Nr. 265. FreLtag» den 12. Uanemder 1886. 3. Jaljrg. trlimVxlksdlM Brgan für die Interessen der Ardriter. 4 Das„Berliner Volksblatt" «scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei m's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement t Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeilc oder deren Raum 40 Pf. Arbcitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt»ach Uebercinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SV/., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Grpedition: Zimmerstraße 44. Nn wohlmeinender Pastor. . Hexx v. Bodelschwingh, der Gründer und Leiter °kr„Arbeiterkolonie" Wilhelmsdorf bei Bielefeld, ist ein �nschenfreundlicher Mann. Die 10 000 Arbeiter, die beim Rordostseekanal beschäftigt werden sollen, lassen ihm heute schon keine Ruhe mehr; er fühlt sich verpflichtet, für ihr leibliches und geistiges Wohl zu sorgen. Und da ist er denn, Fse selbstverständlich, bemüht, dafür zu sorgen, daß sie leinen— Schnaps trinken. Herr von Bodelschwingh soll sonst ein sehr liebenswürdiger Herr sein und da ist wohl anzunehmen, daß er den Arbeitern als Ersatz für den Brannt- wein, besten sie in jenem Klima bei ihrer harten Arbeit zur Stärkung hie und da bedürfen, seinen Tischwein in ent- Brechender Menge entweder gratis oder doch zum Preis des Branntweins liesern wird. Doch lasten wir die Scherze. Herr von Bodel- lchwingh hat eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie die Arbeiter am Nordostseekanal behandelt werden sollen. Darnach sollen eine Anzahl Baracken— wie menschenfreundlich!— für je 150 Mann errichtet werden. Der Perein für innere Mission übernimmt die Leitung des Gan- zcn und läßt durch einen Kaufmann die„wirthschaftlichcn Geschäfte", durch einen Hausgeistlichen die„persönliche Pflege" besorgen. Jede„Baracke" soll von einem Haus- vater überwacht werden. Branntwein darf in die Baracken Vicht hinein und auch in den Kantinen, die vom Verein für vmere Mission geleitet werden, soll er nur in ganz beschränk- km Maße verkauft werden. Am Sonntag sollen die Ar- veiter erst die Kirche besuchen müsten; dann erst dürfen sie vv Erholung denken. So möchte es Herr von Bodelschwingh haben. »vr fragt sich erstaunt: Was haben die Arbeiter, die ?s°rdostsee-Kanal arbeiten sollen, denn verbrochen, weil jgjßwPaftor annähernd wie Sträflinge behandelt haben ein ar efer Herr v. Bodelschwingh muß die Meinung haben, im« �iter sei ein Mensch zweiter Klaste, hinter dem - er„Aufseher" oder ein„Hausvater" oder ein tz'» �geistlicher" stehen müste, um darüber zu wachen, daß Arbeiter nichts thue, was gegen die„geistliche" Ord- cfl verstößt. Es ist schlimm, daß sich Jemand so etwas in genehmen darf, was sich der Herr von Bodelschwingh bäo te'em Jolle anmaßt. Man denke: Die Regierung er- Und f T" Reichstag die Mittel zu dem Kanalbau bewilligt so soft von allen Seiten wird sie aufgefordert dafür zu sollp daß die Arbeiter gut behandelt und bezahlt werden ünWj. �ber die Arbeiter sind noch nicht einmal engagirt Iva«<$0n � dieser Pastor da, der ihnen vorschreiben will, _ ite esten und trinken dürfen, der sie unter eine Sträf- Jeuitleton. Im Hanse des Uerderbrn«. [24 Kriminalroman. Von Reinhold Ortmann. vv.» Unerhörte der Nach- h,--.�"Inspektor Windolf gehörte im Grunde nicht zu den Asten Menschen; aber ob es nun das"~" ftolmf'rw.' J3'6 ihm da entgegen geschlei wscip z Worten und Mienen etwas Ungewvyi>t>u,c», �«evbes lag, genug, es durchzuckte ihn jäh, wie ein — Xj T)/*7 0/ a/' ein furchtbarer Argwohn und fester als zuvor er seines ehemaligen Vorgesetzten Arm. flarf.werden Sie uns zu ihm führen!" rief er mit dem p�mme.„Bergmann, fasten Sie diesen Herrn an fo, ojwern Arm; aber fest!— Ich will die Verantwortung ubernehmen!" nick» �chwfeld wußte bei der Plötzlichkeit dieser Maßregel Pg P318'hm geschah. Er sah sich von den beiden kräftigen Sck>i ergriffen, in die Mitte genommen und nach dem bolf'a Wu fortgezerrt, noch ehe er begriffen hatte, daß Win- aber t, rrte wirklich im Ernst gemeint gewesen. Dann sich Jauste ein glühender Zorn in ihm auf und er suchte "mstchtsloz von ihnen frei zu machen. spek»"®� unterstehen Sie sich, Windolf!" rief er dem In- «W L'"-»Teben Sie auf der Stelle meinen Arm ftei daß& worden es bereuen!— Sind Sie toll geworden, wagen, sich an mir zu vergreifen?" fordet-. Angeredete würdigte ihn keiner Antwort, sondern ficher festzuhak � �enosten auf, den Gefangenen recht Vicht �1"«" dieser die Bedeutung der plötzlichen Festnahme jftaft.& st' vder ob— was noch wahrscheinlicher— seine ließ Holmfeld'» nicht gewachsen waren, genug er Hand d.. letzteren fahren nnd Schlage getroffen, zu einen Fluch und dc aus, während er sia,«uy.w, Korpers auf Holmfeld warf. ueß die vmmxew s nicht gewachsen waren, genug er von ibrem st c, letzteren fahren nnd taumelte zugleich, cft» äl." lingsbeaufsichtigung stellen und sie zwangsweise zur Kirche schicken will. So etwas ist denn doch kaum noch dage- wesen. Dieser vortreffliche Menschenfreund möchte wohl die ganze Arbeiterwelt in solchen Anstalten untergebracht sehen, wie er zu Bielefeld eine eingerichtet hat. Wir hoffen, die Regierung wird auf diese Vorschläge nicht eingehen. Sie hat zwar keine bestimmten Ver- sprechungen gemacht, wie sie es bei dem Kanalbau mit den Arbeitern gehalten haben will, aber sie wird denn doch ein- sehen, daß die Kanalarbeiter freie Arbeiter sind und daß man keinen Grund hat, sie dem Herrn von Bodelschwingh als Objekt für seine pietistischen Experimente auszuliefern. Wo kämen wir wohl in Deutschland hin, wenn dergleichen üblich werden sollte? Es würde eine Art von Sklaverei eintreten, wie sie Deutschland noch nicht gesehen hat. Jeder gebildete Mensch ist heute soweit, daß er die Arbeit als den wichtigsten Kulturfaktor achtet und ehrt. Thut er dies, so muß er auch in jenen Menschen, welche die schwierigsten und anstrengendsten Arbeiten zu leisten haben, die von Auf- opferung erfüllten Träger jenes Kulturfaktors achten. Wenn man aber diese Arbeiter wie Sträflinge behandelt misten will, dann setzt man die Arbeit selbst herunter. Mit Recht fragen die Blätter, wofür der Herr Pastor wohl die Insassen seiner sogenannten Arbeiterkolonien an- sehen mag, wenn er gegen freie Arbeiter sich solche Dinge herausnehmen zu können glaubt. Wie wahrhaft menschen- freundlich lauten dagegen die Worte des westfälischen Dichters, der den Arbeitern zuruft: „Jedem Ehre, jedem Preis! Ehre jeder Hand voll Schwielen! Ehre jedem Tropfen Schweiß, Der in Hütten fällt und Mühlen!" Jawohl, Ehre! Nicht aber Entwürdigung, wie sie der fromme Pastor plant. Man kann sehen, was aus den Arbeitern würde, wenn diese konservativ-pietistischen Herren könnten, wie sie wollten. Sie würden einen Zustand herbeiführen, der von den Zu- ständen auf den amerikanischen Sklavenplantagen nicht sehr verschieden wäre. Der Arbeiter würde unter ihnen eine einfache Arbeitsmaschine- sie wollen ihm vorschreiben, was er ißt, was er trinkt unv was er denkt. Es könnte wohl kein größeres Unglück für Vaterland und Menschheit geben, als wenn die Menschenfreunde k la Bodelschwingh zu gebieten hätten. Wir richten die Aufforderung an die Regierung, die Vorschläge des Herrn Pastors abzuweisen und hoffen auch, daß sie es thun wird. Der letztere, auf den Stoß nicht vorbereitet, strauchelte und fiel zu Boden, seinen Angreifer mit sich reißend. Noch einmal wiederholte Windolf seinen Hilferuf, denn er fühlte wohl, daß er allein der Stärke Holmfeld's auf die Dauer nicht gewachsen sei. Um ihn zunächst am Wieder- aufstehen zu verhindern, drückte er sich mit voller Schwere auf seine Brust und faßte ihn an der Kehle. Der von Holmfeld niedergeschlagene Bergmann kam ihm jetzt zu Hilfe und begann den am Boden Liegenden zu miß- handeln. Dieser fühlte, daß eine solche Behandlung einem Angriff auf sein Leben gleich komme und auch ihn verließ die kalte Ueberlegung. Einen Augenblick, in welchem seine Hand frei war, benützend, zog er den mitgenommenen Re- volver aus der Tasche, und sicherlich würde er ihn rücksichts- los auf einen seiner Angreifer abgedrückt haben, wenn nicht zwei auf Windolf's Hilferufe herbeigeeilte Arbeiter dadurch, daß sie sich ebenfalls auf ihn warfen, dem ungleichen Kampfe vollends ein Ende gemacht hätten. Zähneknirschend, doch vollständig widerstandslos mußte sich Holmfeld nunmehr in's Schloß und von da unter starker Bedeckung nach dem Teiche führen lasten, wo man bei dem Scheine der Windlichter die Leiche des Guts- Herrn aufhob und auf eine Tragbahre legte. Auch das Medaillon wurde gefunden und von Windolf alz oorpv» delicti an sich genommen. Der scharfsinnige Verwalter zweifelte jetzt ebenso wenig wie irgend Jemand aus der Um- gebung daran, daß kein Änderer als Holmfeld der Mörder des Barons fei. Während ein reitender Bote nach der Stadt an Doktor Ramfeld und die Behörden abgefertigt wurde, gab er den Befehl, den ehemaligen Oberinspektor mit gebundenen Händen in ein gut verschließbares Zimmer des Schlostes zu führen. Holmfeld machte keinen Versuch des Widerstandes und sprach auch kein Wort. In seinem Kopfe wirbelte Alles wild durcheinander. Er konnte die Furchtbarkeit der Lage, in der er sich befand, jetzt noch nicht vollständig fasten und ertrug den Schimpf, der ihm angethan wurde, wie einen bösen Traum, dem doch früher oder später ein erlösendes Erwachen ein Ende machen muß. Nur der eine Wunsch regte sich während der ganzen grausigen Szene in seinem Herzen, daß Elsbeth verhindert sein möge, ihr gewünschtes politische Ucbersicht. Heute Freitag Abend 8'/, Uhr findet die erste große Wählerversammlung der Arbeiter des ersten Rcichstagswahl- kreises statt und zwar in der Tonhalle, Friedrichstr. 112. Herr Flatow hat das Referat übernommen. Bei der gestrigen Landtagswahl im ersten Berliner Wahlkreis erhielten Dr. Hermes 545, Landcsdirektor v. Le- vctzow 222, Äaurath Kyllmann 56, Kammergerichtsrath Schröder 3 Stimmen. Dr. Hermes ist somit gewählt. Bei der Wahl im vorigen Fahre erhielten Ludwig Löwe 599, Herr v. Leveyow 228 und der nationalliberale Kandidat Herr Meitze» 65 Stimmen, während 1882 687 foitschrittliche und 243 konservative Stimmen abgegeben wurden. Regierungsbaumeister a. D. Äesiler, der sich seit zwei Monaten in München aufhält, wurde auf Grund des Frei- zügigkeits(!)geseyes aus ganz Bayern ausgewiesen. Auf seine Beschwerde an die Regierung von Oberbayern hat er vor diese auf den 11. d. M. eine Vorladung erhalten. Herr Keßler gedenkt die ihm widerfahrene Behandlung in einer aus- führlichen Denkschrift dem Reichstage zu unterbreiten. In München hat sich K. jeder agitatorischen Thätigkeit fern- gehalten. Zum Spremberger Prozetz erhalten wir folgende Zu- schrift mit der Bitte um Aufnahme: Das„Berliner Volks- blatt" hat in seinem Bericht über die in Cottbus stattfindenden Gerichtsverhandlungen, den Spremberger Krawall betreffend, genau, wie zahlreiche andere Zeitungen über die Zeugenaussage des Herrn Bürgermeister Wirth zu Spremberg folgendes mitgetheilt:„Es haben in Spremberg mehrfach sozialdemo- kratische Versammlungen, in denen Berliner Abgeordnete ge- sprachen haben, stattgefunden. Vor etwa 2 Jahren trat Hasen- clever als Redner auf. Ich sah michveranlaßt, dicfe Versammlung wegen einer Aeußerung Hasen- clevers aufzulösen. Es gelang uns nur mit Mühe, das Lokal zu räumen. Als wir auf die Sttaße kamen, wurden wir von der Menge mit Steinen beworfen."— Die Leser werden durch die in dieser Form gebrachte Zeugenaussage des Herrn Bürgermeisters in den Glauben versetzt,.als ob ich eine Aeußerung gethan hätte, welche die allerdings ungemein zahl» reiche Versammlung derart in Aufregung gesetzt habe, daß Theilnehmer derselben dadurch zu ungesetzlichen Schritten hin- gerissen worden wären. Schon bei Berathung des Rechcnschafts- berichts über den Spremberger Belagerungszustand im Deutschen Reichstag, nach welchem der Herr Bürgermeister Wirth in Folge meiner Rede die betreffende Versammlung auflösen mußte, habe ich die Sache klar gestellt. Unter großer Heiterkeit des Reichstags konnte ich konstatiren, daß Herr Bürgermeister Wirth bei folgender„staatsgcfährlichen" Aeußerung:„Ich halte den Staat(nach Laffallc) n i ch t für einen-Nachtwächter, sondern"-� sich veranlaßt sah, die Versammlung aufzulösen. Ich wollte weiter fortfahren:„sondern ich meine, daß derselbe höhere Aufgaben zu erfüllen hat, als lediglich das Eigenthum zu schützen. Ich will dem Staate die Pflicht zuerkennen, die vom Re- Stelldichein einzuhalten. Denn wäre sie in diesem Augen- blick gekommen und man hätte es gewagt, ihm in ihrer Gegenwart weitere Schmach anzuthun— es hätte irgend ein Unglück geben müsten, besten war er gewiß. Aber nichts wurde von dem jungen Mädchen sichtbar. Die festgesetzte Zeit war ja auch längst vorüber und die Dunkelheit, welche allmälig hereingebrochen war, ließ ihr Kommen nicht mehr erwarten. Dennoch athmete Holmfeld erst erleichtert auf, als sich der traurige Zug nach dem Herrenhause zu in Bewegung setzte. Zum zweiten Male binnen wenigen Tagen hatte der Tod in das alte Gebäude seinen Einzug gehalten. Mit ver- störten Gesichtern tauschte die Dienerschaft ihre flüsternden Bemerkungen unter einander aus, und es war Keiner, der nicht das unheimliche Haus am liebsten in der nächsten Stunde verlassen hätte. XVIN. Doktor Ramfeld hatte sein Abendesten noch nicht be« endet, als der schreckensbleiche Bote vop Brandenstein in das Gasthofszimmer trat, um ihm von dem Vorgefallenen Meldung zu machen und ihn um schleunige Rückkehr zn bitten. Vortrefflicher konnte Ueberraschung, Bestürzung und Aufregung sicher nicht dargestellt werden, als es von Seiten Ramfeld's während der verwirrten Erzählung des Diener? geschah. Er stieß das vor ihm stehende Geschirr heftig zu- sammen, sprang von seinem Sitze auf, lief einige Male in dem Zimmer auf und ab und packte dann den Boten heftig an den Schultern, als müste er sich überzeugen, daß er nicht träume, sondern wirklich einen Menschen von Fleisch und Blut vor sich sehe. Endlich aber schien er seine Fassung wieder zu gewinnen. Er griff nach seinem Rock und Hut, winkte dem Diener, ihm zu folgen und eilte hinunter auf die Straße, wo der von Brandenstein herübergekommene Wagen mit den vom rasenden Laufe dampfenden Gäulen stand. „Ich werde meine Zeche berichttgen, wenn ich wie- der komme," rief er dem verwundert heraustretenden Wirthe zu.„Jetzt vorwärts, Jürgen, auf die Polizei und dann in's Telegraphenbüreau! Wir haben keine Minute zu verlieren!" Der Wagen raffelte lärmend über das holprige Pflaster gierungstisch im Reichstage fortwährmd betont wird, die Pflicht, ernsthafte Sozialreform zu treiben."— Aber noch einmal:„Ich halte den Staat nicht für einen Nachtwächter"— ist denn dieser Ausspruch geeignet, eine Versammlung auf Grund des Sozialistengesetzes aufzulösen?— Ich selbst ging nach der Auf- lösunq sofort weg und kann deshalb auch nicht sagen, ob es der Polizei schwer wurde, den Saal zu räumen und ob auf der Straße mit Steinen geworfen wurde; aber es haben, so viel ich weiß, an jenem Abend keine Verhaftungen stattgefunden und es ist auch keinerlei Anklage erhoben worden.— Hst aber nach der aufgelösten Versammlung doch Unruhe entstanden, so bin nicht ick daran Schuld gewesen, sondern die aus nicht ge- nügenden Gründen erfolgte Auflösung der Versammlung. Halle a. S-, 10. November 1886. Wilh. Hasenclever, Mitglied des Reichstags. Die Petition betreffs des§ 152 der Gewerbeordnung (Koalitionsfreiheit) hat bekanntlich eine getheilte Aufnahme bn den Arbeitern geflinden. In Hamburg ist man entschlossen, mit vollster Energie die Sache in die Hand zu nehmen. Ganz Hamburg- Altona ist nach der bei den Reichstagswahlen üb- lichen Art in Reviere eingetheilt, in welchen von Vertraums- leuten eine allgemeine Hausagitation eröffnet werden soll. Der Mannheimer Reichstagswahlkreis war bisher be- kanntlich durch den Demokraten Kopfer vertreten. Nach seinem Rücktritt gedachten seine Parteigänger den Rechtsanwalt Feder, den langjährigen Vertreter Mannheims im badischen Landtage, aufzustellen. Dieser lehnte jedoch ab und da kein anderer Kandidat aufzustellen war, so hat die Parteileitung nunmehr Wahlenthaltung beschlossen. In ihrer Erklärung heißt es: Obgleich ein weiteres Umthun unter den Männern un- seres Vertrauens angesichts der nur noch kurze Zeit währenden Legislaturperiode leider erfolglos blieb, so rst damit das Be- wußtsein der Stärke und Berechtigung unserer Partei keines- wegs erschüttett. Dieselbe besteht m ungeschwächter Kraft fort und die im nächsten Jahr stattfindende Reichstagswahl wird uns, wie früher, unentwegt bereit sinden, den in drei aufein- ander folgenden Perioden errungenen Sitz unserer Partei zu sichern."— An der Bereitwilligkeit zweifeln wir nicht, nach den letzten Ereignissen aber an oer Möglichkeit. Ter Wahlkreis durfte nunmehr der S o z i a l d e m o k r a t i e in die Hände fallen und nicht so leicht wieder zu enttcißen sein.— Für die Stichwahl haben übrigens die süddeutschen Demokraten„noch keinen Beschluß" gefaßt. Sollten sie am Ende gar Lust haben, dem Nationalliberalen zum Siege zu verhelfen? Den nöthigen Honig sttcicben ihnen die nationalliberalen Blätter allerdings schon um den Mund. Bezüglich der Buckauer Verhaftungen wird bereits ab- §ewiegelt. Von Dnnamit ist keine Rede mehr, jetzt ist es die itost fche„Freiheit", die man bei„einigen" Betheiligtcn vor- gefunden haben will. Wahrscheinlich wird es auch damit nichts sein. Ferner sollen nicht 40—50, sondern nur 17 Arbeiter verhaftet worden sein. Ein Theil ist schon wieder entlassen. Wenn nur die Buckauer nicht gar noch an den Belagerungszustand glauben müssen. Die Armenlasten in Sachsen. In sächsischen Blättem erschemt gegenwärtig ein Aufruf zur Unterstützung einer Petition an den sächsischen Landtag, betreffend die U e b e r n a h m e derArmenlastendurch denStaat, deru. A. von dem Landtagsabgeordneten Kaden und einer Anzahl bekannter Sozialisten aus Chemnitz, Zwickau, Dresden k. unterzeichnet ist. Der Petition liegt der jährlich fühlbarer werdende Ucbel- stand zu Grunde, daß eine große Zahl der immer übervölkerter werdenden Jndustricgemeinden in fast unerschwinglicher Weise die Armenlasten wachsen sehen, wohingegen die rein bäuerlichen Bezirke und die kleinen Landstände nur sehr wenig Anforde- rungen dieser Art haben. Es wird sogar vielfach behauptet, daß die Landgemeinden sich ihrer Otts armen theilweise dadurch zu entledigen trachteten, daß sie der Verarmung vettallene Otts- vcwohner nach den Jndustneotten oder größeren Städten senden und dott so lange aus Gemeindemitteln unterstützen, bis sie durch zweijährigen Aufenthalt den Unterstützungswohnsitz er- langt haben..Aber abgesehen von diesen vielleicht ziemlich zahl- reichen Ausnahmefällen, steigt die Zahl der Armen ganz natur- gemäß sehr bedeutend in den zahlreichen Jndusttiedörfern und Städten und sind diese Dörfer noch schlimmer daran als die Städte. Diese Jndustriedörfer, und sie sind zu Hundetten im Lande vorhanden, sind in wenig Jahrzehnten aus den kleinsten Anfängen, oft kaum hundett Einwohner zählend, vielfach zu Otten Heranaewachsen, die die Bevölkerungszahl vieler Städte übertrifft. Dörfer, die über 5000 bis 19000 Einwohner haben, giebt es nach der letzten Volkszählung zweiunddreißig, darunter ist Reudnitz bei Leipzig mit 18 824 Einwohnern das größte. Andere sind erst in den letzten Jahrzehnten buchstäblich aus dem Nichts entstanden, wie z. V. der in der Nähe Leipzigs liegende, über 7000 Einwohner zählende Ott Neustadt, von dem vor fünfzehn Jahren kaum ein Haus stand. Alle diese Dörfer haben kern Gemeindevermögcn, alle Lasten müssen durch Steuern aufgebracht werden und neben den Schullastcn werden die Armenlasten immer höher, weil unsere soziale Entwicklung mit Nothwendigkeit die Zerstörung und Proletarisirung der Mittel- des Städtchens dahin und Doktor Ramseld drückte sich tief in die Kissen. „So ist es denn gelungen," murmelte er vor sich hin.„Sie werden den Burschen ja wieder laufen lassen müssen; aber es ist doch vorerst ein handgreiflicher Verdacht. Ich bin für die nächste Zukunft sicher und kann in Ruhe meine Vorkehrungen treffen. Kommt Zeit, kommt Rath!" Eine Stunde später war der Oberstaatsanwalt in der Residenz auf telegraphischem Wege bereits von Allem be- nachttchtigt und eine Antwottdepesche hatte die Mittheilung gemacht, daß ein Vertreter der Staatsanwaltschaft und ein Untersuchungsttchter schon am nächsten Morgen in Brandenstein sein würden. So blieb denn hier für den Augenblick nichts weiter zu thun, und Dr. Ramseld zog sich, nachdem er strengen Befehl gegeben hatte, auf das Sorg- fälttgste über den Gefangenen zu wachen, in sein Pttvatge- mach zurück. „Nun vor allem an die Vernichtung dieser Papiere!" sagte er zu sich selber, nachdem er die Thür verschlossen und die Vorhänge von den Fenstern herabgelassen hatte.„Es wird zwar vor der Hand Niemand nach dem Zeuge suchen; aber sicherer ist es, ich bttnge es bei Seste!" Cr zog seine Btteftasche hervor und begann die Papiere zu durchblättern, die in derselben lagen. „Hm! Da ist ja Mancherlei, was aus der Welt ge- schafft werden muß!— Brandenstein's Revers— dieses umfangreiche Geständniß, das heute noch gerade im rechten Augenblick in meine Hände gekommen ist— und dann— was ist denn das— ah, der Rest des Schlafpulvers für den alten Herrn! Hm! Man müßte das verbrennen!— Es wird doch wohl ein Ofen hier sein oder ein Kamin! — Wahrhaftig, nichts von alledem! Dies Zimmer scheint nicht für eine Benützung im Winter eingettchtet zu sein!— Das verwünschte alte Nest bietet auch gar zu wenig Be- quemlichkeiten!— Was soll ich thun? Zn einem anderen Zimmer würde man mich beobachten können, wenn ich die Papiere verbrenne! Das geht nicht— wenigstens in dieser Nacht nicht!— 2ch muß die ganze Btteftasche vorläufig rgendwo verbergen, um einen besseren Zeitpunkt abzupassen. schichten und bäusige Arbeitslosigkeit der Arbeiter herbeiführt. Auch zwingen die in den größeren Städten immer höher und unerschwinglicher werdenden Äiethen fast alle Arbeiter und eine Menge klemer Gewerbetreibender, sich in den Dörfern anzusiedeln. Aus allen diesen Ursachen ist die V e r t h e i l u n g derArmenlasten eine sehr ungleiche und diese Ungleichheit und den damit verbundenen Druck verlangen die Petenten durch die Uebernahme derArmenlasten auf denStaat auszugleichen. Die„National- Zeitung", welche den ministerfähigen Nationalliberalismus mit höfischer Gewandtheit vetttttt, meint, die nächste Reichstagssesston könne zu einem Markstein in der inneren Politik werden. Die Militärfrage würde im Vordergrunde der Berathungen stehen und entweder das Zentrum zu einer Spalttmg veranlassen— schon 1880 entzogen sich 39 Mitglieder desselben der Abstimmung über das Septennat— oder wenn das Zenttum hartgesotten bleibe, zu einer Auflösung des Reichstags führen, die oann naturnothwcndig eine Verschwel- zung aller Äittclpatteien herbeiführen werde. Ob die Mittel- pattcien als Kämpfer für das Septennat oder Äeternat große Geschäfte machen werden? „Der Herr Kommerzienrath", nämlich der bekannte Ro- man von Dr. Max Vogler, der unter diesem Tttel erschienen ist, hält noch immer die Gerichte in Athem. Nachdem am 20. April 1885 der Strafantrag seitens der Chemnitzer Staatsanwaltschaft im Interesse des angeblich beleidigten Kommerzien- rath Vogel in Chemnitz und seiner verstorbenen Ehefrau, also zugleich im„öffentlichen" Interesse gestellt worden, ist nach der „Thür. Waldp." bis zum heutigen Tage, also nach Ablauf von 1 Jahr 7 Monaten und 20 Tagen die Voruntersuchung in diesem Preßprozeß noch immer nicht zum Abschluß gelangt! Ein Preßprozeß, bei dem sich das Preßerzeugniß sowie die sämmtlichen bei 5zerstellung desselben betheilcgten Personen im Jnlande befinden, und zu dessen Jnstruirung die Frist von fast 20 Monaten noch nicht ausgereicht hat, dürfte sicher ohne Vor- Sänger sein. Freilich soll den Schuldigen auch eine gründliche justifizirung zu Theil werden und geht die Absicht onenbar dahin, sämmtliche der Verbreitung des Buches übcrfühtten Per- sonen als der Beleidigung Mitschuldige vor den Sttafttchter zu bttngen. Also ein Äonstre prozeß in des Wortes vcr- wegenstcr Bedeutung! Zur Zeit sind die Akten zum so und so meisten Male wieder in München, um noch bezüglich eines zu Burgstädt in Sachsen wohnhaften Mitattcntäters die Zabl der bezogenen Exemplare festzustellen. Umständlicher ist wohl noch nie eine kommerzienräthliche Ehre untersucht worden! Ein neues sozialdemokratisches Blatt? Die„Franks. Ztg." weiß mitzutheilen: Die schon längere Zeit an Abonnenten- Schwindsucht leidende nationalliberale„flaisersla uterner Zeitung" geht mit dem 1. Januar in den Besitz eines Kon- sottiums über, das dieselbe fortführen wird, jedoch wird die Tendenz eine sozialdemokratische sein. In dem feit 16 Jahren ultramontan vertretenen Landtagswahlkreise Hünfeld- Gersfcld ist vorgestern an Stelle des verstorbenen Abgeordneten Rübsam nicht der klerikale Kandidat Amtsrichter Wankcl in Weyhers, sondern der k o n- s erv ativ e Landrath Krekeler in Gersfcld gewählt worden. Dieser erhielt 97, jener nur 64 Stimmen. Im vorigen Jahr hatte Rübsam noch mit 104 Stimmen gegen 64 gesiegt. Ter Wahlbezirk liegt im Diözesansprengel des Bischofs Kopp und wird von Fulda aus beeinflußt. Die Haltung des Bischofs dem Staate gegenüber hat offenbar in den Reihen der ultta- montanen Wähler Verwirrung und Unsicherheit gebracht. Man darf gespannt darauf sein, ob ihre Presse dem Ausdruck geben wird. Schweizerischer Handelsvertrag. Tie fchweizettfchen Blätter scheinen das Scheitern der Revisionsverhandlungen mit Deutschland nicht mehr zu bezweifeln, da sie sich bereits ernstlich mit der Frage beschäftigen, auf welche Weise die Schweiz den Zollstteit mit Deutschland am besten führen könnte. Tie mäßigsten Vorschläge gehen dahin, die wichtigsten deut- schen Jmpottattikel mit einem Extrazoll von 7 pEt. des Wetthes zu belegen, der Deutschland gegenüber Anwendung finden würde, sobald der Vertrag von 1881, dessen Kündigung in Ausficht genommen ist, außer Kraft getreten sein würde. Etwas komplizitt wird die Lage durch die Agitation der schweizettschen Agratter und Kleingewerbler, deren Telegitte vor einigen Tagen eine Versammlung in Ölten abgehalten haben. In diesen Kreisen wünscht man das Scheitern der Verhandlungen mit Deutschland, um Raum für landwitthschaftliche und ge- werbliche Schutzzölle zu gewinnen. Rußland. Eine neue Bedrängniß droht den Deutschen in den russischen Ostsccprovinzen. Wie der„Franks. Ztg." aus Peters- bürg gemeldet wird, weilt gegenwärtig dott der Kurator Kapustin des Dörptschen Lehrbezitts, um den Minister der Volksaufklärung für die Einführung der russischen Sprache als Unterrichts- spräche in allen Mittelschulen der Ostsccprovinzen zu gewinnen. Nach Kapustins Projekt, welches nach dem Gewährsmann der „Franks. Ztg." so gut wie bestätigt ist, soll eine radikale Acndernng in den betteffenden Schutverhältnissen inner- halb eines dreijähttgen Zeittaumes ausgeführt werden; auch — Bei mir tragen möchte ich sie auch nicht länger! Der- gleichen kann man verlieren, oder es kann Einem gestohlen werden— oder es kann mir sonst etwas zustoßen, wodurch sie in fremde Hände käme. Nein, das geht nicht!?ch werde re hier irgendwo unterbringen— in den Schreibtisch. Wer jollte sich denn unterstehen, hier zu suchen, und es ist ja auch nur für einen Tag!" Damit hatte er die Btteftasche auch schon in einer Schublade des verschließbaren Zylinderbureaus unter einen Haufen anderer gleichgittiger Papiere verborgen. Er drehte den Schlüssel um und barg ihn fürsorglich in seinem Potte- monnaie. „So, und nun zur Ruhe!" dachte er.„Es wird noch ein paar heiße Tage geben, in denen man fttsche Kräfte ge- braucht!— Bis jetzt kann ich mit mir und mit meinen Er- folgen zuftteden sein!" Er trat mit dem Leuchter in der Hand in sein Schlaf- zimmer und machte Miene, sich zu entkleiden. Ein leises Geräusch, das er hinter sich zu vernehmen glaubte, veran- laßte ihn, sich umzuwenden und, trotz seiner Kaltblütigkeit, schrak er jäh zusammen, als er in der unsicheren Beleuchtung, welche den Hintergrund des Zimmers erfüllte, die Umrisse einer weiblichen Gestalt bemerkte. Ohne sie erkannt, ohne eine Linie ihres Gesichtes oder auch nur die Farbe ihres Kleides erkannt zu haben, wußte er es im ersten Moment, daß eS Zuanita war, die da vor ihm stand. Sie schien sich nicht von der Stelle zu rühren und ihm selbst war die Kehle wie zugeschnütt. Er fühlte, daß der Leuchter, den er beim Lautwerden des Geräusches wieder aufgenommen hatte, in seiner Hand zittette und er setzte ihn darum auf den Tisch zurück. Es herrschte ein sekundenlanges Schweigen und tausend unsinnige Gedanken kreuzten sich während dieser kurzen Frist in seinem Gehirn. Endlich sagte er: „Ich habe Dich erkannt, Zuanita!— Was suchst Du in diesem Zimmer? Welcher Wahnsinn konnte Dich zu dieser unerhörten Kühnheit treiben?" Sie regte sich nicht von der Stelle und gab ihm keine Antwott, aber das Weiße ihrer weit aufgerissenen Augen schimmerte ihm aus dem Halbdunkel unheimlich entgegen. „Was willst Du hier?" fragte er nochmals.„Willst die Frage wegen Rusfifizirung der Universität Dorpat ist in Er«« wägung gezogen. Schweden nud Norwegen. Am 15. d. wird das von der Regierung berufene söge- nannte„Arbeiterversich er unas- Komitee" zusammen- tretcn, um den Entwurf, betreffend die Unfallversicherung für Arbeiter, zu berathen. Wie verlautet, beschäftigt sich eine Abtheilung des erwähnten Komitee's außerdem mit der Herstellung einer Gesetzesvorlage, betreffend die Altersversicherung, und endlich soll auch die Krankenkassen-Ange- legenheit zur Berathung im Plenum des Komitee's vorbereitet worden sein. Kelgie«. Wenn auf die Thronrede entsprechende Thaten folgen, so würde auch Belgien in die Reihe der Staaten eintreten, die mit dem reinen Gehenlassen gebrochen haben. Die Thronrede gesteht unumwunden zu:„Die Lage der arbettenden Klassen ist m hohem Grade der Theilnahme wetth, und sie mit ausneh- mender Sorgfalt zu verbessern zu suchen, das muß die Pflicht der Gesetzgebung sein. Vielleicht hat man auf die Wirkung der formalen Pttnzipien der Freiheit, die übttgens sehr frucht- bar sind, zu viel vettraut. Es ist gerecht, daß das Gesetz den Schwachen und Unglücklichen seinen besonderen Schutz ange« deihen läßt." Die von den Arbeiterinnen aus Eharleroi dem Bürger« meister Buls übergebene Amnestie-Bittschrift wurde von letzterem der Kammer überreicht. Man glaubt allgemein, daß die Annahme der Forderung der Arbeiter sehr ungewiß sei und es nur zu ausgedehnten Begnadigungen kommen werde. Von den am Montag versammelten Telegitten der sän mt« lichen katholischen Vereine, deren Sitzung von dem Ad- geordneten Woeste präsiditt wurde, ist beschlossen worden! 1) die Einführung von Eingangszöllen auf Vieh und Getreide bei dem Ministerium zu bcanttagen, 2) die Militärfrage allen katholischen Vereinen zur Prüfung und Entscheidung binnen 14 Tagen zu überweisen. Zur Beleuchtung dieses Beschlusses mögen nur die Thatsachcn dienen, daß von der gcsammten Kammer-Rechten nur 12Deputirtc dem MinistettuM ihre Zustimmung zur Einführung der persönlichen Dienstpflicht kundgethan, und daß die katholische Presse jedem zustimmend Teputittcn trotz des Regierungsblattes mit der Nichtwicderwaht droht. Großbritannie«. In der„Nordd. Allg. Ztg." wird der Rede Lord Sa Iis- b u r y' s über den Stand der Orientdinge eine grammatische Bedeutung beigelegt; das Blatt entnimmt aus der Kritik, die der englische Premier an den bulgattschen Vor- gängen übte, in Verbindung mit der von ihm aufgestellten orientalischen Jnteressentheorie,„daß eine ins Unbestimmte si" erstreckende Verlängerung der bulgattschen Wirren den Inten- tioncn der btttischen Politik zuwiderlaufen würde." Anscheinen» nähere sich die Entwickelung der Zustände im Orient„dtt äußersten Grenze, über welche hinaus, nach Lord Salisburyo Dafürhalten, das Wiener Kabinet, und in solchem Falle dann auch das Londoner, die bisher beobachtete Reserve nicht fern» zu beobachten in der Lage sein würde." Die Bemerkungen stehen an einer sonst für unkritische Berichterstattung über aus- wättige Vorgänge bestimmten Stelle des offiziösen Organs, un» wenn man auch keine Kritik in ihnen suchen will, so widcrsprun ihr Ton doch nicht der Annahme, daß die Bemühungen � deutschen Politik gegcnwättig mehr Berührungspunkte mit ow englischen Premier als mit dm von ihm ktttifittm Vorgang» in Bulgatten habm. In der„Natione Review", dem anerkannten ToryblaÜ- spricht sich ein Schriftsteller, der Philotmton unterzeichnet, dem aber allgemein Lord Salisbury vermuthct wird, uvc die Stellung Englands zu den Mächten u. A. wie folgt au-' Das einzige unverrückbare Ziel der russislbs., Politik ist der Besitz K o n st a n t i n o p e l s. sucht jeden dahin führenden Weg für sich zu halten. Rußlands Aktion in Asien hat nur o Zweck, daß England seine ungetheilte Aufmerksaw der Vettheidigung Indiens zuwende und mit keiner curopail™ Macht koopcttren könne, sobald es gilt, Konstantinopel zu-j theidigen. Man muß anerkeniren: oicse Politik ist melsttw, in der Konzeption und wird mit Ausdauer und Muth ve»* Angesichts dieser Tendenzen der einzelnen Mächte muß s« englische Staatsmann drei Fragen vorlegen: 1. Ist der � Konstantinopels seitens Rußlands von irgend welcher-r sequenz für Eirgland? 2. Ist diese Konsequenz von solcher � deutung, daß England es unternehmen muß, und zuiar. j dem Beistande keiner anderm Macht außer jener der 4.«.- die Russen von Konstantinopel fernzuhalten? 3. 3Benn. � nicht der Fall ist, können andere Mächte, und welche, zu e Kooperation gefunden werden? Die erste Frage muß m» Nachdrucke bejaht werden. Sollte jedoch außer der Türke« � andere Macht zur Vettheidigung Konstanttnopels sich 5,0 sinden. so fordert es Englands Interesse, Vorschreiten Rußlands nicht entgeg e u° Du mir wieder mit Deinen Kindereien kommen oder den Verstand verloren?— Wen suchst Tu?" „Dich— den Mörder?" �n,end- Dumpf und klanglos, wie aus einem Grabe kon � waren ihm die drei TLotte entgegen geschleudert morde er prallte vor ihnen zurück, wie vor dem p.chcu- Schlange, obwohl nichts von Zuanita's gewöhnlicher schaftlichkeit in ihnen gelegen hatte. „So ist denn wittlich der Wahnsinn über kommen!" stieß er hervor, ohne sein Entsetzen gm bergen zu können.„Aber ich will Dich unschädlich und nicht umsonst sollst Du Dich in meine Hände g haben!", „Glaubst Du, auch mich tödten zu können. hättest Du Dich verrechnet!"..„tzett „Bah!— Ich denke nicht daran! Aber eS gmb. flIt Mittel!— Verräth Dein Benehmen, Dein Embnug diesen Ott, Dein unsinniges Geschwätz nicht Wahns nug, um Dich in's Irrenhaus zu bttngen, auch oyn nur ein einziges Wott hinzufüge?". an!' „Damit schreckt man Kinder!— Aber höre m«9 jhpl Sie trat hervor und blieb dicht vor ihm st 9- fest in's Gesicht sehend., w« 0* „Du hast mich auch diesmal überlistet! 2ch 9 nicht überwachen, ich habe nichts verhindern ko we dem, was Du hier gethan! Aber ich m Cn'� ist, Du gethan hast; ich weiß, daß es auch D-m. � IW' was in dieser Nacht geschehen, daß man B... bonMj: schuldigen gefangen hält. Jetzt war eS an m«, J» � jn«� Ich bin unbemerkt in das Zimmer gelangt«M®. � hinter diesem Vorhang verborgen gehalten, um matten—"«.c.icbes• „Nun, und? Der Zweck dieses seltsamen „Du wirst dafür sorgen, daß man den fielst gf jungen Mann freiläßt, noch in dieser Nacht!" qx «Wie sollte ich denn das anfangen? T: unter dem dringenden Verdachte eines furchtv brechen«—" »Eines Verbrechens, das Du begangen hast- 9# «Du bist toll, Zuanita!— Zch war bis h treten! nur müßte Enqland, ohne sich mit Rußland in un< wlttclbaren Kontrakt zu dringen, solche Maßnahmen ergreifen, welche den Besitz Konftantinopels für Rußland ganzwerthlos wachen würden, insofem nämlich der Eingang vom Marmara- weer ins Mittelmeer in Frage kommt. Auch andere Komvcn- satwnen, die Jedermann errathen kann, könnten sichergestellt werden. Allein es dürfte sich doch im äußersten Falle eine zur Kooperation bereite Macht finden... Die Schlußfolgerung »ft nun die, daß Englands ÄlHirte nur Deutschland, Oesterreich-Ungarn und die Türkei sein können; da aber Deutschlands Bundesgenossenschaft nur eine be- schränkte sein kann, so lange es mit Frankreich die Rechnung wicht abgeschlossen und Frankreich seinerseits abzurechnen sich weigert, so liege hauptsächlich in Oesterreich-Ungarn o i e Entscheidung, wie und wann, ob durch einen Krieg oder auf diplomatischem Wege Rußland in Europa Halt zuge- Men werden soll. England wird wohl daran thun, mit Oester- «lch-Ungarn das engste Einvernehmen zu pflegen, denn das -Wohlwollen Deutschlands wird drese beiden Mächte stets be- gleiten, so sehr auch der Schein auf das Gegcntheil hinweisen tollte. Ueberdies muß England erwägen, ob es nicht, da einmal � Krieg mit Rußland ausgefochten werden muß, besser ist, oruhland in Konstantinopel oder Kleinasien zu begegnen, wo es , llurte haben kann, als in Zentralafien, wo es nur auf sich lelvit angewiesen ist. Spanien. Das Joumal„Resumen" meldet, die Regierung habe ihre » gwn im Verdachte, daß sie vor Eröffnung der Cortes einen evolutionären Versuch beabsichtigen. Kalka« länder. Ueber den von der Sobranje zum Fürsten von �wlgarien erwählten Prinzen Waldemar von Dänemark ormgen die Blätter folgende Personalnotizen: Prinz Waldemar, das jüngste Kind des dänischen Königspaares, ist m, Jahre alt. Sein Name als Nachfolger des Fürsten Alexander tauchte zuerst nach der Moskauer Krönung auf, bei welcher Fürst Alexander von Bulgarien vor dem Zaren er- lchien, aber einen sehr wenig gnädigen Empfang fand. Ge- .Wirtlich der bekannten Famrlienzusammenkunst zu Kopenhagen w> Jahre 1883, bei welcher auch Gladstone zu Gaste war, wurde die Kandidatur des Bruders der russischen Kaiserin mit 8j0ßem Nachdruck in den Blättern gemeldet, welche intime chlonzen über jene Zusammenkunft brachten. Nach dem Berliner nn �darf die Fürstenwahl in Bulavrien der Zusttminung aller Großmächte. Rußland hat bekanntlich von vornherein er- Hart, daß es die Sobranje, welche die Wahl vollzogen hat, wicht als zu Recht bestehend erachte, weil sie nicht frei gewählt >"! wahrscheinlich wird es aber die ihm angenehme Wahl doch gutheißen. . Die„Köln. Ztg." schreibt merkwürdig scharf gegen die vulstlchen Jntriguanten und Verschwörer in Bulgarien. In oiwer Korrespondenz aus Tirnowa heißt es: In Sofia, Varna, >wuitschuk, Burgas haben wir russische Konsulate, die von allen oiplomatischen Vorrechten Gebrauch machen, die von den Bulgaren wlt äußerster Sorgfalt gegen alle Verletzungen behütet werden und §}e zu gleicher Zeit kern anderes Bestreben kennen, als alles Völkerrecht mit Füßen zu treten und gegen die Regie- vuwg, bei der sie beglaubigt sind, Verschwörungen und Rcvolu- wonen anzuzetteln. Sobald dann ihre Helfershelfer von der rtchtmäßigen Regierung verhaftet und zur Rechenschaft gezogen werden, legen sie sich aber ins Mittel und verhindern die Be- nrafung von Menschen, die in allen anderen Ländern kurzer Hand aufgehängt werden würden. Und dabei wagt man zu !°gen, daß man die bulgarische Regierung für die Aufrecht- Whrng der Ruhe verantwortlich macht! Wenn die Bulgaren russischen Konsuln aus deni Lande jagen dürften, so würde u Bulgarien eine Ruhe herrschen, wie in Köln, und niemand in aJc baran denken, sich zu empören. Die neueste Revolution dn» IZas ist geradezu unerhört. Im Mai dieses Jahres hat dm Laiche-Hauptmann Nabokow den Befehl erhalten, w o i�ksten Alexander bei Burgas aufzuheben oder zu er- die, 0«tu Man kennt auf Heller und Pfennig die Summe, tick i*'fem Zweck angewiesen worden. Aus Montenegro • Banden kommen, denen die montenegrinische Gesandt- die„j? Konstantinopel harmlose Pässe ausstellte, man gewann verrnlr�che Tampfschisifahrtsgesellschaft— und als der Plan feeiW wurde, nahm sich das russische Konsulat der Ver- ihre? m"! wwd widersetzte sich auf Grund der Kapitulationen wut>,„ chaftung. Als schließlich die Beweise allzu erdrückend wehen v'Ste der russische Generalkonsul ganz einfach:„Ent- laßt unsere Halsabschneider frei oder wir besetzen Neortn?�'" Die Bulgaren gaben nach, Nabokow, die montc- sin?» Priester Schismanow, Kolajew und wie das Ge- schniAvl. noc{' heißt, wurden der Freiheit wiedergegeben und Werk,«?" sofort nach allen Orten aus, um Banden anzu- kein- neue Verbrechen vorzubereiten. Nachdem die Russen Wrf,*«! 8,Qren mehr fanden, die dem Klang des Rubels ge- w onk' haben sie jetzt ausländische Banden ge- Nein m n und mit montenegrinischen und griechischen Söld- Burgas überfallen. Es war in Burgas wie in Sofia: friu?'n ber Stadt. Als ich fortfuhr, war Brandenstein lC9 und gesund." nick..', ak�aß Du es schlau angefangen, daran zweifle ich Unf* ,5 er Du weißt so gut wie ich, daß dieser Holmfeld 'st an dem Tode des BaronS! Du mußt für feine Befreiung sorgen!" (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Leden. W " Geld ersparen." «BW» ''te anderen Rollen waren gleichfalls gewissenhaft ver- der Abschaum der Bevölkerung fand Unterkunft in den „Hotels zum russischen Kaiser" und die kaiserliche Flagge von Rußland deckte nicht nur Verschwörer, sondern gemeine Ver- drcchcr. Amerika. Die Arbeiterpartei in New-Nork beabsichtigt nach einem Telegramm der„Times" aus Philadelphia, eine Nationalpartei zu bllden und Henry George, den durchgefallenen Bürger- meisteramts-Kandidaten als Präsidentschaftskandi- baten für die Wahlen von 1838 aufzustellen. Vorläufig hat wohl seine Wahl keine Aussicht, aber die anderen Parteien, die Demokraten und die Republikaner, gelangen dadurch in ein ganz anderes Verhältniß zu einander. Gerichts-Zeituna. Ein zweiter Fall Haarbaum? Die Aroeiten des letzten Naturforschcr-Kongrcsses, insbesondere die für gerichtliche Medizin, haben für eine wegen Gattenmordes zum Tode verurtheilte, zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigte Person ein überraschend hoffnungsreiches Resultat gezeitigt. Am 13. November 1876 wurde der Apotheker Wladislaus Speichert zu Bomst von dem Schwurgericht zu Meseritz in Folge des mit 7 gegen 5 Stimmen gefällten Wahrspruchs der Geschworenen, dem der Gerichtshof beitrat, für schuldig befunden, im Mai 1875 seine Ehefrau durch Beibringung von Gift(und zwar von Arsenik) mit Ueber- legung getödtet zu haben. Dieses Urthcil stützte sich Haupt- sächlich auf die Gutachten des im Jahre 1879 verstorbenen Professor Dr. Sonnenschein, des Kreiswundarztes Dr. v. Za- grodzki, des damaligen Kreisphysikus, jetzigen Geh. Rath Pro- feffor Dr. Koch und Medizinalraths Dr. Wolff aus Berlin. Professor Dr. Sonnenschein hatte in den von ihm untersuchten Theilcn der Leiche der Frau Speichert, welche etwa ein Jahr nach ihrer Beerdigung ausgegraben worden und in mumifizirtem Zustande gefunden worden ist, eine Spur von Arsenik entdeckt, auf Grund welcher Thatsache hin er den sicheren Schluß zog, daß der Verstorbenen Arsenik beigebracht worden ist, welches ihren Tod zur Folge gehabt hat. Die medizinischen Gut- achten bauten auf diesen Ausspruch und namentlich auf die Thatsache hin, daß die Leiche mumifizirt war, ihre Ansicht auf, daß, obgleich die Krankheitserscheinungen nicht darauf hin- deuteten, eine Arsenikvergiftung vorliege. Der Angeklagte hatte bereits im Termin auf das Allerenergischste die Richtigkeit der Sonnenschein'schen Analyse bestritten und verlangt, daß andere Leichentheile von einem anderen Chemiker untersucht würden; der damalige Gerichtshof lehnte dies aber mit Rückficht auf Sonnenscheins's unzweifelhafte Autorität ab. Der Verurtheilte wanderte, als die Todesstrafe in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt worden war, in die Strafanstalt zu Cronthal, in welcher er sich noch heute befindet. Aus dieser heraus wandte er sich an bedeutende Chemiker mit der Bitte um Prüfung des Sonnenschein'schen Verfahrens bei der Untersuchung und dessen Gutachtens. Unterm 28. April 1882 gab der Medizinalrath Professor der Chemie an der technischen Hochschule zu Braun- schweig Dr. R. Otto in einem eingehend motivirten Schrift- stück sein Urtheil dahin ab, daß das Sonnenschein'sche Verfahren keinen sicheren Schluß darauf zulasse, daß die gefundene Spur von Arsenik sich in den Leichentheilen befunden habe; er er- klärte es vielmehr für sehr wahrscheinlich, daß diese Spur durch das aus Schwefeleisen gezogene Schwefelwasserstoffgas in die Untersuchungsmenge hineingebracht worden sei. Das auf dieses Gutachten hin gestützte Wiederaufnahmegesuch des Vertheidigers Rechtsanwalt Dr. v. Jazdzewski in Posen wurde vom Landgericht zu Meseritz als unzulässig zurückgewiesen, ebenso die dagegen ein- gelegte Beschwerde vom Oderlandesgericht zu Posen, obwohl da- mals bereits die Oberstaatsanwaltschaft im Interesse der Auf- klärung dieser Sache die Erhebung der beantragten neuen Be- weise anheimgestellt hatte. Ein Jahr später hatte ein Bruder des Vcrurtheilten die Bekanntschaft des hiesigen gerichtlichen Chemikers Dr. Karl Bischoss gemacht und diesen für die Sache interessirt. Auch dieser wohlrenommirte Sachverständige gelangte aus der Prüfung der ganzen Sache zu dem gleichen Resultat, wie sein Braunschweigcr Kollege Dr. Otto, und Rechtsanwalt Dr. PH. Fränkel in Berlin unternahm es, einen erneuten Wiedcraufnahme-Antrag einzureichen. Damals gelangten Mit- theilungen über diesen Prozeß in die Presse, und es wird noch bekannt sein, wie zahlreichen Angriffen die Drr. Otto und Bischoff, die ohne jedes Verschulden in diese Sache hinein- gezogen waren, ausgesetzt worden sind. Auch dem zweiten Wiederaufnahme-Antrag wurde seitens der Gerichte der Erfolg versagt, obwohl namentlich in der Beschwcrdeschrift nichts weiter verlangt war, als daß eine Exhumimng der Leiche angeordnet und dieselbe nochmals auf Arsenik hin untersucht würde. In- zwischen beschäftigte sich Geh. Rath Professor Dr. Liman mit diesem so merkwürdigen Fall. Da er ihn für überaus wichtig erachtete, brachte er ihn auf dem letzten Naturforscher-Kongreß in der Sektion für gerichtliche Medizin zur Sprache, und sein vor einem gefüllten Auditorium von medizinischen Autoritäten gefälltes Urtheil war für die früheren Gutachten, daß aus der Mumifizining der Leiche auf eine Arsenver- theilt. Die Vorstellung war gut besucht; die ersten Akte gehen zur Zufriedenheit vorüber und es kommt die Bankettszcne. In der Mitte der Bühne steht ein gedeckter Tisch mit drei zinner- neu Bechern und einem Blumenstrauß. An der Langserte der Tafel hatte die Lady Platz genommen, der Stuhl neben ihr ist leer, dort ist bereits die Versenkung offen, aus welcher ich als Banquo's Geist emporsteigen soll. An der einen Ecke des Tisches, neben der Direktorin, sitzt der Lord Lennox, an der anderen Ecke der Lord Rosse. Die Lady macht ihr liebens- würdigstes Geficht und mahnt jetzt den Gemahl, sich mit den Gästen zu beschäftigen. Ich stehe bereits unten auf dem Brett, bei mir ist der„Schorschl", des Direktors 16jähriger Sprößling, der die Funktion eines Inspizienten versieht, und an der Maschine steht ein Kollege mit dem Hausknecht unseres Wirths- Haufes. Jetzt beginnt droben Macbeth:„Nun denn, der Eß- lust folg' ein gut Verdaun— Und Wohlgedcihn!" Beim letzten Wort sagt der aufmerksame„Schorschl" unten:„Laßt ihn aus!" und nun geschah das Schreckliche. Man hatte vergessen, das riesige Gegengewicht vor der Zauber- Vorstellung zu entfernen und durch ein meinen 120 Pfund entsprechendes Gewicht zu ersetzen. Als daher die beiden Mafchinisten die Maschine in Bewegung setzten, riß mich das furchtbare Gewicht mit einer Gewalt m die Höhe, daß ich geglaubt habe, es ginge direkt in den Himmel hinauf. Wie der Blitz erschien ich auf der Bühne, daß mir der Athem aus- ging! krachend schnappt das Brett ein, schnellt mich hoch in die Höhe nach vorwärts über den Tisch, ich erwische die Direktorin an ihrem falschen Zopf, streiche mit dem rechten Arm dem Macbeth die Krone sammt der Perrücke berunter und liege end- lich wie ein geprellter Frosch vor der Rampe beim Souffleur- tasten, stöhnend und schweißtriefend. Der Direktor hatte ge- schwind noch den Tisch gehalten, der auch umgefallen wäre, die Lords saßen todtenbleich auf ihren Stühlen, und die Lady schrie gerade hinaus.„Vorhang runter!" brüllte der Direktor. Das Publikum war anfangs ganz paff, dann aber ging ein Spektakel los, wie ihn noch kein Theater erlebt hat. Bravo, raus, da capo", so schrie es auf allen Bänken, und ein unermeßlicher Jubel durchbrauste das»Haus", vermischt mit allge- meinem Fußgetrampel. Als der Vorhang gefallen war, wollte ich mich ächzend erheben.„Ich bitt' Jhna, bleibens liegen, Hr. Schwaberl! bat der Direktor dringend,„das giebt ein präch- tiges Tableau und den schönsten Schluß, Schorschl., zünd's bengalische Feuer an!" Und unter bengalischer Beleuchtung erhob sich noch drei Mal der Vorbang und ich mußte unter Schmerzen ruhig liegen bleiben. Zum Glück hatte ich nichts giftung zu schließen sei, geradezu vernichtend. Nach zahlreichen wissenschaftlichen Erfahrungen kommen aus anderen Ursachen erheblich mehr Mumifizirungen von Leichen vor, als durch Vergiftung mit Arsen. Alsdann wiesen auch die Krankheitserscheinungen durchaus nicht auf eine solche Vergif- tung hin.— Zu unserer großen Freude erfahren wir nun, daß ein neuer Versuch des jetzigen Vertheidigers Rechtsanwalt Dr. Hailliant in Bromberg, wenn zwar auch erst in der Beschwerde« instanz, die Sache zur Wiederaufnahme zu bringen, den erhoff- ten Erfolg gehabt hat. Das Oberlandesgericht zu Posen soll die Wiederaufnahme für zulässig erachtet haben; denn es findet nächsten Montag, den 15. d. M-, in Bomst die nochmalige Ausgrabung der Leiche der Frau Speichert statt, und zwar im Beisein des Geh. Mcdizinalrath Dr. Koch, des Geh. Medizinal- rath Professor Dr. Liman, des Geh. Medizinalrath Dr. Wolss, des Dr. Carl Bischoff aus Berlin, des Professors der Chemie, Direktors des chemischen Instituts der Universität zu Breslau, Dr. Loewig, des Kreisphysikus und des Kreiswundarztes zu Bomst. Es soll festgestellt werden, ob die Mumifizirung der Leiche noch besteht und ob sie aus der Bodenbeschassenheit oder in Folge einer Vergiftung entstanden ist, ferner sollen noch, wenn möglich, von der Leiche zu entnehmende Theile nach dem Vorhandensein von Giften untersucht werden.— Wir werden über das Resultat seiner Zeit berichten. Das Reichs-Versicherungsamt begann am Montag Vor- mittag eine neue Spruchperiode behufs endgiltiger Rechtsprechung in Unfallversicherunas-Angelegenheiten. Der Gerichtshof ist ge- bildet aus dem Präsidenten des Reichs- Verstchemngsamtes Bödikcr als Vorsitzendem, zwei Regierungsräthen, zwei Kammer- gerichtsräthen(die zugleich als Referenten fungiren), den Ver- tretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer und einem Protokoll- führet. Von den zur Entscheidung vorliegenden Fällen sind von besonderem Interesse: 1. Eine Klage des Militärfiskus um Aufhebung des Erkenntnisses des Schiedsgerichts des 10. Armeekorps zu Karlsruhe, durch welches dem von der Verwaltung der Burg Hohenzollcrn zum Kleinmachen von Holz und zu Gängen gegen wöchentliche Löhnung angestellten Arbeiter Otto Daiker die seinem bisherigen Verdienste entsprechende volle Rente von 4,80 Mark wöchentlich zugesprochen worden ist. Daiker befand sich bereits 25 Jahre in seiner Stellung auf der Burg und nahm, da er zu weit ab wohnte, sein Mittagessen täglich in der Restauration ein, welche stch auf der Burg felbst befindet. Am 11. Oktober 1885 hatte er das Unglück, auf dem Wege von der Restauration, wo er sein Mittagbrod eingenommen hatte, auszugleiten und den linken Oberschenkel zu brechen. Nach ärztlichem Attest ist er seitdem als dauernd erwerbsunfähig zu erachten. Das Schieds- gericht hat seiner Entscheidung den Umstand zu Grunde gelegt, daß D, weil er sein Arbeitsterrain nicht verlassen habe, bereits nach Verlassen der Restauration als im Berufe thätig zu erachten gewesen und entgegen der gesetzlichen Bestimmung auf eine wöchentlich zahlbare Rente erkannt, weil dem D. sein Lohn wöchentlich gezahlt worden sei. Die Heeresverwaltung hat hiergegen eingewendet, daß der Unfall innerhalb der dem Ver- letzten zugestandenen Mittagspause geschehen, also nicht als ein Unfall im Berufe zu erachten sei. Das Reichsversicherungsamt erkannte auf Bestätigung des Erkenntnisses mit der Maßgabe, daß die Rente nicht wöchentlich, sondern monatlich mit 37,30 M. von der 14. Woche des Unfalles an zu zahlen sei. 2. Der Ar- beiter Jungmann von Mörsfelde klagt gegen die Hessen- Nassauische Baugewerksbemfsgenossenschaft, weil er bei den Betonarbeiten an einem Volksschulhausbau zu Frankfurt a. M. Schwielen an den Händen erhalten habe, deren eine in Eiterung übergegangen sei, wodurch eine Steifheit der inneren Handfläche hervorgerufen worden. Jungmann ist in allen Instanzen, gestern auch vom Reichsversicherungsamt, mit seinen Amprüchen abgewiesen worden. Eine Stelle aus der Ent- scheidung des Schiedsgerichts, welche auch der Entscheidung des Reichsversicherungsamtes zu Grunde gelegen zu haben scheint, lautet:„Unter Betriebsunfälle fallen begreiflich nicht solche Einwirkungen auf den Körper des Arbeiters, wie sie der Bettieb des betreffenden Gewerbes in höherem oder geringerem Grade regelmäßig mit sich zu führen pflegt. Vielmehr find es die dem Bettiebe eigenthümlichen besonderen Gefahren, gegen welche das Gesetz dem Arbeiter Sicherheit verschaffen will, und es ist unter einem Bettiebsunfall ein den regelmäßigen Gang des Betriebes abnormes Ereigniß zu verstehen. Nur als Folge eines regelmäßigen Bettiebes aber stellt es sich dar, wenn die Hand eines Arbeiters durch den fortgesetzten Gebrauch einer Schippe schwielig wird. Es begreift dies keinen Unfall in sich, sondern ist bedingt durch die mehr oder weniger dazu geeignete Beschaffenheit der Haut und der Handfläche. Soziales un�Arbeiterbeweauna. Anarchistisches. Verschiedene schweizer Blätter, Blätter der bürgerlichen Parteien, wie der Berner„Bund" und die„Zürcher Post", thcilen aus den Vcrtheidiaungsreden der Chikagoer Anarchisten Stellen mit, die in ihrer Schlichtheit von großer Wirkung sind und es wohl begreiflich erscheinen lassen, daß selbst die sozialistcnfeindlichcn„Ritter der Arbeit", 700 bis gebrochen; der Direktor führte mich selbst in mein Zimmer, drückte mir warm die Hand und sagte: „Schlafen's wohl, Herr Schwaberl!" Ob ich wohl ge- schlafen habe! Die ganze Nacht kein Auge zugethan, und am andern Morgen drinnen gelegen wie gerädert, mein Körper spielte in allen Farben. So gegen 9 Uhr klopfte es. �Herein!" wimmerte ich, und es erschien der Direktor.„Guten Morgen, Herr Schwaberl!" sagte er schmunzelnd.„Wie geht's, können's heilt auftreten?"—„Wird kaum gehen, Herr Di- rektor!" antwortete ich.„Ich bin ja ganz zusammengeschunden. „Was geben's denn?"—„No, natürlich den Macbeth!" sagte der Direktor, ganz unmuthig, ob solch unmotivirter Frage.„Und ich soll wieder so in die Höh' fliegen?" fragte ich zornig. Schlumpp nickte lächelnd.„Nur noch fünf Mal, Herr Schwa- derl," sagte er bittend,„dann sind wir für die ganze Saison geborgen. Ich habe schon den Zettel anschlagen lassen, meiner Stunde ist ausverkauft."—„Nicht um eine Million!" schrie ich wüthend.—„Gchen's zu, Herr Schwaberl," sagte der Di- rettor sanft,„schauen's ich gebe Ihnen 30 Mark Vorschuß auf die Aprilgage, und wir haben jetzt erst Februar. Gelten's, Sie thun mir den Gefallen?" Mir kam ein Gedanke.„Ja, Herr Direktor, ich thu's, aber nur die 30 Mark her!" Der Di- rettor zählte mir das Geld auf den Nachttisch und verließ händereibend mein Zimmer. Ich aber habe mich eine Stunde später, als Alles bei der Probe im Theater war, mit der Post- chaise aus dem Staube gemacht und mit dem Vorschuß in einer andern Stadt meinen geschundenen Körper gepflegt. Sehen's, der Kerl hat mich als kontraktbrüchig ausscheiden lassen, weil ich nicht Hals und Bein als Banquo's Geist brechen wollte, und das ist die Geschichte, warum ich kein Engagemmt bekomme." Die Tournure in der Bratröhre. Große Heiterkeit entstand kürzlich unter den Gästen einer Bierwirthschaft in Würz- bürg. Die Kellnerin hatte zum großen Spaß der Gäste ihren weitaufbauschenden Kinterhöcker verloren und steckte denselben rasch beiseite. Am anderen Tage, als der Ofen geheizt wurde, gab es einen infernalischen Qualm und einen Genich, gegen dm Pech und Schwefel noch als Wohlgerüche zu bettachten find. Man glaubte, es sei ein Brand ausgebrochen, stöberte überall hemm und öffnete endlich auch die Ofenröhre— da fand stch denn ganz verkohlt die schmerzlich gesuchte Toumure der Kellnenn. Nur ein paar angekohlte Hühnerfedcrn zeugten von der ehemaligm Pracht. 800 000 Bürger vertretend, auf ihrem Kongreß energisch die Begnadigung der Verurtheilten verlangten. So äußerte Georg Engel:„Als ich im Hahre 1872 Deutschland verließ, weil es mir dort nicht mehr möglich war, meinen Unterhalt zu erwerben, begab ich mich nach den Ver- einigten Staaten, die mir von allen Seiten so hoch gepriesen wurden. Als ich in Philadelphia landete, schlug mir nicin Herz im Busen bei dem Gedanken, jetzt in einem freien Lande zu leben, und ich gelobte mir, ein guter Bürger dieses Landes zu werd en, wobei ich mir selbst dazu Glück wünschte, daß ich meine alte Heimath verlassen hatte, wo ich keinen Erwerb niehr finden konnte... Ich habe in diesem reichsten und frcicstcn Lande der Welt mit meinen eigenen Augen gesehen, daß sich hier Proletarier befinden, welche von jeder gesellschaftlichen Ordnung ausgeschlossen sind; ich sah hier menschliche Wesen, welche, um nicht Hungers zu sterben, ihre Nahrung aus Spülichtfässeri, herausfischten, welche auf der Straße standen. Ich habe in den täglichen Zeitungen gelesen, daß in diesem glorreichen Lande Leute vcrurtheilt find, Hun- gers zu sterben, so daß ich es bereute, meine Heimath verlassen zu haben und mich fragte, wie es möglich sei, daß solche traurige Verhältnisse hier herrschen könnten. Ich wandte meine Aufmerksamkeit dann den politischen Verhältnissen dieses Landes zu und ich entdeckte dabei, daß hier dasselbe System wie in Deutschland herrschte. Das veranlaßt? mich, die soziale Frage zu studiren. Als ich im Jahre 1878 von Philadelphia nach Chikago überfiedelte, hoffte ich mir hier leichter meinen Unterhalt erwerben zu können; darin täuschte ich mich aber, denn ich machte die Entdeckung, daß es für einen Proletarier aleichgiltig sei, ob er im Osten oder Westen lebe. Ich ver- schaffte mir die Werke sozialistischer Schriftsteller, wie Henry George und anderer, und erkannte aus diesen die Ursachen der traungen Lage des Proletariats. Ich bestrebte mich nun, meinen Pflichten als Bürger nachzu- kommen, indem ich mich der Politik zuwandte Aber auch in deni Glauben an die amerikanische Wahlfreihest sah ich mich getäuscht. Die Proletarier waren nicht im Stande, frei zu stimmen und ehrliche Beamte zu wählen, noch waren fie in der Lage, ihr Laos durch den Stimmkasten zu verbessern."— Das trostlose Gefühl, nichts erreichen zu können, scheint Engel dann dem Anarchismus zugetrieben zu haben.— F i e l d e n bestritt wie Engel, daß er zur Ermordung von Personen aufgereizt und irgendwie Gewalt angewendet habe. Er habe nie, erklärte er, Dynamit gesehen. Fielden schloß seine Rede:„Ich will den Staatsanwalt nicht beschuldigen, daß er mit Abficht falsche Zeugen gegen unS vorgebracht hat, ich will auch sonst nichts sagen, um mein Leben zu retten. Aber ich bin es meiner Ehre schuldig, zu erklären, daß ick seit meinem achten Jahre stets gearbeitet habe, daß ich niemals einen Eent für meine agitatorische Thätig- keit erhielt und daß es Niemanden in der Welt giebt, der Samuel Fielden nachsagen könnte, daß ersichauf Kosten der Wahrheit erkaufen oder bestechen lie ß." Krankenversicherung der landwirthschaftlichen Arbeiter. In der vorgestrigen Sitzung des Landes-Ockonomie- Kollegiums beantragte der Referent, Graf Pückler-Schad- lau, folgende Resolution, betreffend Ausdehnung der gesetzlichen Krankenversicherung auf ländliche Arbeiter:„Das„L.-O.-K." hält 1) den Erlaß eines Landesgcsetzes, betreffend die Einfüh- rung der obligatorischen Krankenversicherung sür die in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter für dringend geboten und empfiehlt 2) in diesem Ge- setze unter Aufhebung der abweichenden Bestinimungen der jetzt geltenden zahlreichen Gesinde- und Tienstbotenordnungen auch Bestimmungen zu treffen über die Pflichten der Dienstherrschaft dem landwirthschaftlichen Gesinde gegenüber in Bezug auf die Fürsorge für dasselbe im Falle unverschuldeter Erkrankung. Das zu erlassende Gesetz soll sich bezüglich der Organisation des Kassenwesens möglichst an die kommunalen Verbände anschließen und besondere Krankenkassen für jede Provinz unter Leitung des Provinzialausschusses mit Sektionen für jeden Kreis, Melde- und Zahlungsstellcn in jeder Gemeinde oder wenigstens in jedem Amtsbezirk einrichten." In der Hauptsache schließt sich der Kor- referent v. Bamberg- Flemersheini diesen Anträgen an. Falls das Kollegium diese, den Absichten des landwirthschaftlichen Ministers entsprechenden Vorschläge annimmt, ist zu erwarten, daß eine bezügliche Vorlage dem Landtage in der nächsten Session zugehen wird. Zur Berliner Buchdruckerbcwegung. Wir haben gestern kurz mitgetheilt, daß die Schriftsetzer und Maschinenmeister der S i t t e n f c l d'schen Buchdruckerei, Mauerstr. 63—65, in einer Stärke von ca. 100 Mann die Arbeit niedergelegt hätten; wir wollen heute des Näheren darüber berichten. Wie unsem Lesern noch erinnerlich sein wird, war schon vor 4 Wochen das Personal genannter Druckerei genöthigt, zu dem Mittel der Arbeitseinstellung zu schreiten, einmal wegen Differenzen be- züglich der Bezahlung der Minimal-Setzer, sodann wegen Kün- digung eines Vertrauensmannes des Personals, der bereits seit ca. 10 Jahren im Geschäft thätig war, endlich wegen An- drohung von Entlassung mehrerer anderer Mitglieder des Druckerei-Personals. Es wurde eine Einigung erzielt und das Personal nahm die Arbeit wieder auf. Bei dieser Gelegenheit «klärte der Vertreter des Prinzipals und Direktor des Ge- schäfts auf Ehrenwort, daß er Niemand die Arbeits- einstellung nachtragen werde und nur dann Entlassungen erfolgen würden, wenn Arbeits- mangel eintreten sollte. Nach etwa einer Woche legte das Geschäft dem Personal eine Liste vor, in die jeder Einzelne nach seiner freien Ueberzeugung eintragen sollte, ob er mit oder ■ohne Kündigung im Geschäft arbeiten wolle. Die überwiegende Mehrzahl der Gehilfen schrieb„ohne Kündigung". Damit war das Geschäft jedoch nicht einverstanden, es erklärte vielmehr, daß ein Theil des Personals„mit Kündigung" arbeiten müsse, ohne indessen diesen Theil näher zu bezeichnen. Die Vertrauensmänner verhandelten nun mit dem Geschäft hierüber und es gingen dieselben schließlich auf den Vorschlag des Ge- schäfts em: dem Personal zu empfehlen, statt des„ohne Kün- digung" nunmehr„mit Kündigung" zu schreiben, vorbehaltlich dessen, daß das Geschäft in acht Tagen diejenigen bezeichnen werde, welche von da ab„ohne Kündigung" stehen sollen. Auch bei dieser Gelegenheit wurde seitens des Direttors auf die Frage, ob die event. Kündigung auch eine Entlassung involvire, mit einem sehr entschiedenen Mein" geantwortet. Ein Theil des Personals kam nun dem Wunsche des Geschäfts nach, wäh- rend ein anderer Theil erklärte, daß es nicht in der Lage sei, «wem solch' unwürdigen Spiel mit sich stattzugeben— heute zu schreiben„mit Kündigung", um sich morgen vom Geschäft kündigen zu lassen. Weitere acht Tage vergingen, ohne daß das Geschäft nach irgend einer Richtung sich dem Personal genüber äußerte, bis am Sonnabend die Entlassung von fünf Hilfen erfolgte. Tarunter befinden sich zwei, welche bereits 10 resp. 14 Jahre im Geschäft thätig waren. Auf diesen Wortbruch seitens des Geschäfts hatten die Ge- Hilfen in ihrer übergroßen Mehrheit nur die eine Antwort: s i e erklärten sich mit ihren entlassenen Kollegen solidarisch, verlangten am Montag die Zurücknahme der Entlassungen und da dies zurückgewiesen wurde, verließen fie, 96 Mann stark, das Geschäft; nur 4 Setzer, 1 Drucker und 3 Korrektoren blieben stehen.— Dies der Sachverhalt. Wir enthalten uns für heute jedes Kommentars, da die einfache Wiedergabe der Thatsachen zur Genüge be- weist, wer hier der provozirende Theil ist, wer sein einmal ge- gebenes Wort höher hält, die Arbeiter oder das Geschäft. Nur mittheilen wollen wir noch, daß die vorgestern, Mittwoch, statt- gefundene Versammlung des„Vereins Berliner Buchdrucker" einstimmig das Verhalten der Gehilfen der Sittenfeld'schen Druckerei billigte und ebenso einstimmig diese Druckerei für Vereinsmitglieder als geschlossen er- klärte. Der Müncheuer Schäfflerstreik scheint sich zu Gunsten derselben zu wenden. Zuzug ist aber noch fern zu halten. Im Fachverein der Tischler Hamburgs wurde lebhaft über einen Antrag dcbattitt, eine Unterstützungskasse für reisende Tischler zu gründen. Einige Redner wünschten, aus einer solchen Kasse auch die in Hamburg an- sässigen hilfsbedürftigen Fachgenossen zu unterstützen, während wieder andere Redner dafür plädirten, jeden zugereisten Tischler, einerlei, ob er einer Verbindung angehöre oder nicht, mit etwas Reisegeld auszurüsten, um dadurch das entwürdigende Betteln einzudämmen.� Die Versammlung beschloß die Grün- dung einer solchen Kasse und übertrug ocren Regelung einer Kommission. Arbeiterentlassungen. Oberhausen, 5. November. Auf dem Walzwerk„Neuoberhaulen",� welches zur Gute- Hoffnungshütte gehört, wurden, der„Ess. Volksztg." zufolge, 220 Arbeiter entlassen. Die Entlassenen waren zumeist unverheirathct oder doch nicht hier ansässig. Auf dem hiesigen Eisenwerke der Attiengescllschaft für Eisenindusttie ist vor kurzem auch ein Lohnabzug um 10 pCt. eingeführt worden. Uereine und Versammlungen. Der Fachverein der Tischler hielt am Montag, den 8. November, eine gut besuchte Versammlung in Jordan's Salon, Neue Grünstt. 28, ab. Dieselbe vollzog zunächst die Wahl eines zweiten Schriftführers, wozu Herr Wiedemann an Stelle des ausscheidenden Herrn Rosin gewählt wurde. Hieran schloß sich die Berichterstattung der vom Vorstand ernannten Kommission über die stattgehabten Verhandlungen mit dem Leiter der Pfaff'schen Möbelfabrik über die neue Fabrikordnung, die seiner Zeit vom Fachverein entschieden verurtheilt worden war. Der Obermeister der Fabrik war zu dieser Versammlung eingeladen, hatte jedoch sein Erscheinen abgelehnt, da keine Gründe für ihn vorlägen, in der Versammlung zn erscheinen. Der Berichterstatter der Kommission führkc aus, daß nach längeren Verhandlungen mit dem Obenncistcr der genannten Fabrik über die in der Fabrik gezahlten Preise und oie Einrichtungen der Fabrik, hauptsächlich über die Stellung der Arbeiter zu den Werkmeistern und Zuschneidern(dieselben stehen sämmtlich auf „Prozente"), sowie über die neue Fabrikordnung selbst, der Obermeister erklätt habe, daß die Fabrikordnuna so lange be- stehen bleiben werde, bis der Beweis erbracht sei, daß durch dieselbe die Arbeiter geschädigt würden. In der sich hieran schließenden Diskussion wurde von den meisten Rednern betont, daß die Schädlichkeit der Fabrikordnung schon von verschiedenen Kollegen empfunden worden sei. Alle Redner befürworteten, daß die Resolution, die seiner Zeit vom Verein gegen diese Fabrikordnung beschlossen worden, angenommen sei, aufrecht erhalten werden müsse. Zur Eharakteristik der Verhältnisse in der Fabrik bemerkt ein Redner, daß den Arbeitern im Saal 5 der Fabrik zugemuthet wurde, sich durch Unterschrift einverstanden zu erklären, daß sie bezüglich der Löhne und der Ein- stcllung, sowie Entlassung aus der Arbeit nichts mit dem „Komptoir" zu schaffen hätten, sondern fie sich nur an den Werkführer ihrer Werkstatt zu halten bereit seien. Die Ver- sammlung beschloß schließlich, den Beschluß vom 4. September d. I. aufrecht zu erhalten. Derselbe lautet:„Die heutige Versammlung erklärt sich mit dem Verhalten des Mitgliedes, welches sich weigerte, die neue Fabrikordnung in der Pfaff'schen Möbelfabrik zu unterschreiben, vollkommen einverstanden und erwartet, daß kein anderes Vereinsmitglied dieselbe unterschreibt. Sollten in Folge dessen Maßregelungen von Vereinsmitgliedern in genannter Fabrik vorkommen und den so gemaßrcgelten Mit- glievem durch den Arbeitsnachweis des Vereins keine andere Arbeit nachgewiesen werden können, so wird den betreffenden Mitgliedern so lange, bis ihnen Arbeit nachgewiesen wird, aus der Vereinskasse eine, alsdann von der Gcncral-Vcrsammlung festzusetzende Unterstützung gezahlt." Die Arbeitsvermittelungs- kommission derichtete hierauf über verschiedene von ihr kon- trolirte Werkstellen, von denen besonders die Werkstellen von Jhloff und Otto hervorzuheben sind, in denen für die Arbeiter ziemlich ungünstige Verhältnisse existiren sollen. Einige uner- ledigt gebliebene Anträge wurden wegen vorgeschrittener Zeit auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung gesetzt. Die- selbe findet am Sonnabend, den 27. November, in demselben Lokale statt.— Zu morgen(Sonnabend) veranstaltet der Verein in Jordan's Salon, Neue Grünstraße 28, ein Tanzkränzchen. Billets werden nur vorher an den bekannten Stellen ausge- geben. Aufruf an die Sattler-, Riemer- und Täschnerge- Hilfen Berlins. Kollegen! In der am 27. September er. abgehaltenen öffentlichen Versammlung der Sattler Berlins ist die Versammlung durch einstimmigen Beschluß zu dem Resultat gelangt, daß in Anbetracht der stets zunehmenden Arbeitslosig- keit am Platze die Regelung der zehnstündigen Arbeitszeit, so- weit dieselbe in den Werkstätten noch nicht eingeführt ist, vor- zunehmen ist. Ferner, daß in denjenigen Werkstätten, wo der Wiiidestbctrag des Lohnes pro Stunde noch nicht 30 Pf. beträgt, auch dort dies beansprucht wird. Ebenso wird die Abschaffung der Sonntagsarbcit, soweit dies thunlich ist, ange- strebt, auch soll für jede Ueberstunde ein Zuschlag des Lohnes von 10 Pf. eintreten. Durch die eingetretenen Verhältnisse. welche das Koalitionsrecht illusorisch gemacht haben, ist die Kommission in ihrer Thätigkcit etwas gelähmt, aber der Geist, welcher gerechte Forderungen beseelt, ist derselbe geblieben, ja noch mehr gesteigert. Leider ist dies bei vielen Kollegen nickt der Fall. Begreift, daß es Eure heiligste Pflicht ist, in allen Versammlungen, wo die Magenfrage auf der Tagesordnung steht, wo über Euer und der Eurigen Wohl und Wehe bc- rathen wird, am Platze zu sein. Wir machen hiermit auf die am Sonnabend, den 13. November d. I., stattfindende außerordentliche öffentliche Versammlung sämmtlicher Sattler Berlins in Grattvcil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77—79, aufmerksam, um nähere Schritte unseren Arbeitgebern gegen- über veranlassen zu können. Bedenki, Kollegen, oaß Niemand jünger, sondern älter wird; ist Euch denn niemals der Gedanke gekommen: wovon werde ich im Alter zu leben haben? Helft deshalb denjenigen Kollegen, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, für das Gesammtwohl in die Schranken zu treten, das Ziel zu erreichen. Haltet fest an den derzeit gefaßten Be- schlüssen und Resolutionen und sorgt für strenge Aufrechterhaltung des Delegittensystems. Wiedennn treten wir an Euch heran und rufen Euch zu: Erwachet! Oder wollt Ihr und wir Alle und damit unser schönes Gewerk zu Grunde gehen, ohne auch das Geringste zu thun, um dem Verfall ent- gegen zu arbeiten? Könnt Ihr es ruhig mit ansehen? Wir glauben: Nein! So lange uns noch ein Herz in der Brust schlägt, so lange laßt uns für unsere Existenz ringen, damit wir uns und unsere Familie rechtschaffen ernähren können. Tcmr schon nahen des Winters trübe Stunden, schon machen# Entlassungen, Lohnadzüge jc. bemerkbar;— wie soll das enden? Zeigt, daß Ihr Männer seid, ein gegebenes Wort zu halten, zahlt pünktlich die Beiträge zu dem Generalfonds und sollte eS zu einem Konflikt zwischen Euch und Euren Arbeitgebern kommen, so bedenkt, daß hinter Euch die Gesammtheit steht.— Mit kollegialischem Gruß: Tie Lobnkommisffon. I. A-• Witths, Vorsitzender, Nostizstt. 60.— NB. Die Zahlstellen des Gcncralfonds der Sattler Berlins befinden sich: Gustmann, Sonntag Vormittags bei Ehapeau und Montag Abends bei Schröder, Weinmcister- und Rosenthalerstraße-Ecke; Stark, täglich Boycnstr. 32'V.; Wendt, täglich Steinmetzstt. 51! Achterberg, täglich Gisschinerstr. 8, 2. Hof r., Itt. Eine Mitglieder-Bersammlnng der Zentral-Kranke»- und Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Ar- heiter findet am 14. d. M. im Lokale des Herrn Uphoff, Alt- Moabit Nr. 90, Vormittags 10 Uhr statt. T.-O.: 2. und 3. Ouartalsabrechnung. Verschiedenes.« Eine öffentliche Wählerversammlung sür den ersten Berliner Reichstagswahlkreis findet heute, Freitag, den 12. November, Abends 8'/, Uhr, in der„Tonhalle", Friedrick- sttaßc 112, statt. Tagesordnung: 1. Was wir wollen u»d was wir nicht wollen." Referent Herr Kaufmann Flatow- 2. Aufstellung eines Kandidaten für die bevorstehende Reicks' tagswahl. 3. Diskussion. Alle Wähler des ersten Reichstags- Wahlkreises sind hierzu eingeladen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metast' arbeiter(E.H. 29, Hamburg.) Filiale 2. Berlin. Sonnabend, den 13. November, Abends 8'/, Uhr, Versammlung Andrcas- straße 26. Tagesordnung: Kassenberichte, Wahl eines Beitrag sammlers, Verschiedenes. Kranken- und Bcaräbnißkasse des Vereins sämtm» licher Berufsklasse»(Berlin>) E. H. Nr. 2. Sonnabend, den 13. d. M., Abends 8 Uhr, Münzstraße 5 Versammlung. A dieser Versammlung werden die Billets zum Kränzchen, welap zum Besten der Weihnachtsbcscheerung am 27. d. M. Feist' bellinerstraße 98 stattfindet, ausgegeben. 3. Ziehung d. 2. Klasse 175. König!. Preusj. Lotterie. Zi-Hung vom 11 November 1886,«ormiltog». Nur dl« Snvmue über 105 Mark find den betreffende» Rummern in Parentdese beigefügt. >Ohne«ewüdr.> 187 253 74 335 459 598 800 87 940 1166 67 75[160! 312 58 564 916 32 70 2043 47 68 185 220 373 86 434 614 36 91 709 892[1501 927 41 8028 196 353 481 775 895 99 962 66 4117 253 94 324 61 437 562 720 60 79 5112 61 443 556 632 83 746 843 86 6003 150 75 450 502 748 800 58(3001 72 85(2001 7310 31(1500] 98 407 23 536 58 698 825 996 8003 21 43 139 62 323 496 640 96 952 64»092 122 287 345 413 693 761 851 983 99 16073 165 94 204(1501 9 36 439(200] 49 71 75 811 74 91 921 1 1083 136 243 60 99 351 408[150] 592 682 989(513 76 621 625 64 736 1 72124 293 534 608 46 97 851 81 n60j U 287 306 89 59 571 633[160] 43 806 69 91 174113 265 464 6H � 4 923 1 75289 313 73 472 549 69 653 56 97 792 11501 841 45 170147 83 247 627 719 63 67 82 856(150! 935 85 1 77027 Mßi M 64 467 651[150] 762 946 1 7*022 198 271 335 69 82 501 W»jg?«5 740[160] 17»124[200] 56 239 314[500] 39 46 449 547 93 W (150] 964_|l5oj 9? 1*0401 27 831 97 969 181066[1601 225 69 33 95 544 Mi]«g s? s-"? Wz r| 16 1 84047 57 62 276 302 76 554 87 682 97 740 861 98»«Agv Ä 218 364 405[3000] 11 49 629 40 896 919 1*«028 42 137 44.>»ll L- »»'%%%? N Ä->" 1*0242 64 79 308 468 766 90 98 8U 972__ Verantwortlich für den politischen TheU und Soziales JjJi ax Schivpel, für Vereine und Vcisammlungen F. Zutzauer, für den übrigen Theil der Zeitung R. Cronheim, sämmtlick'ii Druck 4nd Verlag von Max Babing in Berlin sw., Bcuthslraße 2.| Hier,« eine Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 363. Freitag, de« 12. Uaurmber 1886. 3. Jahrg. Kommunales. Stadtverordnkten-Versammlung. Oeffen tliche Sitzung vom ll. November. Der Stadtverordneten- Vorsteher Dr. Stryk eröffnet 0% Sitzung um 5% Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mitthei- 'ungen. Die Abtheilunaen sind zusammengetreten und haben die Wahl von 10 Äitgliedcrn für den Ausschuß zur Vor- verathung der Vorlage, betreffend die Bewilligung eines Bei- träges zum Kirchenbau für eine von der Thomasparochic abzu- iweigende neue Kirchenaemeinde vollzogen. Der Vorsteher theilt turz das Ableben des Stadtv. Krebs mit. Bei dem Begrab- rnß des Abgeordneten Wilhelm Löwe(Calbe), der OkchKnd der Jahre 1863—1868 Stadtverordneter war, wurde t'K Versammlung durch eine Deputation vertreten. m Nach Eintritt in die Tagesordnung werden eine Anzahl �caturalisations-, Pensioniiungs- und Anstellungs-Gesuche ge- lchastsordnungsmäßig erledigt. o. Einberufung von auswärtigen Lehrern. Dtt Magistrat theilt mit, daß am 1. Aprll k. I. 70 neue Waffen m den hiesigen Gemeindcschulen eröffnet werden. Au denselben find zirka 49 Lehrer erforderlich. Von den an UKfigen Privatschulen beschäftigten Lehrern, die den Erforder- wffen entsprechen, find nur 10 zu verwenden. Es müssen des- tzalb 35 Lehrer von außerhalb cngagitt werden. Da dieselben vtetteljährliche Kündigung haben, so müssen ihre Anstellungs- ?�ete rechtzeitig in ihren Händen sein. Der Magisttat er- nicht daher die Versammlung, zu genehmigen, daß eine Anzahl Lehrer, nicht über 35, gegen ein Minimalgehalt von 1560 Mark eingestellt werden. Tie Versammlung ettheilt die Genehmigung. . Der Abschluß eines Vergleichs mit dem Kreis aus- lchuß des Teltow'schen Kreises, wonach als Grund- jflflc für die Berechnung der Kreiseinkommensteuer der städti- 9i-a �kelgüter im Teltow'schen Kreise ein Reinertrag von i,50 M. pro Hektar festgesetzt werden soll, wird genehmigt. Der Ankauf des Grund st ückes Kommunikation JJM Neuen Thore 9-10 zu Gemeindeschulzwecken für den Preis von 440 000 M. wird debattelos beschlossen. „. Fünf Rechnungen werden an den Ausschuß für mechnungssachen verwiesen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Vor Schluß der Sitzung nimmt der Vorsteher das Wort und bittet die drei Stadtverordneten, welche das Protokoll der Sitzung zu unterzeichnen haben, doch auch den von inanchen Rednern am stenographischen Bericht vollzogenen Korretturen »hre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Dasselbe sei in letzter Zeit Oollkommen unterblieben und so sei es möglich geworden, daß «einzelne derHerren Rednerihre ganze Rede ausstreichen und eine neue einschreiben. Tie Verbesserungen dürften nicht dem Inhalt des wirklich Gesagten widersprechen. Es seien Berichte vorhanden, in denen durch Verbesserungen nachfolgende Reden vollkommen unverständlich geworden seien, da gerade die Punkte herausgestrichen waren, ?ul welche die nachfolgenden Redner geantwottet hätten. Es bi cf™ gewisse Unbequemlichkeit mit dieser Kontrole über �Sitzungsberichte verbunden, aber da jeder Stadtverordnete v?.»nmer alle vierzig Wochen mit dieser Kontrole bettaut ejjr*' so sei die Arbeit schon zu machen. Er hoffe, daß die verordneten dieser Mahnung eingedenk sein würden. Vamit schloß die Sitzung. Ichluß 6 Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. I okales. Folgende für die Eltern hochwichtige Zirkularver- im.- J* Et seitens der städtischen Schuldcputation an die Rek- 3wn c" Gemeindeschulen ergangen:„Berlin 29. Oktober 1886. »!.???treben nach zweckmäßigen Schreib- und Zeichenheften hat vn»sk UUU�"WU/ICIU' UUV �>CIUIVtUJV) l-CII i;uv v''?ch.zu beengenden Bestimmungen über die Zahl und Weite Sa»-(»*»4««», s rtf 4-••»» n Pv»- S*<1 r.fch erwachsen den Eltern Schwierigkeiten und Kosten. Anderer- svs.�nien, Farbe der Deckel k. geführt, und oft ist mehr die >.'.chmäßigkeit, als die Zweckmäßigkeit ins Auge gefaßt. Hier- dj�eht den Kindern bei Sr rvele �ugem- der Beschränkung ihrer Wahl auch verloren, ihren Sinn für das Schickliche und ene zu üben und zu bethätigen. Wir veranlassen Sie dnß~ Jwrne zu uven und zu vcryangen. Wir veranianen%ti un� 5 harauf zu halten, daß in der Schule Schreib-, Rechen- B J* Zeichenhefte von bestimmter Linienzahl, Deckelfarbe sc. nich »Nischrieben werden.''«s �wreibstunden nicht s nicht Insbesondere find für die eigentlichen nicht sogenannte Schreibschulen einzuführen, viel- ure alle Hefte zuzulassen, welche genügendes Papier und Hanspeter«nl» Hanspaul. Aus Emilio De-Marchi's„Sotto gll alberi" von Waldemar Kaden. ?n Moggio, einem kleinen Darfe der Valsassina, lebten ■ton Engeren Iahren zwei alte Bauern, die ein wenig ver- andt mit einander waren: Hanspeter, der Müller, und Vi"'paul, der eine Oelpresse hatte. Beide tranken das , aus demselben Bache, beide hofften, ihre Knochen > denselben Kirchhof auszuruhen. rve a. � Müller war, seines Gewerbes wegen, ein verstäubter Alter, eine Art gebratene Kastanie; W �et oon der Presse in seinem schwarzen, schmierig- '!len Rock aussah wie eine alte Oellampe. M.o peter hatte seinen braven Esel, der ihm bei seinen z. uergeschäften diente und in Moggio gab es kein höheres +J �' die Änderen hatten entweder nichts zu ttagen oder gen auf dem Rücken. oin Mf1 ��bauer dagegen besaß weder ein Maulthier noch Räd �h- sondern nur einen Karren mit zwei hohen Etii�i- einer schönen Schutzplane darüber, ein gutes der n von einem seiner Brüder in Paswro, der in v- hf seiner Jahre dahingestorben war, ererbt hatte. lehun �schäfte der Preffe würde eS eine wahre Bor- -u. � gewesen sein, einen starken und fast neuen Karren lein wie auch der Müller klagte, jedesmal, wenn er Thier fast unter den Säcken ersticken sehen mußte. als Räder zu haben ohne dps Thier, war schlimmer �eit?» �ier zu besitzen ohne die zwei Räder und die tzo Zu schlecht, um an solche Ausgaben zu denken. ihre L» hsnn die beiden Biedermänner die Sache auf Ans- einzurichten. !°inen �r?"'?ien sich dahin, daß der Eine jeden Montag �ttleii,-' Donnerstag der Andere seinen Karren hsn sollte; auf diese Weise wurden die Räder vor Liniaturcn haben, die nicht gerade zweckwidrig sind. Für die Zeichenhefte der Unterstufe genügen Hefte mit quadratischem Liniennetz, wenn die Linien mindestens 6 Millimeter Abstand haben und deutlich erkennbar sind. In der vietten Klasse können Punkthette Verwendung finden, deren Abstand mindestens 15 Millimeter beträgt. Für die übrigen Klassen ge- nügen alle Hefte mit starkem Papier. Die Wahl ist den Kindern freizulassen. Für die häuslichen Arbeiten sind die Hefte in bunter Mannigfaltigkeit zuzulassen, wofern sie ordent- lich gehalten und nicht ganz ungeeignet sind. Dem pädago- gischcn Tafte der Lehrer und Lehrerinnen ist es überlassen, den Kindern den erforderlichen Rath zu ertheilen, sie zur Sauberkeit anzuhalten, wirklich ungehörige Hefte zurückzuweisen, aber auch ihnen die Freiheit der Bewegung zu erhalten und den Schein der Bevorzugung bestimmter Lieferanten zu meiden. Wir erinnern bei dieser Gelegenheit daran, daß in der Schule aus keinerlei Gründen Lehrbücher, Hefte oder andere Schul- bedürfnisse verkauft werden dürfen, und daß diese nothwendige Vorschrift auch nicht zu dem Zwecke übertreten werden darf, um den Kindern die Vottheile der Massenpreise zu verschaffen. Städtische Schuldcputatioir. Schreiner." Ter Beschluß wird wohl überall Billigung finden; denn das Reglementircn der Schulhefte war eine Plage geworden. Die Händler klagten darüber und die Eltern mit noch größerem Rechte. Nie konnte man sich sicher fühlen, daß nicht irgendwo in einer Schule Jemand auf eine sinnreiche Verbesserung an den Heften verfiel und alle bisher gebrauchten für unbrauchbar erklärt wurden. Die für den Norden Berlin» hochwichtige Krage der Verlegung der Abdeckerei von dem jetzigen Grundstück in der Müllerstraße beschäftigt unausgesetzt die Bevölkerung dieses Stadttheils. Während der eine Theil für unbedingte Ver- legung der Abdeckerei über die Grenze des Berliner Polizei- Bezirks eintritt, ist der andere Theil der Meinung, daß die gegenwärtigen unhaltbaren Zuständelweniger in der Abdeckerei selbst, als in dem Vorhandensein mannigfacher Mißstände der Abdeckerei zu suchen sind. So befindet sich u. A. gleich hinter dem an der Müllersttaße belegenen Wohnhausc ein langer Schuppen, in welchem der Pächter der Abdeckerei nicht nur die Knochen der gefallenen oder verendeten Thiere, welche nach der Abdeckerei kommen, aufspeichert, sondern in diesem Schuppen läßt der Pächter auch jene großen Quantitäten Knochen lagern, welche er in Berlin aufkauft, um sie mit den ersteren von Zeit zu Zeit nach seiner am Heiligensce(bei Tegel) belegenen Knochenmühle transportiren zu lassen, wo sie chemisch verarbeitet werden. Es ist begreiflich, daß ein der- artiges Knochenlager, namentlich in heißerer Jahreszeit, einen penettanten Geruch verursacht, der nicht auszustehen ist. Eine derartige Erlaubniß dürfte schwerlich in dem Pachtvertrage mit dem Fiskus enthalten sein. Ein weiterer leicht abzuändernder Mißstand besteht darin, daß bei derllebcrführung des bcfchlag- nahmten gesundheitsschädlichen Fleisches nach der Abdeckerei nicht immer hermetisch verschlossene Transpottwagen benutzt werden, welche die Ausdünstungen bezw. Verpestungen der Luft verschulden. Gerade dieses ist einer der wundesten Punkte, welche den Unwillen der Anwohner der Müllersttaße hervor- rufen. Nach dem, was bisher verlautet, dürften die Behörden schwerlich einer Verlegung der Abdeckerei über_ den Berliner Polizeibezitt zustimmen, weil dann der Betticb des Abdeckerei- gewerbes nicht mehr jener schatten Konttole der Sanitätspolizei unterzogen werden könnte, die er unbedingt ettordcrt. Man datt daher ermatten, daß die jetzt bestehenden Mißstände auf der Abdeckerei durch ein energisches Eingreifen der beaufsichtigenden Behörden beseitigt werden. Bezüglich der Wahl und nachherigen Nichtbestätignng de» Gutsbesitzer» Herrn Lehne in Tempelhos als stcllver- tretender Amtsvorsteher und Gemeindevorsteher daselbst erfährt man nachträglich aus einem von der„Freis. Ztg." mitgetheilten Bttefwechsel zwischen dem Genannten und Landraih Herrn Stubenrauch, daß dieser Herrn Lehne mit Genehmigung des Kreisausschusses aufgefordett habe, in Gegenwatt des letzteren sich einer schriftlichen und mündlichen Prüfung rücksichtlich der für die Bekleidung der genannten Aemter unerläßlichen Kennt- nissc zu unterwettcn. Herr Lehne erkundigte sich in seinem Anl- wortschreiben, auf Grund welcher gesetzlichen Bestimmung er als durch die Gemeindeverttcwng gewählter, d. h. also für befähigt erachteter Gemeindevorsteher einer Prüfung vor dem Kreisaus- schuß unterzogen werden solle, und erhielt von dem Landrath den Bescheid, eine derartige gesetzliche Bestimmung bestehe allerdings nicht; die Wahl bcdütte aber seiner, des Landraths Bestätigung, und diese Bestätigung auszusprecben sei er nach Gesetz nur dann in der Lage, wenn er den Gewählten nicht nur moralisch— was vorliegenden Falles außer Zweifel— dem Rost und die Beine des Esels vor dem Spat geschützt und die eigenen Geschäfte konnten bequemer besorgt werden. Das Wohlwollen ist das Oel, welches das Glücksrad schmiett, und wie die Weiber ihre Mänuer so zuftteden sahen, dankten sie Gott und weinten Freudenzähren in ihre Graupentöpfe. Dies ging eine lange Zeit, ja eine sehr lange Zeit. Eines TageS spaziette Hanspaul, der Oelbauer, die Hände unter den Schößen seines alten Kittels, durch seinen Gemüsegarten. Da sah er einen wunderschönen gelben Kürbis, etwa einen Monat alt, der an einer Ranke, wie dies Kürbisatt, am Boden hin aus dem Gatten des Müllers herübergekrochen war, um in dem des Nachbars seinen Bauch zu füllen. Vielleicht wollte er verhindern, daß das böse Beispiel im Otte Nachahmer fände, oder er dachte gar nichts in diesem Augenblicke, kurzum, Hanspaul zog sein Taschenmesser heraus und schnitt ihm den HalS ab. Dann nahm er ihn unter den Arm und machte sich harmlos auf den Heimweg. Beim Madonnenbild angekommen, stand er plötzlich Hanspeter gegenüber, der hinaufging und augenblicks seinen Kürbis ettannte. Er blieb stehen, deutete auf den Kürbis und sagte, daß dies ihm als eine schlechte Handlung erschiene, wenig- stens nicht würdig ihrer alten Freundschaft, daß man das EigenthumSrecht auf Kürbisse nach ihrer Wurzel bestimmt und die Wurzel dieses in seinem, deS Müllers Gatten, stehe und so weiter, eine ganze Litanei. Hanspaul, der da glaubte, niemals eine schlechte Handlung begangen zu haben, antwottete ihm abweisend, daß, wenn die Kürbse nicht so gescheit sind, auf ihrem Posten zu bleiben, die Herren eS für sie sein müßten. Auf jeden Fall hatte er auf seinem Grund und Bo- den geschnitten und brauchte Niemandem Rechenschaft zu geben. So ging er weg und hing seinen Kürbis, um ihn aus- sondern auch geschäftlich zur selbstständigen Verwaltung des ihm anzuvettrauenden Amtes befähigt halte. Herr Lehne wies nun darauf hin, daß die Kreisordnung ein derattiges Prüfungs» vcttahren vor dem Kreisaueschuß nicht kenne, ein solches auch mit dem Charakter des Amtes eines Gemeindevorstehers als Ehrenamt in Widettpruch stehen würde. Er bitte daher, der Landrath möge es für unzulässig erklären, daß gewählte Ge- meindevotttcher behufs Entscheidung über die Bestätigung vor dem Kreisa rsschuß einer Prüfung unterzogen werden.— Gleich- zeitig gab Herr Lehne dem Landrathsamt von der Einreichung dieser Beschwerde Kenntniß. Ein Bescheid auf die erhobene Beschwerde ist noch nicht erfolgt. Dagegen hat Herr Lehne von dem Landrath den Bescheid empfangen, daß der Landrath ihm mit Zustimmung des KreisausschusseS die Bestätigung versagt. Das Königliche Polizeipräsidium macht bekannt, daß die Liquidation des verbotenen„Bezirksvereins der arbeitenden Bevölkerung des Südwesten Berlins" beendet ist. An einem wunderlichen Zopf hält die Bcrlin-Charlotten- burger Pferdceisenbahn mit seltener Zähigkeit fest. Auf ihren Linien wird immer noch für die Fahrt mit sogenannten Nacht- wagen der doppelte Fahrpreis erhoben. Rechtfettigen läßt sich diese Maßregel, von welcher sich die übrigen Pferdebahngesell- schaften emanzipitt haben, kaum; denn der Gesellschaft er- wachsen durch dm Bettieb der Nachtwagen keine außergewöhn- lichen Mehrkosten, da sie ihrem Dienstpettonal für den Nacht- dienst keine erhöhten Löhne zahlt. Auch der Mehrverbrauch für Beleuchtung ist nicht ein so erheblicher, daß das Verlangen des doppelten Fahrpreises gerechtfertigt erscheint. Pr. Lt. Ouedenfeld hat in seinem Vorttage, welchen er jüngst vor der Gesellschaft für Erdkunde hielt, mitgetheilt, daß in Marokko die Mütter ihren Kindern gegen den Husten Kellerasseln(Kellerwünner) eingeben. Der„Voss. Ztg." wird nun in Bezug auf diese Mittheilung geschrieben:„Ich bin in der Lage, mittheilcn zu können, daß in Ostpreußen dasselbe Mittel mit Ettolg auf dem Lande nicht nur bei Menschen» sondem oft bei Pferden, die an Verengung der Lufttöbre leiden. angewendet wird. Die Kellerwürmer, die ihrer Gewohnheit gemäß in Spalten kttechen, pressen sich in die engsten Stellen des Halses jc. ein und geben dabei wahrscheinlich einen dem Ergotin oder Esenn ähnlichm Saft, der, wie das Atropin, eine erweiternde Wirkung auf zarte Organismen ausübt. von sich."(!!) Die Obstzufuhr nach Berlin bleibt in diesem Jahre gegen das Vorjahr nicht unerheblich zurück. Während im Herbst des vottgen Jahres die Spree von der ehemaligen Kavalier- brücke bis zur Kurfürstenbrücke mit Obstkähnen fast überbrückt erschien und ebenso die hinter der Schloßfreiheit und am Lust- gatten aufgestellten Obstkähne der Schifffahrt kaum noch freie Bahn gestatteten, beschränken sich die auf dem Wasserwege hier anlangenden Obstsendungen diesmal auf Fahrzeuge, welche in der Nähe von Friedrichs- und Herkulesbrücke Aufstellung ge- nommen haben. Es macht sich auch eine ziemliche Preissteige- rung, namentlich für gutes Winterobst geltend. Welch' ge- waltiger Obstkonsument übrigens Berlin ist, geht daraus her» vor, daß trotz der gettngeren Obstzufuhr dennoch aus Böhmen allein auf dem Wasserwege im Oktober d. I. 40000 Ztr. Obst nach Berlin gelangten. Da» Ausstellen von Waaren in den Ladenthüren, wie es von vielen Knufleuten beliebt wird, führt zu recht unan- ganebmen Störungen. Die so ausgestellten Waaren beengen den Ladeneingang und sind, wenn sie nicht dicht verpackt oder verdeckt gehalten worden, dem Verderben oder der Verunreini- gung durch den Staub der Straße ausgesetzt, wodurch die Kauflust des Publikums für diese Waaren mindestens nicht er- höht wird. Wohl aber kann diese Waarena"sstcllung sehr nach- tbeilig für die Ladcnbcsiyer werden. Am Mittwoch Abend kam em etwa achtjähriger Knabe aus der cnq verbauten Eingangs- thür eines Materialienladens in der Oramenstraße, am Arm ein Körbchen und in der Hand die fttsch gefüllte Pettoleumflasche, die denn auch beim Hindurchlaviren durch die ausgestellten Vorräthe glücklich an dem Henkel eines Eiettorbes Schiffbruch litt, ihren Inhalt in den zettrümmetten Eiervorrath ergoß, so daß die Flüssigkeit durch den Korb lief und sich auf Bücklinge und andere Delikatessen verbreitete. Für die nötbige Wen- schenansammlung sorgte das jämmerliche Weinen des kleinen Verunglückten, so daß der geschädigte Kaufmann für den Spott nicht zu sorgen brauchte. So sind sie alle. Vor einigen Tagen fand eine all» gemeine Sektionsvcrsammlung der Sektion IV, Berlin, der FuhrwcrksbcrufSacnosscnschaft statt. Einem Berichte der„Allg. Fahr-Ztg." hierüber entnehmen wir folgende Stelle:»Jetzt nahm Herr Beck, Vorsitzender der Sektion IV, das Wort und zutrocknen, am Rauchfang auf; und so möge es allen Kürbissen geschehen, die ihren Herrn verrathen. Aber der erwünschte Kürbis trug den Samen zu größern Unannehmlichkeiten in sich. In Moggio herrschte nicht mehr der Fnede früherer Zeiten, wie damals, wo, um nur ein Beispiel anzuführen,- die Gänse des Pfarrers die Aehren aus dem Strohsack der Gevatterin Gioconda zogen, der Frau des Schusters; damals bildete Moggio eine einzige Familie und der Eine würde dem Andern das Hemd ge- liehen und gewünscht haben, daß es ihm gut passe. Jetzt dagegen begannen die Spaltungen, die Quergeleien, bildeten sich Patteien. Die Einen hielten zu dem Kürbis, die An» dern waren ihm feindlich. Alle gingen in ihre Gemüse- gätten, zu spähen, ob nichts Gelbes da irgendwo hinge, und hinter den Hecken herrschte Tag und Nacht eine Att Be- lagerungszustand. Der Grund dieser Aufregung erklätt sich zum Theil, wenn man weiß, daß der Müller und der Oelbauer die wohlhabendsten Leute am Otte waren, deren Meinung man achten mußte. Die Jungen von der Mühle matten Steine, Scherben und ausgediente Holzpantoffeln in den Gatten des Oel- bauers und meinten im Recht zu sein, sie matten ja auf dem ihngen. Und der Oelbauer schor aus Rache alle Sträucher und Hecken auf seiner Seite und sagte, er schnitte auf der seinen. Bekannt ist nicht geworden, ob eS auch zu Prügeleien kam; aber ein gewisser Ränkeadvokat, der in der Gegend verkehtte, wußte auch ohne diese den Brei so zu rühren, daß er in weniger als vierzehn Tagen ein dickes Bündel Aften beisammen hatte und er die beiden Biedermänner auffordern konnte, bei Geldstrafe, Konfiskation und anderen Bedrohungen sich auf seinem Bureau in Lecco einzufinden. Unnöthig ist es zu sagen, daß man den Esel Hans» peterS nicht mehr vor dem grünen Karren Hanspauls sah. ES war betrübend, die Beiden darüber zu hören. Der Eine machte derselbe die Mitglieder hauptsächlich mit den Rechten ■und Pflichten gegenüber der Berufsgenossenschaft bekannt. Nachdem der Schatzmeister, Herr Diederich, die bisherigen Aus- gaben resp. Zuschüsse an die einzelnen Sektionen verlesen hatte, welche sich auf zirka 13 000 M. belaufen, wurde die Diskussion eröffnet. Es wurden verschiedene Fragen gestellt, welche vom Borstande in befriedigender Weise beantwortet wurden. Herr Fuhrherr Grüssow forderte die Mitglieder auf, recht einig unter sich zu sein, denn nur durch das Einheitliche könne etwas Gutes geschaffen werden. Unter Anderem kam er auch darauf zu sprechen, daß es zweckmäßig sei, Arbeitsbücher für die Kutscher resp. Arbeiter einzuführen, damit der gute Arbeiter unter den schlechten herauszufinden sei. Diesen Ausfühmngen stimmte die Versammlung durch Beifallsbezcugungen zu. Herr Fichtherr Werner widersprach jedoch und drückte seine Verwunderung darüber aus, wie man es wohl anfangen wolle, durch die famosen Arbeitsbücher gute Arbeiter zu erziehen. Seiner Meinung nach könnte dies nur geschehen, wenn der Fuhrherr erstens für gute Behandlung, zweitens für gutes Material, Pferde und Wagen, und drittens für einen auskömmlichen Lohn sorge. Redner wollte noch weiter sprechen, wurde aber durch verschiedene Zwischenrufe am Weitersprechen ver- hindert.———" Tie Belohnung von 300 Mark, welche von dem Polizeipräsidium für die Ergreifung des Raubmörders Keller ausgesetzt war, gelangt jetzt zur Vertheilung. Der Arbeiter Woischnig, welcher den Keller in der Nähe von Jldern, Kreis Breslau, rekognoszirt hat, erhält 250 Mark, und zwei andere Personen, welche bei der Festnahme behilflich waren, je 25 Mark. Entgleisung. Auf dem Potsdamer Güterbahnhof, jenseits des Kanals, ist vorgestern Vormittag um 10 Uhr die Lokomotive des sogenannten Gaszuges entgleist. Unter dem Namen „Gaszug" bezeichnet man im Betrieb der Potsdamer Bahn diejenigen leeren Personenwagen, welche von einer Rangrr- Maschine nach der Gasbereitungsanstalt gezogen werden, um Äort mit dem zur Speisung der Pictsch'schen Gaslampen er- forderlichen Gas, welches bekanntlich in Ballons oben auf dem Wagen liegt, verschen zu werden. Die Entgleisung geschah, wie die„Post" mitthcilt, an der Weiche Nr. 46, wo der nach der Gasbereitungsanstalt führende Strang das zum Betrieb der Ringbahn gehörige dritte Gcleis kreuzt. Die Maschine wurde aus dem Gcleis gehoben und bohtte sich tief in den Erd- boden ein. Zum Glück fuhr der Zug so langsam, daß eine Entgleisung weiterer Wagen nicht stattfand. Ter Betrieb der Ringbahn wurde, während man an der Freilegung des ge- spertten Geleises arbeitete, über die Geleise der Potsdamer Bahn geleitet. Der Bettiebsdirektor war zur Stelle. Ein Vorschlag zur Güte. In einem auswättigen Blatte findet sich folgende Notiz:„Zwei Sonntagsjäger, welche dieser Tage die Fluren von Wildenau bei Schwarzenberg unsicher machten, feuerten auf einen Hasen und trafen— zwei Kinder, welche mit Einsammeln von Binsen beschäftigt waren. Ein Knabe von 9 Jahren wurde so schwer verletzt, daß er am Abend starb, ein Mädchen kam mit leichteren Verletzungen davon. Auf Großenhainer Revier schoß ein jagender Bäckermeister den Stadtgutsbesitzer S. an. Am nächsten Tage streckte ein anderer Bäckermeister aus Versehen seinen Jagdhund mit einem wohl- gezielten Schrotschuß nieder."— Angesichts dieser und ähn- licher Vorkommnisse erscheint der Wunsch gewiß durchaus ge- rechtfertigt, diesem Unwesen endlich einmal ein Ende zu machen. Der herrschenden Zeitströmung folgend, liegt auch femer der Wunsch nahe, die Schäden und Mißstände in der Jägerzunft durch ein oft angepriesenes Universalniittel zu turiren, nämlich durch eine Zwangsinnung für Sonntagsjäger mit allen Jnnungsprivilcgien. Wahrlich, wenn nirgends sonst, hier wäre der Befähigungsnachweis angebracht, wenn nicht nothwendig, der durch die einfache Lösung eines Jagdscheins sicher nicht erbracht werden kann. Auch wäre die Bildung einer„Sonntagsjäger-Berufsgenossenschaft" dringend zu empfehlen, da gerade in diesem„Berufe" auffallend viele Unglücksfalle zu verzeichnen find und die armen Angeschossenen wohl eine Leibesrente verdienen, wenn auch die Schützen selber keinen Schuß Pulver werth sind. Vielleicht trägt diese Anregung dazu bei, einem thatsächlichen Bedürfnisse baldigst abzuhelfen. 9300 Mark geschenkt! Die Reklame ist eine üppige Wucherpflanze, welche in Berlin einen sehr geeigneten Boden für ihr Fortkommen gefunden hat. Welche sonderbaren Blüthen dieselbe jedoch mitunter treibt, ergiebt sich zur Genüge aus folgendem:„9300 M. geschenkt sind denjenigen, welche von jetzt ab in der vor kurzer Zeit neu eröffneten Gambrinus-Halle, Friedrichstraße 43, Einkehr halten und sich an dem Konsum der neu eingeführten Schweidnitzer Kellerwürstcl derartig bethciligen, daß die gleiche Zahl wie im Schweidnitzer Keller zu Breslau, und zwar ein täglicher Verbrauch von 2700—3000 Paar, auch in der Gambrinus-Halle erreicht wird."— Die Schweidnitzer Kellcrwürstel in Breslau haben sich bekanntlich einen Weltruf erworben und wird für den Verkaufsstand dortselbst eine enorm hohe Micthe gezahlt. Dadurch, daß der Inhaber der Gam- drinus-Halle seinen Verkaufsstand zur unentgeltlichen Benutzung hergiebt, sollen nun denjenigen 9300 M. geschenkt sein, welche u. s. w.! Diese Reklame würde an sich wenig Reiz haben, wenn sie nicht einigennaßen schmackhaft gemacht würde durch die getreue Abbildung eines Paares Kellerwürstel in ihrer natürlichen Größe, was jedenfalls appetitteizend wirkt, offenbar sprach von Verbrennen, Zusammenschlagen und Zerbrechen, der Andere von Todtschlagen, Erwürgen und Halsabschneiden. Hanspeter hielt sein Thier absichtlich vor der Schwelle der Presse an, um seine Pfeife anzustecken, und Hanspaul trat vor die Thür und zündete laut puffend auch die seine an. Und einmal, als er drei Sack Gerste hatte, machte er sich gar kein Gewissen daraus, dieselben, das Joch des Wagens auf den eigenen Schultem, an der Mühle vorüberzuziehen, um jenen Herrschaften zu verstehen zu geben, daß die Dinge auch ohne Esel gar herrlich gingen. Der Arme schwitzte aber, wie er nie geschwitzt. Die Vorladung! Ehemals war es ein Leichtes ge- niesen, nach Lecco zu gehen, wenn die beiden Freunde in Liebe und Eintracht das Gefährt benützten. Am Morgen hatten sie, unter der Plane, sich auf die Fahrt gemacht und waren am Abend lustig, trällernd, ein wenig weinfeucht heimgekehrt. Aber jetzt, wo der Spaß zu Ende war, mit 70 Jahren, im Hochsommer, zwölf Miglien hin und zwölf zurück zu machen auf die Gefahr, die Beine auf der Straße zu lassen, das, in Wahrheit, drückte die Alten gar sehr. Dazu war in Moggio kein anderes Gefährt aufzutreiben, mit dem sie anständigerweise in der Stadt sich hätten können sehen lassen. Um die Sache vollständig zu machen, brach an jenem Morgen ein fürchterliches Unwetter los, das toste mit Blitz und Donner und Wasserqüssen, daß die Bäche nur so über die Straße stürzten. Hanspeter, der da meinte, das bessere Theil zu haben, ließ seinen Esel satteln und stieg auf. Er war aber nicht weit gekommen, so hätte ihn das Thier, war es, daß die Blitze es blendeten, oder daß der Holzsattel ei drückte, bei- nahe in die Schlucht geworfen. Der arme Alte erschrak dermaßen, daß er umkehrte, den Advokaten, die Vorladung, den Kürbis zu allen Teufeln wünschend. Was Hanspaul betraf, so wagte er nicht einmal, die Nase aus der Thüre zu stecken; dennoch quälte Beide mehr als die Versicherung, daß„die echten Schweidnitzer Keller- würstel zu einem für hiesige Verhältnisse fast unglaublich billigen Preise von& Stück 10 Pf.,» Paar 20 Pf. mit Gebäck" ver- kauft werden.— Alles Gute lobt sich durch sich selbst! Warum so viel Geschrei um eine Wurst? „Gänseklein ganz frisch" erwiderte auf die Frage des alten Meister F., was es zu essen gäbe, der allezeit dimstbe- reite Kellner. Ganz erschrocken fuhr der Alte zurück.„Wollen Sie mich rasend machen mit Ihrem Gänseklein" rief er ganz aufgebracht.„Seit vier Wochen bekomme ich zu Hause nichts als Gänsefleisch, Gänscklein, Gänsebraten, sümmtliches Ge- müse mit Gänsefleisch zubereitet, ich rieche und schmecke nichts Anderes mehr, wie Gans und wenn ich nun in die Kneipe fliehe, um einmal einen vernünftigen Bissen zu essen, dann offerirt mir der Kellner Gänseklcin, es ist zum Tollwerden!" Natürlich wurden die Nachbaren am Stammtisch neugierig, wie der alte Herr, der sonst so ziemlich allgemein in dem Ruf eines Haustyrannen steht, sich diese Gänseverschwendung seiner Ehe- gattin gefallen läßt. Man fragte hie und da in diesem Sinne und ein inzwischen herbeigebrachtes Beefsteak öffnete dem Alten in mehr als einem sinne den Mund und während er die einzelnen Bissen sorgfältig mit Mostrich präparitte und so seinem innern Menschen einverleibte, gab er zwischen durch seinen Gänseleiden in einzelnen abgerissenen Sätzen Ausdruck: „Meine Aelteste, die Grethe, siebzehn Jahr; fängt an zu sparen, zum Bett. Meine Frau fragt ihren Milchmann aus Britz, wieviel Gänse zu einem Bett Federn nöthig sind. Acht bis zehn. Bringt der Britzer alle Wochen zwei bis drei Gänse. Meine Alte schlachtet sie; Grethe rupft und stteift die Fedem. Neulich frage ich:„Sind denn die zehn Gänse noch nicht zu Ende? Was sagt das Mädel? Die Fedem reichten erst zum Deckbett, nun käme noch Unterbett und Kopfkissen dran. Herr du meines Lebens, rufe ich ganz erschrocken, da essen wir wohl noch ein ganzes Jahr lauter Gänsebraten? Meine Alte meint aber, das wäre so am besten, das Mädel, die Grethe, käme so billig zu einem sauberen Bett. Ich habe aber angekündigt, ich gebe mich nächstens außer dem Hause in Kost."— Damit wischte der Meister 3£. sich behäbig den Mund und that einen kräftigen Schluck aus seinem Glase.„Na," meinte einer der Nachbam, „wenn Ihre vier Mädels alle in gleicher Weise ihre Betten zur Aussteuer sparen, so haben Sie ja recht erfreuliche Aussichten". Ganz erschrocken erwiderte der Alte:„Wenn meine Frau mir das anthut, so laß ich mich auf meine alten Tage noch von ihr scheiden— wegen unüberwindlicher Abneigung— gegen Gänsefleisch!— Fritze! ein doppeltes Nordlicht!" Aufrichtige Theilnahme. Am Dienstag Nachmittag fuhr die Frau des Kaufmanns H. in der Neuen Königstraße auf der Pferdebahn nach Weißensee, und der Kranz, den sie am Arm trug, zeigte aller Welt, daß einer der dottigen Friedhöfe ihr Ziel sei. Das gab, wie das„Berl. Tgbl." berichtet, einer neben ihr sitzenden, recht ehrbar ausschauenden Frau Gelegenheit, mit ihr ein Gespräch anzuknüpfen. Mit frommem Auaenaufschlag erzählt sie der Frau H., daß auch sie viele Lieben bereits ver- loren habe, und bewunderte zum Schluß den schönen Kranz, wobei sie mit der Hand an demselben prüfend hemmtastete. Kurz vor der Verbindungsbahn verließ die Theilnahmsvolle den Wagen. Als Frau H. an ihrem Ziele angelangt, in die am Eingang des Friedhofes angebrachte Sammelbüchse ein Scherflein hineinwerfen wollte und zu dem Zweck nach ihrem Portemonnaie griff, war dasselbe aus der Seitentaschc ihres Jaquets, in welche sie dasselbe gesteckt hatte, verschwunden. Jetzt erinnerte Frau H. sich wohl, daß die„theilnahmsvolle" Person kurz vor dem Abschied und bei der Kranzbewundcrung sich so dicht an sie herangedrängt, daß sie eine förmliche Bc- ängstigung empfand. Auch siel es ihr nun ein, daß die Frau Zeugin war, wie sie das Fahrgeld entrichtet und sodann das wohlgefüllte Portemonnaie in die Seitentasche gesteckt, aus welcher die Gaunerin es eskamotitte. Die Heilung des bei dem Eisendahnunglück auf dem Potsdamer Bahnhof vemnglückten Rcsemisten fcaupt, welcher einer Amputation unterworfen werden mußte, hat, der „Staatsb. Ztg." zufolge, berests so gute Fortschritte gemacht, daß der Bandagist C. Geffcrs beauftragt worden ist, Maß zu einem künstlichen Bein und Stelzfuß zu nehmen, und dies auch schon ausgeführt hat. Polizei-Bericht. Am 10. d. M. Mittags wurde am Halle- schcn Thor ein Knabe in Folge eigener Unvorsichtigkeit über- fahren, jedoch anscheinend nicht erheblich verletzt.— Nachmittags wurde am Mühlcndamm ein etwa 40 Jahre alter unbekannter Mann und gegen Abend in der Rathenowcrsttaße vor dem Kriminalgerichtsgebäudc ein etwa 35 Jahre alter Arbeiter, beide anscheinend von Krämpfen befallen, bewußtlos auf der Straße liegend vorgefunden und nach der Charitce gebracht.— Abends starb plöplich in einem Barbierladcn in der Schönhauser Allee ein alter Mann, wie ärztlich festgestellt, an Herzlähmung.— Gegen Mitternacht wurde in der Gollnowsttaße ein Mann durch einen Wagen der Packctfahttgesellschaft überfahren. Ob jemand ein Berfchuldm trifft, ist noch nicht festgestellt. Gerichts-Deitung. Der Sprembcrger Krawall vor Gericht. Cottbus, 11. November 1886. Erster Tag der Verhandlung. Heute beginnt vor derselben Sttafkammcr gegen diejenigen' Angeklagten die Verhandlung, die sich an dein am Abende des das strenge Wort des Gesetzes, das ihr Erscheinen befahl und der Gedanke, nicht erscheinen zu können, war ihnen furchtbar. Damals flößten Gesetz und Advokaten noch Re-! spekt ein. Die Grete stand an der Thür der Mühle und sah die Kathrin unter einem großen rochen Regenschirm auf sich loS kommen. „Ich komme nicht, um Dir guten Tag zu wünschen,| Grete!" sagte die Frau Hanspauls in mürrischem Tone. „Ich verlange das auch nicht von Dir, dem Unglücks- vogel", antwortete die Gevatterin gereizt. „Ich komme nur, nm Dir zu sagen, daß es regnet und wahrscheinlich den ganzen Tag so fortdauern wird." „Dasselbe hat mir meine Katze schon gestern gesagt, sie wollte nicht aufhören sich das Äaul zu lecken." „Ich sage nur, daß Du Deinen Hanspeter bei seinen Jahren unmöglich so fortlassen kannst." „Und Dein Oelfinke mag unter seinem Karren um- kommen." „Meinst Du nicht, daß es ein Glück wäre, könnte HanSpeter diese Reise im Trockenen machen?" „Du willst sagen, das wir Euern Karren brauchen? Deren giebt'S zu Hunderten in Moggio!" „Aber sie finden! Und dann haben sie keine so schöne neue Plane, die ein Brückenbogen scheint. Ich meine also, wenn man die Sache so einrichten könnte wie früher, ohne jede Verpflichtung zum Danke--" „Dank? Die Augen sollte man sich auskratzen!" »So sei denn das Vieh wie gewöhnlich vorgespannt" schrie Hanspeter, der dazugekommen war,„aber der Blitz soll mich erschlagen, wenn ich glaube. Euch in der Presse einen Gefallen damit zu thun!"" „Euer Esel hat uns nie Glück gebracht und er 1. Mai stattaehabten Krawall betheiligt haben sollen. ES sind dies 1) der Spinner Pauk Rubendunst, 17 Jahre alt, 2) der Tuchmachergeselle Friedrich Kara, 19 Jahre, 3) der Spinner Wilhelm Burkert, 20 Jahre, 4) der Fadenjunge Heinrich Platzk, 21 Jahre, 5) der Spinner Paul Täuscher, 16 Jahre, 6) der Arbeiter Franz Sommer, 40 Jahre, 7) der Arbeiter Ferdinand Dunst, 34 Jahre, 8) der Töpfcrgeselle Gustav Lange, 23 Jahre, 9) der Tuchmachergeselle Emil Ärösig, 20 Jahre, 10) der Fadenjunge Gustav Hoffmann, 17 Jahre, 11) der Tuchmachergeselle Hermann Schmidt, 17 Jahre, 12) der Maurergeselle Wilhelm Handrick, 18 Jahre, 13) der Arbeiter Paul Appell, 18 Jahre, 14) der Spinner Gustav Maltusch, 18 Jahre, 15) der Schuhmacherlehrling Adolf Greischel, 17 Jahre, 16) der Tuchmacher Gustav Radeseld, 28 Jahre, 17) der Tuchmachergeselle Reinhold Rathert, 40 Jahre, 18) der Tuchmachergeselle August Laucke, 25 Jahre, 19) der Spinner Gustav Richter, 18 Jahre, 20) der Tuchmacher Wilhelm Heinze, 35 Jahre, 21) der Tuchmacher Gustav Schmidt, 33 Jahre, 22) der Fleischermeister Julius Witte, 38 Jahre, 23) der Arbeiter Paul Sachs, 29 Jahre, 24) der Arbeiter Richard Biernich, 18 Jahre, 25) der Fabrikarbeiter Wikhekm Grund, 29 Jahre, und 26) der Arbeiter Ernst Schmidt, 22 Jahre. Dieselben haben sich wegen Landfriedens- bruchs, Aufruhrs, Auflaufs und wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu verantworten. Die Anklage entwirft folgendes„grauenerregende" Bild von den Vorgängen: Am Sonnabend, den 1. Mai, glaubte man nicht, daß der Skandal vom Freitag sich wiederholen würde. Allein als gegen 8 Uhr Abends die Arbeiter aus den Fabriken nach Hause kainen� da sammelte sich eine Unmasse Menschen auf den Straßen Sprembergs. Dieselben waren zu- meist mit Stöcken und Flaschen bewaffnet und riefen dem pa- ttouillirenden Polizeisergeant Hubrich zu:„Haut ihn, jeßt kommt der rothbättige Schw—, heute wird er kalt gemacht! Sehr bald hatten sich etwa 800 Personen auf dem Marktplatz und in den angrenzenden Straßen versammelt. Von der Langensttaße und zwar vom Nakoins'schen Schanklokale her, kam ein Trupp Menschen, die Arbeitennarseillaise singend- Voran schritt ein Mann, der eine Bierflasche schwang. Der Zug, der von der bereits Posto gefaßten Menschenmenge m» Gejohle, Gebrüll, Hurrah- und Hochrufen empfangen ivurdc, stellte sich gegenüber der Rathhausthür auf. Der mit der ho«- gehobenen Flasche voranziehende Mann brüllte:„Wir Arbeit«* lassen uns nicht unterdrücken, wir stürmen das Rathhaus. Eine Anzahl Leute schwangen hierauf die Flaschen und machten Miene, mit denselben zu werfen. Bei dieser Gelegenheit wur- den unaufhörlich sozialdemokratische Lieder gesungen, gebrüllt und getobt und Drohungen ausgestoßen. Die Aufforderungen der Polizeibeamten, sich zu entfernen, wurden mit Johlen, Brüllen und den Rufen:„Haut ihn" u. f. w. beantwortet Als der Bürgenneister erschien, wurde es wohl anfänglich etwa» ruhiger, jedoch sehr bald ging der Skandal von Neuem lo» und plötzlich kam ein Stein auf den Bürgermeister geflogen, der jedoch den neben ihm stehenden Buchhalter Magister traj- Da der Kommandant der Feuerwehr, Stadttath Säbisch, bi« Aufforderung des Bürgermeisters, die Feuerwehr zu alas- miren, ablehnte, so ersuchte der Bürgermeister das bessere Pub«- kum, den Sicherheitsorganen zur Wiederherstellung der CwJ nung behilflich zu sein. Dieser Aufforderung wurde von snN allen Seiten sogleich Folge gegeben und die hauptexedcnten zur Haft gebracht. Allein diese Verhaftungen gingen nicht oh»' Unfälle ab. Es wurde aus der skandalirendcn Menge»» Steinen und Flaschen geworfen, so daß eine ganze Reihe vo Personen nicht unerheblich verletzt wurden. Polizeisergea' Hubrich erhielt durch einen Steinwurf eine große Beule aw Kopf, aber auch mehrere andere Beamte und Bürger«»*% ziemlich erheblich verletzt. Bei dieser Gelegenheit sollen He«' rufe auf die„freie Republik", die Sozialdemokratie w»? erschallt und das sozialdemokratische Lied:„Ich bin Sold»? doch nur mit Wideritteben" gesungen worden sein. soll mehrfach gerufen worden sein:„Wir wollen mit Dii»«r das Rathhaus in die Luft sprengen",„das Rathhaus Jy herunter gebrannt werden, wir wollen die Freiheit habe»/ u. f. w.— Die in sttafmündigem Älter sich befindlichen Ra®f' führer dieses Krawalls werden sich am 18. d. M vor v« hiesigen Land-Schwurgcricht zu verantworten haben, die gell wärtigen 26 Angeklagten sind vor die Strafkammer verw"!/j weil sie zum Theil noch sttafunmündig, zum Theil aber» als Rädelsführer zu bettachten sind. Tie Änklagevehörde vertritt wiederum der erste Staat» walt am hiesigen Langericht Haucke.. j-uAuI- Die Angeklagten erklären sich fast sämmtlich für big. Ter I6jährige Spinner Täuscher bemerkt: Er habe». nicht unter der skandalircnden Menge befunden, habe allcro � in seiner Dummheit Hurrah geschrien. Maltusch erklärt st«. � schuldig. Der Angeklagte Arbeiter Dunst bemerkt«n erregter Weise: Ich bin vollständig unschuldig, ich bin(v vater, ich muß sehr fleißig arbeiten, um meine Familie» nähren und betheilige mich weder an der Sozialdemottatie � gar an einem Sttaßenauflauf. Ich habe mit der Sozial» f rratie absolut nichts zu schaffen, ich habe einen Posten i Kirche und muß allsonntäglich in die Kirche gehen. Die-b. � beamten haben an jenem Abende jeden verhaftet, ver in den Weg lief.„.„„ac» Präsident: Die Beweisaufnahme wird diese Bchaupt festzustellen haben._.-n# Der erste Zeuge ist der Gerichtssekretär Schneider- mag Hanspaul ins Verderben stürzen, wenn der an denkt.". in So sagte Kathrin und ging, um die Antw» � überbringen. Unter der kleinen" Vorhalle der Kirche � der Esel wie sonst eingespannt, während die beiden®%„w# sich mit grimmen Blicken anschauten. Die Bauern I ffe)ttn unter ihren Thüren, die Hände in den Taschen, nut. Mäulern, aber still; so etwas hatte man in Mogg' � nie gesehen, daß ein und derselbe Esel zwei Prozril zur Verhandlung fuhr. q$ Der Oelbauer stieg zuerst ein und brummte: gehe unter mein Dach."«tchter/ „Zch fahre Dich und Dein Haus vor den N'« g, knurrte der Müller, dem Esel einen Hieb versetzen»- ging's vorwärts. tAufc'-" »Erster Punkt: Zch erkläre, daß ich Dir nicht«*, flU($ „Stimmt. Wir können uns ohne Gewissen« die Schädel zerbrechen--" Langes Schweigen. ,. Hier „Es ist doch'was Schönes um ein Zugthie. Paulchen!" ui die „Paulchen nennst Du ihn?" fragte HanSp» Fäuste ballend. Auf die Weise legten sie fünf, sechs Mg' � fi< sie verschlangen sich mit den Augen, sie verglft � u» schrien unter der Plane, und immer auf Rechnung seligen Kürbses. bct alle Plötzlich schien es, als ob der Himmel m' Schleusen geöffnet hätte oder daß das iungste* ott krochen wäre. Der Esel, regensatt, im««Ä? et»,"" Wirthsh ausschildes, lenkte von selbst ins Hof y er es früher gethan. ßetb� Der Wirih erkannte den Müller und ven � z» aus Moggio und ging, um die gewöhnlich holen. ildert den Krawall in der bereits mitgetheilten Weise. Der der dem Zuge, welcher sich von der Langen Straße nach dem Marktplatze zu wälzte, voranschritt, hielt eine thönerne 'Wasche in die Höhe, mit welcher er den hinter ihm Marschiren- den gewissermaßen Parole ertheilte. Bürgermeister Wirth: Die verhafteten Exzedenten vom Freitag wurden sehr bald wieder entlassen, da eine Wieder- holung des Krawalls Niemand vcrmuthete. Allerdings wurde mir berichtet: In einer Fabrik sei die Äeußerung gcthan wor- den,„es werde in Spremberg ein großer Putsch veranstaltet Meiden". Ich befand mich am Abende des 1. Mai gegen 9 Uhr Made im„Hotel zu den drei Kronen", da hörte ich, daß auf dem Marktplatz Krawall sei, der einen bedenklichen Charakter anzunehmen drohe. Ich begab mich deshalb eiligst auf den Marktplatz und forderte die dort skandalirende Menge, welche johlte, brüllte und sozialdemokratische Lieder sang, auf, aus- einander zu gehen. Dieser meiner dreimaligen Aufforderung wurde jedoch nicht nur keine Folge gegeben, sondem oer Skandal wurde immer größer. Sehr bald kam großer Pflasterstein geflogen, der den dicht neben mir stehen- den Buchhalter Magister traf. Ich begab mich nun zu dem in der Nähe weilenden Kommandeur der Feuerwehr, Stadtrath jpiibisch, und bat diesen, die Feuerwehr zu alarmiren. Säbisch bemerkte jedoch, die Alarmirung der Feuerwehr würde zu lange dauern, da jedoch die meisten Mitglieder der Feuerwehr in den m der Nähe des Marktplatzes belegenen Lokalen seien, so werde er dieselben zu r ilfe rufen. Ich unterstützte den Stadtrath in dieser seiner Bemühung. Als jedoch die Mitglieder der Feuer- p, �»trafen und die Hauptskandalmacher verhafteten, flogen ,, Anzahl Steine und Flaschen, die Beamten und Bürger jlUn' Theil nicht unerheblich verletzend. Ich selbst wurde von rinem Stein am Rücken getroffen, jedoch nicht weiter verletzt. frlL' welcher die Steine aufgehäuft gesehen wurden, «•Ii sofort zur allgemeinen Ueberzeugung, daß die Steine s?mt zufällig dort lagen, sondern vor dem Krawall dorthin ge- lchafft worden sind. Polizei-Wachtmeister Hubrich: Es wurde am fraglichen Ödende, an dem mindestens 1000 Menschen auf dem Markt- platze versammelt waren, unaufhörlich die Arbeiter-Marseillaise Mi un gen, Hochrufe auf die Sozialdemokratie, die„freie mcvublik" u. s. w. ausgestoßen und gerufen:„Heute ist srv%chj' heute werden die Tüppeler Schanzen gestürmt!" p-tLn Arbeiter lassen uns nicht unterdrücken, Dynamitbomben hör, wir müssen das Rathhaus stürmen!" m Unter den Hauptschreiern befand sich der Angeklagte Forchar. Dieser hat speziell gerufen:„Dynamitbomben her!" Ferner wurden mir fortwährend Ovationen gebracht. Die Menge rief:„Der rothbärtige Schw.... lebe hoch!" Handelsmann Kurtzhals: Am 1. Mai, Mittags, hörte ich, we em Arbeiter Namens Rietschel zu mehreren anderen Ar- s» l?t!te:„Heute Abend geht's los, heute bekommt der �lothbärtige seinen Segen, heute werden die Messer angewendet Werden." Ter Zeuge schildert alsdann die Vorgänge am Abend wrc die Vorzeugen. , Nachtwächter Schmidt: Er habe einen Steinwurf an die Mescheibe bekommen, so daß er 14 Tage Schmerzen hatte. Die Menge habe gerufen:„Nieder mit der ganzen Bande!" Polizeisekretär Mattka schildett den Krawall wie die Vor- Mgen. Der Zug, der von der Langenstraße kam, nahm der �tathhausthür gegenüber Aufstellung. Der Angeklagte Kuchar Ktt: Wir sind freie Arbeiter, es lebe die freie Republik, hoch -oben die Arbeiter!" Säbischka, der eine thönerne Flasche lchwang, rief: Wir Arbeiter lassen uns nicht unterdrücken, das otathhaus muß gestürmt werden, es lebe die freie Republik, hoch leben die Arbeiter!" Am Sonnabend Mittag hat er die Arbeiter Säbischka, Horn und Rietschel und den gegenwärtigen -�geklagten Hoffmann in sehr lebhaftem Gespräch über den Marktplatz spazieren gehen sehen. c Wachtmeister Sommer: Am Abend des 1. Mai fand in �vremderg eine Versammlung des Tischler-Fachvereins statt, Wz. 4" überwachen hatte. Der frühere Polizeisergeant Richter nk, aus der Versammlung. Als ich aus dem Marktplatz ÄusiÄ'purde ich mit Hurrah empfangen. Meiner vielfachen Qn die Menge, auseinander zu gehen, Äf-ifcl licht nur keine Folge gegeben, sondern mit bcan* und Schreien und dem Ruf: ,Haut ihn!" . Alp. Pitt. Plötzlich hätte ich, wie hinter mir Jemand sagte: dann".der Herr Wachtmeister den Hubrich entfernen wollte, vP.p, wurde der Skandal sehr bald ein Ende nehmen." Ich ent-jp�ie nun den Hubrich, sich den Blicken der Menge zu n..4'ehen, irgend ein Erfolg wurde jedoch nicht erzielt. Ich ugcnd ein Crfolg wurve icoocy mcyl erztcii-. Der Genannte war wegen Verdachts, einen Hausfttedensbmch mit anderen Pettoncn gemeinschaftlich verübt zu haben, in Unter- suchungshaft genommen worden. Unter fernen Leidensgcfähtten befand sich auch ein gewisser Lehmann, der, wie sich der der esten Vemehmung herausstellte, aus der Untcttuchungshaft wieder entlassen werden konnte. Seine Haftentlassung wurde an die Gcfängnißverwaltung vettügt. Die Gefangenen wurden nun nach dem Gefängniß zuttickgebracht und der Aufseher, dem dre Ordre,L. zu entlassen, mitgetherlt war, ttef den NamenLehmann auf. Der richtige Lehmann aber überhötte die Nennung seines Namens und blieb ruhig stehen. An seiner Stelle trat Fried- etwas herausgeben zu müssen. Sie merkten nicht, daß die dritte Flasche schon zur Neige ging, sie konnten es der Güte des Weines wegen nicht merken. Wenn der Wein gut ist, so ist es Einem, als lese man ein recht deutlich gedrucktes Buch. Der Müller schlug hart auf jede Karte und kreischte in höchsten Fisteltönen:„Da, Hund! da, Satan! da, Erz- schlänge!"— während der„Freund", den Hut tief in den Nacken zurückgeschoben, aus dem Magen herauf die Lust zum Lachen wachsen fühlte. Dennoch war der Wein noch nicht so mächtig gewesen, die Gedanken an Geschehenes vollständig zu verjagen, das gute Herz blieb verschlossen, noch immer warfen sie sich gttmmige Blicke zu. Da fiel ein heller Sonnenstrahl über die Katten hin und erweckte sie wie aus einem Traum; sie erinnerten sich erst jetzt des Esels, des Advokaten, des Prozesses. Ihre Gesichter verdüstetten sich. Schwerfällig stützten sie die Fäuste auf den Tisch und stanven schwankend auf. Der Müller nannte Hanspaul einen„Vaterlandsverräther" und dieser Hanspeter einen„Schleichhändler." Sie klettetten auf ihren Karren und grüßten den Witth mit hocherhobenen Hüten. Witth!" schtte der von der Presse,„wenn die Welt ein Kürbis wäre, sie würde viel besser schmecken!" Aber es giebt noch eine Gerechtigkeit in Lecco," schtte der Müller so laut, daß der Esel erschreckt davonsprang. Die Sonne schien so heiter. Das Eselchen hüpfte so lustig, die Stöße des Wagens schüttelten den Wein und die Herzen gehöttg durch einander. Die Alten waren lustig. Der Müller baumelte mit den Beinen und stimmte das Lied von der„Mattetta" an; die Sonne spiegelte sich in dem glänzenden Oelmanne und der demonsttttte, daß das Leben nur ein Rad ist. In beiden Seelen keimen gute Fttedens- gefühle, aber der Stolz und die Eigenliebe, der Starrsinn und die falsche Scham sind wie Nattern, denen man den Kopf mit einem Steine zerquetschen muß. mann vor, und da dem Aufseher die Leute persönlich unbekannt waren, so wurde der falsche Lehmann aus dem Gefängnißhofe herausgefühtt, erhielt seine Zivilkleider und mußte sich dann nach der Gefängnißexpedition begeben. Dott wurde er wieder gefragt, ob er„Lehmann" sei und er setzte diesen Namen auch kühn unter ein Formular. Bei seiner Ablieferung waren ihm 2,35 M. abgenommen worden, während der ttchtige Lehmann nur 1,70 M. besessen, wie er einmal im Gespräch erwähnt hatte. Mit 65 Pf. aber glaubte der salsche Lehmann seine Freiheit nicht zu theuer bezahlt, er quittirte dankend über 1,70 M. und entfernte sich mit vielen Bücklingen. Der richtige Lehmann saß inzwischen in seiner Zelle und philosophirte über den langsamen Gang der Justiz. Er hatte doch gehört, daß er entlassen werden sollte und nun war er augenscheinlich vergessen worden. Schließlich wurde ihm das Warten doch zu lang, er ließ sich melden und nun klätte sich alles auf. Nach dem falschen Lehmann wurde gefahndet und es dauette lange, bis man seiner wieder habhaft werden konnte. Wegen seines genialen Manövers aber veruttheite ihn der Gerichtshof zu vierzehn Tagen Gefängniß wegen Urkundenfälschung und wegen der Nennung des falschen Namens zu drei Tagen Haft. So hatte auch der Anttag des Staatsanwalts gelautet. t Unter der Anklage der verleumderischen Beleidi- güna stand gestern der Zivil- Ingenieur Eduard Johann Hugo Röski aus Charlottenburg vor der vietten Strafkammer des hiesigen Landgerichts l. Die Anklage machte ihm zum Vorwurf, über den Branddirektor Witte, Major a. D-, in seinem Beruf als Branddirettor nicht erweislich wahre Thatsachen behauptet zu haben. Es handelte sich um einen Brief, den der Angeklagte am 1. Dezember 1884 an den Stadtverordneten Fritz Dopp, den er im Jngenieurverein kennen gelernt, gerichtet hatte. Da- mals war eine Konkurrenz von der Stadt zur Beschaffung von zwanzig neuen Feuerlöschzügen ausgeschtteben worden, und der Angeklagte wünschte zur Konkurrenz zugelassen zu werden. Zu diesem Zwecke theilte er dem genannten Stadtverordneten eine Reihe von Angaben über den Branddirektor Witte zum„be- liebigen Gebrauche" mit, durch welche der Major, als er im Oktober 1885 Kcnntniß von dem Inhalt des Briefes erhielt, sich beleidigt fühlte; die vorgesetzte Behörde, das Polizeipräsidium, stellte den Strafantrag. Im Einzelnen wurden folgende Stellen des sehr umfangreichen und für den Laien schwer ver- ständlichen Schreibens als beleidigend angesehen. Der Ange- klagte war früher Direktor der Lausitzer Maschinenbauanstalt gewesen und hatte dann Stellung als Ingenieur bei Kühlstein in Charlottenburg gefunden. Er hatte sich vonviegend mit dem Feuerlöschwesen beschäftigt und war nun der Ansicht, als er nach Verlust seiner Stellung mittellos dastand, daß er von dem Branddirektor Witte geschädigt worden sei. So behauptete er zunächst, daß Witte„ein werthloses Patent auf Umwegen" er- langt habe. Das Patent betraf die Einführung flüssiger Kohlensäure direkt in den Kessel. Des weiteren soll Herr Kühl- stein dieses werthlose Patent von Witte aus Gefälligkeit für 5000 M. erworben haben. Zum Schluß war der Nachweis in dem Schreiben unternommen, daß Herr Witte durch die Ueber- tragung der Lieferung von20Feuerlöschzügcn an die Anhaltische Maschinenbau- Gesellschaft 28 000 Mark verdienen würde- Die Beweisaufnahme gestaltete sich sehr umfangreich und be- schäftigte sich mit der Prüfung des technischen Materials. Es ging aus ihr hervor, daß der Angeklagte eine vielfach falsche Darstellung der Verhältnisse gegeben habe. Da die Materie sehr komplizitt ist, so verzichten wir auf näheres Eingehen. Der Staatsanwalt ließ die Anklage wegen verleumderischer Äc- leidigung fallen und billigte dem Angeklagten zu, daß er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe. In der Form und den Umständen sei aber eine Beleidigung zu finden und er beantrage deshalb eine Geldsttafe von 300 M. gegen denselben. Der Gerichtshof stellte sich auf denselben Standpunkt, nahm eine Beleidigung als vorhanden an und erkannte aus eine Geldsttafe von 200 M. Uereine und Nersammlungen. dft. Eine Versammlung von Vertrauensmännern und Vorstandsmitgliedern des Fachoereins sämmtlicher im Drechslergewerl beschäftigten Arbeiter Berlins, welche am Mittwoch, den 10. d. M., Abends, im Müller'schen Lokale, Slaunynstr. 78, unter dem Vorfitze des Herrn Sündermann stattfand und von 10 Vorstandsmitgliedern, sowie von ca. 20 Vertrauensmännern besucht war, berieth über„Gewettschaft- liches" und„Verschiedenes". Zunächst theilte der Vorsitzende mit, daß der Vereinsvorstand in einer an das königl. Polizei- Präsidium gerichteten Beschwerde über das Verbot einer zum 7. d. M. angemeldet gewesenen Versammlung des Vereins mit der Tagesordnung:„Die Fachkommissionen und deren Wetth für Erziclung besserer Arbeitsbedingungen", die genannte Behörde um gütige Auskunft über die Gründe jenes Verbotes gebeten habe, ein Bescheid hierauf bis jetzt aber noch nicht ein- gettoffen sei. Hierauf wurde über die Antwort der Drechsler- Innung verhandelt, welche diese dem Fachverein auf die ihr in der Fachvereinsvcrsammlung vom 9. Oktober im Wohlhaupt- schen Lokal in der Mcmteuffelsttaße gefaßte Resolution erthcilt hat. Dieser Resolution zufolge hatte der Vorstand des„Fachvereins sämmtlicher im Drechsler- gewett beschäftigten Arbeiter" die Drechsler- Innung aufzufordem und aufgcfordett, ihrerseits demnächst eine Versammlung sämmtlicher Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Ber- Wir sehen da zwei alte Freunde, die einem Rechtsver« dreher in die Klauen fallen sollen, einem Ränker und Zänker, der sie wie zwei gemeine Straßenräuber von Tribunal zu Tttbunal schleppen wird. Das war eine Abscheulichkeit und in den glänzenden Augen der armen Alten quollen die Thränen empor. Schon tauchten die ersten Häuser von Lecco auf; dem Hanspeter erstarb das Lied auf den Lippen; HanSpaul schaute auf das Rad und packte den Kopf. So ging es ein gutes Stück in tiefftem Schweigen weiter, die Köpfe auf die Brust, versunken ganz in Schmerz, als der Esel mit einem Ruck stehen bleibt.—— Sie erwachen aus ihren Betrachtungen, heben die Augen, schauen sich an und—— o Staunen! o Wunder! das ist kein Traum, nein, nein! Da ist die Thür der Kirche, die Schmiedewettstatt, die Oelpresse, und in der Lust schwebt der Geruch von gebratenen Zwiebeln, die dem Pfarrer so sehr gefallen; sie sind auf den Platz von Moggio zurück- gekehtt, zu ihren Weibern, ihren Kindern, zu den Gänsen, die bei ihrer Ankunft von allen Seiten herbeilaufen und Freudenthränen vergießen. Das Wunder ist rasch ettlätt. Der Esel hatte mft jenem Gefühl, das von den guten Gewohnheiten nicht ab- weicht, beim Verlassen der Osteria die Straße heimwätts eingeschlagen, ohne daß die beiden verzückten Alten es ge- mettt hatten. Jetzt warfen die Freunde einander die Anne um den Hals und segneten die Weisheit des Esels. Der Advokat wurde durch ein schönes Milchfettelchen und eine große Flasche frischen Oeles abgefunden. Mit jenem Tage ging die Freundschaft Hanspeters und Hans- pauls wie auf Rädern. Sie ließen die Kürbse in den Gärten wachsen wie sie wollten und das war gescheit, denn nicht immer ist ein Esel da, der geneigt wäre, die Verant- wottlichkeit für die Dummheiten der Menschen auf sich zu. nehmen._ Z. Z.") liner Drechslergewerks einzubemfen, um sie über die eiaent- lieben Verhandlungen des vom 21. bis 23. August d. I. in Leisnig abgehaltenen„Drechslertages" aufzuklären. Be- merkt war dabei, daß jedoch das Bureau der be- treffenden Versammlung aus deren Mitte zu wählen sei. Hierauf erwiderte die Drechslerinnung dem genannten Fach- verein, daß„sie auf eine derartige öffentliche Versammlung mit einem aus der Mitte derselben zu wählenden Bureau schon deshalb nicht eingehen könne, weil Jnnungsversammlungen, zu denen auch der Innung nicht angehörende Meister und Ge- feilen als Gäste zugelassen werden, nothwendig vom Jnnungs- vorstände geleitet werden müssen, da ihnen sonst der Charakter einer ordnungsmäßigen Jnnungsversammlung verloren gehe. Die Innung vermöge daher der Resolution(des Fachvereins w.) nicht zu entsprechen, zumal die Erfahrung bereits zur Genüge gezeigt habe, daß aus solchen Versammlungen der Allgemein- hech nützliche Verbesserungen nicht hervorgehen." Nach einer lebhaften Diskussion über diese Mittheilung der Innung, in der man sich allgemein dahin aussprach, daß die Abhaltung einer herkömmlichen Jnnungsversammlung keinen vernünftigen Zweck haben könne, wurde beschlossen, m der nächsten öffent- lichen Wanderversammlung des Fachvereins, welche am IS. dieses Monats stattfinden soll und bereits die Genehmigung der Behörde erhalten hat, die Jnnungsantwort noch einmal zur Diskussion zu stellen. Der Untersttttzunasverein deutscher Schuhmacher, Filiale Berlin, hielt am Montag Abend eine Versammlung ab, in welcher Herr Schlüter über„die Lohnverhältnisse in der Schuhmacherei" einen Vortrag hielt. Der Vortragende wies darauf hin, daß die Schuhmacher heute noch ebenso unthätig über ihre ungünstige Lage seufzten, wie sie es bereits vor 30 Jahren gethan haben. Es sei zu bedauern, daß nicht alle Kollegen den Werth einer gewerkschaftlichen Lraanisation er- kennen und sich dem Unterstützungsverein als Mitglieder an- schließen. Redner wies ferner auf die Nothwendigkeit der fach- gewerblichen Ausbildung hin und erläuterte, wie die Höhe der Arbeitslöhne in den einzelnen Stadttheilen Berlins eine ganz .verschiedene sei. Den Durchschnittsverdienst eines Berliner Schuhmachergesellen könne man wohl auf 12 Mark wöchentlich bemessen. Am Schluß seiner Rede forderte Referent die An- wesenden auf, sich über diesen Punkt zu äußern. Mehrere Redner wiesen jedoch nach, daß der Durchschnittslohn eines Schuhmachers in Berlin nicht mehr als 7 Mark betrage, und als Herr Baainski im Anschluß hieran andeutete, daß unser Semeinschaftlrches Streben nur in der Verwirklichung genossen- haftlicher Arbeit bestehen dürfe, löste der überwachende Polizei- lieutenant die Versammlung auf Grund des Sozialistengesetzes auf. Die nächste Versammlung findet wieder bei Säger, Grüner Weg 29, am Montag, den 22. d. M. statt. Zu dieser Versammlung hat Herr Dr. Benckendorf einen wissenschaftlichm Vortrag zugesagt. Der Fachverein der Schneider Berlins feiert am 15. November c. in den Bürgersälen, Dresdenerstr. 96, sein diesjähriges Stiftungsfest, verbunden mit Konzert und Tanz. Billets find zu haben in den mit Plakaten belegten Handlungen, außerdem in der Schneider-Öerberge Krausenstraße 11, Zimmerstraße 30 und Lothringerstraße 52(Genossenschaft der Schneider), Antonius, Kommandantenstraße, Jndustriegebäude, Laden 25, Paul Frenze!, Klosterstraße 41 u. s. w. Alle Schneider Berlins sind eingeladen. Näheres die Sonntags-Annonze. In der freireligiösen Gemeinde spricht am nächsten Sonntag, Vormittags 10 Uhr, Rosenthalerstraße 38 Herr Schäfer über die Volksseele und die Weltseele. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine am Freitag. Gesangverein„Nord-Jubal" Abends 9 Uhr Veteranenstt. 19. — Turnverein„Hasenhaide"(Männerabtheilung) Abends 8 Uhr, Dieffenbachstraße 60 61.— Zitherklub„Alpenveilchen" Abends 8, Uhr im„Anhalttner", Tempelbofer Ufer, Ecke der Möckern- sttaße.— Rauchklub„Westend" Abends 9 Uhr im Hohenzollern- garten, Steglitzerstt. 27. Uermischtes. Gisenbahnräuber. Moskau. Die Beraubung der Güter- züge der Nikolaibahn hat, wie die„M. D. Ztg." schreibt, mit Beginn des Herbstes einen recht bedenklichen Umfang an- genommen. Eine von den Dieben besonders bevorzugte Stelle rst die Gegend zwischen den Stationen Reschetnikow und Klin, woselbst fast immer ein und derselbe Güterzug Nr. 36, der Nachts verkehrt, beraubt wird. Auf dem Zuge mit zirka 50 Waggons befinden sich gewöhnlich nm drei Kondukteure; die Diebe vermeiden aber mit Geschicklichkeit jene Waggons, auf welchen sich die Kondukteure befinden, springen auf den im Gang befindlichen Zug, verschaffen sich Eingang in irgend einen Waggon und werfen oie Waarenballen auf den Bahndamm, worauf sie mit denselben spurlos verschwinden. Billiges Häuschen. Vor einiger Zeit kaufte der Schuh- wacher W. zu Herzberg ein Häuschen für den Preis von 2l0O Mark. Dieser Tage sollte nun in der Kammer ein aller Ofen, der seit längerer Zeit nicht gebraucht worden war, umgesetzt werden. Dabei wurde der Besitzer darauf aufmerksam gemacht, daß der Ofen seines alterthümlichen Zierraths wegen großen Wetth habe. Es wurden ihm auch sofott 150 Mark für den- selben geboten. Beim Abbruch des Ofens aber fand man auch noch in demselben versteckt 800 Stück alte Speziesthaler, und der Mann hat das Häuschen also mehr als umsonst erhalten. Der Orkan in Crossen am 14. Mai d. I. hat seiner Zeit die deutsche Seewarte veranlaßt, ihren Meteorologen Dr. Köppen zur näheren Untersuchung nach der vom Unwetter be- troffenen Gegend zu senden. Dr. Köppen, der vom 21. bis 24. Mai Crossen und Umgebung genau besichtigt hat, hat nun- mehr einen Bericht über das Unwetter und seine Verheerungen erstattet, der in der„Meteorol. Zeitschr." auszugsweise veröffentlicht ist und viel detaillirtes Material enthält. Nach Dr. Köppen's Untersuchungen bildete der Orkan einen Theil eines ausge- dehnten Gewittersturmes, der mit einer Front von mindestens 180 Km. Breite und nur 4—10 Km. Tiefe auf der Rückseite eines Theilminimums ostwärts schritt und die Grenze zwischen einem sehr warmen Luftgebiet vor ihm und einem sehr kühlen hinter ihm bildete._ Letzte Nachrichten. Bulgarisches. Cannes, Donnerstag, 11. November. In der Antwort auf die an ihn gerichtete Depesche der Regent» schaft dantte Prinz Waldemar für die Ehre, welche ihm die Sobranje durch seine Wahl zum Fürsten von Bulgarien erwiesen habe; er dürfe jedoch keine Entscheidung treffen, dieselbe stehe bei seinem Vater, er persönlich glaube indessen, daß er durch andere Pflichten zurückgehalten sein werde. Salisbury's Rede. Wien, Tonnerstag, den 11. Novbr. Das„ Fremde nblatt" findet in Lord Salisbury's Rede keinen Satz, der nicht wesentlich mit der Auffassung der Rede des Kaisers Franz Josef im Einklänge stehe. In dem Hinweise auf Oesterreichs hervorragende Betheiligung an der bulgarischen Frage und den großen Einfluß seiner Rathschläge auf die englische Regierung sei zunächst wohl ein Akt internationaler Kourtoisie zu erblicken, der im Sinne Salisbury's am wenigsten darauf abzielen könne, einen Konnex zwischen den österreichischen und den englischen Jnter- essen in öffentlicher Rede herzustellen. Die in Lord Salisbury's Rede dargelegte Politik könne nur die Solidarität der Friedens- besttebungen zwischen Oesterreich-Ungarn und England, sowie den Glauben an ein gemeinsames Einstehen aller Mächte für die Achtung der Verträge bestärken." Die„Press e" erhält von den jüngsten Kundgebungen den Eindruck, daß die bisherigen Agitationen in Bulgarien nocb nicht den Anlaß zu einem Hervortreten der Mächte bildeten, welche diese Vorgänge mit entschiedenem Mißfallen beobacb- teten, daß aber ein nächster Schritt die gänzliche Veränderung der Lage und Gruppirung herbeiführen dürfte. Pest, Donnerstag, 11. November. Gutem Vernehmen nach wird der Minister des Auswärtigen Graf Kalnoky ain Sonnabend in der Delegationssitzung Erklärungen über die auswärtige Politik abgeben. Kmfkasten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Ouittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. H., Stralsund. Der Streik ist schon längere Zeit im Sande verlaufen. F. S. R. 28. 1. Wenn die Mutter des unehelichen Kindes bereits vorher von einem Anderen unehelich geboren hm- so braucht für das zweite Kind der Vater keine Alimente zu zahlen.— 2. Daß die Mutter erheblich älter ist als der unehe' liehe Vater, befreit diesen nur dann von Zahlung der Alimente, wenn er zur Konzepttonszeit jünger als 20 Jahre war und von ihr verführt worden ist. Theater. Freitag, d e n 12. N o v e m b e r. Opernhaus. Die Stumme von Pottici. Schauspielhaus. Minna von Barnhelm, oder: Das Soldatenglück. Deutsches Theater. Der schwarze Schleier. Kriedrich-Wilhelmstädttsches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Die Sternschnuppe. Biktoria-Theater. Amor. Ostend-Theater. Das neue Gebot. Refidenz-Theater. Ein Großstädter. Vorher: Ein anonymer Brief. Zentral-Theater. Der Waldteufel. Bellealliance-Theater. Dre Fledermaus. Walhalla-Theater. Die Piraten. Königstädtisches Theater. Von Schrot und Korn. Kaufmann's Varietee. Spezialitäten- Vor- Amerikan-Theatcr. Spezialitäten-Vorstellung. Reichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- Concordia- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung._ Berliner Stadt-Theater. (Früher Alhambra-Theater.)Wallnertheaterstt. 15. Die Fischen« von Island. Schauspiel in 5 Alten von(T Panse. Vor der Vorstellung: ßy Großes Coneert, ausgeführt von der Hauskapelle unter Leitung ves Kapellmeisters Hrn. Theodor Franke. Anfang des Concetts: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 6 slhr. Anfang der Vorstellung: Wochentags 7'» Uhr, Sonntags 7", Uhr. Das Theater ist mit elektrischer Beleuchtung versehen. Soeben erschien 2 der Internationalen Bibliothek. Die Darwinsche Theorie,(sn» Abstammung Itrri« pr» Heft 50 pf. Zu beziehen durch die Grpedition des„Kerl. Kolksblatt", Zimmerstraße 44. Wiederverkäufer« Rabatt. dden-Theater. (Früher Louifenst. Theater.) Dresdenerstt. 72,73. IIa» großartig»» Programm der ttestdeu?. Rh» Roqat Uokohama Tro«v«(6 Personen). japanische Produktionen. Familie Gibt«, best» tenomtnirte Akrobaten und Gymnastiker. Wr. Mizarras, bis jetzt unerreicht jin seinen Kraft- Produktionen an den ind. Ringen. Mr. R»?o«, ZaHn-ÄtHlet. The Famitn Edwin Knie, Veloziped-Artisten. Riegel» Kallet gesellfchaft, 12 Damen, 2 Herren. Eugen Zocher. Paula und Ludwig Tellheim. Mr. Linnst», Kon- »ertsänger. The Walton Troupe, rcoleske Pantomimen-Gesellschaft, 2 Damen, 3 Herren. Kaffenössnung 6V, Uhr. Anfang 7'/> Uhr. #acfiD. der SlucHaicute Verfing. Allen Mitgliedern machen wir hiermit die betrübende Mittheilung, daß unser lieber Kollege Ferdinand Bageniiehl am Donnerstag früh um 8 einhalb Uhr nach langem schweren Herzleiden entschlafen ist. Wir verlieren in ihm eines unserer treusten Mitglieder. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachm. 1 einhalb U br vom Trauerhause Ruppinerftt. 47 auS nach dem Elisabeth-Kirchhofe statt.[1045 Um recht zahlreiche Betheiligung der Mitglieder bei der Beerdigung bittet Der Vor st and. Soeben ist erschienen: Der eueWtll Kalender! für 1887. Aus dcm reichen Inhalt heben wir hervor: Reichsha«»halts>Etat des Deut- sche» Reich».— Zerbrochene Kette». Erzählung von Rod. Schweichel.— Bärtige Frnne»«»> Saarmensche».— Sin Proletarierkin». Erzählung v.E.L a n g er. — Der Kampf zwischen Fener u. Wasser in»er Well. Von P. Osw. Köhler.— Wie«an ein» Mitio» verbient.— Flie- gen»« Blatter(humoristisch). Kl« sZrati«- Seilageu: I. Lneia. 3. Mntterglück. 2. Blanche. 4. Di» beide» Allen. Ei» Wandkalender. Zu beziehen durch die Expeditton dies. Blattes Zimmersttaße 44. Wiederverkäufern Rabatt. 19 ZßvizjgznvquvaA' q uipffi 'anqog 0tiaq»|H 8801] SVIK ,,ul ZtpjvM ua M I ni Up« -IpilS u,h;oa uzprö not uaapij o,sgr>lp)oS uzvßnh SZZZjun iqvvgu� uzözgx Ein guter Kchriftgraveur wird sofott verlangt durch 1041]_ j. Hennig, Holzmarktstr. 8. Auch ein Zeugnisse und Proben nöthig. Eoldarbeiter kann sich melden. Berein der Parquetbodenleger. Sonntag, den 14. November, findet eine gt- müthliche Zusammenkunft mit Damen im Königstadt-Kafino, Alexanderstr. 21, im unteren Saal statt Um zahlreichen Besuch wird ge- btten.(1039) Das Komitee. Zu haben in der Erpedition d. Ol. Zimmerstraße 44. Soeben erschien im Verlage von Wörlein & Co. der Vkalsiltt Hallwerker- und JUbtitrr- UotiZ'Kalelldtt für 1887 (IX. Jahrgang). Dieser Notizkalender, seit Jahren in dm deutschen Arbeiter- und Handwetterkreism rühmlichst bekannt, ist nicht blos Kalender, sondern zugleich Notizbuch und Gesetz- sammlung. Auch in diesem Jahre ist sowohl auf dm trhalt als die Ausstattung besondere orgfall verwmdet und ist namentlich be- züglich des Einbandes Vorzügliches ge- leistet und bestes Material dazu verwendet. Neben der gewöhnlichen Ausgabe ist auch wieder eine stärkere veranstaltet, welche mehr Schreibpapier enthält und kräftigen Leinwandeinband mit Deckel nach Bnef- taschmatt und Gummiband hat. Auch bei der gewöhnlichen Sötte find diesmal die Ecken abgerundet. Juhalt des Kalenders: Kalmdarium mit nm revidirtem Ge- schichtskalender; postalische Bestimmungen; Telegrammtarif; das ganze Unfallversiche- rungsgesetz mit Anhang vom 28. Mai 1885; Gesetz über die ttngeschriebmm Hilfskassm mit der Novelle vom 1. Juni 1884; das Reichstags- Wahlgesetz mit Reglement; Auszug aus dem Reichs- Patmtgesetz; Gewinoeschneidctabelle für Metallarbeiter; Schreibpapier mit Datumsangabe für Tagesnotizen, leeres Schreibpapier, Brief- täschchen. Der ganze Kalmder ist vierzehn Bogen stark. Preis der einfachen Ausgabe 50 „„ stärkeren„ 70 Mlederverkänfer erhalten lohnenden Rabatt. % Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. K aluer-Panorama. Neu! Zum ersten Male: Zweite Reise durch Holland. Eine interessante Wanderung durch Rom. Hettha»Reise.— Carolinen-Inseln. Eine Reise 20 Pfennig. Kinder nur 10 Pf. Große MMerMjammlimg des ersten Berliner Reichstags Wahlkreises am Frettag. de» IS. d. Ml», er., Abends SS Uhr, Friedrichstraße Nr. 112(Tonhalle). Tagesordnung; 1. Was wollen wir und was wollen � nicht? Referent: Kaufmann Flatow- 2. Aufstellung eines Kandidaten. 3. Diskussion.[1� Der Einberufer- R. Frank.___ Fachv. der Vao-, Master- und Heif»»«*' Rohrleger. Eeneral-Uersammlung. am Sonntag, den 14. Novbr., Vorm. 10 U"1' in Nieft's Salon, Kommandantenstt 71 Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher Recbc"' schaftsbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes, � Fachkommission und der Revisoren. 3. Af schiedenes und Fragekasten. Bekanntmachung�? Arbeitsnachweise- Bureaus.— Quittung�' legitimirt. Gäste, durch Mitglieder eingeW" haben Zutritt[1037] Der Vorstand Fachvmill der Zteivtrilser Kerli�' Versammlung Sonntag, den 17. November, Sonn. 11 Uhr. Scheper s Salon, Jnselstraße 10. Tageso nung: Innere Vereinsangelegenheiten, ,L,„ schiedenes, Fragekasten. Die noch mit 4°, Beiträgen rcstirenden Mitglieder werden bei ders ersucht, dieselben zu berichtigen.„ 1040] Der Borstand> General-Versammluug sämmtlicher. Sattler-, Riemer- 0} Täsch«er-Gehitse«Derl d Sonnabend, den 13. Nov., Ab. präz. in Gratweil's Bierhallen, Kommandan sttaße 77—79(untere Säle), qj* Tagesordnung: 1. Die Wirkung emer> � erhöhung auf unsere witthschaftlichm Verha � Referent Kollege Wirths. 2. Abrechnung � 2. Quartal. 3. Verschiedenes. Zur Deckung Unkosten Enttee nach Belieben.__ h s f A. der Lohnkommission: W- Keneral-versammlttng. � Die Mitglieder der Kitt« Kterbeballe Sasthinenbanarbetter werden zu amlung auf Konntag, de« 14. ss: JT pc» Vormittags 10 Uhr. im Winterga�"' a9t> Central-Hotels, Eingang Dorotheensttaßc, benst eingeladen. Tagesordnung: 1. Vorlage des von der Statutenben Kommcssion reviditten Statuts-- 0 2. Vorlage des statistischen Gutachten» die Lebensfähigkell der Kasse, Der Wichtigkeit wegen werden tne M ersucht, recht zahlreich zu erscheinen.~a tungsbuch der Sterbekaffe legittmctt Berlin, 8. November 1886. an; 1 1 i 1042] Der D-rst-nb. Lerantworllich für dm polllischm Thell und Soziales Max Schippet, für Vereine und Versammlungm F. Tutzauer, für den übrigm TheU der Zeitung R. Cronheim, sämmtlich m Dmck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beuthstraße 2. j