Nr. 259* Freitag» den 5. November 1886. 8. Jahrg. ßfrlintrDollistilnll Orrian für üif Interessen der Arbeiter. 4 Pom Kalkan. y Der„Kosack in Generalsuniform", Herr von Kaulbars «�.,"en schönen Austrag hat, durch ein brutales und allem «oikerrechte mit der Faust ins Gesicht schlagendes Benehmen y �ul�aren zu emem Verzweiflungsstreich zu reizen, damit Isen einen Grund haben, in Bulgarien cinzumarschiren nicht einmal diese Sorte von Diplomaten hat die Bul- &!w au� �rer Arresten Haltung bringen können. Und °ch sollte man meinen, es sei genug geschehen. Wenn die r, garischen Offiziere offen zum Verrath aufgefordert, wenn ei den Wahlen bulgarische Kandidaten von den Ruffen- Ueunden todtgeschlagen und in Stücke geschnitten werden, 1° wnnte das schon hinreichen, ein Volk in Gährung zu ringen. Allerdings ist die Situation für das kleine Bul- Sailen die bedenklichste. Widerstand gegen das„heilige v cm*" W keinen Zweck, denn es wäre der Widerstand rr Maus gegen die Katze. Die Russen werden aber dennoch einrücken in dieser «der jener Art. Wenn sie absolut keinen Vorwand zu rmem solchen Vorgehen finden können, so thun sie es eben dhne Vorwand. � Einen Bundesgenoffen, der im Stande wäre, Rußland d>e Stirne zu bieten, wird Bulgarien nicht finden. Wer wllte das Schwert ziehen und ihnen helfen? Binnen kurzer Frist wird Bulgarien„übergeschluckt" sein. Die Bedenklichkeiteu der europäischen Situation werden sich dann um ein Bedeutendes vermehrt haben. Wenn Bul- Narien von den Ruffen besetzt ist, dann ist es nicht mehr JJlich, eine Union der Balkanstaaten zusammenbringen, die dx letzte Vormauer gegen Rußland bilden könnte. Bul- Ws" aber die Seele dieser Union sein. Das ist es, tadel 11,0,1 an der Regierung des Fürsten Alexander staau mu�' � er für e'ne �n'on der Balkan- ßechaii Ehrend seiner neunjährigen Herrschaft nichts ini ml Andererseits muß betont werden, daß auch Mb."""nderten Berliner Vertrag kein glücklicher Griff wirkt" was die Balkanstaaten betraf. Der Vertrag Äenn trennend als vereinigend auf die Balkanländer. heit' die Ruffen einmarschiren, so wird die Gelegen- wied/'t� Balkan-Union herzustellen, wahrscheinlich niemals licb J wmmen. König Milan von Serbien hat nun end- diele ftsieIesien' daß diese Union nothwendig ist. Leider ist sie �'"s'cht bei ihm sehr spät gekommen, zu spät, als daß ch viel nützen könnte. jenew �ssische Politik wandelt genau die Bahnen, die in �'�besprochenen mystischen Aktenstück, dem sogenannten jetzt rf1}* Meters des Großen, vorgeschrieben sind. Es gilt den» �erreich zu isoliren, damit es allein angegriffen wer- ann- Riem wird Oesterreich in eine fatale Lage ""t»erboten,] Jeuitt'eton. [18 Jw Hause des Perderdens. Krinnnalroman. Von Reinhold Ortmann. Thür�l.�nd auf und wollte an Holmfeld vorbei zur dm sjg �en! aber der junge Mann vertrat ihm noch einmal ich oi'.',?16 �a�en einen Austrag für mich gehabt, jetzt habe ;ra�n;iÄ so m vas Sprachrohr des Herrn von Brandenstcin sind, habe, 6�0"ch durch Sie hören, was ich ihm zu sagen lunaen q\'st mir nicht entgangen, daß es sich einer versi.�. �ame hier im Schlöffe in einer Weise zu nähern 'hm' �'e'ch niemals dulden werde. Sagen Sie den mas fällt Ihnen denn ein?— Haben Sie �vlmfeu! �erloren?" siel ihm der Doktor in die Rede. wit.L-stat jedoch noch dichter an ihn heran und fuhr �lsbetb m»66 �''mme fort:„Sagen Sie ihm, Fräulein allem" sei meine Braut, und ich verböte ihm mit Hiersei..« � ste während der kurzen Zeit ihres ferneren würde'�Mendwie zu belästigen! Keine Rücksicht der Welt werden 2« Ehalten, das nach Gebühr zu bestrafen. Sie oder mit-r?'6""sehen, daß ich keine Lust habe, mit ihm Ra f r nen',u scherzen\" dem SKifl& 9 auf den Knopf der neben ihm auf W ,u R..J �"den Glocke: aber der Oberinspektor war Limmer 6' und mit einem stolzen Blick verließ er das bringen, indem man sich auf seinen Schützling Serbien stürzt und dort die gewohnte Verwirrung herbeiführt. Dies wird um so leichter sein, als in Serbien sich noch eine starke russische Partei befindet, die bestanden hat, seitdem die Serben ihre Unabhängigkeitskämpfe gegen die Pforte mit russischer Hilfe führten. Dann kann sich die bulgarische Affaire in zweiter Auflage abspielen; vielleicht erhält Milan auch eines schönen Tages einen Brief vom Zaren, der ihn aus Serbien verschwinden macht. Da man den Inhalt des deutsch-österreichischen Bünd- niffes nicht kennt, so kennt man auch nicht die Bedingun- gen, unter denen Deutschland zur Hilfe verpflichtet ist. Man glaubt zu wiffen, daß das Deutsche Reich den Oesterreichern nur dann zu Hilfe kommen werde, wenn sie der angegriffene Theil sind.� Doch ist das nur eine Muthmaßung einzelner Blätter. Ist sie aber richtig, dann wird Rußland wohl da- für sorgen, daß Oesterreich angreifen muß. Als im Jahre 1849 die Russen mit 140 000 Mann in Ungarn einrückten, um den ungarischen Aufstand nieder- werfen zu helfen, da dachten die Staatsmänner, welche die russische Hilfe angerufen hatten, wohl kaum daran, daß 37 Jahre nachher die Bundesgenoffen als drohen- des Kind an der Grenze stehen würden. Nach der Kapitulation von Vilagos, wo die letzte ungarische Armee unter Görgey die Waffen streckte, meldete der russische Oberbefehlshaber Paskiewitsch dem Zaren Nikolaus nach Petersburg:„Ungarn liegt zu den Füßen Ew. Majestät!" Man sieht, die Ruffen hatten damals schon gewisse Absichten, wie sie im Zahre 1814 Danzig nicht mehr herausgeben wollten, und sie hatten 1849 den General Görgey, der die verrätherische Kapitulation von Vilages abschloß, so sehr bethört, daß er glaubte, die Russen seien heimliche Freunde der Ungarn. Diese„heimliche Freund- schaff" der Russen dokumentirte sich zunächst dadurch, daß sie die gefangenen ungarischen Führer fast alle den Oesterreichern und damit dem Galgen oder dem Kerker überlieferten. Damals bekamen die Russen noch nichts; nun werden sie sich bald die Belohnung für den Feldzug von 1849 holen wollen. Wir malen die Situation nicht zu düster. Wir haben immer auf das Lauernde in der russischen Politik hingewiesen. Vor wenigen Monaten sah alles noch stiedlich aus; da kam der Staatsstreich gegen den Fürsten Alexander und die Ge- fahr, die von Osten droht, trat in ihrer ganzen furchtbaren Größe vor Europa hin. Heute bestreitet sie Niemand mehr. Heute ist noch Zeit, die Mittel zur Rettung zu be- schaffen. Aber die Frist ist eine karge. Wenn Oesterreich vereinzelt niedergeworfen wird, dann stehen wir unmittelbar vor der Gefahr, daß Europa kosackisch wird. Und die Kosacken werden gewiß alle unsere Kulturerrungenschaften, in den ersten Stock hinaufging.„Vielleicht läßt er sich noch gebrauchen!" Oven fand er Curt in großer Aufregung durch sein Zimmer schreitend. „Es ist gut, daß Du kommst, Ramfeld!" rief er ihm entgegen.„Ich kann in diesem verwünschten Hause kaum eine Stunde des Alleinseins aushalten! Ist nun Alles er- ledigt r „Alles! Die Anweisungen auf Deinen Bankier für unfern Freund Nathanson und für meine Wenigkeit sind abgeschickt, und dem Oberinspektor habe ich soeben ge- kündigt." „Vortrefflich! Und er wird bald gehen?" „Spätestens in acht Tagen!" „Ausgezeichnet! Zst nur erst der Bursche aus dem Wege, so werde ich mit dem Mädchen schon fertig werden!" „Vorausgesetzt, daß sie nicht mit ihrem Bruder hinter dem Geliebten herzieht!" Curt blieb erschreckt stehen und das sinnliche Feuer, das eben in seinen eingesunkenen Augen aufgeflammt war, erlosch plötzlich. „Hölle und Teufel! daran habe ich nicht gedacht!— Aber"sie wird es nicht thun!" Wer weiß!— Wenn ich recht gehört habe, sprach dieser'�olmfeld sogar etwas Derartiges!— Du mußt Dich schon aus eine Kündigung des Gärtners gefaßt halten!" Curt stampfte mit dem Fuße und seine Wangen rvth.len Jich. � � genug, ihn zurück zu halten? Zch werde ihm sein Gehalt verdreifachen, und er müßte doch wahrlich ein Esel sein, wenn er ginge! Unter den armen Teufeln finden sich mitunter solche s&hB sSÄr die ihnen nicht behagen, schonungslos niedertrampeln, dessen darf man sicher sein. Einstweilen sieht man zu, wie Bulgarien seinem Schick- sal verfällt. Möge Bulgarien das letzte Land sein, das von den Moskowitern so vergewaltigt wird. Das wünschen wir, aber wir müssen leider befürchten, daß es nicht das letzte ist._ Die Agitation der üandtungsgelliffen um Einführung des Krankenversicherungszwanges ist nicht nur auf Berlin beschränkt geblieben, wo ist z. B. der Magistrat in Breslau nunmehr wenigstens soweit ge- drängt worden, daß er in einer Vorlage an die Stadtvcrord- neten die Ausdehnung des Versichcnmgszwanges auf die Ge- Hilfen weiblichen Geschlechtes beantragt hat; für die Männer verhält er sich allerdings heute noch ablehnend. Auch in Dresden regen sich die jungen Kauileute. Der dortige Krcisverein des„Verbandes deutscher Handlungsgehilfen" hatte am 28. Oktober eine Versammlung, um Beschluß zu fassen über die von der dortigen Handelskammer an den Verein ge- richteten Fragen. Die erste Frage:„Erscheint die Ausdeh- nung des Krankenversicherungszwanges auf männliche und weibliche Handlungsgehilfen für geboten?" wurde in Ueberein- stimmung mit dem Leipziger Zentralverein mit Ja beant- wartet. In größeren süddeutschen Städten, wie München, Mannheim, Regensburg und Darmstadt besteht heute schon der Kassenzwang, ohne daß sich die Gehilfm, wie das Aeltestenkollegium meint, dadurch„entwürdigt" fühlen, und auch angesehene süddeutsche Blätter treten für denselben ein. So schreibt die demokratische— nicht sozialistische. Herr Eugen Richter!—„Frankfurter Zeitung": Es haben in der letzten Zeit sich mehrfach kaufmännische Kor- porationen mit der Frage beschäftigt, ob der Krankenkassen- zwang auch auf die Handlungsgehilfen ausgedehnt werden solle. Bekanntlich kann nach§ 2 des Krankenkassengesetzes vom IS. Juni 1883 durch statutarische Bestimmung einer G e- m e i n d c für ihren Bezirk oder eines weiteren Kommunal- Verbandes für seinen Bezirk oder Theile desselben die obligatorische Krankenversicherung ausgedehnt werden, u. A. auch auf Handlungslehrlingc und- Gehilfen. Die von den einzelnen kaufmännischen Korporationen zur Frage der Opportunität der Anwendung dieser Bestim- mung eingenommene Stellung ist eine keineswegs gleich- artige; es haben sich z. B. die Aeltesten der Berliner Kauf- Mannschaft entschieden gegen Ausdehnung des Krankenversiche- rungs-Zwangs, die Vereinigung Berliner Kaufleute und Jndu- strieller ebenso bestimmt dafür ausgesprochen. Die Gründe, welche von der dem Versicherungszwang abgeneigten Seite gegen den letzteren geltend gemacht werden, können auf be- sondere Stichhaltigkeit nun aber durchaus keinen Anspruch er- heben. Man meinte, es liege dazu kein Bedürsniß vor; woher kommt dann aber die lebhalte Agitation der freien Organisa- tion junger Kaufleute zu Berlin und anderer Verbindungen das Einfachste und wird auch wohl so ziemlich das Sicherste sein!" „Sie ist nicht von der Art, die sich auf einen einzigen Stvmn gewinnen läßt! Damit, daß ich Deinen verwünschten Rath in jener Nacht befolgte, habe ich beinahe Alles auf's Spiel gesetzt, Sie fürchtet sich vor mir!" „Das ist der beste Anfang! Wen die Frauenzimmer fürchten, dem unterliegen sie am leichtesten. Versuch's nur frischweg noch einmal, wenn Du Dir doch schon das Lärvchen nicht aus dem Sinn schlagen kannst." „Was würde es mir aber nützen, wenn der Bruder ein Querkopf ist!" „Bah, sie würde ihn schon herumzukriegen wissen? Und außerdem. Du kannst ja mit ihm reden, kannst ihm vor- sichtig einige Aussichten machen, ihm ein wenig schmeicheln, ohne so weit zu gehen, daß er die Absicht merken muß. Solche Leute lassen sich zumeist schwer erkaufen, aber desto leichter überlisten." „Gut!— Ich werde ihn hierher kommen lassen!" „Weit gefehlt, Freundchen! Er würde sich unterwegs Alles reiflich überlegen, was Du ihm zu sagen haben könntest und was er darauf antworten könnte, daß am Ende nicht viel von Deinem feinen Plan zu erwarten stände.— Nein, Du mußt auf einem Spaziergange zufällig an ihm vorüber- geben und ihn fragen, che er sich noch von seiner Ueber- raschung so recht erholt hat. Anders als in seinem Hause wirst Du auch wohl Dein Schätzchcn schwerlich wieder zu Gesicht bekommen!" „Meinetwegen auch das! Auf irgend eine Weise muß ich doch zum Ziel kommen!— Und ich brauche eine solche Aufregung, wenn ich nicht zusammenklappen soll!— Hast Du sonst noch etwas für mich?" „Der Notar wird in einer halben Stunde hier sein." „Der Notar?— Wozu?" „Hast Du ein so kurzes Gedächtniß? Du erinnerst Dich doch wohl, was wir bezüglich Deines Testaments verabredet haben?" „Zum Teufel, Paul! Das hätte doch wahrhaftig nicht solche Eile gehabt! Heute oder morgen werde ich noch nicht ,on Handlungsgehilfen für eine geordnete Krankenversicherung? Der Handlungsgehilfe sei in anderer sozialer Stellung, als ein Arbeiter, heißt es weiter, er sei schwereren Krankheiten weniger ausgesetzt und schließlich stehe ihm ja das Handelsgesetzbuch zur Seite, wo im Krankheitsfalle dem Prinzipal bis zu sechswöchcnt- licher Krankheitsdauer die Verpflichtung der Gehaltszahlung auferlegt ist. Leider hat diese gesetzliche Bestimmung zwei schwere„Aber" im Gefolge; denn erstens muß die Krankheit „unverschuldet" sein und zweitens steht es dem Prinzipal frei, eine beliebig kürzere Kündigungsfrist zu verein- baren; in letzterem Fall hat es nach dem Gesetz„dabei sein Bewenden". Thatsüchlich kommt deshalb gerade für denjenigen Theil der Handlungsgehilfen, welche in geschäftlicher Rang- ftcllung und damit m Bezug auf die Höhe des Lohnes am tiefsten stehen, jene wohlthätige Bestimmung so aut wie gar nicht i n B e t r a ch t; der Prinzipal enthebt sich weiterer Verpflichtungen gegen dieses Proletariat des Schreibtisches durch Festsetzung einer acht-, drei-, sehr oft nur eintägigen Kündigungsfrist. Es heißt wirklich die Sache nicht mit dem Ernste erfassen, wie sie es verdient, wenn man, wie dies in den ablehnenden Motivirungen meist deutlich durchklingt, gewissermaßen eine H erabwurdi- gung des Handelsstandcs darin erblicken will, daß dessen Personal wie der„gemeine Arbeiter" behandelt werden soll. Gesellschaftliche Fiktionen und Standcsvorurtheile find zwar nicht geistreich, aber wenigstens hannlos, so lange sie nicht als Maßstab der im Interesse des össentlichen Wohles nothwendigen Maßregeln praktische Berechtigung in Anspruch nehmen. Es wäre aber wirklich eine ebenso wenig politische als geschäfts- mäßige Beurtheilung der Tinge, wenn man leugnen wollte, daß heutzutage der 5oandelsstand in seinen unteren unselbst- ständigen Klassen oft, sehr oft wirthschastlich noch erheblich schlechter gestellt ist, als manche Arbeiterkategorien, und daß deshalb in diesem Falle Standesprätcnsionen hinsichtlich der Durchfühnmg der zum Schutz der wirthschastlich Schwachen eingerichteten Anstalten etwas an Bettler stolz erinnern. Die praktische Probe hat ja eben ergeben, daß die private Energie nicht genügt, um die breiten Massen der pekuniär am wenigsten günstig gestellten Handlungsgehilfen zu einer freiwilligen ausreichenden Krankenversicherung zu organistren. Es heißt daher sicher nur den Handels st and heben und fördern, wenn man durch Zwang dieselben davor bewahrt, bei längerer Krankheit dem Elend und der öffentlichen Pflege oder gar, wie so oft in großen Städten, noch Schlimmerem zu verfallen. Die Kosten einer solchen Versicherung würden bei ihrer geringen Größe die Geschäftsbesitzer in keiner Weise be- kästen, wie wir überhaupt annehmen wollen, daß die ablehnen- den Gutachten nicht mit Rücksicht auf diese Kosten erfolgt sind. Bestätigt wird dieses günstige klrtheil über die Wirkungen des Krankenversicherunaszwanges noch durch die Erfahrungen der Ortskrankenkassc„Merkur für Handlungs- und Apotheker- Gehilfen und-Lehrlinge zu Dannstadt.»Der Versicherungspflicht unterliegen bei dieser Kasse nur Gehilfen mit weniger als 2000 M. Gehalt. Diese Versicherungspflichtigen sind in 3 Klassen eingetheilt, die erste mit 1400—2000 M. Gehalt, die zweite mit 800- 1400 M-, die dritte, zu der auch alle Lehrlinge gehören, mit weniger als 800 M. Gehalt. Die monatlichen Beiträge belaufen sich: 1. Klasse 2,34 M.. 2. Klasse 1,77 M.. 3. Klasse 1,17 M, wovon nach dem Gesetz die Versicherten zwei, der Prinzipal ein Drittel zu zahlen hat. Dafür wird für die Dauer der Krankheit, doch nicht über 26 Wochen gewährt: freie ärztliche Behandlung, Heilmittel w., ferner vom 3. Krankhcitstage ab täglich 2 M. Krankengeld für die 1., 1,50 M- für die 2., und 1 M. für die 3. Klasse, wo nöthig mit Kur:c. im städti- scheu Hospital mit Ration erster Klasse; im Todesfall 80 M. Sterbegeld. Der Kassenvorsitzende bemerkt dazu:„Die Kasse besteht nahezu 2 Jahre und hat sich namentlich im 2. Jahre bei Mitgliedern der 2. und 3. Klasse ungemein segenbringend bewährt, indem wir für mehrere Mitglieder bis zu 300 und 400 M. aufwenden mußten und bis jetzt noch keine Woche ver- gangen ist, in der wir nicht mindestens 5—6 Kranke hatten. Trotzdem könnten wir dabei noch ganz gut den Familienange- hörigen der verheirathetcn Mitglieder freie ärztliche Behandlung und Arznei gewähren, wenn ein diesbezüglicher Antrag in der Generalversammlung nicht durch die unverheiratheten Mitglieder abgelehnt worden wäre." Daß sich in Darmstadt die Gehilfen„entwürdigt" fühlen, davon hat wohl nur das Aeltestenkollegium etwas gehört. Politische Ueverstcht. Die Ersatzwahl im ersten Berliner Reichstagswahl- j.—.—.— kreise(für den verstorbenen Ludwig Löwe) ist dem Vernehmen nach aus Montag, den 6. Dezember, festgesetzt worden. Die Wahl beginnt nach den gesetzlichen Bestimmungen um 10 Uhr Vormittags und wird um 6 Uhr Abends geschlossen. Zum ersten Berliner Reichstagswahlkreise gehören die Stadt- bezirke 1-20, 283 und 284. Viel ungeheuerlicher noch gestaltet sich das Drei- klassenwahlsystem in der Stadt E s s c n zu den preußi- schen Landtagswahlen, als zu den Stadtverordneten- sterben! Das hätte man ja gelegentlich einmal abmachen können." Ramfeld zuckte glcichmüthig die Achseln. „Man kann nie wissen, was einem die nächste Stunde bringen wird," sagte er.„Ich wünsche Dir noch ein recht langes Leben- aber ich möchte mich nicht gern wie ein Bettler von vem ersten besten Wicht aus diesem Hause jagen lassen, falls es im Rathe des Schicksals beschlossen sein sollte, Dich früher aus diesem irdischen Jammerthal abzurufen." „So laß doch diese albernen Redensarten!" unterbrach ihn Curt, der jetzt wieder sehr blaß geworden war.„Wenn der Notar einmal hier ist, so kann das Ding ja meinet- wegen aufgesetzt werden; aber Dein Gekrächze von Sterben mag ich nicht wieder hören. Ich liebe das nun einmal nicht I" „Ich werde mich darnach richten, obwohl ich gestehen muß, daß ich das für eine Schwäche halte, die Du nach Möglichkeit bekämpfen solltest. Es giebt Leute, die abgeschmackt genug sind, hinter einer solchen weibischen Todesfurcht ein böses Gewissen oder sonst etwas von dieser thörichten Art zu suchen! Wozu soll man ihnen Stoff zu müßigem Gerede geben!"— Noch an demselben Tage dcktirte Curt von Brandenstein dem Notar seinen letzten Willen und setzte den l'octor medicinae Paul Ramfeld für den Fall, daß er ohne Leibes- erben aus dem Leben scheiden sollte, zu seinem Universalerben ein, während ihm anderenfalls ein Vermächtniß von zwei- malhunderttausend Mark zufallen sollte. Als Curt das Do- lument mit nicht ganz sicherer Hand unterzeichnet hatte, athmete er erleichtet auf, als sei er froh, einen bedrückenden Gedanken endlich von sich abschütteln zu können und mit einem etwas gezwungen klingenven Bemühen zu scherzen, sagte er zu dem Juristen: „Hoffentlich werden noch einige Jahrzehnte vergehen, ehe der Siegel von diesem Dinge da gelöst zu werden braucht. Es ist der reine Uebermuth,— aber man ist froh, wenn man's los ist!" wählen. Bei letzteren kann man in Betracht ziehen, daß Herr Krupp in der That der Besitzer eines ganzen Drittheils der Stadt ist. Er hat für dieses Trittheil die Wege hergestellt, die Wohnungen gebaut, Speisehäuscr, Konsumvereine geschaffen, kurzum Kruvp hat einen ganzen Stadttheil selbst errichtet. Natürlich hat er das in seinem eigenen Interesse gcthan; nicht etwa, wie seine Freunde in die Welt posaunen, aus Liebe zu den Arbeitern. Wenn nun dieser Stadtbeheerscher bei den Kommunalwahlen seine Geldsäcke in die Wagschale wirft und damit ein Drittheil der Stadtverordneten erzielt, so ist das ja selbstverständlich ungerecht und ungeheuerlich, aber noch viel ungeheuerlicher ist es, daß Herr Krupp bei den preußischen Landtaaswahlen gleichfalls' sämmtlicher Wahlmänner der Stadt Essen ernennt. Einige Mal allerdings hat dieses Verhältniß geschwankt, so daß er diese Ehre mit einem oder zwei Mitbürgern theilen mußte, aber oft genug war er der Beherrscher von% aller Wahlmänner. Persönlich hat Krupp niemals nach der Ehre gegeizt, preußischer Landtagsabgcord- neter zu werden, aber er braucht sich nur mit einigen leitenden Herren der zweiten Klaffe der Wähler zu verständigen, so geht aus der öffentlichen indirekten Wahl immer ein Abgeordneter „von Krupps Gnaden" hervor. Selbstverständlich ein national- liberaler. Reichstags abgeordneter wollte Herr Krupp übri- gens einmal gem werden, aber er unterlag gegen den Zen- trumskandidaten.— Früher hatte in Essen eine Zeit lang auch die Sozialdemokratie größeres Terrain, doch verlor sie dasselbe in den siebenziger Jahren wieder; nun hört man, daß dasselbe nach und nach von der Partei wiedergewonnen wird. Dann wäre von einem Reichotagsfitz für Herrn Krupp erst recht keine Rede mehr und er müßte sich doch noch, wenn er parlamen- tarisch auftteten will, mit einem Landtagsmandat oder gar einem Stadtverordnetenmandat begnügen. Zu letzterem kann er ja sich selbst und seine sämmtlichen wahlbereckitigten Ver- wandten ernennen. Der Marineetat des Deutschen Reiches soll wiederum im nächsten Budgetjahr um ein Erhebliches anschwellen; ein Extraordinarium von jährlich zehn Millionen aus die Tauer von fünf Jahren ist erforderlich, daß das deutsche Geschwader nicht in die dritte Rangstellung der europäischen Marinen zurücksinke. So lesen wir in konservativen Blättern. Die deutsche Marine hat in der That schon sehr viel dem deutschen Volke gekostet. Sie ist sozusagen ein Schmerzenskind Deutschlands. Großen Nutzen bringt dieselbe nicht. Zum Küstenschutz allerdings ist sie stark genug und der Nordostseekanal wird ihre Stärke noch weiter erhöhen; als eine Kriegsmacht auf offener See wird sie niemals stark genug werden, um den Seemächten die Stirn bieten zu können. Dazu fehlt schon das nöthige Mcnschcnmaterial. Weshalb also eine Verstärkung? Um nicht hinter der Marine Rußlands und Italiens zurückzubleiben, so lautet die Antwort, um nicht in die dritte Linie zu gerathen! Früher träumte man in gewissen Kreisen davon, daß die deutsche Alarme der französischen ebenbürtig, vielleicht gar die englische erreichen werde. Dieser Traum ist" längst verstogen. Nun galts wenigstens, der russischen und italienischen Manne gleichzubleiben Wir fragen vergeblich danach, weshalb gerade dies nothwendrg ist. Mit den Italienern treffen wir auf dem Meere sicherlich nicht zusammen. Tie russische Seemacht aber ist eine gespaltene. Tie im Schwarzen Meer stationirte kommt für Deutschland nicht in Bestacht und die russische Lstseeflotte allein ist nicht so stark, wie die deutsche Marine. Um aber dies Verhältniß noch günstiger zu gestalten, wird ja der Nord- Ostseekanal hauptsächlich gebaut. Erklärte doch ein deutscher Seeoffizier m der Reichstagskommission zur Herstellung des Kanals offen heraus, daß die deutsche Alarme n a ch Herstellung des Kanals der vereinigten dänisch-russischen Flotte in Ost- und Nordsee völlig gewachsen sei.— Die 10 Millionen Mark jährlicher Mehrausgabe für die Marine erscheinen uns demnach gar nicht nöthig zu sein. Doch halt! Wir haben eine nicht genügende Anzahl von Kricaskrcuzcrn— aber wir haben �herrliche Kolonien". Also deshalb wird die Vermehrung der Marine gerade mit solchen Schiiten geplant, welche den Dienst an der oft- uitd westafrikanischcn Küste und bei Guinea ver- richten, welche die„Wilden" in Raison halten sollen.— Wir Deutschen sind doch recht schlechte Rechenmeister: all' das gute Geld und dabei noch zahlreiche Menschenleben für die bösen, fieberreichen Kolonien, für den Ehrgeiz Einzelner und den Profit Weniger! Die subventionirte Dampfschifffahrt macht weder der Regierung noch den Interessenten viel Freude. In einem Artikel der„Hamb. Börsenh." wird sogar behauptet, daß init den bisherigen Resultaten der Fahrten so ziemlich das Gegentbcil von dem erreicht worden sei, was ursprünglich zur Empfehlung der dein Reiche jährlich 4 400 000 Mark aufbürdenden Regierungsvorlage gesagt sei. Es heißt da: Das erste große Loch erhielt das Projekt schon im Reichs- tage selbst durch Einführung von Antwerpen als An- l a u s s h a f e n. Diese besondere Konzession wurde der Regie- rung nicht ohne Mühe abgerungen; diese hatte anfänglich die Absicht gehabt, die Unterstützung aus der Reichskasse nur deutschen Häfen zuzuwenden, um diese in ihrem Kampfe gegen ausländische Häfen zu unterstützen; dagegen aber erhob ————— XIV. Was Dr. Ramfeld vorausgesehen hatte, war wörtlich geschehen: der Obergärtner Nikolaus Werner hatte dem Guts- Herrn noch in der Mittagsstunde desselben Tages schriftlich angezeigt, daß er seinen Kontrakt als gelöst betrachte und Brandenstein so bald als möglich zu verlassen wünsche. Der Versuch, ihn zur Zurücknahme seines Beschlusses zu bewegen, durfte also nicht zurückgeschoben werden, und um die vierte NachmittaaSstunde machte sich Curt, wenn auch keineswegs mit ganz leichtem Herzen, nach dem Gärtnerhause auf den Weg. Seit langer Zeit hatte er nicht so schüchtern und zaghaft an dem Griff eines Glockenstranges gezogen, als diesmal, und die Farbe wechselte auf seinem Gesicht, als er drinnen das Näherkommen eines leichten Schrittes und das Rauschen eines Frauenkleides vernahm. Im nächsten Augen- blick sah er sich dem Gegenstand seiner glühenden Wünsche gegenüber, und so vollständig er sich auch auf die Möglich- lest gefaßt gemacht hatte, so stockend kamen doch bei ElSbeth's Anblick die Worte über seine Lippen. „Um Verzeihung, mein Fräulein," sagte er,—„ich — kam zufällig hier vorüber, und— da ich glaubte— Ihren Bruder anzutreffen—" Er hielt inne, denn eS machte ihn verwirrt, daß das junge Mädchen von purpurner Röthe Übergossen, auf der Schwelle stand, den Thürgriff in der Hand und äugen- scheinlich nicht gewillt, den unerwarteten Besucher zum Ein- treten zu nöthigen. „Es thut mir leid," sagte sie,„mein Bruder, Herr Baron, ist nicht anwesend." „So gestatten Sie mir vielleicht, ihn hier zu erwarten. Was ich ihm zu sagen habe, wird unzweifelhaft von Wich- tigkeit für ihn sein." Elsbeth trat zurück, um den Eingang fteizugeben. Sie war allein im Hause; aber ihr Bruder mußte in jedem Ka sich ein gewichtiges Sonderinteresse, dasjenige der südwcst- deutschen Industrie. Diese verlangte, daß die zu- künftigen Subventionsdampfer auch einen ihr bequemer ge- legcnen Hafen Hollands oder Belgiens anlaufen sollten und vereinigte damit die Erklärung, daß, falls diesem Verlangen uicht stattgegeben werde, die Vertreter Südwest-Deuffchlands gegen die ganze Vorlage stimmen und dieselbe damit zu Fall bringen würden. Die Regierung gab dieser Drohung nach, weil sie nicht verkennen konnte, daß die Drohenden wohl im Stande gewesen wären, die ganze Vorlage, wenn sie ihren Wünschen nicht entsprach, zu Falle zu bringen; Antwerpen wurde als Anlaufshafen angenommen, und so geschah die erste Merkwürdigkeit: die 4 400000 M., welche zur Hebung der deutschen transatlantischen Dampfschifffahrt aus Reichsmitteln hergegeben werden sollten, kamen zu gleichem Theile dem gefährlich st en Rivalen der deutschen Häfen in der Nordsee zu Gute. Nachträglich sind nun— gewissermaßen eine Ironie des Schicksals— die süddeustchen Interessenten mit der Art und Weise, wie sich die Sache in der praktischen Ausführung macht, gar nicht zufrieden und haben kürzlich von Frankfurt aus erklärt, daß sie sich gezwungen fänden, auf die Benutzung der deutschen subventionitten Dampfer zu verzichten und nach wie vor ihre Sendungen über Marseille od er Trieft zu expediren. Bald geschah etwas noch viel Merkwürdigeres. Der Norddeutsche Llotzd, dem die Subvention zuettheilt war, hatte an dem Anlauten Antwerpens noch nicht Genüge; er verlangte von der Reichs- regierung die Ermächtigung, auch einen englischen Hastn am Kanal zur Einnahme von Passagieren und Fracht anlaufen zu dürfen, und erhielt sie, unglaublicherweise, wenn man die ursprüngliche Absicht der Regierung in Bestacht zieht, auch- Jetzt also bezahlt Deutschland einen sehr er- 'eblichen Betrag aus der Reichskasse, dam>- ntwerpen und Southampton besonder» billige Frachten nach Ostasien und Australie» haben und damit den deutschen Häfen noch schärfere Kof kurrenz machen können als bisher. Damit ist aber auch* beabsichtigte ganz direkte Verbindung und die daraus hervo!' gehende besonders schnelle Beförderung in de� Brunnen gefallen. Bereits wiederholt ist es vorgc- kommen, daß die von Hamburg direkt expeditten, nicht sub- ventionirten privaten Dampfer eine raschere Reise nach Hoog' long oder Singapore gemacht haben, als die durch Anlmistn von verschiedenen Häfen unterwegs aufgehaltenen subventionstttn Dampfer. Wozu dann die Subvention? Zur besonderen Fos» dcmng des deutschen Seebandels sollten die Subvention� Dampfer einen Hafen von Korea regelmäßig anlaufen, hck Norddeutsche Lloyd in Bremen war aber der Ansicht, daß diese Reisen ihm wenigstens fürs Erste mehr kosten wie einbringt� würden, und suchte deshalb bei der Reichsregierung um Em- Hebung von der eingegangenen Verpflichtung nach; dies ist ihm denn auch in Gnaden bewilligt, wenn auch vorläufig nur auk ein Jahr; man weiß ja aber, ein wie langes Leben derartige Provisorien zu haben pflegen. Wie war aber so etwas wog- lich? Gerade für die Lasten, welche aus der Ausführung der eingegangenen Verpflichtungen der Gesellschaft erwachse? können, ist ja die Subvention bewilligt; diese in unveränderter Höhe fortzuzahlen, die dagegen ausbedungenen Lasten aber em- fach zu streichen, ist eine Art der Ausführung des Subven tionirungsgesetzes, an die der Reichstag bei seiner Beschmv fassung über dasselbe kaum gedacht haben wird. Der Gesehentwurf über die Unfallversicherung Öjf Seeeleute mit»einer Belastung des Rheders mit etwa 30»• pro Mann der Besatzung hat bei den Hamburger Rhedern groß- Opposition hervorgerufen. Der nautische Verein wird schossl, den nächsten Tagen den Entwurf in Berathung ziehen und o?' Widerstand bestimmter formuliren.— Natürlich! Emern SchWt besitzer jährlich dreißig Mark für einen Arbeiter aufzuerlegm es ist auch gar zu unerhört. „Energisches Einschreite«". Wir finden in einem kom servativen Blatte eine Korrespondenz aus Gotha vom 31. V' tober, die folgendermaßen lautet:„Die Polizeisergeanten MeiP und Jäger erschienen gestern Nachmittag bei einem huw. bekannten Sozialdemokraten und hielten eine Haussuchung»' Bei dieser Gelegenheit nahmen sie in Beschlag: 14 Heste° „Neuen Zeit"(Stuttgart), 1 Band„Das Kapital" von 4 Hefte der stenographischen Berichte des Reichstages(Mß von Kayser und Bebel, sowie die bei Verlängerung des zialistengesetzcs gehaltenen Reden) und Notizen zu einem R en> über Kapital und Arbeit, worüber W. Bl. am Montag Abn? in einer hier stattgehabten Arbeiterversammlung gesprochen-. nur in letzter Zeit häufig die Erfahrung gemacht, daß noch(!, junge und unreife Leute sich für die Sozialdemostatie und Lehren in Lokalen öuentlich bekannten, so können wir n das bestimmte und energische E in schrei„ unserer PolUti mit Freuden begrüßen. Polizei hat asto hier durch ihr„energisches Einschreiten e gar sonderbaren Fang gemacht, nämlich eine Anzahl von � j schüren, von denen nicht eine verboten ist. Auch., „Kapital" von Marx ist nicht verboten. Die Notizen zu e.1(j schon in öffentlicher Versammlung gehaltenen Rede dürsten „Es freut mich, daß ich Sie noch einen Auge»■ allein sprechen kann, Fräulein Elsbeth," sagte Curt, dein� der neuen Situation der Muth zu wachsen begann. habe mir in einem Moment unbeschreiblicher Aufte� Xshnen gegenüber etwas zu Schulden kommen lasse» „Bitte, Herr Baron, sprechen wir nicht davon!"" � brach ihn erröthend das junge Mädchen.„Sie werden greifen, daß mir die Erinnerung peinlich ist." eu „Aber Sie haben mir verziehen, nicht wahr? j( verdiene wirklich in diesem Falle einige Nachsicht»n werde mich bemühen, meine damalige Auswallung, durch die darauf folgende Katastrophe ohnehin W genug bestraft hat, durch die größte Demuth wieder w zu machen. Sie denken also nicht weiter an jene abscyr« Nacht?" � „Ich hatte Sie bereits vergessen, Herr Baron!" ich werde mich nach meinem Bruder umsehen." gh „Nein, nein, bleiben Sie!" sagte er bittend. Bruder hat mir heute zu meinem Erstaunen mitgethw'- si ~ seine Stellung zu verlassen beabsichtigt. Sind?h Gründe dafür bekannt?"". sei' „Nein! Aber ich denke, sie werden schwerwiege ♦♦toi*»--- V— er. r***„r f..*«*'' denn mein Bruder pflegt sehr wohl zu überlegen. m „Und doch scheint er es in diesem Falle»ich,- zu haben; denn ich wüßte wahrlich nicht, was ihw"; Unzufriedenheit Veranlassung gegeben haben%"»»' � tbeiien weiß, daß er tüchtig in seinem Fach ist, und w gerade mit der Absicht um, ihm einige große übertragen. Selbstverständlich würde sich auch � dementsprechend erhöht haben; es wäre mir wii? gr fatal, wenn er trotzdem auf seinem unbegreisUgl schluffe beharrte.".„n#" „Er wird Ihnen darauf selbst am besten können, Herr Baron! Mir sind, wie gesagt, fei» nicht bekannt."..<„ur" „Und doch giebt Ihr Bruder wahrschein"�-# Ihretwillen seine Stellung und seine Aussichten' Fräulein."„ „Um meinetwillen?— Das ist unmöglich' � �eiw „Nun, ich will mich deutlicher erklären!— 10 nidjt gerade sehr gefährlich sein. Die Behörden werden sämmt- Iiche Schriften wieder zurückgeben müssen— das ist das Ende von dem bestimmten und energischen Einschreiten der Gothaer Polizei. Als der verstorbene Dr. Löwc-Ealbe mehr und mehr von seiner oppofitionellen Haltung zurückkam und endlich gar gem gesehener Tischgast Bismarck's wurde, richtete der -Lichter Moritz tzartmann folgendes zürnende Spottgedicht an chn: »Du hast Dich schlecht geraucht, mein Präsident— Zwar, reiner Meerschaum bist Du nie gewesen; Doch schwammst Tu oben auf im Parlament, Und an Dich glaubten, die Dich auserlesen. Jetzt bist Du alt, zu müd', um Dich zu schlagen, Berliner Klugheit macht Dich zum Philister; Man muß doch etwas thun in alten Tagen— — Zum Teufel auch, ich speise beim Minister! Ihr nehmt Euch trefflich aus, Du und der Twesten! Lnsel'ger, sieh' Dich um, wer speiset mit? Auch Wagener gehört zu Bismarck's Gästen! Kannst Du noch schlucken? Guten Appetit! Er lächelt Kreuz. Daß Du zu Kreuz gekrochen, Das sagt ihr lächelnd Kreuzzeitungsgeflüster. Tu kommst zu spät, Du kriegst nur noch die Knochen— — Zum Teufel auch, ich speise beim Minister! Du bist der Hund der Fabel: erst vertheidigt, Dann mit den andern von den Knochen frißt er; Dich hat wie ihn der lange Kampf geschmcidigt— ,— Zum Teufel auch, ich iveise beim Minister!" ,o>.ööwe's Bruch mit der Fortschrittspartei erfolgte im Jahre m t i i Abstimmung über das erste Scptennat; er trat hül, Q oin Dutzend Genossen aus der Fraktion aus und niii I mit denselben eine besondere Gruppe, die sich aber wcyl behauptete. Während Bergcr, der hervorragendste Ab- Geordnete derselben, sich die Freiheit des Handels be- .-hrt- und in politischen Fragen seiner Vergangenheit im* verleugnete Löwe dieselbe mehr und mehr "n0 zog nur die Konsequenzen seiner Wandlungen, als S ovdlich den verheidelbergerten Nationalliberalen beitrat. j-0 streng man immer den Politiker deswegen beurtheilen M- eine andere Wandlung warf einen ungleich tieferen schatten auf seinen Namen. Ueberzeugter Freihändler, eifrigster "gttator gegen das System der indirekten Steuern, schlug er Jahre 1879 plötzlich in das andere Extreni um und stimmte sur den Zolltarif und die neuen Verbrauchssteuern. Nicht jaos in den Kouloirs des Reichstags raunte man sich ins Ohr, l>i verkündete es laut von der Tribüne: hier hat das Amt vie Meinung bestimmt, die hochbesoldete Stelle eines V e r- l t u n g s r a t h e s der Diskontogesellschaft, die 2,% unmittelbar vorher erhalten hatte, denn jene Gesellschaft, svklchc die„Dortmunder Union" besaß, war bei dem Zolltarif Mvorragend interessirt. Da waren es also nicht blos„die unochen' gewesen, die dem Abgeordneten für Bochum zugefallen Mren. Seitdem war erpolitisch und parlamentarisch ein todter -nmnn; wie er auch den„Brustton der Ucberzeuaung", auf den % sich meisterhaft verstand, anschlagen mochte, der Glaube an chn war dahin und wie eine Nemesis mag es gelten, daß der Me, auch körperlich gebrochene Mann, bei den„Heidelberger Nandalirfüchsen" Unterschlupf suchen mußte. Keine Entrüstung Gab sich kund, als der alte Ächtundvierziger im Dezember 1883 Gegen den Antrag Stern auf Einführung der geheimen Ab- siiinmung bei den Landtags- und Kommunalwahlen, als er im »ebruar 1885 für die„Position Schweninger" stimmte; man Mckte fast mitleidig die Achseln über den unseligen Mann, mit "etn es so weit gekommen war. jo Eine Erklärung des Abgeordneten Wollmar. Im LMuck auf Andeutungen liberaler Zettungen, daß die Sozialdemokraten geneigt wären, bei den Landtags- Schjch ein Kompromiß mit den Liberalen einzu- min*. ttHärt Reichstagsäbgeordnetcr von Wollmar in den .emJSjchtt„Neuesten Nachrichten", daß sich die Sozial- allen an den Wahlen nur als selbstständige, von �«den m Parteien getrennt handelnde Partei betheiligen schri.��Herrn Jens Ehristensen erhalten wir folgende Zu- Gea". Plauen i. V-, Strafgefängniß, den 1. November 1886. ein? läuft, wie mir verschiedene Zusendungen beweisen, obsicla: 5 durch die Blätter, nach welcher ich eventuell be- futfifn eV0",»"r ein„sicheres Asyl" in der Schweiz zu wolle« bitte Sie freundlichst, dem gegenüber erklären zu d e n%- Qsi ich nicht daran denke, meinen Fein- ' t a.„v e'.e Freude zu bereiten. Solange als es ,nj..wie möglich, bleibe ich in Teutschland; und sollte cv.* v v4v ivv IU/ UV-<�vut|u;*v4itv) wvvv in em"nmal nich t mehr möglich sein, dann ge�e ith nicht s,....... namlich�hnstensen __ bereits begonnen. Am Trun? v."ste Ausweisungsordre zugestellt worden, die auf _°es§ 22 des Sozialistengesetzes gegen ihn erlassen ist. Jen�wll�eres Asyl", sondern auf einen neuen Kampfplatz. a»� Ehristensen.— Ucbrigens haben neue Maßrca-l""---'- 2. d. ... �ten' da ich das Gut auf die fernere Mit- Herrn Holmfeld, zu iu t' w" ny oas vsui in völlig veränderter Weife Nabe I�Bchasten gedenke. Nun liegt es allerdings sehr wünscht �'e au� k�uerhin in seiner Nähe zu bleiben brack.".?" befinden sich im Jrrthum, Herr Baron," unter- ihren(rlT �isbeth rasch, während sich die Gluth auf vienwa noch tiefer färbte.„Eine derartige Absicht ist lich worden und kann für meinen Bruder sicker- wir.'vvßgcbend gewesen sein. So viel ich weiß, werden v m die Hauptstadt begeben." "Nein wert �°imfeld wird Sie nicht begleiten?" väinli'�?"*ann es nur eine einzige Möglichkeit geben, von w' daß Ihr Bruder oder auch vielleicht Verlobter Nähe etwas für Sie befürchtet." Herr Baron!" vieren"n f,ne solche Befürchtung würde vielleicht unter siewest», erhältnissen nicht ohne eine gewisie Berechtigung d>ie wn». l~~ Sie müssen es ja längst errathen haben, Asbeih �ef meine Verehrung für Sie ist, Fräulein Brntzl'�siatten Sie mir jetzt, daß ich mich nach meinem umsehe, Herr Baron 1" Sie Tni*'"''•— Nur wenige Augenblicke noch müssen wir iU k,?.."ld>9 anhören!— Was haben Sie denn von ■a hierb«. t6"* �rade um Sie zu beruhigen, bin ich 'ch von-ra sivkommen!— Ich weiß wohl, wie wenig herein hoffen habe, und ich habe mich von vorn- oberen«mMh� müssen, Sie an der Seite eines entfernt Ä�en zu sehen. Darum bin ich weit da- sollen!-yl hne* em Hinderniß in den Weg legen zu «netn meiner Bekannten eine anae- verschaffen, werde ihn nach Möglichkeit Das in mehrfacher Hinsicht interessante Schriftstück hat folgen- den Wortlaut: An den Schriftsteller Jens L. Christcnsen, zur Zeit in der hiesigen Frohnseste inhaftirt.— Seitens der königlichen Kreishauptmannschaft zu Zwickau als Landespolizei- behörde ist mit Rücksicht darauf, daß Sie vom hiesigen könig- lichen Landgericht wegen Vergehens gegen§ 19 des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 zu drei Monaten Gefängniß rechtskräftig verurtheilt worden sind und auch wider Sie ae- mäß§ 22 des angezogenen Gesetzes auf Zulässigkeit der Em- schränkung des Aufenthaltes erkannt worden, ist auf Gmnd von§ 22 Abs. 2 desselben Gesetzes beschlossen worden, Ihnen den Aufenthalt im Regierungsbezirk Zwickau zu versagen. Sie werden erhaltenem Auftrage zufolge hiermit von diesem Beschlüsse in Kenntniß gesetzt und gleich- zeitig aufgefordert, binnen 48 Stunden nach Ihrer am 15. Dezember er. erfolgenden Entlassung den Regierungsbezirk Zwickau zu verlassen und nicht wieder dorthin zurückzukehren. (Folgt Strafandrohung für den Fall der unerlaubten Rück- kchr.) Plauen. I.November 1886. Der Stadtrath. gez. Schurig, Stadtrath. Nochmals die Erimmitschauer Freidenkergemeinde. Die„Leipz. Ztg.", das sächsische Regierungsblatt, erfährt aus Crimmitschau:„In einer im Juli d. I. abgehaltenen Ver- sammlung von Anhängern einer freien religiösen Anschaiung wurde die Gründung einer Freidenkergemeinde beschlossen. Die Seele dieser zu gründenden Gemeinde bildete der später aus hiesiger Stadt und dem Känigreich Sachsen ausgewiesene sozialdemokratische Agitator Stuhlarbeiter Anton Behr aus Böhmen, und da somit von dieser Freidenkergemeinde anzu- nehmen war, daß sie sozialistischen Zwecken dienen würde, so verbot der hiesige Stadttath den neuen Verein. Wie Behr gegen seine Ausweisung, so erhoben auch die Gründer der Freidenkergemeinde gegen den stadträtblichen Beschluß Rekurs bei der Kreisbauptmannschaft und, als dieser verworfen wurde, bei dem Ministerium des Innern. Doch auch hiermit hatten die Herren Sozialistm keinen Erfolg, denn in diesen Tagen hat das Ministerium des Innern das Verbot des hiesigen Stadttaths einfach bestätigt, und damit ist die Gründung einer Freidenkergemeinde für unfern Ort ein frommer Wunsch ge- blieben."— Man muß vor dem„freien Denken" doch rechte Furcht in Sachsen haben. Haussuchung. Velten, 2. November. Hier fand nach der „Voss. Ztg." m den letzten Tagen bei dem Töpfer Wattig eine mehrstündige Haussuchung statt. Man fand vier Exemplare der Ztr. 41 des Züricher„Sozialdemokrat", einen Pack Bons„Für die Familien der Ausgewiesenen" und einige Rechnungsbeläge. An der Haussuchung betheiligten sich der Amtsvorsteher, der Friedensttchter, der Gendarm und ein Gemeindediener. Velten, das 1884 eine einzige Stimme auf den sozialdemokratischen Reichstagskandidaten vereinigte, ist jetzt zu einem großen Theil sozialistisch. Der vorjähttge Töpferstteik macht viel von sich sprechen. Organisitt wurde die Veltener Sozialdemokratie von Berlin aus, namentlich war es Herr Görcki, der Vereine u. s. w. ins Leben ttef. Die bekannte Frankfurter Friedhofsaffäre wird dieser Tage ein Nachspiel vor dem Zivilgettcht haben. Da Kommissar Meyer sich nämlich weigert, die von mehreren bei der Affäre Verletzten geforderte Entschädigung für Arbeitsverlust infolge der Mißhandlung, zerrissene Kleider ic. zu zahlen, so ist er des- halb bei Gcttcht verklagt worden. Ein erster Termin steht auf den 10. November an. Die Biersteuervorlage, welche der Magistrat von Nord- hausen den Stadtverordneten gemacht hat, ist verständiger- weise mit 30 gegen 6 Stimmen abgelehnt worden. Dies ist deshalb mit Freuden zu begrüßen, weil in vielen an- deren Städten und Otten gerade in letzter Zeit durch Bier- besteuerung der Verfuselung des Volkes Vorschub geleistet worden ist. Vor allen Dingen aber sollten die Leute, welche dem Volke das Bier vettheucrn, den Mund halten, wenn von den verderblichen Folgen des Schnapsgenusses die Rede ist.— Die Nordhäuser Stadtverordneten haben dies sicherlich auch bei ihrem Beschlüsse gefühlt. Oesterreich-U«g arn. Auf Grund der Verordnung des Gesammt-Ministeriums vom 30. Januar 1884 wurden im vorigen Monate von der Wiener Polizeidircktion wegen Gefährlichkeit für die öffentliche Ordnung der Maurergehilfe Wenzel Kocourek, auch Kozorek sich nennend, zu Chramost, Bezirk Selcan in Böhmen, gebürtig, 33 Jahre alt, und der Schuhmachergehilfe Mathias Raba, zu Witthsdott, Bezirk Strakonitz in Böhmen, gebürtig, 28 Jahre alt, Beide als Anhänger der A n a r ch i st e n p a r t c i aus dem Geltungsgebiete der oben zititten Ministettal-Verordnung„ab- geschoben." Schweix. Zum deutschen Handelsvertrags mit der Schweiz führt die„Köln. Ztg." in einem Lettattikcl aus, daß die in Berlin begonnenen Verhandlungen wenig aussichts- voll sind, denn Deutschland müsse m erster Linie Rücksicht nch- men auf Oesterreich, Frankreich, Großbritannien, Italien, ja sechst auf Rußland. Die Möglichkeit, mit Rußland in ein Wäre es da wittlich zu viel verlangt, wenn ich Sie bäte, ihn zum Hierbleiben zu veranlassen?" „Aber dazu würde mein Einfluß auf ihn nicht aus- reichen! Und ich glaube auch nicht, daß er sich entschlösse, hier zu bleiben ohne mich." „Aber davon darf ja natürlich nicht die Rede sein!— Sie müssen den Gedanken, fottzugehen, ebenfalls aufgeben!" Mit seiner Verftellungskunst war es zu Ende, und der flammende Blick, welcher die letzten Motte begleitet hatte, entfernte Elsbeth's Zweifel über die wahren Beweggttinde seines Handelns. „Das ist unmöglich!" sagte sie kalt.„Ich gehe unter allen Umständen." „Und warum wollen Sie das thun?" fuhr er auf. „Sagen Sie es doch offen heraus! Weil Sie sich vor mir fürchten!— Weil ich zu ehrlich gewesen bin, um meine Liebe vor Ihnen zu verbergen, und weil Sie nicht glauben können, daß die Liebe eines Mannes in meinem Alter und in meiner Lebensstellung auch eine edle und uneigennützige sein kann?— Sie antworten nicht?— Sie können mir nicht widersprechen!— Oder," fuhr er mit leiserer Stimme und näher auf sie zutretend, Ifort,„oder sollte mich die Ahnung nicht täuschen, die sich immer und immer wieder in mir regen will?— Wollen Sie nicht nur von mir, sondern auch vor sich selber fliehen?— Wollen Sie gehen weil Sie im Grunde Ihres Herzens doch etwas für mich empfinden—?" � "Wttl Ihnen' Ihr Gefühl sagt daß Sie es lernen % x* �'"'1, f'"', da'ß Si- nicht glücklich werden können an seiner Seite?— A 4 W, wirst es nicht thun, Elsbeth. denn Du kannst denn n� däß'mich R�Li�e" zu�Tir dem Wahnsinn nahe um Vettragsverhältniß zu treten, nöthige dem Deutschen Reich eine außerordentliche Vorsicht auf. Vor den Verhandlungen mit Rußland werde Deutschland gerade einen Tauschgegenstand nicht leicht aus der Hand geben können, auf den die Schweiz es ebenfalls abgesehen hat, nämlich die V i e h z ö l l e. Das Meistbegünstigungsverhältniß nöthige Deutschland, alle Zu- qeständnisse an die Schweiz auch den anderen Staaten ohne Weiteres zu gewähren. Im Uebttgen sucht der Artikel den Schweizern vorzustellen, daß der Rückgang ihrer Uhrenindusttie und ihrer Käserei, sowie ihrer Viehausfuhr nicht in den deut- scheu Zollverhältnissen seinen Gnmd habe. Letzteres ist theil- weise richtig, aber nicht minder ttchtig ist es, daß die Erhöhung der Uhrenzölle, der Käsezölle und der Vichzölle durch die deutschen Zolltarife auf den Absatz der Schweiz nach Deutsch- land nachtheilia eingewirkt habt. Am wenigsten beweist da- gegen etwas die starke Uhreneinfuhr, welche aus der Schweiz nach Deutschland unmittelbar vor dem Inkrafttreten der neuen Uhrenzölle im ersten halben Jahre 1885 erfolgt ist. Der deutsche Arbeiterverein in Genf hat die Frage der intemationalen Organisation der Arbeiterpartei be- rathen und ist dabei zu folgenden Beschlüssen gekommen: die Beschickung des von den englischen Arbeitern geplanten inter- nationalen Arbeiterkongreffes von Seite der deutschen Sozial- demokratie ist zu empfehlen. Kelgie». Am Tage der feierlichen Kammereröffnung beabsichtigen die Arbeiter eine große Demonstration vor der Kammer; 500 Arbeiterinnen werden an diesem Tage dem Kammerpräsidenten eine Petition um Amnestie überreichen. Die Königin schlug das Gesuch ab, Damen aus Charleroi in Angelegenheit der Amnestie eine Audienz zu gewähren. Die Regierung tttfft um- fassende Maßregeln, um am Tage der Kammereröffnung die Ruhe aufrecht zu erhalten. Grostvritanttie«. Daß die S ch u tz z o l l b c w e g u n g in England durchaus nicht schwach ist, eraiebt folgender Fall. In der Vierteljahrs- sitzung der Handelskammer von Manchester unterbreiteten die Schutzzöllner der Kammer folgenden Beschluß:„Nachdem mehr als 40 Jahre vergeblich darauf gewartet worden ist, daß andere Nationen dem Beispiele Englands folgen und den Frei- Handel einführen würden, glaubt diese Kammer, daß jetzt die Zeit erschienen sei, Englands Stellung nochmals zu erwägen." Nach langer Erörterung wurde der Beschluß mit nur 22 gegen 21 Stimmen verworfen. Der Radikale Laboucherc schlägt folgendes Programm für den fortgeschrittenen Liberalismus vor: Homerule für Irland, ferner eine Veränderung des Agrarrechts, welche den Ottsgemcinden das E n t e i g u n g s r c ch t von Grundstücken zur Seßhaftmachung der arbeitenden Bevölkerung gewährt; Abschaffung der bestehenden Jagdgesetze(welche dem Groß- arundbesitzcr das Jagdrecht über alle Pachtungen vorbehalten); Entstantlichuiig der anglikanischen Kirche und Verwendung des bedeutenden Vermögens derselben nach Absindung der gegen- wärtigcn Pfründeninhaber zu Unterrichtszwccken; Beseitigung der erblichen Pairschaft aus der Gesetzgebung: örtliche Selbstverwaltung, beruhend auf dem gleichen Recht jedes Gemeindesteuerzahlers zur Theilnahme an den Wahlen, Sparsamkeit in der Verwaltung, Unentgeltlichkeit des Unterrichts, Nichteinmischung in kontinentale Streitig« ketten, Zurückziehung der englischen Truppen aus Egypten. Am 1. November fanden in ganz England, mit Ausnahme von London, die jährlichen Gemeinderathswahlen statt, die zuweilen die jeweilige politische Strömung erkennen lassen. Diesmal hatten sie nur in wenigen Fällen politische Bedeutung; wo indeß politische Einflüsse zur Geltung gelang- ten, erhielten meistens die Konservativen das Uebergewicht. Am erfolgreichsten waren diese in Liverpool, wo ihnen fünf Sitze zunelcn; in Huddcrsficld, wo sie ebenfalls fünf Sitze gewannen; ferner in Exeter, Blackpool, Birmingham, Bolton u. s. w. Die Liberalen errangen Erfolge in Wakefield, Nork, Accrtngton, Dudley, Leeds, Sheffield und vielen anderen Orten. Kl» Ulm» tander. Wie ein Privattclcpramm der„Voss. Ztg." aus Wien meldet, haben sich sämmtliche P i z e k o n s u I n der verschiedenen Generalkonsulate in Sofia, mit Ausnahme des russischen,. nach T i r n o w a begeben. Ueber die Absichten der S o b r a n j e erfährt man, daß sie an den Fürsten Alcrander eine Dankadresse richten wird, worin zugleich das tiefste Be- dauern über die Wendung, welche die Ereignisse genommen, ausgesprochen wird. An seine Wiederwahl denkt die Sobranje jedoch nicht, wird vielmehr nach schleuniger Beendigung der Wahlprüfungen einen anderen Fürsten wählen. Vielfach wird der Name des Prinzen Waldemar von Dänemark genannt. Ein zweites Telegramm berichtet aus Belgrad, daß die Türkei noch immer mehr Truppen an die bulgarische Grenze sendet. Tie Nachricht ist durchaus nicht beruhigend.. Hätte sich die Pforte zum Exekutor der russischen Wünsche her- geben wollen, so genügte die schon seit drei Wochen um Adrianopel zusammengezogene Armee vollständig. Eine solche bringt, daß ich zu Grunde gehen muß, wenn Du mich nicht erhörst? Da liege ich vor Dir auf den Knieen und ich flehe Dich an—" Er kam nicht weiter; denn als Elsbeth sah, daß eS unmöglich war, ihre Hände aus seiner krampfhaften Um- schlingung zu ziehen, stieß sie einen lauten Schrei aus, und fast in demselben Augenblick wurde die Thür des Zimmer? vo» draußen aufgerissen; eine kräftige Faust packte den ent- fetzt emporgefahrenen Curt an der Brust und schleuderte ihn mit gewaltigem Stoße bis an die gegenüberliegende Wand zurück. (Fortsetzung folgt.) Ans Kunst und Leben. Die freiwillig Hnnaerleidenden. Die Italiener Succi, der dreißig Tage, und Merlatti, der sogar vierzig Tag aus« hält, ohne Nahrung zu sich zu nehmen, befinden sich derzeit in Paris. Das„Hotel du Louvre" hat Merlatti eine elegante Wohnung angeboten, die er gestern mit seinen Wächtem bezog. Am fünften Tage seines freiwilligen Fastens war er lusttg und guter Dinge; nur schien der Wohnungswechsel oder, wie er be- hauptete, die Veränderung des Trinkwassers ihn etwas aufge- regt zu haben. Andererseits ist seinem Konkurrenten Succi von seinem Hausbesitzer die Wohnung gekündigt worden, weil, wie er meinte, die zahlreichen Besucher die Treppe beschä- digten. Der höchste Thurm. Die amerikanische Stadt Philo« delphia hat den Ehrgeiz, den höchsten Thurm der Welt be- sitzen zu wollen. DaS dort im Bau begriffene großartige und splendid ausgestattete Stadthaus soll einen Thurm erhalten, welcher über alle Bauwerke der Erde hinausragt. Seine Höhe ist auf 537 Fuß festgesetzt, er wird also noch 27 Fuß höher als der Kölner Dom, und somit bis zur Fertigstellung des für Paris geplanten 1000 Fuß hohen Beleuchtungsthurmes in der That das höchste Bauwerk der Welt. Die Spitze des Thurmes wird die 36 Fuß hohe BronzestatueiWilliam Penn's, des Grün- ders der Stadt, zieren. Das neue Stadthaus, zu welchem 1872 der Grundstein gelegt worden ist, und welches in nicht zu ferner Zeit vollendet sein wird, kostet übrigens der Stadt die Riesen- summe von 20 Millionen Dollars. Politik widerspricht aber so vollständig den bisherigen Gepflogenheiten der türkischen Staatsmänner, daß man den Einmarsch in Bulgarien sehen muß, um daran zu glauben. Die„Times" bestätigt, daß Kaulbars mit dem Vom- bardement Warnas gedroht hat. Er hat allen drei Regcntschaftsmitgliedern angezeigt, daß, sobald einer Aus- schiffung von Truppen Widerstand entgegengesetzt werde, die Stadt boinbardirt werde. Als Karawelow ihn fragte, wie viele Mannschaften wahrscheinlich gelandet würden, antwortete er: „So viel wie deni Zaren gefällt."— Die Unterwerfung der Regierung unter den Willen Rußlands in der Freilassungs- frage hat in der Armee einen schlechten Eindruck gemacht; man fleht darin die Ankündigung des Rücktritts der Regentschaft. Von den Deputirten hatten sich 450 eingefunden, davon waren nur 78 Zankowisten. Asien. Der alte Erbfehler der Engländer: den Gegner zu unterschätzen, rächt sich auch in dem ehemaligen Königreiche Birma, das jüngst erst anncktirt und den englischen Be- sitzungen in Indien zugefügt wurde, in sehr empfindlicher Weise. Dem„Reuter'scken Bureau" wird aus Rangoon gemeldet, daß die Stadt Minhla am Jrawaddi in der vergangenen Nacht von etwa 900 Aufständischen angegriffen und vollständig zer- stört worden sei. Af rika. Der englische Staatssekretär der Kolonien, Lord Stan- Hope, empfing am Mittwoch eine Deputation, welche um die Annexion von Zululand bat. Lord Stanhope er- widerte der Deputation, es sei zwischen dem Gouvemeur Ha- velock von Natal und den Boers eine Vereinbarung getroffen worden, wonach England über den östlichen Theil von Zulu- land, welcher den Zulus vorbehalten bleibe, die Schutzherrschaft übernehmen und die neue Boerenrepublik den westlichen Theil von Zululand behalten werde. In Folge von Instruktionen der Pforte hat der türkische Botschafter in London, Rüstern Pascha, seine Vorstellungen bei dem Staatssekretär des Auswärtigen, Jddesleigh, bezüglich Egyptens eingestellt und wird den Gegenstand nicht wester erwähnen. Amerika. Trotz der vorausgegangenen außerordentlich lebhaften Wahl- beweaung ist, wenn die heute vorliegenden Zahlen richtig� sind, die Betheiligung an der Wahl Des Bürgermeisters von N ew- N o rk diesmal geringer gewesen als vor zwei Jahren. Dies erklärt sich daraus, daß am 4. November 1884 diese Wahl gleichzeitig mit der Präsidentenwahl stattfand, zu welcher erfahrungsmäßig in den Vereinigten Staaten der Zu- drang zu den Wahlurnen am stärksten ist. Hewitt, der Knn- didat der demokratischen Partei, hat vorgestern 90 296, der Ärbeitcrkandidat George 67 699 und Roosevelt, der republi- kanische Kandiat, 60 392 Stimmen erhalten. Einige Tausend Stimmen werden sich zersplittert haben. Somit haben sich ins- gesammt 218 387 Stimmen auf die drei Hauptkandidatcn ver- einigt, oder um 7678 weniger als vor zwei Jahren. Der repu- blikanische Kandidat hat vorgestern über 16000 Stimmen mehr erhalten als 1884. Bei den S t a a t s w a h l e n, die an demselben Tage m 35 Staaten der Union stattgefunden haben, siegten die Repu- blikaner in Nevada, Massachusetts, Wisconsin, Pennsylvania, Illinois, Iowa, Michigan, Kansas und Ohio, während die Demokraten in Arkansas, Alabania, Florida, Georgia, Mississippi, Kentucky, Missouri, Maryland, Tennessee, Nord- und Süd- Karolina und Texas die Oberhand haben. In New-Jersey war die Wahl sehr schwankend; wahrscheinlich ist dieselbe zu Gunsten der Demokraten ausgefallen- Connecticut und New- Hampshire erwählten republikanische Legislaturen; die Gouverneurswahlen blieben jedoch erfolglos, da in beiden Staaten drei Kandidaten waren, von denen keiner die nothwendige Stimmcnzahl erhielt. In Kaliformen und Indiana scheint der Sieg den Republikanern gewiß zu sein. In Chikago und Milwaukee, wo das Arbeiterelemcnt stark ver- treten ist, sind Arbeiter-Kandidaten erwählt worden. Das Gesammtergebniß der Wahlen scheint sich so zu stellen, daß die demokratische Majorstät im Kongreß sehr verringert ist. Chikago, 1. November. 6000 Rindsschlächter, m Diensten der Firmen Swift und Nelson Morris, begannen heute «inen Streik gegen den zehnstündigen Arbeitstag. Anstralien. Die mit der neuesten Post eingettoffenen australischen Zei- tungen enthalten lange Berichte über die trostlosen Aussichten in den Goldfeldern von Kimberley. Gold wird dort nur in sehr unbedeutenden Quantitäten gefunden und die Gold- Scäber kehren dem Felde schwer enttäuscht den Rücken, nachdem e ihr ganzes mitgebrachtes Baarvermögen und alle ihre Habe zugesetzt. Dabei grasfiren in den Goldfeldern allerlei Krank- hesten. Der Korrespondent des„Sydney Morning Herald", der am 16. Juli in MPhee's Creek, dem Haupllager in den Goldfeldern von Kimberley ankam, berichtet seinem Blatte wie folgt:„Die Goldfelder haben sich als ein riesiges Fiasko er- wiesen. Es giebt in dem Lande nicht hinreichenden Alluvial- bodcn, um 100 Mann Rationen zu geben." Soziales und Arbeiterbewegung. Die amerikanischen Arbeiter haben zwei große Erfolge zu verzeichnen. In Chikago und Milwaukce Häven bei den Staatswahlen ihre Kandidaten den Sieg errungen.(Vergl. Amerika.) Oesterreich hat jetzt 15 Gewerbe-Inspektoren, und zivar folgende: M- Kulka(Wien), F. Muhl(Wiener-Neustadt), Regierungsrath A. Schromm(Linz), Dr. V. Pogatschnigg (Graz), kaiserlicher Rath E- Leonhardt(Klagenfurt), O. Polley (Trieft), E. Rziha(Innsbruck), W. Weber(Prag), I. Malek (Reichenberg), A. Tuda(Pilsen), E. Feyerfeil(Budweis), I. Czerweny(Brünn), F. Klein(Olmütz), Ä. Menzel(Troppau), Ä. Nawratil(Lemberg). Zentralinspektor ist bekanntlich Hofrath Dr. Migerka. Arbeitszeit in Belgien. In der letzten Sitzung des Ausschusses zur Prüfung der belgischen Arbeiterfrage wurde folgendes Ergebniß über oie Arbeitszeit im Jahre 1880 vorgetragen: in der belgischen Industrie, mit Ausnahme der Berg- werke, waren Erwachsene täglich beschäftigt: weniger als 8 Stunden 2729, 8 Stunden 4212, 9 Stunden 3467, 10 Stunden 106 098, 11 Stunden 41 852, 12 Stunden 117 562 und mehr als 12 Stunden 13 931. Nahezu die Hälfte aller Arb eiter arbeitet also 12 Stunden und mehr. Lehnt die„Nordd. Allgem. Ztg." auch unter solchen Umständen eine gesetzliche Beschränkung der Arbeitszeit ab? Und wie wäre es, wenn wir in Teutschland einmal eine ähn- liche Enquete veranstalteten? t~„ Für eingehendere Statistiken über das Arbeiterleben, als sie die dürftigen, nur Bruchstücke liefernden, Fabrik- inspektoren berichte bieten, tritt die„Fr. Ztg." ein. Sie schreibt:„Eine soziale Statistik der Arbeiter ist mindestens ebenso wichtig, als eine Statistik. des Handelsverkehrs, d- h. des Tauschs der von diesen Arbeitern erzeugten Produkte. Einem solchen Detaststudium der wirthschaftlichen Lage der arbeiten- den Klassen kann sich nur der widersetzen, welcher von demselben böse Enthüllungen von Noth und Elend befürchtet und des- halb icher gewisse dunkle Seiten des modernen Lebens am liebsten den Schleier des Nichtwissens uud Nichtwisscnwollens gebreitet sehen möchte. Wer die wirthschaftlicbc Lage der arbeitenden Klassen wirklich zu bessern gewillt ist, kann die Forderung nicht abschlagen, diese Lage in allen Beziehungen eingchendst klar gelegt zu sehen. Es wirft auf unsere offizielle „Sozialpolitik" ein eigenthümliches Licht, daß sie, anstatt solchem Verlangen mit offenen Armen entgegenzukommen, die Zahl der zu dieser Arbeit nothwendigen Organe zu vermehren, sich weigert, und sechst die wenigen Mittheilmwen der jetzigen Berichte nur noch flltrirt verönentlichen will. Sollte man denn doch in jenen Kreisen zu schlimme Ueberraschungen von der nackten Wahrheit fürchten, sollte nian wohl ahnen, daß dadurch gar manche Forderungen der Arbeiter in Bezug auf ihre Lohnverhältnisse in ganz anderem Lichte erscheinen würden, als heute, wo man dieseche in süßem Nichtwissen- wollen von vomherein als indiskutabel von der Hand weist? Sollte man auch befürchten, daß dabei zu grelle Streiflichter fielen auf die wirthschaftlichen Rückwirkungen einer nerösen Politik gewaltsamer Zollexpcrimentc in die Lebensbedingungen der- jenigen Klassen, deren„Schutz" man beständig im Munde führt? Wenn man sich in diesen Punkten sicher fühlte, so läge gewiß kein Grund vor, der Klarleguna der sozialen Verhältnisse in der gewünschten Weise aus dem Weg zu gehen. Ziehen wir aber aus dem vorliegenden unvollkommenen Material die Summe, so müssen wir sagen: die Folgen einer auf die Dauer unhaltbaren Produktionsweise verleihen dem modernen In- dusttiealismus einen unablässig zwischen spekulativer Gründer- xeriode und schwerer Krise hin- und hettaumelndcn Charakter. Und dessen Rückwirkung auf den Arbeiter? Entweder auf- rechende Ueberansttengung bei unbeschränkter Arbeitsdauer in den„guten" Zeiten, oder Arbeitslosigkeit und Hungerlöhne in den Krisen. Aus diesem Dilemma wird ohne durchgreifende Aenderungen der Produktionsweise in einer späteren Zukunft nicht herauszukommen sein; aber diese unheilvollen Schwan- kungen können und müssen wenigstens vorläufig in ihrer Größe etwas weniger einschneidend gemacht werden durch entsprechende gesetzliche Schranken: eine obere Schranke der Arbeitsdauer, den Maximalarbeitstag, und eine untere Schranke des Arbestsver- dienstcs, den Minimallohn." Die Krankheiten des Eisenbahnbersonals. Die zahl- reichen Eisenbahnunfälle der letzten Zeit haben wieder die Nothwcndigkeit einer eingehenden Erkrankungsstatistik des Eisen- bahnpersonals im Deutschen Reiche erkennen lassen. Auf der letzten Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte(in der Sektion für Ohrenheilkunde) wurde hervorgehoben, daß bei der Häufigkeit des Vorkommens von Ohrenaffektionen und der Wichtigkest der akustischen Signale für den Eisenbahndienst die Annahme gewiß gerechtfertigt sei, daß eine Reihe von Bahnunfällen nicht durch Nachlässigkeit, sondern durch mangel- Haftes Gehör des Beamtcnpcrsonals verursacht werden. Dr. Lichtcnberg-Budapcst hat 250 Eiscnbahnbedicnstete auf das Verhalten ihrer Gehörorgane untersucht und darunter bei 92, also 36,8 p Ct. Ohrenerkrankungen gefunden. Leider fehlt es aber noch immer an einer vollständigen Erkrankungs- statistik des Eiscnbahnpersonals im Deutschen Reich. Bereits ,m Jahre 1877 fand im Reichsgesundhcitsamt unter Bcthcili- gung von Telegirten des Reichseisenbahnamtes und des Ver- eins deutscher Eisenbahnverwnltungen eine Konferenz von Eisen- bahnärzten und Vcnvaltungsdelegittcn der Berliner Eisenbahn- direktioncn statt, um einheitliche Grundsätze für eine rationelle Erhebung über die Erkrankungsverhältnisse der Eisenbahn- beamten festzustellen. Alsdann erklärten sich 34 deutsche Bahn- venvaltiinaen bereit, die zur Herstellung der Erkrankungs- statistik erforderlichen Erhebungen zu veranstalten und bereits für das Jahr 1879 das Material an Zählblättchen dem Reichs- gesundheitsamte, welches sich zur Bearbeitung der Statistik er- boten hatte, einzuliefern. Durch Schreiben vom 30. Oktober 1880 erklärte sich aber das Reichsgesundheitsaint wegen Mangels an geeigneten Arbeitskräften außer Stande, die schon begonnene Bearbeitung des Materials fortzusetzen. Dies veranlasste den Verein deutscher Eisenbahnvcrwaltungen, sich der Sache anzu- nehmen und die Arbeit dem Dr. I. Petersen(Berlin) zu über- tragen. Eine vollständige Erkrankungsstatistik giebt es aber noch immer nicht. Aus dem Verwaltungsbericht des bergischen Gruben- und Hüttenvereins geben wir folgende Taten:„Die Jahres- Produktion betrug bei einer Leistungsfähigkeit von 48000 Tonnen nur 18 954 Tonnen und sank gegen das Vorjahr mit 34 455 Tonnen um 45 pCt., oer Absatz sank ebenfalls um 45 pCt., indem 19202 Tonnen gegen 35 175 Tonnen verkauft wurden.— Unfälle im Bettiebe von irgend welcher Bedeutung kamen nicht vor.— Tie durch die Verhaltnisse dringend gebotene Lohnreduktion und Ermäßigung der Beamtenachälter konnte ohne Schwierig- keit durchgeführt werden.— Die Zahl der beschäftigten Ar- beitcr betrug 130 Mann gegen 200 im Vorfahre".— Glückliches Land, welches solchen„witthschaftlichen Ausschwung" aus- zuweisen hat! Permi schtes. Gin orientalischer Zwerg, über dessen Vergangenheit Pariser Blätter kürzlich allerlei Abenteuerliches zu berichten, wußten, Abdul Rahman Ismail, ein geborener Türke, ist in Berlin eingcttcffen. Durch einen Zufall lernte ein türkischer Würdenträger den kleinen Abdul, als er etwa das 30. Jahr erreicht hatte, jetzt ist er 52 Jahr alt, kennen und veranlasste sehr bald darauf eine Vorstellung vor Sultan Abdul Azis. Letzterer ernannte den Zwerg zunächst zu seinem Hofnarren, dann aber zum Pascha. Fast volle 15 Jahre hatte Abdul seine Stellung am türkischen Hofe inne, der erst ein jähes Ende be- reitet wurde, als der Sultan seinen Tod fand. Der neue Sultan wollte den Günstling seines Vorgängers nicht um sich dulden und machte ihn dem Schah von Perfien zum„Ge- schenk". Durch eine Unvorsichtigkeit fiel Abdul Rahmann hier in Ungnade und entging nur durch rechtzeitige Flucht dem Ge- fängniss. Auf der Flucht nach St. Petersburg lernte er einen Europäer, den ihn zur Zeit begleitenden Herrn Raob, kennen und dieser überredete ihn zu einer Tournee durch Europa. Das erste Ziel war Parts.— Was der Leser von dieser aben- teuerlichen Geschichte, die dem Zwerg bei seiner industriellen Rund- reise mit auf den Weg gegeben wird, glauben will, geben wir ihm anheim. Jetzt zeigt sich der kleine Mann im Panoptikum. Er misst nicht viel über einen Meter und wiegt 48 Pfund, bat einen grossen Vollbart und spricht eine Mischung von Russisch, Persisch, Türkisch und Französisch, die kein Mensch versteht. _ Eine rabiate Schwiegermutter. Budapest, 3. November. In oer Gemeinde Alibunar des Torontaler Komitats gerieth dieser Tage der Diener der dortigen serbischen Schule Sava Mtatov mit seiner Schwiegermutter Kida Tadics in Stteit. Nach einem heftigen Wortwechsel kam es auch zu Thätlich- ketten, welchen die erzürnte Frau ein Ende machte, indem sie emen Revolver von der Wand riß und denselben auf ihren Schwiegersohn abfeuerte. Miatov gab nach einigen Minuten seinen Geist auf. Die Mörderin ihres Schwiegersohnes wurde m Haft genommen. »M« Sachsen von, Einwohnerzahl Tage 3182003. Die am Zähltage ortsanwcsende Gesammt- bevölkemng bestand aus 1 542405 männlichen(97 075 mehr als 1880) und 1 639 598 weiblichen(112 123 mehr) Personen- Städte mit mehr als 10000 Einwohnern gab es 21(1880 nur 19), von denen die drei größten 246086(Dresden), 170 340 (Leipzig) und 110 817(Chemnitz) Einwohner zählten. Unter den Landgemeinden zählten 32 mehr als 5000 Einwohner; die größte derselben war Reudnitz bei Leipzig mit 18 824 Einwohnern, die kleinste Lugau mit 5064 Einwohnem(1884 4281). Die wendische Bevölkerung im Königreich Sachsen hat wiederum nicht unbedeutend abgenommen. So ist namentlich eine ganze Reihe früher rein wendischer Dörfer an der Sprachgrenze, wie die„Bautzen. Nachrichten" melden,„deutsch geworden", Cunncwitz, Lautitz, Grube, Unwürde, Schmölln, Demitz, Thumitz, Jehau, Bembruch und andere. In fünfzehn andern Dörfern, die früher ganz wendisch waren, bilden die Deutschen heute die Mehrheit. Rein wendische giebt es überhaupt nur noch vier- In 110 wendischen Dörfern bilden die Deutschen 20 bis 50 pCt-, in 63 Dörfern 11 bis 20 pCt. und in 81 wendischen Dörfern 1 bis 10 pCt. der Bevölkerung. � Ein kleiner Jrrthum. Daß der französische Mgeordneie Thiers, gewesener Kapitän in der Infanterie, in der mexikanischen Kammer mit großen Ehren empfangen wurde, hat>n Paris viel Befriedigung erregt. Herr Thiers saß auf dcr Galerie des mexikanischen Parlaments, als mehrere Abgeordnete ihn baten, er möge doch zu ihnen herabkommen. Der Präsident hielt an Herrn Thiers eine Ansprache, welche dieser erwiderte, worauf er an der Seite des Präsidenten Platz nahm. Ein tariser Blatt scherzte, indem es meinte, da Kapitän Thiers von tatur ebenso klein sei, wie der ehemalige Präsident drt Republik und„große" Historiker war, so werden ih« dn Mexikaner für seinen„berühmten" Namensbruder haben. Es scheint, daß an dieser Annahme etwas Wahres Mindestens hat ein mexikanisches Blatt, die„Federacion", dicB Jrrthum begangen, denn sie schlecht:„Mr. Thiers, der? rühmte Patriot, der Ex-Prässdent der französischen Repu# der große Historiker, der Senator, der Abgeordnete der gcW gebenden Körperschaft des Landes von Viktor Hugo# Gambetta, hat sc." Vielleicht erfahren wir nächstens ans l>s> „allerletzten Nachrichten" dieses, wie man sieht, ausgezeich»» unterrichteten Blattes, Julius Cäsar sei soeben von einigt römischen Nihilisten ermordet worden. Kleine Mittheilungen. Graudenz, 1. November. Einen verwegenen FluchtMg such machte am 29. v. M. in der hiesigen Strafanstalt?<• Sträfling Ottemba, welcher bis zum 11. Februar 1894 f|"C 9% jährige Zuchthausstrafe zu verbüßen hat. In einem Nebcw räum des zu ebener Erde liegeitden Arbeitssaales der Korb- waarenarbeiter ist ein großer Korb aufgestellt, in welchem � bei der Arbeit entstehende Abfall an Holz zc. gesammelt njm- Ter Korb wird alltäglich Vormittags durch das Fuhrwerk dc/ Fabrikanten abgeholt und in dessen außerhalb der Anstalt de- findlicher Niederlage ausgeschüttet. Otremba hatte kurz vor dn Abholung des Korbes sich in den vorbezeichnctcn Ztcbenravw mit Genehmigung des Stationsaufschcrs zur Verrichtung Arbeit begeben, sich in den Korb hineingelegt und mit dem fall bedeckt. Der Korb wurde alsdann unter Aufsicht des amten von zwei Gefangenen aus dem Arbeitssaal gcicoa�' auf den inzwischen eingettoffenen Wagen des Fabrikanten � hoben und zur Anstalt hinausgefahren. In der SalzsttW' Ottemba, welcher in der Stadt genau bekannt ist, aus Korbe gesprungen und hat das Weite gesucht. Die Verfolg1™ ist bis jetzt erfolglos geblieben. Remscheid, 2. November.(Das Flaschenbier eine Wn Gefahr!) Die hiesigen Wirthe haben sich gegen den mit Flaschenbier erklärt. Sie behaupten, durch das Flaschenbm würde die Trunksucht gefördert und in die Familie 6cttaS befördere die Genußsucht und somit die soziale Unzufrieden� — Müssen rechte Schlauköpfe sein, diese Remscheider W«� Presiburg, 2. Nov.(Erplosion in einer Dynamitfabu� In der hiesigen Dynamitfabrik erfolgte heute gegen Abcno jener Äbtheilung, in welcher die Zündhütchen angefertigt wer. eine Explosion, wobei sieben Personen lebensgefährlich ver. und auch das Gebäude arg beschädigt wurde. Em Marp J bereits gestorben, die Uebngcn wurden in das Spital ge>" und wird an deren Auskommen gezweifelt. Wien, 2. Novbr.(Große Feuersbrunst.) Seit 10'/« a Vormittags loht ein kolossaler Feuerherd auf dem Tonaua Das Magazin Nr. 24 der Tampfschiffgcsellschaft ist samwt v eingelagerten Waaren, Felle, Mehl und Kleie, ein mächtiger Feuerklumpen. Um 10'-, Uhr züngelte die Flamme aus dem hölzernen Gebäude, dessen ganze 200 lange Front eine brennende Guirlande ist. Um 11 klm � das Gebäude verloren, aber der Brand wurde um diese Lagerhaus mußte geschützt werden. Die ganze FtuchtboO ,, auf dem Brandplatze vertreten. Die riesigsten AnstteiiW � werden von den vereinigten Feuerwehren gemacht, um den einzudämmen. Ein Arbeiter, der an den Löscharbeiten genommen, ist leicht verletzt. Die zum Exerzieren auW�fck Mannschaft ist aus den Praterauen herbeigeeilt und Hütt g�if mit. In den Nachmittagssttrnden hatte die Feuert velff� �iK erfolg«'' aus zu thun, Erlöschen die mächtige Gluth dürfte erst in später zu dämpfen. ._„„■.■....... Nachtstunde erfolg"" � noch des Abends unaufhörlich dichter Qualm"Uj � glühenden Schutthaufen hervordrang. Die im angrew.� Magazin Nr. 1 lagernden Waaren baden durch Raum- � QÖa3U-• uuvtii vwtw/ und Wasser gleichfalls gelitten. Von dem eingeäschert"�..�!, gazme ist bloß der kleine Trakt nächst dem Hafenkai» � welcher für die Frachtenabgabe bestimmt und durch etne 0 � mauer von den anderen Objekten getrennt war, dann" � linksseitigen Thoreingange befindliches Portierhäuschen, wgitfc, ciaenthumlichcrweisc von den Flammen gänzlich vertW-M' � «halten. Bis spät Nachmittags konnte noch nicht dte 0„„p Menge der Waarenvorräthe, die im Magazine gelagert'' zch »HrwÄfe'Ä funden haben. Im Laufe 2000 Säcke eingeschichtet, des die gestrigen Tages wurden. R-JEriirT vte ebenfalls mit ucrbra �hl Bezüglich der anderen durch das Feuer vemichteten G. W derzeit noch eine genaue Angabe. Das Gerücht-, Feuer gelegt worden sei, hat sich bisher nicht bestätigt- ""ttags konnte der in Folge des Brandes fistirt geweK" kchr der Donau-Ufer-Bahn wieder aufgenommen wer„(Ü -!. 2. November.(Entgleisung in einem Gestern ist der Lastzug Nr. 122 im großen Simineru 0�(tW entglelst. Ter Kouricrzug gegen Wien konnte noch aufgehalten werden; ein größerer Unfall ist nicht grt® Verona. 2. Nov. Ueber den Zusammenstoß �&%i bahnzuge, welch« in der Nähe der Station Ala i1' st# hat, werden folgende Details gemeldet: In Folge, cw. Stellung ein« Weiche fuhr der von Verona kommen ��v» gons find stark beschädigt. In dem erstgenannten cin vi dm sich nur neun Passagiere. Ter Zugführer'°w �t. rnchisch« Finanzwachmann wurden am Kopfe verw » d-° m*.*w«. maS»w- Hierzu ommf» chr oll rfontn. M mit 70340 Unter :t; die 4 Ein- 4281). )dernm ganze e, wie n", s° fnimiOr örrrrn, ite die ii vier. 0 pEt, )örfew Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. SSS. Freitag, de« 5 November 1880. 3 Jahrg. m i Kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom 4. November. » Der Stadtverordneten- Vorsteher- Stellvertreter, Stadtv. �.Merhans, eröffnet die Sitzung nach ö'/, Uhr mit einer �eihe geschäftlicher Mittheilungen. an die Kanalisation und von 15 Mitgliedern für den Mlchuß zur Vorberathung der Vorlage, betr. den Ausbau der «nden Dammmühlen vollzogen. , ,. Aach Eintritt in die Tagesordnung kamen ein Naturali TMesuch und die Vorschläge des Ausschusses für die zfobn von unbesoldeten Gemeindebeamten zur geschäfts- 'öinmgsmäßigen Erledigung. v Zur Vorberathung der Vorlage, betr. die Stundung ./r-on der St. Nikolai- und der St. Marien- msche zu den Pflasterkosten der Friedenstraße zu entrichtenden ist ein Ausschuß niedergesetzt worden, der durch seinen ?Vterstattcr Stadtv. Friede mann folgenden Beschluß unvncblt: Die Stadtvcrordncten-Vers. erklärt sich damit ein- Eilanden, daß die auf dem Kirchhofs- Grundstücke Köniastadt 47 Nr. 1172 und Band 41 Nr. 2578 rcpartirten Kosten „ Pflasterung der Friedenstraße zum Betrage von 15 650,76 M. UM-,-=-.....; Regulirung Breite den -r—-"..v w.-............................. gestundet werden, .•„"Sagegen der auf das gegenüberliegende Grundstück ent- Zj�ndes Betrag der Masterkosten mit 9666,84 M. nebst 5 pEt. , """tckimpen des Kirchhöfsterrains Verzicht leistet. Die Versammlung stimmt diesem Antrage zu. m S Der Magistrat hatte die Veräußerung der zum e b-v? r Bahnhof verwendeten Thcile von a ligen Separationsweg en an den Eisenbahn- Zum Preise von 1 M. pro Quadratmeter beantragt. Siese Vorlage war ein Ausschuß eingesetzt worden, der pJ3, seinen Berichterstatter, Stadtv. K a r st e n, die Annahme m-WHIt, da der Inhalt der Vorlage das Resultat längerer g,?0"ndlungen mit dem Eisenbahnfiskus sei und die Hoffnung, Sfnx* Wege des Prozesses günstigere Bedingungen für die onfl JU erzielen, sehr gering bei den unficheren Rechts- Ipwchen der Kommune wäre. k. sru-,• Schmeißer beantragt, die Beschlußfassung über �Uttnrsi 3e""�zusetzen und dieselbe dem Magistrat mit der tuiinpl zunickzureichen, mit dem Fiskus in Unterhand- dnrck«�"ufs Herstellung wenigstens einer der kasfirten Straßen ii% ,,, �"�uhrung derselben unter die Geleise der Personen- treten. J st c n beantragt persönlich, der Vorlage des Bedingung des Wiedcrkaufrechts für die Stadt «errag ver Psianerroiien mir mwv,»» m. ncD|t o pat. �"len seit dem 26. März 1878 sofort berichtigt wird und wenn Sie St. Nikolai und St. Marienkirchengemeinde aus- die �7°"s venneintlichen Entschädigungsansprüche gegen �.Stadtgemeinde aus den durch den Bebauungsplan bez. polizeiliche Verfügungen hervorgerufenen Benutzungsbe- tragz Friedemann empfiehlt die Annahme des An- Alflen. raa?"trath Meubrink spricht sich f Stadtv. Schmeiß er aus. I fS rft...<»« n*• rt «nltaft?�lrath Meubrink spricht sich gegen den Vertagungs- �„es Stadtv. Schmeiß er aus. 8 Schmeiße� wird abgelehnt und der Magi- angenommen. mit dem Antrage Karsten an. auf iT) �.Errichtung je eines Kriegerdenkmals Garnison- Kirchhöfen in der Hasenhaide und in der zu beantragt der Magiftragt eine Beihilfe von 5000 M. Ehre„„r""- Diese Beihilfe sei, so heißt es in der Vorlage. svlle«-ü�JCflicht der Rcichshauptsladt. Tie Gesammtkosten 800o sm M. betragen, zu denen die Kriegcrvereine bisher . haben. suche»"°4d. Schweißer beantragt, den Magistrat zu er- werden Nachweis zu bringen, daß die Restkosten gedeckt ©ördt: Meine Freunde und ich sind überein- Sie T.?' Sie Vorlage abzulehnen. Welche Verpflichtung hat Geld zu derartigen Denkmälern herzugeben? Um unter die Haube zu kommen/) Skizze von August Strindberg. "torisirtc Ilebersetzung von Jens L. Christenscn. SM[Nachdruck verboten.) Armi> p0" thatsächlich behaupten, daß sie ihm in die fünf ö�Zwä ngt wurde! Sie war die älteste von ena'�"'kstern und hatte außerdem drei Brüder. Es war Keil-� �""se � im Zimmer der Mädchen, und eine kleine in y nichts Außergewöhnliches. Er spielte die Geige Kapelle und nannte sich„Königlicher Kammer- wo/ mar also eine gute Partie. Er hatte sie irgend- %ire h• un� darauf gelegentlich die Nase zur aus«(|ere,,n- Sofort wurden er und sie neben einander gesetzt, die Schwestern„schoben nach", die llebens�.,s"Fken„die Beiden", Vater und Mutter waren �urd.g, und so hatte er sie. such uns, Jeden Nachmittag genau um fünf Uhr zu Be- sieben um halb sieben wieder gehen, weil er um teii,e fver heQter sein mußte. Die Verlobungszeit war die werbe,,' �-"ber er tröstete sich damit, daß es schon besser der auch' n)enn f,e erst verheirathet wären. Der Alte, schwä/. von seinem Schwiegersohn haben wollte, �achwu/ Schachspiel, und der Arme mußte also jeden weilte f;*3 r spielen. Sie saß daneben, oder lang- W'UUlirfi■ U"S ging in ein anderes Zimmer. Er verlor Wn*._ 1 iMMer. wa« gfisicl J NUiT zum Aerger Züge. "kürlicg"'"3"r cm anderes Zimmer. War et nft""1?' n'Q3 Sem Alten ausgezeichnet Ulten fauche und machte dann N�et% �rde er zum Mittagsessen eine. ßNMMNSK Der Magistrat spricht davon, daß es die Ehre und Pflicht der Reichshauptstadt verlange. Es ist be- dauerlich und wunderbar. daß der Magistrat erst setzt dazu gelangt, diese Ehrenpflicht der Kommune einzulösen Vielleicht hat irgend ein äußerer Einfluß diese Erkenutniß erst zu Wege gebracht. Die Stadtgemeinde ist aber nach nnserer Ansicht absolut nicht verpflichtet, zu den Kosten beizutragen. An Monumenten hat die Stadt wahrhaftig keinen Mangel. Wenn man etivas thun wollte, so konnte man eine Summe zur Vertheilung an die Invaliden aus jenen Kriegsjahrcn be stimmen, die ebenso wie die Todten mitgekämpft haben und jetzt oft in Roth sich befinden. Dadurch hätte man die Tedtcn besser geehrt als durch Erz und Marmor. Wenn der Magistrat aber einmal so dcnkmalslustig ist, so möge er seinen Blick nach dem Fricdrichshain richten, wo die edlen Todten ruhen, die für die Volksrcchte eingetreten sind. Sic haben das erste Recht, niit einem Denkmal betraut zu werden, wei n einmal solche Summen zu solchen Zwecken verausgabt werden sollen. Für uns wäre ein Denkmal für sie nicht nothwendig; ihr Gedächtniß ruht in unseren Herzen und das grüne Reis, welches ihre Hügel an ihrem Todestage schmückt, ist uns genügend Trost und Hoffnung. Wenn die Stadt für jene aber ein Denkmal nicht für nöthig gehalten hat, so soll sie auch von uns zu Kriegerdenkmälern keinen Pfennig bewilligt er- halten!(Unruhe. Ein Ruf: Pfui!) Stadtv. Schmeißer hält die Bewilligung der 5000 M. für ein nnhile oifi iu'i. der Gemeinde, glaubt aber von dem in seinem Antrage verlangten Nachweise nicht absehen zu dürfen. Stadtkämmerer Runge erwidert, daß der Magistrat der Ansicht sei, durch die Beihilfe der Stadt würden weitere Kreise veranlaßt werden, die sehlenden 15 000 Mark herbei zu schaffen. Hiermit schließt die Diskussion und der Antrag des Magistrats wird gegen die Stimmen der Arbeiterpartei ange- nommen. Es folgt die debattelose Genehmigung einer Reihe weiterer Magistratsvorlagen. Zum Kirchenbau für eine von der Thomas- parochie abzuzweigende, neue Kirch enge- m e i n d e wünscht der Magistrat einen Kostenbeitrag von 200000 Mark bewilligt zu sehen. Außerdem soll das cnordcr- liche Terrain auf dem Lausitzerplatze unentgeltlich überlassen werden. Stadtv. S p i n o l a sympathisirt mit der Vorlage, hält aber einen Ausschuß von 10 Mitgliedern zur Vorberathung für nothwendig. Stadtv. M i t a n: Wir werden gegen die Vorlage und gegen die Ausschußberathung stimmen. Wir können uns zu dem Gedankengange nicht emporschwingen, daß in der Thomas- parochie ein kirchlicher Nothstand Herrscht. Ich kenne die Gegend seit fünfzehn Jahren. Ich weiß, daß man dort der Frage be- gegnet: Kennt die Stadt denn den wirthschaftlichen. Nothstand nicht, daß sie Geld nnd soviel Geld zu einem Zwecke bewilligt, den zu erfüllen die Kommune nicht verpflichtet ist? Ich trat vor fünfundzwanzig Jahren ins politische Leben. Ich erinnere mich, daß damals die Partei, welche die Majorität in dieser Versammlung bildet, an alle ihre Kandidaten mit der ersten Frage herantrat, wie sie sich zu der Trennung von Kirche und Staat und Stadt stellten. Aber das, was in der Jugend ein Ideal war, wird von Manchem im Alter als Jugend- cselei detrachtet. Bei mir ist Kirche und Religion Privatsache. Wenn eine Gemeinde eine Kirche haben will, so mag sie sich selbst eine bauen. Aber die Kosten sollen nicht aus der Tasche der Steuerzahler bestritten werden, der Steuer- zahlet, zu denen Dissidenten, Juden und Katholiken auch ge- hören. Das Geschrei von dem kirchlichen Nothstande in Berlin würde bald verstummen, wenn die Hauptschreier die Kirchen auf ihre Kosten bauen müßten. Und gerade der Stadtthcil, den Sie jetzt mit einer neuen Kirche beglücken wollen, Hai deutlich bewiesen, wie er über kirchliche Fragen denkt. In jenem Stadttheil sind vier der Arbeitervertreter hier gewählt worden und ebenso steht es bei den Reichsta�swahlen. Diese Leute haben dieselben Ansichten wie wir. Sie fassen in dem Satze:„Thue Recht nnd scheue Niemand; liebe deinen Näch- sten wie dich selbst", ihr praktisches Christenthum zusammen und handeln darnach!(Unruhe.) dem Mittagessen, wenn der Alte schlief, konnten sie eine Weile allein sein. Aber wo? Die Schwestern hielten ihr Zimmer besetzt, die Brüder nahmen die Sophas in Beschlag und der Alte okkupirte das Schlafzimmer. Sie saßen also im Wohnzimmer, jeder auf seinem Rohrstuhl, und Mama saß daneben im Schaukelstuhl und schlummerte. Auch er war nach dem Mittagsessen müde und schläfrig und hätte sich ebenfalls gern ein wenig hingelegt. Statt dessen mußte er nun wie ein Stecken auf dem harten Rohr- stuhl sitzen und versuchen, den Arm um die Taille der Braut geschlungen zu halten. Und wenn sie sich küßten, stand alle- mal ein grinsender Bruder hinter irgend einer Thür und ahmte den Schall nach, oder es saß eine Schwester in irgend einem Winkel und schlug verschämt die Augen Und welche Arbeit er allein mit den Freibillets hatte! Jeden Tag mußte er im Bureau um seine zwei Billcts bitten, um auf diese Weise den Theaterbedarf der Familie zu decken, und zum Ueberfluß mußte er noch fast alle Abende einen der Brüder hinter die Koulissen schmuggeln. Ja ihre verwandtschaftlichen Gefühle gingen schließlich so weit, daß sie sich selber einschmuggelten, und der Längste war bereits einmal hinausgeworfen worden, weil er einer Balleteuse an die Brust gefaßt, was er in einem Zwischenakt von einem Baron gelernt hatte.,.. Am Sonnabendabend hatte er gewöhnlich frei und fuhr dann mit der Braut nach dem Thiergarten. Natürlich mußte auch Mama dabei sein, und selten lief es ohne zwei SeHwegn, d». � � � mit," sagte die Eine,„Adolf wird natürlich nichts dagegen haben, daß wir ein wenig mitgehen." �,,, Wie konnte Adolf etwas dagegen haben?! Aber wenn das Souper auf der Alhambra bezahlt werden sollte, waren eS sechs Portionen statt zwei. Und dann kam es vor, daß Mama müde wurde Dann mußte man eine Droschke haben und Adolf saß neben dem Kutscher aUf Schr�angenehm, für sein eigenes Geld auf dem Bocke '5? m(ff* S&» 5 Stadtv. Jakobs erwidert, daß die Majorität auch bereit sei, Juden und Katholiken im Bau von Gotteshäusern zu unterstützen. Diese Unterstützung sei in pobiie oiluium der Stadt. Stadtrnth Fürstenau erklärt sich mit einer Ausschuß- berathung einverstanden und hebt hervor, daß die ThomaSge- meinde 138 000 evangelische Mitglieder zähle, ein Nothstand also vorhanden sei. Stadtv. Kreitling. Ich will Herrn Mi tan gegenüber nur konstatiren(Rufe: Nicht nöthig!), daß man, gleichgiltig auf welchem Boden man steht, doch nicht das Recht hat, dem Andersdenkenden den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Ein Schlußantrag schneidet die weitere Debatte ab. Ter Antrag auf Einsetzung eines Ausschusses wird ange- nommen. Der Fcderviehhändler Albert Blank hat sich grundlos geweigert, eine unbesoldete Stelle in der Gemeinde- Verwaltung anzunehmen. Der Magistrat beantragt deshalb: Ter Federvichhändler Albert Blank, Prenzlauer Allee 40 wohnhait, wird wegen ungerechtfertigter Weigerung, die un- besoldete Stelle als Mitglied der 93. Schul- Kommisston, zu welcher er gewählt ist, zu verwalten, vom heutigen Tage ab auf drei Jahre der Ausübung des Bürgerrechts verlustig erklärt und soll während des gleichen Zeitraumes um ein Achtel stärker zu den direkten Gcmeindcabgaben herangezogen werden. Stadtv. Heger hat erfahren, daß der Mann wirklich krank sei und wünscht deshalb Berathung dieses Gegenstandes in geheimer Sitzung. Stadtv. W a I l i ch glaubt, daß es dann dem Manne, wenn er wirklich einen gerechtfertigten Grund für seine Weigerung habe, bei geheimer Berathung schwer fallen würde, sich in den Augen der Oeffentlichkeit zu rehabilitiren. Ter Vorsteher, Stadtv. Langer Hans erklärt den An- trag Heger für unzulässig nach der Geschäftsordnung. Stadtv. Hermes beantragt Vertagung, zieht seinen An- trag aber später wieder zurück. Stadtv. Meyer> beantragt, für die Vorlage einen Re- fercnten zu ernennen. Stadtv. H o r w i tz glaubt, daß ein Exempel statuirt werden müsse. Stadtv. I r ni e r warnt vor voreiligen Schritten und verliest ein Attest des Hr. med. Baruch vom 4. November er., wonach der Federviehhändler Blank chronisch lungcn- leidend ist. Oberbürgermeister von Forckenbeck hält den Antrag des Stadtverordneten Meyer i der Situation für angemessen und meint, daß selbst, wenn Blank krank sei, es seine Pflicht gewesen wäre, diese Thatsache dem Magistrat mitzutheilen, dessen wiederholte Schreiben er unbeantwortet ge- lassen habe. Der Antrag Meyer> wird angenommen. Einige Rechnungen werden an den Ausschuß für Rechnungssachcn verwiesen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß 7s Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Fokales. Der langersehnte Erlah bestimmter Nnfallverhiitungs- vorschriften scheint nunmehr beginnen zu sollen. Die neueste Nummer des amtlichen Organs des Reichsversicherungsamtes enthält zunächst die von der Benifsgenosienschast der Fein- Mechanik aufgestellten Unfallverhütungsvorschriften; dieselben umfassen weite Gebiete der Industrie und unter Anderm auch die Metallgießereien. Für die dort beschäftigten Arbeiter sind folgende beachtenswerthe Bestimmungen getroffen: Bevor das Gießen beginnt, sind alle Wege, auf denen flüssiges Metall transportiri werden soll, von umherliegenden Gegenständen zu befreien. Beim Bedienen und Abstechen der Schmelzöfen, be- ziehungsweisc beim Ausheben der Tiegel haben die mit diesen Arbeiten beauftragten Arbeiter Schutzbrillen zu tragen und dürfen sich nur die von den Vorgesetzten bestimmten Ardeiter in der Nähe des Ofens aufhalten. Abstechzangen, Zangen und Krammstöcke müssen vor dem Gebrauch genügend angewärmt die Brüder und„Hollen die Schwestern von der Alhambra ab", und der lange Karl bat dann den Schwager immer, für ihn„bloß auslegen" zu wollen, denn traktiren lasse er sich nicht. Und dann war noch die Möglichkeit keineswegs ausgeschlossen, daß Wilhelm den Schwager beiseite nahm und ihn um einen Thaler oder wenigstens um„ein Vier- groschenstück" anpumpte. Da er mit der Braut niemals allein war, wurde er mit ihr getraut, ohne zu wissen, wer sie sei. Er wußte nur, daß er sie liebe, und das genügte ja. Aber er versprach sich sehr viel von der Zukunft, wo er sie allein besitzen würde. Und als er am Hochzeitstage zum letzten Male das Mittagsessen in seinem Restaurant einnahm, da lag es so hell und goldig vor ihm: das neue Heim und das Alleinsein mit ihr. Nun endlich würden sie in demselben Sopha sitzen können ohne grinsende Brüder und neidische Schwestern! Und als er nach Hause ging, da schien die Januarsonne so groß und so roth, und die Tannen des Thiergartens schienen ihm Spalier zu bilden, und niemals waren Luft und Erde o angenehm gewesen wie heute. Und als er auf seinem Stübchen ankam und die gewohnten Kleider auszog, um den Frack und die weiße Binde anzulegen, da legte er zugleich das ganze langweilige, widerliche und abnonne Leben des Junggesellen ab. Er packte die letzten Kleinigkeiten zusammen, steckte sie mit den alten Kleidern in eine Reisetasche und schickte sie nach dem neuen Heim, wo er die nächste Nacht schlafen sollte. Und dann nahm er Abschied von seiner Wirthin ohne Rührung einerseits, aber desto mehr von ihrer Seite. Sie weinte und wünschte alles Glück und allen Segen des Himmels auf ihn und seine junge Frau herab. Am Abend war die Hochzeit zu Hause bei den Estern. Als er endlich nach einem Schauer von Unanständigkeiten eitens der Schwäger und einer Thränenfluth seitens der Mama seine Frau in den Wagen führte, wollten Karl und Wilhelm sie nach der neuen Wohnung begleiten, aber er chlug die Wagenthür zu, daß die Fenster klirrten und wünschte die ganze Verwandtschaft zum Teufel.——— (Schluß folgt.) werben. Tie Gießpfannen und Tiegel dürfen nur so weit mit flüssigem Metall gefüllt sein, daß beim Transportiren kein Ueber- schütten derselben stattfinden kann. Während des Gießens müssen alle in der Gießerei beschäftigten Personen Stiefeln mit überfallenden Loosen tragen, und sind während dieser Zeit alle unbetheiligten Personen aus der Gießerei fern zu halten.— Da die Eisen- und Metallgießerei auch in Berlin im größeren Umfange betrieben wird, so haben diese Bestimmungen auch für das größere Publikum Interesse. Die Art, wie mit diesen Bestimmungen für den Schutz des Arbeiters gesorgt ist, scheint doch etwas problematisch. Ob der Arbeiter eine Schutzbrille aufsetzen und ob er im Hochsommer und in der unmittelbaren Nähe des glühenden geschmolzenen Metalles schwere Lederstiefeln und darüber Hosen tragen soll, das könnte man ihm füglich selbst überlassen. Solche Bestimmungen, so gut sie gemeint sein mögen, können leicht mehr schaden als nützen, indem sie auch für die Einführung neuer vervollkommender Einrichtungen hinderlich werden. Dagegen vermissen Sachkundige jede Borschrist darüber, welche Borkehrungen dafür zu treffen sind, daß die beim Gießen beschäftigten Arbeiter in gewisser Entfernung von dem geschmolzenen Metall gehalten werden und daß die beim Eingießen des flüssigen Eisens in die Form umherspritzenden glühenden Eisentheile die Arbeiter nicht gefährden. Solche Borrichtungen sind für Gießereien wichtiger als Stiefeln, Hosen und Schutzbrillen für die Arbeiter, aber allerdings auch kostspieliger und müßten freilich von den Unternehmern bezahlt werden..,,, Die Zahl der Bewerber um die fünf ausgeschnebenen Berliner Apotheken belief sich nach Mittheilung der„Pharm. Ztg." auf achtzig; sie ist verhältnißmäßig nicht hoch, wenn man die Werthe der Objekte bedenkt. Bon den fünf Apothekern, welche die neue Berliner Konzession erhalten haben, ist einer 1868 approbirt, die übrigen 1867. Auch der im Abgeordneten- Hause lautgewordene Wunsch, daß die Berliner Konzessionen nur an Bewerber, die mit den großstädtischen Verhältnissen vertraut sind, vergeben werden möchten, hat hier zufällig seine Erfüllung gefunden, da sämmtliche Konzessionäre Großstädter sind und übrigens auch dem Apothekerberuf bisher ununter- brachen angehört haben. Die neue Pferdebahnlinie Neustädter Kirchstraße— Pappelallee zeigt gleich bei Beginn eine merkwürdige Tbat- fache. Charlottenburger Pferdebahn und Große Berliner stehen sich zwar nicht wie feindliche Schwestern gegenüber, aber man kann sich die beiden doch nur Rücken gegen Rücken denken, möglichst wenig Notiz von einander nehmend. Um so über- raschender wirkt es, die Wagen der Großen Pferdebahn in der Dorotheenstraße auf den Schienen der Charlottenburger Bahn laufen zu sehen; da sich so etwas als möglich gezeigt hat— man glaubt es nur, wenn man es gesehen hat— so kommen vielleicht noch einige andere Verbindungen zu Stande, die für den Verkehr von Nutzen wären, z. B. die Linie Potsdamer Bahnhof— Neustädtische Kirchstraße sZentralbahnhof). An der Stelle, die vor hundert Jahren den bezeichnenden Namen„am Katzensprung" führte, wo jevt die Paläste des Zentralbahnhofs und der großen Gasthöfe sich sammeln, nimmt die Linie ihren Anfang. In die Dorotheenstraße wird ein Palast nach dem anderen eingebaut— sie bleibt die ssille eintönige Straße, die sie war, ihr fehlt das„Hinterland", der Zufluß an den Seiten- straßen; zwischen Spree und Linden geklemmt, wird sie immer eine Toublette bleiben. Bei der Einbiegung nach der Luisen- straße über die Marschallsbrücke nimmt die Pferdebahn Vor- spann; die neue Marschallsbrücke ist, bedingt durch die Wasser- Verhältnisse der Spree, zu einem Bergübergana erwachsen. Einen eigenen Charakter trägt dann wieder die Luisenstraße; das Standbild Gräse's ruft es dem Vorübenahrenden zu, daß wir im medizinischen Quartier sind. Zwischen der alten und veralteten Charitee und der Thierarzneischule, der neuen Morgue und dem Reichsgesundsheitsamt zieht die Straße dahin, etwas von der Stille der Krankenswbe liegt auf ihr. Am neuen Thore aber welch ein rascher Dekorationswechsel— die Palastgruppe der Bergschule, der Landwifthschaftsschule und des gewaltigen natur- historischen Museums. Schade, daß diese herrlichen Schöpfungen auf verlorenem Posten stehen.- Kleinbürgerliche Geschäftshäuser umgeben und flankiren sie. Mühsam bahnt sich der Pferde- bahnwagen seinen Weg über die Chausseestraße, denn diese entlang fluthet ein gewaltiges Leben. Pferdebahnen, Omnibusse, Frachtfuhrwerk aller Art und ein unendlicher Strom von Fußgängern drängen sich darauf. Die Invaliden- straße verfolgend, gelangt die Linie nach dem Stettiner Bahn- Hof, der in seinen burgähnlichen gothisirenden Formen auf eine überwundene Zeit stilistischer Gedankenverirrung hinweist. Ter Platz vor dem Stettiner Bahnhof ist jetzt ein Rendezvous für Transportmittel aller Art; friedlich theilen sich Droschken, Pferdebahnwagen und Omnibusse in den weiten, aber form- losen Platz; vorbei an Friedhofsmauern und dem Geleite der- selben, den Geschäften, die auf Tod und Leidtragende ar- hellen, und dann wieder eine gewaltige Steigung, die durch Vorspann überwunden werden muß— wir sind in der Veteranensttaße. Tie Häuser sind hier gerade so hock, glatt, eintönig wie im Westen, nur die schmalen Fenster und Fenster- pfeiler, die kleinen Geschäfte und Keller, die Hemdsärmel, die hie und da aus den Fenstern der ersten Stockwerke leuchten, weisen darauf hin, daß eine andere Bevölkerungsklasse hier ihr Heim hat. Auf den Trottoirs dichtes Gewühl, in den Läden ein fortwährendes Kommen und Gehen. Vorräthe legt man sich hier nicht an. Sckaaren von Kindern auf der Straße— aber diese gut und sauber gekleidet, gesund und fröhlich— hie und da für den Kutscher lästig. Denn noch hat man sich hier an den Pferdebahnwagen noch nicht gewohnt. Wenig Fahr- gaste auf der dichtbelebten Straße, während im Westen der ubervolle Wagen durch leere Straßen geht— zehn Pfennige sind hier ein beachteter Posten in dem Tagesbudget. An der Zionskirche machen wir diesmal Halt— ein erfreulicher Bau, der selbst in ein solches Häusergemenge etwas von Stil und Charakter bringt. Hinter der Zionskirche beginnt der ferne Norden. Von einem Süddeutschen, der vor Kurzem Berlin be- suchte, geht der„Voss. Ztg." folgende im Uebrigen nicht neue Klage zu, die aber um ihrer Richtigkeit willen wiederholt wer- den mag:„Imposant und bewunderungswürdig stellt sich Berlin in seiner jetzigen Entwickelung dem Auge des Fremden dar. Tie Fülle von Pracht der öffentlichen und Privatgebäude, der Wunderbau der Stadtbahn, das Riesenney der Pferdeeisen- bahnen, das überreich pulsirende Leben auf allen Wegen, und nicht minder die Intelligenz, der Kunstsinn, der Bienenfleiß der Berliner Bevölkerung lassen erkennen, daß die in rapidem Wachsthum begriffene Kaiserresidenz nicht bloß die Hauptstadt, sondern auch das Herz des Deutschen Reiches ist. Um so be- fremdender erscheint es dem Besucher, daß sich Mißstände, wie der in folgendem erwähnte, inmitten all dieses Glanzes er- halten können, Unsauberkeiten, welche in grellem Konttaste zu den, Sinne für Reinlichkeit stehen, der sich in den gut gepfleg- ten Sttaßen, der Wasserleitung, der Kanalisation ossenbart. Unter der großen Zahl von Bierlokalen, welche Berlin in einer Menge, Eleganz und Ausdehnung befitzt, wie keine andere Weltstadt, traf Schreiber dieser Zeilen auf seiner Wanderung nicht wenige an, welche eine eigenthümliche mehr an die Sitte Halbasiens als an die Kultur der ersten Stadt Mittel- europas erinnernde Einrichtung besitzen. Er sah— unbemerkt beobachtend— in welcher unästhetischen Weise man die Reinigung der von den Gästen geleerten Gläser und Krüge vor ihrer ferneren Füllung bewerkstelligt; man taucht sie einfach in ein mit Wasser gefülltes Holzgefäß— Zuber oder Eimer— schöpft sie voll, gießt den Inhalt zurück in das Gefäß und stellt sie dann ohne Weiteres zu neuem Ge- brauche auf. Eine Erneueruna des Wassers fand während der zwanzig Minuten dauernden Beobachtungszeit nicht statt; wie lange das durch die unzähligen Bierreste selbst zu Dünnbier gewordene Spülwasser benützt wird, konnte Einsender nickt er- initteln. Genug, die Bierneigen aus Hunderten von Gläsern dienen, mit stets trüber werdendem Wasser gemischt, zur Aus- spülung und Reinigung. Nun darf man mit Recht fragen: ist dieses unappetitliche Verfahren im Hinblick auf die glanzvolle Ausstattung der Lokale, auf die unbestteitbare Güte der verabreichten Getränke, auf die untadelhafte Bedienung nicht ein seltsamer Widerspruch zu nennen? Oder sind diese stark be- suchten Lokale so wenig gewinnbringend, daß man in der Ver- Wendung des Wassers in dieser Werse knausern muß, daß man nicht, wie es sich gehört, die Trinkgefäße in fließendem, sich stets erneuerndem Wasser säubern kann? Sollte da das Publi- kum nicht sehr nachdrücklich auf die Beseitigung eines Verfah- rens dringen, welches geeignet ist, ihm den Genuß seines Lieb- lingsgetränks zu beeinträchtigen und zu verleiden.(Der süddeutsche Beobachter kennt die Berliner nicht. Er war jedenfalls zu kurze Zeit hier, um die Beobachtung zu machen, daß man vielleicht in keiner Stadt so geneigt ist zur Kritik und zum Widerspruch, daß man sich aber gewiß in keiner Stadt so viel gefallen läßt und daß sich Niemand so viel geduldig bieten läßt wie der Berliner. Red.) Warnungen vor Verlockungen ins Ausland. In der „Kürschner-Ztg." vom 29. August findet sich folgendes Inserat: „Ein junger Kürschnergehilfe, im Zurichten und Färben der Felle, sowie in Reparaturen für das Detailgeschäft erfahren, der Lust hat, die Hutmacherei sowie die englische und französische Sprache zu erlernen, wird zum baldigen Antritt für einarößeres Geschäft in Canada gesucht. Daselbst findet auch ein Mädchen, welches Mützenmachen,-staffiren und Hüte zu garniren versteht und einen Begriff von Zuschneiden der Pelzwaaren hat, angenehme, dauernde Stellung. Adressen an John Brown, Partwal Hatter u. Furrier, 207 Govemment Street in Victoria, Pro- vince of British Columbia, Canada."— Es hat sich nun Je- mand aus unserem Leserkreise an diesen Herrn John Brown gewandt und er hat auf seine Anfrage auch ein Schreiben er- halten, welches uns vorliegt und aus welchem ziemlich deutlich hervorgeht, daß es diesem Herrn Brown hauptsächlich wohl nur auf einen recht dreisten Schwindel ankommt. Seine Hauptfrage in dem Schreiben ist:„Haben Sie Geld?" Er will also nur einen Handwerker mit Geld nach Canada locken, dem er da drüben in aller Seelenruhe das„Fell über die Ohren zu ziehen" gedenkt. Er betont ausdrücklich, daß, wenn der Reflektant kein Geld hat, er besser daran thut, ruhig zu Hause zu bleiben. Im Uebrigen geht aus der Fassung der Annonze schon ziemlich deutlich der Schwindel hervor, denn das, was in dem Inserat alles von einem Kürschner verlangt wird, kann ein solcher bei der heutigen Theilung der Arbeit, die auch in diesem Gewerbe um sich gegriffen hat, garnicht leisten. Ein Sachverständiger schreibt uns nämlrch:„Das Zurichten allein bildet schon seit 30 Jahren eine eigene Branche, und ist der Dampfbetrieb im Allgemeinen überall eingeführt. Es werden in diesem Einzelzweige Lehrlinge ausgebildet, welche wohl Kürschner heißen und es auch sind, aber niemals Nadelarbeiter waren. Das Färben und Blenden der Felle ist ebenso eine Spezialbranche, und gerade deswegen, weil es sich als Spezial- fach gebildet hat, für diese Arbeiten auf der heutigen Höhe an- gelangt. Wir konkurriren beispielsweise jetzt niit Frankreich. Natürlich ist auch hier Dampfbetrieb und es werden auch für diese Einzelarbeiten Lehrlinge ausgebildet. Was nun die dritte Position anbelangt, die Nadelarveit, so würde es zu weit führen, dies zu detailiren. Ein junger Kürschnergehilfe könnte jedoch in dieser Branche am leichtesten der Forderung gerecht werden, indem dieses ja eine Hauptbranche im Kürschnergewerbe ist. Wohl giebt es auch Arbeiter, die von alledem einen Be- griff haben, z. B. wenn einer in einer kleinen Stadt gelernt hat, wo der Kürschner sein bischen Schaf, Kaninchen, Katze, Hund re. selbst zurichtet, auch schwarz färbt. Aber gerade hier ist man in den Mitteln der modernen Technik noch soweit zu- rück, daß es kein junger Kürschnergehilfe wagen würde, mit solchen Kenntnissen auf eine Zeitungsannonze hin nach Canada zu gehen. Somit könnte es nur ein Arbeiter sein, der schon alle Branchen des Kürschnergewerbes durchgemacht und sich überall Erfahrungen angeeignet hat, dann ist er aber auch nicht mehr jung." Die Benutzung des Totalisators ist bestimmungsmäßig auf die Inhaber von Mnf-Markbillets beschränkt; die Be- stimmung ist getroffen, um Unbemittelte vom Wetten am Totalisator abzuhalten. Wie es scheint, hat man schon ein Mittel gefunden, diese Bestimmung zu umgehen. Ein Bericht- erstatter will bei dem letzten Rennen folgenden Vorgang beobachtet haben: Ein Unternehmer kauft ein Billet zu 5 M., aber nicht um es selbst zu benutzen, sondem er vermiethet dasselbe zum Preise von 20 Pf. auf den kurzen Zeitraum von 2 his 3 Minuten. Ter Miether hat gerade Zeit genug, am Totalisator auf ein Pferd zu wetten und giebt dann das Billet dem ursprünglichen Eigenthümer wieder. Bei diesem findet sich bald ein zweiter Miether ein und so geht es fort, bis das letzte Rennen angefangen hat. Der Unternehmer macht ein gutes Geschäft dabei, um so mehr als besonders eifrige Bewerber sich oft im Preise überbieten. Die Bekämpfung des Keuchhustens, dieser so allge- meinen und für alle Betheiligten so lästigen Kinderkrankheit, ist in Eimsbüttel zum Gegenstand von Versuchen und Beob- achtungen im größeren Maßstab gemacht worden, die sehr gün- stige Resultate ergaben. In der Berliner Naturforscher-Ver- sammlung, Sektion für Kinderheilkunde, berichtete Dr. Michael von hier über 250 Fälle, welche durch Pulvereinblasungen in die Nase behandelt wurden. Unter 100 genau beobachteten Fällen trat in 8 Fällen in den nächsten Tagen keinerlei Anfall mehr auf, 5 der kleinen Patient en blieben überhaupt gänzlich von Rückfällen verschont. In 2—3 Tagen geheilt waren 7, in weniger als 20 Tagen 23. In 20 Fällen wurde eine wesentliche Erleichterung der Anfälle konstatirt, das Erbrechen, Nasenbluten und zeit- weilige Wegbleiben der Kinder hörte auf. Am größten waren die Resultate in ganz alten und ganz frischen Fällen. Es scheint also zweifellos, daß der Keuchhusten durch Pulver- einblasungen in die Nase gemildert und abgekürzt werden kann. In 75 pCt. der beobachteten Fälle ist dies erwiesen, doch schützt die Behandlung selbstverständlich nur dann gegen Rückfälle, wenn sie nicht zu früh wieder ausgesetzt wird. Wie man Porto ersparen sann. Bei Sendungen über 20 Meilen(3. bis 6. Zone) lassen sich durch zweckmäßige Verpackung resp. durch Eintheilung der zu versendenden Gegen- stünde in mehrere Packete nicht unerhebliche Portoersparnisse bewirken. Es beabsichtigt beispielsweise Jemano, mehrere Gegenstände im Gewicht von zusammen 10 Kilo(20 Pfund) zu versenden und formirt hiervon nur ein Packet, so zahlt derselbe an Porto: innerhalb der dritten Zone(bis 50 Meilen) 1,50 PH, innerhalb der vierten Zone(bis 100 Meilen) 2 M., innerhalb der fünften Zone(bis 150 Meilen) Z50 M. und innerhalb der sechsten Zone(über 150 Meilen) 4 M., während, wenn die be- treffenden Gegenstände in zwei Packeten zur Versendung gelangen, das Porto für alle(2X50 Pf.) 1 M. betragen würde. Die geringe Mühe, zwei Packete anzufertigen(man kann bis drei Packete auf eine Begleitadresse bringen), würde sich im vor- führten Falle z. B. bei einer Sendung aus 6. Zone mit 2 M Portoersparniß bezahlt machen, und es wird leicht sein, unter Benutzung der obigen Portotabelle eine vottheilhafte Packet- nntheüung zu tteffen. Schließlich sei noch bemerkt, daß seitens des Publikums es vielfach versäumt wird, aus Sparsamkeits- überall gute Aufnahme gefunden haben. So haben sich dem Vorgehen der Weddingbewohner auch die Kirchhofs-Vorstände der hier gelegenen vier Friedhöfe angeschlossen und sind W dieser dringlichen Angelegenheit beim Polizeipräsidium vor- stellig geworden. Die Friedhöfe würden durch die Nähe dcr Abdeckerei entwürdigt. Die Scheune, in der die Knochen lagern und die entsetzliche Gerüche verbreite, stoße unmittelbar an die Leichenhalle des Tomfriedhofes und es sei eine dringende Forderung, dieses Aergerniß hier zu beseitigen. Ebenso soll der Magisttat entschlossen sein, in dieser Angelegenheit vorzu- gehen wegen der hier gelegenen Unterrichtsanstalten, der Hospitäler und der Irrenanstalt in Dalldorf. Von anderer Seite wird das Polizeipräsidium ersucht, dahin zu wirken, daß der bisher zur Fortschaffung der verendeten Thiere benutzte sogenannte Schinderkarren beseitigt und ein geschlossener Wagen zu diesem Zwecke benutzt werde. Es wird darauf hinge' wiesen, daß der Anblick der auf dem Karren liegenden verende- ten Thiere, die nur unvollkommen bedeckt seien, häßlich sei, I' verletzend wirke, wenn es der Zufall füge, daß der Karren vei oder hinter den die Müllersttaße benutzenden vielen Leichenzügen sich befinde. Die Inhaber von Restaurationen mit Damen- bedicnung befinden sich in argen Nöthen. Kaum ist die st' sie so wichtige„Kellneftnnensrage" vom Polizeipräsidium, wenn auch nicht im Sinne und den Wünschen der Petenten eist sprechend, entschieden und erledigt worden, so drängt sich scbon wieder eine neue„brennende Frage" in den Vordergrund, nämlich die Frage, wann die resp. Gäste nach Eintritt der Polizeistunde(11 Uhr Abends) die Restaurationen mit Damen- bedienung verlassen haben müssen. Zu Beginn des Jahre- hatte sich der Verein Berliner Restaurateure petitionirend«r' das Polizeipräsidium gewandt, um eine Verlängerung des 0? schästsbetriebes bis um 12 Uhr Nachts zu erreichen. T>st Petition wurde jedoch vom Polizeipräsidium abschlägig schieden, indessen verfügt, daß den betreffenden Gästen der festgesetzten Polizeistunde eine Viertelstunde Zeit zum lassen des Lokales verbleiben solle. Diese Verfügung sct aber außer Kraft getreten zu sein, da in neuerer Zeit Jnhad? von Restaurationen mit Damenbedienung wiederholt in genommen worden sind, weil sie innerhalb der garantisist Frist nach der festgesetzten Polizeistunde(11 Uhr Abends)
si>tenz eines Schutzmanns zu einem Heilgehilst"(j gen wollte, leistete der Verletzte entschiedenen Widerstaa-w M Legm ihn gelinder Zwang angewendet werde»" z,t Du Verletzungen am Halse erwiesen sich zum Th-rl bedenklich.«A .. lieber eine Gasexplosion wird uns berichtet: gestern Morgen 8 Uhr der bei dem Hof-Kürscknermeistee dach, Unter den Linden 70, in Dienst stehende Hausdieners � Notte m den nach der Sttaße zu belegenen Gefchäftsrau geben wollte, bemerkte er plötzlich einen penetranten Um die Ursache zu ermitteln, zündete derselbe ein Strcjf n a» und hielt in dem Geschäftsräume Umschau. Als er m» � Zündholz dem Schaufenster nahe kam, explodirten die% jii gesammelten Gase unter heftiger Detonation. Nolte wr» � ['� efmurter einen frisch ausgegrabenen Menscbensä> Polizei-Bertchtt�A,n"3 d. Mts. Vormittags d"" Neubau In den Zelten%. 22 der Maurer H'"» W* Abbrechen eines Gerüstes von demselben auf die Bai J, rt utch erlitt einen Bruch des Nasenbeins. Er wurde V't#' st Hantee gebracht.— Gegen Abend wurde auf J.1' 07 Kflrt trfiroere innere Verletzungen, so daß sie nach dem('»% Bethanien gebracht werden mußte.- Abends wurde �
Transport kommandirtcn Unteroffiziere in Streit und griffen denselben thätlich an, so daß die anwesenden Polizeibeamten Men sie einschreiten mußten. Leider entkamen die Hauptthäter rn der Menge. Gerichts-Zeitung. t Zur Kennzeichnung der privatindustriellen Zucht- Hausarbeit lieferte eine Verhandlung, die gestern vor der sünften Strafkammer hiesigen Landgerichts> stattfand, einen nach mancher Richtung hin nicht uninteressanten Beitrag. Vor den Schranken des Gerichts stand ein 22jähriger junger Mann, der trotz seiner Jugend eine große Reihe von Vorstrafen hinter sich hat. Sein unseliger 5Aang, sich an dem Eigenthum anderer Zu vergreifen, hatte ihn von seinem zwölften Jahre an mit allen Strafmitteln des Gesetzes Bekanntschaft machen lassen. Ja, zuletzt war er zu einer dreijährigen Zuchthausstrafe venirtheilt worden. Seine Strafzeit lief in diesem Herbst ab, und schon dachte er an die Freiheit, da trat ein Ereigniß ein, das ihn von neuem mit den Gerichten in Konflikt brachte. Das Zellen- Mängniß in Moabit, wo er inhaftirt war, hatte die Arbeits- »afte eines Theiles seiner Insassen an den Fabrikanten Elias yir vcrmiethct, der im Gefängniß Schirmssöcke herstellen ließ. f'w Schirmstöcke wurden in einer mechanischen Fabrik zunächst un rohen Zustande hergestellt, und dann im Gefängniß weiter bearbeitet und fertiggestellt; in jeder Zelle stand eine Drehbank. Zu den unfreien Arbeitern des Herrn Bär gehörte auch jener erwähnte tunge Mann. Er führte sich gut, und so kam es, daß ihm Ws? das Ende seiner Strafzeit die Dienstleistungen eines lefaktors übertragen wurden. Er konnte die traurige . �amkeit seiner Zelle verlassen, denn er diente dem Fabri- onlea dazu, das Arbeitsmaterial an die einzelnen Öäfilinge r bertheilen. Eines Tages erschien dieser Hilfskalefaktor bei Nj o Tirektor dieser Anstalt, Herrn Krohne, und brachte eine *W>roerde über den Fabrikanten Elias Bär an; derselbe habe w ohne jeden Grund geschimpft, ihn Schafskopf u. s. w. ge- tu?} lmÖ er bäte um Schutz gegen solche Uebergriffc. Einige Ml später beschwerte er sich noch einmal sehr lebhaft. Der �rektor ließ den Fabrikanten holen und fragte ihn, wie es oenn eigentlich in Wahrheit mit diesen Angaben verhalte. „ rc Elias Bär erwiderte, es sei an alledem kein wahres Wort, �.dotte zu dem Hilfskalefaktor nur gesagt, ich müßte ja ein m Schafskopf sein, wenn ich das und das thäte; auch Art? ct �en Beschwerdeführer nicht bei der Vcrtheilung von «rvnr benachtheiligt haben, wie jener noch behauptet hatte. T?. Oer Direktor den Charakter des Hilfskalefaktors dahin be- ««heilte, daß er wohl im Allgemeinen gutmüthig sei, aber uch äußerst leidenschaftlich und jähzornig werden könne, wenn er gereizt sei, so sagte er zu dem Fabri- wnten, er solle den Sträfling doch nicht mehr us per Zelle herausnehmen. An diesen beiläu- Mn Rath hielt sich der Fabrikant und theiltc dem Ge- angenenwärter mit, daß der Direktor dem Sträfling den Posten »s Hllfskalefaktor entzogen habe. Von diesem Tage an war s tust all den kleinen Freiheiten vorbei, die der Sträfling bis oahm genossen hatte; selbstverständlicb vermuthete er, daß Ric- wand anderes als Bär diesen Wechsel veranlasst habe und l-wmelte eine ungeheure Wuth gegen den Fabrikanten auf. . r beschloß, die Beleidigungen und schmälerunaen zu rächen, die jener seiner Meinung nach ihm angethan hatte. Am 9. September b' I. kam Bär in die Zelle, wo sein Feind saß, um An- Weisungen über Arbeit z.i geben. Hierauf hatte der Sträfling gelauert, er wußte gescheckt dem Fabrikanten in den Rücken zu kommen, schloß die Thür und schlug dann mit einem sogcnann- ten Fraisenfutter von der Drehbank Bär mehrere Male auf M Kopf, so daß dieser die Besinnung verlor und zu Boden .wizte; als er nach einigen Sekunden wieder zur Besinnung DR kniete der Sträfling auf ihm und bearbeitete ihn mit den «Msu. Auf sein jämmerliches Hilfcgeschrei kamen einige sche». hinzu,, welche den vor Wuth halb tollen jungen Men- n cln h'e Zwangsjacke steckten; hierauf wurde Und B,., Anordnung des Direktors in Ketten gelegt lag JJlch fünfzehn Tage und Rächte so. Herr Bär nur Tage lang zu Bett und war dann wieder hergestellt, Auf h-Ü% seit jener Szene etwas schwerhörig geworden sein. Senua i?sbäfling siel noch eine andere Strafe, die ihn hart 93 jf/ o?/' Seine ganze Arbeitsprämie in den drei Jahren, liclW m.Bf- wurde ihm entzogen, weil nach einer ministe- vor Ai>i v�gung diese Prämie fortfällt, wenn ein Sträfling Hier,,,, s seiner Strafzeit sich eines Vergehens schuldig macht. "vch die gerichtliche Strafe in Gestalt von neun . Gefängniß, zu welcher daS Schöffengericht ihn wegen nMiirfTiriffp tco'g;; terisirtc n?HCä aufrecht erhalten werden müsse. Er charak- ber f0. geklagten als einen gcwaltthätigen, rohen Patron, Wstaue« ft se'' daß man ihm kein zartbesaitetes Gcmüth Psindti* j-onne, welches gegen Ehrenkränkungen besonders cm- zn-gun?\. Ter Gerichtshof gelangte jedoch zu der Ucber- wcchnun» h der erste Richter bei der Strafabmessung nicht in hwten iw®cJ08m dabe, daß der Angeklagte durch den Fabri- 6 MotintJe�i worden fei und ermäßigte deshalb die Strafe auf Gefängniß. SWtcr. wderaufnahmesache gegen den Schlächter- �tlheihbw'l,00 Hoffmann wegen Gattenmordes ist dem So[flC v 8. des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Solomon, in Ferthtg L? der Presse gcmachtm Mittheilungen schätzens- einer n,.rJ' n n?' Zugeflossen. Von einem Herrn E. K. und �ußml?'?u'mann Z. sind dem Vertheidiger verschiedene I�inliAf,!;*" 1 verstorbenen Frau Hoffmann, welche die Wahr- rhun_ eines von derselben geplanten Selbstmordes dar- mn 2,t%. rt------ vvviv*vvu yvytwir.v«. �rfonp« ��untniß gebracht worden, u. a. erbieten sich belde vor C(m'' Zu beschwören, daß ihnen gegenüber Frau Hoffmann habe- ar Sahren, als sie in Reu-Weißenfee wohnte, erklärt entip°>,„'e würde sich, sollte ihr Mann sie noch einmal schlagen, s.vrinao»? Arsenik vergiften oder zum Fenster hinaus- dies netL d?,mit es dann heißen solle, ihr Mann habe Ishieden? n eTL,®inc Frau L. v. W. hat sich erboten, vcr- Sjefelhpn veu.wonmann entlastende Angaben zu machen, ohne näher zu qualifiziren. Sie wünscht, daß Herr kingehenn S. sie selbst über ihre Wissenschaft zur Sache deren m? vernehme. Tie Mitteilungen von mehreren an- Telbs,? Louen find für die Wiederaufnahme ohne Bedeutung. �wünsckt- Ä wird der Vertheidiger der Frau v. W- die ijnd alsdn»«. �nheit geben, ihre Bekundungen zu machen Liedern,.e", einem Nachtrage zu dem eingereichten neuer h� derqm» einem Nachttage zi W Öetirfitp k0!1 Ia8c die bekannt gewordenen Beweismittel gäbe her M8 deren Erhebung unterbreiten.— Nach iebn eraufnabm™ anzunehmen, daß die Zulässigkeit des 4(n neuen m?8� beschlossen und die angebotenen zahl- ein Blit der svw"se erhoben werden. wifAZ MMSK» WS» ,Mischbutte� doch wohl 50 pCt. Kuhbutter verlangen könne. Das Polizeipräsidium hat deshalb gegen den Verkäufer einer so zusammengesetzten„Mischbutter", der dieselbe von einem großen Fabrikanten bezogen, die Anklage wegen Vergehens gegen das Nahnmgsmittelgesetz veranlaßt und der Staats- anwalt beantragte eine Geldstrafe von 20 Mark. Es wurde nun aber festgestellt, daß der Händler diese Butter laut Faktura von einer im Großen arbeitenden Fabrik als„Mischbuter" be- zogen und auch als solche wieder verkauft hatte; ebenso ergab sich, daß der Kampf gegen diese Butter erst neueren Datums und die vom Chemiker Dr. Bischoff angeregte Polizeiverord- nung noch nicht erlassen worden ist und aus allen diesen Gründen mußte das Schöffengericht auf Freisprechung des An- geklagten erkennen. Wegen des„Sprembergcr Landfriedensbnrchs" wird gegen einen Theil der Angeklagten vom 8. bis 13. d. M. vor dem Landgericht, gegen einen anderen vom 15. d. M. ab vor dem Schwurgericht zu Kottbus verhandelt werdem. Nach dem „Kottb. An;." sind zur Aufrechterhaltung der Ruhe im Land- gerichtsgebäude umfassende Sicherhcitsmaßregeln angeordnet worden. Außer den Gerichtsdienern und Gendarmen, welche für die ungestörte Ruhe in den inneren Räumen zu sorgen haben, wird für den Sicherheitsdienst außerhalb des Gebäudes Militär requirirt werden. Dasselbe ist angewiesen, Äusschrei- tungen jeglicher Art zu verhindern. Der Eintritt in den Zu- fchauerraum ist nur denjenigen gestattet, welche sich im Besitz einer Eintrittskarte befinden und muß die Ertheilung einer folchcn vorher durch schriftlichen Antrag nachgesucht werden. Aiannheim, 2. November.(Strafkammer�) In der An- klagesache wider die Vorstände der aufgelösten Vereinigung der Metallarbeiter Teutschlands, nämlich gegen 1. den 29 Jahre alten Schfosser Wilhelm Hänsler, 2. den 34 Jahre alten Re- daktcur und Wirth Jakob Willig hier und 3. den 33 Jahre alten Schlosser und Wirth Johann Müller in Mutterstadt wegen Untreue hat die Sttafkammer des Landgerichts fol- gendcs Urtheil, welches heute früh 11 Uhr verkündet wurde, erlassen: Die Angeklagten Willig und Häusler sind der Unttcue im Sinne des§ 266 R.-St.-Ä.-B. und Müller außerdem wegen konkurrirender Unterschlagung ihm anvcrttauter Gelder schuldig und wird deshalb jeder der Angeklagten zu einer Gefängniß- strafe von drei Monaten, sowie zu je einem Drittel der Kosten des Verfahrens unter sammtverbindlicher Haftbarkeit ver- urtheilt. Aus den Entscheidungsaründen, deren Verlesung durch .Herrn Landgerichtsdirektor Bassermann nahezu eine halbe Stunde in Anspruch nahm, heben wir folgendes hervor: Durch das Ergebniß der Voruntersuchung, der Hauptverhandlung, ferner durch das Gutachten des Sachverständigen, durch die Aussagen der Zeugen, sowie durch das theilweise Ge- ständniß der drei Angeklagten ist folgendes festgestellt: Im Dezember 1884 wurde die Vereinigung der Metallarbeiter Deutschlands auf dem Kongreß in Gera gegründet. Zum Vororte wurde Mannheim, zum 1. Vorsitzenden W. Hänsler, zum 2. Vorsitzenden I. Willig und zum Hauptkassier I. Müller gewählt. Nach§ 2 der Statuten war der Zweck des Vereins, die Ehre und Interessen der Metallarbeiter zu wahren, namcnt- lich durch Erzielung möglichst günstiger Arbeitsbedingungen, besonders in Bezug auf Arbeitspreis. und Arbeitszeit, Unterstützung bei Maßregelungen, Stteikfällen jc. sc., Gründung einer Kasse für Arbeitslose, Bekämpfung der Kinder- und Frauenarbeit-c. Der§ 8 der Statuten besagt, daß die Ein- nahmen der Vereinigung aus den Einschreibegcldcrn, laufenden Beiträgen,' Zinsen aus angelegten Geldern und etwaigen Extrabeiträgen bestehen. Nach§ 9 betrug das Einschreibegeld 50 Pf., der wöchentliche Beittag 10 Pf., von den Einschreibe- gcldern waren 25 Pf., von den wöchentlicheu Beiträgen 5 Pf. an die Kasse abzuliefern. Der Ausschuß bestand aus 7 Mit- gliedern, und zwar aus einem 1. und 2. Vorsitzenden, einem Hauptkassier, dessen Stellvertreter und 3 Beisitzern. Nach§ 12 geschah die Wahl der Vorsitzenden durch die Generalversamm- lung. Der Ausschuß hatte namentlich den Verein Dritten gegenüber zu vertreten, für richtige Anwendung der Statuten, der Ausführung der Beschlüsse Sorge zu tragen, Kasscnange- legen hciten zu ordnen, Gelder zu belegen und zu er- heben, einen vierteljährlichen und jährlichen Kassenbericht zu veröffentlichen, Generalversammlungen einzuberufen, Unter- stützungcn zu bewilligen und statistische Erhebungen anzustellen. Nach§ 15 hatte der Vorsitzende die Korrespondenz zu führen, den Verein in allen Angelegenheiten zu vertreten, alle Schrift- stücke, Erlasse und Bekanntmachungen der Generalversammlung und des Ansschusses zu unterzeichnen. Das Amt des ersten Vorsitzenden und Hauptkassiers war nach§ 16 besoldet und zwar wurde das Gehalt von der Generalversammlung fest- gesetzt. Ilm 2. Juni v. I. wurde eine von dem Angeklagten Hänsler verfaßte Druckschrift des Vereins„Aufruf und Abrechnung der hauptkassc für l. Quartal 1885" verboten; gegen dieses Ver- bot legten Hänsler und Willig Beschwerde ein, welche jedoch von der Reichskommisston unterm 24. Juni v. I. als unbc- gründet verworfen wurde. Es folgte die Auflösung der Ver- einigung auf Grund des§ 1 des Sozialistengesetzes und am 19. August vor. Js. die Bestätigung derselben durch den Lan- dcskommissär für die Kreise Mannhcim-Heidelbcrg-Mosbach, und zugleich die Beschlagnahme der Vcreinskasse; hierbei fand sich in der Kasse ein Baarbestand von 8 Pf. vor. Die Unter- suchung des Vermögensstandes ergab folgendes: Die Ein- nahmen der Vereinigung betrugen 3579 M- 95 Pf.; an Untersttitzung wurden im Ganzen 80 Pf. ausbezahlt; der Kassenvorrath bei der Beschlagnahme bestand in 8 Pfennigen, so daß die Ausgaben, welche lediglich durch Verwaltungskosten verursacht wurden, sich auf 3579 M. 6 Pf. belaufen. Nach dem Gutachten des Sachverständigen hat der Angeklagte Hänsler allein für Gehalt und Reisen 813 M. erhalten, Willig für Be- schaffung statistischen Materials und Reisen 200 M-, und Müller für Gehalt und Zeitverlust 183 M., also zusammen nahezu ein Drittel der Gesammteinnahmen; weitere Beträge wurden an die Beisitzer und Mitglieder der Kontrolkommission bezahlt. Dieser ungünstige Vcnnögcnsstand und die in letzter Zeit an die Angeklagten gemachten großen Zahlungen mußten selbstver- ständlich auffallen und wurde deshalb in Herrn Kaufmann Hopps ein Liquidator bestellt; die Sache erschien um so sonder- barer, als auch insbesondere die Kopirbücher verschwunden waren. Es wurde Untersuchung eingeleitet, und durch Er- öffnungsbeschluß des Oberlandesgcrichts ausgesprochen, daß gegen oic 3 Angeklagten Anklage zu erheben sei, weil sie als Bevollmächtigte, nämlich als Ausschußmitglieder der Vereini- gung der Metallarbeiter Deutschlands über Verntögensstücke ihrer Auftraggeber absichtlich zu deren Nachtheil verfügt haben, indem sie im Juli vorigen Jahres statutenwidrig folgende Be- träge der Vereinskasse entnahmen und zu ihrem eigenen Nutzen verwendet haben: 1) Hänsler 2 mal 120 M., angeblich als Gehalt pro Jnli resp. August, ferner 70 M., angeblich als Gratifikationen für Besorgung der Kassen- und MMrederbucher, aI'J Dtt�n�ge�lbchaupte/n'un, daß in 5 Fällen eine Ver- MZMMK pro Juli und August erhalten habe und daß er am 8. Jum S'£t August beanspruchen konnte nnd auch rechtmäßig bezogen habe, weil er die Geschäfte der Vereinigung bis zur Auflösung an Stelle des zu seinem Stellvertreter ernannten Willig besorgt habe, und weil ihm Willig den Fortbezug des Gehaltes ttotz seiner Absetzung zugesichert habe und im klebrigen der Ausschuß ja berechtigt gewesen sei, das Gehalt des ersten Vorsitzenden und des tzauptkassiers sür das erste Jahr zu fixiren. Was weiter die 70 M. betrifft, so hat Hansler in Bezug auf dieselben verschiedene Aussagen gemacht. Nach seiner letzten Aussage habe er von diesen 70 M. nur 60 M. erhalten, 30 davon als Unterstützung nach Zeitz an eine Wwe. Schröder gesandt, die anderen 30 M. deponirt. Was schließlich die 33 M. anbelangt, so will Hänsler diese zu einer Agitationsreise nach Villingen ausbezahlt erhalten und verwendet haben. Die Beweisaufnahme hat die Wahrheit dieser letzten Behauptung des Hänsler ergeben, während alle anderen Aussagen auf Unwahrheit beruhen. Die Gehaltsfrage betreffend ist in den Statuten lediglich bestimmt, daß der erste und zweite Vorsitzende ein Gehalt beziehen solle; es findet sich aber zu- gestand encrmaßen nirgends ein Beschluß im Statut, daß dem Ausschuß das Recht zustehen solle, dieses Gehalt für das erste Jahr zu fixiren. Die Angeklagten behaupten zwar, ein solcher Beschluß sei thatsächlich gefaßt worden, dessen Aufnahme in das Statut aber aus Versehen unterblieben. DasGehalt Hänslers wurde zuerst auf 70, später auf 120 M. fixirt. Nun ist aber festgestellt, daß Hänsler am 8. Juli als I.Vorsitzender abgesetzt und Willig zu dessen Stellvertreter ernannt wurde; trotz der Absetzung hat nun Hänsler für die Monate Juli und August das Gehalt mit je 120 M. fortbezogen, also widerrechtlich; denn wenn Hänsler auch sagt, Willig habe ihm das Recht des Fortbezuges des Gehalts zugesprochen, so ist darauf zu erwidern, daß Willig durchaus nicht dazu berechtigt war. Es existirt auch im Protokoll kein Beschluß darüber, daß Hänsler trotz feiner Absetzung das Gehalt f orteziehen solle und wenn Hänsler sich auf ein Protokoll vom 18. Juli 1885 bezieht, in welchem sich die Be- stimmung findet, daß das Gehalt pränumerando zu zahlen sei, so ist dies ebenso statutenwidrig bestimmt. Es geht aber aus dem Protokoll hervor, daß dieses gefälscht ist.'Worin ferner die großen Arbeiten, die Hänsler für die Vereinigung besorgt haben will, bestanden haben sollen, ist nicht ersichtlich, da ins- besondere das Kopirbuch verschwunden ist. Es ist aber andererseits festgestellt, daß die Arbeiten gerade in den Mo- naten Juli und August nur sehr gering und auf ein Mini- mum herabgesunken waren; auch ist es unbegreiflich, warum Willig für eine so geringe Thätigkeit dem Hänsler ein so hohes Gehalt bewilligt haben soll, namentlich wenn man die geringen Einnahmen des Vereins in Bettacht zieht. Tie Angeklagten wußten schon damals, als das Verbot der von.Hänsler verfaßten Druckschrift erging, daß die Auflösung der Vereinigung nachfolgen werde; deshat waren sie besttebt, die Kasse zu leeren und wie aus der Hauptverhandlung hervorgeht, zunächst für sich selbst zu sorgen; deshalb mußte auch das Gehalt praennmeran lo ausbezahlt werden. Das geht am deutlichsten hervor aus dem von Hänsler ver- faßten Aufruf vom 18. August v. I., in welchem die aus- wältigen Mitglieder aufgefordert werden, alle Gelder zu be- fettigen und mit Quittungen zu belegen; man scheute sich also nicht, selbst mit Fälschungen vorzugehen und Alles zu thun, um der Verwaltungsbehörde die Gelder zu entziehen. Es er- scheint demnach für erwiesen, daß Hänsler widerrechtlich 2mal 120 M. bezogen hat und es zeigt sich deutlich, daß Hänsler nicht das Beste des Vereins, sondern nur sein eigenes Jnter- esse im Auge hatte. Bezüglich des Angeklagten Willig geht die Schuld dahin, daß er der Kasse 120 M. veruntreut hat. Er behauptete, daß er im Februar oder März vorigen Jahres vom Ausschuß mit der Beischaffung statistischen Materials beauftragt und ihm hierfür 120 M. bewilligt worden seien. Nun heißt es aller- dings in einem Protokoll, die Aufstellung der Statistik wird beschlossen und einstimmig genehmigt, und später wird, um sich unverdächtig zu machen, nochmals wiederholt, die Auf- stellung der Statistik wird einstimmig beschlossen. Beide Pro- tokolle rühren aber sonderbarer Weise nicht von der Hand des eigentlichen Schriftführers Crämcr in Ludwigshafen her, sondern sind von Häusler geschrieben und von ihm und Willig unterzeichnet. Diesen Umstand können die beiden An- eklagten nicht erklären; es ist demnach zweifellos, daß beide "rotokollc gefälscht sind. Verschiedene Zeugen behaupten zwar, daß schon Anfang 1885 Willig beauftragt ivoroen sei, statistische Erhebungen zu machen, aber ein diesbezüglicher Beschluß findet sich nirgends. Das von Willig übrigens vorgelegte statistische Material steht mit den Interessen der Vereinigung der Metallarbeiter in gar keiner Berührung. Der Angeklagte Müller verzichtete am 28. Februar 1885 auf das Gehalt; aber unterm 8. Juli, also in einer Zeit, wo die Angeklagten um die bevorstehende Auflösung der Ver- einigung wissen konnten, findet sich ein Protokoll, wonach dem Augeklagten Müller als Gehalt 25 M. bewilligt werden und zwar mit rückwirkender Kraft; er hat demnach widerrechtlich 125 M. aus der Kasse entnommen. Der Thatbestand des§ 266 R.-Stt.-G.-B. liegt gegen die 3 Angeklagten vor, denn dieselben haben in der That in der Eigenschaft als Bevollmächtigte über Vermögensstücke ihrer Austtaggcberin widerrechtlich und zu deren Nachtheil und in der Absicht rechtswidriger Zueignung gehandelt und sind des- hat wegen Untreue zu bestrafe». Von der Anklage wegen Unterschlagung, resp. Beihilfe hierzu, sind die Angeklagten Hänsler und Willig freizusprechen, Müller dagegen neben der Unttcue auch der Unterschlagung für schuldig zu erkennen. Hirschberg, 1. November.(Jugendlicher Messerheld.) Die hiesige Strafkammer hatte sich vorgestern mit der Anklage gegen einen 13jährigen Schulknaben zu beschäftigen, der sich einer schweren Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werk- zeuges schuldig gemacht hatte. An einem Tage des April v.J. traf der Knabe Karl S. den ihm von früher her bekannten Ar- beitersohn G. von hier und, ohne irgend eine Veranlassung zu haben, vertrat er ihm den Weg und überhäufte ihn mit Schimpf- namcn. G., der sich dies nicht gefallen lassen wollte, drang auf ihn ein, da zog S. schnell ein Taschenmesser vor und, che G. es sich versah, hatte er ihm dasselbe mit einer solchen Kraft in ein Auge gestoßen, daß es darin stecken blieb und erst später herausgezogen werden konnte. Nach Aussage des den Knaben dehandelnden Augenarztes Dr. Meyhofer aus Görlitz ist das Auge, obgleich G. jetzt noch ein wenig darauf sieht, unbedingt verloren und das Sehvermögen nur für kurze Zeit noch zu er- halten. Der Staatsanwalt beantragte, mildernde Umstände nicht anzunehmen und den S. zu 1 Jahr Gefängniß zu ver- urth eilen. Der Gerichtshof schloß sich diesem Anttage an. Uerewe undl Nersammwnyen. + Der Fachverein der Mechaniker, Optiker re. hielt am Mittwoch, den 3. d. M., in Niest's Salon, Kommandanten- straße, unter Vorsitz des Herrn Spieß eine Mitgliederversamm- jung ab. Herr Dr. Stahn hielt einen beifällig aufgenommenen Vorttag über„Elekttizität und Magnetismus", an den sich eine längere Debatte und Fragebeantwortung anschloß. Unter„Ver- schiedenes" kamen die Zustände in der Telcgraphenfabrik von Georg Wehr, Alte Jakobsttaße, nochmals zur Sprache, die be- reits eine frühere Versammlung beschäftigt haben. Der Werk- führer der Fabrik, Herr Pascwalk, war zugegen und machte einige Angaben über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse, die in einem gewissen Gegensatz zu den Angaben standen, welche der Prinzipal selber m einem Briefe an den Fachverein mitgeteilt hatte. Unter Androhung, ein genchtliches Verfahren anhängig zu machen, hatte Herr Wehr bestritten, zwanzig Lehrlinge und zwanzig Gehilfen zu_ beschäftigen. Er wollte 10 Lehrlinge und 40 Gehilfen haben. Herr Pasewalk wußte nur von 20 bis 30 Gehilsen zu sprechen und
tofic Matinee, wozu Freunde und Kollegen freundlichst emac- .—• i. s», T � � � f CYl......! 1-L. � 2 v\ f..f � � i f erhöhte die Zahl der beschäftigten Lehrlinge auf zwölf. Während er zunächst die von anderer Seite an ihn gerichtete Frage, ob nicht einige der Lehrlinge des Sonntags und nach Feierabend zu halben Akkordsätzen in dieser Werkstatt arbeite- tcn, unentschieden und zögernd in unklarer Weise beantwortet hatte, kam er zum Schluß dazu, diese Angaben zu bestreiten, nachdem er erfahren hatte, daß das Gesetzt diese Ausnützung jugendlicher Arbeitskräfte bestrafe. Dm wöchentlichen Minimal- lohn gab er auf 15 M. an und behauptete, daß jeder Gehilfe 40 Pf. pro Stunde verdimen könne. Nähere Angaben vcr- mochte oder wollte Herr Pasewalk nicht machen; nur konstatirte ein Herr, der in der Wehr'schen Werkstatt ausgelernt hat, daß er dort sehr wenig gelernt habe.' Damit war die Sache erle- digt.— Beschlossen wurde noch, daß kranke Mitglieder bei einer Dauer der Krankheit von mindestens vier Wochen vom Beitrage befreit sein sollen. Außerdem wurden fünf Ersatzwahlen für das Bergnügungskomrtee vollzogm. Der Aachverein der Steinträger Berlins veranstaltet am Sonntag, den 7. November, in der„Tonhalle", Friedrich- straße 112, zum Besten kranker, hilfsbedürftiger Mitglieder eine aro'I~"-"'"""" laden find. Entrce a Wallenthin,-----------------... Hampcl, Reichcnbergerftr. 123; Marohn, Püiklerstr. 13; Dralle, Skalitzerftr. 62; Bogelländer, Bergniannstr. 89; Rüstow, Palli- sadcnstraße 27; Deich, Grünthalerstr. 59; Sterling, Moabit, Stromstr. 44, und bei„Bater Dretz" am Wcddingplatz. Alter Louisenstädtischer Handwcrker-Verein, Adalbert- straße 21, Ltto's Restaurunt. Sonnabend, den 6. November, Abends 8'/, Uhr: Vortrag des Herrn Kaufmann May über rusfische Zustände. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeiter(E. H. 29, Hamburg). Filiale>, Berlin. Sonn- abmd, den 6. November, Abends 8'/, Uhr, Versammlung bei Poppe, Lindenstr. 106. Tagesordnung: Kassenbericht, Wahl eines Beitragssammlers, Verschiedenes. Die Zahlstellen sind geschlossen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeiter(E. H. 29, Hamburg). Filiale 4. Ten Mitgliedern ur Kenntniß, daß die monatliche Versammlung nicht am 6., andern an» Sonnabend, den 13. November er., Abends 8'/, Uhr, Andreasstr. 26 stattfindet. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeiter