Nr. 169 Freitag, de« 23. IM 1886. (II. Jahrg. f"»w schon? i ameti» i 8. k Ist Iniich. von Ii Di'" Dttbl fich fi. lan-Ü» au» ö« own! k SÄ !'%# itnschlis» ÄS ffi'w »Ul? W an«-- erlimMMH. Brgan für die Interessen der Arbeiter. -S- lS«M p fornm�J Sa#} ■r OUNfl.JJ vaaflP m A id. Em Aimchestttmm. n. Herr Alexander Meyer versucht trotz der thatsächlich frivole» Aaschaunvge». die wir im vorige« Artikel beleuchtet habe«, fich doch de» Tuge«drock avzuziehe«, oder er aiebt vielmehr vor, der Rock von St. Manchester sei der eiaent« »che Tuge«d-°ck De«halb schligt er zu seinem Heilige« den frömmeladen Blick heuchln, sch empor und redet im A«. schluß an die oft geäußerte Meinung, daß«» doch eigentlich eine miserable Weltordnung sei, wenn ei« ernsthafter Ge- lehrter darbe« müsse und ei» gewandter Makler Hundert- tausende verdiene, ruhig wester: »Ich würde diese» Gefühl theile«, wen« ich der An- t wäre, daß Reichthum da» höchste Gut ist. «eser Anficht bin ich aber nicht, und stelle darum an die fittliche Weltordnung nicht da» Postulat, daß fie jeden nach Maßgabe de« fittliche» Werthe« seiner Begabung mtt ma- terielle» Güter» lohvt. Zch leugne nicht, daß auch mich manche Elnzrlheite» in der obwaltenden VermögenSverthei- lung unangenehm berühre». Daß ein« schlechte Posse ihrem Vnfasser viel« Tausende abwirst, während st hafte« Buchdrama nicht« einbringt, ist ja avstößtg; allein ich stelle de» Uamuth über diese Einzel- heite« zurück gegen die Einsicht indieNoth. wendigkeit der herrschenden Wir th schuft«. vrdnung." Man steht, daß der Herr Abgeordnete der eigentlichen Frage in Bezug auf die„herrschend« WirthschaftSordnung« foltwährend au« dem Wege geht. Zn seiner Biermeyer- Manier stellt er de« Gegensatz zwischen einer schlechten Posse und einem ernsthafte» Buchdrama(ernsthaft ist übrigen» gar " von schlecht; und wenn Herr Meyer ei» uchdrama" schreibe» würde, so fiele dasselbe kein ernsthafte« gewiß— nicht gut au») bei der„herrschenden ÄZirthschäft«. orinung" in de« Vordergrund, während er ganz zu ver- .esscn scheint, daß mit dieser Wirthschafttordnung in erster, » zweiter und in dritter Linie die Arbeiter und Unternehmer zu thun habe», daß e« fich nicht um lkotzebue und Schiller dabei handelt, sonder» um Kapital und Arbeit. Uad so aufgefaßt, erklärt Herr Meyer die heutige Wirthschast«ord»u«g für eine N o t h w e n d i g k e i t. Der liberal-fortschrittliche Herr Meyer erklärt e» ferner für »othwendig, daß Millionen von fleißige« Arbeiter« thatsächlich Hunger«, er erklärt e« für«othwendig, daß einzelne wenig« Krupp«, Bleichröder» und Rothschild« vorhanden find. Deshalb stellt Herr Meyer seine» Unmuth zurück, eben weil diese Zustände«othwendig seien. Einige Zeilen später wrkk*. JleuMeton. Spuren im Saude. [4 Roman von Ewald»«guft König. Meister Lutter ging bald in seine Werkstätte zurück, « wollte, wie er sich ausdrückte, mit einrgm Hammer- fchlägen eine eilige Arbeit vollende«, die am nächste» Tage abgeliefert werden mußte, und schon«ach wenigen Minute» mar drüben im Hinterhause die Arbeit wieder in vollem 1 Dora mußte auch aufbreche», der Vater wartete auf die Antwort de« Schlossermeist«», und da der Abend in- zwischen angebrochen war,«ahm Paul feinen Hut, um fie zu begleite». Sie lehnt« die Begleitung freilich mst einige» dankende» Worte« ab, aber Paul achtete nicht darauf, und seine Mutter bestärkte ihn in seinem Vorsatz. So schritte» die Beide« hinau» und e* währte eine Jeraume Weile, eh« sie den A»kvüpfung«pu«kt zu einem iespräch fanden.,,, t. Dora richtete die Frage an ihn, ob er jetzt in der Hei- Math bleibe» werde, und au» de» wettere» Bemerkungen, »b fie daran knüpfte, erkannte er, daß fi« über da» Schicksal letne« Bruder« unterrichtet war. „.Sie sprach darüber mit aufrichtiger«nd herzlicher «.hmlnahme, fie berührte dabei vorübergehend auch de» Ver- dacht w Dor lai,flen fahren ihre« Vater in« GefSngniß godracht hatte. Lbger« ihrem Wunsch« nach. Er konnte so offen und vertraulich mtt ihr rede« wie Mtt einer Schwester, und al» fie nun vor der Wohnung de« Mechaniker« anlangte», trat er mtt ihr hinein. Heineman« empfing de« Begleiter seiner Tochter mtt -wem unverkennbar mißtrauische« Blick, aber al« Dora aber erklärt Herr Meyer, den Arbeiter parodttend, daß er fich mit Mitteln der Ernährung, der Bekleidung, der Be- leuchtung und der Krankenpflege»ersehe« könne, die ihm früher unerreichbar oder unbekannt gewesen seien und er, Meyer, sei persönlich dankbar für die Wohlthaten, welche ihm die herrschende Wirth- schaftSordnuug geschafft habe. Wen» wir de» fingirten Arbeiter Meyer, der von der herrschende« Wirthschaft«ordnuag im wesentlichen nur Roth und P'age hat, von dem Herrn LandtagSabgeordnetea für Breslau und R«ichStag«abgeord- nete« für Halle a. d. Saale, dem Herr« Dr. Alexander Meyer tteauen und letzteren nur in« Auge fasse«— von vorne und von hinten— dann gestehe« wir gern, daß in der Verherrlichung unserer herrschenden WirthschaftSordnung ei» tüchtige« Stück Wahrheit liegt. Dagegen könne» wir in der That nicht streite». Aber da« Wohlergehen de« Herrn Dr. Alexander Meyer, so angenehm e« für ihn selbst sei» mag, ist doch für die Gerechtigkeit und vor alle» Dinge« für die allgemeine Nützlichkeit unserer herrschende» Wirth- schaft»ordnu«g ebensowenig von Belang, al« ob der ehren- werthe Gelehrte, der Verfasser eine« Buchdrama« oder der gewandt« Makler, der Poffendichter an den Güter» dieser Welt de« hervorragendste» Antheil erhält. E« giebt Leute, welche die Thätigkeit eine« tüchtige» Lohnarbeiter« auf dieselbe Stufe mit der Thätigkett de« Dr. Meyer stelle« und danach auch de« Loh» bemessen würde«, de» die Gesellschaft eigentlich für diese Thätigkeit zahle« müßte. Die heute herrschende Gesellschaft aber stellt durch ihre hohe Belohnung die Thätigkeit de« geehrte» Herr» mit der Thätigkeit eine« gewandeten Makler« oder eine« Possendich- ter» auf gleiche Stufe.--- die ganze bürLerliche Gesellschaft", so bemerkt Herr Meyer außerdem,„ist e« von dem höchste» Interesse, daß möglichst viele Kapltalspartikel in diejenige« Hände komme», die de« besten Gebrauch davon machen könne«. Diese» Ziel zu erreichen ist bisher kein besserer Regulator gefunden worden al» die schrankenlose wirthschaftliche Freiheit, und anzunehme«, daß ma» jemals einen besseren Regulatur finden werde, über- schreitet wenigsten« zur Zeit mein Vorstellungtvermögen. Diese wirthschaftliche Freiheit setzt die große Belohnung her- vorragende« Reichthume« auf eine zweckmäßige Kapitalsverwendung und fetzt die schwere Strafe de« Bankrott« auf eine« Mißgriff. Damtt dient sie dem Zwecke der Kapitalterhaftung und Ka- pitattvermehruag." Wa« He •rn Meyer hier sagt, habe» wir im Grunde ge- nomme« im vorige« Artikel schon abgethan. Wer macht von dem Kapttal de« beste« Gebrauchs Der keine»„Miß. griff" in der Spekulation»Hut. Unfia«, Herr Meyer! Da« ihn vorgestellt hatte, reicht« er ihm mtt leuchtenden Auge« beide Hände. „Zch habe so viel Tute» von Ihn,« gehört, und Ihre Eltern find so vortreffliche Mensche», daß ich wohl glaube, Ihne» mein volle« Vertrauen entgegenbringen zu dürfen," sagte er, und damit war dauernde Freundschaft zwischen ihnen geschlossen. Er war ein kleiner, hagerer Mann, HerzenSgüte und Mrßtraue«, seltsam gepaart, sprachen au« seinem blaffe», faltenreiche« Gesicht. Sei» hinkender Gang, der verkrüppelte Fuß und der starke Au«wuch« auf seinem Rücken forderte» da« Mttlrid heraus, er selbst aber schien davon nicht« zu empfinde«,«ine stille, geduldige Refignatio» leuchtete au« de« helle« blaue» Augen, die ad und zu fich mit prüfendem Blick auf Paul heftete». Paul hatte in der fteundlich eingerichtete« Wohnstube sich niederlasse» müsse«, der Mechaniker wünschte eben- fall« nähere Mttthellunge» über da« Schicksal Konrad« zu erhalte«. ist nur gut, daß ich damals nicht bei Ihne« in habe». Schon einmal habe ich erfahren, in welche Ua« annehmlichkeite» und Gefahre« ma« durch solche« besondere« Kennzeichen gebracht werde» kann; hätte ich damals nicht meine Schuldlosigkeit»ollgiftig beweise« könne«, wer weiß, ob ich nicht damals ohne Gnade und Barmherzigkett zu lebenslänglicher� Zuchthau» strafe verurtheilt worden wäre. Kinde« zu beachten.„Da» Rechtsgefühl de« Volke« will de« Thäter bestraft wissen, und in dem vorliegende« Fall« ist der Schuldig««och nicht entdeckt worden. Etwa ei» nicht glaube«, die Behörde hat sich sehr scharf danach er- kundigt." Sprichwort ist allzubekannt, daß die dicksten Kartoffel« auf dem Acker de« dümmste« Bauer» wachsen. Daß der Glücks- vilz mehr erringt, al« der wirthschaftlich Kluge, ist gleich- fall« wahr. Wer verwendet den« sein Kapttal am zweckmäßigsten? Wen« Sie, Herr Meyer, angeben köanten, wie der Besitzer sei» Kapital am zweckmäßigsten verwende» könne, aber vorher, Herr Rieyer— dann wäre« Sie in kurzer Zett Millionär. Wen» Sie aber„in schrankenloser wirthschaft» licher Freiheit" auch de» beste« Gebrauch von Ihre« Kapitalspartikeln mache« und wen« Sie, wa« ma» Zhae« nach Zbre» ökonomischen Studien in der That zu- traue« kann, Herr Meyer, auch die„zweckmäßigste Kapital»- Verwendung" in Szene setzte», so könnten Sie sehr rasch trotz ihrer Klugheit ei» Bankerottem sei«. Ma» sieht also, daß selbst die„zweckmäßigste Verwendung" de« Kapital« in subjektiver Betrachtung znm Ruin führe« kann unv de» wirthschaftlich Tüchttge» nicht schützt. Die„zweckmäßigste Verwendung" de« Kapital» in objektiver Betrachtung kann man leider erst»ach der Verwendung feststelle«— und die« ist für die Katz.--- Al« wir so weit mtt unseren Betrachtungen gekommen waren, fiel un« ei» konservativ:« Blatt, die„Hallische Ztg.", in die Hand, welche fich auch über den Artikel de« Herr» Meyer und über die„zweckmäßiaste Verwendung" de« Kapital» äußert, allerding« in einer Weise, die nur konservative» Blättern gestattet ist. Da« Blatt spricht von„Ausraube» der Mitmenschen", von„Betrügen der wirthschaftlich Schwachen", vo»„einer ganze» Skala von Brutalitäten' ic. Wir mache« un« die Sache nicht so leicht und werde» «nsere objektiven Betrachtungen in einem dritte« Artikel zu« Abschluß bringe»._ Pottttsche Ueberstcht. läÄHSSSHSES. wie einem Vertreter de» bayrischen Finanzminister« in Pforz. heim stattg�unden haben, bereit« die Grundzüge desselben»w. Ueber den Inhalt desselben wird natürlich die strengste Ver- schwiegenheit beobachtet. Man nimmt an, daß fich der Bun- deirath schon in der ersten Hülste de« ONober mit diesem Entwürfe zu befassen haben und daß der Reichstag desselben Entwurf« wegen diesmal früher al« sonst einberufen werden wird.— So meldet die„Nat.-Ztg." Un« thut nur der arme Finanzminister leid, der schon so viel für den Papierkorb ge- than hat und doch nie Ruhe finden kann. .Zie Jnnuna der Dre»dt«er Buchdruckereibefitzer hat kürzlich beschlossm, mit allen Schriftgießereien, welche mit einer im Vcrhültniß zum AnkaufSwerthe zu kleinen Anzahlung Druckereien einrichten oder die natürlichen Kunden der Buch. **"?�r we»n Sie da« alle« wußte», dann begreife ich Paul dieser Stadt gebliebe» find!" erwiderte „Weshalb sollte ich nicht? Wen» ich mich au« dem Staube machte, dann zweifelte niemand mehr an meiner Schuld ma« mußte darin da« Schuldbewußtsein eine« bösen Gewissen» erblicke«, da war« besser, dem Verdacht muthig die Stirn« zu biete«. Und dann hält ma» ja immer fest an der Hoff- nnng, daß Alle« an die Sonne kommen wnde." „Glauben Sie heute»och daran?" „„Felsenfest I" nickte Heinemann, und ei« entschlossener Zug umzuckt« dabei seine Mundwinkel.„So lange e« auch «och währe» mag, meine Ueberzeugung, daß die Vergeliuna komme» muß, wird nie erschüttert werden." Paul konnte diese Ueberzeugung nicht theile», seine �gtt>e» Erfahrungen sprachen dagegen, und daran, daß ei« Zufall da» Dunkel lüften und die Wahrheit an den Tag bringe» werde, glaubte er nicht. Er wäre gerne»och länger gebliebe«, aber er wußte, daß die Elter» mit dem Abendbrot auf ihn wartete» und jtch danach Lehnte», mtt ihm zu plaudern, so mußte erden« heute scheiden. Heineman« sprach die Hoffnung au«, daß gemeinsame Arbeit«i»teressen zu häufiger Begegnung führe» würde«: damtt war Paul einverstanden, und auch in den Auge« Dora'« glaubte er Zustimmung zu lesen. Z« gehobener Stimmung verließ er da« Hau», er hatte ich wohl gefühlt bei diese» einfache», gemüthvollen Mea« che«; mtt dem erste« Empfang, den er in der Heimath ge- ünden hatte, konnte er zuftieden sei»; aur ei» häßlicher Schatte», die Erinnerung� an den Baron v. Berga», glitt flüchtig über da« schöne Bild hinweg. Die Heimkehr de« verlorene« Sohne». Der Baron v. Berga» hatte die Wohnung seines Vater« bald gefunden. Sie bestand fteilich nur au« einige» ziemlich dürftig möblirte» Zimmern, aber fie lag in einem der vor- »ehmsten Stadtviertel, und da« Hau« selbst machte eine» höchst eleganten, aristokratsschen Eindruck. Ein Diener w Livree empfing den Heimkehrenden, der druck« für ihr eigenes Geschäft heranzuziehen suchen: mll Fabriken, welche Maschinen verleihen und fich daS EigenthumS« recht vorbehalten» mft Papierhändlern und Buchbindern» welche Druckaufträge entgegennehmen» sowie mit allen Agenten dieser Branchen, endlich auch mit allen Lieferanten, welche den Be» amten und Angestellten ihrer Abnehmer Trinkgelder oder Ge« schenke anbieten und verabfolgen, künftig jeden ge« schäftlichen Verkehr abzubrechen.— Wir haben unS über die Vernünftigkeit oder Unvernunft der hier er» strebten Ziele nicht auszulassen. Aber konstatiren wollen wir wenigsten», daß hier eine sehr alterthümltche Innung allerm od ernsten Boycott treibt: fie verpflichtet ihre Mitglieder, mit gewissen Firmen allen ge« schäfllichen Verkehr zu unterlaffen. Weiter thun die vielge- schmähten amerikanischen Boycotter auch nichts. Nur daß den Arbeitern als Verbrechen angerechnet wird, womit fich die Meister in allen Versammlungen und Zeitungen brüsten. Daß die Getretdezölle neben den sonstigen schädlichen Wirkungen auch eine unnatürliche Verschiebung der Konkurrenzverhältnisse innerhalb der deutschen Grenzen zur Folge gehabt haben, ist bereit» an manten Beispielen in der Preffe beleuchtet. Der 1885« Jahresbericht der Handelskammer in Oppeln bringt in dies« Beziehung einen neuen Belag bei. ES heißt darin zu dem Artikel Mühlenfadrikate:„Von uns«« Mrhlmühlen. Industrie. die in unserem Bezirkt eine sehr große Ausdehnung hat, und namentlich in den Kreisen Ratibor, Gleiwitz, Beuthen, Leob« schiiv. Neiffe. Kattowitz und Kreuzburg vertreten ist, ist leid« nur Ungünstiges zu berichten. Fast sämmtliche Mühlen, mit Ausnahme vielleicht d« dem inländischen Korngediete näh« liegenden, die ad« auch zu wenig gewinnbringenden Preisen arbeiteten, haben ein schlechtes Geschäftsjahr zu»«zetcknen. Die in unserem vorigen JrhreS berichte auSgesprochme Hoff« nung, daß 1885 die Mühlenindustrie unsere» Bezirke» wird« eine gesündere Grundlage erhalten würde, hat fich also nicht erfüllt. Der Mehlabsatz war während de» ganzen Jahrei schlecht und gistattete den Mühlen nur einen beschräntten Betrieb. Der Export nach Oesterreich hat in Folge de» hohen österreichischen Eingangszolli vollständig aufgehört und auch nach Deuischland wurde oerhältnißmäßig wer.ig versandt. Da Odtlschlefien nicht so viel Roggen baut, alS«S verbraucht, ist eS auf den Import dieser Frucht angewiesen. Durch den hohen Zoll stellte fich aber rusfischer Roggen bei un» theur«, alS der einheimische in dm nördlich von unS gelegenen deutschen Distritten. Dadurch war nicht nur jeder Export ge« hindert, sondem auch den Mühlen au» Mittel« und Nieder« schlefien die Möglichkett gegeben, ihre Roggmmehle in uns«em Bezirke abzusetzen." Die AuSländerausweisunge« scheinen in Süddeutsch« land ebenso zu blühen, wie in dem rauh«en Klima Preußm». So meldet man d«„Franks. Zig." au» Nürnberg, 20. Juli. Im Laufe der letzten Wochen wurdm hier drei Russen, Ä r- deiter, auSgtwiesen, da fich dieselbm nicht im Besitze d« vorgeschriebenm LegitimationSpaptere befanden. Urb« einem »ierren Russen schwebt dasselbe Schicksal, wenn« fich inn«« halb kurzer Frist die fraglichen Papiere nicht verschaffe kann. U-deihaupt ist man bei un» in Bayern äußerst streng mit solchen Ausweisungen; selbst deutsch« Staatsangehörige entgehen dem nicht, wenn fie fich über ihre Staatsangehörigkeit nicht schwarz auf weiß auSwetstN könne. So z L. ist die Ausweisung üb« dm Befitzer einer, gegen 40 Arbeiter beschäftigenden hiefigen Patentstiftfabrik, einen Preußen,»«hängt worden, wenn derselbe nicht ebenfalls binnen 3 Wochm seine SiaatSangehörigkeit nachweisen kann. D« Mann ist in eine recht üble Lage versetzt, denn da er über 10 Jahre außerhalb der preußischen Grenzpfähle gelebt hat, hat« inzwischen die preußische Staatsangehörigkeit verloren und« muß nun erst Schritte treffm, diese wied« zu erhaltm. Wir habm eS wirklich in mancher Beziehung als„ein einig Volk von Brüdern" schon recht herrlich weit gebracht I Ueber de« Geist in de« neue« Innungen wird dn „Weserzeiwng" von einem höheren preußischen Kommunal« deamten d« Provinz Hannover b«ichtet: In einzelnen großm Städten, wo fich auch schon vor d« letzten Periode, die fich durch daS Streben nach Bildung von Innungen charakteristrt, reg« Eis« für Förderung der gemeinsamm Handwerkiintereffen gezeigt hat, mögen die betreffenden AnstaUm und Einrichtungen jetzt von den Jnnungm als solche in die Hand genommen sein. Sonst ad« ist un» auf unsere vielfachm, an den ver« schiedensten Ortm eingezogmen Erkundigungen über die Wirk« samkeit der neuen Innungen üb«einstimmmd die Antwort zu Theil geworden, davon sei rein gar nicht» zu verspüren. Dt« Handwnk« hätten dem Drange, einer Innung anzugehören, Genüge gethan, damit sei die Sache aber auch«ledigt; fie können fich jetzt wieder mit Recht Zunftmeist« nennen und können die alten Zunftgebräuche wied« in Anwendung bringen, ab« daß ein neuer Geist in die altm Formen, daß neu« In« halt in die alten Gefäße gekommen sei, davon sei leid« bi»h« wenigsten» kein Anzeichen zu Tage getreten. Unser« etgmen Erfahrungm bestätigen dies durchweg. In den neuen Jnnungm henscht zunächst die Befriedigung üb« die biShtt«langten für ihn ein völlig Fremd« war, und e» bedurste für dm Baron nur eines Blicke» auf diese schäbige, abgetragm« Livree, um sofort zu«kmnm, wie die Dinge hi« lagm. .ES ist nicht»öthig, daß Sie mich anmelde»," sagte er, .gehen Sie nur vorauf, ich folge Ihnen." Der kurze, befehlende To» verfehlte dm beabfichtigtm Eindruck nicht, ab« d« Dim« zög«te trotzdem, schon man« cher unverschämte Gläubig« seine» H«r« hatte ihn in dies« Weise übnlistet und ihm selbst dadurch strmge Verweise 3 3„Der gnädig« Herr habm ausdrücklich befohlm", er« widerte«, ab« ver Baron, rasch entschlossen, schob ihn zur Seite und öffnete, ohne lange anzuklopfm, die«ste Thür«. Au» dem Sessel, d« der Thür« gegmüb« am Fmst« stand,«hob sich eine hohe, schlank« Gestalt, d«m äußne Erscheinung im«stm Mommt einm seltsamm, einigennaßm btfremdendm Eindruck machte. Da« silbngrau« Haar und der schneeweiße, bi« über da» Kinn«iedtthängmde Schnunbart kontrastirte auffallmd mit de* dunkle» Röthe de» Gesichte«, die nur zu deutlich verrieth, daß der alte Herr ei» eifrig« Verehrer d« Tafel« freudm war. Nicht mind« scharf trat d« Gegmsatz zwischm Alt« und Toilette h«vor. D« kurz« Stutzerrock, d« jugmdliche Schnitt de» An« nuge» und die zierliche Frisur paßte» schlecht zu dem weißm Haar und de» viele» Runzel«, die trotz d« Schminke ficht« bar warm. D« aste Herr hatte da» goldene Pin ce-nez, da» an drei« tem Bande auf d« Weste hing, auf seine»dl«»ase geklemmt, sei» zornig« Blick ließ«kmnm, daß n üb« diese«»»befugte Ei-dringm eine« Fremdm in seine Wohnung seh, unge« haltm war. .Habe ich mich so sehr»«ändert, Vat«s" ftagte d« Heimkehrmde, d« inzwischen die Thüre geschlossm hatie. Dn Baron trat rasch einm Schritt näh«. .Du bist'« wirklich, Wem«?'' sagte« kühl..Ich hätte eher an de» Uatngang der West als an Deine Rücklehr geglaubt. Bitte, bleib« ruhig da stehe», wo Du stehst, Du kommst au» Amnika, nicht wahr?" Rechte, dann da» Streben nach Erweiterung. Von ernstem Bewußtsein der damit vnbundenen Pflichten, von dem gewissen« haftm Bemühen, die alten Zunftauswüchse im Keime zu unter- drücken und die neuen Innungen zu Pflanzstätten echten, auf Förderung de» öffentlichen Wohles gerichteten Gemeinstnn» zu «heben, durch die Jnnungm nicht allein die Interessen d« einzelnen Mitglieder zu fördern, sondern daS gesammte Handwnk auf eine höh«« Stuf« zu bringen, auch die Außenstehen« dm durch Leistungen für daS Gemeinwohl zur Anerkennung zu zwingen und dm Beweis zu liefern, daß die neuen Jnnungm dm Aufgabm, zu welchen daS Gesetz fie beruft, auch gewachsen find, von alledem ist leider biSh« wmig zu rühmen. Da» venehme« de« Nationalliberaleu und Denn«- »iantea Däublt« aus Ehringen findet allgemeine Verurthei« lung. In da» Gefolge d« nationalliberalen Blätter„Kon- stanz« Zeitung",„Straßburg« Post", welche die anonym« Denunztatwn de» LandtagSadgeordneten und Synodalen scharf verurtheilen und fordern, daß derselbe au» der nationalltde- ralm Fraktion ausgeschieden werde, tritt nun auch die natio- nalltberale„BreiSgauer Ztg." in Freiburg. Diese erklärt, fie könne nur wünschm,„daß die Nachricht fich bestätige, wonach innerhalb d« nationalliberalen Kammerfraftion Schritte geschehen seien, die dm AuSttitt Däudlin'S auS der Kammer herbeiführen dürften." In d« Generalsynode fühlt fich Herr Däubl'n noch ganz wohl, ja er hatte dieser Tage einmal so« gar den Muth,„mit Entrüstung" eine Vndächtigung zurück- zuweisen, die auszusprechen keinem d« Synodalmitglied« ein« gefallen war. An« dem Dorf Schöuhausen, in welchem da» bekannte Gut de» Reichskanzler» liegt, war eine Petition gegm dai Branntweinmonopol mit 53 Unterschriften einge« gangm. Sofort vnkündete die„Norddeutsche", daS habe nicht» zu bedeuten, denn Schönhausen zähle 2000 Seelen und die Unterzeichn« seim ausschließlich Gasthofbesttz« und deren Dienstboten. Damit sollte— schreibt die„Fcankf. Ztg." die Berechtigung von Gasthofbefitzern, fich üb« daS Branntwein- Monopol zu äußern, wahrscheinlich bestritten w«dm, obwohl doch gerade Fürst Bismarck, inen wir nicht, zur Vertheidigung de» VolkSwirthschastSrathS dm Grundsatz aufgestellt hat, daß Diejmigm über gesetzgeberische Projette zu hören seim, auf welche die Gesetz« dann in erster Reihe angewendet würden. Heute nun, wo Niemand mehr an daS Monopol und die Petittonen denkt, kommt da» Organ de» Herrn Reichskanzler» nochmal» auf die Schönhaus« Petilion zurück. ES verkündet jetzt: Nur 49 Unterschriften find echt, denn die Namen von 9 Schönhaus« Einwohnern find ohne deren Wiffm und Willen unterzeichnet worden. Dann fährt das osfiziöse Blatt fort: Strafrechtlich sei dies« Kunstgriff unbedenklich, man könne ihn nicht al» Betrug charafteristren, weil die Erlangung eine» Ver- mögmvortheilS oder die Beschädigung de» Vermögens Andn« fehle. Et fei keine Urkundenfälschung, weil die Petition keine Urkunde ist: auch die Strafvorschrist wegen Führung falschm Ramm» lasse fich nicht anwenden, ja selbst die Anwenddarkett de» b«Ühm. en„groben UnfugS-Paragraphm" sei zweifelhaft. Da» klingt so bedauemd, daß e» un» gar nicht wundem sollte, wmn in der nächsten Sesfion nach berühmtm Mustem eine Novelle zum Strafgesetzbuch erschiene, betreffend die Bestrafung falsch« Unterschriften unt« Petitwnen. Daß ein solcher Fälscher Sttafe verdimte, gestehen wir zu; dann wird ab«— und da» vergtßt die„Norddeutsche"— immer erst nachzuweisen sein, daß ttn Name wirklich widerrechtlich unter«ine Petition ge« setzt worden ist, denn d« Gedanke liegt ja nicht gnade sehr fnn, daß e» Schönhausn ManneSseelm giedt, die spät« nicht eingestehen wollen, daß ihre Namen mit ihr« Einwilligung unt« die Petition gesetzt wordm find. Da« haben fich näm« lieh wohl die Schönhausn Gegn« de» Branntweinmonopol» nicht gedacht, daß ihre Untnschristm eine so ganz besondere Beachtung finden würden. Woher mag die„Nordd." ihr« Kenntnisse wohl habm? Sollte etwa in Schönbausm eine amtliche Untersuchung und eine Vemehmung all« Dn« statt« gefunden haben, welche die Petition untnschrieden hatten? Mit welchem Rechte wäre das wohl geschehen? ES wäre imm«hin intnessant, darüb««twaS Nähere» zu hören, denn auffällig ist e«, daß die„Norddeutsche" erst jetzt zu diesm Kenntnissen gelangt, die ste ganz in der Form und im Tone eine» offiziösen Entrefilet» veröffentlicht. Fürst Bismarck war vor etwa zwei Wochm in Schönhausm. Sollte« gar p«- sönlich fich für die Sache intnesfirt habm? E» wäre in d« jetzigen Zett kein üble» Mittel, da» unliebsame Petitioniren dadurch einzuschränkm, daß man jeden Untnzeichn« einer Petttlon p lizeilich aus H«, und Ritten prüft: nur würde da» einem Eingriff in dai PetttionSrecht sehr ahnlich sehen. Dm Einwohnem«ineS Dorfe» muß eS schon unangenehm sein, wenn d« mächtige GutShttr fich angelegentlich um ditjmigm kümmert, die gegm seine gesetzgeberischen LiedlingSprojelt« beim Reichstag petntonirm und eS ist deshalb zu befürchten, daß, wmn Wied« ein Branntweinmonovol austaucht, die gegne« rischen Stimmen au» Schönhausen fich nicht wieder wndm v«nehmm laffm, denn so einfache Dorfbewohner fassen die Einm herzliche» Empfang hatte W«»n nicht«wartet, ab« diese Kälte«schim ihm auch nicht g«echtfertigt. .Ich habe Dir von Kalifornien au« einmal geschriebm," «widerte«, ohne seine Erbttterung zu vnhehlm. „Ich«innere mich jme» Briefe»«och, obgleich sei» Inhalt mir heute»och unverständlich ist. Ich glaube, Du beschriebst mir darin ei» B«g»erk od« etwa» D«artige«, mir ging nur darau» hervor, daß Du au» d« Komö« diantmgesellschaft unt« noch schlimm««» Gesindel g«athm warst." .Und dmnoch b«eue ich heute«och nicht, daß ich mir Jahre lang diese Gesellschaft gefallm ließ," sagte Wem« in festem, ruhige« Tone,.ich bi» darum doch gebliebm, wa» ich war, und d« Reichthum, dm ich von drüben mit« bringe, wird mich vor Mißliebige« Bemerkungen üb« meine V«ga»gmh«tt schützm. Kein Makel ruht auf mein« Ehre und ich schäme mich nicht, offen zu bekmnm, daß ich meinm Reichthum d« Arbett mein« Hände»«danke. Mtt le«m Händm würde ich niemals zu Dir zurückgekommen sei», Bat«. Du wirst Dich«in»«», daß ich Dir da» damal» schrieb, al» ich Dich von meinem Entschlüsse, nach Kalifornim zu reis», in Kmntniß setzte." D« alte Herr spielte fichtbar verlege« mit seinem Lorgnon,«sah ei«, daß« zu voreilig gewesen war, indeff» half ihm W«n« Üb« diese V«legmheit rasch hinweg, indem« auf ihn zutrat und ihm die Hand bot. .Da» ändert freilich die Sache,"«widerte d« Baron hett«,„bitte, drücke mein« Hand nicht so stark, fie ist etwa» zart« gebaut, wie die Faust eine« amerikanisch» Hint«. wäldl«». Ich konnte da« nicht«wart», Werner, an dm Gvlbschwindel da drübm glaubte ich nicht— also. Du hast wirklich Schätze mitgebracht?" ,3« gut» solid» Wechsel« auf da» Hau» Wilhelm Ladmb«g und Kompagnie hi«, da» drüben Geschäft«»«- bindung» hat," nickte W«»«. „Ah, ah, ei« gute» Hau»," sagte der Baron, dm weiß» Schnurrbart strerchend,.setz« Dich und mache Dir'« bequem. Aufmerksamkeit, die man ihr» Unterschriften unt« Petiti* schenkt, leicht falsch auf. Selbstmorde in der Armee. In dem letzt» Gee« rappott über die Veistorbmen in der preußischen, sächsiff württemb«gischen Armee und d« dem 15. Armeekorps s chirten bayerischen Brigade pro Monat Mai find nicht«w» als 24 Selbstmorde unt« 156 Todesfällen verzeichnet. Dänemark. Au» Dänemark wird d»„Hamb. Nachr." abermals' herausfordernder Schritt de» Ministeriiii gegen die Linke gemeldet. Die von den liberalen Wust» einen in Kopenhagen«betm« Erlaubniß, den Tbiergarlea« Kopenhagen am kommenden Sonntag zu einer Feier für» Linkenführer md FolkethingSpräfidenten Bttg denutze»! dürfen, ist vom Finanzministerium adschläglich beschieden» den. Die Berg> Feier wird wahrscheinlich an d« schweM Küste stattfinden.— Berg war mtt zwei anderen LinkenA nein wegen Entfernung eine» Polizeimeister» von einer U nertribüne in Holstebro zu 6 Monaten Gekängniß bei gevfi ltcher Gefängnißtost und Zahlung von 800 Kronen verurtp worden. Am Sonntag, den 24. Januar, wurde Berg altw verhaftet und in» Getängniß geführt. Diese V-rhaflunz i eine Verletzung de»§ 57 der Verfassung, wonach kein ordnet« während der Dauer der Sesfion ohne Zastim«» deS Folkething» verhaftet weidm darf. Am Sonnabend,' Juli, hat Berg sein« schwere Sttafe verbüßt. Schweiz. �. Dem BundeZrathe ist neuerdtng» eine Eingabe' Heilsarmee zugegangen, eine Art Sturmpetition, ß* Schutz und freie Autübung ihrer Exerzitien auf dem fl®J Gebiete der Eidgenossenschaft und Uninstützung ihrer vZ Hungen zur Untttdrückung deS Alkoholgenusses, ver WP tion und de» Kriege», sowie der Maßregeln ver englischen' chinefischen Regierung gegm den Handel mit Opium veil« Die Eingabe ist von General Booth, Obelst Cllbborn> noch mehreren anderen Korpsführern d« Armee unterzei» woruntn auch Griechen und Chinesen, und ist auS dem L® quartier London, 5. Juli, dattrt. Rußland». Trotz der beständigen ZoUerhöhungen find die Zollft nahmen Rußlands in den ersten 4 Monaten dieses M auf 26,8 Mlll. Rudel zurückgegangen gegen 29,4 5 Metall in derselben Zeit deS Vorjahres. Der HandrlWj Rußland» wie» im«stm Quartal vieseS Jahre» im VZf zum Vorjahre folgendes Btlv auf: Es betrug dl« (»xkl. Gold und Silber in Barren und Münzen): 1885 • Rudel 27 844 000 2728000 19 511000 1362 000 618 000 Rudel Getreide für..... 19130 000 Andere Lebensmittel für. 10 618 000 Rohstoffe und Halbfabrikate für...... 17116000 Vieh für...... 1290000 Fabrikate für..... 12)3 000 Zusammen für 49 38? DUO 52 153 UOü Die Einfuhr in demseldm Zeittaume betrug: 1886 1885 Rubel Rudel Lebensmittel für... 6900000 8 566 000 Rohstoffe und Halbfabrikate für...... 27965000 29 224000 Vieh für...... 51000 47000 Fabttkate für..... 7 846000 10 777000 12 93]] Zusammen für 42 771 000 48 614000-ö Belgien. ...«« steht nunmehr fest, daß dt« AntrS»« der Klerikal Einführung von SingangSzSIIen auf P i«b Getreide sofort beim Beginne d« parlamentarischen' zur Dislusston kommen. In Folge der neuen Wahle« Majotttät der Kamm««ine schutzzöllnerische geworvr Senat ist von jeher für diese Zölle gewesen, so daß stchten für ihre Annahm« günstige sein soll». So. die Ltderalen mtt Rückficht auf die dadurch b-vorstehenv' schlimmerung der Lage d« arbeitmden Klaffen azitirw, als warnmve» Beispiel auf Deuischland zeigen, dal ü' sein« Schutzzollpolitik in sein« Handelsbewegung zurü»I» fie w«den kaum etwa» ausrichten., Die Regierungiiommisstonen nehmen jetzt sämmu» die A r d e i t e r e n q u e t e von den Arbeitern gernlWW flirte al» ordenttich« Mitglieder auf, so daß fich aller die Arbett« an d« Enquete deth-iligen. Dadurch � deffereS Bild der Ardeiterlage«möglicht. Bemerken»� daß der bekannte Agitator Fauviaux, welch« im' mtt BaSly bei dem Stteik in An, in eine Hauptrolle P hat und deshalb au» Frantteich ausgewiesen worden al» Delmirter der Arbett« in der Kommisston für daS� basfin Botinage fitzt. Fauviaux hat auf die dottlaen� arbeit« einen ungehmren Einfluß und ist der Lfiw Arbeitseinstellung». Selbst die kl«ikalen Blätter re v-- 3 „Wäre ich zurückgekommen, wm« da» m meiner läge?" untttbrach Wer»« ih» vorwurfsvoll. „Nein,«ei», Du warst immer ei» gut« Soh«, Du»ut nicht die plebejischen Schrullm gehabt— „Diese Schrullm haben mich reich d«macht l" „Mag sein, ab« billige» kern« ich sie darum »icht. Wir wollm die V«ga»amhett ruhe» lassen- Du«icht auch, daß die» beff« sei?"-l „Ich bi» ga»z damit einverstanden, Bat«." .Bitte, nenne mich»icht Bat«, da» Wort � hart, so bürgerlich—»m»« mich Papa, ich höre d» Findest Du, daß ich alt gewordm bin?" „Im Gegmtherl, Du«scheinst mir jünger/ Wem«, d« die Schwächm seine« Vater« kannte,. d« Baron ih« dm Rückm wandte, um die Glo� zu ziehm und dem Dim« einm Befehl zu geben, ging ihm da» spöttische Lächeln, da» bei dies«, die Lippe» seine« Sohne» umspielt«.. � jj). sagt mtt jed« und doch fühle ich jede« Tag älter wnde," antwortet«« seufzend, erstaun», daß ich einm so altm, staulichen So?« r wie alt bist Du jetzt?" „Fünfunddreißig I" M, „Unglaualich I Lieb« Himmel, wie die 3**, Ab« man steht Dir'«»icht an. daß Du sch«"�< bitte, sage e» niemand, ich würde sonst gleich c gerechnet. Während Dein«»bwesmheit ist** legenheit zu ein« zwettm Ehe gebotm worden, �, umschwärme» mich»och heute, wo ich M*5 lasse, ab« wm» ich»icht eine#*3«� wachen kann, dann ziehe ich vor, mir merne v„ wahrm."„jui Wem««widert« darauf«icht«, und v mußte jetzt auch eine Paus« mach», da d« Die« j bracht____. „Sieh Dich nur um in dies« armselig� da«» wirst Du die Autwort auf Deine Frag jetzt dafür ein. daß die Regierung an Stelle Malou't für die Hiupttommiision einen Aideiter alS Mitglied ernennt. Der Tenerairath der Arbeiter hat offiziell den Bürger- meister von Brüssel benachrichtigt, daß die laut Beschluß de» «rbeitertongreff:» vom 14 Juni auf den 15. August in Au«- ficht genommene A r d eiter- M a nifestati o n zu Gunsten de« allgemeinen Stimmrecht« statt» finden werde. Da« sozialistische Organ„Peuple" meint, Bürger- meister Bul« sei in großer Verlegenheit. Die Manifestation |u untersagen, fH sch-oierig, da man ja die Fiohnleichnam«- «rozesfion gestattet habe; andererseits stünde eine Genehmigung ?? vlojcktirten Kundgebung im Widerspruche zu der am la. Juni beliebten Untersagung. Allem Anscheine nach wird «M«.. Wt«mal die Arbeiter-Manifestation gestatten: man fignalifirt bereit« eine Verstarlung der Garnison. _. Bei den letzten Unruhen in Charleroi waren bekanntlich Plünderungen vorgekommen. Di« wegen dieser AuSschreitunarn Angeklagten wurden gestem zu 10 bezw. }2 ��nZachtbau» verurtheilt. Ja solchen Dingen läßt die tzapitaltstische Justiz bekanntlich nicht mit fich spaßen. »» � Frankreich. m ssäs «chi Gemeinden Frankreich« im Jahre 1872 für 756 Millionen Schulden, am Schlüsse de» vorigen Jahre» aber 1920 Mtllio. fien: in dreizehn Jahren hat also die Schuld um mehr al« da« Doppelte zugenommen. Während der soeben geschlossenen «ammrrsesston find wiederum zahlreiche Gemeinden zur Auf- fiahme von Anleihen ermächtigt worden, darunter manche be- deutende,».B. Ztante« 2400000, Havre 3200 000 Frt«. Pari« hat seinerseits eine Anleihe von 250 Millionen genehmigt er- halten, wodurch seine Schuldenlast 2'/, Milliarden übersteiat mm m°>ar in der Markthalle gerüstet; etwa 600 Personen nehmen könnten. Nachdem diese« Fest vorüber war, wollte man ausbrechen, um mit Fahnen und klingendem Spiel einen Umzug durch die Stadt zu halten. Aber jetzt hörte man. daß d« Maire Cayrade, welcher fich eben unter dem Vorwandt leichten Unwohlsein« nach Hause begeben hatte, in seiner Woh- nung vom Schlage gerührt worden wäre und fast hoffnuna». lo« darniederläg«. Di« Mufil verstummte und der Zug unter- Dlttd. Mit der 1889 er Weltausstellung ist noch nicht Alle» im Reinen. Von den 18 Millionen, welch« durch Bei- trage deZ Handel«- und S> ewerbestand«« aufgebracht werden sollten, find bi» jetzt nur 8 Millionen gesichert, dabei hat der HandelSminister Lockroy e« nicht an Bemühungen fehlen lassen. Grohb»tta«uick». Nach den Gladstone nachstehenden»Daily New»" denkt Gladstone nicht daran, fich nach seinem Rücktritt von der Regierung der Ruhe zu überlassen, vielmehr werde er der Führer der Liberalm bleibm und fortfahrm, fich thätig an den ParlamenUverhandlungm zu dctheiligen.— Nach dem Kabinet«rathe am 20. d., in welchem der Rücktritt de« Ministe- rium« beschloffm wurde, empfing Gladstone seine Anhänger und theilte ihnm mit, daß er die Oppofitton im Unterhause führm werde, allein er fügte zugleich hinzu, daß fie bei seinm vorgerückten Jahrm beginnm müßtm, sich nach anderm widerte der Baron achselzuckelnd, während er«in weiße« Batisttuch au« der Tasche holte und die Gläser seine« Lorgnon« abrieb.„Mein Bruder, der vom väterliche« Erbe de» Löwenantheil für fich«ahm. hat dafür freilich kei» Ver- ländniß, und wen« er e« auch nicht sagt,. so glaubt'« doch leine Frau, daß die kleine Rente, die ich erhalte,»och zu .«ine Rente zahlt Dir Onkel Rudolf?" fragte Werner �Der'alte Herr nickte bejahend, über sein rothe« Geficht glitt wieder ei» Zug von Verlegenheit. �.Seit einige« Zahren." fuhr er fort,»er mag wohl zu der Einsicht gelangt sei», daß er derzeit mich übervorthellt W* Tesprocheu habe ich»icht mit lhm darüber, lch llebe die Ausregung»icht, und offenherzig gesagt, fehlen mir auch die Beweise, mit denm ich meine Aallag« begründen müßte. Ich war damalt Offizier, und mein Bruder verwaltete schon zu Lebzeite»«apa« da« Su», ich«ahm auf Treu und Glau. ve»«eine« Antheil hin und quittirte darüber. Kleinliche Berechnungen habe» mir stet» ferngelegen, Dein O»kel ist jetzt«i« sehr reiche, Guttbefitzcr. und ich— bah,»a« Hilst«, «d ich mir de» Kopf darüber zerbreche I' Werner hatte die Braue» unwillig zusammengezogen, % blickt««ine Weile schweigend in sein Gla». Er wußte sehr wohl, wie««gerecht diese Anklage« »«e«; durch seinm eigene« Leichtfin» hatte der Bäte, nicht »«r alle» verlorm, sondem auch Schulde» auf Schuldm Vkhäuft, de» Werth de» Gelde« hatte er nie gekannt, und «r muß,« dem Bruder dankbar sei«, wma dies«, ihn«icht «»»» verkommm ließ., v w, „ Der Baron mochte diese« Schweigm ander« deutm, er klemmte da, Lorgnon wieder auf die Rase und warf eine« prüfenden Blick auf seinm Sohn. .Du wirst«atürlich uuser« Venvandtm besuchm müffm," krahm er wieder da» Wort,„aber allzu häufig gehst Du ge- fcllß»ich« hin, man kann stch bei ihnm nicht wohl fühlen. E« fi,d nüchterne Alltagimmschea, die nur für ihre Saatm und Viehheerdm Zatereffe haben." „Auch die Dame« V4 fragte Werner. fereottoe Presse stch im Allgemeinen triumvhirmd über die Wahlerfolge ausspricht, kann fie doch nicht ihre Befürchtungm unterdrücken, daß die liberalen Uirionisten die Tory'Regierung nicht so kräftig unterstützen werden al« nothwendig ist, um eine dauerhaste Rezierung herzustellen. Im englischen Artilleriedepartement scheinen traurige Zustände zu herrschen. Die»Time«" dringt einen die „beklagenswert den und fortgesetzten Mißerfolge de« britischen Geschützwesent" üderschriebenen Artikel, worin e« u. A. heißt: „Was die eigentlichen Ergebnisse der Kanonenfabrikation de- trifft, so haben fich dieselben beständig verschlimmert. Niemand außerhalb de» Departement«, e« sei Venn in bestimmten De» partement« ausländischer Regierungm, kennt die genaue Wahr- heit; es ist jedoch unzweifelhaft, daß die Kapitäne einer großm Anzahl englischer Kriegsschiffe Befehle erhalten baden, ihre großm Kanonen nicht abzufmem und daß einige dieser Schiffe unter diesem Verbote die einzigm Beschützer wichtiger brUischer Jntereffm find. Es kann, ohne auf Widerspruch zu stoßen, behauptet werden, daß England in diesem Augenblick keine Artillerie hat, womit es seine Jntereffm und seine Ehre, sei es im Inland« oder im Ausland«, vertheidigm könnte. In der Maschtnenbaukunst und mechanischen Geschicklichkeit und in der Macht, Metalle zu bearbeiten, nehmen wir den ersten Platz in der Welt ein; was jedoch Grschätze betrifft, würden wir, wenn wir plötzlich in einen Krieg verwickett werden sollten, gezwungen sein, Bittsteller bei Herrn Krupp, um die MUtel zum Schutze unserer nationalm Existenz, zu werdm." Spante«. Die wirthschaftliche Lag« Spanien» wird mit jedem Tage trauriger, eine Fabrik nach der andern wird ge- schlossm. Nach statistischen Ekmsttelungm waren zu Anfang dieses Jahrhunderts bei einer Bevölkerung von 10'/, Millionen Einwohnem in den Fabriken Spaniens über 210000 Arbeiter beschäftigt; dies- Zahl ist heute bei einer Beoölkerungtmaffe von beinahe l7 Millionen Einwohnem auf 212940 zurückae- gangen, und fie wird der Anficht vieler Industriellen zufolge in nächster Zeit noch weiter stnken. Balkanländer. Der„Pester Lloyd" behauptet, daß der serbische Thron. prätendent Karageorgjeoitsch mit Hilfe von serbischen Ausgewanderten, namentlich deS bekannten Popm Gyuric», während deS ganzen Frühjahr» Anhänger gefammell und fich schließlich an ver Spitze von etwa tausend Mann Montene- grinern, auSaewiesmen Serben, BoSniaken und Herzegowinem befunden habe, mit welchen ein für den Sommer geplanter Karageorgjeoitsch.P utsch gegen Serbien ausgeführt wer« den sollte. Die faktische Durchführung des Projekte» wurde durch Hindernisse, über deren Charakter man nicht vollständig aufgeklärt ist, verestelt. Die Vorbereitungm seien schon ziem« lich weit gediehen gewesm. Wie die Londoner„St. Jamei-Gazette" erfahren haben will, hat die rumänische Regierung sowohl in Kon« stantinopel wie in London die Verficherung ihrer striktesten Neutralität im Falle einer Aktion Rußland» gegen die Türkei ertheilen lassen. Diese Neutralität werde fich jedoch im Falle einer bewaffneten Intervention auf der Balkanhalbinsel in Feindseligkeit verwandeln. Herr Wettendorff, der bekannte, in türkischm Dlmst getretene deutsche Staatsanwalt, wird nach der„K. Z." Kon» stanttnopel verlaffm, um in dm preußischen Staatsdienst zurück' zukehren. Sein körperlicher Zustand, der den genannten Be> amtm längere Zeit am Arbettm verhindert« und vadurch Anlaß gab, daß er seinem dortigen Posten entsagte, hat fich fast voll- ständig gebessert. Asien. „Die Vorstellunam unsere» Vertreters beim Vattkan", schreibt der Pariser„Figaro",„haben dm helligen Stuhl nicht verhindert, ein Konkordat mit China zu schließm. Damit wird eine halbe Million Katholiken, welche für den fran« »östschm Einfluß im äußersten Oftcn unvergleichliche«limtm "I11" �.unmittelbaren Schutz de« Internuntius, eine» Italiener«, gestellt, der natürlich mehr geneigt«st. dm Sinter. essen seines Lande«, al« dmm Frankreich« zu dienen. Für unsere Diplomatie ist die« eine gewaltige N i e d erläge. Sie hat alle« gethan, wai sie konnte, um dieselbe zu beschwörm. Kardinal Lavigeri« reiste nach Rom, um den Schlag abzuwmdm, aber es gelang ihm nicht, den Papst zu bestimmen, daß die Ausführung der einmal beschlösse« nen Maßregel verschoben wurde. Zugleich weigerte fich Se. Heiligkeit, zu gestatten, daß ganz Kongo von dem afrikanischen Primat abhinge."\ Paul Bert telearaphiN au» T o n g k i n g, daß kotz der kleinen Gefechte an ver Grenze, wobei 15 Franzosen gefallen find, die Ruhe in Tongking vollkommen sei. Afvil«. Wie die„Franks. Ztg." dem in Tanger erscheinendm Blatte„Le Commerce an llaroo" entnahm, hat der Sultan an alle bedeutenden Städte Marokko» ein Schreiben gerichtet, in welchem er sein« gekeuen Unterthanm auffordert, fich dar- „Wie soll ich diese Frage verstehen? Du denkst doch «icht schon an eine HeKalh?' „Hm, alt genug wäre ich dazu." „Bitte, da» find Thorheitm," sagte der Baron mit einer abwehrende« Handbewegnng.»Du kannst immerhin«och einige Jahre warte», sieh Dich«st einmal um i« Deiner Heimath und laß die Di«ge ruhig an Dich herautretm. Zu eiuer Verbindung mit Deiner Koufine Adda würde ich Dir niemals rathm. Hübsch ist die junge Dame freilich, aber die Herrschsucht ihrer Mama könnte DK da» Lebe« ver« bittern. Herschsüchtig, eigenwillig und hartköpfig find fie alle auf Hau« Erlenbach, man ist ihnen nur dann al« Gast willkomme», wen« man ihnen in alle» Dingen Recht giebt und ihre» pedantischen Anordnungen sich fügt." „Und wie urtheilst Du über die Familie v. Gott. schall?" „Wie kommst Du darauf?" „Die beide« Töchter und der Sohn de« Geheimrath» waren heute meine Reisegefährten." Der alte Herr zuckte mit geringschätzender Miene die Achsel«. (Fortsetzung folgt.) An« Kunst und leben. Miß La, el« Gastspiel umfaßt nur noch drei Abende; am Sonntag produzstt sich die Künstlerin, die ihrer bezaubernd schönen, beinahe engelhaften Erscheinung wegen überall die vollste Sympathie deS Publikum« erworben, zum letzten Mal. Eine Brieftaube auf dem Ozean. Au« Pillau meldet die„Oftsee-Zta.": Vom Kapitän«ander. Führer de» Bremer BalkschiffeS„Western Chief", wurde kürzlich aus dem Großen Ozean(soll vermuthlich heißen Atlantischen Ozean, denn da» Schlff ist von New.York in Pillau angekommen) eine bald. erstarrte Brieftaube aufgefangen. Bei der näheren Untersuchung derselben fand man auf dem linken Flügel folgende Worte: „32 Caledonian l'igeon Clnb, Kiug's Cross London, if canght pleaae back to owner for reward"(Caledonia-Taubenklub London, KingS Croß, wenn gefangen, bitte an Elaentbümer gegen Belohnung zurück). Kapitän Sander h°t die Taub« hier gegen ein paar andere eingetauscht und der jetzige Inhaber übet zu äußern, wie fie über die freie Ausfuhr von ieb und Getreide denken, welche feit fast 5 Jahren von den europäischen Mächten verlangt werden; dieselben forderten jetzt binnen drei Monaten ein« definitive Antwort. „S. Majestät," heißt e« in dem Schreiben,„weiß sehr wohl, daß die freie Ausfuhr dem Staatsschatz« vortheilhast sein würde, aber er fürchtet, daß die Bevölkerung dadurch ge« schädigt«erde. Deshalb wünscht S. Majestät, welcher stch al« einer der Unterthanen feine« Volke« ansteht, diese« letztere zu Rath« zu ziehen, ehe er Forderungen be. willigt, welche an ihn während dreier Monate jede« Jahre« und fett 3 Jahren gestellt werden". Diese« kuriose Schreiben, welche« natürlich nur eine diplomatische Finte ist, soll unter den Arabern große Erregung hervorgerufm haben. In Fez habm ste die Juden angegriffen, von denm einige trotz de« Schutze« der Behörden verletzt wurden. Amerika. Die täglichen Kosten de« Chtkagoer Anar« chistenprozesse« find, nach der„Neuen Chtkagoer Freien Presse", wie folgt: Richter............ Dollar 25 Slaatianwalt..........„ 25 Dessen Gehilfen.........„ 25 Clerk«............„ 25 Geschworene 75 Ct. pro Tag Dollar 2.„ 150 Die7deleit« angenommenen Geschworenen„ 14 CheriffS- Gehilfen........„ 40 Extra-Bailiff«..........„ 25 Beköstigung der Beschworenen....„ 14 Zusammen Dollar 343 Die Beköstigung der Gefangenen ist hier nicht mitge« rechnet. Sollte, wie zu erwarten steht, der Prozeß 8 Wochen dauern, so wird er dem Counly auf etwa Doll. 20000 zu stehen kommen!— Nach einem Telegramm der„Times" au« Philadelphia find bei dem Anarchtstenprozeß in Chtkago„er. staunliche" Enthüllungen über ein« weitverbreitete anarchistische Verschwörung gemacht worden, welche vor dem Ausbruch in Chikago destanden hat. Wir werden e« abwarten. Die Tumulte habm bisher nicht den Eindruck einer wohlgeleitete« und weitverbreiteten Verschwörung gemacht. Halifax, 19. Juli. Heute fällte der oberste Gerichtshof von Nova Scotia in dem Prozesse gegen den Führer de« amerikanischen, von den kanadischen Behörden im Hafen von Digby beschlagnahmten Fischerboote»„David Adams" sein Urtheil. Der Gerichtshof erkannte auf da« volle Strafmaß nebst Kosten wegen Verletzung der Akte 5S George HI., Kap. 38, begangen durch Einlaufen in die Bucht von Annapoli« zu ungesetzliche» Z»ecken. Der Kapitän al» Führer de« Schiffe» hatte die Gesetzesübertretung zuge» geben. Die neue Verfassung für die Vereinigten Staaim von Columbien, welche jetzt In der Bundeshauptstadt Bogota ausgearbeitet wird, legt eine weit größere Machtvollkommen» hest al» ftüher in die Hand de» Prästdenten. Ei soll fortan keine souveränen Staaten mehr geben, sondern Departement«, an deren Spitze Gouoemeure stehen, von denen zwei, nämlich die von Panama und Cundinamarca, vom Präfidenten der Republik ernannt werdm. Kommunales. w. Beseitigung der Herk«le»brücke. In Bezug auf da« vom Magistrat beschloffm« Projekt der Festsetzung von Baufluchtlinien für die Herkuleibrücke hat der Minister der öffentlichen Ardetten'erklärt, daß er nur dann dasselbe der Ge» nehmigung deSKaiserS unterbreiten könne, wmn der Magistrat die im§ 50 Nr. 2 der Städte-Ordnung vom 30. Mai 1853 vorgeschriebene Genehmigung der Kommunal-AufstchtSdehörde zum Abbruch der HerkuleSdrück« beidringt, da eS unzweifelhaft fei, daß diese Brücke, derm Beseitigung eine unausbleibliche Folge der Ausführung de» FluchtlinienprojekteS bilde, al» eine w. Der NachmittagSmarkt in de« Markthalle«. 3n Folg« stüherer Vorstellunam von Interessenten der städtischen Markthallen wegen Aufhebung de» NachmittagSmarkt» hat da« Kuratorium der Markthallen bei den Inspektoren Umfragen gehalten und in Folge der Berichte derselben beschloffm. dm NachmittagSmarkt tn dm Markthallm mit der Modifikation bestehen zu lassen, daß die Dauer desselben auf die Zeit von 5—8 Uhr und Sonnabend« von 5—9 Uhr Nachmittag« au«. ' werde. Biiher findet derselbe von 4-8 Uhr statt. Somit wird die Zeit mit Ausschluß de» Sonnabends.' welch« um eine Stunde verlängert wird, für die übrigen Tage um eine Stunde abgekürzt. Taubmllub dehuf» der Brieftaube hat fich an dm London« evmtuell« Auflieferung gewandt. Uebe* eine Krokodttjagd, welche sieben vtundm dauerte. wird au» Hannover unterm 20. Juli folgende» berichtet:„Sin auf dem Schützenfest hier gezeigte,. vor wenigen Tagen erst von Hagmbeck hierher verkaufte» Krokodil von 3'/, Fuß Läng« war gestem Abend tn den zum Transport bestimmten Kasten gebracht worden, und al» d« Eigenthümer hmte Morgm 2 Uhr noch einmal warmes Wasser geben wollt«, fand« den «asten zertrümmtert, daS Krokodil entwichen. Mit der herbei» gerufenen Mannschaft wurde sofort eine Suche begonnm und gefunt�n, daß d« Flüchtling seinm Weg nach der Ihme, einem Nebenflusse der Leine genommen hatte. Erst nach zwei Stunden gelang die Entdeckung de» Thiere«. Dle ersten Versuche de» Einfangen» wurden mit starken Netzen gemacht, welche jedoch von dem wild gewordenen Thiere im Moment in Stücke ge» rissen wurden. Nun wurde die Jagd mit Drahtschltngm von einem Boote au« gemacht, aber ebenfalls ohne Erfolg, denn da» mächtig arbeitende Thier riß den kleinen Kahn hin und h«. Endlich v«suchte man da» Sinfangm mtt der Schlinge vom Lande auS, und diese führt« um 9 Uhr zum Ziel. Bor dieser letzten Jagd hatten fich in einem nahen öffentlichen Bad zahlreiche Gäste eingefunden, welche von dem neum Bewohn« d« Ihme keine Kenntniß hatten und erschreckt auf daS Ufer eilten, al« fie den weit aufgesperrten Rachen de« unheimlichen Gaste««blickten. Da» wuthschnaudmde, wild um fich schlagende Thier machte noch viel zu schaffen, ehe e» dem neum und wohl stark genug gezimmertm Käfig anvertraut w«dm konnte." Et« Verehrer Walter Eeott'«. Vor einigm Tag« ward im London« Museum ein Mann verhaftet, d« au» o« Bibliothek da» illustrirte Prachtwerk:„Die Memoirm Watt« Scott'»" entnommen und fich dann, da» Buch unter dem Rocke verfieckmd, entsernen wollte. Auf der Polizei sagte der Mann: „Ich wünsche fett zwanzig Jahren diese« Buch»u befitzm. ich bin ein stein« Beamter und konnte mir die 22 Pfund, die e« kostet, nicht«sparen. Ich bat mehr«« hohe Herren, mir«in Exemplar zu schmken, widrigenfalls ich ein Verbrechen degehm müßte; ich«hielt keine Antwort, und so blieb mir kein and««r AuSweg." D« Mann, der sonst al» ehrenhast« Charakter be» zu 2«/. Jahren Zuchthaus verurtheilt. Gerichts-Zeitung. zwei jugendliche Einbrecher Im Alter von 14 und 15 Jahren. die Tifchlerlehilina« Robert«rocke und Max Jrost, wurden gestern au« der Uitersuchungshaft der zweiten Ftrien-Vtlafiammer de« Landgericht« I vorgeführt. Die beiden Taugenichtse, die so wenig entwickelt find, M ste noch jünger autsehen al« ihrem Alter entspricht, hatten sich zu gemeinsamen nächtlichen Diedetfoheten verbunden und mit erschreckender Frechheit und Au«dauer operirt. Alte, geriebene Zuchthäusler tonnten kaum planmäßiger und rasfinirter verfadren al« die beiden»nxeklagten. Monate lang trafm sie ihre V orberei. tungen, indem sie die Tcklüffel stahlen, wo ste deren habhaft werden konnten; auch wußten ste fich in den Besitz einiger Dietriche zu setzen. Im Mai d. I. begannen sie ihre nacht. lichen Raubzüge'; wenn alle« im Hause ihre« Meister« schlief, schlichen ste sich heraus. Der Ansang wurde bei dem in de, Waldtmorstraße wohnhasten Tapezirer Witte gemacht; ste ver- suchten zwei Nächte die Thür zu deffen Lagerkeller zu öffnen, da» Echloß widerstand aber ihren Dietrichen und falschen Schlüsseln. Der dritte Versuch gelang, ein im Keller befind- licher Kleiderschrank wurde mit Leichtigkeit gesprengt und dann räumten ste von dem Inhalte au«, so viel ste zu schleppen vermocht:». Bald darauf statteten ste einem Budiker einen nächtlichen Besuch ab: hier stahlen ste steben Kisten Zigarren und da« in der Ladenkaffe befind« liche Kleingeld. Ein dritter Einbruch wurde von den»nge- klagten in der Weise bewerkstelligt, daß ste ein« Scheibe in dem Fenster eine» Vorkost. Keller« eindrückte« und fich kunstgerecht durch die De ff nun g zwängten, auch hier fiel ihnen da« Wechsel« geld in der Kasse zur BiUte; außerdem nahmm ste aber noch eine Anzahl Herren-Pantoffeln und Apfelsinen mit. Mit dem in der Nacht zum 1. Juni begangenen Einbruch« setzten ste aber ihren Schandthaten die Krone auf. Um Zutritt zu dem Komtoir eine» in der Waldemarstraße wohnhaften Kaufmann» zu erlangen, schnitten ste mit Hilf« geeigneter Werkzeuge die Füllung einer Entreethür au». Sie hatten dieimal vor, ein Meisterstück der Einbrecherzunst au»iuführrn und e« auf den eisernen Geldschrank de» Kaufmann» abgesehen. Der Schrank widerstand aber ihrer Geschicklichkeit und Kraft, st- mußten un- verricht-ter Sache wieder abziehen. Einige Tage darauf wurden die gefährlichen Jungen dingfest gemacht, und da noch sämmt- liche« Diebtwerttzeug bei ihnen gefunden wurde, hielten ste Leugnen für zwecklo« und räumten olle Einbrüche ein. Auch im gestrigen Termine zeigten die Angeklagten die Gleichgiltig. keit alter, hartgesottener Verbrecher und verriethen keine Spur von Reue. Der Gerichtshof verurtheiltc den alteren» Max Frost, zu 9, den Robert Brccke zu 6 Monaten Gefängniß. Wege« Eindringe«» in eine« Eifenbahnzug der. «rthetlt. Die Strafkammer de» kgl. Landgericht» zu Koblenz verhandelte vor«tnigen Tagen gegen den 20 Jahre alten Johann Henn au» Zollstock bei Köln, welcher in der Nacht vom 10. auf den 11. Terember v. I. zwischen Brohl und Andernach auf den um 12 Uhr Nacht» von Köln nach Mainz ab« fahrenden Personenzug gesprungen war und einen thäilichen Angriff auf einen in einer Adtheilung 2. Klaff: fitzenden Passa« Sier diese» Zuge» verübt hat. Der Angeklagte hatte fich in der nrglichen Nacht eine Dienstmütze seine» Vater», der Bahn wärt« auf obengenannter Strecke ist, aufgesetzt und sich semer mit einer Brustlaterne versehen und kam so in die oben erwähnte Abtheilung, in welcher sich Kausmann Dann«. berg au» Görlitz oefand. Da« auffällige Benehmen de« Eindringling« veranlaßie Herrn Dann e berg, sofort auf- zuspringen und den Mann zu fragen, wa« er bei ihm wolle. Letzterer entfemte fich hierauf wieder und ging über da« Trittbrett de« Wagen» entlang fort, um noch in ver» schieden« Abthetlungen 2. Klasse einzudringen. Herr Dann«. herg legte fich in da« Fenster und beobachtete von diesem au» den H. Beim Einfahren in die Station Andernach machte Herr D. Miene, auf den H. loszugehen; in demselben Augen. blick aber fiel ein Schuß, der gegen ihn gerichtet war. Un. mittelbar darauf sah Herr D. den Angreifer im Dunkel der Nacht oerschwinden. Der den Nachtdienst versehend« Asfistent Äarnjan, dem der Reisende sofort Meldung von dem Vorfall machte, begab fich sofort mit den wenigen Unterbeamten, die ihm zur Verfügung standen, auf die Jagd nach dem Cnt« flohmm. Die Fußspmm in dem frisch gefallenen Schnee führten zu den Güterwagen, wo man den Menschen in einem Bremserhäukchen versteckt fand. Sogleich wurde Gendarmerie eholt, während man den Ertappten in seinem Ver- eck belagerte. Bei der Verhaftung de» H. zeigte fich, ß in dem Revolver noch drei Schüsse enthalten waren und daß der Verhaftet« außerdem Messer und Stricke bei fich trug. Der Verbrecher gab damal» an, nur einen Scherz beabsichtigt zu haben. Der StaaManwalt stellte die Anklage auf Mord- und Raubversuch, da» Gericht erkannte jedoch, daß nur«ine Bedrohung mft der Begehung eine» Ver- brechen» vorliege und verwie» demzufolge die Sache nicht an da« Schwurgericht, sondern an die Strafkammer. Hier de« hauptete nun der«ngettagte, er habe nur al» blinder Reisen- der mitfahren wollen und den Schuß nur abgegeben, um den Herrn D. zu erschrecken und seine Verfolgung zu vereiteln. Der Vertreter der königlichen Staatsanwaltschaft blieb dabei, daß hier ein Mord und Raubversuch vorliegt, und beantragte, wegen Unzuständigkeit der Strafkammer zur Adurthellung diese« Falle» die Sache vor da» Schwurgericht zu verwtisen. Der Gerichtshof nahm jedoch nur die Bedrohung all erwiesen an und verhängte über den Angeklagten, der fett dem 12. Dezember in Untersuchungshaft fitzt, die höchst« für diesen Fall zuläsfige Straf« von 6 Monaten Gefängniß, wobei die Unter- suchung» hast nicht in Anrechnung gebracht wurde. gtsiiftl*« und Arbeiterbewegung« Dortmund. Immer«ehr Verpflegungtstattonen für die Handwerkkburschen werden in Westfalen errichtet. Da» wäre ganz schön, schreibt die Hamb.„Bürgerztg.", wenn nicht al» Gegenleistung 2—4 Stunden Arbeft von den Nehmern verlangt würde. So müssen die Mittellosen in Bielefeld 4 E" i körbe voll und in Hagen sogar 6 große körb« voll klein machen und da» für Abendbrot, Nachtlager und stück= 45—60 Pf. An einigen anderen Orten, wie i V. Salzkotten, muß für diese Verpflegung 2 Stunden Steine geklopft werden. Wenn nun der Handwerker, der eine Tage». reise von 30 und m«hr Kilometer hinter fich hat, um Arbeit in seinem Geschäfte zu suchen(der richtige Vagabund wird fich hüten, die Verpflegungsstationen aufzusuchen), am anderen Morgen 4 Stunden ardeften soll, verläßt er die Verpflegung». stalion hungriger, al» er ste detreten hat und muß fich dann noch abrennen, um eine neue Station zu erreichen. Und da- durch soll da«„Vagabundenthum" ausgerottet werden? Ei ist jedenfalls der lächerlichste Kampf, der jemal« geführt wor- den ist. Ebenso lächerlich, wie der Vorschlag, den ein Mttar. better de«„DabeimS" im Jahre 1880 machte, sämmtliche Handwerk« durschen in ganz Deutschland an einem und demselben Tage zu ergreifen, fit w Arbeitsscheue und in wirkliche Hand. werksburschen zu sortiren und dann dt« Arbeitsscheuen dingfest zu machen. Unwillkürlich wird man zu dem Auiruf gezwun- gen:„Herr, vergieb ihnen, denn ste wissen nicht, wa« fie thun". Wenn nun am Schlüsse jeden Monat» die Zahl der Handwerksgesellen und die Namen der betreffenden Gewerkt, denen dieselben angehören durch die Zeitungen bekannt ge- macht werden und so gewissermaßen da« Handwerk und gleich zeitig die»rmuth an den Pranger gestelU wird, muß da nicht jedem Handwerksmeister, der noch zu erröthen im Stande ist, die Schamröthe in'« Geficht getrieben werden! Aber die Selbsthttfe der Arbeiter, die Fachvereine, ist den meisten Herren ein Dorn im Auge, und darum reichen ste auch zm Bevormundung de« Handwerk» willig die Hand. Nun ver« langen die Vorstände der Verpflegungsstationen, daß die Hand« werksburschen vollständig mittellos sein sollen, dagegen ver- langt die Polizeibehörde, daß dieselben mit genügenden Reise- Mitteln versehen sein sollen. Wie fich da« zu einander verhält, verstehe wer will, vielleicht kann Herr Pastor V.Bodelschwingh darüber Aufklärung geben Die Aelteste« der Kaufmannschaft von Magdeburg bezeichnen in ihrem Bericht für 1885 diese» Jahr al« ein für Handel und Industrie wenig günstige«. Daß die offiziellen Vertreter der Bourgeoisie zugleich über die„Art der Streik- b e w e g u n g" jammern,„welche fich systematisch über die Welt verbreitet", weil dadurch„der Unternehmungtgeist eingeschüchtert wird", richtet sich selbst al« nackte Jnteressenpolttik. Unter„Schädigung de« allgemeinen Wohlstände»" verstehen die HandelSpaniarchen Beschneidung de» Mehrwerth», V:r. kürzung de« heutigen, unantastbaren, goldenen„Entbehrung»- lohnet". Herr von Puttkamer wird an solchem Antistreik- Bericht seine Freude haben können. Die Rarienburger Maurer haben am 19. d. M. die Arbeft eingestellt, da ihre Forderung'(Erhöhung de« Lohne» bei gekürzter ArbeftSzeit) seften« der Meister und einiger Unter- nehmer nicht bewilligt worden ist. Der Streik der Etettiuer Bautischler ist beendet. Die Meister zahlen fortan den von der Lodnkommisfion aufge- steMen Ärkord- und Lohntarif und die Gesellen haben somit den Streik erfolgreich durchgeführt. Nur die Möbettischler wollen ans die Forderungen der Gesellen noch nicht eingeben. Al» Grund führen fie die Konkurrenz an, welche die Meister durch Tischler rn der Provinz und hauptsächlich von Berlin au» zu bestehen haben. Doch ist in einzelnen Werkstätten der bezügliche Tarif bereft» bewilligt worden. Die Gesellen babm daher beschlossen, mit ihren Forderungen in der Mödel- ardeit erst etwa Ende August geschloffen vorzugehen; e» soll dann in sämmtlichen Werkstätten dieser Art die Arbeit nieder- gelegt werden. De« französische Handelsautwet» für die ersten sech» Monate de» Jahre» giebt einen belehrenden Ein- hltck in die wirthschaftlichen Verhältnisse und die Anstrengungen der französischen Geschäftswelt. Di« Einfuhr betrug 2079 /, Millionen gegen 2102'/, im Vorjahre, also 23 Millionen weniger, die Autsuhr erreichte 1539'/, gegen 1493 Millionen, oder 46'/, Millionen mehr. Eingeführt wurden Nährstoffe für 742'/, Millionen gegen 677; Rah- und Brennstoffe 996'/« gegen 1078 Millionen, verarbeitete Maaren 272'/« gegen 284'/, Millionen. Ausgeführt wurden Nährstoffe für 345'/, «gen 360 Millionen; Roh« und Brennstoffe 297'/, gegen 293 Millionen; verarbeitete Maaren für 815'/, gegen 76?'/, Millionen. Entgegen dm Klagm de» ftanzöstschen Handel», und Gewerbestand«» hat fich also die Ausfuhr der verarbeiteten Waarm nicht unbtdeutmd, um 49 Millionen, ge- hoben. Da zudem die Einfuhr verarbefteter Waaren um 10 Millionen zurückgegangen ist, so kann der Mitdewerb Deutsch. land» doch nicht so gefährlich sein, al» überall auSgespimgt wird. Indessen ist die Einfuhr von Roh- und Brennstoffm um 82 Millionen gesunken, und so läßt fich immerhin auf einm Rückgang der Gewerbeihäligkeft schließen. Dieselbe dürfte aber ausschließlich durch dm Rückgang de» Absatzes im eigenen Lande hervorgerufm sein. Einmal dürste die Kaufkraft der Landberölterung abgenommm haben, waS sich durch die Steigerung der Einfuhr an Nährstoflm um 66 Ml- lionm und den Rückgang der entsprechenden Ausfuhr um 14'/, Millionen erklären ließe; dann aber) und wahrscheinlich in erster Linie die Kaufkraft der Arbeiter, da auch in Frank- reich überall die Löhne.herabgesetzt werben. Auch der Ver brauch an Nährstoffm hat fich vermindert, wie die» der Rück« gang der Einnahmen au» dm Verdrauchisteuern in PariS und dm großm Städtm beweism dürfte. Bei der Steigerung der AuSlubr an verarbeiteten Waarm find die Gewerbe— 314'/, aegm 295 Millionen oder 19«/, Millionen mehr— am stärksten betheiltgt. Dagegm hat bei den Rohstoffen die Einfuhr von Wolle. Baumwolle und Flach» die stärkste Einbuße, um mehr als 20 Millionen, erlitten. Sonach bat fich der Verbrauch im eigenen Lande vermindert. Die Maffmarmuth zeitigt jctzt auch kür die franzöfischen Kapitalisten ihre schlimmen Folgen. 104 Selbstmorde kamen im letzten Halbjahre— vom 1. Januar bis 1. Juli 1886— in Mailand vor. Bourgoi» Organ« schreibm darüber: kein« Stadt Jtalim» weist eine solch schrecklich« Zahl von Selbstmorden auf. Die Roth unter einem Theil der arbeitenden Klasse ist eben sehr groß. Unter dm 104 Selbstmördern find 68 Arbeiter, 17 Handwerker, 11 Kaufleute, 3ve> amte und 1 Bader. veuutzuug de« Satquelle« zu Heizuugtzwecken. Au» Pfttidurg in Pennsylvantm wird geschrtedm: Durch die Bmutzung de» natürlichen Gase» al» FeuerungSmaterial in dm hiefigm Fabrikm werden täglich 189860 Bufheli kohlen ge- spart. Bithe: wurden in dm Fabriken wäbrmd de» Jahre» (250 Betriebstage angenommen) im Ganzen 47 450 000 Bushelt kohle verbraucht. Rechnet man, daß da» tägliche durchschnitt- liche Quantum kohl«, welche» ein kohlmgräber liefert, 100 Lusheli beträgt, so würden 1600 Kohlmgräber erforderlich sein, um da» oben angefühtt« Quantum Kohle in einem Jahre zu fördern. Alle» in Allem genommen find durch die Ein. führung de» natürlichen Gase» al» FeuerungSmaterial 5000 Personen in dieser Gegend beschäftigung». lo» geworden. So ist auch hier der Segen der Natur durch die heutig« unvernünftige WirthschafUordnung zu einem Fluch« für die Arbeiter geworden. Die Kouserveufadrikattsu hat unter dm in Lübeck ver. treten tn Industrien einen großm Aufschwung gmommm. Ver- kauft wurden 1885 nicht wmiger al» 785670 Dosen und Gläser Gemüse, Fleischspeism, Würste, Suppm und Früchte, gegm 384000 im Vorjahre. Außerdem wurden noch 25000 Kilo getrocknete Gemüse und 30 000 Kilo Chokoladm und Marzipan hergestellt. Konservm und getrocknete Gemüse gingen großen. theils in» Ausland, Chokoladm und Marzipan blieben im Inland«._ Vermischtes. Untern Sternbilde der saure« Snrke. Au» Wittm wftd geschrieben: Ganz wunderbare Dinge hat fich ein hiesiger Korrespondent der Bochumer uttramontanm„Westfäl. VolkSztg." von lustigen Gesellm aufbindm laffm und seine erstaunliche Nachricht ist bei der Dürr« der Sauregurkenzeft auch glücklich in da» Blatt geschlüpft und schickt fich an, gleich der See. Presse zu laufen; die„Tremonia" hat da» hübsche Geschichtchen schon ohne Bemerkung übernommen. Da». selb« wütet übrigen» wöttlich;„Witten, 9. Juli. Auf der Eismbabnstrecke Hagm-Siegen hat man,„so schreibt da, ge. nannte Blatt", neuerding, den sogmanntm«tsmwurm ge. öSKii geblich zm Ziviltrauung auf der Mairie einstellen. An ein» der letzten Tage kamen ihrer nicht weniger al» 16 und riefe« mit lautem Geschrei nach dem Matre, der nicht da war. flu- letzt trieben sie e» in ihrer Roth so arg, daß die Bureaudien« im Verein mit ri'.igen Polizisten fich anschickten, die 11 nge- duldigen an die Luft zu setzen; dem widersetzten fich mehre« und eine ganze Schaar Zeugen, in derm Mitte fich ein halbe» Dutzend Bräutigame durch ihr Toben hervo.fthaten, ww den verhaftet. Ein Pfarrer am Altare erschossen. Ein blutige» stk- eigniß hat fich am 13. d. M. in der Kirche de» italienisthen Dorfes Guastamarelli unweit de» Städtchens Lanciano, er- rignet. Eden wollte der Pfarrer, Don N'cola Lrnici, der die Messe la», das„Orate Fratres" anstimmen, als ihn eine Kugel tobt zu Bodm streckte. Der Attentäter, der GutSdefitzer Nlcost Caltore, stellte fich sogleich freiwillig den Behörden und get alS Motiv seiner That an. daß der Pfarrer zu setner jugend- lichm Gattin unerlaubte Beziehungen unterhalten habe. Sonderbar! Durch eine groß« Anzahl deutscher Bläita geht folgende Nachritt:„In E s s e n ist am 19. der Landritj Schmieding mft 32 Stimmm einstimmig von dm Stadtv-r- ordneten zum ersten Bürgermeister Dortmund» gewäh« worden."— Sol Also die Stadtverordneten von Esse« babm den Bürgermeister von Dortmund zu wählen� Sonderbar, recht sonderbar! Wie alle Neuerunge« ihr„Für" und„Wide� habe«, so geht e» auch d.-r neuen, bekanntlich von ExzellA Puttkamer„erfundenm", in Bayern etwa» umgemodelter Orthographie. Einer, der dieselbe besonder» im Magen P haben scheint, verfaßte folgendes Poem: Drei Hähne tretm de» Morgm» früh Zusammen mit Gravität, Zu untersuchm, wer'»„Kikeriki" Wohl am korrektesten kräht. Der Netteste räuspert fich und läßt Ettönen fein„Krkeriki". „So nur ist richtig", behauptet er fest, Der Ruf— mit einfachem„t". Der Zweite nicht lange schweigsam bleibt, Er stimmt für„Kükerükü"; „Wa» kümmert'» un», wie der Mensch e» schreibt, So macht e» am wenigsten Müh". Da fängt der jüngste zu krähen an Hellschmetternd sein„Ktrkeriekie", „Die neue Scheibart bricht doch fich Bahn In Prosa und Poeste! Dies hörte auf seinem Hausaltan Ein Doktor der Philologie; „Schweigt stille", rief er,„e» kräht kein Hahn Nach der neuen Orthographie!" Die Leide« eine» reiche« Manne». In Londons fich zu Anfang deS Wonnemonat» der Baronet Longlrtz, tfr der reichsten Mitglieder d«S Jockeyllud», erschossen. Er hl»'? ließ folgendes Schreiben:„Ich leb« angenehm und sorgc»� allein seit 4 Wocken regnet e» nahezu täglich, ich will ri? immer mit dem Paraplure ausgehen, doS macht mich riett� deshalb sterbe ich."_ Kleine Mitthettimgen.| Hause«, 20. Juli.(Wahlsteg). Bei der gestern Ms babten GemeinderathSwahl wurden, wie da»„0#*% Tageblatt" schreibt, die von den Arbeitern aufgestellten baten fast einstimmig gewählt. E» find vieS die Herren»� Peter Clestu», Ludwig Pftott, Vallentin Keller und Daniel Roma. «rauben». 19 Juli.(Tollkühner Sprung.) V-r#**5 aber hinau»springen, wenn der Zug in der RShe ihrer nung sei; denn sonst müßte ste einen wetten Weg zu i gehen. Die Zuhö-er glaubten, daß ste mft diesen Scherz treibe. Doch al» der Zug bei Klodtken riß fie, wie dem„Ges." mttgetheilt wftd, mft einem Thür de» Koupee'S auf und sprang auf die Erde. Sie i auf den Füßen und klatschte in die Hände, zum Zeiche»« m der Sprung glücklich gelungen sei. � Dürkheim, 15. Juli.(Unschuldig im Zuchthause.) JS gestern Nacht kam der Winzer Jakob Mayer von Gra� wieder zu seinen Eltern zurück, nachdem er 28 M»n»*? Zuchthause zu Kaiser Slautem gesessen hat. Derselbe war Zeit vom Schwurgerichte wegen Körperverletzung mit folgtem Tode, verübt an dem Ackerer K. Hellwm in zu acht Jahren Zuchthau» verurthettt worden. Nun W berausaestelli, daß nicht er, sondern sein Bruder Christian That beging. Und wer entschädigt den Armen für'S 28 Monate? Denn der BundcSralh hat immer noch mm'% geneigt gezeigt, die Reich»tag»deschulffe wegen Entschädi»� unschuldig Vermtheiltcr zu ratifiziren.,,- Etavfvrt, 20. Juli. Ein erschütternder Unglücksfalls eignete fich gestern auf dem Privatsalzwerk, Ludwig n.".«S ein 24jäbriger Bergarbeiter au» Unvorfichtigkeft etwa 300 pj tef in den Schacht hinabstürzte. Der Bedauern»werthe völlig zermalmt unten aufgefunden. J Lyck, 16. Juli. Von einem grauenhaften VerbrechA-z in einem Kornfeld« auf dem Wege von Bialla nach% vor einigen Tagen verübt fein soll, wftd der„&3." Dort fanden Arbeiter den Körper eine» Mädchen» im% von 18 dt» 20 Jahren mft aufgeschlitztem Bauche und mrp� Kreuzschnitte« auf der Brust in noch lebendem Zustande- g Teme»var. 19. Juli.(Verunglückt.)«« gesteM, zwischen 9 und 10 Uhr NachtS in KaransebeS anla»K> Budarest Orsovaer Expreßzug in der Station eintraf, berick� die Passagiere de» Zuge», daß ungefähr 1000 Meter voO> Einfahren in die Station ein Reisender von der eines Wagen» L klaffe ausgeglitten und zwischen die©"ry estürzt sei. Der Stationichef fuhr al»dald nach AbgMAp uge» mit der Reservemaschine und mit dem BahnMEj, -zipriß längst der Strecke. In der Näh« de» Dorfes?� Boului fand man einen fürchterlich zerstücketten Lrichn»»' beiden Vorderarm« waren abgetrennt, die Füße" splittert, die Hirnschale eingeschlagen, lieber die verunglückten Passagier» werß man bi» jetzt nicht»! aber Alle» deutet darauf hin, daß er ein Franzose, amtlich« Kommission hat sich an Ort und Stelle beari*V fand außer verschiedenen Dokumenten und Briefen 650v� in franzöfischen Bankbilleten um den Leib de» gebunden. Ferner wurden ca. 600 Frk». und rfmöv reichisch ungarisch« Goldmünzen in der Brieftasche voig Indem die Stelle deS Unglücksfalle» nicht mchr»um bilde der Stadt Karansede» gehört, wurde der%, Leichnam in die nächst« Gemeinde gebracht und dürft» schrinlich nach Lugo» oder TemeSoar gebracht werde»-. Wie«, 20. Juli.(Von einem Lastzug« zermalm''�, w» einem Süienenahrijunoen oer oer ei ovaon x-r jji angestellt« Anton Grittner, 56 Jahre alt, verhrirathe'-.� Viaduvgaffe Nr. 2 wohnhast, bestieg um halb lj de» benchenden Verbote» und ohne Wissen de» SjlSSr einen nach Simmering verkehrenden Lastzug. unlM. Schritte von der Station„Hauptzollamt" entfernt," von dem rollerden Zuge Obspringen, wurde. Rädern erfaßt, überfahren und im buchstäblichen> Worte» zermalmt. Die Lrichenfiücke�wurden sich ver- I nach der Todteniammer der Pfarre Weißgärber «-«toHIWj-».»«-««• b«Wk. Sm, W.«5S, w 8W,-«ST*. Beilage zum Berliner Bolksblatt. lt. 169. Freitag, im SS I-Ii 1886. Hl IMosö ZuslhkülliihKtit im ultra Frackreich. In früherer Zeit, alS Ahnungen und Zünfte in Frankreich noch recht im Schwünge waren, hatte nicht nur jeder Eianv. fonvern sogar jedes Handwerk einen desonderen Richter. Selbst U'iter den Albeitern hatte fich bis zum Ausbruch der Revo» lu ion eine gewisse Hierarchie erhallen. In jeder Werkstatt M der Meister auf einem höheren Sitze al« die Gesellen: urd viese untereinander spielten gleichfalls die Rolle von llei- �n»lz ig,n— je nach der Länge ihrer Dienstzeit und der Höhe ihrer bezahlten Prämie. Ihre Köpfe waren rastrt und fw der oberste Geselle oder erste Lehrling durste eine Perrücke nagen; diesen mutzte man ansprechen, wenn man in einen Laden trat, sofern der Meister selbst, den man an seiner höheren Verrüfe erkannte, nicht zugegen war. UedrigenS unterschied fich auch ein Meister von dem anderen durch die Zahl der Löcken, welche sein« Perrücke hatte. Schuster« und Schneidermeister hatten bloS eine Locke, Juwe« «ere und Uhrmacher trugen zwei Locken, Apotheker drei u. s. f. «»er autz'r diesem Firlefanz hatten fich bi« zur Revolution noch unzählige andere Besonderheiten und Standesunterschiede u>ttr den Handwerkern erhalten. Jede Stadt, ja manche? Dorf oder Stadtviertel hatte sein« eigenen Gebräuche. So hatten fich in vielen Städten Frankreicht alle Schuster gleichsam »n eine religiöse Körperschaft vereinigt. Sie trugen lange schwarze Mäntel und ein« Art Uederschlag von Meitzer Leinwand wie die Geistlichen. Erst die konstltuirmt Versammlung schaffte dirse ernste, nüchterne puritanisch« Rrpublik von Schustern ab, sowie fit üdcrbauvt alle Statuten der «nnungen zerritz und unbedingte Freiheit der Arbeit ver« »ll-.digte. Et gab in Frankreich eine Z'it, in der H-inrich IN. tot einer Ordonnanz dai Ardetten ein„Droit royal et ckommial"(ein königliches und herrschastlicheS Recht) Nannte, so datz dieser königlichen Vorstellung gemätz nur gener arbeiten durste, dem eS von seinem Landetherrn gnavigst gestattet worden war. ES existirten auch Verbote der Auswanderung von Seidenarveitern und Buchdrucker- geieuen. ## »>. f-VÄÄÄVÄÄ""«V'Ä on denen die mindeste Abweichung. ,. v. von den«estim- mungen über Lünae und Brette de»«tück». über die Zahl der Faden, über die Farben u. f. w. gefunden wurde, wurden ko.'fiSzirt. Hutmacher, die ein« ander« Art Hüte, als die vier fei sten Gattungen fabrizirten, Strumpfwirker, welche in einer nickl dazu autorifitten Stadt arbeiteten, oder deren Strümpfe nicht von einem gewiffen Gewicht und einer gewiffm Qualität waren, Färber, welche einen der 64 Artikel, dt« ihre Industrie regelten, übertraten oder von gewiffm verdotmen Farbe« hölzern Gebrauch machten, und fich nicht ängstlich an dat vorgeschriebene Verfahren hielten, Tuch« sadrikanten, welche nicht die theure spanische Wolle geb. suchten und mehr als zwei Arten von Tüchern fa« drizitten,— mit einem Worte, jeder Fabrikant, welcher seine Industrie durch billigere Fabrikate dem Volle zugänglicher «achm wollte, wurde streng bestraft. Bis zur französtschm Revolution konnten nur Leute, die einige» Vermögen besatzm, irgmd eine Profession erlernen und I noch mehr war die» noth wendig, um dieselbe al» Meister ausüben zu können. Der Sinttitt in jeden Zweig der Industrie war mtt dm grötztm Hinderniffen verdundm. Da» erste Hindemitz bestand Zehll Ifranijf der ßalecker! Skizze au« dem Lebe« der Weltstadt von Wilhelm Lachman». (Nachdruck verboten.) Der Winter 18.. war laug und streng. Mein Beruf, der dm Winter zu seine» ärgsten Feindm zählt, verschaff»« wir schon viel« Wochm unfreiwillig« Feiertage. Mtt E»t. sehen sah ich dm Beutel meine« Portemonnaie« immer Jtyaffe, hängen und«och immer keine Aussicht auf Ver» bienst l— Noch ei» Tag l— und ich befand mich vii-ä-vio 2. rien, gegenüber jenem unangmehmm aufdriuallchm -.Nicht»", vor welchem fich der Arbeiter auf ewiger Flucht befindet. . Zch sah diesem heranstürmend».Nicht«" mtt sehr ge- Mchtm Gefühle» entgegm und die Sorge um meine �!'ste»z trieb«ich früh au« dm Feder«. E» war 5 Uhr, ei» rechter Wintermorgm. Trübe pfinmerte« die Gatflammm durch da« dicht« Schneegestöber *nd die Millionmstadt lag«och in tiefem Schlummer; doch b«Sa»»«» sich«llmälig zu rege«. Di« eilenden Zeitung«. paum. einzelne Arbeiter, die Straßenkehrer, die vom Ball hckmiehrmbe« vermummtm Pärchen zeigte« fich al« die �ste» Vorbote» jme« weltstädttjchm Gewühl«», welch«» all. Mich bi« zu« Mittag lawinenartig anschwtllt, um zur "acht hin wrever progresfio zu zerfließm. _ Zch eilte einer jmer Kaffeeklappm zu, in welche« der ..Droschkenkutscher" nebm dem.derangirten Baron". der »Dimstma»»" nebm dem„armen Studenten, der„Arbeiter" «rben der.zweifelhafte» Existeaz', der„Vigilant" neben »seine« Opfer" friedlich für zehn Pfmutg« ihrm Kaffee schlürfe« und Zettung lesm. �_....,. Ich war der erste Gast und konnte de»„Arbeit«markt ber autgelegtm Journale mtt Muß« studtte«.— 34 las. —• Halt!— Ein« Annonze, die Hoffaungm erweckt l „Em j. Mann, a. liebst. Etud., der fehlerftei ärot. schreibt, beschäftigt Z. H. Mallei». X.-Str. 17, Hf. 1 Trpp." Nach einer Stunde befand ich mich in einer ungeheure« »Miethtkaserne" der Borstadt. E« war»och dunkel im darin, daß j-der Meister, den bestehenden Gesetzen gemätz, nur einen Lehrling haltm durfte, und man daher vor allm Dingm einen Meister suibm mutzte,»vmn man fich einer In- dustrie widmen wollte. WSbrmd der ganzen Lehrzeit war der Lehrling da« Eizentbum deS MeistnS, der ihn selbst durch Stockstreiche zur Arbeit anhalten durste. Erst nachdem der Lehrling einige Irhre bei seinem Meister zugebracht hatte, war derselbe verpflichtet ihn zu unterhatten, aber Bezahlung bekam der Lehrling nie.— Die großen Kosten, die mit den LehrlingSjahren verbun» den waren, bildeten ein zweites Hindernitz. Diese Kostm fan- dm nicht bloS beim Abschluß de» LehrlingSvertrageS statt, son- dern wieverholten fich während der ganzen Lehrzeit unter ver- schiedenartigen Formen von S'mern, welche der Lehiling be- zahlen mutzte. Bigot de Sainte-Croise bemerkt, datz die Auf- nähme in die Lehrlingtschast der untergeorvneten Handwerke mindestmS 500 LioreS kostete. Um Goldarbetter werden zu können, mutzte man 1800 LioreS bezahlm. Die Taxe der Tuch- fabrikanten delief fich auf 1270 LioreS und die Gewürzkrämer berechnetm 1064 LioreS. Trotz aller dieser Ausgaben lemte der Lehrling doch wenig von seinem Meister, weil derselbe ihm oft die eigentlichm Kniffe seine« Handwerk» veiheimlichte und weil der Lehrling keine Erziehung irgend einer Art autzer der Werkstube erhielt: bi« zum Ende der LehrlingSschaft gehörte er fich gar nicht an. Wenn sein Meister krank wurde, so konnte derselbe ihn für die Zeit, welche er noch zu dienen hatte, an einen Anderen ver- kaufm. Fall« der Lehrling auf diese Weise den Meister änderte, mutzte er abermals 30 Livre« für die Uebertragung deS Brevet bezahlen. Selbst wenn er von einem Laden nach dem andem übertragen wurde, mutzte er bei dieser Gelegenheit eine Steuer mtrichten. Wenn sein Meister starb, so wurde er dadurch nicht frei, sondern er mutzte stch an die Gilde seine» Gewerbe» richten und um einm neuen Meister bitten. Da» Gesetz erlaubte ihm, durch Geld seine Freihett wieder zu laufen, aber nicht stch zu verheirathm. Jeder Lehrling mutzte volle acht Jahre bei einem Meister zvdringm, um ein Handwerl zu erlernen, daS er in einer weit kürzeren Zeit fich hält« aneignen können. zoüale». Ueber de« Bau der Kaiser- Wilhelm»- Brücke ver- öffentlicht die heuttge Nummer der„Deutschen Bauzeitung" interiffant« Mitthellungen: Am 21. Juni hat die Verdingung für die Maurer« und Steinmetzardetten bi« zur Unterkante de« Hauptgefimse» stattgefunden. In dem der Submisston zu Grund« liegenden PreiSverzeichnitz war seitens der städtischen Bauverwallung in AuSstcht genommen, die Pfeiler- Berklei- düngen unter Waffer, sowie die Gewölbe auS Basaltlava von Niedermendig und die sämmtlichen fichtbaren Stirnflächen auS geschliffenem belgischen Kohlenkalkftein(belgischen Granit) her« zustellm. Gleichzeitig'war jedoch den Anbietern freigestellt, ihrerseits noch andere Vorschläge zu machm. AlS Sieger auS diesem Wettbewerb«, zu welchem die bedeutendsten hiestgen Steinmevgcschafie herangezogen worden rvaren, ist die Firma von Otto Plöger und der mit dieser verbundene Unternehmer ää nebmern die verschiedensten Arten von Sandstein, Granit und Syenit beigebracht. Der Vorzug ist dem von Plöger und Holzmann angebotenen Material zuerkannt. Hiernach werden nun die Gewölbe, sowie die Pfeiler. Verkleidungen der Gewölbe- Laibungen au« Blauderger Granit(Bayern), die Verklei« düngen sämmtlicher Stirnflächen au» einem dunkelbläulichen, geschliffenen Grantte von der Bergstraße im hesstschen Oden- waide hergestellt. Die vorzüglichen Eigenschaften diese« Ma- terial« bürge« dafür, datz hier ein wahrhaft monumentale» Bauwerk geschaffen wird, welche« der ReichShauptstadt zur Zierde und der städtischen Bauverwattung zur Ehre gereichen wird. Die Gesammtsumme, für welch« die Arbeiten und Liefe- rungen vergeben wordm find, beträgt fünfhundertfünfzlgtausend Mark. E« ist in AuSstcht genommen, sämmtllche Arbeiten bi« zum 1. Juni künftigen Jahre» fertig zu stellen. Da die Grün- dungSardeiten so weit vorgeschritten find, datz deren Beendigung binnen drei oder vier Wochen bestimmt zu erwarten ist, so kann spätesten« Mitte August mit der Ausführung des Mauerwerk» begonnen werdm. Treppenflur, doch erstieg ich ohne Unfall die erste Etage. Ich zündele ei« Streichholz an und sah, daß ich recht war. Auf«rnem Porzellantzchrld las ich: ,Z. H. Mallein. 7-9 Uhr." E» war 7 Uhr vorbei. Zch klingette; doch mehrfach vergeblich. Endlich polterte e» drinnen. „Wer ist da?" fragte eine weibliche Sttmme. „Ich komme anläßlich eine« Zettung». Inserate»." „Aber e« ist ja«och nicht Tag.— Mein Mann schläft «och 1" „Verzeihen Sie nur.— Ich wollte mir Niemand zu- vorkommen lassen.— Mein Name ist Sp... l— Bitte, sei« Sie so güttg und sage» Sie die« Ihrem Herr« Gemahl I" „Sehr gern." „Wann darf ich wiederkommen»' „Um Neun!" .Adieu l" „Adieu!" tönte e« von Innen zurück. Punkt neun Uhr stand ich wieder vor der Thür. Ei« kleiner Herr in langem Schlaftock öffnet« mir und ersuchte mich sehr fteundlich, näher zu treten.— Zch trat direkt in eine schmale Berliner Stube und wurde durch diese in ei« kleine« einfevstrige« Zimmer geführt. Hier mußte ich»eben Herr» Mallei» auf einem Sopha Platz nehmen. E» währt länger, die plötzlichen Eindrücke einer fremde» Behausung zu schildern, al» sie in fich aufzunehme«. Alle«, wa« sich meine» Blicken im Fluge da aufdrängte, macht« de» Eindruck der dürftigste» Lermlichkeit. Die atter»« schwache« Feder» de« Sopha« ließe» mich vi« auf die Gurte nieder finke«.— Di« durchlöcherte« Gardine» am Fenster. der fadevscheinige, stellenweise zerrissene Schlaftock und die graue« Bartstoppel» de« kleine» Herr», der morsche Arbett«« tisch in der Fensterecke, auf dem ei« Chao« von Bücher» nur eine» kleine» Raum frei ließ, da« ganz, dürfttge Meuble- ment, Alle« deutete darauf hin. daß der Inhaber dieser Wohnung kein Millionär sei» konnte. Da» erste Gefühl, da« fich in mtt regte, war Mttltid und ich wußte wirklich nicht, ob ich die Zigarre, welche mir Die Anlegung eine« großen Hafen« innerhalb Berlin« beadfichtigt nach der„Voltsztg. fltt Lb:r- und Nieder- Barnim" ein Konsortium von Kapttaiifun. Der Ort für dies« Hafmanlage soll da» Spreedecken zwischen der Waisenbrücke und dem Mühlen dämm ftin. Die anliegenden Straßen sollen zu großartigen Q-iaiS, ähnlich wie im Alsenufer umgebaut werden. Sollte stch dieser Plan verwirklichen, so wäre Berlin jedenfalls um eine großartige Ziede reicher, ganz abgesehen von den übrigen Vortheilen, die hauptsächlich die anliegende» Stadttheile davon ziehen würden. Freilich wird hier wohl nur der Wunsch der Vater de» Gedanken» sein. Die Berliner Pferdebahn- Gesellschaft hat fich endlich zu der großen That aufgerafft, die atten hölzernen Station»« schilder, mit ihrm unschönen viereckigen Pfeilern, von den man bei jedem Gang« durch die Straßen einige zerbrochen auf dem Pflaster liegm sah, durch neue Schilder mit runden eisernen Trägern zu ersetzen. Die allgemein« augmdlickiiche Straßen» buddelei wird zwar durch diese Aenderung noch vermehrt, doch wird damit hoffenttich da« für da« Publikum, die Kutscher und die Pferdebahn gleich unangmebme fortwährende, leicht« Zer- brechen der Stationsschilder aufhören. Die glänzenden Himmelserscheinungen warm am Dienstag, dm 20. Juli, Abend», wieder außerordentlich schön; der größte Glan, war von etwa 9'/, bi« 9'/« Uhr. Da« erste Aufleuchten wurde, der„N. Pr. Ztg." zufolge, um 3 Uhr 52 Minuten beobachtet. Et wurde vorgestern zum ersten Mal versucht, eine photographische Aufnahme der Erscheinung zu machen. Dieser Versuch ergab, datz die Dauer der Exoofition mit einem gewöhnlichen Apparate etwa eine bis zwei Minuten beträgt. Wmn solche photographische Aufnahmm gleichzeitig von zwei Orten au» gemacht werden, welche etwa 10 bi» 20 Kilometer von einander mtfemt liegen, so laffen fich diese Auf- nahmen zu einer Höhmbestimmung der leuchtenden Wolkm bmutzen. Von anderm Ortm liegm noch die folgmden Mit« thettungm über da» Auftretm der Erscheinung vor: In Mai« land wurde da« Phänomen am 12. Juli gegen 9% Uhr Abend» gesehnt; zu derselben Zeit wurde e», wie bereit» mitgetheitt, auch in der Gegmd von Trier beobachtet. Am 16. Juli, Abend«, und am 17., MorgmS, trat et in DreSdm auf. Am 18. Juli, Abend», sowie auch am 19. Juli, MorgmS, wurde eS in der Gegmd von Stettin beobachtet. Hier war die Er- scheinuna besonder« am 19, Juli, MorgmS, durch großen Glanz auffallend. Die Kopfbedeckung der Männer im Sommer. In- dem wir unsem Körper durch zweckmäßige Belletdung gegm die Einflüsse der WUterung möglichst zu schützen suchm, tragm wir im Winter dicke und dichte Stoffe, die dm Körper wider- standSfähig gegen Kälte und Näffe machm, geben dagegm im Sommer leichten und luftigen Kleidern den Vorzug, da fit der vermehrten Ausdünstung de« Körper« nicht Hinverlich find. Nur dem edelsten Theile unseres Körper«, dem Kopfe, laffen wir im Allgemeinen noch nicht diejenige Rückstcht angedeihm, auf welch« dieser eben so gut, wmn nicht in höherem Grade al» die übrigen Körperlheile Anspruch erheben darf. Fast die Mehrzahl der Männer trägt zu jeder Jahreszeit eine und die- selbe Kopfbedeckung: den Filzhut. Gegm die Unbilden de« Winter» gewährt dieser allerding« einm kefflichm Schutz, im Sommer dagegen ist er geradezu schädlich, denn er schließt da» Oberhaupt fast luftdicht ab. hindert dadurch die natürliche Au». scheidung de» Waffcrdampfe» durch die Porm und bewirkt hef- ZWMZLMlk Kwd« an einm sauren Magm leidm. Die« darf Einm aber nicht Wunder nehmm. wmn die Mütter, um die«leinm stille zu erhalten, ihnen e'.n Tätzchen voll Zucker vorsetzen, von wel- chem da» Kind stch nach Beliebm nehmm kann. Andere Mütter geben ihnm Kandis oder dergleichen; obgleich die meisten ihre Kleinm damit auch au« der Zuckerdose versehm und de« Dafürhalten» find, einmal, datz man dm Kindern Zucker geben mutz, und dann auch, datz er in dieser Form am besten sei. Aber in allen Fällm werden die Kinder immer n«d solchm Sützigkeitm viel Wasser trinken wollen. Wissen die Mütter wobk, wie man Ssstg macht? Man braucht nur Zucker mit Waffer zu mischen und die Mischung warm er- dallren Sinen saurm Geschmack im Munde nach dem Gmuffe ra«n.»Äältn k°nn man letz häufig an fich selbst bemerken. ES ist die Säure, welche durch die Gährung de» Zucker» ge- defekt«„Fünfzig-Pfmnig-Etui" Herr Mallei» au» einem anbot, annehme» sollte. „Nittel»ans g&nel" sagte Herr M. und reichte mir auch in liebenswürdiger Weife«i« brennendes Zündholz hin. Alsdann«ahm er wieder auf dem Sopha Platz und fragte indem er mich möglichst unauffällig musterte: „Sind Sie Student?" „Nein." ßGw!- Nu«, da, thut nichts«- Wohnen Sie ".Ja!" .Da» ist schade. Doch hören Siel Um»a« et fich handelt, ist folgende«: Zch bi» Schriftsteller und pflege täg- Irch CiL 6 Stunden zu arbeiten. Zch schreibe Humoresken und kleine Erzählungen«nd bin so glücklich,—.wa« bei wenigen Schriftstellern der Fall sei» wird", schaltete er mtt fichibarem Behage««in,„direkt au» dem Stegreif in die Feder dikttte» zu könne«. Zch mache mir vorher gar keine Notizen. Es genügt für mich, während de« Diktat« ei» Blatt Papier vor mir zu habe», und mich durch Aufzeie� »ung von Personenname« vor Verwechselungen zu schütze«. Nu» könnt« ich ja Alle« selbst»iederschreiben; aber ersten» würde mich da» w der Behandlung mein« Stoffe» störe» und»wetten« bab« ich eine so schauderhafte Handschrift, daß der Setzer derselbe» wie de« Hieroglyphe« geaenv berklebe» müßt«. Zch brause also Jemand, der mein Diktat schnell lesbar, grammatikalisch, wie orthographisch richttg, mtt alle» Znterpunkttone« niederschreibt und dabei dem Fade« meiner Er- zählung so zufolge« vermag, daß er mich auf etwaige Wider- sprüche in derselben sofort aufmerksam mache» kann. Fühle» Sie fich dieser Aufgabe gewachsen?" „Wa« da« Schnellschreiben anbetrifft, ich stenographire »ach Stolze'« System," hob ich an. „Das kann mtt Nicht« nützen," warf Herr M. ei», „ich selbst würde da« Stenogramm nicht lese» könne« und müßte e, ja auch für de» Druck in Kurrentschrift über» tragen lasse». Da« würde nur Zeit und Geld koste». Nein l Da» Manuskript muß gleich so seht, daß ich e« ohne Weitere«, ohne Korrektur dem Setzer anvertraue» darf l" bildet ist, und die im Munde gelaffen, sich mit dem Speichel| vereint, um die Zahnchen der Kleinen zu verderben. Stückchm I Zucker oder Lkandit, weiche man zwischen den Zähnen Kahren laßt, zehren daS Email der Zähnchen gerade so gut weg, wie sauer eingemachte Picklet. Verständig und gut genährt« Kinder find mit einfacher, gut zubereiteter und abwechselnder Kost zu- fi teden, bleiben gesund, vor Zahnschmerz bewahrt und behalten ihre Zähnchen, um die genoffenen Speisen gut verarbeitet in den Magen gelangen lassen zu können. Der Audrang vo« solche« Personen, welche fich zu den in Folge der Vermehrung der Zahl der Loose der königlich preußischen Klassenlotterie zu vermehrenden Kollekteurstellen bei der General-Loiterie-Direktwn gemeldet haben, ist ein so enormer gewesen, daß die Zahl derselben sich auf mehrere Tausend de« lief. Für die betreffenden Beamten, welchen diese Aufgabe zufiel, war eS keine reichte Arbeit, aus dieser großen Menge von Bewerbern, wrlche alle die möglichst besten finanziellen, politischen und gesellschaftlichen Garantien boten und Empfeh« hingen der mannigfachsten Art beigelegt hatten, die geeignetsten Personen Herauizufiüdin, und ob dies gelungen ist, dürste auch erst die Folge erweisen. Jetzt ist die Wahl der belreffenden KoUekteure beendet und wer von den Bewerbem bis jetzt keinen definitiven Bescheid betrefft seiner Anstellung erhalten bat, darf kein« weitere Hoffnungen hegen und kann immer mit Sicherheu annehmen, daß sein Gesuch nicht berückstchtigt ist, da den ab« gelehnten Bewerbern wegen ihrer großen Zahl eine direkte Antwort nicht zugeht. Im Uebrigen ist, wie die ,,Voff. Ztg." hört, bei der Besetzung der neu errichteten Kollekturen nicht, wie man glaubt, die Zahl der Kollekteure einfach verdoppelt wordm, sondern die General-Lotterie- Direktion hat die fich ihr darbietende Gelegenheit benutzt und Veranlaffung genommen, die bisher bei der Vertheilung der Loose an die Kollekteure bestehenden Ungleichheiten, welche dem einen Kollekteur mehr Loose zuwiesen, alt dem anderen, auszugleichen. Hierbei ist ihr namentlich der neue Modu« der Einführung der Achtel- loose wesentlich zu Hilfe gekommen, welche am 16. August d. I. zum ersten Male zur Ausgabe gelarmen werden. Berlt« hat 82 527 Pferde. Zum Vergleiche seien hier die entsprechenden Zahlen über dm Pferdedeftand in einer Reihe anderer Städte mitgetheilt. London hat etwa 200000 Pferde, darunter etwa 3000(1 in den zweirädrigen und eben« soviel in dm vierrädrigen Kabt, 10 000 Tramwayvferde und eine gleiche Anzahl Omntbutpferde; Paris bat 64247 Pferde mit 12000 Omnibutpferden; Wien hat 14 317, Rom 11733, Budapest 11611, Hamburg mit den Vororten �600, Kopen« Hägen 6302, München 5833, Dresden 6644, Breslau 4581, Die Hitze der letzte« Tage äußerte fich in ihren Wir« kungen wohl in keinem anderen Theile der Stadt so intenfio, alt auf dem Kottduser Damm. In den Mittagsstunden so ziemlich frei von jeglichem Schatten liegt die breite, stets vom Verkehr belebte S raße in der sengendm Gluth, die von dem Pflaster zurückstrahlt. Und in dieser Siedehitze bewegtm fich am Montag und Dienstag noch zahlreich« Leichenzüge nach den an der Britzer Chaussee liegenden Kirchhöfen, wobei es denn gar nicht selten vorkam, daß dm Pferden vor den Trauer« kutschen der pietätvolle langsame Schritt in den Sonnenstrahlen nicht behagte und fie wiederholt Miene machten, aui der Bahn zu brechen, um schneller fortzukommen, woran ste in mehrerm Fällm nur durch daS Eingreifen des Publikums verhindert wurden. Seit Mittwoch scheint man bei den Begräbniffen der Tempe« ralur mehr Rechnung zu tragen, dmn die Leichenzüge in den heißen Nachmittagsstunden baden aufgehört und nur die Fuhrm mit Baumaterialien und mit dem hauptstädtischen Kehricht be- leben noch um dies« Zell nebm der Pferdebahn die erwähnte Straße. Bei den meistm dieser Fuhrwerke offmbarm die Gespanne eine ganz auffällige Gleichgiltigkcit gegen die Temperatur, was ihre Führer au» dem Umstände erklaren, daß diese edlen Rofinanten vom nächsten Pferdemarkte aus wohl den Weg nach den oekannten Ställen in der Greifswalderstraße antreten werden, von wo es kein« Rückkehr giedt und wo ihr elender Kadaver fich zu Würsten und anderen Delikatessen verjüngt. Mehr als die ihnen anoer« trauten Gespanne leidm deren Führer vom Sonnmbrande. Es gilt die» namentlich von den Kutschern der Baufuhrwerke. Diese Leute strapaziren fich zunächst beim Beladendes Waams und sollen dann im Sonnenbrand« noch die volle Aufmerksam« keit auf die Leitung des Gefährte« richten. Unter diesm Um« ständen ist es erklärlich, daß mehrfache OhnmachtSfalle bei diesm Kutschem jetzt täglich w den Msttagsstunden auf dem Kottduser Damm beobachtet worden. Am Mittwoch hielt dort ein solcher Wagen, dessen Führer auf den eingeladenen Mauer« steinm hintenüber gesunken aar. Vorübergehende, welche anfangs glaubten, der Mann sei eingeschlafm, versuchten dcn- selben zu wecken, überzeugten fich aber bald, daß er ohnmachtig war und trugm ihn in ein nahet Schanllokal. Der Wirth erklärte fich auch bereit, dm Mann aufzunehmen. Der Kutscher kam zwar wieder zu fich,»ar jedoch nicht im Stand«, seinen Wagen weiter zu fahren. De« Vegetarier und Antisemit Dr. Paul Förster schreibt über»utstellungm de« Mastviehs in de?„Vegetarischen Rundschau": Dies« Ausstellungen werdm mit aller Pracht zu« gerichtet; die Fahnm de» Deutschm Reiche» und aller seiner Ich sagte»un, daß ich mich der Aufgabe vollkommen gewachsen fühlte. Es gäbe allerding« in orthographischer, wie grammatischer Beziehung Fälle, über welche sich streite» ließe, doch hoffte ich auch hier, mich mit dm rechten An« schauungm im Einklang zu befinden. Ich muß gestehm, daß mich meine Situation zu toteres siren anfing. Tolle Geschichten, die ich irgendwo über die Einrichtungen der Romaofabrik Alexander Dumas' gelesm, tratm mir wieder vor Auge»»od Nichts hätte mich davon abgehaltm, mir einm Einblick in die Dichterwerkstatt des Herrn Mallew zu verschaffm. Ich betheuerte also nochmals, daß fich Herr M. ganz auf mich verlaffm könnte. Es ist wahrscheinlich, daß er vermuthete, was w mir vorgwg. „Na," begann er wieder,„ich will hoffm, daß wir un» Beide nicht täuschm! Was nun da« Honorar für Ihre Leistungen anbetrifft, so muß ich Ihnen allerding« gestehe«, daß ich nur wenig biet« kann. Jeder muß wisse», was er zu thu» hat und Sie dürfm nicht glaube», daß mich etwa unlautere Motiv« bewege«, Jhrm Verdimst zu schmäler» I" Ich bekräftigt« die« mit«wem lautm:„Durchaus nicht, Herr Mallei» I Kewesweg» I" .Es bleibt Jhnm," fuhr er fort,„falls wir miteinaa« der auskommm, vei mir so viel Zeit, daß Sie nebenbei vielleicht»och anderweitig verdimm können. Ich selbst bin daran gewöhnt, mit Leutm zu arbeiten, welche nur ei» ge« wisser Druck zu mir zu kommm zwingt, und würde es Jhnm sehr verargm, wolltm Ei« nicht zngreifea, sobald fich Jhnm etwa» Besseres bietet. Nur bitte ich Sie, mir die» mindest«»» 1 Tag vorher bekannt zu gebe«, damit ich vor Verlustm geschützt bin und mich«ach andere. Hilf« umschaum kann. Nicht wahr, da» würdm Sie doch auch thun?—* „Gewiß. Herr Mallew! das ist ja doch selbstredend. das gebietm ja die einfachstm Regel« des Anstandet I er« widerte ich., „Wie gesagt," fuhr Herr M. fort,.groß ist Ihr Ver« Staaten, Bekränzung der Räume und der Thier«, allgemeiner Besuch, sogar der Minister, Preise rc.»c. Es hat gewiß einen Sinn, schön gezogene und entwickelte Thier« auszustellen, wenn auch nicht gerade Maffenausstellungen nöthig sein dürften. Aber eigens zum Schlachten gezogenes Mastoteh auszustellen ist in doppelter Hinstcht gemein. Erstens weil eben dieser Zweck offenkundig ist und wir so und so viele Hunderte, dem Tode verfallener, zum Theil schöner Thier« vor uns sehen, bei denen die Namen der Käufer schon �angehängt find, welche fie, in Stücke zerlegt, dem kannibalischen Publikum überliefern werden. Der Berichterstatter spricht von reizmdm Tbieren,„welche mit ihren großen Augen so gutmüthig in die Welt blicken, daß man'» fast(fast! welch' edle Regung I) bedauert, die prächtigen Thier« in wenigen Tagen der Schlachtbank zugeführt zu sehen." Zweitens aber muß eine solche Ausstellung anwidern, soweit fie wirklich fettes, überfettes Mastvieh enthalt, ledendige Fletsch- und Fettklumpen, von der eigenm Schwere zur Erde nieder» gezogen. Ja, dann könnte man auch einmal das w der Mensch- heit Entsprechende thun; feiste Lebemänner, die Frauen nicht zu vergessen, wie ste Karlsbad, Maiimbad»c., in so schönen Exemplaren bieten, gutgenährte Sprerwälder und Allenburger Ammen, diese zweibeinigen Milchlühe der physisch bankerotten Geldmachergesellschast, wandelnd« Alkohol- und Fleischtonnen, welche gleich gewissen Seethieren nichts als Bauch find: solche Prachtexemplare könnte man zu einer gleich erbebenden, zu edler Nachfolge anregmdcn Ausstellung zusammenstellen! Ei« interessantes Völkchen. Die alte, gute Mutter Erde hat bekanntlich auch wunderliche Kostgänger: Leute, über derm Leben der biedere Bürger, deffm Dasein keine anderen Abschnitte alS Werlstatt, Bierdank und Bett kennt, höchst mißbilligend den Kopf schüttelt, Leute, denen selbst der armseligste Hirnvefitzer alles mögliche nachsagt, nur nicht, daß fie lang- weilig seien. Der Leser weiß, der Leser in diesem Sinne weiß ja überhaupt alles, wm wir meinen. Die Komödianten find' S, mit denen wir uns beschäftigen wollen. Jedoch nicht die Komödianten im Geiste Petton's, der das ihm unzählige Male nachgebetet« Wort ausgesprochen:„Totns mtrndns exercet histnonem"(Die ganze Welt spielt Komödie), sondern die Komödianten Ver Komödianten, die Spaßmacher und Neugier- befriediger, die Karrouffelmänner und Raudthierbändiger. Ein interessantes Völkchen, gelt? Lüften wir ein wenig den Schleier, der für den Uneingeweihten über diese Spielart „Mensch" ruht. Eine vortreffliche Handhabe hierzu bietet un» „Der Komet", aber nicht der Halley'sche oder der Biela'sche, sondern der in Pirmasens erscheinende. Wir sprechen nämlich von einer Zeitung, von einem Blatte, daS bisher wohl nur einigen wenigen Berlinern zu Grficht gekommen ist, wir sprechm von dem„Organ zur Wahrung der Interessen der Besitzer von Sehenswürdigkeiten und Schaustellungen jeder Art." Jeder Stand läßt fich ja heute joumalifisch vertreten, warum sollen eS die Menagerie- und Schaubudende fitzer nicht auch!? _ m m. Daß fie es nöthig haben, lehrt ein flüchtiger Blick auf den„unter Mitwirlur.g intelligenter Fachgenoffen" herausgegebenen „Komet". AIS Leitartikel in der letzten Nummer figurirt die Schildeiung eine»„Zirkus in Fidjt." Ueber den Eindruck, den die dort geübten Künste auf die braven Ftdjianer, die noch vor kurzem ihre lieben Mitbürger, hübsch knusperig ge- braten, mit großem Appetite verspeisten, gemacht, heißt eS am Schlüsse dieses Artitell:„Wie gesagt, die Pferde und die Fertigkeiten der Pferde schienen den Leuten am wenigsten zu imponiren. Doch die Kraftstücke der Akrobaten und die japa« nestschen Jongleure und das Mädchm am Trapez und vor Allem die forzirte Komik deS Harlekins waren ihnen der In- begriff aller irdischen Vollkommenheit. Die Vorstellung, der ich beiwohnte, war die vierzehnte, die der Zirkus in Suva gab, und die Ftdjianer hatten fich schon ein wenig an das Außer« ordentliche gewöhnt. Doch«ach den ersten Vorstellungen sollen fie wie erstarrt gewesen sein. In einem Falle beschwerte fich der Diener eines Europäers, daß sein SittlichkettSgefühl ver« letzt worden wäre, denn ein« weiße Frau sei ohne Beinbeklei« dung aufgetreten. Die Trikots Halten ihn getäuscht. Seit dem Besuche deS Zirkus in Fidji steht man an den drei oder vier Orten, die er berührt hatte, auf der Landstraße und vor den Hütten der Eingeborenen, täglich Kinder und Männer fich einüben, auf den Händen zu gehen, auf dem Kopf zu stehen, auf dem Halt eine Flasche zu dalanziren, Teller zu drehm, Kugeln aufzufangen und andere ähnliche Zauberkünste zu ver- richten. Vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, in der eine Gaullerbande auS Fivji die Wett durchziehen wird. Auch ein Resullat der Zivilisation!"— Ohne Zweifel! Die Ko- mödtanten find von jeher Kulturträger gewesen. Die Tänze« rinnen im Lager deS Terxe» und de» großen Alexander, die Histrionen im Gefolge von CäsarS' und Germaniku»' Legionen, da» fahrende Voll, daS die Heer« des Hanntdal begleitete, alle, alle hadenzur Entwickelung und Verbreitung der Kultur ihr Scherf« lein beigetragen. Wie sehr der Gaukler fich zum Krieger hingezogen fühlt, lehrt ein im Vermischten des„Komet" ent- haltener Hinweis auf die im Herbste d. I. w und um Metz stattfindenden Manöver. Für einm guten ZirkuS, heißt es da, wäre diele Zeit eine recht günstige und lukrative, zumal da in diesem Jahre in Metz noch leine Zirkus- Vorstellungen gegeben. Das Vermischte ist übrigens ziemlich reichhaltig. Dem Land« rath Grasen Wilhelm v. Bismarck wird ein Loblied gesungen, weil er den in Hanau anwesenden Karrouffelbefitzern befohlen, Mufik zu machen.„Möchten wir doch überall", sagt der dienst nicht. Unsere Arbettszeit richtet fich ganz»ach meiner Stimmung. Bin ich gut diSpomrt, und wir könne» sechs Stunde« hintereinander schaffe», so könne« Sie immerhin auf 2 Mark komme«; im Durchschnitt dürfe« Sie aber nicht auf mehr als 1,50 Mark pro Tag rechne»! Sind Sie damtt zustiede«?' Ich wußte, daß draußen mancher arme Arbeiter bei bitterer Kälte für dieselben Groschen härtere Arbeit ver« richte» mußte und erklärte mich bereitwilligst einverstanden. Außerdem hatte die ganze Art und Weise, in welcher Herr M. seine Bedingungen vortrug, so etwas Bescheidenes und Rührende«, daß ich ihm hätte um den Halt falle« und rufe» möge«:„Alte gute Seele! Wa« magst Du nicht Alle» durchlitte« haben, um in Deinen Geständnissen keine Beschämung mehr zu fühle». Tausend Dank, daß Du mich jungen Mann Deine« Zutrauens würdigst! Auch ich habe schon Jllufione» gekostet, auch mich hat das Lebe» schon seine Bitterkette» schmecken lasse«. Höre mich an I Laß mich Dir mein Herz ausschütten...1" Herr Mallei» war aufgestanden, um ei« Oktavilatt vo» seinem Arbettttisch zu hole», welches er mir hinreichte. Es war unbeschrieben, doch bemerkte ich an der einen Kante in gleichmäßige« Abständen feine Nadelstiche, welche de« Anfang der Zeile» markire« sollte«. „Sehen Sie"— sagte Herr M.—„auf diese« Blät« ter« pflege ich schreibe» zu lasse«. Sie erhalte» pro Seite 5 Pfennige und es liegt in Ihrem, wie m meinem Jnter« esse, daß Sie nicht zu eng schreibe«, den» ich werde selbst nach demselben Maßstabe bezahlt. Es ist möglich",— ttöstete er mich—„daß ich auch einmal ehr« größere Arbeit für Sie habe. Im vorigen Jahre hatte ich eine« arme» Stu- denten, dem die Beschäftigung bei mir eine wesentliche Stütze bot, und mtt dem ich auch jetzt»och, nachdem sich seine Verhältnisse wesentlich geändert, auf freundschaftlichem Fuße stehe, der fich in meioer Familie heimisch fühlt und uns häufig besucht. Allerding« habe ich auch schon unangenehme Erfahrungen gemacht." „Komet",„so humane, einfichtsvolle höhere Beamten haben. Wie die Gestäst« hier gehen, beweist, daß die Karrouffels für 1 Pf-, sage„einen Pfennig" fahren, so daß also 10 000 Kinder dazu g-hören. um nur das 100 Mark betragende Platzgeld! zu erheben." Weiter unten wird zur Genugthuung von Zirkus- direktoren und Gymnastikerfamtlim mitgetheilt, daß die Lon- doner„Poll Mall Gazette" zu einer Buße von 1500 Pfund Sterling(30000 Mark) verurtheilt worden, weil ste von eine« ZirkuSdirektor behauptet hatte, daß er bei der Ablichtung der jungen Akrobaten mtt der ratstnirresten Grausamkeit versahre- Dem Vermischten schließen fich Fist-, Meß- und Marktberichte an. Es wird genau verzeichnet, welcher ZirkuS, welche Menagerie, welches Kanouffel, welche Bude, welche Athlet!«, w'lche elektrisch« Dame auf diesem Markt und auf jene« Schützenfest gewesen. So wird vermerkt, daß zum Schützenfest in Lodz u. a. ein Ftoh-Zirkus, eine Menagerie, ein„Leiden Czristi", ein Panorama und ein Revolverdillarv fich eingefunden hatten. Nach diesen Berichten kommt ein Adressen- Verzeichniß! den Schluß bilden die Anzeigen. Letztere gewähren manche« hübschen Einblick in daS GeschäftSgetrieb« deS in Rede stehen- den Völkchens. Hier werden Karrouffelbefitzern Ritter- und andere Pferde, da Menagerienbesttzern gut fressende Riesen- krokodile angeboten. Hier wird Panoramen„Großer Berliner Brand in feiner, dauerhatter Ausführung", da wird Schau» buden„Stella, der lebende Menschenkopf auf zwei Mesfing- stangen" zum Kauf empfohlen. DaS bekannte Wunder„Thauma ist, wie«in andere» Inserat besagt,„fast noch neu" und „fertig zum Zeigen" für 75 M. zu verkaufen. Sin Panorama- best»« sucht einen braven Burschen, der auch„vor d« Bud« arbeiten" kann und ein Photograph und� Schausteller� sucht ttn lich ver« Spannm erfolgte, kein» der «ahm, dl da» wuä . In der Lehr! nannten ca. 3 Ja! hatte. Z hat eine als ob st scheint fi werden e »u melde Pendant Der„B wahrhast Dnselb" darb xzll f tft" Nutter «nzwisch Btfflttltfai unl «en und «Ute l Ufe aui rnd, an Minden fe �ht N0i �ktnhar fÄ" daß die und der dem A« Dlenftaf lobt aus anständiges Mädchen, da» außer in der Wirthschaft„im Extra- Kabinet" zu thun hat. D« Verein reisend« Schausteller „Klim- Bim" legt Rechnung und zwei Artistinnen, die nicht wissen, wo ihre Mutt«, eine Schaubudenbesttzerin, in der Welt umherzieht, gratuliren ihr im„Komet" zum GebuitStag«. Dasselbe rhun zwei Freunde eine» Gymnastikers mtt dem Be» merken:„Möge« noch recht viele Nordhäus« zu fich neh« men!" Ein recht unt«haltendeS Blatt also, dieser„Komet- Schw« kann d« originellen Zeitung diese Aufgabe nidjj fallen, denn was fich mit dem Unterhaltenden beschäftigt, ist wohl od« Übel auch unterhaltend. Möchte der vorstehende Artikel von dies« Regel leine Ausnahme machen! Die günstige Witterung d« letzten Tage gestattete de» Landwirthen, die Roggenernte in die Scheune zu bringen. J» der Umgegend Berlins find die Feld« größtentheilS geräumt. An vielen Stellen find die Sommersaaten schnittreif und wer- den auch diese rasch eingeheimst sein, so daß die weiten Fläche» nur noch durch dt« Kartoff. l- und Rübenfeld« vor Eintönig- keit bewahrt find. Die Hasen, die dieses Jahr zahlreich finV tummeln fich auf den Stoppeln umh«, oder suchen DeckuNs im Kartoffelkraut. Wie bald wird der Jäger ihrem harmlose» Dasein ein Ende bereiten. Aus daS Standesamt einer rheinische« Stadt la« letzt« Tage ein Mann, welch« seinem neugeborenen Spröß- ling den Namen Karl Marx alS Vornamen beilegen wollte- So heiße dn Pathe und wohnein London. Der betreffen« Beamte verweigerte indeffen diese Eintragung, da Maix tri» gebräuchlicher Kalmder-Vorname sei, wie ihn das neben dem Reichsgesetz üb« die Beurkundung des Personenstandes für da« linke Rheinuf« noch geltende Gesetz vom 11. Germinal** vorschreibe. Nach langen V«handlungen wurde endlich d« kleine Weltbürg« mit dm unverfänglichen Namen Karl Mal gebucht und damit für seine Geburt wenigstens„der Mil» der frommen Denkart"«hatten.— In R xdorf wollte üb»- gen« vor einigen Jabren ein Arbeit« sein Kind„Ferdinan« Laffalle" nmnen. Der dortige Standesbeamte nahm die!« Namen«st nach lSng««m Zögern an und veröffentlichte auß« dem das„Äuriofum'Mrn Rtxdorf« BlSltchen.. In Baukretseu erregt, wie ein Lolalb,richt«statt« tb» meldet, die V«haftung zweier hiefig« Bauunternehmer M* eineS MöbelhändlerS aufsehen. Di« beiden Bauunternehmer, von denen der«ine Baumeist«, der andere Archttett ist, fw* wegen angeblich« Verleitung zum Meineide, dn Möbelhänvt» wegen angeblicher Leistung eine» Meineide« in Untersuchung«' Haft genommm. Die Verleitung zum Meineid« wie d« Meinem selbst sollen in Bettest eine« GrundstückverkaufS(das im Bestse d« beiden Bauunternehm« fich befunden), worüd« ab« spM ein Prozeß entstand, geschehen sein. Für die vorläufige Em' laffung d« Jnhaftirtm au» d« Haft sollm, doch bish« v»- geblich, große Summen gebotm sein. Eine Karambolage zweier Spillen auf der SM*, Schwei, e- lockte gestern Mittag zwischen 12 und 1 Uhr ein« großt nannten Itmb uo und ist. wahrend Ver Schneide # W? Ä Ä," imitirte( i ßfil?0( l i nicht veri Menschenschaar auf die Moabit« Brücke. Um die gedach» Zeit wurde aus dem längst des Borfia'schen Etablissements dj- legenen Spreehafen eine entladme Spille nach dem Spreeb»} bugfirt, als durch die Moabit« Brücke ein Schleppdampfer m» ein« mit Brettem beladen«» Spill« nach den Zeltm zu passlrijr D« Schlepper bog wohl im großen Bogen d« zu jen« 8% fast quer liegenden Spille au», während der in einiger Em' fernung nachfolgende beladen« Kahn auß« Stande war, demselben Fahrwaff« zu bleiben. Die auf beiden Fahrzeugs befindlichen Schiffersleut« machten alle Anstrengungen, um vm Aufetnandnprall zu v«büten, od« doch zu mäßigen, und% Dampf« stoppte seine Maschine. Von der Brücke au» lotijj" man aber ganz stcher berechnen, daß die Karambolage unmor -32 z % M..( 1?' "ttchftofti Stachelo« fltntn«, Iffi"1 ä m vunb hj, Her, Ott «S °r« „Denken Sie fich'— fuhr« plötzlich lebhast« fort<' „kommt da neulich ei» junge, Man» zu mtt, dem ich Au»„ wie Ihne» vorstell« und d« auch seine Thätigkeit bei>» an beginnt. Wie ich sein«stes Blatt in die Hand»eh» dich finde ich gleich in d« ersten Zelle da» Wort„leer' oW*■ „h" geschrieben..." Herr M., der bisher auf- und»' gewandelt war, hielt hi« Wae und blieb, als ob et»» auf dem Hofe seine Aufm«ksam!eit erregte, am F*™ stehen., Ich war ganz perplex. Der Man» hatte bish« et«> korrekte» Deutsch gesprochen, daß das mit dem.h' u##** lich sei« Ernst sei» konnte. „Ab««laubea Sie," wollte ich bemerken. � „Statt mtt„ee" mit„eh" geschrieben," vecbejp" er sich. u,j Ich muß sage«, daß«ich diese naive plumpe Falle»«letzte. Mein Vndruß wurde sehr schnell durch die gewinnende Freundlichkeit, d« Herr M. weitnsprach,»«scheucht. Er reichte mtt k p Abschied die Hand und ich versprach, am nächste» Tage v» 10 Uhr bei ihm zu sei».,* Ich fand Herr« Mallein am nächste» Morgen w Arbeitszimm« schon auf- und abspaziere». Er raucht« hieß mich am Schreibtische Platz nehmen.— Ein Stoß präpariil« Oktavblätter lag vor mtt, ich steckt«. � neue eigene Feder in de» Halt« und— es ging los- Herr M. diktirte: „Ein kleine« Mißverständniß." s Minore« g K Humoreske von Z. H. Mallew., hst wacf ,Na da jchloge aber Einer lang f dicke Wittw« Prudeimiy r zu ihrer bildhübsche», achtzehnjährige« Blondine, Hause propp« zu finde» und nu' licht Sophaecke un' list Romane, die ihr bloß AZA de» Kopp drehen----"' SÄ0 „Ereifere Dich nur nicht so, Mama," unter brach. �'ff« den Redeschwall ihrer Mutter, indem fie fich«hob hadeit. :II fto Rinlw -ldl tu jitiii« Lon- Lfund einem g d« S welche hleiin. iewm K unben chnit! inche« We* r und tiefen« srllnct Schott« csstng« lumr ' und itomo« «uve Ie3 « n der ist ? nKj °nicht' t, ist ehende leb« N iduoit > wer« fläche« iianifl find, eckunl nlosed wolllt- '?Ä n bem g lich vermieden»erben konnte, und sahen Alle mit fichtlicher Spannung diesem Lugenblick entgegen. Ein furchtbarer Krach «folgte auch bald darauf, doch athmeten alle erleichtert auf, alS trinS der Fahr,euge sank und man bei der Entwirrung wahr« nahm, bah nur der Schnabel der aufgefahrenen Spille durch baä wuchtige Anprallen der andern abgepreßt war. In Untersuchungshaft genommen wurde am 14. d.M. der Lehrling Arthur V., weil er, wie er auch zugiebt, am ge» nannten Tage Nachmittags zwischen 4'und 5 Uhr, mit einem co. 8 Jahre alten Mädchen unsittliche Handlungen vorgenommen hatte. Das Mädchen hat nicht ermittelt werden können; fie hat eine Tasche bei stch getragen und den Eindruck gemacht, au ob fie mit Z-iiungtragen beschäftigt war. Die Wallstraße icheint fie nur passtrt zu haben. Die Eitern deS Mädchens »erben ersucht, fich im Kriminal« Kommiffariat. Zimmer Nr. 77, su melden. _ Die 12jährige Mörderin von hier hat ein entsetzliches �enbanl in einem 11jährigen Mörder in Lofkowitz gefunden. ■««„BreSl. Ztg." wird von Kreuzburg geschrieben: Eine »ahrhaft befiiaiüche Unthat wurde in Loskowitz, hiefiaen KrerseS, M dem 11jährigen Schulknaben Johann Joichke verübt. Melde ging in den Mittagsstunden mit dem 6jährigen Bern« m Dllek und einem 7jährigen Mädchen von den Lofkowitzer �»«hciusern noch dem Dorfe Lofkowitz zur Schule. Der Joschke forderte von dem Meinen 6jährigen Ollek ein K/ffer, um ihm, wie er dem Knaben vorspiegelte, ouS einem ?'lvhhalm eine Mühle zu machen. Joschke lockte dann den 2'kn in dn Roggenfeld, wo er ihn zu Boden warf, fich M ihn stemmte und ihm mit aller Gewalt die Luftröhre durch« MV. Das 7jährige Mädchen lief voller Angst fort zur vWer� des Gestochenen und erzählte ibr das Vorgefallene. Zwilchen nahm der junge Verbrecher Ollek und zerrte ihn »rwattsam an einen nahe gelegenen Teich, zerschlug dort den u"b daS Ge ficht deS dedauernSwerthen Kindes mit Stei« und warf dann den Knaben in den Teich. Die herbei- *>>» Butter konnte ihr Söhnchen nicht finden und holte viÄ! uus dem Dorfe. Erst um 5 Uhr Nachmittags wurde das '"V-am Teiche fitzend, vollständig durchnäßt und starr auf« fflwidtn. Der Knabe war kaum im Stande, mit schwacher Mmme auszusagen, daß ihn Joichke gestochen und in den di» dabe. Der jugendliche Attentäter leugnete frech Dn.## später gestand et dem Amtsvorsteher, daß er ttn srn.$ und in den Teich geworfen habe, ohne jedoch Jak. anzugeben. Joschke mußte, da er daS zwölfte Seilfclffc r.1?. ��iht hat, auf freiem Fuße belassen werden. eetr>tb Cllenft unter unsäglichen Schmerzen gestorben. dam«r..��»?,"s?�uhalteplatze an der Ecke der PotS- Droste.»« � Bülowstraße wurde vorgestem Vormittag der Vferd»«« M. aus Schöneberg beim Aufzäumen eines dati di,»� Ä�n derart in den rechten Unterarm gebifien, und nl y auf den Knochen in das Fleisch drangen Der Verletzte begab fich nach Dienstag unweit der Rügenerstraße, wurde am tobt oufgtfurtoT« TNtinJ?em Ardeiterstande angehöriger Mann ______—»..v•'i.XX Qif'"beVVÄ AMWHDWH Butter. Die Kauflust, welche in zstch . M '?! außer 'ändl- I et v* U 'ttt, JJ -»eu� i an»®», Berlin, Zenttal« Markthalle, den 22. Juli ... jvuuyiust, welche in der verfloffenen Woche fich !,.wgen begann, wurde durch die in dieser Woche einge« fciu f" beißen Tage in hohem Grade beeinträchtigt,»nderer« WWWW II. 83—90, UL 78—83. Landbutter L 75—80, II. 65—75 M. Galizlsche und andere geringste Sotten 55-66 M. p. 50 Kilo. — Käse. Bessere Qualitäten Quadrat« Sahnenkäse sowie imitirte Schweizerkäse find andauernd gesucht, dagegen bleibt geringe Zentrifugenwaare unbeachtet. Die Preise haben fich nicht verändert. Echter E-imenthaler 75—80, Westpreußischer ! Schweizerkäse L 57-60 M., U. 48- 50 M., Tilfiter Fettkäse 40-56-60 M.. Tilfiter Magerkäse 18-33 M, Limburger L 80-32 M.. U. 20-25 M., Ramadour 30-32 M., rheinischer Holländer Käse 20—22 P». schwer, 45—58 M., echter Holländer % M.. Edamer I 60-70 M., n. 56-58«Dl., Französtscher Aeusschaieller 17,50—18 M. per 100 Stück, Camembert 8,00 8,50 M. per Dtzd.— Eier bewahren bei andauernd großer Aachsrage die steigende Tendenz und kosten 2 40 M. p. Schock. r Gemüse und Obst. Pfirsiche per Kiste 2,00-3,50, Kirschm Pf. per Pfd., Blaubeeren 6—7 M. per Scheffel, reife Stachelbeeren 20- 30 Pf. per Pfund, Pfefierlinge 7 Mark per Zentner Garken 4-6, 8-12, 15-18 M. per Schock, grüne «Lallnüfl,«kv on anc—»x.. �„ttn 3—4 Mark per per 100 Stück, Karotten Btui '>ei� «eh» rrj aus der Hand legte-„das ist ja gar kei« Roma«, e SrwÄw oVJ vund hinter'n Backofe» vorlocke»."... bi Hnr M. hielt hier mit sei«em Diktat inne. um fich ,u ei�«»exzeuft«.«i i**■— o»—«—---------"-1- c" fJ Sa Vx848' ab ich auch den Berliner Jargon gehörig fixirte. b�j�rreb im„Berliner Jargon."— Na ob l— Ei« ge« e�er Berliner s I"... Irlich kann ichjhier nicht die 40Oktavseiten vonMallew's ljA??eske" wiedergeben. Nur soviel will ich dem freund« de» verrathen, daß die Pointe ein Liebesbrief bildete, befiel de,»? die Dummheit eines Dieners statt in die Hände r«tb«w�er, in die der gleichnamigen und immer noch hei« . u» bll.,�>ilgen Wittwe Prudelmeyw gerieth und dadurch«in > ab?. fatales„Mißoerständniß" anrichtete. l � hatten ungefähr fünf Stunde» gebraucht, um die ur«in. n? 5? Papier zu bringe«. Um ein Uhr hatte« wir " Unh Paus« aemacht, in welcher Jeder eine Tafle Thee .x.... �MchnWen zu fich nahm, welch, uns ernste« schweigsamen Frau mit -Htn■-«-— in ärmlichster Kleidung servirt klti?5 ZKTM »WUWV v 1« 1 zufrreden war._. ' i IttnefÜÄ�hM ersten Moment w«»- Sprache ivkiunaint- orm �Standpunkte einer an« MtiP nicht.ss«� ,w"d weniger empfindlichen Küchenfee betrachtet, Sk�z �«fftWolo« sttn dürste. Ich fand die Erzählung sogar von dem tollen daß Hnr M. mit p? t«d 75 Pf., Eifurter Blumenkohl 30 M. pt. 100 Stück, neue Kartoffeln, weiße runde 4—5 M, Nierenkartoffeln 4,50 Mark, Frühkartoffeln 2,25 M.. rothe 2,60 M.. blaue 5 00 M. pr. 100 Kilo, Himbeeren 30-40 Pf. per Cir., neue Pflaumen 20 P'., neue Birnen 25 Pf., neue Aepfel 25 Pf. per Pfund, Reineklauden pr. Kifie 2 00-2,50, Weintrauben, blaue pr. Pf. 1-1,50 M., weiße 60- 30 Pf.. Feigen pr. Korb 2,00-2,50 M., neue Zwiebeln 4,50—5,50 R-, Zitronen 15—16 M. pr. Kiste von 260 Stück, neue saure Gurken treffen noch in dieser Woche in größeren Posten ein.— Geräucherte Fische. Kleine Flun« dem 2—3 Mark pr. Schock, Makrele 30—50 Pf. p. St., Aal knapp 90-1,50 Pf. pr. Pf.- Wild und Geflügel- Rehe 60 bis 75 Pf.. Hirsche 35-45 Pf., Wildschwein 40-45 Pf. p. Pfd., wilde Enten 0,80—1,50, Bekasfinen 30—70 Pf„ junge Gänse 3,00 bis 4,50 M., junge Enten 1—1,50 M., junge Hühner 0.50 bis 090, Tauben 30-45 Pf. per Stück, Poularden 4,s0 biS 7 M-, alte Hühner 1,00-1,40 M. Polizei« Bericht. Am 21. d. M. Vormittags wurde auf dem Droschken'Halteplatz an der Ecke der Bülow« und PotS- damerstraße der Droschenkutscher Marzahn auS Schöneberg von seinem Pferde derartig in den rechten Unterarm gebissen, daß ba8 Fleisch bis auf die Knochen abgerissen wurde. Er mußte fich nach dem Elisabeth. Krankenhause begeben.— An demselben Tage Mittags fiel der sechs Jahre alte Sohn deS Handels» manneS Hagel beim Spielen am Potsdamer Hafenbaffin inS Waffer, wurde aber, ohne Schaden genommen zu haben, von dem Arbeiter Petzoldt, Cuornstraßell wohnhaft, herausgezogen und seinen in der Nähe befindlichen Eltern zugeführt.— Zu derselbm Zeit sprang am Koltbuser Ufer ein obdachloser Ar- bester, angeblich auS Lebensüberdruß, inS Wasser, wurde aber gerettet.— An demselben Tage Nachmittags vergiftete fich ein in der Bergstraße wohnendes Mädchen, wie aus einem hinter- laffenen Briefe hervorgeht, auS LiebeSgram, durch Genuß von Kleesalz.— An demselben Tage AdendS wurde ein in der Köpnickerstraße wohnhaftes Mäychen in derselben Straße von einem Break überfahren und so schwer am Kopf verletzt, daß es mittelst Droschke nrch der SanstätSwache am Görlitzer Bahnhof gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit sprang in der Nähe der Möckembrücke ein vchlofferlehrling in selbst- mörderischer Adstcht in den Landwehrkanal, wurde aber von einem in der Nähe befindlichen Schiffer herausgezogen. Gerichts-Zeitung. Bor den Uebertretungs-Abtheilunge« des hiesige« Schöffengerichts gelangen zur Zeit zahlreiche Anklagen wegen unterlassener Meldung Militärpflichtiger zur Eintragung in die Stammrolle, während der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar cr. In den weitaus meisten Fällen stellt stch heraus, daß die in Strafe genommenen Personen erst Anfangs Februar cr. nach Berlin gekommen waren, aber ihrer Meldepflicht bereits in ihrem HeimathSorte genügt hatten, in einem andern Falle wieS der Angeklagte, der fich jetzt in Hamburg aufhält, durch seinen Vertheidiger, Rechtsanwalt Kauffmann, nach, daß er seine An« Meldung zur Stammrolle am 1. Februar cr. bewirkt hatte. Da der Gerichtshof diesen Zeitpunkt für noch rechtzestig erachtete, so wurde auch dieser Angeklagte nicht nur freigesprochen, son- dern ihm auch die nothwendig gewesenen Vertheidigergebührm erstattet. f Ei« Bild des Jammers war die Frau, die gestern vor der dritten Ferienstratkammer des Landgerichts I unter der Anklage der fahrläsfizen Tödtung stand. Es war eine Mutter, die den Tod ihres KindeS absichtslos herbeigeführt hatte. Ganz in Schwarz gekleidet, in Tbränen aufgelöst betrat fie mit ihrem Manne, der zu ihrer Unterstützung erschienen war, den Anklageraum und brach in ein herzzerreißendes Schluchzen aus, das kein Ende zu nehmen schien. Endlich gelang eS den gütigen Worten des Vorfitzenden, fie soweit zu beruhigen, daß zu ihrer Vernehmung geschritten werden konnte. Die Ange- klagte, die Frau des Kaufmann M., war Mutter von vier Kindern, an denen ihr ganze« Her, hing. Da brach das Un- glück herein. Ein Kind starb und im Anfange diese« Jahre« raffte eine tückische Lungenlranteit da« zweite Kind, einen neunjährigen Jungen fort. Wie groß war die Angst der besorgten Mutter, als Mitte Februar daS dreijährige Trud- chm an den Masern erkrankte. Frau R. war selber unwohl, fie war einige Tage vorher eines tobten Knaben genesen und der Arzt hatte ihr die Anwendung einer starken Karbollösung angeordnet. Trotzdem ließ fie eS fich nicht nehmen, in aufopfernder Weise ihr krankes Kind zu pflegen. Tag und Nacht saß fie an seinem Bette, bewachte seine Aihemzüge und gab ihm regelmäßig die Arznei. Wenn der Arzt des Morgens kam, um nach dem Befinden deS kleinen Patienten zu sehen, noiirte st« alle Vorschriften, die er gab, sorgfältig auf einer Schiefertafel und führte fie ebenso sorgfältig au». Die Krankhett schien ihren normalen Verlauf zu nehmen, bis eine Lungenentzündung dazu trat, welche baS Leben beS KindeS bedrohte. Frau M. fürchtete diese Art der Krankheit, fie wußte, daß ihr Knabe an der Schwindsucht gestor- ben sei und befürchtete jetzt einen gleichen Ausgang. Ihre Angst und ihre Aufregung nahmen zu und so schwach ihr Körper war, gönnte fie sich doch keinen Schlaf. Am Nach- mittage deS 26. Februar übermannte fie die Müdigkeit und fie schlief ein. Gegen 7 Uhr AbendS wachte fie auf, fie erinnerte fich, daß es Zeit sei, dem Kinde Medizin zu geben. DaS Licht stei von jedem unlauteren Gedanken und von jeder Zwei- dnitigkeit, so daß man fie gettost in die Hände eines Kindes legen konnte. Was mir aber imponirte, war der gleichmäßige Rhyimus, mit welchem mir das Alles in die Feder diktirt wurde. Herr M. ging dabei rauchend im Zimmer auf und ab. Ich sah, er hatte keinerlei schriftliche Disposition. Er diktirt«, als ob er die Geschichte schon hundert Mal hergesagt hätte. Ich hatte noch nie einenKJmprovisator gehört und setzt« mich sehr neugierig am nächsten Morgen wieder an den morschen Tisch.— Was kommt nun??— Herr M. diktirt«: Aus der Kantine. Eoldatenhumoreske von I. H. Mallein." In diesem Augenblick erschien Frau Mallein in der Thür«. .Himmelkreuzmillionenbombenelement..." Die arme Frau fuhr erschreckt zusammen. Einen solchen Empfang schien sie von Seiten ihres gutmüthigen Gemahls nicht gewohnt zu sein. „Ich will ja nur nach dem Ofen sehen I" entschuldigt« � �zlber Hans"— erwiderte er lachend—„das ist ja der Anfang meiner Soldatenhumoreske!"— Also: Himmelkreuzmillionenschockbombenelement," flucht« der alte Feldwebel Bärenklau, indem er....... <*4 staunte.— Herr Mallein war nie Soldat gewesen; das sah man auf de« ersten Bl'.ck.- Dennoch verstand er iüüMü verfehlen konnte._ der Lampe, die auf dem Nachttische vor dem Bettchen brannte. war durch einen dunven Schirm gedämpft. Vor ihr stand die Arzneiflasche. Die Mutier, die noch ein wenig vom Schlafe befangen war, nahm fie in die Hand, goß einen Theelöffel voll und gab«S dem Kinde ein. DaS Kind hatte kaum die Flüssigkeit hinunter geschluckt, als es mit den Händchen krampfhast in der Luft herumfuhr. Dann begann es zu röcheln und Schaum trat auf feine Lippen. Die erschreckte Mutter richtete es empor und sah nach der Flasche; auf ihrem Zettel stand„Earbolsäure" und„Aeußerlich". ES war die Medizin, welche der Frau verordnet war, die Flasche» waren verwechselt worden und statt der hellsamen Arznei hatte daS Kind ätzendes Gift bekommen. Als der HauSarzt kam, war bereits die Agonie eingetreten. Er versuchte wohl, den Mageninhalt auszupumpen, aber das Kind verschied unter seinen Händen. Er hatte genug mit der Mutter zu thun, die ohnmächtig im Nebenzimmer lag.— Auf Grund dieser That» fachen war Anklage gegen Frau M. wegen fahrlässiger Körper« Verletzung mit tödtlichem Ausgang erHoden worden. Frau M. hatte bei ihrer polizeilichen Vernehmung ausgesagt, fie Hab« selber die Flasche mit Karbolsäure auf den Tisch gestellt. Diese Aussage widerrief fie in der Verhandlung. Ihr Vertheidiger, Rechtsanwalt Schönfeld, iheilte mit, daß feine Klientin ihm auf dem Gange nach dem GerichtSgedäude gestanden habe, ihr« Mutter habe die verhängnißvolle Flasche an jenen Ort gestellt, fie wolle diese Behauptung aber vor den Richter« nicht wiederholen, well fie fürchte, daß ihre Mutter dann auch noch unter Anklage gestellt werde. Diese Angade erschien um so glaubwürdiger. als durch eine Zeugin festgestellt wurde, die Flasche mit Karbolsäure habe immer auf einem Spinde gestanden und sei von Frau M. nicht in die Hand genommen worden. Die Sachverständigen, Geheimrath Dr. Wolfs, Dr. Lesser und Dr. Bischof, gaben an, daß der Tod deS Kindes unmittelbar durch den Genuß der Karbolsäure herbeigeführt worden wäre, fügten aber in Uebereinstimmung mit der Aus« sage deS Hausarztes hinzu, daß das Kind sehr schwächlich und tuberkulös gewesen sei, so daß eS aller Wahr» scheinlichkeit nach von der Lungentzündung nicht genesen wäre. Dr. ehern, Bischof hob noch hervor, daß die starke Karbollösung, welche der Frau verordnet war. auß Ortwick l Flaschen einander sehr ähnlich und daß ihr Inhalt von der gleichen Hellen Farbe gewesen sei.— Der Staatsanwalt de» antragte die Freisprechung. Er sagte, daß der Angeklagten, die daS tiefste Mitleid verdiene, eine Fahrlässigkeit nicht nachgewiesen sei. Der Tod deS KindeS, die härteste Strafe für sie. fei das Werk eine» bösen Zufalls gewesen.— Dieser Ansicht chloßen fich der Vertheidiger und der Gerichtshof an, der nach kurzer«eratbung ein freisprechendes Urthell fällte. t Drei Jahre hindurch war der Buchhalter Müller steck» brieflich wegen Versuchs deS schweren Diebstahls verfolgt wor» den und obwohl er fich mitten in Deutschland, in Münster, angemeldet aufhielt, hatte die Behörde ihn nicht ermitteln können. Da kam er am 23. Juni d. I. wieder nach Berlin und nun fand man ihn und machte ihm den Prozeß wegen eineS Verbrechens, da» et am 13. Januar 1883 begangen hatte. Er war damals Buchhalter bei der Firma Dittmann und bezog den glänzenden Lohn von wöchentlich 9 Mark. Dafür hatte er während einiger Stunden des Tage» die Bücher zu führen. Da er keinen Nebenverdienst hatte und vorher arbeitslos ge» wesen war, gerieth er in Schulden. Er hatte fich an das Dienstmädchen von Dittmann gewendet und von ih« 11 Mark 50 Pfennig geborgt; verschiedene kleinere Beträge schuldete er Gastwitthen in der Umgegend, und eine Frau Zuckert erhielt 36 M. von ihm für einen Winterpaletot, den sie ihm verkauft hatte. Die Gläubiger drängten und Müller wußte keinen Rath. In seiner Noth führte er einen leicht» finnigen Streich au». Er durchschnitt mit einem Radirmeffer die THürfülluna des Faches, in dem da» Geld verwahrt war. In seiner Arbeit wurde er von einem der CHefS überrascht und er entfloh. Der Steckbrief hatte, wie schon erwähnt, keine Wir» kung.— In der Verhandlung, die gestern vor der dritten Ferienstrafkammer gegen Müller stattfand, behauptete er. nur deshalb eingebrochen zu sein, um das„Geheimduch" der Firma fich zu verschaffen, auS dem er fich Notizen machen wollte. Diese AuSrede fand ober keinen Glauben, und der Gerichtshof verurtheilte ihn zu einer Gefängnißstrafe von 6 Monaten. Da Staatsanwalt hatte 1 Jahr Zuchthaus beantragt. In dem Streit um die zugemauerte« Fenster, wel- cher zwischen dem Gemeinde-Kirchenraihe von„St. Georg" und dem Besitzer des Hause» Friedenstraße 97 entbrannt ist, wurde am Montag durch Gerichtsbeschluß ein Waffenstillstand dekretirt. Auf den Protest der Miether beS genannten Hauses gegen die Zumauerung und Vernagelung der nach dem Ge» orgenkirchhof gehenden 42 Fenster kam die Streitsache am Montag vor der Ferien. Zwillammer des Landgericht» i zur Verhandlung. In der Verhandlung, die 2>/, Stunden dauerte. zeigte es sich, daß der Vertreter des KirchenratheS unrichtige Informationen erhalten, oder die letzteren nicht verstanden haben mußte, denn waS derselbe zur Begründung uno Ent» schuldigung beS eigenartigen Verfahren» de» KirchenratheS an» führte, lief den erweislich wahren Thatsachen zum Theil strikte zuwider. Unter Anderem brachte er die Entschuldigung vor» So ging es nun Tag für Tag.— Ich kam sehr bald dahinter, wie es mit dem JmprovisationStalent meine» Schrifsteller» bestellt war.— Es wurde nach Schablone ge» arbeitet.— Die Charaktere aller Geschichten»aren dieselben, nur die Namen waren verschieden.— Ein Packet, eine Karte oder«in Brief, der regelmäßig in falsche Hände ge» rieth, spielte stets eine große Rolle und nur die Routtne blieb mir zu bewundern übrig, mit welcher Herr Mallew um sein Gerippe immer neue Bekleidung zu kleben und es so von außen unkenntlich zu machen wußte...... Her, Mallein wurde seinen Verpflichtungen mir gegen# über in ehrlichster Weise gerecht. Ich erfuhr, daß Alles, was er schrieb, in jene billigen Kalender kam, die seit Jahren«ine stereotype Erscheinung der Kolportag« bilden. Herzlich wenig war es gewiß, was er für seine Arbeiten erhielt. Ich erfuhr es nicht. Wilde Stürme hatten ihr Spiel mit ihm getrieben, erzählte er mir einmal. Als Dramaturg eines großen Pro» vinzialtheaierS hatte er einst sonnige Tage gesehen. Lustige Possen von ihm gingen über die Bretter. Verfehlte Spe» kulationen brachten ihn fast an den Bettelstab. Die Feder war da« einzige Werkzeug, welche» er zn handhaben wußte. Nach mühevollem Ringen gelang es ihm, fich die geschilderte traurige, aber ehrliche Existenz zu sichern.— Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden; und so hofft auch er noch auf Erlösung au» seinem Elend.— Wodurch? Ich wünsche fie ihm und meine Leser gewiß mit mir. Meine Thätigkeit bei Herrn Mallein war übrigen» nur von kurzer Dauer.— Die ersten warmen Sonnenstrahlen befreiten mich. Jahre find darüber verflossen.— Ab«, ich denke heut noch an den braven Mallein und komme zu sonderbaren Reflexionen, wenn ich sie rufen höre: „Zehn Pfennige der Kalender!" daß da« Btrmauern und Berrajtln der Fenster nur auf die H manttät det Ktrchenrathei gegenüber den dagegen pro testtrenden Miethern zurückzuführen sei, weil sonst zu befürchtm stehe, daß vtrolche»der derartige« Gesindel vom Kirchhof auS in die Wohnungen der Mieiher dringen könne, wai durch die von der Straße aus fichttare Schließung der Fenster behindert werde. Der vom Gerichtshöfe publizirte Beschluß ging dahin „D Der Airchenrath........ fort wieder 1. Oktober tun Iftri|»n uicyi guocuiutKi» uiciwm, o/ vic uun dem Gemeinde-Airchenrathe in chikanöser Weise vor dm Fm° Sem der Miether angenagelten Bretter find gleichfalls bei Strafe sofort wieder zu beseitigen." In den«ntscheidungS- Gründm wurde auidrück.ich heroorge Hoden, daß in der Eni- ziihung de» Lichte» durch daS Bemaaeln der Fmster ein anderer Grund nicht gefunden werden könne, als der der Ehikane._ Vereine«nd Versammlungen Kr. In der Versammluug de» Sauverew» de« Maler Berlin», die am Dienstag bei Gratweil stattfand, wurde der Aaffmberilbt pro Mai erstattet. Die Einnahmen(inkl. Be- stand au» April) haben 215,65 M. betragen, die Ausgaben 69,65 M. Nachdem berichtete Herr Opitz über die in Betreff der Fachschule vom Vorstand g- faßten Beschlüffe. Die dem biSberigen er gm Lokale angepaßten Staffeleien sollm, da vom j. Oktober ab die große Aula de» Gynnastum» in der Aöpe« Nickerstraße der Fachschule vom Magistrate zur Verfügung ge- stellt worden ist, durch zweckmäßigere ersetzt werden. Da» Schulgeld soll künftig für da» Vierteljahr vmaußbtzahlt wer- dm. Daffelbe soll für Mitglieder 8 M., für Nicht« mttglieder 10 M. betragen. Die Oelfarben sollen dm Schülern künftig nicht mehr gratis, sondern gegen Bezahlung der Engroß-EinkaufSpreise vom Vereine ge- uefeit werden. Nach langen Dedattm wurde dcr Beschluß del Vorstand», ein Schulgeld von 8 resp. 10 M. zu erheben, an« genommen. Di« Abstimmungen über die anderen die Fach- schule beir.ffenden Vorschläge de» Vorstande» wurden vertagt. Die Arrangements zu einem am 22. August in Neutivolt zum Bestm der Fachschule zu veranstaltenden Sommerfest wurden dem Vorstände üderlaffm. Lebhafte, auf den Arbeitsnachweis {Ich beziehende Debatten führten zu dem Beschluß, daß derselbe für Mitglieder unentgeltlich bleiben, von Nichtmitglievem aber künftig mit 10 Pfennig bezahlt werden soll. Ferner beschloß die Versammlung, dm bi» jetzt bestehenden Usu», die Bücher au» der Bibliothek nur gegen Deponimng ihre» Geldwerthe» zu verleihen abzuschaffen, und den Mitgliedern bei Bürgschaft eine» vom Aasstrer lezittmirtm ansäsfigm Mitgliedes die Bibliothek unentgeltlich ,m Verfügung zu stellm. Per UnterftütznngS'Vereii« deutscher S er (sjfiliale Berlin) hielt[am 19. Juli in Mündt'» Lokal,«öp. ..ckerstraße 100, eir e Gmeraloersammlung ab. in welcher zu- nächst der Aasfirer dm Avffenbericht für da» verfloffme Quartal erstattete. Dem Aasfirer wurde Decharge erthettt. Bei der hieraus vollzogmen Neuwahl de» VorstaedeS wurde al» Bevollmächtigter Herr Baginski, al» Aasfirer Herr Runge, al» Schrift- sührer Herr Heinicke, al» Revisoren die Herren Klinger und Rüffer und al» Stellvertreter de» Levollmächtigtm Herr Strandt Eählt. Hierauf wurden die Verhandlungen det Schuhmacher. nungSkongreffc» einer fcharfm A ittk unterzogen und die raßung der Zünftler gebührend gekennzeichnet. Die nächste Versammlung findet am Montag, dm 2. August, in demselben Lokale statt. Die Metal eltm am eick, Alexanderstr. 31, ad. folgende TaaeSorvnuna erledigen: 1. Der Streik bei vourfet u. Wetter.� 2. Stiftung#- fest D. Verschiedene». Der Vo: fitzende, Herr Jacob», forderte die Ardeiter von Bourset auf, der Versammlung den Grund ihrer Arbeitseinstellung klorzulegm. Zur Sache äußerte stch Herr». Müller wie folgt:„Kollege Hecht hätte eine Probe in Arbeit bekommen, welche aber nicht so bezahlt wurde, daß der Miniwallohn von 21 M. pro Woche oerdimt werden konnte. Daraufhin hätte Hecht den Prinzipal um Zulage _____ Lrinzipal auf die Probe ersucht; dieselbe sei ihm auch erst «her jedoch wieder mtzogen worden, mit dem: daß er(Hecht) immer etwa» an dm Preisen zu mäkeln hätte; gewährt, lemerkm, er wühle die Andem nur au', solle seine damtt sei er entlaffm. Die übriaen 9 Hecht nicht auf solch« Art und Weise maßregeln laffen und rbett fertig mächen, n Kollegen wollten aber ersuchten die Firma durch«ine Kommission um die Zurücknahme von Hecht'» Entlaffung. Die» wurde verseigett und hätten in Folge deffm sämmtliche Arbeiter der Firma die Ar« bett niedergelegt.— Der Vmfiyende, Herr Jacob», fühtte au», daß er ermattet habe, daß der Vorredner auch den Grund angegeben hätte, warum nicht laut Generalversammlung»» beschluß der Vorstand resp. die Fachkommisston vor der Arbeitseinstellung davon bmachttchtigt wordm sei. Er(Redner) glaube die Zustcherung gebm zu können, daß, wenn solche» ge- schehm wäre, der Kollege Hecht noch jetzt bei der Firma Bourset und Weiler in Arbeit stände, denn jetzt, wo e» dem Bemühen de» Vorstände» und der Fachlommiffion gelungen wäre, eine gütige Einigung dahin zu erztelm, daß, nachdem Hecht freiwillig auf die Arbeit bei der Firma verzichtet bat, die Arbett von den Anderen wieder aufgenommen wordm ist, jetzt könne er der Versammlung resp. dm Streikenden nur er- klären, daß diese Arbeitseinstellung, vom Standpuntte de» Ver- ein» gesagt, al» verfrüht anzusehm sei. Die Streikendm hätten, ehe die Arbett niedergelegt wurde, bedenken sollen, wo von ihre Familien erhaltm werden sollten: das hätten ste leider nicht gtthan. Vom Standpunkte der Solidarität stimme er mit den Kollegm von Bourset überein, nur müffen solche Ar« beitSeinstellungm wohl überlegt werdm, denn ohne AuSstcht auf den Steg sei ein Kampf ein Unding. Man solle fich also künstig streng an die Beschlüffe der Generalversammlung halten und, bevor eine Arbettseinstellung eintritt, den Votstand resp. die Fachkommission benachlichtigm. Der Rmdant Zim« mermann spricht fich im Sinne de» Vorredner» au» und erwähnt, daß ja bei den Verhandlungen der Ardeiterkommisfion mit der Fabrtkantmkommisfion ausgemacht worden sei, daß ein Streik nicht auSbrcchm iolle, bwor die Kommisston mit dem betreffen« dm Prinzipal Rücksprache genommen hätte. Wenn die Ab-iter verlangen,.daß die Prinzipale ihr Wott hal« tm, so soAm auch ste daffelbe in Ehren halten. In Betreff de» Stiftungsfeste» machte da» Vergnügung»- komitee bekannt, daß daffelbe am 21. August bei Mohrmann in der Frankfutterstreßr 117 stattfindet.— Alsdann wurde da» langjährige Mitglied Rühle zum Ehrenmttglied der Verein» ernannt. Für den bishettgm Beifitzer Herrn Tamm wurde Herr Schubmann gewählt. Die„Vereinigung der deutscheu Schmiede" hielt am Sonntag, den 18. d.M., eine Wanderversammlung in Moabit ab, in welcher der Vorfitzende Herr Tempel den Zweck und die Ziele der Vereinigung klarlegte, indem er auSfühtte, daß da» früher hochgeschätzle Schmiedehandwerk im jetzigen Jahr hundert der Maschinen so heruntergedrückt wäre, daß fich der größte Theil der Lohnarbeiter bedeutend beffer stände al» der Schmiedegeselle, welcher durch die schwere Arbett abgestumpst, am Abend weder Lust noch Liebe zu irgmd einer Geist er« frischmdm Lektüre hätte. So wäre es auch zu entschuldigen, daß stch noch so viele Kollegen fänden, welche nicht einmal ein« Ahnung davon hätten, daß eine„Vereinigung" existirt. Zu dem Zwecke der Aufklärung sei nunmehr beschloffen wordm, öfter in den verschiedmen Stadttheilm Versammlungen abzu- halten, um so die indifferenten Kollegm an die Vereinigung heranzuziehen.— Nachdem Redner da» Statut erläutett und auf die vielm Vortheile, welche den Mitgliedern geboten würden, hingewiesm(wie ,. B. die Verein Sgenoffm in Hamburg z. Z. ganz energisch durch die Vereinigung unterstützt würden, so daß ste der Willkür der dottigm Meister fich nicht zu unter- werfen brauchte, daß ebenso die Mitglieder in Elberfeld nur durch die Vereinigung eine Befferfiellung ihrer Lag« erreicht bSUm), schloß er mtt einem Appell an die zahlreich anwesmdm Fabttksschmiede, doch au» ihrer Reserve herauszutreten und fich der Vereinigung anzuschließm. Nachdem noch Herr Matthe» mit warmen Worten zum Betttitt aufgefordert und zahlreiche Einschreidungen stattgefunden hattm, schloß der Vorfitzmde die Versammlung. Der Verein»«« Wahrung der Jntereffe« de« Lacktrer aller Branchen Berlin» hiett am 19. Juli, in Gratwett'S Bier« hallm eine Mitgliederversammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Lettcht der Arbeitsnachweis.Komm sston über die Verhandlung mit dm Meistern. 2. DiSkusston. 3. Bericht de» Ver« gnügungS. Komitee». 4. VerschiedmeS und Fragetastm. Der Berrchterstatter Herr Schüßler sowie der Vorfitzmde de» Ver« ein» Herr Jakob, welch« der Kommisston zur Errichtung eine» unentgeltlichen Arbeitsnachweise» von Seiten de» Verein» an- gehören, fühtten au», daß die Meister in ihrer QuattalSver« fammlung fich wenig gmeigt gezeigt hätten, mtt dm Gehilfen zu unterhandeln. Trotzdem hätte fich Obermeister Herr Linke in der Prioatverhandlung für die Bestrebungm der Lackirer- m sehr sympathisch gezeigt. Die Meister wollten da IrdeitSnachwei» für die Innung haben, aber darauf, so wind von den Rednern ausgeführt, könnten die BeHilfen nicht ein gehen, weil ste nicht nur mit JnnungSmeistem, sondem aut mtt anderen Arbeitgebern zu thun haben. Schließlich hätte- die Meister zu einer anderm Autflucht ergriff« um die Angelegenheit bi» zur nächsten Quart# Versammlung zu verschieden. Die gmanntm Redm befürworteten, die Verhandlung weiter zu führen, be»« die Gehilfen allein einm Arbeitsnachweis errichten; man sollt möglichst eine Einigung«U den JnnungSmeistem zu Stand! zu bringen suchen. ES wurde folgende Resolution angeno» mm:„Die heutige Versammlung erklärt fich einverstanden as dem Vorgehm der Kommisston in Betreff der Verhandlung«! dm M-istern bezüglich Errichtung eine» unentgeltlichm w beitSnachweiseS und verpflichtet stch, ani den Bestrebungm da Verein» fest zu halten. Die Kommisfion wird ersucht, not weitere Schritte bezüglich de» ArbettSnachwkiseS zu thun' Dann erfolgte eine lcdhafte DiSkulfion, worauf da» Vergm gungSIomitee berichtete, daß am 14. August ein Sommernatt' fest in Orfchei'» Salon, Sebastianstr. 39, stattfindet. AllSdai» wurden noch mehrere VereinSangelegmhettm erledigt>»' darauf die Versammlung mtt einem Hoch auf da» Gedeiht! de» Verein» um 12 Uhr geschloffen. Die nächste Versammlirt findet am 2. August statt. Allgemeine Kranken««nd Eterbeka arbeiter(E. H. 29 Hamburg) Fttiale 5 Sonnabend, den 24. Juli, Ade Lothringerstraße 81. �.eutralkranken- und »«. Abend» 8'/, Uhr, e der Metat ersammlun,& bei Ackerma« l » vearäbnißkasse der Sattl«> und Berufsgenossen(E. H. 64,„Hoffnung"). Mitglieder«� fammlung am Sonnabend, dm 24 v. M, Abend» 8V,% in Grat weil'» Bierballen, Kommandantenstraße Nr. 77-ß Tagesordnung: 1. Kaflmbericht pro zweite» Quartal. 2. SB» de» Vorstsenden. 3. Wahl eine» Revisor». 4. Verschiede« QuittungSduch legttimirt. Mariendorf.(Zmttal« Kranken« und Sterbekaffe ff Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter, E. H. 3, Hambu» Sonnabend, den 24. Juli, Abend» 8 Uhr, im Lokal de» H-tz Knarr„Gasthof zum schwarzen Adlet", Mitgliederversammlttl Tage»- Ordnung: 1. Abrechnung de» 2. Quartal». 2.® schieden«». Letzte Nachrichte». Da» Entlassungsgesuch de» bisherigen englts# KabinetS ist von der Königin angenommen und Lord Soff bury mtt der Kabinet»-Neubildung betraut wordm. Die St» kehr der Torte» an die Spitze der Regierung scheint die* nähme zu rechtfertigen, daß Lord SaliSdmy für gewiffe tualttätm auf Unter ftüeung der liberalen Diffenter» Eine» sehr reichhaltigen RegierungSproaramm» darf man ff nach Lage der Dinge ftetlich von dem Nachfolger GladfW wohl nicht vnfehen. Um de« van der künftigen chinestschen Eisenbab� streiten fich bekanntlich die deutschen, englischen und französtl� Industriellen. Jetzt will der Pcriser„Figaro" wissen,' chinefische Regierung Hab« Jugenieur Carrey»um Studstz eine» chinefiscken Eisenbahnnetz s berufen. Daran w«� die französtschen Eisenbarone natürlich wieder große Erwartuvff knüpfen. 10 w stch t d« e Harb 5* fcfo« fthtt vttil H der i ob e brach Schi e dessen Geliebte, haftet.. .. Auf Grund de» SozialiftengesetzeS Verbote« «n i« 8" 1 1 mit der Ueberschrist:„Ardetter, HanDß% Ä"ttfr Reichen immer reicher, den Armen immer Srmrr zu mache" s- ohne Angabe de» Drucker» und Verleger». Da» Flugdl»' identisch mtt dem am Dimstag in Berlin vircheitten. die die, der schei des! neu« ihren »n bi v»rg. Kriefkasten der Kedaktiott. � L. U., Kürbringerstr. Ihr Vater, Sie und Ihre S% beerben Ihren verstorbenen Binder gemeinschaftlich zu 8%% Theilm; also, da Ste drei Brüder find, erhält jeder ein de» Nachlasse». dike Wiai & «och alhii iach Meri rvvld unmi die würt ß" \z wind Theater. 23. Juli. Da» Parodie», Ge« von Leon Treptow und Aitgt Manzottt. challa-THM ... Vom Golde o«, >eater. Amor. Tanz. Poem von _L.'.thalla«Theater. Eapricciosa. Kroll'» Theater. Robert der Teufel. Passage IT«. 9 M.— K*ioerP*m*r* - 10 A In dieser Woche: Reu! Zum erste» Male: n. Reise durch die Pyrenäen. Die malerische sächsische Schweiz. Hertha-Aetse. Carotinen»Insel«. ir 10 Eine Reis«» Pfg. Kinder nur 10 Pfg. Unserm Vereinilollegm zu seinem heutigm Wteamfest««in dreimal donnernde» Hoch, daß bei Reinmann der Spund vom Achtel fliegt. H. L. C. K. R. M-«. R. E. H. «. L. R. Sch.[166 Hmte Morgen 9 Uhr entschlief sanft nach längerem Leiden mein lieber Mann und der Maurerpolier[160 Ver« Di« trauernd« Wittw»»«bst Kinder«. Die Beerdigung findet Sonntag, Nachm. 4Zt Uhr, vom kath. Kirchhof d- Britz o I au» statt. .57�' auf Damenmäntel verlangt Pötting, Ackerstr. 8 Schweizer Garten. Am Friedrichshain. Haltestelle der Ringbahn. Am KönigSthor. Täglich: Trotze» Militär-Concert«. Extra-Vorftellung. Auftreten der Mlasol-TrupP» in ihrer Sensatton»luftnummer: Mß«« tarne» als lebende Kanonenkugel. Miß Lazel wird au» einer Kanon« geschoffen und von Miß Zema aufgefangen werden. «ymrtrroorstrll»»«. Auftrot»« d«» Kp«si«lttSt»u. «. s. w. [riegs- und Fronten-Feuerwerk der Pyrotechniker A. und E. Maffow, Bonander und Hornig. Alle» Nähere die AnschlagSsäulen. Zßmmmerßewäe! Versammlung fämmtltcher Mitglieder der Lokal. Verbände de» Verbandes deutscher Zimmerleute Montag, de« SS. K«U, Adend» 8 Uhr. im Konzerthanse„SanmGouci", Kottbuser-Ktralje 4a. Tag«»«Ordnung: 1. Bericht der Delegirten vom 4. Handwerkertage zu Breslau. 2. Wahl der Ersatzmänner zur Ergänzung de» Hauptvorstande». Quittuugsbuch legttimirt. 168] Der B o r st a n d. Y Sauimuiche lauten übereinstimmen!. B. Kufeke'n rtyeae, welche end, daß. von einer großen Z hl ver Herren Aerzlc einlitt� dürfcfvcu. Kindermehl ein vorzügliche» Nährmittel und da» best« Heilmittel bei Mlagen-Darmkatarrh utt Krechdnrchfall ist.— Zu beziehen durch alle Apotheken. Gen.- Depot: Apotheker Honiss Verein zur Wahrung der In. en der Tischler. terejfe _»rsamml»«« Sonnabend, den 24. Jult, Abend» 8 Uhr, im Lokal« de» Hrn. Prabttz, Michaelitktrchstr. 39. Tagesordnung: 1. Vortrag de» Herrn Dr. S t a h n über: „Lungenkrankhetten". 2. Ausnahme neuer Mttglieder. 3. Verschiedene».[166 Di« Mttglieder werden ersucht, recht zahl- reich zu erscheinen. UfchlttBerciii. «afftttt» übernommen hat, indem Herr Bar- « s« 1 sein Amt niedergelegt hat.[162 Der Vorstand. Kchnttti« der Die Landpartie. de» Verein» findet Sonntag, den% nach FinKenKrng statt, wozu Kolleg? W Freund« nebst Familie eingeladen werd� � Treffpuntt: _...... Lehrter 6% Uhr; für Nachzügler 9 Uhr 45 Bahn' Alle Diejenigen, welche noch Hein tt Mlosler'sche« Streik #»•«-«■ M——»r baden, werden ersucht, dieselben sch�s, iL Caspar, Schönholzerstr- 8, adjulieftM�� 159] Ardeitsmarkt. r% Prenzlaueistc- � iw« Verantwortlicher Redaveur U«roaheim in«erlin. Druck und SZ-rlag von Max»oditsg in Berlin 8W.»«ut�straße 2.