Ar. 224. Kontmbend» den 25. September 1886. Ui. z-tzr». (tlianMsliliilt Brgan für die Interessen der Arbeiter. Das«olkstlatt- W«* täaliö PoistÄiJ oufc««ach vonn- und Frstiaan». LbonnemtnlÄKictS für»nlin ftti S Haus vikÄkljLhrlich 4««>. monatlich l�ö Rod,»" 4 M-Ä.«la*~ fctöägt für.. Bei größer«, RachmUtags Jasertionsgebühr K j 1 1 7 r i_ k_ Ä— .. deren Kaum 40 M»rbeitsm�tt WWewrtg. nach Uebneinlunft Inserate werden Ms 4»|s ._W, Zimmerstraie 44. sowie von allen«iuwiwmt. >ureaur,''°dne«rhShuna de» Preise«, angenommen. Nedakti-n: Kenihßrsße 2.— Grpedition: Zimmerßratze 44. Abonnement»- Einkackung. Zum bevorfiehenden Ouartaltwechsel erlauben wir uns »um Abonnement auf das „Kerliner Uolkodlatt" nebst der wöchentlich erscheinenden Gratisbeilage „Ilwstrirtes K-mttagsvl«tt" einzuladen. Der Standpunkt unsere« Blattes ist bekannt. ES steht auf dög destStizt wird, dürste die R'aierung. sowohl in Bezug auf die Berufung der ordentlichen Session de« Reichstag« al« auch de« Landtag«, an den Terminen der lepien Jahre festhalten. Darnach wäre der Zusammentritt de« Reichstag« für die Mitte November, der de« preußischen Landtag« für die erste Halste Januar zu er« warten. Zur Zeit finden sowohl für da« Reich, alt auch für Preußen die üblichm kommissarischen Verhandlungen über die Jeststellung der Einzeletat» de« Reich«- resp. Staatthau«« haHSetat« statt. Die Fortbildung der Arbetterverstcheruug. Oifltiö« wird geschrieben: Wenn der Rcichstag in der nächsten Session zweifelsohne mit der Fortsübrung der Soeialreform nach der kaiserlichen Botschaft vom 17. Novembtr 1881 defaßt werden wird, so dürste doch die Alter«- und Invaliden« Versorgung keinesfalls bereit« Gegenstand der Verhandlung sein. Es ist zwar seldstverstär.dlich, daß auch dieser Theil de» in der gedachtm Botschaft sltzzirten Rrformprogramm« zur Ausführung gebracht und daß diese nicht über da« unbedingt erforderliche Zeitmaß binauigeschoben werden wird. Allein ebenso liegt e« auf der Hand, daß der Zeitpunkt iür die Beschlußfassung der gesetzgebenden Falioren de« Reiche« mit der Materie noch nicht gekommen ist. E« mag in dieser Hinficht dir Schwierigkeit der Materie und die Nothwendigkeit, die bestehenden berufsgenossenschaft« lichen Einrichtungen in der plastischen Wirksamkeit längere Zeit darauf hin zu betrachten, ob sie, außer den bereit« ihnen übertragenen Funktionen, auch noch al« Träger so schwerwiegender Aufgaben, wie der Alter«« und Invaliden» Versicherung dien en können, nm nebenher gestreift werden. Abgesehen davon aber dürste e« ohne Z«eisel so un« erläßlich, wie zweckmäßig sich erweisen, vor dem Abschluß der gesetzgeberischen Arbeiten, mit den zunächst Berheiligten und aus der Praxi« vorzugsweise zu gedeihlicher Mitderathung ve» fähigten die den gesetzgebenden Körperschaften zu unterbretten« den Vorschläge zu deratden. Wir haben hier dabei nicht allein den VolktwirthschaftSrath oder eine ähnliche Köiperschast im Auge, sondern wir denken un« vielmehr eine Berathung mtt ad hoc berufenen Sachverständigen au« den de« theiligten wirthschastlichen und insbesondere industriellen Kreisen, wie eine solche dem Abschlüsse der Unfalloerstcherungsvorlage für die Seeleute vorangegangen ist. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auf dem seither eingeschlagenen Wege nicht nur westnt« lichr prastische Fingerzeige für die legiilatoiische Umgestaltung der Materie sich werden gewinnen lassen, sondern M dadurch auch in den detheiligten Kreisen vorweg manche« Borurthetl gegen die geplanten Reformen beseitigt»erde« wird.— Wir haben gegen diese Berathungen natürlich nicht««inzuwenden vorausgesetzt, daß auch die Arbeiter in genügender Weise zu denselben hinzugezogen werden. Aber diese Berathungen konnte man schon lange haben und daß man sie bisher nicht g« pflogen hat beweist, daß dt« Reichiregierung vor der Hand noch gar nicht« mtt anderen zu besprechen hat,»eil ste selber nicht« vorzuschlagen weiß. Wann sich da» geändert haben wird, wissen wir natürlich nicht, gar bald wird«» aber alle« Anschein nach nicht eintreten. Ist sich doch, wie au« dem obigen hervorgeht, die Regierung noch nicht einmal darüber im Reinen, ob ste auch ferner auf der Grundlage der Berufs« genoffenschaften weiter bauen oder od ste ein« ganz neue Orga» nisation schassen soll. Und diese Sozialresorm. deren Haupt« theil heut« noch nicht in den schattenhaftesten Umrissen ferng ist. preist man un« nun srtt mehr al« einem halben Jahrzehnt. Fürwahr, da« Wort hat recht: Die Hennr macht ein groß Geschrei Um jede» neugelegt« Ei, In Deutschland aber rühmen die Schreier vckon alle ungelegten Ster. Zur beabstchttgten sottaldemotratische« Jnterpell«. tion tm Sietchblage bemerkt die Hamburger„vürgerztg. sehr treffend:„Die hämischen Bemerkungen, in welchen sich inlde. sonder« die deutschsteistn-nge Presse über die feiten» der sozial« deuwlratischcn Abgeordneten deadstchtigte Interpellation in der bulgarischen Angelegenhiii und der Stellung Deutschland« zu Rußland erging, find rasch verstummt. Die Nachricht von der J-iterpellation, welche die äußerste Linke de« ungarischen Ad. und Wahr heil« liebt höchlich gepriesen, und e« gab keine», der e# gewagt hätte, fie mit dem rechten Namen zu de« zeichnen. Aber diese Brutalität der Gesinnung und de« äußeren Austreten« war doch bei Weitem»och nicht die unangenehmst« Eigenschaft de« reich gewordenen Handwerker». Ei» viel schlimmerer Zug seine« Charakter« war die geradezu««er« sä.tlrche Habgier, die ihn beherrschte und die ihm»ach der Aufgabe seine« Geschäft«»ur weaige Menate behaglicher Muße vergönnt hatte. Er hatte de» Entschluß gefaßt, da« Geldverdiene« im Großen zu betreiben, und er hatte fich auf umfangreiche Häuserspekulatione« eingelassen, die in der Th:t stet« vo»»»«gezeichnetem Erfolg gewesen waren und sein Vermögen vo- Jahr zu Jahr ansehrlich ver« mehrt hatte». Er wäre danach sehr wohl in der Lag« gewesen, bei der Wahl eine« Schwiegersöhne« viel mehr auf vorttcffliche Eigenschaften de« Herzea» und de« Charakter« al« auf Reichthum zu sehe«; aber solche Testchipuukt« konnte» für einen Man» seine» Schlage« nicht in Betracht komme«. Der Gatte seine« einzige» Kinde« muß!« ihm an Ansehe» und Vermögen mindesten« ebenbüittg sei«, daSwar ihm ei» unerschütterlich feststehend«« Prinzip,— die Berücksichtigung aller anderea Ansprüche, welche etwa seine Tochter selbst an de» Mar» ihrer Wahl hätte erhebe» könne«, kam dann erst in zweiter Linie, wen« davon überhaupt die Red« sei» durfte. Mit offene» Arme« hatte er darum eine« Bewerber ausgenommen, der allen seine« Erwartungen nicht»ur in der vollkommenste« Weise entsprach, sondern der dieselbe» sogar in mehr al« einer Hinficht noch wett übertraf. S« war da« derselbe Man«, der ihm jetzt in seinem Arbeits- kabinet gegenübersaß, der sett etwa einem Zahr in M. an» säjsize Arzt Doftor Hartwig, ei« Mann, der unstreiiig zu de« angefthensien Persönlichkeiten der Stadt zu zähle» war. und der al« der einzige Sohn eine« vor längerer Zeit ver- storbene« steinreiche» Bankier« der Besitzer eine« sehr großen Vermögen» war. Wen« Herr N colau« Hofferichter irgend etwa« an diesem künstigen Schwiegersöhne auszusetzen hatte, so wer e« vielleicht einzig der Gebrauch, de« derselbe vou geordnetenhauseS eingebracht hat, die in einigen Punkten nahezu wörtlich mtt jener der sozialdemokratischen Abgeordneten über- einstimmt, hat unsern deutschfreistnnigen Politikern doch wohl den Sedanken nah« gelegt, daß e« ein Gebot der Wälde de« Deutseh«» Reichttage« gewesen wäre, in ähnlicher Weise vor» zugehen. Die Rolle, die ver Deutsche Reichstag in Sachen ver auSwättiaen Politik spielt, ist erbärmlich, und wa« da« Schlimmste ist, er spielt die!« erbärmliche Rolle freiwillig. E« ist eine Thatsache, die Niemand destr. iten kann, daß dt« deutsche ReichSpoittik in der bulgarischen Frage und Rußland gegenüder die gesammte Nation nahezu einstimmig gegen fich bat, daß di« Beunruhigung über diese Polttik bei allen Denkend«« im Wachsen ist, und daß ei hiernach also«in Gebot der Ehie und eine Gewissenspflicht der Volksvertretung war, kategviisch Aufklärung zu verlangen über die Gründe, welche diese von der Nation mißbilligte Polttik rechtfertigen sollen. Weem diese Polttik, wie kein Sehender dezweifett, Deutsch. land früher oder später in gefährliche Verwicklungen stürzt, so ist e« daS Volk, da« mit seinem Gut und Blut die Kosten einer solchen Polttik ,u tragen hat. Wäre der Deutsche Reich»« tag wahrend dieser Periode nicht versammelt gewesen, so traf ihn kein Vorwurf; aber daß er versammelt war und die Ge> legenhett, fich und der Welt über di« deutsche ReichSpolttik AusilSrung zu verschaffen, vorübergehen ließ, stempelt sein Ver« halten zu einem Akt der Feigheit. Keine Volksvertretung In Europa würde unter ähnlichen Umständen fich ähnlich ver- halten haben. Der Grund, daß der Reichskanzler von Berlin abwesend war, ist kein Grund für die entehrende Selbstbe- schränkung, die der Reichstag fich auferlegte. OSer ist da« Deutsch« Reich so tief gesunkm, daß sein Schicksal nur auf zwei Augen steht? Daß Niemand da ist, der außer dem Be- sttzer dieser zwei Augen im Stand« wäre, über die Polttik Deutschland« vor der Volksvertretung Auskunft zu geben und ste zu»«treten? Begreifen Diejenigen, die als Giund der Tnthaltsamlett de» Reichstags in Fragen der auswärtigen Politik die Abwesenheit de« Reichikanzler« anführen, nicht, wie sehr st« da« Deutsche Reick damit bloßstellen und daß e« hochgefährlich und gerade bei Leuten, die für Patrioten gelten wollen, gar nicht zu verantworten ist, wenn ein Volk wie da« deutsche fich bltnd der Leitung eine« Einzelnen vertraut? Wir wünschen schlechte Propheten zu sein, aber, wir fürchten, der Tag wird kommen, wo der Deutsche Reichstag schwer die Seldfientmannung bereuen wird, die« in Fragen der aus- wärtigen Polttik geübt hat." Dt« Htrsch-Duvcker'sche« Gewerkt) ereine. Als ö f f e n t- licht Vereine im Sinne de« Vtieinsgesetze» ron 1850 sind die Gewrrkoereine Hirsch- Duncker durch ein ilrtheil de« Kammergericht«, weiche« gegen den Orttoereln der Handwerker und Arbelltt zu Britz«gangen ist, erklärt worden. Da« Lrnd- geticht II Berlin hatte die Anwendung de» Vereinsgesetze« für unstatthaft erklärt. D« Strafsenat v.« Kammnge icht« hob jedoch da« freisprechende Urthril de« Vo'derrichters auf, indem er begründend ausführte, daß e« keinem Zweifel unterliege, daß die Gew«rtv«eine nach den in ihrem Statut ausgesprochenen Tendenzen zu Gunsten ihr« Mitglieder ein« Einwirkung auf die öffentlichen Angelegenheiten und zwar nach der sozialpoli- tischen Richtung hm dezweckten. Eine« Nachweise» darüber, daß die Verein« thatsächlich diese Einwirkung auszuüben vir sucht haben, dedarf e» zur Anwendung de» genannten Gesetze« nicht.— DK„Frris. Ztg." de» Herrn Eugen Nicht«, der wir dies« Nachlicht entnehmm, bemerkt dazu:„Wenn die Grwerk- vereine Bereine find, welche fich mit öffentlichen Angelegen- hettm beschäftigen, so möchten wir denjenigen Ver« «in kennen lernen, der nicht unter da« Ver» «inSgesetz fällt. Seltsamer Weise haben di: Behörden niemal« den landwirthschafilichen Vereinen gegenüber solche Fragen aufgeworf-n, obwohl viele derselben notorisch stch nicht blo« mtt öffentlichen Angelegenheiten, sondern speziell mit Politik beschöftigen. Gleichwohl unterliegen sämmtliche land« wirthschaftiichm Vereine leinerlei Konlrole nach dem Verein«- aesetz." Herr Richter brauchte gar nicht soweit zu gehen, um Beweise dafür zu finden, daß die R gierung eine ganz andere Praxi« befolgt, wenn sie e« mtt wirthschastlichen Verbänden zu thun hat, die in konservativem Sinne eine Einwirkung auf öffentlich« Angelegenheiten bezwecken. Jeder konservative Handroukerv er-w, der Petitionen um Einschränkung der Ge- rverbefreidctl absendet, jede Innung, welche konfttvative Wahl Propaganda treibt, ist Beweis dafür. Ihnen gegenüber denkt Niemand an die Einschränkung, die man für Arbeitergew«k« lchaftm und Gewerkoereine für nothwendig befindet. Die land- wirthschafllichen Berein« erfreuen stch allerding» womöglich einer noch größeren Begünstigung fetten» der Regierung. So beschäftigte sich vor einiger Zeit der Verein Raiibor mit der kaifttlichen Bo"chaft und verlangte in einer Petition die Be- schränkung d« freie« Konlurrenz»u Gunsten der Grundbesitzer neben da Btldmia korporativ« Genossenschaften im Interesse d« Landwitthschast als daS ficherste Mittel, der Landwirthschaft aufzuhelfen.„Politisch" ist ad« der Verein natürlich nicht, pomisch ist man bloß, wenn man oppofitionelle Politik treibt. Herr Stöcker und de« Kirchenrath in Greifenhnge«. Zur Fei« de« JahreSfefte« de« Hinterpommerschen Verein« für sei»«« Geld««achte und de« der Herr Stadtverordnete für eine Verschwendung der sträflichste« Art erachtete. Doktor Hartwig war nämlich«in Arzt in der herrlichste« und edelste» Bedeutung de« Worte». Er war ei» Helfer der Kranke« und da Bedrängte»»icht nur, soweit ihn seine wisseuschaftlich« Tüchtigkeit dazu in Staad setzte, sonder» et faßte seine Aufgabe«och ungemein höher auf uud war un« ablässig bemüht, auch diejenige« Schäden und Gebrechen zu heile», welche ihr« Ursache» nicht in Krankheiie« bei Körper« hatten. Er war ei» Freund und Wohlihäter da Armen und war berett««in Retter vieler Verzweifelte« geworden. Sein« philantropssche» Bestrebungen vaschla-gen alljährlich große Summe», und wenn ex auch viel schnöden Undank statt de» Lohne« ernte« mußte, so wurde« doch niemals müde, immer wieder mtt volle« Hände« von dem Segen zu spenden, üb« welche« ihm da» Schicksal»un einmal die Verfügung gegebe» hatte. Bei einem Krankenbesuche im Hause de« Stadtver» ordnete» hatte Doktor Hartwig Else kenne» gekaut, und ihre zart« Schönhett wie ihr liebenswürdig gewinnende» Wesen, da» namentlich«eben da brutale« Derbheit bei Bat«» nur t» ein« desto Hella« Beleuchtung trat, hatte» sofort ei»e« tiefe» Eindruck auf ihn gemacht. Ada da Gedanke, fich um ihr« Hand zu bewerbe«, hatte ihm zunächst ganz fern gelegt», deuu Else war achtzehn Jahre alt, während et selbst deren berett« vierzig zählte, und er war vichi ein« gebildet genug, um zu glauben, daß seine stille, vnscklvsseve Art etwa« sondalich Bestechend«» für ei« so junges Mädchen habe» könnt«. Da ab« hatte Har Nikolaus Hofferichtn selbst mit seinen plumpen Hände« sehr enagisch eiogegriffk«. Wie er gewohnt war, jede» wohlhabende« und ledige» Mann, der seinen Weg kreuzte, ans seine etwaige Oualifikatio» z» seinem Schwiegersohn z« piüfe«, so hatte et auch sei» Auge». ««I längst auf de» reiche« und angesehenen Doktor gerichtet, und sei» Unwohlsei», welche« Jene» zuerst in sei« Hau« §»zogen hatte, war vielleicht nur ein Mittel gewesen zu dem weck, ihm«»her zu rücke». Mit scharfen Auge» hsiie er de« Eindruck beobachtet, welche« die ahnungslose Else auf de« Arzt gemacht, und sobald et zu bemerken geglaubt daß dieser Eindruck ei» günstiger gewesen, hatte er fich beeil», Berliner Stadtmisston war ein Vortrag de« Hofpredlger» Stöcker au« Berlin in der Sanft Ntkolaitirch« zu Greifenhageu in Aussicht genommen. Der Gemeindekirchenrath bat e» ader nach der„N. Stett. Ztg." mtt großer Majorttät abgelehnt, die Kirche zu diesem Zwecke berzugeben. Selbst die Kirchen» ratve scheinen also Herrn Stöcker zu verlassin. Arm« z wett er Luther! Krieaerdereine und Sozialdemokratie. Bei den Kciegervereinen in Thüringen hat fich, nach der„Voll»» Zig.', in der letzten Zell eine bemerleniwertb« Verändenmg ihr« Statuten vollzogen. Während in den Stt«en Statuten «ine» solchen, nebenbei demerft ziemlich zahlreichen, tbüringischea Krieg«oerein» der Hauptzweck de» Verein« die Förderung der Geselligketi und Kameradschaft unter den Mitgliedern war, ist fttzt Mür folgende Bestimmung an die Stelle getreten:„Der Zweck dl« Verein« ist: a) treue«, feste« Zusammenbalten zu Kais« und Reich, Fürst und Vaterland; d) lebendiae Eedaltung de« Bewußtseins der Errungenschaften d« Jahre 1870/71, weil diesen unser Vaterland seine Einigung verdankt; und c) Pflege «nd Förderung dn Geselligkeit und Kameradschaft unter seinen Mitgttevern." Der Paragraph de« ftüh«en Statut«:„Poii- tische und religiöse Tendenzen bleiben dem V«ein streng fern", ftblt in dem neuen Statut. Dagegen ist folgender Paragraph: „Sofortige Ausstoßung eine« Mitglirdr« erfolgt, wenn dasselbe von Zivil- od« Militärbehörden wegen grober Vergehen in Strafe genowmen od« gar der Ehrenrechte od« de« Tragen» der Nationallokarde verlustig geworden ist", in nachstehend« W,ise umgeändert worden:«Die Ausstoßung d« wegen entehrender Vergehen od« Vnbrechen bestraften Mit» glted«, sowie derjenigen, welche nachweisbar sozialdemo» lratischen Tendenzen huldigen,«folgt sofort." Man erkennt daraus, daß die Statutenuni änderun g der Kriegervereine stch in einer ganz bestimmten Richtung bewegt. In wie wett die letzt«wähnte auf die Höhe ihr« M!laliev«zahl von Ein« fluß sein wird, da« werden die nächsten Monate un« zeigen. Jedenfalls ist die Gleichstellung von„entehrenden SBngehrn uns Vrrdrechen" mtt„sozialdemokratisch« Gefinnung" sehr de» zeichnend für den geistigen Horizont dieser Vereine. Petitton zur AbSudernng der Eidesformel. Uni« Zustirrniing de« d-utjchen Freidenkerbundi» hat dieser Tage die Stuttgarter Freid entergemeinde eine P-titton an den Deutschen R-.ichStag gesendet, welche die fakulraiioe Ein« sührung der E.drk'cnnel:„Ich verfichne e« feierlich an Eide« statt" bezweckt. Besagte Formel ist in Württemberg traft königlicher Verordnung vom 28. Ollod« 1872 der Erlte d« Na, arener gestattet und die Petenten glauben, daß, wa« den Nizaren«» recht, den Freidenkern dillig sein sollte. Die Petition führt in der Begründung au«, daß e« eine leicht- fertige Auffassung des EtdeS begünstige, wenn die EtdeS'ormel mtt v« religiösen Uebnzeugung des EtdeSleistendm tm Wik»«» spruch stehe, und daß ferner die onfaffungimäßig ga-antiite Gewiffensfceihett nickt in EinNan» zu bringen sei mtt dem Zwang, der dem deutschen Staatsbürger auf«lege, fich der de» stehenden Formel auch dann zu bedienen, wenn sein religiöse» Bewußtsein an dnselben Anstoß nimmt. Ktrchenpolittsche». Wie dem„Brüssel« Journal" au» Rom berichtet wird,«halten demnächst mehrere religiöse Orden, unin ihnen die Benedittiner, die Erlaubniß nach Deutschland zurückzukehren. Polnische». Auch in den Monaten Juli und August d. I. haben andauernd Ausweisungen von russischen und österreichischen Staatsangehörigen aus Preußen stattgefunden. Nach Gaiizien kamen von russischen SlaiMangehörigen in August d. I. 24 Familien mtt zusammen 80 Persoaen, von österreichischen Staatsangrhöttgen 6 Familien. Vor den fett Herbst v. I. ausgewiesenen 577 Familien mit 1726 Personen babtn bisher in Gaiizien 55 Familien mtt 137 Personen keine Beschäftigung gefunden. Oesterreich- Uugaru« U'.b« die Stimmung der Ungarn gegenüb« dem deutsch-österreichischen Bündniß wird dn„R- Freien Presse" aus Pest folgende» geschrieben:„Es ist ein sehr ernstes, auch von der Diplomatie wohl zu beherzigende» Sywptom, wenn so gewichtige und mit der öffentlichen Mei» nung de» Lande» in innigstem Kontaft stch defindende PolitI» ler um den Pcei» de» deutschen Bündnisse» zu feilschen beginnen und allesammt zu dem Resullaie gelangen, daß die österreichisch ungarische Monarchie für dasselbe zu viel bezahlt habe. El find ganz neue, lange nicht gehörte A'zenie, welche seit einiger Zeit von hin in die Welt hinauSdringen, und der deutsche Kanzler, der eine besondere Schwäche für Unzarn und seine politische Sntwickelung haben soll, dürfte brüte bereit» genau darüber unterrichtet sein, daß diese Brustiöne einer wahren inneren politischm Ueberzeugung entstammen...... Die Expanfion Rußland» auf dem Balkan— die» ist da» Kredo aller ungarischen Politiler ohne Untnschied d« Partei — berührt die staatlichen, nationalen und wirthschaftiichm In' ter essen Ungarns und dn gesammten Monarchie so nah«, daß ein ruhige», konniorntes Zuschauen al» Schädigung all« dieser Jntneffen gilt." alle Minen sprenge« zu lasse«,«m der vermeintlich«» Schüchternheit Hartwig'« entgegen zu kommen. Er hatte ih» auf da« Dringendste zu wiederholte» Besuche« ein geladen, und al« er sah, daß Hartwig den sehr matniellen Genüsse», welche de, ehemalige vchlächtnmeist« seine» Gästen zu bwW# pflegte, nur lehr geringen Geschmack abgewann, hatte er gar eine lebhafte Theiloahme für dt« menschenWeuvdlichf Bestrebungen de« Doktor««heuchelt,»ur um denselben sei« Hau« zu fesseln. Ab« mtt lebhaftem Mißvng»ü(M hatte er wahrgenommen, daß seine eigentlichen Herzenswünsche durch da« häufig«« Erscheinen de» Arzte« keiaeSweg« gefbf dert wurden. Hartwig beobachtete dem junge« Mävchk* gegenüb« stet« die nämliche achtungsvolle Zurückhaltn»» und Else legte für de» um mehr al« zwanzig Jahre ältfl** Man» durchau» keine wärmere Regung an den Tag. J~* hatte ihr Hofferichter eine« Tage» ganz«rumwunde« Mu' t Heilung gemacht vo« seinen Absichten und ihr avbefohltt'' dem Doktor fortan mtt d« äußnste« L eberSwürdigfttt>' «muihigend und aufm»ni«»d al« nur irgend v-ögttch gegen zu komme«. Er war bis dahin an eine« so dingten Gehorsam seine» Kinde» gewöhnt gewesen, daß � ihm keine» Augerblick in de» Ein» gekommen war, könnte ihm t» dieser wichtige» Angelegenhett widerstr«** um so wenig«, al« sein« Meinung nach an dem Arzt«»** »icht da« Mindeste auszus tze» war. ftitt Sri« Zorn und seine Entrüstung kannte« darum Grenzen, al« ihm Else mtt ein« unerwarteten Evtsch'�z heit«klärte, sie w«de med« dem Doftor Hartwig,"L» irgend einem anderen ungeliebte« Manne jemals ihr« reichen, und überdies war st« urvorfichtig genug, eh* ttt Geheimniß ihr« Liebe zu dem«»bemtttefteu Beinh� Römer zu offenbare». Er hatte gleich einem Raserde»� wüihet, hatte dem junge« Manne in d« brutalste» sein Hau« verboten und hatte seiner Tochter kurzweg er daß st« stch seine« Wille» wtd«spruch«lol zu utterw � habe. Noch an dem nämliche« Tage war«, um die � möglichst schnell zu dem gewünschten Ende z» brmg'tttf dem Doktor gefahren und hatte ihm die y«*®*&' Kinde« geradezu angetragen. Zu seinem nicht staunen hatte Hartwig dalKi«fahre», daß Eft rin«' Einige Blätter sprechen bereiti von einem bevorstehenden Rücktritt KalnokyS» bei Ministert deS Aus»äriigen, weil seine Haltung in der bulgarischen Frage den brideiseittgtn Parlamenten zu wenig männlich erschein«. Belgien« Auch der deutsche Zentrumsführer Schorlemer Alst und der opostoltsche Präfekt Dänemarks treffen auf dem Lütticher katholisch-soztalen Kongreß ein. Holla«». Die Appellinstanz hat dat Urtheil dei Hanger Gerichts testätigt, durch welches der Sozialist Domela Nimwenhuit wegen Lei ivigung dei KSnigt, begangen in dem Blatte «Recht voor Allen. zu einem Jahr ZellengefängniK verurtheill worden ist.. Frankreich» Dat leitende Ooer-Komitee der Weltausstellung von 1889 trat auf dem Handelsministerium zusammen, um dai Budget derselben festzustellen. Die von den drei Direktoren eingebrachten Vorschläge erreichten zusammen die Hö)e von 43 Millionen. Hanvrltminister Lockroy, ein vorstchliger Mann, fand, dast man den unvorhergrithenen Ausgaben gar keine R-cknung getragen, die seiner Anficht nach mindestens drei Millionen betrogen dürften. ES war naiürlich kein leichtet Stück Arbeit, die Direktoren der Ausstellung zu bewegen, ihre Anspiüche mehr mit den vorhandenen Mitteln in Ein» klang zu bringen. Endlich einigte man stch über nachstehend« Postm: Personal der drei Direktionen und Zentral dienst............. 2ü00000 FrS. Generaidirettion der Finanzen.... 850000„ G-neral Betti-bSdirestton....... 4000000„ G cneral- Baudirektton......... 30650000 ,. ttoS eine Gesam ml summe von 38 Millionen ergiedt. 2 Millionen sollen für die Uederraschungea der Ausstellung, als da find: getreue Wiederzade historischer Bauten. Ausstellung auf dem Waffrr der Sein» k verwendet«erden. Die üdrigblet- benden 3 Million«, find, wie bliest#«rwädnt, für unvorhergesehene Aut gaben bestimmt, die man aber sehr letcht errathen kann, wenn man die Ziffer für da# Personal in Betracht zieht; dieselbe ist nach Allem, wa# wir über den Andrang von Be- Werbern um einträglich« Stellen in der Leitung der Ausstellung hären, wahrscheinlich eine ungenügend«, zumal stch auch hierbei wieder die Beeinfluffung von Enten de, Parlamentsmitglieder tläfrigir als j-»eigen dürfte. Daß die« nicht ohne schädliche Wirkung auf da» Gelingen der Ausstellung selbst geschehen kann, ist offenbar; doch läßt stch daran hier zu Lande einmal nicht# ändern. Herr Lcckrcy hat klug daran gethan, stch drei Millionen geheimer FonVS für die WrllauSstellung zu reser» virrn. Sollten die in Aussicht genommenen 43 Millionen nicht genügen, dann werden noch weitere 6 Millionen hergenommen, auf welche Herr Lcckrcp al# Ueberzeichnung de# Gaiantiefm-dS rechnet. Friycinet theilte im Ministerrath mit, daß die Schwierig- ketten in Madagaskar bezüglich de# Protektorate# wachsen und der Restden.t Lemaire gemeffene Instruktionen erhallen vab«, um die strikte Ausführung der Verträge zu verlangen. Man ist hier auf eine neue milllärtfche Aktion gefaßt. Di« Lage in Anam und Tongktng beffert stch dagegen fort- dauernd. GrotzbritanRie«- Nach einem dem Parlament vorgelegten amtlichen Bericht wurden in den Monaten April. Mai und Juni 297 aararischk Verbrechen in Irland digangen. und zwar: 1 Mord in Renn 1 Dodtschlag in Galwcy. 8 Angriffe mit Schußwaffen, von ihnen 5 in Kerry: 24 Brandstiftungen, davon 8 in Ken r,; 6 R-udansäll». davon 4 tn Kerry; 118 Drohbriefe, davon 28 t» Kerry und 28 in Cläre; 33 sonstige Einschüchterungen; 45 EigenthumSdefchädtgungen und 17 Viehoerstümmelungen. Jt al ien. � Für die ersten steben Monate d«S laufenden Jahre» liegt der Bericht über die Esten- und Kohlen Einfügt vor, in welchen beiden Srtik,ln Italien dem«uSlarde, und zwar Deutschland und England, tridutär ist. Die Einfuhr englischen Roheisen», welche im Jahre 1884 64500 Tonnen betrug, im Nächsten Jahre aber aus 61 800 Tonnen sank, ist 1886 wieder auf 65500 Tonnen gestiegen, während da» deutsche Eisen om 60700 Tonnen im Jahre 1884 im nächsten Jahre auf 48 800 Tonnen herunter ging und in diesem Jahre «st die Z ffer von 53 200 Tonnen wieder erreicht hat. Noch Ungünstiger stellt fich, ungeachtet der St. Gotthard- Linie, an welche so große Hoffnungen geknüpft waren, die Einfuhr drulscher Kohlen noch Jiolien im Verbältniß zu den enaltlaen. Di« letzteren find von 1 438000 Tonnen(!8S4) a ll 1 675 000 Tonnen gestiegen, die d.utschen von 39 000 (1684) auf 27 200 Tonnen gesunken. Italien befindet stch augenblicklich in einem Zustand« leb» hast er Aufregung. Der Name der Jesuiten ist auf Aller Zunge. Da der Papst fie gesegnet hat, glaubt da# moderne �lallen fie ve'.fluchcn zu sollen. Aller Orten bereitet man liche Neigung für ihn gefaßt hätte und daß st« jedevfall» feyt unglücklich werde» würde, wen« ihre Lieb« bei ihm keine Erwiderung fände. Diese ganz»»gewöhnlich« Art eine» Geständnisse« hatte de» feinfionige» Man« im erste« Augenblick beinahe unan« «enehm berührt, und wäre r» nicht der eigene Vater de« Mädchen« gewesen, der so zu ihm sprach, so würde er kaum au die Wahrhaftigkeit dessen geglaubt Hobe«, wa» er da verrahm. Aber er konnte nicht a« die Möglichkeit denke», baß Hofferichter vur eine« schändlichen Handel mit dem Glück ferne» Kinde« treiben wolle, u»d so hatte er denn »och einigem Zöger» dem Stadtverordnete« da» Geaenge- fiändniß gemacht, daß er Else ebenfall« von ganzem Herzm zugerha« sei u»d daß ih» nur die Rücksicht auf den Unter- schied der Jahre adgehalteu habe» würde, seiner Neigung für sie offene« Ausdruck zu gebe». Jitzt aber werde er fich glücklich schötzeu, ei« so liebenswürdiges und vortreffliches Mädche» a!« seine Gattin heimzuführen. Herr Nikolaus Hoffenchter hatte große Mühe gehabt, i«i» Frohlocken über diese günstig, Wendung der Ding« zu verbergen. Nach Hartwig'« Erklärung glaubte er fich am Ziel seiner Wüusche. den» er zweifelte keine« Augenblick, daß es ihm ei» Leichte«,' sei» würde, mit Hilfe der väterlichen Zu-ttmittel, dt« ihm zur Verfügung stände», Else'« trotzige» Widerstand zu breche». Nur etwa« Zeit brauchte dazu, und um diese zu gewi»»en, mußte er«och zu einer weitere» List seine Zuflucht«ehme«, die er für äußerst biplomatisch und klug«rson«e» hielt. Er dar nämlich de« .Doktor, nicht oh». Weiterei gegen Else mir seiner Werbung heivorzutrete» und ihr auch nicht« von dem ohne ihr Vor- am,, n._ cn... iL, ««de. fett sei«be, ganz eiaenthüml.ch geartet und mtiffe whr vorsichtig behandelt werde», wie denn überhaupt die l»°ge« Mädchen zur Zeit einer erste» Liebe oft von ganz werkwürdige, und schwer verständliche» Laune« beherrscht würde». Er s.lbst würde feinem künftigen Schwiegersohn« «a Zntpuntt bezeichne», welchen e, für den geeignete» zu «wer offene» Eitlärung halte, und bi« dahin möge der antiklerikale und antijesuitisch« Meetrng» vor. Ja Bologna wird sogar der greise Aurelio Saffi, der einst neben Mazzini und Armelli al» Trwmvir an der Spitze der kurzlebigen römischen Republik de» Jahre» 1849 gestanden, dem antiklerikalen Meeting vorsteben. Auch der gegenwärtige Justiz- minister, der energisch« Tajant, macht kein Grheimniß au« seiner Antipathie äegm die Jesuiten. Er und der Handels minister Grtmaldt vilden die tn religiöser Beziehung radikale Seite de» gegenwärtigen Ministerium». Grimaldi hat sogar in einer öffentlichen Rede, die er jüngst w Btterdo gehatten, von dem Papste all von dem inner» StaatSfeinde Italien» gesprochen, und Tajant trSt,t fich, da der Kultu» g-oßentheilZ in sein Ressort fällt, offenbar sogar mit der Adstcht, neu« kirchenfeindliche, insbesondere Uofterfeindliche Gesetze vor dt« Kammer zu bringen. Er läßt eine Enquete veranstalten, um durch die historischen Unterlagen de« OrvenSwefen» in Italien die Grundsätze für eine Geletzzebung zu gewinnen, zufolge deren der Adleaung der K'oSergelübde die größten Schwierig- ketten in den Weg gelegt werden sollen. Ader im Augenblicke gilt der Krieg nicht so sehr dm Mönchm, wie vielmehr den Jesuttm. Man steht, wie diese mit schlauer Umgehung der Gesetz« fich dort festzusetzen wiffm, wo sie e» legal nicht dürfm. Ader wa« die Ausmeiksamkell der Regierung besonder» wach- ruft—, da» ist der Umstand, daß der JesuittSmu» neuerlich in Rom außerordentlich erstarkt. Spanten« Der General Vtllacampa und der Kapttän Gonzalez, welche an der Spitze der Aufständischen standen, find laut tele- graphischer Äitlheilung au» Madrid gefangm gmommm wor- den. Durch diese Meldung wird erwiesen, daß die jüngste Mllttärrevolte keineswegs dlo« da« Werk einer Anzahl iitt* gefühlter Soldaten, sondern vor langer Hand vorbereitet war. Die spanische Regierung selbst saßt dt« Vorsänge, die fich in der Hauptstadt abspieltm, tetnelweg» so harmlo« auf» wie mehrfach verlautete. Der Emst der Situation wird unter anderem dadurch erwiesen, daß«tn Tagesbefehl de» General» Pavia die P.cßfreiheit in Madrid sulvmdirt oder doch sehr wesmtlich beschränkt, indem er den Zeitungen jede Meldung und jeden Kommmtar über den P.-ozeß der Aufständischen sowie jede Erörterung der Disziplin der Armee untersagt. Der Umstand, daß bei mehreren verhafteten Offizterm der Auf« ständischen von Zoiilla ausgestellte Petent« höherer Chargen gefunden wurden, ist edentall»«in bezeichnende» Symptom- Dem„Tempk" geht au» Madrid die telegraphische Nachricht zu» daß fich unter den Verhafteten, deren Zahl eine sehr be deutende ist, fich„mehrere Notadilitäten" der Zorrillisten, so- wie der„unversöhnlichen" Republikaner befinden; auch unterliegt keinem Zweifeh daß Zivttistm an der aufständischen Be- wegung lheitnahmen, die also nicht ausschließlich einer jener Militärputsche war, welche in Spanien von Zeit zu Zeit »iederkehrm. Insbesondere wird nunmehr mit Bestimmtheit angenommen, daß diejenigen, welche dm Oberst Mtralol er- mordeten, sowie auf die Truppen beim Südbahnhof« Schüsse adfeuer'.en, Zivilpersonen«arm. B«lki»»la»der. Seitdem in Folg« d«S ZollkUege» zwischm Oesterreich- Ungarn und Rumänien ölteireichischer Zucker 35 Frank» Zoll für 100 Kilo an der rumänischen Grenze zu zahlen hat, ist die Einfuhr deutschen Zucker» tn Rumanten rasch in Aufschwung gekommen. Nach österreichisch ungarischen Kon- sulatSdertchtm wurde im Juni diese» Jahre» allein nach Jaffy deutscher Zucker au» Halle und BieSlau im Werth« von 34 000 Franks eingeführt. Nach Boluschan wurden tn dem- selben Monat 222 Meterzentner deutschen Zuckers, und zwar durchwegs mtt der Eismdahn verfrachtet. Der deutsche Vertreter in Sofia hat der„Köln. Ztg." zu Folge nicht die Einstellung der Untersuchung gegm die Verschwörer, sondern nur da» Unterbleiben von Hinnch- tungen befürwortet, lrtziere« im Hinblick auf VergeltungSmaß« regeln, welche bei einem anderweitm Umschwung ergriffen«er- dm könnten.— Nrch Meldungen au»»ldrianopel find von Drdeagasch 20 000 Mann türkisch« Infanterie und ein Regiment Kavallerie»ach Rvrianopel im Anzuge und sollen dieselben altvann an die Grenze abgehen. Mit diesen Truppm« maffm werde die mit der Front gegen Ostrumelim aufge« stellte Grenzarme« bei Mustafa- Pascha fast 60000 Rann betragen. Nach anderweitigen Mlltheilungen ist«natoltm der Schauplatz großer Entrüstungen. Erzerum werde nach dm Plänen deutscher, in türktschen Diensten stehender Generale befestigt und alle disponible Kavallerie dort vereinigt. Da# vierte Korp# werde durch zwei Kavallerie- und zwei Artillerie- Regimenter verstärkt. Afrika. Die franzöflichen Blätter fahren fort, die egyptische 1*10,8* Seaen England auszunutzen. Joseph Reinach schreibt in der„Repudlique frarqaift";„Wäre»« nicht für Europa hohe Zell, fich mtt dem Schicksal EgyplenS zu deschäf- tigen, jene# Landes, über welche» die Natur alle Wobllhatm ausgestreut und welchem die Geschichte dither keine Prüfung gespart hat? Der englische Unter staatSsekrelär im Auswärtigen Doktor ja nicht etwa an irgend einer Wunderlichkeit i« Else'« Beneh»« Anstoß nehmm. Er hatte da« Alle» mit j«»em A»schei» von Offenherzig» keit und Biederkeit vorgebracht, der gar k«i»e» Zweifel a» der Wahrhaftigkeit seiner Worte aufkomme« ließ, und Hartwig, dm die Aussicht auf Elfe'« Lefitz wirklich sehr glücklich machte, hatte fich widerspruchslos seinen Wünscht» gefügt. Er halte seine Besuch« i» Hoffetichter'S Hause häufiae» wiederholt und hatte sich bemüht,»icht« Auffällige» darr» zu erblicken, daß ihm Elfe dabei jedesmal offenbar geflissentlich au» dem Wege ging, daß fie stet« roth gemeinte Augen hatte, und daß fie, wen« sie eine« Unterhaltung mtt ihm gar nicht ausweichen konnte, viel ftüchteraer, eiosylbiger u»d Sogst- licher war al« früher. Wm« ihm da« Alle» aber doch ein« mal bedenklich erscheinen wollte und wen» er eine dieSbe- zügliche Aeußerung gegm de» Eradtverordnete«»hat. so wußte ihn dieser immer wieder mtt de« nämliche« Argumente» zu beruhige», wennschon auch er selber immer klern- mü higer wurde, da da« ganze Ausgebet seiner Autorität dem starren Sinn de» jungm Mädchen» gegenüber bisher erfolg« lo« gebliebm war._(Forts, folgt.) Ans Kunst und jeden. rh. Kautnchenplage in Australte«. In Frankels und England wird die Kaninchenzucht in vi-l gr»zariigerem Maß- trade betrieben al» tn Deutschland und Oesterreich. Di« Folg« davon iß, daß in den beiden erstgenannten Ländern stch da» Kaninchenfleisch tn allen Schichten der Bevölkerung al» dtlltae» Nahrungsmittel eingebürgert hat. Für die Engländer bildet die Kantnckknpastete ein besondere» Lieblingsgericht. AI# die biedern Briten anfingen, stch mehr und mehr in Australim an- zufiedeln, fiel e» ihnen schwer, die beliebten Gerichte von Kaninchenfleisch entdehrm zu müssen. Man vtrluchte denn von England Kaninchen einzuführen und dieselben in Australien fortzupflanzen. Der Versuch gelang so vorzüglich, daß beutzutage in einzelnen Distrikten die Kaninckm durch ihr U-berhandnrhmen zur Landplage geworden Und. Der„Melbourne«rgu»" sprach sich kürzlich in einem RrtUel dahin au», daß die Kolonie durch die Einführung der Kaninchen mehr verloren all gewonnen bade, da die kleinen Vierfüßler Giuid und Boden in er- schreckender Weise durchlöchern und aufwühlen. Besonder» in Amte, Sir Jame» Ferguffon, sagte neulich zum Unterhauser „ES wäre unstatthaft und wenig patriotitch, zu verlangen, daß die englische Okkupation ein Ende nehme." Gewiß handelt e» fich nicht dämm, Egypten zu annektiren. Man ist die Ver- pflichtung eingegangen, Egypten an dem Tage zu räumen, da die väterliche Verwaltung England# den Frieden, die Oed- nung, der Wohlstand, die Sichnhett, da# Vertrauen, die vor dem Aufstande Arabi# herrschten, in dem Nilthale wieder her» gestellt haben wird. Diese# Versprechen wird man halten... Ja. wer da» glauben möchte!„Do* britische Regime verbessert nicht nur nicht die Lage Egypten», sondern verschlimmert fie alle Tage. Die Bevölkerung geräth von Tag zu Tag tn tiefere Noth." Wer spricht so? Etwa ein Ruffinfteund, einer jener Zeitungsschreiber, von denen die„Morninepvst" de- hauptet, fie bereicherten fich durch molkowitische» Gold? Nickt doch, e» ist der..Temp»", dasjenige aller Blätter de# Konti- nentS, welche# England die lebhafteste und glühendste Sym- pathie entgegendringt. Haben die Ereigniffe tn Bulgarien. welche die Schwäche England# vor aller Augen bloßlegten, dem Sultan den Stoar noch nicht gestochen? Werden Ruß» land, Oesterreich, Deutschland. Italien, Griechenland selbst env- lich einsehen, endlich da# Prinzip ausstellen, von dem sie sich nicht durch da# erste Stirnrunzeln de# alten England# ab- wendig machen lassen, daßdieegyptischeFrage nicht eine speziell türkische noch britische, sondern die erste europäische Frage ist? Wa# trägt ihnen der verlängerte Aufenthalt der Sieger von Tel-el.Kebir ein? Nicht einmal eine KürdiSfrucht. Gar nicht#, al» da» noble Schauspiel eine» der Barbarei geopferten Sultan#. Oberegypten», welche# den Wegelagerern, Unteregyptens, welch?# den ein- heimischen Stämmen preisgegeben ist, und der Finanzen de» Khedtoe, welche geplündert werden. Da» ist vielleicht unge- nügend. Frankreich seinerseit» hat in einer Stunde der Auf- regung seine Pflichten und Jntereffm im Nilthale verkannt. fich aber seitdem wieder ander» besonnen und ist stch seiner Rechte eingedenk geworden." Asien. Der britische Konsul in Chefoo in China schreibt in seinem amtlichen Bericht:„Bezüglich der Schifffahrt ist e» be- merkenlwerth, wie fich die Zahl der deutschen Dampfer, welche diesen Hrfen besuchen, vermehrt. Die Schiffe sind sehr ökonomisch eingerichtet und brauchen namentlich veihältnif- mäßig wenig Kohlen. Die deutschen Kapitäne und SchiffSosfi» ziere begnügen fich mtt niedrig rem Gehalt al« die englischen und da» Resultat ist, daß deutsche Dampfer Frachten zu nie- drigeren Raten defördern tünnen al» englische. Auf den bri- tischen Segelschiffm vertreibt der dilligere ausländische Matrose den englischen Seemann. Ruf den meisten britischen Segel- schiffen, welch« hier einlaufen, befindet stch nicht ein einziger Brtte unter den Oifijieren und der Mannschaft. Der Kapttän und die Steuerleute find gewöhnlich Deutsche oder Skandina- vier und die Mannschaft besteht au# Malaym, Chinesen und Japanesen." Also immer da# alte Lied: Vordringen der beut» schen Konkunen, infolge niedrigerer Löhne, v. h. höhere Ge- winne der deutschen Unternehmer infolge zunehmender Verar- mu"a der Raffen. Und diese# Erfolge# rühmt man fich noch!_ Gerichts-Zeiwns. + Ein Fnmtltenstttenbtld trauriger Art bot eine Ver» bandluna, die gestern vor der ersten Stiafkammer de» hiefizen Landgericht« gegen die Wittwe Pauline Hirsch, geb. Paul, wegen wiffentlich falscher Anschuldigung stattfand. Die An- geklagte lebt mit ihrem Bruder, dem Rentier Paul, der ein Hau» in der Kreuzbergstraße besttzt, in einem Verhällniß, welche» den Banden de# Blute# dmchau# widerspricht. Streitigkeiten aller Art find zwischen Bruder und Schwester vorgekommen und gerichtlich auSgefockten worden. Die Wittwe Hirsch denunzirte z. B. den Rentier Paul wegen körperlicher Mißhandlung, die er ihr zugefügt hatte und de» wirkte durch ihr Zeugniß seine Verurtheilunz. Paul übt ge» schieden von seiner Frau und die Geschiedene hat eine warme Freundin und Verfechterin ihrer Rechte in der Person der Schwester ihre# fiüheren Manne# gefunden. So haben sich Szenen der uneiqutcklichften Art ereignet, bei denen nicht ent- schieden werden soll, auf welche der beiden Parteien die größere Schuld fällt. Genug, Herr Paul war sicher, von seiner Schwester fich alle# versehen zu können. Am 21. November v. I. erhielt der Polizelhauptmann Klein, der Vorsteher de# Revier#, dessen Bureau in der Kreuzbergstraße liegt, einen ano ynen Brief, der recht erbauliche Sachen über den Rentier Paul enthtett. So wurde ihm vorgeworfen, daß er den Tod seiner ersten Frau verschuldet habe, daß er jetzt ein in fittltcher Beziehung alle« weniger al# makellose# Levrn führe und in diesem angenehmen Tone ging«k weiter. Der Polizelhauptmann hielt fich nicht für zuständig, seldstständig in der Sache vor,»- gehen und sandte den Brief nach dem Polizeiprästdium. Nun lautete der Schlußsatz tn dem Briefe, daß die Schreiberin fich nennen werde, sobald da, gerichtliche Verfahren gegen Paul den westlichen Distrikten bildet diese Landploge und deren Bekämpfung dm Gesprächsstoff. Einer der dedeutmdsten Grund- befitzer, welcher besonder# von den Kaninchen geplagt wurde «»'& gange der Kaninchen verstopfen mußten, um dieselben auZzu- bungern. Der betreffende Farmer verausgabte dafür da# mite Sümmchen von Lstr. 40A) 80000 Mark). Der Erfolg war j-doch kein bleibender. In kurzer Zeit wimmelte ei wieder von Kaninchen. Trotzdem fast alle Grundb-fitzn die AuSrottuna oder mindesten« Beschränkung der Ausbreitung der Thier* «MtZMMsZ «ÄÄS«ÄÄt MUMM Ra°tln enthielt mit denen er den Patienten behandelte. Sin« WÄÄÄrsrs xä' ä d" Spitze deffelben unter die Haut gestoßen. Dann schabte i W«" Manne die Haut um den HalS ab. daß er roth wie ein Truthahn au#sah. Die Behanvlung hatte d:n gewünschten Ertolg, denn in wenigen Stunken war der Kranke wieder Sffi A""""" � d"-» elitßtWlct fei. Dal gttidblltdbe Verfshien wurde jedoch nicht gegen den Rentier, der vollkommen grundlos angeschuldigt war, sondern gegen die anonyme Denunjiantin eingeleitet, welche min in der Person der WUtwe Hirsch vermutheie.?>n der gestrigen Verhandlung bestritt die Angeklagte jede Schuld. Sie gab zu, mit ihrem Bruder in Streitigkeiten zu leben, wollte aber dm Brief mit dem verleumderischm Inhalt weder versaht noch geschriebm habm. Dal Gutachten del Schreib« sachverftävdig-n» stanzleirath Seegel, lautet« im hohen Grade belastend für die Angeklagte. Dem Sachverständigen ist aul der Prüfung und Vcrgleichuna der Schrift mit Sicherheit hervorgegangen, daß die Handschrift die der Wittwe Hirsch sei. Auf Grund dieser Bekundung hielt der Vertreter der Staatl» anwaltschaft den Beweil der Schuld für erbracht und bean» tragt« eine Gefängniß straf: von drei Monaten gegen die noch unbeschuldigte Angeklagte. Der Gerichtshof gelangte jedoch zu einer anderen Auffaffung. Sc war der Anficht, daß trotz del Tutachtenl del Sachverständigen ein Jrrthum nicht aulgeschloffen sei, zumal die Handschriften von Frauen bekanntlich einander sehr oft ähnlich wärm. Diel Beweit« Material sei demnach zu schwankmd, um eine Verurtheilung zu rcchtfertigm. Die Angeklagte wurde von Strafe und Rosten freigesprochen. Aul dem Pfarrhause. Aielbaden. 20. Sept. Der heut'gen Sitzung del Bezirkl.Autschvfiel lag u. A. vor der Antrag del Regierungkvräfidmtm v. Wurmb auf Entsiehung der der Hebeamme Hrffelbach zu Lockenbeim ertheiltm Ron« zrsston»um Betriebe del Gewerbel all Hebeamme. Der An« trag stützt sich auf den Umstand, dah die Hebeamme Frau H. durch Utthetl vom 1. März L F. mit 1 Monat Gefängniß bestraft ist, weil ste vor dem Standesbeamten in Bockenheim in Bezug auf Einträge in da« G«burt»regtster falsche Angadm gemacht und dadurch dewirtt hat, daß die Geburt etnel am 27. Februar 1885 im Pfarrhause zu Frankenthal ,ur Welt ge- kommenm unehelichm RnäbchmS all am 5. März 1885 zu Bockenheim erfolgt eingetragen wurde, sowie daß die Hebe« amme für diese falschm Angabe» nachträglich ein Geschmk von ICO M. angenommen hat. Die Hebeamme gab im heutigm Termin diese in dem genannten Uitheil erwähnten Umstände all richtig zu, beruft stch aber auf die Nothlage, in welcher fie sich zur Zeit befunden habe, auf die Ueberredunglkünste, welch« bei ihr angewandt worden und darauf, daß fie da» später er- halten« Geschenk zum Gebrauch« einer nothwendigm Rur habe benutzen müssen. Weiter beruft st« fich auf die sehr günstigen Zeugniffe über ihre Qualifikation all Hedeamme und über ihr sonstizel Betragen.— Aul den zur Verlesung gelangten Akten über den Fall entnehmen wir: Am 27. Februar 1885, Abends, wurde Barbara Ohmer, Nichte des Pfarrers zu Franlenthal und im dortigen Pfarrhaus« wohnend, von einem Rnäbchen entbunden. Sofort nach erfolgter Geburt begab fich die tzauibälterin des Pfanerl, Fräulein Meister, im Austrage der Wöchnerin zu diesem, um ihm An,eige von dem Ereizniß ,u machen und ihn um Her« gab« des in seinem Verwahr befindlichen baaren Geldes zu ersuchen. Einige Tage später wurde dal Rind einem Rloster in Pirmasenl zur Erziehung übergeben, ist ober am 6 April 1885 gestorben. Nach Eintreffen del Rinde» in jenem Rloster ergab fich, daß die erforderlichen Geburtlpapiere fehlten, der Herr Pfarrer in Frankenthal wurde also um Beschaffung de» selben angegangen. Dieser antwortete, es würde fich doch sehr schlecht ausnehmm, wmn dal Pharrhaul als Geburtsstätte deS Rindes angegeben werde, woraus ihm die Antwort wurde, er möge e« doch machen, wie es der Bischof Retteler in Mainz gemacht habe. Am 5. März 1885 erschien nun die Haus- hälUiin des Pfarrer», die in Bockenheim eine gute Freundin hatte, mit dieser bei der Hebeamme H. in Bockenheim und unter Darlegung der Vrrhältniff« ersuchte fie diese, die Ange« legenheit in der bereits erwähnten Weise au» der Welt zu schaffen. Di« Hebeamme wollte nicht darauf eingehen, gab aber schließlich insoweit nach, als st« die Anwesenheit der Wöchnerin in Bockenheim verlangte. Die Haushälterin lehrte heim und kam folgenden Tag» zurück mit der Meldung, die Wöchnerin könne die Reise nicht unternehmen rc. Nunmehr bat ste die Hebeamme kniefällig um Gewährung der bereits vorgettagenen BMe, indem fie ihr die Handlungsweise in einem äußerst harmlosen Licht zeigte und außerdem sonstige Versprechungen machte. Schließlich hat dann die Hebeamme eingewilligt und vor dem Standesbeamten«iffentlich die falschen Angaben gemacht, welche Handlung ste nunmehr mit dem Verlust« ihrer Stellung büßt, denn der Bezirks« aulschuß erkannte dahin, daß ihr die Ronzesston zu entziehen sei._ Koziale« m» Arbeiterbewegung. Betreff« de« dielbesagte» Pettttou an de« Reichstag, daß dem§ 152 der Reich»• Gewerbeordnung eine bestimmte Fassung dahin argeben wird, daß de« männlichen sowohl auch dem weiblichen Ardeiter dal Recht zusteht, Vereine zu münden, welche fich, wie die Vereine der Ardeilgcder, über ganz Deutsch« land erstrecken können und in welchen dt« Erlangung günstiger Lohn« und Arbeitsbedingungen angestrebt bez«. berathen wer« den könne, werden alle Jntereffenten zur Untnzetchnung auf« gefordert. Nach erfolgter Uatelschrifteasammlung find die Listen umgehend an Herrn Sperber, Friedenstr. 75, zu verabfolgen. Listen lönnen daselbst noch in Empfang genommen werden. Der Wortlaut der Prtttton defindet fich in Nr. 182 d. Bl.— Herrn Sperber find übrigen» die beschlagnahmten 75 aulgefüllten und 7 leeren Listen vorgestern wieder zugestellt worden. Die Lebensdauer der Hutmacher. Die amerika« nische Fachzeitung„The Hatter and Furrier", welche, obgleich für die Fadnlantm berechnet, dennoch ketnelweg» in so ardet« terfeindlichem Sinne geschrieben ist, wie wir vieles von unseren deutschen Fabrikantendlättern gewohnt find, dringt in ihrer letzten Nummer eine Ausarbeitung de» Dr. Stickler. welch« derselbe vor der medizinische« Gesellschaft von Eff,x Counly als Vortrag gehalten hat. Der..Rorrespondent für Deutschland» Hutmacher" dringt denselben in zusammenaedrängter Form in deutscher Sprache unter Anfügung einiger statistischer Bemerkungen über die Sterblichkeittverhäitniffe der Branche in Deutschland. Es heißt da:„Es war früher nicht ungewöhnlich, daß ich bei kranken Hutmech.rn Qu-ck- filbervrrgiftung tonstatiren mußte, die« kommt auch jetz, noch vor, hat aber allein wohl noch nie den Patienten direkt den Tvd gebracht. Da» größte Uedel, an welchem die Hutmacher leiben, ist die Lungenkrankheit in allen Formen. Lun« genschwindsucht ist der Würgengel der Hutmacher, l�r den Zusammenhang dieses weit verbreiteten Hebels mit der Be« ichästigung klar zu stellen� besuchte jch die Hutfadriken von Orange- welch« auf der Höhe der Zeit in Bezug auf all« -----...-•— cn— L. oi- Waltraumen fand ■/ Lm»-*4««-«war V%»##;* vv wmw—'-, Htlfsmaschinen der Neuzeit stehen. In den Wal........,— ich, daß der Raum mit einem dicken Dampf angefüllt war, die Arbeite, athmen denselben ein und aleicht ihre Arbeit einem beständigen Dampfbad. Tritt der A, Vetter nun mit einem also überhitzten Rörper und besonder» seiner überhitzten Lunge ins Freie, so ist Erkaltung mtt Husten. Ratarrh, Hallan« schwellungen u. s. a. sehr häufig unvermeidlich. In den Fär« bereien fand ich den Zustand noch schlimmer, denn wenn im MZMMW Hchmtrstelvapin abgerieben wird, um die rauhen Haare der Odnfläch« zu entfernen. Nichts kommt dem stch hier ent- wickelnden Staub, beflehmd au» gefärbten Haaren und Schmirgel, in seiner zerstörenden Wirksamkeit der Gesundheit. insbesondere der Lunge gleich. In der Zurichte(Bügelraum) wird der Hut mit Santpapier abgerieben, gebügelt und einer Naphtaflamm« ausgesetzt. Die hier beschäftigten Hutmacher er zählten mir, daß die Gefahr für ihr« Gesundheit nicht geringer sei, als in den andern Fabriiräumen, denn fie müßten beim Adbtmsm dicht aufliegen und athmeten den ganzen Bimsstaub ein. Hierauf wird der Hut faffonnirt und verpackt. Ich habe überall sehr schleckte oder gar keine VenttlationSoorrtchfung wahrgenommen. Nock mehr. Bei kaltem Wetter kühlt fich der Waffrrdampf in dm Walk« und Färbereiräumm an der kalten Decke de» Lokales(meist daS Dach des Hauses) ab, und fällt als kalter Regentropfm nieder, wodurch er die Gesundheit der Ardeller in«me neue Gefahr dringt, deS Durchzuge« in manchen derartigen Lololen gar nicht zu gedenken. Nichts ist natür- licher, als daß die Rrankhetts- und Sterdeverhältniffe der Hut« mach» geradezu erschreckend stnv. wie nachfolgend« Statistik, welch« den neuesten amtlickm Quellm mtnommm, beweist: In New ark find von 1873 dr» heute 231 Hutmacher ge- storbcn, davon 118 an Lungenschwindsucht, 26 an anderen Lungenkrankheiten, macht 144. mithin find 62«/, o rCt. an Lungenkrankbetten gestorbm. In Orange find fett 1879 hingegen 269 Hutmacher gestorben. Hiervon 147 an Lungen schwind sucht, 39 an anderen LungmkrantheUen, macht 186 oder 69"/,% vCt. Der amerikanische Hutmacherverband hat unter 551 Todes'ällm seiner MUglieder 814 derselben an Lungenschwindsucht, 53 an andern Lungenkrankheiten, mithin 367 oder von hundert Sterbe- fällen 66�,0 pCt. durch Lungenkrankheiten festgestellt. Es itt ein Frrthum der Statistik, fährt Dr. Stickler fort, daß die Walker in Orange erst im 60. Lebmljahre arbeit». unfähig werdm. Nach meiner Erfahrung find Huf mach« im Allgemeinm nur selten im Stande, noch vollendetem 30. Lebms- jähre noch regulär zu arbetten; ja selbst bei Arbeit«» von 18-25 Jahren habe ich dm raschm Rö p«verfall vielfach beobachtet. Thatsache iß» daß nur»mige dies« Leute de» Lebms Somm««reichen, die meistm finken frühzeitig in'» Grab. Sowett d« wackere Dr. Stickl«.„DaS, Freunde(bemerkt d«„Correspondmt" hinzu), find die Zustande im freien Amerika. Sind die Ardeiter dieses republtkanischm Freistaates best« daran als wir? In Bezug auf Lebmsatt« nicht im gertngstm. Di« kapttalistische Produttion bleibt stch in der ganzen Well gleich. Von den Mitgliedem uns«es d-utsch«n Verbandes starben von 100 Rollegm in den Jahren 1883—36 an Lungmkranthetten 70. Da» Durchschntttsalt« betrug 35 Jahr 8 Wochen. Dal 44. Ledmsjahr hatten über» schrittm 11." Eine dringende Mahnung an alle Angehörigen dies« Branche, mtt all« En«gie die Bestrebungen für einen Smüzmdm Arbetterschutz in d« Gegmwart und für eine Be- rtung aus der Lohnsllaverci in der Zukunft zu untrrstützen. Hammelfleisch rmport von de« Kalkiaudswsela. Nach den neuesten mglischm Berichlm gewinnt, wie die„N.Fr Pr." mittheilt, der Import von geftormem Hammelfleisch au« di-sm Grgendm in letzt« Zett groß« Bedeutung. Mitte Juli kam d« Dampfer„Selembrta" in dm ostindischen Docks mtt ein« Ladung von nicht wenig« als 30000 gefrorenen Hammeln an, die in ausgezeichnetem Zustande lonseroirt warm und zu guten Preism willig« Abnehmer fandm. TieS dürfte wobt die größte Hammelladung aew'sm sein, welche jemals dm Ozean durch- quert«. Die„Falklandt-Jnsel-Fleisch Rowpagnte" ließ die» Schiff eigmi für ihre Zwecke«bäum und gedmkt regelmäßige Fleisch- lieferungen nach England einzuführen. Wmn man dedenk», baß ein Theil dies« Inselgruppe im Jahre 1853, der fernere Theil d« Falttands-Jnseln erst im Jahre 1861 besiedelt wurde und nunmehr da'eldst ein Schafstand von 600000 Stück vorhandm ist, muß man über dm raschm Aufschwung dieses Zweiges d« Thierzucht staunen. Die übersendeten Hammel hotten«In Gewicht von 60 bis 70 englischen Pfund ver Stück, warm von ausgezeichnet«, nicht zu fetter Beschaffenheit und fandm per Pfund zu 5 Pmce(30 Rteuz«. 50 Pf.) rasche Abnahme. Der Dampf« faßt 3041 Tonnen Laderaum und ist auischließltch für den Flefschfmport gebaut. Zu diesem Behuf« ist« mtt äußttst kräftigen Maschinen versehm, von welchen vi« große �ampfleffel nur für die Rälte-Erzeuzung bestimmt find und die gmügm. um die Fleischstücke stets in der entsprechenden trockmen Rallluft zu«halten, welche allein«möglicht, daS Fletsch in tadellosem Zustande auf uns«en Markt zu bringen. Ortsübliche Tagelöhne. Für die neugebildeten Orli« krankmkaffm für Nahrung»- und Genußmittelgewerde, für Be« kleidungi- und Reintgunglzew«de für Buchdruck« und v«- wandte Gew«b« zu Main, wurden für«wachsen« männlich« und für«wachsen« weibliche Arbeil« die Tagelöhn« auf 2,70 bezw. 1,20 per Tag festgesetzt, jugendlich: Arbeit« auf 1.05 Pf. Jnnuaglprivilegiea. Der Reginunglpräfidmt Prinz Handjery hat den Magistrat zu Landlhut davon benach« richtigt. daß dtejmigm Bäck«, Ronditorm und Pfeffntüchl« dies« Stadt, welch« d« Innung nicht angehörm, vom 1. Januar nächsten Jahre» an keine Lehrling« mehr arnuhmm dürfen. Die gleich« Vnfügung ist bezüglich der nicht zur Fleisch«'Jnnung gehörigm Fletschermeist««lasten. Ein Musterkootrakt zwischm einem Untnnehm« und einem Arbeit« liegt d« Elberfeld«„Fr. Pr." im Original vor. Wir gedm da» mntwürdige Schrittstück hiermit unv«. kürzt Wied« und üb«laffm el uns«m Lesnn, stch einm VerS daraus zu machm. Rontrakt. Zwischm dem Raufmann Herrn Fritz Hackmberg hl« ein«seilt und dem Ardett« Stephan Bären» anderseitig wurde heute folgend« Ronttatt abgeschloffm: § 1. Bären» tritt mtt dem heutigm Tage all Hauldiener in die Dienste del Herrn Hackmberg, um sowohl die für'» Pri- vathaul, wie auch für'» Geschäft vorkommenden Arbetten, Aut» gänge:c. pünktlich und treu zu verrichtm.§ 2. Die Ardeiii« zeit M von Morgen» 7 Uhr bis 12 Uhr und Nachmittag» von 1% Uhr bis 8 Udr und wenn'» nö'hig, solange, bis die laufenden Geschäft« erledigt s l n d.§ 3. Der wöchentliche Lohn ist auf Zehn Mark festgesetzt und wird d« wöchentlich« Beitrag für die Unt«Sützungltaffe mit% in Abzug gebracht.§. 4. Tie Ründigung soll zu j«d« Zeit und der Austritt sofort erfolgen können, so daß kein« der Parteien an die ortsüblich« 14'Szige Ründigung gebunden ist. Elberfeld, den 26. August 1886. Fritz Hackenderg. Stephan Bären».— Mehr kann d« Raufmamr für 40 M. momulich wohl kaum verlangm. Stettin, 22. Septemb«. Die von der hiestgm Rrtmtnal« polizei beschiagnabmlm Geld« der Lohnkornmiistonm der Maurer und Tischler find vor einigen Tagen dem Raifir«»«selben wieder zmückgegedm worden. Auch haben die obigen Rommilstonm ihr« Büch« sowie«inm Theil der beschlognahmtm Papine zurückerhallm. Uereiue und Uersammtunge«. Fachveretn de» Former und verrrandt-n B«us«gmcstm Montag, den 27. 6.3Rtl.%ent8 vrdNUNg._—..--------_„..„....u-u..»««.™! Un«r nt. KMWNM stäNviAtN Ordnung: 1. Bericht über die Regelung de» Arbeitlnack weise« dureaul. 2. Wahl del VnznügungSlomiteel zum Wint«« vergnüam. 8. Berfchiedmel und Fragekastm. Aufnahme neu« Mttglled«. Ttschler-Berei«. Heut« Abmd 9 Uhr, Rottbuserstraße 4a, Versammlung. Tagesordnung: Vottrag del Heim Dr. phil. Baumgart. Kachvereia sämmtltcher im Drechllergewerk befchäf« tigten Arbeiter Berttnl. Versammlung am Sonntag, dm 26. Septemb« cr„ Vormtttaa« 10 Uhr, in Breuer'» Salon, Große Franlfuttnstraße 74/75. Gäste habm Zutritt. Neue Mitglied« werden aufgenommen. Verein zur Wahrung der Jutereffe« der Klavier« arbeite». Versammlung der Mriglted« am Sonnabend, den 25. Eeptdr., in Grctwtü'l Bierhallm, Rommandanten« straße 77/79(unt«« Saal). Tagelordnung: 1. Vortrag de» Herrn Prediger«wer. Rendziora über:„Darf die Moral nm Tugendlehr« od« kann fie auch Glückskligkettllehre iein? 2. Abrechnung vom Somm«sest. 3. Der Abzug in der Piano« fadrik oon Grandt.— Gäste können durch Mttglled« ringe« führt werdm. Beret« der Berliner Parquetbodnrleger. Montag, 27. Sertemb«. Abend» 8% Uhr, tm Lokale del Herrn Piep«, Mauerßraße Nr. 86, Mitg liederversammlung. Tagekordnung: 1. Neuwahl der Revisoren. 2. Vorlag« de« Vorstandes üb« den Antrag deS Herrn Vielke, detrcffmd Anschluß an dm Rechtischutzo«ein. 3. Verschiedmel und Fragekasten. De» Fachverein der Lithographtestetuschletfer und BerufSgmoffm hält nach der Sommer pause seine eiste Vereint« Versammlung am Montag, den 27. d. M„ Abmd» 9 Übe, im Lokal« del Herrn Domak, Johannilstraße 20 ab. Taget« Ordnung: Ersatzwahl etnel Vorstandsmitglied«». Innere VereinZangelegmbeitm. Gäste hadm Zutritt. Dänischer verein„Freva". Versammlung jedm Sonn« abmd, 9 Uhr, Rosenthalerstr. 39. Dänische Bläu« find vor« handm. * Verein der Württemberger. Jedm Sonnabmd V«sammlung beim Landsmann Vaihing«, Dorotheenstr. 84. verein der Tauben freunde. Jeden Sonnabend Abends 8'/, Uhr, Sitzung im Restamant Rleemann, Lausttzerstraße 41. Sesangveret«„Harmonta". Jedm Sonnabend, Abmd» 8 Uhr, UebungSstund« im Restaurant, Alte Jakobftr. 38. «efangverein„Sängerlnft", Pallisadenstraße 9. Jedm Sonnabend Abmd 9 Uhr Uedungsstund«. I« der sretreltgtöse» Gemeinde spricht am Sonntag, Vormittags 10 Uhr. Leipzigerstr. 48, Herr Predig« Biel, auS Dresdm üb« Kunst, und Sittmgeschichte der Menschheit mtt Rücksicht auf die religiösen Fordnungm der Gegmwatt. Zu» trttt steht Jedem frei. Kleine Wittheilnngen. L°k°le de» Herrn Niest. Roa�an'dantmA 71.72. Tages. Barmen, 20. Septemb«. Ein hiefiger Männn-Gesang« verein hat arstcrn Abend auf tragische Weise seinen Vize- Präses vttlorm. Der V«ein hat gestnn einen fröhlichen Autflug p-r Rheindamp?« nach Rönigtwint« und von dort in» Sieben« Sedirge gemacht. Auf d« Rückfahrt, währmv alles in heiterster Stimmung war, übergab d« Vi,«.Präses plötzlich sein« Ubr und Börse seinem Nachbar, sprang üb« Bord in den Rhein und«trank. Alle Rettungsversuche blieben«folglok. Dtt Selbstmörd«, ein hiestg« Fabrikan», hintnläßt«ine Frau und 5 Rinder. Wie», 22 Septemb«. Urb« einm Antisemitenskandal im Schwurgerichttgebäud« berichtet die„91. Fr. Pr." folgendes: Als heute um die MittaaSstunde d« Vorsttzende tm Pro« zeffe Heller.Grünbeeg die Verhanvlung auf kmz« Zeit unter« brach, verließ da» Publikum, wie gewöhnlich, den Saal, ff' befanden fick darunter Advokatm, Vntheidig«, Gerichtsbeowte und viele Osfizine; auch ein Hauptmann. Ludttor wohnte hrute, wie man amummt in o fiztell« Eigenschaft, im reservirtm Zu« hörerraume der Verhandlung bei. Während dies« Pause ent« stand an d« Garderobe, die stch im Vestibüle vor dem SchwU'-« gnichtllaale befindet, ein groß« Skandal. Ein gewisser Dr. Pet« Edl« v. Osnleithner, der offmbar mtt einigen antt« semttischm Gestnnunpigmoffen, darunt» der Gywnafial-Pro« fester und R-ichtralhz. Abgeordnet« Fiegl, d« Vtthondlung beigewohnt hatte, rief plötzlich:„Die Juden find alle Betrüge« und gehören alle hterh«!" Einer der Beschädigten im Prozrffe» ein Jude, stellt« Oberleithner wegen dies« Aeußerung enngt ch zur Rede. Nun erhodm die Anttsemttm ein großes Geschrei, and«e Personen mischttn fich gleichfall» in den Streit. und Gymnasial. Profeffor Fiegl schrie:„Was krakehlm die Juden, als od ste im Tempil wären!" Nun wurde der Lärm noch ärg«, man drang auf Odnleithn« und Ftegl ein, und nur dem Eingreifen d« Gefangenhauswacke gelang es, di« «mannten vor Schlägm zu schützrn. Nun rief man Wach« zu, ste möge Odnletthner v«hastm: dies« aber rief: „Was, mich wollen Sie oerhaftm lassen? Ich bin ein Dutz' drud« des Herrn Landesgerichttrathes Dr. v. holzing«. un» ich wttde ihm morgm schreiben, daß« solch« Leute nicht m den Saal laffm soll."—„Und dies« Herr," rief«, auf de" Gymnasial Profeffor Firgl deutmd,„ist d« Reichsrathp Abgeordnete Fiegl." Nun schrtm die Antisemiten, man mögt eine Perlon, di« ste im Publikum gepackt hattm, verhastefl- D« Lärm dauerte eir« Weile so fort. Man rief Wj Anttsemttm zu:„Das ist ein« abscheuliche Feiabett,*** ist«in bübisches Bmehmm." Jnzwischm kam«in Wachwano an dm oon den Anttsemttm bezeichnetm Mann heran, ihn zu««haften und auf die Polizei-Wachstude zu führen. Umstehenden schrien, Oberleithner und Fiegl solltm mitgevow' mm werdm, und unter fortwährmdem Geschrei und GeschiM) strömt«»llet von d« Als«straße, wo fich ein« Menge Leu* anschloffen, zur Wickmdurgstraße. An der Ecke dies« C""!, «Wrt»«ymnastal.Pioseffor Fiegl,« gehe nicht mit zur Ä'Z stub«. Nmer Lärm und Rufe:„DaS ist schändliche Fetg� nur im Reformverein hadm Sie Muth!" Die Antisem«� dagegen schrim:„Das ist unvnschämt. einm RrichSrath»-� geordneten zu deletdegm!" Und so strömt« d« Haufe SMgZ M w>m« vergrößernd, unt« tobmdem Lärm in die 0% burgstraße. Nur mit Mühe vermochte der Wachmann _-..,. Mühe vermochte d« Wachmann Schlägerei zu verhindern. Mittlerwette gelang e, dock Gymnafial-Profeffor Fiegl, sich bei einem Hause d« entzUhen, und der Wachmann konnte nun dm Arretirttf«', Wachstube fühnn, wo derseld« nach kurzem Vnhör« f:t* lasten wurde.. v«daveft. 2l. Septemb«.(Das noffe Grab.) fiel MÄÄäÄI&W Lastschiffe in di: Donau und«ttank. «r> 19- Septemb«. Unweit Cuggiono Dampfstraßendabn Magmta« Milano«eignete fich am �tt ?b«'d« gegen 9 Uhr ein schaudnhafte« Unglück. Kit einem P.«d bespannt« Wagm bewegte fich langsam«ar � auf dem neben d« Hauplstraß« befindlichm Trambabnl� 5« Fuhrmann schien in riefen Schlaf»«funken.„pllck ein« Rurve erschien d« fadrplanmäßige Dampftrain an ßv- Drstan, war viel zu kurz, um den Train zum Hallen gm, und so fuhr»«selbe mit voller Kraft auf da' ein. Pf«d und Mann wurden in mtsetzlich« Weise an mett unv d« Wagm in Stücke gniffm- Verantwortlich für dm polttischm Thett und Soziale» Was .... dm Leuthstraße Wrtgm Thett d« Zettung Hier»« tint R. Erpuhetm. sämmritck w Beilage M Berliner BolkMaü. »r. 224 Sotmabend, den 23. September 1886. in. IahrM D« NxtmsirschnKiiizttß. 3. Virschtedene». Die Tbemata der allgemeinm Versammlungen und der einzelnen'Eeltionen haben für unsere Leser natürlich zum Theil sehr geringe« Interesse. Wir heben hier jedoch Folgende« hervor: In der Sektion für LHatrie(Ohrenheilkunde) berichtete Lichtenberg-Budapest über Gehörstörungen de« ve» triedSpersonal« der Eisenbahnen m't Bezug auf die Sicherheit de« auf Bahnen reisenden Pudlilum«. Redner hat 250 Etsenbahnbedienteste auf da« Verhalten ihrer Gebör» organr untersucht und darunter bei 92, also 36,8 Prozent, Ohr- erkrankungen gefunden. 32 Mal handelte ti stch um kaiarrhalischc Formen, 3 Mal um Erkrankung de» Labyrinthe«, 30 Mal um solche des äuieren Gehörgange«. Bei vieler Häufig- keit de« Vorkommen» von Ohrafieltionen und der Wichtigkeit der akustischen Signal« für den Eisenbahndienst ist die An< nähme gewif, gerechtfertigt, daß eine Reih« von Bohnuntällen nicht durw Rachläsfigkeit, sondern durch mangelhafte« G:hör de« Beamtenpersonal« verursacht werden. In der Sektion für Hygiene sprach% Cohn- Breslau über die für die Ardeittplätze not hw endige Hellig- keit. Auf Grund einer Reihe von Versuchen verlangt Redner, daß kein Arbeittplay weniger al« 10 Meterkerzen Helligkeit b, fitze; «ünschen«rvertb sei aber ein Helltgkeitsgrad von 50 Meterkerzen. Mit Meterkerze(M.-K.) bezeichnet er die HeUtaleit «n«S Papiere», welche« 1 Mir. gegenüber von 1 Normalkerze aufgest'llt wird. Für künstliche« Licht gilt daffelbe Minimum von 10 Meterkerzen. Tie Messungen de« Vortragenden haben aber ergeben, daß bei den gebräuchlichen Gas-, Petroleum- und Glühlampen selbst die besten Glocken da« Papier nur so beleuchten, daß es nur in einer Entfernung von '/, Metervon derFlamme noch eben 10 Meter- k e r> e n hat. Darauf lei also bei der Abendarbeit sorgsam Rückficht zu nehmen. Mehr Licht schade gewiß nicht. Naiür- lich bleibe e« stch gleich, ob Ga«, Petroleum oder elektrische« Licht verwendet wird, wenn e« nur nicht zucke und nicht zu heiß sei. Da» neue Auer'sche Gaiglühlicht(wurde vorgezeigt) theile mit dem elektrischen die Kühle, übertreffe rs aber dadurch, daß«« nicht zucke. Allerdings habe e« bei den jitzigen Bunsen- Brennern, die freilich auch viel weniger Ga« brauchen» noch eine geringere Lichtstärke, al« die modernen Albert Brenner. Besonder« großen Zulauf fand im Zirku« Ren, die Vor- fühung de« elektrischen Riesenmikroskop« durch Herren Profeffor Stricker. Da« gezeigte Mikroslcp »st«m Instrument für Vorträge.«* ermöglicht, »inen Gegenstand von mäßiger G:öße bi« winziger Kleinheit gleichzeitig einer Anzahl von Hörern— selbst Hun- dntm bei paffender Einrichtung— zu zeigen und zu erläutern. Bei dem gewöhnlichen Mikroskop wird von dem zu besehenden Köip�r'ein Lichteindruck an der Hinterwand eine» Auge« de« Beschauer« erzeugt, der ein vergrößerte« Bild giebt. Nur der «uetn, welcker stch mit dem Auge unmittelbar an dem In« befindet, kann beobachten. Bei dem neuen Apparat wird da« Bild auf einen weißen Schirm geworfen, wie bei »'«er Zauberlaterne(lateroa megia»), wo t« natürlich ein .Kanzer Saal voll Menschen sehen kann. Ein vergrößertes Bild kommt dadurch zu Stande, daß von dem zu beobachtenden Gegen- stand Lichtstrahlen ausgehen; soll die Vergrößerung einer «inie tausendfach sein, so muß die Helligkeit von einem tletnen Viereck, da« ein Millimeter lang und ein Millimeter breit ist, stch über«in Viereck vertheilen, da« ein ganze« Meter lang und breit ist. Diese» Viereck ist«ine Million mal so groß und seine Helligkeit also «ine Million mal so schwach al« die de» kleinen Viereck«. Da« gilt für jede« mikroskopische Bild, der Licht- eindruck ist also bei starker Vergrößerung sehr schwach. Aber bei dem gewöhnlichen Mikroskop find die Lichtstrahlen, welch« da« vergrößerte Bild von stch giebt, ohne Abzug ganz genau dieselben, welch« im Hintergrunde de» Auge» die R-tzhaut er- regen, die gesammte Helligkeit de« Bildes(immerhin srtzr viel kleiner al« die de« Gegenstände«) ist im Auge oereinigt. Des- halb kann man sür gewöhnlich mikroskopirm, wenn man durch einen Spiegel von der Größe eine« Zweimarkstücke« ein Büschel Tageslicht auf den Gegenstand vereinigt. Bei dem Bilde auf dem Schirm im Zirkus Renz ist die Lichtvertheilung aber viel ungünstiger. Von den Strahlen, welche dort zu einem Bilde zusammentreten, da» an fich schon eine Million mal so schwach ist als der Gegenstand, wird ein großer Theil vom Schirm »erschluckt und ein Theil davon wird im Zirku« verbreitet. Der Lichteivdruck im Auge wird also im Verhältniß außer- ordentlich schwach. Soll trotzdem etwa» deutliche» zu sehen sein, so muß daß kleine ursprüngliche Viereck sehr stark beleuchtet «erden und deshalb benutzt Profeffor Stricker elektrische» Licht. Man hat diese V-r-vendung schon lange versucht, aber tand den Uebelstand. daß die, arten Gebilde, die zur Unter. suchung kamen,(kleine Tbicre, Pflanzentheile,«örpersäste) in den darauf gesammelten Strahlen de« ungeheuer heißen Lichte« »ochtrn und verbrannten: e« war unmöglich so zu arbeiten. An dem vorgeführten Instrument ist da« Htnderniß der H!tz« käst ganz überwunden. Der Erbauer läßt nämlich die Strahlen durch«ine Salzlösung gehen, dort bleibt die H tze zurück und nur die Helligkeit kommt hindurch. � Prof. Stricker zeigte einig« Hauptfälle der Anwendung. Größeren Beifall al« die eizenUichen mikroskropischm Präpa- rate(starke Vergrößerung di» 4000 in durchfallendem Lichte) fand dir Darstellung eine« Knochen« im auffallenden Licht, bei schwacher V-rgrößcrung. Mit der sehr verwickelten Form diese« Knochen», der ein« Maffe krummer Kanten und Höhlungen hat, muß der Studirende genau bekannt gemacht «erden, denn seine Gestall ist plaitisch wichtig. Er steht aber «um den Knochen selbst, wenn er mehrere Schritt vom vor- sagenden Lehrer entfeint fitzt, und so fitzl die große Mehrzahl derselben. Pros. Stricker nahm den Knochen in eine kleine ■?«gr, hielt ihn in das Lichtbüschel de« Apparate« und warf dadurch ein scharfe« Bild davon auf dm Schirm. Er drehte »hn dazu nach allen Seiten, wobei da» Bild den vollen Ein- »ruck der körperlichen Erhabenheit machte, und rief jubelnde uederraschung hervor. .Das iaeschtlderte Mikroskop ist ficher ein wichiiger Fort- lchritt im Uvtelrichtswesen; wi e wichtig läßt stch aber erst bei allgemeiner Anwendung beurlh.ilm; denn da« Instrument ist «nmerhin ein theure» Ding, e« kostet außer dcm Aufwand für »»»»isentliche Mikroskop, das eigentliche Vergrößerung». Mument, all« di« erheblichen Autgadm für da« elektrische L?' von der Kraftmaschine an, durch die Lichtmaschine bi« zu �.�oblenftäben, und dabei giebt«» Fälle, wo«s möglicher Sri?»kW hilft und andere, wo man sich mit dm älteren der Vortragend« nicht in allen Theilen streng fachlich blieb, sondern die Gelegenheit zu einer aewallsamen Hervorhebung V i r ch o w' t benutzte, zu einem Personmkultu«� der um so peinlicher war, al« der unzart Verherrlichte dabei saß. Et fehlte nicht an mißbilligendm Bemerkungen hierzu zwischen dem Bei- fall der Maffm._ Kommunales. w. Begrenzung der Gegenstände de« Marktverkehr«. Da« Poltzeiplästsium ist entgegen der Anficht de« Magistrat« bei feiner Anficht stehen gtbilcben, daß darüber, ob eine Ab- weichung von der Polizei Verordnung vom 6. April d. I, de- ziehentlich des§ 66 der Gewerbeordnung in Htr.ficht der Be- grmzung der Gegenständ« deS Marktverkehi« zugeloffm werden können, nicht da« Polizeiprästsium und der Magistrat gemein- schaftlich zu beschließen haben, sondern der Bejirksousschuß. Bi« dahin, daß dieser nicht ein« Abweichung zugelaffen hat, soll der Magistrat sowohl in den untern al« dm ober« Räumen der Markthalle Gegenstände nicht zulaffm, welche al« Nicht wochmmarktartikel erachtet werdtn können. Der Magistrat wild weitere Schritte thun, um eine besricdigende Lösung der Frag« zu erreichen. Die städtische Markthallen- Verwaltung macht durch Anschlag tn den Hallen bekannt, daß in dmseiden der Gebrauch von Spilitu«- und Petroleumkochern zm Vermeidung von Unglücksfällen vom 1. Oktober ab verboten ist. Zoltair«. Die Hitze ist ja««« glücklich vorüber, und wenn ste auch mancherlei Drangsal und Beschwerdm mit fich brachte, so dmtm wir jetzt unter den herdstlichm Regmschauern dock mit einem Gefühl stiller Wehmuth an dieselbe zurück. E« ist ja wahr, ste hat un» manchen Schweißtropfen auSg'preßt, unter dm sengenden Strahlen der glühenden Mittagssonne kämpfte man häufig gewaltsam mit dem Schlaf— und nach- träglich sei e« eingestanden, manchmal unterlag man auch. In Berlin hat die Hitze bekanntlich mannigfache Opfer gefordert, man wird stch entfinnm, daß kaum ein Tag verging, an wel- chem nicht ein oder mehrere Personen vom Hitzschlage getroffm auf der Straße»usammendrachm. Da« find gewiß tief de- dauerliche Unglücksfälle, fi: find jedoch geschehm und müffen daher ertragm weiden. Doch nicht nur am grünen Strand der Spree brannte die Sonne unbarmherzig auf unsere Häupter hernieder, auch an der schönen blauen Donau wülhcte st« und dort schien ste sogar noch unbarmherziger und stechender zu sein wie bei un». Dort trieb ste sogar Junggesellen in« Ehejoch. Man höre nm wie Ed. Pöxl diese Tragödie, die er an stch s-ldft erfahren hat. im„N. W. Tgbl." schildert:„Meine Woh- rnrng liegt gegen Norden und hat so dicke Mauern, daß man jede Fensternische desondn« vermiethm sönnte. Im Winter fror ich ein wenig, da die Temperatur, trotz Beheizung beider Oefm, niemals über 13° R. steigen mochte, welche Zihl auch al« Wärmeziffer Unglück bedeutet— ich bekam den Schnupfen und kriegte ihn nicht mehr fo J. Wenn ich fo mit eingewick-lten Beinen am Schreidrische faß, freute ich mich aber unbändig auf den Sommer. Ich derechnete, wie wunderbar kühl meine Wohnung mit dm dicken Mauern und der Nordfeite in der beißen Jahre«- zeit fein werde und sah mich schon, während draußen die Sonn« mit tropischer Gluth über den schwülen Straßen und Plätzen brannte, im Halddämmer auf dem Divan hingestreckt. Ich schwelgte in der Vorstellung, daß mein« Haut fich dann so schön kalt anfühlen werde, wie eine geschälte saure Gurke. Al« daher d:r Sommer herannahte, beschloß ich, der mich drdienm- den Magd tn einer persönlichen Zusammenkunft die zur Kühl- Haltung der Wohnung entsprechenden Anleitungen zu geben. Ich muß nämlich demerkm, daß ich meine Magd nur äußerst retten von Angeficht sehe. Wenn ich um Mitternacht heim- komme, schläft fie natürlich; wenn ste de« Morgen« meine Appartement« betritt, schlafe ich, und wenn ich Vormittag» weg- gehe, besorgt ste ihre Einkäufe in der Stadt. Ich bin deshalb gcwöhnl'ch nm tn der Lage, schriftlich mit ihr zu verkehren, mittelst großer Papierdogen, auf welche ich meine Wünsche und Beschwerden in recht deutlichen Buchstabm htnmale. Auf dem- selben Wege nehme ich ihre Gegenäußerungm in Smpfang. Der Bogen mit der jüngstm Korrespondenz lag noch zu, Hand. E« sta-v darauf folgende Note von mir an„Barbara", welche ich sttafwetse immer so nenne, wenn ich ihr arg« Verstöße vorzu- wnfen habe, während ich ihr sonst di- mildere Form ihre» Namen« „Wabt" oder„Wettl" angedeihen laste...Barbara! 1) Seit 2 Tagen fehlt der Theelöffel. Soll ich den Thee mit dem Regenschirm umrühren Y 2) Wo ist der Sitefeiknecht? Hutschen Sie sich vielleicht darauf?" Darunter war von Wabi« Hand geschrte- den:„Gnä Herr der Löst i» schon da. er war im Waffer- schaff in der Kuchl drinet verzeign schon— Sttfllnecht i« awer ntt z'find'n, misen ihn selber tn g-d-nken«ing'stegt Harn."— Ich setzte darunter:„Lächerlich! Stiefelknecht ist emsig weiter zu suchen. Sie selbst wecken mich morgen früh; habe Ihnen Wichlig-» zu sagen." Wabi leistete der Aufforderung pünktlich Folge und ich gab ihr nun die Instruktion, daß die Fenster während der TageShttze geschloffen zu halten, Morgen« und Abend« aber zu öffnen seien. Die große Hitze trat bald ein, aber merkwürdigerwetse auch in meinen Zimmern— trotz Schattenseite, trotz dicker Mauern, trotz geichlvffener Fenster. Da ich mir die« nicht erklären konnte, so hiell ich e« für da» beste, gegen Wabi«ine strenge Untersuchung einzuleiten und verfaßte zu diesem Zweck nachstehenden Fragebogen:„Barbara! Ich sawitze in der Wohnung wie ein Fünf ireuzer-T Inzer. haben Sie etwa in Ihrem weiblichen Unverstand unaeachtet meiner väterlichen Ermahnung bei Tage die Fenster offen ge- habt? Oder haben Sie in Ihrer furchtbaren Gedankenlofig- keit vielleicht gar eingeheizt? Ich roch gestern so etwa». Oder mos haben Ste gethan?......... Gestehen Sie e« erleichtern Ste wmtgsten» Ihr Gewiffen dadurch, — Die Antwort will ich noch heute Abend finden, ebenso ein Handtuch, oder glauben Sie, ich werde mich zum Trocknen auf« hängen, weil Sie mir alle Handtücher wegschleppen? Wenn Sie mir jetzt noch einmal die Schuhe so fett schmieren und den Zylinder gegen den Strich bürsten wie letzthin, so werde ich den Schutz der Behörde anrufen. Gegeben um 10 Uhr Vormittag«, tn bedeutendem Unwillen." Die Antwort Wadt» lautete:„Nur nit bö« sein, gnä Herr, und ein Jurament. daß die Fenster nit ofen war'n und etng'beitzt a nit. Handtücher war'n eingspirt- mit Schach und Silmder schenste Orvnung. aas d'Hand." Es wurde immer heißer in der Wohnung, eine SNKMSWS uummM da» Ungeheuer.—„Et ist gut, Ba'.bara," stieß ich dumpf her» vor,„Sie haben wir wein Heim zur Hölle gemacht; mehr kann einem in der Ehe auch nicht paiftren. Thun Sie etwa« für Ihr Seelenheil» Sie werden'« nach dieser Aufführung noth-rendi, haben." Der verkauf von Backwaare, svezlell Brot, in seiner aegenwärttgen Form ist so abnormer Natur, daß e« eigentlich Wunder nehmen muß, daß fich da« konsumirende Publikum nicht schon lange gegen das absonderliche Prioilegium der Bäcker aufgelehnt hat. Da« Kaufen und V-rhuien ist im großen Ganzen nick s andere«, al« ein Tauschgeschäft, indem gegen eine gewiff- Summe landeeüblicher Münze entsprechend« W-rthodjekre etngetauschl werden. Da aber beim Tauschen l-tchi ein- Täuschung mit unterläuft und zwar regelmäßig zu Ungunsten de« Käufer», da der Verkäufer durch da« Münz- iyfiem, welches jeder Münze einen bestimmten Weith verleihä, vor jeoweder Täuschung dewahrt ist, e« sei denn, daß er falsche« Geld erhält, so ist zur Sicherung de« Käustr« auch dem Ber- käufer«ine gewiff: Wcrth-tnheit zu G:unde gelegt und der Verkauf findet statt entweder nach Maß oder Gewicht oder aber auch nach Slückzahl. Vermöge drffett ist jeder Kaufer in der Lage zu wiff-n, wie viel er kür sein Geld erhält resp. zu verlangen hat wenn auch der Peel« natürlich je nach dem Werth« de« Gegenstande« ein verschiedener ist. Im Bäckeret» gewerbe resp. tn dem Verkauft von Backwaaren, speziell Brot. bat aber da« gerade Gegenthetl von dem sonst üblichen Modu« Platz gegriffen. Hier herrscht allerding» auch eine Einheit, je- doch nur eine Einheit de« Ve kaufspreiseS, der auch keiner Ber- änd-rung unterworfen ist. Da« 50 P ig.. Brot kostet allemal 50 P'g., od die Getreide- oder Mehipreise n,n hohe oder niedere find, da« Steigen und Fallen der Getreidepreife ver» anschaulicht stch vielmehr hier an ver W:a«! find die Getreide» preise hövere, so wird da» Brot kleiner, find die Getretdeprets« niedere, so wird das Brot nicht größer. Da« Brot wird weder nach dem Meier oder dem Llter gemeffen, noch nach dem Kilo« gramm gewogen, die Gegenwerthdemeffung de» Pieise« ist vielmehr in da» Belieben jede» einzelnen Produzenten oder Verkäufer« gestell?. Ein solche« System de« Biotver kaufe« ist g radezu widnfinnig und hat die größten Unmträglichketten im Gesolze, da der Käufer vollständig vom Verkäufer abhängig ist. da er nie weiß, wai er sür sein Geld erhält resp. wa« er zu verlangen hat. Früher hatten wir die vrottoxe, d. h einen amtlich festgestellten lokalen Vrotvrei«. Der Verkauf de» Brote« ai« eine» der unentbehrlichsten Nahrungsmittel war von jeher Gegenstand polizeilicher Uederwachung, sowohl um stet« da« Vorhandensein der am Ost« noth wendigen Menge Brot zu stchern, al« auch um da« Publikum vor Preitübervo theilungen durch die Bäcker und vor p löslicher Bntheueruna de« Brote« möglichst zu schützen. Gewöhnlich wurde die vrottoxe auf 14 Tage Linau« und in der Weise festgestellt, daß durch die» selbe den Bäckem die au» einem vorgenommenen Prodebacken berechneten P oduktionskosten nebst dem orltüblichm Unter» nehmergeminn v rgütet wurden. Durch die Broticx« würde also das Vilhäilniß der Leistung(de« Preist«) zur Gegenleistung (de« Brote«) in tnlsprechender Weis« geregelt. Heut« ist die« nicht der Fall. Heute ist e» tn daS Belieben einet jeden ein» zelnen Bäcker« gestellt, fürs Geld so viel oder so wenig»u geben, wie er will, d. h. seine Waare so groß oder so Uetn zu backen, wie e« ihm gutvünlt. Daher heute bei der Gleichheit de« Preise» die voluminöse Verschiedenheit der Waare und die alltägliche Klage über die Kleinheit der Bäckcrwaare. Da« Prinzip der G-roerdefreihert verträgt allerdings eine solche Beein» fluffung de« Gewerdedetriebes der Bäcker, wie s. Z. durch die Brot- taxe, nicht mehr und die deutsche Gew. Ordn. vom 21. Juni 186% §73, bestimmt daher auch nur, daß Bäcker und Verläufer von Back» waaren durch die Orispoltzeibeböcde angehalten werden können, die Preise und da« Gewicht ihrer verschiedenen Backwaarm für gew'.ffe, von derselben zu bestimmende Zeiträume durch einen von außen stchtdaren Anschlag am Verkaufslokal zur Kenntniß des Publikum» zu dringen. Derartige Anschläge bieten aber keinerlei Sicherheit, denn wenn e» auch scheinbar Jedermann sreigeftellt erscheint, zu kaufen, wo er will, so ist die« doch nicht immer zutteffend. Da« Märchen vom„größten Brote", die„Zugabe" u. A. find Uedeistände, welche durch da« elgenthümlrche Privilegium de« schrankenlosen Verkauf« hervorgerufen worden find, die dringend einer Abhilfe de- dürfen. Wenn«i auch nicht angängig ist, die Brottcxe wie» der einzuführen, so giebt et doch etn schr einfaches Mittel. die Käufer vor Uebervortbeilung zu schützen, ein Mittel, wel» che» in Thüringen, in Wien u. a. O. mit großem Erfolge in Anwendung gebracht wird, nämlich der Verkauf de« Brote« nach Gewicht. E« ist tn der That nicht einzusehen, weSholh gerade die Backwaaren eine Ausnahme von der allgemeinen Regel machen sollen, zudem etn Verkauf de« Brode» der Natur der Sache gemSß am nächsten liegt, di doch die Quantität Mehl, da« zum Backen de» Brote» verwendet wird, auch abge» wogen wrrd, der Preis des Kilo Brot fich also feststellen laffen muß. Möge dann immerhin der Preis des Kilo Brot nach den verschiedenen ProduttronSkosten ein verschiedener sein, der Käufer wird immerhin ficher sein, ein« bestimmte Gewichtseinheit überall zu erhalten, wa« immerhin vor» theilhafter ist, al«, wie e« gegenwärtig der Fall tff, eine Preiseinheit und eine Verschiedenheit der Warte. Durch den Vrrkauf de« Brote« nach Gewicht wird außerdem noch «in nicht zu unterschätzender Vortheil erzielt, indem dadurch da« Publikum tn dte angenehme Lage vnseyt wird, ganz nach Bedarf kaufen zu können, wahrend j tzt sehr oft über Bedarf gekauft werden muß. Na kleinere Qranlitäten, al« ein geformte» Brot, nicht verkärfl ch find. Wohl verstehen fich manche Bäcker dazu,„halbe" Brote zu verlaufen, doch tritt hierbei da« Unhallba« der heutigen Veitaufsweife recht an» schaulich zu Tag«, indem da» ganze Brot etn'-rch in der Milte durchschnitten und nun alt entsprechende« Drantum sür die Hälfte de» Preise« verkauft wird, eine Manipulation, die auf jedem anderen Gebiete mit Entschiedenheit zurückgewiesen wer- den würde. Der Verkauf de» Brote« nach Gewicht tff eine gerechtfertigte Forderung, deren Erfüllung von allseitigem Vor» theile begikitet sein dürfte, auch für dt- Bäcker, da die gebotene Möglichkeit, stet» frische Bnckwaar« zu erhallen, den Konsum steigert und durch da« pfundweise Verkaufen von Brod da« heutige unumgängliche Borgsystem entschieden eine Veninge» rung erfahren würde, da e» die Meisten vorziehen«erden. kleinere Quaniiiäten zu kaufen und stch damit einzurichten, al», oftmal« nur tn vorübergthender Verlegenheit, größere Quantitäten zu borgen. Auch«i« Stück soziale« Elend«. Zweifellos hat die Schauspielkunst für Fernstehende etwa« ungemein Anziehend-«. Der anscheinend« Glanz de« Bühnenlrb nL verflüchtigt stch aber, sobald man ruhig prüfend den Dingen näher tritt. Nur «entgen darstellenden Künstlern ist e« aegeben, fich über dte große Maffe zu erheben und von der Mifäre ein,« jammer- vollen Dasein» oerschont zu bleiben. Da« Schauspieler- Proletariat ist wahrlich nicht gering. Seit Iahren w«rd«n Anstrengungen gemacht, den Stand zu Heden und die sozial« La»« ftbwt Mitglied«: zu b'ffttn. Vergebliches Lemübm! Vor etwa zehn Jihren geschah die Gründung der G-noffttv schalt veutswer Bühnenangehörigrr. WaS für ein Suff'bf« wurde damals und wird noch heute von ihr in allen Ton« orten gewacht. Aber die Erfolge dieser Genoffenschatt, die»ie so manche andere Affoziation dem Wah�e huldigte, durch„Selbst. Hilfe" etwa» erreichen zu können, find gering. Nicht einmal dem Agenten unwesen, an dem der Sckau spiel erstand zu einem nicht geringen Theile trankt, verwa, abgeholfen zu wer« den. Die Zustände, die in dieser Begehung herrschen, spotten jÄ>er Btlchlerdung. Ei h'lischt ein Sklaventhum, dessen Fesieln theilweii« eisern« find, als die de» Alterthuars. Jüngst wurde uns Gel genh' tt geboten von einem Schauspielnkontrakt Kennt- niß zu nehmen. Der Inhaber d-ffelben, ein junger, sehr talen« titter Mann, batte fich o')nc jcdc Zoischerprrson an den Di« rektor eine» hiefigen Theater» um Engagement gewandt. Er wurde g'p üst und für da» Institut al» geeignet befund n. Run sollte man meinen, der Direktor bätte s-ldst den Kontrakt aufsetzen können. Weitgefehlt. Der Enger e mutzte fich zu einem der„ersten" Theareragenten begeben, da daS Schrifistück i»nt-rschretben und fich vtlpflichten, während der ganzen Dauer seiner TbättgteU. die nun ein oder zehn Jahre betragen mag, an der Bühne deS Direktor» dem Agenten'»r während S»Ct. der Gage zu zahlen. Das find die horschenden Zustände an den meisten Bübnen, die tzoith-at« einbegriffen. Ob die MonatSgage 60, 100 oder mehr Mark betragt, gezahlt mutz werden. Wie erwähnt, der erwähnte Schauspieler hat die Vermiltelung des Agenten gar nicht in Anspruch g nommen, er ist von dem Direktor seit st geprüft und iür tüchtig«klärt worden. Ob der lttztere wieder von dem Agenten Prozente oder Kaenv weiche Vottheil« bezieht— w-r aeitz? 1 Der junge Mann hat nun monatlich von seiner Gage ca. 10 M abzu ühren. Es(Hebt Inhaber hiesiger Theateragmturen, die Millionäre find, Equipage halten und im Sommer auf ihren ländlichen Besitzungen leben. Hunderte von Schauspiel«« find in der geschtls-rtin Weise von einem einzigen Ranne ab» htfngig. Das Jammervollste ist nur, datz es Widersetzlichkeit nicht geben kann. So ein Theateragent, der permanent die Versorgung der„Musentempel" hat, g«dt ohne W-itnei über einen Prorestler zur Tagetordnunz über. Deffen ganze Zu« luntt kann dadurch vernichtet wnden; er wird von keinem „anständigen" Theater mehr engagirt. Wer gehörig schweif« wedeln und Exlragra'ifikattonen gewähren kann, ist«inet bal« dtgen Engagement» sicher.— WaS wir hier geschildert haben, ist leider nur eine schwache Wiedergabe der thalsächlichen Ver« hältniffe. Di» g nze Elend. das Ausbeulung« wesm d.w Theat«ager.tcn und tb'er Protektoren träte«st zu Tage, wenn man de» Bannes gedächte, unter dem die weiblichen Schau« spitletträste stehen. Ei« Bild vom Berliner Fleischkonsum. D« Berlin« Konsum an Schlach'oiebfletsch wild abgeschätzt auf 667 909 Ztr. Rindfleisch. 629 252 Zlr. Echwrinefleisch, 153220 Z». Kalb. sl-rsch und 126 832 Zrr Hammelfleisch, im Ganzen 1 577 233 »Jentn«. E« beläutt fich dar ach dn Fleischkonsum pro Kopf und Jahr auf 63 1 Kilogramm. Freilich dürfte fich dies« Konsum dU'ch zahllose Poftpacktte, Pttoatsendungen k., sowie ander« der Kontrole entzogene Firischbezüge de» Handels auf 75 Kilogramm«höhen, so daß also der Berliner jährlich durch- schntuliw 1% Zentner Rind-, beza. Schweine-, kalb, und Hammelfleisch verz'hrt. Dabei find Wild und Geflügel (darunter allein eine Million Gänse), sowie 6—7000 Pierde nicht in Betracht gezogen.— Ja Bezug auf den letzteren konwmartikel hört man im Allgemeinen, daß der Vnbrauch desselben durch jene Agitation, die fich bekanntlich vor einiger Zeit namentlich gegen die Pferdewurftfabrikanten«bob, zwar nicht erheblich zurückgegangen sei, datz ab« der Preis der Waare um die Hälfte gesunken ist. Jnuuvgsspteleret Berliner Gaftwirthe. Die Gast« wirth»»nnue>g unler Führung des antisemtlischen Obermeistns K-ck hat wies« eine Sitzung abgehalten, in der man über die Anschaffung einer Fahne für die In Nanz und ein abzuhaltendes Stiftungsfest eingehend verhandelte; auch ein G hllfenausschutz au» den Kellnern soll für die Innung gebildet werden.— Wenn irgendwo die Jnnungs-Arbernheiten nicht am Platze sind, so ist das bei den Gastwirthen der Fall. Die Gründe stno flietnlich einfacher Natur, und es wäre wirklich intereffant zu erfabren, wieviel„gelernte" Gaftwirthe fich eigentlich in dies« Innung befinden. Au» dem urs vorliegenden Bnicht geht übrigens auch noch hervor, datz ver chiedenen JnnungS- Mitgliedern in jener denk oürdigen Sitzung unter dem noth- weilviaen zerenontrllen Klimbim„Meisterbriefe" übenetcht wurden. Vielleicht haben ti se Herren noch einen besonderen Be« fähtgunasnachwit« im„Schneiden" abgelegt. „Cogabled volapük-lat". Die bescheidene Ecke, welche Familreu und illr. stritte Biäit« bisher dem Bilderräihsel ein« geräumt haben, hat vermuthlich nicht allen Abonnenten genügt, sonst könnten wir un« kaum da» Erscheinen ein« neuen Zeitung im Formate der„Fliegenden Blätter"«klären, in welcher die Legenden zu den Zeichnungen, Titel und Texte schlechterdinft» nicht zu ve- stehen find.„Cogabled", so hertzt da» neue Unternehmen: die stehende oder vielmehr liegende kcmische Hauptfigur des jüngstm Witzbla-'tr» ist eine auf dem Erdball ruh.-nde Dame in— Nairentraidt; die sonstigen karrika uren find mit mehr Behagen als Talent gezeichnet. Wählend man bei denselben aber doch wenigsten« weiß, was fie bedeuten können, r ersteht man die Reden dieser Kellner, Salvndamen, Fuhrleute, Schulmeister, Bergsteiger, Welt« schmerz!« und Jäger ganz und gar nicht. Wer sich den Kopf zei brechen will, kann zu den ht« verewigten Gestalten die besten oder schlechtesten Witze erstm-en. O»« bei seinem Rathen das Richtige getroff.n, bleibt freilich eine ungelöste Frage. Erst da wir den Einlagebogen mit den Inseraten in die Hand bekommen, fallen un» ein paar deutsche Titel in die Augen; aber die hi« angekündigten Reftauraat», Bücher, Gasmotoren. Tabake ,c. wollen in ihren ntherin Eigenheiten gleichfalls nur geahnt, nicht gemein« verstärdltch bezeichnet sein. Man ist scho-, nahe daran, die Ze tung mit demselben Verbrutz beiseite zu legen, wie ein holländische» oder schwedische» viatt, in dem man durch halbe Analogien gewiffer Worte mit Au»drücken der Muttersprache eher geärgert al» erfreut wird: da bringt un» endlich eine Ankündigung, gleich dem berühmten, dreiipachtgen Stein von Ro ette. die Lösung her Hinogiyphen. Deutsche und sronzöstsche Uedersetzungen de» seltsamen Kauderwäisch enthüllen un» endlich wo um» fich im„Cogabled" handelt:„Um dem Bolepül eine größere Popularität zu verschaffen, hat der Vola« pük-klud Mürchen dm Ei tschiutz gefatzt. ein In dieser Welt. sprackre(!) geschriebene» tllu stritte» Utterhaltungsblatt unter dem Titel:„cogabled volapülelat"«scheinen zu laffen. D« Bnetn ist hl« bei von folgenden Vorau»s,tzangen autgegangen: Humottstische Zttt chttften, die tn einer ftemven Sprache(hier in Volapül) grchrieden find, werden bekanntlich viel eher und mst weit mehr Jntereffe gelesen, al« einheimische oder solche, d««n Tendenz rein wiffenschaftlicher od« allgemein« Naiur ist. Namentlich aber wird ein Studium, dem ein anregend« Stoff untnlegt ist, viel lieber bettieben, al» ein solche» mit trockener, rein ooltrinär« Bast». Der Schüler, der stch das Studium de» VolapÜk zm Aufgabe gemacht hat, wird demselben mit viel größerem Eifer obliegen, wenn stch die von ihm vorgenommenen Uebersetzungen in Gestalt heiter« Erzählungen und W-tze präsentsten, a's wenn fie ein ernste» Thema beyandeln. Wenn auch VolapÜk zunächst Handel»« und Verkrhrssprache wnden soll, so ist damU doch nicht außgelchloff-n. daß auch andere. die nicht«ejchästtleute find, fich mit VolapÜk beschäftigen. Diesen wird«S nur angenehm sein, wenn fie ein Blait in die Hand bekommen, da» ihnen Fortbildung und Unterhaltung zu gleich gewährt. In je weiter« Kreise Volapül eindringt, desto bess« ist es für die Univnsalsprache, die ja die ganze Wrlt, so weit möglich, sprachlich einigen soll. Bit her find zwar schon mehrere Zeitschriften, welche Volapül behandeln, erschienen, aber alle diese find national. VolapÜk ab« soll int«national wn« den, d«»balb mutz ein ininnatronalrs Organ geschaffen wnden, und dieS kann nur dadurch geschehen, daß das ganze Blast nur tn Volapül geschrieben ist, wie wir es deabstchtigen."— Der Gedanke an stch mag ja nicht so schlecht sein, vorläufiz ad« machen die Anstrengungen dies« internattonalen Sprachgesell- 'chaft doch vorwiegend nur einen komischen Eindruck, und d« testende Humor, der darin liegt, datz die Parteigänger des „VolapÜk" ihre Sprache am wirksamsten durch ein„internationales Ausgelachtwerden" zu fördern gedenken, verdient dankbare Anerkennung. Ja, w« fich nicht selbst zum Besten hosten kann, der ist gewitz nicht von den Besten! Die Anszahlnog des sälligea Lohnes beim Eintreten einer Arbeitseinstellung ist für den wetteren Verlauf der Ar- deitseinstellung in der Regel ein sehr schwerwiegende» Macht- mittel in der Hand d« Arbeitgeber, wenn dies« die Lohnzah- lung verweigern, was st: gewöhnlich mst dem Hinweise darauf thun, datz die erfordttliche Auslündigung des Ardeitsverhält- risse» nicht orbnunatgemätz«folgt sei, und datz aus diesem Grund« von den Arbeitgebern die Löhnung wegen erlittenen Schaden» zurückbehalten«erde. Dies V-rfahren wird nicht selten von solchen Meistern beobachtet» die fich im Besitze nur kleinerer GeschäftsSetriebe befinden, weil für fie die Einbehal- tun« d-s verdienten Lobnes zugleich einen reellen Nutzen gewährt, der unt« beschränsteren witthschaftlichen Verhältniffen «heblicher ins Gewicht fällt und der sür die Streikenden nach- thestige Est stutz dieses Verfahrens hat stch recht eklatant bei dem kürzlich in Hamburg ausgebrochenen Bäckerstreik gezeigt, wo die Meist« mehrfach die Auszahlung des verdienten Lohn» an die Ges-llen verweigerten. In einem Falle, wo fünf strei- lende Gsellen ihren gemeinsamen früheren Meister verklagten, ist nun, wie von Hamburg auS an hiestge Berufskollegen mitzetbeilt wird, die richi«liche Entscheidung ergangen und zwar zu Gunsten d« Gesellen. Von dm fünf llazenden Gesellen, welche zusammen zirka 144 Mark beanspruchten,«schien ein« im Verhandlungt- termin nicht, weshalb betreffs seiner angenommen wurde, datz « auf die Vnfolgung seines Anspruches— im Betrage von 22 Mark— verzichte, während den übrigen vier KIäg«n der Rest mit 122 Mark zugesprochen wurde. Der Richter begründetc seine Entscheivung folgend: Der Arbeitgeber müsse zugeben, datz« nichts«widert habe, als ihm die Kläger am Sonntag, den 22. August er, miltheilten, datz fie am 27. August die Arbeit einstellen würdttr. Dadurch, datz keine Antwott erfolgt sei, habe der Bäckermeister ifich stillschweigend mst der Ar- dettsnnstellung einverstanden«klärt und könne diese an- kärgliche G-nehmiguna nachträglich nicht einseitig zurücknehmen. Au» diesen Gründen könne er auch nicht berechtigt erachtet werden, den v«dienten Arbeitslohn vorzuenthalten, weil die Kläger nur von der stillschweigend erlheilten Erlaubnitz Gr- brauch machten, die Arbest einzustellen. Der Bäckermeister wurde verurtheitt bei Vermeidung der ZwargSvollstreckang— sab poena exentionia heißt es in der Entscheidung— an die Kiäg« die geforderten Summen zu zahlen. Ausdauer ist eine Tugend für jeden SpottSman und namentlich beim Angeljpott. Sätzen da am Mittwoch f:üb bei kaum+ 4 Grad Reaumur ihrer vier auf ihren kleinen Löten unterhalb Stralau und angrlt-n mit Ernst und Eifer, soweit man diese Willensäutzerunaen beim Angeln überhaupt anwen« dm kann. Der beste Köd« wurde präparitt, die fettesten Picräs« an den Angelhaken gesteckt und anderes Fischfutter ausgeworfen, um die stummen Bewohner der Fhah anzulocken.— Alles vergeblich. Die Fische schrenen stch verschworen zu haben, nach dem sonnemeichen Sommer leinen Biß mehr an eine herbftliche Angel zu thun, und blieben fern. Nun mutz man die Ausdauer eines Berlin« Anzln» kennen, um zu begreifen, datz trotzdem die Vi« auf dem lallen Waffer bis gegen Abend auShielten. Heute liegen drei von den Vieren an heftigem Gliederreißen zu Bette, während bei dem Vierten die nirorige Temperatur fich die Eingeweide alt Angrtffiobjett ausgesucht hat. Alle klagen und fiöhnm. nur die resp.„Mull«»" machen warme Umschläge und Kanrllenthet, damit sie doch auch etwaS von dem Angelorr- gnügen haben. Um rechtteittg in de« Besitz eines Waudergrwerbe« schein» sür da» Jahr 1887 zu gelangen, ist-S für die inUtejsttten Personen zu empfehlen, ihre diesbezüglichen An« träge mözlildit bald und zwar, wenn thunlich, biß zum l. Oktob« d. I». mtt« Vorl-aung ihrer LegitimalionSpzpicre bei d« Polizeibehörde ihre» Wohn- od« Aufenthalltottrs an- zubringen. Nur dann ist et möglich, die noch§§ 55 ff. der Reich»« Gewerbe- Ordnung vom 1. Juli 1683 erforderliche Prüfung und die nöthigen Vorarbeiten fo zeitig zu bewirken, datz die Antragstell« zum 1. Januar 1887 in den Lefitz drr Wandergewerbr scheine gelangen und von da ab ihr Gewerbe betreiben können. Wir machen hinauf diejenigen Perkonen aufmnksam, welche derattige Scheine für da» Jahr 1886 befitzen oder früher besessen haben od« welche den Gewerbe- betrieb erst neu eröffnen wollen. Wer den Antrag verspätet stellt, hat es sich selöft zuzu chreiben, wenn er Mangelt ve» Lefitz! S eineS Wandergewttbescheines vom Beginn des nächsten 3 ihres ad das Gewerbe nickt ausführen kann, ohne der vtrafoorschrift des§ 148 Nr. 7 a. a. O. zu verfallen. Ein Haidvergessener! Niemand mehr haste sein« ge« dacht. Und wie sollte man auch. Wochen auf Wochen hatte die Sonne in gleich« strahlender Gluth auf die Menschen« linder h«abgeschaui und haste ihnen das an stch siton so schw«e Leben noch um vieles schwer« gemacht. Ja, da« Wort „un«träglich" hatte eine Bedeutung aewonnen, datz man ihm wirklich glauben mutzte, und nach Kamerun war eine Sehn« sucht«ttstanden, die sehr leicht dadurch«klärt ward, datz man dort bei nur gleicher Temperatur in ganz and«« Weise doch auftreten könnte: nämlich nackt. Aber Kultur und Zioilisaston find zu gewaltige Begriffe, die selbst vor den serkrechtesten Sonnenstrahlen Stand hasten und Pantalons und Zq'indnhut gehötten auch an den glühendsten Tagen zur Tagesordr.ung. Ab« der Somm«üb«iieher, den gebrauchte man nicht. Rock und Weste deckten schon mehr als genügenv, hüllten uns schon zum Uebermatz ein. So hing« denn da in dem dunsten Kleid erspinde, der Somwelittxrziedrc. Keilt« Seele kümmerte fich um ihn, und« wußte beretts ebenso wenig wie sein ve« fitz«, wozu« eigentlich da sei. Un» dabei war« doch ganz offenbar zu schade, so abgeschlcffen von de» Tage« Licht im dwttlm Kell« eines Schranke» seine Tage dahinbringen zu müssen. Hätte ihn nicht hin und wieder eine rauhe Hand gepackt und ihm ein Paar mtt einem Stock ausgezogen, er hätte daran verzweifeln müffen, ob üb«hauvt noch jemand sein« ge« dächte. Da, ein tLHIn Luftzug durch die heißen Straßen I Sofort ändert fich die Sstuarion auch für den vttlaffenstm Ueberzieh-t. Sorglich ward t« so lange grausam Verstoßene pieber hervorgeholt, und w« ihn in sein« Behausung nicht hatte thaten- uns zinslos wollen yängen laffen, der gkhi jetzt gedankenschwn ewh« und stnnt auf Wege und„Mittel", den vorschnell Berstotzmen«vied« in Ehren bei stch aufzunehmen. W-r aber können beftett aufathmen, seit wir uns wie»« be- sch ästigen können mtt unserem Sommerüderzieher, dem Halb« vergeffenen. Eisenbabnunglück auf de« Potsdamer Bahnhof. Ein schw«e» Eisentahr unglück hat fich gestern früh auf dem Potsdamer Bahrhof«eignet, 11 Reservisten vom 3. Gardo Ulanen-Regiment find verwundet, hiervon 8 schwer, meorere hoben derartige Verletzungen«hatten, daß an ihrem Auf« kommen gezweifelt wird. Heber das Unglück geht den Blättern zurächst von dem königlichen Etsenbahn.B-trieb,amt(Berlin Magdeburg) folgend« Bericht zu;„Bei Ein ahrt deS 4 Ugr 4 Minuten Vormittags heute von Potsdam ankornmendm ReservistenzugeS streifte derselbe unmittelbar vor der Halle des hi'figen Potsdamer Bahnhofes einen üb« den Distanzpfahl stehenden leeren Wagenzug, wobei zwei besetzte Personenwagen beschädigt wurden. 11 Reservisten vom 3. Barde Ula en. Regiment wurden thellS schwer, theils leicht verwundet Die erste Hilfe wurde den Verwundelen von mehreren in der Nähe des Bahnhofs wohnenden A«jien und Heilgehilfen, welche auf die Be-iachrichiigung seitens d« Station sofott herbeieilten, ge- leistet. Die.Uetnfühiung d« schwer V«letzten erfolgte thetlS in daS Garnisonlazareth. thellS in dat Elisabeihkranlenhaus. Dem 3. Garde-Ulanen-R.'glment find die Namen d« Ver« letzten brhufS Benachrichtigung der Angehörigen sofort tele« graphisch mitgetheill. Di« Untersuchung ist eingeleitet. Der diensthabende StatlonS Ajststent ist vorläufiz vom Dienst ent« bunden. Die Namen der Verletzten find: Gefteit« Jahann Pawloczy! au» T'ojanowo, Kreis Odornick, Ulan J-UuS Buischat auS Alnopönen, Kreis Pilllallen, Ulan Paul Octel auS Milostowo, Kreis Birnbaum, Ulan Stanielau» Gill aui NeuhauS, Kreit Bromberg, Ulan Gottfried Hasenputsch auS Groß« Kehrten. KreiS Friedland, Gefteit« Karl Tennigkeit aus Tilsit, Ulan Johann Rohde aus Uschneider, KreiS Colmar, Gefreiter Kutzn« auS Groß-kotz-nau, KreiS Lüben, Regrerungsbezir! Liegn'tz, Ulan Ignatz Bint-wsly aus Neu«klungwitz, KreiS Schwedt, Gesrett« Friedrich Haupt aus Schellschwrdten, kreis Niederung, Gefretter Albert Schachtlinger aus Mockcau, kreis Graudcnz." Das Unglück«eignete fich einig« Schritt vor d« Einsahrtshalle de» Bahnhofes» in d« Nähe des Zmiralweichenthurms. Der PoiSdamer Extrazug, der dicht mit Reservisten besetzt war und auS dn Maichine» dem Gepäckwagen und 12 Personenwagen bestand, lief auf dem dem recht« seitigen Perron benachbarten Geleise ein; daffelde macht mehrere Krümmungen und Echlanaenwindungen, auf dem anderen Prrrcn des rechtsseitigen Geleise» hielt ein lecrer Lokal, ug; damit bei der Krümmung die Wagen beider Züge nicht»nein« anderstoß-n können, darf der tn d« Halle haltende Zug nicht über einen bestimmten Grenzpfahl hinausgeschoben wndm; hierbei ist daS Versehm vorgekommen, der letz!« Wagen des lenen Zuges befand fich über den Distanzpkabl. Wie dies ge« kommen ist, darüb« erfahren wir folgendes: Allabendlich pflegt einer der vom Potsdam« Bahnhof kurstrenden Lokalzüge in der Halle zu verbleiben, um am Morgen gleich zur Stelle zu sein. Et besteht nun eine Vorschrift, daß in der Halle selbst Wagen nicht gereinigt werden dürfen. Um die Reinigung de» eben erwähnten Zuges vornehmen»u können, war der dienst« habend« Rangirmetst« genöihigt, den Zug zurückschieben zu laffen. Dabei kam unvemertt der letzte Wagen üb« den Distanzpsahl hinaus in die Weiche hinein, welche nach dem ersten, zum. westlichen Seiierperron führenden Geleise geht. Diese Weiche liegt kaum zwanzig Schritt vom Zentralweichenthurm entfernt. Im Dunkel der Stacht soll auch von hi« aui da» Uebergreifen de« WagenS nicht be« merkt sein. Eben so wenig fiel es dem diensthabenden Statwnsaisistenten Nahrgang auf, d« allerdings verpflichtet ist, den Bahnhof bei Uebnnahme deS Dienstes genau zu residiren. Als nun d« Potsdamer Extrazug auf das west- liche Geleise einfuhr, kam Maschine und Gepäckwager. an der Weiche zwar noch vorbei, die deidm darauf folgenden Per« soner wagen ob«, die von breiterer Konstruktion waren und Mttelperron hatten, stießen mit voller Wucht an den Wagen an und wurden vollständig zettrümmert. Die Aufregung, welche der Zusammenstoß h:rv errief, war ein unbeschreiblicher. Schmerzensgeschrel drang au» den zertrümmerten Wagen, er« schlacken stürzten au» den übrigen Wagen die Reservisten auf den Perron. Von den zkrtrümmertm Wagen waren die Eltzbärke vollständig in einander geschoben und hatten Alle?» wa» zwischen fie gekommen, zermalmt. Bei der noch herrschenden Dunkelheit v«ging doch immerhin einige Zttt, bis man die ersten H lfSlräfte zur Stelle hatte. Die in den de-" Bahnhof benachbarten Straßen wohnenden Aerzte und fctil» aehilfen wurden sofort gewtckt und begaben stch eiligst an die UnglückiftäUe. Auch der Telegraph hatte schnell die Kunde überallhin vnbreitet, so datz ärzUiche Hilfe in ausreichendem Matze vorhanden war. Die Verletzten wurden aus den Trüm- m«n in den d« Unglücksstelle fast gegenüb« belegenen Dienst« räum gebracht, in dem Pelze und d«gl. aufbewahrt««den. Generalarzt Valentini, Prof. Burlt, Santtätsrath Feig und mehr«e andere Anzte legten unter Asfistm» der Heilgehilfen vor Allem Nothoerbände an. Autz« den mehr od« minder schwer verletzten 11 Ulanen hat eine Anzahl leichte Kontusionen, Hautabschürfungen und Quetschungen«lttten- Ein ärztllehtr Eingriff«wie» fich aber hi« als nicht nothwendig, so datz all« diese Reservist, n heute ihre R-ise fortsetzen konnten. Dft schweren Verletzungen find größtentheil« Beinbrüche. Die leicht Verwundeten wurden per Droschke, die üb.lgen per Tragbahre weggebracht, zu«st nach dem Elisabeth- Krankenhaus, dann, als um 8 Uhr Mannschaften des 2. Garderegiment» mit Trag« fö.ben anrückten, nach dem in der Scharnvorststratze belegenen Garnisonlazareth. Der Transport dehnte fich trotz der größten Eile, dte angewendet wurde, doch bis nach 9 Uhr au». Die Unglückistälte bot einen entsetzlichen Anblick, kleine Blutlachen hatten stch gebildet. ab« von Seiten dn Eisenbahn« Direllion wurden sofort alle Anstatten getroffen, um% Spuren der KaiafKophe zu beseitigen. Da die G leis« nl«* beschädigt waren, so gelang die» seb? schnell und in% zehnten Stunde war von d:m Unglück kaum noch etwas gewabren. Die Kunde hatte stch in der Stadt schnell v-rb:««» endigung der AufräumungSarbetten wurde die Absperrung d« aufgehoben und man konnte den Ort der Katastrophe nau bistcktigen. U-derall in der Stadt gab stch die lebhaft«� JbeUnahw« für die Verwundeten kund, dir nun nach beendeter Mrlitarzeit sich freuten, in die Helmath und zu»en zurückzukehren. Gefiern Mittag wurde mehrfach da» Gnü»' rttdreitet, datz von den Verletzten b««itS mtdr«e ihren den erlegen seien. Die» ist jedoch zum Glück nickt d« 7 der Verletzten find im Garnison. Lazarett, in dn Scharnhorst Kratze, 2 im Tempelhofer Garnisonlazareth und 2 im@#� krankenhaus untergebracht. MGWUM Rette Burschen. Als vorgestern Rachmtttaß in de* »<* rö ihm enllona ging, wurde der kleine Knabe von ge�eniommenden halbwüchfigen Burschen so er« :V % mmm## vtm frechen Ben gel:„Wirf doch den gan,en Vengel in die Spree, damit det Lamento uffeört." In diesem Augendlick kam vom Hotel d'Angleterre her ein H:rr, welcher von Weilem Zeuge de» Vorgange» gewesen ist, um der bedrängten Frau L. H lfe zu leisten. Er suchte den rohen Patron zu fassen, doch dieser entwand stch bald und suchte mir seinem Genoffen da» Weite, so daß der freche Streich lewer ungeahndet bleiben wird. Wege« rasfivirter Zechvrellerei, die stch als Betrug kennzeichnet, wurde die unter ftUenpolijUitcher Kontrole stehende unverehelichte A. verhaftet. Sie mlethete vor einigen Tagen AdentS im Zuviel ein Zimmer, liest sich in» Fremdenbuch oll Putzmacherin Elise Jacob au» Karlsruhe eintragen und ein gute» Diner nebst einer Flasche besten Burgunder» austragen. Di« Nacht brachte fie außerhalb de» Hotel» zu, kehrte aber am folgenden Morgen zurück, beauftragte den Portier, 7 Wart 50 Pf. Dioschkengeld für st« zu verauslagen, ließ stch ein Bad bereiten und verzehrte mst großem Rop-lit eine bestellte Mahl- zeit und eine Flasche Burgunder. Al» der misttrauisch gewordene Oberkellner um Zahlung hat, stellte stch herau», daß die St. nicht«inen Pfennig Geld besäst. versuchter Diebstahl tm Opershause,»m Abend de» 22. d. M. nach Schluß der Voruellung im lönigl. Opern Hause temerkle ein Btlleteinnehmer, dast beim Heraustreten de» Pu- hlitumS au» dem Pirquet in dm Garderodenraum ein dü riig gekleideter Mann ohne Vorzeigung der Marke einen Paletot vom Garderobenständer herabnahm und stch mit demselben entfernt». Der Dieb wurde festgehalten und der Ueber, icher seinem Eigenthümer, einem hiestgen Kaufmann, wieder zuge- st-llt. Der Thäter nannte st» Krüger und behauptete, d-st er Sch nicht, um Paletotdiedstähle auszuführen, sondern um eine nstellung al» Stallst zu erlangen, in da» Thealer eingeschlichen hatie. Auf Grund de» Verbrecheralbum» wurde in dem Dtebe der vielfach wegen Diebstahl», zuletzt mst 6 Jahren Zuchthau», histraste Steindrucker G unecke ermittelt. Wie dem„vörs.-Kour." mitgethetlt wird, befand stch Donnerstag, früh, die Leiche de» Seldfto-ülder», welcher stch am Montag Abend auf der Görletzer Bahn zwischen Adler» Hof und Gii-sicke auf die Schimm warf, noch immer etwa Kundert Schritt von dem Thal orte entf-rnt auf offenem Felo«. Der Ruaipf und der abgetrennt« Kopf liegen zum Enlsetzm der Paffanten und Insassen der vorbeifahrenden Züge nah« an den Geleisen. E» scheint unbegreiflich, dast von zuständiger Stelle nicht» geschl ht, um dtesem peinlichen Zustand« ab- Etn bedauerlicher Unglücksfall ereignete stch gestern Vormiitag auf dem Grundstück der Chemikalienfadrlk von Dr. Windenckcr, Kottbuserstc. 14. dadurch, dast ein dort deschästigter Monteur eine Treppe hinunterstürzte und stch derartig an den Betnm oerletzte, dast er nach dem Krankenhause Bethanim überführt weidm mustte. Eine« schnurrige« Anblick gewährte gestern Vormittag die Zentralmartl Halle. Männer und Fraum entstiömien der- selben sortwährmd, Jeder mit einem Paar lebmder Enten im Arm. Für manchen neuen Herbstanzuz mag dieser Transport von unauslöschlichen Folgm gewesm sein. Ein Malier ver» steigert« näwllch einen grostenPosten dieser Thier«. Der Au»> ruf« schwang beständig zwei dieser schrecklich schreienden Enten« vögel hoch in der Luft und zu 2,10—2,40 Mark da» Paar gingm fie leistend fort........ Auf dem Flure de» Hanse»«öpuickerttraße 178 wurde am 23. d. Mt»., Abmv»,«in etwa drei Wochen alte« Kind ausgesetzt aufgefunden. Betlewet war dasselbe mit einem »eisten hemdchm und einem schwarz, und«eistgestreisten Wickelbande. Da» Kind. welche» in eine weist- und blau- Windel gewlckett und in ein graste» grauwollene» grftreiftl U.nichl> lmschlaaetuch gehüllt war, wurde in da» Stäbtische Waise«' h»uk aedracht. Weaeu gewerbsmäßiger Hehlerei wmdm ein Leb«. «belle- W,«elch-r dm in grasten Lederaeschäftm anaestellten H»a»ditN rn aufpaßt. fie in Lokalen freihält und dann v«. ''Üet, die Prinzipale zu destehlm, sowie ein Golvarbetter B., w-lch« den liU»«lichm Mädchm die von den letzttren den angelockten Männem gestohlenen Uhren abkaust, ver- Da» Messer spielte in der vmvergangmm Nacht zwischen 8 und 4 Uhr eine blutige Rolle. In d««ochstraste gerleiben vier anständig gekleidete„Herren" in Strett, der schließlich zu einer e-btitnien Schlägerei autartet,, wodci zwei d« Belhei- ligten die Mest« zogm und gegeneinander loSgtngm. hinzu- gckommcnei! Passanten gelang e» mit viel« Mühe, die Er- dtttertm auseinander zu bringen. Auf derm dringende» Bit- tm wurde von der Feststellung ihr« Namen Abstand gmom- wen. Sin« d« Messerhelden«hielt mehrere Stiche tm Od«- arm, Rücken und Ver Seit« und mußt« von seinem Bekannten in ein« Droschke nach setner in der Reichenberger Straß« de- j'genen Wohnung geschafft werdrn. D« ganz« Auftrilt spielte fiw mtt so wenig Lärm ab, daß eS nicht zu verwundern ist, daß kein Schutzmann od« Nachtwächt« aufmerksam wurde. Die Bethetligtm werden also wohl straflcS ausgehen. Dafür find e» auch„Herren"! Markthaue«- Bericht»»« 3. Ea«d»«m, ßSdtsschmi verkaufSvermtttler. B«lin. Zentral-Martthall«, dm 24. Cm« Blumen und Blätter. Di« eingeiretenen Fröste haben die Rosenblüth« sehr deeintrSchttat. so daß die Zufuhr nur noch gering ist. Die Preise sind steigend. In Kurzem wird die Zufuhr auSländtsch« Blumen beginnen können. Lorbeerblätter 3—4 M. pro Kord. Rosm 5-8 M. pro 100 Stück. ea.R&CKbTCi« ictast-t 1,00-1.40 5», Taubm 30-46 Pf., Poulardm 4�0-8,00 M- P'C Butter. Frische feinste Tafelbutt« K. 115-120 feine Butter l. 108-115, ll. 98-106. IU. fehlerhaft« 82-90, Landbutt« l. 92-98, 0. 76-85»alizische und ander» gerinoste Sortm 55—72 Mark»« 59 Kilo. m, Käse. Tendenz ruhig. Echt« EmmmthaKr 73—80 Mark, Westpreußisch« Schweizertäse l 66—63 M., n. 50—66 M., fll. 45-48 Ry Quadrat. Backstein I. fett 22-25 SÄ.. 0. 12-18 M., Tilstter Fettkäse 45-56-60 M.. Tilstter Magttläse 18-23 Mark. Limburg« L 80-36 SR., n. 20 bi» 25 M.. rheinisch« Holländer Käse 45-68 SR., n. Waare 35 SR., echt« Holländer 66 SR., Edamer L 60-70 SR., u. 56—58 SR., sranzöfifch« Neuschaiell« 16 SR. p« 100 Stück, Camemdert 8.00—8,60 SR per Dtzd, Mainz« 400 3R„ Harz« 3,60 p« 100 Stück, Roqmfort 1 20— 1,60 pr. Pfd. Ei«. 2,(0-2.60 SR.»er Schock steigend. Honig, reiner deutscher 60, feinster weißer 70-80 SR. pr. Clr. »i» dÖm'mit TO-im'tS &%%%%% SS 3,50 bi» 5,00 SR. Dorsch 8-10 M. p« 100 Stück. Sprottm 0.40-0.50 per Pfund.„ *** iiutno. Schellfisch, große 20 Pf, Kabliau 15 bi» 20 Pf. p« Pfund, Makrelen 40—60 Pf. pro Stück. Gemüse und Obst. Neue französtsche Wallnüffe 40 SR. pr. Ctr. Pssrfiche 25—45 M, Tomaten 10—15 SR. p« Ctr, WeinKaudm 25—30, Pflaumm 4-8 SR, Bimm 5—10 SR, Aepkel 5—10 SR., Zwiebeln 2,00—3,00 SR. pr.(51t, Schalottm 6—7 SR, Neue saure Gurken 1,80—2 SR. p« Schock. Paradiesäpfel(Eiraugim) 1,50-3,00 SR. pr. Stück, Anana» 2,50—3,00 Mark pr. Pfd. Preißeibwwn 9-10 SR. v« Zentn«. Karotten 2,50—6 SR. p« 100 Kilo, Wirfinalohl 2—3 SR, Roth- und Weißkohl große Köpfe. 3—4 SR. pr. Schock, Blummkohl 10—15 SR. pr. 100 Stück, Meerettig 6—12 SR, Kartoffeln, im Preise steigend, weiß« 3,50-4,00 SR, roth« 2,80 bi» 3,00 SR, blaue 3,00-3,60 SR. pr. 100 Kilo. Polizet-Vertcht. Am 23 d. M. Vormittags stürzte d« bei den KanolssationSarbeilen in der Verlängerten Triflstraße beschäftigte Erdarbeiter Paget, al»« an ein« verbotmen Stell« in die über 6 Meter tiefe Baugrube steigen wollte, fo unglücklich in dieselbe hinab, daß er mtt drm Kopf aus die Spundwand schlug und eiam Schädelbruch«litt, an dem« schon auf dem TranSpo.t nach dem Augusta Hofpttal verstarb. — Um dieselbe Zeit wurde in der Postftraße ein HmdlungS- lehrlmg durch einen im schnellen Trabe au» der Piobststraße einbiegenden, von dem Kutsch« Schulze, Antonstr 49, geführten Wagen der Moabtt« Ei»»erke überfahren und am rechten Fuß nicht unbedeutend verletzt.— Gegen Mittag machte in einem Militär. Schießstand in d« Hasenhaive ein etwa 50 Jahre alter Mann, anscheinend Ardetter, dm Versuch, stch an einem Baum zu«hängen, wurde aber noch recht« zeitg abgeschnitten und mittelst Krankenwagen» nach der Charilee gebracht.— Am Nachmittage vergiftete stch ein Mann in seiner Wohnung in der Höchstenstraße mittelst Cpankali.— Um dieselbe Zeit wurde eine 78 Jahr« alte Frau beim Uednsckretten de» FahrdammeS vor ihrer Wohnung Lindenstcaße Nc. 33 durch einen von einem jungen Burschen im schnellsten Laufe geschodrnen Handwagen umgestoßen. Sie erlitt dadurch einen Bruch de» linken Ünt«fch«nkklS.— Am 24. d. SR, früh gegen 5 Uhr. entgleiste auf dem Potsdam« Bahnhof ein Extra, uo mtt Reservisten deS 3. Garde- Ulanen- Regiment». aovei 8 Ulanen schwer und 3 leicht verwundet wurden. Die Ursache dn Entgleisung ist wohl darin zu suchm, daß der einfahrende Zug unmittelbar vor d« Einfahrt in die Hille gegen einen auf dem Nebmgeleise stehmden Zug an« streifte._ Gerichts Jeiwngi. Die unfretwilltge Heidt« de« Sräf-P-osesset. v«tha Rother, befchälttgte dieser Tage da» hufige Schöffengericht, doch handelte e» sich nicht um die Person derselbm, sondern nur um ihr Bildniß. Eine Anzahl htestger Kunsthändler, wie Quaat, Pridtl, Linderer u. A. waren wegen Verkauf» un- zllch.iger Bildwerke zur Verantwortung gezogen worden, weil fie zwei Bilder,„D.e büßende Magdalena" und„Der Schlaf", welche jene» vieldesprochme Künstlermodell in allzu groß« Naiurtreue darstellten, verkauft haben sollten. Daß diese photo�raphisten Bilder nicht an einem Uebermaß von Verschleierung litten, ergiebt fich au» der Nawr d« gewähltm künstlerischen Motive, sowie au» dem Zweck, wilch:n fie verfolgte«: fie waren gewissermaßen dt« Vifirenkarten de» Frl. R. und für diejenigen Künstler bestimmt, w-Ichi stch ihr« al» Modell zu bedienen beabstchtigten. Zwei Krtmwaldeamte machten s. Z.«in« Runde durch die v«schie» denen Kunsthandlungen und forderten Bilder de» Fräulein R. Wurden ihnen dann die alltäglichen Pmträls rorgelegt, dann ließen fie den Wunsch durchblicken, daß fie etwa» pikantere Auf- nahmen lieber hätten, und wenn dann die„büßende Mag« datena" und„der Schlaf" dargereicht wurde« dann erklärien die Beamten unter Mittheilung ihre» Amte», daß sie dieselben beschlagnahmen müßtm. Die StaatSanwalischaft hielt die Bilder für unzüchtige und dt« Angeklagten für strafbar, die Vertheidig« verlangten dagegen au» juristischen und thatsäch- ltchen Gründen die Freisprechung. Sie führten au», daß 5 Iiq.estiontrtm Bilder an fich durchau» nicht unzüchtige seien und auch dadurch nicht unzüchtig«erden tönntm, daß die Person, deren Züge die Figuren tragen, nun wider ihren Willen öffentlich bekannt geworden ist. Der Gräf- Prozeß werde nach dieser Richtung hin die öffentliche Moral schwerlich ummodeln. Im Uedrigen seien die Beamten insofern zu vor« schnell vorgegangen, al» fie die Bilder konfiSzirten, bevor ste dieselben bezahlt und damit gekauft hatten. Da» Gesetz de« strafe nur da» Verkaufen und die öffentliche Schaustellung r n» züchtig« BUS«, nicht aber da» Frilhalten solch«.— Al» Sachaerstäntig« wurde u.«. auch v« Kunstaukttonator Lepke vernommen, welcher«rtlärte, daß« die betreffenden Bild« event. anstand»!»» zur Auktion bringen würde. D« Gericht»« Hof sein-rsett»«kannte den unzüchtigen Charakter der Bild« nicht an und sprach aus diesen und den angeregten juristischen Gründen d!e Angetlaglei frei. Die Hirsch-Duvcktt'schen Grwerkvereine sind politische Beretne, rn d esem Sinne entschied am Donnerstag d« Straf« senai de» lönigl. Kammergericht». Dn Sachverhalt ist folgen« der: Gegen den Vorstand d.» Hirsch- Dunckerschen Ortsoer- einS der Handwerk« und Arbeit« zu Britz war ein Stiafbe- fehl ergangen, weil derselbe e» unterlassen halte, der Polizei- behörde von der Veränderung der Mllgliederzahl Mittheilung zu machen. D« Vorstand trug auf richterliche Entscheidung an. wurde jedoch vom Schöffengericht zu A xdorf zu der im Strasdefehl festgesetzten Strafe vnmlheitt, hiergegen von d« Strailamm« de« Landgericht» Ii hterseldst unter der Annahme freigesprochen, daß die Hirsch Dunckttschen G-werkvetne nicht al» solche anzusehrn seien, welche eine Einwirkung auf die öffentlichen Angelegenhetten bezwecken und mtlhin da» Gesetz, betreffend die Verhütung de» Mißbrauch» bei Berein». und VersammlungSsrethett vom 11. März 1850, auf dieselben leine Anwtnbvng fände. Gegen diese» UrtheU legte die StaaUanwaltschatt die Revtston ein, welch« die Od«« Staatsanwaltschaft h dem heutigen Termin beitrat. Dem gegenüber platdttte d« Vertreter der Angekiag- tm auf Zurückweisung derselben und verwle» darauf, daß da» Berliner Poltzeiprästdium die in Red« stehenden Vereine noch nie al» politische angesehen habe und dieselben al» in ihrer Organisation vernichtet zu betrachten seien, fall» sie letztinstanzlich fürpolitische «rllärt würden. Der Sttafsmat de» Kammergnicht» hob jedoch da» freisprechende Urtheil Cc» Vorderrichter»«uf, indem er begründend ausführte, daß e» keinem Zweifel unter liege, daß dt« Gewnkoneine nach dm in ihrem Statut au». Sefprochenm Tendenz»« zu Gunsten ihr« Mitglied« eine finwtrtung auf die öffentlichen Angelegenhetten und»war nach d« so, ialpolttifchen Richtung hin bezweckten. Sine» Nachweise» darüber, daß die Vereine thats Schlich dies« Einwirkung außzu« üben mrsucht habm, dedarf«» zur»nwmdung de» genannten Gesetze» nicht. In d« Sah« eine Strafe festzusetzm, ist der Gerichtshof nicht in d« Lage, weil hi«ju die thatsächlichm Feststellungen de» Vorderrichters nicht ausreichen. E» muß daher die Sache an denselben zur anderwetten Verhandlung und Enischeidung, wobei« an den vom Senat aufgestellten Gestchtipunkt gebunden ist, zmückgewtesen««den. Durch eine Entscheidung de««»«mergericht» hat der§ 343 der Strasprozeßordnung ein« Entschränkung«. fechten, die dessen Anwendung fast zur Unmögltchlett macht. Nach diesem Paragraph soll jede» von der Staat»anwaltschast eingelegte R'chttmittel auch die Wt-tung habm, daß die an« aesochter.« Entscheidung auch zu Gunsten de» Beschuldigten ad- Geändert od« aufgehoben werden kann. Ein im Tiergarten beschäftigter Gärtner hatie einen dnittmen Schutzmann von einem Promenadenweg« gewiesm und hat stch dabei nach der Bekundung de» Schutzmann» de» Auidruck»„scheeren Sie fich weg bedient. Da» hiefige Schöffmgericht verurthellte den Gärtn« un-« Ablehnung ver Vernehmung von Zeugen dar- üder, daß derselbe fich de» betreffenden Ausdruck« nicht bedient habe, zum niedriasten Strafmaß von or®. �uf Zureden seine» Vorgesetzten ließ d« Angeklagte diese» Urtheil unangefochten, doch legte �«aatilanwaltschaft Berufung ein, um eine höh«« Strafe zu erzielen. Der Angeklagte verlangte auf Grund de» oben gedachten§ 343 Str.-Pc. O. s«tne Freisprechung, die von ihm geladmm Zeugen hatten ihn auch vollständig entlastet. Die sünkte Siraskamm« w!e» diese» Verlangen al» unberechtigt zurück, weil nach§ 863 Stc.-Pr. O. dn Prüfung de, Be« rufung»g«icht< da» Urihett nur insoweit unterliegt, al» da»« selbe angefochten ist. Die Anfechtung sei ab« nur wegen de» Strafmaß-» erfolgt, also auch nur diese» zu prüfen. Somit war die« stricht« liche Festbellang d« zwetten Entscheidung zu«runde zu Ilgen; die Straf« selbst«rböhie der Bericht»« M auf 10 M.— Hiergegen hat der Angeklagte Revifion ein« 5'leltt und hnvorgrboden, daß bei der stattgebabten Auslegung de»§ 343 d« Angeilagte niemall da'vn profiiiren könne, da die StaatSanwallfchast ja nur gegen Freifprechun«« oder zu niedrig« Strafm da» RichtSmitlel einlege.— Da» Kammnzericht verwarf aber au» d-n vom zweitm Rtcht« gellmv gemachten Gründen die Rmiston. Wege« Bigamte hatte stch gestern vor der 2. Strafkammer de» Landgericht» II der S-trnhmacher Ludw'g Degen au« Köpnick zu verantwortm. Vor Jahr und Tag verließ der Angeklagte feine erste Ehefrau, mtt weichcr er in stetem Un« frieden und im Allgemeinen höchst unglücklich gelebt; die Frau m l!L Arlin. während Degen stch nach seinem jetzigen Wohnort Köpnick begab. Dort l«nte er eine Andere kennen und lieben, welche er noch vor Beendigung de» zwischen ihm und seiner ersten Frau schwebenden Ehcschii?ungkpoo,cff-» und unt« Berschweigung dieser Thatsache heirathete. Di« erste Frau, erfilbr hi«von nachträglich und gegen Degen ward dem» nächst Anklage wegen Bigamie«hoben. Di« mit seiner ersten Frau geführt« üderau» unglücklich« Ehe brachte d« Singe« klagt- al»«ntschuldtgungSgrund vor. Der Gerichtshof li-ß diese traurig« Thatsache al» strafmild«nd gelten und er« kannte demgemäß unt« Annahme mildernder Umstände auf 1 Jahr Gefängniß. . 3« geheimer Sitzung der Stadtverordneten« Ver- sammtNNg zu Alt-LanvSzng stand am 10. F-dmar d. I. die Wahl eine» Stadtarmenarzte» auf der TageSxdnung; dn am Ort« anfäsfige Dr. med. Ltedtke war zu diesem Zweck in Vorschlag gebracht worden und üb« dl« Entschließungen der Versammlung in dies« Angelegenh-tt ein Protokoll aufgenommen worden, welche» gnade zur Verlesung gelangte, al» der Stadt« verordnete und praktisch« A ,t Wilhelm H.ynar.n eintrat. Heymann stand mtt seinem BerusSzenossen nicht auf freund« schastttbem Fuße; er hätte gern«in and««» Wahlrefultat her. deizusühren gewünscht; d-Shatb und in Erwiderung auf einen» den ihm unliebsamen Kandidaten betreffenden, verlesenen Passus ließ er d.hcr den Zwischenruf erschallen:„Wa«, gegen den Dr. Ltedtle soll nicht» einzuwenden sein? Jawohs, d«selbe ist«in ganz gewissenlos« Arzt— Mensch— od«: Patron l" Genau den Wortlaut dl» beleidigenden Prädikat» vermochte selbst Dr. Liedtke bei demnächst erfolgt« Strafanzeige gegen H-ymann zwar nicht anzugeben, indesm genügte zur Einleitung de» Strafverfahren» wegen öffentlicher Beleidigung der drm Dr. Ltedtke al« Arzt gemachte Vorwurf d« Gewissenlostzkett. Vor d: Strafkammer de» Landgericht» II hatte Heymann in einem früheren Audienz- termin am 2 Juli d. I. der gegen ihn erhobenen Anklage den Einwand entgegen gesetzt, daß er den gegen Dr. L. erHobe len auf eine i......—-— Vorwmf auf eine erwettlich wahre Thatsache stütze, näm'ich die» daß Dr. Liedtke gelegentlsch dm vor einiger Zeit erfolgtm Tod ein« Frau, derm Mann den Dr. L. al» Geburtthelter Hab« rufen laff-n, durch seine Gewiss-niofigteit oerschulvet habe. Der Gerichtehof beschloß damals, dem BewetSanttag de» iingeklagtm stattgebend, diejenigen Personen, welche zwick» Beweise» der Wahrheit von dem Angeklagten in Vorschlag gebracht, vor« zuladm. Räch d« von dem Angeklagten gegehenm Darstellung sollte Dr. L. in einer Nacht der Frau det damaligen Nacht« Wächter« Meißner, jetzt Milchkühler bei F.eienwald,. in Kinde»« Nöthen beistehen; er wäre in da« kleine Zimm« der Frau mit drmnender Zigarre eingetretm und habe dann, al« d« Ehe» mann Meißner ihn gebeten, die brennende Zigarre fortzuleg.n» kurzerhand seine Instrumente wieder eingepackt und da» Kranken« zimm« verlaffen, ohne der Frau ärztlichen Beistand angedeihen zu laffm; die Frau sei ein« halbe Stunde spät«, weil ohne ärztltchm Beistand, verstorben. Zum Beweise dessen warm zum geftrigm neuen Audienztermin mehr«« Zcugen geladen; zunächst deponirte dt« Hedesmme Köppen, weiche dm Dr. L. zu d« Frau de» Meißner an da« Kindbett hatte rufen laffm, daß nach ihr« Anficht damal» ein geiähllicher Fall vor« gelegen, der da» Eingreifen eine« Arzte» erfoidette; Dr. L. and«« Arzt unbedingt geh cl! werden müsse. Da» aufgeregte Benehmen de» Meißn« dem Arzt gegmüb« hat auch eine der Zcugtnnm bei jmem Vorfall wahrgenommen; ob aber uad weshalb nicht Heyaiann an Stelle vi« Dr. L. in jenem dringenden Falle eingetreten, kam bei d« gestrigen Verhaad« lung nicht zur Erörterung. Auf Grund de» Ergebnifi-t der Zeugmvernehmunz erachtete der StoatSanwalt dafür, vaß da« «erhaltm de» Dr. L. dem Angeklagten nicht da» Recht giebt, olche Ausdocke, wie geschehen, zu gebrauchen; o» best- he Jrtjn�ll» zwischen den beiden Kollegen eine Feindschaft, od au» vrodnetd od« sonst einem andnen Grund.-, möge dabin- �stellt sein bleiben. Der Staatsanwalt beantragt- 50 Mark Geldbuße mmtuell 10 Tage Gefängniß. Der Angellagte hatte dt« inkrimtrte Aeußerung zugegeben und stch damit M auch»«eimal. de» Morgm» und tn der Nacht, zu der Kindbettelin gekommm. al» ihm ab« der Ehemann da« Rauchen verboten, fei er fortgegangm mtt den Worten:„Ich hätte doch gedacht, daß der Mann mehr Rücksicht auf setne F.au nehm r Meißner habe, nachdem Dr. L. stch entfernt,«inen anderen au» dem benachbarten Strausberg holen-ollen, habe ab« keinen Wagen auftreiben können. Ebenso deponirte der oUnb �nigin. Dagegen stellt Dr. Liedlte, al» Zeug« v«eidigt. den Sachverhalt ander« dar. Er bade, bevor«mit opnativm Eingriffm beginnen durfte, fich die Hände gewaschm und bei dieser V«ri»tung den Rest einer Ztgarr« üb« einer Lampe in Brand gesetzt, al» Meißner auf. geregt im höchsten Grade auf ihn zutrat mtt den Worten: .Sie haben hi« kein Recht zu rauchen I" Diese unhöfliche Be« Handlung Hab« ihn dermaßm um seine Rahe gebracht, Opn�iön'°mn°ehw«n"7onntt' und"Äfte�nV V«! adretchung eine» schmerzstillenden Arzneimittels fei er Ns-sanaen mtt dem auidrücklichm Bedeuten, daß ein mtschuldtgt, daß er die kommunalen und die Interessen der Armen sowie seimigen seine» Stande» nur Hab« wahrnehmen wollen. D« Gerichi»bof war, nachdem d« Verth fidig« sein %%%%».%%%%% nichtschullbig erachtet und demgemäß lautet da« Ucthcil auf �rnsprechung. Uereine und Verfammlungev. Dxr Kachveret« der Tischler hiev am 18 September gmmm beschä tigen, trenn nicht die Haupibeschlüsse diese» Ttschleitage» ihre Spitze und»war in echt denuniiatorischer Weise Legen die Gesellen und ihre Organtsatto michteten. Nachdem der Versamm- hing die Hauptpunkte durch Verlesen de» Protokoll» jene» Tischlertagt» ,ur«enntni« gebracht worden, untere eine Reihe von Rednern die Bi strebungen der Innungen einer gründlichen Beleuchtung und einer vernichtenden ÄrÖil. Et zeige fich durch die ganzen Verhandlungen diese» Innung»« tage» der kraffeste Egoißmui dieser Herren und die Schwäche und Ohnmacht derselben gegenüber der heutigen Produktion»« weise, sowie eine herzlose Rückstchttlostgkeit gegen die Gesellen. Die» bewiesen unter Zlnderem die Verhandlungen über die gesetzliche Einführung de» BesähigU'g»nachweiseS. Der Tischlermeister Brande»(Berlin) nannte bei dieser Gc legenheit die Gewerbefreit eine„Gewerbefrechheit". Sin Redner der Vereintoersammlung bemerkte hierzu, nachdem er die Nutz« lostgkeit eine» solchen Besähigungtnachwetse» der heutigen kapi» talifirchtn Produktionsweise gegenüber dargethan, daß es den Gesellen wohl gleichailtig sein könnte, wenn die Innung»« schaärmer die g'setzl ch garantirte Gewer defteiheit alt eine „Gewerbefrechheit" bezeichnen;»ine„Jnnungtstechheit" sei e» aber, wenn diese Herren, wie die Verhandlungen de» Tischler« tage» über die Gesellenfachverein« zeigten, den Gesellen die wenigen, ihnen noch verdleidenden Rechte rauben, für fich aber alle möglichen Vorrechte in Anspruch nehmen wollten. So petttioniren die Jnnungtmeifier um Verleihung der Sorpo« raliontrechte für ihren Verband, während fie für die Fach- vereine eine schärfere polUische Ueberwachung, am liebsten ein« baldige Schließung derselben verlangten. E» haben fich, so betonten mehrere Redner, In dieser Hetzt gegen die Fachvereine die Herren Brande»(Berlin), Gasedow(Hamburg), Simon (Stettin) und Vorderbrügge(Bielefeld) einen unvergeßlichen Namen erworben. Besonder» sei hierbei de» Herrn Simon zu gedenken: derselbe wünschte, daß überall wo Fachvereine de« ständen, die Namen der Mitgliever auf ein« Liste verzeichnet werden sollten, welche den Arbeitgebern übermittelt wird, welche fich durch„Ehrenwort" verpflichten sollten, den Fachrereintmitgliedern keine Arbeit zu geben. Durch derart traurige, eine» freien Manne» unwürdige Mani« vulationen gedenken die Jnnungimeister die Fachoereint« dewegung einzudämmen. Dem gegenüber sei e» erfreulich, daß den Fachvereinen tagtäglich neue Schaaren von Mitgliedern zuströmen, so daß die Fachvereint mehr und mehr zu einer Achtung gebietenden Macht anwachsen, mit der die reaktionären Jnnungtichwärmer zu rechnen haben. Um nun der„Fürtorge für die Gesellen" d e Äcone aufzusetzen, ritten die Delegirten de» dritten deutschen Tischlertage» wieder ihr alte» Steckenpferd, die„Einführung von Arbetttbüchern", welche fie jetzt„Legitt« mationtautweit" nennen.— Einige Redner führten hierzu au», daß die Herren wohl nicht bedächten, daß fie diese Arbeitsbücher vielleicht für fich selbst einführten, da die Zahl der„Meister" unter den heutigen wirthschaftlichen Verhältnissen immer geringer würde und fie mehr und mehr die Reihen der Arbeiter verstärkten. Et wäre zu wünschen, daß stch d'e Meister selbst heute schon den Gesellen gegenüber mit Legitimaliontautweisen versehen, damit die Arbeiter die Gewißheit hätten, daß fie nach ihrer schweren Wochenarbeit ihren wohlverdienten Lohn de« kämm und nicht, wie e» so häufig vorkomme, so manchen Jammermeister um Autzahlung de» Lohnet erst verklagen müßten. Durch einstimmige Annahme folgender Resolution be» zeigte die Versammlung ih�e volle Utbereinstimmung mit sämmt« lichen Rednern:„Die heutige Versammlung des Fachverein» der Tischler spricht ihre schärfste Mißbilligung au» über die denunziatorischen Reden und B-schiüffe de» dritten deutschen Tischlertage» zu Berlin, gegenüber den Bestrebungen der Tischler-Fachvereine. DI« Versammlung verpflichtet fich, mit aller«rast für die Krästigung und weitere Ausdehnung de» Fachverein» der Tischler einzutreten und alle arbetterfeindlichen Jnnungtbestredungm mit aller Energie und mit allm gesetz« lichm Mitteln zu bekämpfen. Eine solche arbeiterfeindliche ve« strebung der Innungen erblickt die Versammlung besonder» in der vom dritten deutschen Tischlertag erstrebten Einführung von obgligatorischm Arbeitsbüchern(Legiltmationtau»weise) für alle gewerblichen Arbeiter ohne Unterschied de» Alter»." Der Vorfitzende ersucht« die Mitglieder, stet» dieser Abstimmung gemäß zu handeln, damit am Jahre»schluß der Verein eine solche Mitgliederzahl aufweise, daß den Jnnungtmeistern die Lust vergeht, diese Namen aus eine Liste zu setzen, um dadurch zu veranlassen, daß die Mitglieder de» Fachverein» aut der Arbeit entlassen werdm.— Allen Kollegen, welche fich dem Der« ein alt Mitglieder anschließen wollen, zur Nachricht, daß sich die Zahlstellen de» Verein» in folgenden Lokalen befinden: 1. Blumenstraße 66 auf der Ttschlerherberge. 2. Skalitzerstr. 107 bei Kimtzmann. 3. Bellealltanceplatz 6 bei Hilscker. 4. Ziontkirchplatz 11 bei Hohn. 6. Müller« straße 1&4 bei Höring. 6. Gnrifenau» und Solmtftraßen« Ecke bei Lindenborn und 7. Steglitzer str. 91 bei(Bürgen». Daselbst werden jeden Sonnabend von 8% bi» 10 Uhr Abend« veiträae von den Mitgliedern in Empfang genommen und neue Vereint Mitglieder ausgenommen. Der Beitrag beträgt monatlich 40 Pf. Die Mitglieder, welche noch Billet» vom Sommerfest in Händen haben, werden ersucht, dieselben an Herrn Kanowade, Admiralstraße 38, Hof linkt IV., zurück« zuliefern. Dat nächste Vereintvergnügen findet am Sonn- tag, den 17. Oktober, in der„Berliner Reffource", Romman« danten straße 67 statt. vermischtes. Da»„schwarze Kadtnet". In einem kürzlich erschienenen Werke von Alexis Bello« über die französische Post werden bezüglich der vielbesprochenen Einrichtung de»„schwarzen Ka« dinett" die folgenden historischen Daten mitgetheilt. Mit der Post wurde auch da»„schwarze Kabinet" eingeführt, denn Ludwig XI., der die Postkouriere einrichtete, bestimmte auch, daß all« von ihnen zu befördernden Briefe gelesen und nur dann an die Abreffaten abgegeben würden, wenn sie nicht» der Regierung Schädliche» enthielten. Bi» zu Richelieu war die Entstegelung von Briefen zu einer wahren Kunst gediehen. Der Kardinal hielt fich einen Italiener au» Albi, Namen» Rosfigrol, der eine außerordentliche Gewandtheit darin besaß, Briefe zu„dechiffriren". Unter Ludwig XlV. wurden deson« der« Beamte angestellt, welche alle P ioatdrtese zu ent« flegeln, zu lesen und au» dim Inhalt einen Au»,'ig zu machen hatten, der dem König vorgelegt wurde. Auch Colbert benutzte diese Einrichtung. Unter Ludwig XV. wurde fie er- wettert und vervollkommnet; der König war auf dem Laufenden über alle Jntriguen der Stadt und des Hofe?, wa» ihn unge« mein amüfirte. Di« Einrichtung kostete jährlich 50000 Franks, welche dem Fond» de« Ministeriums de« Auswärtigen ent« nommen wurden. Selbst die höchsten Personen waren nicht davor stcher, daß ihre Briefe erdrochen und gelesen wurden. „Et nützt nicht»", schrieb die Mutter de» Regenten,„wenn ich meine Briefe Regle. Man hat bestimmte Mittet, einen Abdruck de» Siegelt zu nehmen, da» Wacht zu entfernen, und wenn der Brief gelesen und kopirt ist, die Sache wieder so zu machen, daß man gar nicht merkt, wa» mit dem Briefe ge< schehen ist." Madame du Hausse* erzählt, man habe mittelst einer Queckfildermischung einen Abdruck de» Siegel» genommen, dann die verfiegelte Seite auf ein Gefäß mit heißem Wasser gelegt, welche» da» Wach» weich machte, so daß man et ablösen konnte; nachher klebte man ei wieder an und drückte den Siegelabdruck darauf. Die Auszüge au» den Briefen wurden alle Sonntage durch den Post- Intendanten Jannel dem König vorgelegt und darau» machte man gar kein besondere» Geheimniß. Die Revolution machte auch dem schwarzen Kadinet ein Ende; fie protlamirte die Unverletzlich« keit de» Briefgebeimniffe», und die Nationalversammlung genehmigt« am 25. September 1791 ein Gesetz, weichet jede Verletzung de» Briefgeheimniffe» strenge bestraste, auch wenn da»„Verbrechen" durch einen Angestellten auf Befehl eine» Vorgesetzten verübt war. Die gesetz« gebende Versammlung sprach fich in gleichem Sinne au» und erließ sogar ein Tadeltvotum gegen ein Individuum, dat au» Patrio'.itmu» den Brief einet Gefangenen geöffnet haste. Unter dem Konvent kamen wieder vereinzelte Fälle vor, daß Briefe geöffnet wurden, und nach dem 9. Thermivor(Sturz Robetpierre't) fing«an an, die Briefe in und vom Autland, sowie solch«, in denen man falsche Assignaten vermutbete, durch da» wieder erweckte schwarze Kadtnel gehen zu lasten. Zwei G-Heimsekretär«, die unmittelbar vom Wohlfahrttautschuste ad« hingen, besorgten da» Geschäft. Nrpoleon brachte al» Konsul wie al« Kaiser da» schwarze Kabinet zu neuer Blüthe. Alle verdächtigen Briefe wurden angehalten und oft arbeitete der Kaiser selbst mit dem Generaldirektor der Posten in dem schwarzen Kabinet. Später erkannte er übrigen» an, daß da» eine schlechte Einrichtung sei, die mehr Schlimme» alt Gute» stifte; fie liefere wenig brauchbare Auikünste, namentlich sett die Leute, welche die Existenz d«t schwarzen Kadinet» kannten, adstchtlich durch falsche Angaben den Kaiser irre»u führen versuchten. Während der hundert Tage ließ er durch Camot allen Präfetten die Verletzung de» Briefgebeimniffe» verbieten. Unter der Restauration fungirte da» schwarze Kabinet wieder, und zwar kostete e» nach der Angabe Maxime du Camp» jährlich 600 000 Frank», die au» den Fendt de» Auiwärtigen Amte» genommen wurden. Daß die Juli-Monarchie und da», wette Kaiserreich ihr schwarze» Kadinet hatten, wurde vielfach behauptet, kann aber nicht bestimmt erwiesen werden. Zum envgittigen Verschwinden desselben trug jedensall» der Umstand am meisten bei, daß die ungeheure Maffe von Briefen, die täglich ein- und ab« gehen und mtt größter Raschheit expedirt werden müssen, die Funktion eine» schwarzen Kadinet» rein unmöglich macht. Kleine Mittheilunge«. Würzburg, 22. September. In dem benachbarten Karls« statt fand heute eine Hochzeit statt. In dem Augenblick, al» die Gäste zu Tisch gehen wollten, erschien ein hiefiger G richtt« Vollzieher, welcher da» paratstehend« Esten für geptändet er« klärte. Wohl oder übel mußten die Brautleute fich für den Betrag d«t gepfändeten Mahl» verbürgen, um den Hochzeit»- gzmau» begehen zu können. Der Restaurateur schuldet seit ahren seinem Fleischltefetanten hier einen größeren Betrag, dm dieser auf diesem mindesten» originellen Wege nun endlich erhält, nachdem er vorher dm Schuldner vergeblich gepfändet hatte. Win», 23. September.(Cholerabericht.) In dm letzten 24 Stunden traten ein: In Triest 4 Erkrankungen. 1 Todesfall, in Pest 36 Erkrankungen, 3 Todesfälle, sowie 16 Todesfälle früher Erkrankter, in Ftmne 3 Erkrankungen. Am 21. d. M. kamen in Komom 3 Erkrankungen und 1 Todesfall, in Neusatz 2 Erkrankungen und 1 Todesfall vor. Venedig, 22. September. Eine furchtbar« vlutthat erhält die Siadt in Aufreaung. Der ehemalige Kafetier Antonio Roffetti, der seine 27iädrige Frau, von der er getrennt lebte, im Verdacht hatte, mtt fernem Geschäfttnachkolger Angela Pe« drccco, verheiiatbet und Vater von fünf Kindern, ein Liebe»« rerhältniß zu unterhalten, stürzte in da» an der Riva degli Schiaoom gelegene Käst wo P-drccco und seine Frau weil» ten, tödtete«rstiren durch sechs Mcsterfiich« und verwundet« die Frau, der er den Unterleib ausschlitzte, iödtlich. Der Zu« stand derselben ist verzweifelt. Der Zl ö der wurde von dm Anwesendm mit Mühe von dem beabfichttgtm Selbstmord ab« gehalten._ Achte RachrichteA. >u» England. Galwry. Donnerstag, 23. September. Heute kam et in Portumna(Graftschaft Galw y) zu Ruhe« ft ö r u n g e n. Die Polize«, welche gegen die Ruh-störer einschritt, wurde von dem Pöbel, der die Verhafteten zu de« treten suchte, mit Steinen beworfen und mußte von ihrm Stöcken Gebrauch machen, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Zar egtidtischen Frage. Da»„Reutetsch« Bureau" meldet, der Zveck dl» Meinungtouttaufche» zwischen Nubar Pascha und der malischen Regierung sei die Regelung der durch die Misfion Drumond Wolfft mtstandenen Fragen, welche in Folge der neuen Komplikationen im östlichm Europa dringender geworden seien. Die wahrschein« liche Bafi» für dat neue Arrangement werde die Fortsetzung de» mglischen Protektorats de facto sein durch Beibehaltung der Lttupationsarmee in ihrem normalen Bestand«. Sollte ein Tbetl der mglischen Truppen an irgend einen anderen O-t zurückgezogen werben, so würde die Ruhe provisorisch dmch angewordene egrjgltsche Truppen aufrecht erhalten werden. Di« Verpflichtungen England» gegen» über der Türkei, wie fie durch die Konventton Cypetn» fefige« stellt find, würden aufrecht erhatten werdm. Die spanische Revolution. Der spanische Botschafter in Pari» hat angeblich Zortlla't Ausweiiung au» Frankreich verlangt. Zorilla sagte nach der„Vost. Ztg." einem Besucher, der Militärputsch sei verfrüht ausgeführt worden; hätten die Führer der Bewegung dt» Ende September gewartet, so hätten fich ihnm die Proot-zgarnisonm angeschloffen. Der belgische Juftt, minister hat, nach der„Voff. Ztg.", die Staatsanwälte in Czarleroit angewiesen, alle in Folge der Arbetterunruhen gegen Arbeiter zuerkannte Haft strafen unter sechs Monaten nicht zu vollstrecken. Man scheint also selbst in Regierungskreism die Härte der Uriheile zu fühlen. Verbote« auf(Srund de« Sozialistengesetze» wurde die nicht periodische Druckschrist:„Anarchitmut,€«%%(« demokratie und revolutionäre Taktik." Ein Wort an Freund und Feind. Schweiz. Gmoffenschaft», Druckerei Holtingen« Zürich._ Krieflmste« der Kedaktwn. Friedrichtberg. Tischler. Wir bitten um Angabe Ihrer Adreffe, da wir anonym« Schreiben nicht derückfichligen können. Et« Abonnent von Anfang a». Wir find selbstredend sehr gern erbötig, Ihren Auslassungen Aufnahme zu gewähren, müssen jedoch darauf bestehen, daß Sie unt gegenüber von Ihrer Anonymität Abstand nehmen. Wir veröffenllichen kein« Artike", derm Verfaffer un» unbekannt find. G G- Ihre Angaben find nicht vollständig genug. um eine präzise Beantwortung Ihrer Fragen zu ermöglichen. Mündlich« Auskunft können Sie auf dir Redattion eihalten. Miethtschuldm verjähren in 4 Fahren. Theater. Sonnabend, den 25. September. K»W«W». Die Wallküre. EqiMspielhauS. Bürgerlich und rotvgntisch. ibeutsche« Theater. Hau» Fourchamdaukt. tZeoll't Theater. Konzert von Hmry F�drtch-WUhelmstiid tische» Theater. Der Nachtwandler. «ailner-Theater. Ein Blitzmädel. ISrlle-Alltanee-Theater. Boccaccio. »���THeater��Amor. Tanz-Poem von k�aUzallu- Theater. DonCesar. gösse in 4 Akten von W. Mannst- ot. Kouptet» vonG. Görß. Mufi. von G. Steffen». Mtt neuen Dekorationen und Kostümen. (Kovttät I)_ Konkordia» Theater. fiellung. Kaufmann'»»artet». »ellung. Amertea«• Theater. ftellung. «richthalle««Theater. •ssellung.__ Spezialitäten* Vor« Spezialttäten« Vor« Spezialitäten« VorSpezialitäten« Vor» Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. «•laer. Pwnoruu, In dieser Woche: Eine Reis« durch Frankreich. Pyrenäm. Wundergrotte Lourde». Da» malerisch« Jtalim und Pompeji. 633J Heute. Sonnabend:__ «i-'r-i« mit Sanerstoht«fsm. Reiß mann, Friedrichsdergerstr. 10. eÄSÄÄKÄ'Ä beim Birth._ l650 Üktan-Tlirator« (Früher I-onloeBatädtloctae« Theater.) Dresdmerstraßc 72/73. Auftreten der"## 7 Achwestor« Mathe w», großartige Gym- nastikerinnm, Gebr. 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Verschiedenet. Der unentgeltliche Arbettsnachwri» de» Ver- ein« blfindet fich Bretlauerftraß: 27.[649 De» Vorstand. Ernst Jacob, Crnwystr. 61. Empfehle mein neu eröffnete»[648 Schuhwaaren-Gescliäft Skalitzerstraße 117, zwischen Mariannen« und Mameuffrlstraße. ®toy 2og« i. Herren-, Damen« u. Kinder« (Mriri- Bestell, n. Maaß U.Reparaturen i. kurz. Zeit. Alle Freunde u. Bekannte ers. d. Bedarf um geneigten Zuspruch. Wilhelm Papke. Reelle Bedienung. Billige Preise. Emfasseriuuell s c'- V Geübte Karienriebenvnen verlangen 646] ""ÄS-uW- Aus dem reichen Inhalt heben mir hervor: ReichShair»haltt.Et«t»es Deat- schea Reichs.— Zerbrochene Kette». Erzählung von Rod Schmetchel.— Bärtige graue»»ab Haar«eulche».— Ei» Proletarierkiub. Erzählung v.S.L»» g er. — Der Kampf, wische» ge»er». Waffer i» der Welt. Bon P. Otw. Köhler.— Wie«a» ei*e Milio»»ertzieett.— gite- |e«be Blätter(humoristisch). Di« Geatio-K-Uagent L Stria. S.«uttertzlM. 2 Bloche. 4. Die beide» Alte*. 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