Nr. 256. Dienkwa, den 2. November 1886. 3. Ial»rA. für die Interessen der Arbeiter. Jusertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbcitsmarlt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Ucbcrcinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenoninien. Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zlmmerstraße 44. Die Deutsche Dotkspartei. . Wahrlich ein stolzer Name, eine Partei, die das ganze putsche Boll umfaßt, oder umfassen will! Daß bei dieser Partei der gute Wille vorhanden ist, daran zweifeln wir "'cht im Geringsten; nur fehlt es bei dem deutschen Volke an� Bereitwilligkeit, sich von der Deutschen Volkspartei um- Wen zu lasten. Man könnte diese Partei bester als die ""egerliche Demokratie Süddeutschlands bezeichnen, denn im Aorden und in der Mitte Deutschlands hat sie außer der lpärlichen Lenzmann'schen Parteibildung keinen Anhang. Im Reichstag hatte sie bisher sieben Mandate innc, von denen ttneä erledigt ist. Die Zahl der volksparteilichen Mandate m eine sehr hohe im Verhältniß zu der sonstigen numerischen stärke der Partei, während bei anderen Parteien bekannt- "ch manchmal das Gegentheil stattsindet. Die Deutsche Volkspartei, die beiläufig aus sehr heterogenen Elementen zusammengesetzt ist, und unterhalb deren es in den letzten Jahren nicht an Streitig- testen gefehlt hat, ist der Träger der Traditionen des Lahres 1848. Sie entstand, als demokratisches Bürgerthum und Arbeiterschaft noch mit einander verschmolzen waren, wenn auch im„Sturmjahr" diese Verschmelzung eine sehr lockere war und der demokratische Spießbürger den Arbeiter nicht als einen ebenbürtigen Verbündeten ansah, gelegentlich ihn auch als„Bürgerwehr" mit Bajonettstichen und Flinten- kugeln traktirte. Dennoch blieben auch nach dem Jahre 1848 tn Süddeutschland viele Arbeiter dieser Partei zugethan, bis hie selbstständige Arbeiterpartei geschaffen wurde. Mit dem Kriege von 1870 schmolz die Volkspartei sehr zusammen; ®le Arbeiter sielen nach links, die Spießbürger nach rechts ihr ab. Erst unter dem Sozialistengesetz wurde die z�iet etwas stärker, ist aber jetzt wieder, so scheint es, im %"9 begriffen. Part? � wäre weiter nichts zu sagen, wenn die Volks- Bau"'.4* am Sonntag vor acht Tagen zu Fürth in vi?i li"( Generalversammlung abgehalten hätte, bei der Red Sozialpolitik und Sozialreform die "?ar. Das wollen wir uns etwas näher ansehen. und Volkspartei ist aus manchesterlichen Elementen A gegentheiligen zusammengesetzt. Die meisten der -tu. wachen sich nicht die Mühe, wirthschaftliche Fragen »Nudwen und verstehen nur in allgemeinen Ausdrücken i"»Freiheit und Recht" zu reden. Herr Sonnemann, ist& Blatt der eigentliche Leiter der Volkspartei !' hat diesen Mangel auch eingesehen und so wurden vor lick�m fahren einige„soziale" Punkte in das volkspartei- ein? �""gramm aufgenommen, darunter auch die Forderung J�hustündigen Normalarbeitstages. _ � mag vielen der Herren sauer geworden sein, diesem iN-lchd! '�4»krbotni.z Ieuilleton. [15 Im Hanse des Derderdens. Kriminalroman. Von Rcinhold Ortmann. Der Morgen war jetzt vollständig heraufgekommen, und � war so frisch, so duftig und prächtig, wie nur selten im Iah» Es lag'«Was Belebendes, etwas Star- Wes und Ermuthigendes in dem balsamisch kühlen, rour- Hauch, welcher durch das Laub der alten Parkbaume . und die einzelnen Sonnenstrahlen, die hier und da �üch die dichten grünen Blätterkronen auf den Rasen sielen, schwere und Trübsal verlieren muhte. t lau« in �er, männlicher Tritt wurde auf dem Kieswege gr/ Ger vom Schlöffe aus zum Gärtnerhäuschen führte. nmm /rröthete als sie ihn vernahm, denn er war ihr sehr lob/.! sie wußte, daß kein Anderer als ihr Ver- aui,� V" nächsten Augenblick hinter den grünen Büschen ftemr" roerbe- Schalkhaft zog sie sich ein wenig in das «jurück; denn erst im letzten Moment wollte sie mfeld. der noch kaum darauf gefaßt sein konnte, «KKSSlfKZSs ##### Vorhange hervor. Änbai?» jch°»..»-ch» 1 Vegrüßung. e, Unterredung uns, und wer weiß, wann wir Punkte zuzustimmen. Aber sie thaten es, weil sie glaubten, der Arbeiterpartei damit Terrain abgewinnen zu können. Dies war eine Täuschung, denn die Arbeiter sahen wohl ein, daß es mit dem Normalarbeitstag der Volkspartei nicht so ernst gemeint war. Ohnehin weiß man ja, daß sich manche Mitglieder der Volksartei durch das Programm nicht binden lassen; haben doch auch einzelne für die Erhöhung der Kornzölle gestimmt. Herr Sonnemann aber giebt das Spiel noch nicht auf. Er schlug vor, daß die sozialpolitischen Punkte des Pro- gramms umgeändert werden sollten und es wurde auch ein entsprechender Beschluß angenommen. Worin die Aenderungen und Erweiterungen bestehen werden, ist einstweilen noch Geheimniß. Desto mehr polemisirten einzelne Redner auf der Fürther Generalversammlung gegen die Arbeiten>artei. Der schwä- bische Reichstagsabgeordnete P a y e r betonte mit großer Emphase, daß die in dem bekannten Arbeiterschutzgesetz ge- forderten Arbeitsämter eine bureaukratische Einrichtung seien. Der Herr Sozialpolitiker aus Schwaben weiß, wie es scheint, nicht, daß den Arbeitern die bloße Willkür der Arbeitgeber, der durch die Arbeitsämter gesteuert werden sollte, weit bureaukratischer vorkommt, als eine staatliche Behörde. Aber er will die Arbeiter der Willkür überlassen haben. Herr Sonnemann ging weiter; er beschuldigte die Arbeiterpartei, sie wolle ihre Ziele durch eine Revolution erreichen, wäh- rend die Volkspartei eiue friedliche soziale Refonn wolle. Im Munde des Herrn Sonnemann, dessen Partei 1848 und 1849 zu den Waffen gegriffen hat, nimmt sich diese verleumderische Beschuldigung doppelt komisch aus.„Die unschuldigen Lämmerschwänzchen von der Volkspartei gegenüber der bösen Arbeiterpartei! Und doch müßte Herr Sonnemann für seine Behaup- tung erst ein Tüpfelchen eines Beweises beibringen, was er nicht kann. Wie oft hat sei» Blatt die Anschul- digung der Reptilienblätter, die Arbeiterpartei wolle zur Ge- walt greifen, als unwahr und verleumderisch zunickgewiesen. Nun erhebt Herr Sonnemann die verleumderische Anschul- digung selbst. Ja ja, es liegt im Zug der Zeit, daß„die Leute sich„Hestern" und zwar im Sinne der„Norddeutschen Allgemeinen". Herr Sonneman scheint nach dieser Richtung bemüht zu sein. Sein Weltblatt, die„Frankfurter Zeitung", die auch immer mehr nach rechts gravitirt, hat die Weisheit des Meisters noch mit einigen Ausschmückungen versehen und kommt zu dem Schluste, es sei bedenklich, daß die Arbeiter- partci keine Fortcntwickelung des wirthschaftliche» Lebens wolle, sondern nur eine radikale Umwälzung erstrebe. Diese Herren scheinen also nicht zu misten, daß alle die großen modernen Theoretiker des Sozialismus, Marx und Lassalle bei der Unruhe des heutigen Tages wieder eine Gelegenheit hätten. Beuge Dich ein wenig zu mir herab, mein Leben, es braucht uns Niemand zu hören.— Ich werde Branden- stein verlosten!" Er sah sie forschend an, und es befremdete ihn, daß seine Worte keinen Ausdruck des Schreckens oder der Be- stürzung auf ihrem Gesicht hervorriefen. „Was Du thun wirst, wird immer gut sein, Georg," erwiderte sie zärtlich, die kräftige braune Hand, die er ihr hinaufgereicht hatte, in ihre beiden Hände nehmend.„Wenn unsere Trennung nun einmal unvermeidlich ist, so müsten wir sie mit Muth und Fassung ertragen!" „Mir scheint, Elsbeth, Du findest Dich in den Ge- danken viel schneller und leichter als ich selbst!— Es sieht ja aus, als hätte er Dich nicht einmal überrascht!" Sic schüttelte mit einem wehmüthigen Lächeln den zier- lichen Kopf. „Habe ich doch in den langen Stunden dieser schlaflosen Nacht Zeit genug gehabt, mich an die Vorstellung einer solchen Zukunft zu gewöhnen," sagte sie leise.„Nikolaus theilte mir gestern Abend mit, daß er fort wolle— und ihm werde ich unter allen Umständen folgen!" Holmfeld's eben noch etwas verfinstertes Gesicht hellte sich wieder auf. ,Also das ist es!— Auch Nikolaus will gehen? Und wahrhaftig, er thut recht daran. Aiit dem armen alten Mann da oben ist die Lebensluft von Brandenstein ge- wichen, die wir zu unserer Existenz brauchten. Unseres Bleibens ist hier nicht mehr.- Doch- Nikolaus hat ja den neuen Gutsherrn noch nicht einmal gesehen; hat er denn einen andern Gnind für sein Gchen „Ich weiß es nicht, Georg!-34 glaube, esbedAiA ihn dn Rümmer, den er m,r mcht emgestehen mill H� gegen den Neffen des Barons treibt chn gewiß nicht fort - und ist denn das bei Dir der einzige Grund?" 3a Elsbeth!" rief Holmfeld aus, und seine Augen blitzten in einer Leidenschaft, die das junge Mädchen noch nie in solcher Stärke an ihm wahrgenommen hatte„Ich hasse diese beiden Menschen mü ihren schleichenden Schritten und ihren lügnerischen Gesichtern von ganzer vor allen anderen, die Fortentwickelung der wirthschaftlichen Verhältniste als den Weg zu befriedigenden sozialen Zuständen aufgefaßt haben. Der Sozialismus will diese ; Fortentwicklung beschleunigt Haben, natürlich nicht um der damit verbundenen Mißstände willen, sondern weil seine Anhänger der Ueberzeugung sind, daß die Nothwendigkeit . durchgreifender sozialer Reformen um so eher allgemein an- i erkannt wird. Die bürgerlichen Parteien, die Volkspartei nicht ausgenommen, wollen diese Entwickelung aufhalten, indem sie von Dingen träumen, die heute unmöglich sind, | wie von Wiederherstellung eines lebensfähigen Kleinbürger- thums Zc. So liegt die Sache und wir können dem Herrn Sonne- mann und seinem Blatte die Versicherung geben, daß sie mit den angeführten Redensarten Niemand von denen fangen werden, die sie fangen wollen. Sie werden auch Niemand über die Zukunft ihrer Partei täuschen. Mit dieser wird und muß es abwärts gehen, weil sie sich den bestehenden Verhältnisten nicht anzupassen vermag. Daran wird Herr Sonnemann nichts ändern können, indem er Andere i la„Norddeutsche Allgemeine" verdächtigt, und noch dazu eine Partei, die unter einem Ausnahme- gesetze steht. &r fleDorfleilendcn üeicKsfagsfcflion. Wir erhalten folgende Zuschrift: In den verschiedensten Blättern zerbrechen sich die Redak- teure und Korrespondenten die Köpfe der Sozialdemokraten, was letztere wohl in Bezug auf das Arbeiterschutzgesetz in der nächsten Rcichstagssession unternehmen würden. Bis jetzt war dies Kopfzerbrechen ein völlig nutzloses Be- ginnen, da die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags selbst zu dieser Frage noch keinerlei bestimnite Stellung ge- nomine» hat. So lesen wir in einigen Blättern,„daß die Sozialdemo- traten ihre Arbeiterschutzgesetze in getheilter Weise in der näch- sten Session wieder einbringen würden." So viel wir wissen, ist man in sozialdemokratischen Kreisen zu der Ansicht gelangt, daß auch nicht einer ihrer Anträge, nicht einmal das Verbot der Kinderarbeit in Fabriken-c., von der heutigen Gesetzgebung angenommen werden wird. Wenn es sich nun darum handelt, die Besprechung einer Frage zu erzielen, so werden die Sozialdemokraten selbstverständlich schon deswegen einen besonderen Antrag stellen, wozu sie auch in der Lage sind, wenn auch sechs ihrer Mitglieder von der nächsten Reichstags- session fern gehalten werden. Aber wenn sich sonstige Gelegenheit bietet, die- selben Fragen auch ohne besondere Anträge eingehend besprechen zu können, so ivird es mindestens sehr zweifelhaft sein, ob dann Anträge gestellt werden. So kann zum Beispiel die Frage der Frauen-, Kinder- und Seele! Nicht eine Woche vermöchte ich neben diesem jungen Baron zu leben, ohne daß wir aneinander geriethen! Es juckt mir in den Fingern, wenn ich ihm nur in die Augen sehe, und ich würde ihm den gestrigen Abend niemals ver- gessen können!" Elsbeth suchte ihn zu. beruhigen, indem sie mit ihrer weichen Hand sanft über sein lockiges Haar strich. „Bist Du nicht doch zu heftig in Deinem Zorn gegen ihn? Vielleicht sind es nur üble Gewohnheiten und ein wenig Hochmuth, was Du ihm als Schlechtigkeiten an- rechnest, und er würde sich ändern, wenn er der Herr der Besitzung ist." „Und wenn er sich in einen Engel verwandelte, ich würde ihm nicht dienen!— Ich bin nicht eifersüchtig auf ihn, Elsbeth,— glaube das nicht— dazu ist mein Vertrauen in Dich zu stark; aber ich hasse ihn, weil sein Benehmen gegen Dich eine Beleidigung ist— eine Beleidigung, die ich wahrhaftig rächen werde, wenn sie sich noch einmal wiederholt.— Kannst Du im Ernst von mir verlangen, daß ich einem solchen Menschen meine Kräfte leihe?" Elsbeth erschrak über die Heftigkeit in Holmfeld's Zorn; sie zitterte im Stillen bei dem Gedanken, was er gethan hätte, wenn er die häßliche Szene der letzten Nacht belauscht. Es wurde ihr das Bedürfniß, das Gespräch von diesem gefährlichen Gegenstände abzulenken, und statt aller Antwort zog sie den Brief der geheimnitzvollen Fremden aus der Tasche. Erstaunt nahm ihn Holmfeld aus ihrer Hand, und bestürzt blickte er zu ihr empor, als er die wenigen Zeilen gelesen hatte. „Was soll das heißen, Elsbeth?" fragte et.„Von wem hast Du dies Blatt? Wer hat es geschrieben?".— Mit wenigen Worten erzählte ihm das junge Mäd- che» von dem Zusammentreffen am gestrigen Tage und von den Gründen, welche sie bestimmt hatten, bisher"darüber zu schweigen. „In Deine Hände lege ich jetzt die ganze Angelegen- heil, Georg," sagte sie.„Du magst thun, was Dir recht und angemessen erscheint. Aber wenn es möglich ist, mich Sonntagsarbeit u. s. w. bei Gelegenheit der Budgetberathung (Position Reichsamt des Innern, Jabrikinspcktoren) ausgiebig erörtert werden. Tie Berichte der Iabrikinspektoren des letzten Jahres liefern viel Material. Tann wird ja auch der Bericht über die Sonntagsarbeit-Enqucte weitere Veranlassung zu einer Besprechung geben. Daß von Seiten der sozialdemokratischen Fraktion in der nächsten Session des Reichstags noch besonders zu dem Streik- erlaß des Herrn von Puttkamcr und zur.Handhabung der ver- schiedcnen Vereinsgcsetzc in den Einzelstaaten auf eine oder die andere Weise Stellung genommen werden wird, dürfte als fest- stehend zu betrachten sein. Es wird ja auch eine diese Frage speziell anregende, aus Arbeiterkreisen stammende Petition dem Reichstage vorliegen. Aber daß schon ganz bestimmte, dahingehende Anträge in der Fraktion der Sozialdemokraten verhandelt oder gar festge- stellt worden seien, das inüsscn wir bestreiten. Es geht durch die verschiedensten Blätter nämlich die Notiz, daß den Sozial- demokraten„die Erreichung einer ausreichenden gesetzlichen Gmndlage für die Bemfsvereinigungen am dringendsten zu sein scheine." Deshalb, so heißt es dann weiter, will die sozialdemokra- tische Fraktion des Reichstages einen Antrag einbringen, in welchem verlangt wird, der Gewerbeordnung einen Paragraphen einzuverleiben, der folgenden Wortlaut hat: „Unternehmer und Arbeiter und Hilfspersonen können zur Förderung ihrer Interessen in Vereinigungen zusammentreten. In- soweit diese Vereinigungen den Zweck haben:«. die Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu regeln; b. Fachschulen und Bibliotheken zur Fördenmg der gewerblichen und geistigen Ausbildung ihrer Mitglieder ins Leben zu rufen; Ünterstützungskass en für �Arbeitslose und Invaliden oder Erwerbsgenossenschaften zum Nutzen ihrer Mitglieder zu bilden, sind dieselben von allen die Versainmlungs- und Vereinsfrciheit beschränkenden Gesetzes- Vorschriften befreit. Auf ihren Antrag sind solchen Vereinigungen unter den von den Landesgesetzen vorgeschriebenen Bedingungen Korporationsrechte zu ertheilen." Wir wissen nicht, ob ein oder das andere Mitglied der sozialdemokratischm Fraktion vorstehenden oder einen ähnlichen, übrigens sehr akzeptablen Antrag bei der Fraktion einbringen wird, wenn der Reichstag zusammentritt. Noch aber, so betonen wir, hat die Fraktion weder über diesen, noch über irgend einen andern dahin zielenden Antrag berathen, noch sich schlüssig gemacht. Im Gegcntheil, es sind schon Stimmen in der sozialdemo- kratischen Fraktion laut geworden, welche von jedem bcstimniten Antrag nach dieser Richtung hin absehen wollen, vielmehr eine Resolution wünschen, nach welcher die verbündeten Regierungen aufgefordert werden sollen, einen Gesetzentwurf einzubringen, in welchem den gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen das Recht der juristischen Person gewährt und worin weiter ein dcut- s ch e s Vereins- und Versammlungsgesetz auf der Basis voller Bewegungsfreiheit erlangt wird. Doch, wie gesagt, sind das Alles nur Einzelansichtcn. Wie die sozialdemokratische Fraktion in der nächsten Session in den vorstehenden Fragen in der That sich verhalten wird, das wissen'auch wir nicht. Darüber wird die Fraktion sich aller- dings in einer der ersten Sitzungen nach Eröffnung des Reichs- tags schon entscheiden. Daß aber im Uebrigcn die sozialdemokratische Fraktion auch in der bevorstehenden letzten Session der gegenwärtigen Legislaturperiode dieselbe Haltung, wie in den drei ver- flossenen Sessionen bewahren wird, halten wir für selbstver- ständlich. Ob diese gegen die Herrschaft der Reaktion und der Ka- pitalmacht gerichtete Haltung die richtige ist, darüber haben allein die sozialdemokratischen Wähler und das arbeitende Volk zu entscheiden. Und diese Entscheidung wird bei den nächsten Reichstags- wählen fallen. Politische Ueberstcht. Reichstag. Mit Rücksicht auf die Lage der Etatsarbeiten wird jetzt angenommen, daß der Reichstag zum 23. November werde einberufen werden. Zn welchen Ungeheuerlichkeiten das preußische Drei- klassenwahlrecht führen kann, dafür bietet die„Frankfurter Zeitung" einen artigen Beleg. In der Stadt Essen scheidet demnächst ein Drittel der Stadtverordneten aus, für das Neu- wählen vorzunehmen sind; die erste Abtheilung hat 3 Stadt- verordnete zu wählen. Da steht nun in dem Ausschreiben des Bürgermeisters folgendes zu lesen:«Zur 1. Abtheilung gehören diejenigen Wähler, welche 170 151 Mark und mehr, zur 11. Abtheilung diejenigen, welche weniger als 170 151 M. bis einschließlich 162 M. direkte Staatssteuern zahlen und zwei nur 159 M. direkte Steuern zahlende Wähler, zur III. Abtheilung gehören alle diejenigen Wähler, welche 159 M. und weniger direkte Staatssteuern, mindestens aber 12 M. Klassenstcuer oder 6 M. Grundsteuer bezahlen oder in der Stadt ein Haus be- sitzen.— Hundertsiebzigtausend Mark und mehr— dies Essen da- und diese Frau aus dem Spiel zu lassen, so wende es nach. Es wird gewiß kein wahres Wort daran sein." „Das ist auch meine Meinung," erwiderte er.„So unerwartet des Barons Tod.erfolgt ist, und so wenig ich geneigt bin, diesem Neffen und seinem Freunde etwas Gutes zuzutrauen, so schwer möchte ich mich doch entschließen, sie eines so furchtbaren Verbrechens fähig zu halten. Es wird der verzweifelte Rachedurst eines betrogenen Mädchens sein, der diese Zeilen dcktirte und ich möchte am allenvenigsten, daß Dein Name in solcher Verbindung vor eine Behörde oder gar vor die Oeffentlichkeit gezerrt würde.— Dennoch muß irgend etwas geschehen. Zch werde dem Sanitätsrath auf meine eigene Hand eine Warnung zuflüstern, ohne die Quelle zu nennen. Wenn er dann etwas Auffälliges an dem Tobten zu entdecken glaubt, so ist es immer noch Zeit, mit dieser Andeutung hier hervorzutreten. Bist Du damit einverstanden?" „Wie mit Allem, was Du thust!" sagte sie. „Nun, so leb' wohl für jetzt, mein Herzenslieb! Zch gehe mit leichterem Herzen in's Schloß zurück, als ich daher gekommen bin! Dir aber möchte ich rathen, Dich in diesen Tagen so wenig wie möglich da oben sehen zu lassen und auch hier auf Deiner Hut zu sein. Zch traue diesen beiden Leuten nicht. Bis zur Eröffnung des Testaments müssen wir, Nikolaus und ich, unseren Pflichten nachgehen, denn wir wisien ja bis dahin noch nicht, wer ein Recht dazu hat, unsere Kündigung in Empfang zu nehmen. Dann aber denke ich so schnell wie möglich zu gehen. Es wird sich schon ein anderer geeigneter Platz für mich finden; und so bitter uns auch die Trennung sein mag, sie wird vor- übergehen, und an ihrem Ende winkt uns ja das allerschönste Ziel!" XII. Es war gegen 8 Uhr Morgens. Die Leiche des alten Mannes war gewaschen und in ihr letztes irdisches Gewand gekleidet, sonst aber war nichts im Sterbehause berührt oder verändert worden, da der Sanitätsrath Lindenberg in dieser Beziehung ganz bestimmte Weisungen gegeben hatte. Früh am Morgen war er noch� einmal in das Gemach getreten, hatte den Körper des Todten einer flüchtigen ist ja eine Stadt der Krösusse, sollte man denken. Des Räthsels Auflösung ist aber: Ein Einwohner, Herr Krupp, zahlt diese Steucrsumme, er allein bildet die erste Abthei- lung. Alle sonstigen Ganz- und Halbmillionäre gehören dann in die zweite Klasse, wo sie mit den 162 Mark-Männern eine sehr gemischte Gesellschaft bilden. Und Her r K r u p p allein? Er„wählt" ein ganzes Drittel der EssenerStadtverordnetcnvcrsainmlung. Wenn man bedenkt, wieviel Leute noch von.Herrn Krupp abhängig sind und deshalb tanzen müssen, wie er pfeift so gewinnt man ein abschreckendes Bild von dem ungeheuren Uebergewicht, wel- chcs das Dreiklassenivahlsystcm dem Großkapital verleiht. Wenn die Regierung ein Drittel der Stadtverordneten nach Gutdünken einzusetzen hätte, in welchen Sturm der Entrüstung würden dann die Liberalen über die Vernichtung der Selbst- Verwaltung ausbrechen! Wenn aber der eine Großkapitalist Krupp die gleiche Machtvollkommenheit besitzt und ausnutzl, dann regt sich kaum ein leises Lüftchen in den liberalen Blättern. Unfallversicherung der Teeleute. Was wird die Unfall- Versicherung für die Seeleute k o st c n? Darüber giebt eine An- läge zu den, bezüglichen Gesetzentwurf Auskunft. Nach den Ergebnissen der angestellten Berechnung sind im verflossenen Jahrzehnt auf deutschen Seefahrzeugen jährlich ums Leben ge- kommen bei Schiffs mfällcn 343, ohne Zusammenhang mit Schiffsunfällen 228, zusammen 571 Seeleute. Ferner sind in- valide geworden 103. Als diejenige Besatzung, auf welche diese Unfälle zu vertheilen wären, sind in Ansatz zu bringen rund 37000 Personen. Tie Entschädigungen, welche den nach dem Unfallgcsetz zu gewährenden Sätzen entsprechen, wären auf ins- gesammt nmd i 295 000 M. und für den Kopf der Versicherten auf jährlich nmd 35 M. zu veranschlagen. Da aber unter der Besatzung deutscher Seefahrzeuge mindestens 8 pCt. Ausländer sind, deren Hinterbliebene, wie nach dem Unfallversichenings- gesetz, in der Regel keine Renten beziehen werden, so ennüßigt sich diese Jahresbelastung auf insgcsammt rund 1 197 000 Mark oder für den Kopf der Versicherten auf jährlich nmd 32,4 M. Staatsbahn und Eisenbahnunfälle. Aus Schleswig- Holstein, 28. Oktober, wird der„Voss. Ztg." geschrieben:„Man ist hier sehr gespannt darauf, ob es wahr gemacht werden wird, daß Minister Maybach diejenigen Blätter st r a f r c ch l i ch t v e r- folgen läßt, welche die Mittheilungen der„Schleswig er Nachr." in Anlaß des Schleswigcr Eisenbahnunfalles über eine angeblich zu starke Ausnutzung der Arbeitskraft des Zug- Personals gutgläubig nachgedruckt haben. Die„Schlcswiger Nachr." sind ein so g o u v c r n e m e n t a l c s Blatt-->»» pbrase, daß man ihre thatsächlichen Nachrichten aus Schleswig als halbamtliche zu betrachten gewohnt ist. Für diese Provinz sind die„Schleswiger Nachr." genau das, was in Berlin die „Nordd. Allg. Ztg." ist. Tie unabhängige Presse Schleswig- Holsteins hat den schleswiger Unfall in der ruhigsten Weise, ohne jede Aufbauschung und Verallgemeinerung behandelt und erst die sensationellen Mittheilungen des schleswiger, den Regicrungskreisen so nahestehenden Blattes haben den begreif- lichen Wunsch nach einer sehr sorgsamen Untersuchung des Falles nahegelegt. Wenn schon die Annahme der Möglichkeit, daß an irgend einem Punkte einer Riesenverwaltung etwas nicht in Ordnung sei, strafrechtlich verfolgt werden könnte, dann wäre es besser, die öffentliche Diskussion zu schließen. In dem vorliegenden Falle muß überdies mit allein Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß die Venolgung der bekannten tausend- fach nachgedruckten schleswiger Mittheilungcn eine Buße sein würde, welche fast die ganze unabhängige Presse Deutschlands für die Sünde eines erzgouvernenicntalen Lokalblattes zu tragen. haben würde. Daß es dem„deutschen Bauernbund" des.Herrn Knauer- Gröbers auch in dessen neuester Organisation nicht ge- lungen ist, Bauern zum Beitritt zu veranlaycn— den Hauptstock des Vereins bilden die bekannten Gutsbesitzer und Fabrikanten wie Herr Knauer selbst— das ist im Grunde die inter- essanteste Thatiache, die man aus dem neuesten Zirkular des Herrn Knauer an die evangelischen G e i st l i ch e n entnehmen kann. Die Herren Geistlichen, die nicht ohnehin schon auf dem politischen Standpunkte des Herrn Knauer stehen, werden den Erlaß desselben auf die Seite legen und die übrigen werden bisher schon die Propaganda für den„deutschen Bäuernbund" zur Genüge erfolglos betrieben haben. Tic Methode, nach der Knauer„die wirthschaftliche Noth des Bauernstandes" heilen will, beginnt mit der Zahlung von Beiträgen für den Bauern- bund, welche bisher irgend welche andere praktische Folgen nicht gehabt haben. Der Ertrag der Zölle ist im Monat September ebenfalls wieder recht unbefriedigend gewesen. Trotz der durch die Tarifnovclle vom vorigen Jahre eingeführten be- deutenden Zollerhöhungcn sind nur ca. 450000 M. mehr zur Anschrcibung gelangt, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und die zur Reichskasse gelangte Ist-Einnahme ist sogar noch um 250000 M. niedriger als im September 1885. Fließen die Einnahmen im Winterhalbjahr nicht viel reichlicher als ini ab- gelaufenen Sommerscinester, worauf nach Lage der Verhältnisse kaum zu rechnen ist, dürfte für das Etatsjahr 1886 87 bei Musterung unterworfen und dann den Doktor Ramfeld um eine kurze Unterredung ersuchen lassen; sein ernstes Gesicht hatte keine Spur irgend einer Ermüdung und Abspannung gezeigt und mit gemessener Höflichkeit hatte er den Kollegen begrüßt. „Da Sie den Baron in seinen letzten Stunden behau- delt haben," nahm dieser das Wort,„so werden Sie sich unzweifelhaft eine feststehende Meinung über die Todesursache gebildet haben. Darf ich Sie um eine diesbezügliche Aeuße- rung ersuchen?" Ramfeld setzte sich in einen Sessel und blickte den Sanitätsrath gelassen an. „Vielleicht wäre es einfacher, wenn ich zunächst Sie um eine Belehrung darüber ersuchte, Herr Kollege", ant- wartete er,„da Zhnen der Zustand des alten Herrn besser bekannt sein mußte als mir, der ich ihn gestern zum ersten Male gesehen, aber die Symptome waren in diesem Fall so unverkennbar, daß ich meine Ansicht trotzdem glaube äußern zu dürfen." Er machte eine kurze Pause, als vergegenwärtige er sich im Geiste noch einmal die Erscheinungen, unter denen Bran- denstein gestorben, und stieß dann rasch einige Worte in lateinischer Sprache hervor, das Gesicht des Sanitätsrathes scharf im Auge behaltend. Lindenberg schien mit Ramfeld's Aeußerung ganz einverstanden, er nickte einige Male lang- sam und zog dann ein Notizbuch aus der Brusttasche seines Rockes. „Wir sind vollständig derselben Meinung," sagte er. „Es deutet alles auf diese Todesursache hin, obwohl mir bei früheren Untersuchungen des Patienten eine Krankheit gerade jener Organe niemals aufgefallen war. Haben Sie ihm irgend etwas gegeben?" „Nichts als eine leichte Chlorallösung, die ich zufällia bei mir führte." 01 Ö »Wollen Sie die Güte haben, den Todtenschein mit ,u unterzeichnen?" 3 MWSSMS den Zöllen ein Defizit von 15 bis 20 Million e« Mark in Aussicht stehen. Denn während der Ertrag derselbe« mit Rücksicht ant die gedachten Zollerhöhungen im Etat u»; 30 Millionen höher veranschlagt ist, als im Vorjahr wirkliä aufgckominenjtnd, beziffert sich das Plus der Soll-Einnahw! bis Ende September er., also für sechs Monate, erst mit' 7,5 Millionen und das Plus der Ist-Einnahme aus 4,2 3# Mark._ 1 Der Verfall der Zuckerstcuer, deren Ertrag bereits iß Etatsjahrc 1885 86 bis auf 18 Millionen Mark zurückgeganac« war, scheint trotz des neuen Zuckerstcuergesctzes im lauseno« Etatsjahre noch weitere Fortschritte machen zu wollen. Nw einer Berechnung der„Voss. Ztg." wird 1886 87 für die Reichs' kasse eine Nettoeinnahme von nur 11,3 Millionen Mark verbleiben. Da der Etatsansatz 37,3 Millionen beträgt, so be- rechnet sich also das voraussichtliche Defizit bei der Rübe»- zuckerstcuer für 1886 87 auf nicht weniger als 26 M i l l i o n e« Mark. Klerikales. Bischof Kopp von Fulda soll neulich„Mi im Stillen" in Berlin geweilt haben. Man irrt wohl niM wenn man dielen Aufenthalt des Herrn mit der weitere» Revision der kirchenpolitischen Gesetze in Zusammenhang bringt „Die Zukunft gehört den imperialistischen Tones auf W einen, den t o z i a l i st i s ch e n Radikalen auf der anders Seite. Für Teutschland liegt in dieser ganzen Wandelung* große Lehre, auch unsererseits der Neugestaltung W Weltgeschichte, wie sie sich im 19. Jahrhundert mehr und wetz vollzogen hat, mehr Beachtung zu schenken."— Also zu lesä im sozialistenfrcfferischen„Deutschen Tageblatt" in einem Art»- über die englischen Zustände. Gcltcrreich'Ungaru. Im ungarischen Unterhause legte der FiniA minister den B u t a e t v o r a n s ch l a g für das Jahr vor. Nach demselben bettagen die gesammten AusgPj 350400 021 Fl., oder 6 713 481 mehr als im Vorjahre, Gesammteinnahmcn 328 356 095 Fl., oder 1 276 687 weM als im Vorjahre. Das Defizit stellt sich somit• 22 043 926 Fl., mithin 7 990 168 Fl. mehr als im VorjahSi ohne die außerordentlichen Lasten beziffert sich das TcfizitW nur 4 201 541 Fl. Zur Deckung des Tesizits macht J? Finanzminister folgende Vorschläge: Emittirung von 30*9 papieren im Betrage von effektiv.36 600 000 Gulden!™ höhungen des Personenttansporttarifes um 1, des Frachtc»' transporttarifes um 2 pEt; theilweise Erhöhung des ProB stempels; Beschränkung der Portofreihcit; Konvcrtirung mchrel» Eiscnbalmpapiere, zunächst diejenigen der Theißbahn; ReM in der Verwaltung der Staatsbahncn und Erhöhung der Ei«' nahmen aus der �.abakregie. Selgie«. Der„Voss. Ztg." schreibt man aus Brüssel, 29- Oktoig' Für die Industriestadt Charleroi ist der Sonntag, der 31. O' tober, ein bewegter Tag. Mitten im Henncgan beleg? strömen alle Arbeiter der Kohlengruben, der Metallv'� und Glashütten dieser' Provinz wie Arbcitcrdclegirtc aus# Belgien dahin, um unter dem Entfalten der rothcn FaM und den Klängen der Marseillaise abennals ihrem Verlan?? nach dem Erlasse einer A in n e st i e und der Einführung � allgemeinen Wahlrechts Ausdruck zu geben.. Arbeiterkomitee hat 50 000 Gedenknicdaillen ausprägen lain' jeder Theilnehmer erhält eine solche; das Bassin Cent«»»r hat 15 000 Plätze bei der Eisenbahnvcrwaltunq bestellt und zahlt. Der Arbeitszug durchzieht sämmtliche Boulevards!-j. Deputation überreicht auf dem Rathhause die von allen lern unterschriebenen Petitionen für Amnestie und Wahuss? Das Ministerium hat die Garnison bedeutend verstärkt und» Konsigninmg der Truppen angeordnet. Tie gesammte BW gardc ist in Eharleroi und alle Ottschaften rings hmu»''"L rufen, Gendarmerie, Polizei, Staatsanwaltschaft, RicWcr uji Feuerwehr sind auf ihren Posten. Von Mittag ab ist lammte Pfcrdebahndienst und jeder Wagenverkchr in dtt�Sj Eharleroi untersagt. Die Großindusttiellcn des Hennegau' über die Gestattung dieser Kundgebung außerordentlich rüstet; sie befürchten den schlechten Eindruck aus das Au-l das die belgische Industtic nicht als gefichett ansehen und ff., Aufträge den deutschen und englischen Werken zugehen f» "....." über den in einer Wahl, an der � theilgenommen, hat der � beiterkandidat Anseele, der fick offen für erbitterten Sozuu U erklärt, über 1000 Stimmen erhalten. Das ist in der Thfu� Ettolg, wenn man bedenkt, daß unter den Brüsseler MitMA der Sozialisten- und Arbeiterpartei nicht hundett Wohlde� tigte find. Frankreich..«i In einem sehr pessimistisch gefärbten Attikel forden: „Figaro" den Staat, die Gemeinden, die Eigenthüiner.. sich besser, wie bis jetzt geschehen, gegen die P h y l' g«-'a (Reblaus) und ihre Verbreitung zu schützen. Ob die bu> s- in Frankreich getroffenen Anstalten zur Bekämpfung cfi schweren Kalamität einer Verbesserung fähig sind, laß». wird. Inzwischen jubelt die Arbeiterpartei über den in gestern errungenen Ettolg. Bei einer Wahl, an der 21 875 Wahlberechtigten nur 5237 „So iverde ich das Dokument ausstellen und die Formalitäten besorgen.— Glauben Sie übrigens, 4 j Kollege, daß der Baron seinen Neffen zum Universal� eingesetzt hat?" Ramfeld zuckte gleichmüthig die Achseln., � „Zch muß bedauern, in die Familienverhältnisse � Hauses durchaus nicht eingeweiht zu sein. Zndesien 3- das von Zhnen Erwähnte doch wohl selbstverständlich> „Hm!— Wahrscheinlich ist es allerdings!— wir werden ja sehen!— Die Testamentseröffnung? ,i! wohl gleich nach der Beisetzung erfolgen, und bis es mir natürlich, daß sich der junge Herr von Brande»!�. als den vorläufigen Verwalter der Hinterlassenschaft Er schien gestern von dem trauttgen Ercigniß rech» griffen ju sein." fil� »Es hat ihn gewaltig erschüttert, und er' sich auch heute noch in einem Zustande so hochM.�, nervöser Erregung, daß ich ihm dttngend gerathen � sich ganz ruhig zu verhalten und auf' seinem Z'nnn blechen." „So werden Sie in seinem Namen währen zwei oder drei Tage hier nach dem Rechten sehen- Ramseld verbeugte sich bejahend. Er ärgerte„iff reits im Stillen über die Fragen des Sanitätsraw-'.� es war ihm sehr willkommen, als in diesem Äuge die Thür geklopft wurde. „Wenn Sie oder Herr von Brandenstein bcnn der Verhältnisse meiner bedütten sollten, so stehe'? �£ gern zu Diensten," sagte der Sanitätsrath freundu-/ � M den Klopfenden zum Eintreten auffordette, und v' 8? gleich darauf der Thür zuwandte, so entging spöttische Lächeln, das statt der Antwott über Züge glitt.„tz«'S Mit einem höflichen Gruße gegen Lindenberg. � M sehr flüchtigen Kopfneigung gegen dessen Gesell) ch der Obettnspektor Holmfeld in das Gemach. „Zch möchte Sie um eine kurze Untette � Herr Sanitätsrath," sagte er,„in Bezug aus storbenen Herrn Baron." färocr von außen beurtheilen. Das Erciebniß der Abweßr ist aber immer noch ein sehr ungenügendes, die Reblaus setzt ihren -mhecrungszug durch die Weinberge Frankreichs fort. Vor zwanzig Fahren, als die Phyllorera im Garddcpartenicnt ganz vereinzelt austrat, wäre es möglich gewesen, durch ein rücksichts- WS energisches Vorgehen der Landplage sich zu entledigen. pcute muß diese schon auf drei Viertel des gesammten fran- zvfischen Weingebietes bekämpft werden. Damals besaß Frank- rnch zwei und eine halbe Million Öektare Weinberge, die eine Zahrliche Einnahme von drei Milliarden Franken und dem «taat reichlich 300 Millionen Franken Steuern brachten. Heute m der Umfang der Weinberge um achtmalhundert- raufend Hektare, also um nahezu ein Drittel L c f a l l e n, und es sind gerade die ersten Nummern, die da- •a flm �Pielc sind: Ermitage existirt nicht mehr, Chambertin m sehr hart betroffen, Clos-Vouaeot ist der Vernichtung nahe. -lliit dieser Verringerung der Weinproduktion hält die Ver- wmderuna der Ausfuhr und die Erhöhung der Einfuhr gleichen ?chntt. Im Jahre 1884 erportirte Frankreich 2 400 000 Hekto- «ter Wein, währendes 8115000 Hektoliter einführte. Seit ocm Beginn der Phylloxera hat dieselbe, wie der„Figaro" lonstatirt, Frankreich mindestens zwanzig Milliarden, also das Vierfache der Kriegsentschädigung gekostet. Die �stwegung des Hebels ist in mathematischen Progressionen auf- dccaend und wenn nicht bald ein sicheres Mittel gefunden ?sto, um das Insekt zu vernichten, so kann man mit Sicher- Sj b™ Augenblick berechnen, wo die nationale Produktion in sv�ömtnisien betrogen wird, die ein unermeßliches landwitth- Etliches und finanzielles Unglück darstellen. Den Krieg »gen die Phylloxera sollte man beginnen, sagt der„Figaro", Zrpast an einen andern denkt, was in der That ein sehr «nunftiger und der Ausführung werther Vorschlag ist. Grotzbf itunttien. .. Fn der Stadt Denbi gh fand am 23. Oktober eine zahl- f'? besuchte Versammlung von welschen Pächtern und Pchterfreundcn statt, die den Entwurf eines welschen grargesetzes, das Mr. Bnin Roberts im Parlament ein- zuvnngen übernommen hat, einer Erwägung unterzog. Das «kplante Gesetz erstrebt die folgenden vier.Hauptreformen: l) Eme angemessene Rente, die entweder durch Schiedsmänner durch einen Agrargerichtshof(nach Muster der bestehenden •wichen) festgesetzt werden soll. 2) Sicherstellung der Dauer f.F Pachtung. 3) Unbeschränktes Vcrkaufsrccht des Pächters lur die von ihn: durchgeführten Bodcnaufbefferungen und Bau- uchkelten. 4) Entschädigung des Pächters für die Nachthcile, uw ihm aus einer Kündigung der Pachtung erwachsen(conu.en- eation!or dmiurnau e>). Die ersteren drei Punkte wurden burchberathen und durch Resolutionen gebilligt; der vierte luußte wegen Mangel an Zeit vertagt werden. In den Reden, me zur Sache gehalten wurden, erfuhren indeß alle übrigen �Beschwerden der Walliser ausführliche Beachtung. Am kräftig- nen sprach sich der Abgeordnete Lewis unter begeistertem Bei- lall seiner Landsleute für die Beseitigung der Kirchen- ' e h n t e n aus, deren Erfolg er nur von der Abschaffung er Staatskirche envartete. Angesichts Ehurchill's mibe- stimmten Tratforder Refornwersprcchungen ist es bemerkenswerth, t®aß die fast durchweg liberalen Walliser ihr Mißtrauen in die uvcrlässigkeit der konservativen Besprechungen betonten. ezeichnend für den ganz liberalen Geist, von welchem diese Agrarbewegung getragen wird, ist eine von Lewis beantragte und einmuthig angenommene Resolution, die bestimmt erscheint, die Bethörungsversuche der schutzzöllncrischen Agrarpolitiker nach kontinentalem Muster von der Schwelle zurückzuweisen. Tie Versammlung sprach sich nämlich dahin aus:„daß Abhilfe (für die Roth im landwirthschaftlichen Gewerbe) nicht gesucht svcrden darf in der Auferlegung von Schutzzöllen in Mnd welcher Form oder unter irgend welchen Umständen, � m)om daß wichtige Aen Gerungen in den Gesetzen lytoiqmmen werden müssen, welche die setzt bestehenden Be- Ob y � zwischen Großgrundbesitzern und Pächtern bestimmen." bea�. erfolgreichen Fortgangs der welschen Bewegung herrscht effimf. vt Weise arge Aufregung unter den bedrohten Intel- unh s?ct gegenwärtigen Zustände, den Großgrundbesitzern � staatskirchlichen Geistlichkeit. Kalkan tander. „Verl. Tagebl." erfährt: Die bulgarische Krise rürf..„.Pemein als der Entscheidung zutreibend bezeichnet; ge- A.j/sP�lle verlautet, vor Borna seien weitere drei russische lm,x eingetroffen. Mehrfach wird angenommen, Ruß- soll s™0"6 zunächst Barna als Faustpfand besetzen. Die Pforte au, v russischen Botschafter Ztclidoff erklärt haben, sie hoffe fenV, baldige Rückbcrufung der russischen Schiffe, deren Ent- St.%"P* Varna ihr nickst unerläßlich erscheine.— In der kunh-�urger Presse giebt sich eine gehobene Stimmung b»,„' su Folge der angeblichen F r e i l a s s u n g der verhafteten S,„?an'chen Offiziere, weil dadurch in den Augen aller fanf?.are" der Staatsstreich vom 21. August nachträglich (Si„s,;on,tt die Kontrerevolution dagegen verurtheilt werde.— _ Qn Pascha übergab der Regierung eine Note der Pforte, „So sprechen Sie, mein lieber Herr Holmfeld! Ich t nianitätsrath!" v,.. Er ging. Aber er unterließ nicht, draußen vor der S.hur einen Augenblick stehen zu bleiben und drohend die vaust gegen das Zimmer zu schütteln. %„Du wirst mir die Uverschämthest bezahlen, mein Lunche! Ich bin schon mit anderen Leuten fertig ge- wit �.e9Qb er sich hinauf in den zweiten Stock, um Kummer mahMunehmen, daß der bleischwere regungen h"c welchen Gurt nach all' den unmäßigen Auf- �aure � hf.en Rächt versunken war, noch immer an- �eite ieber rn r � bcn Augenblick wenigstens von dieser Der �W'gung überhob. höchster Bestiip,. Lindenberg ging unterdessen in Mite ihn, iL\un?.u.nb Unruhe auf und nieder. Holmfeld worin ebenfalls die Aufschiebung der Aburtheilung der ge- fangenen Offiziere verlangt wurde. General v. Kaulbars richtete eine Note an die bul- aarische Regierung, in welcher es heißt, es sei unmöglich, die Behandlung, welche russischen Unterthanen und bul- garischen Staatsangehörigen, welche der Opposition angehörten, seitens der Bulgaren zu Theil werde, zu ertragen. Wenn er, der General, nicht binnen drei Tagen eine befriedigende Antwort erhalte, so werde er mit seinem Personal abreisen und der Regierung die Verant- wortung für die Folgen überlassen. Wie es heißt, antwortete die Regierung, daß sie allen Präfekten anempfohlen habe, mit Strenge über die Sicherheit der russi- schen Unterthanen zu wachen, zugleich ersuchte die Regierung den General wiederholt, ihr die Namen und Adressen aller russischen Unterthanen in Bulgarien, welche be- lästigt worden seien, mitzutheilen, um die Urheber solcher Be- lästigungen bestrafen zu können.— Die Thatsache, daß der General Kaulbars alle Versöhnungsversuche der bulgarischen Regierung mit einem schroffen Ultimatum beantwortete, gilt als ein Beweis dafür, daß Rußland mit der gegenwärtigen Regent- schaft Bulaariens überhaupt nicht zu einer Verständigung ge- langen will. Ein Privattelegramm der„Nat.-Ztg." meldet: In Folge verschärfter russischer Einschüchterungen und Drohungen wird ein weiterer Aufschub des Zusammentritts der S o b r a n j e erwogen. Asien. Aus A f g h a n i st a n wird von einem Aufstand der Eingeborenen gemeldet. Das Reuter'sche Bureau berichtet hier- über unterni 30. d. M.: Nach aus Kabul in Bhawalpur im nördlichen Afghanistan eingetroffenen Nachrichten soll sich der Ghilzai-Stamm in der Nähe von Ghuzni gegen den Emir er- hoben und sich mit einem Theile des Huzara-Stammes ver- Hunden haben. Ein afghanisches Regiment, welches einen Schaytransport geleitete, sei durch die Rebellen angegriffen und zersprengt worden. Sadu, ein bekannter Bandenführer, sei ebenfalls zu den Rebellen übergegangen, welche von Muschki Älum angeführt würden. Der Grund des Aufstandes soll die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der übermäßigen Be- steuerung sein. Amerika. Die brasilianische Kolonialgründung des Herrn Pastor Stutzer ist verkracht. Stutzer kaufte von Dr. Blumenau ausgedehnte, in der Nähe der Kolonie Blumenau belegene Ländereien und erließ im Mai und Juni vorigen Jahres verschiedene Aufrufe, in denen er Antheilscheine zu 100 M. auf seinen Besitz ausbot. Da wußte er viel zu reden von der Herrlichkeit des Looses, das Aller harrte, die ihm folgen wollten. In Brasilien angekommen, ist Herr Stutzer mit Herrn Blumenau alsbald geschäftlich aneinander gerathen. Beide werfen sich unkoulante Geschäftsgebahrungen und Un- Wahrheiten vor; beide machen jetzt Besitzansprüche auf dasselbe Land, welches angeblich der eine dem anderen abgekauft hat. Die„Haus- und Gartenplätze", von denen Herr Stutzer früher predigte, sind jetzt„Ucbcrschwemmungsland und steile Berge"! Früher behauptete der Herr Pastor, das Land ungeheuer billig gekauft, jetzt will er es zu theuer bezahlt haben.— Herr Dr. Blumenau aber sagt, Herrn Stutzer gehöre das in Frage kom- mcnde Land überhaupt nicht! Die Widersprüche sind noch un- aufgeklärt. Herr Stutzer wird nach Teutschland— vor ändert- halb Jahren verpachtetcte er eine ihm gehörige Heilanstalt bei Goslar— zurückkehren. Gmchts-Ieitmtgu Gin Anarchistenprozest vor dem Reichsgerichte. Leipzig, 30. Oktober. Im Sitzungssaale des Reichsgerichts begann heute Vormittag 9 Uhr vor dem vereinigten".und III. Strafsenate die Verhandlung gegen den Schriftsetzer Gustav Drobner aus Königsberg in Preußen, zuletzt in Leipzig wohn- Haft. Ten Vorsitz führt Senatspräsident Dr. Drenkmann, die Anklage vertritt Oberreichsanwalt Tessendorf; das Protokoll führt ver Obersekretär Rösler. Als Zeugen und Sachverstän- dige sind 11 Personen vorgeladen. Der Angeklagte ist ein junger Mensch von kräftiger Statur, intelligenten entschlossenen Gesichtszügen und kurzgeschorenen, ins Röthliche schimmernden blonden Haaren. Er nahm seinen Platz neben dem Vertheidiger Rechtsanwalt Schultze, gerade vor dem Gerichtshofe ein. Auf Befragen des Präsidenten machte der?lngeklagte folgende An- gaben:„Ich bin am 28. Oktober 1864 in Königsberg i. Pr. geboren und evangelisch getauft. Seit Anfang 1884 bin ich dauernd in Leipzig; zuletzt, und zwar seit dem 20. Februar dieses Jahres, war ich in der Druckerei von Naumann thätig. Ich bin nicht vcrheirathet, Ersatzreservist Ii. Klasse und noch nicht besttaft." Es erfolgte nunmehr die Verlesung des vom ersten Sttafsenate am 4. Oktober gefaßten Anklagebcschlusses, nach welchem sich der Angeklagte verdächtig gemacht hat, in Leipzig am 26. und 27. Juni d. I. Vorbc- rcitungen zu einem hochverrätherischen Untemehmen getrvnen werden zu lassen! Es könnte Ihnen die schwersten Unan- nehmlichkeiten zuziehen!— Alles spricht dagegen, aber dennoch— obwohl ich, wie gesagt, durchaus nicht daran glaube— es wäre ja zu wahnsinnig!— dennoch will ich Ihren Wink nicht unbeachtet lassen! Ich werde die Leute ausfragen, die in den letzten Stunden um den Baron waren — ich will so vorsichtig wie möglich zu Werke gehen;— das ist ja eine ganz verteufelte Geschichte!" „Würde nicht eine genaue Untersuchung, respektive Sektion der Leiche das geeignetste Mittel sein, Aufschluß zu erhalten, Herr Sanitätsrath?" „Ah, das ist nichts, lieber Freund!— Mit der Sektion wenigstens möchte ich vorläufig nichts zu thun haben. Da müßte ich den Verdacht erst der Polizeibehörde mittheilen; das gäbe endlose Scherereien und wäre, so lange kein anderer Anhalt vorliegt als diese unbestimmte Ver- muthung, deren Urheber Sie mir nicht einmal nennen wollen, geradezu lächerlich!— Nein, nein, ich will einige ganz vorsichtige Vernehmungen anstellen und nach dem Er- gebniß derselben handeln. Vor Allem aber versprechen Sie mir unbedingtes Stillschweigen gegen Jedermann." „Ich verspreche Ihnen das, und ich werde mich von Herzen freuen, wenn dieser ganze Verdacht nichts als ein Hirngespinnst ist!" „Jedenfalls haben wir dann unsere Schuldigkeit gethan. Ich werde Sie nachher von dem Ergebniß benachrichtigen. Auf Wiedersehen!" Lindenberg hielt Wort. Er erkundigte sich so sorgfältig wie möglich nach allen Ncbenumständen bei Brandenstein's Erkrankung wie bei seinem Tode. Der alte Kammerdiener, den er zuerst in's Gebet nahm, vermochte nur sehr wenig auszusagen, da er fast während der ganzen Nacht im süßesten Schlummer gelegen hatte und aus Elsbeth's Erzäh- lung war mit Bestimmtheit zu entnehmen, daß die Mög- lichkeit einer verbrecherischen Handlung in der Darreichung jenes Pulvers gelegen hätte, das Ramfeld als Chloral be- zcichne�ollte noch ein Rest der Lösung in dem Glase befinden?" fragte der Sanitätsrath das junge Mädchen, das er im Gartenhause aufgesucht hatte. zu haben. Es wird ihm vorgeworfen, daß er am 26. Juni in der Druckerei von Naumann ein Plakat unter der Ueberschrift„Arbeiter aller Länder, organisirt euch!" gesetzt und einen oder mehrere Abzüge davon angefertigt und 11 Exemplare des„Liedes an das deutsche Volk" an sich gebracht habe in der Absicht, diese Druckschriften zu verbreiten. Die Beweis- aufnähme, aus welcher sich ergab, daß in der Person des An- geklagten ein nicht zu unterschätzender Anhänger der anarchisti- schen Partei abgefaßt ist, hatte nur insoweit besonderes Jnter- esse, als die Vernehmung des Angeklagten in Frage kommt. Auf Befragen des Präsidenten erzählte der Angeklagte über seine Verhaftung folgendes: Am Morgen des 27. Juni verließ ich meine Wohnung in der Steniwartenstraße und ging in die Turnersttaße- An der Plakattafel, welche sich dort befindet, blieb ich einen Augenblick stehen und wurde von einigen Be- kannten begrüßt, welche vorübergingen. Dann ging ich auch weiter und sah, wie mir ein Bekannter aus einem Fenster der in der Nähe befindlichen Richter'schen Restauration zuwinkte. Als ich dem Winke eben folgen wollte, trat der Schutzmann Zeiler an mich heran und forderte mich auf, in eine.Hausflur zu treten. Ich that dies und wurde von ihm durchsucht; er nahm mir eine Rolle, die ich in der Hand hatte, sowie ver- schiedenc Druckschriften, die ich in den Taschen trug, ab und erklärte mich für verhaftet. Dann wurde ich nach der Bezirks- und endlich zur tzauptwache gebracht. In meinem Besitze befanden sich 11 Exemplare des Liedes an das deutsche Volk; ich habe dieselben von einem Bekannten erworben, um sie an nieine Freunde im Auslände zu schicken. Ebenso ist mir ein Plakat abgenommen, welches ich Tags zuvor(eines Sonnabends) in der Nauniann'schcn Buchdruckerci gesetzt und gedruckt habe. Ich habe dies gethan, damit es als Vorlage dienen sollte für 200 Exemplare, die in Chikago gedruckt und in Brünn verbreitet werden sollten. Un- gefähr 8 Tage vorher hatte ich einen Brief von einem Be- kannten in Brünn erhalten, welcher die Exemplare entweder in Leipzig oder in Brünn angefertigt haben wollte. Da ich in Ehikago keinen Buchdrucker, sondern nur einen Klempner kenne, so wollte ich erst ein Probe-Exemplar anfertigen und es ihm zuschicken. In der Rolle, die ich ttug, befanden sich ein Exeniplar des erwähntest Liedes, sowie verschiedene Flugblätter, welche Sachen ich einem hiesigen Bekannten zu publizistischen Zwecken geben wollte. Ans weiteres Befragen giebt Drobner an, er habe sich hier der sozialdemokratischen Partei angeschloffen, sei aber später ausgeschieden worden, weil er radikalere Prinzipien vertrat. Worin diese Prinzipien bestehen, das wollte er nicht direkt aussprechen, sagte aber schließlich, er halte die Religion und den Reichstag für überflüssig. Daß er der anarchistischen Partei angehöre, gab er nicht zu, weil die Begriffe über Anar- chismus ganz verschieden seien. Ueber die Mittel mit denen er seine Prinzipien durchführen wolle, venveigerte er die Aus- kunft. Von der Existenz einer anarchistischen Partei in Leipzig wollte er nichts wissen, doch gab er zu, daß hier etwa 6—7 Leute mit ähnlichen Prinzipien sich aufhalten. Es wurde nunmehr erörtert, daß der Angeklagte aus Verviers und aus Brooklyn Briese erhalten hat, welche durchaus anarchistischen Inhalts sind. Der Schreiber der Brooklyncr Briese ist, wie der Angeklagte zugesteht, der früher in Leipzig beschäftigt gewesene Schriftsetzer Bruno Reinsdorf, der Bruder des Hingerichteten August Reinsdorf, welcher sich, wie es scheint, zu einem Voll- blutanarchisten entwickelt hat. Die Namen der Freunde in Brünn und Chikago weigerte sich der Angeklagte zu nennen. Der Präsident hielt dem Angeklagten vor, daß er einen Zettel auf dem Wege nach der Hauptwache zerrissen, auf welchem ver- schiedenc Adressen enthalten waren; hierauf envidettc Drobner, er habe kein Interesse daran gehabt, der Polizei diese Adressen in die.Hand fallen zu lassen. Der Zettel ist nachträglich wieder zusaniincngeklebt und man hat nun die Deck-Adreffe des Ver- vier'ser Anarchisten erlangt, unter welchem man ohne Zweifel einen Tischler Newe zu suchen hat. Bezüglich des Liedes, welches nach der Melodie„Ich bin Soldat, docli bin ich es nicht gern" ge- dichtet ist und mit den Motten abschließt:„Hoch die Jntecnatio- nale!" sagte der Angeklagte, er habe es nach Amettka schicken wollen, damit man dott sehe, daß die Sozialdemokratie nicht mehr in den alten Bahnen wandele. Ueber diese„Bahnen" verweigette Drobner wiederum eine genaue Auskunft, man. kann aber ungefähr aus dem Inhalt des Liedes entnehmen, welcher Art sie sind. Dieses Lied wurde am 26. Juni hier in großen Massen verbreitet und angeschlagen. In der Wohnung des Angeklagten hatten sich, wie später festgestellt wurde, auch noch 600 Exemplare desselben befunden. Der Präsident hielt dem Angeklagten vor, daß man solche Drucksachen gewöhnlich von Amerika beziehe, nicht aber sie dorthin schicke, oer Ange- klngte blieb aber dabei, daß er das Lied nicht in Deutschland habe verbreiten wollen. Die Korrespondenz zwischen Drobner und dem Vervierser Korrespondenten deutet mit Nothwendigkeit darauf hin, daß Drobner trotz seiner Jugend einer der Haupt- stützen der anarchistischen Partei war und sogar zu Konferenzen nach Frankfurt a. M. und Verviers eingeladen wurde. Ein Brief Reinsdorfs aus Brooklyn, der einige Zeit vor der An- fettigung des Plakats angekommen sein muß, scheint der Anlaß zur Anfettigung des letzteren gewesen zu sein. Denn darin, „Nein. Das Glas fiel zu Boden und zerbrach in. kleine Stücke, die dann von dem Diener beseitigt wurden. Aber der Rest des Pulvers ist in dem Krankenzimmer ge- blieben. Dr. Ramfeld übergab es mir, damit ich dem Kranken, falls er es verlangte, noch einmal davon geben konnte." Der Sanitätsrath athmete erleichtert auf, denn damit schien ihm der letzte Schatten eines Verdachts zu schwinden. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst uufr Leven. Einen hübschen Scherz für Antiwagnencmcr bringt die- „N. Mus. Ztg.": Eine Dame kommt in's Konzert, um Brüch- stücke aus Wagners„Walküre" zu hören.„Man hat mir die Schönheiten des Werkes so oft gerühmt," sagte sie zu ihrem Ztachbar�,,daß ich ganz Ohr bin. Aber finden Sie nicht auch. daß die Musiker merkwürdig lange Zeit zum Stimmen brauchen?"' —„Aber ich bitte Sie— das ist ja schon die Musik. Malt spielt bereits seit einer Viettelstunde." Gin sinniges Denkmal hat ein Mann in Bethel, Conn.» in Nordamettka, über dem Grabe seiner verstorbenen Frau er- ttchten lassen. Das Denkmal besteht aus einem rohen, großen Stein von einem benachbarten Hügel. Warum er ein so ein- faches Denkmal gewählt hatte, erklärte der Mann, wie folgt: „Auf diesen Stein habe ich mit meiner späteren Frau gesessen, als ich ihr meine Liebeserklärung machte and sie mir ihr Ja- wott gab." Gin frommer Trunkenbold erließ kürzlich im einem New- Borker Blatt folgendes Inserat:„Anzeige und Bitte. Da ich das Unglück habe, starke Getränke mehr zu lieben, als mir gut ist, so ersuche ich alle Verkäufer dieser Attikel, mir der- gleichen um keinen Preis mehr zukommen zu lassen, und wenn ich darauf bestehen sollte, mich nöthigenfalls mit Gewalt fort zu treiben, indem ich zwar ein großer Trunkenbold, aber mit Gottes Hilfe noch kein unverbesserlicher bin."— Folgt die Unterschrift, dann ein Nachwott:„Wer mir, dieser Anzeige ungeachtet, Rum, Genever und dergleichen verkauft, den werde ich öffentlich mit Namen nennen, damit man erfährt, wer mi(% zur Sünde verleitet hat." fcrriic in einem gleichzeitig übersandten Ausschnitte aus der „Freiheit" kommen dieselben Gedanken vor, wie in dem Plakate. Es wird darin von Dynamit und Reaktion gesprochen und aufgefordert, die Tyrannen zu vernichten. Besonders der Schluß des Ausschnittes war in den krassesten Ausdrücken gehalten. Ter Angeklagte variirte den Text etwas, -Daß die Grundsätze der Anarchie dem Angeklagten durchaus innewohnen, geht aus einer Postkarte hervor. Vre Drobner, als er Pfingsten nach Frankfurt gereist war, um mit einem andern Anarchisten zusammenzukommen, von Offenbach aus an einen hiesigen Schriftsetzer geschrieben hat. Dieselbe schließt mit einem in Buchstaben ausgedrückten Wunsche, daß die Anarchie gedeihen möge. Bezeichnend für ibn ist es auch, daß, als er schon verhastet war, an seine Adresse eine Sendung aus Brooklyn ankam, in welcher zwei Schriften Mostes enthalten waren, nämlich„Revolutionäre Kriegswissenschaft, Anleitung zur Herstellung von Nitroglyeerin, Schießbaumwolle u. s. w." und„August Reinsdorf, die Propaganda der That."— Die Zeugenvernehmung ergab nichts bemerkenswerthes. Die Ausführungen des Oberreichsanwalts waren nur sehr kurz. Er be- schränkte sich, auf das Geständniß des Angeklagten bezüglich des objektiven Thatbestandes hinzuweisen und folgerte die Absicht des Angeklagten, die inkriminirten Schriften zu verbreiten, aus den ganzen Umstünden. Zum Schlüsse beantragte er eine Strafe von 2', Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust. Der Vettheidiger beantragt dagegen Freisprechung, da der That- bestand des§ 86 nicht enüllt sei.— Das Urtheil, welches kurz vor 5 Uhr verkündet wurde, lautete genau dem Antrage des Oberreichsanwalts gemäß. In dem Liede wurde keine vorbe- reitende Handlung zum Hochverrathe erblickt. Der Angeklagte nahm das Urtheil mit Ruhe auf und wurde dann wieder in die Hast abgeführt., Koslin. 26. Oktober.(Geständig und dennoch steige* sprochen.) Ter Fall, daß die Geschworenen einen Angeklagten von einem Verbrechen freisprechen, dessen sich dieser selbst schuldig erklärt, dürfte jedenfalls in der gerichtlichen Praxis zu den Seltenheiten gehören. Hier haben die Geschworenen kürz- lich einen Knecht Schulz aus Abban Sparsee, der wegen Mein- eitles unter Anklage stand, freigesprochen, obwohl der Ange- klagte hartnäckig dabei beharrte, wissentlich früher eine falsche Aussage vor Gericht geleistet zu haben. Der Bauer, bei wel- chem der Knecht in Diensten stand, war angeklagt gewesen, in feuergefährlicher Rühe geschossen zu haben, und daraufhin ver- urtheilt. In der Berufung beschwor der Knecht, daß der Bauer in einer bestimmten Entfernung von dem betreffenden Orte geschossen, und daß der Papierpfropfen von dem Kuhjungen nachher ein Ende weiter verlegt worden sei. Da diese Aussage verdächtig vorkam, vernahm man Schulz, und in der That gestand er darauf ein, einen Meineid geleistet zu haben, und er- klärte dies auch in der Schwurgerichtssitzung, in welcher über ihn verhandelt wurde. Aus den Zeugenaussagen des Kuhjungen und drei anderer ehrbarer Personen ergab sich jedoch das Merk- würdige, daß diese Selbslbeschuldigung des Sch. nicht den Thatsachen entsprechen konnte. Es wurde zugleich erwähnt, daß Sch. als Knabe einmal in Folge eines Falles ein Jahr an Gedächtnißschwäche gelitten habe. Unter diesen Umständen gewannen die Geschworenen die Ueberzeugung, daß der An- geklagte selbst sich in einem Jrrthum befände und sprachen so- wohl ihn wie den Bauern, welcher der Verleitung zum Meineid angeschuldigt war, von der Anklage frei. Wien, 29. Oktober. Heute fand hier der erste Anarchisten- prozeß nach dem neuen Anarchistengesetz statt. Der Ausnahms- gerichtshof verurtheilte den 33jährigen Bäckergesellen Kittler und den tum.... Jahren schweren Kerkers. n 25jährigen Schuhmachergesellen Sekania wegen Verbrei- na eines anarchistischen Flügblattes zu sechs bezüglich vier Soziales und Arbeiterbewegung. Zur Buchdruckerbeweguna. Das Verfahren der Buch- druckereibesitzer Rheinland-Westfalens erregt nun auch den Unwillen des besser gesinnten Theils der Prinzipale. In der letzten Nummer der hier erscheinenden„Deutschen Buchdrucker-Zeitung", dem Organe der Prinzipale, verwahrt sich der Prinzipalvertreter Georg W. Büxenstein in einem längeren Artikel ganz energisch gegen die vorgenommenen Manipulationen genannter Arbeitgeber, wonach dieselben eine erneute Urabstimmung unter dem Vorgeben, daß die erste Ab- stimmung eine unrichtige war, in ganz Teutschland veranstalten. Herr Büxenstein sagt:„Auf Basis des seit 1. Oktober 1878 giltigen Tarifs nebst Anhang hat seitens der Gehilfenschaft eine Kündigung dieses Tarifs per 1. Oktober 1886 stattgefunden; diese Kündigung ist korrekt geschehen, also erlosch jener Tarif, wie allseitig anerkannt worden ist, am 1. Oktober 1886, von welchem Zeitpunkt an, wenn kein neuer Tarif zu Stande gekommen wäre, tariflose Zustände geherrscht hätten. Auf Grund des 1878er Tarifs haben sowohl Prinzi- pale und Gehilfen Vertreter für die Tarif-Revisions-Koinniission gewählt und diese haben in Leipzig, wieder auf Grund des 1378er Tarifs, berathen und ein Elaborat zu Tage gefördert, welches sie schließlich wieder nach Vorschrift des 1878er Tanfs Prinzipalen und Gehilfen zur Abstimmung vorlegten. Es hat gar nicht in der Kompetenz der Tarif-Revifions-Kommission gelegen, eine Aenderung des vorgeschriebenen Abstimmungs- modus eintreten zu lassen, ihr waren eben einfach durch den 1878er Tarif die Hände nach dieser Richtung hin gebunden. .... Ick selbst, wie ich ausdrücklich betonen möchte, halte den bisher üblichen Modus auch nicht für richtig, da er eben den Kollegen der Provinz nicht die Möglichkeit geboten hat, ihre Anficht bei der Abstimmung zu dokumentiren, aber deshalb darf man eben den Rechtsboden immer noch nicht verlassen, wie die Kollegen Rheinland-Westfalens dies zweifellos thun, indem sie eine Urabstimmung veranlassen wollen, wozu sie meiner Ansicht nach kein Recht haben, am allerwenigsten unter dem Namen des Deutschen Buchdrucker-Vereins, denn ick kann nicht an- nehmen, daß der Gesammtvorstand des Deutschen Buchdrucker- Vereins zu dieser Maßnahme seine Erlaubniß ettheilt hat. Hat er sie nicht ettheilt, haben die Herren kein Reckt, den Namen zu mißbrauchen, und dadurch irgend welchen Einfluß hervorzurufen und die Mitglieder des Deutschen Buchdrucker- Vereins dürfen wohl ermatten, daß ihr Vorstand sein Veto gegen diesen Mißbrauch einlegt..... Ich glaube, daß gerade wir Prinzipale uns bemühen sollten, den Rechtsboden nicht zu verlassen, denn nur so werden wir in der Lage sein, etwa von der Gehilfenschaft versuchte Uebergriffe zuttickzuweisen......" Nach diesen Ausführungen möge man einerseits das„arbeitet- freundliche" Verhalten der Prinzipale Rheinland- Westfalens beuttheilen, andererseits beachten, daß unter solchen Verhält- nissen die Militärbehörden gegen die auf dem Rechtsboden sich besindenden Gehilfen in der Weise Stellung nehmen, daß sie den tattfscheuen Prinzipalen durch Abkoinmandirung resp. Beurlaubung von Soldaten die Mittel in die Hand geben, die nach Gesetz und Recht begründeten Forderungen der Gehilfen unmöglich zu machen.— Aus Stuttgart weiß das„Schw. Wochenbl." zu melden: Eine am vergangenen Mittwoch im großen Saale von Paul Weiß stattgefundene Allgemeine Buch- druckerversammlung beschloß, die in der Zeit vom 31. Juli bis 2. Oktober d. I. bezahlte freiwillige Exttasteuer von 50 Pfennig pro Woche nicht zur Rück vertheilung zu bttngen, sondern das Geld zur Unterstützung der für Einführung des neuen Tattfes arbeitslos gewordenen Kollegen— besonders in Rheinland- Westfalen— zu verwenden.— Auch in Schlesien rühren sich die Pttnzipale. Am 24. v. Mts. hielten Buchdruckereibesitzer aus Provinzialstädten eine Konferenz zu Kamenz ab. Es handelte sich um Annahme oder Ablehnung des neuen Tarifs. Die Versammelten beschlossen folgende Re- solution:„Die hiesige Versammlung schlesischer Buchdruckerei- besitzet erklätt mit Rücksicht auf die gegenwättigen allgemeinen drückenden Verhältnisse den neuen allgemeinen deutschen Buch- druckettattf, aufgestellt von der Tattskornrnission, Leipzig, für nicht annehm ba r." Im weiteren wurde die Gründung einer Provinzialvereinigung in Aussicht genommen. Dazu soll eine Versammlung auf den 14. November nach Frankenstein einberufen werden. Sämmtliche Buchdruckereibesitzer Schlesiens werden zu derselben eingeladen. lieber die Bergarbeiter im Waldenburger Revier erfährt das„Sächs. Wochenbl.": Ueberau im Kreit e wird geklagt, daß die Arbeitszeit eine zu lange sei, nämlich 12 Stunden pro Tag. Wenn schon diese Zeit ausreicht, den gewöhnlichen Industriearbeiter zu ermatten, so kann man sich den Zustand des Bergmannes vorstellen, dessen Thätigkeit zr der schwersten gerechnet werden muß, zu welcher sich aber noch der lange Mangel gesunder Luft, der Kampf mit Pulverdampf und stockenden Wettern gesellt. Gleichmäßig sind auch die Klagen über die geringen Löhne. Abschlagszahlungen von 9 M. pro Woche sind fast das Höchste, sie sinken durch alle Stufen bis herab zu 6 Mk. Dann darf man aber nicht glauben, daß zum Monats- lohntage eine erkleckliche Summe herausgezahlt würde. Oft genug möchte mancher noch Geld auf die Zeche bttngen. Daß bei solchen Verhältnissen sich nicht nur Schulden auf Schulden häufen, sondern Darben der Normalzustand einer Familie von oft nur wenigen Köpfen ist, leuchtet wohl ein. Die„Strafen" tragen noch zürn weiteren Druck der Löhne bei. Es liegt uns vor ein Strafzettel vom v. d. Heydt-Schacht, 1. Abtheilung der vereinigten Glückhilfgrube pro August 1886. Zu dieser Abtheilung gehören zirka 200 Mann. Davon sind im be- sagten Monat 55(fünfundfünfzig) bestraft mit zusammen 37 Mark 25 Psg., und zwar wegen folgender Vergehen: 2 Mann mit je 3,00 M. wegen wiederholtem Skandal bei der Verlesung. 1„„ 2,00„ wegen absichtlichen(?) Zettahrens der Wetterthür. 4„„ 1,00„ wegen Unfug.(?) 1„„ 2,00„ wegen Grobheit.(?) 2„„ 0,50„ wegen Holz zu lang vor Ott tragen.(!!) 1„„ 0,50„ wegen unangemeldetes aus der Grube fahren. 6„„ 0,50„ wegen Feierns ohne Urlaub. 1„„ 1,00„ desgleichen. 7„„ 0,25„ wegen Förderns unreiner Kohle. 28„„ 0,50„ desgleichen. 2„„ 1,00„ desgleichen. Ties ist nur eine Abtheilung, esgiebt deren aber vier- zehn, und bei keiner ist es besser. Wie man sieht, sind einige der Strafgründe nicht haltbar, aber wer sich nickt fügt, der weiß genau was ihm bevorsteht: der Abkehttckein. Und umsonst will doch keiner seine schweren Gelder in die Knappschaftskrankenkasse und Jnvalidenkasse gesteuert haben. Zur erstere» muß 1,50 zur letzteren 0,75 Mark gezahlt werden. Tie Unter- stützungen sind gering genug. In Krankheitsfällen werden 6 M. pro Woche gezahlt. Die Jnvalidenkasse zahlt nach jehnjähttgein Steuern monatlich 12 M., dies steigt allmälig auf 24 M., also 80 Pf. pro Tag. 80 Pfenige bei einem Alter von 60 Jahren! Die jugendlichen Arbeiter»ach den Berichten der Fabrikinspektoren. In dem vottgen Berichte der Gewerbe- räche waren von besonderem Interesse die Ermittelungen, die über die Zahl der in gewerblichen Anstalten beschäftigten jugend- liehen Arbeiter angestellt waren. In dem diesjähttgen Berichte ist entsprechend den von den Regierungen erlassenen Verfügungen von einer gleichen Zusammenstellung abgesehen worden. Die- selbe soll erst im nächsten Berichte wieder Ausnahme finden. So weit sich indessen erkennen läßt, hat in Bezug auf die Verwendung von jugendlichen Arbeitern und Kindern zur Fabttk- arbeit eine Aenderung nicht stattgefunden. In Bremen haben einzelne Gewerbetreibende die Beschäftigung von jugendlichen Arbeitem aufgegeben und dafür Frauen eingestellt! Verhältuißmäßig am größten scheint die Zahl der in Fabriken beschäftigten jugendlichen Arbeiter und Kinder im Großherzogthum Baden zu sein, in welchem im Bettchtsjahre die Ge- sarnrntzahl derselben sich auf 9413 belief, worunter sich 1734 Kinder von 12 bis 14 Jahren befanden, d. h. nahezu 11 pCt. der im ganzen Reiche in Fabriken beschäftigten Kinder. Ter Grund für diese Erscheinung soll in der in Baden vorherrschenden Zigarre nfabrikation zu suchen sein. Eine betnerkenswetthe Erscheinung ist sicher das Zurückgehen des Lehrlings wesens, deren Klarleguna in den Mittheilungen ein breiterer Raum gewidmet ist. In Bremen, wo die Erscheinung sich gleichfalls bemerkbar gemacht hat, soll die Abnahme der Lehrlinge mit derjenigen der jugendlichen Arbeiter überhaupt zusammenhängen, auch soll sie auf das Damiet) erliegen des Schiffbaues und der damit in Verbindung stehenden Gewerbe zurückzuführen sein. Aber während in Bremen und auch andenvarts sich eine Abneigung vor der Annahme von Lehrlingen auf Grund eines Lehrvettrages bemerkbar macht, zeigen sich in Oberbayern, aber auch noch in anderen Gegenden, Mißstände ganz anderer Att. Aus Oberbayern wird berichtet, daß dott Lehrlinge in zu großer Zahl angestellt werden. Dieselben werden mehr oder weniger maschinenmäßig beschäftigt und ohne Rückficht auf ihre immer größer werdende Einseitigkeit ausgenutzt, bis der Lehrvettrag abgelaufen ist. Sobald sie dann größere Lohnansprüche stellen, werden sie thunlichst bald entlassen und durch frische Lehrlinge erfetzt. Dieses Unwesen machte sich b e s o n- ders in Druckereien und Gießereien bemerkbar. In einer Gießerei fand der Aufsichtsbeamte neben 148 Arbeitern nicht weniger als 61 Lehrlinge im Alter von 14 bis 18 Jahren vor! Die Hotel- und Restauratenr- Angestellten Dresdens haben eine Petition an den Deutschen Reichstag verfaßt, betr. die Anerkennung der Kellner als G e w e r b s g e h i l f e n. Die Folge der Lösung dieser Frage ist von so einschneidender Wirkung auf das ganze Berufsleben, auf die soziale Stellung und die Erwerbsverhältnitie der Kellner, daß es nothwendig war, diese Petition überhaupt in's Leben zu rufen. Um diesem Vorgehen mehr Nachdruck zu verleihen, lud die Landesverwal- tung des„Vereins der Hotel- und Restaurant- Angestellten in Genf" nickt nur alle Vereinsmitglieder, sondern überhaupt alle Berufsgenossen Dienstag Abend zu einer Versammlung nach „Tivoli" ein, dabei von dem Grundsätze ausgehend, daß zur baldigen Erreichung der von oben genannten Vereinen schon seit 10 Jahren verfolgten Ziele, die Hebung des Kellner- standes in matetteller und moralischer Hinsicht betreffend, die Einigkeit aller achtbaren Berufsgenossen nothwendig sei. Wie ein Aufruf besagt, liegt die Petition zur Unterzeichnung seit Mittwoch aus in Altstadt: Rampische Straße 12>(Plazirungs- bureau des Vereins), in Neustadt: Restaurant„Saxonia", Rhänitzgasse 26. Zum Böttcherstreik in München. Die Kroßbrauer sind gerade jetzt bei der nothwendigsten Zeit, wo die Lagett'ässer aus- gepicht und untergebracht werden sollen, in größter Verlegenheit, während die streikenden Böttcher bei den ihnen von überall her und von Vereinen aller Branchen zu Theil werdenden Unterstützungen fest entschlossen scheinen, auszuhalten. Sie bleiben auf ihren gestellten Bedingungen in Bezug auf Lohn und Bieranspruch stehen und verlangen dazu noch insbesondere Festsetzung der Arbeitszeit von 6 Uhr Früh bis 6 Uhr Abends Aufhebung der Sonntagsarbeit, sowie anständige Behandlung MÄtMKss WZD Große Erbitterung verursachten bei den Streikenden die in österreichischen und wüttternb ergischen Zeitungen insetttten Böttchergesuche, in welchen den fremden Böttchern alle die Lohnsätze zugesagt sind, die den st reitenden Kollegen verweigert werden. Falls der Streik nicht in den nächsten Tagen ein Ende nimmt, soll ein Aufruf an die deutsche Arbeiterschaft versandt werden, welcher einerseits die Unterstützung der Streikenden bezwecken, anderett'eits die Bedeutung des entbrannten Lohnkampfes für die gesammte Münchener Arbeiterbevölkerung erklären soll. Tie Verbreitung des Aufrufes soll namentlich in denjenigen Städten in hoher Auflage geplant sein, wo die Münchener Brauereien ihren meisten Absatz haben. Ein neuer Fachverein konstituirte sich in Hamburg unter den Gelbgießern uno Gürtlern. Es ließen sich etwa 70 Personen als Mitglieder aufnehmen. Das Eintrittsgeld soll 30 Pf. und der monatliche Beitrag 40 Pf. betragen, und findet vorläufig alle vierzehn Tage eine Zusammenkunft statt. Als Verkehrslokal wurde das Lokal von I. H. Salzen ge° wählt. Mereine und Nersammlungen. t Eine allgemeine Buchdruckerversammlung, die gut besucht war, fand am Sonntag bei„Buggenhagen" a« Moritzplatz statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde mitgetheilt, welches Resultat die sog. Zeitüngskommission der Gehilfenschaft durch ihre Verhandlungen mit den Pttnzipalea erzielt hat. Sie wendete sich, nachdem sie die Vorarbeiten beendet und das Material der besonderen Bestimmungen für den Zeitungssatz festgestellt hatte, an den Pttiizipalvettretck Herrn Büxenstein, der jedoch kurzer Hand jede Verhandlung ablehnte. Nach Verständigung mit der Tarifkommission im# die Zeitungskommission einen neuen Versuch, Unterhandlung mit den Prinzipalen anzubahnen: sie richtete an jeden g zelnen Prinzipal ein Zirkular, in dem sie ihre Wünsche ag, einandersetzte. Es erfolgte eine Kollektivantwort, in der � Pttnzipale ihre Geneigtheit aussprachen, nunmehr auf die Vel° Handlungen einzugehen. Die Zeitüngskommission stellte inst Forderungen neuerdings und erhielt nun den Bescheid, daß 311 Vereinigung der Zeitungsdruckereibesitzer auf diese Forderunaen, die durch den reviditten Tattf nicht gerechtfettigt wurden. nicht eingehen könne und neuen Vorlagen entgegensehe. Nack Ansicht der Zeitungskommission haben sich ihre Forderungen in sehr mäßigen Grenzen gehalten und sie sah sich daher nickt« der Lage, den Prinzipalen eine neue Vorlage zu unterbreite«- Gemäß dieses Beschlusses bettachtete die Zeitungskommisün« ihr Mandat als erledigt, legte es nieder und übergab dck Tarifkommission die Weiterführung der Angelegenheit.— � Anschluß hieran erklätte Herr Besteck, daß die Tattskommisno» die Sache in die Hand nehmen, weiterführen und s. Z. 3 er Gehilfenschaft Mittheilung machen werde.— Herr Besteck££ stattete sodann Bettelst über die Durchführung des Tattfs..st1 bezeichnete das Resultat der Berliner Tattfbewegung als gümM Von 130 Druckereien haben 103 den Tarif bewilligt. Daß n™' noch mehr erreicht worden sei, vettckulde die an einigen Stellst1 l hervorgetretene Uneinigkeit unter den Gehilfen. So günW wie in Berlin stelle sich das Gesammtresultat in Deutschland niw> Die großen Städte, Leipzig, Dresden, Stuttgatt, Hannovck' Hamburg, hätten den Tattf durchgeführt� aber in der PronNY seien viele Schwierigkeiten zu überwinden. So sei ein hattet Mn# in Rheinland- Westfalen zu ermatten, wo die Prinzipale neuen Tattf rundweg abgelehnt hätten. Von dott stamme e.M der famose Protest, der eine Urabstimmung der Prinzipale»Nst den neuen Tattf verlange. Die Aufgabe der Berliner Gcbi- werde es sein, die Kollegen außerhalb thatkräftig zu iinterstülstj Diese thatkräfttge Unterstützung wurde auch sofott durch r' Versammlung einmüthig vollzogen: es wurden der kommission 2000 M. zur Verfüg mg gestellt, von denen 1000> den Kollegen in Rheinland- Westfalen gesandt, und der Rest st1 Unterstützung der bedrängten Kollegen anderer Städte j» Deutschland bestimmt.— Die Höhe und die Zeitdauer Unterstützung für die in Berlin sich im Ausstand befinden-- Gehilfen wurde der Kommission überlassen.— In Betten Regelung der„englischen Arbeitszeit beschloß die Versaninllun die in dieser Beziehung von dem Verein gefaßten Bef#i% anzuerkennen- Hiernach sind bei zehnstündiger Arbeitszeit>- Pausen festgesetzt% Stunde für Frühstück und•/, Stunde. Mittag. Tritt Ueberstundenarbeit ein, die von zwei zu ist. Stunden höher zu bezahlen ist, so kommt noch eine viettelstum � Pause für Vesper hinzu. Von der Wahl eines GehilfeN'-'es tteters zum Schiedsgericht wurde vorläufig Abstand genow"!?,, Als Kandidaten zur Wahl des Gehilfen-MitgliedeS, resp-'L:, vertteters der Tarif-Kommission für den i. Kreis wählte' Versammlung die Herren Besteck, Dolinski, Doeblin", Prescher'. Von diesen vier Kandidaten hatte der Kstie durch Urabstimmung zwei für die genannten Posten zu nstw' Damit schloß die Versammlung. Verband deutscher Zimmerleute, Lokalverband Ost". Heute, Dienstag, Abends 8 Uhr, Vettammlung kauersttaße 37 38. T.-O.: 1. Ergänzungswahl des Porstan3: 2. Vortrag. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Der verband„Berlin-Süd" hält am Mittwoch(morgen), Abc«, 8 Uhr, eine Versammlung ab in den„JndusttiehaUe. Mariannenstr. 31/32. T.-O.: Vortrag, Vettckiedenes Fragekasten. Gäste haben in beiden Versammlungen a«11 Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gauverein Berliner Bildhauer. Anncnstt. 16, tag, den 2. November, Vettammlung. Tagesordnung:. t-.>, schäftliches. 2. Vortrag des Schriftstellers Herrn über„Freiligrath". 4. Verschiedenes._ Freie Organisation unacr Kaufleute zu Be«. Große Bezirksversammlung für den Osten Berlins den 2. November, Abends 8'/, Uhr, in Breuer's Salon,1!1,? Frankfutterstraße 74 75. Tagesordnung: 1. Ter Nw'Lj unter den jungen Kaufleuten; wie können wir e nc Ben1' unserer Lage erzielen? 2. Diskussion. Sachverein der Mechaniker. Optiker, Uhrmacher, gstcker und anderer Jnstrumentenmacher. Mittwoch' � 3. November, Abends 8* Uhr, bei Rieft, Kommanv«\s sttaße 71— 72, Versammlung. Tagesordnung: 1- Vorttn.jtzck- Acrrn, Dr. Sstah« über„Magnetismus und ElcktN' � � 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Ausg» Billett zum 1. Stiftungsfeste.. C1 M. Demokratischer Verein. Heute, Dienstag, Abends d> zj. Vettammlung im„Berliner Hofbräu", Taubenstraße Tagesordnung: 1.„Das bulgarische Volk und die euw« � Diplomatie." Referent: Herr Ledebour. 2. BesprechUW. � den Patteitag der Volkspartei in Fürth. 3. Vereinsang1 heiten. Zentral-Kranken- und Begräbnistkasse dcS bc» Senefclder-Bundes«E. H.) Verwallungsstelle Berlin,- berftt. im fRpftmirnnf 91 htm h 8**9 derfri. 31 im Restaurant Weick: Heute Abend 8 glieder- und Verwaltungs-Versammlung. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine Dicn'H Gesang-, Turn- und gesellige Vereine am r Schäfer'scher„Gesangverein der Elfer". Abendsj 9, eckst Wolf und Krüger, Skalivetttt. 126, Gesang.— ISiwS „Bruderbund" Abends 9 Uhr Adalbettstr. 4, im Aest��Ä — f ytmnfrrin..Hasenhaide"(Männer- Abtheilung) 'stt. 60 61.- Rauchklub„Deu# m l Restaurant Händler, Wrangclffr,,� Rauchklub„Zum Wrangel" Abends 8'/, Uhr im Acl NN Adalbettstr. 4. m«-N..IM»-"««-h-,. w S-ita»«. Vellage zum Berliner Volksblatt. Nr. 236. Dienstag, den 2. Kavember 1886. 3. Jahrg. Kommunales. * Verweigerung der Annahme eines unbesoldeten »mte«. Der Federviehhändler Albert Blank, Prenzlauer Allee 40, weigert, sich die unbesoldete Stelle als Mitglied der <3� Echulkommission, zu welcher er gewählt ist, zu verwalten. Magistrat hat daher bei der Stadtverordneten-Versamm- Ijjnfl beantragt, denselben auf drei Jahre der Ausübung des Bürgerrechts verlustig zu erklären und während des gleichen iintraums rm ein Achtel stärker zu den direkten Gemeinde- abgaben heranzuziehen. 2. F? der Irrenanstalt zu Dalldorf war der Bestand 30. September 1886 1218 Personen, in Privatanstalten auf Kosten 893 Personen, die Jdiotenanstalt daselbst nnkÜc�t Zur selben Zeit 142 Kinder und in Privatpflegc- U°lten befanden sich 24 Knaben und 6 Mädchen. , cy In den acht städtischen Badeanstalten haben vom oL bis Ende September 1886 gebadet 688361 Personen SJr1 595 595 im Vorjahr. Frei gebadet haben in diesem (n* �52 942 und gegen Zahlung von 5 Pfennig 335 419 Per- iÄ;£ie Einnahmen betrugen 16 770,95 Mark gegen ->15 Mark im Vorjahre. j:. Nach dem jetzt erschienenen Berichte de» Magistrats i � bie städtische Bauverwaltung für das Etatsjahr to.brll 1885 86 find durch die. Abtheilung(Hochbau) in dem �errchtsjahrc außer einer Anzahl größerer Reparaturen und Vcr- ."Oenrngen 36 Neu- und größere Umbauten ausgeführt rcsp. �gönnen worden. Tarunter find die Markthallen und der �bau des Polizei-Dienstgebäudes zu erwähnen. iv... Der Feuerkasienwerth sämmtlicher städtischen Ge- �tzbe, welcher bei Einsetzuna der 4 Bauinspektion für Hochbau in Jahre 1973, untär deren Verwaltung dieselben stehen stehen, of angegebenen Zeit 20 530 575 M. betrug, ist bis zum um 1885 aus 59 198 550 M. und im letzten Etatsjahr 4 mroS1{cre � 534 470 M. gestiegen, wobei der Werth der Markthallen mit ca. 5 Millionen nicht berücksichtigt ist. Lokales. , Postalisches. Tic„Staatsb.-Ztg." schreibt: Große Klagen aber mangelhafte Posteinrichtungen kommen zu uns aus dem r!98- Stadtbezirke, welcher aus der vollständig bebauten Horauer-, Oppelner- und Görlitzerstraßc und der Straße 5 Abtheilung XiV des Bebauungsplanes, mit insgesammt unge- fahr 5—6000 Seelen besteht. Dieser ganze gewiß nicht kleine Stadtbezirk hat nicht einen einzigen öffentlichen Briefkasten. Fünfmal schon sind von verschiedenen Einwohnern Vorstellungen darüber bei der Postbehörde gemacht worden, ohne aber Erfolg zu haben; denn sie wurden von der Postvcrwallung abschlägig «schieden, und doch sind aus diesem Stadtbezirke die nächsten Briefkästen in dem angrenzenden Stadtbezirke nur nach taufenden bvn Schritten zu erreichen. Noch schlechter gestalten sich die Verhältnisse dort bezüglich der Postanstalt selbst. Dieselbe liegt �Gebäude des Görlitzer Bahnhofes auf der entgegengesetzten eüe desselben. Die Bewohner der Oppelnevstraße müssen, &. bin Packet zur Post zu befördern haben, für den Hin- wüni�mutweg mehr als eine halbe Stunde opfern. Sehr stras. bwmh wäre es, wenn die Hilfspost in der Schlestschen- fmh Vollpost erhoben würde. Dahingehende Wünsche ISÄ T* Ä-ZK s 18 N��iiuser und 1 Hofhaus und in der Straße V zu und 7 Hintergebäude, im ganzen also 74 Häuser 5(Jtnrf'■n,aä anbetracht der Höhe der Häuser— meist Stenhm. T immerhin eine sehr starke Anforderung an den di? �nsboten ist. Es ist darum kein Wunder, wenn darunter Zeile» sP/.b, Bestellung leidet. Vielleicht veranlassen diese »./n�l>che Abhilfe eines Zustandes, welcher der Residenz Bewoh 1" bei dem ausnahmsweise hohen Porto, welches die werde» Oer deutschen Hauptstadt extra zu zahlen gewürdigt mcht würdig ist. beschäiu?! Potsdamer Bahnhof. Tie„Deutsche Bauztg." lugt sich mit der Ueberlastung des Potsdamer Bahnhofs. Mein Freund Archie. Vm, Z. H. Schiff. („Argentinisches Wochenblatt.") hao, L�ntlich war sein Name Archipelagus. Dem Vater ilNDn®0rt in irgend einer kalifornischen Zeitung benL: er hatte es für einen Eigennamen gehalten und Joige fein Kind damit behaftet. bar?.he ihn noch vor mir, den alten Herrn; eine sonder- bes Deutsch-Amerikaners. Er hatte sich aus Armuth zu ansehnlichem Besitz Schritt für Schritt Zent f eilet» mit Stolz konnte er sagen, daß er jeden sich Vermögens ehrlich erworben habe, und er erlaubte Vsort--.e ii�ne über Literawr, Malerei, Musik, mit einem ein? zmU �inge, von welchen er absolut nichts verstand, cernung zu haben. ist mm?-' �ss er sich stets yankeemäßig, und hauptsächlich Knons fleter Begleiter, ein Ebenholzstock mit goldenem lose/' e ourch einen Edelstein noch kostbarer und geschmack- runa wurde, als besonders auffällig in der Erinne- Rt zu mohl der wunderliche Kauz, um recht welterfahren er Vm»?' ken Bärbeißigen und Gemüthlosen spielte, besaß �rnie»;- m weichste Herz von der Welt, schenkte den ben P»?eld mit vollen Händen und nahm sich auf Siieqe ,Ä�öngen sehr in Acht, daß er ja keinen Käfer am "'CTIhn nach Deurschland ��°Aau"hattt?hm »bgrämt. Der trostlose Wittwcr, ftlbst w'. � deutsche erschüttert, flüchtete mit dm jüngsten Kcnde tn vermath. . war ich 13 Zcchre alt und er 6... Ein �ner st�M- »4%""s "rste in Ordnung halten lassen wollte. re Bre erste Begegnung bleibt mir unoergeßlrch, bcn] 9 mir einen derben Verweis ein. Sie wendet sich ausdrücklick gegen einige Behauptungen der „Köln. Ztg."; aber was wir im Folgenden herausgreifen, die einfache Schilderung der jetzigen Zustände, verdient wohl all- gemein Beachtung. Es heißt da:„Abgesehen von etwa 32 Zügen der Ringbahn werden am Potsdamer Bahnhof täg- lich rund 45 Züge abgelassen, und dieselbe Anzahl von Zügen geht auch ein. Dieser Verkehr muß, da der eine Seitenperron ausschließlich für die Ringbahnzüge dient, an nur drei Perrons abgeivickelt iverden, und es kommen daher auf jeden der drei Perrons stündlich rund 2 Züge. Unter jenen Zügen befinden sich 18 Fernzüge, mit denen Eilgut- und Postbeförderung ge- schieht, die also zur Abfertigung ziemlich viel Zeit beanspruchen; die übrigen Züge dienen nur dem Lokalverkehr und sind daher rasch abzufertigen. Die nothwendige Zeit würde, selbst bei der Zahl von stundlich 2 Zügen, noch reichlich vorhanden sein, wenn es thunlich wäre, die Benutzung der Perrons in eine be- stimmte Ordnung zu bringen, d. h., jeden Perron entweder nur für eine bestinimte Richtung oder auch für eine bestimmte Gattung von Zügen zu benutzen. An Stelle dessen sehen wir auf dem Potsdamer Bahnhofe an allen 3 Perrons ein dem Uneingeweihten regellos erscheinendes Durcheinander, be- fördert noch dadurch, daß der Verkehr des Hofes von und nach Potsdam oft genug ein Abweichen von den getrogenen Anordnungen erforderlich macht. Ankommende und abfahrende Fem- und Lokalzüge benutzen denselben Perron und die Folgen davon sind immer wiederkehrende Jrmngen: Besteigen falscher Züge, Behelligung des Personals mit Erkun- digungen u. s. w., und schließlich Ueberhasttmgm beim Besteigen der Wagen, die zu einer ganzen Reihe von Mißständen führen. Die gegen Uebersüllung der Wagen getroffenen ministeriellen Anordnungen bleiben im Drange der Roth einfach unbeachtet, noch mehr die Bestimmungen über Reinigung, Lüftung und Kühlung der Wagen in heißer Jahreszeit, wie diejenigen über Verlagen des Wagens erst nach stattgefundenem Anhalten des Zuges; zuweilen kann man auch des Genusses theilhaftig werden, em oder zwei Stationen weit in unerlcuchtetem Koupee zu fahren, weil zum Anzünden der Flammen die Ilbfertigungs- zeit des Zuges eine zu kurz zugemessene ist. Selbstverständlich treffen alle diese Mißstände den Fahrgast 3. Wagenklasse(und die 4. Wagenklasse?), dem ohnehin, wie schon öfter nachgewiesen, von der Eisenbahn-Verwaltung nur eine Gegenleistung zu Theil wird, die im Vergleiche zu denen der übrigen Klassen als viel zu gering erscheint. Zu alledem findet sich im Lokalverkehr der Potsdamer Bahn eine wahre Musterkartc von Wagen 3. Klasse; von solchen, die in Bezug auf Weite, Höhe, Licht u. s. w. billigen Ansprüchen genügen, bis hinab zu anderen aus älterer und anscheinend ältester Zeit stammend, deren Einrichtung eine geradezu unwürdige genannt werden kann. Auch diese große Ungleichheit in der Güte der Wagen trägt sicher nicht zu einer raschen Abwickelung des Verkehrs bei. Sind bisher einige zumeist aus der Ueberlastung des Bahn- Hofs fließende Uebelstände erwähnt worden, die we. entlich den Reisenden tteffen, so mag nunmehr noch ein solcher erwähnt werden, der zumeist die Verwaltung selbst schädigt, finanziell und in moralischem Sinne. Daß bei der Kürze der Adler- tigungszeit mancher Züge(sie schrumpft bei einigen auf 4 Mi- nuten herab) von einer Wahrnehmung der Billetkontrole, noch während der Zug hält, nicht die Rede sein kann, ist selbstver- ständlich; die Regel bildet die Uebung der Konttole während der Fahrt, welche in jedem Falle weniger sorgfältig geübt wird, als bei noch haltendem Zuge. Ein Umstand, der die Flüchtig- keit der Konttole noch befördert, liegt darin, daß eine große Zahl der Reisenden des Lokalverkchrs auf Abonnementskartcn fährt. So kommt es, daß sehr häusig die Kontrole der Billets einer Anzahl von Reisenden des Lokalverkehrs ganz forffällt und also für diese die Möglichkeit besteht, auf dasselbe Billet mehrere Fahrten zu machen, bezw. auch daß oft genug Billets abgenommen werden, ohne daß gleichzeitig eine Ent- werthung derselben stattfindet. Letzterem Uebelstände wäre allerdings durch Ausübung einer geheimen Konttole wohl zu steuern; vorzuziehen wäre indcß immerhin ein Zustand, bei welchem der besonders in der Hast der Leistung liegende Grund der Unregelmäßigkeit fortfiele. Wir sind der Meinung, daß in dem Bettiebe des Potsdamer Bahnhofs selbst noch Manches besser einzurichten und daß damit von selbst eine etwas größere Ordnung, als sie zur Zeit herrscht, zu erzielen wäre. Das un- „Archipelagus?" rief ich,„wie dumm! Das ist ja gar kein Name, Archipelagus heißt Znselmeer." Ich wurde sofort aus dem Zimmer geschickt, aber als uns die neuen Bekannten wieder besuchten, war auf dem Schulheft, das der Kleine stolz unter dem Arme trug, der Name„Archibald" zu lesen. Archibald hieß er auch fortan für alle Welt; für den Vater und für die Freunde blieb er nach wie vor Archie. Man begreift, daß Archie des Vates Herzblättchen, sein Augapfel, sein Abgott, sein Herr und Gebieter war. Nicht gerade ein angenehmer Gebieter. Master Archie war schreck- sich verwöhnt und pflegte mit dem Fuß zu stampfen, wenn ihm vom Vater nicht sofort der Wille gethan wurde. Gewöhnlich half das. In außergewöhnlichen Fällen wurde von den, jungen Herrn die entgegengesetzte Taktik angewandt: er fiel dem Älten um den Hals, und dieses Mittel versagte nie. So bot die Erziehung große Schwierigkeiten. Für jedes nützliche Studium hegte der Zunge die ent- schiedcnste Abneigung, aber alle brotlosen Künste fanden in ihm einen eifrigen Verehrer. Schreiben wollte er durchaus nur mit der linken Hand, für die Musik hatte er Neigung, aber nicht die geringste Ausdauer; trotzdem fand ihn seine unglückliche Lehrerin eines Tages eifrig beschäftigt:„Freut Euch des Lebens!" einzuüben; die Liebe zur Wahrheit er entschiedene Begabung für die Bauchrednerei und ganz besonders gelang ihm die Nachahmung aller möglichen Thier- stimmen. Ich erinnere mich, daß er als er eines Nachts auf- 9 Zu diesen Kinderthorheiten gesellte sich aber eine Eigen- ablehnen: nütze Hin- und Hcrrcnnen auf den Perrons und die tausend- fältigcii Kreuzungen von Personen daselbst würden wesentlich vermindert werden, wenn nian sich entschlösse, von den aus Grundlage ganz anderer als der gegenwärtigen entstandenen baulichen Verhältnisse des Bahnhofs Einiges zu opfern und an kleine Wänderungen desselben zu gehen. Darunter sei heute nur der für den gegenwärtigen Zustand ganz verfehlten Lage der Billetschatter gedacht. Täglich zwingt man durch die seitliche tiefe Lage der Schalter einige Tausend von Reisen- dei, zum unnützen Auf- und Absteigen einer Treppe und zur Belastung eines großen Perrontheils mit Mcnschcngedränge, das den nöthigen Ucberblick und die Ordnung wesentlich hemmt. Warum die Schalter nicht nachträglich zu den Seiten des großen Hauptvestibüls oder am Kopfe der Perronhalle angelegt werden, ist schier unerfindlich, wenn man sieht, daß am Kopfperron sogar noch Räumlichkeiten zum Ueberlassen an ein Privatunternchmen sich gefunden haben. Es soll bei dieser Gelegenheit nicht verschwiegen werden, daß seit Monaten verbesserte Schaltcreinrichttingen nahe den bisherigen fertig gc- stellt worden find, aber ohne daß dieselben bisher in Benutzung genommen worden wären. Sollte letzteres etwa darin begründet sein, daß die Verwalttmg selbst sich von der Unzulänglichkeit auch dieser Anlage nachträglich überzeugt hat und mit dem Ge- danken einer Verlegung der Schalter nach oben, wie vorhin an- gedeutet ward, bereits sich trägt? Das würde Anerkennung verdienen; immerhin muß gesagt werden, daß mit der Verlegung der Schalter nicht gerade viel zu bessern ist. Es bleibt ohne weitgreifende Umbauten wahrscheinlich nur das eine Mittel übrig, den'Ringbahn-Verkchr, der sich im Tage auf reichlich 32 ein- und aussahrendc Züge beläuft, a rs dem Bahnhofe zu verlegen, indem man denselben dem Anhalter Bahnhofe zuweist. Da- durch würde ein ganzer Perron frei werden und damit nicht nur die Möglichkeit einer wirksamen Entlastung der anderen Perrons, sondern auch diejenige, eine gcnügcnoe Ordnung in den jetzt wirren Verkehr zu bringen, gewonnen werden. Die Stellvertretung der Inhaber konzesstonSpflichtiger oder amncldungspflichtiger Geiverbcbettiebe wird noch mehrfach dazu benutzt, um solchen Personen, denen die Polizei den Be- trieb eines bestimmten Gewerbes nicht gestatten würde, die�en Bettieb faktisch zu ermöglichen. In unserer Stadt ist es nament- lich die Gcstndevermiethung«nd die Stellenvermittlung, welche in unlauterer Weise von zweifelhaften Personen betrieben wer- den. Die kürzlich erfolgte Verurtheilung eines Stellenvermittlers wegen Bctrnges wird für ähnliche Gewerbctteibcnde einen heil- samen Schrecken verursachen. Nicht minder schädlich ist der Gewerbebettieb mancher Gesindevermictber, denen die Polizei ebenfalls scharf auf die Finger sieht. Gegen einen derselben ist kürzlich eingeschritten worden, und das nothwendige, umfang- reiche Verfahren beweist, wie schwer diesen Leuten beizukommen ist. Dem Gesindcvermiether I. hicrselbst wurde die Ausübung der Gesindevermiethung untersagt, weil gegen ihn Momente vorlagen, aus denen seine Unzuvcrlässigkeit zu entnehmen. Nunmehr meldete die Ehefrau des I. das Gewerbe an und beauftragte ihren Mann mit ihrer Stellvertretung. Dieser hat aber die Stellvertretung in einer Weise betrieben, daß die Polizei daraus die Ileberzeugring gewonnen, es liege ein selbstständiger Gewerbebettieb des I. vor, der, ob- wohl ungesetzlich, von seiner Frau begünsttgt werde. Gegen diese schritt nunmehr ebenfalls die Polizei ein und zwar im Wege des Verwaltungsstteitverfahrens, indem sie gegen die Frau auf Untersagung des Gewerbebetriebes als Gesindcver- mietherin klagte, da auch ihr die erforderliche Zuverlässigkeit mangele, wie aus der stillschweigenden Begünstigung ihres Mannes und aus dessen Bestellung zu ihrem Stellvertreter Hervorgehe. Dieses durch alle Instanzen getriebene Vermal- tungsstreitvenahren hat mit der Verurtheilung der Ehefrau I. nach dem Antrage des Berliner Polizeipräsidiums geendet. Das Verfahren selbst ist etwas umständlich und dürfte deshalb wohl nur in zwingenden Fällen zur Anwendung gebracht wer- den. In vorliegendem Falle war es sicher berechtigt, denn I. war dringend verdächtig, weibliches Personal in einer Weise zu vermiethen, die leicht als Kuppelei bestraft werden konnte. Au» der Fuhrwerks-BerufSaenossenschaft. Eine Ent- scheidung von prinzipieller Wichtigkeit ist von dem Rcichsver- sicherungsamt getroffen und uns behufs Veröffentlichung vom „Wenn wir bei Ahnen speisen, würden wir unserm Hauswirth das Effen schenken. Auch sonst ging er von der Ansicht aus, daß das ge- sammte Deutschland beabsichtige, die Amerikaner im allge- meinen und ihn, Archie, im besonderen um die begehrens- werthen Dollars zu prellen und da ich allgemach in das Alter eingerückt war, wo der deutsche Normaljüngling am Idealismus leidet und mit Vehemenz„Schmerz" auf„Herz" und„Liebe" auf„Triebe" reimt, so hätte wenig gefehlt, daß mir dieser nun zwölfjährige Junge recht unausstehlich ge- worden wäre. Aber Archie's sorgenloses Leben war einesTages sehr unangenehm unterbrochen. Der alte Herr hatte einem amerikanischen Schwager große Kapitalien anvertraut und dieser Schwager fallirte. Um zu retten, was zu retten war, mußte schleunigst an Ort und Stelle eingegriffen werden. Vater und Sohn verließen uns. Auf beiden Seiten gewannen wehmüthige Gefühle bei der Trennung die Ober- Hand. Man hatte sich im Laufe der Zahre kennen und schätzen gelernt und die Störung gewohnter Lebenskreise ward mit Mißbehagen empfunden. Der Scheidende ist immer im Vortheil gegenüber den Zurückbleibenden� Jenem helfen die wechselnden Eindrücke der Reise, die Sorgen um das eigene Wohlergehen, viel- leicht gar veränderte Lebenspläne rasch über das Trennungs- weh hinweg. Diesem läßt geordnete Lebensführung Zeit, sich trüben Empfindungen hinzugeben; sie vermissen den Fseund am langgewohnten Orte; im wechselseitigen Ge- sprach wird mit dem Andenken der Schmerz lebendig er- halten. Der Entfernte wird nun erst nach seinem wahren Werth, freilich bald genug über denselben geschätzt. Alles, was früher an ihm störte, wird jetzt als kleine Eigenheit von ihm angesehen, der man hätte Rechnung tragen sollen, und es ist ein schöner Fehler der menschlichen Natur, daß sie sich in solchen Fällen eingebildeter Schwächen anzuklagen beliebt, um dem Geschiedenen desto größere Tugenden anzu- dichten. Unsere Gedanken begleiteten die Geschiedenen über Land und Meer und wir nahmen es im abendlichen Ge- spräch gern für ein günstiges Omen, daß, während wir uns Vorstande; der Fuhrwcrks-Bemfsaenosscnschaft zur Bmügung gestellt worden. Der Tchschkenbesttzer R. Gebert zu Berlin war Beschwerdeführend geacn die Ausnahmeseiner beidcfl Kutscher in das Kataster der Fnhrwcrks-Bcmfsäenossenschaft vorgegangen und hatt��ur Begrimdung irr der Beschwerdesmrift folgendes angeführt!„Nach meinem Betnebsunternchmen glaube ich nicht, im Sinne des Gesetzes verpflichtet zu sein, der Fuhrwerks- - Brrufsgrnoflenschast beitreten zu muffen, weil ich mich mit meinem Fuhrwerksgeschäft nicht zu den unter das Gesetz fallen- dem versicherungspflichtigen Fuhrwcrksbetrieben zähle. Ich bin allerdings Eigcnthümer von drei Droschken, eine davon fahre ich selbst ohne Hilfspersonal, die beiden anderen Droschken habe ich derartig verpachtet, daß ihren Führern in der Ausübung des Betriebes vollständig freie Hand gelassen ist. Sie sind nur verpflichtet, nach Maßgabe ihres jeweiligen Verdienstes einen PachtschillinMu entrichten, der täglich nach Gebrauch des Fuhr- werks abgeliefert wird. Im Uebrigen sind die betreffenden Troschkenführer vollständig selbstständig, sie stehen namentlich zu mir in keinem Abhängigkeitsverhältnisse. Ich bin auch gar nicht in der Lage, die beigefügten Lohnlisten führen oder ausfüllen zu können." Zri vorstehender Beschwerde hatte sich der Gc- nossenschaftsvorstand folgendennaßcn geäußert:„Die meisten Droschkenkutscher Berlins,- wie aller größeren Städte, beziehen kein festes Lohn, sondern haben von dem erzielten Verdienste entweder einen aliqueten Theil oder aber überhaupt einen fest- stehenden Betrag an den Droschkenbesitzer abzuliefern bczw. zu entrichten, wogegen ihnen der übrige Verdienst an Lohnesstelle be- lassen wird. Die Droschken selbst nebst Bespannung stehen dem Troschkenführer keineswegs zur beliebigen Verfügung, sondern werden täglich mit Beginn des Dienstes aus der Betriebsstätte resp. aus dem Gewahrsani des Betriebsunternehmers abgeholt und nach beendetem Tagewerke dem letzteren wieder zugeführt. Die Behauptung, daß die sogenannten Pächter in keinem Ab- hängigkeitsvcrhältniß zu den Droschkcnbesitzern stehen, wider- legt sich durch die Thatsache, daß die letzteren mit den Droschkenführern wegen ungenügender Einnahme- Abführung wechseln. Es handelt sich daher vorliegend wohl lediglich nur um eine in der Natur des Droschkenbetricbes liegende eigen- artige Bezahlungsart der Droschkenführer, nicht aber um ein thatsächllches Pachtverhältniß und erachten wir daher die Ver- sicherungspflicht für begründet. Die Frage ist von prinzipieller und äußerst weitgehender Bedeutung und würde, falls sie im Sinne des Beschwerdeführers entschieden würde, die Msicht des Gesetzgebers für tausende im Fuhrbetriebe beschäftigte Personen illusorisch machen." Das Reichs- Versichermngsamt hat die Beschwerde zurückgewiesen und zur Begründung der Ab- Weisung folgendes ausgeführt:„Tie Behauptung des Be- schwcrdeführers, daß er von den ihm gehörenden drei Droschken zwei verpachtet habe, hat sich nicht bestätigt. Aach den angestellten amtlichen Ernrittelungcn ist vielnrehr der Beschwerde- führer selbst als Unternehmer des in Rede stehenden Betriebes anzusehen und die von demselben als Pächter der Droschken bezeichneten beiden Droschkenkutscher sind von ihm beschäftigte und in seinem Dienste stehende Arbeiter im Sinne des Unfall- Versicherungsgesetzes." In den meisten Zeitungen Verlins erschien in den letzten Tagen— gewöhnlich unter der Vereins--c. Rubrik— eine Bekanntmachung eines Herrn Kaufmann Reil, Direktor des kaufmännischen Bildringsvercins, worin derselbe bekannt macht, daß der kaufmännische Bildungsvcrein wie alljährlich auch in diesen, Jahr einen unentgeltlichen Untcrrichtskursus in der Buchführung veranstaltet u. s. w. Tie freie Organisation junger Kaufleute, die es sich zur anerkennenswerthen Aufgabe gemacht hat, die Interessen der Handlungsgehilfen in jeder Be- ziehung wahrzunehmen, hat nun durch ihren Vorsitzenden Herrn Buchhalter Eugen Henning feststellen lassen, daß dieser kauf- männische Bildungsverein gar lein Verein ist, sondern nur ein zu leicht begreiflichen Zwecken vom Herrn Kaufmann Reil, Brandenburgstr. l3>, gewählter, schön klingender Name ist, den er sich als Lehrer der Buchführung-c. beigelegt hat. Der qu. Kursus ist auch kein unentgeltlicher, wenn man bedenkt, daß der in 6 Stunden— wöchentlich eine— durchzumachende Kursus an der Hand von Lehrmitteln geschieht, für welche die betreffenden jungen Leute 6 M. zu zahlen haben. Tic Lehr- mittel bestehen in einer kleinen Kollektion auf Oktavblätter,, autographirter sehr mangelhafter Iluseinandersetzungen, die mit 1 M. bereits zu theucr bezahlt find. Wir können nur Hern, Henning in dieser Beziehung voll und ganz zustimmen und die jungen Kaufleute vor dem kaufmännischen Bildungsveein des Herrn Kaufmann Reil, Brandenburgstr. 13 K, dringend warnen. Neber eine Zwangsvollstreckung in der Zentralmarkt- halle haben Berlmer Blätter in den letzten Tagen eine Mit- theilung gebracht, welche in ihren Details, wie in der Schilde- rung des Ausgangs der Zwangsvollstreckung durchaus un- richtig ist; die Zwangsvollstreckung ist nämlich nicht ausgeführt, sondern nur versucht worden, die Schlächterfrau, welche derbe- treffende Berichterstatter mit dem angeblich gepfändeten Fleische in Nacht befänden, jenen die Sonne strahlend aufging, zum - Glück und zum Guten, wie wir hofften. Nach einiger Zeit kam denn auch ein Brief vom Vater, der wohl die glückliche Ankunft meldete, aber gleichzeitig den mißlichen Stand der bewußten leidigen Geldangelegenheit beklagte. Archie hatte dem Brief ein Postskriptum beigefügt: „Ich bin wohl... wie geht's bei euch?" Ärmer Archie, die Zeit Deines Wohlergehens flog rasch vorüber! Die Briefe jener Amerikaner, welche zuerst die Be- kanntschaft vennittelten, berichteten Traurigstes. Im Hause unseres Freundes wohnte eine betagte Frau, in deren Wohnung eines Nachts ein Dieb eingedrungen war. Auf den Ruf der Bedrohten eilte der wackere Mann zur Hilfe: der Einbrecher aber stach ihn nieder, entsprang und entkam spurlos. Unser Freund hatte noch wenige Tage ae- lebt, lange genug, sein Haus zu bestellen, im letzten Willen dürftiger Anverwandten zu gedenken und den Sohn zu allem Guten zu mahnen. Er, der die Welt soweit durchwandert hatte, war nun doch an der Seite seines Weibes zur ewigen Ruhe bestattet worden. Und so stand denn der fünfzehnjährige Knabe elternlos auf der Welt, und uns blieb nichts übrig, als brieflich das herzlichste Beileid auszudrücken. Da auf diesen Brief keine Antwort kam und die beiderseitigen Freunde jene Gegend verließen, schien Archie für immer unserem Gesichtskreis ent- rückt. Andre Bande wurden geknüpft und wenn die neuen Freunde sich des gegenseitigen Vertrauens unwerth erwiesen, wieder gelöst. Was Wunder, daß, wenn je Archies Name genannt, wenn der Wunsch laut wurde, zu wissen, wie es ihm jetzt wohl ergehe, alsbald auch der bittere Zweifel folgte: „Ob er wohl ist wie die andern?" Jahre waren vergangen, da kam er. Ist mir'S doch, als war s gestern gewesen! Ich saß allein, nachdenkend im Winterdämmerlicht, als ein Fremder auf mich zutrat mit den Worten: „Du kennst mich nicht mehr!" Doch, ich erkannte ihn beim ersten Wort. „Archie! Du! Endlich wieder in Deutschland! Rasch die Lampe!" Und da saß ich denn und betrachtete staunend den schönen, breitschultrigen Jüngling. War'S möglich, daß dieses 'lockige braune Haar einst roth gewesen? Die übennüthigen will weggefahren gesehen haben, wär e die Besitzerin des Ge- schästes, in dem die Pfändung vorgeiwmmcn werde» sollte. Hauch er konntä dasselbe jedoch Nicht behaupten, sodckß es zu einer gerichtlichen Versteigerung kam, bei der eine letzte Hypothek in Hölw von 13-000 M. oussiol. Das-ist etiva 10 Jahre her, und die Forderung hat sich seitdem durch Zins und Zmseszins sehr wesentlich erhöht. Vergebens versuchte L. eine Einigung mit seinem Gläubiger, indem er ihm 10 bis 12 000 M. anbot; der Gläubiger forderte die ganze Summe nTTpm unb Y. mor nirfit im fnnißl mit allem Zinseszuwachs, und L. war nicht im Stande, soviel zu zahlen. Inzwischen hatte L. seine Fleischerei seiner Frau als Besitzerin übergeben und die Firma unter A. L. u. Co. eintragen lassen,'während er selbst nur als Prokurist des Geschäftes fungirte. Am letzten Mittwoch nun er- schien gegen Mittags 1 Uhr ein Gerichtsvollzieher im Polizeibureau der Zenttalmarkthalle; L. wurde durch einen Schutzmann in das Polizciburcau zitirt. Tie an ihm vom Gerichtsvollzieher vorgenommene Pfändung sblieb jedoch fruchtlos. Der Gerichtsvollzieher ging nun in den in Bogen 1 Vipr%rmn V ir. fön fitniihpr um Ylnrf befindlichen Stand der Firma A. L- u. Co. hinüber, um dort eine Pfändung vorzunehmen. Da der Engrosverkauf um diese Zeit jedoch schon beende: ist, so lag der Flcrschvorrath der Firma bereits in einzelnen Vierteln auf dem der Firma gehörigen Wagen; außerdem befanden sich aber auch Fleischvorräthe anderer Schlächter auf dem Wagen, welche, wie üblich, mit weggeschafft werden sollten. Sobald der Gerichtsvollzieher Miene machte, das Fleisch zu pfänden, nahmen die Schlächter nattirlich sofort das ihnen gehörende Fleisch herunter. Bevor die Pfändung vollzogen werden konnte, ergrift Frau L. die Pferdeleine und fuhr eilends davon. Tic Pfändung war mißglückt. Wie wir hören, beabsichtigt Frau L- nun wegen Geschäftsstörung klag- bar zu werden, va die Pfändungsordre auf L- lautete, das Fleisch aber der Firma A. L. u. Co. gehörte und sich auch auf dem dieser Finna gehörigen Wagen befand. Außer diesem ge- richtlichcn Nachspiel dürfte aber noch ein weiteres zu erwarten sein, da der Gerichtsvollzieher den Schutzmann beschuldigt haben soll, ihn nicht genügend unterstützt zu haben, eine Be- sckuldigung, gegen die der Schutzmann nun wieder vorstellig werden wil>.|:- Cä�tt Konservative Blätter erhalten l folgende Mitthcilung: Aus Anlaß der vielfach laut gewordenen Klagen darüber, daß seitens der Scharfrichtcrcigchilfcn, owohl unmittelbar vor dem Einsangen wie auch selbst während des Einfangens der nicht mit Maulkorb oder Stcuermarke versehenen Hmrde, die Lcgiti- mationsschildcr verdeckt getragen werden, was zu den größten Unzuträglichkeitcn für die JOundesänger selbst wie für das Publikum fühtt, hat das Polizeipräsidium angeordnet, daß die Hundefängcr zu jeder Zeit, wenn sie sich zum Zwecke der Aus- Übung des Hundefangs auf den Straßen befinden, das Legitimationsschild offen, unvcrdeckt an den Mützen zu tragen haben. Die Polizeiaufsichtsbcamten sind mit Anweisung verschen war- den, den Abdcckercigchilfen, wenn sie sich in der rechtmäßigen Ausübung ihres Berufes befinden und dem Publikum gegen- über ein ruhiges, bescheidenes Benehmen bewahren, jeden mög- liehen Schutz gegen Verfolgung und Angriffe des Publikums zu gewähren, andererseits aber auch jede zu ihrer Wahr- nehmung gelangende Uebettretung derselben zur Anzeige zu bringen. Der Schwarze Grabe» wird in semer ganzen Länge von Wilmersdorf abj überwölbt. Die Arbeiten haben bereits seit einiger Zeit begonnen. Es müssen zu dem Zweck die von der Gemeinde Schöncberg eingelegten Kanalisationsröhren heraus- genommen werden, die Sohle des Grabens wird rcaulirt, und dann erst können oberhalb des sfioachimsthal'schen Gnmnafiums die Maurerarbeiten beginnen. Die Arbeiten werden innerhalb der Feldmarken Wilmersdorf und Schöncberg auf Kosten der Geineinden ausgcfühtt. Die Kosten sind für Wilmersdorf auf 40000 Mark und für Schöncberg auf 18 000 Mark veranschlagt. Gute größere Betriebsstörung fand am Sonntag Nach- mittag zwischen 4 und 5 Uhr auf dem Südringgcleise in der Nähe des Bahnhofs Stralau-Rummelsburg statt. Ohne daß die Ursache bisher aufgeklätt ist, entgleiste nach vorausgegangenem Hinausdrücken der Zwciteklassewagcn des Südttngzugcs, wobei glücklicher Weise niemand verletzt worden ist. Der Zug selbst war bald zuin Stehen gebracht. Die Passagiere wurden mit einem auf dem Ringbnhngelcisc aufgestellten neuen Zug weiter- befördett, und gelang es, den sehr regen Sonntagsverkchr ver- mittels des Nordbahngeleises und des Einfahrtsgeleiscs nach dem Schlestschcn Bahnhofe zu bewälttgen. Das beschädigte Geleise ist bereits wieder hergestellt. Schlechter Dank. In der 3 lacht vom 26. zum 27. Oktober d. I. ttaf der Musiklehrer F. an der Ecke der Oranien- und Brandcnburgsttaßc ein unbekanntes Fraueiuimmer, welches ihn um ein kleines Geldgeschenk bat, da ihr Sohn während des Augen waren freilich dieselben geblieben. Der wohlgeformte Mund ließ beim Sprechen blendendweiße Zähne sehen, und als die schlanke Hand nun ein blondes Schnurrbättchen drehte, zeigten die vollen Wangen die anmuthigsten Gnibchen. Dazu das herzliche Lachen des. Dreiundzwanzig- jährigen.... ganz der Mann, Weibern die Köpfe zu verdrehen. Das Thermometer meiner Begeisterung begann� freilich bald genug zu fallen. Daß Archie der glückliche Inhaber von drei Geschäften war, imponitte mir nämlich gar�nicht, und daß er ein großes Vermögen durch waghalsige Spetu- lationen errvorben hatte, mißfiel mir sogar höchlich, woraus ich kein Hehl machte. Immer noch die alte Verehrung für den alles be- herrschenden Dollar! Jede von mir gegebene Auskunft über das Wohlergehen deutscher Bekannter rief bei ihm die stereotype Frage hervor: „Was ist der Mann werth?" So daß ich schließlich, als es sich um einen ehemaligen Lehrer handelte, der allerdings vom Geldstandpunkt aus „gar nichts werth" war, ärgerlich zur Antwort gab: „Erttschiedene Hochachtung!" Der Zweck seiner Reise nach Deutschland war, sich von den Anstrengungen der Geschäfte zu erholen, sich in Theatern und Konzetten zu vergnügen, sich die Welt anzusehen, be- sonders aber, arme Verwandte des Vaters aufzusuchen und zu unterstützen. Eine wunderliche Mischung von Realismus und Idealismus, von Selbstsucht und Gemüth. Ob er wohl je geliebt hatte? Ich wagte schüchtern eine diesbezüg- lich Frage. „Frage mich nicht, so werde ich Dich nicht belügen!" lachte er. Aber er wurde roth dabei. Nachher kam's heraus: eS war ihm jenseits des Meeres ein Mädchen gut; er schildette sie als ein süßes Geschöpf mit blonden Haaren und blauen Augen. „Sie hat mich sehr lieb, aber sie.ist mir zu weich, zu sanft, zu wenig energisch." Am Tage vor seiner Abreise war er zu ihr gekommen: „Mabel, ich habe mich plötzlich entschlossen, ich reise morgen nach Deutschland." „Wenn Gott will," hatte sie gesagt. Ich sah im Geist das arme Ding erbleichen. „Ob Gott will oder nicht, ich reise morgen.". verflossenen Tages noch nichts tzzu essen daraus die Ilnhtkarnite 30 Pf. von F. erhielE umfaßte sie den- selbe« und bedankte sich für das Geseftern. Bei dem Ausdruck dieser Dankesbezeugung lhat die Ilnbekännte.ihrem Wohlthät» eine silberne CHlinder-Remontoir-Uhr im Werths von 45 M. gestohlen. Gin Büchermarder. Vor hiesige Verlagsbuchhändiev Cohn einigen bei der Tagen machte der Polizeibehörde die Mittheilung, daß chm in der letzten Zeit aus seinenr Geschäfts lokal Bücher und Manuskripte von großem antiquarischen gestohlen werden seien, und daß er auffallenderweise Verluste stets entdeckt habe, nachdem er den Besuch eines Dr. L. er!# ten hatte. O bschon dem letzteren die Verübung derartiger Diebstähle nicht wohl zugetraut werden konnte, wurde doch eine Durchsuchung im seiner Wohnung vorgenommen. Hierbei fand sich ein Cohn abhanden gekommenes Manufkript aus de« 15. Jahrhundert im Warthe von 60 Mark und ein Bm „Repoblica Veneta 1574", dessen Werth jedenfalls nicht ringer ist. Dr. L., welcher sich mit lilcranschen Arbeiten schäftigt, hat zugegeben, daß er diese beiden Werke aus Lied- haberei sich angeeignet und noch zwei andere Manuskripte, deren Werth auf 800 Mark geschätzt wird, dem Antiquar entwend» und nach seinem Heimathsott P. mitgenommen hat. Au#' dem wurde in der Wohnung L.'s eine große Anzahl anscheinend wetthvoller Kupferstiche, Lithogramme, Federzeichnungen uiö Illustrationen vorgefunden, Vre augenscheinlich aus antiquam scheu Werken herausgerissen worden sind und zum Theil«- Titelblatt gedient zu haben scheinen. Bezüglich einiger Zc«!' nungcn ist bereits festgestellt, daß sie aus Büchern der könig' lichcn Bibliothek, woselbst L. seit längerer Zeit verkehrte, ¥' ausgerissen worden sind. Dr. L. ist verhaftet worden.■ Die Hauptsache. Am Freitag Abend gegen 11 � wurde Unter den Linden, Ecke Friednchsttaße, eine Dame M' fahren. Sofott war auch schon ein Schutzmann zur Stelle V erbot sich, die Verunglückte in einer eilig herbeigerufenen DnM nach der Ehantee zu fahren. Der Unfall schien jedoch nur f ringer Natur zw sein, dennjiie Dame erhotte sich schnell% lehnte das Anerbieten des Schutzmanns ab, fie wollte zu W ihren Heimweg fortsetzen. Der Heroismus der Dame fand d- allgemeine Bewunderung des Publikums, das sich schnell ang� sammelt hatte und ein Herr war so höflich, sein TaschenW® hervorzuziehen und den Anzug der Dame säubern zu helfe» „Sic haben sich doch nicht verletzt?" fragte er besorgt- nein", envidette die Dame,„ich habe hier und da zwar ettvo» Schmerzen, ein Glück nur, daß..."„daß kein eviccer xW verletzt ist?" fiel der galante Herr ihr in's Wort.„ReA ein Glück nur, daß ich— meinen neuen Wintermantel m# anhabe l"■ Mordanfall. Ter in der Landgrafenstraße wobneim Dr. S- verwaltet interimistisch mehrere Häuser des Privatiers der einen großen Theil des Jahres außerhalb Berlins zubrit# Zu den unter seiner Verwaltung stehenden Häusern gehört og dasjenige in der Feilnersttaße 2 a. In letzterem wohnt# längerer Zeit der Bronzewaarenfabrikaitt Guagenbüchler, bw wie wir dem Benchte des„KI. Journ." entnehmen, mit 1«#" Miethc mehrfach im Rückstände blieb, und gegen welchen, n# dem die Miethsschuld schon lange gestundet war, die Exmisfi� klage angesttengt wurde. Am vergangenen Sonnabend W nun bei ihm der Gerichtsvollzieher ein, der in Vollziehung gerichtlichen Erkenntnisses das Geschäftslokal des G. Kaum war das geschehen, so nahm Guggeichüchler eine Dro% erster Klasse und fuhr nach der Wohnung des Dr. S- in � Landgrafenstraße. Auf seine Erkundigung nach Herrn Dr.•< wurde ihm hier erwidett, daß dieser nicht zu Hause sei� bald kommen müsse. Guggenbüchler stteg hierauf die herunter und mattete im vausflur, wo auch alsbald Dr. r erschien. Guggendücbler stellte ihn nun kurz zur Rede über" veranlaßle Exmission, was dieser höflich dannt beantw-tt� daß dieselbe im direkten Auftrage des Hauswirths erfolgt w bot ihm aber an, telegraphisch um weitere Stundung«nfl fragen. Guggenbüchler ließ aber den Dr. S. gar nicht erst reden, sondem feuerte aus einem Revolver einen Schuß% diesen ab, der aber fehl ging. Dr. S. floh hieraus aus Flur nach der�Straße, Guggenbüchler folgte ihm und zwei weitere Schüsse auf ihn ab, von denen einer dun»?? Hut ging und den oberen Kovftheil verletzte, der andere � Schulterblatt ttaf und eine, trotzdem die Kugel durch den d>» Winterrock paritt wurde, ziemlich heftige Verwundung% ursachte. Guagenbüchler entlief hieraus in der Richtung� dem Zoologischen Gatten, lieber die Personalien des täten, Guagenbüchler meldet unser p.-Äenchterslatter das o( rtPtrhp' fSiiiftrtPitfiiifhTpr oi*r npfinrotipr �pffprrptrhpr ffllU Guggenbüchler, ein geborener Oesterreicher, ,»>» ca. 5 Jahren von Wien nach Berlin und errichtete hier �. Gießerei und Bronzcwaarenfabnk, in der er an 30 Art und 2 Buchhalter beschäftigte. Anfangs ging das Geb Vf anscheinend recht flott, später trat jedoch ein Unrschlag G. schließlich veranlagte, die Gießerei zu verkaufen. Zeit arbeitete G. nur noch mit 2—3 Arbeitern und ei# Da hatte sie ihn«schreckt angeblickt und verlassen; am andern Tag war er abgereist, ohne sie wie° gesehen zu haben.'~ u, „Es ist auch besser so," sagte er und biß M Lippe. Und dann empfahl er sich. In den nächsten vierundzwanzig Stunden saf) ta)' aar nicht. Am dritten Tage war er mein Gast; die* saumniß entschuldigte er mit der Melancholie: „Wenn die schwarzen Gedanken über mich dann tauge ich nicht unter Menschen." � w#* Er war auch heute recht wunderlich. Bei Tische sich so cynisch, so exzentrisch als nur möglich. Dan'! � er einen großen Gegenstand aus der Tasche, der genauer Betrachtung als eine riesige Zigarre aub�j» Er steckte das Ding in Brand, legte ohne Umstd« � die Beine aus meinen Schreibtisch, vergrub die den Hosentaschen und begann schweigend zu qualmen. � er fertig war, sprang er auf und setzte sich an Flügel. Ich erbebte; die Klavierstudien mit sielen mir ein. Was würde nun kommen! unausstehliches Potpourri, ein Marschwerk, Melodie der andern auf die Füße tritt, ein imtz Heringssalat Äber was war das?. Archie spiette Beethoven! Wirklich und wahrhaft'?"ß# Hoven. Die Sonate pathsttque. Und dann kam Chopm-�,� der KleiderbSF Gewiß em ln""'„tSi*1 saß starr. Wo hatte der Junge diese Technik her, T ck ständniß, diesen gemüthvollen Vottrag. Und dann beg, js mit ktanavollem Bariton die Mendelssobn'libe mit klangvollem Bariton die Mendelssohn'sche singen; „Es ist bestimmt in Gottes Rath, Daß man vom Liebsten, was man hat, Muß scheiden; Wiewohl doch gar nichts auf der Welt Dem Herzen, ach, so sauer fällt, Als Scheiden!„a Er hatte Thränen in der Stimme. Plötzlich auf und warf den Deckel des Instruments zu: „Die fLufr in Eurem Deutschland macht mental! Wir wollen spazieren gehen." (Schluß folgt.) mich sc" 1 di- 9 Sefirburfdictt. Auf Anordnung der Behörde ist am Sonnabend Abend Wohnung und Arbeitöraum, nachdem in demselben ver- Nblich nach dem Flüchtigen gesucht worden, polizeilich geschloffen worden. Die polizeilichen Recherchen haben bis jetzt noch nicht M Festnahme des Attentäters geführt. Das Befinden des Dr. S. soll ein verhältnißmäßig gunstiges sein. , v Zum Unglücksfall auf dem Tegeler Schießplatz. Wi haben bereits mitgetheilt, daß die Nachricht eines Unglücksfall! auf dem Tegeler Schießplatz von dem Amtsvorsteher zu Tegel eme Erfindung bezeichnet wird; die Direktion der Artillerie- �aneßschule hat über den Fall natürlich auch Erkundigungen «ngezogen und bestätigt der„Voff. Ztg.", daß jene Nachricht leocr Unterlage entbehrt. , Als der Bügler L. vorgestern Abend um ll Uhr in Be- W-ng seiner 15 jährigen Tochter und eines anderen Mädchens die Rudersdorfer Straße pasfirte, kamen ihm drei Männer cnt- ffrgen, von denen einer, in dem' später der Schlächter Lmedzu- weit ermittelt wurde, eine den L. und seine DaMcn betreffende fchamlose Bemerkung machte. Als L. fich die Belästigung ver-' dat, erhielt er von Q. einen so heftigen Schlag gegen den i, w''c'n Hut herunterfiel und wurde von dem Angreifer und seinen Begleitern init dem Rufe„Ihnen werden wir das morgen" verfolgt. Dem herbeikommenden Wächter gelang es, 9W. fkstzunehmcn, welcher wegen Erregung eines önentlichen �W�aiffrs und Körperverletzung der Staatsmiwaltschaft vor- fal s TO0t�en ist.— Einer nicht minder großen Rohheit hat eL.yfs wegen Körperverletzung bereits wiederholt bestrafte sn.?,Mkrgeselle Geisendorf in einem Lokal in der Wadzeck- schuldig gemacht. Als ein dort befindlicher Gast R., von den Anwesenden gehänselt worden war, mit den jzMp;»Es geht ja hier zu, wie unter Räubern", das Lokal ».!°'fan wollte, ergrin Geisendorf ein Tischmesser, rvars es .„w dem 9{. und brachte demselben eine erhebliche Stichwunde der et im bei. Geisendorf wurde verhaftet. Massenanklagc gegen nicht weniger als acht- «Zwanzig Personen wird demnächst vor der Strafkmnmer des R°"dgenchtes» zur Verhandlung kommen. Es sind Leute auss �ernn, die zu einer förmlichen Bande organisirt ivaren und in kffe jj�Be®cnd' namentlich in Charlottenburg eine schier zahl-j Ter e von Diebstählen zur Ausführung gebracht haben. ch�r cme Haupträdelsführer hat allein 50 Diebstähle auf dem gewissen; die meisten der Betheiligten können bereits ein statt- stches Sündenregister aufweisen. Zwei von den Angeklagten »vden sich wegen Hehlerei zu verantworten. ... Bewegung der Bevölkerung Berlins nach den Ver- offmtlichunnen des statistischen Amts der Stadt. Die fortgc- lain ebene Bevölkerungszahl betrug am 9. Oktober inkl. der nachträglichen An- und Abmeldungen 1 342 217, hat sich dem- Mb gegen' die Woche vorher um 2158 Seelen vermehrt. rm der Woche vom 10. bis 16. Oktober wurden polizeilich ge- Meldet 6732 zugezogene, 3128 fortgezogenc Personen; st.andes- Much wurden 609 Ehen geschlossen. Geboren wurden v83 Kinder, und zwar lebend: 524 männliche, 430 weibliche Mammen 854! darunter 114 außereheliche), todt 15 männ- llche, 14 weibliche, zusammen 29(daruirter 3 außereheliche) ftinder. Die Lebendgeborenen, aufS(tahr berechnet, bilden 33,1, oie Todtgeborcnen 1,3 pro Mille der Be- völkeruna, die außerehelich Geborenen 13,25 pCt. aller in der poche Geborene», davon die bei den Lebendgeborenen 13,35, e bei den Todtgebm'cncn 10,34 pCt. In der kgl. Chäritee und atbindungs-Anstall wurden 46 Kinder geboren. Gestorben shsickTodtgeborene) sind 588, nämlich 323 männliche, 265 wcib- Ge Personen. Von diesen waren unter 1 Jahr alt 222(inkl. außereheliche), 1 bis 5 Jahre 115(inkl. 13 außerhcliche), f 10 Jahre 24, 10 bis 15 Jahre 8, 15 bis 20 Jahre 6, bis 30 Jahre 37, 30 bis 50 Jahre 34, 40 bis 60 Jahre 74, bis 80 Jahre 57, über 80 Jahre 11. Die Sterbefälle fN Alter von 0 bis 5 Jahren machen 57,31 pCt. fämmt- zm w dieser Woche Gestorbenen aus. Von den im 29 1 Jahr gestorbenen Kindern starben 78 im ersten, 14 Seiten, 21 in> dritten, 20 im vierten, 16 im fünften, nn„ Istchften, 44 im siebenten bis zwölften Lebensmonatc; bensclbcn waren ernährt 40 mit Muttermilch, 2 mit nst�Mstch, 106 mit Thiermilch, 3 mit Milchsurrogatc», 38 urfoA mi�ter Nahrung, von 33 war es unbekannt. Todes- en).m? waren besonders: Lungenschwindsucht(64); Lungen- (171»MS(38), Bronchialkatarrh(16), Kehlkopfentzündung HquL.*?mpfe(32), Gehirnschlag(12), Gehirn- und Gehirn- LeS�ndung(19), Krebs(17), Slltersschwächb(14), WiSiA(40), Abzehrung(27), Masern(4), (9), Diphtherie(42), Typhus(9), Diarrhöe. 20-25, Rheinischer Holländer Käse 45-58 M. echter Holländer 60-65 M-, Edamer>. 60-70, l. 56-58% französischer Neufchateller 16 M- pro 100 Stück, Roquefort; 1,20—1,50 pro Pfd.| Obst und Gemüse. Ungarische Weintrauben 25—30 Pß, Pflaumen 4,50—7,00, Birnen 4,20—6,50, Tafelbirnen 7—15, feinste Sorten bis 30 M., Aepfel 4,25—7,50 M-, Täleb äpfcl 7—15 M-, feinste Sorten bis 30 M-, Maronen 20 bis 30 M., Wallnüsse 30 M. pr. Ztr Zwiebeln 2,25-3,00-4,00, Weißfleischige Speise-K°r- toffeln 2,80-3,60, rothe 2,80-3,00, blaue 2,50-3,00 Pff 100 Ko., TeltowenRübchcn 9—12 M., Sellerie 7—8 M, Meerrettig 7—12 M., Blumenkohl 20—40 M. pr. 100 Stuck. Kohlrüben 1,50—2,00 M-, pr. Ztr. Blumen und Blätter. Lorbeerblätter 3,50— 4M. vro Korb Rosen 10—15 M., Rosenknospen 1—3 M. pr. 100 Stuck Tuberosen 4—5 M. pr. 100 Stück. Veilchen 3,50—5,00> pr. Tausend. Rosen-Hochstämme 50—70, niedrig-veredeut 16-20 M. pr. 100 Stück, Primeln 13-15 M. pr. 100 Stuck Auktion Dienstag um 7 Uhr Nachmittags. KriefKuste« i>er Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Quittung beizufügen. Brieflicht Antwort wird nicht ertheilt. O. F. Pankstraste 5a. Wir haben Ihre Zeilen eincf Arzt zur Prüfung übergeben und werden Ihnen demnächst � wiffenschaftlichc Urtheil zukommen lassen. W. H. 10. Licbknecbt's Fremdwörterbuch ist in uiv'cff Expedition für 1 M- 40 Pf. käuflich. Tie andere Brosctio ist augenblicklich nicht auf Lager. H. M. Natürlich mußte es in dem Sonnabend-!e artikel„Annageln" statt„Anrempeln" heißen. St. 61.(Wegen eines Druckfehlers in der letzten Nunc* wiederholt.) Wenn wegen Ehebruchs geschieden wird, darf* Ehebrecher nachher nur Heirathen, wenn ihm hierzu bcsoni� Erlaubniß vom Justizniinister ertheilt wird. A. B. Hannover. Aus Ihren Angaben geht hervor, daß auch Ihr Chef sich verpflichtet habe, Sie ein � hindurch in Stellung zu behalten, oder daß eine Kündigung-' frist ausgemacht ist.&ic können daher, da Sie als Schreib den Bestimmungen der Gewerbeordnung nicht unterliegst ohne Kündigung entlassen werden und haben nur Anspnü- auf den bisher verdienten Lohn, selbstverständlich auch auf** jeden Monat zurückbehaltenen 10 M. I. G. Wir haben schon oft auf Anfragen mitgetheck daß Schlafleute am 15. kündigen müssen, um am 1. ziehen können, daß sie aber nickt auck am 1. zum 15. kündigt dürfen. 2. Wenn im Kriegsfalle der Landsturm aufgebot� wird, so müssen die zu demselben Gehörigen natürlich ins% Dieses Aufgebot erfolgt aber gewöhnlich erst in Zeiten Höci# Gefahr. Theater. Der Dienstag, den 2. November. Opernhaus. Flick und Flock. Schauspielhaus. Was ihr wollt! Deutsches Theater. Gräfin Lambach. Friedrich-Wilhelmstädtifches Theater. Vizeadmiral. Wallner-Theater. Goldonkel. Viktoria-Theater. Amor. Ostend-Theater. Das neue Gebot. Residenz-Theater. Ein Großstädter. Vorher: Ein anonymer Brief. Bellealliance-Theater. Tie schöne Galathce. Zehn Mädchen und kein Mann. Flotte Bursche. Walhalla-Theater. Die Piraten. Königftädtischcs Theater. Von Schrot und Koni. Kaufmann's Varietce. Spezialitäten- Vor- stellung. Amerikan-Theatcx. Spezialitäten-Vorstellung. Reichshallen- Theater. Svczialctäen- Vor- . stellung................... Berliner Stadt-Theater. (Früher Alhambra-Theatcr.) Wallnertheaterstr. 15. Dienstag, den 2. November: Zum 1. Male: Der O krl uns imetiku. Große Posse mit Gesang in 3 Akten v. Salingrs. Vor der Vorstellung: Gioße- donctit der Haasdapelle, unter Leitung des Kapellmeisters Hm. Tb. Franke. Anfang der Vorstellung 7>/, Uhr. Das Theater ist mit elektrischer Beleuchtung versehen. JEd pit-Theater• (Früher Louisenst. Theater.) Dresdenerstr. 72,73. Sa» großartiafte Program« der Rrstdenz. HrKotzal Uokohama Tronpe(6 Personen), japanische Produktion.®'bin Croupe, 6 Personen, die bestrenommirtcsten Akrobaten und Gymnastiker. Mr. Krtzon, bedeutender Athlet. ZTie The. terprode in drr fcfidje Großartige burleske Operetten-Pantomime von der Gesellschaft Maiton, 3 Damen, 3 Herren. Kcrlchminden einer jungen Dame mit nachfolgender Erklärung. Riegel» Kallet- esellschaft. 12 Damen, 2 Zerren. Paula und udwig Tcllheim. Eugen Zocher. Mr. Lenke, Konzertsänger. Kassenöffnung 6'/, Uhr. Anfang 7'/, Uhr. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. naJaer-PanAmms. In dieser Woche: Neu! Zum ersten Male: Eine Wanderung durch Köln— Aachen. Zum ersten Male: 4. Reise inaler. Schweiz. , Hertha-Reise.— Earolinen-Inscln. Entree 20 Pfennig. Kinder nur 10 Pf. Einige gediegene Skatspieler, sowie Schafs- Kopfspieler finden dauemde Beschäftigung im &jt(mrant zur Dizimatonaae, Wemelerstraste 8S. Eine gute Weiße für 20 Pf. und ein gutes Glas Bier für 10 Pf. stets vorhanden. 892] w- Hau**. Killiftste Bezugsquelle für Gold- u.SilberWaaren. Zu Fabrikpreisen empfehle: Ringe, Kreuze, Medaillon«,(Ohrringe, Kröche«, Armbänder. Collier«, Herren- und Dawenkrtten, Chemisett- und Manschettenknöpfe. Similischmnck, Granat-, Korallen- und Silberschmuck. Trauringe in Dukatengold, auch in 14karat. Golde und in Silber vergoldet stets vorräthig. Werkstatt für neue Arbeiten und für Reparaturen, Gravirungen, Vergoldungen, Versilberungen jc. Einkauf von Juwelen, Gold und Silber, Medaillen und Münzen. Reelle Bedienung und feste Preise.[885 A. Oertel, Anden Straße 109. von Die Uhren-Fabrik C. Jiifirermaim Naclif., ßedia WM/ ie richk. 7t), Ecke Taubenstr., offerirt ihre anerkannt heften Fabrikate mit 3 jähriger Garantie zu folgenden Preisen: wr" do. do. Federzug-Regulatoringeschn.Gch., prima Werk, 14 Tage gehend, Rmk. 10 do. mit Schlagwerk.....„ 15 do. in Nustb. polirt. Geh., 14Tage 0505 gehend, ea. 1 m lang. Rmk. 15-25 ZZ do. mit Schlagwerk...„ 20-30'' Gew.-Rcgulat., 8 Tage geh., lli m lang, in Nustb. polirt. Geh. Rmk. 24-25»s s do. mit Schlagwerk...„ 34-60 do. in stilger. Nustb. matt u. Pol. ä-e 24 Geh., zu modern. Ginricht.pass. Rmk. 50 ,2® 30 do. mit bestem Schlagwerk..„ 60 do. fein gravirt.. ,, 36 Renaissanee Holzstauduhren in 3 5 do. mit«chutzdcckel 50 150 Nustb.u.GichenmitCnivre Rmk. 50-150 MM Die Firma kauft nnd verkauft nur gegen baar. Versandt nach außerhalb gegen Nachnahme. Umtausch gestattet. Illnftrirter preivkourant gratis und franko.[963 Z�Ntlktl-HerreuRlMiilltolr-Uhrru. Marke Diog�ne, bestes Fabr. Rmk. 12 (7$ Silb. Cylinder-Remt.-llhr m.Goldr.„ 20 a-% do. pxima, Marke Diog�ne..„ 23 Silb. Anker-Rmnt.-llbrcn, 15 Steine„ 23 Z«-do. prima, Marke Billodes..„ 35 S 3 14kar.gold.Hr.-Ank.-Rem.,15Stcine„50 80 do.„„ do. m. Schutzdeckel 75 300 83—--'— Silbeme Damen-Rsmontoir, 2 silb Kaps., 10 Steine 14kar.gld.Tam.-Rmt.-llhr.,10 steine Soeben erschien I PiT Heft 2 der Internationalen Bibliothek. Die Darwinsche Theorie,(uu Abstammung der Meusch-n.) prei« pro Arft 50 Pf. Zu bezichen durch die Erpeditiou des„berliner voldsblatt", Zimmerstraße 44 MF" Wiederverkäufern Rabatt."BW tlftöORipmriW Qua TigaCCrftfOrilCtt. Restaurant zur Dezimalwaage, M Mitgliederversammlung am Dienstag, den 9. November, Abends 8 Uhr, Sophicnstraße 15(Handwerkerverein). Tagesordnung: 1. Bericht des Rendanten. 2. Wahl der Ver- trcter zur Generalversammlung. 3. Anträge. Gnittnngvbuch Irgitimirt. 965]_ Der Vorst and. —25 Personen fassend, eben[948 emelerstr. 82. E. a. Schläfst, f. 2 H. z. v. Gr. Frankfurterstr. 123 bei Urban, Ouergcbäudc Hl.[959 X Einer geehrten Nachbarschaft empf. jT mein Kol?- n. Kohlrngeschäft. JCJ Karl Wahner, Adalbertstraße 6. mV Empfehle meine[890 Gl»«-, Porzillali- and Tackrester- Solide Preise. HllNdiUll.. Große Auswahl. A. Hmrlri, Faustker-plak 1. Soeben erschien Nr. 34 des ,,Wahren Jakob." Zu beziehen durch die Expedition dieses Bl., Zimmerstraße 44. Ardtttsmarkt. TücktiAe Stahlmacher finden dauernde Beschäftigung bei hohen Akkord- preisen oder 22 Mark Lohn(Arbeitszeit von 7—6) in der mechanischen Möbelfabrik 893]�__ Große Frankfurterstraße 86. Junge Mädchen zu leichter Handarbeit verlangt[Jgg _ Rechtin, Spandaucrstr. 34 35 III. Geübte Plattenschneider und Fratfer werden verlangt.[(*% Kteinnuß-Knopffabrik. ____ Oramenitraße 183._ Ein kchueiderges. a. W. Kl. Alexanderstr. 7, p 1 Lederarbeiter verlangt[962 Stockhammer, Neue Königstr. 37. WWWWM König ich Plttßilßit filuit.-pltrtif m 1. Hauptgewinn: 600 000 M. baar. ii Klasse: 9.— 11. November. Grtgtnale: V, a 96',» 49 V«» 25 V. a 13 M.[951 Antheil»: a 13, V„ a 6'/»,'»> a 3Vi a 1> 4 4». jQjl ZnbilSn«»-Kunftau,sttll.-f--fe (I.— 13. Noveinber) a 1 M. Rothe Loose a 5 iH. Ricliard Schröder, W., Markgrafenstraße�46 venodarmenmarkt 931] Eine Kobelbavk wird zu kaufen gesucht Schönhauscr-Allee 52, Hof i bei K e> 1 Herberge n. Vrrkelst lokal fomie Zentral'?�. »beitsnachmei« de» verein« der Cifchl"� Klumenstraße 56. 7. geschieht unentgelü ag,., Adressenausgabe an Wochentagen von 8V, ,, 9", Uhr Abends. Sonntags von 9—11 ja Vormittags. [7� »wwwwwwwvw Soeben ist erschienen: tiieUicl!Kalei>dcl für 1887. Aus dem reichen Inhalt hcbin wu hervor: ReichshaiishaltS-lktat W scheu Reichs.— Zerbrochene Ketten. zlihlung von Rod. Schwcichcl.— Bas' tige Frauen unb vaarmenjchen.— t'" Prolelariertind. Erzählung v.E.2 an — Der Raiups zwischen sscuec u. llöam in der Welt. Bon P. Osw. Nöhlcr. Wie man eine Million verbicnt.— o'"' gcudc Blätter(humoristisch). AI« Grati»- Heitagen: I. Lucia. 3. Mutternlnck. 2. Blanche. 4. Die bech.n#("' r�' Zu bezichen durch die Expedition dies. � Zimmersttaße 44. Wiederverkäufern Rabatt Verantwortlich für den politischen Theil und Soziales Max Schippet, für Vereine und Versammlungen F. Tntzauer, für den übrigen Thcil der Zeitung R Cronbeim sämmtlich � Druck und Verlag von Max Babing in Berlin sw., Beuthstraße 2. ö vronycim, lammu.