Nr. 206. Konnabend» den 4. September 1886. III. Jahrg. crinurlMiiill Brgan für die Interessen der Arbeiter. Ehiikslschv. Mit ei»em wahren Feuereifer habe« sich die europäi« ij de, europäische» Industrie auf die Strümpfe zu helfen. chinesischen Arbeiter, die fast umsonst arberten, und . t! Rei« und Wasser leben, werden für die Spekulanten ,5 Großindustrie keinen genügenden Absatz beschaffen Wir haben schon oft nachgewiesen, wie die unheil- «°lle« Wirkungen schlechter Löhne immer wieder die Zn« �strie selbst erreiche«; hier ist ei»»euer Beleg dafür. , Aber der Chinese ist überdies mißtrauisch und»er« ichimtzt; die groben Trompetenstöße, mit denen ihm die «jttopälsche« Waaren angkpriesen werde», mache» ihn stutzig. .auch bei« Eisenbahnbau, bei dem fich die europäische» Lieferanten ChZL � Chines«. Hunderten anbieten. Herandrän» Di«»freie Chinese über dies« plötzliche und ungeahnte Füll« von Wohl» »olle» erstaune»«uß. Die»Hamb. Börsenhalle' e»t»im«t kngltsche» Blättern eine» Artikel, de« wir bereit« kurz be» rilhrien und in welchem da« Treiben der europäischen Unter» urhmer in China wie folgt geschildert wird: .»Es steht jedenfalls fest, daß die verschiedene« Spndi« welch« China in jüngster Zeit so entgegenkommende uafmerisamkeitea erwiesen habe«, durch ihr Vorgehe» dem Uisenbahnbau die größtmögliche« Hindernisse bereiteten. r*# posaunte seine Ausfichte» so überaus laut au«, daß iv Ehinese» dadurch stutzig gemacht wurde«. Man schmeichelte Jf*** und haranguirte sie so lange, bi» sie mißtrauisch Mde». Sie vermuthete», daß, wen« die Elsenbahne« all v.. Eatgegenkomme« werth seien, doch noch etwa« da» /�«stecken müßte, da« zu begreifen fie bi« jetzt JeuMeton [41 Spuren im Saude. Roman von Ewald August Köatg. Ferdinand suchte vergeblich seme Verlegenheit zu vir» 52?: Er hätte dem Freunde, der ihm alle« so off« und Ä durchweg wahr und keineswegs üdertmbe« waren, duß ihnen nur die redlichste Absicht zu Grunde lag. U»d der«edanke an»dda hielt ihn auch zurück, die b»?°uin g« jtt warm in Schutz zu«ehtne« m»d ihretwegen �warnenden Freunde de« Handschuh hinzuwerfen, und Vto i•* aufrichtig sei», so mußt« er gestehen, daß e< schon !>L"j» reute, der Baronin so rasch«in bindende« Ver» �ru gegeben zu haben. foi.»Frau von Raven könnte ei» andere« Mittel gefunden tos?.'.dem Schiffbruch zu entgehen," sagte er,»der Weg Bühne steht ihr offen—" spoui �"d« Sie, daß fie diese» Weg gehe« würde? �b?««t.„Sie denkt nicht daran, wen« fie e« Zhnrn hat. Ich bestreite nicht, daß fie eine hübsche d,g% hr>, aber für die Bühne reiche« ihr, Mittel nicht d>»d- u>ürde fie nur für kleine Rolle«»erweade» könne», de»«.il** Baronin Raven damit nicht gedient ist, wer« J» schol �ben. Sie weiß da» selbst sehr wohl, fie wußte damals, al« fie die Bühne verließ, um die Gattin «hl itt werden.- Uand.' hfj*! 4 fest entschlossen dazu," erwiderte Ferdi» »ich sage Zhne» da» n«>« tr°Ä���Di,kretio» vertrauend." �lch bj, Lächeln««zuckte die Lippe»«urt«,«r senden Zigarre und warf dabei einen „Sie de» Referendar. außer Stande find, und fie beschlossen daher zu warte», bi« die ganze Materie ihnen verständlicher ge« worden ist. Der Eine bot ihnen Geld zu bei ihnen nicht üblichem und zwar zu einem Zinsfuß« an, der erheblich unter de» in China gangbare» Zinsraten fich hielt;«in Anderer erklärte, daß eine bestimmte Art von Eisenbahn für Chma am besten fich eigne; ein Dritter empfahl ihnen an der Küste de« Golf von Petscheli«in« Bah» zu Bertheidi» gungizweckeo zu baue«, welch« mit Geschützen bedeckte Eisen» bahawage« tragen sollte. Folge aller dieser eifriaev Offerten und Empfehlungen ,st dann gewesen, daß die Chinese» er« schreckt und mißtrauisch geworden find und daß vorläufig die ganze Angelegenheit auf die lange Bank geschoben zu fem scheint." Daß unter solchen Umstände« die Chinese» übermüthig werde», ist leicht zu begreife«. Die wanchesterlichea Blätter, vor Allem die»Frei» Handelskorrespondenz", ziehen au» diesen Eischeiaungea de» Schluß, daß man von StaatSwege» die„Ueberproduktion" nicht beseitigen könne. Nu«, da find wir den» doch anderer Meinung. Daß unsere eigenen schlimme« wirthschastliche» Zu» stände nicht zu beseitigen find durch die tolle und planlose Zagd nach fremde» Absatzgebiete», da« glauben wir auch. Aber der Grundfehle, lieg» auch nicht in dem Mangel an Absatz in überseeischen Länder«. Er liegt in dem Mangel an Ab» satz bei uns selbst. ES ist schon ausgeführt worden, daß die„Ueberpro» duktion" eigentlich nur«ine scheinbare ist und daß fie kaum bestände, wenn die Zustände innerhalb der moderne« In» dustrie weniger anarchisch wäre». Weil unsere Volksmasse zu»enig koosumirt, in Folge ihre» zu geringe» Einkom» «eos, bleibe» die Waaren liege» und müsse» ausländische Absatzgebiete aufgesucht werde«. Die dabei zu Tage tre- tende»frei« Konkurenz", da» Her-bdracke» der Preise geht auf Koste« der Arbeiter vor fich und verringert dadurch immer mehr und mehr den heimischen Konsum. Wen« ein« wahr« Sozialreform in» Lebe» gerufen werden würde, eine solche, welche Maßregel» gegen die über» mäßige Ausnutzung der Arbeitskräfte träfe«ad dadurch da» Einkomme» der Einzelne» steige» machte, so würde auch der inländische Konsum wieder steige» und die„Ueber» produkt, on" würde abnehme«. Aber die Unternehmer müßte» dann eine Quote ihre» Profit« in Form von höheren Löhne» abgebe» und das wolle» fie nicht. Lieber wolle» fie e»»och bei de» Chinesen versuche». Sie werden e» dort nicht finden. Wir find iudesse» überzeugt, daß man gegen diesen Zustand über kurz oder lang mit staatliche« Maßregeln ankämpfe» wird. Die Re» gieruagen werde» fich entschließe» müsse«, zu versuchen, ob „Herr Baron, Sie sagen da» alle» in einem Tone—" »Der Sie nicht beleidige» kann, weil ihm«ine solche Absicht nicht zu Grunde liegt l Sch errathe/wa» zwischen Ihnen «ad der Baronin schon vorgefalle» ist, ich beschwöre Sie, widerstehe« Sie der Versuchung und renne« Sie nicht mit offenen Auge» in» Verderbe« hinein. Ware« Sie auch mit diese» Leute» befteundet, da» verpflichtet Sie noch nicht, fich für fie zu ruinirev, glauben Sie mir, auf Dank brauche» Sie nicht ,» rechne», man benutzt Sie, so lange man eine« Groschen au» Ihnen herauspressen kann, und«ach Zhne» wird ein andere, da« zweifelhafte Vergnügen genieße», de, Freund der schöne» Frau zu sein." Ferdinand hatte die Lippe« aufeinander gepreßt, die Zigarre war längst erloschen, er zerstieß fie im Aschenbecher, al« ob er an ihr seine« Groll auslasse« wolle ihm mit erschreckender Klarheit und Schärfe zeigte. Kann ei« verpfändete« Wort zurückgenommen wer« den?" fragte er achselzuckend.„Stn Vnfprechen muß man ��Wea« man es halte« kann I Wa» habe« Sie ver« sprochen?"._ „6« wäre indiskret— Nicht doch ich werde Zhr Vertrauen nicht tSusche«, ÜSSä™ ÄÄÄ UW-ZAM llaitK'Vbtt«ei« Verspreche« muß ich einlösen die Gesetzgebung im Stande ist, diese» ökonomische» Kala» mitäte» zu steuern. Sie werden vereinigt vorgehe« müsse»; da« scheint uv« nur al« ewe Frage der Zeit. Der Erfolg eine« solchen Vorgehen» hängt davon ad, inwieweit die anzuordnende» Mittel für ihre» Zweck geeignet sind. Die Leistungen der Geheimrathsweisheit find bi« jetzt in diesem Punkt allerding« so ziemlich gleich Null gewesen. PoUttsche Ueverstcht. Die Ewberusuug de« RetchStage«. Die Mit« Heilung der„Nordd. Allgem. Ztg.", daß der Reichstag in Kurzem zm Ratifizirung der Verlängerung de« spanischen Handelsvertrages einberufen werdrn soll, übe,rascht allgemein. Gestern Nachmittag sollte«ine StaatSministerial« fitzung unter dem Vorfitze des Fürsten Bismarck stattfinden, in welcher entschieden werden soll, ob der Reichstag berufen wird, waS dann in etwa 14 Tagen dii drei Wochen geschehen würde. Zuvor müßte seldstoeiständltch der BundeSrath zusammentreten. — Der spanische Handelsvertrag dürste nur den äußerlichen Vorwand zur Einberufung bilden. Fürst Bismarcks Haupt« sächlichstes Anliegen scheint eS zu sein, fich vor dem Volke über die auSwSrtig« Lage auszusprechen und seine Politik zu recht« fertigen. Daß man alSdann heftigen Debatten entgegenzusehen hätte, ist klar. Die fretstnuige Partei bat fich schon gegen die Sozial« demokratie zu Lebzeiten Laffalle'S gewandt, als letzterer noch vom Fürsten Bismarck als„interessanter GutSnachbar" geschätzt wurde— so faselt Herr Eugen Richter in der„Freistnnigen Zeitung".— Die Sache liegt aber gerade umgekehrt. Lrffalle iff die damalige Fortschrittspartei al» f e i g e und a r d e i t e r« kindlich an— leider darf man die betreffende Schrift, da fie auf Grund de» Sozialistengesetze»� verboten ist, nicht zum Lesen empfehlen— und öffnete dem Volk« die Augen über da» prahlerische Treiben~-—- Partei" nicht gefiel, reiben dieser Partei. Daß die» d«r~„freifinnigen ist wohl seldstvelfiändlich; daß der Hero« itlbe auf dem bekannten Scherz des Reichskanzler» noch immer herumrestet, zeugt von bedenklicher Gedankenarmulh. Uedrtgen, find f-mmtliche soziale Schriften Lassalle« unter der Aegid« de« Fürstm Bismarck ve». boten worden. Der„interessante GutSnachbar" war demnach wohl kaum ernst gemeint. Heuchelei. Da» national-polnische klerikale Blatt in Posen, der„Ruryer Pozn.", richtet folgende Aufforderung bezüglich de» Eindringen» sozialistischer Lehren an die polnischen Einwohner: „Ihr Bürger der Stadt Posen behütet und dewachet Eure Werkstätten und Fabriken, damit nicht durch geheime Wühle« reien so verderbliche und für unsere Gesellschaft so vernichtende Bestrebungen und Pläne m dieselben eindringen. met Euren Mitarbeitern christlichen Schutz, für ihre Arbeit, mll einem Dabei wid< christliche Fürsorge und zebt ihnen einen angemessenen Lohn beseitigt die Gründe. „Welche«? Sind Sie um ei» Darlehen angegange» worden?" Ferdinand nickte bejahend. „Und Sie wolle« wirklich fich einem Wucherer in die Arme werfen, um diese« leichtfinnige« Leuten neue Mittel zur Befriedigung ihrer Spielwuth zu liefern?" ftagte Kurt vorwurfsvoll.„Glauben Sie doch nicht, wa« die Baronin »e» sagt I Sobald fie da« Geld erhalte» hat, wird fie ihrem Manne abermal« nach Homburg reise«—" „Ganz gewiß nicht; fie wird diese« Geld benutze«, um ihre« Evtschluß, zur Bühne zu gehe«, auszuführen, und aron der Bruch voll» damit ist zwischen ihr und dem zogen." „Komödie, lieber Freund I Schreibe« Sie ihr, Zhne»«amöglrch, da« Geld herbeizuschaffen, damit find Sie e« sei von Ihrem Verspreche» entbunde«." „Und wa« würde Frau v. Raven von mir denken?" „Da» kann Zhne« ziemlich gleichgiltig sei»; Sie find nicht verpflichtet, sich für dies« Frau zu opfernl Zch fahre sogleich«ach Erlenbach zurück, wolle» Sie mich begleite»?" .Jetzt?" „Jawohl, wen« Sie nicht« bessere« zu thuu wisse», so komme» Sie mit, Sie interesfiren fich ja für Heraldik?" „Außerordentlich I" „Ich habe gestern einige Prachtwerke über Wappenkunde erhalte«, vielleicht macht e« Ihnen Vergnüge«, darin zu blättern. Papa wünscht auch über den Raubmord bei Ihrem Onkel nähere« zu erfahren. Ei« werden ohne Zweifel am besten diese« Wunsch erfülle« können." Der Referendar war in Nachdenke« versunke«, Kurt zog seine Handschuhe an und zündet« eine neue Zigarre an. Sollte er der Einladung Folge leisten? Die Baronin erwartete ihn, fie verzieh ihm nicht, wen» er sei» Wort brach, aber fühlte auch, daß er in dieser Stunde zwischen ihr und Adda wähle» mußte, und so kühl Adda ihm gegen« über auch auf dem Verlobuvgsfeste gewesen war, der innige seelenvolle Blick, mit dem sie gester» Abschied von ihm nabm hatte ihn für jene Killte reich entschädigt.' welche den Aufwieglern und deren Anhän» gern den Weg zum Klassenlampf bahnen können. Je grSHereS Eigenthum ihr au» der Hand(Softe» empfangen habt, desto größer find die Pflichten, die ihr gewiffen« hast zu erfüllen habt, wenn ihr zur Erhaltung de» Volke» und der sozialen Ordnung mitwirken wollt."— Männiglich bekannt ist e». daß gerade die Besitzenden in Polen da» arme Volk seit Jahrhunderten in schmachvollster Weise ausgebeutet haben, daß gerade der polnische Adel kein Herz für die Armen gehabt, daß er vielmehr in schwelgerischer Weise auf Kosten de» Volke» ge- lebt und stch ruinirt hat, daß er da» Christenthum auf der Zunge, aber nicht im Herzen hatte. Und von wem erfuhren wir de» noch besonder»? Von der preußischen, osftziösen Presse, wenn e« aalt, den verhaßten Polen ein» am Zeuge zu flicke». Und jetzt? Die„Norddeutsche Allg. Ztg." druckt obigen pol> nischen, heuchlerischen Qualm ohne Kommentar ab,«eil— ja weil sie eine andere Partei noch mehr haßt al» alle Polen, Weifen und Römlinge zusammen. Zeitbetrachtungen. Unter diesem Titel schreibt Professor Dr. M. G. Conrad einen Artikel für ein liberale» Blatt in Halle, dem wir einen kurzen Absatz entnehmen wollen:„Ad- gesehen von dem revanchelüsternen Frankreich hat in Ruß» land da» Macht gefühl eine di» zu empörender Prahlerei und arroganter Täppischkeit ge- steigerte Ausbildung erfahren. Der Traum einer panflavistischm Ueberwältiguna Europa» wird heule oon den Russen mit offenen Augen und— offenen Mäulern geträumt. Mit dem brutalen Tyrannen-Jnstinkt oer« bündet sich die hrünstigste EroberungSgier. Hier Hilst keine diplomatische Verschleierung: der Kampf ist nur noch eine Frage der Mittel und der Zeit, da» russische Machtgefühl muß sich mit dem deutschen messen, damit e» eine natür- Ii che Bändigung erfahre. Zu unserer Sicherung genügt e» aber in solchen Zeiten nicht, daß die Regierenden wachen, auch im Volte selbst muß da» Machtgesühl al» etwa» Heilige» und Entscheidende» gepflegt und geachtet welden."— So Dr. Conrad. Auch wir wollen von dem„revanchelüsternen Frankreich" absehen, da wir Frankreich nicht mit den Schreiern vom Schlage der Deroul�de» verwechseln. Ader unsere Freude können wir nicht unterdrücken darüber, daß nach und nach mehr Verständniß geschaffen wird über unfern„Erbfreund", daß man endlich einsteht, welchen eroberungslüsternen Staat man vor stch hat, gegen den unser„Erbfeind" ein reiner Waisenknabe ist. Au» diesem Grunde könnten wir un» sogar freum über die bulgarische Rebellion und die traurige Rolle, welche die Zarenlnechte und mit ihnen der„Held von Bul- garien" dabei spielen. Der russtsche Triumph im Orient wird, wie wir hoffen, dazu dienen, dem deutschen Volke die Augen zu öffnen über da» Spiel, welche» die Ruffensteund« in Deutsch- land mit ihm treiben wollen. Sozialistische». In Sachen de» Prozeffe» gegen die 8 in der Thalstraße verhafteten Hamburger Sozialisten haben auf Anordnung ter Staattanwaltschaft in mehr al» 20 deutschen Städten Verhöre und Haussuchungen stattgefunden. Ueber eine derartige Haussuchung erfahren wir au» Düffel- darf Nähere». Man schreibt nämlich der„Fr. Pr." von dort: «Vergangenen Montag Mittag 12 Uhr wurde durch den Kriminallommiffar Herrn van Lamoen bei Herrn Gustav Leh« mann«ine Hausdurchsuchung nach verbotenm Schriften adge« halten, und zwar auf Antrag Hamburger und bftfiger Staatsanwaltschaft. Die ganze Prozedur dauerte V« Stunden. Da» Resultat war, wie auch dem GehauSsuchten auf Ersuchen be- scheinigt wurde, gleich Null, trotzdem Bett, Kochtöpfe, hölierne Stühle u. s. w. sehr genau durchsucht wurden. Man dachte wahrscheinlich einen Zweig de» stch über ganz Deutschland und Umgegend erstreckenden großen„Geheimdunde»" zu entdecken." — Auch in Gallinchen bei Kottdu» fanden vergangene Woche Haussuchungen im Beisein zweier Gendarmen statt. Der „Kottd. Anz." schreibt darüber:„E» handelte stch um die Eruirung de» Thaldestandei der V:rbreitung sozialdemokra- tischer Schriften. Fast kein Hau» wurde verschont. Fast allsonntäglich besuchen Anhänger der Sozialdemokratie Gallinchen und Umgegend.(I) Doch die Polizei ist immer in der Nähe und verettest die verabredeten Versammlungen.(!) Wa» die Haussuchung ergeben, weiß man bi» jetzt noch nicht." Wenn«» irgend etwa» wäre, wüßte man'» jedenfalls schon längst. Ueber einen„Amerikanischen Aatt-vismarck-vand" wußten neundtngt einige Reptile zu berichten. Der Endzweck de» Bunde» sollte eine Verschwörung gegen da» Leben de» deutschen Reichikanzler» sein. Daß dieser„Bund" angeblich schon„seit Jahren" besteht, wird genügen, um sein« große Ge- meingefährlichkeit zn illustriren. Uedrigen» stammt die Nach richt au» der„Amerikanischen Correspondenz", deren Gründer der wegen seiner Verleumdung» sucht bekannte Schriftsteller Th. Hermann Lange ist, ein Jntimu» von Haffelmann, mit dem er früher g-meinschajtlich die„Rothe Jahne" redigirte; jetzt konservativer Reiseprediger, delannt unter dem Namen: Märchen- und Unstnnprediger. Die Krage der verbrecherkolonien wird demnächst die »ahm. Run?- fragte Kurt ruhig, indem er seine» H» »Ich gehe mit Ihnen," erwiderte der Referendar ent- schlösse». Kurt nickte beftiedigt, Arm in Arm verließe» die Beide» da» Kaffeehau»._ Besorgnisse. Der alte Souffleur hatte sein bescheidene» Mittag»mahl verzehrt, er legte Gabel und Messer hin und heftete de« Blick voll warmer Theilnahme auf Gretche», die mit tief« ernste, Miene ihm gegenübersaß. «Ich meine doch, jener Empfang müsse Dir bewiese» habe», daß Du auf eine freudige Zustimmung feiten» der Mutter Hugo» niemals rechne« darfst." sagte er, gedankenvoll da» kahle Haupt wiegend.„Du weißt, wie gerne ich Dich glücklich sehe» möchte, und Du könntest e« werden, wenn Du nur Dich oufreffen und diese» Traum vei geffe« wolltest. Ein Trau« ist e», weiter nicht», e« ist alle« nur Traum in diesem Leben, alle»— alle«, man erkennt'«, wen» man alt ge- worde» ist und auf da« Vergangene zurückblickt. Ich will ja nicht« gegen Hugo sage«, im Geaentheil. ich habe all« Achtung vor ihm, aber auch er kann de» Verhältnisse» nicht gebieten, und zwischen ihm und Dir steht seine Mutier, die auf ihre Rechte nicht verzichte» will." „Dennoch verzage ich nicht," erwiderte Gretche» mit zuversichtlicher Ruh«,„ich weiß, daß Hugo nicht von mir lasse« wird, so wenig»ie ich von ihm je lasse» werde. Man sagt« ja auch früher, sein Prinzipal werde unsere Verlobung nicht billige« und ihn entlassen; diese Befürchtung war völlig unbegründet, Her, Ladenbtrg hat keine» Anstoß daran ge- «ommev. So wäre in Bezug auf die Existenzfrage unser« Zukunft gesichert, und ich vertrau« darauf, daß auch die übrigen Hindernisse schwinde» werden. An jenem Abend konnte ich keine» freundliche» und her,!, che» Empfang e,. »arten- ich war auch nicht mit dem Plane Hugo»«rnver. standen,' aber er wollte e» und ich mußte mich süge». nun fordert seine Shre, die Scharte au, zuwehe«, und mir, wen« ich mich so ausdrücke» darf, Genugthuung zu vir- chaffen." Versammlung deutscher StrofanstaltSbeomten in Frankfurt a. M. beschäftigen. Die Verhanvlungen werden vielleicht auch einen Einblick gewähren, od die deutschen Regierungen dem Plane, die Kolonien zur Deportation Verurtheilter zu benutzen, ge- neigt stnd. Im Jahre 1878 hat der internationale Gesängniß- kongreß»u Stockholm und im Jahr« 1880 die rbctnisch- westfälische Gefängniß Gesellschaft stch gegen da» System de» Transport» gemeiner Verbrecher nach Strafkolonien erklärt. Wir fürchten aber, daß die Reichirepierung einen anderen Stand punkt einnimmt. Uedrigen» hat Preußen schon zu An fang diese» Jahrhundert» auf Grund eine» mit Rußland ab- geschlossenen Vertrage» versucht, gefährliche Verbrecher nach Sibirien zu drportiren, hiermit aber die schlimmsten Ersah- rungen gemacht. Kirchenpolittsche». Daß dem preußischen Landtage auch in der nächsten Session eine kirchenpolittsche Vorlage zugeht, darf man nach einer Berliner Korrespondenz der „Magd. Ztg." al» vollkommen sicher annehmen. E» ist da» die Vorlage, welche dem Papste behuf» abschließender Revifion der Maigesetze zugesagt worden ist, für welche Zusage Leo xiii. bekanntlich die ständige Anzergepflicht(im G-gensatz zu der einmaligen, welche bereits ausgeübt worden war) aner kannte. Dieser Verpflichtung ist denn auch thatsächlich nachgekommen worden, trotz de» Widerstreben» der klerikalen Pceffe und einzelner Bischöfe, die fich schließlich auf des Papste» Weisung den Anforderungen der Regierung(Einzelanzcige, nicht Sammelliste) fügen mußten. Allerdings hat der Papst sein Versprechen der ständigen Erfüllung der Anzeige an vre oben erwähnte B< dingung einer abschließenden Revision der Maigesctze geknüpft und diese Revision wird sich auch aus ein- zelne, von der Kirche drückend empfundene Bestimmungen, de- treffend da» Einspruchsrecht de» Staate» bei der Anzeigt, be- ziehen. Unglaublich klingend, aber wahr ist nachstehend mit- getheilter Wortlaut eine» un» in verbürgter wortgetreuer Ab- schritt zugegangenen JührungS- Atteste», da» eine preußische Behörde, die kgl. Distriktskommisston in Moschin, Provinz Posen, Krei» Schlimm, ck. ck. 14. August d J„ einem dortigen jungen Arbeiter, behuf» Erlangung einer von ihm nachgesuchten Anstellung bei einer Berliner Pferdebahn-Gesellschatt aukge- stellt hat. Dem betreffenden„TageSardeiter" L........ au» Z..... wird nämlich bescheinigt,„daß über seine Führung Nachtheiltge» nicht bekannt geworden ist" und daß„der Ge. nannte an fozieldemolratischen Agitationen stch nicht detheiltgt hat."„Da» genügt", sagt der Berliner. Oesterreich Ungar«. Mittwoch Abend starb in Heiligenkreuz der bekannte greise Publizist Dr. Franz Schuselka, ehemals Mitglied de» Frank- furter Parlament» und hervorragender 1848». Die Gewerbekorporation der Budapester Buchbinder richtete an da» ungarische Handelsministerium ein Gesuch, da»- seide möge gelegentlich der nächsten Zollverhandlung bcan- tragen, daß die sogenannte„englische Leinwand", für welche der Zoll mit 55 fl. festgesetzt wurde, in die Klaff« für Lein- wand mit 30 fl. Zoll rangirt werde. Durch die Zollerhöhung wurde der ungarischen Buchbinderei, die ohnedit» gegen die deutsche Konkurrenz«inen schweren Kampf hat, eine unertlägtiche Last aufgebürdet, indem au» Deutschland fertige Einbanddecken und ganz gebundene Bücher— erste» mit dem Zoll von 30 kr. per Stück, letztere zollfrei— importirt werden. Die Korporation übersandte ihr Gesuch behuf» Unterstützung dem Lande» Jndustrieverein.— Die gleiche Bitte wird auch von den Wiener Buchdindem gestellt. Auch in der Gablonzer Gegend find revolutionäre Aufruf« in großer Anzahl vertheilt und angeklebt worden. Schweiz. Daß die schweizerischen Meister nicht um ein Haar ander» sind, al» die deutschen, beweist folgende» Zirkular, welche» die„Zür. Post" zur Veröffentlichung dringt: An die Mitglieder de» Schlossermeister- Verein» von Zürich und Umgebung. Wir übermachen Ihnen inliegend die revidlrte und ergänzte Liste deijentgen Arbeiter, welche in Folge de» letzten Streik» auf dem Platze Zürich und Um- gedung keine Beschäftigung mehr erhalten sollen laut Btreintbeschluß. Diese und allfällig spätere Miilheilungen sollen streng geheim gehalten werden und zählt der Verein darauf, daß damit keinerlei Mißbrauch getiiedm werde. E» darf diese Maßregel nicht al» eine feindselige Kundgebung gegenüber den Arbeitern betrachtet werden, wir hoffen im Gegentheil, damit auch allen rechtschaffenen Arbri- lern einen Dienst zu erweisen, wenn wir alle diejenigen Sie- mente fern zu halten suchen, welche au» Skandalsucht und Großthuerei, oder um irgend eine Rolle spielen zu können, ihre Mitarbeiter aufwiegeln und zu Handlungen verleiten, welcht, wie der letzte Streik, für beide Theil« von Unglück- lichen Folgen find. Da» Gedeihen einet jeden Geschäfte» hängt auch sehr davon ab, ob vernünftige, ruhige Arbeitskräfte denselben dienen, oder ob sogenannte„Wühlhuder" darin ihr Wesen treiben können. E» liegt deshalb in unserm höchsten Interesse, wenn jeder Einzelne mit aller Festigkeit dem seiner Der alte Man» stützt« da» Huupt auf de« Ann und blickte sinnend vor fich hi». „Genugthuung?" wiederholt« er in herbem Tone. „Kann er sei»« Mutter zwingen, Dich mit offene. Armen z« empfange«? E» ist wahr, seine finanziellen Verhältnisse find befriedigend, sie garantiren Dir«ine gesicherte Existenz, aber wen» der Friede im Hause fehlt, dann ist'««in elen- de» Leben. Frei'ich, die Tante steht Euch jetzt nicht mehr im Weg«—" „Zch habe auch sie nicht gefürchtet, Onkel, fie war ver- bitter» und eigenwillig, aber Hugo sagte mir, sie habe ei» gute« Herz, und man müsse ihr Zeit lasse«, fich mit de» Thatsache» zu defrrnndeil." „Und wie lange willst Du«och warte», Gretche»? Wäre e» nicht besser, da» Engagement anzunehmen, da» Dir a»g«bote» worde» ist? E« find freilich keine glänztnde» Aussichten, nur klein« Rolle», aber wer weiß, wa« in der Zeit«» Hintergrund« schlummert l" „Zch müßte mich von Dir trenne« I" „Kind, Kind, ich bi« ei« alter Man»—" „Und eben deshalb bedarfst Du der Pfleg«, Onkel." sagte da« Mädcheu mit warmer Liebe,„mich begleite» kannst Du nicht, den» Du bist hier an die Scholle gebunden, und die Trennung würde Dir selbst schmerzlich sei». Und daß ich mir eine» große» Name» mache» und Lorbeer» ernte» werde, da» glaubst Du auch nicht, Onkel, so wenig. Ä.S"- eS? Ä A'SiÄ®!»:«™"' „Et wird nicht gefragt I" MSlii z«XfWÄ Zeit gefaßten Vereintdeschluffe nachlebt, auf sein« Arbetter ei» wach-ame» Auge hält, und Leute dem Vorstand« anzeigh welche Anlaß zu Klagen in angedeuteter Richtung geben.- Lassen wir un» die gemachten Erfahrungen al» bleibende Leh« dienen.— Mit kollegtaltschem Gruß! Namen» de» Schlöffet- meister- Verein» von Zürich und Umgebung: Der Vorstand. P. S. Wir bitten austretenden Arbeitern stets En'laffungi« karten zu veradfolaen.— E» können solche beim Vorstand« bezogen werden. Der dem Briefe angehängte Liste weist 24 Namen von Mitgliedern de» Schlofferfach oereins auf. Auch unter die Bauernknechte scheint etwa» B-we- gung zu kommen. Dieselben hielten kürzlich im Kanton Aar- gau eine Versammlung ab, in der ste beschloffm, die Forderung aufzustellen, daß ihnen wöchentlich einmal Fleisch vorgesetzt werde. Ein Redner drohte, wenn nicht entsprochen werde, s» müffe man fich an Conzett(den Führer der schweizerisch!» Sozialdemokraten) anschließen. Dänemark. Fürdiereaktionä re Gesinnung der national- liberalen P olitiker ist folgend« Korrespondenz de», Korresp." aus Dänemark bezeichnend. Da» Blatt schreibt:„A ist eigentlich unbegreiflich, daß die dänische Regierung keine Mittel auffinden zu können scheint, durch welche ste die an- ständige Gesellschaft von der Agttation, der sich die Sozial- demokratie in Dänemark anscheinend befleißigen zu muffen glaubt, um Anhänger zu gewinnen, zu befreien im Stande ist Die verfaffungStreue Pieffe nicht nur, sondern die allgemeine Konversation zwischen Leuten, welche die Situation begreisen, führt e» dem Ministerium tagtäglich zu Gemüth, daß dtt gegenwärtige Zustand ein unhaltbarer und dem Wohle dt» Vaterlande» gefährlicher sei. Der opposttionellen Preffe zvat ist vor Kurzem bekanntlich erst ein Hemmschuh angelegt rvou den, der da» unbändige Ausschlagen, da» ste stch angewöh« hatte, in wirksamer Weise defettigt. Aber weshalb ha> man denn noch nicht daran gedacht, auch da» „Versammlungsrecht" einer näheren»e- achtuna zu würdigen? Anlaß dazu ist doch uw' hastig in der letzten Zeit genügend gegeben. Greifen wir n« einige Stellen au» einer Red« heraus, die vor wenigen TW der sozialistische Agitator, Ptanoforteardeiter Holst au» Ko?o>' Hägen, in Odense gehalten hat. Der Mann entblödete n® nicht, den Ministerpräsidenten und sein« Kollegen al» Verletzer der Verfassung, und zwar um so größere Ve-letzrr � selben nach dem Erlaß eine» jeden provisorischen Gesetzes P bezeichnen." H» l l a»»..„ Da die liberale Partei in der Kammer jetzt eine Mehw» von acht Stimmen befitzt, so beabstchtigt fie nun aulb � Feudalsystem in Java zu Leibe zu gehen. Die rung ist dort(wie auch in einem Theile von Celede» A Sumatra) die Eigenlhümerin oon allem Grund und fwj' welchen ste mit der Verpflichtung, einen bestimmten EftML natura abzugeben, verpachtet, sovaß NM der Ueberschuj � Pächtern dletdt, der ihnm noch oft durch Generalunlerl*�. stark geschmälert wird. Diese pachten von der Regier uns � großen und dann im einzelnen an die Eingeborenen oMv lassen» durch solche gegen da» sogenannte„Truck"systt� arbeiten. Dabei blüht dann auch die P.ügelstrafe gegen»"■ Ardeiter. ZraNtzreich. Jr Folge eine»«eschluffe» de» Generalralhe» de» Depattement» hat der Kriegsminister Boulanger fich oeram?, gesehen, in seinem den Kammer.: im Mai vorgelegten A-w reorgantsationSgesetzentwurf den Paffu» aufzui-h-nen, die richtung von Jüngling» datatilonen d'&dalteg) werde durch ein D.ckret geregelt werden. dieser Jünglingsbataillone, welche auf Grund einet ist/J niste» ihre Dienstzeit in demselden mit Erfolg zugebracht h«*'' sollen den Vorzug genießen, statt drei Jahre deren zwei im stehenden Heere zu dienen Zu diel": Zwecke sollen die jungen Leute von 17 bi» 20 JrhleN Truppenadtheilungen zu, ammenge stellt und durch C zarge« Reserve, beziehungsweise Terrttoriaigard«. sowie durch WL Offiziere ausgebildet werden. Da» AuidildungSprograw»�, streckt fich auf Schießen, die milttärischen Griffe mit de» sL wehre und Exerzierbewegungen im Taktschritt, t, Uedungen werden periodisch zu paffenden Jahreszeiten trieben. Grohbritauuie««, Ueber da» AbschiedSeffen, welche» die Londoner demokratisch« Föderation zu Ehren der w zum Besuch weilenden 21 französtschen sozialistischen welker gab. dringt die„Daily New»" einen langen dem die„Voss. Ztg." nachstehmde» entlehnt: H y n�«ii> welcher den Vorst, führt, hielt beim Nachtische ein« französttcher Sprach«, in welchrr er u. a. demerite, Besuch der sranzöfischen Brüder der sozialen Sold« w ige«, land, wo viele der ausgejeichnetsten Bürger Sozialist"' �e»- einen großen Jmpul» gegeben Hobe. E» sei gesagt® in England niemals Würze» daß der Sozialismus „Ich begreife da« alle»," brach er endlich da» ayi«' .ich möchte Dir auch von Herzen wü-sche», daß Z*fg( Hoffnungen in Erfüllung gi»ge», aber wie die «ugevbllcklich liege», ist dazu noch keine Autficht. Eutscheidung muß jetzt geiroffe» werde», wir müsse« woran ww sind, damit wir selbst u»srr« Entschluß' können." jyt Er knöpft« seine« Rock zu und zog darüber � fadenscheinig«, Paletot a», der einst da« Paradestu erste« Liebhaber« gewese» war.. „Da willst autgehe«?" fragte Gretche» erstauu� „Frage«ich nicht," erwidert« er mit einer Handbeweguua,„der Zug de« Herzen« ist de*% if Stimme, und oo» Geschick eine« Jeden muß™ füll«»." rflKß Er«ickt« ihr»och einmal fteuadlich zu, da«u yt et da« Z mmer, und ei,« halb« vtuvde später stauv ,«d Mutter Hugo» gegenüber, di« de» ihr völlig fteM�V--. schäbig gekleidete» Mao» mtt fichtbarem Mißttaueu � „Madame, komme» mit ohne lange Emlettung z« g, sagt« er,„ich bin der Souffleur Schimmel, Gretche»«, ei» armer Teufel, ab« ei» Mann Glaube« Sie nicht, daß e» in mein« Abficht lieg«- N-chte hier da« Wort zu reden uvd—"_* gif«' betroffeu hat. Und vn�ihe« Sie«ir« k-»A ich trotz diese« schreckliche» Ere.qv'sse» scho» J« ich verbinde damit eine« doppelte» Zweck, d zesehM Ihne»»evne» werde. Sie Hab«» meive ggend, Madame, Sie k»»»«« Sie freilich»och"'�. zhae»*g\f wmsm mit Mißtraue, entgegenkomme» warde. pütb«. Die Kundgebung auf dem Trafalgar Square beweise Jjdtfl. daß diese Anficht in ig sei. Die einzige praktische Panei seien die Sozialisten, denn fie sehen da« Verderben, ®y« stch in Indien nähere, da« Verderben in Irland, da« «eiderden in England und auf dem Kontinent, vermsacht «urch ein System, welcht« den Konsum der Maffe beständig schwäche. Hyidman endigte seine Red« mit einem Toast auf bte Freundschaft und Solidarität de« Proletariat« und die mternationale Förderung der Ardeiter. Der Toast wurde mit stürmischem Beifall degrüht. Au« Tralce in Irland, wo Mondscheinler- Auischreitungen am häufigsten verübt werden, wird ein A g r a r m o r d ge« weidet. Da« Opfer war ein Feldarbeiter Namen» Flabire, der in einem Felde unweit seiner Behausung, in kurzer Eni- innuTifj von Schloß Ballyleigne, erschoffm oorqefundm wurde. Flahirr scheint fich da« Mißfallen der Mondscheinler dadurch Wgezogen zu haben, daß er für einen Gmndbefitzer, der in der Nachbarschaft Exmisfionen vornahm, Feldarbeiten ver. Achtet hatte. Diese Unvorfichtigkett mußte er mit dem Tod« büßen. Ueber die Agitation gegen den Kirchenzehnten Ulster den Pächtern von Wale« schreibt die„Frank» surter Zeitung": Da« Fürstenthum Wale« hat nicht nur Großgrundbefitzer fremder Abstammung, sondern auch eine Staa>«kirche, der weitau« die Mehrzahl der Berölkeiung fremd, oft feindselig entgegensteht. Die anglikanischen Geistlichen, die jj* jeder Gemeinde eine wohlbezahlte Pfründe haben, find die Seelsorger der Großgrundbesitzer und ihrer Ange- bösigen i dieweil die eingeborenen Welschmen dem Dissenterthum huldigen und zm Mehrzahl Meibodtstm find. Während die Welschmen sür ihre eigenen Prediger Und SchuUehrer da« Geld aufdringen, müssen fie oben« drein sür die anglikanischen Geistlichen sehnten entrichten. So lange die Landwirthschast blübte, hone man von den Zehnten nicht viel; die Welschmen find eden geduldige Leute; seit aber die Großgrunddefitzer in An» bestacht de« Darniederliegen« der Landwirthschast die Pacht» »tnse heruntergesetzt haben, ist in den Bauern der Wunsch wach fl'worden, der ansäsfige Hochwürden möge da« Beispiel de« «udlord« nachahmen und ebensall« eine Reduktion de« Zehn- «n einsteten lasten. Diese Zumuthung wurde nun auch von drn Bauem in Llanarmon dem dortigen anglikanischen Geist- «Wen Evan Evan« gemacht. Dieser Herr hat die Seelsorge ?orr rine Bevölkerung von 1600 Seelen; da aber blo» 25 di« seine Kirche besuchen, so scheint sein durch den Zehnten auf» »ebrachte« Einkommen von Lstr. 400 allerdings etwa« hochge» »ttsten. Erst verlangten die welschen Pächter eine Reduktion oon 25 pEt., wollten stch ober schließlich mit 10 zufrieden 6«btn, aber der Geistliche bestand auf seinem„Pfund Fleisch" Und leitete gegen die stönigen Pächter da« gerichtliche Ver- fahren ein. Die Erbi terung in der Nachbarschaft war außer» ordentlich und steckte auch noch die Ardeiter in den Gruden und Steinbrüchen an, dt« in Maffe herdeiltefen, um die ErngSweise Versteigerung der vom GerrchtSvollstrecker in Be- genommenen Kühe zu verhindern. Die au« den danach- len Ortschaften rekrutirte Polizeimannschast, sowie die Male, wenn auch entschlostene Haltung der Bauern machst Vließlich eine Auktion möglich. Da jedoch die allgemeine Mrpathie den widersetzlichen Bauern genügende Geldmittel JWüiafft hat, kann man fich auf eine weitere Verbreitung der Maston gefaßt machen, welche vermuthlich den letzten Nagel Z den Sarg ver verhaßten anglikanischen StaatStstche HS«» wen, wird. Italien, Italien scheint seiner bisherigen Kolonialpolitik überdrüsstg. vle Nerikast„Voce della Verita" will«fahren haben, die ualienische Reginung werde den Olkupatwnen am Rathen fftnt keine besondere Aufmerksamleit mehr widmen, weil fie ore Sphäre ihr« ANton in Afrika nach einem anderen Gebiete no« fctn S30,11*- Man sei darauf gefaßt, daß diese Nachricht KSsÄbSä""""""""*■""" bei Wady Haifa. Schon sollen ungefähr 5000 Derwische südlich von dem Orte stehen, und im Laufe de« nächsten Monat«, «o der Nachfotg« de« Mahdi zu ihnen stößt, wird ein An» griff auf die vorgeschobenen egytischen Posten deabfichtigt. Flüchtlinge von Khartum sagen, daß die Aufständischen zwei Engländer, wahrscheinlich von btt früheren Wüftenkolonne Sir Mdert Stewart'«, in Omdurman im Gewahrsam haben. Möglich, iweise ist einer d« vermißte Krieatkorrespondenl Mr. ?ordon, dem er de? Beschreibung nach ähnelt. Gordon ver» N fich bekanntlich, al«« die Wüstenkolonne einholen wollte. "de Gefangene sollen fich bei Lupton Bey befinden. Amerika. .Die Vneinigten Staaten kennen diSh« bekanntlich einen litzltchen Rormalarbeitttag nur für die Werk- 'litt mancher Einzelstaaten. Merkwürdig ist, daß für dm �bbame, damit glaubt man alle« gesagt zu haben. Rech. L:?* wird'« an der Wiege gesungen, wie sein Lebm der »?fl fick gestalten soll I Gretchen« Bat« war ei« reicher Z®?1. dem Kinde blühte eine sorgenfrei« Zukunft, die Hand verruchten Mörder« stieß e« in« Elend. Gretchen iZ*»ach de« Tod« ihre« Bat«« nur«och mich, ich war trank, an Leib und Seele gebrochen, wir habe« schlimme Ä �'cheemacht. mit Noth und Sorgen gekämpft, und I?®* früh»rat an da« arme Mädchm dre Frage Haan, w,e tz.j Zukunft fich gestalten solle. Sie hatte eine hübsche upse, Kapellmeister war ei» wenschenfreundlicher er bildete fie au«, und so wurd« Gretchen. d« Roth N°lchtnd. nicht dem eigenen Trieb. Mrtglred«ns«er ZK". W« will ihr darau««am Vorwurf mache»? und ehrbar ist fie bisher durch da, Lebe« ge» h?oert und noch hat Niemand gewagt, einm Flecken lhrm Ruf zu wnfm. So soll e« auch bleibm, �ldam« I" »Ich glaube da« ia gerne— iU 1...*'•5 UI4V/ HUI| M v«tz Ml v im» oe v ü � stn»' die mit ihre« tief eingewurzelten Vormth«lm toi-.�dnsteigbare Schranke zwischm uv« aufrichten möchte. itati* würde ihrem Verlobten längst da« bindmd« Wort liebt/�eben haben, wm« fie ihn nicht so heiß und innig »WV ttnd auch hi« ist die Liebe der Lieb« Prei« I Wa« über,»?. d«au» w«dm f Von der Nothwendigkeit de» Bruche« klaeT � �«ich mehr und mehr, aber soll dies« Bruch er» w n",.0a»» yi.d-nden aetrmnt werden. Sie flir mein? h»be mich nun bemüht, ei« Engagement d« da« Mädchm für kleine Rollm«ngagirm ob. Ä �«t« die alte Dame erwartungsvoll. gesetzlichen Normalarbeitstag, auch für Männer, in den demokratischen Südstaaten zuerst Bresche geschossen wird, von denen man die« gnade am wenigsten«wartet hätte. Bekannt- lich hat die Legislatur von Maryland den Anfang damtt gemacht, indem fie ein„Zvöltstundm- Gesetz" sür die Be- diensteten der Straßen. Eisenbahnen erließ. 0) da« Gesetz eingehalten wird, können wir nicht sagen. Diesem Bei- spiel ist Louisiana gefolgt und sein Gesetz ist dir er Tage in Kraft getretm. Dasselbe destimmt, daß 12 Stunden Thäiig keit au« 24 Stunden, mit entsprechend« Zeit für Mahlzeiten, al« ein Tagewerk angesehen wetden solle und verhängt eine Strafe von 50 Lstr. oder zwei Monaten KreiSgesängniß über jeden Beamten od« Agenten ein« Straßenbahn, der eine läng«« Stunvenzahl auferlegt. Der Betrag der obigen Geld- strafe soll in die Charly Hospital Kaffe fließen. Gerichts-Zeitung. T Billiger Champagner. Vor d« dritten Ferienstcaf- kämm« de« hiestgen Landgericht« I stand gestern der Kaufmann Jstdor Schloßhauer, eineSf vollendeten Betruges und zweier Betrug» versucke angellagt. Im Sommer vorigen Jahre« wen- dete fich Schs. an die Weingroßhandlung von Burckhardt in Deidesheim mit der Anfrage, ob fie geneigt wäre, mit ihm in Geschäftsverbindung zu treten. Er bade einen feinen, zahluna«» fähigen Abnehm« für„unechten" Champagner und wenn ihm die Flasche zu 1 35 M. geliefert würde, dann würde e« ihm nicht schwer fallen, 2—3000 Flaschen monatlich zu vertreiben. Er sei ein gewandter Geschäftsmann, der da« Weinaeschäft am Ort von Grund au« kenne. Bu khardt inj Deidesheim ging auf diese« lockende An«dieten ein,« ficherte stck ad« wenigsten» etwas durch gewiffe Bedingungen, die« in Betrrff der Zahlungen stellte. Die Zahlungen sollten am Ende eine« jeden Monat« erfolgen und alle ein- gegangenen Rechnungen gegen 3 pCt. Skonto beglichen werden. Nun handelte e« stch um Feststellung der Etiketten für die einzelnen Marken, von denen Schloßbauer Probesendungen er» halten hatte. Man wählte die Namen nicht existirender ftanzöstschtt Firmen in Rheim», well die guten deutschen Champagnntrinker nun einmal überzeugt sein wollen, für ihre zwei oder drei Merk, die fie für die Flasche zahlen, echt franzöfische« Fabrikat trotz d« hoben Steu« zu erhallen. Da« Geschäft wurde zunäckst auf 2400 Flaschen abgeschlossen; Schloßbau« erhielt 600 Flaschen, vnäußerte fie, schickte aber am Ersten kein Geld. Nun kamen Mahndn-sc au« Deidesheim; eS wurde hin und her„«handelt und schließlich schlug Burkhardt vor, den Wein direkt an den„feinen Kunden" Schloßhau«'« zu senden, während Sch. die Proviston«halten sollte. Sch. ab« wollte durchau« den Namen diese»„seinen Kunden" nicht nennen, da dttselde nur ein Vertrauentmann sei und kein seldstständige« Geschäft dtfitzv.« selb« forderte ungestüm, daß ihm noch 1800 Flaschen Champagner gesendet würden und drohte, wegen einseiligen Abbruch« de« Geschäft« einen Anspruch aus Schadenersatz von 1300 M. gegen die Deidesheim« Firma gesetzlich geltend zu machen. Nun that Burkhardt, wa« er schon längst hätte thun müssen,« erkundigte stch in Berlin noch den VnmögenSoelhältniffen de« Sch. und seine»„feinen Kunden". Ueber den«steren erfuhr«, daß« gänzlich mittellos, üb« den letzteren, daß e« ein Auktionator wäre, der im Aufttage Sch.'« Champagner zu 2-2,50 M. für die Flasche losschlage. Auf Grund dieser Thatsache wurde gegen Sch. die Anklage«hoben. Die Beweisaufnahme fiel zu seinem Ungunsten au«, und der Gerichtshof«kannte nach dem Antrage de» Staatsanwalt« auf 3 Monat« Grfängniß gegen den Ängellagten. + Wegen Diebstahl» in sechs Fällen war die sechSzehn- jährige Verkäuferin Johanna W. vom hiifigen Schöffengericht zu 5 Tagen Gefängniß vnurtheilt worden. Gegen diese« Ur theil hatte fie B«ufung eingelegt, so daß die Sache gestern vor der fünften Ferienstrafkammer de« hiestgen Landgnicht« I nochmals zur Verhandlung kam. D« Sachverhalt, der der Anklage zu Grunde lag, war folgend«. He« August Friede- mann, in dessen Spiel- und Kurzwaarengeschäft die Angeklagte al« Verkäuferin thätiz war, bemerkte im Oftob« vorigen Jahre«, daß eine Puppe mit Ausstattung au» dem Köfferchen, in dem fie lag, verschwunden sei. V«kaust konnte der Gegenstand nicht sein, denn da« V«kauf«buch enthielt keine Notiz darüb«, ein Kassettüberschuß war gegenüber dem AuSwei« de« Buche« auch nicht vorhanden und e« war auffällig, daß da« Köfferchen nicht zugleich mit d« Puppe verkauft worden war. D« Verdacht de« GeschäftSmanne« fiil auf die Verkäuferin, die allein im Laden beschäftigt und oft undeautfichtigt war; um aber fich« zu geben, erkundigte er fich zunächst bei Herrn Löwenstamm, in dessen Geschäft da« junge MSvchen vorher thätig gewesen war, nach der Meinung, die jen« üb« die Angeklagte gewonnen habe.„Man darf fie nicht allein im Laden lassen", hie» e« da. He« Friedemann verdoppelte nun seine Nufmttksamteit und entdeckt« nach einigen Tagen den Abgang ein« kleinen Zither, eine« Kinderipielzeug« im Werth« von 1,75 M. Run sagte er der Angeklagten auf den Kopf zu. daß der», und wen« e« Zhne» gelänge, die etwaigen Bedenke» de« junge» Hnrn gegen diese« Engagement zu beseitigen, so würde ich mtt dem Mädchen wohl f«ttg werde»." „Und wa« dann?" „Wir müsse»'« abwarte«! Wen« fie getrennt find und eina-dtt nicht mehr sehe«—" Sie sprechen«ine Hoffnung au«, an deren Erfüllung Sie selbst nicht glaube« k' unterbrach sie ihn rasch.„Sie wisse» bess« al« ich, wie stark und innia diese Liebe ist—' ,3a, ich weiß«# ich weiß auch, wie unsagbar glücklich die Beide» w«de« könnte»!" nickte dn Souffleur.„Aber diese» Hange» und Bange« muß endlich ein Ende nehme». Bess«, daß die« heute geschieht, al« daß die Ungewißhett »och läng« dau«t." � � � Frau Brau» wiegte finnend da» Haupt, fie war offen» bar mit dieser Anschauung nicht einvttstandev. „Ich leugne nicht, daß die B«lobung meine« EohacS nicht meine Zustimmung fand,' sagte fie,.meine Gründe lagen jedoch etwa« tief« al« Sie« vermuthe». Ich mußte fürchte», daß Hugo seine Stelle o«liere« würde—" .Da» ist nicht geschehe« l' „Freilich nicht, ab« ich konnte da« nicht voraussehe». Sein Z-rwüifniß mtt dem Geschäfttführ« mußte mich mtt «nster»«sorgniß«füllen, ich konnte nicht ahnen, daß Herr Ladend««, dessen Zell so sehr in Anspruch genommen ist, meine« Sohne so thatkräftig zur Seite stehe» und gegen de« B-Sutigam sein« eigene» Tocht« Partei«greifen würde. Di« Sorge ist nun von mir genommen, und damit falle» auch die Gründe, die dem Vorurtheil gegen die Schau- spiel«» entsprangen. Lasse» Sie mir Zett zu prüfe», und % riÄ? K'MÄ geästet,« konnte in ihre» Züge» nur Güte und Wohl» �"wichen muß fich über da« ihr angebotene Engag«. UMMKi er sse für ein« Diebin hatte und drang in fie, alle« zu gestehen. Da« Mädchen leugnete anfänglich den Dirbstahl der Zith«, gestand aber aus freiin Stücken ein, Gegenstände gestohlen zu haben, deren Verlust Herrn Friedmann noch gar nicht aufgefallen war: e« waren die« eine Spruniicine, ein Porzellan- Püppten, eine Gelenkpuppe und Blech» geschirr, Al« nun der Chef schließlich drohte, fie„nach dem Molkenmarkt zu schaffen", gab die Verkäuferin schließlich auch zu» die Zith« gestohlen zu haben. Herr Friedmann hatte kein Interesse daran, da« noch unbescholtene Mädchen au? die Anklagebant zu bringen und erklärte stch bereit, von einer An» zeige abzusehen, wenn v« Schaden ihm ersetzt würde. Hittauf ging da« Mäschrn ein und unterzeichnete einen Reverö, in dem st- anerkannte Gegenstände im Werthe von 20 M. ent» wendet zu haben und a!« Entschäoigung auf ihren monatlichen Lohn von 20 M. zu verzichten. Hiermit hätte die Angelegen» heit ihr Ende«reicht, wenn d« Bat« d« Johanna W. mit dieser Lösung einverstanden gewesen wäre. Ihm mag die Tocht« den Vorfall ander« dargestellt haben, al« er fich nach der Aussage de« Hnrn F. wirklich zugetragen bat. genug, er strengt« gegenF. für seine Tochter einen Zivilprozeß auf Zahlung von 20 M an und denunzirte ihn bei der Staatsanwaltschaft wegen Er- Pressung und Fretheittbnaubung. F. wurde verantwortlich vernommen und nun drehte er den Smeß um und theilte d« Behörde mit, daß er von Johanna W. bestohlen worden sei. Die Sache hatte den«wähnten schlimmen Ausgang für da« Mädchen. Vor der BrrufungSkamm« wied«holte He« F. seine erstinstanzlichen Aussagen, die an d« Schuld de« Mäd» chen« keinen Zweifel übrig ließen und durch dak Dienstmänchen de« F. dahin bestätigt wurden, daß srne« da«® ständniß der Angeklagten mtt angebölt hatte. Johanna W. versuchte den Hergang ander« darzustellen. Sie habe am 15. Oktob« ihre Stellung wegen schlecht« Behand- lung Herrn F. gekündigt und schon damal« sei ihr angekündigt worden, daß fie auf Gage nicht zu rechnen habe. Da« Geständniß, welche« fie zurücknahm, sei ihr durch Androhung von Schlägen abgepreßt worden. Ein ahnlicher Vorfall habe fich schon einmal im F.'fchen Geschäfte zugelrazen. Erwähnt sei noch, daß bei d« Hautsuchung in der Wobnung der Angeklagien nicht« vorgefundrn worden ist. Trotzd-m ge- langte der Gerichtshof zu d« Anficht, daß die Schuld der Angeklagten erwiesen sei. Er maß d« Aussage de« Zeugen F. volle Glaubwürdigkeit bei. Nur de« Strafmaß erniedrigte « zu Gunsten der Angeklagten, da« annahm, daß die ver» schiedenen Gegenstände nicht einzeln, sondern bei zwei Gelegen» Helten zusammen gestohlen worden seien und«kannte auf die niedrigste Gefängnißftrafe, vi« nach dem Gesetz für Diebstahl zulässtg ist, auf einen Tag Gefängniß. De«««geklagte» im jüngste« Charitee-Prozetz ist da« Ur'.heil de« königl. Amtsgericht« 1 zugegangen. Dasselbe enthält folgende charalt-rist ische Stellen:„.... Wa« nun den Inhalt de« in Rede stehenden Zeitungsartikel« betrifft, so kann zunächst in d« Behauptung, daß Küster Moritz den Angehö» rigen der in d« Charit« Veistorbenen seine Särge aus» Dringendste empfthle, kein« Beleidigung de« Moritz gefundrn w«den. Da«» notorisch ist, daß die Dtreftton d« Charitee auf V« langen Särge ltrf«t, so muß e« sowohl für fie selbst al« auch für ihr« Beamten im höchsten Grade wünschen.swerth sein, wenn von diesen Särgen durch die Angehörigen der ausgiebigste Gebrauch gemacht wird. Denn e« ist klar, daß fie fich dadurch unendlich viele Weiterungen und auch Unregel» Mäßigkeiten in der LIefirungßzeit, LieferungSart u. f. w. er« sparen, wenn fie mit möglichst wenigen, womöglich nur mit ein« von ihnen abhängigen Sargfadrik in Beziehung treten. Die Empfehlung d« Czaritee- Särge durch die Beamten der Charitee muß daber nicht nur als ordnungSmäß'g, sondern auch, da ste im Interesse der Angehörigen und der Charttee- Direktion liegt, al« pflichtmäßig und wünschentwnth erachtet w«bett." ReickiSgericht«- Entscheidung.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 2. Siptember.(Erlaubte Selbsthilfe.) Wenn heutmtaze jemand einem andern eine Waare verkauft und der Käufer mit der Bezahlung zögert, so hat der Vertäuf« nicht da» R cht, die Waare zurückzuholen oder stch auf irgend eine Weise eigen» mächtig bezahlt zu machen. E« dleibt ihm da nicht» weit« übrig, al« den säumigen Kunden zu vri klagen und allenfall» spater auspfänden zu loff-n. So will e« Recht und Gesetz in Deuischland. und jeder, der stch eigenmächtig durch Vergewalil» xung seine» Schuldner« dezahlt macht, wird wegen Nöthiguna b'faaft. Indessen e« können auch Fälle vorkommen, wo die Selbsthilfe vom Richter nicht für strafbar erklärt wird, wenn nämlich d« Schuldner auf gesetzlichem Wege nicht zur Er« füllung seiner Pflichten zu zwingen ist, und die« soll, wie in den preußischen Grenzdezirken allgemein behauptet wird, in Rußland d« Fall sein. D« Handelsmann KoSIowSki in Gawehnen war wenigsten« vollständig von der Erfolglofigkett ein« Klage bei einem russtschen Gerichte überzeugt, al» er sich eine« Tage« entschloß, einen russtschen Beruft genoffen für eine DarlehnSforderung kurz« Hand selbst zu pfänden. Dies« Ruffe hatte nämlich auch nicht» zahlen wollen und dann die Unvorsichtigkeit degangen, mit einem Pferde üb« (Fortsetzung sogt.) An» Kunst und leiten. Die letzte« Tage Sassalle'«. Unter diesem Titel wmde am 28. August im neuen„Teatto Naztonale" zu Rom ein Drama in 6 Akten von P eno Salvt aufgeführt. Da« Drama wmde beifällig aufgenommen und scheint ein Zugstück de« MSWi.«»«!- MKMMM verletzt zum Vorschein und schwamm nach einem Boote, wurde ab« von der-Polizei verhastet, al«« an'« Land stieg. E» bandelle fich bei dem Wegstück um eine Wette von 500 Dollar Donooan hatte stch für den Sprung die Beine zusammen» gebunden und die Sehlen sein« Leinw»ndschubc mit Blei W?"- Ä ÄÄ'«X S VÄ'?® mmm wml/ Lfx �Speisen bewogen werden. Zu letztttem 3®»« werden die beiden von den Wärtern wie ein Brett kerzengerade im Bette aufgerichtet. Di« Wärter öffnen gewalt» sam deren Mund und bringen die natürlich nur in flüiftgem Zustande gereichte Nahiunabi« auf die Zungenwurzel, woselbst We Forldewegung der Nah ungSmittel unwllllürlich durch Refl xbewegung geschieht.*)« eine der Irren hat noch Niehl einen Ton von stch gegeben; während der andere auf ihn ae. ÄmÄlt""""" ek««.(W?,£ die preußische Grenz« nach Gawehnen zu kommen. Koslowiki nahm ihm ohne weitere» da» Pferd fort und scch sich auch noch veranlaßt, ihm einige Rippenstöße zu versetzen. Jetzt war nun, wenn auch zum Theil nm formell, dem Ruffen Unrecht gethan und er beschloß, seinen Gegner gerichtlich wegen Nölhtgung und Körperverletzung zu belangen. Die Strafkammer beim Amtsgerichte in Stallupönen, welche in dieser Sache zu entscheiden hatte, verurtheilte jedoch den Angeklagten nur wegen Körperverletzung zu einer Geld. straft und sprach ihn von der Anklage der Nöthigung frei. In den Urtheilsgründen wurde ausgesprochen, daß ihm da» recht»« widrige Bewußtsein bei der Nöihigung gefehlt habe, da da» von ihm eingeschlagene Verfahren in der dortigen Gegend all« gemein üblich sei, weil aus andere Weise die Ruffen nicht be- langt werden könnten.— Ko»low»ki hatte Revision eingelegt und darin auch Freisprechung von der Anklage der Körperver letzung beantragt, da er nicht den DoluS hierzu gehabt habe; wenn er stch für berechtigt halten konnte, da» Pferd zu be hatten, so habe er auch glauben können, Gewalt anwenden zu dürfen. Da» Reichsgericht verwarf jedoch die Beschwerde, da festgestellt ist, daß die Körperverletzung(ein Stoß vor die Brust) nicht ,u der Nölhiguna gehörte. Köln, 30. August. Ein Sozialistenprozeß im Kleinen spielte fich laut der„Franks. Ztg." vor dem hirstgen Schöffen. Stricht ab. Am 18. Ap.il d. I war da» bei Kalk gelegen« kemwäldchen von einigen Hundert Personen besucht, von welchen ein TheÜ„sozialdemokratische" Abzeichen trug. Die Leute wurden von dem Polizeikommiffar au» Kalk aufgefordert, auseinanderzugehen, der sozialistische Redner Meist aber er« widerte, daß hier keine Versammlung tage; man gehe nm spazieren und finge einige Lieder. Nach Aussage eine» Polizisten hat man die ArbeUtr.Morseilläse und ähnliche Lieder gesungen. Einer der Theilnehmer rief: hoch die Sozialdemokraten, hoch Bebel, worauf er verhastet wurde. Von der Polizei fort« während beobachtet, wandte fich nun der Zug nach Vingst und dann nach Kalk, wo man auseinanderging. Heute war Meist nebst 27 anderen angellagt, eine sozialdemokraiische Versamm- lung abgehalten und einen öffentlichen Aufzug veranstattet zu haben; da» Gericht ließ polizeiltcherseiiS feststellen, wer von den Beschuldigten der sozialdemokratischen Partei angehöre und verurtheilte demnach Meist zu 50 Mark Geldbuße rvent. 10 Tagen Hast, sechs Personen wurden fteigesprochen und die Uebrigen mit je 10 Mark rvent. 2 Tagen Hast belegt. Koziales ttnh Arveiterbewegnng. Ei« traurige» Bild unserer soziale« Zustände, so schreibt die„Fränk. Tagrlp.", entrollt fich vor unseren Augen, wenn wir die durchschnittlichen täglichen Arbeitslöhne der zur süddeutschen Tertilderuftgenoffenschaft(Settion N) gehörigen Betriebe einer genauen Prüfung unterziehen. Au» dem vom Vorstände der U. Settion ,m Versendung gelangten Verzeich« niff« ist erstchtlich, daß dieser Settion vier Regierungsbezirke unterstellt find, von denen jeder wieder in einer Anzahl Ver« waltun gi bezirken als Unterabtheilungen besteht. Der Regie- rungSdezirk Od-rpfal, umfaßt 21, Oberfranken 29, Mittelfranken 29 und Unterfranken 24 einzelne Verwaltungsbezirke(Städte und Bezirksämter). Die ortSüblichm Taglöhne für Arbeiter der Textilindustrie in den genanntm Bezirken find der Haupt fache nach so unglaublich niedrige, daß man in die Versuchung kommen könnte, deren Rtchtigkett zu bezweifeln, wenn die statistischen Angaben nicht auf Grund amtlicher Er« Hebungen bekannt gegeben worden wären. Nachstehende Tabelle giebt eine üderfichtliche Darstellung der durchschnittlichen Taglöhne sowohl erwachsener männlicher und weiblicher, al» auch jugendlicher männlicher und weidlicher Arbeiter nach dem amtlichen Verzeichniffe._ Regierungibezirk Oderpfalz... Oberfranken.. 29 Mittelstanken.. 29 Unterstanken. 24 Sa. u. Durchschnitt 103 III SB N Erwachsene Ardetter männl. weibl. Fugendliche Arbeiter männl. weibl. Durchschnittliche Tageiöhne: M. 1,19 1,84 1,52 1,40 M. 0,91 1,03 ir . u. �uiajiwnui jluu 1,37.,w".w, Mit dem höchsten DurchschnittStaaloh n f ü r erwachsene männliche A.rbe.it�er(mit 2 Mark) 1,08 M. 0,67 0,83 0,82 0,79 M. 0,64 0,68 0,64 0.65 0,78 0,63 lichen Arbeitern„blüht" der h ö ch st e TmchschnittStaglohn (1.40 M.) in den Städten Würzdurg und Schweinfurt, sowie in den Bezirksämtern Uffenheim und Hilpoltftein. Bei den jugendlichen männlichen Ardettern stehen Nürnberg und Kulmdach auf der höchsten Taglohnstust(mit 1.30 M.); am niedrigsten ist der durchschnittliche Tagclohnsatz für die» selbm in den Städten Schwabach und Weißendurg, ferner in den Bezirksämtern Amberg, Brückenau, Cham, Eschelbach, Nabbma, Roding, Schweinfeld, Sulzdach und Waldmünchen mit 50 Pf. Für's ugendliche weidliche Ardeiter haben Münchberg und Gaustadt bei Bamberg(mtt 1 M. per Tag) dm höchsten DurchschntttSlohn; dm niedriften(40 Pf.) weisen auf die Stadt Weißendurg und die Bezirksämter: Brückmau. Cham, Eschenbach. Nabburg. Rodina. Scheinfeld. Sulzdach, Waldmünchen.- Und bei solchen Lohnsätzen sollen die Ar« detter fich„rechtlich dmchschlagm", sie sollen für genügende Nahrung und Kleidung sorgen können, für Wohnung nebst Zubehör aujkommm und vielleicht auch noch etwas für Bil« dungSzweck« erübrigm; von einem zurückzulegenden„Spar« Pfennig" gar nicht zu reden 1 Zudem muß man in Betracht ziehen, daß die durchschnittliche Arbeitszeit in der Textildranche 11—12 Stunden täglich beträgt. Wie viel Jammer und Elend, Kummer und Sorge. Roth und Entbehrung sprechen au» den odm angesührtm Zahlm der amllichm Statistik 1 Trotz alle. btm finden fich Leute, welche die«lagen der Arbeiter unge« rechtfertigt, findm, ja mitunter in ihrer Frechheit so weit «den zu behaupten, die Arbeiter verdientm immer noch ur viel und würdm Whalb üdermüthig.— Hier kann "-«ÄK SrÄÄÄ' W viel rascher vor stch. al» bei der gtamwältig-n Methode, rwil keine Schiffchen zu wechseln find; ferner reiche«in männlicher oder weidlicher Ardeiter au», um 50 dieser Webstühle zu de« auffichtigen. E» würdm demnach durch Einführung dieser rechnisch vervoMommnetm Maschine ein« ganze Anzahl„Hände üderstüsftg werden. Eine Alrimgesellschast mr Ausdeutung d.» Patenti hat fich bereit» gebildet,»ewährtfich dieser neue Webstuhl, so haben wir einm starken Zuwachs zur— indu- Well«? Ml--»---»«->».--«?«». Wi-iL ÄWÄÄÄÄm Fahre 1880 auf 95051 Stück 1885. An präservirtem Hammelfleisch wurden ausgeführt im Fahr« 1880 von Australim 107 878 Kisten zu 48 Büchsen, von Neuseeland 16654 Kistm; 1885 betrug der Export bereit» 200276, bezw. 74180 Kisten. Di« durchschnittliche Ladung ver großen, zum Fleischtrantport eingerichteten P.ffagierdawpfer der Oriental» Kompagnie de« trägt an 13000 Schafe und 500 Ochsen. Deutschland aber errichtet gegm die Einfuhr dilligen Fletsche» die chinefisch« Schutzzollmauer der LedenSmittelzölle, obwohl doch die Fletschnahrung so nothwmdig ist für dai werkthättge Volk! Die Essener Handelskammer derichtet folgendermaßen über da» Vorjahr:„Die Verhältnisse der hauptsächlichsten Fi« dustrim unseres Bezirks, der Kohlen- und Eiseninvustrie, haben stch im vergangenen Fahr verschlechtert: denn während wir über da» vorige Berichtsjahr noch konstatirm konnten, daß in diesen Industrien zwar nickt über Mangel an Arbeit, wohl aber über die Niedrigkeit der Preise Klage zu führen sei, stehm wir gegenwärtig leider vor der Tbatsache, daß eS an Arbeit zu mangeln beginnt und die Preise noch weiter weichen. Die Eism- und Stahlindustrie insbesondere ist nach den Wahr« nehmungen, welche wir in unserem Bericht machten, schon längst nicht mehr in der Lage, ihre Leistungsfähigkeit voll auszunützen und gmöchtgt, regelmäßig wöchentlich Feierschichten einzulegen. A« Havava haben 6000 in der Tabak- und Zigarren« industrie beschästigte Arbeiler wegen Erlangung höherer Löhne einm Aufstand in Szme gesetzt. Fn Folge deffm ist der Be« trieb in 68 Fadrikm eingestellt worden. Di« Wiener Drechsler streikten bekannttich im Frühling dieses Jahres. Jetzt droht der Streik von neuem auszubrechen. Uereine mh Versammlungen« Fachveret« der Tischler. Sonnabmd, dm 4. September, Abend» 8% Uhr, in Jordan'» Salon, Neue Grünstraße 28, General- Versammluna. Tagesordnung stehe Inserat in der heutigen Nummer. Quittunaibuch legitimitt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Die Mitglieder, welche noch Billet» vom Sommerfest in Händen haben, werden ersucht, dieselben in der Versammlung an Herrn Kanowade zurückzuliefern.— Die Zahlstellen de» Vereins befinden stch: 1. Blummstraße 56 auf der Tischlerherberg«. 2. Skalitzerstraße 107 bei Kuntz» mann. 3. Belleallianceplatz 6 bei Hilscher. 4. Zwnskirch- lati 11 bei Hohn. 6. Müllerstraße 184 bei Höring. i. Gneisenau- und Solmtftraßen-Ecke bei Lindmborn und 7. Steglitzerstr. 91 bei GürgenS. Daselbst werdm jeden Sonnabend von% diS 10 Uhr Abend« Beiträge von dm Mttgliedem in Empfang genommen und neue Vereinlmtt- glieder aufgenommen. Der Bettrag beträgt monatlich 40 Pf. * Da» Stiftungsfest de» Verbände» deutscher Zimmer« levt«, arrangirt vom Lokalverdand„Berlin— Zentrum", zum Besten der In alidm de» Verbände» findet heute. Sonnabend, in der„Philharmonie", Bemburgerstraße 22/23, statt. Die Festlichkeit besteht aus großem Konzert unter Leitung de» Mufik« direvor» Herrn G. Stock, unter güttger Mitwirkung de» Ge» sangverein»„Lyranta" unter Leitung seine» Dirigenten Herrn Eckert, sowie Austretm de» Komiker» Herrn Just. Nach dem Konzert im großen Saale F-stprolog und Tanz. Billet» find zu haben bei nachstehendm Komiteemitgliedem und Lokal« kasfirem: Rudolph, Lemauerstraße 100; Henz«, Stralsunder- straße 16; Qweitsch, Eisenbahnstraße 20; Günther, Horn« straße 13;®. Dietrich, Solmistraße 18; Jäckel, Friedenstraße 62; Petermann, Fennstraße 45; Schulz, Winterfeld- straße 19; Schulz, Lübeckerstraße 6; Laubsch, Forsterstraße 6; Gruse, Kleine AndreaSstraße 3. Zmtral-Kraut««-««d Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter(E. H. Nr. S, Hamburg), OrtS« Verwaltung Marimdorf-Temp'lhof. Heute Abmd 8'/, Uhr im Lokale de» Herrn Teichert in Tempelhof öffentliche Mitglieder- Versammlung, wozu Jeder Zutritt hat. Tagesordnung: 1. Welche» ist für Handwerker und Ardetter die geeignetste Krankmkaffe? Refermt: Herr Otkar Krohm. 2. Verschiedene Kaffenangelegenheitm. Verein zur Wahrung der Juteresse« der Tischler. Sonnabend, dm 4. September, Abend» 8v> Uhr. Michael .. aße 39, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Gundelach über die GlaSfadrttation. 2. Verschiedme». Reue Mitglieder werdm aufgmommen. Gäste haben Zuttttt. Fachveret« de? Putzer. Sonntag, den 5. September, Vormittags 11'/, Uhr, im VereinSlotale Jnselstraße 10: Mitgliederversammlung. T.-O.: Innere VereinSangclegenheitm. Ausgabe der Billet» zu dem am 25. September in der Phil« Harmonie stattfindenden Stiftungsfeste. verein der Sattler«nd Fachgeuossm. Versammlung Sonnabend, den 4. September, Abendt 8'/, Uhr, Kommandanten« straße 77—79. T. O.: 1. Vortrag deS Herrn Dr. phil. M. Baumgart. 2. Antrag, betreffend Ermäßigung de» Beitrages. 3. Verschiedene« und Fragekasten. I« de« Freireligiöse« Gemeinde beginnt am Sonntag, Vormittag» 10 Uhr, Rosen thalerstr. 38, Herr Schäfer eine Reihe von Vorttägen au» der„Seelenl-hre". Zutritt steht Jedem frei. Dänischer verein„Kreya. Versammlung jeden Sonn- abend, 9 Uhr, Rosenthalerstr. 39. Dänische Blätter find vor« handm. Vermischtes. Eine fich nicht bewährende Erfindung. Folamd« Geschichte wird von der„New-Borker HandelSztg." au» New« Bork erzählt: John F. Haniott, ein Beamter im Polizei- Hauptquartier, zu dessen Befugniffen e» gehört, da» einge« lieferte gefundene Sigenthum zu registrirm und aufzubewahren, hatte kürzlich ein« neue Erfindung gemacht,«elch« darin de- stand, daß er seine goldene Uhr derartig an der Kette be- festigt, daß seiner Anficht nach die Uhr, selbst vom geschicktesten Taschendiebe, nicht aestohlm werden konnte. Vor einigen Tagen zeigt« und erklärte Harriott einigen der erfahrensten Geheimpolizisten de» Hauptquartiers voller Stolz seine neue Erfindung. Die Detettive» dewunderten dieselbe und riethen ihm, fi« patentiren zu laffen. Der Erfinder begab fich hierauf in sein Bureau, um die nöthigen Schritte zur Erlangung eine» Patente» auf seine Erfindung zu thun. Kaum hatte er an seinem Schreibtische Platz genommen, al» ihm ein Paquet mtt der Aufschrift„gestohlenes Eigenthum" übergeben wurde. AI» Harriott da» Paquet, um den Inhalt zu registriren. öffnete, fand er in d-mselben zu seiner größten Uederraschuug seine goldene Taschenuhr vor. Einer der Detektive», welchen er seine Erfindung gezeigi, hatte die Uhr von der Kette ab«. schnitten, während fich seine Kollegen an Haniott heran- ÄffzÄÄ«Ä aufgegeben. Eine Mörderin ihrer Kinder. Au» Charkow berichtei mmm nach Hause UmnlnoitUA d°-..-«1»°-«ri.«•*»«« � Mann bei seiner Frau. Von nun an gab e» im Hause tägliä Streitigkeiten zwischen Mann und Frau. Letztere hiev e» nicht mehr au» und entschloß fich zum Selbstmorde. Sie betete, küßte ihre Kinder und ging nach dem Bahnhofe in der Abstcht, fich vor«inen ankommenden Zug zu werfen. Auf dem Wege aber fingen ihre mütterlichen Gefühle zu sprechen an.„WaS wird denn a.» meinen kleinen Kindern ohne mich werden?" fragte sie fich. Sie keh te nach Hause zurück, verriegelte die Thür und erdrosselte ihre beiden kleinen Töchterchen, die drei und ein Jahr alt waren, und zerschmetterte überdies mit einer Axt dem einen Mädchen den Schädel und dem zweiten die Kinnlade. Dann ging fie in den Hof hinaus und rief ihre beiden älteren Söhne herein. Als die Kinder hereintraten, warf fich die Mutter auf den jüngeren Sohn, den sechs Jahre alten Dmitrij, und fühtte mit der Axt einen Hieb gegm ihn- Der zehnjährige Iwan wollte seinen Bruder vertheidigen, aber die Mutter versetzte auch ihm einm wuchtigm Schlag mtt dem Beile auf die Hand. Da» arme Kind rannte fort, um den Vater zu holen. Ali dieser letztere kam, fand er seine Kinder mtt zerschmetterten Gliedern in ihrem Blute schwimmend. Die Frau wurde von der Polizei auf den Etsenbahnschimm ge» funden, wo fie auf einen Zug wartete, der ihrem Lebm ein Ende machen sollte. Ei« LtebeSdrama hat kürzlich bei Schloß Eller in der Nähe von Düffeldorf einm blutigm Abschluß gefunden Ein junger Mann au» Düsseldorf hatte fich mit einer Wittwe, Mutter von 5 Kindem, verlobt. Der Hochzeit widersetzten firh die Eltern des Bräutigams. Darauf reisten beide ab. Kürz» lich fand man da» Paar im Schloßpark zu Eller al» Lttchen, jede derselben mtt einem Schuß durch» Herz. Ein noch mit vier Patronm geladener Revolver lag in der Nähe. verunglückter Löwenbändiger. In einer Menagerie zu Le Puy(Frankreich) überfiel vor einigen Tagen währen» der Vorstellung ein Löwe seinen Bändiger, warf ihn zu Bovin und brachte ihm tiefe Bißwunden bei. Nur mit der größten Anstrengung und mittels der eisemen Peitsche gelang e» dem Bändiger fich zu erheben und den AuSgang de» Käfig« zu Sf Winnen, worauf er destnnungSlo» zufammmbrach. Die herbei- geholtm Aerzte erklätten die Wundm für nicht lebm»»«' fährlich. Mit einer 53 Köpfe starken Zigeunerbaude wird m> der belgisch, holländtfchm Grenze förmlich Fangball gespst»- Die belgische Polizei setzt die„gefürchteten" Gäste über W Grenze und holländische Gendarmen geben daS Gastgeschrm alSbald wieder zurück. Die» hat stch schon einige Male wieder» holt und man ist nun auf dm Ablauf der Angelegenheit M gespannt. Kleine Wittheilungen. Freienwalde a. O.. 30. August. Vorgestern find% wie die„Franks. Over- Ztg." schreibt, zwei PolizeifergeaM? auf Anordnung deS Regielungipräfidenten von ihrem � suSpenditt. Ihr Mißbrauch der Amtsgewalt, wofür fie"� der Strafkammer in EberSwalde zu drei Monaten fängniß verurtheilt find, sowie ihre wiederholte Annahme Geschenken haben die Einleitung de» Disziplinarverfahren» � anlaßt.„ Köln, 2. September. Unschuldig in Untersuchung»»� wegen Vervacht» de» Diebstahl» hat der Tischler WinkevM in Köln 76 Tage gesessen.#18 der wirkliche Dieb»erhrmjj worden war, wurde er au» der Haft entlaffm und von»*• Kölner Strafkammer freigesprochen.— Wer ihn für die*#" schuldig erlittene Untersuchungshaft entschädigt, wird l� * Königshofen(Bayern), 31. August. Von einem»tzjj setzlichen Brandunglück wurde gestern Nachmtttag unst- Städtchen heimgesucht. Au« bi» jetzt unbekannter UrsaM» brach um Msttag Feuer au», da» 23 Wohngebäude, 18 Scheinen und 33 Nebengebäude vollständig einäscherte, auch'"f Geflügel und Großvieh in dm Flammm um. Die liehen Gebäude Post, Bezirksamt und Amtsgericht blieben W versehrt. Der Schaden ist um so größer, al» deretti die 0*% Ernte angeheimst war. Die Thätigkeit der Feuerwehr»ur»' durch Wassermangel sehr beeinttächttgt. Der JmmobiliarsckvÄ" beträgt 120000 M.. der Schaden an Mobiliar 1300%' dem nur 131 000 M. Verficherungisumme gegenübermtzZ, Königshofen wurde vor etwa 25 Jahren fast vollständig Feuer zerstört. ,„j Pari», 30. August. Ein 15jShriger Knabe in 9#%,, der vor einigen Wochm der Hinrichtung eimS Mörder» wohnt hatte, war durch diese» Schauspiel in solche Aust� versetzt wordm, daß er seitdem geistesgestört ist. AnM�, seiner Arbeit zurückzukehim— er war in einer SchuhM�I schästigt— trieb er stch in den benachbattm Drlitfcaf«fl Wäldern umher, erzählte Jedermann die Einzelheiten richtung und bildete stch schließlich ein, er sei der SchasWj, Gestern fand man ihn am Rand einer Straße, neben ein Hund mit durchschnittener Kehle. Man hat /Xw! nunmehr in eine Heilanstalt gebracht.— In dem versag Steinbruch von Chaneelade suchtm die Steinbrech« tr»»�, Verbot» der Ingenieure nach den Leichnamen ihrer verunflsu v Kameraden und haben auch in der That gestem noch Zw'' gefundm..jA Pari», 30. August. Zwischen Calais und Dover seit gestern ein neuer Poftdampker„Viktoria", der das°* schnellste Schiff der Linie, die„Jnotcta", welche dkß°% 70 Minuten ausgeführt hat, noch übertrifft. Zur erstens. von Dover nach Calais brauchte die„Viktoria" allerdink! j folge Nebel» 80 Minuten; der Nebel war so dichl�°� fi kennen geben mußte. Die Rückfahrt Rinutm ausgeführt, der Hälfte der Dampfer zwischm Folkefione „Vittoria" ist in Glasgow gebaut, dem Dampfer dm Landungspunkt mtt Kanonenschüssen»u � -----------...- ......._. Franken gekostet und kann 900 Reisende desörvem: fie lang, 63'/, brett und hat 8' 4" Wassergang, ö0Ä Pfer» fsti und eine Geschwindigkeit von 20 Knoten in der Minute- � der Brette de» Schiffe» ist fast keine Wellmbewegunö bemerkbar-_ Chikaao, 31. August. Hebet die Explofion der IM» fabrik der Herrm Laflm u. Rand werden wettere Eirje � gemeldet. 30 Metten entfernt wohnende Leute vemahnr Knall und glaubtm, er rühre von einem Erdbeben he''# rend andere wenige hundert Schritte davon lufinNJ«� ve> �n die Erschütterung nm leicht(»Ottm. � � lofion schien fich in einer geraden 1000 nach einer bestimmten Richtung zu erstrecken. Die st# gm warm in einzelnm Fällen sthr merkwürd�» � M stürzte todt hin, ohne da» geringste äußere Zeichen wundung, einer anderen wurde die Zunge flue beben Umgekommmm find N> unbeerdigt auf dm Siraßm übrigen Theil der Zeitung K.®meed, daß die Abdankung de» Fürsten fast unvermeid- & Des Malers Dache. toi®« dreißig Zähren fing ver belgische Maler«ntoine TehX«>. durch seine originelle« und phantastische» b«? T* Aussehen zu errege» und e« wurde Mode, fich m ,im porträtiren zu lasse«. Doch ließ er diese Gunst dft-« � e,manB zu Theil werde«, sonder« nur solchen, «UK P�fivgnomim fernem auf da» Exzentrisch« mehr al, a? Schöne gerichtete« Sinne mehr zusagtm. «ine» Tage, erhielt er dm Besuch eme« gewiffm % vo« Spach, eine» Notar», der da« Gelüst verspürte. , vn dem berühmte» Künstler verewige» zu lasse». 4* Spaeh, dessen runzelige» Sefich! einm Ausdruck �«chlauhest und Wichtigthuerei zeigte, war einer der Arsten Männer vo» Brüssel, dabei eck« eben so geizig, $le2. r«ich war,«ine Eigenschaft, die ihm de» Spitznamm ** Harpago eingetragen hatte. ziz, �dgleich Wiertz diese Schwäche seine» Besucher» kannte, kr doch ohne Zögem auf dessen Gesuch ei«. Die b,' de» kleinm stechende» Augm, der Habichtsnase �»sil-» Lippe» war ei» wahrer Schatz für einm tatoiS* Wiertz war bezaubert und währmd der Besuch Ostler; J*'* Wünsche auseinandersetzte, prägte fich der h„Will r21""- iedm Zug seine» Gesichte« ei». *ss($iig wird da» Porträt kosten?" fragte der Notar ,. ist 10 000 Frank», Monfieur.' yl�vt er zuckte die Achseln und sagte trockm, �'""bm:„Dann habeich die Ehre, Zhnm Aber � wünschen." der fürchtete, diese» vielversprechende lich sei und alSdann eine Intervention Rußland» in Bulgarien u ausbleibt!» werde. Die„Time," fürchtet, die Antwort de» Kaiser» werde die russtsche Partei in Bulgarim ver- stärken und ermuntern, die Stellung de» Fürsten da- gegen entsprechen!) schwächen. Die beste Hoffnung de» Für- stm auf die Sicherheit und S-abiltlät s-iner Stei lung liege in einer vernünftigen Beherrschung der bulgarischen Bevölkerung und in seiner Befähigung, die Bande der Eintracht zwtschm den emanzipirten Nationalitäten im Süvostm Europa» fester zu knüpfen. Da»„Journal de St. Petersburg" schreibt: Die kaiserliche Antwortdepesche auf da» Telegramm de» Fürsten Alexander bedarf keinerlei Kommentar». Sie stellt die Frage, welche durch die vom Fürsten Alexander angenommene Haltung aufgeworfen worden, auf einm vollkommen klaren Bovm. Die neuesten Depeschen über da» Vordringen de» Fürstm nach Sofia lauten: Philivpovtl, Donnerstag, 2. September, Vormittag. Der Fürst Alexander ist heute früh 8 Uhr hier eingetroffen. Seine Ankunft wurde durch die vielfachm Beweise von ErgebenheU der Bevölkerung, welche ihm auf dem Wege hierher zu Theil wurden, verzögert. Insbesondere war auf der Strecke von N-nizagra hierher, welche in der Nacht zurückgelegt wurde, auf allen Reisestationen die Bevöllerung in großer Menge herbei- geströmt, um dem Fürsten ihre Huldigung darzubringen. Sofia, Freitag. 3. September. Die aufrührerischen Truppm haben fich auf Gnade und Ungnade ergeben und die Milde de» Fürsten angerufen. Der Fürst zieht am Freitag Mittag ein; soebm find zehn Wagen für sein e Einholung nach P hilippopel abgegangen. Der Ministerprästdent geht energisch, ruhig und umstchtig vor. Konftantinopel. Freitag, 3. September. In Folge eine» Schiitte» de» russtsche» Botschafter» Nelidow soll die Pforte Galban Effendi angewiesen haben, fich nach Philippopel zu begeben und dem Fürsten Alexander zu empfehlen, gegen die Urheber de» Staatsstreiche» vom 21. August Gnade»alten zu lassen._ lokale«. Die Löhne der Straßenreinig«ng»arbeiter wurden von Sellen ver Arbeiterpartei, namentlich gelegentlich der letzten Kommunalwahlen, al» durchaus unzureichend hingestellt. Jetzt veröffentlicht nun die städtische Straßenreinigung»' Deputalwn einen längeren Bericht, in welchem die Lohnsätze obiger Ar- driter näher bezeichnet find. Demnach erhalten die sogenannten „Vorarbeiter" täglich 3 Mark 60 Pf., während da» Gra» in zwei Klaffen getheilt ist, von denen die erste Klaffe täglich 3 Mark, die z wette hingegen 2 Mark empfängt Die außerdem noch angestellten ÄrbeilSdurschen erhalten täglich 1 Mark 60 Pf. Hierzu wird bemerkt, daß diese Lohnsätze durchau» angemeffme seien, namentlich deshalb schon, weil auch Dienstkleidung und Werkzeuge gewährt würdm und die»welle Lohnklaffe nur ein UebergangSstadium darstelle. Die darin Befindlichen rekrutirten fich au» den zuletzt eingetretenen res», au» den jugendlichen Kräften und würden nach ungefähr 1'/, Jahren in die erste Lohnklaffe rangirt, um neu eintretmdm Platz zu machen. Außerdem sei aber noch in eoent. Krankheitsfällen für die Ar- better durch entsprechende Krankenkassen auireichend gesorgt. Sowell der Bericht.— Ob die Herren wirklich ernstlich glauben, daß die genannten Löhne unter den heuttgm Verhältnissen ausreichende find? Unserer Meinung nach find sie e» durch- au» nicht. In Bezug auf die Zweimark-Löhnung wäre e» die reine Ironie, wollten wir dieselbe al» auch nur entfernt al» zu- reichend bezeichnen. Der gesunde Menschenverstand sagt un», daß 14 M. pro Woche ganzlich ungmügmd find. Ein so winziger Lohn reicht nicht einmal für einen einzelnen Menschen, geschweige für eine Familie. Und wmn der geschilderte „Uebergang" in die erste Klaffe schließlich glücklich staitgefun- d-n hat, so beträgt der Lohn ganze 3 M. täglich, 21 M. wöcheat- lich. Haben unsere Stadtweisen aber schon einmal darüber nachgedacht, wieviel zum Leben absolut erforderlich ist? Wir bezweifeln da». Sootel dürste ihnen tndeß doch wohl bekannt sein, daß die Ardeller Butter, Brod, Fleisch und Gemüse um keinen Pfennig billiger kaufen können, al» irgend ein Stadtrath. Und wie steht e» mit den Wohnungen au»? Al» der bekannte antisemitische„Stadtvater" Hoffmann au» der Fülle seine» Wissen» die geistreiche Behauptung IvSließ, e» wären\ü: 20 Mark jährlich noch vlel Ariiiterwohnungen zu Aber Herr vo» Spach fand auch diese Forderung für ei«„Stück bemalter Leinwand" übertriebe». Endlich»ach vielem Handel« und Ueberlegea willigte er ei«, 3000 Frank« für da» Bild, einschließlich de» Rahmen», zu bezahlen und dann verabschiedete er sich mit der Frag«: „Wann soll die erste Sitzung stattfinde«?" Der Maler, welcher hinsichtlich de« Porttät» setne eigenen Zdeen halte, erwiderte:„Es eilt nicht, ich bin jetzt gerade stark beschäftigt, und werde ei Sie wisse» lasse«, wen» ich einen Morgm frei habe." Kaum hatte der Notar da» Atelier verlasse», al» Wiertz Pinsel und Palette ergriff, eine ftische Leinwand auf seine Staffelei spannte und die Umrisse de« Bilde« au« dem Gedächtniß zu male« began«. Wiertz konnte erstaunlich schnell arbeite« und al» der Abend anbrach, war da» Btld so gut wie fertig. Auf demselben war der Notar dargestellt, wie er, da» Gesicht voll dem Beschauer zugewendet, an einem mit Papiere» und Dokumente« bedeckte« Tische saß. Der Koos hob sich von einem dunkle» Hintergrund vor- trefflich ab und war in der beste« Manier de« Künstler« ausgeführt. Die Aehnlichkell war eine schlagend« und gab nicht allein die Züge, sonder« auch deu Charakter und Ausdruck de« Urbitde« wieder. Kurz, die Leinwand schien ia*** folgende« Morgen that Wiertz die letzte« Pinsel. striche, spannte da» Semilde in eine» Rahme» und schickte e» an von Spach; der U'berbringer sollte auf Antwort �Wiertz rieb fich vor Vergnüge» die Hände, wen» er mm haben, setzte er damit die LachmuSkeln der gesammten Bürger- schaft in Bewegung. Und die Herren Haus- resp. Grund- besttzer werden nicht wmig erstaunt gewesen sein, über diese Entdeckung; fie wissen am besten, wie gering die Anzahl der Wohnungen ist, welche noch zu 210 oder 240 M von ihnen vermiethet werden. Di- äh-eiter haben aber al» zivilifirte Manschen noch andere Ledütfniffe, al» Nahrung, Wohnung und Kleidung: Erholung und geistige Anregung find ihnen ebenso unentbehrliche Nothwendigleit.n. Bei einem solchen Lohn find fie aber bei Weitem nicht in der Lage, fich geistige Genüsse zu verschaffen, welche veredelnd auf Sinn und Gemüth wirken. E» wird ihnen noch nicht einmal möglich sein» fich de» Sonntag» mll ihren Familim entfernt von dem Dunst- krei» der Stadt tn ver erfrischenden Natur zu kräftigen. Sol« che» halten wir aber für„angemessen" und nothwendig. Denn ei kann doch wohl dem stupidesten Ewdtvater nicht einfallen «ollen, zu behaupten, daß die Straßen arbetter nur zu dem Zwecke auf der Wett find, um ihre Lebenszeit hindurch ledig» Ilch Tag für Tag dm Befm zu schwingen, den Kehricht zu häufm und de» Abend» wie abgetriebene Droschkengäule dem dürftigm Heim zuzutraden. Mit der auSreichendm Löhnung bat e» also einen Haken und bei einigem guten Willen und Nachdmkm werden die Herren leicht finden, wie wenig die Löhne„angemessen" find. Man komme un» doch nicht immer wieder mtt der alten abgenutzten Redl wendung, daß die täglich massenhaft einlaufenden Meldungm zu diesem Dienste ein hin« reichmde» Zeugniß für die vottreffliche Besoldung seien. Solche Thatsachen zeigen nur, wie tief traurig unsere Verhältnisse für die Arbeiter find. Durch die bittere Roth gezwungen, bietet fich der Arbeiter für 2 Mark täglich an, für einen Lohn, der» wie man tieffend zu sagen pflegt, zum Sterben zu hoch» zum Leben zu gering bemessen ist. Die Berliner Stadtverwal- tung sollte aber btlligerwetse nicht mtt derartigen Argumenten heroottrtten, fie hätte vielmehr alle Ursache, in Bezug auf Be- soldung und Behandlung der ihr unterstellten Arbetter den Piivaten mit gutem Beispiele voranzugehm und fich jene Groß- städte zum Muster zu nehmen, welche ihr diesbezüglich schon um 20 Jahre vorau» find. Postaltsche». Die deutsche Reichkpoftverwaltung richtet an da» Publikum zum Z vecke der Erleichterung de» Brief» und Packetpostoerkehr« folgende beachtmSwerthe Mahnung: Rtchtigkett, Deutlichkeit und Vollständigkeit der Auffchttft find unerläßliche Vorbedingungen für die ordnungsmäßige Beför» derung und B-st-llung der Postsendungen. Zur Vollständigkeit der Aufschrift gekört bei Briefen ic. nach SläSten die Angabe von Straße, Haußnummer und Stockwerk, für Berlin außerdem die Bezeichnung de» Postbezirk» 0., W., 0 u. s.«., i. B. Herrn F. W. Müller, Bankgeschäft. Berlin W., Rur» fürstenstr. 402, I. oder: Herrn Job- Rauch, Franfutt(Main), Lltttersdorsplatz 93, n. Erste» Erforderniß für Abfassung einer richtigen Ausschttft ist allerding«, daß jederzeit die neue» stm Angaben über Strafe und Hautnummer tc. zur Verfügung stehen. Kein Stadtbewohner sollte daher versäumen, in den abgehenden Briefen die Ottsbezeichnung mit mtfpreckm- dem Zusätze zu versehen. Z. B.: Berlin W,, 1. Februar 1886, Kuttürstenstraße 402, I., oder: Frankfurt(Main), 1. Februar 1886, BlitterSdorsplatz 93. II. Absender bezw. Empfänger, welche diese Mahnung nicht beachten, werden die unangeneh- mm Folgen: Verlängelung in der Aushändigung, wenn nicht gänzliche Undestellbarkett ihrer Smdungen, fich selbst zu- zuschreiben haben.— Ferner wird beabsichtigt, ein Abonnement auf den abgetürztm Gebührentarif für Telegramme für die» jenigen Korrespondenten einzuführen, für welche e» von In- tereffe ist, von dem jeweiligm Eintrttt wesentticher Aenderun- gen deS Tarifs rechlzeittg unterttchtet zu werden. DaS Iaht». adonnement für jede» Exemplar beträgt 60 Pfennige, außerhalb de» Adonnemmt» beträgt der Preis für da» Exemplar 10 Pfennige. Die Abonnementtbelträge wer- dm für da« Kalenderjahr berechnet. Angefangene Halbjahre werden all volle Halbjahre gerechnet. Abonnement» nimmt jede» Reichkpoftamt entgegen.— Ferner ist neu er- schienm die amtliche Uedelfichitkarte der internationalen Tele» graphen-Verdindungen mtt einer U-be-ficht der Zeitunterschiede zwischen wichtigeren Orten de» Weltverkehr» und kann die» selbe zum Preise von 1,50 M. für da« Exemplar, ebenso die Ueberstchttkarte der überseeischen Dampfschifflinten im Wett» postoerlehr zum Preise von 1 M. für da» Exemplar durch alle R-ichSpMmter bczogm werden.— Die B-rlii.er Privat- zahle». Da Sie e« nicht der Mühe werth erachte», mich ernstlich zu malm, so muß ich weitere Verhandlunge« mit Ihne» ablehne» und verbleibe Ihr ergebenster Peter von Spach. Al« d-r Künstler fich vo» dem erste« Erstaune» über diese» sonderbare» Brief erholt hatte, brach er w ein schal- lende« Gelächter au» und rief:„Seinen Preis, ha, ha, ha! Diesmal hat der alte Geizhals fich selbst betrogm I Er hätte e« für da« Fünffache dessen, wa« e« ihn kostet, verkaufe» können, der einfältige alte Pfablbauer." Wiertz wußte, wa« sei« Bild werth war und daraaf gründete er seinen Rache» la». Gr setzte fich wieder an die Staffelei, griff zu Pinsel und Palette und in unglaublich kurzer Zett hatte er eine erstaunlich« Veränderung zu Stande gebracht. Ohne die Porträtähalichkeit zu vernichten, änderte er da» Gesicht, indem er alle charakteristischm Züge übertrieb und karrikirte. Die eingesunkenen Augm erhielten einm lauernden hämischm Blick, die dünnen Lippen eine boshaftere Ktüm- mung. die buschige» Braue» einen grollenden Ausdruck. Ei» stoppeliger Bart bedeckte da» Kinn, die Haltung wurde gebückter und hinfälliger. Dan« verschwand da« ganze notarielle Beiwerk, der Hintergrund wurde zur Mauer einer Zelle mit einem vergitterte» Ferstrr und an Stelle de« Tische» mit sewm Papierm und Pergamenten trat eine roh« Bank, unter welcher ei» Wafferkrug und ei» Brod fichtbar waren. Dan» brachte der Künstler seine« NammSzug an und versah de« Rahme» mit der weithin fichtbare» Etiquette: „Schuldgefangmer." Mit dem so»wgestaltetm Bilde fuhr Wiertz zu de« bekannten Kunsthändler Melchior und sagte zu diesem: „Zch habe Zhnm etwa» mitgebracht, da» ich nicht für schiecht halte. Habe» Sie in Zhrem Schaufenster Platz dafür? „Platz dafür?" rief der Kunsthändler begeistert. So viel Sie wollm. Zch habe vo» Ihrer Hand»och nicht» sg Originelle« und Passende« gesehe»— n«d da« will viel saaen Wie hoch soll ich de» Prei« stellen?" „Zch bin«och unmtschlossen," mtgegnete der Maler., »ofttn ftnb der Reichlpoft gegenüber insofern im Nachtheil, al« dieselben leine eigenen Postämter besetzen. Die Briesannahme« ftellen find durchweg bei Geschäftsleuten untergebracht und findet daseldst auch der Martenverlauf statt. Für Viele ist»S aber V-inlich. ein Geschäft zu betteten, um lediglich eine Marle für 2 oder 3 Pfg. zu erstehen und halten sich Viele für veipflichtet, außerdem noch«twaS auS dem bett. Geschäfte zu entnebmm, um so mehr, wenn ste die Enttäuschung mancher Geschäfts- inbaber sehen, wenn nur eine Marle oder dergl. verlangt wird. Dieser Umstand hält Viele von der Benu,ung der Privat- pofttn ab. Hier muß fich erst daS richtige Vnhältniß derauS- bilden; die Geschäftsinhaber, welche«ine Filiale von Privat- posten übernommen haben, müffen fich gewiffermaßen als Beamte derselben dettachten und ihre auS dieser Stellung entspringenden Pflichten dem Publilum gegenüber ebenso freundlich erfüllen, wie ste ihre eigenen GeschäftSintereffm vertrettn und dal Publilum muß diese ungerechtfertigte Scheu überwinden und die Filialen der Prisat- psstcn als P.ivatpostämter betrachten, die seinet« wegen errichttt und zu seiner ungenirtcn Benutzung vorhanden find. Die Billigkeit der Piivatpasten darf indeffm deren JJuverläjstglett nicht ausschließen, doch gerade in dieser Beziehung weiden immer lautere Klagen gefühlt, welche zu ernsten Beden ien Veranlassung geben.— Daß übrigens auch bei der Reichtvrst Briefe verloren geben, ist eine unbestrittene Thatsache. Welche unangenehmen Folgm ein solche» Verlöten- geh-n etneS Briefes haben lann, zeigt folgender Vorgang, von dem wir, nach der„Allgem Fahr- Ztg.", hier Notiz nehmen. Der frühere Fuhrherr Kohlmann war am 2. vor. Mts. von der Straflammer de» biefigen Landgericht» l wegen Sachdeschädi- 8ung zu 8 Tagen Gefängniß veruttheil! worden. Gegen dieses illenntniß meldete er am 9. v. M. durch dm Vorstand de» „BeleinS Berliner Droschkenkutscher" frist- und formgerecht die Revision an und wurde die Anmeldung durch den Settetär de» Verein» in dem 12. Postamt in der Zimmerstraße einem am Schalter diensthabenden Beamten als Rohrpostbrief über- geben. Nach Virlauf von vielleicht acht Tasen erhielt Kohlmann von der töntgl. Staatsanwalt schatt die Verfüpung zum Antritt der Strafein dem Filiall Hilft! Gefängniß zu Rummel»- bürg. Auf die hiergegen erhobme Beschwerde erhielt K. den Bescheid, daß eine Renistonianmeldung zu den Akten nicht ein- geganaen sei. Die Recherche bei der Post hat zu einem nega- jtven Resultat geführt und hat nun K., nachdem polizeilich festgestellt, daß die RevifionSschrift bestimmt der Post zur Besör- derung übergeben worden ist, Strafaussetzung deantragt. In der vielbesprochene« Angelegenheit der AnSlade- stelle» am Landwehrkanal schreibt man der„Voss. Ztg." von interesstrtcr Sei:«:„Die von verschiedenen Blättern schon vor längerer Zett mehrfach gebrachte MUtheilung, daß die AuS- ladestellm freigegeben seien und daß also ungehindert ausgeladen werden dürfe, find unrichtig. ES ist in dieser Hinficht noch nicht« gestattet worden, wohl aber ist zu unserer Freude eine Annäherung der detdersettigen Behörden eingetretm und vor einigen Wochen auf Veranlassung deS königlichen Polizei- Präfidiumi, welche» die Schwere der vorhandenen Uebelstände am richtigsten erkannt hat, Unterhandlungen zwischen Regie- rung und Magistrat stattgefunden. Die Sache liegt äugen- dlicklich dem Magistrat zur Entschließung vor, welcher dieselbe hoffentlich unter Berückfichtigung der Dringlichkeit schnell er« ledigen wird. Einige Bemerkungen über die Lage der durch die MeinungSoerschiedenhetten zweier Behörden betroffenm Bürger seien un» noch gestattet: An den Usern de» Landwehr- kanal», speziell de» Görlitzer, Koltduser- und bei Plam Ufert, müffen die Besitzer der dort defindltchm Grundstücke nun schon seit einem Jahre mit ansehm, wie ausnahmsweise ungefähr ein Dutzend ihrer Nachbarn ungehindert ihre bisherige AuS- ladestellt wetter benutzen dürfen, ohne daß dieselben den Anderen gegenüber hierzu«in andere» Recht de- fitzm, alt die ihnen setten» der königlichen Minifterial-Bau- kommisfion gewährte Erlaubniß. An dem nicht zu Berlin ge- hörigen Ufer R xdorfer Gebiet» liegt Kahn an Kahn und w»d entleert, während dieffeit» die Ufer öd« und leer find. Der Kanal gehöit dem Staate und daher dürfte wohl da» gleiche Anrecht, dessen Voriheile erst mit schweren Slaattlostm erreicht find, jedem Staatsbürger ohne Ausnahme zustehen. Die an dieffeitiglm Ufer ausnahmsweise mit Vmroth versehenen Grundstücke find diejenigen, denen, wie oben angefühlt, gestattet ist, auszuladen, oder, diejenigen, welch« jetzt ih en Bedarf dmch die Bahn oder mtttetst Benutzung derjenigen Ausladestellen decken können, welcht an den Ufern de» fich von der Schilling». brücke di» zum Wasserthor durch die Stadt ziehenden Kanal» liegen. Der H-rdst naht und die Gischäftterahrung hat gelehrt, daß Vonäihe im Interesse der Waare möglichst im Sommer gtdeckt werden müssen, sogar zum großen TbeU im Herbst kaum gedeckt werden können. Bei jetziger Beschaffenbett und geringer Zahl der voihandenen Ausladestellen für Berlin ist die» jedoch«in Ding der Unmöglichkeit, worunter die ge- fammte Bürgerschaft leidet, da r»»ine Veltheu-runa der Preise herbeiführen muß."— In Bezug auf dieselbe Ange legenhett heißt t« in einer anderen MUtheilung:„Kürzlich war ich zufällig in dem hiefigen Schiffahttibüceau, „Wenn ei» Käufer fich meldet, so sage» Sie mir Bescheid." Da» Gemälde erhielt augenblicklich de» Ehrevplatz, «ab erregte bald Aufmerksamkeit. De» ganze» Tag wurde der Platz vor Melchior» Schaufenster nicht leer, am anderen Morgen bespräche» di« Zeitungen da» Bild und immer neue Menge» strömte» hm. e« anzusehen. Unter de« letztere« b«fa»d fich auch ei» Frnnd de« Meister« von Spach, der seine» Augen nicht traue» wollte, al» er de» würdigen Notar i» dieser zweifelhafte» Gestalt wiederer- kannte. Augenblicklich eckte er zu ihm u»d r« dauerte nicht lange, so stürzte der alte Notar i» den Kunstlade« hmein, beste» Eigenthümer i» ihm sofort da« Original seine« Bil- de» erkannte. .Herr Melchior," begann der Besucher,.ich bi» da» Opfer ehre« niederträchtigen Witze» eine« ihrer Kunde« ge- worde». E« ist mein Porttät. Herr, da« i» Ihrem Fenster hängt: ich, Herr, ich, der Meist«, vo« Spach, werde in der »ichtSnutzigea Ludelei al« bankerotter Schuldgefangene, »»höhnt und an de» Pranger gestellt. Wen« Sie da« Zeug nicht auaenblicklich entfer»««, werde ich mich a» di« Polizei wenden." Der Kunsthändler lächelte über diese Drohung und er- widerte mit höflicher Kälte:„Ich muß Sie a» de»«a«stler verweise«, mem Herr; da» Gemälde gehört ihm und ohne seine Erlaubniß kann ich baffelbe nicht wieder zurück- siehe»." Schäumend vor Wuth und Uowille», rannte v. Spach zu dem Künstler; er fand diese», behaglich i« seine» Arm- ftubl»urückgelehnt, eine Zigarre rauchend und wurde vo» ihm mit de» unbefangene« Wortt» begoßt:„»h,«i. find 'ää'ä t immm steht» Sie mich?" wo di« eintreffenden Schiffer fich melden müffen, um fich di« Erlaubniß zu holen, ihre Ladung an den- jenigen Uie? stellen, wohin dieselde destimmt ist, ouSladen zu dürfen. Da hörte ich im Nebenzimmer sehr laute Stimmen und verstand jede» Wort. E» handelte fich um di« Beschwerde eine» Schiffer», der nun schon fall 14 Tage vor der Oberbaum- brücke lag und vergeben» auf Gewährung einer Ausladestelle mattete, da die vorhandenen lange im Vorau» vergeben waren. Der Beschwerdeführer war ohne Frage ein RüderSdrnfer Kall- steinschiffer. Er erklärte, daß, wenn diese Verhältniffe so fort- dauern, so könne die Verschiffung einer Ladung nach Berlin nicht mehr anaenommen werden. Bei solchen Verhältniffm könne kein Schiffer best? hm, denn wenn derselbe schon 14 Tage vergeben» in Rüdersdorf wegen Mangel an vorhandmer Waare auf Ladung warten solle und hier noch eben so lange liegen müsse, bevor er dieselbe mtleerm könne, so danke er für diese» Geschäft und seine Kollegen auch, von denen eine große Zahl dereit» Abstand genommen hätte. Nach näheren E tun- digungen bewahrheitete fich die». Selbstoerständlich bedingen die Schiffer in Folge deffm auch höhere Frachtpreise, welche jedoch den ihnen der schlanker Abfertigung erwachsenden Ver- dienst lange nicht deckm, aber den Pcci» der Waare erhöhen. Eine Anfrage an die Bcrgverwallung, weiha b ste den an ste gerichteten Ansprüchen nicht prompter entspricht, dürfte fich wohl empfehlm." Ja Be»«a auf da« Verfahren b-i der Errichtung oder der Veraudernvg gewerblicher Anlage« ist den Be- Hörden durch eine Bnwttsung der Minister de» Innern und oe» Handel» vom 19. Juli 1884 rmpfchlen worden, die Ge- nehmigung nur unter dem Vorbehalte zu erlheckm, daß die bei der Konzesston gestellten Bedingungen abgeändert oder er- gänzt werden können, fall» st» ein Bedürfniß dazu ergeben sollte. In Abänderung dieser Vorschrift wird nun in einem kürzlich ergangenen gemeinschaftitchen Reskript der beiden vor genannten Ministetten bestimmt, daß ein Vorb:halt der de- reglm Att nur ausnahmsweise in denjenigen Fällen in den Bescheid auszunehmm ist, in denm eine gewerblich« Anlage Gefahren für die Rachbaren in besonderem Maß« mtt fich bringt und die konzesfiontrende Behörde beim Mangel au»« rttchender Erfahrung eine Sicherhett darüber nicht sofort ge- «innen kann, od die zunächst vorgeschriebenm Bedingungen auSrttchend fein werden, um auch nur den zur Zttt der Kon- zesstonirung schon vorhandenen Atja, knien hinlänglichen Schutz gegen erhebliche Gefahren, Nachiheile oder Belästigungen zu gewähren. In derartigen Ausnahmefällen ist aber der Unter« nehmer uuf dm beabstchligtm Vorbehalt und dessen mögliche, dm Fottbettteb seiner Anlage vielleicht in Frage stellendm Folgen im Vorau» und in altmmäßig nachweisbarer Form aufmerksam zu machen. Die stärkste Etckie der Mark, vielleicht auch von ganz Deutschland, dürfte stch auf dem Dominium Bärenklau bei Guben befinden. Eine vor etwa Jahresfrist in den Zettungm veröffentlichte Notiz über die Buseros» Eiche, welch« al» die stärlste in der Mark Brandenburg bezeichnet wurde, veranlaßt« den Eigenthüm» von Bärmllau, den RittergutSdefitzer Herrn S-,«ine auf sttnem Territorium stehende mächtige Eiche ver- mrffm zu laffm. Diese vom herrschaftlichen Förster Herrn Krüger dewirkte genaue Vermessung»gab nun, daß die Bären- klau« Eiche d« angeblich größten Buderos» bei Weitem üb» ist, wie die» die nachstehend angegebenm bttderseitigm Maße »sehen laffen. ES hat nämlich die Budnoler Eiche»ine Ge- sammtböbe von 15 Meter, Stammhöhe 2,37, Stammumfang unten 7,60, in der Mi te 6.32, unter dm Aesten 7 47. Durchmesser 2,41. Die gleich loufmden Maße der Bärenklauer Eiche find dagegen 23 Meter. 2,45, 8,12, 6,94, 6.64 und 1,58. Also nur der Stammumfang unter den Aesten»gtedt ein Minu» von 83 Zmtimeter, wahr-nb alle anderen Maße nicht unwesmt- liche» Plu» ergeben, da» bei d» Gesimmthöhe sogar ein solche» von 8 Metern aufweist. Der HauptfadrikattonSplatz für Holzschnttzwaare«, hauptsächlich für die sogenannten Holzgatan.lettewaacm, ist Berlin. ES werden in nnserer Stadt Gegenständ« für Ge- brauch und Luxu» in allen möglichen Hulzartm hergestellt und nehmen von hier aus ihren Weg nach der ganzen West. Geschnitzt« ZettungSmappm, Zigarrmdehälter, Rauchtische. Uhr- ständcr, Barderodenhalter, Handtuchhalter, Notenständer, Ltl- denahmen, Nähkästen, Federkästen und wie die unzähliam Gegenständ« alle heißen, die wir tagtäglich in unseren Geschäften zu sehrn bekommen, ste alle werdtn hur»zeugt in großen Mengen, obgleich ste wohl zum allergeringstm Theile in unserer Stadt und in Deutschland bleiben. Sie gehen von bi» au» durch Bnmittelung von Großhäusern nach England, Amerika. Holland, Dänemark wie überhaupt fast nach allen Kulturftaalen. Die gesuchtesten Holzartm find Eichen und Nußdaum, der Geschmack wmdet fich imm» noch dem Re- naiffanzestil zu. da» modischere Rokoko kommt btt Hol, schnitz. waaren di» jetzt noch nicht zum Durchbruch. Man rühmt den nicht zu verk.nnen, daß die Fadrtkar.ten durch dte ihnen vor- „Nicht ganz," versetzte der andere mit unzerstörbarer Ruh«.„Bei Melchior ist allerding« ein Gemälde von mir, aber ich seh« nicht«in, wie da» Sie lächerlich mach« kann." „Sie sehe» da»»icht ein? Da» Gemälde ist ja mei» Porträt, Herr, mtt» Porträt." »Ihr Parität?' wiederholte der Andere ganz überrascht. .Natürlich j Da» steht doch Jeder«««» auf de» erste» Blick, ,B»ßtthm Sie," fiel hier der Mal«, ein.„Gestern haben S««st gesagt, daß«» Ihnen»icht im g«. ringste» ähnlich sähe. Sehe» Sie— hier ist ja«och Ihr Bttef." Do» Spach biß fich auf die Lippm; er war ge- fa»g«». Wiertz fuhr fort:.Unter diese» Umstände», und da ich da« Werk zurückerhalte« halte, war ich»ollkom- «e» berechtigt, darüber»ach meinem Gutdünken zu verfügen." Der Notar lief einig« Male im Zimmer auf und ab uud sagte eudlich»tt einem erzwungenen Lächeln:„Kommen Sie, wir wolle» diese» abgeschmackten Handel in Tüte bei- zulege» versuch»». Ich zahle Ihnen sofort die»000 Frank« au« und Sie nehmen da» schändliche Ding au» dem Schaufenster." mmmm fü, ein« meiner gelungenste». Ich faBB � y* 15 000 Frank» fottgeben." .. wSa'E: »baeto.""iLTl.dU'M»..... » nicht unter geschriebenen Prttse gezwungen w«den, Sachen herzustellen, welche der hiefigen Holzgalantniewaaren Jndustiie nicht zum Ruhm« g«ttchen, andernseit» aber wird dieser Uedelstand aul- geglichen durch viel« geschmackvolle Artikel, welche Geschickiich» keit und Uebung der Ardttt« in hohem Grad« vmathen. Au» den unbeholfenen AnfangSarbetten, mit denen die Fabri« kalion zunst hier auftrat, ist dieselbe schon längst herau». schnitzte Phantastemödel und besonders vergoldete, welche noch vor etlichen Jahren fast ausschließlich au» Pari» dezogen rrur- den, werden jetzt ebenfall» hur gefertigt und haben die Pariser Erzeugniste auch im Auslände zum großen Theil«»drängt. Man schätzt den Werih der hier hergestellten Holzschnitzwaaren cuf jährlich 6 Millionen Marl, eine Ziffer, die ihre Bedeutung erst dann»langt, wenn man»wägt, daß die ganz? Industrie für unsere Stadt noch ziemlich neu ist und daß die Gegen- stände meist einen sehr villigen Verkaufspreis baben. Die Fabtikatton beschäftigt augenblicklich ungefähr 7-800 Tischler- eben so viel Drechsler und vielleicht 600 Bildhauer; größere geschlossene Betriebe find in diesem GeschästSjweige noch wer.ig vertreten, um so mehr kleine Geschäfte, welche mit einer m-hr oder weniger großen Anzahl Gehckfen für große Kurzwaaren» und Ausfuhrgeschäfte arbeiten. Eett einigen Monate« ist feiten! der Polizei eine Bestimmung ergange« die auf eine»»stärkte Sicherheit gegen den Mißbrauch von Zuckersäure abzielt. Diejenigen Dcoguenhändler, welche überhaupt eine Gtftkonzesfion defitzen» dütten Zuckersäure nur gegen Gtftscheine und auch dann nur in Quantitäten von minvesten» einem Pfund verkaufen. Trotz« dem putzen die Dienstmädchen nach wie vor mit Zuckersäurt und, wie der Polizeibericht der letzten Monate ausweist, find auch V»gistungcn damii, sei e» au» Fahrläsfigkttt, stt e» mu Abficht, vorgekoz-men. Nachforschungen haben ergeben, daß d!« Unlust d» Dienstboten, ein andere», minder w rksamet Pap mittel zu nehmen, st« auf ein AuilunftSmittel ha: kommen lasstn- da» jetzt noch viel gefährlich« ist. Eine große Anzahl von Grünlramhändlettnnen kaufen die Zucknfäure jetzt eben pfund- weis« und detailliren ste dann lothweise. War da» gefährlich Mittel biiher in dnn Giftschrank d» Droguist-.n verschlossen und kam ungünstigsten Falle» in die unberufenen Hände ttner P»son, so befindet e» stch jltzi meist aufstchtSlo» in den wähnten Kellern In der unmittelbaren Nachbarschaft vo» LebenSmttteln, zugänglich für Jednmann. Eine Gefahr, beseitigt werden sollte, ist jetzt erst recht heraufbeschwor«� Dies« Umgehung de» Gesetze» ist eine ganz neue, wahrschttn»» noch nicht zur Kenntniß d» Poftztt gekommen«. Sie ist aus un» nur dmch einen Zufall bekannt geworden, Nachftazw haben ergeben, daß die Sache stch in der Thai so vttW~ Während also bisher in den unbefugten Besttz von Zucknl� nur Diejenigen gelangten, welche die Abficht hatten, fich Leben zu nehmen, find der Gefahr einer fahrlässtgen L«W tung jetzt unendlich Viele ausgesetzt. Die Sache ist so#1# und so dringend, daß ihre Behandlung gar keinen Aufs»»' »leidet. Wir beeilen un» denn auch, ste zur öff-ntvA Kenntniß zu dttngen. Im Uebttgen ad« sollten onstät� Hausfrauen daS Bestreben der Polizei, Unglücksfällen und U', überlegten Streichen voesudeugen, unterstützen, indem ste, ein Putzmittel verzichten, daß trotz sein» Brlligteit oft � genug bezahlt»»den muß. Den in Berliner HandlnngSgeschäften thäti»� jungen Lenten»wachsen au« der groß-n Zahl ihr« stefluna' losen Kollegen recht une quickiiche Verhällniffe, denn jeder zipal weiß, daß fich ihm für einen abgehenden Gehilfen mindesten« zehn neue anbieten. Dte Folge diese» Zustanve»* daß eigenartige und mißtrauische Herren unter den Prinzivw« mit ihrem Personal beständig au» den kleinlichsten Gründe» over auch ohne alle Gründe wechseln. Steht ein Modeooa-''' Händler seinen jungen Mann am Arn» ttner jungen Do#! so hat» fich da« höchste Mißtrauen seinet Chef», wenn aar die Kündigung seine? Stellung zugezogen, denn nach Grundsatz d» meisten Modewaarenhändler datt ttn in bW* Branche lhätig» jung» Mann„kein Verhältniß" unterh�"'' Mit ttnern gewissen Ingrimm nennen deshalb die au» � Modtfech in andere Branchen übergetretenm Kommt« früheren Kollegen„Eunuch n".— Schlimmer aber 0%™ Lampendranch« t härige,> jungen Manne wird von seinem � aelündtftt ohne Angade von Gründen. In dem Bewußtsein, Unrechte» getdan zu haben, bezieht stch ver deteiffenvt Gehii«... seinen Bewerbungen auf die Empfehlung sttne» früheren 0�. allein überall wird er mtt ausweichenden Motivtrunjjß�� schläglich deschieden. Inzwischen war die> strlchen und der jung« Mann jteW Wvirbt« fich um d'.e in einem WUWWWWMWW ge, chatte vakante Stellung und gtedt sttne Reserenp".�- allerding» auß« d» seine« letzten Piinzipal« auch nod)� gy D» Prokurist der Firma ließ nach vorher ttngezogenm kundigungen den jungen Mann kommen. nklSite st» rttt, ihn zu engagtren, bemerkte aber mit ttner gewissen � „Zu Champagner- Souper» weide da» Grhatt wohl r.ia' Herr Wie tz." begann er. al« er wieder, Maler stand,„ich habe mir di« Sache noch einmal und füge mich in Ihre Bedingung-n. Ich will da» v für 15 000 F-ankt nehmen." ahd „Sie find sehr freundlich,'«widett« Wiertz-.'L m 'ch habe rn« di« Sache»och einmal überlegt«ad v'° auf einen guten Gedanken verfallen."„ Der Notar schauden«. Gr fürchtete Wiertz und ahnte, daß ein neue« Uaheil ihm bevorstehe. kenn?" fragte er ängstlich. „Da mein Gemälde ewige« Aufsehen erregt i schttnt, so denke ich#» verloosen zu lassen, da» Frank«, und damit e« die ganze Stadt zu sehe» ,d% M »ill ich«inen Dienstmann engaziren. der e« e* zwei Tage� durch die Straßen tragen soll. Wie fiadr" die Idee?" Meister von Spach war sprachlos vor „Da«— da« werden Sie doch nicht thu»?" .Warum nicht? Ich bin überzeugt, daß dttt« mtx«»besten, 30000 Frank« einbringen wird, für möchte ich Ei« nicht aufgeben." � M ... sa „Schuldgefange»»« w ga«, Brüssel h«umgetrage«» Leinwand w seinem Besttz: ad« erst alt er s»�«* Rahmen herausgeschnitten und verbrannt baM. fich vor neuen Rachttdeen de« Mal«» ganz g.u de« H«,» von Spach ttn« milden Sttftuag Brüssel. 4 !" Run«md« dem jungen Manne klar, weihalb er % loviele fein« Bewerbungen, in denen« stch auf die Em- »feyluna seine« letzien Plinzipal« bezogen, adschlägltch beschieden ««: dies« batte7 Tagesmox mum(29,8 Grad) um mehr als 20 Grad über daS �aesmlnlmum(9,0 Gr.). Die Klagen über die andaunnde Hitze allgemein, und hart betroffm find insbesondere alle die in �(uch« und Sommerfrischler, welche Mitte August berett« zurückkehrten, in der Hoffnung auf einen küblm iL wie, wir ihn in letzt« Zeit mehrfach hattm. Man aenau«tfinnen. daß dn August vorigen Jahre» fast WNMZM fich nicht über 19®r0ö tihob. Erst im September wurde daS Äeit« noch einmal sommerlich. Da« Resuttat d« in dieser fstturg veröffmttichten meteorologischm Beobachtungen war kn Berichttmonat folgendes. Der mittlere Barometerstand °etiug im Monattdmchschnitt 758,0 mm. Di» Schwankungen ?««« srh: gering, und alle Aenderungen vollzogen fich lang. N mit Ausnahme»wein Depresstonen am 2. und 10. Da« hM™ fiel mit 7484 mm auf den 10., da« Maximum er- �schte da» Barometer am 31. Abend» mit 763,7 mm. Die (6 Uhr) betrug 13,1 Grad, die (1 Uhr) 22,1 Grad, die Abend- Grad. Unter ungefährer Au«- zwiichen 1 Uhr und 2 Uhr fich besser zur Berechnung stch hinaus eine mittlne LU"e Morgentemperatur . lltlere MittagStemperatur ''wperatur(10 Uhr) 16,8 1.1,® der Differenz «fttre Stunde eignet de» Tagetmittelt)«giebt zh" 4.a_ M ?7?>tfttemperatur von 17,2 Grad. Da für den August ist d« dieSiShr'ge Monat nur um « Vielen bei der andauernden ad« durch die immerhin kühle ftl�ad normal ist, bi». d zu warm gewesen, wa» Vielen %% wunderbar erscheinen wird, ab« durch die imm« ioz�rung in der ersten Monatshälfte erklärlich ist. Minimum fiel mit 6,8 Grad auf den 6., da bi« lwium mtt 29,8 Grad auf bei"" 25»fkmperatur unt« 10 Grad, de nhk Die vorh«rschende V)— p— � w�de-, die erste Monatshälft« fast ganz beherrschte. fcS* die Winde variabel, oft konnte Windstille»vnstatirt d» t? 08 Mal). Am 3. Mittags dagegen soll nach Anficht T.sdacht«» die Stärke des Winde« den üb«aus seltenen «reib Folge nothwendig„ lückrnhaft und nicht verwerthbar. DaS ad- das absolute den 30. An 10 Tagen ging an 14 hob fit fich über Windrichtung war West, der Später ft" �__ R.ih t 5 �reicht' ha�m �t Wlndg-schwindigkeittbeobachtungiN ttirfj" Folge nothwendig gewordener Reparatur de« Anemo- lückenhaft und nicht verwerthbar. Die Bewölkung war itni.'O(0 bedeutet ganz Hefter, 10 ganz bewölkt) gering. Tage wurden nur 6, heitere 7 gemeldet, die übrigen »>U�, gemischte Bewölkung. Die relative Feuchtigkeit war fcbii*»Et. normal, dagegen blieben die Niederschläge er- üir». dinter der normalen Höhe zurück. Es fielen im ganzen l�U nur 16,0 mm., während 60,0 mm. dem August zu ' �uf die ganz« zweite MonatShälste kommen nur Gewitiertage wurden 4 koastrtirt. itoie. tt starker Nebel, welcher fich am Donnerstag Abend und to 70 bi« gegen Mittag üb« Berlin und Umgegend trotz KJ�genen Hitze zeigte, wurde allgemein al» Vorbote von �."S« sehen, nach welchem die Natur lechzt. Gewitter- �ikf�lldungen am Nachmittag in Südwest bestätigten diese .�e«»F�bie Zahl der dentfche««eichtdostbeamte«»«d f°Ig-nk�lZder entnehmen wir der„Deutschen Verkehr« Z>g" »tgenl*. statische Notiz.«« Hai die deutsche Reichtpost Nw* einen Bestand von rund 82 000 Bedien steten. �»ftbeon,?0000 Beamte und 52000 Unterdeamte. 11300 »cht hi.'Aumtlft noch jüngne Männer, find noch unv«ehe- 0 200 oi.c'�en 18 700 Verheirathete haben zusammen "�°Mindt'r"' gi,b? 11 demnach im Rcichspostgebiete 165000 auf den Friedhof der St. Georgcn- .nsssn*� 28. v. M. ist diese BollstreckungSklausel den Bethelligten zu- Sestellt worden und gestnn, fünf Tage spät«,«schien um die Inste Morgenstunde der Gerichtsvollzieher in dem fraglichen Hause, um, falls die V«mau«ung nicht augenblicklich feiten« de« Verklagten in Angriff genommen würde, dieselbe durch die gleich mttg, brachten Maur« vollziehen zu laffen. Unangenehme Ueberraschung I Ein Reisender einer hiestgen bedeutenden Firma hatte seine längere Geschäftsreise am Rhein um zwei Tage früher beendet, alS er seinem Hause angegeben hatte, und gedachte die«sparten beiden Tage recht fidel in Berlin zu oerledm. Während ihn also seine Firma in Düffeldorf vermuthete, bummelte er hier gemüthlich herum. Unglücklicherweise destellte nun ein Fabrikant in Barmen Muß«, und man devetckilte in Folge deffen an den Reizenden nach Düffeldorf:„N N. in Barmen verlangt Muster, sofort Hinübnfahren." Wenige Stunden später, als man dipeschirt hatte, traf der Buchhalter der in Rede stehenden Firma urrsrrn Reisenden rech! gemüthlich in einem Lolaie fitzend, in welchem beide gemeinsam verkehren. Nach der ersten Begrüßung tbeitte er ihm das geschehene Unglück mtt. Da war nun guter Rath theuer! Nach längerem Kiiegsrathe entschloß fich dann end- lich der Reisende schweren Herzens, seinen selber genommenen Urlaub aufzugeben und für sein« Kosten nach Barmen zu fahren. DaS kommt daoon! De« hiefige« Hundefänger« ist««, wie manchem unserer Leser vlelleichr nicht bekannt sein dürfte, auf Anordnung de« Polizeiprästdiumk nicht mehr gestattet, Hunde, welche mit den vorgeschriebenen Jnfignien, d. i. Maultorb und Steuermarke, versehen find, wegzufangen, sobald dieselben an Orten betroffen werden, wo Hunde nicht frei umh-rlausen dürfen, sondern an d« Leine geführt w«den müff-n, wie z. v. auf den Märtten und Fleischscharrm, sowie des Kleinen Thiergartens, des Hum boldts- und FriedrichihainS. Bei Kontraventionen gegen diese Bestimmungen find die Hundefänger lediglich darauf beschränkt, den Thatdestand festzustellen und Strafanzeige zu«statten, ebenso, wie es von den Schutzleuten dneits»,n jeher geschehen ist. wenn dieselben derartige Zuwiderhandlungen gegen die §§ 63, 64 und 65 deS Straßenpolizei-Realements vom 7. April 1867 bezw. der Polizeiverordnung vom 27. August 1877�wahr- wnden, ZW häufigen Exzeffcn dürfte die Frage wohl in Erwägung zu ziehen fein, od die Zahlung eines Fanggeldes, von welchem ein Theil uns«es Wiffeni den betreffenden Hundefängern zu Gute kommt, üdnhaupt opportun ist, und ob es bei den- jenigm Hunden, welche mit Steuermarke versehen find, od« deren Befitz«Izur Stell« find, nicht genügen würde, auf dem nächsten Palizeidmeau den Thatbesta-d festzustellen und dem- nächst daS Strafverfahren einzul fiten. Et ist und bleibt immer mißlich, den Grad d« Thäiigkeii öffentlich« Beamten dem Publikum gegenüber von pekuniären Vortheilen abhängig zu machen, und hat diese berechtigte Erwägung seiner Zett zur Abschaffung d« Denunzianten-Antheile für Gendarmen und Polizeideamie geführt. Außerdem ist e» eine von Sachv«- ständigen durchaus bestätigte Erfahrung, daß namentlich edle Hunde(Jagdhunde«.) durch das Einfangen mtt d« Schlinge, selbst wenn fie sonst keine Verletzungen daaongeiraaen, voll- kommen verborden werden. Man sollte meinen, daß diese Maßregel ohne irgend welche Nachtheile und Gefahren für die öffentliche Sicherhett füglich auf die äußersten Fälle be schränkt werden könnte, d. i. auf diejenigen Fälle, wo die Befitz« nicht zur Stelle und die Hunde nicht mtt Steuermarke versehen find, die Kontravention also auf andere Weise nicht desettigt werden kann. Ueber die durch dat Wohnen in»«»«etauten Häusern bedingten Krankheiten, deren Ursachen und Vermei. dung dringt die„Deutsche VierteljahrSschrist für öffentl. Ges. 1885, in. H fl, S. 418, einen Aufsatz. Der Versaff« erörtert zunächst, daß die Lorstellung von d« Gesäbrlichke t deS Woh r.cni in neuen Häusern und auch die Gesähfiichkett selbst in neuere, Zeit bedeutend abgenommen habe, nachdem„die Er- kättung als Keankhctts Ursache wenig« anerkannt werde und die Versorgung des gesunden und kranken Mensch n mit frischer Luft a!S wichtigstes Lebensbedüifniß erkannt sei.„Immerhin find aber mtt dem Bewohnen neu« Häuser gewisse sanitär« Gefahren verdundm, welche ihren ursächlichen Zusammenhang baden müffen mit dem giößeren Wafferreichthum« de» neuen Bauwerks und mtt dem Kalkhydrate, welches noch nicht in Ca CO, oder Ca 8i 0, umgewandelt ist. Es ist wenig.r das Ein- athaen wasserreicher Zimmerlust, als die in den ersten Mo naten nach d« Bauvollendung durch den Waffergehalt der Wand« behinderte PorenvenlUation die Ursach« gesundheitlich« Nachtheile,«eil in Folge dessen ein dauernder Genuß von Zimm«luft eintritt, welche a» Kohlensäure über« reich ist und daher die Bluldereitung stört. Die stagnirende Zimmerluft giebt feiner dm Milrobien und den darauf beiuhendm Kranto-itkerscheinungen eine günstige Eni- wickeiungtgetrgenhett und der Waffergehalt der Wände giedt schließlich Anlaß zu Erkältungen(Katarrhen, Rheumatismen, Nierenleidens wegen der größ»en Wärmeentzrehung, welche der menschliche Kö.p« durch die in den kalten, feuchten Wänden unausgesetzt fich abkühlende Zimmerluft«leidet. Der Geruch nach ftischem Kail« ist«war unbehaglich, ab« nicht gesundheilt- schädlich, weil das Kaikhydrat zur Umsetzung in tohlensaurm Kalk die von den Bewohnern erzeugte Kohlensäure verbraucht und so bis zu einem gewiffen Grad« vitariimd für die Poren- vintilation eintritt." Liegt hiernach da» GesundhritSschädliche der Neubauten namentlich im hohen Waffergehalt- der Mauern, so müffen die Häus«, ehe st« dezogen werdm, entweder voll- ständig ausgetrocknet sein, od« eS muß durch künstliche Lüftung die natürliche PorenvmtUa'ion d«S trockenen Hause»«setzt weiden. D« Versaff« empfiehlt de» halb dm Verwattunatbehörden an Stelle d« unzureichenden und kostspieligen„K-renzfristm" die obligatorische Vorschrift von BentilationSeinrichtungen sür N:udauten. Berliner Schoßhunde, diese Bourgeois ihre» Geschlechts. scheinen unt« dem Üppigen Wohlleben, da» ihnen ihr Befitz« und Bifitzerinnen bei eilen, zu entarten und ihre natürliche Ge- wandthett einzubüßen. ES kommt gewiß äußerst settm vor, daß ein fich im Freim aus hottend« Dorfhund, der gewohnheits- mäßig oik vor überkommenden Fuhrwerke aittck.rt, einmal unter die Räder eines solchen gnäth. Dagegen wurde bei einem Lokale in Saaiwiokel am vorigen Sonntag das dritte oerun- glückte Schoßhüadchen in diesem Jahre unt« TbeUnah«« der ganzen Kremser» Gesellschaft feinlichst beerdigt. Se wie seine Schicksalsaenoffen waren veranlaßt worden den Kremser ein Stück zu Fuß zu begletten und hatten stch dabei so ungeschickt angestellt, daß fi« unter die Räder g«athm und jämmerleh überfahren waren. Woher sollm fie auch da» Aufpaffen bei de» offene« Tragen« von »laAscheibe« aus dm Straßen giebt solgmder bedauerlicher Vorfall einen Beweis. In der Orar.ienstraße bei der Adalbert. «raße stürzte gestern Kitlag das Pferd eines G-ichLst«waglr.S, und wie gewöhnlich, so bildete stch»in großer Menschenauflauf. ««« durchgegangen sein soll.�hat Schulden in Eniweichung lebhast desprochem nevse nach Amerika gemacht, welche allgemeine Ueberraschung httoorgerufen haben. D« Geflüchtete hatte anvertraut« Bell»« im Betrage von 43000 Mark inne, und es liegt die Vttmuthung nah-, daß er dieselben unterschlagen Hai. Ei« Unglücksfall«eignete fich am 1 September. Um die durch die Bellealliancestraße durchpasstrend-n Truppen möglichst gut sehen zu köinen, war ein Knabe, Namen» Georg Hüdner, Sohn einer in der Sieinmetzstraße 27 wohnenden armen Wiitwe, auf das, den Boraarten des Hauses Gneiimau- straße 115 einfriedigende eiserne Geländer gekieitnt. H:e-dei verlor« jedoch bald das Gleichgewicht und stürzte so unqlück» lich, daß ihm die scharfen Spitzen de» Geländers in den Unier- leid drangen und ihn lebensgefährlich verletzten. Auf da« Geschrei de? H. machten fich wiort einige nährst chende Personen daran, ihn au« der lebensgefährlichen Lage zu defreien, -vorauf« durch einen Schutzmann mittelst Drosch e nach der Wohnung der Mutter geschafft wurde. Sein Zustand soll weni» Hoffnung auf Wievnherstellung laffen. Die Auzeige, welch« von der Jahab?rtn ein« hiesig m Kravatten- Fabrik bezüglich eines vermeintlich wider fie von einem Jnseratensammler des Skat- Blocks vrüdten vchwiadelZ erstattet worden war, hat stch nicht als richtig«wiesen. Es ist vielmehr festgestellt worden, daß daS Inserat wirklich in den Siai-Block aufgenommen worden ist, und daß die Angeberin den Sammler, welch« seinen richtigen Namen„Schmidt" ge» nannt hatte, in der bezeichnelm Wohnung nur deshalb nicht gefunden Hai, weil fie die Hausnummer falsch oecstandm hatte. Verirrt habm fich gest-rn zwei Gymnasiasten aus Hfiin« stedt, welche mit ihrem Direktor und noch mehreren Schülern Berlin einen Besuch adstatteien. Die Vermißte» find 15 resp. 16 Jahre alt und tragen grün« Mützen mit goldenen Streifen. Aus dem Fenster gestürzt. Da» dreijährige Töchierchm der am Moritzplatz 18 wohnenden Jicoby'schen Eheleute befand fich am vorgestrigen Tage spielend am offenen Fenster d« in der zwetten Etage belegenen etteriichen Wohnung. Hierbei bog fich daffelde au» dem Fenster, verlor das Gleichgewicht uno stürzte kopfüber auf den Hof. Noch lebend wurde daS Sind aufgehoben und sofort nach dem DiakoniffenkrankenhauS Be- thanien gebracht, wo ei jedoch bereits an den erlittenen schweren Verletzungen verstorben ist. Straßensperrung. Die Maaßenstraße, vom Lätzowplatz biß zur Kürsürstenstiaße, wird behufS der Anlage der P'trde- bahn vom 4. September ab bis auf Weiteres für Fuhrwerke und Retter gesp.nt. Markthallen- Bericht von I. Sandmann, städtisch-« LerkaufSvermttll«, Berlin, Zeniral-Martthalle, d. 3. September. Butter. Obwohl die Butterzufuhr dach der Markthalle zu- genommen, reichen die Eingänge doch nicht aus, den stetig zu- nehmenden BeSarf zu decken. Auch in dieser Woche ist oon ein« weiteren Preissteigerung für fein«« Qualitäten zu berichten. Geringe Waare ist nach wie vor schwer zu verwerihen. Frische feinste Tasildutt« K. 112—115, fein» Guttbutt« I. 102-110, U. 90-100 Nl. fehserhafte 80-85. Landbutt« l. 85—90, ll. 70-80 M. Galizische uno andere ge» ringst? Sorten 55—66 M. p. 50 Kilo. Käse. Die Rachfrage nach Schwfizerkäse ist andauernd, während d« Begehr nach anderen Sorten zwar steigend ist, ab« den Zufuhren noch lange nicht entspricht. Echter Emmenthal« 73—80, Westpreußisch« Schweizerkäse L 56-63 M., n 48-52 M., M. 40-46 M. Quadrat. backstew I. fett 22-25 M., n. 14-18 SR., TUstt« Fettkäs, 45-56-60 SR., Tilstt« Magerkäse 18-23 SR., Limburg« I. 30-35 SR., n. 20-25 SR., Ramadour 30-36 M„ rheinisch« bolländ« Käse, 20— 22Psd. schw«, 46—58 SR., echter Holländer 66 SR., Edamer I 60-70 SR., n. 56-68 SR., frort zöfffch« Neuschatell« 18 SR. p« 100 Stück, Camembert 8.00—8,50 SR. per Dtzd., Mainz« 4 M., Harz« 3,50 pn 100 Stück. Eier find im Preise ab«malS zurückgegangen, wozu die heiße, schwüle Temp-ratur besonders betträzt. Der Preis« llt fich auf 2,20 M. per Schock. Wild und Geflügel. Rehe 60- 75, Hirsche 35-60, Weld» schwein 25—30 Pf. pr. Pfd., Rebhühner, junge 90-110, alte 70-85 Pf., Wachteln 50-80 Pf., wild« Enten 0,80-1,20 R„ junge Gänse 3,00—5,00 SR., junge Enten 1—1,50—2,00 M, jung« Hühner 0,45-0,80 alt« Hübner 1,00—1,40 SR, Iou:a| einzelne der aufgehängten Waaren v« Gatflamme zu nahe g« ommen waren, obgleich die Feu«wehr alidald zur Stelle war, verbrannte doch d« gesammte Inhalt des Schau- senfttt».__ Gerichts-Aeitnng. I« Wtederanfaahme Verfahre« wurde seitens der 96. Avthetlung veS Berliner Schöffzng«ichtS ein Mädchen von einer schimpflichm Straf« rehadtlitirt. Durch ein SRtßvu. ftändniß war die Angeklagte unier polizeilich,«ontrole acstellt wordm. Diese Schande warf fie auf das Kranktnlaxr und dadurch ist fie oerhindni gewesen, die«laffenen Vorschriften u befolgen. Nach ihrer Genesung wurde fit««gen dieser Unterloffung arretirt und out dem Polijtigewahrsam vor daS auf dem Molkenmarkt tagende Amttgericht gestellt. Der Schreck und die Angst verhinderten das arme Mädchen, ihre Verthei. digungi momente vorzubringen, und fie wurde daher zu drei Wochen Haft verurlheilt, zu deren Verdlihung fie, da ihr Schweden auf die Frage det Richte.?, ob fie fich dabei de- ruhige, als Zustimmung angesehen wurde, sofort in da? Barnim« Gesangnih übergeiübrt ward. Erst dort kam ihr zum Bewußtsein, daß fie nur irrthümlich vemrtheill worden sei, und wandte fie fich an den Rechtsanwalt Dom N um Rath und Hilfe. Der von demselben eingereichte Wiederauf. nähme antraz hatte zur Folge, daß die in demselben proponirten Beweiserhebungen ftatlfanven, welche die volle Richtigkett der Angaben der Anaella gl en ergaben. Da? geschloffene Verfahren wurde dahrr wieder aufgenommen und die Angeklagt« au? der Haft entlasten, in der fie Kit her 10 Tage zugebracht hatte. Die neue Hauptverhandlung fand unter Ausschluß der O-ffentlichkeit statt und wurde, wie dereit? angedeutet, da? frühere verurthei- lende Erkerntniß aufgedoden, die AngeUagte freigesprochen und die Kosten, auch die de? frührren Verfahren?, der StaatSkaffe auferlegt.— Wie wir hören, wird die Angeklagte in wenigen Wochen ihre Vermählung fetem. Perewe mb Versamminnge� verein Beritner Droschkenkvtscher. Das am 18. Juni d. I. von der Generaloerjammlung angenommene reoidirte Statut de? Verein? hat nunmehr die behördliche Genehmigung erhalten. Demnach können fortab auch Fuhrherrm, Befitzer einer Droschke,»eiche dieselbe selbst fahren, alS MUglieder auf. genommen werden. Die oidentliche Generalversammlung findet nicht mebr, wie bisher, im Monat Juni resp. Juli, sondern im Monat Januar statt.— Die Einnahmen der letzten Landpariie nach Schildborn betragen 408.50 M., die Ausgaben 378,95 M� so daß der Verein Skaste ein Ueberschuß von 31,55 M. zufließt. Uaterstützvngsvrrei« deutscher Schuhmacher. Mon. tag, den 6. September. Abend? 8% Uhr, ordentliche Versamm. lung, sin Scheffer's Salon, Jnselstraße 10. Tagesordnung: 1. Die Entwtckelarg unsere? Verein? und die Umänderung der Statuten. 2. Verschiedene Mtttheilu' gen. Gäste willkommen. Bereiu der Berttuer Bauauschläger. Sonntag, den 5. September, Vormiltag? 10 Uhr, Vereinsversammlung bei Preuß, Oranienstraß: 51. OuittungSbuch legitimirt. Vereinigung der deutschen Schmiede. Sonnabend, den 4. Seplemder, Abend? 8 Uvr. große Versammlung in Gratweil? Bierhallen. Tagesordnung: 1. Abrechnung über da? Vergnügen. 2. Wahl der Arbttt?auSgabe- Kommisfion. 3. Innere Angelegenheiten. Verband deutscher Mechauiker und velwandten Be« ruf?genosten. Zahlstelle Berlin. Montag, den 6. S'ptemder, AdendS 8V» Udr, Generalversammlung im Restaurant Poppe, Lindenstr. 106. Tagesordnung: I.Wahl de? Vorstände?. 2. Ver. schiedeneS. Neue Mitglieder werdm aufgenommen. Fachveret« de« Metallschleifer und verw. Beruf?ge nosten. Versammlung Sonntag, den 5. Septdr., Vormittags 10'/. Uhr. im Restaurant Baerwirth, Rostnthalerstr.4. Tagesordnung: Großbetrieb und Kleinbetried. Referent: Karl Schultz«. DiSkuIfion. Verschiedenes und Fragekasten. Loulsenstädtischer Bttirkßvereiu„Vorwärts". Die Zahlstellen de? Verein? find geöffnet jeden Sonnabend, Abend? von 8—10 Uhr, bei Decker, Holzmarttgaffe 3 pari.; ferner beim Kasfirer Sündermann, Gitschinerstraße Gl l und bei Görckt, Admtralstraße 40 ,u jeder TageSzett. Neue Mttglteder werden in dm Zahlstellen aufgenommen. Die Mitglieder«erden auf § 4 Absatz o de? Statut? aufmerksam gemacht. Arbeiter- BezirkSverei«„Eüd-Oft".l Die Zahlstellen defindm fich: 1.«"nntax? von 9—11'/: Uhr BrrmittaaS bei Mitan, Wienerstr. 31; 1 Montag Abend 7'/.-9'/, Uhr bei Stramm, Skolitzerstr. 18; 3. Dienstag von 7'/»- 9'/. Uhr bei Savatzky, Waiden arstr. 74. sowie die anderm Tage beim Kasfirer Scholz, Eiiendohnstr. 36b v. in. Oeffevtltche Versammlung der Ktstenmacher Montag, dm 6. September. Abend? 8% Uhr, in Deigmüller'? Saa>, Alte Jakodstr. 48». Tagesordnung: 1. Bericht der Tarif kommisfion über die Fadrikantensttzungen. 2. Verschiedene?. Dt« Fabrikanten find eingeladen. Allgemeine Kraukeu« und Sterbekafse der Metall« arbeiter(E. H. 29, Hamburg) Filiale 4. Sonnabend, den 4. Sepiember, Abend? 3'/, Ubr, Versammlung AndreoSstr. 25. Tagesordnung: Kaffendericht pr. August. Neuwahl eine? Kmfirer? und Bettragsammi«?. Verschiedene?. Fachverei« der Schlosser und Btruf?gmosim. Heute Abmd 8'/. Uhr in Gratwetl's Bierhallm Versammlung. (Tagesordnung flehe Inserat.) * Verein der Württemberger. Jeden Sonnabmd Versammlung beim Landsmann Vaihinger, Dmotheenfir. 84. Bereiu der Taubeufreuude. Jeden Sonnabend Abend? 8'/, Uhr, Sitzung im Restaurant Kleemann, Laufitzerstraße 41. Gesaugverem„Harmouia". Jedm Sonnabmd, Abend? 3 Uhr, Uedungsstunde im Restaurant, Alle Jakodstr. 38. Sesaugverei«„Sängerlust", Palltsadmstraße 9. Jedm Sonnabend Abend 9 Uhr Uedungsstunde. Vermischtes. Attestat tu einer Wechselstube. Au? Petersburg wird berichtet: An einer der belebtesten Stellen unserer R-stvmz, an der Ecke der Großen Garlmstraße und der Erbfenstraße, wurde ein Raubmord verlucht. Der Mörder ist ein ganz junger Mmsch, der Baunnjunge Michejew, 17 Jahre alt. Er kaufte einen langen Dolch und einen Revolver und ging in die Wechselstube Giigorjew't und bat letzteren, etnm Hundert« Rudclschein zu wechseln, nach welchem er in seiner Tasche zu suchen schim. Grtgorjew drehte fich um, um da? nöthige Kleingeld au? der Lad« zu nehmen. In dem» selben Augenblicke erhiett er einen Dolchstich in die rechte Schulter. Mit einem Schmer, m?schret drehte er fich um und rang mit Michejew. Die Bude war so llein, daß Grtgorjew mtt der Hand die Glasfenster der Thür einschlagen und um Hilfe rufen konnte. Mickejew brachte ihm einen zwetten Dolchstich in? G? ficht bei. Grigorjew gelang e? aber, fich loszureißen und blutüberströmt auf die Straße zu stürzen, wo er mit dem Rufe:„Zu HUfe, man ermordet mich!" auf da? Trottoir fiel. Der zufällig vorübergehende Pristaws« gehllfe, Kopliän Orlow, stürzte in die Bude, eine Revolver» kugel empfing ihn, traf ihn aber glücklicher Weife nicht, und e? gelang ihm, den jugendlich« n Attentäter zu mtwoffnen und dm herbeigeeilten Hausknechten und Wachmännern zu über- aeben. Die Wunden Grigorjew'? find zwar nicht tödtlicher Ratur, sein Ledm strht aber in Folge de? großm Blutverluste? ernstlich in Gefahr. Tragische? Ende zweier russischer Kürsteu. Zwei nach Sidtrim vnbannte Fürftm haben vor kurzem in Tomtk etn tragisches Ende gesunden— der eine durch Selbstmord. der andere durch Mord. Der erster« ist der Fürst Alexander Krapoikin, ein Bruder dei bekannten Sozialisten Krapotlin, welcher vor einigen Tagm seinem Lebm durch einen Revolver- schuß ein Ende machte. Derselbe war erst 40 Jahre all und defand fich in TomSk als„Verschickter"; doch war der Termin seiner Jnternirung beinahe schon abgelaufen, da Krapotlin am 3. September ftet gewordm wäre. Frau und Kinder hatte Krapotttn vor kurzem noch Charkow geschickt, wo er Verwandte hatte; nach der Abreise derselben begann er fich zu langweilm und eine unregelmäßige Lebensweise zu siihrm und machte dann aller Wahrscheinllchkett nach in einem Anfallt von GeisteSgestöltbett seinem Ledm ein Ende. Fürst Kiapotkin war früher mehrfach journalistisch thätig gewelm und ha'te fich auch mit wissmschastlichm Arbeiten beschäftigt; so fanden manch« seiner astronomischen Arbeiten Aufnahme in ausländischen Fochschriftm.— Der zweite Verbannte, Fürst Peter Ntkoladse, wurde dieser Tage in einem Teiche bei TomSk ermordet gefunden. Am Kopfe waren gegm zehn Wunden; der HalS war mtt einem Gürtel zusammengeschnürt, ein Ohr fehtte ganz, vom andern war nur noch der untere Theil vorhanden. Wie man annimmt, war Fürst Ntkoladse der Rache zum Opfer gefallen, da er fich mtt Denunziationen abgab und überhaupt einen schlechten Leumund hatte. DaS Zeitalter de? Papier». In New, Bork hat kürzlich ein Erfinder eine Eisenbahn'chwelle hergestellt» welch: vollständig auS Papier b st-btsund die den Vorzug befitzen soll, weder zu foulen noch fich abzunutzen, wie die hölzerne Schwelle. Die Art der Herstellung dieser neuen Schwellen ist noch ein Ge- heimntß Den Ei finde?. Nach seiner Verficherurg find fie völlig wafferdicht und können durch Feuer nicht zerstört werden. Aeußerlich zeigen fie eine glatte Ob« fläche wie frisch polirter Maemon. Man kann fie wochenlang in Waffer legen, ohne daß st: auch nur im Geringsten beschädigt werden, auch find fie im glühenden Ofen unverdrennlich. Obgleich fie so hart aussehen wie Eisen, kann man doch mtt Leichtigleit Nägel ein« schlagen, die dann aber auch so fest fitzen, daß«? einfach w möglich ist, fie herauszuziehen. Auch find diese Schwellen biß zu einem gewiffen Grade elastisch, so daß fie da? Rütteln der über ste binwegfahren.den Eisenbahn, üge theilweise vermindern können. Unter gewiffen Bedingungen kann durch eine geringe Aenderung in der Zusammenstellung der Materialien dat Papier so hart gemacht werden, daß ei die Schneide d«S härtesten EtahiinstrumentS abstumpft, ohne selbst mehr alS einen schwachen Riß davonzutragen, so behauptet wenigsten? der Erfind«. Die gewöhnliche hölzern« Bnhnschwelle hält unter den gün» stigfien Bedingungen höchsten? sünf Jahre auS, dt« Papierschwellt kann dem schlimmsten Wetter dreißig Jahre lang Trotz bieten, ohne deschädigt zu werden. Zur Herstellung der Papier« schwellen wird zumeist Stroh vei wendet, das leicht und in de« tiediger Menge zu erlangen ist. Die Stärke und Dauerhastig« kett de? Papier? zeigt fich am besten in den Eisenbahnrädel«, die man auS diesem Stoffe bereits hergestellt, denn währen» eiserne Räder abgenutzt und gebrochen bei Seite geworfen wer» den muffen, können papterne Räder noch viele Jahre länger benutzt werden. Wir nähern unS also immer mehr de« papiernen Zeitalter, denn eS darf laum noch bezweifelt w-rdiN, daß daS Papier im Laufe der Zeit nicht nur an dir Stelle des Holze«, sondern auch verschiedener Metalle und anderer Mate« Italien treten wird. Eine tragbare Badewanne auS Papier ge« hört zu den neuesten Erfindungen, auch giedt e? bereits Tövst, Teller rc., die vollständig au? Papier hergestellt find. Man kann heutzutage bereits auS popiernm Tellern an einem Iis# au? Papier effen, wobei man auf einem Stuhle fitzt, der gleich« fall? au» Papier desteht. Kleine Mittheilungen. Seehause« i. A.. 1. August. Auf uralte Baureste stießen Arbeiter bei Killerausschachtungen aus dem Grundstück o» MufildireftorS Schünemann. ES wurde ein Straßen.xflaAk und eine Backsteinmauer bloigelegt. Nach dem Urtheile S«»' verständiger ist daS Material well älter alS jene», au? d