Mr. 2B6, Sonnabend, de« 9. Oktober 1886. £11. Jahrg. cllimrMMll Krgan für die Interessen der Arbeiter. Aitwlliilzrsühl. Bei alle« sozial-politische« Fehde«, bei jeder Gelege«' heit, wo es gut, die Forderuage» der Arbeiter zu de» kämpfe», da wird vo» der P esse«ud de« Wortführer, der herrscheade« Klasse» de» Arbeiter« Maagel a» Patriotismus vorgeworfe«. Wev» die Arbeiter«icht mit einstimme« i« das chau« viaistifche Geschrei gege« die Fraazosea, so hört ma« sofort de» Ruf„ReichSfeiode", obwohl es bekannt ist, daß die Arbeiter bei alle» Kriege», ob fie mit einem Siege oder einer Riederlag« ende», de« meiste« Schade« i» materieller sowohl, als auch i» geistiger Huficht davon trage». Diejenige» aber, welche Jahre lang gleich de» Hamstern einge« heimst habe» und einheimse« konnte«, zehre« während eines Krieges vo» ihrem„EntbehrungSloh»*, diejenige«, welche von Staat«- oder Gemeindewegea angestellt fi»d, beziehe« ihr wholt weiter, die Soldat«» bekomme« et»e besser« Ver- pflegung, die ihnen wohl zu qönne« ist, die Oifizier« da- 8;«« erhalte» soviel Zuschüsse, daß die ärmere» unter e« de» Krieg als eine wahre Wohlthat genieße». Rur die Arbeiter und die kleinen Leute trage» i« der Hauptsache den Schade» davon. Sie find schon ou««ate- riellem Interesse gegen alle Kriege, aber e« hat sich auch i» de« sogenanate» untere« Schichte« der Bevölkmug da» HumanitäiSgefühl schon so weit durchgerungen, daß fie de» Rückschritt, de» alle Kriege i» Bezug auf die Kultur, de« Fortschritt aber, de» fie i» Bezug auf Rohheit und Bruta, lität bringe«, auf das Tiefste beklage« und auf das Ent« schiedevste bekämpfe». Reaat ma» da» Mangel a» Nationalgefühl, so kau« in der That die Arbeiterklasse diese«„Vorwurf" ruhig, ja mit einem gewisse» Stolze e»tgege»»«h»»-». Faßt ma« aber das Nationalgefühl, de« Patriotismus dahi« auf, da« Vaterland wohnlich für alle Angehörige« zu mache«, faßt ma« e» dahi« auf, Friede und Eintracht unter de» Bewohner auf die Dauer zu schaffe« und auf dies« Weis« da« Vaterland groß und mächtig hinzustellen, da«« 18«««« die Arbeiter Deutschlands mit Znfriedenheit auf ihr« THSttgkeit, auf ihre» Patriotismus Hinblicke». Wen« e« aber Patriotismus heißt, daß sich die Blätter «nd Wortführer einzelner Parteien i« Deutschland und Frankreich gegenseitig beschimpfe«, die Völker auf«inmrder gefahl«— sie«enne» da« nicht Patriotismus, sonder« Afte-patrioliSmuS.--- Doch genug davon, unser« Leser ke«»«««ach dieser Richtung hia u«sere Gedanke« und wir wisse«, daß wir Jeuilleton. Ludmilla. [4 Novelle v o» P o l e v v i. dem Russische» übersetzt vo« Dr. Varl Pi»».) �dank« kommt mir. We»» Ungleichheit XDnn bet Teldpunkt sie vo» dem Gege«- ««de ich ihr die erforderkich. mwx. % melancholischer Tesicht'ausdruck. ihr« rührende Träumerei. Fall« fie iudeß»icht liebe« sollte? Wen» ß, einfach da» wäre, waS ma» im VolkSmuude.«ine Blödsinnige" zu »««««« pflegt I Sie ist so graziös, so interessant l We«. halb sollte ich fie«icht heirathe»? Für mich%«,«»»« tobt,«nd die a»der« Fraue» find mir gleichgiltig. Ues« Wb sollte ich«icht ei»e gewiss« fteudige Genugthuung darin sehe».«ei» Lebe« a« da« dieser U» glückliche« zu kette« s —»Jrme,«i»d," würde ich zu ihr sage«,„die ganz* Welt setzt Dich zurück, allei» ich komme zu Dir. Du gefällst mi, gerade deshalb, weil Du da»»icht befitzst, wa» die Welt »Betfland" nennt." Und fie würde mir zulächeln, fie würde die Genossin meiner Einsamkeit werbe«, und ich würde ihr «ei« Geschick anvertraue». Welch« Luftschlösser gehe« mir da durch de» Kopf? Doch ich will fie ke«»e« lerne», sei e« auch nur, um meine /sterbe zu befriedige». Wohla« de«», mei» Pla» ist ge> foßU Zum Glücke habe ich Cmuislietki nicht« vo» der un« hier mit ihnen im vollste«««d beste« Ei«v«fiä»d»iß befinde«. Weshalb wir aber Vorstehendes geschrieben habe«? Wir lasen vor eiaigr« Tage« in der Münchner„Allgemeinen Zeitung' ei««« Aussatz, der überschriebe« war:„Reisebriefe au» der Reue» Welt." Dieser Aufsatz berührte auch die Stellung der ausgewanderte« Deutsche» in Nordamerika und kam zunächst zu dem Schlüsse, daß sich die Deutsche» überall de» neue» Verhältnisse« sehr leicht anpaffe« könnte». Die» betreffe aber am meiste« die Ausgewanderte» au» de» soge»a»«te« bessere» Stände«»nd die Nachkomme« derselben. Diese verleugnete» sehr schnell ihre national« Herkunft und würde« a«S Deutsche« die eingefleischteste« Bank««». Bei diese» Betrachtungen sagt da»» der mit de» Verhältnisse« sehr vertraute Verfasser wörtlich: „Die niedere» Stände, die au» Deutschland einwander», bewahre» ebe« ihr««ationale A r t i« der Regel am längste» u»d treueste« auf dem amerikanische» Bode«, die höhere« und die empar- gekommeneu aber werde» am rascheste« und leichtesten Renegate» an ihrem VolkSthum. Rehme ma« uns da» in New-Aork oder i» Milwauke« übel oder»icht, t» ist eine bitte Wahrheit." So 1 Auch jenseits de» Weltmeere« find die deutsche« Arbeiter noch vo» ihrem Volksthum ganz er» füllt, während die höhere« Klasse« und die Emporkömmlinge rasch Rineaate» werde«. Also tnnerhalb wie außerhalb de« Vaterlandes find die deutsche« Arbeiter die besser« Patrioten I Daß fie de« Patriotismus anders ouffasss«, wie Mo»« fieur Deroul-de und seine deutsche« Nachbeter, oder gar wie ei« preußischer Sardelieutenant, da« ist ebenso selbstverfländ- lich wie i» der Ordnung. Der Patriotismus solcher Herren würde, wen« er allgemein wäre, da» Vaterland an die Grenze de» Abgrund« bringe», während da» Nationalgefühl der Arbeiter da« Vatnland hinführe» wird zu Ehre und Glück und zum Wohle de» gesammte» Volke». PolMsche Uellerstcht. Die sehr bedenkliche«ufnahme de« Vorschlage« eise« Riltläräternat« giebt der„Nordd. Allgem. Ztg." Anlaß zu folgendem Dementi:„Im Anschluß an die Notiz in unserer Abendausgabe vom 6. v. M. können wir unseren Lesern die bestimmte Mittheilung machen, daß die von verschiedenen Zettungen gebrachten Nachrichten, nach denen an die Melle de« Müttär-Septennat» irgend eine andere gesetzliche Grund- lege für die HeereSstärke treten soll, auf w i l l k ü r l i ch e n Veränderung meiner Verhältnisse gesagt und Rudolph ahnt i« dieser Hinficht»icht da« Geringste. Zch will die Rolle ei««* armen, unwissende», sehr beschränkte« junge« Manne« spiele«, und werde mich so auf die be« auemste Art und Weise Ludmilla näher» 18»«««. Setzt ist meine Umwandlung vollendet. Ich bin bei einem Kleider häadler gewesen u«d habe alle« gekauft, wa« erfor« derlich war, um mich wie eine» Friseur autzustaffire«, der seine» Sonntagsstaat anhat: eine kastanienbraune Weste mit gelbe» Knöpfen, ei« Vorhemdche»,«i» seidene» Hals« tuch mit«ine« ungeheuer» Knote«, ei«e» dunkelblaue» Rock u»d Zierrate a« der Uhr. Als ich mich mit diesem Putz im Spiegel sah, koante ich«icht umhin, selbst über mei» sonderbares Aussehe» zu lache«, und al« ich mich de« ehr- bare« CmuiSlieSki vorstellte, rief er au«: „Donnerwetter I Sind Sie c< denn? Wie find Sie de»« gekleidet? Und vorgestern hiett ich Sie«och für ei«e» Philosophen." Ich hatte mi, eine geschickte LuSrede ersonnen und erzählt« ihm, daß einer meiner Freunde mich al« Aufseher für sei«« Lohgerberei e«gagirt hätte. Da« ist wirklich ei« merkwürdige« Zusammentreffe«", antworte mir der Grei«. ,Zch werde Sie mit Rudolph bekannt mache». Wir wolle» ih» aussuche«. E, versteht sich auf derartige Sache« seh, gut. Ich werde Sie ihm vorstillea, und Sie werde» ihm Ihre A»gelege»h«tt au«- ewandersetze«." Unmittelbar darauf brachte un« ei» schwerfälliger Wage« «»ter fortwährendem Nüttel» und Stoße» a« da« äußerste «»de der Stadt, wo wir vor einem kleine« Hölzer««» Hause ��JDa bi» ich!' sagte ich mir.„W-lche Thorheit bi» ich w auf V. Soeben Hab« ich ei« Familiengemälde gesehe», vo» dem ich bi« dahi» nicht die geringst« Ahnung gehabt hatte. Vor einem runde« Tische saß der äste Zwa» Rudolph, seine Nachtmütze auf dem Kopfe, eine aufgeknöpfte Weste auf der Erfindungen beruhen. Im Schoß« der Regierung haben keine Erwägungen oder Verhandlungen nard dieser Richtung hin stattgefunden."— In der That ist noch kein Projett, außer dem TabakS« und Branntwelnmoncpol, einem solchen allgemeinen Widerstand— bi« in die Kreise der Nttionalservilen hinein— begegnet; die Regierung bat daher allen Grund, die ausgestreckten Fübler wieder zurückzuziehen. Selbst da« „Deutsche Tagevl." rühmt stch heute seiner Oppostlton, ei hat nämlich„gegen den Ausdruck Beiern ai sofort seine entschiedenen Bedenken erhoben"! Wenn da«„Deussche Taaebl." weiter so tollkühn auftritt, wird e« am Ende noch die Unterstützungen seiter, S d:r Regierung einbüßen! Wer trägt die Schuld? Ueberau wird e» schwer empfunren, daß die Gewerlschasten und Fachvereine von der ganzen Schärfe deS Sozialistengesetze» getroffen werden. Diese Empfindung wird nun etwa nicht auS Liebe zu den Arbeitern hervorgerufen, sondern durch eine gewiffe Beklemmung darüber, daß man durch solche» Vorgehen gegen eine Bewegung, die lediglich bessere Arbeitsbedingungen für die gro&e Masse de» Volke» erzielen will, die«eittsten Arbeiterttetse auf da« Tiefste verstimmt. Diese Verstimmung wollen nun diejenigen nicht auf stch nehmen, welche st« verschuldet haben. So schreibt mtt dem ganzen Fanatismus eines Renegaten(da» Blatt war früher arbetterfreundlich) der offiziöse„Hamburger Korr«- iDonbent" folgendes:„Die Schuld dafür, daß Fachvereine und Streikb-wegungm von der Schärfe deS Sozialiftengesetze« gr- troffen werden, fällt daher auf diejenigen zurück welche die- selben für die durch da« Gesetz oetpönten sozialdemokratischen Bestrebungen zu mißbrauchen deadftchttgen; die MaatSgewalt befindet sich lediglich im Stande der Rothwehr."- Wir haben unsere Anficht in dieser Frage schon mehrere Mal geäußert, sodaß wir un» eine« näheren Eingehen» auf dieselbe hier ent, halten können.— Wmn Jemand, der kein besondere» Ehr» gesühl defitzt,»inen„dummen Streich" gemacht hat, den cr nicht wieder gut machen kann, dann schiebt er immer die Schuld auf emen anderen— da« möge stch der in dem letzten Jahre so tief gesunkene„Hamburger Korrespondent" merken. Politische Proieffe find ein charakteristische» Kennzeichen der jetzigen«era. Dieselben gest-l'en stch immer wunderbarer. So hat nach dem„Recht auf Arbeit" in Schlefien ein Arbeiter jetzt eine Anklage erhatten, dadurch, daß er den„Sozial» demottat" a d o n n i r t e, den bekanntlich in Zürich wohnhaften Verleger diese» BlatteS zur Verbreitung verbosener Schriften angestiftet zuhaben!!! Angezogen bierfür find die§ 19 de« Sozialisten, und die §§ 48 und 74 de» Strafgesetze«. Glückt diese Anllage, waS wir nach Lage der Dinge mit aller Bestimmtheit zu verneinen wagen, so kann jeder Abonnent de»„Sozialdemokrat" al» solcher bestraft und in» Getängniß geworfen werden. Da zu den Abonnenten fast alle Polizeibehörden, größere ZettungS- redavionen und Sozialpolitiler gehören, so eröffnet stch auch für diese eine recht angenehme AuSstcht. .»« dt« Adresse der Chikagoer Auarchifte« richtet der üricher„SozioIOemoltfll" folgendes:„Nach einer im hikagoer„Po böte" veröffentlichten Aufstellung waren bis Brust und eine riesige Pfeife i» der Hand. Zu jerer Sette war ei» halbe« Dutzend seine, Kinder gruppirt, und ihm gegenüber befand sich Ludmilla. Bücher lagen ans dem Tische vor ihr aufgeschlagen. Da im Hausflur keine«livgel angebracht war,««d die Thür gerade offen sta«d. so trat»« ...----------'st». Da» j----- Je Cmi reckte, ohne seine« Lehn- wir ei», ohne««gemeldet zu ft hob sich,»ah«, aber sogleich, al« Da» jnna« Mädche» er- CmuiSlieSki erkannte, stuhl zu verlasse«, sei«»« Freunde dt« Hand entgegen, der mich ihm vorstellte. I« diesem Augenblicke wandte Lud- will», welch« mich«och«ich» bemerkt zu habe« schie«, mir de» K-pf zu. Ich grüßte jedoch so lnekisch, ich hatte ein« so«ichtsagende Haltung, und meiae Kleidung mar über- die« so lächerlich, daß fie ruhig wieder zu ihre« Bücher« Sriff und sich«icht im geringste» mehr mtt mir beschäftigte. ZieS hatte ich gerade beabsichtigt. „Zch mache Sie hiermit," sagte CmuiSlieSki zu Rudolph, „mtt dem Sohn eintS meiner alte« Freund«, Anto» Petrowitsch, bekannt. E« ist ei« braver Zunge, der Ihne« sicherlich gefalle« wird." „Zch freu« mich sehr, Sie zu sehe«,' sagt« Rudolph z» mir, indem er sich ei««««ig von seinem Platze erhob. „Bttte, setze» Sie stch; thuea Sie so, al» ob Sie zu Hause wäre«." „Womit hast Du Dich den« soeben beschäftigt?"«ahm sei» alter Freund da» Gespräch wieder auf. „Du si.hst e« ja; ich wohne de« Unterrichte bei, de» Ludmilla ihren jüngere» Geschwistern ertheilt." „Lernt Ihr sinß'g, meine Klei«««?' ftagte EwniSlieSki die Kinder.„Und wie geht e» Ihne»?" wandte er stch a» Ludmilla.„Wo ist Ihre Mutter?" Sie a»two»tet« ihm in liebenswürdigem Tone, über- wachte jedoch gleichzeittg«och ihre Schüler und erinnerte fie mtt sanfter Stimme an ihre Pflicht. CmuiSlieSki richtete hierauf einig« Fragen au» dem Gebiete der Geschichte u«d Geographie a« die Kinder, die ihm vollkomme» richtige Antworten gaben und herzlich über die Späße lachte», die er stch erlaubte, um fie in Verlegen- heit ,u setze«. „Strhst Du da, lieber Freund", sagte Rudolph;„es „fHiw. Ztg." zufolgt der jung« Mann nach England mnden. — Dort scheint fnlTch dt« Lage der au»a«vandert«n Polen auch eine filterst hübe. Der tit« arisch« Berein der Freunde Polenö in England hat an dt« Redaltionen der polnische« Zeitungen einen Lufruf gesandt, welcher von diesen vnöffent« licht wird, und in welchem dringend um Beiträge zur Linderung der Roth der Polen in Lonbon. deren»nzahl fich von Tag zu Tag mehre, gebeten wird. Unter diesen Polen bc finden fich, wie in dem Nuftufe mttgetheilt wird, viele,«eiche neuerdtngi auS Preußen aubgesiesm worden find, und fich nach England gewanst baden; manch- von ihnen haben auch die Kriege der Jahre 1866 und 1870/71 im preußischen Heere mitgemacht. »om»»sfische« Srhfremrd. Der offiziös« in russischer Sprache erschemend«„Warsz. Dniew" tritt nach der„Posenrr Ztg." in einer setner letzten Rummern mit einer Anklage gegen die in Polen ansässigen Deutschen auf, die zugleich eine Exifienzdedrobung der deutschen Fabrik» etabliffementS, namentlich im Sotno»icer Umkreise in fich schließt. Da» vlatt weift nämlich auf ben fortgesetzt steigen« den Ankauf von Grund und Boden in Polen durch Deutsche hin, sodatz bereit» mehr al« 10 pC?. de» gesamm« ten Grunddesttze» fich in deutschen H Inden vefinden. Diese Ankäufe können nach Anficht de» oifiziösen Blatte» nur auf systematische Pläne»urückgesührt werden, zumal die an der Grenze belegenen kohlenreichen Distrikte bevorzugt werden. So betrage der deutsche Gunddefitz in dem einzigen mineralreichen vendziner Kreise bereit» 13 000 Morgen.(Der Oifiziosa» scheint auf dt« dermaßen ei leichterte Einschmuggeluna der schlestschen Kohl- ansxielrn zu wollen.) De» wrtteren betont da» Blatt die Ungesetzlichkeit diese» Erwerb», da da» den Bauern gehörige Land gesetzmäßig nur an zum Bauern« stände gchönge Personen vtrkauft werden dürfe. Auf den Fall Bauer in Wirciowek fich berufend, defien von Bauern er» wordener Landbefitz trotz der inzwischen darauf erbauten Fabrik« Sebäude laut G-rtcht»beschluß auf dem Wege der zwangsweisen -etldietung wieder veräußert wurde, verlauzt der Olfiziosu» ein gleiche» Berfahren gegen die in Eoinowic« erbauten beut« schen Fabriken„über welchen nunmrhr da» Schwert de» Da« moklet hänge". Da» Blatt befürwortet schließlich«in« b a l>- dige Aktion, da sonst die Verjährung eintreten könnt«. Der deutschfeindliche Artikel de» mit dem G-neralgouoerne' ment in direkten Beziehungen stehenden Organ» muß Aufselxn erregen, da e» unter der neuen Redakiion zum ersten Mal gegen die im Jnlonde ansäsfigen Deutschen eine feindliche Stellung nimmt. Unter diesen Umständen kann e» nicht zweifelhaft sein, daß die prvjekttrten, die Industrie in Polen schädigenden Maßnahmen in G-neral. Gouverneur Gurko einen Fürsprecher haben. Jnsoser« hat die stch geltend maopende Animosität anscheinend bereit»«inen Erfolg, al» von der Gründung neuer Fabriken durch Deutsche nicht» mehr zu hören ist. Reue Privatpofte« schießen jetzt wie Pilz« au» der Erde hervor. So meldet man heute au» Hamburg, 6. Oktober: Eine Privatpost wird nun auch in unserer Stadt in Konkurrenz mit der Reichtpost treten. E» hat fich nach dem Muster der „Hansa" in Berlin eine„Hamburger Brtesbefvrderungsanstatt Hammonia" gebildet, die bereit» am 15. Oktober ihre Thätig« keit eröffnen wird. Der Portotarif ist schon festgestellt, und zwar«erden Zirkulare und Zeitungen für 1 Pf., vriefkarten für 2 Pf. innerhalb der Stadt befördert werden. Dreihundert Briefkasten sollen in den Straßen angebracht«erden, so daß also in jedem StadltHeil genügend viele vorhanden sein dürsten, um dem vorläufigen Bedürsniß zu entsprechen. Mit dem Btlkauf der Marten und Briestarten der„Hammonia" wird am 10. d. M. begonnen werdrn. Zu««tue« Telegraphentartf. Mehrer« mitteldeutsche Handelt'mporationen deschwffen, um die Herabsetzung der Woitlax- für inländische Telegramm« auf 5 Pfennig(Minimum auf fünfzig Pfennig) zu pettttoniren. Rußland» Ueber den Aufenthalt de» Zaren auf Schloß Lu« bochevka in der Nähe von Warschau wird der„Pos. Ztg." nachträglich von dort geschrieben: Di« Warschauer Zeitungen dursten nur die kurzen Berichte de»„Amttbl." reproduziren, auf welche fich auch die au»län0isch: Preffe beschränken mußte, da während de» ganzen Aufenthalt» mit Ausnahme einer Baunntzeputation Riem and zum Kaiserpaar vorgelassen wurde. Da» Aufgebot der Bewachungsmannschaften war auch ungewöhnlich groß; denn abgesehen von der Leibsuite de» Kaiser», der Petersburger Geheimpolizei und der gesammten Gendarmerie de» Petritauer Gouvernement», waren von sämmt- liehen GsuvrrnementSfiädten Polen» und der benatbarten rulstschen Kreise die Poltzeiches» in Begleitung ihrer ältesten und zuverläsfigsten Untergebenen zur Dienstleistung delegirt worden. Ueber die vor Ankunft de» kaiserlichen Paare» ge» troffenen Borfichttmaßregeln wird nech berichtet: Schon vierzehn Tage vo-her durste stch Niemand ohne Erlaub« nißschetn de» Jnt-ndanien der kaiserlichen«efitzungen auf mehrere Werst in der Runde dem Jagdschloß nähern. Ein Ingenieur au» Warschau, welcher zufälliger Weis« die Revifion einer Brücke auf der Jwangorod-Dombrosaer Bahn, die der kaiserliche Zug passtren mußte, vornehmen wollte, wurde von einem Genoarmen in Ermangelung de» Erlaudnißschetn» vrr« haktet und erst nach 8 lägiger Gefangenschast aus Grund einer ReRamction der Eisenbahn behörd« freizelaffen. Bereit» stüher brachten wir an dieser Stell« Nittheilungen über Anklagen, welche gegen den General A n n e n k o w'» den Elbauer der transkaspischen Eisenbahn, erhoben worden sind. Dm Gerüchten über Veruntreuungen folgten nun, wie«an der„Köln. Ztg." mittheilt, solche über grobe Willkürlich ketten, die fich auch, wie e» scheint, vollbe« ftattgm. Mehrere sehr bezeichnend« Beispiele werden ange« führe, die ein grelle» Schlaglicht auf dm Charakter de» General» Airnmlo« werfen. So war er einmal zur Bestchtt» gung einer B.unnmanlaa« in einem Sonderzuge an einer Starton angekommen. Während der Besichtigung kam ein fahrplanmäßiger Zug an und der Bahnhoks-nipelior ließ de» Sonberzug de» General», im Glaudm, daß letzterer nicht so bald von der Bestchtigung zurückkommen würde, auf ein Reben» aeleise fahren, um den andem Zug vorbetzulaffen. In diesem Augenblick kam der General zurück und konnte natürlich nicht sofort seinen Zug besteigen. Darüber war er so erzürnt, daß er, fich auf die Richte de» damal» noch herrschenden Krieg»- zustande» berufend, befahl, den BahnhofSinspektor zu erschießen. Wirklich wurde alle» zun» Vollzug dieser Handlung vorbereitet und der Arme stand bereit! vor einer Adthe.Uu.cg Soldaten und erwartete derm Kugeln, al» der General, durch die dringendsten Vorstellungen seiner Umgebung bewogen, nun doch beschloß, von seinem Vorhaben abzu> stehen und ein BegnadigungStelegramm de» Kaiser» vorzu- schützen. Belgien. Der„Voff Ztg." wird aefchlieben:„Die fortdauerndea Kundgebungen, welche die Arbeiterpartei in Bete gim veranstaltet, wachfm nachgerade dm Kommunalvenvate tungm der Städte und Ortschaften in dm Ardeiterzentren übet den Kopf. Zur Austechtha'.tung der Ordnung, für die str ve&- antwortiich find, reichen ihre Kräfte diesm Arbeitermaffen gegm« über nicht au» und so rufen alle Behörden nach Gendarmen und Soloatm, die da» Ministerium selbst beim beste» Willen nicht überall hinsenden kann- Aber der Generalrath der Ar« betterpartei will die Brhördm in Bthem und die Arbeiter in der Erregung«halten. Ebm ist erst eine Kundgebung für da» Bassin Charleroi zum 2. November für da» allgemeine Wahl» recht beschloffm, da ordnet„die Föderation" nicht nur Monstre« Petitionen, sondern auch eine Kundgebung aller Arbeiter Bete gier.» für die Amnestie am 31. Oktober an. Sie soll gleich» fall» in Charleroi stattfinden,„deffcn Lasfin", so heißt e» in lür Ordre,„mindesten» 20 000 Arbeiter stellen muß." Der Brüsseler Bürgermeister hat rundweg erklärt, daß er für die nächste Zeit kein« Kundgebung gestatten wird; derselben Anficht ist der Liitticher Bürgermeister. Die Gmter Sozialifim hatten «ine große Kundgebung für den Tag angekündigt, an dem ihr Führer Anseete da» „.. jntß verläßt. Sammellisten gingen schon seit Woche» in den ti.detterkreiftn herum, er sollte„im Triumph" abgeholt werdm. Der Genter Bürgermeister hat diese Kundgebung verboten. In Folge deffm ruft der„Peuple" alle Arbeiter Belgien» auf, an dem Entloffungitage in Gent zu erscheinen, um Protest zu erhebm. Die Agitationen werdm mit aller Kraft belrteben, und wie mächtig die Organisation vorschreitet, mag nur ein« Thatsache beweise»: Di« Arbeiter» Ligen de» Ba'stn Zentre zählen jetzt 23000 feste Mitglieder, die regelmäßige Beträge zur„Widerstand»« und Stretkkaffe" einzahlen. Kra«?reich. Der..Gauloiß" empfiehlt, die Weltausstellung statt auf 1839 auf 1690 anzusitzen Erst dt» dahin seien die schwierigen Arbeiten für die Metropolitanbahn. welch« die Straßen von Pari» mit Trümmern, Staub und Schmutz be» decken, fertig, und dann:„Hat Herr v. Freycinet in feiner Toulouser Rede n'At zugestanden, daß ein Drittel von Frank« reich konservativ ist? Streiten wir mit ihm nicht über die Zahl. Wie viel fie aber auch betragen mag, die republikanische Mehrheit hat nicht da» Recht, au» der Aeußerung«in« Partei- fache zu machen. Mögm die Republikaner 1389 nach Belieben feiern, aber fie dürfm nicht verlangen, daß ihr Jatodinerfeft ein allgemeine» werde, welche» drei Bieitel Frankreich» ob« weism müßten."— Die Republikaner scheinen fest entschloffm. auf die Zentennarfeier de» Beginne» der Revolution nicht zu verzichten. Di« indirekten Steuern de» Sevtember ergaben drei Millionen weniger al» im September 1885— ein Bewei», wie sehr der Geschäftidruck auf Frankreich lastet. GrohbritEANte«« Lord Churchill mit seinem ungewöhnlich festen und energischen Auftreten ist heute der Mann de» Tage». Seine Reise nach Berlin und Bar, in verleiht seiner Rede in Dartfor» eine noch höhere Bedeutung, al« der AuZlaffung eine» hervor« ragenden englischen Mimster» über die wichtigste TageSstag« der emopärschen Politik an fich bereit» gebührt. Ein« Prüfung zum 30. August für den Prozeßfond» der im Lombenprozeß Angettagten gegen 24000 R. eingegangen. Damit find aber noch nicht einmal die Kosten der erstm Instanz gedeckt,«» fehlen vielmehr zur Deckung derselben noch etwa» über 3200 Mark._Füt die Verlheidtgung allein mußtm bisher zirka 23000 M. verausgabt werden. E» kann un» natürlich nicht einfallm, au» dtelm Zahlen irgend eine Folgerung für die Rtchttgkett bezw. Unrichtigkett der anarchistischen Lehren her« teilm zu wollen; wohl aber find fie eine drastische Illustration für die Ttraden der Verehrer der Bomben, und Dynamit« taklii, welche nie genug die Billigkeit ihreS Untver- salheilmittet» gegenüber der verruchten„gesetzlichen Agitalton" zu kpreism»ermochten. Die.chimmlilche Bombe" erwetst sich al» ein recht kostspielige» Ding."— Die„Nordd. Ulla. Ztg." druckt diese sehr zutreffende Notiz in ihrer Zei ung»- schau ab. Da» wird natürlich da» Kanzlerblatt nicht hindern, bereit» morgen wieder Sozialisten und Anarchisten in einen Topf zu werfen und gegen beide gemeinsam zu Hetzen. Seinem Publikum darf e» ja alle» bieten. Der Rubel auf Reise«. E» erregt große» Befremden, daß besonder» in der offiziösen, gouvernementalen, lonser« vatioen und nationalltberalen Preffe Deutschland» den Bul- Ken fortwährend der Vorwurf gemacht wird, daß fie dem bei allzu zugänglich seien. Nun liegt ja etwa» Wahre» d««m, daß die Bestechungsversuch« der Ruffen bei den Bul« garen nicht auf ungünstigen Boden fallen. Da» beweist ja auch«in Aufruf der reaterungSfreundlichen Parteien in Sofia, die vor dem rusfischen Rubel warnen, und zwar die Os filiere und Soldaten.— Aber diele» sonderbar« Ding, der„ruistsche Rubel", war einst auch in Deutschland berühmt. Wer kennt nicht da» Gedicht vom Grafen von Platen:„Der Rubel reist im deutschen Land, der frommen Leuten frommt, und jeder öffnet schnell die Hai d, sobald der Rubel kommt."— Und später heißt e» in demselben Gedicht:„De« Norden» Stern- dilv wird betränzt vom Sängerchor de» Tcut: e» ist der Rubel, der so glänzt, der so da» Aug' erfreut."— Mit dem „Sängerchor de» Teut" meint der Dichter alle Poeten und Schriststeller in Deutschland, welche die sogenannte„heilige ZUltanz", in der Rußland bekanntlich die erste Violine spielte, verherrlichten. Diese» waren die Herren, welche zur konser« vativen, r«gterung»freundlichen Partei gehörten, ein« tüchtige Portion Frömmigkeit besaßen, die fteistnntgen Leute(Dewa« gogen) im Vaterlande verlästerten und eine Hetzjagd gegen fie tot ließen» während fie selbst mit einem Auge zum Himmel, mit dem anderen auf den rusfischen Rubel schielten.— Sollt« da» Platen'sche Rubellied nicht auch h-ute noch zutreffen 1 1 Ueder de« Nachfolger Lothar Bucher» im AuSwSrtigen Amt, Wtekl. Legaiionirath K a y f« r, schreibt man der„F or.lf. Ztg.":„Herr Kays« war vor nicht allzuvielen Jahren Stadt« lichter in Berlin und pflegt« die Mußestunden, welche ihm seine richterliche Thätiglett ließ, damit auszufüllen, die jungen Herren, welche stch der diplomatischen Karriere widmen wollten, für da» sogenannte diplomatische Examen voezubereiten. In dieser Beschäftigung i r a t e r d er F a m i l i e de» F ü r fie n Bismarck näher und die» eröffnete ihm lein« ausficht». voll« Laufbahn."- Ja. ja. so geht e» in der«rite Tritt zw««., wie Kayser oder Schwenniger dem Fürsten Bismarck „näher", so wird man mtt einer„au»fichtivollen Lausbahn" belohnt, und tritt man ihm«teder„zu nahe", so hält man stille Einkehr in Plötzmsee. Noch über die richterliche Thättgkeit de» Amt»« gericht»rath» Fraucke erfährt man jelttame Dinge. Die „Voittztg." oeröfftniltcht ein Schöffengericht»«Urtheil, unter« »Achnet„Francke", worin mehrere steistnnige Männer wegen Störung der SonntagSfeier verurtheilt werden, weil sie am 15. August in Ratzedurg unmi t-idar nach der «irchenzett Vormittag» Wahlaufrufe und Stimmzettel in die Häuser getragen haben. In diesem Thun der«ngellacten, so heißt e» in den Gründen. liegt unzweifelhaft„die Störung einer würdigen SonntagSfeier. welche Ruh« und Enthattung von weltltchm Dingen dedingte" Da« Unheil macht einen um so seltsameren Eindruck, al» am zweitfolaenden Sonntag, am 29. August, der sozialistische Kandidat Moltenbuhr in seiner „Ruhe und Enthaltung von weltlichen Dingen" durch jenen «rief de» Amt»gerichi»rath» Franck.. gestört wurde, welcher den Bestechungiversuch enthält. Poluische». Für den ganzen Regierungtdezirk D a n z i g, nicht allein für die Kreise Danzig und Martenburg, scheint die Bestimmung getroffen worden zu sein, daß der katholische Re» ligioniuntenicht in den Volksschulen ausschließlich in deutscher Sprache ertheitt werde; denn eine derartige Verfügung ist neuertzing» den Lehrern in der KreiS-Lehrerlon» keren» zu Neustadt vorgelesen worden. Der„Kmyer Pozn." berechnet dt« Anzahl derjenigen polnischen Schullinder im Re» gierungSbezirk Danzig, welch« auf diese Weis« de» Religion»» Unterricht» in polnischer Sprache beraubt seien, auf 50000.— Au» Slbin g wird eine neue Au»ivetsung gemeldet und zwar betrifft fie diesmal den HandiungSgehilfen Orgelkowtkl, deffen Vater vor ca. 15(!) Jahren mtt 5 Kindern von der Regierung zu Marienwerder naturaltstrt wurde. Eingelegte Reklamattonen find fruchtlos geblieben und e» wird fich der berettet mir Vergnügen,«ach Tisch dem Unterrichte beiur- wohne«. Ich fitz« gern in Mitten dieser Blondköpfe uud höre zu, wie Ludmilla ihnen au» der Bibel vorliest." „Wir habe« Sie tu Ihrer Lektüre unterbrochen", sagt« Cnmälteski. „Ruu de»«," rief der Vater;„fahre fort, liebe Tochter." Ludmilla warf«ach der Richtung, wo ich faß, eine» späheudea Blick. Ich senkte die Augen. Ich saß mtt schüchterner Miene am Rande meine» Stuhle« und dreht« de» Uhrschlüfiel in meine» Hände«. Sie«ahm eiv« de» vor ihr««»gebrettne« Bücher und la» die unvergleichliche Stell« au« dem MattheuS'Evangelium vor: „Glücklich, die da wettu«, den» fie werde« gettöstet werben." „Glücklich, die da armselige» Geiste» find, den» da» Htmmelreich gehört ihn«." „Glücklich, die da armen Herzen« find, de«, fie werde» „�üMcklich, die da um der Gerechtigkett will«» Ver« folanuge« erleiden, den» da» Himmelreich gehört ihnen. Sie la» diese Verse mtt sanfter, ei« wenig zitternder Stimm«, dann erklärte fie ihre« Schüler» den Sin» derselben. Wie schön war sie in diesem»ngenblick! Welch' sanfter AuRdruck schwebte auf ihrem Gesichte k Met» Freund«nd ich hörte» im tieffie« Stillschweige» zu. Ihr Vater hatte sei«« Pfeife bei Seite gelegt und die Kleine» blickte« »tt Ehrfurcht auf fie. Ihre Sprache wsr so einfach und so kl«. Ihr« Seele lag in ihre» Worte» enthüllt. Plötz» lich drehte sie ihr Köpfchen und enöthete, wie wen« fie fich schämt«, durch die Ungezwungenheit ihre» Unterricht» unsere Aufmerksamkeit derarttg tu Anspruch genommen zu haben. „Für heute ist e« genug," sagte fie, indem fie ei» Zeiche» i« ihr Buch legt». „Noch«in bischen, liebe Schwester." rief ein kleine» Mibche» au» und schlang ihre beide« Arme um Ludmilla'« Hol». Z« Vorzimmer wurde eine lärmende Stimme ver» »ehmb« „Wie, der Samowar ist»och nicht zurecht gemacht, und ich bringe Gäste mit! Wo ist die Zdiottu?" „Gäste," sagte Rudolph,.und in Begleitung meine, Frau! Bitte, komme« Li« i» mein Zimmer." Die arm« Ludmilla I Wie bleich sie plötzlich wurde uud wie erschreckt sie aussah. Wie eilig fie ihre Bücher zusammenraffte uud de» Tisch deckte. Rudolph ging hiuau» und wir sah«««ine schwerfällige, korpulent« Frau erscheinen, welche einen gelbe» Hut und ei» karrtet«» Kleid trug. „Wa» bedeutet da»?" rief fie au«..Wa« habt Ihr bi» jetzt getrieben! Wo steckt Charlotte s Wo ist Philipp? Ist er wieder betrunken s Wa» hockt Zhr da zusammen?" Cmu>»l« Halbinsel ein Halt gebieten. Die Aenderung in der auswärtigen Politil Englands, welche Churchill auf die veränderten Zeiten und Sachverhaltniffe jmücksührte, offenbart fich nach der„Voff. Zta." nicht als«ine Aenverung der Ziele, sondern nur alS eine «enderung der Mittel, mit welchen diese Ziel« erstrebt werden sollen. Dem gegenwärtigen englischen Ministerium gllt eS, wie allen seinen Vorgängern, als ein Lebeniintereffe Englands, daß die Unabhängigkeit SüdeuropaS von russischem Einfluß erhallen bleibe. Während man aber früher dieses Ziel durch die Stärkung und Unterstützung der Türkei erreichen>u können glaubte, haben jetzt dti auf ver- einzelte Persönlichkellen die englischen Staatsmänner aller Paiteischattirungen, durch die Erfahrung gewitzigt, die Hoff- nung auf die Wtderstandtfähtgkell deS kranken Manne? völlig aufgegeben. Andererseits erblrckt man in der Haltung Oester» reich?, wie ste in der Sied« de» ungarischen Ministerpräsidenten zum AuSSluck gelangt ist, die Gewähr, daß die leitenden Per. sö lichl.iten in Wien und Pest, gestützt auf daS Bündniß mit Deutschland, fich der Pst«cht bewußt geworden sind, daß Oesterreich. Ungarn als südöstliche Vorhut deS ziviltfirten Europas Vi« eigene Großmachtstellung durch Ergrei'ung der diplomati« schen JnUIative in dem Widerstände gegen Rußland bethätigen 5"!� a I U b w t g hatte bereits daS Bekanntwerden wl»bsdjltiffe? eines engeren BündniffeS zwischen Oesterreich mV Deutschland all ein«„sehr erfreuliche Lotschaft" begrüßt. iSIadstone aber, noch immer unter dem Bann der Idee einet nölker- urd sreiheittfeindlichen Oesterreich aui Metternich'scher Zeit stehend, hatte seiner Abneigung gegen die babSburgische Monarchie durch den berüchtigten«uispruch„Hände fort!" Im Jahre 1880«inen drastischen Ausdruck verliehen. Die nachfolgenden Ereignisse klärten den leitenden liberalen Staats» wann Englands und seine Parteigenoffen bald darüber auf, daß daS so viel heiße all eine Aufforderung an Rußland, fiine Hände darauf zu legen. Die wenig berechtigten, auS dem bulgarischen Kriege stammenden Sympathim für daS russische Staatswesen, welche noch in Gladstone'S Brust vorhanden waren, erhiellen einen argen Stoß durch daS rücksichtslose Vorgeben russischer Diplomaten und Grenzgenerale in dem afghanischen Srenzstrelle. Und wat davon etwa selbst diese Enttäuschung noch Überdauert hatte, wurde sicher völlig vernichtet durch daS Benehmen, welche? der Befreier der Bulgaren seinem angeblichen Schützling angedeihen ließ. So ist«S erklärlich, daß die Konservattven ihrer alten Türken« freundschaft und die Liberalen ihrer vorübergehend bekundeten Vorliebe für Rußland als geborenen Ordner der Balkanhalb« insel entsagen und nach neuen Bundesgenossen zum Schutz der jungen Freiheit und Unabhängigkeit der valkanvölker und der ganzen europäischen Kulturwelt stch umthun müssen. Wie weit da?„Boykotten" in Irland geht, davon «llfert folgende fast unglaublich« Thalsache einen Beweis. Ein Mann, Namen? Michael Hill, der nebst seiner Familie ge- boyloltet wird, well ste für«inen unpopulären EutSherrn ar« •nwn, konnte in der Stadt Edenderry keinen Sarg kaufen, um seine Mutter zu begraben. Er wandte fich vergebens an drei Sarghändler, obgleich ste ihm wenigsten? soweit halfen, ali ste thun konnten, ohne von den Spionen der Nationalliga entdeckt zu werden. In Poitree, auf der schottischen Insel Skye, kam da? Truppenschiff„Humder", mit 100 Marinesoldaten an Bord, an. Letztere, sowie die Polizei, sollen dm GerichtSdienem als Schutz dienen, welche genchtiiche Befehl« wegen rückständiger Pachtzins« zu behändtgm haben. Unter der Bevölkerung herrscht große Aufregung. Italien. ES ist Thatsache, daß Italien zum Schutz deS Nittel« «eereS gegen russtfche Einflüsse Fühlung mit England und Oesterreich. alS mllbetheiligtm Mächten, sucht. All« llalienische Blätter drängen auf dm Abschluß«ineS solchen EinvernehmmS, daß von der RegierungSprefft indirekt auch anerkannt wird; tut„Popolo romano" bestreitet bloß, daß England fich bereits defiattiv gebunden habe. Spanien. Außer den Minister« des Kriege» und der Marine wollen, nach dem«Berl. Tagebl.", jetzt auch, auS verschiedmen Gründen, die der Justiz, der öffentlichen Arbeiten, de? Unter- richtS und der Kolonien zurücktreten und haben nun sämmt» liche Minister dem Premierminister Sagasta ihre Portefeuilles zur Versügung gestellt. Letzterer wünscht aber, daß das jetzige Kadinet, dm in möglichster Bälde einzuberufenden Körte» aegmüber, seinen Bestand behaupte, indem eine KabinetSver- anderung nur wettere Pronunziamiento« befürchten lasse, wenn diesm jedesmal eine Ministerklist folge. Man glaubt übrigen», daß eine etwaige Kabinett oeränverung im liberalen Sinne auSfallm würde. Szepter führte. Ich erhob mich, bat um Erlaubaiß, wieder» rommeu zu dürfe», u»d mtfenrte mich. Zwei voll« Woche« habe ich ununterbrochen mit der »rnnUie de« Handschnhmach«» mich befchäfttgt. Mi» F««nd hp mit sei.« Schicksale erzählt. ....�?ch!»»?. h«tt« Rudolph i» Deutschland die Tochter "V.Pastor« Imm» gelernt, welche ihm Ludmilla schenkte Seit daraus starb. Nach Tage« bitterer Traner {sü*.- baß er allem da« HauSwes« nicht leite» sich mit einem starkgebaute«, kräf» fich vor ihr, auch'hr Gemahl war ihr vollständig unter- thättgkeit seiner Frau.(Forts, folgt.) Au« Knust und Zeven. Walluer-Tbenter. Da» stier unverwüMiche Blitzmädel ist für die Diretttoa de««allner- Theater, ein neckifcher Kobold. Wmn auch der letzt« Sonntag«in auSoerkaufte» Hau, brachte, so mußte man doch darauf gefaßt fein, daß die Wochmein- nahmm nachlast« und dl« Anfführung de» nächsten Repntoir. Mck«S(Der Soldonkel) erheischen würdrn'. � Indessen muß die Premiere deS S-lbonkel» angeficht» der täglichen vollen Häuser de»«litzmätzel» vtmünftige. weise abermal» verschoben werden und bleibt da» Blitzmädel jedmfall» über dm kom- wenden Sonntag binauS auf dem Rmertoire._ tin verunglückter Lustschiffer. Am vorigen Sonntag stieg, wie wir dem„Reo. Beod" entnehmm, au» dem Zirku» Schumann in Helsingfor»»in Luftballon empor, den ein ge- wisser Mr. Satt auf einem am Ballon angebrmbtm Trapez begleitete. Der Ballon nahm, in einer gewlffen Höhe«ige- langt die Richtung auf» Meer und zwar trieb der Wind ihn zu dem vor Sveaborg gelegenen Lootsmthurm von Grähara. «m Sonntag Abend wurden der Ballon und die Schwimm- blasen, die Herr Sa» mit stch sührte, in der Nähe de» be- BalksmILisder. Die Rundreise de» General» Kaulbarl durch vul- garten unterliegt in der mropäischm Pr-sse nach wie vor vm verschtedmstm Deutungen. Manch« Blätter erwerten, daß der Rubel in Sofia irgend einen Putich«ittgm«erde, und nehmen an, daß der General rechtzcittg Fürsorge treffe, um sein Alibi nachzuweisen. Andere beuten die Rundreise al» ttne verhüllte Abreise, wieder Andere erinnem an Gladstone'S Ver« legenhittStheorie, daß die polttische WeiShett der Völker in gleichem Maße mit der Entfernung von der Hauplstatzt zu- nehme, und netgm der Anficht zu» daß Kaulbar» die Stellung der bulgarischen Regierung von der Peripherie auS zu er- schüttern versuche. Die Auffassung der bulgarischen Regierung eraiebt fich au» der Erklärung, welcke Herr RatschewUsch, der Minister de» AuS-oärtigen, dem„Standard" zufolge, Herrn Nelliudow gegenüber abgegeben bat. Ratschrwitsch dtttet Re> kliudo», den General auf die Mtßlichkett der Reise unter den gegenwärrigen Umständen aufmerksam zu machen. Die bul- garische Regierung habe mit Schrecken und Entsetzm vernom- mm, baß Kaulbar» am Sonntag fich in einer VoltSoersamm- lung den Launen und der Leidenschast einer unverantwortlichen Menge ausgesetzt habe. Obgleich die Regierung natürlich strenge Weisung geben werde, um dm Vertreter de» Zaren durch die größten VocfichtSmaßregeln gegm Belästigungen zu stchern, so liege che andererseits doch die Pflicht auf, he.vorzu- heben, daß, abgesehen von der erregten LolkSstimmung, eine lleine, aber leidenschaftliche und gewissenlose Opposttion vor- Händen sei, welche nicht zögern werde, etneRißhandlung de» russischen Vertreter» zu veranlassen oder s e l d st z u v e r ü b e n, um die Regierung in neue Schwierig- leiten zu verwickeln. Auf die Bemerkung Nekliudow», daß die Opposttion nie fähig fein werde, zu derartigen Mitteln zu greifen, erwiderte Ratschewitsch, die Regierung fei im Besitz von Nachrichten, daß ein solcher Plan thatsäch- lich auSgeardettet und angenommen sei. Vergleicht man mit dieser Erklärung, bei der man natürlich nicht vergeffm darf, daß der Parteihaß auch dm Blick der Regierung trüben mag, die Aeußerung deS General», er fürchte feindselig« Kund- gedungen nicht, wmn er jedoch der Gegenstand eineS lörper- lichen Angriffs wäre, würden bald 100000 Mann kommen, so wird«an die Besorgnisse, mit dmen die vulgaren die Reise deS lusstfchen Agenten bealeiten, vollkommen begreife»'.— Seit einigen Tagen find in Sofia Gerüchte über Revolten der Truppen in Barna, RuftsSut und Schumla verbreitet. Di« Regierung stellt diese Gerüchte in Abrede, doch ist auffallend, daß fi« stch nicht ersticken lassen. Kaulbar» trägt jedmfall» viel zur Verbrettung solcher Gerüchte bei. Auf der Fahrt von Vratza nach Plewna hat er in einem Dorf die Lauern nach den Steuern und der Verwaltung gefragt und dieselben aufgefordert, Beschwerden an ihn zu lichten. Er erzählte dm Lauem ferner, daß die Arme« unzufrieden und einzelne Re- gimenter bereit seien, nach Ttrnowa zu marschiren, um die Ge- fangen«» zu befreien. Dem Gouvemeur von Schumla ließ er durch den dortigen Konsul einm Brief üdeneichm mit dem Best hl, die gefangenen Offizier« fteizulaffm. Der Kriegs- minister«rtheilte auf«ine Anfrage de» Gouverneurs die Ant- wori. nur den Befehlen der dulgarischm Regierung zu folgm. In Schumla erklärte stch die Bürgerschaft in einem Wahl- meettna für die Regierung. Auf Verbot de» KriegSmintster» d-theiliaten sich die Offiziere an demselben nicht. Zankow ver- sendet Zirkulare, welche Wahlenthattung predigen, er soll aber in geheimm Zirkularen da» Gegentheil anrathm. «frika. Die dm Engländern difreundeten Eingeborenen erstürmten noch lebhaftem Kampfe daS seinerzeit von O S m a n Digma befestigte und besetzt gebaltene Tamai. Die Besatzung von Tamer ließ gegen 200 Todte, viele Verwundete und mehrere Gefangene zurück. Ein Nesse OSman Digma't befindet fich unter dm Tobten. Der Verlust der Eingebormm beträgt gegm 20 Todte und ebm so viel Verwundete. Gerichts-Ieiwng. ReichSoertchtt-Entschetdnrigen.(Nach»ruck verboten.) Leipstg, 7. Oltober.(Bestechung.) Bei der Firma R. u. K. in Berlin erschim eine» Tage» der Schleusenmeister Schmidt und erklärte, e» sei Sitte, daß beim Durchschleusen der Kähne seitens der betreffenden Sigenthümer ihm, dem Schleusen» metster, lleine Trinkgelder gegeben würden. Da«S ihm aber unangenehm sei, von jedem Schiffer«inen einzelnen Groschen anzunehmen, f# wäre c» wohl besser, wenn ihm ein gewisser MonatSdetrag gewährt würde. Die Firma war damit einoer- standen und gewährte ihm monatlich 16 M. Eine ganre Zeit lang hat Schmidt dann diesm Betrag erhalten. Seine Gegm- leistungm bestanden darin, daß er die Schiffe jener Firma schneller oder früher durchschleust« al» andere. Er hatte aber unberücksichtigt gelassen,»aß er alS Beamter de« FiSlu» Ge- schenke für in sein Amt einschlagende an stch nicht Pflicht- widrige Handlungen nicht annnehmen dürfe und wurde de» halb wegen Bestechung angeklagt und verurtheitt. Seine sagten Lootsenthurme», die Stbwimmdlasm weit entfernt von dem Ballon, gefunden. Herr Sak» selbst dagegen war und bleibt verschwunden. Am Dienstag wurde in der Polizei ein Vt'hör mit der Besatzung de» Dampfer»„Toivo" abgrhaltm, der al? erster nach dem Unglückssalle an der Stelle eintraf, »o»er Ballon tnS Meer gefallen war.»u» diesem Verhör ging indessen nicht» hervor, woraus man einen befttmmten Schluß betreff« de» Schicksals des verschwundenen LuftschifferS ��Theatterskandal in Pari«. Ueber einm riesig«« Tbeaterskandal, welcher am ö. d. M. im Theater«KStHau d'E&u in Bari» inszmirt wurde, wird folgende» berichtet: Dre srÄWÄÄÄW« ÄXÄlÄ Oesterreich und Belgien hätten gegen die«ussührung de» ÄÄÄÖÄTn.ÄÄß ■ Revision, welche kürzlich den n. Strafsenat de» Reichsgerichts beschäftigte, destrttt, daß ihm die Beamter qaalttät zukomme. Da» Durchschleusen sei kein Att der StaatSauioritSt. sondern werde vom FiSku» als Brivatindustri« betrieben. DerReichSanwalt erachtet« aber die getroffene Feststellung al» durchaus zuttessmd und beantragte dahir die Verwerfung der Reviston. Die öffmt- lichen Kanalanlagen seien nicht dio» al» Eigenthum de» FlSkuS im vrivatrechllichen Sinne anzusehen, sondern ste feien auch al? öffentliche BerlehrSstraßen der Polizeiausstcht unterstellt und die zur vedimung der Schleusen bestellten Leute befänden fich daher im Dienste eines Bundesstaate». Da» Reichsgericht verwa-f sodann im Anschluß an diese Ausführungen die Reviston. Leipzig, 7. Oftober.(Ein„H. ilkünstler".) Der früher« Kaufmann Daniel Christoph Picker in Wilhelmshaven hatte nach Durchlesung e. Niger homöopathischer Schriften die Eni« deckung gemacht, daß er ganz gut im Stande sei, irgend welche Krankheiten zu hetlm. Wohl glückte e» ihm manchmal, wie auch fludirten Aerzten, daß seine Patimtm trotz seiner„ärzt- lichen" Hilf« gesunveten, aber einmal hatte er doch einm mt- scht'dmen Mißerfolg und dieser brachte ihn wegen schwerer fahrILiftger Körperverletzung auf die Anklagebank. Ein Kind der Eheleute E. litt an dm Augen und wurde von ihm de- handelt; trotz seiner Künste wmde da» Leiden schlimm« und die Zuziehung eineS Spezialarzte» immer mehr geboten. Picker ordnete aber trotzdem nur Wafchunaen an und hintertrieb die Zuziehung eine» Spezialarzte». Die Folge hiervon war die vollständige Erblindung de« Kinde» auf beiden Augen. Da» Landgericht in Aurich stellte nun auf Grund sachverständiger Gutachten fest» daß die Erblindung nicht eingetreten wäre, wmn da» Leidm sachkundig behandelt worden wäre. Zwar würde immerhin da» Sehvermögen erheblich beeinträchtigt worden sein, doch wäre e» stcher soweit erhallen geblieben, daß da» Kind Stöße« Gegenständ« erkennen könnte. Wetter wurde festge« ellt, daß der Angeklagte nicht einmal die alleraewöhnlichsten medizinischen FachauSdrücke kmne und ärztlich« Kenntnisse gar nicht besitz». AlS geradezu frivol bezeichnete da» Gericht eS. daß er die vom Vater berett» beschlossen« Kur bei einem Spezial- arzt in Oldmdurg verhinderte. Die Fahrläsfigkett, welch« in seinem ganzen Thun liege, werde noch dadurch erhöht, sagte da» Uetheil weiter, daß er au» der Behandlung von Krankm «in Gewerbe gemacht habe. Da» Unheil lautete auf eine längere Gifängnißstraf«. In seiner Revision, die vor einigen Tagen den M. Strafsenat de» Reichsgericht» beschäftigte, sagte der Anaekiagte, er sei Homöopath und nehme al» solcher, wie die Eheleute E. auch wußten, lein« Overattonm vor. Dm Regeln der Homöopathie habe er aber nicht zuwider gehandelt. Er habe dt« Vernehmung eines homöopathischen Arzte» al» Eachoerständiam beantragt; dieser Antrag sei aber abgelehnt und er deSbalv in seiner Venhettigirng beschränlt worden. Im Uebriaen dürfe ein homöopathischer Pfuscher in Beziehung aus Fihrlaisigkitt nicht ander» behandelt werden, wie ein Arzt. Der RetchSanwitt bezeichnete die Revision al» unbegründet. Die piozrssuale Beschwerde mtbehre schon deshalb der Grundlage, weil der Antrag auf Ladung«ine» homöopathischen Sachverständigen nicht in der Hauptoerhandlung wiederholt worden sei. nachdem er in der Voruntersuchung abgelehnt war. Der Angeklagte lönne fich über ungerechte Bmrtbeilunq seiner That nicht beklagen. Derselbe habe fich vermessen, Menschen zu kuriren, ohne irgend welche ärztliche Vorbildung zu besitzen. Er halte«» sü: eine schwer qualifizirdare Kühnheit, wenn ein Mensch, weil er ein paar Bücher gelesen und ohne daß er einen Kursu» al» Heilgehilfe oder derql. durchgemacht hätte, sich anmaßt, fich mit Aerzten in eine Reihe zu stellen und von einem wissenschaftlichen Systeme zu sprechen, wo von System überhaupt kein« Rede ist. Et heiße doch der Wissenschaft in» Antlitz schlagen, wmn man behaupten wollte, daß jemand mit solchen oberflächlichen Privatstudien, wie sie der Angellagte betrirdm, da» W ssm«rlanarn könnt«, zu welchem wirklich« Aerzte jahrelange» UnioerfitatSstudium nöthig gehabt habm. Wohin würde man denn kommen, wenn man dem Pfuscher dieselben Recht« zugestehen wolle wie dem Arzt«? Ein Pfuscher handle immer fahrlasstg, wmn er e» unternehme, Menschen zu hellen. Die Reitston de» Angellagten wurde sodann ver- worfm. Ja dm UribellSgründen führte da» Reichsgericht noch au», daß vi« Fahrläsfigkett zur Genüge nachgewiesen sei. Der Angeklagte habe nicht nur Rath«theilt, sondern fich auch al« „Arzt" aufgedrängt, unwirksame Mittel verordnet und dadurch die Heilung verhindert, weShalb sein« Bestrafung wohl ge» rechtfertigt erscheine. Hamburg, 6. Oktober. Wegen einer Rohheit, wie ste wohl nur äußerst selten vorkommen dürste, hatte fich g-stern «ine erst 22iShrige frühere Wärterin de« hiestgen Waisenhauses, Ramm» Alm, zu verantwort.«. Obgleich dieselbe ihrem in Amerika lebendem Manne entlaufen ist. wurde e« ihr doch möglich, im März diese» Jahre» eine Stelle al» Wärterin in dem genanntm Jnstttut zu finden. Sie hatte die Keuchhusten- Station unter fich; ein» der Kinder,«in Kjährige?, hübsches Mädchen, hatte dm Unwillen de» WetbeS erregt. Dafür züch« tigte die Wärterin da» Kind in grausamer Weise mit einem mit Eism deschlagmen Stock. Sie machte da» Kind durch riefen:„Hut ab I Seht dm KalbSkovf vastlio I" Zugleich ahmte man Katzmgesebret, Radenkrächze, Froschgequak« und Entenge« schnatter nach. Mörderischer Lärm und ohrenzerreißendes Pfeifen erhob fich, al« der Marschall Bazatne aui der Bühne er- sckien.„Vertälherl" wmde von allen Selten geschrien.— „Da» Ist kein Franzose I" und der arm« Schauspieler wmde mtt faulen Aepfeln förmlich bombardirt. Kaiser Max und Kaiserin Charlotte find in dem Stück« al« die Opfer Napo« leon'S und B-zalne'» dargestellt. Doch auch beim Erscheinen der Darsteller dteser beidm Rollen wurde gelSrmt, aber nm deshalb, weil bei ihrem Einzug« gleichzeitig Geistliche im Dt» nat und ein Bischof in goldener Mitra die Bühne betraten. Die Galnien machten fich lustig über dm geistlichm Aufzug, bei dem ganz unnöthlgerweise die öfterreichrsch« Hymne, dt« aber da» Pariser Publikum nicht kannte, gespielt wurde. AlS dann Rothhäute auf die Bühne kamen und auf der Galerie Jemand laut aufschrie:„Es leben die Singhalesen I" erreichte die Hetterkett ihren Höhepunkt. Die Exekution von Oueretaro geschieht hinter»er Szene. Während der Zwischenakte wurde der Streit strt» fortgeseNt. Al» stch im Parten« ein Mann mtt langem schwarzen Haar und schwarzem Schnurrbart zeigte, glaubten die Gelerim C.ssagncc zu«rlmnen, und man erhob km Tatte da» Geschrei:„Cas— sag— nac", während Andere pfiffen und johttm. Dies« Speuakel dauerte von v Uhr AdmdS dt» 1 Morgen». Et« Schunrbart al»„Wohlthäter". Der Budarörser Bürger Johann Weber läßt stch sett undenklichen Zeiten den Schnurbart rastren, über welch« unmagyarische Sitte der Budaprshr Gastwirth Franz Hermann, so oft er bei dem Ge« nannten in vudaeöri zu Besuch erschien, stet» sein Mißfallm äußerte. Letzthin gab Herr Weber ein Welnlesesest und Hn« mann, der edmfall» anwesend war, gelobte vor Zcugm, für eine in Budaeör» zu gründmd« Kinderbewahranftalt hundert Gulden zu spendm, fall» Weder stch den Schnurbart mdlich wachsen ließe. Weder wir'» zufrieden und erklärte sogar, selbst 100 st. dem genannten Zwecke spenden zu wollen, fall« er die Zusage nicht einhalte. Wahrscheinlich will er edmfall» ein „Wohlthäter" sein und fich den Schnmdart trotzdem nicht wachten lasten. «in 103 Jahre alter Puddler. Albert KutschkowStt, ist dteser Tage in Königshütte in Oderschlesten gesiordm, der öltest« Einwohner der Stadt, die erst vor 90 Jahrm a!» Hüttenwerk gegründet ist, jetzt aber zu den volkretchstm Städtm SchltfienS gehört und mtt ihren 32000 Einwohnern all« ober« fchlestschm Städte«ett überholt hat. epirilu«, wllcbcn fie in Wein misck-le, ilkLnkn lind zwang(9 dann dmch Cdlöft« zu fingen:„Grad' au» dem Wirththalis komm' ich heraus!" Ferner hängte die Alm da» Kind mittelst eine» um den Leib gebundenen Handtuch«» Nacht» in der vwb« auf. wo e» Morgen» ganz«rstant war. Wenn da» Sind nicht fleißig beim Stricken war» zog fie demselben eine an einem Faden befestigte Stopfnadel am Halse durch die Haut und zog an dem Faden, sobald da» Sind eimüdete. Andere Grausamketlen find hier nicht wiederzugeben. Da da» Kind keinen dauernden Schaden an seiner T sundheit genommen zu haben scheint, so verurtheilte da» Gericht die Ar.gellagte blo» zu 1 Jahre Gefängniß. Beantragt waren 4 Jahre. Soziales und Arbeiterbewegung. Die«tveralversammluna der«Ritter der Arbeit" — wird au» N-w Doil, den 4. Ottober gemeldet— wurde heute in Richmond in Virginien eröffnet. 800 Vertreter au» den Vereinigten Staaten und Sanada waren anwesend. Der Gouverneur von Virginien bewillkommt« die Versammlung in einer Ansprache, welche vom Großmeister Porderly erwidert wurde. Die geheime» Sitzungen beginnen morgen und werden etwa zwei Wochen dauern. Man glaubt, daß Powderly wieder- gewählt werden wird. Seit die Arbrit»iiUer in den meisten der von ihnen unternommenen Augftänden in Felge der Gegnerschaft der Gewerkschaften unterlegen find, bat der Orden seinen srüheren Einfluß theilweise eingebüßt, wird aber, be- sonder» wegen de» in»»»ficht gestellten Austreten» bei den Wahlen, von den politischen Parteien immer noch sehr ge- fürchtet. In allm katholischen Kirchen der Provinz Q u e b e ck wurde gestern der Orden von den Kanzeln herab verdammt.(!) In den Vereinigten Staaten unterblieb diese Stellungnahme von seiten der Kirche. Der Papst hat, wenn wir nicht irren, vor einigen Monaten ein heftige» Send- schretben gegen die„Ritter" gerichtet. Äv» England. Der Kongreß der Sisenbahnange- stellten fand im Seedade Brighion statt. Der Piäfident, Herr Seiton, sprach in seiner Eröffnungtrede die Ueberzeugung au«, daß eine zehnstündig«»rdrittzeit im Eisen- bahndimst« genügend sei. Di« Versammlung aenehmigte eine Resolution, welch« da» Parlament auffordert, Gesetze zum besseren Schutz der Eisenbahn-Nngestellien zu erlaffen. Aar Kraukenverficheruug. Die in den weitesten Kreisen interesflietide Frage, od Ladengehilflnnen dem Kran- kenversicherung»zw a n g e unterworfen find, wird dem- nächst ihr« richterliche Beantwortung finden. In Düffeldorf sollm nämlich die Laden gehtlfinn-n zum Beitritt zur Ort»- krankmkaffe gezwungen«erden. Die Teschäfttinhaber, welche aufgefordert wurden» dieselben anzumelden, wollen es laut JL B. Ztg." auf eine richterliche Entscheidung ankommen lasten, da, wie fie glauben, die Gehilfinnen nicht im stehenden (Bewerbe beschädigt seien.— Nach§ 1»L 2 de» Keankenver- ficherungsgeseye» find dem Berficherunggzvange Personen unter- warfen, welche gegen GeHaft oder Lohn im Handwerk und in sonstigen stehenden Gewerbebetrieben beschäftigt find. Dieser Zwang kann nach 1 2»l. 2 desteldm Gesetze» dmch Ort»stutut ausgedehnt werden auf Handlung»gebilfen und Lehrlinge. E» fragt fich, welche von diesen beiden Bestimmungen die Düffel dorfer Behörde auf die Ladengehilfinnen angewendet wissen will. Ei« Hilfskassenkougreß. Ln die Vorstände der ein- «eschrtedenen, sowie auf Grund lande»rechtlicher Vorschriften «richteten Hilf»kaffen Deutschland». Wenn ein großer Thetl der geehrten Vorstände ihre Betheiligma an dem Kongreß in Aulficht stellt, bestimmt« Erklärungen aber«st abzugeben im Stand« sein will, wenn Näh««» über Ort. Zeit und Tag,»« ordnung bekannt gemacht sei, so war letztere» un» bi» jetzt nicht möglich, wenn wir den Beschluß, den verschiedenen Wünschen Rechnung zu tragen, aufrecht«holt:« wollten. S» war die» um so mehr geboten, al» die»ngelegenheft, um die «» fich handelt, hoch ernst« Natm ist. und alle» aufgeboten werden mußte, allen Jnteresfirtm die Letheiligung so leicht wie möglich zu machen, we»hald denn auch darauf Bedacht genommen ist, allen Reichttagifraktionen, wie der Reich»- regwung eine Einladung zugehm zu laffm. dieselben mögen fich durch Delegirt« an dem Kongreß bethemgen. Man kam zu dies««nficht, weil«» für die Reichitagtabgeordmten von großer Bedeutung sein müsse, bei dm im Reichttage zur Be- ratbung gelangenden»bändeningivo, schlägt» zum Kranken- vttstcherungggeietz zu wissen, welch« Wünsch« die Vertreter der freien Krankenkassen hadm und wie sie darüb« dmkm. Der Songreßftndetaml4., 1ö. und 16. November 1886 in Ge ra statt. AI» Delegirt« find nm Vertreter von odm dezeichneten Hilf»laffm zugelassen, und darf keine Kasse mehr al» drei Delegirte entsenden. Diese erhallen, sobald die Meldung d« Kommijfion, L. I. Levinson, Altona. Blumen- straße 6», zugegangen, Mandat-Formulare zugesandt; doch werden auch geschriebene Formulare anerkannt, wenn von dm Inhabern d«selbm dt«»«echtigung ihrer Führung nach- gewiesen wird.— Di« Toge»ordnung ist wie folgt fest- �1) Wahl ein« Mandat»prüfung»kommisfion. 2) Wahl ein« Geschäfrlordnungtlommiffion. 8) Da» R«ich»gesetz, betreffend die«rankenverficherung d« Arbeft«.,. Referent: Herr 6. Deifinger. Hamburg. 4) Da» Hilf»kassengesttz. R«f«mt: Herr Zaffle, Homburg. 5) Bnathung und Beschlußfassung üb« die Abänderung»« Anträge zu dm aä 8 und 4 genannten Gesetzen. 6) Die Stellung der fteim HUf»kaffm zum Unsallvnfiche- ���Rfterent: Herr E. Hein«, Hamburg. 7) Zweck und Nutzen von Krankmkassen. Verbänden. Refermt: Herr 8. Feurig,»reiben. Alle eingegangenen Anträge auf Gesetzei-Abänderungm ««dm gedruckt und dm geehrten Delegtrten zugesandt, von diesen smd besond«» hervorzubebm: a. Zum Rrichlgesetz: Wmn eine Kaff« von d« obnm Verwaltung» de Hörde al» dem§ 75 genügend tugc lassen ist, und«in« Ort»b«hörd« ist gegentheiliger Anficht, so sollm d«m Mitglied« nicht»um Bei- tritt zu«in« Ortikaffe angehalten««dm können, wmn die Kasse inntthalb 6 Wochen ihre Statuten dementsprechend ändert' b. zum Htlfikaffmgesetz; Di« Rücklagen zum Reservefond» find von Vio auf Vm der Jahre»beiträgt her- «. zum��fallv«stt«unp»ges«tz: Di« B«ruf»s«noffm- schatten habm bei Unfälle» sofort die Unterstützung zu leisten, evmt. die Krankmkaffe schadio» zu halten. Wir geben un» d« Hoffnung hin. daß nach Bekannt- wttden diese» Aufruf» die gech.ten Krankniessmvorständ« Deutschland» nicht» unversucht lassm wervrn,«a» dazu dimm vnnte, dm Kongreß zahlreich zu beschicken, bemerke» aber dabei, daß örtliche Berwaftungtstellm keine Delegirte zu entsenden haben. Besond«» darauf hinweism möchten wir «och, daß eine dmchau» eingehend«««sprechung und Be- rathung aller irgend die Krankenkassm beirefienben Lerhältniffe von allen Bethemgten au»drücklich gewünicht wird, und läßt dt« große Anzahl d««ingelaufmm Anträge auf da» allgemein« Interesse schließen, welche» uns« Vorgehm in allm Gaum Deutschland» gesunden hat. Wa» un» leitft ist: d« Gesammt- ~' zu nützen; und in diesem Bewußtsein rufm wir Allenz»: zum Kongreß I Im Auftrage d« Kommtsfion: L. I. Le- S«a» wörtlich für dm polittschm Theft und Soziale» vinson. Himburg-Aftona-Ottensen, im Oftoi« 1886. Alle Zuschriften find zu finden an L. I. Levinson. Bureau der All- femeinen Krankenkasse, Altona, Blumenstraße Sa. Alle arbeit«- eundlichen Blätt««erben um Abdruck gebeten. Die Ptapofortearbeiter i« Zeitz haben neunding» wieder in größer« Anzahl die Nrbeft eingestellt. E» find da» die Arbeit« der G«ißl«'schm Fabrik, welche 10 Prozent vom Lohn abziehe» wollte.— In der Pianofortefabrik von Höllinz und Spangenderg, welch« liquidirt hat, find zur Vollmdung der angefangmen Ardeitm 92 Mann wieder eingestellt worden, nachdem die rückständigen LrbetlSlöhne die Stadtverwaftung vorschußweise ausgezahlt bat. Ist die» Staatihilf« für die Arbeit« od« für die in Liquidation fick befindende Gesellschaft, welche andernfalls keine Areeit« für Fertigstellung dn ange- fangmm Piano»«haltm tonnte? Au» Amerika. Wd fiadm in verschieb enen Blättern folgende Notiz;„Dem aufmerksamen Beodacht« de» großen amerikanischen Arbeitsgebiete» und der Bestiebungen der Vor- tigen Arbeiter bietet fich manch« überragende Erscheinung dar. Da lesen wir, daß fich in Loston die Bildung eine» neuen Orden» d« Cooperator»(ArbeftSgmossenschaft) vollzogen hat. Derselbe bezweckt die allgemein« Einführung de» Stzstem» d« genossenschaftlichen Arbeit und damft die Ab chaffung der Lohn- arbeit. Al» Ritglieder können männliche Personen üb« 18 und weibliche über 14 Zrhre beitreten. Leute, welch« irgendwie von d« Arbeit And«« leben oder an der Fabrikation od« dem V«kaufe berauschender Getränke betheiligt find, werden nicht aufgenommen. Die Beiträge find auf 25 Cent» monatlich festzesitzt und jede» Mitglied soll nicht weniger al» 1 Dollar und nicht mehr al» 25 Dollar» zum Grundkapital einzahlen. Die Giünd« de» Orden» find der Meinung, daß zuerst Lädm eröffnet, dann Fadrikm«richtet werdm sollen, welche die Waaren für die Lädm zu lief«» haben. Wenn nun beide» in der gewünschten Ordnung ist, soll Land angekauft w«den, um die für die FadrUm nothwendigm Rohprodukte selbst ,u «zeugen."— Uns«« Ansichten über solche kleine Lokalexoni- mente find bekannt. Dieselben können nimmermehr aufblühen und find nur geeignet, die ernsthaften Versuche zur Hebung d« Ardttt«klasse im Ganzen zu diikredttirm. Uereine und Versummlungeu» Dresden, 7. Oktober. Seit lange hat in DreSdm wohl keine so massenhaft besuchte Volksversammlung stattgesunden al» wie e» gestern Abend der Fall war, wo d« Reichstag»- abgeordnete Bebel in d«„Centraihalle" üb«„Deutschland und die orientalische Frage" sprach.— Uns«« Schätzung nach lauschten mindesten 3500 Personen dem tresflichen Vortrage, den»in in folgendem kurz skizzirm wollen. Der Redner, von einem jubelnden Hoch empfangen, führte Eingang» seine» Vor. trage» au», daß«c» höchst bedaunlich fände, daß in d« körn- »linfen und prekären Stellu-g, in welch« fich ganz Europa in Folge d« rusfischen Politik befände, e» im Deutschen RfichS tage nicht möglich gewesen sei, die Regierung durch eine Jnter« veliation zu Aeußerungen üb« ihre Anfichten und Entschlüsse in dies« Frage zu v«anlaffen. E» sei, so sagte Herr Bebel, da d« Reichskanzler schwieg, um so mehr Pflicht d« Volk». Vertretung gewesen, selbstständig die Politik Rußland» zu be- sprechen und dem Volke ist ein sehr schlechter Dienst damit geleistet worden, daß fich keine Partei im Reichstage fand, welche die Jnt«prllation der sozialdemokratischen Fraktion unterstützte. D« Redn« wie» an der Hand de» sogenannten Testament» „Pet«i de» Großen" und in der Betrachtung d« seit jener Zeit konsequent verfolgten rusfischen Polftit nach, daß Rußland die Welthnrschast anstrebe, und daß es, wenn starl genug, nicht anstehen««de, neben der Hnrschaft auf d« valkanhald- ivsel, der Eroberung Konstantinopel», auch an die deutschen Ostseeprovtnzen Hand anzulegen. D« Bo t aqende unterzog die Vorgänge auf der Balianhalbinsel, dir Kämpfe Rußland» mit d« Türkei während diese» Jahrhundert» ein« eingehenden Beleuchtung. Stet» habe Rußland e» darauf abgesehen, seine Machtsphäre dadurch zu stärke«, daß ei die Nochbarn aneinander gehetzt habe, und all« Mittel, deren Gebrauch e» im eigenen Land« in d« barbarischsten Weis« verfolge, seien ihm recht ge- wesen, um seinen Zweck zu«reichen. Nachdem Redn« in trefflichst« Weis« ein Bild von d« geographischen und bandeispolüischen Lage Rußland» sowohl al» auch d« Türkei und der Nachbarstaaten entrollt hatte, beschäftigte er fich mit d« Uwnsuchung d« Ursachen, weSha'.b Deutschland, welche» gegen Frankreich z. v. doch so üb«au» empfindlich sei, Rußland ruhig gewähren ließe, und für die fortgeietzten völkmrecatSwidrigen brutalen Grenzverletzungen und die schmachvolle Behandlung deutsch« Staatsangehörigen durch Rußland kein Wort d« Abwehr bade.— Herr Bebel findet die Erklärung dafür in dem Umstand«, daß die Staat». männ« Deutschland» d«, wie« sagte, heuchlerischen Vnfiche- rung Rußland», mit Deutschland stet» im besten Einvernehmen zu bleiben, zu viel Glauben beimessen und dann auch in d« Thatsache. daß in dm letztm Jahre« in Deutschland fast sZmmtliibe russische Anleihen untergedracht find.— Nach Anficht de» Redn«» befinden sich nahezu 2000 MM. Rubel russisch« Anleihe in deutschem vefitz. während England und Holland, die flüb«m Abnehmer rusfischerWrrlhe, fich davon frei gemacht habm. Die Furcht nun, daß Rußland bei ein« kriegnischen Berwicke- lung keine Zinsen zahlen, zum Staatsbankerott schreiten würde, sei e», die den Fürsten Bismarck wohl v«anlaffe, dem rusfischen Koloß kein«nerqiiche» Halt zuzurufen. Durch solche Polftik ab« werde die Situation imm« gefährlich«, die Möglichkeit d« Beseitigung der drohenden Kriegsgefahr immer schwäch«. und e» sei zu fürchten, daß Rußland einmal Oesterreich, welche» durch den Bntin« Kongreß direkt bei dm Zuständen auf d« Balkanhalbinsel int«esfirt worden sei und deffm Bündniß mit Deutschland ihm nur für dm Fall e» angegriffen««de, Schutz gewähre, durch Schädigung sein« Jntnessen zwinge, die Waffen zu«greifen. In diesem Falle würde unt« der Voraussetzung, daß Rußland au» diesem Kampfe«l» Steg« h« vorgehe, spät« nicht», mehr im Weg« stehen, mit Hilfe Frankreich» auch gegm Deutschland da» Schwert zu»iehm und damft den Traum und da» Testammt Petn» de» Großm, fich zum Herrscher d« Osts« zu machm, und somit, nachdem di« europäische Türkei uvttrjocht sei, die Weltherrschaft anzutreten. Nach Auffassung de» Redner» gebe ,» für dt« deutsch« und österreichische Politik nur dm einen Weg, auf der Balkanhalbinsel einen Staaten- dund zu organistrm, der dem russischen Vordringen Halt gebiet« und damft dm Friedm und die Ruh« Suropa» fichne. Da nun wed« die Regierung noch d« Reichstag in dies« ungemein krftischm Lag« ei» Wort für da« Volk habe, so müsse letzt««» selbst sein« Anficht auSsprechm und zu diesem Zweck schlug d« Redn« folgende Resolutton vor: „Die Versammlung«klärt, daß fie jede Erweiterung 0« Machtstellung Rußland» auf der Balkanhaldinsel al»«in« schwere Schädigung d« Jnteressm Deutsch. land» anfleht und darin zugleich eine Gefahr für die gesammte westeuropäisch««ufturmtwickelung«blickt; fi« """«--- Sozialistengesetze» verboten war, dl« Tribüne. In bnedte» Wcrtm wie» He« Sing« auf die polfttschen Gefahren, welche eine Stärkung Rußland« mft fich führten, hin. Jede Machterweiterung Rußland« sei ein Sieg d« europäischm Reaktion. Sin so bardarisch« Staat wie Rußland dürfe kein noch giößen» Uebergewicht in Europa erlangen; die Eisfeld« Sibiirn» feien ein warnende» Beispiel dafür, wi« Rußland diejmigm» welche einzig und allein in d« freiheitlichen Entrrickelung d« Völker Hril erblicken, behandle, und jede Stärkung diesn Macht fei gleichbedeutmd mft einem Angriff auf die Kultur und Zivilisation.— Neben den von dem Abgeordneten Bebel er» örtertm Gründen seien e» also auch vornehmlich politische Erwägungm. welche alle für Frriheft und Volk«- recht«glühenden Männ« veranlassen müßten, der deutschen Reichiregierung ein warnende» Halt auf ihrem nach Anficht de» Redner» durchau» falschem Wege zu» zurufen und zu verlangen, daß dieselbe mergisch für die Wahrung der durch Rußland arg bedrohten deutschen Int«, essm eintritt.— Redn« meinte, er und seine Partei gehören nicht zu dm Anhängem eine» Kriege», fie bekämpfen keine fremden Völker, fie haltm die Jatemationalttät, all da! einzige, ab« auch ficherste Mittel, die Ruhe und Zuftiedenheft. die politische und wuthschastlieb« Wohlfahrt der Völker herzu- stellen, da» ab« fie wissen auch, daß Rußland, stet» der Feind all und jed« Vollßrechte, imm« da» Bollwerk der Reattion gewesen und blriden wird. Deshalb dürfe dies« Macht nicht di« Zerstörung d« Kulturarbeft gestattet werden, und d« Parole„Friedm um j«dm Preis mit Rußland" um den Prei» der Ehre Deutschland», de» Schutze» sein« Angehöligen, um den Prei» der Ruhe Europa», der gedeihlichen ungefio.ten Eni» Wickelung aller menschlichen Arbeit stimmen ste nicht zu. So sehr«(Redner) mft Bebel da» Verhalten de» Reichstage» in dUs« Frage verurtheile, so sehr freue e» ihn doch and««« seft», daß nun da» Volk selbst anfange, sein Votum in die Wagschale zu werfen und« hoffe, daß da» Lrispiel DreSdm» Nachahmung finden w«de und daß in allm Gauen Deutschland» die Anficht de» Volte» üb« die mssssche Polftik de» Reichskanzler» und d« Regierung unvnblümt zu Tage trelea werde. Er hoffe ab« auch, daß da» Volk bei dm nächsten Wahlen die Z rhl d« Männer im Reichstage, welche furchtlos und muthtg die Rechte de» Volke» auf allen Gebieten ver« tretm und nicht erst auf die Erlaudniß der Mächtigm«arten» um wichttge Fragen zur Sprach« zu bringen, ver mehren werde und empfahl die Resolution zur Annahme. Nachdem kein Redn« mehr da» Wort»«langt«, wurde zur Abstimmung geschrittm und die Resolution einstimmig anzerommm. Der Vorsitzende. Herr Peter», schloß mft dem»u»druck de» Danke» für die würdevolle Haltung die Vnsammlung und unter stürmischin Hochrufm auf Bebel. Sing« und die Sozialdemo« kratie trmnte sich die ungeheure Menschenmenge in allergrößter Ruh« und O-dnung. Sterbetasse der Berliner Maschineubauarbeiter und. oerwandtm Beruf»genoffen. Die StatutenbiralhunaSkommisstoa veranstaltet am 16. d. M. ein große« Wtnt« Vergnügm ia d«„Philharmonie", Bern bürge, straße 22a-2Z, ,u welch?» Lillet» im Kaffenlokal, Neue Schörhausnfttaße 16, ferner in den Zahlstellen Tieckstraße und Prinzmstraße, sowie bei sämort- lichm KommisfionSmilgltcdem zu habm find. U-d« den Zweck diese» WmtervergnügenS resp. die Vewmdung seine» Rein« ertrage» dem«tt die einladende Ko«misfion, daß die Sterbe' lasse, welche bi» zum 1. Dezember 1884 eine obligatorische ge' rnefen, der beizuNetm jede» vtftgltev d« Maschinenbauer« Krankenkasse verpflichtet war, srtt dem»orgenanntm Zrit- puntte, in Folge de» neuen Kranken verstcherungtges,«,, 00ai 16. Juni 1883, eine freie Kasse geworden sei, für welch««ine rege«Station entsaftet w«den müsse, sowohl um die dmch die Kämpfe der letzten Zrit erlittenen Verluste zu ersetzen, al» auch, um d« Kasse neue Mitglied« zuzuführen. Die Ausgaben\ für Prospekt«, Flugblatt«, Annonjen k. seien beträchtlich; au» dm«affmrinnahmm durch die Mligliednbeiträge dürttm de?»| artige»u»gabm nicht gedeckt gedeckt w«d«n. Um dafür Gelv«! anzuschaffen, werde da» Fest am 16. Oktober veranstaltet. Daher möge jed«««ussßmvsse dort erscheinen. Der Fachverei« de« Tischler veranstaltet am Sonnta?» j dm 17. Oktober, in d«„Berlin« Ressource", Kommandanten«| straße 57, ein VneinSlränzchm. Billet» find nur vorher bei j dm Vorstandsmitgliedern und auf den Zahlstellen de» Verein» j zu haben. Die Zahlstellm bestem fich in folgmdm Lokalm:' 1 Blummstr. 56 auf d« Ttschlnherberge. 2. Slalitzerfir. 107 1 bei«unstmann. 3.«ellealliancevla, 6 bei HUfcher. 4. Zion»- kirchplatz 11 bei Hobn 5. Mülle.straße 184 dri Häring.! 6. Gnrismau» und Solmsstraßm» Ecke dri Lmdenborn un» 7. Steglitzerstr. 91 bei(Bürgen». Daleldst»«den jedm Sonn» abend, von 8'/, di» 10 Uhr Abend», vritrSge von dm Mit-, gliedern in Empfang genommen und neue Verri"»Mitglied« aufgenommen. Der Beitrag beträgt monatlich 40 Pf. verew gar Wahr««« der Jäter essen der Klavier- arbeit«. Lonnadmd, dm 9 d. Ml»., in Gratwri,'» Bier« hallen, Kommandantanstraß« 77/79(unt«« Saal), Versa mu»» lung»«Mitglied«. Tagesordnung: 1. Vortrag de» Herrn Dr. Lohn üb« Land und Leute aus d« Balkanhalrinsri. 2. V«rin»ang«legmhritm. Jede» Mitglied ist verpfl chtet. sei» Buch an d-r Kontrole vorzuzeigen. Gäste, dmch MügUeder eingeführt,- haben Zutritt. Kleine Mittheiinngen. Leipzig. 6. Oktod«.>m Dienstag früh fand d« Heu*- mann in diesigem Stadthaus« seine beiden Dienstmädchen anscheinend leblos in ihren Briten vor und die Stube mit Gas m______ lanMien......._„ Wie festgestellt worden, habm die Mädchen am Xdmd vorher v«gessm gehabt, dm Ga»hahn in ihrem ZImm« zu schließe». in Folge deffm dmch Ga»au»strömung die Betäubung herdri- gefuliri worden iss. passtrie. Fünfzehn Waag«,» stürzten ab und drei Bedienst'' d«ö««re,ch,schm Staat, dahnm versendet hinüdn die folaend« Mtttbeistmg: d« Nacht vom 5. auf dm 6. d. stürits bi« 20 Met« Lng« Brücke üb« die Ach« nächst dem 3#** Tunnel(GW« Salzburg- Böran, währmd d« Sammelzug dieselbe pasfirte. ein. D« Maschinenführ« fO# nn Schwankm und riß dm Regulator auf. Unmittelbar darauf folgt« b« trachende Zusammensturz d« SiienloN' struftion. D« Tmd« blieb fast smtrecht hängm. fünf, eh» «ogm stürzten nach und befinden fich thrii» zwischen Widerlagern, thril» in d« Ach«. Von dem ssuflSperso� anschrinmd leicht»«letzt. Die rifen» d« Brücke, rnelch« bei Erbauung in dm Jahren 1872-1875 »widern drei Mann achwerkSlonsteuttion Linie Salzburg Wöral in dm Jahrm 1872—1875 Wag« Eisen Je-oustrie-Gesellschaft für Rechnung w»~ a fundm. Bor der«ataftroph« pasffttm di« sahrpIaimuH. Prionen« und Güterzüge, ohne daß von dem I«ress«�A Perional ftgmd eine Wahrnehmung gemacht, beziehunvsa�� gemeldet worden wäre, welch« auf einen abnormen 3"' de» Objekte» hält« schlteßm lassen. Di« provisorisch« Uti „.UR, otporoein tollte, auf Grund de» brückung wild in kürzest« Zeit b«g«fiellt Irin._ "" mim zw Beilage zum Berliner BolNlntt. Nr. 236. Sonnakend, de« 9 Oktober 1886. in. Ilchrg« Kommunales. k w. Zar RcßuUrunfl der Gcetstwatderstraßt ist auch vi« ftttiUßuna etntl unbtbtuimdfn Ctwifenl de« Georgen- lirchjofet ersoiderlich. Der GemeindeÜirchenratb zu Sankt G-orgen hat in betreff diesei Streifen» dem M-, istrat mitge- theiit. daß derselbe roch nicht freigelegt werdm könne, da auf demselben ffch noch Gräber be'änven, für die die gesetzliche Verwesungstrist noch nicht abgelaufen sei, e» dürfe die Br Nutzung d» Lande» zu öffentlichen Zwecken nach den gesetzlichen «eMmmungea er« im Jrhr« 1909 eintreten, da nach der KabinettzorSre vom S. Januar 1830 selbst geschlossene Kirchhöfe nicht vor Ailauf von 40 Jahren veräußert wer�cn sollen un» nach einer ministeriellen Verfügung vom 26. November 1843 während dieser Zstt oh."« ministerielle Genehmigung nicht et»- mal eine Planirung stattfinden dürfe. Aber abgesehen davon, könne der Gemeinde- Ktrchenrath in«ine unentgehllch« Ueber- laffung de» S�raßenlanve» an den Magistrat nicht willigen, da er stch nicht für berechtigt balle, die Ki.che durch eine so freigtebtj,» Schenkung zu schädigen.(?) w. Da« Kuratorium der städtische« Markthalle« hat am Donnerstag deichloffen, eine eingehende E- q�ete über da» Enzrotgeschäft, Aulltonen und Geschäftsoerkehr der Kommissto näre zu veranstalten. w. Die elektrische Beleuchtung de» Rathhavse» und der Markthalle« ist dem städtischen Gatkuralortum unterstellt worden. Kokale». Für dse Wettersäule ans dem Schloßplatz find jetzt die folgenden t-edingungen aufgestellt worden. Zum Stand- ort ist da» Haldrund in der nordöfilichen Ecke de» Schloß platze» am Waffer bestimmt. Angebracht sollen werden: ein Weingeist- Thermometer, ein Maximum» und ein Minimum- Therniometer, ein Termozraph, ein Sonnenschein-Thermometer, ein Qa-ckfilder Barometer,»in Aneroid Barometer, endlich ein Anerotd Barograph; eine Windrose soll die Angaben einer in der Höhr aufgestellten Windfahne erkennen laffen. Ein Regen- meffrr, welcher längere Beobachtung erfordert, bleibt auize« Uoffm: von einer Wetterkarte und von regelmäßigen örtlichen WiU«r?rognose« ist Abstand genommen worden. Dauernd stilttge Angaben über Uimatische Verhältnisse und Aehnliche» (Höhenlage, Zeitunterschied«) dürfen nicht feblen. Mit«u» «ahme de» Sonnenschein- Thermometer» müffen alle Jnstru- mcnte im Schatten angebracht werdm. Al» Materialien find Haustein und Eisen zu verwenden; die Kosten dürfen 5409 M. (ausschließlich der Instrumente) nicht übersteigen. Die in einer geschloffmen Bewerbung unter den Mtigttedern de» Architeltmonein» eingehenden Entwürfe find bi» zum 15 November einjureichen. Für die beste Arbeit hat man 500 M. auSgesttzt. Der Schwär»« Grabe«. Von dem Tage an, an welchem von Br-tlau au» dt« glücklicherweise unbegründete Nachricht vor dem Vorkommen von Cholera- Erkrankungen daselbst ver« breitet wurde, hat fich Berlin» eine g'w ssc Uiruhe bemächtigt. Wohl ist es wahr, daß die Cholera selbst in den Ländern, in denen ste sonst sehr schlimm zu Hausen xfl-ate, diesmal ver. hällnißmäßig milde oufttat, daß. st: selbst In Pest schnell erlöscht und Wien gar nicht eneichte; aber die oloße Erwähnung genügt doch nun selbst da, wo man ihr gerüstet gegenüber zu treten vermeint, noch Schreckm zu verbreiten, und so ist man denn auch in Berlin daran gegangen, Umschau zu haltm. Strmge Selbftprüsung läßt dmn da» EtngefiSndniß nicht unterdrück«!, daß wir in unserer unmllteldaren Nähe noch «inm wahren Peftherd haben, der für un» sehr gefährlich wer. dm könnte, wmn die abermali überwinternde Krankheit im Frühjahr tbrm Weg nordwärt» bahnm sollte. E» handelt fich um den„Schwarzen Graden". Ob der Name ein offizieller ist, ist ungewiß, daß er ihn verdient, ist über allm Zweifel erhaben. Der Graben kommt au» der Umgegmd Berlin» durch ein« Anzahl von Dörfern. Ursprünglich ein flußende» Wafier, hat er nach und nach die Abflüsse au» dm Häusern der Um. äegend aufgenommen und erreicht nun da» Gebiet Berlin» hart an dessen Weichblldgrmz«. Mit Worlm eine Schilderung de» Zustande» zu geben, ist unmöglich. Wa» in die Nähe kommt, flieht entsetzt. In dem elendesten Dorf« würde man dergleichen al» unerträglich erachten. Schwarz ist der stagni. rende Inhalt, tödtlich find die Ausdünstungen, der Pfubl ist «ine stehende Bedrohung. Der feit fiebm Jahren zugeschüttete KönigSgraden in Berlin, der inzwischm ebenfalls zugeschüttete und vom Fl»ku» zur Einnahmequelle von Millionen gemachte ,restunk»gladen leisteten ja in Bezug auf die Verpestung Berlin» ouch beträchtliche»; ober ste waren im Vergleich zum Schwarzen b�Wn noch harwlo». Erstaunt wird man stch tragen: Warumvttrd omn nicht eine Aenderung bewirti? Warum läßt man Sk�o u hiT®«; i* Schwarzen Graben»; in abermal» vorigen Jahre» tn nn«««onferm, an der die betheiligtm G:- meindm und dl« �nschUgigen Rtnisterialrefforl, betheiligt warm,«an vollständiger Plan mafgesteltt wurde, der geeignet ist, alle Mißstände zu Heden. E» soll der offme Graben in eine bedeckte Kanalisation umgewandelt rnetben, außerdem haben die Gemeinden, durch welche«r flteßr, durch Herstellung anver» weitiger Entwässerungen ihrer Grundstücke dm Graden von den Bestandtheilen»u mtlastm, die ihm seinen jetzigen Cha» ra'ter geben. Die Gemeinde Schönebera hat dami« derett» den Anfang gemacht. So weit» so gut. Der Plan scheint plau- stdel und durchau» durchführbar. Gr ist jedmfall» Kinderspiel an technischer Durchführung gegm die Beseuigung der vorher erwähnten Wasserläuse. Der Landrath sagt auch st, seinem Bescheide:„Sobald die Gmehmtgung der H«ren Ressort. minister eriheilt ist, werde ich e» mir angelegen fein lassen, auf die schleunige»utfübeung de» auigeardeiretcn Projell« hinzu. arbeiten." � Diese» Projekt aber liegt, wie tdenfalls au» d»m Bescheide de» Landrathr» hervorgeht, seit dem 15. Oktober 1885 also seit einem runden Jrhre, bei den Ressortministern. Mitt» lerwelle aber haben wir ein wesmUtche» Interesse, der Ver- schleppung entgegenzutreten. E» find gewichttge Stimmen, die «a d-m scheußlich« Schmutzgraben eine sehr ernste Bedrohung Berlin» sehm. Alle Betheiligtm find einvecstandm; die Mi nister habm nur ihre Erlaubniß zu geben; e» entstehen dem Slaate kein« sonderlichen Kosten— vielleicht entschließt er ssch endlich doch zu einer That, derm Unterlassung schwere Ver« antwottung über ihn bringen würde. , Der Mord beim Duell. Am Morgm de» 4. wurde der tztestge Student G.(Berlach au» Thüringen) im Grunewald bei einem Pistolenduell erschossen. So lautet« die un» zu» gebende Meldung, die wir oeiöffentlichtm. Man wird dmJn- halt der„Notiz" nicht ohne Schreck gelesm habm. Der Wahn« finn. daß Stuben tendeleidigungen„nur durch Blut wegge» waschen" w:rd«n iöinen, grafirt also immer noch! Man weiß nicht, wa» man zu solcher Frivoliiät sagen soll. Der lieber- ledende mag seinen Gegner noch so tief gehaßt baden, er wird jetzt, angestcht» der Leiche de» von ihm Erschoffmm, in tiefe Reue velfallen und wird für sein ganze» Leben dm Vorwurf auf seiner Seele lastm fühlm, daß er einen jungen, bochde« gabten und am Beginne seiner Karriere stehendm Neben- menschen in knabenhaftem Drang nach„ritterlichem AuSiragm eine» EhrenhanbcU" geiöS'ei habe. Aber alle Reue ruft dm Todlm nicht wieder m» Leben zurück, gtebt den armm Eltern km Sohn, vielleicht die Hoffnung ihre» Alter», nicht wieder. E»- ist genug der Rohheir! Fort mit dem mittelallerltchm Trödel. Der Reichstag ist dr Boden d rfLr, auf dem die Studmtend.elle betämpft, auigeroitet«erden sollen. Wir müssen un» endlich von dem ganzm theatralisch-« Krimikram» dieser sogmannten Muthtbeweise befreien; die Narben der Etudentengestchter seien endlich mit dem einzigen Worte benannt, das ste verdienen, denn in Wah hr!t find st- wetter nicht» al» Eitelkeil»beweise. Aber gegen Duelle auf Pistolen gehe man noch energischer vor. Man bestrafe den Mörder, der seinen Gegner im Duell tödtet— denn ein Mörder ist, wer die Mordwaffe gegen seinen Nebenmenschen richtet und ihn tödtet, geschehe die»„kommentmäßig" oder nicht wie d?n Mörder und nicht wie einen Duellanten, dem mildernde Umstände zugebilligt werdm, well er nach den herrschenden Begriffen handelte— dann werdm solche Barbareien endlich aufhören. Da» Duell ist«ine von der Eitelkeit und Phan- tasterei erfundme Komödie und hat mit wahrer Kultur nicht» gemein. Die Studmtmduelle gar stellen fich immer mehr al» beschämende Nachäffereien herau», die wirklich jedem Mmschen- freund ein Bedauem adnöthigen müffen. Lässtg und träge sehen wir die haarsträubendsten Dummheiten und Ettelketten mit an und kümmern un» nicht darum. Da» darf nicht so fortgehen. Ein Schrei der Wuth» der Entrüstung muß durch alle Schichten der Gesellschaft dringen, damit die Studmtenduelle durch ein Machlwort, im Dienste unserer Humanität und unsere» Fort- schritt», zu dem altm Berümvel geworfen werden, wo veraltete Anschauungen ihren öden Ruheplatz gefunden habm. Dem Mörder im Zweilampf gebührt dieselbe Silase wie dem gewöhnlichen Mörder. Fort mit der Verrenkung de» Gesetze»! Gleiche» Recht für alle, ohne Zugeständniß, daß gewisse Be» griffe gewisse verbrecherische T baten in milderem Lichte er- scheinen lassen. Ei« Arralogo« zu dem bekanntlich im Grand-Hotel über- bauten Schlächterscharre««erden demnächst tn den König»» kolonnaden die engen Laven de» Goldssich- und Vogeldändler» G. Reiß und de» Z'garrenhändler» C. M wi» dildm. Be» kanntlich bleiben die Kolonnaden erballm; doch hat der Befitzer der anliegenden Grundstücke tn der Panorawaftraße da» Fenster. recht nach der Königstraße zu erlangt, auch dm Grund und Boden der vier Läden tn den Kolonnaden für 90000 M. er« worden; allew die Inhaber der genannten zwei LS»m fordern für Ablösung der ihnm zustehenden Serottuten so hohe Summen, daß ste jedenfalls überbaut werdm dürften. Die erste politische Zeitung ia Preuße« entstand unter der Regierung de» Kurfürften Georg W-lhelm. Durch kurfürstliche Verordnung vom 23. Januar 1632 erhielt nämlich der Botenmeister(Postmeister) Veit Frischmann in Berlin den Druck und Verlag der Staattzeitung jedoch unter der au»» drücklichen Bedingung,„daß nicht» von Pakqirfllm, ste seien auch wider wen ste wollen oder sonst etwa« darinnm sein sollte, so Einen oder dm Andern, zumal Stande»personen ver» letzen könnte." Diese Ued«rtraaung»alle begründete, wie der „Bär" ausführt, zugleich die B-fugniß der Postbeamtm zum D-btt der Zeitungm. Derselbe erko.'gte noch bi» zum Jahr« 1820 für eigen« Rechnung der Postbeamten, die zwar au» der Einnahme gewisse vureaubedürfniff« zu bestreiten haften, deren Gewinn aber immer noch ein sehr erheblicher war. ob. gleich ste e» bei weitem nicht so spekulativ anzufangm«ußtm, wie ihre Kollegen in Palm. Dort hielten die Postmeister in der Regel nur ein Exemplar der Thomer oder Warschauer Zeitung. Die» ließen ste für ein Billige» durch Kloster schüler abschreiben und die Abschritten perkausten ste für den Prei» de» Original», wenn möglich noch thmrer, an Leser und an ihre Kundm. Au» der Zeit de» Kurfürsten Georg Wilhelm datirt auck die Entstehung drr postamtltchm Zeitungsberichte. In der Hoffnune. in den Besttz von Pommern zu gelangen, war der Kurfürst zwar dem Bündnisse beigetreten, welche» der Kurfürst Jobann Georg von Sachsen mit dem Kaiser Ferdinand in. am 30. Kai 1635 zu Prag abgeschloffen hatte; aber der fort» dauernde Krieg zwischen den Schwedm und dem nunmehr ver» einigten Heere der Kaiserlichen und Sachsm, die Stretfzüge und Plünderungen der Stegendm und Fltehmden in der Nähe der Mittelmark und der Hauptstadt hieltm die Auf- merlfamkett und Beforgniß de» Berliner Hofe» fortgesetzt rege. Um sogleich von allm Ereignissen unterrichtet zu werden, mußten die Postoerwaltungm in Tangermünde, Havelberg, Ralbmow und Spandau täglich Berichte«insmden, und au» dieser Anordnung entstanden die Zeitung» berichte, die den Zw'ck hatten, dem Berliner Gmeralpostamte von allm merk» würdigen Vorfällen, unbeschränkt auf Ort und Geamstand, zu» »erlässtge Nachricht zu gedm. Merkwürdiger Weise haben bi« Zeitungebericht«(welche fett Erlaß der Postordnung von 1782 allmonatlich zu erstatten waren) über zwei Jahrhunderte fich erbaitm. da ste erst im Jahre 1848 aufgehoben wurden. S.e verbienm dejbald hier Erwähnung, weil ihr wefenfticher In halt gleich, etti, bestimmt war, der vtaatt«Uuna zur Be» Nutzung al» Material mitgetheill zu werdm. Die Redallioni« m da»„Journal de Berlin, ou NouTellee pohtiques et üteraixeii &%%%%'S richten von Staat»- und gelehrten Sachen" gegründet, die erst tn der Grürderverwde der ftrdziger Jahre wiev« eingegangen ist. Dre erste Nummer datirt vom 30. Juni 1740. Sie führte über dem gekiörtm Adler den Wahlspruch: Wahrheit und Freiheil I— den st- mit Ende de» Jahre» 1742 wi-der ablegt« und durch die Worte ersetzte:„Mtt Königlicher Freiheit!" Et« stiller Protektor. Urb« die Erwerbung von Apo» thtkerlonzesstonen dringt die letzte Nummer der„Pharma»«»» tischen Zeitung" folgend««igentgümlrche Meldung: Im Jult dtesr» Jahre» stand in der„Pharma». Zettung" nächst Hendel Inserat:„Apotheker mit Stterem ApprobationSjahr, welcv« stch für Erwerbung einer vorzüglichen Kon,- jsson interesssrm, wollen baldigst ihre Kressen aufgevm sab E y. L. postlagernd Elm»« bütt:I Hamburg". Auf diese Annonze hin wandte fich ein im Jahre 1869 opprodirter Apotheker an die angegeben« Adresse und erhielt ein von C. v. H.(im Original ist der voll« Rame angegeben) unterzeichnete» Schreiben, in dem die Cbanzm de« eventuellen Bewerbung besprochen waren, auch da» Verfvrechm einer Unterstützung de» Gesuch» zugefügt gewesen ist. C.v.H. sagte in dem Brief u. A., daß e» eine Berliner Konzession be« treffe, daß er ferner nur im Auftrage einer einflußreichen Per« sönlichkeit handle und„über die nach E folg zu zahlende Re« muneration ssch»u äußern hätte". In einem zwettm Brief spricht fich C v. H. über letzterm Punkt folgendermaßen au»: „Eine Forderung zu stellen, ist mir unterlagt; über diesen Punkt muß ieh Ihnen die I ritiativ« überlassen." Der Apotheker stellte hierauf einen Reoer» ou», worin er stch für den Fall de» Empfange» einer Konzession zur Zahlung von 3000 M. verpflichtete. Auf die Zusendung de» betreffen» den Ve'pfl chtung» schein» erfolgte eine Antwort, tn welcher der Herr„Protektor" jede weitere Unterhandlung abbricht.„Ich habe nicht dt« Abficht gehabt," so schreibt er,„mich Jbn« aufzudrängen, bin jedoch der Anficht, daß eine dnarüge Sache nur auf Vertrauen bastrt sein kann; ich würde tn der Lag« gewcsm sein.«in solche« vollauf zu rechtserttgm, und würde Ihnm den Bewei« auch in geeigneter Weife geliefert habm. Der Wortlaut Ihre» Schein» jedoch gestattet mir kein wetteret Eingeben auf du Sache." Der Verfasser der Mittheilungm i« der„Pharma,. Ztg." bemerkt hierzu: Damit bricht die tnter» effante Korrespondenz ab, die jedenfalls auf die Spur einet dreisten Schwindel» führm wird. Ei« Vorkommniß in der Verwaltung de» städtische» Krankenhanse» scheint in Pottdam die Gemüiher einiger» maßen zu erregm. Der Oberbürgermeister gicbt in Form ein« Berichtiaung tn dm„Poi»d. Nachr." folgende Darstellung de» Sachoerbalt»:„Die Herren Asfistenzärzte Dr. Siemon und Dr. Neffelmann beschwerten stch tm Laufe diese» Sommer» über mangelhaft« Verpflegung. Die leitende Schwester machte hiervon der Krankenhaus- Verwaltung». Deputation in der nächsten Sitzung derselben Mtttheilung. Die Beschwerde wurde theilweise al» begründet anerkannt und der Verpfleguirg»» modu» sofort geändert. Während de» dem Herrn Dr. La Piar« ertheiltm U laude» zeigt« die leilmde Schwester der Deputation an: daß der Herr Dr. Siemon der auSdrücklichm Anordnung der Deputation zuwider, ohne die schriftliche Einwilligung de» nächsten Angehörigm eingeholt zu haben, die Leiche der am 29. August d. I. im stä»tischen Krankmhause am Gebärmutter» kreb» verstorbenen verwlttweten Frau Fuhrherr Bertha Stürmer sezirt habe.— Di« Deputation nahm darauf Veranlassung, dm stellvertretmden dirigirenden Arzt, Herrn Dr. Hinnederg, unter dem 31. August d..J. zu ersuchen: den ihm untergeord» neten Herrm Asststmzärzien nochmals die au» Anlaß einer bei dem Herrn RegierungSprästdmten erhobenen Beschwerde erlaffme Verfügung der Deputation vom 3. November 1885 vorzuhalten, wonach dt« Herrm Anftattärzte angewiesen wurden: für die Folgezeit nur in solchm Fällen die Leichen von im stävtischm Krankenhause verstorbenm Per« sonen zu öffnen, in welchen mtweder gar keine Angehöeigm der Verstorbmen bekannt oder ermittelt find, oder tn welchen der nächst« Angehörige der verstorbenm Person ausdrücklich in die Oeffnung der Leiche schrifllich einwilligt. Die Herren Asfistm»» fitzte Dr. Reffelmann und Dr. Siemon, welche durch dm mit ihnen schrittlich unter Bezugnahme auf die ihnen bekannte Dienstanweisung abgeschlossenm Vertrag verpachtet«mm. ihre Stellung tm stäStiichen Krankenhause erst nach vorheriger dreimonatlicher Kündigung zu verlassen, erklärten darauf unter dem 8. Seplemder d. I., daß unter den in der letztm Zett ge» machten Settwnen allerdings einig« wenige Fälle vorgelegen hätten, in dmm die Sektion vom wiffenschaftlichm Standpunkte drtngmd geboten war und eine Erlaudniß nicht eingeholt wurde.— Eine schriftliche Erlaudniß sei bisher nicht nachgesucht worden, da eine solch« voraus fichtltch in keinem Falle ertheitt werdm würde. Zugleich remonstcirtm die Herren Aerzte mit aller Energie dagegen, daß die leitende Dtakonisstn fich in ärzt» lichen Angelegenheiten, in welcher Art e» auch sei, eine Einmischung erlaube, und erklärten, daß, wmn«ine solche, wie es öfter» schon vorgekommen sei, stch wiederholen sollte, die Herrm Asststmiärzte fich gmölhigt sehm würden, sofort ihre Entlassung zu nehmen. Durch Vermittelung de» Herrn Dr. Hinnederg wurdm demnächst die Herren Alfistenzärzle unter dem 9. September d. I darauf verwiesen, daß e» ihre Schuldigkeit gewesm wäre, dem dirigirendm Arzt von jeder Einmischung der leiten« dm Schwester in die ärztlichen Angeiegenheitm Anzeige zu machm und aufgeforderi, die einzelnen Fälle der Einmischung nunmehr onzujeben, damit die Depifta'.ion in ti: Lag« täme, die leitende Schwester auf den Z 3 de» Statute» für da» städtisch« Krankenhaus vom 4. Februar 1881, wonach die Schwestern bei der Pflege und Wa tung der Kranken zur un« bedingten Befolgung ver von dm Herrm AnstallSärztcn ge« troffenen Anordnungen verpflichtet find, nachdrücklich hinzu« weism. Die Herren«sfistenzärzte Dr. N-ffelarann unv Siemon haben in Beantwortung diese» Schreiben« unter dem 15. Sep» tember d. I. stch darauf beschränkt, auf den großen und unzweckmäßigen Wechsel de» Krankenwärter Personal» hinzuweisen» im übrigen erklärt: daß die von ihnm angedeuteten Fälle von Uebergriffen sämmtltch älterm Datum» seien, auf welche ste nicht zutückzretfm wolltm. Eine Konttole der lettendm Schwester b-trestS der Seltlonm könnten ste mit ihrer ärztlichm Ejzr« nicht in Einklang bringen, ste betrachtetm die Ausführung von Sektionen al» rein ärzlliche Angelegenheiten und könntm die Einmischung von Laien nicht anerkennm. An die Kündigung»« frtst wolltm stch dt« Herrm Aerzte nicht für gebunden erachten, da man einer der ersten Berpflrchlungen ihnen gegenüber, näm- lich der ihnm im§ 3 der Instruktion versprochmm Verpflegung tn keiner Weise nachgekommm, so daß st« bei einem Sleuer» satze von 53 M. pro anno«ine über ihr thatsächliche» Ein» kommen weit hinausgehende Abgabe zu entrichten hätten. Diesem Schriftstücke gegenüber beschloß die Kiankenhaus- Vm> waltung»' Deputation in ihrer Sitzung oern 21. September v. I. in Gegenwart unv unter Zuziehung de» Herrn Dr. tzinneberg: daß die Behandlung der Leiche« der im Krankenhause verstor bmm Personen, nur insofern Ansteckungsgefahr oder besondere santtäre Maßnahmen für die Jnsaffen de« Krankenhruse» da» bei in Betracht kämen, Gegenstand der ärztlichen Thäligkett frfn könne, im übrigen aber zu der inneren Lerwaltunz ge- jöre, an deren Spitze die Aranlenhau» Verwaltung« Deputa- tion und in deren Vertretung die leitende Schwester stehe. Die letztere bade daher in den Fallen, in denen die Herren Aerzte eine Sektion für wünschentwerth erachteten, die vorgeschriebene schriftliche Einwilligung de« nächsten Zlngehörigen vorher ein» zuholen, oder die Herren Aerzte hätten, fallt ste ei vorzögen, dies direkt»u thun, die» der Schwester anzuzeigen und die extrahirte schriftliche Einwilligung der Krankenhaut-Verwal» tungt- Deputatton, welche diese Erklärungen bei ihren Akten sammelt, einzuhändigen. In Betreff de» gerügten Wechselt der Wärter versprach die leitende Schwester, auf Stund der von ihr geführten Listen demnächst nähere Lutkunst zu eriheilen. Im Uedrigen beschloj die Deputation: die ihr gegenüber in keiner Weise näher aufgeklärte Beschwerde der Herren Aerzte über die angeb» liche Einmischung der leitenden Schwester in die Anordnungen alt unbegründet zurückzuweisen— in betreff der Verpflegung aber ein Arrangement dahin anzubahnen, dah den Herren Asfistenzärz-en ein höhere» Bargehalt bewilligt u�d gestattet würde, die MinazZmahlzrit oujjerbolb de* Kran- kenhauset einzunehmen. Beoor noch einer dieser veschlüffe zur Nutführung gelangen und ehe noch den Herren Asfisienzärzten Dr. N ff-lmann und Dr. Simon ein mündlicher oder schrift- licher Bescheid ertheilt werden konnte, oeilUJen die genannten H-reen vat mit etwa 150 Kranken und Siechen besetzte städ» tische Kranke«' und Stechenhaut mit Htnterlaffung einet Schreibens ohne Datum lautend: Der Krankenhaut-Verwal» tunzt-Deputation erlauben wir uni die Mttheilung zu machen, daß wir infolge ihrer veschlüffe in betreff der Anmeldung der Sektionen bei der leitenden Schwester et mit unserer Ehre nicht in Einklang bringen können, im Kcankenhause fernerhin thätig zu sein, und daß wir am heutigen Tage da» Kranken« haut nerlaffm werden. Dr. Reffelmann. Dr. Stemon. Für die von ihren Aerzte» verlaffenen 150 Kranken wurde sofort gesorgt. Auf sofortiget telegraphtsche» Ansuchen brach Herr Dr. La Pierre seinen Urlaub ab und übernahm noch an dm» silb.'n Tage die ärztliche Leitung de» Krankenhauset und Herr Dr. Makrocki hatte die Güte, sokort und schon vom 21. zum 22, S-ptember die Nachtwache im Krankenhaufe zu übernehmen. «rankevhaut- Verwaltung» Deputatton:(grz,) Bote." Beim Schlittschuhlaufen erteinten alljährlich Leute. So ist auf dm Tegeler See eine gefährliche Stelle, genannt „Stechertt Loch". Der Seglerklub„Tegel- See" hat nun den löblichen Plan gefaßt, an dieser Ecke, gegenüber Valentin»» Werder eine Reetungtstation zu errichten. Weithin fichibare Tafrin werden anzeigen, wo die für Eingebrochene augenblick lich nöihigsten Hilfsmittel zu finden find. Die erst: Einrichtung der Station wird vor der Hand autzerüstet mit langen Laufbrettern, zwei Retwnathaken an langen Stangen, einer Rettung»» leine mtt Korkkugel, Schwimmringen, einer Laterne und einem Euchanler. Et wäre gut, wenn auch an der Oberspree und auf dem Rummeltburger See Aehnlich-t eingerichtet würde. SewohAheiteu der„besseren" Klaffe«. Ein empörender Vorfall trug fich an einem der letzten Abende inmitten einer der belebtesten Stadtgegrnden zu. Mehrere ihre» Wege» da» hingeh-nde Frauen wurden von einem in der stutzerhaftesten Weife geklriveten jungen Manne in der widerwärtigsten Weife b-läfligt und zuguterletzt gar noch in» Geficht geschlagen,«ber nicht nur wehrlose Frauen griff der Betreffende an, auch Knaben und Lehrlinge erhielten ihren Th'il, ste wurden gleichfallt hinterrückt mit Schlägen trakttrt. So halte der rohe Patron dereitt einige Straßen durchschritten ohne auf Widerstand zu stoßen. Endlich kam er aber doch an die rechte Stelle. Ein Fräulein W. folgte dem Burschen auf dem Fuße und veran» laßie schließlich seine polizeiliche Feststellung. Schimpfend und laut gegen die ihm angetkanr Schmach protestirend, machte er dem Schutzmann die r.ölhiaen Personalanciad-n, Der letztere, der den tbeatralisch Aufbrausenden behutsam am Arme berührte, hatte Mühe, ihn in die nöthigen Schranken zurück, u- weisen.„Sie kompromitttren mich ja," rief der Vertreter der sogenannten„golde? tn Jugend" und Sohn einet hochgestellten Slaaltdirettor» aus. Leider kam auch bei dieser Gclegenhrit daZ wahrhaftige und vergebende weibliche Gmüih zum Vor« schein. Auf die Frage de» Schutzmann» an die Frauen, ob ste auf einer Bestrasung de» Ststttten beständen, wurde ver» n einend geantwortet. Bedauerlich genug. Vielleicht Hai der Vorfall aber trosdcm noch ein Nachspiel. Wenn ein Arbeiter, der au» Verzweiflung, Roth und Elend zur Flasche greift und in einem kleinen Rausche Veraeffenhrii de» Jammert sucht, welch ein Gesedrei wird da erhoben. Da wird über die Ver» rolung und E.ntstttllchung der Mafien gewettert. Bei den „höh-ren" und„Gebildeteren" hat da» Kind einen anderen Namen, da ist et unschuldige Heiterkeit, selbst wenn dieselbe in Handgreiflich ketten autariet. Eine recht««angenehme„Nichtfindigkeit" einet Jünger» Stephan'» hat, dem„Berl. Tagebl." zu Folge, einem dt« dienenden Mädchen aut Hirschberg in Schlesten und deren Angehörtgen viel unnöthtgen Schrecken vermsacht. Der Her» gang ist folgender: Da» Dienstmädchen einet hi-stzen be» kannten Schauspielert sandte am 18. vorigen Monat» einen Brief an ihre tn Hirfchberq in Schlesten lebende Mutter, er» hielt denselben aber am 24. desselben Monat» mit dm postali» schen Vermerk„Adreffatin verstorben. Titze, Briefträger" ver» frhen wieder zuiück. Der Brief war hier zur Ermittelung der Rdsenderin amtlich«öffnet und mit Dienstst/gel wieder ver» schlvffm worden. Da» Mädchen«schrak natürlich nicht wenig ob dies« gänzlich unerwarteten Hiodtpost, und der Dienstherr, d:m et ganz unerklärlich erschien, daß die ebenfall» in Hirsch» derg lebe« d-n Geschwister de» Mädchen» diesem von dem Ab« leben der Mutter keine Mittheilung gemacht haben sollten, fragte bei den Rachdartleuten der angeblich»«storbenen Frau telegraphlsch an, wie die Sache steht. Darauf kam nächsten Taget eine Karte von d« Hand der angeblich tobten Mult« an ihre Tochter, die mtt den Worten beginnt:„Deine Devesche habe ich«halten, bin sehr«schrocken u. f.«." Da» Mädchen schrieb nun ab«mali an die Mutt« und unterm 30. September kam auck dieser zweite Brief mit demselben postalischen Vemerl„Adreffatin verstorben. Titz«, Brief» träger" in die Hände der«bsend«in zurück. Diese Vorgänge erscheinen um so ur«klär lich«, da nach Angabe det Mädchen» der in Rede stehende Brüsträg« Titze mit dem Vater bei Mädchen» befreundet war und die Mutter und Geschwister genau kennt. O» Versehen. Adstcht od» sonst«a» vorliegt, ist nach Lage der Dinge völlig unerfindlich; die Ausklärung de» befremdlichen Fallet wird sicherlich nicht auf fich«arten Die schon oft aufgeworfene Krage, od Tbwe träumen, «hält durch folgenden Vorfall, den em hirstget Blatt mittheilt, eine merkwürdige Illustration. Ein in der Simeonistraße wohnender Brünkromhändl« hat seit and,«halb Jahren einen schwarzen, großen Ziehhund, dessen Gutmüthigkett urb Harm» lrstMt in d« Nachbarschaft allgemein bekannt war. Klein und Groß spielte mtt dem Thier, ohne daß an demselben je eine Bothrit bemntt worden war. Ein Hauptfreund und Pfleg« de» Hundes war d« zwölfjährige Sohn d« Familie; derselbe schläft mit dm Hunde in einem Zimm« und vergaß selten, ihn noch Abend» zu streicheln. In der Nacht zum jüngsten Mittwoch«wacht da» ganze Haut von einem fürchter- lichcn Hilstgeschrei, der Hund war um 3 Uhr, in völlig« Dunkelheit, ohne jede Veranlassung plötzlich aufgesprungen, hatte fich auf den Kr aben geworfen und dksrn in gräßlicher Weise Gesicht und Kopf Mflrischt. Wie et scheint, halte da» Thi« geträumt und nur in d« Folge diese» Träumen» da» Kind angefallen, denn kurz nach dem Ueb«fall l-ckte er wedelnd seinem Opfer die Hände. Der Vnwundcte wurde sofort zu einem in der Branvenburgstiaße wohnenden Heilgehilfen ge» bracht, um dort den ersten Verband zu erhalten: nach SrMchem Ausspruch ist der Fall»war ein üb«au» schwerer, doch werben schlimmere Folgen nicht befürchtet. Der bereit» fünfmal Wege« Diebstahl» bestrafte „Arbeiter" Larisch wurde vorgestern bei«ut'ührung eine» SchlafstelleN'Dietstahl» w der Bov-nstraße«griffen und zur Haft gebracht. L. hatte den dreizehnjährigen Sohn der Wwe. Sch., bei welch« et eine Schlafstelle mteihen wollte, während kurz« Abwesenhett der Mutter uni« einem Vorwande fortgeschickt. Alt der Knabe die Treppe hinabstieg, erinnerte« fich. daß seine Mutter ihm vnboien hatte, die Wohnung zu v«- lassen, er kehrte daher dorthin zurück und begegnete vor dn Thür dem L„ welch« sich anfchickie, die Treppe hinabzusteigen. Da d« Knabe beim Eintritt in da» Zimm« da» Klriderspmd, tn welchem seine Mutter ibr Geld verwahrte,«brachen fand, und tn der Hand de» L. Geld bemntt hatte, verfolgte er den letz<«en, welch« zwar zu entfliehen suchte, ab« durch Paffan- ten in bei Jnvalidenstraße ergriffen wurde. In dem Besitz de» Ergriffenen wurde außer dm grstohlentn Gelbe ein Pfandschein üb« eine Uhr gefunden, welche bei einem PfanZleih« in d« Rhrintbngerstraße vttsetzt war. Diese Uhr ist nach Angabe de» p. Larisch von ihm gestohlen, doch o«mag« den Ort de» Diebstahl» nicht mehr anzugeben. Einen eigmihümliche« Selbstmordversuch machte vorgestern Nachmittag ein etwa 40 Jahre alter Mann, dessen Persönltchleit ditber nicht«mtttett werden konnte. Derselbe wurde in einrn Hause tn dn Jüdenstraße von d« Vizewirthin vor dm HauSdodm schlafend vorgefunden und stürzte stch, alt « aufgefordert wurde, da» Hau* zu verlassen, vorsätzlich üb:r die Barriere de» Treppenhauses 3 Stockwerke htnunt«. Be- wußtlo» blieb« auf dem Flut liegen und ist, nachdem d« Arzt einen Schädelbruch konstatirt hatte, nach vrr Charit« ge» schafft worden. Sturz w die Schaufensterscheibe mtt schwer« B«. letzung. Beim Putzen de» Schaufenster» de» GesckiäftSlokal» der Schirmtabril von Albert Ulrich, Leipzigersir 66, oe un» glückte am Freitag früh der tn genanntem Geschäft bedienstete Laufbursche, indem derselbe wahrend d« Arbeit von der zu sieil angelegten Leit« herunt« und in die große Spiegelschride fiel, so daß dieselbe unt« lautem Krach zertrümmerte. In Folge de» heftigen Anprall» stürzte der Junge rückling» auf da» Trovoir, wobei er mtt dem linken Fuß zwischen die Sprossen der Leit« g«ieth und stch auß« inneren und äußeren Per- letzungen auch noch ein« Verrenkung de» Fuße» zuzog. Unfähig, sich zu«hiben, wurae d« laut Jammende tn den Laden ge» wagen uno dann ärztliche Hilfe requiriri. Während die Zahl der hier verübte« Eivbrstche in erfreulicher Abnahme begriffen ist und die zur Anzeige kom- menden Raubanfälle fich mit geringen Ausnahmen ali fingirt erweisen, nehmen die Verbrechen wid« die Stttlichkett, nameni- lich die gegen Mädchen im zartesten Alter»«übten Attentate stetig zu. E» kann den Eltern nicht dringend genug an da» Herz gelegt w«den. daß ste ihre Kind« nur unt« Aufstcht auf d« Straße, auf Höten und Fluren spielen lassen. Am Donnert» tag wurde der vielfach vorbestrafte und«st im August d. I. au» dem Zuchthau» entlassene„Arbeiter"®. festgenommen unt« der Beschuldigung, mit d« 7 jährigen Tochter eine» Kohlenhändler» unzüchtige Handlungen vorgekommen zu haben. D« Beschuldigte hat fich in zwei, vielleicht auch noch in wettnen Fällen den Mädchen, welche« zu Opfern auiersehen, mtt den Worten genähert:„Komm mal mtt, Kind, rufe mir Krüger herunt«, ich schenke Dir auch einen Sechs«". Ein äußerst freche« Diebstahl ist am Mittwoch, Mtt- tag»»wischen 12 und 1 Uhr, in dem Kellergeschoß de» Hause» Phittrvsteaßc Nr. 23 autgriüM worden. Ein daselbst«oh nend« Arbeiter Boßling hatte von seinen geringen Erspar- niffen ein«oblengeschätt eiabltrt und. da daffelbe gut rentirte, am 16 Swtemd« d. I. einen„Arbeit«" Hermann Müll«, zu sein« Asststm, angenommen. Alt nun v. am Mittwoch Mittag von Hause abwesend war, veririchte M. die Frau v. durch die vnschiedenartigsten Vor>p!egelungen au» dm Hause zu bringen, um einen Diebstahl autzuführen: diese» gel mg ihm ad« nicht. Spät« begab stch Frau B. wenige Minuten nach dm Hos und diesen Moment benuyie M, um au» dm im Kell« stebmden Schrank da» ganze Baargeld im Betrage von 105 Mark zu entwenden. Alt Frau v. darauf zurückkehrte, gab« vor, 4 Scheffel Kohlen zu einem Kunden fortbringen zu müssen und entfernte stch auch hiermit, ohne jedoch wieder zurückzukehren- E» ist bi» jetzt noch nicht ge» lung-n, de» frechen Diebe» habhaft zu w«den. D« Vttlust ist für den v. um so schw««, alt« zu Freitag eine Ladung Kohlm destellt, die« von dem Gelde bezahlen wollte,— Nachträglich wird berichtet, daß jrn«„Arbeiter" ein bekannt« Dieb ist, welch« bereit» 8 Jahre G-fängniß hinter fich hat. Markthalle«- Bericht»,» Z. Sand««««, stäoris»«» Beriauftvermtttler, B«ltn, Zentral- Marschälle, den 8. Ok» tob« 1880. Butter. Frische feinste Tafelbutt««. 126—130, feint Butt« L 116-122, 0. 100-112, lU. fehlerhafte 85-95, Land» butter L 95—160. o. 85- 90»., Galizische und andere geringste Sorten 06—72 M. per 60 Kilo Preise fest. Käse. Schweiz«käse L 56-63 M.. n. 50-66 M n. 46-48«, Quadrat» Backstein I. fett 22-26 M., ll. 10-16 M.. Limburg« L 80-36 K., IL 20 W* 25 M-, rheinisch« Holländ« Käse 45-68 M., ll. Waare 36 M.. echt« Holländ« 65 M.. Ä>am« L 60-70 R„ ll. 66-68 M.. ftanzösisch« Neufchatell« 16 M. p« 100 Stück. Roquefort 1,20—1,50 pr. Pfd. Ei« find ab«mal» im Preise gestiegen, so daß Zusendungen darin rentabel«scheinm. 2,70—2,76 M. p« Schock. Gttäucherte sftsSe. Rhrinlach» 2�0—2,90 M., Weser- und Ostfeclach» 1�0—1,40 M., geräucherte Aale 70—1,00 Mi 1.30 Pf. pr. Ptd., groß« Delttateßaal 1�0 p« Pfd„ Flundern. kleine 2,00—300, mittel 3,50-6 große 8-16 M., Bücklinge 1�0 bi» 4,00 M. Dorsch 8-10«. p« 100 Stück. Sprotten 0,40—0,60 p« Pfund. Krebse,«leine. 10 cm. 0,75-1,00 M„ mittel 100-3». große 4—10 M. v« Schock. Hummern 100—1,60 R p« Pfund,»lustnn 7,63—12 Rk. vr. 100 Stück. Lebende Fische. Aal. mittelgroß 80-96. große 1.10 M. Heckt 60-70 Pf.. Schleie 70-80 Pf. p« Pfund. Karpfen tn Stücken von je 1—18 Pfund in großen Posten ange- boten. Sftsische. Lach« 1,00-1,20-1,30 Mach Zand«, große 80-100 Pf.. Hecht 40-50-66 Pf, Steinbutte 70-80 Pf„See. »mge, große 0,70—1 R., mittel 60-60 Pf, Scholl» 10— 26 Pf, Schellnich, große 20 Pf, Kabliau 16 dt» 20 Pf. per Pfund. Makrelen 40-60 Ps. pro Stück. Dorsch 6-12 Marl per Zentner. Obst und Gemüse. Ung. Weintrauben 26—29, Ochsen» äugen und Mutlatelln Weimrauben 28- 30 Pf. Neue C tronen 30—48 M. per Kiste, Pflaumen 225 bi« 4. Birnen 4 20 bi« 660, Tafelbirnen 7-16 M, Aevfel 425- 6 Mark Tak-täpfel 7-16 M, feinste Sorten dt» 26 Marl, Psirfiche 20-30 M, = ÄIM&TA Teltower Rübchen 9-12 M, Melonen 15 Mi 20 M vr' Iii5"""""' 7-IX" «nttn 0�0 bt» 1�0, feastn�CO�M». nr Wück�Krame»! vöael 18—23 Pf. p« Stück. Autthah« 3—4,50 M Lirkhuhe» 1,75-2,50 Ml. pr. Stück. Geflügel. Fette Gänse per Pfund 60 M* 70 Pf. Halbfette Gänse 50 bi» 60 Pf. p« Pfund. Magere» Geflügel ist nur mtt Mühe und zu sehr nied«en Preisen unterzubringen. Gänse 2,50—3.00—6.00 R, sunge Enten 1—1.50 bi» 2,00 Mark, sunge Hühn« 0.55-0,80 M, alt« 1,00-1,70 R, Tauben 30 M» 46 Pf, Poularden 4,50 MI 8,00 Dt per Stück. Politei» Bericht. Am 7. d. M. Vormittag» wurde et« 70 Jahre all« Mann vor dem Hause Friedrichstr. 59 durch einen von dm Hautdien« Damitz geschobenen Handkarren zu Boden geworfen. Ec siel so unglücklich, daß er ewm Bruch de» Hüftknochtn»«litt.— Mittag» fril der Arbrittbursche Steffen, alt« an d« Ecke d« Friedrick»« und Puttkamer» straße unmlltelbar vor ein« Droschke über den Fahrdamm laufen wollte, ,u Boden und wurde am Unterleib überfahren. — Am Nachmittage stürzte in dm Hause Jüdenst:. 35 ein fremd«, etwa 40 Jahre all« Mann, welcher wahrscheinltch auf dm Boden de» Hause» geschlafen halle, die Treppe de» vierten S.'ockwnle» hinab und erlitt dadurch so schw«e Verl'tzungt« am Kopfe, daß« mittelst Krankenwagen» nach v« Charvee gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit wurde in det Gartensiraße die Ehefrau de» Händler» Wiavarz. alt ste hinter einem von ihrem Eomann gezogen«,, mit Preßkohlen ge» laden«, Wagen herging, von d« Drichsel eine» Vicht hinter ihr herfahrenden Ardeittwagen» derartig g gm dm Handwagen gedrückt, daß ste eine Oaetschung d« Hüfte «litt und mittelst Droschke nach ihr« Wohnung de» bracht werben mußte.— Ebenfalls am Nachmittag wurde ein 69 Jahre alt« Mann, welch« schon fett mehreren Tagm nicht mehr geschm wordm war, in sein« von Amt»« wegm geöffnetm Wohnung, Kleine Auguststraße Nr. 6, todt neben einem Stuhle auf brn Fußboden liegmd vorgefunden. Da die Annahme eine» Selbstmorde» autgeschloffm«scheint und Suß«e Verletzungen an der Leiche nicht wahrnehmbar stnd, so ist anzunehmen, daß« vielleicht in Folg« eine» Schlag» anfallt auf dem Stuhl fitzmd gestorben und von demselben h«abgefallen ist. Tie L iche wurde nach dem Lrichinschauhause g-bracht.— Gegen Abend wurde an d« Schillingtdrücke da 64 Jahre alte Maurer Holz von einrn mit Getreide schw« be» ladmm Wagen Überfahren und so schw« verletzt, daß« mit» trist Droschke nach dem Krankmhause Bethanien gebracht wer« dm mußte.— Um dieselbe Zell mtstand in dn Wohnung des Mal«» Sckmberg, Friebenstraße Nr. 3, dadurch Feuer, daß eine an d« Stubenihür hängende Pelrolmmlampr hnabfiri und explodirte. Durch da» umherspritzende brennende Petroleum wurde da» Dienstmäbchen an v« linkm Hand und am linkm Bein so schw«»«letzt, daß e» nach dem Krankenhause im Friedrichihain gebracht werden mußte. Da» brennende Mo» biliar de» Zimm«» wurde von der Feuerwehr leicht gelöscht. — Am 8. d. M. stieg ein hiesig« Kaufmann auf dm Sockel de» Denkmal» Friedrich Wilhelm IV. vor der Nation al�alerie in d« Absicht, fich von drnseldm hinabzufiürzm. Er««de jedoch noch rechtzettig daran v«hind«L Gerichis-Zeitoing. Die Krage, ob dem von dem Bertheidtger der Marie Schneider eingelegten Rechtsmittel Ver Reotfion Fortgang pt geben ist od« nicht, hat nunmehr ihre Erledigung dahin ge» funCrn, daß fich gestern der Oalel und gerichtlich bestellte Bor» «mmd d« Vermthriiten bei dem Siechißanwalt Dr. Frtedmann «infand und demselben unter Ueberreichung sein« Befklluna Vollmacht zur Einlegung d« Revision eriheilte. Da die F-ist erst mtt dm heutigen Tage abläuft, so ist da» Rechttmtttek noch rechtzeitig eingelegt wordm. Abgesch-n von d« Rüg« etwaig« Formfehl« dürfte die Revision auf ein« rechtttrrthüm» lichcn Aut legung de» Begriff» de» Unterschridungtoennögm» bestützt wttden. Die Etulegung von Rechtsmitteln zu« ProtakoT de» Serichttfchreiber»«weist fich für die Revidmun all absolut unzureichend, wie gestern dzr Arbeit« N. zu seinem großm Leidwesen kmnen zu lernm Gelegeehett erhirll. D« Angellagte war wegen mehrfach» Uedertretungen zu ein« Haft» strafe verurihritt und diese» Urtheil von d« sechsten Straf» lamm« hirfizm Landgericht» I durch Verwerfung der dazegm eingelegtm B-r-tung bestätigt worden. N. meldete tn d« Ge- richttschreibecri Revision an, zu deren Begründung m Protokoll Nichtonnehmung d« Entlastungtzeugm angefühn wurde. D« Angellagte hatte ab« im Berhandlungttermin dm bezüglichen Antrag gar nicht wtednholt gehabt. Verletzung materiell« Rechtsnormen war im Protokoll de» GerichtSschrrib«» nicht gerügt wordm. In T-rmin vor dm Straksmat dr» Kamm«- gnicht« beantragte der Oberstaatsanwalt Aulhedung de» Ur» thril» und Freisprechung wegm zwettello» eingetrrimer Ber» jährunz. Der Gerichtshof«tannti ab« auf Verwerfung der Revision, weil materielle Gesetzi«»«letzung gar nicht gerügt worden und da» UrtheU in so weit zu prüfen war, all ei angefochten wurde. t 74 Diebstähle konnte der oft vorbestrafte Karl Ritter autsührm, deoor e» der Polizei gelang, ihm da» Honda«!« »igjähriger Mann, vor der vlerim Strafkammer diesigen Land» ßWPWPSS« seligen WrrlhSleute. die Schrank und Kommode offm ließen, plünderte er ste vollständig an». Waren die Leute ob« vor» stetig gewesen und battm ste alle» vnschloffm gehalten, f» Smh ÄtÄÄis irÄifes instrummten autgerüstet war, Widerstand zu leistm. Bon den ihm»ur Last gelegten Strasthaam gab Der Ange- Uogle We meisten bereitwillig mtt allen Einzelheiten zu; bei einigen ab« leugnete« auf da» barinLckrgste, kotzbem« all oll«„Kriainalftukienl" und au» sein« eigenen Praxi» doch«iffm konnte, doti allein die schon von ihm selb? zu-egedmen Verbrechen da» Maximalstrafmaß gegm ihn her» brifüarm mußten. Et wiebecholte stch diu dt« oft beobachtet» Thatsache, daß geständige Angeklagte tn einem kleinen, un» wesmiltchm Punkte hartnäckig bei«in« Behauptung stehen bleiben, die mit der Wahrheit nicht übereinstimmt. So war auch hier eine ziemlich umfangreich« Bewritaufnahme«forde»' lud, welche die Schuld de» Angeklagten auch in dm von ihm nicht zugegegkdenen Fällen»ollstänetg«gab. Da» Urthett lautete nach dem Antrage de» Staatsanwalt» auf eine Zucht» kaui strafe von 15 Jahren, zehnjährigen Ehrverlust und Zn* lasstglett von Pol-zriaufftcht gegm den Angeklagten. Für dl» bürgerlich« Gei-lllchatt ist R tt« todt. _ t Die veläfttgnng des Pnbttkmn» dnrch dl» Agenten von»vzablnngtgeschäften ist nachgerade zu einer wahrm Stadtplage geworden. Die Sucht, auf jeden Fall ein Geschäft zu machen, um die oft dazu noch recht lärgliche Pro» viswn zu vrrdimen. treibt die bedauern»werthen„SiaStteisen» den", d«m Austraggeb« die Hauptschuld an oem Trribn» ihr« Angestellten tragen, dazu, oft zu Mitteln ihre Zustuchl Nehmen, die nicht»wctfeltohne find und fit mtt dm Strat» gkfetz t-1 Konfltv bringen. Ein solch« Fall lag gestern ver «strn vdafkamm« hiestzm Landgericht» I vor, bei dm vo Angeklagte, der Agmi und Kasfir« Hermann P„»u smm Glücke noch mtt einrn blau?» Auge wegkam. D« Agent reist für da» Rähmafchinengeschäft von Bleichrod«. Frr�rafc- straßc. 9: hatte eine Frau Warnte zu Zrckrttdmb- bedtent, so daß ste ihn einem jungen Mädchen, Fräule« IRarte Stempel, weiter empfahl, die eine Nähmaschine kaufen wollt«. Der Agent machte seinen Besuch, der etwas zur «ngelegercn Zeit fiel; denn Fräulein Stempel war eben im Begriff, von Hause fortzugehen. So mußte der Agent seinen Wortschwall, mit dem er die Vorzüge der verschiedenen Nah» Maschinen yäeme schilderte, ein wenig einschränken; aber viel» leicht gerase durch diese Beschränkung erreichte er, daß FrSu» W? S'nnp«! sich nicht abgeneigt zeigte, eine Maschine (Medium) zum Preise von 130 M. bei einer Anzahlung von 20 M. und einer mo aallichen Abschlagszahlung von 6 M. zu etronben. So giebt er wenigsten» an und der vestellzettel» rvelchen er seinem Geschäft über den abgescbloffmm Handel überreichte, trug auch die Unterschritt des Fräulein Stempel und die bestimmte Bezeichnung der Maschine und des Preises. «m festgesetzten Lieferungstermin schaffte ein Hausdiener die Maschine in die Wohnung de» Frl. Stempel. Dort wurde fit «12 nicht bestellt zurückgewiesen. Der Hausdiener konnte nur ausrichten, daß die Benannte ihren Bedarf anderweitig gedeckt habe. Nun lag aber der rechtsverbindliche Bestellschein vor und auf diese« bestand Herr Lleichroder. Es kam zum Zivilprozeß doch in diesem vorläufig noch nicht zur Sntschei- dung. Fräulein Stempel stellte die Sache vollkommen anders und so dar, daß der Agent einer schweren Urkundenfälschung dringend verdächtig erschien. Sie gab an und die Aussage wiederholte sie gestern unter ihrem Eide, daß fie bei der V«. dandlung mit Herrn P. durchaus noch nicht eine bestimmte Maschine zu einem bestimmten Preise bestellt habe. Wohl seien alle übrigen Daten dieser Urkunde richtig, auch die Unterschrift rühren von ihr her, denn der Agent habe ihr gesagt, daß fie durch diese Unterschritt stch zu nicht» verpflichte. E» sei ausgemacht worden, daß fie mittelst Postkarte dem Angenten nachträglich berichte, welche Maschine und zu welchem Preise fie dieselbe wünsche. In dem Bestellschein sei die Nummer der Maschine und der Preis ders-lden wider ihr W ffen von dem Ange» klagtm seidst eingetragen worden, wa» um so leichter möglich «br, als die Schrift nicht mit Dtnte, sondern mit BWstttt »eschrieben worden sei. Die Bertheidtgung suchte den Werih dieses ZeugniffeS zu erschüttern und die» gelang ihr in einem gewissen Sinne. Zwar erklärt«»er Gerichtshof, daß die Z-ugin einen durchaus glauhwürdigen Eindruck gemacht bade; aber, da fie Partei in dem Zioilprozeß wäre, drffm Entscheidung von dem R-sullat der heutigen Strafoerhandlung wesentlich abhänge, so sei der Werth dieses ZeugniffeS doch nicht so un- bedingt. um eine Verurthellung zu rechtfertigen. Die Sache sei nicht aufg-Uärt und der Angellagt« fteizusprechm. Ei« htcstger Einwohner, welcher einen Gemeindelehrer in Gegenwart der Scbüler beleidigt bat, ist vom kgl. Land» fericht l zu SO M. Geldstrafe event. 10 Tagen Getängniß wegen ffentlicher Beleidigung verurtheitt und dem Beleidigten die PudlikationSbetugniß zugesorochen worden. Gera. 5. Ottoder. Der geringe Betrag von 221 Mark bat einem 21jähr aen Burschen eine Straf« von sechs Jahren Zuchthaus, sechs Jahren Ehrverlust und Tragung der Kosten eingebracht. In ver grstrigm Schwurgerichtsfitzung hatte stch der Dienstknecht Louis Bernhard Steiner aus Getchenbach wegen Straßenraubes zu verantworten. Der Vorgang war kurz folgender: In der Nacht zum 1 August waren verschiedene junge Leute in Unterloquitz zu Biere» darunter auch der Schieserardetter Gustav Büttner aus Schweinsbach. Auf dem Nachhausewege setzt« stch letzterer auf die Löschung der Chaussee nieder, um auszuruhen. Hier wurde derselbe von dem Ange- klagtm überfallen und seines Portemonnaies mit obiger Summe beraubt. Nach dem offm adgelegtm Geständniffe plaidirte der Verlheidiaer sehr lebhaft für mildernde Umstände, welch« aber von den Gischworenm verneint wurden. Vereine mh Versammlungen» Der Fachveret« de« Mechaniker. Optiker, Uhrmacher, chirurgischer und anderer Jnstrumentenmacher hielt am MM- woch, den 6. Oktober d. I., im Saal« des Herrn Niest, Rom- mandantenstr. 71/72, feine ordentliche Generalversammlung unter Vorsttz des Herrn Spieß ab. Herr Linde erstattete zu- nächst den Kassenbericht. Demnach detrugen die Einnahmm 343,37 M., die Ausgaben 245 53 M., e» verbleibt somit ein Bestand von 97,84 M. Der Revisor H.'rc Candrian theilte darauf Namens der üdrigm Revisorm mtt, daß sich Kaff: und Bücher nach sorgfältigster Prüfung in bester Ordnung betun- den haben.— Hieraus folgte die Ergänzung« wähl des Vor- Sande». Gewählt wurden die Herren Boy(2. Vo.st�ender), ühn(1. Kasfirer), Sallbach(1. Schriftführer), Lotius und Zolkowie(Ersatzmänner). Als Mitglied der Arbettsnachweis- tommisston wurde Herr Oelecker gewähtt. Zu„Verschiedenes" vrrla» H:rr Schramm da« im Druck erschienene„Rechtsschutz. reglemmt" des Fachoerein» und betonte die Rolbwendigleit d.ffelden. Der Vorfitzmde sowohl wie Herr Brösle ersuchten die Mitglieder, jede vakante Stelle im Virkehrs- und Arbeitt. nachweise- Loial, Lindenstraß« 106 bei Poppe, anzumelden, da «»»enwärlig ein großer Theil der Kollegen beschäftigungslos ist. ;m Antrag, einem Mitgliede bebuf» Stellungannabme in Maadedurg ein Darlehen von 15 Mark au» der Kaffe auf 4-6 Wochen zu gewähren, wurde angmommm. Ferner wurde beschloffm, nach der nächsten Versammlung den Mitgliedern »u den regelmäßigen Versammlungen lMittwochs nach dem « und 15 eines jeden Monats) kein« besonderen EinlaSungs- wtlen zu schicken, sondern die Versammlungen nur in den Ä'Uung«, m annonziren. Die Fragekasten»ebatt« gab wieder »..„IfS fit. einen Blick in einzelne Werkstätten zu werfen, in H Redner meinte,„sehr großartige Einrichtungen" �'ukeff-n find So wärm in der Telearophenfabril von $ ää dann solle» die Arbeiter möglichst noch eigenes Werkzeug "icht, in solchen„Mustirwerk» Witten anzufangen. Nachdem noch vom Vo: fitzenden auf ver- schieden« vakante Miellen hier und nach außerhalb aufmerksam gemacht worden war, schloß der Vorfitzende die Versammlung um 11V: Uhr., v_ 1 Der Sachvttti» der etei««,tze« hie« am 3. Ottob« in Ahlgrima. t Salon, orphiennt. 34,»ine General Versammlung ab, in welcher zunächst der Kassenbericht für da« 3. Quartal erstattet wurde,»er Bestand betrug Ende Juni 1377 M. 50 Pf.; die Einnahme 839 M 5 Pf.; mithin blieb Bestand Ende September 2216 M. 65 P. Di« Revisoren de- stättgten die Rtchttglcit der Abrechnung und wird dem Kasfirer Kötzsch Decharge ertheilt. Hierauf erfolgte»orstandswahl. Wiedergewählt mürben der 1. Vorsitzende Herr Stieber. als Kasfirer Herr Kötzsch und als Schriftführer Herr Padst. Neu- gewählt wurden die Herren Ritter(2. Vorfitzender), Schninqer, BShland und Sachse(Revisoren), und zu Beisttzern dt- Herren Fehrmann und Peter. Der Vorfitzmde und Herr Hrmpel ermahnten die Vorstandsmttgleeder, stch ihrem Amte im Jatereffe de» Vereir.» m widmen. — Hieraus berichtete Herr Hoffmann über die V Sammlung der Meister, welche stch mtt der Verhinderung von Strett» de- schäfttgte und in der die Anlegung von sogenannte"„schwarzen Lrften" empfohlen wurde, in welche diejcnlgen Gesellen t>«r. zeichnet werden sollen, welche fick an Stteils betheiligen. Auch wurde noch hervorgehoben, daß das Blatt„Der Stein- bilvhauer" mitgetheilt habe, nach Angaben des Herrn Profeffo: Freibaus betrage das Durchschni.lSalter der Steinmetzen 43 Jayr 10 Monate. Fast alle Redner äußerten stch dahin, daß hiermit dloS die Untenntniß der Lage der Steinmetzen de- wiesen würde, denn in Wirklichkeit betrage deren Durchschnitts- «lttr höchstens 39 Jahr«.— Herr Röhn sprach cdensalls über die Versammlung der Meister und spricht stch dahin aus, daß es vielleicht besser wäre, um bessere Vereinbarungen zu erzielen, w-nn der„Verband der deutschm Steinmetzen", Fühlung mit der Organisation der deutschen Laugewerksmeister nähme. Es wurde noch bekannt gemacht, daß die Kollegen in Breslau bei der Firma Nickel die Arbeit nie- dergelegt haben, da ihnen von ihrer ortsüblichen Mittagpause eine halbe Stunde entzogen worden ist, indem ihnen gesagt wurde, fie sollten entweder um 1 Uhr oder erst um 3 Uhr wieder anfangen. Zum Schluß wurde heroorge» Hoden, daß die Organisation der Steinmetzen eine feßge» schlössen« sein müsse, und daß, wenn erst jeder Steinmetz Mtt- gliev de» Fachoerein» wäre, die Herren Meister mit ihren schwarzen Listen und ihren Maßregelungen nicht viel aus- richten, am allerwenigsten aber die organistrten Kollegen er» schrecken würden._ Zentral- Krauken» und Sterbekasse der Tischler k. (örtliche Verwaltungsstelle Berlin A.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß sett 1. Oktober zwei neue Zahlstellen. Wrangel- straße 86 und L-ufitzerstr. 9 bei Wetzerich,«'öffnet find. Ferner ist dt« Zahlstelle Mar.teuffelstr. 21 na» der Ranteuffelftr. 32 hei Alex verlegt. In sämmtltchm Zahlstellen weiden jeden Sonnabend Abend von 8-10 Uhr Beiträge angenommen und neue Mitglieder aufgenommen.— Am Sonnabend, den 9 ONoder, findet in Renz' Salon. Naur.ynstr.27, ein Familien- lrS.izchen statt, btstcbend in Tanz und deklamatorischen Vor» trägen ,c. Anfang 8 Uhr. Der Reinertrag ist für den In- valrdenfonds der Kasse bestimmt. Einlaßkarten für Herren 50 Pf., für Damen 25 Pf. inkl. Tanz find auf sämmtlichen Zahlstellen d?r Kaffe, sowie heim Kasfirer Henn Gretting, Ranteuffelftr. 115 v. n, ,u haben. * Tischler-Verein. Heute Abend 9 Uhr, Kottbuserstr. 4a, Generalversammlung. Tagesordnung: Kassenbericht vom dritten Quartal der Kranken- und Vereinslaffe, VereinSangelegenheit, sowie Ausgab« der villet» zum Stiftungsfeste. veret« zur Währung der Interessen der Lackirer aller Branchen. Versammlung am Montag, den 11. Ottoder, Abends 8% Uhr, in Rieft'» Salon, Kommandantenstraße 72. Vortrag des Herrn Dr. Etahn. Verschiedenes und Fragelastm. Der Arbettsnachweis des Verein» befindet stch Breslauer- straße 27. Allgemeiue Krauken» und Sterbekasse der Metall- arbetter(E. H. 29 Hamburg). Versammlung Sonntaa, den 10. d. M, Vormittags 10 Uhr, im Lokale de» Henn Uphoff, Alt- Moabit 90(frührr Donath). Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Verschiedene». 3. Verlegung der Zahlstelle von der Stromstraße nach der Birkenstroße 24. Fachveretu der Retallschraubeu-, Fassondreher und Berustgencffen Berlins. Sonntag, den 10. Ottober, Vormittags 10% Uhr, Alexanderstraße 31 bei Wrick: Ordentlich« General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vtetteljahresbericht. 2. Konstituirung des Arbeitsnachweise-Lureaus. 3. Innere Angelegenheiten. Sachveretu der Rohrleger. Sonntag, den 10. Oltoder, Vormittaa» 10 Uhr, in Niest'» Salon, Kommandanten« straße 71/72, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Verschiedenes. 3. Fragelasten. Aufnahme neuer Mitglieder. »auverei« der Maler Berlins. Di« Fachschule des V rein» wird am 1. November in der Aula des Schullolals, Wrangelür. 133, eröffnet. Anmeldungen werden täglich AbendS von 8-9 Udr und Sonntag» von 10—12 Uhr im Verein»« lokal, Rttterstr. 123. entgegen genommen. verein der Metallschleifer. Sonntag, den 10. Oltbr., Generalversammlung bei Wolff und Krüger. Skalltznstr. 126. Kravkeu- uud Begräbnis) lasse de« Vereins sämmt» licher verufsktasse«.(E. H. Berlin n.) Hiute, Sonnabend, Abends 8% Uhr, Prinzenstraße 79, Mitgiiederversammlung. Neue Mitglieder werden aufgenommen, ebenso beim Kasfirer Schumacher, Mariannenstr. 8 Abends nach 8 Uhr. Zentrul-Kraukea- und Sterbekasse der Drechsler und anderer gewerblicher Arbeiter(E. H. Nr. 48 Hamburg) örtliche Verwaltungsstelle Berlin L. Sonntag, den 10. Ottoder, Vormittag» 10 Uhr, Mitgliederversammlung Mariannenstr. 31/32 (Jndustrtehallen). Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Viertel- jährlicher Kaffmdertcht. 3. Verschiedenes. Qutttungsbuch legi» timtrt. Da« Stittunatfest der Kasse, bestehend in Konzert, Vorträgen und Tanzdelustigung, findet am Sonnabend, den 16. Oktober, in Werner's Salon. Oranienstraße, statt. Billets für Heeren 50 Pf„ Damen 25 Pf., find auf dm Zahlstellm der Kasse, sowie bei dm Vorstandsmitgliedern zu haben. Fachverein der Steiuträge» verlin». Sonntag, den 10. Ottoder. Vormittag» 11 Uhr, tn Scheffer's Salon, Insel- straße 10, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vierteljährliche Kossmabrechnuna. 2. Innere Vereinsangelegmheitm. 3. Ver- schieden«» und Fragelasten. Die mit Ihren Betträgm resttrm- den Mitglieder find besonder? eingeladen. Däuischer verein„Freya". Versammlung jedm Sonn» abmd, 9 Uhr, Rosmthalerstr. 39. Dänische Blätter find vor» handm. * veret« der Württemberger. Jeden Sonnabmd Versammlung beim Landsmann Vaidtnaer, Dorotheenstr. 84. veret« der Taubenfreunde. Jeden Sonnabend Abend» 8'/, Uhr, Sitzung im Restaurant Kleemann, Laufitzerstraße 41. Grsangveret«„Harmonia". Jedm Sonnabend, Abends 8 Uhr, UedungSstunde im Restaurant. Alle Jakobstr. 38. Gesangverein„Sängerluft", Pallisadmstraße 9. Jedm Sonnabmd Abend 9 Ubr Uebungsstunde. Fachveret» der Metallarbeiter in Gas-, Waffer- und Dampf-Armaturm. Sonntag, dm 10. Ottober, Vormittags 10 Uhr, tn den Gratwett'schen BierhaUen, Kommandanten- st, aß« 77—79, Mitgliederversammlung. Tagesordnung; 1. Vortrag des Herrn Dr. B-umgart„Ueder die Idee de» ewigm VölierfriedenS". 2. Innere Vereinsangelegmheitm. 3. Ver- schieden«» und Fragelastm. Die Mitglieder werdm ersucht ... mm. lfU,t®ie öffentliche Versammlung der Maler Berlin«. welche von ver Lohakommifston zum Sonntag, dm 10. Ottoder, nach dem„Louisrnfrävttschen Konzerthause" etnderufm war. mtt der Tagesordnung:„Bericht und Abrechnung", ist polizeilich �t Zmtraltrankeu-" und Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbetter. örtliche Verwaltungsstelle Berlin G i Frankfurter Tborbezirl), Sonntaa, den 10. Oktober, Vormtttags 10 Uhr. bei«eller(oderer Saal), Andreasstraße 21, außerordentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Regelung der Geschäfte nach§ 16, Auszahlung und Anweisung de» Alte Jakobstraße 75 Generalversammlung. Tage-ordnung: 1. Vtnteljährlicher Kassenbericht. 2. Innere Bngelegenhetten. ZMWLW» steht Jedem frei.____ Vermischtes. da» zarte Geschlecht umgeben, uad wie bei ihnen nicht» schwerer verziehen wird als unhöfliches, beleidigendes Benehmm gegen eine Frau. Man darf in der Union eher(einen Nächsten über den Haufen schießen, als eine Frau kränken, und wmn nach dem Srschoffenm oft kein Hahn kräht, so findet dai beleidigte Weib stet» zahlreiche Rächer. Da» Bestrebm, dem bedrohten oder beleidigten Weibe einen energischen Schutz zu gewähren, ist gewiß nur löblich, wenngleich nicht verkannt werden kann, daß dieser Schutz oft eine Form annimmt, die mitunter ab» stoßend wirkt. Et ist mit Recht verpönt, gegen da» schwach« Geschlecht Gewalt zu brauchen, und weh« dem amerikanischm Ehemann, der sich vom Zorn« hinreißen lassen wollte, seine Frau zu schlagen, heute noch setzt er stch, wenigsten» in einsameren Gegmden de» Westen», der Gefahr au», von den andern„ritterlich" gestnntm Ehemännern seine» Dorfe» Nacht» au» dem Bette geholt, mtt Theer bestrichen, in Federn gewälzt und in solchem Kostüm in dm Straßen herumgeführt zu werden. Gar nicht seltm haben die amerikanischen Blätter von solchm Urtheilen de»„Richter» Lynch" zu melden. Run hat ein Miialied der pmnsylvanischm Legislatur, Herr Rodert Adam», einen Gesetz?»» Vorschlag eingebracht, nach welchem„alle männlichen Personen, welche ihre Fraum schlagm", zu körperlicher Züchtigung v«» urtheitt werdm sollten. Die Legislatur von Pennsyloanien dachte in diesem Fall« doch nicht galant genug, ste war so un» höflich, den Adamt'schm Antrag abzulehnen mtt der Begrün» dung, daß die Verfaffung de» Staate» Pmnsylvanien dir Gin» führung der Prügelstrafe verbiete. Der verunglückte Antrag» steller aber hat seine Idee nicht fallen gelassen, sondern ein« Broschüre pudlizirl, in welcher er mtt einem sehr umfaffendm ge» lehrten Apparate und aller Begeisterung, deren sein Herz fäh g ist, dafür eintritt. Mtt großer Emphase weist er darauf hin, daß mit Ausnahme de» Seehunde» der Mmsch da» einzige Wesen tn der ganzm Schöpfung sei, welcke» seine Leben». gefährtin oder überhaupt ein weidlich«» Individuum seiner eigenen Gattung körperlich mißhandelt. Da« ist gewiß nicht schmeichelhaft für den Menschm, stch auf eine Stufe mit dem Seehunde gestellt zu sehen, und wir«ollen hoffen, daß ver .Mensch" aufrichtig bemüht sein wird, stch von dm hißlichm Gepflogenheiten de» gedachten Thier» frei zu machen. In» zwischen dringt Herr Adam» auf eine Aendcrung der Ver faffung von Pennsyloanim, indem er auf den Staat Maryland verweist, vo die Prügelstraf« für Ehemänner, welche ihr« Fraum mißhandeln, thatsächlich wieder eingeführt sei und wo, nach d-m Berichte de» Kreisanwalt» von Baltimore, nach der ersten Verurthellung eine» Ehemanne» dai Prügeln der Fraum wie mit einem Zauderschlage au» der Mode g«. kommen sei. Ausruf zu einem Massakre. Au» Galt, im wird der „N. Fr. Pr." die Abschrift eine» Aufrufe» mttgrtheilt, der den Zweck halte, da» Landvolk zu Gewattthättgkeitm gegen die Juden aufzuhetzm. Besonder» bemerlmiwerth ist, daß dieser Aufruf zum Zwecke der Täuschung der Bauern im amtlichen Slyl« abgefaßt worden war. Die dem genannten Blatte über diese» verbrecherische Komvlot zugekommene Rtttheilung lautet: „Kurz vor dem jüdischen Neujahrsfeste wurde an mehrere Ort»» gemeinden de» Bezirke» Cieszano« eine„Aufforderung"(pol» n.sch„wezwanie") versendet, abgefaßt im üblichen ArntSstyle und versebm mtt der Unterschrist de» BezirkShauptmanne» und dem Amtsstegel. Diese Aussorderung hatte nachftehmdm Wort» laut:„Im Namen..... wird die Gemeinde aufgefordert, Vorbereitungen für den 29. September 1886, 9 Uhr Abmd», zu treffen, damit dieselbe in den Stand gesetzt sein soll, wenig» st ms hundert junge und tüchtige Lauern, versehm mtt Sensen und Hacken, zur anberaunien Zeit nach CieSzano» zu mtsmden, um die Juden zu morden und zu plündern, da zu dieser Zeit anläßlich de« jüdischen Neujahrsfeste» sämmiliche Juden dei» sammen find. Diese» Massakre ist sowohl vom Landtag« in Lemberg, sowie vom Reichirath« tn Wien angeordnet und be» schloffen und von..... sanltionirt worden 1" Jede» Schritt» Elick trägt die genau nachgeahmte Unterschrist de» Bezirkt» auptmanne», Heim Ciszka, und dai Amtsxelschaft in Siegel» lack. Odschon unser Landvolk keine konfessionelle Gehasstgrett kennt und noch nie eine Neigung zu Gewaltthätigkeitm aegm die Juden kundg b, hätte diese Aufhetzung an einzelnen Octen doch von bedauerlichen Folgen begletret sein können. Glück» licher Weise kam noch rechtzeitig der Ortirichter von LuMieniec (nächst Cleizanow) mit dem Schriftstücke zum dortiam Pfarrer, der sogleich die gefährliche Tendenz dies«» Aufrufe» erkannte und in die Stadt eilte, um dm Bezillshaupimann hiervon in Kmntniß zu setzen. Der Energie de» BezirtShauvtinunnS. der sofort die umfassendsten Recherchen anstellte, gelang«» noeh am selben Abend, den Schreiber de» Schriftstücke» zu eruirm. Es war die» ein fünfzehnjähriger, ganz ungebtldeter Bursche. Sohn eine» Fleischselcher» und Restauratmr» tn Cießzanow. Derselbe gestand»war gleich ein, daß die» seine Hanvschiift sei, über dm intellettuellen Urheber de» Schriftstückes jedoch verweigerte er jede Aussage, indem er dlo» angab, daß ein ihm unbekannter Herr, der in der Restauration seines Vaters dinirte, ihm dm Inhalt dettirt habe. Das Amtspetjchast wurde dadurch her» gestellt, daß der Siegellack- Abdruck von allen, vom Amte als Makulatur verkauftm Vtehpäffen abgenommen worden war. Der Bursche wurde sofort tn Haft genommm und die Gm darmerte beordert, sämmtti b« OttSgemeindm über die Prooe» nienz des Schriftstück-s zu verständtaen und ihnm die Ab« schritten abzuverlangen» um so jeder Gefahr einer Ausschreitung vorzubeu-'m" rh. Di« englische Packetpost. Obwohl die englische Postverwaltung erst seit drei Jahren es unternommen hat, die Beförderung von Packeten tn ihren Wirkungskreis einzu» schließen, erfteut stch dies« Einrichtung jetzt schon einer sehr großen Beliebtheit im Pudltkum, welches von der gebotenen Annehmlichkeit so auSziebigen Gebrauch macht, daß, währmd im ersten Letriebsjabre die Beförderung 15 Millionen Packet« umfaßte, stch die Anzahl der beförderten Packet« im»wetten Jahre auf 30 Millionen belief. Also eine Steigerung von 100 pCt.! Gegenwärtig find in London allein 700 BeSienstete in der Packetabtheilung der Post beschäftigt. Da« Et» der»Srdltche« Polaemeerr hat stch allen «intreffenden SchiffSnachrtchtm zufolge in diesem voemner außergewöhnlich weit nach Süden erstreckt. Nach Hammersest in Finmarlen find die meisten Fangschiff«, die«ährmv de« Frühling» auf Seehund- und Wallroß-ang nach Spttzberge« ausgehen, mit einer sehr geringen Autdeute zurück, et hrt. Ring» um Spitzbergen lag ein 5—8 Meilen breiter E'sgürtel» und auf der Strecke zwischen Hopm Eiland und Forelan» (gegen 56 Meilen) lag feste», zusaenmengepackte» Et». Die proßm Buchten bei Storfjord, Hamlund, Bellfjord und Jisjord warm vollständig unzugänglich. Wenn diese ge» waltigm Eismassrn, wie zu erwarten steht, im Juni und Jak kommenden Jahres weiter nach Süden abtreiben, so steht für nächsten Sommer eine merkbare Abkühlung der Temperatur tu Nord und Mitteleuropa in Aussicht. Der kleinste Staat Europa»— 6 Quadrat-�Kilometer groß— ist da» Tenttocium Moreinet zwischm Vervier» und Aachen Dasselbe enthält reiche Zinkgrubm, welche von der Gesellschaft Vieill« Montagn« ausgebeutet werden. Im Jahr« 1815 war— so schreibt die„Voss. Ztg."— eine RomHIfk« damit betraut worden, die Grenzen Preußens und der Nieder» lande festzustellen; über alle Puntt« wurde eine Einigung erz'ett, nur über Mo einet lam eine Einigung nicht zu Stande. Jede der Mächte forderte die Zinkgmbe» oder eine angemessene Entschätizung; schließlich beschloß man, da» Stück Land, das bei den Zinkwerken nur 50 elende Hütten aufwies, unabhängig und neutral zu lassen. Di« Verhältnisse des Territorium» haben stch seitdem gtwalffg verändert. Es giedi j.tzt 800 Häuser daselbst, hübsche mri ans» «staltete Läden; die Einwohner find»um Theil wohlhabend. Da» Gebiet ist neutral gedllebm, und eS herrschen daselbst pakiartaNsche ZustSr.d». Pnußm wid Belai«» haben bei diesem Staate je einen Kotr.misiar, die alle etwaizen Stwieria» leiten in Güte aukgleichen, sonst aber nickt einschreiten. An der Soitze de« Stcate» steht ein Bürgermeister, der stch selbst seine 10 Beifitzer wähit; er verwaltet die Archiv«, hat den Katafierplan unter stch und ist der unbeschränkte Gebieter. Seit zwei Jahren ist ti der Bauer Schmitz, der stch ali ersten Bei fitzer einen alten, von Jung und Alt gekannten Arzt gewählt hat. Diese beiden find lhatsächlich die„Regierung", die anderen Beisitzer stimmen zu; ei giebt nur einstimmige Beschlüffe. Der ganze Staat verauigadt jährlich tür seine Verwaltung 12 000 F cs.; jeder Einwohner zahlt anSteuem durchschnittlich per Jahr 6 Frcs. Damit«erden die Weg« und Schulen unterhalten. Militärdienst existtrt nicht; die öffentliche Macht besteht aui einem einzigen Mann, der eine Spejialunifo'm trägt al» Amtszeichen der„Republik Moreinet". Da der Ort in einem lieblichen Thal« liegt» auch ein hübscher See, an deffen Ufer eine alte Burg emporragt, die Gegend oerschönt, so find die Bürger der Stadt Aachen und Vervieri Sonntag» oft in der„Republik" zum Weingelage gemAhlich vereint. De« Verloreue Sohn. Au» Greiftzwald schreibt man der„Franks. Ztg.": Findet da vor einigen Tagen in der Schlohkirche zu Kötlin ein großer allgemeiner Taufakt statt, zu dem auch ein dortiger Malermeister sein neugeborene» Söhnchen mit der Hebeamme und den r.öthigen Pathen schickt. Nach einer geraumen Weile kehrt die Karawane mit dem jungen Christen zurück und man setzt fich ohne diesen, der schnell wieder der Wiege anvertraut wird. zum Kaffee nieder. Wie da» nun immer so zu sein pflegt, beherrscht der Säugling trotz seiner Geringfügigkeit da» Ge- spräch; schlirßlich werden Meinungsverschiedenheiten laut, wem von beiden, dem Vater oder der Mutter, der junge Erdenbürger wohl ähnle. Um jeden Streit zu schlichten, begeben beide Parteien fich an» Lager de» Kleinen, der denn auch gleich eine Begrüßungtouoertüre intonirt. Aber klingt nicht die Stimme so ganz ander» al» vorher, so wenig männlich, und hat nicht da» G-ficktchen plötzlich«inen ganz anderen Autzdruck gewonnen il Ein jäher Schreck durchfährt dt« jung« Mutter; fic begnügt stch nichr mit der äußerlichen Okular- inspektion ste dringt tiefer und— o Himmel— au» dem Männlein ist ein Wetdlein geworden..... Die Augen der jungen Multer füllen fich mit Thränen, ste war doch so stolz darauf gewesen, ihrem Gatten einen Sohn geschenkt zu haben und nun— s Da verfällt einer der Gäste auf den richiigm Gedanken: sollte die Hrbamme bei dem Andrarm fich einer Verwechselung schuldig gemacht haben? Die halbe Stadt wird allarmirt, al» endlich eine andere Fa- milie den Suchenden auf Haldem Wege entgegen kommt. Die Vermuthung hat stch al» richtig erwiesen, der Austausch findet statt, alle» ist wieder seelenvergnügt und die junge Mutter drückt inbrünstig dm wiedergefundenen Sohn an ihre Brust. Kleine Mittheilungen. München, 6. Oktober, lieber dm bereit» kurz gemeldetm Unfall im Zirku» wird weiter folgmde» derichtet: Sonnabmd Abend» war der Zirku» Wulff der Schauplatz einer Szene, welche leicht die schlimmsten Folgm hätte nach fich ziehen können. Da» Hau» war außerordentlich gut besucht. Gigm 10 Uhr war die Vorstellung beendigt und Alle» strömte vm Ausgängen zu. Hierbei geschah e», daß von der Galerie viele die Barriere zum zwestm Range überstiegen, um rascher au» dem Gedränge herauszukommen. Leider aber war der zweite Rang selbst so überfüllt, daß da» Podium die vermehrte Last nicht tragen konnte, und zwar nicht durchbrach, sondem fich theilweise an der etnm Sette, wo die VerbindungSUammetn au» den Tragbalken herautbrachm» senkte, so daß die Darauf» stehmdm ungefähr vier Meter tief w den unteren Raum hin- abstürzten. Da» laute Jammern Verletzter, die Schreckens rufe Bedrohter riefen eine sörmliche Panik hervor; ein Mann rief sogar„Feuer", wurde aber so kräftig und handgreiflich zur Ruh« oerwtesen, daß er schwieg. Zwei Frauenlpersonen, Therese EngelSderger au» Rottach und Therese Kradlinger aui Tegernsee, erlittm Beinbrüche, drei andere Personen Ver» rmtungm. Der Polizeibericht schreibt:„Ali Ursache diese» Unfälle» ist allgemeine Ueberfüllung, besonder» starke» Dränam de» Publikum» nach dem Ausgange zu bezeichnen. Buch scheint die Qualität de» zu den Tragsparrm verwendeten Holze», wie au» dm Bruchstellen erfichtlich, eine mangelhafte gewesen zu sein." Mährtsch-Ostra«, 6. Oktober. Hebet die Ursachen de» kürzlich«rfolgtm Einstürze» der Kettenbrücke geht dem „Zmttaldlatt der vauoerwaltung" von fachmännischer Sette «in« auf örtlicher Untersuchung deruhende Darstellung zu, wo- nach der Zustand der Brücke schon sett Jahrm ein so bedenk- licker war, daß da» Staunen gerechtfertigt ist, wie da» Lau werk überhaupt so lange hat halten können. Die Eisenstäbe, au» dmm die Svannkelte bestand, warm innerhalb der Anker» kammer in den Uferpfeilern, wo der Bruch erfolgte, durch Rost dergestatt zerfteffm, daß von dem Querschnitt der Stäbe nur noch der innerste Kem gesund war, und dieser betrug nicht einmal mehr den sechsten Theil der ursprünglichen Stabstärke. Einer von dm zwölf Stäben, au» denen jede Kette besteht, muß schon vor längerer Zett in Folge seiner gänzlichen Zer. störung durch Rost von der Kette herabgesallm sein; derselbe wurde vollständig verrostet, zerbrochm und mtt Staub und Schmutz bedeckt in der Kummer de» Ankermauerwerk» liegend vorgefunden. Die Ursache de» scknellm Verrosten» der Spannkette— die Brücke ist erst 36 Jahre alt— liegt vor am Tage. Der Schlitz, durch welchen die Kette in die Kammern der VerankerungSpfeiler hineingreift, ist nämlich rahe-u in Straßenhöh« und zwar so unglücklich angeordnet, daß da» Waffer und der flüsfize Unrath eine» vorhandenen kleinen Rinnstein» durch diese O-ffnung in den hohlen Raum de» Pfeiler» fließen und diesm nedst dem Wurzelende der Kette anfüllen konnte. Wie e» möglich gewesen ist, daß diese und ähnliche augenfällig« Mängel bei einer im vorigen Jahre statt- gehabten amtlichen Befichtigung haben übersehen werden können, wird die Untersuchung ergebrn. Auf«ine Eu-aabe, welche die Grmeinde Mährisch Ostrau am 25. Juni 1885 an die Landetregierung gerichtet hatte, um dieselbe auf die Mängel der Brücke aufmerksam zu ruachm, wurde ihr der Be- scheid,„daß die Brücke in allen ihrm Theilen untersucht und gut und ficher befunden worden ist." Da» genannt« Fach. latt knüpft an dm Unfall, der sech» Menschen da» Leben ge» kostet und«ine größere Zahl von Verwunvungm zur Folge gehabt hat. für all- Fachmänner, die mtt der Uederwachung eiserner Brücken betraut find, die ernst« Mahnung, fich jederzett bewußt zu bleiben, welch schwer« Verantwortung auf ihnen lastet. Szegedw, 7. Oktober. Die Cholera ist nunmehr auch hier aufgetreten; bi» heute Nachmittag find 8 Personen an derselben erkrankt und 4 gestorben. Pari», 7. Oktodrr.(Eine Doppelhinrichtung) H:ute fand hier ein« Doopelhimichtung mit der Guillotine statt. Der erste Mörder RioiSre rief, al» er geweckt wurde:„Stirbt Frey(sein Mitschuldiger) auch?" Da ihm da» nicht sofort gesagt wurde, schrie er:„Er ist doch der Urheber." Al» die Frage bejaht wurde, rief er au»:„Da» ist nur recht." Gefaßt ging er zur Guillottne und wie» vm Geistlichen zurüch Vor der Guillotine umarmte er den letzteren und nannte dm Präst- denken der Republik einm„Mörder". Der Mörder Friy, welcher dm Spitznamen„Kein Glück" führte, rief, al» ihm der Beschluß der Exekution mitg-theM wurde;„Da ist weiter wa» daran! So ist e» edm!" Al» man ihn band, sagte er: „Wozu da»? Ich wäre auch so geaanzen." Der Geistliche versuchte wiederholt, stch ihm zu nähern:„Sie. laff.n Sie mich in Ruhe!" fuhr ihn der Delivqumi an. Al» der Geist« liche stch vor ihn hinstellte, um ihm dm Anblick der Guillotine zu verbergen, schrie Frey:„Machen Sie, daß Sie fortlommen, ich brauche Sie nicht." Dann rief er:„Adieu, ihr Menschen I" und ließ stch hinrichten. Beide Exekutionm dauerten zusammm fünf Mtnutm. ßetzie AschvichLs«. Bezüglich der Reise de» englischen Schatzkavzler» Lord Courchill nach dem Kcntinmt wird dem„R-uter'ickm Bureau" von kompetenter Sttie vrrfichert, daß«» fich dabei nicht um diplomatische AngelcgenhkUen handle, die tn irgend einer der Hauptstädte de» Frstlande» zu erledigm wärm, son- der» daß Lord Churchill die Reise lediglich au» Gesundheit»» rückfichtm unternehme. vnlgarifche Interpellation in Oesterreich. Der Ministerpräfident Graf v. Twffe«klärt in Beantwortung der vom Ada. Heiliderg eingebrachten Interpellation, betreffmd dm Fortbestand de» Bündnisse» mit Deutschland: „Die Annehme, al» wenn da» Verhältniß unser« Monarchie zu Deutschland erschüttert worden sei, ist vollkommen grundlos. D-fielbe beruht nach wie vor auf dm vom Minister de» Au»- wärtizen in den Delegattonm wiederholt dlfinirtm Grund« lagm und e» liegt kein Anlaß vor, um eine Lockerung od« Trübung d« gegensriligm engen und vertrauenivollm Be» ziebungcn besorgen zu losten." Die von Hrtltberg beantragte Eröffnung der Debatte über die Antwort wird abgelehnt. Da» für stimmten nur d« deutsch. österreichische und deutsche Klub, die Antisemitm und die Demokraten. Serbische». Die„N. Fr. Pr." ernähnt in Pester hochpolitischen Kreisen zirkuttrende Gerüchte von einer Versch wörung unt« dm österreichisch:» Serben gegen da» L-.ben König Milan'». Während seine» Aufenthatte» auf ungarischem Ge» biete wollte man stch sein« Person bemächtigen und ihn zur Abdankung zwingen oder ermorden. Thatsache ist, daß die ungarische Staattpolizri VorfichtS�aßreg-ln getroffen und zu diesem Zwecke in Stuhlweißendurg sogar Militär aufgeboten hat. Sitz der Verschwörung ist angeblich Alt-Pazea. Die bulgarische Regierung hat, nach d«„Voff. Ztg.", eine Note an die europät,chen Mächte gerichtet, worin gegen da» Auftreten Kauiba:»' energisch protestirt wird. D«„Stand." dringt auf sofortige Adbnusung de» General» Kuulbar», veffm Verhalten eine monströs« V.tletzung de» Völkerrecht» fei. Wenn e» noch ein Europa gebe, so müffe solchem Unfug eln Ende gesetzt werden.„Morningpost" sagt: Di« Weise, wie Rußland die Verträge mtt Füßen trete, könne Europa nicht gleichgtttig laffen; der Bulgarcnprotest dürfe nicht undeantwortn bleiben. Nach den AuSlafiungm der ministeriellen Organe zu schließen, dürste England die Adbemkung Kaulbar»' vnlangen.(?) Der schweizerische BundrSrath hat nach der„Voff. Ztg." den Gesanoten Dr. Roth instruirt, in Berlin energisch wegen wtlllürlicherVerhaftung angeblicher Schmugg» lertnnen auf dem Lasel« Bahnhof zu protestirm. Die in Wien verhafteten Anarchisten scheinen stch al» Falschmünz«d-ndt zu entpuppen. Freilich wird noch immer hinzugesügt, letztere habe nach nihilistischem Muster, durch Er» zeugung falscher Banknoten die Sache de»„Anarchismus" fördem wollen. KrnfKaste« der Redaktion. W. Ech. 100. 1. West Indien liegt in Am«»-. Ost» Indien in Asten. 2. Der Zttstaurateur kann auf H«au»gabe der Uhr verklagt wttden, die« seinem Schuld»« eigenmächtig weggmommen hat. Abonnent vretlanerstratze. Da» können wir nicht beul theilen, wenden Sit stch an etnm Fachmann. G. M. Da» Vergehen de» Desertiren» verjährt in längsten» 5 Jobren vom Tage der Verur.h-tlung ab. Die Verjih una wird ab« durch jede auf" Strafvollstr.ckung gerichtete Z hättgkeit der Staats-rwitt» schast unterbrochen. Hat der Desnteur im Autland« tal Lürgnrecht«worden(,. B. in dm V«rinigi«n Staaten von Amertta in 5 Jahrm), so kann er überhaupt nicht bestraft werden. O. St. 51. Die Eitheilung der Schanlkonzesston darf Ihnen nicht darum versagt»«den, weil Ste vor zehn Jahren wegen groben Unfug» bestraft werden find. Theater. Sonnabend» den 9. Oktoder. Opernhan». Carmen. Schansptelhan«. Ein WintermSrchen. D-ntsche« Theater. Ein Tropfen Gift. Residenz-Theater. Ein GroßstSvt«. Vorher: Ein anonym« Brief. Kriedrich.ZSUHelmftüdtische» Theater. D« Nachtwandler. Wallner-Theater. Ein Blitzmädel. Belle-Allianee-Theater. Drei Paar Schuhe. Oftend-Theater. Wilhelm Tell. Viktoria« Theater Amor. Tanz-Poem von Luigi Manzotti. Walhalla-Theate«. Die Piratm. Zevtral-Theater. Alle Jakobstr. SO. Direkt.: Adolph Emst. Der Wald-Teufel. Gesang». poffe in 4 Avm von W- Mannstädt. -s.Stesfm». Kostümen. Kouplet» vonG. Gl Mtt neum Dekoa «öpftgMdttsche» Theater. Der Jongleur. Stadt» Theater(früh« Alhambra» Theot«). Agne» Bernauer. Konkordia• Theater. stellung. Kaufmann'»»arietck. stellung. American» Theater. stellung. «etchshallen» Theater. stellung.__ Mden-Theator« fFrüher I.« nlacastMtlactaM Theater.) Drt»dmerstraße 72/78. Wiederaustreten der Johnson Family(4 Da» mm, 1 Herr), preitaetrönte Schwimm« und Taucher. Niegei'« Kavettrnppe(12 Damm, 2 Herrin). Mr. Aoffman« mtt seinen dres. st, tm Hunden und Schafen. Emesto. Harwey. Paula und Ludwig Tellheim. Zocher. Frl. Belloni. Unorklärlichrs»Sthsrlhaftes Verschwinden einer jungen Dame von offener Kühne nor den Ingen de» Pnhttknm». Unmittelbar nach dieser Produktion: voükäudige Aufklärung Laer da» Verschwinden der Dam», wohin und woher dieselbe kommt. Kaffmöffnung 6V: Uhr. Anfang?>/, Uhr. Spezialttittm« Bor» Spezialitätm- Vor- Spezialitätm- Vor Spezialitätm. Vor- Passage 1 Tr. v M.- 10«. Kalner-Paaerana. In dieser Woche: Sin« Reise durch Egypten. Zweite Wanderung durch Part«. Hertha-Reise. Carotinm-Jnseln. Untre«« Pfennig. Kind« nur 10 Pfennig. Geschäfts NnltWg. Einem hockgeehttin Publikum, sowie meinen F-mnden und Bekanntm die «g- den» Anzeige, daß ich mein phren- Geschäft von d« Oranimstraße 37 nach v« Dresdener straffe 7 veilegt habe, und auch tn Zukunft eine große ÄuSwahl von goldenen und silbernen Herren- und Damen-Uhren, sowie et« große» Lag« von aeiwmackoollm Degulatenren und Wanduhren, optischen Hachen, K rille«, ptnce- n»z ic. zu den billigsten Preisen führen wrrve. Auch wird in mein« Werkstatt jede Reparatur gewtffmhaft und sauber zu billigen Prerjen in möglichst schneller Zett angef«ttgt. 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Innere BrretnSangtlegmhetten. Vnschiedme», Fragekasten.— Die mtt ihrm Beiträz-n restttendm Mtglied« wndm hiermtt besonder» «sucht, zu erscheinen.[782 Der Vorstand. Fachverein der Posamentirer und Seidenknopfmacher. Montag, dm 11. Oktod«. Abend» 8'/, Uhr, Holzmarvstraß« 72: _. 9*» sawnilntto, Tagesordnung: Rechnunotlegung und Vollzug d« vertagtm VorstandSwahl— Zahlreiche» und pünktliche» Erscheinen ver Mitglteder ist Pflicht. 783] Der Vorstand. Smpfehl« mein neu eröffnete»[648 Schnhwaaren Geschäft Skalitznstraße 117, zwischen Mariannen» und .�oßeS Lag« i. Herren-, Damm» u. Kind«. Rkfel. Bestell, n. Maa�u- Reparaturm i. kurz. Zeit. Alle Frmnd« u. Bekannt««s. d. Bedarf um geneigten Zuspruch. Wilhelm Papke. R«lle Bedimung. Billig« Preise. GründUklavinunterricht(Meth.Kullack)»Man. 6M.«th. i. u. a. d. h. RSsrnr», Naunystr. 5, 1. Arbeitsmarkt. Arbeits barsch»,, (Steindruckerei. 8 Mk. Lohn) verlangt 786]_ g. Kraatz, Reuendurgerstr. 33. S. fr. Schläfst. Rostizfir. 60. v. IV. bei Habnland. 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