Ar. 235, Freitag, den 8 Oktober 1886. Ui Jahrg. MerVÄM» Brgiin für die Interessen der Arbeiter. 4 ... m DaS„Berliner VolkSblatt" erschemt täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in S Haus vierteljährlich 4 Marl, monatlich 1,85 Man, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Marl. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) JnsertionSgebühr ....... 40 Pf. Arbeitsmarlt 10 Pf Bei batt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr NachmttagD f-j Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bmeaux» ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Dm Skstmilt. Bezüglich der dem R ichstage zugeheaden Milttä'vor- läge» meldet eine halb-, vielleicht auch ganz olfUösi Nstiz: SDaß vte Regierung nicht ein Septennat, fordern ein« u n» «grenzt« Präsenzstärke verlange« wird, gilt al« selbstverständlich." So I Das gilt al» selbstveriiändlich I Es ist bekannt, mit welch leichtem Herzen die O fiziösea solch q> oße Wort« in die Welt hinaus zu schleudern pflegen. Trotz alledem sehe» wir«och keinen Grund ei«, warum die Forderung einer unbegrenzte« Präsenzstärke gerade etwas Selbstoer- stündliches ist. Bekanntlich wurde die Präsenzstärke des Reichsheere« bis zum Zahre 1874 vom Rrichstaae alljährlich festgestellt. An jenem Jahr« aber erschien die Regierung mit dem Ber- lange«, die P-äsenzstärk« auf siede» Zahre festzustelle«. Dlese« sogenannte Septennat war für die konstitutionelle» Richte der Volkevcrtretung von«ivschaeidendster Beden- tuvg;«#»ahm dem Reichstag auf stehen Zahre das Recht, die Stärke de« Reichsheere« zu bestimme», die Diskusstou über diese wichtige Sache war auf sieben Zahre au»ge- schloffen. Außerdem erleichterte da« S.ptennat die Stel- lung de, Regierung bezüglich der jährlichen Geldforderungea für Militärausgaben ganz außerordentl'ch. Die Regierung konnte dann sage»:„So und so viel Man» habt Zbr un« bewilligt, nun bewilligt u«S auch die entsprechenden Mittel zu ihrer Verpflegung und Bewaffnung!' Die Forderung ein« dauernden Feststellung dcr Prä- sepzstSrke war schon 1867 im Norddeutschen Reichstage für da« Heer de« Norddeutsche» Bunde» gestellt worden. Da- «al« hatte diese« Anstnne« bei den Liberalen, die noch etwa« beffer konstitutionell waren al» heute und eben de» Konflikt mit der preußischen Regierung durchgekämpft hatte«, eine« wahre» Sturm erregt. Her« von Forcken- deck drückte diese« Sturm in Worte» aus, indem er da« Anstnne« al« die„Vernichtung de« Budgetrecht»" bezeichnet«. 1874 kam das Anstnne» wieder und Herr v. Forcken- b?ck, der nun von Ministersesseln träumte, sprach nicht mehr von„Vernichtung de« Budgetrechts". Er half seinem Freund,».Bennigsen da« Meisterstück seiner Kom- promißkunst mache« und da« Septeunat in dem fich«och sträubende« Reichstage durchsetze». Jetzt ist Herr v. Forcken- deck wieder auf Seite« jener Oppofition, die fich vergeben« bemüht, die breite Bah« wieder zu verrammeln, die Forcken- bkck und Genosse» der reaktionäre» Bewegung eröffnet habe». Die Regierung ist also nicht damit zufrieden, daß der Reichttag nur alle fiebeu Zahre übe, die FriedenSpräsenz- JeuMeton. Ludmilla. jS Novelle von Polevvi. dem Rusfische« übersetzt von Dr. Carl Pinn.) '«lgeguete ich..hat Zhne» demnach ein «eständniß gemacht?" ®ie Shnen ein« gemacht?" t 2lt btesem Heirathtprojekt einverstanden? ""5, Recht, dar-ach zu fragen?" „Hören Sie Prascova Zwanowna, ich liebe Pauline, ich bin mit ihr auferzogen worden: könnte ich fie denn nicht heirathe»?" Prasseova Zwanowna beobachtete mich mit erstaunter Miene, verhielt fich einig« Minute» still, dann sagte fie zu mir: .Wir hoffe», daß Sie Moskau recht bald verlasse« werden.' .Rein", antwortete ich,.auf Befehl meine» Borge- setzte« befinde ,ch mich in dieser Stadt und werde hier«och eine» Monat bleibe».' „Zn diesem Falle werden wir Sie bitte», UN« mit de, Ehre Ihrer Gesellschaft verschone» zu wollen." Ich verbeugte mich und ging hinaus, ohne ei« Wort 8« entgegne».— «m Hl Mein Herz hätte eigentlich zerrisse« sei« müsse», aber die Verachtung und sder Unwille über.rumpfien meine Liebe, beherrschte, meine« Schmerz. Ich sah Paulive nicht wie- der, und fie selbst machte auch keine» Versuch, um mich wieder'zu setze«. Leider liebte fie mich ja nicht l Ich hatte mich also über die Natur ihrer Gefühle getäuscht. Die Liebe, welche ich bei ihr voraussetzte, war rur ein vorüber- gehend« Eindruck, ei» Kindhntttraum. Ich bin nicht trostlos, aber das Lebe« erschreckt mich. Welche L-«e in meiner Seele s Welche L-ere um mrch hsrum I Zch begebe mich auf mein Besitzihum, ohne jeman- stärke d?» ReichShe«»« zu berathea hat; diese Präsenzstärke soll ei» für alle mal festgestellt werde». Diese Forderung ist die Konsequenz de« Septennat««ad e« wurde seiner Zeit vorhergesag», daß fie kommen würde. Dadurch habe« fich die Bennigsen, Forckeabeck und Genossen natürlich nicht in ihrem Eifer für da« Septennat beeinträchtige» lasse«. Man ist ja so gern gefällig, wen» man in der Ferne em Mi- »isterportefeullle erblickt. Doß die« Portefeuille zu ei»er Fata Morgan« wurde, war nur«ine gerechte Strafe. Wen» da» Budgetrecht de» Reichstage« unter dem Srp- tennat nur«och sehr wenig zu bedeute» hatte, dann«och weniger, wtnn die dauernd« Präsenzstärke eingeführt ist. Ein Parlament ohne vollständige» Budgetrecht mag den Ltaat»wäa«er« der herrschende« Richtung vielleicht al« eine angenehm« Verzierung am ReichSgebäud« erscheine». Wir und auch»och andere aber sehen mehr auf de« Inhalt al« auf die äußere Form. Und da kommen wir zu dem Schlüsse, daß ei» Parlament ohne Budgetrecht, und zwar ohne völlige« Budgetrecht keine eigentliche konstitutionelle Institution mehr ist. Es ist nur ei» Schatten von einem wii kltchen Parlament, etwa so wie jene gesetzgebende« Körperschafte», die fich der erste Napoleon eingerichtet hatte. Er hatte die gesetzgebende Ge» walt in ihre Theile zerlegt; ein« Körperschaf» hatte zu beantragen, eine andere zu berathe» und ein« dritte zu be- schließe». So waren alle ohne Bedeutung. Ganz läßt fich der Reichstag auch mit einem beschnittene» Budgetrecht da- mit nicht in eine Linie stelle», den» der Reichttag bleibt immer noch eine einheitliche Körperschaft, aber wir wolle» von diesem Beispiel nur zeige», wie die vchmäleruag der Rechte einer Bolksvkrtretung auch am Einzelnen für da« Ganze empfindlich ist. Ob der Reichstag sein« Zustimmung zu einer solche» außerordentlichen Beschränkung seiner Rechte und seiner Be- tentung geben wird? Da« läßt fich heute»och nicht sage» und hängt von Herrn Windthorst und seiner schwarze» Gefolg- schaft ab. Man erinnert fich i» diesem Fall an daS geheimnißoolle Wort de,„Norddeutschen Allge- meine« Zeitung", die für die Zeit de« Ablauf« de« Sep« tenna!« ein„Einfrieren der Reichsmaschine' in Aussicht gestellt hat Wa» mit diesem.Emfrieren" gemeint war, ist dunkel geblieben; war aber darunter ei« heftiger Konflikt de« Parlament« mit der Regierung und die damit verbundene» Folge« verstanden, so geht darau« hervor, daß die Regierung fich damal« auf eine heftige Oppofition gegen die Verlängerung de« Septennat« überhaupt gefaßt gemacht hatte. Znzwische» aber hat die Versöh»u«g mit Rom statt- gefunden———1 E« wird also wohl nicht«„«infriere»'; die grcße „Fcaknon Drehscheibe" mit dem berühmten Maschinenmeister Windthorst wird schon dafür sorgen. So kann fich aller- den zu besuche« oder zu mir einzuladen. Wa« liegt mir augenblicklich an Titel«, die ich erwerbe» könnte? Wa« sollte ich in Moskau und wa« in Peiertburg treibe»? Ein sonderbare« Tmgneiß ist mir begegnet. Zch habe eine« guten Treis aufsuche« müsse», der men»« Familie ge- kennt hatte. Zch hatte ihm nicht« von meine« veränderten Vnhältniffe« gesagt und er begann voll Zuneigung von meinem Vater und meiner Mutter zu sprechen. Während wir un»»och wie zwei alte Freunde unterhielte», trat et» Mann ei«, der durch sei« Au«seh», sein« Haltung seine Kleidung mir bald al««in Original erschien. Er näherte fich meinem Warth in zutraulicher Weise, ergriff sein« Hand und sagte zu ihm:„Zch wünsche Zhne» zum zwanzigste« Male Glück. Werde ich Sie«och ei« Mal beglückwünsche»? Gott weiß«»!' Bei diese« Worte» rollte« Thräne« über sein« Wange».„Welche Thvrheit I' fügt« er hinzu, indem er seine Augenlider trocknete..Aas Wiedersehe» heut« Abend. Zch werde mit den Meinige» komm««.' „Zch rechne darauf,' antwortete der Grei»..Sin Geburtstag ohne Rudolph wäre für den alten Cmui»lie»ki gar kein TeduttStag. Doch wohin gehst Du so schnell? Bleibe doch.' „Nein, ich kann nicht heute Abend," und er ging � �jber Anblick meine« alte« Freunde» hat Sie in Gr- 7M.M-FA stimmte ihn sik denselben Stand. Jedoch nachdem Rudolph MzM-MD mü.higen Charakter läßt er fich ungestraft betrüge» und be- ding« jene Prophezeiung erfülle«, daß der Parlamentari«- um« durch de» Parlameatari«mu« selbst„ausgetrieben" werde« wird._ Eines der kmiosestw Derb sie, die jemals gegen einen Verein ergangen find, rührt von dem Stadtrath zu Geyer in Sachsen her. Daffelde lautet: „Der am 1. August 1686 zu Geyer zur Förderung volk«- thümiicher Wahlen zusammengetretene Verein wird hiermit verboten. Gründe: Dieses Verbot, welche« auf§ 1 de« durch ReichS- gesetz vom 20. April 1886 bis 30. S-plember 1838 verlängerte» ReichSgesetze« gegen die gemeingesädrlichen B nredunzen der Sozialdemokratie vom 21. Oltoder 1878 fich stützt, findet i» Folgendem seine Begründung: B'yec ist minoesten» fett 1874, wenn n cht schon früher, für sozialdemokratisch«�- ftrebungen der verschiedensten Art zugänglich gewesen und zwar in Folg« verschiedener allgemeiner Un» glück« fälle und allgemeiner Mißstände, Uder- banvnahme der thetl« selbst ve> schuldeten. tdetlS unoer schuldeten Armuth, städtischer Mißw'rthschaft(ei, eil), gesunkener Siit- llchkett, Zurückgehen de« Posamentergewerdc«, Herunterkomme« mancher Gewerbetreibenden und de« Hrnge« Mancher bei großer Vergnügungssucht, anstatt einträguche und andauernde, wenn auch mühevolle Arbeit aufzusuchen, möglichst müheloser Beschäftigung fich hinzugeben. Vergl. da« FaSzikel unter 20 III 74, die Adthetlung von VollS Versammlungen in Gry« detreffend, vl. 1 Folgend«?. Damal« uib dii in die neuere Zeit herein hat man die Gründung von Vereinen»ersucht, welche offen oder— nach Jik'atttreten de« oben angezogenen Gesetze» vom 21. Oltoder 1878— doch wenigsten« die AuS- brettung der Sozialdemokratie in G yn bezweckte, s B. die Gründung einet PosamentterfachvneinS, Bl. 32. Man v«» folgte dabei die doppelte vbstcht, einmal die iür die Lebren der Sozialdewotratie gewonnenen Personen dies« zu erhalt«, da» ander« Mal, die noch Schwankenden und Un» bestimmten, von Mißmuth gegen bestehende Verhält- niste, namentlich aeaen die damalige städtische Verwaltung Ersüllten ,u fich herüber zu ziehen und au» Geyer ein Bollwerk de« Sozialismus zu machen. Unter Anlehnung an verschieden«, den städtischen Kollegien in ihr« damaligen Zusammensetzung angehörend« Personen brachte man denn auch die Bildung de« sozialdemokratischen Arbeitervttein», Bürgerveretn« und drrgl. zu Stande. Die Soztalistenführ« Liebknecht, Bebel und Andere, darunt« der später von d« eigenen Partei al« unzurechnungS- fähig fallen gelassen« vuchbtndergeselle und Anarchist Most, waren die geistigen Urhed« der ganzen Bewegung und fanden an verschiedenen hi-stgen Stnwohn«» Schutz und Unterstützung bi» im Jahr« 1879 der Verein mit sozialdemokratischen Tendenzen aufgelöst wurde. Inzwischen halten sich Einzeln« zu Lettern der htestgen sozioldemokralischm Bewegung herausgebildet, die im Stillen da? Werk fortsetzten stehle»; häuslich« Gram hat ihm fett Zahre« die Stirn gefurcht. D« Greis wollt« mir die ganze Geschichte feine» Frennde»«zählen, da unterbrach ich ihn.«m ihn zu frage», wa» dies« zwanz-gste Glückwunsch, de« Rudolph an ih» ere. richtet hätte, bedeute. „E« find j tzi volle zwanzig Zahre,' antwortete« mir, „seitdem er mich«it ziemlicher Genauigkeit an jedem Gl- burtStag« besuch« und de« Abend bei mir zubringt. Hoffent« l,ch gehöre» Sie heute Abend ebenfall» zu unsere« Gästen." „Ich fürchte, Zhne» lästig za falle«.' „Zawiefern denn? Sie und die jungen Leute Ihre« Alter» werde» tanze« und wir alte« L-ute werde» znsehe» und un» von unser« Angelegenheiten unterhalte».' Die Aufnahme von Seite» de» Greffe« hatte mich für ihn gewonnen. Diese gmmüthige, rechtschaffene, von allen Konvenienzformen freie Natur bildet« für mrch einen völlig neue« Anz'ehungtpnvkt. Ich glaubte, eine jener»atoe« Lafontaine'sche» Romarfizure« zu s«hzn. Abend» kehrte ich in diese» Hau! zurück und betrat e» in einer günstigen Stimmung, vielleicht»eil ich de, elegante» Boudoir« und piätzitgea Salon» bereii« überdrüsstg war. Alle« in dieser Wohnung trug eine« streng bürgerliche« Charakter; man sah dott nur Phystoanomee» und Toilette», die einem Weltmaune auffallen mußte», und lachte herzlich über grobkörnige Spliß«, die mir unverständlich bliebe». Gleichwohl schien mir nicht» von de«, wa» fich jetzt meine» Bl ck� mir n.cht au» dem Sinn n-d flößt mir ein tiefe» l«»d(tn. c Dummhett und Klughett I Unaufhörlich hört«an d'tf beidet» Worte wied«holen. Versteht ma» wohl in Wstj? uch'ett, was fie bedeuten? Scheint es mir ja, als od selbst mir zum ersten Male üb« fie Rechenschaft gib«.®!! oft lege« wir bttse Bezeichnung al« Thor Leuten bei,** v'cht« avdtte« verschuldet haben, al« daß fie fich ans i'-0™ Umgangsformen nicht»«stehen?., Erschien der Russe den Augen den schönen M-rrqm!* und eleganten ftanzöfische» Herren im vorigen Zahrha»� nicht al««in Narr? Habe ich nicht oft Lente von wah-b-W Schrecke» einflößend« Dummhett angetroffen, di« jedoch„ kostbar« Gewänd« gehüllt»aren und von niemandem a Narre« angesehen wurde»? Und welch« Mensch wftd «in überspannte« Gebahre» habe«, wenn« glüherde» Leidenschaft fortgerissn» wird? Welcher D> operativen Eindringen» in dm Körper, daß oft operkt wird, nicht zur Hebung klar erkannter Schäden, sondern zur Fest» stellung der Diagnose. Ein kecker probatorischer Schnitt soll erst zeigen, wo und«ie der Schaden fitzt, wa» fteiltch so viel wie dte antizipirte Sektion giebt. Bei all ihrer Vollkommen. heit bleibt die Chirurgie aber doch«in Ast am kräftigen Stamm der inneren Medizin, ist alle« durch, nicht» ohne fi«. Di« Chirurgie abzweigm wollen, hieße dm Ast adsägm, auf dem �5(TZ � Interessante Urkunde« für die Geschichte der Stadt Köln. Bei einer Durchforschung de» Psarrarchio» der Colum- danltrche in Köln haben fich unter einer Fülle unbekannter und historisch interessanter Urkunden einig« für die Stmerver- faffung der St..dt Köln entscheidend wichtige Schrittstück« ge« fundm. ES ist vor Allem eine Gebäude, und Wohnung». steuerliste au» dem End« de» 13. Jahrhundert» zu nenne«, au» welcher stch nebenbei unerwartete und augenblicklich— wo die Volktzahl mittelalterlicher Städte in Fachkretsen ledbaft erörtert mirt— doppelt willkommen« Ausschlüffe übe, WohnungS. verhältniffe und Levölkerungsdichtigkett in früherer Zeit er» �"Javanische» Schulwesen. Jopan. da» in höchst ratio- nawipi gefordert wird, da» ist nicht«ehr und nicht weniger olS eine iierurt Heilung de» Vorgehens von KaulbarS durch vi« russische Regierung, well dasselbe nicht vereinbar mtt dem Berliner Ver» trage sei, dessen Wiederherstellung jüngst erst noch von oifiziöser Seite al» das Ziel der um die Erhaltung de» Frieden» de» mühten europäischen Politik hingestellt wurde. Wie au» Sofia dem„R. W. Tgbl." gemeldet wird, haben die Zankowisten ein neue» Komplott vorberettet. Sie »oben Rakedonier gedungm, um die Ritglieder der vroviso« rischen Regierung zu überfallen und zu verhaften. Kaulbar» »«warf zwar diesen Plan, machte aber der Regierung kein« Mtttheilung davon. Vielleicht steht damit in Zusammenhang die Verhaftung de» Brigade Kommandanten Schivarow, welcher, «ie der„R. fr. Pr." derichtet wird, verdächtig ist, mit Kau!» bar» in geheimem Verkehr gestanden zu haben. Letzterer soll auf seine Agitationsreisen«ine halbe Million Frank» mitge» nommm haben. Rußland» herrisches und begehrliche? Auttreten gegenüber Bulgarien hat, waS bis vor Kurzem in unabsehbarer Ferne zu liegen schien, die freundschaftliche Annäherung der Balkanstaaten an einander erstaunlich rasch in greisbar« Näh« gerückt. Wie die Geschichte lehrt, müffm oft rewt große Gefahren von außen erscheinen, um stammverwandte oder de- nachdarte Völkerschaften über kleinliche Eifersüchteleien hinaus zur Srkenntniß ihrer gemeinsamen Interessen zu führen. Diese Erkennlniß ist nun aber fick lich auf der Balkanhalbirisel im Durchbruch begriffen. Die nächst Rußland gelegenen Staaten laben den Anfang gemacht. Nach dem vorjährigen Kriege »aben fich Serbien und Bulgarien wieder freundlich genähert und jeder dieser beiden Staaten ist bestrebt, mtt Rumänien, der rasch erstarkten Normacht, im innigsten und besten Ver« lältniß zu bleiben. Zu ihnen hat fich, wennoleich mtt Vorbe» lalten, auch Griechenland gesellt, welches fich von Rußland abgewendet hat, seit man von dort ouS die bulgarischen auf kosten der griechischen Ansprüche begünstigte. Zwischen Griechen- land, Serbien unv Bulgarien bestehen zwar Jntereffengegensätze in Makedonien, allein dieselben gehören der Zukunft an und werden friedlich zu schlichten sein. Nfie«. Sine aus fünfzehn Mitgliedern bestehende Untersuchung?« kommisfion wird unter dem Vorfitz Sir Charles Aitschison's darüber berathen,«ie mehr Eingeboren« als Beamte der indischen Regierung angestellt werden können. In der Kommission fitzen Beamte unv Richtbeamte, sowohl Europäer wie Eingeborene. Amerika» Di« setner Zeit vor her gesagten Folgen der Chinesen« Verfolgungen in derr Pazifik. Staaten, so schreibt die «Newy. H. Z.", beginnen fich fühlbar zu machen, denn beim Ministerium des Auiwärtiaen in Washington von vem Ge« sandten in Peking«ingetioffenen Berichten zufolg« herrscht in vielen Theilen China» eine sehr feindselige Stimmung gegen die Amerikaner, und jwar, wie e» auSbrückiich in dem betreffen« den Berichte heißt, in Fol«« der Chinesenhetzen in den Ver« einigten Staaten. Diese Stimmung macht fich vorläufig in GewaUthätigkeiten und AuSschreiiungen gegen die amerikani» schen Miistonäre Lust. Daß die Chinesen, nachdem sti durch zurückkrhrenve Landsleut« Kund« von der Behandlung ihrer Brüder in Amerika erhallen, nicht säumen würden, Vr.vel« tanairnoßtwln zu ergreifen, war vorauszusehen; daß als erste Opfer die Missionäre ausersehen worden fi id, kann nicht de« '"den meisten Fällen weit von den Stätten der Zivilisairon entfernt wohnen und wirken und somit An« «riffrn ziemlich schutzlos preisgegeben stnd. Zu oleicher Zrit find Berichte von einigen«onsl,lar.Leamten in China so- wohl wie in Japan eingetroffen, aus«eichen hersorgeht. daß die kommerziellen Beziehungen der Vereinigten Staaten zu jenen Land-m durchaus leine zufriedenstellenden find, und daß fich englisch« wie deutsche Kaufleute, namentlich die letzteren, mit Erfolg Müh- geben, die amerikanischen Waarm °u« den dortigen Märkten zu verdrängen, wa» ihnen nicht schwer fällt, da dte amerikanischen Cxvorteur» nicht in ge- eigneter Weise tn ven chinestschen und japanischen Haf.nstädten repiäsentitt sein sollen. Es ist allerdinge richiig, daß». B. der amerikanisch« Handelsverkehr mit China von Jahr zu Jahr zunimmt, indessen ist die» durchaus nicht in dem Maße der Fall, wie es sein könnte, un» ist Amerika noch nicht im Stande, mit Suropa auf diesem Gebiete zu konkurriren. Wie einseitig der. Handtls verkehr zwischen den Vereinigten Staaten und China ist, d. h. zu Gunsten nur de» letzteren Lande!, geht aus folgender Ausstellung hervor: Im Jahre 1884 betrug der Exprr! aui den Vereir.igten Sraaten nach C�ina 4628480 Dollar», während der Import au» letzterem Lanve nach den Vereinigten Staaten stck auf die S. mme von 15616 700Doll. beziffert«. Im Jahre 1885 gestaltete stch da» Verhältniß in ähnlicher Weise, indem der Export nach dem„himmlischen Reiche fich auf 6 396 178 Doli, gegen einen Import von dort im Betrage von 16 292 100 Dolb stellte. und andere Handarbeiten. Der leitend« Grfichtspunlt der Lehrer an diesen Schulen soll e» sein, die Mädchen zu„sanften und edlen Wesen" heranzubilden. De» Weiteren finden wir Betufsschulen für Aerz�e, Juristen, Ackerbauer, Kaufleuie, In« genieme und Sprachkundige. Dte letztere Anstalt in Tokio hat in ibr Programm den Unterricht im Deutschen, Franzö« fischen. Rusfischen, Chinestschen und Koreanischen aufgenommen; das Englisch« fehlt im Lehrplrn. Es giebt auch eine Lehran» statt für Gymnastik, an der Turnlehrer gebildet werden. Be« sondere Sorgfalt scheint man den sogenanntm„Normalschulen" zu widmen.„Moralität" hat die Hauptstelle unter den Lehr« gegenständen tnne, den zweiten Pietz„AnstandS lehre". Auch die Musik ist nicht hintan gesetzt worden. Der U-tt-r- richtiminister weist sehr nachdrücklich auf die Fähialeit hin, dl« dieser Kunst innewohne, den Charakter zu veredeln und*«n«eist zu bilden. Auch eine„Anstalt sü? SMufik" ist geschaffen worden. Für die einzelnen Lehrzweige !b die Elementarbücher, von berufenen Männern oers#, eil» erschienen, theil» in Vorbereitung. Die Krone aller Lehr- anstalten ist dann schließlich die Univerfitat in Tokio, an der auch verschiedene deu'sche Professoren wirken. Sie verleiht akademische Grad«, wie unsere UriverfilSten, und es werden an ihr Vorlesungen gehalten über— ja eigentlich über alles, von der Jurisprudenz bis zur Metallarbeit. Sie hat auch einen Lehrstuhl für japanische Nationalliteratur, freilich erst seit «inigen Jahren, seit vor dem Einströmen der fremden Literatur dte einheimische fich zurückjog und unterzugehen droht«. Es ist ja möglich, daß die neugeschaffene Profeffur diesen Untergang hemmt, ihn ganz zu verhrndern dürft« viel«her die Gründung von Ration alvidliothelen im Siande sein. Auch dafür hat man gesorgt. Die erste wurde in Tckio selbst gegründet und jede» Jahr dringt neu« in den Provinzen hervor. Diese werden sehr geschickt geleitet; man vergißt nicht, daß das Volk nicht nur delehrt, daß e» auch unterhalten sein soll, und so kann der Minister konstatirm, daß ihr« Benutzung von Jahr zu Jahr steigt.— Die ganz« Organisation ist tn verbältnißmaßiz kurzer Zeit mit staunenswerthem Erfolge durchgeführt. Beinahe drei Millionen Schüler und Schülerinnen besuchen die Anstalten. Die Fehler aber, die in dem Bericht hervorgehoben werden, vor allem der Mangel an geeignetem Lehre, persona', find Sachen. die mtt der Z it geändert werden können. Dte Haupteigen« thümlichkeit de» ganzen japanischen Schulwesen» aber ist die. daß unter bin Fächern des Lehrdlane» die Religion fehlt und an ihrer Stelle die Morest, d. h. die reine Ethik, steht. Gericht» Jeitmtg. Sit Jhring.Mahiow.Affairt vsr drr»tr«suugtkam«et. Em fmch> barer Andrang fand heute nach dem Auditorium der sechsten Straf. Berufungtlamwer de» lünUlichen Land. gericht» verlin I statt. Die Warnte I bring. MahIow Affaire stan- auf dem Termin»ettel. Den Gerichtibos bildeten: Land- „erichttdirevor Humbert(Prästdent), und die Landg-richUiS'h« von Solviu», H-�del, Hautfchsteck und Gertitttaffrfsor Dr. Jucht(Beisttzcnde). Die königlich« Staattanwaltschaft verirat: Staattanwalt Dr. Wagner, die Verthndigung führte Recht». anmalt Jreudenthal. Angellagt war der Tischer Lobliewlc,: den Schutzmann Jhring in einer am 2. F-bruar d. I. in «eller'» Salon(«ndreaistr. 21) staltgebadten Versammlung de»„Ai detter. veznltoerein für den Osten verlin»" in Semeinschaft mit mehurm Anderen aemischandelt ,u haben. Jdring hatte von seiner vorgesetzten vehörd« den Auf- trig, die Berliner Arbeiterbewegung zu beobachten. Er lieh sich d-thalo in dem nunmehr polizeilich geschlossenen„Arbeitet- dezirlSverein für den Osten Berlin»", dem größten Berliner Arbeiter verein al» Mitglied aufnehmen und bezeichnete sich al» Mechaniker Mahlow. Den Sozialdemokraten wurde jedoch schließlich der wahre Sachverhalt bekannt. Sine» Tage» erhielt nun Jhring von dem Tischlergesellen Berndt eine Einladung in die ermähnte Versammlung mit dem Bemerken, sich unter. halb der Treppe aufzustellen. Jhring leistet« dieser Aufforde. rung Folge. Der vor einiger Zeit ausgewiesene Drecktler Tabert eröffnete die Versammlung, mit den Worten:„S» ist ein Antra« auf«u»sch!uß de» Mechaniker» Mahlow ringe. gangen. Dieser Mann heißt nicht Mahlow, sondern Jhring, er ist auch nicht Mechaniker, sondern Poltzetdeamter." In dem. selben Moment schlugen eine Anzahl Leute auf Jhring ew, so daß der die Versammlung beausfichligend« Polizeiofstzicr und der ibm aiststirende Schutzmann zu Helfe eilen mußten. Unter den Schlägern soll sich der Tischlergesell« vodkiewic, befunden baben. Dieser hatte sich deshalb am 19. April d. I. vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Berlin l zu verantworten. Der Staattanwalt hatte 2 Monate Gefängniß gegen ihn beantragt. Der Gerichtshof sprach jedoch den«ngellogten frei,„da einmal die Aussagen der Zeugen im Widerspruch standen und da andererseits bei einer solchen Schlägerei die Personen der Schläger schwer festzustellen seien."— Gegen diese» Urtheil hatte der Staatsanwalt Berufung eingelegt.— Der Angeklagte, ein 22jährtg»r, mittelgroßer, ziemlich starker Mensch, ist bisher noch unbestraft. Auf Befragen de» Präfidenten bemerkte er, er sei nicht Mitglied de» erwähnten Verein» gewesen, ein Ttschlergeselle Namen» Bremer habe ihn aufgefordert, in jene Versammlung zu kommen, da am fraglichm Abend« der Reichstagsadgeordnete Singer einen Vortrog hallen sollte. Er habe am Eingang« de» Saale», also an der entgegengesetzten Stelle gestanden, wo die Hauerei stattgefunden habe. Er habe fich keinekwegt an der Hauerei bethetligt, wiffe auch nicht, wer geschlagen habe. Der erste Zeuge war der Schutzmann Jbrmg. Dieser erzählte den Vorgang wie dereit» mstgetbeitt. Nachdem der Vrnfitz.nde Tabert da» Wort:„Polizetbeamter" autgesprochen — so depontrte Jhring—, fielen etwa fünfzehn Leute über mich her und schlugen auf mich ein. Ich konnte mich nickt zur Wehre setzen, ich war aber bemüht, einige Leute fest. zuhalten. Ich hielt zwei Leute fest, die steh jedoch sehr bald wieder losriffen. Von diesen beiden erkannte ich den Ange- klagten.— Präs.: Rannten Sie den Angeklagten damals schon? — Zeuge: Ja, wohl, er war mir bereit» seit dem Monat D«»>md«r 1885 bekannt, ich konnte mich nur nicht auf seinen Namen erinnern: er war mir jedoch dadurch bekannt, daß ich mehrfach mit ihm in der Wesenael'schen Restauration in der Holzmarektstroße Mittag gegeffen und ihn auch einmal nach Hause begleitet hatte. Ja begab mich am fraglichen Abend auch gleich zu meinem nächsten Vorgesetzten, dem Polizei Wacht» meister Weinert. um diesem von dem Vorgänge Meldung zu machen. Der Wachtmeister fragte mich, ob ich einige von dm Schläoem kenne. Ich erwiderte: Ich kenne einen jungm Menschen, besten Name mir jedoch mtlallen ist. Es ist dir Pole, den Sie, Herr Wachtmeister, neulich fiftstt habm. Ach. da» ist der Tischler vodkiewicz. versetzte der Herr Wachtmeister. — Präs.: Nun, Angeklagter, was sagen Sie dazu?— An gell.: Der Zeuge int fich. Ich muß demnkm, daß ich erst am 12. Mär, vorgeladen wurde, wenn mich der Zeug« sofort er. könnt halte, dann wäre ich wohl sehr bald festgenommen wor. den.- Jhring: Ich bleibe bei meiner Aulsag,.— Präs.: Wurden Sie verletzt?— Zeug«: Jawohl, ich hatte drei Wundm am stopf und vurd« außerdem am Auge und am Halse ver- letzt.— Präs.: Waren Sie arbeiiSunsähig?— Zeuge: Ich war 8 Tage bettlägerig, habe allerdings teinm Arzt ge- oraucht.— Der zweite Zeuge war der Pllizeilieutenant Hmn'g. der am fraglichm Abend die Versammlung überwacht hatte. Dieser bekundete: Auf meine Frage an Jör rp. od er die Schläger kenne, antwortete Jhrinz: Ja, ich kmne einige, ich kann fie jedoch auaenblickl'ch nicht namhaft machen. Der dritte Zeuge war der Tischlergeselle Wickbold.— Präs.: Sind Sie MUglied de» Arbeit« dezirltvrrein» für dm Ostm Bnlin»?— Zeug«: Gewesen.— Präs.: Wesbald find Sie aus dem Vereine ousgetretm?— Anaekl.; Ich «hielt Arbeit in einer königlichm Werkstatt und da ist e» verboten, Mitglied eine» Verein» zu sein.— Präs.: Waren Sie am 2. Februar in jmer V«> surrmlung?— Zeuge: Nein, aber Bobktewicz sagt« mir einige Tage darauf bei Weser.ack. daß er den Jhring gehauen habe. — Lnth.: Habm Sir nicht bei dem H«m UnKtluchungs. lichter bekundet, Bobktewiez habe Ihnen gesagt: Wir habm den Jhring verhauen?— Zeuge: Ja. da» hat er aesagt. er hat ad« auch gesagt: ,.Jch habe tücht'g mit mang gehaum".— Angell.: Wenn ich zu dem Zeugen dies«»eußerung gethan Kälte, dann hätte er fich wohl früher al» Zeuoe gemeldet. Sr hat die» aber«st gethan, al» ich vom Schöffmgericht steige- fvrochen war und ich im Mai»«haftet wurde.— Der Zeuge blieb bei sein« Au»saae.— Die Frage de» Ver- thrtdigeii, od d« Zeuge von dem Schutzmann Jhring für Zutragen von Nachrtchtm üb« sozialdemokratische Vorgänge Besoldung«halte, vemeinte derselbe, er kmne den Jhring «st sett dem 11. Mai.— Verth.: Ich konvatste, daß d« Schutzmann Jhring soeben belundet hat: der Tischler Wickbold hat mir 14 Tage nach jenem Vorfall mttgrthetlt, daß Lob- kiewicz mich geschlagen hat.— D« Staatsanwalt und d« Rtf«mt, Lrmdgerichttrath v. Salpiu» bemerken, daß fie ein« solche Aeußerung von Jhring nicht gehört habm.— Wachtmeister Weinert bestäligle die Aussaam de» Jhring. Letzt«« Hab« sofort gesagt: Herr Wachtmeister, es war d« Pole mtt dm großen Händen, den Sie am vrrgangenm Sonntag ststirt habm. Ich muß noch btm«km— so fuhr der trüge sort— daß Jhring den Bodkiewie» schon seit läng«« ett obsnvirt hat.— Tisch!« Wilinsky: D« Angeklagte hat erzählt, daß d« Schutzmann Jhring tüchtig vnhauen worden sei, ob er sich ab« an der Schlägerei dctheiltat, wiffe«(Zeuge) nicht.— Tischler Doblczyntki, der jetzt bei der Garde. Artillerie dient, al!o in Uniform erschim, bekundete ebmfall»: D« An- geklagte Hab« ihm von d« Haunci«zählt, ab« nicht gesagt, daß« mttaeschlagm habe.— Präk.: Welchm Eindruck machte die Erzählung auf Sie?— Zeuge: Ich hatte die Utdnzeugun«, daß Bobktewicz fich an der Schlägeret bethelltgt hatte.— Präs.: Woraus entnahmen Sie da»?— Zeuge: Der Angeklagte sagte, ihm könne man nicht» de- weifen,« habe dafür Zeugen.— stiiminalkomiffar Schön«: Von einem Schutzmann wurde wie mttgetheill: «ine Anzahl Leute hätten bekundet, Bobktewiez habe zu den Schläg«n gehört.— Die Tischlergesellen Wtttkowtky, Brem«, Schmeuß und Tischlermeister Lang« bekundeten üb« einstimmend: Sie seim in jen« Versammlung zugegen gewesm und wiffm genau, Bobliewic» lönne nicht zu den Schläaem gehört haben, da« fich zur Zeit an ein« anderen Seite de» Saal«» aufge- hatten habe.— Auf Befragen de» PrSfidenten demnkte Jhring: Er könne fich niwt irren,« wiffe genau, daß Bobktewicz zu dm Schlägern gehört habe. Die Beweisaufnahme war danach bemdet.— Der Staattanwalt beantragte hinauf, die Zeugen Witt kowsky und Brem« nicht zu vneidigen, da diese fich bereit» in d» gegenwärtigen Sache wegm Vttdacht» de» Meineide» in Unt«suchung»haft befunden haben.— Der Gerichtshof beschloß jedoch, sämmtliche Zeugen zu vereidigen.— Staatsanwatt Dr. Wagner demerlt«: Ich halte die Anllage in vollem Umfange aufrecht. D« Zeuge Jhring wurde von seiner Behöede beaustragt, einm Thetl der Berlin« foziaidemokra- tischm Bewegung zu beobachten, ganz befand«» hatte« dm Auftrag, die Leute kernen zu lernen und Pfpfioznomien zu studirm. Dafür sprechen auch seine Berichte, die« an seine vorgesetzte Behörde geliefert hat. E» ist deshalb zweifellos, daß Jhring dm Bobktewicz erkannt hat. Sein Zeugnis wird vollständig bestätigt durch da» de» Wachtmeistui Weinnt und de» Polizeilieutmant» Hmnig. Ich«achte dah« dm Jhring al» einm vollständig llasfischm Zmgm. Daß der An« g« klagte«st am 12. März vernommen wurde,«Närt fich daraus, daß noch Erhebungm wegm Feststellung d« anderen Schläger angestellt wurden. E» war deshalb not h wendig, die Ange- legenheft vorläufig möglichst geheim zu halten. Die Sache wäre auch nicht sobald in die Oeffenttichkeit gekowimm, wenn dieselbe nicht der Abgeordnete Sing« im Reichstage erwähnt hätte. Da» Zeugniß des Jhring wird auch wesentlich durch and«« Zeugen unter stützt, Centn gegenüber stch der Angeklagt« gerühmt hat. dm Jhring geschlazm zu haben. Einen Ent lasturgizluaen hat der Angeklagte nicht zu zitirm v«. mocht. E» ist kein Zeuge aufgetretm, der be- künden konnte:« habe genau beobachtet, daß stch d« An- getlagt« während der ganzen Dau« d« Schlägerei an einem anderm Theile de» Saale» aufgehalten hat. Ich«acht« dah«, dm Lrgeklagtm für vollständig überführt. Was da» Strafmaß anlangt, so charalleristrt fich heuDelitzsch. Wie die„N. Wests. Voll», tg." mtttheiu, hat die Schneider» innung in Bielefeld die Begründung eine» Rohstoff» lager» beschloffm, um die einzelnen Meist« mit wohlfettem Material aus zuoerläfstger O i'lle versorgm zu körnen. Die „stieuzztg." bemntt hierzu:„Wir wünschten, daß diese» Vor« oeh.n von and«m Innungen möglichst nachgeahmt würde. Hier handelt e« fich in d« That um einen AV praktisch« Selbstverthetdiaung de» klcinm stapttal» gegm da» große. D« einzelne Meister kann fich bei seinen naturgemäß de« schränkten Mitteln den Vortheil großen Rabatte» wie läng«« streditfristen nicht verschaffen, wie er den Magazininhadem zur Verfügung steht. Die Innung ab« vermag es wohl; damit wird fie konlunenzfähig, 0. h. sie kann vieselbm Preise halten, mtt welchen ibre Magazintnhab«, dt« stch noch häufig „warebavä taillenr" nennen, den„kleinen Mann" au» dem Felde schlagen."— Dieselben Mittel empfahl vor einem Viertel- jahipundnt bekanntlich d« nunmehr verschiedene Schulze» Delitzsch, und damal» warm die Sozialpo'ittk« der„streu, ztg." dnfichtto gmug, in Gemeinschaft mtt Lassalle an dem Vor« gehen Schulze'» die ätzendste st-ttil zu üben. Heute ledm wir im geitatt« der„Soztalreform", man kann unl die Umkehr von der früheren manche ftnllchm Richtung, den großen Um» schwung in dm»irrhschaftlichm»uftaffungm nicht gmug rühmen- und die„streu,, ig.", eine der Hauptvorkämpferin der neuen Wirthschairspolttil. ist nunmehr glücklich bei Schul, e- Delitzsch angelangt. Und auf diesen„Foftschrttt" ist man auch noch stolz! »rdeiterschicksal. Jever, 1. Ovob«. Die„Je». Nachr." da» Blatt d«„Betreum", schreibm in ihrer Nr. 152 folgenden Aftikel:„D« Schneid« R. von hi« hat gestern mittel» Er- HSnam» seinem Leben ein Ende gemacht. Wa» den R. welch« al» ein fleißig«, solider Mann Wannt war. zu der That vnanlaßt haben mag, ist nicht bekannt. Er binterläßt eine WUtwe mit zahlreichen, theil« noch unerzogmm Kindern." — Daß derselbe ein fleißig« und solid« Mann war, wird sa schon von den„Getreuen" bestätigt und ich muß noch hinzu« lügen, daß derselbe auch ehelich mit Frau und stinvern im bistm Einoemehmm lebte. Ja, werden die Getreuen ficd fragen,»ie kommt denn d« Mann zu solch« Thtt?— Daß da» soziale Elend auch bei uns«« Ardett«deoölkerung mächtig an die Thür hämmert, wndm st: sich in uns«em mUiohschen Jever nicht eingestehen wollen. Ich bin nun in d« Lage, Nähere» dm über zu berichten. D« Verstorbene, früh« al» Schneidermeist« hier am Platze ihätig, wurde vor mehreren Jahrm von dem Ehef eine» hiefiaen Herrengarderoben geschäft» üdttredet, für sein Geschäft zu aroeitm,« würde bei ihm stet» dauernde und lohnmde Arbeit«haltm. Ich muß nedmdet demertm, daß R. ein sehr geschickter und zuvnläsfig« Ardeiter wer, und wird die» wohl der Grund zur Uederredung ge« wesm sein. R. ist auch damals auf dm Vorschlag einge« gangm. Im Ansang ist diese Verabredung seiten» de» Chef» auch wohl so ziemlich gehalten, spät«, al» R. ält« geworden —« war jetzt im 50. Lebensjahr— find jüngne sträste mehr und mehr herangezogen und ist in Folge deflm R. immer mehr zurückgesetzt, so daß derselbe fich mtt M. 7—8 wöchentlichem Verdienst begnügen mußte. Daß davon dt« Familie, Frau mit 7 sttndem, nicht existirm tonnte, auch wmn ste stch auf das Allernothdürftigst« beschränkte, ist erklärlich, uns wird wohl hinaus d« Grund zur That heroorleuchten, den» denselben Morgen, als« die halbjährlich« rückständige Mieih« zu zahlen hatte, hat« seinem Lebm ein End« gemacht. Hin kann doch nicht— wie es von bekannter Seite so gerne geschi'ht— dem Schnapsteufel Sckuld beigemeffm werden. An» Dresden wird dem Zmtralvorstand d« eingf schriedmm HUssiaffe d« Sattln geschriedm: E» hattm ve* einig« Zeit im Arfmal in Dietden mehrne Kollegen Arbeit gmommm, nach Verlauf von kurz« Zftt wurde thnm tf diu et. daß sie au» der freien Hilf»kass« au»' scheiden müßten, oder fie würden mtlaffm. Ja. e« sollte dm Kollegen nicht einmal gestattet sein, in die bestehend« Arsmvlttasse einzutretm und außerdem in d« Hilft kasse»» dleibm, da ja, wie delannt, die Milttärarbett nur eine lutf Periode anhäll und die detteffmden Kollegen, fall» sie ad« reisten, dann gar kein« staffe angehören würden. St' zöge» » also vor, dt« Arbeit zu verlaffen, und wttd d« Zmtrsr vorstand fich jedmfall» v.ra' letzt sehm, dt« Mitglieder fl* eignet« Weile vor solchm Maßregelungm w Schutz nehmen. Hoffenllich thun auch die Dresdmer stollegm W Schulsigktt. „ Streit»,»u» Altona. 5. Oktob«. schreibt die„«est»! zeitung": Am heutigm Tage find die Schuhmacher und in St. Pauli ab«w.al» in einen partie llm Streik eins!«! treten. Bei den letzten Lersammlungm hatte man stch üb« einen Tarif einigen lönren; e» wurde deshalb beschloß nur bei dmjmlgm M«ift«n die Arbett niednzulegen, die vo' im April aufgestelltm Tarif nicht innehalten. D« Streik übrigen» durchaus keine weitngehmd« Bedeutung und duft für die Untnnehm« recht ungünstig ausfallen— Aua r, Malergesellen au» Hamburg. Altona und Ottem waren gestern in stoppelmann'S Salon versammell, um �. einm Streik zu berathen. St« waren der Anficht» daß°. Frühjahr 0« paffmdfte Zettpuntt für die Ardettsniederlkirt«? sei. und wurde vorgeschlagen, Anthftllcheine* 20 M. j-f/* geben, um«inen Gennalfond» von 20 000 M. für Streikz»' zu sammeln.____- verii» übrigen Thetl der Zettung Grönheim, sämmttich w Hier»» eine BtiW" Beilage zum Berliner VoMlatt. Nr.%83 Freitag» den 8. Oktober 1886. in. Jahrg. Kommunales. Etadtverordnetew-Versammlung. Litzung vom Donnerstag, den 7. Oktober. Der Stadivrrordneten- Vorsteber Dr. Stryi«öffnet die Sitzung um SV. Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mttthei' lurper. Die Adth-'lunaen stnv zusammengetreten und baden die Wahl von 10 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorde- rothurg über die Vertheilvng der Zinsm auS einem Vermächt. niß. von 15 Mitgliedern zur Vorderathung der Vorlage, de- treffend den Anlouf eineS Grundstückes zu Gemeindeschul» »vecken, und von 10 Mitgliedem für den LuSschuß zur Vor- »«athung der Vorlage, betreffend die Uebemahme eines TheileS »er Holzmarltzasie in die städtißche Verivaltung als öffentliche Stratze und die Festsetzung von Varfle chlUnien für die Straßen» mecke vollzogen.— Von dem E.'adlv. Kürten ist«in Schreiben an die Versammlung eingegangen, in dem der- stlre mittheilt, daß er genöthigt sei, sein Mandat niederzulegen. Der Voi fitzende erwähnt rühmend die Thätigkeit deS AuSge. schiedenen in der V-rwattung und bittet die Versammlung, fich zu Ehren dieser Thätigkeit von den Sitzen zu erheben. Ge. schieht. Von MUgliedern der Versammlung ist s. Z. der An- trag eingelaufen, über den Platz deS Vorfitzenden eine Schall- decke au» Bindfaden anbringm zu laffen, um die Resonanz« «erhältniffe zu verd-ffern. Der Vmsttzende hat einen Stadt» baurath um seine Meinung gefragt und derselbe glaubt, daß «ine Schalldecke au» Lindfaden nichts nützen werde und daß eine solche auS Papier hergestellt werden müffe. Der Vor- fitzend« fragt zunächst, ob der Uebelstand überhaupt noch existiit. Ruf vielfache Rufe:„Ja, sehr", bittet er, die Angelegenhett biß zur Berdhung über den Etat zu vertagen. Nack Eintritt in die Tagesordnung werden «ine Anzahl PenfionirungS-, Unterstützung»- undNawralisationS- gesucht geschäftSordnungsmäßig erledigt. E» folgt die Berichterstattung de» AuSschuffeS über die Vorlag«, betreffend da» PensionSreglement für Angestellte der wirthschaftlichen zc. An» stalten der Stadt verlin. Berichterstatter ist Stadto. Haß: Der Ausschuß sei fich darüber klar geworden, daß der Krei« der PmstonSderechtigten dem Magistrat zu eng gezogen worden sei. Daß ein «nrfionSregltment nothwendtg fei, darüber war man fich tu». ES schien dringend wünschenSwerth, eine jahrelang bestandene Unterlaffungtsünde so ralch al» möglich zu desettigen. Welche Kategorien von Beamten sollen nun in den Krei» der Penfioniberechtigten gezogen werden? Der Magistrat war in seiner Vorlage der Anficht, daß nur denjenigen Funktionären Penstontbelechttgung zukomme, die einen wenn auch noch so kleinen seldstständtaen Wirkungskreis haben. Diese Anficht stieß im Ausschuß auf Widerspruch. Man beschloß, als k'iterium ausschließlich den Bezug eine» sesten JahreSgehaltS hinzustellen. Der Antrag de« AuSschuffeS geht daher dahin, dem§ 1 deS Reglement» folgende Faffung zu geben:„Die Angestellten der wirthschaftlichen, industriellen und sonstigen besonderen Gemeindeanstalten der Stadt Berlin, sofern st« ein feste» JahreSgehalt befitzen, erhatten nach einer tn der Verwaltung der Stadt zurückgelegten ununterbrochenen Dienstzeit von mindesten» zehn Jahren«in« ledentlängltche Pension nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen.— Zwar besteht bei den einzelnen Werken der Stadt kein einhettliche» System der Gehaltzahlung, aber hierfür möge der Magistrat bei Ausstellung de» nächsten Etat» Sorge tragen. Die übrigen Fragen, die zu erörtern find: welche Quote dei Gehalte» al» Penston gelten soll, unter wel» cken Vrrhältniffrn die Penston zu zahlm sei, od bei völliger Invalidität de» Angestellten, ob bei Beamten, die noch einer bestimmten Anzahl von Jahren den Dienst verlaffen, bittet der Referent zunächst außer Betracht zu lasten und die DiSkusfion zunächst auf den§ 1 zu beschränken. Stadtv. Gör cki stellt dm Antrag, in dem§ 1 nach dem vom AuSichuß festgesetzten Wortlaut die Worte„sofern fie ein feste» Jahuigehalt beziehen" zu setzen. Stadto. Spinola: Da» PenstonSreglement sei nur für Beamte destimmt, daran müffe festgehalten werden. Nach dem Antrage de» AuSschuffeS würdm sämmtliche Dienstboten, Kutscher, HauSknechte und Kuhmägde, die tn dm wirthschaft- ltchen und industliellm Anstaltm der Stadt Berlin beschäftigt wärm, pmstonSberechtigt werdm und daS gehe doch weit über den Rahmen der Lideralttät htnau». Daß den Dienst botm auf ihre alten Tag« eine reichliche Unterstützung giwlhrt werde, I«i sehr zu billigen, aber man dürfe doch die Frag« der Atters» Versorgung nicht dadurch erledigm, daß man mit einem Feder- striche diese Dienstboten zu Beamten erhebt. Welche Konsequenzm Airden fich dann ergeben? Sin Beamter habe besonder« ZjKe, er lö.me einen Diensteid leisten, sei zur AmtSver- Awiegenhett verpflichtet, dürfe keine Geschmke annehmen. airft*!"!?*«an solche Bestimmungen mit der Stellung eine» 5h«m?', f* HauSknechteS, einer Kubmagd vereinigen, die jSStß zu�Äfw.""0 bn Versammlung) zur nochmaligen «rü�uÄn?""" beantragt, die Vorlage an dm Ausschuß �tadlsyndikuS Zell, erklärt fich mtt dem Antrag« Spinola einverstanden. n hinzuzufügen:..�jenigen find Beamten, die gegen eine m»n» besten» dreimonatliche Kündigung eingestellt find." Durch diese Bestimmung sei e» möglich, jedem,»er die Wohlthat verdiene, die Beamten qualttät zum Bezug der Penfion nach zehnjähriger Dienstzeit zu verleihen. Stadtv. R« y e r I beantragt folgenden Zusatz zu§ 1: —.. sofern fie eine im städtisckm BesoldungSeiat angeführte Stelle bekleiden oder nach dem 1. April 1837 ein feste» JahreS» «chatt beziehen." Der Redner hält dm Antrag Görcki für un- annehmbar; hier werde die Liberalität übertrieben. Stadtv. Jrmer glaubt, daß die Richtung der Ausschuß» onträg« keine unglückliche sei, hätt aber ihr« nochmalige Er- brterung mtt dem Magistrat für nicht üderflüsfig und zieht deshalb ,u Gunsten de» Antrage» Spinola seinen Antrag zurück. Der Schluß der Diskussion wird von dem Stadtv. Talke deantragt und von der Majorttät der Versammlung «ngmommm. Zum Wort gemeldet waren gegen dm Autschußantrag die Stadtv. GS rck i, Hoffmann U und Friedmann. , Vei der Abstimmung über den 8 1 de» Reglemmt» wttd der Antrag Spinola auf Einsetzung einer gemischten De- putation mit grrßer Majorttät angenommen. In die Deputation werdm 15 Mitglieder der Versammlung hineingewählt werde.:. E» folgt die Berichterstattung über die Vorlage» betreffend Stadtv. Görcki. Gewählt Stadtv. Görcki erhätt die Anlegung einer neuen Straße von ver Großen Hamburg eist ruße bt» zur Sophimkirche in Verlängerung der KrauSnickst-aße. Der Auiichuß beantragt die Ablehnung der Vorlage. Nach längerer DiSkusfion stimmt die Versammlung Diesem Antrage zu...,, Die Beseitigung der Eisentheile der abzubrechenden Moltlebrücke gegen U berlaffung de» gewonnenen Metall» und a-sen eine von dem Unternehmer zu zahlmde Vergütung von 5600 M. wird dedatteloS genehmigt. EvenfallS ohne Debatte wird beschloffm, daß der Bür- gersteig vor dem Grundstücks Ackerstraße 51 gegen pfandfreie Auflassung deS Bürget steiateirain» von ca. 73 qrn. an die Sisdtgemeinde auf städtische Kost:» difinUto regulirt wird und die erforderlichen Gellmittel au» dem Straßenland- ErwerbungSfond» entnommen werden. Die Übrigen Vorlagen entbehren de» öffentlichen Jntereffek._ � r Eine Reihe von Rechnungen geht an den Rech- nungS Außschuß. � r. Die Versammlung hat eine Anzahl von Wahl« Handlungen vollzogen und zwar: Wahl von zwei Mitgliedern tn die Deputation für dt« innere Ausschmückung de» RathhauseS(au»g> schieden Löwe und de 9(6 oe); gemeldet: Stadto. Dr. vellermann und Richter. Geaähll wurden die Stadtverordneten Richter und Seeger. Wahl von 2 MUgliedem in dai Erleuchiung». Kuratorium tauSgeschi-den Löwe und de Reve); gemeldet: Stadto. Bauke, Dopp, Kreitling. NamSlau, Sachs, Simon und Weiß IL Gewählt werden die Stadtv. Kreitlin g und Bauke. Wahl von 1 Mitgliede in da» Kuratorium für hyvothe» kariscke Beleihunz von Grundstücken(ausgeschieden Stadto. de Neve); gemeldet Siadio. ESmann, Franke und W a l l i ch, gewähtt wird Stadtv. ESmann. W a h l von 1 Mitgliede tn die Waismoerwaltung(auS- geschttden S i n a e r); gemeldet wird Stadtv. Mühlderger. 6 Stimmen. W a h l von 1 Mitglied« in die Gewerbedeputation(auS- geschieden Löwe); gemeldet Stadto. G i a b S. Pest und Wohlgemut h. Gewählt wird Stadto. Wohlgemut h. Wahl von 3 Mitgliedern in die gemischte De- putation zur Voiberaihuna über die Dr. Stryk'chm Anträge wegen enderweitiger Aufbringung der Kostm Mr Kanalisatton(ausgeschieden Singer, Büchte- mann und d« N- o e); gemeldet: Stadtv. Dopp, Görcki und Weiß IL Giwählt werden Weiß II Wtenstruck und Friedmann. Auf Stadto. Görcki fallen 20 Stimmen. W ah l von 2 Mitgliedern in die gemischt« Deputation für die Versorgung der Stadt mit Markthallen(auSge» schieden Büchtewann und Bert heim); gemeldet: Stadto. Bauke und Grab«. Gewählt wnden Falke und Grab». W a h I von 1 Mitglied« in die gemischte Deputation zur Vorberathung über die Kreirung der St.lle eine» besoldeten städtischen SanitätSbeamten(ausgeschieden B ü ch t« m a n n). Gewähtt wird Bergmann. Wahl von 1 Mitgliede in die gemischte Deputation zur Vorberathung der Angelegenheit wegen Einsetzung eineS Gern: bc- Schiedsgericht»(ausgeschieden Singer); gemeldet Stabto. P-st. Gewählt wird Siadts. Langenbuche r. Wahl von einem Mitgliede in den Rutsckuß für die Wahlen von unbesoldeten Gemeindebeamten. Gewähtt wird Stadtv. Vortmann. Wahl von einem Mitglied« in die Deputation für die Verwaltung der KanaltsationSwerke. Stichwahl zwischen den Stadtverordneten Herme» und Belitz. Wahl von 1 Mitglied« in die Schuldeputation. Ge- wählt wird Stadiv. H« i l b o r n. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. ES folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Schluß 8 Uhr. w. Ra» dem ginalabschluß über die Verwaltung der Kanalisattonbwerke und der Rieselfelder d-r Siaot Berlin pro 1885/86 find bis Ende Mär, 1886 aulg-gkben worden: an Baulosten für die Kanalstatton 42 196 281,57 M.; an Kaufgeld für die Rieselgüter 10 889 094 57 M.; an Aptt- runflS- und Drainiruna»kosten 5 949 289.33 M.* an verschied«. nm«»»gaben 616164,90 M. und an Zmie» 8297146,30 M.. dazu Kourtverlust von ver 1878« Anleihe 44 850 M., und find mithin, inkL de» Bestand«, ult. Mär, 1886 von 77 173,33 M., bi» zum Schluß de» Etattjahre» 1885/86 au»»nleiben entnommen 68 070 000 M. Davon find amorustrt 3 747 237 M., so daß noch zu verzinsen find 64322 763 M. Der jährliche Zin» senbetraa beziffert fich auf 2 610910,52 M.— Während im Jahre 1884/85 der baar« Zuschuß für die Veraattung der Rieselgüter 54 374,70 M. betrug, ist tn dem abgelaufenen Geschafti jähre 1885/86 ein Fortschritt zu günstigeren Wirth. schalttergebmffen gemacht worden, indem der finanzielle Ueberichuß der 6 Rteselgüterkumplere 5795578 vi. de» trägt Die Güter Oldorf Httnersdorf, Melchow und Blanken- felde- Rosenthal lieferten Ueberschüffe, dagegen erforderten die Güter Großbeeren und Falkenberg einen Zuschuß von zusammen 5527.03 M._ Zostalr». De« andauernde« Wohvnngsmangel gegenüber ist wiederholt darauf htngewtefen worden, daß ei dm Vororten doch leicht möglich sein müßte» einen bedeutenden Theil de» Bedarfs zu decken, wmn dt« dort vorhandenen Wohnräume auch für den Winter etngerichiet und zur V-rmiethung gestellt wervm. Zwar hat man noch eine ausgedehntere VerkrhrSver- r�ara%•?».« arr s sr st« bestreitbar richtig. daß nammtlich unter den bei uns obwal» i enden Verhältniffm jede derartige N/ueiniitztunz d-S Le» düriniß nach fich zieht, und so könnte mancher unserer Vororte zu einer rapiden Ettwickttung gelangen, wenn seine Verwal- rung rS vttfiänd«, auS dm mißlichen Wohnung» oerhättnisiln der Haup!st->dt Nutzen zu ziehen. «im Schiuffe de» Eommerhalbjahre» hat dt« städtische FoetdtidungSschuie tu de, Zehdeuick-rftratze in den fchö-.cn Räumen deS neuen Schulvausr»«in* AuS« strllung veranstaltet, um den Eitern, Lehr Herren und Gewerbetreibenden Bs legen heil zu geben, von den Leist» gen der An» stall Kcnntniß zu nehmen. Neben den sauber au« geführten schriftlichen Ärvetten, die besonder» da» Vcrkeh-SIeben de» trafen(Briefe, Kontrakte, Eingaben. Buchführung), z« igten die geometrischen Konstrukttonen. die Zstchnungen und Movellir» arbeiten der Schüler, daß auch diese Anstalt bestrebt ist. nutz« bringend für baS Gewerbe zu wirken. Die unter Leitung de» KunsttischlermeisterS Schirmer und deS BUdhauerS Lärßen an» gefertigten Arbeiten wurden von anwisendm L hrmttstcrn mit Beifall tn Augenschein genommen. Lebhaf-e» Jnt-reffe er- regten auch die Sammlungen, die von den beiden L-H'ern, die den Unterricht im Framöstschen ertheilen, aut F.avfr-tch mtt» aebracht und hier zur Anficht ausgelegt waren. Gegen 700 Personen haben die Ausstellung besucht Bei Geldverlegenheiten empst-blt fich du-ch ZeiiunaS« annonzen Monfiem H. H-rrmann, Boulroard Voltttre 105, Patt», al» solider Darleiher. Herr Herrmann will dort eiti.r „Bavqne de Prötg et de Yalaiir a lots" vorsteben, die eine „agencc internationale" ist und welche tn ihren Annonzen fick bereit«klärt, ficheren Leuten, die fich in augendlick icher No h befinden, Vorschüffe zu geben. An die fich in Folge dieser Annonze Meldenden pfl-ot folgende Antwort zu ergehen:„Ich befinde mich im Befitz«! JhreS Schreiben», in defi-n Beant« wo. tun g ich Ihnen ergebenst mtt heile, daß unsere Bank Dar- lehne gegen Akzept auf 3 Monate bis zu 2 Jahren zu 5 pCt. per Jahr Zinsen und ein-r Banlkommisston von 1 pC. bewilligt. Zur diesseitigen Stchrrbctt ist cS erforderltw. über jeden neuen Kunden auf die allerdiSkrettste W ije Erkundi« gungen etnzuziehm, deren Kosten vom Anträgst-llrr zu traa«n find und welche fich für dort im vorliegenden Falle auf 7 25 Mark inklusto« Porto u. f. w. belaufen werden. Ruch Empfang diese» Betrages durch Postetnzahlung und nach Ein» gang günstiger Berichte steht die von Jznen gewünschte Summe von 500—1000 M. zm sofortigen Verfügung."— Indem un» zur Kenntnißnahm« unterbreiteten Falle hielt der DarlehnS« fucher e» nun für geboten, zunächst seinerseits durch da» ver» liner Privat Detekttv-Jnsttiut Erkundigungen über die Bant mit dem langen Namen einzuziehen. Er erhi-lr folgende AuS» kunft:„Hnrmann, Pari», Boulevard Voltaire 105, hat daselbst vom Hautwirth David zwei leere Zimmer gemtelvet, die darin befindlichen Möbel find geliehene, obgleich H. fie für sein Etgrnthum ausgegeben hat. Dieselben«erden wegen rück- ständiger Miethe vom Wirth retinirt. H. befindet fich seit Dezembers v. I. auf Reisen und hat im Februar er. au» München geschriebm, daß er April nach Part» zurückkehren würde und den Brief al» R. Tbieme unterzeichnet, unter wel« cher Adieffe er auch Antwort nach München zu haben wünscht. Inzwischen wollte H. nach Bukarest und Berlin. Seine an» gebltche Frau wohnt tn St Mande bei Patt», Avenue Poirier 5, und nennt fich ThiemS."— Ob e» unter tolchen Umständen fich sehr empfehlen wird, die guten Dienste de« Herrn Hertmann- Thiemä bei Gelvorrlegenheit in Anspruch zu nehmen, möchte wohl zu bezweifeln sein. Wie ei« Kapitel a«S einem Hintertreppemomaa hören fich die wetteren Enthüllungen an, die über o,e„Nffaire RöSry' in die Oeffentlichkeit dringen. Allem Anscheine aber nach find die Thatsachen wahr, und man kann daher kaum sagen, daß die Romantil ganz und gar au» der Weit g-ichwundm set Mtt Sicherheit schritt auS den nachfolaendrn Muthetlun» gen hervorzugehen, daß Otto RSvey zu der Führung der Titu- latur„Here Graf" berechtigt war. Obgleich ei ja'ür jeden Verständigen ganz gleichgilttg ist, od Jemand seine Vorfahren diS an die Zeit der Kreuzzüge oder noch w tter verfolgen kann ober nicht, so scheint aber gerade für die Leute, welche fich in ihre Taschentücher eine Krone sticken laffen dürfen, ein ganz besonderer Ret, in der Anrede„Herr Graf" zu liegen. E» stiebt ja auch unter Bürgerlichen Einfaltspinsel genug, die fich durch adlige Schwindler ganz gehörig hineinlegen tifi.n, wie vor nicht allzulanger Zeit hier in Berlin ein Aufsehen erregen» der Skandalprozeß bewie». Nach dem Sprichwort Gleich und gleich gesellt fich gern", kann man dem Grafen O ro Räz-y wirklich keinen Vorwurf machen, wenn er sein Auge aut eine ungarische Baronin wirft namentlich wenn dieselbe»in bedeu» tende« Baarvermögen und einige Rittergüter befizt. Im Gegenthetl: der freiherrliche Stamm kann durch den gräflichen Sproß doch nm vetedelt worden, und daher sollte die ungarische Baronsfamtti« dem„Herrn G.afen" wenigsten« d-nlbar sein. Wenn Herr Rödey wirtlich„Gras" ist, woran nach dm nach« folgenden Erklungen gar nicht ,u zweifeln ist, so thut er ganz Rrcht daran, fich unter setnm S'andeSgenoff'n ein Ehe- gespon» zu suchen, und diese Leute sollten dock nur nicht gar zu zimperlich sein, die Grafmwürde wird dock hvff-ntlich nicht dadurch besudett werdm, daß der vcfitzer derselben ein Schlofier gewesen ist. Sonst find doch Grafen auch nicht so wählerisch in ihrem Umgang, st« liirm fich doch sonst gar, gern mtt der „büraerlichm Kanaille", namentlich wenn dieselbe in Tri'oi» erscheint oder oll liebliche Soubrette angenehm« Lieder zu fingen versteht und dajür eine recki beträchtliche Gag« erhält. H/t fich doch erst kürzlich ein Graf md Lieutenant nickt genirt, durch sein edelmänntsche» Benehmen«in bürgerliche» Mädchen in den Tod zu jagm» wrShalb soll ein Graf nickt ein» Baronin hetrathm dürfen? Etwa weil er kein G-ld hat? Run, dann hält» mancher Adelige erst recht auf eine reiche Bürgerlich« verzichten wüffen; oder weil der Gmf am Sch audstock ge- standen hat? Die letzter« vrschf>ftigung erscheint unserem de« schränken Unterthanenverstand mindestens eben o ekrenhaft, wie die Thrilnahme am„Tempeln" oder die Thäligkett am Totalisator. Doch losten wir den Roman folgen- ES beißt da:.Otto Emst Rösey darf dm Grafentttel mtt R-cht führen. Unlängst stand seine Mutter vor dem Berliner EchöffiNgericht« gerade unter der Antlage der Utturpirung de» Giafentttel». Sie wie» aber noch, daß ihre Ahnen im stebzehnten Jahrhunderte dmch König Johann Sodi-Sii in d.n G.afenfiand erhobm wo:den seien, wo auf voS vchöffengriicht ein freisprechende» Uttheil fällt.-. Die Sloaiianwolt ckaft appellirte gegen diese» Urtheih welche» jedoch von der töh-ren Instanz nach Anhörung de» RelchS-Hnoldamte» deftSiigk wuree. RSdcy, der seit längerer Zeil tn Ungarn«eilt, war auf einem erc. stich Karoly'schen Gute all O konowie- Beamter angestellt. Al» solcher macht« er die Bekannt chafr der Familie de» Baron» LabiSlauS Poimaniczky. Z vischen ihm und der Tochter de» Baron« entspann fich alsvala ein Verbäitniß, welche» damit endete, daß R6-y um die Hand der varonin ernhiett. Dieselbe wurde ihm nicht verweigert, und die Ver» lobung fand am 4. Juni d. I. statt. Bald darauf taufte die Braut, die selbstständiget V-rmögen b« fitzt, da« im Pozsega« Komitate in Slavonien gelegene große Nut Kaptol, weichet ungefähr achttaufend Joch umfaßt. Bm 7. Juli reiste ste in Gesellschaft ihrer Familie und ihret Verlodlen noch dem Gu'e und üdergad ihm die Verwaltung defselden. Dies mißfiel jedoch der Familie Polman'cjky und hteraut entspannen fich die ersten Zwistigkeitm zwischen den Podmanicz'tz't und Rädetz. Mittlerweile erlchien in den Blattern die Erklärung«inet Baront Gabriel Rädep, deffen Familie mit den preußischen ZWvetz'S in einen Erdschasttpro-eß verwickelt ist und der den Beilovten der Baronin Aranka Podmaniczly für»inen U'ur« pator de» Gratentttel» und für einen Adenteurer erllärte. Die Familie Podman!c,!tz forderte nun Rödetz auf, eine Gegenerklärung zu ve? östentlichen, wat Rädey jedoch unterließ. Hierdurch wurde dat Mißtrauen der Famtlre nur noch erhöht und Baron Laditlaut Podmanlc ttz sah fich schließlich ver- anlaßt, im 161" eine Miliheilung zu veröffentlichen, in welcher er die Verlobung seiner Tochter mit R6d«y für ge- löst erklärte. Zugleich mußte Rödetz Kaptol verlaffen und Baronin Aranka blieb daselbst unter strenger Autficht zurück. »äd.tz blieb jedoch in der Gegend von Kaptol, bis et der Baronin in einem unbewachten Augenblicke gelang, heimlich zu entrinnen und mit ihrem Geliebten nach Budavest zu fliehen. Alt die F-milie von dem Aufenthalttorte de» Paaret Kenntniß erhielt, sandte ste demselben sofort den Güter-Direttor Ammer nach, mit dem Auftrage, so rasch alt möglich die Trauung deffelben zu veranlaffen. Ammer leitet« die dietdezüg« ltchen Echritte ein, et erfolgte die kirchliche Verkündigung» doch knapp vor dir Trauung wie» der betreffende Geistliche ein« von der Polizei erhaltene Verständigung vor, laut rvelchtr Rödey in Berlin eine rechtmäßige Gattin habe und demgemäß keine neue Ehe eingehen dürfe. Die Behauotung Rödey't, von seiner Gattin durch «in rechttkrSstiget, gerichtliches Uitheil geschieden worden zu fetn, nützte nicht», die Baronin wurde nach Kaptol zurückg-dracht und unter noch strengere Bewachung gestellt. Ntchttdesto» weniger gelang et ihr, auf Umwegen mit dem ihr ergebenen Ammer einen Briefwechsel zu unterhalten und auf diese Weise auch RäSry von Zeit zu Z-it über ihre Lage zu unständigen. Am 25. September kam die Familie Podmaniczktz mit Baronin Aranka nach Budapest, wo die Ueberwachung derselben natür« lich eben so sorgsam fortgesetzt wurde. Durch Bestechung eine» Diener» vermochte Baronin Aranka mittelst einet mtt Bleistift geschriebenen Zettelt Ammer dennoch zu onständigen, daß ste, die majorenn ist, unrechtmäßiger Weise von ihrer Familie in förmlicher Haft gehalten werde; zuzl-ich beauftragt ste Ammer, mit ihrem Rechttdeistande, dem Advokaten Dr. Alex Baiß, zur Polizei zu gehen und dietdezüglich die Anzeige zu erstatten. Ammer kam dem Auftrage der Baronin nach; die Polizei verfügte die Untersuchung, mit welcher Stadthauvtmann Karacsor.yi betraut wurde. Derselbe begab fich zu der Familie und erfuhr daselbst, daß die Anzeige Ammer't im W sentlichen auf Wahrheit beruhe. Der Stadthauptmann beichied gestern Nachmittag die Familie sammt der Baronin Aranka in sein Bureau. Daieldst erklärte die Baronin, kotz der all- fettigen eindringlichen Ermahnungen, von RS setz nicht laffen zu wollen, ste schenke ihm ihr Gut, damit er alt Groß« «rundbtfitzer da» Recht habe, hier zu bleiben. RSdep hielt sich mittlerweile im Museumgarten auf, wo er die Verstän« digung über den Ablauf der polizeilichen Verhandlung erwar« tete. Die Erklärung der Baronin sollte ihm aber nicht» nützen, denn er wurde im Museumgarten durch die Polizei aufgegriffen und auf die Oder. Stadihauptmannschaft gebracht, wo man ihm erklärte, daß er alt deichäfttpungt- und unterstandtlose» In- dioiduum, gegen welchei übrigen» eine amtliche Mittheilung »o:lap, daß er in Berlin wegen Diebstahls eine sechtmonatliche Kerkerhaft abgebüßt habe, in Haft dehaltm werde. Et erfolgte hierauf seine Ausweisung au» Pest. Dem gegenüber erklärt« die Baronin, für Röv'y da» nöthtac Reisegeld zu erlegen, da. mtt er auf anftändize Weise nach Berlin gebracht werde. Sie selbst begebe fich gleichzeitig nach Berlin und werde fich daselbst ihrem Verlobten aMrauen laffen." Da» Schlußkapitel diese» hochwtereffanten Romane» wird fich also in Berlin vor dem Standesbeamten abspielen. Einem Telegramm zufolge ist Graf RSd tz den polizeilichen Begleitern, welche seine Ehrenetkorte bildeten, unterwegs entwischt. D e G'richttverhaudluvg gegeu die zwZlslShrige Mörderin Marie Schneider bat well über die Grenzen von Berlin hinau« eine tiefgehend« Erregung hervorgerufen. Dies« Erregung spiegelt sich in einem Artikel ab, den wir in der .Wiener Allgemeinen Zeitung" finden. Der Mitarbeiter de» Wiener Blatte» schreibt:«Gin interessante» Präparat war jüngst in der Strafkammer de» Landgerichte» in verlin zu sehen, nämlich ein Gehirn, dessen mangelhaste Entwtckelung man ohne Sektion entdecken und studiren konnte. Et scheint j:doch, daß Niemand von den Anwesenden den Blick für die interessante Spezialität hatte, welche in der zwölfjähiigen Mörderin Marie Schneider verkörpert ist. Die Richter hatten ihn am allerwenigsten, sonst hätten sie da» Mädchen nicht schuldig gesprochen. Aber auch die Fachmänner zeigten fich der vorliegenden Aufgabe nicht gewachsen, denn ste begnügten fich, in allgemeinen Ausdrücken von der wangelnden Einficht zur Erlenntniß der SKasbaikeit und von JdioiiSmu» zu sprechen, obgleich hier der desondere Defekt de» Gehirn» der kindlichen ML.derin offen zu Tage liegt und man klar bezeichnen kann, weiche geistige Gab« eS war, die die Natur der Marie Schneider enlweder ganz versagt odcr in einer für da» Leben der Sesellschast ganz unzureichenden Dost» zuzemeffen hat. Frei« lich kann man diesen Defekt nicht auf dem gewöhnlichen Wege der anatomischen Forswung entdecken. Skalpel und Lupe allein können hier keinen Erfolg verbürgen. Hingegen ist ein bttchen Philososhie vollauf genügend, um die Spalte im Denk« organ de» lebenden Präparate» zu finden. Au» dm Aussagen der kleinen Verbrechertn geht nämlich klar hervor, daß fie Ge- dckchtniß, Kombinatwnigabe. Urtheil, kurz alles befitze, nur nicht — Phrmiafie. Nun ist aber Phantast« einer der wichtigsten Lestandtheile des menschlichen Betste». Sie ist sowohl die «igmiltche Würze aller Freudm wie der schmerzhastefte Stachel kr allen Leiden. Pbantafie ist aber mittelbar die Quelle der Tlhik. Denn ohne Phantasie kein Mitleid und ohne Mitleid lein Erbarmen, lein Zurück scheuen vor Thaten, durch welche anderm Schmerzen bereitet werden. Weil die Marie Schnei- der bar jeder Phantast« ist, konnte st« ihr Kaninchen quälen. Dmn ste war hierbei nicht grausam, sondem gedankenlos, richtiger: phantasielos. Die Pbantafie ist die Brücke, welche die Schmerzen anderer, namentlich solche, die wir selbst noch nicht empfunden haben, un» geistig vermittelt. Ohne Pbantafie konnte also die kleine Schneider nicht wissen, daß da» Kanin- chen leide, wenn ste ihm die Augm aussteche, und au» Man- gel on Pbantafie konnte fie fich nickt vorstellen, daß fie der kleinen Grete einen schme.zhrften Tod zufüze. Was also Herz- und Gefühllostgkeit genannt wird, wüß:e hier richtig mtt Phantafielofigkeit bezeichnet«erden. Und noch tn einer anderen Richtung hat fich die Phantostesofigkeit al» verbängnißvoll er- wiesen. In Folge diese» Mangel» hatte die Mörd-rin keine Vorstellung von der ihrer«artmden Strafe. Sie glaubte wohl, daß fie gekövft werde, aber daß diese» Köpfen etu-a» Sckmerz- hafte» sei, davon hatte fie kein« Ahnung, w««l ihr da» Organ fchlt, fich dies« Schmerzen vor da» geistige Bewußtsein zu dringen. Da fie Gedächtniß befitzt, hat ste sich gemerkt, daß eine Backpfeife etwa» Schmerzhaste» sei, und die Drohung de» Schutzmann«», ihr eine Backvfeife zu gebm, hat fie sofort»um G.ständniß gebracht. Hätte der Stutzmann gesaat:„Gesteh«. Over du wirst geköpft!" er hätte kaum einm Erfolg erzielt. Die Erkmntniß der Sirafba-keit de» Morve» war also bei der Schneider insofern»ine unvollkommene, al» man keine Mittel hatte, ihr die Strafe al» etwa» darzustellen, wa» fie in ihrem etgenm Interesse vermeiden müffe. Um der lleinm Schneider da» Verboi de» Morde» einzuschärfen, müßte man Vor- stellungen an Leiden anlnüpfen, die durch da» Gedächtniß bekannt find. Man müßte also»in Argn- mentnm ad bominemn gebrauchen und ihr sagen: „Du darfst nicht tövien, sonst erhältst du kein Butterdrod." Daß dadurch die Schuldfrage wegfällt, braucht nicht erst gesaat zu werden. Ader nicht darum war ei un» zu thun; wir wollten nicht beweisen, daß die Marie Schneider ungerecht ver« urtheilt worden sei, daß für fie die Verwahrung»- und nicht die Skafhaft in Anwendung zu kommen habe. Am End« ist da» Urrecht nicht gar so groß. Denn wie der Mangel an Phantaste die Verantwortung verringert oder aushebt, so ver« riagert fich auch die Emvfindlichkett für die Strafe,»um mindesten jene der Hast. Für den Phantostelosen ist betspiel»- weise die Einsamkeit nicht so furchtbar, all für die Menschm von reichem Gemütb, welche die Leere mtt den Schöpfungen ihrer Phantaste bevölkern, manchmal fich zur Freude, meisten- thnli jedoch zur Erhöhung ihrer Oral. Kur», diese Marie Schneider ist durch da», wa» die eigentliche Ursache ihrer söge« nannten„Verdcrbtheit" bildet, durch den Mangel an Phatafie, gegen die Folgen ihrer au» dieser„Ververdthet" hervorge« oangenen That gefeit. Nicht um für fie den Schutz der Ge sellschast anzurufen, haben wir auf diese Anomalie tn ihren geistigen Anlagen hingewiesen, fondern um die Wichtizkett der Phantaste für die gesellschaftlichen Einrichtungen darzuthun und all« Berufenen zum Studium de» Kinde» einzuladen, welche» al» Demonstrattont Lbjett für den Psychologen geboren wurde." „Maller taceat", die Frau schweige! Da» ist der ver- altetste R chltsatz im ganzen corpus juris. Heutzutage schweigt nicht mal da» schüchterne F-äuiein, wenn ste mtt ihrer Schneiderin wegen der neuen Rod« tn Differenzen gerathen ist und nun von ihrcr Gegnerin vor da» königliche Amtsgericht I zittrt wird. Hei. doS war ein Zungmkatrpf, den«S im Termin abfetzte; staunend hörten ihn ste redegewandten Rech'tanwätte und schwiegen im Bewußtsein ihrer Schwäche diesen Redner« konkurrentinnen gegenüber. Au» dem Tcrwintp'.otokoll ent- nehmen wir dm Einwand de» Fräulein», daß die von der Schneiderin gelieferte Kleidertaille aus Sommermuseline fehler- hast, weil schief, gearbeitet sei. Die Schiefhett giedt Klägerin zu, behauptet aber, daß die Taille genau nach der Figur de» FräuletnS gearbeitet fei. Man begreife die Ursache und die Heftigkeit de» Streikt! Unter diesm Unstänben blieb nicht» Andere» übrig, al»«in sachverständiges Gutachten zu hören; zu diesem Zweck wurde der Klägerin aufgegeben, die krttische Kleidertaille mtt zu dem Termin zu bringen. Der Sachver« ständige erklärte aber, daß daS Fräulein dt« Taille anprobirm müffe, wenn er ein Urtheil über die Arbeit abgeben solle. N-ue Verlegenheit! DK weiten Räume de» Amtsgerichts strd für solche Vorkommniffe garntcht eingerichtet. Endlich findet fich die Kastellanfrau b«r-tt, die Anprobe in ihrer Privat- wohnung stattfinden zu lassen. Mit der Prozeßtaille angetban, erscheint nunmehr daS Fräulein vor dem Gerichtthok. Der Sachverständige findet die Taille nach eingehender Befichtigung vorn und hinten, oben und unten paff-nd. DaS Fräulein bleibt dabei, die Taille ist schief! Der Richter, unter Aifistenz de» GerichtSIchreiderS und einiger Reknndare, sucht nun selbst ein Urtheil über die Taille zu gewinnen und all« kom- mm übereinstimmend zu dem Resultat, daß die Taille dem Fräulein ganz famoS fitzt. Einem folchm sachverständigen Ur- theil kann kein Mädchengemüth widerstehen. Dal Fräulein erklärt fich bereit, dat Arbeitslohn für dt: Taille zu bezahlen und die Kosten zu tragen und völlig ausgesöhnt vei laffen die Parteien dm GerichtSsaal. Der»«uftreiter-K-ller,»in Uederbleibsel au* der Zeit, da der alle Ren,'ich« Zutut in der Friedrichstraße noch stand, geht ein. DK mgm, behaglichen Raum« de» niedrigen Restaurant» in der Friedrich straße 100, welche» gewiß manchen Paffantm in dm Adendstundm durch«in kleine» kastenartige» Transparent aufgefallen ist, welche» dm Altmeister Renz mtt einem Schulpferde darstellt, warm der Sammelplatz aller ZirkuS-Koryphäen, wie überhaupt aller fahrenden Künstler im Allgemeinen, und ein buntere» Leben, ein so dattzlonischeS Sprachgewirr konnte nicht gedacht werden, wie hier bei„Vater Scheidig". Da waren„Aupust der Dumme", die OlschanSÜ'», die Ramiletto», Lulu, dk„Königin der Luft", Schulretter und Echulreiterinnen, Jongleure zu Pferde und zu Fuß stetig« Stammgäste. Von der Tragödie bei Trunk», worin der de» gabt« Poffendichter Belitz unterging, hat hier manch« S»m« gespielt. Hier schloß er Freundschaft mit seinem Letbzwerge, gleichfalls einem Mitqlkde de» ZirkuS, und hier fand er die Typm für seinen«Monfieur HnkuKS". Auch der alte Rmz wie deffen Söhne verschmähten e» nicht, ab und zu zum „Schetdig" hinüber zu springen, um fich an lein«» vorzüglickcn Speisen und Getränken zu erfrischen.„Mutter Scheidig't" Küche erfreute fich«ine» Weltruf» bei allen Artisten und die Gekank standen ihr nicht nach. Nun hat auch de» Kunst« reiterkeller» letzte» Stündlein geschlagen; wie der alle Zirtu» der Stadibahn weichen mußte, so fällt jetzt„Scheidig" einem Neubau zum Opfer. 25 Jahre hat„Vater Scheidig" mit seiner freundlichen Ehehälfte seine» Amte» gewaltet, ein keuer Anhänger de»„Regime» Renz", ein wahrer Vater allen Künstlem ohne Unterschied, stet» mtt seinem Geldbeutel zur Hilfe bereit, wenn er auch wußte, daß an Rückerstattung nickt zu denk« war; ebenso streng auch di» zur Grobheit, wenn'» galt seiner Autorität bei seinen Gästm Geltung zu verschaffen. Ungern verläßt er die ihm lieb und Werth aewordmm Räume, deren gebräunte Wände Bilder au» dem ZirkuS- und Schauleben bedecken; Direktor E Renz und sein Geschäftßführer auf dem Ehren« platz über dem lederbezogenen Sopha: aber er ist zäh« und gedenkt einen neuen Kunstretterkller in der Rähe de» Rmz« schen Zirku» zu eröffnen. Die manntgsachfte« Verlekunge« in großer Zahl kamen während der Umzugtlage zum Quartallwechsel vor. In ein« zelnen unserer Santtättwachen betrug die Zahl der täglich de- handelten Verwundungen, welche bei dem Auf- und»dladen der Möbel»c. vorgekommen stnd, zehn bii fünfzehn. Meist warm e» Ouetschwangen der Hände, Arme und Füße. Schuld an diesm Unfällen Kaam zum nicht geringen Theil die schreck- lichen baulicken Ve'hSttniffe vieler Häuser, selbst neugedauter. Um möglichst viel Raum für dk Wohnungen zu erhallm,«er« den dk Treopenstm« und dk Treppen so mtsetzlich mg ange» legt, daß größer« Möbelstücke nickt oder nur unter dm denkbar größten Schwierigkeiten in dk Wohnungen oder au» dcnseidm gebracht werden können. Derartige Verbältniffe können bei Ausbruch eine» Feuer» recht verhSngntßvoll werden, denn in der Verwinung find bald die Ausgänge mit Möbelstücken ver» sperrt und für die etwa nachfolgenden und«mfl'.ehenden Hau»« dewohner giebt e» kein Entrinnen. Ans»tue ganz eigeuthümltche Weise hat fich ein an der FrKdrtchSgracht in Pension befindlicher Primaner ein« Verletzung der lwtm Hand zugezogen, welch« möglicherweise zu einer Amputation derselben führm kann. Der jung« Mann war am Montag Admd mll mehreren seiner Frmnve ivozieren Egen und wollte fich. vor einem Hause der Dianienfnaße d, an welchem fich vor dem Schaufmster eine« Schlächter« ,»«ine mit Spitzen versehene Lanier« befindet, früh« uittgrr verabschieden, al« e» seine Freunde wünschttn. Da st« ihn fortzuztehm versuchtm, klammerte er fich krampfhaft mtt den beiden Händen an dks« Barriere, währmd dk Freunde "W» h wmde nach dem Leichmschauhause gebracht.— Vormittag» wurde vor drm Grundstück New Kölln am Waffer 22 ein etwa 30 Jahre alter Mann dewußtlo» und offenbar schwer krank vorgefunden und mttklst Droschke nach der Charttee gebracht. — Um dkseide Z.tt wurde an der Stadtschleus« die Leiche eine» etwa 50 Jahre alten Manne» angeschwemmt und nach dem Leichmschauhause gebracht.— In der Nacht zum 7. d. M. machte ein geiftetlranter Mann in seiner Wohnung tn der Bamimstcaße den Versuch, fich durch Oeffnen der Pul»ad«rn an der linken Hand zu tödtm. Er wurde nach AnKgung eint» Verbände» nach der Charitee gebracht.— In derselben Nacht gegen 2 Uhr erschien aus der Wache de» 35. Polizei- Reviers ein Mann mtt völlig durchnäßtm Kleidern und behauptete, tn der Nähe de» Stettiner Bohrhzfe» von zwei Männern überfallen» seiner Baarschaft im Beliag« von etwa 100 Mark beraubt und dann tn den Landwehrkcmal geworfen worden zu sein. Da derselbe anscheinend krank war, wurde er zunächst mittelst Droschke nach der Charitee gebracht._ Gerichts-Zeitung. Die„sozialdemokratische« Erzesse" a« Himmel- sahrtsiage in G,ü«a» unterlagen am Donnerstag ver straf« rechtlichen Leunheelung vor dem Schwurgericht am Land« gnicht Berlin Ii. Die Anklage lautete auf schwerm Land« srietenSdruch. Vor dm Schranken standen: 1) der Maurer Albert Müller, wegen Betteln», Widerstand«» und Gewerbe« vergehen» voideftraft, 2) der Maurer Friedrich Michaeli», 3) der Maurer Karl Schmidt, 4> der Maurer Gottfried Müller, 5) der Maurer Wilhelm Roll und 6) der Maurer Juliu» Wagner, sämmtl'ch in Berlin wohnhaft. Dkselben«erden de« schuldigt: Zu Grünau am 3. Juni 1886 an der öffentlichen Zusammenrottung einer Menschmmma«, welche mtt vereinte« K äftm gegen Personen Gewallthätigkeikn beging, Theil ge« nommm zu haben.(§ 125 de» Skafgesetzduche») Durch die Untersuchung, welche volle drei Monak gedauert hat, ist fol« aender Thatbestand festgestellt worden: Dt« Nr. 126 de»„Verl. VollSbl." vom 1. Juni 1886 enthielt ein Inserat, vom Maurer Karl Lehrend unterzeichnet, in welchem zu«wer von sämmk ltchen Maurern Berlin» und der Umgebung zu veran« stallenden Landpartie nach Grünau am HimmelfahrtStag« (3. Juni) einaeladm wurde. Am HimmelfahrtStag« erschkn in unserem Blatte eine Berichtigung, dahingehend, daß dk Ein« ladung nicht vom Maurer vehrmd, sondern von Stoll auSge« gangen sei. Da„sozialdemollatische Au»schreitungen" befürcktet wurdm, erfolgt« dk Abordnung von Polizeio ernten und Gen«, barmen zu der Partie. Am HimmelfahrtSiag langten auf de« Bahnhof Grünau 200 bt» 300 Personen an, zum Tqeii mtt „Ad, eichen der Sozialdemokratie" al» roihm Shl'vsen und Bändern versehen. Darunter befanden fich die fech» Ana«« übersetzen lkß, während die Beawtm folgten, wurden die „Ardeilermarsetllaise", da»„Petrokumlkd" und der« gleichen gesungen. Hierbei soll fich besonder» Albert Müller hervorgethan haben. Am Nachmittag, al» die AuSflügeler auf dem Bahnhof Grünau angelangt waren- marjchirten fie zum Tbeil geschloffen auf den Penon auf. E» kam zu Händeln zwiichm einem Gendarm und dm Aul- flüglern und al» der Beamte Ramm und Personaltm de» Hauxlixuvenien nottren wollte, drang dk Menge auf ihn ein und suchte d,»S zu verhindern. Der Bericht, der augenschetniib nach der»nNaäeschrift»ersaßt ist, entwirft nun folgen sensationelle Schilderung der Vorgänge: Der Gendarm»urM von allen Seiten q-stoken, so daß ihm der Helm nach vom in da« Geficht lutschte. Albert Müller packle ihn am»rn,. während seine Begktter von hinten nachdrängten. Da die Menge immer drohender wurde, zogen di« Gmdarmm(ei war Verstärkung gekommen) blank, schafften fich Lust und erklär«« Albert Müller für verhastet. Auf dem Weg« vom Bahnhofe- zu der Wohnung de» Gemeindevorsteher», wohin Müller gc bracht wurde, drängte die gesammle Menschenmenge nock- trotzdem fie von den Gmdarmm wiederholt zum ZurückbleibrN aufeefmdert wurde. E» erlönkn Ruf«, Stetn« wurde« geworfen, der Gmdarm Marquardt erhiell einen d.» seldm an dm Kopf. Der Wurf veranlaßk eine sta"t Beul« an seinem Kopf« und betäubte ihn, auch f«11 Helm erhielt eine 8e(4 üdigung, die dmselbm unbrauchdal machte. Gmdarm Gottschalk erhiell von hinten c"1 einem Knüttel einm Schlag auf die rechte Schulter. Höhn« u und Marquardt wurden von einem Manne, der unermittm geblieben ist, mtt einem baumstarkm Knüttel geschlagen. Inj «sondere reizte der Angekagk Roll seine Genossen zu Gewalt tdätigkeUm auf. Die Mmge gehorchte Roll, denn al» WJ Gendarm Caeser ihn aufforderte, da» Werfen mtt Steinen Pj verbieten und diefer der Aufforderung nachkam, wurde d» Werfen eingestellt. Al» die Gmdarmm mtt dem Verhaftete» vor dem Hause de» Gemeindevorsteher» zu Grünau anlangtcN« forderte der Gmdarm Zieh« di« Ämae nochmal» zum Au»' einandergehen auf mtt ausdrücklichem Hinweis auf den Lank frievenSdruch. Diese Aufforderung war jedoch vergeblich, den» aufgeteilt durch erneut« ausstachelnd« Redm de» ilk a-'chuldigten Roll stüute fich nunmehr eine große Anzahl»ff Personen, an der Spitze dk Angeschuldigten Michael» W-girer. Schmidt und«olttekd Müller, aus Gendarmen. Die vier Angeschuldigten faßten den«in» Gmdarm an und versuchtm, Albert Müller mtt Gewall zu d< freien. C» kam zu einem hclligm Kampfe, wobei die Gmdarw» blank zogen und mehrere der Exudenten. darunter»Z Michaeli» und Wagner, am Kovf« verwundeten. Al», Angriff abgewehrt war, drang der Angeklagt« Schmidt»f» Neuem mtt der Abficht. Albert Müller zu defreim, aus Gmdarmm ein. er und Michaeli» wurdm verhastet, edwf Gottfried Müller, welchen der Gmdarm Ziehm«iederhoii»£ »'blich«um Verlassen d« Straße aufgefordert hatte, der 0« Verhandlung wird ein Elsatzgeschworm« auSgeloost. «ngeklagtm bestreiten sämmtlich ihr« Schuld. Sie gebe« ?n �".�uifluge Theil aenommm zu haben, bestreuen o°'' irgendwie geschimpft zu haben oder thättich gegen die darmen vorgegangm zu sein. D« Prästdent, Landgericht»� Baath, macht von vomherein darauf aufmerksam, daß di« krtminiiten Handlungen«vmt. auch al» Widerstand, oder Auflauf angesehen««den könnten, und fordert die» Magien auf, sich bei ihr« Vertheidigung auf diesen änderten GestchUpunkt einzulassen. Damtt beginnt dk L"• nüs« FachvereinSlieN, welche» bei jm« Gelegmheit vo � Thetlnehmnn im Chor gesungen wmde, gelangte»m lesung; der Rekain de» LiedeS, nack der Melodie„�est steht und treu die Wacht am Rhein" zu fingen, lautete:„Fest strhi und treu der Fachverein!" Nun kamen einige Zuschauer jener Szenen auf dem Bahn» Hofe; ei warm diei Sommergäste, welche währmd deS Handgemenge» auf dem Bahnhofe dm Zug nach Berlin zu bmutzm gedaaun, sich aber fürchteten, näher hinzuzutreten und fich von dem Bedränge entfernt hielten; au» dieser Entfernung haben jme Zeugen wenig oder nicht» weiter al» ein Hin- und Her- wogen der Menge wahrgmommen und Drohungen gehört; die einzelnen Personen vermochten ste indefim nicht zu erkmnen, trtneswrgi aber einen der Anqeklagtm; ebensowenig vermoch- HN die Gendarmen über die Thätiakeit de» Einzelnm noch in demselbm Matze wie vordem»luikunst zu gebm.— Die von der Pertheidtgung vorgeschlagenm Entlastung« zeugen werden zunächst unter Autseyung der Vereidigung vemommen. Dm Entlastungizeugen, Maurer Zimmermann, be�ichnet einer der Gendarmen al» muthmatzlich denjenigen, welcher auf dem Bahnhofe den Versuch, ihm die Sporen abzutretm, wiederholt gemacht. Zeuge bestreitet die»; datz mit Stetnm auf die Gm- darmen geworfm. hat Zeuge nicht wahrgenommen. Maurer Schmäh sagt au», datz, al» die Th-ilnehmer ruhig an ihrem Platze geftaeden, die Gendarmen plötzlich mit gezogmem Säbel auf die Menge eiudrangm; über die Rede de, Albert Müller, die er wohl gehöct, aber nicht verstandm hat, weitz dieser Zeuge nicht» zu bekunden.— Frau Baumann: Ich habe gesehen, wie A�nrm zu der Menschenmenge trat und zwischenhaute! " Der Venh rdizer Rechtsanwalt Vach» richtet hierbei die Frage an die Zeugin, od ste gesehen, datz bei dieser Gelegmheit der An- j�'laa» Michaeli», vor dem Gedränge stehmd, von einem Säbelhieb eine weitklaffende blutige Verletzung an der Hand erhielt. Di« Zeugin vermag dm Michaeli» nicht al» denjenigen zu rekognosziren.— Maurer Groihmann schildert diese Szme etwa» etngehmder; nach seiner Darstellung find lediglich die Bmdarmen in hohem Grad« provozirmd aufgetreten. Er habe al» er mit seiner Eheftau im Ristaurationsgarten de» Bahn- Hofe» an einem Tische satz, gehört, datz e» drautzen laut wurde; er trat hinau» und gewahrte in demselbm Augenblick, datz ein Gendarm blank zog und al» die» die anderm Gendarmen ge- sehen, zsgm dteseldcn bt» auf zwei ebmfall» die Säbel au» der Scheide. Dann erfolgte die Verhaftung de» Müller, dessm Abführung zur Folge hatte, datz fich Alle» zusammendrängt« mit dem Rufe:„Wenn der arretirt wird, dann wollm wir All« arretirt sein!" Kaum war der Ruf er- tönt, so drehten fich die Gendarmen um und hiebm in die Nächstfolgenden ein. Der Vorgang habe keine 3 Minutm Zelt in Anspruch gmommm. Beim Gewahrsam angelangt, Hab« er, adseit» strhend mtt Schmidt, die Aeutzerung gethan: „Da» ist doch unerhört I"— al» auch schon zwei Gmvarmm dm Schmidt, welcher bi» dahin keine Silbe geäutzert» ergrtffm und„zur Tbür hineinwarfen." 10 Schritt von der Stelle lag ein Mmsch blutend an der Erde, während ein anderer Verwundeter fich an einem Zaun in Folge Angetretener Schwäch« anklammerte. Dann ertönte der Befehl, den Platz zu räumen, bei Vermeidung de» Land. fliedensbruche». und weil Zeuge demerkte, datz die Futz Gen- d-'m.n ihr« Gewehre in Bereitschaft setzten, so habe er durch dm Wamungtruf:„Kinder, latzt Euch nicht tobtschietzen!" die Anwesenden vermocht, fich zu entfemen. Alle» strömte darauf nach dem Bahnhof, verfolgt von dm Gmdarmen. Bei dem Autflug nach dem Walde hatten die Gendarmen den Ge- sang sowie Mufik(Fuxpseifm) verboten, mit dem Ledmten, datz zu Mufik-Aufführungm eine Erlaubnitz de» Amtsvorstebcr» erforderlich wäre: al» die Theilnehmer da» FachoereinS-Lied sangen, seien ste aufgefordert, auseinander zu gehen; diesem Gebot wurde Folge geleistet.— Ein anderer Zeuge giebt an, datz einer der Gendarmen einem Theilnehmer die Hosen mit seinen Rad-Sporen zerrissen, al» der Gendarm zwischen der dichtgedrängten Menschenmenge ungmirt auf und ab patrouillirte; die» habe den ersten Anlatz»um Streit gegeben. Zeug« Maurer Scheer stellt dm Vorgang etwa» ander», in geringem Gead« vom vorhergehmdm abweichend dar. Nach seiner Autsage hat der Maurer Höhne beim Vorübergehen die Sporen de» Gmdarmen berührt; darauf habe der letztere fich umgedreht und dm Höhne angefabrm mit dm Worten: „Unterlassen Sie da», denkm Sie, ich weitz nicht, datz Sie da» mtt Willen gethan?" Höhne habe darauf dem Gmdarm erwidert:„Na, dann umwickeln Sie doch Ihre Sporen mit einem Lappen, wenn Sie unter Menschen gehm wollm; Sie habm mir mtt Ihren Spormrädern die Hosen zerriffm!"— Höhne sei daraufhin verhattet worden. Im Uedrigen deckt fich in der Hauptsache die Aussagt de» Scheer mtt derjenigen de» Zeugen Grothmann. Ein Pliffeebrenner,»elcher an dem Autflug ebenfalls thellnahm, depontrt, datz er, alt Höhne verhaftet wurde, dem Gendarm zugerufen:„Lassen Sie doch den Mann, er hat da» ja nicht mtt Abstcht, sondem nm au» Versehen gethan!" Zeug« Stadtverordneter Herold saat au», datz er an jmem Tag« an dem Autfluge der Maurer theilzcnommm, wie er solche» bei ähnlichen Anlässen stet» gethan. Ueber den Hergang vor dem Amtthause, wohin die Arreflanten geschafft, vermaa Zeuge Herold deshalb nicht» au» eigener Wissmschast zu bekundm, w-il er, a!» die Eskorte nach dem Amtthause marscki'te, halb- weg» umgekehrt und zu seiner Familie nach dem Bahnhofe zmückgekehrt sei. Mit der Vernehmung de» Zeugen Herold ist gegen 5 Uhr »a» Zeugenverhör bemdet und der Vorsttzende lätzt eine halb« ständige Pause eintreten, während welcher den seck» in Hast befindlichen Angeklagten eine Erfrischung»«rabletcht und gestattet wird, mtt ihren anwesmdm Eheftaum und 5!»* i"n in der Haftzelle Rücksprach« zu nehmen.— Z??. beendigter Pause begannen die rechttbelehrmden »e�Ä�Xwelchm der Siarttanwalt dm Geschorenen #### geg.« die staatliche Ordnung ftch schuldig gemacht. � �tzt?Wild%% g7w?ndÄ'�digli?mr durch da» Verhaltm der Gendarmen aufgebracht worden seien.- Der Entlastung, beweis über diesen letzt«» Punkt sei nicht ge- nüzmd erschöpft; da» Austreten der Gendarmen sei nicht» we- »iger al» gemätzizt gewesen, dafür spreche, datz ste einer unbewaffneten Meng« gegmüber fich« Waffendereitschaft gesetzt. indem fie ohie ernstliche Veranlassung die Säbel zogen und die G-wehr-Kapseln lösten. Uedrigen» charatteristren fich die auf dem«ahnbofe anwesmdm Theilnehmer nicht al« eine ge« ichloffine Menge, welch« um GewaMhaligketten ,u verüdm »utgezogm sei Zum Schlüsse seine» Plaidoyer» beantragte der Bertheidiger Freisprechung sämmUicher Angeklagten. Gegen 9 Uhr gaben die Geschworenen nach längerer Be- ttlhuna ihr Verdi» auf Ntchtschuldig ab bezüglich sämmlltcher sechs Angeklagten. Demgemätz lautet« da» Utthell auf Freisprechung. Die Angetlagtm wurden daher sofort au» der Haft mt» lassen. Freudig bewegt, aber lautlos, obne demonstrative Kund« , r nahmen die zahlreich im Zuhörerraum anwesmden parteigmoffm der Freigesprochenen den Wahrspmch der Ge« schwormm, sowie den Urihetlsspruch entgegm, und fie vtriietzm im gemessenen Tempo da» Gericht»gebäud«. Derrinr und Nerfammlnngr� Im Neue« Berliner Thterschutzveretn sprach am 5 d. M. Herr Tettgraphminspektor Beringer au» Nürnberg über Thier qaälereim beim Schlachten. Redner hat alt J-�p-k ion». beamtet bei einem Bezirk von 600 Gemeinden in 34 Jahren reichliche Gelegmheit gehabt, die M tzbräuche beim Schlachten aus dem Lande und in den kleinen Städten kennen zu lernen. Uederall hat er gefunden, datz man dem Kleinvieh, d. h. dm Schweinen, Schafen, Ziegen, nicht die Woblthat einer Be- täubung vo: dem Abstechen angedZH-n lätzt. Es sei die» nicht Sitte, well man über diese Thier« auch ohne Betäubung Herr wird. Dazu kommen die Vorurtheile. So mache man die Stiche nm klein, damit da» Thier möglichst len ze lebt, weil da» Leben e» sein soll welche» da» Blut herauttteibt. Vieler« wärt» herrscht der Glaube, ein Schwein sei krank gewesen, wenn et nicht tüchtig geschrim hat. Niemand würde von solchem Fleisch kaufen. Demgemätz wird so geschlachtet, datz da» Thier alt Z wichen seiner Gesundhett recht lange und tüchtig lchrett. Kälber könne man an dm durchstochenen Hinterfützm ledendrg aufgehängt finden, und die Schlächter härten dann immer verwundert gettagt, wie ste dmn ein Kalb ander» schlachten sollen, wenn ste keinen Gchrlfen haben. Sogar da» Abhäuten der Thiere bei lebmdtgem Leibe komme vor, und ein dadische» Gericht hat erkannt, datz die» keine Thierquälerei sei, weil die Bedingungm de»§ 360, 13 im Straf«efe«:„wer öffentlich oder in Aergernitz erregender Weise Thiere bos- hatt quält oder roh mitzhandelt", nicht erfüllt seien. Hier sei also der Hebel anzusitzen. Da» Strafgesetz müsse geändert werden. Leider, meint« Redner, hätten die hierauf hinzielende« Bestrebunzm der deutschen Thlerschutzoereint bisher sehr ge- ringe» Entgegenkommen erfahren, weil ebm diese Gcäuel seit Alter» so gewöhnlich seien, datz Niemand darin Schlimme» fände. Solle e» deffer werden, so müsse da» Volktgewiffen aufgerüttelt werden. Die Veretuiguvg deutscher Stellmacher(Mitgliedschaft Berlin) bi«l! Mornag, den 4. 0. ist., bei Niest, Kommandanten« strafe 71/72, eine Versammlung ab, in welcher zunächst der Kalstrer den Kassenbericht pro 3. Quartal erstattete. Demnach betmzm die Einnahmen 7954 JH., die Auigabm 7416 M. Da da» letzte Vergnügen am 13. Febr. ein Defizit von 18,50 M. ergab, weichet von dem Ueberschutz der Streiktoffe gedeckt wer« dm soll, so betrug der Bestand der Kaff- 23,88 M. Ferner wurde mttgetheilt, datz die Jnnungtmeifler den Arbeittnach- weii der Vereinigung nicht anertennm, sondern ihren Arbeit»« nachwei» hochhalten wollen; da aber jeder Kollege zu der Em« ficht gekommen fei, datz er von dem Ardeitirachwei» der In« nung nicht viel zu erw rlcn habe, habe fich der Verein fie« zwungm ge!ehm, selbst einen Nachweis zu errichten. Die An« wesenden wurden ersucht, voll unv ganz für den Arbeisnachwr'», welcher bisher günstig« Resultate erzielt habe, einzulr-tm. Hierauf deschlotz die Versammlung, da die Privatpast die Sen- vungen nicht pünktlich befördert hat, wieder die Reichspost in Anspruch zu nehmen. Die nächste Versammlung(wihrscheinlich eine Wanderoersammlunz) wird durch besondere Einladungen bekannt gemocht weidm. 2. Ziehung d. 1. Klasse 175. König!. Preuß. Lotterie. Ziehung vom 7. ONober 1886,«onnittag«. Nur die Gewinne Uber«O Mark sind den betreffenden Nummern in Parenibeie beigesügt. (Ohne 8 55[100] 63 142 95 201 342 401 I.OOO) 10 667 745 78[200] 818 979 1122 88 291 498(1501 69! 824 966 68»012 CO 210 75 396 666 702 63 9j1 3 ,35 68 123 73 230 301 69 436 683 813 60 73 Hill] 983 4077 93 164 70 224 352 12001 482 95 534 888 928 78 84 5144 294 378 434 0 6 12 0)89 280(150 305 681 743 7143 58 2 2 85 392 444 65 056 8 31 343 418 68 507 99 679 942(200) 63«114 429 42 89 555 61 642 831 88 1*020 144 374 88 579 91 638 716 820 946 11264 323[1501 33 36 632 6.2 855 926 60 18072 137 211 31 92 442 705 13[1001 855 966 90 13 9; 115 42 50 270 353 4,4 796 810 48 14,136 339 76 97 498 559 73[1 Ol 94 95 777 1 Ol 856 82 15, 79 134 37 423 60 68 1100! 557 636 54 58 72 i 894 1 6238 384 420 53 000 898 17027 84 121 38 316 50 [1001 86 527 643 71 7�6 814 18 136 111 85 232 409(2001 95 548 83 9» 789 1 9024 1 5 21 294 568 86 89 662 88 738 47 66 949 20116[luOl 2-8 304 486.97 523 28 86 609 66 1150) 730 57 90 904 14 46 92 21030 101 400 57 662 864 928 2 2024 70 235 788 23125 91 93 411 576 678 849 77 949 24117 11501 238 90 316 24 492 554 602 757 843 60 78 95 96o 84(1001 25132 82 335 84 4 46 552 793 958 2*131 160 372 4 9 III 1 38 72 582 632 714 23 27044 84 216 36) 482. 51 668 753 863(200) 965 ,100] 28049 135 62 6h 73 288 329 416 683 828 30 973 29 41 359 79 43' 517 35 73 785 876 920 »»006 46 110 29 207 28 29 3 ,3 462 516 623 90 798 31112 295 508 62' I 82 91|160l 744 815 56 64 937 98 8 2072 111 06 295 602 36 678 747 3» 189 11 001 9' 2)7 605 663 34172 260 361 72 544 643 53 723 38 829 970 35067(1001 84 337 531 622 38 3*>23 108 213 65 464 510 25 613 58 73" 87008 125 247 50 323 420 44 58 85 93 532 676 91,8 75 38 ,92 120.30 70 75 329 71 76 467 524 726 937 40 54 39187 243 57 88 321 66 410 82 90 546 63 747 UOO) 92(1001 93 905 74 91 92 40,>29 105 23 223 92 317 408 18 67 583 656 92 41050 86 268 85 429 32 569 tlOOl 603 22 755 801 150 ,( 901 5 42073 396 42> 536 85 89 615 35 778 926 46 50 65 43112 35 262 3.4 734 49 935 36 61 71 92 44348 427 653 59 728 848 4 5068 243(3001 456 790 95 923 4*003 48 224 3-2 4-8 99 519 42 611 780 802 25 32 4 7115 83 223 345 74 40 1M5 93 604 93 97 923 43 96 48o46(lOi'l 50 51 69 168 2., 2 460 85 89 553 74 633 79 736 972 4*940 105 239 42 115UJ 83 88 97 3. 6 7 430 94 M4 36 673 99 753 79 944 413(2001 24 549 652 59 88»3000 94 196 213 88 545 76 89 697 720 32 80 92 9 6 1100) 45»8010 308 419(16(11 711(100] 82 882 923 55 »4024 64 148 213 315 47 447 509 86 642 737 995»5>15 33 168 347 538 675 819 9 4 26[1001 55 0613, 397 506 68 l 870 953 88 96»7003 171 79 228 85 95 418 42 76 96 555 691 ,1001 898 944»8>84 204 348 460 81 542[200] 677 98 849 988»»076 226 39 1100] 389 616 876 100)24 39 98(1001 132 68 HOO) 270 478 670 707 13 890 961 101169 81 205 68 424 512 39 66 83 635 90 722 49 816 63 923 1 08221 60 72 81 91[lOO] 233 533 75 76 86 874 972 103238 68 313 407 19 639 56 635 795 809 1 041)41 63 82 450 507 629 38(1001 93 706 949 105114 58 163 70 211 41 88 34 6 57 98 412 11001 554 657 871 88(1001 941 106134 223«2 82[200) 369 87 93 94 688 819 908 37 74 1*70*4 308 861 906 4)< 2 50137 74 297 40! 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Ziehung d. 1. Klasse 175. König!. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 7. Oktober 1886, Nachmlllag». Nur die Gewinne Uber 30 Mark sind den betreffenden Nnmmern in Parenthese beigefügt. (Ohne Gewähr.) 115 208 86 92 317 413 634 907 89 1063 88 329 63 64 725 61 826 38 63 969»III 26 234 37 441 611 45 49 55 63 934 3031 225 429 52 76 534 1100( 6(6 8 73 810 63 4133 71 262 67 337 84 636 761 84 812 31 61 92 5041 180 203 19(1001 80 335 412 16 548 807 54 9 ,1[1601 «149 2:6 459 773 99 850 97 7'>00 47 101 30 276 369 625 716 17 99 841 964 8152 63 562 692 729»105 547 695 742 884 900 74 1O260 687 679 761 800 926 96 11166 261 416 11001 84 681 894 927 1801632 621 794(lOül 909 1 3093 134 243 76 433 697 682 713 31 811 66(150] 953 14)13 28 136 62 369 635 55 83 773 853(1001 80 15056 73 218 72 384 4 ,0 613 1100167 642 49 759 820 943 1 6155 223 KK M W 7� 20,111 173 362 726 940 48»1132 305 90 419(150) 70 72 516 74 60- 52 928»»300 607 669 73 83 880 914 15 60 2 8108 87 298 418 657 HO'I 70 83 78) 855 916 24163 85 247 3)1 5 502 80 706 800 909 25222 329 52 512 37 42 56 889»«010 20 37 87 220 29 34 49 604 10 30-47 53 986»7>14 266 331 HOOI 647 618 47 96 730 839 949 2 8090 430 511 38 832 950 61 64 16000) 20010 106 18 812 25 1100) 401 586 99 611 45 61 68 749 834 91 962 95 30)74 212 367 401 8 64 597 613 47 88 751 74 800 68 95 3 1 412 86 725 834 983 32128 50 97 227 440 599 660 73 705 16 32 318 19 967 33)12 36 193 3->4 697 631 711 812 15 64 69 84068 63 283 322 71 424 11001 88 93 546 601 80 988 8 5004 9 224 88 308 HOO] 425 625 773 961 75»«034 61 175 88 91 33" 619 8ü2 40 44 982 37028 31 77 128 244 334 519 669 724 97 904 3 8 6) 209 432 86 625 34 838 60(150) 913 301)69 73 79 82 112 18 61 258 473 507 611 790 858 4*018 45 III 40 253 349 86 540 54 66 627 30 75 87[200] 765:73 76 847 915 41089 192 274 374 417 632 711 810 912 65 4 2077 112 61 ,2001 385 91 410 591 776 820 57 90) 69 43122 202 61(100) 426 757 810 979 4 1076 216 334 49 494 606 39 956 4 5001 40 179 1100) 254 75 459 680 95 757 82 812 83 962 89 4 8006 83 103 36 306 525 97 649(1601 805 941(2(0] 47256 116000] 341 480 523 57 79 1100] 83 643 721 85 804 40 48)61 188 208 16 626 40 41 897 40149 254 383 425 539 753 904 17 5*06' 95 137 479 591 620 24 759 72 908 61018 28 61 296 384 616 41.4, 8(0 9 6 5 2 70 273 74 368 78 441 88 737 84 814 968 53 i]9 143 616 637 749 354 72 949 54049 81 186 2(6 66 74 75 395 668 618 95 943 47 5 5031 671 659 91 778 894 5 6043 98 170 2(6 490 603 64 838 5 7042 72 150 288 642 6' 8.1087 340 960 68178 283 304 «11 9 364 410 27 547 618 43 732 854 965«2 ,37 80 104 24 93 27) mm mmmmm 87»5083(1001 299 354 73 590 633 64 754 825»«064 34 94 2)2 71 506 50 614 918»7065 90 128 2 ,0 31 63 426 66 87 552 90 797 818 51 907 91 08)55 80 224 49 52 1100) 32) 35 98 708 62 932 52 00)17 21 67 106 220 342 402 76 92 99 769 76 821 100117 22 212 75 322 65 89 92 424 581 93 605 93 716 816 938 101 1 40 64 331 86 459 92 604 48 698 796 810 51 920 1 02Ü47 357 435 85 526 38 711 814 34 95 96 1 03145 2)6 89 499 602 10 97 750 104117 59 212 46 411(10 ,] 532 814 92)[1601 105)03 178 268 641 (1001 843 106327 421 42 HOO) 68 71 94 738 64 82 809 16 22 31 99? 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741 ,4 [200] 71 870 Verein der Berliner Parquetdodenleger Montag, den 11. Oktober, Generaivu: aamtung im Lo'al det Herin Pieper, Mamerstratze 86. Nähere» stehe Inserat in der Conti» tnginummer. Tischlerverein. Generalversammlung der Srankenunter» sti!tzung»kasse(E. H. Nr. 89) am Sonnabend, den 9 d. M� Ndendi 9 Uhr. Kollduserstr. 4a. Tagesordnung: 1. Kaffmde» licht vom 3. Quartal. 2. Kasfirerwahl. 3. Kastendericht der Vereinskasse. Antrag des Mitgliedes Carsten. Ausgabe der »illets zu dem am 6 Nov. in„Sanssouci" stattstndendin IL. Ctifiungtfeste. Quittungsbuch legittmirt. «anchklub„Westend" Freitag. Abend» 9 Uhr, im Hohenzollerngarten, Steglitzerstr. 27. Ztetherklub„Alpenveilchen". Jeden Frestag Abend im„Anhalriner", Tempelhofer Ufer, Ecke Möckernstrahe. Kleine Mittheiinngen. Kriedrichshagen, 4. Ottober.(Doppel. Selbstmord.) Ein in seinen Gründen noch nicht aufgeklärter Selbstmord einer männlichen und einer weiblichen Person, anscheinend eines Ehepaares, ist, dem Betunde der Leichname nach zu m!h>U:n, am 3. d. M. gegen 9 Uhr Vormittags im hiestaen sttkalischen Forst, nahe dem Kurpmk, verübt worden. Ungefähr eine Stunde nach obengenannter Zeit pasfirte ein hiefiger Kaufmann diese und sah zu seinem Schrecken da! Paar an einem Vaume und»war an demselben Aste hängen. Der Sonnenschirm der Frau, in dem st a ihr Strohhut befand, stand neben dem Baume. Der Selbstmord war derartig dewerlstelligt worden, daß der Strick über den Ast geworfen war und an den beiden Enden die Schlingen geschürzt waren. Diese Schlingen hingen so tief, daß die an Gewicht schwerere Frau mit ihren Fast» spitzen den Boden berührte, während der Mann einige Zoll über dem Erdboden in der Lust schwebte. Die Leichen find nach der hiefizen Leichenhalle transportirt worden. Halle a. S-, 6 Oktober. Bei WeihenselS stießen heute BormitiagS 8 Uhr ein Personenzug und ein Güterzug zusam- men. Durch den Zusammenstoß wurden zwei Personen leicht nerletzt und drei Wagen erheblich deschädigt. Breslan, 6. Oktober.(Eisenbahn< Unfall.) Wie dem „Dderschles. Anzeiger" gemeldet wird, stieß am 4. d. M. der von Petskretscham kommend« Personenzug Nr. 269 Abends um 10% Uhr bei Station Ladand auf einen von Gleiwitz kommen» den Güterzug, wie es heißt, in Folge unrichtiger Weichen» stellung. Beide Maschinen, zwei Packwagen und ein Kohlen« wagen wurden arg beschädigt. Nach längerer Arbeit gelang es, dm Zugführer des Personenzuges, ziemlich schwer am Kopse verletzt, aus dem Packwagen zu befreien. Einige andere Bahndedienstete erlitten Rontustonen. Den Verletzten konnte sofort ärztliche Hilfe zu Theil werden, da zufäüigerweise der Bahnarzt in einem Kouvee zweiter Klaffe de« Personenzuges mitgefahren rrar. Nach einer anderen Meldung, die dem „Oderschles. Wanderer" zugegangen ist, erfolgte der Zusammen. stoß innerhalb de» Bahnhofroyons von Ladand. Es wurden 11 Personen mehr oder weniger schwer verletzt. SanitätSrath Dr. Hauptmann auS Gleiwitz, welcher stch in dem Personen» «ige befand, legte sofort zwei der am schwersten Verwundeten Nolhveibände an. Tödtlich verletzt ist Niemand. Die„Oder» schlefische Volktstimme" schreibt:„Der Personenzug fuhr auf den Güterzug mit solcher Vehimenz auf, daß die beiden Maschinen stch in«inander bohrten und dt« stch hinter d«n Makchintn blfiadlichtn zwei bis drei Wagen in und aufeinander schoben. Die Maschinen und die Wagen stnd total zertrümmert. Verletzt wurden der Zugtührer Gabriel nicht lebensgefährlich, jedoch dedeutend am Kopfe, der Bremswärter Rudolf an der Stirn und der Hüfte und der Lokomotivführer Leuschner am Unterletbe und der linken Schulter. Leicht v-rletzt wurden noch zwei«ahn» deamte und ein Arbeiter. Von den Pastagieren ist niemand erheblich verletzt. Personal und Wagen de» Güterzuge» stnd rm verletzt."- Am Dienstag Vormittag hat abermals und zwar det Schiercckau ein Eisen bahnunsall stattgefunden. Von einem Güterzuge entgleiste die Maschin« und der Tender nebst fied» zehn Wagen, die aus den Schtmen gehodm und zertrümmert wurden. Mainz, 6. Oktober. Heute früh wurden dem Zugsühier Erben der Hessischen Ludwigsdahn bei der Station Ruffetthelm von einem Güleizuge beide Beine, das eine em Knöchel, das andere dicht ur ler dem Knie, abgefahren. Erben wurde in das hiefig» Hospital verbracht. Rüuchru, 4. Oktober. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ist hier ein Gendarm auf der Straß« durch einen R volverschuß lebensgetährlich verletzt worden. Der amtliche Poiizeidertcht meldet darüber folgendes:„Gegen zwei Uhr Morgens machte ein auf dem Nachhauseweg begriffener hufiaer Kaufmann einen patrouillirenden Gendarm in der «aufingerftraßr auf ein« Mannsperson aufmerksam, welch« stch ichon einige Zeit in verdächtiger Weife in der Nlbe eines Golvarbeiteriaden! umhergrtrieben halte. Als der Gendarm dieien Mann beobachtete und ihm,«eil dessen Benehmen höchst verdächtig elschten, die Arrettrung ankündigte, zog derselbe plötzlich einen Reoolorr hervor, feuerte zwei den Gendaimm in die Schläfe treffende Schüffe ad und ergriff in der Richtung gegen den Frauenplatz die Flucht. Der Gendarm befindet stch lebensgrtäbrlich verletzt im Gamisonlazareth. Der Thäter ist 40 bis 46 Jahre alt, ziemlich groß, korpulent, hat dionde Haare, langen blonden Schnurrbart, trägt dunklen Anzug, braunen steifen Hut, starke goldene Uhrketle mit starken runden Gliedern, Regenschirm und Revolver, spricht gebrochen deutsch und ist wahrsckrtillich ungarischer Nationalität. Dieses Stg- nalement stimmt auffallend mit demj-niaen eine» der beiden Burschen, welche in der Nacht vom 26. zum 27. o. M. in Passau im Hause eines dortigen Bankiers emen Einbruch per- übten und gegen den dortigen, sie überraicher.d.n Hausknecht ebenfalls vom Revolver G brauch wachten. Part», 5. Oktober. Ein Kloster, da! im Sturm genom- men wird, ist an und für stch ein seltenes Ereigniß, da! man gewöhnlich nur euf dem Theater steht, trug stch aber dieser Tage im Kloster der Augustinertnnen in Auxene allen Ernst«! zu. Ein junges Mädchen, Frl. Gallrt, Tochter des Mairet von Eglentz, brachte in dem Kloster, in dem ste erzogen wurde, alljährlich eine kurze Zeit in stiller Zurückgezogenhett zu. In diesem Jahre, da ste großjah-tg«urdr, kehrte ste nicht nach Hause zurück, fordern schrieb ihrer Familie, ste sei entschloffen, „stch Gott zu weihen". Außer stch vor Verzweiflang eilte Herr Äallet nach Luxerr«, doch das Kloster blieb ihn verschlosten und er konnte um keinen Preis seine Tochter sehen. Alle seine Versuche Hieben erfolglos, und vor drei Tagen brachte ein Blatt der Nonne einen von ihm unterzeichneten packenden Ait'ktt, in welchem er an die öffentliche Meinung app:llirte. Gestern erschien Herr Gastet nochmals, begleitet von seinem Bruder und einer Anzahl von Verwandten, im Kloster, um seine Tochter zu verlangen. Die Oberin erklä te, ste wäre nicht mehr hier; allein Herr Gallrt gab nicht nach und drohte, mit Gewali ein zudringen. Die Brüder Gallrt schoben die Nonnen bei Seite und betraten das Kloster. Die Thore wur- den w-it geöffnet, durch welche eine große Menschenmenge trotz der Binen det Vaters, ihm allein die Verantwortung für den Schritt zu üderlaffen, berbeiströmte. Die Schwestern blieben bei thr-v Behaupiung, Frl. Gallrt wäre nicht mehr im Kloster, die Menge wurde ungeduldig und veranstaUete eine genaue Hautdurchsuchung, wobei alle Thüeen ges mengt und Fenster zerschlagen wurden, bis Herr Gallrt sein Kind fand. Die Ruhe war bald wieder hergestellt und Herr Gallet sübrte sein« Tochter unter den Zurufen einer Menge von etwa 1500 Personen weg. Hetzte Machrichte». Sozialistische«. London, Mittwoch, den 6. Oktober, Abend!. Der Generalrath des sozialdemokratischen Bundes«» litß heute ein Manifest, in welchem unter Hinweis auf den in Folge der immer größer werdenden Arbeittlostgkett herrschenden Nothstand die beschäftigungslosen Arbeiter in London aufge» fordert«erden, stch dem Aufzuge des Lordmaqor am 9. No' vemder anzus bließen, um d-m Land« auf diese Weis« ihre Loge und die daraus stch«gebenden Gefahren vor Augen zu Anarchistisches. Ein Münchener Blatt, die„Neuesten Nachr.", will von anarchistischen Bewegunzen in W i e n kenntniß haben. Es wird demselben von dort geschrieben:„Ein Wach« mann erstatlete am Sonnabend dem Abtheilungskommand» im Bez'rl Favoriten, die Anzeige, daß er in dem Linien« groben mnächst den Holzplatzon in der Nähe des Süddahn» bofet F-uer auflodern sah, das sofort erlosch. Man riech auf Explostontstoffe(?), die hi« verpufft seien, und dtrigirte Sonnabend Abends ein« große Anzahl von Wachleuten nach den Holzlazerställin, weil man besorgte, daß die Anarchisten eine böse Vorfeier von Kaisers Namensflst veranstallen wollte». Bis Nachts 1 Uhr fiel nichts von Belang oor, was die Le« i sorgmffe der Polizei gerechrfertiat hätte. Doch schienen roch i andere Anhalt« punkte für die Behörde sich«geben zu haben» denn heute find mehrere Verhaftungen von Ana» chisten«folgt. Vorläufig bewahrt die Polizei beharrlich noch tiefes Stillschweigen üb« die Sache und der noch dnrscher.de Ausnohweukftand bildet auiieichenden Grund sür da» Schwei« gen der P:>ff». Ich kann Ihnen einige näh«e Mit Heilungen in dieser Sngeiegenbeit machen, die aber auch rur in allge» meinen Unrrffen gehalten sein lönnen. Die Polizei dalt« schon durch längere Zeit Kenntniß von anarchistischen Konventikel» in einem kleinen Gastbause in Penzing, und die Anzeichen von „Regungen" der Anarchisten veranlaßten, daß zunächst da» GastbauS von ein« großen Zahl DrtettiveS beobachtet wurde. Da» Gasthaus blieb nun leer, wohl ad« sah man mehrere Gruppen von Arbeitern auf freiem Felde in d« Näbe de» Ortes. Die den Detektivet alt„Führet" dekannte Persönlich« keU war darunter und so wurde denn zu V-rbafiungen ge« schritten, deren zwölf ausgeführt wurden. Die darauf in den Wohnungen d« Verhafteten oorperommenen HruSsuchuvgen «gaben bedenlliche Funde: Flugschriften, Sprenzmltttl, Low« den und Dolche, letzt«« in einem Herde tn Srchihaut ver» steckt."— Eine Bestätigung dieser Räudergeschrchte bleibt natürlich abzuwarten. Ein Renkontre Liebknechts mit der amerikanische» Poltzet« Der„Elberf. Zig." aebt eine Nummer de» Pitts« durg«„F'.eiheiltfreundes" ä ck. 21. Septemd« mit der nach»; stehenden Erklänrng des deutschen Rrtchkiazsabgeordnete»; Liebknecht und de» De. Aveling'schen Ezepaa.e« zu. Der Gegenstand war eine tn Bromme's Park zu New- Unk an dem 19. Sep.'emder abgehalten« Sozialflenversammlung: die Eiklärung wurde einem Agenten der„Unstet) Presse"(Ver« «inigten Preffe) gegeben:„Wir haben soeben ein» durchaus ordentliche Versammlung in Bromme's Park gehalten» in welcher die Polizei ihr Möglichstes that, um Unordnung zu stiften. Den Ansprachen lauscht« ein ungeheuer zahlreiches Publikum. Ali die Anftrachen vorüber waren und wir die Halle verließen, drängte stch«ine große Anzahl Personen a» dt« Redner heran, um mit ihnen zu sprechen. Die Polizei stieß und schlug hieraus die Leute einschlteßlich zwei« der Untnzeichnelen. Nur die äußerste Selbstbeherrschung sestense der anwesenden Tausend« verhindert« einen Aufruhr. Wir haben noch niemals in Europa solch eine schmachvolle Beeinträchiiaung d« Freiheit des Individuums«rledi. wie wir es jetzt in einem Lande gesehen, das sprüchwörttich alt„Land d« Freien" bekannt ist. Wilhelm Liebknecht. Eleanor Marx-Aveling. Edward Aveltng. KriefKaKe» der Redaktion. Elisadeth Nr. 5. 1. Ste könnrn stch wegen des de« minder jährtgen Sohn« geborgten Geldes weder an diesen no» on dessen Vater ballen. Nur wenn der Sohn außerhalb des väterlichen Haufes lebte und das gebot gtc Geld zu« Bestred tung sein« nothwendigsten und dringendsten Lebensbedürfniffl diente, muß der Bat« das Darlehn zurückzahlen. 2. D« Leh» ling, dem VaS versprochene Kostgeld ohne rechtmäßigen Geosf eindehalten wird, lotin dasselbe innerhalb zwei« Jahre bei der Gewerdedeoutation det Magistrats einklagen. C K. Müllerftr. Sie können die Wohnung sofort ver» laffen, wenn dieselbe voller Ungeziefer ist, und der Wnth nicht sofort für dessen Beseitigung sorgt. Theater. Freitag, den 8. Oktober. Opernhaus. Armide. Sqansptethan». Torquato Taffo. Deutsches Theater. Don Carlos. ~ Konzert von Henry Der Krall's Theater. Marteau. »riedrtch Wllhelmflstdttsche» Theater. Nachtwandler. Walluer- Theater. Ein Blitzmädel. velle-Alltauee. Theater. Drei Paar Schuhe. Oftend-Theater. D« deutsche Michel. Viktoria« Theater. Amor. Tanz-Poem von Luigi Manzottt. Walhalla-Thearer. Don Cesar. Aestdenz-Theater. Die Dantscheff». Zentral« Theater. Alte Jakodstr. 30. Direkt.: Adolph Emst. D« Wald- Teufel. Gesang». poff« in 4 Akten von W. ZRannstavt. Kouplets von®. Gört. Mustl von G. Steffens. Mit neuen Dekoraturnen und Kostümen. (Novität!) Köntgstädttsches Theater. D« Jongleur. Stadt«Theater(früher Alhamdra» Theater). Agnes vemauer. Kontordia« Theater. stellung. Kaufmann'»»artet». stellung. American« Theater. stellung. ketchshalle»- Theater. stellung._ fiCdra-Theator« (Früher liOBloemrtMtineho« Tkenter.) Drtsdenerstraßi 72/73. GH- Johnson Family(4 Damm. 1 Herr). p eißgeirönte Schwimm« und Tauch«. Ni»a»l gt Kallettrnppe(12 Damen, 2 Herren). r. Soffmann mit dresstrtm Echafm und »den. 7 Amerikanerinnen«»schwister Mat- thew». Srnesto. Pncy Harwey. Paula und Ludwig Tellheim. Zocher. Frl. Belloni. Kstthselhaftes Verschwinde» einer jrmge« Dame von offener Kühne vor de» Ingen de» Pndliknm». Unmittelbar»ach dieser prodnktion VollstSudige Aufklärung üttv da« Verschwind»« der Vam«, wohin »nd woher diesetbe kommt. kaffmLffnung 6V, Uhr. Anfang V/t Uhr. Spezialitäten* Sot» Spezialitäten• Bar» Spezialitäten• Vor- Spezialitäten« Vor« ZkSeareitern für ein 2Mon. d /ö Kind(die Mutter ist krant)(. Hoffmar.n. Ritter str. 53 H«ll. Ceutral-KrauKku- u. Sterbekaffe der Tischler etc. Den Mitgliedern sowie Freunden uns«« Kaff« ,vr Nachricht, daß am Ionua'-end, de» 9. Oktober, in Uenz' Kalo», Namiyastraß« Nr. 27.«in Familien Kränzchen, bestehend in Tanz und deklamatorische» Vortrage»»c.. stattfindet. Ansang 8 Uhr. D« R«m«trag ist für den Jnvalidmfondi unserer Kasse bestimmt. Einlaßkarten kosten für Hnrm 50, für Damm 25 Pf. inklufiv« Tanz und find auf sämmtlichm Zahlftellm unser« Kasse sowie bei unserem Kasstr« H«m W. ei ling, Menteuffeistr. 116 o. Ii, zu haben. De» wohlthäligen Zweckes wegen bittet um regm Besuch[732 Die OrtooerwaU»»«. General-Vers ammluug der freien kranken» und Begräbnißtcffe d« Llkukmluk« u»ll Lerussgmolsen »«lins(E. H. Nr. 27) findet Montag, dm 11 Oktober, Abmdi 8 Uhr, im Lokale des Heim Fenerftein.»ste Jakodstraße 75, statt. T. O.: I. Vlerteljährlicher Kaffcnbnich!. 2. Jnnne «ng-legmhrttm. 3. Verschiedenes. Quittung#» buch legittmirt.[753] Der Vorstand. Soeben ist im Verlage von I. H. 23. Ttetz in Stuttgart«schienen: Internationale Bibliothek Heft I. Die Darwin sche Theorie. Preis pro Heft 50 Pf. Zu beziehen in Berlin durch alle Buchhandlungen und Kolporteure, sowie tnsde- sondere durch dio Sepeditio« de«„Keriiner Nolkoblott", Zinnnepstroll» 44. UM" Wiedrrverkaufern Mabatt."WM Außerochmtliche Mitgliederversammlung der Central.»ranken- nnd»terbekass. der örttiche VerwaltungMtll««�(Fransturtn Anömlflt. 21. T.O.: Regelung ver Geschäfte nach§ 16, Auszahlung und Anweisung de» Krankengelde» und Verschiedenes. Laut S 23 Utzl«»bsatz ist j de, Mitglied oerpflichtet, in der V«sammlung zu«schetnm. 777]_ Die Ortsverwaltung. Versammlnnz der Mitglied« de« Oemas ttc RlaEcuig det I«i«sse» det äWmuWk Sonnabmd. den v. d. Rts., in MratweU'» Bierballen,«ommandantmftraße 77/79(un'«« Vortrag de» Herrn Dr- vohn Üb«Land und Lmte auf d« Balkan. NN ag'jAJK"' mmar& Der Vorstand. Versammlung Klhvtltws der Rohrleger Sonntag, den 10 Oktober, Vormittag» 10 Ubr, in Mioft'» Jawn, Kommandantenstraße 71/72. T. O.: 1. Vortrag. 2. Verschiedene». 3. Frage» kaftm. Aufnahm« neu« Mitglied«. 778] Der Vorstand. NB. Außerdem machen wir die restiiendm Mitgl. aufmerksam, ihren Pflichtm nachzukommen. Für Klavierarbeiter befindet stch dn unentgeltliche Arbeitsnachweis zu jed« Tageszeit bei Itramm, Skaittzerftr. 18. Aeute frische Kint- nu> Leberwurst- J. Kaddatz, Wieuerstraße 50. klcwi«sp.«mpf.s�.F«stl.kIaUe,vrand«ndurgst!.43. Empfehle mein neu«öffnete»[648 Schnhwaaren Geschäft Skalitznstraße 117, zwischen Mariannen« und Manteuffetstraße. Zeit. um gmeigtm Zuspruch. Reelle Bedienung. m 10 R. ••Tsaj.&.i&i «».Uää� Caro.tnervJnseln. Rind« nm 10 Pfennig. Soeben ist erschienen: AeiitWelt Kaleidtt � für 1887. AuS betn reichm Inhalt heben»K hervor: Reich»h»»»h.lt».«t«t de» Denb sche» Reichs.— Zerbrochene Kette», ckr» zählung von Aeb. Schweich»!.-«tr- «1« Freie»#U Heermevsche».—<#* Preletorierkinb.»rzählungv.ELanger. — Der S»M»s zwischen Fe, er». Wesiee in der Wert,«on P. Osw.»bhler. 7- #91* wem«in««ist»»»erbientt— FiK- I«b» vistler(humoristisch). Ii« Gratis- Keitasomr L Lneia.»«»NwKsck.' 2. vlanche. 4. Di« beide»«U»- Oio Wsnbkelesde». —SM Preis 50»f.-s- «t»tt>»rtt Z.H.».»ich. Zu beliehen durch die Umedition, «e»a»«st« 44« Psiedemerkünfe» erhalten hohe« M»rn MW#. rn. m: � �