nungSverfohrm etnaeleitet werden. In der Nacht zum Sonn« tag ist nun die Mühle bis auf den Grund ein Raub der Flammen geworden. Nur einige verkohlle Balken geben noch Zcugniß von dem ehemaligen Vorhandensein derselben. Da» Feuer soll von Strolchen angelegt sein. Ei« Attentat aus den Krankfurt-Berliuer Schnell« zug ist in der Nähe der Station Neustadt bei Marburg am 18. d. M. verübt. Wie der„Weser.Zeitung" berichtet wird, faßte stch der auf der Maschine stehende Lokomotivführer See- dach von Kassel plötzlich mtt den den Worten„Nun, wa» ist denn da»'." an den Hinterkopf und sank zu Boden. Sofort untersucht, ergab fich, daß man einen Schuß auf ihn abgefeuert und die Kugel den Hinterkopf schwer verletzt hatte. JnTreisa wurde er verbunden und tn ärztliche Behandlung genommen. Nähere» ist über den geheimnißvollen Borsall noch nicht bekannt. Eine der am 28. Mär» d. I. au» der Irrenanstalt zu Dnlldors entwichenen wilden Frau.n, die verehelichte Riet« darf, Adelheid, geb. Wendt, ist gestern wieder ergrissen worden, nachdem fie, wie festgestellt, hier sowohl al» in mehreren Vor- orten eine Anzahl Diebstähle mittel» Einschleichen» verübt hatte. In ihrem Besttze find eine goidme Bloche, zur Aufnahme einer Photographie eingerichtet, und auf dem oberen Theil schwarz ematllirt mit goldplattirtem Vergißmeinnicht, sowie eine Talmi« lette mit Puschel, in den einzelnen Ringen dreieckige Ver. zierungen gebildet, vorgefunden worden, welche jedenfalls von ihr gestohlen find. Die Eigenthümer dieser Sachen können fich bei der Kriminalpolizei, Zimmer Nr. 77, melden. Die Leiche eine» unbekannte« Ranne» wurde vor einigen Tagen bei der neuen Schleuse in Charlottenburg an« U'er geschwemmt und ist bi» jetzt nicht relognoszirt worden. Der Todte ist etwa 35—40 Jähre alt, vom rrästiaem Körper- bau, hat schwarze« Haar und schwarzen, grau melirien Voll- bart, zeichnet fich durch besonder« große Hände au« und war mit braungeripptem Stoffanzug, hellroib wollenen Strümpfen und schwarz und grau gestreiftem Flanellhemde bekleidet. Auf einem bei der Leiche vorgefundenen unleserlich gewordenen Papier war der Name Ewald Tasfin erkenntlich. Seite»» der Krimiualpottzei ist eine ganze Bande Bodendiebe ergriffen worden. Bei ihren Abnehmern wurden diverse Bettstücke, darunter ein Unterbett mit rothem Inlett, ein desgleichen mit bla-t und weiß gestreiftem Inlett und mehrere Kopfkiffen gefunden. Sämmtliche Bettstücke scheinen au» einem Diebstahl herzurühren. Ferner fand man mehrere geldseidene Strümpfe, sowie ein rothzestreiste» Unterbett, deffen Ecken mit Leder abgenäht find und da» mit F. V. 3 in Gold« buchstaben gezeichnet ist. Eigenthümer hierzu wollen stch schleunigst bei der Kriminalpolizei, Zimmer Nr. 77, melden. Der Prozeß gegen de« Hoflteseranten Hefter wegen Vergehen» gegen da» Nahrungsmittelgesetz wird, wie vle „FlUscher-Zeitung" meldet, am 27. August vor dem Schöffen« gericht de» Amtsgericht« l zur Verhandlung gelangen. Bewegung der Bevölkeroua verlin» nach den Ver« öffentltchunaen de» statistischen Amt» der Stadt. Die fortge- schriebene Bevölkerungszahl betrug am 26. Juni inkl. der nach- träglichen An- und Abmeldungen 1 336211, hat fich demnach gegen die Woche vorher um 603 Seelen vermehrt. Fn der Woche vom 27. Juni dt» 3. Juli wurden polizeilich gemeldet 2161 zugezogene, 2448 fortge, ogme Personen; standesamtlich wurden hinter fich ließen, schwankte« wie Schiffe auf hoher See. Doch sie erreichle» sicher die offene Straße und wenige Augenblicke später befanden fie sich All« nn Boot« und Zsaletta lag schluchzend in Mona Giulia'« Armen. Al« da« Boot über die sonderbar bewegte Fluth glitt, rief Paulo entsetzt: „Seht— um GoUkSwillen seht I Casamicciola ist nicht mehr 1" Die Zerstörung Pompeji'«, deren Darstellung so tragisch m Beginne unterbrochen worden, war lange nicht so ver« hängnrßvoll gewesen, al» die Katastrophe, in welcher die Nttitr sie in Casamicciola wiederholte, den» au» einer Be« völkerung von zwanzigtausend Seelen kamen bei der letzteren fast dreitausend um, während nicht mehr al» neunhundert von zwölflausend r» de» hrstorrsche» Ruine» am Fuße de» Vesuv» begraben sei« solle«. .Versuchen wir, zu der Schaluppe zu kommen," sagte Paulo mit erstickter Stimme..Wir können hier nicht» rhu«, al« höchsten« versuche», von Neapel Hilfe zu holen." Al» fie da« kleine Schiff erreichte», da« sie gemiethet hatten, erwartete fie ei« neuer Schrcck. Mona Giulia war tobt, Zsaletta ruhte in den Arme» einer Leiche. Ob die plötzliche Freude über die Rettung ihrer Nichte, oder vielleicht innere Vorwürfe über ihre Prophezeiungen, die sie»ha« die geringste Ueberzeugung ausgesprochen und die sich so entsetzlich erfüllt hatten, an ihrem plötzlichen Tode schuld waren!— Niemand konnte e» sage«; doch tobt war sie und wurde am folgenden Tage in Neapel begraben. Die entsetzliche» Sc«««», welche dem Erbbebe» in Zschia folgte», find«och so uavrrgtflen, daß fie kerner wertere» Beschrei« bung bedürfe«._. Vier Woche» nach diesem furchtbare» Ereignisse wurden Zsaletta und Paulo getraut und lebe« glücklich auf de« Letztere« Landfitz im nordwestliche« Theil« der Znsel, welcher glücklicherweis« von der Zerstörung verschont blieb. 210 Ehen geschlossen. Geboren wurden 853 Kinder, und zwar lebend: 432 männliche, 385 weibliche, zusammen 817(darunter 100 außereheliche), tobt 22 männliche, 14 weibliche, zusammen 36(darunter 4 außereheliche) Kinder. Die Lebendgeborenen, auf» Jahr berechnet, bilden 31,9, die Todtgeborenen 1,4 pro Mille der Bevölkerung, die außerehelich Geborenen 12,19 pCt. aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Lebend« geborenen 12,21, die bei den Todtgeborenen 15,38 pCt. In der kgl. Charilee und Entbindungs-Anstalt wurden 44 Kinder geboren. Gestorben(ohne Todtgeborene) find 725, nämlich 370 männliche, 355 weibliche Personen. Von diesen waren unter 1 Jahr alt 365(inkl. 72 außereheliche), 1 bi« 5 Jahre 105(inkl. 7 außereheliche), 5 bi» 10 Jahre 19, 10 bi» 15 Jahre 4, 15 dl» 20 Jahre 5, 20 bi« 30 Jahre 41, 30 bi» 40 Jahre 49, 40 bi» 60 Jahre 61, 60 bi» 80 Jahre 64, über 80 Jahre 12. Die Eterbefälle beim Alter von 0 bi» 5 Jahren machen 64,83 pCt. sämmtlicher in dieser Woche Gestorbenen au». Von den im Alter unter 1 Jabr gestorbenen Kindern starben 68 im ersten, 38 im zweiten, 47 im dritten, 42 im vierten, 24 im fünften, 26 im sechsten, 120 im siebenten bi» zwölften LebenSmonatc; von denselben waren ernährt 45 mit Muttermilch, 3 mit Ammenmilch, 208 mtt Thiermilch, 8 mit Milchsurrogaten, 60 mit gemischter Nahrung, von 41 war e» unbekannt. Todesursachen waren besonder»: Lungenschwindsucht(75), Lungenentzün- dung(42), Bronchialkatarrb(11), Kehlkopfentzündung(10), Krämpfe(33), Gehirnschlag(13), Gehirn- und Gehirnhautentzündung(25), Kred»(17), Altersschwäche(19), LtbenSschwäche(42), Abzehrung(26), Masern(26), Scharlach(5), Diphtherie(13), Typhu»(1), Diarrhöe(69), Brechdurchfall(118), an anderen Krankbetten starben 163 und durch Selbstmord 12, davon durch Vergiftunz 4. durch Erschießen 1, durchjErhängen 7. Die Sterdlichkett der Woche, aus da» Iah: berechnet, kom- men durchschnittlich auf 1000 Bewohner in Berlin 28,3, in Breslau 29,0, in Frankfurt a. M. 19,2, in Köln 21 6, in Dresden 26,1, in München 27,4, in Bremen 156, in Stuttgart 22,4, in Wien 25,7. in Pari» 22.9, in London 16,8, tn Liverpool 18,2. In der Woche wurden dem Polizetprä« fidium gemeldet als erkrankt an Tvohu» 22. an Masern 248, an Scharlach 50, an Diphtherie 66, an Pocken 4. In den 9 größeren Krankenhäusern wurden in der BerichtSwoche 801 Kranke aufgenommen, davon litten an Masern 10, an Scharlach 4, an Diphtherie 23, an Tyvhui 9, an Rose 3. E» starben 134 Personen oder 18,5 pCt. aller in der Woche Gestorbenen: al» Bestand verbliedm 3496 Kranke. Markthallen« Bericht von I. Sandmann, städtischem VerkaufSvermtttler, Berlin, Zentral- Martthalle, den 20. Juli. Wild und Geflügel. ES kosten Rehe 60—75 Pf.,. Hirsche 40-50 Pf.. Wildschwein 40-45 Pf. p. Pfd., wilde Enten 0,80—1,50, Bekassinen 30—70 Pf., junge Gänse 3,00 bi» 4,50 M., junge Enten 1—1,50 M., junge Hühner 0,50 bi» 0,90, Tauben 30-45 Pf. per Stück, Poularden 4,j0 bi» 7 M, alte Hühner 1,00-1,40 M. Butter. Für frische feinste Osi- u.Westpreußttchc 100 bi» 108 M., feineGutSbutter l. 95 bi« 100-105, II. 85-90. HL 80-85. Landbutter I. 75 dl» bi» 80, II. 65— 76M. Galizische und andere gcringste Sotten 55-66 M. p. 50 Kilo.— Kase. I echter Emmenthaler 78—83, imitirter I. 50—60, n. 40 bi» 45 M.; echtcr Holländer 58 bi» 75 Mark; rheinischer 43— 60 M.; Quadrat« vackstetnkäse I. 18-23, II. 12-18 M.; Limburger 30-38 und 18-25 M., echter Neufchateller 4,50 p. 20 Stück, Ramadour in Staniol 46 M-, in Pergament 36 M. pr. Ztr. Camembert 5,00 bi» 8,50 pr. Dtzd— Eier, im Preise steigend, 2,40 p. Schock. — Gemüse und Obst. Die Zufuhr in diesen Ättikeln war an« dauernd sehr bedeutend und zu Ansang dieser Woche war da» Geschäft auch recht ledhaft. E» find besonder» hervorzuheben regelmäßige und arößere Zufuhren von Zttronen, Weintrauben, Reinekiauven, Pfirsichen, frischen Feigen, sowie neuen Kar« toffeln und Zwiebeln. ES wurde erreicht für Pfirsiche per Kitte 2,00- 3.50, Kirschen 9-15 Pf. per Pfd., Blaubeeren 6-7 M. mmm 100 Stück, neue Kartoffeln, weiße runde 5M, Nterenkartoffeln 450 M.. Frühlartoffeln 2,25 M.. rothe 2,60 Ä,. blaue 5 00 M. pr. 100 Kilo, Himbeeren 30-40 Pf per Ctr., neue Pflaumen 20 P!.. Birnen 35 Pf.. Aepfel 35 Pf. per Pfund, Reine. klauden pr. Kiste 2 50- 350, Weintrauben, blaue pr. Pf. 1,20 bi« 1,60 M., weiße 60-80 Pf., F-tgen pr. Korb 2,00—2,50 M., Zwiebeln 4,50—5,50 M- pr. Zitro-en 15-20 M. pr. Kiste von 260 Stück, neue saure Gurten treffen noch in dieser Woche in größeren Posten ein.- Geräucherte Fiscoe. Kleine Flur- dern 2-3 Mark pr. 64 eck, Makrele 30- 50 Pf. p. St., Aal knapp 90— 1 50 Pf. pr. Pf. Poltzei-Bertcht.«m 19. d. M. Vormittag» wurden in einer öffentlichen Badeanstalt eine Dame tobt in einer Bade« wanne und an demselben Tage Nachmittag» eine Wittwe in ihrer Wohnung in der Pücklerstraße todt auf dem Fußboden liegend vorgefunden. Wahrscheinlich find Bei?e am Schlaafluß gestorben Die Leichen wurden beh»fg Feststellung oer Tode». Ursache nach dem Leichenschauhause gebracht.— An demselben Tage Mittag» wurde tn der Leipzigelsttaße ein Mann durch einen von dem Kutscher Puhan geführten Bierwagen ülerfahren. anscheinend jedoch nur leicht am Rücken verletzt. Gericht»-Zeitung. „ j" Unter der»nklaae de» Unterschlagung stand gestern der Hausdiener Gottlted Weber, ein fiebenzehnjähttger Bursche. der dereil» dreimal wegen Dtedstahl», zuletzt mtt neun Monaten Gefangniß. vorbestraft ist, vor der dritlen Strafkammer de» Refigen Landgericht»:. Mit ihm hatte ein noch jüngerer Bursche, Leopold N, auf der Anklagebank Platz genommen; ».war d« Vchlerei beschuldigt. Am 3. Juni d. I. hatte der Möbelfabrikant Brandt den ersten Angeklagten, der bei ihm in Stelluna war, zu einem Dr. Peter» geschickt, um eine Rechnung über 465 Mark einzukasstren. Weber erhielt da» Geld und lieferte e» nicht ab. Er ging in eine R-stauraiion. wo er zu« fällig seinen Freund N. traf. Er zeigte ihm die Goldstücke und die Banknoten, und al» N. erstaunt fragte, wie er in den Lefitz einer so großen Summe gekommen sei, erzählte er ihm, daß er sie gestohlen habe. Nun beschlossen beide, fich einige vergnügte Tage zu machen. Zunächst Neideten ste fich neu ein, N. erhielt von Weber 13 Mark, um seine SonntagSkachen, die in etner P'andleih« warm, ein« »ulösen. Dann wurden drei silderne Taschenuhren und zwei stlberne Ketten gekauft. Weder steckte in jede Westentasche eine Uhr und N. erhielt die dritte. Ader 465 Marl find nicht so leicht von zwei Leuten durchzud. tagen, die dem Champagner und den Auster« noch keinen Geschmack abgewinnen können. Es mußte also Unterstützung herangeholt werden. Z«« „Damen", Fräulein Hopfer und Fräulein Lemberg schloffen fich an. Eine Partie nach dem Spandauer Bock schien da» m erste Vergnügen zu versprechen. Zwei Droschlm befö.detten die Paare hinaus und nun begann ein lustige» Lebm draußen. Zwei Tage lang streifte man in der Umgegend umher, dann kam da» Ende mit Schrecken. Gendarmen hoben die Gesell. schaft auf und Weber und N. wanderten in die Untersuchung»« hast. Herr Brandt hatte seinen Verlust angezeiat. Der Gericht». dos erkannte mit Rücksicht darauf, daß da»„Geld in sttvolfter Weise vergeudet"«ordm sei. auf eine Gefa rgnMrafe von IV, Jahren gegm Weber und gegen N. auf 6 Wochen Ge» fän0?gahrlä e �erberletzmta. Der Bäcke. meister Carl Dietmann. ein fünfundsünfzigjahriger Mann, kam am 24. April V.J. in der achten Morgenstunde vom DönhosSpla» aui nach dem Gendarmenmarkt mit seinem LSckerwagm ge« sahren. Ein„Russe" war vorgespannt, ew junget, unruhige« Thier von rascher Gangart. Der Wagen defand fich mitten in einer Reihe anderer Fuh'.werke. Von hinten knallte ew PeUschenschlag und erschreckt brach der„Russe" au« der Reihe au« und wollte an dem Vorderwagen, einem Omnidu« der Berliner Packetfahrt-Gesellschaft, vorüber. Die« geschah an dem Kreuzungtpuntte der Taubm> und Markgrafenstrah«. Ihn wollte gerade«in Apfelstnenhändler überschreiten. Während er nun den Omnibu« vorbeifahren lieh, jagt« da« Gespann de« Bäckermeister« heran und schleudert« ihn durch einen Stoß der Deichsel zu Erde. Dietmann hatte sein Pferd nicht rechtzeitig zm Veite geworfen und so den Unglücksfall verschuldet. Gestern stand er vor der Straf« lammet de« Landgericht« I unter der Anklage der vorsatzlichen Körperverletzung. Der Apfelstnenhändler hat keinen Schaden davongetragen. Nur sein Kram fiel ihm zur Erde, die Apfel- finen rollten fort und einige wurden überfahren. Der Ge« richtshof beurtheilte da« Verschulden de« Angeklagten daher sehr milde. Er hielt eine Geldstrafe von 5 M. für eine au«« reichmde Sühne._ Pereine und Versammlungen« Der verein zur Wahrung der matertelleu Juter« esseu der Fabrik- und Haudarbeiter hielt am Sonntag Vormittag bei Mahlitz, Andreaistr. 26, eine Mitgliederver- lung ohne Debatte entgegen. Hierauf wurde Herr H. Löffler mit allen gegen 5 Siimmen zum ersten Vorfitzenden gewählt. Derselbe oersprach, die Interessen de« Verein« nach besten Kräften wahren und fördern zu wollen. Unter Verschiedene« wurde darauf hingewiesen, dah Herr Dr. Lüttgenau einen Schreibkursu« eröffnet habe, und die Anwesenden auffordert. fich daran zu betheiligen. Zum Schluß wurde mitgethellt, daß "' die Theilnehmer an der Landpartie am Sonntag, dm Juli, bei Herrn Rewmann, W-angelstr. 136, zu versammeln bättm. Die Theilnehmer werden ersucht, fich rechtzeitig einzu« finden, damit die Abfahrt pünktlich um 6% Uhr erfolgen könne. Die nächste Versammlung findet am Sonntag, dm 22. August, statt. In der Versammlung de« verein« der Stuckateure, die am Montag bei Rieft, Kommandantenstraße 72. stattfand, hielt Herr Jhlau, der Vorfitzend« de» in Berlin bestehenden Gesundheitipflege« Verein«, einen ebenso interessanten wie ündlich belehrende« Vortrag über:„Die Naturhetlmethode". ie vielen an den Vortrag fich anschließenden Fragen und Zu- stimmungkäußerungen gaben dm Beweis, daß«« dem Vortragenden gelungen war, bei seiner Zuhörerschaft ein sehr lebmdige« Interesse für die von ihm wissenschaftlich und vrak- tisch vertretene naturgemäße Hellmethode zu erwecken. Der Vor« fitzende schloß die Di»kusston mit der Bemerkung, daß der Verein der Stuckateure gut daran thun würde, in corpore dem Gesundheitspflege- Verein betzutreten. Tarauf folgte die dritte Lesung der Statuten-Vorlage. Nachdem Herr Heindorf, der Vorfitzende der Statutenmtwmf««Kommisfion, die au« der zwettm Lesung hervorgegangene, au» 18 Paragraphen bestehende Vorlage verlesm hatte, wurde nach kurzer Debatte der Paffu« in der Vorlage, in welchem Reiseunterstützung und Unterstützung beim Tod« der Ehefrau zugesagt wird, gestrichen. Der von Herrn Bammann bei der zveeiten Lesung beantragt« §usatz:„Bei jeder Kassenrevifion können 6 Mitglieder de« erein«, die fich ftetwtllig dazu meldm, anwesend sein und dm Bericht der Revisoren mitunterzeichnen, wurde in da» Statut aufgenommen, dagegen der von dem Herrn Lücke bei der zweitm Lesung beantragte und auch zsr"V.WS haben 8 Mitglieder, nach der Reihenfolge in der Mitglieder. liste dazu bestellt, al« Trä-er zu fungiren", nach nochmaliger Dtikussion abgelehnt. Der von Herrn Heindorf gestellte An« trag:„Beim Todesfall eine« Mitglied» oder der Ehefrau eine« an glied« ist der Vorstand, wmn ihm der Todeifall von den Verwandten angezeigt wird, verpflichtet, eine öffmtliche Bekannt« machung zu erlassen?, fand die allgemeine Zustimmung, wurde aber nicht in da» Statut aufgmommen.®« wurde dann über da» au« der drittm Lesung hervorgegangene Statut im Ganzen abgestimmt. Die Abstimmung ergab die einstimmige Annahm, de« neuen Statut«.- Darauf gab Herr Grüneberg«inm sehr auSführltchm Bericht über dm von den Gehllfm eingerichteten »rb«tt»nachwtiS. Er brachte dir Bestimmungen de« Reglement« für dm Arbeitsnachweii in Erwnerung und konstatirte. daß von dm Gehllfen diese Bestimmungen noch vielfach ignorirt und thatsächlich verletzt werden, und daß der von den Gehllfen erichtete Ar!.......... chtete Arbeitsnachweis bi« jetzt von den Prinzipalen mehr tzt und mehr unterstützt wird al« von den Gehilfen. De, Bereiu zu« Wahrung der Jateress'v der in der Hutfabrikation beschäftigten Arbeiter hi-lt am Montag, den 19. Juli, eine Mitglieder Versammlung in Gratwetl'» BierhaUm, Kommandanttnstr. 77/79, ad. Herr Dr. Stahn hiett einen Interesse erregendm Vortrag über„Lungenkrankheiten" und gab eingehende hygienische Weisungm zur Verhütung derselben. Eine Diskusston und Fragebeantwortung schloß fich an. Unter VereinSangelegmhettm wurde die Nothwendigleit einer Enquete über die Arbeitsverhältnisse der einzelnen Werlstätten eingehend besprochm und herrorgehoben, daß so allein die Bast« geschaffen werdm könne, von der au« stch auf eine Verbesserung der Lage der BerufSgmoffen hinarbeiten lasse.— Die übrigen zur Er« örterung gelangtm Angelegenheiten waren interner Natur. Vermischtes. Ueber die grausige Fahrt de» Küfer« Graham über dm Niagarafall find jetzt einige ausführliche Detail« hierher gelangt. Da« Faß, in welchem er die gefährliche Tom unternahm, ist steden Fuß hoch, der untere Loden desselben hat einen Durch« messer von stebzehn Zoll, der oder« Boden einen solchen von dreiundzwanzig Zoll; zwei Fuß unterhalb der Spitze hatte da« Faß eine Ausbuchtung von dreiunvdreißig Zoll im Durchmesser. Die da» Faß zusammensetzenden Dauben find �on schwerem Eichenholz, zwelundeinhalbm Zoll vick und durch vierundzwanzig eiserne Reifen zusammengehalten. Die« merkwürdige Fahrzeug wurde vermittelst Ballast so in der Schwebe gehalten, daß e« nicht umschlagen sollte. In dem Deckel de« Fasse« befand stch eine verschließbare Oeffnung. groß genug, daß der tollkühne Insasse seinen Kopf htndmchsteckm tonnte. Inwendig war an Striefen ein Sack aufgehängt, in dem Der Körper de«„Schiffers" steckte, der Sack sollte da« Anschlagen desselben an die Seiten de« Fasse« bei gewaltigen Erschütterungen verhindern. Dieser Sack hatte Armlöcher, durch welch« Graham die Arme durchstecken und die Zapfm, welche die Deckelöffnung geschloffen hiettm, erreichen und zurückschieben tonnte, fall« er frischer Lust de« dürstig wurde und die Umstände da« Oeffnen de« Fasse« ge« statteten. Eine nach Tausmdm zählmde Menschenmenge hatte fich an den Ufern eingefundm, um die gefährlich« Fahrt mit anzusehen. Dieselbe wäre fast zu guter Letzt noch vereitell worden, dmn Graham wurde, al« er da« Faß besteigen wollte — verhaftet, mußte aber darauf» da kein gesetzlicher Gmnd, ihn zurückzuhalten, gellend gemacht werdm konnte, wieder frei« gelassen werden- Um 3 Uhr 67 Minuten begann er seine Fahrt. Dieselbe ging aber, wie gleich bemerkt werdm muß, nicht etwa über den Katarall selbst— da« wäre da« wahn« finnigste Unternehmen gewesen, von dem Graham stcher nicht wiedergekehrt wäre, obwohl er jetzt, durch seinen Erfolg er- muthigt, erklärt, auch die« Adenteuer bestehen zu wollen. Die Fahrt begann unterhalb der„Fall«", wo da« Waffer, trotzdem e« den hundertachtzig Fuß hohm Kataralt in fich aufgenommen hat, spiegelglatt ist. Ader eine Strecke weiter unten kommm die Katarakt Gewässer wieder an die Oberfläche und bilden auf eine Entfernung von fünf englischen Meilen zwischen F I- sen hindurch einen kochmdm Kessel, durch dessen Mitte ein Wirdelstrom fließt. FelSzackm strecken fich dort empor, an denm Alle«, wa« sie berührt, zerschmettert wird. Oft »erden BaumstSume monatelang in diesem Kessel um> hergeschleudert, ehe sie in den Ontaria« See gelangen. Hier ist e«, wo Kapi'än Webb zu Grunde ging, und hier mußte auch Graham hindurch. Schon drei Minuten nach seiner Abfahrt, um vier Uhr, gelangte da« Faß in diesen Schlund, hin und her wurde e« geschleudert, untergetaucht, kopfüber geworfm, schlüpfte aber glücklicher Weise an all' dm Riffm und FelSkantm vorüber, wurde in dem Wirdeistrom auch nicht herum geführt, so daß Graham sehr bald die Dickel« luke öffnen kennte. Um 4 Uhr 25 Min. pasfirte er Curston, ein Städtchen am östlichen Ufer, die letzte Station der Ontario-Dampfer. Hier erreichte die schreckliche Fahrt ihr End«. Graham langre am Ufer an und stieg au«, halb de« täubt, aber unverletzt. Uebrigen» ist er nicht der Erste, der diese gesahrvolle Reise glücklich überstand. Im Jahre 1861 rettete fich ein kleiner Dampfer, die„Maid of the ssRist" durch diesen Wirbelstrom hindurch vor der Verfolgung und der Beschlagnahme durch den Sheriff. Ouautität de« englische« ParlameutariSmu«. Bt« zum 1. März 1848 find, wie Lord Palmerston an diesem Tage erklärte, über Angelegenheiten anderer Lander 2775 Aktmstöße zusammengeschrieben und 139 Parlament« debattm geführt wor« den. Vom Jahre 1702 biS17l4 wurden 949 oder durchschnitt» lich pro Jahr mehr ol« 79 ParlamentSatte erlassen. Diese Zahlen stiegen in den Jahren 1837—1853 auf 5334, wa« einen Jabresdu chschnitt von mehr al« 533 ausmacht.— Im Jabre 1847 saß da» englische Unterhaus 9l6 Stunden, verferligt? 453 Alle, wonach somit auf einen AU 2 Stundm verwendet wurdm. Eine fast gleich wenige Zeit gebrauchte diese Versammlung im Jahre 1852, da dieselbe in 617 Stunden 286 Parlamentsak.» fertigstellte. Im Iah e 1854 erließ da» Unterhau» in 997 Stunden 124 Akte, wonach auf jeden All 8 Stunden Zeit verwendet wurde. Demnach find in dieser Zeit 2-4 Stunden auf ein Gesetz verwendet worden. Hierbei ist aber zu erwähnen, daß jedes Gesetz stehen Stadien der Berathung durchlaufen muß, und daß Resolutionen und Interpellationen, die oft viel Zeit in Anspruch nehmen, nicht unter die Alle gezähll werden. Kleine Mittheilungen. Nossen. 16. Juli. Heute Mittag 1 Uhr entgleiste unweit de« Bahnhofe« Deutschenbora der Dresdner Personenzug. Derselbe bestand au« dem Post-, 2 Gepäck-, 10 Personenwagen und der Maschin«„Großenhain". Nachdem der Zu»- Noffen-Dresdner Straße gekreuzt, ist etwa 50 Schritte ffl« hin die Lokomotive bei der ersten Weiche, die ganz richtig! stellt gewesen ist, au« dem Gleise herauSgesprungen, aus» Bahnkörper ungefähr 30 Meter weiter gelaufen und ew im Sande stecken geblieben. Die Räder der einen Seite p fich bi« an die Aehsen eingewühlt, wodurch die Maschine i» Augenblick umzustürzen drohte. Die beiden nächste« wagen find in Folge de» Rückstöße« an einander i»4 Höhe gestiegen und hieraus die Böschung hinaigew so daß fie nur noch mll der einen Stirnseite I Damm berühren. Der nächste Wagen, ein Wagen 4. JA ist edenfall« entgleist und steckt tief im Bahnkörper, hüi« aber wenig Schaden gelitten. Well mehr ist der nachfall» Wagen 4. Klasse zertrümmert. Die vordere Stirnwand iß> dem vorhergehenden Wagen vollständig eingerannt, das\ Räder und Federn zerbi» Geprassel, ein ungeheurer Luftdruck— und Alle hatten ihnen klar geworden, wa« vorgehe, über einem Hausen ge« Der nun folgende Wagen ist zwar auch au« dem FohW gehoben, aber weniger deschädigt. Die übrigen Wagen w noch auf den Schimm. Die Schienm find theil« adgs und zerbrochen, theil» wie Reifen gebogen,@iW von Armstärke wie Strohhalme geknickt, die Schwellm in j» Stücke zermalmt, dicke Eichenholztheile zu Spänen zers»» Glücklicherweise ist kein Mmschmledm zu beklagen; Denn■ Wagmwärter, welcher stch in einem der umgeitürsten% wagen befand, ist wohl die Stirn und da« Geficht verletzt, man hofft aber, daß die Wundm nicht ledmSg find. Der Lokomotivführer Plänkner au» Noffm ha Maschine nicht verlassen. Man fand ihn dann von I überschüttet. Au« seiner gefährlichen Lage befreite ihnij bald der Feuermann. Leider hat der Schrecken den Pl» so üderwälligt, daß er von furchtbarm Krämpfen befallen» und fast gelahmt ist. Wien, 19. Juli. In Fiume find in dm letztm 24@ den 4 Cholera- Erkrankungen und 2 Cholera- Todesfälle � «kommen, in Trieft 2 Cholera- Erkrankungen und 1 EP vesfall. Rom, 19. Juli. Von gestern Mittag bi« heute? find an der Cholera in Codigoro 1 Person erkrankt uns' gestordm, in Venedig 1 erkrankt und keine gestorben, in' bist 4 erkrankt und 2 gestordm, in Francavilla 20 elkraiw 8 gestorben, in Latiano 19 erkrankt und 4 gestorben,* Vito 11 erkrankt und 1 gestorben, in Erchie 3 erkrankt' «estordm, in Oria 1 ertrankt und 1 gestorben, in Dp >an Pancrazio je 1 erlrankt und keine gestordm. letzte Nachrichte». Die Unruhe« tu Marseille haben fich vorgestern erneuert. Die Menge wollte die Druckereien der rei Blätter zerstören. Polizei und berittene G.-ndarmen ein. Im Handgemenge gab e« beider seit« leichte Verwui Zur engltscheu Kabiuetskrifi« meldete man g „Voss. Ztg.": Da« Kadinet wird beute seinen Rückttttt beschließen. Morgen geht Gladstone nach Otdorne, Königin sein Entlaffungsgesuch zu unterbreitm und empfehlen, SaliSbury mll der Bildung de« neum vi zu betrauen. SaliSbury, der morgen in London einte der„Morn. Post" zufolge einen letzten Versuch mar tington zu beweg«,, mit seinen Freunden in da« Tot einzutreten und wird ihm sogar die Premierschast lehnt Hartington ab, so wird ein rein konseroatives M', dien, Smith al« Generalsekretär für Irland, Cadvr.asi Vizekönig von Irland angehören werden. Da« Pari? tritt am 5. August zusammm, vertagt fich aber nach drtj de« Sprecher« und Einschwömng der Mitglieder bis' Oktodir. i Zum«exikauischeu Aufstand. New« Dort, 1*3 Nach Prioatmetbungm aui Maiamoro« hat ein Zusamt zwischen einer kleinen Schaar Ausständischer und einer D abrhetlung stattgefunden, wobei die erste«« starke Verb litten. Mehrere auf amerikanische» Gebiet geflüchtete dische seien gefangen und erschossen worden. M Russische Zollerhöhuuae«. Petersburg 20. ZnW- J einem heute veröffentlichten Gesetz wird der Zoll auf Z Häfen de« Schwarzen und Asowschen Meere« einzufM? Stein, Torf« und Holz'ohlm, sowie auf Koak» und 2* 3 Goldlopekm pro Pud� erhöht. W Verbote» auf Sruud de« da» 4 Seiten umfassende Flugblatt Befreiung der arbeitenden VolkSklassen au» dem Lohnsklaverei". Druck von C. Conz-tt, Zürich.— AM wmde dagegen das von der könialich sächfischm Kreit Mannschaft zu Zwickau unter dem 29. Rai d. I. erlaß* bot der Druckschrift:„Nürnberg im März 1886. Die oet*-u Schuhmacher Deutschland« entbieten allen Kollegen, Blatt empfangen, den besten Gruß 1" Eottalifteugesetzt« � 11 mit der Ueberschrifi-' Theater. Mittwoch, den 21. Juli. ivelle-Alliauee-Theater. Da» Parodie«, Gr« sanasposst in 4 Allen von Leon Treptow und L. Herrenann. vfieud-Ueater. Philippine Welser. ».Moria* Theater. Amor. Tanz- Poem von »uigi Manzotti. »alhalla-Theater. Capricciosa. Orall's Theater. Amnchen von Tharau. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A Kalaer-PaBorama. In dieser Woche: Neu! Zum erste« Mal«: n. Reise durch die Phreuäe«. Die malerische sächsische Schwei». """*"aroltueu-Insel«. Kinder nur 10 Pfg. Herthä-Reis�«arolineu *«« Reise 90 Pfg Daastfagairg. Allm Bekannten, Kollegen und Verwandt«,, sowie dem Fach verein, welche meinem Manne und unserem lieben Vater Gast«» Aetpaidi die letzte Ehre erwiesen haben, sagen wir hiermit unfern besten Dank.[152 Berlin, den 20. Juli 1886. Die trauernden Hinterbliebenen. M- speise» Sie? In der ersten allen pom- Mersch«, Küche, Oranien« straße 181, Hof parterre, bei Klei«. Frühst. 30 Pf.. MittagStisch m. Bier 60Ps Adendtisch, v. 30-50 Pf.. nach Auswahl._______[26 Nähmaschinen ÄS: £. Franke« Saarbruckerstr. 6. Schweizer Garten. Am Friedrichshain. Haltestelle der Ringbahn. Am KönigSthor. Sägltch: Großes Militür-Concert«. Extra-Vorstellung. Auftret n der Mafol-Cruppe in ihrer Sensationiluftnummer: 3»«« Laael als lebende Kanonenkugel. Miß Lazel wird au« einer Kanone geschossen und von Miß Zema aufgefangen«erden. Uheertervoestelluag, Auftreten der Spezialitäten, SanzkrSazchea u. s. w. Kriegs- und Fronten-Feuerwerk der Pyrotechniker A. und E. Maffow, Bonander und Hornig. Alle« Nähere die Anschlagisäulen. Stiftungsfest Fachvereius der SteiutrS� Kerli»« and Zlmgegeud Souuabend. de« 24 Juli 188% p im Konzerthause Sanssouci. KottdustttÄ Billet« find nur vorher in den niDj toten belegten Lokalen zu haben. lasse findet nicht statt. Alle Kollegs Freund« werdm hierzu freundlichst � D laden.[141] Da«»est-«-«"!� Fachverem der Ateindrvl� und Lithographe«. A Donnerstag, dm 22. Juli, Abend« B. «eaeral-Nersammlu-S«ft im Aöniglladt-Kast«», Holzmarltfir-� k Tag-Sordnung: 1. Kassmderich»-. � t trag de» Herrn Dr. Hugo S p e r>' „Naturgemäße Gesundheit igflege lose Heilkunde". Am Modell in,' eelSuteil 3. Diskusston. 4. Versch� S Fragekasten.— Um zahlreiche« 151_ Der An die Töpfe/j Verantworllicher Redakteur«.»»«hei« in verlin. Druck und Verlag von M-tz vadw« in Berlin 8W. Beutstfi-aße 2. Wegen Maßregelung von habm sämmtliche Töpfer bei 9�' die Arbeit niedergelegt.[150 j I. Arbeitsmarkt. Einige Wae-ouleukire» verl.W- Frankfurter Allee, Friedrich- Karlfi�-�,