Nr. 839, Mittwoch, den 18 Oktober 1886. in. Jahrg. dincrlollisblali Brgsn für dir Interessen der Arbeiter. 4 Eme zntzkmäße Emmriniz. Da» Sozialist«»(jesetz ist ei» Polizeigesetz u«d wer dem- selbi» zugestimmt hat, der darf sich i» der That nicht wusder«, daß die Polizei ihre Vollmacht«» i» ausgiebigster Weis« auwendet. Deshalb wirkte es auch wie eine Tragikomödie, daß bei tSiuführuug de« Gesetzes der verstotbeue Abgeorduete LaSker glaubte, über de» Regieruugsvertreter einen großen Triumph errungen zu haben, als er in de« Para- graphm 1 des Gesetzes da» Wort„Umsturz" anstatt der ursprüngliche»„Untergrabung" hineinpraktizirte. Ein« sichtige Männer behauptete» schon damals, daß es bei einem solchen Gesetz« auf den Wortlaut gar nicht ankomme. Am besten ist es, wenn man doch einmal Gedanke» ersticke« will, man«acht gar keine besondere« Gesetze «ach dieser Richtung hin, sonder» giebt der Polizei die V-ll» wacht, gegen Sozialdemokraten u. s. w. nach Gutdünke« vorzugehe». Sie thut dies vielfach auch jetzt schon und sie genießt dabei den Schntz eines nach alle» Seite« hin dehn» dar«» Gesetze,. An da» vertrauentvolle Vorgehe» de» Abgeordnete» Lasker, der bekanntlich vor seinem Tode»och Buße that und gegen die Verlängerung de» von ihm selbst au» der Tauf« gehobene« Gesrtze» stimmte, wurde» wir so recht durch die«rlancholische Rere des Abgeordneten Freiherr» von Staliffenberg erinnert, die derselbe bei Berathuvg des Leipziger Belagerungszustandes in der letzte« Session de» Reichttags gehalten hat. LaSker hielt dafür, daß Vereine u. s w., welche die Untergrabung der bestehenden Staat»« und Gesellschaft»« ordnung durch Wort uud Schrift bezweckte», nicht verboten w«den dürften, hingegen aber wohl solche, die den Umsturz der Staat»« und Gesellschaftsordnung erzielen wollten. Echo» damals machte man de« Abgeordnete» Lasker darauf aufmmkfaw, daß«ine Untergrabung ficher« lich als langsamer Umsturz angesehen werde» würde. Die Polizei hat nun auch«ach dieser Definition gehandelt. Weiter wurde zu jener Zeit von sozialistischer Seite betont, daß Untergrabung und Umstur, schon deshalb gleich. wrrthig seien, weil die Polizei fich um beide Worte durch« au« nicht rümmer« und fich lediglich gegen die Sozial« demokratie mit oder ohne Umsturz, mit oder ohne Unter« grabung wende« würde. , t Die, hielte« die klugen Gesetzgeber, diese Blüth« der liberale« Intelligenz und Mannetwüide. natürlich für un« möglich; sie schenkte» der Polizei ihr Vertrauen, und die Polizei— wenigsten» in einem große» Theile Deutschland» — that. wa» unter diese« Umstände« selbstverständlich N»*™» Mrtot». JeuMeton. 17 IntrmiUa* Novelle von P o le v v i. (Aus dem Russische« übersetzt von Dr. Carl Pinn.) ##0 Stimme au»r,ef:* � fc"'« *•••»--- „Ach! S« ist nicht hübsch von Ihnen,«i, eine» der« artigen Vorwurf zu mache«. Gott hat mich Mo««enua dafür bestraft, daß ich seine« Wille» verkannt habe.« Bei diese» Worten brachte sie ihr Taschentuch an ihre Augen und ich merve, daß sie in Trauer war. �.Gnädige Frau," sagte ich zu ihr,.haben Sie ein Familienmitglied verloren?" .Ja, der Himmel hat mein inbrünstige» Flehe««icht erhört. „Sollte es etwa Pauline�sei«?'— Ich konnte meine Frage nicht beende». „Wir habe» ihre« Bater verloren. Der gute, liebe Greis ist jetzt im Himmel." „Aber Sie können fich doch wenigflen« an dem Glück Ihrer Nichte fteue»?" „Welches Glücks Das unglückliche Mädchen schmachtet dahin und vergeht wie ei«, verwelkte Blume." „Wa« sage« Sie mir da von Paulme s Sollte ihre Hcirath—" war. Sie wandte da» Polizeigesetz eben al» et» Polizei« gefttz an. Abgeordneter von Stauffenburg beklagte fich nun jüngst hierüber. Auch er ha» Buße getha» und stimmt nicht mehr für da» Sozialistengesetz. Doch diese Buße ist leider zu spät gekommen; da» Gesetz ist da und wird wohl noch für eine längere Zeit im Reichstage die Majorität haben. Doch«icht uninteressant ist e«, daß»unmnhr der frühere national liberale Freiherr, der zuerst für da» Gesetz stimmte, ausdrücklich erklärt, daß da» Gesetz«icht im Sinne der Gesetzgebung angemaadt«erde. Man richte dasselbe gegen die Arbeiter und die Sozialdemokratie überhaupt und nicht nur gegen die umstürzlsrischea Handlungen derselbe«. .Da» Gesetz selbst/ so führte von Stauffenberz au«,.sei bei der Polizei vollständig in Ver« gessenheit gerathe«, da dasselbe nicht beabsichtige, sozialdemokratische Bestrebungen zu verhindern, sondern nur Vereine und Person«» treffen wolle, deren Bestrebungen auf de» Umsturz der bestehende» Staat»« und Gesellschaft»« orduung gerichtet seien." Wir glauben e» wohl, daß e» der Abgeordnete von Stauffenberg mit seinen Worten völlig ehrlich meinte, aber eben so ehrlich hat er«» auch wohl gemeint bei seine, erste« und verhängnißvolle« Abstimmung für da»»u»»ahmeg«s«tz. Damals hatte dieser Abgeordnete geradeso wie der ver» storbene Abgeordnete LaSker da» volle Vertraue» zu de» von de» Regierunge» ernannte» Polizeibehörde«, daß sie da» Gesetz, wie der Ausdruck immer hieß, streng„lohal" anwende« würde». Jetzt, da e» zu spät ist, hat der ge« nannte Abgeordnete sei» Vertraue« vor de« ins Aua« springende« Thatsachea zurückgezogen und stellt melancholische Betrachtungen an. Damit ist allerdings dem Rechte und dem Vaterlande wenig gedient, ebenso wenig wie mit der ausgesprochenen Hoffnung, daß das Sozialistengesetz demnächst«icht mehr verlängert werde. Diese Hoffnung ist eitel Trug, so la»ge da» jetzige System am Ruder ist und so lange Herr Windt» Horst Komödie spiele« kann.--- Gern gestehen wir ei», daß der süddeutsche Freiherr viel mehr Gemüih und Herz besitzt, als die norddeutsche» Junker, die intime« Freund« der Polizeigewalt; aber in der Geletz. gebung soll»eben dem gute» Herzen auch der scharfe Ver» stand herrsche«, der sich«icht dem Vertraue« allzuleicht hin» giebt. Spätere melancholische Betrachtungen über Vertrauens» bruch nütze« nur wenig. Zm übrige« aber halte« wir die damalige Reichstags» Verhandlung über de» Leipziger Belagerungszustand deshalb für sehr nützlich, weil au» dem Rlchenschafisbericht der sächfischen Regierung zur Eoidev, hervorgeht, daß das „Von einer Heirath ist gar keine Rede. Sie wisse» also nicht?' Unsere Unterhaltung wurde unterbrochen. Ich saß wie auf Nadeln, sah Prascona an«ad verstand sie»icht. An Stelle ihre« stolzen und abweisende« Gefichtsausdruckes sah ich jetzt nur Züge, auf denen Sanftmuth und Trauer aus» geprägt wa««. Ich wünschte P-ulinen» Lag« zu erfahren und in dieser Erwartung«ahm ich alle Qualen geduldig auf mich. Da sah ich erst, wie sehr ich sie»och liebte, und mit fieberhafter Ungeduld sucht« ich eine Gelegenheit aus» findig zu mache», um die Unterhaltung mit ihrer Tante wieder anznknüpfe«. Endlich kam sie zurück und sagte iU™J5ig erinner» fich, wie besorgt ich um da» Schicksal meiner Nichte war. Ihr eine ehrenvoll« Stellung in der Welt zu ficher«, darauf beschränkt- fich mein ganzer Ehr» geiz. Der Husarenrittmeister Graf«reepoff erschien mir als SfÄ/Ätt»«.»!■ .Und wie verliebt s" „Und sie liebt« ihn doch?" �Leider liebte sie ihn»'cht. Ich gestehe es-,«, ich hatte mir die Sache so zurecht gelegt, daß für ei» junges Mädchen Lieb- gewissermaßen nur eine Peppe wäre, die sie btÄ fö«« Ht Anfinae« eine, Vnmählung mit dem Grafen entschtede» r!!h?�!vg�ch?e° fie° alle �mögliche? Beweaqründe in» Feld zu M-Ä gloubiMt�f.®-rajl. Einwand machte sie Ihne« also?" "Ja wohl, und sie begann derartig zu weinen, daß ich mir die Frage vorleate, od fit nicht in Wirklichkeit einen ander« liebe. Ich spielte auf Sie an, den» ich spreche Sozialistengesetz in seiner ganze« Schwere nicht etwa einzelne sozialdemokratische Agitatoren trifft, sonder» de» deutsche« Arbeiterstand. Zur Aufklärung de» Volkes trägt diese E.kinntniß (lewiß bei; und diese Eikennrntß wird, wie es ja auch be» ander» hervorgebobe« wurde, sich Geltung schaffen bei de» nächste» ReichstagSwahle«. Politische Ueberstcht. Die Arbrtter Rew>Nork» haben delarniUich für da» Bürgermeisteramt einen«tarnen Kandidaten aufgestellt. Das Programm, auf dem fir stehen, lautet in den wichtigeren Theilen folgendermaßen:„Wir erllä'en, daß die vü ger der Stadt N�a Unk ihre sämmiltchen Lokalangelegenheiten selbst verwalten sollten daß das Gerichtsverfahren so vereinfacht und verdesseit werden sollte, um den R-ichen den Armen gegenüber keinen Bort hell zu g' währen; dag die Ein» Mischung wr Polizei in friedliche Vcrmmmlungen aufhöre; daß die Gesetz« für die Sicherheit und die gesundheitliche Inspektion von Gebäuden ausgeführt werden: daß bei öffentlichen Arbeiten die direkte An» stellung von Ardettern drr Verausgabung an Unter» nehmer, welche die Stadt betrügen und die Arbeiter auid-uten, vorgezogen, daß bei öffentlichen Anstellungen die Behälter ohne Unterschied de, Geschlecht« für gl.tche Arbeit gleich bemessen werden sollten.— Wir erklären das Einp'erchen so vieler unserer Lmir in engen Mieth»kas«rn»n,u enormen Miethen, während noch mehr als dt? Häl'te de, Grund und Boden» der Sladt unbebaut ist. für«n skandalöse» Uedel und daß. um diesen Stand der Dinge zu ändern, alle Steuern auf Gebäude und Verbesserungen abg?ichaffl werden sollten, so daß diejenigen, welche ihren Grundbesitz bisher brach liegen ließen, gezwungen werden sollen, denselben entweder selbst zu bebauen oder ihn Denen zu übergeben, welche dies zu thun be.rt, find. — Femer erklären wir, daß der enorme W-rih, welchen die Anwesenheit von anderthalb Millionen M-nswen dem Grund und Bodrn dieser Stadt giebt, von RechiSwcgen der ganzen Gemeinde gehö:t: daß derselbe rtch, zur Be» reicherung von Individuen und Korporationen dien?«, sonsern in Form von Steuem zur Verbeffnung und Vcrschvaerung der Stadl, Besörderung der Gesundheit, Bequemlichkeit, Erziehung und Erholung der Bürger dienen sollte, tötnfo zm Hctttellung von Verbindungslinien, wie st- den Bedürsniff-n der großen Metrovole angemessen find. Ebenso e, klären wir, daß die de- stehenden Beförderung». Mittel nicht in den Händen von Korporatlonm belassen werden sollten, welche während sie riesige Profite aus dem Wachithum der Bevölkerung»ledm, ihre An gestillten unterdrücken und Streik» beivorrufen, welche die Verbindungen unterbrechen und den öff-ntlich-n Freden gefährden; dieselben sollten viilmehr auf gesetzlichem W?ge von der Stadt erworben und im Jitcr-ffe vc» öffent- ltchen Wohle» betrieben werd-n."-- Man wird nichl fehl» gehen, wenn man Henry George selbst als oen iß-tfafftt mit Ihnen wie mit einem Verwandten, wir fi-d gewohnt, Sie wie«in Familievmiiglied zu betrachten." „Schönsten Dank.— Und was antwortete Piulive s" „Sie wollte auf meine Frage»icht eingehe», aber fie weinte fortwährend und wurde schließlich krauk. Was blieb mir da übrig, al« dem Grase» den Laufpaß zu geben. Die ganze Stadt wundert« fich über unsera Entschluß. Mittlerweile starb Paul,«e's Vater und hinterließ nur ein sehr geringes B-rmöae«. Er liebte de» Aufwand und hatte eine zahlreiche Familie. Da sagte ich Pauline, wie glücklich fie sein würde, fall« fie de« Grafen hätte Heirathen wollen." „Reich freilich", versetzt ste,„aber»icht glücklich." „Und weshalb?" Sie weinte und entgegnet««icht«. „Doch jetzt", fügte ich hinzu, hast Du nicht einmal eine Mitgift. Denn ich wollte fie nicht wissen lassen, daß ich ihr meine Erbschaft gesichert hatte. Die Siu-b- unser« Todes ist ungewiß, und ,ch habe im Voraus die e Vm ficht«. Maßregel ergriffe». Ich habe keine Kinder und betrachte Pauline al« weine Tochter. Wenn sie, im B.sttz meine« Landgutes und 500 Bauer», eine» Mann ohne Pfennig Geld«ach ihrem Herze« wähle» wollt«---" „Ist es möglich?" „Ach, ehemals baut« ich allerdings andere Luftschlösser, doch Schmerz und Schick alsschläge bringe» ,» un«.in« große Vrräiderung hervor. Gegenwä-rig wohnt Paulin« bei mir. Sie ist wir th urer al« je. Sie ist ein Engel.' „Sie wohnen»och immer in Moskau?" .Nein, ich werde derthi« zur Erledigunz einiger Ange» legenhiite» zurückkehre«, da«» we,de» wir«es auf unserem Besitz' dum häuslich niederlassen." „Werden Ste mir gestatten, Ihne« eine» Besuch zu machen?" „Sie wisse«, daß mein Landgut 40 Werst von hier tutfernt ist. Morgen reis« ich»ach Moskau ad. Kommen Sie nur, Anton; Pauline wird sehr erfreut sew, Sie zu sehen!' „Weilt fie j-tzt hier?" Indem ich diese Frage an fie richtete, erbebte meine Siimme und mein Herz. ditsli koaimunaspolttischtN Programm» annimmt; W liest fich ganz wie ein Kapiiel au» seinen Echriften. B�deutungtsoll ist r« j« den fall», daß ein« zu dreiviertel au««ingedormen«meri> lanem bestehende Vereinigung diese istrundjätze guthieß» dt« auch für un« höchst deachtenßwerth find. Freiheit der Arbeit— unter diesem Titel veröffentlicht der Gamvetust Joseph Rein ach in der„R«publ. frar?." einen Artitel, an leben die„Nordd. Allg. Ztg." so ort zur Rechtferti. eung der Puttlamer'ichen Eozialpolitil benutzt. Der Artilel könnte allerdmg« ebenso gut wie von Herrn Reinach von irgend welchem deutschen R pttl geschriebm sein. Damit ist aber nur derviesm» daß e» heute in allen industriellm Ländern„Staat». männer" giedt, welche mit Polizeimaßreaeln den Gozialiimu« glauben autrotten zu können. Hat alio die„Nord. Allg. Ztg." nm Hervorbeden wollen, kaß da« System des Herrn v. Pütt» kamer aus Ocigwaiität keinen Anspruch zu erheben vermag, so thut fie recht daran. Darüber hinaus vermögen wir aber den »uslaffungen de» Herrn Reinach keine Bedeutung deizulegin. Bei vesprechuna der«tue« MilitSrforderuuge» macht die„Germania" mit Recht darauf aufmerksam, daß die» selbe Regierung, welche verlangt, daß man ihr ungemcffene Machrmitiel für viele Jahre sorglos anvertraut, mit krankhafter Empfindlichkeit alle angeblichen Neigungen der Volksvertretung, in Regierunasrechte einzugreifen, mit Aufbietung der höchsten Mittel zurückweist, ja sogar oft mit einem für die Lage de« Falle» ganz unverhäitnißmäßigen Aufgebot von Mitteln(kaiser» lich« Lotschaft, Exodus de« Bundesraths unter Führung Bis» marck« u. s. w.).„Diese selbe Regierung hat aber nicht die mindest« Neigung, ihrerseits gegenüber den berechtigtsten Forderungen de« Volke« und der Volksvertretung auch nm da« geringste Entgegenkommen zu üben I In der da« Volk und die Volktveriretung direkt angehenden Frage der Reichstags» diäten bleibt die Regierung fort und fort weigerlich, obgleich die sozialen Zustände Deutschlands der Art find, daß ohne Diäten viele der tüchtigsten und dem Volke zunächst stehenden Vertreter nicht aufgestellt werden können. In de» Frage der Eisenbahnfohrkarten hat dt« Regierung eine kleinliche, die „Xeichtboten" verletzende, dem Zweck der klarten vielfach nicht entsprechende Aenderung getroffen u. s. w.(Das Sozialisten» «setz geht die klerikale„Germania" natürlich nichts an! D.R.) Für Preußen aber läßt die Regierung— denn die entscheidenden Jostanzen find ja dieselben— nicht nur, trotz aller Bemühungen aus dem Adgeordnetenhauke, das nach dem Fürsten Bismarck selbst„elendeste" aller Wahlrechte bestehen, sondern nicht einmal die Oeffentlichkeit der W-chl wird abgeschafft, obgleich dieselbe eine Roth und Qual ist für all« ad» hängigen Volkselement« und nm der Regierung und den oberen Zehntausend gefallen kann, aber auch diesen nm, falls sie dem wahren, freien und unverfälschten Ausdruck der Volks» Überzeugung bei den Wahlen ein Htnderniß beritten wollen. Das find als Beispiele nm einige weniae von den Handlungen der Regierung gegenüber demselben Volk und derselben Volks» Vertretung, von denen setzt wieder die Verztchtleistung auf ein Recht, zu Gunsten der Regierung, verlangt werden soll. Und zu den Handlungen der R-aierung kommt auch noch ihr« Art der Behandlung derlelben Volksvertretung, welcher jetzt zuge» muthet wird, ohne allen Grund eines der wichtigsten und das auf dem Gebiet der Geldbewilligung sogar allermichttgste Recht wieder au! der Hand zu geben. Genug, die Verhällniffe stehen bei un» so, daß Volk und Volksvertretung allen Grund haben, die sachliche Bedeutung des Parlaments und dasAnsehendesParlament» zu wahren. Eine solche Situation ist aber wahrlich nicht dazu angethan, an eine Regie! ung, wie wir fie geschildert, Rechte auf ewig oder auch nur auf längere Zeit abzutreten. »velche jährlich zu handhaben das Volk befugt ist und die gut zu handhaben es auch— patriotisch, verständig und mündig genug ist."— Hoffentlich brauchen wir bei der Beratdung des Septennat» die„Gnmania" nicht an diese Worte zu erinnern. Herr Amtsgericht»»««! Francke wird auf seinen Be» stechungSveisuch auch noch stolz sein können. Nach dem �erl. Tgbl." hat derselbe nämlich von dem Schriftführer und«asstrer de« konservativen V.'reins, Lehrer und«üster«ammerhof, eine BeileidSadress« mit 14 Unterschriften erhalten. Die Unterzeichner find zum Theil Mitglieder de» konservaiiven Verein», fie„bedauern, daß ihr allverehrter und beliebter Mit» bürger Franctc so sehr in den Zeitungen verunglimpft«) werde". Obgleich fie mißbilligen, daß Herr Franck« in der Hitze des Wahlkampfe» sich zu„einem solchen" Schritt habe hinreißen laffrn, können st« nicht umhin,„ihr tieffies Mitleid auszusprechen. Der Schritt sei um so mehr zu entschuldigen, als der„liebe Mann" in den letzten Tagen vor der Wahl schon sehr nerröt und aufgeregt gewesen sei.„Sollte die Bürger» schaft Francke verlieren, so würde das die Unterschriebenen schmerzen; fie wünschten vielmehr nichts fehnlicher, als Francke zu behalten."— Sollte etwa dieses elend« Machwerk dazu de« stimmt sein, den Diszlplinarrichtem darzuthun, daß Herr Francke fich des Veltlauens seiner Mitbürger durch seine Handlung«- weise nicht unwürdig gemacht hat? Etaatsbahueu«od Eisenbahnunfälle. Auch die zahm» nationaUiberaie„National»Ztg." schreibt jetzt:„In den letzten „Sa, fie ist hier. Wie oft hat fie sich nach Ihne» er« kundiqt I— Sch habe ihr nicht zu erzähle» gewagt, auf welch' grausame Weise ich Sie au» meiue« Hause ver« bannt hatte. Sie kann fich nicht denken, was Sie«igent« lich treiben und weshalb fie Sie nicht mehr steht." Ach, welch' helle» Licht erglänzt vor meine« Augen! Wie gerechtsertigt steht jetzt Pauline da, und welch«« Sntereffe empfinde ich auf einmal für diese alte Tante, die mir ei« so aufrichtige« Bekenntniß abgelegt hat! Aber ist es meinerseits»icht ein« allzu große Anwaßung, wen» ich zu«aae», zu hoffen glaube, obgleich Prascova's Erzählung mir so beruhigend erscheint? Ich»erde Pauli«« aufsuche», ich werde sie sehe» und werde alsdann wiffe«.— Nein, ich will lieber»icht bis morgen warte«. Sie kann morgen allzu früh abreise». Ich eile. Ich trete in« Vorzimmer. „Ist Prascovo Iwanowna zu Hause?" „Rein," autworteie mir der Bediente. Da stößt er plötzi'ch eme» Freudenschrei aus:„Anton Petrowitsch I"— Zch«kenne den Kammerdiener von Pauli««'» Vater. „Und woher komme« Sie den»? Das gnädig« Fräulein geht im Garte» spaziere«. Wünsche« Sie, daß ich Sie von Ihrer Ankunft benachrichtige?" „Nein, ich werde selbst gehen." Mit ungestüme» Herzklopfe« begebe ich mich in d«» Garte». Wie wird Sie mich empfangen? Was wird ste mir sage»? Ich bemerke fie in ihrem Trauergewande, welches lang herabwallt, träumerische« Sinne« die Allee auf» und ab» wandeln. So schön fie auch«tust war. jetzt erscheint sie mir in ihrem einfachen Kleide«och viel schön«, viel ver» führerisch«. Sie wendet fich um und steht mich üb«» rascht an. „Sie«kenne««ich«icht wied«, Pauline?' Sie«röthet, senkt die Auge» und antwortet mir seufznrd� gie wiedererkennen?' Zwei Stunden verflvssen mir in ihr« Näh« mit«in« Wochen ist da» Publikum durch eine größere Anzahl von Eisenbahn-Unfällen auf den preußischen Staatsbahnen in Un- ruhe versetzr worden. Nunmehr wird abetmals ein solch« aus Schleswig gemeloet. Wenn dieirlben hie und da mit dem Slaatsbahn»System in ursächlichen Zusammenhang gebracht wurden, so liegt dazu kein G-und vor; es bat auch auf den Privatbahnrn, als diese in Deutschlano überwogen, nicht an Pertosen gefehlt, in der«n die Unfälle fich häuften; gerade ein» zelne Privatdahnen hatten tn dieser Beziehung ,u Ziten einen besonders schlechten Ruf. Allein wenn die Schuld an den gegenwärtig zahlreichen E sendahn-Uniällen kaum dem Staats» bohn-System zugeschrieben werden kann, so ändert dies doch nichts an der Thatsache, daß ste auf den Staats dahnen fich ereignen; rS entsteht daher nothwendig« Weife die Frage, od die V«oallung d«selden nichts thun könne, um solche dt- klagen» iverthe Vorkommnisse ficherer, als diihir, zu verhüten. Der Umstand, daß die Unfälle beim Beginn de« Herbste» und damit einer Steigerung de» GüterverlehrS st» mehren, scheint darauf hinzudeuten, daß das Personalden zu lösen» den Aufgaben nicht überall gewachsen ist."— In der Thai, man vermehre das Personal, man«leichtere allen Angestellten die Arbeit, so wird die Hauptursache d« Unfälle beseitigt sein. Unfallverfichernna. Sine offiziöse Meldung lautet: Es d stätigt fich, daß Vorlagen für den Reichstag auf dem Gebiete des Unfallverfichnungswesens zu«warten find. Doch dürsten diese, nach dem Stande der Vorardesten zu schließen, vtelletcht nicht sofort nach Beginn der Session zu erwarten sein, obschon es noch bis vor Kurzem mit Bestimmtheit hieß, die Regierung wolle womöglich das gesammt« Arbesttmatttial dem Reichstage sofort uni«dresten. Branntwetnfteuer. Nach ein« Meldung der„Neuen Badischen Landesztg." würde die neue Branniweinkonsum- steuervorlag« zunächst einen Steunsatz von 40 M. vom Helto- ltt« in Vorschlag dringen, ab« mit dem Vorbehalt, den Steunsatz binnen 6 Jahren auf 70 Mark zu erhöh:«. Der bekannte Mosler'sche Antrag in d« Branntweinstemrtommisston hast«»ine Steuer von 25 Mark tn Ausficht genommen, es hieß ab« schon damals, die Regierung würde fich, fall» ein Kompromiß zu Stande käme, mit ein« Steuer von 40 Mark „begnügen". Der Streit um dt« Höhe d« Steu« ab« ist, wie man weiß, nicht der einzige Strettvuntt. Zur Beurthet- lung d« künstigm Vorlage ist vor Allem«ine Auskunst darüd««forderlich, welche Vorschläge die Regierung bezüglich d« Erhebung v« Steu« zu machen beadfichttgt. Daß die neu« Vorlage, wie debauvtet wird, erst gegen Ende der tünsti» gen Session an den Reichstag kommen solle, läßt annehmen, daß d« Ertrag dies« neuen Steuer zur Deckung m i l t t ä r i» scher Mehrausgaben in«nsvruch genommen w«den soll. Sollte es anläßlich der Milttärftage zu einer Auf» lösung des Reichstags kommen, so würde der Wahlkampf fich nicht nur um diese, sondern auch um die Branntweinsteuer drehen. Von de» rnsstsche« Grenze meldet d«„Obnschl. An,.": In neuester Zeit ist es den russischen Eisenbahn» kondukteuren anboten worden, von Sosnowice nach Kattowitz herüberzukommen. Sie dürfen dies nur, wenn ihnen dazu dt« Erlaubniß von Warschau aus ertheilt wird. Dies« ist indeß nur schwer zu erl-ngen, die Einholung derfelben auch eine umständliche. Die Leute bleiben daber einfach drüben und uns« Beschästsoerkehr, der zum großen Theil auf Käufer in Rußland angewiesen war, geht von Tag zu Tag tmm« mehr zurück.— Andererseits sollen, wie wir schon einmal kurz httvor» Hoden, die dieSs, tilgen BehSeden an d« Grenz« mit besonderer Strenge gegen da» Eindringen ru ssis ch» p o lnis ch er Erdarbeiter vorgehen, womöglich sollen solche Arbeit« sofort»urackgewtesen werden, in jedem Falle ad« soll von einem Unterkommen derselben auf diesseitigem Gebiet sofort An»eige«stattet werden.— Eine innige Freundschaft fürwahr i Der Redakteur der sozialdemokratischen„Kränk. Taaespoft", Wörlein, wurde in Nürnberg wegen zwei« RUttärdeleidigungen durch die Breffe zu drei Wochen Gefängniß verurtheilt; der Mitangeklagte Urheber des Artikels, Schneider- geselle Spörl, dagegen freigesprochen. Oesterreich'Uugar«. Zur Anarchisten Untersuchung wirv dem„Berl. Tagebl." heute gemeldet: Von den verhafteten Anarchisten find mehrere gnichtsbekannte Anhängn der„Propaganda d«That". Einige waren b«eit» in dem Merstalltngn-Prozeß angeklagt. Merstal ling« hieß jen« Schuhmacher, der von dm Anarchisten erst betäubt und dann beraubt woiden war. Einige Bombe«, welche die»«haftete Bande eingemau«t hatte, wurvm dadurch entdtckt, daß die Polizei bei der Haussuchung eine feuchte Mau«stelle bemerkte und vorsichtig in die Wand ein Loch schlug. Dt« Polizei gesteht übrigens zu, daß die Gesellschast keineswegs umfichttg hanttrte, sond«n die Aufmerksamkeit auf fich lenkte. In Linz wurde der Schuhmach« HoSpodsky verhaftet, welch« d« Wimer Verbindung angehörte und in den letzten Tagm von hier dorthin flüchtete. Die Namen d« Verhafteten find wegm der fortvauernden Untersuchung noch nicht mit» »heilbar. rasenden Geschwindigkeit. D« Tag war seinem Ende nahe, als wir die Stimme der Taut«»«nahmen. Wir waren »och in unser« Uaterhaltuag vertieft. Pauline m«kte es «icht, daß ich ihre schöae Hand festhielt«nd mtt Küsten be» deckt«. Wir plauderten wie zwei Teschwist« von de« glücklich« Tage« unsner Kindheit. Pauline«zählte mir, wie sehr das geräuschvolle Leben in Moskau st« ermüdet hatte und wie zufrieden fie wäre, endlich auf dem Lande ausruhe» zu könne«. „Ach was!" rief ich verwundert aus.„Es gifiel Ihnen in Moskau nicht und doch gaben Sie dort de« To» an?' „Wiste« Sie den»»icht, daß ich, indem ich dablieb, lediglich dem Wunsch« meines Vaters gehorchte, der nirgends als in Moskau leben konnte?" Ich wollte«ich ihr zu Füßen werfe», ihr meine»ene Lage,«eine beständige» Wünsche und Hoffnungeu enthülle», und besaß doch nicht de» Muth dazu. Wir beaabe» uns zu ihr« Tante, die«ich so lieben»« würdig«mpfing, daß ich«ich«icht dazu entschließe» konnte, «ich zu entferne». „Sie reise« morgen ab?" sagte ich schließlich zu ihr. „Ja, morge» in aller Früh«: wir wolle« uns von Ihne» vnabschredm." „Nein," rief ich au», indem ich außer mir gerieth,„ich werde Ihne««icht Adieu sage«, ich w«de Ihne»»icht mehr Adieu sagen." „Ich begreif« Sie nicht," antwortete mir Prascova Iwa» «owna, indem ste mich fest ansah, wobei fie ihr Erstaune» «icht v«b«ge» konnte. „Und Sie verstkhe» mich auch»icht, Pauli«»?" Pauli», senkt« die Augm und zerschmolz w Thräne«. „Ach. jetzt merke ich allmälig, wa» Sie meinen," ver- setzt» Prascova lächelnd.„Hofftest Du»icht, mit ihm glücklich zu werde»?" Panlme warf fich in die Arme ihrer Tante, und ich fiel ihr zu Füßen. (Fortsetzung folgt.) Die neuen Vorgänge in Wien bringen wieder die früberen anarchistischen Vorgänge in Oester» reich, Unaarn in Erinnerung. Dieselben geben bis auf das Jahr 1879 zurück. Damals wurden zuerst Brandschristen als Fluqdlätter veriheilt und geheim« Klub» organistrt. Im Jahre 1879 begannen die„Freiheit" und andere Preßerzeugniste der Partei die Arbeiter in das Studium der Chemie einzuführen und ihnen nahezulegen, mit welchem Erfolge Dynamit im Kampf gegen die Gesellschaft angewendet«erden tönne. Mm möge nicht vor Mord, Brand und Plünderung zurückschrecken. Die erste Gewaliihat datirt von Ende 1881. Ein Polizei» kommiffar wurde, als er am 4, Dezember eine Versammlung auflöste, thäilich angegriffen und schwer verwundet. Am 4 Juli 1882 erfolgt« ein Raudattentat an dem Schuhmacher Äer» stallinger. Am 10. August 1883 folgte ein Straßen- x ß vor dem Amtsgebäude der Poltzewirettton. Am 2. und 6 Dezember wiederholten fich solch« Erzeffe. Am 15. Dezember folgt« die Ermordung de» Konztpisten Hludek in F'orisvorf, der ein Drohd-ief vorhergegangen war. Die am 23. Januar 1683 erfolgte Berur!h:ilung des Parteiführers Ronget, welcher! eine geheime Preffe verborgen hatte, wurde am folgenden Tage mtt der Ermordung des GeheimkommiffarS Blöch erwidert. Am 30. Januar 1884 wurde über Wien und ewige kleinere G:« richt« sprengel ew sogenannter kleiner Belagerungszustand»er»! hängt, der zugleich mit Suspmston der Geschoren engerich!« t verbunden war. Am 8. August wurden die Anarchisten Kam« merer und Stellmacher hingerichtet wegm Betheiligung an der E. mordung von Blöch. Am 25. November 1884 winde« so»| dann 18 Anarchisten zu schwerer Kerkerstrafe wegen Preßoer» brechen verurtheilt. Trotz dieser harten Strafen lebt der Anarchismus fort— ew Zeichen, daß ihm mit bloßen Unter» trückungS und Poltzeimaßregew nicht betzukommen ist. R« ß l a« d. Ein Petersburger Brief der„Polllischen Korrespondenz" führt aus, Rußland Hab« bisher eine Okkupation Bul» garten» pnhorresztrt, neuerdings aber sei diesfalls einig« Aenderung in den Anschauungen der leitenden Kreis« demerkb-r. Dt« Ollupaiion würde näher rücken, wenn Rußlands Ehre engagrrt werden und eine Zwangslage eintreten sollte. Belaie«. Nach einer Meldung der„Reforme" stellten alle Kohlen» gräder im Hennegau die Arbeit ein und kündigten an» ste würden dieselbe nicht wieder aufnehmen, bevor eine all« gemein« Amnestie aller verurthetlten Arbeiter ewae- treten sei. Man fürchtet ewe Verallgemewerung diese» Slr,»s auf alle anderen Industriezweige. Am Sonntag fanden im Henneaau nicht weniger als 14 sozla'isttsche Meetings statt. Ewe Monstrepetiiwn zu Gunsten der Amnestie ist bereit« mit 33 000 Unterschriften bedeckt. Ewe Deputatwn von Arbeiierinne» wird eine Audienz bei der Königin nachsuchen, um die Amnestie zu erwirken. Araurreich. Joseph Rewach setzt w der„RSpublioue Francaist" da» egyp tische Programm Frankreich» in folgindw süns Punkten auseinander:„1. Frankreich hat einen groß:« Fehler begangen, alt es im Jahre 1882 nicht mit England zugleich nach Egypten ging. England hat einen nicht minder schweren Fehler begangen, als et Egypten trotz der feierlichen; Versprrchungen seiner Regierung nicht verließ. Diese beiden Fehler swv Ursache und Ursprung der Zwietracht,»elche aus die entente cordiale gefolgt ist. Diese Zwietracht kann st» nur verschärfen, wenn jene beiden J�rihümer nicht ausgeglichw werden.— 2. Ew« völlige UnverUäglichkeit zrvischen den all» gemeinen Jntereffen Frankreichs und den allgemewen Inte» effen England» besteht von dem Augenblicke an nicht, in vel« ch-m Egypten neutral«klärt wird. So lang« aber Egypten von den englischen Truppen besetzt ist, kann es einen Zankapfel zwischen den beiden Nationen bilden. 3. Niemals hat Frankreich während der letzten Jahre dt« Ab»! ficht gehabt, die Befitzergreifung Egypten» w sew Pro�rawS der kolonialen Ausdehnung auszunehmen; seit der Eröffnung des Suezkanals hat Niemand einen derartigen Plan verfolg»' Frankreich hat darauf verzichtet,(einen Einfluß in Egypiw durch andere Mittel geltend zu machen als solche, welche legi» timerwrise jeder anderen Nation, England nicht ausgenommen. gleichfalls freistehen. Ader es vrriangt, daß England das nämlich« Verhalten einschlage.— 4. Riemalö wird Frankreich nach(einem Verzicht auf die Eroberung Egyptens zugeben, daß ewe andere europäische Macht sich des N.lthäles de» mächtige. Die Annexion Egyptens durch Eng- land bildet«inen v»»ai belli, dem# keine Partei in Frankreich würde entziehen können. Eng» land» Herr über Egypten, würde bedeuten: Engl.- v Herr über den Sueztanal— würde b«deuten: Englanv tr» Besttze de» Schlüffel» zu Frantreich» gesammten Kolonien i-N fernen Osten, es würde Frankreichs afrikanische» Reich W Schach halten und Frantreich» Jahrhunderte alten Einfluß in Syrien mit einem Schlage verntchlm. Ein großes Land iannf eine ähnlich« Heradwürvigung ohne Schande nur nach völlia»? Niederlage zur See und zu Land« und nach völlig schöpfung setner Kräfte dulden.— 5. Frankreich will nicht berauben, will aber auch von England nicht werden. Egypten als Uferstaat des Suej-Kanal» darf ntf unter die internationale Obhut deS ganzen Europ» gestellt werden." Grotzbritaisuie«. Di« konselvattv« Rcaierung muß nothaedrunge« de» Iren«nigegmtommen. Die„Daily News" schreibt:„R«ß noch so großer Zweifel die Authentizilät des von Lord Randow Churchill aufgestellten Programms umgeben, so ftnd wir* der Lage, zu erklären, daß fich seine Mittheilung. daß die SW gierung in der nächsten Sejston die irische Frag« aufnehmt* wolle, auf Thatsachm stützt. Sin Komitee arbeit«' jetzt die Grund, üg« der Bill au». Die Grundlag« der Maßregel wird die Errichtung von vier Provinzial' Versammlungen tn Jrlan d sein, und zwar für((% Provinz ewe. Dt« Lill unterscheidet fich von der«ladstone? hauptsächlich dadurch, daß kewe Legislatur w Dublw tag«* soll. In anderen Beziehungen werden die Home-Ruler vn Maßnahme vollständig zustimmen, indem ste die Entscheiduns über die jetzt in Westminster verharrdellen rein irisch«* Angelegenheiten irischen Körperschaft'* überträgt. Die Regierung hat sich mtt Lord Hartwgto* und Chamoerlain in Verbindung gesetzt und von beiden Hetf«? das Versprechen herzlicher Unterfiüsuig erlangt. Es wird st» wahrscheinlich herausstellen, daß es die Chamverlaw'schen sichten find, welche die Regierung schließlich bei ihrer veha*� lung der Homr-Ruleftag« adoptirt hat." Auch«in Grund! Der Kongreß der englischen Staatskkäs w Wakefiew deichästigte fich mit der sog.„Parish Church"«�'� Der Geistliche Theodore Dodd bemerkte, daß es ewe traunS« Thatsache sei, daß die bei weitem größte Zahl der Arbeit« der Kirch« völlig entftemdet sei und niemals ein« solche besuch»' In London und anderen großen Städten seien ü pCt. der r* völkerung Sirchen desucher. Ewer der Hauptgründe dieser Nagenswerthen Erscheinung sei jedenfalls das Systems. Vermiethen» der Ktrchenftühl«! Der venhrte 6«* ist offenbar noch sehr naiv. Von«wem vorläufigen Erfolg der Engländer am golv««*? Horn weiß folgende» Telegramm zu berichten: Konstantin«� 11. Oktober. Die Pforte akzepthte den gegenwärtigen landlen in Bukarest, White, als wterimistischen Botscka� Englands in Konstantinopel. White gilt für«inen schneidig' Gegner Rußland». lliger S/ Englan : derau» Gpanie«. Da» neu» spanische IRiniftttium ist rascher zu Stande gdomtnen. als man veimuthete. Sagafia hatte msprünalich die Abficht, weiter nach lint» zu sehen und auch die dynastische Linie in die Regierunssmajorität rinzudeziehen, aber davon hielten ihn schließlich die Konservativen ad, die plötzlich ein« sehr drohend« Haltung einnahmen und erilärtm» sie würden fich einer Verleguna der Reaierungtachse weiter nach linl» mit aller Entschiedenheit widersetzen und sofort den Waffenstillstand �tn beim Beginn der Regentschaft mit Sagasta schloffrn. Sagasta wußte die» berücksichtigen und suchte nun zunächst die abgetretenen Minister zum Bleiben zu bestimmen, was ihm indeß nur bei« Justizminister Alonso Martinez ge« lang; er mußt« also noch fünf Minister ersetzen, da zu den vier, die ihre Dewisfion bereit» früher gegeben hatten, noch der Kolonialminister Gamazo gelommen war. Bei der Ersetzung kalte Sagasta Glück und war mit dem Geschäste bald fertig. Er gewann zum Minister de» Innern den bedeutenden Leon y Castillo, zum KrtegDminifter den General Castillo, der noch nie an einem Pronunziamiento Theil genommen und in der Armee beliebt ist,»um Marinem inist-r den»vwiral Rodriauez Aria», der schon einmal diese» Amt belleidet hat, al» Minister der öffentlichen»rdeitm und de» Unterricht» Navaro Rodrigo und al» Kolonialminister den hervorragenden Dichter und Industriellen Victor Balagucr, der schon einmal Minister der Kolonien und der öffentlichm»rdeittn gewesen ist. Da» neue Kabinet bedeutet ein»»eine Verschiedung nach recht», indem an die Stelle von drei Liberalen und»wei Demolratrn vier Llberale und ein Demokrat getreten find. Die Konservativen werben also mit dieser neuesten Leistung der Staattlunst Sa- gasta»»ufriedm sein; weniger Befallen aber werden die wirtlichen Liberalen an ihr haben. valkitwlawlde?. Die von Rußland angezettelten Wahlunruhen in Bulgarien werden von der„Köln. Ztg." unter Sofia, 10. Oktober, mit einem Anflug von Humor in folgender Weise ge- schUdert: »Heute Morgen rückten au» den umliegenden Dörfern über hunders Bauern, geschloffen«arschirend, von montenegrinischen, makedonischen und anderen Wühlern be. gleitet, in die Stadt ein und begaben fich sogleich zum rufst- schen Konsulat, wo st« Hochrufe auf den Kaiser von Rußland ausbrachten. Nachdem die Leute einige Zeit mit de« Kawaffen verhandelt hatten, erschien Rekliudow auf dem Balkon und hielt eine Anspracht, in der er sagte, der Kaiser vorn Rußland«olle stet» da» Wohl Bulgarien»,»eShald er die Wahlen mißbillig«; diese Wahlen würden null und nichtig sein. Die Red« wurde wiederholt durch Hochrufe auf den Kaiser von Rußland unterbrochm. Hierauf begaben fich die Bauern nach dem Wahllokal, deffcn Eintritt st« zu stürmen suchten, um die Urnen zu zertrümmern und da» Wahlgeschäft un« möglich zu machen. Ein heftiger Hagel von großen Steinm, welche die Bauern unter ihren Schafpelzen verborgen mttge- bracht hatten, eröffnete eine Schlägerei. Die Mehrzahl der Bauern, deren Rott« inzwischen noch angewachsen war, drang in da» Lokal ein. In diesem Augenblicke erfolgte au» dem Innern de» Wahllokal» heraus ein rasch ausgeführter Gegen- angriff. Die Bauern wurden mit unglaublicher Geschrvln» digkeit hinaukgeworten; hinter ihnen her ellten die Verfolger mit Stöcken. Die Bauern mochten in ihren weißen Schaf. pelzen den Eindruck einer fliehenden Hammelheerde. Alles das dauerte kaum drei Minuten. Etwa sechs Bauern hatten leicht« Verwundungen am Kopf und blutend« Nasen davongetragen. Sofort erscholl bei ihnen da» Losungswort: Zum russischen Konsulat«! Dt« Bauern, die jetzt 150 di» 200 Mann stark waren, wurden in den Hof de» Konsulat» ringe- laffen, wo fi« in Gruppen vertheitt wurden. Oderst Sacharo« hielt an ste«in« Anrede, in deren Verlauf wiederholt Hochrufe auf den Kaiser von Rußland laut wurden. Dt« Verwundeten wmden an den offenen Jenstern de» Konsulat» in auffälliger Weise verbunden; dann wurden die Besäße, in denen man ihnen da» Blut abgewaschen hatte, ebenso augenfällig in den Hof durch die Gruppen getragen. Die Bauern demächlirten fich eine» im Hose liegenden Holz- baufen», au» de« sie mächtige Knüppel zurechthrckten; dt« Diener de» Konsulat» trugen ihren zur Erleichterung dieser Ar- beit Sägen herbei.(!) Nelliudo» fuhr gegen halb 2 Uhr zum französischen Konsul Flesch, wahrscheinlich von dort auch zu den andern Konsuln. E» scheint, daß Nekltudo« die Bauern möz- ltchst lange im Konsulate hallen wollte, um den Glauben her- vorzurufen, daß, falls fie da« Konsulat verlaffen hätten, für ihr« Sicherheit zu fürchten gewesen wäre; wenigsten» wurde unter di« Bauern Schnap» und Brot vertheilt. Um 3 Uhr fingen zwischen den Bauern, die im Hof« drs rusfischen Kon- sulat» wie wild« Thier« im Käfig eingeschloffen waren, und der VolUmenge, die da» Konsulat umringt«. Neckereien an. Einige Jungen warfen Kieselsteine in den Hof de» Konsulat«, worauf die Bauern mit einem regelrechten Bombardement, bei dem Pflasterstein« und mächttge Knüppel als Wurfgeschvffe dienten, antworteten und die Fenster eine» Konsulat» zertrümmerten, welche» dem rusfischen Konsulat gegenüber liegt. Die Polizei trieb hierauf di« Meng« vom vürgerstetg zurück, woraus völlige Beruhigung«intrat. Bald nahm der Auftritt sogar ein sehr lustige» Aussehen an. und die Menge fing an» fich mit Witzen zu vergnügen. Dieser harmlose Ausgang der rusfischm Her- autforderung schien jedoch nicht den Beifall der Leiter dieser nichtsnutzigen Aushetzerei zu finden; denn die Bauern im «Ülw» b5#",,nefl von neue«, die Im rusfischen Konsulat Büppel auf die Menge zu schleudern. mornnf �un0tn mit Kieselfitinm in den Hof, QU' Revolvern Feuer gaben. Die MßWSZZM W-'ZKUZsZ wandet workxn ist. Da» ganz« KonsulatSgedäude ttägt Kugel- spuren, und die von der Wand abgepralllen Kugeln konnten auf dem Bürgnsteig aufgesammelt werden,»er«merallonsul v. Thielmonn war«abrend de» Boraange» zur Stelle. Dt« Entrüstung über da» Vorgehen der Rufien ist ganz allgemein, bei den Bulgarm wie bei den Ausländern. Die nichtSwürdi- gm H erfahren. Auch haben die Beobachtungen de» si bring die Ausweisung de» Führer» der polnisch-revolutionärm Bewegung. !3anischeftki, veranlaßt._ � m Ariminalkommissar v. Schöne: 34 habe den Berndt beobachtet und halte ihn für einen Menschen, der zu Allem fähig ist. 34 habe mehrfach beobachtet, tah Berndt konservative und antisemitische Versammlungen gefrört hat.— Wachtmeister Weinert: 3hring ist ein sehr zuoerlässtzer Beamter, der den Berndt vier Wochen unterhalten hat. Berndt hat dem 3h:ins sehr werthvolle» Material geliefert.— E» erschein! nun- mehr der Schutzmann Fhiing. Dieser bekundet auf Befragen de» Präfidenten: Der Tapezirer Büchel fing in dem Sderbach« fchen Lokal« in der Holimark-straije mit mir ew Gespräch an. 34 erzählte, daß ich Mechaniker sei und chemischen Wagen angefertigt habe. Dann mußt Du doch wiffen, wie Dynamit bereitet wird, fragte Büschel. 34 verneinte die». Eine weiter« Unterhaltung über Dynamit hat nicht stattgefunden.— Präs.: Haben Sie denn den Leuten nicht einmal den Leitfaden einer Geheimschrift übergeben?— Zeuge: Allerding». 34 habe einmal, als ich noch Soldat war, in der„Berliner Börsen- Ztj «inen Leitfaden zu einer Geheimschrift gelesen; diesen habe mir damal» abgeschrieben und ihn den Leuten mitgetheilt. Vertheidiger Recht»« walt Freudenthal: Da» Motto zu dieser GehÄmschrist war:„Kauft Revolver."?— Zeug«: 3a. — Präs.: Sie sollen nun den Leuten gesagt haben: E» muß ander» werden;«» muß«in Koup ausgeführt werden. damit den hmschenden Klaffen ein Schrecken eingejagt werbe? — Zeuge: Da« ist Alle» erfundm.— Präs.: Sie sollm nun dem Angeklagten Ebrifiensen gegenüber, al» Sie ihn Unter den Linden in der Nähe de» kaiserlichen Palai» trafen, «ine MajeftätSbeleidiaung begangen haben?— Zeug«: 34 bin dem Christensen Unter den Linden niemal» begegnet.— Präs.: Sie sollen aber auch noch bei anderen Gelegenheften eine MajestätSdeleidigung und eine Beleidigung gegm den Prinzen Wilhelm geäußert haben?— Zeuge: Da* ist nicht wahr, eine solche Aeußerung ist überhaupt nicht vorgekvmmen.— Vertheidiger Rechtsanwalt Freudenthal: 34 bemerke, daß in der vorigen Verhandlung der Zeuge gesagr hat; Eine solch« Aeußerung hat der DreckSier Tadert gethan. — Zeuge: 34 habe gesagt, eiroiS Aehnliche» hat der Tadert gesagt.— Vertheidiaer: Der Zeuge hat laut Aeußerung de» Herrn Minister» v. Puttkamer bei seiner ersten Vernehmung gesagt: 34 habe außer in Vereintversammlungen niemal» mit den Leuten verlehrt?— 3hring: Da* ist doch nicht so wört- lieh zu nehmen, Herr Rechtsanwalt. Wenn man mit den Leu- ten einmal über die Straß« geht, so verkehrt man doch noch nicht mit ihnen.— Vertheidiger: 34 bemerke, daß der Zeuge auf Ehre und Gewiffm erklärt hat: er habe mit den Leuten außer in VereinSoersammlungen nicht verkehrt? 34 stelle nun an den Zeugen die Frage, ob fich die» bewahrheite,?— Zeug«: 34 habe die Kludoersammlunaen auch unter den Verein»- Versammlungen verstanden.— Präs.: Sie haben den Leuten «sagt, daß Sie au» der Schweiz kommen und mit den dortigen naichistenhäuptern verkehrt haben?— Zeuge: Da» habe ich nicht gesagt, ich erzählte den Leuten, daß ich Mitglied de» Arbeiterverein» in der Schwei, gewesen bin.— Verth-Mecht»« anwalt Freuderthal: 34 konstatire, daß der Zeuge in der Voruntersuchung gesagt: er habe den Leuten erzählt, daß er in der Schwei, mit den Häuptern der Rnarchistendewegung verkehrt habe.— 3hring: Da» muß auf 3crtdum beruhen.— — Präs.: Sie haben den Berndt unterhalten?— Zeuge: 3- wohl, Berndt. war mein bezahlter Viguant und hat mir viel werthvolle» Material geliefert. So hat er mir u. A. da» Material, da» zur Au»weisung de» polnischen Agitator» Zarischefiki führte, verschafft. Berndt erzählte mir auch, daß er von Singer besoldet werde, um konservative und antisemitisch« Versammlungen zu sprengen.— Berndt: Da» ist nicht wahr. — Christensen: Der Abgeordnete Singer hat un» wiederholt au»drücklich obgerathen, die konservativen oder antisemitischen Versammlungen zu besuchen.— 3hring: Berndt besaß sogar eine Eintrittitartezuden Stöcker'schen Versammlungen.— Berndt: Allerding», ein« solche Karte habe ich mir einmal für 10Pf. gekauft, da ich ohne diese ai» Ardeiter zu den Stöcker'schen Versammlungen keinen Zutritt hatte.— Präs.: Nun hat Sie Berndt einmal aufgefordert, nach dem Friedrichshain zu kommen» Sie gingen aber nicht hin?— Zeuge: 3a, ich traute damal» schon nicht mehr.— Präs.: Sie sagten, daß Sie den Leitfaden zur Geheimschrift in der„Berl. Börsen-Zeitung" gelesen haben, wann lasen Sie da»?— Zeug«: 3« 3ahre 1881, al» ich noch Solvat war.— Präs.: Wo standen Sie al» Soldat?— Zeuge: 3" Magdeburg.— Präs.: Und da hatten Sie Ge- legenheit, die„Berliner Börsen-Zeitung" zu lesen?— Zeuge: 3awohl, manchmal.— Der Schrtzmann Schulz der beauftragt war, zu eruiren, ob CKristensen in der königl. Bibliothek ver- kihrt, bekundet, dc-ß Cdristensen niewal« in der Königlichen Bibliothek gewesen.— Drechilermeister Tadert: 34 habe den 3 dring s-hr bald al» Agent proyocateur gehalten. 34 unterhielt mich einmal mtt rhm über die Handwerkerftage. ing fragte mich, wie ich mir wohl ein« B-fferstellung der . irdwerker denke. Al» ich ihm sagte: ich erhoffe die Befferung durch soziale Reformen, bemerke 3hring: 34 glaubte nicht, daß Du noch auf so kleinlichem StandpunKe stehst, mit solchen Mttteln wird niemal» etwa» erreicht werden. Wenn etwa» erlangt werden soll, dann müffen Gewaltmittel angewendet werden. Al» ich dem 3bring einwendete, daß man damit nicht» erreiche, versetzt« er: Du mußt doch wiffen, daß die Weltgeschichte niemal» von unten, sondern immer von oben gemacht wurde, warum soll daS nicht einmal umgekehrt ge» schehen. Rußland wird ja von einem Dutzend Nihilisten de- herrscht.— Präs.: Wann geschah diese Unterredung?— Zeuge: 3n der zweiten Klud-Versammlung.— Der Zeuge bekundet im Weverrn, daß Ihring am 3. Januar d. 3- im Ederdach'schen Lokale eine MajestLttbeleidigung und eine Be- leidigung de» Prinzen Wilhelm au»aesprochen.— 3hling bestreikt dies« Bekundung.— Tavezirer Büchel: 34 lernte den 3fcine am 27. Dezember im Eberbach'schen Lokale lennen. 3hling fragte mich, ob ich wiffe, wie Dynamit gemacht werde. Da ich diese Frage oerneinte. so machte»r mir bierüber An- gaben.— Präs.: Wie wird nun Dynamit gemacht?— Zeuge: Da» weiß ich nicht; da ich keine Lust empfand. Dynamit zu machen, so habe ich der Erzählung de» 3bring auch keine Be- achtmrg geschentt.— Tischler Wittkowski: Wir haben un» einmal über die Verlängerung de» Sozialistengesetze» unterhalten. Bei dieser Gelegen Heft avßrrte yimng: Mit der friedlichen AgUation ist nicht» gethan, wir müffen einen Koup unter- nehmen, damit dm herrschenden klaffen ein Schreck eingejagt werde. E» müffm Tynamitdomdm in die Häuser der Reichen geworfen werden. Als einmal bei mir Haussuchung gehalten wurde, sagte 3hring: Wmn st« bei mir Haussuchung ge- halten hätten, dann würde ich aus längere Zeit in« Zuchthau» kommen, denn bei mir würde man ein ganze» Dyn-mitlogcr findm. Einmal hat mir 3hring einen LrUsadlN zu einer Ge- heimfchrift mft dem Motto:„Kauft Rrvolver" gegeben.— Klempner Eifert bestätigt die von dem Zeugen 3hling gethan« Majestäl»del«idigung.— Tischler Rittmeister: Fhling hat mir bei Krller«inen Leitfaden zu einer Geheimschrift gegeben und einmal geäußert: Wir müffm Dynamitbomben in alle öffent- ltchen Gebäude werfen, wmn wir etwa» erreichen«ollen. Aehnliche» bekundet der Tapezirer Vahr» und der Schneider Fuch». Letzterer bemertte noch: Wir wollten einmal da» Lied „Still ruht die F'uth" fingen, da sagte 3hring: Da» ist doch Quatsch für Arbetter, wir müssen da» Lied von Most:„Wacht auf, 3hr Atbeiter" stngm.— Präs.: Haben St« nun die» Lied gesungm?— Z ug«: Nein.— 3W«8: 34 bestreite die Bekundung diese» Zeugm.— Fuch»: 34 bleib« bei meiner Behauptung. Herr 3hring saß mft einem rothen Shli?» da, dm er später dem Berndt geschentt hat.— Klempner Gelhaar, Tischler Babl» und der Kaufmann Hosenbein bestätigen«benfall» die Majestätlbeleidigung»« Affair« und die Aeußerungen de» Mahlow bezüglich de» Wersen» von Dynamit- bomben. Zu erwähnm ist noch eine Bekundung de» Tischler WM- kowily: Danach soll 3t>ring einmal gesagt habm: 34 bleibe nicht langer in Berlin, hier find mir die Sozialdemokraten zu schlafmützig, ich gehe dorthin, wo man schärfer vorgeht.— 3bring bestieftet, auch diese Aeußerung gethan zu haben.— Die Bewei»aufr.ahme ist danach beendet. Vertheidiger Rechtsanwalt Freudenthal: 34 will e» den Herren Polizeibeamten glaubm, daß der Schutzmann 3bring kostbare» Kaleiial geliefert hat, viel kostbarer ist aber der Zeuge 3hring für diesen Prozeß. Er halte den Austrag von seiner vorgesrtztm Behöide, die Brdeftnbewegung zu beobachten und fich dabei vollständig pasfiv zu verhalten. Wie er fich diese» Auftrage» entledigte, hat die Beweisaufnahme ergeben. Er führt mit den Arbeftern allerlei Gespräch« über radikale» Vorgehen, über Werfen von Dynamitbomben, Dyi?anitanferttgung u.f. w. Daß er provokatortsch vorgegangen, ist durch sein eigene» Ge- ständniß bewiesen. Er bat zugegeben, daß er den Arbeitern einen Leitfaden zu einer Geheimschrift gegeben. 34 deHaupte, er hat die» au» eigener 3niliatioe gethan. Die meistm der hier vernommenen Zeugm befanden fich zur Zeit tn noch sehr jugendlichem Aller; e» kann wohl nicht angenommen werden, daß diese Leute damals ein Bedürfniß hattm, die„Berliner Börsen-Zeitung" zu lese», um nachzusehen, welche Dividmde ihnm ihre ANten geben werden. 34 bin der Ueberzeugung, daß die hier oernommmm Entlastungszeugen niemals Gelegen- hell stndm, die„Berliner Börsm-Zeiwng"«i lesen, daß ihnm also der ihnen gegebme Leitfaden, ver im Jahre 1881 in der „Börsm-Ztg." gestanden habm soll, vollständig unbekannt war. 34 will den bohm Gerichtshof durch nochmalige Vorführung aller Sinielheiten der ZeugmauSsagen nick« ermüden. 34 bin aber der Uedirzeugung, wmn 3Mng die Thatsachen bezüglich der Geheimschrift zugiebt, dann find auch alle andern Ding«, die hier von einer Reih« undeschottmer L-ute übereinstimmend bekundet worden, wahr. Der hohe Gerichtshof wird daher nicht in der Lage fein, den AuSlagm deS 3bttna Glauben zu schenken, sondem zu einem fteisp echmden Urtheil gelangm. Vertheidiger Rechtsanwalt Munckel: 34 kann mich dm Ausführungen meine» Herrn M>tvertheidiger» nur anschließm. 34 gebe zu, der Zruge 3 bring hatte eine schwere Aufgabe, er war beauftragt al» Vigilant zu fungiren, vom Vigilant zum Agent proTocatenr ist aber nur ein kurzer Schritt. Der erste Richter sagte: 3hrina hatte nicht nöthig zu provozirm, er bracht« kostbare» Material genug. Lag aber die Verfichcrung nicht nahe, da» werthvoll« Material noch zu ver« mehrm und werthvoller zu machen. 34 weiß ja nicht, welche Fortschritt« dieser so bewährte Beamte noch machen wird. Fedmsall» war e» ein Unglück für ihn. daß ihn sein G:dächt- niß etwa» im Stich ließ und daß die Strafprozeßordnung vorschreibt: Zeugm müffen ihre Aussage, die fie vor dem ersten Richter abgegeben habm, vor dem zweiten Richter wiederholen. Wmn gesagt worden ist, er hatte keine Ursach« die Unwahrheit zu sagen, so erwidme ich:« hatte stch eben fangm iaffm und mußt« nun bemüht sein, alle» ihn KompromUttrend« von fich abzuwälzen. Er hatte ein Metlm übernommen, da» fich auf Falschheit und Verrath gründete. Bei solch« Lag« der Dinge wird man den Entlastuns-szeugm glaubm müffm und die von diesen bekundeten Thatsachm al»«weislich wahr annehmen. Sollte d« hohe Gerichtshof annehmen, daß d« Angeklagte Christensm übntriebm hat. so steht ihm d«§ 193 de» Strafgesetzbuches zur Seit».— Staatsanwalt Dr. Wagn«: Di« Herren Vertheidiger haben stch darauf beschränkt, die Glaub- «ürdigkeft de» Zeugen FHUng in Zweifel zu ziehen. E» ist ja zugegeben worden, daß d« Zeuge 3 bring al» Vigilant fun- gilt hat, daß er aber auch provokatorisch autgetretrn. ist in leiner Weise«wiesen. 34 bin ebensowmig wie in d« nsten Verhandlung in d« Lage, dm Entlastungszeugen irgmd welchen Glaubm beizumeffm. Die Art ihre« ganzen Auf- treten» spricht für ih» Unglaubhastigleit. AngefichtZ der Ge- fahren, dmen fich d« Zeuge 3hring ausgesetzt hätte, wenn n in d« bekundetm Weise aufgetreten wäre, ist keinesweg» anzunkhmm, daß diese Belurdungen irgendwie wahr find. Wenn man ferner erwägt, daß der Zeuge 3bring ein sehr pflichtgetreu« Beamt« ist und daß er der vehbrd: so viel werthvolle» Matmial geliefert hat, also eine Provokation sein«- seit» absolut nicht nöthig mar, dann wird man zu d« Ueber- zeuaung gelangen müffm: e» handelt stch hin um ein plan- mäßige» Vorgchm, um einen mißliebigen Beamten zu v«- derben. 34 halte deshalb da» Schuldig gegen die Angellagen, die dem Abg. Sing« dt« Thatsachen in so aufgebauscht« Form S getragen, ousrechr. Heb« da» Strafmaß will ich nicht viel iechm„ Wmn man erwäzt, daß e» fich'hi-r um die Ehre eine» anständigen Beamten handelt, dann wird man da» vom «sten Nicht« zuerkannte Ettafmaß für gerechtfertigt finden müffen.— Die Angeklagtm hadm nicht»»efter anzuführen.— Nach sehr kurz« Beralhung verkündet der Prästdmt, Landgericht» Dir«Vor Humbert: Dn Gerichtshof ist dm Aus- führungen d« Vertheidtgung beigetreten, er hat dieUeber- zeugung gewonnen, daß diejenigen Mttthei« lungen, welche die beiden Angeklagten dem Reichstag»- Abgeordneten Singer gemacht haben, auf Wahrheit beruhen. Der Gericht»- Hof ist nicht in der Lage, den Auslassungen de» Zeugen 3hring zu folgen. Die beiden Angeklagten sind daher von Strafe und kosten freizusprechen. Uzean tmortlich fü» dm polttischm Theft und Soziale»«ax Koziales tmd Arbeiterbewegung, Zur vuchdruckerbtweguug. Di« Einführung de» neuen Tarif« ist tn Berlin mit Ausnahme weniger Druckereien und namentlich solch«, wo schon imm« Tarifstreftigieften an d« Tageßordnug waren, im Lauf« d« letzten Tage vor fich ge- gangm. Urft« den Gefchäftm, mo gütlich« Einigungen nicht zustande gekommen find, figurirt in erst« Reih- da» von 3uIiuS Sittenfeld. Trotzdem in diesem Geschäft gut dezahtte amtlich««rbeftm in großer Anzahl hergestellt werdm(u. A. sämmtlich« Reich»tag»arb«ftm mft Ausnahme d« ftenographifchm Berichte), ist dn Verdienst der dort be- schäftigten Arbeit« feit Fahrrnhnten ein äußerst kümmerlich«. Wöchentlich« Löhn« von 10-15 Mark warm mft wmigen AuSnohmm beinahe regelmäßige»u nennen. Mit Beginn d« Tariibewegung gingen nun auch die in diesem Geschäft stehen- den Gehilsm dm an. die vorhandeum Mißstände nach Mög- tichiett zu befestigen. Di« Folg« davon war. daß man dm Arbeftern, welche dem«eschäst gegmüb« ihr« Kollegen v«. ttatm, einfach kündigt«, darunter eine« Vertrauensmann, der übn zehn 3°b« zur Zufriedenheit daselbst londttionirt Halle. üiS« welche üb« zwanzig Fahre dem Geschäft ihre Kräfte gewidmet hattm.— Trotzdem nochmal» Berständi- gungen angebahnt wurden, ließm stch die genannte» beiden Geschäftsleit« aus nicht» ein sondem wiesen dm unter« handelnden Gehilfm ein von dem Geschäft an da» Krieg»« Ministerium gnichtcte» Gesuch um militärische Hilfskräfte(!) vor, welche» an d« Seite dm arnt« lichen Bescheid ungefähr de» Fnhalt» trug: Die Buchdruckerei von Fuliu» Sittenfeld ist un» wohl bekannt, und haben wir die Kommando» angewiesen, dem Geschäft disponible Mann- schaften zur Verfügung zu stellenl!— Die Ge- Hilfen haben stch dadurch keinekweg» beirren lassen, sonder» hattm an ihren Beschlüffm fest, zumal die Erfahrung in an« derm Fällm, wo ebenfall» Soldatm»«wendet wurdin (Möstt, Norddeutsche) gelehrt hat, daß die mllilärische Macht weit mehr Nachtheil dem P-inzipal al» dem Arbeit« bei sol- chm Angelesmheftcn bringt.— Bemerkenswnth ist noch, deß der Stellvertreter de» Herrn Büxenstein(Vertreter der Haren Prinzipale bei d« Ausstelluna de» Tarif» in Leipzigs Buchdruckereidesttz« Boll, zu den Prinzipalen gehört, solche den Tarif nicht anerkannt haben.— Die Zahl der durch Eintüten für d n neuen Tarif ardettSlo» gewordenen Gehilfen de:räzOmgefähr 200. Folgende Berichtigung geht un» zu dem Artikel„W i e man an Staatsbahnen dezahlt" in N-. 222 zu: Wmn d« Lnfaff« de» tju. Artikels angiebt, daß durch die bei der Verstaatlichung der Rechte- Od« Ufer- Eisenbahn statt« gehabte Umwandlung der Stundengelder in Kilometergelder gerade dm ätt«m Beamten ein erheblicher Verlust erwachsen sei. so entspricht die» durchaus nicht den thatsächltchen Verhältnissen.— Wir beweisen die» dadurch, daß wir die Bezüge g«ad« desjenigen Beamtm angeben, an welchen da» in dem Arttlel bezeichnete Schreidm vom 29. April«. Nr. C 3352 gerichtet war. Derselbe«hielt ia Fahre 1883, also zur Zeit der Privatbahn. Verwaltung, an Stundengeldern und Kohlen, und OelPeSmim zusammen 989.60 Mark. Fm Fahre 1885.86 bezog« dagegen 969,24 R. (Hierbei find 78 Tag«, während welcher der betreffende Be« omte krank resp. beurlaubt war, im Verhältniß der Bezüge del übrigen. Tage gerechnet) Ei ergiebt stch hiernach ein Ausfall von rot. 20 M. auf da» ganze F chr od« 1 M. 66 Pfz. p.« Monat. Hierbei muß jedoch noch ewähnt werden, faß diel« Einnahmen auch unter v« Privatbahn- Versalwes oft«htl id variirten, weil fie von mannigfachen Umständm(Einlegen unl Ausfall von Zügm, Gunst ob« Ungunst d« Witterung je) adhingen.— Auch die Angade, daß die Lokomoli» führer in ihren sonstigm Einkommen»d«»azen unter der EtaatSbahnoerwaliung verschlechtert worden seien, dürfte schwel von dmseldm zu deweism sein, was fich au» nachstehende« Berechnung ergiebt,«elcher»»ir als Beispiel wieder da» Ei'-- kommen deS vorerwähnten Beamtm zu Grunde legen.£)& seife bezog unter d« Plivatbahnverwattung ein Gehalt vo» 1584 M.(WohnungSgelpzuschuß gab«I bei der Prioatbahn- verwattung überhaupt nicht) und freie Uniform. welche ein-» Werrh von 49 M. hatte,»usammm also 1633 M. Bei dck Verstaatlichung wurde da« Gehalt festgesetzt auf 1300 Mo l, außervnn erhält er einm pmfio-'Sfähigm WohnungSzelvzuslbuß von 432 M., zusammen also 1732 M. ES ist sonach da» Ein- kommen de» in Red« stehenden Beamten bei d« U-bernahtne in den Staatsdienst um rot. 100 M.«höht worden, wovo» 61 M. 20 Pf. zur Klerderkaffe zwar in Abzug, jedoch nur nrtb d« wirtlichen Beschaffung von Uniformen zur Vrrwmdun» tommm und zwar dergestall, daß der Beamte, wenn er srinl Uniform schont und wenig neue destellt, am Sckluffe Fahre» den«sparten Betrag herauSgezahlt«hält. H'nan aV schließend, bemerlm«ir, daß der in dem Artikel erwähnst Abzug für die am 1. April 1885 noch nicht aukgetrazene» Uniformen stattfinden mußte, weil die Staatsbahnverwallun» die Liefnung ftei« Uniformen nicht kennt und,«!e oben b» reit» angeg ch-n, d« Werth dersrldm bei Bemeffung der hält« Berückfichtigung gefunden hatte, wodurch die Beamt«« noch den Vortheil erlangten, daß dies« Uniform»«# zum penfionsfähigen Gehalt bip'ugrrchnet wurde. Au» Borstehendem dürfte fich zur Genüg««gedm, daß die Belüge dck Beamten in Folge d« Verstaailichung in keiner Weist verschlechtert worden find, ganz abgesehen davon, daß d» bei Wettern größte Theil dn Beamten nach und nach und Rückficht auf ihr« Aeclmnetät spät« in Geyatttsötze etmück- «eiche dieselben in solch« Höhe unter dn PrioatdahnvcrwZltunj niemal»«hatten haben wür?en.— D« Verfasser de» Arlil# führt auß«d«n noch an, daß den Beamten dt« Weihnacht»' Remuneration und freie Fahrt für ibr« Familie mtzogm worden sei. Er hätte bedenken rnüfst* daß ihnm darauf wed« in der einm noch in der andere» Hinsicht ein Recht oder ew Anspruch zur Sette stand, zu� es kewem Z»eifel unterliegt, daß die Gewährung solch« munerationm völlig im BUiedm d« Eisenbahn-VnwaltM stand und keinesfalls al» ein feststehmde» Einkommen betrack� w«dm konnte. ES lag somit auch für die SiaatSdab'-f Verwaltung kew Grur-d vor, die Beamten für dm Wegl�- dies« Remuneration zu mtfchädigm. Fm U-brigm ist S» nicht auSgefchloffm, daß einzelnen Beamtm für beiordtf- Dimstleistungen Remunnationen gewährt w«den. wenn an» in and«n al» der früherm Form von„W«ihn acht«' Gratifikationen". Die unterm 30. August c:. onfül» Zmückziehung d« Gehaltszulagen einzeln« Beainj* mußte, wie auch in dm detteffmdm Schreiben% reit» angegeben, mit Rückficht auf die Ar denn#' d« Beamten erfolgen, ein ander« Grund lag W. für nicht vor. Daß bei d« Verschmelzung eine» J! großen Unternehmen» dm Wünschen Einzelner mitunter ni» vcllauf Rechnung getragen wetdm kann, wird jedem die hältniffe nur einigermaßen Beachtenden einleuchten: e» ist n? eine ebmfo bekannt« al» bedauerliche Thatsache, daß die% tation d« fast in jeder veamtmilaffe vorhandenen urzufii1®, nm Elemente den beff« gestnntm Beamten ein unberechtiS»' Mißtrauen gegen ihre vorgesetzten Behördm einimpft. � schon die letzteren darauf Bedacht nehmen, da» Wohl ihr" Bramtm nach jeder Richtung hin und sowett die» die% (et-�uuTatfunD ,). gez. Naumann. Kuppisch. Riesen- Wir haben dies« Berichtigung vollständig obwohl un» der von d« Direktion angezogme§ 11 de»% ,1* bezüglich all« Aeußerungen verpflichtete, f5., bezweifillen auch niemal», daß man„innnhald d« oot»'. Iv.'r �"»AUtiiß», oa? man„innriyaio vn* tü chriebenen Grenzen" alle» für die unt«m Beamten bun b««tt sei, wir hegtm nur uns«« Bedmien, od eben»' z Grenzen nicht zu eng gezogm feien. Und hier gesteht obige Schreibm ja selb»> B. zu, daß d« zuerst«*% Beamte in d« That durch die Umwandlung der Stunde«'� (( t T a* fV mw CT? T 1 1 C» ftf i» ft* flOtt � ssmiÄMÄ-jÖM kilomelergelder einen Vnlust erlittm habe. Auch daSvoN>� gebracht« Beispiel, wonach ein 25 Fahre im Dienste steb-»-.� Beamt« ftüher 1880 Mark nedm frei« Fahrt sein« und freier Uniform bezog, jetzt ad« nur 1800 Mark urr Wegfall all« Vergünstigungen, wird odm nicht zu!wio«r**gr Fedmfall» beweist da» Etngesandt del Betrieb»�� v« sucht. � daß von ein« Lohnerhöhung, wie fie fich Wagn« und manch« StaatSsozialisten vom Staatsbett sprochm, nicht die Rede sein kann. Si« Töpferftreik ist in Freiwaldau, Krei» Gagn"; 5. d. M- ausgebrochen. Etwa 90 Töpfergesellm hadf" ü(fi Arbett«ingestellt, weil die Meister eine Mehrforderung 10 Pf. pro Tagewerk nicht bewilligt haben. Beuthfttaß« !täf{l ändi» wda mkp 08» sch« mt» Dit um* Do* NN» Gt- idr?» Beilage zum Berliner Boltsblatt. >r. S39. Mittwoch» de« 13. Oktoder 1886. IH. Jahrg. Kommunales. TageSotbuuvg für die Ettzuug der Etadtveroi doete«- Vnsamml»»g am Dtmtmftag, Otn 14. Olloder d. I.. Nach- »Mab» 5 Uhr: vier N�uraUsallonixtsuchc— To nähme der Wahl von Niigltedern für rinijt fiäniiat Autstüff? der Ber- lammlunB, Vnwaltungkvepulattoncn und Kuratorien ,c.— «erichterstattuna üd'r die Magistratsvorlage vom 13. Sep. »�lnder d. I., soxeri st: die Räumung und den Äddruchßtermtn für da» Grundstück Miihln damm 11 betrifft- 6e*al, flb't dir Vorlage, betr. den vnlaut de« Grund st dt Birkenst:. 62 63 für Z-ecke de, städtiiiien«rankenhause, M-adit- detgl., W«ultduff 9 für Re»nung»sachen— Vorlage, be!r. den Ttnmadschluß übt: dir Verwaltung der Karolisatlo. tw-rke und «r städliliten Rieselgilter pro 1 Sptil 18«, 86- delgl.. betr. •te erfolgte illdnahr.e der auf dem Grundstücke des städrilchen «anlenhauses Vloadtt an der Birlenstrah« neu enichteten «auer».— dclol., drtr. die Errichtung einer»weiten Zrhl- stelle in der hauptiaffe der städtischen Werke— desgl. bet'. die erfolgte Bauabnahme dr* neuen Feuerwehr> Rebendepot» « der R.tchnibergerstr. 66— btlgU betr. die Ueberlaffung der auf der Hyateneauistellung befindlich gewesenen städtischen Außstellungtobjekte an da* Hy�ienemuseum— desgl., betr. den Ankauf des Grundstück» der ehemaligm Beschlagschmiede am Kuxfer�raten— de»gl., betr. die Erwerbung einer zur Ver- dretlerung der Neuen Friedlichst aste von dem Grund Jllcke Königstraste 33 und Neue Friedlichst! aste 21 und 1». b, erforderlichen Fläche— desgl., betreffend die Ver< »echnung der Kosten sür die zum Zwecke der Abrundung des Bauteil ains sür da» neue Polt�idlenstgebäude, bezw. zur dem- nichfiigen Verwendung für dt» Parallelstraste der vtadteisen- bahn«rwoldenen stikalrschen Trundflücktparzellen— desgl., betr. die Verlegung de» Rechnungsjahres der Kleemann.'schen und der LudoIfi'>chm Stiftung, sowie die Stiftung vom 17. Rooember lfc22 von dem Kalenderjahr auf da» Tratsjahr — de»gl., betr. den Ankauf de« der Petit Kirckengemeinde ge- Sri gen bisherigen Predigerhausts Petriplastek 2 3 und Echarn- aste 20— desgl., betr. die EimSstigung de» Preise» für da» »um Betriebe ron Gaskrastmaschinen benutzte Ga»— desgl., betr. den Verkauf des städtischen Grünt stück» an der Ecke der Duffenbachstraste und der St- äste Am Urban— desgl., betr. ott Rückgiwähr dr» zur Anlaae der difiatt ven Vorgärten vor Grundstecken K.ithstr. 2/7 und 10«, forderlichen, seiner JJ:a ol» S trafen land abgetretenen Terrair» an die adjaziren» den Grunbftücksdesitzer— desgl, betr. die Ucbrrnahm» der Paralleist.aste nördlich der stvtadtbabn auf der Sirecke von der ehemaligen Königsdrücke bis zur Straste Am KöaigSgraden, bezw. dl» zur Panoramafiraste in die städtische Unterhaltung — desgl.. betr. die Frstsetzung eines Nachtrage» zu dem Etat für die KanaltsalionSwerke und die Veiwaliung der Riesel» f«ld«r pro 1. April 1686, 87— desgl., betr. die Slizze zum Bau von zwei Kolontegebäuden auf dem Grundstücke der Irren an stalt zu Dalldorf— fünf Rechnungen— Votlage, betr. die Verlängerung eine» EngagementsoeitrageS. zokale». Die Ersatzwahl für te« verstorbeue» Abgeorduete« Ludwig Löwe im ersten Berliner Lanvtagswah l-Le. r k ist aus Anordnung de» Minister» de» Innern durch den Ober Präfidenten auf den 11. November er. und der Termin zur Wabl der feit der im Oktober v. F. stattgehabten allge- meinen Wahlen durch Tod, Verzug x. ausgeschiedenen Wahl- männer auf den 4. November er. festgesetzt. Der erste Landtags- Wabibezirk der Stadt Berlin umfastt die Stadtbezirke 6 bis 73, 283 und 284. Dem Vernehmen nach werden 139 Wahl- Männer neu gewähtt werden müffen. Da»»erUutsche Rathhau« ist bekanntlich schon längst wieder viel zu kletn. Der Magistrat schlägt deswegen der Stadt- verordneten- Versammlung den Ankauf des diihertgen Prediger- Hause« am Petriplatz vor, da er de, Meinung ist, daß daffcld« »ur eoent.»rronvirung und E.wetterung de» Köllniichen Rath. Haufe« dmckaui zweckmäßig und nothwenttg ist. Fn der be treffenden Vorlage schildert der Magistrat die jetzigen Zustände «n Rathhause al» unhaltbare. Die städti chen Verwaltung» zweige haben stch nicht nur äußerlich oerdoppett, sondern auch mnerltch gewollig vergrößert. So ist e» denn gekommen, daß. teotzvem da» Köllnische Rathbov» fast vollständig Verwaltung» »wecken dient, trotzdem die Soarkaffe, die Bmeavx der städti- schm Werke und der Havptkaffe der letzteren in ernem d-ion- deren umfangreichen G-däud« in derKlostersiraße untergebracht nnd und trotzdem ferner für die Grund, igentbum». und die zvwaßenreinigungt.Deputation Räum« im a.ten Waisenbau» in 7?., Neuen Fiiedrichstraße verwendet werdm, doch de- mtt der Miethung von Lokaiitätm in Piioathäusern hat WitT fJl werden müffen und die Lokalverbältniffe im Ruth- «ttd.» unertrSgltcher werdm. Der Magistrat hält die K «ttd auch für die Straßmreinicunz»- Deputalion womöglich d«t oder in dem neum Verwoliungsgebäude auf dem Müblrn. dämm eine neue Ardeitsstälte beschefft werden müffen.«u» allen diesm Erwägungen wünscht der Magistrat durch den An. tauf de« Predig, rhause» am Petriplatz die Möglichkeit offen zu hatten, da» Köllnische Rathhau» nach Bedürfniß umzugestalten und ,u«wettern. «tue de« eigenthümlichstea Srschetnuugen in d« modernstm Geschichte de» menschlichen G-istet ist die Passivität, mtt der man dir Wiederkehr von Unglückifällm auf den Eisen- bahnen hinnimmt. Wenn d« erste düstne Eindruck, dm»in Bericht üb««ine»lm stattgehabte Katastrophe beroorruft, vor- üb« ist, dann beruhigt man sich mtt dem»um Gemeingut de» Publikum» d« ganzen Well geworbenen Tröste;„Eisenbahn. Unfälle find leid« unvermeiditch.« Man schlägt wohl auch eine Statik tl Über die Zusammenstöße, Entgletsungm, Brücken. etndrüche.»«gabrMtchungm ,e. nach, und ist überaus b,. friedigt, mmn 6U Durchschnitilziffer stch nicht höh« stellt al» fe lohten,»agen wir e» nun einmal, gegen die türkische Ergebung in ha« Unabwendbare un» zu er und die Frage aufzurvnfen, ob Eismbahnunfälle in d« That ungefähr ebenso unoermeidlich find, wie die Folgen von Erd- beben, G/witl rn, vulkanischen Ausbrüchen, Seestürmen. D« Damvf ist weit leicht« l-nkbar al» ttgmd»in Zugthier, denn d« Mensch««wag ihn unbedingt und in allen Fällen nach seinem Willen zu leiten. Die Schienengeltise find, wofern fie in entsprechenden Fnteroallm stet» auf ihr« Dauerhastiakett geprüft werden, die denkbar zuv«lälstgste Fahrstraße der Welt, i-nv nur jäh: T!cmen!a:ereigniffe, wie Ueberslbwemmurgen, Schneewehm tönnm ihre Sichelheit für einige Zeit ausheben. Hierbei wollen wir al» auf ein holist eigmtbümiiche» Mommt darauf hir weist n, daß gnade die au» o«d« blichen Katastrophen in dn Natur mtipringenden Unglücksfälle, auf die d« Ausdruck„unoermeidlrch" recht eigentlich paßt, ver hältniß mäßig sehr selten sich«rignm. Die am häufigsten vorkommende Ent- stehungsutsoche ist die sogenannte„Fahrlässtgkett". Läßt da» Eintreten derselben fich verhindnn? Unzweifelhaft, durch ein derartig vnotelfachte» Urberwachungslyllem, daß die Zerstreut- Heft oder die momentane geistige Fndtsposttion eine» Einzelnen immer durch die stete«ontrole eine» Zweiten oder Drtttm »ara'ystlt wird. Darf man J-ven d« unglücklichm, ohnehin schon von dm schrecklichstm Tewiffenstiffm gefoll«tm Beamtm, dt» durch einen Ileinm Verstoß der Anlaß zu ein« fülchter- ltchm Katastrophe wurden, durch plötzliche Entlaffung oder aar durch die Verhängung schwerer Strafen züchtigen? Meistentheil» v«dimt« ja M'hr unser Bedauern al» unsere Rachsucht, denn eine böse Adficht ist ja nie nachweisbar. Er ist tn d« Regel ein bedauern» werthe» Op'er menschlicher Schwäche. Wie viele„kleine Versthen" begegnen in dm ver- sttedenen BerufSartm jedem Einzelnen und sei er noch so ge- wiffenhoft, achtsam und pfl.chtgetreu. Wenn jedoch Der ein Aktenstück auf den unrichtigen Platz legt, Fm« das Porte- monnote„zu Hause vergißt," der Drive stch tn der Numm« ein,» Hauses irrt— und das find Verse hin, bei denen die Gedanlmlostgkett viel länger andauert, alt bei d« falschen v ellung einer Weiche— so entspringt darau« niemal» ein Unglück, dem Andere in der schrecklichsten Weise zum Opfer fallen. Man mache sich ad« einmal die deispiel- lose Verantwortlichkeit eines Eisenbahndedtmstetm klar! Die gerin aste Vergißlichkett, ein kleiner Anfall von Schwindel, ein plötzliches Versagen de» auf einen Punkt konzentrtrten Denken» kann Tod und Vnd«ben dringen. E» ist bekannt, daß oerade bei rein mechanischm, altgewoynten Thätlgkeitm da* Gehirn am leichtestm— gleichsam auf hypnotische Wette nickweise versagt. Die Näherinnen stechen stch in dm Fing«, die vtrickerinnm lasten Matchen fallen, der Zimmermann sägt sich w die Hand u. s. w. Selbst d« direkte Anblick der Gefahr schützt nicht gegen solche Versehen oder wenn man will„Fahr- tässtzkeilm". Wer je Hüttmwrrke besucht hat, wird stch er- innern, daß stet» ein großer Theil der Arbeit« ttgmd einm Theil de» Köiver» verbunden bat und daß von ihnen da» Sprichwort:„Ein gebrannte» Kind scheut da» Feuer" gar nicht gilt. Jever Mrnsch läßt sich, wie gesagt, in größerem oder gningernn Grade„Fahrlässigketten" zu Schulden kom- mm; man lann e« schier al» Regel annehmen, daß da» Leben keine» Einzigen je davon frei war oder ftet sein wird. Wie kommt man dmn dazu, e» für möglich zu halten, daß gerade bei den Eisenbohnbedimkteten eine stet» gleichmäßige automatische Funktion de» G him» zu«zielen sei? Welch Unheil kann jedoch«ine irrige Annahme in dieser Hinsicht stiften! Man muß also dm Schwächm d« mmschlichen Natur Rechnung vagen und dm Gefahren, welche au» dmstlbm im Eisenbahn« detliebe entsteh»« tönnm, durch Einführung doppelter und dreifach« Voifichtsmaßregeln vorzubeugen suchen. Bor ollem ist natürlich au» jme Bediensteten, welche so r, cht eigentlich da» Lebm d« Paffagtere in d« Hand haben, Rücksicht zu nehmen. Ja allen diesen Fällen ist jede Mchrcusgade geradezu ein Alt der Humanttät, dmn ste würde nicht nur ungezähtte Menschen- lebm vor einem schrecklichen Ende bewahren, sondern ouch ven Reisenden endlich da» Gefühl der unbedingten Sicherhett ver- leihen. Wir hoffen, daß die oberste V«walwng der deutschen Eisrnbahnm allen übrigen Staaten bahnbrechend vorangehen und durch ein scharfsinnig zusammengestellt'» Konvolsystem den vewel» herstellen wiid, daß Eismdah.iunsill«, sosem nicht die Elemente eingreifen, oermeivlich find. Wer lünfttg sei« L-ben»erstcherv will, wird fich außer ven d.ther üblichen Feststellungen über seine G.sundheit auch noch der Feststellung seine» Küipngewichl» unterziehen mi-ff'.n. Währenv die Leben» anstcherungsanstallm heute die Höhe der VerficherungSprSmit nur bemeffm nach dm Ermllte« tun gen, die über dm Gesundheitszustand de» Antragsteller» und etwa üb« deffen«bliche Belastung mtt einzelnm von dm Sttem auf die Kinder übertragbaren Uedeln angestellt werden, im U-brigen aber lediglich auf da» Gutachtm de» Arzte» über den augenblicklichen Gesundhlit»zustand eine» Aufnahmesuchm- tm angewiesen find, soll in Zukunft die Beurtheilung de» Ge- santheilszustande» auch von dem Körp«gewtchi de» Antrag- stell«» abhängig gemacht««den. Da» ärztliche Gutachten hat stch nämlich für die Zwicke der Leden«oerfich«ung al« nicht immer zureichend herausgestellt. Leute, die bei der Aufnahme völlig gesund vom Arzte befundm wmden,«arm nach einigen Jahrm tn Folge mangelhaft« Sc- nährung schwindsüchtig oder mtt anv«en zum Tode führen. dm«rankhetten behaftet. oder sie warm in Fol« zu flppiflu Lebensweise für einen plötzlich« S»'aganfall prädi». ponitt. so daß ihre bei der Aufnahme in die Verficherung vor. derechnete, wahrscheinliche Lebensdau« bei Weitem nicht eneicht und dadurch die Verficherung« anstait in ihren Voraussetzungm erh'blieb getäuscht wurde. Man glaubt solche unliebsamen Ueberraschurgen in Zukunft durch die Srmtttelung de» Kölper- Ä1«« S'ÄÄ'Ä eSCBSSi### SöSäKSsÄ"1!« m Die Mitglieder der sretreligiöfe««emeinde sowie -MM-ZMW sprach, keine näher« Auskunft«hiev. Einer Notiz d«„Voff. Ztg." mtnehnm«v noch: Als fich am Sonntag Vormittag die Voistandsmiiglteder der Freien Ge» meinde in dem sür die regelmäßigen Vorlräze besttmmtm Saale, Rosmthalerftraße 38, zu ein« Zusammenkunft dehus» Berathung der demr ächst zu treffenden Maßnahm:« zusammen- finden wollten, fanden fie da* Lokal von einem Polizeiaufgebot gespent. Da ihnm der Eintritt auch tn die Nebenräume ver« weigert wurde, zerfireuien ste fich, um fich in einem in der Münzstraße belegenen Wirthshause am Biertische zu treffen. Unmittelbar nachdem fich die Vorstandsmitglieder dort nieder- gelaffm, erschien ein Poli-eilieuvnant, stellte die Persönlichkcit der Anwesenden fest und vnanlaßte fie zur Au- Hebung der „Sitzung". Herbstlicht» Treibe» t««usstellungsdark. Die Taze d« Hrrrlrchleit stnv gezählt. Nur eme kurze Spanne Zeil und der Glanz, welchm die dteljährige Judtläum» Kunstausstellung um fich verbrettet hat, wird«loschen sein. Noch vor wenigen Tagm hotte die Vesuch«>ahl der Ausstellung fich auf der sommerlichen Höhe«halten, heute üd«schleicht vm Besuch« jme» eigmthümlich wchmüthige Gefühl, daß e» ernstlich an» Abschiednehmen gehe. Da» rege Duechetnandnwoam da Mafien im AuSstellungspark hat aufgehört; sür dm Berlin« vollmd», fall» er nicht zu den Männem oom Fach zählt, ge« hört die Kunstausstellung der Vergangenheit an, und nur d:r Ncchvab jener P:ovtnzl«, welche dt» zur Stunde die größte „Anziehungskraft" der diesjährigen Berliner Sommersatton zu sehen versäumt haben, füllt die vutstellungisäle. Pflichtgemäß wird mft dem Katalog in der Hand ein Rundgang unter« nommm und dann wird schleunigst der Ausstellung Ade gesagt. Es wttd eben ungemüthltch da draußen, und wo man eine fröstelnde Empfindung hat, nimmt e» mtt dem langerm Ver» weilen auch ein Ende. Die Bronzen und die Statuen im. Aus- stellungtparke, welche zur Sommer« ,elt stch so schön vom saftigen Grün abhoben und.'auf die fich shäusta vor ihnm stauende Menge von Herrm und Damm bnntednsahm, stehen jetzt matt und kahl da. Die Abmde im Ausstellungspark haben überhaupt ihre groß« gesellschaftliche Bedeutung für Berlin o«. loten— w« will stch auch gem bei Dreh'l'sch-m Bier einen tüchtigen Rheumntt»mu» holen?— und nur an Nachmittagen macht fich etwa» wie Lebm bemerkbar. Frtnende Militär- mufiker versuchen sogar noch eine Art von Nachmittagtkonzerten zu v«anstaUm, sauer muß e» ihnen gewiß werben. Abend» erstrahlt zwar noch da» elektrische Licht, ad« e»«leuchtet le«e Tische und Stühle- Wo früh« ein« bunte Gesellschaft stch da» allabmdliche Stelldichein gab» ist alle» le«. Die Pro» zesfionm von taufenden, welche im langsamsten Schritt« mehr S«schoben wurden, al» fie aingm, da» Durcheinanv« von Nim mm und von den oerschiedenstm Mundarten, der eigen. tbllmlich« fahle und doch lebensoolle Schimmer, welchen da» «lettrische Licht darüber ergoß. die» alle« gehört nunmehr der Erinnerung an. Noch einmal wird für eine kurze Zeit da» allgemeine Jntereffe«erlin» nach der Kunstausstellung ge« wandt sein, wmn die Lotterie der zur Verloosung angekauften Kunstgegenstände stattfindet. Roy machen die zterlichm Loose» Verkäuferinnen in der Aufstellung die krampfhaftesten Arstren- gungm, knapp vor Thoresschluß die Loose„sür nur eine Marl" an dm Mann zu bringen und man muß die Ausdauer dieser jungen Damm billtgerweisr bewundem. Bald werden auch diese Lockrufe verstummm und die«ünstlerschatt verlin» ihre künstlerische und movrielle Bilanz ziehen. Hoffmtiich ergiebt stch nach beiden Beziehungm ein reiche«„Haben". Bei dem jetzt täglich etntreleude« Regenwetter ge» hött da» Stürzen der Pferde auf dem Aophalipflaster zur Tagesordnung. Zu bevauern find hierbei besoaver» die armen Droschkmkutscher, denen durch da» Zerbrechen der Scheerbäume ihr ganzer Berdimst geraubt wird. Fle ßige» und reche, eilige» Stteum mit Sand könnte hier einige Ab» Hilfe schaffen. Goldfische, Karpfen, Hechte in der vlelberufmm Pank« Wer denkt nicht, wenn er diese Mittheilung hör«, e« sei Ironie und doch sah man während der letzte« Tage Hunderte dieser edlen Fische in dm vübm Waffem diese» Fluff-s auf dem Gesundbrunnen stch tummeln, wenn auch nicht gerade fröhlich und wunter. Viele Kinder waren tn dem seichten Bette de» Fluffe» emstg beschäftigt, mit Händen und kleinen N tzm diese seltene Beute zu erwischm und manche» Goilfiichzla« de« kleinen thierfteundlichin Manne» jener Gegend deh-rbergt jetzt dm Fang au» der Pank«. So wunderbar di- Sache liegt, so einfach löste stch sehr bald da» vorliegende Rä'hsel. Ein ge» lebtter Herr unterhält tn Pankow einm reich und mit den oer» schied-nartigsten Fischen besetzten Teich. Vor einigen Tagen sollte sein Diener da» Waffer behut» Reinigung de» Teiche» durch einen mit der Ponte tn Verbindung stehenden kleinen Kanal zum Theil ablaffen. Der gehorsame Dimer zog auch da» den Teich abschlteßmd« Wehr, vergaß aber den Schluß deffelbm und al» er zum Teich zurückkehrte, fand er ihn von seinem Waffer und seinen Fischen vollständig entleert. �»kstt« da» österreichische Zahlkellnertnstttut wmdet stch da«„D. T." in folgenden Worten: Die Zabttellner, da» beißt diejmiam Kellner, welche die Gäste nicht dedimm, sondern lediglich die Bezahlung und gelegentlich derselben al» etwa« ganz Selbstverftänvliche« da» übliche Trinkgeld mt» gegm nehmen, habm, je nach Größe und Verkehr de» Kas», zu zweim, dreien, auch oierm ihre Stelle com Jrhaber des» selben gepachtet. Sie zahlm diesem dafür hier und da reckt bettäckiliche Summen, besolden von ihren Trinkgeldem. sür die fie tdatsächltch gar nichts thun, die ServH'llner und haben in der Regel noch einm recht ansehnlichen U-derschuß für die eigene Tasche. Das Publttum bezahlt also in seiner„Unde- fangenheit" die feschen Herrm Zählkellner für nicht» Andere», al» sür die Tadellostgkett ihrer Toilette und ihre Lieben»» »ürdiglett, ihm da» Geld abzunehmen. Dabei kommt e« oft genug vor, daß biedere Prooinzialen dem imposanten Herrn Zählkellner vor lauter Respett Nickel gar nicht anzubieten wagm und stch zu sehr unangedrachten Ext avaganzen ver» steigen. Der umgekehrte Fall, daß ein Gast stch genirt, dem Ka'tiöwm überhaupt ein Trinkaelb zu geben, kann»änniglich nur einmal paistrm. Eine nicht mißzuv-rstehmde Geste oder ein noch deutlichere« Wort dcr Auftlärung ist unausbleiblich. Da» sonst in Norddeutschland gebräuchliche System der Kellner« »viere ist entschieden angemeffener und angenehmer, da be« dient«tn Kellner eine bestimmte Zahl von Tischen und nimmt von jedem Gast, dm er besimt hat, auch die Bezahlung und da» selbst verdiente Trinkgeld mtgegen. Wd körnen beim besten Willm nicht einsehen, weshalb diese zweckmäßige Sitte auf uns«« Wiener Kas»>» dm Kongressen im Inland« beobachtet» Verhalten lasse Uj"? Z-veifel darüd« auflommm, daß fie MttglUder gedlUdm da! sei ein« zu dü-stige Feststellung, e« müßtm wmizll� und Viereck an da! Landgericht Chemnitz und bezüglich. � Lariam Angeklagten an ein and««! Landgericht al! d«s Freiberg. � Der RrichSanwalt Herr SUnglein beanttagte dU fung der Reviston. Die ZuständigUit»frage w«de sehr'('2 zu mtscheidm sein, wenn man die gesetzlichm Bestimmung gmau ansehe. Do» Gesetz schreib« vor, daß. wenn ein 1% aufgehoben wird, da» Rerchsaericht die Sache an«tn Landgericht verweisen kann. In einer Sache könnten ab«'| ganze Anzahl Angeklagte sein und man müsse annehmen- Ä d« Beschluß auf alle Angeklagt« Bezug habe, sonst v**®* gl Sache künstlich in zwei oder mehr«« Sacken znsplUtttt- sei sogar dn«einung. daß ein besonderer Bttweisung!«'� de» Landgnichte» Chemnitz gar nicht nöthig gervesm Willtür könne kein« Red« sein, dmn der Beschluß de» gerichte»,»tn« Sache einem anderen G«ichU zuzuweisen, � � auf dem Gesetze. In d« Lecksung der Redm, welche d.r Angeklagten im Reichstage gehaltm, könne« nickt» ungesetzliche» erblicken; dU Verfassung schreib« nur daß die Abgeordnetm weam solch« Redm nicht»ur � «ortung gezogen werdm könne«, ad« da» sei ja ou»� N schn K da« V nicht geschehen. Die Z«it der strasbarm Thäligleit sei voll« ständig aulreichend sestgestrllt. WaS dabei die Abwesenheit Vollmarl im Aulland« bedeuten solle, sei ihm unerklärlich. Wie ganz richtig festzestellt sei, bestehe die Verbindung im Deutschen Reiche, denn sie entfalte ihre Thätigleit nur inner« Haid difset Nedietet und zwar mit einer Korpsalt und Regel« maVekett, wie e» sonst nur die Post thut. Daß die Partei« und Dertindungileitung sich ihrer Sicherheit wegen im Aul- lande versammelt, mackt die Verbindung noch lange nicht zu avlländtscken. Der zweite Herr Vcrtheidiger habe von philosophischen Deduktionen gesprochen. Di« Philosophie be» zwecke doch nur die Lösung von Problemen auf dem Wege der vtrnünstigen Schlußfolgerung. Daß dem Richter dieser Weg verschloffen sein solle, wenn er zu derjenigen Resultaten kam« men wolle, m denen er kommen zu müffen glaube, und daß er auf dem Wege vernünftiger Schlußfolgerung nicht Thatsachm ergründen und feststellen könne, werde niemand mit Erfolg behaupten tvnnen. Außer den auf dies, Art festgestellten That« fachen Hobe aber da» Gericht auch eine ganze Hnzahl anderer, von den Angetlogten nicht einmal bestriitener Th«tsachen fest« gestellt, also so au, schließlich auf dem Wege der Schlußfolge- rung bewege stch da» Unheil nicht.«, werde beharrlich die Etnz-lhandlung und daljenige, was die Verbindung betrifft, verwtchsell und daraul eine iriig« Schlußfolgerung gezogen. Daß der einzelne nicht die ganz« Rechtlficherheil in Frage stelle, sei richtig, wegen einer einzelnen Handlung s.ien die Ange« klagten aber nicht bestraft. Wenn ein einzelner systematisch den „Sonalstmokrat" verbreite, so werde er nicht auf Grund de» § 129, sondern auf Grund de»§ 19 de» Sozialisten> Gesepe» jjftiaft Die Schlußfolgerungen de» Gerichte» seien ganz wenn el sage: ich sehe die Wirksamkeit einer Persön« Irchkert(ein Verein ist auch eine solche), also muß die Persön« lichkeit existiren. Wenn da» Gericht weiter folgert, daß eine Organisarion bestehen muffe, weil e» stch nicht bloi um die Einzelverbreitung einzelner Nummern handelt, so sei da» auch eine ganz korrekte Folgerung, öö handle stch auch nicht darum, daß die Angeklagten dlo» ihre Lilliguna kundgegeben, sondern daß ste selbst Dispositionen getroffen haben. Sie hätten die oberste GeschäjiSleitung gehabt, und man lönn« nicht mehr von der Eineelehätigkeit sprechen, sondern e» sei eben eine Ge« sammtheitSthätigkeit. die zm Voraussetzung eine Verbindung dabe und einen Eintritt in eine solche.— Nachdem Herr Rechtlanwalt Munckel hierzu noch einig« polemische Bemer- tungen gemacht und der Reichianwatt darauf replizirt hatte, zog stch der Gerichtshof zur Verathung zurück. Da» später vertündete Urtheil lautete auf Verwerfung der Revifion. Dt« Eni cheidungSgründe stimmten mit den Busführungen de» Reickianwalte» im wesentlichen überein. Unter Führung de» Justizmiuisters Dr. Friedberg und de» Gedetmen Overjustizralh Dr. Start« desuchre gestern zum eisten Male der Minister de» Innern v. Puttkamer den Justt'palast in Moabit. Nuckdem die drei Herren den äugen- blicklich unbenutzten großen Schwmgerichtlsral in Augenschein genommen, destchtigten ste je einen Sitzungssaal der Straf- lammer und de» Schöffengericht». Von dem Gerichttaebäude au» begaben stch dt« H-rcen in da» UntersuchungSgefängniß und von dort nach der Strafanstalt am Plötzensee.— Sollte nicht vielmehr der Prozeß Christensen einigen Einfluß auf die Nnwesenhett jener Herren im Moabiter GerichtSgedäude aul« geübt haben? Ist da» Schul Zeufurbuch etue öffentliche Urkunde? Bor der Strafkammer de» Würzburger Landgerichte» stand «n 4. d. eine Tagelöhnertfrau, weil ste in dem Zinturbüchlein ihr-» schulpflichtigen Kinde» einige vom Lehret gemachte, ihr unliebe Bemerkungen aukradirt, resp. ein bezüglichei Blatt de» Zensur büchletn« herautgeriffen hatte, wegen Vergeben» der Urkundenfälschung§ 274 de» R.- Str.« G.. B. Da» Gericht «nannte nur auf eine Uebertretu�g nach§ 363 de» R., Str., dr» Ges.. B. und verurthetlt« die Angeschulvtgti zu zwei Tagen d? Hast. Pari», 9. Oktober. Vor dem Pariser Zuchtpolizeigericht stand gestern ein gewiffer Perrache, der stch oft detrinft und im Rausch die Vmübenden für Schwarzslaggen ansteht.„Die Schwarzflaggin," erklärte er,„find unsere Todfeind« und wenn mir«in solcher Chinese in die Hände läuft, so geht e» ihm schlecht." Vor vierzehn Tagen Uesen ihm gerade, ai» er In de« denllichem Zickzack durch die ChawpS Ely'öe» wandelte, zwei Chinesen, ein Sekretär de» chinestschm Botschafter» und ein Theehändler, Li-Tschang und Vi-Lin LIng-Asstn, in die Hände. Er schrie st« an, schlug auf den einen lo» und zog den andern «n seinem Zopfe zu Boden, nicht ohne selbst einen Hieb mit HWM-m&sSS Madrid, 6. Okrober. Die Verhandlungen im Prozeff« gegen Galeote. den Mörder de»«ischo'i von Madrid, find bi» auf den UrtbeUSspruch der erst in acht Tagen erfolgen beendet. Gestern wurden die Aerzte über den Zustand Thäter» vernommen. Ihr Gutachten geht dabin, daß ®iäRte, bestigen Temperament« und von übertriebener Empfind. lichkeit sei: er leide im höchsten Grade an Verfolgungswahn« « ü ii.rtumUle gab e» mehrere Fälle von S'umpsfinn «n �«rrücktheit� Galeote wurde über dies« Aufsagen wüthend, lufiof. vQUL. in Richtertisch zu, ergriff die dort liegend« die Ä n richtete ste gegen seine Stirn«, um stch zu iödten; m Soziales«ad Arbeiterbewegung. «mr?�i?Mi?rd!ittr°?ar bl«|&%% w°Au?stch�°°Er schreibt; Der Anfang diese» Jahre» war bekanntlich für Tau« send? von Familien in Hamdurg der Beotnn einer W>mer drückenden Nothzeit. Da» Elend, welche» ich in 600 Familien die ich persönlich besuchtt, antraf, hat unaullöschlich« Eindrücke rn meinem Gemüthe zurückgelaffm. Während meiner Wände. tungen durch die Stätten dttterer Noch und Armuth brauchte üb nach den Uriachen de« eingetretenen Elend» nicht zu fragen- die darbenden Männer und Frauen erzählten mir genug davon. u« ein überstchtliche» Bild zu erhallen. Bei den meisten de» . M Rnfana ihrer Bedrängniß vom Eintritt dt» Frost. «etter» her. Sobald Sil in der Elb« trieb, war die Arbeit für Tausend« wie abgeschnitten, und die Ardeiter "«'den tnll leeren Händen da- Immer hörte ich da« Klage. Heb:„Seit Weihnacht oder Neujahr leine Arbeit mchr." ümüi de» Wochenlobne» drei ganz« Monat« hindmch anhäll, dann ist ganz natürlich die Extftenz einer Familie mll 3. 4, 5 und mehr Kindern nicht nur bedroht, fordern unmöglich gemacht, wenn nicht anderweitige UoterstLtzung eintritt. Tritt dieser Fall in dem bevorstehenden Winter wieder«in, dann wird ganz bestimmt auch dieselbe Roth wieder vorhanden sein, viel« leicht in noch stärkerem Maße al« norher, weil die allen Wunden vielfach noch nicht vernarbt find. Hat z. B. ein ae- wöhnliches Ardtiter 12 Wochen hindurch pro Woche 20 M. entbehrt, so läßt stch leicht berechnen, daß er 240 M. auch in der guten Zeit schwerlich übervndienen wird, er nimmt die Schulden mll in die neue Roth hinein, und die Verlegenhell erreicht größere Dimenfionm.— Diese Schilderung ist ganz be« weglich, nur kommt der Herr Einsender nicht über die gewöhn- ltcksten Mildthäthigkeittvorschläqe hinau». Damll ist natürlich nicht da» Eintreten der Roth gehindert, wa» doch die Hauptsache ist und bleibt. Da» Eiusch ätzungtversahre« zu dem Gefahreutarif bri den LerufSgenoffen schatten wird den ö.fiziösen„Berk. Pol. Nachr." zufolge der- nächst beginnen. Nach den Bestimmungen dc» Genoffenschastlstaiut» haben die GenoffenschaftSmitzlieder zu diesem Zweck in einer vom Genoffenschalllvorftard zu bestimmenden und öffentlich bekannt zu gebenden Frist über ihre BelriebSanlagm und Einrichtungen und die sonstigen für die Einschätzung maßgebenden Verhältniffe dem SektionSvarstand Irnich Vermtttelung de» Vertrauensmann«» die erforderltchen Anzaden zu machen. Die Angaben erfolgen schriftlich nach einem von dem Genoffenschafit vorstände festgesetzten Fra�e« logen, welch» die zus beantwortenden Fragen enthält. Drr Veranlagung der Betriebe zu den einzelnen Gefahrenklaffen erfolgt durch die Settionivorstände unter Mitwirkung de» Ge« noffenschaftt vorstände s. An die Manufatturarbetter Deutschland». Fachge« Nossen! Freunde I Die Arbeiter der Firma Kell u. Löscher in Reichenbach im Vogtland befinden stch seit Mittwoch in Streit. Die Veranlaffung hierzu find die Lohndiffercnzen; Der Lohn ist in dieser Fabrik auf ein Minimum gesunken, so daß e» dem fleißigsten Arbeiter nicht mehr möglich ist, die nolhwendigsten L/, Uhr, Köpnickerstraße 146, bei Bernhardt. Vermischtes. ,.Wie man mit Thterquäler« früher verfuhr, davon grebt folgende Bestrafung, ver�icknet in den Annale» der Stadt Eazan, Zeugniß. Am 8. August de» Jahre« 1684 hatte ein Mann Namen« Scholz aus Hermidorf sein Pferd in der Stadt Sagau„gar erschräcklich geschlagen und gestochen". Darum wurde er abgefaßt, in da» Stockhau» geworfen und am 8. und 9. August an ven Echandpfahl gestellt. Bedenkt man, daß da» Stehen am Schandpfchl, mitten auf dem Markt, nicht nur deshalb besonder» empfindlich war, wctl der Bestraft« stch den Blicken eine» jeden Paffanten aut.rtzen mußte, sondern, daß der am Pfahl Stehende auch der Brschtmpfung von Jung und Alt ausgesetzt war, so dürste e» erkläUtch sein, daß der im vor» liegenden Falle Bestrafte, al» er diese Unbill über stch ergchen laff-n mußte, dem genetgten Publikum entsetzliche Gestcklsver» , errungen und„Zungenblölen" machte,„so daß man stch schter fürchten kunnt". Nebenher wurde dem N»ffethSter eine Geld» büße von 25 Thaler auferlegt und weil er diese bi» zum 11 August nicht zablen konnte, stellte man ihn am genannte« Tage nockmal« 6 Stunden lang an den Schandpfahl— doch eine mitfühlende Seele, seine Schwiegermutter, erbarmte stch seiner. Sie war e», die ihn erlöste au» Angst und Pilo, denn nachdem ste da» Geld unter Mühe irnd Nath zusammengebracht, bezahllr ste dir 25 Thaler der hohen Obrigkeit und führte dm Bestraften seiner Familie wieder zu. Et» Gruudfteio-Dieb. In PhilippSdurg, Nordamerika» wurde im Jahre 1373 der Grundstein zu einer katholischen Kirch« gelegt, dt« inveß nicht gebaut wurde,»eil es an Mitteln fehlte. Erst in letzterer Zeit nahm man den Plan wieder auf. Al» man daran ging, einen neuen G.und zu legen, fand man, daß die Schätze— Gold- und Silbermünzrn, Papiergeld und ein goldene» Kreuz— die vor 13 Jahren dem Grundstein an» vertraut worden waren, fehlten und der Dted nur die asten Zeitungen nicht mitgenommen hat. Kleine Mittheilnngen. Greiftwald, 8. Oktober. In der gestrigen Nacht fand auf der Höhe von Arkona zwei Meilen in See eine Kollision zwischen einem Dampfer und einem deutschen nach Holstein mit Rappkuchen bestimmten Schooner statt. Der Schooner sank sofort, so daß die Mannschaft kaum Zeit fand» stch in» Boot zu flüchten. Nach stundenlangem Kampfe mit Wind und Wellen gelang e» derselben, Morgen» in Bitte bei Arkona zu landen. Der Dampfer hatte stch weder um da» von ihm angerannte Schiff, noch um drffm Mannschatt gekümmert, sondern unverändert seinen Korr» fortgesetzt. Name und Nationalitat desselben nicht bekannt; die in Bitte gelandeten Schiff»brüchigen glauben im Augenblick de» ZusammrnsteßlS englische Ausrufe auf dem Dampfer gehört zu haben. Schleswig, 9. Okt. Ueber einen Zusammenstoß zweier Züge, welcher heute Morgen in der Früde auf dem hiefigen Hauptbahnhof stattfand, wird den„Schi. N." osfl,i"" s älle, in Jstrten 2 Erkrankungen. Trieft, 10. Ottober. Cholerabericht. 8 Erkrankungen, 1 Todesfall. Stegedi«, 9. Oktober. Cholerabericht. 36 Erkrankungen, 19 Toveisälle. New Bork, 8. Oktober. Die Beforgniß über daS Schicksal de» Dampse.S„Anchoria", welcher jeirt elf Tage überfällig ist, nimmt zu. Einlaufend« Schiffe melden, daß zwischen dem 25. September und dem 2. Oktober starke Stürme auf dem Atlantischen Ozean gewüthet haben. New- Uork, 7. Ottober. Ueber die bereit» gemeldete Keffer. Exvlofion auf dem Paffagierdampfer„Mascotte" werden weitere Etnzelnhetten derichtet: Der Dampfer, welcher erst drei Monate im Gebrauch ist, defand stch auf der Fahrt nach St. Louis, als unter einem Dampfdruck von 150 Pfund seine Kessel»xplodirten, wobei die Ofenfeuer über da» Schiff gestreut wurden. Das Boot wurde vom Feuer ergriffen, und der Pilot steuerte nach dem Grstade. Bald war eine Lmdungs- stelle erreicht, und während die Frauen und Kinder stch drängten, um an's Ufer zu gelangen, stürzte der Schornstein des Dampfcr» qu« über die Landungsbrücke, wobei einige Leute erschlagen wurden, während andere in den Fluß stürzten und ertranken. Da der Pilot außer Stande war, den„Mas' cotle" am Gistade zu halten, so trieb der brennende Dampfer den Fluß hinab, bis er sank. Einige Paffagicre schwammen an'S Ufer und andere wurden durch Boote gerettet; aber etwa 20 find todt und 15 fürchterlich verletzt. Einige Mit- glieder der Mannschaft find über den ganzen Körper durch das kochende Waffer verbrüht. New- Kork, 6. Ottober. Sine schreckliche Kessel« xploston fand an Bord des Flußdampfers„Mascotte" statt, der den Berkebr auf dem Risstsfippi zwischen St. Louis und dem Kap Girardeau vermittelt. Es wurden 18 Personen getödtet und viele andere verletzt. Keifte Nachrichte». Bulgarisches. Sofia, Montag, 11. Oktober, Abends. Von dm für die Große Sobranje gewählten Deputirtm werden in den der Regierung zugegangenen Mittheilungen 420 als An Hänger der Regierung, 20 als Anhänger Zankows bezeichnet. Ueber die Parteistellung der übrigen Gewählten ist noch nichts bekannt. Seitens der russischen diplomatischen Agentur ist der bulgarischen Regierung ein Schriftstück zuge» gangen, in welchem auf Befehl des Generals v. Kaulbars das Rundschreiben der bulgarischen Regierung, welches die Einmischung fremder StaatSangehöriaer in die Wahlen untersagt, auf das Entschiedenste mißbilligt und getadelt wird. Außerdem empfing die Regierung noch zwei andrre Schriftstücke der russtschen Agentur; in dem einen«erden die Wahlen für ungesetzlich erklärt, dos andere enthätt einen energischen Protest gegen dm Angriff, der von einer größeren Volksmenge auf daS russtsche Konsulat untern ommm sei. Die Schriftstücke find den Vertretern der Mächte mitgetheilt worden.— Wien, Dimstag, 12. Ottober. Der„Politischen Korrespondenz" zu Folge ist Gmeral v. KaulbarS t«stein Abend in Varna«ingets offen und von einer Zeputation Zankowisten empfangm worden. Vor dem russtschm Konsulate war eine Volksmenge versammelt, welch: bei der Ankunft Kaulbars' rief:„Es lebe dos unabhängige Bulgarien, eS lebe der Held von Sltonitza I" Eine Deputation der Be» völkirung unterbreitete dem General die Wünsche des VfilkS, worauf letzterer die bulgarische Regierung eirer s«mfm Klitil unterzog. Die Deputatton erwiderte, die Regierung verfahre gesetzlich und genieß« daS Ver» ttaüm de? Volkes. K-ulda s zog stch darauf zurück.-- Wien, Dimstag, 12. Olioder. Da» offiziöse„Fremdenblatt" sagt in einer Besprechung der bulgarischen Wahlen, ungeachta mehrerer Zwischenfälle könne die Regentschaft da» Ver» dienst beanspruchen, die Ordnung bester erhalten zu haben, als es die VerhSItniffe annehmen ließen. Die Regentschast habe bewiesen, daß fie die Autorität und die Machtmittel besitz!, um die Ruhe zu erhalten, was zum nicht geringen Thelle tem von ihr akzeptirtm Programme der naitonalm Uvabbängtg» keit zuzuschreiben sei. AuS dem Wahlkampfe fiegreich hervorgehend, mit neuer Autorität umgeben und im B- fitzt des Vertrauens der Mehrheit de» Lande», werde es ihre Auf« gab« sein, dir Schärfe, welche ihre Beziehungen zu Rußland angenommen, thunlichst zu mildern. Sie lönne jetzt den eigentlichen Inhalt ihrer Politck zur vollen Deutlichen drin- gm; diese laffe die volle Wahrung aller Verttaqsrechte Bul' parier» auch mit dem Willen, die Freundschaft mtt alle« Mächten zu pflrgen, veieindarlich erscheinen. Kriefkasten der Kedaktto«. Sei Anfragen bitte« wir die Abonnements- Quittung beizufügen. Brieflich» Antwort wird nicht«rtheiu. Alter Leser 444. Da Ihr früder-r Arbeitgeber dm betr. Eid geleistei hat, so find die Lusfichtm FhreS Prozeffe» für die zweite Instanz allcrSingS bedenklich. Vettraum Sie tu-ch- auS dem Rathe Ihres bisherigen Anwaltes, Sie find dort i« besten HSnvm, und dieser hat auch einen genaueren Einblick in die Sachlage, als wir auf Grund Ihrer allerdings recht ausführlichen schriftlichen Information. G. Et. Sie brauchen die wegen Ungeziefers und anderer Mißstände unbrauchbare Wohnung nicht ,u behalten. Doch ratben wir Ihnen, nicht trotz des WiversprucheS des Wirthes Ihre Sachm aus der Wohnung zu entfernen. Be» sorgen Sie eivesstaltlichc Atteste über den Zustand der Woh' nung und die Weigerung des Wirthes und beantragen Eil beim Amisgericht dm Erlaß einer einstw eiligen Verfügung Zu weiterer mündl chnr Auskunft find w.r gern bereti. Theater. Mittwoch, den 13. Oktober. vpernhau». Der Tromveter von SäMngm. Schauspielhaus. Die Fournalisten. Deutsche« Theater. Prinz Friedrich von Homburg. Restdenz-Theater. Ein Großstädter. Vorher: Ein anonymer Brief. Getedrich-WUHelmstädtisches Theater. Der Rachtwanvler. Walluer-Theaier. Sin Blitzmädel. Velle-Alliauee- Theater. Drei Paar Schuhe. Ofteud-Theater. Die Räuber. Biktoria« Theater Amor, T-nz-Poem vor, Luigi Manzotti. Die Piraten. �eutral-Theater. Atte Fakobstr. SO. Direkt.: Adolph Emst. Der Wald-Teufel. Gesang poffe in 4 Avm von W. Monnstadr. Koupleli vonS. Börß. Mustl von B. Steffen». Mit neuen Dekorationen und Kostümen. (Novität I)_ �, Kiniastädttsches Theater. Der Fongleur. «onkordw» Theater. Speziattiäten» Vor» ftellung. Kaufmann'« ftellung. America«- Theater. ftellung. «etch»halleu. Theater. ftellung. P. P. varietck. Spezialitäten> Vor- Spezialttätm- Vor- Spezi alttätm» Vor» Kdem-Thea«*r. (Früher Lomiaemmtädtlmehe# Theater.) Dretdenerstraße 72/73. 8%» Johnson Jamilq(4 Damen, 1 Herr). p�etsgellönte Schwimmer und Taucher. Kieset'» Kaltettrnppe(12 Damen, 2 Herren). Mr. j offmann mit seinen dressirten Hunden und Schalen. Die 7«merilaneiwnm Kchwester» Matthew». Ernesto. Horwey. Paula und Ludwig Tellheim. Eugen Zocher. Frl. Bellont. f ftthfelhafte» Nerschwinbe« einer snuge« tarn von offener Kühne vor de« Kngen de» Pndltkmn«. »««itt-tbar«ach dieser prodnktton: vollständige Aufklärung ftae» da» verschwinde« der Name, wohin »nd woher dieseU», kemmt. Kaffenöffnung ö'/i Uhr. Anfang 7V> Uhr. Die unterzeichnete Brauerei erlaubt fich Hiermit die ergebenste Mitth:ilung zu machm, daß fie in dem Hause Fchztzrr Straße 36, Ecke der Charlotten-Straße, einen Ausschank ihr«»°n«rkannt vorzüglichm Biere» Mitte di«s«i Monat» eröffnet und die Leitung des Geschäftes dem in Berlin rühmlichst bekannten Oekonomm Herrn Paul Coruelius übertrcgen hat. Hochachtungsvoll 8t. AiiM-ßraiiern in München. tveaeu verkaufen wir zu Tarpreise« täglich von 9—2 und 3—7 Uhr en detail: Regenmäntel, Winterpaletots und Dolmans, Räder-Jaquets in den neuesten Faqons. E. Cohn S5hne, Jägerstraße Nr. 40 L Etage. gegenüber der Krich»l>a«ft.(78? I Tr. 9 M.- 10 Laiser- Paaeraata. Fn dieser Woche: Eine Wanderung durch Throl. Zweite Wavderuug durch Pari». Hertha- Reise. Caro.tnen-Fnseln. Untre«» Pfennig. Kinder nur 10 Pfennig. H. präuscher's anatomische» MUSEUM. Soeben ist im Verlage von I. H. W. Ttetz in Swttgari erschienen: Internationale Bibliothek Heft>. Die Darwin sche Theorie. Preis pro Heft 50 Pf. Zu beziehen in Berlin durch alle Buchhandtungen und Kolporteure, sowie intde- sondere durch dt» Erpedition de»„Berliner Koldsdlatt", Zimmer strah» 44. MM" Miederverkäufern Kabatt."WM Kommaudauteustraße 70 u. 71. Täglich von Morgen« 9 bis Abends 10 Uhr *Äfent Dienstag u. Freitag ausschließlich und um allein 6%] für Damen._ Aut Awskluug: Paletot», Herren > Knabeu-Anzüg«, wie Dawenkteider, Minter-Müntet>c._ im Tuch-Geschäft PE7 1 Prinzenstr. 53, gegenüber der Turnhalle. Mo spetsen Kie? Fq ver ersten alten pom- merschen Kücke, Orar.im- straße 18 t, Hof parterre. bei»lein. F. übst. 30 Pf.. Mittagstifch m. vier 50 Pf. Abendttsch, v. 30— 50Pf., nach Auswahl.[730 X 'Einer geehrten Nachbarschaft nnof. jf H» Mmschintn E. Franhe, Saardrücker straße 6. Reparaturen schnell und billig.[760 Cigarren-& Tabak-Fabrik €• II. Srhefller. Retnickeudorferftr. 69. Retuickendorferftr. 25a. I Oeschift: II.«eschärt: Lager aller Sorten Rauch, und Schnupftabake. Nordhäuser Kautabak von G. A. Hanewacker. Zur vünktltchen Besorgung der Jut. Kidlto- thek,„Neue Zeit".„Neu- Wett" ,c. empfiehtt st« K.»ohthardt. Buchhänoler u. Buchbinder, Branoee.ourgkraße 66.(761 s jAllen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich ein[802 Schaukgeschäst Laudobergerstr. 3 i« Keller eröffnet habe. itzür gute Speisen und Geuänle ist betten» ge- lorgt.„Berl. Volksbl." und„Baugewerkschafter" liegen aus. Hockaeblungsvoll A. Kiekel. Theilzahlung gestattet! Aiitttxalktitz, Hmti-Kizuze. mar»7».gnststrahe 27 i« ZG»«»-WW Leer» 2'enftr. Stube vorn bochvart. so gl. oder I 1. Nov. bei«leinttzke, Urdanftraße 83.[792 Fr.3im.,l.od.mdl„, vLehtte:str.l4/15 III Rmnew. Frdl.echl-sst.f.2H. z.o. Manteuffelstr. 93 Barnack. 3 15- 2 fldl. Schläfst. Möckern str. 104 H. I. Levl«. Mbl.Zim. fof. o. fp. Lehrterstr. 14/15 Ni. Böttcher. ArbeitSmarkt. Vergolder auf Leisten verl. j. Keunig, Reichendergnstr. 114,2. Hof l. Selbstunterricht in der einfachen und dopvclten kauf? männifchen[800 Bnchffihrnng und Darstellung eine««eue« ttfivftea K?st»«»»ur doppelten Bück« method« von T. Kchwidt, Lehrer dek Handclöwiffem'chaft. >M" Peei» 1 M. 50 Pf.-*« Su beziehen d. d. Exved� d.„Kerltue« loUÜediatt-, Berlin, Zimmcrstrav: O- Soeben ist erschienen: Aer MtWelt-Katelldtt für 1887. »u« de« retchen Inhalt beben wd hervor: Reich»ha»»halt».Et»t de, TN»- sche» Reich».— Zerbrochene Kette». »Shlung von Rob. Schweichel.— »ige Freie»»«* H»ir»r»sche».— Prolrt«rirrki»>. Erzählung v.E L»« s — Der«»»»!, wische» Fe»er» i» in fStlL Von P. Di«, Nie»,» ei»»«ilie»»erbtent.—#*" »e»»e vlstte»(hunwristisch). Kl» Gratis- Keil«»»«» L 8«ri«. i.««tUretW. *. BU»*. 4. Die beide»«U-- SU SoaMelnUt. -» Preis 60 Pf. S- • t»tt|«ti Z.K.».D� «erontuorttich für den pvIMfchen Thell und tozUie# Witt Ech'ppel, für Verein« und«erfemmlungen K. Tutauer, für ven übrigen TheU Druck und««lag von«ig vadtug in Berlin 8w„ Beuthstraß« 1. Zu beziehen durch dt«*r#»W*U#* seerSraße 44 Mieder« erkänfer erhalten h-h««��» der Zeitung R. ftrenhei». fäwmUich W