Nr. 258. Donnerstag, den 4. November 1886. 3. Jahrg. SMtrVckiM Brgii» für die Interesse» der Arbeiter. 4 Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei ms Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1880 unter Nr. 769.) Jnscrtionössebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzcile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Äureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. NedaKtion: Deuthstraße 2.— Erpedition: Zimmerstraße 44. Wundersames Uerbot. , Vor einigen Tagen wurde in dem„freien Hamburg" me Versammlung auf Grund des Sozialistengesetzes ver- welche zum Gegenstande der Besprechung die Ver- hau � kes hauptsächlichsten Nahrungsmittels, des Brotes Um diese Verbilligung des Brotes herbeizuführen, sollte ,e„Errichtung von Konsumbäckereien" in er Versammlung als Heilmittel vorgeschlagen werden, wie °us den betreffenden Anzeigen hervorging. Konsumvereine, in welchen Brot verkauft wird, •Wjren in Deutschland schon in großer Zahl. Dagegen wenden die Behörden nicht das Geringste ein, auch die Hamburger nicht. , Konsumvereine, welche sich bilden wollen, um Brot zu packen, werden aber verboten, und zwar auf Grund des Sozialistengesetzes. Allerdings ein sonderbares Verbot, wird lcder Unparteiische sagen. . Und in der That um so sonderbarer, als in Deutsch- land die gegenwärtig maßgebendste politisch-soziale Richtung, me konservative und die maßgebendsten Personen im Reiche überhaupt fortwährend das arme Volk beklagen, daß es botz der niedrigen Kornpreise das Brot theurer bezahlen diüsse. In diese Klagen stimmt auch das Organ der Ham- «urger Behörden, der in Hamburg erscheinende„Correspon- •ent" kräftig ein. Händler und Bäcker bilden die bösen «ewerbe, welche sich zwischen das arbeitende Volk und mc braven Großgrundbesitzer, die Getreideproduzenten drä ngen. . Fürst Bismarck selbst hat diesem Gedanken mehrfach Voßen Betrübniß der Bäckermeister in Deutschland ur- Ausdruck gegeben. ja)ei?-an sollte nun meinen, der herrschenden Gewalt, die läae � cn Getreidekonsumcnten nicht helfen kann oder will, ..."'chts näher, als das arbeitende Volk in seinem Bestreben „«.-'"�stützen, wenigstens billigeres Brot zu erhalten; sclhu�r, weil durch"die Herrschenden in der Gesetzgebung ein?» 7*4 die Getreidezölle das Korn und auch das Brot würd �"n Preis erhält, als es ohne diese Zölle besitzen Und wo das h Aber schlimmer noch als die Erhöhung des Kornpreises tuüvL �lle ist das Fernhalten des guten, backfähigen kerJrV1 uud fremden Getreides überhaupt. Und wo das ireik"'4' möglich ist, weil man aus deutschem Ge- fipfiA ei" lein gutes Brot und Mehl herstellen kann, da fremde Korn im Preise 15—30 Mark die Tonne die das inländische und so trägt der Zoll in dp-%»olle direkt zu einer bedeutenden Preiserhöhung * Vrotes bei. (««[Jb; lru<'»ftbottn.) Jeuiüeton. [17 Iw Hanse des Kerderdens. Kriniinalroman. Von Rcinhold Lrtmann. nn Du wüßtest, wie es in diesem Augenblick in meinem saat! oussieht,— Du würdest mich weniger martern!" »w er dumpf. bainZ � mein Vertrauen in Dich und in die Wahr- überk deiner Worte ein geringeres, Nikolaus, ich würde ich nt P* nicht mehr an Deine Liebe zu mir glauben! Aber Gesrfg"r �aran und setze mich über die Rücksichten meines hinweg, um Dich mit all meiner Kraft an einem siiblp väuJinbcrn, der uns Beide elend machen würde. Ich aber Vcleidigung mit Dir, die Du erdulden mußtest; SÜnrf,. lauschest Dich, wenn Du glaubst, daß es in meiner fiut n,-® 9?n habe, sie zu verhindern. Ich weiß nur zu W in 16 gering in diesem einzigen Punkte mein Einfluß auf tnich �Pa ist; und zu dem letzten äußersten Schritte ist für »ich.. Stunde noch nicht gekommen. Deine Laufbahn darf Ich"..Pct bescheidenen Stellung enden, die Du einnimmst! schivin-.». ö Du Dich auf einen anderen Platz im Leben ich lannst! und ich will, daß Du es thun sollst, ehe Weines � ,�ater die Entschiedenheit und Unerschütterlichkeit Das iu �"lschiusies beweise! Das verlange ich von Dir! ju De np� c �Pf' den Du um mich kämpfen sollst— Du ibn sowohl wie zu dem meinigen! Und wenn sein, min Ä lZnde geführt hast, dann will ich Dein �4erUnnx. � angehören um jeden Preis und jedem (fls ei,, memeg Vaters zum Trotz! Nie werde ich das Gebens ertv'"""sehen, was ich mir als das Glück meines fnuth„„"�"mte! Freudig will ich an Deiner Seite Ar- SZA«A» ÄMeS? s Du unLp 5"»" c.roo[Ien! aber ich fordere von Dir, -ää tri c Die herrschende Regierungsgewalt durch die Zölle, das Manchesterthum durch den Zwischenhandel, die Bäckerzunft durch einen allzugroßen Preisaufschlag— sie alle tragen zu der Preishöhe des Brotes bei und wenn nun die Arbeiter durch eine völlig legale Handlungsweise diese Preishöhe herabdrücken wollen, dann werden ihre vorbe- reitenden Schritte auf Grund eines Ausnahme- gesetzes verboten. Und zwar erläßt ein solches Verbot die freie Hanse- stadt Hamburg, in welcher im Allgemeinen das angezogene Ausnahmegesetz loyal gehandhabt wird.--— Was soll man dazu sagen? Ist der Kapitalismus in jener Stadt am Ende noch geheiligter, als in den übrigen deutschen Bundesstaaten? Muß und soll er mehr noch wie jetzt zur Alleinherrschaft gelangen? Wer das nicht will, wer solcher Anarchie sich ernsthaft entgegenstemmen will, der muß die Rechte und die aus denselben hervorgehende Initiative des Volkes unter- stützen, zum mindesten nicht unterdrücken.-—— Oder'sollten gar die Hamburger Behörden mit uns einer Meinung sein, daß solche Konsumvereine oder Konsumbäckereien eigentlich recht unsozialistisch sind und deshalb aus Gmnd des Sozialisten- gesetzes die Bestrebungen verbieten, derartige Vereinigungen zu gründen? Wir würden solche E r k e n n t n i ß mit Freuden begrüßen, weil dadurch den Arbeitern manche Ent- täuschungen erspart bleiben. Denn jede Genossenschaft, auf Selbsthilfe aufgebaut, ist konkurrenzunfähig dem assoziirten Großkapital gegenüber- Machen die Arbeiter Ernst mit solchen Genossenschaften, dann werden sie immer übertrumpft werden durch kapitalistische Aktiengesellschaften. Die größere Konkurrenzfähigkeit ist bei unseren heutigen wirthschaftlich- sozialen Verhältnissen immer auf Seite der letzteren. Wir sind also keine Freunde von selbsthilflerischen, ge- nossenschaftlichen Produklionsanstalten. Jedoch verstehen wir das dagegen gerichtete Verbot der hamburgischen Be- Hörden nicht. Die Hamburger Arbeiter würden wahrscheinlich selbst schon eingesehen haben, daß kein besonderer Nutzen durch der- artige Gründungen für die Arbeiter geschaffen wird; sie würden nach einigen gründlichen, interessanten Besprechungen wahrscheinlich von solchen Unternehmungen abgehalten werden; aber daß hier die Hamburger Behörden den Vormund spielen wollen, ist um so unverständlicher, weil solche Genossenschaften ganz auf dem Boden der heutigen herrschenden Gesellschaft aufgebaut werden müffen und unter Umständen geeignet sind, eine größere Anzahl von Arbeitern vom Sozialismus fern zu halten. So sind allerdings die Hamburger Behörden in eine sehr schiefe Stellung gerathen. Sie stellen sich durch ihr Ihre Wangen hatten sich geröthet, während sie rasch und mit lauter Stimme sprach. Sie hatte offenbar das Be- denkliche ihrer Lage und die Gefahr, welche für sie darin lag, vollständig vergeffen, und der Kampf, den Nikolaus hier vor dem schönen muthigen Mädchen, das seine Liebe so stark und beredt machte, mit seinen mühsam gefestigten Ent- schlüffen kämpfen mußte, war schwer. „Helene, sagte er endlich, ihre beiden Hände ergreifend, ich danke Dir,'so heiß es ein Mensch nur kann, für Deine große selbstlose Liebe, aber ich darf und will diese erste Negung Deines reichen Herzens nicht mißbrauchen, um Dir eine Fessel daraus zu schmieden. Du unterschätzest die Schwierigkeiten, die ich aus dem Wege räumen muß, um zu einer geachteten geseüscha�ttichen Stellung gelangen, �ahre können darüber vergehen; ja vielleicht reicht nicht einmal ein ganzes Menschenleben dazu aus. Und willst Du diesem fernen nebelhaften, vielleicht nie zu erreichenden Ziel Deine Jugend, Dein Leben zum Opfer bringen? Willst Du mich mit" dem bedrückenden Bewußtsein durch das Dasein gehen lassen Dich um Dein Glück betrogen zu haben?— Nein, Helene laß mich hinausziehen in die Welt! Laß mich den Kampf mit dem Schicksal beginnen, ohne Dein Lebensglück von seinem Ausgange abhängig zu machen! Ist der Sieg auf meiner Seite, komme ich binnen Kurzem an das ersehnte Ziel so werde ich zurückkehren, um von Neuem um Dich zu �°"'Wann wirst Du Brandenstein verlassen?" fragte sie MKiSr: �„Willst Du mir vorher noch eine einzige Bitte er- füllen?" Verbot auf den streng sozialistischen Standpunkt und, was natürlich viel schlimmer ist, sie lehnen sich in ostensibler Weise gegen die Anschauung des Fürsten Reichskanzlers auf, der in der Frage der Preishöhe des Brotes alle Schuld auf die Bäcker schiebt. Wie nun die Hamburger Behörden sich vor der Scylla und Charybdis retten werden, ist natürlich ihre Sache. Politische Ueberstcht. Ein Gesetzentwurf über die Unfallversicherung der Erdarbeiter und anderer bisher noch von der Verstcherungs- pflicht ausgeschlossener Arbeiterklassen soll nach dem„Berliner Tageblatt" den Reichstag in seiner bevorstehenden Sesfion be- schäftigen. Die Widerstnnigkeit des preusiischen Landtagswahl- gesetzes wird auch von bürgerlichen Blättern anerkannt. So urtherlt die„Franks. Ztg.": Zum 4. d. M.(also für heute, Donnerstag) hat der Oberpräüdcnt der Provinz Brandenburg im ersten Berliner Landtagswahlbezirke die Ersatzwahlen für diejenigen Wahlmänncr anberaumt, welche seit den Hauptwahlen durch den Tod, Verzug aus dem Urwahlbezirk oder aus anderen Gründen ausgeschieden sind. Der Termin ist zweifellos aus Rückficht auf die Stadtvenval- tung von Berlin, vielleicht auf Wunsch des Magistrats, fcstge- setzt worden. Der 4. November ist der letzte Tag, an welchem noch nach den im Vorjahre aufgestellten Wahllisten gewühlt werden kann. Da die Abgcordnetenwahlen am 5. November 1885 stattfanden, so würde nach§ 22 des Wahlreglements vom 5. d. M. an eine Ersatzwahl nur nach Aufstellung neuer Ur- Wähler- und Abtheilungslisten und nach deren Auslegung statt- finden können. Die Änfettigung dieser Listen erfordert einen großen Aufwand von Arbeitskraft und Geld, und somit mag aus finanziellen Gründen der Behelf mit den alten Listen ganz zweckmässig sein. Die Widcrfinnigkeit des geltenden Wahlge- setzes tritt aber nunmehr recht klar zu Tage. Im ersten Wahl- kreis müssen 139 Ersatzwahlen von Waylmännern stattfinden, d. h. mehr als ein Siebentel der erst vor einem Jahre crnann- tcn Wahlmänncr kann das übernommene Mandat nicht mehr ausüben. 120 davon blas aus dem Grunde, weil sie nicht mehr in dem Urwahlbezirk wohnen, in dem sie gewählt worden sind. Da die Wahlmänner im Allgemeinen wohl aus den seßhaften Elementen der Bevölkerung gewählt werden, so kann man sich ungefähr vorstellen, in welchem Grade die im vorigen Sommer aufgestellten Wählerlisten heute noch zutreffen. Die Sache gestaltet sich nun so, daß ein Wahtmann, welcher aus seinem Wahlbezirke verzogen ist, nicht mehr berechtigt ist, als solcher bei der bevorstehenden Wahl mitzuwirken, wohl aber ist er noch Urwähler in seinem alten Bezirke und befähigt, seinen eigenen Nachfolger im Wahlmannsamte wählen zu helfen. Auch kann ein Urwähler, welcher jetzt in einem anderen Wahlbezirke wohnt, in dem alten Bezirke noch als Wahlvorsteher fungircn; der Magistrat hat mehrere Urwähler, welche in diesem Falle sind, zu Wahlvor- „Jede!— Und der Himmel wolle, daß sie bedeutend genug wäre, um Dir die ganze Größe meiner Liebe zu be- weisen." Sie schüttelte den Kopf. „Dessen bedarf es nicht. Aber Du sollst mir ver- sprechen, noch einmal vor Deiner Abreise an diese Stelle zu kommen! Sagen wir: in vier Tagen, um die- selbe Stunde wie am heutigen Abend!— Sagst Du mir das zu?" „Ich zittere vor der Gefahr, in die Du Dich damit begiebst." „Sei unbesorgt!— Ich weiß sehr wohl, was ich thue, und was ich aufs Spiel setze!— Wirst Du kommen?" „Es wäre vielleicht bester für uns Beide, wenn ich nein sagen könnte, aber ich kann es nicht!— Ja, ich werde kommen!" „Gut!— Auf Wiedersehen also!— Und bis zu diesem Abend wirst Du nichts thun was auf unser Schick- sal Einfluß haben soll! Ist jene Zusammenkunft vorüber, so will ich Dich mit keinem Worte mehr an dem ver- hindern, was Du für gut und nothwendig hältst!— Jetzt muß ich fort!— Der Vater weiß nichts von meiner Ent- fernung, und ich brauche eine halbe Stunde zum Heim- weg. Lebe wohl, Nikolaus! Und denke an Dein Ver- sprechen!" Sie reichte ihm die Hand, und er zog dieselbe ehr- surchtsvoll an seine Lippen. Eine weitergehende Zärtlich- keit wagte er nicht, denn die Bestimmtheit und Entschieden- heit ihres Auftretens hatte ihn mit ehrfurchtsvoller Scheu erfüllt. „Aber eS ist vollständig dunkel geworden," sagte er, „und der Regen fällt in Strömen. Du kannst doch unmög- (ich allein durch den Wald zurückgehen!" „Ich kenne jeden Baum!— Wer sollte mir hier etwas zu Leide thun?— Und gegen den Regen bin ich durch meinen Mantel genugsam geschützt." „Wenigstens bis an den Rand des Weges laß mich mit Dir gehen!" „Nein, Nikolaus!— Nicht einen Schritt!— Wittliche steHern ernannt. DaS Merkwürdige ist aber, daß ein Urwähler, welcher vor dem 5. Oktober 1885 seine Wohnung verlegte, bei den Hauptwahlen in dem Wahlbezirk seiner bisherigen Woh- nung unbeanstandet zum Wahlmann gewählt werden konnte, daß er jetzt aber bei der Ztachwahl als solcher nicht mehr mit- wirken kann. Es giebt in den Vorstädten einige Urwahlbezirke, in denen gegenwärtig nicht mehr die Hälfte der ein- geschriebenen Urwähler der dritten Abthcilung wohnen dürfte. Tas ganze Wahlverfahren ist, wenigstens soweit große Städte oder industrielle Ortschaften mit fluktuirender Bevölkerung in Betracht kommen, so unpraktisch wie möglich. Und obwohl es andererseits auch so ungerecht wie möglich ist, so behaupten Konservative und sonstige Gouverncmentale doch, daß die Wahlen zum Abgeordnetenhause die wahre Stim- rnung des Volkes zum Ausdruck bringen. Wird eine Erhöhung des Friedensstandes der Armee angenommen, so müßte hierin trotz aller offiziösen Friedens- Versicherungen ein indirektes schwerwiegendes Zugeständniß an den Chauvinismus erblickt werden. Erstens weil es sich mit einer aufrichtigen Friedenspolitik schwer vereinbaren keße, die an und für sich schon im Verhältniß zur Bevölkerungs- zisier unverhältnißmäßig große Armee numerisch noch zu vcr- stärken und zweitens, weil bei der ausgesprochen ungünstigen Finanzlage des Landes nur dann neue Belastungen durch das Armeebudget als-„opportun" enchcincn könnten, wenn damit ein ganz bestimmter Zweck, gleichsam die Auslösung eines Wechsels mit kurzer Sicht, verbunden wäre."— So nnrd dem „Franks. Journal" und anderen nationalliberalen Blättern aus Berlin geschrieben über die Erhöhung der Fricdcnspräscnzstärke— in Frankreich. Was für Frankreich gilt, gilt den national- servilen Chauvinisten natürlich beileibe nicht für Teutschland. Aus den polnischen Landcstheilen scheinen trotz Hundert- Millionengesetz noch immer mehr Deutsche als Polen aus- zuwandern. So berichtet im„Deutschen Tageblatt" eine Korrespondenz aus dem Regierungsbezirk Maricnwerdcr:„Ausgewandert aus dem Regierungsbezirk Marienwerder sind im Laufe von drei Monaten 770 Personen, von denen 429 der deutschen und 341 der polnischen Nationalitat angehörten. In dem gleichen Zeiträume des Vorjahres waren 1065 Personen ausgewandert, von denen mehr als drei Viertel, nämlich 773, Deutsche waren." Der französische Weltausstellunas-Ausschuh arbeitet in promptester und anerkenncnswcrthcster Weise. So hat er be- schloffen, daß von der Ausstellung selbst alle speziell französischen und republikanischen Abzeichen, welche sich auf die erste große Revolution beziehen, fernzuhalten seien. Tie Feier des hundert- jährigen Jahrestags der Revolution soll vor der Eröffnung der Ausstellung und auf einem anderen Platze stattfinden. Alles das find Rücksichten, welche das republikanische Frankreich vor- zuqsweise dem„Deutschen Reiche" gegenüber nimmt. Ob eine sokche Rücksichtnahme nothwcndig ist, können wir nicht wiffen. Um so erbännlicher und hetzender ist die Unterstellung deutscher Blätter, welche diese französische Kourtoisie gegen uns als einen „Bückling vor Rußland" hinstellt. Derouled-s giebt es leider auch im Deutschen Reiche übergenug. Wirkliche Arbeiterinteressen. In einer der sattsam be- kannten Polemiken gegen das„Berliner Volksblatt" seitens der „Rordd. Allg. Ztg., die sich um unsere Bemerkungen zu dem Buchdruckerstrcik in Rheintand-Wcstfalen dreht, behauptet die genannte Zeitung, daß unsere Mahnung an die Buchdrucker- Schilfen, sich der allgemeinen Arbeiterbewegung mehr anzu- hließen, die„wirklichen Arbeiterinteresscn" nicht in Betracht ziehe. Wir müssen es entschieden ablehnen, gerade mit diesem Blatte uns über Arbeiterintcreffen zu unterhalten, da wir dem- Slben zu wiederholten Malen nachgewiesen haben, daß es von rbeiterinteressen nichts versteht und eine völlig ablehnende Haltung gegen die Interessen der Arbeiter einnimmt. Unnütze Arbeit verrichten wir nicht gern. Doch eins sei bemerkt, daß die Arbeiter selbst merkwürdigerweise immer ziemlich genau wissen, wer ihre Interessen vertritt. Und mit diesem Wissen find wir zufrieden. Daß die„Nordd. Allg. Ztg." aber auch in anderen Sachen uns gegenüber oftmals eine recht kleinliche Haltung einnimmt, das geht noch besonders aus folgendem Umstände hervor. Wir brachten vor einigen Tagen einen Artikel über das Reichsgericht, in welchem das Bedauern ausgesprochen war, daß dasselbe nach Leipzig verlegt worden sei. Seiner Zeit hat die„Nordd. Allg. Ztg." förmlich mit berserkerartiger Wuth für Berlin als Sitz des Reichsgerichts gekämpft. Jetzt druckt das Blatt als einzige Erwiderung auf unseren Artikel lediglich eine Notiz aus dem„Leipziger Tageblatt" ab, welches natürlich in diesem Falle lokalpatriotisch, pattikularistisch in kindlich- trivialster Weise uns begeifert. Diesen Abdruck hat ausnahms- weise der Privat-Pindtcr auf seine Kappe zu nehmen. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Die kluge Oberratte, Herr M i q u e l, hat das Präsidium des deutschen Kolonialvcreins niedergelegt. Dr. Jerusalem ist zum Ge- schäftsführer des Kolonialvereins ernannt worden.—„Tas läßt tief blicken." Die„Volkspartei" unterscheidet sich sachlich von der deutschfreisinnigen Pattei nicht einmal durch die Farbe des Gefahren sind hier nicht vorhanden, und vor eingebildeten habe ich keine Furcht!" Er drang nicht weiter in sie, und bereits in der nächsten Minute war sie zwischen den Stämmen verschwun- den. Der Regen fiel jetzt so stark, daß es sich schwer unterscheiden ließ, ob das Brausen und Rauschen, das ringsum ertönte, von den niederfalleuden Tropfen oder von dem noch immer mit ungeschwächter Kraft dahersausenden Winde verursacht wurde. Jedenfalls war das Wetter von der abscheulichsten Art und der Aufenthalt in der bau- fällige« Bretterhütte, die weder dem Sturm, noch dem Wasser ernstlich den Eintritt verwehtte, höchst unbehag- lich. Trotzdem verließ Nikolaus das kleine Häuschen noch nicht. Als er bei angestrengtestem Spähen nichts mehr von Helenens schlanker Gestalt wahrnehmen konnte, ließ er sich auf die Holzbank nieder, wo sie vorhin gesessen und stützte sorgenvoll den Kopf in die Hände. „Ich hätte entschiedener sein sollen," murmelte er vor sich hin,„ich hätte diese letzte Zusammenkunft ablehnen sollen, denn sie wird nur eine neue Marter sein für uns Beide, und ändern darf sie doch nichts an meinem Ent- schluß!— Aber es ist so schwer,— so unsagbar schwer!" Er versank in ein dumpfes Hinbrüten, und erst als er fühlte, wie ihm die kalten Regentropfen über das Gesicht liefen, stand er auf, um langsam durch den sinstern Wald nach Hause zurückzukehren. 71» Nun waren die Beisetzungsfeierlichkeiten auf Schloß Brandenstein vorüber. So einfach, so kurz und so wenig prunkvoll waren sie gewesen, daß man vielleicht nicht ein- mal ein„Recht hatte, sie überhaupt als Feierlichkeiten zu be- zeichnen. Blutsvenvandte waren außer dem einen Reffen nicht vorhanden, oder wenn es deren doch irgendwo gab, so hatte wenigstens Niemand etwas von ihnen gewußt und ihnen eine Anzeige des traurigen Ereignisses gesandt. Freunde hatte der Verstorbene in den letzten Jahrzehnten seines ein- samen Lebens kaum noch besessen, und der alte Oberförster von Nuggenhagen war mit dem Sanitätsrath Lindenberg vielleicht der einzige, der an dem Beisetzungstage mit einer Lederzeugs— so sagt die„Nordd. Allg. Ztg.".— Und diesmal dürste das Kanzlerblatt vollständig recht haben. Amtsgerichtsrath Francke. Kiel, 1. November. Die Verhandlung in der Änklagesache wider den Amtsgerichtsrath Francke zu Ratzeburg wegen dessen Verhaltens in der lauen- burgischen Wahlangelegenheit hat am Sonnabend voriger Woche vor dem hiesigen Obcrlandesgcricht als Tisziplinargerichtshof stattgefunden.' Ter Angeklagte war nicht erschienen. Der Disziplinarsenat bestand aus dem Präsidenten Vierhaus, den Geheimen Justizräthcn Eckennann und Reimers und den Rüthen von Zülow. Jasper, Leinbcrger und Planik.— Ucbcr den Inhalt des ausgesprochenen Urthcils erfährt man noch nichts, da dasselbe wegen Abwesenheit des Angeklagten nicht verkündet worden ist, sondern infinuirt werden muß.— So viel verlautet, stützt sich die Anklage auf das Disziplinargesetz vom 7. Mai 1861, daß der Angeschuldigte durch sein Verhalten sich ein u n w ü r d i g e s Betragen hat zu Schulden kommen lassen und keineswegs auf den§ 100 des Strafgesetzbuches, betreffend den Kauf rcsp. Verkauf von Wahl st im- m e n, wie mehrfach durch die Zeitungen verbreitet worden ist. Eine Privatpost tritt heute in Straßburg in Thätigkeit; der geschlossene Stadtbrief kostet zwei Pfennig Be- stellgeld. Ueber die Dresdener Sozialisten ist die„Consew. Corr." ganz erbost. Sie schreibt in ihrer Wuth:„Herr P. Singer hat, wie die Blätter mit„liebevollem Eifer" melden, seinen ständigen Wohnsitz in Dresden genomnien. Wir unsererseits würden uns um diese Thalsache nicht kümmem, wenn sie nicht im Verein mit anderen ähnlichen darauf hindeutete, daß gerade Dresden bei den nächsten Wahlen zum Schauplatz eines be- sonders erbitterten Kampfes gemacht werden soll. Außer Singer befindet sich auch Bebel dort(in dem benachbarten Plauen), ferner K ay sc r, der allerdings schon seit Jahren in Dresden wohnt. Dresden wurde bekanntlich bis 1884 durch Bebel im Reichstage vertreten; seine damalige Niederlage hat die Partei nie verwinden können! es soll Alles aufgeboten werden, um die sächsische.Hauptstadt wieder zu erobern..Herr P. Singer scheint die Agitation schon jetzt beginnen zu wollen, da er alle Augenblicke einen politischen Vortrag ankündigt. Tie sächsische Polizei ist aber auf dem Platze und läßt es nicht dazu kommen. Das einzig angemessene Verfahren. Es handelt sich hier um nichts anderes als die wüstesten Hetzereien."— Tie„Conserv. Corr." hat offenbar große Angst, daß ihre Gesinnungsgenossen bei den nächsten Wahlen hereinfallen. Deshalb das Geschrei nach der Polizei. Aus Hamburg, 31. Ottober, wissen konservative Blätter zu berichten:„In einen, hiesigen Vcrgnügungsklub hatte man sozialdemokratische Besttebungen wahrgenommen und wurde in Folge dessen bei verschiedenen Personen eine Haus- suchung nach verbotenen Schriften ausgeführt. Tieselbe soll denn auch, wie der„Hann. Kour." erfährt, das Resultat ergeben haben, daß eine große Menge sozialdemokratischer verbotener Schriften, Lieder zc. vorgesunden sind. In Folge dessen wur- den sechs der Hauptagctatoren vorläufig in Haft genommen, und werden die weiteren Verhandlungen wohl Näheres über diese hier bislang unbekannt gebliebenen Bestrebungen ent- hüllen." Der bekannte Dr. Löwe-Ealbc, der so viele politische Wandlungen durchgemacht hat, ist in Mcran gestorben, wohin er sich, seit längerer Zeit bekanntlich leidend, erst am Donners- tag voriger Woche begeben hatte, um dort den Winter zuzubringen. Dr. Locwe, geboren am 14. November 1814 in Olvenstedt bei Magdeburg, war 1848 Mitglied des Frankfutter Par- laments für den Kreis Calbe und Präsident des deutschen Parlaments nach llebersiedelung desselben nach Stuttgatt. Vom Obcrtribunal wegen Betheiligung an den Verhandlungen und Beschlüssen des Parlaments in Stuttgatt zu lcbensläng- lichcr Zuchthaus st rafe verurtheilt, lebte Loewe 2 Jahre in der Schweiz, 2 Jahre in London und 8 Jahre in New-x)ork, bis der Amncstie-Erlaß vom 11. Januar 1861 ihm die Rückkehr ermöglichte. Von 1873—1876 war Loewe 1. Vizepräsident des preußischen Abgeordnetenhauses. Als Mitglied des Norddeutschen und des Deutschen Reichstags gchötte er der Fortschttttspattci an, aus welcher er am 11. April 1874 austrat, um bis 1884 als Wilder den Rcichstagswahlkreis Bochum zu vettrcten. Bei den Neuwahlen 1884 lehnte Dr. Loewe ab, ein Mandat wieder anzunehmen. Im Abgeordnetenhause vertrat Dr. Loewe bis jetzt den Wahlkreis Bochum-Tottmund, für welchen durch seinen Tod das Mandat erledigt ist. Kelgien. Ueber die große Arbciterkundaebung in Charleroi schrecht man der„Wcserztg." aus Brüssel, 1. November: Die gestrige Arbciterkundgebung in Charleroi war die imposanteste, die Belgien bisher gesehen. Aus 35 000 Kehlen ertönte in den Straßen Chalerrois der Ruf nach Amnestie und allgemeinem Wahlrecht! Die Stadt selbst war von früh ab bewegt und viele Häuser hatten eine rothe Fahne, besonders in der Vorstadt aufgezogen. Von Morgens um 10 Uhr ab strömten die Arbeiter, alle mit rotheu Abzeichen geschmückt, aus den Arbciterotten zu Hunderten in die Stadt; in geordneten Zügen mit rotheu Fahnen, Schildern für Amnestie Regung aufrichtiger Trauer neben dem Sarge seines Guts- nachbarn stand. Wäre der äußere Schein ein sicherer Maßstab, so konnte freilich kein Schmerz tiefer und herzzerreißender sein, als derjenige Curt's, der sein bleiches Gesicht fast während der ganzen Zeit hinter dem Taschentuche verborgen hatte, und dessen Gang so unsicher und wankend war, daß er den Arm Ramfeld's kaum einen Augenblick loslassen konnte. Nun war die ganze Zeremonie vorüber. Das Mauso- leum im Schloßparke beherbergte einen neuen stummen Gast, und neben dem Sarg der armen ettrunkenen Baronin gab es nicht mehr jenen unheimlich mahnenden leeren Platz, den der alte Mann bei seinen spärlichen Besuchen an dieser Stätte des Todes manches Mal mit eigenthümlich sehnsüch- tigen Blicken betrachtet hatte. Noch an dem nächsten Tage wurde auch das Testa- ment eröffnet, das schon seit eiuer Reihe von Jahren bei dem Notar in der Stadt deponitt war. Seine Bestimmungen lauteten so, wie es fast Jedermann erwartet hatte. Cutt war der Universalerbe und der alleinige Herr von Brandenstein mit allem dazu gehörigen Besitz. Die Ver- pflichtungen, welche ihm dabei durch den Testator auferlegt wurden, waren im Verhältniß zu der Größe der Erbschaft verschwindend gering. Sie bestanden darin, daß den Dienern und Beamten je nach der Länge ihrer Dienst- zeit bemessene Legate ausgezahlt werden, und daß all- jährlich eine bestimmte Summe durch den Pastor von Neu- darf an die Armen der nächsten Umgebung zur Vettheilung gelangen sollte. So war denn Cutt in aller Form zum Gutsherrn geworden, und der heruntergekommene Edelmann, der noch vor wenigen Tagen nur durch die Kniffe eines gewerbsmäßigen Falschspielers von dem Selbstmorde bewahtt wor- den, hatte sich mit einem einzigen Schlage in einen der reichsten Grundbesitzer der ganzen Provinz venvandelt Natürlich konnte er es nicht umgehen, sich seinen Untergebenen m einer gewissen feierlichen Weise vorzustellen. Alle Beamten und Arbeiter des Gutes wurden darum in jenen großen Speisesaal des Erdgeschosses zu- und Wahlrecht— auch an den Mützen trugen sie solche— mit Musik, die die Marseillaise spielte, zogen die Arbeitervereine ein; Ettrazüge brachten die Arbeiter der entfernten Bezirke her- bei. Ganz Henncgau hatte die Arbeiter entsendet, aber auch alle Arbeitervereine Belgiens hatten statte Gruppen Telegittcr abgeschickt. Die fremden Arbeiter, die Taufende des Centte, die 2000 Brüsseler, die Arbeiter der Stüdte Gent und Ant- werpcn hatten beschlossen, ihren bei den Arbeiterunnihcn er- schossenen Brüdern vor der Kundgebung feierlich zu huldigest Sie fuhren alle bis zur Station Rona, auf deren Kirchhof die Mättyrer ruhen. Die Regierung hat denselben schließen und durch 100 Brüsseler Gendarmen besetzen lassen. Vor dem Bahn- Hof ordnete sich die 10000 Köpfe starke Arbeiterschaar; zu ihrem Empfange erschienen in feierlichem Aufzuge 3000 Glas- und Kohlcnarbeiter aus Jumet. Voran 500 Weiber und Mädchen in Trauerkleidern, jede an ihrer Brust eine rothe Schleife. Auch Schilder trugen sie, wie:„Amnestie für unsere verurtheilten Brüder",„Die Sklaven fordern ihre Rechte." Als dieser Zug erschien, entblößten sich alle Häupter, die Banner wurden gesenkt, die Musik stimmte einen Trauermattch an. So zogen sie alle schweigend an dem Kirchhofe vorüber und dann zu Fuß zw« Meilen nack Charleroi. Hier hatte sich inzwischen der Zug ge- ordnet, die Wattenden begrüßten jubelnd die Ankommenden- So waren 35 000 Arbeiter mit 226 rothen Fahnen und zahlreichen Schildern versammelt; der drei Kilometer lange Zug durchzog die Stadt zwischen ihren, die Arbeiter wohlwollend begrüßenden Einwohnern in musterhafter Ordnung. Die Marseillaise ertönte, fortdauernd rief man:„Es lebe die Amnestie! Es lebe das allgemeine Stimmrecht!" Zwanzig Arbeiter übergaben dem Bürgermeister die Petition der Arbeiter, die unter Hervorhebung, daß seit zwanzig Jahren die Arbeiter vergeblich auf die�Befe- rung ihres Looses watten, allgemeine Amnestie und das Stimmrecht fordett. Der Bürger meist er beglückwünscht d i e Arbeiter für ihre vortreffliche Haltun/ bei der Kundgebung, versprach die Uebermittclung und Best- wottung der Petition bei den Kammern durch die städtisch� Behörden und forderte die Arbeiter zu vertrauensvollen: Ab) watten auf. Um 4 Uhr löste sich der Zug in aller Ruhe wst — Tie Kundgebung zeigte, wie große Fortschritte die OrgaM- sation der Arbeiter gemacht hat. Und es liegt auf der Hand- daß diese Kundgebungen, die der Generalrath der Arbeiter>» das Werk setzt, dazu beittagen, den Halt und die Vereinigung der Pattei zu stärken und eine kräftige Agitation unter den Arbeitern wach zu erhalten. Die Arbeiter, die bisher in polcw scher Hinsicht für nichts gegolten, bilden sich zu einer Maat aus, mit der die belgischen Staatsmänner, so schwer es ihnen ankommt, werden rechnen müssen. Frankreich. Der französische M i n i st e r der öffentlichen Arbeiten, HG Baihaut, hat dcmissionirt und seine Demission wäre n»« der„R-wubl. Franc aise" angenommen. Tie Ernennung seine» Nachfolgers soll im Laufe der Woche erfolgen. Die gegenwärtigr Schulgcsetzgebung Frankreich beruht auf zwei Gesetzen, demjenigen vom 28. Marz 1% welches die Schule dem Staate unterstellte, den Unterrum obligatorisch und unentgeltlich machte, und demjenigen vom 30. Oktober 1886, welches die Orgnnisation regelt, zje ß1' ncralräthe werden nun zu einer außerordenttichen Sessiv" zusammenberufcn werden, um, dem neuen Gesetz enttprechmw' die vier Mitglieder jedes Gencralraths zu bezeichnen, wstst' dem Unterrichtsrathe eines jeden Depattements angehon" sollen. Großbritannien.... Wie der„Manchester Guardian" ettähtt, wird das nästr englische Budget bedeutende Mehrforderungen Tj" Heer und Flotte stellen,„weil die Regierung entschloß ist, die größten Opfer vom Volke zu fordern, um die Krieg'. r ü st u n g zu verstärken und die Armee sowie die Marine am der Desorganisation herauszureißen, in der sie sich besinder) — Das alte Lied, das allerdings in England am ehesten nv« Berechtigung hat.''* Ein Dubliner Telegramm meldet ein M o r d a t t e n> auf einen irischen Friedensrichter. Als Mr. Michael As Kellp am Sonnabend von Ennis, wo er den Assisen wohnt hatte, nach seinee Besitzung in Bunratty,.Grasig Cläre, zurückfuhr, wurde etwa 6 Meilen von Ennis auf. � gefeuert. Er trug eine Verwundung am Bein davon. der That verdächtige Individuen sind verhaftet worden. 'eoW Italien. Die Nachricht, daß in Jt'-"™ tlicbs Regierung und öffetmW Meinung immer mehr zu einer Kündigung der v Italien abgeschlossenen Hand e lsvertr'>v hinneigen, stellt ein handelspolitisches Ereigniß von niästO ringer Tragweite in Aussicht. Italien gchött zu denio».. jfH europäischen Staaten, welche trotz einzelner Erhöhungen w. Zollsätzen auch noch im letzten Jahrzehnt bisher an dem ö?' der Handelsvetträge mit Konventionaltarifen festgehalten»v � Durch den Vertrag mit Oesterreich-Ungarn vom 27. Deztt 1878 hat es weit über hundett einzelne Sätze seines Tamt jst bk sammen gerufen, in welchem noch des alten Barons gestanden hatte. dchnung vermochte der Raum kaum schienenen zu fassen und es gelang nur mit Muhe, I'. kleinen Platz am oberen Ende des Gemaches freizuhu wo der alte Kammerdiener auf Ramfeld's Befehl zwei � sessel aufgestellt hatte.. Es schien etwas von dem düsteren Hauch des � � zwischen den Wänden zurückgeblieben sein, denn nut t(t- leisesten Flüstertone wagten sich die Erschienenen zu halten, und man sah überall nur ernste sorgenvolle Gesi�jz Auch die gedämpftesten Gespräche verstummten indeß w' � einem Zauberschlage, als jetzt die Thür geöffnet wurde, den neuen Gutsherrn einzulassen._ �ii Cutt ging wie gewöhnlich an Ramfeld's Seite, ch er auch heute den Arm desselben nicht genommen schien seinen furchtbaren Schmerz über den enn<( Trauerfall einigermaßen venvunden zu haben, � trat wieder fest und elasttsch auf; und wen» � sein Gesicht noch sehr blaß war, wenn auch uost � dunkle schatten unter seinen Augen lagen, so hatte alle seine Bewegungen etwas Entschiedeneres als# der letzten Tage.„ macyie eine grugenoe Bewegung mir ori» � ließ sich in einen Sessel nieder, während Ramfeld a.� andeni Platznahme. Ein tiefes /erwattungsvolles �' ,„iD herrschte in dem Zimmer, aller Augen ruhten auf.�gthiZs es entging daher Keinem der fragende, beinahe wen Blick, den er auf Ramfeld richtete, und der von d>> einem kurzen Nicken und einem leichten Stirnrunzet w mottet wurde. Keiner{„ü eine ö„w» keiner der Anwesenden sah eine us*„G Vorbedeutung in diesem flüchtigen GeberdenauStausctz��hck man hatte nicht Zeit, dem Nachbar eine Bemerkung zuzuflüstern, da der junge Gutsherr seine Ansprache � hatte., sei»!. „Es wird Ihnen Allen wohl bekannt geword t sagte er,„daß ich durch den letzten Willen meines,.. plötzlich dahingeschiedenen Oheims in den Besitz d'i. sstdJ gekommen bin, auf welchem Sie bisher durch y* ihren Lebensunterhalt gewonnen haben. Ich me'p, it le c- ch er f, t- r- iu ie id n> M ge in i» t* ie it- )ie lle .« ]0 inen H ien et» ;be E Up u I nS, in bunben; durch den Vertrag mit Frankreich vom Jahre 1881 finb abermals die italienischen Zölle für viele wichtige Artikel vertragsmäßig festgelegt worden, so daß jetzt ein großer Thell des italienischen Zolltarifs auf Grund von Konventionalsätzen von jeder Erhöhung ausgeschloffen ist. Wie es scheint, cmpfin- det man es in Italien, ebenso wie in der Schweiz angesichts der immer zunehmenden zollvolitischen Absperrung der konti- nentalcn Staaten als einen Nachtheil, daß man alle Erhöhun- gen ausländischer Zölle über sich ergehen lassen muß, ohne durch Icharfe und umfassende Heraufsetzungen der eigenen Zolle Böses mit Bösem vergelten zu können. Tie Verträge viit Frankreich und Oesterreich kann Italien bis Schluß dieses Jahres mit der Wirkung kündigen, daß dieselben am 31. Te- zember 1887, resp. am 1. Januar 1888 außer Kraft treten; der Ertrag mit dem Deutschen Reiche ist bis zum 1. Februar 1892 abgeschlossen, doch kann er bereits zum 1. Februar 1888 von leoem Theile mit Jnnehaltung einer Frist von sechs Monaten gekündigt werden. Kalkan läuder. Ter„Pester Lloyd" schreibt heute zur bulgarischen »rage: Das neueste Ultimatum des Generals K a u l b a rs wir unterlassen es, nachzurechnen, das wievielte es ist im Ver- wufe der kurzen Wirksamkeit des Generals auf seinem neuen -rerrain— ist wohl nur eine Fortsetzung der eifrigen Versuche dieses russischen Missionärs, die Regentschaft und Regierung in �ulgarien zu ermüden und zur Verzweiflung zu bringen. Die vnren Stambulow und Radoslawow haben indessen eine im* Konstitution, als General Kaulbars sie ihnen zumuthet nv mie fic s�ne früheren ungezählten diplomatischen Grob- Ipfct"""b Ultimata überstanden haben, werden sie auch dieses Biete überdauern. Nachgerade kommt man wohl auch in MIanb zur Uebcrzeugung, daß es mit solchen diplomatischen Unionen und Grobherten, wenn sie auch des denkbar stärksten W t® I�nd, nichts auszurichten vermag und das Erscheinen it beiden Kanonenboote vor V a r n a, denen vielleicht bald »vch andere folgen werden, ist ein Zeichen, daß man von {KP™" zu Thatcn überzugehen gedenkt. Bisher sind die "ononenboote ruhig im Hafen geblieben, ohne Mann- Schäften auszuschiffen und ohne, wie dee Kommandant des ,'"en derselben gedroht haben soll, zum Bombardement Vanras nrr'chjeUen! aber was nichtist, kann werden und alle Versprechungen und Gelöbnisse, sich der Anwendung wateneller Gcwältmittel zu enthalten, wie sie von der Peters- Mer Regierung bis in die jüngsten Tage gegeben worden »»o, können an dem erstbesten Inzidenzfälle oder auch an klnem absichtlich herbeigeführten Zufalle scheitern. Das iLriumphgrschrei, mit dem die russische Presse die Ent- lenoung dieser beiden Kriegsfahrzeuge nach dem Hafen ?an Varna begrüßt hat, ist an sich schon ein verdächtiges Anzeichen. Selbst der sonst so gemäßigte„Herold" verkündigt stohgemuth, daß die beiden russischen Klipper 400 Mann an gjatd haben und daß deren Kommandanten beauftragt seien, �arna sofort zu besetzen, wenn den Befehlen des Generals Hausbars nicht Folge geleistet würde. Die„Nowojc Wremja" Hshen noch weiter und sagen, daß mit dem Tage, an welchem *(S�ftfehe maritime Macht im Hafen von Varna erschiene, ver Anfang vom Ende der bulgarischen Krise zu verzeichnen sei. �we temporäre Okkupation Varna's wäre nach der Meinung vtescs Blattes nicht blos eine Bürgschaft gegen neue Verletzungen »er Rechte russischer Untcrthanen, sondern würde dazu angethan sein, Rußlands Rechte in Bulgarien überhaupt zu wahren. Das Mt eine Erläuterung, die völlig verschieden von jener ist, mit welcher die Petersburger Regierung die Entsendung der beiden Klipper offiziell und offiziös kommentirt hat, die aber nichts- Mtoweniger die größere �Aufrichtigkeit für sich hat. Der besitz des Hasens von Varna wäre eine Errungen- »»aft, die ein bischen Kraftaufwand und ein bischen Heuchelei »ach der Meinung der Russen wohl lohnen würde, und die �väische Diplomatie, die bisher die Russen so ruhig gewähren �.wud gut thun, Acht zu haben, ob sich unter den Armen kuiiiv.» Kommandanten der„Zabiaka" und„Panjat Mer- tuAi fC__:— irr---...----- v-■• % ;-?icht Ereignisse vollziehen werden, die das e u r o- imm in der bulgarischen Frage Haufen werfen. »r Amerika. lichen n,?ew-Nork, 22. Oktober, wird gemeldet: Die eigent- berürfi«. � des Broadwaybahn-Schwindels, der Richmn«* Millionär„Jake" Sharp und seine Genossen, Foshay, betroiü.» u"d Kerr, hat im Laufe dieser Woche dasselbe Schicksal Üesieiw wie die New-Uorkcr Stadträthe, welche sich hatten Bau m lassen, um der Broadwaybahn die Erlaubniß zum '» verschaffen; sie sind verhaftet worden. Nti» A A f Dl* verlautet, soll der Aufstand gegen den Emir von 1 a n i st a„ in dem Laghman-Distrikte unterdrückt sein. zv r Afrika. Bon"L�mb. Korr." wird aus guter Quelle geschrieben: sweckn» Räumung Egyptens durch England zu dic,, �.', wäre der Höhere Unsinn. England zeigt uns in In- ���vtaltar� Helgoland ic. ic., daß es nicht die Gewohnheit kliaen"m �lloiindcte Ursache hatten, mit dem von meinem und irfi, sandten geführten Regiment zufrieden zu sein, volle,-� m" �hnen darum in diesem Augenblick kein werth- die yi. versprechen geben, als daß ich bemüht sein werde, seljo„55!°ltung in demselben Geiste weiter zu führen. Mein Und" irfi w wußte Gerechtigkeit und Strenge zu vereinigen Pflickt"ersuchen, es ihm nach zu thun. Wer seine UererN«' wird in mir immer einen wohlwollenden und bigkiüt en Gutsherrn finden; wer es unterläßt seine Schul- anQeliiJjL*�"' wird bei mir ebensowenig auf eine übel EZ js, Iw Nachsicht rechnen können wie bei meinem Oheim. AontL&r" weiter bekannt, daß durch den Todesfall alle Trohh,, 6 Dienstverbindlichkeiten hinfällig geworden sind. vchnien �."'4 nicht die Absicht, Entlassungen vorzu- bracht auffälliges Räuspern des Dr. Ramfeld unter- fuhr m;!n sprechenden. Curt räusperte sich ebenfalls und 9Ifi t a8 unsicher gewordener Stimme fort: Wf." Wehen von einigen wenigen Ausnahmefällen, die �ebttopii�L. Bewirthschastung nothwendig werden. Im Nteiner'4 Ihnen noch mit, daß ich zur Schonung seid um ��ungegriffenen Gesundheit Herrn Doktor Ram- baß Je Ordnung aller Verhältnisse ersucht habe, und alz o. urum alle Weisungen und Befehle dieses Herrn ich Sj.""LouGsifsiongen anzusehen haben!— Nun bitte ,(fC �hre Beschäftigung zurückzukehren!" die �%b sich und verließ nach einigen raschen Worten, �orsamw.i. gewechselt hatte, da« Gemach. Auch die fchr ivgMm fplgten mit verdutzten und im Durchschnitt s'tzen aebÜP�I �u Gesichtern seinem Beispiel, dem ruhig M HolmifOi x"??ltor scheue Seitenblicke zuwerfend. Als �was qebiet�c�»bür zuwendete, rief ihn Ramfeld mit w'.Ven!N«'ngeudem Tone an: "spektor?.,e"och einen Augenblick, Herr Ober- 3hnen etwas zu sagen!" 10t . Der .«m,~>z)ue1' der werden �en blieb, konnte sicherlich keine demüthige ge�N hat, etwas wieder herauszugeben, was es einmal in Besitz ge- nommen hat. Wenn es s. Z. die Jonischen Inseln an Griechen- land abgetteten hat, so war dies eben nur, um einen vulgären Ausdruck zu gebrauchen,„Sand in die Augen". Daß das Jnselreich jetzt wieder hunderte von Millionen in Egypten „fruchtbringend" anlegen will, zeugt wahrhaftig nicht davon, daß es dieses Land, seine erste Station nach Indien, jemals wieder zu verlassen aedentt. Die Suezkanal-Aktien dürften schon in Kürze die Wirkung des projektinen Damiettekanals spüren. Daß England es auf eine dauernde Niederlassung in Egypten abgesehen hat, beweist noch der Umstand, daß es.alle Eisenbahnlinien bis unmittelbar ans Meer geführt hat, wodurch es in der Lage ist, eine beliebige Anzahl Truppen ins Land zu werfen, ohne daß irgend Jemand etwas davon er- fährt; in Ramleh, Äbukir, Rosette jc. reichen die Schienen- stränge bis ans Meer; ferner sind die Bahnnetze untereinander derartig verbunden, daß jedes Quantum Truppen, Munition, Proviant zc. direkt nach dem Innern des Landes dirigitt wer- den kann, ohne die geringste Aufmerksamkeit zu erregen; selbst der alte Bahnhof in Gaban-Alerandrien ist derart adaptirt. Egypten ist und bleibt ein englischer Vasallenstaat, allen An- sttengungen Frankreichs zum Trotz. Zur egyptischen Frage schreiben die„B. Pol. Nachr." offiziös: England sei seinen moralischen Verpflichtungen gegen die Interessen der übrigen Europäer in Egypten während der Lkkupationsjahre dergestalt nachgekommen, daß Europa keinerlei dringliche Veranlassung findet, jetzt auf einmal sein Augenmerk den egyptischen Dingen zu einem BeHufe zu wid- men, dessen Tendenz kaum umhin könnte, das britische Gefühl peinlich zu berühren. In denjenigen englischen Kreisen, wo man Fühlung mit den Intentionen der festländischen Kabinete unterhält, besorgt man denn auch nicht, daß Europa so ohne Weiteres für die Anzapfungen der Pariser Presse empfänglich sein werde. Gerichts-Ieiwng. Zur Warnung sowohl für Herrschaften wie für Dienst- boten mag die Gerichtsverhandlung dienen, die sich vor der vierten Strafkammer des Landgerichts i abgespielt hat.— Die bei S. in Dienst stehende unverehelichte Pf. hatte sich wegen fahrlässiger Brandstiftung zu verantworten. Die Pf. hatte das Pech, daß sie, aus Milostowo kommend und hier erst drei Tage bei ihrer Herrschaft in Dienst stehend, dadurch den Brand des bewohnten Hauses herbeigeführt hat, daß sie glühende Asche in eine als Aschbehälter in der Küche dienende Holzkiste gethan. — Die Holzkiste war in Brand gerathen und hatte sich alsdann das Feuer weiter verbreitet.— Der Vertheidiger der Pf., Rechts- anwalt L. Meyer, wälzte mit Recht die Schuld auf die.Herr- schaft, ausführend, daß die Herrschaft mehr von Feuergefähr- lichkeit verstehen müsse als die unerfahrene Bauerndirne; hätte die Herrschaft nicht eine Holzkistc als Aschbehälter hergegeben, so wäre das Feuer vermieden worden.— Die Strafkammer schloß sich diesen Ausführungen an und sprach die Milosto- werin frei. Der Sprembcrger„Aufruhr", welcher s. Z. zur Ver- hängung des Belagerungszustandes über Spremberg Veran- lassung gegeben hat, wird in der Zeit vom 8. bis 13. d. Mts. die Strafkammer des Kottbuscr Landgerichts beschäftigen. Die Anklage wird dann vom 15. d. Mts. ab vor dem hierzu be- sonders gebildeten Schwurgericht zu Kottbus unter Borsitz des Landgerichtsraths Krause zur Verhandlung kommen. Breslau, 1. November.." Ein Lauf- bursche erhält in Berlin 7—9 M. Wochenlohn, also 31—40 M. monatlich. Der Lohn eines Handwerkerlehrlings ist bei der Krankenversicherung auf 1,30 M. pro Tag, also auf 40 M. pro Monat amtlich festgesetzt. Die Bureaubeamten der Rechts- anwälte in Berlin beziehentlich diejenigen, welche es werden wollen, rangiren nach der„Schreibstube" hinsichtlich der Lohn- Verhältnisse also in folgender Reihenfolge: sogenannter Schreiber- lehrling mit 3—15 M. monatlich, sogenannter junger Schreiber 15—30 M. monatlich, Laufbursche, der beim Rechtsanwalt ge- arbeitet hat, 31—40 M. monatlich gleichmäßig mit dem Hand- werkerlchrling, der in derjenigen Zeit indeß, in welcher der Schreiberlchrling bis zum Laufburschen avanzirt, schon längst Geselle geworden ist und wöchentlich schon 20—30 M, monatlich also 80—120 M. verdient, während ein tüchtiger Schreiber 40— 60M. monatlich, in sehr seltenen Fällen bis 75 M. monatlich erhält. Der Münchener Böttcherstreik steht auf dem alten Fleck. Auf die Erklärung der Meister ist eine Erklärung der Gehilfen erfolgt, die zur Widerlegung der ersteren einige recht prägnante Thatsachen vorführt. Die Gesellen erklären, daß der Streik unvermeidlich war; der bisher bezahlte Lohn habe für einen verheiratheten tüchtigen Gehilfen nur 14—18, selten 20 M. pro Wcche bei 7 namentlich aufgeführten Meistern betragen; in der Zachrlbrauerei habe in letzter Zeit eine Lohnherabsetzung von 70 auf 68 M. pro Monat stattgefunden. Die Werkstätten- Verhältnisse bei vier Meistem seien tadclnswcrthe. Auf das Ansuchen der Gehilfen um Besserung dieser Verhältnisse seien die Meister taub geblieben. Die Löwenbrauerci habe ihre Forderungen sofort anerkannt, auch andere Meister seien im Prinzip mit ihnen einverstanden. Die Gesundheitsvcrhältnisse der Gehilfen seien infolge von Ueberbürdung schlechte.„Aller- dings, sagt die Erklärung wörtlich, ivar die Normalarbeitezeit dieselbe, die wir im neuen Tarif verlangen, aber es war üblich, in einzelnen Werkstätten die Regel, dieselbe, wenn auch gegen geringe Bezahlung, um mehrere Stunden zu ver- l ä n a e r n. Es war dies hauptsächlich bei allen Akkordarbeiten der Fall. Im Hofbräuhaus mußte oft 4 Uhr Morgens angefangen werden, ohne daß die uebcrfwndcn bezahlt wurden, ebenso war daselbst die Sonntaasarbeit ohne Entschädigung im Gebrauch." Daß das„Hofbräuhaus" in dieser Glorie figurirt, ist nicht ganz uninteressant. Vennuthlich hat die Verwaltung seinerzeit bei den Ansragcn, ob die Einführung der Sonntagsruhe nothwcndig sei, ebenso wie die andern geantwortet, daß in Bauern die Verhältnisse so günstig liegen, daß man derartige Gesetze nicht gebrauche. Uermischtes. 1848er Schleppsäbel. Die Kommune Wien besitzt noch eine große Anzahl von Wagen, zumeist Säbel, welche im städtischen Waffenmuseum keine Aufstellung finden konnten. Aus diesem Anlasse wurde von Seiten der Leitung des Waffenmuseums der Gemeinderath um die Genehmigung er- sucht, dieselben verkaufen zu dürfen. Unter diesen Waffen be- finden sich auch ca. 1700 Schleppsäbel der ehemaligen Wiener Nationalgarde, welche bei Beginn des Belagerungszustandes abgegeben werden mußten. Wie ansehnlich die Zahl der Schleppsäbel bei der Nationalgarde war, geht aus der That- fache hervor, daß vor mehreren Jahren bereits durch den Ver- kauf einer Partie solcher Säbel nach Amerika ein Erlös von 20000 fl. erzielt wurde. Geistesstörung durch Schrecken. Wien, 1. November. Im Hause Nr. 90 der Penzinger Hauptstraße bewohnt die Schauspieserin Fräulein Anna Bichler-Maynau mit ihren Eltern und einer 19 jährigen Kousine, Namens Marie Bichscr, eine Wohnung im ersten Stock. Heute Abend um halb 7 Uhr begab sich letztere, welche zugleich die Kammerzofe des Fräu- lcins Anna Bichier ist, mit einer brennenden Lampe in daS Schlafzimmer. Plötzlich entglitt die Lampe den Händen des Mädchens, das Petroleum entzündete sich und bald standen die Fenstervorhänge und Fensterrahmen in Flammen. Die rasch herbeigeeilten freiwilligen Feuerwehren von Penzing und Hictzing dämpften das Feuer binnen einer Viertelstunde. Als später die Hausleute das im Zimmer angesammelte Wasser.zu entfernen trachteten, stand Marie regungslos in der Mitte des Zimmers, ihre Blicke starr nach dem Fenster gerichtet. Der Hauptmann-Stellvertreter der Penzinger Feuerwehr legte die Hand auf die Schulter des Mädchens und wollte sie zum Mit- Helsen auffordern, da schrak das Mädchen zusammen und fiel, grelle Schreie ausstoßend, zu Boden. Sie schrie, sie sei eine Verbrcchcrin, sie verbrenne,„Wasser! Wasser!" Erst nachdem der Potizeiarzt Dr. Fünkh dem Mädchen heruhigende Miltes gegeben hatte, legte sich die an Wahnsinn grenzende Auf- regung des Mädchens; doch wird für dessen Geisteszustand ge- fürchtet. Ein„Hunger-Duell". Der Italiener Succi hat von einem in Erayford(England) wohnhaften Franzosen, Namens Alexandre Jacques, eine Herausforderung zu einer Fastenkonkurrenz angenommen. Succi stellte die Bedingung, daß Jacques sich vorher in London einer Hungerprobe unterziehe, um seine bona fidea darzuthun. Es wird ein Fonds aufge- bracht, um Jacques in den Stand zu setzen, die Fastenprobe auszuführen. Dante in der Türkei. Man schreibt der Wiener„Allg. Ztg." aus Konstantinopel:„Vor einigen Wochen machte die Notiz, daß Dante's„Divina Com media" im türkischen Reiche in Acht und Bann erklärt worden sei, die Runde durch die europäische Presse. Ucber die Ursache dieser Verfügung wird nun von verbürgter Seite folgendes erzählt: Der Leiter der militärärztlichen Schule, Sudda Pascha, hatte einst auf einer itallenifchen Reise Dante's„Göttliche Komödie" mit den Herr- liehen Tor-'schcn Kupfern gesehen und an dem Werke solchen Gefallen gefunden, daß er es kürzlich in Florenz bestellte. Das Buch wird in Konstantinopel bei seiner Ankunft, der Vorschrift gemäß, einem der Zensoren vorgelegt, der es mit nach Hause nimmt, um die prächtigen Bilder mit Muße betrachten zu können. Da nimmt ptötzlich eine Abbildung seine Aufmerksam- keit in Anspruch; ein Mann, dem Typus und der Kleidung nach offenbar ein Muselmann, steht mit einer tiefen Grube in der Mngengcgcnd da— das ist offenbar eine der türkischen Nation zugefügte Schmach. Das Buch gelangt an den Leiter des Zensurbureaus, der mit vieler Mühe herausbringt, der also zugerichtete Mohamedaner sei kein geringerer als Mohamed, der Religionsstifter selbst, den der strenge Todtenrichter Dante für diese That in einem der vielen Kreise seiner„.Hölle" ewige Qualen erdulden läßt. Tags darauf stand die„Tinva Commedia" auf dem schwarzen Index des türkischen Zensur- bureaus." Kleme Mittheilungen. Lübeck, 1. November. Vor ungefähr 14 Tagen wurde mitgctheilt, daß ein Soldat des hiesigen Füsilier- Bataillons des'76. Jnfanteric-Rcaimcnts auf Veranlassung der Hamburger Polizei wegen sozialistischer Ilmtriebe verhaftet worden und auf Ordre des Korps-Konnnandanten nach Altona gebracht morden sei. Das in Hamburg erscheinende„Sonntagsbl. für Stadt und Land" bringt nun eine Zuschrift, in welcher neben dieser Verhaftung auch noch über einige andere, die in Hamburg er- folgt sind, Licht verbreitet wird. Es heißt da(die Zuschrift ist aus Hamburg datirt):„In der Jakobsstraße hier wohnt seit ungefähr einem Jahre der Schuhmacher Bitz, derselbe hat früher, ehe er selbstständig wurde, hier in mehreren Schuhwaaren- Fabriken gearbeitet und war mit vielen Arbeitern bekannt, weshalb er auch von vielen seiner Kollegen öfters besucht wurde. Nun hat er vor längerer Zeit eine Frauensperson zu sich genommen, denn Bitz war lcdig. Dieselbe sott zur Polizei gegangen sein und angezeigt haben, daß bei Bitz verbotene Schriften gelesen würden, wozu sich seine Bekannten immer eingefunden hätten. Daraufhin ist Bitz verhaftet worden und da die Gebrüder Harms, Schritt und Behnke anwesend waren, wurden dieselben auch verhaftet und sitzen bis jetzt noch in Untersuchung, bis auf Behnke, der wieder entlassen ist. Ein paar Tage nachher ist auch noch ein Schuhmacher ver- haftet worden, der da öfter verkehrte, und find niehrere Vor- ladungen erfolgt. So hatte Bitz auch einen Bekannten, der vorigen Herbst zum Militär eingezogen wurde und zwar nach Lübeck. Derselbe hat nun öfters an Bitz geschrieben und hat sich auch bei demselben aufgehalten. Er war vor etlichen Wochen hier. Da hatte er Urlaub in seine Heimath, bei Halle, hat sich aber erst hier in Hamburg ein paar Tage auf- gehalten und da hat er auch bei Bitz verkehrt. Nun hat Bitz die Briefe und Karten, die er von Lübeck von seinem Be- kannten erhielt, aufbewahrt und so sind sie der Polizei in die Hände gefallen, die nichts Eiligeres zu thun hatte, als nach Lübeck zu telegraphiren und so die Verhaftung des Betreffenden zu veranlassen, worauf derselbe gleich nach Altona transportirt wurde. Auch ist noch einer verhastet und zwar in Hamburg, einer von der vierten Kompagnie der 76er. Derselbe, mit Namen Koch, hat öfters bei Bitz verkehrt und waren am Montag schon Zeugen nach Altona geladen, die in dieser Sache der Soldaten-Sozialisten aussagen sollten. Der Verhaftete aus Lübeck heißt Paul Weiches. Die Polizei sucht auch noch mehrere Personen, die bei Bitz verkehrten. Weistenfels, 1. November. Von einem geradezu empö- rendcn Menschenhandel hat dem..Weißens. Krbl." zufolge der hiesige Magistrat Kenntniß erhalten. Von einer rheinischen Bürgermeisterei war nach hier gemeldet worden, daß dort einem Seiltänzer ein kleines neunjähriges Mädchen wegen schlechter Behandlung entlaufen sei und m einer Familie Unterkunft ge- funden habe. Das Kind war schlecht genährt und äußerst mangelhaft gekleidet, sodaß die Behörde das Kind zurückbehielt. Der zur Rechenschaft gezogene Seiltänzer wies sich betreffs der Heimath des Kindes mit einem Geburtsschein der hiesigen Kirchenbehörde aus, aus dem hervorgeht, daß die arme Kleine das uneheliche Kind Marie Brunn von hier ist. Ter Seiltänzer will das Kind von einem seiner Kollegen in Eislcben für die Summe von 3 M., dieser letztere es vom Zirkusbefltzer W. Alt- Hof gegen eine Zahlung von 6 M. und dieser es wieder von der Mutter erhalten haben. DaS Kind wird nach hier zurück- geholt, gegen die Menschenhändler aber mit aller Strenge des Gesetzes vorgegangen werden. Elberfeld, 30. Oktober.(Ein Familiendrama.) Ein Fa- brikarbeiter, welcher schon seit längerer Zeit den Verdacht hegte, daß sein Weib mit einem anderen Manne, einem Bekannten von ihm, näheren Umgang pflege, begab sich gestern Abend zu gewohnter Stunde von Hause fort, angeblich zur Arbeit, wie überhaupt jeden Abend, weil der Mann in der Fabrik, in der er beschäftigt ist, Nachtdienst thut. Gegen 12 Uhr.Nachts jedoch kehrte er gestern unerwartet nach Hause zurück und fand nun seine Ahnung richtig bestätigt. Kurz entschlossen zog der Mann einen Revolver und jagte seinem Nebenbuhler eine Kugel in den Kopf. Darauf begab sich der Thüter zur Wachtstube und stellte sich freiwillig der Behörde._ Ter Verletzte wurde ins Krankenhaus geschafft, woselbst er hoffnungslos darniederliegt. Osterburg, 2. November. Ein verlassener Stadtvatcr. Als Ende voriger Woche der Stadtverordnetcnvorsteher Bau- rath Gerloff eine Sitzung eröffnete, verließen plötzlich sämmt- liche Stadtverordnete bis auf einen schweigend den Sitzungs- saal, ohne den auffallenden Schritt irgendwie zu motiviren. Es blieb dem Magistrat sowie dem einen Stadtverordneten nichts weiter übrig, als auch Hause zu gehen. Ter Stadtver- ordnete, welcher neben dem Vorsteher zurückgeblieben war, soll sich durch einen Fclddiebstahl, der ihm eine Geldstrafe eintrug, unmöglich gemacht haben. Wesel, 31. Oktober. Unsere Stadt war gestern der Schau- platz einer blutigen Liebesttagödie. Aus Düffeldorf war ein junger Mann dort eingetroffen, um seine frühere Geliebte, ein junges Ladenmädchen, zur Wiederanknüpfung des Liebcsverhält- nisses zu bewegen. Als ihm dies nach wiederholtem Versuche nicht gelang, zog er plötzlich einen Revolver und feuerte zwei Schüsse auf das Mädchen ab, wodurch dasselbe im Munde und im Rücken— glücklicherweise aber nicht lebensgefährlich— verwundet wurde. Darauf richtete der Rasende die Mordwaffe .doch kamen kleinere Verletzungen vor. Mehrere wiw", � ............«sW gänzlich zertrümmert und eine Lokomotive ist sehr stark schädigt. Die Passagiere wurden früh weiter befördert. Budapest, 30. Oktober. Ein entsetzlicher Vorfall f'Z aus Klubin im Tcmescr Komitat gemeldet: In der GeMZ i Bavanistic ließ der Gendanncric-Postenführer Franz■ zwei Männer durch vier Gendarmen nach der Kaserne e» tiren. Als die Betteffenden unterwegs dem Postenführer leidigcndc Worte zuriefen, befahl dieser den Gendannen, niederzuschießen. Die Gendarmen weigerten sich anfangs,®'.� Befehl zu vollziehen, gaben aber schließlich nach, da ihnen drohte, daß er sie wegen Ungehorsams niedcrfw' würde. Als nun die beiden Opfer todt zu Boden sanken- fahl Baloah die Leichen derselben wegzuschaffen und f®0® hierauf selbst eine Kugel durch den Kopf.. Athen, 30. Oktober. Unweit der griechischen Greiwe Epims hat ein Treffen zwischen türkischen Truppen und/, Räuberbande stattgefunden. Drei Räuber blieben todt am 1 Playe und ihr Hauptmann wurde gefangen genommen»n® en Janina abgeführt. Der Befehlshaber der türkischen Tn® blieb in dem Gefechte.£(t Benedia, 29. Oktober. Aus Bologna wird gemeldet- sechs Meter hoch angeschwollene Reno überfluthete den v»c Hof von Vergato. Die Friedhofmauer und die KirchM jic purzten ein. Das Hochwasser unterwühlte die Gräber, u g* scknnmmendcn Särge boten einen grauenhaften Anblm- Livorno stürzte die Kuppel einer Kirche in Folge drem Blitzschlages ein. Ter Blitz zündete in der Stadt a zwanzig mal. In Turin ist das Hochwasser im Abneb" � Paris, 31. Oktober. Das Regenwetter, das dem Frankreichs große Ueberschwcmmungen brachte, hat au® pN Wl®oeHicht. In Bastia stürzten mehrere Häuser c> Bildsäule Napoleons I. und die Kirche wurden vorn'K js troffen; auch mehrere Brücken wurden sottgerissen.. JLcheti> Bastia und Ajaccio find die Verbindungen unter mehrere Menschen wurden in den Fluten begraben: e«'„jft motive wurde umgeworfen, wobei ein Mann getödtel u � verwundet wurden. Die Lei- und Kastaniciiemtc ha®e» gelitten. SA ist während der jüngsten heftigen Stünne mit Mann u« zu Grunde gegangen.'"■— an Bord. gegen sich selbst, indem er sich eine Kugel in den Mund schoß, die seinem Dasein nach wenigen Stunde ein Ende machte. Danzig, 31. Oktober. Der vorgestern Morgens von hier I nach Zuckau abgelassene Eisenbahnzug hatte auf Bahnhof®w kau einige Waggons auszusetzen. Als die Lokomotive dieselben■ auf ein anderes Geleise gebracht hatte und nun aufs Neue vor| den Zug gelegt werden sollte, prallte sie etwas heftig gegen denselben und brachte dadurch den Zug in eine rückgängige Bewegung, welche auf dem stark abfallenden Terrain derartig an Schnelligkeit zunahm, daß der maschinenlose Zug nicht mehr zu halten war und mit seinen Passagieren bis über Pranst hinaus zurückrollte, während die Maschine pustend und beständig pfeifend folgte. Tic Züge auf dieser Sekundärstrecke werden nur von einem Zugführer begleitet, der zugleich Schaynerdienlt versieht. Da derselbe bei der unfreiwilligen Rückfahtt sich new nicht auf dem Zuge befand, so waren die Paffagiere anfangs rathlos, bis man sich endlich der Bremsen erinnerte und dura Anziehen derselben der tollen Fahrt ein Ende machte, worauf die Maschine den Zug unverse htt wieder nach Gischkau zurück- brachte. Vionville, 31. Oktober. Ein schrecklicher Unglücksfall W sich hier am Freitag ereigntt. Der katholische Pfarrer Sabouw, welcher vor 2 Wochen von der Strafkammer zu Metz weg® Absingcnlassens eines aufrührerischen Liedes zu zwei Monat® Gefängniß venittheilt wurde, hat es vorgezogen, von der Per- büßung der Strafe abzusehen und sich jenseits der Grenze® Sicherheit zu bringen. In den seit dieser Flucht unbeaul- sichtigten Pfarrhof stiegen nun vorgestern vier kleine Kinder eifl und nahmen von einem auf einer Anhöhe befindlichen Mull®' gottesbild eine von den vier Granaten fort, welche der Pfan®- wahrscheinlich selbst nicht wissend, daß sie noch geladen war®. zur Erinnerung an die 70er Tage dort niedergelegt hatte. Tu Kinder begaben sich mit dem gefährlichen Spielzeuge in®|' Stube, in welcher sie ohne Aufsicht waren, und versuchten dc» die Granate anzuzünden. Ob nun hierdurch oder durch£ Niederfallen eine Explosion verursacht wurde— genug,* Granate krepitte und verletzte zwei der Kinder in Zurchtba® Weise, das eine an Kopf und Brust, das andere � den Beinen, sodaß keine Hoffnung besteht, die Aermsten a® Leben zu erhalten. Das dtttte Kind kam mit leichteren A®! letzuirgen davon, während das vierte unversehrt blieb. Wien, 2. Novenibcr.(Ein braver Lebensretter.) Gest?®- gegen 4 Uhr Nachmittags fand in der Nähe der Sophienbru® ein aufregender Vorfall statt. Ein neunzehnjähriges Die# mädchen, Namens Maria Seifert, Obere Donaustraße Hl 1* dienstet, ging längs der Uferböschung des Kanals in: drill® Bezirke sichtlich aufgeregt einher und gebcrdete sich derart, sie die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zog. Plötzl� lief das Mädchen bis hatt an das Ufer hinab und stürzte F in den Donaukanal. Einer der Payanten, der siebzehnjährig MonzTauber, Weißgcrbcr, Löwengasse 25 wohnhaft, spraNS dem Mädchen ohne Zaudern nach und rettete dasselbe vor de® Ertrinken, während ein Sicherheitswachmann der Prot®' abtheilung rasch eine Zille losband und beide ans Ufer bracb® Die angesammelte Menge zollte der wackeren That des juge»-; liehen Lebensretters lauten Beifall. Marie Seifett wurde® das Rudolphsspital transportirt. Wien, 1. November.(Selbstmord durch Verbrennung Als im Jahre 1883 der 92 jährige Graf Eszterhazy in Unt® St. Veit starb, testitte er seinem langjähngen Diener Johaiw Vultl das Haus Nr. 6 in der Bognergasse in Unter-St- ib®' außerdem erhielt der 78jähttge Tiener eine monatliche Penn® von 25 fl. Johann Vultl war Junggeselle, er verkaufte Häuschen alsbald um einige taufend Gulden und blieb i® als Miether im Hause. Ein„guter Freund" verstand es»uN- das Kapital des alten Mannes als Tarlehen an sich zu btt und bald mußte derselbe die Erfahrung machen, daß er Geld verloren habe. Die Pension von monatlich 25 fl- reu kaum für Arzt und Apotheke, und schon schuldete Vultl>"! Micthzins 60 fl. Obwohl er von Seite des Hausherrn>'>®J zu besorgen hatte, machte dies den alten Mann dock ttost � Als gestern die Vorhänge seiner Fenster noch um 8 Uhr A®. gens verschlossen blieben, fiel das den Bewohnern des Ha»® als verdächtig auf. Die Wohnungsthür wurde gewaltsam B öffnet, und ein entsetzlicher Anblick bot sich den Eintreten®: dar. Sämmtlichc Einrichtungsstücke waren verkohlt und», dem Boden lag der thcilweise auch verkohlte Leichnam 5. 78 jährigen Johann Vultl. Da sich Vultl wiederholt gce.ug hatte, er könne es nicht verschmerzen, daß er so namenlos n glücklich geworden, und wolle seine letzten Tage nicht hung®L verleben, so wird angenommen, daß Vultl sich diesen cnll lichen Tod selbst bereitet hat. Pasing, 31. Oktober.(Eisenbahnunfall.) Gestern 11*« Uhr stießen der Personenzug nach Augsburg und. Güterzug eine kleine Strecke von dem hiesigen Bahnhof enu® zusammen. Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklag ye, ngcn«lurme irnx am*'"- Oo Er hatte eine Mannschaft von-ö Verantwottlich für den politischen Theil und Soziales Max Schippel. für Vereine und Versammlungen F. Tutzauer, für den übrigen Thell der Zeitung R Eronbei«. sömmtlich in»5 Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 0 Beilage da« ilii Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 238. Donnerstage den 4. K�vemder 1886. 3. Jahrg. Zum Wiener Anarchistenfang. � In Sacticn der Wiener Anarchisten-Verschwömng, schreibt die Hamburger„Bflztg finden noch immer Verhrn'tungen statt �d dürften wohl eine große Anzahl von Arbeitern, und zwar meist Familienväter, in unsäglich, co Unglück gestürzt werden. Von wzialdemokratischer Seite wird bei diesem Anlaß hervorgehoben, daß die verhafteten Arbeiter fast ausschließlich in den entfernte- gen Winkeln der Wiener Vorstädte gewohnt haben und daß es NM dabei wohl hauptsächlich um in politischer und sozialer Be- ifehung aus niedrigster Stufe stehende Personen handeln dürste. fugend ein in der österreichischen Arbeiterbewegung bekannter Mann befindet sich unter den Verhafteten nicht. Einer der- der Bildhauer Simpel, war bereits längere Zeit hindurch fuMmie des Irrenhauses. i,r� Ick selbst hatte den Sanirungsvorlagen der sebr I��winister Banhans und Chlumctzky im Parlament eine von h m �»Position gemacht, denn diese Entwürfe, welche zum(&T Vanfen und Eisenbahnen unterstützt wurden, waren Nur>n m" Steuer und Abgaben zahlenden Volkes und den m"' Vortheile von verderbten Bourgeois, welche sowohl in >a»h i>"?WsMoräthcn als auch im Parlament sitzen. Ich vrdn-..!' ��fduiig seitens der Fcudal-Klerikalen. Ein Abgc- Ccbnlnl dieser Partei, ein Kärnthner, der seither verstorbene der T DOn- Treuenfeld, fragte mich, ob es nicht möglich sei, 0ka.,ists'uonstration im Sophiensaale eine Gegendemonstration Zustellen und ließ mich durchblicken, daß, wenn seine WahrL � Majorität behalten könne, sie die Emiedrigung des derm,,«.-. P0n 10 auf 5 Gulden verlangen würde. Dies in t"Pe mich, mit den Arbeiterführern in Unterhandlung Kolon-.,"ad die Demonstration fand in Schwenders den in Fünfhaus statt- Selbstverständlich mußten Trncks«,?(mwPm lür die Ausgaben: für Saalmiethe, Lin- 1« s!1'. Peisespesen verschiedener aus Neustadt, Graz, Kost.',' delegrrter Arbeiter Vorschüsse gegeben werden. Die Mals r>. f �n von dem Arbeiter Andreas Grosse, da- diesen der„Zukunft", auf 500 Gulden beziffert; Herrn ubergab ,ch ihm und er wurde mir später durch 'letikni..von Treuenfeld zurückerstattet. Die feudal- Mänm«- �pp/ei hielt übrigens Wort: die Fünf-Gulden- Vertrpt„„Cr ,'•? en wirklich das Wahlrecht für alle österreichischen ««ungskorper. Deniokratst� Dr. Kronawetter, der Führer der Wiener anzunpÄ.? dat derselbe vergessen, in seinem Schreiben Alles davon n.f' ,?aä er von jenen Vorgängen wußte. Er hat nichts girstn h 6 daß er den bei ihm erscbienenen Arbeiter-Dele- schärfst.«'�Zusicherung.gab, in der Versammlung könne in Ädterkn*. pvt gesprochen werden, ohne daß die Redner �erfprpfhl?' P die Versammlung aufgelöst werde. Dies üstetucniH! wnede genau eingehalten. Der Regierungsvcttretcr „n QHch nicht ein einziges Mal. Eine scharfgehaltene mit drei noch schärferen Zusätzen wurde verlesen "Nv einf«— uli:i nvcy lajancrcn Zllmve» Ivueve vrririrn Absicht k angenommen. Als der Kommissar einmal die üMerte ch'Ö eine tadelnde Bemerkung zu machen, er- Vorsitzende mit Erfolg daran, daß fei- daß Diese That- dic eigentlichen Personen als L 5"'tr°ggeb« a?°dl zur Genüge, er Herr?�np.>"°v>etters ganz andere Per, WH u.u Ein and«,s Treuenfeld und einige Klerikale waren. der Arbeit für die höchsten Zwecke der Menschheit findet, pro- tesffrt die heutige Volksversammlung gegen die von der söge- nannten verfassungstreuen Partei auf den Patteitagen zu Mödling, Brünn und Karlsbad gefaßten Resolutionen als eine Verhetzung der Nationalitäten. Die heutige Volksversammlung protestirt weiter gegen die Bezeichnung der sogenannten ver- fassungstrcueu Partei als einer„liberalen" Partei, weil alle ihre Handlungen gegenüber der arbeitenden Bevölkerung be- weisen, daß ihr das Schlagwott„Liberalismus" nur als Maske dient, hinter der sich die ärgste politische und witthschaftliche Korruption verbirgt." Diese Sätze wurden von Doktor Kronawetter selbst auf einen Bogen geschrieben, der mit dem Stempel„Kommune Wien" bezeichnet ist und heute noch aufbewahrt wird. Mit einigen kleinen Veränderungen wurden sie auch wirklich in die Resolution aufgenommen, die in vielen Tausenden Exemplaren gedruckt wurde. Für die Vorgeschichte der Versammlung ist es fernerhin charakteristisch, daß am Abende vor der Abhaltung ein höherer Beamter im Redaktionslokalc der„Zukunft" erschien und dort erklärte, die offiziösen Zeitungen seien bereit, unentgelt- liche Ausrufe zum Besuche der Versammlung aufzunehmen. Von diesem Anerbieten wurde jedoch kein Gebrauch ge- macht.—— Diese Diuge spielten 1881, dann kam die Penode, wo auch Wiener konservative Blätter und Parteiführer nach bekannten deutschen Mustern zu der Erkenntuiß kamen, daß Most und ein turbulentes Treiben der sozialdemokratischen Partei vorzu- ziehen sei. Das Wiener„Vaterland" sang Herrn Peuketts Lob in allen Tonarten. Es kamen dann die Merstallingcr Affaire und die Mordthaten von Stellmacher und Genossen. Herr Peukett, der geistige Leiter dieser„Propaganda der That", ging ins Ausland, hunderte von bethörten Arbeitern mußten aber auf Jahre in den Jerker oder in die Verbannung. Die kon- servativen„Freunde der Arbeiter" stimmten aber mit Begeiste- rung für das aus Anlaß jener Vorgänge erlassene vrovisottsche „Anarchistengesetz", das jetzt unter dem Namen„Gesetz gegen anarchistische Bestrebungen" zu einem dauernden Knebel gegen die österreichische Arbeiterbewegung umgewandelt werden soll. Wenn es noch eines Beweises für den mehr als zweifelhaften Werth der konservativen Freundschaft für die Arbeiter bedurft hätte, die Vorgänge in unserem Nachbarstaat an der Donau würden ihn erbracht haben. Lokales. Aus dem Geschäftsbetriebe der ,eHansa", Berliner Verkehrsanstalt. Eine der mit so großen Hoffnungen ins Leben getretenen Privatpostanstalten ist, wie unsere Leser wissen, bereits verkracht, und selbst die liberalen Blätter, welche die Pnvatanstalten unter ihre sorgsamen mütterlichen Schutz- sittige genommen hatten, fühlten sich nicht veranlaßt dem da- hingeschieden„Lloyd" ein Wott des Beileids zu widmen. Nach den unendlich vielen guten Rathschlägen, welche die deutsch- freisinnigen Blätter als Vorkämpfer der wilden, ungezügelten Konkurrenz stets für die Privatposten übrig hatten, war das eigentlich etwas sonderbar; schämen sich diese Organe des Manchcstetthums vielleicht, weil sie einen Blick in die Engage- nientsbedingungen jener Musteranstalten geworfen haben? Man hat schon häufig über die Leihkontrakte gewisser Abzahlnngs- geschäfte gesprochen, die an Hätten und Kniffen alles Mögliche leisten, dcrattige Urkunden sind jedoch nur Kinderspiel gegen das Sttangulationsvettahren, hinter welches sich die eigentlichen Macher der Pnvatposten verstecken..Herr Reinhold Kühn, Leipzigerstraße 115, Inhaber der„Hansa", Lieferant fast sämmt- lieber behördlicher Formulare und eine Stütze des Staates, schämt sich nicht, den von ihm angestellten niederen Beamten seiner Privatpost folgenden Konttakt, den wir hier wöttlich folgen lassen, zur bindenden Unterschnft vorzulegen.„Ich Endesunterzeichneter ," heißt es in dem Schriftstück,„trete am.... Uhr bei der„Hansa" Berliner Perkehrsanstalt als... unter folgenden Bedingungen ein: An Lohn, Salair erhalte ich pro Tag— Monat.... und verpflichte ich mich, rnetne Stellung... Tage vor meinem Austritt zu kündigen. Der Direktion der„Hansa" steht es zu, mich täglich, ohne vorherige Kündigung zu entlassen und verzichte ich auf jeglichen Einspruch hiergegen. Es ist dem Direktor gestattet, behufs Aufrechterhaltung dieser Kündigungsfrist meinen Lohn, Salair für einen Tag als Sicher- heit cinzubehaltcn. Dieser Betrag soll der„Hansa" vettallen fein, sobald ich ohne Jnnchaltung des vorstehenden Kündigrmgs- tennins meinen Dienst bei derselben verlasse und verzichte ich hiermit auf jeglichen Einspruch gegen diese Kündigung, sowie gerichtliche Klage. Die mir von der Direttion übergcbene Uniform, bestehend aus einem Jaquet, einer Ledettasche, einer Mütze, verpflichte ich mich, jeder Zeit im Dienst zu tragen und rm sauberen und ordentlichen Zustande zu erhalten. Ich verpflichte mich, treu und gewissenhaft meinen Dienst auszuführen. Als Kaution hierfür stelle ich den Betrag von-... Mark in Baar zinslos zur Verfügung. Meine Kaution verfällt ganz und voll an die„Hansa" bei sofortiger Entlassung, sobald dieselbe dadurch begründet wird, daß ich nachweislich eine Sendung (Brief, Karte, Drucksache, Werthsendung) vernichtet, unterschlagen, oder a rf irgend eine Att und Weise bei Seite ge- schafft, oder mich an einer solchen Handlung bethciligt habe. Ich begebe mich jeglichen Einivandes gegen diese Vereinbarung und erkenne die Entscheidung der Direktion der„Hansa" ohne Widerspruch hiermit an, indem ich zugleich erkläre, daß ich diese Sttasc für angemessen und sonst unschätzbar halte. Ge- ttchtliche Einsprache meinerseits schließe ich hierbei aus. Meine sofortige Entlassung steht der Direktion zu, wenn ich 1. wissentlich eine Veruntreuung oder Unregelmäßigkeit von Angestellten der„Hansa" verschweige und nicht zur Kenntniß der Direktion bttnge; 2. wenn ich mich im Dienst ungebührlich betrage oder im trunkenen Zustande betroffen werde. Für die mir geliefer- tcn Uniformstücke wird der Herstellungspreis in wöchentlichen Raten von 1 M. in Abzug gebracht. Bei Zahlung der letzten Rate wird die Uniform mein Eigenthum. Sollte ich vor Zah- lung der letzten Rate aus der„Hansa" ausscheiden. so liefere ich die mir übergebencn Unfformstucke an die Direktion zurück. Ich verzichte in diesem Falle auf Ruckgabe der Ratenzahlung an mich, indem ich zugleich ausdrücklich anerkenne, daß die m.r übergebenen Uniformstücke ausschließliches Elgenthum der„Hansa bleiben, bis ich die letzte Rate für dieselben bezahlt habe." Es ist eigentlich unnütz, daß wir unsere Leser nn Einzelnen auf die rigorosen Bestimmungen dieses Konttak es aufmerkwin machen, der einzelne untere Beamte ist auf Wnade und Un- trs"L diese Entlohnung eine glänzende �enannnt zu werden verdient. Für die Erhaltung einer Familie ist dieser Lohn unter Berliner Verhältnissen ein geradezu ungenügender, und bei einer solchen Ausbeutung derjenigen Leute, auf deren Leistungsfähigkeit schließlich doch das ganze Unternehmen aufgebaut ist, darf man sich denn auch nicht wundern, daß die Envattungen des großen Publikums auf das Kläglichste getäuscht worden sind. Wir wissen nun nicht genau, ob die Direktion der„Hansa" von ihren Leuten strikt die Jnnchaltung der Konttakt- Paragraphen verlangt, es ist dies aber wohl anzunehmen: wir wissen jedoch genau, daß am letzten Sonnabend den Brief- trägem des genannten Instituts m ganz unmotivitter Weise ein Lohnabzug von 2 Mark gemacht wurde; die Leute erhielten statt des kontraktlich festgesetzten Lohnsatzes von 17,50 M. nur 15,50 M. Wem das nicht passe, so hieß es, der könne gehen. Außerdem wurden von den bisher beschäftigten 300 Brief- trägem 80 Mann entlassen, so daß wohl auch' die Auflösung dieser Gesellschaft nur noch eine Frage der Zeit ist, zumal der Betrieb derselben einen wöchentlichen Zuschuß von 1000 M. erfordern soll. Die Privatposten erweisen sich immer mehr als konkurrenzunfähig, die Hoffnungen auf ein ermäßigtes Briefporto schwinden immer mehr, es wird also nichts übrig bleiben, als daß durch Vennittelung des Reichstages die Reichs-Post- behörde veranlaßt wird, das Stadtpotto in den großen Städten entsprechend herabzusetzen. lieber die Verpflichtung zur Unfallversicherung herrscht bei kleineren Bettiebsuntemchmern noch immer vielfache Unklar- heit, die in zahlreichen Beschwerden an das Reichsversicherungs- amt ihren Plusdruck findet. Ein hiesiger Sttohhutfabrikant, der in seinem Betriebe während der sogenannten Saison durchschnittlich einen Strohhutpresser und drei Strohhutnäherinnen beschäftigt und in demselben zwei mit der Hand betriebene hydrauliche Strohhutpressen verwendet, hatte gegen seine Auf- nähme in die Bckleidungs-Jndustrie-Bemfsgeirossenschaft Be- schwerde erhoben und damit beim Reichsvcrsichemngsamt Erfolg; dasselbe entschied, daß der Betrieb als fabrikmäßig nicht anzusehen sei und mithin der Versicherungspflicht nicht unter- liege; insbesondere könnten die mit der Hand bewegten Pressen nicht als durch elementare Kraft bewegte Triebwerke im Sinne des Unfallversicherungsgesetzes erachtet werden.— Weniger glücklich war ein hiesiger Gas- und Wasserleitungs- Unternehmer, welcher die Einrichtung solcher Leitungen in sehr bescheidenem Umfange betreibt und deshalb der Ver- sichemugspflickit für seine Arbeiter nicht zu unterliegen glaubte. Auf seine Beschwerde entschied das Reichsversichemngsarnt, daß diese Bettiebe regelmäßig als fabrikmäßige zu erachten seien, ohne Rücksicht auf die Zahl der darin beschäftigten Arbeiter und auf die eventuelle Verwendung von Motoren und deshalb in jedem Falle der Versicherungspflicht unterliegen. Die Einrichtung einer Leitung kann ohne eine Bearbeitung der erforderlichen Leitungsröhrcn nicht erfolgen und dieser Betrieb nimmt erfahrungsmäßig einen großen Umfang an, so daß er als ein Hand- werksmäßiger nicht zu erachten ist; vielmehr charakterisitt er sich als eine Abzweigung modemer gewerblicher Großbetriebe, von denen er sich erst in allemcuester Zeit loslöste, nachdem dcr Äe- griff des Handwerks längst erloschen war. Zudem sind mit diesem Betriebe Gefahren verknüpft, wie sie dem Handwerke im Allgemeinen fremd sind. Zur Beachtung für Gast-, Speise-«nd Schank- wirthe ic. Zur Wahl von sieben Abgeordneten und deren Stellvettretem behufs Einschätzung zur Gewerbesteuer für die eine Steuergesellschaft bildendnn Gast-, Speise- und Schank- witthe, sowie Zuckerbäcker, Inhaber von sogenannten Italiener- und Schweizerläden, Kafetiers, Tabagisten und Vermiether möblitter Stuben in Berkin auf die Zeit vorn 1. April 1887 bis vtrinw März 1890 ist ein Termin auf heute, Donnerstag, den 4. November, Vormittags 10 Uhr, vor dem Herrn Stadtrath Hübner im Oberlichtsaale des Rathhauses anberaumt. Die vorgenannten Gewerbetreibenden werden zu dieser Wahl mit der Auffordemng eingeladen, zu ihrer Legitimation entweder den Steuerschein für das Steucrjahr 1886 87 oder die Quittung über die zuletzt entrichtete Gewerbesteuer mit zur Stelle zu bringen. Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Wahl ohne Rücksicht auf die Zahl der erschienenen Wahl- berechtigten giltig vorgenommen werden kann, und daß, falls die Wähl der Abgeordneten überhaupt nicht oder nicht in vor- geschriebener Weise zu Stande kommt, die Steuemertheilung durch die königliche Direktion für die Verwaltung der direkten Steuern hierselbst bewirft werde» wird. Endlich ist es nach monatelangem Bauen glücklich ge- lungen, das große Werk zu vollenden; die neue Bedürfniß- anstatt am Kottbuser Thor ist fettig! Das war eine Arbeit! Zunächst wurde die alte Anstalt in„Geschwindigkeit" beseitigt; dann rührte sich während einiger Wochen nichts. Auf einmal fing man aber an zu„buddeln" und einige Bewohner der dor- tigen Gegend waren naiv genug, zu glauben, daß die einzelnen Theile zu dem Bau langst fettig seien und es daher nur der Zusammensetzung bedürfe, um ihn in einigen Tagen fertig zu stellen. Weit gefehlt; Monate vergingen, ganze Häuser, 5 Stock hoch, wurden inzwischen von Privaten aufgebaut, aber von der Bedürfnißanstalt war noch immer keine Spur zu entdecken. In unserer schnelllebigen Zeit eilt alles im Fluge dahin, so auch die Erinnemnaen, und allmälig hatte man im Publikum vergessen, daß früher einmal, vor langer, langer Zeit, auf dem ge- nannten Platze ein derattigcs Institut vorhanden war. Die Passanten waren daher nicht wenig erstaunt, als sie eines schönen Morgens die Hülle der neuen Anstalt erblickten. Ab und zu sah man nun auch einige Männer damit beschäftigt, die „inneren Angelegenheiten" des Idylls zu ordnen, was wohl nicht so leicht gewesen sein mag, denn es vergingen wiederum Tage und Wochen, ohne daß die Anstalt ihrem Bemfe über- geben wurde. Schließlich glaubte man allgemein, daß in an- betracht der vorgerückten Jahreszeit die„Fortsetzung" im nächsten Frühjahr ettolgen würde. Doch hierin hatte man sich getäuscht, denn am Montag Morgen wurde plötzlich die Blokade aufge- hoben und jetzt plätschert das Wasser lustig in der Runde. Es ist vollbracht! Wer wagt heute noch daran zu zweifeln, daß wir nicht einen thatkräfttgen Magisttat haben? □ Die Numenruna der Berliner Häuser begann genau mit dem Ptnfange dieses Jahrhunderts, dem 1. Januar 1800. Bis dahin findet man im Adreßbuche nur die Häuser nach dem Namen der Besitzer angegeben, z. B.:„Herr Fr. Ancillon, er wohnt an der langen Brücke, am Wasser, neben der Post; Herr General-Chimrgus Bilgem, er wohnt auf dem Friedrich- städtischen Markte an der Mohren- und Charlottenstraße Ecke, im Steffcn'schen Hause. Man sieht, diese Bezeichnung war sehr umständlich, und heute die Wohnung eines berühmten Mannes vor 1800 Jahren festzustellen, macht viel Arbeit. Die Weihnachtszeit sendet bereits ihre Vorboten aus. Die ersten Abschlüsse zum Massen-Einkauf von Weihnachts- bäumen find schon jetzt vollzogen worden, obgleich noch sieben volle Wochen uns vorn Wcihnachtsfest trennen. Diesmal ist es nicht der Harz, aus dem die ersten Tannen»ach Berlin kommen werden, sondern unsere Matt. Vom Forsthaus Wildpark bei Wiesenbmg i. d. Mark werden die ersten Rothtannen zum Kauf gestellt, kleine und große Bäume von% bis 4 Meter Höhe und im Preise zwischen 10 und 50 Mark pro 100 Stück variirend. Die Beförderung geschieht auf der Berlin-Wetzlarer �Dem unheilvollen Spiel mit mit Schußwaffen ist wie- der ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen. Im Hause Simeonstr. 19 spielten vorgestem Vormittag im Zimmer eines dort wohnenden Chambregarnisten zwei Knaben, welche beim Durchstöbern der Schubladen einen�geladenen Revolver fanden, welchen der jüngere Knabe ergriff. In seinem Eifer, den Mechanismus der Waffe kennen zu lernen, hantirte er mit der- selben so lange herum, bis er an den Abzug gerieth. Ein un- glücklicher Druck an demselben, ein Schuß ging los und die Kugel fuhr dem älteren Knaben so unglücklich in das rechte Auge, daß der Getroffene sofort zu Boden sank und auf der Stelle verstarb... Das große Fundbureau der in Berlin einmundenden Eisenbahnen"nahe dem Schlcfischen Bahnhofe hält zwei Mal ■im Jahre, im Frühjahr und Herbst, große Ausmusterung in, Wege der Auktion. Dasselbe gleicht einem großen Lager, etwa dem eines großen Abzahlungsgeschäftes. Hüte, Schirme, Ucber- zieher, Tücher und tausend Kleinigkeiten sind hier in größter Mannigfaltigkeit vertreten. Gestern nahm die große Herbst- auktion ihren Anfang. In dem schmalen Rauni für das Publikum drängte sich eine große Schaar von Bietern, unter ihnen eine Menge Trödler, welche besonders die Goldsachen aufs Korn genommen hatten. Aber schließlich findet hier jeder Gegenstand seinen Käufer und der Erlös summirt sich zu ganz ansehnlichen Posten. Eine scherzhafte Nedewendung erzählt man sich in hie- sigen ärztlichen Kreisen von einem süddeutschen Kollegen, der auf der hier stattgehabten Naturforscher-Versammlung anwesend war. Der betreffende Herr, ein berühmter Professor der Patho- logie, ist Vater von vier Söhnen, von denen zwei Mediziner und praktische Aerzte geworden find, während die beiden andern sich als Sänger einen bedeutenden Ruf erworben haben. Als nun der Herr Papa von Bekannten in Berlin nach dem Befinden seiner Söhne gefragt wurde, entgegnete der alte Herr mit vielem Humor:„Ja, sehen Sie, das ist so eine eigen- thümliche Sache, zwei heilen und zwei heulen, und die zwei, die heulen, verdienen vier nial so viel, wie die zivei, die heilen." — Diese scherzhafte Redewendung machte bald die Runde unter den Theilnehinon des Kongresses und es fehlte damals und seitdem nicht an mancherlei andcrweiten interessanten Vergleichungcn und Wechselbeziehungen zwischen tzeilern und Heulern. Umfänglichere, zur Abführung von unreinen Ab- gängen bestimmte Kanalisationsunternehmungen dürfen nach einem soeben ergangenen gemeinschaftlichen Erlaß der Minister des Innern, für öffentliche Arbeiten, für Landwitth- schaft und für Unterrichts- und Medizinalangelcgenheiten erst dann zur Ausführung gebracht werden, wenn die betreffenden Bau- und damit in Verbindung stehenden Reinigungsprojekte vorgelegen resp. die Zustimmung der Minister gefunden haben. Veranlassung hierzu gab, wie uns mitgetheilt wird, der Um- stand, daß aus verschiedenen in der Ministerialinstanz vorge- legenen Kanalisationsprojekten wahrgenommen wurde, daß der frühere, die Abfühnmg unreiner Kanalwässer in die öffentlichen Stromläufe verbietende Zirkularerlaß vom 1. September 1877 mißverständlich aufgefaßt worden ist. Haussuchung. Bei dem Jnsttumcntenmacher Richard .Hamm, Dieffenbachstt. 67, wurde vorgestern Mittag eine Haus- suchung nach verbotenen Druckschriften abgehalten. Ein Resul- tat ergab die polizeiliche Maßnahme nicht. Sturz aus dem Fenster in selbstmörderischer Absicht. Ein begreifliches Entsetzen bemächtigte sich am Dienstag, Abends gegen 11 Uhr, der Passanten der Blumenstraße, als aus einem Fenster der zweiten Etage de» Hauses Nr. 73 der genannten Straße der Körper eines Mannes mit dumpfem Aufprall auf das Trottoir stürzte und daselbst regungslos aber laut jam- mernd liegen blieb. Beim Scheine der unmittelbar daneben stehenden Gaslaternen fanden die herbeieilenden Passanten, wie auch durch das Schreien alarmirte Hausbewohner einen jungen gut gekleideten Mann in einer Blutlache liegend vor. Bald darauf erschien auch der Vater des Verunglückten, ein Kauf- mann P., welcher zuvörderst Hilfe in der im Hause befindlichen Apotheke suchte, und nachdem dem Schwerverletzten Nothver- bände angelegt, denselben mittelst Droschke nach dem jüdischen Krankenhause schaffte. Dort wurden nebst Knochenbriichcn innere Verletzungen festgestellt. Das Motiv zu der verzweifelten That soll darin zu suchen sein, daß der Vater seinem etwas leicht- fettig lebenden Sohn wegen wiederholten späten Nachhause- tomniens gerechte Vorwürfe machte. Der cxaltitte junge Mann nahm sich dieses derartig zu Herzen, daß er sich sofort, ehe es Jemand zu verhindem vermochte, aus dem Fenster stürzte. Vergiftung infolge ehelicher Zwistigkeiten. Anhaltende eheliche Differenzen trieben eine in der Weinmeistersttaße wohnende Töpfermeisterfrau Henttette Bock, geborene Janz, am Dienstag Nachmittag zu dem verzweifelten Entschluß, ihrem Leben durch Genuß von Zuckersäure ein gewaltsames Ende zu bereiten. Sic benutzte dazu die Abwesenheit ihres Mannes, und als dettelbe zurückkehrte, fand er seine Frau bewußtlos auf dem Fußboden des Zimmers liegen. Schnell entschlossen rcquiritte er einen Arzt, welcher eine Vergiftung kon- statitte und der Bewußtlosen zuvörderst ein Gegengift einflößte, dann aber die Ilebettührung der innerlich schwer Verletzten nach der königlichen Charitee vcranlaßte. Der Zustand der Frau soll ein sehr bedenklicher sein. Mehrfache Hausfriedensbrüche auf dem städtischen Zcn- ttal-Vichhof führten am Dienstag den Schlächterincister R. vor das hiesige Schöffengericht. Tie Verhandlung endete damit, daß der Gerichtshof auf Einstellung des Verfahrens erkannte, weil sich Herr Direktor Hausburg vom städtischen Viehhof nicht für berechtigt hielt, selbstständig derartige Strafanträge zu stellen. Das Schöffengericht nahm an, daß in solchen Fällen der Verletzte der Eigenthümer des Grundstücks, hier also der Magistrat, sei, und wenn sich auch dieser durch mündlichen oder schnftlichen Auftrag in solchen Dingen vertreten lassen könne, so läge doch hier ern rechtzeitig cttheiltcr Auftrag zur Stellung eines Strafantrages nicht vor. Die Eigenschaft eines General- bevollmächtigten aber vermochte das Gericht dem Direktor des Zenttal- Viehhofes nicht beizulegen. Der gute Freund. Zu dem Weberacsellen Sch., welcher am 30. v. M., von Potsdam kommend, hier zugeivandctt war und im Asyl in der Büschingsttaße übemachtet hatte, gesellte sich am andem Morgen beim Verlassen des Asyls ein unbe- kannter junger Mensch, welcher sich als Drechsler ausgab und den Sch. auffordette, mit ihm nach Frankfutt a. d. O. zu wandern, sich vorher aber erst Berlin anzusehen. Nach Bc- fichtigung der verkehrsreichsten Straßen und Plätze gelangten beide in die Bellcalliancesttaßc, wo sie sich in einen Schank- keller begaben. Hier überredete der Unbekannte den Sck., seinen „Berliner" der Witthin in Verwahrung zu geben und bewirkte selbst die Uebergabe an letztere. Beide gingen dann weiter, bis in der Fttedrichstraße der Unbekannte verschwand. Als Sch. am 2. d. M. seinen Berliner von der Verwahrungsstclle ab- holen wollte, erfuhr er von der Inhaberin des Schanklokals, daß der Mann, welcher den„Berliner" zur Aufbewahrung übergeben, diesen noch an demselben Tage wieder abgeholt habe. Der unbekannte Schwindler ist etwa 18 Jahre alt, mit blonden Haaren, ohne Batt und war bekleidet mit einem grauen Dttllichanzuge, wie ihn in die Turner tragen, und grauem Stoffhut. In kaum begreiflichem Leichtsinn hat vorgestem Abend eine Frau F. sich selbst eine schwere Vennögensschädigung zu- gezogen. Sie hatte sich eine Anzahl neuer Betten gekauft und ließ dieselben durch den Hausdiener des Geschäfts, in welchem sie den Einkauf besorgt hatte, gleich mittelst Handwagens nach ihrer Wohnung in der Schwedtcrstraße 247 bnngen. Da sie die Wohnung erst am nächsten Tage beziehen wollte und also noch nicht im Besitze der Schlüssel war, so begleitete sie den Hausdiener, um die Schlüssel persönlich vom Witthe zu ver- langen. Als sie nun vor das Haus angekommen waren, nahm sie, statt den Hausdiener unten beim Wagen zu lassen, wie er es selbst ihr vorstellte, ihn gleich mit in das Haus. Sie wollte ihm gleich oben beim Witth die Schlüssel geben. Derselbe wohne zwei Treppen und die wolle sie nicht noch einmal hinab- gehen. In dem Augenblick werde nicht gleich Jemano die Betten, die festgebunden seien, vom Wagen holen. So meinte die bequeme Frau. Und dieser Bequemlichkeit folgte die Strafe auf dem Fuß. Denn als der Hrnusdiener die Betten heraufholen wollte, fand er, wie das„Berl. Taacbl." schreibt, nur noch den leeren Wagen unten vor. Der Äugenblick hatte also doch genügt. Jetzt, da es zu spät war, fing die Frau ob des Verlustes förmlich zu rasen an. 150 Mark hatte sie vor kauni einer Stunde für die Betten hingezählt, und nun waren die- selben spurlos verloren. Die ganze Sttaße erfüllte die Be- stohlcne init ihren Wehklagen und sie mußte schließlich emstlich verwamt werden, damit sie sich ruhig verhalte. Von den Dieben fehlt jede Spur. In letzter Zeit haben nicht unbedeutende Schaufenster- brande dadurch stattgesunden, daß beim Anzünden mit Spi- ritusla pcn oder Kerzen auf langen Stangen diese Ansteckungs- mittel hinuntergefallen sind und die im Schaufenster ausge- stellten Gegenstände entzündet haben. Im Interesse der Feuer- sicherheit sollen jetzt die Ladeninhaber angehalten werden, die Gasflammen in den Schaufenstem thunlichst mit den bekannten elekttischen Anzündem zu entflammen, bei denen jede Feuers- gefahr ausgeschlossen ist. Gemäß den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Ge- sundheitsamts sind in der Zeit vom 17. Oktober bis 23. Ok- tober er. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurchschnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 22,9, in Breslau 26,6, in Königsberg 26,1, in Köln 23,5, in Frankfurt a. M. 20,2, in Wiesbaden 16,9, in Hannover—, in Kassel 17,9, in Magdeburg 26,5, in Stettin 29,8, in Altona 25,4, in Metz—, in Straßburg 28,3, in München 31,4, in Nümberg 28,6, in Augsburg 37,3, in Dresden 23,9, in Leipzig 17, i, in Stuttgart 18,2, in Karlsruhe 15,3, in Braunschweig 22,0, in Hamburg 29,3, in Wien 21,3, in Pest 53,8, in Prag 25,4, in Trieft—, in Krakau 31,8, in Basel 11,8, in Amsterdam—, in Brüssel 22,0, in Paris 21,8, in London 17,7, in Glasgow 21,7, in Liverpool 24,0, in Dublin 20,5, in Edinburg 18,0, in Kopenhagen 23,9, in Stockholm 21,0, in Christiania 13,6, in St. Petersburg 22,0, in Warschau 28,9, in Odessa 36,4, in Rom 22,0, in Turin—, in Venedig 22,9, in Älexandria 39,9. Fem er in der Zeit vom 26. September bis 2. Oktober er.: in Ncw-Uork 26,0, in Philadelphia 20,4, in Baltimore 16,8, in Ealkutta 24,6, in Bombay 21,3, in Madras 35,7. In der Verichtswoche gestalteten sich die Sterblichkeitsver- Hältnisse in dem größten Thcil der europäischen Großstädte günstiger, und melden namentlich Bremen, Leipzig, Barmen, Stuttgart, Karlsruhe, Kassel, Mainz, Wiesbaden, Basel, Lon- Von, Edinburg, Christiania kleine Sterblichkeitszahlen; nur in wenigen Orten, wie in Straßburg, Augsburg, Stettin, Düffel- darf, Pest, Krakau, war die Sterblichkeit eine ansehnlich ge- steigette.— Insbesondere haben unter dem Einfluffe der kühleren Tempcratrr der Luft, die in der Berichtswoche vor- herrschte, Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kinder einen weiteren Rückgang erfahren, nur in wenigen Städten(Köln, Frankfutt a. M., Straßburg, Nürnberg, Paris) war die Zahl der Sterbcfälle an diesen Krankheitsformen eine größere als in der vorhergegangenen Woche. Die Theilnahme des Säuglings- alters an der Sterblichkeit war im allgemeinen eine verminderte; von je 10000 Lebenden starben, auf's Jahr berechnet, in Berlin 82, in München 150 Säuglinge.— Auch akute entzündliche Prozesse der Athmungsorganc zeigten vielfach milderen Verlauf und wurden weniger Sterbefälle mitgetheilt.— Die Infektionskrankheiten zeigten dagegen vielfach eine Steigerung, besonders haben Masern, Scharlach und Diphtherie größere Verbreitung gewonnen, während Keuchhusten, typhöse Fieber und Pocken eine kleine Abnahme der Sterbe- fälle erkennen ließen.— Masern herrschten in Plauen in größerer Ausdehnung, auch aus den Regierungsbezirken Aurich, Düsseldorf, Königsberg, Maricnwerder, Schleswig, Stettin werden viel Mascrnerkrankungen gemeldet; in Berlin, Ham- bürg, Paris, London hat die Zahl der Todesfälle an Masern etwas abgenommen.— Das Scharlachfieber hat in Berlin, München, Köln, Hamburg, Pest, London, Liverpool, Dublin, St. Petersburg, Warschau, Odessa viel Opfer gefordett; aber auch in Wien, Christiania, Edinburg zeigte sich Scharlach häusig.— Die Sterblichkeit an Diphtherie und Kroup war in vielen Orten eine bedeutendere, so in Breslau, Berlin, Ham- bürg, Stettin, Königsberg, München, Chemnitz, London, Wien, Prag, Paris, Pest, Kopenhagen, Christiania, Warschau, auch im Regierungsbezirk Schleswig waren Erkrankungen an Diphtherie zahlreich. Dagegen hat in Dresden, Nürn- berg, Tanzig, Magdeburg, Altona die Zahl der Sterbe- fälle etwas abgenommen.-- Sterbefalle an Untcrleibs- tphus wurden aus Berlin, Magdeburg, München, Hamburg, Paris, London, St. Petersburg in geringer, aus Lyon und Warschau in größerer Zahl gemeldet; auch kamen in den meisten der genannten Otte weniger Erkrankungen zur Meldung. An Flecktyphus kamen aus Danzig und London je 1 Todesfall, aus den Regierungsbezirken Königsberg und Marienwcrder 1 bezw. 11, aus St. Petersburg 1 Erkrankung zur Mittheilung. An Rückfallsfieber wurden aus dem Regierungsbezirk Akarien- wcrder 1, aus St. Petersburg 17 Erkrankungen bericbtet. An epidemischer Genickstarre wurde 1 Todesfall aus Frankfutt a. O. und 1 Erkrankung aus Nürnberg gemeldet.— Dem Kindbettsicber erlagen in London 8 Frauen. Rosenattige Entzündungen des Zell- gewebcS der Haut waren in Berlin, Wien, Kopenhagen, London, nicht selten.— Todesfälle an Pocken gelangten aus Ham- bürg 1, aus Rom, Venedig, Warschau, Odessa je 2, aus St. Petersburg 3, aus Pest 66 zur Anzeige. Erkrankungen kamen aus Breslau 1, aus Hamburg 3, aus dem Regierungsbezirk Marienwcrder 1, aus St Petersburg 6, aus Wien 8, aus Pest 217 zur Äitthcilung.— Tic Zahl der Sterbefälle an Keuch- husten war in Berlm, Paris, London eine kleinere, in Kopen- Hagen eine größere als in der Vorwoche.— Die Berichte über die Cholera in Oesterreich-Ungarn lassen eine Abnahme der- selben erkennen, namentlich ist seit dem 24. Oktober die Zahl der Erkrankungen und Stcrhefälle in Pest eine klei- nere geworden. Bis zum 24. Oktober waren daselbst im Ganzen 1105 Personen an der Cholera erkrankt und 448 gestorben. Vom 24. His 29. Oktober erkrankten 64 und starben 44 Personen. In Trieft kamen in derselben Zeit 29 Erkrankungen mit 15 Todesfällen zur Anzeige. In Szegedin erkrankten in der Zeit vom 16. bis 22. Oktober 93 Personen und starben 53. In Georgcnberg sind am 16. Oktober die ersten Cholerafälle vorgekommen, die tödtlich verliefen. In Fiume ist die Epidemie erloschen, aus den um- liegenden kroatischen Bezirken werden noch einzelne Ettrankungen gemeldet. In Norditalien ist die Seuche als fast erloschen an- zusehen; nur in der Provinz Bergamo kamen noch mehrfache Ettrankungen vor. Auch in Tarent und Cagliari zeigten sich seit Mitte Oktober nur noch wenige Cholerafälle. Polizei-Vericht. Arn 1. d. M. Nachmittags vergiftete sich ein Madchen in der elterlichen Wohnung in der Jakobsstraße. — Als am Abend desselben Tages der Maurer Dattfch seine Arbeitsstelle auf dem Neubau Wilhelmshafenersttaßc 14 verlassen wollte, fiel er in der Dunkelheit von einem mit Geländer noch mcht versehenen Treppenpodest etwa 3 Meter tief hinab und erlitt durch den Fall derartige Verletzungen an Brust und Kopf, daß er nach dem städtischen Krankenhause im Friedrichs- Hain gebracht werden mußte.— Am 2. d. M- früh wurden in der Kommunikation am Neuen Thor die vor einen Geschäfts« wagen der Firma Lindenberg, Klosterstraße 91, gespannten Pferde plötzlich scheu und gingen durch. Dabei fiel der Kutscher Koniczinski vom Bock, gerieth unter die Räder und wurde durch Ileberfahren an Brust und Beinen so schwer verletzt, daß er mittelst Droschke nach der Charitee gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit machte eine Frau, durch eheliche Zwistigkeiten veranlaßt, in ihrer Wohnung in der Weinmeistersttaße den Versuch, sich mittelst Oleum zu vergiften. Sie wurde noch lebend nach der Charitee gebracht.— Am Vormittag spielte der 11 Jahre alte Knabe Stabry in der Wohnung der Wittwe Krebs, Simeonsttaße 20, mit einem geladenen Revolver. Plötzlich ging ein Schuß los und traf den 9 Jahre alten Sohn der Wittwe Krebs so schwer am Kopfe, daß er im Laufe des Nach- mittags in Bethanien, wohin er gebracht worden war, starb.- Um dieselbe Zeit wurde vor dem Hause Friedrichsttaße 213 der Arbeiter Werner, als er eben im Begriffe war, von einem dott haltenden Kohlenwagen herunterzusteigen, durch ein- im Trabe vorüberfahrende Droschke erfaßt und zu Boden geworfen. Er wurde dabei durch den Laternen- Halter der Droschke so schwer am Hinterkopf verletzt, daß er mittelst Droschke nach der Charitee gcbraäit werden mußte.— Ebensalls am Vormittag fiel an der Eäe der Königssttaße und Neuen Friedrichssttaße der Lau'bursche Münster beim Abspringen vom Vorderverron eines Pferdebahn- wages zu Boden, gerieth unter die Räder desselben und crli» einen Bruch des rechten Unterschenkels. Er wurde nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht.— Kurz nach Mittag fuhr auf der Kreuzung der Klostcrsttaße und Königssttaße eins Droschke mit einem Pferdcbahnwagen so stark zusammen, W sie umfiel. Tie in derselben befindlichen drei Herren haben, ebenso wie der Kutscher, Verletzungen nicht erlitten.— II# dieselbe Zeit wurde an der Ecke der Holzmarkt- und Marst* sttaße ein 6 Jahre alter Knabe durch einen in schnellem Tr<� fahrenden, von dem Kutscher Fickert geführten ArbcitswaglN überfahren und am Kopf und an der Brust verletzt.— GegM 1 Uhr entstand auf dem Schloßplatz beim Aufziehen der Wap unter dem vor der Musik einherziehenden Janhagel eine Schlägerei, die sich bis in die Breitestraße hineinzog und einen erheblichen Auflauf verursachte. Sechs der Hauptschlägee wurden verhaftet. Verletzungen sind nicht zur Kenntniß W langt.— Nachmittags wurde in der Anhaltsttaße eine Droscht durch einen Schlächterwagen angefahren, so daß sie umschlug- Die in derselben befindlichen Personen wurden nicht bedeutend verletzt.— Abends nach 10 Uhr wurde auf dem Flur des Hauses Alte Jatobssttaße Nr. 34 ein etwa 6 Wochen altes Mädchen ausgesetzt vorgefunden und nach dem Waisenhause gebracht._ Gerichts-Deitung« Wegen Beleidigung des Kriminalschuymans Jhttn? ist, wie bereits mitgetheilt worden, der Tifchlergeselle Berndl vom Schöffengericht zu Köpenick zu vier Wochen Gefängmß venittheilt worden. Das Uttheil wurde am 1. Oktober er. gefällt und am 15. desselben Monats Abends lief die Berufung'-- frist ab. Der Verurtheilte sandte das Schriftstück mit der Be- nifungseinlegung am Donnerstag, den 15. Oktober er., ab und erhielt vor einigen Tagen den überraschenden Beschluß be» Amtsgerichts zu Köpenick, daß die Berufung wegen verspätten Eingangs als unzulässig verivorfen worden ist. Das Schnss' stück ist erst am 16. Oktober, also einen Tag zu spät, präsenbu worden. Das Urtheil ist aus diesem Grunde rechtskräftig worden, und muß B. die ihm zudiktirte Strafe demnächst»p büßen. Bei Einlegung von Rechtsmitteln nach außerhalb wü? man für reckt frühzeitige Absendung sorgen müssen, da W Gerichtsbehörden die Postsachen sehr früh am Nachmittage ab- holen zu lassen pflegen. t Eine Zeitungsfrau, Ulrike W. stand gestern vor der fünften Strafkammer hiesigen Landgerichts i unier der Anklag# der Unterschlagung. Sie war ziitta\ Jahr lang von dem Zeitungsspediteur Landske gegen einen Monatslohn vo» 19,50 M. beschäftigt worden. Am 3. Januar d. J-.ttassd Mißhelligkeitcn ein und Herr Lanske fühlte sich veranlaßt, P Zeitungsfrau auf der Stelle zu entlassen. Frau W. war jedem der Ansicht, daß 14tägige Kündigung ausgemacht worden daß sie deshalb berechtigt sei, den Lohn für den laufend� Monat zu fordern. Sie behielt deshalb von den eingeliefec» Abonnementsgeldern 19,50 M. zurück, und gab diese Sum" auch nicht heraus, als Herr Landske sie darauf aufmerkst machte, daß sie sich einer Unterschlagung schuldig mache. Die Trag' weite dieser Aeußerung zeigte sich in dem Sttafprozeß, der ncve einem Zivilprozcß gegen sie anhängig gemacht wurde. I" Zivilprozeß wurde sie vcrurtheilt, die 19,50 M. wieder Hera" zugeben, da Landske zeugeneidlich aussagte, daß eine Vera redung über die Kündigung nur in sofern stattgefunden' als er sich das Recht ausgemacht, daß die Zeitungsfrau p 14 Tage vorher zu kündigen hätte, wenn sie den Dienst H lassen"wolle. Herr Landske ließ eine Exekution bei der urtheilten vornehmen, die fruchtlos ausfiel, was bei ämmerlichen Lohn, den die Zeitungsfrau erhielt, nicht gera Wunder nehmen kann. Der Sttafprozeß gegen sie endete mit, daß das Schöffengericht sie zu 15 M. Geldstrafe verurthm weil es aus ihrer oben mitgctheilten Aeußerung schloß, daaU das Bewußtsein der Rcchtswidrigkeit ihrer Handlung jss» habe. Auch die Berufung, welche Frau W. einlegte, ano an diesem Urtheil nichts. Die Strafkammer war gleichfaU?„ Ansicht, daß eine Kündigungsfrist nicht vereinbart gewesen seiu und daß deshalb eine Unterschlagung vorliege. Das erstinm liehe Urtheil wurde aufrecht erhalten. t Tempeln. Wegen Duldung verbotener Glucks! p, war der Schankwüth Jakob Weiß von dem hiesigen Saip„ gericht zu 10 M. Geldstrafe verurthcilt worden. hatte er Berufung eingelegt, die gestern vor der fünften ö' kammer verhandelt wurde. Am 10. Oktober v. I. waren � töandelsleute Neumann und Verständig in dem Lokale Angeklagten zusammengettoffen und hatten ein Spi*' entrirt. Es war das sogenannte Tempeln in einfachster ck � Es wurden vier Streichhölzer neben einander gelegt, o Spitzen Aß, Dame, König, Bube, und deren Enden bss jo Neune, Sieben, Achte bedeuten sollten. Verständig Ktzi � oder 20 Pf. auf die einzelnen Symbole und'Neumann äoa jet Karten ab; je nach dem Ausschlagen der Karten gewann verlor Verständig. Man hatte verabredet, so lange zu t",{ste bis der eine oder der andere 1 M- eingebüßt habe, dann die Mark gemeinschaftlich vertrunken werden- Spiel zog sich hin, ohne das viel herauskam..,#01 war der Schankwirth auf das Spiel&"Mbe# geworden, er trat hinzu und verbot die Fortsetzung, aber j.j die Spieler gehorchten, erschien ein Krimindschutzmann�au� Bildfläche, konfiszirte die Karten und den Einsatz und n den Wirth.— Das Schöffengericht gelangte zu der- jst daß der Angeklagte �nicht mit der nöthigcn Energie,.�.� vup vet muji mu vtt uuu�yui j.�1" Ilitterdrückung des Spieles verfahren sei, er hätte den �-jp« sofort die Karten fortnehmen müssen. Vor der Berufn v..j stanz suchte der Angeklagte den Nachweis zu führen, dav an Schneidigkeit nicht habe fehlen lassen. Der Zeuge Ns. bekundete, daß der Wirth gedroht habe, ihnen die Kon �pi stimmen zu schlagen, wenn sie nicht aufhören wollten- V M- aber nicht zur Entscheidung. Der Gerichtshof West. L#� nehmung des Kriminalschutzmanns für erforderlich und v deshalb den Termin. Die sensationelle Privatklagesache der Tirektore Eisenbahnwagenfabrit Wegmann, Harkort u. Kvw Detmold und Kassel wider die, Fl erb Börsenzeitung' cstoi treten durch deren Redakteur Hennann Regel, gelangte» ,3 »or der iv. Strafkammer hiesigen Landgerichts I in der Be- rufungsinstanz zur Verhandlung. In oer Abendnummer der f'nannten Zeitung vom 8. Februar er. war behauvtet, daß die abrik, seitdem sie in die Hände der jetzigen Besitzer gelangt sei, dem Grundsatze„Billig und schlecht" huldigte und daß deshalb der Minister Maybach die Eiscnbahndircktionen ange- wiesen habe, die gedachte Gesellschaft von den Lieferungen aus- zuschließen. Da die angezogene Ministerialverfügung, als auf rrrthümlichen Voraussetzungen beruhend, wieder zurückgenommen lst, erachtete die 99. Abtheilung des hiesigen Schönenger, chts ----------v.v- wvf. WA. V* v I' y � 1,-"'y----- eine Beleidigung mittele uhler Nackrede für festgestellt und ver- uttheilte den Angeklagten mit Rücksicht auf die Schwere der Beleidigung und auf die Nachtheile, welche dadurch der klägeriscken Gesellschaft zugefügt worden sind, zu sechs Wochen Gefängniß und legte außerdem dem An- geklagten eine an die Kläger zu zahlende Buße in Höhe von 6009 Mark auf. Tie Publikationsbefugniß wurde den Klägern m elf der gelcsensten deutschen Blätter zugesprochen.— Gegen dm es auffallend harte Urthcil legte die Beklagte Berufung em. nur die Kläger, von denen der Fabrikbesitzer Harkrt selbst rr- Wnenen war, plädirte Rechtsanwalt Wolffgramm für Verwer- kung der Berufung, während Rechtsanwalt Thelen für den Beklagten auf Freisprechung plädirte, da ihm der§ 193 St.- ivs su—-••—"'"■'' hpz °esugmtz in nur 4 Blättern zu. Nereine und Nersammwngen. _ Eine äkkentliebe 9lrrfammlunn von tkandlunas- „.... Eine öffentliche Versammlung von Handlung». 'r-(Frankfurt erftr. 74 75, unter Vorsitz des Herrn H�s'�statt. % Heber die traurige Lage der Handlungsgeh, Isen und dre Mürel Abhilfe" referirte Terr Rosenthal. Tic traunge Lage der Handlungsgehilfen werde- so etwa begann der Redner- letzt von keiner Seite inehr geleugnet mit allein, ger Auemchme ctron des Aeltesten-Kollegiums der Berliner Kausmannschaft. f« nicht geringer Theil der Schuld an den unerfreulickenVer- in denen sich die große Mehrzahl der jungen Kauf- i.j/e befinde, falle auf sie selbst zurück, da sie zu wenig bestrebt ..- wiiuvc, iuuc aui]ie nnbii mma, oa]ie zu roemfl oeiircoi Wen, sich ihrer eiaenen Interessen anzunehmen. Sle hatten den Werth einer festen Organisation noch mcht erkannt, trotz- dem ihnen die Vortheilc einer solchen durch die Erfolge der -trbeiterverbände deutlich genug gezeigt würden. Fm einzelnen führe den Untergang vieler Handlungsgehilfen zunächst d,e Unsitte der willkürlichen Kündigungsfristen herbei. Ztc Kun- d'gungssrist sei nicht, wie sie das Handelsgesetzbuch »erlange, eine sechswöchentliche, sondern oft eine vier- acht-, auch eintägige. Die„Freie Organ,- r.t„ junger Kaufleute" weise seit Zwei fahren auf diesen wunden Punkt unablässig hm und habe sich ,n dieser Angelegenheit an das. Aeltesten-Kollegmm gewendet, das m auch vorgebe, die Interessen der jungen Kaufleute zu ver� wcten. Das Kollegium war der Ansicht, daß die freie Verein darung zwischen Prinzipal und Gehilsen auereiche, um diese Mißstände zu beseitigen und sprach sich gegen jeden gesetzlichen Eingriff aus. Die freie Vereinbarung bedeute aber nur, dag der wirthschaftlich Stärkere(der Prinzipal) dem wirthschaftlich «chwäckeren(dem Gehilfen) seine Bedingungen diktire. Nur aus dem Wege der Gesetzgebung seien Besserungen durchzu- letzen. Ebenso seien die gesetzliche Sonntagsruhe, die gesetzliche ima Sri»- aIü.-ti. csnixi-r ttöVirißC fticix Uic Meyluye �onmaclsniy ststssetzung der täglichen Arbeitszeit Mittel, ui.- %% der Handlungsgehilfen zu verbessern. Die„Frele L rga- SMon" habe den Erfolg gehabt, daß sie be, der Enquete der M?ung über die Sonntagsruhe gehört worden se,: ,hre msmm OriPtiif:-' r.. M— nf- M Vie nvfrt-... o»miv mim ma jwtu yu ivvi| Und bpfti$e Aufmerksamkeit beständig ai Sonnt �'ö betont werden, daß die j auf diese Frage gelenkt SonimIlSl�ifl betont werden, daß die jungen Kaufleutc die Ztoth,o„Ä?'sia und den gesetzlich firirten Arbeitstag verlangten. Arbeit... M as ferner, den Krankenkasscnzwang, der für die auch...�»kstche, auf die Handlungsgehilfen auszudehnen, die auch �lstye, auf vre vanvlungsgcylisen auszuveynen, o,e sich„ Arbeiter seien. Tie Einsicht in die Nothwendigkeit, lunaen o �ankhcit zu versichern, sei noch so wenig unter den einer„."flauten verbreitet, daß kaum 5 pEt. von ihnen sich Hab- �aiikenkasse angcschloyen hätten. Das Acltesten-Kollegium sicht erklärt, daß die bisherigen Zustände in dieser Hin- 2umm«n> vortrefflich wären, damit werde aber die große k»..*G ÖOtl ßTr»*»S a-AA_Vk SU-ait.».IaT.A-»4«>4 S*r* s rt»» r«»»S, *UItQGapFitrpVl U,lU-nuiy mu;t TO wu "nfähia l" treffe, sobald er durch längere Krankheit erwerbs- �Wen e?!, Tie ttaurige Lage der Handlungs- �uniiitbio-- oT so schloß der Redner— nur durch Und di- L- Zusammenhalten der Kollegenschaft zu verändern Wunsch- �si-bgebenden Faktoren müßten immer wieder auf die bfn. Thciles des Volkes aufmerksam gemacht wer- Mereiltian,,°"�"bar nur geschehen, wenn der bisherige In- Melle oi.e.r lungen Kauflcute verschwinde und an seine e Recht., �geisterunq für eine feste Organisation trete, welche . Oer.SIntiSf,ittrt«r»r«P»irf.»»» in tnrom rtnnirn llttifntirr «-'iCmfo S*~"n' v»»vv ivj.v--------------- »erficht Handlungsgehilfen in ihrem ganzen Umfang ordert,. �°bhafter Beifall.)- Vor Eintritt in die Diskussion Oer � ifSMT ftonntrt Stp 9Itimrfpnbcn auf. fieft MM » St» anderen Seite wurde ermiw H ZMDWMKZU 1 ■...„uKic �ganuano» ,+.u �,1 Jbmolraten die Aufnahme in den Verein verboten werd- ser die Acchtung einer politischen Partei, also d,e Be« tonung der entgegengesetzten politischen Ansicht. Die„Freie Organisation" nehme jeden auf und frage ihn nicht nach seiner politischen Gesinnung. In der Betonung ihres sozialpolitischen Standpunktes liege keine Politik, welche das Statut ausdrück- lich aueschließe. Zur weiteren Kennzeichnung des„Ortsvereins" wmde nach mstgetheilt, daß derselbe zunächst sich v Ausdehnung des Kassenzwanges ausgesprochen habe, brs Weisung von oben, vom„Generalrath", gekommen sei.— Zum Schluß wurden folgende zwei Resolutionen mit großer an Einstimmigkeit grenzender Majorität angenommen:„Tie öffentliche Versammlung Berliner.Handlungsgehilfen erkennt an, daß die von der„Freien Organisation junger Kaufleute" ergriffene Initiative in der Frage der Ausdehnung des Krankenversichc- rungszwanges auf die Berliner Handlungsgehilfen durchaus den Wünschen und Interessen der letzteren entspricht und be- dauert, daß die endliche Einführung des Zwanges so lange auf sich warten läßt. Die Versammlung bittet daher die Gewerbe-Deputation des Magisttats um möglichste Be- schleunigung der vorbereitenden Schritte, damit die ent- scheidenden Behörden recht bald in die Lage kommen, den Zwang aussprechen zu können.— Diese Resolution soll der Gewerbedevutation eingereicht werden.— Tie Versammlung junger Kaufleute erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstandeu und gicbt ausdrücklich zu, daß eine Beseitigung der im Handlungsgchilfenstande herrschenden Miß- stände lediglich unter Zuhilfenahme der Gesetzgebung er- folgen kann. Da die„Freie Organisation junger Kauf- leiste" der einzige hier vorhandene Verband von Handlungs- gehilfen ist, der unter Anerkennung dieser Nothwcndig- kcit die gesetzgebenden Körperschaften hierfür zu interssiren sucht, so liegt es im Interesse eines jeden Handlungsgehilfen, sich diesem Verein als Mitglied anzuschließen, um dadurch denselben in seinen Bestrebungen zu unterstützen." Die öffentliche Versammlung der Buchbinder am 1. d. M., bei Gratweil, beschäftigte sich in erster Reihe mit den Beschlüssen der Innungen auf dem Verbandstage in München. Herr Mehncrt, welcher über diesen Punkt der Tagesordnung referirte, bedauerte, daß, trotzdem die Bestrebungen der Innungsmeister durchaus nicht mehr zeitgemäß seien, obgleich deren Pro- duktionsweisc durchaus unhaltbar sei der Großindustrie gegenüber und die kleinen Meister-Werkstätten bereits kaum etwas Anderes, als Reparaturwerkstätten wären, und trotzdem es klar sei, daß eine Verbesserung der Lage der Klcinmeister wie der Arbeiter nur durch ein Zusammengehen beider zu erhoffen sei, man heutigen Tages immer noch mit den Innungen und deren Kongressen sich befassen müsse. Interessant sei zunächst der An- trag Köln, eine zenttalisirte Vcrbandskrankenkasse für Meister, Gehilfen und Lehrlinge zu gründen. Dieser Antrag charak- terisire die Herren Innungsmeister zur Genüge. Nachdem die- selben nach dem Vorbilde der Arbeiter einen Zenttalverband über ganz Teutschland gegründet, wollten sie nun auch eine Zenttal-Krankenkassc ins Leven rufen, nachdem dies schon zehn Jahr zuvor die Arbeiter für sich gethan. In ihrem Eifer, das Krankcnkassenwcsen in ihre Hände zu bekommen und den Ar- beitcrn das freie Selbstbestimmunasrecht in ihren freien Kassen zu nehmen, hätten sie nur ganz übersehen, daß dieses Begehren nach einer Innungs- Verbandskasse den bestehenden Gesetzen durchaus zuwider laufe. Hervorzuheben ist eine Aeußerung des Hern» Möckel-Berlin, welcher ausführte: 2 Jahre habe ein Ge- Hilfe bei ihm gearbeitet, erkrankte plötzlich und siehe da! der Schlingel(!) habe sich nicht einmal etwas gespart gehabt. Wie der betr. Gehilfe bei einem Wochenverdienst von 18 M. dies hätte zu Wege bringen sollen, habe anzugeben Herr Möckel aller- dings unterlassen. Tie Titulatur„Schlingel" passirte anstandelos die Kongreßzensur. Ferner wünschte die Dreedener Innung sich eine Stufe in den.Himmel zu erbauen, indem sie die Errich- tung einer Zentral- Unterstützungskasse für reisende Gehilfen befürwortete. In Geldangelegenheiten hört aber die Freund- schaft auf und der Anttag wurde abgelehnt. Berlin insbe- sondere weigerte sich, für die vielen Fabrikarbeiter das„schöne Innunasgelv" zu verausgaben. Ein„Geschenk" soll ja nach altem Brauche verabfolgt werden, jedoch nur solchen Gehilfen, welche mindestens 3 Monate bei einem Innungsmeister gear- bellet und mit Verbandslegitimation, Führunasattcst jc. versehen sind. Und wieder war es Herr Möckel- Berlin, welcher sagte: die Gehilfen müßten gesetzlich zur gegenseitigen Unter- stützung gezwungen werden, denn sie verdienen mehr, als die Nkcistcr! Ter Referent wies darauf hin, daß die meisten Fach- vereine die Reiseuntcrstützung geregelt hätten und daß es viel besser wäre, wenn die Jnnungemeister ihre Hände gänzlich davon ließen. Des Weiteren noch einige Punkte aus den Kongreßverhandlungen hervorhebend, schloß Herr Mehncrt sein Referat mll dem Wunsche, daß die Jnnungsbestrebungen nicht gedeihen mögen. Tiesem Wunsche schlössen sich die Herren freudenreich, Schneider, Höhne, Müller u. A. vollständig an und faßte die Versammlung einstimmig folgende Resolution: ZHie heute in Gratwcil's Bierhallen tagende öffentliche Buch- binderverfammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Re- ferenten einverstanden und verspricht, die eroberten Freiheiten für die Gehilfen hochzuhalten und sich nie der Rückwärtsvewe- gung der Innungsmeister anzuschließen."— Ter zweite Punkt der Tagesordnung:„Die Rechtfertigung über den Austritt des Unterstützungsvereins aus dem Verbände", worüber Herr Freudenreich referirte, rief lange und lebhafte Debatten jhemor. Iii». Im Fachvercin der Schneider referirte am Montag Abend in den Gratwcil'schen Bierhallen Herr Iesckoncck über „Das Lchrlingswcsen im Schneidergewerbc in den Provinzen". Trotzdem die Lehrlingsfrage seit vielen Jahren auf allen Innungskongressen behandelt worden sei und die Hauptrolle spiele, sei man im praktischen Leben von der Lösung derselben noch sehr weit entfernt. Besonders liege das Lchrlingswcsen resp. der Mißbrauch mit denselben in den Provinzen im Argen, wo noch weit mehr wie hier die Lehrlinge fast ausschließlich nur zu ganz anderen Zwecken, als zu denen der Berufsaus- bildung, verwendet zu werden pflegen, wie beispielsweise zu häuslichen Diensten aller Art, so daß sie bei der Frei- svrcchung am Schlüsse einer vier- bis fünfjährigen Lehrzeit erst anfangen müssen, die einfachste Schneiderarbeit zu erlernen. In den Provinzen nutze man die Lehrlinge zeitweise gänzlich zu landwirthschaftlichen Verrichtungen aus. Es sei dringlich nothwendig, daß in dieser Hinsicht gesetzlich reformircnd einge- schritten werde und die Lehrlinge, sowohl theoretisch durch den Besuch von Fortbildungsschulen als praktisch durch streng gewerbliche Vorschriften für die Meister in Sachen des Lehrlings- wcsens, künstig eine bessere Ausbildung erfahren, fftur dadurch könne das leidige, die tüchtigen Arbeiter so schwer schädigende Psusckerthum unter den Schneidergehilfen beseitigt werden. In der Tiekussion, an der sich besonders die Herren Taetcrow und Radnitz bcthciligten, wurden die wahrhaft schauerlichen Lehrlings- Verhältnisse in der Provinz drastisch geschildert und besonders die Errichtung von Fortbildungsschulen empfohlen, denen die Meister wegen der„Zeitversäumniß" ihrer Lehrlinge entgegen- arbeiteten. Auch wurde der seltsamen Strafen erwähnt, welche die Meister über Lehrlinge zu verhängen pflegen, welche„Zigarren oder Tabak geraucht" oder einmal versäumt haben, einen ihnen auf der Sttaßc begegnenden Herrn Jnnungsmeister zu grüßen. Tie Meister verurtheilen sie dann z. B. zum„Nachlernen", d. h. zur Verlängerung der Lehrzeit. Das Lehrgeld, welches die Eltern jc. für die Lehrlinge bezahlen müssen, besteht häufig n. A. auch in einem vollständigen Bette, das der Lehrlina beim Zuzug zum Lehrmeister mitbringen, demselben aber nach Schluß der Lehrzeit überlassen muß, als„Aussteuer für die Mcisteretöchter". Ein Redner erklärte unter allseitigem Beifall, daß es bezüglich des Lehrlingswesens nur ein radikales Heilmittel gebe: Ausbildung der jungen Leute in „Staatslchr-Wcrkstättcn", die freilich erst ms Leben tteten könnten, wenn das heutige Wirthschaftssnstem einem anderen Play zu machen sich anschicke. Tersclbe Redner tadelte auch die Bevorzugung der Jnnungsmeister hinsichtlich der Berechti- gung zur Ausbildung von Lehrlingen.— Am 15. d. M. feiert der Verein in den„Bürger-Sälen"(Dresdencrsttaße) sein Stif- tungsfest. Der„Fachverein sämmtlicher an Holzbearbeitung»» Maschinen beschäftigten Arbeiter" hielt am 31. Oktober bei Säger, Grüner Weg 29, eine Mitgliederversammlung ab. Die- selbe beschäftigte sich mit inneren Vereinsangelegenheiten. Mehrere Redner verurtbeilten scharf den Jndifferentismus der Kollegen und forderten die Miiglieder auf, recht rege für den Verein zu agitiren, damit er wachse und gedeihe.— Am Sonntag, den 7. November, findet in Wohlhaupt's Salon, Manteuffelsttaße 9, eine öffentliche Versammlung der Holz- bearbeitungsmaschincn- Arbeiter statt. In derselben findet die Vertheilung der vom Fachverein ausgearbeiteten Fragebogen statt. Nächste Vereinsversammlung am Montag, den 15. November, bei Säger, Grüner Weg 29. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine re. am Donners- tag. Äännergesangvcrerein„Lätitia" Abende 9 Uhr in Vettin's Restaurant, Vcteranenstt. 19.— Männergesangverein„Iugend- lust" Abends 9', Uhr bei Bester, Große Hamburgerstraße 4. — Schäfer'scher„Gesangverein der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf und Krüger, Skalitzcrstraße 126, Gesang.— Turnverein „Hasenhaide"(Lehrlinge- Abtheilung) Abends 8 Uhr Treffen- bachstraße 60—61.— Musik-Dilettantenverein„Glocke" Abends 8'/, Uhr Friednchsbergerstt. 10.— Roller'schcr Stenographenverein„Alt-Cölln" Abends 9 Uhr Wallstt. 20, bei Leonhardt. — Verein Ziehlke'scher Tanzjchüler„Tirolienne" Abends 9» Uhr im Restaurant Poppe, Lindcnstr. 106.— Rauchklub„Kernspitze" Abends 8 /, Uhr im Restaurant Holzmarktsttaße 44.— Rauch- klub„Arcona" Abends 9 Uhr bei Brandt, Forsterstraße, Ecke der Reichenbergerstraße. Ketzte Nachriöften. In Varna geberden sich die Russen schon wie in einer eroberten Stadt. Ein Privattelegramm der„Voss. Ztg." aus Wien meldet darüber: In Varna erschien ein Kawaß des russischen Konsulats mit mehreren nissischen Matrosen vor dem Gefängniß rnd rief den Gefangenen zu: innerhalb dreier Tage befreie ich euch! Die Matrosen rissen die unter amtlichen Zeichen angehefteten Plakate, welche die Ansprache der Regent- schaft an die Sobranje enthielten, herunter und verübten Unfug jeglicher Art. Bei der vorgestern vorgenommenen Bürgermeister- wähl in New-Uork ist Heroitt Sieger geblieben. Die Wahl hat darum besonderes Interesse, weil zum ersten Male die organisirte Arbeiterpartei bei derselben gegen die alten politi- schen Parteien in die Schranken getreten ist. Henry George war der Kandidat der Arbeitervercinigungen, Hewitt der Kandidat der Demokraten und Norsevelt derjenige der Republikaner. Es ist nicht zu bezweifeln, daß auf den Arbeiter- kandidaten sich eine sehr respektable Stimmenzahl vereinigt bat. Der demokratische Kandidat siegte jedenfalls nur dadurch, daß er erklärte, sich im Falle des Sieges nicht als den Erwählten einer Partei betrachten zu wollen; Parteipolitiker zu sein ist gegenwärtig in den Vereinigten Staaten eine zweifelhafte Empfehlung. An der Wahl dürften etwa 220000 eingeschriebene Wähler thcilgenommen haben. Die Londoner Polizei hat ganz bestimmte Befehle ge- geben, um jeden Auszug oder jede größere Ansammlung mit Ausnahme der L o r d in a y o r s p r o z e s s i o n am 9. d. M- in den Straßen zu verhindern. Alle Ladenbesitzer sind von der Polizei angewiesen worden, an diesem Tage ihre Läden zu schließen und ihre Fenster, falls sie keine Fensterläden besäßen, durch Bretter zu schützen! Was wird sich da der arme Spießer graulen! Sozialistische» au» Hameln, 1. November. Sechs hier in Arbeit stehende Leute, Schlosser, Tischler je., wurden zur Haft gebracht, da sie der Uebertretung des Sozialistengesetzes verdächtig sind. Eine Haussuchung ergab, nach der„D. u. W. Ztg.", daß in den Koffern der Bethciligtcn sozialdemokratische Schriften gefunden wurden. Verboten auf Grund des Sozialistengeselzes wurde die im Verlagsmagazin(I. Schabelitz) Zürich 1886 erschienene Druck- schrift von Otto Spiclbcrg: Das Menschenideal und seine Erfüllung. Markthallen-Bericht von I. Sandmann, städtischem Verkaufs-Vermittler, Berlin, den 3. November 1886. Wild. Die Wildauktionen werden von Händlern gut besucht. Die Zufuhren zu den Auktionen werden reichlicher. Bezahlt wurde für Rehe 51—62, Hirsche 22—41, Wildschwein 25 bis 30 Pf. pr. Pfd., Rebhühner, junge 150, alte 90—110 Vf., Fasanenhcnnen 2,00—3,50 M, Fasancnhähne 3,05—4,00 M., Hasen 3,50—3,75, Kaninchen 40— 55 Pf. p. Stck, Krametsvögel 22 bis 26 Pf. ver Stück. Auerhahn 3,00—4,50 M., Birkhuhn 1,75—2,50 M. pr. Stück, Schnepfen 2,00—2,80—3,20, Bekassinen 50—70 Pf. pr. Stück. Die Wildauktioncn werden täglich im Bogen 4 um 9) Uhr Vormittags und 6 Uhr Nach- mittags abgehalten. Geflügel. Fette Gänse per Pfd 50—60 Vf., Stoppelgänse 6—8 Pfd. 40—45 Ps. per Pfd., junge Enten 1,50 bis 2,50, junge Hühner 0,55—0,80, alte i, 20— 1,70 M., Tauben 30—45 Ps., Poularden 4,50—8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich. Fette Gänse sehr begehrt. Eier 3,05 M. pr. Schock. Butter. Preise unverändert. Frische feinste Tafel- butter je. 120—125, feine Tafelbutter>. 110—118, II. 95 bis 108, II), fehlerhafte 85—90. Landbutter I. 90—96, I>. 80 bis 85 M. Galizische und andere geringste Sorten 55—72 M. pr. 50 Ko. Käse. Schweizerkäse I. 56-63, N. 50-55, Iii. 42-48, Quadrat-Backstein I. fett 20-25, tt. 10-16 M., Limburger I. 30-35, II. 20-25, Rheinischer Holländer Käse 45-58 M., echter Holländer 60-65 M, Edamer I. 60-70,». 56-58 M.. französischer Neufchateller 16 M. pro 100 Stück, Roquefort 1,20-1,50 pro Pfd. Obst und Gemüse. Pflaumen 4,50—7,00, Birnen 4,20 bis 6,50, Tafelbimen 7—15, feinste Sorten 20—40 M., Aepfcl 4,25-7,50 M., Tafeläpfcl 7-15 M, feinste Sorten 20 bis 36 M-, Maronen 20—30 M, Wallnüsse 30 M. pr. Ztr. Zwiebeln 2,25—3,00—4,00, Weißfleischige Speise-Kartoffeln 2,80—3,60, rothc 2,80—3,00, blaue 2,50—3,00 per 100 Ko., Teltower-Rübchen 9—12 M., Sellerie 7—8 M., Meerrcttig 7—12 M., Blumenkohl 20—40 M. pr. 100 Stück. Kohlrüben 1,50—2,00 M., pr. Ztr. Blumen und Blätter. Lorbeerblätter 3,50—4 M. pro Korb. Rosen 10—15 M., Rosenknospen 1—3 M. pr. 100 Stück Tuberosen 4—5 M. pr. 100 Stück. Veilchen 3,50—5,00 M. pr. Tausend. Rosen-Hochstämme 50—70, niedrig-vcredelte 15-20 M. pr. 100 Stück, Primeln 13-15 M. pr. 100 Stück. Auktion jeden Dienstag und Freitag um 7 Uhr Nachmittags. Geräucherte und marinirte Fische. Bratheringe per Faß 1,50-1,60 M. Russische Sardinen 1,50-1,60 M. Rheinlachs 2,50— 2,90, Weser- und Ostseelachs 1,20— 1,60, Flundern, kleine 2-3 M., mittel 3,50-6 M., große 8-17 M.. Bücklinge 1,80 bis 4,00 M. Schaalthiere. Austern 7,00—12,00 M. pr. 100 Stück. Kriefkasten htv Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Ouittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. «. P. Swinemünderstr. 2. Wir sind gern bereit, die- uns zugehenden Berichte wörtlich zu bringen; m diesem Falle dürfen dieselben aber auch leinenjunfinn enthalten. Franz Carow. Ihre Karte erhielten wir erst am Mitt- woch Vormittag. Max Sander, Vorfitzender des Maurcr-Gesangverems „Lorbeer. Wir bitten um Einsendung Ihrer Adresse. We., Lichtenbergerstraße. Das, Ihr Wirth einen Keller seines Hauses an ein ebensolches Geschäft vermiethet hat, wie das Ihrige, giebt Ihnen nicht das Recht, vorzeitig auszuziehen oder zu kündigen, falls nicht derartiges in Ihrem Kontrakt vor- gesehen ist. G. H., Lubbenerstrahe. Briefliche Auskünfte können wir nicht ertheilen, die beigelegte Briefmarke steht daher zu Ihrer Verfügung. Was den Inhalt Fhrcs Schreibens anbctrisst, so können wir Ihnen, als dem Schriftführer des Vereins, nur anheimstellen, selbst für Berichterstattung sorgen zu wollen. Sie werden sehen, daß dann Ihre Berichte stets prompt und pünktlich, erscheinen werden. Bei anderen Vereinen besteht diese Sitte schon immer. Zwei Wettende. König, Dame und Bube stechen die Zehn. Trumpf-Aß muß beim ersten Stich fallen. Ungenannt. Wenn Sie dauernd, d. h. seit mindestens 3 Monaten in einem bestimmten Orte wohnen, so müssen Sie zu allen dortigen Gemeindelastcn beitragen. H. T. Ihre Anfrage ist nicht ganz klar; wenden Sic sich persönlich an die Redaktion. Abonnent 18. 1. Ein Karat preußisch ist gleich 205537 Zentigramm. In anderen Ländern ist das Gewicht ein ab- weichendes. 2. Männer unter 25 Jahren bedürfen zur Ver» heirathung der Einwilligung des Vaters; ist dieser gestorben, so muß die Mutter, und wenn der Betressende das 21. Lebens» jähr noch nicht vollendet hat, auch der Vormund zustimmen. 3. Sie können die Rückerstattung der Pfändungskostcn beanspruchen, falls die Vereinbarung mit Ihrem Gläubiger bewiesen werden kann(schlimmsten Falls durch Eidcszuschiebung> Theater. Donnerstag, den 4. November. Opernhaus. Deutsche Märsche. Vorher: Die Vcrlohung bei der Laterne. Schauspielhaus. Christoph Marlow. Deutsches Theater. Ein Tropfen Gift. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Goldonkel. Viktoria-Thcatcr. Amor. Ostend-Theater. Das neue Gebot. Residenz-Theater. Ein Großstädter. Vorher: Ein anonymer Brief. Zentral-Theater. Zum 98. Male: Der Wald- Teufel. Belleallianee-Theater. Die schöne Galathee. Zehn Mädchen und kein Mann. Flotte Bursche. Walhalla-Theater. Die Piraten. Königstädtisches Theater. Von Schrot und Korn. Kaufmann'» Varietee. Spezialitäten- Vor- stellung. Ameritan-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Reichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Concordia- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. JEdem-Theater. (Früher Louiscnst. Theater.) Tresdenerstr. 72 73 Da» srohartiglle Programm der Pestden?. Ehe Poqal UoKohama Troupe(6 Personen), japanische Produktion. Mr.|U?on, der bedeutendste Athlet,(ß bin Troupe. 6 Personen, die bestreu ewmirten Akrobaten und Gvmuastiker. IM« Tlieaterprobe in der Kttcbe. Großattige burleske Operetten-Pantomime von der Gesellschaft Walton, 3 Damen, 3 Herren. Verschwinden einer jungen Dame mit nachfolgender Erklärung. Riegels Kallet- .—.. � 2 Herren. Paula und gen Zocher. Mr. Lenee, .....„-ifänger. Kaffenöffnung 6Vj Uhr. Anfang 7'/, Uhr. nachfolgender Erklärt» gesellfchaft. 12 Damen, 2 Ludwig Tcllheim. Eugen Konzertsär Herliner Stadt-Theater. (Früher Alhambra-Theater.) Wallnertheaterstr. 15 fier Onkel ans Amerika. roße Posse mit Gesang in 3 Akten v. Salingrs. Vor der Vorstellung: Grosses Concert der Hauskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Hrn. Th. Franke. Anfang der Vorstellung 7>, Uhr. Das Theater ist mit elektrischer Beleuchtung versehen._ Passage 1 Tr. 9 3Jk.— 10 A. M&lse*-Panorams. In dieser Woche: Neu! Zum ersten Male: Eine Wanderung durch Köln— Aachen. Zum ersten Male: 4. Reise maler. Schwerz. Hertha-Reise.— Earolinen-Jnsclir. Entree 20 Pfennig. Kinder nur 10 Pf. Große Matinee, veranstaltet vom Fachv. der Steinträger Berlins, tum Besten kranker, hilfsbedürftiger Kameraden, -nntag, den 7. Novbr., Vorm. v. 11—2 Uhr, der Tonhalle, Friedrichstraße 112, wozu tn Freunde und Kameraden freundlichst eingeladen werden. Kasseneröffnung 10% Uhr. E n t r e e t Person 30 Pf.„., l974 Das Komitee. Trotz alledem und alledem erschien soeben ein kräftiger Staatsbürger in vielfach verbesserter Auflage. Dies allen Freunden zur Nachricht. Mutter und Kind befinden sich wohl.[975 Halle a. K. A. Kosfmann& Frau. Allen Freunden und Gönnern empfehle mein okal zur freundl. Frequenz. Jcd. Sonnabend isbein«. Sauerkohl. Gutes Weiß-«. Kairischbier. I. Linscheid, Invalidenstr. 131. Cigarren-& Tabak-Handlung Friedrich Michelsen, 976] J L. Carl Pachfolger, Spandau. 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Neben der gewöhnlichen Ausgabe ist auch wieder eine stärkere veranstaltet, welche mehr Schreibpapier enthält und kräftigen Lcinwandeinbaud mit Deckel nach Brief- taschenart und Gummiband hat. Auch bei > der gewöhnlichen Sorte sind diesmal die■ " Ecken abgerundet.■ Inhalt des Kalenders: Kalendarium mit neu revidirtem Ge- schichtskalender; postalische Bestimmungen; Telcgrammtarif; das ganze Unfallversiche- rungsgesctz mit Anhang vom 28. Mai 1885; Gesetz über die eingeschriebenen Hilfskassen mit der Novelle vom 1. Juni 1884; das Reichstags- Wahlgesetz mit Reglement; Auszug aus dem Reichs- Patentgesctz; Gewindeschneidetabelle für Metallarbeiter; Schreibpapier mit Datumsangabe für Tagesnotizen, leeres Schreibpapier, Brief-. täschchen. Der ganze Kalender ist vierzehn Bogen stark. Preis der einfachen Ausgabe 50 Pf. „„ stärkeren„ 70 Pf. Wiederverkäufer erhalten lohnenden Rabatt. Ver«re%pr:«»nlettmösser, 15 b Weinbergsweg 15 v. 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