Ben. w4 i sc Sßtf «i« «B# 3 3* itne* # 391 i »r. 228. Donnerstags de« 30. Keptemder 1880. OL IatzrK» McrVMlill Krgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 SkAÄ 4 SImI Da» �Berlin--«olt«blatt- et»ach Lonn» und KM««. Nbonnti««nL»»r»it für»«lin fui .. ich««ari. monatlich 1,95 W»�«MtchSLPf. Koßßbonnntmi •ÄÄTS w beträgt für Ws��fpaltete Insertion»gebühr Bei gtSfietm Nachmittag» i» der letitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitlmartt 10 PflMvwr. Inserat« werden bs» 4 As» nach Uebereinlunst._. Berlin SW, Zimmerstraße 44, sowie von all« Kmeame ureaur, ohne Erhöhung de« Preise», angenommen. Wedaktto«: Ke«thstraße 2.—«rpeditio«: Zimmerstraße 44. Abonnement»- Einkaäung. Zum beoorpehenden Ouartalöwechsel erlauben wir unS tu« Abonnement aus da» »Kerlinrr Nolb«blatt« "eist dn wöchentlich erscheinenden Gratisbeilage „Zllastrirtes Koaatagsdlatt" einzuladen. Der Standpunkt unsere» Blatte» ist bekannl E» steht «ms dem Boden de» unbeugsamen Recht». Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gedtetm de» öffent- vchen Leben» ist seine einzige Aufgab«. AI» treuer Berather und Streiter für die Aushebung und Ausgleichung der Klaffen. ftegensätze ist da»„Oerlwe- N»lk»blatt" ein entschiedener Gegner jeder Politik, die ihre Endziel« in der Bevorzugung einzelner heute schon begünstigter GesellschaftSklaffm findet, und derjenigen Politiker, denen nur die Wahrung ihrer persönlich«« Anteressen ol» Leitstern ihrer H-ndlungSweise gill Da»„S»»lwer V-tk»btatt" sucht seine fich gestellte Aufgabe durch sachliche Behandlung der grohen sozialpolitischen alt auch der TageSfragen zu erfüllen. Die gleichen Grundsätze leiten un» bei der Besprechung unserer städtischen Angelegen« besten. Thue Jedermann, der fich'mst unseren Zielen in lieber« «instimmung befindet, an seinem Platze seine Schuldigtest. Der Eine durch Zuwendung seiner Mitarbesterschaft, der Andere dadurch, daß er dem„O**U»»r MWwWaW in immer weitere« Kreisen Eingang verschafft. Da»„Kerlwer Nollroblatt" darf nicht nur allein d«r Freund de» Bolle» bleiben, sondem da» Volk muh auch der Freund de»„Berliner Volkiblatt" sein. Die Aeuherung und Bethätigung dieser wechselsestigen Freundschaft ist in Wahrheit die Erreichung und Verwirklichung- de» un» vorgesteckten Ziele». Der Abonnement»?«!» beträgt für da»'ganze Vierteljahr 4 Mark, monastich 1,85 Mark, wöchentlich 36 Pf, Bestellungen werden von sämmsttchen Zettungöspedsteuren, ldwie von der Expedstion unsere» Blatte», Zi«mu-straß» 44, »ntgegenzenommen. Für auherhalb nehmen sämmstiche. Postanstalten Be- Aellungen an. Nu Kellaktio» mul Expelktio» de»„Oertwer Nolksblattt'. IseuMeton. verboten. [12 Ein Krillantenhalsband. Kriminalnovelle von Ferdinand Herrmann. . Nachdem er fich überzeugt hatte, daß Niemand sonst in Gemach« anwesend war, bedeutete der Untersuchung»« �hter dem Goldarleiter, fich auf eine« Stuhl niederzusetzen Ifflir wolle« un» kurz fasse«, Rüdiger! Z« dieser -cachr ist der Mörder de« F.äulei« von Römer entdeckt wor- — und diesmal find wir ficher, de« Richtige» Pfunde» zu habe«. Meine« Sie nicht auch, daß ? am beste« wäre, wen« er der Sache durch ei, rückhalt- M«« Geständniß ein Ende machte?" Der Goldarbester war todtenbleich geworden und seine ?'ppe» hatte« eine bläuliche Färbung angenommen. Auf Mer Stirn perlte« dicke Schweißtropfe», und man konnte wh wirklich keine kläglichere Verkörperung eine« böfe« Gf S'fien» vorstellen, als diese« durch da» Ueberraschende und �erwartete de» ganze» Vorgange« villig niedergeschmetterten -husche». Ex zitterte an alle» Glieder« und wäre ficher- von seinem Sitz in die Höhe gesprungen, wen» er»och �ast genug dazu gehabt hätte. Seine Blicke richtete» fich °°ll unsäglicher Angst nach der Thür, al» erwarte er, daß von dorther Hilfe komme« solle; aber der Unter« '"chungtrichter welcher ihn scharf im Auge behalten hatte, Iii, b*w von der auffälligen Veränderung in seinem»enßere« 'cht» entgangen war, ließ de» günstige, Moment nicht Ä* waren, daß Sie durch die Hintertdür gegange» und Nmme» find, und daß Sie diese» hier, um fich nicht «ich da« daran haftende Blut zu verrathe», in den Trabe» �°rfe« haben." Ii« w den letzte» Worten hatte er den Löthkolbe», den er dahin unter seinem lleberrock verborgen gehatte», her- Ulueril. Ein« halbosfiziöse Notiz kündigt an, daß der Reichstag in seiner«ächfle» Sesfion fich wieder mit Steuerfragea zu beschäftige« haben werde, und dabei läßt die Notiz au Deut- lichkest nicht» zu wünsche« übrig. Es wird ganz offen ge- sagt, daß die steigende» A«»gabe» für da» Reich«heer auch neue Einnahme« erforderte». Ueberraschen kau» da» Niemand. 3««euerer Zeit ist kanm eine ordentliche Sesfion de» Parlament» verflossen, ohne daß die verbündete« Regierungen mst neue« Steuer« forderunge» herankamen. Nur pflegte» die Offiziösen früher de» eigentliche« Zweck dieser neuen Auflage« zu verschleiern. Beim Tabaksmovopol— da» fich in seine» Zwecke« al« «ine Steuer qual fizirte— hieß e», sein Ertrag solle„ein Patrimonium der Enterbten" werde»; später sprach man da« von, die Erträge der Monopole und neue» Steuer« solle« al» Grundstock für die Altersversorgung diene». Diesmal lautet die Sache ander». Die neuen„sozialreformatorischen* Maßregel«, welche in der nächsten Sesfion zum Vorschein komme» werde», sind sehr kümmerlich; sie beschränke« fich auf die Ausdehnung der Uvsallverficherung auf Seeleute und Erd- arbeiter. Die AlterSoersorgung ist«ach offiziöse» Mstthei- lunge» auf unbestimmte Zest vertagt worden. Welcher Art die neue« Steuer» sei» werde«, ist»och nicht gesagt; doch wird zweifellos der Branntwein eine« der neue« Steuerobjekte bilde« und die Regierung wird fich jedenfalls bemühen, der Branntweinsteuer den« jenige« Umfang zu gebe«, für de« Herr W i» d t h o r st seine Zustimmung in Ausficht gestellt hat. So hat er die Partei des römische» Stuhls in Deutschland schon so weit gebracht, daß fi« die Höhe ver Steuer» bestimme« kann. Nu« kann man frage«: Wo ist den» die eigentliche Grenze für die Steuerschraube? Die Regierung hat in dieser Beziehung noch niemal» ein« genaue Auskunft ge- gebe»; fie hat immer nur gesagt, da« Reich habe Bedürf- nisse nach neuen Einnahme« und Herr von Scholz hat sich dann stet» bemüht, mit einem ungeheuren Aufwand von Ziffer» diese Bedürfnisse darzuthun und seiner Meinung »ach zu beweise», daß Eteuererhöhunge» eigentlich gar nichts so Schlimme» seien. Nu», die Steuerzahler»eh- man solche Dinge immer ernster al« die Finavzmwister und deshalb frage» fie fich auch heute: Wo soll da» noch hinaus? Wir habe» keine Lust, un« in breite» Phrasen über die Unzuttäglichkeit neuer Steuer» zu ergehe»; wir wolle« aber die Sache an ihrem Kernpunkt anfassen. Di« Erhöhung der Steuer« läuft heute parallel mit der Verbesserung der Waffen und Krieg«. instrumente. vorgezogen und ihn dicht vor dem Goldarbeiter auf de« Tisch niedergelegt. Er hatte fich in der Wirkung, welche dieser wohl erwogene Kunstgriff auf de» beschränkten Men- scheu ausüben würde, nicht getäuscht; den» Rüdiger, dessen Züge fich z« dem Ausdruck de« höchste« Entsetzens verzerrten, stieß eine» heisere» Schrei aus und glitt von seinem Stuhl nieder in die Knie. „Gnade! Gnade!" wimmert« er.„Ich bin«» ja nicht .ewefe», wahrhastig, ich bw e» nicht gewesen!— Sie hat «, Schlag geführt und fie hat auch die Schlinge zuge- zogen I Ich hatte ja gar keine Ahnung davon, daß e« dem alle» Fräulein an'» Lebe» gehe« sollte. Sie hatte mir da» Alle« vorher ganz ander» vorgestellt!" Der Untersuchungsrichter athmete tief auf; aber er ließ de» Elende» nichts von seiner begreiflichen Genugthuung merke». „Sie wolle» also Ihre Frau beschuldige«, die Ur- hebe«» de« Verbrechens gewesen zu sei«?" fragte er barsch. „Sie wolle« behaupte», daß Sie«ur ei« Zeuge, nicht aber ,i» Mitthäter bei dem Morde gewesen seien?" „Za, so ist es I" stammelte der Goldarbeiter, der einer Ohnmacht sehr nahe zu sei» schien.„Meine Frau hat es gethan! Sie hat mich verführt, mit ihr zu gehen; aber ich habe dem alte« Fräulein nicht« zu Leid gethan, wirklich— ich nicht!' „Sie erkenne» diese» Löthkolde« natürlich al« Ihr Eigenthum an? E« würde auch nutzlos sein, da« bestreiten zu wollen." „Ja, ich erkenne ihn an,' stöhnte Rüdiger.„Es ist der meinige. Als wir hinausginge«, mußte ich ihn auf Befehl meiner Frau in de» Trabe« werfen." .Wie kam e« den», daß Sie eine solche Waffe mit sich »ahme», wen» Sie, wie Sie sagen, nicht die Abficht hatte«, dem Fräulein von Römer an das Lebe« zu gehen?" „Ich— ich weiß«» nicht l' keuchte jener mit furcht- barer Anstrengung.„Meine Frau hatte«s mir anbefohlen und ich that Alle«, was fie von mir verlangte. „Wie aber waren Sie zu dem Schlüssel gekommen, mit dessen Hilfe Sie in da» Hau« einvrange»?« „Meine Frau hatte ihn schon vor längerer Zett ein- Da« eröffnet un« eine recht trübselige Perspektive. Bezüglich der Zahl der in Krieg und Friede« fich unter de» Waffen befindliche« Mannschaften hat man so ziemlich da« Mögliche erreicht; man wir» kaum mehr Leute auf die Beine bringe» könne«. Aber in diesem Zeitalter der technische« Etfiedunge« und Entdeckungen Sndert fich die Qualität der Bewaffnung jeden Augenblick; sowie i» einem Staate eine neue Entdeckung gemacht wird, sinddie andere» gezwungen, die Konkurrenz auszunehmen und ihre Bewaffnung gleichfalls zu verbesser«. Bei jede« neue« Kriege ist die Be- waffnung eine ganz andere in dieser Epoche der hustigen Entwickelung und derjenige, welcher in dieser E-twicklung zurückbleibt, ist der Geschlagene. Man denke an die eiser« nen Ladestöcke der preußische» Truppen im ersten schlefische» Krieg und an de» Erfolg der Zündnadelgewehre»m Zahre 1866. 3» fünfzehn Jahren de« bewaffneten Frieden« find in Deutschland die Handfeuerwaffen zwei- oder dreimal mit ungeheur«« Kosten umgeändert worden. Noch bevor da» Rrpetirgewehr vollständig eingeführt ist, kann eine neue Er- fiadung komme», die da« Repetirgewehr überholt, und die Umänderung geht von Neuem los. Man bedenke dabei, wie rasch die Erfiaduage» und Entdeckungen auf dem Gr- biete der naturwissenschaftlichen Technik einander sol- ge«; jede» Augenblick wird eine neu« Kraft ent« deckt oder für eine schon bekannte eine neue Verwendung gefunden. Tausende von erfinderischen Köpfe» beschäftige» sich damit, die neue« Entdeckungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik«. s. w. für de» Krieg nutzbar zu mache». Und mit dieser reißend schnelle« Entwickelung sollen unsere militärische» Ausgabe« gleiche« Schritt hatte»? Da« ist gar nicht denkbar, und eine solche Steigerung würde ,u einer gänzliche» Erschöpfung einer Nation mit der Zeit Dieser Zustand, dessen unheilvolle Konsequenz«» Niemand verborge» bleiben können, sollte die leitende» Staatsmänner doch endlich einmal auf andere Gedanke« bringe». Damit ist's den« doch nicht gethan, daß man einfach al» höchstes Ziel ausstellt, m der Bewaffnung de» anderen immer gleich oder überlegt« zu sei». Oonehi» find ja die finanzielle« Mittel der einzelne» Länder so sehr verschreden. Un« däucht, die Nothwendigkett wird sich denn doch bald fühlbar machen, neue Bahne» einzuschlagen und mittelst internationaler Ver. t r ä g e de» Frieden, so weit dies angeht, zu sichern. Ma» wird freilich auf den großen Störenfried im Osten hinweise» und betone«, daß dieser solche Verträge nur be- nutze» werde, um de» sicher gemachte» Nachbar mitte« im Friede» zu überfalle». Da» ist an fich richtig; aber eine solche Stellung Rußland« mnß sofort aufhöre«, wen« die europäische« Kulturstaate» fich sämmtlich dahin einige«, daß mal entwende». Da» alte Fräulein benutzte jene Thür nie- mal», und darum bemerkte fie auch nicht« von de« Ver- schwinde« de« Schlüssel,.' „Um welche Zett war e«, al» Sie da« Verbreche» au»- führte«?' Bald«ach Mitternacht!— Wir hatten geglaubt, fie würde schon im Schlafe liege»; aber fie saß noch völlig aage« kleidet an dem Tische in der Wohnstube. Sie mochte wohl ü» wenig eingenickt sei«, den« fie hatte«nser Komme» nicht gehört. Erst als wir ganz dicht hinter ihr standen, fuhr sie empor und drehte fich«ach un« um. Und da—" „Da Zersetzten Sie ihr de« Schlag mit dem Löthkolbe», mcht wahr?'' "- wbu"»' „Nein, ich that es nicht! Meine Frau winkte mir mit den Auge«, daß ich t» thua sollte, aber ich brachte es nicht über« Herz. Das alte Fräulein war auch erst ganz starr vor Schreck und konnte keinen Luvt hervorbringen; dar» aber ermannte fie fich und wollte um Hilfe rufe». Wie fie aber dazu den Mund öffnete, riß mtt meine Frau da» Dtvg au« der Hand und versetzte ihr ein» auf de» Kopf. daß sie der Länge«ach auf de« Boden fiel Aber fie war »och nicht todtl" „Woher wußte» Sie den» da»?' „Ich mußte mich niederbeuge«, um»ach ihrem Athem zu horchen. Er ging noch ganz schwach. Da verlangte m«»e Frau, ,ch solle fie vollend, todtschlage», und wie ,ch mich dessen abermal« weigerte, riß sie die Gardivenschnur ab und legte fie ihr um de» Hal«. Zch woll-e fie daran ver. hwd«»-- wahrhaftig, ich wollte e»- aber ich kann ihr ja nicht wtderstehe», denn fie ist viel stärker al« ich. Sie zog dte Schnur zu— lange Zeit, mehrere Minute» lang— und als ich dann wieder horchte, athmete das alte Fräulei» «»cht mehr. Sie war jetzt ganz todt!' „Und nun finge« Sie an. die Sachen zu durch. wühle«, nicht wahr?— Den» es war doch natürlich Ihre Absicht gewesen, die alte Dame zu bestehlev?' „Meine Frau hatte e» auf de» unglückselige« Schmuck abgesehen. Der lag ihr schon sett Jahre« im Sin», und de« russische« Gewaltthate« eine Echravk« gezogen wird, Patt sie stillschweigeud hivzuvehme». Die Regieruuqe» werde» mit der Zeit ga«z vo« selbst zu solchen Maßnahme» gezwungen werde», wenn sie nicht wollen, daß die autolratische Eroberungspolitik de« Zaren« thu»« es Europa auf Jahrhundert« hinaus unmöglich macht, zu« Wohlstand zu gelangen. Gischz-ZlllnpMini. Wir erhalten folgende Zuschrift: Soeben geht die Antwort deS OberprSfidentm der Provinz Sachsen v. Wolfs, welche derselbe dem Buchbinder Michelsen auf seine Beschwerde gegen die gegm ihn erlafiene Ausweisung»- Maßregel erhoben bat, durch die gesammte Presse. Die Le- schwerve wird zurückgewiesen,„weil der in§ 2 Nr. 2 de« Ge« setze» über die Aufnahme neu anziehender Personm rom 31. Dezember 1842 gebrauchte Ausdruck„Verbrechen" nach dem Sprachgebrauch des damals geltenden landrechtlichen StrafrechtS auch auf solche Handlungen zu beziehen ist, welche nach den beutigen strafrechtlichen Bestimmungen zu den Ver- gehm gehören, und die in Anwendung dieser Vorschrift ge- troffene landespolizeiliche Anordnung nach Lage der dortigen Verhältnisse im Interesse der öffentlichen Sicherheit gerecht« � �Diefe? veraltete Gesetzeiparagraph ist in den letzten Jahren schon mehrfach gegen Personen, die wegen politischer Vergehen Strafe erlitten haben, in Anwendung gelommen. Zuerst wurde derselbe in Preußen unsere» Wissen» wegen politischer Vergehen in Breilau gegen einen Zigarrenhändler, sodann in der Provinz Posen gegen einen Buchbinder, weiter vor kurzer Zeit gegen Herrn Keßler und jetzt gegen den oben» genannten BeschwerdeMhrer in Anwendung gebracht. Allerdings sagt§ 3 deS Fretzügigkeitsgesetzei:„Insoweit bestrafte Personen nach den LandeSgesetzen LufenthaltSdeschrän« kungen durch die Polizeibehörde unterworfen werden können, behalt ei dabei sein Bewenden", und lann somit da« preußische LandeSgesetz wie oben erfichtlich in Anwendung gebracht wer« den. Allerdings spricht dieses angezogene««setz auch nur von „Verbrechen"; allein damit ist unS armen Erdenwürmern wie erstchtlich gar nicht geholfen, da„nach dem damals gelten- den Sprachgebrauch" jede beliebige Strafe und sei eS«ine Polizeistrafe wegen unterlassener Reinigung de» Rinnstein» darunter verstanden werden konnte und je nach Belieben auch heut« zur»uiwti- fung führen kann, wenn stch nur der richtige Rann zur Anwendung auf seine Person findet, d. b. wenn er auf Grund de» Sozialistengesetze» ausgewiesen ist. Ader auch die» ist nicht einmal nothwendig. Ein« solche Ausweisung kann auch jeden politisch bestraften Rann treffen, der freiwillig seinen Wohnort wechselt. Daß damit aber auch jede so be- strafte Person mit ihrer und ihrer Jarnttie Lebenthaltung von der Gnade der Polizei abhängig ist, ist auch für den beschränk- testen Kopf einleuchtend. Hierbei ist aber wohl die Frage berechtigt, ob der damalige Sprachgebrauch, indem man unter„Verbrechen" alle» mögliche, auch die geringste Strafe sudsummtrte, heute noch zulässi, ist, nachdem da» Strafgesetzbuch«xistirt, welche»„Ver- brechen",„Vergehen" und„Ueberrretungen" unterscheidet. Bei Abfassung deS FreizügigkeittgesetzeS hat man. indem man, wie oben ersichtlich, die landetgesetzlichen AufenthaltSdeschrän« kungen ausdrücklich besteben ließ, gewiß an solch« Auflegung de» Worte»„Verbrechen" nicht gedacht. Doch da» ist auch §leichgMig. Hier haben wir e» mit Thatsachcn zu thun, die em allgemeinen RechtSbewußtsein widersprechen und eS entsteht die Frage: wie ist solcher BesetzeSauilegung abzuhelfen'i Bei Entscheidungen, ob ein Gesetz noch zu Recht besteht oder wie ei ausgelegt werden soll, entscheidet sonst gewöhnlich daS Gericht, welche» in der Sache Recht zu sprechen berufen und befugt ist. Allein hier hat kein Gerichtshof zu entscheiden, son» dern die VerwaltungSdehörd« und et hat den Anschein, al» ob die Bürger solchen Entscheidungen machtlos gegenüberstehen! Dock dem ist zum Glück nicht so I Nach Artikel 106 der preußischen Verfassung steht die Prüfung der RechtSgiltigkeit gehört verkündeter königlicher Verordnungen nt' den Behörden, sondern den Kammern zu. Zur Prüfung der RechtSgiltigkeit gehört doch gewiß auch: ob «S angänglich ist, daß man„Vergehen" in heutiger Zeit auch noch den„Verbrechen" gleich erachten kann oder nicht. Die von obiger G-setzeSauSlrgung Betroffenen werden also gut thun, stch im PetitionSwege an den Landtag zu wenden, da- mit solcher GtsltzesauSIegung gesteuert wird. Die» zu thun, stnd ste eigentlich nicht nur sich /selbst, sondern der Allgemein« heit schuldig. Diese» gilt aber auch, ganz gleich ob die Be» troffenen von dem ihnen zustehenden Petitionirechte Gebrauch machen oder nicht, von denjenigen Mitgliedern des preußischen Landtags, welche dies« GesetzeSautleguna nicht gut heißen. Diese haben vor allen Dingen die Pflicht, die Sache zur �»»»«SSSSSSWSWWSSMSVSRWWSWWIMWSWVWSWSSSMWMBSSSnaPa1»« sie hatte sich ganz genau gemerkt, wo er aufbewahrt wurde. Wir wollten auch nicht» Andere« fortnehmen al» den Schmuck, und wen« wir ihn gefunden hätte», so würden wir die andere» Sachen gar nicht angerührt habe». Aber er war fort, und obwohl wir alle Schränke und Schub« sicher bi» auf de« Grund durchsuchte», entdeckten wir doch keine Spur vs« ihm. S» war kein Zweifel, daß ihn der junge Herr mitgenommen hatte, de» wir am Abend zuvor hatte« in da» Hau« gehen sehen." „Und wa« eigneten Sie sich nun an? Denn Sie w«de» mich doch wohl nicht glauben mache» wollen, daß Sie mit leeren Hände» gegange» seien." E» war ja nichts da, das de« Mitnehmens werth ge« wese» wäre! Ich glaube,«eiue Frau hat sich«in Beutel- che« mtt Geld eingesteckt, aber«» ist gewiß nicht mehr darin gewesen, al» weniae Tbaler." Da« improvifirte Verhör, welche« der Untersuchung»« richter in dieser ungewöhnliche« Form nur veranstaltet hatte, weil er sicher war, daß«in derartige» Geständniß kaum«och ,u erlangen sein würde, sobald Rüdiger erst durch ei« Wirt oder vielleicht nur durch eine» einzigen Blick seine» Weibe« Bim Leugne« ermuthigt worden sei—, wurde in diesem ugevblick unterbrochen durch ei« wüste» Lärmen und Schreien, welche« im Inner» de» Hause« ertönte. Thüre« wurden aufgerisss« und wieder zugeschlagen, und eine wider« «ärtig tiefe, keifende Frauenstimme suchte die.heil« be» ruhigeude», theil« befehlende« Zurufe einiger Männer« stimmen zu überschreie«. Dan» folgte ei« Poltern und Stampfe», al» wen« ei» erbitterter Faustkamvf geführt würde, und ei» schwerer dumpfer Fall, der wiederum vo» emem gellende» Kreische» derselbe« Frauenstimme be« gleitet war. Der Goldarbeiter hatte sich mit Anstrengung in die Höhe gerichtet und er stand nun mit schlotternden Knieen, stch mit beide« Hände» an der T'schkante festhaltend, mitten im Zimmer, de« stieren, verglaste» Blick mtt der Spannung eine» zum Tode Verurtheilte» auf dre Thür oelkstet. Unmittelbar darauf wurde dieselbe geöffnet, und einer der Kriminalbeamten zeigte stch in Beglettung eine» unifermttte» Schutzmann« auf der Schwelle. Sprache zu bringen und— Remedur zu schössen, Andern« fall» kann man gar nicht wissen, wie weit diese Rückwärts- Interpretation noch gehtßund welche Autgrabungcn von attm, längst antiqutrten Gesetzen, wie solche in jüngster Zeit stattge» funden haben, unS noch devorstehen. PoUtische Urb-rstcht. Für de« ersten Berliner Wahlkreis wird nach der „Ration allid. Korr." noch immer ein konservativ, nationallibe- raler Mischlingtkandidat gesucht. Ist denn kein Knodlvch da? Koalitionsfreiheit! AdermaiS ist, wie wir unter„Ge- richt" mitthettten, von dem Strafsenat des KammergerichtS kürz- lich in letzter Instanz entschieden worden, daß durch die im § 152 der Gewerbeordnung gewährte KoalttionSfreiheit der Z 8 de» preußischen VereinSgesetzeS, welcher den palitischen Vereinen verbietet, mtt einander in Verbindung zu treten, nicht aufge- hoben worden ist. Der Fachverein der Maurer in Altona war geschloffen worden, well er andere Fachvereine ersucht hatte, der Petllion für den sozialdewokratislien Arbeiterschutzgesrtzentwurf beizutreten. Wie der Vorderrichter» nahm auch da« Kammer- K encht an, daß Erörterungen, wie die über da« Ardellerschutz« gesetz, pollltscher Natur seien, und daß auf Aenderung der be« stehenden Gesetzgebung gntchtete Bestrebungen jeden Verein zu einem politischen machen müssen. Man will also die Fachvn« eine zwingen, fich auf die ödeste Fachstmpelci zu beschränken und alle Reformen dn Gesetzgebung, die doch allein dauernde Erfolg« versprechen, au» d-.m Auge zu lassen. Wir bezweifeln jedoch, daß da» gelingen wird. Kirchenpoltttl und Walilpolittk. ES gehört keine Prophetengade dazu, die Behauptung aufzustellen, daß eine weitere und abschließende Rtv.fion der M a i g e s e tz e einen Hauptgegmstand der nächsten parlamentarischen Kampagne bilden wnd«. Abgesehen davon, daß die im Frühjahr mit der Kurie gepflogenen Verhandlungen der preußischen Regierung eine solche Aktion geradezu zur Pflicht machen, mögen auch Erwägungen, die auf dem Gebtete der inneren Politik liegen, dem Fürsten Bismarck, nachdem er einmal den Kulturkampf, in den ihn Herr Krätzig hineingebracht, satt hat, möglichste Eile empfehlen. Im nächsten Jahre— schreibt die„Frankf. Ztg."— wird ein neuer Reichstag zusammentreten, auf ein SünstlgeS Ergebniß der Wahlen hinzuwirken, ist eine ver ober» en Aufgaben der Politik dn Regtnuna und diese weiß, welchen wichtigen Faktor die katholischen Wähler bilden. Läßt fich bi» dahin ein Verhättniß zu Rom herstellen, daS der Kurie Anlaß giebt, ihre„vollkommene Befriedigung" über die Lage der Kirche in Preußen autzusprechen, so darf die Regierung hoffen, daß die ZentrumkwLhler stch wenigstens der Utter- stützung der linksstehenden Opposition enthalten werden, durch welche bisher die letztne namentlich bei den Stichwahlen in nicht geringem Maße verstärkt wurde. Die Nationalltderalen stnd bnetts der Umgarnung durch den Linken vom Kanzler entzogen worden, gelingt da» gleiche Expkrrment mtt den Ultramontanen, so hat Fürst Bismarck gewonnenes Spiel. Nach Abschluß de» Frieden» mit Rom wird eine konsetoatio- llnitale Mehrheit in den Parlamenten von ganz anderer Be- deutung sein, alS bisher; eS wird fich auS ihr eine geschlossene gouvnnementale Mehrheit bilden lassen, die, vorausgesetzt, daß man ihr daS„vtitrssen auS der Schüssel nicht ganz vn- wehrt, jede Opvofilion lahmlegt. Die Nationalltderalen wür« den Damit nullifizirt sein; auch wenn ste bei der Mehrheit sein wollten, würde man sie en bagatelle de handeln. Daß sie stch diesn Gefahr bewußt sind, deweist ihr Bemühen, dm kirchen« pclillschen Ausgleich zu Hintntreiben, aus weichem nichts An« dne» spricht, alt die bloße Furcht, einei schönen Tages den schlickten Abschied zu erhaltm. Zum Echnapsmonopol. Die Nachricht, daß das Projekt de» RohspirituS'Ronopol« von Bayern auS wieder angeregt worden sein soll, wird in dn konseroativen Presse mit Freuden begrüßt. Der„Reichidote" schließt fich dieser Freude an, fügt jedoch hinzu:„Wir würden aber rathen, die Sache, die man will, nicht von vornherein durch den unpopulären Namen „Monopol" zu schädigen, sondern die Sache al» das zu be» zeichnm, wa» fie ist, alt M a g a z l n st e u e r." Dn„Reich»« böte" will also daS Heucheln auch auf da» finanzpolitisch« Ge- biet übntragen sehen; wir bezweifeln aber, daß eS hier Erfolg haben wird. Da» Monopol,„wie e» auch hieße, würde zu übel dustm", um untn den Wählern Anhang findm zu können. Ertrag de« Börfeusteuer. In der Zeit vom 1. April bis zum 1. September ergab die Einnahme de» Reich» au» „Kauf- und sonstige Anschaffunztgeschäfte"(Börsensteuer) den Betrag von 3 054 195 R. In dm einzelnen Monaten wurden eingmommen(Mark): Avrll Rai Juni Juli August 720328 641834 600814 575 663 515556 Et ist demnach eine allmäiige Abnahme der Steuer auS den BörsmgeschSften fichtbar. Fassen wir die Einnahmen feit dem Inkrafttreten de» Gesetze» zusammen(vom 1. Lltoder 1885 ad), ko eraab diese Steuer einen Ertrag von 7 163 309 R, wenn wir 254029 R. einrechnen, welchk schon im September „Legen Sie diesem Manne die Fesseln an!" befahl der Untersuchungsrichter, indem er auf Rüdiger deutete,„und achte« Sie vo, Allem darauf, daß er keine Gelegcvhüt findet, sich durch Worte, Bewegungen oder auch nur Blicke mtt feinn Frau zu verständige». Ich mache Sie für die strenge Beobachtung diese» Befehl» verantwortlich I" Innerhalb eines Zeitraum« vo» kaum einer Minute war der nste Theil dieser Weisung auSaeführt. Der Gold« arbeiter hatte fich die Hände auf den Rücken feffeln lassen, ohne auch nur de« geringsten Versuch eine« Widerstandes zu mache». Mit blöder Resignation schien er fich in sein Schicksal zu ngebm, und erst, al« er jetzt inmitten der Be- amtea und von diese« auf» Schärfste bewacht, auf den Flur hinaus geführt wurde, flackerte e* wie eine Regung von Trotz und Energie in ihm auf. Er hatte nämlich in einer Entfernung vo« wenigen Schritte« seine Frau bemerkt, die man ebenfalls hatte feffeln müsse« und die fich so rasend gegnr ihre Festnahme gesträubt hatte, daß ihr ganzer Anzug zenissen und in Unordnung gebracht war,«ad daß die Schutzleute»och immer groß« Mühe hatte», fie festzu« halte«. Kaum hatte fie ihre» Man» gesehen, al« sie auch schon auf's Nene zu schreie« und zu zetern anfing: „Sc läßt fich wahrhaftig wegführe« wie ein Kalb zur Schlachtdank— der Feigling!— Mit welchem Recht darf man un» in unserem Hause überfalle»!— Wir find unschuldig« Leute, und ich»nde mich bei der Regierung über diese Unvnschimthett beschwere»!" Da» Beispiel seinn Gattin schien bei dem Goldarbeiter Wuadn zu wecke»; den» auch er machte plotzi'ch eine Bewegung, alt wen» er sich von seine» tM«i» ve» freie» wollte und schrie mtt seiner hohen, loubischm Stimme: „Ja. wir find unschuldig I Wir habe««ich» begangen! Wir wollen un» nicht gutwillig wegführe» lassiN. Dn Untersuchungsrichter aber gab de» kSlortttende» Kriminalbeamte» einen Wirk, und fie zog«» da» schwäch. liche Männchen rasch mit sich fort zu dem draußen berett, 1885 durch Vorankauf von Siemptlzeichen eingingen. E» fchlt also noch der Ertrag etneS Monats, um einen Uederdlick über ein Jahreiresultat zu gewinnen. ES darf abn schon jetzt mit Rücksicht auf die biSheriaen monatlichen Einnahmen ali fast sicher gellen, daß diese» Resultat hintn dem Voranschlag um etwa 4% Millionen Mark zurückbleiben, also etwa 7,6 Millionen Mark ergeben wird. Ueber die Leipziger Vorgänge haben wir noch immer nichts fichneS in Erfahrung dringen lönnen. DaS Polizciamt der Stadt Leipzig irläßt folgende Bekanntmachung:„In den späteren Nachmittag! stunden des gestrigen Taget hat auf der Straße von Lcipzig nach Gohlis und Möckern anläßlich der erfolgten Ausweisung eineS sozialistischen Agitator» eine Zu« sammenrottung von mehreren hundert Personen stattgefunden» bei wilcher eS zu Ausschreitungen der grödltchsten Art ge« kommen ist. Insbesondere find mehrere Polizeidramte, weiche versucht haben, eine von einem Theilnehmn entfaltete rothe Fahne zu entfernen, tbätlich angegriffen und körpnlich miß» Handell worden. Im Jntncffe der öffentlichen Ordnung und behusS Herdellührung dn Bestrafung der Schuldigen ergeht hierdurch an Alle, welche Zeugen der betreffenden Vorgänge gewesen, da» dringende Ersuchen, von ihren Wahrnehmungen ungesäumt dem unterzeichneten Polizeiamt Mittheilung zu machen. Mr die Ermittelung der Person desjenigen, welcher die gedachte rothe Fahne entfaltet hat, setzt da» Polizeiamt hiermit eine Belohnung von einhundert Mark au»." Eine ähnliche Aufforderung anläßlich de»„MarschltedeS" ist bekannt» lich erfolglos geblieben. Die soztaidemokratifche ReichStagSkaudtdatur tu Mannheim scheint selbst den Gegnern nicht autsichiSIo». Herr Stadtraih August DreeSbach ist durch sein« häufizen Kandidaturen, Wahlreden und Agitationtreisen im Wahllreise so delannt. daß, nach dn..Franlf. Ztg.", die Sozialdemokraten außer der Nennung seines NamenS taum mehr einer besonderen Entwicklug seines Programmet bedürfen. Oesterreich-Uugar«. Der Wienn ReichSrath wie dn Pester Reichstag gehen intercssanten Verhandlungen entgegen. Wie der Leser weiß, baden mehrere Mitglieder der ungarischen Opposttiontparteien Interpellationen betteffend die bulgarischen Dinge und die Stellungnahme Oesterreichs Ungarns zu denselben eingebracht. Die Anfragen sollen noch im Laufe der Woche deantworiet wnden, freilich dürsten kaum alle die gestellten Fragen deant« wartet werden. Die Stimmung der Magyaren gegenüber Rußland ist heute feindseliger denn je» nachdem die rujfiiche Politik einen Karken Schritt vorwärts auf dem Balkan gilha» hat und eS ist fraglich, od Kalnoly, wie behauptet wird, durch seine Konferenzen mit TiSza unirrbsamen Zwischenfällcn im Parlament vorgebeugt hat. Auch im Reichtrathe dürfte die au»« wältige Politik Oesterreich Ungarn» zur Sprache gebracht werden; dort find S vorzugsweise dre Polen, welche fich mtt dem Grafen Kalnoky unzuftieden zeigen. Im Gegensatz zu Polen und Deutschen haben stch andelsell» die Czechen sehr zufrieden mit dn Entwickelung der bulgarischen Dinge gezeigt und so dürste eS zu einem parlamentarischen Bruderkriege zwischen den Patteten der Richten kommen, wenn eS nicht noch dn Partei- leitung gelingt, in dieser Beziehung Vorkehrungen zu in ff«'. Ueber den Inhalt der von Herrn Tisza erwarteten Es- llärunzen liegt heute eine hochosfiziöse Andeutuna vor, die allerdina» neue» nicht dringt. Nach einn der„Pol. Könau» Pest zugehenden MUtheilung herrscht in RegierungS kreise» die Uederzeugung. daß seine Antwort, wa» die Eventuaiital einer russischen Okkupation Bulgarien» und die allgernei->en Verhältnisse daselbst betcifft, beruhigend lauten wird. Auf dre mtt Eventualitäten der Zukunft fich beschäftigenden Fragen Baltasar Horvath'» wnd« sich ebensowenig eine Antwort er- theilen lassen, al« dem Wunsch Jranyi'S wird entsprock!» wnden können, daß die Reginung Alten vorlegen möar.%% Voraussetzung, daß irgend eine Aenderung in dem Bündrn mit Deutschland eingetreten sein lö rnre, werde fich fick lich al» ganz unbegründet bezeichnen lassen. Schweden und Norwegen. „Nicht nur bei un» in Schweden, sondern auch JJJ Norwegen und namentlich in Dänemark, schreibt m� dem„Hann. Kour." au» Stockholm, haben die Schutz z o U bestredungen einen so bedeutenden Anhang, sowohl in»«> Bevölkerung, wie in den parlamentarischen Körperschasten Länder gewonnen, daß daS Ziel derselben in nächster Zu.rtf sicher erreicht wird. Gefördnt find diese Bestrebungen noM# lich durch die Nothlage. in welchn sich die wichtigsten Erwerb« zweige der skandinavischen Ländn befinden, und sodann dun* die vorgenommenen ZoUerhöhungen_in Deutschland und � deren eurovatschen Ländern. In Schweden und cort hängt die Gestaltung der Zollverhältniffe ganz und gar-, den Parlamenten der beiden Länder ab, die Reginung&P„,, dieseide keinen Einfluß, da es sich um legit lative Angelcg' heilen finanzieller Natur handelt. Dringt die schwedische cC'-j zollpartei im nächsten Reichstage, der Mitte Januar(toM, wird, durch, und wir find fest üb-rzeugt, daß fie durchd:'"� dann geht da» norwegische Storthing ohne allen Zweil« aber harrende» Wagen. Zu der tobenden Frau gewandt a sagte der Rechter mit ernstem und nachdrücklichem To�- � „Machen Sie fich kewe Jllufione» mehr, 9#%„ Ihre Echandthat ist in allen Emzelhette» klargelegt: v Ihr Mann hat fich soeben da drinnen zu cine« umfossrv Geständniß bequemt. Die Komödie, welche Sie da fp' wolle«, ist also mivdeflev« überflüssig." �_ a(0et« Die Bestimmtheit, mit welchn n sprach,«ad die � fel,»elch« sie wohl vo» vorohnein in die Etandhaft� g ihre» Manre» gesetzt hatte, mochte« Frau Rüdig« überzeuge«, daß der Uvtnsuchungtrichter die Wa?*' sagte,«ad ste gerieth tu eive namenlos« Wuth. .Der Narr!" schrie fie,„der Dummkopf! d»"b liche Tropf!"«»d eine uvnschöpflich, Fluth von aha„, und»och krästignen Schimpfwortea strömten übtt tyr" � pe«, bi» em merklicher Wuthkrampf rhrer Redselig»» Ende machte. (Fortsetzung folgt.) An« Kunst««d gtbtn- jÄÄMM'Ä! Wesen geändert E, bleibt zwar vorlävsig„Rauchtt«?"� Cr:. BciunRtn, oen r Cftend�atn«, Herrn Gaschke, für da».Neu« tgeater" zu gewinnen, dem e» gelungen ist, das O» in kurzn Zeit auf ein« bedeutend höhere Um Herrn Gaschke für die bnetts aeletsteten«uien.,fi belohnen und auch fnner für sein Untnnehmen i»' W' während Herr Gaschke den„H-rzog Ernst" und ftWdber Weis« vor. In Dänemark find Rtgieruna und Reichs« tag, da» Grs» der Oppofition de» letzteren«tngeschloffen, fich über die Rolbwendigleit gewiffer Schutzzölle einig, jedoch ist dort bekanntlich die Gesetzgebung infolge der oppositionellen „VemelhmaSpolitU" und d«S durch diese bervorgerufenen Ver« faffungSkonflikt» vollständig brachgelegt. Tritt hierin in der bevorstehenden ReichßtagSsesston eine Aenderung ein, dann wird die Elnsübrung von Schutzzöllen einer der ersten legislativen Akte sein." Die deutschen Schutzzöllner werden g-'wiß mit Be« sriedigung wahmehmen, daß ihr Beispiel auch in den skandi- navischen Ländern Nachfolg« sindet. Wie eS dann aber mit der Ausfuhr der deutschen Industrie nach diesen Ländern geben wird, ist eine andere Frage, nachdem die ReichSregierung die Zeit, wo st« die deutsche Ausfuhr durch Vereinbarung von Kon« ventionaltarifen gegen einseitige Benachtheiligung hätte schützen können, ungenutzt hat vorübergehen laffen. Belgien, Ueber die Lütticher Arbetterkundgebung schreibt man der„Vosi. Zig." au» Brüssel, 27. September: 15C0 Arbeiter d«S MaaSthaleS durchzogen gestern die Stadt Lüttich, um für da» allgemein« Wahlrecht zu demonstrirm. Es waren 40 Arbeiterassoziationen mit 56 Schildern. Da laS man: »Wir fordern Arbeit und Brot, nicht Blei!"»Unser« Väter haben fich für die Rechte geschlagen, die wir nicht befitzen." »Der Hunger ist die gröhte Geisel."„Wir fordern dat all« gemeine Stimmrecht! Nieder mit den Privilegien!" Unter den Klängen der Marseillaise zogen die Arbeiter, alle mit rothen Abzeichen, je fünf in einer Reihe— auffallend viele Weider in Trauer waren im Zuge— streng geordnet nach der Be» erbigungSstätte der Kämpfer von 1830 in Saint e. Walburgk. Hier hielten die Führer drei Reden, die alle darin gipfelten, daß die Arbeiter alle gesetzlichen Mittel anwenden wollen„biS auf die flehentlich« Bitte", um ihre Rechte, vor Allem da» Wahlrecht zu erhallen. Gelinge e» nicht» dt« herrschenden Klaffen dazu zu bewegen, so würde e» mll Gewall durch die Revolution geschehen. � Am Sonntag wurde in Lüttich auch der katholisch« soziale Kongretz eröffnet. SS hatten fich auf demselben etwa 1500 Theilnehmer. darunter zahlreiche Damen und Prie« fier, eingefunden; alle grotzen katholischen Blätter Deutschland», besonder» der Rhetnprovinz, find oertteten: im Ganzen haben ö8 Blätter Spezialderlchterstalter entsandt. Um 6 Uhr schritt da» Kongretz- Bureau, vom Betfall der Anwesenden degrützt. in dm Saal. Voran 6 Bischöfe, der Bischof von Lültich al» Kon« Kretz, Präfidmt, der Bischof von Trier Korum. der Luxemburger Bischof Kopp», der Bischof von Tournat und der Btschot von Mecheln. Am Bureau satzen unter Anderen Grat Mun, Freiherr von IL 8. die deutschen Deputirten Bachem, Winterer, Dasbach: auch Schorlemer-Alst ist erschienen. E» treffen die Bischöfe Merrnillod und Freppel noch ein. Nach einem kurzen Gebet theilte der Präfident dem Kongreß mit.»atz der Papst seinen Segen und ein Schreiben eingesandt. In letzterem de« tont der Pavst, daß die Kirche stet» die Leiden der Menschheit gelindert; seine E» cycliken, besonder» die über die Konstitution der neuen Staaten und über die Freimaurer(!) zeigten die wahren Hellmtttel gegen da» soziale Uebel. Unter dem Rufe: E» lebe Leo xill I beschloß man Absendung eine» Ergedenbcit»« Telegramm» an den Papst. Der Lütticher Bischof eröffnete die Verhandlungen mit einer Rede über die Pflichten der leitenden Klaffen der sozialen Krist» gegenüber. Die letztere sei nicht nur durch materielle, sondern auch durch moralische Ursachen hervorgerufen. Die Kaiholiken müßten mehr Glauben»« treue beweisen und auf allen Gebieten im Geist« der Kirche handeln. Sr griff den Egoi»muS und die B-quemltchkeit der leitenden Klaffen heftig an, nicht minder die dem Vergnügen huldigende Fugend. Statt thatkräftig mitzuarbeiten, spende man Almosen I Schmählicher Luxu» und Prunk werde ge- trieben; große Summen entzieh« man den guten Werkm und Arbeitern ein schlechte» Beispiel, erweck« ihren Neid. Schließlich forderte er streng religiöse Schule und Erziehung. Außerhalb der Kirche kein Heil! Da» letztere führte der Präfident der katholischen Union Belgien» Collinet eingehend au», und zum Schluß sprach der Führer der belgischen Uttra« klerikalen, der Devuttrte Woeste. Er griff die Liberalen, die zu keiner sozialen Reform fähig wärm, hesttg an! Christlicher Geist könne allein helfen! Di« Reichen und die katholische Fugend müßten die Annäherur g der Klaffen herbeiführen und den ersten Schritt thun. Der Kongreß müff« eine materiell« und seelische Erleichterung der Ardeiter herbeiführen.— An schönen Worten und an äußerlichem Gepränge hat e» also nicht gefehll. Auf den Gang der Verhandlungen gedenken wir sehr bald ausführlich zurückzukommen. Alle Fraktionin der liberalen Partei Brüssel» stzllen die Kandidatur de» abgesetzten Bürgermeister» Ronvaux für da» durch die Demission Vandersmiffen» erledigte Kammer- Mandat auf. G r o h b r i t a«» i e A« Da» Parlament ist bi» zum 11. November vertagt, an welchem Tage e» zusammentreten dürfte, fall» inzwischen die Zustände in Irland fich derartig verschlimmern, daß dir Re« al» Gast den Herzog Albrecht spielt. Da» Theater ist übrigen« vollständig renoairt und in allen Theilen mit elettrischem Licht »ersehen worden. _ St« Künstler im Armenhause. Au» London, 25. September, wird der„Frkf. Ztg." geschrieben: Am selben Tage, an welchem die Nachricht durch die Blätter ging, daß eine Tochter de» König» Georg iv„ Karoline Guelph, fich bei der Armenbehörde in Cambernell um Unterstützung melvete, brachten die Zeitungen die Nachricht, daß man im Armenhaus« in Lambeth einen genialen Maler entdeckt habe, der vor kaum zwanzia Jahren sich noch eine» europäischen Ruhmes erfteute. Ein Zufall führte zu seiner Aulfindung. Sin treffliche» Portrait de» Vorsteher» der Armenbehörde wurde im Ver- sammlunn.izimmer aufgehäogt und die verwunderten Hrrren vernahmen, daß ein Insasse»e» Hause«, Nathan HugheS, da» Portratt gemalt hatte. Mr. Hugbei war vor Fahren al» der schnellste Maler weltbekannt. Sr glaubte, hinter da» Ge« hrtmniß der allen Meister gekommen zu sein. Er stellte die Theorie auf, daß sie so viele Bilder malen konnten, weil fie >o ungemein schnell mallen. St halle diese» Geheim«riß in stalten entdeckt und übte seine Kunst im Kopiren viele Jahre. In der That konnte Niemand geschwinder al» Nathan Hughe» «n« Leinwand mll Farben bedecken. Nachdem er in Italien alle Meister kopirt hatte, wanderte er nach vjptlt au» und malle Portrait» in schwerer Menge. �"t einem hübschen Vermögen kam et nach England zurück und forderte die Maler Suropa» auf, stch wtt ihm im Schnellmalen zu messen. Keiner hob den «andschuh auf. Dann klopfte er an der Royal Academy an, aber der Einlaß wurde ihm verweigert. Dte 40 Unsterblichen {Jürgen seinen Angriff mit ihrer gewohnten Waffe, dem Still- schweigen ad. Ader Nathan Hughe» wollte nicht ignorirt lein, uvd seine günstige Gelegenheit kam. Am 23. Juli 1866 fand «t belonnt« Zusammenstoß zwischen den Reformern und der h!« SL tm W* Park statt. Mr. Hughe» erbot fich, diese Mnorische Szene auf einer 40 Quadratsuß großen Leinwand 21 Tagen zu malen— und hielt sein Wort. Da» «vetsterhafte, realtstisch getreue Bilv wurde von 55000 Per« ht Rm 15. Januar 1867 kamen 41 Personen, hl« an!?fm See in Regent» Pari Schlittschuh liefen, durch Zr, Einbrechen de» Eise» um. Auch diesen Vorfall malle £*«J? defigen Dimensionen, und sein Bild, da» erst Alhambra ausgestellt wurde, machte die Reif« durch *nflland, Schottland und Irland. Seither hat man wenig «WHr von Nathan Huzhe, gehört, bi- Sir W. William» gierung e» für nothwendlg finden sollte, da» Parlament um größere Machtvollkommenheiten zur„Bewältigung" de» Uebel» anzugehen. Anderersell» dürste da» Parlament alSdann weller vertagt werden, vorauSstchtltch bi» End« Januar oder Mllte Februar. Der Führer der Iren, Parnell, richtete nach einem Piioattelegramm der„Voss. Ztg." an den Präfidenten der irischen Nationalliga von Nordamerika eine Kabeldepesche, worin gesagt wird, dte Verwerfung der Vorlage zur Unter« stütz ung der irischen Pächter und die fast unverhülltm Dro- Hungen de» irischen Obersekretär» hätten ein« bedrohlich« Zu- nähme der Exmissionen bewirkt und zeigten klar den Beginn de» AuDrottungSkriege», welchen die britische Regierung und dte irischen Gutsherren gemeinsam gegen die irischen Pächter unternähmen. Parnell sucht«ettere Hilfe von seinen Land»« leuten im freien Amerika nach, um die Versuche derer, welche die irisch« Nation vernichten wollten, zu vereiteln.— Bekanntlich hat die irische NattonaUiga in Amerika schon seit Jahrm reich« UnterstützungSsummen nach Irland gesandt. Italien. Der„Moniiem de Rome" bemerkt in einem Lellarttkel über die antiklerikale Demonstration auf dem römischen Friedhof, gegenwärtig sei der Papst in Rom be« dio'oUr, al» je. ES sei nicht unmöglich, daß die Menge ein« mal von Worten zu Thätlichketten übergehe. Wahrscheinlich wird der Papst in irgend einer Form, entweder in einem Brief an einen Kardinal oder in einer Ansprache seinen Anschauungen über die gegenwärtigen antillerilalen Demonstrationen AuS« druck geben. Er soll sehr verbittert sein. Die in Neapel erscheinend« Zettung„Fl Piccolo" äußert stch üb» da» deutsch-italienische Bündniß, wie wir einer Korrespondenz der„Voss. Z'g." entnehmen, folgender« maßen:„Der ttalienisch-deutsche Allianzvertrag ende: nicht Anfangs 1837, sondern tm Mai künftigen Jahre». Er steht den Fall französtscher Eroberungen im Rittelmeer nicht vor, sontern beschränkt fich darauf, Deutschland die Neutralität Italiens für den Fall zu stchern, daß ei angreift od« ange- griffen wird, Italien ab« seinen GebietSbestand und den Bei« stand Deutschlands zu verbürgen, im Falle Italien angegriffen wird. Wenn Italien angreifen will od« wenn e» Kolontal« Unternehmungen oersuchen od« diejenigen And«« verhindern will, so kann e» dtei tbun, aber auf seine Gefahr hin. Dann geht da» Bündniß in Rauch auf. Da» ist d« Grund, welcher den Minist« Mancini aushielt, al» ihm Vorschläge wegen eine» ernsten Vorgehens in Afrika gemacht wurden und v« ihn in d« zwetten Periode fein« Ministerschaft die Augen auf England richten ließ. Al»« den Fürsten Bismarck darüber befragte, antwortete dies«, daß Italien He« sei, zu thun, wai es wolle, ad« auf seine eigen- Gefahr hin und ohne daS Recht zu haben, für die eventuellen Folgen den Bündnißoertrag an« zurufen, wrlch« un» sicher stellt, wenn wir angegriffen wer« den, nicht wenn wir selber einen Anariff unternehmen."— Der„Piccolo" empfängt zwar ölt« Nachrichten au» gut« Quelle; wir möchten ad« diese seine Angabe über den Jnhatt vis Bündnisse» bezweifeln. Spanien. Wie eine in unserem gestrigen Blatte enthalten« Mitthei« lung besagt, wären dem franzöfischm Minist« de» Jnnem Nachrichten zugegangen, nach denen„an der spanisch franzöfischen Grenze Karlistendanden aufgetaucht seien". Dies« Sensationsnachricht reduzirt stch auch diese» Mal, wie die» bei Meldungen von„Karlistenbanden" in der Regel d« Fall ist, auf«in Minimum; in den Gebirgen der an Frankreich gren- zenden Provinz G«ona hat sich ein Haufe von 30 Vagabunden aezeigt, der, von spanischen Truppen verfolgt, auf ftanzöfische» Gebiet übergetreten ist.— ES ist eigentlich ziemlich unver« ständlich, wie immer wieder da» Märchen von„karlistifchen Aufständen" auftauchen kann, da doch alle Welt weiß, daß eS dem Prätendenten auß« Anverem namentlich an dem fehlt, wa» Monticuculi als erste, zweite und dritte Bedingung zum Kriegführen dezetchnete— am Beide. Balk««lS»der. Die Ueberreichung«ine: offiziellen Erklärung Rußland» durch dm General K au l bar» ist nach einem Wolff'schen Telegramm au» Sofia am Montag«folgt. Rußland steht darnach die ohne eine längere Wahlperiode«folgende Einbe« rufung der Großen Sodranj« al» illegal an und betrachtet alle vor derselben gefaßten Beschlüsse al» nicht geschehen. Raul« bars hat der Rrgierung angerathen, die Vornahme v« Wahlen möglichst zu v«schteben, damit dem Land« möglich sei, au» dem gegenwärtigen Zustande der Unruhen herau-jukommen, und eine Wahlperiode von ausreichend« Dauer seftzusetzen, weil ohne ein« solche da» Land stch nicht frei aussprechen könne. Fern««theilte Kaulbar» d« Reginung den Rath, den Be« lageiungSzustand sofort aufzuheben und die»«hafteten politi« schen Gefangenen in Freiheit zu setzen. Sin Antwortschreiden der bulgarischen Regierung wird«st nach weit«en Bnathun» gen«folgen, Da» von Kaulbar» dem Minist« Ratschewitsch überreichte Beglaubigungsschreiben ist vom Minist« v. Gier» unwzeichnet.— Der Aufschub der Wahlen zur Sodranje soll sein Projekt vor da» Pudlilum bracht«, Dover und Calai» mittels eine» untersreischen Tunnel» zu verbinden. Dieser Kanalentwurf beleidigte da» Gefühl de» Schnellmaler» in so hohem Grade, daß er eine Agitation gegen denselben unter« nahm und sein ganze» Vnrnözen einsetzte. So verarmte er, und Armuth und Kranlhett haben vereint da» v«kannte Genie in» Armenhau» gebracht. Honig-Ametst. Die Biene hat eine Konlurrentin in einer großen Art vo» Ameisen gefunden, wie d« nordameri« kanisäe Naturforscher Dr. Maclok berichtet, welch« jüngst die Gebiete von Neu-Mexrko und Arizona sowie einen Thell Mexiko» bereist hat, woselbst er die bi» jetzt noch nicht bekannt gewesene Gattung von Ameisen entdeckt hat. Dieselbe gleicht unserer Ameise im Vau fast vollkommen, ist aber bedeutend größer al» dies«. Der Honig ist in dem hinteren sehr stark entwickelten Thetle de» Leide» enthalten, soll an Wohlgeschmack dem besten europäischen Honig gleichkommen und wird durch die Eingeborenen in der Weil« gewonnen» daß dieselben die Thier« auspressen. 900 bi» 930 Ameisen sollen ein halbe» Kilogramm Honig geben.(?) Literarisches. „Camilla." Eine römische Novelle von Robert S ch w e i ch e l. Berlin. Verlag von Otto Janke 1886. U«b« diese» Werk de» trefflichen Erzähl«», d« unseren Lesern au» den mannigfachsten Darstellungen bekannt sein dürste, läßt fich die München«„Allg. Ztg." am Schluß ein« längeren literarischen Betrachtung folgendermaßen au»:„Wir glauben diesen Artikel nicht würdtge! beschließen zu können, al» durch den Hinwei» auf«ine Arbeit Robert Schweich«;'», eine» unser« vornehmsten Erzähler, der leider noch lange nicht allgemein genug gewürdigt ist, und zwar»um groß-n Thell deshalb, well feine Schöpfungen al» wahre Kunstprodufte weniger durch den Stoff al» durch die Behandlung wirken und auf den nach SensationSmcmenten lüsternen Leser keine Rückficht nehmen. Umsomehr ab« hätte daS feinsinnige Pudli- tum Grund und Anlaß. Schweich«! für diese nur au» seiner Trefflichkeit hervorgehend« Ungunst durch erhöhte Thetlnahme schadlos zu halten, durch die e» stch nur selbst ehren würde. Aber wir verachten nm scheinbar die Stimmen der gedankenlosen Menge, und in Wirilichkell laffen wir sie ausschlaggebend sein und ordnen ihnen gewiffnmoßen selbst unser Urthell, wo«S für dte Wahr« offenbar bezwecken, Zeit zu gewtnnen, um einnsett» die Erinne« rung an den Fürsten Alexander und die letzten Vorgänge ad« zuschwächen, andererseits Spielraum zu«halten zur weiteren Ausbreitung de« rusfischen Jntriguennetze». Gegenüb« dem Auftreten de» Genna! Kaulbar» nehmen fich überaus komisch die offiziösen Versicherungen au«, daß Rußland gesonnen sei» die Bestimmungen de» Berliner Vntrage» inne zu hatten. Ueb« die Kandidaten für den bulgarischen Thron äußem fich die Petersburger Journale nunmehr in bestimmt« Weise, und so verschiedener Meinung fie auch find, so trefirn fie doch dann zusammen» daß Bulgarien der Vasall Ruß« l a n d S werden müffe. Die„Pet. Wj-d." warnt vor einem Kandidaten, der mit Rußland blo» fympathistrt. Der neue Fürst müsse so weit Rußland angehören, daß keinem Zweifel Raum dleil.«, daß dte russische Armee hinter ihm steh«. Auß« dem Fürsten von Montenegro sei nur ein Russe möglich. der Bulgarien im Namen Rußland» leitet und auf dte mora« tische wie materielle Unterstützung Rußland» rechnen kann. Der „Swiet" hält r» für zweifellos, daß dt« Bulgaren, fall» bei der Fürstenwahl ein Plebiszit gestattet wäre, unbedingt dem Bei- spiele dn Kletmuffen unter Chmelnicki folgen und den Zar wählen(!) und damit die bulgarische Frage für tmm« au» der Welt schaffen würden. DrmReuter'schen Bureau wird au» Wim unterm 25. d.M. gemeldet: Au» gut insmmirt« Quelle verlautet, daß Lord Jddeileigh stch bemüht, einen mgen Anschluß zwischen Serbien, Bulgarien, Griechenland und der Türkei zu Stande zu bringm. Er hofft, daß auch Oesterreich einer solchen Kombination günstig gestimmt ist. Man glaubt, daß die dringmde Nothwendigkett der Selbsterhaltung gegmüd« einem gemeinsamen Angreifer eine Allianz dieser Staatm ermöglichen wird, obgleich große Schwierigkeit befürchtet wird, Griechenland zu veranlaffm, dem Bündniß beizutreten. Asien. Fast täglich v«laff«n jetzt Transportschiffe mit Verstär» kungen für Birma die indischen Häfen. General Macpher« son wird bald im Stand« fein, mit einer Streitmacht in» Feld zu rücken, welche genügt» um allen offenen Widerstand zu unter» drückm. Unglücklicherweise ist die» aber kein Zeichen, daß irgend ein Gefühl der früh« gemachten Fehler der Ztvilver« waltung durchdringt, oder daß der Zustand d«S Lande» nie- mal» so schlecht ist. al» wenn die Truvpm zurückgezogen find. Offenbar können wir annehmm, daß 30000 Mann in Birma eingeschloffm find. Ein Wiednaustretm d« oft« und zentral« astat, schen Frage würde jeden Augenblick ihre Rückkehr«- zwingen, damit st« and«wäri»»«wandt werden, und wmn die Schwäche und Wankelmüthigkett, welch« so sehr die Zioil- Verwaltung kennzeichnet, zugestandenermaßen andauert, ist e» fich«, daß dem Abzug d« Truppen ein unmittelbare» Wied«- erwachen der Unruhen folgen wird. Ein wohl geplante» System öffentlicher Arbeiter sollt« angefangm wer« den, nicht allein mit dem Zweck, da» Land dem Verkehr zu«- öffnen, sondern auch für die Mittel zum Ledenlunterhalt für die Srm«en Klaffen zu sorgen, welche jetzt ge« zwungm find, fich den„Aufrührnn" anzuschließen, um Brot Afrika. Daß Rußland und Frankreich in Konstantinopel gemeinsam arbeiten, den Sultan zu bewegen, die Engländer „zur Beendigung ihrer Mission in Egypten einzuladen", ist bekannt. Daß man ad« russischilscits d«eitS selbst in Egypten den Engländern Schwierigkeiten zu machen sucht und die Probe anstellt, inwieweit auf Grund d« alten Kapitulationen die Autorität der englischen und«gyptischen Behörden al» nicht vorhanden dehandelt««den kann, diese Nachricht au» Kairo hat heut« doch überraschend gewirlt. Ein russisch« Unterthan Ramen» Lavison, so melvete eine Depesche der „C. T. C.", Agent de« ehemaligen Khedioe Ismail, bemächtigte si-v am Sonntag mit Hilf« bewaffnet«»idanese» de» Palaii JSmailla ht«, in welchem gegenwärtig Mulhtar Pascha wohnt. Es gehört die» Gebäude zu den von dem Khedioe Jimail für fich rellamtrtrn. Auf Intervention de» rusfischen Konsul» zog Lavison die Aldanesen zurück. Der Beweggrund LaoisonS soll gewesen sein, die Gerichte ,ur Kenntniß von der Reklamation JSmailS zu zwingen. In Folge diese« Zwischenfall» hat Drummonv Wolff sein« Rückkebr beschleunigt und wird bneit» morgen(28.) hier wieder eintreffen." D« russische Unterthan Lavison oder, wie in Anbettacht der englischen Ausspräche deutsch wohl richtiger geschrieben wird, Levtson, hat fich drm- nach nur dem rusfischen Konsul g-siigt. D« ganze Vorgang bedarf noch der näheren Aufklärung; angestbtS der allz«. meinen Lage berührt die Nachricht indeffen voch ganz eigen» thümlich. Der Zweck der Reis« Nudar Pascha» nach London ist. wie e» heißt, die Ordnung d« von Sir H. D. Wolff angeregten Fragen. Die Fortsetzung de« britischen Protektorats über Egypien, unter Beibehaltung der Okkupationsarmee, soll die Grundlage der Verhandlungen bilden. hett einzutteten gälte, unter; wir find nicht standhaft genug. da» wahre V«dienst geaenüd« den willkürlichen Aussprüchen d« Mode wirksam in Schutz zu nehmen. Wie hoch müßte ab« der Verfaff« der hmiichen Nooellensammlungen„Gedrrg und Thal",„Jura und Genfersee",„Im Hochland",„AuS den Alpen", sowie der prächtigen Romane„D« Btldnschnitzer vom Achensee",„Die Fallner von St. Vigil" und„Der Krämer von Jllinz" stehen, wenn eS in diesen Dingen nach dem Rechten ginge! Auch die gegenwärtig uni vorliegende Erzählung, welche auf einem von Schweich«! vorher noch nicht gewählten Schauplatz, im heutigen Rom, spielt und die Freiheil«. bewegung de» neuen Italien zum zeitlichen Hintergrund hat» vereinigt alle Vorzüge in stch, die wir an diesem seltenen Autor zu finden gewohnt find, zumal gelungenste Charalteristik der Figuren und höchst planvoll« Führung der Handlung, die, s» einfach st« auch in ihrer Anlage ist, fich doch al» reich und mannigfach in der Ausführung erweist und die besondere Wirkung eine» wahrhaften Sitten- und KulturdildeS in stch trägt. Daß zu der genauen Lokallenntniß fich auch noch ein- gehende Studien gesellt haben müssen, um den Autor stet» au» dem Vollen schöpfen zu lassen, diese Wahrnehmung wird der prüfende Schätzer leicht machen, verbirgt un« auch die de» ichetdene Darstellung diese Früchte de» Fleiß«», welche al» solche in die gehörige Beleuchtung zu rücken, dos Streben oft minder ausgerüsteter und gewiffenhaster Darsteller ist. Ader in Robert Schweichel waltet der Künstler in erster Reihe, und alle Wirkung geht zunächst von ihm au»." von I. H. W. !ahrgangs er- von der„Neuen Zeit". Stuttgart, Verl Die», ist soeben das zehnte Heft deS 4. schienen. Jnhatt: Abhandlungen: Die rulstsche Arteli und ihre Bedeutung tm Kampfe zwischen Arbeit und Kapital. Von einem Russen.— Die Gewinn betheiligung. Von Josesine Braun.— Kraftmaschinen und Maschtnenkrast. Von Bernhard Zerdst.— Konrad Deudl«. Von Minna KauiS'y.— Der Kapitalismus und die Logelwelt.— Literarische Rundschau: Mtttegenten und fremde Hände in Deutschland.— Notizen: Di« Selbstmorde in Sachsen.— FadrikSschornsteine.— Im Jahre 1885 im Tarnowitz« Bergbau pro Tag bezahlt« Löhne. — Die amerikantsche Landesgesetzgebung.— Der Kamps zwischen amniianischem und indischem Weizen. Gerichts-Jeitnng. Dem ReichSverfichen»na?amt ist in Z 1 Abs. S de» AafallverficherunkSgeltM» die«efugnitz ertheik worden, darüber hu-ntschetden. welch« Betrieb« au her den in den vorhergebmdeu Absätzen erwähnten noch al» Fabriken im Sinne de» Unfall» verficherungSaesetze» anmsthen find. Auf Grund dieser Be« stimmung hat da» Reichiverfichemngtamt neuerding» ent- schieden, welche Brauereien von bayrischem Bier und ständige Ziegeleien, die ohne Dampfkeffel und Molmen und mit weniger al» zehn Arbeitern betrieben werden, al» Fabriken zu dettachten gib. Ali Fabriken sollen hiemoch Brauereien von bayrischem ier, welche mindesten» 1000 Hektoliter Mal, jährlich ver« brauchen, al» Handwerkerbetriede die mit geringerem Malz» verbrauche gellen. Ständig« Ziegeleien find al» Fabriken in der Regel anzusehen, wenn die jährlich« Produktion von Ziegel- Seinen(oder neben diesm von Dachziegeln, Hohltiegeln, Platten, Drainröbren rc) die Zahl von 100000—200000 Steinen erreicht. Wie man ersteht, ist die Entscheidung in Betreff der Ziegeleien nicht so genau gefaßt, wie die hinfichtlich der Brauereien. Au» Anlaß von«eschwerdm über die Zu- thetlung von Betrieben, welche keiner vorhandenen Ge- noffenschaft angehören, hat da» RelchSoerficherungSamt an- aeordnkt, daß Hopfenschwefeldarren und Hopfenpressereien itt Nahrungsmittel- Industrie- Berussgenoffenschaft, Getreide- Reinigung!- und Häckselschneidebetriebe der Müllerei- Beruf»« Kffenschast, elektrisch« BeleuchtungSanIaaen, d. h. der g«. nle Betrieb derselben, der Leruftzgenoffenschaft der Fein« Mechanik angehören. Am 24. September hat da» Reichsver- ficherungSamt zwri Entscheidungen von größerer Wichtigkeit neben einer ganzen Reih« anderer gefällt. Nach der einen «mde in Uebereinstimmung mit dem Schiedsgerichte den Hinter« blieben«« eine» Schornfteinsegergtsellen. welcher in Frankfurt a/O. beim Reinigen eine» Dache» von Schnee und Eis herabgesallm und gestorben war, Anspruch auf Rente zugesprochen. Di« B«ruf»genoffenschaft wollte die Rente nicht zugestehen, well der Sesell« nicht im Betriebe verunglückt sei; da» Verficherung». amt ging aber davon au», daß der Beweisaufnahme zufolge »ach OrtSgebrauch derartige Arbeiten von Schornsteinfegern uuDgeführt werden und daher der Unfall al» im Betriebe ge« schehen zu betrachten fei. Der zwelle Spruch betraf wieder die Frage von dem einzigen Ernähre« eine» Aszendenten. Ein durch schlagende Wetter umgekommener Bergmann hatte seinen Vater, welcher nur von einem stark verschuldeten Besttzthum ein« geringe Einnahme hatte, monatlich «rtt 20 Mark unterstützt. Die Settion Ii(Bochum) der Anappschastlberufsgenoffenschaft wollte eine Verpflichtung zur Zahlung einer Entschädigung an den Vater nicht an erkennen. da der Sohn nicht der einzige Ernährer gewesen sei; da» ReichSverficherungiamt entschied aber dahin, die Unterstützung von monatlich 20 M. sei unter den vorliegenden Verhältniffen eine so erhebliche Summe, daß der Sohn sehr wohl al» der einzige Ernährer bettachtet werden könne, der Anspruch de» Vater» also gerechtfertigt sei. Die Zahl der an die höchst« Instanz gelangenden Fälle scheint nicht unerheblich zu sein, wenngleich ein fichere» Urtheil darüber erst gefällt werden kann, wenn da» Verficherunglamt al» Spruchbehörd« erst längere Zett fungirt haben wird. Besonder» zahlreich find bi» jetzt die gegen die Entscheidungen de» Schiedtzgericht» Bochum der Knaprschast»b«rus»genoffenschaft verhandelten Berufungen; auch hat diese» Schied»gertcht» bi» jetzt von allen bestehenden die meisten Sitzungen«ehalten und die meisten Fälle verhandelt. Su dem Bezirk« desselben gehört da» gani«rh«inisch.west!älische ohlenrevier, in welchem grade jetzt wieder da» schreckliche Ün» glück, welche» nach den heute vorliegenden Meldungen 50 Ar« beitern da» Leben gekostet hat, vorgekommen ist. Reichsgericht»' Entscherdunaen.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 26. September. Wegen Beleidigung durch die Presse waren vom Landgerichte in Rostock am 19. Mai der Gut»« bcstteer v. Randow auf Grammow und der Redatteur de» „Rostocker Anzeiger", Oberländer, zu ILO bezw. 20 M. Geld« strafe verurthellt worden. E» handelte fich dabei um folgende Thalsachen. Im Ottober v. F. war«ine»örungskommisston 21 da» Großhmoqthum in» Leben getreten, welch« u. A. die i Privatbesitz befindlichen Hengste auf ihre Raffe und Zucht- fähigkett ,u prüfen und eventuell zu empfehlen hat. Herr v. Randow ließ der Kommission einen ihm gehörigen Fuch»« Hengst vorführen, mußte e» aber über fich ergehen lassen, daß diese» Thier für den besonderen Zweck al» untauglich erklärt wurde. Vier Monat« später sandte er an die Expedition de» „Rostocker Anzeiger" ein Inserat, in welchem er da»«rwähntt Thier den Stutenbefitzern empfahl und u. A. bemertte, der best« Beweis, daß e» tauglich sei, beruh« darin, daß die Köiungskommisston e» für untauglich erklärt habe. Diese fühtt« tch durch diese» Inserat deUidigt, well darau» hervorgehe, daß inr v. Randow sie für unwissend und unfähig halte. In Folge de» gestellten Strasanttage» fällte da» Lak dgericht da» erwähnte Urtheil. Dem mllangeklaatm Redatteur nützte e» nicht», daß er angab, er habe da» Inserat vor der Veröffent- lichung nicht aelesm, da der Verleger de» Blatte» dm In» seratentheil selvstständig verwalte.— Beide Angeklagte hatten Revifion eingelegt, doch wurde dieselbe vom ui. Strafsmate de» Reich»gericht verworfen. Leipzig, 27. September.(Poriodefraudation.) Der Kaufmann Richard Maueriberg in Hamburg hatte 290 ge« fchloffenr Briefe an Einwohmr von Marttanstädr in Sachsen zu versenden. Um Porto zu sparm, beklebte er jeden derselben mit einer 5 Pf. Marke und schickte fie mittel» Postpacket» an seinen Onkel F. A. Schneider in Leipzig mll der Bitte, er möchte�« demnächst nach Markranstädt schaffen und dort in etnm Bnestaften stecken. Schneider hatte augmblicklich keinm Anlaß selbst nach Marttanstädt zu fahren und übergab dem Botenfuhrmann Bedig die Brief« mr Beförderung im Sinne Maunsberg», wofür er dem B. 30 Pf. bezahlte. Von dieser Beförderungsart, die nicht mll dm gesetzlichm Bestimmungen vereinbar ist, da die Post da» Monopol der Beförderung von Briefen von einem Postanstaltsorte nach einem anderen hat, erhielt die Postbehörde Kmntniß und schließlich wurde die Angelegenheit dem Schöffmgericht in Leipzig unterdrellet. Diese» nahm in seiner Sitzung vom 13. Mai al« defraudirt an den Betrag von 5 Pf. bei jedem Briefe, da die Beförderung von Leipzig nach Markranstädt 10 Pf. gekostet haben würde und der Absender nur 6 Pf. bezahlt hat. Da nun der vierfach« Bettag der defraudirtm Summe al» Sttaf« Mark verurthM. Auf die Berufung de» Staatianwall» Mark verurthrilt.____ I_ änderte da» Landgericht Leipzig die Sttafe in 174 Mark ab. indem e» al» desraudttt dm Bettag von je 15 Pf. annahm. E» ging dabei von der Anficht au», daß die Briefe, wie fie ftanlirt warm, nämlich mll 6 Pf, in Leipzig auf die Post ge« geben, al» ungenügend franiirt angesehm wordm wären und dm Empfängern ein Strafporto von 15 Pf. gekostet hätte«, welch« der Post entgangm seim. Diese» Urtheil gefiel wieder dm Angeklagten nicht und fie leatm daher Revifion ein. Der Vertheidiger beantragte w der Sitzung de» HL Strafsenate» M Reich»aelichtS vom 27. September entweder Wieder- Herstellung de» schöffengerichtlichen Urtbell« oder dcchin zu er- kmnen. daß nur da» Paketporto von Leipzig nach Marttan« nagten auf 116 M. herabgesetzt. Hirschberg i. Echt, 27. September.(Falsche eideistatt- liche Verficherung.) Louise Sch. au» Greiffmberg war mll einem gewiffm F. verheirathet, aber nach kurzem Zusammen- leben von diesem gerichtlich geschieden worden. Während ihr Mann hierauf seinm Wohnfltz in Waldenburg nahm, zog fie nach Greiffenberg und ttat dort in Arbeit, aber nicht unter dem Namen ihre» Manne», sondern fie nannte fich wieder mit ihrem Mädchennamen Louise Sch.— Später knüpfte fie«in neue» Verhältniß an, und am 23. Februar d. F. erschien fie mit ihrem Bräutigam auf dem Standesamt zu Hirschberg, um da» Aufgebot zu einer neuen Eh« zu bestellen. Al» ihr bei der Aufnahme der Personalien die Frage vorgelegt wurde, ob fie schon verheirathet gewesen, verneinte fie dieselbe— angeblich» weil fie die Frage auf ihr neues Verhältniß bezog l— Sie widerrief diese Angabe auch nicht, al» der Stande»- deamt« am Schluß der Aufnahme de» Aufgebote» die Braut- leute darauf aufmerksam machte, daß die von ihnen gemachten Angaben al» eidesstattliche Verficherung angesehen würden. Einige Zeit darauf erschien der Bräutigam wieder bei dem Standesbeamten, um ihn zu ersuchen, mit der Vollziehung der Eheschließung so lange zu warten, bi» da» Ehescheidung»- Erkenntniß für seine Braut eingetroffen sei. Hierdurch kam die falsche Angabe der sep. F, geb. Sch, an» TagiSlicht und auf die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wurde die Frau wegen falscher eidesstattlicher Verficherung unter Anklage gestellt. Am Sonnabend fand vor der hiefigen Strafkammer die Verhandlung gegm fie statt. Al» Motiv für die Hand- lungsweise der Angellagjen wurde die Bestimmung de» Ehe- scheidungs-Erkenntniffe» angesehen, daß zur Schließung einer neuen Ehe«ine gerichtliche Dispofttton nöthig sei. Der Staat»« anwall beantragt« 9 Monate Gefängniß! Der Gerichtshof sprach ebenfalls da» Schuldig au», sitzte aber al» Strafe nur 3 Monate fest. Mainz, 25. Sept. Ein hier in Arbeit stehender Tischler- gesell« hatte seiner Zell bei der hiefigen Polizeibehörde drei Schuhmachergesellen al» Mllglieder einer geheimen sozialisti- schen Verbindung denunzirt. In Folge dieser Anzeige wurde «ine Untersuchung gegen die drei Beschuldigten eingeleitet, welche zur Folge hatte, daß fich die drei Angellagten wegen der Verbreitung sozialdemokratischer Schriften vor dem Schöffen- gerichte zu verantworten hatten. In der heut« obgehattenen Sitzung diese» Gericht» wurden zwei der Angeklagten für schuldig befunden und jeder detselben zu einer Gefängnißstrafe von 14 Tagen verurthellt, der dritte Angellagte wurde frei- gesprochen. In derselben Sitzung hatten fich auch 6 Arbeiter um deswillen zu verantworten,«eil fie den Denunzianten durchgeprügell haben sollten. Da» Gericht erkannte aber auf Freisprechung, well den Angabm de» angeblich Geprügellen lein Glaube bchumeffen sei. Soziales«ttd Arveitervewegnng, Die Verschuldung de» schwedische« Grundbesitze« beträgt heute nicht weniger al» 980 Millionen Kronen. Da der Tcxwerth de» Beden» 2200 Millionen Kronen beträgt, ergiebt fich nach Abzug der staatlichen Güter und derjenigen, die keine Hypotheken aufnehmen dürfen, daß der ländliche Grunddefitz vi» zum halben Werth« belastet ist. Dazu kom« men noch viele Millionen laufender Schulden, welche die Lage der schwedischen Bauern geradezu unerttäglich machen. Arbeiterkuudgebuug tu Brün«. Man schreibt der Wiener„Deutschen Ztg." au» Brünn unterm 26. d.:„Heute fand hier eine gelegentlich der Einberufung de» Reichsrathe» vom hicfigen Politischen Arbeiterverein veranstaltete Volk» Versammlung statt. S» waren gegen 400 Arbeiter au» Brünn und Umgebung erschienen. Ohne die Kätte wäre der Besuch der unter freiem Himmel abgehaltmen Versammlung wett größer gervesen. Die Tagc»ord«ung lautete:„Polttische und soziale Laxe Oesterreicks". Hauptredner zu derselben war der Mannte östeneichische Ardeiiersührer Bardorf au» Wien. Derselbe detonte in einer anderthalbstündigen Red« namentlich die ungenügende Ausführung der Fabrikgesetzgebung, die dem Geiste derselben geradezu Hohn spreche. Sehr scharf griff Redner die anwesenden Führer der Brünner Christlichsozialen an, die fich jedoch gar nicht zu vertheidigen wagten. Die deutsche Rede Bardorf'» fand bei der zu einem großen Theile au» Tschechen bestehenden Versammlung große» Verständniß und lebhaften Beifall— ein ne.et Beweis dafür, daß die NationMätenhetz« die Arbeiter nicht zu entzweien ver« mocht hat." „Haust du meine« Inden, so hau' ich deinen Inden" — mit diesen Worten wird am richtigsten die Zollentwicklung in unseren Kulturstaatm bezeichnet. Nachdem da» Deutsche Reich da» Einfuhrverbot amerikanischen Schweinefleische» zu Nutz und Frommm der Großgrundbesitzer erlossm hat, strau« den fich die Amerikaner auf alle nur mögliche Art und Weis« gegm die Einfuhr deutscher Produtte in Nordamerika. No- torisch ist e», daß die deutsche Autfuhr nach Amerika in den letzten Fohrm zmückgegongen ist, während fie im vergangenm Fahrzehnt progresfio gestiegen war. Gegm die Oualttät der deutschen Waaren ziehen die amerllanischen Kaufleute, ob mll vollem Recht, da» laffen wir dahingestellt sein, in arger Weis« her. Sie üben einfach Revanche. So hat der amerikanisch« Konsul Tomer in Chemnitz dem Ministerium de» Auswar« tigm in Washington einen Bericht gesandt, in welchem e» heißt, daß die Klag« der deutfchm Fabrikantm über„schlechte Zeiten" fich in eine solche über„niedrige Preise" verwandelt habe. Die Fabrikanten führtm die niedrigen Preise auf die lebhaste Konkurrenz zurück: er, der Konsul, Hab« aber betreff» dieser Behauptung Eikundigungm bei einem Amerikaner ein« gezogen, welcher jede» Fahr nach Chemnitz komme, um Ein- käute»u machen, und dabei in Erfahrung gebracht, daß die Preise im Verhättniß zu der Qualität der Waaren nicht zu niedrig seim. Denn die betreffenden Waarm hätten zwar»in gute« Autsehm und seim billig, indessen seim dteseldm in Wirttichkett nicht gut und namentlich nicht dauerhast. Die Amerikaner hätten bisher zu viel für solche Fabrikate bezahlt, doch hättm dieselben jetzt durch die Veschiverden ihrer Kunden au»gefunden, wie werthlo» die Waaren seien. In Folge dessen hätten die Amerikaner den Antauf der betreffendm Waaren eingestellt, worauf die Preise für dteseldm feiten» der Fabri- kanten reduzttt wordm seien; dieselbm würdm sogar ent- schieden noch weiter heruntergehm.— Aber nicht blo» die Amerllaner üben auf solche Weise Revanche gegen die deutsche Zollpolitik, sondern auch die Spanier und die Franzosm. So agttirm die ersterm gegm dm deutschen Spiritu», weil er zuviel Fuselöl enthalte, und die letzteren gegen da» deutsche Exportbier, weil in demseldm S a l i z y l- saure fich befinde.— Wa» an diesm Angabm Wahre» ist, da» misten wir nicht, doch dürste im deutschm Spiritu» und im deutschm Exportbier mindestens ebenso viel Fuselöl und Salizylsäure fich befindm, al» in dem amerikanischm Schweine- fleisch Trichinm vorhanden find. Die angebliwm Maßregeln zum Schutze der Gesundheit find leicht in all' dm genanntm Ländern auf da» Wohlwollen für dm Geldbeutel einzelner Be- völkerungsllassen und auf die darau» folgenden zollpolitischen und wirthschastlichm Revanchemanövem zurückzuführm. Jnnungsvorrechte. Duisburg. 24. Sept. Der Ober- bürgermeister hat auf Grund einer Verfügung der Regierung folgende» verordnet:„Anstreicher, Wagen- und Blechlacktter, welche der Maler.. Anstreicher-, Wagen- und Blechlacktter- Fnnung nicht angehörm, obwohl fie zur Aufnahme in die Innung fähig sein würdm, dürfen vom 1. Ottober 1686 an keine Lehrlinge mehr annehmen.„__ Für Htlsskasseu. Zweiter Aufruf an die Vorstand« der eingeschriebenen, sowie auf Grund landesrechtlicher Voischriftm err'chtetm Hilftkaffen Deutschland». Der erst« von un» er» laffme Aufruf, einen Kongreß der steten Krankenkassen Deutsch» land» abzuhalten, um zu derathen, inwieweit da» Krankenver» stcherungSgesetz in Verbindung mit dem HUfSkaffengesetz ab» Snderungtdedürstig erscheint, um alsdann die dort gefaßteir Beschlüsse an maßgebender Stelle unterbreiten zu können, ist in allen Gauen Deutschland», soweit fich ersehen läßt, mit Freudm begrüßt wordm. In allen Zustimmung», wie Fnfor« mation» Zuschriften wird darauf hingewiesen, daß man die Abhattung eine» Kongreffe» al» dringmd nothwendig erachtet. An verschiedenen Ortm haben fich Männer gefunden, die so» fort anzeigten, daß fie an ihrem Ort« die verschiedmen Vor» stände zu einer Berathung zusammenberufen haben, mtt dem Versprechen, uni da» Resultat dieser Berathungm mitzutheilen. Da nun zur Erreichung unsere» Zwecke» ein gut beschickter Kongreß wünschenSwerth erscheinen muß. so ersuchen rvtt Alle, denen daran gelegen ist, die freien Krankenkassen noch recht lange auf der Bildfläche zu sehen, thatkrästig Hand mit anzu« legen, um dm Kongreß zu dem zu machen, wa» er in Wahr« heil soll: eine Kundgebung dafür, daß, wenn e» gilt die Interessen derer zu wahren, die die Sorge für Schutz in Roth» fällen in unsere Hände gelegt habm, wir alle Mann am Platz find. So hat der Krankenkaffmverdand Sachsen» seine Betbeiligung zugesagt. Ebenfalls haben wir durch eine Separat Zuschrift die GewerkoereinS-Hilfskaffm cu'gefordert» fich an diesem Kongreß zu betheiligm, da un» Allm ja nur darum zu thun sein kann, Vorschläge zu machm, um da» krankenoerficherung»ges«tz zu etwa» Dauerhaftem zu gestalten.. Eine diesbezüglich von ihnen an un» ergangene Zuschrift läßt da» Beste hoffen. Au» ca. 30 verschiedenen Stävtm Deutschland» ist die Beschickung de» Kongresse» bereit» angezeigt; rechnen wir die drei Lokalkaffen al» Einberufer und die hier ihren Sitz habenden Zentralkaffen hinzu, so kann ein Zweifel am Zustandekommm wohl nicht mehr aufkommen, wiShalb denn auch in Ausficht genommen ist, in Gera, Gotha oder Altenbmg den Kongreß adzuhallen. Etwas Bestimmte» hier« über, wie über den Zeitpunkt und die Tagesordnung, wird in nächster Zett bekannt gegeben werden. E« handelt fich zu» nächst darum, daß, wenn wir von der Zmtralstelle au» einm Aufruf erlassen, die Krankenkassen-Vorstände allerorts hierauf Bezug nehmen und ein Wettere» veranlassen, wie ja auch schon die Preffe bereitwillig für weiteste Verbreitung sorgt. Nur so können wir auf Ertolg rechnm, und die» wird un» anspornen, so weit es möglich, allen Wünschen zu entsprechen. Hamburg, Altona und Oltmsm, im September 1886. Alle Anfragen und Zuschrittm find zu richtm an die Adresse L. F. Levinson, Bureau der Allgemeinen Krankmkasse. Blumen« straße 5a, Altona. Alle ardetterfreundlichm Blätter werden um Abdruck gebeten. Der Streik der Maschwenbanardeiter zu Flensburg Der Streik auf der hiesigen Schiffswerft dauert noch unver» ändert fort, indem die Direktion noch nicht bereit ist, unsere billig« Forderung zu erfüllen. Augenscheinlich will man ver« suchen, un» auszuhungern, um uns auf diese Weise zum Nach» geben zu zwingen. Arbeiter, noch ist die Meinung untw den Streitenden eine gute; keiner ist gewillt, von setner deschei» denen Forderung zurückzustehen. Darum helft un» auch weiter» damit nicht der Mangel an dem Nothwendigsten, damit nicht da» bleiche Gespenst de» Hunger» fich mit unfern Widersachern verbinde, und wir dann doch schließlich im Ankämpfen gegen die erdrückende Uebermacht erliegen müßten. Wir appelltten an Euer Solidaritätsgefühl, indem wir Euch bitten, un» i« Interesse unserer guten Sache zu helfen! Laßt unfern Kampf nicht vergeben» gewesen sein, sammett Unterstützungen für uns» wo ei angeht! Fndem wir allen denen, die un» bi» jetzt ge« Holsen, unfern Dank aussprechm, möchten wir hlermtt nochma!» bitten, un» auch ferner helfen zu wollen. Zuzug ist unbedingt fernzuhatten! Mit Gruß: die streikenden Maschin enbauardetter der Flenidurger. Schiffdaugesellschaft. Kasfirer ist A. Fülich. Norderfischerstr. 8. Kleine Mittheilnngen. Augermüude, 26. September. Ein entsetzlicher Unglück»» fall ereignete fich kürzlich in dem Dorfe Dobbergin. Bei« Einfahren von Heu wollte ein Mädchen, welche» eine Fuhre Heu geladen hatte, von der Fuhre Herabgletten. An dem Wagen stand unten eine Heugabel angelehnt. Sie glttt der« artig auf den Stiel der Heugabel, daß ihr derselbe in den Unterleid drang und unterhalb der Rippen wieder beroorkam- Mtt Aufwendung großer Gewalt mußte der sofort Ohnmäcd« tigen nnd Besinnung»losm der Stiel au» dem Leibe gezogen werden. Sofort herbeigehotte ärzttich« Hllfe war zwar»ur Stelle, konnte aber wemz thun. vrteg, 27. September. Au» großer Leben»sefahr»ig®« kürzlich der Klemvnerlehrling Adett von hier gerettet.%)ec Genannte, beim Tburmbau der katholischen Kirche in Lossen mtt Dachdeckerei heschäftigt, glitt nahe der Tburmspitze au» und kam zu Falle. Glücklicherweise geriech er dabei mit einem Beine zwischen da» Dach und da» an demselben heiabführend« und bereit» angebrachte Kupferdrahtseil de» Blitzableiter»,>? daß er in der Luft schwebend hängen blieb. Die Mttarbel"» eilten auf da» HUfegeschrei eiligst hinzu und befreiten Bedauernswerchen au« seiner furchtbaren Lage, der culst: einigen Hautabschürfungen am Kopf und Quetschungen®y betreffenden Beine» mit dem Schreck glücklich davongekommen- Thorn, 27. September. Heber da» bereit» lstmelde" Eisendahnunglück bei Thorn schreibt die dorttge„OD. folgende»:«Ein bedauernswerther Eisenbahnunfall hat J»® gestern Abend in der Nähe unsere» Bahnhof» ereignet. Kurier, ug au» Ottlotschin geriech in Folge falscher#ek%? stelluug auf dm noch der Ziegelei Rudak führmden SgJÄ auf dem mehrere leere Waggon» standm. Ein Theil derselo-n wmde zertrümmert, die Maschine de» Zuge» lief üb« v'" Rudak« Sttag hinaus und bohrte fich in die Erde ein, nachfolgend« Packwagm wurde von dm Pnsonmwagen tm. drückt und hierbei«litten der Zugführ« Lack und V«%% tm(t vSt. ßftp wmM ert war. Spital gebrocht werdm rinige gestorben find. n.«« IW■»»»w*■ JW».«. Beilage zum Berliner Volksblatt. Ar. SS8. Donnerstag, de« 30. September 1880. IH. Jahrg. JoKale». Wa» verde« die Fromme« im Laade dazu iagen? Bith» war die Milch alt das unschulviaste aller Gciränke vkrschrien. Man sprach von der„Milch der frommen Denlanfttart", die sich durch irgend eine chemische Prozedur in„gährend Drachengift" verwandeln konnte. Dat war aber auch da» E n, ige, wat man der Milch Echlechtet nachsagen konnte.„Gahrend Drachengift" ist nun ater im Laufe der Zriten ein eUat rarer Artikel geworden, und et dürste nur wenige G-lehrie geben, die stch über die Natur dieser Substanz vollständig im Klaren wären. SS£ wollen uns daher über diese» Problem auch nicht lange dm Kopf zerbrechen, sondern olle nüchiernm und alkrholfeindlichen Bürger unlece» grrßen Gcmeinw'sen» auf eine dringende Gefahr aufmerksam mawen, die un» allen gleichmäßig droht. Wer hätte e» je gedacht, daß in der Mi ch, die bisher doch stet» nur in der Farbe der aller- ungetrübtesten Unschuld durch unsere Kehle lief, ein heimlicher Feind lauern soll, der un» alle endlich dem delirium tremens in die Arme treibt? Herr Bolle— Klingelbolle, wie er stch so gern in den Zeitungen nennen hört— ist der Mann, der da» zu Wege gebracht hat, der durch den Fusel, dm er seiner Milch beisetzt, au» dem glühendsten Milchner. «hrer mit feiner Schlauheit schließlich einen wüthendm An. Hänger de» Schnaplmonopol» machen wird. Herr Bolle „fiidiizirt". wie er öffentlich erklärm läßt, neuerding»„Czam. pigner. Milch"— ein appetitliche» Gemisch von Spirituosen und anderen Substanzm, und ist leichtgläubig gmug, anzu- nehmen, daß er damit etwa» für die Milchversorgung Berlin» Ungeheuer Vortheilhafte» geschaffen habe. Zunächst hat er damit da« für ihn Hauptsächlichste wohl er- reicht, er ist von Zeitungen, die ihm botmäßig stnd, gmannt worden und hat stch auf diese Weise auch ohne sein impertinente» Klingeln seinen Abnehmern in gebübrende Erinnerung gebracht. Aber«a» wird die Folge dieser Nmerung sein? Der Mann, der auf seinem Grundstück «ine Kapelle errichten ließ und in derselben nach Kräften Singen und Beim läßt, wird Schuld daran sein, wmn die Säuglinge in ihrem Stechkiffen mit der Flasche in der Hand statt de» bi» jetzt üblichen Wehgeschrei» stalte Trinklieder an- stimmen und so lange Radau machen, bi» ste endlich, vom Produkt de» Herrn Kltngeldolle übermannt, in dm todtmähn« lichen, tiefen Schlaf verstnken, dm Feder kennt, der einmal Mehr getrunken hat, al» er vertragen kann. Und beim Er. wachen der Kaier! Die Nachfrage nach sauren HSrtngen wird eine immens« werden, und die Regierung wir» gut daran ihun, die Fiicherei'Besetze an unseren Meereslüften so zu regeln, daß keine Stockung im Fang« de» vielbegehiten Meere». b» wohner» eintreten kann.— Welch' neue, glänzende Per. speklive eröffnet stch für den, der stch mit Vorliebe dem stillen oder heimlichen— Trinken ergab? Mit der Miene eineigott. gewappneten Stöckerianrr» wird er in Zukunft an den Milch- wagen treten und stch einen Kognak mit Milch leisten können, der stch gewaschen hat. Et kann ja etwa« mehr Kognak und etwa» weniger Milch in dem Getiäni enthalten sein. Berlin wird mit fahrenden Destillationen überschwemmt werven, und die Spirituotrnfadrikation wird etnm ungeheuren Aufschwung nehmen. Und Da» hat mit seinem Klingeln— Herr Bolle gelhan. So sehen wir in diesem Manne, der seine Kutscher und Milchjungen militärisch organistrt hat, einen neuen Wrhlthäter der Menschheit erstehm, die„Champagner. Milch" wird stch Berlin erobern— wenn nicht» dazwischen kommt. Selbstcedmd ist d'e ganze Sache ein kolossaler Humbug, der nur darauf autgeht, andere Bewerbe» treibende, die im Gefühl der Solidität auf die Mittel einer marklschreieri chen Reklame verzichten zu können glauben, in ihren Geschästiintereffm zu schädigen. Aber wo etwa» faul ist, wird gewöhnlich der Mund erst recht voll genommm. ES ge. hört nämlich in der That etwa» mehr al» gewöhnliche Dreisttg. keit daru, stch dem Publikum fertwährmd aufdrängen zu wollen, wenn man Geschäfitpraktiken huldigt, wie e» in dem Institut de» Herrn Bolle thatfächlich der Fall ist.— So hieß e» vor einiger Zell in den Blättern, daß die Kannen in dem Bolle. fchen Milchgeschäft mtt zwei Hähnen versehen seien, damtt die Milch gleichmäßig au» dem oberen und unteren Theile der Ranne zum Verkauf an da» Publikum gtlangen körne. Di« Milch, die oben in der Kanne ist, ist bekanntlich beffer, weil stch die Milch allmälig nach oben hin absahnt. Nun wird aber statt der frischen Milch dem Konsumenten auch die alle Milch, „Feuer!" Zm Fahre 1809 hatte der General Vally, einer der «»bedeutendsten Offiziere de» erste« franzöfischen Kaiserreich», den Befehl erhalten, an der Spitze einiger schlechten Zr- fanteriettrvppe» mit mehrere« Kanone» in der Umgegend von San Gvöl in Navarra z« bleibe«. Da« geschah au» folgendem Grund«:..,., n u. � Ei» Räuberhauptmana machte seit einiger Zeit d'e Umgegend diese» Flecken» unficher, de« die Kriege scho» mit alle» Mittel« verwüstet hatten, welche die Vorsehung in de» Dienst der Mniche« stellt: da, F-uer, die Ueberschwem» wuvg uvd die Beschießung. Dieser„Bandit', der wie viele Andere stch weigerte, die H-nschaft de» �stille» Zo eph. de« Bruder» Napoleon» anzuerkennen, hieß Corchuelo. Mtt Hilfe von zweihundert Männer«, die entschlossen und abg«. härtet waren wie er, sammelt« er Alle» um sich, wo» da» Gebirge von Navarra an Unzufriedenen d�öte. Die Truppe schwoll lawinenartig an und wurde rmmer gefährlicher und %% sein Wesen trieb, so mußte Alle, aufgeboten werden, um ewe Vereinigung und Verschmelzung der dttde» Bande« zu virhinder». Der General Hugo war nach dem Eade» au,» Serück«, und General Ball? hatte de« Auftrag, die Armee ''«'.«-d° Dämmerstunde war die ganze Bande überrumpelt forden, sie fich am Rande der Abgründe malerisch gelagert ha te bare, Kampf war dem Ueberfall gefolgt. 3®" Stuade« long hatte laute« Wuthgeheul da« Echo de« Berge« be« lchästigt, da« Feuern der Geschütze die Einwohner vo» «an.Goel erschreckt, und in dem Gewirr de» Hand. gemenge« hatten Franzose« und Spanier Alle« S�ödiet, va» ihne» unter die Hände kam. Die Verwundete» fiilrzten do« de« Felse« und fanden im Abgrunde de« Tod, sich (Matken- Milch) mttvei kauft— und dazu stnd die beiden Hähne. Von der allen Mtlck», d. h. von derjenigen, welch« vom oorhirigcn Tage stammt, darf kein Kutscher auch nur einen Tropken zurückbringen, sonst bezahlt er 50 Pf.(!) Strafe. Ebenso ist e» mit der Butter. Erst muß die alle Butter ver» kaust werven— und dann kommt fein säuberlich die frische an die Reihe. Daß der Käufer in dem Wahne defangen ist. für sein schwere» Geld auch frische Butter zu«hallen, kümmert natürlich einen Mann nicht, der so geistreich ist, „Champagner- Milch" fabriziren zu können. Herr Bolle ist wahrscheinlich selbst ein großer Liebhaber von frischer Butter, deshalb verlauft er zuerst die alle. Eine ähnliche liebevolle Gestnnung zeichnet Herrn volle auch gegen feine Leute au». Denn jeder Kutscher, der dm Bedarf seiner Familie an Milch nicht von feinem Wagen mtntmmt, delommt entweder die schlechteste Tour oder wird, wa» noch einfacher ist, kurzweg entlassen. Ader dennoch find gerade die Kutscher für Herrn Bolle von nicht zu unterschätzendem Werth. Feder dieser Kutscher— und Herr Bolle Mchästigt deren siebzig— hat nämlich eine Kaution von 100 M. zintenfret zu stellen; macht zusammen da» rund« Sümmchen von 7000 M., die Herr Bolle kostenlo» zur Benutzung hat. Die Strafgelder, die den Kutschern wöchentlich abgezwackt werben, sollen auch eine ganz be- trächtliche Höhe erreichen. Da» find nur einzelne Schaitenriffl au» dem Gefchäst de» Manne» mtt der„Champagner Milch", aber fie kennzeichnen dt« Maximen d.-ffelben zur Genüge. Wir glauben, daß die angeführten Thatfachen genügen werden, um die ewige Klingelei auf da» ihr gebührende Maß zurück- zuführen, und daß e» dem großen Publikum nicht einfallen wird, nach der Klingel de» Herrn Bolle zu tanzm. Auf«tue» Uebelstand in den Etfenbahnkoupee» 3. Klaffe wird die„Staa'Sdürger-Ztz." au» ihrem Leserkreise aufmerisam gemacht:„In allen Eisenbahnkoupee» stnd jetzt An- schlüge angebracht, welch« da» Htnauewerfen von Gegenständen aller Art mit einer Strafe bi» zu 100 M. bedrohen, fall« nicht andere gerichtliche S! rasen eintreten. Durch diese» sehr ver nünstiae Verbot sollen Verletzungen durch hinautgewor'ene Gegenstände, vor allem aber auch Brände vrrvi-dln werden; stnd e» doch zum großen Theile brmnerde Zigarrenstummel, deren fich der Reisende am liebsten auf diesem kürzesten Wege entledigt und die namentlich bei heißer, trockener Witterung nur gar zu leicht einen Brand hervorrufen können. Während nun in den Koupee» der höherm K äffen überall, meist sogar verschließbare, Aschbecher a-aedracht find, fehlen dieselben bei den niederm Klaffen ganz. Wo soll nun der Reisende, wmn er seine Zigarre auSgeiaucht hat, seinen Stumel laffen? Wirft -r ihn hin au», wird er bestraft, wirft er ihn auf dm Fußboden, so gefährdet er da» ganze koupee; denn bei der starlen Be- setzung gnade der dritten Klaffe, deren Insassen auch meist viel Gepäck bei fich haben, liegt die Gefahr einer Jabrandsttzung wohl noch näher, al» draußen. Unmöglich kann man doch von den Retsenden die Mitführung eine» Aschenbecher» verlangen, nein, lieber werfm dieselbm, wie man häufig steht, ihren Stum« mel in den für da» Koupeefenster b- stimmten Spalt und machen dasurch da» Hinaufziehen de» Fenster» unmöglich. Wir glau den, daß diese Anregung det den Etsendahnverwaltungen nicht ohne Erfolg bleiben wird und daß ste der 3. Klaffe auch diese Bequemlichkeit, die so sehr in ihrem eigenen Interesse siegt, zukommen lassen werden, ebenso wie die meiften Ets-nbabnen in dankentwelther Weise jetzt dm Waggor.s 3. Klaffe Gar. dinen beschent babm." Et« f. anzöstscye» Urtheil über die Berliner Bahn- Höfe. Em angesehene» französische» Fachblatt, die„Revue des ebemins de fer", bringt etnm Bericht über eine von In genieuren der Oftdahn im Fabre 1834 unternommene Studienreise nach Deutschland, deren Hauptzweck e» war, die Berliner Stadtbahn sowie die neueren größeren Bahnhof» bauten kennen zu lernen. Da» denselben geschenkte Lob au» diesem Munde ist gewiß unverdächtig. E» heißt in diesem Berichte nach der „Tagt. Rundsch": Die mchiteltonische Auischmückung der neueren deutschen Siaat»bahnhöfe ist im allgemeinen sehr luxariö»; ja, man schießt in dieser Hinstcht bisweilen über da» Ziel htnau», wie in Mainz, wo die Dicken der Wartesäle reich vergoldet find. Durch die große Höhe dieser Räume und be» sonder» der Vorhallm. hat man jedoch sehr tmponirend« Wir- langen erzielt. Im Norden ist der Backstein au»schlteßltch im Gebrauch. Di« deutschen Baumeister haben in der Behand» lung di-se» Material» eine wahre Meisterschaft erlangt; fie behandeln e» mtt vielem Geschmack und einem ausgezeichneten selbst ihre Gräber berettend. Weiber, Kinder, Banditen— Alle« war zerstreut, vernichiet, selbst die Suppe der Guerillero» war de» Franzosen zur Beute gefallen. Der General hatte zu seine« Leute» gesagt:„Ich bin mit Euch zufrieden," und trotz de» Verluste« zweier Kanonen, die vo» dm Abgründe« verschlungen worden warm, konnte man ganz zufrieden sei». Ader.... Aber Corchuelo allein hatte da» M ßzeschick der Seinm überlebt. Em Korporal hatte feine Flucht über die Felsen bemerkt, hatte versucht, ihn zu verfolge», ihn aber bald au» de» Auge« v-rlorm. So wurde die Freude der Soldaten durch dm Schatte» de» Banditen etwa« getrübt. Er konnte nicht weit gekommen sein, meinte der Ko'poral, denn er war schwer verwundet, und er selbst hatte ihm»och eine blaue Bohne in dm Rücken gejagt. Wa« thu»? Man kehrte «ach San-Gael zurück. Der Geueral erließ eine Be. kauntmachung, daß e, für de» Kopf Corchuelo'« tausend Frank« zahle.---_,._ Ein Monat war verflossm. Auf dm Bergm war e» wieder still gewordm, und die wmigm Hirtm der Umgegend konntm ihre magerm Ziege« wiege, auf dem kurze« spär« lichm Grase weiden lassen. Einer dirser Hirten, der kleine Zuanrllo genannt, ei» schöner Jüngling mit rostge» Wangm und gläazmdm Augen, der allabmdlich seine Ziegenmilch in San.Gaöl ver. kaufle, war auf dem Heimwege begriffe» und blickte von Zeit zu Zeit hintcr sich auf da, am Fuße d.» Berge« liegmde Siädtchm. Juanillo wohnte in einer Felsenhohle, um welche eine leichte Einfriedigung de« Weideplatz serner Thier« begrenzte. Der Ort war malerisch, aber traurig, und für einen anderen al» eine» Hirten und seine Thiere wäre die wilde F-lsmwohnung nicht zu erklimmm gewesen. Aber Juanillo kletterte mit festem Tritt, vermied geschickt die Schluchten und pfiff melancholisch vor fich hin. Am Ei». gange seine» Fels«» stieß er drei kurze Schreie in regel. moßigm Zwischenräume» au«, da»» sprang er über dre Mauer und war zu Hause. Gute» Abend!" sagte er. Ein Mann, der auf dem Grase dicht a« der Felswand Verständniß seiner Dekorativwirkungin, welchen durch vte Anwendung von buntglafirten Steinen, von Form» steinen und von BaS R'lief» aut geb anetem Thon die r.öihige Abwechselung gegebm wird. In dieser Hinstcht stnd der Bahn» bof zu Hannove-, der Anbalter Bahnhof in Berlin und die Bahnhöfe der Stadtbahn wahre Mufterleistungen. In Straß» bürg und Frankfurt herrscht gagegen dar Haustein vor. Zwar find hier einzelne Theile etw"» schwerfällig; vte Einzelheiten find jedoch meist sehr gut und die Bauten in ihrer Gelammt« heit wahihast monumental. Da» Wellblech fand überall»ine ausgedehnte Anwendung zu Dachbeckunqen. Einzelne Häuschen für den Billetorrkauf besteben ausschließlich au» diesem Ma» terial und gestalten fich du ch die Eleganz der Thrile und die gut abgestimmten Töne der Bemalung zu sehr gelungenen Lauten. Sehr gelobt wird die zwei Stock Hohe Anordnung der neueren größeren Bahnhöfe, so de» Anhalter und derjenigen der Stadtbahn. Die Lilleiveriau'sstänbe, so heißt e» in dem Bericht, liegen unten, und die Reisenden gelangen, ohne viel fragen zu brauchen, durch Tunnel» und Treppen zu den Bahn» steigen bezw. zu ihren Zügen. Sehr zu loben ist e» auck, daß der Anhalter und der Frankfurter Bahnhof besondere Steig« für da» Gepäck und die Post aufweisen, so daß die Reisende« dadurch nicht belästigt werden- Der bevorstehende Umzug dürste allem Anscheine nach besonder» umfangreich stch qe« allen und Möbelfuhrrverktbefitzer, welche für solche Verhättniffe gewöhnlich ein sehr zutreffmve» Urtheil haben, beeilen stch, darau» den möglichsten Vorthstl zu »iahen Wie immer bei solchen Grlegenhetten, so trifft der Druck der gesteigerten Preise für die Möbelfubre hauptsSchlich die kleinen Leute;„Ziehfuhre ist Ztehfuhre", so sagt der Be» sttzer eine» Hundekarren», und wir waren Zeuge, al» einer allen Wittwe, die ihr gesammte» Mobiliar b-quern in einer Droschke tranSportiren könnte, von einem solchen Ziehmann für einen am 1. Oktober zu bette kstelltgenden Umzug von der Adalbertstraße nach der Li d nftraße der Betrag von acht Mark abgefordert wurde. Nun ist ja unter den h-utigen wt-.thschaft» lichen Verbäliniffen, wo Angebot und Nachfrage allein den Prei» regeln, gar nicht» dagegen zu sagen daß J-der seine Arbeitsleistung so gut oerwerthet, wie er irgend kann; aber die natürliche Folge hiervon ist, daß er von anderen Kon» kurrenten schwer gedrückt wird. Es gtebt»waifello» eine ganze Menge disponibler Fuhrwerke für dm Umzug»tag; Gepäck» drofchken und kleinere ÄrdettSwagen lö-rnen gerade für den Umzug kleinerer Leute Bedeutend-» leisten und sollten fich diese Gelegenheit zu einem lohnendm Verdienste um so weniger entgehen laffm, al» fie einem schwer empfundenen Uebelstand« abhelfen. Auch etn Stück sozialen Elend», so lautete die Ueber» schrift unsere« Arlilei» in einer ver letzten Nummern diese» Blatte». Wir gedachten der Schauspieler Misere und de» j-der Beschreibung spottenden Uawesen» der Theateragenten. Daß wir nicht zu abschreckend gemalt, wollen wir an d>r Hand ein«» Kontrakte», eine» der„feinsten" Thea« er Berlin» darihun. Die G-ößen desselben beziehen immense Gazen, schwankend zwischen 10000 und 24000 Mark. Ein nicht allzu häufig in Anspruch genommener k.>mi'er, der aber einen„Namen" bat, keimst allein jährlich 20000 Mark ein; während dieser Z-tt stthen ihm aber noch 4—5 Monate zu Gastspielretlen offen. Die niederen Chargm vagegen nüffen mit den winzigsten Gagen noriieb nehmen. So etn gewöhnliche« Schauspielaiitglied mtt 75 oder 100 Marl monatlicher Einnahme hat alltäglich von Früh bi» Mittag zur P-obe auf der Bühne anwesend zu sein, de» Abend» gleichfalls; od e» Beschäftigung giebt oder nicht bleibt fich gleich. Der nichteingewethte Leser wird meinen, die Garderobe würde von der Direltion geliefert. Hören wir aber einen P uazraphen de» Kontrakt»;„Den männlichen Mitgliedern wetdm die Kostüme von der Direktion aeltefert, mit Ausnahme jedoch von Wäsche, Kopf». Hand», Faßbelleidung und Trikot», sowie der aesammten modernen Kleidung. Die werolichen Mitglieder haben fich gesammte Garderobe, mtt Ausnahme der Männerkostüme, welche ihnen die Direltion liefert, noch Anordnung der Regie selber zu stellen." Di.sen Bedingungen au» eigenen Mitteln zu«nt» spiechen, ist aber nur einer geringen Mmorttät gegeben. Eni» weder hat nun da» detreff-nbe Mitglied einen Leit Händler zur Hand oder e» appellirt an da» Wohl der beffer gestellten Kollegen. Daß die» mit Unkoften und U brrwindung persön» ltch« Gefühle verbunden ist, kann man fich denken. Ein gut Thrtl modernen Sklaventhum» offenbart fich oder erst unseren gelegen hatte, erhob fich langsam und antwortete mit düsterer Stimme: „Guten Abend." C« war ein Bauer, seiner elende» Kleidung«ach zu urtheile»; ei« zerrissene« Taschentuch war um seine» Kopf gebunden. Sr schien dreißig Jahre alt zu sein, war groß, mager und hatte ein traurige» Geficht. „Nicht» Neue«?" fragte er. „Nicht»," sagte Juanillo.„Die Franzose« find immer noch da. Ste suche« Corchuelo, und der General verspricht dem v el Gold, der ihn au»liefert. Aber der Berg ist ficher und die F-e»nde treu, und wenn Coichuelo«och lebt, wird er vo» Beide« nicht verrathe« Ist er tob», da»« möge Gott seine Seele aufnehme«...." Juanillo entblößte sein Haupt, dann fügte er hinzu: „Der Tod ist eine sichere Zuflucht«stS>te." „Ja," sagte der Man«.„Da# glaube ich auch." „Warum?" fragte der kleine Hirt.„Fühlst Du Dich nicht wohl hier? Sei««besorgt. Ich bin jung, aber nicht schwatz hast. Ich habe Dich bei mir aufgenommen, al« Du verwundet warst, fast»odt. Ich habe die Wunde geherlt, die da» Messer Deine« F-iade» Dir gemacht, und habe Dich nicht»ach Deinem Namen gefragt. Bleibe hier, so lange Du magst, wir werde» immer Milch und B-oi, Waffer und Früchte habe«, llad die Wohnung gebe nicht ich Dir, so»- der» der, der die Berge geschaffen hat." „Du bist ei» braver Junge,' sagte der Aadere.„Höre. Corchuelo uud seine Gefährten hatten Frauen und Kinder. Sind auch diese von den verdammten Franzose» geiödtet worden? Weißt D< nicht, ob einige vo» ihnen entkomme« find?" .Nicht ei» einzige». Alle find todt. und Abend» habe« »i« Soldaten de» General# in San.Gaöl gesungen baß «» ei« Grau» war. Man sagt, daß Corchuelo Weid und Kmd gehabt hat; wenn er»och lebt, bann beklage lch ihn." .Ja.' sagte der geheimn.ßyoll# Man»«achdenktich,„jetzt hat er nicht» mehr zu thu«.' „Weun ma» ein# Frau liebt, und fie stirbt, dann ist'« Blicken» wenn man der Anfmderungen an dai weibliche Schauspielpersonal gedenkt. Die überwiegende Mehrzahl deS letzteren steht allein allen Gefahcmffen deS Lebens gegenüber, kein Rückhalt, kein Anschluß. AuS jugendlicher Schwärmerei treten die meisten in die Dienste TdaliaS. Andere wieder lassen stch durch daS 3 ufere Bühnenleben täuschen und geben ruhigen vlutei ein« gestcherte Stellung auf. Wieder welche lasten stch arglosen StnneS durch sogenannte„Gönner" zum Betreten der Schauspielerinnen- karritre bewegen, nicht ahnend, wai ihnen droht. Alle aber, ob begabt oder unbegabt, träumen ron Erfolgen und einer glücklichen Zukunft. Wir gehören wahrlich7m den Letzten, die den nicht talentirten Schauspiellräften daß Wort reden würden. WaS man aber verlangen kann, ist zum mindesten eine Ho« norirung der Leistungen, die ein Auskommen ermöglicht. Wenn selbst die ersten Theater von den jüngsten und unbemittelsten Schauspielerinnen eigene Garderobe verlangen, so leistet eine solche Forderung der Prostitution, die fich nur in einem feineren Gewandt und nicht auf der Straße zeigt, den thätig- sten Vorschub. Den männlichen Schauspielkräften werden wenigstens die Hauptstücke geliefert, bei den Schauspielerinnen glaubt man besten entralhen zu können. ES ist denn auch thatsächltch so, daß fast eine jede derselben, will ste weiterkom- men und nicht an Theatern dritten und vierten RangeS ver« kümmern, gewiffe Konzesfionen machen muß. Unter dem Dtenstpersonal scheint vielfach die Anficht »u herrlchen, daß man der mit dem Empfang deS MethSgeldeS übernommenen Verpflichtung zum Antritt deS Dienstes über- hoben sei, wenn man daffelbe innerhalb 24 Stunden der Herr- schast wieder aushändige. Dem gegenüber sei auf§§ 45, 46 und 51 der Gefindeordnung hingewiesen, worin eS heißt: Nach einmal graederem und genommenem MiethSgelde ist die Herrschaft schuldiz, daS Gefinde anzunehmen, und letzteres, den Dienst zur bestimmten Zeit anzutreten. Weder der«ine noch der andere Tbeil kann fich davon durch Ueberlaffung oder Zu- rückgabe deS MiethSgeldeS losmachen. Weigert fich daS Ge< finde, den Dienst anzutreten, so muß eS dazu von der Odrig- keit durch Zwangsmittel angehalten werden. Bleiben diese fruchtlos, und ist die Herrschaft deshalb genöthigt, einen andern Dienstboten zu miethen, so muß daS Ge finde nicht allein den Schaden, welcher der Herrschaft hierdurch erwächst, ersetzen und das MtetbSgeld zurückgeben, sondern eS verfällt noch überdies in eine Strafe, die nach Maßgabe der Verschuldung auf 6 bi» 30 M. oder bei Unvermögenden auf verhältnißmäßigeS Ge» fängnlß feftiusetzen ist. In welchem Preise gebrauchte und selbst«och ueue Wirthschaftsgegeustäude stehen, ersteht man jetzt so recht deutlich bei dem Umzüge, wo vielfach wegen deS BeziehenS kleinerer Wohnungen der HauShalt beschränkt werden soll. Für Gegenstände, deren Anschaffungspreis vor ganz kurzer Zeit bei« spielSwrise mit 60 oder 90 M. bezahlt worden ist, werden kaum 20 bezw. 30 vt. geboten. Stark gebrauchte Gegenstände haben gar keinen Werth und eS ist rathsamer, wenn eS Möbel find, sie als Brennmaterial zu verwertben. Manche Familie, die stch tn Roth und Elend defindet und da glaubt, stch durch den Verkauf einiger schwer erworbener WirthschaftSgegenstände Existenzmittel zu verschaffen, sieht fich aufs Bitterste enttäuscht. Die Roth treibt sie, die Sachen für wenige Mark zu verkaufen, welche sie unter Abdardungen und großen Entbehrungen mit schwerem Gelde angeschafft hat. Recht seltsam nimmt stch dazu die beutige Geschmacksrichtung aus, immer kostbarere Möbel zu schaffen, wo oft schon ein einziges Stück die ganze Wirthschaft einer Familie aus dem sog. kleinen Stand« ausmacht. Kür die arme« Berliner Mänteluäherinne« beginnt jetzt eine trostlose Zeft; die Saison für die Winterarbeit ist zu Ende, da die gelieferten Arbeiten sämmtlich als Vorräthe bei den Grossisten lagern und nunmehr von diesen an die Händler versendet werden. Erst in einigen Monaten, so gegen Weihnachten h-rum, beginnt die Mäntelnähei innenarbeit für die Sommersaison. Bis dahin find die armen Näherinnen trotz der zunehmenden Ungunst deS Wetter? allen Nothständen ausgesetzt, welche die ArdeitSlofizkeit in Berlin im Befolge hat. Dabei ist eS noch vorgekommen, daß solche Näherinnen, von einem gewiffenlosen Arbeitgeber um den sau'r verdienten Lohn der letzten vierzehn Tage geprellt wurden. Ein in der Waffer- thorstraße wohnender Schnei vermeister, der ein« Anzahl von Ääntelnäherinnm beschäftigte, entließ dieselben sämmtlich vor etwa acht Tagen und bestellte ste für den nächsten Tag zur Empfangnahme d«S verdienten Lohne? zu fich, nachdem er Ab- rechnung mit dem Grosststen gehalten haben werde. Den dann zu ihm kommenden Näherinnen erklärte er ganz naiv, daß er den Lohn zu bezahlen nicht in der Lage sei und als diese fich nach einiger Zeit nochmals tinfanden, war der edle Menschen« freund gerückt; er sva-te also die Miethe und steckt« den Ar« beitSverdienst seiner Näherinnen für vierzehn Tage ein; so wird er fich wohl über die still« Geschäftszeit hinweghelfen.— ES schreibt unS das ein Berichterstatter, und in diesen wenigen geilen ist ein ganzeS Kapitel sozialen Elendi«nthal- ten. Die Arbeiterinnen find derattigen Arbeitgebern gegenüber wirklich in einer trostlosen Lage. Sie find einem solchen Betrüger vollständig schutzlos preisgegeben, denn wober sollen die Mittel kommen, um die Hilfe der Gerichte in Anspruch zu nehmen, wer nimmt fich der so schwer Geschädigten an? einem zu Muthe, als risse man uns da« Herz au« der Brust." „Meinst Du? Weißt Du den», wie da» ist?" „Leider. Ich bin zum Sterbe« verliebt in ei« Mid- che« i« San Tu öl." .Ast sie schö»?' „Heilige Zuagfrau I ob meine Dolore« schön ist I Wenn ich sie erblicke, zittern mir die Beine, und ich hätte kaum die Krast, ein Kind umzuwerfen." .Und liebt ste Dich?" .Za!" „Warum heirathest Du ste nicht?" „Ja, das ist e« eben. Sie ist die Tochter des alten Ferrazza, weißt Du. der da« alte Sifea an der Zadorra- Brück« verkaust. Der Schuft liebt nichts als das Geld und bat mir gesagt, daß ich seine Tochter au dem Tag« bekäme, an welchem ich ihm zwanzig von de» Gold- stücken aufzählte, welche die Fraszose« Napoleon» nennen." „Er will ste Dir verkaufe»?- „Er sagt, da« solle ihr« Mitgift sei», und er«oll« da« Geld für mich w sei« Geschäft stecken." Der Mae« richtete fich hoch auf und hielt seinen Blick auf da« kleine Stückchen de«»bendhimmel» geheftet, da« «an durch de» Felsenspalt sah. Er murmelte: „E» wäre ganz gut so. E« gäbe eine« Unglückliche« weniger und zwei Glückliche mehr." Dan» sagte er laut: .Kleiner, Du sollst Deine Dolore» habe«; ich will«ach San-Gaöl hivunter, sobald die Nacht da ist." „Was willst Du dort, bei alle» Heiligen I Deine Beine können Dich nicht so weit tragen." „Meine Beine find kräftig, Kleiner, und ich gehe nicht zu rst'ittt Dolores... Ec seufzt« tief U-d st-gte lerse;! .Ich werde ste vielleicht auch dort oben nicht wteder» Dann rief er hetter:„Wir wolle» eff«»I' Nl» eine Stunde darnach d,« Nacht Alle« in ihre Wir haben mehrfach Lohnstatistiken gerade au« dieser Branche vetöffenllicht, und«S wird Jedermann zugeben müssen, daß diese„ortsüblichen" Löhne überhaupt nicht zur Bestreitung der allergewöhnlichsten körperlichen Bedürfniffe ausreichen. Von einem Nothgroschen, den man im schlimmsten Fall« zur Durch- führuna seine« guten Recht« verwenden könnte» kann hier also keine Rede sein. Und wer andererseits nur einigermaßen unsere GerichtSvethältniff« kennt, der weiß, was et heißt, ohne Geld eine Klage zu führen. Von dem Gewerbegericht wollen wir hier garnicht sprechen— denn diese Institution spricht, wie all« Ardeiter, dt« jemals mit derselben tn Berührung ge- kommen find, au« eigener Etsahrung wissen werden, für fich selbst genug. In de« Kreise« der Beamte« der Große« Berliver Pferdeeise«bah»-Gesellschast wird e« lebhaft beklagt, daß et dem Fahrpersonal steifte verboten ist, stch irgend einem Ver- eine anzuschließen. So wird et z. B. von den ca. 3500 Kondultemen, Kutschern, Stallleuten-c., die im Dienste der Ge- sellschast stehen, überaus tief empfunden, daß für ste keinerlei AuSstcht ist, fich irgend einer Pension«- oder AlterversorgunaS- lasse anzuschließen. Die Gesellschaft aber glaubt durch die Er- lichtung einer Krankenkasse genügend für ihr zahlreiche« Per- sonal gesorgt zu haben und bat bisher noch nicht die Frage aufgeworfen: waS mit den in ihren Diensten erarauten, dienst unfähig gewordenen Kutschern ic. geschehen soll? DaS Verbot; fich keinem Verein anschließen zu dürfen, scheint au« der Be- fürchtung entsprungm zusein, daß, wenn die Kutscher zu einem Vereine organifirt find, st« dann leicht diese Organisation für «ine eventuelle Ardeilseinstellung benutzen dürften. Die beide« karz hintereinander folgende« Eise«- bahnunfälle auf dem Potsdamer und dem Görlitzer Bahn- Hofe, welche ein und denselben Ursachen entsprungen find, haben nicht ohne Grund da« große Publikum auf da» Höchste beunruhigt. Pasfiren derartige Ereignisse schon in bezw. vor den Bahnhöfen selbst, wo ein große« Beamtenpersonal ein wachsame» Auge haben müßte, so wird die Sicherheit natur- gemäß eine noch geringere, je weniger da« Bahnpersonal den Eisenbahnlö'per kontroliren kann. Die Urthelle, welche die Eisrnbahndeamten jetzt vielfach über die Einrichtungen der resp. Lahnen hören müssen, find für die Verwaltungen wenig schmeichelhaft. Nach Allem hat ei dm Anschein, als od die gedachten Bahnhöfe zu klein find, um die zu einem geficherten Verkehr erforderliche Zahl von Geleism aufnehmen zu können. W« einmal auf einem der genanntm Bahnhöfe eine kürzere Zeft verweilt und da« Rangiren der verschiedenen Züge deob- achtet, wird zu der Ueberzeugung kommen, daß et ein Wunder ist, wenn fich Unfälle hier nicht häufiger ereignen. Eine Er- weUerung der Lahnhöse oder eine Entlastung derselben müßte daher die erste Aufgab« sein. Zum Unglück aaf dem PotSdermev Bahnhof. Der am Feeftag schwer verletzte Ulan Johann Rohde au« Uschneider ist. wie die„Noidd. All». Ztg." erfährt, Dienstag MUtag im Elisadeth-Kcanlenbaus« seinen Verletzungen erlegen. Auf dem Grundstück der Patzenhofer'sche« Bier- brauerei fand gestern Abend eine GaSexplofion statt, bei welcher ein Mälzer schwer verletzt wurde. Die Explosion scheint durch«in fehlerhaftes GaSrohr entstanden zu fein. Vor der gefährliche« Berührung mit Hunden ist schon wiederholt in der Press« dringend gewarnt wordm. Ein Fall, der un« berichtet wird, bestätigt die früheren Erfahrungm. Der Milchmann Bauer au« Nieder- Schönhausen, welcher täglich seine Produkt« nach Berlin brachte, hatte auf seinem Wagen al« Wächter einen Hund, der seinem Herrn gegenüber große Zärtlichkeit bewie«. Vor nicht langer Zeit erkrankte dieser am Magen, und die Aerzte, welche er befragte, konnten auch mit Hilfe deS Gastroskop» die Art deS Leiden» nicht ergründen. Die Krankheft nahm einen immer gesährltcheren Charatter an und hatte schließlich in der vorigen Woche den Tod zur Folge. Bei der Obvuttion, die nun vorgenommen wurde, fand man unter dem Magen eine Menge von Hundewürmetn, die natürlich durch die Liedtosungen de« Thier«! in den Korper det Mannet hineingekommen find. Markthalle«- Bericht vo» 3. Sandmann, städtische« BerkaufSvermtttler, Berlin, Zenttal-Martthalle, den 29. Sev- temder 1886. Butter. Die Butter, ufuhr war in den verflossen«« Tagen ziemlich umfangreich, meist befand fich darunter feine Stand- waare, während feinste Qualitäten wenig vertreten waren. Die Preise für feinste ftische Butter konnten deshalb«ine weilet« Preissteigerung vereinzelt bi» 125 M. erfahren. Geringe Sorten bleiben wenig gefragt und niedrig im Preise. Frische feinste Tafelbutter x. 118-122, feine Butter L 110-118, n. 98-108, ni. fehlerhafte 82-92. Landbutter L 92 bi« 98, Ii. 75—85 Galizische und ander« geringst« Sorten 55-72 Mark ver 50 Kilo. Preise fest. Käse. Schweizerkäse Westpreußische* 48—62 Mark und fett« Quadratbacksteinkäse sowie Limburger fanden zu mäßigen Preisen Rehmer. In anderen Sorten war wenig Nach- frage. Echter Emmmthaler 73—80 Marl, Westpreußischer Schwei, erläse I. 56 VIS 63 Mark. U. 50 bis 55 Mark. w. 45—48 R„ Quadrat- Backstein I. fett 22-26 M, n. 12-18 M.. Tilfiter Fettlese 45-56-60 M.. Tilflter Magerkäs« 18—23 Mark, Limburger L 80—36 R., ll. 20 Schleier gehüllt und nur der Mond da« stille Thal be- leuchtete, stieg der Man« langsam zur Stadt hmad. Er kam an da« Lager der Franzosev. »Wer da?" schrie die Wache. Der Man» antwortete: „Ich muß de» General in wichtiger Angelegenheit sprechen." Beim nächste« Posten war eine lebhaste vewegnng zu bemerke«, und bald darauf wurde der Mau» von einem Segeaate« und zwei Soldaten vor de» General Ball? geführt. Dieser war au« dem Schlafe geweckt worden«nd hatte im«ste» Schreck geglaubt,«» handelte fich um«inen Alarm, od« Corchuelo habe eine neue Bande formirt und San- GaSk angegriffen. .W« bist Du?" fragte«. .Ich bin ei» Mann." .Was treibst Du?" D« Mau» machte eine unbestimmte Bewegung. „Wohl«ied« irgend«in Vagabund, Banditengezüchte," murmelte d« Gt««al zwischen den Zähne».„Was willst Du eigentlich?" .Zch will Ihne« von Corchuelo«zähle».' „Jawohl, Corchuelo..... Da» tfi schon da« zehnte Mal, daß man mir»«spricht, diese» Km auszuliefern. Und dabei weiß kein Mensch, wo er ist." .Ich weiß es." .Da« sage« ste Alle," schrie d« Ge««a! fluchend. „Laß«ich in Ruhe I Sergeant, führe» Sie de« Man» auf die Wache, da soll« üb« Nacht bleibe»." .Ich weiß, wo Corchuelo ist," wied«holt« d« Spani« mtt Nachdruck.„Wenn Sie mir zwanzig Napoleon« gebe«, dann habe« Sie ihn." „Du sollst sogar fünfzig haben, wen« Du wahr sprichst. Aber überlege e« wohl. Wenn Du mich betrügst, wen« Du mir den Bandtte« nicht autliefnst,»nst Du bestraft; ich lasse Dich in« Gefängniß stecken." .ES sei,"«widerte d« Man«, mft Betachwng lächelnd. bi» 25 M., rheinisch« Holländer Käse 45—58 M.. O. Waare 35 M., echter Holländer 65 M., Edamer I. 60—70 M„ n. 68—68 M., ftanMsch« Neufchatell« 16 M. p« 100 Stück, Camembert 8,00—8,60 M. per Dtzd., Main,« 400 M- Harzer 3,50 p« 100 Stück, Roquefort 1,20—1,50 pr. Pfd. „ Gier im Preise steigend, größere Zufuhren erwünscht. 2,50—2,60 M. per Schock. Honig, reiner deutscher 60, feinster weißer 70—80 M. pr. Ctr. Wild. Rehe, Redhühn« und Hasen hoch im Preis« und sehr begehrt. Rehe 70-90, Hirsch« 25-35. Dammhirsch 35-50, Wild« schwein 25— 35 Pf. pr.Pfd.. Rebhühner, junge 95-120, alte 80 bis 90 Pf„ Fasanen 3-4 M., Wachteln 50-60 Pf., wild« Enten 0.80 dl» 1,20, Hasen 3,00-375 Mark per Stück. Geflügel. Größere Zufuhren setter Gänse per Pfund 60 bi» 70 Pf. erwünscht. Gänse 2.50-3 00-6.00 M., junge Enten 1-1.50-2.00 Mark, junge Hühn« 0,60-0,80 M.» alle 1,00-1,70 M.. Tauben 30-45 Pf„ Poularden 4�0 bi« 8,00 M per Stück. Blumen und Blätter. Bei der kühlen Witterung find die Eingänge gering. Lorbettblätter 3—4 M. pro Kord. Rosen 5—6 M. pro 100 Stück. Obst und Gemüse. Weintrauben 25—30, Pflaumen 3-6, Birnen 5-10 Maik. feine Sotten 12-25 Mark,»epfel 5—10 Mark, feine Tafelsotten 12—25 Mark, Zwiebeln 2,00—3,00 M. pr. Ctr., Schalotten 6—7 M., Neue saure Gurken 1,50—2 M. per Schock. Melonen 15 bi« 20 Pfennig pr. Pfund, Anana» 2,50—3,00 Mark pr. Pfd. Karotten 2,50 bi« 5 Mark per 100 Kilo, Wirsing. kohl 2—3 M., Roth« und Weißkohl, große Köpft, 3—4 M. pr. Schock, Blumenkohl 10—16 R. pr. 100 Stück, Meerettig 6—12 M„ Kartoffeln, im Preise steigend, weiße 3,50-4,00 M.. rothe 2,80 bi, 3,00 M.. blaue 3,00-3,60 M. pr. 100 Kilo. Geräucherte Fische. Rheinlach« 2,50—2,90 M., Weser« und Ostseelachs 1,20-1,40 M.. geräuchert« Aal« 70-1,00 Mi 1,30 Pf. pr. Pfd., großtt Delikateßaal 1,50 per Pfd., Flundern» kleine 2,75-3,50, mittel 4.50-3, große 12-20 M.. Bücklinge, 3,50 bi« 5,00 M. Dorsch 3-10 M. per 100 Stück. Sprotten 0,40—0,60 per Pfund. Krebse. Klein«, 10 cm. 1,00-1,50 M„ mittel 2-4 R„ große 8—12 M. per Schock. Hummern 1,30—1,60 M. per Pfund. Lebende Fische. Aal, mittelgroß 80—95, große 1,10 M, Hecht 60-70 Pf.. Schlei« 80-90 Pf. per Pfund. Setfische. Lach» 1,00—1,20—1,30 Matt, Zand«, große, 80—100 Pf., Hecht 40—50—65 Pf„ Steinbutte 70-80 Pf. See- iunge, große 0,70— 1 M., mittel 50— 60 Pf, Scholle 10—25#« Schellfisch, große 20 Pf, Kabliau 10 bi« 20 Pf. per Pfund, Makrelen 40—60 Pf. pro Stück. Polizei- Bericht. Am 27. d. Mi«., Abend«, kurz vor 3 Uhr, fuhr auf dem Görlitzer Bahnhof ein Vorortzug mit zwei auf einem Nedenqeleise stehenden leeren Güterwagen zu« jammen, wodmch die letzteren völlig ztttrümmett wurden. Be- schäsigunzen von Personen find nicht vorgekommen.— Am 28. d. Ml#., Nachmittag«, wurde ein Schornsteinfegerlthrlin« beim Uedttschreiten de« Fahrdamme» an dtt Kreuzung der Leipzig«- und Mauerstraße von einem im Trabe au» der Leipzigerstraße eindieeenden Kohlenwagen überfahren und am Knöchelgelenk de« rechten Fuße« leicht oerletzt.— Um dieselbe Zeft wurde aus dem Göriitzer Uftt 38-40 befindlichen Zimmer« platz die Leiche eine« etwa 35—40 Jahre alten Manne» auf' gefunden und nach dem Schauhause gebrachi.— Al«(jegett eine« Fahrstuhls Holz nach der 2 Treppen hoch belegen� Abend auf dem Haft des Grundstück» AndreaSstr. 11 mtlteli Tischlerei aufgezogen wurde. fiel ein Slück desselben herab unv traf ein zufällig oorüdeegehendeS Mädchen so, daß da»' selbe ein« ziemlich tiefe Verletzung an der Srirn erlitt.— U« 6% Uhr AbendS fand in dem Mäljtteigedäud« der Aktie» brauerei- Gesellschaft FriedtichShöhr, vormal« PatzenhofS- Landsberger Allee 24—27, eine GaScxploston statt, wobei vü auf dtt Tenne befindliche Obermälzer Hcymann so schwer« Vttlctzungen«litt, daß an sein« Wiedttherstellung gezweifelt wird. Ueber die Ursache der Exo'oston konnte bisher nicht' Nähere« festgestellt»«den. Dt« Feuerwehr löscht« den em" standen«», im Uebrigen unbedeutenden Brand in kurz« 3'* Gerichts Zeitung. t Wegen Uebersqrettung de» väterliche« tigungtzrecht« hatte fich gestern der Hofsekretär Wernicke vm der 92. Adtheilung de» hrefizen Schöffengerichts zu vercmr< warten. D« Herr Hofsekretär hat einen neunjährigen Sodo- der nach seiner Angabe sehr ungerathen sein muß. Unarten de« Kinde«, so schlimm ste auch gewesen sein wögem verdienten jedensoll« solche Straf« nicht, wie ste der LmZ verhängte. Er schlug den Jungen in fürchtnlichtt Weift einem Rohrftock, ja er nahm sogar ein Bruchband und prüg«", mit ihm auf da» Kind los, io daß die scharfen Häkchen d?« Fleisch»missen. In sein» Wuth wußte stch der»gebilde«. Mann so wenig zu bezähmen, daß er da« Kind so heft'flJvi, dem Kopfe aus die Tischkante aui stieß, daß da» Blut***% und Ohren drang. Eine solche Behandlung mußte daSLcm .Sprich also, wo ist«?" a D« Spanier streckte die Hand au«. Er wollt« da« Gold habe« und an eine» sichere» Bttsteck MI****' man solle ihn vo««in paar Soldaten beglefte« Mft' Darnach würde er Corchuelo ausliefer». D« General fch� fluchte, tobte, drohte, weigerte fich, ging ab« schließlich' i auf de« Handel ei», bezwungen durch den Stanfi»» geheimnißvollea Angeb««, der seiner Sache sehr stOyA sei» schien. Er gab ihm die vnsprochen« Summe und' J ih» durch einen Trupp Eoldate» beglefte»,«st 6tpp Ungeduld seine Rückkehr«wartend. „Berd..... Schurken, diese Spani«," d« General, während« wüihend seine Pfeife rau? „Für tausend Frank« I Schließlich ist« doch ein bra» Knl, dies« Corchuelo. V«d..... Schufte I" Nach Verlauf einer Stund« kehrte die kleuft" zu« Tennal zurück. D« Spanier ging auf ihn .Nu», hast Du Dein Geld in Sich«h«it fragte Vallp in spottendem Tone:„Du hast wobl m daß man'« Dir fo.taimmt, klein« Zuda«? Und Corchuelo?".,«« Der Man« zuckie die Achseln, spuckte au«. W" L«, er mechanisch die Hände in die Tasche», schaute verU»'', Blicke« auf irgend eine» Punkt und sagte, al« ob« Bewußtseia avtwottete, gan, einfach' „Zch bi» es." ghl" Ganz verdutzt machte d« General unwillkürlich» Dann rief« plötzlich lachend:„... .Du hast mich wohl zum Beste», dummer Km'##: D« Mann, der fich Corchuelo nannte, u°t«bra?. „Sre habe« ja mein Signalement. Sehe«® Hier auf meinem Arm« die Spur der Wunde«o„„pi Uch und hier auf der Brust mein Name, L«ui« Lchnued au» Eau-Gaök. Uebrigen« könne» Ste la 1,1 fragen." hit bU* Und« zeigte seine»ottige Brust, auf d«° Iii- gesprenkelte, mit glühend« Nadel gefischt«« 3«#� Corchuelo. bei Kinde» fleiäbrdm und es war ein Wunder, daß diese darbarischm Mißhandlungen keine weiterm üblen folgen für die Gesunsheit de» Knaben hatten. Diesem Umstände hatte «» der Vater allein zujuschreiben, daß da» Schöffengericht, welch»» im Uebrigen annahm, daß der Knabe Anlaß zu den Züchtigungen gegeben habe» von einer Gesängnißstrafe absah, ihn dafür aber zu einer hohe« Geldstrafe, zu 200 Mark oer» Ultheilte. t Der zerbrochene Sudpentops. Für seinen Namen kann der Mensch nicht, vi« nannte stch Klara Zornig und war doch da» sanfteste Geschöpf unter der Eonne. Sie hatte eine gute Freundin, die verheirathet war, und besuchte ste zu« «eilen. Verheira'hete Freundinnen werden aber leicht eifer« süchtig und so hätte Fräulein Zornig Keffer gethan, wenn ste ihre Visiten unter tasten, oder doch wenigsten» stch die Lieben»« Würdigkeiten de» Manne» ihrer Freundin verbeten hätte. Herr Sch. war sehr liebent würdig, er bezahlte für Fräulein Z. da» Pferbetahndillet, wenn fie stch zufällig trafen, er warf stch al» männlicher Beschützer auf und begleitete fie de» Abend» ritterlich nach Haufe, er führte ste in Restaurationen und hielt ste frei, kurz er erwie» ihr Galanterien, wie er ste seiner Frau nur in der Zeit ihre» Brautstande» erwiesen hatte. Solche Miffethaten bleiben nickt verborgen und die Freundschaft der mau SS. hielt die Probe nicht au». Ste griff zu einem Miitel, da» Frl Zornig e» gründlich verleiden mußte, je wieder den Fuß auf die Schwelle der Wohnung der Frau Sch.zusetzen. Sie verbreitete nämlich, Fräulein Zornig besuche ste nur wegen ihre» Manne», der aber eine sehr geringschätzige Meinung von der jungen Dame habe, da er fie nur immer„dos häßliche Karpfenmiul" nenne. Ob nun Herr Sch. wirklich diese unehr« «dietige Bezeichnung auf den Gegenstand seiner Galanterie angewendet hatte, oder ob e» nur eine töse Erfindung der Eifersucht war, jedenfall» wirkte da» Wort und Fräulein Zornig würdigte ihre ftühere Freundin keine» Blicke» mehr und brach jede Beziehung mit ihr ad. Sehr fraglich aber muß t» erscheinen, ob auch Herr Sch. von diesem Fnteeditt betroffen wurde, sonst läßt stch der Haß nicht erklären, der immer noch den Busen seiner Gattin gegen Fräulein Zornig erfüMe. Und w groß war dieser Haß, daß, al» Frau Sch. eine» Tage» mit ihrer früheren Freundin zusammentraf, fie stch nicht enthalten konnte, ihre Verachtung„gegen diese» Geschöpf"«örtlich und thätlich Autdruck zu geben. Da» aber sollte ihr schlecht be« kommen. Fräulein Zornig trug in ihren Händen einen Tops� der bi» zum Rand mit dampfender Giieisuppe gefüllt war. Al» fie stch nun von Frau Sch. angegriffen sah, da ergrimmte fie trotz ihre» friedfertigen GemÜthe» und goß den Inhalt de» Topfe» oer Gegnerin über den Kopf. Nun fuhr ihr Frau Sch. in'» Gestcht und ließ die Spuren ihrer Nägel zurück, da» Fräulein wtt dem kriegerischen Namen aber schlug mit dem geleerten Zsisaß zu, da» in tausend Trümmer zersprang. Gestern stand 'iu- Zo.nig unter der Anklage d>r Kö.pervrrletzuna vor der W. Aotheilung de» hitfizen Schöffengericht». Der Gerichttho, «tatb fie jedoch frei, weil er zu ihren Gunsten annahm, daß st- in der Nothwehr gehandelt habe. _+ Sehr geehrt fühlte stch der Bäckermeister Wilhelm Gosbert Friedrich, der ein Geschäft in der Königgrätzerstraße kTi* al« die Gräfin Strachwitz Backwaaren non ihm zu oeztehen begann. Bei einer Kundin mit so vornehmem Ramm 2%**?on ei natürlich mit der Bezahlung nicht so genau, zr* kttditirt gern und man drückt ein Auge zu, auch wenn ££L,"."k JftBß auf die„Begleichung der Kleinigkeit" �kuch Herr Friedrich wartete, wartete di» seine 'Forderung stch auf zirka 40 Mark delief, und hätte vielleicht noch »'wartet, wenn nicht inzwischen Gerüchte zu ihm ge- fc""0™«f0""' welche die Zahlung, fähigkeit der Dame mit schickte« � s'hr zweifelhaft erschienm ließen. Nun vettrött«».' Rechnung ein, wurde aber von Tag zu Tag Flora Gräfin Elrachwitz litt an der furchtbar eS; Ä Wä» Sfjjjite-SF-ÄSE GZAMMW gi,_ 2 und die Grafin Strachwitz forderte ihn auf, sofort die -Wohnung zu verlaffen. Er ging auch au» dem Zimmer, setzte Nch aber noch einmal im Korridor fest und erklärte, nicht 'P" vom Platze zu gehen, al« di» er sein Geld habe. Auf "ne nochmalige Aufforderung entfernte er stch aber schließlich. -trotzdem sah da» Schöffengericht in dem Verhaften de» Bäcker» Trister»«inen Hauiftiedensbruch und veruttheilte ihn zu i0 M. Geldstrafe. Die fünfte Strafkammer, welche über die Angelegte Berufung zu entscheiden hatte, bestätigte diese» Ur« 'heil nicht, sondern hob e» auf und sprach den Bäckermeister m' weil die Sachlage nicht genügend aufgeklärt sei, um eine �erurtheilung zu rechtfertigen. . Der General lachte nicht mehr, aber er verstand«och '«mer nicht. Endlich fragte er in milderem Tone: „Warum überlieferst Du Dich?" „,.Meine Freu-de find todt, mein Weib ist todt, mein �lerner ist todt, Ihr habt Alle getödtet. Nicht einmal �uine alte Flinte habe ich mehr, die ich so liebte. �>o Hab« ich mich nun gefragt: Wozu noch lebe«? Und van» brauchte ei» kleiner Hirt, der mich aufgenommen »«d gepflegt hafte, zwanzig Goldstück«, um seine Geliebt« «lraihi» zu können, die Dolore« vom alten Ferraguzza. arme Zuanillo! Sie hätten ihn sehe« solle», al« ich eben da« Gold gab. Gr weint« vor Glück und küßte wir die Hände. Er wenigsten» wird glücklich sei», er wird «eben könne», während ich.... Al« ich fort ging, ftagte i* ob ich auch zu meiner Dolore» zurückginge. Und % h-be ihm gesagt: Ja." » Gorchuelo schwieg, steckte die Hände wieder in die Alchen und pfiff. £«m nächsten Morgen wnrde Corchuelo von Leute« eu» fc"*.®««!«kaant. Der General war gerührt von de« 1-.'", und dem heroischen Benehme« diese« Manne». Er * zu fich kommen und sagte: qn"Höre, ich bia gezwungen, Dich tödte» zu lassen. ich zu befehle» hätte, ich schickte Dich wieder in na,* zurück und luße Dich laufe». Du bist schön sel�a Resolution. Aber ich habe zu gehorche». Du bist Soldat und wirst einsehe«, daß Du sterbe» mußt." Corchuelo neigt« da« Haupt und sprach: »Deewegen bi» ich ja gekommen." Dx irgend etwa« für Dich thun s Wünschest dauu� fandst schien eine» Augenblick»achzudenke», ,Si*»i- g'ladene Pistole, lasse» Sie mich ■s""' General fixirte diesen Man», wie Napoleon Cesär, Die verlwer Polizeiverorduung ve« 17. November 1875, nach welcher die von den Haußeigenthümern abge« schloffenen schriftlichen Kehrverträge in dem Hause, für welche» fie gelte«, aufbewahrt werden müssen, so daß ste dort den dar« nach fragenden Polizeibeamten zu jeder Zeit vorgelegt werden können, ist nach einer gestern von der sechsten Strafkammer bieftgen Landgericht» l getroffenen Entscheidung recht, unver« kindlich. In dem dem Syndikus Dr. jur. Hilfe gehörigen Hause WilSnackerfiraße 28 haben seit dem April cr. fast all« wöchentlich Reoifionen nach dem Kehrvertrage bei dem Vize» wirth stattgefunden, und bat derselbe dem Poltzeibeamten diesen Vertrag nicht vorlegen können, weil ihn der Wirth in seiner eigenen Königgrätzerstraße belegenen Wohnung in Verwahrung bat. Da, Poltzeiprästdium hat deshalb gegen dm Syndikus Dr. Hilfe ebenso viele Strafbesehle erlaffm, al» Revifionen statt« gefunden haben. Selbstredend ist in allen Fällen gerichtliche Entscheidung beantragt worden, und hat in dem ersten Falle die 95. Abtheilung de» Schöffengericht» den Angeklagten zu 5 M. event. 1 Tag Haft verurtbeilt. Die Entscheidung über die übrigen Sachen ist bi» nach Erledigung der ersten in der Berufungiinstan» ausgesetzt worden. Kreiigerichtirath a. D. Dr. B. Hilfe führte im gestrigm Termine für seinen Bruder au», daß in der eigentlichen ordnungsmäßig zustandegekommenen Polizetverordnung vom 9. Januar 1866 nur der Abschluß eine» tchriftlichen Kehrvertrag, verlangt sei, welcher zweck» Eir ficht der Polireibehörde vorzulegen ist. In der Verordnung vom 17. 11. 75 habe da» Präfidium ohne Rücksprache mft den städtischen vehördm zu der erftgedachtm einen Zusatz gemacht, zu welchem e» durchaus nicht berechtigt war. Die giltige Ver« ordnung und den Kehroertrag habe sein Bruder im Polizei« bureau vorgelegt. Der Gerichtshof trat dieser Ausführung bei und sprach daher dm Angeklagten frei. Vereine mh Versammlungen« h. Die Berliner Sattler», Riemer« und Täschner» gehilfe« bereiten eine neue Lohnbewegung vor, in welche fie durch eine am Montag Abend in Gratwetl» Bierhallen abge« baftene, auf Veranlassung de, GehUfenauSschuffe» der hiestgen Sattler-, Riewer« und Täschner-Innung einberufene, von dm Gebilfen sehr zahlreich besuchte öffentliche Versammlung ein» getreten find. Herr Giese führte in seinem beifällig aufgmom- menm Referate über die„Stellung de» Jnnung«.Gesellenau»« schusse» zur Lohnfrage" im Wesentlichen Nachstehendes au». In letztoergangener Zeit seien wahrscheinlich in Folge de» Um« stand«», daß mehrfach von der Sattler« k Lohnkommisfion einberufenen Versammlung zur Besprechung der Lage d-r Gehilfm de» Gewerk» die polizeiliche Genehmigung versagt worden, wiederholt au» dm GehUfenkreisen Anfragen beim Innung»- Gehilfer auSschuß eingegangen, wie fich die Innung, meistec gegenüber einer etwaigen Lohnbewegung der Gehilfen zum Zweck der dringlich erforderlichen Erhöhung der Löhne und der Regelung der Arbeit, zeit zu stellen gedächten und ob der GesellenauSschuß nicht geneigt wäre, die Jnftiative zur Ein« leitung einer solchen Bewegung zu ergreifen, beziehung, weise die Bewegung bei der Innung zu vertreten. Die» habe den GesellenauSschuß veranlaßt, fich deshalb an den JnnungSoor« stand zu wenden. Bei diesem habe er, zu setner Genug- thuung, ein geneigtes Ohr gefunden. Der Innung, vorstand und viele Innung, meister fanden die Forderung der Gehilfm gerechtfertigt und seien gewillt, ihrerfeit» darauf einzugehen und ihre allgemeine Durchführung zu fördem. Die getroffme Anordnung, daß jeder die Versammlung Besuchmde fich durch Voi»ftgung de, KrankenkaffenbucheS legitimiren mußte» motioirte der Redner durch dm Hinweis auf die Möglichkeit, daß über kurz oder lang gewisse Fabrikanten nicht die Behauptung auf« stellen konnten, die detreffende Versammlung sei gar leine allgemeine Sattler- ic. Gehiftenversammlung gewesen. In den Gründerjahren, führte der Redner ferner au«, seien natürlich die Löhne hoch und die Arbeft«zett höchsten» eine zehnstündige gewesen, doch hätten stch diese Verhältnisse von Jahr zu Jahr verschlechtert, was die Gehilfenschast bewogen habe, dieselben durch eine von ihr gewählte Lohnkommisfion gmau untersuchen zu lassen, wobei fich u. A. herausgestellt, daß der Lohnstand auf ein unglaublich niedere» Nieveau herabge- funken und die Arbeitszeit um mehrere Stunden täglich ver« längert war. E, komme jetzt vor, daß einzelne Leute bei wöchentlich neunstündiger Arbeit nur drei Mark Wochenlohn nebst Kost und Logi» beim Meister verdientm. Redner ging dann auf die zum Theil recht wohlwollendm Abstchtm der Sattler» ,c. Innung ein, doch sei er natürlich nicht Mit Allem ein- verstanden, so nicht mit der Abstcht der Innung, eine Gehilfen« ReiseunterstützungSkaffe zu«richten und jeden zuziehendenGehllfen de« Gewcrk« zu unterstützen. Dadurch würde nur d« Zuzug nach B«ltn unoerhältnißmäßig vergrößert und der Lohn oer« schlechtert werden;«a, in dieser Hlnficht bezüglich der Reise» Unterstützung nölhtg und zweckmäßig sei, würde am besten von der Gehilfenschaft selbst besorgt. Die zu verttetendm Lohn« forderungen seien: ein Minimalstundenlohn von 80 Pf. bei zehnstündiger täglicher Arbeitszeit, für die Ueberstunde 40 Pf. und thunlichste Abschaffung der Sonntagiarbeit. In demselben Sinne sprachen stch fast alle Redner in der Dilkusston au». Sehr charakteristisch war die von einem Redner gemachte und Leonida« Hannibal angeschaut habe» würde, dann antwortete er: „SS sei." Zm Nu warm die Truppe« au« Ean-Gasl im Lager versammelt und in Schlachtordnung vor einer Anhöhe auf» gestellt, die fich inmittm de» Bivouak« erhob. E» war sech» Uhr Abend» und— die Sonne neigte fich dem Horizont mtgegm. Auf der Anhöhe standen der General und Corchuelo all-w, unbeweglich; ihre Haltung hatte etwa« Uederirdische«, die seltsame» Umstände und der Charakter de« Manne», der stine» Tod erwartete, gab ihnen eine ergreifende Hohett. Nicht einer der anwesmdm Soldatm regte fich, und über diese unbeweglichm Menschen glitzerte der blank« Stahl der Bojonnet«, welch« die untergehende Sonne in blntrothm Schimmer tauchte. Corchuelo blickt««ach dem Berge zu der Stelle, wo Zuanillo in diesem Augenblicke wohl die schöne Dolore» de« alten Ferraguzza an sei» Herz drückte. Gmeral Ball? hielt «ine P'siol« in der Hand, die er selbst geladen hatte, und schien den Augenblick zu erwarte», wo der großherzige Bandst seinm Tod verlange» würde. Plötzlich stürzte Corchuelo auf die Knie nieder, erhob die Auge» zum Himmel und sprach sehr laut:„Vater unser, der Du bist im Himmel..." Ei» Zittern durchlief die Linie der Bajonnete, und der Gmeral mtblößte sein Hauvt. E« wurde immer stiller. Eine große Angst spannte jede Brust. E« war, al« erwartet« man eine Lösung, wie in einem Trauerspiel de« Aeschylo». Wieder aufrecht stehend, hatte Corchuelo au» dm Hän« den de, Gmeral« die Waffe ewpfangm, hatte fich die Mün- dung in de» Mund gesetzt und wartete seinerseit«. Der Gmeral hustete leise, richtete fich stramm auf, suchte seine, Stimme Festigkeit zu gebm und kommandirt« st, kurzem, milstärischem Tone:„Fmer l" � t Die letzten Strahlen der Sonne verschwanden hinter dem Berge. Mtttheilung, daß die hiestgm Fablikantm der Branche s» schlechte Löhne an die Ardeiter zahlten und daher die Waare zu so billigen Preisen lieferten, daß nicht seften die Militär- werkftättm einen Theil ihrer Arbeitm bei den Fabrikanten fertigm ließm, weil die Militärwerlstätten, bei den Löhnen, welche ste bezahlen, nicht im Stande find, jene Arbeiten so billig herzustellen, wie fit ihnen von den Fabrilmtm geliefert würden. Sache der Innung sei e«, durch aktive Betheiligung an der Lohnbewegung diesen Mißstand beseitige« zu helfen. Schließlich nahm die Versammlung einstimmig folgende Reso» lution an:„Die heute tagende Versammlung erklärt fich mft den vom Referenten und den Rednern der Versammlung angeführten Thatsachen in Betreff der mißlichen ArdeitSverhält» nisse innerhalb unsere« Gewerbes vollständig einverstanden und beschließt zm Regelung dieser Mißstände, daß die seiner» zeit gewählte Kommisfion dieselben sämmtlichm Arbeitgebern mittheilt. Die versammelten Sattler- k. Gehilfen Berlins er« klären e» ferner für nothwendig, daß die 10 stündige ArbeftS- zeit, welche in den meisten Werkftellm bereits eingeführt ist, in allen Werlstellen eingeführt werde. Auch beschließen fie zur Aufbesserung der Löhne die Aufstellung und Durchführung eine» Minimalsatze» von 20 Pf. für die Arbeitsstunde, von 40 Pf. für die Ueberstunde. sowie möglichste Abschaffung der SonniagSarbeit." Der Kachverei« de« Kormer und BerufSgenoffm be» schäfttgte fich in seiner Versammlung am 27. d. M. in Niest's Salon mft folgender Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Rechenschast»bericht über die Thätigkeit de» Verein». 8. Wahl eine» Schriftführer». 4. Verschiedene» und Frage« kästen. Zum ersten Punkt der Tagesordnung verlas Herr Körsten einen Bericht über die Kassenverwallung und wurde ihm Decharge«rtheift. Der Genannte machte femer auf einig« Mängel und deren Abhilfe aufmerksam. E, wurde in Folge dessen beschlossen, alle Mitglieder, die über 15 Wochen mit ihren Beiträgen rückständig find und fich bi» Sonntag, dm 3. Oktober,'nicht mit dem Kasstrer verständigt haben, zu streichen. Beim»weften Punkt der Tagesordnung enspann fich eine leb» hafte Debatte, in der fich die Herren Müller, Behrend, Köistm, Änapp«. Schnabel und Rohland dahin aussprachen, daß die Organisation der Former eine noch festere werden müsse wie bisher, nammtlich wurde darauf hingewiesen, daß die Mitglieder, wenn ste einmal Rechte verlangten, auch vorher ihre Pflichten zu erfüllm hätten, wenn der Verein dm Organisationm anderer Gewerkt nicht nachstehen soll.— Hierauf wurde Herr Kamp» hmkel einstimmig al» 1. Schriftführer gewählt.— Unter„Ver» schiedenei" wurde die Handhabung der Maßregelung, scheine der Formermeister Berlins einer scharfen Kritik unterzogm und darauf hinaewiesm. daß diese Scheine Verletzung der Para» graphm 152 und 153 der Gewerdeordnung wären, welche nicht ttn Einklang mit der Koalitionsfreiheit ständen- Zum Schluß wiederholte Herr Körstm die von verschiedenen Zeitungen ge» brachten denunziatorischen Behauptungen, daß die Fachvereini» Jungen„Umsturz betreiben" und suchte nachzuweisen, daß die frinzipim deS Großkapital» dem Staate gefäbrlicher find, al» alle Fachvereine, denn in diesen würde nur Einigkeit, Moral und vaS Recht der Arbeiter gepredigt. Die allgemeine Stuhlarbetter Vereinigung Berlin» hielt am Montag Abend bei Hildebrandt, Wederstr. 17, unter Vorfitz deS Heim Albrecht eine Generalversammlung ab, welche gut besucht war. Nach Entgegennahme de» RevifionSberichtS und eines von dem Rendantm erstatteten Bericht»— welcher demnächst in Druck gegeben werden soll— über Einnahmen und AuSgabm im verflossenen Geschäftsjahre wurden die Vor» standiwahlen vollzogen. S» wurden gewählt die Heirm Albrecht zum 1. Vorfitzendcn, Wagner sen. zum 2. Vorfitzenden, Karp zum 1. Schrifuührer, Schuhmann zum 2 Schriftführer, Wagner jun. zum Rendantm, Bleitenstein zum Kontroleur, Scheffler, Altlebm, Engelhardt und Lücke zu Beisttzern und Lehmann und Arbeitlang zu Revisoren.— Die weiteren Ver» Handlungen waren interner Natur. Die Wohnung des Vor« ffyenven ist Kleine AndreaSftr. 15, Hof I, die de» Schrift« iühcer» Frankfurter Allee 128, Hof, Querhau» IV, die de» Rendantm ebendaselbst llt De« Kachverei« der Rohrleger hielt am Sonntag, den 26. d. M, in Niest's Salon,«ommandantenstr. 71-72, eine Versammlung ab, in welcher beschloffm wurde, am 23. Oktober in dem gmanntm Lokale ein V-rgnügen zu veranstalten. Al» Mitglieder de» Vergnügungikomitee» wurden gewählt die Heum Schuster, Händel. Kupplich, Karpenkiel und TolkSdorf. Hierauf machte der Vorfitzende bekannt, daß in 6 Wochen eine General-Versammlung stattfindet, in welcher die Neuwahl de» Vorstände» erfolgt' dieselbe wird durch Säulenanschlag und ZeftungSinserat bekannt gemacht. Freie Organisation junger Saufleute. In der am 26. September ftattgefundenen außerordentlichm Grneralver- sammlung dehuf» Ergänzung, wähl de» Vorstände» wurden folgende Herren gewählt: Zum erstm Vorfitzenden Henning, zum zweiten Vorfitzenden Deutschland, zum ersten Schrtftsühccr Miecker, zum Kasstrer Kowalski, zu Beisttzern Koch, Krocker, Wiesemer, Rosmthal und Krause. Bli--fe und sonstige Zu» sendungen an den Verein find bi» auf Weiteres an den ersten Vorfitzenden H-rrn Eugen Henning, Frievrichsteuße 20, zu senden. Verein Berliner Mechaniker. Donnerstag, den 30. September, Abend« 8% Uhr, im Restaurant Götze, Alte Jakob» ftraße 128, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag de» Herrn Aichmeister» vauman über die im Verkehr angewendeten Maaße und Gewichte, derm erlaubte Fehlergrenzen sowie Aichung. 2. Beschlußfassung über da» Stiftungsfest. 3. Frage» kästen. Gäste willkommen. Die Mitglieder der Sterbekasse de« Maschinenbau» arbeite« ,« Berlin werden zu einer außerordentlichen Gene« ralversammlung, welche am Sonntag, den 3. Oktober, Vor- mittags 10 Uhr, im Wintergarten de» Zentralhotel»(Eingang Doroiheenstraße) stattfindet, eingeladen. Die Tagesordnung dieser Versammlung ist folgende: 1. Da» Verhalten de» Vor« stand«» der Orttkrankenkaffe gegenüber den Interessen der Mitaiicder der Sterbekaffe. 2. Rechenschaftsbericht der Statu« ten-Kommiffion, event. Annahme de» von der Kommisston au»« gearbeiteten Statut,.— Da» Sterbekaffenbuch legitimirt. Mäoueraesauavereiu„Jugendluft". Donnerstag, Abend» 9V» Uhr, Uebung» stunde bei Bester, Große Ham» burgerstr. 4. verein Ziehlke'scher Tanzschüler„Tirolienne" jeden Donnerstag, Abend, 9% Uhr, im Restaurant Poppe, Linden» straße 106. Schäfer'sche« Gesangverein der Elfer. Jeden Donnerstag, Adendr 9 Uhr, bei Wolf u. Krüger, Skalttzerstr. 126, Musik. «auchklnb„Sernspitze" jeden Donnerstag, Abend» SV* Uhr, im Restamant Hoizmarktstr. 44. jRftgno" jeden Donnerstag, Abend» 9 Uhr, Ranchklnb Forsterstr. 9. Rustkdilettantenverei« Glocke. UebungSstunde Friedrich, bergerstr. 10. Ranchklnb„Dämmerwolke" Donnerstag, Abend» von 6— 11 Uhr, im Restaurant Greiser, Reichenbergerstr. 16. Jeden Donnerstag vermischtes. rnrnrn etofitn Unglück betroffen: ei ist am 16. M. ton dem Jra» wadty überschwimwt worden. Der größere Theil der Stadt, einschließlich de« GeschSflitheiltS und der wichtigsten lom« merziellen Etabliffement«, liegt während der Regenzeit unter dem Niveau de« Fluffei, während der um« wollte Stadttheil und etwa ein Drittheil der außerhalb des lrtzteren liegenden Stadt über dem Bereich der �luthen liegen. Die birmanische Regierung hatte mehrere Jahre nach dem Bau von Mandalcy ei unterlaffen, die niedrigeren Stadt- theile vor den Ueberschwemmungen zu schützen, und in Jolge dtffen wurde der DifirM, welcher bii vor vier Tagen noch den belebtesten Tbeil von Mandalcy bildete, jährlich unter Waffer gesetzt. Früher war dieser Difirilt allerdings nur wenig bebaut und spärlich berölkert; als der VerNhr auf dem Flusse fich aber in Folg« der Anstrengungen und Unter- nehwungcn der Jrawaddy Flottilla Company entwickelte, wuchsen die niedrig gelegenen Stadttheil« an Bevölterrmgund Wohlhabenheit. Vor»wanzig Jahren beschloß der damalige König von Birma, Mandalay durch Uferdauten vor den Fluthen de« Jrawaddy zu schützm. Nachdem die Arbeiten ein« mal begonnen waren, wurden fie auch rasch vollendet mit sehr geringen Kosten, da fie vollständig von den birmanischen Sol« baten auSgesührt wurden. Der gebaute Damm hat eine Länge von etwa 9 englischen Meilen und dehnt fich von Madvy im Norden bis Amarapoora im Südm von Mandalay au«. Bei den Arbeiten wurden Hunderte von Eelephanten verwendet, welche da« Erdreich zu einer genügend festen Masse stampfen mußten, daß fie dem Wasser Widerstand leistete. Der Damm hat in seiner ganzen Länge eine Höhe ron etwa 40 Fuß, ist am Fuß« 105 und oben 60 Fuß breit; er ist jedoch mehr« fach ron Ingenieuren stark krilifirt worden. Immerhin hat der Damm aber, wenn er auch nicht nach wissenschaftlichem Plane gebaut war, seinen Zweck vollständig«neicht. Der wichtigste Theil ron Mandalcy ist dann auf dem durch den Damm geschützten Terrain, dem sogenannten Bund, angelegt worden. Vor der Eroberung von Oberbirma hatte die birmanische Regierung sehr strenge VorfichtSmaßregeln ge« troffen, um den Damm stet» in gutem Zustande zu erhalten, indem jedem der Minister ein Theil desselben überwiesen war, für dessen Sicherheit der Betreffend« mit seinem Kopfe zu haften hatte. Unter birmanischer Herrschast hat der Damm denn auch nur einmal nachgegeben, im Jahre 1677. al« ein Theil de« Bund fortgerissen wurde, jedoch hat die Uederschwemmung damals längst nicht den Um« fang errrelcht, wie beute, und ebenso war auch der Schaden erheblich geringer. Vor einigen Monaten, zur Zeit der großen Feutrsbrünst«, drohten die Anhänger de« Myirtzing- Fürsten offen damit, daß fie den Bund während der Regenzeit durchstechen würden, und da«, was von Mandalay nicht durch Feuer zerstört sei, durch Wasser vernichtet werden würde. Jetzt ist ein Ereigniß eingetreten, da« diese Prophe« ,»Hungen beinahe erfüllt. Die Drohungen waren schon fast vergessen, als in den letzten Wochen aus'« Neue weit ver« brestete Gerüchte austraten, daß der Bund durchstochen werden sollte. In Folge dessen wmd« der Damm zur Nachtzeit von kleinen Detachement« Soldaten und bstmanischen Arbeitern bewacht. Einzelne Theile de« Damme« befanden fich in g-fähr. lichem Zustande, allein trotzdem geschab nicht», und ebenso blieben die Vorstellungen der in dem Distrtlt zunächst dem Bund ansäsfizen Birmanen unbeachtet. Al« die KrifiS heran- nahte, war in Mandalcy kein Beamter, der gentigt gewesen wäre, die Verantwortlichkeit für die Kosten zur Sicherung-de« Damme« zu übelnehmen. Am 16. August erreichten die Besorgnisse in Mandalay ihren Höhepunkt; man wußte, daß der Damm fich stellenweise in sehr gefährlichem Zustand« befand. Da« Waffer warf am Fuße de« Damme« Blalcn auf, ein Beweis, daß das Fundament unterspült wurde: indcß verging der Tag ohne Unfall, und ßc k; erst um 7 Uhr wich plötzlich ein Theil de« Bund im Norden der Stadt. Der BruD war anfänalieb nur 30 Meter breit, verbreitete fick aber später bii aus 300 Meter. Da« erste Ein- strömen de« Wasser« war fürchterlich: zahlreiche Menschen wut» den mit fortgerissen und ertranken. Glücklicherweise ist der dem Bruche zunächst liegende Distrikt nur spärlich berölkert. Die Fluthen breiteten fich rasch au«; nach einer Stunde erreichten sie den drei Meilen entfernten Bazar, der 26 Fuß höher liegt al« die niedrigen Theile der Stadt. Sosort nach dem Bruche verließen die Bewohner die niedrigen Distrikt« und flohen nach dem höheren Terrain in der Nähe der umwallten Stadt, wäh- rend andere auf dem Damm Schutz suchten; ein« große Menge Leute konnte ihre Häufe.' nicht mehr verlassen und mußte auf dm Dächern Zuflucht suchen. Rm 9'/, Uhr war ein GebUt von 5 Meilen Länge und 2 Meilen Breite über- schwemmt, an«inigen Stellen 4, ,an anderen Stellen 25 hoch. Die Rächt verging in größter Aufregung. Straßen waren mit den jammernden Einwohnern füllt, die von dem Wasser au« ihren Behausungen trieben worden waren. Volle 50000 Einwohner waren den Augenblick oddachlo«. Erst nach 2 Stunden erreickte die Nachricht von dem Durchbruch den Palast, wo man offenbar glaubte, derselde sei abfichtlich herbeigeführt, und deshalb in der Befürchtung vor Unruhen Truppen zur Besetzung de« Stadthause« und anderer Punkte der Stadt abschickte. Erst am nächsten Morgen konnte man den ganzen Umfang de« Un- glück« überblicken; fast die ganz« Stadt, die den jüngsten Feuersbrünfien entgangen war, stand unter Waffer. Vergrößert wird die Roth der Bewohner noch dadurch, daß fast sämmtliche Gebäude im Innern der umwallten Stadt von der Regierung erworben und niedergerissen worden find, um Raum für Kasernement« zu machen.'Feiner ist ein großer Theil der niedergebrannten Gebäude noch nicht wieder auf- gebaut, während die Häuser in den oberen Stadttheilen bereit« über die Maßen gefüllt waren. Große Mengen suchten in den Pagoden Zuflucht, die jetzt überfüllt find. Die Ver- luste an Etgenlhum, und namentlich an Lebenlmitteln, find «norm, und man fürchtet deihald, daß große Roth eintreten werde. Unglücklicherweise deuten, die Ausfichten darauf bin, daß die Ernte eine sehr geringe werden wird. Eine der dösen Folgen der Uederschwemmung wird der Ausbruch von Krankheiten sein. Die ärmeren Leute leben jetzt zum größten Theile von Reis nnd Getreide, da« au« den überschwemmten Speichern geborgen und beschädizt ist, und in Folge der ungesunden Nahrung find bereit« mehrere Cho- lerafälle vorgekommen. Wenn da« Waffer fällt und die Massen von vervesenden Gegenständen, die jetzt noch von jenem dedeckt find, drr Sonnenhitze ausgesetzt sein werden, wird der Ausbruch einer schweren Epidemie unvermeidlich sein. Ueber die Zahl der Umgekommenen liegen noch keine genauen Daten vor. Einige beziffern fie auf 1200; von Seiten der Behörden wird behauptet, e« sei Niemand ertrunken, doch spricht hiergegen die groß« Zahl von Leichnr, die man aafge- fischt hat. Unter allen Umständen ist daher d:r Verlust an Menschenleben ein sehr bedeutender; feftiustellen ist derselbe erst. wenn da« Waffer fich wieder verlaufen hat. Um demselben einen rascheren Abzug zu bereiten, haben die Ingenieure den Damm südlich von der Stadt durchstochen, ohne bis jetzt da- durch einen Erfolg erzielt zu haben; im G'gentheil, das Wasser ist noch etwa« gestiegm. Fäll» e» um 9 Fuß, dann wird ein Theil de« überschwemmten Gebiete« wieder frei; die niedrigsten Stadttheile werden aber schwerlich vor Oktober wieder trocken. Im nächsten Monat wird der Wiff erstand de« Flusse« vorausfichtltch ein sehr hoher sein, und die Ausfichten find daher sehr trübe, da e« nach der Anficht der Techniker unmöglich ist, den Damm vor dem Monat Oktober wieder zu »epartren. Kleine MMHeiUmge«. B armer», 28. September. Beim hiesigen Schöffengericht war der Direktor der Pferdedahngesellschaft, Herr Major a. D. Mend«, angeklagt, daß er den von den Schienenreinigungs- wagen au« den Pferdebahnschienen ausgeworfenen Schmutz nicht habe rechtzeitig entfernen lassen. Der Herr Major machte geltend, daß da« königliche Schöffengericht nicht kompetent sei, über ihn zu mtheilen, da er ai: O fizier dem Militärgericht zu unterstellen sei. Der Gerichtshof verkündete indessen seine Kompetenz. Die Sache wurde alSdann au« einem formellen Grunde vertagt.— Seltsam, in der That l Wenn der Herr Major e« nicht unter seiner Würde dält, durch Uebernohme ein.« bürgerlichen Geschäft« al« Pferdebahndirektor seine Einnahmen zu erhöhen, so sollte er auch gegen seine Ab- urtheilung durch bürgerliche Richter keine Einwendung machen. Lemberg, 27 September. Die amtlichen Bericht« bestätigen, daß m KaluSz die ganze innere Stadt und ein Theil der Vorstädte durch den Brand zerstört worden find. Stellen- weise kommt da« Feuer unter den Trümmerhausen noch zum Vorschein. Die Hilfsaktion ist höchst ungenügend. Die Abge- brannten leiden größlenthetli Hunger und Kälte. In Folge der Zahlunt« Anstellungen erleidet die galizische GeschäftSirelt großen Schaden. Die Zabl der von der Feuersdrunst de- troffemn Personen wird offiziell auf 2700 beziffert. Pest, 28. September. In den l-tzten 24 Stunden find 35 Cbolcra-Eelrankungen und 11 Todesfälle vorgekommen Tri est, 28 September. Von gestern bis heute Mittag« find in der Stadt T'iest mit den Vororten 2 Erkrankung«- und 3 Todesfälle an Cholera vorgekommen. Im Territorium wurde kein Erkrankung« und kein Todesfall konstotirt. Wellington(Neuseeland), 27. September. Der Vulkan auf der weißen Jniel in der Plentybai, in der Näbe der Nord- inselküste, ist in Thätigkeit und schleudert eine ICO Fuß hohe Rauch- und Flnmmensäule in die Lust. setzte fUchrichte*. Bulgarische«. Au« Berichten über de« General Kauldari' Auftreten in Sofia folgern die Wiener Jour- nale, daß seine Misfion immer mehr den Charakter ein« Diktatur annehme. Wenn die Regentschaft die Forderungen des Gmeial Raulbat« erfülle, würde fie damit ihre Abdankung vollziehen. E« sei aber leider ebenso ficher, daß fie werde nachgeben müssen.— Au« Rom wird gimeldet, man spreche dort von pofitiven Vorschlägen zu einer praktischen Verstän- digung zwischen Oesterreich, Italien und England. Londoner Berichte verftchern, die britischen Regierunztkreise seien jetzt mit der Haltung Oesterreich« in der bulgarischen Angelegenhell einverstanden. Madrid, 28. September. Heute wurde hier ein junge» Mensch verhastet in dem Augenblicke, al« er eine Dynamit« patrone in ein Fenster de« Palai« de« Genna!« Pavla legte. Verbote« auf Grund de« Sozialiftengesetze» wurde ein in Meißen unter dem Namen„Schutzveretn für Meißen und Umgegend" bestehender Verein. Kriefkasten der Redaktion. St. B 10. Die S'tzungen der Stadt serordn tm Verlamw' lungm finden regelmäßig Donnerstag», Nachmittag« 5 Uhr, im Rathhause statt. Zur Tribüne haben Sie ohne vorherig« Lösung einer Karte Zulrin._, Nr. 60 H. Kl. Wenden Sie ftch an die Redal ion des „Berliner Ädrezbuch", 0. Grünstr. 4. N.®. Mitzerftr. Leid-r find wir nicht in der Lag«- Ihnen hier Jemanden vorschlagen zu können. - Theater. Donnerstag, den 30. September. lv»«mhau«. Aimide. SHausrielhau«. Minna von Bamhelm oder: Da» voldaienglück. Deutsche» Theater. Zopf und Schwert. Theater. Konzert von Henry Marteau. Us-edrsch-WUhelmstidtische« Theater. Der Nachtwandler. »aüuer-Theater. Ein Blitzmädel. sS.-Se Alliauee- Theater. Boccaccio. V�ud-Theater. Der deutsche Michel. Siktorw- Theater. Amor. Tan,-Poem nun j&toi Mcnzott'.. W-Hslla-Theater. Don Cesar. «estdeut-Thcattr. Die Danischeff«. Sz«t?al-Theater. Alte Jakobstr. SO. Direkt.. Adolph Emst. Der Wald- Teufel. Gesang«- pvss« in 4 Akten von W. Mann fräst. Kouplet« von G. Görß. Mufi. von G.Steffens. Mit neuen Dekorationen und Kostümen. (XovUSt!) ßk,»Lordia- Theater. SpezialUStm- Vor- Rtllung. «sukmauu'«»artet». Sprzialstäten. Vor- RÄlung. «meniea«- Theater. SpezialUSten. Vor- steümig. «rich»halle«- Theater, vp-zialltäten. Vor- stellung.____ ISden-Thwator* (Früher Theater.) Dretdenerstraß« 72/73. Douuerstag, den SO. September: Grosse Gala- Vorstellung. The Johnson Family, 4 Damen und 1 Herr, preisgekrönte Schwimm- und Taucher- künstler com Hlvpodrom zu Pari», 7»chw-strr« Mach««», großartige Gym- naMerinnm, Gebr. Kauola, die vorzüglichsten Recktmner M* der Jetztzeit. Gruesta. (ohne jkonturrenz), der ausgezeichnete Jongleur Mr.'»er et) Aarvey, berühmter Fußbalanzeur, M». Schillq, medizmiiche« Räthscl. judwig uno Paula Telcheim, Wiener G-- f onfliOuctti�lCTi 1 »ugou Zocher. Gesang»humorist, Frl. Teich. mann, Sängerin. Kassenöffnung 6% Uhr. Anfang 7'/, Uhr. Passage 1 Tr. S M.- 10 A. Kalaer-Panoraoia. In dieser Woche: Sine Reise durch Egftpteu. Da« malerische Jtalteu und Pompeji. Hertha- Reise. Caroiinm-Jnseln. -« Pfe Untre« ifennig. Kinde, nur 10 Pfennig. Zum deoorstrhendtn Quartaltumzug empfehle mein Wöbel-, Spiegel- und Yolstellliaaren-MWM in größler Autwahl, von d«n einfachsten di« zu den elegantesten Einrichtungen. Gediegene Arbeit Cteorg* Haalie9 Solide Preise. 66 J erusalemer atr asae 65. 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Oklooer: Eröffouvg von H. praascher's anatomischem MUSEUM. Kommaudauteustraße 70 u. 71 Täglich von Morgen« 9 bis Abend» 10 M für erwachsene Herren. I' Dienstags nnd Freitag« � ausschließlich und nur allein für 0«**? Die B-letdigung gegen den Maurer prächtet nehme ich hiermit zurück und erll�l denselben für einen Ehrenmann.<0. M0", Soeben ist«rfchienm: HellkWeitKaleildtl � für 1887. Au« dem reichen Inhalt heben hervor: Reichshaubhalit-Etai»e« Deel' sche» Reich».— Zerbrochen» Seite». � »ählung von Rod. Schweichtl.— Ii«» Frame«»»» Hair» rasche».—- Pr»let»ri»rki»b. itzrzShlung v. E.L a» ß'' — Der Kampf, wische» Feme«»• t»«'" im ber Welt. Bon P. Os«. Kihl»� Wie mmm«im»«Silin»erbiemt.— tembe vlttt«,(humoristisch). Kl« Gratia-KrUagsm« L Lrneirn. S. K. virnrnch«.«. Di« «a«Snbkmtember. Pr»t» 60 Pf. «tmttgmrt. z. H. G. Zu beziehen durch die«fsditt»»' merstrmße 44,_____ U#. 83 de«— gL/« „Wahren Jakobs erschienen und in der Expedition, � sttoße 44, zu haben. Verantwortlich für den politischen Theil und Soziale»«ax Sch'PVel�sür�Vrrein«� ��e�°mm�gen�K.�u�ue��r�dm� übrigen TheU der Zeitung«. CrouhetM. sämmtlich w