Nr.*468. Dienstag, den 16. Dovemder 1886. B. Jahrg. ßrrliiirrloltetilnii Brgii» für die Intkressrn der Arbeiter. 4 Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei ra s 6 aus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1380 unter Nr. 769.) Jnsertionsaebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Üiaum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Denthstraste 2.— Grpedition: Zimmerstraste 44. Das deutsche ZWU- Gesetzbuch. Von Zeit zu Zeit dringen Mittheilungen in die Oeffent- bchkeit über die Vorarbeiten an einem bürgerlichen Gesetz- buch für das Deutsche Reich. Wie es heißt, sind die Herren Juristen, die über diese Arbeit sitzen, nun bis zum letzten Theil, zum Erbrecht, vorgedrungen. Das Erb- �cht gilt aber gerade für den verwickeltsten Theil und man u>ird noch Zahre brauchen, bis man an die Einführung des bürgerlichen Gesetzbuches denken kann. Nicht als ob wir eine besondere Sehnsucht nach der Anführung des neuen bürgerlichen Gesetzbuches hätten. "prcar ist ein einheitliches bürgerliches Recht an sich immer besser, als ein zersplittertes, und das ist sicher, daß unsere Rechtszustände einer Menge von Neuerungen und Verbesserungen dringend bedürftig sind. Allein Unsere Juristen sind ihrer großen Mehrzahl nach kerne Neuerer im guten Sinne des Wortes und die meisten Mitglieder dieser großen Körperschaft leiden an jener erblichen Verknöcherung der Begriffe, die im Rechts- leben schon so viel Unheil angerichtet hat. Wir sind über- Mgt, daß das Gute, was die Partikulargesetzgebungen haben, vielfach wegfallen, dagegen mancher Uebelstand, den sie enthalten, sich auf die neue bürgerliche Gesetzgebung ver- erben ivird. Ueberhaupt will es uns bedünken, als ob die'Hemn Juristen mit etwas gar zu großer Gründlichkeit arbeiteten. «kan spricht davon, daß die verwickelte Partikulargesetz- tzebung daran schuld sei. Wir haben immer geglaubt, die Zerren Juristen seien beisammen, um mit der Partikular- �letzgcbiing aufzuräumen; das scheint ihnen aber sehr sauer ? Uierden. Die Herren sollen doch Neues schaffen und � an der alten Partikulargesetzgebung kleben bleiben. ß. Vergleichen wir mit diesem Schneckengang einmal den Leif� Napoleon, der bekanntlich die beste reformatorische dicf" des napoleonischen Säbelregiments bildet. An » r Werke ist gewiß vieles zu tadeln und vieles heute «en' allein es bildete doch einen ungeheuren Fortschritt tt�aüber den Zuständen des alten Regimes, und in den �' er» Deutschlands, wo der Co le Napolfeon eingeführt ünfif/t nd'st, hat man ihn heute noch gern. Die fran- �si'chen Juristen hatten damals mit einem ganz anderen w», ü aufzuräumen, als heute die deutschen, und manches, 3 heute als selbstverständlich gilt, galt damals als ver- n ßc", revolutionär. Dennoch arbeitetete man rasch. Na- r. befahl als Konsul gleich nach dem Staats- L.9 von 1799 die Einführung eines neuen Am 18. Juni 1800 trat eine aus l�»ch»rus verboten.� Ifeuilleton. [27 Im Hause des Uerdertzens. Kriminalroman. Von Neinhold Ortmann. mit r"�et®aron von Brandenstein hat also Ihren Bruder »>, stchem Stock inj Gesicht geschlagen und hatte sehr starke 'nnern?� llegen ihn gebraucht. Können Sie sich deffen er- den?iaube wohl, daß es so war!— Aber ist es cwn �sikklich unumgänglich nothw endig, mein Herr, daß ich 9 en m diesem Augenblick antworten muß?" «:•"beider kann ich Sie nicht davon entbinden! Das xon» �,Ur steht Ihnen frei, mir in Bezug auf das, ga..�hren Bruder angeht, die Auskunft zu verweigern. ffi.fjst das eine Vergünstigung, welche Ihnen von dem '�Bestattet wird. Wollen Sie davon Gebrauch machen?" k»"Aber, mein Gott, Nikolaus ist ja unschuldig! Was Jl ihm da meine Antworten schaden?" fehl mir nicht zu, auf die Abwägung solcher HinkÄ sten einzugehen; aber ich will Ihnen in dieser deni' 9t Zeft lassen zur Ueberlegung. Sprechen wir von "deren l— Sie— Sie waren mit dem Inspektor verlobt?" lsbeth erröthete und schwieg. ter ätä der Irl ba3 größte Jnterresse an der raschen Aufilärung lich."L egenhelt nehmen, und dafür ist nichts zu unwesent- vno zu unbedeutend." feld'/Ä wohl,_ ich betrachte mich als Herrn Holm- �wesen war»' unser Verlöbniß auch kein öffentliches von B�andenst�' mußte darum und auch der Baron AnlÄ. Brandenstein hatte es am Tage seiner .Und>. Aeußerung seines Oheims erfahren." ä* bn pmge Vrnwnskme Jhnel nach?" Weisen)- mu&te seine Annäherung wiederholt zurück- vier berühmten Juristen bestehende Kommission zu- sammen und diese arbeitete binnen vier Mo- n a t e n den ersten Entwurf eines bürgerlichen Gesetz- buchs aus. Dieser Entwurf hatte viele Abänderungen zu erfahren und trat deshalb erst am 21. März 1804 in's Leben. Wenn aber die französischen Juristen so langsam gearbeitet hätten, wie heute die deutschen, so würden sie bis zur Schlacht von Waterloo wohl noch nicht mit einem Eni- würfe fertig geworden sein. Sie fanden aber keinen Grund, sich ängstlich an das Alte anzuklammern, sondern sie schufen neue Grundlagen, auf denen sie ein neues Gebäude errichteten. Aus den Andeutungen aber, die wir ab und zu erhaschen, geht hervor, daß unsere Juristen ängstlich besorgt sind, das Eindringen eines neuen Geistes in die neue bürgerliche Rechts- ordnung zu verhüten. Sie werfen all den alten Kram, der bisher in gesonderten Schichten aufgehäuft war, zu einem großen Hausen zusammen, aeben dem Ganzen einen neuen Namen und haben dann ihre Arbeit gemacht. Es ist, als hätten sie die Aufgabe, das bekannte Goethe'sche Wort zu illustriren: „Es erben sich Gesetz und Rechte Wie eine ewige Krankheit fort." Wer die Wahrheit dieses Wortes bisher noch nicht be- griffen hat, der wird sie nun wohl begreifen. Und doch wäre hier gerade die Gelegenheit gewesen, friedliche und heilsame Neuerungen einzuführen. Aber die Herren Juristen, welche es thun sollen, sind ja im Allge- meinen dieselben, die ins Strafgesetzbuch die Todesstrafe wieder eingefügt, aus der Strafprozeßordnung aber eine Entschädigung der unschuldig Verurtheilten ausgeschloffen haben. Es war ja vor 1000 Jahren so; warum sollte es heute anders sein? Darum dürfen wir uns auch nicht wun- dern, daß einer der besten und fruchtbringendsten juristischen Gedanken der Neuzeit, die immer mehr auszudehnende Ein- führung des Schiedsrichterthums in unser Rechts- leben, von den Juristen gar nicht oder nur kümmerlich an- gebahut worden ist. Mit dieser Neuerung wären volksthüm- liche Gerichte zu schaffen; die zünftigen Juristen aber wollen Alles möglichst kostenmäßig eingerichtet haben. Wir werden deshalb nicht gerade ungeduldig, wenn die Herren noch recht lange über dem bürgerlichen Gesetzbuch brüten. Wir kennen den alten VerS: „DaS viele viele Sitzen Ist der Juristen Fluch," und wir wissen, daß bei dem vielen Sitzen oft sehr wenig herauskommt. „Bis endlich jener Vorgang in Ihrem Zimmer er- folgte, welcher die plötzliche Entlassung Holmfeld's und Ihres Bruders zur Folge hatte! Gut!— Erinnern Sie sich, daß der Inspektor Holmfeld bei seinem Weggehen drohende Acußerungen gegen den Baron ausgestoßen habe?" „Er wollte ihn zur Rede stehen; aber auf meine Bitte gab er mir das feste Versprechen, davon abzu- stehen." „Und Sie hatten den Eindruck, daß es ihm Ernst da- mit sei, dies Versprechen zu halten?" „Gewiß!— Er hält stets, was er zugesagt." „Nun wohl! Und Sie schrieben ihm gestern einen Brief. Welchen Inhalt hatte derselbe?" „Ich? Einen Brief?— Das ist ein Jrrthum. Ich habe ihm nicht geschrieben!" „Bedenken Sie wohl, mein Fräulein, daß Ihre Ant- worten von höchster Bedeuwng für das Schicksal der beiden Verdächtigen sein können, und geben Sie nicht etwa einer Regung des Schamgefühls nach, die jetzt wahrlich nicht am Platze wäre. Also noch einmal frage ich Sie: Haben Sie dem Inspektor Holmfeld geschrieben, und was haben Sie ihm geschrieben?" „Aber, mein Gott, nichts, nichts I— Ich weiß von keinem Briefe! Es muß ein Mißverständniß vorliegen. Was hätte ich ihm denn schreiben sollen?" „Sie hatten doch den Wunsch, mit ihm zu sprechen, an einem dritten Ort heimlich mit ihm zusammen zu Die Ueberraschung, mit welcher ihn ElSbeth auf Frage ansah, konnte unmöglich eine erkünstelte sein. „Ich weiß nicht, was Sie zu dieser Vermuthun> anlaßt, Herr Amtsrichter," sagte sie dann mit edlem „aber ich weiß, daß Sie sich in einem Jrrthum befinden. Noch einmal versichere ich, daß ich Herrn Holmfeld seit un- serer Trennung weder eine einzige Zeile geschrieben habe, noch besaß ich irgend einen Grund, eine geheime Zusammen- kunft mit ihm zu wünschen." „Ich lasse Ihre Aussage zu Protokoll nehmen, Frau- lein!" „ES ist die Wahrheit, und es ist mir dämm welchen Gebrauch Sie davon machen." diese i ver- -tolz, Iie Kelle KaWij' gleich, 8. Der österreichisch-ungarische Minister des Aeußem, Graf Kalnoky, gab in der Sitzung der ungarischen Delegation am Sonnabend folgende Ausführungen: Bei Behandlung der bulgarischen Frage müsse unterschieden werden zwischen bulgari- schen und europäischen Interessen. Die Interessen Oesterreich- Ungarns lägen in den Prinzipienfragen und in dem allgemei- nen Vertragsrechte. Wie die bulgarische Regiemng in der inneren Politik vorgehe, sei glcichgiltig, so lange wesentliche Punkte nicht tangirt würden. Die Hauptsache sei, daß der Rechtsumfang des Berliner Vertrages unversehrt bleibe. B u l- garten sei als autonomes Fürstenthum und Vasallen- staat der Türkei krcirt worden, was die Verträge gewährleiste- ten. Wenn auch keine Macht für die Durchführung eine Garantie übemommen habe, so liege doch den Mächten und Oester- reich-Ungam die schwere wichtige Pflicht ob, zu wachen, daß dieses Grundprinzip weder inBul garicn noch sonstwo verletzt werde. Die schwierigste Auf- gäbe der Regiemng sei, ihre Aktion nicht nach momentaner Er- regung einzurichten. Die Misston K a u l b a r s sei nur eine Phrase, welche weit überschätzt werde. Thatsächlich sei durch dessen Auftreten nichts erreicht, was auf die definitive Gestal- tung Bulgariens von entscheidendem Einflüsse wäre. Ihm sei es wohl gelungen, auf Bulgarien die Einwirkung Rußlands in denkbar unangenehmster Art fühlbar zu machen, aber auch die europäische Mei- nung für das bulgarische Volk in nie gekannter Weise sympathisch zu stimmen. Es liege in den Interessen Oesterreich-Ungarns, daß keine den Verträgen widerstrebende Schädigung Platz greife und daß die von Europa gewährleistete Selbstständigkeit unangetastet bleibe. Die Mission Kaulbars' sei eine bloß vorübergehende und werde keine tiefergchende Spuren zurücklassen. Man müsse darauf gefaßt sein, daß große Schwierigkeiten zu bewältigen seien und daß eine lange schwierige Aufgabe in Ausficht stehe, deshalb erscheine es gerathen, den Gang der Ereignisse in Bulgarien mit steter Aufmerksamkeit, aber auch mit Geduld und Vorsicht zu verfolgen. Die allge- meinen Endziele der Politik Ocsterreich-llngams seien die be- kannten, vom Minister Tisza entwickelten, welcher klar und be- stimmt die Richtung bezeichnete; dieselben seien aber nicht auf die gegenwärtige Krisis allein berechnet, sondern bemhten auf den Prinzipien, auf denen die ganze Ordnung im Oriente auf- gebaut sei und würden daher lange Zeit für die österreichisch- ungarische Politik im Orient maßgebend bleiben. So lange der Berliner Vertrag bestehe, seien die Interessen Oesterreichs-Ungams vollkommen gewahrt. Wenn Oester- rcich-Ungarn in die Lage käme, für den Schutz ves Berliner Vertrages einzu- treten, so sei ihm die Sympathie und Mit- Wirkung aller jener Mächte gesichert, welche europäische Verträge zu schützengewilltsind. — Auf eine Anfrage über die weitere Entwickelung „Gut!— Für jetzt habe ich Sie nichts weiter zu fragen. Wohin gedenken Sie sich jetzt zu begeben?" „Zu meinem Bruder, wenn es mir gestattet ist!" „Sie werden doch wohl selbst begreifen, mein Fräu- lein, daß Ihnen eine solche Erlaubniß nicht gegeben werden kann. Ich rathe Ihnen auch freundschaftlichst an, jeden Versuch irgend eines Verkehrs mit einem der beiden Unter- suchunasgefangenen zu unterlassen." „Aber ich werde sie doch wenigstens einmal sehen dürfen?" „Es ist unmöglich, so lange die Untersuchung im Gange ist. Da ich aber muthmaßlich in den nächsten Tagen wieder- holt genöthigt sein werde, Sie zu vernehmen, möchte ich Sie bitten, vorläufig das Dorf, in dem Sie sich zuletzt befanden, nicht jsii verlassen!" Elsbeth versprach es und da sie wohl einsah, daß es unmöglich sein würde, die Erlaubniß zu einem Be- suche ihres Bruders oder ihres Geliebten zu erlangen, fuhr sie in nahezu verzweifelnder Stimmung nach Neudorf zurück. Gleich darauf ließ der Untersuchungsrichter Holmfeld noch einmal vorführen. „Sie haben jetzt Zeit genug gehabt, meine Auf- forderung von vorhin noch einmal zu bedenken," redete er ihn ernst und nachdrücklich an.„Sie werden mir darum jetzt der Wahrheit gemäß und ohne Ausflüchte antworten." „Das habe ich bereits gethan und kann Ihnen nicht» Weiteres sagen." „Sie bestehen also noch immer darauf, von Fräulein Elsbeth Werner einen Brief erhalten zu haben, der Sie zu einem Rendezvous an der Stätte des Verbrechens auf- forderte?" „Gewiß, und ich glaube nicht, das irgend ein Grund vorhanden ist, der an der Wahrheit zweifeln ließe." „Der allertriftigste sogar!" sagte der Beamte mit er- höhter Stimme.„Fräulein Werner selbst hat diese Be- hauptung als eine Lüge bezeichnet!" Holmfeld schrak zusammen und sah den UntersuchungS- richtet starr an. „Aber das ist ganz unmöglich," brachte er hervor.„Ich kann es beschwören, daß es ihre Handschrift war." der Dinge äußerte der Minister: es ist nicht möglich, daß das jetzige äußerst gespannte Verhältniß zwischen Bulgarien und Rußland ein permanentes bleibe; es wird ein Mittel- weg gefunden werden müssen, hierin eine Milderung herbeizu- führen. Zur definitiven Ordnung der bulgarischen Zustände ist unzweifelhaft die Mitwirkung Rußlands nöthig. Wenn auf der einen Seite General Kaulbars die Animosität gegen sich und Rußland provozirt hat und weit über das Ziel hinaus- schoß, so werden auch die Bulgaren von ihrem extremsten Bcr- halten ablassen müssen. Die Bemühungen der Mächte werden dahin gehen müssen, in Bulgarien einen erträglichen Zustand, der Tauer verspricht, zu schanen, und es ist nicht denkbar, daß dies gelingt, wenn zwischen Rußland und Bulgarien ein besseres Verhältniß zu Stande gebracht wird.— A n d r a s s y erwiderte hierauf, daß es nach seiner Ansicht zurBeseitigung des schroffen Ver- hältniffcs zwischen Rußland und Bulgarien nur ein einziges durchaus nahe liegendes und wirksames Mittel gebe, und dies bestehe darin, daß Rußland von jenem Vorgehen abstehe, durch welches eben die schroffe Opposition der Bulgaren gegen Ruß- land hervorgerufen worden sei. Im Jahre 1878 lagen die Verhältnisse für Rußland ungleich günstiger; es hatte damals einen Krieg für die Befreiung Bulgariens geführt, seine Truppen standen in diesem Lande, die ganze Verwaltung befand sich in seinen Händen, und dennoch nahm der Berliner Kongreß keinen Anstand, durch ganz präzifirt fonnulirte Bestimmungen zu dekretiren, daß Rußland die Verwaltung des Landes an die europäischen Kommissäre abzugeben habe, daß seine Armee binnen einer relativ kurzen Zeit das Land verlassen müsse— kurz, daß alles beseitigt werde, was wie ein Vorrecht Rußlands aussieht, damit auch nicht eine Spur einer Sonderstellung dieser Macht in Bulgarien übrig bleibe. Denn die Mächte wollten in Bulgarien einen wirklichen Frieden und nicht einen Zwitter- zustand hergestellt sehen. Rußland hat den diese Bestimmungen enthaltenden Vertrag mitunterschrieben, was wohl zur Genüge beweist, daß es darin für sich nichts Verletzendes erblickte, und daß es den von Europa verlangten Verzicht auf eine expansive Politik seinerseits zu akzeptiren geneigt sei. Was man von Rußland verlangt, sei also nichts Verletzendes, wenn auch, wie er zugeben wolle, es wie ein Mißtrauen aussähe. Das Mißtrauen sei aber in der Politik für Niemanden verletzend, denn auf dem Mißtrauen be- ruhe das Gleichgewicht der Mächte und überdies sei es stets nur der Starke, welchem man mißtraue, während das gleiche Gefühl dem Schwachen gegenüber niemals gehegt werde. Warum sollte man also von dieser Politik des berechtigten Mißtrauens abweichen und eine Versöhnung der Bulgaren mit oen Russen zu Wege bringen, statt diese letzteren ein- fach in die Grenzen der ihnen Vertrags in äßig gebührenden Stellung zurückzuweisen?— Auf eine wetere Anfrage Andrassy's erklätte Minister K a l n o k y sodann, daß Oesterreich die Union Bulgariens und Ostrumeliens nicht gegen seine Interessen verstoßend erachte. Allein die Lösung dieser Frage stehe nicht Oesterreich allein zu und er befürchte, daß wegen der verwirrten Verhältnisse ein Prinz, der seine Aufgabe ernst nimmt, sich schwer entschließen werde, einer eventuellen Bemfung auf den bulgarischen Thron Folge zu leisten. Ter auf das Verhältniß zu Deutschland bezüg- liche Passus in der Rede Kalnoky s lautet nach dem authcn- tischen Texte wie folgt: Das Verhältniß zu Deutschland ist in letzter Zeit vielleicht mehr, als gut war, besprochen worden. Es find in jüngster Zeit eine Menge von Konjunkturen und Fragen aufgetaucht, in wie weit die Freundschaft zwischen uns und Deutschland sich praktisch bethätigen würde, und ob der eine Staat unter gewissen Eventualitäten auf den anderen zählen könne? Es ist woht selbstverständlich, daß bei zwei Großstaaten von solcher Ausdehnung, die vom Baltischen Meere bis zur Adria und von der Nordsee bis zur unteren Donau reicht, jeder auch Sonder interessen hat, welche vollkommen außerhalb der Interessensphäre des anderen liegen können, und die zu schützen in den Verpflichtungen des anderen nicht gelegen ist. Es ist gar nicht denkbar, daß ein Großstaat, ohne jede Selbstständigkeit seiner Aktion aufzugeben, sich verpflichten könnte, für jedwedes Interesse eines Bundesgenossen einzustehen. Setzen wir zum Beispiel den Fall, daß Deutschland am Baltischen Meere eine Jnter- essenfrage verfolgen würde, die für dasselbe von großem In- teresse wäre, so würde Teutschland gewiß nicht daran denken, unseren Beistand hierfür zu verlangen. Es liegt aber auch in der Natur der Sache und in dem Selbstgefühl eines Staates, daß ihm das selbstständige Eintreten für seine eigenen Jnter- essen in erster Linie allein zusteht, und ein Verhältniß, wie es zwischen Oesterreich-Ungarn und Teutschland besteht, nur dann praktisch in volle Kraft zu steten berufen ist, wenn es sich um vollkommen solidarische gemeinsame Interessen beider handelt. Von diesem Standpunkte aus ist es auch ziemlich gleichgiltig, in welche Fassung ein solches Verhältniß zwischen zwei Groß- staaten gekleidet ist. Nicht Worte und Buchstaben, sondern die gegenseitigen Interessen bilden das festeste Fundament. Der Fottbestand des anderen als eine starke und unabhängige Großmacht bildet für jedes der „Sie werden begreifen, daß der Aussage der jungen Dame vorläufig ein größeres Gewicht beigelegt werden muß, als der Ihrigen. Auch will ich Ihnen ganz offen sagen, daß ich an die Existenz jenes Briefes nicht einen Augenblick geglaubt habe! Wäre es nicht wirklich Keffer, wenn Sie endlich einmal ganz rückhaltlos der Wahrheit die Ehre geben wollten?" Holmfeld biß sich auf die Lippen, um den Ausbruch seiner ersten Erregung zu unterdrücken und fugte dann, äußerlich ruhig, aber doch mit etwas zitternder Stimme: „Nur die Achtung vor dem Gesetz und der Obrigkeit kann mich veranlassen, auf diese Fragen immer wieder mit der ruhigen Versicherung zu antworten, daß ich unschuldig sei. Was es mit diesem Briefe für eine Bewandtniß hat, begreife ich selbst am wenigsten. Elsbeth ist nicht im Stande, eine Unwahrheit zu sprechen, am allerwenigsten in einem Augenblick von solcher Bedeutung. Wenn sie also wirklich gesägt, sie habe den Brief nicht geschrieben, so hat sie ihn nicht geschrieben, das ist gewiß!— Dann aber ist irgend eine teuflische Betrügerei im Spiel! Dann hat ein anderer ihre Handschrift nachgeahmt, um mich in eine schändliche Falle zu locken, und nur dieser Andere kann auch Herrn von Brandenstein's Mörder gewesen sein." „Ihre Folgerungen sind sehr kühn, aber leider wenig wahrscheinlich! Ich sehe, wir werden einen schweren Stand mit einander haben!— Gendarm, führen Sie den Arre- stanten zurück und bringen Sie mir den Gärtner Nikolaus Werner!" Zn ruhiger und fester Haltung trat Nikolaus vor den in Eile hergestellten grünen Tisch. Er beantwortete die ersten Fragen des Untersuchungsrichters bescheiden nnd be stimmt, ohne die geringste Verwirrung und Bestürzung zu zeigen. „Sie wissen, unter welchem schwerem Verdacht Sie stehen? Sie werden beschuldigt, nicht ohne Antheil an der gestern Abend erfolgten meuchlerischen Ermordung des Barons von Brandenstein zu sein." „Wer beschuldigt mich dessen?" „Das ist ohne Bedeutung für Sie. Was haben Sie über die Berechtigung dieses Verdachts zu sagen?" beiden Reiche ein wichtiges eigenes Interesse. In der jetzigen Konstellation Europas lasse sich Deutschlands Stellung kaum denken, wenn nicht ein mächtiges Oesterreich-Ungarn an seiner Seite stehen würde, ebenso wie wir das größte Interesse daran haben, daß Deutschland als starke Großmacht neben uns fortbestehe. In diesem Sinne ist denn auch die Gemeinsamkeit der Stellung Deutschlands und Oester- reich-Ungarns stärker und unerschütterlicher, als wenn man sich dieselbe als lediglich auf Paragraphen gegründet vorstellen wollte. Die deutsche Regierung hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß sie Bulgarien nur insoweit inter- essirt, als damit der Friede im Orient und in Europa in Verbindung steht. In vielen Aeußerungen im Parlamente und bei anderen Gelegenheiten hat der deutsche Reichskanzler diesen Standpunkt in den Orientfragen stets fest- gehalten. Deutschland hat nur diese bekannte Auffassung zum Ausdruck gebracht, indem es auch bei dieser Gelegenheit den Satz aufstellte, daß es in Bulgarien keine deutschen Interessen zu vertheidigen habe. Demgemäß hat auch der deutsche Reichskanzler nicht für Bulgarim und nicht für die Wünsche einer oder der anderen Macht, sondern für den Frieden seine Rathschlägc und seine vermittelnde Thätigkeit geltend gemacht. Ueber diesen Punkt hat zwischen den beiden Kabineten eine Disharmonie oder eine andere als die freund- schaftlichste und verttauensvollste Gesinnung nie bestanden. Ueber die Rede Kalnoky's urtheilt die Wiener„N. Fr. Pr.": „Das wesentliche Verdienst dieser Rede ist, daß Europa aus derselben auch einiges über die Gründe erfährt, auf welche die österreichische Regierung ihre Zuversicht, die S e l b st st ä n d i g- keit Bulgariens und dennoch zugleich den Frieden zu erhalten, gebaut hat. Dahin gehören vor Allem und in erster Linie die Erößnungen des Ministers über das Verhältniß der Monarchie zu England. Was Lord Salisbnrri hierüber in seiner Bankcttede in Guildhall mitactheilt hat, findet nicht blos in den Eröffnungen des Grafen Kalnoky volle Bestätigung, sondern die Worte des Ministers lassen keine andere Auffassung zu, als daß zwischen Oesterreich und England eine Annähernng sich vollzogen hat, die sich von einer A l l i a n z k a u m mehr unterscheidet. Diese wichtige Thaffache bedeutet nicht blos, daß die österreichische Politik, während sie scheinbar gleickgiltig dem Kampfe der bulgarischen Regentschaft um die Autonomie des Fürstenthums zusah, doch nicht ganz so unthätig gewesen ist, als man allgemein anzunehmen ge- neigt war, sondern sie sich auch diplomatisch vorgesehen hat, um in dem entscheidenden Augenblicke, wenn es sich um die .Herstellung bleibender Zustände handelt, nicht allein zu stehen. Nach den Versicherungen des Grafen Kalnoky können wir in unserm Bemühen, den durch den Berliner Vertrag geschaffenen Zustand Bulganens aufrechtzuerhalten, auf die Unterstützung Englands rechnen, und wie hoch und wie gering man diesen Bundesgenossen militänsch auch schätzen mag, man wird in Petersburg die Thatsache nicht unbeachtet lassen können, daß von den fünf Signaturmächten, mit denen Rußland zu rechnen hat, drei noch nicht gesprochen haben, die zwei aber, welche ge- sprachen haben, in nicht mißzuverstehender Weise ihren Willen kundgaben, nicht zu dulden, daß der Berliner Vertrag in Bul- garien einseitig aufgehoben werde. Hierzu kommt, daß der Minister auch das Zusammentreffen der Interessen Italiens mit jenen Oesterreichs und Englands im Oriente konstatiren konnte, was zum mindesten den in der italienischen Presse bisher laut gewordenen Stimmen nicht widerspricht. Wenn solche Persicherungen gegeben wurden, so weist dies min- destens auf vorausgegangene Verhandlungen der Mächte hin, und wenn solche stattgefunden haben, so kann auch jene vollkommene Theilnahmslosigkeit gegenüber den Schicksalen Bulgariens nicht mehr angenommen werden, welcher dem Anscheine nach Europa bisher verfallen war. Ja, die Offenherzigkeit, mit welcher Graf Kalnoky über die Thätigkeit des Generals Kaulbars sich äußerte, von dem er nicht ohne Ironie sagte, er habe den Bulgaren die Sympathien Europas gewonnen und ihnen die Einwirkung Rußlands in unangc- nehmer Weise fühlbar gemacht, läßt vermuthen, daß in diesen Verhandlungen auch seitens der anderen Mächte ähnliche An- sichten ausgesprochen wurden. Der Minister hätte schwerlich über den General, dessen Thätigkeit erst kürzlich ratisizirt und als in Ucbereinstimmung mit den Wünschen des Zars bezeichnet wurde, eine solche Sprache geführt, wenn er nicht der gleichen Auffassung bei den übrigen Mächten sicher wäre." „Daß es eine Thorheit und eine himmelschreiende Un- gerechtigkeit ist, die hoffentlich nicht gar zu weit getrieben werden wird." „Sie behaupten also, völlig unschuldig zu sein?" „Ich bin es— und ich verlange auch, zu vernehmen, auf Grund welcher Umstände man sich zu meiner Verhaftung berechtigt glaubte!" „Kennen Sie dies Medaillon?" fragte der Untersuchungs- richter, ihm statt der Antwort den kleinen Schmuckgegcnstand vorhaltend. Ganz gegen seine Erwartung zeigte sich Nikolaus nicht im Mindesten bestürzt und es zuate sogar ein leichtes sarkastisches Lächeln um seine Mundwinkel. „Das also sind Ihre Beweise?" sagte er.„Nun wohl, das Medaillon ist das meinige!" „Wissen Sie auch, wo man es gefunden hat?" „Nein!— aber muthmaßlich irgendwo im Branden- t einer Park, denn dort muß ich es vor zwei oder drei agen verloren haben." „Ah! Also Sie haben es verloren? Und in welcher Gegend des Parkes?" „Das kann ich unmöglich wissen!— Wahrscheinlich in der Nähe des Gärtnerhauses, denn ich habe mich gerade in jenen Tagen niemals sehr weit von demselben entfernt." „Wann waren Sie zum letzten Mal an dem im Park belegenen kleinen See?" „Nikolaus dachte einen Augenblick nach und sagte dann ganz ruhig: „Ich weiß es nicht mehr; aber es sind jedenfalls schon Wochen und vielleicht auch Monate seitdem vergangen. Zch hatte dort nie etwas zu thun." „Und doch hat man dies Medaillon, das Sie, Ihrer eigenen Aussage nach, vor zwei oder drei Tagen verloren haben wollen, am Ufer jenes Sees gesimden,— an derselben Stelle," fügte er mit erhöhter Stimme hinzu,„an welcher der Baron von Brandenstein von einem Meuchelmörder erschossen wurde!— Können Sie mir dafür eine Erklärung geben?" „Kerne andere als die, daß irgend Jemand das Me- daillon im Park gefunden und dann an jener Srelle ab- sichtlich oder unabsichtlich widerum verloren haben muß." Politische Ueberstcht. Zu den Tpremberger Prozessen. Unerwattct hoch findet man in Sprembcrg, so wird dem„Spremberger Anzeiger" ge- schrieben, das am Mittwoch von der Strafkammer zu Kottbus gefällte Urtheil. Man hatte cineacringe Freiheitsstrafe, wenn nicht gar Geldstrafe erwartet. Man hielt sich hinsichtlich meh- rerer Angeschuldigter von der Freisprechung überzeugt. Der Spren, berger Bürger erblickte keine sozialistische Agitation in dem Krawall. Für ihn waren zwei Gründe maßgebend: Die Person, gegen vie sich der Unwille der jungen Leute wendete, und zugleich der Zeitpunkt, der die Veranlassung gab, der ein Stcllungstag war, an dem bekanntlich überall das Auitteten der Mustcrungspfllchtigen von ihrem gewöhnlichen, sonstigen Verkehr abweichend ist. Tie Mißstimmung gegen den Polizei- sergeanten Hubrich war auch in vielen Kreisen der Einwohner- schaft von Spren, bcrg vorhanden, die den Exzessen durchaus fern stehen. Bei den Exzessen richtete sich die Miß- stimmung nur gegen Hubrich, nicht gegen die anderen Beamten, noch viel weniger gar gegen das Institut der Polizei oder des Staates, wie es nun den Vcnirtheiltcn zur Last gelegt wird. Weshalb war der Trubel immer nur um Hubrich herum und nicht auch um die anderen Beamten, weshalb insbesondere wurde alles ruhig, nachdem Hubrich den Platz verlassen hatte? Und nun bedenke man, es war an einem Stellungstage, als sich alles dies zutrug. Wir wissen, wie auch wir es an diesem Tage getrieben haben, und mit uns sicherlich viele andere. So war es vor uns und wird es auch nach uns sein. Ist es da zu verwundern, bei der Stimmung und an dem Tage, daß die Leute nach ihrer Manier ausarten, indem sie brüllen und johlen? Und welche Tragweite soll man dem läppischen Getriebe an- getrunkener Leute, die wie die Kinder mit einem Taschentuche in der Luft auf den Straßen umherlaufen, beimessen? Die jungen Burschen würden auch ein anders gefärbtes Taschentuch als ein rothes aufgesteckt haben, wenn sie ein solches bei sich gehabt hätten. Gin Arbeitsjubiläum. Wie uns aus Hannover mitge- theilt wird, hat der Vorfitzende des Unterstützungsvereins der deutschen Tabakarbeiter, Reichstags ab geordneter Heinrich Meister, am 2. November sein fünfundzwanzig- jähiges Arbeitsjubiläum gefeiert. Die ganze Zeit hat Meister ununterbrochen bei einem und demselben Fabrikanten gearbeitet. Dabei war aber Heinrich Meister ebenso ununterbrochen thätig im Dienste der Arbeiterpartei. Seine Dienste, die er speziell der Tabakarbeiterbcwegung geleistet hat, find hinreichend bekannt. Nochmals das Braunschweiger Bersammlungsverbot. Braunschweig, den 13. November. Bekanntlich war eine auf den 2. Oktober d. I. angemeldete allgemeine öffentliche Per- sammlung mit der Tagesordnung:„Die neue B e g r ä b n i ß- Ordnung der hiesigen Stadt" von der herzoglichen Polizei- direktion verboten worden, und zwar, wie es in dem Verbote hieß:„aus dem bekannten Grunde mit Bezug auf § 9 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen BcsttebungcN der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878". Eine andere Begründung war nicht gegeben. Es wurde hierauf gegen dieses Verbot bei der herzoglichen Kreisdirettion Beschwerde geführt In dieser wurde hervorgehoben, daß unerfindlich sei, was unter „aus dem bekannten Grunde" zu verstehen sei, und daß ein solches Verbot den Bürgern der hiesigen Stadt das Reclu nehme, ihre Meinung über städtische Angelegenheiten in öffcnt- lichen Versammlungen auszusprechen. Auf diese Beschwerde erhielt der Beschwerdeführer am Mittwoch folgende Zuschritt' „Auf die Beschwerde wegen Verbots der auf den 2. v. M angemeldeten allgemeinen öffentlichen Versammlung habe ich Ihnen zu eröffnen, daß durch Verfügung der herzoglichen Kreisdirektion vom 4. d. M. Nr. 9147 die Beschäm erde zurück« gewiesen ist, weil solche allgemeine öffentliche Vcrsamm« lungen nach den bisherigen Erfahrungen nur dazu bestimint sind, die revolutionären sozialdemokratischen Bestrebungen zu fördern. Braunschweig, 8. November 1886. Herzogliche Polizc>- direktion. Orth.— Danach scheint man also in Braunschrverg jede öffentliche Versammlung verbieten zu wollen. Die Fraktionen des Reichstages treten in die bevor- stehende Session mit folgendem Bestände: Deutfchkonservaüve 74, deutsche Reichspartci 27, Zentrum 106(gegen 107 in Folgr Mandatsniederlegung des Frhm. Dr. v. Papius, 1. Unterfranken), Polen 15, Nationalliberale 51(gegen 50; im Wahl- kreise 3. Marienwerder wurde Hobrecht für den inr Frühjahr verstorbenen Polen v. Lyskowski gewählt), Deutfchfreistnnigc Votkspartei 6(gegen 7, Kopfer legte sein Mandat nieder nn 11. Großh. Baven), Sozialdemokraten 25, bei keiner Frastwu 25(gegen 24 in der vorigen Session; Johannsen ist'ür den verstorbenen Dänen Junggreen dazu gekommen). Drei Man- date sind gegenwärtig noch erledigt: 1. Berlin durch den Tod L. Löwe's und die bereits erwähnten 1. Unterfranken und l.t Baden. Tie sozialdemokratische Fraktion wird diesmal nur'N der Anzahl von 19 Mitgliedern erscheinen können, da die Ad- geordneten Auer, Bebel, Tietz, Frohme, Viereck und v. Vollinar zu längeren Freiheitsstrafen verurtheilt find, die sie während der Session abzubüßen haben. Der preußische Militäretat, wie er dem Bundesrath vorliegt, erfordert im Ordinarium an fortdauernden Ausgaben eine Summe von 267,5 Millionen M, also 4,2 Millionen Mark mehr als im Etat des laufenden Jahres. Die«N* maligcn Ausgaben betragen 27,8 Millionen, also 12,5 Millionen mehr. Tarunter zur Vervollständigung des Waffenmatcrial» 11,6 Millionen Ä. oder 4,6 Millionen M. mehr als im laufen- den Jahre. Der außerordentliche Etat fordert u. A. 5,8 Mu- lionen Ä. für die Fortführung der Küstenbefestigungen an des Osssee, der unteren Weser und der unteren Elbe. Für GarmfoN' bauten im Elsaß sind Zj Millionen Ä. gefordert, für Errint „Hatten Sie von dem Verluste des Medaillons 2e' mandcm Mittheilung gemacht?"„ „Nein, ich erinnere mich nicht, es gethan zu haben. „Sie können also keinen Beweis dafür erbringen?', „Ich glaube kaum. Der Gegenstand jsi ja von W, geringem Werthe, und ich hatte an diesen Tagen an so vi ernstere Dinge zu denken, daß ich sein Abhandenkomme bald vergaß." „Gut!— Lassen wir das jetzt! Wollen Sie mir mm mehr sagen, wo Sie sich am gestrigen Abend aufgeha" haben?". „Gestern Abend?— Nein, das werde ich Ihnen mol � � Er war ja gestern Abend mit Helene_ in der 3%� Hütte beisammen gewesen, und obwohl er sofort die Bjv tung erkannte, welche jene Frage des UntersuchungSrich' für ihn haben konnte, war er doch auf der Stelle e schloffen, um keinen Preis und gälte es auch sein Leben, jener Zusammenkunft etwas zu verrathen. „Sie werden mir das nicht sagen?" fragte der U' � suchungsrichter verwundert.„Äedenken Sie auch, W* solche Weigerung Ihnen unter allen Umständen von ,, sein muß, ob nun der Verdacht, welcher auf Ihnen � begründet sein wird, oder nicht? Sie öffnen damit I � beliebigen Auslegung die Thür und werden sich® � können, daß die nächstliegende Auslegung nicht gerade günstigste für sie sein würde!". „Ich kann mir das denken, aber ich lasse es d ankommen! Da ich es verschmähe, irgend eine AuSflMy � gebrauchen, und da mir die Rücksicht auf andere Peri � verbietet, Ihnen zu sagen, wo ich mich gestern Abe« � funden, so muß ich ein für alle Mal bei meiner Abun � verharren und Sie bitten, nicht weiter mit Fragen � diesen Punkt in mich zu dringen! Meine Antwort immer nur die nämliche sein. Auf ein paar der nichtssagende Aeußerlichkeiten hin wird man einen ey � und unbescholtenen Menschen doch nicht wie eineii � brechet gefangen halten oder gar verurtheilen fönn Ich erwarte, daß man mir noch andere VerdachtSM als Grund für meine Verhaftung vorlegen wird/ hing einer Unteroffiziervorschule in Neubreisach 289000 M.— Für das Militär hat man sonderbarer Weise immer Geld, da scheinen die Millionen nur so auf der Straße zu liegen. Um so weniger giebt man natürlich für andere Zwecke, für wirklich kulturelle Bestrebungen aus. , Die Schulden, welche dem Deutschen Reich trotz der franzöfischen Milliarden während der kurzen Zeit seines Be- ficbens entstanden find, erreichen bereits eine ansehnliche Höhe. Wie aus der dem Entwurf zum Etat der Reichsschuld für 1887/88 beigegeben Denkschrift hervorgeht, sind nämlich an Anleihekrediten zur Deckung außerordentlicher Ausgaben des Reichs bis einschließlich für das Etatsjahr 1885/86 bereits 478,1 Millionen Mark bewilligt. Hierzu treten 35,7 Millionen, welche in Gemäßheit des'Haushaftsetats für 1886 87 im Wege des Kredits flüssig zu machen sind. Femer ist nach dem vor- liegenden Etatscntwurf zur Deckung der bezüglichen einmaligen Ausgaben im Jahre 1887 88 eine weitere Anleihe »o n 72,1 Millionen erforderlich. Die Gesammtschuld des Reiches wird also am Schlüsse des gedachten Etatsjahres fast 600 Millionen betragen. Die bis jetzt ausgegebenen Schuldverschreibungen des Reiches, welche sämmtlich mit 4 pCt. verzinslich find, belaufen sich auf 450 Millionen. Für die noch zu begebenden Reichsanleihen ist der Zinsfuß vom 4. Juni d. I. auf 3� pCt. festgesetzt. , Ausdehnung der Unfallversicherung. Wie man sich vnnnem wird, wurde vielfach Klage darüber geführt, daß, ob- gleich die Bauarbeiter grundsätzlich schon in der Unfall- Versicherung eingeschlossen sind, dennoch ihr viele Bauhand- vierter und-Arbeiter durch die sog. Regiebauten entzogen werden. Baut sich ein Privatmann unter Annahme einiger Arbeiter ein Haus, so sind letztere, da er selbst der Bauberufs- Mossenschaft nicht angehört, nicht vcrsichmmgspflichtig. Dadurch entziehen sich auch die Bauspekulanten, welche Bauten in eigener Regie, aber nicht zu eigener Benutzung unternehmen, ohne selbst dem Baugewerbe anzugehören, der Versichenmg chrer angenommenen Arbeiter. Die Regiearbeiter einzubeziehen, war deshalb etwas schwierig, weil es sich um eine fluktuircnde Klaffe von Arbeitern handelt, und eine bemfsgenossenschaftlrche Organisation der Unternehmer der Natur der Sache nach nicht vorhanden ist. Gegen den Amtsaerichtsrath Francke soll nach der -.Hamburger Reform" außer auf Strafversetzung ohne Umzugs- kosten noch auf Herabsetzung des Gehalts um 300 M. erkannt worden sein(?). t Aus der sächsischen Laufitz. In Ober- und Niederdors Innben auf Veranlassung des Ebersbacher Amtsgerichts der Sozialdemokraten Haussuchungen statt, ohne irgend welches Resultat. Bei einer Person wurden durch einen Schlosser Thüren und Schlösser geöffnet. Gefunden wurden dort verschiedene Nummern des„Reichsbürger" vom Jahre 1879 und die Broschüre Geiser's die„Ueberwindung des Kriegs durch Entwickelung des Völkerrechtes". Diese Gegenstände wurden aber am darauffolgenden Tage zurückgestellt. Eine an- beraumte Fachversammlung, in welcher Herr Landtagsabgeord- vetcr Kaden über die Aufgaben der Fachvereine referiren wollte, wurde von der Amtshauptmannschaft Löbau verboten, weil die Anmeldung nur beim Gemeindevorsteher und nicht auch bei der kgl. Amtshauptmannschaft geschehen war, übrigens ein for- well es Versehen, welches sicher in der Zukunft unterbleiben wird. ume für Seifhennersdorf geplante Volksversammlung, in welcher gleichfalls Herr Abg. Kaden sprechen wollte, unterblieb, weil das Versammlungslokäl weiter vergeben war. Im Vereins- lokal des Fachvereins der Fabrikwcbcr fanden sich aber viele Arbeiter ein und es begann eine recht lebhafte gesellige Unter- Haltung mit Herrn Abg. Kaden, die zwar der anwesende Gen- dann dann und wann zu unterbrechen suchte, die aber sonst in niler Rrhe verlief. Der„deutsche Freisinn" zeigte sich wieder in seiner schönsten Blüthe. Die„Lusatia", ein sich wdikal-freisinnig geberdendes Vlaft, verweigerte die Annahme ™ Inserats zur erstgenannten Versammlung! � Frankreich. dm, Pariser Blätter wiederholt melden, habe Frencinet dp* JNibeuten der Budgetkommission, Rouvicr, den Posten �.Residenten in Tongking angeboten. Rouvier scheint u zu sein, den Posten anzunehmen. Groffkritannien. l n t nf die große Kundgebung zu Gunsten der Arbeits- * n ist bekanntlich im letzten Augenblicke verzichtet worden. iflPw ist damit das Problem, was mit den unbeschäftigten Ar- gn.'ttn und ihren Familien gethan werden soll, wenn der �mter die schon deutlich hervortretende Arbeitslosigkeit und ÖOeJ" v| v*/ vi» ijir, Rtonisrf) gewordene Elend vermehrt, noch keineswegs ge- diü* Die Erfahrung des letzten Frühjahrs hat bewiesen, daß nJi v �n&e Wohlthätigkeit nicht geholfen werden kann. Die tonn V•Cüüyuyunuivu mufi ucyvntii t sne vem Ex-Lord Mayor in kürzester Zeit gesammelten 80 000 flnff Kauerten nicht dem zehnten Thcile des Elends und Zumeist in die Taschen der zudringlichen Armen, Arbeitsscheuen, deren es in London eine schwere be»� Swbt. Obendrein hat dieser„Lord Mayor's Fond" das 'whendc Elend dadurch noch intensiver gemacht, daß die Aus- ............ ,|.|,|| u,..... tvr"Sie führen eine sehr zuversichtliche Sprache: aber La/ Bermuthung ist richtig. Ich befinde mich m der .J5e' Ihnen mit weiteren Verdachtsmomenten dienen zu können."(Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Keben. der M�"��rnschnustpe", welche schon in den Einnahmen Tf.. T�nwentage an die glänzendsten Zeiten des Wallner- Zu-,. erinnerte, erwies sich bei der Sonntagsaufführung als das Kassastück ersten Ranges. War schon am Freitag sich guet für die Sonntagsvorstellung vergriffen, so zeigte zu ki-? Oroße Wallner- Theater am Sonntage selbst als viel der o r Um den kolossalen Andrang der Einlaßbegehrenden an e\.•nftlif» an fi:___ cv„ v,... c: zf___ c__ r. jia :?nlte zu bewältigen. In den bisher stattgehabten sechs "«w»»,» anmsa» großer m'"wr. Viele feiner Gesangspieeen brachten es zu wlrin ipi,t Snrat im Volke; so manche Kampf'sche Redewen- von Kamr/1? �nute als„geflügeltes Wort" weiter. �Einzelne, v>ur>>„� of so meisterhaft»um Vortron aebracktc tte wurden meisterhaft zum Vortrag gebrachte Nummern und dm Tod des Ach Herr Jegerle". Kampf ?°« ä "eilich oLFjnusig aufgetreten. Sein alter Nimbus war olaßt, und es machte einen wehmüthigen Eindruck, ficht, in London kriege man Geld, die Nothdürftigen massenhaft aus dem offenen Lande in die Stadt lockte. Mr. Gissen, der Statistiker des Handelsamts, äußerte in einer Sitzung der Handelskammer von North-Staffordshire mit Bezug auf den Handel im Allgemeinen und im ganzen Lande, daß bis jetzt eine Besserung kaum im Anzüge sei. In seinen eigenen Erfahrungen habe er oft beobachtet, daß das, was eine Besserung zu sein schien, sich als ein bloßer Windstoß irgend einer Art erwies, und daß die Dinge wieder in dieselbe verzweifelte Lage zurückversanken, die sie verlassen zu haben schienen. Alles, was man bis jetzt sagen könne, be- schränke sich darauf, daß die Anzeichen günstig scheinen. Ter Streik der Dockarbeiter im Hafen von Limerick ist zu Gunsten der Streikenden beendigt worden. Denselben wurden ihre Forderungen, deren hauptsächlichste die war, pro Tag 2 Shilling(2 Mark) festen Lohn zu erhalten, bewilligt. Daß der Streik so schnell beendet wurde, ist vor Allem den Bemühungen des Lord Mayors zu danken, welcher energisch für die Wahrung der Interessen der Arbeiter eintrat. 800 Mann werden die Arbeit wieder aufnehmen. „United I r e l a n d" sucht aus der gegenwärtigen Situation der Regierung Kapital zu schlagen. Es überschreibt einen Artikel„Der Einsturz" und bemerkt nach einem Hinweis auf General Buller's Verfahren im Kreise Kerry, auf die vom Richter Curran, freilich ohne Befugniß, vollzogene Reduktion Pachtzinse und auf die Weigerung des Richters Monroe, Aus- treibungen zu genehmigen, wenn nicht die Zahlungsfähigkeit des betreffenden Pächters erwiesen ist:„Die Regierung, die so kühn und stark im Hause der Gemeinen war, ist weicher als Waffer in ihrer irischen Verwaltung. Sie giebt einer ent- schlossencn Organisation nach, was sie der Gerechtigkeit und Humanität verweigerte. Die Pächter müssen sich die Gelegenheit zu Nutze machen; sie müssen das Heu ernten, sa lange die Sonne scheint. Dieser Winter setzt die Sache für immer durch, oder verdirbt sie für immer. Die Pächter müssen dem Guts- herrenthum den Hals brechen, oder das Gutsherrenthum wird ihnen den Hals brechen. Straucheln sie jetzt, so ist ihr Untergang für immer sicher. Die Regierung giebt alle Grund- sätze zu, für welche die Liga kämpft, das irische Volk muß diese Anerkennung ausnutzen." falkutt l ander. änemark telegraphirte, einem„Wolff'schen Telegramm" aus Kopenhagen zufolge, der bulgarischen Regie- rung, daß er in Anbetracht der gegenwärtigen Umstände seine Zustimmung dazu nicht geben könne, daß sein Sohn die Wahl zum Fürsten von Bulgarien annehme. Bekannt- lich hatte Prinz Waldemar seine Entscheidung von der End schließung des Königs und letzterer seine Entscheidung von der Staatsraihssitzung am Freitag abhängig gemacht.— Die offiziösen„Berliner Politischen Nachrichten" meinten am Freitag, daß durch Ablehnung freie Hand für den von Rußland prote- airten Thronkandidaten geschaffen werden dürfte, der, nach den Versicherungen eines St. Petersburger Blattes(denen von Wien aus allerdings entgegengetreten wird) auch von den Mächten bereits genehmigt sein soll. Die Mitglieder der Regentschaft Stambuloff und Mutkuroff haben ihre Entlassung gegeben. Die Sobranje hat dieselben wiedergewählt und außerdem an Stelle Kara- weloys Jukoff zum Mitgliede der Regentschaft gewählt. Ferner wurde eine Deputation, bestehend aus Grekoff, Stoiloff und Kaltscheff, ernannt, welche sich an die europäischen Höfe begeben soll. Schließlich vertagte sich die Sobranje auf unbestimmte Zeit. Asie«. In dem neuesten Hefte der russischen Monatsschrift„Rußkaja Myssl" findet sich ein Artikel über die„Kolonisations- bedeutung der sibirischen Verschickung" von S. Tschudnowski, welchem die deutsche„Pet. Ztg." die folgenden Ziffern entnimmt: Von 1754 bis 1864 sind gegen 900000 Menschen beiderlei Geschlechts nach Sibirien verschickt wor- den. Zieht man ungefähr 150000 Zwangsarbeiter von dieser Zahl ab, so hätte Sibirien zu„Kolonisationszweckcn" im Laufe des einen Jahrhunderts 750 000 Seelen erhalten. Seitdem hat sich die Zahl der Verschickungen wesentlich gesteigert(während in dem Jahrzehnt 1863—1872 an Verschickten 146 380 Personen gezählt wird, finden wir in den sünf Jahren 1873 b i s 1877 bereits 91 257 Verschickte), sodaß man mit Ausschluß der Zwangsarbciter alljährlich zirka 12 000„Kolonisten", d. h. Leute, die zum Zweck der Ansiedelung in Sibirien ver- schickt worden sind, annehmen kann. Es würde somit für die Jahre 1864—1884 die Zahl derselben 240000 betragen, so daß bis jetzt mindestens eine Million Personen zur„Kolonisirung" in Sibirien unfreiwillig eingezogen find. Von den 79 909 Verschickten während der Jahre 1826—1846 ist über die Hälfte auf administrativem Wege, d.h. ohne Richterspruch, verschickt worden; für das Jahrzehnt 1867—1876 sind von den 151 584 Verschickten über die Hälfte, 78 686 Personen, laut administrativer Verordnung nach Sibirien gewandert, wobei speziell für das Jahr 1875 die administrativ Verschickten 65,3 Prozent der Gesammtzahl abgegeben haben. Wo bleiben nun diese Tausende, die alljährlich nach Sibirien transpoftirt werden den alten Mann, dessen feingeschnittenes, sarkastisches Gesicht in Wien allgemein bekannt war, auf der„Pablatschen" Späße machen zu sehen, die mit dem grauen Haar und der müden Haltung des Volkssängcr-Veterans nicht mehr stimmen wollten. Aber die Roth zwang den alten Kampf, noch immer aufzutreten. Noch vor drei oder vier Jahren war Kampf ver- hältnißmäßig sehr rüstig, und als er vor einigen Jahren sein Jubiläum unter mannigfachen Ovationen beging, da stellte er durch seinen Humor manchen Jüngeren in den Schatten. Die jüngere Volkssänger-Generation blickte mit einer Art Verehrung zu dem alten Kampf empor, und wenn er in einer der Verhandlungen erschien, welche die Wiener Volkssänger in den letzten Jahren zu wiederholten Malen abhielten, um sich namentlich gegen die überhandnehmenden Singspielhallen zu wahren, da wurde dem alten Kampf stets der Ehrenplatz an- gewiesen. Ruhig, in sich gekehrt saß der Alte da und paffte die blauen Rauchwolken in die Luft. Nur selten ergriff er das Wort, und wenn er es that, dann klang seine Stimme ge- brachen und über seine durchfurchten Züge schlichen Schatten der Wehmuth. Jetzt ist er todt, der einstige Held des„Brett'l", der durch seinen ungezwungenen, harmlosen, von jeder Zote freien Humor sich die dankbare Erinnerung der Wiener gesichert hat.— lieber den Lebenslauf Kampfs wird mitgetheilt: Kampf war ursprünglich Perlmutterdrechsler, doch vermochte er bei keinem Berufe auszuharren, er lief bei jeder Gelegenheit ins Theater oder zu den Produktionen der Volkssänger. Nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten bestand er endlich das heißersehnte Debüt als Volkssänger und errang sofort einen durchschlagenden Erfolg. Unverwüstliche Anziehungskraft übte er namentlich als„Böhm" in der seither vergessenen komischen Soloszcne„Der reiche Seilermeister". Er war der begabteste Repräsentant der derben, urwüchsigen Komik. Die Hofschauspieler Beckmann und Wagner, der Komiker Treumann und die Gallmeyer zählten zu seinen ständigen Besuchern und ermunterten ihn in der aufrichtigsten Weise, sich auf dem Theater zu versuchen. Doch war er nie dazu zu bewegen, in der natürlichen, von jeder künstlerischen Einflußnahme unbehinderten Bethätiaung seines Talentes er- schöpfte sich bei ihm das Ziel alles Strebens. Wie in seinem Berufe, war Kampf auch im Umgange voll Humor und drastischer Einfälle. Unzertrennlich von dem alten Kampf war die lange Pfeife. In seinen alten Tagen verschmähte er es, das Gnadenbrot, das ihm seine Kollegen für den Rest seines Lebens bieten wollten, anzunehmen. So sah man ihn denn noch bis kurz vor der Krankheit auftreten, obwohl er schon ganz unverständlich sprach und ihm jede Bewegung sichtlich Mühe verursachte. und aus denen sich ein fester„Kolonisationsstamm" ergeben soll? Von dem begreiflichen Wunsch getrieben, die Fessel, die ihnen das Strafgericht auferlegt, abzuschütteln, ergreisen sie meist bei der ersten Gelegenheit die Flucht und irren und wandern verborgen umher, hier den Mühen der Flucht erliegend, dort durch die Roth und das natürliche Gebot der Erhaltung ihrer Existenz zu Gewaltsamkeiten gegen friedliche Bürger verleitet, im Allgemeinen ein anrüchiges, buntes Vagabundenleben führend, welches Dörfer und selbst Städte in Sibirien unsicher macht. Bis zu welchen Dimen- sionen dies Vagabundenthum sich entwickelt, zeigt die That- sache, daß der Gouvemeur von Tomsk, als er einst eine Razzia auf die„Vagabunden" in der Umgegend der Stadt veran- staltete, an einem einzigen Morgen achthundert solcher Leute, die auf Kosten der Stadt lebten, indem sie dieselbe terrori- firten, ergreifen konnte! Und wie viele solcher„Vagabunden" in Sibirien umherstreifen mögen, bezeugen wieder in beachtens« werther Weise einige statistische Daten. So fand der Chef der Haupt-Gefängnißvcrwaltung, Herr Galkin-Wrasski, als er Si- birien bereiste, daß in zwei Bezirken des Gouvernements Tomsk und in zwei Bezirken des Gouvernements Jenisseisk, in denen 20 199 Verschickte als ortsanwesend bezeichnet waren, in der That nur— 2643 Verschickte vorhanden waren. Von den übrigen 17 556 befanden sich 10 181 in Abwesenheit laut Billcts, die ihnen von zuständiger Seite aus gegeben worden waren, während der Rest— 7375 Personen— spurlos verschollen war. Ueberhaupt ist die Zahl der flüchtigen Kolonisten enorm; fortwährend wird im ganzen Reich nach ihnen aefahn- det, und trotzdem, daß man einer großen Menge von Flüchtlingen nicht habhast wird, sind durch Tobolsk für die Zeit von 1833 bis 1845— 12 662 Personen durchgekommen, die an ver- schiedenen Orten eingefangen worden waren und nun wieder nach Sibirien transportirt wurden. Aus vielfach gesammelten Daten hat sich überhaupt ergeben, daß aus der Gesammtzahl der Verschickten höchstens ein Drittel dort zu fin- den i st, wo sie verzeichnet sind, die übrigen zwei Drittel hingegen sind immer auf der Wanderung, auf der Flucht! Diejenigen aber, die ruhig verbleiben, geben auch kein nutzbringendes Kolonisationsmaterial ab, einerseits weil sie in ihrer Bewegung durch die polizeiliche Aufsicht beschränkt sind, andererseits weil sie nicht die materiellen Mittel haben, sich emporzuarbeiten, so daß sie meist nur den Bauerngcmeind en, denen sie zugeichrieben werden, zur Last fallen. Jadrinzew, der viel über Sibirien geschrieben hat, berechnet, daß diese Ver- schickten der sibirischen Bauernschaft alljährlich gegen 3 Mill. Rubel kosten. Amerika. Auch die Ritter der Arbeit sind bei der New-Uorker Mayorswahl für Henry George eingetreten. Kurz vor dem Wahltag hatten sie eine Versammlung einberufen, um dem Groß-Wcrkmeister P o w d e r l y Gelegenheit zu geben, die falschen Gerüchte zu widerlegen, daß er Gegner der George» sehen Kandidatur sei. Die Szene, welche sich dem Auge bot, als Powderly und George die Platform betraten, ist geradezu unbeschreiblich. Das war kein Applaus,, andern der Ausbruch eines Donners, unter dem der Boden erzitterte. Es dauerte volle 5 Minuten, ehe der Sturm der Begeistening sich völlig gelegt hatte. Der Generalwerkmeister der Arbeitsritter begann seine Rede mit der Erklärung, er sei nach Neiv-Aork gekommen, um die Lügen und Verleumdungen zu widerlegen, welche auf ihn und den Kandidaten der Arbeiter gehäuft wurden. Die infame kapitalistische Presse habe in George einen Mann be- sudelt, wie er edler noch nicht auf der Erde ge- wandelt. George sei ein Vorkämpfer der Menschheit, um die Arbeit zu befreien. Es ist gesagt worden, er sei ein Kommunist und Anarchist. Uebcr Redner habe man dasselbe gesagt, als er als Mayors-Kandidat in Scranton auftrat und habe behauptet, die Stadt wäre dem Ruin verfallen, wenn er gewählt werde. Und doch habe ihn die Einwohnerschaft von Scranton dreimal erwählt und während seiner Amtszeit habe die Stadt prosperirt wie nie vorher.„Wenn dies das Resultat des Sozialismus und Anarchismus ist, dann laßt uns um Gotteswillen so bald als möglich die Vereinigten Staaten sozia- listisch und anarchistisch werden." Powderly erklärte dann weiter, er sei früher ein Gegner von Henry George gewesen und daß er dies immer zugestanden habe. Er war zu Gunsten des Schutz- zolles und differirtc darin, aber auch nur dann mit George. Er glaube nun aber mit ihm, daß das Volk bekommen solle, worauf es ein Recht habe: Das Land und den vollen Ertrag seiner Arbeit. Powderly schloß seine Rede unter donnerndem Applaus. Als Powderly geschlossen, wendete er sich an George und führte ihn in den Vordergrund der Platt- form, indem er sprach:„Das sei meine Antwort auf die Lüge, ich sei der Gegner Henry Gcorge's. Er ist mein Freund, ich bewundere ihn". Unter stürmischem Beifall wurde George ein aus Blumen gebildetes Hufeisen überreicht. Gerichts-Zeitimg. Hirschberg i. Sehl., 11. Nov,(Der Hermsorf er Mord.) Das hiesige Schwurgericht beschäftigte sich heute mit der am Beim Kiltgang. Vor dem Strafgericht in Schwyz er- schienen vierzehn Alpthaler, welche beklagt waren, in einer Fehde mit vierzehn Trachslauern einen derselben erheblich verletzt zu haben. Am Abend des diesjährigen Drcikönigentages unter- nahmen nämlich nicht weniger als vierzehn Söhne der Wald- statt einen sogenannten Kiltgang zu zwei Jungfern auf dem Boden des„alten Landes". Sie zogen aus mit Hörnern und Schellen und.Handharmonikas. Diese Gebietsverletzung glaubten aber die Junggesellen des Alpthales nicht erdulden zu müssen. Um sich im Dunkel der Nacht zu erkennen, zogen die Alpthaler ihre Röcke aus, wie die Katholischen, als sie am Gubel die Re- formitten besiegten. Unter den kriegerischen Klängen einer Kuhschelle nahten sie dem Lagerplatze der Trachslaucr. Unheil- verkündend erscholl von beiden Seiten der Schlachtruf und bald tobte ein wildes Handgemenge vor der Thürschwelle der vielum- wordenen Schönen, bis endlich die Trachslaucr, als zwei der ihrigen verwundet am Boden lagen, den Rückzug in das£>aus antraten, in dem die zwei Jungfern wohnen. Dies war aber nicht ge- eignet, die Entrüstung der Alpthaler zu dämpfen, im Gegen- theil; es begann eine förmliche Belagerung des HauseS, es wurde Sturm gelaufen gegen die Hausthüre und klirrend zer- brachen die Scheiben unter einem Hagel von Steinen. Da aber die Hausthüre aus gutem Obcrallmeindholz erstellt war, so krachte sie zwar in den Fugen, aber sie gab doch nicht nach. Als dem Hauseigenthümer endlich eine Frist bis Nachts zwölf Uhr gegeben wurde, bis zu welcher Stunde er die Thore zu öffnen habe, so benutzte er den Anlaß, um die Alpthaler zu friedlichem Abzug zu bewegen. Mit klingendem Spiele zogen sie wirklich ab; die Trachslaucr traten erst etwas später in aller Stille den Heimweg an. In Folge der Klage eines verletzten Trachslauers wurden dann zehn Alpthaler zu verschiedenen Geld« strafen, zu einer Entschädigung von 150 Fr. an den Verletzten und zu den Kosten verurtheift. Sämmtliche achtundzwanzig nächtliche Kämpfer werden überdies wegen dieser allzu festlichen Begehung des heiligen Drcikönigentages jur Bestrafung an das Gemeindepräsidium Alpthal gewiesen. To erzählt in launiger Weise der„Bote der Urschweiz". Die kürzlich errichtete Freiheitsstatue in New-Uort ist ohne das Postament 151 Fuß hoch; das innere eiserne Gerüst wiegt 264 000, die kupferne Hülle 176 000 Pfund. Das ganze Werk ist 305 Fuß hoch. Der Gedanke eines elektrischen Lichtes (Leuchtthurm) ist an dem Widerspruch der Schiffskapitäne gescheitert, die in dessen Unsicherheit eine Gefahr für den Schiffs- verkehr sahen._ 14. Januar verübten Ermordung des Flcischcrmeisters! Schwabe zu Hermsdorf u. K. Dieser Mordprozcß stand schon in der vorigen Sitzungsperiode zur Aburtheilung an, doch wurde die Verhandlung damals vertagt, weil aus dem umfangreichen Ge- ständniß des Mörders Ansorge auch die Schuld oer Wittwe des Ermordeten hervorging. Es mußte daher auch gegen diese das Vorverfahren eingeleitet werden. Heute sitzt das chebrechc- rische Paar zusammen auf der Anklagebank. Aus dem Ge- ständniß, welches der des Mordes angeklagte Uhrmacher Ansorge am 22. Juni in der Erwartung, dadurch vollständig freige- sprachen zu werden, abgelegt hat, sei folgendes hervorgehoben: Ansorge wohnte mit fernen Eltern schon vor seiner Militärzeit in dem Hause, in welchem der kmz vorher verheirathete Fleischer Schwabe sein Gewerbe betrieb und suchte schon damals mit der jungen Frau ein Verhältniß anzuknüpfen, welches Vor- haben von letzterer sofort begünstigt wurde. Der Ehemann nierkte von dem ehebrecherischen Treiben nichts. Nach seiner Rückkehr vom Militär bezog Ansorge sogar eine Stube des Schwabe und setzte alsbald das Liebesverhältniß mit seiner Wirthin fort. Nach seiner Behauptung habe er der Frau wiedcrholentlich den Vorschlag gemacht, sich scheiden zu lassen, doch sei diese in der Furcht, ihr Heirathsgut zu verlieren, nicht darauf eingegangen. Dagegen schlug sie vor, A. solle den betrogenen Ehemann umbringen. Mit eigenartiger Kaltblütig- keit überlegte das verruchte Pärchen hieraus den Mordplan und die dabei anzuwendende Todesart, ob Schwabe erschossen, er- schlagen oder erdolcht werden sollte. Unablässig quälte dann die Frau ihren Geliebten, der sich für das Erschießen erklärt hatte, zur Ausführung des ruchlosen Planes zu schreiten. Am 5. Januar kaufte A. in Warmbrunn einen Revolver, zu dem ihm Frau Schwabe 2,50 M. gegeben hatte. Um ganz sicher zu sein, daß die Mordwaffe nicht versagte, probirtc sie A. an dem Spritzenhause, indem er in die Bretterwand schoß und dann mit einem Grashalme maß, wie tief die Kugel eindrang. Am 14. Januar wurde die That verübt. Nach reiflich über- legtem Plane lud Ansorge den ahnungslosen Schwabe zu einer Schlittenfahrt nach Wernersdorf ein und unterwegs erschoß er ihn.— Als Ansorge von Hause abfuhr, raunte ihm die Frau die Worte zu:„Daß Du mir aber ja nicht den Mann wieder mitbringst!" Auch gab sie ihm ein scharf geschliffenes Fleischermesser mit, für den Fall, daß der Revolver versagte. Da Schwabe gern kutschirte, ließ A. ihn vorn im Schlitten, während er den Rücksitz einnahm. Auf freiem Felde angekommen, zog er den mit fünf Kugeln ge- ladenen Revolver hervor und schoß in handbreiter Entfernung seinem Opfer eine Kugel in die rechte Schläfe. Ohne einen Laut von sich zu geben, fiel Schwabe um. Nun erfaßte ihn der Mörder und gab ihm einen zweiten Schuß in die linke Schläfe. Darauf fuhr er seitwärts nach einem Steinhaufen und legte den Leichnam auf diesen.„Um aber auch ganz sicher zu sein," so lautet das entsetzliche Geständniß weiter,„öffnete ich dem Leblosen die Kleider und gab ibm noch je einen Schuß in die rechte und linke Seite." Nach Vcrübung dieser grauen- haften That bestieg A. wieder den Schlitten und fuhr, unter- wegs noch einigen Personen das Mitfahren gestattend, zurück nach Hermsdors. Bei seiner ehebrecherischen Geliebten ange- kommen, bestürmte ihn diese, daß er gleich in ihrer Wohnung bleibe, doch will A. dies abgelehnt haben. Als am nächsten Tage die Nachricht von dem Morde ins Dorf ge- bracht und auch der Frau Schwabe erzählt wurde, zeigte die Ungeheure eine solche Verstellungskunst im Schluchzen und Gestikuliren, daß kein Mensch daran dachte, sie der Mitschuld zu beschuldigen. Ansorge befragt, warum er gerade den Revolver als Waffe gewählt, giebt zu, daß Schwabe stärker gewesen als er.— Um den Geschworenen ein vollständiges Bild zu bieten, mußte sich Ansorge auf den Schlitten, welcher als corpus delicti im Saale aufgestellt war, setzen und dem Gerichtsdiener, welcher die Person des Schwabe vorstellte, den Revolver vor die rechte Schläse halten. Ohne einen Augenblick zu schwanken, machte A. diese ganze auf die Zuschauer einen sonderbaren Eindruck erweckende Prozedur. In derselben frechen Weise wie am 22. Juni benimmt sich Anforme in dem heutigen Termine und wiederholt sein Geständniß m derselben Ausführlichkeit wie bei seiner früheren Vernehmung. In dem Zuschauerraum, der heut geradezu bestürmt wird, hört man mit großer Spannung den Ausführungen des grauen- hasten Planes zu. Neu ist die Versicherung des Mörders, daß er der Frau Schwabe vor der Abfahrt erklärt habe, er würde sich, falls er Zeugen der Mordthat haben würde, sofort das Leben nehmen. Aus dem ganzen Geständniß geht hervor, daß er die ganze Schuld der Anzettelung und Ausarbeitung des Planes auf die Frau Schwabe zu werfen sucht, während er selbst gleichsam als willenloses Werkzeug den Mord ausge- führt habe. Ueber das Vorhandensein eines höheren Kunstinter- esses im Sinne des§ 55 der Gewerbeordnung hat Frau Girard-Gans aus Greifswald einen Strafprozeß in zwei In- stanzen zu bestehen gehabt und diesen Prozeß gewonnen. Die Einzelheiten des Prozesses, welche wir der„Vossischen Zeitung" entnehmen, sind überaus charakteristisch für die betreffende Vorschrift der Gewerbeordnung. Dieselbe befreit bekanntlich die llnternehmer von theatralischen Vorstellungen nur dann von der Verpflichtung der Nachsuchung des Wandergewerbescheines, wenn „ein höheres Interesse der Kunst oder der Wissenschaft dabei obwaltet." Frau Girard-Gans hatte im vorigen Winter mit ihrer Wandertruppe in Tetcrow mehrere Opern, Operetten und Schauspiele zur Aufführung gebracht. Die Opern-Vorstellungen fanden mit Klavierbegleitung statt, während an Orten, wo ein Orchester zu haben war, ein solches zur Mitwirkung herange- zogen wurde. Die Gesellschaft zählte zuerst 4, später 7 Mitglieder. Frau Girard-Gans wurde wegen mangelnden Man- dergewerbescheins unter Anklage gestellt. In der ersten Instanz legte Frau Girard- Gans für das höhere Kunstinteresse bei ihren Aufführungen Zeugnisse von dm Magisttatm in Greifs- wald, Anklam, Ribnitz, Doberan, Malchin, Nmbrandm- bürg u. s. w. vor, aus welchen hervorging, daß die Leistungm der Truppe dem Publikum in künstlerischer Beziehung völlige Befriedigung gewährt hatten. Dem Schöffengencht ge- nügte dies. In Folge eingelegter Berufung des Staatsanwalts aber ließ das Landgericht zu Güsttow, um den Begriff von theattalrschen Aufführungen vom„höheren Kunstinteresse" fest- zustellen, zwei Sachverständige, den Landgerichtssekretär Hof ziehungsweise des Schauspiels„Heinrich von Gusttow" bei. Verde Sachverständige bejahten darauf die Frage, daß den Vor- stellungen ein Kunstwerk im Gegensatz zum handwerksmäßigen Betriebe beizumessen sei, sie verneinten aber die zweite Frage des Gerichts, daß die Vorstellungm sich die Pflege der Kunst zur eigmsten Ausgabe gestellt hätten und ein kunstfinniges Publikum besriedigtm. Der erste Sachverständige meinte, daß es für die Beantwortung der zweiten Frage überhaupt an einem objcktivm Maßstabe fehle, um zu bestimmen, wo nach der Abficht des Gesetzgebers das höhere Kunstintereffe beginne, und sich sehr wohl der Standpunkt rechtfertigen ließe, daß auch bei dm besten Aufführungen von Operetten wie„Der Zigeunerbaron" ein höheres Kunstintereffe nicht obwalten könne. Der zweite Sachverständige, Redaktmr Hamann, meinte in Bezug auf die zweite Frage, es gehöre in Städtm selbst bis zu 100000 Ein- wohnern zu den Ausnahmen, daß künstlerisch vollendete, abge- rundete, einen sttengen Maßstab aushaltmde Leistungen geborm würden. Der schroffe Ausspruch, den einst ein hervorragmder Musiker über eines der ersten deutschen Hoftheater gethan, in- dem er dasselbe als Zirkus bezeichnete, deweise jedenfalls, daß es an einer Norm fehle für das, was man als höhere Kunst- leistung im verstärkten Sinne des Adjektivs anzusehen habe. Die Staatsanwaltschaft war auch hiemach noch nicht von dem höheren Kunstintereffe bei den Vorstellungen von Frau Girard- Gans überzeugt. Das Gericht aber formulirte nunmehr die Frage an die Sachverständigen, abweichend von deren erster Gestalt, jetzt dahin: ob die Leistungen der Truppe derartig Sewesm, daß sie das Unterhaltungsbedürfniß eines gebildeten Zuschauers befriedigt hätten, was von beiden Sachverständigen ohne weiteres bejaht wurde. Das Gericht stellte dann auf dieser Grundlage fest, daß ein„höheres Kunstinteresse" im Sinne des Gesetzes obgewaltet habe, und verwarf die Berufung gegen das freisprechende Erkenntniß, sprach auch der Angeklagten die Erstattung der nothwendigen Auslagen zu. Soziales und Arbeiterbewegung. Die Nachtarbeit iu den österreichischen Baumwoll- svinnereien. In Wiener Baumwollspinnerkreiscn hat sich die Nachricht verbreitet, daß trotz des am 11. Juni in Kraft gettc- tenen Verbotes der Nachtarbeit von weiblichen und jugendlichm Arbeitern mit solchen in einzelnen Gegenden durch Tag und Nacht flott weiter gearbeitet wird. Bei der empfindlichen Schädigung, welche daraus den das Gesetz befolgenden Baum- Wollspinnereien erwachsen müßte, hat eine Anzahl von Firmen an den Vorstand des Oesterreichischen Spinnervcreins die Auf- fordemng gerichtet, eine allgemeine Mitgliedewcrsammlug aus- zuschreiben, welche diesen Uebelstand in Erörterung zu ziehen und auf energische Abstellung desselben hinzuwirken hätte.— Hoffentlich gelingt es den ehrlicheren Fabrikanten, niit ihren Schmutzkonkurrentm fettig zu werden. Man sieht aber auch hier wieder die Folgen ihrer„harmonischm" Wirthschaftsord- nung: wer anständig ist, hat den Schaden; und je unehrlicher jemand verfährt, desto größer wird der Gewinn. Die niedttgsten Eigenschaften werden wie durch ein Prämiensystem künstlich gezüchtet und dann wundett man sich noch, wenn unsere Bour- geoisie so wenig„chttstliche" Züge zeigt. Sie ist ein Kind unserer witthschaftlicben Zustände und erst mit deren Aenderung werden auch solche Auswüchse der Gegenwatt verschwinden. Die Sozialisten in Graz entfalten neuerdings eine regere Thätiakeit. Eine vom Verein Wahrheit einberufene Volksversammlung sprach sich entschieden gegen die indirekte Wahl von Arbcitewettretem durch Arbeiterkammem und für das all- gemeine direkte Wahlrecht aus. Auch die Gründung eines Ar- beitervereins soll wieder versucht werden. Femer soll in Graz ein sozialistisches Joumal erscheinen, an dem Dr. K a l e r- R e i n t h a l, einer der sympathischsten Arbeiterführer Oesterreichs, der auch in Berlin durch seine Ausweisung im Januar d. I. bekannt ist, mitwitten soll. Zur Buchdruckerbewegung. Der neue Buchdmckettarif, der m verschiedenen Gegenden Deutschlands, besonders am Rhein, bei seiner Durchsühmng auf Schwierigkeiten gestoßen ist, wird in Bayern ohne Weiteres zurEinfühmng gelangen. Seitens der Setzer in Bayern ist, wie man der„Franks. Ztg." schreibt, in dieser Angelegenheit in höchst geschickter und ver- ständiger Weise vorgegangen worden und wählten sie den Weg gegenseitiger Verständigung, zu welchem Zwecke geeignete Vor- standsmitglieder des in Nürnberg seinen Sitz habenden Buch- drucker-Untcrstützunasvereins die verschiedenen Städte bereisen, um in persönlicher Besprechung mit den Pttnzipelen die Ein- fühmng des neuen Tarifs zu fichem. Das ist gelungen; selbst die Schwierigkeiten, welche hier und da die Besitzer von Dmckereien in kleinen Städten erhoben, weil sie angeblich unter der ihnen von den Dmckereien der großen Städte gemachten Konkurrenz empfindlich zu leiden hätten, sind überwunden wor- den. Zur Arbeitseinstellung wird es denmach wegen der Tarif- frage in bayerischen Dmckereien nicht kommen; ebenso wenig wird das Vorgehen der �rheinischen Dmckereibesitzer ge�i Einführung des neuen Tarifs, bei ihren bayerischen gen die rollegen auf Unterstützung zu rechnen haben.— Im Deutschen Buchdruckerverein, dem Verein der Buchdruckerei- b e s i tz e r, ist offene Rebellion ausgebrochen, und zwar wegen des mit den Gehilfen vereinbatten Tattfs, der von sämmtlicyen zwölf der Kommission angehöttgcn Pttnzipalen einstimmig ange- nommen ist. Die Sektion Ii, Rheinland-Westfalen, des Deutschen Buchdmckcrvereins leitet die Agitation. Der Vorstand derselben veröffentlicht ein an den„geschäftsfübrendcn Ausschuß des Deutschen Buchdruckereivereins" gerichtetes Schreiben, in wel- chem von diesem kategorisch verlangt wird, er solle s e i n e n M i t- gliedern empfehlen, den neuen Tarif nicht anzunehmen. Es wird also offener Wottbruch verlangt. Eine Vereinbarung mit den Arbeitern darf nach Ansicht der Herren, welche das famose Schreiben vettaßt, für die Pnnzipale keine verbindliche Kraft haben. Abmachungen unter den Prin- zipalen sollm nur gelten, soweit sie gegen die Arbeiter ge- richtet sind. Das ist des Pudels Kem. An die Spitze der Fordemngen ist folgendes gestellt: 1) Der„Deutsche Buch- dmckemerein" muß sich aufraffen zu einer energischen Stellungnahme gegen den Verband(der Gehllfen) und dessen das Bestehende untergrabende Tendenzen, welche allenthalben das Verhältniß zwischen Pttnzipalen und Gehilfen vergiften. Der„Deutsche Buchdmckemerein" muß den Muth haben, sich von jedweder Verbindung mit demselben loszusagen. Und weshalb der wütbend-gehässige Ängttff gegen den Gehilfen- verein? Weil er an der friedlichen Vereinbarung, die mit den von den Prinzipalen ernannten Kommissionsmitgliedem gettoffen ist, festhält. Es wird weiter gefordert, daß der„Deutsche Buchdmckemerein"„seine Mitglieder zur Lostrennung ihrer Gehilfen vom Verband direkt auf- fordere und dadurch die Enttemung der Verbandsmitglicder aus sämmtlichen Druckereien des Vereins betreibe". W«r sind begiettg, ob der Vorstand des„Deutschen Buchdmckemereins" sich von dem Schreiben seiner zweiten Sektion wird einschüch- tcm lassen. Die Behandlung, die er ettähtt, ist eine noch schlimmere, als sie den Arbeitem zu Theil wird. Gelänge es der rebellischen Sektion, den Prinzipalverein zur Unterwerfung zu zwingen, dann hätte dieser offen auf seine Fahne ge- schrieben, daß das einzige ihn einende Band der Ktteg gegen die Arbetter sei. Eine Gummiball-Konvention zwischen dm namhaftesten Gummifabttkm Deutschlands ist dem„Berl. Kour." zufolge zum Abschluß gelangt, wodurch die Preise der Gummibälle eine Er ' öhung von 25 bis 30 pCt. erfahren.—„Konventionen" zur Erhöhung der Löhne,— es braucht sich dabei noch lange nicht um 25 pEt. zu handeln— werden bekanntlich nicht geduldet. Arbeiterentlassungen. Auf der kaiserlichen Werft zu D a n z i g sollm bis Ende März noch 200 Arbeiter zur Entlassung kommen, so daß die Gesammtzahl der Arbeiter auf 600 Mann zu stehen kommt. Die Schiyszimmergeselleninnung hat an den Reichskanzler Fürsten Bismarck eine Petition ge- ttchtet, in welcher sie bittet, die ferneren Entlassungen auf der kaiserlichm Werft zu fistirm. Hierauf ist derselben, nach der „Danz. Ztg.", von der Admiralität der Bescheid ettheilt, daß die Neubautm auf dm kaiserlichm Wettten beschränkt werden müßten, um dieselben der Pttvatindusttte zuzuführen, damit letztere nicht total lahm gelegt würde. Der ausgesprochmen Bitte könne daher nicht Folge gegeben werden. In der Heu- tigm Praxis ist es also mit dem„Recht auf Arbeit" nichts.— Am Rhein finden ebenfalls immer neue Arbeiterentlassungm statt. So hat der Bergwerksverttn zu Effm„König Wilhelm" beschlossm, den Bettteb auf dem Schacht„Chttstian Lewin" am Dezember einzustellen. Den Beamten ist schon vor längerer est gekündigt; nun haben auch die 200 dott beschäftigten lergleute ihre Kündigung erhaltm.— Auf der„Duisburger Hütte" wird nur noch drei Tage in der Woche gearbeitet und außerdem ist eine Lohnherabsetzung von 5 pCt. eingetreten. Die dortigen Arbeiter sehen einem sehr traurigen Winter entgegen. Lungenkrankheiten in verschiedenen Berufen. Dte „Statistische Korrespondenz" giebt hierüber folgende höchst interessante Aufschlüsse, indem ffe schreibt:„Ter Einfluß der Luftbeschayenheit äußett sich hauptsächlich bei zwei Todesur- fachen, bei Lungenschwindsucht und bei sonstigen Lungenkrank- heiten. Es starben nämlich von je 100 000 Angehörigen der nachbenannten Beruf satten: an Lungen- schwind- Fischerei... Landwitthschaft. Matettalwaarenh. Tuchhandel.. Schneiderei.. Buchdruckerei. sucht 167 178 258 466 441 713 anderen Lungenkrankheiten 139 189 179 200 288 257 über- zu- Haupt von sammen je 10000 306 367 437 666 729 970 1233 996 1193 1366 1626 1657 In diesen Berufsgruppm machen die durch Lungenkrankhcitcn hervorgerufenen Sterbefälle ein Viettel bis über die Hälfle aller m der Berichtszeit vorgekommenen Fälle aus. Noch größer ist ist der Prozenrfatz in den Berufsatten, deren Angehörige stets in einer mit Staub geschwängctten Atmosphäre arbeiten, wie wie folgende Ucberficht ausweist. Von je 100000 der nachstehenden Erwerbsthätigen starben: Berglente in Kohlen- gruben.... Zimmerer u. Tischler Bäcker, Konditoren. Maurer nnd Putzer. Arbeiter in Wollen- waarenfabriken. Arbeiter in Baum- wollwaarenfabr.. Arbeiter in Sfcin- u. Schieferdrüch... Zeugschmiede... Feilcnhauer... Steingut-(Thon- waaren-) Arbeiter. Bergleute in Zinn- gruben....____ M____ Die durch diese Krankheiten der Athmungsorgane verursachte Sterblichkeit in diesen stauberzeugenden Berufsatten schwankt zwischen mehr als einem Drittel und nahezu zwei Dritteln aller überhaupt existirenden Sterbefälle. Dabei ist die Art des Staubes von wesentlichem Einfluß auf die Höhe der Sterbe- ziffer. Kohlen- und Mehlstaub, Holztheilchen und gelöschter Kalk find den Lungen augenscheinlich nicht so schädlich wie der Staub, welcher in Woll- und Äaumwollenwaarcnfabttkcn, namentlich in den Spinnereien die Luft verdirbt. Sehr un- gesund ist der schatte Metallstaub, welchen die Zeugschmiede und Feilenhauer cinathmen müssen; auch der in Stein- und Schieferbttichen entstehende Staub fordert viele Opfer. Gans ungesund für die Athmungsorgane ist aber der bei der Fabn- katron des irdenen Geschirrs und bei der Zinn-, Blei- und Kupfergewinnung erzeugte Staub: in beiden Erwerbszweigen litten nahezu zwei Drittel aller Gestorbenen an Schwindsucht oder anderen Lungenkrankheiten. Kleine MittheilunKen. Freiberg i. S., 11. November, lieber ein Nachtwächter- abenteuer wird folgendes berichtet: Als kürzlich in den Abendstunden ein Botenfuhrmann im Dorfe Gruna bei Rosien anlangte, machte er die Entdeckung, daß der in einen tiefen Schlaf vcttunkene Nachtwächter eines andetthalb Stunden ent- f ernten Nachbardorfes mit zu der Ladung des Wagens gehörte- Der unfreiwillige Passagier hatte sich vor Antritt seines Dienstes ein Schlummerplätzchen in dem vor dem Gasthofe stehenden Wagen ausgesucht, und der Fuhrmann vermied es schließlich füttorglick, den noch schlaftrunkenen Nachtwächter beim Ausladen von der Ottsveränderung zu bcnachttchtigen. Letzterer signaliMe schleunigst seinen stundenlang vcttpäteten Dicnstanttttt den W' wohnern Grunas durch kräftige tzomstöße; das Getute lockte den echten Nachtwächter G.'s auf die Bildfläche, der dem an- scheinenden Eingriff in seine Funktionen mit der vollen Strenge des Gesetzes gegenübettretm wollte. Doch klätte sich die Situation noch rechtzeitig genug auf, um einen Konflikt zwischen den beiden Amtskolleqcn� zu verhüten. Mit dem schleunigen Rückmattche des verblüfft dreinschauenden Nachwächters na« seinem entfernten Wirkungskreis endete das fatale Abentewr- Pilsen, 12. November. Verunglückter Kondukteur. D» Kondukteur Georg Troboth ist gestern in der Station S*"1„ in Böhmen beim Einkuppeln zweier Waggons zwischen bc« Puffern von einer vorgeschobenen Schiencnladung am Ko?>' erfaßt und so schwer verletzt worden, daß er sofort leblos Z» sammenstürzte. Ter Unglückliche hinterläßt eine Wittwe in ße segneten Umständen und ein Kind._„ Patts, 11. November. In Folge neuer Regengüsse st" die Flüsse im Süden wiederum ausgetreten und richten gr"b Verheerungen an. In Mallemort sind Soldaten mit de Wiederherstellung des Ähonedammes beschäftigt. Auch die Lon ist gesttegen. In Rive-de-GierS mußte ein von Regen übe fchwemmter Kohlenschacht geräumt werden. Im Kohlenbeae der Rhonemündungcn laufen die Grubenwasser nicht mehr" und mußten daher die Arbeiten eingestellt werden. GleicbzeM" wird aus Nizza, Matteille, Cannes ic. über große Sturmflut??' hettchtet. In Marseille fährt man auf dem Boulevard® Canebi-re in Kähnen. In Nizza steigt das Meer bis zst.� "! Hc ......-chba— Spaziergänger vom«curm m--- ,c( jofendamm wcggeschleudett. Die Ketten und Taue, ivei die Schiffe festhielten, ttssen, als wären es Bindfäden- schöne Spazierweg dem Meere entlang, die„Croisette. theilweise zerstött. Die Züge zwischen Lyon und. seille find eingestellt.— Ein Telegramm meldet folgen",� „Nach amtlichen Bettchten aus den Uebettchwemmungsgeo'*, beiden 1*1., im Süden sind die Eisenbahnverbindungen auf on««» der Rhone nunmehr wieder hergestellt. Mehrere Brücken u die Durance find von den Fluthen fottgettsscn, und es rv? noch weitere Unfälle befürchtet. Der Regen fällt in Atrow. In Matteille verwüstete eine Meeresfluth das Prado-Ou"*? auch in Aix, Tarascon, Valence und Arles ist die Folge der Uebettchwemmung eine bedrohliche. Zwischen u- und Nizza ist die Eisenbahn unterbrochen."..merie- Budapest, 11. November.(Der Säbel.) Drei AttiU � soldaten attakirten heute Ahend mit blanker Waffe Feuerwehrgasse ohne irgend eine Veranlassung den Thore des Hauses Nr. 74 im Gespräch mit einem N'" stehenden Kutscher Georg Korn; letzterer erhielt am pje am linken Beine mehrere Hieb- und Stichwunden., Hilferufe des Ueberfallenen kam eine Polizeipatroume u � welche nach heftiger Gegenwehr die Soldaten arretitte U" Ober-Stadthauptmannschaft eskottitte, von wo sie in m-"L w kaserne abgeführt wurden. Der schwer verletzte Korn das neue Spital auf die Uellöettttaße gebracht. Der.„„g hatte in der Feuerwehrgasse eine große MenschenanjamMhe zur Folge, und konnten die Polizisten nur mit großer die Soldaten vor Thätlichkeiten schützen. übrigen Theil der Zettung R. Cronheim, sämmtlichen� Berantwottlich für den polttischen Theil und Soziales Max Cchippel, für Vereine und Vettammlungen F. Tutzauer, für den Druck und Verlag von Max Babing in Berlin sw., Beuthstraße Beilage zum Berliner Bolksblalt. Nr. W8. Dienstag, de« 16. November 1886. 3. Jahrg. Lokales. . Herr Rudolf Mosse und fein Zeiwngskatalog. Vor uns liegt em Büchelchen, betitelt:„Zeitungskatalog nebst Jn- icrnonstarif der gelesensten Zeitungen Deutschlands und des Auslandes von Rudolf Mosse, Zcitunas-Annonzen-Expedition Merlin zc." Für denjenigen, den Beruf oder Neigung für das seitungswesen intercsstrt, vietet das Büchelchen eine unerschöpf- »che Fundgrube für das, was man in unserem vorgeschrittenen tintaiter mit den Kosenamen„Humbug" und„Reklame" be- inchnet, und es mag uns daher gestattet sein, unsere Leser mit ewigen Worten über Wesen und Art dieses Mosse'schen Unter- Uehmens aufzuklären. Wir dürfen das wohl um so eher wagen, ms Herr Mosse von unserer bescheidenen Existenz keine Ahnung dat.— Dem eigentlichen Zeitungskatalog geht ein Vorwort ?vran, in welchem Herr Mosse die m seinem Verlage erscheinen- den Blätter in gebührender Weise mit Lobsprüchen überschütten laBt. Hieran kann und wird natürlich Niemand den Herrn, ?u' dessen Heldcnbrust ein hoher türkischer Orden prangt— Hen Mosse ist bekanntlich der Hauswitth des hicfigen türkischen gesandten— hindern, es wird aber in dem Elaborat mit Zahlen herumgeworfen, deren Richtigkeit selbst bei gänzlich Un- O�Widen berechtigte Zweifel erwecken muß. Glaubt Herr �osse. selbst noch an die berühmten 70000 Aoonnentm seines "Berliner Tageblatt?" Oder denkt er, daß es ihm ein Anderer fi.*; Tie ironischen Bemerkungen, mit denen seine markt- mirererischen Reklamen seit langer Zeit von der gesammten �esse— außer der Mosse'schen natürlich— aufgenommen Werden, sollten ihn schon längst eines Besseren delehrt daben. Wenn auch das„Berliner Tageblatt" die glorreiche „Uns kann Keiner", zu der seinigen macht, so gehon doch mehr als landläufige Leichtgläubigkeit zu der Annahme, daß Herr Mosse täglich 30 000 Exemplare ?Jeht herstellen läßte, als sein wirklicher Bedarf erfordert. Nur dieser Weise könnte der feine Unterschied zwischen Auflage irno thatsächlichem Abonnentenstand erklärt werden. Was Herr Trosse im Uebrigen über seine Blätter sagt oder sagen läßt, oarnber ist natürlich nicht mit ihm zu rechten, weil hier nur der �ejchmack maßgebend ist. Nichts auf der Welt aber ist depri- 'Mrender, als unfreiwillige Komik, fie wirtt um so niederschmettern- i« weniger man vielleicht an dieselbe dachte. Sollte der jp�rjasser der Vorrede zum Mosse'schen Katalog vielleicht ein mrkastischer Humorist sein, der seiner boshaften Laune einmal die Zügel schießen lassen wollte? Unwillkürlich wird man zu der -�ermuthung gedrängt, wenn man diese„Empfehlung" liest: -Deutsches Reichs- Blatt", Berlin. Dieses illustrirte Volks- Wochenblatt hat sich in Folge seiner populär geschriebenen Artikel Uber Politik, gewerbliche und landwirthschaftliche Fragen über ganz Deutschland in Stadt und Land, in kleinbürgerlichen und 'n A r b e i t e r k r e i s e n(!) zahlreiche Freunde und Anhänger Zworben und eine kaum geahnte Verbreitung gewonnen." Die Wage dieses neuen„Arbeiterblattes" wird mit der Kleinig- Ll von 22 000 verzeichnet. Selbstverständlich erscheint es im �?sse'schen Verlage und Herr Rickert ist der Macher desselben. „„.ju ächten wohl wissen, obgleich übertriebene Neugierde sonst .zÄs nicht unser Fehler ist, wie viel wirkliche Arbeiter das vi.»?- Äeichs-Blatt" nur ein einziges Mal zu Gesicht bekam- bi> Jtobkn. Herr Mosse könnte sich Glück wünschen, wenn er oe�merenz, die diese unbedingt minimale Zahl von den an- r"? 22000 subtrahirt ergicbt, dem Abonnentenstande seines 'ioriL Tageblatt" zulegen könnte. An den vielerwähntcn lOgna Wften dann wahrscheinlich SSohij�Doch abgesehen hiervon, immer noch mindestens bleibt Herr Mosse der große WrWvI der freiheitlichen Entwicklung der Presse überhaupt Do« Ä ist, das darf mindestens bezweifelt werden. sein, summert jedoch Herrn Mosse nicht, er findet %L,., Lebensaufgabe darin,„sich für das inserirende (fr f';Vm aufzuopfern. Lassen wir Herrn Mosse selbst reden. WsX-«Im Interesse des inserirenden Publikums und im anlog, möglichst viele Vortheile zu gewähren, habe ich Ver- p r nili ß genomnien, die alleinige Annonzenverwaltung er- erw�-s. � Onsertionsorgane von hervorragender Bedeutung zu wjnn.»""Sd in diesem Fache die verbreitetsten Blätter zu ge- «da« il'r• Durch seine menschenfreundlichen Bestrebungen für eine«Ä?�ende Publikum" kommt Herr Mosse nun leider in schein»>st sAiefe Lage. Wenn er die in seinem Verlage er- schlie/,"den Blätter über die Maßen lobt, so kann ihm das Curi�ch 7. wand verdenken, giebt es doch ein etwas derbes Sieft Nri' das da besagt: Ein schlechter Vogel, der sein eigenes ein-.« schmutzt! Man muß nun aber sehen, und man kann sich webr». Benn')en Gefühls des Mitleids dabei kaum er- Hin jff' auf wie künstliche Weise sich Herr Mosse fäon L*v?re,funÖ von Blättern herumdrücken muß, die doch Und„Ii'angerer Zeit der Partei des Herrn Mosse mit guten den nÄ.a?? mit schlechten Witzen entgegen steten und sich vor Kerad..? stst� Polemiken nicht scheuen. Ist es nicht ein «filn». unerhörtes Jongleurstückchen, wenn Herr Mosse vom Ndatsch in einem Katalog zu sagen gezwungen ist: allein � wenige Organe sind wie dieses im Stande, für sich den erforderliche Pudlizimng und den hieraus ersprießcn- Lllran«i. B der Ankündigungen auf dem Weltmarkte zu l*eit„„Icnv Ter Charakter dieses Blattes und dessen Ver- so au.®' die keine politische Grenze kennt, sind sein? 1? bekannt, daß es einer besonderen Hindeutung auf würdi. �st?mkeit als Jnsertionsmittel nicht bedarf." Merk- Olren,!!*» � der Kladderadatsch" urplötzlich„keine politische Mos,. �vuen soll, noch merkwürdiger aber ist es, daß Herrn sta»io.n cn ü�apfungen des früheren Witzblattes in der frei- entao„"-presse wegen seiner politischm Schwenkung vollständig doch stud. Man hat in der ganzen freisinnigen Partei «foeirinJ« e,ne ungemein feine Nase für Alles, was nicht nach Herrn srn»r�ht, und nun urplötzlich dieser Stockschnupfen bei dotfch" Selbsstedend wird die Auflage des„Kladdera- Herrn 40 000 angegeben, was vielleicht im Interesse des Werth und des„inserirenden Publikums" recht wünschens- !°rtwä��' mir aber, nachdem in der freisinnigen Presse schluß"Abonnentenschwund",„Erscheinen unter Aus- �sprochrn Oeffentlichkeit" und ähnlichen.Liebenswürdigkeiten fuch in Qnl", d«.angegebenen respektablen Ziffer empor. uiiuvui'iucnoct Jtatur, tiocl) rtfuip unter ihnen auch der„Lokalanzeiger". Dieses Blatt oh "jfSe Tendenz hat wohl hauptsächlich unter den Abonncnstn Mosse'schen„Tageblatt" aufgeräumt— man ficht daraus schon, welchen Kalibers dieselben sind— und Herr Mosse rächt sich in gentlemenliker Weise dadurch, daß er die Auflage des „Lokalanzeiger" verschweigt. Daß er dieselbe nicht hätte er- fahren können, wird er hoffentlich nicht behaupten, denn die Reklame-Affichen des„L.-A." an den Anschlagsäulen sind jeden falls groß genug und für Jedermann lesbar. Uns kümmem beide Annonzenblätter, das„Verl. Tagebl." und der„L.-A." gleich wenig, man sieht aber auch aus diesem Beispiel, welchen Werth und welche Zuverlässigkeit der Mosse'sche Zeitungskatalog selbst für„das inserirende Publikum" desitzt. Einhundert und fünfzig Jahre! Die„Nat. Ztg." schreibt: Zwei Adreßkalender der Stadt Berlin liegen vor mir, der eine aus dem Jahre 1733, der andere vom Jahre 1886— ein Zeitunterschied von rund 150 Jahren und sie reden eine gewichtige Sprache. Gewichtig auch im buchstäblichen Sinne, denn wie sie auf der Waage liegen, drückt der eine den Zeiger auf 3350 Gramm herunter, während der Wohnungsanzciger von 1733 sich mit 87 Gramm Gewicht bescheidet. Dabei ist der Urahne des dickbauchigen Führers von heute auf starkem Papier gednickt. Mit Jnhaltsverzcichniß und Namensregister nimmt er 168 Seiten jener kleinen, schmalen Oktavbüchlein ein, wie sie Angehörige des Handclsstandes in der Brusttasche zu tragen pflegen. Wenn die Herstellung des Wohnungsanzeigers mit seinen vielen Rubriken und der unendlichen Fülle von Aus- kunft, die man sich aus ihm holen kann, von Vielen als eine Kunst betrachtet wird, damals war es eine Wissenschaft. Wir erfahren wenigstens durch das Titelblatt, daß dieser Nachweis „aller derer Jnstantien und Expeditionen" erschienen ist, mit Approbation der königlichen Sozietät der Wissenschaft. Ge- meinsam ist uns mit jener Zeit geblieben die Zeit des Er- scheinens.„Alle Diejenigen, so Erinnerungen zu thun und irgend etwas eingerücket zu haben verlangen, werden geziemend ersuchet, daß sie bei Johann Samuel Pesenecker als Fattor der vo-iotSt auf's Längste bis Mattini Solches in beglaubigter Form beizubttngen belieben" und die übliche Bitte um Nachsicht für etwaige Jrtthümer kleidet sich in die Worte: Vornehmlich wird hiermit auf's feyerlichste bedungen, daß wo bey irgend einem Charakter, Nahmen oder Ordnung gefehlet seyn möchte, solches nicht aus Vorsatz geschehen, vielweniger zu einigem Nachtheil gemeinet oder gedeutet werden möge, hingegen auff bcschehene Anzeige willigst geändert werden solle." Es ist interessant, daß der seltene Name des Faktors, noch genau so geschrieben wie vor 150 Jahren, in Berlin noch heute, wenn auch in einem einzigen Falle vorkommt. Nach Ausweis unseres heutigen Adreßkalenders lebt noch ein Tischler Pesenecker in der Naunynsdaße. Der Kalender von 1733, welcher uns als Leitfaden dient, hat einem Beamten gehört. Darauf veriveist zunächst der sehr ausgeschriebene und ebenso unleserliche Namens- zug neben dem Titelblatt, dann aber auch die gewissenhaften Einzcichnungen. Er war Jurist, allem Anschein nach Rechts- anwalt, denn er hatte Termine wahrzunehmen in Magdeburg und anderen Orten der Umgegend. Die kleinen und großen Sorgen, die ihn bedrückten, finden sich angedeutet. Am 7. Juli hatte er einen„Feuer-Schrecken" und am 6. Dezember hat er zu brennen angefangen, nachdem er am 5. bereits ein Fuder Holz 6 4 Thaler 12 Silbergroschen 6 Pfennige eingefahren hatte. Auch sparsam war er, denn er heizte nur„täglich ein Mal". Mehr über die persönlichen Verhältnisse unseres Freundes zu ermitteln ist nicht möglich. Desto interessanter ist die Aus- kunst über seine Zeit. Man schtteb noch den Gregorianischen und den verbessetten Aalender neben einander, seit der Ein- fühmng des letzteren waren erst 34 Jahre vergangen und es mag bei den Gebuttstagen der älteren Leute nicht selten Ver- wirrungen gegeben haben. Ebenso bewegte man sich zwischm der gothischen Fraktur und der Antiqua hin und her. Wenn Freund Pesenecker die heutige Frage der wünschenswetthen Schnftzeichen vorahnend gesehen, er hätte kaum einen besseren vermittelnden Weg finden können. Für den Tett hat er die zu jener Zeit besonders schön verschnörkelten Frakturlcttern bei- behalten, wo immer aber ein Wort auf einen fremdsprachlichen Ursprung hindeutet, da respettirt er seine Wurzeln und so ist denn kraus durcheinander Fraktur und Antiqua an- gewendet, Publikum, Charatter, Adresse, Direktor marschiren in lateinischem Gewände auf. Einen Nachweis der Einwohner nach Straßen enthält der Adreßkalender nicht, aus dem ein- fachen Grunde, weil die Häuser damals noch nicht numetttt waren. Wir erfahren, daß ein Beamter in dem Ncumann'schen Hause in der„Fnedrichs- Gracht in Kölln" und ein anderer in „des secligen Herrn Schulzens Hause gleich dem Berlinischen Rathhause über", während noch unbestimmter der Kttegskom- missar Nicolai„in einem Hause ohnweit der Langen Brücke am Wasser" logitt. Es mag ja für damalige Zeiten diese immer noch aufs Rathen zugeschnittene Auskunft hingereicht haben. Aber ein Schaudern könnte einem bei dem Gedanken über- kommen, an der Hand solcher mageren Fingerzeige heute in Berlin einen Freund aufsuchen zu müssen. Unsere städtische Verwaltung bestand auch damals schon aus Magistrat und „Verordneten", letztere von der löblichen Bürgerschaft sowohl „teutscher als frantzösischer" Nation. Aber der Magistrat war zahlreicher. Er hat 31 Mitglieder, sämmtlich mit dem Charakter Rathmann, neben ihren anderen auszeichnenden Benamsungen, während wir an Verordneten nur 18 zählen, darunter entsprechend den Stadtgegcnden, in denen die französischen RsfugiSs Haupt- sächlich angesiedelt waren; als Verordnete auf dem Friedrichswerder Le sienr La Pierre und auf der Dorotheenstadt Le sieur Daniel Bonnet. Es waren erst 47 Jahre seit der Aufnahme der Refugi-s durch den Großen Kurfürsten vergangen; welchen gewaltigen Einfluß auf alles Leben sie damals übten, geht aus dem Ver- zeichniffe deutlich hervor. Keine Behörde, in der sie nicht festen Fuß gefaßt haben, daneben haben sie aber noch ihre eigenen Ober- und Untergettchte, ihre Wohlthätigkeitsanstalten, Schulen und Kirchen, von denen sich alle bis auf den heutigen Tag er- halten haben. Ebenso finden das königliche Joachimsthalsche Gymnasium in der Heiligen Geistsstaße— die Kaiser Wilhelm- straße hat es verdrängt—, das Berlinische Gymnasium in der Klostersstaße, in dem sogenannten Grauen Kloster- wo es noch heute ist— das Köllnische Gymnasium—„ist für itzund auf dem„Köllnischen Ratyhausc"(wo es auch noch sehr lange verblieb),- und das Friedttchswerdersche Gyninasium-„ist auf dem daselbstigen Rathhause" bereits die echeulichste Aus- kunft über die Zusammensetzung der Lehrerkollegien. Mit der Kunst sah es damals noch recht schlimm aus. Im Jahre der Jubiläums-Kunstausstettung macht es sich überaus ruhrsam, die kleinen Anfänge zu bestachten, aus denen die Kunst bei uns herausgewachsen. Wir haben 4- sage und schreibe vier- „Mahler". Sie verdienen eine noch posthume Erwähnung: Herr Friedrich Wilhelm Weidemann, Hofporstaitmalcr, Johann Harper, Miniatur- Maler, Herr Pesne, Pottraitmaler, und Herr Dismar Tägen, der als„würklicher Bataillen- und See- schlachtenmahler" mitverzcichnet ist, obwohl er„dermalen rn Potsdam" logitte. Im Uebttgen scheint der Begrin der Kunst etwas weit gezogen gewesen zu sein, denn unter der Ueberschnst Mi-" wlrfe«ÄÄT Häusern scheint Berlin um 1733 schlimm bestellt gewesen zu sein. Unser Büchlein verzeichnet nur 18, von bekannten Namen. findet sich unter den Besitzern nur Frau Wittwe Therbusch, vermuthlich eine Verwandte des Besitzers der späteren Ther- busch'schcn Ressource. Es würde zu weit führen, dem Büchel- chen in alle die Wege zu folgen, in welche es Ausblicke er- öffnet. Tie Post nach Potsdam, die fahrende Post, ging damals jeden Sonntag und Mittwoch Morgen um 6 Uhr, außerdem noch eine reitende für Briefe zwei Mal in der Woche. Und nun geht in Euch, Ihr Ungenügsamen, denen es noch nicht genug ist, wenn heute täglich 38 Züge zwischen Berlin und Steglitz kursiren. Und wieder fällt der Blick auf den dicken Buttchen von 1886, der das hagere Männlein von 1733 schier zu erdrücken droht und es drängt sich die Frage auf, was soll werden? Heute haben wir schon zwei Bände, wenn erst die zweite Million voll sein wird,— ivie lange noch?— werden es drei Bände sein? Geschickt und findig, ist der Adreß- kalender von heute das geblieben, was er die langen Jahr- zehnte geivesen, ja er ist noch vermehrt worden. Das Papier wird dünner, die Spalten enger, der Druck kleiner. Aber es wird die Zeit kommen, wo er nicht mehr dünner, enger, kleiner werden kann. Dann, fürchten wir, wird es ohne Operation nicht abgehen. Mit großem Messer wird man unbannherzig einige Theile hinausschneiden oder sie selbstständig erscheinen lassen. Denn es giebt eine Grenze des Möglichen. Wenn dieser Zeitpunkt erscheint, wir wagen es nicht zu sagen, viel- leicht, wenn die Kraft eines rüstigen Mannes nicht ausreichen wird, diese Bände, nein diese Bibliothek, zu tragen. Wie wir heute mit einem gewissen Gefühle von Mitleid auf den Adreß- kalender von 1733, wird man dann mit Neid auf die er» schöpfenden Mittheilungen von heute zurückblicken. Da durch Publikation vom G. er. im„Deutschen Reichsanzeiger" das Liquidationsvcrsahren gegen den polizei- lich geschlossenen„Arbeitcr-Bezü ksverein der Roscnthaler Vorstadt" eingeleitet worden ist und die Reklamationsfrist am 20. er. ab- läujt, so werden alle ehemaligen Mitglieder und Gönner des genannten Vereins aufgefordett, ihre unter Vorbehalt ihres Eigenthumsrechtes geliehenen Bücher beim Knminalkommissar Herrn v. Kracht, Molkenmarkt 1, Zimmer 17, unter Angabe der Nummer oder des Titels als ihr Eigenthum schriftlich zu rcklamiren, da mündliche Reklamationen unberücksichtigt bleiben. — Dasselbe gilt von dem Arbeiter-Bezirksverein der Oranienburger Vorstadt und des Wedding.. Zur Frage des amtlichen Marktberichts. Bekanntlich ist bei Begründung der Niarkthallen die Ausgabe eines zweimal. wöchentlichen amtlichen Marktberichts seitens der Verwaltung in Aussicht genommen worden. Wenn derselbe bisher unterblieben ist, so lag das allein daran, daß man sich über oen Modus der Ausarbeitung desselben, sowie über die dabei zu hörenden In« teressen noch nicht klar war. Jetzt nun war von der Ver- waltung der Zentralmarkthalle bestimmt, daß dieser Marttbericht am Mittroodi und Sonnabend von der Verwaltung in Ge- meinschaft mit der Marktpolizei und der Kommission der städti- schen Verkaufsvermittler herausgegeben werden sollte. Die ge- nannte, aus fünfzehn Mitgliedern bestehende Kommission hatte als Verstauensmänner für diese Kommission die Herren Eduard Weinheaer, Adolf Heimann, Haast u. Co., Franz Andreas und Julius Treitel gewählt. Die„Ällg. Fleischer- Ztg." schreibt hierzu: Fand dieses Arrangement schon in den Kreisen der Verkaufsver- mittler getheilte Aufnahme und nahmen schon ihre Organe verschiedene Stellung d«u ein— die„Zentralmarkthalle" erklärte sich dafür, die„Markthallen- Zeitung" dagegen— so glauben wir im Interesse der Fleischer sehr entschieden uns gegen dies beabsichtigte Arrangement erklären zu müssen. Wir haben uns naturgemäß mit dieser Frage N"r zu beschäftigen, soweit sie den Flcischvcrkauf und den zur Feststellug der Fleischpreise gewählten Kommissionär Herrn Treitel betrifft. Wir gingen von der Ansicht aus, daß gerade Herr Treitel am wenigsten dazu berufen wäre, für die amtliche Mittheilung der Fleisch- preise mitzuwirken. Als Kommissionär hat er heute gutes, mor- gen schlechtes Fleisch unter den Händen; seine Preisbejlimmungen würden von ganz anderen Gesichtspunkten ausgehen, als es die berechtigten Interessen der Markthallen- und Ladenfleischer er- fordern. Aus diesem Punkte sahen wir uns veranlaßt, in dieser Angelegenheit bei! der Verwaltung der Zcnstalmarkthalle. bei der wir stets ein offenes Ohr und bereitwillige Abhilfe für berechtigte Klagen gefunden haben, vorstellig zu werden. Wir find in der angenehmen Lage, unseren Lesern mittheilen zu können, daß die Verwaltung sich auch diesmal unseren Vor- stellungen nicht verschlossen hat. Sie theilt unsere eingehend geltend gemachten Bedenken und hat bereits einen Modus ge- fundcn, der die gefürchtete Benachtheiligung des Fleischer« gcwerbes verhindern kann, wenn— nun wenn eben die Fleischer selbst zur thätigen Mitwirkung bereit sind. Es sollen nämlich zweimal wöchentlich an mehrere Fleischer der Zentralmarkthalle Formulare vcttheilt werden, in denen von den Fleischern selbst die Marktpreise notitt werden sollen. Die Wahl dieser Fleischer, welche also als Verstauensmänner des in der Zentralmarkthalle verstttenen Fleischergcwerbes zu fungiren hätten, überläßt die Verwaltung vollständig den Fleischern. Empfehlen dürfte es sich, neben Engrosschlächter» auch Detailfleischer zu wählen, damit eben alle Interessen gleichmäßig vettreten sind. Es werden natürlich besondere Fleischer für die Preisfeststellung des Rind-, Kalb-, Hammel- und Schweinefleisches zu wählen sein. Wir möchten bei dieser Gelegenheit gleich daraut aufmerksni» machen, daß es sich empfehlen dürfte, sie Preisnotirungen für Die einzelnen Fleischsotten in drei Qualitäten festzusetzen, wogegen beim Rindfleisch vier Qualitäten nothwendig sein werden. Eine Be« lästigung der Fleischer tritt durch die Ausfüllung dieser For- mulare keineswegs ein; dieselben sollen am Mittwoch und Sonnabend ausgegeben werden, also an Tagen, an denen die Engrosschlächter und die Details chlächter ohnedies in der�Zenstal- Markthalle anwesend sind. Wir glauben daher mit Sicherheit annehmen zu können, daß die Fleischer von diesem in ihrem eigenen Interesse neu getroffenen Arrangement ausgiebig und bereitwilligst Gebrauch machen werden. Ein berechtigtes Verlangen. In Hunderten und wohl sogar in taufenden von.Haushaltungen begegnet man der ganz unverantwottlichen Fahrlässigkeit, mit welcher zu irgend einer Gelegenheit gekaufte Chemikalien aufbewahtt werden. Es kommt nur selten vor, daß auf den kleinen Düten der vcrad- folgte Inhalt verzeichnet steht, stotzdem dies von den Verkäufern geschehen könnte. Man denke sich, in einer Familie wird plötz- lich ein Mitglied stank.„Doppelkohlensaures Natron habe ich zu Hause", sagt die Hausfrau. Eiligst wird ein Päckchen mit weißem Pulver in ein Glas mit Wasser geschüttet und der atient tttnkt— chlorsaures Kali! Der Sprößling empfindet „Magenschmerzen.„Hier ist noch ein Rest von Rhabarberwein", sagt eine Angehörige und der Kranke erhält einen Löffel voll - Jodtinktur. In vielen Füllen, das weifen die ärztlichen eststellungen nach, ist auf diese Weife gegen den Willen der letroffenen eine Vergiftung vorgekommen und leider zu spät hat man den großen Jrrthum eingesehen. Es wäre mit Rück- ficht auf diese Thatsachcn gewiß ein berechtigtes Verlangen. 'daß jeder Apotheker und Droguist auf den Düten der Chemi- kauen den vollen deutschen Namen vermerkt und auch eventuell das Giftzeichen danebensetzt._ Zur Unfallversicherung der im Fuhrbetnebe Beschäftigten hat das Reichsversichemngsamt kürzlich eine für unsere Berliner Verhältnisse wichtige Entscheidung getroffen. Es han- belle sich nämlich um die Entscheidung der Frage, ob ein Fuhr- Unternehmer, der seinen Kutschern die Benutzung des ihm gehörigen Wagens unter gewissen Modalitäten gestattet, zur Krankenversicherung desselben und bezw. zur Unfallversicherung herangezogen werden kann. Das Reichsversicherungsamt entschied, daß, wenn ein Fuhrherr seine einzelnen Wagen(Drosch- ken) dergestalt an Kutscher ausgiebt, daß die letzteren für die Bührung der Droschke keinen festen Lohn beziehen, sondern eine uote oder den eine festgesetzte Summe übersteigenden Betrag der Tageseinnahme für sich behalten, während die andere Duote oder die festgesetzte Summe täglich an den Fuhrherm abzuliefern ist, diese Kutscher nicht als Betriebsunternehmer der von ihnen geführten Droschken anzusehen sind; als solcher gilt vielmehr der Fuhrherr, und das geschilderte Ver- hältniß stellt sich lediglich als eine eigenartige Modalität der Lohnzahlung dar. Aehnlich verhall es sich mit den Kahnführern, welche von den Schiffseigenthümern gegen einen bestimmten Antheil an der Fracht angenommen sind. Auch hierin ist nur eine besondere Form der Löhnung zu erblicken, welche in den desonderen Verhältnissen des Betriebes ihren Grund hat. Unter- nehmer im Sinne des Unfallversicherungsaesetzes bleiben danach in den hier geschilderten Fällen stets die Besitzer der betreffenden Fahrzeuge. Bon der Ausstellungs-Lotterie. Im„B. Börs. Eour." findet sich eine Notiz, die geeignet ist, den glücklichen Ge- winnem in der Ausstellungs-Lotterie eine gelinde Gänsehaut über den Rücken zu jagen. Es heißt da:„Wir haben unseren Lesern heute eine Nachricht zu geben, die in weiten Kreisen Be- fremden und theilweise sogar Unwillen erregen wird. Es han- delt sich um die Ausstellungs-Lotterie, deren Ziehung gestern geschlossen worden ist. Bei der Beendigung der Lotterie stellte sich heraus, daß in der Trommel ein Loos fehlte. Soweit unsere Informationen reichen, war man mit der Nachforschung über den Verbleib desselben vergeblich beschäftigt. Es könnte mithin leicht der Fall eintreten, daß die ganze Verlosung für ungiltig erklärt und dieselbe wegen des fehlenden Looses noch einmal von vorn angefangen werden müßte. Wir wollen hoffen, daß eine solche Nothwendigkeit nicht eintreten wird, die in so hohem Grade geeignet wäre, die Interessen derer, die sich bisher für die Gewinner halten dursten, zu schädigen."— Hoffentlich wird die Sache nicht so schlimm werden, wir glauben vielmehr, daß es sich hier um eine Sensationsnachricht' irgend eines Reporters handelt. Wenn wir nicht irren, sind derartige Unglllcksgerüchte schon häusig bei ähnlichen Lotterien aufge- tauäit und wurden immer sehr schnell dementitt. Am besten allerdings ist der daran, der überhaupt kein Loos besitzt. Er braucht dann im Falle des Gewinns wenigstens zum Schaden nicht auch noch de» Spott zu tragen. Statistische Notizen über das öffentliche Fuhrwesen in Berlin pr. Oktober 1886. Bei der stets wachsenden räum- liehen Ausdehnung Berlins und der hastenden Erwerbsthätigkeit der Berliner, welche dem bekannten Worte:„Zeit ist Geld!" immer mehr Anerkennung verschafft, Kitt die selbstthätige Be- förderungskraft des Einzelnen immer mehr in den Hintergrund und er wird immer mehr gezwungen, zu anderen Beförderungs- mittel» seine Zuflucht zu nehmen. Der Stadtbahn, welche auf Dampsesflügeln den nordischen Bewohner in südliche Gefilde entführt und die entferntesten Punkte„mit affenartiger Ge- schwindigkeit" verbindet, steht ein ganz stattlicher öffentlicher Fuhrpark zur Seite und zun, Dienste des Publikums bereit, denn am 30. Septbr. d. I. waren im Betrieb: 1913 Droschken 1. Klaffe, 2459 Droschken 2. Klasse und 148 Gepäckdroschken, welche im Lause des Monat Oktober durch Neueinstellung noch um 20 Droschken 1. Kl., 9 Droschken 2. Kl. und 2 Gepäckdroschken vermehrt wurden. Die Große Berliner Pferdebahn hatte 677 Waggons, die Berliner Pferdebahii 76 Waggons und die Neue Berliner Pserdeeisenbahn 89 Waggons zu gehen. Außerdem sorgten noch 97 einspännige und 291 zweispännige Thoiwagen und 179 Omnibusse für einen schnelleren Verkehr, welche letzteren im Laufe des Oklober noch uni 2 durch Neu- einslellung vermehrt wurden. Außer Betrieb gestellt für immer wurden dagegen 16 Droschken 1. Kl., 10 Droschken 2. Klasse, 1 Gepäckdroschke, 1 einspänniger und 11 zweispännige Thorwagen, sowie 2 Omnibusse, so daß am 31. Oktober d. F. ein Bestand von 1917 Droschken 1. Kl., 2458 Droschken 2. Klasse, 149 Gepäckdroschken, 842 Pferdebahnwagaons, 96 einspännigen, 280 zweispännige» Thorwagen und 179 Omnibussen vorhanden war, welche zusanimen die Summe von 5921 öffentlichen Fuhrwerken ergeben. Durch die Regulirung des Tpreelaufes, wie sie, wie bereits früher mitgetheilt, beabsichtigt und voraussichtlich auch durchgeführt wird, wird einem unnatürlichen Zustande ein Ende gemacht, unter dem Berlin Jahrhunderte zu leiden hatte. Die Anlage der Mühlen reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück und der Schiffsahrtsverkehr zwischen Ober- und Unterspree blieb seit- dem durch sie unterbrochen. Erst später schuf man für ihn durch die Friedrichsgracht einen Uebenveg, dem aber erst wieder durch den Schiffsahrtskanal Erleichterung geschafft werden mußte. Tie Gracht ivird bei Oeffnung des Hauptarmes der Svree überflüssig und soll durch Zuschüttung in eine breite Avenue von den Linden in die Altstadt umgewandelt werden. Die Schleuse inmitten der Stadt fällt damit auch fort. Sie hat in der Geschichte Berlins eine schicksalsreiche Bedeutung, denn sie kostet der Stadt ihre Mühlen und ihre andere Lehen an Dörfern, Zinsen, Renten, Fischereien, Holz jc., sowie Geld- strafen von 37 300 Gulden und 400 Schock Groschen. Kurfürst Friedrich ll hatte Berlin und Cölln 1442 unterworfen und begann den Bau seiner Burg in Cölln. Um den Burggraben mit Wasser zu füllen, legte er eine Arche an, die Vorläuferin der heutigen Schleuse. Diese Anlage rief in Cölln Ueder- schwenimungen hervor und die ohnehin erbitterten Bürger zogen im Januar 1448 die Arche auf. Der Kurfürst defahl, dieselbe wieder zu schließen, die Bürger jedock gehorchten nicht. Sein mit Verhandlungen beauftragter Hosrichter Balzer Hake wurde vom Rath ins Gefängniß geworfen und die kurfürstliche Kanzlei gestürmt. Ein Schiedsrichter- Kollegium, welches der Kurfürst nun nach Spandau zusanimenrief, verurlheilte die Städte zu harten Bußen. Der Bürgermeister Berend Riste wurde abgesetzt und Hofrichter Peter von der Gröben dazu ernannt. Die Stadt arbeitete in Folge ihrer schweren Bußen noch 130 Jahre später mit einem Defizit. Die Arche erweiterte sich allmälig zur Schleuse. Im Jahre 1578 wird ein Neubeu verzeichnet, 1653 ein zweiter durch den Holländer Garritsen. Erst Kurfürst Friedrich. ließ die Schleuse 1694 in Stein fassen. Dies Ereigniß schien bedeutend genug, um dasselbe durch eine„für- treffliche" Medaille des Kunstgraveurs R. Faltz zu verewigen. Die Rückseite der Medaille giebt ein getteuesBild der Gegend im Jahre 694 wieder. Die Umschrift lautet:„Er hat sie von Holz gefunden, von Stein aber hinterlassen." Die Beseitigung der Schleuse wird ein ungleich wichtigeres Ereigniß werden, wie die Errichtung derselben, das aber wohl schwerlich durch eine Medaille verewigt werden wird. Dreißig Stück Hammel haben in diesen Tagen dem Kommissionär K. in der Zentralmarkthalle konfiszirt werden müssen, da sie sich zum Genuß als durchaus unbrauchbar er- wiesen. Diese wiederholt den Kommissionären passirenden Kon- stskationen sprechen vielleicht noch deutlicher als alle Leitartikel sür die Berechtigung der Klage über die Zufuhr von minder- werthigeni und verdorbenem Fleisch. Das Trocknen der Wäsche in kleinen Haushaltungen er- folgt während des Winters sehr oft in der Weise, daß die Wäschestücke möglichst in die Nähe des warmen, vielleicht zu diesem Zwecke besonders stark geheizten Ofens gebracht werden, wobei es nur schwer zu vermerden ist, daß die Wäschestücke den Ofen nicht unmittelbar berühren. In kleinen Haushaltungen aber werden erfahrungsgemäß fast in überwiegender Mehrzahl die eisernen Oefen verwendet, weil sie beim Kochen zugleich der Heizung dienen. Aber auch bei Kachelöfen ist in Folge Schad- Haftwerdens einzelner Stellen in der Nähe des Feuenings- platzes die Annäherung leicht brennbarer Stoffe nicht unbedenk- lich. Thatsache ist, daß mit Beginn der Heizperiode vielfach kleine Brände aus den erwähnten Ursachen hervorgerufen werden und die betteffenden Familien dadurch oftmals in erheblichen Schaden gerathen. Es verdient aber auch deshalb auf diese Gefahr hingewiesen zu werden, weil die Urheber eines solchen Brandes sich, wenn derselbe etwa größere Aus- dehnung annimmt, nach den strafrechtlichen Bestimmungen der fahrlässigen Brandstiftung schuldig und damit strafbar machen, auch Gefahr laufen, den ihnen aus solchem Brande erwachsenen Schaden, soweit sie solchen bei einer Anstalt versichert haben, nicht ersetzt zu erhalten. Mögen deshalb die Hausfrauen mit dieser Manipulation des Trocknens der sogenannten kleinen Wäsche doch ja recht vorsichtig umgehen. An der Ecke der neuen Friedrickstraße und schmalen Gasse befindet sich, wie der„Volks-Ztg." geschrieben wird, hart am Hause eine hölzerne Trinkhalle und unmittelbar an dieser eine Hölzerire Obstbude. Ein Staketenzaun der primitivsten Sorte umfriedigt einen Sandhaufen dicht neben der Obstbude und schließt die Perspektive würdig ab. Wenn man bedenkt, daß die Häuser in dieser Gegend größtentheils aus Fachwerk erbaut sind, so kann man sich des Gedankens nicht erwehren, daß, wenn hier einmal, aus Böswilligkeit oder Unvorfichtigkett veranlaßt, eine Feuersbrunst ausbräche, diese leicht einen großen Umfang annehmen und einen dedeutenden Theil der benach- karten Häuser einäschern könnte. Schleunige Abhilfe wäre nothwendig, ehe es zu spät ist. Die Dachdeckerarbeiten an der Hedwigskirche üben einen eigenartig fesselnden Reiz auf den Zuschauer aus. Bis zum höchsten Punkt der Kuppel streben die auf dem Dache nur lose aufliegenden Leitern empor, auf welchen die Arbeiter mit einer so scheinbar gleichmüthigen Sorglosigkeit Hantiren, daß den Zuschauer ein stark beängstigendes Gefühl überkommt. Ein besonders erregendes Empfinden verspürt man, wenn sich zwei der Arbeiter hier in schwindelnder Höhe aus solch einer schmalen Höhe begegnen und, weit nach seitwärts sich beugend, aneinander vorbeiklinnnen. Eine eigenartige Geschäftspraxis glaubt eine Wiener Firma den Zeitungen gegenüber anwenden zu können. Sie giebt unter der Ueberschrift.„Fast verschenkt" ein ca. 30 bis 40 Zeilen großes Inserat über ein Service im Werthe von 15 Ä- auf und schreibt dazu:„Wir erlauben uns Ihnen für 15 Insertionen des nebenstehenden Textes„Fast verschenkt", dessen Einschaltung Sie gefälligst das erste Mal bei Empfang dieses und sodann einmal wöchentlich, Sonnabend oder Sonn- tag, in Ihrem werthen Journal veranlassen wollen, ein Service anzubieten und verpflichten uns Ihnen dasselbe bei Erhalt Ihrer Belege zuzusenden. Gleiehzeitig bemerken wir Ihnen, daß wir momentan auf andere Konditionen nicht eingehen. Hochachtend Universal-Versandt-Bureau Ottakring-Wien. Wir bitten um wöchentliche Zusendung der Beleg-Exemplare." Wir glauben nicht, daß irgend eine wirklich gelesene Zeitung auf dergleichen Offerten eingehen wird, sonach dürste an Stelle der Annonzen-Baarzahlung sehr bald die Zahlung in Forin eines halben Dutzend warmer Würstchen bei Fleischinseraten, eines Liters Borsdorfers bei Obstinseraten, einer warmen Unterjacke bei Wollinseraten rc. von den Inserenten bevorzugt werden. — Um Uebrigen aber würden wir im Interesse unserer Leser das Inserat des„Universal-Versandt-Bureau" auch dann nicht aufnehmen, wenn das famose Bureau Baarzahlung dafür ver- sprechen würde, denn es ist dies dasselbe„Bureau", mit dessen „Pferdedecken" seiner Zeit viele Käufer so arg hineingefallen sind. Die Detalls der Angelegenheit dürsten unseren Leser» noch in Erinnerung sein. Der Bronzewaarenerzeuaer Josef Gugaenbichler, welcher am 30. v. Mts. auf den Verwalter des Hauses Feilner- sttaße 2a, Dr. Simmel, in dessen Wohnhause in der Land- arafensttaße drei Revolverschüsse abgegeben hat, welche Dr. Simmel zwei Verwundungen beibrachten, ist in Wien verhaftet worden. Durch die Erhebungen der Wiener Polizeidirertion, die von dem Verbrechen Kenntniß erlangt hatte, wurde konsta« tirt, daß Guggenbichler, der vor einigen Jahren in Wien eta- hlirt war, mit einem Pfeifenbeschlager in freundschaftlichem Verkehre steht. Dieser Geschäftsmann wurde ersucht, falls der Verfolgte bei ihm erscheinen sollte, hiervon sofort der Polizei- direktion die Anzeige zu erstatten. Am Freitag früh traf Guggenbichler auch wirklich in Wien ein, besuchte sofort seinen Freund und stellte sich in Folge Aufforderung desselben selbst der Polizeidirektion. Der Angeschuldigte, in dessen Besitz ein geladener Revolver gefunden wurde, wurde dem Landesgerichte eingeliefert. Da er österreichischer Staatsangehöriger ist, wird er nicht dem Berliner Strafgerichte ausgeliefert und wird ihm der Prozeß in Wien gemacht werden. Ein Lebensmüder, der offenbar keine Kourage besaß, einen Sprung in's Wasser zu wagen oder überhaupt wasserscheu war, verursachte gestern Abend zwischen 7 und 8 Uhr aus der Schillingsbrücke durch sein auffallendes Benehmen einen großen Auflauf. Den Hut fest auf den Kopf gedrückt und den Rock dicht zugeknöpft, versuchte er an verschiedenen Stellen des eisernen Brückengeländers sich hinüberzuschwingen, blieb aber stets nur bei dem Ansatz und als er doch endlich Ernst zu machen versuchte, wurde er von Zuschauern der Szene zurückge- rissen.„Meine Tochter hat sich das Leben genommen, und nun will ich es auch thun", sagte er verzweifelt vor sich hin, und wieder versuchte er, aber vergeblich, über das Geländer zu springen.„O du himmelblauer See, kennst nicht mein Herze- leid, kennst nicht mein Weh", sang er sodann, am Geländer der Brücke auf und abgehend. Das Komische der Situation schwand, wenn man dem Aermsten in sein Gesicht sah, welches den Stempel inneren Grams und großer Entbehrung ttug. Vielleicht war er auch geistesgestört. Ein Schutzmann sorgte für seine Fortführung, um den Auflauf zu zerstreuen. Ob er nicht noch sein schreckliches Vorhaben ausgeführt hat? Polizeibericht. Am 12. d. M. Nachmittags erwürgte sich — wahrscheinlich in einem Anfall von Geistesstörung— eine Frau mittelst einer Zuckerschnur in ihrer Wohnung in der Ad- miralsttaße.— Am 13. d. M. Nachmittags ging am Potsdamer Bahnhof ein Troschkenpferd mit einer mit fünf Personen be- setzten Gepäckdroschke durch und rannte in der Königgrätzer- sttaße so stark gegen einen Arbeitswagen, daß es stürzte und dabei die Droschke umwarf. Die Insassen derselben hatten an- scheinend keinen Schaden erlitt- n und setzten mit einer anderen Droschke ihren Weg fort.— Um dieselbe Zeit stürzte ein zwölf Jahre alter Knabe durch eigene Unvorsichtigkeit von der Frei- treppe an der Kronprinzenbrücke in die Spree, wurde aber so- fort wieder herausgezogen und seinen Eltern übergeben.— Ferner siel am Schleswiger Ufer, gegenüber der Borsig'schen Mühle, ein etwa 6 Jahre alter Knabe in der Spree und wurde von dem Kutscher Büttner, Landwehrsttaße 16a wohnhaft, mit eigener Gefahr gerettet.— Gegen Abend entstand beim An- zünden der Gasflammen in der Schröder'schen Galanterie« waarenhandlung, Potsdamerstt. 24, Feuer, durch welches die aus- gestellten Waaren völlig vernichtet wurden.— Am 14. d. M. Mittags überrannte ein Knabe, als er mit seinem Veloziped auf dem Promenadenwege der Frankfurter Allee umherfuhr, einen 2 Jahre alten Knaben, so daß dieser eine nicht unbedeu- tende Verletzung am Kopf erlitt.— Nachmittags geriethen in einem Bodenverschlag des Hauses Unter den Linden 16 dort aufbewahrte Lumpen in Brand. Die herbeigerufene Feuerwehr trat nicht in Thätigkett, da das Feuer bereits vor ihrem Ein- treffe» von Hausbewohnern ausgegossen worden war.— Um dieselbe Zeit wurde an der Ecke der Kommandanten- und Alexandrinensttaße ein 11 Jahre altes Mädchen durch eine Droschke überfahren. Es erlitt außer einigen.Hautabschürfungen auch anscheinend schwere innere Verletzungen, so daß es mittelst Droschke nach Hause gefahren werden mußte. Gerichts-Ieitnng. Bezüglich der Krankenversicherungspflicht der Kellne- rinnen fällte die 97. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichts eine bemerkenswerthe Entscheidung. Bekanntlich beziehen die Kellnerinnen bei der größten Mehrzahl der Berliner Restaura- teure keinen Lohn und find ausschließlich auf die Trinkgelder der Gäste angewiesen; auch findet eine Kündigung dieses Dienstverhältnisses von keiner Seite statt. Infolge dieses Um- standes haben es sehr viele Restaurateure unterlassen, die bei ihnen in Dienst befindlichen Kellnerinnen zur Ortskrankenkasse anzumelden und das statutenmäßige Krankengeld zu zahlen resp. von den Kellnerinnen einzuziehen. Der Berliner Magisttat vertritt nun die Ansicht, daß die den Kellnerinnen gewährte freie Kost als das ihnen gewährte Lohn anzusehen ist und daß demgemäß auch die Kellnerinnen, welche kein Lohn bezichen, aber freie Kost bei ihren Prinzipalen haben, für versicherungS pflichtig anzusehen ist. In Konsequenz dieser Entscheidung wurden die Restaurateure, welche die Anmeldung ihrer Kellne« rinnen zur Ortskrankenkasse unterlassen haben, nicht nur in Strafe genommen, sondern von dem Kassenvorstand auch auf Zahlung der Beiträge verklagt. Restaurateur Wilhelm Schulz erhob gegen das Strafmandat Widerspruch und machte im Termin geltend, daß seine Kellnerinnen wohl ab und zu freie Kost erhalten, daß sie aber einen vertragsmäßigen Anspruch darauf nicht haben. Sie bezahlen zuweilen auch die von ihm entnommenen Speisen. Dies wurde von der vernommenen Kellnerin Heyl bestätigt. Der Amtsanwalt beantragte hierauf selbst die Freisprechung des Angeklagten, weil freiwillige Ge« Währung von Speise nicht als ein bedungener Lohn zu erachten sei. Somit falle die Versicherungspflicht für die Kellnerinnen des Angeklagten fort. Der Gerichtshof schloß sich dieser Aus- führung an und sprach daher den Angeklagten kostenlos frei. Ern Nachspiel zur Grünauer Affäre. Der Schlosser Hermann Köpke war in Folge seiner Theilnahme an dem de- kannten Ausfluge der Berliner Arbeitervereine nach Grünau am 29. August d. I. mit einem polizeilichen Sttafmandat in Höhe von 5 Mark event. einem Tage Haft bedacht worden, weil er„der an ihn ergangenen Aufforderung eines Auffichts» beamten, einen rothen Sylips, den er„in herausfordernder Weise trug, abzulegen, nicht unbedingt Folge geleistet und denselben später„in demonsttativer Weise" wieder umgebunden haben soll. Gegen dieses polizeiliche Mandat hatte Herr Köpke richter« liehe Entscheidung beantragt, und stand gestern in dieser Sache vor dem Kgl. Amtsgericht I Termin an. Die Verhandlung endigte mit vollständiger Freisprechung des Beschuldigten und wurden die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auferlegt. „Krankengeld giebt's nicht! Wenn Ihr Mann nach der Rennbahn gehen kann, dann kann er auch arbeiten!"— Dieser ablehnende Bescheid ward eines Tages der Ehefrau des Formers Richard Schwarz, als dieselbe bei der Fabrikarbeiter« Krankenkasse zu Charlottenburg Krankengeld erheben wollte für ihren Ehemann, welcher bei seiner Arbeit in der Fabrik sich den Fuß verbrannt hatte und in Folge dessen 21 Wochen hindurch arbeitsunfähig geworden war. Die Weigerung der Kaltt gründete sich jedoch auf eine der Wahrheit zuwiderlaufende Mm theilung; der Arbeiter Wilhelm Lange, ein Bekannter des Schwarz, hatte behauptet, daß der letztere am Sonntag, den 1. November v. I., während er ihn krank zu Hause wähnte, von ihm und seinem Bruder auf der Rennbahn gesehen worden sei. Nachdem Schwarz den Wilhelm Lange als den Verbreiter dieser Mittheilung erforscht, beschloß er, denselben wegen föd'" digung gerichtlich in Anspruch zu nehmen und es kam nun 5u einer eigenartigen Privatklage. Das Charlottenburger Schöffen- gericht erachtete jedoch eine Beleidigung des Schwarz nicht für vorliegend und erkannte auf Freisprechung des Privat- 'beklagten Wilhelm Lange. Inzwischen hat die Krankenkasse nachträglich das damals venveigerte Krankengeld an Schwarz zahlen lassen, nachdem der letztere durch Zeugen nachgewiesen, daß er an dem bezeichneten Tage nicht auf der Rennbahn ge- wesen, sondern seine Behausung vom Morgen bis zur Naan nicht verlassen hatte. Der in der Behauptung des Lange ver- steckt liegende Vorwurf aber, daß er mit der Krankenversicherung Mißbrauch getrieben, veranlaßte den Privatkläger, gegen das freisprechende Ilrtheil des Schöffengerichts das Rechtsmittel der Beruf ung einzulegen, um sich für die erlittene Kränkung Genug- thuung zu verschaffen.— In der Berufungsinstanz war seitens der Sttafkammer des Landgerichts U Wiederholung der Beweisaufnahme beschlossen worden. Aus derselben ging hervor, da? der Privatbeklagte den Privatfläger unbedingt mit einem Anderen auf der Rennbahn verwechselt haben muß, denn Schwarz erbrachte abermals den Nachweis, daß er am betreffenden Tage während des Rennens zu Hause gewesen ist. D» Sttafkammer erklärte sich jedoch mit der Ausführung der erste» schöffengerichtlichen Entscheidung völlig einverstanden, wona« Lange der Beleidigung nichtschuldig sei. Demgemäß ward di Berufung verworfen und das freisprechende Ilrtheil bestätigt- 1 Unter der Anklage der fahrlässigen Körperverletzung stand gestern der Kutscher Karl Gottfried Hirschselder vor de ersten Sttafkammer des hiesigen Landgerichtes l. Ter Angf- klagte, ein unbescholtener vierzigjähriger Mann, hatte an einem heißen Augustnachmittage seinen zweispännige», unbeladeiw Bretterwagen einen Augenblicks vor einer Restauration unve wacht stehe» gelassen, weil er sich die trockene Kehle mit eine"? Trunk kühlen Bieres hatte anfeuchten wollen. Aus Vor# hatte er ein Zugtau abgesttängt und diese Maßregel W* für genügend, weil seine Pferde ruhige Thiere waren. Währe» aber die Wirthin noch beschäftigt war, ihm das Glas Bier e'» zuschänken, sah der Kutscher, wie plötzlich die Pfer davonrasten. Irgend den„Scherz" gemacht, em böswiller die Pferde Patton durch hatte ven„emer* geinacyi, vre Pferve vurw einen ruf anzutreiben. Der Kutscher lies seinem Fuhrwerk nm. aber er war nicht im Stande, es einzuholen. Und nun ßg; ein Unglück: Em kleiner, achtjähriger Knabe hatte den dämm überschreite» wollen, die wildgewordenen Thier« rw ihn um und die Räder des Wagens rollten über seinen Korv� weg. Man hob den Jungen aus; er blutete stark aus � Wunde am Kops und am Knöchel war eine Verletzung, den Knochen bloß legte. Der Verletzte wurde nach der gebracht und dort zehn Wochen lang behandelt. 3"" L/V war die Kur erfolgreich, sodaß der Unfall nicht dauernde t&eilc für bte Gesundheit des Kindes haben wird. Dle � Knaben, die der Verhandlung beiwohnte, bat auM-�jj Rücklicht darauf, den Kutscher nicht zu hart zu bestrafen- � Urtheil lautete auf 50 M. Geldstrafe; so hatte auch der A des Staatsanwalts gelautet., he« t Wegen eine« recht ungeschickten Versuches Z vBt trugen, hatte sich gestern die unverehelichte Hulda.fgittt »ÄfttÄ18 versuch und die Angabe eines falschen Namens vor. � iüieiP suchte hier noch einmal das Manöver mit der Spielmarke. Kun lieh die Schlächterfrau sie verhaften. Auf dem Wege Zum Poiizeibureau bot das Mädchen dem Schutzmann zwei Mark für ihre Freilafsuna und auf dem Polizeibureau nannte ne sich Emma Krause. Wunderbarer Weise wurde diese falsche Angabe erst sehr spät entdeckt; die Angeklagte war eine Zeit lang als Emma Krause durch die Akten gegangen. Der Ge- nchtshof verurtheilte sie zu einer Gefängnißstrafe von zehn Tagen und einer Haftstrafe von drei Tagen. Die bisherige unbescholtenheit der Angeklagten war in Rechnung gezogen worden. t Kohlenprämien. Die Lokomotivführer und-Heizer er- halten für die Ersparungen, die sie am Heizunasmaterial machen, rme Prämie. Eine bestimmte Anzahl von Zentnern sind als normaler Verbrauch für die Lokomotive je nach ihren Leistungen m einer Stunde festgesetzt; für jeden ersparten Zentner erhält cer Lokomotivführer 10 Pf. und der Heizer 5 Pf. Belohnung. Gestern standen der Lokoniotivführer W. und der Heizer M. vor Oer 93. Abtheilung des hiesigen Schönengerichts unter der Anklage des_ Diebstahls und des versuchten Betruges. Nach der Darstellung des Hauptbelastungszeugen, dem der Gerichts- Hof auch Glauben schenkte, des Schuppenaufsehers B., hatten die Angeklagten ani 10. April dieses Jahres von einem Eisenbahnwagen, der Kohlen trug, welche der Eisen- vahndirektion gehörten und sich in dem Zuge befand, den W. wst der von ihm geführten Lokomotive zu rangiren hatte, zirka � Zentner Kohle heruntergenommen und auf den Tender der Lokomotive gebracht. V. rief: Also so macht man Kohlen- vrämicn! und tbeilte seine Wahmchmung dem Magazinver- Walter H. mit Derselbe entdeckte auch, daß von dem einen Kohlenwagen Kohle heruntergeholt war; er sah es, weil an der nnen Stelle die oberen Kohlenstücke fehlten, die mit nussiger Kreide begossen werden, um Diebstähle er- kennen zu lassen. H. begab sich zu der von W- gesuhrten Lokomotive und sah dort in einem Winkel frische Kohlen liegen, die mit Kreide bespritzt waren. Die Kohle sah ichwarz und glänzend aus, während die Kohle, die sonst zur -»erfeuemng auf der Lokomotive kommt, länger gelagert hat und daher grau wird. Die Angeklagten bestritten jede Schuld. Die Kohle, die 5z. auf der Lokomotive gesehen hatte, sei frisch Zerschlagene Kohle gewesen. Die beiden bei dem Rangirzug beschäftigt gewesenen Arbeiter sagen aus, von dem nichts gesehen Zu haben, was der Schuppenaufseher B. bemerkt hat.— Der Amts- Uwalt beantragte, beide Angeklaate wegen Diebstahls und versuchten «einiges zu vierzehn Tagen Gefängniß zu verurtheilen. Der �ertheidiger machte geltend, daß aus juristischen Gründen seine Klienten freizusprechen seien, selbst wenn man dem Zeugen B. Glauben schenken wolle. Von einem Diebstahl könne keine �icdc sein, denn die Kohlen hätten der Direktion gehört und leien im Dienst der Direktion verwendet worden. So könne auch �Knecht nicht wegen Diebstahls besttaft werden, der gegen den z�'llen seines Herrn den Pferden mehr Futter vorwerfe. Der Aogriff eines versuchten Betruges lasse sich ebenfalls nicht kon- siruiren, weil beide Angeklagte nichts gcthan hätten, was sich als Anfang der Ausführung der nicht Zur Vollendung igelangten, aber beabsichtigt That charattcrisircn lasse. Sie hätten die dreißig Pfennige Kohlenpräinie, die sie für die angeblich von ihnen genommenen Zwei Zentner Kohle erhalten haben würden, gar nicht gefordert. «eine Klienten seien wohl, wenn der Zeuge B. Glauben ver- oiene, von der Eiscnbahndirektion disziplinarisch zu bestrafen, von dem Strafrichter aus juristischen Gründen aber freizusprechen. Das Schöffengericht schloß sich den Ausführungen des Ver- theidigers nur in ihrem ersten Theile an. Es sprach die An- Beklagten von der Anklage des Diebstahls frei, hielt einen ver- suchten Bettug aber für vorliegend und verurtheilte sie deshalb iu einer Geldsttafe von je 10 M .. Dast selbst eine vom Polizeipräsidium ausdrücklich Maltete und selbst beiin Ministcrrum unbeanstandete Eharak- �wrung unter Umständen nicht vor dem Strafrichter schützt, folgende am Montag in der Rcvisionsinstanz vor dem Zabn,"at des Kammergcrichts stattgehabte Verhandlung. Der OjJvlJ-chniker S. war in zwei Instanzen mit einer worb wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnung besttaft bi. nfch die weil"er sich, obwohl hier nicht approbirt, doch durch atjt�ridinung„in Amerika approbirlcr Zahnarzt", einen zahn- t"'. wo Eitel beigelegt hätte. Er legte hiergegen Revision hrnm.u e,r namentlich ausführte, daß er in gutem Glauben ge- er n,n Hobe und deshalb straflos sei. Seit 8 Jahren führe Tit-i ousdrücklichcr Genehmigung des Polizeipräsidiums diesen Poli,•- jedem Umzüge habe er ausdrücklich wieder bei dem Schji�ösidium nachgefragt, ob er in der neuen Wohnung sein früher ker betreffenden Bezeichnung ebenso wie in der wnll. anbringen könne, und jedesmal sei die Frage bejaht nie ei«Kch seitens des Ministeriums sei in dieser Beziehung vtelm i Beanstandung erhoben worden, und habe man ihm von»; diesen Titel wiederholt zuerkannt. Wenn also sein v* Täuschung die Rede sei, so könne es nur eine solche verübe?n'hm(dem Angeklagten) von der Behörde selbst Zniii/ Worten sei. Das Kammergericht wies indeß die Revision Poli Xstöft die vom Angeklagten angeführte Erlauhniß des wüchp m ums und die Unbeanstandung seitens des Ministers nicht„'ho, da er selbst die Gesetze kennen müsse, hier her SiÜ'i m Strafrichter schützen. In der Sache selbst hahe �«tichter zutreffend erkannt. wir w'" Rechtsanwalt Arthur Stadthagen erhaltm findet rü? Schreiben:„In Nr. 264 Ihres geschätzten Blattes fanntr' m der Beilage(S. 2 Sp. 3) der Satz:„Be- Anaptf,Lv w wurde der Hauptverhandlungstermtn gegen die ilaa? bes Fachvereins der Mäntelnäherinnen auf An- "Maat" �"theidigers desFräuleinWabnitz walz Da ich Vertbeidiger des Fräulein Wabnitz bin, nie- iernsins Anttag auf Vertagung des Hauptverhandlungs- 5%n yß ep, vielmehr ausdrücklich schriftlich zu den Akten festiatp..v V ertagung als eine meines Erachtens ungerecht- anner hie Verwirklichung humaner Zwecke und die Rechte bgt Kol.- t??'n schwer schädigende Maßregel Protest einge- fichttp.«'w dürfte der in Ihrem Blatt enthaltene, oben angc- �eopn«!�?' soweit meine Person in Betracht kommt, das direkte »ch fg. fd-'i der Wirklichkeit enthalten. Dies zu konstatiren halte ?ttispn?unschenswerth, um zu verhindern, daß in weiten her n,'vrige Anschauung verbreitet werde, daß seitens wgend pfl Gefügten oder ihres Verthcidigers Oer Anfi. unternommen ist, das die auffällige Verzögerung Vtetj wge und damit der Aushebung der Schließung der Ar- •ch oef'�eine zu rechtfertigen oder auch nur die schwer- der»l.iZW.iutteffend begründeten gewaltsamen Verhinderungen dp. Jatiflung humaner Zwecke zu entschuldigen vermag. l!lcichsg,,�oklagpsache wider de» Mäntelnähcrinnenverein ist jetzt Wicht I- 0uf den 3. Dezember(um 12 Uhr) vor dem Schöffen- ?h demspm'o. anberaumt, während gegen den Mutterverein Nj um Qin.Sa8e vor der Strafkammer(im Schwurgerichts- m Uhr verhandelt werden soll." und Versammlungen �wluna außerordentlich stark besuchte Gcucralver- Sattler.. Riemer- und Täschnergehrlfen }'i(rk«l,'anv am SnntmfiP�ri Son Älrntmeij(tiicn föjfcifen'T om Sonnabend Abend in den GratwerPschen UWTSSSS? �rien». Kger Jahren. Ter nach dem deutsch- franzoM otinpi,„.""getretenen Ausschwung im Gewerbe hahe nullt lang euch hff'n- Bald trat eine Ueberproduktion und demzufolge schwere Zeit der Krisen ein. Von Jahr zu Jahr seien die Löhne gesunken. Als früherer Vorsitzender einer Kranken- und Sterbekasse führte der Referent an der Hand zahlreicher Beläge an, daß die ttostlose soziale Lage gerade unter den Sattlern besonders Opfer gefordert, daß sie sogar viele zum Selbstmord getrieben habe. Mit einem energischen Appell an die Versammelten, solchen Zuständen durch eine feste Organi- sation vorzubeugen und eine Erhöhung der Löhne und ge- regelte Arbeitsverhältnisse anzusttehen, schloß Herr Wirths unter lebhaftem Beifall. Im Sinne des Referenten äußerten sich in der Diskussion verschiedene Redner, die u. A. scharfe Kritik an der Akkordarbeit übten.— Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete die Abrechnung des Generalfonds vom letzten Quartal. Hiernach bettagen die Einnahmen 417,40 M., die Ausgaben 63,00 M.; der Gesammtbestand stellt sich auf 795,75 M. Nach Ertheilung der Decharge wurde be- schloffen, daß die Lohnkommission sämmtlichen Berliner Sattler- meistern die Fordeningen der Gehilfenschaft, wie zehnstündige Arbeitszeit, Abschaffung der Akkordarbeit u. a., in einem Zir- kular unterbreiten soll. Zuletzt theilte Herr Wirths mit, daß das an die königl. Artilleriewerkstatt gerichtete Schreiben bett. H. Hoffmann ablehnend beantwortet worden ist. In der de- hördlichen Zuschrift heißt es, daß der Direktion ein Druck auf die Lieferanten, ihren Arbeitern höhere Löhne zu zahlen, nicht zustehe. Verband deutscher Zimmerleute, Lokalverband„Berlin Ost" Morgen, Mittwoch, Abends 8 Uhr, Versammlung im Lokale Proskauersttaße 37—38.— Der Lokalverband„Berlin Süd" hält ebenfalls morgen Abend 8 Uhr Marianncnstt. 31—32 eine Versammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Wahl eines Revisors. 3. Verschiedenes und Fragckasten.— Der Lokalverband„Berlin Nord" versammelt sich morgen, Mitt- woch, Abends 8£ Uhr, im Lokale Neue Hochstr. 32. Tages- ordnung: I.Vortrag des Herrn Kendziora über„Moralstatistik". 2. Verschiedenes und Fragekasten.— Gäste haben zu den Ver- sammlungen Zuttitt. Zur Beachtung für Buchbinder. Nach dem Ausscheiden des hiesigen Unterstutzungsvereins der Buchbinder und vcrw. Berufsgcnossen aus dem„Unterstützungsverband" haben sich die bis dahin einigen Buchbinder gewissermaßen in zwei Lager ge- theilt. Der obengenannte Verein will sich als lokale Organi- sation behaupten; die Verbandsanhänger sind zum Theil schon aus dem genannten Verein ausgeschieden und werden, bis ein neuer Verbandsverein ins Leben tritt, als auswärtige Mitglieder des zunächst liegenden Verbandsverein geführt. Diejenigen Buchbinder und verw. Berufsgenosscn, welche sich ihre Rechte als Verbandsmitglieder wahren resp. dem Verbände beitreten wollen, finden hierzu Gelegenheit an jedem Sonnabend Abend Stallschreibersttaße 26 bei Bergcr, oder in der Wohnung des Vertrauensmannes G. Schießl, Wasserthorsttaße 69, I». An den bezeichneten Stellen werden auch die regelmäßigen Bcittäge kassirt. Verein zur Wahrung der materiellen Interessen der Fabrik- und Handarbeiter. Heute, Dienstag, Abends 8 Uhr, Andreassttaße 26 bei Mahlitz Versammlung. Tagesordnung: 1. Monatsbericht, 2. Vortrag des Herrn Dr. Benkcndorff über Feuerbestattung, 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Billets zu dem am 27. d. M. in Renz, Salon, fltaunynsttaßc 27, stattfindenden Familienkränzchen sind in der Versammlung zu haben. Freunde und Gönner des Vereins sind zu diesem Kränzchen eingeladen. Die Mitglieder, welche mit ihren Bei- trägen im Rückstände sind, werden auf§ 6 des Statuts aufmerksam gemacht. Der Kasflrer, Herr Kosenow, wohnt Zeughof- sttaße 4 und nimmt daselbst jeden Sonntag Vormittag von 9 bis 11 Uhr Bcittäge entgegen, auch werden dort neue Mit- glieder aufgenommen. Gauverein Berliner Bildhauer, Annenstt. 16. Dienstag, den 16. d.M., Abends 9 Uhr, Versammlung. Tagesordnung: Regelung der Stellenvermittelung."— Am Sonnabend, den 13. d. M.. veranstaltete der Verein im Lokale„Sanssouci" einen von über 1200 Theilnchmern besuchten Kommers, welcher sich zu einer imposanten Kundgebung der Kollegialität gestaltete. Der Vorsitzende des Vereins hielt eine Ansprache, welche mit einem Hoch auf den Verein endigte. Nach dem Gesammtgesang eines Liedes und verschiedenen Solovorttägcn endete der erste Theil. In der nun folgenden Pause wurden die im Extra- kabinet ausgestellten„Indianer" eingehend besichtigt, welche reges Interesse erregten. Nach Verlesung einer Reihe von De- peschen und nach Ansprachen der eingeladenen Gäste wurde eine Posse mit Gesang und Ballet, genannt:„Die schöne Helena" oder„Troja im Dalles", aufgeführt. Dieses Schaustück erregte stürmische.Heiterkeit. Bis zum Morgengrauen blieben die Theil- nehmer in heiterster Stimmung beisammen. Frcidcnkervercin„Lesstng". Mittwoch, den 17. November, Abends 8i Uhr, im großen Saale der Viktoria-Brauerei, Lützow- sttaße III 112, Vortrag des Herrn Privatdozenten Dr. Rob. Schneider über:„Die natürliche Schöpfungsreihe von der Ur- zelle bis zum Wirbclthicre." Gäste, Damen wie Herren, sind willkommen. Freie Vereinigung aller in der chirurgischen Branche beschäftigten Äerufsgenossen. Dienstag, den 10. d. M, Abends 8i Uhr, Mitgliederversammlung bei Reincke, Gipsstr. Nr. 3. Tagesordnung: Statistik, Verschiedenes, Fragckasten. Durch Mitglieder eingeführte Gäste haben Zutritt. Fachverein der Mechaniker, Optiker, Uhrmacher, chirur- gischcr und anderer Jnsttumcntcnmacher. Versammlung Mitt- woch, den 17. Nov., Abends 8& Uhr, bei Niest, Kommandanten- sttaße 71—72. Tagesordnung: 1. Vortrag des Hrn. Dr. Arndt über: Berufskrankheiten. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragckasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Billetausgabe zum Stifttmgsfest. Deutscher Senefetder» Bund, Mitgliedschaft Berlin. Dienstag, den 16. Nov., Abends 8 Uhr, im Restaurant Weick, Älexanderstr. 31, Versammlung. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine am Dienstag. Schäfer'scher„Gesangverein der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf und Krüger, Sralitzerstt. 126, Gesang.— Gesangverein „Bruderbund" Abends 9 Uhr Adalbertstt. 4, im Restaurant. — Tumverein„Hasenhaide"(Männer- Abtheilung) Abends 8 Uhr Dicffenbachstt. 60 61.— Rauchklub„Deutsche Flagge" Abends 8 Uhr im Restaurant Händler, Wrangelstr. 11.— Rauchklub„Zum Wrangel" Abends 8'/, Uhr im Restaurant Adalbertstt. 4.— Vergnügungsverein der Bürsten- und Kamm- macher jeden Dienstag nach dem 1. und 15., Abends 9 Uhr, bei Wollschläger, Münzstt. 5. Kleine Mittheilnnge«. Budapest, 13. November.(Ein gefährliches Bergwerk.) Trotz der vielen Unglücksfälle, die sich bereits im Tokoder Steinkohlenbergwerke zugettagen haben, geschiebt nichts seitens der kompetenten Behörden. Der Oberstuhlrichter des Graner Bezirks hat, wie dem„P. Hirl." berichtet wird, bereits unzählige Mal die Einstellung verlangt und nachgewiesen, daß nicht nur das Leben der Bergleute, sondern durch die drohende Katasttophe auch das der Bewohner der Nachbaraemeinden gefährdet ist. Doch bisher war alles vergebens. Am 9. ds. ging in einem der baufälligen Schachte wieder ein Bergmann zu Grunde; seine Gefährten hatten einen ganzen Tag zu thun, bis es ihnen gelang, den Leichnam heraufzubefördern. Es wurde der Berg« hauptmannschaft Bericht über den Unglücksfall erstattet. New-Hork, 8. November. Eine erdbebenartige Erschütte- rung wurde am Freitag in Greenville, Alabama, verspürt. Ter Kapitän eines m Charlcston angekommenen Schiffes meldet, daß er am Freitag auf offenem Meere eine seismotische Störung �"�iew-Aork, 8. November(Eine Verrücktheit.) Lawrence M- Donovan sprang gestern früh von dem Geländer der Hänge- brücke unterhalb der Fälle in den Niagara und gewann damit eine Wette von 500 Dollars. Die Höhe bettägt 190 Fuß. Er wurde von Leuten in einem Boote aufgefischt und wurde ohn- mächtig, nachdem er an Bord gebracht worden war. Eine ärztliche Untersuchung ergab eine Verletzung des Rippenfells und den Bruch einer Rippe. Donovan sagt, daß es ein fürchter- lieh er Sprung war und daß er ihn nicht für 1 Million Dollars und die ganzen Vereinigten Staaten wiederholen würde. Er erklärt, daß, als er aus die Wasserfläche stürzte, er das Gefühl hatte, als ob er in Stücke platzen müsse. Vermischtes. Die Aufbereitung des endgiltigen Ergebnisses der Volkszählung in Preußen vom 1. Dezember v. I. ist nun- mehr so weit vorgeschritten, daß die„Stat. Korr." über einen großen Theil der durch diese Aufnahme ermittelten Thatsachcn zuverlässige Auskunft für jede einzelne politische Gemeinde, jeden Kreis(jedes Oberamt) und jeden Regierungsdezirk, jede Provinz und den gesammten preußischen Staat zu geben ver- mag.— Die ortsanwesende Bevölkerung des Staates betrug am Zähltage 28 318 458, und zwar 13 893 599 männliche und 14 424 859 weibliche Personen, ist mithin nur um 4625 Personen gleich 0,016 pCt. größer gewesen, als im März d. I. auf Grund der Zähler-Kontrol-Listen F. vorläufig ermittelt worden war. Das in diesem Jahre festgestellte vorläufige Zählungs-Ergebniß kommt dem endgiltigen demnach sehr viel näher, als das vorläufige Ergcbniß der 1880er Zählung, welches um 28 044 Köpfe gleich 0,103 pCt. hinter dem end- giltigen zurückgeblieben war. Außerdem befanden sich am Zählungstage noch 5312 Marine-Personen im Auslande an Bord deutscher Kriesschiffe.— Von den Ortsanwesenden waren 27 984 504 am Zählorte wohnhaft und 333 864 Personen vorübergehend dort anwesend; dagegen wurden nur 289 608 Per- sonen als vorübergehend aus ihrem Wohnorte abwesend gezählt. Die Wohnbevölkerung des preußischen Staates bettägt oem- nach 28 274 202, und zwar 13 888812 männliche und 14385 390 weibliche Personen. Sie ist um 44 256 (darunter 39469 weibliche Personen) niedriger, als die ortsanwesende Bevölkerung, woraus man fotgern darf, daß die vorübergehend abwesenden Personen, und nament- lich die darunter befindlichen weiblichen Personen, nicht voll- ständig aufgenommen worden sind, mithin die durch die Volks- zählung gewonnene Zahl der ortsanwesenden Bevölkerung dem wirklichen Stande der Bevölkerung näher kommt, als die Wohn- bcvölkerung.— Die Zahl der bundesangehörigen aktiven Militärpersonen betmg 271 581, von denen 243049 Preußen und 18 532 Angehörige anderer deutscher Staaten waren. An Wohnstätten wurden 3 248 859 ermittelt, darunter 3 180793 bewohnte und 53 422 im Bau vollendet, aber nicht bewohnte Wohnhäuser, 6185 andere bewohnte und nicht hauptsächlich zu Wohnzwecken bestimmte Gebäude, 1518 bewohnte Hütten, Bretterbuden oder Zelte und 6941 bewohnte Wagen, Schiffe oder Flöße. Ein erheblicher Theil der unbewohnten Wohn- gebäude bestand aus lediglich während der wärmeren Jahres- zeit im Gebirge, in Badeorten zc. benutzten Buden, Gastwirth- schaften und sonstigen, Wohnzwecken dienenden Baulichkeiten. Auf je 10 bcwohnre Wohnstätten entfielen im Durchschnitte 19 Haushaltungen, deren im Ganzen 5 976 179 vorhanden waren, nämlich 5 584440 gewöhnliche Familienhaushaltungen zu je zwei und mehr Personen, 121 846 Einzelhaushaltungen männlicher und 249 935 Einzelhaushaltungen weiblicher, selbst- ständig lebender Personen und 19 958 Anstalten zum gemeinsamen Aufenthalte.— Von den 1287 preußischen Städten zählten 12 mehr als 100000, 14 über 50 000 bis 100000, 6 über 40000 bis 50 000, 12 über 30000 bis 40 000, 38 über 20 000 bis 30 000, 114 über 10000 bis 20 000, 202 über 5000 bis 10 000, 527 über 2000 bis 5000, 290 über 1000 bis 2000 und 72 unter 1000 Bewohner. Eine„beleidigte" Gattin. In London vermählte sich kürzlich der dortige verwittwete Hofbuchhändlcr Bird zum zwei- ten Male mit einem siebzehnjährigen Mädchen. Am 4. d. M. saß das neuvermählte Paar im Frühstückszimmer, und die sunge Frau war mit der Lektüre der„Times" beschäftigt. Da sagte ihr der Gatte plötzlich:„Meine erste Gattin hat keine Zeitung gelesen, che der Frühstückstisch wieder abgeräumt war." Diese Ileine Zurechtweisung versetzte die Frau in solche Wuth, daß sie in Weinkrämpfe verfiel. Der tödtlich erschreckte Gatte eilte schnell nach einem Arzt; als er mit diesem zurückkam, fand er seine Gattin, von Blut übersttömt, als Leiche; sie hatte sich mit einem Rasirmeffer den Hals durchschnitten. Am Fenster lag ein Zettel mit den Worten:„Ich sterbe lieber, als daß ich die Nähe eines Mannes ertrage, der drei Tage nach der Hoch- zeit schon Ausstellungen wagt." Eisenbahnmord. Ein amerikanischer Maler NameSn Briard wurde auf der Fahrt von Cannes nach Monaco im Eisenbahnwagen ermordet und beraubt. Man hat sicherlich in diesem Vorgang indtteft eine Konsequenz der Existenz der Spielbank in Monte Carlo vor sich, welche jene Gegend zum Hauptsammelpunkte von Tagedieben, Sttolchen und Verbrechern gemacht hat._ Kehte Nachrichten. Sozialistisches. Die in Frankfurt a. M- vorgenommenen Massenverhaftungen von Sozialisten find noch immer Gegenstand lebhafter Erörterungen und Muthmaßungen des Publikums und der Presse, und zwar um so mehr, als man wieder von neuerlichen Verhaftungen vernimmt. Von den früher Verhafteten sind allerdings inzwischen acht aus der Haft entlassen. Herr Fleischmann, der gleichfalls als verhaftet be- zeichnet wurde, soll sich in Freiheit befinden.— lieber einen Unglücksfall, der in direktem Zusammenhange mit den Ver- Haftungen steht, meldet das„Berl. Tagbl.": Der der sozialistischen Partei angehörige Schneider Schäfer, welcher sich auch unter den bei der Aufhebung der sozialisttschen Versammlung Verhafteten befunden hatte, später aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden war, sollte am Sonnabend Nach- mittag zu wiederholter Vernehmung vorgeladen werden. Als der mit der Vorladung Schäfers beauftragte Schutzmann ins Zimmer ttat, sprang Schäfer aus dem Fenster des Zimmers vom vierten Stockwerk herab und versuchte, im Sprung den Ast eines dem Hause nahestehenden Baumes zu ergreifen. Der Ast schnellte den Mann mit solcher Wucht zurück, daß er sich nicht zu halten vermochte und in weitem Bogen auf daS Pflaster geschleudert wurde. Er blieb auf der Stelle tobt. Nach anderen Berichten soll Schäfer, als der Schutz- mann bei ihm einttat, eben Papiere im Ofen verbrannt haben. Der Schutzmann riß ihm die noch nicht verbrannten Papiere aus den Händen, worauf Schäfer an daS Fenster eilte, es aufriß und sich hinausstürzte.— Magdeburg, 14. November. Von den am 6. d. M- auf Anweisung der Staatsanwaltschaft wegen Verdachts an- archistischer Umtriebe in Buckau und Umgegend(die „Thür- Waldpost" nennt Sudenburg, Ottersleben, Lemsdorf, Salbke und Magdeburg) fistirten 18 Personen sind die meisten wieder freigelassen worden. Fünf Personen hat man zurückbehalten; gegen diese sollen die Vernehmungen und Nachsuchungcn so viel ergeben haben, daß die vorläufige Festnahme angeordnet wurde. Neuerdings heißt es, daß das Vorgehen gegen diese Personen mit aufgefundenen oder ge- raubten Sprengstoffen nichts zu thim hat. Verboten auf Grund des Sozialistengesetzes wurde die nicht periodische Druckschrift:„Sozialdemokratische Biblw- thek X. Arbeiter Programm. Uebcr den besonderen Zusammenhang der gegenwärtigen Geschichtsperiode mit der Idee des Arbeiterstandes. Von Ferdinand Lassalle. Hottrngen-Zürich. Verlag der Volksbuchhandlung 1887." Markthallen-Bericht von I. Sandmann, städtischem Verkaufs-Vermittler, Berlin, den 15. November 1886. Geflügel. Die Zufuhr mehrt sich, ist aber für den Bedarf noch nicht ausreichend. Preise fest. Fette Gänse per Pfund 50 bis 60 Pf., Fettgänse über 15 Pfd. schwer 60 Pf. und mehr per Pfund, Stoppelgänse bis 8 Pfd. 40-48 Pf. per Pfund. junge Enten 1,50-2,50, fette Enten 50-60 Pf. per Pfd., junge Hühner 0,55—0,80, alte 1,20—1,70 M-, Tauben 30 bis 40 Pf., Poularden 4,50-8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich, lebende Gänse zum Mästen 2,00— 3,00 M. Wild. Hasen knapp, werden gut bezahlt, anderes Wild wird in größeren Mengen zugeführt. Rebe 50-55, fehlerhafte 45 bis 50, Hirsche, sehr starke und fehlerhafte 2o bis 30, 1. 30 bis 38, Dammwild 35 bis 45, Wildschwein 35 bis 45 Pf. pr. Pfd., Rebhühner, junge 120, alte 90 bis 110 Pf., Fasanenhennen 2,40 bis 2,50, Fasanenhähne 2,70 bis 3,70 M., Hasen 3,20-3,60, Kaninchen 46— 55 Pf- p- Stck, Krametsvögel 25' bis 26 Pf. per Stück. Auerhahn 3,00—4,50 M. Birkhuhn 1,75-2,50 pr. Stück. Schnepfen 2,20-2,80, Bekassinen 50 bis 70 Pf. pr. Stück. Die Wildauktionen werden täglich im Bogen 4 um 97i Uhr Vormittags und 6 Uhr Nachmittags ab- gehalten ���uktionen finden vermehrte Aufnahme. Auch aus anderen Städten kommen Händler hierher, in der Auktion ihre Einkäufe zu besorgen, weil sie hier bei der großen Aus- wähl vortheilhafter und besser sich versorgen können als an den Produttionsorten. Schriftliche Einkaufsbestellungen können nur berücksichtigt werden, wenn ein Preis limitirt und der ungefähre Betrag eingesandt wird.____ � Obst und Gemüse. Bimen 6,00 bis 8,50, Tafelbirnen 10—20, feinste Sorten 20—40 M., Aepfel 6�00—9�00 M., Tafeläpfel 10-20 M., feinste Sorten 20-36 M., Maronen 20-30 M.. Wallnüsse 20-30 M. pr. Ztr. Zwiebeln 4,50-6,00-8,00 M. per 100 Pfd., Weißfleischige Speisekartoffeln 2,80-3,60, rothe 2,80-3,00, blaue 2,50-3,00 per 100 Ko., Sellerie 7—10 M., Mcerrettig 7—12 M., Blumenkohl 30—40 M. pr. 100 Stück, Kohlrüben 1,50—2,00 M, per � �Blumen und Blätter. Rosen-Hochstämme 45—55, niedrigveredelte 15—20 M. pr. 100 Stück, Primeln 13—15 M. pr. 100 Stück. Auktion jeden Dienstag und Freitag um 11 Uhr Vormittags. Geräucherte und marinirte Fische. Größere Zufuhren erwünscht. Bratheringe per Faß 1,50—2,25 M. Russische Sardinen 1,50—1,60 M. Rhemlachs 2,50—2,90, Weser- und Ostseelachs 1,20-1,60, Flundern, kleine 2,50-5,00 M., mittel 7,50-16 M.. große 18-27 M. Bücklinge 1,80-4,00 M. per 100 Stück. Sprotten 40 bis 45 Pf. per Pfund. Rauchaal mittel 1 M. per Pfd. Schaalthiere. Austern 7,00—12,00 M. pr. 100 Stück. Mießmuscheln 70-80 Pf. per 100 Stück. Eier 3,00 M. pr. Schock netto. Eier sind begehrt; größere Zufuhren erwünscht. Butter. Die Butterpreise halten sich unverändert. Zu- sendungen nur in'» Waare in Zentnertonnen gut zu ver- wetthen. Frische feinste Tafelbutter w. 120—125, feine Tafelbutter f. 110-118, N. 95 bis 108, in. fehlerhafte 85 bis 90. Landbutter I. 90-96, I'. 80 bis 85 M. Galizische und andere geringste Sorten 55—72 M. pr. 50 Ko. Käse. Schweizerkäse und f. Ouadrat- Sahnenkäse de- gehrt. I. 56-63,>'. 50-55, in. 42-48, Quadrat- Backstein I. fett 20-25,!!. 10-16 M., Limburger>. 30 bis 35, II. 20—25, Rheinischer Holländer Käse 45—58 M., echter Holländer 60—65 M-, Edamer>. 60—70, II. 56—58, französischer Neufchateller 16 M. pro 100 Stück, Roquefort 1,20—1,50 pro Pfd.__ Kriesimsten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Quittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nickt ertbeilt. A. B. 12. Die Ansprüche des Wirthes auf Ersatz von Reparaturkosten gegen den früheren Micther verjähren in 30 Jahren. Der Miethcr braucht aber die Reparaturen nicht zu ersetzen, welche in Folge des ordnungsmäßigen Gebrauches der Wohnung durch Abnutzung w. nothwendig geworden sind. W. L., Granseerstratze. Wenn eine Ehefrau bei ihrcin Tode Kinder hinterläßt, so hat der Ehemann nur das Recht, sein Vermögen und den Nachlaß seiner Frau zusammenzuwerfen und von der gemeinsamen Masie die Hälfte für sich zu nehmen, während die andere Hälfte den Kindem zukommt.— Briefliche Auskunft ertheilen wir grundsätzlich nicht; Sie können die mit- gzsandte Briefmarke auf unserer Redaktion in Empfang nehmen. E. V. Sie können die Klage auch schon jetzt anstrengen, thun aber besser, jden Ausgang der Kriminalvcrhandlung abzu- warten. Einen Rechtsanwalt brauchen Sie nur dann zu neh« men, wenn, was nicht recht wahrscheinlich, Ihr Anspruch höher als 300 M. ist. Wenn Sie nicht in der Lage sind, Prozeß- kosten zu bezahlen, so erbitten Sie vom Magisttat ein Annuths- attest unter Angabe Ihres Zweckes und beantragen Sie dem- nächst die Bewilligung des Annenrechtes. Diesen Antrag in d ebenso die zu erhebende Klage können Sie am besten in der Anmeldestube(Neue Friedrichstraße 13) zu Protokoll geben. Wollen Sie die Klage selbst machen, so ist dieselbe in drei Exemplaren beim hiesigen königl. Amtsgericht l einzureichen und nmß eine Aufstellung des Ihnen envachsenen Schadens enthalten. S. Wenn der Kaufmann das Lieferungsgeschäft fest ab- geschlossen hat und trotzdem nicht liefern will, so schreiben Sie ihin, daß Sie nunmehr vom Vertrage zurücktreten und statt der Lieferung der Waaren Schadenersatz wegen Nichterfüllung be- anspruchen. Alsdann können Sie den Schaden von ihm ersetzt verlangen, der Ihnen dadurch entsteht, daß Sie nun sich die Waare anderwettig zu höherem Preise beschaffen müssen. P. K. 43. 1. Sie können das fehlende Fußbrctt ander- weitig sich beschaffen und von dem ersten Tischlermeister Ersatz der dafür gezahlten Beträge fordern, event. auch cinttagen. 2. Das ist Sache der Wähler. I. 1000. Wenn der Mann mit der Scheidung einver« standen ist, so kann wegen gegenseitiger Abneigung die Klage durchgeführt werden. Vorher muß die Frau den Mann vor das Amtsgericht zum Sühneversuch laden. Der Antrag kann in der Anmeldcstuoe(Neue Friedrichstraße 13) zu Protokoll gegeben werden. H. K. Wenn Sie die Micthe gezahlt haben, ohne sich Ihre Rechte vorzubehalten, so können Sie das Gezahlte nur zurückverlangen, falls Sie nachweisen, daß Sie damals in einem Jrrthum sich befanden, etwa über den Zustand der Wohnung. I. N. Die Ankündigung einer Versammlung wird in den redaktionellen Theil unseres Blattes ohne Ausnahme nur einmal aufgenommen. G. M. In Berlin wird, so viel wir wissen, nur die Artillerie nicht in der Kirche vereidigt. Ob in den anderen Ganiisonen die Vereidigung in Kirchen vorgenommen wird, wissen wir nicht. Theater. Dienstag, den 16. November. Opernhaus. Morgans. Schauspielhaus. Tilli., Deutsches Theater. Der schwarze Schleier. Kriedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Die Stemschnuppe. Vittoria-Theater. Amor. Ostend-Theater. Das neue Gebot. Residenz-Theater. Ein Großstädter. Vorher: Ein anonymer Brief. Zentral-Theater. Der Waldteufel. Belleallianee-Theater. Die Fledermaus. Walhalla-Theater. Bip-Rip. Köuigstädtisches Theater. Von Schrot und Kom. Kausmann'S Varietee. Spezialitäten- Vor- stellung. Amerikan-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Reichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. m Concordia- Theater. Spezialttäten- Vor- stellung._ Berliner Stadt-Theater. (Früher Alhambra-Theater.) Wallnertheaterstt. 15. Dienstag: Zum dritten Male: Lumpacivagabundus, oder: Das liederliche Kleeblatt. Originalposse in 3 Atten von Nesttoy, Musik von Bial und Franke. Vor der Vorstellung: AMT' Großes Concert»"MI ausgeführt von der Hauskapelle unter Lestung des Kapellmeisters Hrn. Theodor Franke. Anfang des Eonccrts: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochentags 7>, Uhr, Sonntags 7", Uhr. Das Theater ist mit elektrischer Beleuchtung verseben._____ Oden-Theator» (Früher Louisenst. Theater.) Dresdenerstt. 72 73. IIa« großartigste Program« der Peftd»«,. The Royal Uokohama Troup»(6 Personen), japanische Produktionen. Familie Eibin. best» renommirte Akrobaten und Gymnastiker(5 Pcrs.). Mr. Pizarra», Gentleman in der Luft auf dem unsichtbaren Drahtseil. Edwin Kaie'» Family, Veloziped-Artistcn. Neu! Neu! Eemckriuflkampf der Kreres Klqoa. Riegel« Kalletgesellschaft, 12 Damen, 2 Herren. Panla nnd Lndwig Tellh eim. Engen Zocher. Mr. Ann�e, Konzertsänger. Im Tunnel während den Zwischenpause: Auf- treten des Kärthner Terzetts Gefchw. Höchst. Kassmöffnung 6V: Uhr. Anfang 7'/, Uhr. Hilligste Kezttgsqnelle für Gold- u. Silderwaaren. Zu Fabrikpreisen empfehle: Ringe, Kreuir, Medaillons, Ohrringe, Kröche», Armbänder, Eollier», Herren- und Damenbettin, Ehemisett- und Manschettenknöpfe. Kimilischmuck, Granat-, Korallen- und Kilberschmnck. Tranringe in Dukatengold, auch in 14karat. Golde und in Silber vergoldet stets vorräthig. 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Aermel mit Flanell gefüttert 25 M, durchweg m. Flanell gefüttert 30-35 M. Sielmann& Rosenberg, Kerlin S1?., Kommandanten straße, Ecke Kindenstraße. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Kalmer-Panoranma. In dieser Woche: Neu! Zum ersten Male: Dritte Reise durch die Pyrenäen. Eine interessante Wanderung durch Rom. Hertha-Reise.— Carolinen-Inseln. Eine Reise 20 Pfennig. Kinder nur 10 Pf. Paletot«, Herren- und»«aben-Ansüg«, sowie Dainenkleider, Minter-Mäntel:c. im Tuch-Geschäft[954 Prinzenftr. gegenüber der Tumhalle. Einige gediegene Kkatspteler, sowie Kchaf«- Besä In Fiebig'« Kalo«, Große Frankfurtersttaße Nr. 27/28, findet Sonnabend, den 20. Novbr.,_.._.. Abends 8 Uhr, ein großes Kopfspieler finden dauernde Beschäftigung im Eine gute Weiße für 20 Pf. und ein gutes Glas Bier für 10 Pf. stets vorhanden. statt, arrangirt von den Mitgliedern der Kran- Ken- und KegeäbnißKaste der Kau- und Fabrikarbeiter, wozu Freunde und Bekannte freundlichst einladet Das Festkomitee. I. A.: Rcinert. KB. Der Kassentag am 21. November im Grünen Weg fällt aus.[1076 W. Xlaugli. gerband dkulscher ZimmerlkUte. (Lokalverband Berlin Nord.) Mittwoch, den 17. d. Mts., Abends 8& Uhr, im Lokal Hochstt. 32: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über Moralstatistik. Ref.: Hm K e n d z i o r a. 2. Verschiedenes. 3. Fragekastcn.— Um recht zahlreiches Erscheinen bittet I. A.: 1077] Meißner, Prinzm-Allee 7. Central Kranken- u. Sterbekasse der Tischler u. s. w. (Oertliche Verwaltung Berlin A.) Mitglieder-Versammlung am Mittwoch, den 17. Novbr., Abends 3[ Uhr, bei Mohlhaupt, Manteussclstr. 9. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 3. Quart. 2. Arzt-Angelegenheiten. 3. Verschiedenes.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 1072] D i e Ortsverwaltung. tag, de« 1W. Novbr.. Abend« 8 __ D__________„. Generalversammlung bei Klinke. ASin � drttag des Steindruckers Herm A. Schulz' maße 38, eingeladen. Tagesordnung: � j, „Verfolgt der Verein die ihm von Herm �on 4 Vorstandsmitgliedern. Um i "'........ I reiches Erscheinen ersucht. Ur Der Porsta«� Fachverein der Steindrucker und Lithographen. Versammlung Donnerstag, den 18. d. M., Abends 81 Uhr, bei Gratweil, Kommandantenstraße 77—79. Tagesordnung: 1. Vortrag des Steindruckers öei.„ über:„Verfolgt der Verein die ihm von Herm G. Blunk in der„Lithographia" unterschobenen Tendenzen?" 2. Diskussion. 3. Verschiedmes und Fragekasten. Gäste find herzlich willkommen. Neue Mit- glieder werden aufgenommen. Herr G. Ä l u n k ist zu dieser Versammlung schriftlich eingeladen. Um zahtteiches Erscheinen ersucht Gleichzeitig wird bekannt gemacht, daß Billets zu dem am Sonnabend stattfindenden Herren- Abend in der Versammlung zu haben sind; femer bei den Komiteemitaliedcm Herren M. Kais«, Miehaelltnhpktz 8; A. Hendrich, Lange- sttaße 86; Kerttn, Bemauersttaße 59; Schulze (Schoneberg), Golzstraße la; Spielmann, Nau- nynsttaße 36; Preuß. Böckhstraße 39; Lehmann. Ackcrstraße 160, sowie bei sämmttichcn Vorstands- Mitgliedern.[iQgo Bekanntmachung. Ortskrankevkasse der Wöbelpolirir. Sonntag, den 21. Novbr., Vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herm Säger, Grüner Weg 29: � Ordentliche General-Versammliing. Tagesordnung: 1. Antrag über Oyenhaltcn der Zahlstellen und Fesssetzung der Gehälter. 2. Er- gänzungswahl des Vorstandes. 3. Wahl des Rechnungsausschusses. 4. Abänderung des Sta- tuts und zwar der§§ 4, 9, 12, 13, 14, 28, 47, 60. 5. Verschiedenes. Die Herren Delegitten werden ersucht, zahl' reich zu erscheinen. Allen Mitgliedern der Kasse zur Nachricht, daß die Versammlung behufs Neuwahl der Tele- girten am Montag, den 6. Dezember, Abend» 8 Uhr, im Saale des Herm Keller, Andreas- straße 21, stattfindet und werden die großjährigen Mitglieder, sowie die Herren Arbeitgeber, weM Beittäge aus eigenen Mitteln leisten, zu dieser Wahl hierdurch eingeladen. Quittungvbuch le: gitimirt._[105* Der Vorstand «kr der vrtskrankenkaste der Möbelpoliree. C. Lederhause, Vors., Oranienstraße 1°� G. Ä i l b r o d t, Schriftf., Britzersttaße 6. Berichtigung... In der Sonntagsnummer dieses Blattes w die obige Generalversammlung irrthümlich J}1 eine außerordentliche angekündigt worden, ss, Richtigstellung weisen wir darauf hin, daß c»n ordentliche Generalversammlung stattfinde" soll. Der Vorstan d. Bachoerein der Putzer. Mittwoch, den 17. November, Abends 8] Ubn im Vercinslokal, Jnsclstt. 10: Mitglieder-Uersammlung. Tagesordnung: Diskusston über einzelne-n tikel der„Baugewerks-Zeitung" und Vere)»� Angelegenheiten.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht[1073] D e r V o r st a n d� Centrai-Kranken- u. Sterbekassö der Tischler u s. w. (Oertliche Verwaltungsstelle Berlin C*),- Mittwoch, den 17. Nov., Abends 8 Uhr. Kothacker. Teltowerstt. 3, Mitglieder-Kr fammlnng. T.-O.: 1. Neuwahl des 1. KasM 2. Die Doktorfrage. 3. Arranairung eines gnügens zum Besten der Invaliden Kasse. 4. Verschiedenes. Ortskrankenkasse der Gürtler- Beitrag Empfehle meine[890_ ......, X X � «--»»WMIW füt d-n»«IMchm A-il mt e.il.1« M-z®litosPr&ÄÄ?kl,° � Stita« N- I-mm« Eine tüchtige � Belegerin für BarockielsteU wird nach außerhalb verlangt. Reisegew � vergütet. Näh. bei Kandke, AlteLakob]� Ein Abpntzer verlangt Fürstenstt. 22. E. Schuhmacher gef. w. v. Pücklerstt. — M >okal sowie i 'Äiwisri Adressenausgabe an Wochentagen von � yht 9', Ukr Abends. Sonntags von 9 Vormittags.