m. Freitag, de« 30. I«li 1886. UL Jahrg. MiurVMlsII. Krgan für die Interessen der Arbeiter. ?ik„ymnchslichmig" da Eismbihilw. a®s hieß vor Kurzem, daß die pre«ßisch« Regierung da« �nqseisenbahnprojekt wieder auf« Tapet bringe» würde; *»°>be jetzt»ach dem Tode de« Bapernkönig« Ludwig IL, w a?"8* em scharfer Gegner deffrlbe» gewesen. Autficht, �ojek» realifire» zu kö»»«». ,. Dies, Gerüchte wäre» vo»»atioualliberale» Zeitung» �ortitt worden. Nun aber kommt der Offiziös»« de« "Wfche* Fiaanzminister« und schreibt: «fcC. in der Lage mitzutheU», daß da« Reich«. .,"°?�projckt bi« jetzt unter d» R�ieruage» noch zur Vnhaudluog gelangt ist. Preuße» ist W k- früher günstig gewesen; inzwischen aber i». preußische Regierung eine»ndere Stel« w 8 eingenommen, und zwar ist fie dazu durch parlamentarischen Verhältnisse worden. Jede Verstaatlichung der Eise». v«�,? muß»othw»dig d» Einfluß der Bolktvertretung pkett,?5' 2» Pr»ß» hat die« kein B«d»k»; der ei,, j1* Landtag in seiner jetzig» Zusammensetzung bietet sei»,. Deichende Garantie dafür, daß die Znteress» in wach» �de» gefichert find, und daher ist _,____... geg» den Zu- ih,'''� Macht, d» die Verstaatlichung der Els»baha» m>i«»«.�t hat, kein Bedenk» gelt»d zu mach». Ganz �-ht ti im Reich. Die Th-tsache. daß der i» g* �®,e polnische Propaganda geg» da» Deutschthum Hu X«ruomm» hat(! I!), reicht unsere« Tracht»« au», Man* t���'chkeit de« ReichSeismbahnprojekt« für Zeder» Politik tr.i!? �n». Einer Volk«v»rtretu»g, die derartige ' m_ kiAfP Wn«. aAmImaOa AN* AFDaA#« Slaubt." die�LAöosu«? Wir Hab» bi« jetzt immer ge. «-v, ßtzg a>..''*olw]Ug. tLOvi lyavv» v«» m p, �' 8 e wa�'lichu-g' der Eisbahnen stärk« die beg»übir»od wir Hab» dem Prvlekt u-eil wir besük� �b eine kühle Haltung ei«g»omm», ä !e,e*»erde ��'erungtgewalt im Reiche ein- Eignet ist' kj. m. begrüß» wir Alle« mit Frrnd», wa» Richte zu(j'ärf �mchtgewalt auf Kost» der Partikular» k» äv--"irnoa?»» nicht die Rtgieru»g«gewalt, son» -.oe» Reich, tag«,«höht würde, so Ab«» d». d«« Proj« gewiß immer zugestinnnt habe». vat arade Teaeatkeil itt wahr I S»e«l [10 'vir übrig»« gewußt, daß durch dt«.Verreich«- ber, 1°?.E-se»bahn» �'"' 6°, arade Tegemheil «hält, ähnlich wi, bei dem Reich«. Jttnineb, neue Einnahm» und Ueberschüsse, welche der gteuiCteton. Spure« im Saude. Roman von Ewald August König. d Man» hatte hastig getrunk», er schi» nicht �«merke», daß Werner«och beim erst» Glase war, mit �«Hand griff« nach der zweitm Flasche, um fie °�?ch» legte ihre Hand auf sein» Ann, al« ob fie 11 � sich abbrech» zu de« hatte nickte Schimmel. „ Äw'«»bracoon soll ich leb»?" iMrehv,�. B«d»k» trag», die Hilfe de« Freunde« tzeh�JÄmose» z» fuhr alte Man» auf.»Nimmer» wie zum Schwur« erhob» und die k Ä««* au« sein» Aug». Reich«tag nicht hinwegdißputir» kann. Sind aber einmal {raüzende Einnahme» vorhand», dann werde» auch die lu«gabe», welche innerhalb de» Rahm»« dieser Einnahme» lieg», viel leichter vom Reich«tage bewilligt, al« wen» die Au«zaben erst durch Aaleih» gedeckt werde» müff». Da« liegt auf der Hand. Und eb» so nahe liegt e«, daß im Falle eine« Konflikt« der Regierung mit dem R«ich«tage die einmal festgesetzt» Einnahm» und Ueberschüsse weiter in d» Retchttsäckel auch ohne besondere Bewilligung de« Reichttag« fließ», so daß die Regierung immer de« Vortheil hat, im Befitze der»öthige» Mittel zu sein, um die>u»gab» auch »»tuell gegen den Will» de« Reichstage« deck» zu könn». Dieser Tedanke lag auch bei d» Versuch» zu Grund«, da« Tabakmonopol und da« Branntweinmonopol zu«lang». Zahlreiche Reich«a«gehörige, die im Prinzip gar keine Monopolgegner find, Hab» fich ab« gegen j»e Monopole «klärt, wie fie jetzt geg» die.V«reich«lichung" d« Eis»« bahn» Stellung nehm», weil fie die Macht d« Re» gierung nicht stärk» woll», die Macht ein« Regierung, welche die vereinnahmte» Steu«« nicht in d« für da« Volk wansche»«w«th» Weise»«wendet— nach der Ueber» zeugung dies« Reichtangehörig», die auch die«nstte ist. De«h»lb glaube» wir, daß der Offiziosu« de« Her» Finanzminist«« v. Scholz da« R«ich«eis»bah«projikt so weit von fich weist, nicht weil die Traube« sau« sind, sond«» well fie zu hoch häng». De» arm» Reichstag hat die Reichtregierung niemals gefürchtet; die„Verreichelichung" der Elsenbahne» würde sei» Budgetrecht nur«och mehr schwäche» und da« ist auch in der That d« Grund, weshalb fich die Opposition, auch die unitarisch gesinnte, dem Projekt geg»üb« so kühl v«hält. We»halb ab« schreibt d«„Offiziosu«' D«artige«? Sollte« am Ende d» Reichstag»och für dümm«— pardon— für weniger klug halten, al« er ist? Sollte « denk», daß d« Reichstag auf die vorgehaltene Leim» »th« wirklich geh» würde, so daß die Opposition ein» Initiativ» Antrag auf Fertigstellung de« Rtich«eis«n» bahnprojekte« einbrächte? Die Resolution würde dann laut»: d« Reichskanzler zu«such», dem Reichstage bald möglichst ein» Gesetzentwurf auf.,B«reich«llchuvg' dtt Sls»bah»» vorzulegen. Motiv«: Di« Machibefuguiß de« Reichstag« muß erhöht w«d»l Da« wäre all«ding« eine G»ialitSt, die üb« alle Pappelbäum« ginge! Selbst im Deutsch» Reich« schi« deisptello«- außer natürlich bei d» Nationallib«al». bei d»» gar nicht» unerhört ist. Schmunzelnd würde d« Reich»ka«zl« eine solche Re» „Weshalb? Well ich Niemandem Dank schuld» will,' erwwerte« rauh und Gretche» nickte zustimm»d, damit dem Baron kein Zweifel blieb, wi« fie selbst dar» üb« d»ke. Wern«»ah« seine« Hut und bot dem Alt» die Haad. .Wir red» spät««och darüb«,' sagte«,.wir woll» mcht gleich da« Kind mit dem Bad« auSschütt». Und ich hoffe, Sie,«ein Fräulei«. w«d» ihn.meinem A»«biet« g»etgt mach»,— auf Wied«seh»!" .Aus Wiederseh»!' wied«holte Schimmel, wShr»d et sein Gla« wieder füllte; Wern« winkte ihm freundlich noch einmal zu, dann ging« hinau«. Eine dunkle Erinnerung. We»« hatte fich kaum»tf«»t, al« die Thüre d« Dachkam«« hastig wied« geöffnet wnrd« und ein jung«, elegant gekleidet« Herr eintrat, den die Arme Gret» che»« schon»«schlang»,«och eh«« Zeit fand, d» Hut ftbjUl*§jto, Hugo 1" sagte fie mit innigem Tone, währ»d sie ihm tief in die dunkle» blitz»d» Aug» schaute..D» kommst heut« früh«—"„, m .Zst e« Dtt unangenehm?" fragte« rasch.„W«war d« Herr, der Dich soeben»«ließ?' .Nur keine Eifersuchtsszene, v«ehrt« Herr Brau» I" erwiderte der Souffleur wa»»d..Sie habe» keine V«« anlaffung dazu, und allzu straff gespannt, z«spri»gt d« Boge». W« d« Herr war? Ei» alt« Freund und früh«« Kollege, der jetzt al« reich« Herr au« Kaliforni» zurück» gekehrt ist. Baron v. B«gau, wen» Siee« ganz g»au wiss» woll«, und nun setze» Sie fich ht«her, Hugo, und trink» Sie«in Gla« Wein mit mk." Der junge Mann«ahm zög«»d Platz, sei« Bltck streifte fo,sch»d da« Antlitz de* Mädchen«, er schi»«och imm« ei» leise« Mißtrau» zu hegen. „Und wa« führte d» Her» h,«h«?" fragte« „Die alte Fr»»dschaft. sei« Besuch galt mir allew,' anwortete Schimmel.„Vertrau» S'e so wenig auf die Liebe Gretch»«, daß Sie jed» Man», d« ihr nahe solutio»»tgegennehmen aus die Gefahr hin, dem brave» Reichstage ein« weit««„Machtbefugviß" zu verleihe«, ja auf die Gefahr hin, ewe„neue Gefahr" für da« Reich heraufzubeschwör».— Uebrigen» steht man,«a« für faul« Ei« die Saure» gurk»zeit m d» Köpf» unser« Offiziös» autbrütet. Politische Urberstcht. Da««erbot de«„Offenvach« Tageblatt" meldet» wir beieit« gestern. Da» Blatt benachrichtigte hiervon seine Leser durch folgende» Extrablatt:„An die Les« de««Offen» dach« Tageblatt". Offenbach a. M., den 27. Juli, Abend« 6 Uhr. Wir theilen unseren Lese» hierdurch mit. daß da« „Offmbacher Tageblatt" soeben auf Grund de« Sozialisten- gesetzes verbot» wurde. Geg» da« Verbot ist Beschwerde eingeteicht. Max Jahn, Redakteur." Fiüh Morgen« war» in d« Expedition die Nummern vom lt»Ien Sonntag deschlag» nahmt wmd», wegen eine« Rrtikel», datitt Berlin, 24. Juli. Da die Beschlagnahme auf Grund de« Sozialist»g«sttze««» folgt«, d« fragliche Artikel ad« nach der Behauptung d« Re» datlwn durchaus nicht« derartige« enthält, so wurde hittgeg» Beschw«de erhob».— Am 26. fand» in Offendach mehr«« Haussuchungen nach vnbotm» Schrift» statt und find auch zwei Verhaftung» vorgmommen worden.— Die Hin» deutungen auf ein» zu«wattende schärf«« Handhabung de» Sozialistengesetze» in Heffm hadm stch somit rasch«füllt. Eine Petition au de« Reichstag, dem§ 152 der Gewerbeordnung«in« bestimmtere Fassung dahin zu geden, daß dem Arbeitnstande da» Recht d« Vneinigung über ganz Deutschland im Sinne de« genannt» Paragraph» zustehe, wird von Dresden au« kolpottttt und hat dieselbe schon zahlreiche Untetschttst» gefunden. Nachdem die Versammlung, in wel» chn der Abg. Hasenclev« für die Petitton eintrat, polizeilich aufgelöst word» war, beschloß da« Komitee, eine weitere Ver- sammlung einzuberufen, die auch vottgen Sonnabend zu Stand« kam und in welcher d« Abg. Kays« üb« die Petition referitte. Die Petition hat, wie oben schon gesagt, den§ 152 der Gewerbeordnung zur Grundlage, nach welchem alle Sttafbestim» mung», die fich auf Vereinigungen zum Zweck« d« Erlangung günstig«« Lohnbedingung» besteh», aufgehoben sein soll».— Bei Besprechung der Petition macht d« Die«» den« Korrespondent de« nationalliberalen„Leipzig« Tagebl." ein» prächtigen Witz. El zitirt auch den§ 152, legt dann dm Fing« an die Nase—« befindet fich augenblicklich in ein« Sackgaffe— und platzt dann lo«:„Von Vereinen sagt ad« v« Paragraph nicht«."— So! Selbst d« Korrespondent eine« nationalliberalen und eminent ardeiterfeind» liehen Blatte», wie da»„Leipz. Tagebl." e« ist, kann fich der Uederzeuzung nicht»tziehcn, daß der vielb«ufene§ 162 alle Verbote und Strafdeftimmung», welche jetzt fottwäyrmd auf Grund v«alteter VereinSversammlung«» und sonstig« Polizei- gesetzt geg» Fachvereine und andere gew«bliche Vereins- g u n g e n«lassen wnd», in d« That aufhebe—« hat nur eine Ausflucht: Der§ 152 spricht ad« nur von Vneinigung», tritt, scheel ans-hen zu müff» glaub». S« lieqt ja in Ihr« Macht, diesem Hang» und Bang» ei» Ende zu machen!" Hugo schlug verwirrt de» Blick nieder, sei» Ar« um- schlang da««glühende Mädchen fest«. .Ich baue auf die Lreb« mein« süß» Braut wie auf «ine» Felsen," sagte er,„und wen» ich dennoch d« Eifer« sucht nicht ganz gebiet» kann, so ist da« zu natürlich, al« daß e» befremv» dürfte. Baron v. B«gau nannt» Sie d» Her»? Er ist un« avifirt, wir find beaustragt, ihm eine sehr bed»t»de Summe auszuzahlen." „W«?" fragte der Souffleur, dess» Antlitz fich mehr und mehr röthete. ,W« ist dieser Wir?' „Uns« Hau«, Wilhelm Lad»b«g und Kompagnie." „Ach so, und Sie al« Kasfir« de« Hause« müssen ihm da» Geld zahl»?' „W»«« nicht vorzieht, cl in unsere» Händen zu laff».' Gretche», die in Nachd»le» v«sunken war, strich«st d« Hand üb« die Etstne, al« ob sie ihre Gedunk» sam- mein wollte. „Ich möchte Dich stag», Onkel, in welchem B«hSlt, «iß stand dies« Herr früh« zu Dir und meinem Bat«?' sagt« fie und voll Erwartung ruht« dabei ihr Blick auf dem alte» Manne.„Der Klang seiner Stimme weckt« in mix eine furchtbare Erinnerung.' „Dtt Klang sein« Stimme?" wiederhoste Schimmel. „Ich glaube kaum, daß Du diese Stimme jemals früh« gehört hast. Doch ja,« war ja einmal im Hause Deine« Bat«», um ihn an seine Bruderpflichten zu«ahn», und e« kau» sei», daß Du bei dies« Ttleg»heit—" „Nicht bei dies«, sond«« bei ein««»de» Gelege», hell!" untttbrach da« Mädch» th«.„Mich erinuert diese Stimme an jene furchtbare Nacht, in der mei« Bat« ermordet wurde. Ich war damal« fteilich»och Kind, ab« Eindrücke, die fich d« Ktndesseele einprägk«, dauern bi« in« späte Alt« hinein. Du weist, mein Bettch» stand im Schlafzimmer de» Bat«», und»eben diesem Zimm« lag unser« Wohnstube. Z» jen« Nacht wurde ich plötzlich wach, ich hört« Geräusch, e« war, al« ob d« Koff« unter nicht von Vereinen. Ali ob ein Verein, eine Versammlung nicht eine Vereinigung sei!? Schwerlich werden die Patrone dei Herrn Korrespondenten für diese Entdeckung demselben de- sonders dankbar sein, denn tsSren nicht noch andere Hinter« thürchen da, durck welche die Vereinigesetze aus den Maschen der Reichigesetzgebung schlüpfen könnten, die„Vereine" im Gegensatz zu Vereinigungen würden dies sicher nicht«reichen. Eine Beurtheiluug der„Sozialreform" durch eine Handelikammer, wie sie die Chemnitzer ihr angedeihen läßt, hätten die Schöpfer dieser Sozialreform wohl nimmer vermuthet. Die Chemnitzer Handelskammer ist nationalliberal- konservativ, sie ist reichitreu und ihre Mitglieder gehören sämmtltch der Oidnungspartei an. Hören wir nun dai Urtheil derselben an:„Auch die sozialpotttisch« Gesetzgebung der letzten Jahre ist, wie berichtet wird, nicht ohne Einfluß auf die Maschinenindustrie geblieben. Das Kranken« und das Unfallversicherungigesetz haben die Arbeit« geber sehr belastet. Ein noch größerer Druck wird entstehen, wenn die Invaliden» und AIteriver« soraung eingeführt werden sollte. Daß aber auch die Arberterschutzgesetze, welche gegenwäitig ledbaft diikutirt werden, wie z. B. dai vollständige Verbot der Sonntagiarbest, das Verbot der Beschäftigung von Frauen und Kindern in Fa- driken, nicht günstig auf die Industrie einwtr« ken werden, ist kaum zu bezweifeln. In den Webereien und Spinnereien werden noch viele Arbeiten durch Frauen und Kinder besorgt, deren Löhne bedeutend ge« ring er sind, als die männlicher Arbeiter. Von der Prosperität dieser Fabriken sind wieder die Branchen dei Maschinenbaues abhängig, welche sich mit dem Baue von Web« und Spinnmaschinen und Betriebsmotoren beschäftigen."— Die Regierung kann zunächst aus diesen Bemerkungen ersehen, daß ihre Eozialreform den„Arbeitgebern" auch nicht gefallt. Die Arbeiter aber haben sich schon oft genug gegen eine solche Sozialrefonn ausgesprochen und sie werden ei immer thun, wenn dieselbe nicht auf befferen Grundlagen ruht, auch wenn man die Arbeiter noch so sehr verfolgt. Wem gefällt denn nun eigentlich die mit solcher Mühe aufaebaute Sozial- reform? Lediglich den Schöpfern derselben l Dai kommt uns so vor, ali wenn ein Dichterling Verse drucken läßt, deren einziger Leser er ist. Die Ardeiterschutzaesetze gefallen wenig steni den Arbeitern, also der großen Masse; daß diese den Arbeitgebern und der Regierung nicht gefallen, dürste darauf »urückzuführen sein, daß man den Atbeilern in ihren Bestre- düngen nicht zu weiten Spielraum lasten will. Die Arbeiter aber ballen fest an denselben, ali an der einzig möglichen Anbahnung einer gesunden Soziilresorm. Das Krankeukassengesetz wird bereits jetzt von den Be« Hörden als sehr verdesterungidedürftig empfunden. So wird der Hilddurghausener„D. Ztg." au» dem meininger Unter« lande berichtet:„Zum ersten Mal haben unsere in GemäßheU dei Reichigesetzei über die Krankenversicherung vom 15. Juni 1883 errichteten Ortt« und Fabrik»«(Betrieb»-) Krankenkaffen vor Kurzem ihre Ueberfichten und Abschlüste für dai R e i ch i« versicherungiamt eingereicht, und schon hat daffelbe bei den Vorständen der Krankenkaffen angefragt, od sich nicht dai Bedürfniß zu verschiedenen Abänderungen dieses Reichigesetzei herausgestellt habe. In erster Linie habe man wohl den§ 6, Absatz 2, deffelden ins Auge zu fasten, ob nicht die vestim. mung der dreitägigen Karrenzzeit auszuschließen sei. Dann ferner die Bestimmung dei§ 3, Abs. 2, welche vielfach zur Umgehung der Verstcherungipflicht, theili durch Abschließung von Scheinvcrträgen, theili durch Uebernahme der die Vor- auisetzung der Befreiung bildenden Verpflichtung seitens solcher Arbeilgeber, welche zu veren Erfüllung nicht im Stande find, denutzt wttd«. Dann wird noch auf verschiedene andere nicht unwichtige gesetzlich« Vorschriften aufmerkiam gemacht, deren Zweckmäßigkeit nach den bi« jetzt gemachten Erfahrungen zu prüfen sein dürfte."— Hoffmtlich studiren die Vertreter frem- der Regierungen, welche sich nach den offiziösen Blättern in Berlin zum Zweck der Kmntnißnahme der nmestm sozialpoli« tischm Gesetzgebung aufhalten, auch die Mängel derselben, die, wie unsere Leser wiffen, mll obiger Aufzählung noch lange nicht erschöpft find. Die Anwesenheit de» russischen General« Keederick» bei der Enlhüllung des Chanzy-Denkmali ist manchem deutschen Chauvinistm unliebsam in die Knochen gefahrm. Wir findm nämlich in der deutschen Preste fortwährend Krieg»- Hetzereien gegen Frankreich, währmd die Warnungen vor Rußland nur sellm find. Trotzdem man weiß, daß der rusfiiche Kaiser ein Deutschmhaffer ist, wie jetzt die Vorgänge in dm dallischm Prootnzm wiederum deweism, schmeichell man sich noch immer mit dem„Erdfreund"; trotzdem die Gegensätze zwischm dem Slaventhum und Germanmthum viel größer find, ali diejenigen zwischen Germanmthum und dem germanisch. romanischen Mischltnaioolke, den Franzosen, wird auf die letzterm fortwährend loigrpaukt, während man die russischm Niederträchtigkeiten mit dem Schleier der Liebe»udeckt. Trotz« dem im Ostm die Barbarei noch immer ihre Triumphe feiert gver am End« gerade deswegen!?), neigen sich unsere sfiziösm mll ihrer Freundlichkett zu diesem Barbarismu» und dem Bette hervorgezogen würde. Dai geschah so oft, daß ich gar nichts Verdächtiges darin finden konnte, der Vater betrachtete ja jede« Tag und namentlich Abend», bevor er Ruhe ging, seine Schätze. Noch halb im Schlafe, redete ft de» Vater an, aber eine andere ftemde Stimme rief mir .Schlaf'«ad schweige!' Ich weiß heute nicht mehr� and ich darin[nicht# Befremdendes oder fürchtete ich mich vor dem Fremde«, der da» in drohendem Tone gesagt hat.e, ich zog die Decke über dm Kopf und hörte von diesem Augm» blicke an nichts mehr." „Aber am nächsten Morgm?" sagte der alte Mann «regt.„Du hättest da» mir oder dm Gerichtiherre» gleich sagm sollen." „Vielleicht vergaß ich ei unter dem Eindrucke de» Traum«, de« ich denn Anblicke der Leiche empfand, vielleicht auch fürchtete ich, daß d« Fremde in der nächsten Nacht wiederkomme« und Rache an mir»ehmm könne, und erinnere ich mich recht, so hat man damal» auch kaum eine Frage an mich gerichtet. Du führtest mich gleich in Deine Wohnung, Onkel, und im Trunde genommen hätte auch meine Auisage wenig od« gar nichts zur Entdeckung dei Mörd«» beige» kragen."_„ „Und nun hat die Stimme dei Baron« Dich an jmm Uabekanntm erinnert?" fragte Hugo mit wachsmd« Spannung. „Ei ist nur eine dunkle Erinnerung, ab« bei dem«fim Worte«wachte sie in mir." „Unfinal' sagte d« Souffleur scharf und heftig.„Wir habm derzell deutliche und fichne Spure» aefundm und diese dcutm nicht darauf, daß d« Baron v. B«gau d« Thät« aewesm sei» könne l Od« kannst Du behauptm, daß« einm«lumpfuß habe? Und die Spure« eine« solchm v«. krüppeltm Fußes fanden wir am anderen Morgm nach d« Mordnacht im Tärtchm hint« Eurem Haus«. Ihr bewohntet diese« Hänichen ganz allein, und durch de« Tartm war d« Mörd« gekommm, auf demselbm Wege hatte er fich wted« mtfemt. Sodann u»t«laa ei kernem Zwnfel, daß d« Mörd« in Eurem Hause sehr bekannt sein mußte, wie hätte er sonst wiffen können, daß der Geldkoff« unt« dem Bette stand?" reizen fortwährend dm Westen, in welchem Gesittung und Bildung blüht, wie in unserem Vainlande selbst. Wir find deshalb der Meinung, daß uniere chauvinistisch reMonären Blätter, verschiedene nationalliberale an der Spitze dies« sauberm Gesellichast, ein frivole« Spiel mll unserem Lande treiben. Um aber diei Spiel well« spiele« zu lönnm, faseln sie von einer Annäherung Frankreich« an Rußland zu Krieg«. Plänen geam Deutschland, die aber an der Haltung de«„Srb- fteunde« scheitere. Durch diese Chanzp-Feier ist umgelehrt de« wiesm, daß Rußland die Annäherung an Frankreich sucht und daß letztere«, wmn man von einigm albernen Höstichkeiti- vdrasm absteht, diese Annäherung nicht sördert. Scdcn die Errichtung eine« Volkiheere«, wie e« der französtsche K>iegS- minister Loulang« anstrebt,(riebt uni die Garantie, daß eine Vereinigung Franlreichi mll Rußland zu Kriegszwecken in da« Reich der Fabel gehört und baß Frankreich zur Zell und so« lange die gegenwärtige Regierung am Ruder dleivr oder auch wmn dieselbe durch eine radikalere und nicht durch eine monar- chische abgelöst werden sollte, gar nicht in der Lage ist, einm sogmanntm Revanchekrieg zu führen. Die Maffe des Volke« ist gegen eine Verbindung mit dem Lesttzer Sibirien», mll dem barbarischen Rußland. Eine solche Verbindung ist auch die unnatürlichste, die man fich denken kann— da« republikanische Frankreich und dai despotische Rußland! Sollte ab« trotzdem irgend eine reaktionäre Regierung in Frankreich, wmn sie noch möglich ist. in der Zukunft mit Rußland ein Bündniß schließen, so wäre die« zugleich der Todesstoß, den fich die Regierung selbst und dem Lande versetzte. Dai wissen die Franzosm sehr gut und deshalb verpuffen dei allen vrrnünstigm Menschen die chauvinistischen Deklamationen unserer oben näher dezeichnctm Presse wirkungslos in der Luft. Sie haben auch nur dm Zweck, die Blödm und Dummen graulich zu machm, damll da« Militärseptennat anstandSlot und neue Summen zu Milttärzweckm vom Reichstage bewilligt werden. Deshalb dai fortwährende Hetzm gegm Frankreich. Die Zollunion mit Oeftetreich-Ungar«. Der Jahresbericht der Hanveltkammer zu Oppeln mthäll demerkenSwerthe Miliheilungen über die bekannten Bestredungm im deutschen und österreichischen Handelistande, die auf ein Zollbündniß zwischen dm beidm Staatm abzielm. Wie erinnerlich, regte die Handels- und Gewerbekammer in Trcppau die Angelegen« >ell in einem Schreiben an die Oppeln« Handeltkammer vom 15. September 1885 an. Jme hatte eine umfasimd« Erhebung darüber veranlaßt, welche Wirkungen eine Zollunion mit dem Deutschen Reiche aus die Lage d« in ihrem Kammer bezirke v«« tretenm Industrien haben würde, und bis zu welcher Grenze mit Ermäßigung des österretchischm Tarifs für deutsche Waarm unt« Voraussetzung voll« Gegmseitigkell gegangen werden könnte. Das Ergebniß ein« solchm Erhebung könnte r.m dann dem angestrebten Zwecke dienen, wenn in den anderm Kronländern und in Deutschland in gleich« Weise vorge« arbeitet wird. In ihr« grundsätzlich zustimmenden Antwort >at die Oppeln« Handelikammn um Äittheilungm üb« die Aufnahme, welche d« Vorschlag d« Troppau« Kamm« dei ihrm österreichischen Kolleginnen gefunden habe. Dar.uf wurde erwidert, daß von den deutschen und österretchischm kammem nur ein kleiner TheU fich für die Vornahme sofor« tio« Erhebunam ausgesprochen hätte, von fast allen ader die Nothwendigkeit einer zollpoliti« chen Annäherung anerkannt worden wäre. Deshalb vttschob auch die Troppau« Kammer ihretseits die vorgeschlagme Erhebung aus spätere Zeit. Die Strastburger Tabatsmauufaktur hat bekanntlich nach lätzgnem Prozesfirm ihr Fabrikzeichm„Die schwarze Hand" vnlorm, da die Eintragung deffelden nicht rechtzeitig emeuert wurde. Das Zentralhandelsregitler für das Deutsche Reich ent» »ält nun die neue Fabrikmarke. Dieselbe stellt in ovalem Redaillonbild die Fabrikgebäude der Straßburger Tadatmanu- aftur aus der Vogelperspeftive dar. O selig, o selig» ei« Kretsblatt zu sein. Der Land« rath de« Kreises Had«tleden hat, nach d«„Kiel. Ztg.", fol« gmde Verfügung«laffen:„Im dienstlichm Jntereffe halte ich es für geboten, daß dm sammtlichm Schullehrern des Land- kreise» da» Kreisblatt regelmäßig zugängig gemacht wird. Ich ordne deshalb hiermll an, daß für jede Schule de» Landkreifei auf ein Cx-mplar de» Kreisblatte» zu abonnkm ist. Die Schulvorsteh« haben die Anmelrung des Abonnement« und die Bezahlung de« Abonnemmtipreise« au« d« Kaste d« Schulgemein d« zu besorgen. Der«bonnemmtiprei« beträgt »albjährlich 1 M. 62 Pf. ohne die Postgebühr." Die Anord- nungen, welche die Schule angehm, pflegen dm Lehrem nicht durch da« Kretsblatt, sondnn auf and«em Wege mllgetheill zu wnden. E« ist also nicht wahrscheinlich, daß da«„dienst« ltche Jntereffe", inlwelchem d« Landrath die Lektüre de» Kreis» blatte» durch die landlichm Lehrer für geboten hält, mll dem Schulintereffe zusammenfäw. Die subventtoutrte« Reichspostdampfer sollen den „Times" zufolge künftig auch Southampton anlaufen, um dort Paffagiere aufzunehmen. Die» soll schon im August der Fall sein. Es scheint hiernach, ali wenn d«„Norddeu!>tt>e Llcrjd" schon jetzt findet, daß« sich in seinen Berechnungen über die „Ab« solche Erinnnuvgen—" .Evtsprwgeu nur er«« überreizte» Phantasie," brummte d« Souffleur. „Die Abficht, eiue» V«dacht auf ihn zu w«fm,' sagte Tretchen,„und darauf sofort eiue Anklage zu stütze*, liegt mir ja auch gänzlich fern, ab« find solch« Errnvernngm einmal geweckt, dann kann man ihnen nicht«ehr Schweigen gebieten." „Und doch ist es beff«, daß jene alte Geschichte v«> geffe« wird,"«widerte Hugo,„das Erb« ist vnlorm und die Tobte« kehre« nicht zurück." ,2a, ja," nickte Schimmel.„Was nütze» u»« die Erinnnungm an die V«ga»gmh«it, d« Gegenwart nfiffe» wir lebm.— Wann wolle« Sie Ihr« Mutt« die Braut vorstelle», Hugo?" Ei» verlegen« Zug glitt üb« das Antlitz de« junge» Manne». „Sobald ich nur eine günstige Gelegmhett dazu finde" «widerte« ausweichend.„Mewe Mutt« ist gewiß eine brave u>d gute Frau, ab« ste hat fich'» einmal in de» Kopf gefetzt, daß ich ein« glänzmde Partie machm müsse—" „Und wmn Sie voraus wußten, daß Sie gegm diese Idee nicht ankämpfm konnte», dann hätim Sie mein« Nichte fich nicht näh«» dürfe» I" sagte d« alte Man» vor« wmfsvoll..Trrtche»« Ehre und ihr gut« Ruf I«k, darnnt«, eine heimliche««lobung fordert immn üble Naib. rede« heraus, Sie hätte« dos alle» bedenke« u»d fich vor« h« schon mtt Ihr« Mntt« in» Reine setze» müssen• „Wir könne» ja noch wartm, Onkel I" fogi« Tretchen begütigend..Hugo hat«n, nicht, vtrschwiegm. gleich in MMWMS« MMMZM Transportmmge nach Ostastm und Australim getäuscht hat Interessant ist die Nachricht, daß die Reichspostdampfer i» Eouthampton nur Prffaoiere aufnehmen sollen. Freilich ward« eine Annahme von Fi achte ut in einem mglischm Hafen dal grade Gegmtheil von dem onvirkm, wai man dmch die Lud- vmtlontrung der Dmrpferlinien herdeifühim wollte. Die Eni- ventionirun ä aus Reichs Mitteln sollte die deutsche Konlurrenz mtt England für den Verkehr mit Ostastm und Australl» unterstütze«. Wenn aber dmch die suboentionirtm Dampfn Frachtgut in England aufgenommen wirv, so kommen bst neuen Damp'erlinien ebenso England wie Deutschland zu gut Die Engländer hätten nur den Vorthetl, daß die Sudventioa für die Dampferlwien allein von dm Deutschm aufgebralit wird. Echt russtsch! Mtt großem Wohlbebazm bringt unsen konseroattoe Preffe mit der Ucberschrift:„Ein kühne# Wagniß folgende Notiz aus russtschen Blättern:„Am letzten Sonn» admd winden die Offistere und Kadetten der vontsche» Uebungskorvette„Heimdal" nach Peterhof und Alexandria ci» geladen, woselbst ste fich in ungezwungmdster Weise mit de« Mitgliedern der kaiserlichen Familie unterhielten. Während ewes Svazierganges mtt dem Kaiserpaare kletterten die Kn deitm plötzlich in dm Mastkord eines dort aufgestellten hohe« Mastes. Der Kaiser rief ihnen lächelnd zu:„Wer wagt nun, herunter zu springen!" Ein« d« Kadette« wagte dm Spruag von ew« Höhe von 20 Metem, verletzte P ader in gefährlich« Weise, obgleich nahe am Bode« ein Sicherheiisnetz aukgesvannt war. Er wurde in Besorgnis erregmdem Zustande an Bord gebracht."— Mit dem„Sich»' beilSnetz" muß ei wohl eine eigene Brwandtniß gehabt haben, Wahrscheinlich ist gar kein» vorhandm gewesm, und der Ärmste, d« die Frage des allmächttgm Czarm als L«' fehl ansah, ist auf die nackten Plantm gesprungen. Od«» war ein S'cherhettsnetz da. so ist ei schlecht aewesm, zerriffen und weil(nicht obgleich I) zunahe demBoven, hat» die Berührung des Springmdm mit dm Planten nicht dem können.— Auf alle Fälle kann man ad« das Vor' kommniß„echt russisch" Neimen, unserthalben auch: echt d-» barisch. Belgien. Die Untersuchung üver die Arbettiverhäl!' nisse stieß in Tudize auf Schwierigkeitm, und zwar ntchr« Seiten der Arbeit«. Der Leit« der dmtigen Lotorn# kadrik will seinen Leuten unt«sagen, vor dem Ausschuß zu* scheinen(!). In La Louoi�re führte vor dem Untersuch ungSauSsldz ein Ardetter mtt Zahlmbelägm aus, daß eine Famttie von je» I Personen jährlich 12C0 Franks bedarf; die Kohlenardetter 1 wimtn indessen durchschntltlich nur 950 Franks. 32 fltbti? vereine veranstalteten eine großartige Demonstration ♦ dem Stadthause, wo die industrielle Ena retetommtifion tajf 8000 Arbeit« nahmen an dem Zuge theil und am Ab» tanvm V«sammlungm statt, in denen die Ford«ung»<<£ Verleihung des allgemeinen Wahlrechts aufgestellt wurde. der Kommission verlangten die Arbeit« ewmüthig odlizM* schen Unrnrichi, Vermehrung der VoliSschulen, Gesetze zur gelung d« Arbeit und gegm die Trunlsucht, sowie Haltung?« und Lrhrlwgsschulm. Dai„Joumal de Lrux:lleS" redet d« staatltchm U� stlltzung der von Arbeitern zu gründmbm®enoffen{®a' daß Wort., Die Heißsporne d« Klerikalen hattm in ihrem# gegen die Logen ein genaues Verzetchniß aller FreimaUi* Belgiens an fertigen laffen und seine Veröffentlichung an� tündigt. Man wollte vte Beamten ur.d O fi i«e„kennzeichnet' ''---!s« Vuöstmtlich�, teffl dend 3 »eibeamt Telegra, rnitiheili Pöbel u vozialif ein« Bi anarchtfl demselln ein schai listen ui Amstnd lich u> wall so die Sch S.7 der Ger % Mttzrill %iP Srt Eichel iharatt m vi, Jndeß hat der hohe KlnuS fich gegen diese so mtschieden ausgesplvchen, daß fit unterbleibt. Mtt u», größ«n Befriedigung steht derfeloe auf die Schulpolittt die großen Einschränkungen im Schulwesen,� hierin ist in d« That Erkleckliches nziell wordm. Die hälter von nicht weniger al« 3316 Lehrern und Lehrerin� sind reduzirt(e i giedt heute in Belgien rinnen, deren Gehalt 37 Zentime« letrod�vL 30 Pfeneige!! pro Tag beträgtl) 1200 Lehr« gesetzt, 228 Gemeinden habm ihre einzige Kommunalschute � gehoben. Der Riicklchritt mach! also Fortschritte.. Bor 10 Jahren find in den Städtm Charleroi u Tournai mit großen Mitteln neu. Justtzpaläste«baut rro�< Da sie jetzt umzustürzen drohm, beschloß der Gmeralrath. Hennegaue» die sofortige gerichtliche Vnfolgung d« beirrr.., den Architeftm.— Die belgische Bourgeoisie scheint nfUf1' nichts wie Skandale zu produztrm. Holla»»..g Die Unruhen in Amsterdam habm sich bisher s wiederholt. Am Dienstag ftüh fandm noch ewige Zufa»"�. rottungen statt, doch vnlief d« Tag ohne RuhestölU"� Im Laufe de« Admd» lam ei zu einigen unbedeutenden � lammmfiößm zwischen dem Pöbel und d« Polizei, deck? nügtm die die Straßen durchziehenden Pattoutllen. vie zn streuen. Gegen 10 Uhr war die Ruhe vollständig zu Ende erreiche», wen» Deine««lobung ist, wen» je»« Unverschämte die Ueb«zeugung. muß, daß Dein Bräutigam Dich vor solche« drwglichkettea schützt." „Ich«keune da» alle» ja au," sagte Hugo in Tone,„und d« Himmel weiß, wie sehr ich selbst diesen Heimlichkette««a S»de zu mache«. Aber Knie läßt fich da« nicht breche«, und Ihr wißt ja daß ich dm redlichm Willm habe. Za, hätte ich'« fjfi Mutter allein zu thun, dann wäre die Sache vielletck' M geordnet, ab« die Tante Rest hat einm harte« uvd es läßt fich«wmal nicht ändern, daß sie i« 7* Famttiena» gelegmheitm die«tscheidmde Stt««� ansprncht." «Das die« nicht zu änd«» sei. kann ich nicht f'Ly# brummte Schimmel,„und wmn vie w rklich de« � W* Willm habm, Hugo, dann künn»«« Sie fich entscheidmde Wort der eigmfinnig«» Tante. � Gehalt könne» Sie schon de» eigene« Trrtche« verlang! ja nicht« weit«, al««««»«'? Existenz, ab« entweder— od«, meine Geduld w zw Endel" Hugo hatte die Braum unmuthig zusanrmeog� trank fein Tla« langsam aus und«hob fich..... fi«\ „Sie machm mir Vorwürfe, die unbercchng. � sagte««bittert,.d« Wein hat Sie soL S« wissm vielleicht selbst nicht, was fWj Ab« nicht»«geblrch sollen Sie mich an gemahnt haben, ich w«de heute noch mit reden.". bat � „Thu's nicht in dies« g«eiztm Stimmung, an» che»,„Dn könntest alle« v«d«bm." Einmal muß«» geschehen!' erwiderte�Sch��-0 was mau heute thun kann, soll«an nicht schieben.". fliest � Der junge Man««ah« seinm Hut und Zimm« und Gretchm folgte ihm. t einig 1« uno vrerazm yoigxc rym. pinn'.�, .n Dürü i txJ Sut« Buk .rtfn} ;alini mp'rt i di» i ho4i •'S istc, i(iic t vai W hod" »all« Mttrt ■t M de» Ä Kl liff« t b:iv «F h m JwflffeUi Im ganztn sind bei dm Umuhm am Montag »«nd 25 Personen getödtet und«gm 90, darunter 40 Polt- pweamlf, verwunde! worden. Wayrend selbst dat osfijiSse �«»gravhmdureau in seinem Bericht über die Unruhen nur wutheilZe, daß e« stch um einen Zusammenstoß»wischen dem jvObtl und der Poli,ei, nicht etwa um rinm solchm zwischen «ozialisten oder Nnarchistm und der Polizei handelt, wird in nn« Brüsseler Meldung der„lkreuj»tg." behauvtet, daß der anarchistische CharaVer der Unruhm außer Zweifel stehe. Nach °kmselben Blatte würdm mehrere Abgeordnete in der Kammer «n scharfe» Eozialistmaesetz beantragm.— Dagegm schreibt *n„Beel Com", der sonst in Uebertreibungm gegen Cojia« »Ben und Anarchisten da» denkbar Großartigste leistet:„Der «»stndamer Krawall hat stch glücklicher Weise al» ein g a n»> Uch unpolitisch«» Ereigntß ausgeklärt. Daß der Kra» wall so zahlreiche Opfer gefordert hat, ist tief bedauerlich, und die Schuld daran, daß diese Opfer fielm, ist nm bei der Un« «rechenbarteit und Un,urechnuna»fähizkeit einer aufgeregte" �eng«»u suchm, welche in Eifer kommt, ohne abzuschatzm, ob Gegenstand der Ereiferung nur irgendwie in einem ver- �unsliqen Berhällniß stehe zu dem Einsatz. Ein Jahrmarkt»' .»orgefallen; die Menge gerieth in Zorn über eine »allitiliche Maßregel,»elch« üvrigm» durchaui gerechtfertigt 2". ste kam mit der Polizei und dann mit dem Militär in tJJ". Pon einer vordereUeten Rebellion, von irgmd einem sollen Vorgehm tana bei der ganzen Sache überhaupt die Rede sein. Der Korrespondent der �kreuzztg.", Mher seinem Blatt« telegraphirt, daß der anarchistische (X�pn der Unruhm in Amsterdam außer Zweifel sei, muß M viel rotheZ Tuch vor Augm gehabt haben und gegen diese von großer Empstndlichkett sein, amn er nicht gar seine ««veptunam frei erfunden bat. Jener Korrespondmt schließt !«n« Vorbereitung von langer Hand daraut, daß da» . tzaliftlsch« Parteiorgan„Recht für Alle" schon vor etnigm �»gen auf den Putsch vorbereitet habe, indem e» ankündigt«, �-5°iialistm würden„durch Feuer und Flamme ihr Ziel eimü �* Frivoler kann man füglich in seinm Anschuldt- »ungen kaum sein." *. Sra»rretch. ni* t tf"L1 Bert, der al» radikaler Politiker in Frankreich buJ, m genug gegen alte Ueberbletdsel auftreten konnte, »an« �rneralrestdent von Anam und Tongking dm König w gm �«ranlaßt, einen Orden„de» Drachen» von Anam" wt«»u Drachen orden soll dtestldm Stufen erhalten, Ort,,««' ikhrmlegion: Ritter. Offizier. Kommandeur ,c. Dt« � wird von Miiitärverionm an weißem Band« sä»».?iensaum und von bürge rlichm an grünem mu Orangm« nSLffiaaen. Eine erste List« der zu Detorirendm ist bereit» vwt Orj wer also mit einem Drachm beglückt werden will, ' ni> bei Zeiten melden. Da, _ Grohbritauute«, bunV!» der konservativen Kadinettzbil» schwieriger und reicher an verlegmhettm, al» die «St Organe im erstm Wahlfiegesrausch« Nch vorge- gnibwuL Lllerding» bietet der Pakt mit Lord Hartington ?#,«ljai(.Tatanlttn' ober, wenn von dm Whig» jetzt schon l*»uwJf Betreff der irischen nicht allein, sondern auch bttttz v«,!!�en Politik gemacht werden, muß sich nicht Sali»' ouf �z.Aeit»n der radikalen Gruppe C h am d er lain'» —'■■■■ ev,»»»»—»-r.»». sr-.. m# r r m t auf(„ju®«t«n der radikalen Gn vre Chamderlain'» ""»Aeiir�Z Bnlegenheitm. vielleicht Enttäuschungen gefaßt küb/?i» jetzt Hai Chamderlain kein Ledm»»etchm von»ch Wt» RommiM d°ndel»stockung n «rösfentlicht worden,»uger v tahrt». un1? bie Lage der landwirthschaftlichen. der Jl'ttfamlri„"flbowtntmftri« hat die Kommission ihr bie Veränderu- � Frage der Goldwährung, sowe zur Untersuchung der ------.-----> g niedergesetzten lönig. veröffmllicht wordm. Außer dm Er. '■......."M der Schiff. ...--------------- ihre Aus. NÄS»W y�tnnen die nämliche Erfahrung wie sämmt. CK 4%%- ,A" Ä.' Ä' Ä W n 71 r ci x t o n c--—............ �."enterunoloigane. Am 26. d. M. nahm die Kundgebung ,�che Dim-nfionm an, daß die Stadtwach« sich genöthigt sah, Amtliche Poltzeisoldatm zu tntemirm, um sie vor der Boll»« �uth zu schützen. Der Präfekt sah sich genöthigt, vor der er« einig« Flasche» Holm zu lasim. Marge», wen» er wieder ruhiger aewordm ist, wird er bermm, daß er Dir die hartm Wort« gesagt hat." .Gleichwohl ich sehe nun auch«i», daß ei» End« gemacht werde» muß," unterbrach er sie,„ich will ihm Wtsm, daß ich dm Muth Hab«, allm vtürmm die Sttt« zu biete». Wer ist der U»ve!schi»»te, der Dich »erfvlgt,«. ,„Ich km»e ih»»ich», soweit ließ ich ih»»och»icht �>tme», daß er mir seinm Ramm»m»m ko»»te* „Und wann verfolgt er Dich?" «Abend», wm« ich a», dem Theater komme." ,»Wcihaib auch erlaubst Du«I»»icht, Dich zu de« ***?' fragte er jU vorwurftooll. «So lange wir»och»icht bffmtlich verlobt find, thue gerne,»nd der Weg vom Theater hierher ist ja Auf dm Onkel kann ich auch»icht immer üa,?' der hat i» der Regel»ach der Vorstellung»och so ej,™ zu besorge», da eil« ich dm» voran», damit er in 5*«» Zimmer kommt." St» 00* dust» Verfolgung» hast Du mir bi»h«r bi, z??ch°wollte Dich nicht beunruhig», und e» war auch über!??rt*»aklich kein Grund dazu vorhaudm. Deshalb �»icht». Geliebter, ich gedulde mich gerne." diese»tri« eine A-wort»» L«bm.»ah« Hugo o,'?'°uf di�e Bitte------ �.. der vf,, Med vo» dem Mädchm; fem Entschluß stand fest, würfe sollt« ihm nicht»och einmal solch« Poe» fcUfiiinwu?� � wußte voran», daß seine Mutter ihre si«. bi«°er»tiger» und ihm hart« Wort« sag» würde; ÄS&Ä ÄÄ steutzh,� e9«tcchttt*enn*# zu sollen,»« schwer de« die er bittertm Meng« zu flüchten. Mllitir wurde nquirirt, aber trotzdem gingen die Demonstranten nicht auseinander. Der Kapitän der Karabinteri weigerte stch, den Befehl, von dm Waffm Gebrauch zu machen, auszuführen. Darauf ging die Mmge unter Hochrufen auf die Arme« freiwillig auseinander. Die Abberufung deS Präfettm ist bevorstehend. AuS den an- gesehenstm Bürgern bildete stch ein SicherhcitSkomUee, welches die Aufrechterhaltung der Ordnung verbürgte, sobald die Be völlerung nicht weiter herausgefordert werde. Spante». Die spanisch« Depulirtenlammer beschloß am Dimstag die vollständige JnfrethettSsetzung der 26000 Neger der Insel Euba, welche noch in einem AshängigkeitSvei» hällniß zu ihren früheren Herren stehen. Di« Neger brauchen nach dem Inhalt der Vorlage bloß den Beweis zu liefern, daß ste die Verpflichtung eingegangen feien, durch vier Jahre zu arbeiten, und nhaltm dann dt« bürgerlichen und politischen Rechte, wie die Freien. Rußland. Man schreibt der„Pol. Korr." auS St. Petersburg 24. Juli: Die antisemitische Strömung tn Ruß. l a n d hat in dm letzten Jahren nichts von ihrer Krall ver- lorm, sondern nimmt eher noch zu. Zwar ist eS seit 1882 zu keinem größeren Ex�fie gegen die Judm gekommen, denn die veböidrn find sehr wachsam und wissm rinm solchm stets zu verhindern; die Erbitterung der Bevöllerung gegen die Juden ist aber deshalb nicht geringer geworden und nach wie vor werden dieseldm alS die Urheber der wirthschastlich ungünsttgm Lage, w der sich namentlich der rusfisch« Bauernstand befindet, angesehm. Auch in Rcgierungtkreisen ist die Stimmung gegenüber dm Judm nichts weniger als eine günstige, wie auS mehrfachm in der jüngstm Zell getroffmen Maßregeln der- selben hervorgeht. So ist türzlich eine Verordnung erlassm wordm, welche verschärfte Vorschriften über dt« Militärstellung der Judm enthält, von denen behauptet wird, daß ste stch»um größtm Theil« der Wehrpflicht zu entziehen wiffm. Auch eine kürzlich erloffene Verordnung deS Justizministeriums, der zu- folge alle jüdischm Schreiber undSchriftführer in den Kanzleim der Untersuchungigerichte entlassen werden sollen, ist in dieser Richtung demertenSwerth. BalkanlSnder. Die Wimer„N. Fr. Pr." läßt stch au» Konstantin». opel, 24. Juli, bertchtm: ES wird hier gerüstet, al» od wir un» am Voradmd gewaltiger kriegerischer Ereignisse befinden würdm. Krupp ist mit Bestellungm au» Kmstan- tinopel überhäuft, eine Anzahl Mörser neuartiger Konstruttion wird erirariet, PferdetranSporte treffen bereits fest längerer Zell wöchentlich hier ein. und der Kriegsminister drängt täglich energischer in die Pforte, ihm die Mittel zur Anschaffung von 400000 amenkanischen Gewehren zu bewilligen. Diese RÜstun« fi find um so befremdlicher al» die Geldverlegenheiten der orte seit Jahrm nicht so drückmd warm, al« gerade jetzt. e öffentlichen Raffen find bt» auf den letztm Medschidie geleert; alle Behörden schreien nach Geld, aber sie schreim ver- gedm», denn die hohe Pforte befindet fich vollständig auf dem Trockmen. Au« diesem G-unde wurde auch vorgestem ein außerordmtlicher Mtnisterrath abgehalten. Wa« dieser be- schloffen und ob er überhaupt etwa« beschließen konnte, mt- zieht fich vorläufig noch der Oeffentlichkett. Man wird aber j'venfall« annehmen türfm, daß die Aufgabt, der gräßlichm Finanznoih abzuhelfen und gleichzeilig Mittel zur Fortsetzung der Rüstungm zu beschaffen, auch von dm vor leinem finan- ziellm Kunststück zurückschreckmdm Ministem al» unlösbar erllärt wordm ist. Rfi*«». Die Hoffnungen sener Jndustrim, die bei dem ch i n e s t> sehen Sriendahn bau bei heiligt find, wie jene weiter- gehenden Hoff-runaer-, welck« dm Nutzen der Eisendaimm im Güteraustausch mit dem Himmlischen Reiche schon tn Rechnung »ogm, scheinen wiederum zunichte gewordm zu sein. Mit außerordentliche� Hartnäckigkeit su-tl China die Einflüsse Europa» von fich fernzuhalten, und mit welchen Mitteln die» von jeher, besonver» aber um den Bau von Eifenbahnm zu verhindern, geschah, thellt I. N. Jordan tn einem inter'ffanten Artikel der Zeitschrift Nineticnth Century über»lodern Cluna" mtt: Der Boden de» himmlischen Reiche» ist schon einmal vom„Feuerwagm" durcheilt wordm. Vor etwa zehn Jahren hatte«in« mglischeFirma rinm schmalen Streifen Land zwischen Sdanghai und Woosung er worden, unter dem Lorgedea, zwischen dm beiden gmannten Städten eine gewöhnliche Fahr ftraße herstellen zu»ollen. Die lokalen Autoritäten drücktm ein Auge zu und so wurden, ehe die Regierung tn Peking Zeit zur Intervention hatte, statt einer Chaussee Schienenaelrtse IHK ks: Irr Chine, e wurde überfahren und fand so dm Tod. Die Einen behaupten, daß dieser Mann für den Selbstmord direkt ge- dungm wordm sei; Rmschmlebm find tn der That tn China stärk» werde, und sie hatte im Laufe der Zahre ein» so stark» Siafluh auf die Mutter Hngo'S gewonue». daß der lunge Man» wohl berechtigt war, sehr ernste Besorgnisse zu heg». Aber wie e« auch kommen mochte, von der Geliebt» wollte Hugo nicht last», er war«»schlössen, d» Kampf anfzunehm» und durchzuführ», und mit Zuverficht hoffte er, daß e» ihm geling» werde, alle Hindernisse z« über- wind». Er bewohnt« mit feiner Mutter die zweite Etage de». selb» Hause», in dem de, Rentner Gottschalk wohnte, und al« er die spärlich beleuchtet« Treppe hinaufstieg, begegnete ih« die Tante, die eint» Ausgang mache» wollte, um einig« Bedürfnisse einznkausm. „Dn kommst ja heute so früh heim," sagt« sie in spitze« Ton«h und über ihr harte» Seficht glitt dabei ei« spölttscher Zug,„wir find da» nicht mehr gewohnt." „Zch wüßte nicht, wa« Dn darin Befremdende« find» könntest," erwiderte er, ärgerlich über d»»»freund. ltch» Ewpfang,„ich hatte heute Abend keine Lust, d» Klub zu besuch»—* „Dn Klubs Solltest Du dort stet« die Abend« zu» gebracht haben? Zch glaube, wir wissen e« bester. Dein« Mutter und ich: e» ist nicht« so fein gesponnm, daß e« nicht an die Sonne käme. Taut« Rest war mit dies» Worten an ih« votbeige» geschrittm, und einigermaß» beunruhigt trat Hugo gleich darauf in die Wohnstube. Wa» konnte seine Mutter wissm? Er hatte bisher sein Gehennniß mit keiner Silbe veirath«». und doch ging au« d» Aeußernngcn de, Tante hervor, daß st«, wenn auch um theilweise, davon uuterrichtet warm. Da war e« besser, er wartete nicht lange, biß die Mutter eme darauf d» züglich« Frage a» ihn richtete, offm und ohne Rückhalt betichtete er ihr seine Verlobung. Er erzählte ihr, wie er mit Gretchm bekannt gewordm war und wie er von der erst» Minute an sie geliebt hatte, er schildert« ihr die anmuthige Schönheit, die Liebenswürdig- kett und alle Tugend» de» Müdchev», er sprach die Uiber- i käuflich, und die Ausficht, daß der ganzen Familie Geld und Ehrm zu TheU werden sollten, hätte wohl den«inm oder dm andern armen Schlucker zu einer ähnlich» Thai veravlaffm können; Andere glauben nur an rinm unglücklichen Zufall. Jedmfall» wußte die chinestsche Regierung den Vorgang aus» zubeuten. Der malisch« Jngmieur wurde weg» Morde» an« gellagt, und auch die Gesellschaft wurde verantwortlich gemacht; die Schwierigkeitm, die fich dem Betriebe entgeaenstrlUm, wuchsen schließlich so, daß die Gesellschaft gegm ein« bedeutend« Entschädigung stch bereit erklärte, die Linie der chinefischm Regierung zu übergeben. Kaum war der Lesttzwechsel ringe» rieten, so wurde der Betrieb eingestellt, die Schienen auf» gerissm und da« rollend« Material hinüber aus die Insel Formosa gebracht, wo e» jetzt zu Grunde geht. Da» ist die Geschichte de» erstm Eisenbahnbaue» tn China. Vor einiger Zeit hat der„Tmips" nun die Nachricht gebracht, daß unter» nehmende Amerikaner tn dm Gärten de» kaiserlichm PalasteS zu Peking aleichfall» eine Eisendahn gebaut haben: e« war aber nur eine Mintatm-Eisenbahn. Durch geschickte Unter« Handlungen war e» den Amerikanern gelunäm. dm Hof für dm Dampfbetrieb zu interesstren, und st« erhieltm so schließlich die Erlaubntß, da» Wunder tn den laiserlichm Gärt» zu gen. Man baute eine Eisenbahn in den winzigsten Ver» ltniffen, und Hofdamen und Kammerherrm sollen fich auch thatsächlich an dem Feuerwazen belustigt und ihn mm Staun» der Höhiren Hofchargen selbst benützt hadm. Allein der er» hoffte Erfolg blieb doch au». Nach einiger Zeit kam der Befehl, die Eismdayn wieder zu entfern», und«i scheint al!o auch dm Amerilanern nicht gelungm zu sein, dadurch Propaganda für den Eismdahndau zu mach», daß man zunächst den Hof zu gewinnen suchte.— So lieg» die Verbältnisse im Augen- blicke, und bei dem konseroatiom Czarakrer de» chinefischm VolleS ist schwer abzusehm, wann eine Wandlung eintreten wird. In Birma wurden die Engländer noch immer hart be- drängt. Ninryan soll von dm..Rebellen" delagert werden und 7000„Freibeuter bedroh» Uananyoung. Gerichts-Jettmtg. Bierzehu Kreisprewuugeu erfolgt» gestern tn 22 Straf- fachen, welche vor der 94. kdrheilung de» biestgm Schöffen- gericht» verhandelt wurden. Die» ist in der That ein Resultat, welche? zu vedenlm Veranlaffung giebt und dahin tührm sollt«, mit der Erstattung von Anzeigen mit größerer Vorstcht zu Werke zu gehen. Von dm mtt Frei-vrechung erledigt» Prozessm wollen wir über zwei besonder» kurz berichten. 1. Der Buchdrucker eibefitzer Adolph C�ki war beschulsiz-� den bei ihm in der Zeit vom 8. April bil 16. Mai c. drscha>tig!en Schriftsetzer Benvt»ur Orttlranlenkaff« nicht angem-ldet zu Sden. Der Angeklagte legte zum Nachweise der prompt er» Igt» An- und Abmeldung da» QaittungSbuch de» Bendt vor. Der alt Zeuge geladme Kassenrmdant Jllig erkannte die Richtigkeit deffeldm an und mtschuldigt« stch damit, daß d:m Kassenvorfiand, der ihn zur An�igeerstattung aufgefordert hatte, da» Lersehm zur Last falle. Da» Gericht hatte mtt dieser Sache «bmso wenig behelligt werden sollen, wie der Anacklaatc, welcher in Folge diese» V-r sehen» doch mehrer« Stund» seiner kostbaren gett vrrsäumm mußte. 2) Der Kutscher B., welcher zu einem Neu- bau in der Lüneburgerttraße Ballen gefahren hatte, war beim Umkehren bit zum Nachdarbause auf dem Trottoir entlang ge» fahr» und de« halb wegen Verstoße» gegen da» Straßenpoltzei« Reglemmt unter Anklage gestellt worden. Im Termin wurde aber sowohl durch dm Be- al» durch rinm Entlastungszeugen bekundet, daß stch zwlschm Ncudau und S'.raßmdamm«tn« Böschung befand, die der Wagen de» Angetiaat» nur mtt p roßer Gefahr für Pferd« und Wagen hätte passtren können. Der Gerichtthof de gründet« die erkannt« Freisprechung damit, daß für den«ngeklagt-n ein Rothstand vorhandm war, der sein» Verstoß gegen vi« Vorschriften der Straßenpolizet straf» lo» mache. Höchsten» lönnle et nch um eine Entschävik..n� de» Nochbar» im Wege de» Ztoilprozesse» handeln, wenn Vor» lehrungen zum Hinunterfahren auf dm Sttaßmdamm möglich gewesen sei». „Sie find Bnchbinder und Hundedresseur?" fragte der Vorfitzend« de» Schöffengericht» vm Angeklagtan, welcher fich wegen Brirug» zu verantwortm hatte.— Angekl.: Jawoll, erscht Hab' ick Buchbinder jelernt, Hab' die janz« Lttteratur je« bunden und bin denn doch uff'n Hund jekommen.— Vors.: E« geht Ihn» schlecht?— Angel.: Miserabel, och det Hunde- jeschäii i» dem Deibel zu schlecht. In Holland, da war et fieilich'ne andere Sache.— Vors: Ihr Wirth dehaupiet, Sie hättm ihm vorgespiegelt, daß Sie von der holländisch» Re» gierung eine Pmfion von 150 Thalern beziehen, und durch diese Angade sei er veranlaßt wordm, Ihnen ein« Wohnung zu vermiethm.— Angel: n scheme» Land det Holland.— Vors.: Sind Sie überhaupt je in Holland ge- wesm?— Angekl: Wat? Ick soll nich in Holland jewesm find? Na, det i» jut; ick nich in Holland jewesm k Nee, so wat. Ick had dort lange jmug meine Knochen zu Markte jetragm, frag» Se Wo» de Rejirung.— Vors.: Wa» zeugung au». daß er an seine« Leben« find» werde und Mutter. lFortsetzung folgt.) ihrer Seite da» Glück bat um den Segen der Au« Knust und jede«. Der«tesendampfer„Sreat Eastern", welcher seiner Zeit zur Legung de« trantatlanlilchen Kabel» benutzt wurie, wird, wie man auS London derichtet, demnächst in einen schwimmenden Ztrku» nebst Theater umgewandell werden und iarnmilicbt Haupthäfm GroßdrttannimS besuchen. Der neue vesttzer de« Schiffe», Mr. Edward de Mario#, verspricht sich hiervon beveutmden G.'winn, und um die Vorstellung» an Bord de» Dampfer» so anziehmd wie möglich zu mach», hat er dm bekannt» Zirtutdireltor Holland mgagiri. Da» Riesen» schiff wird seine Rundreise im Oktober anriet». Entzifferung haU verkohlter Dokumente. Verkohlte Bücher und Akt» auseinander zu nehm» und so herzurichlm, daß ste wieder zu gebrauch» sind, ist eine schwierige Aufgabe. Aus dem im Jahre 1871 verbrannten Stadthause von Pari» fand» fich Bände der wichtigst» Dokumente tn gleichmäßig nerkohltem Zustand«, so daß ste einem dicht» vetkohttm Holz- blocke glich». Jeder Versuch, die einzeln» Blätter zu trenn», mißglückte ansang», bi» ein Gerichtsbeamter da» Kittel mt» deckte, welche» zum Ziel« führte. Er schnitt zuerst den Rückm der Einbände weg, so daß die Blätter wetter(rinm Zusammenhang hatten, tauchte da» Ganze in Wasser und setzte e» sodann an der Mündung eine» Heißiuftofen» der Wirkung de» heiß» LuftstromeS au». Durch da» rasche Verdampfen veS tn dm Zwifchmräumen der Blätter mthaltmen Waffer» löst» fich diese von selbst und tonnten— natürlich mtt Anwendung der "ößten Behulsamkeit— von einander getrennt werdm. Die ichrilt tritt auf allm diesen Blättern in einer eigmthümlichm Matttgkett auf glänzend schwarzem Grund« hervor, so daß«tn solche» Blatt dm Anblick von Sammtverrielunoen und Atlai» arund darbot und leicht entziffert werdm konnte. Gegen 70000 beglaubigte Dokumente find nach diesem Verfahr» ge» rettet worden._; Ä" Ä sää inVrJÄS äAä: einem Taschenmesser in« Herz und war auf der Stell« todl haden 6k denn bot! sevacht?— Angell.: Ick war im Kriegs- dienst und Hab' mir bei die Schlachten so auijeteichnet, vet sosar die Kinderkeni rff mir Heldenlieder jesungen haben.— Bors.: Schlachten in Holland?— Engest.: Ratierlich. Det waren Schlachten, sage ick Ihnen, fragen Se dloi die Re- steruna. So«at kommt in die jan» Welljeschichte nich wieder, wie wir die Seeräuber vertobakt haben. Ick had' alleene'ne janze Maffe von in Jmnd gebohrt, fragen S« blo« die Re« sierung.— Vors.: Waren Sie auf etnem Schiff bedienstet?— Engest.: Wie et jerade kam, bald war ick zu W.ffcr, bald war ick zu Lande, aber merschtendeelZ immer schneidig,'n sojenannter verfluchter Kerl.— Vors.: Beziehen Sie irgend eine Pension? Engest.: Ick sollte woll eene bekommen.— Vors.: Aber Sie bekommen keine V— Angell.: Verdient hätte ick ihr, fragen Se blot die Rejlerung.— Vors.: Damit der Wirth Ihnen dt« rückständig« Mtethe stund, haben Sie ihm geschrieben, daß Ihre Mutter in �ranzöstsch-Buchholz gestorben sei und ein Bauerngut hinter« laffen hätte, Sie de kamen ein Erbtheil von 8000 Thlr. Wai ist daran wahr?— Enge IL: Ick war dazumal bei Muttern. det ii wahr.— Vors.: Die Mutter befitzt aber keine 8000 Thaler?— Engest.: Mit die Dahler« ist et so'ne Sache.— Vors.: Und die Mutter ist auch gar nicht todt, sondern lebt noch?— Engest.: Jott sei Dank, se lebt in Französtsch-vuch» holz, fragen S« blo« de Rnierung.— Der Engestagte wurde wegen Betrüge« zu«wem Monat Gefängniß verurtheilt. soziale» twd Arbeiterbewegung. Gegen die Aachvereine richten fich nicht mit die Polizei« Organe, sondern auch und zwar mit besonderer Gehässtgkeit die Unternehmer. So haben, wie wir schon berichteten, die Mit« glieder der Liegnttzer Tischlerinnung sich bei ihrem Ehrenwort und bei Strafe von SO M. verpflichtet, keine Gesellen zu deschästigen, welche den Fachvereintn angehören. Da« heißt mit dürren Worten, die Jnnungsmeister beschlkßm die Vernichtung verschiedener wirthschaftlicher Existenzen, well die« selben eine andere sozial- politische Meinung haben. Wenn Er« better fich vereinigen, bei irgend einem politischen Gegner leine Einkäufe mehr zu machen, dann fällt man sofort über dieselben her, spricht von Unduldsamkell, Terroritzmu«, man erklärt diese Handlung«wtise für ein Boycotten schlimmster Ert und ruft die Polizei um Hilfe an. Wenn hier aber eine Vereinigung von Unternehmern solch« gehässtge vischlüffe faßt, wenn solche Innungen den Klaffenhaß mit aller Gewalt schüren, dann stehen die Vertrete, der herrschenden Preffe und der herrschen« Macht mit verschränkten Ermen dabei, al« wenn nicht« Un- rechte« geschähe. Durch solche Beschlüffe sowohl, al« auch durch da« dabei zur Schau getragene Verhalten der Vertreter der wirthschastlicken und polllischm Macht wird die Erbitterung in den ArdtUerkreisen viel mehr geschürt, al« durch sogenannte auireizende Reden„hetzender Agitatoren".— Wir aber de» dauern solche Gehässigkeiten, weil durch dieselben die Endahnung vernünftiger Sozial- Reiormm äußerst erschwert wird. OrttkrankenkasseN'Destzit«. Euch die Ottskranken kassm de« unterm Kreise« Solingen arbeiten fortwährend mit Unterbilanz. In einer am 20. d. M. in Opladm stattgehabtm Versammlung der Vorstände der Orttkrankmkaffen von Opladm (Stadt), Opladm(Land). Burscheid, Langmsrld, Reukirchen, Monheim, Leichltngm. Lützenkirchen, Steinbüchel und Schlebusch wurde hervoreehobm, daß nur durch eine beständige Zuschußpfltcht der Gemeinden die genannten Kassm weiter existirm können. Unter den jetzigm Verhältnissen würden die Ort«krankenkaffm zu Grunde gehen. En der ganzen Misere sollen aber, nach dm Ausführungen der Herren Vorstand». mttglieder, in erster Linie dk„freien Hilf»laffm", sodann die Eerzte und Apotheker schuld sein. Die Tadattindnstrie liegt nach dem Berichte der Han« delskvmmer zu H a n a u im dortigm Bezirk schwer danieder. Bei der Zigarrmfabrika ion wurden übertriebene Ansprüche an die Ausstattung g'wacht, wodurch die Herstellung fich ver- t heuerte. Die Löhne seim, wenn auch nicht spezkll im letzten Jahre, so doch in dm letzten fünf Jahren noch wetter zurückgegangen. Die furchtbare Depressto«, von welcher dk deutsche Segels cht fssrhederei, besonder« in dm Provimm Pommern und Preußm heimgesucht ist, wird in dem 188Srr Jahretdericht der Handeltkammer von Stralsund folgendermaßen zum Ausdruck gebracht:„In den Provinzm Pommem und Preußm waren vorhanden: 1875 946 Segelschiffe mit 283 395 Registerton». 1885 597„.. 174346 und ist also hier die Segelflotte um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Ungeheure Kapitalien, die früher, großen Ge- winn bringend, in dm Schiffen angelegt warm, find jetzt al» beinahe total verlorm zu betrachtm, dmn beim Verkauf de« Schiffe« wird, wenn überhaupt ein Gebot erfolgt, nm sehr wenig erzielt und andererseit« ist der Frachtmstand so, daß bei den meisten Reisen kaum dk Unkosten gedeckt werden und nur seltm zur Affekuranz und wett seltener zur Verzinsung de» angelegt«! Kapital« etwa« übrig bkibt." Si« weißer Rabe. Der Vorstand der Hamburger Schmkde-Jnnung erllärt,« werde fich bemühm, dk Sonntag«. ardett gänzlich zu beselligm. Dabei fordert er alle Auhrwerkl« besttzer aus. ihiersell« diese Bestrebungm zu unterstützen. Auch die Korbmacher wolle« möglichst wenig«ou- kurrenz. Aus dem ersten Verbandstag deutsch« Kmdmach«- Innungen in Berlin ging man dem Haustrhandel m«aisch zu S» wurde beantragt zu beschlkßm, an den Bundesritth dahin vorstellig zu w«dm", daß denHaustrem nur da gestattet werde, ihre Waarm feilzubieten, wo nachweislich ein Bedürfniß vorliegt, und wo nm im Haufirhandel Korbwaaren zu hadm find, und daß nm solchen Personen da« Haustren mit Kord waarm gestattet wird, die durch körperliche Gebrechen ander- weitig an einem Slw«b gehindert»erden. Im weiteren fordert die umfangreich« Resolution, daS Haustren nur im Herumttagm der Waarm zu aestattm und dm Wag«nv«kehr dm Haufirern zu verbieten. Dk Resolution gelangte zur ein« stimmigen Annahme. vom Dresdner Töpferftreik. ES verlautet, daß dk Lage d« streikenden Töplergehllfm«ine unverändert fute ist. Die Abmachungen pvischm Meistern und Gsellen find di» jetzt von Erfolg nicht begleitet gewesen, obgleich dk Meister- welche ursprünglich auf teinnlet«rhkbung d« Löhne eingehen. vielmehr vom 1. d. M. ad selbstständig einen Tarif dm Ge« Hilfen aufzwwgm wolltm— bereit« zu 15 pSt. Lohnerhöhung «ch verstehen wolltm- Die Gesellm verlangen aber 20 pCt. und hoffen, der gegmwärtigm Konjunktur entsprechend, auch damit duich'udrückm, zumal der Unter stützung«fond ein au«« reichmdn ist und ein gut« Theil d« Strellmdm in direkten Erbeit«' und Lief erringt kontratt mit dem daumdm Publikum einstweilig getreten ist. Der Streik dauert nunmehr vi« ��«rb'iterentlassunge«. Die jüngst gekündigten 400 Er- b«»« der Dortmunder„Union" we�en am 7. August mtlaffen. Da nun auch andere groß« Etsmw«k« demnächst AMA» worden. Mermischte». Brand in Kanton. D«„Wes« Ztg." wird au« Kanton. 15. Juni, geschrkdm: Die chinesische Bevölkerung Kantons ist sett heute früh in furchtbarer Aufregung; e« brmnt in d« „Chinese City". Für Jedm, d« eine chinestsche Stadt— und spezkll Kanton— jemals gesehen hat, sagen diese Work genug. Diese engen, luftleeren Straßen, diese tneinandergepreßten Häuser, welche zum größten Theil mit brennbarm Stoffm Überladm find, muß man gesehen hadm, um fich die Gefahr »«gegmwärtigm zu könnm, welche ein Brand für die ganz« Stadt mit fich dringt. So find dmn auch gestern in wenigen Stunden ca. 150 Häuser vom Loden gesmgt. Ein wahre« Glück noch, daß wir Landwind hatten, der die Flammen nach dem Waff« zu trieb; im umgekehrten Falle wäre höchstwahr- scheinlich ganz Kanton jetzt nur noch eine Trümmerstätte. Die Ursache des Brandl« ist wohl darin zu suchm, daß an dem gestrigen chinefischm Freudenfeste vor jedn Hausthüre zahllose Schwärm« und Kanonmschläge abgebrannt wurden, eine Sttk, die schon manche« Hau« in China eingeäschert hat. D« Schauplatz d« Feu«sbrunst ist fast ausschließlich in dm ärmeren Vierteln, deren unglückliche Bewohn« bei d« Schnelligkeit d« Katastrophe fast nichts ge- rettet haben, als ihr werthlose«„Helligthum", ein kleines, rohes Holzkäfichm, ähnlich uns«m Puppenfiufen, mit Blumm und Goldpapin dekorirt.— In diesm Kästchen w'rdm täglich einige K«jm abgebrannt, einige Rävfe mit Thee und ReiS dem Gotte dargeboten, vor ihnm kniet d« Chinese täglich mehme Male und murmelt seine Gebete. Sowie dk «stm Flammen empor schlugm, bot fich in dm höchstms fünf Fuß breitm Gaffen d« 1'/« Millionen Einwohner bergenden Stadt Kanton ein ähnlich« Anblick, wie in den Gängen ein« gestörten Ameismkolonie. Schreiend und gestikultrmd räumtm die Chinesm alles irgmd Werthsolle au» ihrm Wohnungm aus: Kistm und Kasten, Ballen und Säcke auf den Schultem, rannten sie ins Freie. Dort führt eine alle Dknerin eine gepuderte und geschminkte Schöne, welch« auf ihrm v«trüppellm Füßen fich kaum auftecht hatten kann, während hier ein kräf- liger jung« Bursche in einem Em eine Kiste, im anderen seinm alten Vater, fich mühsam dm Weg durch die wogende Mmge bahnt. Dk Mandarinen, begleitet von ihrm Soldatm, lassen fich von ihren Vorläufem mtt krästigm Stockschlägm den SLeg bahnm und laufen in höchster Angst kopflos umhn; find e doch, fall« ein Diebstahl od« and«e Vnbrechm vorkommen, mtt ihrem Kopf für dm Thäter haftbar, bis fie dm Unbekannten erwischm. Wied« regnet e« Stockschläge auf die nackten Arme und Beine und eine Spritze wird von dm Kulis im vollm Lauf« h«angeschobm: im Nu find dk Kanäle in den Straßen aufgeriffm, da« Waff« daraus wird in die Spritze geschüttet, an jed« Seite derselben ream fich zwanzig kräftige Arne und d« Strahl fällt zischmd in die v«h««mde Fluty. Uebrigm« ist dk chinestsche Feuerwehr ganz ausgezeichnet organistrt, und wmn auch nur Handipritzm im Gebrauch find, so ist die En«gie und Umstcht d« Führ« und Spritzenleute nur anzunkmnen. Um 12 Uhr Mittag« hatte das Fat« seinm Höhepunkt«reicht; eine mächtige Fm«säule züngelte am Himmel, knattemd darstm dk Batten, krachmd stürztm die Mauern und Dächer zusammen, gewiß manchen Bewohn« unt« fich degrabend. In unglaublich kurz« Zeit»arm sämmtliche Gebäude zwischen dem Ausgangspunkt des Brande« und dem Strom vernichtet, dk Landungsbrücke wird bald v«- kohlt, einige d« zahllosm„Sampans", welch« in Folge der Tide seststtzen und nicht foitkönnm, fangen Feuer, doch bald ist auch hi« die Gefahr beseitigt und alles athmet auf. Um dm dösen Feu«geist gänzlich zu vnschmchm, w«dm von neuem Schwärm« entzündet, wüthend schreien die amen Kuli« auf dt« hald«sttcktm Flammm ein, die veschädigtm starren mit gkichgtlltgem Fatalismus auf die Reste ibr« Hab«, keinen einzigm jedoch habe ich weinm gesehm.— Momentan packen die Chinesm Wied« ein, das Geschäft geht wieder seinm alten Gang, namentlich haden einige spekulative LImonadmverkäufn bneits wieder recht guten Absatz. Die vor»migm Stunden noch in höchstm Aengftm schwebenden Händkr rauchen mit demselben Gleichmuch wie Tags zuvor ihre Pfeife, bis ttef in die Nacht knattem dk den„F«u«gott" scheuchenden Schwärm«, dk Aufregung des Tage« ist schon«tgeffm. Weiderschau ,« Pfingsten tu Rußland. Lange Zell — d. h. bi« w dm Anfang unsne» Jahrzehnt«— walle« eine Sitte in St. Petersburg, dk m m nur al« ein Ueberdleibsel au« einem rohen gustano de« gesellschaftlichen Ledms bettachtm kann; wir meinen nicht« andere«, als eine Schaustellung d« heiraihsfähigm Frauen und Mädchen vor dm Augen d« heirathtlustigm Männerwelt.— Bei dies« Weiberschau ging es in folgend« Weise zu: Am Pstngstsonntag Nachmittag war d« Sommer gartm in St. Petersburg ganz gedrängt voll von Junggesellen und Mädchen, die fich nach Fraum resp. Ehe« männern umsahen. Dk Mädchen hatten dazu ihren besten SM.EyW- Bündel filderner Theelöffel, ein großer stlbem« Kochlöffel od« kgmd ein andere« luxuriöse« Stück au» d« Wirthschast wird in absichtlicher Weise in der Hand gehalten, al« handgreiflich« Bewei», daß das Mävchm ihrem Gallen etwas an Werthgegenständen mttbrinat. Di« jungm Männ« ihrttsell«»«fehlen nicht, sich das beste AuSsehm zu geben. Dk Mädchen find begleitet von ihrm Eltem od« von einem andern älteren Mttgltede d« Familk, damit alle» mtt An« stand vor fich geh«. Hin und h« schlmdem gemächlich dk beirathslustigm Junggesellm und beguckm prüfend die Madchen, bei denm fk vorbeikommen. Hat ein Mann einm günstigen Eindruck von irgend einem M erhalten, so wendet« fich keineswegs direkt an dm Gegen« stand seine« Wohlgefallens, sondern e» erfolgt erst eine kleine derathende Unterredung mtt ein« älkrm Person, gewöhnlich ein« Frau. Er sagt ihr seinm Nomen, Wohnort, Stand;« gkbt eine kleine Uederficht sein« Habe. Er kgt seinerseits verschiedene Fragen vor, von denm eine fich sichnlich aus dm Betrag der von dm Sttnn de» Mädchen« zu«wartenden Mtt« gist bezieht. Die Fra-,, mtt d«« fleh in dies« V«handlun- gm eingelassen hat. ist oft aar keine Verwandte de» Mäd« Ken«, sondern eine Art von Heirachsverrnitilerin, entweder au» Freundschaft für die ein« der bethelltgtm Parteim od« für bestimmte Sporteln. Wenn dk deidersettigm Nachwette unbefriedigend find, so wird augmdlicklich noch nichts mtschiedm So mag«» kommm, daß dasselbe Rädchen viek vewund«« anzieht. Am Abend w«dm Familienderathungen gehalten und die Eusfichtm geprüft; dabei betrachtet man ruhig die An«- bietungen jede« Junggesellm. vor allem die wichtige Fraa« Ä f% fÄSSg'Ä Eine kurz« Benachrichtigung wttd dm Manne gesandt, deffm suchten Biäutiaam. v HC Da« größte Aerngla« der Welt. timore schreibt:„Obgleich die Bund«»«�_____ SäHSSä.IS Ä-ÄZ« ausge- D«r„D.C."inBal. HM gehalten hätte. D« kalifomische Millionär Lick hat 700 0* Dollar für Gründung und Ausstattung ein« Ster» warte hintnlaffm und gewünscht, daß da« größte un« beste Teleskop, welche« nur hergestellt w«dm kann, dafür a» geschafft werden soll. Dm Konkav erhiell Alvan Clark v« fünf Jahren. Nur eine ftanzöfische Gla»fabrik war im Stande, die Glasscheiben zu liefern; ad« erst nach zahlreichm mv glückten Versuchen gelang es, zwei fehlerfreie Linsen zu liefern, von denm jede dm hübschen Preis von 25000 Doli, kostet. Nun ab« kam das Schleifen. Diese« ist so schwierig und zest« raubend, denn es muß fast ausschließlich mit d« Hand, d. t- den Daumen geschehen, daß ein Glas Jahre zur Vollmdunt «fordert. Beide Linsen find jetzt nahezu fertig. Die Gläio werden in einem Stahlrohr von nahezu ein« Nrid Durchmessa und 57 Fuß Länge eingesetzt- Man glaubt, daß diese« neu« Teleskop den 24 000 Metten entterntm Mond auf eine au�nv scheinliche Entfernung von nur 100 Meilen nah« rückt Sternwarte ist auf Mount Hamilton in Santa Clara Coumh in California errichtet und kann im nächsten Wmter bezog« werdm. Da« besagte County hat e« sich 78000 Doli, kost« laffen, um einen hübschen Fahrweg bi« zur Spitze de« Berge» anzulegm." St««««es Telehho« hat Dr. Lucim C. Rose von «sunden, mittelst dtffen man sich angeblich aus eine Ent> fetnung von 2000 Meilen hin unterhatten kann. W Rose hat fich v«geblich bmüht, ein Patent auf diest sein« Erfindung zu erhaltm, da die Bell TelephA' tompagnie dieses Bemühm onettelk. Der Erfind« will st» nun nach Schweden begedm, um dott seine Erfindung patmtire» zu laffm. Der Hund vor Gericht. In einm uns«« thüringii«� Wochmblätt« defand fich,«zählt dk„Dorf Ztg.", dies« folgende» Inserat:„Allen denm zur Warnung, welche ihr« Hund« mtt aus da» Feld nehmen, ist eine gesetzliche Sttase vo« 30 M. gesetzt. W« un« eine Anzeige, daß ein« seinm Hunt mtt auf das Felv nimmt, od« ein Hund henenlose herua» läuft, so namhaft macht, daß wir denselben aerit'' lich belangen können,«hält eine gute Belohn� mit Verschwiegenheit seine» Namen«,—feto,.... H Die Jagdpächter. Kleine Mittheilnngen. A« a. d. Steg, 27. Jutt. Bei Ausüdung ihres LtlM Schutte hnvorgezogm. Ein neu« veitrag Rtfiko d« Ardett«! Czegedin, 26. Juli.(Ein blutige« Kirchweihfest.)** dem gest«n stattgehabten Kirchweihfest« in der benachbart Ottschaft Gpala fanden bedaunliche Ausschrtttungm welche dm Tod drein Mmschm und eine schwne VerwundM zur Folge hatten. Da« Blutvergießm entstand dadurch. dk Gendarmerie einm Baurmburschm, welch« fich AuSschrettungm zu Schuldm kommm ließ, verhaftete und � dm Arreste d« Gendarmnie detmitte. Die Gmoffen% Burschen beabsichtigten, den Häftling zu beKeim und stünv«? dk Gmdamettekaserne. Dir Patrouillmführ« fordette d« Bmschm wkderholt auf» fich zu entfernen, doch blieb die« oo* Erfolg, so daß derselbe von d« Feuerwaffe Gebrauch Der Schuß tödtete einm der Anstürmmvm; ein zweiter schwer vnwundeL Hinauf warf fich ein ganz« Voltsh� auf dm Patrouillmführ« und«schlug denselben. Unttt»«�? floh d« zweite Gmdarn nach dm Gemiindehause und 1% fich daselbst ein, doch auch dks« konnk nicht mehr sein Ss-f retten, da man ihm nachttlle, die Thür«brach und ihn«%,' fall» todtschlug. Dk Leithen der beidm Gendarmen, durch Schläge und Stiche fmchtbar ,ug«ichttt flnd, heute nach dm Mllitätspttal überführt. Gegen dk wurde die strengste Untersuchung ttngelettet.. Wien, 26. Juli. Schon wied« hat fich auf dem glockn« ein Unglücksfall mtt tödtlichrn Ausgang ttetgv Diesmal ist r« eine Touttftin, welche dem Bergsport Opf« flel, Pauline v. Sonklar, eine Tocht« de« delavn Alpm-Ettorschn» v. SonUar. Eine Gesellschaft von Herren und zwei Damen, worunkr ebm die Vnunglückk, gefktn ftich Morgen» von Heiligenblut aufgebrochen, um ttv. jener Punve aufzusuchen, von dmen au» fich ein Eusdii? dm Großalockner darbiettt. Diese» Ziel wurde ohne um* erreicht. Nachdrn man fich an dem großartigen Bilde seb«n. ward der Abstieg über die sogenannte Geislucke i» � M MtMASeZ diese» Wege« mach» � mehrnen schweren Wundm am«opfe und gebrochenen maßen todt aufgefunden wurde. Die Gesellschaft brach»/ *-"|j*■*,-w v•------ � 1 Vit QV GH Gl w« lAb«« V#„ i Leiche d« Verunglücktm gegen 10 Uhr Abend« nach H��S dlut, wo sie in d« Gemeindestube aufgebahrt wurde- tfi aani UnfllaiibliHb. bn# ArATtbf. jnuocfüirx— nn airje seu ote �roe Dftn, lwon mwv»* � gefährliche Partk ohne dk nöthigm Vorsichtsmaßregeln nommm wndm konnte, dmn andn« kann nach deM� liegmdm kurzm Telegramm d« Unglücksfall nicht gt� werdm. � Wie«. 26. Juli.(Beim Manöv««schoffen).% fchtriM b«„R. Fr. Pr? au» Jägerndorf. 24. Juli. U hkfige Bataillon det �ifanterie-Regiment» Nr. 1 war Abend« zu einm Nachtmanöv« au»g«ückt, welche«� traurigen Abschluß fand. Auf dk unt« dem Kommando_ Kotpoial« vannert stehend« Feldwache wurde«in EnMA macht und hierbei ein Infanterist im Bein durch einen verr�det. D« Vnwmrdek«stattete sogleich dk MZe« hierüber. In Folg« deffm rmird« da« Manöo« abgebest und die Truppe kat den Rückmarsch an. Im nächsten MHZMZÄ abgefeuert hatte, wmde dish« nicht mtdeckt. � » LNÄ? rs. .' wuuicn Lnuu/n Uli w.. nahm nun selbst Landuurn ein, um die Bauern�.�. �fzu Jrrthum zu überzeugen. Elle Bemühungen, b»»* rfttg«i klaren, warm rergedlich und die Gmdarmerie mu«> um daS Lebm d« Eerzte zu schützen. El« diese da�� unt« Eskorte»«ließen, wurden fie mtt Pfeifen würfen empfangen. V«antwortUch« Redaktem IL«ronh ei» te Berlin. Druck und««lag von«ax BäbinTk ««lin 8W„«euthftraßa 2. Hierzu ei»« Seil"� loil«oc Beilage zum Berliner BolNlatt. »r. 173 Freitag, den 30. Juli 1886« III Mßö Die Uiirrhell in Amsterdam. Et wird schwer halten, die Wahrheit über die Tumulte g Amsterdam festzustellen, da die dü'g'rltche Preffe derartige �sttedenheiten systematisch falsch darstellt, um ihr Auftrelen die Arbeittlilasse damit zu beschönigen. Da unS jedoch «wie Quellen nicht zu Gebot« stehen, so bringen wir nach- '%nd den Bericht det Amsterdamer„Allg. handeltdlad". Attest» am vorigen Sonntag— heistt et hier— Si Anwohner der.Linden gracht" ein Fest organistrt, ?' n Sickliufen bestand, und da», da et ja ganz unschuldiger «y ist. oon der Polizei gestastet wurde. Da die» so gut au»> !y'®urd« beschlossen, am folgmden Sonntag(25. Juli) auch I* i L�oi stialziehm zu versuche«' Aalzithen ist ein barbari- A" Vergnügen, dat, früher sehr beliebt, jetzt fast vergeffen Jr.wm bindet dabei einen dicken Aal unter den Kiemen AM Zeu, so daß dat Thier nicht lotzulommm vermag und et dann«och mit Seife. Das Thier wird inmitten zn." Traben» oder Kanal»(Gracht) aufgehängt und einige lck».n� unst Knaben versuchen dann in einem Kahn, der pftil- unten durchgerudcrt wird, et lot zu ziehen, wa» nicht !?> da der«al, jetzt glatter alt je, au» dm Händen .Dabei geschieht e» dann nicht selten. Gleichgewicht oerliert und' daß der Zieber ................... Halt über Kopf in« Wafftr stiü'», Thier leidet inzwischm unsägliche Qualen. ist zäh von Ledm und so scharf da« Tau auch so bald vermdet er nicht, sondern krümmt frfaer in allerlei Windungen um die Hände »1« w. Endlich aber zieht einer etwa» härter trenn? Vorgänger; der Kopf wird vom übrigen Körper ge< Vrei». dnjcnige, der die» vollbracht, hat den autgesetzten '»ewonnm. «W? fa®0nntoÄt nun legten etwa 20 Personm jeder einm wita»»»�n zusammen und man lauste einen dickm Aal, Uift 2 st Guldm alt Pcei» bestimmt wurdm. Die beiden ®wi fe»"�indengrachst' werdm durch drei Brücken verbunden, Zn die mittelste die„Sonnabendtbrücke" gmannt wird. twZl"tähe dieser Brücke fand das Aalziehm statt und Personm wohntm demselben bei. Da» Tau dm gegenüderltegmden Häusern 184 und 119 j'ifiC J"1 welch' letzterem ein Zimmer unbewohnt ist. Um »ei�'wn da»„Fest" und bereits hatte man drei Mal »°Sen,»ofest einigt Personm auch schon in'» Waffer Mm, alt zwei Polizeiaaenten dm valziebem ande« i �virl einzustellen. Diesem Befehl wurde keine k"»ie Einer der Agenten ging auf die Kammer im «i!.. �.und schnitt da» Verdindungttau lo», während r�ieg Verstärkung herbeiholte. Die Aaizieher ver» ihr Spiel fortzusetzen, indem ste da» M aCv* de» Taue» mit den Händm hielten. Alt � durch die inzwischen angerückte Hilfe ver- beÄl« kehrte die Menge fich gegen die Polizei, rr- in elnfi? o-n' welcher da» Thau lotgeschrittm, und warf " ,0««»-Wandelt muß,"««CTjSU&m*ieS vc"Ut andere»' M-Di« Zahl der Poli�iagenten wuch» durch je starker».°"°iertem requtrirte H lfe immer mehr an, "stk. Da» fl wurde, desto größer wurde auch die Volk». °U'gkdrocheft„�°st�nrslaster wurde an verschiedenen Stellm dosten, wod»?� d** Palizei Agenten wurden mit Steinen be Wichen �mster eingeworfen wurdm� In wurde. Ein fd, �.----------.von der Menge Die Stärke der Polizei konnte m auf einige hundert Agenten angewachsm »onntm. Sticht allein. i Wen warf, nein, man holte sogar - Ä-tss-S: S. konnten. Nicht allein, daß man mit Straßengar die Pfannen vom Dach .. ste und sogar einen eisernm ,.Die grauen trugen in ihren �dengracht zu«tränten versuchte. Eine Frau au» der Menge no$' Lethörten zur Raison zu bringm. Tslicklichet weise wurden die Gemüthn jetzt durch den fort. ?lernd sallmdm Regm adaekühtt und der Au'stand wurde Finger, wa» aber nicht verhinderte, daß die Polizei hier und .noch handelnd austreten und einige Arrestanten machen ' Wim»eldzen stch auch die bekanntm Sozialisten Eck- Rf«nb Meegen« befanden,- der letztere trug Steine bei 5"tio� � Agmtm und ein vrigadi« warm mehr oder NSS*- verletzt, ebenso hatten viele Bürg« Berwundungm «ik4-* 5"�« bm Steinregm, oder dadurch, W&Bsase« Haltung de» Pöbel« Besorgniffe einflößte. ..-- der Unruhen am ttär in Bereitschaft stch. lch«, die trotzige Haltung de« Pöbel« I 'onu1 istr die etwaige Wiednholun L'haite» S Vorlehrungm getroffm und SD �nocr'�••»vcngiuu?-___..___ w«»«� Ndtrtsch�oAAen. nicht Folge leistete, im Gegentheil eine auf- achtll» c«.»"ll annahm, so wurde da« Terrain von eini. lstst.? Husaren und mehreren hundert Infanteristen de» mS? und nach wuch« diese Macht auf etwa 600 Mann Dünner diese emstliche Permahnung blieb fruchtlos. Futh ba'|'�uen und Kind« begonnen in rasendem Heber, Mockt. k�pstast« aufzureißen und Larrikadm zu bäum. °?!Ä Mm u„h und von Dächern mit einem Hagel von °�k."no'---- ar hierzu au« d« iwwerm Stein au» einem Boven'mster einem L einem Bodenfenster einem Kavall«istm auf dm Kopf zu werfen: auch et sank, bevor er sein Porhabm ausführen konnte, tödtlich getroffen nieder. Der eigentliche Aufruhr begann um 4 Uhr Rachmsttag». Tausende von Menschen warm auf dm Beinm; die meisten schienen in böswill grr Absicht gekommen zu sein, denn fast das ganze Publituln nahm eine äußerst drohende Haltung gegen die hart bedrängte Polizei an. Um 6 Uhr langten etwa 200 Mann Infanterie unter Befehl eines Hauptmanns und 80 von einem Premierlieutmant befehligte vusarm auf dem Kampfplätze an. Sie desetzten sogleich den Noordermarkt und die Kreuzpunkte. Ali fich dann eine Abtheilung Infanterie in die BoomdwarSstraße wagte, wurde ste ebenfalls mtt Steinen empfangen. Darauf wurde nach einer dreimaligen Aufforderung ein leichte» Gewehrfm««öffnet, wa» anfänglich half. Bald ad« begann die Mmge von neuem mit Steinen zu werfen und nun wurde in kürzeren Zwischenpausen Feu« gegeben. Ein unbeschreiblich« Tumult entstand jetzt; da» Feuer hiett regelmäßig an, die Schüffe hallten durch die Straßen und übntöntm fast da» laute Wrhklagm und Ge- schrei der Aufrührerischm. Dmnoch wurde mit dem W«fen von Steinen fortgefahren. Hi« fiel ein Verwundet«, da ein Todter Nied«, die auf der Straße zurückbliebm, währmd die Menge in Verwirrung auseinanderstob. Einen Augmdlick spät« wurden die Leichm und Vttwundetm von Freunden in Handkarren nach dem Polizeibureau auf dem Noord«martt gebracht. Dann fanden zahlreiche Verhaftungen statt; einige d« Verhafteten hatten noch Steine in d« Hand. D« Hauptanführ« dn Steinwnf« b-findet fich dem Ver- nehmen nach unt« den Getödteten. Gegen 7 Uhr wurde aufs Neue Verstärkung abgesandt, und d« Ooerstlimtmant Simon übernahm dm Oberdefehl. Um diese Zell waren auf dem Polizeibureau acht Todte und eine noch größere Anzahl V«- wundete untergebracht. Gegen 8 Uhr wurde in d« Linden- dwaisstraße wieder mit Steinen geworfen, doch gelang es, ohne ,u feuern, die Menge auseinander zu treiben, welche stch in die angrenzenden Straßen flüchtete. Fortwährend wurden Meuterer arretirt und geraume Zeit glich der Marktplatz einem Schlachtfelde, wo unter dem dichten Gebüsch die Infanterie aufgestellt war, während ring* herum Husaren patrouillirtm. Spät« wurde beim Vertieibm d« Mmge au» dm anliegenden Straßen noch mehrmal« Feu« gegeben. Bei dies« Gelegen- hell wuide u. A. ein Artillerist wt haftet, der an dem Auf- stände Thell nahm. Während es nun auf dem Noordermarkt ruhig war, v«- größerte stch die Gefahr mied« auf dem Jordaan. In d« Anj-linstraße wurden die Husaren mit einem Steinregm empfangen; ste feuerten darauf vi« Salven ab, wobei«ne Person getöbtet und mehrere verwundet wurden. In d« Prinzenstraße drehten die Aufrühr« alle Latnnm au», v«. sperrten den Weg und rissen da« Straßenpflaster auf. Dm Nruzteriam, welche nicht unterlaffrn konnten, von ihren Fenstnn aus den Verlauf deS Kampfes zu beobachten, wurde angedeutet, die Fenst« zu schließm.»uck in der Tuinstraße wurdm Steine, Dachplannm, ja selbst Waff«eimer als Wurfgeschoffe benutzt; ein Infanterist«litt hi« eine schw«e Verletzung am Bein. Gegen 1 1 Uhr mußten die Prinzen« und Brourvers« gracht gesäubert werdm. Hierbei wurde wieder mit Steinen geworfen und durch drei Salom geantwortet. Daß die Menge stch nicht allein aufs Steinwerfen beschränkte, ging daraus h«- vor, daß ein Offizier einen Rrvoloerschuß und einPolizist einen M-fin stich in die Brust«hielt. Bei der letzten Salve wurden 6 Personm verwundet. Da in dem„Recht voor Allm" da» Volk aufgefordert ward, bei einem etwaigm Aufstand« die Bank nicht zu schonen, hatte derett» früh am Abmd eine stark« Wache vor der Nied«ländischen Lank Stellung genommen. Nach und nach wurde e» überall ruhig. Wohl blieb noch hier und da ein Trupp Neugierig« stehen, doch nur um nach einem kurzen Meinungsauitausch langsam nach Hause zu gehen. Die Infanterie und vte Husarm schlugm auf dem Noordermarkt ihr«ivouak auf. indeffm blieben die Truppen sowohl als die Polizei noch wachsam. Mit Au»nahme des Kampfplatzes und sein« nächstm Umgebung hotten die übrigen Stadtiheile ein ruhige« Anleben Die friedliebenden Bürg« d« Stadt waren fichiltck betrübt übet die traurigen Berichte, die schnell nach allen Gegenden »«breitet wurdm und in der Mitte der Stadt nur ,u deutlich ihre Bestätigung fanden durch die Tragbahrm. Krankmwagm und Handkarren, welche ihren Weg nach dem Krankenhause nahmen. Dort hatte fich ebenfall» ein« Schaar Neugieriger angesammelt, ebenso vor dem Palais, da» auch eine verstäikte Wache«halten hatte. Ran börte aber tved« laute» Vvrechen, noch Lachen od« Gelang, was unt« ge- wöhnlichen Umständen zu den Siamthümlichkeitm eine« Montagabend» in Amsterdam gebört. Bor dem Palai» «arm die»rtill«isten au» N-arden unt« Führung einig« Offiziere und Unt-rotfiziere mit gezogenen Säbeln aufgestellt. Um 1 Uhr NachtS setzten ste fich vor dem Palai« nieder, begafft von etwa hundert Nmgierigm, sonst ÄÄSWä: Ä2,«Ä auf ,u thun. um die B«wundetm zu verbinden und zu pflegen. Heut« Morgen wurdm die nächsten Verwandten btldm«er- mißten, kämm mtt angsterfüllten Herzen, um fich zu«kundigen. ob ihr Bat« od« Brud« im«cankmbeuse Aufnahme gefun- den hatte, und oft verrteth laute» Wehklagen, daß sie ihre Blulioerwandten unter den Getödteten gefunden hattm. Die Zahl dn von Pflastersteinm getroffenen und verwun- Veten Polizisten beträgt ungefähr vierzig, doch ist nur der vierte Theil von ihnen ernstlich verwundet und zur Zeit dienst- ""�Äm�Dienstag früh ist es auf den Straßen ruhig geblieben. E» kämm zwar viel« Neugierige zusammen, doch beugte die sSÄsasst einquartirt find, ist da» MrlUSr wiedn abgezogen, da man fich setzt zu haben. Im Laufe des Abend«, kam e» zu einigen un- bedeutenden Zusammenstößen zwischen der Menge und d« Polizei, doch genügtm Vi« die Straßm dmchztehmden Patrouillen, die Menge zu zerstreuen. Gegen 10 Uhr war die Ruhe vollständig wieder hergestellt. Im Garnen find bei den U-rruhm am Montag Abmd 25 Personen getödtet und gegen 90, darunter 40 Poltzeibeamte, verwundet worden. Kommunales. Die Stadtverordneten-Wählerliste« liegen nur noch heute von 9 Uhr Vormittag« dt» I llhr Nach« mittag» im Wahlbureau de» Magistrat», Breitestraße Nr. 20»,(Köllnisches Rathhaus) zwei Treppen öffmtlich aus. Währmd dies« Zell kann noch je»es Mitglied d« Stadtgemeinde gegen die Richtigkeit der Liste Einwendungen«heben. Dieselbm müffen in der gedachten Zeit schriftlich bei dem Magistrat eingebracht werden; spät« eingehende Einsprüche können nicht b«ückstchttgt werden. Versäume dah« Niemand, fich davon zu überzeugen, ob sein Name in die Wählerliste eingetragen ist. Wer nicht selbst Zell hinzu hat. kann auch einm Andnen beauftragen, die Liste nachzusehm. Nur die in die«ste Steuerstufe eingeschätztm Steuerzahler, relp. diejenigen, welch! überhaupt keine Steuern zahlen, find nicht wahlberechtigt. Zokale». Die Gefahr der Diphthertti«- Erkrankungen, die in diesem Jahre in unserer Stadt erfreulicher Weise nicht ganz so groß ist wie in ftühnen Jahrm, wird bekanntlich durch zweck« mäßige VorstchtSmaßregeln bedeutend gemildert. Reizungen d« Schleimhäute der Mund- und Halshöhlen, die leicht durch Erkältungen herbeigeführt w«den können, machen diese KS per« stellen mtzündltch und in diesem Zustande besonders geeignet, den in d« Lust frei umherschwebenden Ansteckungsftoff d« ge- fährlichen Krankheit aufzunehmen und diese weiter zu vttbrettm. Unt« diesen Umständen ist es erklärlich, daß dt« A«ztt dringend vor dem Genuß kalt« Getränke warnen, so lange der Körpn erhitzt ist, dmn in diesem Falle haben die für dm Ansteckung«- stoff der Diphtherie am meisten empfänglichen Stellen in Mund und Hals im«hitztm Zustande ,u«ft den Anprall de»«- kältmden Getränke« auszuhaltm. deffm entzündliche Wirkung in diesem Falle eine unabwendliche ist. Wie sehr stch diese Theorie d«»erzt« bewährt, deweist der Eckrankungsfall de» fünfjährigen Sohne» eine» in der Reichendergerstraße wohnenden Piervedahnbeamten. D« herbeignufme Arzt fand die h ntere Mundhöhle hochgradig mtzündet und mit dem gefährlichen Pilzeüderzug ver Diphlhnie bedeckt. Sc behauptete, da« Kind müffe im«hitztm Zustande ein ungewöhnlich kalt«» G-tränk zu sich genommen haben. Die Eltern stellten eine solche Mög- lichkett in Abrede. Durch Zufall wurde nun von anderen Knaben, Spielaenoffm de» Erkrankten, mttgeth-ilt, daß derselbe am Tage vor seiner Erkrankung von einem Fuhrwerk der Eiswerk« kleine Eisstückchen aufgelesen und oerschluckt habe, od« dieselben im Munde habe zerfließm lassen. Hierdurch wurde natürlich die Krankheitsursache genügend klargestellt und die vom Arzte ausgesprochen« Vermutbung bestätigt. Es zeigt stch ab« in diesem Falle zugleich die Gefährlichkeit d« Unfilte de» Eislchluckms, die man gegenwärtig vielfach bei Kindern in der Nähe der Eisfuhrwerle beobachten kann. Die Arbeite« auf dem ausgedehnten Terrain für da« neue Dienftgedäude des königlichen PolizetpräfiviumS am Alexandnplatz schreiten zwar langsam ab« stetig vorwärts, was durch dm, namentlich auf d« Westseite, längs d« S adt- bahn belegenen sehr seichtm Baugrund«klärlich ist. Welch« Schwierigkeiten diese Arbeiten bereiten, ergiebt stch schon daraus, daß für die Herstellung der Fundamente in diesem schlechten«augrund ein Mehrkostmbetrag von 300000 Mark in Ansatz gebracht worden ist. Der neue Polizeipalast dürste. wenn nicht ganz desondere Hemmniffe eintreten, spätest-n» mit Anfang deS JahreS 1890 den Z necken, für welche e» bestimmt ist, dienlich gemacht w«den. Den Bau leitet d« Sladtdau- ratb Blankenstein, dem zur Unterstützung dewährte technische Kräfte zur Seite stehm. Das Bolizeipräfidialgedäude wird nach dm Bauzeichnungen Blankenstein'» vierstöckig,«hält vier Höfe, die ersord«lichen Wirthschaftsgebäude, ausgedehnte Stallungen x. Die Höbe wird jen« de» RathhauseS nur um 2 Meter nachstehen; dasselbe ist 25 Meter hoch. Die Archi- tettur ist auf die fast ausschließliche Anwendung von feinen Verblendsteinm mit Facmstdnen und Terrakotten berechnet. Da» Gebäude wird einfach ausgeführt werdm. Nur d« Eck- bau am Alexanderplatz lein Tsurmbau) und die Hiuptrisaltte sollen etwas reichere Durchbildung«holten. Gerade durch feine monumentale Ausführung wird das neue Dienst- gebäude de» königlichen Polizeipräfidium» ein Prachtbau werdm. Der Hausarzt- Stellvertreter gehört jetzt zur Straßen- Phystognomie BerlmS. In den Doktorwagen steht man jetzt nur junge Herren, die eben au» dem Staals-Examen heraus find. Sie genießen da» Spazierenfähren noch in vollen Zügm als etwa» Neue». Während der Slt«e Arzt in seinem Wagen tief üb« die Zettung od« daS Notizbuch gebeugt fitzt, unde- kümmert um da», wa» um ihn herum vorgeht, fitzt d« Stell- Vertreter aufrecht im Wagm und blickt recht» und link« auf da» Gewühl um ihn h«. All zu schw« ist ihm j, d« Kopf nicht, denn Alle», wa««nstlich krank ist, hat der Hausarzt in die Bäd« geschickt, und eine Migräne ein« alten Dame od« ein Kinder- Katarrh macht selbst dem jüngsten Arzte dm Kopf nicht heiß. Wenn der HauSarzt ab««st lakonisch anzeigt: „Ich bin von d« Reise zurückgekehrt. Dr. dann ist es mtt der kurzen Herrlichkeit de» Stellvertreters wieder vorbei. Die jetzt im Abgeordnetentzanse vorzunehmenden Re- paraturen find ziemlich umfangreich. Es hat fich nämlich dem „B. B.-K." nach herau»gestellt. daß die Fmerung«anlagm in Vordergedäude erneuert werden müffen. Femer muß eine dem vollständige Nmbedachung de» Hause, jvorgenommm wnden, da auch hier sehr erhebliche Mangel hnvorgetteten find. Un- abhängig hiervon iß d« Lau eine, neuen Maschinenhaus«« auf dem Terrain de» ehemaligen Festungigraben« zur elektrischen Beleuchtung des Sitzung»saales. Da» erste Hau«, welches d« Freilegung de« Mühlen- VammeS zum Opf« fällt, ist da» an der Ecke d« Fisckerstcaße. welch:», da es keine Kolonnaden besitzt, dem Personenverkehr von jeh« äußerst hind«lich gewesen ist. Mtt dem Ab- bruch des äußerst baufälligm Gebäudes ist bereits begonnen worden. Mancher klnge Geschäftsmann bringt bei Bezahlung mittelst Postanweisung 20 Pf. für Porto in Abzug. Diese Handlungsweise ist unberechtigt und laut Urtheil de» Reichs- gnicht» sogar straffällig, da in ihr der Vetrugsversuch zu«. kennm ist. Die vom amerikanische« Generalkousulat in B«lin vnöffmtlichte Statistik giedt ein Bild von der Entwickelung der B«lin« Ausfuhr nach dm««einigten Staaten. Dieselbe betrug im zweiten Vierteljahr d. I. 1523 355 Doli, gegen 1051692 Doll. in dem gleichm Zeiträume des Votjahre»; die Ausfuhr hat also um 471 662 Doli, zugenommen. Dk®e« sawmtautfuhr belitf sich im ersten Halbjahr 1886 auf 3 662 367 Doli, gegen 2 013 551 Doli, im Vorjahre, so tafi die Tesammt'Mehrauisuhr 618756 Doll. ergiebt. Die erste Stelle in der Auifuhr nehmen diesmal Plüsche und Vcloett ein, und zwar mit 245146 Doll. gegen 156868 Doll. im Jahre 1885; eS folgen Konfektion mit 229 571 Doll.(im Vo jadre 80784 Doll.), wollene und haldwollene Stoffe mit 204502 Doll. gegen 183 507 Doll. im Vorjahre, Jersiot mit 52 806 Doll. gegen 40779 Doll. im Jahre 1885. Beträchtlich gehoben bat fich also die Auifubr von Plüschen, Konfektion und Wollen waarenfabrikaten. Im Ganzen wurden 1585 Fakturen beim Berliner Generalkonsulat im Zwesten Vierteljahr 1886 „legaliffrt". Die Zahl der öffentUche« Fuhrwerke i« Berlin de. trug am 1. Juli 5917 und zwar 1897 Droschken erster, 2476 Drofchken zweiter Klaffe, 152 Gepäckdroschkm(in Summa 4525 Droschken), 822 Pferdebahnwagrn, wooon 661 der Großen Berliner, 72 der Berliner und 89 der Neuen Berliner Pferde» bahN'Gesellschast gehörige, 408 Thorwagen und»war 88 Ein- spänner und 310 Zweispänner sowie schliehltch 162 OmntduS- wagen. Weiteres vom Wollapoftel. In der„Börs.' Zeitung" lesm wir: Wo alle Quellen verstegen, da Hilst dem Journalisten der Wollapostel Jäger über die Oede der ereizmfjlosen, der schrecklichen Sauren Gurkenzeit hinweg. Der berühmte Stust» 8 arter Profeffor hat j-tzt im Verein mtt seinem Apotheker eine iste seiner Anthiojnnkügclch-n herausgegeben. ES find jetzt 20 Sorten angefertigt, darunter finden fich folgende: Nr. 1 Sammt von einer blonden Frau mittleren Alter», durchaus ge» ind, besonders mit vorzüglicher Verdauung; ist Mittel gegen Appetstlofigkeit, heilkräftig bei akuten und chronischen Magen- leiden, d« sonder» in Folge von DiSttehlern, Migräne; bei jungen Männern hat e» fich al» Mittel gegen GefichtS- auSschläge„dewähn". Anthropin Nr. 2 stammt vom Haar de» renommtrtesten SchnellläuferS in Eurooa, eine» jungen Manne» von außerordentlicher phyfischer Leistungsfähigkeit. Dieses Anthropin erhöht die Lausfäbiatest, vermindert über- mäßige Schweißbildung, vertreibt die Müsigkeit, erleichtert da» Athemholen uno Herst oder lindert die Schweißsucht, Schwer- athmigkest und namentlich Fußkrankhetten verschiedener Art, besonder» bei allen Leuten; ist ein auSwmfbefördernde» Mittel bei Katarrh ästerer Personen, Heist Fälle von Hartleidigkest und leistet Dienste bei Rheumatismen und Gicht. Anthropin Nr. 3 stammt von einer heroorragcnven brünetten Sängerin; «» wirst einmal gegen Kehlkopfkatharrhe und HalS- verschleimung, dann gegen JndiSpofition der Sing- stimme, sowie de» Ansätze» bei BlaSmufikern(Stimm- zauber), aber nur bei männlichen Individuen. Dieses Stimm» mittel erzeugt im ersten Beginn der Wirkung und bei zu kleiner Dost» Heiterkeit, man nimmt deshalb 3 di» 5 Korn und wartet einige Minuten, di» vermehrter Speichelzufluß und leichte Schleimablösung zeigen, daß die richtige Wirlungsohas« einge- treten ist. Daffelb« gilt auch von dem Stimmmittel für Damen. Anthropin Nr. 7 ist Jungfraum-Anthropin(blond), verleiht den Betränken Bouquet und desestigt GemüthSoerstimmung, besonder» bei männlichen Personen blonder Komplexion. An» thropin Nr. 8 stammt von dem Haar eine» brünetten Herrn mittleren Aster«; e» hat fich gegen nervöses Herzklopfen de- währt. Anthropin Nr. 9 stammt von einem blonden er« wachsen«» Mädchen von lebhaftem Temperament, großer Ge» spcächigkeit, Singlust und glockenreiner Stimme; wirksam gegen Störungen de» Sptechvermögen» und der Singstimme. An» thropin Nr. 13 stammt von einem blonden, sehr gesund?» Fräulein, bei der noch sämmtliche Zähne unversttzt find, da» nie in seinem Leben Zahnweh gehabt hat; gegen Zahnschmerzen bei männlichen P-rsonen. Anthropin Nr. 16 stammt von einem bejahrten hervorragenden Klaviervirtvosen; gegen Nervosität und JndiSpofition beim Klavierspiel; erhöht die Finger- fertigkeit, Sicherheit und Ausdauer beim Spiel, Anthropin Nr. 19 stammt von einem erwachsenen, gesunden, blonden Mädchen und wirst schmerzstillend bei Augenleiden. Anthropin Nr. 20 stammt von einem Heldentenor ersten Range», 48 Jahre, sehr gesund, ist ein StimmverbesserungSmittel für Damm. Da ist Lamum doch übertrumpft! l Ueber die staunentwerthe« Leistungen, durch welche die vor keiner technischen Schwierigkell zurückschreckenden Amerikaner fich vor un» alttn Kontinentalen scheinbar aus- zeichnen, wird von Zeit zu Zeit hervorgehoben, daß st« ganze Häuser mtt Hilfe von Flaschenzügen und Walzen beliebig von einer Stelle zur andern ttanSportiren. WaS sagt man nun dazu— so schreibt un» ein Freund unsere» Blattei— daß unsere Spreewäldlcr diese» Kunststück bereits von jeher ausgeführt haben? In dem soeben erschienenen Heft in. de» 18. Jahrgange» der„Zeitschrift für Ethnologie" heiß e» nämlich in einer sehr interessanten längeren Abhandlung über„daS Spreewald- hauS" von W. v. Schulenburg unter anderm:„Skit Menschengedenken bat man in Burg, wie in anderen Dörfern, ein Ver- fahren, Hauser zu versetzen. Die Fortbewegung findet statt, will jemand Wohnhau», Stall oder Scheune an einer andern Stelle hadm. Zu diesem Zweck wird da» Gebäude mit Schraubm gehobm und dann auf Walzm seitwärts fortbe- wegt. Stacke Holzschrauben gehm paarweise du'ch ein Multerholz und stehen mit ihrm unteren Enden auf einer Holzunterlage in steinen Höhlungen, vamit sie auf einer Stelle fich drehen. Einander gegenüber auf jeder Lette der Wand wttd je ein Schraubenpaar angebracht und auf beidm Letten zugleich gedreht. Bei der seitlichen Fortbewegung werden Stangm und Hede» bäume gebraucht, die man unter die Schwelle de» Gebäude» steckt' so wird diese» durch Druck weiter bewegt,„bis auf 200, 300 Schritt" Entfernung. Zur Fortbewegung eine» mittleren Hausei gehören etwa 30 Mann; dazu finden fich Verwandte, Freunde und Nachbarn ein. Da» Heden geschieht in einigen Stunden. Geht alle» gut, soll dai Haus an einem Tage 50 bii 100 Schritt von der Stelle rücken. Die Schraubm, au» »pfelbaumholz von Zimmerem gefertigt, find nur im vefitze Wmiger."— Dieser durchaus plaufideln Schilderung zufolge muß ver erste Bankee, welcher da»„Häuserschieden" in Amerika einführte, ein gebormer Spceewäldler gewesm sein. Dmn die jmseiti VeS Ozean» zur»nwmdung gelangmde Methode ist in ihrer Grundform zweifellos die nach Henn von Schulen« bürg im Spreewalde„fett Mmsckengedenkm" übliche. Auf welcher Lette somit daS Recht der Priorität liegt, braucht nicht untersucht zu werdm. Sollten die Spreewäldler noch mehr derartige Vorzüge befitzm, so würden fie gut daran thun, fich dieselben rechtzeitig patentirm zu laffm. Denn sonst haben fie nm die Müh«, andere Leute aber dm Ruhm der Ecfindung.. � Recht fatale« Vierpech hatte der Schänker am Bord de» Vergnügunatdalnpfer» der nmm Dampfschifffahrtsgesellschaft, der am vongen Freitag nach Schmöckwitz fuhr; e» war nicht die übliche Sorte von Bierpech, die dem Trinker unangmehm ist, sondem ein eigenartige» geschäftliche» Mißgeschick, daS man fünlii mtt diesem Ausdruck bezeichnen kann. Zunächst erschim bei der Hinfahrt der dimstbefliffme Ganymed im Anaestcht der Schmöckwitzer L�ndungSdrücke noch mit einer koloffalen Anzchl Seidel auf dem Virdeck, von dmm jedoch so unmittelbar vor .r&r Ä Dampfer» nicht mehr bemerllich machen konnte und delhald die Fahrgelegenhett auf der Eismbahn bmutzen mußte, währmd seine Biervorräthe an Bord de» Dampfer» lagerten, unze» trunken blieben und so, wenigstm» für diese Fahrt, völlig ihren Beruf verfehlten. Und die Moral von der Beschicht: daS Bierpech ist für den Schänker in jeder Form unangenehm. Dt« könne« gut werde». Anfangs diese» Jahre» waren einige Knaben, Schuler einer Gemeinveschule vor dem Halleschen Thor, dabei ertappt wordm, wie fie der Mutter de» Einen ihre Ersparniffe stahlen. Da die Burschen schon mehr solcher Streiche auf dem Kerbholz hattm, so wurde nun Ernst mit ihnm gemacht, fie wurden zu Gefängnisstrafen von 3 bis 6 Wochen veiurtheilt und nur der jüngste kam mit einem Ver» wet» davon. Da» scheint aber an den hoffnungsvollen Buden spurlo» vorüber gegangen sein, wenigstens befinden fich zwei derselben, ein 14jäbriger und ein 12jSH'.iger. bereits wiederum in Untersuckuig. Welche Schlauhett diese Burschen bereit» zu entwickeln verstehen, zeigt u. A. folgender mit zur Anklage stehender Streich. Eine» Tage» schlendern beide die MUten- walderstraße entlang, al» ihnen ein Betrunkener entgegen kommt. Sie kennen denselben al» den Inhaber eine» nahe» gelegenen Grünlramkeller». Während der Angetrunkene diesem seinem Heim zu taumett, haben die Knaben schon einen Diebe»- plan fertig. Sie wissen, daß der Mann in seinem Geschäft allein ist und berechnen nun, derselbe werde, in seinem Keller angelangt, fich niederlegen, um seinen Rausch auszuschlafen, so daß die Ladenkaffe zeitweilig unbewacht sein werde. Genau so entwickelt fich die Sache auch und die beiden räumen die Kaffe auS. Die Beute beträgt 45 Mark. Ihr nächstes Ziel ist ein Budikerkeller. Dort spielen fie Billard, wiithschaften aber auch mtt dem geraubten Geld« so unvernünftig darauf loS daß der Wirth Verdacht schöpft und einen Schutzmann herbeiholt, der denn auch bald herau» hat, wo da» Geld her» kommt. Sein Schwager J Der Poflsekretär M. war im Haupt- postgebäud« der preußischen Unioersttälistadt K. al» Schalter» beamter deschästiat. Zu seinen täglichen Funttionen gehörte, so erzählt da»„Dtsch. Tagebl." wahrscheinlich unter dem Ein- fluß der sauren Gurke, die Herautgade der postlagernden Briefe. Am Vormittag eine» jeden Tage» stellte fich immer ziemlich zur bestimmten Zell ein junger Mann ein, der unter seiner vollen Adresse: A. T. s'ine nicht unbedeutende Korrespondenz abholle. Dieser junge Mann, dessen Exterieur unschwer den Jünger Thalia» erkennen lietz, fing schließlich den ebenfalls noch jungen Beamten dermaßen zu rnteresfiren an, daß er eine? Tage« mtt Herrn A. T.«ine Unterhaltung anknüpfte, welche dahin führte, daß fich die Beiden in der Stammkneipe aller Mimen ein Rendezvous für den Abend gadm. Ihre Unter- Haltung wurde in kurzer Zeit eine sehr lebhafte, besonder» al» fie gegenseitig ihre kleinen Liebesabenteuer erzählten. Nachdem der Postsekretär erst einmal seine Beamtenmiene abgestreift hatte, kam er in» Feuer und weihte den jungen Schauspieler in die intimsten Geheimnisse der Unioerfiiättstadt ein. Da» war ein Gebiet, auf dem fich die flotten Herren fanden, und bald war ihre Freundschaft destegelt. Noch in de- selben Nacht wurde eine Exkurfion durch die interessantesten EladliffementS der Stadt untemommen, und al» fich die beiden kennten, wußte jeder von dem anderen, daß der Postsekretär eine alte Lied« in Berlin hatte, währmd der Held der Bretter Berlin seine Vater- stadt nannte. So lange die Saison währte, so lange hiett die Freundschaft der beiden Kneipbrüder. Nach Verlauf von sechi Wochen verließ der hoffnungsvolle Künstler die Stadt. Seit dem find ewige Jahre vergangen. Auf besonderm Wunsch der Eltern kehrte vor einlgm Tagen der zu einem Künstler zweiter Größe avanzirte Sohn au» dem Winterengagemmt nach Berlin zurück, um einem freudigm Familien Ereignis, bei» zuwohnen. Ueber die Art desselben herrschte tiefste» Schweigen. Der ihm die erwähnte Mittheilung dringende Brief seine» Bruder» enthielt nur die Andeutung, daß im Restaurant X. Sonntag eine kleine Feier stattfände, zu der er anwesmd sein müsse. Der junge Schauspieler kam gerade am Abmd diese» Tage» an und fuhr dirett vom Bahnhofe in da» detieffmde Restaurant. Al» er In da» ihm bezeichnete Zimmer trat, wurde er mit lautem Jubel degrüßt. Küsse, Umarmungen und Händedrückm von Mutter, Vater, Tante und Onkel.„Nun, wo ist denn Schwester Rosa", wehrte er schließlich alle die LiedeSbetheuerungen ad,„und wa» tfi'S mtt dem Fami'ien- eretzniß?" Bei diesen Motten erhob fich in der einen Ecke de» Zimmer» ew Pärchen, welch, s auf den Ankömmling»u- schrttt.„Hier, lieber Bruder," stellte der Andere vor,„Deine Schwester und ihr Bräutiaam, Postsekretär M.. Dein Schwager."„Alter Freund, Du bist mein Schwager?" Ein bedeutungsvolle» Mienenspiel seilen« des Postsekretär» verbinderte dm Erstaunten am Wettersprechm und sein verdutzte» Geficht vergrub fich in der Umarmung— seine» Schwagers. Wege« Gattenmordes wurde der Schlächtermeister August Hoffmann au» Berlin am 16 Februar 1882 vom Schwurgericht am Landgerichte n zum Tode veru theilt, nach- dem derselbe von den Geschworenen für schuldig befunden worden war, zu Lichtenberg, seinem damaligen Wohnorte, seine Frau zu vodm geschlagen und alSdann noch lebend zum Fenster hinauSgeworlm zu haben, wobei dieselbe ihren Tod fand. Hoffmann hat stet» bestritten, seine Frau getödtet zu haben; er gab zwar zu, seine Frau im Stteile zu Boden ge- schlagen zu Wen, daß da» Blut hoch ausspritzte und die Frau anscheinend bewußtlo» liegen blieb, er behauptete aber, dieselbe sei selbst zum Fmster hinauSgesprungm, während er fich im Nebenzimmer befand. Dieser Behauptung widersprachen ver- schiedene Indizien, ganz besonder» aber daS Zeugniß de» Un» tersuchungSrichtert LandgerichtSrathS Aschö, welcher dm That- ort in Augmschein genommen und gefunden hatte, daß fich an der Sußerm Seite de» Fmsterkreuze» ein blutige» Mal befand, in welchem fich alle Glieder einer Hand ausgeprägt hatten. Der Größe der Hand noch konnte dai Mal nur von der Hand der Frau Hoffmann herrühren, und die Lage sowie die Inten- fioriiät de» Abdrucke» ließen nur den einen Schluß zu, daß Frau Hoffmann rückling» zum Fenster hinauigeworfm wordm sei und fich dabei verzweiflungiooll an da» Fensterkreuz ange- klammert Hab«. Der Untersuchungsrichter schilderte den Be» fund der Inaugenscheinnahme so ergreifend und packend, daß die Geschworenen nicht umhin konnten, dahin zu voliren, daß Hoffmann seine Frau durch da» Hinauswerfen zum Fmster getödtet und diese Tödtung mit Uederlegung ausgeführt habe. Durch Verwerfung der eingelegten Nichtigkeitsbeschwerde wurde da» Tod-iurtheil rechts- kräftig. Hoffmann richtete zunächst ein Gnadenge« such an den Kaiser, welche» abschlägig deschieden wurde. Seine erste, von ihm geschiedene Frau, welche, in dem Mord» prozeffe al« Zeugin vernommm, bekundet hatte, daß fie den Hoffmann wohl für einm jähzomiqm Mann, ttotzdem aber nicht für fähig halte. eine solche That zu begehen, fuhr nach Em» zum Kaiser, um persönlich die Begnadigung de» Ver- urtheittm zu erflihm; auch diese» Bemühen blieb erfolalo». Jetzt stellte Hcffmann dm Anttag auf Wiederaufnahme de» Verfahren». Et nannte eine Anzahl neuer Entlastungszeugen. von denen einzeln« bekunden sollten. daß fie gesehen häti.n, wie Frau Hoffmann selbst auS dem Fenster gesprungen se' Da di'-«nS-s-blagenm Zeugen in der angeordneten Vernehmung nicht» Erhebliche» zu dekundm vermochten, lehnte sowohl da» MWÜsi sei- da traf ganz unerwartet die Kadinett. Ordre mtt der Be. MMZWA vier Jahren, die Hoff mann dort zugebracht hat. bat er größter Za'riedenhett der Verwattunz geführt. Hoff-nann bltin noch jetzt dabei, daß er seine Frau nicht zum Fenster bina� gestürzt habe und eben jetzt hat er seinen Antrag auf Wie««- aufnahm« de» Verfabrmi erneuert. Er giebt eine AnzB Zeugen und Sachverständige dafür an, daß ei ihm absolut w» möglich gewesen sein müsse, die korpulente Frau durch da» für die!» Zweck viel»u schmale Fenster mit Gewalt hindurch zu werfe«. Od er die Wiederaufnahme de» Verfahren» durchsetzen wm tst sehr fraglich. Markthalle«» Bericht von Z. Sandmann, städtische« VerkaufSvermittler, Berlin, Zmtral- Markthalle, dm 29. Im. Butter. Der in den vorangegangenen h-ißen Tagen stö am hiesigen Platze fühlbar machmde Preisrückgang wurde» dm letzten Tagrn bei eingetretener kühler Witterung wem bemerkbar. DaS G schäft verlief ruhig und wurdm folgen« Preise notirt: Frische feinste Tafelbutter jc 100—105, fei« But»dutter l 95-100-102, U. 83-90, III. 78-83 W" butter L 75—80, u. 65—75 M. Galizische und andere gering� Sorten 55—66 M p. 50 Kilo Käse. Die Nachfrage nach Westpreuß. Schweizer u«d Quadralbackstcinkase ist steigend; die Waare knapp und zu gflsi bedeutend höheren Preisen ver werthbar, auch geringere Qu®' täten fanden Abnehmer. Echter Enmmthaler 73—80 Weftv-eu». Schweizerkäse L 57-60 M.. II 48-50 R. 1». 40-45& Qadratbackstein I. 22-25 II. 14-18 M.. TilfiterFelM 40-58- 60 M., Tilfiter Magerkäse 18-23 M. Limburger l 30-32 M.. II 20-25 M.. Ramavour 30-32 ist., rheinis-b« Holländer Käse 20—22 Pfd. schwer, 45—53 M., echter HoüänM 65 M., Edamer l 60-70 M.. H. 56-58 M.. Französi'-b« Neuschateller 17,50—18 M. per 100 Stück, Camembert 8,® di» 8,50 M. per Dtzd.\ Eier 250M. p. Schock. Geräucherte Fisch«. Bücklinge, Kiste 1,60 bii 1,75 Z- kleine Flunvern pr. Schock von 60 Stück 1,50 bi» 3% mittel 4—6 M., große fehlen. Aal 090—1,50 M. pr. 85» Rhein lach, 2,50-3 00 M., Ostseelach« 1,20-1,50 M. pr.# Wild und G flügel. Rehe 60-75 Pf„ Hirsche 35-50# Wildschwein 40- 45 Pf. p. Pfd., wild« Enten 0.80—1,50% Bekassinen 30—70 Pf., wilde Gänse 1,10—2 50 M. pr. B'jjf Junge Gänse 2,50 bi» 4,50 M., junge Enten 1—1,50#» junge Hühner 0,50—0,90, Tauben 30—45 Pf. per Poularden 4,50—7 M, alte Hühner 1,00—1 40 M. Gemüse und Obst. Tomaten, 30- 40 Pf. per f} Reineclauden 1,00—1,30 Pf. per Kiste, Kurirauden 50—70 f; - Pfirsiche per Kiste 1,50-2,00 M. Kirschen 9-15 Pf.»f Pfd., Blaubeeren 6—7 M. per Scheffel, Stachelbeeren 20«' 30 Pf. per Pfund, Pfefferltnge 6—7 Mark per Zentner, km 1—5 Mark per Schock, Schoten 3—4 Mark Scheffel. Kohlrabi 250—3,00 Mark ver 100 Stück. Katrf® 75 Pf., Blumenkohl 10-15 M., Erfurter 25- 30 100 Stück, neue Kartoffeln, weiße runde 3 50 Mark, karfoffeln 3 50 Mark, Frühkattoffeln 2,25 Mark,»3 2,50 M., blaue 4.00 M. pr. 100 Kilo, Himbeeren 25-28 f per Ctr„ neue Pflaumm 15-20 P'., neue Birnen 20% neue Aepfel 25 Pf. per Pfund, Reineclauden pr. Kiste 1 20 7 150, Weintrauben, blaue pr, Pfd. 1—1,50 M., weiße 60-30#' Feigen pr. Korb 2.00—2,50 M„ neue Zwiebeln 4,50—5,50 1*; Zitronen 10-30 M. pr. Kiste von 260 Stück, neue Gurken 2,20—2,80 Mark per Schock.„ Poltzetbertcht. Am 27. d. M., Vormittag», wurde � der Maschinenfabrik von Eckert, Weiden weg 37, ein 64'c% durch eine eiserne Rolle, welche ihm in Folge setner eige>« Unomstchtigkeit auf den Fuß fiel, nicht unbedeutend veil-'�„ Am 28. d.*%., Vormittag», wucde ein 5 Jahr« alter beim Uederschreiten de» Fahrvamme» vor dem Hause$, mandantenstraße 39, von einem Handwagen überfahren% am linken Fuß anscheinend schwer oerletzt, so daß er i% nahe gelegene Wohnung seiner Eltern getragen werdm — An demselben Tage Nachmittag» mm de ein Schneid/r 7 seiner in der Skalitzeiftroße belegenen Wohnung eebW 02 i gefunden. Eheliche Z vtstigkeitm fird die Veranlaffu".? Selbstmord gewesen.— Zu derselben Zell fiel in der Nah- � O animdeücke ein Maurer in der Trunkenheit von dem eittw. Kanalgeländer, auf welchem er geseffen hatte, in» Waffer- � wurde von Vorüberkommmden alsbald wieder herauSgtt�« und zur AuSnüchterung auf die nächste Polizeiwache gedlo» von wo er fich demnächst nach Hause begab. Gerichts-Zettmtg. Die Reickstagsadgeordueten von Vollmar, Bebel and»enoffea wegen Thetlnahme an einer gehet»»' Verbindung auf der Anklagebank. F r e i b e r g, den 28. Juli l888, Dritter Tag der Verhandlung. V»«c u y V**-o V V V u 11 V 1 u II u* Da» Auditorium ist beut« überfüllt. Gegen Vormittag» eröffret det PwfiZent, Landgerichtsdirelior«0% wiederum die Sitzung und ettheilt sofort da» Wort D'S staatkanwalt Schwade(Chemnitz): Die gegenwärtige# deichästigt dereit« zum zweiten Male die Grttchte. D» Mal bei der Verhandlung vor dem Landgericht in 6X„ scheiterte die Anklage an der zu beschränften Auffaff�«t Worte»„Verbindung". I zwischen bat die Anklage d�zF Eclenntntß de» Reichigettcht« vom 23. Dezember einen � Bodm gewonnen. Da« Wort Verbindung bildet den?> anklagevunkt in der gegen wärt'gen Angetegenheit. DW Veibindung desteht, hat die Beweieaufnahm« ergeben->F könnte wohl schon in dem Vorhandensein der sozial schen Prtttt an stch eine Verbindung erbl cken, allein L.zieoung wttd fich ein Bewet» schwer führm lassen.% 1» ich behaupte, innerhalb der sozialdemotratischm Prtttt.!« Kem vorhanden, der fich al» Verbindung chatattecifftt;,�» Angeklagten haben stch darüber, inwiewett eine Organ'M inner halb ihrer Partei dest ht, sehn unklar geäußert, fi* über diese Frage hinwegzuschlüpfm gesucht.. ,Al,t Sie haben zunächst gesagt;<» destebt überhaupt WLg» Verbindung gleich ist- � ta„■ V � sozialdemokcatischm eine fest gegltedette Verbindung. Wir haben sr ntg über diese Verbindung gehört. Da lst i fT Tu-nfililll■mfl" daß Organisation und Haupte, innerhalb der mäßig®enl0«w.,*-7 K»«e«"'«i m 1?f i?itrdm VertraumSmänner unter halten,�, M ferÄÄ ««i-KLSÄ richtungen dafür, daß di« Partei Beamte � � Ich will nicht behaupten,'"'" den und ich gebe zu: ft dindung. Allein die Beittc.�-----. daß von fteiwillige« veittägm kaum die Anzellagte Bebel sagte ja:»ur Parteijugehöriatett ik erforder« lich, die Partei durch BeldbeitrSge zu unterstützen. Mr dai «Vorhandensein einer Verbindung spricht ferner die innerhalb der Partei bestandene feste Disziplin. Die Mitglieder mutzten sich der ParteidrSziplin unterwerfen, wenn ste der Unterstützung nicht vollständig verlustig gehen wollten. Die Parteileitung ijatle daS Recht der NuSschlietzung auS der Partei, ja ste hatte sogar daS Recht, über die etwaige Auswanderung der einzel- nen Mitglieder zu bestimmen. Allerding» sagte un» Auer: Die Parteileitung tonnte Mitglieder bloS aui der Reichstags- istaltion auSschlietzen, die Autschlietzung auS der Partei tonnte nur durch den Kongretz erfolgen. Ich bin der Meinung» datz oie< gleichztltia ist. Dt« Parteileitung hatte sogar daS Recht, mit der Autschlietzung auS der Partei zu drohen, wenn ein Porteiangehöriger fich der Parteidisziplin nicht fügen wollte. Herr Bebel sagte: daS hatte keine Bedeutung, eine AuS- schlietzung aui der Partei konnte die Parteileitung nicht de- wirken. ES ist nicht anzunehmen, datz solch' intelligente Leute, wie Bebel und seine Partetgenoffen, etwa» unternehmen, waS zsccklot wäre. Ich frage, in welch' anderer Partei solche Ein- nchtungen bestehen? Ich erlaube mir nun, einen historischen Rückblick auf die sozialdemokratische Partei zu werfen. ES dürste allgemein de- «nnt sein, welch' festgegliederte Organisation die sozialdemo- Mische Partei bi» zum Erlatz d«S Sozialistengesetze» hatte. « ist nicht anzunehmen, datz diese Organisation mit dem Inkrafttreten de» Sozialistengesetze» sogleich vollständig vom «dboden verschwand. Ich behaupte, nur die Form ist verschwunden. DaS beweisen auch die verschiedenen Reden Vst sozialdemokratischen Abgeordneten im Reichstage, in denen wiederholt betont wurde: Die Organisation kann man nicht ierstZren. , Ganz charakteristisch ist der in Schlefim abzehattene Partei- m«. Dort wird unumwunden eingestanden, daß eine feste Organisation besteht. AlS da» Sozialistengesetz in Kraft trat und die sozialdemokratische Presse in Deutschland unterdrückt wurde, griss man zu dem AuShilfSmtttel, im Auslände ein {�«an ins Leben zu rufen. In dem Aufruf bei Gründung ?ro-, Sozialdemokrat", der von allen sozialdemokratischen Reich»- 'agiabgeordneten unterschrieben ist, wird die« unumwunden zu Wanden. Nun sagen die Angeklagten: Der„Sozialdemokrat" war ein reineS Privat-Unternehmen, auf dessen Redaktion und Spedition ste nicht dem mindesten Einfluß hatten. Dem widerspricht doch aber vollständig die Art, in der auf dem Kon- in Kopenhagen über den„Sozialdemokrat" Bericht Mcket wurde. Wenn da» Blatt vollständig selbstständig da- dann ist e» nicht erstchtlich, weshalb die Geschäftsbücher ,"„Sozialdemokrat" vorgelegt wurden. Dieser i Umstand dafür, datz der„Sozialdemokrat" Eigenthum der war. Die umfangreichen Arbeiten, mit denen außerdem XfctrauSgabe von Druckschriften bewirst wurden, sprechen tC™lS zweifellos für da» Vorhandensein einer festgegliederten Ygssation. Wie die Verbreitung de» Parteiorgans und Druckschriften bewirkt werden soll, dafür werden im »K�emokrat" die verschiedensten Weisungen gegeben. ES ez �«chcitnhallung und Vorficht in allen Dingen empfohlen, Wim � in verschiedenen Orten Sektionen gebildet. Man Vradezu die Augen verschließen, wenn man sagen wollte: seS. bN« Organisation beruhe aus bloßen Zufälligkeiren, eine mJ, drückte, gewählt worden wäre. Dieser Parteivorstand bilvete fich aber so ipso au» den jeweiligen sozialdemokratischen Reich»- tagSabgeordneten. ES mutz nun erwogen werden, datz diese Aogeordneten keineswegs ausschließlich von Sozialdemokraten gewählt werden. Bekanntlich find in den letzten Jahren die meisten sozialdemokratischen ReichStazSabgeordneten in der Stichwahl, also auch von vielen Leuten anderer Parteien ge- wählt worden. In Breslau werden die sozialdemokratischen ReichstagSabgeordneten reaelmätzla in der Stitwahl mtt Hilfe der Ulttamontanen gewählt. Wmn e» in Berlin zu einer Stichwahl zwischen einem Sozialdemokraten und einem Liberalen kommt, stimmen die Konservativen, au» Haß gegen lctz- tere, für den sozialdemokratischen Kandidaten. Am Roetn, in Hannover und mehreren anderen Ortm find dieselben Verhältnisse vorhanden. Die Zusammensetzung der Parteilettung war somit dem reinen Zufall anheimgegeben. Der Herr Oberstaatsanwalt fand ferner eine Verbindung in dem Bestehen von Parteibezirken, Lolal-Komitee'S«., der Herr Oderstaatsanwalt ist un» nur den Beweis schuldig geblieben, daß dieselben mtt der Parteileitung in irgendwelchem Zusammenhang« stehen. Mit Vermuthungen können wir aber nicht rechnen. Der Herr Staatsanwatt sagte: Die Partei mutz Beamte unterhalten haben, denn e» sei sonst unerklärlich» wer all' die Korrespondenzen besorgt hat.„Wer hat aber dies« Beamten bezahlt, wer stellt fie an, wer entläßt ste?" Ja, diese Frage richte ich an den Herrn OberstaatSan- walt. Der Herr Oberstaatsanwalt mutz doch den Bewei» lie« fern, datz besoldete Beamte vorhanden waren. Ich behaupte, alle diese Arbeiten geschehen von Parteigenossen unentgeltlich. ES existirt« ein Wahlfond», ein Diälenfonds, ein Fond» für Gematzregelte. �- Zur V-rwaliung derselben waren besoldete Beamte doch nicht erforderlich. Al» ein sehr wichtige» Moment für da» Vorhandensein einer Verbindung führte der Herr Oberstaat»- anmalt die ParteidiSziplin an, die innerhalb der sozialsemo- lratischen Partei henscht und die so weit ging, datz die Partei- lettung berechtigt war, einzelnen Parteigenossen die Unterstützung zu entziehen. E» ist selbstverständlich, datz die Parteilettung die» Recht haben mutzte. Die Parteilettung, die den Fond» für Gematzregelte verwaltete, ein Fonds, zu dem auch sehr viele Gegner der Sozialdemokraten au» reinen HumanitätSgründen beisteuerten, hatte die Verpflichtung, dafür zu sorgen, datz nicht Unbe- rechtigte au» diesem Fond» Unterstützung erhielten. Lag e» nicht im Bereiche der Möglichkeit, datz Vagabonden, Bummler u. s. w. fich al» Ausgewiesene ausgaben und um Unterstützung nachsuchten? Da» Recht der Au» schlietzung von Abgeordneten au« einer Fraktion nimmt jede Partei für fich in Anspruch. Der Umstand, daß die Parteileitung auf einzelne Mitglieder einen moralischm Druck auszuüben suchte, kann doch nicht für eine Verbindung sprechen: eine Verrufterklärung ist niemals erfolgt. Auch in dem Abhatten von Parteikongreffm kann eine Verbindung nicht gefunden werden. Derartige Kongresse wer. den von allen Parteien abgehatten, ohne datz irgend ein Staatsanwalt in diesem Umstand« eine Verbindung erblickt. Der Oberstaatsanwalt sagte: Die vortreffliche Organisation der Sozialoemokraten kann dock keine rein zufällige sein. Der Herr Staatsanwalt sagte: die Form ist blo» verschwunden, ich glaubte, er würde hinzusetzen: der Geist ist gcbliebm. Dieser Geist, der unter den Sozialdemokraten herrscht und der aller- ding» auch da» Sozialistengesetz nicht hat zerstören können, ist die Erklärung für die vottreffliche Organisation. Die Form ist gebrochen, aber ver Geist ist gedliebm. Allein nicht der Geist, sondern nur die Form ist strafbar. Auf dem Kongreß zu WySen wurde der Antrag gestellt, ein Korrefpondenz-Bureau zu errichten. Heber diese Frage wurde jedoch sehr bald zur TagiSorvnung übergegangen, indem gesagt wurde:„Eine der- artige Organisation könnte einmal der Polizei nicht verborgen bleiben und andrersett» könne die Partei auch ohne feste Or- ganisation bestehen. Die sozialdemokratische Pattet könne ohne eine festgegliederte Organisation bestehen, die Sache für die st- kämpfe, der Geist, der in ihr herrsche, ersetze jede formale Organisation." DaS Vorhandensein einer Verbindung bedingt doch, daß etwa» Greifbare» vo handen ist. Hat die Verhandlung irgend einen Bewei« ergeben, wo die Verbindung ihren Sitz hat, wer den Vorstand gewählt, wer der Verbindung beigetreten ist? Wir haben blo» feststellen können, datz eine Organisation von Mann zu Mann vorhanden, eine Organisation, die von dem Geiste der ZusammengehSrigkett getragen war. Wenn Sie aber, wa» ich nicht glauben kann, eine Verbindung al» vorhanden er- achten, dann entsteht doch die Frage: haben die Angeklagten verschredene ist, so werden Sie, sollten Sie zu der Anficht ge- langen, die Angeklagten haben eine Verbindung unterhalten, die Angeklagten trotzdem freisprechen müssen, da dann den An- geklagten al» Laien jedenfalls da» Bewußtsein der Strafbar. reit gefehlt hat. Eine Verbindung ist aber erst dann strafbar, wenn deren Dasein, Verfassuiig oder Zweck oor der Staat»- regierung geheim gehalten werden soll. Datz in allen Dingen Vo, ficht und in vielen Sachen auch Geheimhaltung anempfohlen wurde, liefert wohl keinen Bewei» für eine geheime Ver. dtndung. Der„Sozialdemokrat" ist durchaus nicht da» exklufioe Organ der sozialdemokratischen Partei. Jeder Angehölige einer anderen Partei, der fich über die Verhältnisse der Gegenparteien unterttchten will, ja die Polizeibehörden aller größeren Städte, jeder Staattanwatt»c. ist A?onnent de»„Sozialdemokrat". In diesem Blatt« annonzirt die Parteileitung den Ausschluß von Personen, in demselben beruft ste den Kongreß ein, fordett zur Beschickung desselben auf und zeigt die Tagesordnung an; von einer Geheimhaltung kann somit keine Rede sein. Geheim wurde lediglich der Ort de» Kongresse» und die Namen der Delegitten, au» den bereit» von Herrn Bebel mitgetheilten Gründen, gehalten....,,, Nun sagt der Hrtr Oberstaatsanwalt: ES mutz noch etwa» ÄÄrtSl Ä» Ä»' mit Muthmatzungen rönnen wir nicht rechnen. Daß die An- geklagten bemüht waren. Matzregeln der Sta�, regierung durch ungesetzliche Mittel unwirksam zu wachen. ist in keiner Welse erwiesen. Die Aufforderung zum Abonnement auf eine ver- boten« Druckschrift ist nicht strafbar, sondern lediglich der«, Verbreitung. Ein« solche Handlung ist aber dmchau» nicht nachgewiesen worden. Und selbst wrnn, wa» nicht nachge- wiesen ist, die Angeklagten zur Verbreitung deS„Sozial- demokrat" aufgefordert hätten, so ist noch sehr zweifelhaft, ob fich die Angeklagten laut§ 49 de« Strafgesetzbuches, der von der Aufforderung zu einem Verbrechen spricht, strafbar gemacht hätten. E» ist ein Jrtthum vom Reichsgericht, wenn e» meint, da» Chemnitzer Landgericht habe nicht alle That- umstände genau geprüft. Im Interesse de« Ansehen« unserer sächstschen und deutschen Rechtsprechung hoffe ich mtt Zuver- ficht: Sie werden gleich den Chemnitzer Richtern zu einem ��V�rchrwig-r°"Rcchtianwalt Munckel(verlin): Ich mutz zunächst bemerken, datz weder da» Reichtgericht noch der Herr Oberstaatsanwalt für da« Vorhandensein einer Verbindung irgendwelche Beweise beigrbracht hat. Der Herr Oberstaatt. anwalt sagte: da» Reichsgericht hat der Anklage einen fest«, Boden gegeben, ich habe aber bisher vom Herrn Obnstaat». anwalt einen solchen Nachweit vermißt. Der Herr Oberstaat». anwalt sagt: die Pattet al» solche ist noch keine Veidiadung, allein der Kern der Partei bildet eine Verbindung. Ich gebe ja zu, datz e» Parteien geben mag, die keinm Kern haben, allein angenommen, in der sozialdemokratischen Pattei ist ein solcher Kern vorhanden, dann verlang« ich doch zum mindesten den näheren Nachweis, wo dieser Kern anfängt. Wenn die Deduktion de» Herm Oberstaatsanwalt» richtig wäre, dann würde jeder Abgeordnete, der fich der sozialdemokratischen Pattei anschließt, fich so ipso der Verletzung der§§ 128 und 129 de» Strafgesetzbuches schuldig machen und seine Wähler könnten ausrufen:„Sitzt nicht der Reichstag, dann fitzt doch wenigsten» der Abgeordnete".(Heiterkeit im Auditorium.) Der Herr Staatsanwalt sagt: ES ist doch nicht anzu» nehmen, daß die fest« Organisation der sozialvemokraUschen Partei vollständig verschwunden ist? beiläufig eine sehr be- zeichnende Auffassung von de: Wirksamkeit de» Sozialistenge« setze». Der Herr Oberstaatianwalt scheint zu meinen: Da da» Sozialistengesetz erlassen worden ist, die Sozialdemokraten aber noch fottleben, so müssen ste etwa» degangen haben, denn sonst würden ste nicht mehr leben. SS erinnett mich die» an die Geschichte jene» Arzte», der einem Patienten nur noch wenige Wochen F.stst zum Leben gab und al» er letzterem nach einem Jahre begegnete, ihm zurief:„Sie haben medizinisch längst kein Recht mehr, zu leben."(Heitelkeit im Auditorium.) Wa» da» Sozialistengesetz zerstört hat, da» hat der Geist der Zusammen« gehörigkett, der in der sozialdemokratischen Pattei vorhanden und durch da» Sozialistengesetz eine wesentliche Stärkung er« fahren hat, ersetzt. Wenn die Auffassung de» Herrn Oder» staatSanwatti die richtige ist, dann ist eine Gefahr nicht blo» für die sozialdemokratische Patttt vorhanden, denn eine Or» ganisation. wie fie diese Partei besttzt, ist bei jeder Partei zu finden. ES ist die» auch ein Grund mtt, datz ich, der ich einer anderen Partei angehöre, an dieser Stelle stehe. ES würde geradezu eine Kränkung der deutschen Polizei« behörden sein, wenn man annehmen wollte: unter ihren Au en konnte eine so grotzattige Verbindung so lange Zeit unmtdeckt bleiben. U-ber die Patteileitung hat mein Herr Mitoer» tbeidigcr schon gesprochen. Der Umstand, datz dt: Pattei«in eigene» Organ hatte, kann keineswegs sür eine Verbindung sprechm. Andere Parteien find eben so glücklich, im Inland« ihre Zettungen zu haben, die Sozialdemokraten find aber ge« nöthigt» ihre Blätter im Ausland« zu suchen. Herr Bebel sagte: der Sozialdemokrat stellte der Patteileitung lediglich ein weiße» Stück Papier zur Verfügung Danach war da» Ver« Hältnitz de»„Sozialdemokrat" genau dasselbe, wie bei der „Norddeutschen Allgemeinen Zcitung", deren Unabhängigkett ja bekannt ist, zu dem de» Fürsten Bismarck. Datz die Ange» klagten dem«satte, in dem fie ihre Kundgebungen veröffent« lichen konnten,«inen möglichst großen Lesertreis wünschen, ist selbstverständlich, eben so wie ich mich freue, wenn z. B. die„Freifinnige Zeitung" einen großen Leserkreis gewinnt. Ich wünsche dem„Sozialdemokrat" keinen großen Leser« krei», die Angeklagten werden da» mir, der ich zur deutschfrei» finnigen Patttt gehöre, nicht übel nehmen. Bei dieser Gelegenheit mutz ich die Angellagten in Schutz nehmen, die fich nicht gleich den Herren Bebel und Vollmar offen erklärt haben: fie wünschen dem„Sozialdemokrat" einen wttten Leserkctti. Die Herren find eben etwa» anspruchsvoller und möchten gern etwa» Bessere» al» den„Sozialdemokrat" haben. Ja der um« fanzrttchen«nklageschrist, in der Steinchen für Steinchen mühsam zusammengetragen ist und die einem Mosaik« bilve gleicht, habe ich vergeblich nach dem Kern der Pattei gesucht. Wenn man die Delegitten de» Kopen« Hagener Kongresse» für den Kern hält, dann entsteht unwillkürlich die Frage: warum find die anderen 51 D-leaitten nicht gleich mit angeklagt? Ist e» die Parteileitung? Waru n klagt man dann die anderen Abgeordneten nicht an und wie kommt man dazu, die Herren Müller, Ulrich und Heinzel, die doch nicht Abgeordnete find, vor den Richter zu ziitren? Ich bin nun der Mttnung, e» ist nicht nur nicht ttne Verbindung vorhanden, die Angeklagten haben auch nicht den Versuch ge« macht, durch ungesetzliche Mittel da» Sozialistengesetz unwirksam zu machen. Wenn fie erklätt baden, ste erkennen da» Gesetz nicht an, so hahen fie dasselbe gethan, wie die Mitglieder der Zentrum»« patttt, die mtt diesem ihren passiven Widerstände auch Erfolg hatten. Wenn Jemand im„Sozialdemokrat" schreibt:„Wir werden da» Sozialistengesetz brechen wie und wo wir können", so find dafür doch nicht die Angeklagten verantwortlich zu machen. Ebensowenig wie Fürst Bismarck für den Gesammt- Inhalt der„Norddeutschen Allgemttnm Zeitung" verantwottlich zu machen ist. Wenn auf dem Wydener Kongreß beschloffen worden ist, da» Wort„gesetzlich" au» dem Programm zu strttchen, so finde ich da» sehr erklärlich. Damit ist doch aber kttneiweg» ge« sagt: e» sollen nunmehr ungesetzliche Handlungen unternommen werden. Der Beschlutz geschab lediglich au» dem Grunde, datz man die sozialdemokratische Pattet mtt anderem Matze al» andere Patteien mißt. C» war lediglich ein Protest gegen ein Ausnahmegesetz, wie er auch zur Zett seitens de» Zentrum» gegen die sogen. Maigesetze erhoben worden ist, kttneSwegS aber gegen da» gemeine Recht. Die gegenwärtige Anklage hat bereit» eine lange Geschichte, die verschiedensten Gerichte haben nicht finden können, datz die Erfordernisse einer Straft hat im Sinne der§§ 128 und 129 de» Strafgesetzbuches vorhanden find, ich bin der Ueberzeugung, Ihr Spruch wird ebenso wie der der Chemnitzer Richter auf Freisprechung lauten.— Oberstaatsanwalt Schwabe: Ich gebe zu, die Anklage aleicht einem Mofaikbild; e» ist aber auch erforderlich, datz der Gerichtshof nicht blo» die Einzelheiten prüft, sondern mehr da» Gesammtbild auf fich einwirken läßt. Vetthttdiger R-chtSanwalt Munckel bezeichnet diesen Stand» punv de» Oberstaatsanwalt» für sehr bedenklich, der Richter habe lediglich die vorliegenden Thatsachen zu prüfen.— Angekl. Bebel: Ich will nur noch bemerken, datz, wenn hervor agende Richter und sonstige Juttsten über den Begriff „Verbindung" eine so grundverschiedene Auffassung hiuen. dann kann der G-richishof unmöglich verlangen, daß wir al» Laien genau wissen, wo die Grenzen der Verbindung zu suchen find. Zum Mindesten Hut un» doch da» Bewußtsein der Strasdarkeit gefehlt. Ich mutz hierbei nochmals erwähnen, datz schon im Jahre 1880 da» Landgettcht zu Elberfeld und im Jahre 1883 die Staat»« anwaltschalt zu Kiel die Anklage abgelehnt haben. Man hat e» alSdann bei der Staatsanwaltschaft in Lttpzig oersucht» da ich im dotttgen Gerichttdezirk wohnte, doch auch diese Be» Hörde hat die Erhebung der Anklage wegen Mangel an Be« wttsm abgelehnt. Mehr Erfolg hatte man in Chemnitz, in dessen G-ttchtS« bezitt Vollmar wohnte. Allttn nach eingehendster Vorunter« suchung und nach dreitägiger Verhandlung kam der Gericht»« Hof, der fich volle acht Tage Z-it zur Urthei!» Verkündigung Netz,»u dem Ergednitz. daß«ine Verletzung der§§ 128 und 129 de» Strafgesetzbuches nicht vorliege. Mir scheint e» allerdings, al» wolle man dir» Mal unsere Veruttheilung um jeden Prtt« bewirken. Ich erinnere mich hierbei an die Aussprüche der GeneralstaalSanwälte v. Schwarze und Held, die übereinsttmmend sagten: ES ist Pflicht der StaatSanwätte, nicht blo» alle belastrnden, sondern auch alle entlastenden Mo» m-.nte anzuführen. Zu mttnem Bedauern habe ich da» bei dem gegenwättigen Herm Staat»anwall vollständig vermißt. Hätten wir in der That eine gehttme Verbindung untyhalten, dann wäre wohl die Entdeckung derselben, angesichts de» in Deutschland auSgebilSeten Spitzelthum», angefich.o de» gestern zur Verlesung gebrachten Rundschreiben» der Berliner Polizei» Vor ttniaer Zttt hat auch da» hesfikche Ministerium ein solche» Rundschreiden an alle Polizeibehörden de» Lande» er« lassen, da» Thun und Treiben der Sozialdemokratie genau zu beobachten und reaelmöß'g in der einaehendsten Weise Bericht zu erstatten. SS schwebt deivalb ein Verfahren, da man der Meinung ist, da» vckriststitck könne nur durch Berrath eine» Beamten zu unserer Renntniß gelangt sein; man war ja auch der Meinung, da» Rundschreiben de» preußischen Ministerium» de» Innern sei durch einen sozialistischen Landrath verrathen worden. ES ist aber anzunehmen, daß da» jüngste Rund« schreiben de» hessischen Ministerium» nicht allein dasteht, denn eS ist längst bekannt, daß die Berliner Polizei ReichSpolizci ist. Wie hätten wir auch auf den Rongreffen etwas Straf' bare» unternehmen können, ohne Gefahr zu taufen» verrathen zu werden. Ich garantire z. B. keine»w«gS für die voll« Biederkett der 60 Delegirten auf dem Ropenhagener Rongreß, ja ich möchte kaum für alle 9 Angeklagten die volle Garantie übernehmen. Ich weiß nickt genau, wor e« Palmerston oder Beust, der einmal sagte:„Käuflich ist jeder Mensch, eS kommt blo» auf den Prei» an, der geboten wird"..... Wir hatten allerdings ein Jntereffe, von den Geschäft»« büchern des„Sozialdrmokrai" Renntniß zu nehmen, da wir zum großen Thetle DarlehnSscheine aus denselben hatten. Hätte ich geglaubt, daß man auf diesen Punkt so großeS Gewicht legen«ü de. so hätte ich beantrag«, da» Berliner Polizeiprästdium zu befragen, ob nicht der verstorbene Rarl Höchberg daS meiste Geld zur Begründung de»„Sozial- demokrat" hergegeben hat. Ich hoffe, Sie werden gleich den Chemnitzer Richtern auf unsere Freisprechung erkennen. Die anderm Angeklagten haben nicht» weiter anzu« führen. Der Prästbent theilt alsdann mit, daß die Urtheilsver- kündigung am Mittwoch, den 4. August, Nachmittags 4 Uhr, stattfinden wird und schließt hiemach gegen lV» Uhr Mittag» die Sitzung. t Der Kampf gegen die Gehetmmittelfabrikauten ist ein« der gemeinnützigsten Thättakeiten der Staat»anwalt« schatten und der Polizeibehörden. Der Erfolg enttpricht zwar oft den Anstrengungen nicht; es gelingt dm geriebenen Spe« kulanten auf die Leichtgläubigkeit und Unwiffenhett dutck die Maschm de» Rechts zu schlüpfm, oder mtt einer kleinen Geld« strafe davonzukommen, welche tausmdfach durch dm hohm Verdienst gedeckt wird, welchen das Geschäft noch immer ab« wirst. Die eigentlichen Spesm mtstehen für die Rurpfuscher nicht durch die Ausgaben für die medizinischen Bestandtheile ihrer Präparate, die mit wenigen Pfennigen gedeckt werden. sondern durch die Rostm, welche die ReName verursacht, durch die Gebühren, welche ste für Annonzen in den gelesensten Weltblätt'm bis zum kümmerlichm Organ für Rrähwinkel herab zu zahlen haben. Ja edler Uebereinsttmmung nehmm konservattoe. liberale und uttramon- tan« Zeitungen jene Anpreisungm von„unfehlbaren" Hell- Mitteln gegen alle und noch einige Rrankhetten auf und ver« öffentlichen die Avreffm jmer Wunderthäter, an welche fich die kranke Mmschheit„vertrauensvoll" wendm und von dmm ste „gegen Nachnahme" die Arkana beziehen kann. Freilich, Geld riecht nicht, und dem Geld« in dm Rassen der Insertion»- Bureau» kann man e« nicht ansehen, ob eine Wtttwe die Ver« kauftanzeigm deS Nachlasses ihre» Manne», oder ein „doctor philadelphiae" die spaltenlange Ankündigung seine» „neuesten" ficheren„Speüfikum» gegen die Fallsucht" damit bezahtt hat. Solange e» mit der Ehre der Journalistik für vereinbar Hastesten und gemeinschädlichstm hinter dem Strich Vorschub zu ste vor dem Strich mit einem phänomenalm Aufwände von Sittlichkestsgesühl bekämpft. wird diese Bekämpfung eitle Heuchelei sein und wird da» Geheimmittelunwesen nach wie vor writerblühen. Zurückweisung jeder«nnonze, die irgend- wie der Spekulation auf die Leiden der Menschheit dient, ist da» einzige Mittel, um den Medizinal. Gaunem da» Handwerk einzuengen, aber wie die Verhältnisse liegen, wird e» niemal« gewählt werden. So bleibt allein die Hoffnung auf die wach« sende Verbreitung der Bildung, auf die Zunahme der Rmnt« nisse von der Art und den Verrichtungen der Or« gane de» menschlichen Körpers übrig, Renntniffe, die am besten durch die Schul« zu vermitteln wärm, die getrost einige Religionsstundm opfern könnte, um«inen vernünfiigen Unterricht in der Anatomie und Phystologie Raum zu schaffen. Dann würde endlich die tausendjährige mystische Scheu und geheimnißvolle Angst der Menschheit vor dem mmschlichen Körper schwinden, die ste zur willenlosen Beut« der„HeilkünstUr" aller Art macht und die st« täglich im Unverstände gegen die eigene Gesundheit sündigen läßt. E» würbe auch die thöricht« Anschauung schwindm, daß gewiffe Krankheiten al» veroehmt zu gelten hätten und al«„geheime Leidm" zu beharrdeln seien, während doch wahrhaftig die Ur« fachen jener Leiden nicht dadurch beseitigt werden, daß man ihre Wirkungen verbirgt. Gerade die an sexuellm Rran'hetten Leidenden find ein Jagdwild für die Rurpfuscher. Ost bringt jene Gattung Rrankhettm an fich schon eine gewiffe Hypochondrie mit stch; hier setzt der Geheimmittelfabrikant ein; Brochuren, die unter oielversprechm- dem Titel, wie:„Jugendspiegel".„Selbstdewahrung"%. laufen, schildern die Folgen jener Rrankhettm in den schwarrestm Farben, stellen ficherm Tod. unhellbare» Siechthum in nächste gilt, der schwindet- Reklame im Theil« leisten, während man BuSstcht. Nu« ist der Kranke reif, er bestellt so schnell wie möglich jme„aus dm träfligsten Kräutem" bereitetm Mittel, die durch„unzählige Dankschreiben Geheilter" in der Brochure empfohlen sind und bezahlt. Der Verlust de» Geldes ist nicht da» Schlimmste; dem Kranken wird auch, währmd er da» Geheimmtttel vergeblich anwendet, die Zell gestohlen, in der ihn ein gewiffmhaster Arzt noch hätte heilen können. Der Geheimmittelschwindel ist gemeingefährlich. Zu dlesm Bemerkungen wurden wir durch eine Gericht»- Verhandlung oeranlaßt, die gestern vor der 92. Abtheilung de» hiestgen Schöffengerichts stattfand. Angeklagt warm der Medtzinakrath Dr. Müller, der Buchhändler Friedrich Stahn und der Onkel de» letzteren, der Uhrmacher Karl Kreikmbaum, wegm Betrüge», Beihilfe. Verstoße» gegen die Gewerbeordnung und Führung eine» falschen Titel». Die Genannten find dt« Verfertiger und Vertteiber der„Miraculo"- Effmz, eine» „unfehlbaren" Mittel» gegen Geschlechttkrankhetten aller Art, Ausschweifungm, Sterilität rc. Der Buchhändler Stahn betreibt in der Wilhelmstraße einen Buch« Handel. In dem Hinterhause befindet fich die„Fabrik", wo die„Miraculo"« Effmz hergestellt wird, d. h. ein Zimmer, wo ein Haushälter in der Mittagfiunde, damit die übrigen Angestelltm nichts von dem Betrieb merken, gewisse Jngredimzim nach Anweisung„zusammen- manscht". Empfohlen wird dieses Wunderelexir durch eine Brochure, die von einem„Oberstabsarzt" verfaßr und von dem Angeklagten Dr. Müller vecbeffrrt ist. In dieser Brochure wird dm Kranken eine„Heidenangst" gemacht und das„Mt> raculo" empfohlen. Die Effmz ist nach dem Zeugniß de» «erichtlichen Phystku» Dr. Long vollständig wirkungslos. Sie t nicht direkt von Berlin au» verschickt worden, sondern von Braunschweig au», wo Kreikmbaum als Agent fungirte. In der Verhandlung wie» Dr. Müller nach, daß er den Doltort-tel von der Universität Jena erhallen und daß da» Füist-nthum Waldeck ihm dm„Medlzinal-ath" verliehen hat; auch hat er da» Apothekerexamen erstw Klaffe abgelegt. Die bezüglichen Urkundm legte er vor. Ferner legte er eine Anzahl von An« erkennungsschreiden über die Wirkung seiner Medikamente vor und verstcherte, daß er die» nicht allein an stch, sondern auch an manchen Japanem und Lstlndiem erprobt habe. Für die Uebergab« der Broschüre und Rezepte habe er von S. sett vier Jahrm nicht mehr erhalten, al» durchschnittlich eine Mark pro Tag. Der medizinische Sachverständige, Sanitätsrath Dr. Long bekundete, daß dl« Broschürm vom wiffenschastlichen Standpunkte betrachtet, eine Masse„Unfinn" enthallm, daß die Heilmittel allerdings nicht schadeten, die Rrankhettm, gegen die ste gegeben wurdm, aber auch nicht heilten. Es sei möglich, daß die Angellagten in gutem Glauben gewesen sein könnten, fie würden eine günstige Wirkung aus« übm. Staatsanwall Stachow hielt die Änklaae aufrecht und deanttaate bei der Schädlichkeit derartiger da» Publikum treffen' dm Tauschungen eine Gefängnißstraf« von je 6 Monaten, gegen St. und Dr. M. noch 300 und gegen R. 200 Mark. RechlSanwall Dr. Friedman» plaidirte für Freisprechung, da der gute Glaub: der Angeklagten nicht in Zweifel gestellt weidm könne. Der Gerichtshof schloß stch diesen Ausführungen an, sprach die Angellagten von Strafe und Kosten wegm deS Be« trüge» stet und oerurtheille nur S. zu einer Geldstrafe von 50 M. wegm Verstoßes gegen die Geweibeordnung, da er nicht berechtigt gewesen sei, Medikammie anzuferttgm.— Vorausstchttlch wird die Sache noch ein« höhere Instanz be- schäftigm._ Dereine und Versammlungen hfi. Unter de» htefiae« Parquetbodeulegern ist in der letzten Zeit wieder«in« Bewegung zur Regelung resp. AuS« gletchung der Lohnverhältniffe rn Fluß gerathen, wozu beson- der» der„Verein der Parquetbodmleger Berlins" ic, die Initiative ergriffen und eine rege Thätigkett entfaltet hat. Nach- dem er bereit» am Schlaffe de» vorigen Monat» in seinem Vereinslokal in der Mauerstraß« 86 eine sehr zahlreich desuchte Versammlung abgehalten, zu welcher auch die hiestgen und auiwärttgm Ardettgeder res». Fabrikanten und derm Agenten eingeladen und vielfach erschienen waren, berietb er schon am Montag, dm 26. d. M., Abend«, wieder üd-r die Luge der Fabrikation in der Parquetdodenbranche resp. über die in der« selben zur Zell gezahlten Arbeitspreise und da» Verhallen der Parquetbodmleger demgmenüder. In der ersterwähntm Ver« sammlung referirt« der Vorsttzmd« de» Verein», Herr Heß, über die Ungleichheit der hier ortsüblichen Arbeitslöhne und die daraus für die Parquetbodmleger drohende Gefahr«irrer Lohnreduktion, weil auch dt« besser zahlenden Unternehmer fich veranlaßt sähen, gleichfall» mit den Löhnen herabzugehm. Herr Schmitz be« mertte in der DiSkusfion, daß nach dem im Jahre 1684 auf« gestellten und von den meisten Unternehmern auch angenom« menm Lohntarif für Bodmleger 90%. pro lH Meter Parquet« und 1,50 M. pro □Meter Stadbodm bezahlt werde. Diesm Tarif solle man neu auflegen und ollen noch nicht nach ihm Shlendm Ardeitgebern unterbreiten lassen. Herr Frigge sprach sonder» für die B.settiaung der Pfuscharbeit„Hand in Hand mit dm Meistern", derm Interessen ein Zusawmmgehen mit den Bodmlegem erfordern. Herr Merkel ergänzte dies dahin, daß die Meister(so heißm in dm Bronchen die Werkführer) alle Ursache hättm, gemeinschaftlich mll dm Pa-quetbodenlegem die Verhält- niffe so zu regeln. Hr. Groß(Fabrikant) empfahl besonnene» Vor- pehm und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Tarif vo« 13 j4 schon in naher Zeit zur ausnahmslosen Annahme tw» Durchführung g-langm werde. Er räumte besonders auch eis, daß fich die Meister ebenfalls gegen die Fabrikanten schütze» müßtm. Den Schluß dieser Versammlung bildete die«»- nähme de» den Neudruck de» Tarifs pon 1884, sowie dessen Versendung und planmäßige Durchführung bezweckmdm An- trage».— In der zweiten Mitgliederversammlung in demselben Lokal« refertrte abermals Hr. Heß über die hiestgen Platzoerhällnisse. Dem Referenten zufolge zahlen die Agentm auswärtiger F» ditken die besseren Löhne an die Meister resp. Ardeller ssd Parquet- und Stabdovenlegen, nämlich pro Quadratmeter für Parquet« dezw. Staddoden je 90 Pf. oder bezw. 1 M. 20 PL während die hiesigen beispielsweise für Parquet pro Quadrat- meter nur 80 Pf. zahlen. Dabei sei das A> beitsmatertal i-n Allgemeinen von gleich guter Qualität, nur verursache daS hie- fige Fabrikat dem Leger schwerere Arbeit. Ferner gab Rist- rmt zu bedenken, daß nicht nur in den sogmanntm Gründer- jahrm weit höhne Lohnsätze bezahlt worden seien, sondern zum Theil schon in den sechS, iger Jahrm theilS Höhere, theilS die- selben wie heute. In der Di»tusfion wurde u. A. mit- getheill, daß eine der bedeutendsten Berliner Firmen, die von Groß, Rllterstraße 118, bereits seit einiger Zrit freiwillig statt wie früher 80, nunmehr 90 Pf. für den Quadrat- metet Parquet bezahlt. Einige Redner meinten, nun würde» wohl auch die Firmen Kampmeqer und Leibe u. Ko., weis« noch immer nur 80Pf. geben, nicht mehr länger zög-m könne», gleichfallt 90 Pf. zu gewähren. Fast sämmtliche Redner be- tonten, daß die derzellige äußerst starke Nachfrage nach Arbeitskraft es dm Parquetdodenlegern bei nur einigermaßm fest«» Austreten nicht schwer fallm laffen würde, allgemein die höhere» Pofilionen de» Lohntarif» bewilligt zu erhalten. Ein bei der letztgenannten Firma arbellendes Mitglied de» Vereins th-M u. A. mit, daß der dortige Meister, um, nach dem Wunsche des Prinzipals, die Einstellung von hiestgen durchweg als besonder» tüchtige Arbeitskräfte bekannten Vereinsmitgliedern thunlid' vermeiden zu können, selbst auf die Bauten stch begeben,»" den minder guten Arbeitt kcäftm de» Geschäft» dort beim M legen nachzuhelfen und fie erst noch„anzulernen". Zuletzt beschloß die Versammlung, den Tarif von 1884(Pmquet Ms Quadratmeter 90 Pf. und Stab pro Quadratmeter 1,40 v- wodei Stäbe von 60 Zentimeter dt» 1 Meter in Winkel f legen) voll und ganz ausrecht zu halten bezw. zur allgemein Durch'ührung zubringen. Die Tabelle soll.noch im Laufe W Woche zur Ausgabe gelangen.— Wie mitgetheilt wuroe, ff der Verein am 14. l. Ml», in Moabit(bei Donath) drilte» Stiftungsfest und findet die nächste Vereint> Gene»« Versammlung am 9. k. Mti. wieder in demselben Lolale s>� Eine gut besuchte Fraueuversammlung fand»* 22. Juli in Großenhain(Sachsen) statt. Frau Ihrer au» Bett? hatte den Vortrag übernommen und oertrat den Standpulw der Frauenemanztpation in allgemein verständlicher Weise, ff daß fie den Beifall der Versammlung ungetheilt fand. Au« die, welche sonst über die Bestrebungm der Frauen spölW» oder ketzerrichterlich aburtheilen, konnten s hlechterdings fl'»'" die Wahrhiit der überzeugungSt-.m ausgesprochenen Grunds«' nur mtt Achselzucken ihren einsettigen Standpunkt oettret«� An der auf dm Vortrag folgenden Debatte delhiiltgte>r ff* die Herren Nitzschke und ReichStagSabgeordneter Geyer lern« Frau Ihrer. Den Vmsttz führt« Herr Nitzschke, dem Larsen asststirte., Eine Tabakarbetter-versammlung, die am 27. Jus im Frankfurter Hof in Altona tagte, nahm eine Resolution& wonach eine Petition an den R ichitag bei sämmtliit? Ztgarrenarbeitem Deutschlands zirkuliren soll, in der gebet"' wild, die Zuchthausarbeit abzuschaffen. Setzte Kachrichte»._... Et» arbetterfreundltcher Sntrag beschäftigt dm P � Gemeinde! ath, nämlich der Antrag Longuet'S, bei den Sta» arbeilen dm achtstündigen AibtilSlag mtt pflichtmäßiger Solw tagSruhe und jährlich im Lahällniß zum Marttpr-is« der Lebensbedürfnisse festzustellendem Mindestlohn einzuführen. Gegenstand wird mehrere Sitzungm beanspruchen.„ j. Dte englische KabtnetSdtldung ist erfolgt. � Crandrook ist zum Präfidentm des Geheimen Raths erna»»' worden, Chaplin zum Präfibmtm des Lokal- Governmmt vtanhope zum Präsidenten deS Handelsministeriums, Lord JA Manneii zum General Postmeister, Plunket zum Minister®?, öffentlichen Arbeilen, Sir Richard Webster zum StaatSanof und Lord«shbourne zum Lord-Kanzler in Irland. England und Ehtna. Daß Reutersche Bureau em in Peking sei eine Konvention»wischen England und is, unterzeichnet wordm, worin fich China mit der englischen*5 lchaft in Birma elnverstandm ervärt und Förderung% Hände», welcher durch ein besonderes Abkommen g«™ werden soll, verspricht. Da»„Offenbacher Tageblatt" ist auf Grund der 39 und 172 verboten wordm.. Eentral- Theater. Adolph Ernst. abend, den 31 Wald- Teufel. Mannstädt. Theater. Freitag, den 30. Juli. Oclle-Allianee- Theater. Da» Parodie». Ge« 'anas poffe in 4 Allen von Leon Treptow und ii Herrmann. ?->« ad« Theater. Vom Golde verführt. Ußtiorta- Theater. Amor. Tan» Poem von ta'.gi Wsnzotti. » lhalla-Theater. Ccwricciosa. Wieder. Eröffnung: Sonn. Juli. Zum 1. Male: Der ffcsangsposse in 4 Mm von .. Kouplet» von G. Görß. Billet« Vorverkauf beginnt Donnerstag, den 29., von 10-1 Uhr an der Theater« Kasse. Die vorher destellten Billet» müffm bis spätestens Freitag Mittag 12 Uhr von der Raffe abgeholt werdm. «öntgstädttsche« Theater. Di« Zigeuner. baronin. ...... 1 Tr. SM.- 10» alaer-Psnorama. Neu l Zum ersten Male: — Sine Reise durch Schwede«. Fachvereiu der Drechsler, Äuopfarbeiter# verw. Serufsz. Mitvlwdv-.N--f-«n»w»s am Sonnabend, dm 31. Juli, Abend» 3 Uhr, in KSgvr'» Lokal. Grüner Weg 29. Siehe redaktionellm Theil am Sonnabend. 221]_ Der Vorstand. Heute, sowie täglich: Schweizer Garten. Grosse» MMitSr-S-neert, Anftrete» sammtlicher KpeftalftStea. Sheatervorstillunz. v-lk»bel« stiouugea aller Art. Petreaeu-Trotzme. llumination und Beleuchtung. Auftreten der beliebten__ Im Saale: Gaatzkränzche«. Abend»: Große_______ Eatree 30 Pfennig. M Am Mtttwochl'Än??? d.°M.. starb treue» Veretn»mttglied, der Restaurant »tart Kitzramm. Die Beerdigung f heute, Freitag, Nachmittag» 4'/» Uhr,'S der Leichenhalle de» katholischen Rir»�.,, in Britz au» statt. Um reg« Belheittg� bittet Der vorstand de» Arbeiler-Veztrksvereins de*> Orarrtenb. Vorstadt»nd de» Weddtw� «Dammmäntel ��a,] I Mäntelfadr. r- Die ÄMldemdrM in dem Deutschen Neichstaze. Komplet Heft 1—5. tr nssv 44. S»stat gestutzt zur Errichtung einer Herberge, verdundm mtt Arbeitsnachweis für die Stell- macher Berlin». Reflcttanlm wollen ihre Adresse M# pätksten» zum 3 /8.86 bei Uob.«larrbitz, Görlitzerfiraße 60. abgeben.[220 [1037 Ein ordentliches I sucht sofort Ü. Tempel, «-««ral-Nerfammlrra� t der Mitglieder bei»U Ueceias zur ßllulßruug der Ini�" der Klavierarbeiter Sonnabend, den 31. I u U-M- in GratmeU'« Kierhallen, Kommano straße 77/79(unterer Saal).- 1. Bortrag bei Herrn Dr. BenkenV°n Fmerbestattung. 2. BierteljahreSadwch'', �«s Ausschluß eine» Mitgliedes. 3. und Fragekastm.,_ nD4 ia> NB. Diejenigen MUalieder. welch*""„ve» Rückstand« mit ibrm vetrrägm go auf dm§ 6 de» BmewSstatutS�aufm«« � «t« Ktalstato«*'', "»SÄ* Verantwortlicher Redaktem R. Grönheim in Berlin.— Druck und Verlag von Max Babing, Berlin SW, Beuthstr. 2.