Mr. 225. Sonntag, den 26. September 1886, 11.வராது. Berliner Volksblatt. Organ für die Intereffen der Arbeiter. ild Das Berliner Boltsblatt" e3jbeint tägit Morgens außer nach Sonn- und Fefttagen. Abonnementspreis für Berlin fret ia's Daus vierteljährlich 4 Sarl, monatli 1,85 Mart, wöchentlich 65 Bf. Bostabonnement 4art. Einzelne Rummer 5 Bf. Sonntags- Nummer mit der illußristen Bellage 10 Bf. ( ingetragen in Ber Bogeltungspreislike für 1886 unter Rs. 769.) Redaktion: Beuthstraße 2. Abonnements- Einladung. Bum bevorstehenden Quartalswechsel erlauben wir uns sum Abonnement auf das Insertionsgebühr beträgt für bis 4 gespaltete Betitzelle oder deren Raum 40 Bf. Arbeitsmarkt 10 tenag Bet größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inferate werben bis+ Rachmittags in der Expedition, Berlin SW, Simmerstraße 44, fowie von allen Annonces Bureaur, ohne Erhöhung des Breises, angenommen. Expedition: Zimmerstraße 44. „ Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen." Berliner Volksblatt" Steuersyteme in Deutschland übersehen in: Was bie nebst der wöchentlich erscheinenden Gratisbellage einzuladen. Illustrirtes Sonntagsblatt" Der Standpunkt unseres Blattes ist bekannt. Es steht auf dem Boden des unbeugsamen Rechts. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffent lichen Lebens ist seine einzige Aufgabe. Is treuer Berather und Streiter für die Aufhebung und Ausgleichung der Klaffen. gegensäge ist das Berliner Volksblatt" ein entschiedener Gegner jeder Politik, die ihre Endziele in der Bevorzugung einzelner heute schon begünstigter Gesellschaftsklaffen findet, und berjenigen Politiker, benen nur die Wahrung ihrer persönlichen Intereffen als Leitftern ihrer Handlungsweise gilt. Das Berliner Volksblatt" sucht seine fich geftellte Aufgabe durch fachliche Behandlung der großen sozialpolitischen als auch der Tagesfragen zu erfüllen. Die gleichen Grundsäge lelten uns bei der Besprechung unserer städtischen Angelegen betten. Thue Jebermann, der fich mit unseren Stelen in Ueber einftimmung befindet, an seinem Blaze seine Schuldigkeit. Der Eine durch Buwendung seiner Mitarbeiterschaft, der Andere badurch, daß er dem Berliner Volksblatt" in immer wei teren Kreisen Eingang verschafft. Das„ Berliner Volksblatt" darf nicht nur allein der Freund des Volles bleiben, sondern das Voll muß auch der Freund des Berliner Boltsblatt" sein. Die Neußerung und Bethätigung dieser wechselseitigen Freundschaft ist in Wahrheit die Erreichung und Verwirklichung des uns vorgesteckten Bieles. Der Abonnementspreis beträgt für das ganze Bierteljahr 4 Mark, monatlich 1,85 Mark, wöchentlich 85 f. Bestellungen werden von sämmtlichen Beitungsspediteuren, fowie von der Expedition unseres Blattes, Bimmerstraße 44, entgegen genommen. Für außerhalb nehmen sämmtliche Boftanstalten Be ftellungen an. Ragbrud verboten. Die Redaktion und Erpedition des„ Berliner Volksblatt". Feuilleton. Ein Brillantenhalsband. Dies alte Sprichwort tann man in Hinsicht auf unsere Steuersysteme in Deutschland übersehen in: Was die Großen schaffen, die kleinen ihnen abgaffen. Das indirekte Steuersystem im Reich, welches besonders bie nothwendigen Gebrauchsgegenstände der mittleren und ärmeren Bevölkerung wifft, haben wir früher schon mehrfach zum Gegenstande eingehender Besprechungen gemacht. Wir verurtheilten dabei selbstverständlich dieses Steuer wesen, weil dadurch im Gegensatz zu den Wohlhabenden im Deutschen Reiche der Handwerker und der Arbeiter bebeutend mehr belastet werden. Wir können auch keinerlei Mo ral darin erbliden, daß der Bissen Brot, bas Rörnchen Salz, welches der Arme genießt, als Steuerobjekt betrachtet wird. Unser Standpunkt ist und bleibt immer: eine direkte progressive Einkommensteuer. Wenn wir uns nun nicht für die indirekten Steuern im Reich erwärmen können, so tommen uns biejenigen in ben Gemeinden noch schädlicher vor, da fie die Steuern auf nothwendige Gebrauchsgegenstände zu Gunsten der Wohl habenden bei den Arbeitern noch verboppeln und die Lasten, welche ein direktes, progressives Einkommensteuerfyftem, bas in vielen Gemeinden, wenn auch noch nicht ausgebildet, ein geführt ist, auf die Schultern ber Reichen legt, von ben felben wieber zu Ungunsten der Arbeiter abnimmt. der Der Branntwein wird in zahlreichen Gemeinden noch besonders befteuert. Der Erfolg ist bis jetzt gewesen, baß bie Trunksucht fich gesteigert hat, weil verschänkte Branntwein schlechter und verfufelter ge worden ist, da eine Erhöhung des Branntweinpreises worden ist, da beim Ausschänken in der hentigen verdienstlosen Beit dem Verschleißer nicht thunlich erscheint. Noch empfindlicher wirkt bie Rommunalbierfteuer, bie selbstverständlich nur in Norddeutschland eristirt. In Bayern ift biefelbe untersagt. Dort trinti man aber auch gutes, billiges Bier und von der Trunksucht, die der Schnaps be Wenn dabei auch noch andere wirft, ist keine Rebe. Gründe maßgebend find, so wirkt boch babei mit, baß bie Rommunen nicht noch eine Extrafteuer erheben tönnen und erheben. Dann aber fangen gegenwärtig viele Gemeinben wieber an, bas Fleisch besonders zu befteuern und gleichfalls bas Brot, trotz Verbot der Einführung des amerikanischen Schweinefleisches und trotz des hohen Getreidezolls. So hat der Gemeinderath zu Weimar beschlossen, die jest, wo es ihm zwedlos erschien, nicht mehr die geringfte Mühe gegeben, dem Doktor gegenüber eine Maske vor dem [ 9 Geficht zu behalten. Rriminalnovelle von Ferdinand Herrmann. Dann aber war jene verhängnißvolle Ratastrophe er folgt, und selbstverständlich hatte bas, wovon die Spalten aller Beitungen angefüllt waren, auch dem Doktor Hartwig nicht verborgen bleiben können. Er war zartfühlend genug gewesen, nicht sogleich in Hofferichter's Haus zu eilen, ba er ja nicht zweifeln konnte, daß der Stadtverordnete ihn Schmählich belogen habe, und daß sein Anblick dem ohnedies tief gebeugten Mann darum gerabe jest doppelt peinlich fein müsse. Aber er hatte nichtsbestoweniger alle Vorgänge mit der größten Aufmerksamkeit verfolgt; er hatte mit tiefer Bekümmerniß gelesen, daß die Flüchtlinge in der Hafenftabt ergriffen worden seien, und es war auch zu feiner Renntniß gelangt, daß offerichter unmittelbar nach dem Eingang bes betreffenden Telegramms borthin gereift war, um seine unglüdliche Tochter in Empfang zu nehmen. 3wei Tage barnach hatte er auf seinem Schreib tish ein Billet vorgefunden, in welchem ihn der Stadtver orbnete in einigen kurzen aber bringenden Worten ersuchte, ihn balbigft zu befuchen, unb er hatte, wenn auch mit einigem Widerstreben, dieser Aufforderung alsbalb Folge geleistet. In bem Rabinet des Herrn Hofferichter saßen sich nun bie beiden Männer zum ersten Mal seit dem Eintritt jener furchtbaren Ereigniffe gegenüber, und ihre Unterhaltung war, wie es unter folchen Umständen nicht anders fein fonnte, von ber ernfteften und unerfreulichsten Art. Hofferichter hatte feinem Besucher in der gewohnten Art bie Hand zum Willkommengruße bieten wollen, aber ber Doktor hatte fich den Anschein gegeben, als ob er es nicht bemerke und habe sich mit merflicher Kälte und Gemessenheit nach den Wünschen des Stadtverordneten erkun bigt. Da waren benn bei biefem ohne Weiteres alle Schranken der Selbstbeherrschung gefallen und er hatte sich N Also auch Sie scheinen große Neigung zu haben, mich für bie ehrvergessene That einer ungerathener Dirne verant wortlich zu machen!" polterte er los. Auch Sie machen ein Geficht, als wenn ich es wäre, der ein Verbrechen begangen hat. Wollen Sie mir's nicht lieber gleich ins Geficht sagen, daß Sie mich wegen der Handlungsweise meiner Tochter verachten?" H Es thäte mir leib, wenn Sie mich nur hätten rufen laffen, um eine folche Frage an mich zu richten!" erwiderte Hartwig fühl. Ich habe feinen Grund, Ihnen meine Meinung über diesen Gegenstand zu sagen, und dieselbe hätte auch wohl taum ein Interesse für Sie!" H Wenn to Sie nun aber dennoch barum erfuchte?!" beharrte ber Stadtverordnete. Ich denke boch, daß ich weniges Anrecht darauf hätte, zu erfahren, wie die Leute über mich benten! Sie brauchen sich übrigens nicht zu bebenken, das Benehmen meiner Tochter mit bem rechten Namen zu bezeichnen. Wenn ich sie nur hätte sprechen Tönnen bei Gott, ich würde mit ihr geredet haben, daß ihr die Ohren hätten klingen sollen!" Und er schüttelte brobend seine mächtige Fauft, von der er einmal geprahlt hatte, daß fie start genug sei, einen Ochsen niederanschlagen. Der Doktor aber zog wie in auf steigendem 3orn seine Brauen zusammen und sagte in schärferem Lone: Sie würden mich verbinden, Herr Hofferichter, wenn Sie sich in meiner Gegenwart aller Schmähungen gegen Ihre Sie fich in meiner Gegenwart aller Schmähungen gegen Thre Tochter enthalten, die ich wohl von Herzen bemitleiben, aber Tochter enthalten, die ich wohl von Herzen bemitleiden, aber nicht verurtheilen kann. Wenn Ihnen wirklich so viel baran liegt, meine Meinung zu erfahren, so hören Sie benn, baß meiner Ueberzeugung nach bie Verantwortung für das Geschehene nicht so sehr Fräulein Elfe als Sie trifft, und baß 3hr eigenes Berhalten mindestens biefelbe Berbammung verbient, als dasjenige Ihrer Tochter!" Der ehemalige Schlächtermeister starrte ben Sprechen ben mit offenem Munde an, und in feiner maßlosen Ueber raschung fiel ihm nicht einmal die Grobheit ein, die er Besteuerung des Fleisches in schärferer Weise zu figiren, Bier und Branntweinsteuer zu belaffen, von einer besonderen Wein und Wildsteuer aber Abstand zu nehmen. Man sieht hier wieder einmal die stadtväterliche Für forge für den Wohlhabenben, der seinen Weis, sein Wilde pret unversteuert genießen foll, während der ärmere und mittlere Bürger fein Fleisch, sein Bier, seinen Schnaps mit einem durch die Steuer erhöhten Preise zahlen oder mit verschlechterter Maare vorlieb nehmen muß. Wir haben nichts dagegen, wenn sich in unserer Zeit die Klaffengegenfäße im gesellschaftlichen Umgange, ober wenn fie fich im Rampfe um Arbetsbedingungen zeigen; aber wenn die Behörden und besonders die gewählten Stadtväter diese Klaffengegensäge durch eine ungerechte Steuervertbeilung noch erhöhen, so sollten dagegen in der That die Oberbehörden einschreiten, weil durch derartige Steuerfysteme schließlich nur Unfrieben erzeugt wird. Aber die Kleinen machen es ja nur den Großen nach! Das indirekte Steuersystem an fich ist fein gerechtes. Das haben faft sämmtliche Finanzmänner zugeftanben. Doch läßt sich dies System so leicht handhaben. Steueregetutoren find nicht nöthig, es ist so bequem, das Bolt merkt es gar nicht-wenn es weniger und schlechter essen und trinten muß. Man hat ja so recht das Volt merkt es nicht. Aber wenn das Bolt immer mehr zurückgeht, wenn das Volt, welches unter der Ungunft der wirthschaftlichen Verhältnisse so schon genug leibet, durch das indirekte Steuerfystem be bräng, bem Pauperismus noch mehr, noch früher verfällt, bann merkt nicht allein das Volk dieses Unheil, nein auch Staat und Gesellschaft merken es bann zu ihrem eigenen Nachtheil. Doch die heutige Gesellschaft und auch der Staat feinen nur für ben Augenblick zu sorgen. Sie urtheilen und handeln von Fall zu Fall". Nach uns die Sünd fluth ist eine ftehende Nebensart geworden beshalb ist auch wenig zu hoffen in Bezug auf allgemeine Hilfe, die ber Arbeiterklaffe gebracht werden müßte und auch nicht auf Berechtigkeit in Bezug auf bas Steuerwesen, wodurch die Kraft der Arbeiter wenigstens etwas gefchont würde. Doch wie gesagt, wenn wir schon gegen bie indirekten Reichsteuern uns im Interesse der Arbeiter erklären müssen, so erscheinen uns die indirekten Rommunalabgaben erst recht brückend, weil sie die Wirkung der indirekten Steuern noch verdoppeln und dieselben doch immer nur einem bestimmten Theil der Gesammtbevölkerung auferlegen. Aber so ist nun einmal der 3ug der Zeit und Was die Großen schaffen, die kleinen ihnen abgaffen. unter anderen Umständen auf eine solche Bermessenheit ge wiß in Bereitschaft gehabt haben würde. Was? Sie wollen die Ehrvergessene noch in Schuh nehmen?" war Alles, was er hervorbringen fonnte. " Ste finden wirklich noch eine Entschuldigung für solche bobenlose Schlechtigkeit?" Ich lönnte wenigstens viel leichter eine Entschuldigung für einen solchen Schritt der Verzweiflung finden, als für bas Bergehen eines Vaters, ber gewiffenlos genug ist, bas Glüd seines Kindes um seiner eigenen Interessen willen aufzuopfern, und der nicht einmal davor zurückschredt, einen ehrlichen Mann schmählich und nieberträchtig zu belügen, nur um fetne felbfisüchtigen Swede zu erreichen." Die leidenschaftlose und überlegene Art, in welcher ihm bie wohlverdiente Anklage entgegen geschleudert wurde, entwaffnete ben sonst so lampfbereiten Mann wider seinen Willen vollständig. Er suchte vergebens nach einer Grwiderung von gleicher Schärfe, und zum ersten Mal in feinem Leben mußte er sich unter die Gewalt einer frafts volleren und männlicheren Persönlichkeit beugen. Minutenlang sprach keiner ber beiden Männer ein Wort, dann fagte Hofferichter, ohne empor au bliden: „ Es ist möglich, daß ich mich Ihnen gegenüber eines fleinen Unrechtes fchuldig gemacht habe. Aber ich wurde babei von den besten Absichten für Sie und meine Tochter geleitet, und von Ihnen hätte ich doch wohl am wenigsten einen Vorwurf barüber verbient!" Unsere Ansichten mögen barüber wohl auseinander gehen! Aber ich hätte in der That keine Veranlassung ge nommen, Ihnen jenen Vorwurf auszusprechen, wenn Sie mich nicht durch Ihren Verfuch, die ganze Verantwortung auf Ihre arme Tochter abzuwälzen, gleichfam dazu ges zwungen hätten. War dies in der That Alles, was Sie mir zu fagen gebachten" Nein! Ich hielt es für meine Pflicht, Sie persönlich davon in Kenntniß zu sehen, daß ich meine Tochter nicht mit mir hierher bringen und sie nicht einmal sprechen fonnte, weil sie im Krankenhause ber Hafenstadt an einem Nerven fieber schwer frant barnieber liegt und weil die Merate nicht mehr an ihr Aufkommen glauben." Politische Urberstcht. Sie dütgerliche„ante" SesellsSaft unter sich Mit diesen Wonen charakteristclen wir neulich den Streit zsischen der„Post" einerseii», welche den Klerikalen ziemlich deutlich zu verstehen gab, daß ste nöthigenfalli unbequeme kirchliche Würdenträger mit„Gist" zu beseitigen wüßten,— und der „Germania" andererseits, welche dem offiziösen Blatt erwiderte, daß letztere nichts Schlimmes darin gefunden habe, durch „Bandtlenstreiche" unbequeme politische Größen zu entfernen. Die„Germania" knüpft heute an unsere Worte einen längeren Artikel, au« dem wir— an Stelle einer Widerlegung— daS folgende hervorheben wollen, weil ei auch für unsere Leser sehr lehrreich ist.„Die„gute Gesellschaft"— schieibt da» ultra- montane Blatt— unterglädt durch Wort und That selbst die Wirkung ihrer Aktionen gegen die Sozialdemokratie. Wenn Kürst Bismarck zu An'ang 1884 erklärte, die Deutschfreistnnigen seien„schlimmer" al» die Sozialdemokraten, wenn die „Norddeutsche" vor den Wahlen de« Jahrei 1884 Zentrum und Deutschfreifinnige auf gleicher Stufe mtt den Sozialdemo- traten für„schlimmste Gegner" erklärte, wenn bei diesen Wahlen der oberste Leiter der Polizei in Magdeburg, dem auch die Handhabung bei Sozialistengesetze» dort obliegt, in einer Volksversammlung erklärte, dem Fürsten Bismarck sei ein Sozialdemokrat zehnmal lieber, ali ein Deutschfreifinniger, und wenn demgemäß d»e Partei der Herren in Magdeburg den Ausschlag gab für den Sieg de» sozialdemokratischen Kandi» baten, dann darf sich Niemand wundern, wenn die Aktion gegen die Sozialdemokraten weder eine moralische noch irgend eine sonstige Wirkung auf die Sozialdemokraten übt, außer wo die physische Macht diese Wirkung erzwingen kann. Dazu kommt nun noch die hohe Schule der Revolution, welche neuer- ding» von der leitenden Macht Europa», Rußland eröffnet worden ist unter der stillschweigenden Hinnahme oder gar der Unterstützung der übrigen großmächtlichen Regierungen. Die „Kreuzztg." schrieb gestern Abend wieder:„Wai den General jhuldar» anbelangt, so soll derselbe nach Berichten englischer Blätter mit außerordentlichen Vollmachten und mit speziellen Jqstrukrionen, detreffend die Einstellung de» Gerichtsverfahren» gegen die Verschwörer ausgestattet sein. Da aber bulgarischen Berichten zufolge in den milttärischen Kreisen Bulgarien» ge- rade die Bestrafung der Theilnehmer an dem Staatsstreiche mtt Entschiedenheit verlangt wird, so scheint augenblicklich speziell diele Frage die bedenklichste zu sein." Man denke! Wenn Otfiziere, die ihre Untergi denen und sogar uner- fahrene«ad-tten zu E ddruch und Empörung rnrtührt und »um Theil gezwungen haben, und dann mit der Pistole in der Hand ihren legitimen Fürsten und Kriegsherrn im Schlafe überfallen und weggeschleppt haben, nicht bestrast werden sollen, waikanndann überhaupt noch bestraft wer- den? Und doch ist diese Bestrafung eine„Frage", und zwar augenblicklich die„drdenklichste" Frage für die Erhaltung de» Frieden» I"— Die Grundsatzlostgkeit, welche unser ganze» politische» Leben deherrscht und vergi'tet, kann allerdings nicht Keffer deleuchtet werden, al» e» hier feiten» de» uttramontanen Blatte» geschieht. Aber wenn letztere» darauf. hin an die bürgerlichen Parteien die Forderung richtet, alle Segenseitigen»nschuidigungen unterbleiben zu lassen, so heißt a» doch wetter nicht», al» daß man zur Grundsatzlostgkett— „Gesinnungslumperei" nannte e» neulich die„Köln. Ztg." unter dem Beifall aller O fiziösen— auch noch die Heuchelei fügen soll. Dann behielte die gute Gesell- fchast ihre Geheimnisse allerdings gan,„für fich", aber besser wäre fie dadurch keinesfalls geworden, und größere Achtung in den„niedrigeren" Ständen würde fie fich dadurch auch nicht zu erwerben wissen. Fortschritt der Juternationalität im Wirthschaft»« leben. Wie die moderne Verkehrientwicklung mit ihrer UN- 8 ländlichen TranSporterleichterung alle nationalen Verkehr». emmrnsse über den Haufen wirft, da» hat fich auch auf der internationalen EUendahnkonferenz zu Bern von neuem gezeigt. Wenn die Beschlüsse, welche die Konferenz bezüglich der Herbei- sührung einer technischen Einheit im Eisenbahnwesen gefaßt Hai, auch an fich keine politische Bedeutung haben, so ist e» doch al» ein erfreulicher weiterer Schrttt auf dem Wege zur Annähe mng der in engem Wechselverkehr mit einander stehen- den Staaten de» Kontinent» zu bezeichnen, daß auch in jener Hinficht jetzt eine Uebereinstimmung erreicht worden ist. Der bedeutsamste Beschluß ist ohne Zweifel der in Artikel 1 de» Schlußprotokolls niedergelegte, demzufolge bezüglich der S p u r- weite der vahngeleise eine Verein»arung dahin getroffen worden, daß dieselbe künftig in sämmtlichen Vertragistaaten bei neu zu legenden oder umzubauenden Geleiten auf geraden Strecken nicht unter 1435 rnrn betragen und in Kurven da» Maß von 1465 mm nicht Überschreiten soll. Diese Normen entsprechen htnfichlltch der Kurven der für Deutschland zuläsfigm größten Spurweite. Bei der somit hergestellten Einheit erinnert man fich übrigen» unwillkürlich de» Geschrei», welche» zu Anfang de» Kriege» im Jahre 1870 in der stanzöfischen Presse er- hoben wurde, welche da» unaufhaltsame Vordringen der deut- sehen Heermassen namentlich darauf zuiückzusühren suchte, daß „Und dennoch brachten Sie e» über'« Herz, ruhig hierher zurückzukehren?" rief der Doktor mit unverhohlener Eni« rüstung au».„Sie blieben nicht in der Nähe Zhre» kranken Kinde», n« e» wenigsten» Zhrer Verzeihung zu vn sicher«, und ihm damit die schwere Sterbestunde zu er- leichter«?' „Verzeihung?' rief Hofferichter erstaunt.„Meiner Verzeihung?— Sie kö,«e« glaube», daß ich jemals im Siande wäre, der Ungerathenen zu verzeihe«?— Hätte «au mich zu ihr gelassen, wie e» doch mein gute» Recht war und wie ich e» leider vergeben» zu erzwingen suchte, so würde ich ihr meinen Fluch in» Geficht geschleudert habe«, meine« grimmigste«, sürchterlichste» Fluch, und e» wäre wir eine Gevuqthuung gewesen, wenn sie unter dem Gewicht diese» Fluche« rhre« letzten Athen« ausgehaucht hatte." Der Schlächtermeisttr sah wirklich widerwärtig an» in s wem Zorn, die Adern auf sewer« ir» waten dick angeschwollen uvd sein ganze» breitknochige» Geficht hatte eine blauroihe Färbung angenommen. Wa» mußte da» unglack. liche Mädchen unter der Brutalität eine» solchen Vater» gelitte» habe», ehe ei den verzweifelte, Entschluß gesaßt, ihm zu entfliehe». Auch dem Doktor mochte fich wohl ein ähnlicher Ge« danke ausdränge«, den» er erhob sich und schob seine» Stuhl mit einer heftige» Bewegung zurück. „Genug, mein Herr!' sagte er.„Wir werde« un» nie- mal« verstehen, und ich denke, wir haben vorläufiz nicht» mehr mit einander zu ihun. Wenn e» nicht sündhaft wäre, eine« solche» Sedanken auszusprechen, so möchte ich wünsche», daß ihr arme» Kind durch den Tod vor dem schrecklichen Schicksal bewahrt bliebe, unter Ihre Gewalt zurückkehren zu müssen!'_ Et drehte sich kurz um, um sich zu entkernen, aber der Stadtverordnete hielt ihn durch eine» Zuruf zurück: .Wen« ich e» nicht mit meinen eigenen Ohre« höre» müßte, so würde ich nicht daran glaub«»," sagte er, am aanze« KS- per vor Erregung zitternd.„Sie find e», der de« Mädchen in Schutz nimmt— Sie. der angesehene, fittenstrenge Man«, die Geliebte eine» Mörder»?!" I da» rollende Eisenbahnmaterial Deutschland» ungehindert auch auf die stanzöfischen Bahnen übergeführt werden konnte. Man verlangte nachdrücklich, daß nach Beendigung de» Kriege» die Bahn- Spurweite verändert werden sollte, damit fich Frankreich in dieser Beziehung gegen da» Ausland ebenso absperre, wie e» ion Seilen Rußland» von Anfang an geschehen sei. Da» hat alle» nicht» geholfen, die Bedürfnisse bei Wirthschatt»- leben haben alle politischen Bedenken defieat und wenn alle Staaten Europa« erst zu einem großen Wirthschaft»« gebiet zusammengewachsen sein werden, dann wird auch alle politische Trennung und Feindschaft zwischen ihnen vrr- schwinden. Heber unsere dolitisireuden Kolovialreisende«, die — wie fich erst jüngst wieder auf dem Naturforscherkongreß zeigte— einen großen Einfluß auf die ganze Kolo-ttaldewe- gung in Deutschland gewonnen haben, schreibt die„Nation": Die meisten jener Leute, die man al» die aktiven T äger un- serer Kolonialpolitik zu betrachten hat, find weder Kapfleute, noch Philantropen, noch Männer der exakten Forschung. Sie find von allem vielleicht etwa»; aber in erster Linie und im bestem Falle find ste doch kühne Reisende, denen ihre Unter- nehmunglzüge eine Art Sport find und denen e» kleinlich und unverständlich erscheint, daß eine Nation diesen Svort nicht «itzumache» bereit ist, oder wenigsten» dafür keine großen Opfer dringen will und kann. Ein Astikareisender ohne eine gewisse ideale Hingabe, aber auch ohne einen gewissen aben- teuerlichen Hang ist schwer denkbar; und wenn er mtt diesen Eigenschaften dann vor allen an die Lösung kommerzieller Fragen herantritt, so ergeben fich derartig monströse Resultate wie die, daß man dem deutschen Handel ein überau» unsichere* Geschäft vm schlägt, für dessen Realistmng deutsche Private oder die deutsche Nttion zunächst schwer berechenbare Summen au»« 8 eben soll. Die pofitiven Ergebnisse, die die kolo? ichpolilischen irörterungen auf der Naturforscherversammlurg ergeben haben, find s.'hr dürftig. Fest steht nicht vielmehr, al» daß Kamerun sehr ungesund, daß Lüderitzland gesund, aber ohne größere Bedeutung, und daß in Ostasrika große unbekannte Länder- Massen vorband« find, die Deutsche für fich in Anspruch nehmen. Welche Zukunft«erden diese Länder haben? Einer der vorfichtigsten Redner, Herr MeienSky. der lange in Süd- afttta war. prophezeite dem dunklen Welttheil nur eine insel- artige Kultur. Wird fich diese wenigsten» erreichen lassen? Auch da» ist überau» zweifelhaft. Herr Geheimiath Hirsch betonte. daß man die Bedingungen, an welche die verderblich tödtliche Malaria geknüpft ist. nicht kennt; daß fie in den Tropen sowohl in sumpfigen Niederungen, al» auch aus Höhen und in wasserarmen Gebieten vorkommt. Wo find also jene Gegenden, in die der Europäer fich retten soll? Und auch die Hoffnung auf Akkl'matisation erscheint in Afrika doppelt trüge« tisch, denn nicht allein die eingewanderten Weißen, sondern auch die Schwarzen, wenn schon in geringerem Grade leiden unter oder erliege» dem mörderi'chen Klima. Die Bißmarck'sche Orientpolitik weckt in den Kreisen der österreichich ungarischen Polittter fortgesetzt die ledhaftesten Zweifel an dem Nutzen de» deutsch, österreichischen Bündnisse». Der„Pester Llcyd" schreibt beute:„Wenn Deutschland un» in der Vertheidigung unserer Interessen nur dann unterstützen soll, wenn diese Interessen zugleich die seinigen find, oder umgekehrt, dann bedarf e» hierzu nicht erst eine» Bündnisse»; da» muß jede Macht ohnehin um der Selbst« erhaltung willen thun. Da» Bündniß, bei dessen Verkündi- gung Lord SaltSbuiy auirtef:„Große» Hril ist der Welt widerfahren", konnte unmöglich einen solchen Inhalt haben. Noch im November de» vorigen Jahre», nach dem bulgarischen Staatsstreich-, konnte der Bericht de» auswärtigen Ausschüsse» d-r ungarischen Delegation erllären, daß„die Bast» unserer au»« wäriigen Politik, wie seit Jahren, so auch jetzt da» enge Freundschaft» oerhältniß zu Deutschland bilde, welche» nach der erfteulichen Berficherung de» Herrn Minister» auf so festen Grundlagen beruht, daß fich seit dem Bestände desselben hierin keinerlei Aenderung ergeben Hai". Al» da» geschrieben wurde, war damit schwerlich gemeint, daß Deutschland bei der ersten sich bietenden Gelegenheit seine Unterstützung jenem Rußland zuwenden würde, zu welchem unsere Beziehungen schon dam all lediglich„auf den allgemein gilligen internattonalen Verträgen" beruhten, wie der erwähnte Bericht mit Adficht hervorhob. E» ist darum dmchau» degründet, wenn Graf Apponyi heute an den Ministerpräfidenten die Frage stellt:„Welche Veränderung ist eingetreten und au» welchem Grunde ist eine Veränderung eingetreten" w dem Verhältnisse der Monarchie zu Deutsch- land? Exiftirt ein solcher Grund nicht— und wenn Herr v. TiSza da» erklärt, dann werden auch wohl seine politischen Gegner nicht an der absoluten Wahrhaftigkeit seiner öffentlichen Deklarationen zweifeln—, dann müßte angenommen werden, daß die deutsche Politik in der Auslegung von Verträgen und vundeipflichten eine ganz neue Art einzubürgern gesonnen sei, welche wir bisher nicht al» deutsche Art gekannt haben und auch jetzt nicht al» solche anerkennen mögen." Wenn— hätte— wäre! Sin Berliner Telegramm der „Köln. Ztg." führt au», wie die Verhandlungen im Reichstage Hartwig trat einen Schritt raher an de« Stadtverordneten heran, und auch seine Sttmme bebte jetzt merklich, al» er erwiderte: „Und wer giebt Ihne» cm Recht, zu sagen, daß er ei« Mörder sei?" „Wer mir ei» Recht dazu giebt?"— Run, ich denke doch, da könnte von einem Zweifel nicht mehr die Rede sein! Die Schuld diese» Burschen liegt ja sonnerklar zu Tage 1*9 „Da» ist nicht wahr!— Die Umstände möge« gegen ihn sprechen, wie sie schon gegen manche« Unschuldigen ge» sprachen haben. Aber ein Mörder ist er nicht, dessen bin ich gan, gewiß!' Dem Stadtverordnete« mochte nachgerade ei« Zweifel daran komme», ob e» mit de« Geisteskräften de» Dokror» «och in der gehörige» Ordnung sei. Er schüttelte den Kopf und meinte: „Zhre Menschenfreundlichkeit in Ehren, mein Herr Doktor, aber wie man solchen Thatsachen gegenüber»och derartige Behauptungen ausstellen kann, ist mir ganz unver. stävdlich, habe« Sie den« den Mensche» überhaupt ge- kannt." „Nicht mehr al» ganz oberflächlich I Zch sah ihn ei» einzige» Mal bei seiner Tante, und er machte mir damal» einen ungemein günstige» Sindruck. Meine Ueberzeuguvg von seiner Unschuld aber gründet fich keineswegs auf diese sehr flüchttge Bekunnischast. Fast seit dem erste« Tage meine»»ufenihall» in dieser Stadt war ich mit der jetzt Ermordete« in beständige« Verkehr. Wir begegneten un» überall ft» unsere« Bestrebungen und ich verehrte i» ihr eine eben so edle und menschenfreundliche, al« kluge und wahr- mmmm über den spanischen Handelsvertrag einen neuen Beleg für daß frivole Spiel böten, welche» die Sozialdemokraien mtt den Interessen de» Lande» getrieben, indem ste au» rein perfön« ltchen und feldstsüchiigen Frakiioniintereffen den Abschluß de» Vertrage» verzög-rt baden.„Wenn die endgivige Annahme de» Vertrage» am Eonnabend erfolgt wäre, wie die» ohne die Obstruktion der Sozialdemokraten hätte erfolgen müff-n, so hätte schon am Sonntage der amtlich oorberellet« AuS- tausch der Bollziehungiurkunden in Madrid auf telegiophischc Weisung staufinden lönnen. Wäre in Folge vis nunmihr glücklich überwundenen Aufruhr» ein Kadinetiwechsel in Spanien eingetreten, so wäre der Auiiausch der Urkunden und somit der Abschluß de» ganzen Vettrage» fraglich geworden. An demselben find aber nicht nur die Industriellen und H m dellreibenden der beiden Länder betheiligi, sondrm in hobem Grade auch die wellesten Kreise der Arbeller. Die sozialdemolraiischr Fraftion hat kein Bedenken getragen, durch ihre Haltung eine Gefahr nicht dlo» für den Handel, sondern auch sür die Arbeller selbst herbeizuführen, deren Jnteressm vorzugsweise zu vertreten fie behauptet."— Di«„Nordd. Allg. Zettung" druckt natürlich die» alberne Gewäich nach. Ja— wenn, hätte, wäre!—„Wenn meine Tante Räder hätte, so w S r e fie ein Postwagen!" „Mit wenig«erstand und vielem Behagen" drucken die konservativen Provinzialdlätter gleichzeitig eine Notiz ab, welche ihnen vom Preßdureau in Berlin zugesandt worden ist. Diese Notiz wendet fich gegen die sozialdemokratische Press« in Deutschland, welche unter der Herrschast de» Sozialifien gefetze» «ine gemäßigte Sprache führen mürie. Würde da» Sozialistengesetz aufgehoben, so würde diese Presse genau in dietelde Sprach« fallen, wie die im Auslände erscheinenden Blätter. Sonderbar, daß die Redakteure all der Zeitungen keine Ahnung davon haben, daß e» in Deutschland ein Preßgesetz und ein Strafgesetz giebt. Um so sonderbarer ist die», al» da» Sozia- listengesetz für den Inhalt einer Druckschrift keine Strafen kennt; bei etwaigen Bestrafungen nach dieser Richiunghin wird immer auf da» gemeine Recht zurückgegriffen. Man firhi, wie verständnißlo» die herrschend« Press« im Kamrse gegen die Ardeitrrpartei verfährt. I« Würzen in Sachsen ist ein Bubenstück rohester Alt im Garten de» Hotel»„Stadt Leipzig" verübt worden.„Ruch- lose Hände haben nicht weniger al» 10 Stück hochstämmiger Mytthenbäume durchschnitten." So meldet dt« Presse in Sachsen. Wo bleiben da die„halbwüchfigtn" Sozialdemo- kraten? In der„Stadt Leipzig" zu Würzen verkehrt nur die „Elite der Gesellschaft", von der etliche berauschte Glieder wahrscheinlich die„ruchlose Thai" verübt haben.„Wie kann man denn gleich so schimpfen; die Herren warm ja nur heiter und ÜdermÜihig. Die That ist nicht de» Aus- heben» weith" Zölle und BerbranchSstenern. Die Ergebnisse der Einnahmen der Reichßlaffe an Zöllm und Verbrauchssteuern für den bis End« August d. I. verlaufmen Theil de» Rech« nungSjahre» liegen jetzt vor. Offiziös wird darüber dem«»: Di« Getränkest'uer und die Salzfteuer weisen zusammen mit rund 39 000 000 Mark gegen die gleichen fünf Monate de» Vorjahre» einm Mehrertrag von fast 2000 000 Mark auf. Bei dm Zöllen ist zwar auch der Reinertrag mit über 88 000 000 Mark gegen da» Vorjahr um etwa 4% Millionen gestiegen, aber ei liegt hier die Sache insofern ander», al» durch da» Zolltarifgesetz vom Mai v.J. namhaft« Erhöhungen der Zollsätze ringeführt find und der EiatSanschlag darauf rechnete, daß die finanzielle Wirkung dieser E döhungm im laufenden Jahre schon voll eiittreien werd'. Nach den vor- liegenden EttragSziffern erscheint die Erfüllung dieser Srwar« iung not nicht g« sichert. Belgien Der heutige Sonntag wird für die Stadt Lütt ich ei« bewegter sein. Die sämmtlichen Arbeiter de» MaiSihal�- in 38 Assoziationen eingei heilt, gegm 10000 Mann stark, veranstalten in den Straßen der Stadt ein« Kundgebung für da» allgemeine Wahlrecht und ziehen dann nach dem Begrädniß« platze, woselbst Ansprachen gehalten werden sollm. Da» Mi- nisterium hat„au» Vorstcht" die Konfignirung der Truppen angro.dnet. Gleichzeitig tritt der große katholische Kon- greß für die sozialen Fragen zusammen, der vier Tage tage« und, wie die Kierilalen verkünden,„von«pochemochendn Bs- deulung" sein wird. Sein Ziel ist,„die Gesellschaft in dft Bahnen de» praliischm Christmthum» zurückzuführen, eu» denen ste fich seit einem Jahrhundert mehr und mehr zu ent- fernen trachtet." Die fetten» der Regierung ausgesprochene Bthcuplurft die belgischen Ardeiter Unruhen seien durch Führer, zuw Theil« durch Ausländer, angestiftet wordm, de- stäiigt fich nach dem„Hamb. Cour." nicht.„E» ist vielwep jetzt erwiesm. daß ste durch die Hätte und Unbesonnenheit de» Wnldefiyer selbst entstanden find. Da» Herabsetzen der deitilöhne auf 1 30 Frank»(1 Mark) in den GwbM IJJ Fl um» bat dm Sturm zum AuSbmch gebracht, der aus dm Übrigen Werten in Folge der allzemeinm Lohmeduttion Wide» hall fand." ihm gesprochm, und nach alledem, wa» ich au» ihrem SRuri* über dm jungen Mann veriommen, halte ich tS für fl**» unmöglich, daß er fich eine# so fürchtet lichm Verbrcqss'- gerade gegen seine edelste Wohtthäterin hätte schuldig mache» sollm." �... Der Siadiverordveie lächelte ingrimmig und schü»eu mit einer nngläubige» Gederde de» Kopf.. � „Wenn der Bursche nicht» Bessere» zu seiner lastung geltend machen kann, al» da», so wird er Tage wohl im Zuchihanse beschließe« müssen,' meint« „Sie sind gewiß ein autgrznchveier Arzt, Herr Doktor,nd«ger See" gemacht. Da diese Druckschrift zu den verbotenen gehört, ist der Bertrieb derselben im Umherziehen und demgemäß auch von Hau» zu Hau» nach§§ 56 und 42 a der Grwerbe Old- nung strafbar. Gestern wurden zwei Knaben im Alter von 11 resp. 10 Jahren von einem Schutzmann betl offen, ols fit im Auittage des Verlegers Hefte der verbotenen Druckschrift tn den Häufern felldoten. Verschwundene Dame. Unt« dieser Uednschriftl findet fich heute an den öffentttchen Säulen ein merkwürdig« An schlag, welcher lautet:„Eine große Belohnung kann derjenige verdienen, welcher eS herausfindet, aus wtlche Weise der Bme- rikaner Ch. Finaud jeden Abend in der Konkordia die junge Dame»«schwinden läßt. Rehr«« bi« fich ausballende Büh. nentechniker und ESkamoteure(!) wissen wovl, wohin die Dame verschwindet, dezw. aus welchem Wege; ad« wie die Sache ausgeführt wird, kann nicht gefunden w«d«n. Auskunft wird «beim gegen ein zu veieindarendei Honorar in der Exprdllwn der Voss. Ztg."— Wie un» scheint» ist diese Form eine neue pfiffige Art der Reklame! Da« vlfiudtn der Opfer der vorgestriaen Eise«. bahvkatastrophe ist im Allgemeinen ein befriedigende», und bofft man, fie sämmtlich am Leom«halten zu können. Ver- bällnißmäßig am schwersten vnletzt fi-id die beiden im Elisabeth. krankenhause untttgedrachten R-snotsten, der Gefeeite Friedrich Haupt und d« Ulan Johann Rhode. Beiden ist noch am vorgest? igen Abend je ein Unterschenkel amputirt worden. Die Operationen, die vom Sanitätsrath Dr. D-Ihart ausgeführt find, waren in Folg« dir Koaplikatton der Verletzungen un« gemein schwierig und nahmen lange Zeit tn Anspruch. Von den im hiefizen Garnison Lazanth Verpflegten hat nur einer, der Gefteite Albert Schachlling« stch einer Bein- Amputation unterziehen müssen. Bereits vorgestern Abend trafen auf die teiegi aphische Nachricht vom Unfall die ersten Angehörigen dn Verletzten hier ein. Die Kommandantur hatte Weisung ae. eben, daß st« sofort zu den Ihrigen gelassen wurden. Mit en Nachtzügen find weitere Verwandte angelangt. Ueber d.« Familienoerhällnisse erfahren wir. daß nur ein« der Verletzten veiheirathet ist, es ist die» der Ulan Janotz»inkowsky, seine junge Frau ist d«eits hierhu geeilt. Dos Wiedersehen war hnzzeneißend. Ein Je» sinniger, d« mit einem großen, scharf geschliffe. nen Mcffer die Straße entlang lief, oersetztt gestern Vor. mittag die Paffanten der Chausseestraße in große Äuircgung. Nachdem derselbe schon mehrere Pnsonen in ein« höchst be. ängstigenden Weise mit dem Messer bedroht hatte, gelang e» schließlich einigen beherzten Männern. den gemeingefährlichen Menschen zu überwinden, ihm das Mess« abzunehmen und ihn zur Wache d:s 3. Pzlizeircvt«» zu schaffen. Hi« stellte e» fich heraus, daß d« Verhaftete nicht nur geisteskrank, son« d«n auch stumm sei. Sr wuide sofort in die Köntgl. Neue Charit«« üb rführt. Markthalle«. Bericht von Z. Sand«««, städtische« VetkaufSvermittler, Berlin, Zentral-Markthalle, den 25. Sep. temd-r 1886. Wild. Reh« 70-90, Hirsche 35-55, Wildschwein 25-36 Pfennig pr. Pfd.. R-dhühn«, junge 95-120, alte 70-85 Pf- Fasanen 3 St., Wachteln 50-60 Pf., wilde Enten 0.80 bt» 1,20, Haftn 3,00-4 Mark p« Stück. Preise unv«Snd«t. Geflügel. Jung« Gänse 2,50—3—5 M.. junge Enten 1-1,50-2,00 Mail, junge Hühner 0,45-0,80 M.. alte 1,00-1,40 M., Tauben 30-45 Pf.. Poularden 4,50-8,00 M. p« Stück. Fettes Geflügel begehrt. Preise steigend. Butter. Frische setnfte Tafelbutter x. 115-120, fein« Butter I. 108-115. ll. 98-106. w. fehlerhafte 82-90, Land butt« L 92—98, O, 75—85 M„ Gaiiztsch« und andere aeringfl« Sorten 55—72 Mark v« 50 Kilo. Preis- fest. Die Zufuhr ist ausreichend, in feinster Waare gering. Käse- Tendenz ruhig. Echt« Emmenthai« 73—80 Mark, WestpreuZisch« Schweizerkäse I. 56-63 M., IL 50-66 M„ OL 46—48 M„ Quadrat. Backstein 1. fett 22-25 R.. IL 12-18 M.. Tilsit« Fettkäse 45-56-60 M., Tilsit« Magertas« 18-23 Mark, Limburg« l 30-36 SL IL 20 bis 25 M., rheinisch« Holland««äse 45-68 SL, ll. Waare 35 M., echter Holland« 85 M.. Edam« L 60-70 M.. ll. 56-68 M., französisch« Neufchatell« 16 M. p« 100 Stück. Camembert 8,00-8ft» M. p« Dtzd, Main,« 4 00 M., fear,« 3.60 p« 100 Stück. Roquefort 1,20-1,50 pr. Pfd. Et«. 2,60—2,60 M. p« Schock, steigend im Preise. Honig, reiner deutscher 60, feinster weißer 70—80 M. pr. Ctr. Die Nachftaz ist gering. Blumen und Blätter. Lorbenblätt« 3—4 M. pro Korb. Rosen 5-6 M. pro 100 Stück. Obst und Gemüse. Weintrauben 25—30, Pflaumen 4 bi» 8 M., Birnen 6-10 M.. Repfel 6-10 M.. Zwiebeln 2,00—3,00 M. pr. Ctr., Schalotten 6—7 M., Reu« sau» Gurken 1,80—2 M. p« Schock. Paradiesäpfel(ESrauaim) 1,50-3,00 M. vr. Surf, Ananas 2,50- 3.00 Mark vr. Pfd. Karotten 2.50—6 M. per 100 Kilo, Wirsing« kohl 2—3 M., Roth, und Weißkohl, große Köpfe, 3—4 M. pr. Schock, Blumenkohl 10-15 M. pr. 100 Stück. Meeretttg 6—12 M„ Kartoffeln, im Preise steigend, weiß« 3,50-4,00 Sl. rothe 2.80 bis 3.00 M.. blaue 3,00-3,60 M. pr. 100 Kilo. Geräuchert« Fische. Rheinlach» 2,50—2,90 Sl, Wes«. und Ostsrelach» 1,20-1,40 M., Aal« 70-100 bi» 1,30 Pf. pr. Pfd., groß« Dcltlateßaal 1,50 per Pfd., Flundern, kleine 2,75-3,50, mittel 4,50-8. große 12-20 M..«ückltnae. 3.50 bis 5,00 M. Dorsch 3-10 M. per 100 Stück. Sprotten 0,40—0,50 per Pfund. Krebse. Kleine. 10 cm. 1,00-1,50 M., mittel 2-4 W, große 8—12 M. p« Schock. Hummern 1,30—1,60 M. per Pfund. Lebend« Fische. Aal, mittelgroß 80—95, große 1,10 M„ Hecht 60-70 Pf., Schlei» 80-90 Pf. p« Pfund. Seefisch«. Lach» 1,00-1.20-1,30 Mark, Zand«, große, 80—190 Pf., Hecht 40—60—65 Pf„ Steinbutt« 70-80 Pf.. See« sunge, große 0.70-1 M.. mittel 50-60 Pf., Scholle 10-26 PL Schellfisch, große 20 Pf, Kabliau 15 di» 20 Pf. per Pfund, Makrelen 40—60 Pf. pro Stück. Poitzei-Bertcht. Am 24. d. M. früh entstand auf dem Grundstück Brandendurgstraße 20 in einem zm Aufbewahrung von Holzspähnen dienenden Keller wahrscheinlich dadurch Feu«, daß durch die nur mit einem Gitter versehene Lichtöffnung disselden eine brennend« Zigarre od« ein Streichholz hinein« gewoefen worden ist. Tie Feuerwehr war über eine Stunde in Thätigkeit.— Vermuthlich au» derselben Ursache a«rietb gegen Abend das in einem Kell«lichtschzcht des Hause» Liipzigerstraß« 60 befindliche Stroh in Brand, jedoch ohne de« sonvtten Schaden anzurichten.— Al» am Vormittag desselben Tage» der 10 Jahre alle Otto Wille auf dem Platz vor dem Schlestjchen Bahnhofe von einem in der Fahrt befindlichen Rollwagen absteigen wollte, gnieth« mit dem rechten Fuß unt« ein Rad und erlitt dadurch eine Quetschung der Zehen. — Abend» gegen 8 Uhr machte ein tn d« Danzignstraße wohnender Schuhwach« auS noch nicht genügend aufgeklärter Vrranlassung den V«such, stch mtttelst«ine» Spannriemeo» am Spiegelhaken zu erhängen, wurde ad« von feiner Ehefrau noch»chtzeia abgeschnitten.— Al» am 25. d. M. früh d« Kutsch« Hoffmann mtt einem Arbeitswagen die Danzignsttaße entlang fuhr, schlug da» Pfttd plötzlich nach ihm aus. Bei dem Bestreben, den Schlägen auszuweichen, fiel er vom Wagen» gerieth unter die Räker desseiben und wurde durch Ueberfohren so schwer»«letzt, daß er nach dem stävttschm Krankenhaust im Friedrichshain gebracht»«den mußte. Gerichts-Zeitnng. t Eine Eegelpartte auf der Havel wollte der Tapezier Franz Grorg Friedrich mit seinem Freunde, einem Tischl«- meister, unternehmen. Es fehlie ihm aber an der nothwendisen Voraussetzung ,u dem V«gnügen, an daarem Geld«. N-m wohnte bei ihm eine Wittwe Namen» Klauser. die fich einig« Noihgroschen erspart hatte. Während e» nun sonst zuweilen vorkommt, daß Schlafstellenditbinnen ihre Wlrthe destebl-N' war e» hi« umgftebrt: d« Wirth»«griff fich am Siaenthuw seiner St-etherm. Er benutzte die Abwesenheit der WUl»f; um au, d« Kommode, zu der st«»«traurnSseltg den 661# zmückgtlassen hatte, em Portemonnaie mit 30 M. Inhalt. I« mtwenben. All Frau Riauftc ihren Verlust entdeckte, nuint» Friedrich gleich müthig, daß daS Portemonnaie von irgend einem Unbekannten gestohlen worden sei. Dieser Unbekannte unter« W�MW Riemm zu, der in belden Verhandlungen sein Gutachten über Die Arbeiten abgegeben hatte. Fritsch war vor fünf Jahren in einen ähnlichen Prozeß verwidelt gewesen, der durch bas Gutachten beffelben Sachverständigen gegen thn entschieden worden war. Genug, er vermuthete, daß Klemm aus persönlichen, nicht aus fachlichen Gründen sein Urtheil abgegeben habe und er verlieb dieser seiner Anficht in einer Reihe von Boftlarten einen sehr deutlichen Ausdruck. Klemm erhielt vier offene Karten, in denen es a. B. bieß, daß es ,, otele ungetreue Leute in Berlin gebe", daß die Staats anwaltschaft fich mit dem Gutachten zu beschäftigen" baten werbe, daß faliche Verleumdungen" vorgelommen felen. Klemm ließ diese Beleidigungen nicht steden, sondern wendete fis an die Staatsanwaltschaft. Bestern wurde vor dem Schöffengericht gegen Fritsch verhandelt. Der Angellagte gab Die Beleidigungen zu, behauptete aber in Wahrung berechtigter Intereffen gehandelt zu haben. Der Gerichtshof erkannte den legteren Umftand an, fab aber in der Form der Beleidigungen eine beleidigende Abficht und verurtheilte den Anklagten au einer Geldstrafe von 30 Mt. Der Staatsanwalt hatte eine Geldstrafe con 60 Mt. beantragt. + Eine recht grobe Unvorsichtigkeit, die den Zob eines Kindes verschuldete, ließ sich die Frau des Arbeiters Bortbun am 19. Juni d. 3. zu Schulden lommen. Sie wollte an diesem Tage die Stube scheuern und feste deshalb ein Gefäß mit Waffer auf den Herb. Als das Waffer lochte, ftellte fte es auf den Fußboden und feste ein zweites Gefäß mit Wasser auf das Feuer. Inzwischen war eine Nachbarin erschienen, die einen Gang au besorgen hatte und Frau Porthun bat, thr einundeinhalbjäbriges Rind solange in Be auffichtigung zu nehmen. Frau Porthun sagte zu und das Kleine wurde auf den Erdboden gefeßt, wo es mit dem Knaben Der Frau Borthun zu spielen begann. Statt nur auf die Rin ber zu achten, feste fich die Frau an den Tisch und begann Beliung zu lesen. Als fte eben in die Lektüre eines Schauer. tomans des Lol. Ana." vertieft war, störte fie ein marter. schütternder Schrei. Beim Spiele hatten die Rinder das auf dem Fußboden stehende Gefäß mit lochendem Waffer Dem bie flebende umgestürzt und fledende Flüfftgleit war Kinde Der Nachbarin über Beine und Füße ge floffen. Frau Borthun rig Tode erschroden au Das Kind fort, aber schon war es zu spät. Die Gliedmaßen des Kleinen des Kleinen waren fürchterlich verbrannt und im Krankenhause etlag er nach acht Tagen seinen Wunden. Frau Borthun stand gestern unter der Anklage der fahrlässigen Rörperverlegung mit födtlichem Ausgang vor der dritten Straf fammer bes biefigen Landgerichts I und wurde zu vierzehn Tagen Gefänanig verurtheilt. tuten tommen im Laufe der fünftigen Woche aur Ausgabe durch den Kaffirer Herrn Lindemann, Grimmfir. 39, sowie in den Kaffenlofalen Butowerstr. 9 und Sophienftr. 22 am 4. und 18. D.tober. Dor Bremen, 23. Sept. In einer öffentlichen Gewerkschaftsversammlung sprach am Dienstag ein Herr Hartje, Maurer aus Hamburg, über eine von den deutschen Gewerkschaften an den Reichstag zu richtende Petition gegen den bekannten Streit erlaß des preußischen Ministers des Innern, Herrn v. Butt lamer, vom April dieses Jahres. Der Redner führte aus, durch diesen E.laß werde den Arbeitern die ihnen gefeßlich gewähr. leistete Koalitionsfreiheit im höchsten Grade verkümmert; denn wenn derselbe den Regierungsbehörden die Befugniß einräume, alle Bereinigungen und Versammlungen der Arbeiter zum Bw.dt der Erzielung günftigerer Arbeitsbedingungen, besonders burch Streits, einfach auf Grund des Sosialistengefeges zu verbieten, falls fich an denselben Sozialdemokraten betheiligen, so werde bamit den Arbeitern faft jebe Möglichkeit zur Besprechung ihrer Intereffen abgeschnitten. Um dies zu verhindern und den Arbeitern das Koalitionsrecht im vollen Maße nach wie Ber bewahren, fet eine Ergänzung der Ju flimmungen der§§ 152 und 153 der Gewerbeordnung in dem Sinne erforderlich, daß auch den Arbeitern bas Richt auftebe, Vereine zur Förderung ihrer Sntereffen, insbesondere aur Erzielung günftigerer Arbeits- und Lohnverhältnisse zu gründen. Es sei deshalb von Zabalsarbeitern in Dresden eine Betition an den Reichstag angeregt, in welcher dieser barum angegangen werden solle, einen dahin gebenden Bufat zu den erwähnten Baragraphen der Gewerbeordnung zu beschließen. Betreffs des Erlaffes des Ministers v. Butttamer heißt es in der Petition: derfelbe enthalte das Gegentheil von dem, was in der laiserlichen Botschaft den Arbeitern versprochen worden, ber Erlas werbe lediglich zu Gunsten der Arbeitgeber ausschlagen, bas Rechtsbewußtsein der Arbeiter dadurch verlegt, da den Ver einen der Arbeitgeber keinerlei Echwierigkeiten in den und Weg gelegt würden, Die Folge sein, wenn Arbeiter verhindert würden, in Versammlungen und Vereinigungen die Lohnverhältniffe zu befprechen, daß die Löhne immer mehr berabfinlen, was für die Lösung der fozialen Frage gewiß nicht förderlich sein würde. Ueberdem seien in einigen Bundesstaaten noch Gesetze in Geltung, die in direttem Widerspruch mit dem Roalitions recht ständen, so in Sachsen, Bayern und Breußen, in welchem letteren Staate dieses Recht auf Grund des Vereinsgefeges von 1850 für die Arbeiter vollständig illusorisch gemacht werden tönne und thatsächlich gemacht worben fel. Nach dem mit aroßem Beifall aufgenommenen Vortrage wurde folgende Resolution beantragt und einstimmig angenommen. Die heute in der Bentralballe tagende große öffentliche Bersamm lung der Bremer Gewerkvereine spricht dem Referenten für feine trefflichen Ausrührungen feinen Dant aus, protestirt gegen den Sireilerlaß des Minifters v. Buttfamer als einen Eingriff in das gefeßlich den Arbeitern gewährleistete Roalitions recht, befürwortet, die§§ 152 und 153 der Gewerbeordnung in dem in der Betition angegebenen Sinne abzuändern, und verpflichtet sich, für die Betition aller deutschen Arbeiter an ben Reichstag einzutreten. Nach einer längeren Distulfton über den Gegenstand schloß die Versammlung mit einem Hoch auf die Arbeiterfache und die Vertreter des Arbeiterstandes im Reichstage." Die Verein Berliner Hansdiener. Montag, den 27. b. M., Abends 9 Uhr, Neue Grünftr. 28, Versammlung. Tages. ordnung: 1. Mittheilungen. 2. Referat über die Lage der Hausdiener im Allgemeinen, gegenüber den in den Beitungen enthaltenen Annonsen mit der Ueberschrift: Schon wieder ein ungetreuer ausdiener". Referent Herr Rubutte. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Bereinsangelegenheiten und Frage faften. + Eine fire Idee hatte sich in dem Kopfe des Rom miffionärs Ludwig Rüterbusch eingeniftet, die er mit unbegreif licher Harinädigteit verfolgte. Er bildete sich ein, bedeutende Entschädigungsansprüche an einen Hausbefizer und deffen Erben zu haben und verfolgte sein vermeintliches Recht mit folcher Bähigkeit, daß er sich eine Anflage wegen Erpressung auzog, gegen die er fich gestern vor der vierten Straflammer des blefigen Landgerichts I ju verantworten hatte. Nach feiner Angabe that er im Dezember 1884 einen bösen Fall von der Treppe des Hauses, in dem er wohnie, die nicht, oder nicht gehörig erleuchtet war, und zog fich eine Ver wundung des rechten Unterschenfels zu. Er zeigte seinen Mieths leuten die Verlegung und begab fich dann in das Lazarus Krankenbaus, wo er mehrere Wochen lang in Pflege war. Als er entlaffen war, will er noch nicht vollständig gebeilt gewesen fein und noch ein Jahr lang an der Wunde, berumger oftort" haben. Er war nun der Anficht, daß der Hausbefizer Balette tom die Ruffoften au ersetzen und eine Entschädigungssumm: Kuiloft au sablen hätte. Er fegte lange Rechnungen auf und wendete fich an den Haus befizer. Als feine Brivatbemübungen ohne Erfolg blieben, ging er an bas Gericht, er wurde aber mit der Klage, bie er anftrengte, zurüdgewiesen. Inzwischen starb Ba lette und nun waren es die Erben, die von dem Kommisfionär mit Entschädigungsansprüchen bedrängt wurden. Trotzdem er abermals mit feiner Klage von dem Gericht abgewiesen wurde, segte er doch seine Bemühungen fort und drohte in neuen Klage, wenn er einem Briefe mit einer nicht befriedigt würde. Nun denunzirten ihn die Erben wegen Crpreffung. Es handelt sich zunächst darum, feftzustellen, ob Rüterbusch überhaupt jenen Sturz von der Treppe gethan habe. Bestimmtes ließ sich hierüber nicht er mitteln. Nur erschien es zum mindesten sehr sonderbar, daß bir Kommiffionär im Krankenhause diese Ursache seiner Vertigen legung nicht genannt hatte. Die Merate befundeten, daß er allerdings mehrere Hautabschütfungen am Körper gehabt habe, Daß er aber hauptsächlich wegen eines Lungenfafarrbs beban belt worden set. Das Beste aber war, daß Rüterbusch die Rurloften, die er von ben Erben etsegt haben will, gar nicht bezahlt hat, da feine Drtsgemeinde für ihn, der mittellos ist, bie Rechnungen bat begleichen müssen. Der Staatsanwalt glauble, das frivole Vorgeben des Angeklagten hart auffaffen au müssen und beantragte eine Gefängnißftrafe von 4 Mona ten gegen ihn. Der Gerichtshof bielt jedoch als Sühne eine apeiwöchentliche Gefängnißftrafe für angemeffen. Trinkgeld und Arbeitslohn. Vor einigen Tagen lagte beim gewerblichen Schiedsgericht in Hamburg ein Rellner gegen einen Gastwirth wegen 150 M. Arbeitslohn für 10 Monate. Das Gericht sprach aus, daß war die Bermuthung dafür fpreme, es müffe für geleistete Dienste auch Lohn gezahlt wer ben, es sei aber wieder andererseits die Bermuthung gleich falls begründet, daß es einem Arbeiter, ber 10 Monate lang feinen Lohn in Anspruch nahm, bekannt sein mußte, daß übers baupt lein Lohn gezahlt werde, zumal wenn man erwägt, daß die Lohnforderung erst erhoben wurde, nachdem die Entlaffung erfolgt war. Das Bugeständniß des Kellners lag vor, daß über einen etwa zu zahlenden Lohn für die geleisteten Dienste nie gesprochen worden ist. Der Kellner wurde deshalb mit seiner Klage abgewiefen. Vereine und Versammlungen. Nationale Kranten- und Begräbnißlasse der deut Shen Gold- und Silberarbeiter und verw. Berufsgenoffen. Das veränderte Statut der Kaffe tritt mit Ablauf der 39. Woche( 1. Oktober) in Rraft und betragen von da ab bie Beiträge für die 1. Klaffe wöchentlich 60 Bf., II. Klaffe 48 Bf., III. Klaffe 36 Bf., IV. Klaffe 30 B, V. Klaffe 12 Bf. Die wöchentliche Unte: stligung in der 1. Klaffe 20 M., II. Klaffe 16 M., III, Rlaffe 12 D., IV. Rlaffe 10 M., V. Klaffe 4 M. Als Beihilfe im Ablebungsfall wird gezahlt: I Klaffe 120 D., II, Slaffe 96., III. Klaffe 72 M., IV. Rlaffe 60 M., V. Klaffe 24 M. Die Aufnahmegebühren betragen für die 1. Klaffe 3 M, 11. Klaffe 2,50 M., II. Alaffe 2 R., IV. Rlaffe 1,50 M., V. Klaffe 1. Neueintretende, welche das 40. Lebensjahr überschritten haben, zahlen außer diesen Aufnahmegebühren einen Alterszuschlag, und zwar von 40-41 Jabr 4 m., 41-42 6 M, 42-43 8., 43-44 10 R., 44-45 12 R. Sämmtliche neu Eintretende baben 30 Bf. für das Statut zu entrichten. Diejenigen Mitglieder, welche einer höheren Klaffe beitreten wollen, tönnen dies nur bis zum abgelaufenen 44. Lebensjahr unter Beibringung eines genügenden Gesundheits. atteftes. Die Mitglieder der 1. Klaffe bürfen leiner anderen Raffe angehören. Da bie Mahnung in Fortfall gekommen ist, ohne daß dieselben geftundet worden, gestrichen. Jeder Ecfranfungsfall muß fofort gemeldet werden, und wird Unter fügung selbst für diejenige Erkrankung, welche die Arbeitsunfäbiglett eines einzigen Tages, aber ärztliche Hilfe wie den Gebrauch von Medikamenten bedingt, gezahlt. Die Sta " Fachberein fämmtlicher an Holzbearbeitungsma schinen beschäftigten Arbeiter. Deffentliche Mitgliedervers fammlung am Montag, den 27. b. M., Abends 8% Ubr, im Lolal des Herrn Säger, Grüner Weg 29. Tagesordnung: Innere Bereinsangelegenheiten, Verschiedenes. Gäfte willkommen. Eine öffentliche Versammlung der Sattler und Fach genoffen Berlins findet am Montag, den 27. Septbr., Abends 8% Übr, in den Gratwell'schen Bierballen, Rommandanten straße 77-79( oberer Saal), flatt. ftraße 77-79( oberer Saal), flatt. Tagesordnung: 1. Wie stellt sich der Innungs. Gesellenausschuß zur Lohnfrage der Berliner Sattler? 2. Berschiebenes. Der Eintritt ist nur Sattlern und Fachgenoffen geftattet.( Siehe Inserat der heu. Nummer.) Im Verein der Modelltischler hält am Montag Abend 8 Uhr, derfstraße 63, Herr Superczynsli einen Vortrag über Anestetila( Betäubungsmittel). Auch erfolgt die Ausgabe der Billets zu dem am 30. Dltober stattfindenden Stiftungsfefte. * Gefangverein Männerchor Linde". Jeden Montag, Abends 8 Uhr, Naunynftr. 70, bet Stab. * Bitherklub Amphion". Jeden Montag Abend Uebungsstunde im ,, Kurfürstenteller", Boftstraße 5. Vermischtes. Maffenpetition. Am 2. Mai 1842 wurde eine mit elfernen Meifen zusammengehaltene Bergamentrolle in das englische Unterhaus gewälzt, bedeckt mit 3% Millionen Unter schriften. Ein Abgeordneter ftellte den Antrag, daß Bevoll mächtigte an den Schranken des Hauses über die sechs Buntte mächtigte an den Schranken des Hauses über die sechs Buntte gehört würden, die den Text der Petition bildeten und unter dem Namen der Vollscharte belanni find: allgemeines Stimm recht, Vertretung der Kopfzabl, gebelime Stimmgebung, fährliche Neuwahlen, lein pafftver Bensus, Diäten für die Abgeordneten. Der Antrag wurde mit 287 gegen 49 Stimmen verworfen. 8: bn Jahre früher petitionirten die Arbeiter von Glasgow: Wir fürchten eine Revolution, und mir verzichten deshalb auf nerfennung unseres Wahlrechts. Wir verlangen nichts als Buflände, in denen wir uns durch Thätigkeit zu Wohlbe faben und verhältnismäßiger Unabhär gigkeit hinaufarbeiten tönnen. Dbgleich wir nicht in die Ausdehnung des Wahlrechts eingeschloffen, und obwohl wir uns sehr wohl der Fähigkeit zur Ausübung dieses uns unbeftritten auftehenden Rechtes bewust find, so wissen wir bie Schwierigkeiten zu würdigen und find bereit, wie ein Mann für die Krone und ihre patriotischen Rathgeber uns zu erheben." " Erdbeben und Sturm prophezeit. Brofeffor Wiggins in Montreal prepbezeit ein großes Erdbeben, welches am 29. Geptember längs des 30. Breitengrades ftatifinden foll. Es soll sowohl in Europa wie in Amerika gespürt werden und die Städte Mobile, New Orleans und Atlanta seriören. Bugleich wird ein heftiger Sturm auf dem Atlantischen Ojean wüthen. Das Testament eines Sonderlings. In Chriftiania starb fürzlich der Advolat Nicolson und hinterließ teftamen farisch fein gesammtes Vermögen, mit Hintanfeßung seiner Erben, aur Anschaffung von Bicycles für die Sauljugend. Ein Theil follte fapitaliftrt und angelegt und mit den Binsen ein Lehrer bezahlt werden, der die Kinder im Bicyclefabren unterriate. Das Teftament schließt mit folgenden Worten: Daß Bicycle schüste mich auf meinen Bromenaden vor der mir überaus läftigen Budringlichkeit der Leute, die sich uns in den Weg stellen, in glübender Sonne, in schneidendem Wind einem Roffe scheu geworden; ich fab mich nicht genöthigt, bet meinen Fahrten die gefunden Glieder einem betrunkenen Rutscher anzupertrauen." Die Söhne des Erblaffers erkennen bas Teftament nicht an. Ein Schildbürgerstreich wurde dieser Tage in Herwigs dorf bei Freystadt in Schleften ausgeführt. Um einen jungen Dahsen, der in einen Brunnen gefallen war, wieder an's Tageslicht zu befördern, wurde demselben ein Zau um die Hörner und den Roof geschlungen und dann eine Winde in Bewegung gefeßt. Nach langer und schwieriger Arbeit erschien Der Berunglüdie wieder am Tageslicht- felbstverständlich aber erdroffelt. Mie Haig Eisverhältnisse im nördlichen Polarmeere. frühere Nachrichten aus Jaland und von der Mündung der Betschora an der fibirischen Küfte, bestätigen jest auch aus den Gewäffern der Episbergen eingegangene Berichte, daß das Gis im nördlichen Bolarmeere fich in diesem Sommer unge wöhnlich weit nach Süden erftredt bat. Wie aus Hammerfeft gemeldet wird, find die meisten norwegischen Fangfahrzeuge, welche jedes Fübjahr nach Spitzbergen geben, um in den dor tigen Gewäffern den Robben, Walros und Dorschfang ju betreiben, faft alle ohne nennenswerthe Beute zurückgekehrt. Als Ursache werten übereinstimmend die außerordentlich ungüns ftigen Eisverhältnisse angegeben. Rings um Epißbergen lag ein 5-8 Meilen breiter Eisgürtel, und auf der Strede von Hoven Jsland bis Foreland( gegen 56 Meilen) iag feftes Backeis. Die großen Buchten am Storfjord, Homfund, Bell fund und Jefford waren durchaus unzugänglich. Nachdem die bier versammelten amanaig Fangfahrzeuge bas ganze Frübjahr und den größten Theil des Sommers hindurch hin und her getreust batten und auch Ende August noch keine Aussicht auf Berthellung des Polareises war die einzige Möglichkeit, um zu den gewöhnlichen Fangstellen zu fommen so mußten fich endlich alle Schiffe zur Heimkehr entschließen. Ein intereffantes Experiment. Am 13. b. M. wurde, wie wir bereits fura meldeten, aum erften Male erfolgreich der Versuch gemacht, ein Boot vermittelst Elektrizität über den eng lischen Ranal von Dover nach Calais fahren zu laffen. Das Boot, die„ Bolta" genannt, ist nur 37 Fuß lang, tann daher bequem auf jedem großen Dampfer mitgenommen werden. Die Triebkraft wird von einer Anzahl von Allumulatoren geliefert, welche im unteren Raume des Bootes aufgeftellt find. Das Boct verlies Dover ungefähr um balb 11 Uhr Vormittags und Die Rüdkretse langte nach vierstündiger Fahrt in Calais an. ourbe in gleicher Beit bewirkt. Das elektrische Boot durch schnitt obne jegliches Geräusch die Wellen. Die Bee war ganz rubig. Wie fich das neue Boot bei bewegtem Wellengange halten würde, tonnte also nicht festgestellt werden. " Ein Hotelwirth 8u den rothen Forellen" in Ilsen burg hat vor seinem Hause ein auf den Broden gerichtetes Fernrohr aufgeftellt und als„ Bismard Brodenfuder" getauft. Für Benugung des Fernglases fann au nationalen Bweden" nach Belieben gezablt werden, mindestens jedoch 10 Bf." Der spekulative Hotelwirth vertheilt auch ein Er innerungsblatt an den Bismard Brodenfuder" mit Bersen, welche den Fürsten Bismard, ben Siegfried unseres Jabr hunderts", an Genialität und Kraft ein Riese", mit dem Brodentiesen vergleichen. Aus den poetischen Leistungen bes Forellenwirthes entnehmen wir: Dem ganzen Weltall ist beschieden Durch Bismard's Grift ein Erdenglüd! Im Lande herrscht der schönste Frieden, Der Wohlstand, er acht nie zurück!" Der Mann muß es ja wissen! Kleine Mittheilungen. Effen a. Rh., 24. Sept. Wie die beinisch- Westfälische Beitung" meldet, bat beute Vormittag 10 Uhr auf der Beche Ronfolidation bei Schalle in Schacht 2 eine Explosion schlagender Wetter stattgefunden, durch welche fünfundvierzig Berge Ieute getödtet, sechszehn, darunter acht schwer, verwundet wurden. Wien, 24. Sept.( bolerabericht.) In den letzten 24 Stunden find in Best 40 Erfrankungen, 19 Todesfälle; in Flume 3 Erkrankungen, 1 Todesfall, in Trieft ift tein neuer Cholerafall vorgekommen. Beru, 23. Septbr. Die Krauchtbaler Einsiedlerwohnung, über welche wir vor einiger Beit berichteten, bat in Worb ein Bendant gefunden. JnDberländer Boltsblatt" wird darüber folgendes berichtet: Behen wir da eines Tages durch ein fleines Wäldchen in der Gemeinde Worb, um Pilze au suchen, als wir auf dem Wege ein leines Kind finden. Wir forschen nach der Mutter und erblicken vor uns ein voll ftändiges Bigeunerlager fammt rauchendem Kochberd. Von Schreden erfüllt, wollten wir uns zuerst flüchten und doch trieb uns die Neugierbe, diese seltsame Erscheinung näher zu befich tigen. Wir nähern und deshalb vorfidiig und finden eine ganz etgene Art menschlicher Wohnung. Die Hinterwand bestand aus zwei Schränken, vor den Schränken befanden sich awet Betten links und rechts mit Tüchern verhängt und vorne waren fle offen. Das Ganze war mit einigen Laden bedeckt. In einiger Entfernung davon befand sich ein provisorischer Koch herb mit Rauchrohr, ein Tisch, Stühle und ein Rüchen fchrant, fammt einigem Geschirr. Unter den Betten troch ein tleiner Rnabe im hemde herum. Enditch erschien eine Frau mit einem dritten Kinde, in der Schürze dürres Hols tragend. Es war aber leine Bigeunerin, sondern eine bäurisch gekleidete Bernerin, welche uns auf Befragen erklärte, fte bätten ihre bis dahin innegehabte, in der Nähe befindliche Wohnung verlaffen müffen, teine andere gefunden und deshalb nun schon seit zwei Monaten im Walde ihre Wohnung auf geschlagen. Also gefdeben im Jabre des Heils 1886 in ber Nähe des Haushaltungskurses von Worb." In Worb hat also gerade wie im Krauchtbal eine Familie lein Unterlommen ges funden. War wirklich leine Wohnung vorhanden? Der ift nicht vielmehr die Nichtaufnahme dieser armen Leute am einen mie am anderen Drt eine Folge der bernischen Armen und Niederlaffungsgefeße, welche es den Gemeinden nabelegen, bie Niederlaffung von Bernern, welche einft armengenö fig werden fönnten, zu erschweren und zu verhindern, um eben nicht in neue Armentoften au gerathen? Es giebt faum eine Geset gebung, welche so febr den traffen Egoismus der Gemeinden au pflanzen geelanet ift, wie diejenige des Kantons Bern mit Bezug auf die Niederlassung von armen Kantonsangehörigen. Fiume, 24. Sept. Der italienische Dreimafter Nicola", welcher mit Benzin beladen war, gerieth in dem äußeren Hafen, angeblich durch Blisslag, in Brand. Sturm und bebe See erschwaten den Berlehr mit dem brennenden Stiff. Letteres wurde durch den Hafenkapitän an der Anfertette in die offene See hinausbugftrt. Steben Personen der Mannschaft find ums gelommen, vier, darunter eine tödtlich, mit Brandwunden be Deckte Personen tourden von einem englischen Dampfer gerettet. Der Kapitän des italienischen Dampfers befand sich während Der Ratastrophe auf dem Feftlande. London, 23. Sept.( ause influra) Während am vergangenen Dienstag in Wednesbury( englische Grafschaft Stafford) in der Näbe eines wegen Baufälligkeit unbewohnten Hauses mehrere arme Frauen mit Solafägen beschäftigt waren, fürste plöglich das Gebäude krachend zusammen und begrub die Rabeftehenden unter seinen Trümmern. Bwel Frauen wur den aus dem Geröll in so schrecklich verstümmeltem Buftante hervorgezogen, daß fie auf der Stelle starben, während eine britte Frau und ein Kind in ihren Armen lebensgefährli he Berlegungen davontrugen. Lehte Nachrichten. Freigesprochene Sozialisten. Paris, 24. September. Das Geschworenengericht sprach heute Guesde, Lafargue und Sufint fret, welche beschuldigt waren, in der öffentlichen Ber sammlung im Chateau d'Eau- Theater, die zu Gunsten der Ar belter in Decazeville gehalten worden war, au Mord und Plünderung aufgereist zu haben. . Der„ Peft. Lloyd" erklärt nach einem Telegramm der Boff. 8tg." bochofftatös: Es ift grundlos, daß von Wien aus anläglich ber bulgarischen Wirren die Kompenfationsfrage an geregt worden ist. Die österreichisch ungarische Politit aljeptitt weber die Methode einer Theilung der Intereffen fphäre noch jene der Rompensationen. Auf dem Ballan giebt es feine Grenalinie, vor welcher die natürlichen Intereffen Defterreichs Halt machen könnten, und es giebt teine Rompen fation, welche die Nachtheile aufzuwiegen vermöchte, die die Festlegung irgend einer Macht auf irgend einem Gebiete des Ballans für Defterreich unfehlbar herbeiführen würde. Defterreich will überhaupt leine separaten Vortheile, weber in Bulgarien noch in Serbien und Rumänien; es entfage jeder Einmischung in die inneren Angelegenbeiten dieser Länder und fordere ein Gleiches von den anderen Mächten. Dies set bas einzige Arrangement, welches vom lösterreichischen Standpuntie algepiirt werden fönne. Das englische Parlament ist mit einer Thronrede ver tagt worden, welche die Beziehungen Englands zu den aus wärtigen Mächten als freundschaftliche bezeichnet. Eine nicht verbotene Versammlung. In Glauchau erftattete am Sonnabend vor acht Tagen der Reichstagsab geordnete Auer vor einer äußerst zahlreich besuchten Ver fammlung seinen Wählern Bericht über die Thätigkeit des Reichstags in seiner erften und zweiten Seffion. Die Ver fammlung verlief ohne jede Störung. Erwähnenswerth ist, baß dem genannten Abgeordneten beide Male, sowohl als er Don Chemnis, wie auch von Freiberg von dem bekannten Broseffe zurüdtam, die Versammlungen in Glauchau mit der Motivirung verboten wurden, daß in dem Prozesse noch tein freisprechendes Urtheil erfolgt set. Mittlerweile ist die Ber urtheilung in Freiberg erfolgt und nun tonnte Auer un behindert reben. Es geht doch nichts über Ronsequenz! Theater. Sonntag, den 26. September. Dernhaus. Die luftigen Weiber von Windsor. Montag: Fidelio. Bauspielhaus. Colberg. Rontag: Tilli. Deutsches Theater. Haus Fourchambault. Montag: Bring Friedrich von Homburg. Broll's Theater. Marteau. Konzert Don Henry Friedrich Wilhelmstädtisches Theater. Der Nachtwandler. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wallner Theater. Ein Blismädel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle Alliance Theater. Boccaccio. Rontag: Dieselbe Vorstellung. Dend- Theater. Donati Morlay. Montag: Mutterſegen, oder Die neue Fanchon. via Theater. Amor. Tans Boem von Suigi Manzoni. Montag: Dieselbe Vorstellung. Balhalla- Theater. Don Cesar. Montag: Dieselbe Vorstellung. Refibens- Theater. Die Danischeffs. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sprechsaal. Die Rebaltion ftellt die Benugung des Spredsaals, soweit Raum bafür abzugeben ist, bem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Intereffes zur Verfügung; fie verwahrt sich aber gleichzeitig bagegen, mit bem Inhalt beffelben identifisirt zu werden. Werthe Redaktion! Wenn meine Meinung, daß nicht nur den Redakteuren, fon bern auch den Abonnenten des Berliner Boltsblatt" gestattet ist, bern auch den Abonnenten des Berliner Bollsblatt" gestattet ist, ihre Anfichten über allgemeine Angelegenheiten in demselben zum Ausdrud zu bringen, so bitte ich um Aufnahme folgender Beilen. Unter der Ueberschrift: Von den Gegnern fann man lernen," brachte das Berl. Boltsbl." in N.. 203 und 222 d. J. Artikel, welche vielen meiner Freunde und mir zu folgenden Aeußerungen Anlaß geben. In ben beiden Artikeln wird wieberbolt behauptet, die von den Dresdener Tabalarbeitern in berbolt behauptet, die von den Dresdener Tabalarbeitern in Umlauf gesezte Petition babe auch: besonders von den Ber linern im richtigen Verständniß mit Wohlwollen Aufnahme gefunden. Sie erlauben wohl, daß man daran zweifeln darf und das aus folgenden Gründen. Hierdurch frage ich ben Berfaffer jener Artikel ausdrücklich, wie viele von den 68 535 Wählern, welche im Jahre 1884 beim ersten Wahlgang thre Stimmen in Berlin für Sozialdemokraten abgaben, haben benn die betreffende Petition unterschrieben, daß man fohlant weg behaupten darf, dieselbe habe besonders in Berlin Aufnahme gefunden? Und was berechtigt den Verfaffer, nur den Unterzeichnern ein richtiges Verständniß für die Sache unterzuichieben? Hiermit würde doch allen andern das Ver ständniß hierfür abgesprochen. Nach meiner Ueberzeugung bat, außer einigen Restauras leuren, welche ein sehr begreifliches Wohlwollen für die Sache hatten, nur ein geringer Bruchtheil der Berliner r beiter die Petition unterschrieben. Und deshalb nur ein Bruchtheil, wie Schreiber von den meisten seiner Freunde und Bekannten weiß, weil man der Meinung ist, daß man für Rechte, welche den Arbeitern gefeß und verfassungsmäßig auftehen, auch wenn man dieselben arg verfümmert hat, nicht petitioniren will, indem man der Meinung ist, daß die Ver Die Versammlung des Verbandes deutscher Bimmerlente ( Lokalverband Berlin C.) findet am Dienstag, den 28. d. Mis, Abends 8 Uhr, Kommandantenstraße 77/79, ftatt. Eages ordnung: 1. Vortrag über das Unfallversiche rungsgeses. 2. Verschiedenes, Fragelaften. Auf nabme neuer Mitglieder. Schreibgebühr 50 Bf., Wochenbeitrag 10 Bf. NB. Die mit ihren Beiträgen noch im Rüd ftande stehenden Mitglieder werden ersucht, dieselben zu regeln. 1678 Der Lokalvorstand Berlin Centrum. J. A.: Jul. Darge, Rödlinerstraße 3. Allg. Stuhlarbeiter- Vereinigung Berlins. Generalversammlung am Montag, ben 27. September, bends 8%, Ubr, bei Gilde1. Jahresbericht des Rendanten. 2. Neuwabl brandt, Weberstraße 17. Tagesordnung: des Borstandes. 3. Berschiedenes. Um sabl geiches Erscheinen ersucht 679] Der Vorstand. Oeffentliche Versammlung Des Fachbereins Sentral- Theater. Alte Jalobrir. 80. Dirett.. famil. an Bolzbearbeitungsmaldiinen Adolph Ernst. Der Wald- Teufel. Gesangs poffe in 4 Atten von W. Mannfiadt. Goldhäftiger Arbeiter Rouplets von G. Gör. Muft. von G. Steffens. Montag, den 27. b.., bends 8% Uhr, bei Mit neuen Dekorationen und Kostümen. Säger, Grüner Weg 29. T. D.: Innere Ber ( Rovität!) B Montag: Dieselbe Borstellung. Routerdia Theater. Spezialitäten BorRellung. Raufmann's Barieté. Spezialitäten. Vor Nellung. Mmerican Theater. Spezialitäten Bor Wellung. B B Reichshallen Theater. Spezialitäten Bor Rellung. Eden- Theater. Friber Louisenstädtisches Theater.) Dresdenerstraße 72/73. 7 Schwestern Mathews, großartige Gym einsangelegenheit, Verschiedenes. Gäfte will tommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Borstand. 653] Montag, den 27. Sept., Abends präz. 8 Uhr: Große öffentliche Versammlung der Sattler Berlins in den Gratweil'schen Bierhallen, Rom mandantenstr. 77/79( oberer Saal). Tagesordnung: 1. Wie stellt sich der Innungs- Gesellen Ausschuß zur Lohnfrage der Berliner Battler. [ 661 2. Verschiedenes. treter der Arbeiter im Reichstag genau die Mittel zu ge brauchen wiffen müssen, welche ihnen die Verfassung des Deutschen Reichs in die hand giebt, ohne Betition nachhilfe. Sollte dagegen der Verfasser der Artikel meinen, ohne eine von ihm so warm verfochtene Betitionsbewegung würde bas politische Leben unter den Arbeitern mit der Beit aufhören, so sollten ihm die durch das Berl. Voltsbl." gebrachten Berichte fos wohl aus Leipzig und Berlin, wie auch von andern Orten eines beffern belebrt haben. Sollte dieses politische Leben in den Streifen der Arbeiter vielleicht nicht nach dem Geschmack des Verfasser sein, so glaube ich, wird fich die Mehrheit der Berliner Ars better baburch nicht bindern laffen, auf ihre Weise das politische Leben zu pflegen. Denn ebensowenig, wie fich die Berliner Arbeiter abhalten lassen werden, Petitionen für erst zu er Iämpfende Rechte an den Reichstag zu schicken, werden fte es unterlassen, von ihren Kandidaten zu fors Dern, die den Arbeitern gefeglich aufteben. den echte gana energii au vertheidigen, dieselben, wenn möglich, au vermehren, aber in teiner Weise verlammern zu lassen. Ein Abonnent des Berliner Voltsblatt" von na fang an. Briefkasten der Redaktion. B. Admiralstr. Betrag ist vorher einzusenden. P. S. Besten Dank für Ihre freundliche Einsendung Db es bei diesem Namen für die Brüde über den Louisen städtischen Kanal bleiben wird, fönnen wir natürlich auch nicht wiffen, bei der heutigen Beliftrömung find jedoch Bweifel mindestens berechtigt. A. K., Wienerftr. 38. Sie wollen fi in Shrer Ano gelegenheit an unsere Expedition wenden. Die Redaktion hat mit den Inseraten nichts zu thun. W. W. 62. Die Sachen lönnen nicht gepfändet werden G. K. Besten Dant. Restaurant Ferd. Mitan, Wiener- Straße 31, empfiehlt allen Freunden und Bekannten sein neu renovirtes Weiss- und Bairisch- Bier- Lokal. Guter, reichhaltiger Frühstücks-, Mittags- und Abendtisch. Ein großes Vereinstimmer steht den geehrten Gäften zur Verfügung. 182, 618 Schönhauser Allee 19+ [ 6 182. Omnibus- Halteftelle am Schönhauser Thor. 14000 elegante Saison- Paletots( neu und wenig getragen) von 8, 12, 15-25 R., 10000 Rods und Jaqueites- Anzüge von 10, 12, 15-35 M.( Bracht Exemplare), 15000 Knaben- u. Burschen- Anzüge von 4 M. an, Hüte, Uhren, auch für forpus lente Bersonen paffende Sachen. Elegante moderne Damenmäntel u. Manteletts für den 3. Theil d. Werthes. Eleg. Einsegnungs- Anzüge von 12 R. an. Abzabl. geftattet. Dmnib. u. Pferdeb. w. vergütet. 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