Nr. 271. Freitag, de» 19. Kavemder 1886. 8. Jadrg. öfrlmtrliillislilall Brgiin für dir Interrffc» der Ardrttcr. 4 Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungsprcisliste für 1886 unter Nr. 769.) JnsertionSaebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzcile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW,, Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: KentWraße 2.— Expedition: Zlmmerstraße 44. NatlonaUiverale Sozialreform. Sie machen den großen Wettlauf um die Gunst des Arbeiters natürlich auch mit, die Herren Nationalliberalen. Das ist jetzt in der Mode und sie wollen auch modern sein, wenn auch ihre sonstigen Praktiken sehr alt sind. Ueber- strömenden Servilismus gab es schon bei den alten Assyriern Und Babyloniern, und Leute, die ohne feste Gesinnung zu Mer Zeit bereit waren, dem Mächtigsteil zu dienen, waren sicherlich schon zur Zeit der Pfahlbauten vorhanden. Jüngst nver kam Herr Oechelhäuser daher und that, als ob n den Arbeitern Gott weiß welche Konzessionen machen wolle. Wenn man sich die Sache näher besah, wie wir in diesen Blättern gethan, so fand man, daß Herr Oechelhäuser liur bemüht war, die Verwirklichung des gegenwärtig schwe- »enden Projekts einer staatlichen Alters- und Invaliden- Versorgung möglichst schwächlich ausfallen zu lasten. Nun kommt aber auch das Hauptorgan der National- «beralen, die von dem weisen Herrn Böttcher vedigirte„Nationalliberale Korresponden z", nnd spricht sich gegen einen Nornialarbeitstag aus. Der e i l f st ü n d i g e Normalarbeitstag erscheint diesem Blatte schon als eine zu strenge Maßregel. Vielleicht wäre Herr Böttcher mit einem 14stündigen Normalarbeitstag einverstanden, damit diejenigen Arbeiter, die heute nur eist, zwölf und dreizehn Stunden Arbeitszeit haben, dieselbe wieder auf vierzehn Stunden bringen könnten. Eine solche Maßregel wäre der geistigen Höhe angemessen, «us der sich die sozialökonomischen Anschauungen des Herrn Böttcher befinden. , Die Nationalliberalen wollen sich dem Herrn Reichs- T%ler wieder gefällig erweisen. Er ist bekanntlich ein fJrjsWr Gegner des Normalarbeitstages und behauptet, eine h staatliche Beschränkung der täglichen Arbeitszeit sei durchführbar, weil in den verschiedenen Gegenden Deutsch- I"os die nothwendige Arbeitszeit eine verschiedene sei. Man daß der Reichskanzler hier seine in der Bewirth- ■. n8 seiner Güter gewonnenen Anschaunngen auf die In- .ustrie im Allgemeinen überträgt. Wir halten diese Uebertragung IT unzulässig, weil die Landwirthschaft ein ganz eigenarti- ?? Betrieb ist, der einen Vergleich mit den eigentlichen mo- Industriebetrieben gar nicht zuläßt. Da kommt nun ° dienstbeflissene Böttcher und führt dem Reichskanzler % Gründe gegen den Normalarbeitstag zu. Ob sie dem �'chskanzler zusagen werden? Wer mag's wissen? ... Durchschlagend sind die„Gründe" des Herrn Böttcher tteuich kaum, denn er beschränkt sich darauf, zu sagen, daß b o« e)n �ststündiger Normalarbeitstag„undurchführ- d,* Damit ist, genau genommen, gar nichts gesagt _ nn Herr Böttcher ist keine Autorität. Er weiß auch rtochdru« IseuMeton. Wru« Bertoten.]_[30 Im Hause des Uerderdens. Kriminalroman. Von Reinhold Lrtmann. «. Juanita sprach mit einer Entschiedenheit und Energie, Don vornherein jeden Widerspruch niederschlug. Sie ./„ugte Elsbeth kurz um den Aufenthalt und die Verhält- bait lener jungen Dame, deren Photographie sie da vor sich d.»'on uud wandte sich dann nach kurzem Nachdenken mit Worten zu ihr:_ den& �men Sie alle Ihre Kraft und alle Ihre Liebe für k»:. Bruder und den Verlobten zusammen, denn es ist kein Weg, den Sie jetzt um ihretwillen unternehmen mJb-W Aber es giebt kein anderes Mittel und auf Ihre 'LMchkeit kommt für den Augenblick Alles an. Sie ibr v"'u i€nem Fräulein von Nuggenhagen gehen, müssen W gefährliche Lage ihres Bruders mit voller Wahrheit da» �"schaulichkeit vor die Seele führen und müssen Sie W* bewegen, ohne jede Rücksicht auf sich selbst öffentlich zu ste?en, ob er gestern Abend bei ihr gewesen sei. Wenn Jw Mädchen von gewöhnlichem Schlage ist, wird sie m n•'"luvcyen von gewoynucyem«cyrage i�r, wiro dürf. nicht ohne Weiteres dazu bereit sein, aber Sie l. nicht(chet iAo« nfa Riß Kit» mirfltHF» kleberzeugung dst'fl"icht eher"zurückweichen,"als bis Sie wirklich Mml, Ueberzeugung gewonnen haben, daß unsere Ver- w B?™'"M' gewesen fei." Getrauen Sie sich, das Feftiai � werde es thun!" erwiderte Elsbeth mit einer detn<5?' welche Juanita selbst in Erstaunen setzte„For- Vicht letzt das Schwerste von mir und ich werde mich glaube Augenblick bedenken, eS zu versuchen. Ich Sie mir* babe Ihnen ein schweres Unrecht gethan, als Ihren«»''". Brandensteiner Park entgegentraten. Ich hatte sehe ix° Cn damals mehr Bedeutung beilegen sollen, das ieihu.w �unwohl ein und ich bitte Sie deshalb um Ver- jnich->t' Wieder gut machen kann ich es ja nur, daß ich M Ä S nicht, daß die Anschauungen bezüglich Verkürzung der Ar- beitszeit vielfach zu Gunsten des Normalarbeitstages beein- flußt worden sind durch die letzten Berichte der Fabrik Inspektoren. Diese enthalten ein ziemlich reiches Material über die- in Deutschland gebräuchliche Arbeitszeit und für jeden Mann mit modernen Anschauungen muß daraus hervorgehen, daß der Staat nicht länger diesen Zuständen ruhig zusehen kann, wenn er nicht haben will, daß Kraft und Gesundheit des Volkes dauernd geschädigt werden sollen. Man hat diese Zustände immer bestritten und was davon in die Oeffentlichkeit drang, für Uebertreibung erklärt. Nun sind sie amtlich konstatirt und man darf wohl annehmen, daß dadurch auch bei den leitenden Staatsmännern die Anschauungen bezüglich des Normalarbeitstages andere ge- worden sind. Der Liberalismus wird sich freilich nicht so leicht zum Normalarbeitstag bekehren. Mag er nun so sehr zahm auftreten, wie im Gewand des Nationalliberalismus, oder mag er sich„deutschfreisinnig" etwas ungeberdiger zeigen— in Bezug auf staatliche Maßnahmen gegen die wirthschaft- lichen Mißstände wird der Liberalismus immer gleich un- fruchtbar bleiben. Seine Vertreter halten unsere gegen- wärtige ökonomische Misere für eine zufällige, rasch vor- übergehende Erscheinung und meinen allen Ernstes, es brauche nur eine Periode der„Prosperität" zu kommen, um das ganze Massenelend wie mit einem Hauche hinweg zu fegen. DaS ist ein Grund- irrthum, denn unsere gegenwärtigen ökonomischen Zustände sind das Produkt der ganzen industriellen Entwicklung und werden nicht eher verschwinden, bis die industrielle Eni- Wicklung selbst eine andere Richtung genommen hat. Es muß ein Mittel gefunden werden gegen die mit so rapider Geschwindigkeit fortschreitende Entwerthung der menschlichen Arbeitskraft; fast wird das Un glück immer größer. Der Normalarbeitstag kann keine Wunder thun, allein er kann viel Gutes schaffen und man möge eS erst einmal mit ihm versuchen, bevor man ihn unter den Tisch wirft. Der manchesterliche Charakter deS Liberalismus ergiebt sich aus der gesellschaftlichen Stellung seiner Häupter. Diese Bankiers, Kaufleute, Industriellen und Bureaukraten ver- langen von dem Arbeiter, er solle sich„durch Fleiß und Tüchtigkeit" emporarbeiten; kann er dies nicht, so mag er drunten bleiben. Hätten sie, die Herren, nicht von ihren Eltern die nöthigen Mittel bekommen, was wären sie fast Alle trotz„Fleiß und Tüchtigkeit?" Denn nur die Wenigsten können sich damit allein emporarbetten. Dem Arbeiter aber könnte man eben so gut den Rath geben, das große Loos zu gewinnen. ist, denn ich werde auf der Stelle zu den NuggenhagenS gehen!" „Thun Sie das, mein Kind, aber lassen Sie sich nicht zu leicht zurückweisen. Denken Sie an meine Warnung! — Und verlieren Sie den Muth nicht, wenn dieser Weg auch schließlich fruchtlos bleiben sollte. Auch ich werde unterdessen handeln, und ich glaube, selbst für den schlimm- sten Fall noch ein Mittel zu besitzen, um den wahren Schuldigen ausfindig zu machen." Sie war Elsbeth bei der Beendigung ihrer einfachen Toilette behilflich und geleitete sie dann noch ein gutes Stück auf vem Wege, der zu der kleinen Besitzung des Ober- sörsters führte. „Bei der Binsenmarthe werden Sie erfahren, wo Sie mich wiedersehen können," sagte sie beim Abschied.„Noch einmal: Muth, Geschicklichkeit und Ausdauer.— ES hängt für Ihren Bruder vielleicht Alles von dem Ausfalle dieses Ihres Besuches ab!" XXII. Helene von Nuggenhagen hatte noch am Mittage dieses Tages nicht die leiseste Ahnung von denj verhängniß- vollen Vorgängen auf Brandenstein. Es war ihr am ver- flossenen Abend trotz der Verspätung gelungen, nach Hause zurückzukehren, ohne daß ihr jetzt mißtrauisch gewordener Vater, der sich zudem seit dem jähen Tode des alten Barons stets in der verdrießlichsten Stimmung befand, eine Ahnung von ihrer Abwesenheit hatte. Aber sie hielt sich so viel als irgend möglich auf ihrem Zimmer auf, da aller Jugendmuth und alle Zuvechchtlichkeit ihrer Zukunsts- Hoffnungen nicht stark genug waren, den nagenden Schmerz der Trennung zu übertäuben, und da sie nicht Kraft genug in sich fühlte, den Zustand ihres Inneren zu verbergen. Mit ungewöhnlich blassen Wangen und mit gesenkten Augen erschien sie an der Mittagstafel an der sie der Ober- förster bereits erwartet hatte. Auch ihm schien außer seiner gewöhnlichen Verdrießlichkeit heute noch etwas Besonderes auf dem Herzen zu liegen; denn sein tiefes Athemholen hatte mehrmals sehr verdächtige Äehnlichkeit mit einem Seufzer, und auch die Art und Weise, in welcher er von Die liberale Gesellschaftsanschauung nähert sich sehr jenen antiken Philosophen, welche die Sklaverei für noth- wendig hielten, denn die Sklaven sollten die gemeinen Ar- beiten leisten, während eine Anzahl bevorzugter Bürger, wie im alten Athen, sich allen geistigen und materiellen Lebens- aenüssen hingeben konnte. Der moderne Liberalismus braucht eine dürftige Masse, auf deren Schultern seine rasch wechselnden Größen emporsteigen. Diese Anschauung verträgt sich nicht mehr mit der Zeitströmung und deshalb ist die historische Rolle des Liberalismus vorüber. Herr Böttcher braucht also sein Gehirn nicht weiter anzustrengen, um eine nationalliberale„Sozialreform" zu finden; es glaubt doch Niemand daran. 8m Monaer 8oziakHmprozeß. Zu Mittwoch Nachmittag 2 Uhr war die Urthcilsver- kündigung angesetzt. Der Zuhörerraum war vom Publikum wiederum überfüllt. Der Angeklagte Stein wurde zuerst vom Vorsitzenden vorgerufen, der ihm ein Notizbuch vorlegte und ihn befragte, ob er in demselben etwas geschrieben habe und wie viel. Stein zeigte dem Vorsitzenden hierauf das von ihm in dem Notizbuch Geschriebene, worauf der Gerichtshof beschloß, einen Schreibverständigen zu laden, der die Schrift in dem Notizbuche mit der Schrift der bei Stein vorgefundenen Zettel vergleichen soll. Nachdein der herbeigeholte Kanzleirath Rathgen beharrlich die Abgabe eines Sachverständigen-Utthcils verweigert hatte, weil er noch nie als Schreibverständiger fungirt hat, wird der Gerichtssekretär Weber herbei- gerufen, der flugs bei der Hand ist, sein Urtheil abzu- geben, so daß der Gerichtspräsident ihn auffordern muß, sich doch etwas Zeit zu lassen, um die Schrift- züge anzusehen. Nach kurzer Pause erklärt Weber, die Schrift sei überall dieselbe, worauf der Staatsanwalt behauptet, es be- dürfe keines weiteren Zeugnisses, um Stein als schuldig hinzu- stellen. Er bleibt bei seinen Anträgen und ersucht den Ge- richtshof auch demgemäß zu beschließen. Der Vertheidiger Dr. Dürkheim ergreift nochmals das Wort und führt aus, daß für ihn die Zeugnisse der Schreibverständigen nicht maßgebend sind; die Aussagen dieser Herren schließen nur auf Vermuthungen; er glaube daher mit Bestimmtheit annehmen zu dürfen, daß der Gerichtshof seine in voriger Sitzung ausgeführte Ver- theidigung billige. Er führt noch an, daß sich die Angeklagten bereits 4 Monate in Untersuchung besinden, und offenbar durch diese schon sehr stark gestraft sind. Hierauf werden die Ange- klagten einzeln vom Vorsitzenden befragt, ob sie noch etwas zu ihrer Vertheidigung anzuführen haben, worauf der Angeklagte Hopp das Wort ergreift und anführt, daß er im Stande ist nachzuweisen, woher er das bei ihm vorgefundene Buch hat. Er habe dasselbe von einem Papierhändler auf dem Schulterblatt gekaust. Einer geheimen Verbindung habe er nicht angehött. Er wiederholt nochmals, daß er die Lsste von einem Bekannten erhalten habe. Er sucht noch ferner seine Unschuld darzuthun, indem er anführt, daß sein Name nicht einmal auf der Liste Zeit zu Zeit die Spitzen seines grauen Schnurrbarts drehte, schien ein Zeichen innerer Verlegenheit und Aufregung zu sein. Nach einigen verzweifelten Versuchen, Vater und Tochter für irgend einen Gesprächsstoff zu interessiren, die sammt und fonbers schmählich mißlangen, versank auch die Gesellschafterin in Stillschweigen, und seit Langem war kein Mittagsmahl in diesem Zimmer unter so beängstigender Spannung verzehrt worden, als heute. „Du hast es ja sehr eilig, wieder aus meiner Nähe zu kommen," sagte der Oberförster, als sich Helene gleich nach der Aufhebung der trübseligen Tafel anschickte, das Gemach zu verlassen.„Ich will Dich auch nicht zwingen, mir Gesellschaft zu leisten, wenn Du kein Bedürfniß danach empfindest; aber einige Minuten wenigstens wirst Du doch hier bleiben, denn ich habe Dir etwas zu sagen." Sein Ton verrieth, daß das, was er sagen wollte, nicht? Angenehmes sein konnte, und mit gepreßtem Herzen sah ihm Helene zu, wie er einige Male hastig im Zimmer auf und nieder schritt. „Ich hoffe, Du hast Dir diesen Menschen schon voll- ständig aus dem Sinn geschlagen?" sagte er plötzlich barsch, indem er dicht vor ihr stehen blieb.„Antworte mir nicht so ohne Ueberlegung, wie Du's kürzlich gethan!— Zch erwarte bestimmt, daß Du nicht mehr an ihn denkst— bestimmt, sage ich Dir! Und Du wirst mir in dieser Stunde schwören, daß Du nie und unter keinen Umständen irgend Einem mittheilen wirft; daß Du ihn jemals gekannt, jemals ein einziges Wort mit ihm gesprochen hast!— Gelobe mir das!" „Papa!" „Keine Widerrede!— Ich spreche jetzt zu Dir als Dem Vater, der Mittel genug hat, ein entartetes Kind zum Ge- horsam zu bringen!— Weißt Du auch, daß jener— Mensch ein gemeiner Verbrecher ist?" Helene sah ihn starr an, und eine purpurne Rothe färbte ihre Wangen.„Das ist nicht wahr!" sagte sie dann mit ruhiger Bestimmtheit, ohne vor dem Blick ihres Vaters auch nur mit einer Wimper zu zucken. „Mädchen!" fuhr der Oberförster auf.„Bringe mich verzeichnet stand. Hierauf stellte Redner die Ankrage, ob es gestattet sei, die Behandlung, welche ihm bei seiner Vernehmung von dem Kommissar Engel zu Theil wurde, zu erwähnen. Der Präsident gestattete dieses mit dem Bemerken, wenn dieses auf seine Verthcidigung Bezug habe. Hopp erzählt ungefähr fol- gcndes: Als er auf dem Polizeiamtc seine Aussagen machte und erklärt hatte, wie er in die Richter'sche Wirthschaft ge- kommen sei, habe ihm der Kommissar erwidert, daß das von ihm Erzählte doch nur alles erlogen sei. Auf diese Bemerkung hm will sich der Angeklagte eine bessere Behandlung ausgebcten und erklärt haben, daß ihm eine solche Behandlung etwas Un- gewohntes sei, worauf Engel gesagt haben soll, daß er alsdann der erste sein wolle, der ihn so behandelte, und auch derjenige, der für seine Bestrafung Sorge tragen werde. Seine Braut, welche erst 2 Monate aus dem Wochenbette war, soll der Herr Kommissar wegen Verdachts der Mitwissenschaft inhaftirt haben. Den Ausfühnmgen des Angeklagten folgte aus dem Zuhörer- räum ein schallendes, vielstimmmes Bravo, worauf die Tribüne geräumt wurde. Rassow und Stein sprachen noch etwas zu ihrer Vertheidigung und kritisirten ebenfalls das Vorgehen des Komnnssars Engel. Da die übrigen Angeklagten nichts mehr anzuführen hatten, zog sich der Gerichtshof zur Berathung zurück und verkündete nach ca. halbstündiger Berathung folgendes Urtheil: Die Angeklagten Saß, Thomas, Jensen, Knuth, Hei- brich, Hopp und Rassow werden wegen Vergehens gegen die §§ 129 des Str.-G.-B. und 19 des Sozialistengesetzes zu je 12 Monaten Gefängniß, Wede wegen derselben Vergehen zu 13 Monaten Gesängniß und Stein wegen Vergehens gegen § 129 zu 2 Monaten Gefängniß vcrurtheilt. Der Präsident führte aus, daß der Gerichtshof wohl die Ueberzeugung gewonnen habe, daß eine geheime Verbindung bestehe, nicht aber konnte das Gericht sich davon überzeugen, daß deren Dasein, Verfassung und Zweck geheim gehalten werden sollte. Ebenfalls hält der Ge- richtshof die Angeklagten der„Verbreitung verbotener Schriften" für schuldig und zwar die ersten sieben zu 2 verschiedenen Malen, Wede hingegen zu 3 verschiedenen Malen und Stein zu einem Male. Die Verbreitung verbotener Schriften beziehe sich mit Ausnahme bei Wede nur auf den„Sozialdemokrat". Wede hingegen habe auch die Broschüren„Viarseillaise" und �Vorwärts" verbreitet. Die Angeklagten sind somit wegen Theilnahme an einer Verbindung und wegen Verbreitung ver- botener Schriften bestraft worden. Der Gerichtshof hatte zu gleicher Zeit beschlossen, die Haft sämmtlichcr Angeklagten vor- läufig aufzubeben, wogegen der Herr Staatsanwalt Groschuff protestirte. Er hob hervor, daß inan Kückelhahn nur mit großer Mühe zur Verbüßung seiner Strafe heranziehen konnte. Paß- bürg, der in derselben Sache verurthcilt wurde, sei heute noch nicht aufzufinden. Gegen die Ausführungen des Staatsanwalts protestirte Dr. Türkheim. Der Gerichtshof reduzirte hierauf seinen Beschluß dahin, daß nur Stein vorläufig auf freien Fuß zu setzen sei. Uotttifche Ueverstcht. Zur Praxis der Versammlungsgenehmigungen. Der zweite Vorsitzende das„Fachvereins sännntlicher im Drechsler- gewerk beschäftigten Arbeiter" war zum Sonntag, den 14. No- vcmber, auf das Polizeipräsidium geladen worden, weil er um Mittheilung der Gründe gebeten hatte, aus denen eine für den vorhergehenden Sonntag geplante Versammlung nicht ge- nchmigt worden war. Bestimmte Eröffnungen wurden dem Vorsitzenden nicht gemacht, dagegen wurde mehrfach angedeutet, daß man Sonntagsversammlungen überhaupt nichtwünsche. Jjt dieser Bescheid zutreffend, so wäre für die Fachvereine vorläufig das beste, den Sonntag nicht zum Versammlungstag zu bestimmen. Andrerseits aber machen es viele Umstände für die Arbeiter nothwcndig, gerade des Sonntags zusamnien zu kommen— geborene Faullenzer mögen ja in der Woche immer Zeit haben, für die Ardeiter trifft das aber nicht zu. Ferner hat das Polizeipräsidium wohl das Recht, die Gründe der Nichtgenehmigung einer Versanmilung zu verschwei- gen, aber es hat nicht das Recht, darum aus ganz beliebt- Leu Gründen die Genehmigung zu versagen. Das Polizei- Präsidium ist auch hier an die gesetzlichen Vorschriften gebunden und es ist uns kein Gesetz bekannt, welches Sonntagsversamm- jungen verhindern sollte. Leider wird eine Beschwerde hier nichts helfen, da nicht nachzuweisen ist, daß eine Versammlung lediglich„des Sonntags wegen" versagt wurde. Eine„geheime Verbindung" der Sozialisten nach- zuweisen, ist den Gerichten auch in Altona trotz aller Be- mühungen nicht gelungen(vergl. Gericht). Dadurch werden sich aber die Behörden von dem Wege nicht abschrecken lassen, den sie seit den Kieler Verhaftungen und den» Chemnitzer Sozialistcnprozeß konseauent verfolgt haben. Neuere Ver- Haftungen weisen zur Genüge darauf hin, daß ein paar Miß- erfolge die Hoffnung auf einen endlichen Erfolg durchaus nicht beseitigt haben. Man darf.'fich also auf weitere Haussuchungen und Verhaftungen an all?.. Orten gefaßt machen. Auch bei den Buckaucr Verhaftungen scheint ein De- nunziant im Spiele zu sein. So äußerte»n einer Restauration ein gewisser Krause, der aus Berlin ausgewiesen ist und von nicht zum Acußersten!— Zch sage Dir, er ist ein Ver- brecher, ein Meuchelmörder!— Zn Gemeinschaft mit einem anderen weggejagten Patron hat er den jungen Baron von Brandenstein ermordet, und ist er bereits in festen Gewahr- sam gebracht!" Die Farbe auf Helenens Gesicht hatte jäh gewechselt und sie mußte für einen Moment nach der Lehne des neben ihr stehenden Sessels greifen, um sich aufrecht zu erhalten; ihre Augen aber hingen noch immer furchtlos an denen des Vaters. „So hat man Dich belogen, Papa," sagte sie.„Thue mit mir, was Du willst, aber ich kann nichts anderes sagen, als es ist eine Lüge!" „Aber ich sage Dir ja, man hat ihn schon gefangen genommen!" „Und wenn man ihn bereits verurtheilt hätte, ich würde der ganzen Welt dasselbe in's Gesicht rufen!" Der Oberförster kämpfte mit sich selbst, um seine Ruhe zu bewahren.„Glaube, was Du willst," sagte er dann kurz und rauh.„Jedenfalls aber wirst Du ein- sehen, daß niemals ein lebendiges Wesen erfahren darf, Helene von Nuagenhagen habe mit einem Menschen, den man auf Verdacht des Mordes gefangen nehmen konnte, Worte gewechselt! Du wirst in all Deinem Leichtsinn nicht vergessen, daß Du die Tochter eines Edel- mannes bist!" „Und so wollte ein Edelmann demjenigen danken, der mir das Leben gerettet hat?" Die Hände des Oberförsters ballten sich.„Mädchen, bringe mich nicht dazu, zu wünschen, daß er es nicht gethan hätte!— Ich habe es ertra en, daß Du mich gekränkt, belogen und beleidigt hast; aber bei Gott, ich würde Dich lieber umbringen, als daß Du vor den Augen der Welt einen Fleck auf meinen Namen bringen dürstest!" „Für einen Unschuldigen einzutreten, kann Dich und mich nicht entehren. Papa!" „Genug der Thorheiten! Du kennst meine Meinung! Geh' jetzt und packe Deine Sachen!" früher her sich durch gehässige Verleumdungen von Reichstags- abgeordneten einen traurigen Namen gemacht hat:„Ich kann es Niemand verdenken, wenn er sich dadurch 10 Jahre Zuchthaus vom Halse schaffen kann, wenn er dafür 20 oder 30 Ändere hineinlegt." Bei derselben Gelegenheit erklärte dieser saubere Patron:„Ich werde dafür sorgen, daß inner- halb 14 Tagen der Belagerungszustand über Magdeburg er- klärt wird." Natürlich sind solche Redensarten nichts als eitel Prahlerei, aber sie lassen doch auf die Niedrigkeit der Ge- finnung eines solchen Individuums schließen und es bleibt nur zu bedauem, daß es immer wieder Arbeiter giebt, welche solchen mehr als zweifelhaften Subjekten Gehör schenken und sich von ihnen mißbrauchen lassen. Pöbelhaft. Die ultramontane„Germania" bringt auS Mühlheim a. Rh. folgende Notiz:„Eine andere auffallende Erscheinung sind auch jetzt die vielen Diebstähle hier im Kreise und zwar vielfach bei kleinen Leuten; man stiehlt ihnen die Kleider u. deml., die wenig Werth haben. Wir vermuthen, daß dies von Sozialisten geschieht, um die niederen Massen in Bewegung zu setzen."— Müssen die Sozialisten auch so manche Niederträchtigkeiten und Verleumdungen seitens der Gegner über sich ergehen lassen, so hatten wir doch die Meinung, daß unsere Gegner sich wenigstens von derartigen Sudeleien freihalten würdm. Es scheint ihnen aber jede Ge- meinhcit recht zu sein, wenn sie den Sozialisten gilt. Sozialistisches. Nicht nur in Berlin, im ganzen Reiche weht jetzt ein ungemein scharfer Wind gegen die Sozialisien. In Leipzig sind abermals zwei Sozialdemokraten, der Schriftsetzer Franz A'aver Hopfner aus Donauwörth und der Eisendreher Carl Wilhelm Berger aus Markranstädt, auf Grund des Sozialistengesetzes aus der Stadt und dem Bezirke der Amtshauptmannschaft ausgewiesen worden. Beide haben nach Verbüßung einer ihnen wegen Verbreitung sozialdemo- kratischer Druckschriften zuerkannten Gefängnißstrafe den Bann- bezirk verlassen.— In Dresden und Striesen fanden am vergangenen Freitag Haussuchungen nach verbotenen sozialistischen Schriften statt, welche resultatlos verliefen.— Eine Versammlung in Erfurt, in welcher Dr. Schönlank reden wollte, wurde vorher verboten.— In Großenhain hat dagegen der Rcichstagsabg. Singer in einer Volksver- sammlung gesprochen. Dieselbe verlief durchaus ordnungs- gemäß. Stimmenfälschuna in Lauenburg. Die Frivolität, mit der bei der jüngsten Reichstagsnachwahl in Lauenburg von konservativer Seite vorgegangen worden ist, war durch den famosen Fall Francke hinlänglich charakterisirt worden. Aber dainit noch nicht genug. Das Bild wird noch durch folgenden Zwischenfall vervollständigt, der zu einer gerichtlichen Unter- suchung geführt hat. Der Gutspächter Oelstein aus Goldberg war, wie der„Hamb. Korr." berichtet, zum Wahlvorsteher für den Bezirk Niendorf a. d. Strecknitz in Lauenburg desianirt. Das Wahlrejultat ergab die Majorität für Herrn Graf v. Bern- storff, Kandidat der konservativen Partei. Da der Bezirk und die Zahl der Stimmen sehr gering waren, konnte man leicht ermitteln, daß eine Fälschung vorgekomuien sein müsse. Eine Untersuchung ergab denn auch, daß der Wahlvorsteher Oelstein 5 für Molkcnbuhr, Kandidaten der sozialdemokratischen Partei und 1 für Herrn Kammerrath v. Berling abgegebene Stimme aus der Wahlurne genommen und dafür G Stimmen für von Bemstorff hineingelegt hatte!! Auf Grund des§ 108 des Str.- G-B-, welcher die absichtliche unrichtige Herbeiführung eines Wahlresultats mit Gefängnißsttafe von einer Woche bis ein Jahr belegt, wurde der geständige Angeklagte zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt.— Zur Brieffälschung und versuchten Bestechung hat man also auch noch die Stimmen- fälschung hinzugefügt. Die Konservativen in Lauenburg scheinen ein sehr weites Gewissen zu haben. Das neue Reichsdefizit. Tie„Freis. Ztg." schreibt: Das neue Rcichsdcfizit beziffert sich, wie sich aus den jetzt vollständig veröffentlichten Abschlußzahlcn zu dem neuen Etatsentwurf er- giebt, auf n i ch t weniger als 33 176 541 M. Um diese Summe sollen also die Äatrikularbeittäge, welche sich nach dem letzten Etat auf 138 W 000 M. beliefcn, erhöht werden. Das Defizit stellt sich somit noch erheblich höher heraus, als dasselbe früher veranschlagt wurde. Den Hauptantheil an demselben hat der Verfall der R ü b e n st e u e r mit im ganzen ca. 13� Millionen Mark. Dieser Verfall der Rübensteucr hat theils das große Defizit pro 1835—86 veranlaßt, welches durch den neuen Etat gedeckt werden muß, theils die Mindereinnahme an Rü- bensteuer iin neuen Etatsentwurf. Die zweite Ursache des Defizit liegt in der Erhöhnng der fortdauernden Ausgaben der Militärverwaltung im Betrage von 6 416 813 M. und der fortdauernden Ausgaben der Marineverwaltung im Betrage von 1 237 007 M. Dazu kommt alsdann ein höherer Zinsbedarf der Reichsschuld von 1 617 000 M. und ein Mehrbedarf der Pensionsausgaben, wesentlich infolge des neuen Pcnfionsgesetzes, von 2494705 M. Hierzu tritt ein höherer Betrag der einmaligen Ausgaben der Militärverwaltung, welcher aus laufenden Mitteln gedeckt werden soll, und dessen Betrag die offiziösen Ziffem noch nicht genau erkennen lassen. Im ganzen verlangt die Militärverwaltung im Extraordinarium „Papa, was hast Du vor?— Du willst mich doch nicht fortschicken?" „Du fährst heute Abend mit dem Kourierzuge nach Wien zu meiner Kousine!— Kein Wort!— Ich will es so, und dabei bleibt es!" Jetzt erst brachen die Thränen aus Helenens Augen und flehend hob sie die Hände empor. „Papa, das kann Dein Ernst nicht sein! Du bringst mich zur Verzweiflung, Du machst mich wahnsinnig!— Ich kann jetzt nicht gehen!" „Du wirst gehen, und wenn ich Dich mit Gewalt fort- bringen lassen sollte!— Spare Dir darum die Worte!— Wir sind fertig!" In diesem Augenblick wurde schüchtern an die Thür geklopft, und auf des Oberförsters barsches„Herein" er- schien in großer Verlegenheit die Haushälterin auf der Schwelle. „Der Herr Oberförster werden verzeihen," sagte sie, „aber es ist eine junge Dame draußen, die das gnädige Fräulein sprechen möchte!" „Meine Tochter ist heute ftir Niemanden zu sprechen! Sie sei mit den Vorbereitungen zu ihrer Abreise beschäftigt, sagen Sie der Dame! Und stören Sie uns damit nicht wieder!" Die Haushälterin wollte gehen, aber hoch aufgerichtet und mit blitzenden Augen rief ihr Helene zu: „Bleiben Sie! Ich will die Dame sprechen und es kann nicht im Ernst meines Papa's Absicht sein, mich daran verhindern zu wollen!— Sagen Sie ihr, daß ich sie erwarte!" Zweifelnd blickte die Dienerin auf den Oberförster. Als dieser kein Wort sagte, sondern seine Tochter nur mit weit aufgerissenen Augen anstarrte, als sei plötzlich eine wunder- bare Verwandlung mit ihr vorgegangen, entfernte sie sich schweigend, um Helenens Auftrag auszurichten. Selbst wenn er die Absicht dazu gehabt hätte, wäre ihm keine Zeit geblieben, etwas zu erwidern, denn schon bei Helenens letzten Worten war Elsbeth in das Zimmer ge- treten. Nur bei ihrem einmaligen Besuche auf Schloß Brandenstein hatte Helene sie gesehen, aber es bedurfte nu mehr, gegen daS Vorjahr 17 155 463 M., was also mit Hinzu- rechnung des Mehrbedarfs für fortdauernde Ausgaben von 6 416 813 M. einen Mehrbedarf der Militärver- waltung im ganzen von ca. 24 Millionen Mark im neuen Etat darstellt. Abgesehen von der Erhöhung der Matrikularbeiträge um 33 176 541 M. vermindert sich zu Un- gunsten der Eimelstaaten auch noch der Bettag der Heraus- zahlungen aus Steuern an dieselben um ca. 2 Millionen Mark mfolge Rückgang der Einnahmen an Börsensteuer, welcher nur zum halben Bettag durch Mehreinnahmen aus anderen Stempel- steuern und der Tabaksteuer gedeckt wird. Ein deutscher Chauvinist.„Der nächste deutsch-sranzö- fische Krieg. Eine milttärisch-polltische Studie von E. K o ett- schau. Ober st lieutenant a. D.," lautet der Titel einer eben erschienenen Schrift, die selbst der„Köln. Ztg." zu mords- patriotisch erscheint. Der Krieg ist nothwcndig! Das ist das cotenuo censeo des Herrn Koettschau, welches sich wie ein rother Faden durch sein Buch hindurchzieht; um so begieriger ist man, die Begründung dieser Ansicht zu finden. Wieder und wieder haben wir die Schrift durchgelesen, ohne auch nur dem Versuch einer solchen Begründung zu begegnen. Doch nein— wir wollen nicht ungerecht sein—, Herr Koettschau hält die Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches für ein Wunder, und wir könnten von unseren Nachbarn in West und Ost nicht ver- langen, daß sie das bei uns vorgegangene Wunder so ohne weiteres anerkennen sollten!„Es ist nur recht und billig", fährt er dann wörtlich fort,„daß wir über unser Deutsches Reichsauferstchungswunder noch eine zweite deutliche Ouittung ausstellten, und diese wird der noch zweifelnden Welt um so glaubwürdiger vorkommen, wenn sie gleichzeitig an meh- rere Adressen versandt wird." So die Beweisgründe des Herrn Koettschau dafür, daß„der Krieg in unseren Interessen liege", daß wir„eines neuen deutsch-französischen Krieges bedürfen"; dieselben werden nach altem Rezept durch Wortschwall ersetzt.— Nun, uns kann das Geschreibsel des Herne Oberstlieutenants am Ende sehr gleichgiltig sein. Aber daß das Buch jetzt viel genannt wird, wirft ein äußerst scharfes Licht auf die Heucheln unserer deutschen Chauvinisten. Welch ein Sturm der Eni- rüstung wäre in allen deutschen Blättern ausgebrochen, wenn ähnliche Kriegsdrohungen jenseits des Rheins erklungen wären. Wie hätte die„gutgesinnte" Presse getobt und wieviel kalte Wassersttahlen hätten die Offiziösen nach Paris versenden müssen. Die französische Regierimg scheint die deutschen De- routtde's viel weniger ernst zu nehmen und das darf wohl als Beweis betrachtet werden, daß sie den Frieden ernstlich er- halten will. Zu den Polenausweisungen. Wie man dem Graudenzer „Gesellig." aus Strasburg schreibt, ist in dortiger Gegend kürz- tich ein Mann polnischer Nationalität, aber nichtpreußischer Staatsangehörigkeit ausgewiesen worden, nach- und trotzdem derselbe seiner Militärpflicht in Preußen genügt hat. Derselbe soll nunmehr die Absicht haben, gegen die Militär- behörde einen Entschädigungsprozeß anhängig zu machen, indem er behauptet, die Militärbehörde sei in diesem Falle auch nicht berechtigt gewesen, ihn zur Militärpflicht heranzuziehen und ihn um drei volle Jahre seiner Erwerbsthätiakeit zu schädigen- Nach Anficht des„Gesellig." steht dieser Rechtsanspruch auf sehr schwachen Füßen, entbehrt jedoch immerhin in seinem Aus« gange nicht jedes Interesses. lieber den Selbstmord des Sozialisten Schneider Schäfer in Frankfurt a. M. haben wir schon berichtet. C- drängen sich dabei übrigens allerlei Gedanken auf, welche auw schon an verschiedenen Stellen Ausdruck gefunden haben. Es wird in den Blättern immer von einem Schutzmann ge- sprachen, der Haussuchung gehalten habe. Das ist bis jetz- niemals üblich gewesen; es waren bei einer Haussuchung immer mehrere Beamte. Und was hatte eine Haussuchung für eine» Zweck bei jemandem, der eben aus der Untersuchungshaft ent- lassen worden war? Bei den übrigen Jnhaftirten wurde die Haussuchung vorgenommen, während sie sich in Haft befanden- Nach einem anderen Berichte sollte der Schutzmann dem Schästr nur eine Vorladung bringen. Mit welchem Rechte dann ab» der Schutzmann dem Schäfer Papiere aus den Händen genm'n hat, ist ganz unerfindlich.— Hat der Schutzmann, gleichviel r welchem Zwecke er in die Wohnung des Schäfer gekommen u- diesen am Ende durch unmotivirte Drohungen erschreckt, v®1 gar ein Kampf um die Papiere stattgefunden? Das sind Fragen- welche dringend der Aufklärung harren, und diese Aufkläruw bald zu geben, dazu ist die Polizeibehörde von Frankfurt a. � verpflichtet. Von Herrn Jens Christensen erhalten wir mit% Bitte um Ausnahme folgende Zuschrift: Plauen i. V-, Sttm gefängniß, den 16. November 1886. In Ihrem Bericht»b die am vorigen Freitag in der Tonhalle abgehaltene Versanu lung(Nr. 267 des„Volksbl.") befindet sich ein Satz, der g eignet ist, auf mehrere meiner Berliner Freunde ein reckt- thümliches Licht zu werfen, und den ich daher nicht unberiKl«- lassen darf. Nach dem Bericht soll nämlich Herr Flatow" mir behauptet haben: meiner Thätigkeit sei es zu vcrda � ken, daß durch den Herrn Jhring-Mahlow„nicht«rbeN zu Greuelszenen provozirt worden sind". eines einzigen Blickes, um sie gleich wieder zu erkenn■ Mit einem Aufschrei eilte sie auf Elsbeih zu und erg ihre beiden Hände. „Ich habe ja gewußt, daß Sie es sein müßten- sie aus.„Dank, tausend Dank für Ihr Kommen! Uno' bringen eine Botschaft von Ihrem Bruder, nicht wahr sprechen Sie schnell!", Elsbeth schüttelte traurig den Kopf und blickte vert g auf den Oberförster.. „Ich weiß nicht, Fräulein," sagte sie zögernd, vor Ihrem Vater--"„„ciaefl „Darf ich zunächst fragen, mit wem ich das Vergn J habe?" kam der Oberförster der Antwort seiner �°cht � vor. Er that, als kenne er das junge Mädchen mch, beim alten Baron stets den Thee bereitete. nbcf „Ich beiße Elsbeth Werner. Mein Bruder war � gärtner auf Brandenstein—" t, nworbes „Und befindet sich jetzt wegen Verdachts des in Untersuchungshaft. Ganz recht! Darf ich aber F was das Alles mit meiner Tochter zu thun hat jn Elsbeth zauderte mit der Antwort, denn F, a£n'* der äußersten Verwirrung. Auf Herrn von Nugge 9 �jt- Gegenwart war sie ja nicht gefaßt gewesen, und leidslose Härte seiner Worte beugte ihren Much danieder. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Lebem � S,»Öl und stets donnernden Beifall findet. Eine fljeich 9 und sensationelle Nummer bildet die großartige H Anficht ist eine durchaus irrige! N i ch t m i r, sondern dem ruhigen, zielbewußten Geiste, der überall die Anhänger der sozialdemokratischen Partei kennzeichnet, ist es zu verdanken, daß die Provokationen des erwähnten Herrn erfolglos blieben. Keinem einzigen— das kann ich mit Bestimmtheit be- haupten— von all den Parteigenossen, die das zweifelhafte Vergnügen hatten, zeitweilig mit jenem„vflichttreuen Beamten" Zu verkehren, wird es auch nur im Entferntesten eingefallen sein, auf seine Provokationen irgendwie einzugehen. In diesem Punkte dachten wir alle vollkommen gleich, und es war also in keiner Weise nöthig, daß jemand durch mich oder durch andere von Greuelszenen zurückgehalten wurde. Jens Christensen. Dänemark. Tie sozialistischen Arbeitergeseyvorlagen sind am Sonnabend von der Mehrheit des dänischen Folkethings für erheblich erachtet und sofort in Berathung genommen worden. Eine Minderheit wollte sie durch eine begründete Tagesordnung abgelehnt wissen. Sibniede« nnd Norwegen. Für die Verstaatlichung sämmtlicher Privateisen- Hahnen hat sich nach der„Kölnischen Ztg." der Ausschuß in Stockholm grundsätzlich entschieden. Kelgien. _ Neulich fand die Gcneralversaminlung der Aktionäre des Lrganes der Arbeiterpartei, des„Peuvle", statt. Es tvurde„konstatirt", daß dieses sozial! st ische Blatt das verbreitet sie Belgiens sei. Man beschloß, da die finanziellen Ergebnisse sehr günstige find, die Errichtung einer eigenen Truckcrei und die Ueberschwemmung Belgiens mit neuen sozialistischen Schriften. Frankreich. In V i e r z o n giebt es noch immer ein Häuflein S t r e i- k e n d e, weshalb der Pariser Gemeinderath Vaillant bean- tragte, ihnen 4000 Franken nicht als Almosen, sondern des Prinzips wegen auf Kosten der Stadt zukommen zu lassen. Der Pariser Gemeinderath, der für Decazeville und Vierzou schon oft ähnliche Spenden ohne Bedenken bewilligt hat, zeigte sich diesmal nachdenklich. Er schob zuerst die Entscheidung hinaus und verwarf die Subvention endlich mit 36 gegen 28 Stimmen. Großbritannien. Gegen den Sozialisten John Ward wurde am Sonn- abend die Verhandlung vor dem Bowstreet- Polizcigericht in London fortgesetzt. Ward war bekanntlich am Lordmayorstage in Trafalgar Square„wegen unordentlichen Benehmens" ver- haktet. Die Sozialisten wollten durch den Wardsschen Fall eine richterliche Entscheidung darüber erlangen, ob die Polizei befugt mar, die Volksversammlung am Lordmayorstage zu verbieten. Der Polizeirichter Vangham entschied, daß der Polizeichef völlig im Rechte war, das Abhalten der Versammlung in Trafalgar Square zu untersagen. Ter Angeklagte Ward wäre demnach nicht befugt gewesen, eine Rede zu halten und müsse wegen seines ordnungswidrigen Betragens eine Geldbuße von zehn Schillingen entrichten. Ward zahlte die Strafe unter Protest, womit der Fall seine Erledigung fand. � Das Kabinct hat einen Ausschuß ernannt, welcher einen Plan für die„Beschleunigung" des Geschäftsganges im Hause der Gemeinen ausarbeiten soll. Mitglieder dieses Ausschusses, der gestern seine erste Sitzung hielt, sind: Lord Randolph Churchill, Sir Michael Hicks-Beach, Mr. Matthews, Mr. Stanhopc und Mr. Smith. Spanien. Aus Spanien wird gemeldet, daß die Prozesse gegen die Urbeber und Theilnehmer des P u t s ch e s vom 19. September letzt zu Ende sind. Alle Soldaten, welche daran theilnahmen, Wurden zu lebenslänglichem Gefängniß verurtheilt, ausgenommen Ln Trompeter von 16 Jahren, der 15 Jahre Gefängniß er- nomi General Villacampa mit seinen 5 Gefährten ist in Fer- fw 0 Po angekommen, wo sie in einem Schiff des dortigen mA untergebracht wurden. Vier Offiziere, zwei Zivililten in � kUnf-ehn Sergeanten und Korooräle büßen ihre Strafen sw bm Stationen von Genta und Melilla, an der Küste von Marokko ab, wohin 110 Verurthcilte nächstens abgehen Kalkan landev. f.,..Aus Wien wird der„Natztg." geschrieben: Mmden des Generals Kaulbars vom Pwuplatz dürfte von ganz Europa mit Beifall begleitet wer- denn dieser Figur war man allenthalben von.Herzen Auf übermorgen hat er nach seinem an die Regent- Ä gerichteten Ultimatum die Abreise festgesetzt; vielleicht er sich aber einige Tage Zeit, um die Koffer zu packen, n.Jrbens, wie man mit Sicherheit annehmen darf, wenn er M ein Einlenken der Regentschaft erwarten sollte. Wenn l?n i encral nicht längst die Welt gewöhnt hätte, von ihm nur L/isslaubliches zu erwarten, könnte man versucht sein, die Ge- mit dem Kawasscn ,in Philppopcl sei cigensju dem Das Verbulgarischen • s~Z ,»«» f-vr-r- t-->-, lv rr\u--- i 1,,;«rrln Szene gesetzt worden, um dem General den Vorwand Abreise zu liefern. Ein Kawasse des russischen Konsulats Film gesellschaft, die mit ihren japanischen Spielen die ia(ZTF immer in Verwunderung erhält. Ein anziehendes, rvllrtM /gelles Schauspiel bildet seit einiger Zeit der nrrrk- Unh P- Genickringkampf zwischen Är. Reeon und Mr. Coal, des sm Kenner der Turnkunst die kühnen Produktionen oefni~fr- AijorraS. Daß auch im Uebrigen für jeden Geschmack Kün.?, g' ergiebt sich aus dem reichhaltigen Programm, das "'"er jeden Genres aufweist. ! An Erfindungsgcist sind nun einmal die A»».?m'chen Reporter nicht zu übertreffen, wie folgendes aufs „An beweist. Ein Blatt im„Far West"' läßt sich von einem der$, beugen" folgendes Phänomen berichten:„Auf dem Hose sich, unseres geschätzten Freundes M. P. Hoyle befindet von>wL„ � Fuß im Quadrat messende Stelle, aus welche Ren«.• vollständrg wolkenlosen Himmel herab sortwährend Su LH.berfällt. Zeitweise scheint der Regenschauer heftiger «rei% 5 ivvst. Die ungewöhnliche Erscheinung dauert schon darf und viele können sie sich nicht erklären." Das es s-m Ä'eh einem amerikanischen Blatte nicht pasfircn, daß Er-nf.�" Lesern etwas unerklärt bleiben ließe, es setzt also der wie Mögende wissenschaftliche Erläutenmgen hinzu:„Da, wass.« veknntlich annehmen müssen, die ungeheuren Wasser- Art& � als Regen auf die Erde niederfallen, in einer wir hin» ,0<£ üngs um unsem Planeten ruhen, so ist, wenn Resemiiai permanenten Druck berücksichtigen, den diese selben Hl aushalten müssen, leicht erklärlich, daß eines der- sein Jsertrverse undicht wird. Dies dürste t:~ e�Wenlli,' Kommen. inn n..-—...,» rw-»--— i-- hier eingetreten Srf.' vHvffentlich dichtet es sich von selbst, sonst könnte der k- en unabsehbar werden." Der Mann sollte eine Prosessur uns vnM �ii'.'chvennung mittelst Elektrizität dürfte, Einfachheit«5. n MM Seite geschrieben wird, wegen ihrer Folge hen Is. uberkelt, Schnelligkeit und Billigkeit sür die �Ntung i,ir0rch"n oor jeder anderen, jetzt bei der Feuer- ll» e Leiche liL Anwendung kommenden Methode verdienen. mm bedroht in der Nacht bulgarische Soldatm mit dem Revolver und wird in Gewahrsam gebracht, am Morgen aber sofort dem russischen Konsulat übergeben. Dafür verlangt der General Kaulbars von der Regentschaft die Absetzung des Präfekten von Philippopel, des Militärkommandanten und des Polizei- kommissars. Die einzig richtige Antwort der Regentschaft be- stand darin, daß sie keine Antwort ertheilte und den Briefsteller dieser Forderung gewissermaßen als unzurechnungsfähig be- handelte. Während demnach in einigen Tagen diese unge- heuerliche Mission Kaulbars ausgespielt haben dürfte, erhält Rußland dennoch eine große Genugthuung. Denn die Groß- mächte haben der von Rußland vorgeschlagenen Kandidatur des Fürsten von Mingrelien zugestimmt und sogar Rußlands Rathschläge gefordert, wie die bisher von Rußland nicht als rechtsbeständig anerkannte Sobranje zu legalisiren oder zu ersetzen sei. Der Fürst von Mingrelien hat, nach einer offenbar offiziösen Berliner Mittheilung der„Köln. Ztg.", die Kandidatur für die bulgarische Fürstenwahl angenommen. Seine Be- Zeichnung bei den Mächten seitms Rußlands stehe unmittelbar bevor, falls dieselbe nicht schon erfolgt sei.— Die Wahl des Fürsten von Mingrelim, so schreibt der Petersburger„Grasch- danin", würde alle Vortheile einer russischen Okkupation gewähren, ohne eine solche nöthig zu machen. Sobald Nikolaus Dadian mit einem russischen Gefolge, einem russischen Kriegs- minister, nisstschen Offizieren und einigm Bataillonen und Kosaken-Sotnien in Bulgarien einziehe, müsse die bulgarische Verfassung beseitigt werden; ferner seien geeignete Funktionäre für Bulgarien mit Umsicht zu wählen. Die heutige Anarchie sei weniger das Werk der Konstitution, als der in Bulgarien thätig gewesenen Generale, die als Liberale untauglich waren. Bulgarien brauche im Frontdienst gut disziplinirte Offiziere und Generale nikolaitischen Zuschnitts. Solche würden eine feste Stütze des neuen Fürsten sein.— Gegenüber solchen Plänen würde es viel einfacher sein, Bulgarien für eine russische Provinz zu erklären. Afrika. Die Meldung, daß Sir Henry Drummond Wolff, der britische Diplomat, von Kairo nach London bemfen worden ist, um der Regierung persönlich über den Verlauf seiner Mission Bericht zu erstatten und mit ihr betteffs der Unterhandlungen, die er mit dem türkischen Kommissar in Egypten führen soll, zu konferiren, ist, wie die„Morning Post" hervorhebt, eine klare Andeutung, daß die Regierung entschlossen ist, das Werk der egyptischcn Reorganisation, welches während der Amtsdauer der liberalen Verwaltung unterbrochen worden, wieder aufzunehmen. Das erwähnte Blatt führt weiter aus: »Obwohl Mr. Gladstone's Regierung die Opportunität und die Wichtigkeit der Mission Sir H. D. Wolfis vollkommen anerkannte, wurden letzterem während eines langen Zeitraumes keine Weisungen von Belang übermittelt. Es ist keine Be- gründung vorhanden für das Gerücht, daß Sir tz. D. Wolff nach London berufen worden zu dem Zweck, ihn mit einer Sondermission nach Konstantinopel zu betrauen. Nach einem Pariser Telegramm des„Hamb. Korresp." for- mulirte Frankreich seine Ansprüche in der egyptischcn Frage folgendermaßen: Fixirung von Terminen für die sukzessive Räumung seitens der englischen Truppen, Ersetzung der eng- lischen Verwattung dnrch die frühere eiropäische Kontrole und Ersetzung der englischen Okkupationsarmee durch egypttschc, eventuell auch türkische Truppen. Hoffend, daß diesbezüglich ein Einvernehmen der Mächte zu erzielen ist, will Frankreich nach der angeführten Quelle zunächst Deutschlands Vermittelung nachsuchen(?)._ Gerichts-Zeiwng. Bremen, 15. November.(Sozialistcnprozeß.) Kürzlich fand vor dem hiesigen Schöffengericht eine Verhandlung wegen Verbreitung des in Zürich erscheinenden„Sozialdemokrat" statt. Auf der Anklagebank erscheinen die Schuhmacher Möder und Lahmann, sowie die Zigarrenarbciter Knöpsel und Baust, nach- dem dieselben zum Thcil eine 5 wöchentliche Untersuchungshast hinter sich hatten. Der Staatsanwalt deantragt Ausschluß der Oeffentlichkeit, der Gerichtshof beschließt demgemäß. Die Anklage behauptet, daß Möder und Baust das Blatt hier verbreitet haben, während Knöpfel dasselbe nach auswärts versendet haben soll, und Lah- mann ein Packet, welches 676 Exemplare des fraglichen Blattes enthielt, empfangen habe. Der Staatsanwalt ersucht, das Schuldig über sämmtliche Angeklagte auszusprechen, indem er besonders die Gcmeinge- fährlichkcit der Verbreitung eines Blattes, wie es der„Sozial- demokrat" ist, hervorhebt. Auch das Empfangen eines Packcts, welches verbotene, zur Verbreitung bestimmte Schriften enthält, sei sttafbar; erschwerend falle für Knöpfel ins Gewicht, daß derselbe in mehreren Fällen Blätter versandt habe, was er durch die aufgefangenen Packcte, welche von Knöpfels Hand adrcssirt seien und dadurch, daß derselbe das bei Lahmann beschlagnahmte Packet habe von letzterem ab- holen wollen, für erwiesen erachte. Man könne gar nicht wissen, Maschine kann also auch ohne ncnnenswcrthe Kosten für die Verbrennung von Leichen verwandt werden. Eine Bärengeschichte. Aus Sternberg wird dem„N. P. W." folgendes berichtet: �„Am Sonntage vor acht Tagen war Kirmcß in N., Züllichauer Kreises, und die tanzlustige Jugend wurde in einem der beiden dortigen Gasthöfe von der Musikkapelle aus einem Orte im Kreise Krossen bedient. Die- selbe trat in der Nacht, nachdem die Erlaubnißfrist abgelaufen war, die Heimreise zu Wagen an. Der Raum auf demselben war aber blos knapp für das sämmtliche lebende Personal der Musiker berechnet ohne Rücksichtnahme auf den Transport des korpulenten Violons. Darum ttaf den bedaucniswcrthen Baß- geigenspielcr das Schicksal, er muße laufen und sein Instrument tragen. Im Walde angekommen, mußte er dasselbe einer Ver- richtung halber abnehmen und hinstellen. Da überkam dem Violonisten eine eigene Viston, als ob sich die Bänme um ihn herum bewegten! er fand seine Geige nicht mehr, weil er sie auf einer andern Stelle suchte und mußte überhaupt das Suchen ausgeben, weil er sich zu erschöpft fühlte, seinen Begleiter weiter tragen zu können und ging allein nach Hause. Noch in der Dunkelheit bei früher Morgcnzeit kam der betreffende Förster mit seinem Hunde an diese Stelle. Vor dieser Gestalt blieb letzterer schweigend stehend. Dadurch auf die braune Kreatur aufmerksam gemacht, schoß der Jäger darnach und augenblicklich fing sie gewaltig an zu brummen. Die Sache war erwiesen, sein Gegner war ein Bär. Auf einen zweiten Schuß erfolgte dasselbe Lebenszeichen. Ohne Zögern ward eine dritte Ladung gegeben, worauf blos noch eine schwächere, feinere Stimme die nahende Verendung nothwcndig machte. Siegestrunken, diesen Tag segnend, an welchem er eine solche außergewöhnliche, werth- volle Jagdtrophäe, einen Bärenpelz heimbringen sollte, lief der freudige Waidmann heran zur Empfangnahme seines Opfers und fand den zertrümmerten Baß." Ein Heilgehilfe in Aengsten. In einem Dorfe in der Nähe Münchens ereignete sich lürzlich folgender Vorfall:„Zu einem Bader kommt ein Bäucrlein, daß Hilfe heischt gegen ein mörderisches Zahnweh. Der Inhaber der chirurgischen Offizin empfiehlt Blutegel als das beste Heilmittel, rollt das blutsaugende Thierchen in Papier, kippt das Ende um und bringt den Kopf dem bäuerlicheu Zahnfleisch näher. Der Bauer fühlte aber keinen Biß, weshalb der Bader nachsah, wo denn der Blutegel hinaerathen war. Entsetzen faßte den länd- lichen Jünger Aeskulaps, denn nichts Anderes konnte er glauben, als daß der Bauer den Btutegel verschluckt habe. Bald daraus schrie auch das Bäuerlein mörderisch um Hilfe, er spürte es I in welchem Umfange und wie lange schon Knöpfel diese ver botene Thätigkeit entwickelt habe und sei daher die ganze Schärfe des Gesetzes in Anwendung zu bringen. Der Vertheidiger, Dr. Pralle, hält die Anklage nicht für erwiesen und erwidert dem Staatsanwalt, daß man bei der Beurtheilung der vorliegenden Frage sich nicht auf Annahmen stützen dürfe. Hier kommen nur in Betracht die zur Verhand- lung stehenden Fälle. Knöpfel gebe zu, die von hier versandten Packete adressirt zu haben, aber ohne den Inhalt zu kennen. Es könne dieses den Umständen nach auch ganz gut so gewesen sein; so lange dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden könne, daß er auch die Packete abgesandt habe, sei auf Freisprechung zu erkennen. Nachdem noch der Staatsanwalt, Vertheidiger und der Angeklagte verschiedentlich das Wort ergriffen, wird die Verhandlung geschlossen. Das Urtheil gegen Möder und Lahmann lautet auf Frei« sprechung, gegen Baust und Knöpfel auf je vier Wochen Ge« fängniß und ist die Strafe durch die erlittene Unter- suchungshaft als verbüßt zu erachten. Lahmann wird freigesprochen, weil in der Entgegennahme eines Packeis, welches verbotene Schriften enthalte, keine strafbare Handlung im Sinne des Gesetzes zu erblicken sei, ebenso in dieser Beziehung auch Knöpfel, welcher das Packet von Lahmann habe zwar abholen wollen, aber nicht den Inhalt habe zur Verbreitung gebracht, weil dasselbe vorher von der Polizei beschlagnahmt worden sei. Gegen letzteres hatte der Staatsanwalt Berufung eingelegt und fand auch bald die diesbezügliche Verhandlung vor dem Land« gericht statt. Der Staatsanwalt beantragt Aisschluß der Oeffentlichkeit; das Gericht lehnt jedoch den Antrag ab. Knöpfel, seitens des Vorsitzenden des Gerichtshofes über den Hergang befragt, antwortet, er sei von einem Bekannten ge« beten worden, ein Packet von Lahmann abzuholen, und, nach« dem er mit der Meldung zurückgekehrt sei, daß das Packet noch nicht angekommen, habe der Betreffende ihn bewogen, gegen ein kleines Honorar später noch einmal nach Lahmann zu gehen, was er auch gethan habe. Der Richter fragt Knöpfel nach dem Namen seines Bekannten, worauf Knöpfel die Auskunft ver« weigert. Der Staatsanwalt führt aus, es stände zweifellos fest, daß, wenn das Schöffengericht Lahmann wegen Em« pfangen des Packcts freigesprochen, es auch Knöpfel logischer Weise bätte freisprechen müssen. Wenn nun auch keine bestimmte Verbreitung vorliege, so sei doch das, was Lah« mann und Knöpfel gethan, eine vorbereitende Handlung zur Verbreitung. Beide bildeten Glieder einer Kette, die dazu be« stimmt sei, das verbotene Blatt zu verbreiten; mithin wären auch Beide strafbar. Er beantrage gegen Lahmann 3 Wochen und gegen Knöpfel eine Zusatzsttafe von einem Monat Ge« fängniß. Dem gegenüber erwidert der Vertheidiger, Dr. Pralle, der Gesetzgeber habe nicht das Wort„Verbreitung" in dem von der Staatsanwaltschaft angeführten Sinne aufgefaßt wissen wollen. Erst wenn festgestellt sei, daß Knöpfel den Inhalt des Packcts direkt ins Publikum hineingettagen habe, läge eine strafbare Handlung vor. Auch Lahmnnn könne man nicht be- strafen. Verschiedene Reichsgerichtsbeschlüsse lägen vor, nach denen das Empfangen des besprochenen Packets straffrei bleibe. Redner verliest die diesbezüglichen Reichsgerichtsbeschlüsse und ersucht schließlich, seine Klienten freizusprechen. Nach längerer Berathung theilt der Gerichtshof mit, daß man die Urtheilspublikation bis auf den kommenden Dienstag verschoben habe. Vorher war noch Knöpfel die Frage vorgelegt worden, ob er an Lahmann Porto ic. entrichtet hätte. Die Frage wird von beiden Angeklagten verneint. Die Urtheilspublikation hat stattgefunden und lautet für beide Angeklagte auf kostenlose Freisprechung. Die Begründung des freisprechenden Erkenntnisses war eine wohl erwogene, sorgfältig geprüfte und scharf durchdachte zu nennen, so daß sie in der That einen erquickenden Gegensatz zu manchen in letzter Zeit zu Stande gekommenen Gerichts« urthcilen bildete. In Folge des landgerichtlichcn Urtheils wurden noch an demselben Abend die sich noch in Haft befindlichen Bruhns und Andere, gegen welche eine ähnliche Anklage schwebte, auf freien Fuß gesetzt. Wien, 16. November.(Verführuflgskünste einer Mädchen« Händlerin.) Das Polizeikommiffariat Leopoldstadt hatte seit längerer Zeit die Wahrnehmung gemacht, daß Dienstmädchen, die keinen Posten finden konnten, ein auffällig großes Kontin- acnt zu den Prostituirten stellten. Auch liefen mehrere Anzeigen beim Kommissariat ein, in welchen Frauenspersonen namhaft gemacht wurden, die sich damit befassen, stellenlose Dienst- mädchen der Schande in die Arme zu führen. Nachdem erst vor Kurzem eine Frauensperson zu einer mehrwöchentlichen strengen Arrcststrafc verurtheilt worden, weil sie Dienstmädchen, die keinen Posten finden konnten, der Prostitution zugeführt hatte, standen heute unter der Anklage desselben Deliktes der in der Zirkusgasse in der Nähe des Zirfus Renz etablirte Friseur Anton Weichsler, dessen Gattin Mathilde und die frühere Bedienerin derselben, Marie Kowarcik. Anton Weichsler erklärte sich für nichtschuldig, indem er angab, sich um das Ge- schon, wie der Blutegel anbiß und den Magen bearbeitete. Wie rasend rannte der Bader um die zwei Aerzte des Dorfes, die dem Blutegel mit Rizinusöl und Mandelmilch energisch auf den Leib rückten, indeß ohne Erfolg. Ganz verzweifelt forderte der Bader den Patienten auf, auf seine Kosten nach München zu einer ärztlichen Autorität zu fahren, und zwar rasch, denn der Bauer konnte ja sonst innerlich verbluten. Vor- her aber untersuchte er den Bauer selbst noch einmal genau, und was fand er? Den durch das Hemd in die Magengegend terutschten Blutegel, daher das fürchterliche Kneipen in der lkagcngegend. Das Bäuerlein hatte nur nicht gesagt, ob der Blutegel ihm innerlich oder äußerlich Schmerzen verursache." Wenn ein Eisenbahnwagen 1000 Kilometer zurückgelegt hat, so hat nach neueren zuverlässigen Beobachtungen ein jedes Rad desselben 85 Gramm abgenommen; hat man das Rad gebremst, so ergiebt sich ein weiterer Verlust von 45 Gramm. Der Verlust scheint zwar an sich unbedeutend; aber welche Masse Stahles geht so im Verlaufe längerer Zeit spurlos in den Lüften verloren. Nimmt man an, daß auf Deutschlands Geleisen 900 000 Eisenbahnräder fahren, so beläuft stch nach einer beiläufigen Rechnung das jährliche Defizit auf ungefähr 30000 Zentner, 4400 Räder sind auf diese Weise wider Willen der Balmverwaltungen spurlos verflogen. So sagt die deutsche Eisenzeitung. Der Durchstich des Isthmus von Korinth muß schon ziemlich weit gediehen sein; nach der„Berl. Philol. Wochenschr." wenigstens wird gemeldet, daß idieser Tage eins der größten modernen Bauwerke Griechenlands vollendet worden sei: die eiseme Brücke, welche über den Durchstich führt und die Eisen- bahn Peloponnes— Attika verbindet. General Türr, der Direktor der Kanalarbeiten, und der Direktor der peloponncsi- schen Eisenbahnen gehen demnächst zur Hebern ahme dieser Brücke ab. Ein erfindungsreicher Engländer hat eine kleiue elektrische Batterie konsttuirt, welche klein genug ist, in einem Hute Platz zu finden, wo sie am Deckel befestigt wird. Die Battene wiegt weniger als 3 Drachmen. Die Drähte der klei« nen Maschine leiten unterhalb des Hutes an die Stim und das Hinterhaupt und sollen gegen Neuralgie und Kopfschmerzen helfen.(Ob auch gegen doulour du cheveux— Haarweh— wie der Franzose den Katzenjammer sehr treffend bezeichnet, ist nicht gesagt.) triebe seiner Frau nicht zu kümmern. Dagegen wurde die Anklage, so weit sie sich auf die genannten Frauen bezog, vollinhaltlich bestätigt. Eine der Zeuginnen, Namens Anna Sedlaczck, erzählte dem Richter: Ich war eben im Begriff, in ein Dienstvermittlungsburcau einzutreten, als mir vor der Thür desselben die Frau Kowarcik entgegentrat. Sie versprach, mir einen guten Platz zu verschaffen, und gab mir die Adresse der Frau Weichsler an, zu welcher ich mich auch begab. Ich fand bei dieser Frau eine sehr freundliche Aufnahme, allein ich habe sehr bald erfahren, daß Frau Weichsler keinen Dienstboten denöthigt. Frau Weichslcr präsentirte mir nämlich eine Schale Kaffee und sagte zu mir, es sei doch schade, daß ein so schönes Mädchen, wie ich, dienen müsse; es wohnen bei ihr zwei Fräulein, die bis vor Kurzem auch noch Dienstboten waren; allein bei dem Le- denswandel, den sie nun führen, gehe es ihnen glänzend. Sie öffnete den Kleiderschrank uud ich erblickte prachtvolle Kleider; auch Schmuckgegcnstände wies sie mir vor, und ich war ganz geblendet von der Pracht, die ich vor mir sah.— Richter: Und ist es Ihnen bei der Frau Weichsler wirklich so gut ae- gangen, wie sie es Ihnen vorgemalt hat?— Zeugin: Ich muß immer weinen, wenn ich daran denke, daß ich dieser Frau gefolgt habe, denn ich bin sehr unglücklich... Ich habe Schul- den und habe meine Gesundheit ruinirt.— In ähnlicher Weise deponirte die Zeugin Marie Mcniak, welche früher in einem größeren Öausc Stubenmädchen war.— Der Richter erkannte die Mathilde Weichsler und die Marie Kowarcik der Kuppelei schuldig und verurtheiltc Beide zu je einem Monat strengen Arrest. Als erschwerend nahm der Richter die Gewissenlosig- keit an, welche in der Handlungsweise der Frauen sich zeigte. Der Gatte der Weichsler wurde, da ein Beweis für seine Mit- schuld nicht erbracht worden war, freigesprochen.— Ter staatsanwaltschaftliche Funktionär meldete wegen zu geringen Straf- maßes die Berufung an. Soziales und Arbeiterbewegung. Slrbeiterelend in England. Kaum hat uns eben die belgische Enquete über die schauderhafte Mißhandlung so vieler belgischer Arbeiter unterrichtet, so kommen wieder ebenso haar- sträubende Berichte aus England. Namentlich die Gegend in der Nähe Birminghams, die unter dem Namen„Black Eountry"(Schwarzes Land) bekannt ist, zeigt erschreckliche Zu- stände. Die Bevölkerung befaßt sich mit dem Abschmieden von Bolzen und Nägeln; sast 80000 Personen sind es, die sich da- mit beschäftigen. Treten wir in eine der Baracken, da finden wir eine blasse hohläugige Frau mit unstätem, krankhaftem Ge- sichtsausdruck am Amboß beim Schmieden, ihre 14 jährige Tochter ist ihr Geselle. Ten Oberkörper entblößt, kurzge- schnürt mit nackten Beinen und ohne Schuhe an den Füßen, wird im Schweiße des Angesichts gearbeitet. Arbeitet der Bater noch mit, dann können die drei in der Woche verdienen: der Vater 16,80 M., die Frau 3,01 M. und die Tochter 1,75 Mark, in Summa aber 21,56 M. Davon gehen ab 2,05 M. für Miethe, 0,30 M. als Fracht für Ablieferung der Nägel, 1,00 M. für das Schmiedcfeucr und 0,30 M. für Abnutzung der Werkzeuge, so daß ein Nettoverdienst von 17,55 M. übrig bleibt, wovon die drei Menschen leben sollen. Dabei muß namentlich der Mann recht fleißig sein, die Frau muß jeden freien Augenblick, den sie von der Bereitung des elenden Mahles oder gar vom Stillen des Säuglings erübrigen kann, am Schmiedefeuer zur Arbeit verwen- den. Wird der Mann, wie das häufig vorkommt, früh arbcits- unfähig, so müssen die Frauen die Arbeit allein fortsetzen. Eine Frau allein mit ihrer rüstigen Tochter vermag in sechs Arbeitstagen aus 60 Pfund Stangeneisen 46 Pfund Nägel herauszuschmiedcn. Dann packt sie am Sonnabend der Woche die Arbeit auf den Rücken und wandert noch secksKilo- meter weit zur Ablieferung, und für all' diese saure Arbeit zweier Menschen erhält sie— 10 Mark, also etwas mehr, als zum Verhungern gerade nöthig ist. Diese unwürdigen Ver- Hältnisse hatten das Parlamentsmitglied Broadburst schon 1883 veranlaßt, Amendements zum Fabrik- und Werkstättengcsetz vom Jahre 1878 einzubringen. Diese Amendements bezweckten nur, die Verwendung von jungen Mädchen zur Schnnedearbeit in den Nagelschmicdedistrkkten von Worcestershire k. zu untersagen- Broadhurst entwarf ein schauerliches Bild von den dort herrschenden Zuständen. Die Frauenarbeit sei der Fluch des Distrikts, die jungen Mädchen gingen dabei physisch und mo- ralisch zu Grunde. Ter Wcchenlohn betrage für diese Nagel- schmiederinnen 2 Sh. 6 d.(2,50 M.), den Fabrikinspcktorcn werde es verborgen gehalten, daß selbst junge Mädchen unter 14 Jahren zu dieser anstrengenden und ermüdenden Arbeit ver- wendet werden. Solchen Zuständen gegenüber hätte man glauben sollen, daß das Parlament dem Gesetzentwurf seine Zustimmung geben würde; aber nachdem der Anficht Ausdruck gegeben war, vaß das Schmieden keine der Frauen unwürdige Arbeit sei(!!), wurde dir Bill mit 244 gegen 44 Stimmen ab- gelehnt von dem Bourgeois-Unterhaus. Die schweizerischen Fabrikinspektoren empfehlen in einem Gutachten die Wiedereinführung des Zündhölz» chengesetzes, weil man jetzt im Lande bessere phosphor- freie Zündhölzchen fabriziren könne als früher; event. sprechen sie sich für das Zündhölzchenmonopol aus. Zum Strafgelderunwesen. Aus Gaustadt bei Bamberg meldet die„Fränk. Tagespost": Wie wir erfahren, sollen in der mechanischen Baumwollspinnerei nach oberflächlicher Be- rechnung am vorigen Zahltag nahezu 300 M- Strafgelder abgezogen worden sein! Auch Meister seien mit 15—20 M. Ab- ,, erfreut" worden. Die Arbeiter fragen sich, wo diese rafgelder hinkommen. Dieselben sollen? dem Pensionsfonds zugewiesen werden; die Arbeiter dieser Fabrik haben hierüber aber keine Gewißheit. Aufklärung wäre, um die mit Recht in hohem Grade aufgeregten Gemüther zu beruhigen, sehr er- wünscht. Jedenfalls haben die Arbeiter ein Recht, wenigstens Anfschluß über die Verwendung der von ihrem sauer verdienten Lohn, ihrem rechtmäßigen Eigenthum willkürlich zurückbehaltenen Gelder zu verlangen. Kündigungen von Buchdruckergehilfen haben in ver- schiedenen Druckereim zu Liegnitz stattgefunden, weil die be- treffenden Prinzipale sich weigertm, nach dem neuen Tarif zubezahlen._ Vereine mh Versammlungen. Der Fachverein der Metallschrauben-, Facondreher und Berufsgenossen Berlins hielt am letztm Sonntag eine ordmt- liche Generalversammlung bei Weick, Alexanderstr. 31, ab. Herr Zimmermann berichtete zunächst über die Lohnvcrhältnisse resp. Arbeitseinstellung bei der Firma Neoir u. Weiße, Elisabeth- Ufer 17. Er theilte mit, daß die Arbeiter die Arbeit wieder aufgenommen hätten und daß die dort gezahlten Löhne nur sehr geringe wären, so daß nur im höchsten Falle ein Siebentel der dort beschästigtm Arbeiter dm von dem Herrn Prinzipal anerkannten Mimmallohn verdimen könnten; dennoch behaupte der Herr Prinzipal, keinen Mißbrauch mit dem Reglement zu treiben. Wo bleibt aber da, fragt Redner, die Anerkmnung des Lohntarifs?— Hierauf wurden drei Kollegen von der Ver- sammlung als Gemaßregclte erklärt und ihnen eine Unter- stützung bewilligt. Alsdann theilte der Vorfitzende, Herr Jacobs, mit, daß der Vorstand bis zur definitiven Wahl der- selben eine interimistische Fachkommission ernannt habe und daß (nur für Mitglieder) ein Kränzchen am 27. d. M- im Lokale pxs Herrn Weick stattfindet. Sodann wurdm die Kandidaten zur Neuwahl des Vorstandes aufgestellt und mitgetheilt, daß vas Arbeitsnachweisburcau bei Herrn Klammke, Krautstr. 28, sich befindet. Sprechstunden daselbst von 12j bis 1% Uhr Mittags und von 6j bis 8 Uhr Abends. Der Fachverein sämmtlicher an Holzbearbeitungs- Maschinen beschäftigten Arbeiter hielt am Montag, den 15. d. M., in Säger's Salon, Grüner Weg 29, eine General- Versammlung ab. Der Kasstrer erstattete zunächst dm Kassen- bericht: nach demselben hatte der Verein im letztm Vierteljahr eine Einnahme von 57 M. 65 Pf., dazu 14 M. 25 Pf. Bestand vom vorigen Vierteljahr, macht 71 M- 90 Pf. Die Ausgaben beliefen sich auf 69 M. 10 Pf. Es bleibt demnach ein Kassenbestand von 2 M. 80 Pf. Die Kontrolcure erstatteten dm Revisionsbericht, worauf dem Kasstrer Techarge ertheilt wurde.— Alsdann erläuterte der Vorsitzende in eingehender Weise die vom Verein aufgestellten Fragebogen und ersuchte, dieselben gewissenhaft auszufüllen. Er bedauert, daß aus Be- schluß einer früheren Versammlung die Lohnfrage von dem Fragebogen gestrichen worden sei und empfahl, die Rubrik „Bemerkungen" zu diesem Zwecke zu bmutzen. lieber die Art der Vertheilung oer Fragebogen wurde man dahin einig, eine Kommission zu wählen, welche die Vertheilung in die Hand nimmt. Es wurden 13 Personen hierzu gewählt. Unter„Ver- schiedenes" betonte ein Redner, wie nothwmdig es sei, daß sich alle Kollegen der Organisation anschließen, denn schon habe ein Prinzipal dm Wunsch geäußert, die llstündige Arbeitszeit wieder einzuführen. Wenn auch dieses Beginnen als ganz aussichtslos angesehen werden könne, so sehe man doch, mit welch frommen Wünschen sich die Prinzipale tragen. Diesen Gelüsten könne nur eine starke Organisation entgegentreten.— Am 27. November findet ein Familienkränzchen bei Säger, Grüner Weg 29, statt. Freunde und Gönner des Vereins sind hierzu eingeladen. Am 5. Dezember veranstaltet der Verein eine Matinee für hilfsbedürftige Kollegen. Die nächste Vereins- Versammlung sindct am 29. November in demselben Lokale statt. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Lackirer aller Branche» Berlins und Umgegend hielt am Montag Abend eine stark besuchte Versammlung in Niest's Lokal, Kom- mandantmstr. Nr. 71—72, unter Vorsitz des Herrn Jacob ab. Das Referat über das Thema:„Die Lehrlingsfrage und unsere wirthschaftlichm Verhältnisse" hatte Herr Mehner übernommen. Derselbe hob hauptsächlich hervor, warum die Lehrlinge die Fortbildungsschule zu wenig besuchen; die Meister verwenden den Lehrling allzusehr für ihren häuslichen Gebrauch; dadurch entstehe eine große Kalamität und man brauche sich nicht wun- dern, wenn der Lehrling nichts lernt. Nach einigen geschäftlichen Mittheilungm ermahnte der Vorfitzende die Mitglieder zu weiterem festen Zusammenhalten, damit die Zwecke des Vereins zu voller Geltung gebracht würde. Tie Versammlung wurde mit einem dreimaligen Hoch auf das Gedeihen des Ver- eins geschlossen. h's Eine Versammlung des Gauvereins der Maler, welche am Dienstag Abend in Gratweils Bierhallen, Komman- dantenstraßc, stattfinden sollte und auf deren Tagesordnung, außer dem Kassenbericht, einem Bericht der Fachschul-Kommisfion und des Vergnügungskomitees, sowie Verschiedenes und Frage- kästen, hauptsächlich ein Vortrag und eine Berathung über„die neuen Statuten und den Kongreß zu Hannover standen, konnte in Folge eines Jrrthums des Äirthes, der das vom Vereine ein für alle Mal an den detreffenden Tagen gcmiethete Lokal anderweitig vergeben hatte, nicht abgehalten werden. Sie wurde nur der Form halber in einem kleinen Raum eröffnet und gleich darauf wieder geschlossen. Die Versammlung sindet mit derselben Tagesordnung bei Gratweil in der Kommandanten- straße am nächsten Sonnabend Abend statt. Kleine Mittheilungen. Köln, 17. November. Öeute Nachmittag stürzte in der Neustadt ein vierstöckiger Rohbau ein. In demselben befanden sich, soweit bekannt, sieben Personen, welche unter den Trüm- mern begraben wurden. Hiervon find bis jetzt eine Person tobt, zwei schwer und eine leicht verletzt zu Tage gefördert. Das Schicksal der andern ist noch ungewiß. Die Feuerwehr und die Dcutzer Kürassiere sind mit der Aufräumung beschäftigt. Der Einsturz soll durch schlechtes Baumaterial herbeigeführt sein.— Einer späteren Äitthcilung der„K. V.-Ztg." zufolge ist die Zahl der bei dem Hauseinsturz in der Neustadt(Zülpi- cher Straße) Verunglückten eine größere und find bisher drei Personen tobt, drei schwer und fünf leicht verwundet aus den rümmem hervorgezogen. Iserlohn, 15. November. Ein Verbrechen ist am ver- gangenen Mittwoch Morgen an einem elfjährigen Mädchen in einem Walde bei Deilinghofen verübt worden. Das Kind be- fand sich, in Begleitung mehrerer Knaben von Riemke kommend, auf dem Wege zur Schule nach Deilinghofen. Im Walde trafen die Kinder einen Mann, der das Mädchen zu sich heran- lockte und dann mit fortzog, demselben zugleich mit einem Messer drohend, wenn es schreien würde. Der Lehrer, welcher durch das verspätete Erscheinen des Kindes von dem Geschehenen Kenntniß erhielt, machte unverzüglich die Anzeige auf dem Amte in Hemer. Der Attentäter, dessen Verhaftung bis jetzt noch nicht gelang, ist ein verheiratheter Mann aus Menden. Bamberg, 16. November.(Jungfrauentribut.) Gestern wurde der Direktor der hiesigen Seilerwaarenfabrik, ein ver- heiratheter Mann, Vater von 4 Kindem, wegen Sittlichkeits- verbrechen, begangen an 14— 16jährigen Mädchen, verhaftet und in die hiesige Frohnfeste eingeliefert. Es bekamen bei dem- selben nur hübsche junge Mädchen Arbeit; jede derselben mußte sich erst von diesem Wüstling„auf ihre Gesundheit untersuchen lassen", wer fich's nicht gefallen ließ, bekam keine Arbeit. Es sollen schon über 40 Mädchen als Zeugen vernommen worden sein. Die Untersuchung ist schon seit zirka 14 Tagen im Gange, doch scheute man sich bisher, wie es scheint, gegen diesen sau- beren Patton mit Verhaftung vorzugehen, eine Rücksichtnahme, die bekanntlich nicht allgemein üblich ist und namentlich bei politischen„Verbrechern in den seltensten Fällen geübt zu werden pflegt. Allerdings find letztere auch„gefährlichere" Menschen, aB so ein Sittlichkeitsverbrecher. Stuttgart, 15. November. Hier werden fortgesetzt Attentate legen die Briefkästen der Privat-Stadtpost verübt. Ein Brief- asten wurde abgerissen und sammt Inhalt geraubt. Be- schädigunaen und Beschmutzungen werden täglich von neuem verübt. Das Institut wird durch diese Bubenstreiche empfindlich geschädigt, indem das Publikum ängstlich geworden ist, den Briefkästen der Privatpost noch Sendungen anzuvertrauen. Heilbronn, 15. November. In der Nähe der Stadt ist ein Anschlag gegen einen Eisenbahnzug versucht, aber durch die Wachsamkeit des Bahnwätters Glück vereitelt worden. Letzterer fand nämlich Sonnabend früh 5% Uhr in der Nähe des Konttol- eingangs gegen Großgartach zwei starke Baumpfähle quer über beide Schienensttänge liegen und davor zwei große Steine im Geleise selbst. Außerdem war noch in einiger Entfernung ein Hektometerpflock, der gewaltsam von seinem Orte entfernt worden war, ins Geleise gelegt. Wäre das Bubenstück nicht noch recht- zeitig entdeckt worden, so hätte dasselbe sicher eine Entgleisung des Personenzuges Nr. 211(Eppingen-Hcilbronn) herbeigeführt. Von dem Thäter hat man bis jetzt keine Spur. m 16- 350?,cJnbc,r-(Eisenbahn-Unglücksfälle.) Heute wurden heute dem im Tranfitdienst beschäftigten Eisenbahn- diätar Groh im Rangirbahnhof dahier beide Füße abgefahren. Derselbe wollte auf einen Wagen des Rangirzuges springen, um früher in den Rangirbahnhofes zu kommen, und gerieth hierbei unter die Räder desselben. Tie Unglückliche wurde sogleich ins Spital gebracht. Meerane, 15. Nov. Ist„Kaulbarsch" ein Schimpfname? lieber diese Frage wird demnächst das hiesige Schöffengericht zu ensscheiden haben. In einem hiesigen Verein gingen am Sonnabend, den 6. d. M., die Wogen der Debatte überaus hoch; ber_ Vorsteher war in einer Angelegenheit, welche die Vereinskaff e in Anspruch nahm, eigenmächtig vorgegangen, ohne die übrigen Vorstandsmitglieder, noch weniger den Ausschuß und viel weniger die Generalversammlung statutenmäßig vorher zu befragen und nun stürmte man von allen Seiten auf ihn ein; ein besonders exaltirtes Mitglied rief aber dem hart« bedrängten Vorsteher die geflügelten Worte zu:„Sie sind ja der reine Kaulbarsch!"— Das zündete. Ten russischen General Kaulbars, der gegenwärtig in Bulgarien gleich einem Gcßler haust, kennt Jedermann als die personifizirte Unverfrorenheit und kaum war der Name dieses berüchtigten Bramarbas aus- gesprochen, als in der ganzen Generalversammlung ein so Home- risches Gelächter sich erhob, daß der Vorsteher heftig die Glocke hinwarf und drohend das Vereinslokal verließ. Schon am darauf folgenden Dienstag erhielt das bcttcffende Mitglied, wel« ches die Kaulbarsch- Injurie ausgestoßen, eine Vorladung zum Sühnetermin; der angeblich Beleidigte verlangt indeß eine exemplarische Besttafung— und somit kommt der„Kaulbarsch vor die Schöffen. Marseille, 14. November. Heber das Eisenbahnunglück bei Sisteron wird der„Franks. Ztg." noch folgendes geschrieben: „Zwei Stunden vorher hatte noch ein Güterzug passirt, der Ünglückszug aber traf fast gleichzeitig mit den herabstürzenden Bergmassen an der Stelle ein. Der Zug hatte 50 Kilometer Geschwindigkeit und konnte nicht mehr angehalten werden. Die Lokomotive stürzte eine Sttecke von 50 Meter den Abhang hinunter, an dessen Fuß die Durance fließt. Der Lokomotivführer wurde zwischen Lokomotive und Tender gepreßt tobt aufgefunden; er hielt noch die Hand an dem Griffe, mit dem er Konttedampf gegeben hatte. Der Heizer wurde gegen die Maschine geworfen, dann zurückgeschleudert und war halb in den Kohlen begraben; der Zugführer wurde mit gebrochenen Beinen sterbend auf einem Personenwagen gefunden. Der Zug enthielt etwa 30 Reisende und war nicht stark beladen. Die eingestürzte Bergmasse ist etwa 200 Meter hoch und IW breit; man schätzt die wegzuräumende Masse auf 400000 Kubikmeter. Die Verunglückten sind lauter Bewohner der Um- gegend. Mailand. 12. November. Von allen Seiten kommen Hiobsbotschaften von Ueberfchwemmungen. Der Eomer- See trat über seine Ufer und setzte den Piazza Cavour in Com» unter Wasser. Eine 60 Meter lange Umfassungsmauer �des Irrenhauses ist eingestürzt. In der vergangenen Nacht süfff der See um 18 Zentimeter.— Auf der Linie Mortara-Bercelll entgleiste ein Güterzug in Folge Dammbruchs des durch den Regen sehr angeschwollenen Flusses Tanaro. 15 Wagen fielen in den Fluß. Tie Brücke über den Ticino zwischen Novaca und Trecate auf der Linie Turin-Mailand ist durch Hochwasser zerstört, sodaß Betriebsstörungen eintraten. Aus der Lin>e Novaro-Luino fand ein Erdrutsch statt, in Folge dessen em Zug entgleiste. Zwischen Varcse und Caskonuo wurde e>n Personenzug durch Einfallen einer Böschungsmaucr großer fahr ausgesetzt. Glücklicherweise konnte der Zug rechtzeitig zum Stehen gebracht werden, sodaß weiter kein Unheil angericht» wurde. Der Lago Maggiore hat seine Ufer ebenfalls verlas! cn und das Terrain bei Lavens unter Wasser gesetzt. Die Lm» Monza-Lecco wurde durch einen Dammbruch außer Dienst setzt. Der Luganer See ist auch über seine Ufer aettcten und bedrohte verschiedene Stadttheile Luganos mit UeberschweM- mung. Heute sangen, in Folge des besseren Wetters, Flüsse»n» Seen zu sinken an. Der durch die Ueberfchwemmungen«"6� richtete Schaden ist ein enormer. Martthallen-Bericht von I. Sandmann, städtisckkw Verkaufs-Bermittler, Berlin,'�den 18. November 1886. Geflügel. Größere Posten fetter Gänse werden ress' mäßig zugeführt. Tie Preise stellten sich trotz der nuM Witterung sür 8—10 Psd. schwere gerupfte Gänse»H' 45-50 Pf., über 10-15 Pfd. schwere 50-60 Pf., über 15 Pfd. schwer 60 Pf. unb_ mehr per Pfd., junge En»» 1,50-~ 2,50, fette Enten 50-60 Pf. per Pfd.. Hühner 0,55% 0,80 und 1,20-1,70 M., Tauben 30-40 Pf., Poularden bis 8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich, lebende Öpi'jf zum Mästen 2,00-3,00 M. Auktion täglich im Bogen 4 6 Uhr Nachmittags. ,rrt, Wild. Hasen knapp, werden gut bezahlt. Rehe 43— 55, setz � hafte 45 bis 50, Hirsche, sehr starke und fehlerhafte 25 bis i.30 bis 38. Dammwild 35 bis 52, Wildschwein 35 bis 56'4.' pr. Pfd., Rebhühner, junge 120, alte 90 bis 110 R Fasanenhcnnen 2,40 bis 2,50, Fasanenhähnc 2,70 bis 3,70 � Hofen 3,20—3,75, Kaninchen 45— 55 Pf. p. Stck, Krametsveg � bis 26 Pf. per Stück. Auerhahn 3,00-4,50 M 1,75—2,50 pr. Stück. Schnepfen 2,20—2,80, Bekassine bis 75 Ps. pr. Stück. Die Wildauktionen werden täglim Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags abgehalten. Die Engros-Äuktionen finden vermehrte Aufnahme- aus entfernteren Städten kommen Händler hierher, in gjyj« ihre Einkäufe zu besorgen, weil sie hier der der großen � wähl vottheilhafter und besser sich versorgen können, als a> � Produktionsorten. Schriftliche Einkaufsbestellungen konwj!� berücksichtigt werden, wenn ein Preis limitttt und der ung Bettag eingesandt wird.-,ff.irncn Obst und Gemüse. Birnen 6,00 bis 8,50, Tafel � SsMä-ää M 20-30 M.. Wallnüsse 20-30 M. pr. Ztr. Zwiebeln 4,50—' Speisekartoffeln 2,80-. ruben 1,50— 2,00 M. per Zentner. ,r„je pr- 100 Stuck. Auktion jeden Dienstag und Freitag»m Nachmittags_______ aufug Geräucherte und marinirte Fische. Größere KMMKM mittel 1 M. per Pfd. rf. mW, fehlerhafte 85 bis 90. Landbutter l. 90-vv' 85 M. Galizische und andere geringste Sorte pr. 50 Ko. Käse. f. Ouadrat zahlt. I. 56-63, N. 50-55 Backstein l. fett 20-25, II. bis 35, D. 20-25, Rheinischer Holländer echter Holländer 60—65 M., Edamer'• französischer Neufchateller 16 M. pro 1< 1,20—1,50 pro Pfd. K' und MMm -----»-— I» Td-U t„«. Beilage zum Berliner Volksblatt. Nr. 271. Freitag, de« 19. Novevcker 1886. 3. Jahrg. Kongreß freier eingetriebener imd auf ®ruii(l totideBrccbiticficr lorfdmften errichteter äilfshalfen. ». Gera, 15. November. Nach Eröffnung am Montag Morgen erfolgte zunächst Hbstimmung über den Antrag des«errn Grünwaldt betreffs Wahl einer Kommission zur Ausarbeitung einer Denkschrift an Den Reichstag jc. Der Antrag wird angenommen und darauf Zur Wahl einer aus 7 Personen bestehenden Kommission ge- fchritten, worauf Öerr Zaffke(Hamburg) als Referent über das «rlfskaffengcsetz zum Wort gelangt.— Derselbe verbreitet sich Uber die Entstehungsgeschichte des Gesetzes für die freien Jöilss- Men von 1876, worauf er zur Anwendung seitens der Behör- btn_ übergeht und einige besonders markante Fälle über die Auffassung verschiedener Paragraphen dieses Gesetzes und ihre Anwendung von dieser Seite zur Sprache bringt. Zum Schluß empfiehlt der Referent folgende Resolution: „Der Kongreß hält eine Abänderung des dilfskassenge- iktzes für unbedingt erforderlich und ersucht einen hohen Reichstag uue Bundesrath, selbige in einer den Hil'skasscn entsprechen- Den Form vornehmen zu wollen, damit die diesen Kassen gewährleisteten Reckte auch in Wirklichkeit gewahrt bleiben. HM Ferneren spricht sich der Kongreß gegen jede weitere Be laitung der freien.Hilfskassen aus, namentlich in Bezng der Meldepflicht, weil hierin ein Vortheil hinsichtlich der Ausfüh- A?ng der Krankcnkassengesetze nickt erblickt werden kann, dagegen Die Entwicklung der freien Kassen gehemmt würde."— Die Resolution wird einstimmig angenommen. , Hierauf referirte Herr Heine(Hamburg) über:„Die Stel- mng der freien Hilfskassen zum Unfallvcrsicherungsgesetz". . Derselbe bemerkt in der Einleitung, daß das Gesetz, gegen- Uder den Verhältnissen, wie sie durch das Haftpflichtgelev von 1871 geschaffen, als ein Fortschritt auf der Bahn der Cntwick- lung betrachten sei. Daß es nicht vollkommen und allen Ansprüchen genüge, liege eben in der Natur der Sache. Man jnusse auf diesem Gebiete erst Erfahrungen sammeln, denn Diese Materie sei eine den Gesetzgebern bisher gänzlich fremde. Acanches, was man heute als Mißgriff sowohl von dieser wie Don jener Seite zu betrachten geneigt sei, sei als solches durch Dir gesainmelten Erfahrungen noch lange nicht bewiesen. Ebenso Erhalte es sich mit den im Voraus angestellten Berechnungen. Redner geht nun auf den den Krankenkassen zugewiesenen An- weil bei vorkommenden Unfällen des Näheren ein und wie sich Diese Unfälle auf die verschiedenen Kassen vertheilen.— Er benutzt hier eine statistische Arbeit der Hamburgischen Behörde mr Krankenversicherung. Danach kamen Unfälle im Ganzen M2 vor--> 5,5 pEt. der gesammten Krankheitsfälle, und eine Uniallskrankheit auf 38,4 Kaffenmitglieder oder 2,6 auf je 100 fim �hteren. Zu beachten ist hierbei, daß die durch Un- J-l im Betriebe herbeigeführten Krankheitsfälle eine be- jMrlich größere Zahl von Krankheitstagen bedingen als die nämlich einer durchschnittlich 28,8, während die letzteren Hnik? Mein nur durchschnittlich 14,3 Tage, also kaum die hnniL 01 Anspruch nehmen. Die VertheUung der Unfalls i..,. swtfm auf die einzelnen Arten von Kassen ist jedoch ungleiche; es kommen eine Lrtskrankenkassen "" Betriebskrankenkassen *'» Fnnungskrankenkaffen • i landesr. errichteten Krankenkassen " u eingeschriebenen Hilfskassen(ohne die Zentralkassen) " Zentralkassen unter ihnen "» Gemeindc-Kranken- Versicherung ungünstigsten stehen also m ..................................................... jiy n haben die beiden Schiffswerften, die Reiherstieg'fche mit Uns»,?1" 432 Mitglieder, also 1 auf 3,9 Mitglieder oder 26 w.-Ie auf 100 Mitglieder, sodann diejenige von Blohm und m,t 90 Unfallskrankheiten auf 492 Mitglieder— 1 auf ooet 18,3 Unfälle auf 100 Mitglieder. Weiterhin kommt 6,5 �andidatenfreuden in Amerika. e, Bekanntlich sind die Wahlkämpfe in den Vereinigten vn*' Mural in der letzten Zeit vor den Wahlen, von oa5. DM größerer Heftigkeit als in Europa und es ist er- .% sehen, mit welchen Mitteln man dort zu arbeiten «.5 3n dein berühmten Werke Friedrich von Hellwald'S, älsül?? Wort und Bild", Verlag von Schmidt und Ii*■ s�Dft& l Mark), finden wir in Heft 30 gelegent- in prächtigen Schilderung des Lebens und Treibens rei,fc� Bundeshauptstadt Washington unter anderen lehr- Berichten folgende drastische Erlebnisse des Humoristen sj) oin= für k. wenigen Monaten war ich Gouverneurskandidat Min?, r" �laat New-Aoick und hatte vor anderen Herren zum hatte Vortheil voraus, daß ich einen guten Namen MuK,?�u>ohl mir gerade darum etwas unbehaglich war, ianll$ �Dch den Kamps aufnehmen. Als ich aber eines stietz drim Frühstück ahnungslos die Zeitung durchblätterte, solgende Notiz: noni{ 5tneid- Da der Herr Mark Twain jetzt als Gouver- herb-:, auftritt, wird er sich vielleicht zu der Erklärung wie es zuging, daß er 1863 zu Wakawak in wurd- durch 34 Zeugen des Meineides überführt welchen er in der Äbsicht geschworen, eine arme Pisa°,""d.'hre hilflosen Kinder um ein armseliges Fleckchen ist eda?V�e alleinige Habe, zu berauben. Herr Twain dies a,,f sich selbst wie der großen Nation schuldig, ->lMklären; ob er es thun wird?" ke?=t�r Dor Erstaunen bersten en'��'ge Anklage! Ich hc sola J�ch nocd we von Wakc meg.. Morgen enthielt das Blatt weiter nia>is ois �trr Man wird bemerkt haben, daß sich SÄ bebeml Tlett€ffä des Meineides in Kochinchina in bestes b"�aweä®chrcei8en hüllt!"(NU.- Während des Blahlkampagne sprach diese Zeitung von mir nur die Krankenkasse des Bauunternehmers Behring mit 73 Unfällm auf 953 Mitglieder, die Norddeutsche Affinerie mit 42 Unfällen auf 147 Mitglieder— 1 Unfall auf 3,5 oder 28,6 Unfälle auf 100 Mitglieder; diese Kasse hat also vergleichsweise die höchste Ziffer der Unfallskrankhciten. Die Nagcl'sche Kasse hat 34 Un- fallskrankheiten auf 156 Mitglieder, also 1 auf 4,6 oder 22 auf 100, die Krankenkasse für die beim Beleucktungswesen der Gaswerke beschäftigten Personen 26 auf 408 Mitglieder u. s. w. Von den Ortskrankcnkasscn hat eine erheblichere Zahl von Unfallskrankheiten nur die Kasse der Arbeiter für kaufmännische Geschäfte mit 74 Unfällen auf 2935 Mitglieder und die Kasse der Bierbrauer und Branntweinbrenner mit 12 Unfällen auf 252 Mitglieder. Bei 14 dieser Kassen sind Unfallserkrankungcn überhaupt nicht vorgekommen. Von den eingeschriebenen Hilfskassen rcsp. den Zentral- lassen darunter haben die meisten Unfallserkrankungen die Zentralkrankenkassc der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter mit 1610 Unfällen auf 70 554 Mitglieder, die „Allgemeine Kranken- und Stcrbekasse der Metallarbeiter" mit 3420 Unfällen auf 38 652 Mitglieder(--» 1 auf 11,3 Mitglieder oder 8,8 Unfälle auf 100 Mitglieder), die Zentralkrankenkassc der deutschen Wagenbauer mit 193 Unfällen auf 5035 Mitglieder, die Zentralkaffe der deutschen Schistbauer mit 152 Unfällen auf 2027 Mitglieder--- 7.5 Unfälle auf 100 Mitglieder u. s. w. Der Einfluß der großen Anzahl von Unfalls- krankheiten auf die Kassenverhältnisse tritt denn auch in ver- schiedenen Kassen, besonders mit kleinerer Mitgliederzahl, deut- lich zu Tage: so z. B. beträgt der Kassenbeitrag bei der letztge- nannten bereits 3 vCt. des Lohnes, und das Sinken ihrer Mit- gliederzahl um zirka ein Drittel ist wohl hauptsächlich diesem Umstände znzuschreiben. Auf die verschiedenen Berufsgenossenschaften vertheilen sich die Unfälle in folgender Weise: Berufs- Zahl der Unter Ueber Proz.- Genossenschaft Unfälle 13 Wochen 13 Wochen satz Chemische In- dustrie... 1502 1999 408 19% Bayerisch. Bau- gewerks.. 1095 955 96 8% Süddtsch. Eisen- und Stahl-. 739 641 98 13% Hambrg. Äau- gcwerks-.. 275 241 34 12% Diesen Thatsachen stellt der Referent die Wahrscheinlich keitsberechnung des jetzigen Präsidenten des Rcichs-Versicherungs amtes, des Geheimen Regierungsrathes v. Bödiker, in der Un- fallversicherungsvorlage von 1881 gegenüber. Danach bleiben nur 5,2 pEt. aller Unfälle, von denen noch 1,1 pEt. zu den vorübergehenden zu rechnen sind, von den Äemfsgenossen- schaffen zu tragen. Diese stellen sich aber bei jetzt bestehender 13 wöchiger Karenzzeit auf 83� pEt. des auszuzahlenden Geldes, während dann 94,8 pEt., welche den Krankenkassen obliegen, diese nur mit 16,5 pEt. belasten. In Geld ausgedrückt, kosten 5,2 pEt. der Unfälle jetzt den Genossenschaften bei einer Zahl von 1 615 253 Arbeitern 13% Millionen Mark, während die 94,8 pEt. den Krankenkassen 2% Mill. Mark kosten. Der Refe- rent geht nun auf die zu dieser Frage gestellten Anträge ein. Es wird beantragt zu § 5. Von: Ravolzhausen, Ealbe, Bruchköbel, Leipzsi Braunschweia, Altona, Hamburg.„Der§ 5 ist so umzugesta ten, daß nach demselben die Fürsorge für den Verletzten vom Beginn des Unfalls an der Berussgenossenschaft obliegt."— Altona, Hamburg. Fn Absatz 1, Ziffer 2, ist statt„vom Be- ginn der dreizehnten Woche" zu setzen:„vom Beginn der fünften Woche." Redner stellt sich auf den etwas eigenthümlichen Stand- punkt, daß er den letzteren der gestellten Anträge befürwortet und motioirt dies damit, daß im Falle der Annahme des ersteren der obigen Anträge die deutsche Industrie derart schwer geschädigt würde, daß sie nicht mehr konkurrenzfähig sei mit der Industrie des Auslandes. Zum Schlüsse empfiehlt Redner folgende Resolution zur Annahme: „Der Kongreß verkennt durchaus nicht die Vortheile, welche das Unfall-Versicherungs-Gesetz den Arbeitern und den Krankenkassen gegenüber dem Haftpflichtgesetz bietet, glaubt aber, daß eine Abänderung verschiedener Bestimmungen desselben im Sinne der diesbezüglichen Vorschläge des Kongresses nothwendig sei." Herr Deisinger ist mit Herrn Heine nicht vollkommen ein- verstanden, sondern vertritt die Ansicht, daß, ivenn die deutsche Industrie, wie Herr Heine sich ausgedrückt, mit anderen Worten noch als von dem„meineidigen Schurken Twain".) Dann kam die„Gazette" mit dem Folgenden heraus:„Was wir wissen möchten. Will der neue Gouverneurskandidat sich dazu herablassen, seinen Mitbürgern den unbedeutenden Um- stand zu erklären, daß die Mitinsassen seines Blockhauses in Montana von Zeit zu Zeit kleinere Werthgegenstände vermißten, bis sie sich schließlich, da diese Dinge regelmäßig an Herrn Twain's Körper oder in seinem„Koffer"(d. i. der alten Zeitung, in welche er seine Backbeeren einzu- wickeln pflegte) wieder gefunden wurden, genöthigt sahen, ihm zu seinem eigenen Besten eine freundschaftliche Ver- warnung zu ertheilen, welche darin bestand, daß sie ihn theerten und federten, auf einem Zaunriegel reiten ließ und ihm dann den guten Rath gaben, an der Stelle, die er bis- her im Lager ausgefüllt, ein permanentes Vakuum zu lassen. Mill er das thun?"— Ich war in meinem Leben nicht in' Montana gewesen.(NB. Fortan nannte mich dieses Blatt gewohnheitsmäßig:„Twain, den Montana- spitzbuben") Von der Zeit an nahm ich Zeitungen nur mit Zittern in die Hand, so wie Jemand eine Bett- decke aufhebt, unter welcher er eine Klapperschlange ver- muthet. Eines Tages fiel mein Blick auf folgendes: „Eine Lüge am Pranger!— Durch die eidlich er- härteten Aussagen des Herrn Michael O' Flannagan, Esq. aus Five Points, und der Herren Kitt Bures und John Allen aus der Waterstreet ist zur Evidenz bewiesen, daß die schmähliche Behauptung dieses Herrn Mark Twain, der in Gott ruhende Großvater unseres edlen Bannerträgers T. Hoffmann sei wegen Straßenraubes gehenkt worden, eine böswillige brutale Lüge war. Ist es nicht zum Verzweifeln für alle rechtschaffenen Männer, wenn sie sehen, daß Leute des politischen Erfolges halber zu so schmachvollen Mitteln ihre Zuflucht nehmen, wie das Beschimpfen der Todten in ihren Gräbern und Besudeln ihrer reinen Namen durch Verleumdung?" Und doch kann ich ruhig die Hand auf die Bibei legen und versichern, daß ich Herrn Hoffmanns Groß- die Berufsgenossenschaften, die durch den gänzlichen WegfaU der Karenzzeit entstehende Mehrbelastung nicht tragen könnte, die Industrie nicht mehr konkurrenzfähig wäre, so würde dies schon die Regierunasoraane veranlassen, Mittel und Wege zu suchen, wie dieser Eventualität vorzubeugen sei, z.B. durch Ein- bcrufung eines internationalen volksnnrthschastlichen Kongresses sämmtlicher Industriestaaten. Der Reichstagsabgeordnete Kayser fordert die Delegirten auf, genau formulitte Forderungen zu stellen, da andernfalls ja diejenigen Vertreter im Reichstage, welche zu Gunsten der Ar- beiter einzutreten bereit wären, ihre Rückenstütze verlieren wür- den und ihnen alsdann gesagt werden könnte: es sind dies Forderungen, die thatsächlich von den Arbeitern gar nicht ein- mal gestellt werden, wie der Kongreß in Gera bewiesen Hai. Wenn dieser Kongreß seinen Zweck erfüllen wolle, habe er Be- schlüsse zu fassen, welche eine Entlastung der freien tzilfskassen zum Endzweck haben. Es eigne sich hierzu besonders noch die Herbeiführung von Beschlüssen, daß auch Berufskrankheiten— Bleivergiftungen jc.— mit unter das U.-V.-G. gestellt werden. Ferner müsse auch noch in Bettacht gezogen werden, daß die Entschädigungen bei theilweiser Erwerbsunfähigkeit dock derart gering seien, daß auch diese Mißstände zum Gegenstand weit- gehender Forderungen gemacht werden könnten und im Interesse der Kranrenkassen auch gemacht werden müssen. Die Rente müsse seiner Ansicht nach in allen Fällen danach berechnet wer- den, ob und in wie weit der Verletzte in seinem Geschäfte erwerbsfähig sei. Es sei ein Mißstand des Gesetzes, daß bei- spielsweise ein Schlosser, der in seinem Geschäft als nicht mehr erwerbsfähig gelten kann, sich den Ausfall, den er durch die genüge Rente an seinem Einkommen erleidet, vielleicht als Portier oder dergleichen erwerben soll. In dieser Hinsicht fei das Unfallversicherungsgesetz dem Haftpflichtgesetz gegenüber kein Fortschritt. Der Redner erwartet, daß der Kongreß nach dieser Seite hin ganz bestimmte und präzise Beschlüsse fassen werde. Es sprechen noch mehrere Redner, sämmtlich gegen Herrn Heine, der in einem Schlußwort verschiedene Mißverständnisse richtig stellt und erklärt, daß er prinzipiell auf demselben Standpunkt wie die Herren Deisinger und Kayser stehe. Herr Kayser macht noch darauf aufmerksam, daß man die Frage in Erwägung ziehen möge, ob es nicht empsehlenswerth sei, eine vollständige Trennung der Krankenversicherung von der Unfallversicherung zu fordern. Nachdem noch einige Redner sich zu dieser Frage geäußert, wird folgende von Herrn Scheps (Leipzig) eingebrachte Resolution einstimmig angenommen: „Der Kongreß beschließt, eine Petition an den Reichstag zu richten, die Krankenversicherung von der Unfallversicherung zu trennen."_ Kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom 18. November. Der Stadtverordneten-Vorstcher Dr. Stryck eröffnet die' Sitzung nach 5j Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mit- theilungen. Nach Eintritt in die Tagesordnung wird ein Auf- nahmegesuch in die Wunderlich-Stiftung geschäftsordnungs- mäßig erledigt. Es folgt die Wahl je eines Mitgliedes in die Invaliden- und Veteranen-Unterstützungsdeputation und in die Park- dcputation. Durch Akklamation wird in die erstcre der Stadtv. Bulle, durch Wahl mittelst Stimmzettel in die letztere der Stadtv. W i n k l c r gewählt. U m 6 U h r wird die Sitzung vertagt und eine gemein- schaftliche Sitzung des Magistrats und der Stadtver» ordncten-Versammlung unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Dr. v. F o r ck e n d e ck findet statt. Es handelt sich um die Neuwahl eines M itgliedes für denBezirks- ausschuß Berlin an Stelle des ausgeschiedenen Herrn K i e s ch k c. Stadtv. S p i n o l a schlägt vor, die Wahl durch Akklama« tion vorzunehmen und den Direktor A. Herr mann zu wählen. Akklamationswahl ist nur zulässig, wenn kein Widerspruch dagegen erhoben wird. Stadtv. Görcki erhebt Widerspruch.(Ruf: Oho!) Die Wahl findet durch Stimmzettel statt. Gewählt wird der Direktor A. Herrmann; einige(12) unbeschriebene Zettel und drei Zettel mit dem Namen des Rechtsanwalts Freudenthal bilden die Minorität. papa niemals verleumdet, bis zu jener Stunde nie etwas von ihm gehört hatte.(NB. Beiläufig möchte ich bemerken, daß besagtes Blatt mich nur noch„Twain, der Schinder- knecht und Lcichenschänder" betitelte.) Der nächste ZeitunqS- artirel lautete so: „Ein sauberer Kandidat.— Mark Twain, der gestern bei dem Massenmeeting der Jndependenten eine so nieder- schmetternde Rede loslassen sollte, war, als die Stunde schlug, nicht zur Stelle! Ein Telegramm von seinem Arzte besagte, er sei von einem Gaul niedergetrampelt und ihm das Bein an zwei Stellen gebrochen worden— der Un- glückliche litt große Schmerzen ic. Die Jndependenten bemühen sich, sich zu stellen, als kennten sie nicht den wahren Grund der Abwesenheit jenes verwahrlosten Subjektes, welches sie ihren Bannerträger nennen: gestern Abend hat man einen gewissen Jemand. im Zustand viehischer Be- trunkenheit in das HauS des Herrn Twain taumeln sehen. Für die Herren Jndependenten wird es hierdurch zur ge- bieterischen Pflicht, zu beweisen, daß jenes bis zur Äcstialstät herabgesunkene Individuum nicht Mark Twain selbst war. Die Volksstimme fragt in Donnerton:„Wer war der Kerl!"— Drei Jahre waren über meinem Haupte dahin- gezogen, seit ich das letzte Mal einen Tropfen Ale, Bier Wein oder andere geistige Getränke gekostet. In der nächsten Nummer dieses Blattes war ich gemüthlich„Herr Delirium- tremens-Twain" titulirt. Inzwischen empfing ich beständig anonyme Briefe. Die folgende Form war die gewöhnlichste:„Wie ist denn das mit der alten Bettelfrau, die Du mit Fußtritten aus Deiner Wohnung rauSgeschmissen hast?" Pol Pry. Auch diese: „Du hast Dinge verbrochen, wovon Niemand nicht Kenntniß besitzt außer mir. Du thust besser, mit etwas Spu; herauszurücken, sonst sollst Du in den Zeitungen hören von Deinem hochachwngsvollen Handy Andy." Kurz darauf überführte mich das tonangebende Blatt der Bestechung engros und„prostttuirte" mich mit einer wuchtigen Anklage für Erpressung durch falsches Zeugniß. Zum dritten Ste Ilvertreter des Gewählten wird 'durch Akklamation der Rechtsanwalt Rempnet gewählt. Für die Verlängerung der Charlottenstraße von der Georgenstraßen bis zum Weidendamm sollten s. Z. nach dem Antrage des Magistrats Baufluchtlinien festgesetzt wer- den. Gleichzeitig handelte es sich um den Verkauf der Bau- lichkeiten auf den Grundstücken Dorotheenstraße 12 und Georgenstraße 82 zum Abbruch. Der Ausschuß, der zur Vor- berathung der Vorlage eingesetzt wurde, empfiehlt, die Vorlage des Magistrats abzulehnen. Degegen soll die Charlottenstraße verlängert, mit der Friedrichstraße verbunden und die letztere von den Grundstücken Nr. 100—104 verbreitert werden. Zu diefem Zwecke hat der Magistrat einen Situationsplan bereits vorgelegt. Zum Erwerb des Terrains sollen dem Magistrat dewilligt werden: A) für Fortführung der Charlotten- straße bis zur Friedrichstraße: 1. für das Stadtbahnterrain (ca 343 Quadratmeter ä 200 M.); 2. für fiskalisches Terrain: vom Depotplatz(ca. 516 Quadratmeter i 175 M.); von dem Katzen graben(ca. 324 Quadratmeter& 60 M.) und an Zu- schüttungskosten(ca. 324 Quadratmeter& 22 M.); 3. für das erforderliche Terrain von der Friedrichstraße 100(ca. 1867 Quadratmeter ä 500 M.). B. Für Verbreiterung der Friedrich- straße von Nr. 100—104(ca. 566 Quadratmeter& 500 M.). Tie Gesammtkosten betragen ca. 1 401 968 M. Sobald die neuen Baufluchtlinien festgestellt und genehmigt worden sind, sollen die Baulichkeiten auf den Grundstücken Dorotheenstr. 12 und Georgenstr. 32 zum Abbruch verkauft und der Zu- schlag ertheili werden, sobald das Gebot die Taxe erreicht oder überschreitet. So der Antrag des Ausschusses. Von dem Stadtv. Spinola liegt ein Antrag vor, wo- nach die Magistrats- und die Ausschußvorlage abgelehnt und nur der Abbruch der Baulichkeiten auf dem Grundstück Doro- thecnstr. 12 und Georgenstr. 32, sobald die Taxsumme von 2095 M. erreicht oder überschritten wird, beschlossen werden soll. Stadtv. Kreitling beantragt die Ablehnung aller An- träge und die Verweisung der Vorlage an einen neuen Aus- schuß von 15 Mitgliedern. Stadtv. Sämann legt als Berichterstatter des Aus- schusses ausführlich die in Betracht kommenden Verhältnisse dar und bittet um Annahme des Ausschußantrages. Stadtv. Spinola hält das Resultat der Ausschuß- berathung für durchaus unbefriedigend. Die Mehrzahl der Ausschußmitglieder habe die Bedürfnisse der Dorotheenstadt nicht gekannt. Die Charlottenstraße müsse bis zur Georgen- straße verlängert werden, weiter nichts. Die projektirte neue Straße solle gerade dahin geführt werden, wo der Verkehr der Friedrichstraße so stark sei. Warum wolle man die Georgen- straße nicht benutzen? Dadurch würde der Verkehr entlastet werden. Auch die Verbreiterung der Friedrichstraße gerade dort sei überflüssig; sie sei dort breiter als von der Georgenstraße bis„Unter den Linden". Das fiiaus 99 solle nach dem Aus- schußantrage stehen bleiben, ebenso 104 und 104a. Es würden dadurch zwei Winkel in der Friedrichstraße gebildet werden, die wie Pfeiler in dem Verkehr stehen würden. Die Verbreiterung sei auf der westlichen Seite der Friedrichstraße, wo die sog. Pepiniere liegt, vorzunehmen. Auch die Möglichkeit, dem durch- gehenden Pterdcbahnverkehr vom Norden nach dem Süden «inen Weg zu schaffen, sei nicht vorhanden. Es werde der Pferdebahn niemals gestattet werden, die„Linden" zu überschreiten. Die Ausschußanträge seien daher abzulehnen. Stadtbaurath H o b r e ck t: Die finanzielle Lage der Stadt gestatte das Projekt. Tie Georgenstraße kreuze die Friedrich- straße an einem Punkt, wo der Verkehr viel lebhafter sei, als an der Stelle, wo die neu projektirte Straße münden würde. An eine Verbreiterung der Georgcnstraße sei nickt zu denken. Die Durchführung der Charlottenstraße bis zum Weidendamm würde sich nur auf dem langwiengen Wege der Expropriation erzwingen lassen und würde ven Neubar! der Weidendammer- brücke erforderlich machen. Tie gerade Turchleguna der Char- lottenstreße würde sehr große Kosten verursachen. Das Erreich- bare sei das vom Ausschuß vorgeschlagene Projekt. Die Ab- lehnung der Vorlage würde auf lange Zeit einer Verbesserung ten Riegel vorschieben. Eventuell fei die Einsevung eines neuen Ausschusses nicht von der Hand zu weisen. Der Antrag Spinola berge eine große Gefahr für die Verwaltung. Stadtv. Tamm vertritt den Standpunkt der Majorität bes Ausschusses. Stadtv. Kreitling: Die ganze Angelegenheit müssein die Bahnen zurllckgeleitet werden, in denen sie sich ursprüng- lich befunden habe. Ter Ausschuß habe Unrecht gethan, em Projekt zu berathen, das der Magistrat dem Plenum nicht vor- gelegt habe. Redner erklärt sich prinzipiell gegen die Anträge des Ausschusses. Die projektirte Anlage sei eine Winkelstraßen- anlage. Das ganze Projekt wäre nicht aufgetaucht, wenn sich nicht ein Konsortium gebildet hätte, das ein neues Hotel in der Friedrichsttaße bauen wolle. Jetzt müsse dieses Hotel bei der jetzigen Breite der Friedrichstraße um ein Stockwerk niedriger gebaut iverden, als es möglich wäre, wenn die Friedrichstraße verbreitert werde. Deshalb sei die Gesellschaft bereit, das zur Verbreiterung erforderliche Terrain herzugeben; bekommen sie doch als Gegenleistung 1 040 000 M. und außerdem eine Straßenfront von 98 Meter nach der neu projektirten Straße. (NB. Auf diese Art erwarb ich die weiteren Titulaturen „Twain, der bestechliche Schmutzlappen" und„Twain, der ekelhaste falsche Zeuge.") Um diese Zeit hatte sich das Geschrei nach einer„Er- widerung auf alle jene Anklagen so vermehrt, daß die Stimmführer meiner Partei ertlärten, es werde mich politisch ruiniren, wenn ich noch länger still schweige. Und am nach- sten Tage kam der Artikel:„Sehet, welch' ein— Mensch! — Der unabhängige Kandidat hüllt sich noch immer in Schweigen. Das macht, er wagt nicht sprechen! Nun, seht Euch Euren Kandidaten an, seht Euch an den mein- eidigen Schurken! den Montanaspitzbuben! den Schin- derknecht und Leichenschänder! Betrachtet Euer per- sonisizirtes Delirium tremens, Euren bestechlichen Schmutzlappen, Euren falschen Zeugen! Nehmt ihn scharf ins Auge, und dann sprecht, ob Ihr Eure ehrlichen Stimmen einer Kreatnr geben könnt, welche sich durch ihre scheußlichsten Verbrechen diese Reihe gräßlicher Titel erworben hat und den Mund nicht aufzuchun wagt, um auch nur ein einziges abzuleugnen!" Schon am nächsten Morgen kam das Blatt mit einem neuen Schrecken heraus, indem es mich allen Ernstes be- schuldigte, eine Irrenanstalt mit sämmtlichen Insassen nieder- gebrannt zu haben, weil diese mir die Aussicht vor meinem Fenster verdarb. Dann folgte die Behauptung, ich hätte meinen Onkel vergiftet, um mir sein Bcsitzthum anzueignen, nebst der kategorischen Forderung einer Exhumirung der Leiche. Dies trieb mich an den Rand der Verzweiflung. Und schließlich wurden, als ich bei der nächsten Versamm- lung auf der Rednerbühne stand, neun kleine Kinder von jeder Farbennuanze und jedem Grade der Zerlumptheit, dazu abgerichtet, auf die Plattform zu krabbeln, meine Beine zu umklammern und dabei„Papa! Papa!" zu rufen. Da gab ich's auf. Ich fühlte mich den Anforderungen einer politischen Wahlkampagne nicht gewachsen; und so zeigte ich denn mein Zurücktreten von der Kandidatur an und zeichnete verbittert:„Ihr ergebener Mark Twain." Wer mit den amerikanischen Verhältnissen vertraut ist, weiß, daß Twain den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Die Weidendammer Brücke werde so wie so bei der Senkung des Spreespiegels neugebaut werden. Das ganze Projekt sei abzulehnen. Der Vor st eher bemerkt, daß der Ausschuß nur gethan habe, was hundert Mal vorher gethan worden sei; er habe Verbesserungsanttäge berathen und das Ergebniß im Protokoll vorgelegt. Stadtrath Voigt: Es würde sehr interessant für den Magisttat zu erfahren sein, ob der Fiskus bei der Verlegung des militärärztkichen Instituts unentgeltlich oder unter dem Preise von 500 M. pro Quadratmeter das erforderliche Terrain hergeben würde. Vorläufig sei es nicht zu erwarten. Im Üebrigen bespricht der Redner das Projett einer Verbreiterung der Friedrichstraße. Stadtv. Topp hält die Gründe der Stadtvv. Kreitling und Spinola für Scheingründe; dieselben seien Gegner einer Verbindung des Nordens mit dem Süden. Er hält die Vor- läge des Magistrats für vorzüglich und glaubt, daß ein neuer Ausschuß keine besseren Vorschläge machen würde. Oberbürgermeister Dr. v. Forckenbeck hält einen neuen Ausschuß nur dann für nützlich, wenn derselbe ohne Präjudiz mit freier Wahl der Prüfung aller Projette eingesetzt wird. Der Sache dürfe durch einen heute ablehnenden Be- schluß nicht ein sofortiges Ende gemacht werden. Der Vor- schlag des Ausschusses sei angeregt durch die jetzige so lebhafte Bauspekulation in Berlin. In diese Spekulation müsse einge- griffen und sie zum Nutzen der Bürgerschaft gewendet werden. Die Nothwendigkeit, die Friedrichstraße dort zu verbreitern, sei unaufschiebbar. Das neue Projekt sei ausführbar, in einem Jahre absehbar, das andere(Spinola'sche) Projekt verschiebt die nothwendige Verbreiterung auf unbegrenze Zeit. Wolle man das Projekt des Ausschusses nicht annehmen, so möge man einen neuen Ausschuß einsetzen. Stadtv. R e i ch e n o w Beantragt, einen neuen Ausschuß von 15 Mitgliedern zur weiteren Erörterung der Vorlagen einzusetzen. Stadtv. Karsten� empfiehlt diesen Antrag. Ein Anttag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Bei der Abstimmung wird der Anttag des Stadtv. R e i ch e n o w angenommen, nachdem derr Stadtv. Spinola seinen Anttag zurückgezogen hatte. Ein Antrag auf Vertagung der Sitzung wird angenommen. Schluß 9% Uhr._ Lokales. Die gestrigen Wahlen für 5 Stadtverordnetensttze haben, besonders soweit es sich um die 3. Abtheilung handelt, ein überraschendes Resultat ergeben. Im 2. Wahlbezirk, welchen der verstorbene freisinnige Stadtverordnete Löwe bisher ver- treten hatte, standen sich die beiden Kandidaten Kaufmann Lemp(liberal) und Bäckermeister Bemard(Bürgerpartei) gegen- über. Die 3. Abtheilung, welche hier in zwei Theilen zu wählen hatte, gab für Lemp zusammen 618 Stimmen, für Bernard zusammen 675 Stimmen ab; der letztere ist sonach mit einem Uebcrschuß von 57 Stimmen als Stadtverordneter gewählt. Dies Ergebniß überrascht, wenn man das Stimmen- verhältniß der Hauptwahl vom 18. Oktober 1883 in Betracht zieht, bei welcher für Löwe(l.) 903 Stimmen, für Bernard (B.) 715 Stimmen und für Henke(Arbeiterpartei) 48 Stimmen abgegeben wurden. Nahm man selbst an, daß die Arbeiter- partei, für welche ein Kandidat zur gestrigen Ersatzwahl nicht aufgestellt war, sich vollständig für den Bürgerparteiler cnt- scheiden würde, so lag es doch nahe, daß die Fortschrittler, wenn auch nur mit geringer Majorität, den Sieg erringen würden. Bei der Hauptwahl waren, wenn man von der Ar- beiterpartei absteht, auf die Konservativen 44,19 pCt., auf die Liberalen 55,81 pCt.(also 11,62 pCt. mehr) der abgegebenen Stimmen entfallen; bei der gestrigen Ersatzwahl stellt sich der Prozentsatz der abgegebenen Stimmen für die Konservativen auf 52,21 pCt., für die Liberalen auf 47,79 Ct.(also 4,2 pCt. weniger). Die Gcsammtdiffercnz zu Gunsten der Kon- servativen beträgt also 16,04 pCt. Die Verschiebung des Stimmenverhältnisses läßt nicht genau genug erkennen, ob entweder die Freisinnigen sich einer groben Lässigkeit in der Agitation haben zu Schulden kommen lassen, oder ob die kon- servative„Partei in diesem 2. Wahlbezirk thatsächlich an Mit- gliedern gewonnen habe. Das letztere ist immer noch wahr- scheinlicher, da bei der verhältnißmäßig regen Bctheiligung (42,66 pCt.) bei der Ersatzwahl das Plus der konservativen Stimmen doch zu bedeutend ist, als daß man es lediglich auf Rechnung einer saumseligen Agitation der Fortschrittspartei setzen könnte; und um so gespannter darf man auf das Ergcb- niß der nächsten Wahl in diesem Bezirke sein.— Die 2. Ab- theilung des l. Wahlbezirks wählte die liberalen Kandidaten, Bezirksvorsteher Tobias und Reichstagsadgeordneter Brömel, mit 291 bezw. 290 Stimmen, die Konservativen, Bezirksvor- steher Nobiling und Hutfabrikant Bluth, erhielten 54 bezw. 56 Stimmen. Auch hier ist das Ergebniß für die Konservativen günstiger als in der Hauptwahl vom 18. Oktober 1883, bei welcher die Liberalen für Äattern, Dr. Kürten und Leddihn zusammen 1691 Stimmen, die Konservativen für Achilles, Bluth und Hildcbrandt zusammen 276 Stimmen abgaben. Das Ver- hältniß stellt sich so, daß bei der.Hauptwahl 15,73 pCt., bei der Ersatzwahl 18,93 pCt.(also 3,20 pCt. mehr) der abgcgebe- ncn Stimmen auf die konservativen Kandidaten entfallen.— Die 1. Äbtheilung im n. Wahlbezirk wühlte den liberalen Kan- didaten, Rechtsanwalt Friedemann, mit 61 Stimmen, der Konservative, Rechtsanwalt Stein, erhielt 23 Stimmen(gleich 37,10 Prozent der abgegebenen Stimmen), Herr Gerold 1 Stimme. Bei der Hauptwahl am 20. Oktober 1883 wurden abgegeben für die Liberalen Liebermann, Büchtemann und Hermes zusammen 308 Stimmen, für die Konservativen Dr. Brecher, Bavaller und Müller zusammen 92 Stimmen(gleich 29,87 pCt.), so daß hier also ebenfalls das Verhältniß für die Konservativen bei der Ersatzwahl günstiger(um 7,23 pCt.) geworden ist. Endlich wählte im VI. Wahlbezirk die 1. Abthcrlung den freifinnigen Kandidaten, Justizrath Frcntzel, mit 116 Stimmen; für den Konservativen, Weinhändler Frederich, wurden nur 8 Stimmen abgegeben(oder 6,78 pCt.). Nur in diesem Wahlbezirk und dieser Abtheiluna haben sich, im Gegensatz zu den vorher mit- getheilten Resultaten, die konservativen Stimmen prozentual vermindert. Bei der Hauptwahl erhielten nämlich die Liberalen Dr. Neumann, de Mve und Moses, zusammen 544 Sttmmen. Die Konservativen, v. d. Haydcn, Brodmann und Rothenhan, zusammen 52 Stimmen(oder 9,56 pCt.). Die Differenz ist 2,78 pCt. zu Ungunsten der Konservativen. In beiden Parteien wird es fernerhin nicht an Rührigkeit fehlen, bei der konser- vativcn Partei, um den Vortheil festzuhalten bezw. zu ver- größern, bei den Liberalen, um den NachtheU wieder gut zu machen. Ob und wie sich das Verhältniß in Zukunft weiter verschieden wird, läßt sich jetzt allerdings noch nicht absehen, da hierzu die immerhin nur mangelhafte Bcthelligung an der gestrigen Ersatzwahl keine genügend sichere Basis, weder in oer einen noch in der anderen Richtung, bietet. Gewählt haben gestern in der 3. Abtheilung von 3031 eingeschriebenen Wählern 1293 oder 42,66 pCt.; in der 2. Äb- theilung von 951 cigeschricbenen Wählern 695 oder 73,08 pCt.(!); in der ersten Abtheilung des Ii. Wahlbezirks von 205 eingeschriebenen Wählern 85 oder 41,46 pCt., und in der I. Abtheilung des IV. Wahlbezirks von 274 eingeschrieben Wählern 127 oder 46,33 pCt. Jnsgcsammt gaben also von 4461 Wahl- bercchten nur 2200(gleich 49,32 pCt.) ihre Stimme ab, und zwar wählten liberal 1378 oder 62,64 pCt., konservativ 816 oder 37,09 pCt. 6 Sttmmen(0,27 pCt.) zersplitterten sich und waren ungilttg.— Die„Berk. Ztg." beklagt den Verlust des Mandates von Ludwig Löwe in folgender thränenreicher Weise: „Der Ausfall dieser Ersatzwahlen, wrr stehen nicht an, das offen zu bekennen, ist ein schwerer Schlag für die freifinnige Partei. Ludwig Löwe's Wahlbezirk in den Händen der Bürgerpartei— das ist eine Blamage, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann. Jetzt möchten wir wünschen, die Bürgerparteiler hätten lieber alle übrigen vakanten Mandate gewonnen, wenn nur dieses eine der freisinnigen Partei erhalten worden wäre. Wie werden sie jubeln und frohlocken, die Stöcker und Genossen, wie werden sie triumphirend auf den leichten Sieg hinweisen und Hohn« lachend daraus den Niedergang des Fortschritts in Berlin beweisen. Und— leider Gottes, sie haben allen Grund dazu. Wenn es so leicht war, ein Mandat zu erwerben, welches als das Vennächtniß des hervorragendsten freisinnigen Mannes in der Stadtverordneten-Versammlung betrachtet und deshalb mit Aufbietung aller Kräfte vertheidigt werden mußte— wie will man Gewähr dafür haben, daß nicht in fünfzig andern Wahl- bezirken das Gleiche geschieht? Wie dieses Mandat verloren gehen konnte, das erscheint fast unbegreiflich und es wäre in der That nicht zu begreifen, wenn nicht die Lässigkeit, die Be- quemlichkeit in der Wahlagitation fichtlich zu Tage läge. Bei der Wahl im November 1883 wurden in demselben Wahl« bezirke für Ludwig Loewe 896, für Bäckermeister Bernard 708 Stimmen abgegeben, während gestern der letztere 675, der freisinnige Kandidat 618 Stimmen erhalten hat. Die Stimmen« zahl der Freisinnigen ist also um 278, die der Bürgerparteiler nur um 33 zurückgegangen. Soll man nun annehmen, daß das Stärkcverhältniß der Parteien sich in der Zwischenzeit derart verändert hat, daß es dieser Verschiebung der Stimmen« zahl entspricht? Wir glauben, diese Vermuthung als anzu« treffend zurückweisen zu müssen. Ter Mißerfolg der Wahl ist einerseits auf die kräftige Wühlarbeit der Gegner, andererseits auf dieLässigkeit und die handgreiflichen Fehler der freisinnigen Wahlagitation zurückzuführen. Von einer Agitation kann eigentlich gar nicht die Rede sein, denn eine oder zwei im engsten Zirkel abgehaltene Versammlungen verdienen diese Be« Zeichnung nicht. Ob man ferner bei der Auswahl des Kandi- baten mit der nöthigen Klugheit zu Werke gegangen, wird auch zu untersuchen fem; als Nachfolger Ludwig Löwe's hätte man unter allen Umständen einen Mann von hervorragender Bedeutung aufstellen müssen. Grund genug zur äußersten An« strengung, zur Aufbietung aller Kräfte war doch wohl vorhanden- Man wußte, daß die konservativ-antisemitische Verbindung, welche dort starken Anhang hat, Alles daran setzen würde, gerade diesen Bezirk, den bisher ihr bestgehaßter Gegner vertreten, zu gewinnen. Man mußte sich vergegenwärtigen, welchen dcpnmirenden Ein- druck eine Niederlage gerade jetzt, wo auch die Ersatzwahl zum Reichstag für Ludwig Loewe bevorsteht, hervorrufen würde. Man mußte die Wahl eines liberalen Mannes als eine Ehren« Pflicht gegen dm Verstorbenm und die Wahl des Gegners als eine Schmach empfinden, die nicht wieder auszulöschen wäre. Trotz alledem ist die gewohnte Schläfrigkeit und die althergebrachte Selbstüberschätzung, als ob der Sieg ganz sclbswcr- ständlich und ohne besondere Ansttengung zu gewinnen sei, nicht zu überwindm gewesen! Wir wollen nichts vertuschen und nichts beschönigen, im Gcgentheil, wir glauben es nicht nachdrücklich genug aussprechen zu können: diese Niederlage ist eine Schmach und Schande, die allen denjenigm Wählern, welche durch ihr Fernbleiben von der Wahlurne daran mit« schuldig sind, auf der Seele brennen muß. Diese Empfindung wird, so hoffen wir, die ganze Partei durchdringen und sst anspornen, mit verdoppeltem Eifer an's Werk zu gehen, die Scharte glänzend auszuwetzen. Wenn die erhaltene Lehre de- achtet wird, wenn sie die freifinnige Partei aus ihrer Lethargie aufrüttelt, dann wollen wir nicht klagen, daß wir so schweres Lehrgeld gezahlt." Wir haben zu der ganzen Sache nichts z» sagen. Es will uns aber scheinen, als ob der„deutsche Frei« sinn" in Berlin doch immer mehr an Bodm verliert, und als ob die Zeit anbricht, in welcher andere, lebensfähigere Parteien sich des Terrains bemächtigen. Für die Verpflegung der Gefangenen wird uust� Strafanstalt„Plötzensee" gewöhnlich als Musteranstalt hinge' stellt und in der That klingt die Schilderung, welche der dortige Anstaltsarzt Sanitätsrath Dr. Baer von der dortigen Beköstigung giebt, recht appetitlich: Wir haben, so schreibt der genannte Herr, eine Gesundenkost, welche schmackhaft zubcrcitel rst, drei Mal wöchentlich mit 70 Gramm Fleisch verkocht wstd und bei welcher auf reichhaltige Abwechselung und richtige Mischung der Konsumtibilien gesehen wird und außerdem eine Kost für bettläaerige im Lazarcth befindliche Kranke. Zu der ersteren Kost können Gefangene, wmn eine ärztliche Jndikatwn vorliegt, an den fleischfreien Tagen eine Exttazulage von 125 Gramm Fleisch oder i Liter Milch, eventuell beides zu> gleich erhalten. Ist die Verdauung oder der Ernährungszustand' des Gefangenen derartig, daß crLeguminose(Hülsenfrüchte)�- nicht vertragen kann, oder daß er einer nahrhaften Kost tc« darf, so erhält er an den Tagen, an denen die gewöhnlich� Kost kein Fleisch enthält, die sogenannte Äittelkost. Diese be« steht aus einer Suppe(Bouillon mit Gries, Reis, Nudeln Gemüse(Rüben, Kohlrabi, Bratkartoffeln, Erbsen k.) und Fleisch (Braten, Beefsteaks rc.). Zu dieser Mittelkost kann der Gefangene- wenn nöthig, noch täglich i Liter Milch bekommen.— klingt sehr verlockend und könnte vielleicht Manchen veranlassen- sich nach den Fleischtöpfen Plötzensee's zu sehnen. Wir möchte» aber solchen„Sehnfichtigen" rathen, sich lieber ihren ApPjjJ* vergehen zu lassen, denn im Gefängniß würde ihm dersew ganz gewiß vergehen. Es ist sehr zu bedauern, daß Herr � nitätsrath Dr. Baer über die Verabreichung der besseren Beko>> gung keine ausführlicheren Mittheilungen gemacht hat. Dw� den würden ergeben haben, daß die bessere Kost den Gefangen? gewöhnlich nur für kurze Zeit(etwa\ ihrer Strafzeit) gero«bs* wird, und sie würden verhindert haben, daß ein Amtsricv»' in einem hier erscheinenden Journal unter Zugrundelcguw dieser Mittheilungen gegen Beefsteaks und Palastbauten i» die Gefangenen polemifirt und für die Prügelstrafe crntnw Wir sind überzeugt, der verehrte Herr würde bald von Ks» Anschauung zurückkommen, wenn er einmal Gelegenheit ha»' dieselbe in einer der traulichen Jsolirzellen von Plötzensec um dem Eindruck der dort üblichen Hausordnung, wenn auch u» der höchst zulässigen Beköstigungsvergünstigung, noch einmal i überlegen. Ausweisung. Am Mittwoch wurde der Kratzenwaw Herr Peter Ahmann nach dem Molkcnmarkt fistirt und daselbst eröffnet, daß er aus Grund des Z 28 des Sozialist gesetzcs den Bannkreis Berlins binnen 48 Stunden zu lassen habe. Herr A. ist bereits abgereist. In Sachen des verhafteten Hauptmanns-sreihc»». von Schleinitz führt der Auditeur Planticr die Untersuch. wider denselben. Die Vertheidigung des Verhafteten ist � Hände des Rechtsanwalts Dr. Sello gelegt. Das Berfab selbst ist ein militärgerichtliches. Das Erkenntniß des engl»! ic Gerichtshofes in Sachen der Auslieferung v. Schleinitz a>. � deutschen Behörden nimmt nur 2 Fälle der Erpressung w denselben als erwiesen an. Der eine Fall bettisst die wwe � Berliner Restaurateur Olbrich geschehene, der andere M, Qz wider Flüg in Lübeck. Wegen des letzteren wurde zur Zssi.jg. Prozesses wider den„Unabhängigen" Lodomez bereits ven>�. � Schleinitz der durch Heirath feiner Zeit ein sehr reicher wurde, will sein ganzes Vermögen wesentlich durch zwei � liner Agenten verloren haben und dadurch in eine bittere � läge gekommen sein. Einer der Agenten, der anfangs � besaß, war bis vor kurzer Zeit Besitzer eines Palais Potsdamersttaße..- sich Eine empörende, ja bestialische Frivolität gestern Abend der Kaufmann H. gegen die hier ä1* ,nffl weilende Wittwe Frau Sch. aus Stargard zu Schulden i lassen. Frau Eck., welche erst seit drei Tagen behufs tation des Prof. Dr. Schröder hier weilt, begab»*"Loße- Abend gegen 8 Uhr auf das Postamt in der Ben« H. Als sie wieder die Sttaße dcttat, wurde sie von d»' verfolgt, auf unverschämte Weise angerempelt und schließlich, da die Dame zu entfliehen suchte, mit unzüchtigen und unfläthigen Redensarten traktirt; schließlich behauptete er der Dame gegen- über, sie habe ihm unfittliche Anträge gestellt. Ein vorüber- gehender Herr, den die Dame um Schutz flehte, sagte ihr, sie solle doch schnell eine Droschke besteigen und so der Sache ein Ende machen; das sei das Einfachste.— So geschah es; die Dame bestieg eine des Wegs kommende Droschke und wollte nach ihrer m der Kommandantenstraße gelegenen Wohnung fahren. Doch p. H. hatte sein Muthchen noch nicht gekühlt. Unter Fluchen und Toben lies er der Droschke nach und brachte dieselbe in der Mohrenstraße vor Nr. 6 zum Halten. Zwei herbeigeeilten Schutzmännern erklärte nun p. H. mit frecher Stirn, das„Frauenzimmer", das ihm übrigens als S.. längst bekannt sei, habe ihn„angeködert" und da er ihr den verlangten �reis von 45 M. nicht habe bewilligen wollen, sei sie genrein und ausfallend gegen ihn geworden, p. H. verlangte energisch die Sistirung des„Frauenzimmers" zur Wache. Tie Dame,- beinahe wahnsinnig vor Angst, Entsetzen und Scham, einer Ohnmacht nahe, wankte unter Schluchzen am Arm des Schutznranns den langen Weg von der Mohren- straßc durch die Voßstraße zu dein Polizeirevier in der König- grätzerstraße. Der p. H. folgte mit dem zweiten Schutzmann bmterher und setzte immerwährend der folgenden, ungeheuren Menschenmasse in tobender Weise auseinander, was das »Frauenzimmer" für eine gemeine S.. wäre, er kenne sie lange zc. je. Das Unglück folgte der p. Sch. auf die Polizei- mache, denn da sie erst seit 3 Tagen in Berlin war, so war sie noch nicht angemeldet und sie wäre unbedingt auf die bestimm- ten Behauptungen des p. fe. hin mit dem„grünen Wagen" nach dem Molkenmarkt befördert worden, hätte sie den Polizei- beamten nicht einen so günstigen Eindruck gemacht, daß ein Beamter beauftragt wurde, mit ihr zur Recherche nach ihrer Wohnung zu fahren; hier erwiesen sich die Angaben der V- Sch. bis zur Evidenz als Wahrheit. Leider hatte sich kein Pkuge gefunden, der in die heikle Angelegenheit verwickelt sein wollte. Zum Glück war aber doch ein.Herr der ganzen Affäre vvn Anfang an gefolgt, der aber nach gesammelten Ersahrungen sich erst als Zeuge zu melden für gut befand, als er für be- stlmmt wußte, daß es wirklich der Ehre einer unbescholteten, m solch empörender Weise behandelten Dame galt. Der freche Bursche wird sich vor Gericht zu verantworten haben. Wichtig märe es, wenn sich noch der Droschkenkutscher sowie andere Beugen meldeten. Ein gefährliches Haltesignal. Am Dienstag Vormittag Mar der Arbeiter Meißner beschäftigt, auf einem Geleise der Berlin- Stettiner Eisenbahn einen beladcnen Eisenbahnwagen l artzubewegen. In der Nähe der Bellermannstraße rollte derselbe über eine als Haltesignal auf das Geleise gelegte söge- uannte Knallpatrone und brachte dieselbe zur Entladung. Eines ber herumfliegenden Sprengstücke traf den Meißner an: Ober- lchenkel und verwundete ihn so schwer, daß er, um verbunden »u werden, nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht werden Mußte. Krampfhaft fest hielt sich ein kleiner dicker Mann an rmem Arbeitswagcn, auf den einige Möbelstücke geladen waren und der am Mittwoch in der Dunkclstunde den Kottbuscr Damm entlang im schnellen Trabe zur Stadt fuhr; erst an der Kottbuscr Brücke wurde der Führer des Wagens seinen An- bänger gewahr, der sich in einer bcjammernswerthen Verfassung befand, lieber und über mit Straßcnkoth bespritzt und strecken- weise geschleift, hatte er sich doch an dem Fuhrwerk festge- halten. Vor einem Hause in der Schönleinstraße hielt nämlich jjas Fuhrwerk des kleinen Mannes, ebenfalls mit einigen Möbeln beladen. Um eine Stärkung zu sich zu nehmen, hatte l«h der Mann in eine nahe Destillation begeben; war diese Stärkung nun zu reichlich ausgefallen oder war die Dunkelheit J?mn schuld, als er wieder auf die Straße trat, sah er ein fimmerk mit Möbeln, ähnlich wie das seinige, schnell vorüber- fmflrt'. Sofort einen der �bekannten Diebstahlsversuche (Situation bis zur Brücke geschleppt, was einiger- '"md, hängte er sich an den Wagen an und wurde in dieser Mo«? dadurch erklärlich wird, daß auch hier dem guten griff das Sprechen noch etwas schwer fiel. Sichtlich ange- Fon der anstrengenden Fahrt wankte er nach der banden Straße zurück, wo sein Fuhrwerk noch unverschtt vor- ein raffinirter Weise hat der Schneider Z., welcher in G„s?.Damen-Konfektions- Geschäft arbeitete, den Inhaber dieses bei it um etwa 600 M geschädigt. Die Arbeiter erhielten der Stoffe eine Anzahl nicht ausgefüllter Liefe- ans*, die bei Ablieferung der fettig gestellten Mäntel Sonn u Zurückzugeben waren, und auf Grund deren an jedem Auf ra d der Arbeitslohn berechnet und ausgezahlt wurde. (LL�gund dieses Zettels wurde von einem Angestellten des Ärlw ,die Zahlungsanweisung ausgefüllt und die geliefette Äit h oft dem verdienten Lohn in ein Buch cingettagcn. sodnn» Zahlungsanweisung und dem Buch gingen die Arbeiter lieb»!? uach der in demselben Räume befindlichen Kasse und wie 1 ftth. das Geld arszahlcn. Ter Beschuldigte hat nun, weis.f! Zugmbt, in etwa 10 Fällen sich mit der Zahlungsan- einer„ bcm Buch nicht direkt zur Kasse, sondem nach d,s yT llenüber liegenden Restauration begeben, dott sowohl falfaif, die Anweisung durch Hinfügung einer Zahl ge- Z. i?« f dann den erhöhten Betrag bei der Kasse erhoben. schwerer Urkundenfälschung verhaftet worden. ftauf™? 5�°Bericht. Am 17. d. M Nachmittags wurde ein ftrabr?nn' sslf. or an der Ecke der Scydcl- und Alten Jakobs- Nahe Pferdebahnwagen besteigen wollte, durch einen zu Und v,,.."fahrenden Arbeitswagen gegen denselben gedruckt Murdr•!. anscheinend jedoch nicht erheblich, verletzt.— Abends bekannt Im Weberstraße, gegenüber der Markuskirche, ein UN- Mußtln« Wann, mit einer Wunde an der rechten Schlafe, be- ftädtif�/uf der Straße liegend vorgefunden und nach dem mkn Krankenhaus im Fttedrichshain gebracht. Di.. Gerichts-Zeitnng. maoelsführer de» Sprembcraer Krawalls vor dem Schwurgericht. Cottbus, den 18. November 1886. s Slnrf. y Erster Tag der Verhandlung. den Ei«, i? gegenwärtigen Angeklagten machen fast sämmtlich schen �ruck von kaum dem Knabenalter entwachsenen Men- Zu Auditottum ist auch diesmal nur spärlich besucht. IDabprJ, worcnen werden ausgeloost: Gemeinderath Galle ...........' fenli,,' in—............................... �brikW» �(Drrbkau), Stadtrath Kossack(Spremberg), Krüger Ad. Blütchen(Vetschau) und Kruggutsbesitzer fe»» g"|. Artige(=„l?ftdent bemerkt den Geschworenen: Die gegen- 5a b'ää i-S-ÄL Thcil der Angeklagten befindet sich seit Anfang Inrath Vo®uQ,",roirtd Schreiber(Arenzhain), Mühlenbesitzer littet A�berose), Rittergutsbesitzer Pittclko(Koschendorf), lich. Verabredet war der Zug nicht. Es seim wohl Lieder gesungen worden, was das aber für Lieder waren, wisse er nicht. Präs.: Kannten Sie denn die Leute, die an dem'Zuge theilnahmen?— S.: Alle nicht, einige kannte ich. Präs.: Sie waren wohl mit diesen in Versammlungen zusammengekommen?—®.: Nein, ich kam mit denselben bisweilen Sonntags auf dem Tanzboden zusammen. Präs.: Besuchen Sie sozialdemokratische Versammlungen? — S.: Nein. Präs.: Lesen Sie sozialdemokratische Schttften?— S.: Nein. Präf.: Kannten Sie die Lieder, die bei dem Zuge gesungen wurden?— S.: Nein. Präs.: Es ist doch aber sehr eigenthümlich, daß der An- sichrer nicht weiß, was für Lieder gesungen wurden?— S.: Ich weiß es nicht. Präs.: Sie haben mitgesungen?— S.: Das werde ich wohl haben, ich weiß es aber nicht mehr. Präs.: Sie müssen nicht alles bestreiten, Säbischka, das macht keinen guten Eindruck. Sie haben nicht ein solch' schlechtes Gcdächtniß, daß Sie sich auf nichts mehr erinnern. Es wäre für Sie bedeutend besser, wenn Sie ein offenes Geständniß ablegten. In welcher Weise haben Sie dem Polizeiwachtmeister Hubrich Widerstand entgegengesetzt?— S.: Ich wollte nicht �Präs.: Haben Sie den Beamten nicht thätlich angegttffen? — S.: Nein. Präs.: Hubrich packte Sie und da wollten Sie sich wieder losreißen, außerdem waren mehrere Leute bemüht, Sie aus den Händen des Beamten befreien?— S-: Ja. Säbischka bekundet weiter auf Befragen des Präfidenten: Als der Landrath und der Bürgermeister erschienen, sei er nicht mehr dagewesen. Er gebe zu, daß er den Hutmacher Krüger am Nachmittage des 20. April auf dem Wege von Teichnitz nach Spremberg mit einem Messer gestochen, da Krüger ihn ge- reizt habe. Die Angeklagten Kara, Hoffmann und Franke geben zu, ihrer Verhaftung Widerstand entgegengesetzt zu haben, sie seien auch bemüht gewesen, andere Arrestanten zu befreien; Auf- forderungen zum Auseinandergehen haben sie jedoch nicht ge- Hütt, auch weder Drohungen ausgestoßen, noch sozialdemokratische Lieder gesungen. Präs.: Franke, hatten Sie sich vorgenommen, dem Hubrich eins auszuwischen?— Angekl.: Ja wohl. Präsident: Weshalb?— Angekl.:.Hubrich hat mich im Schießhause ohne jeden Grund gestoßen. Just behauptet, er sei vollständig unschuldig. Er habe sich seiner Verhaftung nicht widersetzt, obwohl er von Hubrich zur Erde gestoßen wurde. Rex: Der Krankenwätter Fellisch habe ihn verhaften wollen, er wollte jedoch, ehe er Folge leistete, erst wissen, wes- halb er verhaftet werden sollte. Angekl. Maltusch:' Er habe gesehen, daß Rex sich von Hubrich losriß, er sei nicht verhaftet worden. Der Aufforderung zum Auseinandergehen habe er 10 Minuten später Folge ge- leistet. Henschke bekennt sich für nichtschuldig. Brosig: Er habe der Auffordenmg, sich zu entfernen, nicht Folge geleistet, Widerstand habe er je- doch nicht geleistet, er sollte auch gar nicht verhaftet werden. Präs.: Haben Sie nicht einen Säbelhieb von.Hubrich be- kommen?— Brosig: Allerdings, das war, als ich nach dem Marklplatz gehen wollte. Dubrau bekennt sich für nichtschuldig. Mummett: Er habe der Aufforderung Hubrichs, sich zu entfernen, nicht gleich Folge geleistet und habe deshalb von Hubrich einen Säbelhieb auf den Kopf und einen zweiten auf den Rücken erhalten. Horn und Rietschcl bekennen sich für nichtschuldig. Wonneberger giebt zu, der Aufforderung des Polizeibeamten, sich zu entfernen, nicht Folge gegeben zu haben. Weder, Müller und Richard Hoffmann ettlären sich für nichtschuldig. Der Staatsanwalt beantragt nun, den Tenor des Erkennt- nisses vom 10. und 13. d. M. zu verlesen. Die Vettheidiger widersprechen diesem Antrage. Der Gerichtshof beschließt, dem Anttagc des Staatsanwalts stattzugeben. Der erste Zeuge ist der Polizeibcamte Hubrich. Ehe dieser vernommen wird, giebt der Präsident den Geschworenen, an der Hand einer Katte, Aufklärung über die Oettlichkcit Sprcmbcrgs. .Hubrich erzählt alsdann den Vorfall in der bereits be- kannten Weise. Er bekundet: Als ich die Aufforderung zur Entfernung der rothen Fahne und das Unterlassen des Singens sozialdemokratischer Lieder an die Menge erließ, wurde ich so- gleich mit Stöcken geschlagen und es wurde gerufen: Haut ihn, den rothbättigcn Schw...., der muß heute noch kalt gemacht werden. Als ich Säbischka verhaften wollte, da dieser sich weigette, mir die rothe Fahne zu geben, so haben ganz bcfondcrL Korn, Franke, Gustav Hoffmann und Just auf mich eingedrängt und den Säbischka von mir losgerissen. Ich habe alsdann den Just gepackt, die Menge entriß mir jedoch auch den Just und bedrängte mich derartig, daß ich zur Erde fiel. Nun- mehr habe ich blank gezogen. Gustav Hoffmann rief der Menge zu:„Sagt nicht Eure Namen, der Mann hat Euch einen Dreck zu befehlen." Rex hat sich bei seiner Verhaftung sehr widersetzt, er hatte sich sogar mehrfach zur Erde geworfen. Dubrau hatte einen Gegenstand in der Hand, mit dem er, als ich zur Erde fiel, auf mich eindrang. Da ich von der Menge vollständig umdrängt war, so machte ich von meiner Waffe Gebrauch und habe auch dem Dubrau einen Säbelhieb über den Kopf gegeben. Wer geschrien hat:„Der rothbärtige Schw.... muß kalt gemacht werden," kann ich nicht sagen. Ein Hauptskandalmacher ist der Angeklagte Korn gewesen. Die Aufforderung des endlich hinzugekommenen Landraths, aus- einandcrzugeyen, wurde mit„Haut ihn, Hurrah" u. s. w. be- antwottet. Präs.: Wissen Sie, welchen Zweck der Zug am Mittag des 30. April hatte?— Zeuge: Ich nehme an, daß man den Gestellungstag als günstige Gelegenheit denützen wollte, um mir etwas auszuwischen. Vettheidiger Rechtsanwalt Hammerschmidt: Hat der Zug auf den Zeugen den Eindruck gemacht, als wenn es ein Zug von Betrunkenen wäre?— f Zeuge: Jawohl.— Vetth.: War speziell Säbischka betrunken?— Zeuge: Der war am meisten betrunken.— Vetth.: Ist der Zeuge dem Angeklagten Maltusch feindlich gesinnt?— Zeuge: Nein.— Vetth.: Weshalb hat der Zeuge dem Maltusch bei der polizeilichen Ver- nehmung ein paar Ohrfeigen gegeben?— Zeuge: Ich habe den Maltusch nicht geschlagen..,.... Der Angeklagte Just behauptet, daß er von Hubrich be: seiner Verhaftung auch mißhandelt worden sei, er sei sofott von Hubrich ergriffen worden, als er zufällig zu dem Exzeß hin- Hubrich bestreitet, den Just mißhandelt zu haben; derselbe sei im Uebrigen gleich vom Anfang an be: dem Krawall be- nt gewesen. :s wird alsdann ein Brief von Maltusch an Rubendunst, am 13. September 1886 gerichtet, verlesen. In diesem heißt cs u. a.:„Ich habe schon 2 Anklagen, die eine, weil ich den Feldwächter vettobackt habe, die andere, weil ich den Putz habe erschießen wollen- Vom Putz habe ich schon Widerspruch er- hoben. Außerdem habe ich mich mit dem Fadenjungen Richter gehauen und ihm fast den Kopf gespalten. Ich sehe also einer strengen Besttafung entgegen. Wenn die Strafe zu hoch wird, so nehme ich mir das Leben."— Maltusch giebt zu, diesen bms«„«-i-b-n ,u((I(W Mit exemplarischer Strenge ahndete vor kurzem das auf Charlottenburger Schöffengericht eine Rempelei, welche offener Sttaße, an der Ecke der Kirchhofstraße und das Char lottenburger Ufers zwei bisher völlig unbescholtene Leute, der Stellmacher Gustav Wollmann und der Töpfer Johann Götze, im Uebermuth, hervorgerufen durch Trunkenheit, sich hatten zu Schulden kommen lassen. Auf dem engen Bürgerstcige der ge- nannten Straßen-Ecke stießen Wollmann und sein Begleiter Götze am 27. Juli d. I. mit dem Älagazin-Venvalter Pfuhl und dem Buchhalter Just, als die letzteren aus ihrem Dienst von der städtischen Gasanstalt heimkehrend, jene Stelle passittcn, absichtlich und heftig zusammen, so daß einem der Angerempelten der Hut vom Kopfe flog; der Äagazin-Verwalter Pfuhl ver- wies den Burschen solch' unanständiges Benehmen und dies hatte zur Folge, daß Wollmann sogleich mit dem Schlachtruf: „Wollen'mal den Fettwänsten das Fell losmachen!" den p. Pfuhl und dessen Begleiter thätlich angriff, während Götze seinen Zigarrenrest dem letzteren in's Genick warf und sich ebenfalls bereit machte zu weiteren Angriffen. Einige Arbeiter aus der Gasanstalt und den in der Nähe liegenden Holzplätzen vcrhindetten jedoch weitere Gewaltthätigkeiten dadurch, daß sie dm Angegriffenm zu Hilfe eilten und die beiden Änrempler dingfest machten. Wollmann, welcher dem p. Pfuhl und dem Just nicht unerhebliche Verletzungen beigebracht, sowie den Hut eines seiner Gegner zerknittert hatte, ward daraufhin vom oben- genannten Schöffengericht mit Rücksicht auf die bei der That bewiesene Rohheit wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung, sowie groben Unfugs zu insgesammt 1 Jahr Gefängniß ver- uttheilt, sein Kumpan Götze wegen groben Unfugs zu der höchsten gesetzlich zulässigm Sttafc und zwar zu 6 Wochen Haft vcrutthcilt, da ihm ein anderweitiges Delikt nicht nachge- wiesen werden konnte.— Beide legten gegen dieses Uttheil Berufung ein; dasselbe bezeichnete in: gestrigen Audienztermin vor der Strafkammer des Landgerichts I der Ver- theidiger der Angeklagten als ein exorbitant strenges, wenn man die bisherige Unbescholtenbeit der Angeklagten in Bestacht zöge.— Die Sstafkammer erachtete jedoch im Einverständniß mit der Staatsanwaltschaft das angewendete Strafmaß für völlig ge- rechtfertigt und die Bemfung wird demgemäß verworfen unter Bestätigung des schöffengerichtlichen Uttheils. t Ein Bild der traurigsten ehelichen Verhältnisse ent» rollte eine Veryandlung. die gestem vor der fünften Straf- kammer des hiesigen Landgenchts I stattfand. Das hiesige Schöffengericht hatte im April d. I. zwei Brüder, den Kauf- mann Theodor L. und den Kunstschlosser August L. wegen ge- meinschaftlicher Mißhandlung ihres Schwagers, des Tischlers Julius V., zu je drei Monaten Gefängniß venittheilt und gegen ihre Schwester, Frau Mathilde V-, wegen Anstiftung und Bei- Hilfe auf eine Gefängnißsstafe von zwei Monaten erkannt. Die beiden Brüder beruhigten sich bei dem Uttheil und traten ihre Sstafe an, die Schwester aber legte Berufung ein. Sie lebt mit ihrem Manne, dem Tischler V., seit Jahren in Unfrieden, der sich so steigette, daß eine Ehescheidungsklage eingeleitet wurde. Beiden Patteien fehlte es aber an Geld, um die Kosten des Rechtsverfahrens zu bestreiten und so sahen sie flch genöthigt, die Klage einzustellen. Die Hauptschuld an diesem ehelichen Unfrieden soll nach der Angabe der Verklagten die Mutter ihres Mannes tragen, die ihn beständig gegen fle aufhetzte, so daß sie sich seinen Mißhandlungen nur durch die Flucht entziehen könne. So hatte sie sich auch im Januar d. I. wieder von ihrem Manne entfernt und Zuflucht in der Woh- nung ihrer Brüder gefunden. Dott mag sie wohl bittere Klage über ihr trauriges Geschick gefühtt haben und dort mag wohl auch der Racheplan ersonnen worden sein, der bald darauf aus- gefühtt wurde. Merkwürdiger Weise richtete er sich aber nicht gegen die Schwiegermutter, welche doch die eigentliche Ursache des häuslichen Zwietrachts gewesen sein sollte, sondem gegen den Mann. Es war am 23. Januar ds. Js. Herr V. verließ die Kneipe, wo er sich am Abend aufzuhalten pflegte. Auf der Straße wurde er plötzlich von seiner Frau an- geredet.„Willst Du Deine Mutter aus dem Haufe fottbringen?" fragte sie in drohendem Tone. Als der Mann auf dieses Verlangen nicht eingehen wollte, schlug die ssteitbare Frau mit ihrem Schirme auf ihn ein. Herr V. wehrte sich und schließlich machte seine Frau Kehtt. Während sie fottlief, rief sie:„Hier ist er; hier ist er!" Auf dieses Signal lösten sich aus dem Häuserschatten zwei Ge- stalten los, kamen über den Sstaßendamm gerannt und fielen über V. her. Es waren seine beiden Schwäger. V- vettheidigte sich so gut er konnte; aber er wurde zu Boden geworfen und dott so lange von den beiden Wüthendcn bearbeitet, bis Sstaßcnpassanten einschritten und die beiden Brüder zum Polizciwachtlokal, den Tischler, der aus mehreren Wunden blutete, zur Sanitätswache bringen ließen. Die Frau hatte sich während der Szene entfernt. V. war mehrere Wochen lang arbeitsunfähig, da bei dem Kampfe auch das Messer eine Rolle gespielt hatte, zum Glück heilten die Verletzungen aber so gut, daß er dauernde Nachtheile an seiner Gesundheit nicht zu befürchten hat. In der Verhandlung bestritt die Frau, cme bestimmte Verabredung mit ihren Brüdem gekosten zu haben. Sie sei nur von ihnen begleitet worden, weil sie sich mit ihrem Manne auseinandersetzen wolle. In seine Wohnung habe sie sich nicht begeben können, weil ihre Schwiegermutter ihr die Thören zusperre. Der Tischler V. verzichtete darauf, gegen seine Frau Zeugniß abzulegen. Andere unbetheiligte Zeugen dagegen, welche die Szene beobachtet hatten, entwarfen von der Situation ein Bild, aus dem für den Gerichtshof die Planmäßigkeit des Ueberfalls hervorzugehen schien. Konnte demnach von einer Freisprechung der Angeklagten keine Rede sein, so zog der Ge- richtshof doch das gespannte Vcrhältniß, in dem die Frau mit ihrem Manne lebte, in Rechnung und setzte die Strafe auf einen Monat Gefängniß herab. Der Staatsanwalt hatte die Verwettung der Revision beantragt. Vereine und Versammlungen. Der Verein zur Wahrung der materiellen Interessen der Fabrik- und Handarbeiter hielt am Dienstag, den 16. d. M, Abends 8 11 hr, Andrcassst. 23, bei Wahlitz, unter Vorsitz des Herrn Beyer eine Versammlung ab. Den Kassen- bericht für Ottober nahm die Vettammlung ohne Debatte ent- gegen. Hierauf hielt Herr Dr. Benkendorff einen Vortrag über Feuerbestattung. In längerer, ausführlicher Rede erklätte der- selbe die Vorzüge der Feuerbestattung gegenüber der Att und Weise, wie heute die Leichen bestattet werden und kam zu dem Schlüsse, daß es in jeder Hinficht wünschenswetth wäre, wenn bei uns die Feuerbestattung obligatorisch cingefühtt würde. Nachdem sich noch einige Redner im Sinne des Referenten ausgesprochen hatten, wurde folgende Resolution mit allen gegen eine Stimme angenommen:„Die heute, Dienstag, den 16. November 1886, tagende Mitglieder-Versammlung des Vereins zur Wahrung der materiellen Interessen der Fabrik- und Handarbeiter erklärt sich mit den Ausführungen des Herrn Referenten voll und ganz einverstan- den und wünscht, der Verein für Feuerbestattung möge dahin wirken, daß hier m Berlin auch Oefcn zur Leichenverbrennung. sowie eine Halle zur Aufbewahrung der Aschcnreftc eingerichtet wurde, weil erstens dadurch viele Seuchen verhindert werden könnten, und zweitens diese Bcstattungsatt sich billiger stellen würde als die gegenwättig gebräuchliche." Hierauf wurden noch vettchndene mnere Vereinsangelegenheitm erledigt und be- kannt gemacht, daß am 26. November, Naunnnftr. 27, in Renz �amilienkränzchen stattfindet. Billets für Herren � 50 Pf. und für Damen& 25 Pf. sind bei folgenden Herren zu haben: Paulikat, Oraniensst. 24; Beyer, Kleine Andreas- slraße 11; Rosenow, Zeughofsst. 4; Degener, Pücklersstaße 9 uirti im Arbeitsnachweise-Bureau des Vereins Wrangelstr. 136 bei D. Reinmann. Die nächste Versammluna findet am Diens- tag, den 14. Dezember, im obengenannten Lokale statt. Kranken- und Begräbnihkasse der Bau- und Fabrrk- ardeiter. Sonnabend, den 20. November, Abends 8 Uhr, m Fiebig's Salon, Gr. Frankfurterstr. 27 28; Familienkränzchen. — Der Kassentag am 21. November fällt aus. Fachverein der Steindrucker und Lithographen. 1. Stiftungsfest(großer humoristischer Herren- Abend) Sonn- abend, den 20. November, in Mundt's Salon, Köpnickerstr. 100. Billets find zu haben bei den Herren: Kaiser, Michaelkirch- Platz 8: Hendrichs, Langestraße 86; Lehmann, Ackerstraße 160; Spielmnnn, Naunynstr. 36; Preuß, Böckhstr. 59; Schulz, Schöneberg, Golzstr. 1: Kerlin, Bemauerstr. 39. Die Kranken- und Begräbnihkasse des Vereins summt- licher Berufsklassen, eingeschriebene Hilfskaffe Nr. 2, hält Sonntag, den 21. d. M., Vormittags 10 Uhr, in den„Armm- hallen", Kommandantcnstraße 20, eine außerordentliche Versammlung ab. Da die Tagesordnung sehr wichtig ist, werden die Mitglieder der Berliner Pereine ersucht, recht zahlreich zu er- scheinen. Das Quittungsbuch legitimirt. Der Berein zur Wahrung der materiellen Interessen der Fabrik- und Handarbeiter arrangirt am Sonnabend, den 27. November er., in Renz' Ballsalon, Naunynstraße 27, ein Familien kränzchcn, verbunden mit komischen Vorträgen. Billets für Herren 50 Pf., Damen 25 Pf. find zu haben bei Paulikat, Oranienstr. 24; Deaner, Pücklerstraße 9; Reinmann, Wrangel- straße 136; Beyer, Kl. Andreasstr. 11; Rosenow, Zeughof 4. Allgemeine Kranken- und Sterbckasse der Metall- arbeiter(E. H. 29 Hamburg) Filiale Berlin C. Sonntag, den 21. d. M., Vorm- 10& Uhr, Gartenstr. 123 bei Krüger, Versammlung. Tagesordnung: Kassenbericht. Verschiedenes. Ortskrankenkasse der Gürtler. Sonntag, den 21. Nov., Vormittags lOi Uhr, Generalversammlung der Mitglieder bei Baumbach, Prinzenstraße 94. T.-O.: Wahl von 8 Vorstandsmitgliedern. Wahl der Rechnungs- Kommission zur Prüfung der Rechnungen für das Jahr 1886. Innere Angelegenheit. Nur großjährigen Mitgliedem wird gegen Vorzeigung des Quittungsbuches der EinKitt gestattet. Mariendorf-Tempelhof. Zentral-Kranken- und Sterbe- Kasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter(E. H. 3. Hamburgs Ortsverwaltung Manendorf- Tempelhof, Sonntag den 21. November, Nachmittags 4 Uhr, im Knorre'schen Nestau- rant: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Gesang-, Turn- und gesellige Bereine am Freitag. Gesangverein„Nord-Jubal" Abds. 9 Uhr Veteranenstr. 19.— Turnverein„.Hasenhaide"(Männerabtheilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachsttaße 60/61.— Zitherklub„Alpenveilchen" Abends 87» Uhr im„Anhaltiner", Tempelhofer Ufer, Ecke der Möckern- straße.— Rauchklub„Westend" Abends 9 Uhr im Hohem zollcmgartcn, Steglitzcrstr. 27. Letzte Nachrichten. Anarchistisches aus Amerika. Wie aus New-Nork tele- graphirt wird, sind in den dortigen Arbeitervereinen Petitionen in Umlauf zu Gunsten der Einleitung eines neuen Prozesses der in Chikago verurtheilten Anarchisten. Die Petitionen finden zahlreiche Unterschriften. Die französischen Kolonien scheinen ebenso ungesund zu sein, wie die deutschen. Der Pariser„Figaro" erzählt, Rouvier habe die Stelle des Generalresidenten in Tongking abgelehnt, nachdem sich mehrere Versicherungsanstalten geweigert hätten, sein Leben zu versichern. Die holländischen Sozialisten Fottuyn und Vanderstadt wurden zu je 6 Monaten Einzelhaft verurtheilt, weil dieselben „aufrührerische" Schriften verfaßt nnd bei den Arbeiterunruhen im Juli vettheilt hatten. Kriefkasten der Redaktio«. Bei Anfragen bitten wir die Abonnements-Quittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. C. W., Brunnenstrasic. Der Veruttheilte hat auch die Kosten für den Rechtsanwalt seines Prozeßgegners zu zahlen. R. P., 10. Im 16. Kommunal-Wahlbezirk(in. Abth.) kandiditte seitens der Arbeiterpartei bei der Stadtverordneten- Wahl im Oktober 1883 der Gürtlermcister Max Kreutz. Abonnent 100. Wenn der Sohn des betteffenden Dienstherrn auf Ihren Wunsch dein Mädchen noch ein spezielles Ver- zcichniß der von ihm verwalteten Staatspapiere geben will, so ist dies gewiß ganz wünschenswetth. Da Sie aber selbst an dessen Ehrenhaftigkeit nicht zweifeln, so erscheint die Ausstellung einer solchen Bescheinigung nickt direkt erforderlich. Wir würden Ihnen daher rathen, eine solche von ihm höchstens gütlich zu erbitten, aber nicht energisch darauf zu bestehen. Zweijähriger Abonnent. 1 und 2. Das können Sie aus dem Adreßbuch ersehen. 3. Unter„Fiskus" versteht man den Staat oder das Reich, soweit dieselben in Vermögensrecht- licher Beziehung in Bestacht kommen. 4. In Zuchthäusern ist die Prügelstrafe wegen grober Verstöße gegen die Disziplin gesetzlich erlaubt. 5. Ein Vater kann seine ehelichen Kinder nur enterben, wenn gewisse, gesetzlich fixitte Enterbungsgründe vorliegen. Cassel. Die Gesellschaft können wir Ihnen nicht em- pfchlen; es ist bei derselben Usus, Checks auszugeben, welche in einem halben Jahre erst zahlbar sind. P. W. Der Administrator brauchte und durfte Ihnen keine Entschädigung zahlen. Für Ihren Schaden ist vielmehr nur der Hausergenthümer haftbar, sofern derselbe die Baufällig- keit des Hauses kannte oder kennen mußte. Doch verhehlen wir Ihnen nicht, daß die Sache juristisch zweifelhaft ist. A. H., Ackerstraße. Es existiren keine gesetzlichen Vor- schriften darüber, wer Scharfrichter resp. Scharfrichtergehufe werden kann. Gewöhnlich werden dieselben aus der Zahl der Abdecker genommen. Auch diese brauchen einen Kursus in der Thierarzneikunde nicht durchgemacht zu haben. C. Sie können höchstens den Tischler, der dcS Nachts über Ihrer Wohnung arbeitet, wegen ruhestörenden Lärmens denunziren, wenn Sie oder Ihre Familie dadurch im Schlafen gestört wird. W. B., Rüdersdorferstr. 21. Alle für den Druck be- stimmten Einsendungen dürfen nur auf einer Seite des. Papiers beschrieben werden. Die Rückseite muß frei bleiben. I. W., Pallisadenstraße. Wenn Sie Jemandem die ohne Preisvercinbarung bestellten Waaren mit einer Rechnung zusenden, dieser aber die Rechnung zurückweist, so sind Sie an die in derselben verlangten Preise nicht gebunden, sondern können nachträglich höhere Preise verlangen, wenn dieselben nur angemessen sind. W. O. Gstr. Wenn ein Stiefvater selbst erspartes Geld auf den Namen des Stiefsohnes bei der Sparkasse einlegt, so ist das eine Schenkung, und deren Widerruf ist zulässig, falls nicht mehr als sechs Monate seit der Uebergabe des Spar- kassenbuches an den Stiefsohn oder dessen Versteter(Vormund) verflossen sind. H. B., Mariannenplatz. Das ist uns nicht bekannt. M. A. IG. Sie können die Sachen, soweit dieselben zur Deckung Ihrer Forderung erforderlich sind zurückbehalten, daS behauptete Vorrecht eristirt nicht. Der besteffcndc Herr war zu der von ihm beliebten Handlungsweise in keiner Weise- berechtigt. Wasserstand der Spree in der Woche vom 6. November bis 13. November 1886.(Angabe in Metern. Theater. Freitag, den 19. November. Opernhaus. Alcssandro Stradella. Zum Schluß: Deutsche Märsche. Schauspielhaus. Die Frau ohne Geist. Deutsches Theater. Das Käthchen von Herl- bronn.„ Kriedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Die Sternschnuppe. Vtktoria-Theater. Amor. Ostend-Theater. Das neue Gebot. Aefidenz-Theatcr. Georgette. Schauspiel in 4 Akten von V. Sardou. Sentral-Theater. Der Waldteufel. tellealliance-Theater. Die Fledermaus. Walhalla-Theater. Gräfin Dubarry. Königstädtisches Theater. Von Schrot und Korn._ Kaufmann's Varietee. Spezialitäten- Vor- stellung. �, Amerikan-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Reichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- Loneordia- Theater. Spezialitäten- Vor« stellung. Berliner Stadt-Theater. (Früher Alhambra-Theater.) Wallnertheatersst. 15. Freitag und Sonnabend: Ertra-Uorstellung. Gastspiel des Fräulein Ida Müller, des Herrn Franz TfagRU, vom Stadttheatcr in Reichenberg, und des Herrn M. Samst. Philippine Welser. Vor der Vorstellung: Großes Concert, ausgeführt von der Hauskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Hrn. Theodor Franke. Anfang des Concetts: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochentags 77, Uhr, Sonntags 7l/, Uhr. Das Theater ist mit elektrischer Beleuchtung versehen. Kden-Tlieatera (Früher Louisenst. Theater.) Drcsdenersst. 72 73. Das grossartigfle Programm der pestdeu». The Royal Uokohama Troupe(6 Personen), japanische Produktionen. Family Eibin, best- «nommirte Akrobaten und Gymnastiker. Mr. Uizarra», der Gentleman in der Luft. »«.: GemckrmgKompf n-«: zwischen Mr. peHon und Mr. pablo. Paula«. Fudmig T-Uheim. Eugen Zocher. Mr. Zinnte. Konzertsänger. Siegel» Kauet- grs-Uschaft. 12 Damen, 2 Herren. Kimko oder Matrofenstreiche, große Pantomime, ausgeführt von der Malton Troupe, 2 Damen, 3 Herren. Kassenöffnung 67, Uhr. Anfang 7'/, Uhr. ge 1 Tr. 9 M.- 10 A. ler-Panorama. � In dieser Woche: Neu! Zum erste» Male: Dritte Reise durch die Pyrenäen. Eine interessante Wanderung durch Rom. Hertha-Reise.— Carolinen-Inseln. Eine Reise 20 Pfennig. Kinder nur 10 Pf. Soeben erschien 3 der Intercatümalen Bibliothek. Die Darwin'sclie Theorie,(siu Abstammung»-« Menr«««) preis pro Arft 50 Pf. Zu bezichen durch die Grpedttio« des„Kerl. Uolksdlatt�, Zimmerstraße 44. BMT Wirderverk äufern Rabatt."WM Zu haben in der Erpeditio« d.#1., Iimmerstraße 44. Soeben erschien im Verlage von Wörlein & Co. der Leaislke ssmlumlm-»nd Ardeitr» Wz-Kilriidn für 1887 (TX. Jahrgang). Dieser Notizkalender, seit Jahren in den deutschen Arbeiter- und Handwerkerkreisen rühmlichst bekannt, ist nicht dlos Kalender, sondern zugleich Notizbuch und Gesetz- sammlung. Auch in diesem Jahre ist sowohl auf den Inhalt als die Ausstattung besondere Sorgfalt verwendet und ist namentlich be- züglich des Einbandes Vorzügliches ge- leistet und bestes Material dazu verwendet. Neben der gewöhnlichen Ausgabe ist auch wieder eine stärkere veranstaltet, welche mehr Schreibpapier enthält und stäftigen Leinwandeinband mit Deckel nach Brief- taschenatt und Gummiband hat. Auch bei der gewöhnlichen Sorte find diesmal die Ecken abgerundet. Inhalt des Kalenders: Kalendarium mit neu revidittem Ge- schichtskalender; postalische Bestimmungen; Tclegrammtarif; das ganze Unfallversicke- rungsgesetz mit Anhang vom 28. Mai 1385; Gesetz über die eingeschriebenen Hilfskassen mit der Novelle vom 1. Juni 1884; das Reichstags- Wahlgesetz mit Reglement; Auszug aus dem Reichs- Patentgesetz; Gewindeschneidetabelle für Metallarbeiter; Schreibpapier mit Datumsangabe für Tagesnotizen, leeres Schreibpapier, Brief- täschchen. Der ganze Kalender ist vierzehn Bogen stark. Preis der einfachen Ausgabe 50 „„ stärkeren„ 70 Miedervorkanfer erhalten lohnenden Rabatt. Gauverein der Maler Berlins. Grosse aussrrordentl. versammlnng am Sonnabend, den 20. d. M-, Abends 8 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandanten- sstaße 77—79. Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Abrechnung vom Kränzchen. 2. Die neuen Statuten und der Kongreß zu Hannover. 3. Bericht der Fachschulkommission. 4. Bericht des Vergnügungskomitees. 5. Ver- schiedenes und Fragekasten. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist zahl- reicher Besuch dringend geboten.[1095 Der vorstand. I- A.: Fr. Baars, 1. Vorsitzender, Lausitzersk. 44. Das geplante Kränzchen am 20. d. M. findet wegen der Todtenfeier nicht statt. D. O. Vi. Mitglieder-Versammlung der Central-Kranken-«. Sterbekasse der Töpfer«. v. K.(E. H.) am Kountag, den 21. d. M., Vorm. 10 Uhr, in Eratweil» KierhUlen, Kommandanten- sstaße 77—79(oberer Saal). T.-O.: 1. Vortrag des Dr. C. Sturm über . Lungenleiden. 2. Bestand der Kasse am Schluß ! des 3. Qu. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch der Mitglieder bittet[1094 -Die örtliche permaltung. I. A.: C a r l T h i e m e, Bernauersstaße 30. r Kitte|« beachten l po« heute ab: Gderbr. Fettgänse, nur fette, frische Maare, a 56, 58, 60 u. 65 Pf., frisches Gänsefleisch 60 u. 65 Pf., Gänsebrüste 1,60, Keulen 90 bis 125 Pf., eigenes Gänsepökelfleisch sehr billig, frisches Wild pfundweise, Hasen, auch gespickt, sowie täglich frisches Geflügel empfiehlt 1083s B. Sasse, Michaelkirchstr. 5. Central Kranken u der Tischler Sterbekasse u s. w. (Gertliche Verwaltung Kerlin EZ Den Mitgliedern zur Kenntniß, daß am Sonn- abend, den 20. d. M., Eartenstrassr 160 bei Finde die 5. Zahlstelle errichtet wird.[1099 Empfehle meine[890 ®Us=, porzkUinu nnd Sarficeflft« Solide Preise. Große Auswahl- A.«•*•»«. Fanstber plab 1_ Reparatnr-Werkstatt für f 5 Marmor-Arbeiten aller Art, t: Waschtische. Trvmeaux, Ladentische rt. s von ä Philipp Mettel, § W., Kirchbachstraße 18, Hof pari. f Cigarren Import von t\n be O*«00*' •*TO A. Ziemer Relchruderger-Ktrasse 157- Unserm Freund und Kollegen Wiemer zum heutigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch. 1098j B. 8. H- General-Nerfammlung der Mitglieder des Vereins z. Wahr, der Interessen der Klavierarbeiter am Sonnabend, den 30 Aovember, in Gratweil'« Kirrhallen, Kommandanten« sstaße 77—79(unterer Saal). Tagesordnung: 1. Wahl des gesammten Vorstandes. 2. Vereinsangelegenhciten. In dieser Versammluna muß das Mitglieds« buch vorgezemi werden. Kollegen, welche gewillt sind, dem Verein beizutreten, werden auch in dieser Versammlung aufgenommen.[1096 Der Vorstand. Soeben ist erschienen: II IIcueWklt Kaleudtt. � für 1887. Aus dem reichen Inhalt heben wir hervor: Reichshauöhalts-Elat des Dem- schen Reichs.— Zerbrochene Ketten. Erzählung von Rod. Schweichel.— Bartige Franen»n> Haarmenschen.—«'* Prolelarierkiad. Erzählung v.E.L a n g e r. — Der Kampf zwischen Fener n. Wasser in der Well. Bon P. Osw. Köhler.-- Wie«an eine Million verdient.—«Jie- »ende Blätter(humoristisch). AI« Gratis- Keilagen: 1. Lncia. 3. Mutter, läck. 2. Blanche. 4. Di« beide» Alle". Ei» Wandkalender. preis 50 pf.==- Ortskrankkukasst der Cigamllmlher. General-Versammlung Mittwoch, den 24. November, Abends 8 Uhr, Gipssstaße 11. T.-O.: Rechenschaftsbericht, Wahl von acht Vorstandsmitgliedern, Wahl der Kommission zur Prüfung der Jahresrechnung, Anstäge.[1100 Der Vorstand. Heute: Großes Wurste Ifen. Frische Wurst außer dem Hause.[1101 Hax Kreutz, Kottbuferplatz(Alte Linde). verantwortlich für dm polittschen Thell und Soziales Max Schippet, für Vereine und Versammlungen F. Tutzauer, für dm übrigen Theil der Zestung R. Cronheim. sämmtlick i Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beuthstraße 2. Zu beziehen durch die Expedition dies- Arbeitsmarkt. Tüchtige Ciseleure finden dauernde Beschäftigung in B-rlin- Werck,