Kr. 263. Mittwoch, den 10. Novemker 1886. 3. Jahrg. KMerVolksblalt ilrgan für dir Interrssen der Arbritrr. 4 Das„Berliner Volksblatt" »scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei w'ä Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 ißf. Postabonncment * Mark. Einzelne Nummer 6 Pf. Sonntags-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) Insertion sgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachnnttaga in der Expedition. Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux. ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Zur Handhabung des Sozialistengesetzes wird uns werter noch geschrieben: Früher war es eine Seltenheit, jetzt kommt es ab und Zu vor, daß die R e i ch s k o m m i s s i o n irgend eine Be- ichwerde in Bezug auf die Handhabung des Sozialisten- gesetzes für begründet erachtet und das betreffende Verbot aufhebt. Einige Preßstimmen wollen darin eine Wandlung zur Milde erkennen, welche in den oberen, maßgebenden Kreisen eingetreten sei; andere meinen, daß man dort dem Sprüch- wort Rechnung trage:„Allzu scharf macht schartig." Wir aber glauben, daß beides nicht zutrifft, daß die Sache vielmehr folgendermaßen liegt: Solange die Unter- behörden bei ihren Verboten an den Wortlaut des Gesetzes halten, so lange die äußere Form bei den Verboten gewahrt wird, solange werden sie immer die Zustimmung der Reichskommisston finden. Entweder ist dieselbe bei Verboten von Zeitungen und Zeitschriften, wenn eine Be- schwerde vorlag, gar nicht in die Materie selbst eingedrungen — förmlich schablonenhaft fand meist die Bestätigung der Verbote statt— oder wo die Reichskommission, wenn die Beschwerde triftig begründet war, mit der Materie selbst sich beschäftigen mußte, so fand die Kommission, wenn sie auch die Gründe der ersten Instanz verwarf, immer noch neue Anhaltspunkte in der betreffenden Druckschrift, welche das Verbot rechtfertigten. Dies ist häufig vorgekommen. Ganz lakonisch hieß es: Wenn auch die von Zhnen �gezogenen, in der Zuschrift der Landesbehörde angegebenen ?ttikel das Verbot an sich nicht rechtfertigen, so befindet i> �0(h'n �r- der verbotenen Zeitschrift ein Artikel, der /�Zusammenhange mit den von der Landesbehörde n!Wihrten, die in§ 11 des Gesetzes vom 21. Oktober 1878 ,"gedeuteten Besttebungen zu Tage treten läßt. Deshalb ist � Beschwerdeführer abzuweisen. > 3m Reichstag haben wiederholt die Vertreter der So- �aldemokralie erklärt, daß sie nach den gemachten Ersah- �"gen keine Beschwerde an die Reichskommission mehr «s würden. Und nicht allein deshalb, weil sie keine �"lfnung hätten, daß die Reichskommission einmal gegen " Verbot der Landesbehörde entscheiden würde, sondern �wptsächltch auch deshalb, weil, im Falle die Kommission � Beschwerde für begründet erachte, materiell dadurch dem vjjerdeführer nicht geholfen werde. o». Die Beschwerde hat nämlich keine aufschiebende Wirkung. Wwd ein Verein zu einem bestimmten «ecke, z. B. ein W a h l v e r e i n gegründet und die Landes- lSochdruck »erboten.) IseuiU'eton. [22 Im Hause des Nerdertzens. Kriminalroman. Von Reinhold Ortmann. XVI wai-i?� gewissenhafter, als es Doktor Ramfeld zu er- ivroJ; gewagt hatte, hielt Curt sein gestern gegebenes Ver- von/"' Der Kammerdiener hatte oen strengsten Befehl fern Herrn, der sich unwohl fühlte, jede Störung biefcm" t ten für Niemanden war der Gutsherr an Kein. � sichtbar geworden. Uebrigens würde es wohl an h:" SWben haben, der beim Anblick des Barons nicht so le,A. ,�rheit seines Unwohlseins geglaubt hätte. Eine Ettenntniß,„daß er sich als heerespflichtig zur Musterung U stellen müssen, so hat der Vorgang, wenn derselbe thassaam stattgefunden hat, nur die Bedeutung eines Anzeichens W1' daß der Kläger von den Behörden als Staatsangehöriger o gesehen worden ist, er kann aber diese Angehöttgkett n«W gründen." Eine ganz charakteristische Beleuchtung erhält � Angelegenheit noch durch folgenden Schlußpassus des Erlen. nisses:„Die Frage endlich, ob die russische Staatsregrett. ist, den Kläger aufzunehmen, berühtt die hier f-, kann vielmehr nur in Betracht konuhf�, gehatten treffende Entscheidung überall nicht, die Vollstreckung der Ausweisung«>«cirarm Offenbar will die russische Regierung von dem Ausgenneme: nichts wissen, und so wird dem Heimathlosen nichts bleiben, als jenseits des Weltmeeres sich eine neue Heimat� gründen. Zum schweizerischen Handelsvertrag. Gegen 200jjJJ legrtte landwitthschaftlicher und gcwerblich-industttcller%% der Schweiz faßten in Ölten eine dreifache Resolutton bez»« � des Handelsvettrages. Dieselbe verlangt Schutz der e>o mischen Arbeit aus dem eigenen Markt, erhebliche Erhob der verschiedenen Generalzolltarifpositionen im landnuttyl � lich-gewcrblichen Interesse, Kampfattikel mit vierfacher � erhöhung gegen Staaten, welche die Schweiz ungünW � handeln. Das erweckt keine besonderen Hoffnungen Ausgang der eben begonnenen Unterhandlungen Deutschland und der Schweiz. Sozialistisches. Buckau bei Magdeburg, 7. Gestern, Sonnabend, Vormittag fanden in den hiengesj � schinenfabrikcn von H. Gruson, Koch u. Cie., Schäner Buddenberg mehrere Verhaftungen durch Magdeburger nalschutzleute statt. Einzelne Vcrhastcte wurden nach dem p � lichen Verhör wieder freigelasseu. Als dieselben w»cde � der Fabrik kamen, um ihre Arbeit aufzunehmen, bedeute». � chnen, das Werkzeug abzugeben— sie waren arbeN�S Die„Bcrl. Ztg." vcrmuthet, daß die Verhaftungen auf. des§ 19 des Sozialistengesetzes, die Verbreitung uew" Druckschriften betteffend, vorgenommen wurden. wiederholt das auf dem Tisch stehende Glas, um mal auf einen einzigen Zug zu leeren. Das feungc blut ttef keinen Schimmer von Röthe auf fem*„ji' Wangen und vermochte den düsteren FieberglanZ mehr zu erhöhen, der schon vorher in seinen Augens tet hatte.. g# Ramfeld war nach kurzer Fuhtt in der Stabil' kommen und diensteifrig drängten sich die wenigen ken, deren sich der„Schwarze Adler", ein viel v„in aber ziemlich einfacher Gasthof, erfreute, an den seinen Befehlen so schnell wie möglich nachzukommen, � „Geben Sie mir ein anständiges Zimmer; p werde über Nacht hier bleiben" sagte der Dottor. Kutscher mag eine Erftischunq zu sich nehmen»n � nach Brandenstein zurückkehren, um mich morgen �„i* von hier abzuholen. Das Abendessen bringen®ie halb zehn Uhr auf das Zimmer."„„ Damit folgte er dem voranschreitenden KeB" # em einfaches Gemach im ersten Stock aufschs p�- halb sieben Uhr wurde der dienstbare Geist durch ein Glockenzeichen heraufgerufen, denn Ramf M. Licht und einiges Briefpapier. Auch eine h<»° W Rheinwein und eine Flasche Selterwasser befohlen und die Bestellung des Abendessens no« � Erinnerung gebracht. Bis dahin aber wolle er,- ungestött bleiben.,„ofl s i Wie es sich in einem ordentlichen Gasthm'.�1 versteht, wurden diese Austräge pünttlich aU®«ct% als der Kellner den Wein und das Mineralmali �s- � fand er den Gast, der sich's in seiner Toilette � tV � quem gemacht hatte, schon so eifttg#�&amtt''' nicht zu stören, die Thüre mit äußerster Behutt sich in's Schloß zog.„-wastiS Der arglose Bursche hätte sicherlich 0 ü#*' -----——— UN' jjjl Augen gemacht, wenn er gesehen, was um.„u seiner Entfernung in dem Zimmer vorging.„„b"fV Arbeitcrvereinigungen, die bisher rechtlos warm, immerhin rtschritt, sobald dem Beschlüsse die Ausführung folgt, a? Belgien lange dauert. (w bekanntlich mußte seiner Zeit die G a r n i s o n von Gent «roechseit werden, weil die Soldaten der dort früher stationirten �MMenter Stammgäste des sozialdemokratischen toh?»0r,u'*" geworden waren. Jetzt nun berichtet die Brüsseler cw.Me„Reforme" über einen Vorgang, der sich in letzter n.L, w Charlcroi zutrug, folgendermaßm: Nach der Kund- kra«Ä DOm 31- Oktober waren die Delegirten der sozialdemo- fcornr 1 Bereine noch in Eharleroi zurückgeblieben, wo sie im ttM der aus den letzten Arbeiterunruhen her bekannten ß',, on Terri re" eine Versammlung abhielten. Zu dieser ttflJ'Jjich auch eine Reihe von Soldaten eingefunden, welche Charlcroi entsendet worden waren, um für die Aufrecht- lehn*.�er Ruhe zu sorgen. Dieselben fraternisirten Hieif""'ach mit den Sozialdemokraten, und ein Unteroffizier "e den versammelten Delegirten eine fönnliche Rede, in 1 wer er die Sympathien der Armee für den Sozialismus be- % ite f»Äi!en j�'fte in einem Paar hoher Stulpenstiefel, die ...her bedeckt hatten. Der dunkle Ueberrock erlitt eine "adurch, daß er an mrde und daß sein riche in verkehrter en kam ein Päckchen gearbeiteten großen ich großen, beinahe egenstände das Ge- :n Sekunden voll- einer �""kenntlich machten. Als nun gar noch die Tiefe geaeb�' t en �alche eine weiche schirmlose Mütze heraus- ""eben.... c r;„f, erfi.Vri aeoeur.........-JP-. "erschied an seiner Eleganz dadurch, daß er an lammet R'chtunc Zum Vo Bollbart Uinden i tjx.. uuyiuu, iuiiuic uciucu ftönk- 3 �"ktor Ramfeld binnen wenigen Sekunden vofl > anvig unkenntlich machten. Als nun gar noch die Tief. "yevuche Einbuße an seiner Eleganz dadurch, daß er an verschiedenen Stellen künstlich zerknüllt wurde und daß fem «jainmetkragen einige nachdrückliche Striche in verkehrter Achtung erhielt. Aus einer seiner Taschen kam ern Jäckchen \"m Vorschein, das außer einem trefflich gearbeiteten großen Zollbart nnrfl flO— rr. nrn6en Iieinnfie runde,,"ine blaue Brille mit ziemlich großen, be ficht x,''kfern enthielt, welche beiden Gegenstände das (Fortsetzung folgt.) A«« Kunst und gtbeu. KfffiwÄ Ä'S.S'TASÄ Ii; %dtifchcn Men, der am Tonnerstag daS seiner Zeit im Vor- «Die Fischen er steh oft als Zugstück bewährte Schauspiel Reagan vom ß- Pause, folgen wird. Herr " Fischer cm. �uter in Rcichenderg hat die Hauptparthie 1, Deutsch,» � übernommen. WKMWH tonte. Er fügte hinzu, daß die Armee am 26. März nur ge- zwungen auf die Arbeiter geschossen habe. Die Soldaten ließen es sich auch nicht nehmen, ihre sozialdemokratischen Freunde bis an den Bahnhof zu begleiten und auf offener Straße die „Marseillaise" zu singen. Damach scheint die belgische Armee stark mit sozialistischen Elementen durchsetzt. Fälle, daß Sol- baten an sozialistischen Konventikeln theilnähmen, wären gar nichts Seltenes mehr. Ja Anseele habe einen förmlichen Kursus für„angehende" Rekmten eröffnet. Frankreich. Der Generalrath des Seine-Departements gab auf Antrag Michelin's bem„Wunsche" Ausdruck:„daß alles silbeme Kleingeld, das vor 1874 geprägt wurde und das Bild eines Kaisers oder eines Monarchen trägt, aus dem Ver- kehr zurückgezogen würde und daß femer an die Stelle des Kupfergelds Nickel träte, das eine andere Form hätte, als die gleich großen Silbermünzm." Grotzkritannle«. Aus britischen Häfen wanderten in den am 31. Oktober beendeten zehn Monaten dieses Jahres 295 523 Personen nach überseeischen Ländern aus. Diese Zahl ergiebt im Vergleich mit dem entsprechenden Zeitraum von 1885 einen Zuwachs von 57 261 Personen. Unter den Auswanderem be- fanden sich 209 304 Briten, 83 523 Ausländer und 2696 Personen, deren Nationalität nicht ermittelt wurde. In sechs der größten Baumwollspinnereien in Tarwen(Lancashire) haben 800 Spinner gegen die an- gekündigte Lohnherabsetzung von 5 pCt. einen Streik be- gönnen. In Blackbum Hai ein Weberstreik gestern sein Ende gefunden. Die Kohle narbeiter in den Gruben des Lord Lonsdale haben in einer Massenversammlung beschlossen, die Arbeit niederzulegen, da ihnen bei ber letzten Lohnauszahlung wiederum ein Abzug von 5 pCt. gemacht wurde. Was das für die Arbeiter sagen will, geht am beutlichsten aus dem Umstände hervor, daß ihnen innerhalb der letzten fünf Monate der Lohn schon um 20pCt. heruntergedrückt worden ist! KulKan tänder. Die bulgarische Regierung erhielt nach der„Franks. Ztg." ein Telegramm von dem Kreisvorstande in Burgas, in welchem über dcn Urspmng und Verlauf des Putsches folgendes mitgetheilt wird: Kaulbars telegraphirte dem mssischen Konsulate in Burgas, Bulgarien befinde sich im vollsten Auf- staube, die Regentschaft unb die Rcgiemng seien gestürzt und bie Mitglieder der Sobranje verhaftet. Dieses Telegramm wurde in der Gamison von Äurgas durch einen aufrührerischen Lieutenant vorgelesen und die Garnison leistete dem Zaren den Eid. Die Aufruhrer wurden jedoch durch den Kapitän Kraiwanow mit einer Kompagnie Soldaten zersprengt unb die verführten Soldaten baten kniefällig um Pardon. Die Führer der Rebellen sind geflüchtet, doch ist N a b o k o f f bei Anchcalo (nördlich von Burgas) gefangen worden. Die Erscheinung des russischen Kanonenboots vor Burgas, welches die europäische Presse mit Einstimmig- keit als den zweiten Akt des russischen Putsches prophezeite, hat in der That nicht auf sich warten lassen. Ueberraschend und originell ist nur die Begründung dieser Sendung, nachdem die Anstrengungen auf Herstellung der Anarchie ,n Burgas mißglückt sind. Es liegt folgendes Telegramm vor: Tirnowa, 8. November. Der russische Konsul in Burgas zeigte dem dor- tigen Präsekten an, daß die Absendung eines russischen Kanonen- boots nach Burgas nothwendig geworden sei, um die Verbin- dung zwischen Burgas und Varna aufrecht zu erhalten, da der Telegraph während der letzten Unruhen in der Umgegend von Burgas zerstört worden sei. Der„Pester Lloyd" erfährt aus Philippopel, 3. November. Seit einigen Tagen befindet sich unsere Stadt in großer Auf- regung. Es heißt, daß die Bewohner von Abraschlave und Peruschtiza(ersteres ungefähr 20 Kilometer nördlich, letzteres ebenso weit westlich von hier gelegen) sich zu einem U e b e r- falle auf Philippopel nisten. Aus Abraschlave und Konarewo kam auch im vorigen Jahre am 18. September die erste aufstänbischc Menge. Das Militär ist Tag und Nacht in Bereitschaft. Auf den nach den beiden Orten führenden Straßen sind in der Nacht starke Kavallerie-Patrouillen aufge- stellt. Gestern Abends hieß es in der ganzen Stadt, bie Bauern, ungefähr 1500 an der Zahl, werden gegen 2 Uhr früh unsere Stabt überfallen. Die Bewohner flüchteten in die Kellerräumc, fortwährend sprengten Gendarmerie-Patrouillen durch die Stadt. In Peruschtiza selbst ist eine starke Kavallerie- Eskadron eingezogen, ist jedoch auf heftigen Widerstand gc- stoßen. EssollTodte und Verwundete geaebeii haben. Heuteinehrcn sich bie alarmircnden Nachrichten. Auch an anderen Orten sind Unruhen ausgebrochen. Die Stadthauptmannschaft läßt durch offizielle Anschläge die Bevölkerung beruhigen und droht den Verbreitern von beunruhigenden Nachrichten mit gericht- licher Bestrafung. Solchen amtlichen Beschwichtigungen glaubt jcboch bie Bevölkerung nicht, denn sie hat schon öfter Gelegen- hcit gehabt, sich zu überzeugen, daß die Behörden gerade dann sllhrung kam. Es wurde kürzlich vorgefunden und veröffentlicht. Die„Hackney Choral-Association" in London hat es auf das Programm ihres nächsten Konzertes gesetzt. Ob es sich hier nicht um einen Unterschleif handelt? Der Panamakanal, sein Bau und seine Zukunft. Unter diesem Titel liegt eine in Dresden erschienene Schrift über dieses schon vielfach besprochene Unternehmen vor; Verfasser ist der Generalkonsul E. Koep. Wir beschränken uns auf folgende Mittheilungen daraus: Im Jahre 1884 betrug die Zahl der an den verschiedenen Punkten beschäftigten Arbeiter 13 200; gegenwärtig ist dieselbe bedeutend größer. Die aller- wärts, insbesondere aber von Colon, Portorico und Venezuela herstammenden Arbeiter werden bei ihrer Ankunft in Colon ärztlich untersucht und dann den Sektionen zugetheilt. Von Colon aus, östlich der Bai von Limon, durchfurcht der Kanal mit einer natürlichen Tiefe von 8,50 Meter die Moraste von Midi und vereinigt sich bei Gatun mit dem(Shoorefluß, den er im weiteren Berlauf mehrmals durchschneidet. Der Kanal wird eine Breite von 22 Meter auf der Sohle und eine solche von 50 Meter auf dem Wasserspiegel bei einer Tiefe von etwas über 8 Meter(wie der Suezkanal) haben. Die größte Schwierigkeit bilden die Wasser des Chagrefluffes, welcher gelegentlich ungeheuer anschwillt und Alles zerstört. Das Arbertsmaterial besteht aus riefigen Grabe- und Baggermaschinen, Eisen- bahnen, Dampfschiffen u. s. w. Jede der großen Baggermaschinen besteht aus 7, auf einem Ponton vereinigten Dampfmaschinen von zusammen 330 Pferde- stärken Zwei von zusammen 200 Pferdestärken bewegen die Ketten der Baggerkufen oder Eimer; 2 andere von 30 Pferdestärken bewegen dm Ponton; wieder 2 andere von 30 Pferdestärken dienen zum Heben und Senken des die E,mer- kette tragendm leiterartigen Gerüstes; eme andere 30 pferdcge Dampfmaschine bewegt den zum Hebm von Felsstucken. Wasser, das dazu dient, den Schlamm und Sand, welchen die Eimer fassen, aus denselbm m em 1 Meter weites und 50 Meter langes eisernes Leitungsrohr zuspulen und dann fort- zuschwemmen. Drei Dampfkessel l.efem den Bewebsdampf & ÄÄSAi'n"SfÄ I&7Ä äs"Soo ää äs mit den Beschwichtigungsversuchen aufzutreten pflegen, wenn die Gefahr am größten ist. Die von der Sobranje durch Akklamation angenom- mme Antwort auf die Botschaft der Regentschaft lautet wie folgt:„Indem bie Versammlung die außerordentlichen Be- mühungen der Regentschaft für die Aufrechterhaltung der Rechte der Bürger, sowie des Friedens und ber Ruhe des Landes an- erkennt, spricht sie volles Vertrauen zu der Regent- sch aft aus. Die Versammlung ist überzeugt, daß die Regent- schaft mit derselben Selbstverleugnung die Staatsgeschäfte fort- führen werde, bis der vom Volke Erwählte den Thron besteigt. Die Versammlung erkennt femer an, das ihre prompte Be- mfung unumgänglich nothwendig und daß diese der einstimmige Wunsch des Volkes war. Die Versammlung wird f o f o r t zur Wahl des Fürsten schreiten, um das geliebte Vater- land aus ber Krisis zu befreien, in welche es gestürzt worden ist. Es lebe bas unabhängige Bulgarien!" Die Mit- glieder des Bureaus begaben sich zu den Regentschaftsmit- gliedern, um ihnen die Adresse zu überreichen. Afrika. Im Sudan scheint es sich wieder zu regen. Einer aus Suakin eingegangenen Meldung zufolge marschirt Osman D i g m a, nachdem er sich mit den Derwischen geeinigt hat, an der Spitze einer großen Rebellenstreitkraft zum Entsätze von Tokar heran, welches verzweifelt aushält. Amerika. Nachdem am Sonnabend in C h i k a g o unter den Fleisch- verpackem und den auf den Viehhöfen beschäftigten Arbeitern wiedemm ein Streik ausgebrochen ist, hat der Gouverneur, um etwaigen Ruhestörungen vorzubeugen, befohlen, zwei Infanterie- Regimenter in Bereitschaft zu halten. Oerichts-Ieiwng. Reichsgerichts- Entscheidung. Leipzig, 8. November. Eine für dce Presse wichtige Entscheidung fällte am vorigen Freitag der erste Strafsenat des Reichsgerichtes in den Straf- fachen gegen die verantwortlichen Redakteure der„Freisinnigen Zeitung" und des„Berliner Tageblatt". Nachdem am 12. März d. I. bei Gelegenheit der Debatte über die Ent- schädigung unschuldig Vemrtheilter im Reichstage der Ab- geordnete Heine verschiedene ihm im Gefängniß zu Halberstadt widerfahrene Unannehmlichkeiten erzählt und daran den Vorwurf geknüpft hatte, daß der erste Staatsanwalt Schöne ein Geständniß von ihm habe„erpressen" wollen, brachte die„Freist Ztg." am 16. März einen Artikel, der in der.Hauptsache aus der objektiv wiedergegebenen Rede Heinc's bestand und außerdem nur noch eine redaktionelle Einleitung sowie einige Schluß- worte enthielt, in denen gesagt war, daß, wenn.heine's An- gaben wahr seien, gegen den Staatsanwalt eine Untersuchung eingeleitet werden müsse. Durch diesen Artikel fühlte sich der Staatsanwalt Schöne beleidigt und er stellte deshalb gegen den verantwortlichen Redakteur Strafanttag. In der Haupt- Verhandlung vor dem Landgericht l in Berlin suchte der An- geklagte den Beweis der Wahrheit zu führen, jedoch erachtete das Gericht diesen Beweis als mißlungen. Heine hatte von seiner Frau, die ihn im Gefängniß besuchte, den bestehenden Vorschriften zuwider, eine Wurst zugesteckt erhalten, was zur Kenntniß deS Staatsanwaltes gekommen war. Da derselbe annahm, daß der betr. Gefängnißwärter bestochen worden sei, so verlangte er von Heine Auskunft in dieser Beziehung, die jedoch verweigert wurde. Wegen der Ordnungswidrigkeit, deren sich der Strafgefangene Heine durch Annahme der Wurst schuldig gemacht batte, entzog der Staatsanwalt ihm die Ver- günstigung einer angenehmeren„Wohnung" und bedeutete ihm, er werde so lange in der weniger freundlichen Zelle sitzen müssen, bis er die gewünschte Auskunft gebe. In diesem Verfahren des Staatsanwaltes erblickte die Strafkammer keineswegs die ungesetzliche Erzwingung eines Geständnisses, sondern eine durch die Vorschriften der Gefängnißardnung begründete Maß- regel zur Erniöglichung einer besseren Konttole. Die Aeuße- rungen Heines wurden daher als für den Staatsanwalt bclei- diaend angesehen. Nun sagt der Artikel 22 der Rcichsver- fassung, daß wahrheitsgetreue Berichte von Parlamentsverhandlungen von jeder Verantwortlichkeit frei sind, und der Redakteur hätte wegen jenes Berichtes ebenso wenig zur Verantwortung gezogen werden können, wie der Abgeordnete Heine wegen seiner Rede, wenn nicht das Landgericht der Ansicht gewesen wäre, daß der Artikel 22 der Reichsverfassung hier nicht zuttcffe. Er führte aus, daß nur referircnde, nicht aber auch mit Räsonne- ments versehene Berichte straflos seien und bezog sich daher auf eine Entscheidung des früheren Obertribunals. Es sei sogar fraglich, so wurde weiter ausgeführt, ob der bloße Abdruck ver Heme'schen Rede straflos sei, da die Verfassung nur von wahr- heitsgetreuen Berichten über die Verhandlungen spreche und daß bei tendenziöser Weglassung einzelner Theile der Verhandlungen recht wohl ein anderer Zweck als der der objektiven Bericht- erstattung, nämlich der der Beleidigung verfolgt werden könne. Hier komme es aber darauf nicht an, da die Heine'sche Rede nur in sehr losem Zusammenhange mit den übrigen VerhaNd- 40 Bagaermaschinen, 159 Baggerschiffc, 116 Ausgrabemaschinen (Trockcnbagger), 131 Lokomobilen, 171 Lokomotiven, 29 Dampf- schiffe, 468 Pumpen; zur Fortschaffuna der Erdmassen sind 314 Kilometer breitspurige und 175 Kilometer schmalspurige Bahnen gelegt, auf denen 4622 Waggons laufen. Was die Sterblichkeit unter den Arbeitern anbelangt, so starben in den Jahren 1884 und 1885 8 pCst und unter den Beamten 6,4 pCt. Jedenfalls find noch große Schwierigkeiten zu über- winden, aber nach dem Stande der Dinge könne die baldige Fettigstellung des Kanals in sichere Aussicht gestellt werden. Egyptische Tänzerinnen. Der berühmteste unter den noch heutigen Tages in Egypten beliebten Tänzen ist wohl un- streitig die„Biene", der sich wie fast alle dortigen National- tänze mehr durch Absonderlichkeit als dnrch Schönheit aus- zeichnet. Er wird von nur einer Tänzerin ausgefühtt. In Blick und Geberde, mit allen mimischen Mitteln, die ihr zu Gebote stehen, giebt sie dem simulitten Schmerze Ausdruck, von einer Biene gestochen zu sein. Sie durchsucht ihre Ge- wänder, um der kleinen Uebellhätettn habhaft zu werden. Sie findet nichts, und Zom und Rache malen sich in ihren Zügen, immer lebhafter werden ihre Bewegungen, immer drohender ihre Haltung. Mit wild rollenden Augen, Zähneknirschen und Gesten aller Att sucht sie dem Zuschauer die Mattem z i ver- anschaulichen, die dem Insekte zu Theil würden, sobald es nur in ihrer Gewalt wäre. Zwischen zwei Fingern die Biene pantomimisch bei den Flügeln haltend, ergeht sie sich in phantasti- schen Drohungen mit der Rechten. Der Tanz wird immcr wilder und ausgelassener, die Musik beginnt zu toben. Äußer sich wirft die Tänzettn das Mieder ab und durchforscht es in bebender Ermattung. Sie zerreißt ihr Gazehemd und sinkt endlich in höchster pantomimischer Erschöpfung und nachdem auch alle Register ihrer Kunst erschöpft sind, glühend an Leib und Seele, ihrer sämmtlichen Gewänder fast entledigt, auf den Boden nieder. Die„holde" Tänzerin ist bisweilen eine ver- kleidete Mannsperson, wie solche ihre Pseudonyme Kunst auf offener Straße zu treiben pflegen. Die Almehs(Sängerinnen) und Ghazichs(Tänzerinnen), sehr schöne Weiber zumeist, leben verspottet und verachtet in abgelegenen, ihnen angewiesenen Stadttheilen oder unter Zelten, und dürfen feit dem Jahre 1834 an öffentlichen Orten sogar nicht mehr entschleiett tanzen, er- schemm seit dem entsprechenden, durch die Wollahs erwittten Verbote vielmehr nur noch in den Harems bei Hochzeiten und sonstigen häuslichen Festen. lungert stehe. Aber wesentlich komme hier in Betracht, daß der Angeklagte selbstständige Bemerkungen dem Berichte vorangeschickt und habe folgen lassen und daß er den Artikel nicht in der für f arlamentsberichte bestimmten Rubrik, sondern im redaktionellen heile(soll heißen an leitender Stelle) abgedruckt habe. Dadurch habe er, so wurde angenommen, den Inhalt derHeine'schenRede sich zu eigen gemacht und sei auch strafrechtlich dafür verantwortlich. Der§ 193 könne hier nicht in Betracht kommen, weil der Presse ein allgemeines Reckt, öffentliche Angelegenheiten zu be- sprechen, nicht zustehe. Daraufhin wurde die Verurtheilung des Angeklagten ausgesprochen. Die Revision desselben machte gel- tend, der§ 22 der Reichsverfassung sei verletzt. Das Gencht habe selbst anerkannt, daß die Heine'sche Rede nur in ganz losem Zusammenhange mit dem übrigen Stolle der VerHand- lung steh-, daher könne der besondere Abdruck nicht strafbar sein. Die Straffreiheit wahrheitsgetreuer Berichte sei garantirt und der vorliegende sei ein solcher. Was wahrheitsgemäß sei, bleibe es auch, wo immer es abgedruckt werde. Ferner wurde Verkennung des§ 193 gerügt. Der Vertheidiger Rechtsanwalt Munckel aus Berlin führte die Revision weiter aus und be- tonte namentlich, daß nach den Feststellungen in dem Vor- und Nachwort zu dem Berichte keine Beleidigungen enthalten seien und daß eine Durchsetzung des Berichtes mit eigenen Gedanken, wodurch erst der Artikelschreiber sich mit dem Berichte identifiziren würde, hier nicht vorliege. Der Reichsanwalt beantragte in- dessen Verwerfung der Revision, da in dem Urtheile kein Rechts- irrthum zu erblicken sei.— Der zweite Fall betraf das„Berliner Tageblatt", welches die Heine'sche Rede unter gleichen Umständen und unter der Ueberschrift„Ist die Tortur abgeschafft?" ver- öffentlicht hatte. Der verantwortliche Redakteur des Blattes, Dr. Zornow, war jedoch vom Landgerichte(indessen von einer anderen Strafkammer) freigesprochen worden, weil ihm der Schutz des§ 193 zugebilligt worden war. In dem Urtheile war gesagt, es sei dem Verfasser lediglich um eine BesPrech"itg der Angelegenheit zu thun gewesen, um nur eine Aufklärung von zuständiger Seite herbeizuführen. Damit habe er ein berechtigtes Interesse wahrgenommen. Es sei keineswegs ein persönliches Jnlereffe erforderlich, vielmehr genügt ein all- gemeines Interesse sittlicher, rechtlicher oder ähnlicher Art. Diese Auslegung des§ 193 wurde von der Staatsanwaltschaft im Wege der Revision angegriffen und der Reichsanwalt beantragte im Einverständniß mit der Beschwerde die Aufhebung des Ur- Heils.— Das Reichsgencht erkannte sodann dahin, daß die Revision Barth's zu verwerfen, dagegen daß das Uttheil bezüg- lich des Dr. Zornow aufzuheben und die Sache in die erste Instanz zurückzuverweisen sei. Beigepflichtet wurde dem Land- gerichte, soweit der Fall Barth in Frage kommt, darin, daß der § 22 der Reichsverfassung nicht zur Anwendung komme, wenn es sich nicht mehr um einen Bericht, sondern um eine Kritik einer berichteten Rede handle. Das Recht, die Angelegenheit zur Kenntniß der Behörde zu bringen, werde Niemandem bestritten, der dazu gewählte Weg sei jedoch nicht der richtige gewesen. t Einen zeitgemäßen Diebstahl verübt zu haben, warf die Anklage dem Hausdiener Ernst Kl. vor, einem noch un- bestraften jungen Manne, die gestern vor der ersten Straf- kammer hiesigen Landgerichts I zur Verhandlung kam. Kl. sollte in der Nacht zum 21. September d. I. dem Gänsestall des Droschkenkutschers Schlichtung einen Besuch abgestattet und ackt seiner gemästeten Bewohner gestohlen haben. Ter Bestohlene berichtete mit trüber Stimme über seinen Verlust; er wohne in der Müllersttaße 160 und das Haus grenze hinten an das freie Feld. Die Diebe hätten den Zaun überstiegen, den Stall aufgebrochen und die neun Gänse, die er aufgezogen, ab- geschlachtet. Am nächsten Morgen habe er nur die Blutspuren und den Kadaver der neunten Gans, der den Dieben wohl bei der Flucht über den tzofzaun entglitten sei, aufgefunden. Der Angeklagte war dadurch in den Verdacht aerathen, der Dieb zu sein, daß er am frühen Morgen in der Nähe des Hauses ge- sehen worden war; auch hatte er dem Schutzmann, der ihn verhaftete, zwei Mark angeboten, wenn er ihn wieder freilasse. Das letztere gab er zu, dech erklärte er diesen belastenden Umstand mit der Furcht, die ihn gepackt habe, als er so plötzlich und ohne Ursache verhaftet wurde. Daß er sich in der Nähe des Hauses aufgehalten habe, bestritt er ebenfalls nicht, dock führte er den Nachweis, daß seine Schwester in diesem Hause wohne, die er habe besuchen wollen. Auch mußte gerade der Umstand, daß er sich in der Nähe des Thatortes so unbekümmert gezeigt hatte, den Beweis seiner Unschuld verstärken. So beantragte denn auch der Staatsan- walt die Freisprechung des Angeklagten wegen des Diebstahls und beantragte wegen der versuchten Bestechung eines Beamten eine vierzehntägige Gefängnißsttafe gegen ihn. Der Gerichtshof erkannte diesem Anttagc gemäß; dach betrachtete er die Strafe mit Rücksicht auf die Untersuchungshaft, die Kl. erlitten, für verbüßt. Eine Anklage wegen Beleidigung des Polizeipräst- diums von allgemeinem Interesse wurde gegen den Schank- wirth Adolf Zimmer, Steinmetzstraße 9, vor der 93. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichts verhandelt. Es wurde den Um- wohnem dieses Lokals lästig, daß in demselben zahlreiches zweifelhaftes Gesindel verkehrte und veranstaltete die Polizei- behörde auf erhaltene Anzeige am 22. Juni er. dort eine Razzia. Bei derselben wurden sämmtliche Gäste des Lokals, ca. 20 Personen, von denen ein Theil Dirnen und deren Zuhälter waren, behufs Feststellung der Persönlichkeiten derselben nach der Wache transpottitt. Selbstverständlich machte dieser Transport in der Nachbarschaft ungeheures Aufsehen. Einige Zeit später wurde von der Polizeibehörde ein sich herumtreibendes Frauenzimmer gesucht und begaben sich die Beamten wiederum m das Lokal ves Angeklagten, wo sie nicht nur die Schank-, sondern auch die Wohnräume und Betten durchstöberten. Die Gesuchte wurde zwar nicht in den dem Angeklagten gehörigen Räumen, wohl aber auf einem Boden des Hauses Steinmetzstt. 9 gefunden. Wegen dieser Durchsuchungen bei ihm reichte der eingeklagte zwei scharf ge- haltene Beschwerden bei dem Polizeipräsidium ein, in welchen er u. A. von den durchsuchenden Beamten sagte, daß sie in un- verschämter Weise nach Art einer Räuberbande bei ihm einge- drunaen seien. Wegen Beleidigung angeklagt, versichert der Angeklagte im Termin, daß er durch das Verfahren der Beamten um seine ganze Existenz gebracht sei. Ter Staats- anwalt beantragte 100 M. rvent. 10 Tage Gefängniß, der Ver- Heidiger plädirte auf Freisprechung des Angeklagten, da die Polizeibehörde zu dem geübten Verfahren nicht berechtigt ge- weisen sei. Der Gerichtshof nahm diese Berechtigung nach Lage des Falles an und verurtheilte den Angeklagten mit Rückficht auf die begreifliche Erregung zu 40 M. event. 4 Tagen Gefängniß Dem Führer eines Schlächterfuhrwerks, welches am 21. Juni er. in schärfster Gangatt um die Ecke der Jerusa- lemer- und Krausenftraße einbog und dadurch den den Strafen- dämm passirenden Arbeiter Johann Müller mit dem Scheer- bäum umstieß und überfuhr, wurde von der dritten Strafkammer hiesigen Landgerichts> mit Rückficht darauf, daß diesem vielfach vorkommenden Unfug nicht streng genug entgegen- getreten werden kann, die exemplattsche Strafe von sechs Mo- naten Gefängniß auferlegt. Der Ueberfahrcne hat drei Wochen lang im Krankenhause zugebracht, und hatte der Staatsanwalt aus diesem Grunde schon eine empfindliche Strafe in Höhe von drei Monaten Gefängniß in Antrag gebracht. Markthallen-Bericht von I. Sandmann, städtischem Verkaufs-Vermittler, Berlin, dm 9. November 1886. Obst und Gemüse. Die Zufuhren an Aepfeln und Bimen nicht belangreich; die Preise.steigmd. Die Produzenten solltm eine größere Sorgfalt auf das Sottiren und Verpacken deS Obstes verwenden, die dadurch verursachte Arbeit macht sich reichlich durch den Höheren Erlös bezahlt. Birnm 5,00 bis 6,50, Tafelbirnen 7—15, feinste Sorten 20—40 M., Aepfel 5,00-7,50 M., Tafeläpfel 10-15 M.. feinste Sotten 20 bis 36 M.. Maronen 20-30 M., Wallnüsse 20-30 M.[pr. Ztr. Zwiebeln 2,25—3,00—4,00, Weißfleischige Speise-Kartoffeln 2,80—3,60, rothe 2,80—3,00, blaue 2,50—3,00 per 100 Ko., Teltower-Wbchen 9-12 M., Sellerie 7-8 M., Meerrettig 7—12 M., Blumenkohl'30—40 M. pr. 100 Stück. Kohlttiben 1,50—2,00 M., pr. Ztr. Blumen und Blätter. Lorbeerblätter 3,50—4 M. pro Korb. Rosen 10—15 M., Rosenknospen 1—3 M. pr. 100 Stück. Tuberosen 4—5 M. pr. 100 Stück. Veilchen 3,50—5,00 M. pr. Tausend. Rosen-Hochstämme 50—70, niedrig-veredelte 15-20 M. pr. 100 Stück, Primeln 13-15 M. pr. 100 Stück. Auktion jeden Dienstag und Freitag um 7 Uhr Nachmittags. Geräucherte und marinitte Fische. Größere Zufuhren erwünscht. Ärathettnge per Faß 1,50—1,60 M. Russische Sardinen 1,50—1,60 M. Rheinlachs 2,50—2,90, Weser- und Ostseelachs 1,20—1,60, Flundern, kleine 3—6 M., mittel 7,50 bis 16 M., große 18-27 M., Bücklinge 1,80-4,00 M. per 100 Stück. Sprotten 40 bis 45 Pf. per Pfund. Rauchaal mittel 1 M. per Pfd. Schaalthiere. Austern 7,00—12,00 M. pr. 100 Stück. Mießmuscheln 80 Pf. per 100 Stück. Geflügel. Die Gänse für dm Berliner Markt sollten niemals gebrüht werden. Fette Gänse per Pfd. 50 W 60 Ps., Fettgänse über 15 Psd. schwer 60 Pf. und mehr per Pfund, Stoppelgänse bis 8 Psd. 40—48 Pf. per Pst>, junge Enten 1,50— 2,50, junge Hühner 0,55—0,80, alte 1,20—1,70 M., Tauben 30—45 Pf., Poularden 4,50 W 8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich. Fette Gänse sehr begehrt. 3. Wild. Rehe 51— 62, jehlerhoste 40— 50, Hirsche, stack und fehlerhafte 20—25,'. 25—35, Dammwild 32—47, Wildschwein 25— 30 Pf. pr.Pfd., Rebhühner, junge 150, alte 90—110#, Fasanmhennen 2,40—3,50 M., Fasanenhähne 3,10—4,00 M, Hasen 3,00—3,75, Kaninchen 45— 55 Pf. p. Stck, Krametsvögc!-- bis 26 Pf. ver Stück. Auerhahn 3,00—4,50 M. Eier 3,15 M. pr. Schock. Eier sind begehrt größere Z»- fuhren erwünscht. Butter. Frische feinste Tafelbutter:c. 120—125, W Tafelbutter'. 110-118, II. 95 bis 108, III. fehlerhafte«-> bis 90. Landbutter I. 90-96, l>. 80 bis 85 M. GaliM und andere geringste Sotten 55—72 M. pr. 50 Ko. Käse. Schweizerkäse I. 56-63, II. 50-55, III. 42-4«, Quadrat-Backstein l. fett 20-25, U. 10-16 M., Limburg I. 30-35, ii. 20-25, Rheinischer Holländer Käse 45-48% echter Holländer 60—65 M., Edamer'. 60—70, n. 56— französischer Neufchateller 16 M. pro 100 Stück, Roquttw 1,20—1,50 pro Pfd. 1. Ziehung d. 2. Klaffe 175. König!. Preuß. Lotterie. Zi-hung vom 9. November 1886,«ormiit-g». Nur die«ewinne über 103 Mark find den btlreffende» Nummern in Parentdese beigefügt. (Ohne Gewähr.) MWWKMW 88 857 1,027 147 34, 98 491 602 3 31 745 840 1 8026 589 633 43 716 1 3187 231 303 30 96 424 515 58 73 756 71 97 828 979 1 4004 58 100 241 75 325 38 532 64 610 37 874 951 15427[150] 600 43 770 824 961 79 1 6009 221 903 19 94 1 7006 102 51[1501 93 212 71 73 74 401[200] 565 633 50 870 99 945 18233 781 866 111120 206 17 380 459 614 71 737 60 801 7 48 973 80041 137 251[150! 390 438 551 600[150] 4 5 54 710 81102 12 42 67 208 8 8097 120 286 342 471 636 56 92 897(1501. 83188 807 23 566 607 17[300] 69 707 957 8 4004 200 46 50 77[1501 393(1501 403 48 594 656 782 8 3059 135 206 303 27 423 34 82 507 631 92 7.9 80 883 93 904 8 6068 U0 207 300 400[150] 15 18 27 596 685 781 831 99 87031 40 68[200] 75 144 252 410 564 822 77 987 8 8028 114 632 793 851 80014 134 37 50 217 82 96 317 440 503 9 26 31 961 30081 192 99 386 413 78 93 576 668 754 861 922 81108 30 45 76 84 242 305 87 433 43 84(1501 687 729 967 75 38416 33 84 505 620 859 67 986 87 3 8054 71 165 218 23 311 23 64 60 442 49 551 89 673 745 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377 588 613 15 98 53 842 86 1 69005 171 85 282 390(1501 582 795...�>li>8 99 3�%':i�y%aii�/�-�%% aa/gsijßl 79 630 805 992 1 7 3021 48197 271 379 502 70 737 810 60 994- 262 431 37 600 851 927 41 175022 193 213 55 413 27 65«?,61« «AM.'tmiWMM 8 ÄNAi-" 66 91 176031 277 446 59 629 39 723[15001 64 887 180133 90 276 380 519 92 684 765 921 181124 35 362 MW 760 812 937 1 82170 660 612 67 75 99 786 896 952 1 83024 4' W 187186 217 409 6g js 58 99 746(2001 810[300] 66 975 84 99 1 88054 186 240 311% 229 70 304 20 73 408 571 609 67 847 926 59 1 80036 135 257 334 65 454[150] 539 89[150] 680 728 45 55 1. Ziehung d. 2. Klaffe 175. König!. Preuß. Lotterie. Ziehung vom 9. November 1886, Rachmittag«. Nur die Gewinne über 105 Mark sind den betreffenden Nummern in Parenthese beigefügt. (Ohne Gewähr) 478 90 638 61 734 807 7411 20 40 544 628 73 83 764 803 994 8148 68 *4% 808 28 908 1 2031[150] 45 214 80 348 83 433 670 604 78 86 771 74 816 940 1 8077 109 24 43[300] 97 479 772 91 808 1 1020 54 86 192 232 39 40 3r.............................. WMWä--- H [150] 475 575[30Ö]W>WWW>WWM>»»W»WWW 445 740 67 72 895 1 9085 93 160 439 676 715 35 70 74 97 20266 355 412 696 819 74 21146 69 86 88 276 96 586 615 814 67 946 22117 426 40 83 615 722 907 53 55 28031 287 335[300] 419 623 92 632 84 92 2 1168 86 219 41 51 346 85 422 624 39 774 855 906 U 25042 174 79 258 371 87 450 546 48 776 8t 26200 82 441 578 689 836 98 983 2 7037 136 48 74 220 56 308 88 489 527 658 797 997 28064 91 251 638[200] 737 811 64 78 971 29018(150) 73 114 208[300] 431 570 833 81 927 30170 97 313 410 19 79 560 716 82 830 74 995 3 1 083 120 219 99 646[150] 715 821 915 3 2001 158 94 337 526 92 616 932 3 3060 106[lopj 43 62 372 99 437 539 600 10 89 881 34 030 475 615 50 869 70 971 35263 326 92 692 693 720 66019 79 101 28 85 92 212 22 51 326 90 519 41 773 996 8 7018 95 155 69 203 52 63 69 73 332 500 44 689«8003 224.35 320 56 400 35 604 37 46 709 29 904[200] 86018 130 41 2.34 63.3 748 46000 164 221 65 301 93 406 34 635 870[200] 94 4 1 060 1150) 83 235 48 310 616 814 963 72 4 2081 154 269 709 31 74 808 56 4 3024 73 97 303 19 59 403 50 643 700 45 50 76 916 4 4078 227 596 625 786 45204 15 58 68 323 80 81 435 93 96 563 699 745 804 87 900 46121 229 324 403 14 553 77 654 859 4 7083 600 794 805 913 4 8014 36 220 73 395 456 913 40112 36 54 202 28 89 422 517 47 771 72 801 50218 361 90 607 12 81 721 40 78 890 914 51125 451 521 603 784 827[2001 31 914 22 580:15 100 40 256 86 322 517[300] 48 625 733 834 43 48 917[150] 47 92 53190[150] 93 1150] 233 51 75 11501 491 582 780 888 54125 268 607 40 60 707 888 5 5001 138 289 369 7o2 82 56021 114 94 322 80 92 712 57122 56 95 281 90 464 613 71 847 914 92 6 8077 128 405 20[200| 79 521 710 920 23 46 56 68 6 0021 139 249 60[300] 827 61 468 606 18 862 919 82 66083 87 217 40 65 400[200] 8 80 901 0 1045 143 61 68 99 237 321 4*8 532 696 829 989 6 2003 25 127 54 90 381 406 69 81 536 741 80.803 6 985 63169 282 468 69 97 653 714 33 818 53 60 918 46 51 67 6 4039 107 214 360 79 409 605 83 656 846 64 74 982(2001 6505) 37 59 81 87 149 82 233 361 476 618 86 738 81 83 6 6017 58 71 115 27 47 295(200j 388 400 520 41 809 927 6 7070 237 68 325 64 413 85 599 665[1501 796 811 44 60 970 89 68040 78 99[3001 144 224 90 353 405 53 594 ffist 744 80* 60037 78 296 530 89 66[150! 948 88 76102 52 85 388 416 48 535 84 623 844 957 7* 71018 203 321 63 429 91 564 614 723 42 61 83 874 965 78014 141 237 308 0 415 38 698 854 67 7 8002 144 84 298 337 490 591 97 1150) 719 30 57 827 925 7 4011 30 66 121 282 83 372 404 74 99 672 705 45 971 75082 293 317 »4 447 61 77 83 616 84 719 78 922(1501 97 7 6090 159 80 202 16 315 663 734 827[1501 50 946 7 7143 62 72 79 454 560 727 4978 876 946 69 m i« ns.fiurm s v-"«»»«« m Wimm 7¥«S&™ ill m»»ots '«9» 5so äm-täi s 930 74 108030 50 51 101 26 69 99 227 120099(3001 892 402 10 732 68 820 41 995 181088 85 15 570 71 81 648 94 804 1 8 1009 1 35126 30 85 328 612 780 86 895 1 36004 �818217�� 84 43(F 671 787 711 53%4�1 80037 62 278-j i« � j�|;; 87 90 167 JW � 5», 14 1 081 169 291 309 50 99■ St SA?» W K. 79 140052 501 73 95[150] 747 802 953 82 7S Z M SfSKIk 85 623 728 43 76 1 54001 52 122 9�50�97%' ko'oO-J 1 157211 43 358 505 632 IE äS# 37 808 1 67013 87 128 221 365 13001 471" 960 1 08168 266 367 473 515 16 69 6r' 80 127 98 369 408 58 589 602 7 35 822 0. 170051 III 53 224 386 633 604 60 739 823 86 67 223 41 303 414 676 87 788 1 78082 186 457 534 35% 651�716�98 801'' 1 750)0 272*317»M SfßSl'601 � %&%%% SS««««vHAeM % Awjsww.aa as-[WkSA'-M 864 410 45 684 766 88 817 623 70 994 984 1 Ä#§ 540* 839 918 96|■■ fät"n W°! IÄ tÄ w"• Beilage zum Berliner Bolksblati. Nr. 263. Mittwoch, de« 10. Kavemder 1886. 3. Jahrg. 8um �arnpf der eingetriebenen �iffsluffen mit den©rtsiranJenbaffen. �..�ir veröffentlichen in Nachstehendem wörtlich das Reichs- i!? m�enntniß in dem Streit zwischen Mitgliedern der ört- uyen �Verwaltungsstelle der Zentralkaffe der Tischler und der �?�uer Ortskasse>>. Wir bemerken ausdrücklich, daß das «w; iwar präjudiziell für andere Fälle ist, aber nur die gM" betrifft und daß in jedem anderm Falle aufs Neue ge- opriiH�en kann, wo immer wieder der Inhalt der Stawten cyluch geprüft und danach entschieden werden wird. Im Namen des Reichs. a? gegen das Urtheil des Ersten Zivilsenats des Königs. ein..,.��berlandesgerichts zu Dresden vom 24. Febr. 1886 R-n n Revision wird zurückgewiesen und die Kosten der lwusinstanz werden den Rcvifionsklägem auferlegt. Von Rechts Wegen. Thatbestand. n.fj�r, na(b dem Gesetze vom 7. April 1876 errichtete ein- 1 �ilfskasse„Zentral- Kranken- und Sterbekasse der in-k. V'b anderer gewerblichen Arbeiter in Hamburg" hat lyrer Zulassung von der zuständigen höheren Verwaltungs- vT�be dortselbst die Bescheinigung erhalten, daß die Statuten . ben Vorschriften des§ 75 des Gesetzes, betreffend die rankenversscheiung der Arbeiter, genügen. - Kläger sind Mitglieder dieser Kasse. Dieselben stehen Als, Zeit als Tsschlerachilfen in Dresden in Arbeit. solche wurden sie angehalten, der auf Grund des �.�'snversicherungsgesetzes vom 15. Juni 1883 für den �emerndebezirk der Stadt Dresden errichteten Ortskranken- umfassend»inter Anderen» die Industrie der M- und Schnittstoffe, als Mitglieder beizutreten. Zum Theil ff ln Folge dessen Beiträge geleistet, zum Theil sind ■gnen dix entsprechenden Beiträge von ihren Arbeitgebern am Lohn gekürzt und innebehalten. Als Mitglieder jener Hamburger angeschriebenen Hilfskasse bestreiten sie ihre Verpflichtung zum Emtritt in die Ortskrankenkasse. Der Stadtrath zu Dresden r, als Aufsichtsbehörde im Sinne des§ 58 des Krankenver- slcherungsgesetzes— hat ihren Widerspruch als unbegründet iurückqewicsen und sie zur Zahlung der ferneren Beitrage ver- Uttheilt. Innerhalb zwei Wochen nach Zustellung dieser Ent- lcheidung haben Kläger den Rechtsweg betreten, mdem sie Wittels Klage zum Königlichen Landgerichte zu Dresden den Antrag gestellt haben die Entscheidung des Stadtraths wieder Auszuheben, die Rückzahlung der Beiträge, soweit solche geleistet, lestenL der beklagten Ortskrankenkaffe» zu Dresden anzu- Unen, und festzustellen, daß sie als Mitglieder der Hamburger Mskasse vom Beitritt zu jener Ortskrankenkaffe und von der Eitting von Beiträgen befreit seien. o, Vom Landgerichte ist mit Uttheil vom 5. Januar 1886 der statt gegeben; auf Berufung der Beklagten dagegen hat das deiche Overlandesgericht zu Dresden am 24. Februar 1886 TrJ uge abgewiesen und die Kläger nach Kopftheilen zur der Kosten verurtbeilt. Indem im Einzelnen auf den wird i ud und die Gründe dieses Urtheils Bezug genommen ritfun.* nun im Wesentlichen der Gedankengang des Be- $�«ichts hier skizzirt werden. Grunx Auffassung der Kläger, nach welcher durch die auf fleseH_ des Artikels 3 der_ Novelle zum Hilfskassen erthenf uc 1. Juni 1884 vom Senate der Stadt Hamburg Hilfst.- Bescheinigung, daß das Statut der Hamburger fohem».. um Voraussetzungen des§ 75 des Krankenver- flläne, �Sesetzes entspreche, die Frage der Befreiung der (in kg. un der Pflicht des Beittitts zu einer Ortskrankenkaffe Reichs;( Mal und bindend für alle Gemeindebehörden des heiaetr.« bkjahenden Sinne entschieden sei, sei der eine Richter werde« �?wse Ansicht könne nicht für begründet erachtet des R.!�.glicher Gesetzesvorschlag sei von einigen Mitgliedem Berich,.?�. tlO ausgegangcn, welche nach den stenographischen Äöalif!»•. e Intention verfolgten, den freien Hilfskassen die �Canken,.- 5 �hszeitiger Organisimng im Sinne des§ 75 des Morungsgesetzes zu sichern. Schon daraus ergebe sich, Me Bettimmimg einen ff''''" v«.***•.v die �Bung einen guten habe, auch wenn man ihr Noch kam,?/' tc dee Kläger wollten, nicht beimesse. Auch jetzt iur!�'mer Vorschrift Bedeutung zu. Die Kompetenz f�nkenn�Ä""� derjenigen Streitigkeiten nach§ 75 des Nen dem«'�"�escves, für welche die Frage, ob die Hilfs- fottrao/k;,! b des KrankenversicherungsgesetzeS genügten, eine äweifd m.l'-ix1""§ 58 oit. geordnet. Es lasse sich ein gesetz m f i11�1 annehmen, daß die sskovelle zum Hilfskasscn- wollen r'U'sspotenzbestimmungen jenes§58 habe eingreifen Nicht fi;,.% Entstehungsgeschichte dieser Novelle spreche Ohmden ol �ngkr. Wenn auch die Anttagsteller jenen weiter- htter d-s Hütten verfolgen wollen, so habe doch der Ver- ssMcachf �nodesraths ausdrücklich widersprochen und geltend fw VewPirl-ir'f Bescheinigung nichts weiter sein werde, als " wensttel. Dieser Auffassung sei von keiner Seite wider- --- cr>... V-.-r_____ V.. KW "Nstanz Qh, man zu einem von der Auffassung der ersten %u*%'%en Ergebnisse. Anssafluna der Kläger könne man sich nicht an- Gesen flQAetohn bestimmten Leistungen erstrecken dürfe. allgemein von den nach 8 6 zu ge- feede Sknf. Zugetreten und des einzelnen ausgefuhtt, daß feSstÄ Är würden. -va c e v-----* vtMBiane nicht die N!in GM des«Utus pro non scriptig zu achten, treffe nicht zu. denn so lange die Zulassung der eingeschriebenen Hilfskasse nicht wieder zurückgenommen sei, habe deren Statut in allen seinen Theilen Geltung für alle Betheiligten. Hiernach erscheine der Klageanspruch als unbegründet. Rechtzeitig haben die Kläger gegen dieses Uttheil Revision eingelegt. Bei der Verhandlung über dieselbe verlas der für die Revisionskläger erschienene Justizrath Arndts den Antrag, das Reichsgericht wolle das Uttheil des Berufungsgerichts auf- heben, die Bemfung der Beklagten gegen das Erkenntniß des Königlichen Landgerichts zu Dresden vom 5. Januar 1886 unter Veruttheilung der Beklagten in die Kosten auch der zweiten und dritten Instanz zurückweisen, oder sonst, was Rechtens erkennen. Diesen Antrag begründete derselbe, unter Vortrag des Thatbestandes und des größten Theiles der Ent- scheidungsgründe aus dem Berufungsuttheile in mündlicher Ausführung, worauf der Anwalt der Revisionsbeklagten den Antrag verlas und begründete, die Revision zurückzuweisen. Kommunales. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, den 11. November d. I., Nach- mittags 5 Uhr: Zwei Naturalisationsgesuche— einige Pensionirungs- und Anstellungssachen— Vorlage, betr. die Aufnahme eines Hospitaliten in die Wunderlich-Stiftung— desgl., betr. die Einberufung von auswättigen Lehrern in den hiesigen Gemeindcschuldienst zum 1. April 1887— desgl. betr. den Abschluß eines Vergleichs mit dem Kreisausschuß des Teltow'schen Kreises über die Kreis-Einkommensteuern der städtischen Rieselgüter im Teltow'schen Kreise— desgl., betr. die erfolgte Bauabnahme der neuen Gcmeindeschule Höchste Straße 34—35 und der Martthalle>> nebst Vordcrgebäuden an der Linden- und an der Friedttchsttaße— desgl., betr. den Ankauf des Grundstücks Kommunikation am Neuen Thor S— Iv zu Gemeindeschulzwccken— fünf Rechnungen— zwei Unter- stützungssachcn— Vorlage, betr. die Neuwahl von drei Bürger- dcputirten für die Gcwerbedeputation. * Petition. Der Bezirksverein der Oranienburger Vor- stadt hat beim Magistrat beantragt, auf der Strecke der Invaliden- und Louisenstraße eine Verbindung zwischen der Chaussee- und Gattensttaße herzustellen. * Die Grundsteinlegung zum neuen Polizeivräsidial- Gebäude am Alexanderplatz fand am Montag Nachmittag statt. In den Grund wurden hineingelegt: 1. die Urkunde über die Entstehungsgeschichte des Baues und des Projektes; 2. der Vertrag über die Erwerbung des Bauterrains und die Ueberweisung seitens des Fiskus r 3. das Bauprogramm; 4. Er- lauterungsbettcht, betreffend die Bauskizze; 5. das rothe Buch •(Personalnachweis der Kommunalbeamten) und 6. die Medaille auf die hundcrtjähnge Jubiläums-Kunstausftellung. Kretseinkommensteuer. Ebenso wie der Kreisausschuß des sstiederbarnimcr Kreises hat auch der Kreisausschuß des Teltower Kreises die Stadtgemcinde Berlin als Eigenthümettn der Rieselgüter Osdorf und Großbeeren alljährlich zu einer Kreiseinkommensteuer veranlagt. Der Maaifttat ist dagegen bei dem Bezirksausschusse m Potsdam klagbar geworden und die Entscheidungen stehen noch aus. In Nieder- barnim sind die schwebenden Streitsachen durch Vergleich beigelegt worden; dasselbe soll nunmehr auch im Kreise Teltow geschehen._ Lokales. Unser Artikel„Unter den Armen«nd Elenden in Berlin erinnctt einen Vcttchterstatter an folgende Erlebnisse und schreibt derselbe: Elend und Jammer waren nirgends mehr ziisammengchäuft, als in der stadtbekannten Penne des Frl- Otto in der Prenzlauerstraße. Schreiber dieser Zeilen hat häufig bei nächtlichen Razzias derartige Lokale besucht und will heute das Bild beschreiben, welches sich seinen Augen in jener Penne darbot. Durch Klopfen an der Thür verschaffte man sich Eintritt. Der Hausvater mit einer mächtigen Laterne führte uns in ein links gelegenes Zimmer, in welchem eine furchtbare Atmosphäre herrschte. Trotz der eisigen Kälte draußen strömte uns ein warmer, dicker, verpesteter Dunst entgegen, in dem eine große Zahl von Menschen im tiefen Schlaf ruhte. Da erblickte man keinen Strohsack, keine Bank und kein Wasser. An den Wänden entlang lagen Bassermann'sche Gestalten, mit aufgedunsenen Gesichtern, in zerlumpten Kleidern, manche fast nackt, dicht aneinander gepfercht, so dicht, daß eine Bewegung des Schläfers unmöglich war. Das Mobiliar bestand aus einem Billard, einem Tisch und einigen Stühlen. Selbst diese waren ganz besetzt und zwar von den Glücklichen, welche im Stande waren, 10 Pf. pro Nacht zu zahlen. In den meisten Fällen waren es Stammgäste, die jahrelang dieses trübselige Lager während der Nacht inne hatten. Auf dem Tisch lag ein älterer Mann, wie ein Igel zusammengekauett, den Kops auf die Brust gesenkt und mit den Händen stützend. Auf unsere ausgesprochene Befürchtung, der Schläfer könne her- untettallen und die um den Tisch herum Lagemden verletzen, wurde uns die Antwott:„Nich eenmal in den achter Jahren pafsitt, wo er bei de Otto'n pennt." Durch den Schein der Laterne und durch unsere Anwesenheit wurde mancher ermuntert, der unter Flüchen unsere Entfernung bei nacht- schlafender Zeit verlangte.„Aujust, stille, die Herren von oben", diese Worte des Pcnnenvaters genügten, um den Unwilligen zur Ruhe zu bewegen. Bei diesem Anblick bekam man den wahren Eindruck von dem tiefen Elend einer Millionenstadt, von der ttaurigcn Thassache, unter welchen Verhältnissen die Menschen überhaupt zu leben im Stande sind. Und doch, was wir in dem beschriebenen Zimmer sahen und erlebten, war noch menschlich im Vergleich zu dem Elend und Jammer, der uns in einem anderen Räume, in einem großen Pferdestall auf dem Hofe cntgcgenstartte. Neben Pferden auf dem Dünger schlummetten zahlreiche Gestalten, die man im ersten Augenblick gar nicht für Menschen hielt; erst im Scheine der Lateme über- zeugten wir uns, daß es wirklich lebende Menschen warm. Vor Frost klappcmd, verkrochen sie sich unter dem Strohdünger und bedeckten den ganzen Körper damit. In der Stille der Nacht entwand sich mancher Brust ein tiefer, klagender Seufzer, ein Wehklagen über Hunger und Durst, der Wunsch, von diesem Jammerleben bald erlöst zu werden- es war ein Bild des Schreckens, bei deffen Anblick selbst die hatt gesottenen Knirn- nalisten zu Thränen gerühtt wurden. Wir gaben reichlich, wo wir einen wachend fanden und flohen diese Statte des aller- größtm Elends. Das städtische Asyl ist in der That noch ein trautes Heim im Vergleich zu dieser Penne m dn Prenzlauer- sttaße. Und Fräulein Otto- die Dame ist durch die Pfennige ihrer Pennbruder eine sehr reiche alte Jungfer geworden. Im Rohrpostbetrieb ist abermals cme wesentliche Ver- besserung zu verzeichnen. Bei der Bestellung von Rohrpost- kartm mit bezahlter Antwott liegt dem ausfuhrenden Eilboten die dienstliche Verpflichtung ob, auf Wunsch des Empfängers die Ausfettigung der Antwott bis zu fünf Minuten abzuwarten und die Antwottskarten unmittelbar und unentgeltlich an das nächste Rohrpostamt zu überbringen; die Weiterbeförderung erfolgt alsdann mit dem nächsten, in der Richtung der Woh- nung des neuen Adressaten abgehenden Rohrpostzuge. Für dm schriftlichen Korrespondenzverkehr im Stadtverkehr von Berlin,. einschließlich Eharlottenburg, bietet diese Bestelleinrichtung die zulässig größte Schnelligkeit, indem die Rohrpostzüge in Ab- ständen von 15 Minuten mit einer Geschwindigkeit von noch nicht einer Minute pro Kilometer befördett werden und die Rohrpoststationcn— zur Zeit 33 an der Zahl— deratt über das Weichbild der Stadt verbreitet sind, daß die Bestellgänge der Eilboten in den einzelnen Revieren nur eine verhältniß- mäßig kurz bemessene Zeit erfordern. Rohrpostkarten mit be- zahlter Antwott können bei sämmtlichen Postanstaltcn in Berlin und Eharlottenburg eingeliefett und von denselben zum Preise von 50 Pf. für das Doppelstück bezogen werden. Es ist dafür gesorgt, daß, wenn die Einlieferung nicht unmittelbar bei einer Postanstalt mit eigenem Rohrpostbetriebe geschieht, deren Ueber- Weisung an das nächste Rohrpostamt ohne jeglichen Verzug be- wirkt wird.— Bei dieser Gelegenheit sei eine irtthümliche Mittheilung über den Fernsprechbetrieb berichtigt, welche durch fast sämmtliche Zeitungen lief. Es heißt da: die Zahl der An- schlüsse im Fernsprechbetrieb der Stadt Berlin beziffere sich jetzt auf 20 000. Es soll anscheinend heißen: die Zahl der Telephon- besitzer im Reiche. An die ehemaligen Mitglieder des Arbeiter-Bezirts- verein der Rosenthaler Vorstadt ergeht folgende Auftorde- rung: Nachdem unterm 30. v. M. die Liquidation über dm obengenannten Verein verhängt worden ist, ersuchen wir die- jenigen früheren Mitglieder, welche der Bibliothek leihweise Bücher überlassen haben, dieselben sofott beim Königl. Polizei- Kommissar v. Kracht, Molkenmarkt 1, Zimmer Nr. 17, als ihr Eigenthum zu reklamiren, ehe das Liquidationsverfahren beendet ist. Wir hoffen, daß die Bücherleiher nicht saumselig sein werden und die nöthigen Schritte thun werden, Der Kampf gegen das Geheimmittelwesen, der sich anfänglich des größten Beifalls zu erfreuen hatte, nimmt nach- gerade einen Charakter an, der doch dem entschiedensten Gegner des Gehcimmittclwesens ein Kopfschütteln abnöthigen muß. Wenn polizcilicherseits auf die Gefährlichkeit einzelner dieser angepriesenen Heilmittel hingewiesen wurde, so konnte man sich damit befreunden, weil damit den schädlichen Wirkungen bei unvorsichtigem Gebrauch vorgebeugt wurde. Bedenklicher ist es schon, wenn die Polizei Fälle öffentlich bekannt gicbt, in denm die Bestandtheile eines Geheimmittels, wenn man dieselben einzeln in der Apotheke einkauft, sich erheblich billiger stellen als der Preis des ganzen Heilmittels; in diesem Falle vergißt man nämlich, daß der Erfinder des Heilmittels sich eben seine„Er- findung" bezahlen läßt, wie der Arzt sein Rezept. Was soll man aber angesichts dieser Wamungen des Publikums dazu sagen, wenn selbst die ärztlich geprüften Herren Kollegen sich unter einander mit Geheimmitteln heimsuchen?— Hiesigen Aerzten ging vor einiger Zeit ein Zirkular des Zahnarztes Grohnwaldt zu, welcher sich erbot, den Herren Aerzten ein Mittel zu liefern, welches ermöglichen sollte, sämmtliche kleinere Operationen ohne Anwendung der bekannten Betäu, bungsmittel mit absoluter Sicherheit durchaus schmerzlos aus- führen zu können. Das Mittel soll, in bestimmter Weise an- gewendet, an der zu opcrirendcn Stelle Empfindungslosigkeit hervorrufen. Man muß zugeben, daß die Idee, wenn sich ihre praktische Ausübung bewähtte, von großer Bedeutung sein müsse. Was thun aber die Antigeheimmittler? Sie bekämpfen das neue Mittel, von dem sie als naheliegend vermuthen und auch nach Mittheilungen aus authentischer Quelle wissen wollen, daß es eine Kokaineinspritzung sein soll,— hauptsächlich aus dem Gmnde, weil der Erfinder das Geheimniß der Zusammensetzung für sich behält. Das ist denn doch eine recht häßliche Schatten- seitc des Kampfes gegen die Geheimmittel und es wäre viel- leicht sehr zweckmäßig, ivenn die Behörden in ihrem Eingreifen bei diesem Kampfe recht vorsichtig ivären, zumal ja auch die Herren Physizi, die für das behördliche Verhalten von großem Einflüsse sind, in ihrer privatärztlichen Stellung leicht zu ein- festigen Anschauungen über den Wetth und die Bedeutung eines Gehcimniittels gedrängt werden können. Zur Selbstmord-Affäre des Stadtverordneten Krebs weiß das„Berl. Tagbl." zu berichten, daß die von demselben unterschlagenen Mündelgelder die beträchtliche Höhe von 165 000 M. erreichen sollen. An diesem Bettage partizipiren die vier erbberechtigten Kinder des verstorbenen Weißivaaren- Händlers Blut aus der Friedrichsttaße. Krebs, der schon seit Jahren in mißlichen Vermögensverhöltnissen sich befunden hat und auch nicht mehr mit seiner Familie zusammenlebte, sollte einer Erbin, welche mündig geworden war und sich zu ver- Heirathen beabsichtigte, die ihr zustehende 5zinterlasscnschaft herausgeben. Er war hierzu aber nicht im Stande, weil er die ihm anvertrauten Gelder angegriffen und nach nach ganz ver- braucht hatte. Das ihn drängende Mündel suchte er mit aller- Hand Ausflüchten hinzuhalten, bald jollte das Geld bei dieser Bank, bald bei jener untergebracht sein, dann wollte er wieder den Depotschein verlegt haben u. dgl. Die durch dieses Gebühren ängstlich gewordenen Erben riefen die Hilfe des Vor- mundschaftsgerichts an, welches die Veruntreuungen auch fest» stellte. Krebs wußte nun, daß er seinem Schicksal nicht mehr entgehen könne; er zog zunächst aus seiner zeithcrigen Woh- nung in der Jemsalemersttahe 58, in der ihm eine Witth- schafterin den Haushalt gesühtt hatte, nach einer möblitten Wohnung in der Schützenstraße 27. Die gegenüber wohnenden Becker'schen Eheleute, die einen Obst- und Grünkramhandel betteiben, übernahmen beim Herrn Krebs die Aufwattung. Am Donnetttag hat ihn Herr Becker zum letzten Male gesehen. K. war zu ihm hinübergegangen und hatte ihm die Schlüssel zu seiner Wohnung mit dem Bemerken übergeben, daß er zur Wahl gehe. Vorher hatte er an seine Wohnungsthür einen Zettel des Inhalts angeheftet, daß die für ihn bestimmten Briefe bei den Becker'schen Eheleuten abzugeben seien. In der Nacht zum Freitag war K. nicht zu Hause gewesen; am Freitag früh erhielten die Becker'schen Eheleute eine Postkatte, durch welche K. mittheilte, daß er früh keinen Karree wünsche, dagegen solle sein Zimmer geheizt werden, weil er im Laufe des Tages heimkehren werde. Von da ab fehlte jede Nachricht über Herrn Krebs, der am Sonnabend Mittag in der geschildetten Wesse seinem Leben ein gewaltsames Ende bereitet hat. Gin angenehmer............. marke berichtet die seit längeren„,-------------------- lonialivaaren von einem Handlungshause in Magdeburg bezog, war mit den Lieferungen derselben in letzter Zeit nicht immer zufrieden. Es kam zwischen beiden Firmen wiederholt zu Differenzen, die endlich ihren Ausgang in einem Prozeß nahmen, in welchem die Magdeburger Firma durch alle drei Instanzen verurtheilt wurde, einen großen Posten Waare, der ihr von Seiten des hiesigen Hauses zur Disposition gestellt worden war. zurückzunehiiien. Die beiden Firmen hatten bei dieser Gelegen- heit gleichzeitig abgerechnet, und das Magdeburger Haus, wahr- �cbeinlich ergrimmt über den verlorenen Prozeß, die großen Kosten und die von hier aus aufgelöste Handelsverdindung. schrieb zum Schlüsse seines letzten Briefes an den Inhaber der hiesigen Firma wörtlich folgendes:„Schließlich ersuche ich Sie, angesichts dieses sich zu Ihrem Rechtsbeistande zu begeben und demselben die Frage vorlegen zu wollen, ob es wohl eine Be- leidtgung involvire, wenn ich Ihnen schreiben wurde: Sie sind «in ganz gemeiner............"(Das Schimpfwort war ausgeschrieben, ist aber hier nicht wiederzugeben.) Diesen Gefallen hat denn auch unser Handelsherr dem Magdeburger ?ethan und von Seiten seines Rechtsanwaltes den Rath er- alten, gegen den Briefschreiber im Wege des Jnjurienprozesses www/"�Antragsteller". sp�niichteU in den Vereinen ist der Mann mit dem„Antrage". Derselbe befitzt ■eine wahre Sucht, alle seine Wunsche und Mittheilungen, und wären dieselben noch so bescheiden und geringfügiger Natur, in Form von„Anträgen" zur Geltung zu bringen. Kaum, daß die Sitzung begonnen, und das Protokoll der letzten Vcrsamm- llung verlesen worden, so stellt er den Antrag, das Protokoll anzunehmen, während es überhaupt sonst als angenommen be- ttrachtet wird, wenn kein Widerspruch dagegen erhoben wird, oder er stellt den Antrag, diese oder jene kleine redaktionelle Aenderung vorzunehmen, die thatsächlich von nicht dem geringsten Belang ist. Ist der Hauptvortrag vorüber und schlägt der Vor- fitzende daraus eine Pause von fünf Minuten vor, so stellt er den Antrag, diesen Vorschlag zu akzeptiren, oder er stellt den Antrag, die Pause einige Minuten länger dauern zu lassen. Kurz, bei der geringsten Veranlassung, handelt es sich dabei auch um völlig gleichgiltigc Dinge, stellt er seine„Anträge", ohne die er nickt leben und nicht sterben könnte. Jm Uebrigen ist er höchst harmlos; die Vereinsbrüder kennen ihn mit seinen Eigenheiten und haben sich schon derartig daran gewöhnt, daß fie im bestimmten Augenblicke die Stellung irgend eines„An- träges" von ihni mit pünktlicher Genauigkeit voraussehen, ja er- warten dürfen. Wehe aber der parlamentarischen Körperschaft, der unser„Antragsteller einmal als Mitglied angehören sollte, fie käme vor lauter„Anträgen" nie und nimmer über den ersten Punkt der Tagesordnung hinaus. Berliner Kinder. Auf dem asphaltirten Trottoir in der Marianncnstraße amüsirte sich eine ganze Schaar Knaben mit dem beliebten Springspicl, das unter Einbringung einer Kreide- Zeichnung auf dem Boden ausgeführt wi rd. Der im Keller des Hauses wohnenden Alten mochte das laute Spiel wohl verdrießen und sie goß deshalb einen Eimer Wasser über die Kreidefigur. Die VUmgen machten eine neue Zeichnung dicht neben dem nassen Flecken, aber wiederum erschien die Alte mit einem zweiten Eimer voll Wasser und hinderte das Spiel, na- türlick nicht ohne den üblichen Protest der Herren Jungen, die nun Rache brüteten und diese in einer Form zum Ausdruck brachten, welche in ihnen würdige Bürger eines zukünftigen Rechtsstaates erkennen läßt. Unter Führung des Aeltesten gmg es zum nächsten Schutzmann, der mit dem üblichen und ein- nehmenden„Herr Wachtmeester" angeredet wurde, und dem man erzählte, daß die Alte zwei mal schmutziges Wasser auf das Trottoir gegossen habe. Der Mann des Gesetzes prüfte den Thatbestand an Oft und Stelle, verbot den Jungen ernst- lich das Bemahlen des Trottoirs und notifte die Alte zur Be- strafung. Vor der Kellefthür aber standen die Jungen und es konnte kaum zweifelhaft sein, auf wen ihr lautes„Actsch, Aetsch" gemünzt war. Die Hungerleider-Kuren scheinen epidemisch zu werden. Neuerdings hat sich ein Steiermärker, Namens Anton de Cftnis, in Koblenz wohnhaft, an den'„Verein deutscher Aerzte zu Berlin", der, beiläufig bemerkt, gar nicht existirt, mit dem An- erbieten gewandt, hier eine 40tägige Hungeftnr zu veranstalten. Er will nur 30 000 M. garantirt haben. Der Bftef ist natür- lich unbeantwortet geblieben. Wer sollte auch wohl in Berlin dafür 30 000 M. aufbringen» wo für deraftige Kraft- leiswngen durchaus kein Boden vorhanden ist. Des Mühlendammes zweiter Theil verfällt jetzt dem Abbruch. Tie Bewohner scheinen sich aber nur schwer von der altgewohnten Stätte zu trennen. Denn während es über ihnen schon kracht, sitzen noch in verschiedenen Läden die Ver- käufer fest. Ein Krachen und Knacken im Mauerwerk versetzte am Freitag Abend zwischen 8 und 9 Uhr die Bewohner eines auf dem Grundstück Mühlenstraße 65 stehenden vierstöckigen Hintergebäudes in Aufregung. Die sofort vorgenommene Unteftuchung ergab, ldaß die Fassade des nach der Spree zu gelegenen Flügels erhebliche, theilweise fingerstarke Risse und Sprünge zeigte, und wurde den Bewohnen,, fünf Arbeiter- familien, polizeilich aufgegeben, bis Sonnabend Mittag späte- stens die Wohnungen zu räumen, da andernfalls die Feuer- wehr requinft werden müsse. Die Lage der so plötzlich obdach- los Gewordenen soll eine höchst üble sein, da bis zum Augen- blick noch keine Familie sich eine neue Wohnung beschaffen konnte. Der berüchtigte Einbrecher Krüger, über dessen unter abenteuerlichen Umständen eftolate Ergreifung in Köln a. Rh. wir vor einiger Zeit beftchteten, hat eine bemerk enswefthe Vorstrafe hinter sich, die in den jüngsten Mittheilungen nicht er- wähnt worden ist und danim hier noch nachgetragen sei. Krüger befand sich vor einer Reihe von Jahren in einer Unter- offizierschule— wenn wir nicht irren, in Potsdam—, deseftifte doft, kam nach Berlin und überfiel in Moabit im Laden eines Drogucnhändlers, bei dem er erst eine Kleinigkeit kaufte, den Geschäftsinhaber, dem er eine lebensgefährliche Verletzung am Kopfe beibrachte. Er wurde deshab wegen veftuchtcn Todt- schlags zu 3 einhalb Jahren Zuchthaus veruftheilt, welche Strafe er auch verbüßt hat. Diese That, die damals unge- heures Aufsehen erregte und vielen Berlinern noch im Ge- dächtniß sein dürfte, bildete den ersten Schritt Krügers auf der Verbrecherlaufbahn. Welches wird sein letzter sein? Der 20 Fahre alte obdachlose Kaufmann D. hat in der vorletzten Nacht eine Unter den Linden aufgestellte Pftvat- Bedürfnißanstalt mittels Nachschlüssels geöffnet und aus der- selben das Wechselgeld im Betrage von 3,60 M. gestohlen. D. wurde von einem Schutzmann ber der That betroffen und verhaftet. Mit einem werthlosen Dokument der Franksufter Raten- und Rentcnbank, welches znr Begleichung der Zeche in Zahlung gegeben wird, veftucht gegenwäftig ein unbekannter Schwindler in Restaurationen die Kellner zu betrügen. Ein Schwindler. Dem Spediteur K. aus Strausberg, welcher die ihm zur Beförderung übergebcnen Güter im hiesigen Ordonnanzhause in der Neuen Königsstraße in Empfang nimmt, übergab am 5. d. M. Nachmittags ein unbekannter junger Mann eine Kiste nebst Bftef, adressift an einen Kaufmann H. in Strausberg gegen eine Nachnahme von 53 M. 85 Pf. K. nahm keinen Anstand, die geforderte Nachnahme an den jungen Mann zu zahlen, da deraftige Geschäfte bei ihm täglich vorkamen. Als K. am folgenden Tage die Kiste an H. abliefern wollte, und letzterer die Annahme verweigefte, wurde Kiste und Brief geöffnet. Erstere enthielt vier Stück Holz, alte Säcke und Lumpen, während sich in dem Bftefum- schlag Zeitungsabschnitte befanden. Weitere Ermittelungen bft der auf dem Kouveft gedruckten Firma ergaben, daß eine solche in dem angegebenen Hause nicht existift, und daß bereits ein ahnlicher Fall vorgekommen war. Der Schwindler ist etwa 25 Jahre alt, 1,65 Meter groß, von schlanker Gestalt, hat blonde Haare, kleinen blonden Schnurrbaft und war bekleidet mit einem dunklen Jaquct und rundem schwarzen Hut. Aus Rache. Der Maler H. unterhielt seit einigen Monaten mit der Wittwe G. ein Liebesverhältnrß und versprach, dieselbe später zu Heirathen. Vor einigen Wochen erfuhr jedoch die Wittwe, daß ihr angeblicher Bräutigam bereits verhftrathet und auch schon Vater sei, weshalb fie das Vcrhältniß löste und sich weitere Besuche seitens des H. verbat. Um sich wegen der ver- schmähten Liebe zu rächen, lauefte H. gestern der®. auf dem Flur oes Hauses Aleranderstr. 55, woselbst letztere beschäftigt ist, auf und goß ihr eine Quantität Salzsäure in's Gesicht, wodurch die G. so schwer verletzt wurde, daß fie bis jetzt noch nicht vernommen werden konnte. Nach dem ärztlichen Gut- achten ist ein Auge der Sehkraft beraubt. H. wurde heute zur Haft gebracht. Bewegung der Bevölkerung Berlins nach den Ver- öffentlichunqen oes statistischen Amts der Stadt. Die foftge- schftebene Bevölkerungszahl betrug am 16. Oftober inkl. der nachttäglichen An- und Abmeldungen 1 348 017, hat sich demnach gegen die Woche vorher um 3642 Seelen vermehft. In der Woche vom 17. bis 23. Ottober wurden polizeilich ge- meldet 6117 zugezogene, 2174 fortgezogene Personen; standesamtlich wurden 515 Ehen geschlossen. Geboren wurden 854 Kinder, und zwar lebend: 424 männliche, 403 weibliche zusammen 827(darunter 83 außereheliche), todt 16 männliche, 11 weibliche, zusammen 27(darunter 6 außereheliche) Kinder. Die Lebendgeborenen, aufs Jahr berechnet, bilden 32,0, die Todtgeborenen 1,0 pro Mille der Be- völkerung, die außerehelich Geborenen 10,42 pCt. aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Lebendgeborenen 10,03, die bei den Todtgeborenen 22,22 pCt. In der kgl. Charitee und Entbindungs-Anstalt wurden 35 Kinder geboren. Gestorben (ohne Todtgcborene) sind 586, nämlich 313 männliche, 273 weibliche Personen. Von diesen waren unter 1 Jahr alt 207(inkl. 39 außereheliche), 1 bis 5 Jahre 95(inkl. 6 außerheliche), 5 bis 10 Jahre 13, 10 bis 15 Jahre 2, 15 bis 20 Jahre 9, 20 bis 30 Jahre 28, 30 bis 40 Jahre 48, 40 bis 60 Jahre 86, 60 bis 80 Jahre 80, über 80 Jahre 18. Die Sterbefälle heim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 51,54 pCt. sämmt- licher in dieser Woche Gestorbenen aus. Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Kindem starben 72 im ersten, 28 im zweiten, 25 im dritten, 12 im vierten, 15 im fünften, 9 im sechsten, 46 im siebenten bis zwölften Lebensmonate: von denselben waren ernährt 32 mit Muttermilch, 2 mit Ammenmilch, 91 mit Thiermilch, 5 mit Milchsurrogatcn, 43 mit gemischter Nahrung, von 34 war es unbekannt. Todes- uftachen waren besonders: Lungenschwindsucht(62), Lungenentzündung(32), Bronchialkatarrh(17), Kehlkopfentzündung (15), Krämpfe(26), Gehirnschlag(19), Gehirn- und Gehirnhautentzündung(19), Krebs(28), Altersschwäche(13), Lebensschwäche(42), Abzehrung(23), Masern(4), Scharlach(6), Diphtherie(43), Typhus(4), Diarrhöe(32), Brechdurchfall(23), an andern Krankheiten starben 172 und durch Selbstmord 6, durch Eftchießen 1, durch Erhängen 2, durch Vergiftung 3. Die Sterblichkeit der Woche auf das Jahr berechnet, kommen durchschnittlich auf 1000 Bewohner in Berlin 22,9, in Breslau 26,6, inFrankfuft a. M. 20,2, in Köln 23,51, in Dresden 23,9, in München 31,4, in Bremen 14,7, in Stuttgart 18,2, in Wien 21,3, in Paris 21,8, in London 17,7, in Liverpool 24,0. In der Woche wurden dem Polizeipräsi- dium gemeldet als erkrankt an Typhus 42, an Masern 55, an Scharlach 68, an Diphtherie 185. In den 9 größeren Kranken- hä rsern wurden in der Beftchtswoche 847 Kranke aufgenommen, davon litten an Masem 2, an Scharlach 12, an Diphtherie 57, an Typhus 17, an Rose 11. Es starben 141 Personen oder 24,1 pEt. aller in der Woche Gestorbenen; als Bestand ver- blieben 3660 Kranke. Berliner Asylverein für Obdachlose. Im verflossenen Monat Oktober nächtigten im Männcrasyl 9133 Personen davon badeten 1136 Peftonen, im Frauenasyl 1886 Personen, davon badeten 181 Personen. Im Arbeitshause befanden sich am 1. Oktober d. I. 88 Familien mit 340 Peftonen. Am 1. November war der Bestand 74 Familien mit 295 Peftonen. Polizei-Bericht. Am 8. d. Mts., Vormittags, wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Köpnickeftttaße todt im Bette liegend vorgefunden. Da deftelbe am Abend vorher sinnlos bettunken auf der Treppe vor seiner Wohnung liegend auf- gefunden worden war, so ist anzunehmen, daß er in Folge übermäßigen Genusses von Spirituosen gestorben ist. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— Um die- selbe Zeit wurde auch die unverehelichte Anna Töpfer in ihrer Wohnung, Mofttzsttaße Nr. 1, todt im Bette liegend vorgefunden. Nach ärztlicher Feststellung ist der Tod in Folge Herzschlages erfolgt.— Nachmittags fiel der Kutscher Bieftreund durch eigene Schuld vor dem Hause Fruchtstraße Nr. 65 von dem von ihm geführten Arbeitswagen während der Fahrt herab und wurde am rechten Fuße übeftahren, so daß er mittelst Droschke nach dem Krankenhause im Fftcdrichshain gebracht werden mußte.— Ebenfalls am Nachmittag brachte sich im Thiergarten in der Nähe des Floraplatzcs ein etwa 26 Jahre alter Mann mittelst eines Revolvers einen Schuß in die Bmst bei. Er wurde schwer verletzt aber noch lebend nach der Charitee gebracht.— Am Abend erhängte sich in einer Tischlerei am Tempelhofer User der Werkführer. Gerichts-Ieitung« Der Spremberger Krawall vor Gericht. (Schluß des ersten Verhandlungstages.) Bürgermeister Wirth bekundet auf Befragen des Präsi- deuten: Es haben in Spremberg mehrfach sozialdemokratische Versammlungen, in denen Berliner Abgeordnete gesprochen haben, stattgefunden. Vor etwa 2 Jahren trat Hasenclevcr als Redner auf. Ich sah mich veranlaßt, diese Veftammlung wegen einer Aeußerung Hasenclevcrs aufzulösen. Es gelang uns nur mit Mühe, das Lokal zu räumen. Als wir auf die Sttaße kamen, wurden wir von der Menge mit Steinen bewoften. Es haben außerdem in Spremberg Begräbnisse mit sozialdemokrati- scheu Dcmonsttationen stattgefunden, in veftchiedenen Wirth- schatten, Zigancnhandlungen hat der„Sozialdemokrat ausge- legen, ob aber alle diese Vorgänge mit dem in Rede stehenden Krawalle in Verbindung stehen, weiß ich nicht. Auf Befragen des Staatsanwalts bemerkt der Zeuge noch: Der„Sozialdemokrat habe in der Zigarrenhandlung von Bergens, in der Gastwirthschaft von Bitter und bei einem Tuchmacher ausgelegen. Außer dem„Sozialdemokrat seien viele Exemplare eines sozialdemokrattschen Liederbuchs bei Haus- suchungen gefunden worden. Es wird hiernach noch einmal der Tuchmacher Tittel, der aus der Haft vorgeführt wird, vernommen. Auf Vorhalten des Präsidenten giebt der Zeuge zu: Er habe sich im Monat Juli aus eigenem Anttiebe einmal zu dem Unteftuchungsftchter führen lassen und diesem gesagt, er habe wohl der sozialdemokratischen Partei angehört, habe aber eingesehen, daß er dadurch nur Schaden habe. Der Zeuge er- läutert diese Aussage, daß er nicht Mitglied, wohl aber An- Hänger der sozialdemottatischen Partei sei.— Präsident: Sie haben nun zu dem Herrn Unteftuchungsftchter ge- sagt: Die sozialdemokratische Agitation in Spremberg habe den Krawall veranlaßt?— Zeuge: Ich wiederhole, ich habe im Gegenthcil gesagt, die sozialdemokratische Agitation habe mit dem Krawall absolut nichts zu thun. Ich bin uberzeugt, nicht ftner der gegenwärtigen Angeklagten weiß, was Sozialdemokratie bedeutet.— Die Sitzung wird hieraus gegen 6'» Uhr Abends auf morgen(Dienstag) Vormittags 9 Uhr vertagt. Präsident, Landgeftchtsdirektor Ritgcn, eröffnet gegen 9 Uhr Vormittags wiederum die Sitzung und beginnt mit der Ver- nehmung der Angeklagten über ihre Bethclliaung an dem Kra- wall. Die Angeklagten erklären rm Allgememen, sie seien nur so zufällig, thells durch den Lärm veranlaßt, theils well sie ihr Weg dort voftibeftübrte, zu dem Krawall hinzugekommen, sie haben sich aber nicht unter der Menge befunden, die von den Beamten zum Auseinandergehen aufgefordert wurde.— Die Belastungszeugen, ganz besonders Polizeiwachtmeister Hubrich, widerlegen diese Behauptungen, während einige Entlastungs- zeugen die wesentlichen Angaben der Angeklagten bestätigen. Der Präsident hält einigen der letzteren vor, daß fie bei ihrer ersten geftchtlichen Vernehmung anders ausgesagt haben. Einem der Entlastungszeugen, der erklärte: Er habe wohl fingen ge- hört, wisse aber nicht, was für ein Lied gesungen worden, wird vom Präfidenten bemerkt: Er habe ber dem Unteftuchungs- ftchter gesagt, es sei das Lied aus dem sozialdemokratischen Liederbuch:„Es geht ein Ruf von Land zu Land" gesungen worden. Der Angeklagte Arndt bewerft: Er sei durch Zustill wohl unter die Menge gekommen und habe auch die Aufforderung des Wachtmeister Hubftch zum Auseinandergehen gehört, off ihn persönlich sei diese Aufforderung jedoch nicht ergangen.— Präs.: Sind Sie denn der Meinung, daß der Beamte an jeden Einzelnen herantteten muß und sagen:„Haben Sie die Güte, sich zu entfernen?"— Angeklagter schweigt.— Wachtmeister Hubrich: Arndt hat sich ganz direkt unter der skanda- lirenden Menge befunden. Ich sagte noch zu Arndt:„Schämen Sie sich, Sie haben mir im Schützenhause noch ftne Zigarre angeboten und jetzt betheiliaen Sie fich an solchem Krawall. Der Angeklagte Frost bekundet, daß er dem Säbischka das rothc Taschentuch geliehen, um es an einen Stock zu binden. Es sei zunächst das Lied aus dem sozialdemokratischen Lieder- buche:„Laßt die Fahnen fliegen" gesungen worden. Er habe sich allerdings unter der Rkenge befunden, habe sich aber sofort entfernt, als Hubftch zum Auseinandergehen aufgefordert hatte. — Hubftch weiß bezüglich des Foftt nichts zu bekunden. Der 18 jährige Angeklagte Rubendunst, der in der folgen- den Anklage, die wegen des Exzesses am Abende des 1. Mm erhoben worden, Hauptangcklagter ist, will ebenfalls nur am Neugier zu dem Krawall hinzugekommen sein. Er habe# aber nicht in dem Haufen befunden und habe fich auch, dck Aufforderung des Hubrich gemäß, sofort entfernt. Die Beweisaufnahme ergiebt kein anderes Resultat. Zu bemerken ist hierbei, daß nicht, wie gestem irrthümlich beruft» worden, der Tuchmacher Tittel, sondern der Spinner Maltusv an Rubendunst geschfteben: Er habe die Absicht, den neuen „Putz", der ihn ins Gefängniß gebracht, zu eftchießen- Maltusch, der, aus der Haft vorgeführt, heute als Entlastung zeugen für Rubendunst erscheint, giebt zu, einen solchen Bnei geschfteben zu haben. Es tritt hierauf eine längere Pause ein- Der Angeklagte Keil, der gleich nach der Pause vernommen wird, bemeftt: Er sei zufällig zu dem Krawall hinzugekommen' aber nicht unter der Menge gewesen, da ihn seine Mutter W bald aus der Nähe des Krawalls entfernt habe.— ffiatm- meister Hubrich bekundet: Keil habe sich unier den Haug Skandalmachern befunden.— Angeklagter Hutarbeiter Kittlitz- Ich gehe gewöhnlich Mittaas ein Glas Bier trinken, ich mußte in Folge dessen die Dresdenersttaße pasfiren, wosellm der Krawall stattfand. Kaum war ich herangekomnien. da kam Wachtmeister Sommer auf mich zu und brüllte mm an mit den Worten:„Wer sind Sie, wollen Sie sich em- fernen!"— Präs.: Angeklagter, Sie sind Mitglied der sozial- demokratischen Partei?— Angckl.: Herr Präsident, können S>e mir vielleicht sagen, was das bedeutet?— Präs.: Das werdea Sie wohl wissen.— Angekl.: Ich weiß es nicht, deshalb möck" ich gern Aufklärung haben.— Präs.: Benehmen Sie sich anständig, ich bin nicht dazu da, um mich in Interpellationen einzulassen, ich habe nur auf Ihre Parteiangehöngkea hingewiesen, da Sie sagten: Der Wachtmeister Soinm» habe Sie angebrüllt. Wachtmeister Sommer befand sick Amte, er mußte so laut sprechen, daß er von allen Leuten ver standen wurde. Es ist daher sehr unpassend, wenn Sie fW' der Wachtmeister habe Sie angebrüllt. Die Zeugen bekunden: Kittlitz habe sich auf die hm forderung des Wachtmeisters nicht entfernt. Bürgcrmem» Wirth bemerkt: Kittlitz habe sogar passiven Widerstand ßc' leistet.— Der Angeklagte Tuchschecrer Bergemann ist Leipzig nach Spremberg zur Musterung gekomnwn. Er rt; merkt; Er sei eftt gegen 2 Uhr Nachmittags zu dem KrawaU hinzugekommen. Er habe lediglich seinen Freund Just vor 0% Verhaftung befreien wollen, da ihm deftelbe leid that.—®n®, meister Hubftch: Bergemann.den crschon lange vorder beabsickttm" Arrestantenbefreiung beobachtet, habe auf ihn den Eindruck K macht, als wenn er die Leute aufhetze. Er habe sich auch nm»- auf seine(des Hubrich) Aufforderung entfernt.(Forts, ffm" Bestrafte Untreue. Seit Jahr und Tag unterhielt v Bauernsohn August Jänicke zu Martenfelde ein Liebesverhaltn v mit der Tochter eines Bahnwärters, der in seiner Wärterbu in der Nähe des Doftes Giesendoft—«/, Meile von ManO felde entfernt— in ländlicher Stille hauste; unter den Don' bewohnern galten die beiden Leute als„Versprochene u August Jämcke bestätigte diese Vermuthung durch fem � halten dem Mädchen gegenüber, obwohl seine Verwandten v einer Heirath mit der armen Beamtentochter nichts wissen wo ten. Nun folgt das alte Lied: August Jänicke fürchtend. wenn er nicht dem Drängen seiner Familie nachgäbe, er seinen Erbansprüchen zu Gunsten seines Bruders Wilhelm».: kürzt würde, löste endlich das ihm zuletzt zur drückenden 6" gewordene Vcrhältniß und ließ das Mädchen sitzen, ttotzdem» selbe kurz zuvor einem Kinde das Leben gegeben. Dw. schmachvoll Verlassene starb— vielleicht aus Gram— kurz n der Entbindung, ihres Veftührers noch auf dem®»r., bette gedenkend.— Der Vormund des hinterblieben Kindes klagte nunmehr gegen August Jänicke auf Eftüllung- Alimentationspflicht; das zuständige Amtsgeftcht zu vcrurtheilte den Beklagten zur Zahlung von Alimcntatw aeldern, und es war im Sommer des vergangenen Jahres Zwangsvollstreckung gegen Jänicke veftügt worden, merl � selbe freiwillig Zahlung nicht leistet. Um nun die drohe Zwangsvollstteckung aufzuhalten, griff August Jänicke, nochW" inzwischen Berufung eingelegt, zu einem höchst oedenU'�4 Mittel, unter dessen Anwendung er in seiner Verblendung'z einen für ihn günstigen Eftolg versprach und ein obsiegen� Urtheil in der Berufungsinstanz erwartete.— Nock JP&ef der Zeck, als August Jänicke mit der verstorbenen®eI'„ort verkehrt jotte er dw Wahrnehmung gemacht, daß er emen dem Madchen indessen unbeachteten Rivalen diesen, einen Arbeiter, Namens Kieburg, ließ August Zm' nach dem Dorfkrug entbieten, woselbst er mit seinem � � Wilhelm ihn erwartete. Beide machten den Kieburg bcmN ©afthof mit Branntwein betrunken und legten ihm zustlst v°n Wilhelm Kruger verfertigte Urkunde vor. welche ih«"� halt nach die vefttorbenc Geliebte des August*)»' ck Geliebte des noch im Grabe beschimpfte und lediglich zu �'«.-brist- angefertigt war, um vor dem Berufungsgericht durch gung einer eidesstattlichen Versicherung den Nachweis»' ren, daß August Jänicke als der Vater des hinterd1-»� Kindes nicht anzusehen sei.- Nicht wissend, was« unteftchneb Kicburh im Rausch diese verfängliche* gniget öezw. eidesstattliche Versicherung, nachdem ihm Wilhelm. noch Versprechungen gemacht und Geschenke m a�zek ssckch gestellt, falls nun August Jänicke den„o# gewinnen sollte.- Soweit kam es aber.."Ljchte nickt. Die eidesstattliche Versicherung des Kieburg g August Jänicke dem Äerufungsgeftcht, die ZwangsvoUl � � wurde in Folge dessen vorläufig aufgehalten und vcmnaw> z ,l Verhandlungstermin vor der Zivilkammer des Landgcr ansetzt zu welchem auch Kieburg geladen war� diesem Audienztermin kam jedoch das schändliche� ans Licht,"'' dem gewcbe Äimmchun", wAlg,. wÄm«Zs die Termogensvnhaltniffe sich gebessert, zur Zahlung eineS be- deutend höheren Alimentationsbetrages, als in erster Znstanz erkannt, verurtheilt. Obendrein aber hatte August Jänicke sich und seinen Bruder Wilhelm durch seinen miß- lungenen Versuch in noch schlimmere Verwickelungen geführt; gegen Beide— bisher völlig unbescholten— ward Anklage erhoben wegen versuchter Verleitung eines anderen Zur wissentlichen Abgabe einer falschen Versicherung an Eidesstatt bezw. Anstiftung zu diesem Verbrechen. Die Strafkammer des Landgerichts-t veruttheilte den Angeklagten Wilhelm Jänicke zu 1 Jahr Zuchthaus und Ehrverlust; August Jänicke dagegen wurde als Anstifter zu 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus und 2 Jahr Ehrverlust verurtheilt. t Der Herr Berichterstatter. Ein recht empfehlens- wetthcr„Herr Kollege" stand gestern in der Person eines ge- wissen Wilhelm Benedikt Abilgard unter der Anklage des Be- wuges vor der zweiten Strafkammer des hiesigen Land- gerichts'. Der Herr Berichterstatter, wie er sich nennt, ist be- trits wegen Bettelns und Landstteichens und dreimal wegen Betruges, zuletzt zu 1 Jahren Gefängniß bestraft worden und gebött zu jenen„dunklen Ehrenmännern", die in jeder Groß- stadt ihr lichtscheues Gewerbe betreiben. Der Angeklagte ist ™cht ohne Bildung, er beherrscht mehrere fremde Sprachen, °oer er behauptet es wenigstens. Er wurde wegen dieser Sprachkenntnisse dem bekannten Waffenfabrikanten Hippolit Blchles in der Fnedrichsttaße empfohlen, der das dringende Bedüttniß empfand, seinen Grundsatz„Kein Mann ohne Revolver" in Italien, dem Lande der Abbruzzen, durch ein Mular im reinsten toskanischen Italienisch zu proklamiren. «vilgard erhielt den Auftrag» einen Reklameattikel zu diesem Zwecke in's Italienische zu übersetzen und er übernahm oie Arbeit, für die er drei Mark verlangte. Er sprach da- den Artikel in seinem„Institut für neuere Sprachen" iwersetzen zu lassen. Dieses Institut bestand in Wirklichkeit nur aus dem Bildhauer Lang, einem jungen Mann, der längere Bart in Italien gelebt hatte und nun seine alte Mutter hier arnahrte. Lang forderte für die Arbeit, die mehrere Stunden nfordette, zehn Mark und Abilgard sicherte sie ihm bereitwillig Zn, trotzdem er selber nur drei Mark empfangen sollte, wohl Won jetzt von der Absicht geleitet, den Uebersetzer um seinen �ohn zu prellen. Das that er denn auch: er erhielt von Herrn oippolit Mehles, dem er die Vorzüge der Uebersetzung anpries, noch 50 Pf. mehr, also 3 M. SO Pf., zahlte an Lang aber auch nicht einen Pfennig. Im Termin erhob er den Einwand, daß ? die zehn Mark nur deshalb nicht gezahlt habe, weil die uebersetzung fehlerhaft gewesen sei. Es wurde aber festgestellt, oaß er sie selber dem Besteller als gut angepriesen habe. Sehr charakteristisch für den Angeklagten war, daß er einen Mahn- onef des Bildhauers mit der Drohung, ihn wegen Erpressung veun Staatsanwalt zu denunziren, beantwortet hatte.— Der Ienchtshof verurtheilte den Angeklagten nach dem Anttage des Staatsanwalts zu sechs Monaten Gefängniß und ein Jahr Ehrverlust. m-t Einer recht dummen Chikane wegen muß ein junges -Uiadchen Bekanntschaft mit dem Gefängniß machen. Die neunzehnjährige Schneiderin Martha B- lebte mit ihrer Witthin soit einiger Zeit auf dem Kriegsfuß. Vorher war eine drcke meundschaft zwischen beiden gewesen, aber wie es nicht so mten zwischen jungen, unverheirathetcn Damen— denn auch die Wirthin macht auf diese Titel noch Anspruch— zu geschehen pflegt, war bitterer Haß an die Stelle des früheren ge- niüthlichen Verhältnisses getreten. In einer Augustnacht d. I. iani Fräulein Mattha etwas spät, es war'/ 12 Uhr, nach OQuse. In ihrem Zimmer vermißte sie fttsches Wasser; ihre -Vitthin war eben durchaus nicht mehr so gefällig wie sttiher, und sie klopfte deshalb an die Thür der Küche, wo die Witthin schlief und bat um Wasser. Sie bekam eine nicht gerade nosiiche Antwott: sie solle bis morgen matten, verdursten werde M wnM rj. in ihrer Seele die Küche um sich selber Wasser zu nicht. Fräulein Mattha ärgerte sich und low der Gedanke, sich zu rächen. In denn � Po nicht, um sich selber Wasser zu holen, so Witthin hatte von innen die Thür verriegelt; und l, auch nicht mehr herauskönnen, dachte Fräulein Martha Weis. � den Schlüssel um, den die Wirthin unvorsichtiger fresst°ußen hatte stecken lassen......... denn.-Uior ihre es war So blieb sie eingeschlossen; Gefangenschaft nicht gerade schlimm, Nacht und ihr war nur dk Möglichkeit um>??- Mondscheinpromenaden zu machen. Des Morgens gedrnbs l*'06 Fräulein Martha wieder auf, als die Witthin laa nl datte, die Polizei holen zu lassen. In ihrer Handlung Rerwn eine Freiheitsberaubung, für welche das Gesetz als Ctrc>?. Strafe einen Tag Gefängniß, festgesetzt hat. Auf diese liericksö,»nte auch die zweite Strafkammer hiesigen Land- hatte-!> nor der die Angeklagte sich gestern zu verantworten mild. ,■ r Herr Vorsitzende hob hervor, daß der Fall sehr einen und bedauerte, daß das Gesetz die Substituirung 4«u fe nicht zulasse. setzun ne arme Unglückliche war es, die der Kindesaus- Land*""�'laßt gestern vor der zweiten Strafkammer des DienN�'�? 1 stand. Die Geschichte des achtzehnjähttaen jähri'�adchens Karoline G- ist recht alltäglich. Als sechszehn- Stell,.* Mädchen kam sie vom Lande nach Berlin, fand in i(,r und lernte bald einen jungen Mann kennen, der sich vm'n..�unerfahrenc und naive Seele einzuschleichen wußte. Er Äutt-n c-fc die Heirath und als das junge Mädchen sich kam r, buhlte, verließ es der Verführer. In der Anstalt loiehl r F und wurde mit ihrem Kinde entlassen, als sie war. Sie ging zu der Witthin, wo sie früher Mehr-datte; aber die Frau wollte sie mit dem Kinde nicht Geld nusnehmen. Nun suchte sie Verwandte auf, um von ihnen Ab» m0r8en' weil sie das Kind in Pflege geben wollte. Crfoin f! Verwandten hatten kein Geld und so mußte sie ohne abdarf, Vun strich je zwei Tage lang mit dem Kinde die herum, ohne eine Stellung zu finden. Da packte sie �ürmA�st ung und sie beschloß zu sterben. Aber das legte°? n wollte sie nicht mit in das Wasser nehmen. Sie Und lj./n dem Flur eines Hauses des Kurfürstendamm nieder Diens.*,-.nuf den Kanal zu. Ihr Thun war von e'"«n ftehoit Q°rt'cn beobachtet, die Lebensmüde wurde verfolgt, einem ein- Pholt Säuaiin�nh Zur Polizeiwache gebracht. Der vierzehntägige letzt im n?F sogleich aufgefunden worden und befindet sich bavo» W?ifen Haufe.— Der Gettcktshof vermochte sich nicht »ige*„.nberzeugen, daß die Angeklagte ihr Kind in hilfloser Auch>,„nssen habe und sprach deshalb die Angeklagte frei. Wen« Staatsanwalt hatte die Freisprechung beantragt.— Zu bemeir!-'wlhwendigkeit von öffentlichen Finvelhäusern noch nugen k."- �nre, so würde sie durch solche Gcrichtsvcrhand- , M. �wiesen werden. hatten Verbreitung des Züricher„Sozialdemokrat" Schnhtn.rfL QnV Dienstag der Tischler Emil Jacob und der Strassg_ wer Hubner, zu Fricdrichsberg wohnhaft, vor der «fahren � des Landgerichts-1 zu verantwotten. Das Straf- küet, nj.rJfssf" Beide war auf Gnmd einer Anzeige ringe- c8una Schuhmacher Grünmeyer in einer rachsüchtigen �Aagten fl, r h1 Dttsgendarm angebracht, weil einer der An- .rgre* beschuldigt, van er im riauie vev mm Beweisaufnahme ergab folgendes Resultat: der Schuhmacher Grünmeyer bekundet, daßihm von Seiten des Angeklagten I. im Jahre 1884 in den Monaten April bis Mai der„Sozial- demokrat" geliefert sei. Der Hospitalit Albett Hede, 62 Jahre alt, welcher früher bei Hübner in Pflege gewesen, bekundet, daß nach Weihnachten 1835 Jacob dem Hübner Zeitungen, in Packeten enthalten, überbracht habe; der Grünkramhändlcr Koch sowie dessen Frau bekundeten, daß Hübner wiederholt Zeitungen überbracht, bezüglich deren er mitgetheilt, daß dieselben verboten seien, ob dies aber der Züricher„Sozialdemokrat" gewesen, weiß weder der Mann noch die Frau; Beide aber bekunden, daß Hübner die Zeitungen stets bei sich trug oder auf seinem „Schuster-Schemel" unter dem Sitz verborgen aufbewahrte.— Die Strafkammer erkannte gegen Jacob auf 14 Tage, gegen Hübner auf 10 Tage Gefängniß. Soziales undArveitervewegung. Die französtschen Sozialisten wollen mit folgendem Programm in den Wahlkampf treten: 1. Beseitigung aller Gesetze, betreffend die Presse, die Ver- sammlungen, die Vereine und besonders die internationale Assoziation. Verbot der Arbeitsbücher, Abschaffung aller Be- stimmungen bezüglich der Unterordnung des Arbeiters unter seinen Prinzipal und der Frau gegenüber dem Manne. 2. Ilnterdttickung des Kultusbudgets und Rückgabe aller Güter und Befitzthümer der tobten Hand, die den religiösen Korporationen gehören. Unterdrückung der öffentlichen Schuld. Abschaffung der stehenden Heere und allgemeine Volksbewaff- nung. Die Gemeinde soll Herrin der Verwaltung und ihrer Polizei sein. 3. Einen Ruhetag per Woche. Achtstunden-Arbeitstag für die Erwachsenen, Reduktion des Arbeitstages für die Jüngeren auf 6 Stunden. Verbot der Kinderarbeit in Privat-Werk- stätten. 4. Schützende Uebcrwachung der Lehrlinge durch die Arbeiter- Korporationen. 5. Gesetzliche Minimallohnbestimmung alljährlich durch eine statistische Arbeiterkommission auf Gruud der lokalen Lebensmittelpreise. 6. Gesetzliches Verbot der Beschäftigung fremder Ar- b c i t e r gegen geringeren Lohn als für den der französischen. 7. Gleichheit des Gehalts bei gleicher Arbeit für beide Geschlechter. 8. Wissenschaftlicher und praktischer 11 n t e r r i ch t der Kinder auf Kosten des Staates und der Gemeinde. 9. Versorgung der Arbeitennvaliden und Greise guf Kosten der Gesellschaft. 10. Keine Einmischung der Beamten in das Hilfs- und Unterstützungskassenwesen der Arbeiter. 11. Verantwottlichkeit der Arbeitgeber für Unfälle, garantitt durch eine je nach der Zahl der Arbeiter zu berechnende, mit in die Arbeiterkassc einzuzahlende Kaution. 12. Mitwirkung" der Arbeiter bei den Fabttkordnungen, Unterdrückung der Bestrafungen der Arbeiter durch die Brot- Herren mittelst Verweisen oder Gehaltsabzügen. 13. Annullirung aller Kontratte, betreffend die Entfremdung des öffentlichen Eigenthums(Banken, Bahnen u. s. w.), und Ausbeute aller Staatswerkstätten durch die Arbeiter. 14. Abschaffung aller indirekten Abgaben. Nur eine pro- gressive Einkommensteuer aller Einkommen über 3000 Fr. Unter- drückung der Erbschaft in Seitenlinie und in direkter Linie, wenn sie 20000 Fr. übersteigt. „Wie ganz anders würde den Arbeitern zu Muthe werden, wenn sie im Stande wären, ihre eigene Lage mit assung zum Theile zu, möchten aber doch fragen, was sie denn eigentlich bezweckt. Daß sich Arbeiter ins Mittelalter zurücksehnten, davon wissen wir, offen gestanden, nichts. Andererseits ist es uns unerfindlich, warum der Arbeiter seinen Zustand mit dem eines Genossen soundsoviel hundert Jahre vor ihm vergleichen sollte. Das Nächstliegende ist und bleibt es doch, daß er seinen Zu- stand mit dem des Besitzenden, der zu gleicher Zeit neben ihm lebt, veraleicht, und je nach dem Ausfall dieser Vergleichung dieses Verhältniß zu erhalten oder zu ändern sucht. Und alle Arbeiter, die jemals ernstlich über das Verhältniß von Besitzenden und Nichtbesitzenden in der Gegenwatt nachgedacht haben, find einig darüber, daß es un- haltbar ist. Auf das Verhältniß des Arbeiters der Gegenwart zu dem des Altetthums und des Mittelalters kommt dabei wirklich gar nichts an. Für Ausdehnung der Arbeiterschutzgesetzgebuna auf die Hausindusttte tritt auch das„Verl. Tgbl. ein. Es schreibt: Um weitgehende Reformen zur Durchführung zu bringen, ist es in erster Linie geboten, die hausindustriellen Bctttebe den Ar- beiterschutzbestimmungen der Gewerbeordnung zu unterstellen. Die englische Gesetzgebung kann uns dabeizum Vorbild dienen. Von ihr wurde die Scheidelinie zwischm Werkstatt und Fabrik fallen gelassen und auch die in häuslichm Werkstätten von ge- schützten Personen betriebenen Industrien sind der obttgkeit- lichen Konttole unterworfen, nachdem die Fabttkinspektoren sich aufs Lebhafteste für die Ausdehnung ausgesprochen haben. Auch bei uns haben sich vielfältig Stimmen erhoben für eine solche Einwirkung der Arbeiterschutzgesetzgebuna. Schon im Jahre 1877 hat sich der Verein für öffentliche Gesundheitspflege in seinen Verhandlungen zu Nürnberg einstimmig dahin aus- gesprochen, daß die thunlichste Ausdehnung des gesetzlichen Scbutzes auf alle gewerblichen Arbeiter, welche in geschlossenen Arbeitsstätten beschäftigt werden(Werkstätten, Hausindusttte) anzustreben sei. Das Endziel einer Reform der die Kinder- arbeit behandelnden Bestimmungen der Gewerbeordnung muß das gänzliche Aufhören der mdustttellen Beschäftigung der schulpflichtigen Kinder sein. Die Hoffnung, welche der Ge« Heime Rath Lohmann bei der Berathung der Gewerbenovelle im Jahre 1878 im Reichstage aussprach,„daß die natürliche Entwickelung der Verhältnisse über kurz oder lang dahin führen müsse, die Kinder unter 14 Jahren aus den Fabriken ver- schwinden zu lassen," hat sich nicht erfüllt— und es muß des- halb die Gesetzgebung zu Hilfe genommen werden, um solche Entwickelung herbeizuführen. Und dazu ist, wie wir wieder- holen, in erster Linie die Unterstellung der handwerksmäßigen und der llcinindustticllcn Betriebe unter die Arbeitettchutz- bestimmungcn der Gewerbeordnung nothwendig. Nur auf diesem Wege kann die Grundlage für eine weitere Reform ge- schaffen werden. Der mehrerwähnten Kellnerpetitton, die den Zweck hat, zu bewirken, daß die Kellner allgemein als Gewerbe- Gehilsen und nicht als Dienstboten betrachtet werden, entnehmen wir folgendes: Aus den Vorschttften der Reichs- Gewerbeordnung in der revidirten Fassung vom 1. Juli 1883, insbesondere aber aus den Bestimmungen in§ 33 dieses Gesetzes. worin der Betrieb der Gast- und Schankwitthschast als ein Gewerbe aufgefühtt wird, zu dessen Ausübung eine be- sondere Genehmigung erforderlich ist, erhellt, daß die Kellner im allgemeinen nicht als Dienstboten, sondern als Gewerbe- Gehilfen zu betrachten sind, wie die Gerichte, und namentlich das königliche Amtsgericht zu Chemnitz, wiederholt entschieden haben. Nichtsdestoweniger pflegen die städtischen und Polizei- behörden die Gastwittbsgehilfen zu den Dienstboten zu rechnen und demgemäß zu verfahren. Es bedarf wohl kaum einer ein- gehenden Erötterung, daß diese dem Gesetz widersprechmde be- bördliche Behandlung für die Gastwitthe und insbesondere für ihre Gehilfen viele Nachthclle zur Folge hat. Sind doch die Fälle nicht selten, daß ,n Rechtsstreitigkeiten mit den Arbeit- gebern das genannte Personal vom ordentlichen Gericht an das Gewerbe-Schiedsgericht, in ganz gleichm Fällen aber an die betreffende Ottsbehörde verwiesen wurde, wodurch den beider- seitigen Patteien viele MißHelligkeiten, Unkosten, ja weitere Streitigkeiten entstanden sind. Auch in Bezug auf das Dienst- verhältniß zu den Prinzipalen und den Verkehr mit den Otts- und Polizeibehörden verursacht die Nichtbeachtung des oben genannten Paragraphen der Reichsgewerbeordnung den Gast- witthsgehilfen in materieller wie moralischer Hinsicht nicht unbedeutende Nachtheile beziehungsweise Rücksichtslosigkeiten. In Oesterreich- Ungarn, Frankreich und anderen Ländern ist die obige Frage schon seit Jahren zu Gunsten der Kellner entschieden und enthalten die dottiaen Gewerbe« Ordnungen die ganz klare Bestimmung, daß sie in jedem Falle zu den Gewerbegehilfen zu rechnen sind, während sie im Deutschen Reiche meistens noch als Dienstboten behördlicherseits angesehen und behandelt werden. Nur im Königreich Sachsen ist die Frage durch eine Verfügung des Ministers des Innern vom 18. Mai 1886 dahin entschieden worden, daß die Kellner, die eine längere Lehrzeit durchgemacht haben, auch als Gewerbegehilfen zu bettachten sind. Eine obligatorische Lehrzeit von zwei Jahren ist aber schon in den meisten Hotels uno größeren Rrstaurants eingeführt, ohne daß freilich für den Besuch einer Fortbiloungsschule, wie bei den Lehrlingen der anderen Gewerbe, Sorge getragen wird. Da man nämlich, wie oben auseinandergesetzt, die Kellner im All- gemeinen als Dienstboten ansieht, so haben die Behörden den § 106 der deutschen Reichsgewerbeordnung, wonach die Lehr» linge durch Ottsstatut zum Besuch einer Fottbildungsschule angehalten werden können, nicht auch auf die Lehrlinge des Gastwirthsgewerbes in Anwendung gebracht und so einer großen Anzahl Jünglinge die Gelegenheit zur weiteren Ausbildung der auf der Volksschule gesammelten Kenntnisse benommen, trotzdem gerade bei ihnen in Folge der immer größer werdenden Ansprüche bezüglich der Schulkenntnisse der Besuch einer Fort- bildungsschule von großem Vottheile sein würde. Außerdem liegt ja in einem Schulbesuche ein mächtiger Hebel zur mora- lischen Vervollkommnung. Uerelne nnb Uersammwngen. f Die Vereinigung deutscher Stellmacher hielt am Montag in Heise's Salon, Lichtenbergerstraße, eine Mitglieder- Versammlung ab.— Herr Schuhmachermeister Mehner hielt einen beifällig aufgenommenen Vorttag über die Lehrlings- frage. Er setzte auseinander, aus welchen Ursachen die jetzige schlechte Ausbildung der Lehrlinge hervorgehe, wie die Klein- meister durch die Konkurrenz der Maschinenarbeit allmälig aus den Aussterbeetat gesetzt würden und wie sie daher nicht in der Lage wären, die nöthige Zeit auf die Ausbildung der ihnen anvettrauten Lehrlinge zu verwenden. Ausführlich setzte der Redner auseinander, daß die Besttebungen der Innung(Be- fähigungsnachweis) nicht darnach angethan seien, Abhilfe zu bringen und er schloß mit dem Hinweise auf die Nothwendig- keit einer Organisation der Arbeiter, welche die öffentliche Meinung dahin zu bestimmen suchen müßte, einen gesetzlichen Arbeiterschutz zu verlangen.— In der Diskussion äußerten sich verschiedene Redner in demselben Sinne.— Der Rest des Abends verlief mit der Besprechung interner Vcreinsangelegen- heiten. Der Fachverei» der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Dampf-Armaturen hielt am Sonntag bei Gratweil, Kommandantensttaße 77—79, eine Mitgliederversammlung ab, in welcher Herr Dr. Stahn über Leichenverbrennung sprach. Redner wies zunächst daraufhin, daß die Leichenverbrennung nichts neues wäre, denn bei vielen Völkern der Erde wurden schon vor Jahttausenden die Leichen verbrannt, zumal bei den Heiden. Bei den Juden, Christen und Mohamedancm wurde die Leichenverbrennung aber verworfen, well die Priester darin eine Verletzung der Religion erblickten und noch heute erblicken. Redner crklätte sich ebenfalls gegen die Leichenverbrennung und meinte, daß durch das Verbrennen der Leichen dem Erdreiche zu viel Stoffe entzogen würden, wodurch die Pflanzen großen Schaden leiden würden;(?) auch koste heute eine Leichenverbrennung einige hundett Thaler, indem man 30—40 Ctr. Kohlen zu derselben brauche. Die Kohlen seien ein wettbvolles Objekt, mit welchem man sehr sparsam umgehen müsse; m einem Zeit- räum von ungefähr hundett Jahren wären die Kohlenvorräthe der Erde erschöpft. Man solle daher die Leichen ruhig weiter begraben, jedoch nicht in einem Sarge, sondern wie im Alter- thum solle man sie frei in die Gruft legen.— In der Diskussion sprach zunächst.Herr Oettel(Mitglied des Vereins für Feuerbestattung). Derselbe fühtte aus, daß durch das Ver- brennen der Leichen viele Seuchen verhindert würden und daß der Preis, der sich ja durch den Transpott der Leichen nach Gotha bedeutend erhöhe, höchstens 450 M. betrage. Nachdem sich noch die Herren Printz und Sündermann an der Debatte betheiligt hatten, wurde Herr Printz zum ersten Vorfitzenden und Herr Arndt zum ersten Schrifttührer des Vereins gewählt. Es wurde noch beschlossen, Billets zum„Kaiscr-Panorama" und zu„Präuscher's Museum" zu ermäßigten Preisen zu beschaffen. Zum Schluß wurden die Mitglieder aufgefordert, sich recht zahlreich an dem Tanzkränzchen zu betheiligen, welches am Sonnabend, den 27. d. M-, in den„Bürgersälen", Dresdener- sttaßc 96, stattfindet. Dem Fachverein sämmtlicher im Drechsleraewerk be- schäftigten Arbeiter Berlins wurde die nachgesuchte Ge« nehmigung zu einer am Sonntag, den 7. November, einbc- nifenen Versammlung versagt. Auf der Tagesordnung stand: Vortrag über„Die Fachkommisflonen und deren Wetty zur Er- zielung besserer Arbeitsbedingungen". Wie uns mitgetheilt wird, hat der Vorstand den Beschwerdeweg beschritten. Am Mittwoch, den 10. November, Abends 8 Uhr, findet im Lokal Naunynstr. 78 eine Versammlung der Vertrauensmänner und der Vorstandsmitglieder statt. Tagesordnung: Gewerkschaft- liches und Verschiedenes. Zu dieser Versammlung ist die Ge- nehmigung bereits ettheilt; dieselbe findet demnach bestimmt statt. Die Fachvereinsmitglieder, welche in ihren Werkstätten noch keinen Verttauensmann ernannt haben, ersucht der Vor- stand, dies sofott zu veranlassen. Am Montag, den 15. November, findet eine Wanderversammlung des Vereins für den Norden Berlins im Lokal von Kilian, Elisabethkirchstt. 7, statt. Im Verein für Reform der Schule und Erziehung hält Donnerstag, den 11. Oftober, Abends 8% Uhr, Herr Dr. v. Kalkstein einen Vorttag über die Reform der Schul- Organisation überhaupt, woran sich eine Besprechung knüpfen soll. Herren sind als Gäste willkommen. Verein für Technik und Gewerbe. Mittelstraße 65 Mittwoch, Abends 8% Uhr, Vorttag. Gäste willkommen. Gesang- und gesellige Vereine am Mittwoch.„Freya", Gesangverein der freireligiösen Gemeinde. Uebungsstunde Abends 8 Uhr Münzstt. 5.— Gesangverein„Norddeutsche Schleife" Abends 9 Uhr Dresdenerstt. 72 73 im Restaurant „Eden-Theater."_ Kleine Mittheilnngen. Köln, 6. Nov. Köln hat nun auch seine erste städtische Markthalle, welcher bald wohl in den verschiedenen Theilen der Stadt andere folgen werden. Die neue ca. 1000 Quadratmeter große Halle, welche, an der Severinstraße gelegen, den bisherigen Waidmarkt ersetzt, ist auf einem frilheren Schul« tcrrain erbaut, die Baukosten belaufen sich auf etwa 90 000 M. Die Markthalle enthält eine größere Anzahl von Fleischbuden, sowie kleinere und größere Gegenstände, welche auf ein Jahr an die Meistbietenden vermiethet und zu belangreichen Bcttäaen zu- geschlagen wurden. Im Uebrigen werden von den Verkäufern für die Benutzung des uneingefriedigten Raumes pro Quadrat- meter Abgaben erhoben, welche den auf den Märkten üblichen angepaßt sind. Wien, 7. November. Der Mörder des Buchdruckerei- besttzers Schloßberg wurde heute entdeckt und in Haft genommen. Fast um dieselbe Stunde, zu welcher heute Vormittag die Leiche des ermordeten Buchdruckercibesitzers Schloßberg in das Grab gesenkt wurde, brachte man einen jungen, etwa 24 jährigen Mann in das Polizeidirektionsgcbäude. Es war der Mörder Schloßberg's, ein wegen Diebstahls, öffentlicher Gewaltthätigkeit u. s. w. bereits abgestrafter Bursche, welcher sich Gerhardus Kreitter nennt. Er ist ein geborener Wiener. Kreitter ist auch mit dem jungen Burschen identisch, welcher dieser Tage einen im Stadtbezirke wohnhaften Schneidermeister in der Nähe des Exerzierplatzes nächst der verlängerten Wollzeile überfiel und zwar gleichfalls mit gezücktem Messer. Die Zeugen des Attcn- tats, namentlich die Kathanna Hofstätter, an welcher der Mör- der Schloßberg's nach der That vorübergerannt war, erkennen in Kreitter den Flüchtigen wieder. Der Verhaftete selbst leugnet bis zur Stunde niit Entschiedenheit, trotzdem er der Vcrübung des Verbrechens bereits überwiesen ist. Wie ein späterer Be- richt meldet, hat der Mörder am Abend ein Geständniß abge- legt, worauf er in das Polizei-Gefangenhaus abgeführt wurve. Derselbe war in den letzten zehn Monaten in der Zwangs- arbeitsanstalt Weinhaus intcrnirt; er wurde von dort am 31. Oktober entlassen und trieb sich seither obdachlos in Wien uinher. Wien, 7. November. Man hat eine besondere Cholera- uniform in Wien eingeführt. Bei einem Vortrage, mit welchem Baron Dr. Mundo am Donnerstag Abend den Zyklus der von der„freiwilligen Rettungsgesellschaft" projektirten Wintervor- träge eröffnete, wurde die Uniform gezeigt. Dieselbe ist für die Sanitätsmänner der freiwilligen Rettungsgesellschaft bestimmt und einer derselben, Dootorand med. Lennoerg, hatte sich mit derselben bekleidet. So wie die Tragbahren für den Transpott von Cholerakranken, so ist auch die Uniform deratt einaettchtet, daß eine schnelle und gründliche Desinfizirung ermöglicht wird. Sind deshalb die Tragbahren von durchlöchettcm Zink- oder Drahtqewebe, so wurde die Schutzuniform aus Leder und Kaut- schul hergestellt. Der so gerüstete Sanitätsmann, der die Be- gleitung des Kranken bei seinem Transpott ins Spital zu bilden hat, ttägt hohe Stiefel, lederne Beinkleider, enganliegen- des Wams und eine Art Sonnenhelm mit langem Nackenschutz von Kautschuk. Ueber das Wams geknöpft, gleichfalls aus Kautschuk, enge Aermel und eine Brust und Rücken um- schließende Hülle, die in einen langen Schurz endet. Der letztere, sowie zwei in seinen Taschen steckende Becken dienen zum Auffangen etwaiger Entleerungen, eine Flasche init geistigem Getränk zur Stärkung des Kranken und eine andere mit Karbollösung zu Waschungen des Kranken oder der eigenen Hände. London, 4. November. Einem amtlichen Ausweise zu- folge wurden in Großbtttannien und Irland während des ersten Semesters v. I. durch Eisenbahnunfälle aller Att(un- vorsichtiges Betreten der Schienen und Selbstmorde mit in- begttffen) 449 Personen getödtet, und 1686 trugen Verletzungen davon. ßetzte Nachrichten. Bulgarisches. Timowa, Dienstag, 9. November, früh. Die Sobranje hat die Vornahme der F ü r st e n w a h l auf nächsten Mittwoch vertagt. Man hält nach derselben noch immer eine Modifikation in der Zusammensetzung der Regierung für wahrscheinlich, da mehrere Mitglieder des Kadrnets das Programm der Regentschaft mit der Fürstenwahl als ausgefühtt und erledigt betrachten.— Wien, Montag, 8. November, Abends. Die„Polit. Korresp." meldet aus Tinrowa: Ter russische Konsul in B u r g a s fordette die A u s l i e f e r u n g N a b o k o w s, de; f räfekt von Burgas erwidette, Nabokow befinde sich in den änden der Militärbehörden, seine Gcgenwatt bei der Unter- suchung sei unerläßlich. Die Regierung beschloß, Nabokow nach Durchführung der Untersuchung dm russischen Behörden auszuliefern. Aus England. London, Montag, 8. November. Lord Salisbury begab sich gestem zur Königin nach Windsor. Die „Times" glauben, dieser unerwattete Besuch des Premier stehe mit dem Empfange wichtiger Depeschen über die bulgarische Frage in Zusammenhang.— Die„Daily News" veröffentlichen die A n t w o r t G l a d st o n e s aus eine jüngst von einigen bulgattschcn Abgeordneten an ihn ergangene Auffordorung, seine Stimme zu Gunsten Bulgattcns zu erheben. Äladstone erwidette, seine Ansichten und Wünsche bettcffs der emanzipitten oder autonomen Provinzen des türkischm Reiches seien unver- ändett dieselben geblieben. Es sei eine edle Handlung des Kaisers Alexander II. gewesen, für Bulgattcn die Freiheit, vor- behaltlich gewisser gerechter Verpflichtungen, zu erlangen, dieser Edelniuth würde aber verschwinden, wenn der jetzige russische Kaiser oen Traditionen nicht treu bleiben sollte, welche seinem Regienmgs- Vorgänger Ehre und Dankbarkeit eingetragen hätten. Er(Gladstone) habe es nicht als seine Pflicht angesehen,_ bei der gegenwärtigen Lage seine Stimme zu erheben, weil er geglaubt habe und noch t laude, daß in England keine Meinungsverschiedenheit über lulgatten und die dortigen Verhältnisse herrsche, er habe keinen gerechtm Grund, zu bezweifeln, daß die Gesinnung Englands im Rothe Europas durch den Staatssekretär Lord Jddesleigh getreulich repräscntitt werde. Brüssel, Dienstag 9. November. Heute fand eine Kund- gebung von Frauen aus den Landgemeinden von Charleroi zu Gunsten der Amnestte statt. Kriefkasten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Ouittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. E. B. Selbstvett'tändlich können Sie allen Schaden, welcher Ihnen durch die von Ihnen behauptete strafbare Handlung zugefügt ist, ersetzt verlangen, müssen aber dazu einen be- sonderen Prozeß beim Zivilgericht anstrengen; Sie brauchen aber die Beläge für Ihre Behauptungen nicht gleich mit der Klage einzureichen, es genügt, wenn Sie nur die Beweismittel benennm. Ob Ihnen gestattet wird, der Verhandlung in Moabit, die jedenfalls unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt- findet, beizuwohnen, ist fraglich; voraussichtlich wird es Ihnen aber nicht verwehtt werden, Ihre als Zeugin vorgeladene acht- jähttge Tochter zu begleiten und auch bei deren Vernehmung zugegen zu sein. Theilen Sie uns mit, wann und in welchem Zimmer die Verhandlung stattfindet. Schöneberg. Revision gegen ein Uttheil der Straf- kammer wird beim Landgettcht eingereicht, die Reviflons- fttst ist eine Woche von Verkündung des Uttheils ab. Es giebt keine Vorschrift, wie vieler Zeugen es bedarf, um Jemanden des Meineides zu überführen. O. S. Köpnicker Brücke. Ihre Fragen sind zu allge- mein gehalten, um eine zutreffende Beantwortung zu ermöglichen; wenden Sie sich mündlich an die Redaktion. S. P. 36. Sie brauchen nicht 2 Ortskrankenkassen angc- hören, sondern find Mitglied derjenigen Kasse, zu der Sie.Ihrem Berufe nach gehören. G. 53. 1. Fragen Sie Herrn St. selbst. 2. Ueber den Berein für Feuerbestattung erhalten Sie nähere Auskunft bei Herrn Dr. I. Stein, Adalbettstt. 67. Das Vereinslokal befindet sich Niederwallstt. 20.— 3. Man schreibt a. D. und spttcht „außer Dienst". W. P. 117. Für die Zeit, während welcher Sie die Wohnung inne haben, müssen Sie jedenfalls Miethe zablen, sofern Sie nicht bestimmte Schadcnsersatzansprüche dagegen geltend machen können. Wir würden Ihnen, wenn die Räume nicht die vorschriftsmäßige Höhe haben, anrathen, zunächst die Revierpolizei anzurufen, die eventuell ein Verbot erlassen kann, die Räume ferner zu bewohnen. Aal. Die Miethsforderung ist verjährt, wenn Sic nich in der Zwischenzeit dieselbe durch Abschlagszahlungen oder sonst- wie anerkannt haben. F. B. Eine Braut, welche die Verlobung ohne gerecht- fettiaten Grund aufhebt, braucht nur die innerhalb der lebten 6 Monate ihr gemachten Geschenke herauszugeben. Anders liegt die Sache, wenn ein gerichtlicher oder notarieller Ver- löbnißvettrag abgeschlossen ist. Theater. Mittwoch, den 10. November. Opernhaus. Die Jungfrau von Orleans. Schauspielhaus. Keine Vorstellung. Deutsches Theater. Die Räuber. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Die Sternschnuppe. Viktoria-Theater. Amor. Östend-Theater. Das neue Gebot. Residenz-Theater. Ein Großstädter. Vorher: Ein anonymer Bttef. äentral-Theater. Der Waldteufel. ellealliance-Theater. Die schöne Galathee. Zehn Mädchen und kein Mann. Flotte , Bursche. Walhalla-Theater. Die Piraten. Königstädtisches Theater. Von Schrot und Korn. Kaufmann's Varietee. Spezialitäten- Vor- stellung. Amettkan-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Reichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Concordia- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Berliner Stadt-Theater. (Früher Alhambra-Theater.) Wallnettheaterstt. 15. Mittwoch: Zum letzten Male: Der Onkel ans Amerika. Posse mit Gesang in 3 Alten von SalingrS. Morgen: Zum ersten Male: Die /ischerin von Island. Vor der Vorstellung: Grosses Concert der Hauskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Hm. Th. Franke. Anfang der Vorstellung 7l j Uhr. Das Theater ist mit elektrischer Beleuchtung versehen. £d en-Theater. (Früher Louisenst. Theater.) Dresdmerstt. 72 73. Da» grogartigsse Program« der Pefide«,. The Lo�al Uokohama Troupe(6 Personen), japanische Produktionen. Familie Elbin. best- renommitte Akrobaten und Gymnastiker(5 Personen). Mr. Mizarras, bis jetzt unerreicht in seinen Kraftproduktionen an den ind. Ringen. Mr. Ne?on, der Mann mit dem Löwengebiß. Family Edwin Kalo» Veloziped- Ättisten. «iegel« Kalle! gesellschaft, 12 Damen, 2 Herren. The Malta« Troupe, groteske Possen-Pan- toniime. Ludwig u. Paula Tellhrim. Eugen Zocher. Mr. Linnä», Konzettsänaer. Kaffenöffnung 6V, Uhr. Anfang 7'/, Uhr. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Kaiser-Panorama. Neu! Zum ersten Male: Zweite Reise durch Holland. Eine interessante Wanderung durch Rom. Hertha-Reise.— Carolinen-Jnseln. Eine Reise 20 Pfennig. Kinder nur 10 Pf.' Der weltberühmte anatomische ist heute und täglich Apollo ausgestellt in Präuscher's Museum, Kommandantenstraße 70.[1001 Dienstag und Freitag: Damentag. Enttee 50 Pf. Vereinskatten giltig. Soeben erschien 2 der Iniematioiialen Bibliothek. Die Darwin sche Theorie,(pu Abstammung de» Mensche«) preis pro Heft 50 pf. 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Nur denjenigen Mitgliedern, welche großjähttg find, ist der Eintritt gestattet, sofem dieselben mit ihren Beiträgen nicht über zwei Zahlungstermine im Rückstände find. Ueber gezahlte Beiträge, welche noch nicht abgestempelt sind (§ 30 des Statuts), ist Quittung des Arbeit- geberS vorzuzeigen. Kur Euittungobuch legitimirt. 8 H-g�DAMMMFsD'Uedaillon»,[944 WdlstJJd Stempel-Federhalter Stempel für Vereine and Gewerbe, Schablonen tmd Schilder. H. Gnitmann, Graveur, Brnnnenstrasse 9, Hosenth. Thor. Odtrbrvchcr M- Gänse (eigene Masterei) jetzt von 58—65 Pf. pro Pfd., auch ausgenommen und getheilt, Kpick-Eänse a 1,60, Krulr« 90—1,25, selbst gepökeltes Eänsesteisch sehr billig, sämmtliches Wild pfundweise und täglich frisches Geflügel empfiehlt billigst[1030 ß. SaSSe, Micharlkirchstrast» 6. Unserm alten„Wlttstoi k I." zu seinem heutigen Wiegenfeste ein donnemdes Hoch, daß die ganze Antonstraßc wackelt. Die Gorn'sche Familie, 1025] Adlershof. Unserm lieben Freunde Kermann Gor« zum heutigen Tage ein donnerndes Hoch! 1026] Krenz- Ä Piqne-Kauer. in haben in der Erpeditio« d. Kl.» Aimmerstraste 44. Cigarren-& Tabak-Handlung Friedrich Michelsen, Vertreter: G. Splettstttsser, 15 b Weinbergeweg 15». Lager echt amettkanischer, russischer und türkischer Cigarcttm und Tabake.[919 Soeben erschien im Verlage von Wörletn & Co. der Denffdis Aandimkn- uub Arbtilrr- Aoliz-Ailmdkr für 1887 ('X. Jahrgang). Dieser Notizkalender, seit Jahren in den deutschen Arbeiter- und Handwerkerkreisen rühmlichst bekannt, ist nicht blos Kalender, sondern zugleich Notizbuch und Gesetz- sammlung. Auch in diesem Jahre ist sowohl auf den Inhalt als die Ausstattung besondere Sorgfalt verwendet und ist namentlich bezüglich des Einbandes Vorzügliches ge- leistet und bestes Viatenal dazu verwendet- Neben der gewöhnlichen Ausgabe ist auch wieder eine stärkere veranstaltet, welwe mehr Schreibpapier enthält und kräftigen Leinwandeinband mit Deckel nach Brief- taschenatt und Gummiband hat. Auch bei der gewöhnlichen Sötte sind diesmal die Ecken abgerundet. Inhalt des Kalenders: m Kalendattum mit neu revidittcm schichtskalender; postalische Bestimmungen> Telegrammtarif; das ganze llnfallocrsi«e> rungsgesctz mit Anhang vom 28. Mai 1885, Gesetz über die cingeschnebenen Hilfskassen mit der Novelle vom 1. Juni 1884; da» Reichstags- Wahlgesetz mit Reglement, Auszug aus dem Reichs- Patcntacsetz' Gewindeschneidetabelle für Metallarbeiter, Schreibpapier mit Datumsangabe jm Tagesnotizen, leeres Schreibpapier, Bnci täschchen. Ter ganze Kalender ist vierzehn Bogen stark. Preis der einfachen Ausgabe 50 Pf* «„ stärkeren„ 70 pf' Wirderverkäufer erhalte« lohnende« Kabatt. Nähmiischiittll E. Franke, Reparaturen schnell und billig- sämmtlicher Ringschiffchen. . Saarbrückerstraße � Die Herren Arbeitgeber, welche Beittäge zur Kasse aus eigenen Mitteln leisten, werden zu der am Montag, den 22. er., Abends 3 Uhr, Liniensttaße 8 bei Siemund stattfindenden perfammlung eingeladen. Tagesordnung: Wahl der 41 Vertreter zur General-Versammlung(§ 43 des Statuts). Der Vorstand. C. Plötz. Landsbcrgergerstr. Ztr. 8. lioljfiftafu, Üljfrfillfp and panhiwn» Eine frbl. Schlafstelle Linienstt. 99 bei Fakuk i"" bester Qualität. m [958 M- fp-ife« Kle? Arbeitsmarkt.„ Einen posamentirr und Knop« �$7 verlangt Wskar Kosenhai«._________ Ein tüchtiger Kuchbinder für Etuiarbe��l && W WW�Irrppm. strafee 181, Hof parterre. Ein ordentlicher Zunge, der Pos<""Ä'],ielV� Scidenknopfmacher werden will, kann I � b"(Mar Bosen! Markgrafensttaße 13,&0' ber Kleiu. Frühst. 30 Mittagstisch m. Bier 50 Pf. Abendttsch von 30—50 Pf. nach Auswahl.[730 acyer werden nnu, Oskar Bosenh*% .., r to CSnf M&f-sopk c« isaf5f »---"-«-Ui« I"»"> 2M.»« e.ii.1« M°- anno. IM t, tkidmg».«„.Mm, s-S»i