»r. 2IL Freitag, den 10. September 1880. Iii. IahrU. cllmrVMllill. Brgan für die Interessen der Arbeiter. Die Plötzliche Einberufung des Keichslngs k alle« politisch«» Kreisen Ueberraschung hervorgerufen. *** die Nachricht von der Einberufung zuerst auftauchte, man vielfach, daß e« sich um ei« neue», in aller PWb ausgearbeitetes Branntweinsteuerprojekt Handel«, doch M diese Anficht gar keine Berechtigung mehr, da die Ein- Prüfung schon auf de« 16. ds. Mi», zu eine; außer- deutliche», kurze» Session ein Eintreten w «>e Behandlung einer Steuervorlage unmöglich macht. Würde hingegen die ordentliche dritte Sesfio« de« Reicht» "6* am 16, d. M. ihre« Anfang nehme», so könnte man �«ehmen, daß»ach kurzer Berathung der Verlängerung de« �ch'spanischen Handelsvertrages, die erste Berathung der s'heinmißvolle» Echnapssteueroorlage stattfinde» könnte, war- der Reichstag, nachdem die Vorlage an«ine Kommissto» j�'efen worden wäre, fich auf einige Woche» vertage» Doch wir glaube«, daß diesmal ausnahmt« M« die offiziöse» Blätter keine Unwahrheit ge- 'y habe«, all sie die Mittheilurg brachte», daß die ."dündeien Regierungen dem gegenwärtige» Reicht- 8* keine weitere Braunlweinsteuervorlage macheu würde». w..demnach»ürdea also doch die nächsten Reichstags« ?°h>e» im Zeiche» de« Schnapse« stattfinde», da eine Zu- OT?«»ur Verlängerung de« Mili.'Srsep!e»«ai« seit««« o* Reichstage» außer Zweifel steht und auch die bulgarische da»» längst in Vergessenheit gcrathe» sein wird, Asien» so weit, daß fie keine besondere Einwirkung mehr «wLÄ"g-n«Bahlen ausübt. �aoenraa®ir der Meinung, daß»eben der Ver- ganzen Verhandlungen in der nächsten kurze» Sesfio» sich «ur»och u« die bulgarische Frage drehen werde», um so wehr, da e» der Regierung Wünschentwerth erscheint, diese Angelegenheit so sch»ell al« möglich zu erledige» und von � Bildfläche verschwinden zu lasse«. , Wenngleich Füist Bismarck sich hat krank melde» lasse», Dürfte der vielgenannte Vizekanzler, Herr von Bötticher, Mz der Man» dazu sei», in seiner anbiedernden Weise iw deutschen Reichstag« alles da« zu sage«, wa« er von auswärtigen Politik wisse» soll. i 3a acht Tagen könnte» dann die Rcichsbote» wieder � Bündel schnüre» und zu ihren„heimische» Ochsen", so- " ste welche besitze», zurückkehre«. h�,..�«» erscheint e# höchst überflüssig, daß solcher Ver- Äsungen halber die Abgeorvneten schon wieder«ach zusammengetrommelt werde»; die Genehmigung der (46 � i L IseuMeton. Spure« im Saude. Roman von Ewald»«»«st«öui». schüttelte unwillig da» Haupt, sei« Blick ruhte ��chen» erwartungtvoll auf dem Antlrtz de» dir'�ai begreife ich nicht." sagte er.„Können Sie«S '"lärea. mein Fräulein »Soibern Sie eine weitere Erklärung, so kann ich st« l>u>,�Kebe«,-„widerte Schimmel.„Merne Nichte ist glück« itzr?kaut eine» rechtschaffenen Manne», vurch dessen Stellung Ä�we völlig sorgenfreie Cxstt», gesichert wird. Alle 'Luisse und Schwierigkeiten find beseitigt, Sretchea Sk»x,. endlich einer sonnigen Zukunft mit Zueerficht ent- %»'.eh«». Nu» hat sie mir für de» R.st meine» Leben« kl angeboten und au» ihrer Hand kann und darf ich *f?drt,h?e»,*9** ei» beschämende» Gefühl dabei zu ei» ,'�i> meine Pfl-cht ist e», dem gute« Onkel, der mir {die w Vater war, da» Lebe» so anginehm zu gestalte«, vermag," sagte Gretche«;„in der Erfüllung dieser -»* niemand mir vorkommen." � �?�,®illda« alle» zugebe»«nd mich freut««herzlich, �e zr.��hilt»iss, sich hier so günstig gestaltet,' entgeg- -aber wird Ihr künftiger Gatte .'st ganz mit mir einverstanden I' N��was"i�'�" Punkt anbelangt, so werde ich schon GÄ-RUZZW habe ich da» Reinige getha».«„widerte Werner Verlängerung de» spanische« HandelSoertragc» hatte Zoit und die auswärtige Politik de» Deutsche« Reiche» würde bei der Eratberathung bisse; besprochen werden könne», al» beim spanische» Handeltvertrag, mit dem fie in viel losere« Zusammenhang steht. Man sieht daran» und au» dem oben angegebene« Grunde, daß der Regierung die Besprechung der bulgarischen Frage jetzt lieber ist. al« später und e» dürfte somit dieselbe doch wohl in etrngem Zusammenhange mit der schleunige» Berufung de» Reichstag» stehe». Könnte man der.Rordd. Allg. Ztg." Glaube» schenke«. daan allerdings würde man«och zu einem anderen Schlüsse komme». Al»«ämlich vor einige» Zähren der spanische Handelt« vertrag abgeschlossen und dem Reichstag die nörhige Borlage dazu gemacht werde««ußte, da erhoben stch offiziöse Stemmen, mit der Meinung, daß der Abschluß vollzogen und die Se««hmiguag nachträglich in der ordentliche» Herbstsesfion eingefordert werde« könnte. Dagegen aber erklärte sich die ganze oppositionelle Presse, weil«ine derartige Maßnahme gegen die Verfassung verstoße. Mag sein! Derartig« kleine Verfassungsbrüchschen find aber bei gegenseitigem Einv-rnehmen wohl keine Seltenheit. Nun aber scheint man seitens der Regierung Revanche nehmen zu wolle«. Fast die ganze OppofitionSpress« erklärt, daß die Einberufung de« Reichttage» wegen der Verlängerung de» spanische« Handelsvertrag«» überflüssig sei«nd stellt eine an« standslose nachträgliche Genehmigung in Aussicht. Lag aber seiner Zeck bei der A b s ch l i e ß u» g de« Hav« velSoertragS bei nicht rechtzeitiger Einholung der Geneh- migung de» Reichstag« ei« Verfassungsbruch vor, dann ist unter derselbe» Voraussetzung bei der Verlängerung de» Vertrag« der gleiche Verfassungsbruch vorhanden. Die Regierung hat also in dieser Beziehung recht. Sie geht allerding» von dem alte« böse» Bibelspruch au»:„Auge um Auge, Zahn um Zahn!'— den man bekanntlich in« moderne übersetzt mit:„Haust Du meinen Jude», so hau' ich Deine« Zuden!" Wir erinnern««» übrigen« auch»och de« schöne» Worte», welche» vor einiger Zeit durch die Presse ging und welche» auf da« M ü r b e m a ch e« de» Reich«tage» hinauslief. Z» der Sonnengluth wurde die letzte Sitzung de» Reichstag» geschlossen, mürbe sind gewiß jetzt schon bei der Hundtagshitze die meiste» Abgeordneten gemorde« und wen« da» Wetter«och einige Tage so bleibt, wie jetzt, dann wird auch die erste nächste ReichttagSsitzung in der Sonnengluth eröffnet. Mürbe wird der Reichstag dann schon werden! Beschlußunfähig auch! Beschlußunfähig, wie er in der letzte« Session wocher-, ja monatelang war. ärgerlich,„man gestattet mir nicht, die Pflichte» der Freuvd- schast zu erfülle«, da» ist beleidigend für mich." „Eine Beleidigung können Sie darin nicht finden," sagte Gretchen,„ich stehe dem Onkel räher—" „Da» bestreite ich ja nicht, mein Fräulein, aber nimmt er auch Ihr Anerbiete« an, so ist da« immer«och kein Grund, da» mcinige zurückzuweise«. Zch könnte auch Zhnen zürne», liebe« Fräulein, ich war vor Zahre» der treueste Freund Ihre» O-kel», und al« Freund betrat ich«ach meiner Rackkehr von drüben diese« Zimmer. Zch war ent- schlösse», ihm diese Freundschaft zu bewahre«, und doch stieß ich hier auf ei« Mißtraue», da« mich tief verletze» mußte. Die ernste« Worte, die ich sprach, erinnerte» Ei« an«ine Stimme, die Sie in jener Rächt, in der Zhr Vater starb, gehört habe» wollen.". „Wer sagte Zhnen da», Herr Baron?" fragt« Gre'chea Onkel und ich bin ihm dankbar für seine Offen- heit. Sie habe» wohl nicht bedacht, wie schwer- wiegend ihre Behauptung unter gewisse» Umstände« wer- den könnte? Sie waren damal« noch ei» Kind, und wen» e» auch»ach meinem Dafürhalte»«»denkbar ist, daß jene Stimme sich Zhrem G-dächtniß so scharf eingeprägt habe» soll, so könnte Zhre Behauptung ntchtsbestoweniger einem Polizcispion Veranlassung gebe«, mir Unaunehmlichkette» zu ��Gretche» hatte verwirrt de» Blick niedergeschlagen, so sicher fie auch w ihrer Behauptung war, fehlte ihr doch der Ruth, fie diesem Manne gegenüber aufrecht zu habe da» nicht gewoll»,' sagte fie,„und ich wüßt« zu führe», würde Ihnen ganz unwoglich fem. So wird der Parlamentarismus durch«ine» mürbe» Reichstag diskreditirt, ja der ParlamentariSmu» wird dnrch de» Parlamentarismus, wie die» Mancher im Deutsche» Reich wünscht, todt gemacht. Wenn der Deutsche Reichstag selbst keine größere Wi» derstandSkraft entwickelt, wie er die» bei de» meiste» Fcaae» bislang gethan hat, so dürften solch« Wünsche leider t»8v» füllung gehe». MoUtische Ueberstcht. Der vierte allgemeine deutsche Haadwerkerta» in Köien bot wieverum dai alte Bild, da» man von solchen Ver» sammlungen gewöhnt ist. Die Meister verlangen für stch all« nur denkbaren Vorrecht« und Begünstigungen, kür die Ardeiter aber haben fie nicht» ol» Arbeitsbücher und poli, etliche Sin» schränkungen in Vorschlag zu bringen. Der Tischlermeister Hoffmavn ging in seinem Verständnis für unsere soziale Lage soweit, die Arbeitsbücher al» Heilmittel tür alle Schäden der Gegenwart zu empfehlen, und zu den SchäZen rechnet» er natürlich in erster Linie die..Umtiieb« der Sozialvemokeatie". Da letztere durch bloße Eintragung de» Eintritt» in die Werl« Rütte und de» WiederauStrtttS jedenfalls nicht bekämpft wird, so kann man stch vorstellen, wa» Herr Hoffmann alle» im Arbeitsbuch verzeichnet haben will, und wa« auf die Veifiche- rungcn der anderen Redner zu geben ist. daß durch die„vdli. gatorische Legitimation" nur der Zuchthäusler und der mit einer ekelhaften Kranthett Behastete von ein-m an» ständigen Menschen unterschieden werden solle. E» giebt tür unsere Unternehmer viel wichtiger« Unterschiede und dies« will man durch dat Arbeitsbuch feststellen! Eine länger« Debatte veranlaßt« auch die Stellung der Innungen zu den Fachvereinen der Gesellen. Sämmllich» Redner de. zeichneten die Fachoereine der Gesellen als Brutstätten sozial- demokraitscher Umtriebe. J-der HandwerkSmetster wisse aber, wie sehr schädigend(d. d- schädigend für den Beutel d« Meistee. D. R) die sozialdemokratische Agitation auf die Ardeitivilhättnisse wt.ke. Auf Antrag de« Bäckermeister» v. d. Smißen(Ockensen) gelangte folgende Resoluiton zur Annahme:„Der handwerkcrtag«rllärt die Fachoereine und Fachvereine durch die Sicherheitsorgane ak» dringend nothwendig." Da» ist alle», wa» die zünftige» Meister den Albeitern zu bieten haben, hoffentlich werden fie e» letzteren nicht verdenken, wenn fie j-dei Zusammentaae« mit ihnen— in JnnunzSauSschüffen und bei ähnlichen G-l« heilen— ablehnen. Ein Zusammenarbeiten setzt vornu». beide Theile fich gegenseitig achten, und die Meister haben neuem bewiesen, daß ihnen die Arbeiter nicht» find al» recht» lose Gegenstände zur Ausnutzung. Lei einer solchen Ge» finnung ist keine Verständigung und kein Zusammengehe« möglich. Und wenn die Meister noch so sehr darüber jammern, daß die Kluft zwischen ihnen und den Gesellen stch mehr und „Und wer sollte mich auffordern, diese» Bewei« zu führen?" fragte da« Mädchen.„Zch leg« j, selbst kein« Werth ruf diese Benauptung." „Dann begre'fe ich nicht, daß Sie dieselbe au«zc. sproche« habe«. Ei» Wort ist rasch gesagt und später läßt e« fich nicht mehr zurücknehme«. Sie haben da« vielleicht «och nicht erfahre», aber frage» Sie Zhre« Onkel, er wird mir bcipflichiev. E» ist ja ganz unmöglich, daß Sie in jener Nacht meine Stimme gehö.t habe» wolle», ich besuchte nur einmal Ihre» Vater, und erinner« mich nicht, S» bei dieser Gelegenheit gesehen zu haben." Die Wangen de» Mädchen« waren abwechselnd roth und wieder blaß geworden. „Du hättest davon keine» Gebrauch mache» solle», Onkel,' wandte fie sih in vorwurfsvollem Tone zu dem alte« Manne, der fich mit keiner Silbe bei dieser Unter» redung betheiligt hatte,„eS war ja nur eine Vermmhuug, die ich äußerte." Werner hatte fich erhob,», sei« Geficht zeigt« eiue« fiastere», drohendr« Ausdruck. „Und wa« bezweckte diese Vermuthung s" fragte er. „Nichts." erwiderte Gretche», die Oberlippe trotzig ans» werfend,„eine solche V-rmuthung erhält erst dann Bedeu. tnng, wen« fie bekämpft wird." „Wa» wolle« Sie damit sagen?" „Daß /« mich befremde» muß, wen« Sie s- groß« Gewicht auf dies« Vermuthung legen." „Nicht die Vermuthung selbst, sonder» ihre«»glich«» Folge«— »Beende« wir diese» unerquickliche« Wortstreit," siel Schrmmel ei»,„der ja ganz zwecklos ist I Sie wolle» schon wieder gehe«, Baron?" „Wal soll ich«och hier? Di« Hoffnunae», mit den« ich kam, erfüllen fich nicht, meine Freundschaft wird zurück. gewiesen—' „Plaudern wir von andere« Dinge», nehme» Sie wieder Platz—" „Dazu fehlt mir heute die Zeit, meine Braut erwartrt unch; wir fiade« wohl später einmal«ine ruhige Stund» w der wir un» der vergangene» Zeck erinnern könnet m«hr«wtitert— fi- selber tragen in ihrem einfichttlosen Dttniel die v»uld daran. � � Der Feldjug gefiett die K«tvt,ei«e. Der„Fr. Pr." sSreibt man au« Barmen: Nachdem vor mehreren Wochen bereit» der Fochverein der Metallarbeiter für einen politischen Berein eillart und damit unter da» preutische Verein!- gksetz gestellt wurde, ist nunmehr fast sSwmtllchen hiesigen Sit- deiieiter Fachvereinen ein«christstück zugestellt worden, inbal!» dessen fie für polilisS ertlSrt werden. E» find die» der Fach verein der D xtil.vlbeUen, der Kutscher Fochverein und der Unltrfiützung»verein der Schreiner(Tischler). eozialtsttschet. Urber da» Verbot der Versammlung in Hannover finden wir heute in den Blättern folgende nähere Angaben. Der R-ich»tog«abseordnet« H. Meister meldet« auf Montag, den 6. September, bei der Hannover- schen Polizeidireltion ein« im Lallhofe abzudoltende Versamm lung an, ohne einen Redner»der da» zu dehandelnd- Thema namhaft zu machen. Erst aus einer Sffmtlicken Bekannt- machung ersah die Polizeibehörde, daß der au» Berlin außge« wiestne Sozialdewolrat Paul Singer einen Vortrag halten wolle. Auf Grund de« Soziallstengefe,»« wurde die Ab- tal.ung dieser Versammlung untersagt und durch Besetzung der Eingänge zum Ballhofe vereiirlt. Von 8 bis halb 10 Uhr standen dem„Hann. Cour." zuWg« Sozialdemokraten in guxer Anzahl in der Ballbotstraß«. Lmgstraß« und Knochlnbauer. stiasse. Dem Herrn Paul Singkr wurden Hochs auZgedracht, sonst aber verhielten die Gemssm sich ruhig. Kur, nachdem die Menschenmaffe auseinander gegangen war, erhielt die PolizeidirekUon Mittheilung, daß ein« groß« Zahl von Sozial- demokraten auf dem Schützcnplatzt sich versammle. Von dort hatten� fich zirka 100 Mann nach Bella Vista begeben, wo fie in einem Saale aufgetunden wurden. Sie gaben vor, nur «inm Gedurittag zu feiern. Die»»mde ihnen bi» 11 Uhr, jedoch unter polizeilicher Aufficht» gestattet, dann muften fie deS Lokal verlassen.— Luch über die C hemnitzerVer- Haltungen erfährtman heute genauere«. Dem„B. Tagdl." schreibt man nämlich unter dem 7. d.: Seitdem im Allgemeinen die Zügel des Sozialiftenges-tz?» neuerdings wieder strasser ange- zogen werden, ist bei der hiefigen Polizei die„schärfere Ton- ort" beliebt und e»«eichen, im Gegensatz zu ftüher, jetzt von vornherein Versammlungen konseqaent verboten, sobald auch nur im Entfernt, sten irgendwie die Annahme gnechtferliat er- scheint, e» würden sozialdemokratisch« Tendenzen in denselben zu Tage treten. Eine solche Versammlung war auch gestern Abend von der Polizei untersagt. Trotzdem soll fich eine Anzahl von Personen in einem unverdächtigen Lokal zusammen- gefunden haben. Die Polizei bekam jedoch von der Sache Wind, denn wie man un» von glaubwürdiger Seit« verfichert, umstell:« ste in großer Zahl da» Hau» und verhaftete� dreizehn der anwesenden Personen. E» ist bekannt, daß die hiefiae Arbeiterbevöllerung zu dem alten Stamm der soztaldemokrati- schen Partei in Deutschland gehört; doch hat man bisher festen von Verhaftungen oder erfolgreichen Haussuchungen gehört, obgleich die Chemnitzer Polizei und Stoatlanwaltschaft in So- zialisten-Affairen«inen Ruf befitzen. Heute sollen wieder ver- tchiedene Haussuchungen hier stattgefunden haben, übe: deren E.gedniß ebenso wie über dm ganzen gestrigm Vorgang amt- licherseit» vorläufig da» größte Stillschweigen beobachtet wird. Nach der„Leipiiger Zig/ wurden dt« Sistirten nach kurzer Befragung wieder entlassen bi» auf Einen, der wegen Ver« dacht» der Verbreitung verbotener Druckschriften in Haft ge- nommen wurde. Ueber die bereit« gemeldete Verhaftung Max Kays«'» berichret da«„Sachs. Wochenbl.": In der Näh« Altona« wurde bei einem Spaziergange d«r Abgeordnete Kcqfer, al« er mit noch anderen Personen au« Hamburg und au« den Dörfern d-s hamburgischrn Gebiet« in der Nähe Altona» zusammen- tra', die euch einen Spaziergang»achten und GefinnunaS- genossen deffelten sein sollen, aus zirka dr«i Stunden in Po- ttzeihatt genommen. Räch zweimaligem Ltlhör durch dm Polizeikommiffar Engel wmde darauf Herr Kaiser entlassen. Ebenso verhaftet wurde eia Arbeiter Ramm« Steinfast. Lei diesem wmde noch eine Haussuchung adgehaltm, welche resul« tat los verlief, worauf auch dieser entl»ss«n«mde. Der Vor- gang ist für unsere Recht!, usiände interessant. Einige hundert Personen machen einen Spaziergang, wa» an einem solch schönen Sonntag, wie der vergangene war, nur erklärlich ist. Da kommt die Polizei, hält die Sache für verdächtig und no tirt unter einigen hundert Personen zirka fünf, welche ihr in» Auge fallen. Einige»eigen die Legitimation vor, und al« au» der Legitimation einer Person hervorgeht, daß fie R-ich!« tag! abgeordneter ist, so wird fie darum sofart sestgehalten. Sofort, al» der Kriminalbeamte au» dem Legitimation! papier sah, da« Herr Kays» Abgeordneter sei, tagte er, er müsse da- bleiben resp. mitgehen. Aus weitere» Befragen erfuhr H:rr Kcqser, daß aus dem Polizeiamt weiter verfügt werden würde. Schutzzöllnertsche«. Die„schutzlose" Lederindustrie im Rczirle Mühlhausen in Thürlnaen, welche trotz ihrer Schutzlostgleit in der Herstellung von mu Weidenlohe gegerbtem Naturschasleder einen Weltruf erlang hat, bezeichnet den Zoll auf fremde Schasleder von 36 Maß sü: ICO Kilo al» ganz Adieu, und vergesse« Sie nicht, wa« ich Ihne« gesagt habe, mein FrSulei«." Kopfschüttelnd blickt« der alte Mann auf die Thür, hinter der Werner verschwunden war. „Er gefällt mir immrr weniger," sagte er,„da« bi»- che» Geld scheint ihn hochmüthig gemacht zu habe«, er glaubt mit ihm alle» erzwinge» zu können." „Und ich kann«och immer nicht mich der Ueberzeugung verschließen, daß au» serne» stechende« Auge» ei» schuld- beladene« Gewisse« spricht," erwidert« Gretche» sinnend. „Du würdest mir recht gebe», wenn Dn den Blick geslhe» hättest, de« er mir zuwarf, e» lag glühender Haß in ihm." .Haß? Wethalb sollte er Dich hasse«?' Weil ich jene Behauptung ausgesprochen habe I Du tatitfi fie ibm nicht berichte» sollen." „Hm, ich hatte dafür«eine besondere« Gründe— herein!" Ja de« Rahme« der geöffnete» Thür stand der Za- spektor Döraer, sei» Blick schweifte fachend durch da« Z mmer. „Er war hier?" fragt« er. .Soeben ging er fort," erwidert« Schimmel,.treten Sie näher, die Luft ist rein." .Ich wünsche mit Ihnen allein zn reden," sagte der Inspektor eintretend,„lange«erde ich nicht stören." .Gretchen— ab l" wandt« d« Souffle« fich mit einer tVotralischea Geberde zu seiner Nichte,«ob da« Mädchen verließ ohne Zögera das Zimmer.„Rcden Sie, wa« habe« eie �Vorab wasche ich zu wisse», wa» de» varo» hierher '.Cn,»->»-«cht»«--wuch.-, ::% MU ihn zu dem heutige» Besuch? bewogen hat. Er kam, um d.m Mädchen Vorwürfe zumache«: Sie erinnern sich wohl noch ihrer Behauptung bezüglich setner St,«««— .Ah, da» war e«? Er drohte und warnte, nicht 19#*" wirlunailo« und fordert eine Erhöhung de« Zoll? auf daS Fünf- bi« Sechsfache, wenn der Zoll al« ein Schutz der deutschen Arbeit gelten und al» Segen für dm HandelSlommer bezirk wirken scll.— UedrigenS ist durch die vielglicdiipm Tarife der einzelnen E:aaicn und tu ch die de» ständigen ZollLndeiurgm bereits ein solcher Wirrwarr erzeugt worden, daß fich die Exporteure schwer orientirrn iönnm. Di« belgische Regierung Hai dlShalb dm leicht erllärlichcn Entschluß Slfaßt, in Brüssel ein internationales amtliches iolitarifbureau zu errichten. Doffelde hätte mit säwmt- lichen Regierungen in D.-rbindung zu stehen und die l-tzteren hätten ihm die geltenden Zolltarife zu üdermllteln, sowie auch von allen Neuerungen amtlich Kenntniß zu geben. Aus ge- meinschastlich« Rechnung der Regierungen hätte dann da« Bureau«ine Sammlung aller Tarife in srcnzöstscher Sprache herautzugeden. Bither find der belgischen Regierung bereits zustimmende E.liärungen zugekommen von Gccßbiitanr.ien, Rußland, Spanien, Rumänien, der Schweiz und M-xilo; von Deutschland und Oesterreich- Ungarn steht die Antwort noch aus. Zur Laueuburger Wahl. Der Sckuhmachermeister Bcpi in R.tzeburg destreurl auf's Entschiedenst-, den cm Tage vor der Wahl von der steifinnigen Partei veröffentlichten Brief an Molkmduhr geschrieben oder um Venselt en gewußt zu haben. Ja Sachsen fördern d'.e Magistrate der Städte wunderbare Bekauntmachnugen z« Tage. Währerd in G.yer, wie wir seiner Zeit berichret haben, den jungen L:utm ÄbendS der Aufenthalt cu! den Straßen, der Stadt, während in anderen Städten da» Almosengeden bei Strafe verboten wird, ist jetzt nach der„Franks. Ztg." in de: Stadt Dahlen eine Verordnung de» dortigen Stadt: nihS(Dr. Fink unter- zeichnet) erschienen, welche von allm Sozutzzöllnern gewiß al» das Jd-al volkswirtbschastlicher Weieh.it gep. lesen werden wird. Vom 12. bi» 14. Sepremb«: wird in Dahlen di? sog«- nannte Dahlcnsche Ktrme», ein von Leipzig, Oschatz, Würzen und roch weiter her auch oui Thüringen besuchte» Volkitest, abgehalten. Nach der stadträthlichen Bekanntmachung sollen nun bei diesem Volktfest, mit welchem eine Art Jahrmarkt rerbundm,„nur solche auswärtige Gcwcrdireibcnde im Jr.ter« esse de» städtischen Geschäsisverichri zur Aufstellung von Ver« kaufSbudcn zugelassen werden, durch die den Dahlener Geschäftsinhabern keinerlei Konkurrenz ge- boten wird!" Sachsen scheint sich immrr mehr zu einem großen Krähwinkel zu entwickeln. ZeitrrugSbeschlaguahme. Nürnberg, 6. September. Die heutige Nummer d«S„Nürndirg. Anzeig." wurde wegen«ine» KorrrspondenzartikelS out München, in welchem eine Beleidigung d-S Prinzen Arnulpb erblickt wurde, konfiSzirt. Der Bilikel bespricht militärische Amrdnungen deS Prinzen. E» wurde der größte Theil der Auslage beschlagnahmt.(Voss. Ztg.) OesterreichUngarn. Dem«Pester Lloyd" schreibt man auS Wien, 7. Sep- tember': Zwischen bin Ripräsentanten der beiden anar- ckisttschen Hauptfraktionen, dem während seiner Wiener agitatorischen Thätigkeit vielgenannten Peukert und dem belgischen Revolutionär Dave, welcher ein Freund Most'» und au» dem eisten anarchistischen Hochverrathsprozess: vor dem Leipziger ReichSzericht her bekannt ist, ist ein Zwist auSgebroch'.n. Di« beiden R-volutronäre halten fich in den Londoner Parteiblättern ihr Sündenregister vor. Nach einem hierher gelangten Berichte ist die Fehde deßhaid ausgebrochen, weil Da?« einen Mufiker, Ramrn» R:iS, welcher fich a'S einen der heftigsten Dynamttarden au! spülte und der gleichzctllg der Vertraute Peuken's war, entlarv!« und dessen kompromtttirende Beziehungen zu din cu«J0Örtif«n Rcgürungen nachwies.— Die Wahrheit dieser Nachricht vermögen wir nicht zu kontroliren. R« tz l a« d. Die Vorbereitungen zu ber großen Deutichenbetze in Rusfisch-Poien gehen ruhig weiter trotz dcr Nachgiedigleit Deutschlands gegen die russisch« auswärtige Politik. Freilich regen fich auch bisweilen warnende Stimmen. So dringt die „Gazeta Narodcwa", ein Lemderaer Blatt, eine Kmnspondenz au» Warschau, welche der Thättgkeit der mit der Prüfung der industriellen Verhältnisse in Polen bischäfttgtm Kommisfian gewidmet ist. Lodz sei der Kommisfion— so sagt da» Lern- derger Blatt— wie eine deutsche Oase in dir polnischen Wüste erschienen. Hier habe die Kommisfion eine geordnete, auf die neuesten Erfahrungen und Fortschrilte giftütz'e Fadiil- tbätigkeit vorgefunden, wie in kiii.er anderen Slavt Polen» od:r Rußland». Die Industrie befinde fich hier fast autschliiß« lich in deutschen Händen.„Nehmen wir nun an", fährt ka» Lemberger Blatt fort, ,chaß e» un» gelange, die Deutschen von hier zu verdrängen, wären wir dann wohl im Stand«, diesrlden zu«setzen?— Leider nicht!- Dazu fehll«» un» sowohl an Leuton, welche in ihrem wohlverstandenen, eigenen Jnterifse da»«isordeillche Kapital hergeben würden, als auch an solch«», die mit der dazu nöthicen Fachlennlniß und Erfahrung auS- gi rüstet find. Die von der industriellen Kommisfion angeftell- „So ist'»." „Und Gretchen, behante ste bei ihrer Behauptung?" „Ja und nein, fie meinte nur, e» sei kein beso ädere« Gewicht darauf zu Ii gen." „Und damit beruhigte er sich?" „Bewahre; er machte darauf aufmerksam, wie unange. »ehm für ihn di« Sache werde» könne, wen« ein Polizei. spion von dieser Behauptung Kenntniß erhalte. Ich müder- hole Ihne» ferne eigen-» Worte, er scheint vor der Polizei Angst zu haben. Merkwürdig ist e», daß er mir unter die 5'™«-d ki° Zahrzehal, zahlen wollte, er wurde böse, all rch rhm eine ablehnende Anrwort gab." »Darm siude. ich nicht« Merkwürdig«»,' sagte � sühne«!"" � gedachte er dadurch eine Schuld „Sie glaube« also jetzt auch—" w" d-°-. ,04 r®*"1 w°i- üs„ nii.t;,0:, ten Forschungen würden daher vor aut fichtlich nur zur Fol« haben, daß d-r jetzt in Polen blühende„deutsche" Gew'rdflnß unterdrückt, ade: kein Aeqaioalent tür dcnielben geschaffen werden würde, wa! nur zum Nachtheil« de» Landes ausfallen könne." kaK-zt». Schweiz. In Betriff der Befestigung deS Totth?'.d» passeS wird jetzt al» bestimmt gemeldet, daß der Tunnel aut der Südseite gegen Airolo demnächst durch Mauerwerk virlängert und mit einem starken eisernen Panzerthor ver- schließbar gemacht werden soll. Da» gleiche soll dann später auch auf der Nords-ite gegen Göschenin geschehen. Schweden und Norwegen. Die vor länge:» Zett eingesetzte sogenannte Arbeiter- kommisfion ist nun so wett gediehen, daß eine der Ad- theilungen mit der illukrabe der Altersversicherung hat beginnen können. Der G-sitzoorschlag zur Unfalloerstche- rung ist schon von der Kommisfion ausgearbeitet und liegt mir ncch beim St!re"�nark mit 1. Ter Einnehme- Ueberschuß oder der Gewinn mr Pzst � den inländischen Abonnement» belief fich im Irtzten Lahr« auf 7514 Lire. Spanien. �.Jn Coruna haben in den Utzten Tagen wiederholt M haste Unruhen stattgefunden. In Folge einer Er- (vhung d-r Stadtzölle, einer Maßregel, welche bereit» im :*'«8tn Jahre in ganz Spanien eine bedenkliche Gegenbewe» Mg hervorgerufin hatte, schaart« fich die Menge zusammen, iMderte da» Hau» deS Steuerempfänger», verbrannte dessen und Papier« und steckte die HolzhäuSchen der Zoll» im Saude vnlaufe» soll. Von eine« überzeugen» 1 und wann ich ihn finl und reist der Baron ab, de» nn Sand« vertaufen fvu.-r>oa rrnem uverzrugev» ist«och keine Rede; ob und wann ich ihn finde« ek läßt fich nicht vorauSfitzkv, und reist der Baron ab, %'ch ihn gefunden habe, so habe« wir alle da« Nachsehe«. Ä bedarf keiner andere« Hilfe al» derjenige«, die ich zu durch die Verhälinisie gezwungen bin, alles wettere Penise«, so gut e» auch geimtnl sei» mag. kann nur dazu Meine Bnnühuvge» zu durchkreuze«. Za. ich dachte an die Papiere, die Ihr Bruder besessen haben soll, baue« Sie darauf roch kein, große« Hoffnungen, e« Mfich noch sehr, ob meine Vermuthunge» begründet «.Sie habe« da« Verzeichniß»och—",.,, g;.»Bind Sie überzeugt, daß die Papiere, die auf dieser k7 verzeichnet stehen, fich im Besitz Ihre» Bruder« de» �de»?- „Ich kann daran nicht zweiftl«, und Sie werde» e» nicht thun. Wenn e» gelänge, nur eine» Theil diese» �°ßr» Vermögen» zu rette« «.»Nur keine sanguinischen Hoffnungen!■ warnt« Dorn er, Q« hebend. �Die Evtläuschunge», die solche« Hoffnung«» ( Lw. der Regel sehr bitter. Also instruircn Sie � iunge« Herrn, er soll sich keine Müh« verdrießen laffe«, / imanzi-llen Verhältniffe de« Baron» ,« erforsche«, je �ver ich darüber unterrichtet werd«, desto besse, ist e« für 5 alle. Und sobald Sie etwa« Bcmnki-Swerthe« erfahre» �°e». komme» Sie zu mir, damit nicht der rechte Augen- * versäumt wird.« AM-rsysM "Ä�'u Windhauch m der nächsten Minute wieder (Fortsetzung sogt.) z.A«» Kunst»ud zebe«., Wächter in Brand. Nach den neuesten Nachrichten soll die Ruhe wiederhergestellt sein. Balk«»kS«dee. Au» Lowpalanka, 8. Srptemder, wird gemeldet: Auf der Fahrt de» Prinzen Alexander von Battenberg von Sofia hieiher wurde 20 Kilometer von Sofia Halt ge» macht. Hier verabschiedeten fich mehrere von den Personen, die dem Prinzen da» Gelrit gegeben hatten, von ihm, darunter Mutkuross unv Peschcff. welche nach Sofia zurückkehrten. Darauf setzte der Zug die Reil« fort, Stambulvff und etwa 10 andere Personen, darunter Prinz Franz Josef von Battenberg, Baron Riedesel, Rikolajew, Panitz», Karaweloff, Rado»lavoff und die Adjutanten de» Prinjrn blieben auch weiter in der Bcglciiung de» letzteren. So wmd« die Reise ohne Zwischenfall die ganze Nacht soitgesltzt. Einige Kilometer von Lowpalanka erwarteten der Präfekt BerkowSN und der Brigade- Kommandant LubowSli den Prinzen. Beim Eintritt in die Stadt, wo man Mittag» eintraf, wurde dcr Prinz von den Stadtbehörden und einer gedrängten Menschenmenge empfangen. Eine Kompagnie de» Regiment» Widdin mit Fahne und Musik machte dte mili» tälischen Honneur». Zu dm Soldaten sagte der Prinz:„Ich danke Euch sür Eure Liebe und Ergebenheit für das Vater» land. Obgleich ich genölhigt bin abzureisen, bleibe ich doch stet» Bulgare und ich werde, wie jeder Bulgare, stet» da sein, um da» Vatrrlond zu vertheidigen. wlnn die» nöthlg wild." Die» waren die letzten Worte de» Piinzen an die bulgarische Armee. Derselb- begab fich sodann über die mit bulgarischen Fabnen geschmückte Landungibrücke auf da» Schiff, da» um 2 Uhr Nachmittag» abfahren soll. Der Fürst hat nach einem Telegramm der„Pest" ou» Sofia gegenüder einer ein und eine halb« Million deiragenden Schuld drr Nationalbank da» Inventar de» StaatSschloffe» von Sofia, ein persönliche» Landgut und die Prioatschlösser von Rustschul und Varna übergeben, hat die von dcr Notabeln» Versammlung angebotenen drei Millionen abgelehnt, aber fünf» hunderttausrnd Frank» akzeptirt. Der Groll de» Kaiser» Alexander gegen den Fürsten Alexander soll au» der Zrit stammen, in welcher der Sohn de» Prinzen Alexander von Hessen am Hof« de» Kaiser» Alexander il. wie ein Kind de» eigenen Hcusc» gehalten wurde und in diesem Verhältniß eine» Tage» mit dem damaligen Th-or.folger, jetzigen Zaren, in Hader kam, der sür den letzt-rrn, welcher ihn veicnlaßr halte, einen nicht ganz sansten Ausgang genommen haben soll. Seit jenem Tage datirt der unver- sehnliche Groll Alexander Hl. gegen den am elterlichen Hofe bevorzugten Vetter, ver schon vor acht Jahren, bei Besetzung de» bulgarischen Thron», al» Kandidat der verstorbenen Kaiserin gast, während der Kandidat de» damaligen Thron» folgerpaar«» Prinz Waldemar von Dänemark, Bruder der jetzigen Kaiserin, war. Vlsie»». Aul Borneo wird dte folgend« englische„Heldenthat" berichtet: Den letzten Nachrichten zuiolge ist da» Kanonenboot „Zephyr", mit dem Gouvnn-ur Treacher an Bord, von Omatal, wahin da» Schiff fich zur Schlichtung gcwiffer Strcltiakeiten mit den Eingeborenen begeben hatte, nach San« dakan in Borneo zu�ückgikehrt. Ei scheint, daß gegen die Handelsleute Ausschreitungen verübt und die Häuptlinge de» Menschenraubes angeklagt worden waren. Da keine betriedi« gende Lösung der Echwteriglett erzielt werden konnte, eröffnete der„Zephyr" Feuer gegen die Dörfer, wo die Eingeborenen fich mit Kriegitänzen und dergleichen belustigten. Beim ersten Schuß zerstoben die Eingebornen, und nachdem die Blaujacken vom Kanonenboot gelandet worden waren, zerstörten fie zwei Dörter und einige Kähne. Dte Firma I ardine, Matheson u. Komp. soll dm ersten chinesischen Eisenbahnauftrag erhalten haben, und gm sür die Strecke Tamsui-Kelong in NordFormosa. Die ahn bat vor allem einen strategischen Zweck, denn der neue Statthalter will dl« Insel gegen künftige Angriffe in Ver- theidigungSzustand setzen lassen. Die englische Regierung soll ihre Hand bei dem Geschäft im Spiel gehabt haben. Gerichts-Zeitnng.' Elve raffiairte Schwindlerin, die unverehelichte, 44 Jahre alte Anna Müller hatte fich am 6, September vor der �erienstrasiumm-r de» Landgerich!» Breslau zu verantworten. Die Angeklagte ist eine au» Rattbor stammmd« GutSbefitzrr»- tochter, die zu Anfang der 80« Jahre, nachdem ste sich in ver» schieden» n Gegenden Deuischland» aufgehalten und viel er- fahren und viel erlebt halte, nach Kotibu» kam. Dort wurde die bi» dahin Unbescholtene wegen Verleitung zum Meineide zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus ocrurtheiv. Nach Verbüßung dieser Straf« wandt« fie fij, vor etwa zwei Jahren, nach BeeSlau. Unter dem Namen„Kübn", der nach ihrer Angabe ver ihre» Onkel» ist, errichtete ste hier im ersten Stock de» Hause» Schmiededlücke Nr. 44 ein„Kommission»- und Ver» miethungSarschäft". Die Grenzm disseiben waren recht weit gezogen. Di: Müller, welche stch stet» für die Vertreterin de» de» zweit« Theile» kündigte nämlich Regisseur Tollheim da» Auftreten eine» Künstler» an. der gar nicht im Programm aufgesührt war. Bei offmer Szme wurde nun ein«igenthüm- liche» Gerüst errichtet, wo.auf der Angelüi-digte unter allge. da» Pudlilum in nicht«ndenwollenden Beifall aulbrach. Da an diesem Abend auch die andere auftretende Künstierschaft durchgehend» neue und originell« Rummern bot, so war die Stimmung der Zuschauer die wünschenSwerth beste und der Beifall überau» lebhaft. Als Kurios«« wird der ,.K. H Z." au» Elbing ge» schrieben, d.ß hier..Schilln" dem �Lesfing« die Fenster ejn- gewmfen bat. Schill« ist nämlich ein mehrfach bestrafte» Subjekt von der Vorstadt und Lesstng nn Uhrmach« auf dem Alte« Markt. Ges«ndhtit»schäblichkeit de» Nickel». Gegen die bik» h« nicht angesvchiene Anficht, daß Nickel nicht gesundheU». ffi'iWr« s? Geschirre zu Kochzwecken sür bedenklich»rlläit I An V-rsucht» »Äfö% SMMÄ «igemliche N ckeloergistung bei Menschen wohl noch nicht beobachtet worden. «ÄSSSSSa WL«ZUgtW a�Kdt�w«�n"war7bÄ �län Sage in der Sii Lawrence» mmmm „Kühn"schen Geschäfte» ausgab, nahm alle» in die Hand. Dienstboten und Beschäftigungsuchenden jeglicher Art dientest: al» Stellenvermittlttin. Darlehm zu„mäßigem" Zinsfüße waren ron ihr zu«halten. Der An» und Verkauf von Grundstücken oder Geschäften konnte durch ste besorgt werden u. s. w. Da die Müll« fleißig in den Zeitungen inserirte, ging*» st» dem einfcnfirigen, ihr Korrp'oir vorstellenden Zimmer sehr lebhaft zu. Nach einig« Zeit wurden Klagen über die vteiseittge „Geschäftsfrau" laut. Verschiedene glaubten fich von ihr de» trogen und einige gingen dte Polizei um Hilfe an.«nsänn» lich fand fich jedoch kein Grund, der zu einem Einsckreilm «gen die Müller berechtigt hätte. Est al» zu Anfang dieses Jahres von mehreren bei der Müll« bedienstet gewesene?» Pnsonen die Anzeige einlief, daß die Müller fich weigere, ihnen die bei ihr hinterlegten Kautionen herauSzuzahlen, deck sfe dem mit der Untersuit�ng der Sacke betrauten Krimlnaltom» missariu» Stein die G-l'genheit. entschieden gegen die verdäch»- tige Dame vorzugehen. Ende Januar d. I. wurde die Müller vethafiei. Wegen der Fülle der in Frage kommenden 9tm schäfie und wegen der Menge von Persomn, mit denen d» Müll«r in Verbindung getreten war, zog fich die Untusmhvna sehr lange hin. Erst h-ute, also nach einem vollen halb» Iah??, konnte über die meisten der von der Müll« beganaene» Etrafthaten abgeuriheiit weiden. Die Länge der Untersuch»«« entsprach der der Verhandlung. E» waren an 30 Zeugen cj. laden. Bei der Aussage eines jeden machte die AngeNa«:?. die fich mit ungewöhnlicher Gewandtheit veriheidigte unv in jedem Punkte vortrefflich Bescheid wußte, eine Fluth von vt� mnkungcn. So kam e», daß die Verhandlung,«in« keine Unterbrechung abgerecknet, vrn 9 Uhr stüh dt« Nachmstwa 5 Ubr währte. Di« Müller war de» wtrScrholten Betrüge», de» Wucher» und der unbefugten Ausübung de» Gesindc«:. miethunesgewtrbe» bezichtigt. Di: Betrügereien zaftelen tu zwei Arien. Die eine war KauttonSschwindel; die and?« sollte darin bist?hen, daß die Müller durch all«h selbe unielschreibt. Sollten in Folge dessen Maßregelungen von DeeeinZmitgliidern in der genannten Fabrik vorkommen nnd den event. aemaßregellm Mitgliedern durch den Arbei SnechweiS de» Verein» keine andere Arbeit nachgewiesen werden können, so wird den de- treffenden Mitpliedem, so lange bi» ihnen Arbeit nachgewiesen wird, au» der VereiiSkaffe eine alSdann von der Gmeraloer. fammlung festzusetzende Unterstützung gezabll."— Nach Er- tedigung einiger Fragen machle vi« Arbeit» vermitte tun g». kommiiston noch bekannt, daß fie Sonn!az, dm 12 September, einen ÄuSflug nach Ftnkmlrug unternehme, wo-u sämmtliche Verrinsmitalieder nebfi Damm eingeladen find. Abfahrt 9 Ubr 40 Min. vom Lehrter Bahnhof. Der Verein zur Wahrunz de» Interesse« der«la- viernrdetter feiert am Sonnabend den 11. September, im Etabliffrment„Sanssouci", Kottbuserftr. 4a, sein IV. Sief- tungSfest. Entree: H.rren 50 P;, Tamm 25 Pf. Anfang 8 Uhr. Lillet» find bri dm Komiiee-Mitgliedern Schaar, Reichenbergcrstr. 125 Hof ll; Schmidt, Wrangelstr. 127 vorn im Keller; Hahn, Lüddene.str. 13; Lemke, Reichmdergerstr. 171; Halfter, Aindtstr. 1, sowie bei Stramm, Skal tzerstr. 13; Görcki, Admiralstr. 40a; Kaddatz, Wienerstr. 50 und C. P fister, Wal demorstr. 61 ,u baden. Gewerifchaft der Metallarbeiter Berlin» und Um- gegend. MUg'.ieScivnfammlung Sonntag, dm 12 September, Lormittag» 10'/, Uhr. im Wedding Park, Müllrrstrcßc 178. Tagekordnung: 1. Vortrag über da» ÜnfallonfilherungSzesetz. Referent Herr OSkar Kcohm. 2. DiSkusfion. 3. Verschiedenes und Fragckasten. Der Vorstand ersucht alle Metallarbeiter, in dirsec Versammlung zu erscheinm. Neue Mitglirder werden aufgenommen. Ravchktub„Westend" Freitag, Abend» S Uhr, im Hohmzollemgartm, Steglitzerstr. 27. Uermischtes. „Vom Rhein her bläst ein böser Wind", möchte man frei nach Schefiel fingen beim Lese« eine» Bericht» au» Oestrich, welchm der„Rhnn. Kcur." enthält. Der rheinische„Wisper- wind", dessen aufllärmde» Watten einst Freiligrath gerühmt, ifi wenigsten» in der unglaublichen Historie keineSweg» zu spüren. Giebt'» da ein lustiges Lted vom seligm Rheinaauer Dichter Bernhard Scholz, der ein braver Katholik und ein fröhlicher Freund de» Wein» war, eine Vereinigung, die am Rheine ja nicht selten ist und dir er d'rum auch in diesem Lied dm „Mönchen von Johannisberg" nachgerühmt hat. „Die Mönch« von Johannisberg Die liebten Gla» und Teller, De»«lvstcr» Kirchletn war nur klein, Doch groß de» K'oster» Keller. Sie zcgen beff.t'n Wein für stch Al» je ein Erdenkönig— Sie beteten dabei nicht viel, Doch tranken fie nicht wenig. DI« Mö-che von Johannisberg, Die saßen selten trocken; Di« zogen an dm Fäfftnt mehr, Al» wie an ihren Glocken. An ihrem Killer ging die Thür, Ohn' daß dte Angeln gelltm; Da» Thor der Küche knarrte sehr. Doch hörten fie'S nur selten."— Der wackere Dichter hat stch gewiß nicht träumen laffen, daß sein harmloser Schwank nach fünfzehn Jahren noch eine kriminelle Bedeutung erhaitm iönne.„Saß da," so erzähll der„Rh Cour.",„vergangenen 2. September zu O-strich im weinretchen Rh'irgau der Märnergesangoeretn beisammen und stielte Sedan, indem er vatrloitsche Lieder sang und mdl ch auch dem Humor sein Recht angedeihen ließ. Er stimmte nämlich„Die Mönche von Johannisberg" von Bernhard Scholz an(die Kompofi'.ton ist, wenn wir nicht irren, von Heftrich, also gewiß so ungefährlich wie möglich); die Zu(ör>r gaubiitm sich MS auf drei, von welchen einer gegm den lästerlichen T-xt protestiite und, wie e» scheint, der Obrigkeit Anzeige von dem stattgthabten Frevel machte. Genug, der Präfideni de» O-steicher Männergrsang viretn»(Klein ist der Name de» Unglücklichen) erhielt gestern folgende» Echreibm, da» gewiß in weiten Kreisen mit Jnteri ff.- gelrsen werdm wird: Bürgermeisterei OefHch, 6. Sept. 1886. Am 2 September, Abend» geaen 10'/, Uhr, bat der tn der Wirlhschaft der Frau Winkel Wwe. tagende Männergrsang- verein tn ärgernißerregender Weis« Lieder gesungen. roelche geeignet waren, eine seither beftand:ne ReltgionSgesellschaft wie ihre Diener und ihre Einrichtungen zu deschtepim, Berg hm gegm Paragraphen 134 de» ReichSstratgesetzbuch». Aus Grund vtffen werden Sie aufg-forbert, al» Direktor und L.iter dr» Verein» stch in dieser Weise über die Art und Weise des Der« gehrns stch innerhalb 2 Tagen bei mir zu verantwottm, im entgegmges'tzlen Falle ich unverzüglich dte Sache Königlichem LondrathSamte und Köntgl. StaalSnnwaltschast zur An reize bringe,«a» die soforiige Auflösung de» Vereir.» zu? Felge tat. Der Bürgermeister H ß." Wenn solche Dinge am Rh-in Mode werden sollten, dürfte die poetische Warnung„Geb' nicht an dm Rhein!" demnächst eine recht unangenehm rrö.iliche Bedeuiung bekommen. Uasere Geselligkeit Jüngst beklagte sich der Dich!» Björnson üver die unzwtckmäßigen Formen de» geselligm Ver« kehr» tn Norwegen. Die» giebt einer deutschen Dame Anlaß, in der„Wimer Allg. Ztg." über deutsche Geselligkeit ein Mahn« wort zu veröff.ntllchm.„Wenn irgmdrro— so schreibt die Dame— so hat gerade bei un» dte U'.fitte Platz gegriffen, daß bei jeder geselligen Zusammenkunft die weitgehendsten An« sprüche an Küche und Keller gestellt wildm. Und diese An« svlüche wachsm vonJrhr zu Jahr derart, daß Leu!« in dürger« lichen Verhältnissen kaum mehr im Stande find, ihre Freunde bei stch zu sehen- Unter zehn Gesellschaften zerfallen neun in zwei Hälften. In der eistm wird gegissen und getrunken, in der zweiten Kartm gespielt. Wer keinen Straußenmagen hat und nicht spie Im kann oder mag, dem steht e» meisten» frei, sich vor Langeweile aufzuhmkm. Die kurze Zeit vor dem Essen und zwischen diesem und dem Spiele wird wehmüthig absolotrt wie etwa» äußerst Traurige», da? stch eben nicht vermeidm läßt. E wrige künstlerische ProSultionm gelten al» eine Art Thier« qaälerei. Man beobachte nur, wie während ders-lben die an« wesendm Herren stch langweilen, mühsam da» Gähnen unter« d'ücken, oder ironisch in stch hineinlächeln, um nach Schluß j'der Nummer wie auf Befehl zu applaudiren. Ein längere» Ge« spräch ist verpönt. Die Kunst de» Kenne, ficen» geht verlöre« — wer e» wagt, eine Idee in die Versammlung zu werfen» wird angestaunt wie eine unziviiistrte Bestie, die gezahnt wer« den muß... Früher lud man etliche Bekannte ein, um stw und ihnen ein Vergnügen zu bereiten. H ute hat der Mittel' stand bi» in seine bescheidensten Winkel den Ehrgeiz, ein„Hau» zu machen(ltgentttch ein Gasthau»), einen„je«?" abzuhalten, und je mehr Leute aus einem solchm erscheinen, für desto voller gilt der erfochten« Steg. Man wünscht, daß Menschen, di- man haldweg» kennt, möglichst viele Menschen mitdrwaen, die man gar nicht kmnt— je mehr, desto besser. Man rühmt stch 0" Zahlen; die HauSfrau, die an„ihrem" letzten Montag neun« zehn Personen bei stch vereinigt hat, bmeider diejenige, die«» an„ihrem" Dienstag auf zwanzig gebracht hat. Ein jonr,«j welchem ein Tbeil der Erschienenm au» Mangel an Pia» stehm mußte, biid-t da» Ziel de» modernen Ehrzeizc». ßrn paar Freund« zu sich bitten, ihnen schlecht oder recht etwa» vorsetzm— pfui, wer wird so gemein sein I Man„empfänst> man hat einen„Tag", man schleppt ein Kunterbunt von EV stalten zusammen, denen man zufällig irgendwo tezegvet und da tl nie an Menschenfreunden fehlt, welch: über mOrv Stunden oeifüjrn und au» Gcfälllgleit einige Atzung zu n» nehmen bereit find, kann in der Regel den EmpfaneSsüffl"!!"' gehören werden.... Der eigentliche„Salon", die freund« lite Ptauderstude geht verloren. Bei Laude war noch<»« solcher Salon. Der alte Theaterregent tonnte es sich er« lauden, den Gästen eine Tasse Kaffee, den Herren eine Zigarre und sonst nicht» anzubieten— er har« eben die Autorität d-uu Ader da» Meiste von dem, wa» sich„Salon" nennt, muß ff» in der Regil den herrschenden Vorurtheilen fügen. Tatet unterläuft natürlich viel Affenthum mit. Familien, die die Mittel noch dle Pcstiion befitzen, um sich a!» soz'aler Fak'oe zu geberden, und die ihre„Empfänge" mit zerrissenen Strümpfl» büßen, ff: erllären, einen„Tag" zu habe»!, da» sei man seinen Bekannten schuldig.— Wenn man ihnen nur sonst' icht» schui»-» wäre i... Uebrigen» wird ein gerechter Beodachtcr nicht ieugnen, daß auch die Männer mitsündigcn: Die Sucht, sich al»«in"? aufzuspielen, wa» man nicht ist, die Welt zu täuschen Ol'"" aber fast niemal» täuschen läßt), wohnt den Männern 6«tfl' so inrT«, wie un» Frauen— un» Frauen vielleicht etwa» weil«tr außerhalb de» geselligen Verlehr» nicht viel Gek*? hett haben, un» zu bethatigen. Man. pflanzt un» von J'�S?,, auf dte Idee ein, wir seien dazu gemocht, tm geselligen*'%, zu glänren— wa» Wunder, daß die Frauen e» zuletzt st» 5, döhe» Verdier st halten, wenn st« so gastfreundlich find, rz Organisation eine»„Salont" sür eine der wichtigsten AufS� de? Dasein» zu hatten I Wenn Björnson seine Norweger,. kanzelt, so sollen wir nicht, wie dte Pharisäer, Gott i jener.nlerrn Fünfztgtausend, die«» 2�.,» daß wir deffer stnd, al» diese! Wir thun gut daran, vor _____________ Reform, sonst wird fie immer mehr ein Privilegium der odtf% eigenen Thüre zu lehren, zumal da» liche Beschäsligung ist. "iift- i co» eine echt haüSwirtb?«,� Unsere Geselligkeit bedarf Zehntausend und jener.nierm Fünfztgtausend, vi«"'»".j nachmachen— aus die G-fahr hin, daß die Gäste einet von« einem Swdenmädchen die Auskunft erhalten: findet kein Empfang stati; der gnädige Herr ist gestern verpai' worden..." Kleine Mittheilnngen.„ Bremerhaven, 8. September. Derdrilte der"*„L" lien bestimmten Reichtpostdampfer, der Dampfer„Hohcvstaui wird heute zum ersten Male diese Tour avtreien. J" v-tur»U-Il rtprn-,»»»*,OUt onntit». Plan sür die beiden SuboentlonSltnien ist adrigen»'n�L/ «ine Aenderuna eingetreten, alt der Damvlei..Brauns«�,. «ine Aenderung eingetreten, alt der Dampfer„vrauni«�« am 22. September statt der„hadtbuig" nach LstoffiN � «Braunschweig" nach Austi» * fiCB Gestern Vormit�lS dies« am 6. Oktober statt biß «xpedirt werden wird. Oppenheim» 7. September.| U hier ein bedauerlicher Unglücksfall zugetragen befftzer ließ stch von einem jungen Mann einig« «inen Revolver kaufen. In dem Laden lud der E'fl'N desselben«ine der Patronen"' fichltger Weise loS und junge Mann zusammen,«j» wui lyi»»>>»■••• gedrungen. Heute Morgen ist der jung« Mann seiner Verletzung erlegen. |®�8i ein un MMMM I°- d-» IW m, e..i.u.«.l � �«• Bertis Beilage zum Berliner Volksblatt. Ar. 211* Freitag, de« 10. September 1886« nL Iahrgj Kommunales. Etadtverordneten-Versammluug. Sitzung vom Donnerstag, den 8. September. Der«ell zertretende Sta�tverordnelen 1 Vorstelzer, Stadtv. Dr. Stryk, eröffnet die eiste Sitzung r.arv Len Ferun um &/* Uhr mit geschäftliten Miltheilungcn. Er t heilt der Ber» fsuimiurg in längerer R.de dai Adleden des Htadtverord. neten- Vorstehers Lüchtemann mit und feiert die Verdienste tzeS Berstordenen um die«ngelegenheiten der Stadt. Im «rsentlichen lauteten die G-dächtnih-voite folgendermaßen: „herber Schmerz erfüllt h ute unsere Brust, da wir unsere Verhandlungen ohne d-n Zstann wieder ausnehmen müssen, in dessen Hände die Leitung unserer Gesckäft« gelegt war. AI» unser verehrter Herr Vorsteher lurz vor Beginn der Ferien zur SBiedei Herst« ll-ing seiner Gesundheit ein mildere? Klima auf- sachte, da hofften wir, daß er g-trästigt in unsere Milte zurück« «ehren werde. E» sollte ander? lommen; am 22. Jali de« Stuben wir ihn von dieser Stelle au?. Walter Bücbtemarn «at, nachdem er seine Siellung al? Direlior der Potsdamer Eisendoha aufgegeben, im Jahre 1880 irr die Stadtverord- Ueten-Versammlunz ein. Sein sckarser Blick, seine Crfahrun« gm machten ihn bald zu einem hervorragenden Mit tliede. Di« Versammlung erkan-te seine Leistungen an und «ählre ihn am 22. September 1831»u ih em Vorst her Stell. Vertreter. Und alt im vergangenen Jahre der Tod uni Straß Dann sähiing» entriß, da legte die Ve-savimlu-g vertrauen?. »oll die Leitung der Geschäfte in die deaäoiten hanve Büchte- wann?. Wie er die» Vertrauen rechtfertigte, da? zu schildern ist unnöthig, da die« alle« in frischer, lebendiger Erinnerung ist. Rur E n» möchte ich hcrooi heben, und die» ist seine Auf- kassung über die parlamentarische Leitung unserer Versamm lang; jeder Kollege, so sagte er, ganz gleichgiltig welcher Partei «angrbört, muß die U-derzeuaurig haben, daß vom Vorstand». tisch« au» in ganz objektiver Weise L cht und Schatten gleich wäßig oerthetlt wird, daß die größte U�parteUichkeit die einzige Rtchlschnur unsere» Wirken» ist; nur dann kann ein«inmürhi- ge» Zusammenwirken ftattfiaden.— Und daß er auch bandelte, «ie et dachte, deff' stnd wir alle Z uge gewesen. Wir aber und die Bügerschast werden sein Andenken Hochhilten und uns gern de» Zeitraum» erinnern, wo Büchtcmann an der Spitze unserer Verwaltung stand, eh:« seinem Andenken! St: baden stch, meine h rren, zur Ehre de» Ve.stzrbenen von Ihren Sitzen derell« erhoben, ich danke Ihnen." Die Beerdigungsfeierltchkeiten Büchtemann'S find in feier Wchn Weise auf Kosten der Stadt erfolgt.— Die Wahl de» Vorsteher» an Stell: de? Verstorbenen erfolgt in der nächsten Srtzung.— Bei der Beerdigung zweier während der Ferien »erstoibentn, um die Stadt vrrdienten Männer, des Professor» Dr. Grell und drs Schuloorlleher» Luther, ist die Stadt« »erordnetenvnsammlung durch Deputationen vertreten gewesen. ».Dr. Otto o. Ranke bat ein Danktchreidm für die Le» Amt'gung der KommunalbebörSen an der Beerdigung Ranke'» eingesendet.— Die Budapester 84 buri�nie bat an die Kommune Berlin dl« Vitt« gerichtet, ««stetzer gewiss n Bemerkungen der Presse gegenüber hinzu- Jagt, motiviet sich da? ablehnende« Antwortschreiden der Kom- muralbchö.den damit, daß ei ein alter Grundsatz der Behoiden ist, nach außerhalb Einladungen nicht anzunehmen. So find Einladungen nach Pari?, Genf, «rüssel u. s. w. abgelehnt worden. Magistrat und Stadtaerordneten-Versammlung ha t-n immer geg'audt, sich auf «ie Verwaltung der Stadt zu beschränken, aber kein Recht zu dadeii, außer Lande» die Vertretung der Stadt zu übernehmen. £w politischen Hintergedanken sei in dö lichstt Form die Ab «tznung erfolgt.— Der Stadt, erordnete Paul Singer er- facht Wer Hinweis auf seine Ausweisung die Versammlung, ««mit Unzuiräglichkeiten und Unregelmäßigkeiten in der Ver- Daltung vermieden würden, die Stellen, die er inne hatte, vor- «ussg weiter ,u b' geben.— Es wird demgemäß verfahren De»den, die Bezirkssachen übernimmt Stadtv. Hermann. Bor Eintritt in die Tagesordnung, die 60 Desdemona. �ruck oerboten Z Rovellette von Retnhold Ortman«. (Schluß.) Die sonderbare Miene de» Manne» war Gerda nicht Werter aufgefallen, und sie folgte dem verschlafenen Kellner den ersten Stock, wo er eine Zimmerthür aufriß, um *4 dann schleunigst wieder zu entfernen. Da« Gemach r* durch zwei halb herabgebrannte Kerzen spärlich er- Mt. ftn»in»m 9ek>nszi,k.l««fipn dem Fenster, wohm nur flüchtigen Blick für diejenige ihrer Zofe hielt. Aber »U Gerda die Thür hinter sich geschlossen hatte und sich Jfcder dem Innern de» Zimmer» zukehrte, stand ihr die westalt hoch aufgerichtet in einer Entfernung von kaum sw«i Schritten gegenüber, und jetzt sah sie, daß es der 2®lienische Tragöde war, welcher sie hier erwartet hatte. ?�ne Augen glühten und in seinem Antlitz arbeitete es Achtbar,— genau so hatte er ausgesehen, als er am ».'llvsienen Abend in der Schlußszene des„Othello" da» wudlikum zu athemloser Bewunderung hinriß. i. Et wollte auf Geroa zustürzen, mit einer Bewegung, »b �ungewiß ließ, ob er sie in seine Arme schließen oder Ri*l Le erwürgen wollte, und ein heiserer, unverständ- sich"uiruf kam aus seinem Munde. Sie aber richtete ganzen Größe empor und streckte ihm abweh- 5ltm entfle0cn: �Te nicht an!" rief sie.„Ich w'll Dich nicht b'?» hierher gekommen bist.- eS ist gut. daß *Ni um Alles zu hören!— ES ist aus zwischen n �?uz aus und für immer!" ?ult erbÄ!" schrie er auf, und seine mächtige Ge« durch"'s der Stamm einer Eiche, deren Wurzeln dnraik��stoß gehoben worden find.„Hast Du m.ch d Nummern umfaßt, erfolgt die feierlich« Einführung und Be« eidigunz von zwei unbesoldeten Sladträthen, den Herten Dr. Wasserfuhr und Siadtvrrordneter de N ö o e durch den Obirbürgermeister Dr. von Forckendeck. Der H rr Oberdürarrmeistrr macht die beiden neum Mit« glirder des MagistraiSkollegiumS au? die Größe ihrer Pflicht aufmerksam und hegt die feste Zuoerffcht, daß sie alle Kraft aufbieten würden, die gedeihliche Enlwickelung der Reichs- haup'stadt zu fördern. RamenS der Etadtveroidneten- Versammlung begrüßt der stellvertretende Vorst« her die beiden Neugewähl-rn unter be- sonderet Betonung der reichen Erfahiungen, die Dc.Waffeifuhr au: hyrtenischem G-diete und Stadtv. de Mae. da»„Schoaß- kind der Versammlung", aus dem Gebiete der Verwaltung de- rrtti bethättgt häiten. Nachdem Stadtv. D o p p vor Eintritt in die TageSord- nung auf die Auslassungen d«S Stadtv. Wieck in der Sitzung vom 25. Juni, die gegen feine Puson gerichtet waren, g« antwortet hatre und eme Gegenantwrrt von dem Stadtv. Wieck erfolgt war, wurden eine Anzahl Naluralifattonsgesuche und Stipendiatsgesuche geschästsordnunatmüßig erledigt. Es folgt nun die dedattelose Erledigung einer großen Reihe von Magistratsvorlagen durch unveränderte Annahme derselben. Die Vorlage deS Magistrat»— betreffend die Verlegung der Marktpolizeibude vom Mum Maitt nach dem Arminiu? Platze wird an den Magistrat zur V-rvollständigung imückgegeben. Die VorlagedeS Magistrat»— betreffend den Ankauf von Theilen der Gruntstücke Temvelhofer-Ufer 18/19 und 20 zu Gemeindefchulzweckm geht an einen Ausschuß von 20 Miigltedern. Vertauf der zum Bau de» Görlitzer Bahn« Hofe» verwendeten Tdcil« von ehemaligen S-varaiionswcgen. Die Vorlage geht ebenfall» an einem Ruischuß von 10 Mitgliedern. Die Bewilligung von Mehrkosten(äSOO�M.) für die Anlage der elek-rischen Beleuchtung der Martlhall« II und der Handwerkerschule giebt zu einer steinen Debatte Ver- anlaffunz. Stadto. Meyer l meint, daß ein besondere» Dunkel über der elektrischen Beleuchtung Berlin» schwebe und dran- tragt die E'nsetzuna eine» Bu»schuffc». Stadtsaurath Blankenstein, Klmmerer R u n a e und Oberdüraermeister v. Forckenbeck weilen in kurzen Worten die Ausführungen de» Stadts. Key» I zurück. Der Antrag auf Einsetzung eine» Aulschuffe» wird abge- lehnt- der Magistratsantrag angenomm.'n. Die Anfrage der Stadtverordneten Görcki und Gen. in Bezug auf die Ventilationseinrichtungen in den Marl-hallen ist von dem Magistrat— wie bereits mitgetheilt— dahin de antwortet worden, daß gewiffe Aenderungen vorgenommen worden find und dem Uebelstand soweit als möglich abgeholfen worden ist. doch werde eS auch durch die allerkiäftigste Venti- lation nicht ganz gelingen, den von verschiedenen Waaren ent- wickelten, zum Tbeil sehr starken Geruch ganz zu beseitigen, wa» auch nicht einmal auf dem offenen Markte möglich wäre. Stadtv. G o er ck i: Es ist hocherfreulich, daß de- Magistrat in so kurzer Zrit unsere Anfrage dear twortet hat; ich will an die vielen Anfragen nicht erinnern, die noch unbeantwortet im Echooße deS MagikratsarchivS ruhen. Der Magistrat Hut eS aber nicht unterlaffen lönnen, mit einet kleinen oratorischen AeabeSke feine An-wort auszustatten: er nennt die Klagen über die schlechte Ventilation in den Markthallen«nicht volllrändig moiioirt." Nun, wie motivirt fie naren, hat er damit b-wtesen, daß er fich bemühte, ste abzustellen. Wir haben da! R-cht zu sagen, waS wir glauben und eine ganz genaue haarwaltende Begründung halten wir für übnflüsfig. Sind aber die Mängel der Ventilation so beseitigt, daß wir zufrieden sein lönnen? N ich den Erfahrungen der letzten Tage rst die Ventilation, selbst wenn man die außerordcntlich Hohr Hitze in Betracht z«hl, roch ein« sehr mangelbafte zu nennen. Ich war des ölteren in der Zentratz Markthalle und selbst städtische höhn« V amte mußten mir zugeben, daß na h viel zu wünschen übliq bleibe. Mr wollen uni jedoch begnügen, heute diese Thatsache zu ben, daß ich nicht anders handeln konnte und daß ich un- säglich elend bin!" Er schlug ein gellendes Lachen auf und ferne Züge verzerrten sich zur Grimasse. „Warum sollte ich Dir glauben— Dir, die mich zweimal betrogen hat?— Ich bin Dir gut genug gewesen, als ein Spielzeug, als«in Mittel zur Zerstreuung für die Dauer der Trennung von Deinem Liebhaber, und Du ge- dachtest mich bei Seite zu werfen, wie es Dir gerade Deine Laune eingab. Oder thue ich Dir etwa Unrecht?— Wage es, mir ins Gesicht hinein zu leugnen, daß Du im Begriff bist, in tie Arme des Anderen zurück zu kehren!" Er war außer sich vor Wuth; aber mit unbeweg- licher, hoheitsvoller Ruhe stand ihm die Schauspielerin geg"Übet. � kie Hand einer Sterbenden daS Ge» löbniß abgelegt, Wallhofen'« Gattin zu werden," sagte sie, „und ich werde da» Gelöbniß halten, so wahr Gott mir helfe!" „Gleißnerische Schlange!" zischte er,„das wirst Du nicht!— Lieber will ich Dich todt zu meinen Füßen sehen, ehe ich Dich einem anderen überlasse! Zum letzten Mal frare ich Dich: willst Du von diesem Burschen lassen?— Willst Du mein Weib werden?" „Du hast gehört, daß ich e« nicht kann!— Du hast vielleicht ein Recht, mich wegen meines Treubruchs zu ver- achten, aber Du hast kein Recht, von mir zu fordern, daß ich mich eines Meineiv» schuldig mache!" .Nun, so stirb. Nichtswürdige!" kam eS m wrlden Lauten von seinen Lippen. Seine Hand fuhr blitzschnell in die Brusttasche seines Rockes, etwas metallrsch-glänzendes Sm'V-ä""S Vt UÄ Z Gerda hatte diesen Angriff vorausgesehen, und sie war stärker und gewandter, als er geglaubt In der nächsten Sekunde flog das Mordinstrument deS Italieners em bre.tes iiMM konstatiren, und die Hoffnung hegen, daß man bei dem Bau weiterer Markthallen alle Erfahrungen berücksichtigt und die altm Fehler vermeidet. Damit ist die Angelegenheit erledigt. Die Stunduna der von der St. Nikolai- und St. Marienltrch« ,u den Pflisterkvsten der Flied-nstiaße zu ent- richtenden Beiträge, welche der Mazistrat beantragt, giebt Anlaß zu einer kleinen Debatte. Stadto. G e b r t beantragt die Ueberweisung der Vorlage an einen Ausschuß von 10 Mitgliedern. Stadtv. Görcki hält eine Ausschußberathung für über« flüssig und ersucht um Adlehnung der Maz'straUaorlag«. Es sei nicht tlfichtiich, weShalb man zwei reichen Gemeinven die Zahlung deS Beitrages zu den Pflasterkosten, den alle Ad« ia|tnl*n zu entrichten häiten. stunden solle. Stadtrath Voigt wünscht die näheren Gründ: und recht- llchen Gesichiipunktk, welche den Magistrat zu seinem Antrage bestimmt haben, in der Sitzung eimS Ausschuff:» vo-zulühren. Der Antrag auf Einsetzung eineS Ausschusses wird angenommen. Eme Anzahl Rechnungen gehen an den Ausschuß für RechnungSsachen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß 7| Uhr. Die nicht öffentliche Sitzung fällt au». Lokales. Der Entwurf etuer neue« Poltzet-Vemdnuttg über die Anlegung von Holwläeen, welcher aus Ankß Oi? großen BeandeL in der Schtnkestraße vom Polizeipräiidium dem Magistrat zur Genehmigung vorgelegt worden war, ist von dieser Behörde den AeUesten der Kmsmannschaft zur gutacht- lichen Aeußerung übermittelt wor/en. Die Aelteken haben nun ihrerseits ihre ständige Kommission der Berliner Holz» Händler vernommen, und kürzlich auf Grund dieser V.r- nehmung ihr Gutachten abgegeben; ste find der Reinung, daß die vom Palizeiprästdium gesammelten Eciahrunaen allerdings beweisen, vaß die Holzlazerplätze geeignet stad, die Gefahr bei FeuerSb'.ünsten, welche in einer denachtarten Fedlik autkom« men, zu erhöben; fie beweisen aber nicht, daß die!« Lage-plätze an sich die Gefahr der Entstehung von Bränden in ftch tragen. Die R xborfer FeuerSbrunft halte ihre a oße Ausdehnung dadurch gewonnen, daß betiächtiiche Mafien von Kolophonium, welche in einer Fabrik vom F-uer erfaßt waren, fich über die benachbarten G-U-rdstücke und Lagerplätze er» goffm. dagegen laff-n sich die Fälle, in welchen auf einem Holz- oder Kohlenplatz selbst ein Feuer ausgekommen sei, kaum nackweisen und daß diese Behauptung richtig ist, beweist der Prämiensatz, welchen die FeueroerstcherunzS-Gesellschatten auf derartige Lager in Anwendung zu dlingen pflegen. Die Lax,e:p'ätz« find zumeist an Stellen angelrgt worden, an den.in zur Zeit dn: Anlas« benachd-ite Gr- bäude so gut wie gar nicht vorhanden waren; dir Ge ahr ist alio nicht durch die Anlegung der Lazervlätze fem« dein erst dadurch entstanden, daß da« benachbarte Terrain all« mälig fich mit feuergefährlichen Baulichkeiten be Sickte. Soll K%te teWÄ.•Ä-'Ä gesammte Belastung den Lagerplätzen aufgebürdet, ti mvß vielmehr ein enüvrechender Thetl auf die Umgebung der Lagerglatze abgebürdet werden, indem man die E richtung feuergelährlicher Anlagen in der Räbe solcher Plätze Basen ad« dängtz macht, daß die Inhaber solcher Anlagen Schutzoor- richtungen treffen, welche die VeibcHtunq eine» bei h ren ent- ftanvenen BrandeS auf die Lagerplätze h ndern. Von diesem Gesichtspunkte aus bedarf der vorgelegte Ertwurt der Polizei« Verordnung einer Umarbeitung; denn in feiner jetzigen Fwm ist derselbe so beschaffen, daß nach seinem J ckrafttr-ten ein ootfichtiger Kaufmann ti garnichl wagen könnte, Aufwen- dungrnZfür einen Lageiplitz»u machen.— Der Migitt at wird nunmehr über dies« Bedenken B-schluß ,u f offen und seine Eiitichließung demnächst dem Polijtipiästdium mitzutheile.1 haben. Neber! die Entwlckelung der Stadtbahn gi-bt der „Berk. Act." folgende deachienswerth« U-d-rstwt: Ali am göde taumelte zurück. Ihre beispiellose Fassung und Geistes- gegenwalt hatte ihn völlig verwirrt, und er stierte sie an wie eine überirdische Ersche nung. Starr und bewegungslos wie eine Statue stand Gerda am Tische. Ihre rechte Hand stützte sich fest auf den Rand desselben, während ste die linke mit dem Taschentuch, das sie schon beim Betreten des Zimmers in derselben getragen, auf die Brust gepreßt hatte. Das elektrische Signal, zu einer so ungewöhnlichen Zeit gegeben, hatte sehr rasch einige Bedienstete des Hotel» auf die Beine gebracht. Der Kellner mit dem verschlafenen Gesicht war der Erst«, der in da» Gemach stürzte, und hinter ihm tauchte auch schon die goldbord-rte Mütze deS Pförtners auf. Mit trotzig zusammengekniffenen Lippen und doch mit dem unverkennbaren Ausdruck einer wilden Angst starrte der Italiener auf die Schauspielerin, von deren nächstem Wort sein Schick al abhing. Gerda aber wendete sich gegen die Eintretenden und sagte: „Der Herr wünscht auf der Stelle da» Hau» zu ver- lassen, da er schon mit dem nächsten Zuge reisen will! Einer von Ihnen wird den Herrn zum Bahnhofe ge- leiten I" Der Kellner und der Portier sahen einander m't ver- dutzter Miene an. „Aber es fährt überhaupt kein anderer Zug in dieser Nacht als der Jagdzuz nach Paris," sagt« der letztere,„und der geht schon rn zwanzig Minuten ab!" Gerade diesen Zug wünscht der Herr zu benützen!— Sre sehen, daß Sie keine Minute mehr zu verlieren haben! „Vorwärts denn!' rief der Italiener mit rauher Stimme.„Rufen Sie meinen Dienerl In zwanzig Mi- nuten fahre ich nach Paris!" Die beiden Dienstboten verschwanden eilig. Als die Thür hinter ihnen zugefallen war, sank die Schauspielerin wie gebrochen in einen Sessel Der Italiener hatte einiae Schritte gemacht, al» wenn er sich ohne A schied ent- fernen wollte, nun aber blieb er dennoch stehen„nb sagte leise: � „Du bist verwundet, Gerda!- Leugne efi nicht- TT. Ftbniar 1882 die Berlwer vtadtbahn dem öffentlichen Ver- lehr vbergedrn wurde, errezte der groffarttae Bau allgemeine Bewunderuna. E» wurde zwar von vornherein betont, veff da» immense Anlagekapital fich»unSchst gewiß nicht angemeffen «rztnien«erb«, ober man gab fich doch vem Gedanken Hin, e» werde mit der Zell gelingen, die Bahn rentabel zu machen. Räch Ablauf einer längeren Betriebiperiodr ergievt fich» daß der Lerkehr fich thatsächlich mehr und mehr hebt. Im ersten Jahre de» Betriebe», 133?, find vereinnahmt worden: Jebruar Mär, April Mai Juni Juli August September Oktober Stadtverkehr. Vorortverkehr. Fernverkehr. Mark 121 100 320- 137500 1 320- 158 600 9 320- 163400 27 850 9640 130 200 13760 37 990 109200 30540 53 540 80200 20860 55 540 95 700 20350 33320 86300 13500 38440 Schon in 1883 hat fich der Verkehr sehr meithch weiter entwickelt: so wurden deisvielßweise im Juli 1 220631 Billett «rkaust und dafür 239 933 M. eingenommen. Die nach« strhende Tabelle giebt eine Aulstelluna der in 1884, 1885 rmd 1683 erzielten Einnahmen der Stadt» und Ringbahn (autschlteßlich de» Vorort, und Fernverkehl»). E» erbrachten: Januar Februar April Mai Juni Juli August September Oktober Rovember Dezember 1834 120159 114 503 139744 172657 204 606 241 206 205 022 226 853 193 758 143627 131 742 125 363 1835 130488 126 633 146 239 242427 246 398 221 965 221 870 209 887 191 982 166 339 153 472 141 687 1885 153 760 134 336 154012 238 093 247 732 287 434 247 939 zus. 2019 240 2189 395 Diese Tabelle zeigt deutlich dt« stetige Entwickelung de» Berkehr», von der man für die Zukunft noch Bedeutende» er« «arten darf, da die Bebauung der läng» der Stadtbahn an »er Peripherie der Stadt gelegenen Terrain» erst beginnt, und gerade deren Bewohner in Zukunft auf die regelmäßige Be- Nutzung der Stadldahn in erster Reihe angewiesen sein werden. Die bedeutendste Steigerung der Einnahmen, eine solch« von 65469 M, weist gegenüber dem Vorjahr der Juni 1886 auf. wozu wohl wesentlich die internationale Kunstautstellung und deren Besuch beiträgt. Die Stsenbahu.Aataftrophe bei Würzburg hat, wie An Berichterstatter meldet, neueiding» zu E. Hebungen bei allen größeren Eisenbahnstationen veranlcßt, und zwar über die Praxi» de»„Abmelden»" und„Annehmen»" der fälligen Züge zwischen zwei Stationen. E» handelt fich um folgende»: Sieht bB. ein Zug» der von Potsdam nach Berlin direkt geht, in »t»dam zur»bfobrt bereit, so mst der BehnhofStelegraphist in Potsdam auf Oed» de» Stattonsvoesteher» die Station Berlin an; der Berliner T-legraphist giebt da» Zeichen„Ver» standen" zurück und empfängt dafür von Potsdam die Mel- dung:„Zug Nr.... annehmen." Echat nun laut Instruktion seinem Stationsvorsteher davon Meldung zu machen und darf äst, nachdem dieser fich verfichert hat, daß die Sirecke frei ist und fönst kein Hinderniß vmliegt, auf dessen Ordre nach Pot». dam zurück zu melden, daß der Zug hier angenommen ist. Runwehr kann der Potsdamer Zug nach Berlin abgehen. Diese Behandlung der abfahrenden Züge würoe ja nun die denkbar höchste Sicherheit für den Belried bieten, wenn st« in »er oben gekennzeichneten Weise stet» und überall gehandhadt würde. Da» geschieht aber thatsächlich vielfach nicht, ist vielfach nicht möglich und zwar au» folgenden Giünden: für den Tele« aravbistcn, der dt« Meldung««vkZnot besteht bl, Nnrsist, Cforn«pflnrnt nicht zu verlassen: der Stationsvorsteher. der ihm die Ordre zur Abnahme de» Zuge» zu geben hat, befindet fich nun aber gewöhnlich nicht im Station» zimmer, sondern ist dienstlich auf den Perron» u. f. w. außerhalb de- schäftigt;«in Bote» der ihm die Meldung de» Telegtaphisten ftbabnngen könnte, steht letzterem nicht zur Verfügung, und so giebt denn gewöhnlich der Telegraphist in gutem Glauben, daß va» Geleise frei ist, nach Potsdam da» Zeichen zur Abfahtt zurück: er ist gewiffermaßen dazu gezwungen dadurch, daß die fahl planmäßigen AbfahltSzeUm innegehalten werden müssen, er tann gar nicht langer als wenig« Minuten warten, sollen nicht Störungen im Betriebe eintreten. Daß diese mißbräuchliche Progl« die stete Q ielle von Gefahren ist, ist klar und auch der »der« Behürde bekannt, welche nun auf Grund von prote« lollarischen Vernehmungen verschiedener Telegraphistm und Slationlbeamten Abhilfe schaffen wird. Eine neuere Bekannt« machung für da» BetriebSplrfonal, welche auf die Erzielung eckiden i Wa» ist sie denn auch gegen die Strafe, zu der Du«ich ohne meine Schuld verdammt hast!" Sie winkte ihm mit der Hand, zu gehen, und sah ihn flehend an. E» wurde ihr offenbar zu schwer, zu spreche». Er zauderte noch, aber da trat mit erschrockenem «nd verstörtem Gesicht die Zofe der Schauspielerin über die Schwelle. „O, mein Gott, Fräulein— wa» ist geschehen? Sie sind krank!" rief sie au», indem sie neben Gerda nieder- kniete. Diese aber flüsterte leise und mit großer An« stre»gung: „Rein, Emilie, eS ist nicht»! Nur eine kleine Schwäch« I Nimm eine Kerze und geleite den Herrn hinaus Aber der Italiener«artete die Befolgung de» Befehl» nichk ab. Wortlo» stürmt« er au» dem Zimmer und im« mittelbar darauf vernahm man von unten her da» schwer« fällige Rasseln der Droschke, die ihn zum Bahnhofe brachte. Während der folgenden Tage schwirrten allerlei seit« same Gerüchte von Mund zu Mund, um ihr Echo hier und da auch in den Theaterrubrik.n der Zeitungen zu finden. Wa» erzählte sich von einer schweren Erkrankung der gefeierten Schauspielerin Gerda Schönburg und von einem räthselhaften Selbstmordversuch, der die Ursache dieser Krank« heit gewesen sein sollte. Thatsache war e» jedenfalls, daß sie aus einem Hotel in H. in die Klinik eines berühmten Chirurgen über- führt worden war und daß dort Niemandem der Zutritt zu ihr verstattet wurde. DaS Publikum zerbrach sich weidlich die Köpfe, um eine Erklärung für dieses sensationelle Vor- kommniß zu finden, und eine Menge haarsträubender Er« mblungen, deren jede gleich weit von der Wahrheit entfernt »ar, wurde in Umlauf gesetzt. In unserer raschlebigen Zeit ab« verlieren auch die interessantesten Räthsel ihren Reiz, »»gleich bedeutsamere Ereignisse zur Tagesordnung über- aegangen«ar. so wurde nach Verlauf einiger Wochen auch hie Schauspielerin und ihr Schicksal vergessen. Nur c.nmal «och wurden ihre ehemaligen Bewunderer an sie erinnert, al» eine beiläufige Zeitungsnotiz von der bevorstehenden Vermählung der wieder genesenen Künstlerin mit dem reichen größerer Betriebt ficherheit hinarbeitrt, macht den Beamten frrner zur Pflicht, sofort an geeigneter Stelle zu melden, fall» fit an der eigenen Person oder den unterstelltm Beamten eine Peränderung de» Farbevuvtersckieidung? vermögen» bemerken sollten. Besonder» nach Krankheiten, wie Typhus oder gewissen Kopfleiden, liegt ein Austreten der Farbenvlindheit nahe; eS wird schließlich ausdrücklich darauf hingewiesen, daß kein Beamter fich scheuen dülfe, derartige Wayrn hwungkn mit-u- tbetlen» au» Fmcht, fich dadurch einer Schädigung in der Stellung auS-usktzen; e» wird vielmehr veifichert, daß von Seiten der Behörde jede gebührend« Rückficht genommen wer« den würde. Von dem Verbot des letzte» Klugblattes, welche» in Berlin von Seiten der sozialdemotrottschen Partei zur Ver- theilung gelangte, machten wir unseren Lesern bereit» vor einigen Tagen Mittheilung. Der„Voss. Ztg." wird hierzu noch geschrieben: ES ist dies da» dritte Flugblatt, da» in diesem Sommer in Abertausenden von Exemplaren durch die Berliner Sozialdemokratie Verbreitung gefunden hat. Da» erste war da» de» Reichstags abgeordneten Singer, in weichem derselbe anläßlich seiner Autweisung die Maßnahmen der Re- gierung einer Herden Kritik unterzog. Man konnte da» Flug« dlatt auch a s eine Art Rechenschaftsbericht des Rukgewiesenm an seine Wähler im vierten Berliner ReichStagkwahlkreise de> trachten. Nach einigen Wochen, ebenfalls im Juli, folgte dann die zweite Druckschrift. Sie fand in etwa 70000 Exemplaren in allen sechi Berliner Reichttagiwahlkleisen Absatz. Die Streikerlaffe und die BeschrävkungSmaßregeln der Versamm- lungSfreibeit warm die Haupigegenstände deS Angriff». Am letztm Montag Bbrnd endlich wurde da» jüngste Flugblatt, welche» da» Urtheil de» Freiderger GrrichtShofeS tm Sozialisten- prozeß vom Siandpunlte der Sozialdemokratie bespricht und die Regierung wie die Richter selbst auf da» Histtgste an- griff, in ziemlich 100000 Exemplaren wieder in allen Wahl« kreitm verbreitet. Da man seit dm Ereignissen der Grünauer Lassalle- Gedenkfeier auch auf da» formell« Verbot der Vereine Seiaßt war, denen seit Mai keine Versammlungen mehr ge< attet woeden warm, so wollte man diese Maßnahmen mit einer Gegendemonstration beantworten. Nur wenige Vertrauen»« männer der Partei hatten von dem neuen Vorhaben Kenntnis. Die Ballen der Flugblätter find augenscheinlich ohne jede Gefährdung und ohne daß die Behörde von ihrer Ankuntt Kenntniß gehabt hätt-, au» Zürich von der„Schweizerischen GenossenschaftSduch- dackerei und Volksbuchhandlung" abgesandt, hier in Berlin angekommen. Die Ver: Heilung muß sich in wenigen Stunden abgespielt haben. Vom Tagewerk heimkehrense Arbeiter und Frauen wurden am reichlichsten bedacht. Die Bncheiler waren meist junge, unvilheirathete Leute, die fich der gefahrvollen Arbeil unterzogen; ste können am ehesten die Folgen trage». Bekanntere und aitere Pirteimitglieder find zudem der nament« lich im Norden und Osten staik vertietenen Geheimpolizei genau bekannt und werden vielfach auf Tritt und Schritt be« obachtet. In Jolge der innezchaltenen Takiii kamen nur am Abend der B-rtheilung selbst zwei Vrrhastungen vor, eigentlich nur durch Zufall. Die B-.iben waren eben dabei, in dem Innern eine» Hause» der Waldemarstraße einige Flugblätter an den Wänden zu befestigen, a!S die Frau eine« in demselben Hause wohnenden Beamten der Geheimpolizei, welche da» Thun der Beiden beobachtet hatte, ihren Mann hinzurief. In ziemlich luftiger HrutkleiSunz verhaftete der Beamte die Zwei. Auf der Polizeiwache stellte man ihre Personalien fest, nahm ihnen die Flugblätter ao und entließ ste wieder. Gestern er« folgte die erste eingehcnde Virnehmmig auf dem Polizeipräfi- dium. Irgend Jemanden belastende Mittheilungen sollen die Vernommenen nicht gemacht haben. Eine dritte polizeiliche Sistirung erfolgte gestern in der MsttagSstunde. Der Be- troffene ist in Haft behalten worden. Ein Ardeiter besprach da» Flugblatt und las Einzelnes daraus vor. Od J-mand einen Poltzeibeamten hinzugeholt hat oder ob dieser unbemerkt in der Nah« wellte, war nicht zu«Mitteln. Die Verhaftung erfolgte auf eiaer der Promenaden deS Südostens. «ei dem V«rl»fte» welche« unker Zoologischer Garte« durch den Tod deS Eisbärev gehabt hat, drängt fich die Frage auf, od die nunmehr schon Wochen anhaltende tropische TemperMur von Beso-gniß erregendem Einfluß auf das Leben der Thier« deS Gartens ist. Sie muß veinekt »erben, denn gerade in diesem Jahre find weniger Thier« daraufgegangen, wie seither, obwohl nicht geleugnet werden kann, daß eine gewisse Schlaffheit und Mattigkeit bei manchen sonst überaus munteren und lebhaften Thieren zeigt, wie drückend und lähmend diese Hitze auf fie wirkt. Die Bcod« achtung ist bei den Raubthieren gemacht worden, desondeis bei den Tigern und Löwen, welche in den heißen Tagen nicht so bei Appetit find, wie sonst und schläfrig in ihren Käfigen ein« herschleichen. Man sollte meinen, daß fie gerade aus den tropischen Gegenden stimmend, in den sengenden Sonnen« strahlen fich wohl fühlen würden, aber man muß bedenken, daß fie in ihrer Heimath der Hitze immerhin nicht so ausgesetzt find wie hier, daß fie dort in frischem, Kühlung spendendem Großkaufmann Wallhofer sprach. Die Erinnerung an Gerda'S Kunstleistungen und an die räthfelhafte Art, in welcher dieselbe plötzlich ein Ende gefunden hatten, war immerhin noch lebhaft genug, um an ihrem Hochzeitstage die Kirche mit einer ungezählten Schaar Neugieriger zu füllen. Aber es gab nichts Aufregendes und Außergewöhn« liches zu sehen,— es sei denn, daß die schöne Braut»och immer sehr bleich und angegriffen schien, und daß auch auf dem Antlitz deS jungen Gatten ein Ernst und eine Verschlossenheit lagen, vie mit dem festlich beglückenden Charakter der ganzen Ceremonie vielleicht nicht recht in Uebereinstimmung zu bringen waren. Aber zu weiterem Gerede fand sich doch eigentlich kein greifbarer Anlaß. Die Neuvermählten machten die übliche Hochzeitsreise;— daß sie als Ziel derselben nicht Italien, sondern Norwegen auSersehen hatten, war ja am Ende Geschmackssache,— und als sie nach Verlauf weniger Monate zurückkehrten, begannen sie ihren reichen Haushalt in der herkömmlichen Weise und mit einer Korrektheit zu führen, die nicht daS Mindeste zu wünschen ließ. Von ihrem intimen Familien« leben aber erfuhr man nichts; denn Wallhofer und seine Gattin hatten eine eigenthümlich unauffällige und doch wirksame Art, Zudringlichkeit und Neugierde in an- gemessener Entfernung zu halten. Nur ein einziger indiskreter Freund wagte einmal eine versteckte Frage nach der Natur jener Vorkommnisse, die seiner fyit so viel von sich reden gemacht, und WallhoferS kühl ab- lehnende Antwort ließ unzweideutig erkennen, daß er selbst zwar über die näheren Umstände deS angeblichen Selbst« Mordversuchs vollkommen unterrichtet sei, daß er aber kein« Veranlassung habe, seine Kenntniß davon a!ch And.ttn MMMW Auf einer deutschen Bühne ist er treten....' wieder aufge- Gras« oder in dichtem sebattigen Buschwerk» vielleicht an einer kühlen Quelle ruhen, daß fie vor allen Dingen dort frei, aber hier gefangen find. Die Bären scheinen fich am ungemüthlichfien zu fühlen, fie bedürfen besonders aufmerksame Behandlung und müssen oft des Tages frisches Waffer in ihre Bajstni er« halten. Einige Vogeiarten leiden ebenfalls unter den Sonnen- strahlen, aber bei allen Thieren ist eben nur ein gewiss-S lln- behagen zu beobachten, keine ernstliche Krankheit. Thatsächlich an der Hitze daraufgegangen find nur zwei virginische Bculel« ratten, Opo-srnn Diese Thiere, außerordentlich fett, stiS ge« wöhnk, in Südamerika tief in der Erde, in Höhlungen, die heiße Jahreszeit zu verbringen, ein Luxus, den fie fich hier selbstverständlich nicht gestalten konnten, und so krepirten fit. Je glühender die Temperatur, desto wohlthuender für die Nnti« lopen und die Elevhanten. Letztere stehen mit wahrem Be» bagen in der Mittagssonne und lassen fich dieselbe auf da» Leder brennen, daß man fie, wenn man schweißtriefend vorbei« kommt, beneidet um ihre Lust an der allzu wohlmeinende» Sonne.— Die Anficht, daß der EiSbär nur in Folge der Hitze verendet fei, ist eine falsche. Er war schon wochenlang lcaem verweigerte oft die Nahrung, und wenn er fie annahm, so gab er fie nach zwei Stunden unverdaut wieder von fich, m-di« ziniren wollte er nicht, außerdem war er ein ziemlich alter Ge» selle, bereit» 15 Jahre lebt« er im Zsologischen Garten, die vorgenommene Sektion ergab eine Darmentzündung und Leder» leiden. Er stand im Werth- von zirka 1800 Mark. DaS Berliner Echiosseretgewerde hat in erfreulich« Weise Schritt gehalten mit der gewaltigen Sntevickelue-g der Hauptstadt. Dem Schlvssergewerde entstammen die zahllose» Zwerge von Eisen deardettenden Geschäften, welchen die Ma» schinen. Industrie Brot gibt. Fast alle Maschinendauer, be- sonderl aber alle älteren unter ihnen, find gelernte Schlofft, wenn fich auch schon seit langer Zeit Biel« gleich von vor»« berein«um Maschinenschlosser ausbilden. Kaum ein andere» Geschäft dürft««» geben, da» im Verlauf von noch nicht sechzig Jahren so ungeheuer an Mannigfaliigkeit sein« Erzruj» niffe sich ausdehnte. Wenn wir versuchen wollten, auch nur ein Verzeichniß der verschiedenen Artm von Schlossern aufzu» stillen, wir würden den Leser ermüden. Denn vom Inner» de» Berliner Grunde» angefangen bis hock hinauf in dir Thurmspitzen finden wir Schlvss-rarbeit. Die Gasrohrlegtr wie die Telephonarbeiter, die„Monteure" unserer eisernen Unterbauten und die Verfertiger jener zierlichen Knäufe, in welche fich unsere Erkerthürmchen auflösen, fie alle find Schlosser. Wer unsere elektrischen Läutewerke durch die Wobnungen führt und wer VilozipedS erbaut; wer die wieder zu Ehren gekommenen kunstvollen Eisengitter und> Thorr her» stellt, und wer die mächtigen Laternenkasten unserer Renaissanze-Witthihäuser fertigt; wer den eisernen VorhM im Theater zusammenfügt und anbringt und wer die Schienen und Weichen de: Pferdebahn legt,«er schließlich daS zu alle? dem eeforderliche Werkzeug liefeit: er ist Schloffer, wie e»>»» ihm noch Hunderte von Arbeitern find, deren beforfp Thätigkeit hier nicht einmal angedeuiet wurde. Wir badiN neuefienZ nicht nur eiserne Schilder über den Verkaufsläden. eiserne Treppen in den großen Bazaren, eiserne Fahne nfiangen auf oen Dächern, wo ja auch der Blitzableiter SchlofferaedtU ist, selbst im traulichen Gemach hat fich kunstvoll bearbeitete» Eisen in tausend Formen Geltung verschafft. Leuchler vo" gedrehtem Eisen, Kronen au» E sendändern mit kupfemen Wt» zierungen, Bettstellen und Flaschenteller bietet unS"K Schlosserei. In ihrer eigentlich«« Hauptihätigkeit darf fie in dem allerbescheisensten Häuschen, an dem winzigsten Rette» täschchen nicht fehlen. Wa» wird heut zu Tage nicht alle» verschlossen I G-ldschlänk«, in denen eine kleine FasMfl, wohnen tann, und Schulmappen, auS welchen trotzd.m 3tu'C ein Lineal und morgen«in Federhalter verloren geht. Lta» schließt dal Thor der Markihalle und hat mit zwei Umdrehung eine» mäßig großen Schlüssels eine kleine Stadt vom Vei�ff abgesperrt und man defestigt in unsern Wiener Casö'»� Handtuch bei der Waschvorrichtung vermiltelfi eine» niedliche» Schlößchen». Der Berliner Bauichloffer beschäftigt, odwjT oft in einem einzigen Hause zweihundert Thülen und dren hundert Fenster mit Schloß und Riegel vers.hrn find-,?? wenig eigentliche Schloflergesellen. Einem einzigen solch? stehen in seiner Wertsta'l zehn sogenannte„Anschläger" ge?0' über, Leute, welche Verschlußstütte befestigen. Seit da» Pr vorstehende„Kastenschloß" außer Gebrauch gesetzt wurde, heirscht da»„Einst ckschloß" da» Gebiet. Ein solche» aber o#* säuberlich in den Thürflügel eingefügt werden. Da»«Ka»?, schloß" könnt: der Schlosser anschlagen: e» wurde auf die tne? Thürfläche geschraubt. Da» Einsteckschloß b-darf eine» päd,? den Ausschnitt» im Holze und den mackt der Anschläger deN Neben Schloß und Riegel giebt da»„Charnier" dem€*% fast noch mehr Arbeit. Eine groß« Flügelthür bedarf nur Schlosse», fie hangt aber in sechs Chamieren,„Bänder"% ste der Anschläger, und wir Laien sollten uns da» trc?� Wort merken. Daß solch ein gewaltiger» viele Zentner eiserner Thorflägel genau so leicht zu bewegen ist, wie ein« Lretterzaunlhür, deweist, wie man auch die„65# ihren größeren Aufgaben gewachsen zu machen gewußt h«*>. Die kausmänntsche Autzkunfts-Erthetlung. wie Berlin von mehreren bedeutenderen Geschästsinstiluten betri«� wird, hat fich in einem Falle in einem nicht sehr voitheUha'? Lichte gezeigt. Ein hicfiger Schriftsteller, dessen Gattin in � Jugend in England lebte, empfing vor rinigen Monate» � Besuch eine» ihm dekannten englischen Geschäftsmann«»'„z freundlich in der Familie aufgenommen wird und dort v;.kehrt, also mit dem Familienleben deS Schriftsteller» am Zum Sommer reist�dte jung« � Genaueste bekannt wird. W U_______ W.. zur Erholung und zu einem mehrwöchigen Aufenihalte/«, England, wahrend hier die beiden Männer ihren fteundiw� lichen Verlehr fortsetzen, wobei e» fich.reignet, daß der(%,» steller dem Engländer Vorschläge wegen eine» gesch Unternehmen» macht, zu dem der letztere die erforderlichen hergeben soll. Nun braucht ja in Geldsachen nickt rade die Gemüthlichkeit aufzuhören, aber eS ist jedensoll»» � wenn man Vorficht dabei wallen läßt; so mochte rvchj der Sohn Albion» denken und wandte fich an eine» der miriesten hiesigen Au»kunft»instUut-, um fich über da» lr,, ,0 »che und finanzielle RenomtrS seine» künftigen Tnei.��t informirm. Prompt erhielt er denn auch eine welche, wenn auch keine erschöpfende, so doch über ziemlich zutreffend«-----« Nachsatz Englard»»lyu.vm ,»>», yiucnm.-loa» k» nimm i 0«" für eine Bewandtniß hatte, wußte nun aber der Enel-n-i xcl eigener Erfahrung sehr genau und wenn dieser v�." u»' Auskunft vielleicht unter gewöhnlichen Verhältniffen ein. fV günstigen Schluß für den geschästsmännischen Kredst Assefi treffenom hätte zur Folge hoben lönnen, so war jief'f einfach der, daß da» Au»tunsttinstitut von Dem i# Vunkte besser unterrichteteu Engländer einfach«%*%%% Einen günsttgen Sindruck hat derselbe nach diesem e* merken! Ueber die gegeuvSrtiae Rahe der. schreibt der Wettlundige der�Voff. Z:g." Da»"----- ZS-WUV� jedoch ist die Witterung noch ruhig, da» mmmm I nur unbedeutend und et sind also An>eichen für ein« wesent- licht Aenderung dei vorwitgend ruhigen und trockenm Weltcri nicht»u»rlennen.— Die Dep'esstonen enistchen zumal auf dem Meere, weil die glatte Wasserfläche der Luflbewezung weniger ReidungSmiderstand entgegen setzt, alt der rauhe mit Terrainunebenheitm und Pflanzungen bedeckte Loden det Fest- lande». ES läßt stch erweisen, daß die Vertheilung von Wärme und Kälte auf der Erde steti bemüht ,tft der ganzen Atmo« ivhäre einen Antrieb zur Bewegung und zum Ausgleich der Temperaturen zu verleihen, wobei die Depressionen entstehen, daß aber jmer Widerstand, welchm die Bewegung der Lust am Erdboden erleidet, die Wirkung dieseS Antriebet sehr be» eintröchtigt. Die Depressionen, welche also vorwiegend über den Meeren«intreten, werden von dort auS auf daS Land ver« pflanzt, wenn dieselben von einem kräftigen Oderwinde fortge« führt werden. Zur Zeit ist in Europa eine solche kräftige Strömung in der Höhe der Atmosphäre noch nicht vorhanden, weil zwischen Nord und Süd, zwisch-n Italien und Finnland »u geringe Tcmperaturdifferenzen vorhanden find. DieS ist die Ursache für den Umstand, daß die über England lagernde De> »resston unsere Witterung zur Zeit so wenig beeinflußt, und rrst wieder von der Mitte des MonotS Oltober ab, wenn in Finnland der Frost fich einstellt, die Depresfionen mit Sturm und Regenmaffen d.n Westen.deS europäischen Kontinents heimsuchen werdtn. Die Dürre hat sehr empfindlich bereits auch auf unsere Nähere und fernere Waldumgebung eingewirkt. Im Grüne- wald zeigen die Laubhölzer vielfach herbstlich« Färbungen; daS «rün der Pflanzendecke am Boben aber ist ganz verschwunden und in der Watbflora find selbst Immortellen, Pechnelken und blühendes h-ivekraut nur noch sehr spärlich bemerkbar. Im Zentrum deS Grunewalds bietet die schmale Grumme Lank« eine besonders eigenthümliche Erscheinung dar. Der Waffer» l?uf ist zu einem stehenden Sumpfe eingetrocknet, der nur von einer unendlichen Menge von Fröschen und anderen Amphibien belebt wird, die stch darin entwickelt haben, Föhren und Erlen aber, welche denselben biS in seine Mitte einnahmen, zeigen nn fast abgestorbenes tiefbraunes Blattwerk, obwohl fie doch aub ihren Wurzeln noch reichliche feuchte Nahrung zu ziehen 5*n»igtn. ES ist dieS eine interessante botanische Erscheinung. blk h-roorstechend den Einfluß darthut, den Sonne und Luft au' das Leben, die Athmung der Bäume und Pflanzen aus« llden. Bei Schloß Grunewald entbehrt die herrliche Kastanien- Salle», die an der linden fchailigm Försterei Pauliborn fich Hindi, zudem, daß fie schon herbstlich gezeichnet ist, diesmal der aunen Früchte fast ganz, die sonst den Hirschen eine sehr Iwmackhaste Nahrung zu bieten pflegen. Einen schönen Lichtblick in der Dürre bietet indeß namentlich daS frische Rohr- Vün. womit die Grunewaldseen umsäumt find. Für Cchmetterlingtsammler. In diesem Monat fliegt «ne bei allen Schmetterimbssammlern sehr gesuchte Spezialität, ber Todtenkopf. Er ist unser größter einheimischer Schmetter- «nz und der flattlichste Vertreter auS der schönen Gruppe der »Schwärmer". Er hat nicht, wie man so ott hört, mit d'n Schwärmern, sondern mit den Spinnern die Eegenthümlichkeit Pmein, daß er nach dem L ichte fliegt. Auf seinem Bruf stücke xfindit fich eine todtenlopfäbnliche Zeichnung, die ihm seine« -'amen verschafft hat. Die Raupe lebt einzeln auf dem Kar wffelfelde, frißt nur bei Nacht und muß zur Nachtzeit beim «chein einer Laterne an solchen Stellen aufgesucht werden, wo wan am Tage die Spuren ihreS Fräße» bem«>lt hat. Bei der bbaltrstelernt; werden übrigens Raupen und Luppen oft genug uttunden. Eo stehen dem Sammler immer einige Wege cffen, M stattlichen und seltenen Schwärmer zu erwerbm. UedrigenS QU$ m« h. fach beobachtet worden, daß derselbe in Lienen- Ä'wdrtngt. um stch darin am Honig zu laben. Die Stiche ftUi.« olin t�oben ihm nicht, da die haarförmigm Schuppen KÄ?8, Uing« find. alS der Stachel der Bienen. Nach Jstrev'ÄÄ.lrhtt er aui dem Bienenhaus« zurück. UKRRZMMZ �sltet. Der bisherige in der Stromstraße belegen« ueintte Bahnhof blribt nur für die Linie Alixanderplatz Moabit. «te genannte Bahngefellschatt macht nunmehr auch energische . Su der Teiftsteabe- so schreibt eh Berichterstatter- zU?te in diesen Tagen große Aufregung. In einen Sommer- u«h W au,x � waren in der Nacht Thier« eingebrochen, E-nd hatten vier Hammel, eine Anzahl Enten und«ine Katze nsten. Die Stücke fand«an auf der Wiese verstreut. Man schon von—„Wölfen, welche von der Jungfeinhatde die Gegend unstcher machten". Man benachrichtiate die und diese stellte auS den Spuren fest, daß die Räuber Syde gewesen seien. Man ist der Anficht, daß die große Hitze ** Thier« so wild gemacht habe.(?) s,i>, 3« der lSefahr, zu verbreuueu, befand stch Dienstag wi,,.bald 4 Uhr in A xdorf der R'chardplatz 9 wohnende Land- kau? Menzel. Derselbe war in aller Frühe aufgestanden und «st iJfcn Wagen, mit welchem sein« Ehefrau zu Martte fuhr, �est>.lenprovuktm beladen, fich dann aber wieder auf da» Nun.lleibgt. Seine Ehefrau halte beim Verlassen der Woh- Alz?,, dieselbe verschloffen und die Petroleumlampe verlöscht. ßqJFA erwachte Wenzel, und sein Bett, auf dem er lag. da« h'llcn Flammen. Sein« Kleidung, in der er fich auf ikaJÜ. � stilegt, brannte ebenfalls lichterloh, so daß ihm die über dem Kopf zusammenschlugen. Er riß roller lauf � dai Ftnstcr der Parterrewohnung auf und im Hof« »Feuer" schreiend, riß er stch die brennenden Kleider vom Fiu-».Hausbewohner eilten herdet, und eS gelang diesen, daS Tisti.i.°°ld zu löfdien. In der Stube waren inzwischen eine der"nd das Bett, auf welchem Wenzel gelegen, ein Raub % flammen geworden. Wenzel selbst hat glücklicherweise i�Heblid» Brandwunden davongetragen. Ueber die �Wung des Brandes ist nichts ermittelt; doch ist die k,»llchkett nicht ausgeschlossen, daß die Ehefrau die Lampe W°rennen lassen und daß eine Explosion dcrseiden stattge- hat. oift.ototi berüchtigte Eingvogelsänger find am Sonntag ll�den„Köllnischen Wiesm" durch einen Gendarm det AuS- tauberen GewerbeS.dingfest gemacht worden. Eine N-tzen und Leimruthen wurden in ihrem Besttz Hoffentlich werden die beiden Vogelfänger streng * vericht vo« I. Saud«««», städtische« ie��8°«mittler, verlw, Zentral- Martthalle, den 9. Sep- fette» und gemästetes Giflügil wird lebend oder geschlachiet in Eißpackuna noch wenig zugeführt, obgleich fich die Preise sehr günstig gestalten. Junge Gänse 3,00—5,00 M., junge Enten 1—1,50—2,00 M., junge Hühner 0,45—0,80 alte Hübner 1,00 bis 1,40 M, Tauben 30—45 Pf., Poularden 4�60—8 M. per Stück. Butter. Ei wurde bezahlt für frischefeinste Tafelbutter x. 112-115, fein» GutSbutter l. 102-110, U. 92-100, IU. 80-85, Landbutter I. 85-90, ü. 70-80 Mark, und ander« geringst« Sorten 65—66 Mark per fehler hafte Galizrsch« 60 Kilo. «äse. i-mn— o-i-y. ist in dem verflossenen Berichtiab' °ttg-n>�wNch«r gewesen, deckt« aber noch lange nicht den �einwi. Besonder» gesucht waren Rehdocke, welche .351« Offerten betreffend die ich. Ich kann jedoch nil Fleischzufuhr von 1 rathen, vor und bevor' die Fleischschau in der ....... Echter Emmmthaler 73— 80, Westpreuf.ischer Schweizerkäse L 56-63 M., IL 50-65 M., HL 45—48 M., Quadrat- Backstein I. fett 22-26 M.. ll. 12-18 M.. Tilstter Fettkäs, 45-56-60 M.. Tilstter Magerkäse 18-23 Mark, Llmburger L 80—36 M., n. 20—25 M, Ramadour 30-36 M., rheinische, Holländer Käse 45-58 M., IL Waare 35 M, echter Holländer 66 M., Edamer L 60-70 M., n. 56 Mi 68 M., französtsch« Neufchateller 18 M. per 100 Stück, Camembert 8,00—8,60 M. per Dtzd., Mainzer 4 M., Harzer 3,50 ver 100 Stück. Eier 2 30 M. per Schock. Geräucherte Fische. RbeinlachS 2,50—2,90 M., Weser» nnd OstseelachS 1,20-1,40 M., geräucherte Aale 70-100 MI 130 Pf. vr. Ptd., großer Delikateßaal 1,50 per Pfd., Flundern, kleine 2,75-3,50, mittel 4,50-8 große 12-20 M.. Bücklinge, 4,50 bis 6,00 M. Dorsch 3—10 M. per 100 Siück. Sprotten 0,60 per Pfund. Seefische. Lach» 1,00—1,20—1,30 Mark. Zander, große, 80-90 Pf.. Hecht 40-50-65 Pf., Steinbutte 70-30 Pf.. Er:» junge, große 1,00 M, mittel 60-70 Pf., Scholle 10 dt» 25 Pf., Schkllstsch, große 20 Pf„ Kabeljau 15 bis 20 Pf. per Pfund, Makeelm 40—60 Pf. pro Stück. Lebende Fisch«. Aal, mittelgroß 80—95, große 1,10 M„ Hecht 60-70 Pf.. Schlei« 80-90 Pf. per Pfund. Krebst. Kleine, 10 cm. 1,00—1,50 M., mittel 2—4 M., �oße�8— 12 M. per Schock. Hummern 1,30—1,60 M. per Gemüse und Obst. Neue stanzöfische Wallnüsse in Schaale pe, Pfund 30 Pf., geschält 60 M. p. Ctr. Pfi-stche 25-45 M.. Tomaten 10— 15 M- per Zentner, Weinttauben 25—40, Unga» rische 25- 30 M, Französtsche 30—40, Spanische und Lissadoner Traubm 30—40 M., Preißelbeeren 9—10 M. per Zentner. Karotten 2,50-5 M. per 100 Kilo, Wirfingkohl 2-3 M., Roth« und Weißkohl, große Köpf« 3—4 M. per Schock, Blumenkohl 10 dl» 16 Mark. Erfurter— Mark pr. 100 Stück, Kartoffeln, weiße runde 3,00 M., Nlcrenkartoffcln 3,00 M., rothe 2,80 M., blaue 3,00 M. pr. 100 Kilo, Pflaumen 4-15 M.. Birnen 5-20 M.. französische 40-50, Aepfel 5-20 M., Tyroler 20-25 M.. Zwiebeln 2,00-3.00 Mark per Zentner, Schalotten 6—7 Mark. Neue saure Gurken 2 M. per Schock. Melonen 20—30 Pf. pr. Pfd. Anana» 2—2,50 Mark pr. Pfd. Getrocknete Morcheln 2,50 M. per Pfd., getrocknete Stetnpllz« 6,50 M. per Pfd. Blumen und Blätter. Lorbeerblätter 3 M. pro Korb. Rosen 4 M. pro Kord von 200 Stück. Polt»tbericht. Ära 7. d. M., Abend», wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Möckernstraße an der Slubenthür erhängt vorgefunden.— Am 8. d. M., Vormittag», wurden auf dem Leipzigerplatz eine Frau und ihr« 3 Jahre alte Tochter von einer Droschke überfahren, jedoch anscheinend nicht bedcu- tend verletzt.— G?gen Abend wurde im Flur de» Haufe» Elsafferstraße Nr. 56 ein unbekannter, etwa 22 Jahre alter Mann so schwer trank vorgefunden, daß er weder sprechen noch gehen konnte. Er wurde mittelst Droschke nach der Charit« gebracht.— Um Mitte-nacht entstand in einer Wohnung im Seitenflügel deS Grundstücks Brunnenstraße Nr. 95 dadurch Feuer, daß eine Petroleumlampe exolodirte, wobei ein Knabe schweee Brandwunden erlitt. Die F.uecwehr löschte den im Uebrigen unbedeutenden Branv in kurzer Zeit. Gerichts-Zeitung. t„Eiaen reelle« Holz- und Kohleuhitndler habe ich in Berlm noch nicht gefunden!"— in diesen drastischen Worten faßte der Kutscher und Holzhauer Dahnert seine pisstmistifchen Anschauungen über Handel und Wandel im Berliner Kohlen- geschäft zusammen, als er in einer Verhandlung, die g:stirn vor der zweiten Ferlenstratlammer de? hiestzen Landgerichts I stattfand, sein Z:ugniß gegen seinen fiühiren Arbeitgeber, den Kohlenhändler Loult Brock ablegte. Auf der Anflageban! hatten drei Männer, der bereit» genannte erste Angeklagte und sein„Anweiser", Joachim Pätzold, beide d«S gemeinschaststchen versuchten und vollendeten Betrüge« in vielen Fällm angeklagt, und dir Reisende Juttu» Schwarz. P atz genommm, dem eine Nöthigung und B ihilfe zur Last gelegt wurden. Die indirette Vnanlaffung zur Erhebung der Anklage ist ein Artikel gewesen, der Ende Januar dieses Jahre» durch die Berliner Zeitungen ging und in dem auf die Mißdräuche im Kohlengeschäft, die Benachlheiligung dtS Publikum» durch Mindermaß und-Gewicht hingewiesen wurde; dieser Artikel ist durch den Zrugen Dahnert s. Z. ver- anlaßt worden. Der Angeklagte Biock übernahm vor zwei Jahren ein Holz- und Kohlengeschäft, dessen Kundschaft auS der sog. vornehmen Gesellschaft bestand. Der Fürst Radziwill, der Graf von Stolderg- Wernigerode bezogen von dort ihr Heizmatertal und ihre Bestellungen waren dedeutend. Diese beiden Kunden wurden nun wirlltch unverschämt von dem An- geklagten und seinim Helfershelfer über» Ohr gehauen; waS der eine nicht that, that der andere. Bestellte die fürstliche oder gräfliche Hausverwaltung 40 Zentner Kohlen z. B., so war ei sicher, daß der„Anweiser" nur etwa dreißig Zentner Snen zumaß. StneS Tage» sprachen d!e Arbeiter, welche nter diese Schliche kommen mußten, ihre Verwunderung über eine solche GeschästSpraxi» au».„Ach wa»," äußerte Pätzold,„bei dem Fürsten Radziwill müssen wir auch lange genug auf'» Geld warten!" DaS gleiche Mindermaß wrirve bei Holzbtstellmigm gebandbabt: verlangten die Kunden Birken- holz erster Klaff«, so dezahltin sie ei wohl, hatten aber solche» zwetter K'affe erhalten. 5000 Stück Preßkohlen waren bestellt: noch nicht ganz 4000 gelangten in die gräflichen Keller. Keine Reklamation wurde erhoben, keine Klage wurde laut, trotzdrm noch andere Betrügereien ausgeführt wurden. So ließ fich Brock in sech» Fällen Lieferungen bezahlen, die er niemals ge- leistet hatte, vet einer Rechnung für den Fürsten Radziwill über 1500 Mark setzt« er«inen Posten von 120 Mark ein, den er niemal» geliefert hatte. Die Sache wäre auch sobald nicht an den Tag gekommen, wenn jener Arbeiter Dahnert, der dreizehn Jahre lang im Geschäft thäiig war, nicht wegen einer geringfügigen Ursache entlassen und auch au» einem zweiten Geschäft, wo er Stellung gefunden, vertrieben worden wäre. Nun sagte er zu fich, wie er in der Vernih- mung in seiner drastische» Art angab:„Wenn fie(die Arbeit aeberl dich mit Gewalt wollen verhungern lassen, dann willst du dem Publikum zeigen, wie ei detrogen wird." Und er zeigt« ei in jenem erwähnten Zeitungsartikel, den die Kcimmalpoliui ,u Gefichi bekam. Nun wurde der«riminalkommissirir.s L!ß stellte eine neue auS, die um 120 Mark niedriger war und ließ die 120 Mark auch im Hauptbuch auiradiren. Nun rief«r Brock wieder zurück. Der gute Freund zeigte stch jetzt aber von einer anderen Seite. Er war im Besttz allen Materials und setzte Biock da» Misser an die Kehle. In geschickter Weise wußte er, ohne direkt Geld zu fordern oder zu drohen, 1000 Marl von ihm zu crhatten. Er sagt« ihm, daß er selber Polizeiagent wäre, und ging in seinen Forderungen immer weiter; er wollte selber Geschäftithiilhaber werden. Endlich kam der Bruch. Brock wollte seinen P-iniger lo» sein und wie» ihn zurück und Schwarz rächte stch, packte alle Bücher u»d Papiere zusammen und schickte olles Material mit einer Denunziation an die Ttaatianwaltschaft. Die Anklage wegm Nölhigung konnte nicht gegen ihn aufrecht erhalten werden, da es an dtrekien Beweisen fehlte. Wegen der Brihilfe beantragt« der Ciaatsunwatt gegen Schwarz eine Gefängnißstrase von der BetrugSsälle gegen Brock 9 Monate und 6 Wochen; wegen.___________________________ gegen Pätzold 3 Monate Gefängniß. DaS Urthetl lautete gegen Schwarz auf 2 Wochen, gegen die beiden anderen Ange« klagten auf je 9 und 2 Monate Gefängniß. Brock wurde außerdem noch in eine Geldstrafe von 690 Mark verurtheilt. 7 DiePrivatklage der OperrettensäugerinZ-rline Drucker gegin den Generalintendanten Botho v. Hülsen kam gestern vor der 93. Abtlmlung zur nochmaligen Verhindlung und zur Entscheidung. Da wir bereits in dem Bericht über die erst« Verhand.uog in dieser Sache auf die kolossalen Honorare hin- gewiesen haben, welche die Operettensängerin für ihre immerhin drscheidenen Leistungen forderte und erhielt— daS einzig Interessante, welche» wir dem ausgedehnten Prozesse entnehmen konnten—, so sei hier noch nachträglich erwähnt, daß Fräulein Drucker für zwanzigmali�-eS Singen im Friedrich. Wtlhelmfiädtischen Theater daS nette Sümmchen von 1400 M. monatlich«hält, den Jahrcietat einer Arbeiterfamilie also in vielleicht 60 Arbeitsstunden verdient. Trotzdem scheint dies« Gage der Sängerin nickt genügt zu haben, denn fie feilschte mit dem Budapester Direktor Lesser um höhere und noch günstiger« Bedingungen mit einer G'schäitsgewandhdt. dl« eine.gewisse kaufmännische Begabung nicht veriennm laßt. Freilich würde ein Kaufmann bald allen Kredit verlieren, wenn er mit Versprechungen ebenso leichtfertig umzehen würde. wie es Fräulein Drucker gethan hat. Schrieb fie doch selber m einem Briefe an Direktor Lesser, fie habe ihm gegenüber „sehr unaufrimtig" gehandelt. Diesem Eelbstgeständniß tiua auch das Schöffengericht in einem für die Sängertn un. günstigen Sinne Rechnung; ei erklärt« in dem in der Form allerdings scharfen Rundschreiben, welche» der Pcivatdeklagte über den Kontraltdruch der Prioatklägerin an die 60 Mitglie. der de» Bühneaoerein» gerichtet hat, eine Bel-ivigung nicht zu erblicken und sprach Herrn B. von Hülsen frei, wahrend der PrivatkiSzerin die Kosten d:S Verfahrens auferlegt wurden. Ein sehr lehrreiches Anklagefall wegen fahrlässigen MeinetdS wurde gestern gegen den Vorararbeiter Friedrich Steck auS Luckau vor der dritten Ferienstraflammer htefigm Landgericht» l verhandelt. In dem Zlvilprozeß deS Jnzeni'ürS Koeple gegen den Bauunternehmer Kielmann wurde auf Ver- langen de» klägerischen Anwalts der bei dem Beklagten früh-r beschäftigt gewesene jetzige Angeklagte als Zmee über geiviffe von demselben ausgeführte Erdarbeiten zum VerbandlungS« termin herbeigeholt und vernommen. Nach dem über seine Aus« sage aufgenommenen Verhandlungk-Pro'olol! hat der Ange. klagte u. A. bekundet, daß an einem bestimmten Montage und Dienstage auf dem fraglichen Terrain nicht mehr grarbeitit worden sei. In G mäßhiit diese» Protokolls wurde auch daZ Erkenntniß gefällt, nach welchem dem Kläger ein Theil seiner Forderung abgesprochen worden ist. In dem eingeleiteten Strafverfahren wegen Meineids winde nun ermittelt, daß auf dem fraglichen Terrain auch an dem biwußten Montage und Dienstage gearbeitet worden war, nur nicht von der unter dem Angeklagten stehenden Arbertcrkolonnr, welche am Sonnabend aufgehö.t und am Mittwoch wieder begonnen hatte. Der Angeklag!« behauptete. nur nacy der von ihm ausgeführten Arbeit befragt worden zu sein, wohingegen Staatsanwalt Türpitz grade in der allgemein » ääStä;,»'«K W folgt« aber der von dem Verthetdigcr. Rechtsanwalt Voigt, ÄÄfftÄ fd'ÄÄ't Ä in da» Protokoll vorgekommen fein könne, und sprach deshalb den Angeklagten frei._ Aereiue med Nersammlui-gr» Der Kachvmin siimmtiicher im Deechilergew. rk bischaftigten Arbeiter Berlins hielt am Montag, den 6. d. M., in Gratweil'S Lieriallin. Kommandantenstraße 77/79, eine zahlreich besuchte Mitgliederverlammlung ab. Herr Hildebrandt SÄ" ÄSS'Ä ÄfcM,« VereinSprogrmnmS an, daß e» die Hauptaufgabe de» Vereins sein werde, einen MaximalarbeitStag sowie Abschaffung der SonntagSarbeit herbeizuführen, ebenso die Regelung der Löhne. Ferner wird der Verein in kürzester Zeit einen umfassend m Arbeitsnachweis errichten. Sodann machte Referent bekannt, daß der Verein beabstchtigt, einen Unterstützungsverband für reisende Kollogen zu gründen, um den sogenannten„Vaga- blinden", wenigsten» soweit fie dem Drechilergewerk anaehö en. Arbeit zu verschaffen. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. An der Dttwsfion d-theiligten fich in hirvor. ragend« W-ise die Herren Sündermann. Schräder und Kühn im Sinne de» Referenten. Es wurde sodann folgende Reso- macht- daß am Sonntag, dm 12. d. M!S., eine Herrenpartie na» OSSorf stattfindet. Abfahrt Morgen- 8 Uhr vom Anhalter Bahnhof.— Dre Inhaber von Streiklisten werden«sucht, die- selben h schnell o!S möglich an Herrn A. Mönch. Adalbert- sttaße 26, abzuliefern, widrigenfalls die Namen der Beireffmden veroffevtlicht werden. t Der Nachverein der Mechaniker, Optiker. Uhrmacher, chirurgrscher und anderer Instrumenten mach« hielt am Witt- WWMM angelegercheilen, welche sodann erörtert wmden, boten wenig Kemein Jateressirendem. Erwähnt sei. daß der Vorfi?-nde kommisfion wurdm drei neue Mitglieder gewählt, die H irren Boy, Otto und Vialon. Damit schloß die Versammlung.- R? R September veranstaltit die Allgemeine Kranken- und gDüÄÄLÄS 59EE dE«s-?ras:4Ht Sktfornmlun® mit folgentn Tagekordnung ab: 1. Vortrag W Herrn Metzner über da» Handwerl in alter und neuer Zeit. 2. Abrechnung vom Etistungtfest. 3. Verschieden!» und Fragekaüen. * Stve öffeutliche Versammlung der Klsteufabrt« Amte««nd«tftenarbeiter Berlin» findet morgen. Sonn- abend. Abend» 8% Uhr, in Detchmüller'S Salon, Alte Jakob- Kratze 48», statt. Tage»ordnuns: Beschlutzfaffung über die Lottrige.(Siehe Inserat am Sonnabend).' Allgemeine Kranken- und Eterbekafle der Metall» ardetter(E. H. 29 Hamburg), Filiale in. V-rsammlung, Sonntag, den 12. D. M., Vormittag» 10% Uhr, Manteuff-l- strafe 90. T-geZorönung: Kassenbericht pro Juli und August. Kranken- und BtgrSbuißkasse de» Vereins sämmt- Sicher verufskiasse« Berlin L(E. H.) Sonnabend, den 11. d. 3Rl»v Abend» 8 Ubr. Münzftr. 5, Versammlung. Die Bwett Mi dem am 18. d. Ml», stattfindenden Kränzchm werden in der Versammlung ausgegeben. Gäfie find willkommen. Der Gauvereiu Berliner Bildhauer veranstaltet am Sonntag den 12. d., eine Befichtigunq d-» Rauch Museum». Die Theilnehmer versammeln fich 9% Uh: Vormittag» am Lagerhause in der Klosterstraße. Kollegen, die noch nicht Mitglied« de» Verein» find, können hieran Theil nehmen. vermischtes. St« lustige» Reiseabenteuer. In Wien» Künstln- Krisen wird da» Reiseabenteuer eine» bekannten Professors und Mitgliedes de» Hofope�n> Orchester» riel delacht. Der Künstler trat unlängst eine Fahrt nach Venedig an. Nach alter, süßer Gewohrheit ließ er von Station zu Station eine artige„nafie Erfrischung" in seine Kehle geleiten, bi» er end- lich um die Ndenddämmerung fich so g-stärlt fühlte, daß er Isullo» in Morpheu» Arme glitt. Plötzlich weSte ihn au» dem tiefen Schlummer ein heftiger Stoß. T« Prolefior rieb fich im träum hasten„Dusel" seine Augen, griff hier auf mit zittern- den Händen nach seinen Stiefeletten und sucht« fich von den- selben mtt aller Gewalt zu defreien. Die Prozedur mußte ihn ein« lange Weile beschäftigt haben, dann sanl er, vom Schlaf umsangen, wieder zurück. Sil» er gegen Morgen, an der End- station eingetroffen, erwachte und die Vorbereitungen zum V«- lassen de» Koupee» traf, bemerkte er erst den Abgang setner Schuhe. Er suchte im Hangekord nach ihnen, hielt unter den Bänken Nachschau, stöberte srinen Koffer dulck, die Schuhe waren spurloi verschwunden. Erst ai» fich der Mufikec an die Vorgänge d« Nacht zu erinnern begann, fiel ihm ein, daß cr, mit einem Male au» dem Schlafe gerüttelt, fich der S iefelttten entledigt hatte, und in der Meinung, fich in einem Hotelzimmer zu befinden, die Thüre— natürlich d?» Kimpee»— öffnete und immer noch in seinem guten Glauben, die Schuh« zum Putzen auf den Gang stellte. D« Gang war ab« in dem Falle da» Trittbrett de» Waagon», von dem das Schuhwerk in dem Augenblicke, al» der Train fich in Bewe- ftung srtzte, zu Boden fiel und am Badngeleise liegen blieb. Nach dies« Entdeckung blieb unserem Professor nichts übrig, al» in seinen Hausschuhen den Weg über den Perron zum nächsten Wagen anzutreten. H-imgekehrt, hat er geschworen, nie mehr auf Reisen fich seiner Schuhe zu entledigen. Auch ein Wund». Al» einst Neapel belagert war, hatte d« Viieköntg den Befehl gegeben, daß fich Niemand ohne einen Degen an der Seile auf der S raße sehen lassen dürfe. Um zu sehen, ob diesem Befehl pünkiltch Folge geleistet werde, ging er selbst mit seinem Gefolge überall umder. Bei ein« solchen Runde wulde« einen unbewaffneten Edelmann gewahr. Er ließ ihn festnehmen und defahl, ihn auf der Stelle an den nächsten Laternenpfahl aufzuhärg n. Der Ergriffine bat um Schonung seine» Leben», ab« umsonst. Al» er sah. daß sein Urtheil ohne Aufschub vollzogen werden sollt«, flehte er, daß d« Vizelönig ihn nickt einem so schmählichrn Tode opfern, sondern ihn al» einen Edelmann durch den«rsten seine» Gleichen, der ihnen begegnen würde, niederstoßen loffen wöge. Dies« Bttte wurde ibm gewährt, und gleich darauf kam ein Kaoalin au» einem Spielhause, wo er Alle», ja sogar die schön« DamaSzennllinge seine» Degen»(welche er durch ein Stück Holz ersetzt) verloren hatte.— Er wurd: angedaiten und ihm mttgethiilt, wa» cr thun sollte, denn« selbst hatte bei dem Mangel ein« Klinge den Befehl de» Vizelönig» verletzt und sein Leben verwtrtt. Sich faffend, rief cr au»:„Wie kann man mich zu einem Scharfrichter machen wollen? Mich? — Einen Mann von altem Asel Y"— In ähnlichen heftigen Aeußerungen fuhr« fort und weigerte fich zu geborchen. Aber vergeblich, d« Vizelönig brharrte auf seinen Willen. Da stellte« fit», al» od er der Gewalt wetch n wüsse, faßte den Griff seimr verspielten Klinge und rief au»:„O barmherziger Gott, befreie mich von einer solchen Schmach und»«wandle mein Schwert in ein Stück Holz!" Er zog nun die Pseudo- Klinge au» der Scheid', und zum größten Erstaunen all« Zu schauer war fie ein Stück Holz. Man schrie Wunder. D« Vemrtheitt« wurde mit dem Spieler im Triuwpf nach der Kathedrale geführt und da» Schwert als eine der höchsten Ber- ehrung würdige Seltenheit unt« anderen Reliquien und Kost- barkeiten feierlich dort aufgehängt. Kleine Mittheilnngen. Linz, 7. September. Ein schrecklicher Unglücksfall bat fich heute Morgen nächst der Einfahrtsstelle des hiesigen Bahn- Hofe»«eignet. Ein Bauersmann wollte gegen 4 Uhr Morgen» in Legleitung seine» 23 jährigen Sohne» mtt einem Fuhr» wagen nach Linz fahren, al» v«sclbe jedoch dl« dort befind- liche Straßenüdeisltzung de» Bahnlöipers paifirte, brauste p öß- lich ein Eisenbahnzug daher und überfuhr beide Männer sammt Gefährt. Dem etwa» schwerhörigen Bauer, welcher in Folge dichtiiegenden Nebels«abrscheinlich den heranbraulen» den Zug auch nicht rechtzeitig gesehen, wurde ein Fuß gänzlich zerquetscht und er in'» Kranlenhaui transpottirt; in der tröst- lichen Meinung, daß seinem Sohne nicht» geschehen sei, wurde er aber alSdaid durch die traurige Mtttheilung«schüttelt, daß seinem Sohne der Kopf abgeriffen und auch die Pferde wie der Wagen vernichtet seien. Trieft, 6. September. In der Wocke vom 26. August bi» 2. Sept. kamen in Trieft und Gebiet 75 Cholerasälle, davon 45 mit lödtlichem Ausgang« vor. Gegen die Vorwoche ist eine Zunahme um 20 Fälle zu»«zeichnen, während Ca» Stndttchkeitsperzent abnahm. D« größte Theil der Erkran- kungen tr.ff! die Vororte und dt« writere Umgebung, da in der Stadt nur 13 Fälle vorkamen. Die G.'samwtzahi der Erkrankungen seit 7. Juni d. I. brziffcrt fich auf 421. Hiervon genasen 117, starben 269 und verblieben in Behandlung 33 Individuen. In d.r Provinz Jstrten ist d« bedeutendste Herd die Stadt Jwla. wo seit dem 23. Juli bei einer Bcvölke- runa von 4545 Einwohnern 174 Individuen nkranttcn und 85 starben. New-Uork, 27. August. Am 20. August wurde die Ost- tüfie von T«xas von einem schwerm Orlan. v«bunden mit Ueberschwewmung, htimgesucht. Die Stadt Galoeston wurde last gänzlich unter Waffer gesetzt. Eine Anzahl hölz«ntt HZufir wurde von der Fluth sortgeriffcn; 150 Häuser wurden ,m Ganzen demolirt und viele andne stark beschädigt. Sech» Personen sollrn ums Leben gelommm sein. In Viktoria rich« tele dcr Sturm gleichfalls großen Schaden an; 75 Gebäude wurden gänzlich zerstört und 120 mehr oder wenig« schwer beschädigt; der Gesawmlvttlust an Eigenthum wird auf 100 000 Dollar geschätzt. Der in San Antonio durch da» Ue weiter angerichtete Schaden wird fich aitt 250000 Dollar belaufen; die Baumwollpflanzungen in d« Nachbarschaft d« Stadt haben außerordentlich geiitten. In Jndtanola brach währrnd dr» Sturme» eine Feuertbrunst au», bei welcher drei- zehn Haus« eingeäschert würben. Die durch den Orkan v-r- ur sachte Uederschwemwung hatte sämmtlichc Eisendahngeleis« in der Nähe der Stadt unterwaschen, sowie and«wtiligen Schaden angerichtet. Vierzig Pnsonen haben in Folge de» Unwetter» in Jndianola ihr Leben onloren. Bei dem g'oßen Orkane am 16. Trptemder 1675 wurde Jndianola beinah« gänzlich zeistört und e» gingen 176 Menschenleben zu Grunde. Hetzte R sch richte«» Bulgarisches. Low Palanka, Mittwoch, 8. September, Nachmittag». Auf der Fchrt de» P inzen Alexand« von Battenberg von Sofia hin her wurde 20 Kilometer von Sofia Halt gemacht, bier v«abschiedeen und dabei die Hoffnung auidrücktm, daß da» Land in dn Stunde d« Getohr auf den Prinzen zählen dürfe. Die Ueber« fahrt nach Wivdin.erfolgt« auf dem öfterreichtschm Fahrzeug« „Szava".— Sofia, 9. September. Da» amtliche Blatt v-r- öffentlicht einen vom 6. d. Ml» dalirten fü stlichtN Befehl, durch welchen die an der Verschwörung theilnehmenden Truppen, da» Jnfant«i«egiment St'umtly und da» erste Arttllerieregiment, aufgelöst und die Zöglinge der Militär' schule unt« die verschtedrnen Regiment« dn Armee vntdeiu wnd-n. Zugleich wiid die Vernichtung der Fabnen der oben bezeich reien Regiment« angeordnet.— Die auf Sonnadeed anberaumt gewesene Eröffnung der kleinen So» b ran je ist, da die Minist«, welch« den P.inzev Alexand« bis Turn- Severin begleitet hab-n, co» dort«st am Freitag Abend hierher zuiückkehw» werden, auf nächsten Montag verschoben worven." Die Londoner„M o r n t n g p o st" tritt wiederholt für eine kräftige Lcienlpolitit England» ein und detont dir Noth ren- dizlett, Indien am Balkan und auf dem schwarzen M eie ß schützen. Durch die Abdankung und die Abreise di» Prinjer Alex md« von Sofia werde Bulgarien in dt- Hänve de Signaturmächte de» Berliner Vertrages zurückgiW- „Standard" meint, Alixander» kurz: und reiche Hrrrschn laukbahn habe nicht unwürdig geendv Die Abdanlung de» Fülsten lege Europa Veirflichtune» auf, die e» nicht ignoriren lönne.— Dafiilbe Bis» erfährt au» Petetsburg. der russische Kandid at fürN' bulgarischen Thron werde der Fürst von Montenegro sein, W OrsterreiÄ leine Einsprache«hebt. E» verlautet, M ein russisch« und ein türlticher Kommissar bis r Wahl de» neuen Fürsten provisorisch die Rezicrr� Bulgarien» bilden.— Die Pfolte erklärte, st: 8#% Niemali dem rusfischen Vorschlar beipflichten, wonach Ruj!� Bulgarien und die Türkei Oktrumelien beseß-n soll«. T* Pitnsdmger Nachrichten der„N. Fr. Pr." d'h vpten- W land habe mit Oesterreich eil Abtonmen getroffen, brtcist' Uiderlaffung Bosnien», wogegen Bulgarien gam an Sfl-i'»'1; ausgeliefert wird.(?) Da» Fü stmtdun behalt zwar% Autonomie in inneren Angele genh iten, l-tne auSwätttzc Po-»> ordnet fich aber vollständig den Jntereffen Rußland» und bl» Slaventbum» gleich einem Vasallenstaate unter.— der„Voss. Ztg." au» Belgrad gemeldei wird, bat d« Ertss der dulgarijchen Revolution in den rofi-ntrrundiichen firnn Sttdien» eine sehr ermuthigende Wirkung ouigeübt. scheint nicht Übel vnsucht, gegebenen Fall» in Serbien ff gleichem Rezept vorzugehen. Halle a. 6., 9. September. Schon wieder hat st« C ein Etsenbahnzusammenstoß ereigvet. Der U 7 Uhr früh hier ankommende Soraucr P.-isorerzuZ. mit dem Halderstädt« Pirsoncnzug, der da» Geleise durchlreuzt, zusammengefahren. Die Lokorr!� und der Packwagen de» Sarau« Personenzuge» T, nach der„Nationalztg.", beschädigt, sonst ist— abge!-?? von einigen leichten Bnietzungen— alles glücklich ver»ap � Der verspätete Sorauer Zug hatte dal E-nfahrtefignal der HrlbelstäSt« nicht. Part», 9. Sept. Ein Zuhäll«, Namen» Biarc. 1*, gestern Nachmittag in einem Hotelzimmn der Straße � seiner Geliebten den Kopf ad, zeigte ihn der durch Vre V � rufe de» Opfer» hnbetgelockten Siraßenmenge. hing ihn Haaren am Fenster auf und«schoß fich dann. Kriefkaften der Pedaktwn. O. K- uvd H. N. In die Rubrik„V-rrtne rw»%' sammiungen" tö.rnen wir die un» zugehenden V-rsama»»� ankündigungm nur einmal aufnehmen. Wollen Ete ci»e � sommlung ötter bekannt machen, so steht Ihnen der Jnst� theil uns««» Blatte» zur Verfügung. K- 998. Eine gesttzlilte Best mmung, was unter Kranthrtt" zu verstehen ist,«x stirt nicht. Wenn b-i einem 3 od« 4 Jrbre derechneten Lehrkontrakt ausgemacht»n- jp bei längerer Krankhrit der Lehrling die rmsaumte Z-» � lernen muß. so kann man darunter uns«eS Erachten! n- � mehrmonatliche, nicht schon«ine vierwüchentliche Krar.lpk' � � G. Die maßgebenden Bestimmungen de» bambu�Ä R chi» find un» nicht bekannt. Indessen glauben.�i, auch dort die Ehefrau ihren Mann nicht verlaft'».gi ohne sich ein« Verurtheilung ai» schuldiger ZipW if böswilliger Verlaffung auszusetzen. Jedenrall» koS�e darauf an, od die Ehefrau wegen desond«« Umstände f- ist, von ihrem Mann getrennt zu leben. Theater. Freitag, den 10. September. vheruha«». P-cciosa. «chasspielhau». Keine Vorstellung. Deutsche« Ttzeater. Der Kö.ntgSlieutenant. «evr* Theater. Margarethe. »«»edrich. Wilhelm städtische» Theater. Die schöne Galathee. Zehn Mädchen und kein Mann. Flotte Bmsche. «»llner-Theater. Mein Alfred. Belle-Alltemee- Theater. Da» Parodie». Dstend- Theater. Pseffenösel. MMorta- Theater. Amor. Tanz. Poem von T��llm-T�eater. Zum 3. Male: Gräfin »estdenz-Theater. Die Danischeff«. Tentrat- Theater. Alte Jakobstr. 30. Direkt.. Adolph Ernst. Der Wald- Teufel. Gesang». ■off« in 4 Akten von W. Manuftädt. Kauplet» von G. Görß. Mufit von G. Steffens. Mtt neuen Dekorationen und Kostümen. (Xovitätlj «emkardta- Theater. Spezielttäten. Vor- stellung. Gaakaauu'» varietck. Spezialitäten- Vor- stellung. »«ertean- Theater. Spezialitäten- Vor- BtOung. «eich» halle«- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung._ Bd«n»Th«a4er. (fett« Lionlnenatidtiaehea Theater.) Heute,««ttag�deu Il�EeMr. 1886: Im UUipi iU» des Lttdnspiel in 1 Akt von R. Lind««. Mustk von Thiele. Auftreten d« bedeutendsten ALustler-Kpeiiatttäteu der Jetztzeit. «nsang 7'/, Uh:. August Herold Berlin 80�, 112 Skalitzerstrasse 112. Möbel-, Spiegel- a. PgljleW-Magazm. Eigene Faorlk. Solide Prelte, Prompte Bedienung. Passage 1 Tr. 9 M.— 10 Kaiser- Panorama. Nur diese Woche: Eine Wanderung durch Rußland— Polen. Entree 20 Pf. Kinder nur 10 Pf. Kchvttt'w der Rohrleger. Persammtuug Sonntag, den 12. d. Mts., Vormittag» 10 Ubr, in Ni»»t'» Kalo«, Kommandantenstr. 71,72. T. O.r 1. Vortrag des H'N. Dr. Stahn über da» Wesen dn Elekntzttät und de» Magnetismus. 2. Abrechnung über die Landpartie. 3. Verschiedenes u. Frazekasten. Aufnahme neuer Mttgl. 542]_ Der Vorstand. Adioeeein dec Sfeinfedgu fiftlins. Versammlung am Sonnia», den 12. S-vtdr., Vorm. 10'/, Uhr, in Scheffer'« Kalo«, Jnselstr. 10. T.-O.r Bericht d« Revtfionskommisfion und wettne innere Vereinsangelegenheiten, Vttschie- denes, Frazekasten. N:ue Milglieder werden aufgenommen.[539 Der Vorstand. Ii» Wedding und Umgegend. Homöopathische Poliklinik täglich 2%-3'/» Ubr.(543 an Sonn, und Festtaaen 10-11 Uhr. Pr. Hoeach, approd. homöopathisch« Arzt. Kgl. Preuss, Lotterie-Loose auch Antheile im Satterie-Komtoi» von[514 M. Meyer, Koppeustraße 66. Arbeitsmartt. Werkführer gesucht. üütei Kopha» und Watratzen werden gearbeitet, Stuben werden lapezirt, ß~ 35 Pf, von Krämer. Tapezir«, Linds?"�, Soeben ist erschienen! MtlieU>elt-Kalt«!>kl � für 1887. ------ 1_ tfi» Aus dem reichen Inhalt hervor: Reichshaashalts-Etat!:! sche» Reich».- Zerbrochene zählung von Rob. Schweichel- � gj» «i. man ei». Million ver»'»»'. ßenb» BUtt«(humoristisch)- »t» Grati«'K»ilageK' prei» 60 Pf- Stuttgaet. AH PamatwvrlUch für den Politischen Thett und Soziale. Max Th�d« Zeitung �«rvnh�M Zu bezichen durch vir.j,