r. SSS. Freitag, den 1. Oktober 1886. 111 Jahrg. MiiurHolUloll Drgiin für die Inteeeffen der Arbeiter. 4 Abonnements- Einlaäung. Zum bevorfieherden Quaitaltwechsel erlauben wir unS »um Abonnement auf da» „KerHner Uolksvlatt" nebst der wöchentlich erscheinenden Gratisbeilage „Illnstrirtes Foaatagsblatt" einzuladen. Der Etandpunv unsere» Blatte» ist bekannt. CS steht auf dem Loden de» unbeugsamm Recht». Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten de» öffmt» lichen Leben» ist seine einzige Aufgab«. Al» treuer Berather und Streiter für die Aushebung und Ausgleichung der Klaffen. gegenfätz« ist da»„Oerline» N-lstsblatt" ein entschiedener Gegner jeder Politik, die ihre Endziele in der Bevorzugung einzelner heute' schon begünstigter GesellschaflSklaffm findet, und derjenigen Politiker, denen nur die Wahrung ihrer persönlichen Interessen als Leitstern ihrer Handlungsweise gilt. Da»„K«»li«»r P»Ur»dlatt" sucht sein« fich gestellt« Nufgade durch sachliche Behandlung der großen sozialpolttischen al» auch der TageSftogen zu erfüllen. Die gleichen Grundsätze leiten un» bei der Lesprechung unserer städtischen Angelegen» heiten. Thu« Jedermann, der sich' mit unseren Zielen in Ueber» einstimmung befindet, an seinem Platze seine Schuldigkeit. Der Eine durch Zuwendung seiner Mttarbeiterschast, der Andere dadurch, daß er dem„fttlitttr ifpUublatt" in immer weiteren Kreisen Eingang verschafft. Da»„Kerttaer Kolkablatt" darf nicht nur allein der Freund de» Volke» bleiben, sondern da» Volk muß auch der Freund de»„Berliner Volttdlatt" sein. Die Aeußerung und Brlhätigung dieser wechselsestigen Freundschaft ist in Wahrheft die Erreichung und Verwirklichung de» un» vorgesteckten Siele». Der Abonnementkprei« beträgt für da» ganze Vierteljahr 4 Mark, monatlich 1,85 Mark, wöchentlich 85 Pf. vestellungen werden von sämmtlichm Zeitung» spedfteuren, sowie von der Expedition unsere» Blatte», Ziannrrstraff» 14, entgegen zenommen. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstaften Be» stellungen an..._ Du üeMtion tmd Erpelktioa de»„Krrliuer Nolkoblatt". IeuMeton. Ei« KriUantrichalstiand. Nachdruck verboten. [13 «riminalnovelle von Ferdinand Herrmann. E» war«ich» leicht, die rasevd« Megäre in da» Gefängniß zu tra«, portire«, und die Abficht de» U-tersuchungSrichter», bei der Verhaftung alle» unröthige Aufsehen zu vermeiden, «wie» fich al««vautführbar. Da» Schreie« und Tobe» im Rüdiger'sche» Haus« hatte» draußen auf der Straße eine beträchtliche Mensch«»«««� angelockt,«ab wie im Lauffeuer verbreftet« fich in der ganzen Stadt die seusationelle afte» Fräulein» verhaftet habe. All der Abscheu und Haß, welchea man bi» dahin i« allen Kreisen der Bevölkerung gegen de« junge« Kaufmann empfunden hatte, verwandelte sich««« urplötzlich in da» Degentheil, und die öffentliche Meinung.«,«[#« btkanntlich außerordentlich wandelbar ist, richtete fich nui, mit einem Mal gegen die Behörde«, die angeblich bei der Verfolgung der falsche» Spar und bei der Festnahm« de« zuerst Verdächtigte« nicht mit der«forderliche» Sorgfalt«vd Umsicht zu Werk« gegangt» seien. Mit sicher Haftel Spaavuag sah »na« dem weitere» Verlauf de» aufregende« Drama» ent- fikge«, und d« H«, Etadtoerordnete Hoffericht« wurd« von allen Seite« mit förmliche« Glückwünsche- über dies«««- erwartete Wendung der Dinge überschüttet,— welche» Aeußerung«» der Antheilnahme er allerding» ebenso finster« Miene» und ebeaso barsche Worte«ntgegensitzt«, al» früher de« Ausdrücke» de» Bedauern» über sei« beklagenswerthe» Schicksal, an denen e« seine Freunde und Bekannte» gleichfall»«icht hatten fehle» laffe«.-------- Auch die Polizeibeamte» der Hafenstadt, welche seiner Zeft die Verhaftung de» flüchtige« junge» Haare» vorge- »ommen hatten,»ahme» die überraschende Neuigkeft mit firoßem Interesse und mit«icht geringem Erstaune» auf. Die ZasjilitttMW des Gmodbeslhes. Da» Projekt de» ehemalige« Abgeordnete» Eombart, da» angekaufte Rtttergut Stresow in einzelne Bauernhöfe zertheile« und dieselbe« zu verkaufe«, hat die ganze .rage der Zersplitterung de« Grundbesitze« wieder aus« Tapet gebracht, die auch auf der kürzlich in Frankfurt a. M. stattgehabte» Generalversammlung de» sogenannte«„Verein für Sozialpolitik" erörtert wurde. Wa» dort die Herren vombart und Profeffor Schmoller, welch« warm für die Zertheilung der große» Güter ein- traten, gesprochen habe«, interesfirt un» wenig. E» find die alte« Gründe, welche tausendmal für da» Parzellenspstem schon angegeben worden find. Viel interessanter ist«», daß die„Konseroative Korrespondenz" au» politische«, konservativen Mottven gegen die Zertheilung der Tüter sich wendet. Auf der eine« Seite hört man nämlich, daß, die kleine» Bauern, wie in Frankreich und in Westdeutschland, die Haupträger de» konservativen Gedanken« seien, von der andere« Seite aber wird erwidert, daß wen» der große Grundbesitz in dem östliche« Theile der preußische« Monarchie zerstückelt würde, die liberale Sintfluth dort hereinbreche» werde. So stellt fich Behauptung gegen Behauptung, und beide Behauptungen haben ihre scheinbare Berechtigung. Wir aber glaube», daß e» bei dieser Frage viel weniger auf politische Erwägunge« ankommt, al« auf»irthschaftlich- soziale. Was in wasserreiche«, fruchtbare« und hügelige« Gegen- de« möglich und zweckentsprechend erscheint, da« dürfte in sonstigen, weniger fruchibare« und»eit-ebene» Gegenden äußerst bedenklich sein. Zn Frankreich und amRheia findet man wirklrch große Rittergüter nur in de» größere» Ebene«, wäh- rend da« Hügelland förmlich von der Natur schon parzelltrt von den Bewohner« übernommen worden ist. Hier kann auch«och der Fleiß, die Umficht de» Einzelne» mit primitiver«« Arbeitsinstrumente« dem Bode» zur Roth «och soviel abgewinne«, daß er bei geringem Gruvdbefitz fich noch wohl fühlt, obgleich durch die Großkonkurre-z in den letzten Jahre» schon unzählige selbstfiäadige Besitzer de« „Tüterschlächter»' anheimgefallen find. Aber diese Erscheinung käme in dem Osten Deutsch- land»»och häufiger vor, wen» dort da» Parzellensystem ein- gerichtet würde. Der schlechtere Bode« und dazu»och die völlig un- mittelbare Konkurrenz der mit Maschine« arbeitenden Groß- produktiv» würde« de» kleinere» Parzellenbauer» bald schon de« Garau» mache«. Somit halte» wir in de« große«, weniger ftuchtbare« Auch ihre Thätigkeit war ja durch diese Aufsehen erregende Angelegenheit nach sehr verschiedene» Richtungen hin bean- sprucht worden, und wenigsten» in einem Punkte hatte fie zu einem Erfolge geführt, mit welchem man im Interesse der Gerechtigkeit und der öffentliche« Ordnung sehr wohl zu- friede« sei» konnte. De« umfichtige« Recherche» und dem sehr energische« Vorgehen jene» Kriminalkommissar«, der de« Pfandleiher Zuliu» Wendeland schon seit Langem stark be- argwöhnt hatte, war«» nämlich gelungen, diese» Ehrenmann «nd seine» Helfershelfer, eine« ebenbürttge« Neffen, voll- ständig zu entlarven. Der tüchtige und geschickt« Beamte halte, wenn auch unter viele« Schwierigkette», jene Gast« wirthschaft ausfindig gemacht, in welche damal« Bernhard durch de« rothhaarige» Unbekannte« gelockt worden war, und der Besitzer dieser Schänke war an Herr» Juliu» Wendeland zum Verräther geworden. Stat die erwartete Belohnung zu erhalte«, war der Pfandleiher plötzlich durch eine Haussuchung überrascht worden, die mtt ganz unver- mutheter»nd unnachsichtiger Gründlichkeit begonnen und durchgeführt wurde. Da hatte man zunächst die ganze Maskerade de» gelehrige» Neffe«, feine Perrück,. feine« falsche» Bart, und wa» sonst«och zu der Metamorphose ge- hörte, zu Tage gefördert, endlich aber war zvm«icht geringe» Entfitze« de» Herr« Wendeland in einem V-rsteck, da» er für unauffindbar gehalten hatte,«nd da» wohl auch«»> auffindbar gewesen wäre, wen« man ihm nur ei» wenig Zeft gelassen hätte, fich auf de» unwillkommene» Besuch vorzuberefte»,«icht nur eine Anzahl von Brillante», die «»zweifelhaft von jenem Kollier herrührte», sondern«in heimlische» Waarenlager von Kostbarkeiten gesunde» worden, über deren Erwerb der Pfandleiher fich nicht in genügender Art auszuweisen vermochte und die fich bald al» durchweg aus Diebstähle« herrührend erwiese«. Die unmtttelbare Entdeckung war die Verhaftung der beide» rasfinirte« und gefährliche« Hehler, die e» angeblich mit dem Leugne« ver- suchte» und fich in all' ihre» mit übergroßer Schlauheit er- sonneue» Autflüchte« nur in ei« Netz von Widersprüche» verwickelte«, aus dem e» kein E-trinne» mehr für fie gab. Wen» auch au« der Anklage, welche später gegen fie er- hoben wurde, die Affaire mit dem Brillantenhalsband au»- Gegenden drs Osten« unsere« Vaterlande» de» Groß» betrieb beim Ackerbau für unbedingt»othwendig, da' unsere Konkurrenzfähigkeit Rußland. Nordamerika«» Indien gegenüber immer geringer werde» würde. Mtt dieser unserer Bemerkung ist aber durchaus«icht gesagt, daß wir«unmehr auch mit dem Befitze der groß« Bodenfläche« in einigen wenigen Hände» einverstanden wäre«. Im Gegenthetl I Wir wünsche» die Verstaatlichung, oder besser gesagt die Vergemeinschaftlichung de» Grund und Boden«. Wen« Herr Sombart da« von ihm angekaufte groß« Rittergut nicht an einzelne Personen parzelltrt verkaust habe« würde, welche jede einzelne»icht konkurrenzfähig ist, sonder« wen» er»ine Produktiv- Affoziatto» errichtet und dieser da» Gut zu einer gemeinschaftliche» Bewirth« schaftung überlasse« habe» würde, so wäre die Mög« lichkeit auch de« Gedeihen» der Einzelne« vor- Hände», da die Bewirthschaftung de« Tesammtgut« durch die Assoziation mit den größte« mechanische« HilsSmtttel« erfolgen könnte, während jetzt die einzelnen sich wirthschaftende« Parzellenbauera der Troßkonkurrenz hie Spitze zu biete««icht vermöge». Wir glaube« also, daß die Zerstückelung de« große« Grundbesitze« in Eombart'scher Manier kein wirthschaftlicher Fortschritt ist. Dieser Anficht scheine« auch die praktischen Geschäftsleute, die Geldbarone zu sei», welche de« Handel mit größere« Rittergüter» treibe«, ohne bi« jetzt, wenigsten« im Osten Deutschlands, auf den Gedanke» gekomme» zu fein, dieselbe« zu parzellire».--- Wie mtt der Produftion überhaupt, wird e« auch mtt der landwirthschaftlichen Produktion auf die Dauer nicht besser werde«, bi« der Staat, also die Gemeinsamkett dies« Produktion durch Assoziattone» übernimmt. Dan» kann «icht allein der Bode« durch die mechanische« Hilfskräfte vollständig ausgenutzt, sonder» er kann auch immer in der »öthige» Leistungsfähigkeit erhalten werde». Sollte aber zu dieser Erkenntniß erst die Zersplttterung de« Großgrundbesitzes im Eombart'fche» Sinne»othwendig sei«, sollte man erst durch die wirthschaftlich« Misere de« Parzellensystem« hindurchgehe« müsse», ehe man zu de« staatlich orgaaistrte« Afloziationtbetrieb greift, so mag ja die Zersplitterung ihre Entschuldigung haben; aber dieselbe zu empfehle« au« Gründe» einer rattonellea Landwnthschast, oder au« Gründe«, de» einzelne« Kleinbesitzern ein beffere« Fortkommen zu ermöglichen, ist vollständig verfehlt, weil Beide« nicht zutrifft. Polttische Gründe aber könne« bei solche» Maßnahme» gar»icht in« Gewicht falle«, da der kleine Parzellen- bauer genau so konservativ ist wie der adlige Grund- besitzer. geschieden werden mußte, da fie dasselbe von dem recht- mäßige« Besitzer gekauft hatte«, so hatte die Hvussuchung doch«och anderweitige« Material in genügender Fülle er- gebe«, um die Verurtheilnng der beide» verschlagene« In- divtdue», deren ganze« verbrecherische« Treiben jetzt an'« Licht kam, zu einer mehrjährige» Freiheitsstrafe zu de- wttke». Bon all' diese« Vorgänge» hatte ElseHofferichter«icht da« Mindeste erfahren. Tagelang hatte fie ja völlig bewußtlo« auf ihrem LeidenSbette gelegen, und die Aerzte hatte« kau« eine schwache Hoffnung gehabt, da» entfliehend« Lebe» in dem zarte» Körper zurück,»halten. Aber fie hatte« ihre ganze Kunst aufgewendet, um diesmal dem Tode die Beute zu entreiße», die ihm fast schon sicher zu sei» schien, und «ach hartem Kampfe»ar e« ihnen wirklich gelungen, da« drohende Gespenst des Sensenmann»«och einmal ttr die Flucht zu schlage». Aber e« wäre vollkomme« gleichbedeutend mit eine« Tode«urtheil gewesen, dem junge« Mädchen schon jetzt, w»h- rend«och immer eine Wiederkehr»icht unbedenklicher Krise« gefürchtet werde« mußte, ein« Enthüllung oder auch nur «ine Andeutung über jene fürchterliche« Dinge zu wachen, von denen fie«och immer keine Ahnung hatte. Darum widersetzte« fich die behandelnde« Aerzte auf da« Entschie- denste der Abficht de» ehemalige« Schlächtermeister», sein« Tochter zu sehe« und sie duldeten«icht, daß am Kranken- bette«in Verhör angestellt wurde, wie e« von de, Unter» suchungSbehörde zu M. wiederholt beantraat worden war. Wie dankeaswetth diest Vorficht und Sorgfalt gewesen war erwie« fich jetzt, wo Bernhard'« Unschuld an dem ihm zur Last gelegten schweren Verbreche» so plötzlich erwiesen wurde, auf da« Glänzende, den» die Aerzte durften fich ohne Ueberhebung da» Verdienst»uschreibea, ihr dadurch, daß fie ihr die Kenvtniß von dem Entsetzliche» erspart hatte«, da« Leben gerettet zu habe». A» stallend erschien e« nur, daß Else auch jetzt, wo fie ihr Bewußt sew wieder erlangt hatte, und wo sie Kraft genug besaß, fich in kurze», abgebrochene» Worte« und mit leiser Stimme mit ihrer Um- gebung zu unterhalte«, an Niemanden eine Frage«ach dem ■ Politische U-berstcht. Zur»tctq»tag«»rsaywaht im erste« verltue« Wahl« kreise schreibt man der„BreSl. Maztg." von deulsch« fretstnniaer Veit«:„Von Kandidaten, welche ernsthast Pnannt werden, find bisher vier zu verzeichnen: Win dt- o r st- B t e l e f e l d. der Nefie der kleinen Exzellenz, gegen den aui rein praktischen Erwägungen heraus allerdings geltend gemacht werden könnte, daß er ein starker Kulturkämpler war und deshalb wohl die wenigen hundert ultramontanen Stimmen deS Wahlkreises nicht bekommen wird. AIS zweiter steht auf der Liste der ehemalige Abgeordnete Günther» verschon einmal Berlin vertreten hat(den 5. Wahlkreis) und der durch seine jüngste Nrcht-Beftätigung all Direvor in WteSdaden wieder in den Vordergrund getreten ist. Er ist in Berlin unter den Freifinnigen sehr bekannt und sehr beliebt.— Prediger N e h l« r von der franzöfischen Gemeinde ist der dritte Kandidat und zuletzt wird auch noch Saucken- Tarputschen in ernstlichen Vorschlag gebracht, deffen ver« gar gen« parlamentarische Thätigkest ja bekannt genug ist. All« vier Kandidaten find in Bezug auf ihre Annehmbarkeit durch die Freifinnigen gleichwerthig. Lei der Ausstellung wird de»« halb sehr genau abgewogen werden, auf welchen von ihnen fich vorautfichtltch die meisten Stimmen vereinigen lasten. Natürlich wird taS Zentral Komitee nur Vorschläge machen. die Entscheidung bleibt den Wählern." Von dem Ganzen dürste nur der nicht gerade ttes finnige Schlußsatz keinem Zweifel begegnen.— Die Konservativen find fich über ihren Kandidaten noch immer nicht einig. Adolf Wagner ist zu shr Antisemit, um den Großkapitalisten unserer aristokratischen Viertel annehmbar sein zu tönnen, außerdem ist er wegen seiner politischen NrioetSt in konser» vativen Kreisen mehr gefürchtet als angesehen: Herr von Levetzow paßt dem nationalllderalen Fiügel der Konser- vativm nicht, und da auch daS Kanzlerblatt fich gegen«inen mehr rechtsstehenden Mann ausspricht, so werden die Herren Hammerfiein und Stöcker kaum ihren Willen haben. Di« Arbeiterpartei kann dieser ganzen Entwicklung natürlich mit größter Ruhe zusehan. Zu dem konservative« Bestechuugsversuche bei der Ersatzwahl t» Lauenburg, wodurch der sozialistische Kandidat Molkenduhr gegm Vergütung bewogen werden sollte, die sozialistischen Stimmen auf den konservativen Kandidaten zu vereinigen, erhält die„Kieler Ztg."«ine Erklärung, in wel« cher fich der AmtigerichtSrath Francke in Ratze« bürg ali Verfasser jeneS Briefes dekennt. Herr Francke hatte jenen Brief mit„H. Bcye, Schuhmachermeister" unterzeichnet. Die Erklärung lautet:„Ratzedurg, den 28. September 1886. Nachdem ich aui einer heute mir unter Kreuzband zugegangenen Nummer der„Kieler Zeitung" nebst beigelegter Fatfimilirung eineS an den Zigarrenarbeiter Mol- kenbuhr gerichteten Briefe? erfahren, welchen Staub dieser Brief in Folge fälschlicher(?) Austastung und Auslegung aufge« wirbelt, und welche Anstrengungen gemacht worden, den Schreiber deffelden zu eruiren, nehme ich, waS ich bei direkter Anfrage von interesfirter Seite ebenso wenig wie auf den jetzigen durchfichtigen Appell hin gethan haben würde, keinen Augenblick Anstand, zu erklären, daß der fragliche Brief von mir herrührt.— Dabei gestatte ich mir abir zwei Bemerkungen hinzuzufügen. Einmal ist der Brief von mir ohne Rücksprache mit irgend einem Mltgliede WS Verein»»orfiandeS oder auch nur deS konservativen Verein«, dem ich übrigen« seit Wochen nicht mehr angehöre, und selbst ohne Vorwiffen eine« derselben adgelaffen worden. Sodann ist«S mir nicht im Entferntesten in den Sinn ge- kommen, den Herrn Mollenduhr oder durch ihn desten Panel- gen offen„kaufen" zu wollen. Einige Tage nach der Wahl wurde mir von glaubhafter Seite mitgdheUt, daß von sozial« demokratischer Seit« bestimmt erklärt sei, bei der zu erwartenden Stichwahl keinenfallS für den Kandidaten der freifinnigen Partei stimmen zu wollen. Ungünstigsten Falls war also Wahl« enthaltung der Sczialdcmokraten zu erwarten, die« aber auch nicht ohne Grund, da nicht anzunehmen stand, daß von sozial- demokratischer Seite noch irgend welche Kosten für die Stich« wähl würden aufgewandt werden, solche aber mit Reisen des Herrn Mollenduhr zur Instruktion seiner P-rteiaenoffen in Mölln und Lauenburg, durch Inserate oder Flugolätter und dergl. nothwendig verbunden waren. Di« Vergütung dieser Kosten und, eventuell wenn solches verlangt worden wäre, eine« näher zu vereinbarenden T heilet der fruchtlos aufgewandten WahlagitationSkoften der sozialdemokratischen Partei sollte durch den fraglichen Brief dem Herrn Mollenduhr von mir in Auficht gestellt werden. An eine persönlich« Renumeration, Belohnung für Herrn Molkenduhr, die ich nicht Vergütung, gleichbedeutend mit der bekannten Phrase„AuSlagm vergüten", mit Erstattung genannt haben würde, habe ich, wie ich hiermst erkläre, nicht gedacht. Hierfür bin ich in der Lage, nöthigenfalli vollstän- digen Beweis zu erbringen. Schließlich erkläre ich noch, daß ich der Bezichtigung der freifinnigen Partei, wie fie in den «Jtzeh. Nachr." und anderen mir, der ich nur den„Hamb. Korr." lese, ebensowenig zu Grficht gekommenen Blättern fich Stande ihrer Angelegepheit richtete. Weibliche« Scham« aefühl verschloß ihr de« Mund, obwohl fie sich w Sehn« sucht verzehrte, etwa« vo» Bernhard zu erfahre», und ob« wohl sie de« Umstand, daß ihr Niemand etwa» vo» ihm meldete, nur für ei» üble« Zeiche»«ehme« konnte. Da erschien eine« Tages i» dem Krankenhaus« et« ftemder Be- sucher, dem der dirigirevde Arzt»ach einer kurze» Unter« Haltung de« Zutritt zu der Leidende»»icht verweigerte, weil er die Überzeugung gewonnen hatte, daß eine Unter« Haltung mit ihm ihre« Zustand gewrß eher günstig beein- flusse» als verschlmnnern würde. E» war Doktor Hartwig, der zum Zwecke diese« Be« suche« die Reise vo» M. hierher gemacht hatte, und der sicherlich«icht gekomme« war, um der Krarke»«ine uvan« genehme Botschaft zu hinterbringe». Zwar schrak sie zuerst bei seinem Anblick merllick zusammen, und e» war offenbar eiue Fülle schmerzlichster Erinnerunge», die durch seine Er« scheivung in ihrem Geiste geweckt wurde«, aber schon die erste« sanfte» und freundliche» Worte au« dem Munde de« Arzte« beruhigte» fie i» merkwürdiger Weiss. Vo« dem ganze« West» diests Manne« gmg eiue so»ohl« thuende Herzlichkeit, eine so Vertraue» erw«cke«de Wärme au», daß e« unmöglich war, ihm ander« al« mit aufrichtiger Zuneigung entgegen zu komme«, und daß Else ihn gewiß längst als ihre« aufrichtige» Freund betrachtet habe« würde, wen» er«icht vo» ihre« Vater immer al« der Bewerber um ihr« Hand hingestellt worden wäre. Sie begriff kaum, zu welchem Zweck« er fie jetzt noch aufgesucht haben könnte; aber fie wurde vo» ihm selbst bald genug darüber aufgeklärt und fis glaubte kaum, ihre» Ohre» traue« zu dürfe«, als fie de» Inhalt seiner Botschaft vernahm. „Ich komme im Austrage Ihre« Vater« zu Ihne», mein liebe« Fläulein," sagte er,„und«i»n Ei« e« über sich ge« Winnen könne», so bitte ich Sie, für eine kurze Zeit zu glaube», daß Ihr Bat«, selbst«« wäre, welcher hier zu Ihnen spricht. Vergeffe» Sie gütigst Alle«, wo« stüher zwischen uv« gelegen hat, und seien Sie versichert, daß ich selbst dem damalige« Beginne« Ihre« Vater« durchau« fern gestanden habe und daß ich ferne Ahnung hatte vo» dem I gefunden haben soll, völlig fern stehe, und daß mir der Gedanke an solide Austastung und Verwerthung de« Briefe«, defien Schicksal und Irrfahrten mir erst jetzt bekannt aewor« den, überhaupt nicht gekommen ist. Der verehrlichen Revak- tton gebe ich den Abdruck dieser Zeilen zur Klarstellung der Sache und zur Beseitigung unbegründeten Verdach« te« ergebenst anbeim. Frarcke." Um den Werth der Ab- leuanung de« Herrn Amtsrichter«, der selbst falsch« Unter- schrrften nicht scheut, gebührend zu kennzeichnen, wiederholen wir an dieser Stelle seinen ersten Brief. Derselde lautete: Ratzedurg, den 28 August. Herrn Molkendubr, Kellinghusm. Ich erlaube mir ohne Umschweife die ergebene Anfrage, welche Vergütung Sie verlangen, wenn e« Ihnen gelingt, die in Mölln, Lauenburg und Lehmrade adgegebenm sozialistischen Stimmen auf den konservativen• Kandidaten zu vereinigen. Ganz ergebenst H. Boye, Schuhmachermeister. Bitte um um- sehend« Antwort.— Dieser Brief läßt doch offenbar nur ein« Austastung iv, und boffentlich wird auch über da« Vorgehen de» Hmn Amtsrichter» nur eine Austastung zur Geltung kommen. Viereck'«„Deutsche« Wochenblatt", deffen Nummer 58 neulich konflSzirt wurde, ist envgittig verboten worden. Inder Begründung soll al» belastend hervorgehodeu sein: da« Blatt werde von noiorischen Sozialisten geleitet und„verfolge die Ardettnbewequng aufmerksam". Aui dem letzten Grunde kann man offenbar jedem„Ail>eiter"blatte den Garau« machen. Prtvatpott und RrichStzost. Zu den Städten mit pri« Daten Brtefdefölderung« Fnstnuten hat fich jetzt auch Altona gesellt. Derartige Institute bestehen nunmehr in Berlin, Magdeburg. Danzig, Köln, Heidelberg, Mannheim, Frank'uct a. M. und Altona. In anderen Orten werden Vorbereitungen S»r Durchführung entiprechender Einrichtungen getroffen. Man at fich darauf gefaßt zu machen, daß der nächstjährig« Posi-tat mit einem sehr bettächt liehen Mindergewinn abschließt. Lörseusteuer. In unserer gestrigen Nummer wurde auf de» geringen finanziellen Erfolg der durch da« sogenannte Börsensteuergesetz vom 29. Mai v. I. eingeführten Abgabe von Kauf- und AnschaffunaSgeschäften hingewiesen und dabei de- merkt, daß nach den Einnahme-Ergebniffen seit dem Inkraft- treten de, Gesetze»(1. Oktober 1885) bi« Ende«uqust d. I. nur auf einen �ahasertrag von 7,6 Millionen Mark zu rechnen sei. In Wirtttchkett ist der finanzielle Effett dieser neuen Besteuerung de« mobilen Kapital« aber noch w e s« n t« ltch geringer. Denn von dem berechneten Ettraae find noch die Einnahmen, welche durch die Besteumff'g der Schluß- noten und Rechnungen schon früher(auf Grund de« Gesetze« vom 1. Juli 1881) aufgekommen find, mit rund 2,5 Millionen jährlich in Abzug zu dringen. Et reoustrt fich alidann der au« der neuen Börsensteuer zu erwartende Mehrertrag auf jährlich 5 2 Millionen Mark. Und um dieser Lumperei willen hat daS mobil« Kapital ein solche« Geschrei erhoben l Bei indirekten Steuern verliert«S um die zehnfache Summe auch nicht ein Wort, freilich zahlt«S dieselbe auch nicht auS seinem Beutel. Unter 428 Laudrälhen waren 1886 nach dem neuen Terminkalender sür V bevor er dem Pattntamt zur Prü-ung eingereicht wu 5t. Bekanntlich ließen mit den d.!h-r an künstuwen GlIrO:* für da» Knie« und Ellenbogengelenk angewandten M-ch-nikm rt nur zwei Stellungen ermöglichen, nämlich eine vollständig ,,«« streckte und eine im rechten Winkel gebogene. Der von H n Pascfeen erfunden- Apparat bezweckt nun, die Beweglich??!, v» dttreffendm künstlichen Gliedes in jedem beliebigen W nttl zu fixiren, wa» namentlich bei künstlichen Beinen mit D"-« schrniel von großer Bedeutung ist, da fich hierdurch bei voll« ständiger Sicherheit im Austreten und Geben die natürliche «niedewegung deS gesunden«eineS täuschend nachahmen läßt. E, wird die! durch eine sehr einfach. Poerichtung errttchf. MMWssM- «in PriSma; diese» wiederum wirkt auf da« Knie« resp-E�n« MMMM JinfJai! L L'f'1®at krinerZeit beim Hnauisprtt.tN Eisendahnzuge unter dte Räder gekommen und halt« b«. 5«!«' Unglücksfall beide Beine bi» an da««nie ein:-« bu°'- Die Heilung war, als Ihr Ko-respondent den P»' unglückten besuchte, so weit foctgeschrtttm, daß H rt obwohl an dem einen Beine de» beiläufig' ist kräftigen Manne» dtt Wund« noch nicht völlig geschloffen nxrr, dtt Anlegung der künstlichen Glieder vornehmen kon te. D« Verunglückte bewegte fich mit denseld-n verhättnismaßig »lcht fort, obwohl er stch bei seinen Spaziergängen noch e'i'.'» Blocke» al» Stütze bedienen mußte, da er in Folg« de» lange» Krankenlager» noch nicht dtt voll« Beweglichkeit seiner Glied? «aßen zurückerlangt hatte Er ttat indeffen mit dem Fuß schon recht ficher auf und vollzog auch Kmedeugungm mir e» staunlicher Eiastizttät; der Apparat sunklionirte so voitrefiucfe- daß man gar nicht glaubte, einen Invaliden vor stch zu ha'v«; S«rt jener Zeit ha» der Apparat fich auch in fünf ähnlis-N Fällen mit gleichem Erfolge bewohn und ist in weile'»" Kreisen mehr und mehr bekannt geworden,»erztltthe Au II handellprinzipien CelaUnl tti« gegen alle Eingang»- aölle auigtsp.'ochen. Die Sinwhrung von Bich, und Tewide�öllm erUSrm fie geradezu für„ein soziale» Un> ��Äuf dem augenblicklich in Lüttich tazendm Katholiken- Kongreß betheiliaen sich die deutschen Katholiken so- wohl an den KommisfionSarbeiten, al» auch als Redner in den Plenarfitzungen. Der„Hamb. Korr." schreibt darüber: In den Adihiilungen sprach Freiher von Lc« für die katholischen landwirlhlchaftlichen Veranstaltungen auf dem flachen Lande, die Deputirten Bachem und Lingen» traten für schärfere von». tagsruhe in Belgien. Bischof Korum für eine ernsthafte Militärseelsorge ein! In der Plenarfitzung sprach Freche, r von Lcs namens aller deutschen Katholiken den Dank für den Kon- greß ans; die Deutschen wollten gern mit den Belgiern vereint die soziale Frage unter der Leitung der Kirche dearbnten. sprechen noch mehr als ihre Re?en." Der Deputwe Wmterer führte au,, daß gegen den Sozialismus und da» Fr.inaurer- thum nur Ein» hilft— Kirche und Klerus. Nachdem sodann ein klerikaler belgischer Redakteur als weitere» Hauptmittel die Ausdehnung der katholischen populären Preffe bezeichnet hatte, stimmte Bischof K-nim dem zu und sprach gewandt über die deutschen katholischen Werke und Rrbkitergesetze(!) Erst gegen 11 Uhr Nacht» schieß die Sitzung der frömmelnden Sozialpolitiker. H„ U a»>. Auch für da» sozialdemokratische„Recht für Alle" ist der Straßenverkauf wieder freigegeben. Domela Rieuwen- hui» hat vom Prooinzialgerichtthof von Südholland an den hohen Rath Berufung eingelegt; in der letzten Nummer seine» Blattes erklärt er, daß die„Rechtspest" in den Riederlanden ausgebrochen sei. Der gesammle Packelpostdienst in ganz Niederländisch- Indien ist thatsächlich in englischen Händen, wird mit enzlischrm Kapital betrieben und auch ausschließlich von eng« lischen Bediensteten geleitet. Der mit der bttherigem Gesell- schaft geschlossene Vertrag läuft aber im Jahr« 1692 ab. Fraukreßcho Im Saale Horel fand eine Versammlung von Vertretern von%0 Pariser Ardeiterfachvereinen statt und be- schloß, eine Agitation zu Gunsten der von der neulichen int er- nationalen Aibeilerko-ferenz aufgestellten Forderungen in» Werk zu setzen. Es sollen zu diesem Zweck Versammlungen abgehalten und Flugschristen verdrettet, sowie die fraglichen Forderungen der Kammer überreicht werden. letzteres aber direkt und nicht durch Vermittlung der fünf Arbeiteradgeord- neten Bas.'t). Came'.inat jc, über welche in der Versammlung sämmtliche Redner hestia loszogen. Der Minister de» Innern hat an den SeineprNetten ein Schreiben gerichtkt. in welchem er erklärt, von den Pariser Gefängnissen entsprächen nur zwei in Bezug auf Te- sundhelt, Sicherheit und Sittlichkeit den Vorschriften de» Gesetze» von 1876: Maza» und die Sank». Darauf bemerkt der Abg. f)«» Guyot in der„Lanteme", auch die beiden ge- nannten Gefängniffe ließen viel zu wünschen. Die Unter« suchung»- wie die Strafgefangenen sprächen mit einander durch die Latriner röhren, welche fie als Fernsprecher benützten. In den 1154 Zellen von Maza, feien 1400 Gefangene, also viele paarweise in einer Z-llr. Jeder Gefangene habe nur haldsovirl Luft, al» ihm nach den Vorschriften zukomme. Die Kellerräume seien in der Santö verpestet; in den Schlafsälen stünden die Letten dicht beisammen. In den übrigcn Gr- fängnifien find die Zustände, wie Sarrien selbst anerkennt« entsetzlich. In La Roquette arbeiten Gefangene, die zu leichten Haststrafen vermtheilt find, zusammen mit den schwersten Ver- drechcrn. Ste. P-lagie ist ein Herd psyfischer und sittlicher Ansteckung. Alle diese Gefängniffe stöo„Rückfallfabriken". In der That ergiebt die Statistik, daß die Zahl derjenigen, welche zum ersten Mal vermtheilt werden, abnimmt, während die VerhSltnißz'.ffer der Rück-älliam stetig wächst, woraus ge- schloffen werden muß, daß die Art der Strafvollstreckung in Frankreich ein da» Verbrechen wesentlich begünstigende» Element bildet.. m ,, Dem Ministerpräsidenten von Frepcinet soll eine Petition, betreffend den Kanal zwischen dem Ozean und dem Mtttelmeere(von Narbonne nach Bordeaux), überreicht werden. G r o h b r i t a«« i e A« Nach 60 Jahren verzeichnet England Heuer zum erstenmal wieder«ine Tadakernt«. Sie ist unbedeutend und bedeckt kaum einen eicker Lande» auf der Farm Plaistow in Kent, dem Eigenthum der Samenhändler Carter, hat aber al» vorläufiger V isuch da» zufriedenstellend« Srgebniß geliefert, daß von 17 gepflanzttn Tabakarten nur zwei vollständig vergingen, während vier herrlich aufschoffen, so daß der ganz« Ernteertraa sofort von einem Lloerpooler Tabalhändler aufgekauft wurde. Ob sich aber an diesen unter der desondern Aufficht der Steuerdehörde ge« mechaniSmu» auch künstlichen Gliedern von älterer Konstruktion eingefügt werden kann. Elektrisches Bot. Seit es den Elektrotechnikern ge« lungen ist, ANumulatorm zu konstruiren, welche fich wirklich für die Zwecke der Pcox!» brauchbar erwiesen haben, ohne bt> sonder» lostsptelig zu sein, find wiederholt Versuche gemacht worden, den elektrischen Strom auch zur Fortbewegung der Schiffe zu benutzen. Wohl den intereffantesten und bedeutend '«s?such dieser Art haben vor Kurzem einige Engländer angestellt. Em durch Elektrizität getriebenes Bot, der„Volta". hat, wie wir bereit» millhellten, an einem Tage die Fahrt von Doner nach CÄai, und zurück glücklich vollendet. Unter dem Deck des 11.3 Meter langen und 21 Meter breiter, au» Stahl- platten gebauten Fahrzeuge» find 61 Akkumulatoren in unver rückoarer Lage angebracht. Der Strom vieser Batterie wird zwei ebenfalls unter dem Deck befindlichen Recken, aun'schen Elektromotoren zugelestet; dadurch gerathm deren Anker und d e al» Treibappatat für da, Schiff dienend« Schraube, welch« dirett mit der Achse verbunden ist. in Rotation. Paffende Schaitevorrichwngen im elektrischen Stromkreise gestasten, die Geschwindigkeit des Schaffe» le.cht nach Belieben zu ändem, »der die Richtung seiner Bewegung in die entgegengesetzte zu verwandeln. Nach dem„Standard" ist es möziick, die Arbeitsleistung der Motor« von 4 bis zu 12 Pferdekräften zu vatiiren. Dementsprechend schwankt auch die Zahl der Umdrehungen der Echraude »wischen 600 und 1000 in der Minute. Dl« Akkumulatoren ver tieinen Bark« wmden vom Lande au» mittelft einer Dynamo, welch, durch eine Drahtleitung mit ienen verbunden war, ge« Kal�i, während da» Fahrzeug am Quai vor Anker lag. Um «".Uhr.°is die Thor« de» Dock« geöffnet wurden, verließ »Üäw Dock und gelangt«, durch lrästig« Ruderschläge KS*®"', In den äußeren Hafen und von hier in die Bai. „Sp? sn?*? befanden fich an Bord; acht ander« hatten noch &«'Waden. Sobald fich da» Bot dem äußeren WUMSW ÄÄ'ÄA machten Versuch die Wiederaufnahm« der Tabakpflinzung in Ergland knüpfen wird, ist noch völlig unbestimmt. Vor achtzig Jahren, al» der Tabakbau hier mit Gewinn betrieben ward, waren die Arbeit und der Loden dillig und die Tabakpreis« verhältnißmäßtg hoch. Jetzt aber stellt fich da» Verbältniß ge- rade umgelehrt. Zu Ende kam der Tabakbau vor 50 Jahren au» fiskalischen Gründen, da die Regierung zum Schutze der auf die Einfuhr ausländischer Erzeugnisse gesetzt-n hohen Zölle die einheimische Pflanzung mit einer mörderischen Steuer(an- gebltch 1500 L. auf den Morgen) belegte. Mit dem Tabakbau verschwanden natürlich auch die Trockenhäuser und die Geschäfts- kenntntß, so daß augenblicklich kundige Arbeiter von draußen verschrieben werden mußten. In einem Pachthofe in Castleisland wurden am Sonnabend Abend fünf vermummt« Und für eine Mondschein- Expedition bewaffnet« Männer verhaftet- In anderen Gegen- den der Grafschaft K-tty ist ebenfalls eine Meng«„Mond- scheinler" dingfest gemacht worden. Italic«. Die vor Kurzem in Mailand gegründete Antikleri- kale Gesellschaft hat folgendes Prozramm angenommen: 1. Stellung der Kirche unter die Slaatsgesetze, Abschaffung aller Klosterorden: 2. Vrranstaliung regelmäßiger antikl-rikaler Vorträge; S. Veröffentlichung von Schriften über antillerikale Gegenstände, über religiösen Aderglauben rc.; 4. Ueberwachung der unter der Leitung der Klerikalen stehenden Schulen und Erziehungsanstalten; 6. Anftrebung der Erziehung des Land« volle» zur Befreiung vom Druck d«S Kleritalismu»; 6 Verbreitung der Feuerbestattung; 7. Errichtung einer kosten« freien BerufSinftanz in Streitsachen gegen die Klerikalen; 8. Organisation antiklerikaler Vereine in anderen Städten Italiens. Spante«. In Spanien ist die Ruh« allem Anscheine nach noch nicht vollständig wieder hrrgestellt. So zeigte fich in den Bergen der Provinz Gerona in ver Nähe vor Espinobell ein« Bande, mit deren Zerstreuung Truppen in den Prooinzen Gerona und Leriva beauftragt wurden. Die Aufständischen sahen fich dann auch, wie durch offizielle Depeschen bestätigt wird, genöthtgt» auf franzöfijche» Gebiet zu flüchten. Inzwischen erörtert die spanische Press« die Frage, ob das Kadinet Sagasta durch ein energischeren Maßregeln zustimmendes ersetzt werden oder doch wenigsten» Veränderungen erfahren soll. Die Meldung, daß Marschall Martine, Campo» mit der Neubildung eine» aus gemäßigten Mitgliedern der liberalen sowie der wnseroattoen Partei bestehenden Ministeriums detraut«erden würde, ist unrichtig. Als wahrscheinlicher gilt der Eintritt Martine, Campot' in das Kadinet Sagasta, fall» der Einfluß der Rechten wachsen und die liberalen Reformen vertagt werden sollten, um gegenüber den Republikanern auf dem Wege der Represston vorzugehen. Der„Jmpmcial" und eine Anzahl anderer IIb«« raler Blätter fordern die Regierung auf, die Körte» unver« züglich einzuberufen, um über die Abstchten de» Ministerium» Auftlärungen zu erhallen. Der Prozeß gegen die an der Madrider Revolte vetbeiligten nimmt seinen Fortgang. Auf Grund der G ständniffe verschiedrmr Angeklagter darf nunmehr, wie dem„Temps" au» Madrid telegraphisch mitge» theilt wird, angenommen werden, daß die ousttänditckca Sol« daten auf ein« gleichzeitige Bewegung in anderen Truppen- korps rechneten, andererseits aber ein gemeinschaftliche» Vor- gehen de? Militärs mit den Ztoilistcn nicht geplant war, so daß die Aktion vcr letzteren«ine völlig unabhängige war. Die bevorstehenden Verhandlungen vor dem Kriegsgerichte werden jedenfalls auch zeigen, welchen Antheil Zorilla an dem jüngsten Aufstände hatte. valkzmlÄtder. General K a u l b a r« oersandte, nach der„Voff. Zig.", ein lithographische» Zirkular an die russtschen Konsuln in Bul- garten und Ostaimelien, in dem die bulgarische Regierung einer äußerst scharfe--, ab'älligen Kcitik unterzogen wird. Das Zirkular erneuert die Anklage, daß die dulqa;ische Regierung der Bevölkerung Telegramme des Zaren mit Vor« bedacht vorbehalten habe. Es verurtbeilt entschieden die Ver- brennung der Fahne des Regiments Strumtky, bestreitet der bulgarischen Regierung dai Recht, die komprornfttirten Offizier« gerichilich zu veefolgm und verlangt schließlich die Vertagung der Wahlen für die große Sobranj« auf unbestimmte Zeit. Das Zirkular scheint destimmt zu sein, in großen Mafien im Lande verbreitet zu werden; dasselbe hat in Sofia, namentlich in Konsulatkreisen, große Aufregung verursacht.— Dies» Kund- flebung ist«in Schritt vorwärts in der Entwicklung der Dinge. General Kaulbar» versucht e» mit der Volksauf wiege- lung. Wir glauben nicht, daß er auf diesem Wege, wiewohl für die russtiche Partei eine Art Organisation im Lande besteht, groß« Erfolge erzielen wird, weil dt« bulgarische Regie- rung in der Lage ist jede thatsächliche Beschuldigung sogleich zu entkräften. So hat fie auch bezüglich der„Telegramme de» Zaun" bekannt werden lassen, daß es sich nur um ein einziges handelt, dessen Veröffentlichung unterbleiben mußte, weil Kaul- bard' Vorgänger, Netljudo«, sein« Einwilligung dazu ver- fahren. Alle Personen, welche an Bord gewesen waren, rühmten lebball den in allen Beziehungen günstigen Verlauf de» Expert- mentes. Nach diesem von den Herren Stephen» u. Komp. zu Mellwall, den Konstrukteuren diese» Bote», erzielten Erfolge zu urtheilen, dürfen auch Schiffer hoffm, die Elektrizität al» Triebkraft, wenigsten» für gewiss« Fahrzeuge, nächsten» denutzen zu können. Es sei noch bemerkt, daß die Versuche, Elellromo- ivr-n zur Fortbewegung von Schiffen an-uwendev, recht alt find. Schon in den Jahren 1838 und 1839 befuhr Jakodi die Newa in einem Bote, welches durch einen von ihm erfundenen Elektromotor getrieben wurde. In diesen Elettromotor,«elcher freilich mit unseren heutigen wenig«ehnlickkeit bat, wurde da» eine Mal der Strom von einer au» 320 Daniell'schen Elementen zusammengesetzten Batterie geleitet; bei einer zweiten Fahrt ersetzte man diese durch 128 Grooeelemente. Die Metallplatten dee Element« beider Batterien hatten eine Oberfläche von 225 Qu.-Etm. Im ersten Falle erreichte dai 3.4 Mir. lange und 2,25 Mir. breit« Schiff, welches 12 Personen trug, die Geschwinvigkett von 2300 Mir(--- 1,24 Knoten), im zwei« ten Falle 4,70 Mir.(= 2,25 Knoten). Eine Ztrknsszene. Pari», 26. September. In der gestrizen Eröffnungsvorstellung der„Folie» Bergöre»" führte ein englischer Stallmeister mehrere Pferde, die Kunststücke voll- brachten, u A. eines, das durch brennende Reifen springen soll»«. Das Pferd blieb jedoch in einem der letzteren und man hatte Mühe, e» von demselben zu befreien. Das Publikum brach in wüthende Rute der Entrüstung au» und bekundete du'ch Pfeifen seine Mißbilligung dieser Thierquälerei. De, Regisseur mußte anzeigen, daß diese» Kunststück vom Pro- arawm verschwtnden werde. Die Eeneraikonferevz der europäische««radmefftmg wiad am 20, Olloder d. I. hier in Berlin zusammentreten, um über dt« Art und Weise der Ausführung der auf früheren Konferenzen, die im Oftober 1883 in Rom und im Ollober 1884 in Washington abg-halten wurden in«uSficht ge- sre äxiu !" ruft tin Eng- länder, am Martenplatz in München vor einem PackkLger stehenbleibend, der sein Riechorgan zu seltener Größe und ÄÄ sogt der ehrliche Jnbad r de»«aufodjett»,„de kimmt mi selber » Tag» auf sech» Maß I" weigerte.— Verläßliche Sofianer Berichte konstatiren eine drückende G e l d n o t h, welche die rusfischm Pläne fördern dürfte, falls der Regentschaft nicht bald eine Geldbeschaffung gelingt. U-.der die Nachricht, daß Lord Jddeileigh fich bemühe» «inen Anschluß zwischen Serbien, Bulgarien, Griechenland und der Türkei zu Stande zu dringen. sprechen die griechischen Zettungen„Ephemeri»" und„Akro- polt»" die Anficht au», daß die Bemühungen de» englischen Minister» de» Aulwärtigrn zu spät kommen, da der Bruch zwischen den vier Staaten fich so erweitert habe, daß kein diplomatische» Geschick denselben überbrücken könne. Obgleich Griechenland ernstlich beunruhigt sein würde, wenn Rußland fich auf der Balkanbolbinsel festsetzte, könne«» sich nicht mit der Türkei und Bulgarien verbünden, ohne seine gegen« wärtigm und künftigen Interessen ficher zu stellen. Dies« In- tereffen könnten nicht gewahrt werden, wenn Bulaarim auf Kosten anderer Nationalitäten vergrößert und die Rechte Griechenland» auf griechische Provinzen nicht anerkannt und wenigsten» theilweis« befriedigt würden. Schließlich wird au»« geführt, daß Griechenland kein Jntereff« daran habe, fich mit der Türkei und Bulgarien zu verbünden, und daß diejeniaen, welche ein vündniß mit Griechenland wünschten, greifbare Vor« theile offeriren müßten. Amerika. Unter dem Namen„Antt-Saloon-Republikaner" hat fich in den Vereinigten Staaten eine neu« Partei gebildet, deren Zwlck ist, dm Spirituosen. Vertauf vollständig zu verbieten. In den auf Cbikagoer Nationalkonventionen angenommenen Beschlüffen heißt es u. a.:„Im Distrikt Kolombta sowie fämmtltchm Tenttorim sollte die Fabrikation und der Verkauf von Spirituosen unbedingt verboten«erden. Allen„Taloon»", welche ja doch nur die Gefängnisse und Armenhäuser füllen und die Schaffung von Gerichtm nöthtg machen, sollten schwere Steuern auferlegt und fie für alle ihnen direlt oder indirekt zuzuschreibenden Vermögen»- oder Personen« beschädigungen verantwortlich geHallen werden. Alle Staat»« legiSlaturm sollten, dem Bespiele de» Koogreffe» folgend, an» ordnen, daß in dm öffentlichen Schulm die physiologischen Wirkungen von berauschenden Getränken erllärt werden. Die republikanische Partei sollte in der Frage entschieden Stellung nehmen und wir verpflichten un», Alle» aufzubieten, um die Partei zu einer solchen Stellungnahme zu veran« � Afrika. Heber dm seltsamm Vorgang, dm wir gestern au» Kairo gemeldet haben— die Besetzung de» Palai» JSmatlta durch da» bewaffnet« Aufgebot eine» Privatmanne» und die Auf» Hebung dieser gewallsamm Beschlagnahme auf Jnteromtion de» russtschen Konsul»— verbreiten neuere Meldungen au» Ezyvtm etwa» mehr Licht: Im vergangenen Sommer verstarb Hoschiarhanem, die Großmutter de» sozusagm regierenden egyatischen Vizefönig» Tewfik, die Mutter des früheren Khedioen JSmatl Pascha. Hierdurch wurde die Apanage des Verstorbenm. welche jährlich zwanzigtausend türkische Pfund(360000 M.) betrug, frei, und unter den Mitgliedern der königlichen Familie erhob fich«in Streit über die Veriheilung der Hinterlassenschaft. Ein englischer Vorschlag wollte dreizehnlausend Pfund zur Erhöhung der Apanage der nächsten Leibeserden verwenden, den Rest den egypttschen Staatseinnahmen zuführm. Dieser Vorschlag fand Widerspruch, und man bestimmte vorläufig, daß die ganze Summe dem jetzigen Khedio« mit der Maßgabe zur Verfügung gestellt werden sollte, daß er daraus den Betrog von 11 600 Pfund an die minder vermögenden Mitglieder der Familie vertheUt und den Rest zu besonderen Aufwendungen, wie Ausstattungen und dergieichm, spare. Hiergegen hat Ismail Pascha unter Mtttheilung an die Großmächte Einspruch erhoben, und da die egypttschen Gerichte den Einspruch igno- rirten, so ließ er durch seinen Agmten zu Kairo in der mitge« theiltm Form seinen Einspruch in Erinnerung bringen.— Da JSmail Puscha reich genug ist, um auf die in Red« stehend« Summe kein allzu große» Gewicht legen zu müssen, so darf sein Verfahren wohl al» ein Versuch angesehm werden, die zärtlichen Verwandten auf seine Existenz aufmerksam zu machen._ Gerichts-Zeittmg. De» wissentliche« Meineides dringend verdächtig wurde am Donnerstag auf Antrag de» Staatsanwalt» der Glasmacher Georg DauSacker au» Charlottenburg im Sitzung»« faal der Strafkammer de» Landgericht» Ii verhaftet.— In einrr Berufungssache war Dausacker vor den genannten Be« richtShof geladen auf Veranlassung der beiden Angeklagt! n, Heizer Berthold Wendland und Arbetter Bernhard Lathke. Gegen Beide erging im April d. I. vor dem Charlottenburger Schöffengericht«in Urtheil, laut dessen Wendland und Batole zu je 2 Monaten Gefängniß wegen Mißhandlung de» Schuh« macher» Rodert Tuceck, welchen ste gememschaftltch am Abend de» 6. Juli 1885 in der Nähe der berüchtigten Marezzo-Fabrii überfallen und mittelst gefährlicher Werkzeuze gemi�handelt haben. Gegen!das ergangene Urtheil hatten Wendlar.d undBathke Berufung eingelegt mit dem Einwand, daß fie im Stande der Nothwehr den Tureck gemißhandelt und de« antragten im Audienztermin daraufhin Herabsetzung der Strafe bezw. Freisprechung. Im Verlaufe der nochmal« wiederholten Beweisaufnahme bekundet« nun der Entlastungszeuge Daus« acker, daß der Verletzte Tureck bei jenem Vorgang im Jult vor. I». den Wendland mit einem Stock zuerst angeariffen, obwohl diese Aussage im strikten Widerspruche zu der Äussage der andern Zeugen stand und die letzteren sogar ausgesagt, daß Dausacker erst nach beendigter Prügelei infolge des Hilferuf:» der Frau de» Verletzten Hinzusekommen ist. Nun aber erhob fich der Belastungszeuge Tureck und erklärte urter seinem Eide, daß der Zeuge DauZacker kürzlich ihm gegenüber die Aeußerung gethan:«Wa», die Dummen wollm mich al» Zeugen angeben? und dabei habe ich gesehen, daß Sie(Tureck) zuerst geschlagen worden find!" Dieser Zwiespalt bot dem Staatsanwalt Veranlassung, die Festnahme de» DauSacker wegen dringenden Verdacht» de» Meineide» zu deantragen; da Dausacker seine Aussage, trotz- dem er auf die ihm drohende Gefahr hingewiesen, aufrecht erhielt, gab der Gerichtshof dem Antrag« statt und Dausacker ward von dem Gerichtsdrener zur Hastzelle abgeführt. Gleich« zeitig verfügte der Gerichtshof vi« Uebersendung der Gerichts« alten an die Staatsanwaltschaft deS Landgerichts I. Im Uedrtgen aber ward in der Sache selbst die Berufung der Angcilagten verworfen und da» erste Urtheil de» Schöffen« gericht» bestätigt. Chemnitz, 27. September. Im Juli machten eine Anzahl hiestger Arbeiter einen Sonntag»auiflug in'» Gebirge, wobei fie in bekannter fürsorgender Weise von einigen Geheimpolizisten begleitet wurden. Wie nothwendig die Ueberraschuna war, zeigte alsbald«in knallrother Regenschirm, der die Häupter einiger Sozialdemokraten überschattete. Die Beamten waren der Meinung, daß jene» ominöse Parapluie«in sozialdemo« kratische» Abzeichen sein sollte und e» gelang ihnen, die „Rädelsführer" zu notiren. Diese gefährlichen Menschen— ein hiefizer Schloffer R. und der Reichs- und sächstsche Land« tagßadaeordnete Geyer wurden wegen Uebertretung de» sächfi« schen VereinSgesetze» und««gen Tragen» republilanischer Ad» zeichen in«ine Geldstraf« vermtheilt. Darf man im Wiener Prater ei« Mädchen««- armen? Der Schauspieler Heinrich Löwy saß vor wrzrm um halb zehn Uhr Nacht» in Gesellschaft mehrerer Freund« mit setner Geliebten auf einer entlegenen Bank hinter der Ro« tunde im Wiener Prater. Herr Löwy, der da« Mädchen um« armt hielt, hörte plötzlich ein Geräusch au? dem nahm Ge- düsch und bald darauf kroch ein Wachmann auf allm Vieren aui dem Gebüsch hervor, richtet« fich stramm auf, berührte dm Kopf aller auf der»anl fitzendm Personm mit der Hand und sagte:„Ein», zwei, drei, vier, fünf, vte find alle arretirt l" Ais Ursach« gab er an, da» Umarmm eine» Mädchms im Prater vnfioße gegen die öffentlich« Eittlichleit. Die Fünf wurden wirllich arretirt und dieser Tage fand gegen Löwy vor dem LezirlSgericht Leopoldstadt dt« Verhandlung statt, die, wie vorauszusehen war, mit der Freisprechung deS An« getlogten endete. In der Begründung des Urtheils hob der Richter hervor, das Umarmm eines Mädchens sei an und für fich keine unüttliche Handlung, viel weniger verstohe es in stcckflnsterer Nackt gegen die„öffentliche Sittlichkeit."—„Das Benehmen des Wachmannes," sagte der staatsanwaltschaftltche Funktionär am Schluffe der Verhandlung,„kommt mir viel seltsamer und eigmartiger vor, als dal de» Angeklagten I" Soziales««d Arbeiterbewegnage Ueber da» Uufallver sicherungsgesetz und sein« Wir« kunz macht ein Berliner Korrespondent der München«„Mg. Ztg." folgende Bemerkungen: Selbst Handelskammem, welche grundsätzlich aus dem Boden der neuen Unfallvnficherungsgesetze stehen, erheben bereits in ihrm Berichtm üb« das J chr 1885 Klagen dar üb«, daß das kostmlose Ve rfahrm vor den SchiedS- «richten und dem Reichivnficherungiamt Anlaß zu Miß» brauchen gebe und machen, wie das namentlich seitm» ein« sächfischen Handelskammer geschehm ist, dm Vorschlag, da» Gesetz' dahin adjuändnn, daß in FSllm, in denen zweifellos ein Mißbrauch d« Berufungsinstanz vorliege, die Kosten des Verfahrens dem Antragsteller zur Last gelegt werden könnm. So weit die Rechtssprechung des RttchSoerficherungsamteS in Frag« kommt, fcheinm dies« Klagen«mig bttechtigt zu sein. In der letztm öffentlichen Sitzung des Reichsverfichnungs. amtes find im Ganzm acht Antrage auf Aufhebung der Ent- scheidung der Schiedsgerichte Gegenstand der Verhandlung gewesen. Von diesen ist nur ein einzig« zu Ungunsten de» antragstellendm Arbeiters mtschiedm worden, und zwar han« delte es fich dabei um die Klage eines Arbeitns d« Artillerie« Werkstatt in Spandau, welche da» Reichsoerficherungsamt zurückwie», weil es dem Klag« nicht gelungen sei, iS wahr« scheinlich zu machm, daß der Unfall, für welchen« Entichädi« gung verlangt, nach dem Inkrafttreten des Gesetzes stattgefunden h'.t. In dm übrigen steden Fällen hat das Reichsverfichnungs« amt gegen die Entscheidungen in der Vorinstanz zu Gunsten d« Arbeiter entschieden. Klag« warm in fünf Fällen Arbeit«, welche gegen übereinstimmmd« Entscheidungen d« BemfSgenoffm« schasten und der Schiedsgerichte zu ihrm Ungunsten Rekms an das Reichsversicherungsamt eingel-gt hatten, und denen in Folge d« Entscheidung des Reich! verficherungsamti die beanspruchten Ent« bez. Renten zugesprochen wurden. Nur jn zwei Fällen ging die'«nru'ung der Rekuciinstan, von dm Berufs' genoffemchaften au?, welche Entscheidungen der Schiedsgerichte zu Guisten von Arbeitern beanstanden wollten. Von dm Arbeitern, welche das Reich»verfich«ungsamt als Rekurs. instanz in Anspruch genommen hadm, haben demnach fünf «ine Entscheidung zu ihrm Gunsten hnbeigeführt, während nur ein einziger mit seinem Ansprüche abgewiesm wurde. Daß es fich auch hi« nicht um einen Mißbrauch d»S Rekurs« rechts handelt, gebt schon daraus h«vor, daß da» Reichsv«, fich«ungkamt die Forderung. Kläger hätte den unumstößlichen Beweis dafür erbringen müssen, daß d« Unfall fich vor dem 1. Oktober v. I. ereignet Hab«, nicht an«kannte, sond«n seine Auffassung dahin feststellt», dem Kläger wäre eine Rente zuzubilligen, wenn es wahrscheinlicher wäre, daß der Unfall fich nach dem 1. Oktober, d. h. dem Zeitpunkt» d« Jnkrafttretung de« Gesetze«, al» vor demselbm««ignet hätte. Von einem Mißbrauch d«S Berufung?! echte« kann man demnach zur Zeit noch kaum sprechm. Auffällig ist ab«, daß dl« endgiltige Entscheidung der streitiam Angelegenheiten eine vnverhällniß. mäßig lange Zeit in Anspruch nimmt. Fn zwei Fällen, b«. zügitch dnm die genauen Daten vorliegen, find die Unfälle, an welch« der Streit anknüpft, am 29. Novemb« bez. 18. De- zembir v. I. erfolgt. Aus alle Fälle wird man weiter« und läng«« Erfabrungm abwarten müssen. eh« man aus solchen Vorgängen Schlüsse auf die Nothwmdigkeit ein« Abänderung der deft'henden Gesetze zieht. Für die Zukunft werden vor eu? fichtlich die Grundsätze, welche da» Reich»«, stcherungsarnt seinen Entscheidungen zu Grunde legt, schon in den früher m Instanzen Berückfichtigung findm, so daß schon dadurch die Zahl der an das Reichtverficherungsamt gelangenden Rekurse fich vermindert. t. A, better-verufskraukheiterr. Wie wir vor einiger Zeit mit! heilten, wird in der schweizerischen Press« eifrig darüber diskutirt, od«in Verbot de» ArbeitmS mit gelbem Phosphor angebracht wäre. Di« an Phosphorvngiftung dahin« J iechenden Arbeit« der Zündholzfabrtkm mehren fich in er« chreckender Weise. Alle Schutzmaßregeln hadm fich als un« «irljam erwiesm. Um sen« gespensttgen Erscheinung Herr zu werden, giebt es r.m eine Abwehr: das Aufgebm des gelben Phosphor» und alleiniger Gebrauch des rotben. Dr. Schuler, «idgenösstscher Fabrikwspeltor und Verfaff« sozialer und hygienischer Schriften, die auch auf dem deutschen Büchermarkt Aufmerksamkeit«regt hadm, bemerkt hinüber in seinem letzten FnspettionSbericht:„Meine im letztm Amtsdericht aus« gesprochene Befürchtung, daß die Schutzvorkebrunam gegen Pbo»pborv«gistung in dm Zündholz« Fabriken lehr vnnachläifigt werden, ist durch die Ergebnisse meiner In« svektionen vollauf distäligt. Selbst die vorgeschrteben« ärztliche Aufstcht wurde wenigsten» in einem Etablissement höchst Mangel« hast«führt. Die anwendeten Zündmassen, enthielten in ein« Fabnk 23 pCi., in ein« anderen gar 32 pCt. d« Trocken« substanz Phosphor. Meine Rathschläge zur Aenderung dieser unfinntgen Proportionm pralltm wirkungslos ab. Uebrigen» find auch die Erfahrungen in vortrefflich«ingerichteten Ge« schästm, wie dem Echäste'ichen in Fehrolldorf, entwuthigend. Dort«rlronltm zwei Arbeit« an Phosphomekrose, die b« dm Holzarbeiten, fem von Phokphordämpfm beschäftigt waren, aber alltrdings früber in einem Räume beschäftigt worden warm, in welchem Phosphor dampfe fich mtwtckcllen, der aber sehr gut ventiltrt und rein gedallen war. Wirklich« Hilfe hätte nur da» Verbot de» gelben PhoSphor gebrach t." Wie elend e» um diese hUf« losen Märtyrer der Arbeit bestellt ist, darüber giebt «ied« Dr. Schuler die anschaulichste Vorstellung:...„Nach den Erkrankungm der letztm Jahre ist die Erkrankung». Häufigkeit in Zündholzfablikm«in» so große, da« R'fiko im Einzelsalle ein so bedeutende», daß die Prämien bei Aufnahme all«— auch d« schlecht eing«icht«tm— Fabriken in einen Verband(,ur Pflege d« Krankm und V«sorgung d« Arbefts« unfähigen) allzuboch fich st-llm würden. Es ist also kaum an das Zustandekommm ein« solchen Bereinigung zu dmkm. Wie ab«, wenn bei einem der vie'm mittellos« n Zündhol, fabrikantm ein« schrv«« Erkrankung vor« kommt? Wie soll d« Arbeit« mtschädigt w«dm, wenn d« Arbettgeber selbst wenig oder gar nicht» hat? Die Zündholz» arbeiter w«den fich dann wieder in derselben Lag« befinden, wie vor jed« eidgenösfischen Fabrikgesetzgebung— sie wer» den ihre Berufslaufvahn. wenn sie einmal ertrankt, hilft o» verlassen müssen oder immer auf» neue wieder beginnen müssen, di» sie gänzlicher Invalidität verfalle!,. Zur Arbetterinneufrage. Die Zahl der Personen weid- lichm Geschlechts welche fich außerhalb des Hauses ihrm Leben*. unterhalt verdienen, nimmt in den V e r e i n t g t e n Staaten von Jahr zu Jahr zu. DaS national« ErziehungSbureau ist gegenwärtig beschäftigt, genau«« statistische Angaben zu sam- meln. Am 1. Juli 1885 warm eS nicht wenig« als 3 Mill. weibliche Personen: davon find 890 000 auf dem Lande, nament« sich in den Baumwolldistrikten des Südens, 640000 in Fabriken, 630000 in Waschanstalten. 230000 Putzmacherinnen, 200000 Kletdermacherinnen, 60000 in den Schneiderwerkstätten und 690000 find Verkäuferinnen, Lehrerinnen, Telegra- phisttnnm, Buchführ« und Wärterinnen. Femer giebt es in den V«einigten Staatm 2500 weibliche Äerzte. Man steht, daß man mit d« heute noch vielfach üblichm Forderung der „Aushebung" der Fraumarbeit gegen diese Thatsachm nicht aufzukommm vermag. Armuth und Krankheit. Ein Steigen der Infektion«. krankbeitm hat d« ungarische Statistik« Köröfi beim Sinken des Wohlstandes konstatirt. Und umgekehrt zeigt er, daß bei Infektionskrankheiten in besseren wirthschaftlichm Zeiten da» Steigm d« Sterblichkeit nachläßt. Aus dem Buchdruckergewerbe. Wie d« Elberfeld« „Freien Presse" von zuverlässtger Seite mitgethellt wird, bat dies« Tage eine der größtm dortigen Buchvruckerfinnm ihre zahlreichen Gehilfm vor die Rtternative gestellt,«ntwed« einen Reo«* zu unterschreiben, oder in vierzehn Tagen aufzuhören. Der Rever?, welchen, so weit uns mitgetheilt wird, zum Min« desten fast sämmtliche vttheirathete Arbeiter—„der Roth gehorchend, nicht dem eignen Trieb"— unterschriedm haben, lautet dahin, daß d« Unterzeichn« fich verpflichtet, bis zum I.Juli 1837 zu den Lohnbedingungen, unter welchen er gegenwärtig arbeitet, weiter zu arbeiten und für diese Zeit auf da» Recht der Kündigung zu verzichten,«mtuell ad« eine Konventionalstrafe von 50 M. zu zahlen. Zum beffttm Ver- ständniß dies« Maßregel bemerken wir, daß die detreffmde Firma gegmwärtig unter dem allgemeinen Buchdruckertarif zahlt und für ihren Thril fich das Recht d« Kündigung ge« wahrt hat. DaS ist sehr loyal, nicht wahr? Sehr arbeit«. freundlich! Zum Ktsteumacherftreik veiöffrntlicht die Kommisston folgende»: Di« Resultate de» Streiks find im Allgemeinen be« friedigend. Fast alle Fabrikanten des Handbetriebs haben den neum Tarif durch Unt«schrift annkennt. Der Hauptkampf entwickelt fich nur noch in etlichen Dampffadriken, insbesondere den größnen Ftrmm, und ist das Ende desselben noch nicht abzusehen. Die Kommisston bietet alles auf, auch bei diesen dm Sieg zu«ringm, um hindurch die soliden Fabrikanten, die den Tarif annkannt haben, vor minöser Konkurrenz zu schützen. Darum appellirm wir nochmals an das Solidarität«- gesühl sämmtlicher Arbeiier, unS in unserem gerechten Kampfe zu untnstützm. um dem Widerstand der Fabrikanten nicht zu unterliegm. Wir find stets bereit gewesen, Arbeiter jed« Branche in ähnlich« Lage zu untnstützm und««dm es auch ferner sein, wo eS gilt, dm Ardeitnn in ihrem gerecht« Kampfe zum Siege zu»«helfen. Helfe Jeder nach Kräften, so wird «S un» ein Leichtes sein, auSzuharrm bis zum Siege. Unter« stützungm werden täglich entgegen genommen im Bureau der Kommisfion Holzmarktgaffe Nc. 3 bei Deckert, woselbst auch Sammeldogen»u hadm find.— Insbesondere dittm wir, den Zuzug fern zu hatten. Vermischtes. Neue Ausgrabungen im alte« Pari». Bekanntlich pflegte man in der gallo römischcn Epoche auch in Lutetia Münzen, sogenanntes Fährgeld für di? Fahrt üb« den Styx. in di« Gräber zu legen. Meist waren dies« Münzen von Bro-ze, seltm von Gold und Silb«, dmn man war in d« Regel sparsam in dm Mitgaben für die Todten, weshalb e» heute so äußerst gewagt ist. aus Grabfundm von einfacher oder roher Art auf geringe Kultur zu schließen. Im Quarti« St. Maicel find solch« Münzen auf Todtmschädeln gefunden worden, in dn Mundhöhle, soweit man von ein« solchen noch reden kann, od« seltener in den Gefäßen, die neben dm Ge« beinm standen, und in dm Augenhöhlen; in den Quartieren Val-de-Grcce und de l'Obs«vatoire bemerkt« man, daß solche Münzen zuweilm in einm unbestimmdarm schwammigen Stoff gehüllt waren, d« bei dn Bnührung in Staub zerfiel, und auf einem in d« Rue Nicole gefundenen Schädel lagen zwei große Bronzemünzen mit dem Bildniß des Postumus, «elche die Augenhöhlen völlig zudeckten. Nicht weit von dem alten Quarti« St. Marcel wurde eine Bronzerase mit allerlei ärztlichem Gnäth und achtundstedzig Bronzemünzen des Tetttcu» 1. und II., und im Gräderseldder Rue de l'Ardaltte ein« Henkelvas« mtt ein« Brem,«münze Gratian's gefunden. Eine besondns bemerkenswnihe Beobachtung macht« man dort bei ein« d« jünastm Nachgrabungen. Neben einem Skelett lag ein« reizende kleine Awpulla von roth« Tenakotta, zwölf Zentimeter hoch bei neun Z-ntimet« größtem Durchm ffer. Di« Haltöffnung hat nur fünfzehn Millimet« Durchmess«. Die sehr gefälligm Verhältnisse näh«n fich dm Formm d« gallo« römischen Tropfgefäße aui dm Ouartierm Val-de-Grace und Panthöon. Dt« Spitzhacke z«brach das Gefäß, in welchem fich nun eine große Anzahl trefflich erhalten« Bronzemünzen zeigte. D« Durchmesser derselben— und dies ist dai Merkwürdige — beträgt fünfundzwanzig Millimet«, also zehn mehr als der« jmige d« Halsöffnung d« fie«inschließenden Ampulla. Das Gesäß hat keine and«e Oeffnung. Wie find also die Münzm hineingrkommm? Offenbar bevor das Gefäß vollmdet war» — die letzt« Münze muß hineingelegt gewesen feto, eh: der Hali angesetzt wurde. Wir hadm hier einen sehr intereffanten Beweis für die Richtigkeit der These, d-ß die Grabfunde zum Thetl eigms nur zum Zweck d« Todtenmitgabe gefertigte Dinge find, daß es also eine eigene Nekropolm« Industrie gegeben haben müsse. DaZ Brennen des Gesäßes scheint die Münzen nicht angegriffen zu habm. Jn d« Regel findet man im gallo-römischm Parts nur ein, zwei od« höchstens drei Münzen als Mitgabe für einm Todtm; ein so reicher Münzensund in einem Grabe, wie der in Rede stehende, nämlich dreihundert und fieben Stück, ist in Paris beispiellos, und da derselbe nicht einm Schatz,«elchm man etwa vnb«g«n wollte, dar- stellt und kaum als Fährgeld für Charon aufgefaßt werdm kann, so bleibt nur die Erklärung, man habe einm reichm Mann für das Jenseits feinen Verhältnissen entsprechend ausstatten«ollm. Rur zwölf Münzm waren so abgenutzt, daß fie nicht bestimmt werdm konnten; von den übrigen 295 tragen 12 da» Bildniß deS V°l«ian(geboren 190 t 263), 25 de« Claudius(geb. 215 f 270), 121 des Gallienu»(geboren 218, ermordet 268), 18 ver Salonina Cornelia(Gefährtin des GallimuS und mtt ihm zugleich ermordet), 89 de? PostumuS. der stch in Gallien als Kais« proklamirm ließ(258—267), 29 des Viktorinus(Usurpator in Gallien 265—267), 1 de» Aure- lius Marius(Usurpator 267). Die letztgenannte Münze ist sehr seltm, denn AureliuS Marius wurde schon am drittm Tage sein« Regierung von einem Soldaten erstochen. Melk- würdig bleibt, daß eS üb« Haupt Münzm mtt dem Bilde eines Kaisers giebt, der nicht drei Tag« regiert hat; die Vordersette zeigt einen gekrönten bärtigen Kopf mit der Umschrift„Ha» rins P. F. Aug.", die Rückseite zwei vnschlungme Hände mit d« Umschrift Concordia. Eine interessante Entdeckung betrifft die anttte Falschmünzerei. Seit dm ällefim Zeiten gehörte das Münzrecht dm Souveränen. Die«stm römischen Kaiser behielten fich dasselbe nur für Gold und Silber vor; Bronzemünzen zu schlagen übnließen fie dem Senat. Einig« wichtige Städte und die Kolonien genossen dies Recht ebmfalls und kennzeichneten die von dem Kais« oder von dem Prokonsul«theilte Erlaudniß auf ihrm Münzen. Jn dies« Epoche waren die„Münz«" trotz aller Künstlerschast nur Staats'Sklaven, ab« ein« Körperschaft, di« mächtig genug war, um oft dm Kaiser zu beunruhigen. Dieselbe setzte stch wie folgt zusammen: Offistnatores waren Werkmeift«, Exak« toreS empfingen das zur Verarbeitung kommende Metall, Fla« tuarii schmolzen es und bereiteten es vor, Suppoftores setztm dm Münzstempel auf. und MalleatoreS schlugen mtt dem Ham« m« auf den Stempel: die Künstln, die mit großem Talmt die Stempel gravirten, hießen SignatoreS. Die ganze Korpo« ration hieß Famllia monet&tia. Jn der Zeit d« Merowing« gab es in Gallien«ine Korporation von hohm Holbeamten, die Münzmeist« waren. Bedurste eine Abtei oder Gemeinde gemünzteS Gold, so lieferte fie einem dies« Münzmeist« daS Metall, und dies« schlug es um und setzt« sogleich sein Zeichen auf die Münzm; wurde einem Gebiet ein Tribut, eine S eu« auferlegt, so«schien ein Hifbeamter mit einem Münzmeist« und empfing die Auflage in Metall, da« nun gleich an Ort und Stelle geschlagm und mtt dem Z ichm oder Ramm de» Ortes versehm wurde. Da die mit dem Münzschlagen be« trauten Beamten so zahlreich waren, die Kontrole fast gleich Null und die Schwierigkeit, eine Fälschung festzustellen, um so größ« war, je mehr Münzstempel es gab. so kann man fich nicht wund«n, daß die Zahl der Falschmünzer in jenen Zertm eine sehr bedeutende war. Jn der antiken Periode war eS nicht besser trotz der strengen Strafen, die schon da« malS auf Falschwünzerei standen. Die Mannichsaltigkeit der Typen war auch schon damals so groß, daß es heute sozusagen kaum möglich ist, zwei römische Münzm anzutreff-n, die mit demselbm Stempel geschlagen wären. Mehrfach find Guß- formen von Terrakotta mit antiken Münzbildem auck in Frank« reich gefunden worden, die, wie man glaubt, zur Falschmünzerei gedient haben. Vor einiger Zeit hat Eug. Toulouz», der un« ermüdliche Erforscher des Bodens des altm Paris, auch dort einm solchen Fund an das Licht gebracht, den«strn dieser Art daselbst. Bei Nachgrabungm in der Rue Tournefort entdeckte er inmittm von Asche und Schlacken, geschmolzenem Metall, Glasscherben und Ziegeln aus der gallo-römischm Epoche kleine Gußformm von roth« Ziegelerde, geschwärzt vom Gebrauch, mit dem Bildniß von Kaisern au» dem drittm Jahrhundert. Elnige find zerbrochen, and«« abgenutzt, aber eine, die da» Bildniß Gordian? in. zeigt, ist vollkommm gut erhalten. Die Feinheit des Thon» hat die Münze, die hier abgeformt wordrn, in allen Einzelhettm dewund«nSwetth genau wiedergegeben. Die vuchstabm d« Umschrift find scharf und trm. Dies« Fund beweist die Geschicklichkeit d« Falschmünzer jen« Zeit. Das mit diesen Formen aufgelesme Metall ist sogmanntes Hartmetall, deS im Alterthum häufig in der Münzerei Anwen« dung fand._ Kleine MittheUnngen. Schalke, 27. September.(Beerdigung d« verunglückten Bergleute.)„Hoch vom Dome— Schwer und bang— Tönt die Glocke— Grabgesang.— Ernst begleiten ihre Trauer« schlägt— Einen Wand'rer auf dem letztm Wege."— Ja, dumpf hallten heut« di« Glocken von den Ttzürmen ver hiefizcn und benachbarten Kirchm hernieder, dmn nicht einen, sondern fünfzig Wander« hatten ihr« Schläge auf dem letztm Weg« zu begleiten, es galt die vettdigung der unglücklichen fünfzig Opfer der Weit«. Exvlofion auf Zech»„Consolidation". In den Hauptstraßm des Ortes waren nur wenig Häuser, die nicht eine mit Flor versehene Fahne ausgesteckt hatten und von den industriellen Etablissement» wehten halbmast gehißte Flaggen, am oberen Theil« des MafieS gleichfalls Flor tragend. An manchm Häusern bemerkte man ganz schwarze Fahnen. So wie dai Aeußere de» Orte» ein ernste» Gepräge trug, war auch die Stimmung d« hiestgen. meist aui Berg« leuten und Fabrikarbeitern bestehenden Bevölkerung eine tiefernste: wehnten doch von dm 50 Vwunglücktm 40 in hiesig« Gemeinde und- wie leicht kann tat Loos, welches heute die Verunglückten getrrffm, morgen die and«en treffen. Auf den Straßen in d« Nähe des Schach« tes„Wilhelm", auf dem das Unglück fich ereignete, stand lange vor Beginn der Beerdigung«ine nach vielen, vielen Taufen- den zählende dicht gedrängte Menschenmenge, durch welch« eine Gasse für die ankommenden Verein« und Leidtragmdm zu bahnen dm zahlreichen Pottze'deamtm und der dieselden unter« stützmdm Feuerwehr rechte Mühe machte. Auf dem Z chenplatze selbst standen außer dem zur Aufnahm« d« Leiche de« Steig«» Oligimüll« bestimmten Leichenwagen, 25 mit Eichengrün und Flor geschmückte Leit«wagm. auf denen je 2 Särge standen, mit Ausnahme des letzten Wagens, auf dem fich nur ein Sarg befand. Die Särge selbst waren einfach gezimmert. Kurz nach 6 Uhr setzt« stch d« Leichenzug in Bewegung. Voran ein Mufilkorps, verschiedme Knappenvereine, Gesang« vereine»c., dann solat« die katholische Geistlichkeit u.d dies« folgte d« Leichenwagen mit d« Leiche des Heim Oligsmüll«, h'nter dem die Leidtragenden, die Kollegen des so plötzlich Hinweggnassten rc. schritten. Hieran reihtm fich nun 16 Leiterwagen mit je zwei Särgen, jed« Wagen mit der Gefolgschaft d« Hint«bliebenen der auf dem Wagm Ruhmden und dm Freundm und Be kanvtm. Diese im erstm Theile de« Zuges befindltchm drei« unddreißig Särge»urdm nach dem Friedhofe in Gelsenkttchen gebracht und dort in einem Raffengrad« bestattet. Es waren dieS die Verunalückt.n katholisch« Konfesston. Dem zweiten Theil« de» Leichrnkondukte» marschiite wiederum eine Kapelle voran dann folgten«nappmoereine, der evangelische Arbeit«« verein, Gesangvereine, die evangelische Geistlichkeit und wie bei dm Katholikm, so schrittm auch hinter jedem der neun Leichen« wagen die Leidtragmdm ,c. Was soll ich üb« dm mehr alS ein« Stund« langm Leichenzug sagen? Läßt fich durch Worte d« Anblick schildern, d« einem geboten wurde, wenn fast hinter jedem Wagen die vor Schmer, gebrochenm Gattinnen. WÄ,'" STS k" �ande�st�'d«, Äme?,v * c4? � betroffenen Hinterblieben«' wichen Trost mit nach Hause gmommm haben; es waren wohl nur wmig« unttt den Tausmden von Zuschauern, in dnen Augen nickt Thränm des Mitgefühl» getreten wären.— Auch °uf dem Todtenhofe außerhalb der Gemeinde Schatte, wohin die 17 Evangelischen bendigt wmdm, nahm«in Mofimgrad, in dem Sarg an Sarg gestellt war. die Verunglückten auf. Ganz vnzwnfelte Szmen spielten stch dabei ab; so klammerte ein« junge Frau fich an den ihrm Gatten bngmden Sarg an und woMe dm letztnen durchaus feflhaltm: and«« mußtM mit Gewalt festgehalten werden, damit fie nicht dem Sarge in .®t!uP folgten.— Uns drängt sich die b«echtigte Frage auf. wird auch seitens d« Zcchenbestyn für tie Htnterdliebenen dies« Unglücklichm in genügender Weise gesorgt w«dm?— Denjenigen Unternehmern ab«, di« bei jeder Gelegenheit von ihrem Rifiko sprechm, möchten wir zurufm:„Seht da, oas ist daS Rtstko, welches d« Arbeit« trägt. Bei Euch handell«» fich doch nur um den schnödm Mammon, d« Arbetter aber setzt brUiz«« Güter ein— seine Gesundheit, sein Leben und die Existmz sein« Angehörigen! Hirfchberg i Schi.. 28. Scptb. Der Winter beginnt mtt Macht auf dem Hochgebirge seinm Einzug zu halten- In d« Nacht zum Sonntag trat bei heftigen, rauhen Slümen ein lang« anhaltmd« Schneefall ein, der dm KamM und namenttich die Schneekoppe vollständig in da» Winterkleid einhüllte. Verantwortlich für dm poltttschm Theil und Soziales Max fto Bereine �»�ammürngm für dm übrigen Theil d« Zettung R. ervnhei«, sämmttich in stW» Druck und!v erlag von wtax Davittg m«erttn öw,«euthstraße 2. Hierzu eine Bettofl»« Vellage zum Berliner Volksblatt. Ur. SS9 Freitag» de« 1 Oktober 1886. IIL Jahrg. Kommunales» Etadtverordueteu-Versammluvg. Sitzung vom Donnerstag, den 30. September. Der Stadtvero-dneten. Vorstcber Dr. v t r y k eröffnet tii Sitzung um Uhr mit einer Reihe gesääjtlicher üiiittbct. lunaen. Die Ad-Heilungen find zusammengetreten und haben die Wahl von 10 Mitgliedern für den BuSlchutz zur Vorbe- rathung der Vorlage, betreffend den Abbruch der Baulichkeiten auf dem Grundsticke Mllhlrndamm Str. 11; von 10 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung der Vo.lage, de treffend sie Ersertung der von dem Grundstucke i-lte Jakob- stratze 18/19 zur Straßmregulirung erforderlichen Ji�che; und von 15 Miigli-dern tür dm Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, betreffend den Ankauf dei Grundstücks Birken- strotze 62,63 für Zwecke det städtischen Krankenhauses Moabit vollzogen.— Der Vorsteher theilt da» in der vergan genen Woche erfolgte Ableben der früheren Stadtverordneten Taddert und Gru-rert und de» früheren Bürgerd-patirten Dahm» mit, deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Plätzen ehrt. Bei den Leichenbegängniffen war die Stadtverordneten-Vcrsammlung durch Delegirte vertreten.— Von dem Bureau der Naturforscher» Versammlung ist ein Dankschreiben für da» Fest und die Festschrift der Stadt ein. gelaufen. Nach Eintritt in die Tagesordnung werden «ine Anzahl Naturaiisationtzgefuche geschäst»ordnung»mätzig er» ledigt. E» folgt die Wahl oon l Mitglied« in den Au»- schütz für R-chnungSsachen, ausgeschieden de N ve; gemeldet haben fich die Stadtverordneten Görcki, Hellriegel. Mühl bei ger und Vit 6. Gewählt wird H e l l r i e g e I mit 70 Stimmen. Stadtv. Görcki erhält 3 Trimmen. Wahl von zwei Mitgliedern in dm AuSschutz zur Vor- Prüfung der Giltigkeit der Stadtverordnetenwahlm(auZge- schieden Löwe und Singer), gemeldet haben fich die Stadtv. Görcki und Dr. Herme». Gewählt werden beide per Zllklamatton. Wahl von einem Milgliede in den AuSschutz für die Wahlen von Rathsmaurermeistern und RathSzimmermeistern (a»geschieden Löwe); gemeldet haben fich Slavto. E t m a n n; Löwel, Wallich und Wohlgemut h. Gewählt wird nach vrct Mahlgängen Stadtv. Löwel. W a hl von 2 Mitgliedern in die Finanz-Deputation; lauSgeschieden Büchtemann und Löwe) gemeldr!: Stadt- verordneter D o v p. Gewählt wurden Stadtv. Herdig und Frteder!ei mit 10 Stimmen. Wahl von 1 Mitgliede in die Normal EtatS-Deputation (ausgeschieden Dr. Stryk); gemeldet hat fich Stadt. Lan> ger Harn». Gewählt wird Stadtv. Dr. Langerhan». Auf den Stadtv. Dopp sollte bei der erstm Verlesung bei Resultats durch den Vorsteher.1" Stfmme gefallen sein. Die Stadtv. Bellermann und I r m e r erklären, datz diese Angade unmöglich richtig sein könne, da fie für Dopp 8-stimmt hätten. Der Vorsteher bittet taZ Versehen mit der Ermüdung der Stimmzäbler zu enischuidigm und lätzt die Stimmen noch einmal zählen. Nun ergiebt fich, datz auf den Stadtv. Dopp nicht„1" sondern„10" Stimmen gefallen seien. Stadtv. Degmeier zwischenrufend: Auf eine Null kommt e» doch nicht an!(Hellerkeit.) W a h l von 1 Mitglied« in die Sanitättkommisfion(aus- geschieden Büchtemann); gemeldet: Stadtv. Dr. Leo und Ziethen. Gewählt wird Stadtv. Leo. Eine Reihe weiterer Wahlen von Ccsatzmttgliedern in die Deputationen wird von der Tagesordnung abgesetzt. W a h l de» Stadtverordreten- Vorsteher- S ellvertreter». Abgegeben werden 103 Stimmzettel, davon find 8 unbeschrieben. Es erhalten Dr. Langer hon» 80, Dr. Bellermann 10 Stimmen, ?�akn zersplittern fich. Stadtv. Dr. L a n g e r h a n» ist gewählt und nimmt die Wahl dankend an. Et folgt die Berichterstattung über die Vorlage, betreffend den Ankauf von Th eilen der Grundstücke Tempel- fcff" Ur« 18—19 und 20 zu Gimeindeschulj wecken. Der Ma- fttfltol hatte die E. Werbung dieser zum Preise von 90 M. pro Quadratmeter deantragt. Der AuSschutz, der über diese Vor« tage eingesetzt worden tfi, schlägt durch feinrn Berichterstatter, !?' K r e t t I i na vor, die Fläche von 5273 Quadratmeter zum Preise von 70 M. pro Quavrotmeter von der Guttapercha- waarenfadrik, vormal» Fonrobert und R e i m a n n zu er- werden. In dem AuSschutzdericht wird erwähnt, datz det dem Preise von 90 M. pro Du abtat mir. die derzeitigen Besitzer Em rniilz„Wlem dMilh". �u» dem Amerikanischen v. W. Q'Brien» übersetzt von G. Ottmann im„Bund". 'New'" ltine Pohlen mehr Agve»?" „Wal leuftltnachen wir bann, um weiter zu feuern?* ... ,*34 habe nicht die geringste Vorstellung, Dick. Du bist ja so gescheidt. Warum erfindest Du nicht ein Mittel, wie man sich warmen kann, ohne Feuer dazu nöthig zu haben I" „Wärst Du eiu Mann, so könnt« ich mit Dir boxen/ sagte Dick, seine Fcau nachdenklich betrachtend, al» wollte er sich überzeugen, od sie einen oder zwei Gänge aulhalten könnte.„Boxen macht einem herrlich warm— aber wir haben ja doch keine Handschuhe dazu." „Nein," versetzte Agnes unter Lach«»,„„nd gar bald werben wir auch keine Schuhe mehr haben." Dabei streck:« fie ihr kleine» Füßchen vor. da» in einem gänzlich zeniffenen -Pantoffel stak. a,„Wie spaßig ist c» doch, wenn man kein Geld hat, 1* sagte Dick, ziemlich gedankenvoll w da» sehr bc- schndene Feuer, da» auf dem Rost glimmt«, blickend.„Weißt daß ich mir die Armuth eher gifaller» ließe, wen» e» wcht so verwünscht kalt wäre. Zur Sommerlzeit muß r» um die Dürftigkeit et»a» ganz Pikante» sein." „Wenn ich nur au die Tausende von Dollar» denke." versetzt« Agne»,.die wir an Thorheiten weggeworfen haben, fahrend der zehnte Theil dieser Summe jtn» jetzt in eisen Taumel des Glück» versetzen würde I" „Fünf Dollar« würden fich freilich jetzt für un« so Wtttg ausnehmen, wie die ganze englische Staatlschuld «n Goldstücken." „Erinnerst Du Dich noch an den Ball, auf dem Du wn brn ersten Antrag machtest. Dick!" „Ob ich mich daran erinnere!" einen reinen Verdienst von 282 180 M. in die Talche stecken. In dan Autsibutz wurde folgend« recht dezetchnenve Anficht laut, datz eS allerdlng» bedauerlich fei, wenn dei Grundstück» ankaufen, welche die Stadt beabfichtige, Spekulanten fich vorher de» Kaufobjekt» bemächtigen. Die» fei jedoch nicht zu oer- hindern und komme bei öffentlichen Unternehmungen, sowohl de» Staate» wie der Stadt, leider häufig genug vor. Die städtischen Behörden hätten aber auch weniger bar nach zu fragen, wie viel ein Grundstücklbesttzer vielleicht in Folge voraufgegangener günstiger Speku- tation dei dem Verkauf seine» Etgenthum» verdiene, al» vielmehr darnach, welchen Werth da» angebotene Giund- stück für die Stadt habe. Al» Preis, dm die Stadt anlegm könne, erschienen 70 M. angemeffen. Die Versammlung nimmt den Antrag de» AusschuffkS dedattelo» an. E» folgt die debattelose Erledigung einer Reihe un- wesentlicher Anträge. Ausschüsse werden eingesetzt für die Vorlagen, de« treffend den Ankauf de» Grundstück-» Lindenstr. 16 ,u Ge- metndeschulzwecken und betreffend die Uedemahme eine» Theile» der Holzmarltgaffe in die stäotische Verwaltung al» öffentliche Straße und die Festsetzung von Bavflachtlinten für diese Straßenecke. Eine A n z a h l R e ch n u n g e n geht an den R-chnungs- Ausschutz. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Ein dringlicher Antrag ist von den Stadtv. Wohlgemuth und Genoffen eingebracht worden, der nun zur Berathung gestellt wird. Derselbe lautet: „Mit Riickficht darauf, daß durch die neue Bau- Polizei- Ordnung eine Entwerthung de» Parleieigenthum» eintreten mutz, sowie mit Rückficht darauf, datz hierav» der Stadt auch leicht Ersatzansprüche entstehen können, erachtet die Stadtver- ordneten. Versammlung e» für dringend erforderlich, datz ihr der vom Ministerium an den Magistrat zurückgelangte Entwurf der neuen Bau Poltzel-Ordnung zur Kenntnttznahme und Aeutze- rung oorzelegt«erde. Sie ersucht daher den Magistrat, ihr, de- vor er seine Zustimmung zu dem Entwurf erthetlt, eine des- salfige Vorlage schleunigst zugehen zu laffen." Stadtv. Hoffmann U steht dem Antrag sympatbtsch gegenüber, ist aber mit der Motivirung deffelden. die ein Miß- trauen gegen die Polizeibehörde und den Magistrat außvrücke, nicht einverstanden. Stadtrath Voigt giedt die Erklärung ab, datz der jetzig« gegm den früheren Entwurf keinerlei erschwerende Be- ftimmungen, in vielen Beziehungen sogar MUderungm ent- halte. Stadtv. Friedemann glaubt, datz die Bestimmungen d«5 ersten Eniwurf» da» Grundeigmthum entwerthen müssen. Sladln. Lang er Hans befürchtet gleichfalls durch die neue Bau-Polizei-Ordnung dk allergrößten Kapitalverschiebungen und empfiehlt den Antrag Wohlgemuth. Sradto. S p t n o l a ist mit der Motivirung de» Antrage» nicht einverstanden. Stadtv. Wohlgemuth läßt die Motive zu seinem Antrag(die eingeklammerten Worte) fallen. Etavtv. Görcki ist damit einverstanden, datz die Bürgerschaft so bald wie möglich Kenntnitz von so tief ein- schneidenden Veränderungen, wie fie die neue Bau-Poltzet-Ver- ordnung bringen werde, erhalte. Au» derselben würden für den Ardeiterstand aber nm segensreiche Folgen hervorgehen. Nicht dafür solle der Magistrat sorgen, datz da» heilige Privat- etgenthum nicht Schaden erleide, denn dm allgemeinen Interessen müßten die Privatintereffen Einzelner untergeordnet werden, sondern datz der Entwurf die Mißstände deseitige, welche die Prioatspekulatlon, die daß Baugewerbe beherrsche, im Gefolge gehabt habe. Damit schltetzt die Ditkusfion. Der abgeänderte Antrag Wohlgemuth wird angenammen. Schluß 8 Uhr. St folgt eine nicht Sffmlliche Sitzung. Fokales. Ja einem Artiket über Abzahlungsgeschäfte sagt der „Düffeivorstr Anzeiger":„Jedermann, und namentlich der wenig Bemittelte, hat den Wuntch, mözltchfi dillig seine Be- dürfniffe einzulaufen. Die Billigkeit ist aber ein sehr relativer Begriff; für wenig Geld schlechte Waare erhalten, heißt sehr o t theuer kaufen. Die Schwindelgeschäfte verblüffen gewöhn- „An die großen hohen Zimmer, deren glänzende Ver- goldung in sanftem Licht erglühte;— an die elastische» weichen Teppiche, in die der Faß so tief und wohlig einsank, daß er sei» weiche» Nest gar nicht mehr verlaffen mochte und über dem behaglichen Ausruhen da» Weiterschreiien vergoß;— an da» Gewächshau» im matten Schimmer farbiger Lampen voll tropischer Pflanze», die wie in Träume de» Orient» versunken schwerfällig nickten, durch da» der voll« Duft der Tuberosen strömte, al» schwebten die Seelen verstorbener Blumen ihrem Paradiese zu;— an die Musik, die durch die weiten Thüren der Tanzläl« hineinflathete oder in der Ferne verklang:— an da» Rauschen reicher Seidengewänder, a» da» Gewirr der tausendfachen Stimmen, an die Last voll Licht und Wohlgeruch, an den Glanz, der ring» au» den jugendlichen Gefichtern der Gäste strahlte wie Sonnenschein, in dem fich unzählige schillernde Schmetterlinge fröhlich wiegen. Weißt Du noch, Dick O ja," entgegnete Dick mit eine« recht trüben Lächeln, indem er den Blick durch den ärmliche» Raum gleite« ließ, in welchem die beiden saßen.„Ich weiß wohl, in welch glänzendem Leben Du aufgewachsen b.st und m wo» für ein Stündlich andere- ich Dich versetzt habe. Du hast dre Ver- im schmutzigsten Theil von Malberry-Stteei: deutsch« Schuster und irische Wäscherinnen über und unter un». Al» ganze» ZÄ?- V draußen und keine Kohlen; jede» von un» beiden mrt ernem SP Gedanke» in den Kopf setzten, einander auk Grund reiner ESSHSsää lich durch die Niedrigkeit der Preise, die Waare ist aber auch trotz ihre» h-rausgeoutzten Au»|«hen» danach, und nach kurzer Zrtt wird fiw der Käufer über den Schaden klar. Wie alles Unreelle, so bedürfen auch die Abzahlungsgeschäfte der dicksten und fettesten R-.kiame, um immer neue Kunden heranzulocken. Der in die Augen springende Vorthril, dm fie gewährm, ist der, datz der Kaufpreis nicht baar erlegt zu werden braucht, sondern in Raten abgetragen wird. Für den sogenannten kleinen Mann liegt in bieten scheinbar günstigen Zchlungs- b-dingungm ein grctzeS Lockmittel; e» wird ihm nicht nm in möglichst feiten Lettern„strenge Riellttät, gute und gediezme Waare" angevriefen, sondern ihm auch schon für ein geringe» Angeld die Waare überliefert. Ader der Votthetl ist in jeder Beziehung nur ein trügerischer. Einmal wird der Käufer ver» leitet, über seine Kräfte zu laufen, und dann ist für den Fall, datz er die Ratenzahlungen nicht ganz pünktlich innehält, dafür gesorgt, datz ihm die Waare nachiräglich auf's Aeutzerste ver- theuert wird. Für diesen Fall find nämlich die Bedingungen, die in den Rrliamen wohlweislich verschwiegen und bei Abschluß dei Geschäfts nm ganz deiläufia erwähnt werden, gewöhn» lich sehr hart. Meist bleibt die Waare zwar nicht im Befitze, aber im Eigentbum bei Verkäufer», bis der volle Preis er» legt ist; wird eine Ratenzahlung nicht pünktlich ring- halten, so geht t):t Kauf zurück und die gemachtm Zahlungen find verfallen. Ist aber die Waare schon abgenutzt, so hat der Waarenhalter leichte Mühe, den htlflosm Abnrhmer auf dem AdzahIungSwege von Neuem an fem Geschäft zu feffeln. So endigt dir vermeintlich billige Kauf mit einer drückendm Art von Schuldknechrfchaft. Tiefe Geschäfte find fittlich und ölono» misch um so gefährlicher, alS fie von der Ausbeutung gerade der wirthschaftlich Schwachen leben. Da» System de» Ab» zablungsgeschäft» steht in grellem Gegensatz zu den auf Ver» dess.wung der Lage der arbeitenden Klaffen gerichteten Bestrebungen. Man wird deshalb dem Beschluß, welchen kürzlich der württemberzische Gewerdeveretn auf eine: Wanderoersamm« lund gefaßt hat, vollkommen beistimmen müffen." Der Be« schlutz lautet:„Da» System der WaarenabzahlungSgeschäfte ist zu bekämpfen alS verwerflicher AuiwuchS de» Erwerbsleben», welcher den auf Barzahlung gerichteten Bestrebungen ent» aegmarbeitet, da» solide Beschä't schädigt, eine wucherisch« A.sdeutung der wentzrr bemittelten Voltsllaffen begünstigt und so den sittlichen md öloiiomischen Verfall zuführt. Die Warenabzahlungsgeschäfte fi id daher möglichst zu unterdrücken und allerwenigsten» streng zu kontroltren." Ist da» praktisch? Unter dieser Spitzmarke erzählt da» „Bert. Tagedi." eine Geschtchte, die auch un» bemerkenlwerth erscheint, weil fie einen tdatsächlichen Uebelftand aufdeckt. Es beißt da:„Bei einem Schlächter in der Nähe de» Görlttzer Bahnhof» kaufte ein Lithograph, der in der doriigen Gegend wohnte, am 21. d. M. Schweinepöte fl-isch. AlS er etwa eine Stunde später zu Hause da« Fletsch anschnitt, fand er in allen Scheiden desselben zahlreiche kleine Löcher, welche den Verdacht, datz dai Fleisch gesundheitsschädlich sei, um so mehr erregten, al» e» sehr übel roch und fich überdies an verschiedenen Stellen kleine wettze Körperchen von der Eiärke eine» Zwtrnfaden» und der Länge eine» Halden Millimeter» zeigten. Sofort begab er fich mit dem Fleisch nach dem nächstgelegenen Polizeidureau in der ficheren Voraussetzung, datz man dort bereitwillig näher treten und event. den wetteren Verlauf de» gesunvheitsschäd» lichen Fletsche» inhidiren würde Von dem betreffenden Be» amten, oem er daS„corpus delicti" vorlegen wollte, wurde der Lithograph aber zu feiner Uiderrafchung mit dem Bemerken abgewiesen:„Ich bin kein Fleischdeschauer, un» geht da» nicht» an I" Ei läuternd fügte er vann noch hinzu:„Sie können fich auf ihre Kosten an einen Thierarzt wenden, und wenn Sie von demselben ein Attest, welche» die Schädlichkeit de» Fleisches bestätigt, dringen, wird da» Polizeiprästvum da» Weiler« veranlassen." Al» der Lithograph darauf erwiderte, datz eine Privatperson selten ein solche» Interesse an einer der« artigen Sache habe, um fich außer der Mühe noch Unkosten zu machen, wurde er mit dem Rath entlaffcn, nach der Abdeckerei in der Müllerfiratze zu gehen, dort «erde da» Fleisch umsonst untersucht. Der Mann hatte aber zu dem weiten Weg vom Görlitzer Bahnhof dt» nach der Müllerstrotze keine Zeit und daher ließ er die Angelegenheit selbst überhaupt ruhen und hat stch nur darauf beschräntt, un» den Sachoerhalt mttzutheilen.— Da» Verfahren de» Poltzrt» beamlm war. wie un» von zuständiger Stelle auf unsere An» frage mitgethellt worden ist, den bestehenden polizeilichen Virordnungen gemäß, durchaus korrekt. Die Polizei ist näm» lich erst dann zu einem amtlichen Einschreiten verpflichtet, Dabei besitze» wir gerade noch übel angebrachten Stolz genug, um un» nicht znm Betteln entschließen zu können. Fall« Du Lust hafi, Dich umzubringen, liebe Agne», so stehen Dir dafür die schönsten Rechtfertigung» gründe zur Seite, die je vor einem Pariser. Palizeigericht geltend ge» macht worden find. Was hälft Du von einem Kohlenbecke« mit einer letzten Umarmung? Oder von einer Dost» Stiych» nin mit einem herzzerreißenden Brief an unsere Aagehöri« gen? Ich würde Dir einen Kugelwechsel au»«iu paar Pistolen zu besagtem Zwecke vorschlagen, allein ich müßt« ja erst welche kaufen, und meine Abrechnung bei der Han- delsbank ist eben ziemlich verwickelt und ich möchte nicht ge>ne einen Betrag von irgend welchem Belang auf dieselbe ziehen, bevor solche wieder geordnet ist.' Dabei lachte der junge Ehemann so herzlich, al» handle«S fich bei der ganz» Sache etwa um ein Lustspiel, da» er mit großer Selbstzufriedenheit dcklamirte. „Dick," sagte seine Frau in sehr ernstem Ton, indem fie zu ihre« Gatten hinging und ihn zärtlich auf die Slirn kützte,„D ck, Du treibst Scherz, nicht wahr? Du hast gewiß keine solch» Gebank»?' „Scherz natürlich, mein liebe» kleine» Miezchen! Von allen venückt» Sireich», die ein Mensch machen kann, ist Selbstmord ungefähr der verrückteste. Einen Nrbenmensch» umzubringen, ifi eine Thorhett, weil zehn gegen ein» zu wetten ist, daß der Mörder entdeckt und gehenkt wird. In» sosern ist der Mord nur ein Selbstmord auf Umwegen und mit der unangenehmen Zugabe, einen N-denmensch» umge» bracht zu Hab». Aber für den Einzeln» ist ein Selbst» mord noch etwa» Verkehttere» al» ein Mord, denn man be» raubt fich damit vollends der letzte» Möglichkeit einer Rettung. Wir müssen vielleicht Hunger« sterben, mein lieber kleiner Mentor, wiewohl ich e» kaum glaube. Da ist denn das best«, was wir thun können, alle in unserer Macht liegenden Mittel zu erschöpfen, um diese« unangenehm« Vorkommniß abzuwenden, und wkn-r e» doch eintritt, ihm männlich— oder, wenn es Dir besser gefällt, weiblich— wenn der BesSwerdifübttr den Nachwiii geführt hat, daß da« von ihm beanstandete Fleisch in der That zur menschlichen Nahrung unpeeignet sei. Im vorliegenden Falle ist die Ad- Weisung de» Lithographen von Seiten de« Poltzeibcamten eine durch au« vorschriftsmäßige gewesen. Ob aber die beMl'chen Vorschristen dem allgemeinen Interesse dienlich find, das ist freilich eine andere Frage. Denn Privatleute, insbesondere solche au« den weniger wohlhabenden Bevölkerungiliaffen, werden in den seltensten Fällen die erforderliche Zeit und da« nöthige Geld opfern, um die ihm vorgezeichneten Schritte zu thun. Will man den Verkauf gesundheitsschädlicher Nahrung«- und Genvßmittel gründlich hintertreiben, dann müßten die Behörden— od da« die Polizei oder ein andere« Verwaltung«- organ ist, wäre gleichgiltiz— unverzüglich von Amt« wegen durch einm Sachverständigen die verdächtige Ware prüfen lassen und deren Beschlagnahme sofort bewirken, fall« sie sich al« gesundheitsschädlich erweist. Allerdings würde die de- tr.ffende Behörde nicht selten mU unbegründeten Beschwerden behelligt weiden, indiß müßte dies« Gefahr mit in den Kauf genommen werden, wenn e« sich darum handelt, das allgemeine Wohl zu fördern. Vou dem königliche« Eiseabahn-BetetebZamt(Berlin- Magdeburg) erhält die..Voss. Ztg." folgende Zuschrift:„Ja der ersten Beilage Nr. 453 Ihrer Zeitung vom 29. d. M. ist ein Artikel au« Nr. 78 der„Dtsch. B-uztg." übernommen wor« den, welcher den am 24. d. M. auf unserm hiestgen Bahnhofe stattgehabten Unfall bespricht. In demselben ist al« Mitur- fache an dem t! aurige» Vorkommnis),„die Uvüde.fichtltchkeit de« Orte«, verbunden mit der herrschenden Dunkelheit und weitergehend die große Ueberlastung de« Potsdamer Bahnhof«" bezeichnet worden. Wir bemerken dazu, daß wenn auch die zur Zeit deS Unfall« herrschende Dunkelheit der Nacht und die dar- aus fich ergebende beschränkte Uederfichtlichkcit de« Ortes selbst- verständlich geeignet war, das Eintreten des Unfall» zu de Dünstigen, so doch von einer in dem Artikel behaupteten großen Ueberlastung de« Bahnhof« al« weitergehende Ursache deS Unfalls nicht wohl die Rede fein kann, da letz irrer zu einer Zeit stattfand, als der gewöhnliche V-r- lehr auf dem Bahnhofe völlig ruhte und das Eintreffen des ersten regelmäßigen Zuges erst in etwa 1 Stunde zu erwarten war. Aus die übrigen in dem Artikel hieran geknüpften Erörterungen glauben wir nicht weiter eingehen zu sollen."— Unbeschadet dieser amtlichen Zuschrift veröffentlicht das genannte Blatt folgendet ihm aus demselben Anlaß zuge. gangene Schreiben:„Der in der Mittwoch Mo'gennummer der„Voff Zig." hrrvorgehodene Umstand derUiüberfichtlichkett deS OrtrS und der außerordentlichen Ueberlastung des frag. lichen Bahnhofes dürft« die Hauptursache deS neulichen schweren Unglücks auf dem Pottdamer Bahnhof gebildet haben. Abge- sehen davon, daß die Geleise auf der kurzen Strecke zwischen Bahnhofshalle und Kanaldrücke«ine sehr scharfe Kurve be- schreiben, ist dem betreffenden dienst buenden Beamten die AuSstcht völlig benommen, durcheinen zweistöckigen, die volleBreite de« Mittelperron« einnehmenden Signalthurm, der mitten in der Kurve errichtet ist. Noch schwerer fällt ins Gewicht die Ueber- lastung deS Babnhofes mit Zügen, deren enorme Zahl, an Wochentagen 198, an Festlagen inkl. der reglementj mäßigen Extrazüge 218, ei dem dienstthuenden Beamten unmöglich macht, vor j-dem abgehenden oder einlaufenden Zuge sämmt- licht Schienen sträng« und die zahllosen Weichen zu reoidiren. Der ebenfalls von Ihnen angedeutete Autweg der Verlegung einer Anzahl Züge nach dem Anhalter Bahnhof und die Her« stellung der ohne Terrainschwierigkeiten herzustellenden Ver- bindung zwischen Lichterfelde— Anhalter Bahn und Zehlendors ist um so einleuchtender, alt auf dies« Weise die nothwendige oder außeroidentlich kost'pielige Erweiterung der Botsdamer Bahn vnm'eden werden kann. Die Benutzung dir Potsdamer Bahn von m hr alt 200 Zügen auf nur zwei Geleisen birgt so viel G f-h en in fich, daß schon wiederholt Anträge der Direktion an da» Verkehrsministerium zur Anlaae zweier weiterer Geleise bis Zrhlendorf gerichtet worden find, aber st« s wegen zu großer Kostspieligkeit zurückgewiesen wurden, da da» Terrain läng» dieser Strecke großentheil» bebaut oder angepflanzt ist und bei Venrnhrung der Geleise alle Wege unterführt«erden müßten. Durb die Ausführung de» oben erwähnten und bereits völlig ausgearbeiteten P ojeit» würde ohne Schwieriareit die Ueberlastung des Bahnhofs und der Geleise geHoden, indem man sämmtliche Lokalzüge nach PoiSdam vom Anhalter Bahnhof mittelst Ueberführung über vi- Stimmbahn bei Zehlendocf auf die Wannfeedahn leitete» von wo kast bis PoiSdam vier Geleise beretts vorhanden find. Dt« Aussührung ist um so leichter, als in den bebauten Theilen Lichterfeldes die elettrische Bahn, deren Betrieb nächstens ein- geht, zu benutzen ist. von der Teltowerstraße an aber, wo fich leicht die jetzt geplante Bahn nach Teltow abzweigen läßt,«in« schnurgerade Linie an der Hauptfront der Kadettenanstalt vorder ausschließlich über verhäftnißmäßig geringwerthtgeS Acker- land bis Z-Hlendorf führt, wo die Terrainverhälti iffe eine Ueberführung über Chaussee und Stammbahn degünstigen. Daß auf diese Weise eine Menge der jetzt fich täglich fühlbar v achenden Mängel deseltigt werden, braucht nicht desondils hervorgehoben zu werden. Es ist uicht uniutereffant, eiue« Blick auf die Zeitung«- Verprovianttrung der verschiede««» Großstädte zu werfe«. In Berlin fällt diese Aufgabe bekanntlich «utgegevzuttete«. Wenn wir««» vergiften wollten, um nicht zwanzig Stunden später Hunger« sterbe« zu müssen— meinst Du nicht, da« wäre eine rechte Dummheit? Besonder«, fall»«ach unserm Tod unsere Seele« die Entdeckung mache« müßten, daß die Vorsehung uns in zwölfter Stunde «ine« Schutzengel in Ti statt eine» Freunde» gesandt habe» würde, um uv« von all unserm Glend zu erlöse«. Net», meine Liebe, wir wolle««n» nicht mit Schwefelsäure oder auf franzöftsche Art au» der Welt schaffe«. Sind wir zu schwach, um auf de« Füße« zu stehe«, so»olle» wir uns miteinander niederlegen, und schwinden vor Entkräftung unsere Lebensgeister, so wollen wir uns die Hände reiche«, Gott mit«nserm letzte« Athemzuge danke« und sterben wie die Kinder im Walde. Vielleicht kommt dann, wen» wir todt find, die irrsch« Waschftau, die im fthfte» Stock wohnt, herein wie da« Roihkrhiche« im Märchen und deckt uns mit grünen Blättern zu. Freilich hat fie gar leine große Aehn- lichkeit mit eine« Rothlehlchen," fügt« Dick mit spöttischer Miene bei,„denn sie flucht entsetzlich und duftet leider nach Branntwein." Dies« Vorstellung wnkte so komisch auf unser Paar, daß beide gleichzeitig in die Hände klatschten und in ein schallende« Gelächter autbrachen. AvgefichtS dieser lauten Lustigkeit hätte man glaube« könne», diese« junge Paar seien die ftöhlichste», sorgloseste« Leute auf der Welt. Ihre Gtschichie war ei« alltäglrcher Roma». Sie waren beide Waise«, mit dem eine» Unterschied, daß Agne« Grey reiche Verwandte, Richard Bmdoo» dagegen gar keine Ver- wandt, desaß. Ei» Oheim, ei» alter, in Boston wohn« hafter Junggeselle, hatte Agne» an Kindesstatt angenommen, «in selbstsüchtiger alter Mann, der das arm« Mädchen, nach dem er einmal von demselben Besitz genommen, ganz al» sei« persönliche« Eigenthum betrachtete und jede» Versuchs ihm dasselbe zu entreißen, al« eine« schnöde«, im höchsten Grade strafwürdige« Raub ansah. Er verhätschelte sie «je Caligula sein LieblingSroß; gleich diesem war fie in hauptsächlich den ZeifungSfrauen zu, während einige Händler und vi« lohlensauren Damm den Slraßenverkauf betreiben. In Pari« exMtren ein paar Hundert KioSI, und außerdem spielen die„erienrs de jonmanx", die Zeitung, ouBtufer, welche namentlich in den Nach mittag« stunden und de« Abends die Bouleva'dS mit ihren Rufen erfüllen, eine große Rolle. Sie eilen gewöhnlich im Laufschritte die Straßm enilana, oder fassen vor den Thatern und Kaffee Konzerts Posten. Auch im Theater selbst werden in den Z vtschenakten die Abendblätter ausgerufen. Die Pariser benutzen namentlich in politisch be- wegtm Zeiten den„entr'acte", um fich in die Abend- Journale zu vertiefen. In N-ayorl bilden die„newsboya", welche dm Straßen verlauf in Händen haben, eine ganze Armee. Za Tausenden harren fie dichtzeleilt vor den Zeitungsgedäuden des Augenblick«, in welchem die Blatter aus dem Druck kommen. E« entsteht dann ein fürchterliches Rmgen, ein Kampf wie auf Leben und Tod. Die„newaboya" balgen sich, purzeln übereinander in dem Welleifer, der Eiste zu sein. Wenige Minuten darauf überschwemmen fie die ganze Stadt mtt einem wahren Ozean von Zettungen. ES ist erstaunlich, mtt welcher dltzartigen Schnelligkett die„newsboya" bis an die äußersten Punkte der Stadt eilen. Diese ZertungSkobolde springen auf die Tram« way«, verkaufen«inen ganzen Stoß, und schwingen fich dann auf einen anderen Wagen. Auch in die Eisenbahnzüge dringen fie hinein, und fahren ganze Strecken weit mtt. Amüsant ist, daß der amerkanische Zetlungsbursche mtt seinem Metier das des Wichstert verbindet. Hat er die Stadt mtt den N uigkeiten de» Tage» versorgt, so greift er zum WichStopf und zur Bürste, um den Stiefeln der Paffanten erhöhtm Glanz zu verleihen. London komt zwar auch die„newa-vendora", die ZcitungSoer« käufer, daneben aber auch die„atationery-sbopa", d. h. Läden, in welchen sämmtliche Zeitungen verlauft werden. Vom an der Ladmthür hängen Tafeln, auf welchm die Sensation«- attilel der Tagesblälter, sei«S nun die Schilderung eineS gräßlichen Morde«, der ausführliche Bericht über einen Eifern« dahn-Zufammenstoß, der einer Enthüllung a la„Pall Mall Gazette", dem verehrten Publico ganz speziell mttgetheill werdm. Es ist daS ein wirksamer Stachel für die Kauflust. Gegin das, was London, New Nork, Pari» an Zeitungen ver- tilgen— erreicht doch die Auftage des„Petit Journal," die adelhaste Höae von achthundertfünfzigtausend Exemplaren— verschwindet der Berliner Zeitungsdevarf, wenngleich er na- mmtlich in den letzten Jahren mtt dem mächtigen Empordlühen unserer Hauptstadt stark in die HZh: gegangen ist. Da» Eise«bahu«nglück auf dem Pottdamer Bahnhof giebt dem parlamentarischen Korrespondenten der„Bretlauer Ztg." Anlaß zu sehr zutreffenden Betrachtunzen. Er schreibt: .. Allem Anschein nach wird ein StationSdeamter deswegen zur gerichtlichen Veraniwortung gezogen werden. E» fei ferne von mir, der Frage über Schuld oder Unschuld deffelden vor- zugreifen. Ader im großen Publikum, da» fich ledhaft für die Sache interesfirt, ist man der Ueber,! uzung, daß bei zweck- mäßigeren Jnstitulionen der Unfall hätte vermieden werden !önnen. Wie liegt der Fall? In nächtlicher Weile, vor Beginn de» Morgengrauen», kommt ein Eisenbahn, ug hier an, deffen Wagen sofott geeinigt werden müssen. Die Reinigung im Bahnhofe selbst ist prinzipiell verboten, obwohl die ent« gezenftehenden Bedenken bei der Nachtzeit vielleicht nicht all« zuschwer wiegen möchten. Der Zug wird hinau»geschoden, aber nicht auf einen tobten Strang, auf welchem die Reini- lung ohne jede Besorgniß in Ruhe vorgenommen werden lann, und deren die Potsdamer Bahn bei ihren ausgedehnten BetriebSetmichtungen«in« genügende Anzahl besttzt, sondern auf einen Strang, der mit den Hauvtoerleh,«strängen in un, mittelbarer Kommunttation steht. Ein Etatton« deamter ist angewiesen, darüber zu wachm, daß der Zug nicht so weit zurückgeschoben wird, um dem einfahrenden Zuae den Weg»u versperren. Auf der Aufmerlsamkett und der Pflichttreue diese» StationSdeamten ruht die einzige Garantie, daß lein Unglück geschieht, während man objeltioe Garantien hätte schaffen kön- nen, indem man den Zug auf eine ungefährdete Stelle brachte. Und diese Garantie hat im vorliegenden Falle versagt. Die Schuld mag«in Unterbeamter tragen, ein übermüdeter, ver- schlafener, möglicherweise unaufmerksamer Unterdeamter. Allein, wenn die Eisen bahnverwaltung ihr ganze» Zuttauen auf diesen einen Beamtin setzt, wo fie objektive Garantien schaffen könnte, wer möchte ihr Verhalten dilligen?" Gege« eine« KrankeuverficherungSzwana beziehung»- weise gegm die Herb-iführung d-ffelben durch OttSstalut hat fich das Aeltestenkollegium der B-rliner Kaufmannschaft am Dienstag ausgesprochen.— Die Berliner HrndlungSaehilfm hatten fich in dieser Angelegenheit bekanntlich in einer P-tition um Emführung d-S Verstcherungszwanges für die HanvelSge- Hilfen an den Magistrat gewandt. Wir kommen morgen an anderer Stelle ausführlich auf diese Sache zurück. Bon ärttltcher Seite werden wir auf die großen Ge- fahren aufmerksam gemacht' welche das sog. Gänseklein für die Gesundheit des Menschen in fich birgt, wenn e» konsumtrt wird. Die Zuber itung deS GänsekleinS geschieht bekanntlich in der Weise, daß die Flügel und Beine der Gänse durch ein Beil zerstückelt werden, wobei scharfe Knochensplitter in großer Menge entstehen. Vor dem Kochen werden die einzelnen Fleischthnle meist nur ungenügend von den kleinen Knochen- splittern gesäubert und so kommt es denn, daß man daS Gänse- Purpur und feinstes Linnen gekleidet und schlief in gold- strahlendem Gcmach. Agne# Grep durfte nur eine» Wuvsch äußer« und jeder Luxu», de« der Reichthum zu schaffe« vermochte, fi4 ihr i» de« Schoß au» den Händen ihre» kleine« Oheim», de» häßliche« alte« Kobolds. Sie gab Bälle und Matineen und rttt auf arabischen Pferde». Sie hatte de« neueste« herrlichste« Schmuck und ihr« Kleider waren von wunderbarem Schnitt. DaS reizend« jung« Mädchen besaß Gesundheit, Schönheit und eine« vachstchtige« Wächter, so fehlte ihr«nr eines roch— ei» Liebhaber. Et ist eine eigene Fügung, daß, während manche junge Damen ihr Lebe» lang auf eine» Lubhaber warten, ohne daß diese« ihr Sehne« je gestillt wird, andre kaum de« entfernte» Wunsch danach zu empfinden brauchen, und flugs regnet es förmlich Anbeter. So hatte Agnes Gny de» neuesten ihrer Wünsche kaum im geheimste« Winkel ihres Herzen« heraufbeschworen. als die Wand fich aufthat und Herr Richard Burdoo» mit einer Liebeserklärung daraus hervortrat. Sie trafen fich in Gefellschaft. Richard, der gerade ei« Zahr vorher durch de« Tod seine« einzigen Verwandte» einige tausend Dollar ge- erbt hatte,«achte fich nach Europa ans, um dieselben lo« zu werde». Die« gelang ihm vortrefflich, und zu der Znt, von der ich spreche, war er eben zurück gekehrt im Besitz einer Masse uvrützn Eifohrunge« und einer Summe von genau 350 Dollar. Von der sinnreiche« Anschauung au«- gehend, daß ei» solch unermeßliche« Kopttal jeden dummen Streich rechlferttae, ging er mit Agne« aus und davon, ohne de» alle« Drache» von Oheim um sein« Einwilligung zu fruge«. Der eifersüchtig« Alte, der an seiner empfind lichste» Stelle verl«tzt war, tobte wie eine Furie, enterbte seine unglückliche Nichte»nd that eine« feierlichen Schwur, fie eher Hunger« sterben zu lasse», al» ihr zu Hilfe zu kommen. A°favgS schlugen Agne» und ihr Satte diese« Drohungen ein Schnippchen. Besaßen fie denn nicht 350 Dollar? Ausgerüstet mit einer solch unberechenbare» Summe, wa» brauchten Sie an Roth und Glend zu denke»? klein mit ihnen seroirt erhält. Die zahlreichen«rarckheiten de» inneren Organilmu», speziell Darmentzündungen find nicht selten auf oe-schluck-e Knochensplitter vom Gänsellein»urückzu- fahren.»;* der Konsumtion dieser beliebten Speise ist! daher die größte Vorsicht anzuralhen. Der Zugaugsweg' ,« dem Hruptportal der Eharitee, weicher bis oahin schon tür G.'sunde unola rem war, wird seit geftern umg-pflistert. Die kleinen spitzen Feldsteine werden du-.ch Betonchausstrung ersetz'. Uiiprünzlich beab- stchttgle man Asphaltirung, gab st- aoer wegen der St-taung der Straß« auf, da dteseloe für P-:rve gefährlich wäre.- Also scheint auch dort allmäliz die Anficht Raum zu ge- Winnen, daß da, Asphattpflaster für die Pferde gefähr- Uch ist. ES werd; Licht im Batika«- und zwar elettrische» l ÄfeÄ Äf% ÄÄWÄ Lokalkorresponlen, mi rheilt, bereit» degoanen. und wiro der ganze erforderlich- Apparat bi» Ende diese» Ich:-» fertig sein. so daß mit der Aufst-llung d:sselden an O.t und Stelle be gönnen werden kann. Ei« in sauitätspolizetlicher Beziehung sehr bemerken». werther Fall von Miizoranv ist vor einiger Zeit im hiest en Augusta- Hospital beobachtet und wegen seiner bedeutsamen Konsequenzen weiter verfolgt worden. Der Gerber Schwaß, ein kräftiger Mann von 28 Jahren, wuide am Weihnacht«. Heiligabend v. F. von einem Barbier beim R.stren an ver rechten Sette de» Halse» geschnitten. Am folgenden Tage arbeitete er des W-ihnachtkfcste» wegen nicht, dazegm am 2. Feiertage und am Sonntag darauf(27. Dezember) bl» Mit» tag. Am folgenden Tage klagt« er schon Morgen» vor der Arbirt über ein eigenthllmliche» Brennen und Jacken am Halse und Anschwellung deffelden, und al» er am Abend fich ent. kkeldete, bemerkte er, daß auch die rechte Scite der Brust an. geschwollen war. Am andern Morgen begab er stch wieder zur Arbeit, konsultitte j'doch einen Arzt, drr ihn. al» die Schwellung immer mehr zunahm, in da» Augusta Hospttal schickte. Dort tonstatirte Profeffor Küster ein Anschwellung de? Halse», die bl» zur 7. Rippe hinabreichte, und stellte die Diagnose auf Milzbrand. Trotz der eingreifendsten ärztlichen Maßnahmen starb der Patient bereit» am andern Abend. Be» merteniwerlh ist, daß bei der Sekiion im Blute und in allen inneren Organen fich sehr zahlreich die von Koch entdeckte« Milzbrand Bazillen vorfanden. Et wurde nun bei dem Meistrr de» V:rstordcnen Nachfrage gehalten, und diese ergab, daß Schwaß zuletzt Frlle gegerbt hmte, die aus dem Kapsand hier. der gekommen waren. Es liegt hier also offenbar wieder ein Fall vor, wo Milzbrand vom Auttande eingeschleppt worden ist. Ueber die Verwendung dir von den unseligen Fellen ent. ferntm Haare wurde ermittelt, daß di-selben als Wiesendünger verwendet werden, da fie zu km» find, um zu gewerblichen Zwecken Verwendung zu finden. Diese Verwendung ist aber nach einem Aulspruche Kochs als die gemeingefährlichste zu be. trachten, die fich denken läßt, da fie notbwendiger Weise zur Verseuchung ganz-r Wiesen, ja ganzer G gcnSen führen muß, die vielleicht von M lzbrand bis dahin noch vollständig ver. schont waren. In Folge dieser Feststellung haben auch bereit». wie wir hören, unsere Medizinal zehö:ven der Angelegenhett ihre Ausmecksamkett zugewendet. Jugendliche Reisende. Vier G-schwister W.. drei Mädchen und ein Knabe, ver Knabe 9 Jahr« alt, die Mäbchm 6 S und 3 Jahr« alt, baden am 27. o. M. vom stävtiichen Waisenhause au, die Reise nach Chikago per Dampfer de, Norddeutschen Lloyd über Baltimore angetreten, ohne weiter« Begleitung. Die kleinen Reisenden haben schon viele Sr. fnhiungen hinter fich; die Eltern haben fie im Asyl für Obdachlose verlaffen, so daß nicht« anderes übrig blieb, al» ste dem Waisenhaase zu überantworten, welche» fie in verschiede, nen Psl-gestellen unterbrachte, wodurch fie da» Gefühl der Zu« sammengebö igieit verloren hatten. Die Mutter der Kind« hatte von Chikago au« die Auslieferung verlangt und da« Passagegeld rtngejahlt, so daß die Behörde dem Verlang« Folge leisten mußte. So fanden fich die Geschwist-r, die stch nicht mehr kannten, zum Reiseantrttt im Waisenhause zu« sammen, mtt dem Nöthtgen von der WaisenhauSoerwaltung ausgestattet. Der Knabe zeigt« stolz seine ersparten G-oschen, die er in einer Zündholzschachtel verwahrte, da« älteste Mädchen hatte seine Pappe auf dem Arm, die mittlire trug ein Stroh- kö.dchen mtt Spielsachen, während die jüngste fich an die beiden älteren anschmiegte. Die Kinder reisen unter dem speziellen Schutze deS Schtffskapt än» und der Fürsorge der Mitreisenden und werben hoffentlich«bren Bestimmungsort glücklich erreichen. Für deutsch: Vir hältniffe klingt diese Reise abenteuerlich: englische Familten, die in Indien in glänzenden Verhältnissen leben, lassen ihr« Kinder von gleichem Alter den doppelt so wetten Weg nach England der Erziehung und des gesundere« Klima« wegen häufig machen, und noch nie ist ein Unfall vor- gekommen. � Charlottenbaraer Flora gelangte gestern zur Sudhastation. E« traten zwei R-fleltanten auf, ein Kcnsor« ttum und d e Spandauer Bergdrauerei L-tztere beabsichtigt, in dem Lokal einen Ausschank ihre» Biere« einzurichten. Sie kamen nach New>Bork. Ach, wie schnell wechselte« die Bilder i» dem Panorama! Erst feine Gemächer im Metro« politanhotel, dann Fremderpension mtt plötzlichem Abzug wegen urbezahlter Rechnungen, dann billige Wohnungen und Besuche beim Pfandleiher, dann bittende Briefe au de« alte» Oheim» welche sämmtlich zurückkamen. Schließlich finde« wir fie hier in dem elende» Meethhau» in Mulberry. Street ohne eine» Heller Geld, wie fie unter Lache« dem Hungertode in« Angesicht schaue». Wo ist da« Wunder, da« Jugend und Hoffnung nicht zu verrichte» vermöchte»? Die schwärzeste« Gespenster tv greife« vor ihrem munter» Lache« die Flnchr wie beim eisten Hahnenschrei. Mida«, der alles in Gold verwandelt«, hätte der Gott der Jugend zu heiße» verdient! Nach einer Pause in der hetteren Unterhaltung de» jungen Paares, welche ich mir zu nutze gemacht habe, um dessen Geschichte in Kürze zu erzählen, äußerte Dick plötz- lich, als käme er jetzt zum Ware» Bewußtsein;„Weißt Du. Agnes, daß ich recht tüchtig Hunger habe?" .Nein! Wirklich?" erwiderte Agnes mit einem höchst ergötzliche« Ausdruck de« Eistauner«,„dann wolle» wir sogleich da? Esse« austrage« lassen." „Gewiß, erwidert« Dick, unwillkürlich auf ihre» Scherz eingehend,„diese Köchin braucht heute verzweifelt lange. Ich werde fie fortschicken." Dabei that er, al« schaue er auf die Uhr. „Ich will John klingeln und ihm sage«, er solle ihr Füße machen," sagte Agne« mit einer Geberbe, al« zöge fie die Klingel. Nach einer Pause, während deren drr mythische John die Treppe heraufgekommen sei» konnte, fuhr fie fort: „John, saz« der Köchin, sie soll« da« Esse« augenblick« heraufschicke«; der Herr ist sehr ungehalten, daß e« so lang« dauert." (Schluß folgt.) Hochstavler erster«lasse. Ein j'tzt in BUtssel ver- hasteler Wteinationaler Hochstapler, welcher fich Plin, oder «ras Savine nennt und höchst wahrscheinlich identisch ist mit dem«on d-r russischen R-gierung wegen Brandstiftung steckbrieflich verfolaten ehemaligen Lieutenant Sa ine, hat in dem Winter 1824 85 auch Berlin heimgesucht und in Begleitung einer eleganten schönen Frau, welche fich Gräfin Meegen rannte, einet der ersten hiefigen Hotelt bewohnt. Dat Vertrauen d-S Hoteldircltor« wußte er fich durch Niederlegung von 16 0001%. zu d- schaffen. Während die Dame mtt ihrer Kammer« ,ofe Unter den Linden und im Thiergarten spazieren fuhr und die Aurmerlsamleit der Kavaliere auf fich zog, wußte ehr Be- gleit« fich in den Kreisen der Diplomatie, sowie der Gedmtt« und Geldaristokratie Eingang zu verschaffen, wobei ihm seine vornehme Erscheinung und sein gewandtes Wesen zu statten lamen. Schließlich mußte indeß da« edle Paar nach einem anderen Hotel üderfiedeln, weil die Direttion nicht gestatten wollte, daß regelmäßig nach dem Din« der„Prinz" Hazard- spiele, bei denen er alt Bankhalter fungirte, arrangirte. Ein beim Spiel entstandener Strett zog dem S. von Seiten det Trafen H, d-m er 40000 M. abgenommen haben soll, eine Pistolenfolderung zu, d-r er fich indeß entzo«, indem er mit seiner Begleiterin au« Berlin verschwand. Während der An. Wesenheit des Schwindlnpaaret wurden in dem qu. Hotel mehrere Diebstähle an Pretiosen verllbt.— Ueber denselben Schwindler wird aus Brüssel gemeldet: Eine geheimnißvolle P« onlichkeit beschäftigt gegenwärtig auf dat Eifrigste die Brüsseler Polizei und Gerichte, aber trotz aller Anstrengungen ist et noch nicht gelungen, ihren wahren Namen zu ermitteln. Prinz Nikolat Savine oder, wie er fich selbst nennt, Graf Georg von Toulouse Lantcec, fitzt im Brüsseler GefSngw-ß wegen zahlreicher verübter Schwindeleien, Fälschungen, wegen Annahme falscher Namen u. s. w. angellagt. Um die Auslieferung des Prinzen Savine bewerben fich sechs auS> wältige Regierungen. Der Graf behauptet steif und fest, er fei nicht der angeklagte Sov'.ne, der im Auslände die zahl» reichen Schwindeleien verübt und dessen Auslieferung von allen Seiten gewünscht wird; er sei ein Edelmann. Derselbe Jat ein elegantes Austreten und spricht mehrere Sprachen. Er at vo: Gericht seinen Lebentlauf also gezeichnet: Er entstammt einer polnischen 1789 nach Rußland einaewanderten Adelt- familie. Sein G oßoater heirathete eine Rusfin, die Fürstin Katharina Beloff-ltki. Sein Vater war General in der rusfilchen Armee und heirathete die Gräfin Fanny Toulouse- Lantrec; aut dieser Ehe entstammt der Graf. Est 16 Fahr« alt, trat er in die kaiserliche Garde ein und vier Fahre später hatte er 500000 Frlt. Schulden. S:in Bat« nahm ihn det- halb wieder zu fich; von 1875 bis. 1877 blieb er bchuft B-fferung auf dem Lande. Am türkischen Kriege nahm er Theil; bei der Einnahme der Schanze Giriga wurde er ver» wundet. Er begleitete sodann den General Slobel-ff alt Ordonnanz Offizier nach Zentral- Asten und wurde bei der Ein- nähme von Gert Töpö verwundet. Nun ging der Graf nach Pari« und führte da» flotteste Leben; er vergeudete Alle«; eine unerwartete Eidschaft brachte ihm neue Mittel, die er 'aber auf Monte Carlo verspielte. Nun ging et nach Rußland heim, wo er wieder mit Maitreffen ein tolles L-ben führte. Seine fromme Mutter, die in Florenz lebte, nahm ihn wieder zu fich; fie versöhnten fich; sie bekehrte ihn zum Katholiziämut und alt Buße zu einer Wallfahrt nach Jttusalem. D« fromme Graf führte fi« aut; alt er ab« zurückkehrt«, ging er statt zur Mutter nach Monte Carlo, v«lor Alle« und eilt« nach Parit, wo er große Schulden machte. Von den Gläubigern verfolgt, floh« nach Brüssel, leistete in Schwindeleien auch hier Großes und wurde festgenommen. Trotz dieser sehr auS'ühilich vor« Selragenen Schilderungen und des warmen Eintretens des ZershtidigerS, der den Grafen als Edelmann schilderte, ging der Brüsseler Gerichtshof aut nicht» ein. Er erkannte, daß für die in Brüssel»«übten Schwindeleien dir Graf 9 Monate und 23 Tage im Brüsseler Gefängniß abzufitzm hat, daß der. selbe kein Ander« alt der Prinz Nikolat Savine, also später nach Verdüßung der Strafe autzultef«» sei. Da da« nicht nachgewiesen, hat der Vniheidig« gegen die Autlieferung die Berufung an den Appellhof angem-Idet. Dat Korrektiont- tribunal selbst ist über die Fbentität nicht ganz sicher; die F age: Fft der Verurtheilte d« von den auiwär'.igen Regie» rungen gesuchte Prinz Savine od« ein ander« Abenteur«, ist« ein Graf oder wat sonst? hat noch keine Lösung ge« fanden. Der Matador der Einbrecher Deutschland», welcher in den letzten Jahren die Sicherhett in den größ«en StädUn Deutschlands gefährdet hat, der 23jShrige Schreiber Adolf Kcüger, hatte, wie bereits mitgctheilt, der hirfizen Kriminal. Polizei, welche ihm fortgesetzte Aufmerksamkeit schenkte, aui Holland geschriebm, daß er fich für die indisch« Armee habe anwerben lassen. Da Krüger die Genüsse des Leben» und namentlich den Umgang mit Frauen liebt, und der Ertrag feine? zahlreichen Einbrüche ihm gestattet, ein veischwmderischet Leben zu führ n, schien eS wenig glaubhaft, daß er sreiwiüig den Schauplatz seiner gewinnbringenden Thätigkeit »«lassen und fich in die Soldatenjacke zwängm werde, zürne I « durch ein ärztliche« Zeugniß gegen ftraftechtliche V«« folgung geschützt ist. Vielmehr deuteten verwegene Ein« brüche, welche in den letzten Monaten in Süddeutschland ver« übt wurden, auf die Anwesenheit det Krüger daselbst hin. und diese Anwesenheit hat fich auch alt richtig erwiesen. Fm April d. F. wurden in Frankfurt a. M. Werthpapiere in hohem Be« �age mittelst Einbruchs gestohlen. Ein Tdeil der gestohlenen «ietthpapiere ist in Breslau von ein« Person, welche fich %%*» nannte, auch Legttimationtpopiere auf diesen Namen «1 r!!' vkitauft worden. Die hiefige Kriminalpolizei hat mwi festgestem, daß der Thränt, auf welchen die Papiere lau» °?"�°kbtn und daß d.r Verkäufer mit Krüger f«f,"* bracht« sie in Erfahrung, daß letzterer fich Briefe nach Köln hatte schicken laffm. Der Kriminalkommrffar Braun, welcher fich s. g dienstlich in Köln aushält, machte «un im Beistand dortiger Polizeibeamt'N Jagd auf den Krüg«, und et gelang ibm gestern, den letzteren auf dem Rheine, nach hartnackiger B«folgung de» Kahne«, auf welchem «rüg« enlfliehen wollte, festzurnhmen. In seinem B. fitze wurden mehiere Tausend Mark in daarem Geld und Werth. Papteren ge-unden. Krüger wird nun der Staatsanwaltschaft za Frankfurt a- M. zur Verfügung gtst.llt und sein Gemütht- zustand von den dorttgrn Lerzten festgestellt werden. Im In- «reffe der öffentlichen Sicherheit wäre et wünscheniwerth. daß «r nicht«iever in Dalldorf untttgebracht wird, weil er von vort wiederholt ausgebrochen ist und nur so lange bleiben «ü:de. alt e, ihm beliebt.- Wie wenig da» Jrrenhau« ihn schreckt, hat« u. A. dadurch bewiesen, daß er kurz nach «nem gelungenen Ausbruch in die Fnenanstalt eingebrochen ein dort detinirte« Mädchen, für welches er stch in- e™e,«u entführen. SJ-Ä-ÄÄT «Jöael 25 Pf. per Stück. & arsÄ« oüö',tt Ctfitf. Weintrauben 26—30, Pflaumen 3-6, «tmen 5-10 Morl, feine Sorten 12-25 Mark, Bepfei 5-10 Mark, feine Tafelforten 12-25 Mail, Zwiebeln 2,00-3,00 M. pr. Ctr., Schalotten 6-7 M., Neue fou« Gurken 1,50—2 M. p« Schock. Melonen 15 dit 20 Pfennig pr. Pfund, Ananat 2,50—3,00 Mark pr. Pfd. Karotten 2.50 dit 5 Mark per 100 Kilo, Wirfing. kohl 2—3 M., Roth» und Weißkohl, große Köpf« 3-4 M. pr. Stock, Blumenkohl 10-15 R. vr. 100 Stück, Meerettig 6—12 M, Kartoffeln, im Preise steigend, weiß« 8,50-4,00 PL, röche 2,80 bit 3,00 M.. blaue 3,00-3,60 M. pr. 100 Kilo. Blumen und Blätter. Bei d« kühlen Witterung find die Eingänge gering. Lorbeerblätter 3—4 M. pro Kord. Rosen 5-6 M. pro 100 Stück. c. Butter. Frische feinste Tafelbutt« x. 118-122. fein» Butt« l. 110-118, n. 98-108, lU. fehlerhafte 82-92. Landbutt« l. 92-98. n. 75-85 M. Galizisch« und and«, gerinaste Sorten 65—72 Mark p« 50 Kilo. Preise fest. Käse. Echt« Emmenchal« 73—80 Marl. Westpreußischer Schw«tz«käse L 66 bis 63 Mark. U. 50 bit 66 Mark, HL 45-48 M„ Quadrat. Backstein l. fett 22-25 M.. IL 12-18 M.. Tilstt« Fetfläfe 45-56-60 M.. Tilsit« Magerkäse 18-23 Mark. Limburg« l 30-35 M.. n. 20 bi8 25 M., rheinisch« Holländer Käse 45-58 PL, n. Maare 35 M.. echter Holländer 85 M., Edam« L 60-70 R.. n. 58-68 M., ftanzöfisch« Neufchatell« 16 M. p« 100 Stück, Camembttt 8,00—8,60 M. per Dtzd., Mainz« 4.00 M„ Harz« 3,50 p« 100 Stück, Roquefort 1,20—1,50 pr. Pfd. Ei«. 2,60—2,60 M. p« Schock. Honig, rein« deutscher 60, feinst« weiß« 70—80 M. pr. Ctr. �_ ««äucherte Fische. Rheinlach» 2�0-2,90 PL. Weser. und Ostseeiach» 1�0-1,40 PL. geräucherte Aal« 70-1,00 Mi 1,30 Pf. vr. Pfd., groß« Delikateßaal 1,50 p« Pfd., Flundern, kleine 2,75—3,50, mittel 4,50-8, große 12-20 PL. Bückling» 3,50 bi» 5,00 M. Dorsch 3-10 PL per 100 Stück. Sprotten 0,40—0,50 per Pfund. Krebse. Kleine, 10 cm. 1,00-1,50 3B, mittel 2-4 PL große 8—12 M. p« Schock. Hummem 1,30—1,60 M. pn Pfund._. � Ledend« Fische. Aal, mittelgroß 80—95, große 1,10 M. Hecht 60-70 Pf.. Schlei« 80-90 Pf. vn Pfund. Seefisch«. Lacht 1,00-1,20-1,30 Marl, Zand«, große. 30-100 Pf.. Hecht 40-50-65 PL, Steinbutte 70-30 Pf.. See- zunge, große 0,70— 1 M., mittel 60-60 Pf., Scholle 10— 25 Pf., Schellstich, groß« 20 Pf„«abltau 15 dit 20 Pf. p« Pfund, Makrelen 40-60 Pf. pro Stück. Polizei» Bericht. Am 29. d. M. Nachmittag» starb plötzlich auf dn Straße vor dem Hause Flottwellstr. 17 der Dienst mann Naajock, wahrscheinlich am Schlagfluß. Die Leiche wurde, nachdem d« eingetretene Tod ärztlich testgestellt worden, nach dem Schauhause gebracht.— In d« Nacht zum 30. d.M. stürzte au» noch nicht aufgeklärter Veranlassung ein Theil det vor dem Hause Friedrichstr. 160 aufgestellten Bock- gerüste« zusammen. De: Stadtnachtwächt« Otdeck, welch« stch gerade darunt« befand, wurde durch die herabfallenden Brett« so schwer verletzt, daß er mittelst Droschke nach der Klinik in d« Ziegelstraße gebracht w«den mußte. Gerichts-Zeiwng. t Der Prozeß Wege« versuchte« Betrage« gegen die Kaufteute Max Fitedlänver und Mendel Max Lö venthal und gegen die unvnehelichte Schwester de««steten, Anna Friedländer, dem man in den KreisenIder Geschäftswelt mit einiger Spannung entgegensah fand gestern bei überfülltem Audi« torium vor der zweiten E traflamm« de» hiefigen LandgnichtS I statt. Alt Vorfitzender de» Gerichtshöfe» fungirte d« Land« gerichtirath Marlstein, alt Staatsanwalt Hrtt Weichert; die Vertheidiaung lag in den Händen der H irren Rechtsanwälte Dr. Fr. Flievmann, Felix Cohn und Raphael. Die Anklage hatte ursprünglich auf vorsätzliche Brandstiftung gegen Mvx Friedländer, der in Untersuchungshaft genommen worden war, mitgelautet; dies« Theil der Anflage war jedoch wegen nicht genügenden BeweiSmaterial» fallen gelassen worden. So lautete fie ausschließlich auf gemeinichastttch versuchten Be. trüge»; die B-schädigte sollte die North. Brttish-Mnkantil. Gesell, chaft sein. Bei dies« G-sellschast hatte die Firma, in die Löwenthal alt Mitinbader am 1. April 1885 getreten war, nachdem er vorh« lange Jahre für dieselbe geretft hatte, laut Polize vom 9. Juni 1885 ihre gesammten Mobilien, ihr Waarenlager und ihre Maschin-n dit zum 1. April 1890 auf einen Betrag von 60 000 Mar! verstchert. Die Angeklagten betreiben ein nicht undeveutendeS Passementerie Geschäft en gros in der Brüdcrftraße 3, wo fie da» zweite und dritte Stockwerk innehaben; dort befindet stch auch ihre Posamentinfabrik und die Lagerräume. Am Abend de» 17. Oktober v. I. wurde die Feuerwehr durch einen Brand, der in dem Frledländer'schm Geschäft autgedrochen war, alarmirt; fie fand den Feuerhnd im drllten Stockwerk in der sogenannten„Abfertigung": der Schaden, der an«. richtet wurde, war«in nickt unbedeutend«, et waren Posa« mentierwaoren in Wolle, Seide und Chenill« verbrannt und vor allem sollte in dem Reposttorium, wo die unvnarbeiteten Seidenvorräthe, die theilS auf Rollen gespult, theilt ungewickelt waren, lagerten, von dem Fcun dat kostbare Material ver« nichtet worden fein. Die F«uttve:fich«ungtgesellschaft würbe benachrichtigt und et«schien der Inspektor Ritter von der North'Vrttish'Mnkantil, um den Schaven festzustellen und die Ansprüche de» Geschädigten zu prüfen. Nun macht die Anklage den Angeklagt, n zum Vorwurf, daß fie bei der Feststellung de» Schadens die Gesellschaft hätten üderoottheiftn wollen. Bei d« ersten Verhandlung mtt dem Inspektor Ritt« waren die Entschädigungtansprücke sehr bedeutend. Vor allem behauptet« Friedländer, daß ca. 50-60 Kilo Seide, die einen Wrrlh von ca. 58 M. pro Kilo hätten, verbrannt oder beschädigt worden seien. Diese Seide sei von den Wickl«innen aufgeipult ad« geliefnt worden und habe in dem verbrannten Reposttorium gelegen. Au» den Uederrcsten der verbrannten Seide, dt« mtt Staub und Schmutz»«mengt in einer Kiste lagen, ließ stch auf da» ursprünglich« Quantum kein Schluß ziehen. Auch sonst war die Ermittelung schw« und wurde dadurch beinahe unmöglich gemacht, daß da» Geschäft die Arbeittbücher der WickleUnnenZ nicht zur Stelle brachte, in denen die Posten genau vrrzeichnet stehen mußten. Statt deffrn wurde ein« Art von Lagerbuch vorgelegt, in welchem von der Hand det Fräulein Frtebländ««ine Reihe Notizen über da» an die ein» zelnen Ardeitelinnrn gelieferte und von ihnen wieder adge« lieferte Quantum Seive»«zeichnet waren. Ein« desond«« Beweitliaft tonnte dies:» Buch aber nicht beanspruchen, denn ei war in sehr lüderlichem Zustande, Seiten waren heraus. gerissen und einzelne Zahlen radirt.«ei dieser Sachlage waren Differenzen zwischen dem Beamten d« Gesellschaft und d« Firma unausbleiblich und et kam soweit, daß auf eine Beschwerde Frirdländer« hin die North« British. Merkantil den Oberinspektor Schubert an Stelle Ritter« mit den Rech«« che» betraute. Aber auch He« Schub«» konnte kein desond««? Licht in die Sache bringen, er«reicht« nur durch seine Ver« Handlungen, in denen«i auf die»orgefundenen„Unregel. mäßigketten" h'.vwie». so viel, daß die EnIschäMgungjansprücht bedeuiend ermäßigt und schließlich auf ca. 1200 TO. fessgefetzt wurden, von denen auf die verbrannte Seide 925 M. ange- rechnet wurden. Mit diesem Vergleich war ad« da, M,ß. trauen der Gesellschaft, od wirklich da» entschädigte Quantum Seide vrrdrannt sei, um so weniger beseitigt, alt fich heraut. stellte, daß eine d« Arbeiterinnen Namen» Krüger, die in dem „L-gerduche" mtt einem bedeutendin Posten obgelteftdei Seide angeführt war, gar nicht existirte. Nun deschastigte fich die Staatsanwaltschaft mtt all' diesen Vorgängen und erhob die Anklage. Die Angeklagten bestreiten jede Schuld. Löwen- thal der gegen seinen Soziut durchaus keine freundliche Ge- fi-inung zur Schau trägt, will stch an den Verhandlungen mtt der Gesellschaft gar nicht betheiligt haben und bat nur da» letzte Protololl unterzeichnet. Er habe stch um den inneren Geschäftsbetrieb gar nicht bekümmert. Sehr umständlich gestaltet fich die Vernehmung de» Fräulein Fcied- länder, die etwa» schwerhörig ist. Sie hat eine Art von Vrr» trauentvosten im G-schäst bekleidet, fie leitete die Abfertigung und gab den Wicklerinnen die Seide heraus. Die Rabirungen in dem„Lag«ducht" erklärt fie alt sehr harmlos, die auSgr» riffenen Seiten sollen unbeschrieben gewesen sein und die Ar» bettertn Krüg« wirklich ex-stirt haben. Diese Angabe wild auch durch eine Zeugin bestäiigt, welche eine kleine Frau im grauen Umschlagetuch mtt glatt anliegenden Haaren, so w!e Frl. F. dir„Krüger" schildert, gesehen hat.— Die Zrugenv«, nehmung trägt wenig dazu bei, die Verworrenh'tten zu lösen. D« Jnsplktor Ritt« wiederholt die den obigen Autführunzen zu Grunde liegenden Angaben. Er ist von Friedländer wegen Beleidigung vnklaat, aber freigesprochen worden. Od vi« schließlich von der Gesellschaft für die verbrannte Seide ge- zahlte Entschädigungssumme von 925 M. zu hoch war, vermag er nicht bestimmt zu beurtheilen, nimmt es aber an.— Der nächste Zeuge, Oderinspekior Schubert, schildert die von ihm an Stelle Ritter» fortgesetzten Verhandlungm mit Friedländ«, an der auch Löwenthal und Fräulein Fried« länder tdeilnahmen. Fräulein Friedländer sei frcppirt gemser, als«(Zeuge) st- auf die Unregelmäßigkeiten im Laznbuch aufmerksam gemacht habe, al» sei fi« selb« über da» nicht ganz klar, wa» rocgekommen sei. Da e» absolut unmöglich gewesen sei, die Lohnbücher d« Arbeiterinnen von Fräulein F iedländ« zu«halten, und e» somit an jedem bestimmten Anhalt gefehlt habe, so habe er(Z.'uge) an die kaufmännische Rechtschaff-�» b«U Friedländer» appellirt und ihn gefragt, innerhalb welcher Grenzen sein Schade seL Hierbei habe er(Zeuge) darauf au'» merkiam gemacht, daß der in den Verhandlungen mit Rttter auf 53 M. pro Kilo Seide festgesrtzte Prett nur dem Preise für Seide defi« Q ralttät entsprach, während auch eine gerin-- werthigne Sorte auf Lag« gewesen und verbrannt sei. So habe man die Entschädigung pro Kilo Seide auf 37 M. alt den Durchschnittspreis festgesetzt und Hab« I die Gesammi» entschätiguM für die verbrannte Seide auf 925 M. festgesetzt. Diese 925 M. seien aber trotzdem noch imm« ein zum mindesten „sehr reichlicher Ersatz" für die Seide, dir wirklich verbrannt sei, gewesen. Die Vernehmung der übrigen Zeugen ergab ebenfall keinen fiteren Anhalt für dle betrügerisch« Abficht der Ange» klagten bei Ausstellung ihrer Ansprüche, und so beantragte Staatsanwalt Weichert selbst die Freisprechung det Löwen» thal und Frl. Friedländ« und änderte den Anklagepunkt gegen Max Friedländer auf zu hohe Mobiliarvnstcherung. RechtSanwa't Friedmann beantragl« die Freisprechung, da diese» Vttgehm in leiner Weise begründet werden könne, während die R-chts» an-välte Cohn und Raphael fit dem Antrag« det Staatsanwalt« anschlössen. Der Gerichtshof schloß fich bezüglich Max Fried» länder» den Autführungen d« V-rtheidigung an und sprich alle drei Angeklagte von Schuld und Strafe stet. Der Landetverrathtprozeß wider den dänische« Kapitän a. D- v. Sarauw und den Schriftsteller Röttger batte dem Rcdatteur de».Leipzig« Tagekanzeiger", Max Gärtner, dem Verleger de» zu Chemnitz«scheinenden„Säch- &%%%,% Matt". August Svring« un dem Journalist Hugo Fnedländer au» Berlin auf Grund der§§ 17 und 18 de» Preßgesetze» eine Anklage zugezogen, und zwar wegen einet über den Beginn jener Verhandlung in den genannten Blattern erschienenen, von Friedländ« verfaßten Berichts, in dem angeblich Mittheilungen au» der Anilaqeschrist wiver Sarauw und Genoffen enthalten wann. Da» Nachspiel kam am 21. d. M. vor der 2. Straf» kammer de» kgl. Landgericht» I zu Leipzig zur Verhandlung: die Uriheittpublitation winde auf den 28 dt. Mi»., Mittags 12 Uhr. festgesetzt. Dieselbe ist denn auch erfolgt und wurden vermtheUt: Max Gärtner(L-tpz. Tag..Anz.), Wilhelm Götze (Sächs. Land.'Anz. in Chemnitz) und August Springer(Zwick. Tagedl) zu je 100 M.. Hugo Friedländer dagegen zu 300 M. Der Verleg« de«„Sächs. Land.. Anz.", Max Wied«, wurde freigesprochen. Wie wir hören, legen die V-rurtheilten die Revision ein. Wege» Duldung von Glücksspiele« in seinem Nestau» rationSiokal war vor kurzem der Gastwirih Rudolph Wilhelm Westphal in F-tedlichSderg zu 30 M. Geldbuße rvent. 6 Tagen Hcft durch schöffengnichtUche» E.kenntniß verurthetlt worden. Am 25. Nooemder v. I. veranstaltete Herr Westphal in fein-m Lokal ein großes Wurstessen, nach dessen Erledigung ein Thett der Gäste fich in«in separat gelegenes Zimmer zurückzogen mrd dort.Meine Tante— Deine Tante" hazardirtrn. Do» Schöffengnicht halte bei der U theilßsällung alt erwiesen ange» nommen, daß Westphal, obwohl er von dem fetten» d« Gäste entrirten Hazardspiel Ker.ntniß gehabt, daff-lbe stillschweigend geduldet. Nach eingelegter Berufung sübrte Köppen vor d« Strafkammer det Landgeiichl» ll den Nachweis det Gegen» theil»; verschiedene der von ihm vorgeschlagenen Entlastung»» zeugen bekundeten, daß der verurtheilte Wirlh, sogleich, alt er da» Hazardspiel gewahrt«, die Kasten fortgenommen und dat. selbe kurzerhand untersagt hat. Auf Grund dieser F-ststclluno beantragte der Staatsanwalt Fieisprechung; demgemäß«kannte der Gerichtshof. Die gesammten Kosten de« Vnsahrent, ein« schließlich der dem Angeklagtm vnursachtn Autlagm, wurd-n d« Staatskasse auf«legt. Uerrtue und U-ersammwngr«. . r3!?*, Sachverein dtr Böttcher hielt am 26. Septemb« in Heise'» Salon, Lichtendergerstr. 21, eine Mitgltednversamm» hing ad, in welcher Herr Holtmann einen betsälltg auf«» nommenen Vortrag hiell. Von einigen Mitgliedern wurde der Wunsch geärßert, öfter dergleichen Vorträze zu veranlassen. welche gemerbtiche Themata behandeln. Zu„Verschiedem»" th-itt der Vorsitzende mtt, daß am Sonntag, den 10. Oktober. eine Matmö« im Saale det Böhmischer, Braubau se» ftailstndet. und bat um recht rege Betheiltgung, da der Uederschuß hilf». bedülfttg«, Kolleaen zufalle. Fern« wurde mitgaheilt, daß die Kollegen in Norddausm dir Arbeit eingestellt haben, da*» chnen nitht möglich Iei. dei den jetzigen Löhnen zu.x. stiren. Die Bersammlung beschloß, den Streikenden nach Klärten zu helfen. Et wurde hierauf v« Wunsch geäußert, die Delcgirten möchUn doch Ausschluß geben über die in Gera stattgefundene Generalversammlung. H-rr Holtermann erllärt, dir» ohne Er» laudniß det überwachenden Herrn Polizeilieutenantt nicht zu dürfen. Letzt«««rkiärte fich außer Stand-, diese Erlaubn.tß zu«theilen, da diese Bertckterftattong nicht auf der Tige». ortnung stand. Die nächste Versammlung wurde auf Sonntag. den 17. Ottober festgesetzt. Der Kachveretn sämmtlicher an Holzbearbeitung«- Maschtn-U beschäftigten Arbeit« hielt am 27. September im Lo'alt de» Herrn Säger, Grüner Weg 29, eine MUglieder- Versammlung ab. Der Vorfitzende theilte mtt, daß die Aenderung det§ 10 de» Statuts von der Behörde genehmigt worden ist. Sodann beschloß die Versammlung, die gahlfiellc vom Teutodurgerplatz nach der Wörtherstr. 63, Hos p, bei Herrn Gcrlach zu verlegen. Ein Mitglied de««rbeittnack- weiilomileet regte verschiedene Uederstände im Arbeitt Nachweis an und wünschte Adhilse. Die Veisammlung beschloß j-doch. die Regelung dies« Angelegenheit dem Komitee allein zu üb«. lassen. Ei wurde hierauf beschlossen, in diesem Jahre im „Bttltn« Volltblatt" und in der„Volktzeitung" in Zwischenräumen von ungefähr 14 Tagen den ArbettSnachweit durch Jnsttat bekennt zu waten. Ferner wurde beschlossen, cm Sonntag, den 27. Nooewder, ein Familienkrönzchen zu ver« anstaltm. Die nächste Vnsawlung. in welcher Herr Dr. Baumaart einen Vorteag halten wied, findet am Tonntag, den 17. Oktober, in demselben Lokale statt. D'» Verein zur Wahrung der Interesse« sämmt« liehet Lacktrer aller Branehe« Berlin« und Umgegend hielt am Montag, den 27. September, in Niest'« Talon, Rom» mandantenstr. 72, unter Vorfitz de! Heim Jacob eine Mit- gliederversammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Vortrag de« Herrn Canitz über Lungenleiden, 2. Dittusfion und Frage. kästen, 3. Verschietin««. Herr Canitz hielt einen sehr interessanten Vortrag, der ron allen Mitgliedern sehr beifällig aufgenommm wurde. Darauf erfolgte eine Dittusfion, de» «rlcher Gelegenheit Herr Weidcman hervorhob, daß er an der« selben Krankheit leide und gefunden habe, daß er den Vor« sch iften gemäß fich wohler befinde. Beim Punkt„Verschiedenes" theilte der Herr Vo fitzende mit, daß die Kollegen sehr mühselig auf dem Ardeitsnachwet« erscheinen, da verschiedene Stellen vakant find und die Meister ein paar Mal Anfragen müssen, ob fie keine G.Hilfen bekommen. Hierauf erklärte Herr Harnisch, daß dle Eir naimen vom Billetverkauf fich auf llö M. und die Ausgabe auf 110 M. 50 Pf. deläust, daß also ein Ueberschuß von 7 M. SO Pf. verbleibe. Herr Rautcnhaus bt> merkte v. 81, daß, wenn fremde Kollegen hier zugerrist kämen, ihnen eine kleine Unterstützung zu Theil werden sollte, worauf H'rr Schüßler erwiderte, daß daS laut VereinSfiatut nicht an« {tnge. Hierauf wurden noch verschiedene Bereinsangeltgen« eiten erörtert, worauf Herr Jacob nochmals ermahnte, daß die Killegm recht zahlreich aus dem Nachweis erscheinen möchten, um denselben zu kräftigen und zu fördern. Dann schloß der Vorsitzende mit einem dreifachen Hoch auf das gute Gedeihen des Vereins um 12 Uhr die Versammlung. Oeffentltche Schneider. Versammlung. Am Montag, den 4. DI ober er., übend« 8% Uhr, findet im Louisenstädttschen Konzerthaus, Alte Jakodstraße 37, ein« öffentliche Schneider- versammlung statt. Taaesordnung: 1. Zeichen der Zeit und Erörterung der großen Nachfrag« nach Ardeitern jetzt und ihre Berechtigung. 2. We.kstätten- Angelegenheiten. Die Arbeiter und Zuschneider der großen Geschäfte, des Offiziervereini und der Firma Gebr. Dahms. Köpnickerstr. 73, werden aufgefordert zu erscheinen. Die allgemeine deutsche Kranken« und Vegräbniß« kasse sür Wirker, Weber, Spinner, Färber und Aibeiter in verwandten BerufSzweigen beiderlei Geschlecht«(E. H. Nr. 67, Sitz Chemnitz) entspricht den Anforderungen de«§ 75 de« KrankenvelstcherungSgesetz:« vom 16. Juni 1884, fie erstreckt fich auf da« ganze Deutsche Reich und gestattet jedem Mit« 8 Hede, ohne Verlust seiner Mitgliedschaft seinen Wohnfitz inner« alb dieser Grenzen zu nehmen. Aufgenommen wird jede Person teiderlei Geschlecht«, gleichviel welcher Branche, welche aesund, nicht jünger al« 14 Jahre und nicht älter als 46 Jahr« ist. Krankenunterstützung wird gewährt bis zu einem Jahre. Eintrittsgeld beträgt 1 Mark, die Unterstützungen 12, 10, 8 und 6 Mark wöchentlich. Die im Jahre 1685 zur Bulzahlung gelangten Kranken gewer betragen über 22000 Mark, der jetzige Mitglied-rdestand 2000. Jedem Arbeiter der oben genannten BerufSzweige, welcher sein Selbstbestimmungsrecht in Kranken- kaffenangelegenhritm wahren will, empfehlen wir nochmals dm Beitritt zu einer srekn Hilfskaffe. Für die örtliche Ver« waltungsstell« Berlin nehmen Anmeldungen neuer MUglieder jederzeit entgegen dt« Herren Albrecht, Kl. Andreatstr. 15 Hof 1 Tr.; Giößler, Alle Jakobstr. 17; Scholz, FriedrichSberg, Kreuzigerstr. 1. 3 Tr„ sowie der Vorsttzende Alb. Ntedne«, Gr. Franksurterftr. II, 3 Tr. I« der sreireligiöse« Gemeinde spricht am nächsten Sonntag. Vormittag» 10 Ubr, Rosenthalerstraße 38, F au Klara Neymann aus Ncw«Bork über die Entwicklung des Freider, kcrthumi in Amerika, und Abend« 7 Uhr wird daselbst Herr Schäfer über seine Sommerreise berichten. Allgemeine«ranken- und Sterbekasse de« Metall- arbeite«(E. H. 29, Hamburg).' Filiale 4. Dm Mitgliedern �ur�Nmhricht, daß die nächste Versammlung erst am 6. Nobr. Fachverein de» Schlosser und Berufsgevossen, Sonnabend, den 2. Oktober, Abends 8% Uhr, in Gratweil'« Bierhallen, Gmeralvertammlung. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht vom HI. Quartal. 2. Aufnahme� neuer Mitglieder. 3. Vereiniangelegmheiten. 4. Verschiedene« und Fragekasten. Ranch klub„Westend" Freitag, Abends 9 Uhr, im Hohenzollemgarten, Steglitzerstr. 27. Kleine MittheUimge«. Rüdethetm» 28. September. Bei AßmannShausm er- eignete fich gestern auf dem Rheine ein Unfall, der leicht zahl- reiche weitere Unglücksfälle hätte herbeiführen können. Ein großes Floß gerieth dort gestern Mittag in die Drahtseil« eineS drei Frachtschiffe ziehenden Schleppdampfer« und kam dadurch au» setner Fahrrichtung. In Folge dessen stieß ein unmittelbar hinter dem Floß treibende« zweite« Floß auf da« erster«, und zwar mit einer solchen Wucht, daß beide auSein- andergerissm wurden und die ganze Ober fläche de« Rheines mit ihren Trümmern bedeckten. Nur mit knapper Roth gelang es der Mannschaft, fich in die anhängenden Kähne zu retten. Große Gefahr entstand durch die einzeltreibenden Floßtheile und Stämme für etwa zu Berg kommenden Sch ffi. Zum Glück ist ein Anprall der Floßtheile an Schiffe nicht oorge- kommen, ein großer Theil der Stämme staute fich schon bald hinter Aßmannshausrn und blieb dort an einem Felsen hängen. Nur ein kleiner Theil trieb, ein Badehäutchen mit fich fort- reißend, bis Heimbach herunter. Eine Stunde nach obigem Vorfall ereignete fich ein zweites Unglück. Sin mit 8000 Zent- nein Geiste beladencs, noch Holland bestimmte? Eegeischiff erhielt in der Nähe des Bingerloch« infolge AufftoßenS auf ein FelSstück ein Leck, trieb bis unterhalb AßmannShausen und sank dort. Kassel. 27. Sevtember. Ein bellagenswrrthrr Unglück!« fall hat fich am Eonnabend am Spätnachmittage auf dem hiefigen Bahnhofe zugetragen. Ein Bahnarbeitcr wollte noch ror dem im Auslaufen begriffenen 6 Uhr-Zuge nach Thüringen die Bahngeleise in der Nähe des Tannenwäldchens rasch über- schreiten, wurde indeffen von dem Puffer der Lokomotive er« faßt, überfohrcn und sofort getödtet. Der Körper d«S Unglück- lichrn wurde buchstäblich zermalmt. Der auf so entsetzliche Weise verunglückte junge Mann soll der einzig« Sohn und Ernährer einer Wittwe in Niederzwehren sein.— Ein zweiter Ardeiter, welcher denselben Weg eingeschlagen, wurde noch glücklicher Weise durch Nothstgnal« vom Lokomotioiührer und durch Winken mit dem Taschentuch rechtzeitig gewarnt.— An demselben Tage wurde ein Schaffner bei Helsa vom Zug todt« gefahren. Kassel, 29. September. In der Stadt Hünfeld find durch eine FeuerSdrunft mehr als zwanzig Häuser eingeäschert worden. Hoya. 28. September. In dem benachbarten Dorfe Alten�ücken hat fich gestern ein schweres Unglück zugetragen. Ueder da« traurige Ereigniß wird folgendes berichtet: Gestern gegen Mittag kam der Schuhmacher Hartmann jun. aus Bücken in voller Hast cuf den Hof der Prtnzhorn'schen(Miyer'schen) Wassermühle in Rltendücken gelaufen und machte den Haus- leuten die Mitthetlung, daß der alte Futterknecht de« Prinz- hom'schen Hofes, der 70jährige Friedrich Hcy-r, blutend und anscheinend leblos auf dem Wege hinter der Mühle liege. Als man hinzuetlte, fand man diese Kunde bestätigt. Bei der Un- tersuchung der Leiche deS alten Mannes zeigte fich an dem einen Schenkel eine tiefe Bißwunde, welche die Hauptader ge- troffen und die rasche Vrrblmung deS Greise« herbeigeführt hatte. Die Bewohner der Mühle können keine andere Erklä- rung für den Tob de« Greise» finden, alS die, daß der große Zuchteber, welcher auf dem Hofe gehalten wird, den Knecht todtgediffm hat. Der dedauernkwerthe Grett hielt, als man ihn fand, in der Hand noch lramp'haft eine Weivengerte fest, deren er fich zum Eintreiben des Ebers bedient haben mochte. Letzte Kachrichte«. Bulgarische«. Eine Bürgerdcputation Sofias ersucht« nach der„Voss. Ztg." den G-neral KaulbarS, dafür zu sorgen, daß die Fürstmwahl möglichst bald erfolge, weil Handel und Gewerbe unter den gegenwS:tig:n Verhältnissen leiden. Kaul- bar» erwiderte: Vorher solle die R-gterung die russischen Forderungen erfüllen; dann könnte in zwei Monaten die Fürstenw-h! stattfinden. Autflug der Sozialdemokrat««. Am letzten Sonntag machten die Sozialvcmolraien in F r a n l f u r t a. M. mit Frauen und Kindern, er. 500 Personen, einen Ausflug nach Oberrad. Zwei Polizeikommifface, vier Schutzleute und viel« nicht unifoimirie Beamte von Frankfurt, sowie die Odenäder Polizei überwachten die Theilnehmer, welche fich im„Hirsch" geir.üthlich unterbielten. Abend» zog die Menge wieder nach Hause und die Polizei fand nicht den geringsten Anlaß zum Einschreiten. Flensburg. In Sachen deS Maschinenbauerstreik». Dienstag, den 23. September, wurde auf der Anschlagstafel den Arbeitern der Schiffswerft vrrkündtt. daß, wenn die Werst fich nicht bis Sonnabend, den 2. Oktober, mit den streikenden Maschinenbauern vereinbart hätte, die Werft geschlossen werden solle._ Der„Reichsanzeige«" bringt heute die Verordnung betr. die Verlängerung de« Belagerungszustandes über Hamburg. Theater. Vor« Vor- Vor- Vor- Freitag, den 1 Oktober. Optruhaus. Der Wildschütz, oder: Die Stimme der Natur. Schauspiethau«. Ein Wrntermälchen. Deutsches Theater. Nathan der Weise. «eoll's Theater. Konzert von Hmry Marteau. � Friedrich WilhelmstSdttsches Theater. Der Nachtwandler. Walluer-Theater. Ein Blitzmädel. Belle-Alliauee-Theater. Drei Paar Schuhe. Oftend-Theater. Der deutsch« Michel. Viktoria- Theater. Amor. Tanz-Poem von Luigi Manzotti. Walhalla-Theater. Don Cesar. Restdens-Theater. Dir Danischeff». Zeutral-Theate«. Alte Jakobstr. 30. Direkt.: Adolph Emst. Der Wald-Teufel. Gesangs- poffe in 4 Dktm von W. Mannstadt. KoupletS von T. Görß. Must von G.Steffens. Mit neuen Dekorationen und Kostümen. (Novität!) Konkordia- Theater. Spezialitätm« Kausmum's Barietck. Spezialitäten. Zlmertca«- Theater. Spezialitäten. stellung. Reichshalle»- Theater. Spezialitätm. stellung._ fiden-Theator. kFrüher l-ealaenaUMtlaehea Theater.) Drrsdenerstraße 72/73. Da» grostartiglle Programm vor Kestdeuz. Neues Personal. Che I-Hufo« Family, 4 Damen. 1 Herr, rühmlichst delannt al« Taucher u. Schwimmer. pallet-vesellsthaft Siegel. 12 Damen. 2 Herren._,. Mr. K-kfman« mit seinen dresfirten Schafen und Hunden. Die 7 Amerikanerinne» Kchwesteru Maihewo. Kchweflern Milauolla», derühmte Virnin Vtrtuostnnen. Mr. Sruest». bedeutendster Jongleur der Jetzt,-it. Mr. Perry Haroeu. Fuß-Equilibrist. Paula und 5«d»tg Sellhei«, die beliebten Wimer Duettiften. Eugen Joche», dn beliebte Universal Humorist. Frl. Kaihi Belloni.«onMtsängerin. Kaffenöffnung 61/, Uhr. Anfang 7'/, Uhr. Eage 1 Tr. 9 M.— 10 A. lalaer- P aner«ma. In dieser Woche: Eine Reise durch Egypten. Das malerische Jtaite« und Pompeji. Hertha- Reise. Carolinm-Jnleln. Entre« 20 Pfennig. Kinder nur 10 Pfennig. Oderbrucher Fett-Gäuse, auch ausgenommen und getbeilt. Leber, Kiese« u. Klei«, sämmtl. Mild pfunv- wrise. Haseu.a-'v'ckt u. gethrilt, tägl. fr, Sebhühuer, KramtsvSael, sowie sämmt« UcheS Sestügei in größler Auswahl ttr« pfiehlt billigst R. Sasse, Michaelkt«»- straße 5, früher Adaibertstr. 4.[639 Soeben ist im Verlag« von I. H. W. Dietz in Stuttgart erschlenm: Intem&tionalG Bibliothek Heft I. Die Darwin sche Theorie. Zu beziehen in Berlin durch alle Buchhandlungm und Kolporteure, sowie inibe sondtie durch die Grpedttio« de«„Kerltuer VoUesblatt", Zimmerstraße 44, S. Mecklenburg, Knchhandluug, Krauseastraste 42, Kouts Abel, Puch hau» luug. Sebastianstraste 27. Eeueral-Versammluug vrs Vereins der Einsetzer(Tischler) Sonntag, den 9. Oltober, Vormittag» 10* Uhr, Nme Friedrichstr. 44. Ein Nereins-Kräuzchen»um Bestm eines kranken Mitglied«» fiadet Sonnabend, Abrndi 8 Uhr, im Saale deS„Freischütz", F-ucht. straße 36», statt, wozu ergedenst einladet[716 Der V o r st a n v. Verein der Sattler«ud Fachgenossen. Versammlung Eonnabend, den 2. Oktober, Abend« 8% Uhr, in vratmeU's Bier hallen, Kommandanten- straße 77/79. Tagesordnung: Vortrag des Kollegen Lütz« über„die Forderung der G genwart an daS Handwerk". Verschiedenes und Fragekasten. Der Vorstand. 708] I. A.: H. Werbt, Stcinmetzstr. 51 Fach verein der Putzer. Sonntag, den 3. Oktober, Vormittags 11'/, Uhr, im Lokale de» Herrn Kchrffer, Jnselstr.: Ordentliche Mitglieder- Versammlung. Tage». Ordnung: Kassenbericht. Neuwahl deS gesammtm Vor- stände». Verschiedene Vereirs Angelegenhettm. Um zahlreiches Erscheinen«sucht 714] Der Vorstand. Imjmtrm der KöOvtt. DeHtzMitgliedem zur Nachricht, daß fich der Arbottsuachmots von beut« ob im Lokale de» Herrn Sabow, Weißouburgerstr. 2, befindet. 695] Der Vorstand. Verein zur Wahrung der Interessen der Tischler Berlins. Grurral-Vrrsammlung am Sonnabend, den 2. Ott, Abb«. 8% Uhr, im Vereintlokal, Mtchaclskirchftr. 39. Tagesordnung: 1. Vierteljahrs' Abrechnung. 2. VerschiedencS.(715 Die Mitglieder werben ersucht, recht zahlreich zu erscheinen.— DaS Mitgliedsbuch legitimirt Den Mitgliedern deS Verein!„Liberias" zur Nachricht, daß die Partie Sonntag, Mo gen« £8 Uhr, vom Branbenburger Thor au« findet. [712] >aS Komitee. An die Töpfer Berlins und Umgegend! Wir ersuchen sämmlliche Kollegen, die noch ausstehenden Samm-llisten so schleunigst wie möglich einsenden zu wollm.[709 Die Lohnkommissto« der Topfe» Kerlw» und Umgegend. I. A.: OSkar Wolff, Schillingstr. 35, III. MohvltWlltrSlldttllllg. Meinen geehrten Kunden zur aefl. Nachricht, daß fich meine Zeitungs-Speditio« vom 1 Ottober ab WW- Rittcrjtt'aste 107,'MW Ecke der Prinzenstraße, bestiivet. Gleichzeiltg empfehle mich zur pünktlichen Lieferung des „Kerliner poiksblatt" sowie sämmtlicher in Berlin erschetnenden Zeitungen und Journale. AchtungSi-oll 1666 Max Kirsch, Admiralstr. 28. Ich bin von Glimmstraße 39 nach Grimmftratze 88 oerzogen. Br Raagen, prakt. Arzt. Schläfst, f. 1 H„ sep. Eg., Schlestschestr. 7 IV o. l. Möbl.Schlasst. f.lH. sof.,.v. Fürstenstr.2I v.iv.l. Frdl. Schläfst, zu verm. Brandenburgstr. 62 H. i. Frdl.Schlafst.sof. Dennewitzstr. 8 o.4Lr. Kleinert. Arbeitsmarkt. Sehr gute finden bei gutem Lohn Mäutel-Atbetteriuneu dauernde Be> schästigvna[[707 Sulmnnn& Kosenkmg,� � Kommandantcnstraße, Ecke Lindenstraße. Korbmacherkanftl Tüchtige Korbmachergeselleu finden dauernd gute Beschäftigung(neu: große Fabril räume). F. 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Zu beziehen durch die Srpebttton, Atta- «,»straff« 44« U-. 33 de« „Wahren Jakob" ist erschienen und in der Expedition, Zimmer» straße zu haben.__ S3 z? int wörtlich für den politischen Theil und Soziale» Mar Schippe», für Vereine und Versammlungen F. Tutzauer. sür den adrigen Theil Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin SW., veuthstr-ß«% der Zeitung R. Lrouhcim, sämmtlich in Berti»-