Nr. 262. Dienstag, den 9. Uanemder 18S6* B Iichrg. SMerNlksd!«» Drgii» für die Interessen der Arbeiter. 4 Das.. Berliner Volksblatt" (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) JnsertionSaebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Ucbercinkunft. Inserate werden bis 4 Ilbr Nachmittags in der Expedition, Berlin SV/., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Äureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: KeutWraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. In Sachen des„Gestndes�. . Wir können das Wort„Gesinde" nicht leiden, denn es stammt offenbar aus einer Zeit, da man von der dienenden Klaffe noch einen sehr niedrigen Begriff hatte, wie der Wortlaut andeutet. Man sah die Dienenden nicht für vollgilttge -Renschen an. Es giebt auch heute noch Leute, die solche Anschauungen haben und man findet sie besonders zahlreich oci den konservativen Parteien. Die Herren Ritterguts- desitzer rühmen zwar häufig das„schöne patriarchalische Ver- haltniß", in dem sich der Gutsherr der guten alten Zeit zu stmen Dienstboten befunden haben soll; sie haben aber keine �ust, heute selbst in ein solches Verhältniß zu treten. Nun joiumt aber die freikonservative Partei, die Herren Kardorff und Genoffen und kündigen einen Antrag an, bewirken soll, daß der„böswillige Kontrakt- vruch" beim Gesinde bestraft wird. , Selbst wenn nachgewiesen würde, daß vom Gesinde uielfach der Kontrakt böswillig gebrochen würde, so Müßten wir uns doch gegen den Antrag er- "gren. Wir beharren dabei auf dem Standpunkt, den lvir in der Dienstbotenfrage immer eingenommen haben; wir wünschen die Dienstboten den industriellen und gewerb- wichen Arbeitern gleich und unter die Gewerbeordnung gestellt. Die verschiedenen Gesindeordnungen, die in Deutsch- land noch bestehen, beruhen fast alle auf ganz veralteten Anschauungen und viele davon widersprechen seyr stark den Modernen Begriffen von Menschenwürde durch die Vorrechte, sie dem Dienstherrn einräumen. Diese Gesindeordnungen mw sämmtlich abzuschaffen, nicht aber zu verschärfen, wie lt Freikonservativen es wollen. Wenn die Herren Kardorff und Genoffen ihren Antrag so werden sie auch Aufschlüffe über die Verhält- Möfi Dienstboten, Tagelöhner u. s. w. vom Lande geben treih werden da freilich versuchen, Schönfärberei zu fall Allein man wird ihnen von anderer Seite jeden- mit Thatsachen aufwarten, die beweisen, daß das Epfi v*® Proletariat sich in keineswegs beneidenSwerther Lage ' Es ist schon bezeichnend genug, daß für den elL.�er vom Lande seine dreijährige Militärzeit die schönste oen behaglichen bürgerlichen W.......... m'st der dreijährige Dienst und das Kasernenleben als r �ner gewiß kein Vergnügen. Tausende und aber Tau- ser«'0n Endlichen Tagelöhnern haben, wenn sie zur Ka- L-?6'ommen, bessere Kleidung, bessere Nahrung und ein büw®ä Bett als draußen auf dem Lande; ihre Arbeit ist dräußen gjch® als der Militärdienst und auch der gröbste Unter- ba» er"lcht so grob, wie mancher Aufseher oder Guts- - Das ist, dächten wir, schon hinreichend, um den o�onste Episode seines Lebens bildet. Wer sich in nur einiger- den �®yaglichen bürgerlichen Verhältniffen befindet, für ßh# »erboten.; IkeuMeton. s21 Im Hause des Perderdens. Kriminalroman. Von Reinhold Ortmann. XV. W; vH? Holmfeld den seltsamen Auftrag deS Inspektor bek6' empfangen, hatte er zunächst in einer Aufwallung WtoV v�neS den Gutsherrn zu sprechen verlangt. Auf m. �choicht, daß der Baron im Park sei, war er in seine a(wiu.n9 zurückgekehrt und hatte sich ohne Besinnen daran � cht, seine Sachen zu packen. Zn kaum einer Stunde war 9"'* zu Ende; aber er ging noch nicht, denn es lasw?. f®ß®f Entschluß, Brandenstein nicht eher zu ver- aea-'r®� dem Gutsherrn noch einmal Auge in Auge gegenüber gestanden habe. Elbs n � wurde ihm gesagt, Curt befände sich nicht im dort• un� fo ging Holmfeld nach dem Gärtnerhause, um rein®'n®n vorläufigen Abschied zu nehmen. Cr glaubte Bari." T"8®" nicht trauen zu dürfen, als er hier dieselben Nock v �"ngen zu raschem Aufbruch bemerkte, die er selbst flaZJ i" getroffen. Mit Erstaunen und mit heißauf- vie � Entrüstung vernahm er aus dem Munde Elsbeth's, von IT k®bt nichts mehr verbergen konnte, die Erzählung �.Ereignissen des Nachmittags. welcke». lunge Mädchen mußte den ganzen Einfluß, dem k»k über den Geliebten besaß, aufbieten, um ihn von öurückzuhal� Aufsuchen und der Züchtigung des Barons das?'tten und Vorstellungen gelang eS endlich, ihm wolle abzunöthigen, daß er keinen Versuch machen %e ml, Gutsherrn jetzt Rache zu üben, und daß er �bend?�- und. ohne ihn noch einmal gesprochen zu 3n der n®, 01/! bisherigen Thätigkeit verlassen werde �°lmseld �."�"ftl'ch®" Berathung wurde beschlossen, daß Aufen'tbl°°'l°ufig dem nahe gelegenen Städtchen seinen Schmesterl"�men solle, während Nikolaus und seine g®� der mit der Wegschaffung des Hausraths Herren Kardorff und Genossen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Konservativen können überfließen von demagogischen und arbeiterfreundlichen Redensarten, wenn es sich um die industriellen städtischen Arbeiter handelt. Das wird anders, wenn vom ländlichen Proletariat die Rede ist, und zwar nicht nur, in Worten, sondern auch in Thaten. Die Konservativen und Ultramontanen haben den städtischen Arbeitern die obligatorische Unfallver- sicherung nicht laut genug anpreisen können; für die ländlichen Arbeiter haben sie die Versicherung vorläufig nur fakultativ angelegt. Das ist deutlich genug. Die Freikonscrvativen werden bei der Berathung ihres Antrags jedenfalls den Nachweis geliefert bekommen, daß die schlechten Arbeits- und Lohnverhältnisse es sind, die dem Arbeiter manchmal unerträglich werden und ihn zum Kon- traktbruch treiben. Das liegt sehr nahe und man muß sich wundern, daß so viele Leute es nicht begreifen wollen. So klagt z. B. der Fabrikinspektor für Zwickau über Mangel an Dienstboten und beschwert sich, die jungen Mädchen ver- zichteten auf„hohe Löhne, gute Verpflegung und theure Geschenke", die ihnen als Dienstboten ,n Aussicht ständen und gingen lieber in die Fabrik. Das erscheint dem Herrn Fabrikinspektor unbegreiflich. Da liegt aber doch die Ver- muthung sehr nahe, daß den Dienstboten jene Vortheile in Wirklickkeit nicht geboten werden, denn warum sollten sie sonst dieselben ausschlagen? Sie werden aber in den Fabriken mehr verdienen, trotzdem gerade in der sächsischen Industrie die Lohnverhältnisse der Arbeiterinnen besonders traurige sind. So wird es auch anderwärts sein. Giebt es nicht„Herrschaften" genug, die einem Dienstmäd- chen zumuthen, für jährlich 60—70 Mark, für die Kost und ein Geschenk zu dienen? Und die Verpflegung ist oft sehr mangelhaft. Man bedenke nur, was für Räumlichkeiten oft in ganz guten Häusern den Dienstboten als Schlafstätten angewiesen werden. Von der Behandlung und Arbeitslast gar nicht zu reden. In vielen Gegenden zieht man auf dem Lande fremde Arbeiter heran; Polen, Russen, Schweden, Italiener und Ungarn kamen immer in Masse zu uns herein. Sie ar- betten alle billiger als die Deutschen und da werden diesen die Löhne dermaßen gedrückt, daß sie nicht mehr bestehen können, und in den städtischen Industriebezirken oder sonst anderswo Arbeit suchen. Wenn sie dabei Kontrakte brechen, so ist das nicht recht, allein man kann es verstehen, wenn ein Mann, dessen Familie dar- ben muß, eine sich darbietende Gelegenheit zu besserem Verdienst benutzt. DaS ist noch nicht obne Weiteres„Böswilligkeit". Die Herren Kardorff und Ge- nossen werden, um diese„Böswilligkeit" zu begründen, erst nachweisen müssen, daß sich die ländlichen Dienstboten verbundenen Schwierigkeiten vor der Hand in einem der nächsten Dörfer zu bleiben und erst nach einigen Tagen nachzufolgen beschlossen. „Weine nicht, mein geliebtes Mädchen," sagte Holm- feld, als er die leise schluchzende Elsbetb endlich zum Ab- schied in seine Arme schloß.„Nach alledem, was uns die letzten Tage gebracht haben, fällt es mir wie ein Stein vom Herzen bei dem Gedanken, daß wir diesen unheimlichen, unseligen Ort, dieses HauS des Verderbens verlassen! Mag uns auch die nächste Zukunft durch die Trennung schwer werden, das glückliche Ende ist ja nicht mehr fern, und wer weiß, ob wir nicht schneller wieder zusammen- geführt werden, als Du es ahnst!" „Und Du versprichst mir noch einmal, dem Baron aus dem Wege zu gehen und ihn weder mit Worten noch mit Thaten zur Rede zu stellen?" Die Stirn des jungen Mannes furchte sich, und er warf einen Blick auf Nikolaus, der finster neben ihnen stand. „Ich will ihm aus dem Wege gehen, ElSbeth!— Um Deiner Ruhe willen verspreche ich Dir daS!— Aber wenn er mir noch einmal selbst entgegen treten sollte, so werde ich ihm nichts schuldig bleiben, nicht daS Geringste!— DaS � �Elsbeth seufzte; aber sie wußte wohl, daß auf eine weitere Nachgiebigkeit Georg's nicht zu hoffen war. Sie schmiegte sich dann noch einmal fest an seine Brust und schaute ihm, als er davonschritt, so lange nach bis auch der letzte Streifen seines HuteS hinter dem Gebüsch verschwunden war. � n)ieber|e�en//f tröstete Nikolaus, als er sah wie ihr trotz des Bemühens, gefaßt zu erscheinen und ruhig in ihrer Arbeit fortzufahren, die heißen Thränen über die Wangen liefen.„Ihr habt ja die Hoffnung auf die Zukunft, und mit der läßt sich auch die Harteste Gegenwart ertragem ��hige Ton seiner letzten Worte und daS rasche Abwenden seines Gesichts erinnerten Elsbeth an ihre schwesterlichen Pflichten. Sie schlang ihren Arm um seinen Hals und obwohl Keiner von ihnen ein Wort werter sprach, und Arbeiter in behaglichen Verhältnissen befinden und das dürfte ihnen schwer fallen. Man wird sich noch an daS Kontraktbruchsgesetz erinnern, das in Form einer Novelle zur Gewerbeordnung vor etwa 10 Iahren im Reichstag eingebracht und abge- lehnt wurde. Die Gründe, die seine Ablehnung herbei- führten, bestehen heute noch und werden den Herren Kar- dorff und Genossen im Wege stehen. Allerdings ist die reaktionäre Strömung heute stärker als damals. Wir wollen indessen hoffen, daß man in der Dienstbotenftage vorwärts reformirt und nicht rück- wärts, wie es die Herren Kardorff und Genossen wollen. &r Jiandftaßimg des IozilMenge�ehes. Die Reichskommission, welche über Beschwerden gegen die auf Grund des Sozialistengesetzes erfolgten Entscheidungen der Landespolizeibehörden endgiltig zu entscheiden hat, hat bekannt- lich die Verbote des Offenbacher„Lokalanzeiger" und„Abendblatt", sowie eines in Braunschweig er- schienenen Flugblattes aufgehoben. Die Verfügung betreffs der Offenbarer Blätter ist äußerst interessant und lautet wörtlich: Reichskommisston. Berlin, den 29. Oktober 1886. Auf die Beschwerden des Ver- legcrs der periodischen Druckschrift:„Offenbacher Lokalanzeiger". Anzeige- und Lokalausgabe des„Offenbacher Sonntaasblatt" gegen den die Nummer 1 und das fernere Erscheinen der ge- dachten Druckschrift verbietenden Beschluß des großherzoglich hessischen Kreisamtcs zu Offenbach vom 3. August d. I. hat die Reichskommission in ihrer heutigen Sitzung dahin entschieden: die Beschwerden für begründet zu erachten und demgemäß das angefochtene Verbot wieder aufzuheben.— Das auf Grund des§ 11 des Gesetzes vom 21. Oktober 1878 erlassene Verbot des großherzoglich hessischen Kreisamtes zu Offenbach stützt sich lediglich aus die Annahme, daß der„Offenbacher Lokalanzeiger" nach Form und Inhalt als eine Fortsetzung des auf Grund desselben Gesetzes-Paragraphen ver- botenen„Offenbacher Tageblatt" zu betrachten sei. Diese Motivinma reicht jedoch zur Rechtfertigung des Verbots nicht aus. Die im§ 6 Abs. 3 des Gesetzes vom 21. Oktober 1878 enthaltene Bestimmung, daß das Verbot eines unter den Gesichtspunkt des§ 1 dieses Gesetzes fallenden Vereins auch jeden vorgeblich neuen Verein umfasse, welcher sachlich als der alte sich darstellt, ist auf die im§ 11 loa. c i fr. charakterisirten Zeitschriften nicht anivend- bar. Jede neue Zeitschrift i st auch alseine neue und selbstständige Erscheinung der Presse zu behandeln. Das Verbot einer solchen ihrer äußeren Form nach neuen Zeit- schrift kann deshalb nicht lediglich darauf ge- stützt werden, daß sie sich sachlich als erne bloße Fortsetzung einer bereits verbotenen Zeitschrift darstelle. Der„Cffcnbacher Lokalanzeiger" unterscheidet sich nun nach Form und Inhalt wesentlich von wußten sie doch Beide, daß diese stumme Umarmung ein Gelöbniß war, treu zu einander zu stehen und in allem Leid geduldig auszuharren bis an em glücklicheres sonniges Ende.— In der Stadt hatte Holmfeld bald eine kleine Wohnung nach seinen Wünschen gefunden, und da er nicht gesonnen war, die Sorge um seine und Elsbeth's Zukunft auch nur um eine einzige Stunde zu verschieben, so verging ihm der Abend und der folgende Vormittag sehr rasch unter der Abfassung von Briefen und Anzeigen, die er nach verschie- denen Richwngen zu versenden gedachte. Als er Mittags um 2 Uhr aus einem nahe gelegenen SpeisehauS, in wel- chem er seine Mahlzeit zu sich genommen, in sein Stübchen zurückkehrte, sah er ein kleines viereckiges Billet auf dem Tische liegen, das weder eine Briefmarke noch einen Post- stempel trug und demnach in seiner Abwesenheit durch einen Boten gebracht sein mußte. Er nahm es in die Hand und erkannte sogleich Elsbeth's schlanke Schriftzügc, eine Ent- deckung, die ein Roth freudiger Ueberraschung auf seine Wangen rief. Erstaunt aber hasteten seine Blicke, als er den Um- schlag gelöst hatte, auf den wenigen Zeilen, welche das Briefchen enthielt. Die Handschrift sowohl wie der unter- zeichnete Name ließen ihm keinen Zweifel, daß wirklich seine Braut die Urheberin der kurzen Mittheilung war, aber der Inhalt dieser letzteren klang ihm befremdlich genug. Er lautete: „ES ist dringend nothwendig, daß ich Dich noch am heutigen Abend spreche, mein Geliebter! Es ist etwas vorgefallen, von dem ich Dich in Kenntniß setzen muß, aber weder mein Bruder, noch sonst Jemand in der Welt darf etwas von unserer heutigen Zusammenkunft erfahren. Ich erwarte Dich wenige Minuten vor neun Uhr hinter der dichten Buchengruppe am Ufer des Teiches im Bran- densteiner Park. Du darfst rveder früher noch später kommen und mußt Dich um meinetwillen hüten, von Jemanden auf dem Gute gesehen zu werden.— Diesen Brief mußt Du unbedingt auf der Stelle ver- brennen. ES küßt Dich tausendmal Deine Elsbeth." tiem verbotenen„CftenBncfjet Tagcbla�. Es ist deshalb selbst- ständig zu prüfen, ob derselbe Bestrebungen dient, welche der § 11 des Gesetzes vom 21. Oktober 1878 verbietet und derentwegen das„Offenbacher Tageblatt" verboten worden ist. Dies läßt fich aber nicht behaupten, weil die einzige dem Verbote unterstellte Nummer 1 desselben nur Geschäfts-Anzeigen, tendenz- lose Erzählungen und sonstige harmlose Nachrichten aus Stadt und Land enthält. Da sich hiemach das angefochtene Verbot aus tz 11 des allegirten Gesetzes nicht rechtfertigen läßt, so war dasselbe, wie geschehen, wieder aufzuheben. Die Reichs-Kom- Mission. Herrfurt. �_, Soweit die Entscheidung der Reichskommission, dre offenbar für die Arbeiterpresse von nicht geringer Bedeutnng ist. Aus derselben geht auch deutlich hewor, daß der Amtmann Fuhr eine Auslegung des§ 6 Abs. 3 des Sozialistengesetzes für gut hielt, die sofort als unrichtig ins Auge fallen mußte, denn der- selbe spricht nur von Vereinen, aber nicht von Z e i t u n- gen. Und dennoch das Verbot! Durch das Verbot des „Lokalanzciger" wurde der Drucker C. Ulbrich so empfindlich betroffen, daß er gezwungen war, die Dmckerei aufzugeben. Räch seiner Versichemng wurde das Geschäft dadurch um zirka 20000 M. geschädigt und entsteht jetzt mit Recht die Frage, an wem sich der Geschädigte schadlos halten soll. Onenbar ist Herr Amtmann Fuhr für seine Amtshandlungen verantwortlich und Herr Ulbrich beabsichtigt auch, gegen denselben eine Klage auf Schadenersatz anzustrengen. Er begründet dies nach dem Offenbacher„Extrablatt" damit, daß der Herr Amtmann Fuhr die deutlich ersichtliche Absicht der Bestimmung des§ 6 Abs. 3 des Sozialistengesetzes hätte wahmehmen müssen und zwar umsomchr, als der Geschädigte ihn auf die gänzliche Un- zulässigkeit des Verbots und die nicht zu rechtfertigende Aus- legung des betreffenden Paragraphen a u f m e r k s a m g e- macht hat. Es erscheint geradezu unbegreiflich, wie der höchste Beamte der Landespolizeibehörde des Kreises Lffenbach eine Bestimmung, die für Vereine erlassen war, auf eine Zeitung anwenden konnte. � Das in Braunschwerg gedruckte, m Schleswig verbreitete Wahlflugblatt wurde verboten, weil es„die Aufforderung enthält, den als sozialdemokratischen Agitator bekannten Hermann Molkenbuhr zum Reichs- tagsadgeordncten zu wählen unter dem Hinweise, daß dieser die Forderungen des Programms der sozialistischen Ar- beiterpartei Deutschlands vertreten werde. Diese Forderungen find notorisch auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung gerichtet und werden in einer Weise bc- trieben, welche geeignet ist. die ärmeren Klassen der Bevölke- rung gegen dre besitzenden Klassen aufzureizen."— So die Verfügung der Regierung zu Schleswig. Die Beschwerdeführer setzten auseinander, daß in dem Flugblatt wohl„sozialistische", aber nicht„auf den Umsturz u. s. w." berechnete Forderungen enthalten seien. In ähnlicher Weise entschied die Reichskom- Mission:„Die Druckschrift verdächtigt als Wahlaufruf die Tendenzen unserer politischen Parteien im Sinne der sozialdemokratischen, jedoch nicht rn einer den öffentlichen Frieden und die Eintracht der Bevölkerungs- klassen gefährdenden Weise. In der Sache selbst find auch parlamentarische Ziele verfolgt, welche an ficht nicht auf den U m st u r z der bestehenden Staats- und Gesell- schaftsordnung gerichtet sind. Das Verbot der Druckschrift des § 11 des gedachten Gesetzes erscheint hiemach nicht gerecht- fertigt." Das Wahlflugblatt kann nunmehr, 3 Monate nach statt- gehabter Wahl, straflos verbreitet werden. Politische Ueverstcht. Affäre Michelsen, Nunmehr ist der Buchbinder und Zigarrenhändler Herr Michelsen„definitiv" aus Aschers- leben ausgewiesen worden. In der Mitte voriger Woche er- hielt derselbe eine Zuschrift von dem Regiemngspräsidium zu Magdeburg, daß seine Ausweisung„rechtskräftig" ge- worden sei und er innerhalb drei Tagen die Stadt zu verlassen habe. Im Falle seiner Rückkehr habe er für jeden Fall eine Strafe von 60 M- zu gewärtigen. Nach verschiedenen interessanten Demonstrationen wurde Herr Michelsen in einer feinen Equipage(kein Scherz!), begleitet von mehreren Polizei- beamten, aus dem Weichbild der Stadt gebracht. Vorab hat sich Michelsen nach Thüringen gewandt, um irgendwo Arbeit als Buchbinder zu erlangen.— Wir wollen nur hierzu be- merken, daß wir nicht recht verstehen, was das Wort„rechts- kräftig" in diesem Zusammenhange bedeutet. Es steht aber in der Ausweisungsordre. Michelsen hat gar keinen Rechtsweg bc- treten; er ist nach seiner ersten Ausweisung einfach nach Aschers- leben zurückgekehrt und wurde dort geduldet. Daß er seit der Zeit irgend etwas„verbrochen" hätte, welches ihm das„Wohl- wollen" der Behörden emeut zugezogen, ist uns nicht bekannt geworden. Das Wissen der„Nordd. Allg. Ztg." in Bezug auf die Handhabung des Sozialistengesetzes muß ein sehr gc- ringes sein, wenn sie in einer Korrespondenz aus Plauen erklären läßt, daß der Fall Christensen der erste sei, bei Verwundert schüttelte Holmfeld ein Mal über das andere den Kopf bei dem wiederholten Durchlesen dieser ihm völlig unerklärlichen Aufforderung. Wenn die Schrift- züge nicht gar zu deutlich gesprochen hätten, würde er geneigt gewesen sein, an eine Mystifikation zu glauben, da der Ge- danke eines so abenteuerlichen Stelldicheins auf einem Grund und Boden, von welchem sie beide unter so schimpflichen Umständen verjagt worden waren, sich mit der Vorstellung, die er von dem Wesen seiner Geliebten hatte, durchaus nicht vereinigen ließ. Er ging hinunter in die Wohnung seiner Zimmemermietherin und befragte sie nach den Ueberbrinaer dieses Briefes. Allein die Frau wußte überhaupt nichts von einem Briefe. Holmfeld's Gemach hatte einen besonoe- ren Zugang nach der Treppe hin, und er hatte es beim Weggehen unverfchloffen gelassen; so mußte der Bote wohl nach vergeblichem Klopfen das Briefchen in'S Zimmer gelegt und sich ungesehen wieder entfernt haben. Evenso unbefriedigend wie diese Anfrage blieb all' das Nachdenken und Kopfzerbrechen, mit welchem Holmfeld sich während der übrigen Nachmittagsstunden abmarterte. Er war zwar von vornherein fest entschlossen, der an ihn ge- richteten Aufforderung zu folgen, doch je weniger er die Gründe begriff, welche Elsbeth zu dem seltsamen Schritt veranlaßt haben konnten, um so häßlichere Vorstellungen machte er sich von denselben und um so größer wurde seine Unruhe und Besorgniß. Länger als eine Stunde war er in seinem Zimmer mechanisch auf und nieder geschritten, als ihn das Klopfen seiner Wirthin störte. „Nehmen Sie es mir nicht übel, mein Herr," sagte die Frau mit einiger Verlegenheit,„gerade unter ihnen liegt eine kranke Frau. Sie hat herausgeschickt und fragen lassen, ob Sie nicht Ihren Spaziergang gütigst ein wenig einstellen wollten. Sie wäre schon ganz aufgeregt davon geworden." „Sagen Sie dieser Dame, ich bedauerte unendlich, ihr diese Unbequemlichkeit verursacht zu haben. Ich war wohl etwas erregt und habe nicht auf den Lärm meiner Schritte geachtet. Sie soll nicht mehr zu klagen haben." „Der Herr sehen auch wirklich recht aufgeregt aus," welchem der§ 22 des Sozialistengesetzes(Aufenthaltsbeschränkung) durch die Ausweisung Christensens aus Plauen an- gewandt werde. Zu Dutzenden Malen ist nämlich durch die gefammte Presse schon die Nachricht gegangen, daß der Reichs- tagsabgeordncte K a y s e r dem§ 22 des Sozialistengesetzes unterstellt, daß er auf Grund dieses Paragraphen aus drei Diertheilen des Königreichs Sachsen, aus seiner Vaterstadt Breslau und aus mehreren anderen preußischen Distrikten ausgewiesen worden sei. Außerdem sind noch verschiedene andere Sozialdemokraten von dem§ 22 des gedachten Gesetzes betropen worden, die aber meist dem Vateclande den Rücken gekehrt haben. Da die„Nordd. Allg. Ztg." sonst doch so eifrig sich mit dem Sozialistengesetz und seiner Handhabung beschäftigt, so ist ihre Unwissenheit in dieser Frage allerdings recht auf- fallend.— Ein anderes, ein nationallibcrales Blatt wundert sich bei Mittheilung der Ausweisungsordre darüber, daß Christensen, der im Oktober dieses Jahres zu drei Monaten Gesängniß vcrurtheilt worden sei, e r st am 15. Dezember wieder in Freiheit gelange.— Hier liegt sicher ein köstlicher Druck- sehler vor. Der Redatteur des„Leipziger Tageblatts" hatte sicherlich geschrieben:„schon am 15. Dezember", da bis dahin ja die drei Monate noch nicht vorüber sein können. Zu seiner Beruhigung können wir mitthcilen, daß Christensen einen Monat seiner ihm ertheilten Strafhaft schon durch die Unter- suchungshaft„verbüßt" hat. Nun stimmt's doch wohl! „Diesem Reichstage wird keinerlei Lösung der Stcuerfragen mehr zugemuthct werden."— So meldet das offiziös bediente „Deutsche Tagcbl." Die Regierung weiß, daß ihr solche Zu- muthungen bei dm nächsten Wahlen auch sehr schlecht bekommen würden. Daß Herr von Levetzow die Kandidatur für dm ersten Berliner Reichstagswahlkreis abgelehnt hat, ist wohl für Nie- mand, der die parlamentarischen Verhältnisse kennt, überraschend gewesen. Herr von Levetzow ist zwar kein hervorragender Redner, ihm ist aber vom Reichstage die höchste Ehrmstelle, das Präsidium in der letzten Legislaturperiode übertragen wor- den und dieser Ehrenstelle hat Herr v. Levetzow, wie Keiner vor ihm und Keiner nach ihm, im höchsten Grade unparteiisch und geschickt gewaltet. Wenn er einen Fehler in seiner Amts- führung machte, so gestand er diesen Fehler in liebenswürdigster Weise ein und so war sein Verhältniß zu allen Parteim des Hauses ein völlig ungetrübtes. Daß Herr von Levetzow durch seine Präsidentschaft ein angesehener Parlamentarier wurde, ist selbstverständlich und nichts lag näher, als daß seine Partei dafür Sorge trggen mußte, daß er bei den letzten Reichstags- wählen wiedergewählt wurde. Das hat die konservative Partei nicht gethan. Ter alte Kreis des Herrn von Levetzow war immer ein wackliger und anstatt ihm einen sicheren zu offeriren, ließ die konservative Partei ihn einfach durchfallen. Oberfläch- liche Herrchen, wie die Köllers,.Hammersteins, Reinbabms, wurden dagegen mit Wahlkreisen bedacht, wo jeder Mensch, der sich als konservativ bekannte, und wäre es ein anal- phabetischer Schweinehirt gewesen, einen glänzenden Sieg über die Gegenparteien errungen haben würde.— Und nach dieser Mißachtung des konservativen Reichstagspräsidenten bietet man demselben dm völlig aussichtslosen ersten Berliner Wahlkreis an! Dieser konservativen„Noblesse" hat Herr von Levetzow nun einen energischen Strich durch die Rechnung gemacht. Mit seinem Namen wollten die Antisemiten und Christlich- Sozialen paradiren! Die Verhandlungen über den deutsch-schweizerischen tandelsvertrag find auf einige Zeit vertagt worden und die pezialdelegirten der Schweiz haben sich bereits in ihre Hcimath zurückbegeben. Ob hierin ein Symptom für die geringen Aus- sichten der Verhandlungen überhaupt liegt, ist schwer zu er- kennen. Verschiedene deutsche Blätter sprechen sich aber bereits sehr pessimistisch aus. Die Affäre Dedekind in Braunschweia. Die vom „Braunschweiger Tageblatt" und anderen Zeitungen umge- ttagene Kunde von den„hochpolitischen" Anlässen der gegen den Dr. jur. Dedekind in Wolfmbüttel eingeleiteten Unter- suchung hat sich zu leerem Dunst varflüchtigt. Auf die von von dem Verhafteten verfolgte weitere Beschwerde hat der Strafsenat des Oberlandesgcrichts in Braunschweig den Haft- desehl sofott aufgehoben, da— wie der Beschluß dieser Instanz feststellt— die Verdachtsgründe beziehentlich des angezeigten Verbrechens(es handelte sich um nichts Geringeres als' die An- wendung des§ 6 des sogenannten Tynainitgesetzes vomZ9. Juni 1384) nrcht nur von vornherein nicht zureichend gewesen, um über den Beschuldigten die Freiheitsentziehung zu verhängen, sondern, sofem solche überhaupt vorgelegen, durch die bisherigen Ergebnisse der Voruntersuchung noch abgeschwächt seien. Der Oberstaatsanwalt selbst hat diesen Beschluß unmittelbar nach der Sitzung des Oberlandesgerichts dem Beschuldigten verkündigt und dessen Freilassung bewirkt. Zu was kann doch der Spür- eifer und die Sucht nach Verbreitung aufregender Nachrichten „hochpolitischer" Natur führen? Daß sich aus irgend welchem — bei einer Haussuchung thatsächlich nicht vorgefundenen— „Material" ergeben, daß für cinm gewissen Zeitpunkt etwa ge- plante Verbrechen unter irgend welchen Verhältnissen zur Aus- fühning kommen sollten!! Man weiß nicht, worüber man mehr meinte die Vermietherin, welche sich die ersehnte Gelegenheit, ein wenig mit ihrem neuen Miether zu plaudem und sich womöglich einigen Aufschluß über denselben zu verschaffen, nicht entgehen lassen wollte.„Wenn ich vielleicht irgend etwas für Sie thun könnte—" Holmfeld lehnte kurzweg ab. „Ich danke sehr für Ihren guten Willen; eS hat indeß nichts auf stch.— Uebrigens— giebt es von hier aus für heute Abend noch eine bequeme Verbindung mit Neudorf oder dem Gute Brandenstein? „O ja! Es fährt gegen Acht noch ein Postumnibus. Der kommt, so viel ich weiß, um halb neun Uhr durch Neudorf, und von da bis Brandenstcin ist es keine halbe Stunde mehr." „Das weiß ich! So werde ich diesen Omnibus be- nutzen!— Ich danke Ihnen für Ihre Auskunft!" „O, bitte, bitte!" knixte die behäbige Dame.„Stehe damit jederzeit gern zu Diensten!— Werden Sie dann noch in dieser Nacht zurückkehren?" »3>ch glaube wohl' aber unmöglich ist eS immerhin nicht, daß ich ausbleibe. Ich wünsche jedenfalls nicht, irgendwie erwartet zu werden!" Es war unverkennbar, daß er das Gespräch damit als beendet ansah, obgleich die dralle Wirthin den so schnell abgerissenen Faden gern noch eine Weile fortgesponnen hätte. So zog sie sich denn bescheiden zurück, obwohl sie sich auf dem Wege nach ihrem Zimmer einigen Kopfschüttelns und einiger Bemerkungen, die wie„sonder- barer Mensch" oder etwas Aehnliches klangen, nicht ent- halten konnte. Holmfeld stellte zur Befriedigung der nervenschwachen Unterwohnerin seine Zimmerpromcnade ein und begann sich, obwohl er noch mehrere Stunden Zett hatte, für seinen Ausflug anzukleiden. Schon hatte er den Hut auf dem Kopf und den Griff der Thür in der Hand, als ihm noch etwas einfiel. Er schloß seinen kleinen Handkoffer noch ein- mal auf, nahm einen mäßig großen Revolver heraus in [UjlClUi VCl ffUlUlU.' projektitte Erhöhung des Eingangs- den Export dorthin fast ganz un- zu staunen bat: über die Unsinns-Blüthe im Bericht des „Braunschw. Tagblattes",— oder über die Frivolttät, der es mit dem Fersenstich gegen einen immerhin ehrlich überzeugten legitimistischen Heißsporn von73 Jahren, an welchem fich der Argusblick eines braunschweigischen Staatsanwalts versehen hat, nicht genug ist, die nun niit ihrem Klatsch auch noch eine „im Auslande lebende fürstliche Person" zu„kompromitttren weiß, unter welcher ein Anderer als der Herzog von Cumberland wohl kaum verstanden werden kann. Man kann dem Welfenthuine sehr fern stehen, und doch hier das Gefühl für das Wohlanständige recht vermissen. Klagen über Rusilands Wirthschaftspolitik erheben sich auch in Süddeutschlanv. So schreibt� der„Fränk. Courier: Die neuerdings in Rußland' W zolles für Hopfen würde. möglich machen und bei der Ueberproduttion im Hopfenbau auch den ferneren Nachtheil mit sich bringen, daß der heimische Marti noch mehr überlastet und die Preise hierdurch einen weiteren Rückgang erleiden würden. Mehrere Besitzer großer bedeutender Hopfenhandlungen, welche große Quantitäten Hopfen nach Rußland expottiren, haben bereits Besprechungen gehalten, um der drohenden Kalamität entgegen zu treten.® tst beabsichtigt, die Intervention des Reichskanzleramts anzu- rufen, um der sowohl dem Handel als der Landwitthschaft in Aussicht stehenden Benachtheiligung vorzubeugen.— Freilich leidet andrerseits auch Rußland unter den deutschen Zöllen- Laut Bericht des russischen Konsuls in Königsberg ist die Ein- fuhr russischen Viehs nach Teutschland in stetem Rück- gang begriffen. Während noch im Jahre 1880 9 Millionen, im Jahre 1882 10 Millionen Stück ausgeführt wurden, ß« diese Ziffer im Jahre 1885 aus 4 Millionen und im ersten Semester des Jahres 1886 auf eine halbe Million Stück. Ten kolossalm Rückgang in den letzten Jahren motivitt der Kosulnl- bericht ausdrücklich mit den hä"sigen Grenzsperren für die Ein- fuhr russischen Viehs, sowie mit der deutschen Zollcrhöhung vis 2% bis 6 Mark. Sozialistisches. In Mainz hielten die Sozialisten<"• Sonntag Nachmittag eine Versammlung, um für die Stadt- verordnetenwahlen Stellung zu nehmen. Als da Landtagsabgeordncte Joe st am Schluß Bebel als den bcl' vorragcndsten Redner des Reichstags bezeichnete, löste der übtt- wachende Polizeibeamte die Versanunlung auf. Das ist wahr sehr sonderbar!. Rcichstagswahl in Mannheim. Die Stimmenzabl na der am 26. ö. M. stattfindenden Reichstags-Ersatzwahl tv®* nach vorläufiger Schätzung bei der erstenWahl für de» Sozialdemokraten Dreesbach die relativ' Mehrheit ergeben. Bei der Stichwahl würde DreesbaS vielleicht 8600, hingegen Difcne 9600 erhalten; da nun ovo die Nationalliberalen unter sich etwas gespalten sind, so sich das Wahlresultat noch günstiger für Dreesbach gestalte!» Zudem ist für die Arbeiterpartei noch eine Reserve vorband? an den Indifferenten, welche bei der letzten Wahl ca. 3000 berechtigte zählten. Wenn es gelingt, diese träge Masse ouftj rütteln, so ist Aussicht vorhanden, daß Trecshach als S>W aus der Wahlume hervorgeht. Bezüglich des amerikanischen Bürgerrechts frühem llntetthanen des Deutschen Reichs findet sich in dem soeben�? Ausgabe gelangten neuesten Bande der diplomatischen jWm, sponoenz der Vereinigten Staaten eine Note des früheren Staa� sekrctärs Grafen Hatzscldt an die amerikanische Gesanfctm'r in Berlin, wonach die deutsche Regierung zu dem Entscv'»,. gekommen ist, die amerikanische Nationalität von in Aw% wohnenden früheren Unterthanen des Reichs anzuerkennen, wenn ihre Väter ihr amerikanisches Bürgerrecht i n z w i s®( wieder aufgegeben haben. Diese Neuerung betrfffl. und erklärt die Deutsche Regierung als ein Zugeständniß,% ches, obgleich mit einem Grundsatze der deutschen Reichsgn? (daß Mmderjährige der Nationalität des Vaters folgen)�. Widerspruche stehend, nur gemacht wird, um einen zu„freundschaftlicher" Lösung bestehender Schwierigkeiten- bahnen. G-sterrelch-Ungarn.. w In der Thronrede, mit welcher am Sonnabend w � die Delegation in feierlicher Weise eröffnet wurde, heißt c- züglich Bulgariens:„Die bedauerlichen Ven � lungen in Bulgarien, welche im vorigen Jahre mit dem stürz der Regierung in Philippopel ihren Anfang nahmen, 0.� neuerdings Anlaß zu e r n st e n B e s o r g n i s s e n- � � ist es den vereinigten Bemühungen der Mächte gelungen- � Bewegung zu lokalisircn und die Wiederherstellung legater. � stände anzubahnen. Die jüngsten Er ei g n 1 1 � Sofia haben jedoch eine neue gefähr Ii ck e � hervorgerufen, deren Entwickeluna und wie friedliche Lösung eben jetzt die volle Aufmerlsamkett vc• j gierung in Anspruch nimmt. Die Bemühungen derselve».� dahin gerichtet, daß bei der schließlichen Regelung der Woa � Frage, welche unter Mitwirkung der Mächte erfolgen mm-' � autonomen Fürstenthum ein legaler schaffen werden müsse, welcher den zulässigen-lP» kiv '!Ns0 dl- bC' der Bulgaren Rechnung tragend, ebenso hervor, das er im Laufe de? � mehr als fünfzig Mal gelesen%; es an der Flamme ei»er.� Schreiben Elsbeth's mittags wohl noch und verbrannte e Draußen erkundigte er sich nach der des Postomnibus und schritt derselben in ich spanntesten Erwartung und mit dem glühendsten~~ � die nächsten Viertelstunden möchten sich in Vtinute wandeln, hastig zu. Etwas weniger aufgeregt vielleicht, aber FV � noch minder fröhlich war zu derselben Zeit der• zustand Nikolaus Werner's. Heute Abend sollte l Tj letzte Zusammenkunst mit Helene von Nuggenhagen � finden, und die ganze Leere und Nichtigkeit seiner hvil � losen Zukunft gähnte ihm zugleich mit' diesem Eevam. trübe und entmuthigend entgegen, daß er sich am"e'„ dem dunkelsten Winkel eines Urwaldes versteckt ha sich und sein Wehe vor allen Blicken der Mensche» ä bergen. seine Um die verabredete Stunde war er oben an � Matz in der Jägerhütte, und diesmal war eS Hele- schon feit einigen Minuten gewartet hatte.„ftriqe� .. 2n kurzen Worten erzählte er ihr, wie b# ßJa g«?' die Entscheidung schneller gebracht habe, als er f 3 und wie es jetzt keinen Zweifel mehr über ihre. fünft gebe. Die Trennung war zu einer una� jhr� . u---- wai 511 cinti- Nothwendigkeit geworden und er bemühte isisiimlS � Zwischenfall gleichsam als ein Machtwort des �- Oho-,...1.-r. L-L.;t._;______ I» utN, hatten. Wipfel pr[,eIr'"üb erst als der Mond sich bis üder die Baum- über die m �afte und einen breiten Streifen seines Lichtes ."gen fwumwipfel ergoß, machte sich Helene nach einem �nsarnei,(m'Sl6" Ebschied von ihm los und flog auf dem aldwege dem väterliche» Hause zu. (Fortsetzung folgt.) An» Kunst und Zeven. WZMJZM empfangen, ihnen Blumensträuße überreichen und sie dann, gefolgt von den Sozialistinncn und allen Arbeiterinnen Brüssels, bis zum Nationalpalaste geleiten. Man fleht, es wird jede Gelegenheit zur Agitation benutzt.— Die Wiener„N. Fr. Pr." weiß zu melden: Die seit einigen Tagen in den Kohlenwerken von Charleroi sporadisch auftretenden Streiks sind aus takti- schen Gründen zu erklären. Da beim Eintritt des Winters die Nachfrage nach Kohlen stärker wird, wollen die Arbeiter verhindern, daß über den momentanen Bedarf gearbeitet werde, um im Momente größerer Aufträge eine Löhnungsvermehrnng erzielen zu können. Wie aus Brüssel telegraphisch gemeldet wird, soll gutem Vernehmen nach die Regierung bei dem demnächsten Zusammentritt der Kammern einen Gesetzentwurf einbringen, durch welchen die persönlich zu leistendeMilitärdienst- pflicht eingeführt wird. Das Loskaufen soll aufhören. Frankreich. BeiderBudgetberathungderDeputirtenkammerempfahlRaoul Duval den Parteien, sich einander zu nähern; die Republikaner sollten ihrer Intoleranz, die Rechte dem monarchischen Fe- tischismus entsagen. Die Republik stehe Allen offen; alle Par- teien sollten sich offen und ehrlich mit den Angelegenheiten des Landes beschäftigen. Die Rede Duvals wurde von der Linken mit lebhoftem Beifall aufgenommen. Douville- Maillefeu (radikal) verlangte die Beseitigung verschiedener Kredite, insbesondere des Kulturbudgets. Die Kammer vertagte sich bis Mittwoch. Die Handelskonvention Griechenlands mit Frank- reich ist unterzeichnet worden. Dieselbe enthält die Zusicherung, daß die Zölle auf Korinthen nicht erhöht werden sollen. Großbritannien. Die Soziali st en in London haben ihre Demonstration am Lordmayorstage aufgegeben. Der General- rath der sozialdemokratischen Föderation hat diesen Entschluß in einem Manifeste kundgegeben, worin es im Eingange u. A. heißt:„Die wohlhabenden Klassen der City haben während der letzten wenigen Tage gezeigt, daß sie entschlossen sind, die unbeschäftigten Arbeiter gewaltsam daran zu verhindern, ihre Armuth im Kontrast mit dem Pomp des Lordmayorszuges zur Schau zu tragen. Nach langem Zaudern und Verzuge hat Sir James Fräser, der Chef der City-Polizei, ein fast 50jähriges Gesetz zitirt, unter welchem er Eurem Zuge ver- bietet, dem Lordmayorszuge zu folgen. Es ist sehr zweifelhaft, ob das Gesetz das von ihm eingeschlagene Verfahren recht- fertigt, da keine direkte Autorität gegeben ist, gegen irgend einen wohl geordneten Zug einzuschreiten. Was der ihren Traditionen treuen Tory-Regicrnng an Gesetzlichkeit gebricht, erhöht sie durch Polizei- und Militärmacht. Wir haben dem- nach beschossen, die Verantwortlichkeit dafür, unbewaffnete und wehrlose Leute gegen eine gewaltige Schaar bewaffneter Männer zu führen, nicht zu übernehmen". Der Gcneralrath klagt so- dann, daß nichts geschehen ist, um den Nothstand unter den Arbeiten! im Ostende von London, deren Lage jetzt schlimmer sei als im Febrnar, zu lindem und er zitirt eine in jüngsten Versammlungen von Beschäftigungslosen gefaßte Resolution, welche die lokalen und anderen Behörden auffordert, Nothbautcn in Angriff zu nehmen. Das Schriftstück schließt wie folgt: �Diese Resolution wird aufs Neue beantragt werden in einer Massenversammlung der Arbeiter, beschäftigten wie unbeschäftigten, um 3 Uhr Nachmittags am Lordmayorstage, Dienstag, den O.November, in Trafatgar- Square, und wir fordern Euch, unsere Mitbürger, auf, die Ihr gezwungen wäret, der Gewalt in der Zity nachzugeben, Euer Versammlungs- und Petitionsrecht in Trafalgar-Square geltend zu machen. Niemand kann in Abrede stellen, daß unsere Vorschläge vernünftig, gemäßigt und darauf berechnet sind, nicht blos der Arbeiterklasse, sondern dem ganzen Gemeinwesen zum Vortheil zu dienen. Wir ermahnen Euch daher, eine große Sache nicht durch Aufruhr oder Unordnung zu schädigen.... Schließlich verpflichten wir uns, diese Agitation den ganzen Winter hindurch beständig aufrechtzuerhalten, bis wir für die Beschäftigungslosen jene Organisation ihrer Arbeit erlangt haben, welche zu verlangen sie berechtigt find, und wir bitten Euch ernstlich, uns in diesen fortgesetzten und unaufhörlichen An- strenaungen für das Wohl des ganzen Volkes zu unterstützen." Ter Marquis von Salisbury hat es abgelehnt, dem Wunsche der sozialdemokratischen Föderation, eine Deputation beschäf- tigungsloser Arbeiter zu empfangen, Rechnung zu tragen. Vor- schlüge, die Milderung der Arbeitslosigkeit betreffend, will er jedoch schriftlich entgegennehmen. Wie gnädig von so großem Herrn! Kalka» tander. lieber den Auf st and in Burgas, dem oskumelischen Hafen, liegen noch nähere Berichte vor. Die„Köln. Ztg." schreibt:„Nabokow, der Held des neuen Räuberromans, ist aus der Verschwörung vom 16. Mai sattsam bekannt; er stand bis zum Septcmberputsch als Stabskapitän in ostrnmeli- schen Diensten, wurde hierauf mit den anderen russischen Offi- zieren abberufen und trieb sich dann in der Umgegend von Burgas hemm; er ist im ganzen Lande als leidenschaftlicher Theaterpublikum von der ersten dramatischen Bühne Frank- rcichs, dem Th-fitre franeaia in Paris vorgeführt. Das Stück hatte einen glänzenden Erfolg, welcher zu nicht geringem Theile auch der vorzüglichen Darstellung und effektvollen Szenirnng zuzuschreiben ist. Der Andrang des Publikums zu den Auf- führnngen des Stückes ist so groß, daß das genannte Drama dreimal wöchentlich am Repertoire erscheint und stets vor vollem Hause in Szene geht. Dieser große Erfolg des Dramas hat jetzt einen Streit um das„Autorrecht des Stückes heraufbe- schworen. Die im Th-ätre fran ais zur Aufführung gelangende Version hat Herrn Paul Meurice zum Verfasser. Ein Herr Louis Äenard beansprucht nun von der Direttion des er- wähnten Theaters die bescheidene Summe von 200 000 Frs.(!), indem er behauptet, daß der„Hamlet" des Herrn Meurice zum großen Theile seinem„Hamlet", nämlich Menard's, entlehnt sei, welches Stück er seiner Zeit mehreren hervorragenden Mitgliedern des Theatre franeais zur Durchsicht geliehen hatte. Ob NUN Herr Menard irgendwelchen Erfolg mit seiner Forderung haben wird, bleibt abzuwarten. Immerhin ist es charakteristisch, daß Menard für eine theilweise Verwendung seines„Hamlet eine so enorme Summe beansprucht. Der deutsche Uebersetzer des in Frage stehenden Dramas, W. v. Schlegel, hat ttotz seiner Vorzüglichkeit keine so exorbitanten Preise verlangt. Und nun der eigentliche, der richtige Schöpfer des Dramas„Hamlet, William Shakespeare, wie bescheiden waren seine materiellen Ersolge. Er hatte wohl keine Ahnung, daßZandere Leute noch so viel Kapital aus seinem geistigen Eigenthum schlagen wuidcwm � �ftrischer Beleuchtung. Hinter den ernsten Ruinen des Forums, da, wo die gewaltigen Bauten des Pa- latin, von Epheu und wildem Weine uberrantt, nach dem feuchten Thale des Tiber abstürzen, erhebt sich auf gelber Haide ein eigenthümlich gebautes Haus, aus welchem den ganzen Tag hindurch ein Sausen und Brausen hervordringt, daß man glauben könnte, es habe darin irgend em schaffender Erdgeist seine Werkstätte aufgeschlagen. I- mehr man sich dem Hause nähert, desto erschütternder wird das Geräusch: der Boden zittert dem Beobachter unter den Füßen, und bald fängt es ihm auch im eigenen Kopfe zu summen und zu brummen an. als ob statt des Gehirns em Bienenschwarm ihm darinnen steckte. Und wirft man endlich durch eines der h»hen Fenster, die dem räthselhasten Baue das Tageslicht vermitteln, einen Blick in das Innere, so sieht man nichts als ungeheure Räder in rasender Beweaung und Danwfmaschinen,(reifende Regulatoren, zischende Dampfzylinder, Walzen, Kurbeln, Kolben und Jaadliebhaber und vorzüglicher Schütze bekannt. Die Russen müssen das Verschwörertalent dieses Mannes sehr hoch ein- schätzen, denn sie setzten es durch, daß er trotz der ihm nachge- wiesenen Anschläge gegen das Leben des Fürsten Alexander auf freien Fuß gesetzt wurde. Schon um die Zeit der Frühjahrs« Verschwörung war der unzertrennliche Begleiter Nabokow's, der stets bis an die Zähne bewaffnet in Burgas erschien, ein montenegrinischer Pope, vermuthlich derselbe, der jetzt in der überrumpelten Stadt als Stadtkommandant schaltet. Ueber diesen würdigen Mann wurde uns seiner Zeit geschrieben: „Er war bis zum September vorigen Jahres Stadtgeistlicher in Burgas, wurde dann verschiedener anstößiger Vorfälle wegen seines Amtes enthoben, von dem Exarchen exkommunizirt und lebt seitdem als Privatmann in Burgas. In seinem Aeußern hat er sich seitdem erheblich verändert. Er trägt eine gewisse Eleganz zur Schau, wie sie seinen Amtsbrüdern für gewöhnlich nur zu sehr fehlt. Die Nähte seines langen, von feinem schwarzen Tuch gearbeiteten und die Taille anliegend um- schließenden Rockes sind mit dicken seidenen Schnüren ausge- näht und auf seinem echt montenegrinischen Adlergestcht thront eine schwarzsammtne zierlich gefältelte Mütze. Bis auf die Schulter fallende schwarze Locken geben seiner auffallenden Erscheinung einen harmonischen Abschluß. Dieser„junge Falke vom Berge" beschäftigt sich mit gar nichts, es sei denn, daß er am Sttande umherlungert oder mit seinem Freunde Nabokow in den Cafes Revolverpolitik macht."— Die Ver- schwörer, welche Burgas überrumpelt haben, wurden von einem Theil der Besatzung der Stadt unterstützt und nahmen den Kommandanten und drei Offiziere gefangen. Dem Komman- dantcn gelang es, mit einer Kompagnie zu entkommen, doch mußte er die Stadt in den Händen der Aufständischen lassen. Nach neueren Nachrichten wäre Burgas bereits wieder den Aufständischen entrissen. Die Tele- aramme der„Köln. Ztg." melden über die Entwicklnna der Affäre: Timowa, 5. November. Um das überrumpelte Burgas hemm herrscht nach wie vor vollständige Ruhe. Der schneidige Panitza trifft morgen früh vor Burgas ein, um den Oberfehl zu übernehmen; derselbe hat die Weisung erhalten, die Stadt sofort anzugreifen, wenn die Aufständischen die bedingungslose Uedergabe verweigern sollten. Man meint hier, daß morgen alles erledigt sein werde; in Burgas soll vollständige Anarchie herrschen.— 6. November. Die Stadt Burgas wird von den Regicrungsttuppen fest umschlossen gehalten. Die Führer der Aufständischen suchen sich durch die Flucht zu retten. Die Aus- ständischen setzten Sträflinge und gemeine Verbrecher auf freien Fuß, steckten dieselben in Gendarmerieuniform und ließen durch dieselben den Sicherheitsdienst verrichten. Die Bewohner der Stadt suchen das freie Feld zu gewinnen. Nabokow selbst hat Burgas verlassen.— 6. November(Nachmitags 4', Uhr). Eben trifft die Nachricht ein, daß Burgas von den Regiernngsttupven genommen worden ist. Hauptmann Karaiwanow ist ohne Kampf in die Stadt eingerückt. Die Aufrührer sind auf der Flucht. Bezeichnend für Rußlands Vorgehen ist folgend- Mit- thcilung. Ein bulgarischer Offizier(derselbe soll Girginow heißen), welcher an der Verschwörung gegen den Fürsten Alexander theilgenommen hatte und dann nach Rußland ge- flohen war, ist wieder nach Bulgarien zurückgekchtt. Derselbe erzählt, er sei vom Kaiser persönlich enipfanaen worden, welcher offen von seinem Entschlüsse sprach,„der Herrschaft englischer Jnttigucn in Bulgarien ein Ende zu machen". Eine ähnliche Erklärung machte ihm gegenüber Katkow, welcher versicherte, daß Rußland zu den äußersten Maßnahmen entschlossen sei. Diese Mittheilungen des bulgarischen Offiziers machen großes Aufsehen in Timowa und man wundert sich nicht wenig, daß der Zar einem notorischen Verschwörer gestattet hat, in seinem Namen zu sprechen. Auch in Serbien sucht Rußland der bulgarischen Regentschaft Schwierigkeiten zu machen. Die„Nat. Ztg." er- fährt nämlich aus Sofia, 6. November: Russische Einflüsse stacheln die serbische Opposition zur Bekämpfung des Arrange- ments mit Bulgarien wegen der russischen Nichtanerkennung der Regentschaft auf. Soziales«nd Arveiterbewegung. Der Perlauf des Chikagoer Echlächterstreiks wird in der„Fr. Ztg." folgendermaßen dargestellt. Chikago war seit Jahren der Mittelpunkt des Viehhandcls im ganzen Westen. Die vielen dort mündenden Eisenbahnen besorgen den Trans- port aus allen Richtungen, ein großer Theil des Viehs wurde dort geschlachtet und das Fleisch nach Osten und Süden ver- sendet. In Folge des Streiks kamen über 10000 Arbeiter außer Thätigkeit. Äehnliche Schlächtereien, wie in Chikago, sind in neuester Zeit in Kansas City eingerichtet worden, und da dieser Ott den großen Weiden der westlichen Ebenen bedeutend näher liegt als Chikago, fürchten die Besitzer der Schlachthöfe in letzter Stadt dessen Konkurrenz; sie behaupten, nur durch hilligere Arbeit mit ihren Geschäftsrivalen am Missouri kon- kurriren zu können und verlangten von ihren Leuten, daß sie wieder zehn Stunden des Tages arbeiten sollten, wie früher. wer weiß was noch, das ineinandergreift, vorbeischwirtt, sich durchkreuzt mit sinnverwirrender Geschwindigkeit, aber im Banne einer einzigen Kraft, der Alles im blin- den Gehorsam sich beugt. Das sind die.aus Pest stammenden dynamischen Maschinen für die elcktttsche Beleuchtung der Urb«, und seit zwei Tagen haben sie weder Rast noch Ruh, denn ihr Amt soll bereits Ende dieser Woche heginncn, und sie sollen nun zeigen, ob sie demselben gewachsen find.„Wem Gott ein Amt giebt, dem giebt er auch Verstand", bisher scheint es ihnen aber doch noch an Uebung zu fehlen, denn die gestern Nachts auf der Piazza Colonna entzündeten Lampen strahlten ein so unruhiges Licht aus, daß die Äntonini- sche Säule darob in die lebhafteste Bewegung gencth und in der bedenklichsten Weise hin und her zu schivanken begann. Die Techniker sahen sich, bald die Lampen und bald die Säule an, und einer von ihnen sagte endlich mit beruhigendem Tone: „Die Maschinen sind zu stark für so wenig Lichter." Und in der That, die zwei in Thätigkeit stehenden Ungeheuer sind für zehntausend Lampen berechnet, und auf der Piazza Colonna brannten ihrer nur vier. Man wappne sich also in Geduld und matte auf die anderen ncuntausendncunhundertsechsundneunzig, die sämmtlich brennen werden, wenn die elektrischen Kabel, wie es vorläufig beschlossen, bis zur Via Nazionalc und nach der Piazza Navona gelegt sein werden. Unglücksfall auf der Bühne. Aus Oedenburg wird be- ttchtet:„Gelegentlich der gestrigen Aufführung eines Rühr- stückes unter dem Titel:„Der Abend der Todten, oder: Das Gebet auf dem Kirchhofe" ereignete sich an unserem Theater ein sehr bedauerlicher Unfall, der im Hause große Bestürzung hervorrief. Als nämlich vor dem Attschlusse dem Leben eines jungen Weibes, dargestellt durch Fräulein Gisela Perlaky, durch einen Schuß ein Ende gemacht werden soll, traf der den Schuß mittelst Revolvers abfeuernde Schauspieler Gustav Szepessy das Fräulein mit der Pulverladung derart unglücklich auf die Wange, daß Fräulein Perlaky unter lautem Aufschrei zusammenstürzte. Zum Glücke traf die Ladung nicht das Auge der Schauspielettn. Nichtsdestoweniger soll das Fräulem erst nach einem Monate sich ihrem Bernfe wieder widmen können." Au» ein Zweck. In einem thüttngischen Städtchen hatte sich em Kttegerverein gebildet. Paragraph 1 der Statuten lautet:„Der Zweck des Vereins ist, die Mitglieder zu begraben. Der Vorstand der Arbeiterverbindung ordnete darauf einen Streik an, und eines schönen Morgens standen die Schlächtereien von Chikago still. Die Eigenthümer ließen aus Nah und Fern andere Arbeiter, die nicht zur Verbindung gehörten, an- werben. Der Ausstand dauerte mehrere Wochen. Die Kon- vention der Knights of Labor(Ritter der Arbeit) in Richmond sandte einen Bevollmächtigten ab, für die Arbeiter mit den Eigenthümem der Schlachthöfe zu unterhandeln; aber diese lehnten es ab, auf Unterhandlungen sich einzulassen, und der Bevollmächtigte reiste nach dem Osten zurück. Die Schlachthöfe standen mittlerweile unter dem Schuhe der Pinkerfon'schen Privat- volizei von 600 Bewaffneten. Da erklärte unerwartet der Vor- stano der Arbeiter den Streik für beendet, und diese sahen sich genöthigt, bedingungslos ihre Dienste wieder anzubieten. Die Eigenthümer erklärten, daß fie nur so viele ihrer früheren Ar- beiter wieder annehmen würden, als neben den Neuange- wordenen Platz hätten. Als aber die ersteren zur Arbeit zurück- kehrten, sahen die letzteren, daß ste in einer gehässigen Stellung steh befinden und Beleidigungen und Verfolgungen ausgesetzt sein würden; ste legten daher die Arbeit nieder und wurden gleichzeitig mit den Privatpolizisten auf Eisenbahnzügcn fort- geschafft. Arbeiterschutz in Frankreich. Der Handelsminister Lockroy hat außer den in der Kammer bereits eingebrachten Gc- setzen über den Schutz der Arbeiter noch eine Reihe weiterer Gesetze ausgearbeitet. Dieselben betteffen: 1. die ungesunden Wohnungen; 2. die Gesundheitsräthe; 3. die Bestrafung der Ueberttetung der Vorschriften über die gefährlichen und unge- sunden Etablissements; 4. die Regelung der Arbeit der Frauen und Kinder in den Fabriken. Hiernach wird das Minimal- alter der zur Arbeit in den Fabriken zugelassenen Kinder von 12 Jahren auf 18 Jahre erhöht und den Frauen und Kindern jede Nachtarbeit untersagt. Krankenversichenmg. Der Stadttath zu Freiberg bringt zur öffentlichen Kenntniß, daß er unter Zustimmung der Stadtverordnetenschaft und mit Genehmigung der königlichen Kreishauptmannschaft beschlossen hat, die Anwendung der Vor- schritten des die Krankenversicherung der Arbeiter betteffenden Reichsgesetzes auch auf die in§ 2 des gedachten Gesetzes unter 1, 2, 3 und 6 gedachten Personen zu erstteckcn, also 1) auf diejenigen Personen, deren Beschäftigung ihrer Natur nach eine vorübergehende oder durch den Arbeitsverttag im Voraus auf einen Zeitrauni von weniger als einer Woche be- schränkte ist, 2) auf Handlungsgehilfen und Lehr- linge, Gehilfen und Lehrlinge in Apotheken, 3) auf Per- sonen, welche in Speditionsbetrieben und im Lohnfuhrwcrke beschäftigt werden, 4) auf die in der Land- und Forstwirthschaft beschäftigten Arbeiter.— Wir sind neugierig, ob die Frewerger Handlungsgehilfen die Meinung des Berliner Aeltestenkollegiums theilen und voll Entrüstung gegen die ihnen zugedachte„Entwürdigung" protestiren werden. Zum Krankenkassenkongres!. Die Kommission für Ein- bemfung des Kongresses theilt uns weiter noch folgendes zur Veröffentlichung mit: Die eingegangenen Anttäge, Wünsche u. s. w. sind von der Komniisfion zusammengestelll, dem Druck übergeben und werden mit den Mandaten den gewählten De- legirten in allernächster Zeit zugesandt werden. Die Delcgirten werden am 13. und 14. Novenibcr in Gera am Bahnhofe von einer durch blaue und weiße Schleifen kenntlichen Kommission in Empfang genommen, welche, soweit thunlich, auch für Unter- bringung w Ouartieren Sorge tragen wird. Die Zahl der Delcgirten, welche bis jetzt um Zusendung von Mandaten nach- gesucht haben, bettägt zirka 150. Wir wollen hierbei nochmals darauf hinweisen, daß auch Mandate als giltig anerkannt werden, wenn dazu nicht die versandten Ejremplare benutzt werden, sofern nur die betteffenden Delcgirten rhrc Berechtigung zur Führung des Mandates nachweisen können. Der Kongreß wird Sonntag, den 14. November, früh 8 Uhr, im Saale des »Volksgarten" in Gera eröffnet. Für Schreibmaterial ze. zur Bequemlichkeit der Delegirten ist Sorge gcttagm. Sowett die uns zugegangenm Mittheilungcn, aus denen wohl unzweifelhaft hervorgeht, daß die Nothwendiakeit einer allgemeinen Erörte- rung der zu Tage gettctenen Mißstände von fast allen Seiten anerkannt ist. Hoffen wir, daß der Kongreß seine Aufgabe voll und ganz erfüllt, und daß die Gesetzgebung bereit ist, gerechten Wünschen der direkt Betheiligten Rechnung zu ttagen; nur dann können Zustände beseitigt werden, welche nachgerade un- crttäglich zu werden beginnen und wahrhaftig nicht geeignet sind, besondere Zufriedenheit hervorzurufen. Ueber den Verlauf des Kongresses werden wir Bericht erstatten. Nochmal» die Kellnerpetition. Zur Zeit zirkulirt, wie unsere Leser wissen, in Deutschland unter den Hotel- und Restaurant-Angestellten eine an den Deutschen Reichstag gerichtete Petition, welche die im ganzen Reiche gleichmäßige Anerkennung der Kellner zc. als G ewers- ge Hilfen bezweckt. Bisher sind dieselben theilweise als Dienstboten bettachtet und daher unter verschiedene Rechts- Verhältnisse gestellt.(Vcral. den heutigen Leitartikel.) Da aber der Betrieb der Gastwirthschaft nach§ 33 der Reichsgewerbeordnung als ein Gewerbe angesehen wird, so erhellt hieraus, daß die Kellner im allgeineinen nicht als Dienstboten, sondern als Gewerbsgehilfcn zu betrachten find, zumal wenn fie gleich diesen eine geordnete mehrjährige Lehrzeit durchgemacht haben. Obgleich in Sachsen durch eine ministerielle Bestimmung diese Frage zu Gunsten der Kellner entschieden ist und fie danach als Gewerbegehilfen zu behandeln find, werden dieselben doch an vielen Orten rechtlich noch als Dienstboten behandelt. Die Unficherheit dieses Rechtsverhältnisses im ganzen Reiche und das Ehrgefühl der Kellner, welche nun auch eine rechtliche und soziale Anerkennung ihrer Stellung crstteben, hat in ganz Deutschland eine Bewegung veranlaßt, um durch eine von vielen tausend Unterschriften bedeckte Petition den Reichstag für die Frage zu intcresstrcn und um eine Regelung derselben im Sinne der Reichsgewerbcordnuna zu ersuchen. Die Petition geht von dem Verein der Hotel-Angestellten, Hilfsverein, welcher seinen Zenttalsitz in Frankfurt a. M. hat, aus, ist in allen Städten Deutschlands zur Unterzeichnung ausgelegt und weist bereits viele tausend Unterschriften auf. Soziales Elend. Ins Zuchthaus sehnte flch eine alte 68jährige Frau, Mutter von 20 Kindern, weil fie in Roth und Verzweiflung kein Auskommen sah. Die Frau war noch u i- b e st r a f t, erhielt aber wegen mehrerer vorsätzlicher Brandstif- tungen vom Schwurgericht zu Leipzig acht Jahre Zucht- haus. Sie sprach allerdings offen aus, daß fie die Brand- stiftungen nur verübt habe, um ins Zuchthaus zu kommm.— Bei einer richtigen Armenpflege, bei einer oraanifirten Alters- Versorgung würden derartige Verbrechen schon heute kaum vor- kommen. In ein gutes Armenhaus müßte eine solche Frau schon vorher untergebracht werden, che fie den verzweifelten Schritt that, ins Zuchthaus zu kommen. Für die Zukunft bleibt natürlich eine Sozialrcform die Hauptsache, die der Ver- armung überhaupt vorbeugt. Permi schtes. Das Fastenexperiment. Das medizinische Auffichts- komitee, welches über den Faster Stefano Merlatti im Grand Hotel zu Paris wacht, ttat am 3. d. Nachmittags zusammen, um den Zustand des Malers, der seit dem 26. Oktober nichts als filttirtes Wasser zu fich genommen hat, einer genauen Prü- fung an der Hand der täglichen Bulletins zu unterziehen. Stefano Merlatti hat im Ganzen schon 3 Kilogramm 375 Gr., also durchschnittlich 420 Gr. jeden Tag, an Gewicht verloren. Puls, Temperatur und das Athmen find schwächer, das Gesicht abgemagert und die tief eingefallenen Augen glänzen in ihren Höhlen. Seitdem man ihm besser filttirtes Wasser giebt, ist Merlatti munterer und behauptet, er fühle sich wohler. Das Komitee machte ihm Vorstellungen über die Folgen seines Fastens und rieth ihm, dasselbe auszugeben; er aber blieb bei seinem Willen, die Hungerkur fortzusetzen, versprach jedoch, Nahrung anzunehmen, sobald die Aerzte sein Leben für bedroht hielten. Sechsunddreißig Tage mindestens werde er aushalten, versicherte der Faster, welcher eine schriftliche Erklärung aufsetzte, der gemäß er im vollen Bewußtsein die an ihn gerichteten Er- Mahnungen gehört hatte und aus freiem Willen, auf seine eigene Gefahr hin das Experiment weiterzuführen beabsichtigt. Eine neue Bibelübersetzung durch Krauen. Wie der „Anzeiger des Westens" allen Ernstes mittheilt, geht man damit um, eine neue Bibelübersetzung zu veranstalten, an welcher nur Weiber mitarbeiten sollen. Da alle bisherigen Bibel- Übersetzungen von Männern gemacht worden, so sind die Weiber auf den Verdacht gefallen, daß jene in der Uebersetzung manches günstiger für ihr Geschlecht dargestellt haben mögen, als es im Urtext steht, zum Beispiel die Geschichten mit der Rippe und mit dem Apfel. Um ja recht gründlich zu Werke zu gehen, ist eine Anzahl Damen ausgewählt worden, welche sich dem Studium der Textsprachen, des Hebräischen und Griechischen, und aller damit in Verbindung stehenden alten Sprachen widmen sollen. Sobald sie fertig sind, soll das Uebcrsetzungs- werk losgehen. Spinnen und Wälder. Dr. E. Keller in Zürich bc- hauptet, daß die Spinnen eine wichtige Arbeit für die Erhaltung des Waldes verrichten, indem sie die Bäume gegen die Ver- wissttmaen durch Blattläuse und andere Insekten schiitzen. Keller hat viele Spinnen durch Oeffnung ihrer Eingeweide und durch Fütterung in der Gefangenschaft untersucht und ge- fanden, daß fie die gefräßigsten Feinde der schädlichen Insekten sind, so daß sie nach seiner Ausicht mehr Nutzen schaffen, als alle Insekten fressenden Vögel des Waldes zusammen. Diese Experimente haben stattgefunden mit den Insekten der Tannen, Kiefern, anderer Koniferen, der Eichen, Buchen und sonstigen Laub tragenden Bäume und namentlich des Apfelbaums. Eine Duellaffaire. Vor ungefähr einem Jahre machte ein Duell, in welchem ein Offizier der preußischen Armee einen Kameraden, um dessen Frau er sich bewarb, erschossen hatte, großes Anflehen. Die Wittwe des Erschossenen verlobte fich nach dem Duell mit dem Gegner ihres Gatten. Verschiedene Blätter berichten nunmehr folgendes über das Brautpaar: »Das Aufgebot des früheren Lieutenants Hcllwig mit der Wittwe des von ihm erschossenen Kameraden wurde auf An- ordnung des großherzoglichen Justizministers von der Mann- hcimer städtischen Aushängctafel abgenommen, da Hcllwig nicht mehr als badischer Staatsbürger zu bcttachten sei. Der Verheirathung wurden auch in der Schweiz Schwierigkeiten gemacht. Das selflame Brautpaar hat fich nunmehr nach Eng- land begeben." Ein sehr nützlicher Gänserich. Aus dem Kreise Tuchel, 2. November. Die gebratenen Tauben kommen wohl niemand in den Mund geflogen, zuweilen aber die wilden Gänse in den Stall. Ein Seebesitzer in dem Dorfe L. tteibt im großen Maßstabe Gänse- und Entenzucht. In diesem Frühjahr hielt er fich einen Zuchtgänserich, der in der Brütezeit spurlds ver- schwand. Er glaubte immer, daß ihn jemaad gestohlen habe; dies war aber nicht der Fall. Der Gänserich war nämlich zu den wilden Gänsen gegangen und hatte fich mit denselban ge- paart. Die Liebschaft scheint auch nicht ohne Frucht geblieben zu sein; denn eines Tages in der vorigen Woche, als der Be- sitzer am frühen Morgen auf seinem Gehöft in einen Stall kam, sah er voller Frende, daß darin sein Gänserich mit acht wilden Gänsen saß, die er ihm mitgebracht hatte. Da dieselben Bastarde waren, so hatten ste viel von ihrer Wildhett verloren, auch nahmen fie jedes Futter zu sich. Nach einer achttägigen Mast wurden ste geschlachtet. Ein interessanter theatralischer versuch wird demnächst in New-Uork gemacht werden. Ein dortiger Thcaterdirektor plant, alltäglich Matineen zu veranstalten, bei denen ausschlicß- lich Stücke aufgeführt werden sollen, welche von keiner Bühne angenommen worden find. Auch durchgefallene dramatische Werke sollen in das Repertoire dieses menschenfreundlichen Theaters einbezogen werden. Die Reklame-Notizen, welche der selflame Direktor an die Journale ausschicken wird, dürften folgendermaßen lauten: ,, Morgen findet die Premiere des am Michigan-Theater vor fünf Jahren glänzend durchgefallenen Schauspiels„Tie Goldwäscherin" von Georges Plimkins statt. Das Werk wurde bisher von sämmtlichen Bühnen der Welt abgelehnt."— Vielleicht findet das Beispiel bei uns Nach- ahmung. In diesem Falle wären alle Repertoircschwierigkciten für immer beseitigt! Kleine Mittheilungen. Bingen, 3. November. Die hessische Ludwigsbahn läßt augenblicklich vor ihrem für den Umschlag der Schiffsgüter auf die Eisenbahn bestimmten Bingener Stagen umfängliche und kostspielige Felssprengungen mit Dynamit rm Rhein vornehmen. An jener Stelle sind Steinmassen gelagert, welche bei Nieder- wasser für größere Schiffe die Anfahrt und das Anlegen der Dampfkrabnen schwierig und gefahrvoll machten und deren früher schon mehrfach versuchte Beseitigung jetzt durchgeführt wer- den soll. Wien, 5. November. Von dem Mörder des Buchdruckerei- besitzers Schloßbcrg fehlt bis jetzt noch jede Spur. Vorderhand liegen nur Vermuthungen vor, dahingehend, daß der Ermordung Schloßberg's Rachemotive zu Grunde liegen müssen. Ein be- absichtigter Raub ist vollständig ausgeschlossen, denn nach Aus- sage einer Anzahl Zeugen hat der Verbrecher nicht den geringsten Versuch gemacht, sich in den Besitz der Wertheyekten seines Opfers zu setzen. Der Ermordete stand im 63. Lebensjahre. Er war dreimal verheirathct unn diesen drei Ehen sind neun Kinder entsprossen. Vor ungefähr sechs oder sieben Monaten war Schloßberg mit der gegenwättigen 42 jährigen Wittwe Fanny Görtz bekannt geworden. Er besuchte fast täglich nach Schließung der Druckerei, in welcher er gewöhnlich bis gegen 8 Uhr Abends zubrachte, Frau Görtz in ihrem Geschäfte, einem Tabaksladcn in der Rothgasse. Dies war auch gestem der Fall. Frau Görtz, welche im Laufe des heutigen Vormittags im Poiizei-Direktlons-Gebäude vernommen wurde, konnte bezüglich der Peflon des Thäters nicht die geringsten Anhalts- punkte geben. In dem über diese Affäre ausgegebenen amt- tichen Berichte heißt es:„Es scheint hier ein Racheakt vorzu- liegen, der in dem Verkehr Schloßberg's mit„leichflertigen Frauenzimmern" seinen Grund haben dürfte." Budapest, 5. November.(Soziales Elend.) Heute Nach- mittag beging die 22jährige Näherin Marie Morton vor dem Hotel„Orient" auf der Kcrepesersttaße einen Selbstmordvefluch, indem fie eine Phosphorlösung ttank, wodurch fie fich schwere innere Verletzungen zuzog. Die Unglückliche mußte von dem kargen Verdienst aus ihrer Hände Arbeit fich und eine alte Mutter erhalten. In jüngster Zeit bekam sie jedoch ttotz aller Bemühungm keine Arbeit und nagte am Hungettuche. Dazu kam, daß das Mädchen von ihrem Geliebten tteulos verlassen wurde und jetzt gerade vor dem Eintritt des Winters ohne Unterstützung dastand. Aus Verzweiflung über ihre Lage be- schloß die arme Näherin, freiwillig aus den« Leben zu scheiden. Sie wurde noch lebend ins Spital gebracht. Budapest, 6. Nov.(Lieber den Tod.) Der 21jährige Maurergeselle Josef Vaski wurde im Frühjahr zum Militär tauglich befunden und sollte Anfangs Ottober einrücken. Er hatte indeß eine so große Abneigung vor dem Militärdienste, daß er sich bei seinem Regiments nicht meldete und bei einer Herrschaft als Kutscher Stellung nahm. Vor einigen Tagen erfuhr der junge Mann, daß man ihm auf der Spur sei. Um nun nicht zwangsweise zu dem Regimentc eingereiht zu werden, beschloß Vaski, lieber den Tod zu wählen. Gestern Nachmit- tag ttank er eine Phosphorlösung und wurde am Abend in einem Wassergraben bewußtlos liegend aufgefunden. Man brachte ihn ins Rochusspital. Genua, 2. November. In der Nähe der Station Recco entgleiste ein Zug. Fügf Waggons wurden zertrümmett, zahl- reiche Peflonen wurden verwundet. Cagliari, 3. November.(Ein Orkan.) In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. d. wüthcte in ganz Sardinien ein un- gemein heftiger Orkan. Gegen Abend erhob sich plötzlich cm Sturm, der schon nach wenigen Minuten panischen Schrecken in den menschenerfülltcn Straßen hervorrief. Die durch das fürchterliche Unwetter überraschte Menge floh schreiend nach allen Seiten auseinander, die ungeheuren Staubwolken vcr- hinderten jede Aussicht, so daß sich die eflchreckten Leute schnell unter die Hausthore flüchteten. In den Straßen wüthcte der Sturm indessen mit unglaublicher.Heftigkeit; Fensterscherben und Ziegelsteine, ja ganze Erker und Terrassen wurden vom entfesselten Elemente auf die Gasse geworfen; die Zahl der Verunglückten ist eine bedeutende, wenn auch glücklicherweise kein Verlust an Menschenleben zu beklagen ist. Schlimmer sieht es dagegen zur See aus und glaubt man den ganzen Umfang des Unglücks noch nicht zu kennen, da wenig Hoffnung vor- handen ist, daß die aus Genua und Tunis fälligen und sc» zwei Tagen vergeblich erwartetenjSchiffe dem Orkane entronnen sind. In der Nähe von Pula scheiterte das österreichische Schiff Jyormica", die sechs Matrosen und die Tochter des Rhedes Martinolich aus Lusfin wurden gerettet, letzterer selbst, sonM der Kapitän Gladulich erttanken. Die Goelctte„San Franziska di Salcs" sank mit Mann und Maus, während die Besatzung der Brigantine„Antonio v." unter großen Anstrengungen ac> rettet wurde. Die Hafenpiloten fanden am Morgen des 1. w vemder ein ohne Steuer und Masten im Meere treibend:- Schirr mit drei halberstarrtcn, ohnmächtigen Männern. Tie ll� glücklichen wurden gelabt und erzählten, Malta am Morgen da 31. Ottober bei schönstem Wetter verlassen zu haben; dann ha� fie der Orkan erreicht und mit furchtbarer Gewalt weitet' getrieben. Die Uebeflahrt von Malta nach Sardinien in Stunden grenzt allerdings ans Wunderbare! AchttbcW Schreckensnachrichten laufen auch von den umgebenden Insel»' sowie der Westküste Italiens ein., London, 4. November.(Verschüttete Arbeiter.) Ein be' bäuerliches Unglück ereignete sich in Südwalcs in der Albio»' Kohlengrube, wo ungefähr 40 Fuß der Seitenmauern d» Schachtes einstürzten, während unten in der Nähe 20 Leute o» der Arbeit waren. Von diesen gelang es nur 14, sich durch d" fallenden Stein- und Erbmassen in Sicherheit zu bringe»' während 6 hilflos unter den Trümern lagen. Den augenblw' lich in die Tiefe beförderten Rettungsmannschaften gelang t"' nur 2 verletzte Arbeiter ans Tageslicht zu fördern, während d>e andern 4, deren Tod nicht bczweifett wird, vorläufig dort, sie lagen, gelassen werden mußten, da das von allen Seite» hercinströmcndc Wasser das weitere Rettungswerk verhinderte- Paris, 3. November. In der heutigen Nacht wurde d» Bcsitzerin des Cafes air der Ecke der Rue Saint-Jaoques u»' der Rue Gay-Lussac, Frau Layson, deren Mann eben in � saneon seine Waffenübung macht, erdrosselt und ihrer ganze» Wcrthpapiere beraubt. Der muthmaßliche Thätcr ist noch endcckt.— Tie Zollhalle von Maubenge wurde gestern A?» durch die Explosion eines Pettoleum-Balloirs vollständig zefl�» Acht Wagcnschieber der Nordbahn und mehrere Steucrbeaw wurden schwer verletzt._ Buenos Aires, 5. Noveinber. Während des Mg»» Oktober sind hier 43 Dampfer mit 13 000 Einwand crem ewS troffen. Markthallen-Bericht von I. Sandmann, städtisA» Verkaufs-Vermittler, Berlin, den 8. November 1886. Geräucherte und marinirte Fische. Räucherfische wfl� noch in geringen Quantitäten zugeführt, so daß von et»':. flottern Geschäfte in diesem Artikel noch nicht die Rede»: kann. Größere Zufuhren erwünscht. Bratheringe per /F 1,50-1,60 M. Russische Sardinen 1,50-1,60 M. Rhetg 2,50-2.90, Weser- und Ostseelachs 1,20-1,60, Flundern,% 3-6 M, mittel 7,50-16 M., große 18-27 M, Bücklinge l£ bis 4,00 M. per 100 Stück. Sprotten 40 bis 45 Pf- � Pfund._. Schaalthiere. Austern 7,00—12,00 M. pr. 100 Stuck.. Geflügel. Die Zufuhren an fetten Gänsen sind nicht» l... Skr»». reichend, die Preise steigend. Die Gänse für oen '-*-"■' Gänse perA den Iej Markt sollten niemals gebrüht werden. Fette Gänse pe> 50—60 Pf., Fettgänse icher 15 Pfd. schwer 60 Pf. und per Pfund, Stoppelgänse bis 8 Pfd. 40—48 Pf. F# junge Enten 1,50— 2,50, junge Hühner 0,55—0,80, � 1,20-1,70 M.. Tauben 30-45 Pf., Poularden 4,5» ,t 8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich. Fette Ganse begehrt-,.# Wild, besonders Hasen werden aufgebrochen htct liebsten gekauft und da es sich länger frifch erhält, beff � zahlt. Rehe 54— 62, jehlerhafte 40— 50, Hirsche, und fehlerhafte 20—25,'. 25—35, Dammwild 32— 4 arf., schwein25— 30Pf. pr.Pfd., Rebhühner, junge 150, alte 90 1 P., Fasancnhcnncn 2,40—3,50 Ä-, Fasanenhähne 3,10—4, Hasen 3,00-3,75, Kaninchen 45-55 Pf. p. Stck, Kramet4v°L� bis 26 Pf. ver Stück. Auerhahn 3,00-4,50 M-, 1,75—2,50 M. pr. Stück, Schnepfen 2,20-2,80-3�5„-» kasfinen 50-70 Pf. pr. Stück. Die Wildauttioncn t» � täglich im Bogen 4 um 9� Uhr Vormittags und 6 UV» mittags abgehalten. Die Auttionen finden stetig giff nähme seitens der Wildhändler und der Delikatessen» ��-i> und größeren Restaurateure. In diefcn Auktionen„ff- lediglich Engrosposten verkauft und freihändig ntcy äußert...firte 3»' Eier 3,15 M. pr. Schock. Eier find begehrt; rn,.,»s'!' Butter. WM "-70. niedrU�Stück' WßSKSVKS . Rosen-Hochstämme itemw.-.«« Im..MI«-- IW und S...« f""" W � Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. S6Ä. Dienstag, de« 9. Movember 1886. 3. Jahrg. Kommunales. * Tie Ausdehnung der elektrischen Beleuchtung in ®*rltn. Ter Magistrat hatte im Biärz und Zipril b. I. eine Vllzemrine Ausnahme der i'ämmtlichen der städtischen Gasanstalt ve.annt gewordenen elektrischen Einrichtungen durch Vermitte- lung der Revierinspektionen der Anstalt veranlaßt. Bei dieser Aufnahme wurden 152 Einrichtungen ermittelt, welche 736 Bogenlampen und 12705 Glühlampen versorgten; 30 dieser Einrich- tungcn werden in Einzelanlagen von Gaskraitmaschinen be- «rebem während die übrigen Einrichtungen theils zu Zentral- anlagen gehören, thcils in Einzelanlagen für den Betrieb Dampf- mcgchinen verwenden. Den Städtischen Elektrizitätswerken ge- �an von diesen Einrichtungen 43 an mit 37 Bogenlampen vm Glühlampen, darunter im königl. Schauspielhause �1 Glühlampen. t, Aach dem vom Magistrat erstatteten Berwaltungs- oerrcht über die städtischen Gasanstalten für das Rechnungs- lahr 1885 86 hat sich in diesen« i�ahrc die mittlere Bevölkerungs- �al Berlins von 1 262 336 Seelen im Jahre 1834 85 aus c V 773, also um 42 437(3,36 pCt.) erhöht, die Gasprodnktion aer städtischen Anstalten allein aber von 74 338 000 ebm, im «Me 1884 85 auf 77 826 000 cbm(4,69 pCt.). Tie Anwen- aung des elektrischen Lichtes ist bisher auf die Steigung des Gasverbrauches noch ohne irgend welchen erheblichen oder be- werkbaren Einfluß geblieben. Bon den einzelnen Stadttheilen weifet wiederum die höchste Steigerung, wie in den letzten fahren, der westliche Theil der Friedrichs- und Schöneberzer Karstadt und der südliche Theil der Friedrichs- und Tempel- Hafer Vorstadt auf, indem in diesen beiden Gebieten der Gas- Krauch sich um 14 resp. 13 pCt. erhöht hat. Auch die öst- "che Luisenstadt jenseits des Kanals hatte eine Zunahine von wehr als 10 pCt. Im Norden der Stadt hat nur die Rosen- thaler Vorstadt in beiden Thailen eine Steigerung von etwas Uber 11 pCt. aufzuweisen. Auch die westliche Luisenstadt jen- leits des Kanals, die Friedrich-Wilhelnistadt und Moabit über- wegen mit ihrer Zunahme des Gasverbrauches den mittleren Durchschnitt um etwa 2 pEt. Andere Stadtthcile haben nur Ma ganz geringe Zunahme des Gaskonsums, einige sogar eine Abnahme. In die letzte Kategorie gehören die Dorothecnstadt Und der Stadttheil Neu-Eolln. Der Nutzen, welchen die städti- ichen Gasanstalten pro April>885 86 für die Stadtgemeinde �sieben haben, betrug 7 385 772,59 M. Im Jahre 1884 85 hatte weser Gcsammtgewinn nur 6 819248,91 M. betragen und hat u rselbe sich daher pro 1. April 1885 86 gegen das Vorjahr un» % 1523,68 M. oder um 8,38 pEt. erhöht. , Einberufung von Lehrern für die hiesigen Gemeinde- llhulen. Zum 1. April 1887 werden voraussichtlich über 70 Neue Klaffen in den Gemeindeschulen eröffnet werden. Da von diesen Klassen mindstens 49 mit Lehren, zu besetzen sein werden, wahlfähige Lehrer aber nur in sehr geringer Anzahl an hiesigen Privatschulen beschäftigt find, so sieht sich der Magistrat ge- Wthigt, ungefähr 35 Lehrer von außerhalb zu berufen. Diese Mv aber verpflichtet, drei Monate vor Eintritt in den hiesigen .�mreindcschuldienst ihre Stellungen zu kündigen. Es ist da- �erforderlich, schon jetzt mit den Zlnstellungsverhandlungen v. /%*• i o 0*7 gg -vyV[V»,»M|| � W*. vi» v... firf) V. ersucht daher die Stadtverordneten- Persammlung, jetzt einverstanden zu erklären, daß der Magistrat schon »Orbit?! zu dem Minimalgchalt von 1560 M. in vom 1. April Etn» 7? Zahres neu zu kreirende Stellen beruft, obwohl der tvortw.?08 Rechnungsjahr 1. April 1887 88 nicht festgestellt in JVft: doch soll die Zahl solcher vor Feststellung des Etats reifender Lehrer 35 nickt überschreiten. Lokales. der Veröffentlichung der Engagements-Kontrakte W.j'/�»»sa", dieser überaus humanen Geldquelle des derrn erregt- Kühn, hat die allgemeine Aufmerksamkeit der Presse tikel'■ m Kühn sandte der„Volks-Ztg." auf unseren Ar- fön" ne„Berichtigung", deren Abdruck wir uns ersparen fort,..»' 0 dieselbe keine der von uns veröffentlichten That- wert�.'H. widerlegen im Stande ist. Die„Volks-Ztg." be- Nickt»Berichtigung":„Wir haben diese„Berichtigung" � zurückhalten wollen, obgleich uns der§ 11 des Prcß- Herliner Theater. Deutsches Theater. Der schwarze Scklcier.- Schauspiel in vier Aufzügen von Oskar Blumenthal. yJ'WM ÄSL'Ä« äs. A-'Än � wonopolbesitzenden Dichtwerks-Fabrikanten wiederspiegell, «Mi,»mm!',™ÄTtn mi'm�nunUrtr Stil »w ÄÄÄ"m'P S*** dem Namen„Sachkenntmß" zu belegen sich er. iT.., Herr Blumenthal hat es diesmal, wahrscheinlich durch ?ube und nicht gerade schmeichelhafte Erscheinungen gewitzigt, Ä»°ge*. seinen Stoff der allerneuesten Tagesgeschichte zu �lehnen. Gewiß glaubte er dadurch dem mehrfach n.cht mit 22" Mon Zemand vor einigen Jahrzehnten gedacht und MW werb,~ Bertha Rötherlichen Angedenkens— ennner z b�l\ und der Dichter führt der und der Zubiw«!lxanrce m uchtiger Würdigung seiner gewohnlichen Ax?, schuft gerade diejenige Szene aus jenem 9WZ?°r, in welcher der greise Lüstling seine erotischen �Ichreitungen in glühenden Worten besingt. Allerdings aesetzes, wie die Direktion der„Hansa" sich einzubilden scheint, keineswegs zu ihrer Aufnahme verpflichtet. Denn was wirklich „berichtigt" wird, find ganz nebensächliche Dinge; worauf es in unserem, dem„Berliner Volksblatt" entnommenen Artikel an- kam, wird stillschweigend zugegeben: nämlich das Vorhandensein der neulich näher gekennzeichneten Kontrakt- und Lohnver- hältniffe, welche durch leere Redensarten über die„Gerechtigkeit und Güte" der Direktion keineswegs schöner werden."— Selbst die„Berliner Ztg.", die es sich von Anfang an zur Aufgabe gemacht hatte, den Privatposten das Wort zu reden, kann jetzt ihren Unmuth nicht zurückhalten, sie sieht sich zur Veröffent- lichung des folgenden veranlaßt:„Seitens drei der abgegangenen Briefträger Namens Vcntz, Arnold und Neumnnn gehen uns, entgegen dem seitens der„Hansa" gebrachten Dementi, daß nicht 80, sondern nur 18 Briefboten entlassen worden, folgende Details zu. Auf dem Nordamt in der Lothringersttaße ist die Zahl der Briefboten von 71 auf 33 rcduzirt; Amt 5 in der Frankfurterstraße 102» hat von 17 nur noch 12, auch das Amt in der Oraniensttaße hat 7 Personen entlassen— aus diesem geht schon zur Evidenz hervor, daß die Entgegnung der Gesell- schast nicht stichhaltta ist. Doch das wäre ja nicht von Belang, wenn die sonstigen Nebenumstände nicht so gravirender Natur wären. Man reduzitte das Gehalt am 28. v. M. ganz ivillkürlich und ohne vorhergegangene Anzeige von 2,50 M. Tagessalair auf 2,25 M.; am 4. d. M. wiederholte sich diese Manipulation, man reduzirte aber- mals mit dem unverfrorenen Bemerken, daß, wem es nicht passe, gehen könne. Als einige Briefttäger sich beschwerdeführend an den Besitzer der„Hansa", Herrn Buchdruckcreibesitzcr Reinhold Kühn, wendeten, entgegnete derselbe, daß er eine Pauschalsumme für die Besolvung der Boten ausgeworfen und im klebrigen es den bestimmten Dezernenten überlasse, damit Haus zu halten. Direktor Achilles„sprach ihnen gut zu", mit denr Vermerk, sie möchten nur ruhig für 2 M. täglich arbeiten, c s würden ja die Trinkgelder zu Weihnachten resp. Neujahr diese durch die Verhältnisse bedingte Reduzirung doppelt und dreifach wctt machen." Also für wirklich geleistete Arbeit sollen sich die Angestellten mit Trinkgeldern, d. h. mit der Gnade des Publikums abspeisen lassen. Diese Zumuthung wirft übrigens auch ein sonderbares Licht auf die vielgepriesene Güte der Direttion. Die„Nordd. Allg. Ztg." bringt nach- stehendes„Kuriosum":„Welche Unsicherheiten für den Verkehr durch die sogenannten Privatposten entstehen, beweist u. A. der Umstand, daß vom 1. September bis 31. Oktober nicht weniger als 8272 Stück offene Karten, mit Marken von Privat-Bestell- Unternehmungen beklebt, in die Reichspostbriefkastcn zu Berlin gelegt worden sind. Diese Karten haben nach den bestehenden Bestimmungen von der Postbeförderung ausgcschloffen werden müssen und sind als herrenlos aufgefundene Gegenstände an- gesehen worden; sie werden einstweilen bei der Ober- Postdirektion in Berlin aufbewahrt."— Auch die „National- Zeitung" äußert sich über die Menschenfreund- lichcn Kontrakte in der folgenden Betrachtung:„Nach dem Lloyd die Hansa— genau so sah man es kommen, es war unausbleiblich. Aber erst jetzt erfährt man, daß der Sturz dieser beiden Gesellschaften,— die zweitgenannte existirt allerdings noch, wenn auch in eingeschränkteren, Maße— ein auch aus anderen Gründen, als die bisher bekannten, wohlverdienter gewesen. Ter„Lloyd" entstand, weil der in Uneinigkeit aus- geschiedene Geschäftsführer der Hansa dieser Gesellschaft Ab- brück thun wollte und die Hansa hat mit ihren Boten Kon- trakte abgeschlossen, nach deren Kenntnißnahme nur dies ver- wunderlich ist: daß überhaupt ein einziger der Hansa anvertrauter Brief angekommen ist, daß es ihr überhaupt ge- lungen ist, halbwegs zuverlässige Menschen für den Dienst auf- zutreiben. Solche Kontrakte, wie sie von der Hansa den Briefttägern zur Unterzeichnung vorgelegt worden sind, ejistircn wohl nur ein zweites Mal noch auf der weiten Welt in den amerikanischen Landungshäfcn, in denen der eben landende Grüne Engagement nach dem ferne» Süden als Eisrnbahn- arbeiter findet. In diesen Konttakten dort wie hier kennt der Unternehmer nur Rechte, der Engagirte nur Pflichten. Prnkt für Punkt muß der letztere sich zu ganz unausführbaren Zuge- ständnissen verstehen und sich ganz ausdrücklich für rechtlos er- klären, indem er für den Fall irgendwelcher Meinungsverschic- denheit auf die Anrufung der Gerichte verzichtet. In den Vereinigten Staaten allerdings haben die Gerichte oft genug solche Klauseln einfach als nicht vorhanden betrachtet, sie haben muß der Autor sein Publikum kennen und es läßt sich hier- über nicht mit ihm rechten, vielleicht erfordert auch seine Mache derartige starke Reizmittel— daß aber ein„fein- fühliges" Publikum solche Anspielungen nicht sofort und zwar deutlich zurückweist, das beweist eben, daß Herr Blumenthal Takt und Anstand, soweit derselbe in Berlin W zu finden ist, in ausgezeichneter und gründlicher Weise mit Erfolg studirt hat. Trotz alles„adminikulirenden Beiwerks" hat der Ver- fasser_ wir nehmen an, daß wir den richtigen vor uns haben— es nicht vermocht, sein Schauspiel so aufzubauen, daß für den Schluß auch nur ein Funke vonZnteresie beim Zuschauer übrig bleibt. Der erste Akt, mit seiner peinlich getreu kopitten Gerichtsverhandlung hätte, ohne das Ver- ständniß zu stören, ebenfalls ganz gut durch eine kurze Exposition ersetzt werden können. Herr Blumenthal muß jedoch unter allen Umständen Sensation erregen, er muh auf die Nerven seiner Zuhörer wirken; statt des sich psychologisch richtig entwickelnden Gedankens bringt er den Apparat der Rechtsprechung auf die Bühne, er zeigt uns den Präsidenten, Staatsanwalt und Vertheidiger in ihrer amtlichen Thätigkeit, vielleicht kommt auch einmal die Zeit, wo auch das nicht mehr„zieht", und dann wird, um die Effekte immer mehr zu steigern, schließlich nichts Anderes übrig bleiben, als den zartbesaiteten Damen Herrn Krauts im Frack und mit dem Richtbeil zu ��Wcnn man auch den ersten Akt der äußeren Wirkung wegen noch allenfalls erklären kann, so ist, wie bereits bemerkt der vierte gänzlich unverständlich, und der Verfasser, der sich in den beiden mittleren Akten vollständig ausge- geben hat, muß zu den unerhörtesten, künstlich erzwungenen Hilfsmitteln seine Zuflucht nehmen. Und wie kläglich sind dieselben! Er muß noch zum Schluß gänzlich unmottvirt, eine neue Figur ein- fuhren deren Zweck und dasein man nicht begreift, nur um auf einigermaßen natürliche Weise die beiden Liebenden zusammen zu bringen. Ein urtheilsfähiges Publikum ohne Klaque hätte den Schluß mit Gelächter aufnehmen müssen. So aber wurde die Opposition einfach niedergeklatscht und angenommen, daß der Konttahirende nicht wußte, was er da unterschrieb, daß er also in Wahrheit das, was da stand, nicht unterschrieben habe, und haben ihm dann zu seinem Rechte ver- Holsen."— Das dürfte Herrn Reinhold Kühn vorläufig ge- nügen. Im klebrigen möchten wir dem wohlwollenden Herrn noch den Rath geben, bei der jetzigen rauheren Jahreszeit nun auch für eine entsprechende Adjustirung seiner Briefboten sorgen zu wollen. Die Leute sehen in ihren blauen Lcinwandsblousen, die im Lauf der vergangenen Monate schon recht schäbig ge- worden sind, wirklich jämmerlich aus. Herr Kühn braucht als vorsichtiger Geschäftsmann ja nur das Geld für eine ent- sprechende Winterkleidung auszulegen, seine Angestellten muffen es ja wieder abzahlen. Wozu also die Knickerigkeit? Herr Kühn scheint allerdings nach jeder Richtung hin ein Anhänger gewisser Abhärtungstheorien zu sein, die am wirksamsten frei- lich durch Entbehrungen gefördert werden sollen. Herr Elias Eohn auf Reisen. Wir haben kürzlich be- richtet, so schreibt die„Voss. Ztg.", daß Herr Elias Cohn sich jetzt in Niederschlcsien aufhält und sich, ohne daß man den Zweck hätte entdecken können, in den Synagogen seiner früheren Glaubensgenossen unnütz gemacht hat. Der Herr ist uns nicht wichtig genug, um seinen Spuren zu folgen; wir geben daher die folgende Korrespondenz aus Lieanitz, 5. November, nur, weil daraus hervorgeht, ivas Herr Cohn in Schlesien treibt: „Ter Reiseagent der deutschen evangelischen Buch- und Traktat- aesellschaft in Berlin, Johannes Elias Cohn, hat nun auch Liegnitz mit seinem Besuche beglückt. In der Hoffnung auf „Radau" hatte die im Kronprinzensaale gestern abgehaltene erste und wahrscheinlich letzte Versammlung zahlreichen Besuch ge- funden, doch verlief sie sehr ruhig. Elias Eohn stellt in Abreoe, daß er„Antiscmitist" sei, griff aber die Juden heftig an und empfahl den Christen, zur Ehre und zuin Vortheil ihres Glaubens und zur Besiegung des Widerstandes der Juden gegen die Annahme des Christenthunis nichts mehr bei den jüdischen Händlern und Kaufleuten zu kaufen; vielmehr alle Einkäufe, wenn auch theurer, nur bei Christen zu machen. Mit der Erzählung seiner Bekehrungsgeschichte lichtete Elias Cohn den Saal so rasch und so gründlich, daß ein zweiter Vortrag kaum Zuhörer finden dürfte."— Der „Breslauer Morgen- Zeitung" wird hierzu in ähnlicher Weise folgendes geschrieben: Die Reichshauptstadt, in spsvia die deutsche evangelische Buch- und Traktak-Gcsellschaft in Berlin, schickt uns in der Person des Herrn Johannes EliaS Cohn einen Missionar, welcher die Juden bekehren soll. Dieser Tage hat er in Liegnitz gesprochen, ausschließlich indcß nur vor Christen. Die Juden hält er sich für eine folgende Versamm- lung vor. Die Sache verlief in Liegnitz recht mhig. Nachdem „Liegnitzer Stadtblatt" hielt Herr Cohn einen lairgdauerndm Vortrag zur Empfehlung der Judcnmission, der voir ihm ver- ttetenen Berliner Gesellschaft und der Traktätchen und sonsttgen auf die Bekehrung Israels bezüglichen Schriften, die er mit- führt. Gelegentlich bemerkte Herr Cohn, er sei kein Antisemit — oder„Antisemitist", wie er sich ausdrückte—, er habe auch in Berlin schon in öffentlichen Versammlungen Herrn Prediger Stöcker bei dessen Ängrinen auf die Juden offen als Gegner widersprochen j allein auch in Herrn Cohn's Ausführungen kam gar mancherlei vor, was an Schärfe des Angriffs auf die Juden nichts zu wünschen übrig ließ. Den Kernpunkt seiner Dar- legungen bildete übrigens die Aufforderung an die Christen, zu Ehren und zum Vorthcil ihres Glaubens und zur Äesiegung des Widerstandes Israels gegen das Christenthum einfach— nichts bei den Juden zu kaufen, vielmehr alle Einkäufe nur bei Christen, selbst wenn hier der Preis sich nicht unerheblich Höher stellen sollte, zu machen! Der Redner wird mit dieser Auf- forderung wohl wenig Glück bei unserem Publikum haben, da dasselbe seine Einkäufe meist dort macht, wo es am billigsten bedient wird. Vegetarische Speisekarte. Einen interessanten Einblick in die vegcrarischen Genüsse gewährt eine Einladung zum Besuche der vegetarischen Restauration und Konditorei, Niederwallstt, 17, woselbst sich, wie versichert wird, Damen und Herren zu jeder Tageszeit— bis Abends 10 Uhr— ungenirt restauriren können. Die Speisekarte ist der Geschäftsempfehlung zufolge eine reich« haltige und erfährt täglich Abwechslung in: Nahrhaften Suppen, rationell und schmackhaft zubereiteten Gemüsen und Zerealien, Hülsenfrüchten, Mehl- und Eierspeisen, Kaltcschalen, Salaten, geschmorten und rohen Früchten, Puddings, Krömes, Honig, Käse und Butter, Schrotbrod, Pun,pcrnickel ic. An Getränken Herr Blumenthal erschien, wir wissen nicht zum wievielsten Male, vor der Gardine. Dieser Erfolg ist ihm gern zu gönnen, es gehört aber leider zu den Eigenthümlichkeiten des Herrn Blumenthal, in jedem Menschen, der seinen Anschauungen nicht huldigt, einen Neider zu wittern, gegenjje» er schon im Voraus mit seinem ganzen Sarkasmus zu Felde zu ziehen sich verpflichtet fühlt. Anders sind seine wadenkneiferischen Aeußerungen über„die Erfolge Anderer", die in seinem Stück keine kleine Rolle spielen, gar nicht zu verstehen. Herr Blumenthal hat sich in seinem Schauspiel die Aufgabe gestellt, eine sogenannte Doktorfrage zu lösen. Es handelt sich darum, ob ein Mann, der einen Anderen im Duell getödtet hat, die Frau des letzteren heirathen darf. Diesem Problem soll auch ein geheimnißvolles Berliner Ereigniß— irren wir nicht, so ist es die Affaire Putlitz— zu Grunde liegen. Be- greiflicher Weise hat die Erörterung einer derartigen Frage nur für gewisse, exklusive Kreise, in denen man sich duellirt, einige Bedeutung. Für die weitaus größte Masse des Volkes ist die Duellfrage überhaupt vollkommen untergeord- neter Natur. Alles, was über das Thema„Duell" beige- bracht werden kann, ist bereits so häufig und so ausführlich gesagt worden, daß Herr Blumenthal wohl annehmen konnte, er würde mit seinen langathmigen Tiraden, die er dem Ver- theidiger und Staatsanwalt pro und c rntra in den Mund legt, ein eigentliches Interesse nicht mehr erwecken. Doch das macht nichts, Herr Blumenthal kennt sein Publikum und namentlich die schönen Vertreterinnen desselben zu ge- nau, als daß er aicht wissen sollte, daß ein jungen Mann, an dessen Kopf zwei Kugeln in lebensgefährlicher Nähe vor- beigepfiffen find, durch diese Heldenthat tausendmal anziehender wird. Und hätte sein Held, der Doktor von Brügge, nicht wenigstens diese zwei Kugeln mit Anstand ertragen, so wußte man wahrhaftig nicht, auf welche Weise er das Publikum des Deutschen Theaters durch vier Akte hindurch hätte fesseln sollen. Dieser Herr„Doktor von Brügge" ist ein Unikum in seiner Art, ebenso wie Herr Blumenthal ein Unikum in der Behandlung sozialpolitischer Fragen ist. Es hieße Zeit und Wtrden verabfolgt: Gesundheits-Apfelwein-Bowle und Cham- pagner, Johannis-, Heidelbeer- und Naturwein, Limonaden aus reinsten Fruchtsäften(von Zitronen-, Kirschen-, Johannis-, Erd-, und Himbeersast), Harzer Krystall-Sauerbrunnen, Avollmarrs, Selterwasser, Weiss-, Weizen- und Bayrisches Bier, Malcxtrakt, Kakao, Kaffee, Thee, Chokolade, Eier- und Warmbier, vegetarische Bouillon, Apfelglühwein, Schrotmehlsuppe-c. Auch für geistige Nahrung ist gesorgt durch die gelesensten Tages- zeitungen und gegen 300 Schriften über die Ernährungsfrage, Gesundheitspflege und Vegetarismus. Für Briefmarkensammler durste die Beantwortung der Frage von hohem Interesse sein, wo es die ersten Briefmarken gegeben hat. Es ist dies, wie uns mitgetheilt wird, in, König- reich Sardinien der Fall gewesen. Das Kaiserliche Postmuseum besitzt in seinem Album kein derartiges Exemplar, dessen Preis sich für Liebhaber bis auf 3000 Frcs. stellt. Sardinien führte die Briefmarken schon im Jahre 1819 ein, also lange vor Row- land Hill(1840), und zwar in Form gestempelter, zum Ein- schlagen der Briefe bestimmter Bogen weissen Papiers. Bei vorkommenden Dachreparaturen wird von den Be- sitzern der betr. Häuser gewöhnlich das Verfahren beliebt, das Trvttoir vor dem Hause mittelst langer Holzlatten, die lose an der Mauer angelehnt werden, abzusperren. Einen praktischen Zweck hat diese Vorkehrung kaum; man geht bequem unter dem hochstehenden Theil des Holzes durch und gegen etwaigen Schaden, der durch herabfallende Steine vom Dache angerichtet wird, dürfte der Unternehmer durch die erwähnten Sperrhölzer in keinem Fall geschützt sein. Will man ein uebriges thun und die Vorübergehenden auf mögliche Gefahren der Dachreparatur aufmerksam machen, so würde ein Schild mit entsprechender Aufschrift diesem Zwecke besser dienen, als solche Sperrstangen, die im Dunkel und bei lebhaften, Verkehr gefährlich werden, wie vor einigen Tagen in der Niederwallstrasse, wo eine ält- liche Frau zu Falle kam, die ihrem Manne das Abendbrod zu- tragen wollte, in der Dunkelheit aber gegen die verhängniß- vollen Latten gerieth und im Falle sämmtliches Geschirr in ihrem Korbe zertrümmerte. Die Tage des Magerschweine-Viehoss in Rnmmelsburg find, wie ein Berichterstatter wissen will, gezählt. Tie durch denselben in dem Orte geschaffenenen Zustände sind geradezu unhaltbar. Tie Jauche von den Tausenden von Schweinen, die dort wöchentlich zum Verkauf gestellt werden, fliesst in den von Friedrichsberg kommenden sogenannten„Kuharaben", durch den dieselbe unter der Niederschlesisch-Mürkischen Eisenbahn hin- durch iu den Rummelsburger See geführt wird, nachdem sie in demselben bei dem geringen Abfluss stagnirt und gerade den be- wohntesten Theil des Ortes verpestet hat. Ansteckende Krank- heiten suchen in Folge dessen fortwährend die Ortschaft heim. Schon der verstorbene Kreisphysikus Dr. Fuhrmann hat sich über die nachtheiligcn Einflüsse, die der Viehhos herbeigeführt, wiederholt gutachtlich ausgesprochen, jedoch stets vergebens. Jetzt sind diese Zustände, wie gesagt, unhaltbar geworden, und es zirkulirt in Rummelsburg eine Petition an die Regierung zu Potsdam, in welcher die Bewohner um Abschaffung des Vieh- Hofes bitten. Die Fertigstellung des Zirkus August Krembser, welche ursprünglich für den 1. November beabsichtigt war, bietet in seiner Eigenart als eiserner Zirkus so viele unvorhergesehene Schwierigkeiten, daß die Vorstellungen in demselben voraus- fichtlich erst am 20. d. Mts. ihren Anfang nehmen können, da eine Vollendung des Baues trotz verdoppelter Arbeitskräfte vor diesem Zeitpunkt kaum möglich sein wird. Abgesehen davon, daß es der erste eiserne Zirkus ist, welcher in Europa gebaut wurde, so wird das Gebäude an sich durch Originalität, Soli- dität und reiche, geschmackvolle Ausstattung eine Sehenswürdig- keit der Residenz sein. Ganz aus Eisen konstruirt, mit schweren Zinkplatten gedeckt und mit Wellblech bekleidet, sind nur die Sitze aus imprägnirten Holze hergestellt, ebenso sind sämmtliche zur Verwendung gelangten Stoffe imprägnirt, so daß eine Feuersgefahr absolut ausgeschlossen ist. Ist es schon für Jeder- mann ein angenehmes, beruhigendes Gefühl, den Zirkus vor Einsturz oder Feuersgefahr vollständig gesichert zu sehen, um so mehr wird dies Gefühl die Eltern beherrschen, welche ihren kleinen Lieblingen das Vergnügen einer Zirkusvorstellung an einem Mittwoch oder Sonnabend Nachmittag verschaffen wollen, ohne dabei die geringste Besorgniß von einer etwaigen Gefahr hegen zu dürfen.— Der gute Ruf, welcher Herrn August Krembser als Künstler und tüchtigem umsichtigen Direktor vor- angeht, sichert demselben auch hier in Berlin eine gute Auf- nähme, und da seine Gesellschaft nach Zeitungsberichten aus vorzüglichen Kräften besteht, so wird auch der geschäftliche Er- folg nicht ausbleiben. Ein Znuberwagen. Ein großer Auflauf entstand gestern Mittag in der dichtbeledten Leipzigerstraße durch folgenden originellen Vorfall. Ein vor einem Hause stehender zwei- rädriger Handwagen sing plötzlich an sich zu bewegen, ohne daß ein menschliches Wesen rhu berührt hatte. Bald fiel der Wagen mit der kleinen Deichsel nach vorn, bald fuhr die letztere wieder hoch, und mit voller Schwere sank der Wagen auf die hintere Seite zurück. Dieses Hin- und Herfallen des führerlosen Wagens lockte eine große Menge von Passanten herbei, die alle fragend und lachend vor dem verzauberten Wagen stehen Mühe vergeuden, Herrn Blumenthal, der seinen Doktor als sozialreformatorischen Volksbeglücker einführt, auf ein ihm gänzlich unbekanntes Gebiet zu folgen, nur das möchten wir gern wissen, was sich der Verfasser eigentlich dachte, als er mit seinen ungeschickten Fingern diese heikle Sache berührte. Alle Welt staunt in dem Stück die Kenntnisse, die genialen Zdeen des Herrn von Brügge an, nur der Verfasser be- wahrt es als sein Privatgeheimniß, worin dieselben eigent- lich bestehen. Jedoch Herr Blumenthal weiß, was sich schickt. Wo ein derartiges sozialpolitisches Genie auftritt, welches so schlau ist, daß es beinahe eine irgend erschaffene Stellung im Miiüsterium erhält, dürfen natürlich auch diejenigen Leute nicht fehlen, die das Ob- 5'eft der wohlthätigen Bestrebungen des adligen Doktors nlden. Der Verfasser führt daher zwei„Salonarbeiter"' ein, die natürlich ruhige Männer der Ordnung und so polirt sind, daß man sie getrost überall, selbst im Deutschen Theater {eigen kann. Es sind Deputirte aus einem Bergwerk, die ei dem Doktor von Brügge Rath und Hilfe erbitten sollen. Und als einer der beiden Deputirten nur das Wort„Arbeits- einstellung" gebraucht, fällt der Herr Doktor, der beinahe schon im Ministerium sitzt, fast in Ohnmacht, wird dann aber sackgrob und wirft beide, ohne viel Federlesen zu machen, einfach zur Thüre hinaus, und die Finanz- und anderen Barone im Parkett und ersten Rang klatschen erleichtert Beifall, als die beiden Bösewichter von der Szene ver- schwunden waren. DaS ist das, was der Herr Doktor thut — im Uebrigen läßt Herr Blumenthal seinen Volksbeglücker »ur im Stil des„Reichsboten" reden. Die Bewegung unter den Bergleuten ist durch die Unruhen in Charleroi aktuell geworden, es wäre für jeden wirklichen Dichter die dankbarste Aufgabe, jene gewaltigen Kämpfe der Arbeit gegen das Kapital dramatisch zu bearbeite» und dem Publikum vorzuführen. Allerdings reicht Oskar Blumenthals Talent hierzu bei Weitem nicht aus, ganz abgesehen von seiner Ignoranz und der durchaus feind- uchen Tendenz, die ihn gegen den Arbeiter beseelt. Man sieht das klar und deutlich an den verschiedensten Aeuße- rungen, und außerdem hat oder will der Verfasser keine blieben. Niemand aber versuchte es, der Ursache des scheinbaren Spuks nachzuspüren und allerlei Kombinationen wurden laut und mancher Kalauer ließ sich unter der schaulustigen Menge hören. Endlich kam der Räthsellöser in Gestalt des Wagen- bcsitzers herbei, öffnete, nachdem er sich mit Mühe einen Weg zu seinem Wagen durch die dichte Mcnschenmasse gebahnt, den Teckel des Wagens, und heraus sprang ein schwarzer Pudel, der seinen Herrn mit allerlei Liebkosungen überhäufte. Der vorsichtige Thierfreund hatte den Pudel in den Wagen einge- sperrt, aus Furcht, er könne ihm, während er im Hause zu thun hatte, abhanden kommen. Das an Freiheit gewöhnte Thier war in dcni engen Raum unruhig geworden, lief von einer Seite zur anderen und verursachte dadurch die schaukelartige Bewegung des Wagens, die den vielen Neugierigen wie ein unlösliches Räthsel vorkam. Nach erfolgter Lösung ging dann die Menge lachend auseinander. Ein originelles Diebstahlsobjekt erwählte sich ein Schlaf- stellcndieb, ein Kaufmann K., welcher vorgestern seine bei einer Wittwe in der Alexanderfttaße innegehabte Wohnung heimlich verlassen hatte, indem er unter Mitnahme zweier schwarzer Herrenröcke und eines Sparkassenbuches sich auch ein Exemplar eines Strafgesetzbuches aneignete. K. wurde heute zur Haft gebracht. Der Pech-Lindemann ist todt. Der 75 Jahre alte Schuhmachermeister Lindemann, Alexandrinenstraße 122 wohn- hast, wurde gestern von einem Schlagantall heimgesucht, der seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Vor 7 Jahren bekam L. bereits einen Schlaganfall, der ihn in der Ausübung seines Berufs hinderte und seitdem fabrizirte er nur Pech. Sein Pech war berühmt; das Geheimniß der Fabrikation nahm er mit ins Grab, er vertraute es Niemandem an. Ueber einen Selbstmord, der in weiteren Kreisen Scn- sation erregen wird, ist die„Staatsb.-Ztg." in der Lage, be- richten zu" müssen. Am Sonnabend Nachmittag wurde der Stadtverordnete Krebs im Grunewald als Leiche vorgefunden. Ueber den Selbstmord durch einen Revolverschuß kann kein Zweifel obwalten. Ter alte Herr hatte sich schon seit drei Tagen von seiner Familie entfernt, die seinetwegen in großer Sorge war. In der Nähe des Thatortes fand man eine mit Blut bespritzte Karte, welche an seinen Sohn, den Kaufmann Krebs, Steglitzerstr. 4, gerichtet war. Diese Karte wurde dem Adressaten übermittelt, sie trug auf der Briefseite keine Mit- theilung, enthielt nur die Adresse mit dem eigenhändigen Vermerk:„Persönlich abzugeben" und„Fahrgeld liegt bei". Offen- bar hatte der alte Herr für den Boten, der die Karte finden würde, das Fahrgeld nach der Wohnung des Adressaten bei- gelegt. Ueber die Motive ist näheres nicht bekannt. Die bereits so häufig gerügte Unsitte, im Bett bei Licht zu lesen, welche schon so manchen Unfall hervorgemfen hat, hätte auch am Donnerstag Abend, wie dem„Tisch. Tgbl." berichtet wird, in einer Faniilie S. von den traurigsten Folgen begleitet sein können. Dort hatte sich der 20jährige Sohn, ein Studiosus der Medizin, mit einem Buche in der Hand zur Ruhe begeben und hatte die Lampe dicht an das Bett gerückt, um vor dem Einschlafen noch zu lesen. Gegen■' 12 Uhr bemerkte die in einem Nebenzimmer noch beschäftigte Mutter einen penettanten Brandgenich. Sie eilt in das Zimmer ihres Sohnes und findet das Bett des im tiefen Schlafe Liegenden in hellen Flammen. Ohne die Geistesgegenwart zu verlieren, reißt sie den Schlafenden empor und mit schnell herbeigeschafften anderen Bettstücken erstickt sie den Brand. Derselbe war da- durch entstanden, daß die Flamme der auf den Boden gesetzten Lampe in Folge eines Windzuges die herabhängenden Laken ergriffen hatte, und ist es als ein Wunder zu betrachten, daß der vom Schlafe Ueberraschte seinen Leichtsinn nicht hat theurer bezahlen müssen. Mit welcher Unbedachtsamkeit die� Verladung des aus den Provinzen nach Berlin kommenden Schlachtviehs erfolgt, beweist die amtlich festgestellte Thatsache, daß im letzten Ver- waltungsjahr des städtischen Zenttalviehhofes daselbst 976 Thiere verendet und 171 blutig zertreten angekommen sind(314 waren zu spät gestochen). Der Lbcrthierarzt Dr. Hartwig sagt hierzu: „Es ist nicht zu verstehen, daß die Viehhändler trotz der langjährigen und in jedem Jahre sich wiederholenden bitteren Er- sahrungen in dieser Richtung, keine größere Vorsicht bei der Ver- ladung ihres Viehes beobachten, und um eines ganz geringen Vortheils willen bei den Transpottkosten die wcrthvollsten Thiere ihrer Sendung der Gefahr einer Vernichtung oder doch Wetth- vermindenmg aussetzen, und oft an einen, solchen Thiere einen Verlust erleiden, welcher größer ist, als der Gewinn an den übrigen Thieren zusammen. Der Raubmörder Keller wurde gestern Morgen ent- hauptet. Ein grober Unfug wurde am Sonnabend Abend in der Hciligkreuzkapelle verübt. Während des Konsirniandenuntenichts hotte man in der Sakttstei eine Explosion. Ein Unbekannter hatte eine Zigarrenkiste mit brennenden Feuerwettskörpem in die Sakttstei geworfen. An der Ecke der Koch- und Markgrafenstraste gettethcn gestern Nachmittag gegen 2 Uhr zwei Männer durch eine An- rcmpelei in einen Streit, welchen, der eine dadurch aus dem Wege gehen wollte, daß er schnell auf einen vorübettahrenden Ahnung davon haben, wie es wohl in einem Arbeiterherzen aussieht unter den heutigen drückenden Verhältnissen, unter dem drohenden Gespenst der Krisen und der Arbeitslosigkeit, er weiß oder will nicht wissen, daß schließlich in jedem Menschen der Grimm erwacht, wenn ihm für sich und seine hungernden Angehöttgen das nothwendige Brot ver- weigert wird, ein Gttmm, der wahrhaftig nicht mit den albernen Redensatten des Herrn von Brügge zu be- schwichtigen istt Würde Herr Blumenthal nur die gettngste Kenntniß der Arbeitervcrhältnisse besitzen, er würde sich schwer gehütet haben, zwei solche„Fatzkes" auf die Bühne zu bringen. Und wenn Herr Blumenthal es der Mühe für wetth gehalten hätte, sich über das, was er schreiben will, vorher auch zu infornüren, weshalb liest er nicht die Erzeugnisse von Schttftstellern, die Kenntniß und Verständniß haben für die Leiden des ausgebeuteten Proletattats? Ein Blick in Zola's Germinal dürfte ihm wohl eine andere Meinung von Kohlenarbeitern beigebracht haben, aber heute scheint es wittlich nicht mehr nöthig zu sein, daß man von dem, was man schreibt, auch wittlich etwas versteht. Mit den üblichen Börsenjobberwitzen verschont Herr Blumenthal sein Publikum nie, auf diese einzugehen, ver- bietet unS das ehrwürdige Alter derselben. Außer dem übergeschnappten Doktor fthtt Herr Blumenthal unS noch eine außerordentlich sentimentale Gräfin, einen in kleinlichen Patteinörgeleien aufgehenden Abgeordneten, einen Studenten, der, wie ein Zeuge im Prozeß Lewin, zufällig nie etwas zu thun hat, eine naive Iusttzrathstochter, den Zusttzrath selbst, einen verrückten Engländer und andere unbedeutende Per- sonen vor. Einiges Interesse erweckte nur der Abgeordnete Dr. Menck, der von Herrn Höcker in vorzüglicher Weise wiedergegeben wurde. Im Uebttgen. war die Darstellung kerne durchaus tadellose, man vermißte bei den meisten mit- mittenden Künstlern das eigentliche Feuer und eine bedingungslose Hingabe an den Gegenstand. Herr Kainz fing im ersten Ast an zu schreien und war zum Schluß heiser. � p Omnibus sprang und das Verdeck erstieg. Das war aber nickt nach dem Geschmack seines Gegners, denn dieser setzte ihm nach, sprang ebenfalls auf das Tttttbrett des Omnibus und wollte den Flüchtling herrmterreißen. Der Kondutteur verhindette aber dies Vorhaben, indem er den Streitsüchtigen vom Omnibus hinunterdrängte. Hierbei stürzte der letztere so unglücklich vom Wagen, daß er nicht im Stande war, sich zu erheben. Mehrere Passanten trugen den Verunglückten nach der Sanitätswache in der Markgrafenstraße, wo ein Bruch des rechten Unterschenkels konstatirt wurde. Nach Anlegung eines Verbandes wurde dff VerunaMckte, der sich den Unfall selbst zuzuschreiben hat, nach seiner Wohnung in der Ackett'ttaße gefahren. Die Selbstmordepidemie steht seit dem Einttttte der herbß- lichen Jahreszeit wieder in schönster Blüthe; es beweist dies nicht nur unser amtlicher Polizeibericht, sondern noch vielmebr die zahlreichen Selbstnwrdfälle in der Umgegend Berlins und namentlich im Grunewald, wo das Aufsinoen der Leichen von Selbstmördern geradezu zu einer Kalamität wird, die dem er- holungsdedürstigen Spaziergänger sein bescheidenes Vergnüge« in der unangenehmsten Weise stött. Die Selbstmörder i>« Grunewald sind Berliner, die hier ihrem hauptstädtischen Da- sein ein Ende machen und man sucht mit Recht nach einem plausiblen Ettlärungsgrunde dafür, daß diese Leute, die ba ihrem Vorhaben mit größter Umsicht und kühlster Ueberleguvs zu Werke gehen, ihren Leichnam lieber dem Spiel des Zufalls nn Walde preisgeben, wo das Wild und die Hunde oft i« entsetzlicher Weise ihr Wesen mit solchen Körpern treiben, a» daß sie die grausige That in Berlin verüben. Es zeigte st» das auch wieder bei dem Selbstmorde des Stadtverordnete« Krebs, der sich, wie wir an anderer Stelle berichten, am Sonm abend Nachmittag in der Abfahttshalle der Station Grunewal« erschoß, nachdem er noch kurz vorher mit dem Stationsvorstehä Semüthlich geplaudctt, dann auf einer Postkatte die Adresse g'- httebcn hatte, an welche man die Benachttchtigung gelangt lassen sollte und zur Bezahlung für den Boten drei Msl beifügte. Ter alte Herr hatte sich mit einen: Revolver in b« rechte Schläfe geschossen und war dann unter den«er ihm stehenden Tisch auf den Boden gesunken, wo er, in einss Blutlache liegend, von dem Billeteur gefunden wurde und>« dieser Situation mit seinem glänzenden Grcisenhaar einen ff' schütterndcn Eindruck machte. In Berlin ist nun die Poltzs' sehr dissizil in solchen Fällen und veranlaßt gewöhnlich � Uebcrführung solcher Leichen in die Morgue, um die Tode� Ursache zu konstatiren, und namentlich zu prüfen, ob etwa(>« Verbrechen vorliegt. Im Grunewald ist man weniger peiiu«? und gern zufrieden, wenn Angehörige die Leiche abholen. den Gememden die Kosten und Mühen der Beerdigung„ werden. Ob der Bedarf an Leichen für die hiesige Anato» im Zusammenhange steht mit der strengen polizeilichen PraA bezüglich der Selbstmörder, wissen wir nicht; daß aber c# tiefe Abneigung gegen die Ueberführung von Leichen nach W Morgue im Publikum und bei den Angehörigen besteht, ist 4 Faktum, das für jeden erklärlich wird, der einmal den Anbu« einer vorher sezirten Leiche genossen hat. Um diesem Schissr möglichst zu entgehen, lohnt es sich allerdings, wenn J» Selbstmörder ihr letztes Geschäft in der Umgebung Berlik verttchteii.. Zn der Angelegenheit des Mordanfalles auf den der Landgrasenstt. 1 wohnenden Dr. phil. Simmel durch flüchtig gewordenen Bronzewaarenfabttkanten Guggenbia«? (nicht Guggenbühler, wie allseitig irtthümlich gemeldet) ersatts? wir, daß die Ergreifung des G- trotz aller Bemühungen� heute nicht gelungen ist; hinter ihm ist nunmehr auch der bttef erlassen woroen. DaS Befinden des Dr. Simmel ist u«2 den obwaltenden Umständen ein gutes zu nennen und lst si,� völlige Wiederherstellung binnen Kurzem zu erhoffen. Jnzivis«? haben die Vernehmungen der mit dem Vorgang in Bezieh«? stehenden Personen durch den Untersuchungsrichter in Mock, begonnen und auch gestern fand eine solche statt. Tie und Lagerräume des G. im Hause Feilncrstr. 2a befinden>? immer noch unter gerichtlichem Verschluß; nur der Wchss schaftcttn des G. ist die Entnahme mehrerer ihr gehör'S- Gcgenstände gestattet worden. Der Revolver, mit dem G-«. den Dr. Simmel geschossen hat, befand sich übrigens � seit mehreren Jahren im Besitz des G- und ist nicht von erst auf seinen, Hingange zum Dr. S. gekauft worden- 3% nimmt auch nicht übereinstimmend an, daß G- den Rev«� in der alleinigen Absicht eingesteckt hatte, um auf den' Simmel zu schießen, sondern um sich vielleicht das Lebe« � nehmen. Dagegen spttcht allerdings der Umstand, daff man vermuthet, G. den ganzen Betrag der schuldigen (600 M.) bei sich trug, um sie dem Dr. S- auszuhänd'S'� die bis dahin entstandenen Kosteii, welche G. ebenfmD j» tragen hätte, dürften ca. 150 M. betragen. Die ganze M�j, soll übrigens durch einen bedauerlichen Jrtthum des G- h*« geführt worden sein. G- hatte nach dieser Äittheilung flnL nommcn, daß der Exmissionstermin auf den 17.■ gesetzt gewesen wäre, während es thatsächlich den nommcn, daß der Exmissionstermin auf den 17. Tezembtt »WWW■|....m s«« nach Philadelphia durch den Gettch'tsvollziehcr" überrascht', er in eine verzweifelte Stimmung, ging zu Dr. Simmtt geiqji geweien wäre, wayreno es lyaiiacyua, oen ßiiiiä war. Beim Verpacken der früher erwähnten großen fühtte die bekannte That aus. Die 50 Jahre alte Blumenhändlerin Witttve«X � wurde am Sonntag, den 7. d. M. in einer Destillation jj Brunnenstraße angehalten, als sie für 5 Pf. Spitttus 0* hatte und mit einem falschen Zweimattstück bezahlen Als ihr vorgehalten wurde, daß das Geldstück falsch 1%# sie die naive Antwott:„Ja, ich habe es schon an einer in Zahlung geben wollen, da sagte man mir, ich solle e»� anderweitig anzubringen suchen." Bei ihrer verantwo».� Vernehmung machte sie bezüglich des Erwerbes des F<" i � die wenig glaubwürdige Angabe, daß. während sie"ffW Straße zu einer Freundin über ihre schlechten Vermoss' � Hältnisse gesprochen habe, ein unbekannter Herr an RyL jie treten sei und ihr aus Theilnahme ein Zweimarkstück Hand gedrückt habe..(W' 559 Frauen. Von diesen Personen wurden 2 der dem Krankenhause Moabit, 2 dem Krankenhaus- am 3�, HrS?? 5?"" Vormittags fielen dein Arbeiter Strehse auf dem Hol« msmsrnm dsm Kranfenhause im, Friedttchshain gebracht-7 Am�£■«, är [ IIIU" ihn fiel. Er erlitt außer einem Bruch des oeÄen'Ä�,,k� Gerichts-Aeitung. Der„Epremberger Krawall" vor Gericht. Kottbus, o. November 1886. Der im vergangenen Frühjahr zu Sprem« berg stattgefundene Krawall, der bekanntlich die Verhängung des sogenannten kleinen Belagerungszustandes über Spremberg und Umgegend zur Folge hatte, gelangt heute vor dem Forum der Sttafkammer des hiesigen Königlichen Landgerichts zur Verhandlung. Der Sachverhalt wird von der Anklage in fol- Sender, jedenfalls unendlich übertriebener Weise geschildert: Am 30. April d. I. fand im Schützenhause zu Spremberg die Gestellung der Militärpflichtigen statt. Es ging dabei, wie mmer bei solchen Gelegenheiten, etwas laut her. Da sich nun nußer den Gestellungspflichtigen noch eine Anzahl anderer Leute emgefunden hatten, so sah sich der Polizeisergeant Hubrich mehrfach veranlaßt, in energischer Weise Ruhe zu gebieten. iudA,.F"s'°a S>,dow, 19 Jahre. 8. der Spinner Paul 20'k I Jahre, 9. der Tuchmacheracselle Otto Sommer, Ii. hrrffi• der Schneidergeselle Paul Weinhold, 22 Jahre, Sesell- cHynner Paul Täuscher, 16 Jahre, 12. der Schneider- Keil sn cw0"" Teuff, 21 Jahre, 13. der Fabrikarbeiter Paul 2ahre.Jahre, 14' der Hutfaorikardeitcr Hermann Kittlitz, 24 Fabrikm-rn.'-« Tuchscheerer Otto Bergmann, 22 Jahre, 16. der geselle mwtf1.Heinrich Platzk, 21 Jahre, 17. der Tuchmacher- des 30 soger, 20 Jahre.— Ter Exzeß am Nachmittage SPhffunft.bat der Behörde zur Anklagcerhebung keine Ver- Tages if, �sieben und wegen des Exzesses am Abende desselben jemand Tl»ne Anklage erhoben worden, da in der Dunkelheit �Nvmm-» �annt werden konnte und Verhaftungen nicht vor- - Ucktor ns' wurden.— Den Gerichtshof bilden: Landgerichts- �andräth.(Präsident), Landgerichtsrath Gründler und die Tie Dr. Gillischewski und Dr. Voß(Beisitzcnde). ndgertch��börde vertritt der erste Staatsanwalt am hiesigen % Cck>m..�bandlungen finden der vielen Angeklagten wegen dur weni�. m"��soolc statt. Im Zuschauerraum sind bisher Mebt c* v�svnen anwesend. Bei Aufruf der Angeklagten >erselb- i?.' baß der Angeklagte Sommer nicht erschienen ist. richtshos l Menblicklich Soldat und unabkömmlich. Der Ge- Istzen. Iv'�chließt: die Verhandlung gegen Sommer auszu« r �bandli,«-. jugendliche Aussehen der Angeklagten verleiht der Mchtet mÄ cigcnthümlicheS Gepräge. Wie mir soeben ftsblen M-�wwd gegenwärtig das Gerichtsgebäude von einer caaarz: .. isfer �" WWW �drob»w"0krn er mit"Stöcken geschlagen, wit einem M'i er sei schließlich bis auf etwa 800 Personen angewachsen, die förm- lich Fangeball mit ihm(Hubrich) gespielt habe. Es sei ihm erst nach verhältnißmäßig langer Zeit Hilfe geworden. Der Polizcisergcant Schilling habe ihm anfänglich nicht beistehen wollen, da er, wie er bemerkte, nicht die„Jour" habe. Er habe bei der Gestellung weder Jemanden mit Du angc- redet, noch Jemanden mit Schimpfworten belegt, möglich sei, daß er die Menge der Gestellungspflichtigen init„JHÜ" angeredet habe. Es sei ihm allerdings bekannt, daß er sich bei der Arbeiterbevölkerung in Spremberg keinerlei Beliebtheit er- freut habe. Es erscheint alsdann als Zeuge der frühere Polizeisergeant jetzige Schuldiener Schilling. Präsident: Weshalb sind Sie nicht mehr Polizeisergeant?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— Präs.: Sie sollen, da Sie sich zum Polizei- beainten nicht eigneten, zu ihrer jetzigen, mehr friedlichen Stellung befördert worden sein?— Das weiß ichnicht.— fräs.; Sie sollen, als Hubrich Sie aufforderte, ihm gegen die !enge Hilfe zu leisten, sich dessen geweigert haben?— Zeuge: Das ist nicht wahr, ich habe mich blos geweigert, meinen Säbel zu ziehen.— Präsident: Weshalb wollten Sie den Säbel nicht ziehen?— Zeuge: Weil ich der Meinung war, daß das den Skandal nur vergrößern und nichts dadurch erreicht würde. Ich sagte dem Hubrich: er solle doch nicht mit dem Säbel hemmhauen, sondern die Leute vernünftig behandeln, dann gehen sie von selbst wieder auseinander.— Präsident: Sie waren also der Meinung, Hubrich sollte den Zug mhig passiren, sozialdemokratische Lieder singen und eine rothe Fahne vorantragen lassen.— Zeuge: Gesang habe ich nicht gehört und eine rothe Fahne habe ich nicht gesehen. Ich war jedoch der Meinung, da es gerade Zeit war, daß die Arbeiter in die Fabriken und die Kinder, die auch in sehr großer Zahl anwesend waren, in die Schule gingen, sich alles sehr bald verlaufen würde, wenn Hubrich vernünftig mit den Leuten umging.— Präs.: Sie wissen doch aber, daß die Menge auf Hubrich einschlug und förmlich Fangball mit ihmgespielt wurde? — Zeuge: Das habe ich nicht gesehen.— Präs.: Sie wissen, daß die Leute von der Gestellung kaincn, sämmtlich anaetnin- ken waren und in solcher Lage zur Ausübung eines Pulsches leicht geneigt sind?- Zeuge: Das wäre wohl nicht geschehen. — Präs.: Sie sollen sich nun geweigert haben, die Exzedenten zu notircn?— Zeuge: Ich hielt das nicht für nöthig, da ich die Leute alle kannte. Ich hielt die ganze Sache nicht für so schlimm; ich war der Meinung, wenn Hubrich den Leuten gut zugeredet hätte, dann wären sie von selbst auseinander gc- gangen. Mehrere andere Zeugen bekunden: Hubrich habe init den Leuten viel Geduld gehabt und erst, als er plötzlich angegriffen wurde, den Säbel gezogen.— Kataster-Kontroleur Borchardt bemerkte: Er hätte sich nicht so viel wie Hubrich von der Menge gefallen lassen.— Maurermeister Mittag: Er habe den Anfang des Krawalles nicht gesehen, sondern sei erst hinzugekommen, als der Landrath und der Bürgermeister auf dem Platze waren. Tie beiden letzteren haben die Menge wiederholt in Güte aufgefor- dert, auseinander zu gehen, die Menge habe sich jedoch erst zerstteut, als eine Anzahl Verhaftungen vorgenommen wurden. Tuchmachermeister Mittel bemerkt auf Befragen des Präsidenten: Es sei richtig, daß in der Spreniberger Arheiter- bevölkemng eine große Mißstimmung gegen Hubrich gcherscht habe und zwar weil bisher die Polizei in Spremberg nach- sichtig geweseir. Als jedoch Hubrich nach Spreinberg kam, habe derselbe stets dcnunzirt, ivcnn in irgend einem Lokale et- was Skandal war.— Präsident: Sie sind wegen der Vor- gänge die sich am Abend des 1. Mai zugetragen hahen, ange- klagt, ich_ muß Sie jedoch heute schon fragen: Sie sollen einmal an einen Ihrer Freunde geschrieben haben, Sie möchten am liebsten den„neuen Putz" erschießen?— Zeuge: Das habe ich nicht so gemeint.— Präs.: Putz ist ein Schimpfname für Polizeibeamte?— Zeuge: Ja.— Präs.: Sie sind nun der Meinung, daß die großen Volksversamm- lungen, die im Schützenhause zu Spremberg stattgefunden, in denen verschiedene Berliner Abgeordnete gesprochen haben, daß ferner die Manufakturarbeiterschaft, die verschiedenen Streiks, die Nachrichten über die belgischen Arbciter-Unnihen jene Erre- gung in der Spremberger Ärbeiterbevölkerung hervorgerufen haben und daß dies schließlich den Krawall veranlaßt hat?— Zeuge: Ich bin der entgegengesetzten Meinung.— Präs.: Sie haben dies aber bei dem Herrn Untersuchungsrichter bekundet? - Zeuge: Das ist ein Jrrthum, ich habe gesagt: All' die er- wähnten Tinge haben den Krawall nicht veranlaßt und hin- zugefügt, die Spremberger Arbeiter haben mit dem ganzen Krawall nichts zu schaffen. Die Exzedenten sind fast sämmtlich Leute in ganz jugendlichem Alter.— Präs.: Sie wollen das vielleicht hier nicht öffentlich sagen. Ich werde mir die Akten bringen lassen und Ihnen Ihre Aussagen vorhalten. Sie haben außerdem von Tynamitbomben werfen und Rathhauscrstürmung gesprochen, ich werde Ihnen dies bei anderer Gelegenheit vorhalten. Es tritt nunmehr eine zweistündige Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung werden mehrere Zeugen vemommcn, die alle im Wesentlichen die Bekuirdungen des Hubrich bestätigen. Hubrich sei bemüht gewesen, einige der Erzedentcn festzunehmen, die Arrestanten wurden demselben jedoch stets von der Menge wieder entrissen.—Tuchfabrikant Kossack jr. hekundet: Der Polizeisergeant Schilling habe sich bei dem ganzen Vorgange in einer Werse unthätig ge- zeigt, daß er(Zeuge) sich darüber geärgert habe.— Rentier Müller: Der Polizeisergeant Schilling verharrte in der- artiger Unthätigkeit, daß er(Zeuge) dem Schilling sagte, er solle dock seinem Kollegen Hilfe leisten, damit der Skandal ein Ende nehme. Schilling antwortete,„wenn Hubrich angefangen hat, da kann er auch schon sehen, wie er mit den Leuten fertig wird". Hubrich war von der Menge umringt. Plötzlich hörte ich, wie einer der Exzedenten rief:„Den Putz uinrempcln, damit er keine Luft bekömmt." Ich forderte deshalb wiederholt den Schilling auf, seine Pflicht zu thun, da ich aber wiederum dieselbe Antwort erhielt, so sagte ich mir: wenn in solchen Fällen die Beainten unthätig sind, dann ist es Pflicht der Bürgerschaft, einzugreifen. Ich griff denn auch nebst einigen anderen Bürgern ein und es gelang uns, wenigstens den Hubrich aus seiner gefährlichen Lage zu be- freien. Magisttatsbote Noack: Die Menge habe vielfach geschrien: Haut ihn, der rothbärtige Schw. muß sterben.— Landrath Hoffmann: Als ich zu dem Exzeß hinzukam, da steckte Hubrich seinen Degen ein. Ich weiß nicht mehr, ob ich den Hubrich dazu aufgefordert habe, jedenfalls wurde er zu dieser Zeit nicht inehr gedrängt. Kurze Zeit darauf mußte Hubrich wieder seinen Degen ziehen, da die Menge auf ihn eindrang; eine Anzahl Leute, die zu den Exzedenten gehörten, bemerkten mir wieder- holt, daß Hubrich an der ganzen Sache schuld sei. — Präsident: Herr Landrath, es ist ja bekannt, daß in Spremberg die sozialdemokratische Partei ziemlich stark ist, die Wahlen haben dies bewiesen. Können Sie sagen, ob der in Rede stehende Krawall eine Art sozialdemokratische Demon- sttation gewesen ist?- Zeuge: Das bezweifle ich, denn ich muß bemerken, daß die mei>ten der Exzedenten stark angetrunken waren.— Präsident: Ist Ihnen bekannt, ob kurz vor dem Exzesse sozialdemokratische Agitatro- nen in Spremberg stattgefunden haben?— Zeuge: Es haben früher oftmals Volksversammlungen, in denen sozialdemokratische Abgeordnete aus Berlin sprachen, stattgefunden. Außerdem wurden in Spremberg vielfach sozialdernokratlsche Schriften, besonders der Züricher„Sozialdemokrat" ver- breitet. In einer Nummer des„Sozialdemokrat wurde sogar einmal von den„Verttauensmännern Sprcmbergs" vor einem Spremberger Polizisten ge« besteht�; wie weit die Partei aber mit dem Krawall m Verbindung steht und ob vre gegen- wärtigen Angeklagten zursozialdemokratischen Partei gehören, kann ich nicht sagen.— Präs.: Zu den Führern werden wohl die Angeklagten nicht gehören?— Zeuge: Ich glaube, die Ange- klagten wurden mit sozialdemokratischen Schriften versorgt.— Präs.: Ist es Ihnen bekannt, ob die Nachrichten über die belgischen Unruhen oder die Versammlungen, die auf Veranlassung der Manufak- tur-Arbettcrschaft in Gera abgehalten wurden, zu dem Krawall beigetragen haben?— Zeuge: Das weiß ichnicht.— Staatsanwalt: Ist dem Herrn Zeugen bekannt, daß in der Nähe von Spremberg, ganz besonders im Walde von Zerin sozial- demokratische Versammlungen stattgefunden haben.— Zeuge: Jawohl.(Fortsetzung folgt.)! f Wohl das letzte Nachspiel des vorjährrgen Maurer- streiks war eine Verhandlung, die gestern vor der Berufungs- instanz der fünften Strafkammer des hiesigen Landgerichts I stattfand. Der Maurer Karl Krüger, ein Mitglied der da- maligen Lohnkommisston, war von dem hiesigen Schöffen- gericht wegen Vergehens gegen den§ 153 der Reichs-Gewerbeordnung zu vierzehn Tagen Gefängniß verurtheilt worden und hiergegen hatte er Beruf mg eingelegt. Termin hatte schon einmal vor der Revisionsinstanz angestanden, war aber vertagt worden, weil der Gerichtshof auf Antrag des Angeklagten be- schlössen hatte, zwei Entlastungszeugen vorzuladen. Hierdurch erklärt sich die Verzögerung des Prozesses. Am 13. August v. I. hatte Krüger in dem Neubau der Gasanstalt in der Danzigersttaße Arbeit genommen, über den die Sperre ver- hängt war. Er selber behauptete zwar vor dem Schöffengericht, daß ihm von dieser Thatsache nichts bekannt gewesen sei, das Gericht nahm aber an, daß er, als Mitglied der Lohnkom- misston, gerade zu dein Zwecke dort Arbeit genommen habe, um aus den Bau zu gelangen und die dort trotz des Streiks arbeitenden Maurer zu veranlassen, sich dem Ausstande anzu- schließen. Er trat des Mittags um zwei Uhr die Arbeit an und arbeitete bis um vier Uhr. Die Vesper- pause benutzte er dann, um den Kameraden aus- einander zu setzen, daß es ihre Pflicht sei, dem Beispiel der Kollegen zu folgen und durch einmüthiges Zusammenhalten und Niederlegen der Arbeit die Unternehmer zu zwingen, einen Stundenlohn von 50 Pf. zu zahlen. Hierbei soll der Ange- klagte nun, wie das Schöffengericht als erwiesen annahm, zu den beiden Maurern Gast und Nitschke, die nicht geneigt waren, die Arbeit niederzulegen, geäußert haben: Wenn Ihr nicht aufhört, so werde ich Euch die Knochen im Leibe entzwei schlagen, und wenn ich es nicht thue, so werde ich dafür sorgen, daß es andere thun. In diesen Worten wurde eine Bedrohung erkannt, welche, wie erwähnt, mit 14 Tagen Gefängniß bestraft wurde.— Vor der Berufungsinstanz vermochte der Zeuge Gast, der inzwischen zu den Soldaten eingezogen ist, sich nicht mehr genau auf den Vorfall zu besinnen, schließlich gab er an, daß die Aeußerung auch gelautet haben könne: Wenn...., so schlagen sie(andere Maurer) uns... Ob diese Aeuße- rung eine Warnung oder eine Drohung enthalten habe, ver- mochte der Zeuge nicht zu beurtheilen. Er fügte noch hinzu, der der Angeklagte das Gespräch mit ihm mit den Worten beendet habe, seinetwegen könne ja Jeder machen, was er wolle.— Der Zeuge Nitschke vermochte sich auf den Vorfall nicht mehr zu besinnen, er sagt nur aus, daß die Aufforderung des Ange- klagten von Erfolg gewesen sei und daß sämmtliche Maurer des Baues die Arbeit niedergelegt hätten. Er bestreitet entschieden, daß etwa Drohungen des Angeklagten der Anlaß dazu gewesen seien. Die Maurer des Baues hätten die ganze Stteikzeit hin- durch gearbeitet und sich doch nicht gefürchtet. Veranlaßt sei der Entschluß, die Arbeit niederzulegen, durch das Versprechen des Airgeklagten worden, daß die Lohnkommission jedem Streikenden eine Unterstützung von 3,50 M. pro Arbeitstag zahlen werde.— Die beiden Entlastungszeugen haben die in- kriminirte Aeußerung des Angeklagten nicht gehört. Sie wissen nur, daß er in friedlicher Weise agitirt habe.— Der Verthci- diger, Rechtsanwalt Flatau, machte gelteird, daß der Angeklagte zu den Leitern der Bewegung gehört habe, die sehr genau dar- über orientirt zu sein pflegten, wie weit sie gehen könnten; sie wüßten, daß ihre Sache durch nichts mehr drskreditirt werde, als durch die Ausschreitungen Einzelner. Die gesetzlich gestattete Agitation habe der Angeklagte mcht überschritten. Auch der Belastungszeuge habe zugegeben, daß der Angeklagte nur eine Warnung ausgesprochen haben könne. Er ersuchte um Frei- sprechung seines Klienten. Ter Staatsanwalt beantragte die Verwerfung der Berufung. Das Urtheil des Gerichtshofes hc- stätigte diesen Antrag. Es sei erwiesen, daß der Ange- klagte als Mitglied der Lohnkommissioir in der Ab- Absicht, die Niederlegung der Arbeit zu bewirken, den Bau betteten habe. Durch die Beweisaufnahme habe sich ergeben, daß er zunächst allerdings versucht habe in gütlicher Weise seine Absicht durchzusetzen. Als er aber gesehen, daß er in Güte bei zwei Arbeitern nichts erreiche, habe er jene Drohung ausgesprochen. Es sei glcichgiltig, ob er sie in die Form einer Wamung gekleidet habe, oder nicht; selbst wenn er nur gesagt habe, daß andere Maurer die nicht streikenden Kollegen prügeln würden, so habe er damit die Absicht, Furcht zu erwecken, an den Tag gelegt. Die Berufung sei deshalb zu verwerfen und es bei der vom Vorderrichter festgesetzten Strafe zu belassen. Zur Vermeidung empfindlichen Schadens ist den Ge« schäftstteibenden anzurathen, ihre Wiegeschaalen aus dem Ge- schästslokal zu entfernen, sobald sich z. B. an der Zunge des Waagebalkens ein kleiner Fehler zeigt. Die Nichtbeachtung dieses Umstandes hat den Schlächtermeister Riehn um ein paar werthvolle messingne Wiegeschaalen gebracht. Bei der am 4. August er. in seinem Laden stattgehabten Gewichtsrevision fand der Aichungsbeamte die Zunge des Waagebalkens etwas abgesplittert und nahm deshalb diesen mit beiden Wiegeschaalen in Beschlag. Dieselben haben einen Werth von ca. 50 Mark. Die 96. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichts, vor welcher Riehn sich wegen Ueberttetung der Maaß- und Gewichtsord- nung zu verantworten hatte, verurtheilte ihn nicht nur deswegen zu 6 Mark, sondern sie mußte auch noch auf Einziehung des Waagebalkens und der Wiegeschaalen erkennen, weil zur ganzen nicht vorschriftsmäßig befundenen Waage auch die Schaalen gehören._ Uereine nnfc Versammlungen. Der Fachveretn der Böttcher hielt am 2. d. M eine Mitgliederversammlung ab, in welcher ein aus 5 Mitgliedern bestehendes Komitee gewählt wurde, dessen Aufgabe ist, die vor- bereitenden Schritte zur Abhaltung eines Wintervergnügens zu thun. Von der Veranstaltung einer Matinee am ersten Weih- nachtsfeiertage nahm die Versammlung Abstand. Der Vor» sstzende berichtete noch einiges über die Arbeitseinstellungen aus- wärtiger Berufsgcnosscn; in Stettin sei es den dortigen Kol- gegen nicht möglich, bei dem jetzigen Verdienst weiter zu ar- beiten. Es würde dort heute noch derselbe Preis für die Ar- beiten gezahlt, als vor 15 Jahren, während die Preise der Lebensmittel ic. bedeutend in die Höbe gegangen seien. Nach- dem noch einige inteme Angelegenheiten erledigt waren, wurde e..»..... x f x• v.....•• jl a- or» r' .------—.... Mitglieder zu zahlreichem Besuch dieser Versammlung eingeladen. Einer Versammlung der Maurer Berlins und Um- gegend, die von Herrn Raschle zu heute, Dienstag Abend nach der„Tonhalle" einbemfen war, ist die polizeiliche Genehmigung versagt worden.____ Zentral-Kranken- und Cterbekasse der Tischler je. Ortsverwaltung Berlin G.(Franks. Thorbezirk). Dienstag, den 9. November, Abends 8 Uhr, Koppenstraße 35, ber£• Keller. Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Verwaltungsbericht vom dritten Quartal, Gehaltsregelung und Verschredenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Am Sonnabend, den 20. November» findet bei Keller, Andreasstraße 21, ein Vergnügen zum Besten der Invaliden statt und find Billets dazu in der Versammlung sowie auf sämmtlichen Zahlstellen zu haben. Generalversammlung der Zimmerleute des Lokalver- bandes Berlin Zentrum Dienstag, den 9. November, Abends 8 Uhr, Kommandantenstraße 77—79(Gratweil's Bicrhallm). Tagesordnung: 1. Entstehung der Baukunst bis zur Jetztzeit. 2. Wahl eines Bibliothekars. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Mitglieder werden aufgenommen. Gauverein Berliner Bildhauer. Annen, tt. 16, Dienstag, den 9. d. M, Abends 9 Uhr. Tagesordnung: Aenderung der Stellenvermittelung. Die Berliner Vereinigung des Märkischen Sanger- Hundes veranstaltet an, Dienstag, den 9. November, Abends 9 Uhr, eine große Liedertafel im Festsaal des Böhmischen Brauhauses, Landsberger Allee 11-13. Neben der Ausführung von Massenchörcn und dem Auftteten einzelner Vereine wird Herr Konzertsänger Hermann Kunkel mehrere Lieder vor- tragen. Einlaßprogramme zu 30 Pf. find vorher bei allen Vereinsvorständen, beim 2. Bundesvorfitzenden H. Zinkeisen, Oranienburgerstr. 64, und Abends an der Kasse zu haben. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine am Dienstag. Schäfer'scher„Gesangverein der Esser". Abends 9 Uhr be, Wolf und Krüger, Slalitzerstt. 126, Gesang.- Gesangverein „Bruderbund" Abends 9 Uhr Adalbettstt. 4, im Restaurant. — Tun, verein„Hasenhaide"(Männer- Abtbeilung) Abends 8 Uhr Dicffenbachstt. 60 61.— Rauchklub„Deutsche Flagge" Abends 8 Uhr im Restaurant Händler, Wrangelstr. 11.— Rauchklub„Zum Wrangel" Abends 8'/, Uhr im Restaurant Adalbettstt. 4._ Letzte Nachrichten. Aus Ostrumelien kommen beunruhigende Nachrichten. Die Aiifregung soll dott enorm sein. In Philivpopel wird ein Ucberfall seitens der Bauern aus der Umgebung befürchtet, das Militär wird fottwährend in Bereisschaft gehalten; nach den Ottschaften Perutschitza und Abraschlare, welche im vorigen Jahr bei der Scptemberrevolution eine große Rolle gespielt haben, mußten Truppen enssendet werden, wobei blussge Zusammen- stöße mit den Bauem ettolgten. Die russischen Wühlereien ttagen offenbar auch in Ostrumelien allein die Schuld an diesen Wirren. Die Führer des letzten Aufstandes in Burgas, Nabokoff, Goranoff, Kischleffsky, find in Booten geflüchtet; ein russisches Kttegsschiff ist beaufttagt, sie zu suchen und aufzu- nehmen, damit sie nicht der bulgattschcn Regierung in die Hände fallen. Gerüchtweise verlautet, Kapitän Nabokoff sei ergriffen.— Heber ganz Ostrumelien ist der Belagerungszustand verhängt. Dre Wahlen in den Vereinigten Staaten. Soweit sich nunmehr übersehen läßt, dürfte das neue Repräsentantenhaus aus 167 Demokraten, 154 Republikanern und drei Ar- beitervertretern bestehen. In einem Falle ist Stich- wähl erforderlich. Die Londoner Sozialisten hielten am Sonnabend und Sonntag zahlreiche Vessammlungen. Es wurde beschlossen, die für den Lordmavorstag geplante Kundgebung der Arbeitslosen auf Trafalgar Square ttotz des polizeilichen Verbots ohne Rücksicht auf die Folgen abzuhalten. Die Polizei ttmt die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln. Die dem Square be- nachbatten Straßen werden von 8000 Schutzleuten zu Fuß und 300 zu Pferde unter dem unmittelbaren Befehle des Polizcichefs Warren besetzt. Die Läden im Westend werden meist geschlossen bleiben._ Kriefkasten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Quittung beizufügen. Brieflich« Anttvort wird nicht ertheilt. Zwei Wettende S. O. 1. Breslau hatte bei der letzten Volkszählung 299 640 Einwohner. Sie finden Näheres darüber in unserer letzten Sonnabenonummer unter„Kleine Mit- theilungen". 2. Die Gewerbeordnung datitt vom 21. Juni 1869; sie galt anfänglich nur für die norddeusschen Bundes- staaten; seit 1. Januar 1873 gilt sie für das ganze Deussche Reich. Abonnent 1000. Sie wollen sich persönlich nach der Redattion bemühen. Neptun. Das ist uns nicht bekannt. S. S. 126. 1. Der§ 15 der Landgemeindeordnung für Wesssalen will sagen, daß durch Gemeindestatut oder Beschluß des Kreistages für eine bestimmte Gemeinde ein niedrigerer Satz, als 3 resp. 6 M. Einkommen- resp. Grundsteuer für die Berecht'.« gung zur Theilnnhme an der Genieindewahl festgesetzt werden kann. 2. Als Grundsatz für das passive Gemeindewahlrecht gilt, daß nur derjenige gewählt werden kann, der auch seinerseits wählen darr. Ausnahmen sind nur gemacht bezüglich der im§ 30 genannten Pessonen. 3. Tie von Ihnen entworfene Vollmacht genügt; eine Beglaubigung der Untesschrift esscheint aber zum mindesten wünschenswetth. Welcher Wahlklasse der Stellvettreter anae- hött, ist gleichgiltig; es braucht nur überhaupt ein stiminbe- rechtigter Eingesessener zu sein. Derselbe kann unseres Erachtens erstens für sich selbst in der dritten Klasse, zweitens für die von ihm verttetene Frau in der zweiten Klasse die Stimme ab- geben. H. V., Schönhauser Allee. Ter mündlich geschlossene Kontrakt läuft nach einem Jahre von selbst ab, ohne daß der Kündigung bedarf. Sind Sie nach Ablauf des Jahres noch mit Einwilligung des Witthes in der Wohnung geblieben- so gilt der Konttakt wieder auf ein weiteres Jahr und so fast Wenn Sie also z. B. am 1. April 1883 eingezogen und bu jetzt in der Wohnung geblieben find, so müssen Sie ohne zu- vorige Kündigung am 1. April 1887 ausziehen, falls nicht eine weitere Konttaktsverlängerung vereinbatt wird. K. Rügenerstr. Wenn die Hose nicht paßt, so brauet der Besteller dieselbe nicht anzunehmen; ist sie aber passen»- so muß er auch das durch die ungerechtfettigte AnnahmevS' Weigerung veranlaßt c Mehrporto zahlen. Theater. Dienstag, den 9. November. Opernhaus. Die Hochzeit des Figaro. Schauspielhaus. Daniela. Deutsches Theater. Der schwarze Schleier. Kriednch-Wilhelmstädtisches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Die Stemschnuppe. Viktoria- Theater. Amor. Ostend-Theater. Das neue Gebot. Residenz-Theater. Ein Großstädter. Vorher: Ein anonymer Brief. Aentral-Theater. Der Waldteufel. Bellealliauce-Theater. Tie schone Galathee. Zehn Mädchen und kein Mann. Flotte Bursche. Walhalla-Theater. Die Piraten. Königstädtisches Theater. Von Schrot und Korn. Kanfmann's Variete«. Spezialitäten- Vor- stellung. � Amerikan-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Reichshallen- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Loncordia- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Berliner Stadt-Theater. (Früher Alhambra-Theater.) Wallnettheaterstt. 15. Zum 7. Male: Der Onkel ans Amerika. Posse mit Gesang in 3 Akten von Salingrs. Vor der Vorstellung: Grosses Concert der Hauskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Hrn. Tb- Franke. Anfang der Vorstellung 7>, Uhr. Das Theater ist mit elektrischer Beleuchtung versehen. Eden-Theater« (Früher"Souifenft. Theater.) Dresdenerstr. 72 73. Sna grassartiylte Programm der pestdens. h« Rouäi Uokohama Troupe(6 Pessonen), japanische Produktionen. Familie Gifclu. best- renommitte Akrobaten und Gymnastiker(5 Personen). Family Gdwi« Kerle, Veloziped- Artisten. Mr. pizarras, die großartigsten Kraftproduktioncn an den md. Ringen. Mr. Nc?on. Zahn-Athlet. Kiegrt'a Kalletgefell- fchast, 12 Damen, 2 Herren. Paula u. Ludwig Tellheim. Eugen Zocher. Mr. Linuäe, Konzerssänger. Kassenöffnung 6'/, Uhr. Anfang 7'/, Uhr. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Kaiser-Panorama. Neu! Zum ersten Male: Zweite Reise durch Holland. Eine interessante Wanderung durch Rom. Hertha-Reise.— Carolinen-Inseln. Eine Reise 20 Pfennig. Kinder nur 10 Pf.1 Todesanzeige. Den Mitgliedern des Fachvereins der Stein- träger Berlins mr Nachricht, daß Kamerad Wilhelm Neumann Dienstag, den 9. d. M., Nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Köpnickessttaße 148 aus beerdigt wird.[1018 Der Vorstand. Einige gediegene Skatspieler, sowie Schafs- kopffpieler finden dauernde� Beschäftigung im Restaurant zurDezimalwaage� Memelerftraße 8S. Eine gute Weiße für 20 Pf. und em gutes Glas Bier für 10 Pf. stets vorbanden. 892] W. Hangk. x% Giner geehrten Nachbarschaft empf. X% mein Holk-«. Kohiengekchäft. 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Mar l�' Gesetz über die eingeschriebenen Hilfsk»�, mit der Novelle vom 1. Juni 1884; b" Reichstags- Wahlgesetz mit Rcglemcn; Auszug aus dem Reichs- Patentgetetz; Gewindeschncidctabelle für Metallarbenz' Schreibpapier mit Datumsangade Tagesnotizen, leeres Schreibpapier, /Ur> täschchen. Der ganze Kalender ist vlcrzcP Bogen stark. Preis der einfachen Ausgabe 50 l'y „„ stärkeren„ 70 ¥'■ WiederverkLufer erhalten lohnenden Rabatt, I Soeben ist esschienen: tiieWtlt-Klllell�l für 1887. ' z Aus dem reichen Inhalt h-rvor: Rrich»h,.»h.lt».«t»t ßr- schea Reich».— Zerbrochene Kclte» zählunz von Rod. Schweichel.— g|, tiße Frone» an» Sa-r«eosche». � Proletorierki»». Erzählung v.E.L» — Der Komps»wische» sse»«».«* i»»er Welt. Von P. Osw.«öhl«� Wie«aa»i»e Miiio»»erbieel-—<' «cobe Blätter(humoristisch). Als«ratts-Ketlag-«- I. L»ci». 3.«»ttersl-ck-. 2. Bla.che. Die beide«« «i» Wa»»k«le»>er. Zimmesstta durch die Expedition iederverkäufern Rab«�. .»«.n�üd, für den ppümrn 2W«nb SazW«, Ma: K