Kr. 264. Donnerstag den 11. Navemder 1886. B. Jahrg. SMcrVilksblM Brgan für die Interesse» der Arbeiter. 4 Oesterreich unt» der Orient. Zn Oesterreich gährt es gewnltig; die in jenem son- derbaren Staatenkomplex vereinigten Völker fühlen es ganz 'nstinktw, daß die bulgarischen Wirren nur ein Vorspiel tur die Neugestaltung ihrer eigenen Lage sind. Die Heuchelei der offiziösen Presie ist in Oesterreich zwar ebenso Troß wie anderswo, aber sie ist nicht groß genug, um Alles Zu übertünchen, was gegentheiliger Meinung ist. Und so tst es auch keineswegs wunderbar, daß.Dr. Smolka und "ras Tisza bei Eröffnung der Delegationen in Pest— ttju" kann fast sagen in die Kriegstrompete gestoßen haben. -viese Herren, so wenig sie uns sonst sympathisch sind, lcheinen über die öffentliche Stimmung sehr wohl informirt Zu sein. Oesterreich hat gewiß keinen Grund, sich nach £>nem Kriege mit Rußland zu sehnen; Smolka und Tisza haben aber der Entrüstung über die russischen Brutalitaten Ausdruck gegeben, einer Entrüstung, die im Volke in der j-9«t vorhanden ist. Herr Smolka, der einst so schneidige Präsident des österreichischen Reichstages von 1848, ist ein Pole und ihm kann man es nicht verdenken, wenn er gerne Legen Rußland demonstrirt. Die Antwort des Kaiser? von Oesterreich auf diese Demonstration hatte den Zweck, die erregte öffentliche Mei- Nung zu beschwichtigen. Sie sollte ein Dämpfer sein für die beiden Heißsporne m den Delegationen. Zugegeben, daß e? sehr schwer ist, gegenüber den augenblicklichen Zuständen ein allgemein befriedigendes Wort zu sagen. Wir wollen bsi Worte zitiren, die der österreichische Monarch über j Lösung der bulgarischen Wirren gesprochen hat. Sie nuten: «Die Bemühungen meiner Regierung sind dahin ge- WJ* et, daß bei der schließlichen Regelung der bulgarischen mje' die unterMitwirkungder Mächte erfolgen oefl' dem autonomen Fürstenthum ein legaler Zustand CV........." _ 10 Die vortrefflichen Bezie ......., gen, in welchen wir mit f r" Mächten stehen und'die Versicherungen 3W'cher Intentionen, die wir von allen txJ'�igen erhalten, laffen die Hoffnung bestehen, daß es, SßnR schwierigen Lage im Oriente, gelingen wird, unter Unh rtJ�g der Interessen Oesterreich-Ungarns der Monarchie Europa die Segnungen des Friedens zu erhalten." zn. ,�uS diesen Worten läßt sich also entnehmen, daß die bi«.■ Diahren werden, die Lösung der Orientfrage auf dem boff � Wege zu betreiben. Und daS läßt uns nicht viel do,i' �enn gerade auf dem bisherigen Wege ist Rußland �Mielangt, eine so drohende Stellung einnehmen zu kön- Feuilleton. Im Hause des Uerderdens. Kriminalroman. Von Reinhold Ortman«. f geraume Weile blieb Ramfeld in dieser seiner tbii. gelungenen Vermummung lauschend an der Zimmer- öff»..' heu; dann, als draußen kein Laut hörbar wurde, ßqJr et vorsichtig ein wenig und spähte hinaus. Der k._ i0* war ganz menschenleer, und nur von unten auS toinA�ke schallten einige Stimmen herauf. Mit be- die n�Wswürdiger Geschwindigkeit huschte Ramfeld, ohne feinMcfe zu verlöschen oder sonst etwas an dem Zustande bim.» Ummers zu verändern, hinaus, schloß die Thür mit,.Jech ab, schob den Schlüffel in die Tasche und glitt in i», m schritten die Treppe hinab. Niemand kam ihm <$x.-" Weg, denn die Schenkstube war so angefüllt von war.»"' p sämmtliche dienstbaren Geister aufgeboten worden Tor»' �. daß Niemandem Zeit blieb, sich um die übrigen Und ,®e im Hause zu kümmern. Mit gebeugtem Nacken SiainAw? nach innen gekrümmten Beinen durchwanderte des sm""'ge kurze Straßen, bis die Häuser an den Seiten den ist08* allmälig aufhörten und der letztere vollständig rasck.v e�r einer Landstraße annahm. Jetzt schritt er Mehr."IT rüstiger vorwärts, denn er hatte keine Beobachtung bei üirchten, und jeder Entgegenkommende mußte ihm genüaent.«dheit und Flachheit der Chauffee schon aus die Zr" �"ifernung sichtbar werden, um noch rechtzeitig �Al«"�8",r?"��grln möglich werden zu lassen. Sch� die Uhr der Neudorscr Kirche mit ziemlich du dünnen einer�& � achte Stunde verkündete, betrat Ramfeld an hatte Iii abgelegenen Stelle den Brandensteiner Park. Er ""a ketzten vierundzwanzig Stunden ge- ahne N.si„ ortlichen Verhältnisse unterrichtet, so daß er Ziagen konnte kürzesten Weg nach dem Teiche ein- �orsich" g" �e desselben wendete er wieder die äußerste druckte sich behutsam und geräuschlos von nen, wie jetzt; auf dem bisherigen Wege hat es die Türkei zersplittern und seinen Vasallen alle möglichen Vortheile zu- wenden können; auf dem bisherigen Wege ist es dazu ge- langt, den europäischen Frieden unaufhörlich gefährden zu können und Verträge zu schließen mit der Absicht, dieselben nicht zu halten, während es Andere als Vertragsbrecher be- zeichnete. So lange die Mächte gemeinsam mit Rußland die Orientfrage lösen wollen, werden sie nie zum Ziele gelan- gen; Rußland wird, wie die Geschichte des ganzen Jahr- Hunderts beweist, dabei immer nurprofitiren und seine drohende Machtstellung vergrößer,?. Wenn sich nicht alle mittel- und westeuropäischen Mächte gegen Rußland vereinigen, dieses aus dem europäischen Konzert auszuschließen, dann wird wenig zu erreichen sein. Aber auch nur ein europäischer, gegen Rußland gerichteter Staatsbund kann eine Kriegsgefahr für die Dauer beseitigen. Denn aegen eine solche Macht, so lange sie sich nicht durch Zntriguen schwächen oder sprengen ließe, würde Rußland kaum einen Angriff wagen. Oesterreich, gegen welches die russische Eroberungs- Politik nunmehr in erster Linie gerichtet ist, bietet allerdings eine Bevölkerungsmosaik, wie sie bunter nicht gedacht wer- den kann. Die einem solchen Staatswesen innewohnende Tendenz ist immer eine zentrifugale; sie gebt dem Ausein- anderfallen zu. Momentan wäre ein Zerfall Oesterreichs wegen der russischen Gefahr bedenklich; ohne diese Gefahr hätte außer den Staatsmännern zu Wien Niemand ein Jntereffe an dem Bestände des sonderbaren Konglomerats, welches das österreichische Reich darstellt. Ohnehin hat die österreichische Politik schwere historische Schulden zu bezahlen. Sie hat die Hand geboten, als Polen niedergeworfen, auS der Liste der Staaten und Nationen ge- strichen und getheilt wurde, nur um eine Anzahl Quadrat- meilen Länderzuwachs und so und so viel Unterthanen mehr zu erhalten. Es half seine eigene Vormauer niederreißen, eine Politik, die sich nun rächt. Es rief 1849 die Ruffen nach Ungarn und warf mit ihnen ein tapferes Volk nieder, das seine alten Rechte gewährleistet haben wollte. Das Alles rächt sich heute. Wenn der Kaiser von Oesterreich sagt, daß seine Regierung von allen Mächten die bündigsten Friedensversicherungen erhalte, so glauben wir sehr gern, daß auch Rußland die feierlichsten Friedens- betheuerungen nach Wien sendet. Aber soll man diese Friedensbetheuerungen der russischen Staatsmänner für auf- richtig halten? Dem widersprechen alle seither gemachten Erfahrungen. Die zulässigen Wünsche der Bulgaren sollen berücksichtigt werden! Wer aber soll bestimmen, welche Wünsche zulässig sind und welche nicht? Wird man Rußland zwingen können, den Baum zu Baum, die rechte Hand in der Brusttasche seines Rockes bergend und scharf umherspähend, ob seine Gegenwart irgendwo von einem menschlichen Wesen bemerkt werde. So gelangte er in etwa zehn Minuten hintet die dichte Baum- gruppe, welche er dem Baron als RendezvouS-Platz mit der Fremden bezeichnet hatte. Hier hielt er bei seinem Vor- wärtsschleichen sogar den Athem an; denn es war so still und er war dem Teiche so nahe, daß er fürchten mußte, sich durch daS leiseste Geräusch zu verrathen. Jetzt stand er mitten unter den verbergenden Bäumen, und seine Wände- rung schien zu Ende zu sein. In seiner unmittelbaren Nähe, kaum vier Schritte von ihm entfernt, saß Curt von Brandenstein auf einem moosbewachsenen Baumstumpf, das Kinn in beide Hände gestützt und starr vor sich niedersehend auf den Boden._„ Die Hälfte seines Gesichtes war der Stelle zugewendet, an welcher sich Ramfeld befand; aber dieser selbst war durch die hereingebrochene Dämmerung und durch die in einander verschlungenen Zweige der Buchenbäume sicher genug ver- ��Einige Sekunden blieben beide Männer regungslos in ihren Stellungen. Es herrschte eine so tiefe Ruhe in diesem abgelegenen'Theil des Parke«, daß das Rauschen eines BaumzweigeS. der sich unter dem Sprunge eines Eichhdrn- chens bewegte, den Baron ganz erschreckt zusammenfahren ließ Er lauschte empor und blickte suchend ringsum, aber Alles war wieder so lautlos wie zuvor und so sank er in sein voriges dumpfes Hinbrüten zurück. Mit unendlich langsamer, kaum merklicher Bewegung zog Ramfeld jetzt seine Hand aus der Brusttasche hervor. Sie hatte sich nicht ohne Zweck an dieser befunden denn knackte nur ganz leise, als er ihn zurilckzog so le.se daß der unheimliche Klang nicht einmal bis zu Curt hinüberdrang; dann schob sich der dunkle Lauf der Waffe ganz langsam, wie eine herankriechende Schlange durch die Zweige- weiter und weiter auf den Baron zu, bis ihm Ramfelds völlig ausgestreckter Arm einen Halt gebot. Einige Sekunden Anschauungen der Mächte sich anzuschmiegen? Die russischen Diplomaten werden lächelnd alle Friedensverträge unter- zeichnen, um sie nachher lächelnd zu brechen. Wenn irgend jemand, so sind wir Gegner der Kriege. Aber wir können nur nicht sehen, wie man einem Kriege ausweichen will, wenn man in der Orientpolitik die alten Bahnen wandelt, die es doch gerade sind, welche die gegen- wärtige bedrohliche Situation herbeigeführt haben. Wenn es Rußland gelingt, die einzelnen Mächte nach einander anzugreifen, so sieht es schlimm aus. Nur ein europäischer Staatenbund gegen den Feind im Osten kann uns davor bewahren, daß Rußland immer mehr an Ueber- gewicht gewinnt; eine solche Macht allein ist im Stande, der Arglist und Gewalt Rußlands die gebührenden Schranken zu setzen._ Politische Peberstcht. Die neuen Wählerlisten für den ersten Reichstags- Wahltreis liegen im städtischen Wahlburcau, Köllnisches Rath- Haus, Brcitesttaße 20», 2 Treppen, Zimmer 24, öffentlich zn Jedermanns Einsicht aus und zwar in den Wochentagen von Vormittags 9—3 Uhr und Sonntags von Vormittags 11 bis 4 Uhr. Für das Recht auf Arbeit tritt wiederum das Kanzler- blatt ein, indem es schreibt:„Auch die Arbeitsscheuen unter den Vagabunden waren nicht alle von Anfang an arbeitsscheu, sondem sie wurden es meist erst, als sie sahen, daß ihre Be- mühung, Arbeit zu fiuden, vergeblich war. Der Pflicht der Selbsterhaltung, deren Bestehen für den Ein- zelncn voll anerkannt werden soll, steht daher ein Recht gegenüber, ein Recht, durch Arbeit sich s e l b st zu erhalten."— Wir erkennen dieses Recht vollständig an, möchten uns aber an die Gelehrten der„Nordd. Allg. Ztg." die Frage erlauben, wie sie sich auf dem Boden der heutigen Wirthschnftsordnung die Verwirklichung die, es Rechtes denken. Die heutige, auf der.Herrschaft des Kapitalbcsives beruhende Wirthschaftsordnung kennt nur das Recht des Unternehmers, Arbeiter auf die Straße z u setzen, wenn sie in Folge technischer Fortschritte oder schwindenden Absatzes nicht mehr gebraucht werden, und solange das Kapital die Leitung der Produktion in den Händen hat, kann ihm offenbar nicht die Pflicht auf- erlegt werden, Arbeiter zu„erhalten", für die es keinen Bedarf hat. Das„Recht aus Arbeit" setzt daher eine vollständig neue Grundlage auf witthschaftlichem Gebiete voraus, setzt voraus» daß die alte Grundlage erst„untergraben" wird. Und solche Wege sollte das sozialistenfresierische Kanzlerblatt wandeln? Wahrscheinlich meint es aber mit dem„Recht, durch Arbeit sich selber zu erhalten", nur das Recht, gegen Steineklopfen von der Gemeinde oder dem Staate durch Almosen erhalten zu werden— ein Recht, für das die Arbeiter bestens danken. u der Betheiligung des Deutschen Reichs an der ahre 1889 stattfindenden Pariser Wi r m !elt- blieb er unbeweglich in dieser Lage, dann— ein schwacher Knall, ein kurzer halbunterdrückter Schrei und eine dünne Rauchwolke, die langsam und träge durch die Baumzweige nach oben zog.-- Der Baumstumpf, auf welchem Curt von Brandenstein geseffen hatte, war leer: einen Schritt weiter nach dem. Ufer des Teiches zu, lag lang ausgestreckt eine regungslose Gestalt, die rechte Hand an die Schläfe gedrückt und das Gesicht nach dem Boden gekehrt. Es war»och zweimal ein konvulsivisches Zucken durch den niedergeworfenen Körper gegangen; dann aber hatte er sich nur noch straffer ausgestreckt, ohne weiter die leiseste Bewegung zu. machen. Gleich darauf flog ein kleiner dunkler Gegenstand, der große Aehnlichkeit mit einem Revolver hatte, in kurzem Bogen durch die Luft, um mit klatschendem Aufschlagen etwa in der Mitte des Teiches zu versinken. Neben dem leblosen Körper aber kniete Doktor Ramfeld, ihn mit raschem, träf» tigen Griff auf die Seite wendend. Als ihm dies gelungen war, starrte ihm ein fahles Todtengesicht mit weitgeöffnetem glasigen Augen entgegen. Unter der Hand hervor, die sich noch im Moment des Sterbens auf die tödtlich getroffene Schläfe gedrückt hatte, war ein ganz schmaler Blutstreifen in schräger Richtung über das Antlitz und über das Ober- Hemd gesickert; aber der warme Lebensquell war sehr rasch versiegt. Ramfeld warf nur einen flüchtigen Blick auf das Gesicht des Todten; ob dieser Blick in seinem eigenen Ant- litz irgend eine Veränderung hervorrief, war hinter der dunklen Brille und dem mächügen falschen Bart nicht zu er- kennen; seine Hand aber zilterte jedenfalls nicht, als er in die Brusttasche des Entseelten griff und ein ziemlich um- fangreiches Kouvert zum Vorschein brachte, das er nach kurzer Musterung hastig in seiner eigenen Kleidung verbarg. Dann sprang er in die Höhe, schlüpfte mit der Geschwindigkeit und Vorsicht eines verfolgten Fuchses zwischen den Bäumen da- von und ließ den Todten, dessen bleiches Gesicht und deffen gebrochene Äugen jetzt empor zum Himmel gerichtet waren, allein an der düsteren Stätte. Unmittelbar neben der Leiche lag im Grase jetzt etwas Glänzendes, ein kleines goldenes Medaillon, mit einem. st ellung crflärt ein Berliner Korrespondent der Mun- ttner„Allg. Ztg.", daß man solcke Fragen vom politischen tandpnnkt nicht diskutiren solle. Wir sind gegentheiliger An- ficht; wir halten die Betheiligung Deutschlands an der franzö- fischen Weltausstellung gerade im politischen Interesse beider Rationen für sehr ersprießlich. Wenn sich die Nationen nur auf blutigen Schlachtfeldern kennen lernen, so trägt das natürlich nicht bei zu einem friedlichen, freundschaftlichen Neben- einander wirken in den kulturellen Fragen der Zeit. Lernen sich aber die Völker auf den friedlichen Kalnpfgesilden der Kunst und Industrie näher kennen, so ist auch der Weg gefunden, der zum dauernden Frieden und hoffentlich auch zu gegenseitiger Unterstützung führt. Darin liegt die hohe politische Bedeutung oller internationalen Weltausstellungen, sie sollen Verdrüde- rungsfeste der Nationen werden.— Aber auch für die deutsche Industrie ist die Betheiligung an der französischen Weltaus- stellung direkt von Bedeutung. Zeigt sie sich dort den In- dustrien der übrigen Kulturstaaten gewachsen, so wird manches Borurtheil zerstört werden und materieller Vortheil erblühen; ist sie noch zurück, so wird sie sich bessern, sie wird größere An- strengungen machen müssen, um eine höhere Stelle zu erringen. Nach einer Niederlage sind die Meuschen meist am regsten. Aber wir glauben gar nicht an eine Niederlage, welche die deutsche Jndustie in Paris erleiden würde; wir sind der Ucber- zeugung, daß sie würdig neben der französischen, englischen und norvamerikanischen ihren Platz behaupten wird. Im Falle des Fernbleibens aber wird man überall sagen, Deutschland habe schon vor dem Kampfe die Waffen gestreckt. — Der Korrespondent der„Allg. Ztg.", der kein Franzosen- freund zu sein scheint und auch die Bctheiligung an der Aus- stellung lediglich dem Ermessen der deutschen Industrie anHeim- giebt, meint aber doch, es sei selbstverständlich, daß während ver Dauer der Ausstellung der gesellschaftliche Bann, den das revanchelüsterne Pariser Publikum über die Deutschen verhängt habe, aufhöre. Der Franzose verstände es, in solchen Fällen feinen politischen Gefühlen Zwang anzuthun. Wir sind weniger pessimistisch. Wir glauben, daß die große Mehrzahl der Fran- zosen ihren politischen Gefühlen keinen besonderen Zwang anzuthun braucht, um während der Weltausstellung die Deutschen mit Freuden zu begrüßen. Aber wäre selbst das «stcre der Fall, so läge darin doch die deutscherseits oft angc- zweifelte Gewähr, daß auf der Weltausstellung zwischen Fran- Zosen und Deutschen keinerlei nennenswerthe Konflikte vorkommen werden.— Der Korrespondent der„Allg. Ztg." meint nun noch, daß die deutsche Reichsregierung sich jeder Aufmunterung zu der Bctheiligung an der französischen Ausstellung enthalten werde, um ihrem Verlangen, daß zwischen den einzelnen Staaten eine Art Vereinbarung über die Reihenfolge der Weltausstel- jungen angebahnt werde. Nachdruck zu geben. Eine solche Vereinbarung halten auch wir für gut. Aber wo kann dieselbe am besten getroffen werdm, als auf der nächsten Weltaus- stellung? Dort ist der richtige Ort dazu und wenn die deutsche Reichsregierung eine solche Vereinbarung anregt, so wird sie überall Zustinimung finden. Ein Fernbleiben von der Pariser Ausstellung schließt aber den Gedanken einer Vereinbarung über die demnächstige Reihenfolge völlig aus. Die deutsche Reichsregierung bat oft genug Gelegenheit gehabt, eine Weltausstellung in Berlin «n Szene zu setzen. Sie hat dies leider nichtaethan. Bei der Vereinbarungsfrage aber braucht sie nur den Wunsch zu äußern, die folgende Ausstellung in den Mauern Berlins zu sehen, und sämmtliche Kulturnationen, Frankreich mit einbegriffen, werden sicherlich zustimmen. Teutschland hat aber bis jetzt gar nicht die Absicht kundgegeben, eine Weltausstellung zu feiern; von den andem Nationen aber konnte es dazu doch nicht ge- Svungen werden. So fällt auch der letzte Grund, der gegen en Besuch der Pariser Ausstellung angegeben wird, in Nichts zusammen. Also, auf nach Paris!— Wir würden ein Zurück- »alten für einen der größten Fehler halten, den das Deutsche Reich in politischer, nationaler und wirthschaftlicher Beziehung begehen kann. Ueberanstrenguug des Eisenbahnpersonals. In der neulichen offiziösen Ankündigung, daß gegen diejenigen Blätter, welche Ueberanstrengung und Ueberbürdung der Eisenbahn- beamten in Folge übel angebrachter Sparsamkeit der Vcrwal- tung als Ursache der neuesten Eisenbahnunfälle bezeichnet hätten, strafrechtlich vorgegangen werden solle, war behauptet worden, daß auf sorgfältiger Erwägung der Verhältnisse be- ruhende, sehr gemessene Vorschriften über das Maß der Dienst- ruhe bestehen, welche im Interesse der Betriebssicherheit wie der Humanität den Beamten des äußeren Eisenbahndienstes zu Theil werden sollen, Vorschriften, mit denen eine Ueberanstten- gung nicht vereinbar sein würde. Allerdings hat das Reichs- eiserwahnamt bereits unter dem 21. Januar 1875 einen Erlaß in Betreff des zulässigen Maximums der täglichen Dienstzeit der Beamten an sämmtliche Eisenbahnverwaltungen Deutsch- lands(cxkl. Bayerns) gerichtet, wonach z. B. für Bahnwärter und Weichensteller eine tägliche Dienstzeit von 14 S t u n- den als zulässiges Maxin, almaß zu betrachten ist und bei Re- gelung der Dicnststunden des Maschinen- und Fahrpersonals darauf Bedacht genommen werden soll, daß die betreffenden Beamten nicht übermäßig fange und über ihre Kräfte hinaus kurzen goldenen Kettchen. Namfeld hatte es nicht dort ver- loren, er hatte es ganz bedächtig auf den Boden gelegt, und es war kein Zweifel, daß es Jedem in die Augen fallen mußte, der die Stelle etwas näher untersuchte.—--- Diesmal stand der Hausknecht des„Schwarzen Ad- lers" unter dem breiten Thorweg, als sich ein schähig aus- sehender Mensch mit einem großen Bart, einer dunklen Brille und einer tief herabgezogenen Mütze an ihm vorbei in das Haus schob. Er hatte anfangs nicht übel Lust, ihn Sar nicht einzulassen; als er aber auf die eingekrümmten !nie und die gebeugte Haltung des Mannes sah, wurde er mitleidig und dachte:„Mag er sich immerhin etwas er- betteln!" Zehn Minuten darauf klingelte Ramfeld, der in ele- gantem Anzüge vor seinem Schreibtisch saß, sehr heftig nach dem Kellner und befahl ihm, auf der Stelle das Abendessen zu bringen, das er nun schon seit einer Viertelstunde ver- geblich erwarte. XVIk. Als Georg Holmfeld in Neudorf den Omnibus, der ihn von dem Städtchen hergeführt, verlassen hatte, sagte der Kondukteur, der ihn recht wohl kannte, mit einem Achsel- zucken zum Kutscher: „Der sieht heute auch nicht aus, als wenn er zu einem Hochzeitsschmause ginge. War sonst ein so ernster, ruhiger Manm doch heute hat er während der ganzen Fahrt nicht eine Minute stillgesessen!" Wirklich hatte Holmfeld zu wenig gelernt, sich zu verstellen, als daß sich nicht seine Unruhe und Besorgniß ziemlich deutlich hatte in seinen Bewegungen und in seinem Gesicht ausprägen sollen. Mit finster zusammengezogener Stirn wanderte er auf Brandenstein zu, und wenn auch das heiße Verlangen, Elsbeth zu sehen und endlich eine Gewißheit zu erhalten, seine Schritte wiederholt zu großer Eile beschleunigte, so legte sich doch der Widerwille dagegen, den verhaßten Boden noch einmal zu betreten, immer wieder wie ein Hemmschuh dazwischen. Endlich hatte er die Grenze der Feldmark überschritten und nun gab es kein Besinnen mehr. An Elsbeth's Mahnung denkend, hielt sich Holmfeld immer auf den Wegen, die er als die wenigst betretenen ununterbrochen Dienst zu thun haben und daß die Ruhepausen möglichst nach dem Stationsorte des Betteffenden gelegt wer- den. Trotzdem ergab sich nach den seitens des Reichseisenbahn- amtes im Jahre 1879 angestellten Erhebungen über die Ein- theilung und Dauer des Dienstes derjenigen Eisenbahn-Unter- beamten, welchen die Sicherheit des Betriebes vorzugsweise anvertraut ist, daß von einzelnen Eisenbahnvcrwaltungen über das vorgeschriebene Dienstmaß in einer für die Sicherheit des Bettiebes nicht unbedenklichen Weise hinausgegangen war, z. B. das in einem einmonatiichen Zettraum in maximo zu leistende Tienstmaß bei einigen Bahnen für Bahnwärter 540 bis 555 Stunden(das sind Tag für Tag 18 Stunden und mehr!), für Weichensteller 555 Stunden (über 18 Stunden täglich!) und für Lokomotivführer und Heizer 522 Stunden(17— 18 Stunden täglich!) betrug. Hierdurch sah sich der preußische Minister der öffent- lichen Arbeiten veranlaßt, unter dem 31. Dezember 1879 sämmtlichen königl. Eisenbahndirettionen uc. den vorerwähnten Erlaß des Reichseiscnbahnamtes vom 21. Januar 1875 in Erinnerung zu bringen. Diese Erinnerung scheint jedoch nicht allenthalben und auf die Dauer gefruchtet zu haben, und statt die Zeitungen, welche im öffentlichen Interesse aus Anlaß der Eisenbahnunfälle hierauf aufmerksam gemacht haben, mit Ver- folgung zu bedrohen, sollte man lieber derartige Unregelmäßig- keiten verfolgen. Jedenfalls werden durch solche Verfolgungen sicherer Eisenbahnunfälle vennieden werden, als durch die Ver- folgung von Zeitungen. Tie Absonderlichkeit der Militärgerichtsbarkeit für Offiziere, wonach dieselben, auch wenn sie längst aufgehört haben, im aktiven Dienste zu stehen, und etwaige von ihnen verübte Vergehen in gar keinem Zusammenhang mit militärischen Angelegenheiten stehen, doch nur vor Militärgerichten zur Ver- antwortung gezogen werden können, führt zu ganz ungeheuer- lichen Zuständen. So wurden in Altona vor einiger Zeit Haus- frauen als Zeugen vor das Kriegsgericht geladen, weil ein Guts- besitzer und früherer Major wegen des Vergehens der Milch- f ä l s ch u n g nur vor dem Kriegsgericht abgeurtheilt werden konnte. In Barmen berief sich ein wegen unterlassener Ret- nigung des Straßendammes angeklagter städtischer Sttaßenreinigungsinspektor gegen die Zuständigkeit des bürger- liehen Gerichts auf seine Eigenschaft als früherer Offizier. Ein Bürgermeister oder Amtniann, der als Lieutenant abgegangen ist, kann wegen Vergehens im bürgerlichen Amte nur durch das Militärgericht abgeurtheilt werden. Sogar in Bezug auf K o n k u r s v e r g c h e n ist für den Kaufmann, der früher Offizier war, das Militärgericht zuständig. Besonders eigen- artig liegen die Fälle, wo frühere Offiziere als verantwortliche Redakteure fuirgircn. Alsdann gehören alle Fälle, beispiels- weise der Beleidigung, vor das Militärgericht. Daß ein Land- rath, welcher Kreisausschuß-Mitglieder zum Zweikampf heraus- gefordert, vom Staatsanwalt nicht zur Verantwortung siezogen werden kann, weil der erstere als Landwehroffizier nicht der bürgerlichen Gerichtsbarkeit untersteht, haben wir in einer der letzten Nummern gemeldet. Es erübrigt nur noch, daran zu erinnern, daß auch Fürst Bismarck, obwohl er seit einem Menschenalter keinerlei Militärdienst gethan hat, doch als Titulargeneral nur vor Militärgerichten wegen Beleidigung verklagt werden kann. Als letzteres Herr von Tieft- Daber einmal versuchte, erlangte er bekanntlich keinen Rechtsspruch, weil das für Generäle zuständige Militärgericht nicht gebildet wurde. In Betreff der kirchenpolitischen Verhandlungen weiß ein römisches Telegramm des Reutcrschen Bureaus zu melden, daß eine Vereinbaning über die A n z c i g e p f l ich t bereits erzielt und das bezüsiliche Abkommen von dem Kardinal Jaco- bini und Herrn v. schlözer unterzeichnet sei. Von Seiten der Wollzüchter wird eine Eingabe an den preußischen Minister für Landwirthschaft geplant, in welcher derselbe ersucht werden soll, Bestrebungen zu unterstützen, die auf eine Zentralisation des deutschen Wollmarktes, sowie auf die Erwirkung eines Verbots, betr. die Vcrwerthung von Lumpen zur Anfertigung von Kleider- st o f f e n gerichtet sind. Von einer Wollzollpetition scheint man vor der Hand Abstand nehmen zu wollen. Auch die oben erwähnte Forderung ist ja durchaus nicht blöde und würde dm Absatz der Wollproduzenten bedeutend erweitem. Der Ueberschuß des„Reichsanzeiger", welcher zugleich preußischer Staatsanzeiger ist, soll künftig zu gleichen Hälften zwischen der Reichskasse und der preußischen Staatskasse gethcilt werden. Bisher erhielt die Rcichskasse nur ein Drittel. Die Mehreinnahme von Jnseratm im„Rcichsanzeiaer" ist aber hauptsächlich eine Folge des Erlasses von neuen Reichsaesctzen. Der Ueberschuß des„Reichsanzeige?' ist auf 170720 M. veranschlagt. So hat die modeme Gcsetzesfabrikation wenigstens ein Gutes. Nochmals der Landrath Wilhelm Bismarck und die Voltsschullehrer. Nach der,,Freis. Ztg." haben wir neulich berichtet, daß der Landratb Wilhelm Bismarck in einer Ver- fügung einem Volksschullehrer kundgegeben hat, daß das Kartenspielen in einem öffentlichen Lokal mit dem Amt eines Volksschullchrers nicht zu vereinbaren sei. Der Artikel kannte, und so kam er denn fast auf demselben Pfade, den eine Stunde vor ihm Dr. Ramfeld beschritten hatte, an dem verlassenen und jetzt fast völlig vom Dunkel verhüllten Teiche an. Es waren schon einige Minuten über die in dem Billet festgesetzte Zeit verstrichen, doch nirgends erblickte er Els- beth. Er umwandelte den ganzen Teich und rief mehrmals mit gedämpfter Stimme ihren Namen, ohne eine Antwort zu erhalten. Seine Erregung und ängstliche Spannung steigerte sich mit jeder Minute weiteren nutzlosen Wartens. Die Viertel- stunde, welche ihm in diesem Zustande verstrich, dünkte ihm eine qualvolle Ewigkeit und endlich faßte er den Entschluß, noch einmal sorgsam umherzuspähen und Elsbeth dann aus jede Gefahr hin in dem Dorfe auszusuchen, in dem sie mit ihrem Bruder Wohnung genommen hatte. So schritt er noch einmal am Ufer des Teiches dahin, und mußte dabei die ganze Sehkraft seiner Augen aufbieten, um die schnell wachsende Dunkelheit nothdürftig durch- dringen zu können. Da stieß sein Fuß an einen im Wege liegenden Gegenstand, der vem Druck um ein Geringes nachgab. Eine Baumwurzel konnte es also nicht gewesen sein, und so beugte er sich nieder, um das Hinderniß näher zu untersuchen. Ein Schauer des Entsetzens durchzuckte seine Glieder, als er eine lang ausgestreckte, leblose menschliche Gestalt er- kannte, deren Gesicht, als er sich csanz nahe darauf niederbeugte, ihn mit einem unheimlich drohenden Ausdruck an- zusehen schien. Er kannte dieses Gesicht nur zu wohl, denn es hatte seit mehreren Tagen fast unausgesetzt vor seiner Seele gestanden, und gar manches Mal hatte sich in Momenten der Erbitterung der Wunsch in ihm geregt, es noch einmal vor sich zu sehen. Jetzt war der Wunsch in Erfüllung gegangen, aber in einer so entsetzlichen, grauen- haften Weise, daß minutenlang kein anderes Gefühl als das eines starren, lähmenden Schreckens in der Brust des jungen Mannes die Oberhand gewinnen konnte. Als er sich endlich mit einer gewaltsamen Anstrengung aus seiner gebeugten Stellung erhob, streiften seine Finger zufällig die Hand des Todten. Sie war so eisig kalt, daß schloß mit der Frage:„Hat Graf Wilhelm Bismarck immer so strenge Ansichten über das außeramtliche Verhalten öffentlicher Beamten vertteten?" Dazu wird der„Freis. Ztg." nunmehr von zuverlässiger Seite aus Hanau unter Angabe eines Augen- zeugen folgendes mitgetheilt:„Es ist noch nicht lange her— es war in der Nacht nach dem Sedanfeste— daß unser Herr Landrath, unterstützt durch mehrere Herren vom Zivtt und Militär, weil das Gasthaus zu den drei(Namen unleserlich) geschlossen war, kurzer Hand mittels Aufklettems in den oberen Stock eingestiegen ist, um auf diesem Wege in das untere Wwthslokal zu gelangen. Man hat im Publikum— stimmt- liehe Volksschullchrer gewiß einbegriffen— wenig dabei gefunden, man hat darüber gescherzt, und gewiß hat es Jeder- mann fern gelegen, dieserhalb eine Beschwerde irgendwie zu führen. Nun sollte man aber doch andererseits meinen, daß man auch kein Verbrechen darin finden sollte, wenn ein Lehrer an einem öffentlichen Orte einmal Skat spielt." Der sozialistische Landtagsabgeordnete Joest hat an die hessische Regierung folgende In terpellation gerichtet: „Hat die großh. Regierung Kenntniß davon, daß in letzter Zeit ohne alle Veranlassung, m rein willkürlicher Weise, Volks- Versammlungen verboten und aufgelöst wurden, wodurch das den Staatsbürgern durch Gesetz vom 16. Mai 1848 gewährleistete Versammlungsrcchk illusorisch gemacht wird. Ist ins- besondere die Regierung davon unterrichtet, daß gestern eine dahier tagende Wählcrversammlung wegen der Acußcrung: „August Bebel zähle zu den besten Rednern des Reichs- kages", durch den Polizeikommiffär Schüler auf Grund des Sozialistengesetzes aufgelöst wurde, und wenn ja: was gedenkt die großh. Regierung zu thun, um derartigen Mißbräuchen der Amtsgewalt entgegen zu wirken." Wieder ein seltsames Verbot. Aus Eßlingen be- richtet der ,Beob.": Am Sonnabend Abend sollte hier eine Volksversammlung im Schwanensaal stattfinden mit der Tages- Ordnung:„Das Testament Peters des Großen und die b u l- g a r i s ch e F r a g c." Als Redner war der Reichstagsabgeordnete für Braunschweig, Herr Wilhelm B l o s, bestimmt. Zu allge- meinem Erstaunen wurde die Versammlung auf Grund des Sozialistengesetzes verboten und zwar, wie es heißt, auf Be- treiben des Oberamts. Was die bulgarische Frage mik dem Sozialistengesetz zu thun hat, bleibt Geheimniß der Polizeu In Stuttgart hat Herr Bios über dasselbe Thema ungehindert sprechen dürfen. Es wird Beschwerde erhoben werden. Deutsches Wochenblatt. Gegen das von der Regierung von Oberbayern erlassene Verbot des„Deutschen Wochenblatt ist vom Herausgeber Beschwerde erhoben worden, mit deren Erledigung die Reichskommisflon gegenwärtig beschäftigt ist. Ein großer Hochverrathsprozeß würde sich an die Ver- Haftungen von Arbeitern in Buckau knüpfen, wenn man der gegnerischen Presse und dem offiziösen Telegraph Glauben schenken darf. Auch von Dynamit und Sprenggeschossen wird gemunkelt. Bei der Affäre Dedekind in Braunschwcig hat man bekanntlich dasselbe gethan, ohne daß ein Wort davon sich als wahr erwies. Also abwarten! Daß die radikal-sozialistische Literatur, insbesondere die Agitationsschriften und Kundgebungen der Arbeiterparteien aller Länder, gewiß Dokumente von größtem historischen Werth» in unseren öffentlichen Bibliotheken so wenig vertteten sind, darüber beklagt sich mit Recht der bekannte sozialpolitische Mit- arbeiter der„Volks-Leitrmg". Er schreibt sehr zutreffend:„Wer jemals ernsthafte geschichtliche Forschungen auf sozialem Gebiet angestellt hat, wird regelmäßig die schmerzliche Erfahrung ge- macht haben, wie außerordentlich schlecht es nach dieser Rick- tung bestellt ist. Mit sehr wenigen Ausnahmen, unter denen die'Münchener Hof- und Staatsbibliothek besonders rühmlick zu erwähnen ist, enthalten unsere öffentlichen Bibliotheken fast gar nichts von den literarischen Leistungen der arbeitendes Klaffen und ihrer Vorkämpfer; das„Kapital" von Marx u*". das„System der erworbenen Rechte" von Lassalle sind da» Aeußerste, wozu man sich etwa versteigt. Theils akademische Dünkel, welcher erst dicke Folianten als vollbürtig ansiehst theils die seltsame Vorstellung, daß, was von der Polizei ver- boten, auch für die Wissenschaft werthlos ist, hat bisher eint richtige Auffassung der Pflichten gehindert, welche öffem- liche Bibliotheken nach dieser Richtung haben. Insbesondere die hiesige königliche Bibliothek ist von einer wahrhaft be- schämenden Armuth in allem, was die Geschichte der proletatt- scheu Bewegung anbetrifft. Einzig und allein über die Pariser Kommune enthält sie viel Ouellenmatcrial, aber nicht etwa au» wissenschaftlicher Einsicht in die geschichtliche Bedeutung diese» Ausstandes, sondern weil der Hofrath Schneider in seinem biderbcn Ilnteroffizierverstande die Kommune als ein militärisches Ereigniß auffaßte und die Kommuneliteratur der söge- nannten„Kriegssammlung" aus den Jahren 1870 und M- einverleibte." G est-rr-ich Zlttgar». Von besonderer Bedeutung, weil den Anschauungen de» leitenden ungarischen Kreise entsprechend, sind die Bemerkungen, welche der Pester„Nemzct" an die T h r o n r e o- knüpft. Das als ofsiziös geltende Blatt hebt hervor, daß dre Holmfeld auf's Neue zusammenzuckte; aber doch hatte diese flüchtige Berührung in's Gedächtniß zurückgerufen, daß es seine Pflicht sei, hier augenblicklich etwas zu thun. drückte den herabgefallenen Hut auf die Stirn, um so schnei wie möglich das Schloß zu erreichen. Er glaubte, jeden Steg in der Umgebung des Herren- Hauses zu kennen, und doch mußten ihn die Dunkelhe' und die Bestürzung jetzt etwas verwirrt haben, denn er er- kannte bald, daß er sich in einer falschen Richtung befatzv- Auf's Gerathewohl wendete er sich zur Seite und ei» weiter. Aus einiger Entfernung schimmerte eine Lichtu�- durch die Bäume, und von da aus mußte es ihm werden, sich zurechtzufinden. Ohne länger auf dem K>� wege zu bleiben, brach er sich dann eilig durch daS Unter holz feine Bahn, das Gezweig der Büsche, welches sich entgegenstellte, unbarmherzig zerknickend, und der Fichtennadeln nicht achtend, die ihm hie und da das ficht ritzten.. Mit einem raschen Sprunge den kleinen Graben schreitend, der ihn noch von der Lichtung trennte, trat zwischen den letzten Stämmen hervor, um sich in demstm Moment von einer kräftigen Männerfauft an[der SchB gepackt zu fühlen. „Halloh, wer bricht denn hier durch wie das» i Gewissen!" rief eine Stimme an seinem Ohr, die er'' wohl kannte, und als er sich umwendete, schaute er i« n verblüffte Gesicht seines ehemaligen Untergebenen und sttzw g Nachfolgers, des Inspektors Windolf, der ihm gesttrn. Barons' Botschaft ausgerichtet hatte. In Begleitung e anderen Beamten war derselbe über die Felder geg««».. Er hatte das verdächttge Knacken und Brechen der gehört und sich auf die Lauer gestellt, um das Wild den Menschen, der da herausbrechen mußte, womögnck � zufangen. Das war ihm nun allerdings gelungen; ab, war von dem Fang, den er da gemacht hatte, so rascht und verdutzt, daß er Holmfeld stumm und ra v anstarrte.«ch „Lassen Sie mich los!" rief dieser kurz, indem mit einer energischen Bewegung von dem Griff des Atz � loS machte.„Gehen Sie, so schnell Sie Ihre Füße Rede einerseits die Erhaltung des Friedens betone. Anderer- seits aber meint das Blatt: Wenn Die Interessen des Reiches mit dem Frieden in Konflikt kommen, dann schrecken wir auch «or den Opfern des Krieges nicht zurück. Dies ist ein so na- «urlicher letzter Theil der Altemative, daß Niemand hierin eine Provokation oder eine Gefährdung des Friedens erblicken kann; oDfin dies ist zugleich ein so unerläßlicher Theil der Alter- native, daß ohne denselben keine Regierung von dieser Mon- ürchic und von der ungarischen Nation Opfer zu fordem ver- mag. Was die übrigen hervorragenden Blätter der ungarischen Hauptstadt anbetrifft, so sind„Pesti tzirlap" und„Egyetertes" mit der Thronrede im Ganzen einverstanden, weil sie in ihr die Grundgedanken der Auslassungen Tisza's wiederfinden. Auch das„Neue Pester Journal" äußert sich nicht unzufrieden, während„Budapesti Hirlap",„Pesti Naplo" und„Budapester Tagblatt" behaupten, durch die kaiserliche Ansprache sei von Seiten Oesterreich- Ungarns die Auslieferung Bulgariens an Rußland vollzogen. Dänemark. , Kopenhagen, 5. November. Tie Sozialdemokraten haben im Bolksthing Aenderunaen der F e st t a g s- Ordnung vorgeschlagen; sie wollen den Tag der Grund- Psesfeier, sowie die Wahltage zu besonderen Festtagen erheben. Zu der heutigen Sitzung kam die Vorlage zur ersten Lesung. �er sozialistische Abgeordnete P. Holm motivirte den Gesetz- Vorschlag und verwahrte sich und seine Gesinnungsgenossen na- mentlich gegen den Verdacht, dass derselbe politischen Motiven irrue Entstehung verdanke. Die Vorlage sei im Interesse Aller Mo könne Niemandem schaden. Der Justizminister entgegnete und einem andern Redner der Linken, daß der Vorschlag HO Mischling von Sabbath- und Arbeitergesetz sei. Der Mi- •Ujkr sympathisire mit dem Gedanken, den Arbeitern eine Nähere Freiheit einzuräumen, aber er müsse sich Acnderungs- Vorschläge zu einzelnen Bestimmungen vorbehalten. Das Be- sueden des Ministers gehe nicht darauf aus, dem Gesctzvor- immge absolute Hindernisse in den Weg zu legen, er sei viel- mehr bereit, die Vorlage in einem Ausschusse einer eingehen- Nren Berathung zu unterwerfen. Nach längerer Diskussion wurte der Vorschlag einem Ausschusse überwiesen. K-lgiett. Tie Thronred e, mit welcher am Dienstag die bel- Nlchen Kammern eröffnet wurden, bezeichnet die Beziehungen iu allen Mächten als vortreffliche, Belgien erfülle auf das Ge- wsssenhaftcste die Pflichten der Neutralität. Nachdem die �hronrede darauf hingewiesen, daß die industrielle Produktion Belgiens, welche durch die Ausstellung in Antwerpen gestärkt wi, sich nicht vermindert habe, wobei eine weitere Ausdehnung ver kommerziellen Beziehungen empfohlen wird, erinnert die- felbe an die Vorgänge in Lüttich und Charleroi. Unterstützt ourch die Arbeiten oer Enquetc-Kommission werde die Re- Nerung den Kammern Gesetzentwürfe über wichtige Deformen vorlegen; es handle sich hauvtsächlich darum, die Me Bildung von Äerufsgruppen zu begünstigen, ferner zwischen oen Arbeitgebern und Arbeitern neue Verbindungen herzu- Ilcllen und zwar durch die Bildung von Schieds- und Einigungs- Nntern; cS werde außerdem beabsichtigt: Regelung der Frauen- Ond Kinderarbeit, Beseitigung der Mißbrauche bei Lohn- Zahlungen, Erleichterung der Wohnungsverhältniffe, Herstellung von Einrichtungen für die Wohlfahrt und Unterstüvung der Arbeiter, insbesondere durch Versicherungen und Altersver- sorgungen, Bekämpfung der Trunksucht und der Unnioralität >m Allgemeinen, endlich wirksame Maßregeln gegen Lebens- Mittelfälschungen. Die Thronrede kündigt serner an, daß der König von dem ihm zustehenden Begnadigungsrechte m Bezug auf die wegen der Ausschreitungen in Lüttich und Charleroi Verurtheiltcn den weite st en Gebrauch machen In der Militärfrage nehme die Art der Reknitirung � Recht das Interesse der öffentlichen Meinung in Ansvruch, p'Mehr zu wünschen, daß das patriotische Einvernehmen der hxx Regierung die Lösung dieser Frage ermögliche. fiüiiü' Kanb der Finanzen sei trotz der herrschenden Krisis ein eine')!"■ Bezüglich des höheren Unterrichts werde den Kammern �vlage zugchen. lan��L�cnd die Thronrede von„Begnadigung" spricht, ver- kür ln Mator Erocq im Senat eine vollständige A m n e st i e l20n£®erurtheilten vom März. Dienstag Mittag zogen gegen kleid- Um aus Charleroi und Umgegend, meistens in Trauer- .....„„J Charleroi und Umgegend. vvg, vom Südbahnhofe nach dem Stadthaus� in Brüssel, Sufe'ip3 vielfach akklamirt; sie übergaben dem Bürgerm eister dank! Amnestiegesuch für Falleur und Genossen. Buls ju üjjjJJssk versprach, das Gesuch dem Präsidenten der Kammer Brüsseler Arbeiterpartei hat im Mittel- stück Stadt, am Place de Bavicre, ein großes Grund- Bäck �Fvorben, in dem Versammlungsräume, eine korporative -.aerei und ein sehr großes Bierlokal angelegt werden und cm sehr großes Bierlolal angelcgl werven olkes" Gebäude erhält die Inschrift:„Das Haus des ber-!�°" der ersehnten„Mäßigung" der Rechten mag ein s vorbereiteter Antrag einen Begriff geben; er will den bab und nehmen Sie sich vier Leute mit einer Trag- ein i, m't"ach dem Teiche. Der Baron— eS muß ihm unx"sitorf zugestoßen sein— ich habe ihn liegen gesehen -ch glaube, er ist todt!" (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst uttfc Zeven. hat c�.kehr reichhaltige Programm des Eden-Theaters . gen Tagen durch eine neue Nummer eine Erweite- uA �fahren, welche allabendlich lebhaften Anklang und rau- sie Produktion der Familie .... interessante Leistung, welche Niinf- a? außerordentlich geschickte und mit tollem Humor ge- �mhsührung sänimtliche Zuschauer in Staunen versetzt. •OCiföII finhrn QllA biß fn nrirtttipfTim iinb gete«............................„........ butrf. dem Vcloziped, eine hochinteressante Leistung, welche außerordentlich geschickte und nnt tollem Humor ge- Durchführung sänimtliche Zuschauer in Staunen versetzt. Wliul" �oifall finden auch die so originellen und phair- stell,, �viele der Royal Yokohama Troupe, die kühnen Dar- Unb�Ai'der Familie Eldin und nicht am wenigsten die fast Ringen Produktionen des Mr. Nigarras�an oen indischen Diese Kräfte, denen sich noch �ichterlaunen. die Waltons mit ihrer anschließen, üben eine An- durch täglich gut besuchte Häuser Das letzte Bnplement litt'rsire des eine Vorrede aus der Feder Jules „Premlörea lllusträes", in welcher der Komöd'ie Framaise eine höchst fesselnde Schil- !..�ner ganz verschiedenartigen Wirkungen entwerft, welche »Die ff!» �sdrung eines Stückes auf seinen Verfasser ausübt. Alten)?/ss»vle,ben ruhig wie der Feldherr unter seinen Sol- Dnnias. verlieren vollkommen den Kopf. Alexander dieser swl' besaß ein ganz besonderes Temperament in vfiffen.».''hung. Ztic z. B. hörte er, wenn gezischt oder ge- faßten/ er härte nur die Beifallsbczeugungen; mit der "befangenheit, glücklich, selbstzufrieden, belachte er von ""kivki n, aus seine eigenen Einfälle. Als man fernen %. C0Tirl in bor Komödie Francaise gab, nachdem Nsischt vorher cm Trauerspiel von Brennet vollständig aus- fangen w' begegnete Dumas dem Ausgezischten in den '�Nen neftw he«,9? und machte ihm eine Bemerkung über stvrgen Abfall. In demselben Augenblicke ertönte 700 abgesetzten Lehrern, die noch Wartegelder erhalten, „diesen Rentiers"(denen die Partei aus politischen Gründen, um ihre eigenen Leute anzustellen, ihre Stellungen genommen hat) diese Gelder entziehen! Frankreich. Die beiden Pariser Stadtrathswahlen fielm die . gegen Opportunisten aus. Im Notre-Tameviertel wurde ein Bürger- lichravikaler, im Saint-Louisviertel der S o z i a l i st F a i l l e t gewählt, der als tertius gaudens zwischen den zwei unverträg- lichen bürgerlichen Republikanern Durchschlüpfte. Die Organi- sation der„Possibilisten", welche Faillet aufgestellt hatten, be- währte sich auch bei dieser Stichwahl. Sie hat in den achtzig Pariser Stadtvierteln bis jetzt in dreien obgesiegt und De- droht die El menceau'schen Radikalen noch in mehreren anderen. Großkritannie«. Der Lordmayorstag hat die Londoner Spießbürger- schaft in arge Aufregung gebracht, weil man die Haltung der Arbeiter fürchtete. Der Korrespondent des„Berl. Tgbl. be- richtet über die Geschehnisse des Tages: Die Situation in der City unmittelbar vor Beginn der Lordmayors-Prozesfion war sehr ernst. In der Nähe des Mansion-House und der Bank hatten sich ungeheure Massen angestaut, welche aus ihren Höhlen im Ostende gekommen waren. Die Polizei, berittene sowie gewöhnliche Konstabler, dann zwei Eskadronen Garde- Kavallerie hatten Mühe, den freien Raum für die Prozession herzustellen. Der Pöbel pfiff und schimpfte gehörig auf die Polizei, nicht gntmüthig wie sonst, sondern grimmig; allein schließlich machte die Kavallerie freie Bahn. Für die Prozession im Westende, in der Nähe des Trafalgar-Square ist die Stimmung eine gedrückte. Obgleich Jedermann hofft und seinem'Nachbar sagt, es werde wohl ohne eine Emeute ab- gehen, sieht man doch besorgte Blicke. Trafalgar-Square und Umgebung sind von großen Volksmasscn voll, starke Polizei- abtheilungen halten alle Zugänge besetzt. Berittene Konstabler und Kavallerie-Schwadronen stehen auf allen Hauptpunkten des Squares und ganz in der Nähe. In den Höfen des Bucking- ham-Palastes, sowie in den Kasernen stehen zwei Kavallerie- Regimenter bereit, auf den ersten Wink zu reiten. Der konser- vativc Klub ist stark vcrbarrikadirt; die liberalen Klubs sind voll, allein auch dort sind große Vorsichtsmaßregeln getroffen. — Nachmittags. Die Prozession als solche bot keine ungewöhnlichen Momente dar, ausgenommen die besonders starken Kavallerie-Eskorten und die unendliche Menschen- masse. Die Prozession passirte den Trafalgar-Square Punkt 3 Uhr. Gerade vor dem National-Libcral-Klub, sofort nachdem die Pro- zesston die stiorthumberland- Avenue passirt hatte, begann das Meeting auf dem Trafalgar-Square. Auf den Treppen bei dem Nelson-Momumente sprachen Volksredner mit rother Flagge zu den Volksmassen, welche laut zujubeln, aber keine Ruhe- störung veranlassen. Die Polizei wacht fortwährend und hält die Massen in der Nähe des Square in Zirkulation, um ein zu großes Gedränge auf dem Square zu verhindern. Abends wurde der Square von der Polizei geräumt, ohne daß es zu größeren Störungen gekommen wäre. In Liverpool wurde am Sonnabend die Jahresversamm- lung der irischen Nationalliga von Großbri- t a n n i c n unter dem Vorsitz des irischen Abgeordneten T- P. O'Connor abgehalten. 500 Abgeordnete waren erschienen. Der zur Verlesung gelangte Jahresbericht theilte mit, daß die Liga jetzt 432 Zweige habe. Die gefaßten Beschlüsse, die von einer später abgehaltenen Volksversammlung gebilligt wurden, dankten insbesondere Herrn G l a d st o n e und den Wählern, die auf seiner Seite gestanden haben, für ihre Anstrengungen zu Gunsten Irlands und drückten den festen Entschluß aus, die exmittirten irischen Pächter zu unterstützen. Im Ost- Worcestershire und Staffordshire erhielten am Sonnabend nahem 20000 N ä g e I m a ch er eine Lohnerhöhung von 10 Prozent. Der Nägelmacher-Verband entschied indeß, daß alle mit einer Lohnerhöhung bedachten Arbeiter streiken sollen, bis die Arbeiter in den Cradley Heath und Rowley Old Hill Works, die seit 13 Wochen ausstehen, denselben Lohnaufschlag erhalten haben. Die Nietenmacher in Staffordshire haben ebenfalls behufs Erzielung einer Lohn- erhöhung gestreikt. ?alkan lander. ars telcgraphirte nach der„Köln. Ztg." aus Sofia an die bulgarische Regierung, daß er das Telegra- phenamt von Burgas militärisch besetzen werde, wenn nicht die von ihm aufgegebene Depesche ausgeliefert werde. Nun hat Kaulbars an die Verschwörer von Burgas mindestens zwei Depeschen gerichtet. Wenigstens will der Präfekt von Burgas erfahren haben, daß am 2. November in einer Ver- sammlung im Hause der Brüder Kischelski, an der auch die russischen Offiziere Nabokow und Zaleski, der Zahlmeister der Verschwörer, sowie mehrere Parteigänger Zankows theilnahmen, ein chiffrirtes Telegramm des General Kaulbars vorgelesen worden sei, welches behauptete, Bulgarien befinde sich in hellem Aufruhr, das Heer habe sich gegen Die Regierung erhoben und die große Sobranje gefangen genommen. Ein zweites Tele- jedoch aus dem Parterre das Pfeifen irgend eines mit Henri ill. unzusricdenen Zuschauers, und Viennet beeilte sich, Dumas ebenfalls gebührend darauf aufmerksam zu machen.„O", meinte dieser jedoch ganz ruhig,„das macht weiter nichts. Das ist noch einer von gestern!"— Dumas, der Sohn, bleibt ebenfalls tapfer wie der Feldherr im Feuer. Sardou bleibt meistens zu Hause und hat Migräne. Scribe setzt sich im Theater in eine Ecke und wartet. Fast Alle verrathen in diesem kritischen Augenblick ihre Erregung durch irgend einen besonderen„tio". Melesville zum Beispiel hielt seinen Handschuh in der Hand und„arbeitete" sehr fieberhaft mit demselben. Dumersan stützte die Hände auf seinen Stock und stieß damit von Zeit zu Zeit auf das Parket. Verdi zerpflückt nervös ein Papierkügelchen buchstäblich zwischen den Fingern in tausend Stücke, und wenn der letzte Fetzen aus den Händen des Maestro herausfällt, dann ist die Oper zu Ende und Verdi geht. Theodore Anne ging unverfroren mitten ins Parterre und hörte und machte selbst Bemerkungen. Oft gab er selbst das Zeichen zum Beifall. Man hörte z. B. einen Herrn rufen:„Ausgezeichnet! famos! Dieser Theodore Anne hat wirklich dramatisches Talent!" Und alle Welt stimmte ihm best ohne zu wissen, daß der Rufer Niemand anders als Th. Anne selbst war. Die Meisten ver- tragen diese Aufregung jedoch nicht und gehen einfach durch, sobald der Vorhang steigt, hinaus ins Freie auf den Boule- vard; aber ein geheimer Instinkt lenkt ihre Schritte immer wieder nach dem Theater zurück, etwa wie den— man verzeihe das harte Wort!— Mörder, den es auch immer wieder nach dem Orte seines Verbrechens hintreibt. Der Zeitflnn konimt dem Versaffer dabei ganz abhanden. Nach zehn Minuten schon glaubt er eine Stunde gegangen zu sein, um 9 oder 10 Uhr eilt er ins Theater und will das Resultat wissen, wo doch fem Stück erst um Mitternacht zu Ende geht. So nimmt also der Unglückliche alle Schrecken, denen er im Theater ent- fliehen wollte, auf seinen Spaziergang mit. Sein Stück spielt sich statt vor seinen Augen, in ihm ab. Er hört genau, was sie Alle sagen, da unten im Parterre. Da, es wird gepfiffen! Es ist zwar nur ein vorübergehender Gamin, aber er glaubt, es gelte seinem Stück. Ein Verurtheiller kann nicht mehr lei- den, als mancher Schriftsteller an dem Abend, wo sein Stück zum ersten Male aufgeführt wird. Eines der sonderbarsten Beispiele von dieser Erregung bot Charles Tickens, der unver- gleichliche Humorist Englanoe, als er an einem Sommertage von London herübergekommen war, der ersten Aufführung seines übersetzten Stückes:„Der Abgrund" im Vaudeville- Theater beizuwohnen. Es war Abend; der ihm befreundete gramm des Zaren übermittelte den Verschwörern von Burgas die Glückwünsche des Zaren.(General Kaulbars befürchtet offenbar, daß diese Telegramme geeignet wären, andere Leute über die schmähliche Rolle aufzuklären, welche die russische Diplomatie in Bulgarien spielt, und er sucht diese höchst un- vorsichtigen Lügentelegramme deshalb mit allen Mitteln in seine Hände zu bekommen.) Den Nachrichten aus Burgas zufolge trug Nabokow während der Erhebung und angeblich auch bei seiner Verhaftung die volle russische Uniform. Wenn die Russen, wie vorauszusehen ist, die Auslieferung Nabokows verlangen, so bleibt den Bulgaren nichts übrig, als diese For- derung, trotz ihrer Ungeheuerlichkeit, zu bewilligen. Aus Kon- stantinopel treffen in Burgas fortgesetzt montenegrinische Banden ein. In P h i l i p p o p e l hat die Untersuchung über die Unruhen in Perustiza inzwischen bereits auf die Spur einer neuen Verschwörung geführt, in die der Russe Noviski, Kowandjew, der Draqoman des rusfi- sehen Konsulats, und Popow, ein Mann, der früher im Dienste Aleko Paschas stand, verwickelt sind. Die Ver» suche, Regentschaft und Regierung durch Putsche zu stürzen, werden also gleichzeitig an allen Ecken und Enden unternommen, während die russischen Schiffe in Varna und Burgas den Ver- schwörern im Falle des Mißlingens einen sicheren Zufluchtsort darbieten und zugleich als wirksames Druckmittel verwandt werden können. lieber die türkische Armee schreibt die„Köln. Ztg.": Das Urtheil über die bei Adrianopel zusammengezogene Armee läßt sich in kurzem dahin zusammenfassen, daß vier Fünftel derselben einem Kriege vollständig abgeneigt, daß sie ohne militärische Schulung und der Waffenführung ganz unkundig sind und daß keine Aussicht vorhanden ist, ihnen diese fehlen- den kriegerischen Eigenschaften beizubringen. Die niederen. Offiziere wünschen, wie ihre Leute, so rasch als möglich ent- lassen zu werden, und ihnen fehlen die Kenntnisse, um als Lehrer, wie auch die Thatkraft und der Opfennuth, um als Führer auf dem Schlachtfclde im vollen Maße ihrer Aufgabe gewachsen zu sein. Die Generäle haben nicht das Zeug dazu, durch geniale Kombinationen die mangelnde Kriegsbrauchbar- keit der Soldaten im Kampfe zu ersetzen. Wenn auch un- gefähr 10 000 Mann(die Nizam-Division Mehmed Paschas) allen Anforderungen eines Krieges gewachsen sein mögen, so ist die Hauptmacht doch für einen ernsten Kampf nicht zu ge- brauchen. Amerika. Der Plan für eine im Jahre 1892 in Washington abzuhaltende allgemeine amerikanische Ausstellung, „EipoBition ok the three Americas"(Ausstellung der drei NorD-, Zentral-, Süd-Amerika), wie die offfzielle Bezeichnung lautet, beginnt greifbare Gestalt anzunehmen und die mit den Vorbereitungen betraute Kommission berichtet, daß sich in der ganzen Union ein lebhaftes und werkthätiges Interesse für das Unternehmen kundgiebt. Der Plan umfaßt in der Hauptsache drei Punkte: 1. die Abhaltung einer Jubelfeier seitens sämmt- licher amerikanischer Republiken zur würdigen Begehung des hundertsten Jahrestages der Annahme der Verfassung der Ver- einigten Staaten; 2. eine Weltausstellung, die im Jahre 1892 in der Bundeshauptstadt der Union stattfinden soll zur Feier der vor 400 Jahren erfolgten Entdeckung Amerikas; 3. eine beständige amerikanische Ausstellung in Washington. Während die ersterwähnte Feier sich ausschließlich an die Pietät und den republikanischen Bürgersinn der Amerikaner wendet, liegt den anderen beiden Unternehmen eine mehr praktische Idee zu Grunde. Man will den wirthschaftlichcn Zusammenhang der amerikanischen Staaten fördern. Gerlchts-IeLwngi. Hirschberg, 7. November. Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts hatte sich gestern der Lokomotivführer Köppe von hier wegen sahrläsfiqer Gefährdung eines Eisenbahn- zuges zu verantworten. Der Anklage lag folgender Snchver- Haft zu Grunde. Am 16. Mai er. kam der Angeklagte Köppe, mit dem Zuge 2103, von Janowitz fahrend, zur fahrtgemäßen Zeit um 2 llhr 31 Minuten Mittags im Bahnhose Merzdorf an. Bald nach seinem Einfahren wurde ihm die Weisung des Stationsvorstehers durch einen Eisenbahnwärter überbracht, durch Rangircn mehrere Wagen, die auf emem anderen Geleise standen, an seinen Zug anzufügen. Köppe führte diesen Befehl sofort aus und fuhr, weil der Aufenthalt in Merzdorf nur kurz ist, mit ziemlicher Geschwindigkeit von Gcleis 1 auf 2, ohne sich erst davon überzeugt zu haben, ob letzteres auch frei sei. Das war nicht der Fall, sondern auf ihni stand noch der Zug 2103, der 2 Uhr 36 Minuten die Station in der Richtung nach Janowitz zu verlassen hatte. Nach der Behauptung Köppe's stand dieser Zug in einer Kurve und durch den Zug 2103 verdeckt. Der Zusammenstoß der Maschine mit dem Zuge war so heftig, daß mehrere Wagen dieses ausgehoben, Pufferplatten zertrümert, Pufferstangen verbogen und auch zwei Personen ver- letzt wurden. Während dem Köppe dieses Unglück zur Last ge» legt wird, indem er gegen die Dienstvorschrift rangitt habe, als noch ein zur Abfahrt bereiter Zug im Bahnhofe stand, führte Schauspieler Fechter hatte die Jnszenirung besorgt und wollte ihm die Schauspieler vorstellen. Der Vorhang soll auf- gehen. Dickens, sehr erregt, streicht erst ein wenig um das Theater herum, dann spricht er sehr zaghaft zu Fechter: „Wenn wir das Stück ruhig angehen ließen und erst nach dem Prolog hineingingen. Ich habe lange das Bois de Boulogne nicht gesehen!" Um 9 llhr fährt die Droschke wieder am Theater vor; Fechter will ein- treten, Dickens will erst wissen, wie weit man mit dem Stück ist, und als er hört, daß der zweite Akt beginne, behauptet er, nur auf die große dramatische Situation neugierig zu sein und schlägt vor, wieder einen Wagen zu nehmen.„In den Bai rnabille! Man muß als Fremder Alles sehen!" Als es 11 Uhr schlägt, meint Fechter:„Wenn wir jetzt ins Theater gingen?" Der Dichter stimmt zu; auf den Börsenplatz ange- kommen, blickt er auf die große Uhr:„11 Uhr. Halt, gleich wird der letzte Att beginnen, der gefährlichste. Warten wir bis dahin, bitte." Und wieder nach einem längeren Spazier- gang besteht Fechter darauf, endlich hineinzugehen, da schützt der Dichter Durst vor. Im Kafs des Theaters fragte der Kellner, was er bringen dürfe, worauf Dickens nach kurzem Besinnen— das Kursbuch verlangt und mit dem nächsten Zuge wieder nach London abdampft, ohne von seinem Stück nur eine Spur gesehen zu haben. Wahkuriosa. Auch diesmal hat die Wahlkampagne bei den New-Dorfer Wahlen ihre humoristischen Blüthen getrieben. Die Republikaner des zweiten Assemblydistrikt hatten einen auf den nicht ungewöhnlichen Namen Harris Cohen hörenden Kleiderhändler in der Baxtersttaße als Kandidaten eines Alderman aufgestellt. Cohen ließ vor fernem Laden ein fllakat anbringen, auf welchem er seinen Mitbürgern und unden seine Nominatton mittheilte. Am nächsten Tage hingen 13 andere auf den Namen Harris Cohen getaufte Händler in alten Kleidern u. f. w. in Baxtersttaße und Nachbarschaft vor ihren Läden ebenfalls Plakate auf, auf welchen jeder Laden- befitzer mittheilte, daß er der wirklich zum Alderman nominiite Cohen sei. Vierzehn Cohens als Kandidaten für den Stadtrath— diese Ankündigung wirkte vollständig lähmend auf die Gemüther der Bewohner des betreffenden Distrikts und nur mit vieler Mühe gelang es schließlich, festzustellen, wer der wirkliche und wahre(original) Cohen in diesem Falle sei. er selbst zu feiner Vertheidigung den Paragraphen des Dienst- reglements an, nach welchem der Befehl zum Rangiren dem Lokomotivführer nicht ertheilt werden darf, so lange noch ein zum Abfahren fertiger Zug stch im Bahnhofsrayon befinde. Der Staatsanwalt hielt stoppe der Fahrlässigkeit schuldig und be- anfragte eine Gefängnißstrafe von 2 Monaten. Der Gerichtshof konnte auch nicht zu einem freisprechenden Urtheile kommen, erkannte aber nur auf 3 Tage Gefängnis; mit Rückficht darauf, daß das Rangiren im Bahnhof Merzdorf auch' erfolgt, während das zweite Geleis noch besetzt ist, und daß Köppe im fluten Glauben gehandelt habe, nicht gegen die Dienstvorschnft zu fehlen, als er den ihm durch den Eisenbahnarbeiter überbrachten Befehl ausführte. Einer jener Blutsanger, die der Volksmund als „Kravattemnacher" bezeichnet, wurde vom Schwurgericht zu Chemnitz wegen Wuchers und Meineids zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus, 1400 M. Geldbuße und 5 Jahren Ehrenverlust verurtheilt. Der Mann hatte von armen Handwerkern u. f. w. Zinsen bis 500 pCt. genommen. Den Geschworenen wurden in der Verhandlung hundert Fragen zur Beantwortung vorgelegt._ Soziales nnd Arveiterbeivegung. Zu dem Kongreß freier eingeschriebener und auf Grund landesrechtlicher Vorschriften errichteter Hilfskassen, welcher am 14., 15. und 16. November 1386 in Gera stattfindet, liegen aus den verschiedensten Städten Deutschlands Anträge vor, die das weitgehendste Interesse beanspruchen. Von den „Allgemeinen Anträgen" heben wir besonders folgende hervor: Braunschweig, Hamburg, Altona: Der Kongreß wolle die Errichtung eines Reichsamtes für Krankenkassenwesen zur endgiltigen Entscheidung streb- tiger, diesbezüglicher Fälle beantragen. Gera, Dresden: Der Reichstag möge anordnen, daß die Einzelstaaten nicht Bestimmungen treffen können, welche den Vorschriften des Hilfs- bezw. Krankenkassengesetzes zuwider- laufen. Hamburg, Bautzen: Veranlaßt durch die von zahl- reichen Gerichten erlassenen Entscheidungen, nach welchen den dem§ 75 des Gesetzes vom 15. Juni 1883 genügenden Kassen es fast unmöglich gemacht wird, irgend welche statutarische Be- stimmungen zu treffen, um Simulation vorzubeugen, bezw. kon- statirte Simulation zu bestrafen oder für die Folge wenigstens zu verhindern, beschließt der Kongreß, den Reichstag um mög- lichst genaue Erklärung darüber zu ersuchen: 1. Ob es den Ansichten des Reichstags entspricht, daß chronische Krankheiten, welche nach 13wöchentlicher Dauer für einen oder einige Tage durch Arbeitsfähigkflit unterbrochen werden, als geheilt zu erachten find, sodaß die sofort an der- selben Krankheit beginnende Arbeitsunfähigkeit als neue, von vorn an zur Unterstützung berechtigenve Krankheit zu betrachten ist: 2. ob Kassen, welche statt freier Arznei und ärztlicher Be- Handlung% des in Betracht kommenenden Tagelohnes gewähren, verpflichtet sind, ihren Mitgliedern während durch Krankheit be- dingter Arbeitsunfähigkeit auch Bruchbänder, Brillen und ähn- kiche Heilmittel zu gewähren; 3. ob es den Kassen gestattet ist, während des Krankengeld- bezuges von Mitgliedern, welche den vom Arzt oder durch Statut vorgeschriebenen Anordnungen zuwiderhandeln, Geld- strafen einziehen zu können: 4) ob Ausschluß von Mitgliedern, welche auf Grund ge- setzlicher bezw. statutarischer Bestimmungen erfolgt, auch während der Krankheit eines Mitgliedes vorflenommen werden kann und dann die Zahlung fernerer Unterstützung ausschließt; 5) ob der Bezug von Krankengeld nicht abhängig gemacht werden kann von der Einreichung eines ärztlichen Attestes, welches die Arbeitsunfähigkeit des qu. Kranken bescheinigt. G r e i tz. Mehr als einer dem Gesetze vom 15. Juni 1883 genügenden Kasse darf kein Versicherungspflichtiger angehören. Bautzen. Der Kongreß wolle gesetzliche Bestimmungen beantragen, welche den Aerzten die durch Koalition erzwungenen ungewöhnlich hohen Gebührensätze verbieten. C a n n st a d t. Der Kongreß wolle den Reichstag er- suchen: 1) einheitliche Vollzugsbestimmungen für das ganze Deutsche Reich zu erlassen: 2) eine Bestimmung in das Kranken- verfieherungsgesey aufzunehmen, wonach jährlich einmal die Be- amten sämnttlicher Krankenkassen eines Ortes zusammenzutreten haben, um Unzuträglichkeiten zu erörtern und der Auffichts- behörde zwecks Abhilfe derselben Mittheilung zu machen. Greiz-Rothenthal. Jede Bestimmunfl, welche die Aufnahme von Mitgliedern beschränkt, ist aufzuheben, d. h. es mögen jeder Kasse Aufnahmen neuer Mitglieder nach ihrem Ermessen gestattet sein. Zum Krankenkassengesetz beanttagen u. a. Braunschweig-Hamburg. Dem§ 26, Absatz 3, folgende Fassung zu geben:, Fassenmitgliedern, welche gleich- zeitig anderweitig gegen Krankheit versichert find, ist das statutenmäßige Krankengeld soweit zu kürzen, als dasselbe zu- sammen mit dem aus zweiter Versicherung bezogenen Krankengelde den vollen Bettag ihres durchschnittlichen Tagelohnes ubersteigen würde. Die Kürzung findet von den betheiligten Kassen zu gleichen Theilen statt. Durch das ic. Hamburg- Altona. Einen neuen§ 75» einzuschalten: Streitigkeiten, welche zwischen den auf Grund des§ 75 von der Zugehörigkeit zur Gemeindekrankenversicherung oder zu einer nach Maßgabe der Vorschriften dieses Gesetzes errichteten Kranken- lasse befreiten Personen oder ihren Arbeitgebern einerseits und eine Otts-, Betriebs-(Fabttk-), Bau oder Jnnungskasse anderer- seits über die Verpflichtung zur Leistung von Beiträgen ent- stehen, werden von derjenigen höheren Verwaltungsbehörde entschieden, welche die Hilfskasse zugelassen hat. Gegen deren Entscheidung findet binnen zwei Wochen die Berufung an das Reichs-Krankenkassenamt statt. Die Berufung hat aufschiebende Wirkung." Hamburg, Altona, Calbe. Zu§ 80 ist als Schlußsatz hinzuzufügen:„Den Arbeitgebern ist ferner untersagt, die Beschäftigung Versicherungspflichtiger von der Zuge- höttgkeit zu einer oder dem Austtitt aus einer bestimmten Krankenkasse abhängig zu machen." Zum Hilfskassengesetz beanttagen u. a.: Rendsburg. Dem Absatz 3,§ 12 möge folgende Fassung gegeben werden:„Auch kann für die Familien- angehörigen der Mitglieder freie ärztliche Behandlung, Medika- mente, Heil- und Erleichterungsmittel, sowie bei eintretendem Todesfall ein Beitrag zu den Beerdigungskosten gewähtt werden." Zum Unfallverficherungsgesetz beanttagen u. a.: Ravolzhausen, Ealbe, Bruchköbel, Leipzig, Braun schweig, Altona, Hamburg.„Der§ 5 ist so umzugestalten, daß nach demselben die Fürsorge für den Verletzten vom Äegiun des Unfalls an der Berufsgenossenschaft obliegt." Die Gesammtzahl der gestellten Anttäge ist eine ganz be- deutende und haben wir hier nur die hervorragensten hervorgehoben, um die Wichtigkeit des Kongresses einigermaßen zu veranschaulichen. Die Ausdehnung der Unfall- und Krankenverstcke- . c\r~ � An VV( UllUUl-lCl- kennt nicht die Arm- und Beinbrüche nebst anderen Ver- letzungen, welche Versenkungen und stürzende Dekorationen oder Verfatzstücke hervorgerufen haben, die eine dauernde Erwerbs- Unfähigkeit zur Folge hatten? Ein vom Schnürboden fallender eiserner Winkel hat schon den augenblicklichen Tod eineS Maschinisten veranlaßt. Kann das nicht jeden Augenblick sich wiederholen? Kann so ein Ungethüm von eisernem Vorhange, das nach den meisten Erfahrungen doch wenig nützt, in die Laune kommen, neugierig sich eine Probe oder Vorstellung an- zusehen, und zersplitternd„Tod und Verderben" auf die Bühne und in das Orchester senden? Wer leistet dann die Entschädi- aung für Bettoffene oder Hinterbliebene? Von dem lieben Rheumatismus, von Gliederverkrümmungen und von Taubheit durch angenehmen Zug in gut ventilitten Theatern will ich gar nicht sprechen, das ist allgemeine Tagesordnung." Zur Buchdruckerbeweguna. In einzelnen Berliner Zeitungen befindet sich ein Gesuch nach Setzern und Maschinen- meistern für die S i t t e n f e l dffche Buchdruckerei. Wie wir erfahren, haben dott die sämmtlichen Setzer und Maschinen- meister, zusammen ca. 100 Mann, am Montag Mittag die Arbeit eingestellt. Einen ausführlichen Bericht über diese Arbeits- einstellung werden wir in nächster Nummer bringen.— Am Sonntag fand in Magdeburg eine Buchdruckerversammlung statt. Eine von Herrn Tschirch eingebrachte Resolution:„Die am 7. November in der„Buckauer Bierhalle" versammelte Ge- Hilfenschaft Magdeburgs sieht in der zwischen den deutschen Prinzipalen geschaffenen Tarifgemeinschaft den einzigen Boden, auf dem sich die sozialen Gegensätze beider Theile ausgleichen lassen. Indem sie der diese Tarifflemeinschaft akzeptirenden Prinzipalschaft ihre Anerkennung ausspricht, kann sie gleichzeitig nicht unterlassen, das Verhalten derjenigen Prinzipale, die den auf streng legalem Wege zu Stande gekommenen und ange- nommenen Tarif ablehnen, aufs Schärfste zu tadeln, da durch eine derattige Negation weder das Buchdruckergewerbe gehoben, noch das Verhältniß zwischen Kapital und Arbeit gefördett wird", wurde einstimmig angenommen. Es wird dann noch eine Anfrage über das Verhalten der Gehilfen bei etwa ein- ttetender Kündigung, Verweigerung der tarifmäßigen Zahlung u. s. w. gestellt. Herr Rosen und Herr Reuß warnen vor un« überlegten und aussichtslosen Schritten und schlagen vor, auf gütlichem Wege die Anerkenming des Tarifs durchzusetzen. Man werde bei fottgesetzter Weigerung der Prinzipale von Leipzig aus für die Gehilfen eintreten.— Aachen, 8. Nov. Das Gewerbegericht hat heute 53 streikende Setzer wegen plötz- lieber Arbeitseinstellung zum Schadenersatz sowie in die Kosten veruttheilt.— Kündigungen von Buchdmckergehilfen haben in verschiedenen Druckereien zu Liegnitz stattgefunden, iveil die betteffenden Prinzipale sich weigerten, nach dem neuen Tarif zu bezahlen. Schiedsgenchtswahl in Leipzig. In Leipzig fand unter bedeutend stärkerer Betheiligung als früher die Wahl der Bei- sitzer zum�Gewerbeschiedsgericht statt. Es sind abgegeben wor« den von Seiten der Arbeitnehmer 2112 Stimmen gegen 1273 bei der letzten Wahl und von Seiten der Arbeitgeber 614 Stimmen gegen 121 bei der letzten Wahl. Es ist auf beiden Seiten eine größere Anzahl der bisherigen Beisitzer wieder gewählt worden, doch findet sich auch mancher neue Name. 2. Ziehung d. 2. Klasse 175. Königl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 10. November 1886,»ormin-g». Nur Me Gewinne über 105 Mark sind den belressenden Nummern in Parenthese beigefügt. (Ohne Gewähr.) 56 59 97 159 552 659 792 918 57 1 001 217 520 707 59 836 920 »207 55 99 482 872[150] 8020 45 74 116 84 209 376 81 659 785 842 4034 154 204(150) 93 306 490 601 72 893 5019 108 16 25 256 64 65 381 485 638 89«005 192[150] 232 342 424 74 622 723 27 49 86 917 23 7418 39 85 618 21 81[300] 861 67 8100 40 309 479 511[200] 76 819 932»139 95 294 11500] 311 467 515 617 10022 88 99 114 57 226 363 99 438 41 513 665 796 855 985 1 1057 59 246 357 94 541 46 660 807 47 74 904 1 2300 542 694 788[300] 15 919 1 8003 76 108 26 499 583 703 16 955 69 1 4134 226 432 92 669 761 65 861 13141 48 79 215 87 95 372 445 752 73 I«030 126 79 560 793 807 10 1 7007 83 147 50[150] 374 533 99 672 730 57[1501 935 18056 109 203 442 524 726 924 54 66 19005 32 94 153 237 35o 424 97 842 55 926 »«061 199 281 445 77 557 794»1017 92 161 237 48 433 500 614 770 807 24 925»2098 201 320 403 508 842 55 984 89 2 3078 99 200 69 94 383[150] 518 47 604 63 89 712 45 71 851[150] 905 2 4322 37 439 63 546 775 956 77 25005 12 32 72 83 131 53 259 313 65 79 92 96 461 527 29 36 43 647 825 79 26205 379 442 519 49 605 33 741 49 83 818 48 63 27170 423 567 651 65 871 934 41 93 28139 264 321 460 591 837 »»026 30 564 634 86 981 »0078 79 98 337 515 74 671 711[150] 861[200] 31104 286 91 304 52 69 420 44 78 520 46 76[150] 767 80 859 86 914 8 2291 361 587 655 64 741 72 878 907 3 3005 58 66 480 506 57 867 83 3 4026 28 68 79 148 204 47 53 99 324 98 421 567 609[150] 735 262 3 5030 240 66 999 3«I19 96 207 377 493 562 81 642 3 7130 242 45 504 96 890 3 8029 41 162 208 34 335 492 544 745[200] 39025 221 22 28 35 307 65[150] 442 521 674 85 918 40005 39 118 70 278 303[150] 79 453 569[150] 92 621[150] 741 58 59 977 4 1 228 50 357 495 539 780 877 973 42059 159 249 491 519 96 660 893 982-4 3084 89 111 58 292 423 523 99 634 86 819 917 4 4015 43 81 102 17 23 82 288 362 482 613 67 993 45195 209 29 421 560 78 92 713 33 926 49 62 4 6079 155 73 281 417 503 616 17 737 812 4 7075 96 98 128 238 324 97 445 53 61 79 566 648 715 810[200] 987 48218 452 812 15 34 46091 124[150] 91 209 70 82 325 421 29 56 532 69 74 95 774 959 50059 204 77 78[150] 383 580 95 98 717 41 64 854 916 5 1 016 286 340 48 641 715 841 46 80 5 2062 312[150] 39 56 426 44 54 56 815 89 932 53172 203 327 467 586 632 60 89 730 850 80 5 4028 205 22 31 86 316 20 429 98 646 79 736 5 5016 199 502 55 677 97 767 864 99 5 0217 76 89 384 409 42 535 623 850 5 7016 28 170 91[3000] 233 346 453 61 74 531 669[500] 93 715 56' 58022 226 448 94 526 93 621 81 718 814 47 [200] 959 5 9024 38 96 151 452 503 63 675 90 701 55[150] 843 64(150) 71 74 78 60245 316 565 70 602 74 723 44 904 6 6 1 006 298 459 985«»033 58 92 390 447 542 604[150] 854 945 82 86 6 3019 140 476 583 715 877 87 942 64034[150] 54[150] 132 227 70[1501 75 77 82 357 78 472 507 676 84 703 28 34 800 47 53 97 992 6 5048 75 79 181 214 28 608[200] 706 50 85 857 914 73[150] 66023 36 57 73 272 81 338 471 526 52 90 640[150] 790 817[150] 932«7115 65 207 75 322 550 680[150] 91 760 854 994«8055 58 100 15 23 291 341 91 451 86 641 723 78 833 920 78 6»017 88 170 87[150] 347 94 332[200] 404 660 646 737 48 70 970 70083 156 84 308 10 75[150] 97 432 71 73 565 664 83[150] 716 856 7 1 028 193 261 157 82 577 86 731 886 968 76 7 8095 119 87 214 23 24 516 43 78 983 7 8007 42 50 75 103 51 203 19 511 669 705 865 900 86 7 4010 141 68 80 212 60 371 452 605 28 88 728 72 7 5033 43 118 270 308 81 481 503 703 11 22 921 60 7 6318 77 405 35 37 66 648 739 811 938 55 7 7283 253 91 431 500 66 643 846 79 86 978 80 84 7 82.31 361 405 16 90 531 64 668 94 765 820 86 7»036 466 603 28 86000 109 22 385 412 21 512 44 615 820 68 8. 025 30 115 96 239 70 83 95 803 9 21 55 80 919 8»027 57 99 219 50 87 91 405 61 569 91 640 96 778 81 868 75 926 88185 614 29[150] 926 64 96 8 4069 299(150] 344 50 96 528 609 731 44 848 931 85065 152 361 77 496 573 923 90 86154 70 282 634 93 712 8: 019 56 147 71 79 88 204 57 389 777 868 95 8 8059 86 274 346 99 562 92 667[200] 742 90 817 8V005 10 288 344[150] 737 2. Ziehung d. 2. Klasse 175. Königl. Preuß. Lotterie. Zichung vom iv. November 1*8«, Nuchmitia»». Nur die Gewinne über 105 Mark sind den betreffenden Rummern in Parenthese beigefügt. (Ohne Gewähr) »« SM 933 77 4 019 47 60 158 63 201 509 19 632[150] 85 725 42 99 813 27 5049 132 40 90 342 555 657 744 893 918 56[150] 97 6007 35 75 171 352[200] 54 55 416 510 969 7067 258 83 389 600 8 10 784 850 913 57 8068 169 205 65 327 66 480 94 534 764 12 881 927»272 415 59 95[200] 99 575 611 774 892 98 10049 84 197 409 68 577 650 54 823 78 911[150] 1 1035 68 287 852 487 726 883 90 1 2050 70 119 303 67 400 10 11 35[150] 38 667 93 797 920 88 94 1 3217 21 503 636 67 752 860 79 948 14066 147 357 428 525 54 699 701 29 808[150] 15011[150] 190 261 309 95 628 653 98 875 1 0282 96 524 55 57 682 716 30 36 801 962 87 1 7032 70 129 40 66 226 423 505 45 701 16 918 1 8102 12 354 478 614[150] 26 38 838 941 1»063 298 338 79 401 548 687 740 818 998 »0034 180 278 95 372 447 507 746 845 939 82»1026 83 101 277 373 79 486 549 636 797 854 930 32»»157 59 61 95 1200] 218 304 71 94 468 610 99 925 23048 256 441 669 847 927»4028 30 339 412 20 522 41 61 601 715 803»5074 105 204 351 465 83 553 731»6115 56 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August >884 sei die von der oberen Verwaltungsbehörde ertheilte Be- Icheinigung, daß die Statuten der zugclaffenen Hilfskaffe den Vorschriften des§ 75 des Krankenversicherungsgesetzes genügen, wr sämmtliche Gemeinde- und Verwaltungsbehörden des Deutschen Reiches maßgebend und bindend, daher auch einer Nachprüfung im Wege des§ 52 des Krankenversicherungsgesetzes �chzogen. . 2. Dieser§ 58 enthalte überhaupt gar keine Vorschrift des Inhabers, daß der Aufsichtsbehörde, eventuell den Gerichten «der die Vorfrage der Versicherungspflicht die Entscheidung zu- stehe;§ 58 setze vielmehr Streitigkeiten zwischen den nach dem Krankenversicherungsgesetze versicherungspflichtigen Personen und >>er Gemeindekrankenversicherung oder der Ortskrankenkasse voraus. Wer über jene Vorfrage zu entscheiden habe, darüber stehe nichts in diesem Gesetze; dadurch aber erhalte die Trag- u>eite des späteren Gesetzes vom 1. Juni 1884 ihre richtige Beleuchtung. In beiden Richtungen gehen diese Angriffe fehl. Was vor allem den§ 58 des Krankenvcrsichcrungsgesetzes anlangt, so kann es keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß Gerode auch die Frage der Versicheningspflicht der Entscheidung Zunächst der Aufsichtshehörde, und in zweiter Linie der Gerichte, Unterworfen werden wollte. Dieser§ 58 lautet in Absatz 1: »Streitigkeiten, welche zwischen den auf Grund dieses Gesetzes zu versichernden Personen oder ihren Arbeit- gcbern einerseits und der Gemeindekrankenversicherung oder der Ortsarmenk assc andererseits über die Ver- pflichtung zur Leistung oder Einzahlung von Beiträgen oder über Unterstützungsansprüche entstehen, werden von der Aufsichtsbehörde entschieden. Gegen die Entscheidung findet die Berufung auf den Rechtsweg niittels Er- Hebung der Klage statt. Die Entscheidung ist vorläufig vollstreckbar, soweit es sich um Streitigkeiten handelt, welche Unterstützungsansprüche betreuen." Nach allen Auslegungsregeln kann den Worten:„über die Verpflichtung zur Leistung von Beiträgen" ein anderer Sinn nicht beigelegt werden, als der, daß die Arifsichtsbehörde, eventuell die Gerichte, auch über die Frage der Vcrsicherungs- Pflicht zu entscheiden berufen sind. Abgesehen davon, darf auch dem Gesetzgeber nicht imputirt werden, daß er hinsichtlich der Kompetenz zur Entscheidung gerade der wichtigsten Frage Bc- Kimmung tu treffen versäumt habe. Aus den Worten: «den auf Grund dieses Gesetzes zu versichernden Personen" Mt sich für die Ansicht der Revisionskläger keine Folgerung ableiten. Allerdings hat das Gesetz selbst in den§§ 1 bis 4 ?v:ienigen Kreise und Arten von Arbeitern bezeichnet, welche c'? Versicherungszwange unterworfen worden; und zweifellos in§ 58 unter„den auf Gnind des Gesetzes zu versichern- Km- Nen" die den in den§§ 1 bis 4 aufgeführten Arbeiter- orjßotien angehörigen und als solche versicherungspflichtigen �ttfonen verstanden. Allein dadurch ist die Möglichkeit mcht .�Mchloßen, daß zwischen den Gemeinde- oder Ortskranken- an einer und einzelnen im Allgemeinen vcrsicherungspflichti- Ay".-Personen andererseits nicht nur über die Frage, ob letztere «. f rhaupt dem Versicherungszwange unterliegen, sondern ins- wndxre darüber, ob dieselven zur Gemeindc-Vcrsicherung oder Facr Lrtskrankenkassc Beiträge zu leisten verpflichten seien. entlleben können. Die Komveten» mir Entsiber Hkeiten entstehen können. Die Kompetenz zur Entschci- c,# über diese Streitigkeiten, betreffend die Verpflichtung zur de-» � von Beiträgen im weitesten Sinne, ist eben im§ 58 Krankenversicherungs-Gesetzes geregelt. v Wenn nun im§ 75 dieses Gesetzes einerseits zu Gunsten Nach dem Gesetz vom 7. April 1878 bestehenden— ein- «Mnebenen Hilfskassen und deren Mitglieder, andererseits im Mr°sse derjenigen Gemeinden, deren Armenpflege solche Mit- ist v". viöglicherweisc zur Last fallen, die Bestimmung getroffen ', daß für Mitglieder eingeschriebener Hilfskassen weder die - Krankenversicherung noch die Verpflichtung, emer ien enkaffe beizutreten, eintrete, wenn die Hilfskasse, welcher Lei» a"Gkhören, ihren Mitgliedern wenigstens diejenigen Ölungen gewähre, welche in der Gemeinde, jn deren Bezirk wei-s..'hren Sitz hat, nach Maßgabe des§ 5 von der Ge- »n»'.rankenversicherung zu gewähren seien, so erstreckt sich die ...ssrmeme Kompetenz- Bestimmung des§ 58 selbstverständlich kstn?uf Streitigkeiten, welche zwischen solchen Mitgliedern freier o üsfassen, welche ihrem Berufe nach unter die§§ 1—4 des knst rrsicherungsgesetzes fallen, einer- und den Ortökrankcn- rn:c. andererseits darüber entstehen, ob jene zu den Orts- s,i�rnkassen Beiträge zu leisten verpflichtet seien, und unterliegt s-t» vorkommenven Falles auch die Frage, ob die Voraus- rpungen des§ 75 gegeben seien, der Entscheidung der nach G.stL Zuständigen Behörden. Daß dieses der Standpunkt des hirfu k 15. Juni 1883 sei, kann demzufolge mit Grund ob?» �iwcifelt werden, und findet damit der unter Ziffer 2 gezeichnete Reoiflonsangriff feine Erledigung. ä. Iragt sich nun, ob die Kompetenzbestimmungen des Aenderung im Sinne der Revisionsausführung er- haben durch die Novelle zum Hilfskassengesetz vom 58 en l V.vuoen vurch vre pcovelle zum Hussrossengesetz vom trete» v.»' welche allerdings noch vor dem vollen Jnsleben- tikel» �.?vankenverficher"nasgesetzes erlassen ist und im Ar- Ordnet? zu s 4 des.Hilfskassengesetzes, unter Anderem «Auf den Antrag der Kasse hat die höhere Berwaltungs- oehörde bei der Zulassung zugleich zu bescheinigen, daß das Statut den Vorschriften des§ 75 des Gesetzes, be- weffend die Krankenversicherung der Arbeiter vom 15. Juni 1883, genügt. Wird die Bescheinigung ver- sagt, so find die Gründe mitzutheilen. Gegen die Ver- l?g"ng steht der Rekurs gemäß Absatz 2 zu." o. ss* Frage war mit dem zweiten Richter zu verneinen. Einern■ st wäre es bedenklich, einer Bestimmung, welche in tresse»i. andere— wenn auch verwandte— Materie be- Wte ef" Aufnahme gefunden, eine derartige Trag- i»as �"iuraumen. Ties ist in der Regel nur zulässig, wenn Gese«, aiwen;— Gesetz ausdrücklich erklärt, daß ein anderes oafaehnn einzelne Bestimmungen eines solchen durch jenes Eine abgeändert oder' modifizirt werden sollen. nicht Me Erklärung findet sich in obiger Novelle ung der Summe und in die Kosten veruttheilt. In vem Er- «enntniß charatterisitte der Amtsrichter Weizenmüller das Thun des Verurthcilten als Chikane. Zu seiner Vertheidigung machte «er Angeklagte geltend, daß er sich in großer Aufregung be- landen habe, als er das Schreiben an das Amtsgericht ver- faßte. Auch bestritt er die Absicht der Beleidigung, behauptete ? Wahrung berechtigter Interessen gehandelt zu haben und «'um Bestätigung des Urtheils erster Instanz.— Der Staats- (22?? beantragte eine Geldstrafe von 100 M. ev. zehn Tage Vt�finiß.— Auf diese Strafe erkannte der Genchtshof. Er vv�harvor, daß das Anfttcten des Angeklagten vor Gericht nicht Ueverhebung gezeugt habe. Ein Zweifel sei darüber Nicht Mch» daß der Angeklagte mit seinen Ausdrücken den ei», f. habe treffen wollen. Grade bei eineni Beamten müsse lolche Unbotmäßigkeit schwerer ins Gewicht fallen. iillVUllllUftlUllll ru/id-vw ms»\£/viviu;t, wwvu. Hrf.?°*'che bedenklichen Folgen ein medizin-wissenschaft- weji� dulärer Portrag auf sorglose, unbedachte Laien zu- �ner a.?-."�uübcn vermag, das zeigten die Verhandlungen in LaichDlG"? m der Berufungsinstanz vor der Strafkanimer des MMMHM rf Mitgliedern des Handwerkervcreins einen Vortrag über das RenfnP1 sewöhnlich annimmt, zu fürchten seien, denn im Ge- Mäb?» fSi anderen Jnfcktions-Kr!""---- getr>.t..�8S°5te Prozentsatz_ der »n y innerha e der Masern ein- der Bevölkerung. W > «zs» L «anz vorgeworfen sei, gab dem Privatkläger Veranlassung, die Besttafung des Privatbeklagten zu verlangen; außer- dem sei, so führte der Vertteter des Privatklägers vor der Berufungs- Sttafkammer des Landgerichts>> im Audienztermin aus, von dem ersten Richter die Frage nicht gehörig gewürdigt, oh in jenem Artikel in Nr. 148, wie der Privatkläger behauptet, unwahre Thatsachen behauptet seien; denn den von Seiten des Privatklägers im Audienztermin vor dem Schöffengericht vorgebrachten Erklärungen, daß er in seinem Vottrage die Masern insbesondere mit Bezug auf deren Nach- krankheiten als gefährliche Infektionskrankheit geschildett, sei nicht genügend Beachtung geschenkt, ebenso wenig anderweitigen von ihm versuchten Beweisen.— Rechtsanwalt Bückner, als Vertteter des Pttvatklägers, führte aus, daß sein Klimt min- bestens bona fide gehandelt, wenn er jenem Attikel, der übttgcns nicht beleidigend sein könne, Aufnahme ge- währt habe; die in demselben gebrauchten Ausdrücke seien den vorhandenen Umständen gemäß gerechtfcttigt. Dem Anttage des Vettheidigers des Pttvatbeklagten statt- gebend, erkannte der Gerichtshof unter Verwettung der Be- rufung auf Bestätigung des ersten freisprechenden Uttheils; da- bei verkündete der Vorsitzende, Landgerichts-Direktor Veltmann, folgende für vorkommende Fälle beachtenswerthen Sentenz: Es sei zwar nicht zu verkennen, daß die gewählten Ausdrücke in jenem Attikel besonders grob gehalten seien, dies sei jedoch durch die vorher stattgehabten Umstände geboten; auf Grund des§ 186 R-St.-G.-B. könne der Privatbeklngte unter keinen Umständen bestraft werden, denn etttcns seien die behaupteten Thatsachen nicht unwahr und ferner muß einer Zeitung, wenn sie irgend einigermaßen Bedeutung haben soll, das Recht eingeräumt werden können, Uebelstände zur Sprache zu bttngen und in schatter Kritik zu rügen. Paris, 7. November. Wie weit der Leichtsinn und die Vergnügungssucht, welche gewöhnlich von angeborener Faulheit begleitet werden, die jungen eleganten Pflastettreter der Pariser Levewelt führen können, oavon liefctte die gestttge Verhandlung vor der 9. Kammer des Zuchtpolizeigerichts ein drastisches und dabei höchst ttauttges Beispiel. Der ältere Sohn des bona- pattistischen Abgeordneten des Lot-Depattements Baron Dufour, Paul Dusoux, zeigte schon von früher Jugend an einen un- verbesscrlichen Hang zum Nichtsthun und gehötte später jenen „Gommeur" an, deren einzige Lebensaufgabe darin besteht, das elterliche Vermögen, soweit dies eben geht, auf die lustigste Weise mit Cocotten und Kartenspiel zu verlumpen und später, nachdem sie einmal völlig blasitt sind, ihr adeliges Wappen mit dem Gelde eines ehrgeizigen Philisters durch eine nicht ganz „standesgemäße" aber dafür reiche Heirath neu zu vergolden. Gelingt dies, so hat unser„Vergoldetes sich ein sorgenfreies Leben gefichett, wenigstens für die Zeit, da seine geadelte Frau die Mittel liefett; werden die eingestellt, dann ist es eben vor- über und es erübrigt dem„verarmten Edelmann" nur noch, sich eine Kugel durch den Kopf zu jagen oder, was nicht so viel� Muth erfordert, auf Kosten Anderer zu leben. Paul Dufour stano schon als lediger junger Mensch vor dieser Alternative, nachdem sein Vater ihm kategonsch erklätt hatte, er dürfe in keiner Weise mehr auf seine Unterstützung rechnen, und da er von der Nothwcndigkeit seiner Existenz fest überzeugt ivar, mißbrauchte er den makellosen Namen seiner Familie zu einem ganz gemeinen Betrug, bei dem ihm einer seiner„Freunde", der Dr. Cher- bonnier, hilfreich zur Seite stand. Der letztere brachte Paul Dufour mit einem Tiamantenhändler Namens Kussel in Verbindung, stellte ihn diesem unter dem Namen seines Bruders, Joseph Dufour, vor, dessen nahe bevorstehende Vermählung mit einer reichen Erbin die Boulevardblätter ankündigten. Die beiden Jndusttieritter machten nun den Diamantenhändler glauben, Paul Dufour wolle den nothgedrungenm Bruch mit einer Maitresse durch einen Bttllantschmuck ermöglichen und werde zur Belohnung für den gemachten Kredit das Braut- geschcnk für die reiche Erbin bei ihm kaufen. Kussel ging nicht blindlings darauf ein, sondern erkundigte sich erst im Vertrauen bei einem Intimen der Familie Dufour, Herrn de Loqueyssie, der wohl von einer Vermählung des jungen Dufour wußte, dem aber der Handel nicht recht einleuchten wollte. Nichts- destoweniger lieferte Kussel den Schmuck, der noch am gleichen Tage den Weg alles Vettetzbaren wandelte. Bald darauf fand die ersehnte Hochzeit statt und Kussel wurde rasch gewahr, daß er betrogen sei. Er ließ nichts unvettucht, um einen Skandal zu vermeiden; allein angesichts der energischen Weigerung der Familie Dufour, den Schaden gutzumachen, kam der Handel vor das Zuchtpolizeigettcht, vor dem nur Dr. Cherbonnier er- schien. Paul Dufour war nach dem Auslande entflohen und die ihn bett-ffende Verurtheilung zu 6 Monaten Gefängniß und 1000 Franks Strafe wurde demnach in contumaciam gefällt; und er hat mit seinem Spießgesellen, der die gleiche Strafe erhielt, einen Schadenersatz von 15 000 Franks an Kussel zu leisten._ Vereine mh Versammlungen. bfs. Im Fachverein der Berliner Stuckatcure theilte in der gut besuchten Versammlung am 8. d. Mts. der Vor- sitzende, Herr Heindott, zunächst mit, daß am 20. d. Mts. im „Eity-Hotel"(Dresdenersttaßc) ein Vereinskränzchcn der Stucka- teure stattfindet, das von den Mitgliedern möglichst zahlreich besucht werden möge. Hierauf hielt Herr Hicke, ein Vertteter der Naturheilkundc, einen von den Zuhören» beifällig aufge- nommenen Vottrag über sogenannte„Berufskrankheiten", ent- standen durch übermäßige Anstrengung einzelner körperlicher Organe bei Ausübung des Bernfcs. Nach Beendigung des Vottrages und nach erfolgter Beantwottung aller an den Vor- tragenden gettchtetm Anfragen durch denselben, erklätten viele Anwesende ihren Beittitt zum„Verein für naturgemäße Heil- pflege". Der vom Vereinstassirer erstattete resp. zur Verlesung gelangte Kassenbericht für das 3. Quattal wurde„als nicht ge- nügend spczialifitt" vielfach bemängelt, worauf die Vettamm- lung durch Annahme eines dahin zielenden Anttagcs beschloß, den Kassirer mit crneuetter Vorlage eines spezialisitteren Kassen- bcrichts in der nächsten Vettammlung zu beauftragen. Schließ- lich gelangten die neuen Statutenbücher zur Verausgabung und wurden an Stelle zweier Revisoren, welche ihr Amt nicht weiter führen können, die Herren Liebenbach und Mündt Fachvereiii der Steinmetzen hielt am Sonntag Vor- mittag in Ahlgrimm's Salon, Sophienstt. 34, seine Monats- Versammlung ab, in welcher zunächst die Abrechnung vom Stiftungsfeste ettolgte. Alsdann wurde der Bettcht erstattet über die„Fremdenkasse". Aus dieser Kasse wurden 42 nach hier zugereiste Kollegen mit zusammen 120 M. 50 Pf. unter- stützt. Tie Revisoren bestätigten die Richtigkeit der Abrechnung und wurde dem Altgesellen Robitzsch Decharge ettheilt. Hierauf wurde beschlossm, daß das von den Mitgliedern zu enttichtende . Frcmdengeld" von 10 Pf. pro Woche von Ansang Dezember d.J. bis Ende März nächsten Jahres m Fottfall kommt. Ferner wurde den streikenden Kollegen m Breslau eine weitere Unterstützung bewilligt und alsdann über d,e Arbeitsverhaltnisse eines hiesigen Stcinmetzwerkplatzes debattitt. Mehrere der dort ar- bettenden Berufsgenossen beklagten sich über Nichttniiehaltting des mit den Meistern vereindatten Tanfes. DieVettammlung beschloß, falls diese Angelegenheit innerhalb 8 Tagen nicht ge- regelt sein sollte, dem Vorstand des Vereins die Regelung der- selben zu übettragen. Hierauf bettchtete Herr Röhn über den Verlauf der Vettammlung in Hannover und verlas die dott 8�"�er� Fachverein der Former und Berufsgenossen hiett am 8. d. M. bei Niest, Kommandantenstt. 71—72, eine Mit- gliedcrversammlung ab. Herr Kösten hielt einen Vortrag, in JS nothwendig bezeichnete. Femer fordette Redner die Verleihung der Korporationsrechte für die Fach- und Gewerkschaftsvcreine. An der an den Vottrag sich anschließenden Diskussion be- theiligten sich viele Redner, welche u. A. darauf hinwiesen, daß die Anwendung der Maschinen nur dann von Nutzen sür den Arbeiter sei, wenn mit der Ausdehnung des Maschinenwesens die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit gleichen Schritt halte. — Hierauf beschloß die Vettammlung, am 19. Febmar 1887 in oben genanntem Lokale ein geselliges Vergnügen zu ver- anstalten. Nachdem noch Herr Behrend über die Schutz- vorttchtungen gegen Unfälle im Fabttkbettiebe gesprochen und einige Fragen beantwottet waren, ettolgte der Schluß der Vettammlung um 12), Uhr. Der Verein der Kisten- und Koffermacher hielt am Montag, den 8. d. M., eine Mitglicdervettammlung in Grat- weil's Bierhallen ab, welche sehr zahlreich besucht war. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vottrag des Herrn Dr. Sperling: „Erklärung aller Theile des menschlichen Körpers durch eine anatomische Figur zum Zwecke der Gesundheitspflege". 2. Ver- schicdenes. Der genannte Vottragende hielt einen beifällig aufgenommenen Vottrag, in welchem er über die naturgemäße Behandlung verschiedener Krankheiten, hauptsächlich über Bruch- und Kinderkrankheiten sprach. Der Vottragende erörterte die Anwendung der Massage in eingehender Weise und theilte mit, daß in kurzer Zeit die Eröffnung einer Naturheilanstalt für Berlin in der Sebastianstraße bevorstände. Zu„Verschiedenes" wurde der Anttag gestellt, die Vettammlungcn des Vereins 4 wöchentlich stattfinden zu lassen; derselbe wurde bis zur nächsten Vettammlung vertagt. Dann erstattete Herr Leichnitz als Stteikkommisstonsmitglied Bettcht über den Stteik in der Schwarz'schen Fabttk; dettelbe sei beendet und zu Gunsten der Arbeiter ausgefallen. Zum Schluß fordette der Vor- fitzende zu zahlreichem Abonnent auf das„Berliner Volks- blatt" auf, da dieses in Berlin nur allein die Interessen der Arbeiter vettrete. Verein Berliner Mechaniker. Donnerstag, den 11. November, Abends 8'/. Uhr, im Vereinslokal, Alte Jakobstt. 128 im Restaurant Götze, Vottrag des Herrn Astronom A. Blaschke über das„Heliometer". Gäste sind willkommen. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine ic. am Donners- tag. Männergesangvererein„Lätitia" Abends 9 Uhr in Vettin's Restaurant, Vctcranenstt. 19.— Männergesangverein„Jugend- lust" Abends 9'> Uhr bei Bester, Große Hamburgersttaße 4. - Schäfer'scher„Gesangverein der Elser. Abends 9 Uhr bei Wolf und Krüger, Skalitzettttaße 126, Gesang.— Turnverein „Hasenhaide"(Lehrlinas- Abthcilung) Abends 8 Uhr Diesten- bachstraße 60—61.— Musik-Dilettantenverein„Glocke" Abends 8'/, Uhr Fttedttchsbergetttt. 10.— Rollcr'scher Stenographen- vcrein„Alt-Cölln" Abends 9 Uhr Wallstt. 20, bei Leon Hardt. — Verein Ziehlke'scher Tanzjchüler„Tirolienne" Abends 9.Uhr im Restaurant Poppe, Lindenstt. 106.— Rauchklub, Fernspitze" Abends 8 Uhr im Restaurant Holzmarktsttaße 44.— Rauchklub„Arcona" Abends 9 Uhr bei Brandt, Forstersttaße, Ecke der Reichendergettttaße. Kleme Mittheilungen. Stralsund, 7. November, lieber einen Auswanderer, der es eilig hatte, berichtet die„Ettals. Ztg.":„Ter Stellmacher- meister Julius Koch von hier hat vor einigen Tagen sein Mo- biliarvermögen versilbett und ist mit Frau und Kindern ausgewandert, angeblich nach Amettka, wo bereits einige Kinder von ihm wohnen. Sein Haus Triebseerdamm 16 mit dem in der Thür steckenden Hausthürschliissel hat er leer stehen lassen. Zu dem Grundstücke gehören auch einige Morgen Acker. Dem Vernehmen nach ist dem Koch bereits ein Abwescnheitsvormund bestellt." Frankfurt a. M., 5. November. Der hiesige Verein für Feuerbestattung, der jetzt ein Jahr lang besteht und 403 Mitglieder zählt, hat sich an Magisttat und Polizeipräsidium mit dem Ersuchen gewandt, ihm die Errichtung eines Ofens zur Feuerbestattung auf dem Friedhofe zu gestatten. Die Eingabe stützte sich darauf, daß nach der Frankfutter Medizinalordnung „keine Leiche vor der Besichtigung durch einen Arzt beerdigt werden darf", daß somit ein gewichtiger Einwand gegen die Leichenverbrennung, die Feststellung eines Verbrechens durch Untersuchung der Leiche, für Frankfutt wegfällt. Das Polizei- Präsidium erwidette, die bestehenden Bestimmungen würden sich nicht ohne weiteres auf die Leichenverbrennung anwenden lassen, denn sie bezögen sich lediglich auf die Beerdigung der Leichen, und lehnte deshalb das Gesuch rundweg ab. Der Magistrat hatte hiemach keine Veranlassung, sich weiter mit der Angelegen- heit zu befassen. Eine bei der königlichen Regiemng in Wies- baden eingereichte Beschwerde hatte keinen Ettolg. Die Rc- gierung erbat sich Weisungen von den Ministerien des Innern und des Kultus, und diese lauteten dahin, daß zur Zeit weite Kreise der Bevölkerung an der Verbrennung der Leichen Anstoß nehmen und daß bei den vorherttchenden religiösen Meinungen die Verbrennung auch in Zukunft keinen größeren Anklang finden dürste. Die Antwort der Regiemng führt dagegen kein gesetzliches Hindemiß an, das der Leichenverbrennung entgegen stände. Metz. 7. Nov.(Selbstmord wegen Nahrungssorgen.) Vor etwa 14 Tagen war eine gewisse Margaretha Geiger aus Bessungen bei Darmstadt hierher gekommen, um sich eine Stelle als Köchin zu suchen und hatte sich in einem Hause der Mauer- sttaße einlogitt. Hier scheint sie keine Stelle gefunden zu haben und schttcb sie dieserhalb nach Hause, um Geld zur Weiterreise zu erhalten. Als am Freitag der Geldbriefttägcr an ihre Thüre klopfte, um ihr einen Geldbncf zu bttngen, fand er dieselbe ver« schloffen und schöpfte er, da man die G. zu Hause wußte, Ver- dacht. Die Polizei wurde requittrt, die Thüre gewaltsam ae- öffnet, doch— der Briefträger war zu spät gekommen, die Aennste hatte sich an einem Nagel an der Wand aufgehängt, nachdem sie sich vorher die Pulsadem mit dem Tischmesser zu öffnen versucht gehabt hatte. In ihrem Portemonnaie fand man noch 2 Pfennig. Budapest, 6. November.(In einem Tunnel vemnglückt.) Am 30. v. M. benutzte der in Weid bei Wolfsegg wohnhafte, 68 Jahre alte Zimmermann Stefan Aicheraegen das bestehende Verbot den von Roßwald durch den Wiesfleckenstollen zum Liemesberge angelegten Tunnel, der zum Kohlenttanspott mit Maschinen befahren wird, als Fußweg. In diesem Tunnel, der so eng gebaut ist, daß ein Ausweichen unmöglich ist, wurde Aicher von einer ihm folgenden Maschine, die von Georg Watzingcr geleitet wurde, überfahren und erlitt nebst mehreren leichten Verletzungen eine schwere Verwundung am Kopfe. Es ist fast ein Wunder zu nennen, daß Aicher nicht unter die Räder der Lokomotive geschleudert und zermalmt wurde. Dem Maschinenführer Watzinger dürfte keine Schuld zur Last fallen, weil er in dem finstern, mit Rauch und Dampf gefüllten Tunnel den Passanten nicht sehen konnte und erst durch dessen Auf- schrei ausmerksam gemacht, mit dem Aufgebote aller seiner Kräfte die Bremsen anzog. ßetzte Nachrichten. Die Bulgaren haben einen Fürsten gewählt, und zwar den Pttnzen Waldemar von Dänematt. Da Rußland schon immer diese Wahl begünstigt hat, so dürfte sie definitiv sein.— Die„Polit. Korcsp." meldet aus Burgas, der russische Konsul verbreitete das Gerücht, der Leiter der Be wegung in Burgas, Nabokow, sei wegen Thcünahmc am Komplote gegen den früheren Fürsten Alexander bereits im Mai d. I. aus der russischen Armee gesttichen, es sei dies in- deß unttchtig, da Nabokow bei allen Gelegenheiten stets russische Uniform getragen habe. Die Aus- lieferung Salewskis und des Montenegriners Dragowic werde von dem russischen Konsul verweigert; die auf Verlangen HeS Genera« Kaulbars sreigelasienen bulgarischen Offiziere seien an der Revolte von Burgas betheiligt und gegenwärtig unter russischem Schutze versteckt. Lord Salisburt, hat auf dem Lordmayorsbanket seine mit großer Spannung erwartete Rede gehalten. Es liegen darüber folgende Meldungen vor: London, Mittwoch, 10. November, früh. Bei dem Lordmayors-Banket in Gmldhall sagte Lord Salisburq in Bezug auf Egypten,.die eng- lische Okkupation in Egypten müsse cme beschrankte fem, England könne aber ohne Einbuße an semcr Ehre die dem Lande gegebenen Sicherheiten nicht zurückziehen und das Land nicht eher verlassen, als bis es dasselbe ,n eine argen eine auswärtige Aggression gesicherte Lage gebracht habe und bis eine Anarchie ,n den inneren Angelegenheiten voll- ständig beseitigt sei. In finanzieller Beziehung mache Egypten günstigere Fortschritte wie jemals, die Aufgabe Englands sei aber nicht vollendet, die Wohlfahrt Egyptens und vor Allem die Unabhängigkeit Egyptens von der Kontrole einer anderen Macht seien von der größten Wichtigkeit. Ber Besprechung der bulgarischen Angelegenheit erinnerte Lord Salisbury an die Vorgänge bei der Verschwörung gegen den Fürsten Alexander, über welche er sich lebhaft mißbilligend aussprach, und tadelte die an der Verschwörung bethelligten Ossi- ziere als durch fremdes Gold verführt. Die Verschwörung habe ein Verdammungsurtheil seitens Europas erhalten, das auch mit Erstaunen erfahren habe, daß die Hilfsmittel der Diplo- matie angewendet worden seien, um die Offiziere von dem Schicksal zu retten, das sie verdient hatten. Europa habe die Einanffe in die Rechte eines unabhängigen Volkes mit leb- haftem Bedauern gesehen. Alles das habe zu der Entstehung unheilvoller Gerüchte Anlaß gegeben, er habe indeß guten Grund, dieselben für unbegründet zu halten. England werde im Einvernehmen mit den anderen Mächten handeln, es werde nicht die Pflicht auf sich nehmen, Verpflichtungen für Andere aufrecht zu erhalten, welche ihrerseits es nicht für nothwendig hielten, dieselben aufrecht zu erhalten. Aber wenn die Fntercssen Englands berührt werden sollten, werde England keinen Rath verlangen und keinen Beistand suchen, sondern selber seine Interessen vcttheidigen überall wo dieselben angegriffen werden könnten. Die Interessen Englands seien gegenwärtig nicht berührt, Oesterreich habe das größte Interesse an der Frage, Oesterreichs Entschlüsse seien von großem Einflüsse auf die Ent- Schlüsse Englands. Am Schlüsse seiner Rede wieder- holte Lord Salisbury, er halte den Frieden in keiner Weise für gefährdet, er hoffe, die Zukunft werde anstatt eines zerstörenden Krieges ein Wiederaufleben der Arbeit und der Industrie zeigen.— Sämmtlichc Morgenblättcr ohne Unterschied der Parteistcllung sprechen sich zustimmend zu den Auslassungen Salisbury's iwcr die Onentfrage aus, da die- selben klar, entschlossen und der Unterstützung des Landes würdig seien. Die„Times" bezeichnen als die bedeutsamste Stelle der Rede den Satz, in welchem gesagt ist, daß O estcrreichs Po- litil maßgebend sein werde für die britische Politik- Damit sei gemeint, daß, falls Oesterreich gezwungen sein werde, der durch eine russische Okkupation Bulgariens involvirten Ver- letzung des Völkerrechts und der Bedrohung seiner Reichsinter- essen entgegenzutreten, es nicht ohne Unterstützung Englands gelassen werden würde. Ter„Standard" äußert sich in ähn- lichcm Sinne, bemerkt indeß, Oesterreich müsse unbe- dingt den ersten Schritt thun. Das Einvernehmen zwischen Oesterreich und England werde allgemein als beste Friedensbürgschaft beurtheilt. Markthallen-Vericht von I. Sandmann, städtischem Vcrkauss-Vermittler, Berlin, den 10. November 1886. Geflügel. Fette Gänse per Pfund SO bis 60 Pf-, Fettgänse über 15 Pfd. schwer 60 Pf. und mehr per Pfund, Stoppelgänse bis 8 Pfd. 40—48 Pf. per Pfund. junge Enten 1,50— 2,50, junge Hühner 0,55—0,80, alte 1,20—1,70 M., Tauben 30—45 Pf., Poularden 4,50 bis 8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich. Fette Gänse sehr begehrt. Wild. Rehe 51— 62, fehlerhaste 40— 50, Hirsche, starke und fehlerhafte 20—25,'. 25 35, Dammwild 32—45, Wildschwein 25— 30 Pf. pr.Pfd., Rebhühner, junge 150, alte 90— 110 Pf., Fasanenhennen 2,40—2,50 M-, Fasanenhähne 3,00—4,00 M-, Hasen 3,00—3,75, Kaninchen 45— 55 Pf. p. Stck, Krametsvöael 25 bis 26 Pf. per Stück. Auerhahn 3,00-4,50 M. Birkhuhn 1,75-2,50 pr. Stück. Schnepfen 2,20-2,80, Bekassinen 50 bis 70 Pf. pr. Stück. Die Wildauktionen werden täglich im Bogen 4 um 9", Uhr Vormittags und 6 Uhr Nachmittags abgehalten. Die Engros-Auktionen finden steigende Aufnahme. Auch aus naheliegenden Städten komnicn Händler, nm hier ihre Einkäufe zu besorgen. Obst und Gemüse. Birnen 5,00 bis 6,50, Tafclbirncn 7-15, feinste Sorten 20-40 M., Aepfel 5,00-7,50 M., Tafeläpfel 10-15 M., feinste Sorten 20-36 M, Maroneil 20-30 M, Wallnüsse 20-30 M. pr. Ztr. Zwiebeln 2,25—3,00—4,00, Weißfleischige Speisc-Kav toffeln 2,80-3,60, rothe 2,80-3,00, blaue 2,50-3,00 p« 100 Ko., Teltower-Rübchen 9—12 M., Sellerie 7—8 W, Meerrettig 7—12 M-, Blumenkohl 30—40 M. pr. 100 Stück. Kohlrüben 1,50—2,00 M., pr. Ztr. Blumen und Blätter. Lorbeerblätter 3,50—4 M- pro Korb. Rosen 8—15 M-, Rosenknospen 1—3 M- pr. 100 Stück. Tuberosen 4-5 M. pr.. 100 Stück. Veilchen 3,50-6,00 M- pr. Tausend. Roscn-Hochstämmc 50—70, niedrig-veredeltt 15-20 M. pr. 100 Stück, Primeln 13-15 M. pr. 100 Stück. Auktion jeden Dienstag und Freitag um 7 Uhr Nackmittags. Geräucherte und marinirte Fische. Größere Zufuhren erwünscht. Bratheringe per Faß 1,50—1,60 M. Russische Sardinen 1,50—1,60 M. Rheinlachs 2,50—2,90, Weser- und Ostscelacks 1,20-1,60, Flundern, kleine 3-6 M, mittel 7M bis 16 M., große 18-27 M., Bücklinge 1,80-4,00 M. V« 100 Stück. Sprotten 40 bis 45 Pf. per Pfund. Rauchaal mittel 1 M. per Pfd. Eier 3,10 M. pr. Schock. Eier find begehrt; größere Zu» fuhren erwünscht. Butter. Frische feinste Tafelbutter sc. 120—125, femt Tafelbutter>. 110—118, U. 95 bis 108, in. fehlerhafte 85 bis 90. Landbutter I. 90-96, l». 80 bis 85 M. Galizische und andere geringste Sorten 55—72 M pr. 50 Ko... Käse. Schweizerkäsc>. 56- 63, U. 50-55, m. 42-4». Ouadrat-Backstein>. fett 20—25, u. 10—16 M., Limburg« l. 30-35, ii. 20-25, Rheinischer Holländer Käse 45-58 ff* echter Holländer 60—65 M., Edamer I. 60—70, lt. 56 französischer Ncufchatellcr 16 M. pro 100 Stück, Roquefort 1,20—1,50 pro Pfd. Srieflmsten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die Abonnementi-Ouittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. W. K., Memelerstr. 51. Sie dürfen das Papier nur auf einer Seite beschreiben, wenn Ihre Einsendungen abdruckt werden sollen. Verein„Tyrolienne". Zu derartigen Anzeigen m- Ihnen der Fnseratentheil unseres Blattes zur Verfüg1# Annonzen sind in unserer Expedition, Zimmerstraße 44, aul' zugeben. Theater. Donnerstag, den 11. November. Opernhaus. Satanella. Schauspielhaus. Der Damenkrieg. Vorher: Lydia, Plauderei. Deutsches Theater. Gräfin Lambach. Fricdrick-Wilhelmstädtisches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Die Sternschnuppe. Viktoria-Theater. Amor. Ostend-Theater. Das neue Gebot. Restdenz-Theater. Ein Großstädter. Vorher: Ein anonymer Brief. Zentral-Theater. Der Waldteufel. Bellealliance-Theater. Die Fledermaus. Walhalla-Theater. Die Piraten. Königstädttsches Theater. Von Schrot und Korn. m Kaufmann's Varietee. Spezialitäten- Vor- stellung. Ameritan-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Reichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Coneordia- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Berliner Stadt-Theater. (Früher Alhambra-Theater.) Wallnertheaterstt. 15. Donnerstag: Zum ersten Male: Die Flschcriu von Island. Schauspiel in 5 Akten von C. Pause. Vor der Vorstellung: Großes Concert, �WW ausgeführt von der Hauskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Hrn. Theodor Franke. Anfang des Concerts: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochentags 7', Uhr, Sonntags 7»/, Uhr. Das Theater ist mit elekttischcr Beleuchtung versehen. ISden-Tlieater. (Früher Louisenst. Theater.) Dresdenerstt. 72 73. «a» großartiglle Programm der liestdenz. 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Mntterglnck. 2. Blanche. 4. Die beiden Alten. Ein Wandkalender. preis 60 pf. Soeben erschien Nr. 34 des .Wahre« Jakob. ,0 rrf Zu beziehen durch die Expedition dieses Bl., Zimmersttaße 44. Lerantwortlich für den politischen Theil und Soziales »WS law _ Wiederverkäufern Rabatt. Unserm Freunde ... c- c Drinrich«irke lÄSdj*""8" Die Freunde, welche für Leichenverbrennung find. Soeben erschien im Verlage von WörleiN & Co. der Deaffdis Handwerktt' unb Ardeittt- NotizKalkudtt für 1887 (!X. Jahrgang). Dieser Notizkalender, seit Jahren in dcn deutschen Arbeiter- und Handwerkerkreisev riihmlichst bekannt, ist nicht blos Kalender, sondern zugleich Notizbuch und Gesetz' sammlung. Auch in diesem Jahre ist sowohl auf den Inhalt als die Ausstattung besondere Sorgfalt verwendet und ist namentlich P zügltch des Einbandes Vorzügliches. � leistet und bestes Material dazu verwendet' Neben der gewöhnlichen Ausgabe'' auch wieder eine stärkere veranstaltet, tv#'- mehr Schreibpapier enthält und kräfti?� Leinwandeinband mit Deckel nach Br>ck tafchenatt lind Gummiband hat. Auck de der gewöhnlichen Sorte sind diesmal du Ecken abgerundet. Inhalt des Kalenders: m Kalendarium mit neu revidirtem schichtskalender; postalische Bestimmungen' Telegrammtarif; das ganze IlnfallverM rungsgesetz mit Anhang vom 28. Mai Gesetz über die eingeschriebenen.Hilfsk�e'- niit der Novelle vom 1. Juni 1884; 1,1 Reichstags- Wahlgesetz mit Reglemen> Auszug aus dem Reichs- Patentaefetz! Geivindeschneidetabelle für Metallarbeiter Schreibpapier mit Datumsangabe Tagesnotizen, leeres Schreibpapier, täschchen. Der ganze Kalender ist vlerzetzi Bogen stark. 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