Nr. MO. DomterAag, de« 14 Oktober 1880. Iii. ZahrK» (tlhuMsliltll Lrgan für die Interessen der Ardeiter. 4 Sie uilltt« ei»««! med« zusommr»— und zwar in Köln am Rhein. Weiter hat ei leinen Zweck dt, ol» daß ste sich gegenseitig begrüßt haben, die Herren liationallibirale», denn was sie gesprochen und berathe«, war eitel Dunst und Wind. Ei« westfälisch« rheinisch« vationalliberaler Parteitag I Außer mehr oder minder bekannten Lokalpatrioten waren auch einig««ationalliberale Parteiführer von auswärts an« «esend. Nennen wir nur de«„berühmten" Nationalöko'ome» reichS'Sgliche« Andenkens Herrn Fritz Kalle, dann de» Reichs- tags.baeordnete» Dr. Sattler au» Hannover und den Herr« Geschäftsführer der«ationalliberale« Partei, Herr« Jerusalem au» Berlin. Di« drei genannte» Herreu waren außer«wem Ober- lehrer Dr. Jäger, der als Vorfitzender de» rheinische» Zentralkomitee« fungirte, auch die Hauptredner und die gei« pige» Führer dt» Parteitages, da fich die Herren v. Ben« »igfe», Tncist zc., mit einigen Begrüßungstelegramme» ab- gefunden hatten. Obwohl Herr von Bennigsen fich um die Partei kaum mehr kümmert, so wurde er doch auch auf dieser Zusammen« luvst als der eigentliche Führer der vationalliberalen Partei mehrfach gefeiert. Man steht, daß in dieser„intelligen- testen' Partei Deutschland» schon bedenklicher Mangel an Intelligenzen eingetrete« ist. Sehr bezeichnend ist es, daß der Vorsitzende de« Partei- tage« unumwunden erklärte, daß Alle», wo» der Liberaiis- mu» in diesem Jahrhundert erstrebt habe, errungen und daß es deshalb die Aufgabe der Liberale» sei, diese Errungen- fchafte» zu konservire«. Klarer und bestimmter ist somit noch niemals konpatirt worden, daß die National- liberale« im Trnnde genommen Konservative geworden find. lieber Ultramontane, Deutschsreisinnige und Sozial- demokrate« wurde natürlich in üblicher Weis« hergezogen; doch e» verlohnt fich nicht der Müh:, de« Expektorationen de« als Politiker unbekannte« Dr Jäger weiter zu folge», nur wollt« wir bemerke«, daß der Herr fich der Besprechung der soziale» Frage auf de» bekannte» Bode» de«„praktischen Christesthum«' stellte und das Sozialistengesetz al» den Hort gegen»varchismu«, Ni- Hill, mus und— irre« wir nicht— auch gegen die Cholera hinstellte. Dr. Sattler stellte sich gleichfalls in der soziale» Frag« auf de»„Boden de» praktische« Christenthu««', ohne den Bode» näher zu bezeichnen. Er meinte, daß schon unendlich viel durch Krankenkafiengesetz, Unfallversicherungsgesetz, Koloaialpolitik und Kaaaldau für die Arbeiierklasse gerhan JerntXetcm. ■«»knrf»«boten.____[3 gwbrntW*, Novelle von P o l e v v i. Mu« dem Russtschen übersetzt von Dr. Carl Pinn.) Romrtw'l'ü' �er,' sagt, Praitcova,„genug! Der Himmtl r.iu J*®00*» wich Eurem Tlück«»u wiedersetz«». Hnri? k,st«in. Pauline, weshalb Du immer fprüche. Amt oi !l«t annehme», ich werde ebenfalls arbettea.' »Du?' rief'4--Rein,«ei», anbetenswürdia« Paulme; e»»st«»cht«othwendig, daß Du arbeitest, ich bin reich!' Alle beide sähe» mich erstaunt�»». Ich»zählte ihnen, daß ich von meinem Onkel eine Erbschaft gemacht hatte. Einige Minute» später besiegelte ei» keusch» Kuß al« Unter- Pfand mein grenzenlose» Glück. Bruchstücke eine» Briefe« des Trafen N. an seine» Freund. Die Ehe, mein lieber Georg, ist in Moskau dieselbe Geißel wie die Pest in Konstanttnopel. Beinahe wäre Dein alt» Freund auch w die Kralle» de» Geier» gerathe». Die wir Bestimmt« war schön— schön wie— such« Dir selbst eine» Vergleich; meiner Treu, ste war die schönste Erschei- nung de» Moskauer EalovS. Ich schmachtete nach ihrem Besitz, sie scherzte und koguettirte mit mir und hatte mir so den Kopf verdreht, daß ich bereits im Begriffe war, ihr mein Herz und meine Hand fammt meinem Portefeuille, wo ich. bei dem ganz fatale» Mangel an Banknoten, nur »och eine Sammlung alter Urkunde« vorfinde, zu Füße« zu legen. Glücklicherweise bin ich wieder zur Vernunft gekommen; im Wirbel de» Tanze» hat sich meine Lieb« er- schöpft; wo» von meiner Leidenschaft«och übrig blieb, habe sei, die fich gewiß dabei beruhige« werde, wen» nicht sozial« demokialrsche H.tzer den Friede» stö.te». Die National- liberale« stände« allerdings mf Seiten der Regierung, so führte der genannte Herr weiter au», doch kö-nte« ste auch energisch oppovire», wie sie das bei« Branntweinmonopol gezeigt; sie hätten allerdings eine Konsumsteuer vorgeschlagen, die hoffentlich al« Grundlage einer neue« Branntwein- brstcuerung diene« werde. Daß die Nationalliberale» fich für ein neue« Septennat erklären würden, sei selbstverständ- lich; sie«ürde« auch alle» Mehrforderungea für da« Militär zustimme», da sich herausgestellt habe, daß die deutsche Armee noch nicht starl genug sei, um«ach alle» Seite» bin schlagfertig auftrete» zu können. Dieser Herr ver- theidigte seine Ansicht«», indem er erklärte, daß dies: Iben auf der Grundlage de«.humane« Liberalismus' stände». Ebenso aber, wie bei der Phrase vom„pralttschen Christen« thum', blieb et die Erklärung schuldig, wo« er unter „humanem Liberalismus' versteh«. Der Liberalismus aber hatinjenerZeit, wo er sich noch mit dem Humanismus deckte, niemal« A»«»ahmegesetzm zugestimmt, er hat niemals fich auf de« Polizeibode« ge- stellt und niemals dem Militarismus gehuldigt. Rohe Gewalt war ihm tief verhaßt, Ausklärung war seine Parole. Und diesen„bumanen Liberalismus" wagt es der Afterliberale Dr. Sittler auf die Fahne der national« liberalen Partei, dieser gedankenlose» Anbeterin der Macht zu setzen! Der humane Liberalismus folgte der Idee, der jetzige Nationalliberalismus der Macht— da« ist der groß« Unterschied. Wahrhaft köstlich war die Rede von Fritzche» Aalle, die man füglich nicht recht ernst mehr nehmen darf»ach seiner sozialwissenschaftliche» Niederlage im Reichstage, wo er unbewußt da» Kapital von Marx fälschte und auf den„Schuster" kam. Diese» Herrchen erklärte, daß im Großherzogthum Hefle» nunmehr der Nationalliberalismu« in der Gesctzgebung und Verwaltung herrsche, daß somit da« Großherzogthum einer freien Entwickelung entgegcnstreb«.— Sine schöne freie Eatwickeluvg! Gerade seit der Nationalliberalismus dort wehr und mehr zur Herrschast gelangt ist, bade» auch polizei- liche Verbote, Unterdrückung der freie» Meinung u. s. w. zugenommen, während H«sse»«och vor einige« Jahren al« ein Zufluchtsort der geringe» bürgerliche» Freih-U galt, die noch im Allgemeinen in Deutschland«xistirt.— Dasselbe Herrchen«einte, daß der RationalliberaliSmu» noch niemals so stark gewesen sei, wie jetzt, da er innerlich einig sei. Wohl bekomm'« I Andere Leute meinen, daß der National- ich auf drm Wege»ach Petersburg verzettelt«ad die letzte« Spure» derselbe» im Laqer vor KraSvo Lelo verloren. Uebrigen« giebt e»— hat ja die allgütige Natur für jede« Gift ei« Gegengift gespendet— auch gegen die Eheseuche ei« Heilmittel: e» besteht darin, daß liebevoll« Kante« ihre Nichten möglichst gut unteszubringe« bestrebt sind. Ich begreife nicht, wie e« möglich ist, daß «och heutzutage Männer fich der ihnen ro» de» alte» Dame« gelegte» plumpe» Schlinge« nicht erwehre» könne». Bei den Fortschritte« der Zwilrsatio« zweifle ich gar nicht daran, daß man auch andere Mittel ausfindig machen wird, eine Verlobung zu Stande zu bringe«. eine Ehe zu begründe». I» Moskau bildete e» für mich eine Hauptzerstreuung, de« Geist dieser gute» Tante» in»uftegung zu versetze«, ste gegen einander aufzureizen und al» Zuschauer zu beobachten, wie sie eiuer der anderen«ine» junge» Man« abspenfirg zu machen eifrig bemüh!»are«. Meine Angebetet« hatte auch eine Tante, aber von einem merkwürdigen Schlage, eine gewisse Prascova Dragona; so lautet ungefähr ihr Name. Diese brave Frau besaß e.ue unglaubliche Gewandhett und Getchicklichlett, so daß ich fast durch sie zur»bsassung eine« Lustspiels mit dem vielverheißenden Titel:„D,« Tante, oder-.Die Kunst, eine N-chte zu verbeirathe»', angeregt wordin wäre. Em armer junger Man« ohne Erfahrung �°Bruchflack"eineS°B?ieft�dtr PraScvva Jwanowna an ti,te Wichla», mew Her,, ich h-be meine Zeit Iticht ver- DUDWW zu finde«. Der eine hat fich ,* Grunde gerichtet, der onbOT Ich befand mich hinfichtlich de« Grafen. über de« ich Drr lÜSSMä« liberalismu» an einer unheilbare» Krankheit leide, am rnarasrnns senilis.--— Da» nationalliberal« Geschwätz dauerte in de« schönen ehrwürdigen Köln lange, lange Stunde»; ein« Selbstbeweihräucherung ohne Erde, ein unnatürliche» Geprahle de« Jämmerling«, der durch sei» lange» Buhlea mit der Macht Saft und Kraft verloren hat,— mit einem Worte ein widerwärtige« Schauspiel.--- Nur ein Lichtblick fiel in die Verhandlunge», al« der Geschäftsführer der Partei, Herr Jerusalem aus Berlin,«it erhobener Stimme, stolz herausfordernd«rllärte:„Wir habe« überall Gegner; ebensowenig, wie wir uv« mit de» Sozialdemokraten und Ultramontane», könne» wir un«»er« bündea«it den Deutschfreisinvigen und Koaservatise», wir habe« nur eine» Verbündeten, den Bierbanlpoli- tiker!" Die nationalliberale„Elberfeld« Zettung" garantirt für die Echtheit diese« Ausspruchs. Also endlich ist für die«ationalliberale Partei die richtige Bezeichnung gefunden; national ist diese Partei längst nicht mehr und»och weniger liberal— heiß: sie von nun an: Bierbankpolitiler- Partei! Politische Urderstcht. Der AnSgaug de« Prozesse« Bernd: Christense«, befriedigt selbst die geg.-erische Pttffe, soweit st: noch eine« Funken von Sclbstttändigkeit drfitzt, in hohem Maße. So schreibt daS„Verl. Tgbl.":„Bei der Beratdung de« Rechen» fchaitsberichtS über die Ausführung des Soztalitten- gesetze« hatte der Abgeordnete Singer sehr ernste Knt» hüllungen über da« Treiben dcr Gedetmpoiizei gemacht un» dabei namentlich«inen gewissen Jbring entlarst, der sich unter falschem Namen in einen Arditteraerein eingeschlichen urv stch dort durch die dreistesten Aufreizungen als agent provocatenr, als ein Spitzel der schlimmsten Sorte aufgefvieU dattc. Al« seine Gewährsmänner hatte Sing« zunächst'eint Parteigenossen Christenlen und Brrndt genannt, und alle Welt erwartrte nun, daß darauf hin dcr Polizeibramte. auf dem der Verdacht dcr MajestätSdeleidigung unb der Arsttftung zu ge» fährlich-en Attentaten lag, zur Rechenschaft gezogen werden würde. WaS aber oeschoh? Die Z uzen wurden in Ange» klagte, d« vor der öffentliche'' Meinung Angellagte in ein« Zmgen verwandelt, und die Staatkanwaltschaft erwirtte in der ersten Instanz(vor dem Schöffengericht) die Verurtheiluna der beiden bisher unbescholtenen Sozialdemokraten, d-ren Aus- sagen man keinen Glauben schentte, während man da» Zeug- Titel. Für mich lag jedoch die Nothwevdigkctt vor, für die Zukunft meiner Nicht« zu sorgen. Schon seit drei Winter» war st« in den Moskauer Salon» auf den Bretter«. Der viert» Winter schie» eine verhäsgnißvolle KrifiS zu werd««: st« unterstützte mich nicht in meinen Bemühungen, und auch ihr Vater lieh mir keinerlei Beistand. Bevor er vom Schlage gerührt worden war, konnte ich auf ihn kaum rechne«; er dachte nur an seinen Klub und an seine Whist. partie. So sind die Männer, sie sehe» mtt verschränkte« Arme» zu und wolle« doch, daß ihre Töchter sich ver- heirathe». I« diesem kritische« Augenblicke verbreitet fich plötzlich da« Gerücht, daß unsere arme Waise Anton ein« reich« Erbschaft gemacht habe. Nun stürmt man von alle» Seite» mit Vorwürfe» auf mich lo». Naftirlich bin ich e«, welche seine Bewerbung zurückgewiesen und ihn aus usfere, Näh« verbannt hat. Herr de» Himmel»! Wo« sollt« ich den» thun? Auf der eine» Seite befand fich der Graf, auf der ander» dieser arme, thränenreiche schmachtende Liebhaber. Paulin« befürchtete, daß die Lieb« diese« seufzende» Anbeter« sie kompromtttire» könnte. Mit einem Schlage benahm ich ihm all« seine Hoffnungen. Allein diese» Fehler, de» ich in aller Unschuld begange» hatte, habe ich glänzend wilder gut gemacht. Ich erfuhr, daß er fich auf seinem Befitzthu« befände und schwebie deshalb in b»stä»dig«r Angst, er könnte fich in seinem Herzen slummer so weit vergessen, die erste beste Landpommeranze heim zu führe«. Da war keine Zeit zu verlieren. Ich erinnerie mich, daß ich t» dieser Gegend ein« geschäftliche Angelegenheit zu regeln hatte und reiste mtt Panline ab. Dem Himmel sei D nk, alle« hat gb ganz«ach Wunsch gestaltet! Da« Oberhaupt de« istrik« ist eine« meiner Verwandte»! Ich wußte die Sache so einzurichten, daß ich bei ihm de» flüchtige» Anton traf, und von dem ersten Augenblick unserer Begegnung an ist der sittenrein« Jünglwg in» Gar» gelockt worden. Kaum hatte er mich verlasse«, so stürzte er auch schon eilende« Laufe««ach meiner Wohnung. Wohl- wtislich hatte ich dafür gesorgt, daß er zu dieser Stunde mich nicht vorfavd; Pauline jedoch hatte ich in de« Garte» geschickt, angeblich um zu promenire«, und dort«wartete sie ihn. Meine Nichte benahm fich dabei so geschickt, daß rl| jene? SßoHjeifp'.otil all vollgiltig hinnahm. Dies« Triumph«inet moralisch Eerichleten, der zur natürlichtn Rcldtt« üdetzeufjunfl in grellem Gegensätze stand, machte in weitesten Kreisen, auch bei entschiedenen Gegnern der Eozialdemokraten, den peinlichsten Eindruck. Aber„et gtebt noch Richter in Berlin". Vorgestern ist der Prozeß in zrveiter Instanz vor der Strafkammer, zu nochmaliger umfassender und gründlicher Verhandlung gelangt, deren ErgeSniß in der Freisprechung der beiden Angeklagten bestand. Diese Freisprechung schließt zugleich eine Bestätigung der Verurtheilung in stch, welche die iffentliche Meinung über den Fbring und sein Traden gefällt hatte; denn fit fußt, wie et in der Begründung des Erkenntnisses heißt, auf der durch die Bewei« aufnähme gewonnenen Ueberzeugung daß die Mitthetlungen, welche die Angeklagten dem Abgeordneten Singer gemacht, durchweg auf Wahrheit beruhen. Damit greift aber die Bedeutung dieses Prozesses weil über den Rahmen eines bloßen Brlewi- gungs und VerleumdungSprozeffet hinaus. Denn wenn durch das erdrückende BeweUmaterial, das dem Jhring entgegenge« halten wurde, festgestellt ist, daß dieser Diener der öffenilichen Ordnung und Slcherhett kein Bedenken getragen hat, eine Reihe von Arbeitern zu allerlei GewaUmaßregeln zu provozirm, daß er ihnen Unterweisung in der Anfertigung von Dynamitbomben und im Gebrauche von Geheimschriften angeboten— wenn das Alles und noch vieles Aehnl'che feststeht, dann erhalten wir ein Bild, das sich nur noch als Karrikatur zu der mit Recht so viel« gerühmten Integrität und Malellostgkeit unser«? Beamten' stände» darstellt. Mit Recht hob der Vertheidiger, Rechts- anwait Munckel, das«seltsame Geschick hervor, daß hier ein Mann, dem ein so glänzendes Zeugniß der Wahrheitsliebe gegeben wird, gerade ein Metier deteeidt, dessen Grundlage Falschheit und Verrath ist." Ein Mensch, der mit den bedenk- ltchsten Mitteln arbeiten"zu müssen glaubt, soll andererseits als braver und zuoerlässtger Beamter, als treue Stütze der Ordnung gellen!" Der Freiberger Prozeß vor dem Reichsgericht. Daß da« Retchtgericht die R-vifiontbeschwerde gegen da» Freiberger Urihrtl in dem Sozialtstenprozefie kurzer Hand zurückweiien werde, mußte für Jeden, der die Gesch.chte jenes Proz-ffes ver- folgt hat, von vornherein feststehen. Das Fundament des Frei- b-rger UrtheilS war ja nicht» Andere» alt der vorausgegangene Spruch de» höchsten Gerichtshofes, der in dem Satze gipfelt», . daß ein Schluß aus konkludenten Handlungen genüge, das Vorhandensein einer Verbindung im Sinne des Art. 129 des Strafgesetzes darzuthun. Diesen Schluß hat das Freiberger Gericht gezogen, die Voraussetzungen, auf denen er ruht, find thatsächlicher Natur und also durch Revifion gar nicht anzu- fechten. Der eine der Vertheidiger, Herr Freylag, ein Partei- genösse der Angeklagten, erklärte denn auch ganz ehrlich, er sei nicht im Stande, die Revifion materiell zu begründen und auch der scharffinnige Herr Munckel vermochte die» nicht. Das Urthetl wird nunmehr in kurzer Frist Rechtskraft erlangen und wenn die Behörde den Slrafoollzug nicht ausschiebt, so werden die Sozialdemo'raten in der bivorstehrnden letzten Reichstags- fesfion um sechs Köpfe schwächer vertreten und da Bebel unrer den Nerurtheilten ist, auch ihres bedeutendsten Vertreter» beraubt sein. Ruf einzelne Abstimmungen kann dies« Rbsenz von Einfluß sein, aber es steht dem Reichstag nachPräzedenz» fällen, die er selbst anerkannt hat. kein Recht zu, die Auf- hebmji der Strafhast seiner Mitglieder zu v e r l a n g e n und zum Bitten wird er wohl kaum Neigung haben. Da» Verbot der Versammlungen der freie« Gemeinde in Berlin wird, wie Ser Poltzeipräfidevt dem Vorsteher der freien Gemeinde mündlich mitthellte, damit zu begründen ver- sucht, daß ein Vortrag, welchen die Amerikanerw Neymann kürzlich innerhalb ver freien Grmeinde geHallen habe, eine politische Färbung zeigte.- Die„Freis. Ztg." bemerkt hierzu: Wir erinnern uns dieses Bortrages«scht, aber»ine „volitische Färbung" zeigen oft orthodox« Predigten und sog« Predigten von Hospredigern. Soweit unsere Erinnerung reicht, ist es jetzt da» erste Mal, daß wieder Polizeibehörden in Preußen seit der«era Manteuffel-Raumer die Vrrsammlungen freier Gemeinden beanstandet haben. Zar Mtlitärfiage schreibt hente die„Germania": „Unsere Gegner werden am Zentrum nicht«leben, und es wäre auch sein R u i n, daß militärischen Anforderungen mit der inkonsequenten �'.ichtherzigkeit begegnet wird, wie in vielen konservativen Blällern, die roch wieder von der R o t h der Landwtrthschaft, d. h. der Hälfte der Deutschen, so«greifend zu reden wissen. Und die H«ren werden doch gewiß auch nicht behaupten«ollen, daß es der Masse der Jnduftrtearbett« und d« Handwerker und sehr vielen Geschäftsleuten all« Art gut ginge. Im Jahre 1872 lasen wir doch z. v. in der liberalen„reichtfrrundlichen" Zeitschrift„Im neuen Reich" auf die Frage:„Woher die massenhaste Auswanderung?" u. A. folgende»:„Die von den deutschen Auswanderern vernommene Klage: es sei kein Glück, kein Segen mehr im Heimath« Wehen Dorfe, da» Leben würde immer sch»««, der Gewinn imm« karger, man müsse an ein dtss«ei Fortkommen wenig- stens der Kind« denken, und es deshalb mit frisch« Anfiede» er seine Fassung ganz und gar verlor. Als ich ihm hinauf avküvdigie, daß wir im Begriff stände«,«ach Mossau ab- ,»reise«, warf et sich mir zu Füße». Da— ich muß es Da gestehe»— weist« ich wie eiae vollendete Schau- fpielttt«. Nachdem eismal die Hochzeit eine beschlösse«« Sache war, feierte« wir sie, so schnell es überhaupt nur ging, in Anton« eigen« Behausung. Dort beschwor mich der glückliche Gatte, da« Testament zu vernichten, wodurch ich Pauli«« zu mein« Erbin einsetzte. Diese» Vermächtniß «xistirte in Wirklichkeit gar nicht. E« war nur«ine klein« Kriegslist von mir, die ich Anton gegenüber glaubte in An- wendung bringen zu müsse», damit er sich nicht etwa im Glaube» befände, ich wollte meine Nichte ohne Mitgift verheircühev. Zrtzt ist er abgereist. Pauline wollte durch- au» nach Moskau zu ückkehren; er vergoß Thräoen, als er sich von mir verabschiedete. Gott sei mit dem junge» Paare I— Z« einer der vornehmste« Straße« Moskau» hält ein eleganter Wagen vor der Thür eine« prächtige« Palais. Der Thürsteher öffnet schleunigst de« Wagenschlag, und dem Wagen entftuge« eine schöne kostbar gekleidete junge Fra» sammt ihrem Gemahl. Während d« kurze« Fahrt, die fi« soeben zurückgelegt habe«, habe» fie, ohne ein Wort zu spreche», einander gegenüber gesessen, er nach recht», fi« »ach link« schauend. Sie steige« au« und auch jetzt beeilt fich der Gott« nicht gnade, seiner Gemahlin die Hand zu reiche«. Cr wendet fich z« seinem Bediente», um ihm eine« Befehl zu ertheile», und steigt langsam die Treppe hinauf, die sein« Gefährtin mit leichtem Fuße erklimmt. Dieses Paar, dessen mürrische Langeweil« und Meinungsvirschiedenheit fich bei de» geringste« Vorfälle» des alltägliche« Lebens äußert, ist dasselbe, dessen Ge- schichte zu schildern ich mich bemüht habe. Anton»nd Pauline. .Welch' reizende« kleines Kind! Ei« wahrer Engel!" nnft Panline au«, indem fie ein» der Kinder der Fürstin, der fie einen Besuch abstattet, liebkost.„Wie viel Kinder habe» Sie denn?" „Ein halbe» Dutzmd." lung in der neuen Well veisuchen,— diese Klage ist keines- wegs neu. Aber was derselden heute einen verschärften Akzent gleit, da« ist Ver regelmäßig folgende Epilog, der vom Staate und seiner Llutsteuer spricht. Dreimal in sechs Jahren hätte man in den Krieg gemußt; erst gegen die Dänen, dann aegen die Oesteireicher, zuletzt gegen die Franzosen— so Viele seien geblieben, so Biel« als Krüppel heimgekehrt; wie lange werde es dauern und es ginge wieder los gegen Franzosen und Russen und wenn auch das nicht, immerhin tolle man drei der besten Jahre als Soldat dienen; dabei sei kein Aus- kommen möglich." Es war ew Jahr nach dem glorreichen ftanzöfischen Kriege, als dies« Worte geschrieben wurden!" Zu dem skandalöse« Anftrete« unsere» rusfischeu Eebsreuudes in Bulgarien schreibt heute der„Pester Lloyd": Es ifi ein klägltches Schauspiel, welches fich fett einer Reihe von Wochen vor den Augen Europa» vollzieht. Ein Voll, erst vor wenigen Jahren au» entwürdigender Knechtschaft ent« rönnen, zeigt in einer lanaen, schier endlosen Reihe der ver- schiedensten schwieriasten Lagen eine Ruhe, einen Sinn für Gesetzlichkeit, eine vesonnenyell, eine Festigkeit, kurz eine Ver« eintgung der entgcgengesetztefien Vorzüge, wie fie sonst nur da» Kennzeichen einer auf der höchsten Stufe der politischen Reif« angelangten Nation ist. und wie ste unter schwierigeren Ver« häuntffen durchaus nicht immer alle jene europäischen Völk«r aufzuweisen im Stand« gewesen find, welche fich so selbstbewußt mit dem Namen von Kullurvölkern schmücken. Ein über- mächtiger Nachbarstaat, welcher da» bulgarische Volk zum Lohne dafür, daß er gelegentlich anderer von ihm verfolgter, sehr lichtscheuerZweckedaS früher auf diesem Volke lastend« Joch»«biochen hat, unter sein eigene», unendlich härtere» und entwürdig-nderci beugen will, erschöpft ihm gegenüber alle Mittel, vre nur irgendwo und irgendwie zu einem ähnlichen Zweck« angewandt worden find. Sinschüchteruns, Bestechung, Bedrohung, Schmeichelet, Hemmung der Vcrwaliung und der Rechtspflege, pianmäßiz« Untergrab. ng der bestehenden Auto- ritäten, Anstiftungen von Verschwö.ungen, Verleitung zum Meineid, Alles wird von Rußland versucht, um die Bulgaren Km verzichte auf ihr gutes natürliche» Recht und zur willen- im Hingab« an Rußland zu bewegm. Ader da» kleine heldenmüihige Volk, indem es seinem brutalen Dränger gegm- über bis an die allerletztm und äußersten Grmzm der Nach« gteblgkeit geht, widcrstrht dennoch den auf seine völlige Selbst« Vernichtung gerichteten Zumuthungen. Aber es scheint, al» ob Alle» vergeblich wäre und die Weltgeschichte wieder um ein Beispiel dafür bereichert werden sollte, daß angestcht» der all- gemeinen Theilnahmilofigkeit und sittlichen Schlaffheit das Laster seine widerlichsten Triumphe fetern dürfe. Da die kaiserlich russische Politik steht, daß alle ihre Mühen vergeblich find, daß ihr« Niedertracht, unerschöpflich in ihren Mitteln und unermeßlich tn ihrer Tiefe, wie fi« ist, dennoch nicht an die politische und nationale, geistige und fittliche Tüchtigkeit de» kleinen Volles heranreicht, da greift diese kaiserlich niistsche Politik zum Mord«! Sie erkaust und bewaffnet Mord- banden, und da fie in der bulgarischen Nation, selbst unter dem Abschaum« derselben, nicht genug Hände findet, welche das russische Werk ihun wollen, so miethet ste deren in den benachbarten» in tiefste Verwilderung versunkenen Ländern, läßt ihre Bravos los und— heute liegen der Polizeipräfett von Dubrlcza und zwei Kandidaten zur Vo'kSveltretung alt Leichen in ihrem Blute— hingeschlachtet auf un- mittelbar« Anstiftung, man möchte sagen, von der eigenen Hand der diplomatischen Agenten de» Selbstbeherrscher» aller Reußen, Alexander M. Rngefichts dieser Dinge steigt vi« ernste, unerbittliche Frage auf: Gtebt es noch ein Europa, ein Europa im politischen Sinne? Ist mit diesem Wort« noch ein fittlicher Begriff verbunden; verfolgt dies«» Europa noch«inen filtlichen Zweck? Niemand sag.', daß Suropa überrascht worden ist. Was jetzt geschehen, ist nur da» letzte, nothwmdig« Glied in«ine: langen, lückmlosm Kette von Thatsachm und Eilwickelungen, von denen jede mit logischer Nothwendigkell aus der früheren folgte. Das frech« Treiben der Sodoleff und Kaulbart; dl« systematischm Brutallläten gegen dm Fürsten Alexander zu dem Zwecke, sein« Autorität zu untergraben; die verschiedenen von Rußland S leiteten Verfassungsbrüche und Staatsstreiche; die Mordver- »örung von Bmga» und Rußlands offenes Eintreten für die Verschworenen; das empörmde Attentat auf den Fürstm Alexander; die velbstidmtifiziruna der ruifischen PolUil mit demselben; das Telegramm des Zar»; endlich das stch von Tage zu Tage maßlos steigernde Austreten der Logdanoff, NeNiuocff und des jüngeren Kaulbars zur Herbeiführung von Unruhen um jeden Preis— alle diese nach einem einheitlichen Plan« vollbrachtm Widerlichketten und Scheußlichkeiten haben tn dem Morde von Dubrlcza nur ihr« Krönung und ihren naturgemäßen Abschluß gefunden. Staatsbahueu und Eiseubahnunfälle. Auf U« b« r- müdung der Eisendahnbeamten führt das„Rrndsburger Wochenblatt" angestcht» des letzten EiscndahnunfalleS auf dem Schleswigschm Bahnhof die überall In Deutschland Ich auffallend oermehrendm Eisenbahnunfäll« zurück. E« gebe 2ch „Lassen Sie mich alle sehen, ich bitte Sie darum. möchte gerne alle umarmen." Die Fürstin klingelte. „Bitten Sie Fräulein Rudolph," sagte fie znm Be- dient«»,„die Kinder hereinzuführen." Di« ganze Zeit über saß Anton mtt trauriger Miene in einem Sessel, indem er nur von Zell zu Zeit einige Worte den lebhafte» Anteinandersetzunge» semer Gattin hin» zufügte. .Und Sie, Pauline," sagte die Fürstin,„Sie habe» »och tmmer kein« Kiuder?' „Rein," antwortet« Pauline lächelnd. Da tritt die Gouvernante mit ihre« kleine« Zöglinge» ew, ew schöne» junge« Mädchen, auffallend durch die Anmuth ihrer Erschewung und die Bescheidenheit ihre» Wesen». Wie Anton fie erblickte, machte er unwillkürlich eine Bewegung der Ueberraschung, und sei« Geficht»ahm«wen neue» Ausdruck an. Wiewohl mit den Kinder» beschäftigt, hat sewe Frau doch mtt flüchtigem Blicke die V.räaderirvg beobachtet, die mtt de« Gefichtszüge» ihres Gemahls vor fich gegangen ist. Gleichzeitig bemerk!« st«, daß da« junge Mädchen plötzlich bleich und bald nachher roth wurde. Wen« Eifersucht ohne Liebe möglich ist, wen« die Bosheit fich ans einem schöner» Geficht« auspräge« kann, so war Pauline w diesem Augenblicke ewe wehr- lose Letzte w de» Krallea der Ersersncht und bös- »illige» Gedanke«. Gleichwohl fuhr fie ruhig fort, all« mögliche» liebenswürdige« Komplimente an die Fürstin zu richte«, warf indeß auf ihren Gemahl einen Blick, der tief« Verachtung ausdrückte. Anton wurde verlege» und, da er nicht wußte, wie er fich benehmen sollte, wandt« er fich an die Erziehrri»: „Fräulein Rudolph I Es freut mich außaordentlich, Sie hier w treffe»." Da» junge Mädchen verneigte sich. „Zhr Vater befindet fich wohl?" mit Ä'feSr mwu Stationsletter, welche eine täglich 19stündiae Dienstzeit Hab«; Lokomotivführer bekämen mitunter in zehn Tagen kein Bett zu sehen.— Die StaatSbahndirektton hätte wohl stch über diese Behauptung des„Renvsbnrger Wochend thatsächlich zu äußern. Zur Mannheimer Reichstagswahl. In dm maß« gebenvcn Kreisen ver Vottspartei sucht man eifrig für eine Aufstellung Oes anno 1884 in Frankfurt gegen dm sozial- demokratischen' Kanvtvatm Sa bor durchzefallmm Her» Leop. Sonnemann als Kandidat der demol-atischen Partei in der Nachwahl zu Mannheim zu wirken. Es ist wohl al« sicher anzunehmen, daß, wenn nicht der Mannheim»„An- zeig«" damals mit der„Franks. Zig." in Fchde ge i" wäre, heute Herr Sonnemann Kandidat der Demokraten Es ist notorrich, daß nm der„Anzelaet" bezw. der Vorstand der Partei und dies» nur tn sein« Minderheit Gegn» dies« Kandidatur ist, nicht aber da» Gros d« Partei. Es dürft« demnach die Vermuthung gerechtfertigt sein, daß trotz d« ew- flaßreichm Stellung des„Anzeigers" es jetzt geltngr— nachdem o. Feder atgelehnt hat— Herrn Sonnemann tn Mann« heim aufzustellen. Daß derselbe nach dies« Kandidatur ver- langt, geht au« d«„Feanlf. Ztg." hervor. Ei ist übrigens sehr wahrscheinlich, daß der sozialistische Kandidat Drees- dach mit den Nationalliberalm zur Stichwahl lommm wtttz. Jedenfalls wnden die Wähl« dessen von Beiden, der zurück- irrten muß, den Anv«m in d« Stichwahl gegm die Heyls- arme« unterstützen. Seltsames Versammlungsverbot. München, ll.Ovbr. Die auf heute Abend in den Saal zm„Neuen Welt" ewbe» rufene Krankenkassen vnsammlung wurde von d» Polizei» direktion auf Grund des§ 9 Absatz 2 des Sozialistengesetze* verboten! Es seien Thatsachm bekannt geworden, aui denen hervorgehe, daß die Versammlung l-diglich d« Förderung d« gemeingefährlichen Bestredungm d« Sozialdemotratie gedient habm würde.-- Privatpost. Wie wir«fahren, soll auch in Rürnbert demnächst ein« Privatpostanstall für dm lokalen Brief» tn'S Leben treten, desgleichen für Breslau. Di« schwarze Lifte d« DreSdm« Lauge steht nicht vereinzelt da. Da» zeigt folgend«? in Augsburg «laffene Rundschreiben:„An sämmtliche Herren Arbeitgebel d« Baugewnle dahi«. Laut Zuschrift des Herrn Maure» meist» Lutzenberger find die Maurergesellen Raimund M-ytt von vuttenwiesm und Martin Llov von G rakertshoten Freitag den 27. August c. unter grobem Unfug aus dem Bauplatze a* Hallthor entlaufen, find dann mtt ein« Droschke vor Ow» Bouplatze öfter vorbeigefalrm und habm htttdei äußerst herausfordernde Hochrufe auf Vollmar ertönm lassen. Dieselbe» sollen auch d«tits wegm sozialistisch» Agitation tn Unter- suchung sein und wttd deshalb vor deren Verwendung a«' warnt. Der Vorstand d» O:t»krankenkasse(!) f. d. La»' gewnke. Gg. Dietmay«'." Wir müffm zunächst fragen, wa» die Ortikrantmkaffe mtt solchem Anzclezenhettm zu ihun hat- Ei ist diese» ein grober Mißbrauch, dm die Untemehm« mit dm unt« ihrem Ettflaß stehrnden Zwangt lassen treib» Würde d» Vorstand ein» freien HUkskasse stch irgcndvw ähnliches h»au»nchmm, so wärm gewiß die Tage d« Kasst gezählt. Oesterreich-Uugar«. Das Abgeordnetenhaus genehmigte ohne Debatte die S» gierungsvorlage betreffend die Uirzulässtgkeit der Pfändung o«» Fahrdttriedsmitteln fremder Eisendahnen. Schweden und Norwegen. Man vlant eine Eisenbahn. Verdindusl zwischen Schweden und Dänemark. Ueb« dck deatstrdlizten Bau eine» Oeresundtunml» behufs H-rstelluA ein« Elsen dahnonbindung zwtschm Dänemark und Schwev-j wttd geschttebm:„Das schwedische Zivildepartemmt hatte st* an das dänische Ministerium des Innern mit dem Vorschlag gewandt, die Bedingungen für die ErtheUung der G-nehow gung zu einer solchen Tunnelanlage zum Gegensta» von Verhandlungen zwischm Abgeordnetm beid« Länder t» machen. Das dänische Ministerium ist daraus eingeganim und es find nun brtdttseUig Abordnungen zu dem Zweck» mannt worden." Belgie«. In dm Glaiard«tt«.O.ten, wie in Lodeltnsart, auf allem Straßen Tische. auf denen Barüdnge die Petttionm für Erlaß ew« Amnestie uat«,iicl können. Frankreich. D« Ministmath hat auch beschlossen. Louise Michtl' welche bereits mehrere Monate Gefängntßhast verbüßt hat," begnadigen. Grohbritassnie»«, Die gestrige Rttthetlung üb» ein konservatioj, homeruleprojekt für Irland wttd ist nicht wahr," sagt der Fühlung mtt dm nservatio>: brstrtttm. A liberalen Dm rief Anton feinem Ketsch« zu und stieg � de s.tzten fich wred« in Bewegung***, 1 VM«. ma V... ml l\ a 4� 17 /*<•«M™ „Sie kenne» Fräulein Rudolph?" ftagte plötzlich� Fürstin. „Ich habe ihre« Bat« gekannt ," mtgeanete A»* indem er sich bemühte,«w« ungezwu-gere Miene tfr nehme«.„Das war ein hochachtbar« Mann." Nach einigen Miauten war die Visit« beendigt und Ehepaar stieg wieder in dm Wage». „Ich habe also," begann Paulme,„das Smnfig»' habt, heute ein« ihrer alte» Bekannt» zu sehe»?" Anton antwortet« nicht. ..Sie hatten wahrhaftig kein» schlecht» Geschmack- Dasselbe Stillschweigen von Seiten Antou's. „Wenn ich nicht irre, ist fi« die Tochwr eines#9� flick««." fuhr Pauli»« fort. u Der Wag» fuhr gerade a« englisch» Kludh� vorüb«. .Halt!" Dt« Pferde|| Vorübergehenden bewundert» diese elegant« die entzückende Frau, die dann auf weich» Polstern Zwei Monde fiad sett dem eben Erzählt» verstr� D« Herbst ist herangerückt, und die Wohnungen reit» geheizt. Aato» b, findet sich in seinem Ärbetttz«> � allein. �Sumerisch fi-raead im die Flamm« schauend, kaistttt. Da trttt sei« Kammerdtm« ei«««"L g» ihm mtt gehermnißvoller Mime einen Brief. Ungeduld greift Anw»»ach diese« Briefe, giebt l-jf, Dien« ein Zeichm. fich zu entferueu,«bricht«tt erregt« Hand das Siegel, liest und fällt wie leblos in> Sessel zurück.«Ist Sie wünsche» eine Antwort, Anton; es gmügt 39"V � nicht, daß ich bei meine« Zusammmtreffra mit 39**� veihäugnißsolle«. mein unglückseliges Geheiawiß Ks habe. Ste wünschm eine Antwort, Sie sag»,..Mi« leid» und daß«in Wort vo»«tt 6k i ftp mache* kann. Sie wünsch», daß ich Ihne» «iß mein« Liebe mache. Wohlan! Ich will rt ersten und zn« letzt» Mole mach», den« 6t« � mich»ie, nie mehr wiederseh». 3« dem Auzeabu Kamm- arebt Strien unterhaltend«.Odserver",„daß irgend eine Maßregel für die Herstellung von Home-Rul« in Irland von dem Kadinet vereindart oder erörtert worden ist.«« ist nicht wahr, daß «we solche Maßregel den unionisttschm Liberalen unterbreitet oder von denselben gutgeheißen worden ist. Wai wahr ist, ub« nicht neu, ist, daß. wie Lord Randolph Churchill in Dart- ford erlläÄt hat, die Regierung da» allgemeine Prinzip de- mm, daß in alle« Thetlen dt» Vereinigten Königreiche» lolale Nngelegenheiten von der kontrole de» Parlament» auf Me von lÄalen Wahllörperschaften übertragen werden sollm. Wir haben Trund für vi« Annahme, daß außer der»nerien- nung diese» allgemeinm Prinzip» leinerlei Entscheidung be> "«ff» de» System»,«eiche» thatsächlich ausgeführt werden soll, getroffen worden ist. Die Regierung hält streng an der unter �tzter Verwaltung gefaßten Anschauung fest. nämlich, daß irgend ein Lolaloerwaltungssystem. welche» mit «ortheil in England und Schottland eingesührt werden kann, «uch auf Irland au»gedthnt werden soll, vordehSIllich solcher «eichränlungen— namentlich in«ezug auf die Polizei— »eicht die au»nahm»weisen Verhältnisse der Schwesterinsel »Ahlich mach«, dürftm. Betreff» der Zusammensetzung der lokalen Wahllollegien oder der Flächenräume. welche fie »eprSseeüiren würden, ist bi» setzt kein Beschluß gefaßt worden. , Der Zebntenkrieg in Wale» nähert stch seinem �nde. Die betreffmden Geistlichen haben sich nämlich bereit «klärt, die Zrhnten um 10 pCt. herabzusetzen und die meisten Farmer haben diesen Lorschlag angenommen. Die ministeriell«„Rorn. Post" wünscht, daß Wrst»i,- �« österreichische» Bündniß vermittelt. Sie « F'* Lststerretch sowohl wir England vom Fürsten «wmorck benöthige«, ist vielmehr moralische al» that sachltch« Unterstützung, damit fie fich gemeinsam zur Verthei« Jtgung Europa» gegen den rusfischen Vormarsch verbünden. Deutschland hat in der That ein« angl». österreichischen Allianz «ine Streitmacht zu bieten, so lange«» selbst In seiner Flanke durch Frankreich bedroht ist. E» könnte ab« unzweifelhaft durch Verficherung ein« wohlwollenden Neutralität, so lang« Frankreich Frieden hält, eine Defensivalltanz zwischen SnglandundOesterreich möglich machen, welche auch für Hialien und die Türkei Anziehung hätte, während e» ein reichliche» Entgelt haben würde, indem dadurch d« Koketterie zwischen Frankreich und Rußland ein End« gemacht wäre. Die Diamanten» und Goldfunde in Afrika und West« australien rufen in England einen wahren Spekulation»« ta um e l h«vor. Man schreibt darüd«: Man braucht gerade nicht«in sehr alt« Rann zu sein, um fich an da» allgemein« Fieder der Auftegung zu erinnern, welche» all« Well in Eng- land und in den Vereinigten Staaten von Amerika erfaßt zu baden schien, al» die ersten Nachrichten der Entdeckung von Gold in Kalifornien und Australien anlangten, und fast gestern scheint e», daß Diamanten in Süd-Aftika, in dem setzigen Grsqua« land West, in dem Bezirke von Kimdnley, gefunden wurden. Städte sprangen üb« Nacht au» dem Boden, neue Provinzen wurden annellirt, au» allen Theilen der Erde strömten Aden- tem« nach dem modernen gelösten Land«; wo früher kein ein- fach» Ochsenwagen vorwärt» kommen konnte, wurden Eisen« bahnen gebaut, und in dem Junal« der Löwen und Elephanten gründete man im Handumdrehen Kastno», Zettung»bureaur. sowie Gold- und Diamanten« Sto«k-L«kavge». Eine ganz ähnlich« Periode, eine Wiederholung der Zeiten von 1850 und 1867 scheint üb« un» gekommen zu sein. Und abermal» in zwei Welttheilen fast zu gleich« Zell, jedoch dit»mal nicht in Amerika und in Australien, sondern in Afrika und in West. Australien. Alle Well spricht und handett in nicht» Anderm, al» in Mining- sowie in LanÄ-Share» von de Kaap in der Tranioaal- Republik; jeder Fußbreit Grund und Boden da« selbst, dm man im vorigen Jahre noch nicht„geschenkt" ge« nommm hätte, wird al» da» wahre Eldorado gepriesen; Aktien« Gesellschaften»«dm zu Dutzenden gegründet; in Bar der« ton, wo vor zwölf Monaten eine einzelne Hütte stand, legten sie«den schon den Grund« st ein zu einer Börs e und zu einem Zeitun g»« palaste, und so geht e» nach allen Richtungm hin in gleichem Tlmpo. Di* allen Unternehmungen, an welchen man in dm letzten Jahrm schon ganz verzweifell hatte, leben wie« der auf, ste faffm neuen Ruth, und manche erklärm sogar schon Dtvtbmdm, d« liebe Himmel weiß«ober; Jedermann, d« irgend eine B«dindung im Kap und Transvaal defitzt, geht stolz wie«in König umher und spricht von„seinen" Gold« '°a«n mit zehn,!-«U dreißig Un�n Ergebvtß per Tonn« S'st-bert. Und in West Australien wiedtt«stcht ein andere,«imbttley, di«»mal leine Diamanten« «ruw, sondem ein Goldfeld von„ungeahntem" Retchthume; die Abenleut« lönnm nicht Schiffe genug auftreiben, an Ort und Stell« zu gelangm. und die Szenen von Ballarat wied«. holen stch von neuem. Jim meisten freuen fich hf« die Pro- Smot«», die Gründer, wieder. Ihr Weizen blüht abermal»; e schicken die»undttbarftm Prolxekte au», und wer jetzt kein killionär wird, dem ist nicht mehr zu helfen. Die Welt bleibt ewig jung; neu« Geschlecht« werden gedorm» welche die 8c< wo wir auf ewig getrennt w«dm sollm, sage ich e» Ihm, Anton, ich liebe Sie, ich liebe Sie«ehr»l»«ei« Sie können«it dies«« Briefe mache», was Ihne« J*»' ihn vor Ihrer Frau»«heimliche» oder ihn der ot ö«ige». Ein Mal wenigsten» in meinem ImJI j ich kühn die Erklärung wage», daß kein ««setz in b« Well mich hindnt. Sie zu liebm. (Fortsetzung folgt.) A«» Knust und itbtru � hinter»m Kouliffm wirkt, und de» Kapellmeist«», dem da» sch«tertg« Werk de» Einstudirrni und da» ebenso schwiert« d«» Dirigiren» zufällt; fie Beide, Herr Czaschke und Hm Franke, haben fich hierbei sehr v«dienl gemacht. _ Si«»enmalückter Vrotesksprivger. Im Zirtu» Wag»« «r fich gegenwärtig in der russischen Stadt StmbirSk an d« Wolga prvduzirt.«eignet« fich ein schreckliche» Unglück. Der Groieskspring« Wagn«, d« sechszehn jährige Sohn des ZIrku». defitz-r», führte allabmdlich einen Salto mortale über dreißig von Soldatm«mvorgehallme Bajonelr au». In einer d« letzten Zirkusvorstellung mißlang dem jungen Artisten dies« Rtesenspmng und da» letzt« d« Bajonette durchbohrte ihn derartig, daß e» ihm durch dm Hai» in dm«opt drang. m&ä vaimrtte haunt«gmommm und in die Tvdtmkammer fahrungm und Enltäuschungm von früheren Zellen nicht ennen, und fie beißen edmso leicht» ebenso gierig an dem Köder an. wie die frühere Gmeratton. Einzelne»«Jen groß« Vermögen«werben, wie stet» während solch« Perioden; allem die große Mehrheit der Gimpel wird wied« gerupft. Da nützt alle» Warnen, alle» Predtgm nicht». Spauie«. Da» neu« Ministerium hat in sein« erstm Sitzung be« chloffm, dm Belagerungszustand aufzuheben, fern« o viel al» möglich die durch die vorigen Minist««mannten Beamtm deizudehalten, die E o r t e» für die erste Hälfte de» Rovemb« einzuberufen und ihnen ein Projekt üb« die Armeereform vorzulegm, welche jed« politischen Reiorm vorangehen soll. D« Minist« de» Innern thellte den Prä« selten mit, daß die Regierung auch nicht„unter dem Vorwand d« Preßfreiheit od« d« Versammlungsfteihett" irgend welch« längriffr auf die Regierung duldm««de. Balkeuelelleder. »u» Bulgarien liegen bmte folgend« Mtldungm vor: Sofia, 11. Oktober. 1 Uhr Mittag». Bi» jetzt find 340 Wahlresullate bekannt, wovon nur 15 in Plewna und Ra- >ova der Opposition angehörm. In Dudniczo«urde d« Untelpräfelt, ein Lehr« und zwei Deputtrte von den Bauem«schoffen, welche die Wahl««hindern wolltm. Für die Stimmung der Bevölkerung ist dieser Fall nicht maß« gebmd, da die Bewohn« von Dubnlcza bekannt find al» ein u jed« Schandthat bereite» käufliche» Glfindel.— Die So« branje wird leinesfall» vor 14 Tagm, wahrscheinlich erst in vi« Wochen einberusen w«dm.- Nicht weniger att drei Noten find heute d« bulgarischen Regt«m,g vom rufst« ch r n Konsulat zugegangm. In d««sten beschweit fich Rekludow über die gestnn auf da» Konsulat gemachten An« griffe, gegen welche die Regiemng nicht eingeschrittm sei. so« wie über die Mißhandlungen d« Bauem, die au» dem rufst« chen Konsulat in die Kasernen geführt wurdm.»ein Wort der Entschuldigung üb« abgesm-rte Schüffe, nur Beschwerden, trotzdem die Umuh'.n vom russtschm Konsulat prooozirt wm« dm, deffen Hof die Herberge d« UnruheM« ist. in de» die« selben sogar bewaffnet wurden. In d« zwettm Note protestirt Nekludow gegen Vi«. Wahlen. In d« dritten gegen da» neu« licht Rundichreiben d« Regentschaft.... Au» Bularest wird v«„N.Fr. Pr." gemeldet: In einem am Sonnadmd in Rustschuk stattgehabten Meetwg las Sto« janow«ine Depesche de» Fürsten Alexander vor, worin « die von der Sodranje votirten Gelder zurückweist und sein« Berettwilligteit ausspricht, im Fall« der Wiederwahl den bulgarischen Thron wieder einzunehmen. — Die Meldung von der beadfichttgten Rückkehr de» Fürstm Alexander nach Bulgarim wird von den russischen Blättern mtt der Rußland feindseligen englischen und öfter- «ichischen Politik in Zusammenhang gebracht, ebenso mtt d« Reise Lord R. Churchill». Hierin ist angeblich eine offme Agitation aegm die russtsche„Friedenspolitik in Bulgarien zu sehen. Die„Nowoje Wre»ja" fübrt. nach der„Franlf. Z.", au», daß, wenn d« Fürst auch russtschersett» nicht beftSligt werbe, derselbe doch, von England, Oesterreich und Deutschland unterstützt, eine friedliche Lösung der bulgarischen Frage un« möglich machen würde. Die Jntrigue sei angelegt, um Ruß- land» Geduld zum Reißen zu bringen. Die„Moskowslija Wjedomosti" rathen Rußland an, fich durch die Tripel« allian, nicht zu binde«, sondern Beziehungen zu ranlreich zu unt«hallen, welche bei einem Frontwechsel in leilin fich in ein rusfisch-franzöfische» Bündniß umwandeln lQfitn' Amerika. New-Bork, 10. Oktober. In dem Anarchisten« prozeß zogen fich die Reden d« Angeklagten vom Freitag bi» in den Sonnabend hinaus. Parson» sprach fast sechs Stunden. Bei der Urtheilssällung führte der Richter folgende» au»: Die Vertheidigung habe namentlich behauptet, daß die Gefangenen nicht die wirklichen Mörd« seien, daß es nicht bewiesen wäre, daß fie zum W«fen der Bombe angereizt hättm, daß ste vielmehr nm im Allgemeinm den Gebrauch de» Dy namll» zur Durchsetzung ihr« sozialen Thernim befürwortet hätten. Richt« Gaiy gab zu. daß e» keinm PlSzedenzfall für den vorliegenden Proieß gebe. Er betonte jedoch, daß da» Prinzip, daß Ansttst« zum Mord« selbst ideelle Mörder seien, unbestreitbar sei(l).— Die Anarchisten, welche am 3. Dezember hingerichtet werden sollen, sind ParsonS, Spieß, Ftelden, Linga. Engel, Schwad, Fischer. Der Anarchist Reede«urde zu 15 Jahren Zuchthau» verurtheitt. Sin Telegramm de«„Reuter'schm Bureau»" au» Halifax meldet, die amerikanische Fischerbark«„Marion Grtme»" sei von dem kanadischen Kreuz«„Terror" beschlagnahmt worden, weil dieselbe in dm Hafen von Shelburne eingelaufen fei. ohne den Zollbehörden die Ankunft anaejeigt zu haben. Der Kapitän fei zu einer Strafe von 400 Dollar» verurthetlt worden. In Folg« der widerspenftigm Hallung de» amerika« Nischen Kapitän», welcher darauf bestand, die amerikanische Flagge üb« d« mgltschen zu hiffm, sei d« Kapitan de»„Tenor »«anlaßt worden, fich an Bord d«„Marion GrimeS" zu 6* geben, die amerikauifche Flagge zu entfernen und«ine bewaffnete Wiche im Schiffe zurückzulaffm. Der am«ikanisch: Generalkonsul habe von diesen Vorgängen dem Staatssekretär Bayard telegraphische Mittheilung gemacht. Der Pariser Eee-Kanar. Wie dem„Standard" au» Pari» gemelvet wtrd, taucht da» alle Projekt, die Stadt Part« für Seeschiffe zugänglich zu machen, wieder auf. Der Vtze« admiral Thomaffet, der Vorfitzende der„G-sellschaft zum Studium dn Fraae, Pari» in etnm Seehafen zu»«wandeln", bat fich an den Minist« für die öffentlichen Arbeiten mit dem Gesuch um die Konzession zum Bau eine» Kanal» gewanvt, d« im Beit der Sein« zwischm Pari» und Rouen hnaestellt werden soll. D« Kanal würde eine genügende Tiefe«hatten. um e» Schiffen mit einem Tiefgang von etwa 6 Metern zu ermöglichm, die Hauptstadt zu«reichen: sollte da» Flußbett von Rouen thalad bi» zum Meere weiter»«tieft«erden, so SSLSSSWÄ umaekehrt beförderte Tonne einm Höchstdetrag von drei Frank» i»«heben. Durchläuft ein Schiff nicht die ganze Strecke, so soll die Gebühr im VerhSltniß zur Kilometerzahl der benutzten rÄnffÄwavÄ« 110 Million Frank» kosten. Während der Bauzeit de»«anal» SS-MZHHZM MW« KKW! OerlchtsZeiwng. Konstanz, 9. Ottnber. Die heutige Schöffengericht»»«- Handlung gegen den Redalteur des ultramontanm„Konstanz« Tageblatt'' wegen Vergehm» gegen da» Preßgesetz nahm, d« „B. L�Z." zufolge, einen sehr eigmthümlichen Verlauf gegen denselben. Da» g«inq« Veraehen wegen Nichtaufnahme einer Berichtigung nach Z 11 de» Preßgesetzet wurde zwar nur mit 10 M bestraft, allein bei Feststellung der Personalien stellte fich h«au», daß der ultramontane Redalteur, Dr. Hoffmann, in den 1860er Jahren««gen Urkundenfälschung, Unterschlc» gung und Betrug« zweimal zu Gefängnißstrafen und Verlust der bürgerlichen Eh'mrechte und darauf wegen«ied«holtm Rückfall» zu drei Jahren Zuchthau» und zur Stellung unt« Polizeiaufstcht verurtheitt worden war. Dem Ganzen wird ab« die Krone dadurch aufgesetzt, daß die» derselbe Redakteur ist. d« kürzlich in Freiburg bei dem Erzdischof Dr. Roo» eine Audienz hatte und auf sein Verlangen den«zdischöflichen Segen «hielt. Madrid, 11. Oktod«. Der Priester Galeote ist wegen Ermordung de» Erzdischof» von Madrid zum Tode verurtheitt worden. Trieft, 10. Ottoder. Der 25 jährige Graf Adelchi de Panigai, au» einem alten NdelSgeschlechte de» Friaul stammend, ein arbeit»scheues, beim Militär miederholt abgestrafte» Individuum, zuletzt Kellner in einer hiesigen Bierhalle, stand heute hier unter der Anklage, daß« im Nvril diese» Jahre» seine Beliebte au» Eifersucht durch sechs Messerstiche schwer verwundete. Er wurde zu vi« Jahren schweren Kerker« und nach v«düß«r Straf« zm Einlteferung in«ine ZwangsardeUs- anstatt verurtheitt._ Soziales«nd Arveitervewegang Zur Buchdruckerbewegung Da» Personal der S i t t e n» s e l d' sehen Buckdiuckerei in Berlin hat vorgestern Abend, nachdem vom Geschäft da» Versprechen gegeben worden war, daß weitere Maßregelungen nicht mehr stattfinden sollen, und da» Minimum de» sicheren Lohne» auf 26 M. erhöht ist, d!e Arbeit wied« aufgenommen Die Soldaten find, bi» auf «inen, nicht«st in Funktion getreten.— In Elberfeld bewilligten von den Oifizinen nachstehende die Forderungen d« Gehilfen: Matthey(„Wupperthal« Volttblätt«") und B«le(„Freie Presse"). Ablehnend««hielten stch gjeee» („Elberfelber Zeitung"), in Folge deffen von 60 Gehilfen 47 die Arbett niederlegten; Frtederich«(„Täglicher Anzeiger"), hier streiten von 34 Gehilsen 17; Bäbeler, sämmtliche ca. 20 Ge» Hilfen streiken; Born(„Neueste Nachrichten"), von 18 Gehilfen, darunter 7 erst jüngst aufgenommene VereinSmitglt-d«, streikt «in«; Ttllv und Thiele, sämmtliche 3 Gehilfen streiken; Müll« Söhne, von 4 Gehilfen strettt einer. Im Ganzen streiken in Elberfeld 89 Gehilfen.— In Barmen wurde der Tarif bewilligt in den Oifizinen von Staats(„Barm« Zeitung") und Steindorn u.«o.(„stnnonzrnblatt"). Hyll u. Kiew v«» weigerte die Annahm», worauf sämmttiche 5 Gehilfen die Arbeit niederlegten. Von den übrigen Druckereien find noch keine Nachrichten etngelaufen.— Aachen, 12. Oktober. In jämmt« ltchen htestgm größeren Druckereien haben heute Mittag die Setzer die Arbett nirttergelegt, well die Prinzipale die An« nahm« de» Tarifs vnweigem. Ei« neuer Unternehmerfachverei« ist im Großherzog. thum Luxemburg gegründet worden. E» ist dort ein Hochöfensyndikat zum V«kauf sämmtlicher Gußsorten ohne Unterschied gedilvet worden. So schließt fich da» Groß» lapital zu mächtigen Verbänden zusammen, um die Schläge der au» dem heutigen wtrthschaftlichen System nothwendig tnf» springenden Krisen zu pariren. Die Arbeit« ad« stoßen, wenn fie ein Zusammengehen in festgefügten Organisationen versuchen, allüberall auf den all«Srgsten Widerstand. Und dt« Ardeiter find doch nicht im Besitze der riefigen Machtmittel. wie da» Unternebmerthum. Gleiche» Recht für Allel Jnnungsblüthe«. Wie schlau uns«« biederen Zünftter die Vortheile ausnützen, welche ihnen ihre Jnnungsstatuten gewährleisten, dafür liegt ein hübsche» Beispiel au» Mün che- derg vor. Dort war Nacht» angeblich von Lrhrlingm nahe d« Stadt grob« Unfug verübt worden. Daraufhin läßt d« Obermeister d« Schuhmacherinnung die Lehrlinge seiner Innung zusammenrufen und hält ihnen eine herrliche Pauke. in welch« u. a. den Lehrlingen, die stch an solchen Au»> schreitungen betheiligen, angedroht ward 1) Versagung de» Lehrbriefs, 2) Ausferiigung«ine» Lehrbrief», ad« mit einem Vermerk,„durch welchen sein Betragen und sein Charakter g«. kennzeichnet sein wird und der ihm dann für seine ganz« Lebenszeit ein Hind«niß im Fortkommen sein wird"; wo bleibt da die Gewerbeordnung, welche doch solche Brand» de» dortigen v«ae»» nahmen je eine Tynamitpatron« in den Mund, welch« fie vermtttelst Zündschnuren zur Explosion brachten. E» erfolgte eine so heftige Detonation, daß die Ort». bewohn««schreckt au» ihren Häusern flohen. Man eilte auf den Thatort, wo man die entseelten Körver furchtbar verstümmelt fand. Die Köpfe«arm vom Rumpfe getrennt und lagen in unzähligen Stuckchen auf dem Rasen umher. Eine große Seltenheit. Au» Vöcklabruck wird Wim« Blättern geschrieben: Therefia Baronesse Vogrlsang. 28 Jahr« att, die Tochter eine» l. k. Feldmarschall> Lieutenant«. eine Dame. die die feinste Erziehung genossen hat, deglückt mit ihr« Hand dm öl jährigen Maurer Alois Resch. Die Hochzeit hat am 5. d. Ml«, m d« Kirche zu Schöndorf stattgefunden. Die Braut trägt jetzt die landesübliche Bauerntracht, welche ihr gar nicht Übel steht. Ihren Bräutigam lernte die Baronin bei ein« Festlichkeit in Puchheim kennen. In einem von der Baronin angelaustm Bau«» hause zu Schöndorf werdtn die Nmvermäblten ihr Heim aussalagm. 950 Millionäre, deren Vermögen je 20 Millionen Mark übersteigt, soll«# noch der Ausstellung eine«„Fachgelehrten" auf der ganzen Erde geben. Httrvon kommen auf England 250, die Vereinigten Staaten 200, dai übrige Amerika 100, Deutschland 100, Frankreich 76, Rußland 50, Indien 50, die übrigen Länder 125. Wie man steht, nimmt Deutschland auch in dies« sonderbaren Ausstellung einen nicht unoortheilhaften Platz ein. Befremden mag e», daß Frankreich zurücksteht; allein dieS bestätigt nur, daß Ueppigkett, Aufwand und B». schwendung in Pari» hauptsächlich durch die Ausländer unter» halten werden. Von den 950 Millionären dieser höhnen Gattung dürfte Pari» nur verhältntßmäßtg die meisten iängewt od« kürzere Zeit in seinen Mauern haben ober gehabt Hab«. Von den Amnilanern unter ihnen wohnen wohl ein Dvtzmd ständig in Pari». Frankreich dürfte seinerseits die verhättniß» mäßig größte Zahl lolch« Millionäre haben, deren Verwözm ein oder einig« Millionen beträgt. Zur Mormouen-Propaaanda. Unter dm Zwischendeck» Paffoqierm de» Dampser»„Wyoming", d« vorvorige Woche von Queenslown nach N w Bort abgegangen ist, besandm stch 301 Mormonen unter d-r Auificht von 15 Aeltestm. Di« engltschm Rekruten für di: Salzseestadt waren in entschiedener Majorität; e» waren ihrer 93 Mann«, Frauen und Kind«. Dann kamen Skandinavier, Schotten, Schweizer und Deutsch». In der Gesellschaft befand fich eine Anzahl gutgelleidettr», hübsch« und intelligent« Mädchen. irotfatifi alS be;andilt? 3) SetlSnserun« der Lthr,eit auf X WS 1 Jahr„in Anbetracht der mangelhaftm Bilouna".- Po'trefflich in der That I DaS Nachlernen. dai den Herren Meistern gratis so und so viel ArdeitSleiftang in den 6(6006 wi ft, da» Nachlernen, da« eine» Gesellen Arbeit übeiflässtg macht. daS ist eine wahr« Goldgrube für unsere sittenstrengen. dildung»b fl>ffenen Zunftchinesen. Wir kennen unsere Pappenheimer, die so trefflich Moral und Geldbeutel in Einklang»u bringen oersteben.. Dividende» Die Aktie nmaVabrik Könnern 12 pCt., die Maschinenfabrik Austbma 17% xCl., die Zittau er Malchin«»» fabrii und EisengieZerei 17 rC die Lktienmalzfabrik 18 pCt., die Zuekerfablik Opalenitza 20 rCt. Wie man steht, sind da« recht stattliche„Entbehrungi"löhne in uns«er Zeit der Zack«. und EisenkristS. Die weibliche Kadrikardeit im Königreich Eachsea. Bei der Zählung der Fabrikarbeiter von 1885 wurden 95C00 weidliche Arbeiter all« Klaffen gezählt. Die F aze, od die weibliche Arbeit in Lachsen« Faoriken in der Zu- oder Ab« nähme begriffen ist, läßt sich, da erst seit 1883 Fabrikarseiter. zählungen vorgenommen sind, ganz sich« nicht beantworten; 1883 entfielen auf 100 Fabrikarbeiter aller«lassen 65,1 pSt. männlich' und 34 9»eidliche. 1885 stellte sich da« Verhältniff 66,5 zu 33.5 Von diesen 95009 Arbeiterinnen sind 3557 im Alter von 12—14 Jahren, alio 3 7 rCt., zwischen 14 bii 17 Jahren stehen 9850, also 10 4 rCt.; die männlichen Ar. beiter in diesem Aller machen nur 6,4 pCt. au«. Da« weid« liche Element wird also in diesem Alter bedeutend stärker zur Fidrikardeit herangezogen al« da« männliche. Heb« 16 Jahr« waren 81582 Arbeiterinnen, also 85,9 pCt._ Cterbltchkett i« den verschiedene» vernfsarte». AuS dm amtlichen Erhebungen, welche in England da« General« Reglstrm-O sie« gemacht h.t, thetlt die preußische„Statistische Corresp." Auszüge mit, auf Grund dnen ste zu folgenden Schlußfolgerungen gelangt: Unter den Aop�örigm d« ge- leh'.ten Berufsaiten, ja unter a?-n Beiufsarten übe, Haupt er- freuen stch die Diener der Kirche der geringsten Sterblichkeit: auch die Sterbeziffer d« Lehr« und Er« zieher ist noch mäßig zu nennen, hauptsächlich vethald, well an den öffivtlichm Schulen nur durcbauS gesunde Personen beschäftigt werden. Dagegen ist die Si«bl!chkeit der Rechts« aelehitkn schon größer und die de: Aerzte kommt derjenigen der Arbell« in Stein und Schiefer blLchen gleich. Die höchste Sterbeziff« unt« den erwrrbsthätigen Künstlern haben die Mufiker mit 2033 Dtei befallen auf 100 ODO Lebende; diese BemfSgmppe umkeßt ad« auch Bänkelsäng« und Ltraßm mustlantm, die fast all« sehr unregelmäßig leben, zum Thell diesen Beruf«st ergriffen haben, nachdem ihre beste«rast in anderen Beschästigungm»«braucht war, oder die doch häufig dem Mangel und fast alle dm Unbllden d« Witterung ausgesetzt find. Daß die Bewegung in Vit freien Lust nicht immer die Gesundhill brfördnt, zrigt die e-hebliche Sterblich- kell dnjenigen Personen, welche im Handel und Verkehr zu Waffer und zu Lande beschäftigt find. Di« Sterbeziff«« der Droschkenkutscher undPferdebahnangestellten, d« Stromschtffer und Frachtfuhrteute, der Obfthändler, sowie dir anderen Straßcnverkäufer stnd durchgängig sehr hoch. Die höchste Sterblich leit haben indessen die Londoner Arbeiter und die in dm Restau'antt und Hotel« bediensteten Personm auf« zuweisen. Unter den erstgenannten Elwerbsthättgen befirdm sich viele lörpttlich verkommene Menschen, mlät der Roth und dem Elend, von denen sie täglich umgeben find, nur ge ringen Widerstand entgegenzusetzen vermögen und d«m Slerd- lichkeit daher sehr hoch ist. Sie ist dmn auch in d« That mehr als noch einmal so groß alt die d« Männ« jener Allerivasscn im allgemeinm. �. Die Eisenbahnen der Welt baden am Schluff« de» Jzhre« 1884'ine B-lammtlänze von 297795 Mellm erlang«, wovon seit 1879 nicht weniger al« 62788 Meilen in Betrieb gesetzt worden find. Die,« Meilenlänge ist folgmdermaßm vtltheitt: Jahr 1880. 1884 105766 148 738 117 694 12 757 7 486 . 4075 Nicht weniger als 174 916 Meilen Länge, also 69 pCt. der Eisenbahnen d-.stndm stch in Ländern, in welchm die englische Sprache dt« henschende ist. Die Länder, welch« die größte Meilenlänge Eisenbahnen zu ihr« Bivölkerung oder die wmigst-n Einwohner per Meile baden, stn'u Z.ustralim mit 86.4, die Vereinigtm Staaten mit 461 und Kanada mit 486 Köpfen per Melle. Die argmtintsche R-publik bat 1900, Schweden 1113 England 1870, Deutschland 1983, Fr-nkrrick 1943, Belgim 2106 Köpfe per Melle. Je dichter da« Eism- bahnnetz sich um die Erde legt, um so mehr wird d« kulturell« Fo«schritt deschieuntgt, um so nothwmdiger wird die sozial« R-form werden._ Uerewe tmfc UersammlnnaeU. Der Fachverein der Tischler veranstallet am Sonntag, den 17. Ottod-r. Ad«r.dS 6 Uhr. in der„Berlin« Reffource", Kommandantrnstr. 67, ein Tanztränzchen.— B>llet« find nur vorher zu baden bei den Mitglied«» Böhm, Johanntterstr. 10, Hof HI; Gruenwaldt, Piin»tnftr. 8, III, bei Konrad; Glocke, Lausttznvlatz 2, Hof pari.; Mein,, Manieuffelftr. 93, III link»; Haas«, Rh?in«derg«str. 13, I; Apill, Belle- Alliancestraße 61, Hof recht« V; Thindach, Neue KSnigstr. 72; Befotd, Berg. maniiftr. 96; Fest, Hollmannstr. la, l; Palm*, Andrealftr. 17, Hof D; Schulz, Britznstr. 42; Witte, Möckcrnstr. 95; Jakob, Ackerstraße 71; f«n« am Sonnadmd Abend auf dm Zahl« stellen de« Verein«, sowie an den Wochentagen von 8% bis 9% Uhr Abend« und am nächst«! Sonntag Vormittag von 9 dr« 11 Uhr, im ArdeltSnachweiS de« Verein«, vliimenstr. 56. — An der Kaste der„Beiliner Reffourcc" w«dm keine Billett aufgegeben.— Di« ordmtltche Generalversammlung de« Ver« ein« sin sei am Dienstag, den 19. Oliober, Abmdt 8 Uhr, in Jordan'« Sa'on, N ue Grü islr. 28 statt Aachvrreia der Schroffer und BerufSaenossen. Sonnadmd, den 16. d. Mt»„ Abend« 9 Uhr. in Gratwell'« Bivhallen, Kommandantmstr. 77/79, Versammlung. Taget- ordnung: Vortrag üb«„Der deutsche Wandertiiev im Lichte der Geschichte und Poesie". Dikkusston. Aufnahme neu« MUglieder. Verschiedene« und F.agekasten. Gäste will- kommen. Rattonale K-anken- nud Sterbekasse der Droschken» kntscher und anwandten Beruftgenoffm(@. H. 75), örtliche Verwaltungtttelle Berlin- Donnerstag, den 14. Oftober, Abend« 10 Uhr, Mitglied« sersammiung'.n Gratweil'« Bt«. hallen. Tagekordnung: 1, Neuwahl de« Vorstandet. 2. Neu- wähl d« Revisoren, iowle Wahl von Krantmbesuchun. 3. Ver- schtedene«. Da« Quittungsduch legittmirt; ohne dasselbe. oder ohne Bescheinigung desselben, ist der Eintritt nicht ge« stattet, Verein Berliner Mechaniker. Donnerstag, dm 14. DI# tober, Abend« 8'/« Uhr, im Restaurant Götze, Alte Jalod- straße 128, Vortrag de« Herrn Professor Dr. Bemet über: „Dtt Einrichtungen v« intnnationalm Maaß- und Gewicht«» dureau« in Pari«." Gäste willkommen. Ja der freireligiösen Gemeinde spricht am nächstm den 17., Vormittag« 10 Uhr. Rosenthalerstraße 38, Amttila. Europa. Asten.. Australien Afrika Zunahme M'ilen Prozente 104 6 6 9935 4844 2842 41 772 13 088 2852 2642 1233 40,6 12 5 28 8 545 43.4 Sonntag, Herr Schäf« üb« da« Fühlen und Denken und dcrm Har- monistrung. Zutritt steht J-dem fiel.— Am Montag Abend 8'/, Uhr findet Riedetwallstraße 20 eine deschtkßmde Versammlung der Mstgli-der statt. Der veerdtgnngsveretn Berliner Zimmerlente be- geht sein ditsjähiige« Sttftungtfest am 16 v. M. in Kell«'« Salon, AndreaSstraße 21, mll Konzert, Gesang und Ball. An- fang Admdt 8'/, Uhr. Gesang-, Tnrn« nud gesellige Vereine ,c. am Doenersta ,. Männe: gesingvttein„Läillta" Admdi 9 Uhr in Vittir.'s Restaurant, Veleeanenstr. 19.— Männergesangoerein„Jugmd- lust" Abend« 9V: Uhr bei Best«, Groß« Hamdmq«str. 4. — Schäferscher„Gesangverein d« Elfer". AdmdS 9 Uhr bei Wolf und Kiüg«, Sialitzerstr. 126, Mustk.— Tur-eve ein „Hasenheide". 2. Lehrling« abtheilung Abend! 8 Uhr Dieffen. bachstraße 60/61.— Mustk Di'ettantenvnein„Glocke" Abmd« 8V# Uhr Friedrichsdttgnstr. 10.— Rolle.'scher Stenographen» Verein„Alt Cölln" AbmdS 9 Uhr Wallftraß« 20 bei Leon- Hardt.— Verein ZiehÜe'sch« Tantschül«„Ti*oIte-n»." Abend« 9% Uhr im Restaurant Poppe, Ltndenstraß- 106.— Rauch- klub„Kemspitze" Abend« 8V, Uhr im Restaurant Holzmarkt- straße 44.— Rauchklub„ürcona" Abend« 9 Uhr bei Brandt, Forsterstraße, Ecke der Reichmbngerstr.ße.— Rauchklud „Morginröche" Abend« 6'/, Uhr im Restaurant Kram«, Vet«anenst!aß« 6 Wien, 11. Oktober. Eine freie Versammlung d.i kauf- männischen HUfSardell« war für gestern Nach-nUtag in der Volktballe de« neuen Rathhaufe« anberaumt. E« hallen stch etwa 1200 kaufmännische Hilfsarbeiter eingesunden. Du Ein« berustr, Herr Rtiier» begrüßte zunächst die Velsamrniung und legte dm Zwkck dttselden in kurzen Zua-n dar. D.? Regt« luvg der Kündigungsfrist, der Krantentaffen und der Sonn- tagtruhe sollen da« Thema der Verhandlungen dilS-.n und die Lage d« AngcsttlliiN verbeffem. Redner fordert die Anwifen« den zm Bildung de« Bureau« auf und schlägt eine Kandi« datmlifte mit Herrn P ründl alt Vclfitzend-m vor. AlS ein Vertreter d« antisemittschen Partei diesen Vorschlag bekämpft« und sagte:„hnr Reiter ist einer derjenigen, die im Kaufmännischen Vereine gegm die Sonntagsruhe agttirm," da er« hob stch mll einemmale ein Tumult, d« bis zum Schlüsse der Versammlung ununterbrochen währte. Dir Majorität tief: ..Rdtretm I"„Schluß I" und ließ den Redner nicht weit« zum Worte kommm. Schließlich gelang e« dem Einberuft: nach viel«. Störungm und U terbrechungin, die Abstimmung vor- nehmen zu laff.n, wo.euf die List« d« ,,Rcir«.Par:ei" mll überwiegend« Mehrhell angenommen wurde.(Stürmisch« Beifall der Majorität, Zischen d« Antisemlle-'.) Die V«- handlungm nahmen von die-em Momente an ntuerding« einm stürmischen V«lauf. Sin R-dner deantragte, dt« Versammlung möge den Abgeordneten W adetz, Meng« und Leon, weiche tm Parlamente Anträre eingebracht haben, dnen r*. sitze gegen die Kommt« gnichtet'sei. ihr Mißtiauen und ihre E- trüstung ausdrücken.(Lärm.) Al« vi- Ruhe einigermaßen mied« her« gestellt war, sagte ein Redn«, man mbffe e« ablehnen, Di«- tusstonen über ParlamentS.Angelegenhetten zu führen.„Wir find," sagt et,„nicht gekommen, um Abgeordneten ein Miß- trauen auszusprechen, sondern die Vorarbeiten«it Konstitut« ruvg de« GehilfenauSschuffe« vorzunehmen."(Lebhaft« Beifall.) Ad.-rm.al« trat ein Anhänger de: GegiNpart-i auf, um geuen die E ndnufer der Vnsammwng und gegen den Kauf. männischen Verein zu polemiiirrn. Ad-r schon nach den ersten Sätzen wurde er mi! den Rufen:„Schluß!"„Abtreten!" und „Zur Tag�o-dnung!" unterbrochen. D« Skandal ging von neuem lo«, und d« anwesende Poltzellommiffar löste schließlich die Versammlung auf._ vermischtes. Amerikanisch. Landdefitz» im Westen vnsuchm alle« Mögliche, um Etsenbahngesellschaften zu veranlaffen, ihre Linien so nahe al« möglich an ibren respektinen Grundstücken vorbei- zuführen. So tam eine« Taa«« ein Mann zu dem J.rzenieur einer in Kansas im Lau begriffenen Bahn und tbeilte»hm mir, er habe auf seinem Grund und Boden eine Stadt angelegt, dieselbe Chicago genannt, und er sei fest übrneugt, daß da« reue Cz cago die Gartenstadt bald übe:fliio«ln werde. „Nebendei", schloß der Mann seine Red«„find Sie. dann der Erste am Platze und können iür Ihre Bahnhöfe, W"istätten, Schuppen rc. die günstigsten Plätze au»su»en."—„Wie groß ist denn schon die neue Sta 4?" fragt« der Ingenieur.—„Hm, noch nicht sehr groß, ad« ste macht stch schon."—„Wie viele Häuser hat denn die Stadt?"—„Nun, um die Wahrheit zu sagen, Häus« stehen üdnhaupt noch keine da. od« ich bin «btn dabei, einen Brunnen mit ausgezeichnetem Trir ku-aff« zu graben." Die Ursache de« Erdbeben» in Charleston wird von einem ameritautschen Blatte in kolgend« Ausführung ge- geben:„Jetzt wiffen wir, warum CharleSton von einem Eid- heben heimgesucht wurde. Da« laufende Jahr begann an einem Freitag, wird an einem Freitag schließen und Hai 53 Freitage; vi« Monate in diesem rmgllickseftgen Jahr« haben je fünf Freitage; fünf Neumonde fall«! auf d.-n Frei'ag und ver längste und kürzest« Tag de« Jahre« stad Freitage. Was läßt stch auch Gute« von einem solchen FreUazSjahie er- warten?" In eine« Znstande de» größten«nfrnhr» befand stch am 7. Oktod« die Stadt Delhi(Ostindien). Ein Hindu hatte ein F«kel in d« Dschumna MaSvschid angebunden, und diese Entheiligung der Moschee führte zu einem Krawall, in dem mehrere P-rsorm getödtet wurden. Eine graneuerregeude Hinrtchtvng fand, wie die Peterbdurg«„Rowoje Wremja" d-richtet, in d« oststdirischen Stadt Wladiwostock statt. Der Chinese Wan-Wan-Zun wurde wegen Ermordung und Beraubung de» Dien«» de« Arzte« Dr. Feizin öffentlich durch den Strang hingerichtet. Al« der Delinquent vor den Galgen gebracht wurde, begann er in chinefisch« und russtscher Sprache zu schmähen und gegen seine Hinrichtung zu protestiren, indem er««langte, wt,>en seine» Verbrechen» nach d« Insel Sachalin verbannt zu werden. Al« die Soldaten und Gendarmen dem Delir quenten einm Sack üb« den Kopf warsm und ihir so am Schreien verhindern wollten, riß« dm Sack herab, wirf stch auf die Erde und schlug der au mit Händen und Füßen um sich, daß alle Stricke, mll dmen n gefeffelt war, auteinander riffen. Nun wollte Wan-Wan-Zun davonlaufen, die Gendarmen schlugm ihn ab« mit den Säbeln nird«. Mit groß« Mühe brachte man den rasmdm Delinquentm zum Schaffot und mit noch größer« Mühe legt« man ihm die Schlinge um dm Hol«. In dem Augenblicke ab«, alt da« G«üste unter dm Füßm de« Delir quentm weggeschoben wurde, riß letzter« die Schlinge vom und fiel unt« dm Galgen. Er mußte da« Gerüst« gehoben und in die Schlinge „. diesmal adir kam ihm die Schlinge unt« den Unterkiefer zu liegen. Infolge de« jähen Ruck« und Druckt d« Schlinge aus dm Unterkitf« biß er stch die heraushängende Junge mizwei und begann fürchtttlich zu schreien, währenv ein >lrom fowarzm Blutet au« dem Munde quoll. Die So! datm mußtm abnmal« die Schlinge„richten", um ste um dm Hai« de« Deltnqumtm zu legm,«elche Arbeit üb« eine halbe Stunde in Anspruch nahm und einen schrecklichen Anblick gewährte,»l« endlich der Delinquent am Halse Höngen blieb, zappelt«« wieder sehr lange, di« er starb. Der d�bezügl�e Bericht de« genannten Petersburg« Blatte« schließt wöttltch folgendnmaßm:„Die Szene war so schrecklich. daß zwei»«zte und einige andere Personm in Ohnmachi fielen, indeffm unterhlellm stch mehr«« Damen, welche vor Halse herab abermal« auf aelegt»erden; der ganzen Menge standen, d'.>-art angenehm, al« ob nicht« g* scheben wäre!..." Ja der That ein grauenhafte« B'.lb dn „Kultur" de« neunzehnten I jhrhvmdert«. Ell» Mesenktnd. Kürz ich«schim beim Kreil pfystkul Dr. Tacke in Wesel ein Elternpaar au« Jffelbmg, um ihr» Mona e alle« Söhnchen, welche« körperlich ungewöhnlich stau entwickelt ist, untersuchm zu laffm. Da« Kind«i-g», wie W« „Düffeld. Ztg." mittheilt, 25 Kilogramm, bat 72 Z-nttmetir Brustw-ite, also fast die eine««wachsenm Mmschen, und ist 99 Z.'ntimenter groß. Nach dem Urtheile von acht Aerztm ist der Knabe vollkommen gesund, mit regelrechtem Schädel und de Sigt stch ganz frei. Der Fall soll der medizinischen FakulrA mitgeiheilt weiden, zu welchem Zwecke da« Kind auch photo- ge-phirt wurde. Kleine Mittheilmtse». Jnntbrnck, 9. Oktober. Heb« den, bereit« in Nr. 231 unserc» Blattet gemeldeten Brückmeinstmz auf d« Gifelabah» wird weiter berichtet: Wenn man roi Wörgl gegen Hspfgarteil fährt, so durchbricht die Bahnlinie mittel« einrS Tu-mell, nachdem man die weite Ebene von Lenkmthal dmchfahrcr, einm jch-nalrn Porphyrriegeh d« mll dem gegenüb«lieg«ndei> Jtierer Berge wie zwei Kouliffm da« Thal plötzlich abzi» fchließm scheint. Urimitteldar hinter jenem Rieg«l, et« anderthalb Gehstundm von Wörzl, betritt die Bah?', nachde» ste dm Turne! v«loff muß man daher die Rettung de« Zugführer« Scharfelt« de« Gffe« zmück... Gr kommt nicht. Die«ranke lächelt, fie träumt von Zugend und Glück. Zeh« Zahre find e« h«, da führt« sie der Gaste heim. Ach, wie war« so schön, der Lenz dn L ebe... Sie betete» einand« an und hatte« nur Neider. Man be« beneidete de» Man« um die Frau, und die Frau um de« Man»... eigen« Erfab'ungen»«fügen. Ihrem Werth« nach am ge- lingsten»Schten wir diejenigen Spezialisten erachten, deren Siubiciigang fich nur dadurch von demjenigen and««»«zte unterscheidet, daß fie da» Glück hatten, ein bii zwei Fahre an irgend ein« Klink« od« einem Hospital al» Assistenten thättg zu lein, 05« die gar nach längerer, wenig erfolgreich« Privat- praxi» ein bis zwei Semester g«etst find, 0. h. an einer großem Hochschule«ourse für ein Sonde, fach genommen haben, um mit dem Titel Spezialarzt rasch« vorwärts zu Wimen. Diese Herren wissen zwar meist recht gut, wa« ihre dnühmte.i L-Hr« im Einzelfalle zu thua pflegen, fie suchen fich ar-ch durch regelmäßige Studien d« Fachzeitschriften auf dem Laufenden zu«hasten, kennen stet» die neuesten gezm diese» und jene» Symptom oder Hebel empfohlene Mittet— aber fie find shrer Mehrzahl nach Routiniers, Schadlonenarbeiter, denen eine tief«« naturwissenschasUtche und medizinische Ausbildung abgeht, die demnach auch gar nicht in der Lage fiod, ihre eigenen Erfahrungen kritisch zu fichten und zur Besserung ihrer ferneren Thäftgkrit erfolgreich zu verwenden. Wir geben gern Ausnahmen zu, ab« für die Mehrzahl dürfte uns« obige* Urthril kaum zu hart genannt w«den. Bewei» dessen ist die häufig gemachte Erfahrung, daß die Leidenden selbst in irgm» ernsten oder langwierigen Fällen, nachdem fie lange Zeit crfolzloS von diesem Spezialisten behandeft worden find, schließlich doch einer d« höheren Klassen von Fachärzten an- Keimsallen. So viel üb« die Werthstellung der ärztlichen Spezialisten! Wie steht ei nun ab« mit der eigenen Wnihschätzung oder prosaischer ausgedrückt mit den Honoraren, die bei Einzel« oder gevietnschattlichn Berathuna gefordert werden? Hier zeigt fich die Achillesferse de» Spezialistenthumi! Für un» aber, die wir den berechtigten Ratzen d« großen Massen zu oertreten haben, ist in den Honorarverhältniffen der Fachärzte Veranlassung gegeben, der auf diesem Gebiete vorherrschenden Richtung ein entschiedenes„Halt!" zuzurufen und die Aerzte selbst an einen allgemein anerkannten volkSwirthschastlichen Grundsatz, nämlich daran zu erinnern, daß da» Entgelt zu? Leistung in einem angemeffenm Verhältntß sieben müsse. Et ist allgemein Sitte geworden, daß der Facharzt für seine Dienste sine größere Belohnung in Anspruch nimmt, alS der HauSarzt oder praktische Arzt in wkst«em Sinne für genau dieselbe Dienst. leistunq fordert. ES fragt fich nun, od diese Sitte innerlich berechttgt ist. Die Antwort wird nicht anders al» bejahend lauten körnen, wie auS nachstehenden Beobachtungen«hellt: Unter allen Fachärzten haben unstreitig die Professoren, mSbrsondere die Ktiniter unter denselben, die meisten Opfer an GeHetaebeit, Zeit und Gel» bringen müssen, ehe ste auf ihre Posten berufen wurden,«ei dem ausgedehnten Mitbewerd und V« beschränkten Stellenzahl ist e» nur wenigen, die fich durch wssenschastliche Leistungen, Au! findung neu« Unt«. svchung»««der Behandlungtmefhoden oder hervorragende praltische Tbatigkeit ausgezeichnet haben, gelungen, in diese oielbeneideten und angesehenen Stellungen einzurücken. Ab« auch die übrigen Fachärzte haben nicht ohne große Opfer fich ihre besonderen Kenntnisse angeeignet, mögen sie nun mehrere Fahre es!» Assistenten, oft unter beschwerlichen Verhältnissen, thätig gewesen sein od« nach bestanden« ärztlicher Prüfung unter Leitung bnübmt« Lehr« an großem Maintal fich au»> gebildet haben. Wir»ollen die für Sonderstudien gebrachten Geidopfer nicht voranstellen, sondern legen da» Hauptgewicht auf die geistige Arbeit, die zur Erlangung besonder« Fachkenntnisse aufgewandt worden ist. Da» Eraedniß dieser Grifte»- ardeii, d« Besitz gediegen« Fachkenntnisse ist da» Anlage« Kapital, daS fich verzinsen muß. Und da die» höh« ist al» bei einem gewöhnlichen praktischen Arzt, und da fem« die fachärztliche Hilfe, weil auf reich«« Erfahrung und größer« Hebung beruhend, besser und stch«« zu sein pflegt, so ist e» nur natürlich, daß der Facharzt sich höh« »«> chlen läßt al» der Arzt für Alle«. Ab« nun kommt die Klipp«! Bekanntlich kann eine gute Einnahme— und danach strebt schließlich Fed«-«zielt werden durch ein Geschäft mil vielen kleinen und mit wenigen guten Kunden. Wie in dm meisten Zweigen fängt auch der Arzt mit erstem an und bört mit letzteren auf;« steigert seine Forderungen in dem Maße, alL sein Ansehen in einem drsttmmlm«reise wächst. Nachg«ade ist eS nun dahin gekommen, daß manche d« gesuchtesten Fachärzte— namentlich für Operationen— Preise verlangen, welche zu det wirklich geleisteten Arbeit unbedingt nicht mehr im richtigen B-rhältniß stehen. Diese Hnren trösten stch selbst mit dem Gedanken, daß für Wied«eilanaung der G-sundheit kein Opfer zu groß sein könne, fie vttgessen aber, Ei» schöne« Paar I sagte man, wen» fie stolz vorbei« gingen Ab« dos Glück währte nicht lange. Der Knabe »<» fünf, da» Mädchen acht Zahre alt, da lernte et eine Schauspieleri» kenne« u*b mit dem Friede» war es vorbei. Ein« viclnmworbene Künstlerin, die ihn in ihre Netze zu bringen wußte. Sie war wed« schön»och häßlich, fie war nicht jung und nicht alt, in keine« Falle konnte fie de» Vergleich mit der Frau aufnehmen, welche im volle» Glänze der Zugend. Schö-Hett und Ehrbartett»inhetschri«... Doch brachte ihn jene in ihre Netze, doch konnte fie dieselbe» immer fest« zusammen, ich». Und eine» Tage« erklärte der Mann seiner Frau rundheraus, er wolle fich von ihr trenne», er liebe fie nicht mehr, er gedenke di« andere zu hm#». Di« Frau ab« liebte ihn und klammerte fich mit aller Kraft � Sguf«bitttrter Kampf gegen die Rivalin begann, ei» Kampf voll»uftegungen, voll Pein und Qual, ei» Kampf MMzS Lt."'"*!& u« 5UT. N M" s Wird er fie nicht in dies» ernsten Stunde» um Verzeihung bitte»? Wird er nicht«och einmal ihre Hand ergreif», daß ein inner« Widerspruch, ein grob« Verstoß gegen die Grundsätze einer geläuterten Humanität darin liegt, dm» Kranken da» höchste Gut, die Gesundheit, wiederzugeben und ihn auf der andern Seite tief in seinem Vermögen, seinem wtrthschaftlichkn Bestand? zu schädigen, daß die gewährt« Wohllhat durch solch ein V erfahren in ihr Gegmtheil verkehrt wird. Wenn z. B. ein Facharzt für daß H«au»schneidm d« Mandeln, eine Operation, die von den Geübten mittel» eine» besonderem Werkzeuge in wenigen Minuten a«macht wird und mit keinerl i Gefahr verbunden ist, 90—120 M. und für jede» galvanokaustische Brennen 10—15 M. von wenig bemittelten Leuten beansprucht, so wird wohl Jedermann die Habilligkeit einer solchen Foidttung einleuchten. Ja, wir könnten leicht Beispiele in Menge anführen, daß für eine Amputation, di« Entfernung einer größer» Geschwulst, eine Slar Operation, einen Bauchschnitt, einen Steinschnitt und dergleichen Opera- tionm, die von dem G üblen vielleicht in einer halben dt» ganzen Stund« auSgelührt werden, einschließlich einer zwei» bi» dreiwöchentlichen Nachbehamlimg die Summe von 1000 di» 3000 M. gefordert und von dem Kranken lhetl» au» Dankbar« keift theilt au» Anstandsgefühl, theil» au» Zwang auch wirklich gezahlt worden ist. Handelt e» stch um i hr vermögende Kranke, welch« b.» sondere Sorgfalt und Lufmerkiamkett vom Arzt« gefordert Hab» — nun, so mag stch die Dankbarkeit auch in hohen Zrhl'N au*» sprechen. Ab« wir erachten c» für eine schwere Bern ögen»» schädtgung, für eine gewiffenlose Hedeivorthetlung und für die schnöde Autbeutung ein« Nvthlaqe, wenn der Arzt von klein«» od« doch wenig vermögenden Leuten solch' ungeheuere Beloh» nungen fordert, und wir halten e» für eine dringend« Pflicht der Presse, solchen übertriebenen Ansp üchen gegenüber»t« schieden Stellung zu nehmen. E» fragt fich nun. wie fich die Leidenden gegen ungemessene Honorarfad runzen schützen können? Im EcwerbSleb» ist«» allgemein üblich, vor Abschluß eine» Geichift» nach dem Preis« zu fragen: Aerzten gegenüber gilt es, wenigsten» in Deutsch» land, nicht für besonder* taktvoll, dergleichen vor ein« ärztlieden Rathertheilu- g zu thun. Der Krank« üdergiebt also nicht blo» seinen Leib, so dem auch seinen Geldbeutel dem Arzte, dessen Behandlung er nachsucht. Wehe ihm, wenn er einen gewissenlos» Mensch n getroffen! Am Wohnort« de* Arzte* ist*# bekannt, nicht blo», welch» Grad von Sorgfalt derselbe sein» Krank» zuwendet, welche Erfolg« seine Kuren haben u. s. m, iondern auch, od er im Punkte d« Bezahlung zu d» Wohlwollend», die Verhältnisse Bttückstchtigenden, od« zu den rückstchtsloS Hebersordernde a gehört. Der Kranke, welch« einen Facharzt auf'uchft wird also stet« gut thun. sich üb« diese Punkt« an Ort und Stelle— nicht bei Gastwirthen, welche oft au» ander» Gründen loben oder tadeln— sondem bei zusellä!stg«n Angesessenen zu vergew ffern oder mit dem Hautarzt Rücksprache zu nehmen. Natürlich sind wir wettent» lernt davon, bei gegeben« Aukwahl den Mindestkordemd» für den ErvpfehlcnsweUhesten zu erackten, denn Güte und Billigkeit stehen oft in umgekehrtem Verhältnisse. Wir empfehlen vielmihr denjenigen, der, obwohl tüchtig, keine übertriebene Gegenleistung beansprucht. Ein zweite» Schutzmittel besteht darin, daß d« Kranke beim Eintritt in eine Krankenhrilanstalt diejenige Verpflegung». klaffe wählt, welche seinen VermSgenkverhältniffen entspricht, und dem Arzte letztere offen darlegt. Denn diejenigen, welch« fich mit ausgeprägten Ansprüchen anmelden und gleich beim Eintritt fich so zu sag» auf den Geldsack setzen, müssen e» stch selber zuschreiben, wenn st« nachträglich auch für dt« ärztlichen Dienstleistungen tüchtig zablen müssen. Fn den meisten Sranlmhäiisem werden die Kranken dritt« und vl«t« Klasse ärztlicherseits umsonst behandelt oder doch gering belasteft Da» dritte, wenn auch unangenehmste Schutzmittel besteht in Verweigerung der Zrh ung solch« Entgelte, welche nach Rücksprache mit dem Hauiarzle oder andern urtbrti* fähigen Personen alS entschieden übertrieb» bezw. dm V-rmög»»« Verhältnissen nicht entsprechend zu bettack?» find. Dieser Weg wird au« Zartgefühl oder Furcht vor Nachrede selten betreten, ist in der That auch möglichst zu vermeiden, aber schließlich die einzige Nolhwehr gegen Aerzte, welch« fich nicht scheuen, ihre Stellung und ihr Ansehen zu eigener unangemessen« B«eich«. rung zu mißbrauchen. Nach unserer deutschen Gewerbeordnung ist der Arzt aller« Vings Gewerbetreibender. Unabhängig vom Staate, wenngleich von demselben in seiner wissenschaftlichen Stellung ausdrücklich anerkannt und gewtssttmaßen gegen unbefugten MUdewerb geschützt, kennt er in Bezug aus BnufSthäligteit nur die «och«in», eine» einzige«, de» letzte» Kuß auf ihre Lippe» drücke»?... Unglaublich... Und bei rem geringsten Geräusch erbebt die ganze Gestalt und die blässen Lipp» flüstern erwartungsvoll;„Er kommt." Aber et kommt nicht. Dafür kommt ei« Andern und pocht mit knöchernem Finger an di« Thür.... Em kalter Lufthauch weht durch da» Zimmer.... Die Lawpe flackert trüb« auf.... Ei» Röcheln»tringt sich der Brust der Krank» und zum letzt» Male sinkt ihr Haupt zurück.... St« ist todt. Z» d» Theatttkreise» der Hauptstadt giebt e« eine große Aufregung. Di« Theater-Habltu�t reklamir» eilt« ihr« Bellet» für die nächste Premiere. Such die Baronin X, di« Generali» B. und wie fie alle he>ß», die Log»- abon»»ti»»e», werden stcherlich nicht fehle». El handelt fich auch um nicht« Geringe». Fräulein 3., die auiqezetch- »ete KünflUti», von der e« stadtbekannt ist, daß sie eben eine arme unglückliche F au in d» Tob getrieben hat, soll eine neu« Rolle kreirem Aber die Erbitterung der ganz» Stadt wird fie von der Bühne feg».... Die Ttud»t«n rüsten fich zu einer große» Demonstratio»... Sie wolle» Fräulein Z. auspfeife«, wen» sie die Bühne betritt. U»d wer wird ihn» nicht sekundire»? E» wird ein» Skandal gebe», bei dem Niemand fehl» darf... Der P-lizeichef beordert schon am Morgen ein paar Dutzend Polizist» für den Abend in das Thcat«... Di bangt den Autor um fei« Werk; er ficht e» durch di« Demonstratio» bedroht; dann brauch» die Titelrolle ein« ganze Schauspiel«», die durch Privataufregung nicht ei»a»omm» ist. Kurz, er bittet die Direktion, die erste Aufführung seine« Siücke» zu verschieb». Di« Direktion greift mit beiden Häad» zu. So ist der Skandal glücklich vermieden. Man sitzt für d» nächst»» Tag«in andere» Stück an und verständigt die Mitglieder von der Veränderung. W« kennt aber nicht Schranken, welche da» Gesrtz jedem Lüraer zieht, und die- jenigen, we'che die Mttdrrvelder ihm aufzwingen. Aber e» gtebt in allen deutsckm Staaten ärztliche Belohnungssätze, niedrigste, mittlere und höchste, für die verschiedenen Srztlteben Dienstleistungen. An vielen Orten haben auch ärztliche Vereine örtlich glltig« Sätze festgesetzt. Leider find jedoch darin viel« besondere Leistungen nicht aufgeführt. Auf Grund dieser Sätze und in Zweifelsällen auf Grund d«S Urtheiltz von Sachverständigen entscheidet dai Gericht, stets unter Abwägung der ärztlichen Leistungen und der ZahlungSfähigteit d«S Kran- km, falls der«rzi wegen ZahlungSoer Weigerung gegen diesen gerichtlich vorgeht. Wir empfehlen diesen Weg nm im dringendsten Nothfall, aber dann nochsrücklich, wenn eS dem Aranken nicht gelingt, auf gütlichem Wege unter Darlegung seiner VermögenSver- hällniffe, stch mit dem Arzte auieinandersetzm. Gelderwerb ist ja für den Geschäftimann die tägliche Losung.— Möge aber der Arzt der cdealen Seite seines Hoden wiffrnschaftltchen und menschenfreundlichen Berufs im Erwtrdidrange nicht untreu werden, möge er seinen Pfleaebefohlenen nicht dloS geistig und körperlich nützen, sondern sie auch in ihrem Vermögen nicht ernstlich schädigen. Erst dann wird er den Pflichten und Auf- gaben«ineS HeilkünstlerS, einet Menschenfreundes und Wohl- tdäterS der leidenden Menschheit richtig nachkommen und seinem Stand« daS hohe Ansehen bewahren helfen, in welchem der» selbe von Atters her bei Christen und Heiden steht. zokale». Der Bedarf a« kleine« Münzen ist noch immer viel- fach ein so großer, daß er in zahlreichen Fällen und namentlich an den LöhnungStagm nm unter Schu-terikleilm gedeckt werden tarn. Die Inhaber von Werkstätten, m denen am Sonnabend die Lohnzahlungen stattfinden, haben gewöhnlich eine bestimmte Anzahl von Inhabern kleinerer Detailgeschäft« und Destillationen rc. an der Hand, bei denen sie im Lauf« cd Taget die erforderliche Summe an kleinen Münzen ein- wechseln und dies: kleinen Münzen lehren gewöhnlich auch bald und zum größten Theil wieder an die Kleinhändler zurück für die Entnahme von Ledentbedürfnissen durch die Arbeiter- samllien, so daß stch hier im Lauf« der Woche ein Münzen- umlauf in einem ziemlich«naen Kreis« vollzieht. Ist dai Ein- wechseln hier auch für die Juhaber von W Nastätten lästig, so ist et doch immerhin leichter zu bewerkstelligen, alt bei der Autlöhnung von Arbeitem, die nm vorübergehend in größerrr Anzahl in einer bestimmten Gegend ar- betten. Hier kommt«S oftmals vor, daß der ver- diente Lohn beim Mangel an kleinen Münzen in der Weife gezahlt wird, daß zwei oder drei oder gar noch mehr Aibeiter an einem g'ößecen Münzstück partizipiren. Die Theilung unter den einzelnen Lerechltgten kann dann gewöhn- lich nur dmch die m-nschenfreundliche Vrrmittelung deS nächsten BudikerS«folgen und et ist ja bekannt, daß da« Faztt der TheilungSrechnung in diesem Falle kein streng rechnungsmäßige» mchr bleibt, weil nun einmal solche Münz- stücke eine starke Hinneigung zm Kaste d«S Budlter» haben. Diese Schwinigleilen zeigen fich namentlich bei Autlöhnung der Arbeiter, welche auf den Neubauten beschäftigt find, ab« in entfernteren Gegenden wohnen. Er sollte deshalb von den Prinzipalen darauf Bedacht genommen«erden, den Arbeitern den»«dienten Lohn einzeln und gesondert auszuzahlen. Da« Agio, welches für die Umwechselung rrford«ltch ist, stellt stch bei den Prinzipalen in jede« Fallt niedrig«, alt wenn der Arbeiter diese Wechselung bewirken muß. Sollte aber ein Mangel an kleinen Münzen die Ursach« d«S Mißstandes sein, so müßt« die Regiuung dmch Ausprägung neuer Münzstücke dem Uebel abhelfen._* Die S, Weiterung»- vauttn der Charlottenburger Wasterwerke am TenfekSfee(Grunewald) find beendet, so daß dieselben binnen kunem ihre volle LiistungSfähtzkett int- wickeln können. Obgleich jährlich Taufend« von Spazittgängem an dem«wähnten See rasten und stch dort der landschaftlichen Schönhetten erfreuen, so herrsche« doch im Publikum üb« dm Z veck jener großartigen Anlagm mtt dem weithin fichtbaren Fabrilschornsteine und dem malerisch am Ufenand gelegenen Dimstzebäude die verschiedensten Anschauungen. Die Werke an Teufeltsee haben mit d« Wafferverlorgung v«linS nicht» zu thun, fie vehm vielmehr nur mtt Charlottmdura, Steglitz. Friedenau. Wilmersdorf und den auf diesen T«ram» befind- lrchen Bahnhöfm, Billm u. f. w. in Verbindung. Welchm Aufschwung da» Institut genommm und»elch« Bedeutung dastild« für die genannten Ortschaftm hat. möge die Thatsach« «hellen, daß vor einigen Wochm der tausmdst« Anschluß d- h. die Verbindung der Haupileitung mtt dem betrrstmden Grund- stücke h«gestellt worden ist. Da» von organischen Bestand- tbeilen frei« Wastrr wird au» 16 Tiefbrunnen von 30 bi» 40 Metern Tiefe, also nicht de« TeuselSsee, entnommen, in einem Hiuptrohr gesommev und vermittelst ein« event. zwei« Druckpumpm von 75 Pf«d«kräftm in eisernm Röhren nach dm gmanntm Ortschaftm«ettergeführt. G.ößere Master- «servotre befinden sich in Charlottmvmg und Steglitz, an letzt««» Purit««gebt stch ew monumental« Thurm, in welchem ein«snnet, 2000 Kubikmeter haltmde« Reservoir Ausstellung findet. Auf diesem Thurm,«in« Zierde d« dortigen Gegend, wttd eine AusfichtSgalerie eingerichtet. vom Splitter und Balken. F-r d« SonntagSnummer macht stch da»„Deutsche Tageblatt" darüber lustig, daß vebrl und Sing« in DreSdm die bulgarische Frage besprochen und „hohe auswärtige Poltttt in Volks»«sammlungm treiben". In d« zwtttm Beilage derselbm Nummer zeigt aber da» die Gedankeulofizkett der Theater-Direkttone» s Zn dem aaberm Stücke hat Fräulet» Z. auch«w« große Rolle... Ma» macht«st am»ichste» Morgm n b« Theawkaazl« die Satdeckuag. Man ist i» V«- z-vrifluvg. Ma» eatsmdet einm Bote« an Fräulet» 3, ob fie wirklich unpäßlich sei, wie ma» sag«? Fräulei» Z. erklärt ab«, fie sei nicht urpäßiich, fie werde am Abe»d spiele». DaS Publikum kommt also«icht um da» Schauspul im Schauspiel. Das Hau» ist am Admd gedrängt voll, die „ganze Stadt' ist da und harrt gesvannt der Dinge, die da komme» solle». Wie fie zischeln u»d flüstern! Der Vorhang geht auf, da« Publikum achret ab«»icht viel auf die Vor« gänge auf d« Bühne, die Heldi« de» Lb«»d» tritt ja erst gegen End« de« erste» Akte« auf. „Wird fie i« Ohnmacht falle»?" fragt die Baro»i«. „Wen» d« erste Pfiff ettö»t',«ei»t der Rittmeister. „Oder wen» er»icht«rtö»t— fie ist darauf vor- berei'et." Eine»«vöse Aufregung hat da» ga»ze Auditorium«. faßt. Wie wird sie stch benehme»? Wie wird fie stehe« und gehe»? Wie wird fi« dn Entrüstung die Stirne biete»? Die wichtige Sz««e rückt immer»äher. Nu» wird die Dame gleich auftrete». Welche Pei» mag da» für fie sei» l Sie stellt stch freiwillig o» den Pranger! Die Mütter sage» zu de» Töchter»:„Seht Ihr fie? Hütet Such, daß Ihr»icht w«dtt so wie fie l" Ka«» et ei»« härter« Sttafe für ei« Weib gebe», als stch und seine Schuld so blotstelleu ,« müffen?!... Nu« ist die Szene da... Sie tritt auf. Sie hat gleich bei der Thür«i»ig« Wort« zu spreche», scherzhafte... Aber fi« spricht«icht. Sie macht einig« Schritte und tritt knapp vor die Rampe..... „Deutsche Tageblatt" an. daß Herr Cremer(!) am Dienstag, den 12. Ottober, in einer großen Bollsversammlung die bulgarische Fraae besprechen wird!! Wrnn der Unterthanen« verstand der Berliner Bürgel vereinler nicht zu beschränkt ist, um die bulgaris-te Frage unter Cremer'ich-'r Leitung zu di» kutiren, dann dürsten wohl auch die Dresdener Sozialdemo- traten da» Zeug dazu haben, um die„hohe bulgarisch« Poltttt" zu beleuchten. Sine ganz nnmenschltche Behandlung wird, wie untz ein Handwerter schreibt, den noch jugendlich:» Knaben zu Theil, welche zum Auttragen der„Wohnung», eitung" mgagirt «erden. Wie die übrigen zahlreichen Knaben(im Alter von 12 bi» 14 Fahren) so mußte auch der Sohn de» Einsende;» bei seinem Eintritt einen RrnrS unterschreiben lasten, in welchem stch die Ettern verpflichten, den Sohn gegen einen Wochen lohn von 2 Mark(sage zwei Mut) zum Austragen der„Wohnungtzettung" von 3 lnS 8 Uhr Nachmittags(also fünf Stunden) an»ubalten. Während der letzten Regentag« nun, wo an den Nachmittagen der Regen in Strömen vom Himmel floß, kam et vor, daß Knaben stch mtt der Erledigung ihre» Pensum» beeilt hatten und. durch und durch naß, vor dem Ablauf der Arbeitszeit zurühzek-hrt waren. Anstatt die armen Fungen nun nach Hause zu schicken, wurden sie unter Androhung von Lohnabzügen angebalten, noch bi»»ur Adsol- virung der festgrsetzten Arbeitszeit Zeitungen zu falzen. Roth» gedrungen waren denn auch die armen Bursiben gezwungen, diese Arbeit mit ihren bi» aus die Haut naffen Kleidern zu verrichten. Wie sehr die Gesundheit dieser Knaben unter einer derartigen Behandlung leidet, bedarf«st kein« AuSeinand«« setzung. Wenn auch wirklich dies« od« jener Knabe abgeht, so findet stch doch immer wieder Ersatz denn manchen armen Eltern ist mtt dem spärlichm Verdienst ihrer Kind« sehr gedient. Zar Kellneriavensrage. Auf die delannte Petition de» Vereins Bnliner Restaurateur« bezüglich der Kellnerinnen an da» Polizeiprästdium hat diese» nunmehr, wie folgt, geant- wortet:„Dem Verein«widert da» Polizeipräfidium auf die Vorstellung vom 11. August diese» Jahre» ergeberst folgende«: Zunächst kann da» Polizeiprästdium nicht Unterlasten, darauf hinzuweisen, daß dem Mrßvrauch de» Schankzewerde» zur Un- fittlichleit am wirksamsten durch die Schankwirthe selbst dadurch begegnet werden kann, daß soviel alt irgend möglich nur männliche Bedienung in den Restaurationen gehalten und die diSh« vielfach geübte Praxi» aufgegeben wird, durch da» Halten von Kellnerinnen den d«u,ffend«n vchanklolalen eine erhöht« AnziehungSlraft dem Pudlttum gegenüber zu vnfchaffen. Dem Verein kann daS Polizeiprästdium deshalb in erst« Reihe nur «gebenst empfehlen, unt« Wohlbeffelden Mitgliedern vor allem in d« vorbezeichneten Richtung im eigensten Fnt«este de» SchankgewnbeS zu wirken, und vermag daS Polizeiprästdium nicht anzuerkennen, daß. wie die» in der Vorstellung vom 11. Auaust de» Jabre» ausgesprochen, in dies» Beziehung von einem Zwange die Red« sein kann, welcher nach den odwalien- den Verhättniffen die Schankwirthe zum Halten weiblicher ve- dienung nöthige. Wal die in der Vorstellung vom 11. August diese» Jahre» ausgesprochenen Wünsch« anlangt, so wird e« de« Erlasses einer in ihr« rechtlichen Zuläistztett übrigen» nicht unbedentltchen Polizeionordnung, welche da» Halten von Kellnerinnen, die unter fittenpolizellicher Kontrole stehen od« wegen Ve-gehen gegen da» E-gmthum bestraft find,»«bittet, nicht bedürten, nachdem schon vor Eingang der Vorstellung vom 11. August dieses Jahre» die hieflgen Gast- und Schanlwirth« dmch die R-oiervorstände, unter Androhung der Einleitung de« Konzesston» EntziehungSverfahren», auf- aefordert worden find, die unt» fittenvolizeiltch« Konttote sichenden Kellnerinnen zu entlassen und solch« in Zukunft nicht mehr anzunehmen. Um ab» den Gast- und Echankwirthen die Möglichkeit zu gewähren, stch die zur Befolgung dieser Verordnung«forderliche Information zu verschaffen, find die Vorstände der Polizeirevt»« angewiesen worden, diese Information den Gast- und Schankwirthe» nach vorangegangen» gehörig» Legitimation zu ettheilen. Den Kellerinnen die Verpflictlung dmch Polizei Verordnung auf- zuerlegen, von der Polizei ausgestellte LegttimationSdüch«, welche da» Signalement, den Tag de» Ein- und BuStrttt» au« jedem Geschäft nebst flührung entHallen müffen. zu führen,«- achtet da» Polizeiprästdium nack Lage der Gesetzgebung für gesetzlich nicht zulä!stz. Nack§ 3 der Polizei- Verordnung vom 26. April 1881(Amtsblatt Stück 18, Seite 182) ist indessen bereit» jede Kellnerin, welche in«ine Gast, oder Schanlwirth. schaft dehuf» Bedienung der Gäste eintritt, gehalten, den G»st- und Schankwirthe» od« deren Stellvettretern alle zur Er- fülluna b» im§ 1 a. a. O. statuirten Verpflichtungen«- forderlichen Angaben der Wahrheit gemäß zu machen und denselben die über ihre P»son lautenden und in ihrem B-sttze befindlichen LegitimationSpapi«e vorzulegen. Hlermtt ist den Gast« und Echankwirthen, zumal wenn dieselben in d» Forderung der Beibringung von LegittmationSpapinm einheit- lich handeln, die Möglichlett geboten, vor d» Annahm« d» Kellnerinnen stch über deren persönliche Verhältnisse zu informiren. Königliche» Polizei- Piästdium. gez. von Richtio'en. De» i« Prozest Jtzrittg- Mahlow freigesprochene Schriftsteller Jen» L. Ltzrtftensen. der fett sechs Wochm in Plaum t. Voigil. inhaftirt ist, wird stch daselbst am Sonn- abend, den 16 d. M, von neuem vor dem Strairtcht« ver- antworten müffm. Die»hodene Anklage stützt stch auf die §9 11 und 19 de» Sozialistengesetz-». In vnschiedmen Blät- lern verlautete, daß Chrtstenim wegen Bndrettung sozialistisch» Flugdlätt» unt« dem Militär verhaftet sein sollte. Die» ist Todtmstill« herrscht im Saal«. U-gezählte Lorgnette« find auf fi« gerichtet. Alle« hält dm L-He« a». Da» gavz« Auditorium ist vo» ein» Art E»t- setze» erfaßt.... Da» mag da» Gefühl der Zuschauer ge- wese» sei», alt ma» i» d» römische« Arena dm wehrlosm Gladiator de» Tiger» u»d Panther» vorwarf.... Nim spricht fi«.... Klinge» die Worte wirklich so scherzhaft, wie et der Dicht» verlangt?... Da« gerade nicht.... Gleichviel.... Ob auch die Lippe der Schauspielern» zuckt, fie spricht.... Sie spricht i» ua befangenem To»«,«i»m Satz u»d«och eine» Satz.... Man hört Red««»d Ge« genrede ans der Bühne.... Ma« athmet aus....«S ist, ol» wälze sich ei»»lp vo« d« Brust d» Zn- schauer.... Kew Pfiff ertönt«.... D» Gladiator hat die Wüstmbest-e mit dem Zaub» seine« Blicke» gebannt.... .Wat sagen Sie dazu?' fragt die Baronin. „Sie ist ein« große Künstlnin," erwidnt bedeutungsvoll der Rittmeister. In ew» einsamen, stillm, dämmerigen Stube fitzm zwei Kivd« auf dem Sopha und hal,m«wand» die Hände. Sie hattm lange schweigend gesessen.... Nu» tauschm fie ihre kindliche» Gedanke» au«. „Papa kommt nicht," stüstnt d« Knabe. „Er ist bei ihr sagt da« Mädchm altklug. »Wer ist sie?" fragt d» K-ad«. „Sie ist eine Künstlerin."»widet da» Mädchm. Die Kind» schweigm wied«.... D-r K»ab« dmkt darüb« nach, wo» eine Kü»fll»in sei.... Ab und zu drw. ge» dumpfe Ham«»schläge in die Kindnflub«.... Ew Sarg wird w diese» Hause geschloffe». «namau. Man giebt un» folgend« Darstellung de» Falle». Wahrend seine» Plauen« Aufenthalte» war der Angeschuldigte wiednhotten polizeilichen Haussuchungen unterworfen, dt« ab« nie ein Resul at zettigten. Eine» Abend», Ende August, befand « stch in einer auch von Soldaten besuchten Restauration. I» Verlauf« de» stch entwickelnden Gespräche», in welche» Christmfm hineingezogen wurde,«urdt auch der sozialistischen P-ooaganda und Pr, ff. Erwähnung getdan. Auf Befragen, ob man nicht Derartige» lesen lö.me, zog der Genannte eine att« Narnr»« de» Zürich« „Sozialdemolrat" au» der Tasche und überreicht« fie einer» d« anwesenden Soldatm. Kurz nachdem erfolgt« auf An- zeig« ein» den Borgang beobachtenden Person Christensm» B:rha>tung. Von ihm gestellte Anttäge der emstweitigM Frettaffung find abgelehnt wordm. Da von hi» Nutze» wiesen« durste außer sein» Braut Nremansm empfangen; selbst dazu hatte et vaschieden« Eingaben in Plauen und Berlin bedurft. Bcrei:» Dienstag Abend, also sofort nach Le» mdigung der G richttverhandlunz, trat Christensen in vo- olettung da polizeilichen Beamim Wied« die Rückreise nach Plaum an. Die Omnibusse dm Linie Potsdam» Brücke bis Frankfurter Linde« tragen jetzt an Stelle da gelben Schttder solche von rother Farbe mtt einem weißen Querstrich. Die Ae'derung d» Farbe ist nothwmdig«worden, um die Wagen von denen o« Linie Hallesche» Thor— Schönhauser Thor zu unterscheiden. Beide Linim gehen seit Beginn diese» Monat» von der Jerusalem;!« und Leipzigastraßen-Ecke bi» zum Schloßplatz durch dteselbm Straßenzüge, während früh» die Franlsurt« Linie über den Rolkmmartt gelittet wurde. Wen« ma« eine Bestell«»« macht, so soll man stch die Bedingungen immer schriftlich gehen lassen, sonst entsteh« sehr oft Unarniehmllchkeitm und Differenzen. Ein Restaurateur in d» Wilhelmstraße bestellte Ende Juni d. I. bei eine» Herrn, d» stch alt der Korkenfadrikant Hc. Setdel vorstellt«, 2000 Stück Wiißdierlork« unter der mündlichm Verabredung, den Betiag nach Verbrauch der Korten zu bezahlen. Seck» Wochen spater wurde indeß schon dt: qutttirte Rechnung prä» smtirt, und alt der Restaurateur stch auf die Verabredung de» rief, wurde ihm bedeutet, daß et den Fabrikanten nicht» an« geh«, wa« sein R eisender, denn dieser bade stch f. Z. alt He» Seidel vorgestellt, verabredet habe. Ende August wurde die Klage von Seidel einzelcttet und um nicht noch mehr Kostm zu haben, dezahlte der Restaurateur dm Betrag«an 15 R. Die bloße Klagezustellung hatte bereit« 4 R. 20 Pl. Recht»- anwalttiostm verursacht.— GeschäftSleure mögen also bei Be- stellunqm vvrstchltg sein I Ju de« Echnle« herrschen, wie bekannt, Verfügung«». nach vmm da» Ausbleiben jede» Kinde» bei ein einen Schulstunden od» an ganzen Schuttagm durch«wen Grund, der fetten» dn Eltern schriftlich einzureichen ist, entschuldigt wrrdar muß. Diese Zettel pflegen stch gewöhnlich dmch größtmögliche Kürze auszuzeichnen und in ihr» lakonischen Aafaffung die Lachmutlein der Lehr» resp. Lehrerinnen auf» h-lligste zu reizen. Kommt da neulich in ein« Kommunalschule(* verlin 0. ein kleine», blondiopflae« MäZchm, da» Tag» zuvor die Schule versäumte, an di« Lehrerin heran gekippelt, w der Witt vorgestreckten Hand einen Zettel, der nicht» al» die beide« Worte zeigte:„Wegen©liebeln". Uedung macht dm Meist» Da»„Fräulein" wußte sehr genau, daß der kleine vlondkovi kew genügende» Schuhwert für dm Schulbesuch sein genannt. Drastischer noch wirke ew and«« Entschuldigungszettel, de« eine Schülerin d» vierten Klaffe mtt«ichtiaer Mim« bot. war vom Vater geschrieben und lautete:„Kiapperstorch, ad.» dod." ..Gleiche« Recht für Alle." Unt» dieser Unt-rschrA «rhiel: ew hiestze« Blatt folgende Zuschrift:„Die Unsttte d« Herren, dm Slock od» Schirm derartig unter dem«rme z» tragen, daß jeder hwt« ihnen Gehend« Gelahr läuft,»* Gestcht gestoßen zu werden, ist durch die Preffe und da» Publikum, welche stch intgesammt dagegen auflehnten, W« wmn ich recht bnichtct bin, sogar unt» Mitwirkung der Polizei mdlich besettigt worden. In die Fußtapim dieser; H»rm ist nun leid» da» schön»« Geschlecht getreten! Dm« 1 bei vielen Damen scheint e» Mode geworden zu sein, ihre« Schirm qun vor dem Körp-r zu halten, so daß da» End« de» Schirme« weit üb» die Schuli« hinausragt, und jeb» un- aufmntsame od» turzstchttge Entgegmtommmd« auch hia BP lährdet ist, sein Augmlicht zu vnlinen. Sett Schreib» dieseS. gestern gesehen hat, daß auf dem Bahnhof Fried: ich Zraßt hindurch eine Dame ew« anderen mit dem Schirm in» ficht ki-.f, und dasselbe einem jungm Manne in d» Schütz»' straße passtrte, begegnet er solchen unvorfichtigm Damen o» seinem Stocke erfolgreich in d«selbm Weise. So Abhilfe G sch.ffen, dürfte da» eirz'a« Mttt l sein, auch»ziehend auf dir Damm einzuwirtm." Wir möchten dem hinzulügm. daß» doch wohl nicht dies« zuletzt angedeutetm draflischm W- lehrungSmclhode bedürfe, sondem daß die üderwiegmde Mehr- zahl d» Damm die gerügte, ttzeilS ungrazivse, theil» gefähk' lich« Mode auf ew« einfache Mahnung hw abzulegm sich** illen«std. Et»„falscher" Graf. D» HandlungSdiener Emil von hier» welcher unter dem Namen ewet G asen WUtzil« Württemberg verschieden« Schwindeleien verübt hat, indem wtdessndere Droschkmkutscher I. Klaff« um da» Fahr,. prellte, konnte zur strafrechtlichm Verantwortung nicht gezoi werden, da die GerichiSSrrte ihn für geisteskrank erach Er wurde daher in d» stadtischm Jirm-Anßait zu Da! untergebracht, benutzte jedoch eine Beurlaubung, um unter MaSk« eine» Kriminalkommiffar» oder eine» Ingen Sch öder au» Stettin neue Gaunereien zu verübm. Ge--.. wurde» durch zwei Krimwalfchutzieute w d» elterlichen W»' nung, die»eist öffrete, nachdem milHerbeiholung eine» Schlolfu' gedroht worden war, festgmommen und nach d-rJ:ren W. wied« auf den unteren Absatz d« Kolonnade g«eltet und rief hi« laut um Hilfe. Dieselbe wurde ihm auch von den gegen üb«Iiegenden Obstlähnen unt« Leitung eine» Schutzmann» zu Theil.— D« Berliner VolkSwitz ließ stch natürlich eine d«- arttg günstige Gelegenhell nicht entgeh». Al» der«ahn fich dem Unglücklichen näherte, ertönte von d« Brücke h«ab eine laute Stimme:„Laffen Se doch, Herr Kommiffar, der junge Mensch will ja man bloß Aale fangen." Dem Verbrennungttobe nur mit knapper Roth entgange« ist ein Dienstmädchen in Rtxoorf, welche» in bn Montagnacht beim Schlafengehen die Petroleumlampe auSzu löschm v«gtffen hatte. Im Schlaf muß fie dieselbe um- gestoßen haben, denn al» fie erwachte, stand da» Bett in hellen Flammen. Durch ihren Alarmruf war Hilfe glücklicherweise schnell zur Stelle, so daß da» Mädchen mll einigen leichten Brandwunden davonkam. Ran erinnert fich wohl»och, daß bei de« letzten Tegeler Regatta ein Boot lent«te und ein Mann dabei«- trank. Man«innert fich vielleicht auch noch, daß Sachv«- ständige d-mal» meinten, Schuld an dem Keniem sei die überkühne Segelsühmnq de» Besitzer». Demselben Boote ist, wenn d«„An,, f. d. H-vellanb" recht unterrichtet ist,«ied« ein Unfall zugestoßen. Da» Blatt meldet: Vorgestern kenterte auf d« Ob«havel in d« Nähe der städtischen Badeanstalt beim log. Schafstall ein Segelboot und sank sofort unter. Die Jnsaffen»«mochten fich sämmtlich zu retten, da d« Waffer» stand daselbst zur Zeit sehr niedrig ist. Da» v«unglückte Boot ist daffeld«, welche» bei der Regatta de» Segelklub» Tegel-See zu Ankang September umschlug, wobei ein jung« Kaufmann au» Bnlin«trank. Da» Boot ist gestern Vor» mittaa gehoben worden. Ueber ei««vglstckltche» Sreigniß- welche» am Sonn- tag in der Haupt-Kadettenanstatt zu Gcoß-Lichtnfelde stch zu» getragen hat, berichtet die„Kreuzzeitung" nachträglich wie folat: Ein Zögling, d« am Sonntag Abend ungefähr um zehn Uhr Sm Fenst« eine» Wohnaedauve» herautsah, vernahm ein wache»«immem und Stöhnen, welche» vom Exerzierhof zu ihm hnaufdrang. Schnell eilte« herunter und hier bot stch ihm ein schrecklich« Anblick bar. In einer Lache von Blut lag eine menschliche Gestalt; d« zerschmetterte Schädel, au» dem Blut und Gehirn d«vorquollm, lag auf dem gepflasterten Bo- den. Der Mondschein ließ die vnzerrten Züge deutlich er- lennen. Nachvem der Borfall gemeldet worden war, wurde ein Arzt herbeigerufen, d« jedoch nur den Tod feststellen konnte. Bi»»um Eintreffen der G«icht»beamtm mußten Soldaten Wache bei d« Leiche halten. Ob hi« ein Selbstmord od« ein Unglücksfall vorliegt, da» wird die eingeleitete Unter- fuchung ergeben. Wahrscheinlich ist d« Unglückliche, in dem ein Untttbeamt« der Kadettenanstalt«kannt worden ist, ou» einem Fenst« de» zweiten Stock««!» herabgestürzt. Die Leiche ist nach d« Leichenhalle de» Kadettenhause» gebracht word«,. In eine« Hanse de» Aurfürstendamme» hat vor- gestttn Nachmittag ein neunzehnjährige» Mädchen, die unoer- ehelichte Marie G., ihren sech» Wochen alten Knaben ausgesetzt. Sie wurde jedoch von Hausbewohnern bemerkt, von einem Burschen verfolzt und an der Ecke d« Lanbgrafenstraße festgenommen. NahrungSsorgen haben fie angeblich veranlaßt. stch ihre» Kinde» zu entledigen. Die®. wurde in da» Unt«. s a chun gsgefängniß und da» Kind nach dem Waisenhause ge- bracht. Im Louisenstödtische« Kanal an d« Königin-«rücke wmde gestern Morgen? Uhr die Leiche einer unbelanntrn, ca. 22 Jahre alten Frauentperson aufgefunden und nach dem Leichenschauhause geschafft. Aeußere Verletzungen waren an derselben nicht bem«lbar und liegt mutbmaßlich Selbstmord vor. Di« V«storbme hatte schwarze» Haar, trug Mantel, Kleid, Strcbyut und Strümps« von schwarzer Farbe, Leder« stiefel und goldene Obrknöpfe. Vielleicht führen diese Angaben zur Ermittelung der Person. Al»«och der Raubmörder Keller gesucht wmde, ward ein Mann, der ihm sehr ähnlich gesehen haben muß, wohl ein Dutzend Mal verhaftet. Kaum hatte ihn die eine Polizeibe. behörde entlasten, so griff ihn die and««; schließlich ließ fich ein Polizetvorstand rühren und stellte dem Manne in all« Form ein Zeugniß au», daß« nicht Keller sei. Dies« Mann gab fich bamal» für einen Schuhmachergesellen E-nst G'üttnn au». Er kann von Glück sagen, daß« so oft ungefährdet von der Polizei enilaffen worden ist; denn er wird von d« StaalSanwaltschast Kottbu» schon lang« wegen Diebstahl» steckbrieflich v«solgt. Sein richtiger Name ist, wie der„N. G. A." mittheilt, Friedrich August Jäckel au» Grödttzberg.— Da» Urtheil geqen Kell« ist übrigen« recht»trSftig geworden. Gemäß den Veröffentlichungen de» kaiserliche« Ge- s«ndhett«amt» find in v« Zeit vom 26. Sevtbr. bi» 2. Oktb. er. von je 1000 Bewohnern, auf den Jahresdurchschnitt bereebnet, al» gestorben gemeldet: in B«lin 26.6, in Breslau 30,9, in Königsberg 31,0, in Köln 28,1, in Frankfurt a. M. 20,2, in Wie». baden 16,9, in Hannover 36,0, in Kastel 8,1, in Magdeburg 29,0, in Stettin 21,6, in Altona 25,3, in Straßburg 30,6 in Metz—, in Münchm 30,8, in Nürnberg 82,7, in Augsburg 28,4, in Dresden 28.0, w Leipzig 19,0, in Stuttgart 23.7, in Karlsruhe 18,7, in Braunschweig 29,9, in Hamburg 30,9, in Wien 22 9. in Pest 52,2, in Prag 23,1, in Triest—, in Krakau 27 5, in Lasel 25,0, in Amsterdam 21.9. in vrüffel 31,5, in Pari» 21,0, in London 17,0, in Glasgow 21,3, in Liverpool 26,4 in Dublin 22,8, in Sbinbura 14,8, in Kopenhagen 30,4 in Stockholm 18,8, in Christiania 27,4, in St. Petersburg 22 9, in Warschau 32.8, in Odeffa 88.3, in Rom 21,1, in Turin 18,3, in Venedig-, in Madrid—. in Alexandria 48,7. Fern« in der Zell vom 5. bi» 11. Sept. er.: in New. Jork—, in PhUadelphta 198, in Baltimore 30,4, in San Franzifco—, in Calkutta 23.0, in Bombay 21 8, in Sterbl!chkeit»verhältnisse haben stch in der Bericht«. woche in dm meisten emopätschm, namentlich in dm deutschen Großstädten erheblich günstiger gestalt.t und wurden ziemlich St«blichkett»oerhältntßiahl«n gemeldet. A» Folge der vielfach Darml-tarrhen und Brechdurchfällen d« Kind« abgenommen, nur in w-ntgen Städten(Frankfutt a. M., Aacken, Mannheim, W tn, Best) stieg die Zahl d« durch diese«cankheit»formm heivorl erufentN Slnbefille.— Die Theilnahme de» Säugling». alter» an der Sterblichleit war in Folge deffen tn den meisten in München 162 Säuglinge. Auch Sterbefälle an akuten Eni- — Da» Scharlachfieber hat tn etwa» we. Die «an» besonder» in Hannever_ der Todesfälle eine Neinere wurde.— Typhöse Fieber bedingten in Hamburg. München, Magdeburg, London, Pari», Lyon, Warschau, Obeffa eine größ«e Zahl von Sterbefällen alt M b« Vorwoche, während leatere in Berlin, Pest, St. Pet«»- bürg etwa» abnahmen.— An Flecktyphu» lam nur ein Tobe». fall au» Pest und acht Erlranlungen au» dem Regi«ung«dk,i:k Marienwerd«, an Rückialltstiber 2 Erkranlungm au» Baltn, 2 Todesfälle und 8 Erkrankungen au» St. Prtertburg zur Mit- t Heilung.— An evivemikcher Genickstarre wurden aus Elberfeld und Kovmhagen je 1 Tod« stall, au» dem Regierungsbezirk Marien» werdn 2 Erkrankungen bnichiet.— Dem Kinddettfieber erlagen in London eine größere Zahl von Fraum.— Der Keuchhusten for derte tn London, Glaigow weniger, in Berlin, Pari» und St. PetnSburg die gl.ichr Zahl von Opfern wie in der Vorwoche. — Einzelne Pockentodeifälle kamen au» Hamburg, Danz'o. Brüffel. Warschau,— mehrfache au» Prag, Pari», St. Peter»- bürg, Alexandria und Wien, 42 au» Pest zur Miltheilun?. Auch wurden au» Berlin und St. Petersbmg je 1, au» Hav« bürg 2, au» Wien 8, au» Pest 152 Erkrankungen an Pocken gemeldet.— Die Nachrichten über die Chottra lautm im Allgemeinen günstiger. Neu aufgetreten ist die Evisemie in Szegedin. wo fie vom 4 bi» 8 Oktober 94 Erkrankungen mit 38 Todesfällen hervorrief. In Pest scheint die Epivemie in der Abnahme begriffen zu sein. Vom 19. bi» 25. Seplember «lagen d« Seuche daselbst 94 Personen; vom 25. b!» 30. September erkrankten 227 und starben 76 Personen; vom 3. bi« 8. Oktober warben nur 63 Erkrankungen und 30 Sterbe« fälle gemeldet. In Triest kämm vom 3. bi» 8. Oktober noch 69 Erkrankungen und 12 Sterbefälle zur Mittheilun». Ja Raab, Fiume und in dm angrenzend«! kroatischen Gibinen find nur wenige Erkrankungen und Todt»fälle, sett Ende Seoiember keine wetteren Erkrankungen vorgekommen. Auch in Jstrien, Dalmatim und in Gör» Graditca zeigtm stch Ende Sepiemb« nur vereinzelte Fälle. Auch in Nord- Italien dar die Epidemie ziemlich allgemein abgenommm. In BreSci», Piacenza, veraamo find die Erkranlungm leicht« Natur. Auch tn Süd- Jtalim geht die Epidemie ihrem Erlöschm enu gegen. Markthalle«- Bericht»,» I. Sand««», städtischem verkaufSvermittl«, Berlin, Zentral- Martthall», den 13. Ot tob« 1886. Ei«. Die Zufuhr an Eiern reicht nicht mal, den Bedarf zu decken, größere Zufuhren«wünscht, finden schnell Absatz zu 2,70-2,75 M per Schock. Butt«. Tendenz flau nm mit Mühe find noch nachstehmde Preise zu«reichen. Frische feinste Tafelvutt««. 125—130, few, Butter l. 115-122 u. 100-112, lU. fehlnhafte 85-95, Lindbutt« L 95-100, n. 85—90 M„ Galtzische und and«« gertnaste Sorten 55—72 M. p« 60 Kilo. «äse. Schweiznlase L 66-68 TL, n. 60-66« 10. 42-48 M.. Quadrat» Backstein I. fett 20-25 M 10. 10-16 M.. Limburg« t 30-36 SR., □. 20 M« 25 R., rheinisch« Holländer Käs« 45—58 M., O. Warna 36 M., echt« Holland« 65 TL, Ebam« L 60-70 M„ IL 56-58 R.. französisch« Neufchatell« 16 R. p« 100 Stück. Roquefort 1,20—1,50 vr. Pfd. Wild. Rehe 60—75, Hirsche 20—30, Dammhirsch 80—45, Wildschwein 20—36 Pf. vr. Md., Rebhühn«, jung« 100-120, alte 80-90 Pf., Fasanen 3-4 M., Wachteln 50-60 Pf.. Hasen 8,00—3,50 M. pr. Stück. Kramett vögel 13—18 Bf. per Stück,«uerbahn 3-4 50 M. Birkhuhn 175-2,50 M. Schnepfen 2,50-3,00 M., Bekassinen CO— 80 Pf. pr. Stück. Geflügel. Fette Gänse per Pfd. 50— 70 Pf. Magere? Geflügel ist nur mtt Mühe und zu sehr nied«m Preisen unterzu- dringen. Gänse 2,50-8,00—6.00 M., junge Enten 1— 1J50 M» 2,00 Mark, iunge Hühn« 0,55-0,80 M.. eckte 1,00-1,70 Tauben 30 dt» 45 Pf„ Poularden 450 bi» 8,00 M. pn Stück. Blumen und Blätter. Lorbeerblätter 3—4 M. pro Korb. Rosm 8—12 M., Rosenknolpen 1—3 Mark pro 100 Stück, Tuberosen 4—6 M. pro 100 Stück, Veilchen 3,50—5,00 M. pro Tausend. Obst und Gemüse. Ung. Weintraubm 24—26, Ochsenaugen und Muskateller Weintrauben 26— 28 Pf. Reue C tronm 80—48 M. per Kiste, Pflaumm 2,25 bi» 4 Birnen 4,20 bi» 660, Tafelbirnen 7-16 Tl., rtnftl 4,25-6 Mark, Taf-läpfel 7-16 M.. feinste Sorten bi« 30 Mark, Psirsiche 20-303», «nana» 2�0—3,00 Mark pr. Pfd.«allnüffe 30 Mark p« Zentner. Zwiebeln 2 25—2,75 M. Weißfleischige Spelse- Kartoffein, weiße 3,50-400 TL, rothe 2,80 bi» 3,00 TL. blaue 3,00-3,60 M. vr. 100 Kilo. Schalotten 6—7 M.. Teltower Rüdchen 9-12 M„ Melonen 15 dl» 20 M. pr. Ctr, Sellerie 7-8 M.. Meerretttg 7-12, Blumenkohl 20 bi» bi» 50 M. pr. 100 Stück. «eräucherte Fische. Rheinlach» 2,50-3,90 TL, Weto. und Ostseelack» 1�0-1,40 M., gnSucherte Aale 70-1,00 W 1,30 Pf. pr. Pfd., groß« Delitaießaal 1�0 p« Pfd., Flund««. kleine 2,00-3,00, mittel 3.50-6 große 8-16 M.. Bückling. 1,80 bi» 400 M. Dorsch 8-10«. p« 100 Stück. Sprotte« 0,40-0,60 per Pfund. Schaalthiere.«leine Krebse 10 an. 0,75—1,00 R, mittel 1,60— SM. große 4—10 3». v« Schock. Hummern 1,30—1,60 Mark v« Pfund. Austern 7,50-12 Mk. pr. 100 Stück. Lebende Fische,«eck, mittelgroß 80—05, große 1,13 SB.. Hecht 60-70 Pf.. Schlei, 70-80 Pf. p« Pfund. Karpfen. in Stückm von je 1—18 Pfund tn großen Postm ange- boim. Seefische. Lach» 1.00-420-1.80 Mach Zand«, groß«. 80—100 M-, Hecht 40—50—65 Pf„ SteinbM« 70-80 Pf, S«. pmge, große 0.70-1 R., mittel 50-60 Pf.. Scholle 10-»«� Schellfisch, groß« 20 Pf, Kabltau 16 bi» 20 Pf. per Pfund. Makrelm 40-60 Pf. pro Stück. Dorsch 5-12 Mark per Zentner. Polizeibericht. Am 12. d. MI*., Mittag», machte ein Buchhalter in einem Komfoir in der Behrenstraße dm Vn» such, fich mittelst eine» Revolver» zu«schießen. Er a riebe noch lebend nach der Chaettee gebracht.— Am Nachmittag hatte die obdachlose unverehelichte Gibhardt ihren«st einige Tage alten Knaben tn dem Hause Kursürstendamm 137«& gesetzi und sich entfernt. Da« Kind wurde nach dem städtt» 1 ehern Waisenhaus« gebracht. Die Mutter ist verhaftet.— Um dieselbe Zeit wurde eine Frau beim Ueb«schreUm de» Fahr- dämme» vor dem Hause Marlulstraße 1 durch einen von de» Kutsch« Burkow, Exerzterstraße 22 wohnhaft, geführten Ar- biitSwagen überfahren. Sie erlttt einen Bruch de» rechten Oderarm» und de» linken Unt«schmkel», so daß sie mittelst Droschke nach dem K anlenhause im Friediichlhatn gebracht wnben mußte.— Gegen Abend schoß tn einem Komfoir in der Prinzenftraße ein Kaufmannilehrling beim unvorsichtig,« Umgehen mit einem geladenen Reoolo« einem and«en Lehr- ling in den Unterleid. Der Verletzte wmde aus ärztliche An- ordnung nach Bethanien gebracht.— Am 13. d. Mtl., fiüh, wurde die Leiche ein« etwa 20 Jahre altm Frau«»person auS dem Loutsenstädtijchen Kanal gezogen und demnächst nach dem Ltichenschauhause gebracht. Gerichts-Zeituug. Eine in ihrer Entstehung«nb in ihrem ganze« verlauf interessante und höchst lehrreiche Anklagefach« wegev fahrläiflge» Meineid» beschäfttgte während zwei« Tage die vierte Srraskammer hrefigen Landgericht» I. Zur Vermetturg unnöthig« Weitschweisiqketten werden wir die Ergebnisse o« Beweisaufnahme bei Wiedergabe de« Thatb« stände» gleich mtt bnückstchtigen. Milte Novemb« 1883 erlrankte d« zebnjährtg« Sohn de» Kaufmann» Matzen an einem leichten Fall vr« Scharlackfieb«, verbunden mtt Scha'lachdfpbtherie, und wurde zm Behandlung dieser Krankhett d« praittsche Arzt Dr. Röfel« .„.„ojen. Noch vor Sblouf W Novrwbrt fontrfe bft gmesen« nabf sied« ausgeben, der Besuch der Schule fand aber erst am 17. Dezember deffelden JahreS statt. Frau M- fand sich am 2. Januar 1894 beim Dr. R. ein, um da» Honorar zu be. zahlen, wllche« nach ihrer Schätzung, den Besuch mit je 2 M. berechnet, ca. 40 M. betragen könnte. Dr. R. erüärie aber, die Rechnung noch nicht ausgezogen haben und versprach, wie ver- langt, dieselbe spezifizirt einzusenden. Lange Zeit nachher erhielt Herr R. eine Generalrechnung in Höhe von 80 M. und ederum vi:l« Monate später einen ZrhlungSbefrhl in der» en denselben erhob R. Widerspruch und selben Höhe. Ge nunmehr strengte r. Röseler durch seinen Mandatar Justiz- rath Zentzitzky eine Klage auf 99 M. 50 Pf. an. welcher eine spezifizirt« Rechnung beigegeben war. In derselben waren eine große Anzahl Besuche notirt, welche der Arzt dem an„schwerer Diphtherie" erkrankten Sohne Willy gemacht und auch ein SchülbesuchSattest für denselben aufgeführt. Für die Besuche>c. waren die zulässtg höchsten Sätze der Mevistnaltaxe berechnet, z. B. für den eisten Besuch 8 Mark, für die übrigen Besuche je 4 Mark. Der Arzt ist nämlich berechtigt, für Be- Handlung einer Krankheit, die mU einer Ansteckung für ihn selbst verbunden ist, die doppelten Sätze in Anrechnung zu bringen. Nach dem Gutachten d«S geiicht» lichen Sachwrständigen Dr. Ltndenzweig war die vor- liegende Krankheit de» Knaben als Scharlach und nicht als Diphtherie zu bezeichnen und, da Scharlach nicht zu den Krankheiten gehört, welche mit einer Ansteckungsgefahr für de» Aizt verknüpft find, der Ansatz der doppelten Ta�gebühren nicht berechtigt. Der Beklagte nahm an, da er weder einen Sohn Willy hat, noch überhaupt eine» seiner Kinder an schwerer Diphtherie behandelt worden ist— bei dir Polizeibehörde hatte Dr. Röseler den Fall auch als Scharlach angemeldet und die Krankheit dci Knaben in der Familie niemals anders bezeichnet —, daß der klagende Arzt eine ganz andere Familie im Auge habe und erklärte sich deshalb auch bereit, dm ihm über die in der Klagerechnung aufgeführten Besuche»c. zugeschobenen Eid zu leistm, umsomehr ol» zwei Hauigenoffen ganz genau zu behaupten vermochtm, daß der Dr. Röseler auch dem Sohn Karl Besuche am 2. und 17. Dezember 1883 nicht gemacht habe. Im EideSleistungStermine war»war vom Kläger gellend gemacht worden, daß da» behandelte Kind auch ander» als Willy heißen könne— von einer andern Be- zeichnung der Krankheit war nicht die Rede— der Beklagte leistete aber dm ihm auferlegten Eid ab. AI» aber unmittelbar darauf Dr. Röseler mit einer Denunziation wegen wissentlichen Meineid» drohte, sandte auf de« Rath de» JustizrathS Siargaidt Herr M. ein die Sachlage völlig auf- klärendes Schriftstück an da» Amtsgericht ein. Zu seinem Un- glück war aber die Denunziation de» Dr. Röseler bereits 12 Stunden zuvor bei der Staatsanwaltschaft eingegangm, die im§ 163 Slr.-G.-B. für den Fall der Redresfirung zugeficherte Straflostgkeit nicht mehr zulässtg, wmn überhaupt ein falscher Eid geleistet sein sollte. Der Staattanwalt erachtete da» Ver- haltm de» Angeklagten für in hohem Maße frivol und beantragte ein Jahr Gesängniß, während der Vertheidtger Recht». anwalt Dr. Flatau auf den Unterschied de» Gide« im Zivil. und im Strafprozeß hinwie». Den vorliegenden Eid durfte sein Mandant mit gutem Tewiffm leisten, well in der Tzat die in einer schwerm Diphtherie-Krankheit verzeichneten Besuche nicht gemacht worden find. Der Ziollbeklagte habe nicht nöthig, den Fall aufzuklären und eine irrthümlich erhobene Klage zu berichtigen. Der Gerichtshof war aber anderer Meinung und verurtheille den Angeklagten zu sechs Monaten Gesängniß. f Die Freude« eine»„MSdcheu für Alle»". Al» ein Ueberrest der allen Hau sstlaveret hat fich da» Dimfibotenwesm erhaltm. Herr von Treitschk« ruft zwar in seiner bombastischen Art:. Ohne Dienstboten keine Kultur"; wer ober da» ti-f« Elend lmnt, in dem dieser Tdeil der weiblichen Arbeller fich befindet, wird diesen AuSruf in seiner egoiflischm Bedmtung verstehm- Rechtloser und schutzloser noch°I» die Frau über- Haupt wird da« Dimstmädchen und ebento dcs ganz» G-finde einem ganz besonderen Rechte unterstellt. Noch immer hat jme patriarchal'.che Bestimmung de» preußischen Landrechfs«el- tun«, wonach die Herrschast zu einer leichten löiperlichm Züchtigung ihreS GestndeS be'ugt ist. Nrch immer gellen Gesetze, welche der Hurjchast d-S Recht verleihm, ihr Gestnde bei hartnäckigem Ungehorsam und widerspenstigem Betragm sofort zu mtlaffm, und wie der Bestimmungm in der Gefindeoldnung noch mehr find, die mll dem vielgerühmtm humanen Geist unserer Tage im Widerspruch stehen. Allein die Ausstellung eine» Führungtatteste» im Dienstbuch« giebt der Herrschaft eine Fülle von Macht in die Hand, welche den Bedtenstetm von der gutm Laune oder der Böswilligkeit seiner Herrschast abhängig macht und die Feffeln seiner sozialen Abhängigkeit über alle» Maß hinou» empfinden läßt. Die Fälle find nicht seilen, wo da» Dienstmädchen vor Gericht erscheinen muß und für sein unbotmäßige» Verhalten fich zu verantworten hat. W!e schwer säA ihm seine Vertheidigung dem Zeugniß der hochangeschenen und respettablm Dienstherr- schast gegenüber; wie umständlich ist e» für die Angeklagte, die Aussagen der Dienstmädchen, welch« stüher dort im Dienste waren. wo fie angeblich Grund zur Unzufriedenheit gab, zu ihrer Entlastung herbeizuschaffen: die LerdenSgefährtinnen haben inzwischen zwei- oder dreimal die Stelle gewechselt und find nicht meh. aufzufinden.— Recht bezeichnend für alle dteie Ver- hältniffe war eine Verhandlung, die gestern geam da» Dienst- Mädchen Anna Dober vor dem hiestgen Schöff-ngeeicht statt« fand. Sie war de» Betrüge» und der Wider setzlichteit und de» Ungehorsam» gegen die Herrschaft angeschuldigt. Sir stand seit April v. I. bei dem Kaufmann Peter» in Dienst. Anfangs hatte Frau Peter» über ihr Dienstmädchen nicht zu„kiagen"; sie hegte zwar„im Stillen" dm Verdacht, daß Anna fich einige „Schwänze'p'cnnige" bei den Besorgungen für den Haukholl mach-, aber fie hatte keine bestimmten Beweise und konnte in eine angewiesen und diese» eine war so unverständig, kein« fröhliche Mime zu machen, al» die Arbeit von zweien auf seine Schultern gewälzt wurde. Da kam ein rreigniß- reicher Tag. der 2. August. Frau Peteri hatte große Wäsche. Anna stand in der Waschküche, schluck» den heißen Dampf de» Seifenwaffer» und rieb sich die Hände dmch. Frau Peter» war immer erstaunt darüber, daß die Seif« so rasch zu Ende gehe; auch ditSmal mußte fie fich entschließen, von ihrem Dienstmädchen noch zwei Pfund Seife Holm zu laffen. Anna besorgte bei diesem Gange noch einig« andere Einkäufe für die Wirthschast, so daß fie von ihrem eignm Gelde auslegen mußte. AIS fie nach Hau!« kam. rechnete fie ab und sagte, daß die Seife 1 M. 10 Pf. koste. Madame schöpfte Verdacht, eil!« zum Seifenhäe.dler und dort er- fuhr fie, daß Anna nur 1 Mark bezahlt habe. Da« Dienstmädchen hatte also versucht, fie um— sog' und schreibe zehn Reicht Pfennig zu schädigen, zu betrüzen. Sie sagte Anna in unzweideutigen Woiten ihr« Meinung und theilte auch dem Herrn Gemahl den unerhörten Vorfall mit. Anna aber Hieb verstockt und behauptete steif und fest, daß sie fich nur geirrt und verrechnet bade. Am nächsten Morgen kam e» zu einer noch lebhaflerm Szene; hier erreichte die„Widersetzlichkeit" de» Mävchm» ihren höchsten Grad. Früh Morgen» gegm 6 Uhr war Frau Peter» in die Küche gekommen und hatte vemerlt, daß Anna plättete. Aber wa» plättete st«? Mad me glaub! e thrm Augen nicht zu trauen: rk war Anna»„Taille, welche da» Mädchm unter dem Plätteism haite. Mrt einem Satze sprang Frau Peter» hinzu und riß Anna da» Bügeleisen weg.„Herr- schast» Wäche geht vor", rief sie dabei. Und um ganz sicher »u gehen, nahm sie da» Eriin in die Stube hinein, wo ihr Mann beim Kaffee saß und Wort den Vorfall erfuhr. Räch einer Weile steckte da» Mädchen den Kopf durch die Thür und fragte nach dem Urtheil der Frau Peter» in „frechem" Tone:„Bekomm ich da» Plätteisen oder nicht; sonst plält' ich gar nicht!"— Ran hatte ob:« die Geduld d«z Herrn Peieri ein Ende, er sprang auf und lief tn die Küche, um dem Mädchm„ein paar hinter die Od'en" zu geben, wie er fich in seiner gebilde.en Sprache vor Gericht ausdrückte. Da» Mä chen war so unve, schämt, nichr stehen zu bleiben, sondern auszurücken, so daß der Herr Börsen- besuch« im entscheidenden Mommt da» Gleichgewicht verlor und der Länge roch auf die Nase fiel. Er halte ab« wenigsten» den Triumph, da» Mädchen noch an tn Trrpv« einzuholen und ihm einen solchen Stoß zu versetzen, daß sie die Stuten hinunt« stolperte. Anna beschloß nun. den Dienst zu v erraffen, ja ste wollte sogar Herrn und VMWW rau Peter» wegen ________„ vor den Schiedtrichter fordern. He« Pet«» aber kam ihr zuvor. Er schrieb in ihr Dienstbuch: Unehrlich und widersetzlich und denunzirt« fie wegen Betrüge» und Un- gehorsam». Ein solche» Dienstmädchen mußte wenigsten» in» Zuchthau». Da» Schöfiengnicht faßte die Sache jedoch sehr mllde auf. Es sprach Anna Dober von dir Anllaze de» Betrüge» frei und vermtbeilte ste nur wegen Ungehorsam» zu einer Geldstrafe von 5 M. Kleine Mittheilmtgen. Danzig, 12. Oktober.(Familtentragövte.) Heute Vor- mittag hat der Bauaufseh« Hermann Joyannt erst seinc Ehe- stau Johanna, geb. Raßmuffm, welche von ihm getrennt und mit dem Bmeau-Asfistmlm R. in einem intim«n Ve: hältniffe lebte, in de» letztrren Wohnung mittels eines Reoolsertchuff s in den Kopf getöbtet und fich dann selbst einen Schuß in» Herz beigebracht, d« auch sein Leben sofort beendigte. Johannt mit der ermordeten Gattin seit lang« Zeil verheil athet und e» waren dies« Ehe stebm Kinder entsprossen, von denen um fich noch am Leben befinden. Von ihnen hat J„ bevor« b% Verzweiflungstat vollführte. sich noch in einem herzlich« Briefe vtrabjchredet. Er hat auch die ungetreue Gattin wieder« Holl und dringend gebeten, zu ihm und zu ihrer Pflicht zurück« ,'ikehrm. Erst als dieselbe bei ihr« Wiigerung beharrte, I»1 I. zur Schußwaffe gegriffm haben.. Wie«, 9. Ottober. Cbolerobericht. In Tri« st 11 G» krankungen, 4 Todesfälle, in Pest 7 Eilrankungen und 6 Tode»«! fälle. Loudon, 10 Oktober. Am Dienstag Abend trafen da Kapitän und 11 Matrosen der in voriger Woche unweit d« Butt of LewiS während eineS fürchterlichen StuzmeS leck g» wordmen Bark«„Alfred the Great" in South ShieldS etil. 19 Stunden waren die Unglücklichen in dm Wamen da finkenden Schiffes ohne Nahrung und Waff« dem fürch!«' lichm Unwetter ausgesetzt gewesen, und alS daß Schiß endlich kenterte, gelang«S ihnen nur mit Mühe, eins d« üda Bord gespülten Schiffsboote zu«reichen, in welchem fie noa weitere 36 Siundm ohne Speise und Trank, und nur noth dürftig bekleidet, dem Sturme ausgesetzt blieben, bis fie endlit zum Tode«schöpft in Port Neß landeten. Et. John». 11. Oleoder. Der überfällige Dampfs „Anchoria" ist ht« eingeschleppt worden. Der«ste OsfiziS VeS Dampfers langt« gestern tn einem Boote hi« an ün> ''""~"en vom Hafen mll gv worauf der Dampfs meldete, daß die„Anchoria" 70 Stemeilen vom brachen« Welle unter Segel treibe, worauf „Mtranda" von hi« abgeschickt wurde, um daS Schiff einp» tchlepven. D« Unfall«eignete sich am 22. Septemd«, all der Dampf« vi« Tage tn See war. Mannschaft unj Passagiere befinden fich alle wohl. Die Paffagi«« sollen m der ersten G-legenhell nach ihrem Bestimmungsort« welle» befördert werden. — j ifiindtm lullen J 'Swerthi Ketzte Pachrichte». Die blutige« Zufammevstöße zwischen Mu medaaer««ad Hindu» in mehreren Distrikten Osttnvi wiederholen steh fortwährend. Daß bei den Tumulim Edawah die eingeborene Polizei fich weigerte, geg Exzedenten einzuschreiten, ist ein sehr bemerkeniwe Fcltum, welch:» die ursprüngliche telegraphische MelOttn allnbingi zu»«tuschen trachtete, da» ad« jrtzi doch auS indischen Korrespondenzen der London« Blätter fich ergiel EI wäre dort vielleicht zu sehr bedenklichen Eretgntffen kommen, wmn nicht, wie unsere Leser bereit» wissen, zufi ein auf dem Weg« nach Birma begriffene» T upvendetacheml vo:üb«gtlommen wäre und die Ordnung mll Gewall wieb» hergestellt hätte. »«» dem Herzogthum Laueuburg. 12 Oktober, schr man: In einem Thttl ver Pceffe war miigrlheilt wordm, Diizipltnaruntnsuchung gegen den AmrSgerichtSra Francke habe schon vor ein« Woche begonnen. Dem j doch nicht so. BiSh« waren AuSlaffungen de» AmtSgerll Rayrburg noch immer von dem betreffenden Herrn unt�' zeichnet. Eist heute ftüh fand in Rayedurg und zwarJJ einem Gastzimmer dt» Hotel» zum Rathilcllec, in welchem W ObnlairdeggerichtSraih Bland auf Kiel Absteig-quarti« � nommm hatte, durch diesen Henn die erste B-rnehmung% AmUgnichtSiaih Francke statt. D-r Lauenburger Lanvr« von Dolega-Kofinowili, sowie der Schuhmacher Boye, Vlsi» Name in o« Brtefaffäre gemißbraucht worden, wohnten ein«» Toell de» V«dör, bei. Zur Buchdeuckerbeweguug. Slb«feld, Mittwoch. W* 13. Oltober. Die Buchdruckercidefitz« LucaS, Friedrich» � Martini u. Grüttesten Hierselbst niießen in Betreff de» auigebrochmm Streik» der Buchdrucker eine Erliärung,* welch« gesagt wird, daß ohne vorherige Kündigung% getretene in ihren W rkftattm keine Arbeit mehr finden.& o'stziös« Telegraph hält dtrs: Nachricht sür wichtig genug,>? fie in alle Well hinauszutragen, offenbar, um ander ort» j* Unternehmn zur Nachahmung anzuregen und die Arbeit« W zuschüchtern._ Kriefkasten der Redaktion. va Anfragen bitte» wir die»bonnement»- Outttung beijuftlgen. Brieck� Antwort wird nicht ertheUt. F 2 10. Personen, weiche eine Armmunterstützung g öffentlichen od« Gemeindemitteln bezirhrn oder im letzten, Wahl vorherz-gangenen Jahre b«'ozen haben, find nach de» Reichiwahlgesetzr» bei der RiichStagSwohl von der r-chtigung zum wählen auSzeschloffm. 'I Theater. Donnerstag, den 14. Oktober. vpentha«». Violetta(La Traviat»). Echausptelha«». Ein Wintermärcken. Deutsche» Theater. E:n Tropfen Gift. Restdenz-Theater. Sin Großstädter. Vorh«: Ein anonym« Brief. Kriedrich- Wilhelmftidtis che» Theater. D« Nachtwandln. Wallnee-Theater. D« Goldonkel. «elle-Allianee-Theater. Drei Paar Schuhe. Ostend-Theater. Wilhelm Tell. Viktoria- Theater. Amor. Tanz-Poem von Luigi Manzotti. Waihalla-Theater. Die Piraten. Zentral-Theater. Alle Jalobstr. SO. Direkt.: Adolph Ernst. D« Wald. Teufel. �Gesang«. «öntgstädttsche« Theater. D« Jonglem. Konkordia- Theater. Sptiialttälm- Vor- EkUwiß. Kunfma««'» varietck. Spezialitäten• Vorstellung. America«- Theater. SpeMUätm. Vor. stelttmg, Retchthalle«- Theater. Spezialttätm. Vor stellung. H. präuscher's anatomische» MUSEUM. Kommaudauteustraße 70 u. 71 Täglich von Morgm» 9 bii Abend« 10 Uhr für«� Dienstag u. Freitag ausschließlich und' uur für Damen. allein 823] Soeben ist im V«lag« von I. H. W. Ttetz tn Stuttgart«schimm: Internationale Bibliothek . Heft I. Die Darwin sche Theorie. Pret» hro Heft 50 Pf. Zu beziehen in Bnlw durch all« Buchhandlungm und Kolporteure, sowie inSbe- sondere durch dt« Evprditio« de»„Gnrltoev JJolkablatf, Jim« erste« he 44. MT Wiederverkäufer« Kadait."WM Berliner Stadt-Theater. (Früh« Alhambrs• Theater.) Wallner- theatnst' aße 15 Dvnn«rstag: Zum 4 Male: De» Tischlers Töchtnln«. Vollßstück mll Gesang tn 4 Akten von A. Reich. Musik von G. Michaeli». Dirigent Herr Kapell- meist« Th. Franke. Regie: Herr Emt! Czaschle. Vor d. r Vorstellung: Großes Covcert der Hauskapelle, unter Leitung de» Kapellmeister» Hm. Th. Franke. Anfang der Vorstellung 7 Vi Uhr.[805 CenhoUlianlen' o. Krordfimßüolfe für Flauen and ffldddicn in Deutschland(E. H. Nr. 26). Sonntag, den 17. Oktober, Nachmittag» 4 Ubr, tn SratmeU» Bi«hallen, Kommandanten« ftraße 77/79(oberer Saal): General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht»r. 3. Quar- tal. 2. Ergänzungiwahl zum Votstande. 3. Ver. schiedmes. Um zahlreiche» Erscheinen bittet 830] Der Vorstand. 1 HUlra-Tlieator. (Früh« LemlaemvtäAriaehe» Theater.) DreSdmerstraße 72/73. Sh» Johnson Family(4 Damen, 1 Hm), die derühmiesten Schwimm- und Taucknwnstler d« Welt. Dkt-a»!'» Kallettrapp»(12 Damen, 2 Huren). Mr. A ostmann mit leinen dies» iftten Hunden und Schasm. 7 Kchwester» Matthew». Ernesto. Harwey. Paula und Ludwig Tellheim. Eugen Zocher. Frl. Bellonl, Konzertsängerin. Unerktärtiche» räthselhafte» Nerfehnri«- d»n einer snnae» Pame von ostener Kühne vor den Angen de» Pvklikom». Hluartttetdar nach di«see!»htrodukii-n: VollstSudige Aufklärung »z-v da» Nerfthwindea der Kam», wohin ««d woher dieselbe kommt. «affenöffnung«Vi Uhr. Anfang 7'/, Uhr. �b'ule frische Klüt- and z»b«rw«rst bei 823] Veiffman«, FtiedrichSbergersftaße 10. 6. le«« Stud: z. vm.«Valbertstr. 46 Hof 2 Trp. l. NSHmsschiven E. Franke. Saardrückerstraße 6. _ Rep-raturm schnell und billig.[760 Paffaq« 1 Tr. 9 M.- 10* Kaleer-Panerana, 1 � J" dieser Woche:, Ein« Wandnung durch Ttir-- Zweite Wauderung durch Part».' Hertha- Reise. 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