Nr. 231. Sonntag, den 3 Oktober 1886. Ol. Jahrg. SerlimrWWM Krgan für dir Inlrressrn der Arbeiter. 4 Sizililk Kurpfischttti. Es ist ei« etgevthümlicher Zufall, daß die zwei Kon- ßreffe, auf de«e« sich die Vertreter der herrscheuden Klassen mit de« soziale» Frage« beschästigen, zu gleicher Zeit tage«. Zu Frankfurt find die Kathedersozialiste« (Berei» für Sozialpolitik) beisamme», während zu LüUich ei» katholisch-sozialer, von viele« Bischöse« de- sucht«, Kongreß deräth, wie de» arbeitende» Klasse» geholfen werde« lau«. E» ist interessant, die beide« Versammlunge« nach ihre» Idee« und Grundsätze« zu vergleiche». Man kommt dabei, wea« ma« Über unser« ökonomische« Verlältnisse unter- richtet ist, zu dem Resultat, daß beide Versammlung«» höchst überflüsfig, wen» nicht i-s.fer« nützlich find, alt fie dar- lege«, wie et beide» Richtungen sowohl a» gutem Wille» wie an dem«othwendige» Vnfiändniß fehlt. Ersprießliches zu schaffe«. Zu Frankfurt finde» wir die Vertreter der liberale« u«d halbliberalea Bourgeoisie, die fich wie gewöhnlich mit der Frag« der Wiederhnstcllung eine« leben«- fähige» Mittelstaade« beschäftige«, während fie doch tagtäglich durch ihre» Troßbetrieb die Lübentsähigkeit de« Mittelstände« verringern. Die Professoren, die diese» Kongresse» anwohnen, habe» gewöhn» lich die Aufgabe, die BourgeoiS-WeiSheit in Formel» zu bringe«. Diesmal warf ma» auf dem Kongreß der Käthe» derfozialiste» die ländliche Frage auf und da drängte fich den« auch gleich jener S o m b a r t hervor, der schon feit viele« Zahre» die publizistische Welt mit seine«„Zdeen" von der Wiederherstellung eine« wohlhabende« Bauernstav- de« belästigt. Dieser Herr denkt oberflächlich genug, um zu glaube«, mittelst kleiner Bauerngüter, die man neu errichtet, könne ma« de» Kleinbetrieb in der Landwirthschaft erhalte«. Dabei fand er die ländlichen VerhälMisse leidlich rofig und meinte sogar, die Bauer« hätte« weniger Schulden al« die Trundbefitzer. Die Versammlung kam über Sombart«„Ge» danke»" auch nicht hinaus und Professor Schmoller sah sei» Ideal darw, daß man aus dem Tagelöhner eine» Par» zellenbauer, eine« Häusler mache. Diese Herren scheinen«och mit so mächtige« Zöpfe« versehe» zu sei», daß fie gar nicht bemerke«, wie die Parzelle heute schon eiae völlig Überwundene Bewirth- schaftungsform ist; fie bat heute hauptsächlich die Wirkung, daß fie die technischen Verbesserungen und Eatdeckunge«, die seit Zahre» der Landwirthschaft zugewendet werde», von einem großen, vielleicht dem größte» Theil der Bodenbe« wirthschaftung autschließt, oder besser gesagt, eine gesunde und zeitgemäße Entwicklung der Landwirthschaft aufhält. Die Parzelleuwirthschaft kann heute nicht mehr da« erziele», JeuMeton. Machdru» verboten. Die weinende Suitnnin. Novelle voa M a u» u» Z ü k a i. (Uedersetzunz von L. Wechsler, Budapest.) Verzeih«, geliebter Leser, daß ich gleich damit beginne, um Entschuldigung zu bitte«; doch pflüge ich diesmal nicht m t meinem eigene« Vieh(wie e« in der Heilige« Schrift heiß'), sonder««in ganz einfach de» Verlauf eines sonder« bare« Wettstreite« schtlder«, der zwischen einem Ma««e mit einer böse« Zu»ge und einer Dame mit der Galle ewer Taub« stattgefunden. De« Gegenstand de« Wettstreite« bildete das Thema „wie Fraue« beschaffe« find«. Der Ma»« behauptet« selbstverständlich, sie seien falsch, fl itterhaft, die Quälgeister de» Treue, rachsüchtig au« Eifer» sucht, grausam bis zum Exzeß, au« Liebe feig bis zur Schande, eitel, dem äußerliche» Glanz auf Tod und Lebe« ergebe«, i» ihre» Launen vo» schlechtem Geschmack, leicht» finnia, Eid und Gelöbniß nicht beachtend und niemals gänzlich bezähmbar. � � Die Dam« bestritt all' die«: dre Frauen feie» treu, be» ftdabig, die Belohn erinnen der Treue, endlos geduldig, vo» bewunderungswürdiger Opferwilligkeit, Engel i« Erbitte» vo» Verzeihung, Löwinneu im Muthe ihrer Liebe; was man bei thne»«ich» verstlhe und Laune«e«»e, sei bloß ei» Räihsel, w«l ma« st« nicht studirt, u«d wa« fie a« Fehler« befitze», sere» bloß die vo» de« Ea»dea der Männer auf st« g«, worfene« Schatte». Madam«. Thatfachea beweise«, führe« wir zur Recht» fertigung unserer Behauptungen Besspule an. Ich werde Ihne« Historie« erzähle». i« welche» Fraue« verleumdet werde», erzähle» Sie bessere, die dieselbe« verherrliche«. Und dann möge da« Publikum urthnle», wer vo« unt Beide« Recht hat." »Angevommc» und um gleich eingaug»«we« Beweis vir nachgiebige« Geduld der Fraue« zu gebe«, überlasse ich Ahse» da» erste Wort." was de« Bedürfnisse« der Gesellschaft entspricht und so bricht sich der Großbetrieb naturgemäß Bahn, während der Kleinbetrieb ei«em lange» und grausame« Zersetzungsprozeß verfalle» ist. Herr Sombart»ennt fei» Projekt„innere Kolonisation" und will die Autführung de« Parzelleudanera übertrage«, während Herr Professor Schmoller die Zuver- ficht hat, die Errichtung vo« HäuSlerwirthschafte« würde da« ländliche Proletariat vor der Sozialdemokratie dewahre». U«d was die Beide« fich auf diese tief gesponnene Weisheit zu Gute thu« I A» de» Kongreß sozialer Doftore» i« Lüttich hat der Papst«i» Schreibe« gerichtet, in welche« er sagt, daß er i» seine« Encyllike» schon„die wahre» Heilmittel für die soziale« Ueb-l" gezeigt habe. 1500 belgische Katholik«« habe« ihm dafür«och ein Dankestelegramm gesandt. Diese merkwürdige« Belgier hätte« doch au« de« Verhöre» und Berichte» der bekannte« staatliche» Arbeiter-Kom» missio« etwa» mehr über die ökonounsche» Zustände ihre« Landes erfahre» könne«, al» au» dem Rundschreiben de« heilige» Vater«. Der Lütticher Bischof, der de« Kon- gresse präftdirte, hielt eine Ansprache über die Pflichte« der „leitenden" Klasse» und meint«, wen» ma» überall de» katholische« Glaube« bekenne, im private« wie im soziale» Lebe», da»» sei eigeatlich die soziale Frage schon gelöst und da«„Materielle" sei nur»och «ebensächlich. Für Bischöfe mag da« zutriffev, aber für Arbeiters Diese Herrn» i« Lüttich mache» fich die Sache auch gar zu leicht; sie behaupten, die Ursache« der sozialen Krifis seien vor allem.moralischer" Natur. Folglich müßte» auch die Heilmittel.moralischer" Natur sei«. Da« ist die bequemste Art vo».Sozialreform", die ohnedies«och de» Vorzug hat, daß sie keine besondere« Koste» macht..Katholische Assoziationen" wurden empföhle« und der Bischof K o r u m sprach auch viel vo« Krarken« und Uafallverficherung. Damit ist der Gesichtskreis dieser Herren abgeschlossen und ma» kann fich nur einigermaßen wunder«, wie ei» so gescheidter Man» wie Herr von Schorlemer»Alst dabei fitze» und all diese Weisheit al« solche ruhig verdaue« kann. Zu Frankfurt und Lüttich diesetbe Rathlofigkeit, der- selbe enge Gesichtskreis, derselbe Mangel an Ver« ständniß. ES ist ja Mode geworden, soziale Frage« zu diSkutire« und da muß ma» mitthun. Wir wolle»«ich» bestreite«, daß auf beide» Kongresse» manch« schöne« Worte gefalle» find. Aber was will das h«iße»? Lebe» wir den» nicht gerade in einer Zeit, wo Ueberproduktio» a» schöne» Worte« vorhanden ist? Man will heute Wohlthätigkeit sehe«; die schöne« Worte geben fich da«» ganz vo» selbst. Die Herr«» mit de« schöne« Worte» zu Frankfurt und „Die* thu« Sie nur, damit das letzt« Wort a« Sie kommen könne." „Man verleumdet un«, daß die« stet» auf un» kommt. Beginne» Sie mein Herr." „So vernehme« Sie de«», Madame, die Geschichte der weinende« Eultani». Z» Marokko lebte einst ei» sehr geliebter Sultan. Er war nicht darum„sehr geliebt", wie wen« seine Unter- thane« eine soadnliche Liebe für ihn gehegt hätte», sonder» au« dem Grunde, weil er nicht wenige, al« achizehnhundeit Fraue« im Serail hatte. Ich glaube nun, daß fich derjenige, de»„von Hau» au»"(wie ma« in Marokko zu sage« pflegt) achtzehnhundert Mensche« liebe«, mit vollstem Rechte geliebt «(««(« kann. Sultan Muley Abdallah pflegte prahlerisch zu erwähne«, daß die Zahl seiner Nachkomme» der Zahl jener enthauptete« Menschen gleichkommt, deren Lebe» sei« Vorfahre Mulcp Ztmael mit eigener Hand ein Ende zu mache« pflegt«, indem er die Eigenschaft«« de« Richter» und Henker« i« seiner höchsteigene« Person vereinte. Da« Schicksal hat das nun gar weislich gefügt, daß«» einem Lande zwei Regente« gab, vo« denen der eme da« Reich vor der Est- völkerung und der andere vor der Uebervölkerung be- hütete. Unter de« achtzehnhundert Fraue» gab e« dennoch eine, die vo» dem Herze« de» Sultan« eine» größere» Theil be- faß, als all« übrige« inSgesammt. Sie war ein« Spanierin. Piraten hatte» fie gefangen genommen und dann in de« Harem verkauft, wo sie de« Name»«ldamira erhielt. Die zwei schwarze« Auge» der schöne» Aldamira kamen dem«aiser Abdallah viel theurer zu stehen, al» die ganze politische Administratio» vom Sudan bi« Algier. Wa« die Peitsche» auf die Schulter» schlechter Steuer- zahl« an Hiebe« auStheilten. wa« die Haifische a« Perlen- fischer« verschlangen, soviel Kauffahrteischiffe deraubt wurde«, soviel Sklavin»«« bei de» GoldfUckereu» erblmdete», somel Gläubige und Ungläubige in de« Schlachte» zu Wasser und zu Lande fiele».— all' dies kam auf die Rechnung de» lächelnde» Blickes vo» Aldamira'« schöne» Auge«. zu Lüttich bilde« fich auch wohl ein, daß ihre Auslassungen vo» ungeheurem Eindruck auf die Arbeitermasse« fei» wer» de» I Wenn fie nur einmal m einem der dürftige« Lokale, wo fich die Arbeiter vo» ihrem Tagewerk erhole»,.Mäus» che« fein" und ungesehen zuhöre« könnte», wie fich die Arbeiter äußern, wen« sie sehen, daß ihnen wieder und wieder„moralische Heilmittel" oder auch gar„Entsagung" empfohlen werde«! Angenehm würde da» Gehörte weder für die Herren vo» Lüttich«och für die vo» Frankfurt klinge»._ Dir Halldlmg-gkhilsw miil irr KmkmasichrrimPzmiiz. § Wie wir bereit« berichteten, ha« diS Arltesten- Kollegium auf Anfrage de» Magistrat» die Einführung de« Kranken- velficherungSzwangeS für Handlungsgehilfen widerrathen. Wir achten gewiß jede Meinung, soweit fie den Eindruck ehr» licher Uederzeugung und gewissenhafter Begründung erweckt. Bei dem Gutachten de« erwähnten Kollegium» wird e» aber schwer, an beide« zu glauben: so sehe stehen die darin ange- führten Behauptungen mit der Wahrheit in Wisersproch. Zunächst müssen wir ganz entschieden dagegen Einspruch erheben, daß da« Aeltestrnkollegiu-n jenen ganz undirechiinten Dünkel noch künstlich zu nähren versucht, der von der Gehilfen- schaft bisweilen dem einfachen Arbeiter gegenüber gehegt wird. Daß ein Kaufmann etwa« andere» ist. al» ein Ardeiter, weiß natürlich jedes Kind, aber„in wirthjchaftlicher und sozialer Be. ziehung" einen solchen Unterschied zu konstruiren, daß beide von der Gesetzgebung ganz verschieben behandelt rverden müßten und daß in der gleichen Behandlung«ine„Herabwürdigung" und„Entmündiguna" zu s-hcn wäre, daS heißt denn doch dai Maß alle« Eclaudten überschreiten. DaS Gutachten der Aelteften entwirft freilich ein sehr sonnige» Bild von der Lage der Handlung» gehilfen, die alle sehr bald ÄuSstcht hätten, felbstständtg zu werden und die dethalb durch viel festere Bande mit der Unternehmer. schaft verbunden seien, der fie einst selber angehören würden. Wen täuscht man aber mit solchen Schönfärbereien? Diese Zustände find gewesen. Taufende von jungen Kaufleuten können heute nicht mehr daran denken, jemals ein eigene» Geschäft zu gründen und gerade in Berlin gewahren wir mit jedem Tage vti Ausdehnung de« kaufmännischen Groß« betrieb«; wa» doch weiter nicht« besagen will, al« daß auf einen selbstständigen Unternehmer immer mehr dauernd un» selbstständige Gehilfen kommen. Hier geht es den Kaufleuten ganz wie den Arbeitern und ferner hat fich mit der Ueber» süllung des Berufes, mit dem stärkeren Eindringen de» wtid» lichen Elemente» im kaufmännischen Stande ganz dasselbe Proletariat wie in der Industrie entwicktlt, ein Proletariat, da» mit dem industriellen gemeinsam ganz dieselben Interessen gegen da« Unternehmerthum zu verfechten hat, wenn«» fich seiner Lage wirklich bewußt ist. Und eines Tage» trat an Stelle diese« theure« Lächeln» ei« thränenverschleierter Blick! Die schöne Sultani» weivt«! Kann jemand glauben, daß auch Göttinnen weinen? Wo» mögen den« die haben, die die ganze Welt befitze»? „Oh meine schöne Sultani», weshalb diese«eidffche« Thräne« unter de» Seidenwimper« Deiner schöner Augen? Die Sonne in einem Meere ertränkt! Wa« magst Du ver- lore» haben? Wa« mag Dich so schmerze»? Hörtest Du von größere« Diamanten sprechen, al« die find, die in Deine« Diadem funkeln? Hörtest Du vo» Frauen spreche«, deren Schönheit die Deinige übertrifft? Sprich I und die Diamanten und dt« Köpfe der schöne» Frauen solle« zu Deine« Füße« liegen." Aber die Sultani« sprach nicht; fie weinte weiter, ohne Unterlaß. Tulpenfeste, NarrensprÜnge, die Produktionen der Taschenspieler, Feuerwerke, Pferderennen und Bootwett» fahre», Dschirrd-Kämpfe, bewegliche Festungen und kämpfende wilde Thier«, fingende Boyadere», tanzend« Alme'« und großartig« Hinrichtungen,— all' die» er» götzte fie nicht mehr, die schöne Sultani« weinte Tag für Taa. „Oh sprich, was schmerzt Dich? welche Sehnsucht, «velche Erinnerungen erwachte» in Deinem Herze»? Ist'« Heimweh? Da» Erscheiue» alter Gesichter im Traum«? Sehnst Du Dich«ach dem Glorienschein des Himmel» oder nach de« Fluren Deine« Vaterland««? ober derkst Du an Deine greisen Elter»? Oh sprich, gestehe e» mir! Zm Vorhinein sei Dir verzieh:»." Nach langem, inständigem Bitte« gestand die schöne Aldamira endlich de» Grund ihre« einzige» Kummer«. ES war nicht da» im Traume erscheinend« Geficht eine» ftüher geliebten Manne«, kein« geheimen Vorwürfe, nicht die Erinnerungen a» die heimathliche» Gefilde, auch nicht da» weiße Haar greiser Elter«, sonder»— Aldamira besaß eine LieblingSuhr, und diese war wohl verdorben, den» fie wollt« nicht«ehr gehe». Da« eine aber ist unbestreitbar wahr, daß«S«ine de- sonders schöne Uhr war. Sie war ei» Meisterwerk,«« DaS Gutachten bei ZleltestentollegiumS führt all Hauptgrund gegen den Verficherungtzasang an. daß die Kaufleute — im Gegensatze zu den Urdritttn— ihr Geyalt fast immer noch sechs Wochen fortbejSgen, auch wenn der Gehilfe in der Lliflung feines Dienstes zeitweise dehindert ist: diese GehaltS« zahlung helfe über die Zeit der Krantheit hinweg. Ja. aber wieviel Kaufleut« giedt eS denn. die nicht nur vierzehntägige und wöchentliche Kündigung haben, die vielmehr jeder ,eit sofort entlassen werden können? Und soll dal Bestehen einer heute bereits in manchen Branchen winzig kleinen Aristokratie der Gehilfen Grund dazu fein, für die untersten Schichten desselben Stande! gar nicht! zu thun? Wenn die Unt-mehmer für ihre Angestellten im Falle der Krankheit so unübertrefflich sorgen, warum finden e! denn so viele Kaufleute — wie da« Gutachten selber betont— für nothwendiz, fich freiwillig gegen Krankheit zu verstchem? Nein, die Gehilten bedürfen heute der gesetzgeberischm Hilfe ebenso sehr wie die Arbetter und speziell in der Frage der Krankenverficherung find fi« fich. mit ganz wenigen Ausnahmen, darüber vollständig einig, daß die Einführung de« Kassenzwange! notbwendig und nütz- lich fei. ES ist wiederum ein ganz leere« Fechterkunststückchen, wenn behauptet wird, lediglich die„sozialistische"(?)„Freie Organisation der jungen Kaufleute" sei für den Zwang günstig gestimmt. Nein, diese Stimmung erstreckt fich bi! weit in die Kretse guter Fortschritller hinein und fie wird zu ihrem Ziele gelangen, wenn die jungen Kaufleute nicht— schlechter gestellt sein sollen al! die Arbester, von denen da! Aeltestenkollegium mit solcher Geringschätzung spricht. Polittsche Ueberstcht. Erkenne dich selbst! Unter dieser Uederschrist finden wir in verschiedenen nattonalltberalen Blättern einen Außzug au« einer chauvinistischen Arbeit:„Deutschland! west- lich er Nachbar" von Dr. Felix v och. In dem Au«- zuge heißt e! wörtlich:„Fratzenhafter Größen- «ahn und hasenfüßige Furcht wohnen in der gallischm BolkSseele nahe zusammen; denn wie reimt fich mit dieser SlegrSgewißbeit die geschilderte Deutschenhetze auf dem wirlhschastltchen Gebiete, wie reimen fich damit alle die GeschäftSkniffe und unfeinen Mittel de! Chauvinismus, um unserer Jnduürie einen Makel anzu- hängen und die überlegenen deutschen Maaren auf dem Welt- marlte zu verdrängen?"— Die Franzosen werden ihre groß- artige Wettausstellung im Jahre 1869 haben: fie werden den gewaltigsten Seekanal zwischen dem Atlantischen Ozean und dem Millelmeere, zwischen Bordeaux und Narbonne in kurzer Zeit schon erbauen; Lessep!, der Hersteller de! Suezkanal! und der Erbauer de! Panamakanals, ist ein Franzose.„Pari!, die leuchtende Hauptstadt der Welt", wie ein großer deutscher Dichter die westliche Metropole nennt, liegt merkwürdiger Weife in Frankreich— und dabei„fratzenhafter Größen- «ahn."— Marengo, Austerlitz, Jena, Wagram und vor allem die Schlachten im Jahre 1814 haben so recht die„Hasen- füßige Furcht" der Franzosen gezeigt. An jene Name« reihen sich würdig an Magenta, Solserino— und auch die Er- fiülmung von Sedastopol war eine„hasenfüßige" That. Man liest ferner in der Geschichte, daß in den Jahren 1793-99, wo ganz Europa gegen die Franzosen in Waffen stand, dieselben fich recht„hasensüßig" benommen haben. Und 1870/71 1 Stellen den Franzosen, besonder! den schlecht geklei- Veten, schlecht genährten und schlecht bewaffneten Soldaten der Republik die deutschen Henführer vielleicht da! Zeugnitz der „Hasenfüßigteit" au»? Im Gegentheil! Wo! hätte auch sonst da! große SicgeSgeschrei bei den Deutschen für Werth? lieber „Hasenfüßige" den Sieg davon zu tragen, da« ist ja kinderleicht! Wo bleibt da der KnegSruhm der deutschen Soldaten?— Daß eine Person, wie Dr. Felix Boch so unverschämtm Blöbfinn gegen die Franzose« schreiben kann, da« ist weiter nicht schlimm, aber daß die deutsche Preffe solche ekelhaften, chauvinistischen Schimpfereien nachdruckt, da! ist ein böse« Zeichen für den sttt- lichen Werth unserer Zettunglschreiber.„Erkenne Dich selbst!" Mtt der Uederschrist find wir tinverstanden, doch wünschen wir dieselbe umgekehrt angewandt zu wiffen.— Wa! nun die „GeschSstSkntffc" anbelangt, die in Frankreich gebraucht werden sollen, so frage man den ersten besten deutschen Geschäftsmann, der mit den Franzosen zu thun hat, so wird derselbe die Fran- »ostn für die reellsten Geschäftsleute auf dem ganzen Kontinent erllären. Welche Anstrengungen aber in Deutschland schon ge- «acht worden find» die franzöfischen Waaren in MißKedtt zu dringen, davon schweigt Herr Boch. Jawohl— erkenne Dich selbst!— Wir würden übrigen! solche Notizen, wie die odize, nicht niedriger hängen, wenn dieselben nicht so überau! gesähr- lich wären. Ob in Frankreich derartige! Machwerk gegen Deutschland geschrieben wird, ob in Deutschland gegen Frank- reich— da« ist gleichviel' dasselbe dient immer zur Verhetzung zweier Nationen, die al! Freunde in polttischm und wirthschast- lichen Dingen zusammenhatten müßten in ihrem eigenen großen Interesse. Nur ein ekler, deroulederiger Aster Patriotismus kann für einen Fürsten bestimmt und ein liebende! Herz beschenkte mtt derselbe» die Königin seiner Lieb«. Die Uhr wie« Stunde, Tag und Monat; bei jedem Stundevschlag öffnete sich ein Thor und herauSritt ein emaillirter Ritter, der sei» Schwert zog, oben öffnete fich ew Fenster und ei« goldlockige« KöniaStöchterleia winkte dem Ritter. Der Ritter salutirte dreimal mit seinem Schwerte und dann kehrte Ritter und Königstöchterlei« wieder bi! zum nächste« Stundenschlag zurück. Außerdem enthielt da! Werk einea Hahn, der um sech« Morgen« mtt de« Flügel« schlug und krähte und eine Eule, die Abend« die großen starre« Augen verdrehte und schrie. Ei» silberne« Bächlei» plätscherte unaufhörlich von einem hohe« Felsen hernieder und trieb fortwährend ei» Mühlrad. Und die« alle« hatte mtt einem Male ei« Ende ge« «omme«. Di« Uhr wollte weder mehr schlage»,«och die Zett angebe», Ritter und KönigStöchterleia gaben fich kein Stelldichein mehr, der Kukuk verkündete nicht«ehr de« Morgen, die Eule nicht mehr de« Abend und der Müller mahlte nicht mehr. Und hierüber hatte die Eultani« Verzweiflung erfaßt. Sobald Mule? Abdallah de« Grund von Aldamtta's Kummer erfuhr, befahl er auf der Stelle seine Gelehrten zu sich und hieß sie, mtt dieser Uhr etwa« vornehme», damit st« wieder gehe. Diese verdarbe« die Uhr nur«och«ehr. Der Sultan schickte fie alle zum Teufel. Dan« ließ er bekannt mache«, daß,»er die Uhr der Sultanw zu reparire« vermag, al« Lohn zehn Beutel Gold erhält, wer fie aber«och«ehr verdirbt, wird ohne Erbar» me» eine» Kopf kürzer gemacht. Von der glänzenden Belohnung angelockt, strömten die Unternehmende« au« den enifernteste» Ländern herbei: große Mechaniker, Zauberer, Gelehrte au« Bagdad, wo diese Kunst in böchster Blüthe stand, ja sogar auch au« Zndie». Der Erste, der fich de« Golde« wegen an da« vertrackte Uhrwerk heranwagte, war ein arabischer Zauberer. Errichtete «ich»« au« und Muley Abdallah ließ ihm die rechte Hand abschlage». Der Zwette war ei« waghalsiger Perser, Schüler der deshalb Zwietracht zwischen Deutschland und Frankreich zu säen versuchen. Die ZünfUer ermahnen in der„Allgemeinen Handwerker- zeUung", dem in München erscheinenden Organ de« zünftleri« schen allgemeinen Handwerkerbunde!, ihre Gefinnunglgenoffm, bei den nächsten Reich! tagSwahlen nur mit dem Zentrum und den Konservativen Kompromisse zu schließen. Außer dm Naiionalliberalen find daher auch die Freilonservativen kotz ihres Liebäugeln« mit zünftlerischen Be« strebunzm seitens der Zünstler in die Acht erklärt worden. Die freikonservatioe„Post" bemerk dazu:„Wer da weiß, welch kleine« Häuflitn unter der Firma„Allgemeiner deutscher Handwerkerbund" fich, allerdings recht emfig, deS Reden« be« fleißigt, der ist nicht darüber im Unklaren, daß da« Incrnrn ceesans, welche« die„Allgemeine Handwerker-Zeitung" den gemäßigten Parteirichtungen androht, federleicht wiegt. Zu- dem stand schon seit geraumer Zeit der dominirmve Einfluß der Uttramontanen innerhalb dieser dünngesäeten Reihen außer Zweifel. Selbst für die Ultrakonservatiiim wird, wenn daS Zentrum sein Thetl von dem mageren Gericht weggenommen, kaum noch ein Brockm übrig bleiben." Sozialistische«. Bei der LandtagSstichwahl in Gera fiegte der Fortschrittler über dm Sozialisten, Restaurateur Hahn.— In Leipzig soll e! der Polizei abermals gelun« gen sein, ein Packet, welche« zirka 600 Exemplare einer Nummer deS„Sozialdemokrat mthielt, zu beschlagnahmen. Dasselbe wurde aufgefunden in der Wohnung eine« Tischlergesellen, der deshalb gefänglich eingezogen worden ist. Ueber de« kommenden Sozialtstenprozetz in Cprem« berg berichtet man der„Franks. Oder- Ztg.":„Gegen sechs der Angeklagten wird in der am 15. November unter Vorsts de« LandgerichlSrathS Krause anberaumten Extra- Schwurgericht!« Periode verhandelt werdm. In der am 18- beginnendm Schwurgerichit Periode werden die laufenden Geschäfte erledigt. Gleichzeilig mtt der ersten Verhandlung(also am 16. Noodr.) werden die übrigen AngeUagten, roch ca. 50 Personen, von der Strafkammer deS Landgericht! Kottbu» abgeurrhellt werdm. Ei sollen einzelne Angeklagte die Anklageschristen nach Zürich(?) geschickt haben, und zwar auf Umwegen, um dort eine Be« antwortung der Anklage ausarbeiten zu lassen. Vor einigen Tagen war Landgerichtsrath G.andtke wieder in Spremberg anwesend, um einige Vorkommnisse jllngerm Datum! genauer zu untersuchen. Der Tuchmachergesclle Lanke(16 Jahr alt), der vor Kurzem noch einen Polizisten mtt Steinen warf und bei der Vernehmung ausgesagt haben soll, er sei von seiner Partei dazu aukgeloost und bestimmt worden, den Polizisten zu beseitigen» er könne also nicht« dafür, ist vor«inigen Tagen zum Verhör nach Kottbu! beordert gewesen, jedoch auf freiem Fuß belassen. Seine Aburtbeilung findet«bensall« am 15. November statt." Die Freilassung de« lOjährigen Burschen beweist wohl, daß die ersten Mttthettungen»teder einmal maßlo! übertrieben waren. Die Straßburger TabakSmanufaktu? läßt wieder einmal von fich hören, natürlich nicht! Geschrite«. Wie' die Straßburger„Post" meldet, ist der vielbesprochene Prozeß der Schwarzen Hand nun endgiltig erledigt, da Schaller und Bergmann dm auferlegten Eid vor dem OberlandeSaericht Colmar geschworen haben. Darauf wurde sofort da« U-thell gefällt, wonach die Kaiserliche Tabakwanufattur da! bisher von ihr gebrauchte Fabrikzeichm„Schwarze Hand" aufgebm muß. Einschränknng der EpiritnSfabrikation. Der Versuch, auf dem Wege der freiwilligen Verpflichtung eine Einschrän» kung der Spirituierzeugung zu erreichen, war bekanntlich, nach- dem er bi! zu dem zuerst in AuSficht genommenen Termin, dem 28. August, nicht gelungen war, nochmals mtt einem neuen Schlußtermin, dem 1. Oktober, unternommen worden. Er ist jetzt ai« endgiltig gescheitert anzusehen. Die „SpirituSztg." hofft aber noch immer, daß die Unternehmer, obwohl ihre schriftliche Verpflichtung hinfällig geworden ist, au« eigenem Antrieb ihren Betrieb einschränkm werdm. Spanischer Handelsvertrag. Die amtliche spanische „Gaceta" viröffeniltcht da« Adkommm zwischen Deutschland und Spanien, betreffend die Verlängerung de! Handel!« und SchifffahrtSverttage« vom 12. Juli 1883. Oesterreich-Ungar». Nach der Antwort, welche Ministerpräfident TiSza im ungarischm Abgem.dnetenhouse auf die auf Anlaß der buk- garischen Frage an ihn gelichteten Jnterp-Uationen gab, lassen fich, wa« zunächst den historischen Verlauf der bulgari- schen Wirren delnfft, folgende Punkte aufstellen. 1. Die Regierung Oesterreich- Ungarn! hat von dem Attentate gegen Alexander vorher dmchau! keine K-nntniß gehabt. 2. In Oesterreich wurde man von der Rustschuker Depesche an den Zarm, in welcher Alexander diesem die K.one zu Füßen legte, peinlich berührt. 3. Der österreichische Vertreter in Sofia hat allerding« einmal in Bezug auf die Verschwörer„vor über- eiltm Entschlüssen und deren Konsequmzm gewarnt". 4. E« existttt keine Thellung der„Jntereffensphärm". 6. In Oester- reich! Büntnißdcziehungen ist keine Aenderung eingetretm. „Mtt Deutschland stehen wtt auf der altm Grundlage". Btaglir, ei» berühmter Man«, der die Uhr trotzdem nicht herzustellen vermochte. Dieser wurde schon evthauptet. Noch viele Leute lockte die glänzende Belohnung herbei, die der wüthende Sultan»ach erwiesenem Mißerfolg bald kreuzweise, bald der Länge»ach enizweisägen ließ. Da« Ende vom Liebe war aber, daß die Uhr«och immer nicht gehe» wollte und die Suttani»«och immer «einte... Uad während in Marokko eine schöne Sultania ihrer verdorbenen Uhr wegen Thränen»ergoß, beweinte in dem schö»«» Andalusien ei» wackerer Uhrmacher seine verlorene Gattin, die auf einem Spaziergange von Piraten geraubt worden war. Der bedauernSwerthe Gatte hieß Do» Lamberto; er war ei« wohlhabender Bürger, besaß in Sevilla, Toledo und Gravada Häuser und Werkstätten, deren Erzeugnisse weit uad breit berühmt warm; selbst der König kaufte bei ihm. Ich wäre ei« sehr einfältiger Märchmerzähler, wen» ich e« lange verheimliche» woll'e, daß Don Lamberto der Gatte der schönm Sultani» war. Nämlich der.wirk- liche" Gatte; nicht derjenige, der fich an ihrer Liebe er- götzt, sondem der fich um fie abmüht, kümmert, für fie Sorge trägt. Mtt Aldamira hatte man Do« Lamberto auch seine! Verstände» beraubt; seit jenem Tage war er wie von Sinne», er rannte von einem Fürstm zum andere», damit fie seiner Gattin wegm Krieg begtnnm, und jene versprachm ihm auch, mergisch« Verwahrungsnoten abzusenden. Er ver« kaufte seine Häuser,»»schleuderte seine kostbaren Uhren, machte alle« zu Gelde und«ahm sogar Anleihe« ans, um auf eigene Faust ein« Staatsstreich gegen de» suchen Räuber auszuführe». 3» der That aelaag e« ihm, eine» muthige» Piratm unter de« Mohren ausfindig zu mache», der«» für ungeheure Geldsummm und«och größere Versprechungm unternehmen wollte, Aldamira au« dem Serail zu evtsühre», da« heißt nur entfahre« zu helfe», dm» die Hauptaufgabe mußte Don Lamberto übernehme». Der Plan bestand darin, daß fich Do» Lamberto nach Marokko einschiffen sollte,»o er al« Uhrmacher bei Hofe — Da« politisSe Programm Oesterreich-Ungam!. welckeS Herr v. TiSza entwickilte. läßt fi» in folgende Puntte zusammen« fassen: 1. Oesterrei»! Interessen erheischen, daß die Balkan« Völker zu seldstständi gen Staaten fich herausbilden. 2. Oesterreich muß sein Bestreben mit allem Etrflaß darauf lichten, daß kein Pcotevorat oder bleibender Einfluß einer einzigen fremden Macht am Balkan Platz greift. 3. Der Ber- ""i1 JSerlta8 aufrecht zu erhalten. 4. Außer der Türkei darf Niemand am Balkan bewaffnet einschrettm oder ein Pro- teklorat aukstellen. 5. Jede Aenderung der staatsrechtlichen oder Macbtverhältmffe darf nur mtt Einstimmung der Signatarmachte geschehen. 6. Weit Oesterreich mit Deutschland „auf der alten Grundlage" steht,„dürfen wir nicht daran zweifeln, daß mit Rückstchtnahme auf die gegenseitigen Existenz- bedingungen wir vereint diese(die Grundlage) auch werden wahren tönnm ohne Gefährdung de« allgemeinm Frieden!". Die« find in kurzen Umrissen die Puntte, die fich au« der Rede TiSza'S herausheben lassen. Alle Wiener Blätter sprechen fich, wie„Wolff" be« richtet, über die Erllämngen TiSza'S defri-digt auS. Da! lAemdenblatt" sagt:„Niemand wird diesem Programm Selbstsucht und Verletzung der Rechte Anderer imputircn; unsere Ziele find mit den Zielen der anderen Stgnatarmächte identisch. In den Erttärungen Tilzo'« wird man eine voll« kommen ausreichende Abfertigung aller Gerüchte erblicken. welche da« Bündniß mtt Deutschland all etwa» Hinfällige! ansahen." Die«Neue Freie Presse" steht w den Er- kläcungen de! Ministerprastdenten«in klares, entschiedene! und gemeinverständliche« Programm der österreichisch- ungarischen Polttik, ein Programm der Mäßigung, der Gerechtigkeit und de! Frieden«, wie e! im Jrtereffe ganz Europa» gt legen sei. Dieses Programm sei, kurz gesagt, ein Programm der selbst» ständigen Entwickelung der Laltanstaaten. Rußland. Wir haben bereits mttgetbeilt, daß den a u! l S n d i« schen Juden in Odessa verboten worden ist, ew Hand« werk zu treiben, wodurch die Existenz tausend« von Hand« werkerfamilien bedroht wird. Ueber die Entstehung diese! V«« böte! theilt nun die„Od. Ztg." folgendes mtt: In letzt« Zell hatten fich fast alle Handwerk«. Innungen an die vdminiftra« tion mit d« Litte gewandt, die ausländischen Juden in Odessa nicht, um Handwerk zuzulassen, dieS damtt mottoirend, daß die russtschen Handw«k« durch die ihnen von den ausländischen gebotene starke«onlurren, riel zu leiden haben. So giebt e! im Schneiderfach üb« 700 ausländische Juden, d. t. gegen 40 pCt. d« Gesammtschnrid«. Im Allgemeinen beträgt die Zahl der ausländisch jüdischen Handw«k« 30 pCt. Da die Gesammtzahl d« Odessa« Handwerker zirka 30000 b'träot. s» entfällt auf ausländische Juden allein die Zahl von 9000. Den starken Zufluß jüdisch« Handw«k« nach Odessa erllärt die Upiawa dahin, daß denselben in Moskau, Charkow. Kiew und andnen Städten die Aufnahme in die Handwerker-Jnnun- gen v« weigert wird. Auf Grund einer am 23. August d. H. beim Stadtgouverneur angelangten Kopie de« Ministerium� deS Innern an da« Polizet.Depattement über die R-chtlofigkett der ausländischen Juden beschloß daher die Handwerker- Uprawa,„sämmtlichen handwnkern, welche ausländische Juden find, sofort die Patente zu entziehen und deren Werkstätten polizeilich schließen zu lassen. Ferner wurden die Aeltesten der verschiedenen Innungen deauftragt, dem Amt üb« sämmtliche in Odessa befindlichen ausländischen jüdischen Meister, Gesellen, Lehrlinge und»rbett« Listen vorzustellen und dieselben au» den Büchern der Innungen streichen zu lassen, An den Petitionen für diese Matzregeln sollen fich angeblich auch viele russtsche Juden betheiligr haben. Belgien. ,£« katholisch. soziale Kongreß ist nunmehr geschloffen. An R-den ist Große! geleistet worden, und alt Erfolg de! Kongresse! wird milgetheilt, daß vierzig(!) christ- liche(I) Industrielle fich dem katholischen Werke angeschlossen baden. Mißt man den Erfolg de! Kongresse! ab« mit den Thatsachen, so findet« seine Beleuchtung darin, daß in der Abtheilungsfitzung fich die belgischen Industriellen entschieden gegen jede Beschränkung und Verminderung d« Arbeitszeit, gegen jede! Verbot der Frauen- und KinSerarbett auige- sprachen haben. Der in AuSficht genommenen Gründung von tathoitschen Arbeitervereinen stehen die belgischen Industriellen wenig wohlwollend gegenüber, und die deutschen Katholiken werden die Utd«zeuaung gewonnen haben, daß trotz all« großen Worte d« belgischen Katholiken wirkliche Reformen w Belgien sehr schwer durchführbar find. Die Kleinlichkeit der Anschauungen, der KlaffrnegoiSmuS d« Großindustriellen, die Parteiondtttnung, da« Alle! macht eine duichgretfende Umge« staltung der Arbeiterverhältniffe, ma? fie in dem katholischen oder libnalen Sinne«folgen sollen, fast unausführbar. Die Zahl d« an dem Kongreffe theilnehmenden Arbeiter, obwohl fie nicht! zu zahlen hatten, war so gut wie Null- Dafür waren die Priest« und die Damen da! herrschend« Element. In den Kreisen d« Regi«ung ist man üb« die Lage de! sicherlich viel Arbeit fiadeu würde. Be» Z»maöl, d« kühn« Pirat wird inzwischen fortwährend im Hafen kreuz«» u-d wen» dann einmal eine Gewitternacht mtt Don»« und Blitz ihnen zu Hilfe kommt, wird Do» Lamberts die schönt Aldamira mittelst eiv« Strickleiter au» einem Fenster de! Palaste» entführen. Ben Z!maöl wird sie auf sei» Schiff nehmen, worauf mau zu einer Zett aus'! hohe Meer hinaus- segeln wnd, da fie Niemand zu vnfolge« wagt, selbst wen» man wahr nehme» sollte, daß da» Serail um eine Fran ärmer geworden. Do» Lamberto fand diese» Plan sehr gut*»b leicht au!führbar. Er benöthigte ja nicht» wett« dazu, al» sein V«möge» mtt Sichttheit, sei» Lebe» ab« ziemlicher Bestimmtheit zu verliere», nur um Aldamira wieder sei« eigen nenne« zu könne«.(Schluß folgt.) An» Kunst und leben. Projettirte» Repertoire der«önigltchea Schauspiele vom 3. dt» 10. Otiod« 1886. Im Overndause: Sonntag, de» 3-: Evn Juan; Dienstag, den 6.: Fidelis(Hnr Niemann)? Mittwoch, den 6.: Johann von Lothringen; Donn«»ag. d-n 7.: I. Sinfonie; Freitag, den 3.:«rmtde(Herr Nremann)' Sonnabend, den 9.; Carmen; Sonntag, den 10.: Coppelia, Del betrogene«adi. Im Schausvielhause. Sonntag, dm Wtntermärchen; Dienstag, den 5.: Wintermärchen; Mittwo»' den 6.: Der zerbrochene Krug, D« beste Ton; Donn«stag, den 7.: Der geh-ime Agent; Freitag, dm 3.: Tasso; Sonnabenv, den 9.: Wintermärchen; Sonntag, dm 10.: Dn geheirw Agent._, _ Im Deutsche« Theater wird heute. Sonntag.„Ha>? Fourchambaull" und morgen, Montag,„Romeo und Julw gegeben. Am Dienstag. 5. d. M„ tritt Frau Niemann, von ihrem Urlaub zurückgekehrt ist, zum erfim Mal in oui£ Saison al!„Hertha" in„Ein Tropfen Gift" auf. Die n&% Aufführung von„Don Carlo!" findet am Freitag. 8. d. Satt. Außndem bringt da! RepertoKe dies« Woche ny ufführungm von«Zopf und Schwert",„Hau! Fourchambau- und am nächftm Sonntag„Ein Erfolgs.. ul,lel Da! Kaiser-Panorama— Passage— stellt in diel Woche eine Wanderung durch Pari», 2. Ablheilung,» «ährmd die interessanten Ansichten Egyptm! noch eine W" ««bleiben. Basstn Charleroi sehr besorgt. Fortdauernde Arbeitieinstel« lunzen, allsonntägliche Urdeiterkundgebungen, Maffenoersamm« lungen, in denen nicht nur daS allgemeine Wahlrecht gefordert, sondern offen Kampf gegm die Reichen und Direktoren ge« predigt und der König heftig angegriffen wird. Arbeiter- verbände schießen wie Pilze auS der Erde, die ArbeUerpartei ist organifirt; dazu in Binche offener Kampf gegm die Be« Hörden, div die rothm Fahnen nicht gestaften wollten, wobei die Arbeiter Dank ihrer Ulberzahl Sieger bliebm— kurz Zustände, die nach der einstimmigen Anficht der dortigen Lehörvm keine Ruhe für die Zukunft veriprechen. Die klerikale Partei, gestützt auf ihre starke Kammer. Majorität, ist mft mehreren Ministem, als nicht scharf genug» sehr unzufrieden und hat dem Kadinetkchef offen ihre An« schauungen auigesprochen. Jnibesondere grollt ste dem Eisen» bahnmintster, der beschuldigt wird, liberale Beamte anzustellm und zu desördern. Von dieser„naivm und gutmüthigm" Politik will die Partei nicht« wiffen: ste fordert a'u«schließ. iich klerikale Anstellungen. Ihre Organe kündigen daher heute dem Herrn Vandenpeereboom offen seinen Fall an. Und da« trotz seiner anerkannten F ömmigkeit! G r o h b r i t a»« i e K- Die königliche Kommiifion zur Prüfung der Ursachen der Handelestockung, deren Präfivent Lord Jddesleigh ist, lritt am 10. oder 12. November zusammen» um ihren Schluß- dericht abzufassen. „General" Booth, der Chef der Heilsarmee, kellte jüngst an seine Anhänger da« Anstnnen, fich für eine Woche Enthaltsamkeit von irdischen Genüffen aufzuerlegen, um die zur Tilaung einiger alten Schulden erforderliche Summe von SM) Pfund Sterling aufzubringen. Dieser Aufruf ist nicht erfolglos geblieben, da bereit« über 4000 Pfund Sterling beisammen find und der Rest bald eingehen dürfte. Unter dm Beiträgen befinden fich ein anonyme« Geldgeschenk von 000 und drei Check« von je 100 Pfund Sterling. Italien. Eine Arbeiter produktivassoztation ist seit einem Jahr in Mailand zum Betrieb einer Schloffer- und Schmiede-erkstätte in« Leben getreten. Vor Kurzem veröffmt« lichte die Gesellschaft ihren Jahresabschluß, dem wir folgende« mtnrhmm: Bei der Gründung wurden 257 Aktien ä 20 Lire ausgegeben. Der Jahresumsatz betrug Lst. 17 324; nach Abzug aller Spesen kommen auf jede Aktie Lst. 1.44 Dividende zur Vertheilung, wa« 7.2 pCt. entspricht. Spanien. !" Mit Ausschluß von fieden oder acht Insurgenten- ch e f« wird bei dm anderen Angeklagten die Todesstrafe in Freiheit! strafe umgewandelt werden. Die Untersuchung hat die Äutdlhnung der Verschwörung auch aus andere Bamtsonm ergeben. BalkanlSttdee. Nach der Anficht der östeneichisch-ungartschm Regierung hat, wie Tisza sagte, nur die Türkei ein Recht zu bewaffnetem Einschreitm in Bulgarien. Wollte er fich streng an die Ter- mtnologie de» Berliner Vertrage« halten, so hätte er sagm müffen: in Oftrumelien. Aller Wahrscheinlichkeit nach theilm auch andere Mächte diese Anschauung und haben Rußland davon in'Kmntniß gesetzt; daher da« Wohlwollen der rulstschm Regierung für dm S u l t a n, deffm Botschafter in Peter«- bürg, Schakir Pascha, davon überzeugend« Beweise erbaltm hat- Schatir Pascha w'ilt gegenwärtig in Konstanttnovcl. an- geblich auf Urtaub, soll aber auf seine Reise wichtig« Aufträge de« Zaren mitgenommen haben, worüber die„Pol. Korr." folgende Mitlheilungen au« Konstantinoprl erhalten hat: Schakir Pascha gilt al« Ueberdringer wichtiger Erklärungen der russtschen Regierung: er sei von GierS zu formellen V:rstche- rungen ermächtigt, daß Rußtand keinerlei OkkupattonSadfichten in Bulgarien verfolgt, keine Schädigung der Recht« deS Suttani im Auge Hab« und die Lösung der bulgarischen Frage im Ein- vemebmen mtt der Türkei anstrebe. Gleichwohl äußern sowohl der Minifterratb alt die öffmtliche Meinung starke Zweifel an der Verläßlichkeit der russtschen Versicherungen. Die P«orte setzt ihre Rüstungen an der ofirumrlischen und an der klein- afiatischen Grenze mit großem Eifer fort; im Vilajet Adria- nopel befinden fich derzeit zwei Korp«, zusammm 84 000 Mann, in Makedonien ein Korp« von 54 000 Mann, im Vilajet Salo« nicht 37 000, zusammen 197000 Mann mit 462 Geschützen.- Da« barsch« Auftreten de« General« Kaulbar« wird viel- fach damst erklärt, daß er e« zum Bruche mit der bulgarischen Regmtschaft treiben wolle, um damit ein Einschreitm Ruß- land« begrünten zu können. »sie«. Au« T o n g k i n g kommen immer wieder beunruhigende Nachrichten nach Frankreich. Der Generalrestdent Paul Bert hat dm Advokaten Richard in Hanoi au« gewiesen und in Be- gleitung zweier Beamten an Bord de« Dampfer« Haiphong bringen laffm, weil dieser die Chinesen und Tongkingesen zum Widerstände gegen die Franzosen aufgereizt habe. Richard hatte in Hanoi ein„KonsuttalionSkabinet" eriichtet, in welchem er den Eingeborenen Mittel und Wege angab, wie st« dm Anordnungen de« Generalrefidenten in Sachen der Steuern Widerstand leisten könnten. Da Richard nach Frankreich zurück« pcrüh.'t wird, so wird man bald Nähere« über Paul Bert« Gelübde, Sittlichkeit und Bildung nach Osten zu tragen, ver- nehmen. Paul Bert«eltt noch in HuS,«eil er die stürmische See fürchtet, die in jetziger Jahreszeit in den indo-chtnefischen Gewäffern gewöhnlich ist. »«ertka» Wie sehr daS Bomdmattentat in Chikago reattionär« An» ichauungen geweckt hat, geht darau« hervor, daß die„Chicago Time»' jetzt sog« Liebknecht und Dr.» o e l t n g warnen, eine scharfe Spracht zu führen. Gerichts-Zrittrug. Der Doppelmord in de, Möckernstrabe dor dem Schwurgericht. Wie dm Lestrn noch erinnerlich sein dürste, wurden am Morgen de« 10. Juni d. F. vi« Schiffling'schm Eheleute, die sert 5 Jahren in dem Haus, Möckernstraße 78 ein Schank- geschäft betrieben, in ihrer Schlafstube ermordet vorgefunden. Der Ehemann Schiffling lag mit durchschntttenem Halse im Bett, seine Gattin dagegen, die augmschewltch mtt dem Mörder in heftiger Weise gekämpft hatte, lag ermordet auf dem Fuß- doden. Geraubt war eine dem Ehemann Schiffling gehörige filberne Taschmuhr und 2 M. Silbergeld. Leid«« hatte Schiffling vor fich auf dem Nachttisch liegen. Al« Mörder wurde sogleich der fett dem 3. April d. I. bei Schiffling al« Bterabzieher beschäftigt gewesen« Hausdiener Keller Jjyeichnet. Da« zehnjährige Töchterchm der«rmordetm Fleute, die mit ihren Eltern in einem Zimmer "nü Zeugin der graustgen ThM«wefen, >atte sofort mtt vollster Bestimmthert bekundet, daß„Flstdrich", S«'lltr bei Schiffling gmannt. der Mörder gewesen tt- Diese Angab« wurde auch durch alle wetteten Thatumstände vollauf bestätigt �...Obwohl nun die Polizei sogleich eine geradezu fieberhaft« Thatigkeit entfattete. um de« Mörder« habhast zu werdm.und eine hohe Belohnung auf seine Ergreifung auSg.'setzt wurde, so verhaften. Sin Handel, mann, der ihm auf der Chauffee be- gegnett, hatte ihn erkannt und seine Verhaftung durch den be- »reffendm Amtivmsteher veranlaßt. Keller, der fich nun heute vor dem Forum de« Königlichen Land- Schwurgericht« Berlin I wegen Raube« und Morde« zu verantworten hat, gesteht die That zu. er will jedoch von Schiffling gereizt sein, also nicht mit Ueberlegung gemordet und am allerwmigstm einen Raub be abfichtigt haben. Keller beißt mit Vomamm Otto Gottsried; er ist am 17. Juni 1859 zu Steindorf, Kreis Ohlau in Schltstm ge- boren und evangelischer Konfesfion. Er ist bestraft im Jahre 1682 von dem Landgericht zu Brieg wegen Stehlen««ine« Pfeede« und Betrüge» mit 9 Monaten Gefangniß und 1 Jahr Ehrverlust, im Jahre 1883 von demselben Gericht wegen ein- fachen und versuchten schweren Diebstahl« mtt 1* Jahren Ge- fängniß und 3 Jahrm Ehrverlust. Der Andrang nach dem Auditorium de« großen Schwur- gerichtSsaaleS, in dem die Verhandlungen stattfinden, ist selbst« verständlich ein ganz immenser. Den Vorfitz de« Gerichtshöfe« führt Landgericht«- Direktor Martiu«. Di« öffentliche Anklage« behörde vertritt StaatSanwatt Dr. Otto, die Vertheidigung führt Justizrath Fränkel. Im Gerichtifaale ist ein, große Schiefertafel aufgestellt, auf der eine Zeichnung der Schiffling- schen Wohnräume entworfen ist. Außerdem ist auf Antrag de« Vertheidtger« der Handwagen, auf dem fich etwa« Heu befin- det, in den Saal geschafft worden. Von diesem Wagen au« soll Keller in die Schlafstube der Schiffling'fchen Eheleute ein- gestiegen sein. Der Angeklagte ist ein mittelgroßer stämmiger, gänzlich bartloser Mensch, dessen Gesicht nicht unschön zu nennen ist. Nach Bildung der Geschworenendank werden die Zeugen, etwa 40, in den Saal gerufen. Unter den Zeugen befindet fich auch da« zehnjährige Töchterchen der ermordeten Schiffling- schen Eheleute. Auf Besragen de« Präfideriten bemerkt der Angeklagte: E: sei nicht in Steindorf, Krei« Brieg, sondern in Al.>Döbern, Krei« Ohlau, geboren. Der Präfivent verliest alSdann den Anklagedefchluß und bemerkt allbann: Bekennen Sie fich im Sinne der Anklage für schuldig?— Angekl.: Ich habe dereit« alle« gestanden, e« stimmt ja alle«, bi» auf» Fenster.— Präs.: Nun erzählen Sie einmal etwa« au« Ihrem Vorleben.— Angekl.: Ich bin sehr bald in Dienst nach Steindorf gegangen.— Präs.: Wie alt waren Sie da? — Angekl.: Da« weiß ich nicht genau, ich ging noch in die Schule.— Präs.: Sie waren also Knecht bei verschiedenen Herrschaften?— Angekl.: Ja.— Präs.: Sie wurden nun schon im Jahre 1882 wegen Diebstahl« und Betrug» bestraft? — Angekl.: Da« Pferd habe ich nicht behalten wollen, ich habe daffelde nur au« Schadernack weggenommen.— Präs.: Nachdem Sie ihre 9 monatliche Strafe verbüßt, wo waren Sie da? — Angekl.: Ich ging wieder in Dienst.— Präs.: Sie waren u. a. in Schloß-Bebra bei Brieg?— Angekl.: Ja.— Präs.; Nun wurden Sie am 17. November 1883 vom Landgericht zu Brieg wiederum wegen einfachen und versuchten schweren Diebstahl» mtt 1'/» Jahrm Gefangniß bestraft?— Angekl.: Ja.— Präs.: Sie hatten diese Strafe am 1. Mai 1885 verbüßt?— Angekl: Ja.— Präs.: Wa« thatm Sie dann?— Angekl.: Ich begab mich nach Thüringen und war dort in verschiedenen Orten, in Ammendorf und Oder Glauchau in Diensten.— Präs.: In Ober- Glauchau haben Sie auch einen Eindruchldiedstahl begangen?— Angekl.: Ich habe Geld ge- stöhlen, eingebrochen habe ich nicht.— Präs.: Da« wird noch festgestellt werben; mit dem in Oder- Glauchau gestohlmen Geld fuhren Sie nun am 1. April d. I. nach Berlin?— Angekl.: Ja.— Präs.: Wann kamen Sie bier an?— Angekl.: Am 7. AplU.— Präs.: Wa« thaten Sie nun hier?— Angekl.: Ich suchte mir Stellung.— Präs.: Wo suchten Sie fich diese Stellung?— Angekl.: Ich ging in die Zimmer- firaße in eine Kaffeehalle Zettung lesen. Da kam Schiffling und fragte mich, ob ich Lust zum Bierabziehen hätte, dann könnt« ich bei ihm in Stellung treten. Ich erklärte mich sogleich einverstanden und trat am 9. April meine Stellung an. Da« Geschäft bei Schiffling ging sehr gut, allein da ich mehrfach Steinkruken zerbrach, so zankte mich Schiffling fortwährend au«. Am 9. Juni vasfirte mir ein Unglück, e« zerbrachen mir auf einmal 29.Bierflasch!N. Als Schiffling nun AbmdS auS der Versammlung nach Hause kam, und von diesen zerbrochenen Bierflaschen erfuhr, machte er so großen Skandal, daß ich mich fürchtete, mein Abenddrod zu effen. Schiffling sprach von„mörderlicher Keile", so daß ich mich vor Angst unter mein Bett verkroch.-Präs.: War Ihre Scblaflammer nicht zu verschließen?- Angekl.: Nein.- :„Hat denn Schiffling den Versuch gemacht, Sie zu schlagen?— Angekl.: Ja, er kam zweimal mit seiner Frau in meine Schlaskammer, konnte mich aber nicht finden, da ich mich unter'S Bett versteckt hatte.— Präs.: Wie spät war e» wohl. alS Schiffling zum zweiten Mal in Ihre Schlafkammer kam? — Angell.: Etwa halb zwölf Uhr.— Auf weiteres Beftagen de» Prästdenien bemerkt der Angeklagte, welcher am Bericht» erstattertifch kaum zu verstehen ist: Ich zog mich schließlich au«, legte mich zu Bette, da ich mir sagte: Heute ist Schiffling etwa« angetrunken, morgen hat fich seine Wulh schon etwa« gelegt. Einige Stunden darauf, etwa gegen 3 oder 4 Uhr Morgen«, kam Schiffling plötzlich in meine Schlaf- kammer und schrie: Nun werden wir den Kerl einmal or< dentlich versohlen. Ich zog die Bettdecke über meinen Kopf, Schiffling schlug jedoch mit einem Stocke heftig und unauf» hörlich auf mich ein. Ich sprang schließlich au« meinem Bett und setzte mich so gut c» ging zur Wehre. Ich schlug den Schiffling in« Gestcht, faßt« ihn am Bart und so entwickelte fich ein heftiger Kampf zwischen un« Beiden.— Präs.; ES ist nur merkwürvia, daß von alledem Niemand im Hause etwaS «hört hat. Wenn mitten in der Nacht ein solch heftiger ampf stattfindet, dann mvß doch Lärm zu hören sein. Haben Sie denn nicht geschrien?— Angekl.; Nein.— Präs.: E« ist doch aber jedenfalls sehr laut gesprochen worden?— Angekl.: Sehr laut wurde nicht gesprochen.— Präs.: Nun, wa» geschah weiter?— Angekl.: Ich warf den Schiffling an die Wand. Endlich ging Schiffling in seine Wohnung zurück. Kaum war Schiffling au« meiner Kammer, da kam durch mein Fenster ein große» Meffer geflogen.— Präs.: Da« ist daffelbe Meffer, mit dem Sie die Schiffling'schm Eheleute getödtet haben?— Angell.: Tödten wollte ick ste nicht.— Präs.: Nun dann wollen wir sagen: die« ist das Meffer. mtt dem Schiffling und seine Frau zu Tode gekommen find. Also wa» geschah weit«?— Angell.: Ick legte mich wieder zu Bett und bekam plötzlich eine furchtbare Wuth. Ich sagte mir, e» ist da» Beste, du bringst dem Schiffling etwa» bei, denn ich hatte ja zu befürchten, Schiffling schlägt mich todt.— Präs.: Nun da» zu glauben, lag absolut kein Grund vor. Von einem Manne, der stch in solchen VermögenSverhältniffen wie Schiffling befindet, ist nicht anzunehmen, daß er fich der Gefahr aussetzen werde, am andere« Morgen wegen Morde« oder TodtfchlagS verhaftet zu werden?— Angell, schweigt.— Präs.: Wie war denn Schiffling bekleidet, als er in Ihre Schlaskammer kam?— Angekl.: So viel ich weiß, hatte er blo» Unterhosen an.— Präs.; Wie waren Sie denn bekleidet?— «naekl.: Ich war vollständig ausgezogen, ich batte blo« ein Hemd an.- Präs.: Nun wa» geschah weiter?- Angekl.: Ich zog mich an, nahm meine Schuhe in die Hand und begab mich in da« Schiffling'sche Schlafzimmer.- Präs.: War denn da« Schlafzimmer nicht verrieaell?- Angell.: Nein, dt« Thür war blo» angelegt- Präs.: Wa» thatm Ste nun?— Angekl.: Ich sah zuerst, od die Schiffling'« schliefen.- Präs.: Und al« Sie fich davon überzeugt hatten, faßtm Sie dm Ent« Angekl.: Ich wollte ihn blo« stechm.— Präs.; Nun. wenn man mit einem solch großen Meffer. da« sonst zum Schinken- schneiden verwmdet wird, einen Menschen sticht, dann muß man fich doch sagen, daß man mehr al« eine bloße Ver. letzung verursacht?— Angell.: S» kommt ja darauf an, wohin man sticht.— Präs.: Und Sie stachen nun den Schiffling zunächst in den Hol«?— Angekl.: Ja.— Präs.: Wa« geschah da?— Angell.: Schiffling schrie:„Ack. Herr JeseS, zu Hilfe, wa« ist denn da«?"— Präs.: Setzte stch Schiffling zur Wehre?— Angekl.: Ja, er rief auch seine Frau zu Hilfe. Die Frau Schiffling, die sonst immer gut zu mir war, wollte mir nun da» Meffer entreißen, deshalb stach ich ste auch.— Präs.: E« entspann fich zwischen Jhnm und der Frau Schiffling ein hef« tiger Kampf.— Angell.: Ja.— Präs.: Wohin stachen Sie die Frau Schiffling?— Angekl.: Da« weiß ich nicht mehr.— Präs.: Nun stachen Sie beide Eheleute todt?— Angekl.: Todt« stechen wollte ich sie nicht.— Präs.: Al« nun die Schiffling« schen Eheleute todt warm, wa« lhaten Sie dann?— Angell.: Ich ging wieder in meine Kammer, da ich mir aber meine Papiere holen wollte, so wollte ich in da« Schiffling'sche Schlaf« zimmer wieder zurück. Ich muß wohl nun die Thür in« Schloß geworfen haben, denn ich konnte nicht mehr zurück. Ich stieg deshalb von dem Handwagen auf« Blumenbrett und da die Oberfenster geöffnet waren, so gelang e« mir, die Untersmster aufzuriegeln und solchergestatt in da« Zimmer zu gelangen. Ich suchte mir nun meine Papiere und auch einen liegm ge« laffenen Hut, nahm mir das Silbergeld, da« auf einem Nacht- tisch in einem Grogglasc lag.— Präk.: Wie groß war dieser Betrag?— Angell.: Etwa 2 bit 3 Mark.— Präs.: Sie sollen auch noch eine filberne Taschmuhr mttgmommen haben? — Angell.: Nein, die habe ich nicht mttgenommm.— Präs.: Haben Sie nicht noch nach anderem Gelde gesucht?— Angekl.: Nein.— Präs.: Ei war Ihnen aber bekannt, daß Schiffling ein reicher Mann war?— Angekl.: Ja, aber ich habe ihn nicht berauben wollm, die 2 Mark nahm ich nm so zufällig, da ich fie gerade vor mir liegen sah.— Präs.: Nun, wie verließen Sie wieder da« Zimmer?— Angekl.: Durch« Fenster. — Präs.: Weihalb gingen Sie nicht durch die Thür?— Angekl.: Die Thür war verschloffm.— Präs.: Und wa« thaten Sie nun?— Angell.: Ich ging in meine Schlafkammer, wusch mich, zog mir meinen guten Anzug an und begab mich durch das Schanllokal auf die Straße.— Präs.: Hören Ste Keller. Ihre Erzählung erscheint wenig glaubhaft. ES ist nicht gut anzunehmen, daß Schiffling, nach- dem er schon mehrere Stunden geschlafen, plötzlich mit einem Stock in Ihre Schlaskammer eindringt, Sie züchtigt, Ihnen noch ein große« Meffer in die Kummer würst und fich alsdann in sein Schlafzimmer begiebt. ohne daffelbe zu verschließen. Viel eher ist anzunehmen, daß Sie gleich von vornherein durch da» Fenster in die Schiffling'sche Schlafstube gedrungen find und zwar ohne daß vorder ein Kampf zwtschm Ihnen und Schiff« ling in Ihrer Schlaskammer stattgefunden bat?— Angekl.: So wie ich(0 sage, ist e« richtig.— Präs.: Sie bleiben auch dabei, daß Sie nach wetterem Gelde nicht gesucht und«wen Raub auch gar nicht beabffchtigt haben?— Angekl.: Herr Prästdent, wenn ich hätte Geld stehlen wollen, dann hätte ich da« in Ammendorf mit größeren Leichtigkeit thun können. — Prästdent: Al» Sie nun auf der Straße waren, wohin begaben Sie fich alldann?— Angell.: Ich ging zunächst zu Fuß nach Jüterbog!, von da nach Wittenberg, Halle, Leipzig. In Leipzig wollte ich mich bei der Polizei melden. Ich unter« ließ es aber, und begab mich wieder zurück nach Halle, wan- derte von da nach Merseburg. Weißenfel« und nahm verschie- dentlich bei Bauern Arbeit an. Endlich wandte ich mich in mnne Hcimatb. da wurde ich im August auf der Chauffee ver« gastet.— Präs.: Wie machten Sie diese vielen Wanderungen? ITÄ Geld mitgenommen und arbeitete auch von Zeit zu Zeit.- Da» Verhö: ist danach beendet.- Der Prästdent erklärt nun die auf der ermahnten Schiefertafel entworfene Zeichnung der Schiffling schen Wohnräume.— Es wird alldann zur Zeugen- Vernehmung geschritten.- Da zunächst die kleine Anna Schiffling vernommen werden soll, so wird der Angellagte auf An- trag de« Staatsanwalt» in eine Ecke de« Saale« aefetzt. wo ihn da« Kind nicht sehen kann.- Die kleine Schiffllng, die jetzt 10% Jahre zählt, ist ein hübsche«, körper- lich sehr entwickeltet Mädchen. Ihre Aussagen find so leise, daß fie nur mit Mühe zu verstehen ist. Sie ist in ihren Be- kundungen etwa» unficher. Sie sei aufgewacht, al» ihre Mutter um Hilfe schrie. Sie habe den«eller mit der Mutter kämpfen sehen und stch vor Angst da« Deckbett über den Kopf gezogen. Nachdem e« wieder still war. habe fie den Keller zur Thür hinau» gehen sehen. Bald darauf sei Keller jedoch zurück gekommen und habe Verschiedene» gesucht. Er wollte auch ein Spind aufschließen, welche« Spind die« gewesen, wiffe fie nicht. Dann sei Keller wieder zur Thür hinau« ge- gangen. Bald darauf sei ste(die Zeugin) aufgestanden und bade die Stubenthür verschloffen.— Präs.: Weshalb thatest Du da«?— Zeugin: Ich desüichtete, Keller könnte wieder kommen.- Präs.: Was thatest Du. al« Du zugeschloffen hattest?— Zeugin: Ich legte mich wieder zu Bett und schlief ein. Nach einiger Zeit erwachte ich wieder. Da klopfte Fiau Rann und dieser sagte ich nun: Vater und Mutter find todt. Bei diesen Worten schluchzte da« kleine Mädchen heftig.— Präs.; Wieso wußtest Du denn, daß Vater und Mutter todt sein?- Zeugin: Ich sah ja. daß Beide im Blut todt d?« lagen.- Präs.: Hattest Du etwa» gehört. daßiKeller Deinem Vater gekündigt hatte?- Zeuain: Nein, Vater hat dem Keller gekündigt.— Präs.: Wieso wußtest Du da»?— Zeugin: Vater hat davon gesprochen.— Präs.: Weißt Du, wo Dein Vater am 10. Juni gewesen ist?— Zeugin: In der Versammlung.— Präs.: Weißt Du. wa« da« für eine Versammlung war?- Zeugin: Versammlung der Weißbier- wtrthe.- Präs.: Wann kam Dein Bater nach Hause? -Zeugin: Abend» gegen 9 Uhr.- Präs.: Kam Dir an dem Abende Dein Vater etwas ander« vor. so daß man an- nehmen tonnte,« habe etwa» zu viel getrunken?— Ziugin: Nein.— Pras.: Ist an dem Abende irgend etwa» zwischen Deinem Vater und«eller vorgefallen?- Zeugin: Nein.- Präs.: Hast Du gesehen oder gehört, daß Dein Vater den Keller einmal geschlagen hat?- Zeugin: Nein.- Di«, wette Zengin ist Frau Mann: In der Nacht vom 9. im 10. Juni etwa gegen 3 Uhr hörte ich au« der Schiffling'sche» Wohnung wiederholt ein heftige» Aechzen und Stöhnen und bald darauf ein leise» Wimmern dringen. Ich schentte dieser Wahrnehmung wenig Beachtung. Bald darauf sah ich. daß ew Mann da» Fenster de« Schiffling'sche» Schlafzimmer« öffnete, hinaussah» bald aber wieder schloß. Etwa gegen 5 Uhr Morgen« fiel e« mir auf, daß die Schiffling'schm Eheleute noch nicht wach waren. Ich klopfte deshalb. Die kleine Anna öffnete mir und rief: Frau Mann, kommen Ste nur herein. Vater und Mutter find ja todt. Ich sah nun Herrn Schiffling ganz beblutet todt im Bette liegen, Frau Schiffling lag da« gegen ermordet auf dem Fußboden. Am Abmde vorher sah ich den Friedrich«uf dem Handwagen fitzen. Ich habe nicht wahrgenommen, daß Schiffling de» Nackt« seine Wohnung ver« laffen hatte. Da« Schiffltng'iche Schlafzimmer hatte ein Drückerschloß, so daß, wenn die Thür geschloffen war, fie nicht ohne Drücker geöffnet werden konnte. Allerding« konnte die Thür nicht blo« angelegt werden. Die Schiffling'sche» Ehe- leute pflegten de« Nacht« die Thür ihre« Schlafzimmer« stet» zu verschließen und zu oeniegeln. (Fortsetzung in der Bellage.) Kriefkasten der Kedaktio«. C. F. Wenn Ihre Zusammenkunft«irllich bloß den von Ihnen behaupteten geselligen Charakter hatte, so brauchten Sie dieselbe nicht al« Versammlung anzumelden und tonnen nicht bestrast werden. Ausverkauf in Kleiderßoffen zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Nerlmer Warb zu Kaus Kleidern Meter 3v, 40—50 Pf. Eine große Änswah! moderner Kleiderstoffe in vielen j sehr hübscheu dunklen Farbenstellungen, früher 75 PfJ jetzt Meter 40 und 50 Pf.— Eine große Auswahl I Winter- Cheviots, wollener kräftiger Stoff für praktische Haus- und Straßenkleider, ftüher 90, jetzt Meter 50 Pf. — Ein großer Posten glatter, einfarbiger Tach-Vondle- /oulss, dekatirte kräftige Waare, früher 1,50, jetzt Meter ! 75 Pf.— Eine große Auswahl sehr hübscher Kleiderstoffe, doppelt breit, früher 2 M. jetzt Meter 90 Pf. und 1 M. — Eine große Auswahl wiuterstoffe, doppelt breit, Meter 1,30 bis 1,50 M.— Doppelt breit Tuch-Lama zu Morgeukleidern, Meter 1,20 Mark, 1,50 bis 2 Mark. 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Abendtisch, o. 33-59 Pf., nach Autwahl.[730 Soeben ist erschienen: Der .eneWtlt-Knlendtt für 1887. AuS dem reichen Inhalt heben wir hervor: R«ich»ha»,halt».El»t de» Deal- schea Reich».— Zerbrochene Setiea.«t» zählung von Stob. Schmeichel.— Bär> ig« Keeaea aad Haarmeafchea.— Lia Proletarieekiab. Erzählung v.E.L a n g er. —®rt Sempf«»ischea Feae, a. Wasser ia»ee Weit. Von P. OSw. Köhler.— Wie maa eiae SHiltea verbieat.— FUe» ,eab« Blätter i humoristisch). AI# Grati»- Deilng»» i L llacia. y»atter�ick. 2. BUache. 4. Die beidea«Uen. Sta Weabkeieaber. Drei» 50»f. Stuttgart. 3.#.*.**. Zu beziehen durch die«rpediti»», «er straße 44. .------"»w_|ivvw»ym.Bg»_ a«�»* w w*»w# Iw- �"• Vellage zum Berliner VolNlatt. Ur.$31. Honntag, den 8 Oktober 1886. Kommunales» w. Ztvtl» tttkO MlMärauwärter. Die hitstzm Tage- blitter bkb n die Naaiicdt ßtMoo-i, daß nach«rem Reichs- bricht» Erlennlnitz den Maaistraien nur dann daß Recht ,u Kede, Zloilan-->ärter oDet CuSoIlnr.beamte abzustellen, wenn zu den betreffenden Stellen ge i nete Mäiläranwärter fich nicht xewelde» Härten, sonst aber sei ven i>v ern der Vo zug vor den Ztatlanwä t-rn zu ßtken. W gen der weittragenden Bedeutung ein-t solchen Erkenntmffct»uch für die hiestge Aomwunell Berwaliung hat der Magistrat vom Reichsgericht w Letorig eine Abschrift deffelden erdeten, hierauf aber die Antwort erhalten, daß beim Reichsgericht ein derartiges Er- iennv iß nich> bekannt sei w. Reue Polizei Verordnung. DaS(gl. PolizeiprSfi- Wum b-oistatigi erne Polizei. Veroi r nun g zu erlaffen, wonach hie pro te Breite der Ladungen von Fuhrwerken, welche den neuer Mühlenweg zwischen Post- und BreUestraße passtren, out 2% Mtr. festgesetzt werden sollen und bat hierzu beim Maprn.at die Zustimmung beantragt. Der Magistrat hat bt ichioff-n, dieser beadstchtigten Polizei. Veroidnung mit der Maßgabe zuzustimmen, wenn dieselbe soiort nach Einstellung deS PierNr>>adnoei kehrS daseli'st außer Rraft gesetzt würde. w. Mit dem Abbruch der Hertuletbrücke hat fich da» Ministerium d,r geistlichen zc. Angelegenheiten unter der Be- dingung einverstanden erklärt, daß vorher eine vollständige piorogrophische und eine genaue architeltonirch? Ausnahme der Brücke statifindet. auch von derselben ein Gipi Modell angefertigt wird, welche» letztere der technischen Hochschule bierselbst überwiesen werden solle. Die auf der Brücke befindlichen Slawen müffen soro'ällig erhalten und anderweit angemiffen aufgestellt werden. Der Oderprästdent der Piovinz Branden- dmg hat dem Magistrat dereil» Mtttheilung gemacht. SS ist bierdurch da» Htnderniß wegen der Festsetzung von Bau- fluchtm für die HerkuleSdrücke teseitigt. Lokales. von alle« Proteste», die die langen Jahre hindurch unsere Gerichte deschästrgt haben, wird bei der Mehr-ahl der Leser keiner daS Gefühl so aufgeregt haben, wie die Verhand» tun gen. weiche vorgestern mit der Verurthetlung eine» Wölf« jährigen Mädchen» zu acht Jahren Gelängniß endeten. Wenn auch körpirlich etwa» entw ck iter all et Kinder diese» Alter» zu sein pflegen, war sie doch immer noch ein Kind. Unser Lertcht giebt Fcoge und Antwort au» dem langen Ve'hör wi-der; «a» dt« Aerzte schließlich bekundeten, daß die Unglückliche im Bollbefitz ihrer Urtheii» traft sei, da» e, hellt au» ihrem ganzen Auftreten. Ader gerade dt« Zarechnun�Stäbigkett de» Kinde» ist e», die den Fall so entsetzlich macht. Wäre fit für blöo« finnig«klärt worven, man häile«leicht«! ausathmen können. Wie die Sache liegt, steht man einem unlösbaren Räihsel 8 gen über. Im Hause sah die Tochter von d« Mutter nicht» ös'S. Im Gegentheil. in wie tleinen V-lhällniff-n die letzlere auch lebte, fie hatte volle» Virstänbniß lür die Verkommenheit da Tochter und wünschte den Tod derselben habet, lange be- vor fie da» letzte große Veibrechen begangen. Da» Kind wüßt« ganz genau Besch-td im Slrafges.tzbuch; e» kannte die Strafe, die auf Mord gesetzt ist und die Art der Stiafvollziehung. Et kannte auch ven Unrnschied»vischen Diebstahl u v Einbruch; mehr noch, «# pochte darauf, daß für die Minderjährigen die Besserung». anstatt, nickt da» Befängniß bestimmt sei. G-rade diese große Vn- trautheit mit einer Materie, in der stich sonst nur alle V«- drecher heimisch wiff-N, destärbe den Eindruck von der Zu- «chnungifähigkett de» Kinde». Gerade deShald aber wäre«» »teUeicbt wünschentwerth gewesen, wenn durch«eitere Fragen beim Vnhör festgestellt worden wäre, od da» Kind all' oa» ei an bei Begehen da That wußte, o)« ob e» da» erst in der ntasuchungihaft von den vier Frauen gelant und«fahren Jwt, mtt denen e» die Zelle— auf den selbst ausgesprochenen Wunsch—> heilte. Di die» Zusammensprrren wünschenSwerih gewesen, soll hier nicht«örint werden. Gute» wird da» Kind fichalich dabei nicht gelernt haben. Fast aber möch'e zu wünschen sein, daß da» fürchterliche Geschöpf«st in der Zill« die Fortschritte in den V-rrechakennlrnffen gemacht hat. ES würde dt« Möglichkeit de» G danken» zuiaffen, daß d« Zwölf« rlgen denn doch ganz nicht llar gewesen, wo» fie that, al« ihr demitletdeni werth«» Dpf« zum Fenst« hin aui warf. Kertiner Konntagsplauderei. E C. Hoffevtlich ist«u« ei« Zeder in der««lev Wohnung gut uvt« gebracht Sie ist wirklich besser wie die atte, da« vn«liegt keinem Zweifel; den Ofen hat man zwar noch nicht probirt. aber er bat«in so gutmütbige«»eußere, *aß er uv« im Winter hoffentlich nicht» vonauchea wird, n*d die paar Wanze», dt« man bi» jetzt im Schlafzimmer gesunden hat, werden uni ge» ß auch nicht mit Haut und Haare» auffresse». Man muß etwa« für den Thierschutz thu», und wen»«an in anderer Weis« sein« milde Ge« fianung gegen die niedriger orgaaisirtea Libewese» nicht de« thatrgea kann, so«jebt«an eben sei» Blut tropfen» hkr.»e, Spiegel hat zwar beim Um, uze «me« dedewlrche» ep.„„g«halte», doch da» schadet nicht«, e» macht eine» autgezeichnet spaßhaften Emdruck, wenn un««ns«««zerrte» Antlitz au» dem blanken Tlase entgegepstrahtt, und der Um» stand, daß der nun schon so baze sorgsam bewahrte» «ipsftgut gerade die Nase abgebrochen ist. kann «wen ernsthaste» Man» auch nicht zu ThrSne» rühre«. Di« Fenster schließen zw« nicht ga»z genau, aber da» geschieht nur zu dem Zweck, damit durch die Spalten der Thür eine angenehm« und erst'schevd« Zugluft entflebe« kann. Die von de« Möbel» abgestoßenen Ecke« besage« nicht viel, da« reparirt man fich in seine« Maßestunde« selbst und hat so eine« billige«, unterhaltende» u,d de- N�nde» Zeitvertteib. Am heutige» Sonntag Vormittag vnrste von denjenigen, die umgezogen find, ab«haupt vlemanb so leicht Langeweile verspüre«, den« heut« wird gerramt, gesucht und genagelt, bi» alle» schließlich wieder seine richtige �Konfusion" hat. Nu» soll e« aber— leider— auch schon vorgekommen sei», daß man, nachdem man heroisch« Weise alle Drang. W« de» Wohnungssuche««, be« endlich Gefundenhabev« «ab schließlich be» Umzug«» selbst üdnstande» hat, zu guter Letzt findet, daß die alte Wohnung den» doch mancherlei Vorzüge vor der neue» befiß und daß e« eigentlich besser gewesen wäre, man hätte fich mit dem a'ten HauSpascho, an dessen Grobhett«an fich derett» gewöhnt hatte, wieder LI» zwölsjäblige» Kind geht fie heute in» Gefongr.iß. Erst zwanzig Jahre wird fie alt sein, wenn fie wieder losgelassen wird— ein geradezu entsetzlich« Gedanke. Den« die Müg- lledkrtt jeder Biff rung ist bei ihr ausgeschlossen. W« im zarten Alt« damit anfängt, Thi«en die Augen auszustechen »nd Kindein die Kchle zuzuschnüren, um schließlich mtt zwölf Jahr«, einen Mord zu begehen, wie« eben adaeurlhitlt wo den, der ist rettungSlo» verloren. Uedrigeni kann die zwöisjährige Schneider auf andere Kinder verweisen, d!e auf dem besten Wege find, ähnliche Wege einzuschlagen. Gerade fetzt geht folgende amtliche Mttthetlung durch die Presse:„Ein waghalsiger, mtt Lebensgefahr verdundener Diebstahl ist am 7. September von einem Kinde orrübt worden, In d« Rahe de» Schlestfchen Thorr» wurden einem Mädchen ein goldene« Kreuz, ein golden« Ring,«in« Lroche und 3 M. baare» Geld entwendet. Al» Diebin ist die 11 Jahre alte, also noch nicht strasmündige Tochter der aus demselben Flur wohnhaften unvnehelichten L-«mittett worden. Da» Kind ist au» dem Fenster der 6 Treppen hoch belegenen Stube ihrer Mutter aus da» Dach gestiegen, aus d« Dachrinne entlang dt» zu dem offenstehenden Fenst« d« Wohnung der Bestoh- lenen gegangen und dort«ngestiegen, nach Entwendung der bezeichneten Sachen ab« auf demselben Wege zurückgekehrt." Buch die Bandendiebstähle kaum der Schul« entwachsener Knaben gehören nicht zu den Seltenheiten. E» soll au» diesen Porkommniffm nicht ein allgemeiner Schluß auf die Jugend Berlin» überhaupt gezogen werden. Ab« die zwingende An- regung geben fie, der Frage näh« zu treten,«vre e» überhaupt in dieser Beziehung bestellt ist. ES wäre dankenSwnth, wenn die Verhältnisse, unter denen unsere jugendlichen Verbrech« aufgewachsen find, und die Umstände, welche ste auf den ab» schüsstgen Weg geleitet, zum Gegenstand befand««, bi» in da» Letzte eingehender Untersuchungen gemacht würden. Vielleicht ließe fich doch darau» ersehen, wie noch Rettungen möglich find. Chrrstltch-sozsaler Anstand. Die christliche soziale Partei hatte am letzten Freitag eine Versammlung nach der„Ton- halle" einberufen und Vorträge dt» Hofpredig«» Stöcker und de» Professor Wagner angelündigt, dir wegen d« süßlich- sauren Miene recht belustigend zu w«den v«sp!uchen, mtt d« die bei- den Herren der antisemisch- reaktionären Bewegung den Fuß- tritt zu v«schleietn fich bemühen mußten, den ste angeficht» der Ersatzwahl im ersten Berlin« Reichstag». Wahikreike von der gouvernementalen Press« erhalten hatten. Dies« T:agt- komöate wollte unser Berichterstatter nicht fernbleiben und« hat e auch gegen ein EintrittSaelb von 10 Pf. Einlaß in den nicht üa« mäßig gefüllten Saal der»Tonhalle" gefunden. Dort aber«eilte ihn da» Verhängniß. Der vuchbindermeister Kühn hatte ihn erkannt und spielte den Denunzianten. Mtt erhobenem Zrigefing« machte er Herrn«schenbrenner. den Sin- beruser der Versammlung, auf den Wolf in der SchafSheerde aufmerksam. H«r Aschenbrenner eilte sofort herbei und mit ein« Gewandtheit, die er fich wahrscheinlich in feinem früheren Stande al» Prrtter angeeignet hat. de- sargte er die Vertreibung.„Sie sttd He« B.?"— „Ja. der bin ich."—„Dann bitte, verlassen Sie sofort den Saal; Sie baden zu uns«en Versammlungen keinen Zuttitt." Spra�ü und im Hintergründe« Koben fich bereit» die renommage- patriotischen Stubentletn. Unserem Berichterstatter that da» Scheiden nicht«eh. ab«« wollte den Groschen, den er für die Komödie angelegt hatte, d'e ihm nun v« sagt war, nicht gern einbüßen.„Aber erst VaS EtntrtttSgeld zurück l" sagte« sehr bestimmt. Und er bekam e». Herr Lschenbrenr.« ließ e« fich nicht nehmen, den Ex-nittirlen dl» zur Kasse zu begletten, wo demselben au» der Schatulle d« ckr stttch- sozialen Partei ein Nickel zmückerstattet wurde. Dieser N.ckel fand dann eine beff re Verwendung. Die Mtethen für Mittel- und kleine Wohnungen find in allen Segenden der Etadt bedeutend gestiegen. Zwei Stuben und Küche, im Hot drei Trippen. in der Nähe der Görlitzer Bahnhofe», für 420 M. ist für d-n„kleinen Mann" eine ganz bedeutende Summe. Unt« 360 M. find ähnliche Wohnungen überhaupt nicht zu bekommen, und für diesen niedrigsten Pret» ist da» Quarti« gewöhnlich d«art, daß e» kaum den allnbescheidmften Anforderungen genügt. Aehnltch wie im Norden und Osten der S adt stehen die Vw« hällniffe im Westen. Man weiß, daß hier da» elegant«« MteihShau» vorherrscht und daß in diesem Theile V-rlinS die geeinigt, während man jetzt gezwungen ist, die Tücke« de« neue« von Anfang an zu studtre«. De« Tragikomischen wird der diesmalige Umzug wie gewöhnlich in Hülle und Fülle gebracht habe«. Man steht ja alle Vierteljahr dasselbe Schauspiel: da»«omadifirende Berlin nimmt alle Vehikel in Anspruch; vom kolossale« Möbelwagen bi» zur bescheidenste« Hundesuhre durcheilt alle», wa» Räd« hat, die Straße«, nur den unscheinbare» Zunggeselle», der mit zwei Paptnkrage» in d« Tasche fich ei« neue» Heim sucht, beachtet Niemand. Vielleicht ist et ihm gerade angenehm, daß er die öffentliche Aufm«ksamk«U nicht in allzuhohem Maße auf fich zieht,— er ist de« kleine» Verlche» gleich. Doch abgesehnt vom Umzug«, ist d« Erste eine» Ouar» tal» auch«och in mar che« a»d«e» Beziehungen ei« äußerst unangenehm« Tag. Die»«schiedenartigste« Ausgabe» be» drohe» de» Staat» bürg«, von alle» Eetten recke» Gläu« big« die gierigen Hälse hervor, den» wahrlich, die Bedü-f» »isse, die da« moderne L.den mit fich bringt, find nicht wenig«. Wer kann e» ändern, daß beim gewöhnliche» Erdensoh» die vedürfniffe mtt dem Kassenbestaad niemal» in Einklang zu bringen find, und daß un« in de» meiste» Fälle» statt«ine» wohlgefällige« Ueberschusse» grauenerregea» de» Defiztt anstarrt. Schade, daß der Mammon nicht von Gummi und daher dehnbar ist. Zvdesse«— e» ist imm« ei» Trost, Genosse» im Unglück zu habe». Sin Freund vi» un««wartet zwar alle» Segen von der Doppelwährung, indem« schlauer Weise annimmt, daß bei verschiedene» gleich bttechttgte« Mürzarteu ans da« einzelne Individuum mehr Geld käme und so dem Dalle»«w endgiltig« Gar» au« gemacht werde, aber schließlich ist mit solche« Argu» menten kern Manichä« zu befriedige«, und gnade beim OuartalSwechsel steht man mtt nicht mißzuvnstehender Deutlichkeit, daß die größte Mehrzahl d« Menschen dem praktische» Leihhaus« mehr vertraut al« d« glänzendste« Thtiftie. Die Finanzkunst ist übllh-upt keine ganz leichte. Zeit und Gilb solle» zwar»ach dem englische« Eprüchwort zwei Begriffe sein, die identisch find, im gewöhilichen L-.ben steht «an jedoch sehr häufig, baß gnade die Leute, die üb« IH. Jahrg. Beamtenschast mit Vorliebe ihre Wohnungen sucht. Für 1200 M. ein« im dritten Slockwnk getegene Behauiung mit drei Zimmern, Kamm« und Küche zu finden, fällr ichon recht schwer, und man muß schon weit w die letzten Qanstraßen der Ku'füist-nftraße, welche auf Charlottendurgeo Terrain liegen, hlnauS wandern, um feine oefcheidenen Wünsche zu b-stiedigen. Fährt die P erv-dahn in nächster Nähe solch« Wohnungen vorbei, so kann man kühn darauf rechnen, daß diese Leqaemltchktit noch a!S Grund für eine befond-r: Steige» mrg de» MiethSpreife» angesehen wird. Im Z-ntrum der Stadt zu wohnen, ist nunmehr nur noch den weh habendsten GeschästSleulen gestattet. Aber auch hier bilben fich betet' 3 Verhältnisse au», welche denen der Cu 160000M, 2 ,u 100000 M, 2 zn 75000 M.. 2«i£0000 M, 2 zu 40 000 M.. 10 zu 30000 M.. 25 zu 15 000 M., 60 zu 10 000 M., 100 zu 5000 M.. 1050 zu 3000 M., 1100 zu 1500 M. El zieht aber der Staat 15*/* pCt. von sämmtltchen Gewinnen ad.. und dabei werden die Lotteriespieler bei nur 2348 wirklichen Gewinnen ihr ganzes Leben lang an der schönen Aulficht fich erfreuen können, einen größeren Gewinn zu erlangen. Neue Heilanstalt für Augenkranke. Dal geehrte Leserpudttkam machen wir darauf aufmerliam, daß fich in der Reuen Köntgsteaße 6 eine Heilanstalt für Augenl-anke etabltrt hat, die mit Bereinlmitteln unterhalten wird. Die Sprechzeit ist von 9-11 Uhr VornirtagZ, auch Sonntags. Die Heilan- kalt ist für Jedermann mittelst der Pferdebahn leicht und be« quem zu erretchen, sowohl mst der Ringbahn, da fie in der Rüde bei Königlthors gelegen ist, all mit der vom Rathhause nach Weißensee gehenden Pferdebahn. Sie ist um so mehr zu empfehlen, da nicht allein die Behandlung, sondern auch die Medizin unentgeltlich verabreicht wird und letztere, wie man weiß, unter Umständen sehr kostspielig werden kann. verliuer Adreßbuch. Am 5. Oktober beginnt das Ab- Holm der bei dm Hauleigenthümern und Verwaltern zur Ein« Zeichnung bereit liegenden Haullisten zum„Berliner Adreßbuch" pro 1887. Die betheiltgten Einwohner, denen die Liste noch nicht vorgelegen hat,«erben gut than, solche bei ihren Haus- wirthen zu reklamiren und für genaue und deutliche Eintragung der erforderlichen Angaben Sorge zu tragen.— Wir machen besonders die Arbeiter Berlins, welche eine eigene Wohnung inne haben, darauf aufmerksam, des es viele Haus« eigenlhümer giebt, welche die Namen der in ihrem Hause wohnenden Arbeiter abfichtlich nicht in die betreffenden Listen eintragen. Wer also auf die Aufnahme seiner Adresse im „Berliner Adreßbuch" Werth legt, möge fich bei seinem Haus« wirth melden und die Eintragung veranlaffm. Fernsprechverbindung zwischen Berlin und Breslau. In der«Verl. Börsen, tg." lesm wir:„Die geplanten Fem- jprechverbindungen mit Halle und Breslau find, soweit el fich ausschließlich um amtlichen Verkehr handelt, nunmehr fertig gestellt. Für beide Städte besteht je eine direkte Leitung und ,w« besorgt dal Fernsprechamt Nr. I die Vermittelung mit Halle a. S„ währmd das Amt Nr. VII dieselbe für Breilau herzuftellm hat. In beiden Städtm haben fich eine große Anzahl von Theilnehmern gemeldet und sollen demnächst weitere Leitungen gelegt werden, um die Tbeilnehmer direkt untereinander zu verbinden. Da diese Anlagen direkt gebaut werden sollen, so würde el kaum eine Minute Zeit erfordern, bis die Verbindung mst einem dortigen Theilnehmer hergestellt ist. Die Frage über die zu zahlende Jahresgebühr liegt noch bei der Oderprstdirektion vor." Eiu vteisetttges Genie. Der Arbeiter, Kaffenbote, Dichter und Reporter Schickus, welcher fich Edler, Otkar Gustav Schickus- Arnim, Wirkl. k. t Hostheater- Dichter und Schriftsteller nennt, auch fich all Freiherr v. Aldiecht Ar!- im vielfach bezeichnet hat, ist überführt, eine Reihe von Diebstählen und Unterlchlagunpen begangen zu haben. Nachdem el gestern gelungen ist, den Schickus festzunehmen, hat fich durch ä'zt- ltche Untersuchung heraulzestellt, daß er vollständig geistel« gestört ist. Schickus wurde daber, im Hinblick auf seine Ge meinzefährltchkeir, nach der Charitee überführt.— Ein Re- porter des angeführten Namens ist uns übrigens ganz und gar unbekannt. Wieder ist ewer der auf dem Potsdamer Bahnhof verunglückten Reservisten seine« Wanden erlege«. Am Donnerstag-«dend 8 Ugr starb im Gamtsonlazareiy in der Scharnhorststraße der Gefreite Schachtlinger, der ein« Am- putation bei linken Beines zu erdulden gehabt hatte und noch einen Gipsverband um das doppelt gebrochene rechte Lein trug. Die Eitern, die auf die Nachricht von dem Eisenbahnunglück sofort nach Berlin geeilt waren, fanden hier am Schmerzenl» lag» den Trost, daß ihnen die Berzte die Zuficherung gaben, ihren Sobn am Leben zu erhalten. Auch wir hatten damall biete ärztliche Aeußerung mitgetheilt; dennoch ist eine plötzliche Verschlimmerung und, ebenso wie bei Rohde, ein Verfall der Kräfte eingetreten, der den Tod herbeiführte. Die bereits in ihre Heimaih zurückgekehrten Eltern wurden telezraphisch von dem schweren Verlust in Kenntniß gesetzt und werden fich zur Beerdigung, welche heute auf dem Gamisonkrrchhof erfolgt, wieder einfinden. Aus dem Beebrecherlebea Berlins. Ein gefährlicher Einbrecher Namens Schlrnl befindet fich jetzt hier in Unter« suchunglhatt und zwar, da er den„wilden Mann" spielt, auf der Jrrenstation. Zwei andere Einbrecher, Schwerin und Metnicke, werden all seine Helferlhelfer beirachtet und gegen fie schwebt gleichfalls die Untersuchung. Ein Beiichter stalter erzählt heute die Geschichte, wie diese Leute der Polizei in die Hände gefallen find; fie gewährt Einblick in dal Tieiden einer merkwürdigen Äristolratie des V-rdrecheithuml. Unser Ge- währsmann schreibt: Seit Schltnl'l Frau, eine der berüch- tiglsten Ladendiedinnen Berlins, auf 6 Jahre im Zuchthause zu Luckau untergebracht war, lebte Schlink mit einer Proflituirten zu ammen, bei welcher er gelegentlich die Dienste eines Zu- hälters versah. Er lebte gut, ging stets fein gekleidet und arbeitete nicht. Die Polizei wußte ganz genau, daß er nur von Diebstahl lebte, ad-r fie vermochte nicht, ihm beizukowmen, obwohl er all Polizei- Observat scharf bewacht wurde. Mittler- weile mehrten fich Anzeigen über geheimnißvolle Diebstähle in auffälliger Weise. Es wurden Leute in ihrer Abwesenheit vom Hause bestodlen, die bei der Heimkehr Thüren und Schlöffer in bester Ordnung fanden und oft erst nach Tagen oder Wochen bemerkten, daß fie um Geld und Geldeswetth de. stöhlen waren. Da fich an keinem Spinde oder Schreibtisch auch nur die leiseste Spur einer gewaltsamen Eiöffnung fand, so glaubten viele der Bestohlenen, daß fie vom eigenen Per« sonal mit Hilfe von Nachschlüsseln aulgeplündert worden seien, und mancher Unschuldige mag dadu-ch in schweren Verdacht gekommen sein. So bemerkte eines T-gel im Frühjahr d. I. ein Maurermeister in der Frodenstraße, daß ihm aus dem verschlossenen Zyflnderbureau 400 Mark abhanden ge- kommen waren. Hier konnte der Verdacht nur auf fremde Diebe fallen; der Diebstahl mußte bereits vor bis 5— 6 Tagen erfolgt sein, denn seit dieser Z-tt war die Wohnung keinen Augenblick ohne Aufficht gewesen, doch waren auch hier olle Schlösser so wohl in Ordnung, daß es unergründlich schien, wie der Diebstahl verübt worden sei. Balv darauf zog der Bestohlene nach der Alveesledenstraße, verabredete aber mit seiner Gattin, die Wohnung nie ohne Au'ficht zu lassen. Da bemerkte die Frau eines Sonntags, als fie in Folge der Ad- rede allein zu Hause geblieben war und zum Fenster hinaus« sah, drei fein gekleidete Herren, von denen der Eine bald in dieses, der Andere in jenes Haui hineinging, die fich aber immer wieder zusammenfanden und>u berathichlagen schienen. Da» kam ihr befremdlich vor, weshalb fie die Herren scharf ins Auge faßte und ihrem Treiben längere Zeit z sah, ohne indessen etwas Schlimme» zu ahnen. Als fie aber einige Tage später bei kleinen Einkäufen erfuhr, daß in mehreren Häusern, w denen die Herren gewesen waren, gestohlen wor- den sei, da war fie überzeugt, daß jene Herren die Diebe sein müßten. Kurze Zeit darauf bemerkte st« bei einem Aulgange wieder die drei Herren in der Gegend, fie machte einen Schutzmann darauf aufmerksam, dieser beobachtete die drei» als diese aber das gewahrten, setzten fie fich harmlos auf eine Bank und gingen später langsam ihrer Wege, vom Schutzmann un> behelligt, der noch keine Veranlassung zum Einschreiten zu fin- den glaubte. Wieder einige Tage später sah die Frau da» Kleeblatt wieder in einer Straße, wieder verschwand einer nach dem anderen m dem oder jenem Hause, wieder machte fie einen Schutzmann darauf aufmerksam, der ihr aber die Wer- sung gab, einen Gendarmen aufzusuchen, da die Häuser auf Setöneberger Gebiet lägen. Zufällig begegnete die Frau sehr bald einem Genta-men, der fie auch sofort begleitete. Als Beide fich der Straßengegend näherten, trat Schlink plötzlich aus einem Hause heraus und lief dem Gendarmen gerade in die Hände. Auf dem Awtsdureau fand man Werth- lachen bei ihm, die er eben erst gestohlen haben konnte. Noch aber wußte man nicht, bei wem der Diebstahl verübt worden sei. Eine Umfrage in dem Hause war ohne Ergedniß. Niemand wollte bestodlen sein, überall genügte den Leuten ein Blick auf die wohlverschlossenen Vehälier ihrer Weithjachen, um überzeugt zu lein, daß fie nicht destohlen waren, bis end- lich bei einer erneuten Umfrage den Bewohnern des Hauses offen gesogt wurde, die Werthsachen. die man ihnen beschrieb, seien bei einem Diebe gefunden worden. Da fand stch denn der Geh. Sekretär Schulz, der erklärte, solche Gegenstände ln seinem Lefitz zu haben; er schloß sein Schreidpult auf und fand dasselbe ausgeräumt. Bei der V fiialion Schltnl'l fand man Dlelriche, welche sofort eine Erklärung dafür gaben, wie die Diebstähle, deren man schließlich eine ganze Menge festgestellt hat, ausgetührt worden find. El waren überaus fein und folgsam gearbeitete Hauptscdlüssel, denen lein Schloß widerstand und die den Dieb in die Lage setzten, jedes Schloß orgsam auf- und zuzuschließen, so daß tie Bestohlenen erst zu- ällig den erlittenen Verlust bemerkten. Nachdem Schlink ver- »astet worden war, wurden auch Schwerin und Matnicke ge- änglich eingezogen und«on der Frau des Maurermeisters wie auch von dem zuerst von ihr zum Beistande aufgeforderten Schutzmann mtt gtößker Bestimmtheit als diejenigen beiden Herren erkannt, die fich in der Gesellschaft Schltnkt in der Gegend umhergetrieben hatten. Schwerin fitzt wegen anderer Verbrechen beim Landgericht I in Untersuchungshaft, Schlink und Meinicke dagegen beim Landgericht II, doch hat dal Land- gericht I auch über diese beiden Super- Aireft verfügt. In der Wohnung bchlinis ist eine vollständige Einrichtung zum Ein- schmelzen von Metallen vorgefunden worden, so daß mit Sicher« hell anzunehmen ist, daß die gestohlenen Gold- und Silber« fachen so'ort eingeschmolzen worden find. Polizei- Bericht. Am 30. v. M. starb im allgemeinen städtischen Kranken haule der Arbeiter Hutz»elcher kurz vorher auf dem Grundstück Prenzlauerstraße 17 auf einem Torfwagen dcfinnungSlo» und au« einer Kopfwunde blutend aufgefunden und dorthin gebracht worden war, und zwar, wie nachträglich festa, stellt, an den Folgen einel Sckädeldruck». Auf welche Weife er diese Verletzung erlitten, konnte dither nicht festge- stellt werden, da er bis zu seinem Tode bewußtlos blieb und nicht vernehmungsfähig war.- Am 1. d. M. Vormittaas wurde in der Prtnzen-Allee eine Frau durch ein von dem Weber Danzmann, Sandstraße 5, geführtes, im scharfen Trabe fahrende« Möbelfuhrwerk erfaßt und niedergestoßen. St« er» litt durch den Fall auf das Straßenpflafter einen Bruch d-.l LchlüffrlbeinS— Um dieselbe Zeit wurde auf dem Neubau Lüddenerstcaße 27 der Maurer Horn durch einen derab'alenven eisernen Träger erlcklagen. Horn hatte beim Veileg-n des- selben, auf einem Pfeiler stehend, daS Gleichgewicht verloren und, indem er fich an dem Träger zu halten versuchte, den- selben herabgerissen, so daß ihm der Träger auf d-m Rücken siel und außer einem Bruch der Wtrdelfäule so schwere innere Verletzungen zufügte, daß der Tod auf der Stelle errolgte.— Gestern Mittag stürzte der bei den Abb uchla- betten auf dem Grundstück Beuthstraße N(. 18-21 beschäftigte Arbetter Ftgminatis aus eigener Unvo-fichtigkett rückiingi au» dem 2. Stockwerk bis in den Keller hinab und erlitt dadurch so schwere innere Verletzungen, daß er nach der Klinik gebracht werden mußte.— Nachmittags, kurz nach 1 U!zr, wurde auf dem Produftendahnhof der Hamdurzei Erjenbohn der mtt Arbeiten am Grleise beschäftigte Bahr arbetter H rocke von einer Rangirmaschtne überfahren und aaf der Steue ge« tödtet.— Am Nachmittag versuchte der Bahnarbeiter Lehrend auf der Niederschlefisch Märkischen Eisendahn, hinter ber Station Warschauerbrücke, beim Rangiren von Eisenbahnwag-n aul dal Trittbrett eines derselben zu springen, glitt dabei aus uns fiel so unglücklich unter den stch bewegenden Zug, daß idm der linle Fuß überfahren wurde. Er mußte mittelst Tragkordil nach d-m Kcankenhaufe Bethanien gebracht werden.— Ädenis gegen 8 Uhr wurde an der Kreuzung der Dalldorf-rstraße mtt der Reinickendorfer» und Fennstraße ein Mann du ch einen im fcharken Trabe die Fennstraße heraufkommenden, von dem Kutscher Kollmar gm, Schönhauser Allee 171, gefüd-ten Wagen überfahren und an beiden Füßm so schwer ve> letzt, daß et mittelst Droschke nach der Charitee gebracht werden mußte.— In der Nacht zum 2. d. M. warf fich der obdachlose Arbetter Jericho» in selbstmörderischer Absicht in der O aniendurger« straß: zwischm die Räder eines in langsamer Fahrt begriffenen Schlächterwagen», wurde über die Brust gefahren und inner- lich anschetnmd schwer verletzt. Er wurde mittelst Droschke nach dem vi. Hedwtgl-Kcankenhause gebracht. Gerichts Zeitung. Der Doppelmord ta der Möckern stratze vor dem Echwargertcht. (Fortsetzung aus dem H-uptblatt.) Die Zeugin Mann bekundet noch auf Befragen: Sie h abe den Keller häufig de» Abends auf dem Handwagen fitzen s-hrn. Auf dem letzteren seien die Schuhe des Angetlagten vorge« funden worden. Sie habe niemals gehört, daß Swiffüng den Keller oder seine früheren Hausdiener mißhandelt hade.— El wird all dann das gerichtliche Protokoll über den Befund der Schifflwg'schm Wohnräume verlesen.— Der folgende Zeuge ist der Kriminalkommissar Gruschke. Er habe in der Sckiss» lrnp'ichen Wohnung Alle» aufs Genaueste durchsuchen lassen, die Uhr desSchrssling aber nickt gefunden. Seine,(dr» Zeugen) Uederzeuaung nach könne der Mörder nur ourch da« Fenster in daS Schlafzimmer gedrungen fein.— Stallmann Witte: Keller klagte mir einmal, daß e: dem Sch ffli-rg nicht» mehr recht machen könne, über schlechte Behandlung oder M-ß» Handlung tlagte Keller nicht.— ES wmdrn hierauf.ine An« zahl von Z-uzen vernommen. Diese bekunden iä amtlich übereinstimmend: Un'er dem Bett des ermordeten vchiffttng sei der Hut de» Angeklagten und zwar in einer Lage gefunden worden, daß man annehmen könne: Keller hade fich unr-r dem Bctt versteckt gehallen. Die Möglichkeit, daß man fich unter dem Bett verstecken könne, sei außer Zweifel. Die Sckuhe de» Angeklagten standen auf dem Hruwagen in einer Weise, daß man annehmen könne Keller hade fich auf dem Wagen die Schuhe ausgezogen, um durch das Fenster, über da» Blumenbrett hin« weg, ins Zimmer zu steigen. Die Sckiffling'sckcn Ehrleute pflegten ihr Scklafzimmer stets de« Nachts zu verschließen und zu verriegeln. Daß Schiffitng des Nachts seine Wohnung ver« lassen, hat keiner der Zeugen«ahrgenommen. Der Schwager des ermordeten Schiffling» Kaufmann Drerjkant, bekundet: Sern Schwager habe außer vielen Werthpaptei en mehrere tausend Mark daares Geld in der Wobnung gehabt. Sein Schwager habe ihm einmal gesagt, der F iedrich schlage ihm Alles ent» zwei, er sei außerdem ein sehr böser Mensch. Er müsse ihn fortschicken, sonst stecke er ihm einmal das Haus über d-m Kcpf zusammen. Daß sein Schwager den Keller jemals geschlagen, sei ihm nicht bekannt. Er(Zeuge) sei der Meinung, Keller sei durch die Korrtdorthür und nicht durch dal Fenster in das Schtffitng'iche Schlafzimmer gedrungen. Das Einsteigen durch das Fenster hätte einmal zuviel Slandol ge» macht, andererseits hätte der Mörder auch betürchlen muffen, daß er im Hofe von den vielen Leuten. die daselbst verkehren, beobachtet werde. Die Erzählung de» Keller scheine ihm(Zeugen) vollständig unglaubha'r.— Frau Wesenack: Am Morgen des 10. Juni gegen 3»/« Uhr hörte ich au» der Sckifflwg'schen Wohnung Hil-erufe dringen. Ich sah durch die Gardine 2 Gestalten, die stch hin und her bewegten, t« schien mir, als ob fie zusammen rangen. Einig« Zeit darauf sah ich, wie ein Mann da» Jenster de« Schtfflmg'schen Schlafzimmers öffnete und den Versuch machre, au« dem Fenster zu steigen. Da der Mann deblutete Hä-te hatte, so rief ich mtt lauter Stimme meinen Gatten. Dies schien der Mann gehört ,« haben, denn er machte da» Fenster eiligst wieder zu; all dann hörte ich nichtl mehr.— El erscheint alsdann der Polizeilieutenant Henke, in dessen Revier dal Haus Röckernstraße 78 liegt. Er sei früher der Meinung gewesen, der Mörder sei durch dal Ferstet in dal Schtffling'lche Schlafzimmer gelangt, all er jedoch von der Auffi-rdung des Hut,» gehört, sei er zu der U-berzeugung ge« langt, der Mörder habe fich durch die Korridorihür, vielleicht durch Nachschlüssel. Eingang in das Schlafzimmer oerschafft und zwar noch ehe die Schiffling', chen Eheleute stch»u Bett gelegt hatten.- Hausverwalter Kuhlmar,: E' kannte den Schiffling schon seit 1883, derselbe fei ein sehr gutmülhiger und «sntger als jähzorniger Mann gewesen. Auch sei Sckiffling sehr ordnungiltedend gewesen. Am Abend dc» 9. Juni habe Schrffltng ein Messer gesucht und da er es nicht gleich finden konnte, a-,agt: Es ist dock verdammt, daß der Friedrich immer da« Schtnken-Sckneidemess-r verlegt.- Präs.: Nun Angeklagter, was sagen Sie dazu?-«ngell.: Davon weiß ich nichts.— Auf wettere« Befragen de» Präfizenten de- erscheine ihm vollständig unglaubhaft, daß Schrffltng den Keller in der Schlafkammer überfallen bade. ., Der gerichtlicher Physiker, Geh. Medizinal Raih Dr. Weist bekundet: Dir ermordete Frau Schrffltng sei in eine: Weise oerutzt gewesen, doß mit Sicherhett auf eine sehr heftige Ge« fisnwehr der Ermordeten mit dem Mörder zu schließen sei. Nicht nur am Halse, auch an der Brust» den Armen und Fmgern waren tiefe Schnitt' und Stichwunden vorhanden. Der Ehemann Schiffling war von rechts nach links, seine Frau von links nach recht» in den Hals geschnitten.— Die Frage de» Staaisaniralts: od es möglich, daß der Mörder der Frau den Schnitt in den Hals im Silas beigebracht und alsdann die Frau mtt dem Mörder gekämpft habe, bestätigt der Sach» re ständige.— Santtäts Rath Dr. Long; Ich habe den Ehe« mann Schiffling untersucht. Schiffling ist eine HüHnenHafte Gestalt gewesen. Die Wunde, die Schiffling quer über vem Halse hatte, war eine so tiefe, daß man rine Hand dcqu-m darin versenken konnte. Außerdem war der Kehttopf durck- schnitten, so daß der Tod sofort eintreten mußte. Die Schnitte waren mtt großer Hefirzleit geführt.- Die Beweisaufnahme war danach erschöpft. Der Präsident forwulirt folgende F agen: I.Jst der Angc- Naate Ickuldifl, in der Nackt»om 9. zum 10. Juni d. I. den vckanlwtr'b«cktffltng vorjätzlick getöStet ,u haden und zwar, indem er die Tödtung mit Uederleguna auSiithrte: 2. diesellie F oflt bezüglich der Ermordung der Frau Echiffiing. 3. In der Lnzeklagte schuldta, dem Echankwirtb Schiffling etwa 2 Ä. und eine Ubr unter Anwendung von Gewalt entwendet zu haden?— Et beginnen alsodann die Platdoyert. Eiaattanwalt Dr. Otto: Meine Herren Geschworenen! Wenn sonft Aapitalverbrecken paistren, dann entsteht immer zu» näckst die Frage, wer ist der Mörder? In dieser Sacke war die« nicht der Fall. Man wuhte sehr genau, wer der Morder ist. et g.lang nur nicht, seiner habhaft zu werden. Man glaubte schon, et werde nicht gelingen, den Mörder dn Gerechtigkeit zu überliefern. Der Angekiagt« hat ja ein Geständnis abge. allein, das, wat er un« hier erzählt, ist albern. ein Wort seiner Erzadlung hat die Ve-veitauf. legt, Nicht rahme irgendwie bestätigt. Ich habt ja den Echiffiing ni-ma.'S im Leben gesehen, bat, wat wir aber von ihm gehört Kaden, gleb! mir dt« Uederzeugung. dag er ein gemüthlicher Berliner Budtt r gewesen ist. Et ist ja dat Recht jede« An- geklagten, alle« Mögliche für sein« Venheidigung vorzudringen, allein die«utrede, die hier der Angeklagte macht, ist zu albern, alt daß ste irgend welche Beachtung verdiente. Trotz aller Echwierigkellen, deHaupte ich, ist der Angeklagte durch dat Ferst« von dem Handwagen au» ins Zimmer gelangt. Dafür sprechen die verschiedenst n Momente. Der Mörder hat sich alsdann unter« Bett det ermordeten Echiffiing versteckt; er ist deiei!» im Zimmer gewesen, ehe die Echiffltng'schen Ehe- leute sich zu Bert begaben. Der Angeklagte hat nun Kit etwa 3 Uhr Morgen« unterm Bett gelauert. E« mag die« ja nicht deso-ider« angenehm sein, allein ei muff erwogen werden, daff aS finster im Zimmer war. In der Finsterniff konnte er solche Echnitte nicht führen. Et war im Monat Juni, in dem et um drei Uhr Morgens hell wird. Deshalb wartete der Angekagte Kit zu dieser Zeit. Daff der Angeklagte die Abiickt gehabt hat, den Echiffiing zu tövten, dafür spricht die furchtbare Verwundung. Wer einen Renschen in dieser Weise verwundet, der hat die Atficht zu tödten und nicht dlot ihm einen Denkzrttil zu geben. Ich vehaup'.e aber, der Angeklagte hal«benfall« die Frau vckiff.ing im Ecklafe überfallen. Da» für sprich! die Bekundung, daff Frau Echiffiing gerufen: J&llfe, hilf- Rodert, der Kerl will mich erstechen". Alt Frau Echrff- ltng die« rief, da war ihr Robert, ihr Gatte aber schon tovt. Bei der Frau Eckiffling ist ihm die Tödtung eben nicht so leick: geworden. F. au Echrffling ist nicht den Abend vorher im Grstwirthtveretn gewesen, fie schlief also nicht so fest wie ihr Mann. Frauen haben überhaupt gewöhnlich einen leichten Ewlaf.— Der Staatsanwalt geht alidann näher auf die Eirzelheiten der Anklage ein und schliefft mit den Worten: Ich behaupte, der Angeklagte hatte zunächst den Entschluff gefafft, die Echiffltng'schen Eheleute zu tödten und alt- dann, dieselben zu berauben. Ich hoffe, meine Herren Ge- schworenen, Eie werden Ihr Verdikt abgeben noch Ihrem besten Ermeffen, unbekümmert um die traurigen Folgen, die durch Ihren U theilispruch für den Angeklagten erwachsen. Ich weiff, e« rft schwer, ein Todeturtheil zu fällen. Allein et ist auch furchtbar, zwei Menschen in kaltdtürrger Weise zu er- morden. Meine Herren Geschworenen, vor Ihnen steht da« »ehr jährige Töckterchea der ermordeten Eheleute, da« ste an- fleht nicht um Rache, aber um eine gerechte Sühne. Beweisen Sie, meine Herren Geschworenen, durch Ihren Urtheiltspruch, daff et auf Eiden noch Gerechtigkeit gied».— Der Velthetdiger. Justizrath Frentzel ssucht in längerer Rede den Beweis zu liefern, daff ein Mbid nicht vorliege. Die Möglichkeit, daff der Angeklagte von Echiffiing gereizt worden, sei nicht autoeschloffen. Jedenfalls liegen direkte Beweise, daff der Angeklagte mit U Verlegung gehandelt, nicht vor. Der Angeklagte hat nicht» weiter anzuführen. Der PrSfidint ertheilt hierauf den Geschworenen die nölhige Recht»delebrung. worauf sich dieselben gegen 7'/« Uhr Admd» zur Berathung zurückziehen. Nach zweistündiger Berathung bejahen die Geschworenen alle ihnen vorgelegten vchuldstagen, worauf der Gerichttbof den Angeklagten zwei Mal zum Tod« und zum V-rlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurthetlt.— Justizminister Dr. Frtedbera wohnte»um Theil der Verhandlung bei. f Unter der««klage de« Betrüget und der An- stiftung zur Abgab einer falschen eidetstatilichen Verficherung stand gestern der Kaufmann Bandow vor der zweiten Etraf- l arr m r det hiestgen Landgericht« l. Mit auf der Anklage- dank Platz genommen hatte die Frau det Angeklagten, die der Be bil'e, und die Friseurin Emilie Engelhardt, die der fahr» läsflgen Abgabe einer falschen eidekstattttchen Verficherung be- schuirigt war. Et hatte bereit« eine Hauptverhandlung gegen B. stattgefunden, aut der er, wie wir s. Z. berichteten, zwar nicht unversehrt hervorging, in der er aber von der An- klag« det Beiruget in sieben Fällen„wegen nicht genügender Aufklärung der Eachlaae" und„trotz dringenden Verdachtet" freigesprochen wurde. Auch tn der gestrigen Verhandlung er- folgte seine Freisprechung und die seiner Frau wegen det einen Bet'ugifallet, der noch nicht miterledigt werden konnte; die Eache nahm hier eine für die Angellagren so günstig« Wen- dung, daff der Vertreter der Etaattanwaltschaft selber dat Nichtschulotg beantragte. Im Jahre 1884 miethete B. dat erste Etockwerl eine» dem Herrn v. Westrrhagen gehörenden Hause« in der Friedrichstraffe durch die Vermittelur.g det Ver- Walters und GtschästSfrrundti det Lefitz««, dct Kauf- «nanu« Wolf. Dat Etockwerk hatte geraum« Zeit leer gestanden und so war Herr Wolf bereitwillig darauf ein» k'aangen,»« an B. zu vermietben, der„einen soliden Ein- « und ein grvffet Möbelgeschäft«Nichten wollt«. B. erllan» offenherzig, daff er selber kein Geld befitze,« sprach ab« von seiner«utstcht, fich mft Geldleuten ,u affoziirm und ein« Kommandit Gesellschaft zu gründen. Od diese Gesellschaft jemals dat Licht der Welt erblickt hat. kam in der Vrrhand- J'd'nfall, faffte Herr Wols zu der Eolidital det unternehmen« Vertrauen, ja, et ging sogar noch weiter und onanlafftr Hern, v. Westerhagen. um dat Geschäft in Fluff zu dringen. B. einen Kredit von 4000 M. zu gewähren. Wolf erhielt den Auftrag, die Hälfte jeder Rechnung Über die zum Weitermrlauf von erwordenen Modillen zu bezahlen und streckte aus diese Weise dem Angeklagte n ca. 1800 M. vor. Von diesen 1800 M. hat Herr v. Westerhagen bit heute keinen Pfennig zurückerhalten;«im Exmilston ist fruchtlo« autgefallen. Et lag aler kein Moment zum Beweis, darüber vor, daff er zur Zahlung diese» Geldet von B. durch die Vorspiegelung falsch« Thatsachen veranlafft worden sei und so konnte die Anklag« wegen vetruge» nur den dereit« mitgethrilten. sür den Angeklagten günstigen Uutgang nehmen.— Ander« stewe e» sich bei dem zweiten Tbeilt der AnNaae. Die Fri- s-urin Frau Engelhardt theilte im Eeptemb« 1884 gelentlich eine« Besuchet Frau Bandow, die fie früh« ftistrt Haft,, mft, daff Sf«ine paffende Wohnung für die Familie wiffe. Frau begab fich mit der Friseurin nach einem Hause der y'i'iftttttftrafft, da« unter der Verwaltung de» Herrn Ti,chl.rmftfter, Hermann stand. Die Wohnung wurde gezeigt. sti V fiel und H-rr Bandow fand sich ein, um dteselbe«nv- gillig»um Prers« von 700 Ist. pro Jahr zu miethen. AI, Herr Hermann daran ging, den Miethtkontratt auszufüllen, meinte H«r Bandow,« habe augenblicklich keine Zeit, Slang« zu verweilen und bat, den Kontrakt ihm zum Unter- leiben zuzusenden. Die« geschah auch, ad« bi» jetzt ist der rethtvertrag in den Händen B.'« geblieben. Alt die Fa- mtlie B. tn die Wohnung einzog, fragt: d« Viziwirth wieder nach dem Kontrakt. Da hicff et, d«selbe sei augenblicklich im Komtoir und srlle nur noch mft d« Etempelmarke verseben werden, dann werde man ihn zurückerstatten. Bei diesem Versprechen blieb et aber und alle Versuche, B. zur Unter« zeichnung de» Kontraktes und zur Zahlung von Miethe zu bewcaen, blieben fruchtlo?. Nun strengte Hermann die Exmi fiontklage an. In diesem Prouffe gab Landow eine von seiner Frau und der Friseurin Engelhardt unterzeichnete eideistaftliche Ve'stcherung ad, die von dem Rechtsanwalt Tiementörfer rediatrt war und«o noch zwischen Hermann und Bandow in Gegenwart d« Frau Engelhardt autgemacht worden sein sollte, daff ein schrifilich« Vertrag erst nach Vollendung d« Reparaturen geschloffen w«ven und ein Angeld von 10 M. gezahlt worden sein sollte. Die Thatsacken, die in diesem Echrtfrstück oerfichert werden, beruhen nach demZeugniff der Tischler Hrmann'schen Eheleute auf Unwahrheit. Frau Engel- Hardt war bei der Unterredung, in welcher auidiücklich der sofortige Abkchluff einet schriftlichen Vertraget festgesetzt wurde, gar nickt zugegen und ste giebt die« selber vollkommen zu. Eie behauptet, in die Hände einet Schwindlers gefallen zu sein und bellagt ihre Gutwülhigkeit, die in unerhört«. W-ise gemiffbraucht worden sei. Herr B- habe ihr ein Schriftstück vorgelesen, dat aber ganz ändert gelautit habe alt dasjenige, welches ihre Unterschrift trage, und das ihr wahrscheinlich untergeschoben worden sei, während fie ohne weilerc Prüfung ihren Namen unterzeichnet habe. Die Bandow'schen Eheleute detheuern ihre Unschuld. B. bestreitet, das Schriftstück vorgelesen zuhaben, vessen Inhalt im übrigen durchaus der Wahrheit entspreche. Frau B. will die eidesstattliche Verficherung zweimal Frau Engelhardt vor» gelesen haben, die damalt den Inhalt vollkommen gebilligt und stch dereit«llärt hätte, denselben zu vertreten. B. deutet an, daff zwischen dem Zeugen Hertmann und der Frau Engelhart Besprechungen und V«bandlungen stattgefunden bätten.— Alle die Angaben werden von d« zwanzigjährigen Tochter d« Angeklagten vollinhaltlich bestätigt. Die Mutter habe in Gegenwart der Frau E. noch darüber ihre Verwunde- rung ausgesvrochm. daff Hermann fich ohne weite-ei auf einen mündlichen Vertrag eingelaffen habe.— Der Staat«» anwalt hielt die Angaben dies« Zeugin wie die ihr« Eltern für vollkommen unglaubwürdig. Die Darstellung d« Ange- klagten Engelhardt und d:S Tischlermeister Hermann sei von viel größerer innerer Wahrscheinlichkeit. W« die Berliner Mieihtoerhältniffe kenn«, wiffe, daff d« Wirih alle Rechte, der Mieth« alle Pflichten habe. Et sei ganz unwahrscheinlich, daff Hermann, alt Vizewirtb. fich auf einen mündlichen Vertrag werde eingelaffen haben. Er bean« trage gegen Bandow eine Gefängniffstrafe von 2 Monaten, gegen Frau Landow 1 Woche und gegen Frau Enaelhardt, dt« sahrlasstg gehandelt habe, 3 Tage Gefängniff.— Der Gerichtshof erkannte nach diesem Antrage mit d« Veränderung, daff er die Strafe für Frau Bandow auf«inen Monat Ge- fängniff festsetze, weil th.'e aktive Theilnahme an der Auf- stellung der wiffentlich falschen eidesstattlichen Verstcherung auffer jedem Zweifel sei. Der vapttstenprediger Schewe au« Berli« war wegen groben Anfügt bei der Taufe in HcmerSdorf mit 25 M. Strafe von d« Polizei belegt worden. Vom Schöffengericht zu Landtderg a. W. wurde« aber freigesprochen, obgleich durch die Zeugenaussagen«wiesen wurde, daff die Einrichtungen der Autlleidezellen einfachster Art gewesen waren und bei der Red« de« P-edtgert derbe Autdrückc gefallen find, welche dat Publi- tum zur Heiterleit reizten. Bretzla«, 30. September.(Disziplin im Gerichttsaale.) Ein junger Mann, der heute alt Neugierig« den Zuhör«- räum det Schwurgerichttsaale?, indem die Strafkammer tagte, betrat, that di.i mit dem Hut aus dem Kopf«. Bevor der junge Mann sein Haupt entblößen konnte, hatte da» scharfe Auge dkt Vor fitzenden ihn bemerkt. Der Verwegene, der da vergeffen, daff ein Hut nicht daffelbe Recht wie ein Helm oder ein Barett verleiht, mufft« unverzüglich vortreten und wurde wegen ungebührlichen Benehmens im Gerichitsaale zu ein« Geldstrafe von 10 M. verurtheilt. Frankfurt a. M., 1. Oftober. Vor etwa einem halben Jahre würbe«in Tischst rlehrling von seinem Meister beauf« tragt, unter einem mit Leim und Terpentin gesüllten irdenen Topf in der Werlstätt« Feu-r zu machen. Die Maffe kochte üb« und fing Feu«; der Junge wollte löschen, gerieth dabei aber selbst int Feuer und starb an den erhaltenen Brandwunden. Da den Eltern ein alimentationtpflichtlget Kind durch dat Verschulden det Meistert— wie st« meinten— verlorm gegangen, welch« S fie, wenn auch nicht jetzt, so doch spät«, unterstützt haben würde, so wurden ste llagdar und verlangten, daff die Alimentationspflicht de« Meister« festgestellt werde. Um den Proziff führen zu können, kamen ste bei d« Zivil» kammer n um da« Armenrecht ein, wurden aber abgewiesen» weil bat Gericht annahm, der Prozeß sei auifichttlot. Dat Oderlandetgertcht, an welche? die Berufung hiergegen erfolgte, hob, wie die„Franks. Ztg." schreibt, dat Urthell der Zivil« kammer auf, weil dem Prozeß nicht so ohne Weit«et die Aut« ficht« lofigkett anhafte, und ertheilte da» Armenrecht. Daraus hat die Zioilkamm« Beweitserfahren angeordnet. Uerewe mb Nersammwngem Die Wohnungsfrage, welche zurZeft einen so lebhaften Anreiz zur offmllichen Diskussion gegeben, hat alt Resultat für die Äeichiyauptstadt die Begründung einer Vereinigung gezeitigt, welche unter dem Namen„Verein zur Wahrung der Jnt«tffen der Miether" Err.fluff auf die Gestaltung der MterhS' und Wohnungtvnhältniffe nehmen will. D« Verein, will unt« eng« Anlehnung an die neuerdings aufgetauchten Wünsche und Bestrebungen eine maffoolle Jntereffenvertretung der Wohnungt-niether bilden und demnächst, wie wir hören, mft einem großen Manifest an die Oiffentlichkeit treten. D« V«ein ist geeignet, eine fühlbare Lücke auszufüllen und dürfte bei geschicktem und enttgischem Auftreten Autstchten auf Prosperitat dteien. Ardeft bittet stch in unseren Bnltner Verhällniffen derartigen Bestrebungen ausreichend dar. Allgemeiue Kranken» und Sterbekasse der Metall» arbetter(E. H. 29, Hamburg), Filiale 9. Versammlung heute, Sonntag. Vormittagt 10 Uhr, im Lokale det Herrn Donath, »U-Moabit 90. Fachveretn der Tischler. Dienstag, den 6. Oktober, Abends 8Vi Ubr, Versammlung in Jordan'« Salon, Neue G ünst". 28. Tagesordnung: 1. Vortrag de« Herrn«endztora, über:„Schiller'« ästhetische Erziehung de« Menschen". 2. Wahl «ine» ArbeitSvermittler«. 3. Verein«an gelegen heitm.— Quittungsbuch legitimirt, neue MUglieder»«den aufge» "�Verband der- Möbelpolirer. Montag, den 4. Oktober, Abend» 8 Uhr, bei Säger, Grüner Weg 29, General V«- sammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. VorstandSwahl. 3. Verschiedene«. Leffentltche Bersammlung fämmtlicher Kisten- mach« Berlin« Montag, den 4. Ottober, bei Detgmüll«, Alte Jakodstr. 48. T.-O.: Bericht der Kommisston üb« wettere Resultate de, Streiks. Die öffentliche Versammluna der«««£«. welche tu Montag, den 4. d.M.. nach dem Louise nftadlischen Konzert» haust einberufen war, kanu nicht stattfinden, well die poltzei- liche Genehmigung hierzu versagt wurde. UnterftützungSverein der Buchbinder und verwandten Verein nach Austrftt au« dem Verdand? 3. Verschiedene,. - Gäste haden Zutritt. Neue iMUglied« werden aufge» "�Männergesanaverein„Schneeatöckchen" jeden Montag Abend im Restaurant Naunynfiraffe 78. Kachverein der Putzer. Sonntag, den 3 Oktober. Vor« mittag» 11'/, Uhr, im Lalake de» Herrn Sck'ffer, Jnselftraffe: Ordentliche Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Kassen- dericht. Neuwahl des gesammten Vorstandes. Verschiedene«. Vereintav gelepenheiten. Sterbekasse der Maschinenbauarbeiter zu Berli«. Außerordentlich« Generalversammlung am Sonntag, den 3. Oktober, Vormittag« 10 Uhr, im Wintergarten(Zentral« Hotel). Eingang Dorotheenstraffe. Kranke«, vnd Oegräbntbkasse der Ban» nvd Fabrik- arbetter(E. H.). G-neralversammlung der Mitglieder am Sonntag, den 10. Ottober, Vormittag» 10'/, Uhr, in Renz' Salon, Naunynstraffe 27. Tagesordnung: Kassenbericht und Kaffenangelegenheit. Fachveretn der Etnckatenre Berlin«. Mitglieder. Ver» sammlung am Montag, den 4 Oktober, Abend« 7 Uhr, in Niefl't Salon, Kommandantenstr. 71/72. Tagesordnung: 1. Utb« die Aufgaben det Vereint für die Zukunft. Referent Herr Kietz; Korreferent Herr Gstiheimer. 2 Inn«« Vereint» angeleqenheltin. 3. Verschiedene« und Fragelasten. Neuer Berliner Thterschutzverein. Dienstag, den 5. Olloder, Versammlung im Deutschen Vereinthause, Wtlbelm» straffe 118. Tageiordnung: 1. Vortrag des Herrn Tele» gropheninspektolS Behring« über die Schiachtfrage. 2. Vereint» angelegenheiten.— Gäste find willkommen. Verein der Berliner Bauanschläger. Sonntag, den 3.Ottob«, Vormittagt 10 Uhr, Vereiniversammlung bei Preuff, Oranienftr. 51. Ouittungtduch leaitimlrt. Zentral» Kranke«- und Sterbekasse für Tavezirer und verwandte«eiuftzenoffen. Dienstag, den 5. d. M., Abend« 9 Uhr. Mitgliederversammlung. Tag»«« Ordnung: 1. Vortrag. 2. Kaffendnicht. 3. Verschiedene«. Quittungtbuch legitimirt. * Gesangverein„Männerchor Linde" jeden Montag, Abend« 8 Uhr, Naunynstr. 70, bei Stab. ♦ Zitherklub„Amphion". Jeden Montag Abend Uebungtstunde im„Kmfürstenleller", Poststraffe 6. Kleine Mittheilungen. Elberfeld, 30. September. Der Hauptlehrer H. aut dem benachbarten Cronenberg hatte fich einet Sittlichkeit« ottbrechen« schuldig gemacht und— alt dir Sache ruchbar wurde— die Flucht ergriffen. Er wurde jedoch sofort von zwei berittenen Gendarmen verfolgt, in d« Nähe Elberseldt eingeholt und verhaktet. Granden», 27. September. Ein Brand, der viele Weit» lSustgketten im Gefolge haben wird, hat in der Nacht zu gestern im htefigen GerichtSaebSud« stattgefunden. Die Gericht« schretberet HI det hiestgen Amtsgericht« brannte voll- ständig au«; fämmtliche Alten, namentlich Zwang« versteiae« rungSatten, verbrannten oder wurden bit zur Unbrauchbarkeft beschädigt. Wie d« Brand entstanden, ist noch nicht aufge» klärt. Der„Gesellige" erinnnt aber daran, daß vor längerer Zeft einmal im vriefkastin de« Gericht« ein Päckchen Schuß» vuloer mit Zünder gesunden ist; der Zünder war m Brand gesetzt, ab« wieder erloschen, so daß et zu keiner Explosion kam. Metz, 30. September. Vi« Unteroffiziere v« hiestgen Garnison haben innerhalb acht Tagen freiwillig den Tod ge» wcht. Am 21.«bänate fich ein Sergeant vom 131. Inf.» Reg»., am 26. und 27.«schoß fich je ein Unteroffizier de« Pionier. Bataillon» und heute wu:ve ein Sergeant det 93 Jnf.-Regt». bendtgt,«elcher fich mit seinem Dtenstgewebr den Tod gegeben hatte. Setzte lUchrichte«. Sozialistisches,«ltenburg. Die Wahl de« sozial« demolrattschen Buchbindert Edmund Buchwald zum Landtag?« abgeordneten ist sür ungiltig erklärt worden, da derselbe noch nicht drei Jahre dem StaalSottbande det Herzogthums Allen» bürg angehört hat. Die Neuwahl ist auf den 7. und 3. Ottober autgesch, leben.— Der Tum ul t in der Nähe von Leipzig wird von der„Thüring« Waldpost" folgendermaßen ae» schildert: Freunde und Belannte de» ausgewiesenen Tischler Schumann gaben diesem dai G-leit; ste hatten fich in dem vor der Stadt gelegenen neuen Schützenhause zusammengefunden und marschuten durch die Stadt du:ch. Auf der Straffe zwischen d« Stadt und Gohlis band einer d« Theil. nehm« einen rothen Lappen an einen Stock und fuchtette damit in der Lust herum. Im selben Augenblicke springen einige Männer von der Pfttdebahn auf die Gruppe zu und wollen den Lappen mit dem Stock wegreißen. Die Gruppe läßt fich dat nicht so ohne Weiteret gefallen, haut die fremden Männ« mit Stöcken und Schirmen in dl« Flucht und marschirt ruhig ihre« Wege« weit« di« Möckern. Hier fehlte man ein. Mittlerweile kommt die Leipziger Polizei in Droschken und sonstigen Fahrzeugen an und nimmt, aber immer mit vorge» haltenem Revolver, Verhaftungen vor. Nun erst wird et den Leuten klar, daff vi« fremden Männer, welche stch vorher der „Fahne"(?) hatten demächtigen wollen, ebenfalls Kriminal« beamt« gewesen seien! Warum die Herren stch nickt alt solche legitimirt und in Berufung auf da» Gesetz di« Entfernung, resp. Herausgabe de» Lappen vttlangt haben, ist bit jetzt noch ein Räthsel, welche« erst durch den daraui httvorgehenden Prozeß sein« Aufklärung finden wird. Denn hätten die Herren fich alt Polizetbeamte vorgestellt und Entfernung der Fahne(?) verlangt. so wäre et nicht zur blutigen Schlägerei gelommrn. Retchttag. In gut unterrichteten Kreisen wird, nach dem „Deutschen Tagebl.", angenommen. daß der Retchttag»um IL. November zu seiner ordentlichen Sesfion einberusm»«den dürft«._ Briefkasten der Redaktion. G. W. Bestellen Sie„Neue Bahnen". Dat Blatt er» scheint im Verlage von Moritz Schäfer(Verlagsbuchhandlung) in Lelpzig. S., SolMtftr. 47. ES gehört zu Amerika. F. W., Kleine Hamburgerstraße. Wenden Sie stch an dm Vorstand de» betreffenden Vereint; unt find die statutarischen Bestimmungen nicht bekannt. Tavezirer-Krankenkasse. Sie haben nicht angegeben, wo die Versammlung abgehalten werden soll. Borwärt». 1 Et gilt hl« dat allgemeine Genossen» schasttgesetz, dat Sie in jeder Buchhandlung bekommen können. 2. Die Produstiv Genoffenschaft d« Schneider, Zimmttstraffe 30 und Lothringerstr. 51. 3. Die deutsche Literatur ist meistens älter, da man neuerdingi von ähnlichen Projekten mehr und mehr abgekommen ist. L- M 0,53. Sie brauchen die gemietbete Wohnung nur zu deztrhm, wenn dieselbe in ordnungsmäßigem Zu» stand« ist. R. 67. Et»xistirt unsere« Wiffent keine gesetzliche Vor» schritt, bit zu welchem Zeitpunkt die auf einem Kirchhofe be» fhdlichen Leichen dort bleiben müffen. Wohl aber mthalten die Etatutm der einzelnen Kirchengemeinden hierüber Be» stimmungen. I. ist. Wir verstehen Ihre Anfrage insofern nicht, alt doch ein Gerichtsvollzieher niemali einen Termin festsetzt, bit zu welchem eine ausgeklagte Forderung bezahlt fein muff. Wenden Eie fich persönlich an die Redaktion. I. H. Jemand, der blot einem Bierottleg« bei der Ar» deft Hilst, ist nicht gewerblicher Arbeit« im Sinn« der Ge» werbeordnung und kann daher keine 14tSgige Kündigung be» anspruchen. Vielmehr kann er, wmn nicht« Andere« autge» macht ist, täglich ohne zuvorig« Kündigung entlassen worden. Theater. Lonntag. den I.Ottoder. Opernhaus. Don Juan. Montag: Geschloffen. Schauspielhaus. Sin WintermSrchen. Momag: Geschloffen. Deutsches Theater. HauS Fourschambault. Wonlag: Romeo und Julia. Sroll's Theater. Konzert von Hmry Marteau. Kriedrich.WtlhelmstSdtische» Theater. Der Nachtwandler. Rontag: Dieselbe Borstellung. Walluer-Thealer. Sin Blitzmädel. Montag: Dieselbe Vorstellung. velle-Slliauee- Theater. Drei Paar Schuhe. Montag: Dieselbe Vorstellung. Osteud-Theater. Der deutsche Michel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ltttoria» Theater. Amor. Tanz-Ponn von Luigi Manzotti. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla-Tbeaier. Don Cesar. Montag: Dieselbe Vorstellung. Stefident-Thrater. Die Donischeffs. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zentral» Theater. Alle Jakodftr. Sl). Direkt.: Adolph Emst. Der Waw'Teusel. Gesangs. poffe in 4 Akten von SB. Mannstävt. KoupletS v?n G. Görß. Must von G. Steffens. Mit neuen Dekorationen und Kostümen. (Novität I) Montag: Dieselbe Vorstellung. Soukordra stellung. «aufmauu's stellung. »meriea«» Theater. stellung. Retchshalleu« Theater. stellung. • Theater. Spezialitäten» Vor» Varietck. Spezialitäten, Vor- Spezialitäten» Vor- Spezialllätm> Bor» Bden-Tbeaier. (Früher LaalaenstUtlaehes Theater.) Dresdenerstrahe 72/73. 9«* sroßartigste program« der Nestdeuz. The Johnson Family(41%)"' preisgekrönte Schwimm- und Tauchlünftl-'r, rühmlichst bekannt vom Qyvpodrom zu Paris. MaAet-Grsellsch ast Niegel. 12 Damen, 2 Herren. Mr. Aoffmao» vom Krtzstall Palast in London mll siinm dresfirten Schafen und Hunden. Dt« 7 Amerikanerin.ren Schwester« Mathew». Mr. Gruest», bedemendster Jongüur der Jetztzeit. Mr. Perry Karveq, Fuff-Equiltbrist. Paula uns Ludwig Sevhet«, die deliebten Wiener Duettisten. Zocher. berübm!,r Universal Humorist. Art. Kathi Krlloni, Konzertsängertn. «affenöffnung SV» Uhr. Ansang 7V. Montag: Gc. Vorstellung. Anfang 7V, Uhr. Unscrm Kollegen Herrn Carl Meiprachtihki zu seinem 29. Wiegenfeste em dltunal donnern» des Hoch, bjfi die ganze Bcrnamrstratze wock'lt und mll Nr. 100 herumzappelt.[743 ®. B. B. K. P. H. T. F G. G. A. M. Fabrik- u. Hiadarkritlr-Amia. Dienstag, den S Oktober, Abend» 8 Uhr, züidreasstr. 26 bei Mahtitz: N»rfam«ln«o. Vortrag des Herrn Dr. Slahn.— Gäste haben Zutritt. U-n zahlreiche Letbetligunz wild ersucht.[751] Der Vorstand. Mitgttedrr V»»sammw«a der Emirat Kranken» und Ster-ukaffe oer[745 nt Maler und orrwaudte» Kerufssruostie« Deutsch- laude(E. H. 71 Hamburg) Furale l(Nord) am Dienstag, 5. Oktdr� Abends 8'/, Ubr, Acker- straße 144(Borstädttschcs Kasino). Um zahl» reiche» Erscheinen ersucht Der Bevollmächtigte. Crutral-Krauh««- und zterstelralse der Maler und vermandten Berufpaenoff-r D utsm landS(S. H. 71) Berlin W. Filiale IV. Die nächste Mitali'der Versammlung findet am Dienstag, den 5. Okioder, AbendS 8 Uhr. im Restaurant Llumenthalstrate Nr. 5 bei Herrn Schmarr statt. Tagesordnung: 1. Kaffenbericht. 2. V». schtedenes. 746] Der Vorstand. Merßöhlivgsvereill d. Svchbiodtr:c. Montag, den 4. Ottoder, AdendS 8Vi Uhr, N»»sa«n»la»a in Gratweil'» Bterhallen, Kom> manvanlenstr. 77/79. T.'O.: 1 Verbandtnach» richten. 2. Wie ge stallet sich der Verein nach Auttrllt aus dem Verband? Der Vorstand. Geueral- Verbandes deutscher Zimmerleute (Lolalverband verlin Ost und Umgegend) Dienstag, den 6. Ottober. Proskauerstrah« 37/38. TO.: 1. Bortrag. 2. Abrechnung. 3. Ver schtedenes und Fragekasten.[748 Der Vorstand. I.A.: I. Schwarz, Memelerstc. 35 Esntcal-Kranken' and Aerbkkajse d?c KKvkmcllji« E. H. 32. O-rtl'che V-iwaltung Berlin. Bevollmächtigter: M. puplu» Stalitzerstr. 117 Kasftrer: K. Kurisch, Andrraistr. 49 Hof II. Sonntaa. den 10. Oktober, findet im Köuig- stadt-Kasuro, Hvl'marktstraie 72, ein[750 Tanzkränzchen zum Besten hilfsdedü stiger Mitglieder statt. Rege Bethetligung erwünscht. Btllcts in lämml» lichen Z chiftellrn, b. BevollmSepliaten u. Kasftrer. Der Vorftand. I. W.Pavke. Stalitzerstr. 117. * Produktio- und Rohstoff-Geno sseu schast : l ♦ I der Schneider zn Kerlin(E. G.) (von Mitgliedern des Fachvereins der Schneider gegründet), Geschäfts Zimmerstp. 30, 2. Geschäft: Lothringerstr. 51(Ecke Weinbergsweg), � empfiehlt ihr Lager feritger Keeren- Garderobe, lowre ein rerchhalt'ne« Lag« w»>mv � ausländischer Ktoffe, ebenfalls Futter Kort» und Auopfe.[731 � Herren- Garderoben werden nach Maaß angefertigt. + Kokide preise. � � Der Vorstand und Verwaltungsrath. 7 ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Kgl. Preuss. Lotterie-Loose auch Antheile im FsNerte-Koultoir von[677 ZC. Meyer, Koppenstraße 66. General-Vers ammlung der frei-n Kranken» und Begräbnibttsse der Kchukimlniier und Aerassgmolseu Berlins(E. H. Nr. 27) findei Montag, den 11 Oktober, AsentS 8 Uhr, im Lokale de» Herrn Feuerstein, Alte JakodSraße 75, statt. T. O.: 1 Vierteljährlicher Kaffenbericht. 2. Innere Angelegenheiten. 3 Verschiedene». Qulllungi- duch legittmiri.[753] Der Vorstand. Versammlung de» Verbandes dtuischer Zimmerleute (Lokalverband Kerliu West) Mo-taa. den 4. Otroder, Ader.d» 8'/, Uhr, in Gründer'« Kalo«» Schwerin strafie Nr. 26. Tagesordnung: 1. Abrechnung von den Mo naten Juli, August, September. 2. Wabl des 1. Vorsitzenden. 3. Verschiedenes u. Fragetasten. Mitglieder werden aufgenommen. ScheiNgebühr 50 Pf. Wochenbettrag 10 Pf. Um zahlreiche» Erscheinen bittet[744 Der Vorstand. I. A.: Ollo Log. Fchvnm der KSisdnitt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß fich der rdeiteuachwel« von setzt ab im Lotale dei rrn Nakow, Meißeudurgerflr.%, befindet. 695] Der Vorstand. Aul Absuklung: Paletot«, Aerreu- und Kuabeu-Anrüg», sowie Daweukteider, Winter-Mäntel»c. im Tuch'Geichäst[7! 7 prinzrnstr. 53, gegenüber der Turnhalle. Frdl. Schläfst, f. 2 H. Nostizstr. 44 o. IV d. Heck«. 2 frdl. Schläfst, für Schübe.*. ard. Belloile str.2. Roh-Tabak! Preiswerl he Sumatra-Decken wie biAge Umblatt- und Ginlage-Tabake emp'eb>en W. Bergemann& Co. 88 Alexauderstraße 38. Ich empfehle allen Freunden[und Bekannien mein Schuhwaarengeschäft. Auswahl von Aerreu-, Dawen-». Kinder- Siefeln. 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