Ur. 275. Mittwoch, de» 24. Uovember 1886. 3. Jahrs. tMMlkjidla» Drgan für die Interesftil der Arbeiter. 4 Ein Mnsterinstitnt. Von einem solchen lesen wir in der konservativen "Hallischen Zeitung" in einem Bericht aus Freyburg in Thüringen. Dieses„Musterinstitut" ist nach dem ge- nannten Blatte die Sektkellerei von Kloß und Förster, die chren Arbeitern ein wahres Herrenleben bereitet und zugleich kin Universalmittel gegen Auswüchse der Sozialdemokratie darbietet. Von den 60 Arbeitern dieser Sektkellerei hört man seit den 30 Jahren des Bestehens nur Gutes, so ent- nehmen wir aus dem Bericht; Schuldenmacher giebt *8 keine, nur Sparer und dafür sorgt die Firma in folgen- der Weise: Jeder ihrer Arbeiter bekommt zum 1. Weihnachtsfeier- -NQ eine Gratifikation, und zwar erhält für jeden Arbeitstag nn Jahre: 10 Pf. die 5., 20 Pf. die 4., 30 Pf.; die 3., �0 Pf. die 2., 50 Pf. die 1 Klasse. Letztere besteht aus den geschicktesten Arbeitern. Zu diesen Gratifikationen treten noch Einnahmen von Lieferanten und Besuchern der Kelle- ttien, die sämmtlich in die Krankenkasse fließen und die am Jahresschluß ebenfalls mit vertheilt werden, so daß bei- spielsweise die 1. Klasse fast regelmäßig 200 M. oder darüber erhält. Von ihrem Tagelohn brauchen die Arbeiter nichts für Bier und Branntwein auszugeben, denn jeder er- wachsene Arbeiter bekommt zum Frühstück und Vesperbrot je t Flasche Wein, die jüngeren Arbeiter\ Flasche. Sobald Inh Gelegenheit bietet, werden die Sparsummen zum Ankauf °°n Haus-, Feld- und Weinbergsgrundstücken angelegt, Andes Kapital giebt die Fabriksparkasse. Die erste Ar- Atlasse erhält noch für jeden Arbeitstag 10 Pf. Alters- j�JssKung, die nicht ausgezahlt, sondern im laufenden aber k �"nt 5 pCt. verzinst, bei etwaigem Ausscheiden sg" oar ausgezahlt werden. In Krankhcits- und Todes- ftiJ? ftägt die Kur-, Arznei- und Begräbnißkosten die So wie Leid, wird auch Freude getheilt: die all- { Wichen Winzerfeste werden durch gemeinsames Mahl, Ge- & Gesellschaftsspiele und Tanz gefeiert. ttiPi'st ja ein wahres Schlaraffenleben, sollte man auk� und die betreffende Finna muß das Geld dJ �n Straßen finden, sonst könnte sie alles ,. ihren Arbeitern nicht bieten. Allerdings J/Ien die deutschen Sektkellereien hohe, sehr hohe f ozente, da der dort aus bessern Weinsorten fabri- Nur,,"Champagner" mit hohen Preisen vom bethörten tbn, bezahlt wird. Aber dennoch wären alle die Wohl- Iicb Ä �che die Firma ihren Arbeitern erzeigt, kaum mög- >chon der Konkurrenz wegen, wenn nicht irgend noch ere Momente hinzukämen, welche erlaubten, daß die oLmaf'bren Arbeitern mit vollen Händen spenden könnte, Jr �lbst Schaden zu erleiden. l�dtua verboten.� IseuMeton. [34 Im Hause des Verderbens. Kriminalroman. Von Reinhold Ortmann. Om-a'pch denke, die Heiterkeit wird Ihnen noch früh genug Ergehen; hören Sie kurz, was uns diese Brieftasche von k»,r Vorgängen auf diesem Schlosse erzählt. Nach diesem >nit k. schändlichen Revers haben Sie in Gemeinschaft Hb-- jungen Baron von Brandenstein an dessen altem einen feigen niederträchtigen Mord verübt, um zu _' daß das Gut und das Vermögen in andere dem � �men, als in die des leichtsinnigen Verschwenders, jje der Onkel wahrscheinlich mit Recht entziehen wollte. fand Pulver, das sich ebenfalls in der Brieftasche suck? Unk bus morgen von unserem Sachverständigen unter- w Jverden wird/scheint uns auch über die Art, in der lass-» brechen ausgeführt worden ist, nicht in Zweifel 1"Zu wollen. Haben Sie darauf etwas zu sagen?" a„s �uch jetzt wartete der Untersuchungsrichter vergebens spfLu"" Erwiderung— er hätte denn das abermalige Müg» Aufwerfen der Oberlippe für eine solche nehmen seikg Sein Wohlwollen für Ramfeld erfuhr dadurch Iwerständlich durchaus keine Steigerung. Und"zhf Schweigen ist gleichbedeutend mit einem Geständniß sich m ff T ba8 jedenfalls noch vernünftiger, als wenn Sie wir m ein Leugnen verlegen wollten. Kommen l°se&L�.3hrem zweiten Verbrechen, das Ihre beispiel- Aleil c>?"ublrchkeit womöglich in ein noch helleres Licht setzt. �%sijnen der Bundesgenosse, der um Ihre letzte und siiig ch auch um Ihre früheren Unthaten wußte, an- % f.lsiS zu werden, weil Sie einen Verrath von seiner '"olch- Mieten und vielleicht auch, weil Ihnen die Beute, -»hin in Ihre Hände gekommen war, noch nicht m ittei'"t'n, Sie ohne Zaudern zu dem elendesten aller iute N/iner neuen Unthat; und zwar mit so kaltem ' ap Ahnen Ruhe und Berechnung genug blieb, auf Die Firma hat in den 30 Jahren ihres Bestehens näm- lich viel Geld und Gut erworben trotz der Geschenke, die sie ihren Arbeitern zukommen läßt. Wir haben nun den längeren Bericht weiter durchge- lesen und fanden etwas, was nicht in demselben enthalten ist und doch, wenn man den eben angeführten Thatsachen Gerechtigkeit widerfahren lassen will, in dem Berichte ent- halten sein mußte— es fehlt nämlich jede Angabe über die Löhne, welche die fünf Klassen der in der Champagner- fabrck beschäftigten Arbeiter erhalten. Man könnte nun sofort auf Grund dieser Beobachtung schlankweg erklären, daß die Firma ihren Arbeitern die Ge- schenke, welche sie denselben macht, am Lohne abzieht. Das heißt: der Lohn, den diese Firma zahlt, ist um so viel geriger, als die oben aufgezählten„Wohlthaten" für die Arbeiter ausmachen, den Löhnen gegenüber, welche die konkurrirenden Firmen ihren Arbeitern leisten. Dadurch wäre das„Musterinstitut" sofort schon auf seinen wahren Werth zurückgeführt. Doch wir wollen uns die Sache so leicht nicht machen; wir wollen annehmen, die Löhne sind dort ortsüblich und auch dem Arbeitszweige angemessen. Dann hätten wir es doch sicherlich mit einer braven Firma zu thun, welche den Arbeitern alles, was in ihrer Kraft steht, an Wohlwollen leistet. Doch dem ist in der That nicht so. Das ganze Räthsel wird bei aufmerksamem Lesen durch den Bericht selbst gelöst. Der Verfasser desselben rempelt nämlich in demselben an verschiedenen Stellen die Sozialdemokraten und die Forderungen derselben in heftigster Weise an und ver- urtheilt in erster Linie einen Normalarbeitstag; ihm schwebt ein solcher von 9 Stunden vor. Wie er gerade zu dieser Zeitdauer kommt, das ist uns unverständlich; dieselbe wird zur Zeit von keiner Partei in Deutschland verlangt. Doch der Korrespondent bleibt dabei und erklärt, daß die Arbeiter von solcher unvernünftigen Forderung ablassen mußten, welche die Jndustiellen unter keiner Bedingung ge- währen könnten, da sie zum Bewältigen der Geschäfte vielfach die Zeit von 1'/,— 2 solcher Normalarbeitstage ge- brauchten. Dann heißt es übrigens auch noch am Schlüsse der Korrespondenz, daß die Arbeiter neben dem Verlangen nach verkürzter Arbeitszeit auch immer noch Klagen über nie- drige Löhne führten und eine Steigerung derselben er- strebten. So! Neben geringen Löhnen müssen die Arbeiter in dem„Musterinstitut" zu Freyburg ein Arbeitspensum von täglich 14'/:— 18 Stunden leisten. Und aus den dadurch Unschuldige den entsetzlichen Verdacht fallen zu lassen. Viel- leicht hing es nur von einigen Zufälligkeiten ab, daß die Unschuld der beiden ehrenhaften Männer, die an Ihrer Stelle in Haft genommen wurden, an den Tag kam, ehe der Verdacht, der sich an ihren Namen knüpfte, öffentlich bekannt wurde. Ich glaube nicht, daß jemals die Schurkerei eines Verbrechers so weit getrieben worden ist, wie die Ihrige, denn diese Abwälzung des Verdachts auf Andere ist mit einer wahrhaft satanischen Berechnung durchgeführt. Der gefälschte Brief, welchen Sie an den Inspektor Holm- feld schrieben, scheint Ihnen sehr viel Mühe gemacht zu haben; denn hier in der Brieftasche findet sich eine ganze Reihe von Studien und Uebungen dazu. Die Geschicklichkeit, mit der Sie schließlich die Handschrift des Fräulein Werner nachgeahmt haben, läßt wohl darauf schließen, daß Sie von diesem schönen Talent schon öfter und wahrscheinlich nicht zum Segen Ihrer Mitmenschen Gebrauch machten. Nun,. wenn Sie bei der eben begonnenen Praxis des Stillschwei- gens verharren, so wird Ihre Untersuchungshaft lange ge- nug sein, um uns Zeit zu Informationen auch über diesen Punkt zu lassen. Für zetzt haben Ihnen hoffentlich meine Andeutungen gezeigt, daß Sie von einem Versuche, zu leugnen, angesichts dieser erdrückenden Last von Beweisen nichts mehr zu hoffen hätten, und daß es darum ohne allen Zweifel das Beste für Sie ist, sich Ihr Schicksal durch ein offenes Geständniß soweit zu erleichtern, als es über- Haupt noch möglich ist. Haben Sie mir noch irgend etivas zu sagen," "Nein!"_., „So mag Sie der Gendarm abführen!— Noch einmal rathe ich Ihnen, machen Sie sich reumüthig gesaßt auf das, was Ihnen bevorsteht, und denken Sie nicht etwa an eine Flucht oder Selbstmord. Thür und Fenster Ihres Zimmers werden sorgfältig bewacht und die Fesseln werden Ihnen vorläufig nicht abgenommen! Wir wissen ja jetzt gut genug, mit welchem gefährlichen Menschen wir es zu thun haben." Er winkte dem Gendarmen, und dieser führte den Verhasteten hinauf in eine der Bedientenkammern, welche geschaffenen Ueberschüssen erhalten die Arbeiter die„großew Wohlthaten", welche ihnen die Firma bietet. Das ist also des Pudels Kern.— Die rapide Ab- nähme an Arbeitskraft, welche die lange Arbeitszeit hervor- ruft, ist also die Gegenleistung des Arbeiters für die außer- gewöhnliche Leistung der Firma dem Arbeiter gegenüber! Daß dabei die leutselige Firma noch gute Geschäfte macht, ist selbstverständlich. Daß sich die Firm» auch einen Stamm guter, willenloser Arbeiter heraiizieht, indem sie dieselben seßhaft macht, ist auch nur ein Profit für das Geschäft, daß aber die Arbeiter unter der allzulangen Arbeitszeit, welche die Firma nach Belieben ihrem völlig abhängigen Personal festsetzen kann, körperlich und geistig leiden, liegt gleichfalls auf der Hand. Nur werden sie nach und nach durch die leidige Gewohnheit so abgestumpft, daß sie Druck und Abhängigkeit für Wohlthaten ansehen.-- Die Inhaber der genannten Firma werden von ihrem schmeichlerischen Korrespondenten— wenn derselbe nicht gar einer der Mitinhaber des Geschäfts selbst ist— als wahre Patriarchen gefeiert, und die Champagnerfabrik wird, wie gesagt, als ein„Musterinstitut" für die Arbeiter aus- posaunt, und doch gewinnt man bei ruhiger Ueberlegung die Ueberzeugung, daß sich dies Geschäft als ein„Muster- Institut" für die sogenannten„Arbeitgeber" entpuppt.— Denkende Arbeiter aber werden immer solche Korre- spondenzen und Artikel, die über derartige„Wohlthaten", welche den Arbeitern von den Unternehmern gespendet wer- den, in Lobeshymnen ausbrechen, mit Mißtrauen betrachten, denn meist sind sie geschrieben, um ihnen zu streuen „Sand in die Auge n". &r ö�erreic&ifcficn Urlleilerllcipegung schreibt man uns: m. Anstatt der versprochenen Preßfrciheit und Aufhebung der drückendsten Bestimmungen über das Vereins- und Versamm- lunasrecht wurde im Februar 1881 Leo Walentenka zu vier Jahren Gefängniß wegen„Hockverraths" verurtheilt. Verhaf- tungen, Hausdurchsuchungen, Verurtheilunaen, Vereins- und Versammlungsauflösungen stehen seit jener Zeit ununterbrochen in ganz Oesterreich auf der Tagesordnung. Im Jahre 1883 wurde Richter, blos weil er in einer Druckerei Flugblätter be- stellt hatte, zu zwölf Jahren Gefängniß verurtheilt; er hatte zwei Monate vor seiner Verhaftung gcheirathet, er ist auf zwölf Jahre seiner Gattin und seinem Kinde entrissen. Jni Jahre 1883 wurde in Prag Fischer zu zehn Jahren Zuchthaus ver- urtheilt, weil er von Ungarn und Serbien aus an einen che- maligen Schulkameraden einige Nummern der„Freiheit" gesandt, die der Brave jedesmal sofort der Polizei ablieferte, während er den Fischer aufmunterte� ihm recht viele solcher Schriften weiter zu senden. Der„Schulkamerad" ist jetzt Gendarm in Eger. man für sicherer hielt, als die Parterrezimmer, deren niedrige Fenster die Möglichkeit des Entweichens gar zu sehr be- günstigten. Gleich darauf trat der Polizeikommissar in das Verhörzimmer und die beiden Beamten sprachen angelegen!- lich mit einander. „Die Frau hat uns vollständig beschämt," sagte schließ- lich der Untersuchungsrichter.„Ihr Aufklämng der Affäre zu verdanken theilungen und ohne die Brieftasche lichen Verbrecher schwerlich schon so bald auf die Spur gekommen, und ohne ihr energisches Auftreten wäre er der Gerechtigkeit noch im letzten Augenblicke entschlüpft. Sie sagen also, Herr Kommissar, daß ihr Zustand keine Ver- anlassung zu Besorgnissen giebt?" „Durchaus nicht! Wir fanden sie zwar ohne Bewußt- sein auf dem Fußboden des Zimmers, durch dessen Fenster der Mörder seine Flucht bewerkstelligen wollte; aber sie kam unter den Bemühungen der schnell geweckten weiblichen Dienstboten bald wieder zu sich und wenn sie auch noch sehr angegriffen und augenblicklich nicht vernehmungsfähig ist, so liegt doch durchaus keine Gefahr weiterer Folgen für ihre Gesundheit vor." „Das freut mich. Haben Sie den Inspektor Holmfell» bereits gesprochen, Herr Kommissar?" „Ich hielt es für meine Pflicht, ihm sogleich mitzu- theilen, daß seine Unschuld an den Tag gekommen ist und daß er sich morgen früh als auf freien Fuß gesetzt be- trachten könne." „Damit haben Sie ganz nach meinen Wünschen ge- handelt, Herr Kommissar. Man durfte den armen jungen Mann nicht eine einzige Stunde unnöthiger Weise unter dem schweren Druck der falschen Anklage lassen. Er wird ohnehin genug ausgestanden haben. Doch wir beide haben uns nichts vorzuwerfen, denn ich habe noch niemals geglaubt, so greifbare und unwiderlegliche Beweise in der Hand zu haben, wie gerade in diesem Falle. „Doch jetzt thun wir wohl am besten, an die Fort setzung unserer unterbrochenen Nachtruhe zu denken; es gied allein haben wir die denn ohne ihre Mit- wären wir dem wirk- An der Spitze der ritterlichen Leistungsfähigkeit stehen die v r a g e r Ritter. Sie vcrurtheilen die harmlosesten Leute, die absolut nichts, auch nur scheinbar Ungesetzliches ge- than haben; es genügt, wenn sie mit einein Sozialisten ver- kehren, eine Arbeiterzeitung lesen oder einem Arbeiterverein an- gehören. Tausende von Unschuldigen, die kein Richter in der ganzen übrigen Welt verurtheilt, die ein Staatsanwalt nicht einmal angeklagt hätte, in Prag sind sie zu monatelangen Strafen verurtheilt worden. Bezeichneirder Weise wird beim geringsten derartigen Prozesse die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Die P r a g e r Presse ist politisch so verkommen, daß es keinem einzigen Blatte dort einfällt, auch nur zu einem Falle der ungerechtesten Verurtheilung ein Wörtchen zu sagen. Äit einein anekelnden Zynismus wird in witzelnder Weise über die armen beklagenswerthen Opfer der Prager Justiz berichtet, jeder Arbeiter, der vor einen Prager Richter kommt, muß ein Verbrecher, ein verkommener Mensch sein. Die Prager Richter werden ergänzt durch strebsame Bezirks- hauptlerite, die direkt zu den Meistern und Fabrikanten gehen und die Entlassung denkender Arbeiter fordern. Nebenbei blüht das Elend unter der böhmischen Arbeiterbevölkening immer mehr. Die bisherige„sozialpolitische Gesetzgebung" in Oester- reich, wie sie hochtrabend genannt wird, ist eine Persiflage auf die Sozialreforni. Tie Gehilfen sind den Z ü n f t l e r n, die Fabrikarbeiter Fabrikanten machtlos überantwortet. Der Ilstündige Normalarbeitstag ist das Lichtenberg'sche Messer ohne Heft und ohne Klinge, auf das Gewerbe erstreckt er sich nicht und die Fabriksbetriebc find ausgenommen. Die Zahl der Fabriksinspektoren muß verdreifacht werden, sollen sie ihren Zweck erfüllen. So trostlos sind die Zustände in Oesterreich, unter deren Druck die Arbeiterschaft seufzt, in wirthschastlichcr Beziehung bankerott, in moralischer der Korruption verfallen, in politischer zurückgekehrt zum System Metteririch. Es ist wahrhaft der Gipfel der Lächerlichkeit erreicht, wenn Oesterreich, das alte Oesterreich Ausnahmegesetze ein- führt. Das Strafgesetzbuch datirt vom Jahre 1852, es könnte auch zur Zeit, als die Inquisition herrschte, verfaßt worden sein; mit seiner Hilfe haben die österreichischen Richter, voran die Prager, die persönliche Sicherheit jedes Mannes, namentlich jedes Arbeiters bedroht und gefährdet, was soll wohl unter Ausnahmegesetzen werden? Wenn man bisher einem mißliebigen Arbeiter gar nichts anhaben konnte, dann sperrte man ihn ohne jeden Anlaß ein halbes Jahr in Untersuchungshaft, vernichtete seine Existenz, sein Familienglück, konfiszirte seine Bibliothek, die er sich von seinem sauer er- wordenen Lohne angeschasst, was soll nun jetzt noch mehr gc- schchen? Ich bin wahrlich kein Freund der Anarchisten, ich verdamme ihre Thaten, ich verdamme Pcukert, der die österreichischen c h rl i ch en Ardeiter zu den gemeinsten Handlungen veranlasste, aber man vergesse nicht, daß für Peukert's Ideen der Boden vor- banden sein mußte und er war es und er ist es heute noch. Der rastlos schaffende Ardeiter kämpft mit Hunger und Roth, er sieht sich von allen Seiten gehetzt und verfolgt; man verhöhnt ihn, statt ihn anzuhören, wie weit ist es da noch bis zur Ver- zweiflung? Unter diesen Umständen ist der Anarchismus in Oesterreich, find seine Thaten begreiflich, ist es faßbar, daß die von den Polizeibehörden geworbenen Xgevts provooatsurs williges Ohr finden, ihre schändlichen Absichten zu erreichen. Der Anarchismus in Oesterreich ist ein historisches Folgeereigniß; ich glaube, es steckt Logik in der Weltgeschichte, man emtet dort nur die Früchte der eigenen bösen Saat. Nolitische Ueberstcht. Sozialistisches. Kassel, 20. November. Die in Folge der polizeilich untersagten Volksversammlung, welche auf Ver- anlassung des Reichstagsabgeordneten W. Pfannkuch Montag, den 22. d. M-, Abends 8 Uhr in der Wachenfeld'schcn Reit- bahn stattfinden sollte, gestern im„Hessischen Volks- freund" von derselben Seite erlassene Anzeige einer neuen Vershmmlung um dieselbe Zeit und in demselben Lokal war die Ursache, daß das genannte Blatt durch die folizeihchörde k o n f i s z i r t wurde.— Der„Hamburger orrcspondent" meldet unter dem 22. d.: In Lauenburg, Stormare und Pinneberg sollte gestern ein sozialistisches Flugblatt vcrtheilt werden; der Polizei gelang es jedoch in vielen Fällen, die Verbreitung desselben zu verhindern. In Elmshorn und Pinneberg auf dem Berliner und Lübecker Bahn- Hofe wurden zahlreiche Verhaftungeir vorgenommen und sind Borräthe von Schriften vorgefunden worden.— In Mainz ist der Streit zwischen den Sozialisten leider noch imnrcr nicht geschlichtet. Dem„Deutsch. Tagebl." entnehmen wir zur Erheiterung unserer Leser folgende Stelle:„Wie vielfach in Belgien, so ist auch neuerdings in mehrfachen Bezirken Deutschlands die wenig erfreuliche Wahrnehmung gemacht! worden, daß die Sozialdemokraten zur Zeit ganz außerordentliche An- strengungen machen, für ihre aufreizenden Lehren im Heere sich Anhänger zu erringen. Schon vor einigen Wochen mußte morgen wahrscheinlich noch einen heißen Tag und etwas aufgeregt hat mich die Geschichte doch!" Mit einem Händedruck verabschiedeten sich die beiden Männer von einander, und Schloß Brandenstein lag wieder in demselben unheimlichen Schweigen wie zuvor; aber hinter seinen Mauern schlugen jetzt zwei erleichterte glückliche Herzen, und der Elende, welcher oben im höchsten Stockwerk mit gefurchter Stirne uno fest aufeinander gepreßten Zähnen vor sich auf den Fußboden starrte, konnte wohl über seinen eigenen Untergang, aber nicht mehr über das Verderben seines Nächsten brüten. -xv. Der einzige Umstand, über welchen man eine nähere Aufklärung noch nicht erhalten hatte, war die Art und Weise, in welcher Namfeld die Ermordung Curt's voll- führt hatte. Den Nachforschungen des gewandten Polizei- kommissars gelang es indessen schon am nächsten Taeje, auch darüber genügendes Licht zu erlangen. Wenn auch im Anfang alle Bediensteten des Gasthofes versichert hatten, es sei ganz unmöglich, daß der Doktor unbemerkt aus dem Hause heraus und wieder in dasselbe hineingelangt wäre, so erinnerte sich plötzlich der Hausknecht, daß an jenem Abend ein Kerl an ihm vorbei durch die Hausthür geschlüpft sei, welchen er für einen Bettler gehalten habe, der aber möglicher Weise mit dem Vorfall in irgend einer Verbin- dung stehen könnte. Des Kommissars nähere Erkundigungen ergaben bald, daß das Aeußere dieses vermeintlichen Bettlers ziemlich genau mit der Verkleidung übereinstimmte, in welcher Ramfeld bei seinem Fluchtversuche aus Branden- stein verhastet worden war, und so hatte sich denn auch das letzte Glied in der unzerreißbaren Beweiskette ge- schlössen. (Schlich folgt.) Aus Kunst und Zeven. Im Eden-Theater finden die lustigen Streiche der auf eine wilde Jndianerinsel verschlagenen übermüthigen Matrosen allabendlich den lebhaftesten Beifall und das Publikum ist voll- der bekannte Tischlergeselle(!!) Christensen unter dem Verdachte des Versuchs, sächsische Soldaten zum Treubruch zu verleiten(?!) in Untersuchungshaft genommen werden, derselbe Christensen, den die Sozialdemokraten Berlins zu ihrem Kandidaten bei der bevorstehenden Reichstags-Ersatz- wähl im ersten Berliner Wahlkreise auserlesen haben. Neuer- dings sind, wie der„Köln. Ztg." aus Berlin mitgethcilt wird, ferner in 12 Berliner Kasernen und in den denselben benach- barten, hauptsächlich von Soldaten besuchten Wirthschaften große Massen sozialdemokratischer Flugschriften aufgefunden und mit Beschlag belegt worden. Namentlich das letzte, auf Grund des Sozialistengesetzes verbotene Flugblatt mit der Ueberschrift „Arbeiter, Bürger" und dem Schlüsse ,/ooch die internationale revolutionäre Sozialdemokratie" hat in vielen Tausenden von Exemplaren auf räthselhafte Weise Verbreitung gefunden. Diese Thatsache giebt um so mehr zu denken, als sie beweist, daß die Sozialdemokraten zur Zeit wiederum über beträchtliche Geldmittel verfügen. Abgesehen von den nicht unbcträcht- lichen Kosten solcher Flugblätter für Papier, Druck und Ver- scndung wird man nicht außer Acht lassen dürfen, daß die Verbreiter für den Fall der Entdeckung sich schweren Strafen aussetzen, und daß sie diese Gefahr schwerlich ohne entsprechen- des Entgelt laufen werden. Man wird gewiß nicht fehlgreifen, wenn man annimmt, daß ein Theil dieser Kosten vom Aus- lande getragen wird. Die amerikanisch e Reise Lieb- kncchts wird zweifellos nicht ohne Einfluß auf die Verstärkung der hiesigen sozialdemokratischen Kassen bleiben."— Die Ber- lincr Sozialdemokraten dürsten sich nicht zum wenigsten darüber wundern, daß sie ihr Geld vom Ausland und aus Amerika beziehen. Zu der Versetzung des Amtsgerichtsraths Francke be- merkt die„Lib. Kon.": Womit Bredstedt die Auszeichnung verdient hat, welche ihm durch die Versetzung des Herrn Francke zu Theil wird, ist uns nicht bekannt. Mehr aber bedauern wir, daß die Verhandlungen vor dem Trsziplinarhofe das Räthsel nicht gelöst haben, wer denn der große Unbekannte gewesen ist, auf dessen Rath Herr Francke sich veranlaßt ge- sehen hat, den Versuch eines konservativ-sozialdemokratischen Wahlkompromisses anzustellen. Und dock wäre die Aufläaung über diesen Punkt von ganz besonderer Wichtigkeit. Neue Steuerforderungen der Negierung verlangt drin- gend die„Nationalzeitung". Die Deckung für die neue Militär- vorläge dürfe nicht aus das Jahr 1888 verschoben werden. „Nicht nur, daß man„nicht weiß, wer dann noch lebt" und unter welcher Konstellation des Parteiwesens das geschehen müßte, was jetzt ausgeschoben würde; es ist vor Allem offenbar, daß eine tendenziöse Behandlung der Finanzfrage im Reichstag und vor den Wählern leichter ist, wenn diese erst gestellt wird, nachdem die organisatorischen Beschlüsse über das Heerwesen bereits erfolgt find und daher behauptet werden kann, dasselbe sei bereits gesichert, als wenn gleichzeitig die Entscheidung über den Zweck und über das Mittel gefordert wird." In diesem Falle dürfte die Regierung doch der klügere Theil sein. Erst die Soldaten, das Geld dafür kann dann der Reichstag in seiner heutigen Zusammensetzung nicht verweigern, während selbst ein Nationalliberaler vielleicht bedenklich würde, wenn ihm mit der Militärvorlage zugleich der neue Stcuerwunschzettel prä- scntirt würde. „Gestnde"-Ordnung. Die„Freis. Ztg." schreibt:„Wer die Stellung des Junierthums und der Agrarier zu den Gesindeordnungcn kennen lernen will, der studire die neueren Gesetze von 1850 bis 1860, in denen überall die Rechte der Herrschasten und die Zwangspflichtcn des Gesindes er- wettert worden find. Noch im Jahre 1879 ist dem preußischen Landtage ein Gesetzentwurf vorgelegt worden, welcher in dieser Richtung die Macht der Polizei zu Gunsten der Herrschaften steigern wollte. Ein Antrag der Konservativen zu diesem Gesetzentwurf ging sogar so weit, dem Gesinde zu verbieten, einen neuen Dienst aufzusuchen, bevor der alte Dienst gekün- digt sei. Das Gesinde sollte dadurch von einer Kündigung ab- gehalten werden, indem es bei einer solchen riskirtc, einen neuen Dienst nicht zu bekommen. Das Herrenhaus hatte diesen Gesetzentwurf bereits angenommen. Nur dem lebhaften Wider- stände, welchen das Abgeordnetenhaus entgegenstellte, ist dessen Scheitem zu danken. Jüngst aber hat der freikonservative Landrath Gerlich in Schwetz angekündigt, daß die freikonser- vative Partei im Wgeordnetenhause einen Gesetzentwurf ein- bringen würde bebuss Verstärkung der polizeilichen Macht- mittel über das Gefinde. Niemals aber haben die Konser- vativcn daran gedacht, der Polizei dieselben Rechte wie gegenüber dem Gesinde so auch gegenüber den Herrschaften einzuräumen, welche ihre Pflichten gegen das Gesinde vernach- lässigen." Rußland. Die panslavistischen Blätter führen eine sehr aufge- regte Sprache. Voran die„Nowoje Wremja", die das Drei- kaiserbündniß als ein Mittel darstellt, Rußland den„Deutschen" zu unterwerfen.„Der Krieg mit den Deutschen— ja, wenn das russische Volk sich je über einen Krieg freuen könnte, so würde es sich gerade beim Kriegsruf gegen die Deutschen freuen, und wenn das russische Volk je alle seine Kräfte er- kommen der Ansicht der Jndiancrkönigin Kanko, daß man mit solch tollen Gesellen schließlich am besten mitlacht. Eine inter- essante Novität ist der vom großen aus 12 jungen Damen bc- stehenden Ballet ausgeführte Blumenwalzer, weicher mit seinen Variationen und neuartigen Figuren geradezu eine choreo« graphische Sehenswürdigkeit ist. Bühnenbrand, Im Dresdner Hoftheater entstand, wie man der„Tägl. Rundsch" schreibt, bei Aufführung der Over „Urvasi" am 18. d. Mts. ein kleiner Bühnenbrand. Der Blitz, mit welchem Urvasi im Roscnsttauche erscheint, entzündete diesen. Die herbeicttenden Feuerleute löschten die brennende Dekoration bei offener Szene, und vielleicht gerade dadurch wurde einer Kopflosigkeit rm Publikum vorgebeugt, das sich musterhaft ruhig verhielt. Die Oper konnte beinahe ohne Unterbrechung zu Ende geführt werden, obgleich der entstandene Rauch den Sängern ihre Aufgabe wesentlich erschwette. Frl. Saak, welche an diesem Abend die Urvasi gab und in ihrer leichten Gewandung am meisten gefährdet war, sang tapfer, wenn auch mit etwas beben« der Stimme weiter. Rudolf Falb über eine neue Sintfluth. Im Wiener Gewerbeverein hielt vor Kurzem Herr Falb einen Vortrag über den Einfluß des Mondes auf das Wetter. Durch zahlreiche Beobachtungen, die er seit dem Jahre 1868 angestellt, habe er gefunden, daß die Atmosphäre in den kritischen Tagen, in denen die Fluthattraktion durch die Stellung der Sonne und des Mondes ein Maximum erreicht, einen cigcnthüm lichen, ganz bestimmten Charakter zeige. Da treten zunächst entgegengesetzte Luftsttömungen auf; so setze z.B. ein Südsttom ein, dem bald darauf ein auffallender Nordstrom entgegentrete. Die Wolken- formen zeigen eine eigenthümliche Charattcristik, es bilden sich nämlich großflockige, leberwolkenartige Anhäuftmgcn. Tie merk- würdigste Charakteristik des Mondeinflusses sei aber das Auf- treten von Gewittern in den Wintermonaten, welche in Mittel- europa in Hochfluthperioden sich konstant einstellen. Das Aufsteigen der erwärmten Luftschichten in der Aequatorialzone wird durch die Anziehungskraft des Mondes beschleunigt. Tiefe Luftschichten fließen nun rascher ab, und auch die Polarströme fließen in Folge dessen rascher herbei. Es findet also eine Be- schleunigung der Zirkulation beider atmosphärischer Luftsttömun- gen statt und diese behalten, in Folge dieser Beschleunigung. rhre ursprüngliche Temperatur langer bei. Wo nun beide Strömungen aufeinanderstoßen, werden sie größere Temperatur- ssseesägs schöpfen, all sein Blut vergießen könnte, so würde das in dem Moment sein, wo es sich dämm handelt, seine Selbstständigkeit gegen die Deutschen zu vertteten. Unsere„Freunde" fangen das offenbar an zu vergessen, wenn der österreichische Minister sich erkühnt zu sagen, Rußland komme in Bulgarien„unter anderen" in Betracht. Es steht im Vordcrgmnde und nicht „unter anderen". Und so wird's bleiben. Anders kann es auch nicht sein. Die Ruhe und Konzenttimng der msfischen Politik für Schwäche Rußlands nehmen— das können nur Leute, die den sittlichen und historischen Sinn verloren. Das können nur Leute, die außer dem Berliner Traktat und dem verflossenen Fehlern der mssischcn Diplomatie nichts sehen. Europa und unseren„Freunden" erschien es im vergangenen Jahre befrenidend, daß Rußland sich plötzlich für den Berliner Trattat erklärte, für jenen Traktat, den Rußland selbst für sein Unglück hielt. Aber die Geschichte geht ihren Gang nicht umsonst, man lernt etwas aus ihr. Rußland sah klar, daß der Moment gekommen, wo der Trattat Europa unbequem war und England und Oesterreich sich entschlossen, ihn durch den Philippopeler StaatSstteich, Rußland geschickt umgehend, zu zerstören. Wartet, jetzt ist nicht die Zeit für mich, sagte Rußland und beharrt jetzt bei seinem Wort. Es hat wahr- scheinlich seine Gründe dazu und die Nothwcndigkett des War» tens ist da. Rußland weiß sehr wohl, daß die bulgarische Frage die orientalische Frage ist, daß es sich keineswegs um die Grün- fchnäbel handelt, die in Bulgarien Dummheiten und Schlechtig- ketten treiben. Mögen sich unsere Feinde und„Freunde" in aller Offenheit zeigen, mögen sie nicht nur aussprechen, was sie auf der Zunge haben, was unter dem Schleier formeller Freund» schaft verhehlt wird und mögen diese Offenheiten in unserer Hand bleiben. Es ist Zeit genug zum Nachdenken und zur Konzenttimng, es ist Zeit genug auch zurAbrechnung. Rußland stürzt sich nicht blindlings in Abenteuer, Rußland mißt seine Schritte ad, Rußland will keinen Vorwand zum Kriege schaffen, Rußland will nicht provoziren— das ist nicht Schwach- heit. Rußland Handell aufrichtig und ehrenhaft und will, da& man ihm mit Gleichem erwidere. Wird das der Fall sein» wird es das erleben? Aber Niemand hat das Recht, daran zu zweifeln, daß es den hingeworfenen Handschuh aufheben wird i Rußland würde ihn auch dann aufheben, wenn es zehn Mal schwächer wäre. Es hat noch kein Beispiel in der Geschickte gegeben, daß es anders gehandelt hätte. Man kann es wege» überflüssiger Tapferkeit, wegen mangelnder Knllblütigkeit, wege» ganz berechnungsloscr Verschwendung seines Blutes tadeln, das es selbst für Oesterreich und Preußen vergossen hat_— wegen Feigheit niemals. Die Seiten von unserer Geschichte sind rein von einem solchen Vorwurf." Kelgien. Gent, 22. November. Anläßlich der beabsichtigte» Arbeiterkundgebung hat der Munizipalrath jede» öffentlichen Auszug, das Entfalten von Fahnen oder sonstigen Emblemen, sowie das Anstimmen von Gesängen auf den Straßen untersagt. Jede Ansammlung soll sofort zersttcut werden. Die Garnison ist konsignirt und die ganze Bürger- garde zusnmmenbcmfcn worden. Aus Lille sind zahlreiche Arbeiter eingetroffen, um hier Arbeit zu nehmen; mehrere Fabrikbesitzer haben sich an den Bürgermeister gewandt mit de» Ersuchen, Maßregeln zum Schutze der Arbeit zu ergreifen. Frankreich. Für Paul Bert ist endlich ein Nachfolger in dem jüngst zum Ministerresidenten ernannten bisherigen Präfetten Bi- h o u r d gefunden worden. Freycinet verzweifelte fast schon an der Möglichkeit, den Gouverncurposten von Tongkina wieder zu besetzen, da, wie er inr Ministerrathc sagte, die Personen, denen er ihn anbot, ihn nicht annahmen, diejenigen aber, vre sich selber anboten, unannehmbar waren. In der That wurde der Posten nicht weniger als acht Politikem vergeblich vorge- schlagen. Unter den Teputirtcn, die für die Tongkingexveditio» gestimmt hatten, fand sich kein zuverlässiger Mann, der sich dem Ficberklima und vor Allem dem widerwärtigen Zwist mit der kolonialen Militärbehörde aussetzen wollte.„Figaro" erzählt, der Staatschef habe jedem der acht AuSerwähiten die Vorthelle der Gouvenrcurwürde vorgehalten:„Sie bekommen 150 000 Fr. Gehalt, 10000 Fr. für Ihr Bcgräbniß und 12000 Fr. Ihre Wittroe." Bihourd ist Hagestolz und elternlos. Der diplomatische Verkehr zwischen Franttcich sw» Rußland ist wieder in regelmäßige Bahnen gelciter- der russische Botschafter Baron Mohrenheim ist nach mehr- monatlicher Abwesenheit in Paris wieder eingcttoffen und bereits von Herrn Freycinet empfangen worden und gleichzeitig hat Herr Laboulaye, der neue sranzösiW Botschafter in Petersburg, die offizielle Leitung der Botschast übernommen. Als Illustration zu dieser Wiederaufnahme d» diplomatischen Beziehungen erscheint die Nachricht, daß M"* der Abreise des Generals K a u l b a r s aus Sofia der Sed"? der russischen Untcrthancn in Bulgarien dem Generalkoniu Frankreichs überttagen worden ist. Herr Freycinet m nach der„Franks. Ztg." im Ministerrath bei der Ankündig«** dieser Uebcrtragung gesagt haben, es wohne ihr keine ponni« Bedeutung inne, aber die politische Welt Europas wird»w' gehend die Wirkung der einzelnen Fluthfaktoren, brachte Beisw� vor, welche seine Theorie erhärten sollen, und prophezeite, daß 7., 8. und 20. Februar nächsten Jahres Gewittcrerscheinungen verschiedenen Ottcn Mitteleuropas stattfinden werden. Tie denz zu Gewittern werde entschieden vorhanden sein. Rkvn berührt sodann den Werth dieser Beobachtung für die witthschaft, die er als kaum ncnnenswcrth bezeichnet. 4%. praktische Werth dieser Frage liege aber in der Erkennung � Einwirkung des Mondes auf die Gase im Innern der L' die der Tendenz der äußeren Luft folgen und einen sta»". Auftrieb zeigen. Diese bringen oft Grubenkatasttophcn m» p —„Die Sintfluthsage"— so begann der Redner den. Theil seines Vottrages—„ist in der ganzen Welt verbrc so daß irgend eine wirkliche Ursache für dieselbe vorliegen m � Zur Zeit der Gletscher waren wohl die Niederschläge starke. jetzt, sie konnten veranlassen, daß die Menschen die Hohen suchten, um sich aus den versumpften Gegenden zu retten.-r v sächlich kamen alle Kulturvölker des Altetthums von den vav herab, und eine Sage der Bewohner Perus, welche vre nn � förmiae Gletscherformatton eines Berges in ihrer �cim d»e Rutschbahn ihrer alten Hcrrschettamilien bezeichnen. � ursprünglich der Wahrheit gar nicht so ferne liegen,>, ist, daß um zirka 4000 v. Chr. sich die großen Reicks»» I begannen, und nach neuer Theorie defand sich,„, zu jener Zeit im Maximum der Waffermengen, die NÄ:(„(# an wieder verloren, und zwar war dies am 21.-J' �tofen- Jahres der Fall, wo die fünf Jluthfattoren zusamimn s? Ä W W|f s l&r MÄ».ÄÄ-gtl und damit 6000 Jahren LWSS-MKW nirgends durch Spuren auf der Oberfläche z nicht umhin können, in ihr eine Konnivenz Frankreichs mit Rußland in der bulgarischen Frage zu erblicken. Es ist möglich, daß Herr Frerjanet, als er den Schutz der russischen Unterthanen übernahm, in dem guten Glauben gehandelt hat, daß er damit keinen hochpolitischen Akt vollziehe, aber er wird seinen Glauben wohl ändern müssen, wenn er einmal, was keinesfalls ausbleiben wird, in Wirklichkeit russische Unterthanen gegen die Bulgaren zu schützen haben wird, und sei es auch nur auf das Verlangen oder den Wunsch Rußlands. In der französischen Presse sind nach wie vor zwei Strömungen zu de- merken. Die„Rcpubl. fr." ist höchst nissenfreundlich und schreibt z. B- heute wieder:„Was Herrn Kalnoky betrifft, welcher als Minister eines großen Reichs die Handlungsweise des diplomatischen Agenten einer großen befreundeten Macht zu tadeln für gut fand, so ist ihm jetzt volle Genugthuung ge- worden: General Kaulbars wird nicht mehr seine Ruhe stören. Was werden jetzt aber Oesterreich und England thun? Man darf annehmen, daß sie durch die Uneigennützigkeit Rußlands ebenso sehr in Verlegenheit gesetzt find, wie die drei Regenten durch ihre Souveränetät." Der„Temps" dagegen spricht von dem Ernst der Lage und meint, die russische Okkupation Bul- garicns wäre eine weit ernstere Verletzung des Berliner Ver- träges, weil sie die gesammte Türkei Rußland ausliefern würde. Man müsse daher nicht staunen, wenn Graf Kalnoky eine event. Okkupation als ein sehr ernstes Ereigniß erklärte, und wenn England versprach, Oesterreich-Ungam zu unterstritzen. Salka« tander. Der„Pester Lloyd" schreibt:„Fm Verlaufe der letzten Gegebenheiten in Bulgarien war der Vertreter Frankreichs Sofia M. de Flesch gewöhnlich an der Seite des Generals K a u l b a r s zu finden. Er war der Einzige unter den fremden diplomatischen Agenten, der aus der Rolle des passiven Beobachters herausgetreten ist und den Bulgaren direkt empfohlen hat, sich den Weisungen Rußlands zu unterwerfen. "N Telegrammen und Berichten aus Sofia sind uns wieder- holt Andeutungen über dies Verhalten des französischen Agenten Zugekommen und wir haben, so oft wir sie zu rcgistriren Anlaß hatten, nie verfehlt, unser Erstaunen darüber auszudrücken, daß der Vertreter Frankreichs in solcher Gesell- f sh a f t zu sehen, daß der Repräsentant jenes Staates, von dem die Offenbarung der Völkerfreiheit ausgegangen, einer Aktion ussistitt, die es auf die Unterdrückung ernes nach Freiheit und Selbstständigkeit ringenden Volkes abgesehen hat. Jetzt ist wohl kein Zweifel darüber, daß Frankreich ganz an die Seite Rußlands gerückt ist und nun ist es wohl auch klar, wanim Graf Kalnöky in seinem vor dem Ausschüsse der ungarischen Delegation abgegebenen ExpoF, in welchem er die europäischen Großmächte der'Reihe nach Revue passircn ließ und über jede derselben ein sympathisches Wort zu sagen hatte, der französischen Republik so ganz und gar nicht gedachte. Das war kein Ver- säumniß, kein bloßes Versehen; diese Auslassung beruhte wohl ?us der Kenntniß einer Sachlage, die der übrigen Welt erst letzt sichtbar wird. So tiefen Eindruck aber auch die Thatsache, daß Frankreich als der intimste Freund Rußlands die Pro- tekiion der russischen Unterhancn in Bulgarien übernommen, hervorzurufen geeignet ist, so wird derselbe nicht dlos paraly- firt, sondern noch überboten durch die Wahrnehmung, daß es das D c u t s ch e R e i ch nicht ist, dem Rußland im gegen- wattigen Momente wie einem Bundesgenossen sein volles Ver- trauen zuwendet. Wir sind nicht optimistisch genug, uns etwa einzubilden, daß die deutsche Politik sich von Rußland voll- ständig abgewendet, aber wir erachten die Stellung Deutsch- lands für so wichtig und imponircnd, daß uns jedes Symptom, welches die Deutung zuläßt, daß die deutsche Regierung die Gemeinschaft mit der bulganschen Politik Rußlands ab- lehnt, als ein nicht zu unterschätzender Gewinn und als eine werthvolle Stärkung jener Bestrebungen erscheint, welche auf me Erhaltung der Autonomie Bulgattens und auf die Sicherung "w:s ehrenvollen, dauerhaften Friedens gerichtet find." Asien. tschin.v... gegen die Eingeborenen absehen ih. Di« Holländer in Atschin scheinen noch kein Ende v.bvrtigcn Kttcgsführung gegen die Eingeborenen absehen "nen. Es ist bekannt, daß sie, durch Truppenmangel ge- umk vor einiger Zeit ihre vorgeschobenen Posten einzogen »Ja;% ihrer eigenen Fotts zentötten, damit die Fernde sich wi ,n denselben festsetzten. Die holländische Streitinacht, M unaufhörliche Scharmützel und die schreckliche Krankheit ein� �eri" gczchntct, hat sich nun um Kotta Rajah, die letzte «„«"wagen bedeutende Ansiedlung nahe der Rordspitze th�tras, vettchanzt, neue Forts gebaut und sich auf die Ver- �„'Mg beschränkt. So sehr ist dagegen der Muth und die der Atschinesen gestiegen, daß innerhalb der holländr- o.r," Befestigungen kein einzeln ausgehender Soldat seines „„gXw sicher ist; ganze Patrouillen werden angegriffen und sein% Hinterhalt beschossen, die Absicht aber, den Feind in »w Verstecken im dichten Röhricht aufzustichen, scheint als totn~"h vollständig aufgegeben zu sein. Es ist so weit ge- (Wcn', daß Schiffen unter neutraler Flagge, großen auf 3Wa?? /"hrenden Postdampfern, die als gradesten Weg die �wfahttzwi�endcrÄordspitze�Sum� RntCtf,em bleibt auch die bedeutende Tiefe der zu ettorschcnden W' wachte in Erwägung zu ziehen, welche ein Begehen der ist"lheile nur unter Lebensgefahren gestattet. Glücklicherweise tot.i? Ölungen, die unter dem Namen Gradischniza" bekaimten büfll n? Höhlungen in allen Steilen abzumessen. Die-tiefe in m Gradischniza betrügt 225 Meter, jene anderer Schachte Gebiete dagegen 50 bis 100 Meter. Eine besondere �„iWwndigkeit war die Untersuchung der vielen Karstschlünde. ta!,!"'ernte man Höhlenräume von so großen Dimensionen venmllt ,™'e Je in solcher Gestaltung niemand auch nur UnaSete-„Der größte dieser Räume der Unterwelt, der des m. Kilometer lang ist, befindet sich am östlichen Rande der r�ckeiis der Unz(bei Laase). Die hervorragendsten Rrb-i/ ten Grottcnzüge liegen unter der Eisenbahn. Die babnio �"nahmen mit Schrecken den Lärm, der von den Eisen- schien herrühtte und sich nach unten zu verhundertfachen ourft» Durch die diesjährigen unterirdischen Forschungen wurde L"! daß die Wasserabflüsse in den Kesselthälem biesp?'ra?? ungenügende sind und daß die vielen Sauglöcher te»'Gebiets nicht so funktioniren, wie sie sunktioniren könn- stng».?�uu sich die Wasserpolizei in den Händen umsichtiger Die Behörden und nicht in jenen der Gemeinden befände. Raa.�'Wölöchcr wurden in den seltensten Fällen rein gehalten. selb? kr. t angeschwemmtes Geäste, Binsen u. s. w. verstopften bald derart, daß die früher gut funktionirenden Fels- ßQnä unwirksam wurden. Man will vor Allem jene in Ausräumen, deren Gänge mit großen Grottcnräumcn Hvchn?» ung gebracht werden können, in welche dann das in.abgeleitet werden soll. Solche Hohlräume wurden bet-3" Anzahl entdeckt. Sie liegen 10 bis 30 Meter unter lochet balfohle. Wird einmal der Zusammenhang der-saug» Vecfui�l bm Grotten auf dem Wege der Vermessungen und �'Nasatt?? ngen ermittelt sein, werden auch d,e Turchfuh- �'nfli,fl»"�K,„vegiunen können. Dabei wird auch auf die �sserunn> genommen werden müssen, welche die Eni- roÄw ss • Tl»(),?'" Moores üben wird oder üben dürfte. fitz�d.�ttinung der Brust. Leute, die im Zimmer Penifr:"°e Beschattigu"'— Qtf,*. haben, gebrauchen ihre Lunge nur Sch, DZ««« nur wenig Luft in die Brust ein, bekommen da- %% bcn'Ä� vZn der Positur, eine schmale Brust und ber f.." Grund zu dem Verluste ibrer Gkiimdbeit. Tics s» � Athmens��" werden, wenn man der Att und Weise -mens emige Aufmcrksanikeit widmet. Man bedenke' lagetten kleinen Inseln zu wählen pflegten, von der holländi- schen Regierung der warnende Rath zugestellt werden mußte, diesen Weg aufzugeben, da die holländische Flotte, aus alten untauglichen Kanonenbooten bestehend, diese Durchfahtt nicht frei von atschinesischen Piraten halten kann. Von der Plünderung des klemm englischen Dampfers„Hol Canton" an der Westtüste Sumatras, in der Bucht von Rigas, ist wohl in Europa schon etwas bekannt geworden; drei oder vier der europäischen Offiziere des Dampfers, darunter der Kapitän Hansen, ein Däne, wurden ermordet, die Frau des letztern und der aweite Ingenieur, ein Engländer, wurden ge- fangen in die Berge geschleppt und von dem Anführer der Räuber, einem gewissen Tunku Omar, erst kürzlich gegen Zahlung eines Lösegeldes von 25 000 Dollars, welches die holländische Regierung erlegte, wieder ausgeliefett, nach Ent- behrungen, welche die arme Frau an den Rand des Grabes brachten. So erleidet die holländische Regierung eine Demüthi- gung nach der andern, und wie wenig sie noch geachtet wird, zeigt der Unterschied, den die Malayen zwischen Holländern und andern Europäern machen. Deutsche und Engländer, das sind„orang putte", d. h. weiße Männer, Holländer aber „orang wolanda", so eine Att Zwischenrasse, die kein hohes Ansehen verdient. Die Engländer sehen von Singapore und besonders von Pcnang aus mit hämischer Freude zu, wie Sumatra sich mehr und mehr dem Einfluß der jetzigen Besitzer entzieht, und denken, die reife Frucht werde ihnen in kürzerer oder längerer Zeit von selbst in den Schoß fallm. Inzwischen versorgt ein blühender SchmMgelhandel von Penang aus die Atschinesen fottwährcnd mit Waffen und Schießbedarf, sogar Kanonen sollen jetzt im Besitz der„Aufständischen" sein. Das neueste Unternehmen derselben ist eine regelmäßige Belagerung und Beschießung des an der Küste gelegenen Fotts Segli, wodurch die Lage der kleinen Besatzung unerträglich geworden sein soll. Tausende von Sandsäckcn, mannshoch auf- gestapelt, haben nicht vermocht, die Schüsse der Belagerer abzu- halten, und im Kugelregen ist der noch arbeitsfähige Thetl der Besatzung jetzt beschäftigt, neue Schutzwehren zu erttchten, da die alten siebgleich durchlöchert sind. Dazu noch die entsetzliche räthselhaftc Krankheit Beri-Beri, die ungeheure Opfer fordett und gegm die noch kein Heilmittel gefunden ist,— die Lage der Truvpen in Atschin muß wirklich eine fast verzweifelte sein. Das innere Wesen dieser unheimlichm Seuche ist den Aerzten noch gänzlich unbekannt; sie soll mit einer Lähmung der Beine deginnen, sodaß dieselben allmälig den Dienst versagen, an- schwellen und entsetzliche Schmerzen verursachen. Hunderte von Invaliden nimmt jeder Regierungsdampfer von Kotta Rajah mit zurück und die Todesfälle haben eine erschreckende Höhe er- reicht. Die gesandten Verstärkungen sind durchaus ungenügend, und wie die in gemächlicher Ruhe zu Batavia sitzenden höchsten Behörden sich die Zukunft unter diesen Umständen eigentlich vorstellen, wäre interessant zu erfahren. Die größte Gleich- giltigkcit soll dort, und im Mutterlande eine gänzliche Ver- kennung der Thatsachen herrschen, so daß nach wie vor nichts geschieht, um die Lage der Truppen in Atschin etträglicher zu machen. Es soll jetzt in Holland wieder viel geworben werden! möge sich niemand, besonders kein Deutscher, durch das hoheWerbegeld und die glänzenden Versprechungen anlocken lassen; in der indischen Armee, die zum großen Theil aus dem Abschaum aller europäischen Länder besteht, würde ein trostloses Schicksal seiner harren. Amerika. Die wiederaufgenommenen Gerichtsverhandlun- gen gegen Mc Quade, den zweiten der 15 wegen Bestechlichkeit angeklagten ehemaligen Stadtverordneten von New- 3) ort, erregen großes Aufsehen, weil einer der mitan- geklagten Stadtverordneten, Fullgraff, als Zeuge ein vollstän- diges Geständniß abgelegt hat. Bald nach dem Zusammentritt der neuen Stadtverordneten-Vcrsammlung von 1884, so erzählt Fullgraff, kamen 13 Mitglieder(genau die Majorität, da das Kollegium aus 24 Personen besteht) überein, für die Gewäh- rung der Konzession zum Bau der Broadway Trambahn B e- stechungen anzunehmen. In einer der Versammlungen der 13 Stadtverordneten, welche in Fullgraff's Hause stattfanden, wurde beschlossen, der Broadway Kompany die Konzession für eine halbe Million Dollars baar zu gewähren, obgleich eine ri- valisirende Kompagnie 750 000 Doli, geboten hatte, allein diese Summe sollte halb in Baar und halb in Bons der Kompagnie gezahlt werden, welche letzteren für zweifelhaften Wetthes ge- halten wurden. Jeder Stadtverordnete sollte zuerst 22 000 Dollars(etwa 90 000 Mark!) erhalten, allein als es sich her- ausstellte, daß die Konzession gegen das Veto des Mayor, also mit=, Stimmen Mehrheit angenommen werden müsse, wurde die Summe auf 20000 Doll. verringert, vermuthlich um den Rest für andere Bestechungen zu verwenden. An der entschei- denden Abstimmung des Stadtverordneten-Kollegiums, die bei geschlossenen Thürcn stattfand, nahmen 18 Stadtverordnete Theil. Das Geld wurde ratenweise gezahlt. Fullgraff sagte, daß er nur 18 000 Doll. empfing und daß, als er Mc Quade fragte, ob er seinen ganzen Betrag empfangen habe, derselbe antwortete, daß alles in Ordnung sei. Zeuge erklärte auch, daß die Lunge ihrem Baue nach einer Blase gleicht und mit vollkommener Sicherheit bis zum Doppelten ihres Umfanges ausgedehnt werden kann, wodurch eine breite, gegen Schwind- sucht vollkommen gesicherte Brust gebildet wird. Das Mittel, und zwar das einzig erforderliche Mittel hierzu ist die gewöhn- liche Luft, welche wir athmcn, vorausgesetzt jedoch, daß kein äußerliches Hinderniß, wie z. B. festes Schnüren und der- gleichen vorhanden ist. Wenn man des Morgens aus dem Bette aufsteht, richte man sich gerade empor, wette Kopf und Schultern zuttick und athme so viel Luft als möglich auf ein- mal ein; dann halte man den Athcm an, so lange es gehen will, und wiederhole die langen Athemzüge so oft, als man Lust hat. Nimmt man diese Operation in kalter Luft vor, so ist dies um so besser, denn die Luft ist dann viel dichter und wirkt weit kräftiger auf die Ausdehnung der Lunge. Uebt man die Brust oft auf diese Weife, so wird sie bieg- sam und dehnbar und gestattet eine bedeutendere Entwicklung der Lunge. Der„Hungerer" Merlatti wurde, wie aus Patts ge- schttebcn wird, an seinem 25. Fasttage von den Aerzten drrn- gcnd aufgcfordett, von seinem Vorhaben, 50 Tage oder aller- wenigstens 36, wie schon andere Male, zu fasten, abzustehen, aber vergeblich. Er erklättc, die Symptome, welche die Männer der Wissenschaft beunruhigten, wären ihm schon bekannt und flößten ihm nicht die geringste Bangigkeit ein. Um Eines aber bitte er, daß seine Wohnung immer sorgfältig geheizt werde, weil die Kälte ihm äußerst empfindlich wäre und tödttich wer- den könnte. Der Italiener magert zusehends ab, ist aber dabei immer noch heiter und gesprächig. Diejenigen, welche ihn feit drei Tagen nicht gesehen hatten, fanden ihn gestern sehr ver- ändert, aber kein Zureden vermag seinen Entschluß zu erschüttern. � Aus San Franziska wird geschtteben: Die wieder erwachte Thätigkeit des Kraters Kilauka mit seinem berühmten Feucttee Halemaumau, dessen Verschüttuna seiner Zeit berichtet wurde, nimmt beständig zu. Neuesten Mittheilungen gemäß floß ein 30 Fuß breiter Strom geschmolzener Lava in einem Theil des Kraters, während mehrere kleine Feuer an anderen Stellen sichtbar sind. Die sonderbattte Erscheinung ist jedoch die, daß die verschütteten Betten, wo sich Halemaumau und der Südsec befanden, durch eine unterirdische ungeheure Gewalt allmälig emporgehoben werden, und es hat jetzt den An- schein, als ob in kurzer Zeit ein(neuer großer Ausbruch bevorstände. daß die 13 Stadtverordneten übereinkamen, daß Keenan das als Bestechungen zu vertheilende Geld erhalten sollte. Im Laufe des Kreuzverhörs räumte Fullgraff ein, daß er einen Meineid geschworen habe, als er früher aussagte, daß er keine Be- stechung angenommen habe. Kommunales. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, den 25. November, Nachmittags 5 Uhr: Bettchterstattung über die Vorlage betr. den Ankauf zweier Grundstücke zur Erweiterung der Gasanstalt in der Danziger Straße— Vorlage betr. die Vettheilung der dies- iährigen Zinsen aus dem Vermächtnisse des Hofraths Hetzer— desgl. betr. die Entlassung eines Abnehmers von ausgenutzten Gasreinigungsmasscn aus seinen kontraktlichen Verpflichtungen — desgl. betr. die Ueberlassung zweier Bauplätze und die Zahlung einer Beihilfe an den Verein für Bolksbäder zum Zwecke der Errichtung zweier Volksbadeanstalten— desgl. betr. den Ankauf einer Parzelle des Grundstücks Chausseestraße 76 zur Erweiterung der Gasanstalt in der Müllerstaße— desgl. betr. den Verkauf der zwischen den Grundstücken Klosterstr. 84 und 87 und der Neuen Friedrichstraße belegenen städtischen Terrains— desgl. betr. die Ausnahme von drei auf dem Terrain der früheren Wöhlett'schenAktiengescllschaft projcktirtcn Straßen in die Abtheilung>X des Bebauungsplanes— desgl. betr. die Erwerbung des Straßenlandes vor dem Grundstück Skalitzerstr. 73/74 und Könickerstr. 195— desgl. betr. die Er- iverbung des Straßenlandcs vor dem Grundstück Schiefische Straße 6— desgl. betr. die Freilegung der Kreuzbergstraße und der in dieselbe einmündenden Straße 6a der Abtheilung l-l des Bebauungsplanes— desgl. betr. den Ankauf des Grundstückes Weißenburgerstr. 4a zum Bau einer höheren Bürger- schule— desgl. betr. den Ankauf des Grundstücks Albrecht- sttaße 16 und einer hinter demselben belegenen Parzelle des Grundstücks Schiffbauerdamm 4a und 5 zu Gemeindeschulzwecken— eine Rechnung— Berichterstattung über die Vorlage betr. den Ankauf des Grundstücks Lindenstr. Nr. 16 zu Gemeindeschulzwecken— desgl. über die Vorlage betr. den Ausbau der Dammmühlen— Vorlage betr. die von den städtischen Gasanstalten im Juli September-Quattal d. I. gespeisten Flammen— desgl. betr. den Ankauf des Lohmühlen- Grundstücks in der Schlesischenstraße und am Lohmühlenwege zwischen Schifffahttskanal und Flutharaben— desgl. betr. das Regulativ für die Verwaltung des Reichenheim'schen Vermächt- nisses— desgl. betr. die Festsetzung einer neuen Baufluchtlinie für das Grundstück Königgrätzcrstraße 12— desgl. betr. den Vettauf der Rcstparzelle des Scharren-Gmndstücks an der Taubenstraße— desgl. betr. die Erstattung des Kaufgeldes für das Terrain hinter der Elbingerstraße— desgl. betr. den Bau einer Jnterimsbrücke über den Landwehrkanal unterhalb der Albrechtshofer Brücke— desgl. betr. die Erwerbung des Bür- gersteigterrains vor dem Grundstück Gerichtstraße 64— desgl. betr. die Festsetzung einer neuen Baufluchtlinie für die Ostseite des Neuen Markts, sowie den Ankauf der Grundstücke Neuer Markt 3, 4—5, 6 und 7— desgl. betr. den Ankauf des Grund- stücks Mülletttraße 151— Berichterstattung über 5 Naturalisationsgesuche— Berichterstattung des Ausschusses zur Vorbe- reitung der Wahl von zwei unbesoldeten Stadträthen— zwei Unterstützungssachen— Vorlage betr. die Wahl von Schieds- männcrn für die Kommission zur Abichätzung seuchenkranker Thicre— desgl. betr. die Verlängerung eines Engagements- Vertrages— desgl. betr. die Neuwahl der Mitglieder der Ein- schätzungs-Kommission für juristische Personen. Städtische Slrastenbeleuchtung. Ultimo September 1886 wurden 15052 öffentliche Gasflammen durch die städtischen Gasanstalten gespeist. Ultimo Juni 1886 betrug diese Zahl 15001, so daß im Quattal Juli-September 51 neue Flammen hinzugekommen sind. Durch die englischen Gasanstalten wur- den ultimo September(auf dem ehemaligen Schöneberger Ge- biet) 520 öffentliche Gasflammen gespeist. Demnach betrug der Bestand der durch die städtischen und englischen Gasan- stalten gespeisten öffentlichen Gasflammen ultimo September 15 572 Stück.— Die Anzahl der durch die städtischen Gas- anstalten gespeisten Privatflammen betrug ultimo September 710682 Stück, gegen ultimo Juni d. I. eine Zunahme von 3569 Stück. An öffentlichen Petroleumlatcrnen waren ultimo September vorhanden 1011 Stück.— Die Gasproduktion der städtischen Gasanstalten betrug im Quartal Juli- September 1886 12623 000 Kubikm, gegen 12 092 000 Kubikm. in demselben Quartal des Jahres 1885. Die Mehrproduktion pro Quartal Juli-September 1886 gegen dasselbe Quartal 1885 betrug demnach 531 000 Kubikm. Zentral-Viehhof. Im Monat Oktober er. sind auf dem städtischen Fleischschau- Amt 30415 Schweine auf Trichinen untersucht und darunter 32 tttchinöse und 152 finnige ermittelt worden, welche als zur menschlichen Nahrung ungeeignet ver- warfen worden sind._ Gerichts-Zeitnng. Leipzig, 22. November. Das Reichsgericht verwatt die vom Pfarrer Thümmel in Remscheid, der wegen Beschimpfung der katholischen Kirche zu drei Wochen Haft veruttheilt worden war, eingelegte Revision. Leipzig, 22. Nov. Der Landesverrathsprozeß gegen den Redakteur Prohl begann heute Morgen vor dem vereinigten II. und in. Strafsenate des Reichsgerichts. Schon lange vor Beginn der Verhandlungen zeigte sich in dem Amtsgebäude ein reges Tretben, wenn auch vom Publikum nicht viel zu sehen war, da allgemein bekannt geworden war, daß der Prozeß unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden werde. Besonderes In- teresse erregte ein Zeuge, welcher in Begleitung eines Gefangen- wätters in einer Droschke vorfuhr; es war dies der bekannte dänische Kapitän Sarauw, welcher vom Reichsgcttchte zu lang- jähttgcr Zuchthaussttafe veruttheilt ist und nun in Halle sich mit Handarbeiten beschäftigen muß. Er scheint seit dem Pro- zcsse merklich gealtert und der Rest von Energie, der damals noch in seinem Gesichte zu finden war, ist gänzlich vettckwundm. Ter in Zuchthäusern übliche Brauch, den Insassen die Bütte abzunehmen, hat bei Sarauw keine Anwendung gefunden, denn er trägt nach wie vor seinen Schnurrbatt. Ter Umstand, daß dieser Mann als Zeuge geladen ist, giebt einen ungefähren An- halt für das, was dem jetzigen Angeklagten zur Last gelegt ist. Jedenfalls war Prohl ebenso wie Sarauw einer von dcn Äorre- spondenten, die das französische Nachrichtenbureau in verschie- denen Städten unterhält. Der ursprüngliche Mitangeklagto Maschinenmeister Schwarze ist bekanntlich während der Unter- suchungshaft gestorben; gerade er war am meisten belastet. Kurz vor 9 Uhr wurde auch der Angeklagte Prohl durch einen Gcfängnißwärter mittelst Droschke zum Gettchtsgebäude gebracht. Er ist ein großer, kräftiger Mann von 38 Jahren, hat braunes Kopf- und Batthaar und trägt eine Bttlle. Man möchte ihn seinem Aeußern nach eher für einen Landgettchtsrath als für einen ,,Landesvcrräther" ansehen. Prohl nahm mitten vor dem Tribunale neben seinem Vettheidiger, Herrn Justizrath Dr. Luden von hier, Platz. Die Anklage wird durch.Herrn Obcrrcichsanwalt Tessendorf und durch Herrn Reichsanwalt Treplin vcttreten, während Herr Obersekrttär Rösler das Protokoll fühtt. Als Zeugen find ge- laden drei höhere Marineoffiziere, Polizeirath Krüger aus Berlin, zwei andere Herren und Sarauw. Nachdem der Ge- richtshof in den Saal eingetreten war, richtete Herr Präsident Drenkmann an den Angeklagten die üblichen persönlichen Fragen. Prohl theilte darauf mit, er heiße Georg Richard Prohl, sei Mittedatteur des„Kieler Tageblatt" gewesen, sei am 26. Ottober 1848 in Pasewalk geboren, evangelisch, und br- finde sich in keinem militärischen Verhältnisse mehr. De&, Präsident erklärte sodann nach Fassung eines Beschlusses, daß die Oeffentlichkeit während des ganzen Prozesses wegen zu be- fürchtender Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicher- heit ausgeschlossen sei. Das Urtheil dürfte in etwa acht Tagen verkündet werden. Halle, 20. November. Die„Saale-Ztg." berichtet m eigener Sache: Als Anfang Februar dieses Jahres der Sarauw'sche Landesverrathsprozesi vor dem Reichsgericht verhandelt wurde, veröffentlichte eine große Zahl deutscher Zeitungen, man spricht von 40, kurz nach Beginn des Prozesses, der eine Menge An- klagestoff gegen Saraüw gehäuft hatte, Ueberfichten über die Angelegenheit. Diese Ueberfichten, die nichts Ungewöhnliches waren und sich in den Grenzen jener zusammenfassenden Berichte hielten, mit welchen die deutsche Presse bis dahin die die Nachrichten über Aussehen erregende Strafprozesse einzuleiten vflegte, gaben der Direktion der Berliner politischen Polizei Veranlassung, durch Vermittelung der Reichsoberanwaltschaft auf Grund des§ 17 des Preßgesetzes gegen diejenigen Zei- tungen eine strafrechtliche Verfolgung zu erwirken, welche von besonderen Berichterstattern jene Ueberfichten erhalten und den kleineren Blättem als Ouelle gedient hatten. Es wurde fest- gestellt, daß jene Vorberichte unter Benutzung der Anklageschrift verfaßt waren, was durch den gedachten§ 17, wonach Anklageschriften nicht veröffentlicht werden dürfen, bevor sie in öffentlicher Verhandlung verlesen sind oder das Ver- fahren sein Ende erreicht hat, untersagt ist. Die Ver- folaung trat ein, obschon ein öffentliches Interesse wohl nicht verletzt war, wie auch daraus erhellt, daß das Reichsgericht in seinem öffentlich kundgegebenen Erkenntnisse gegen Sarauw alle die Punkte, die in den Zeitungsberichten erwähnt waren, be- rührt hat. Auch die„Saale-Ztg." hatte sich durch die Ver- Lffentlichung einer von einem ihrer Mitarbeiter ihr vermittelten Ueberflcht eine Anklage zugezogen. Im Mai d. I. fand der erste Termin statt, der mit einer Freisprechung auf Grund des § 21, welcher in Fahrlässigkeitsfällen den Redaktionen durch Nennung des Einsenders Schutz gegen eine Vcrurtheilung gc- währt, abschloß. Dagegen legte die königliche Staatsanwalt- schaftitRevision bei dem Reichsgericht ein, welches die Sache zur Feststellung, ob nicht etwa ein dolus eventualis vorhanden gewesen, das heißt ein bewußter Zweifel an der Korrektheit der Veröffentlichung, in die erste Instanz zurückverwies. Gestern fand dieser zweite Termin statt, der gleich dem ersten mit Freisprechung des verantwortlichen Redakteurs endigte, da sich dem Gerichtshof auch nicht der leiseste Anhalt für die Annahme eines bewußten Zuwiderhandclns gegen jenen Preßgcsetzpara- t Ein neues Portemonnaie zu besitzen, war schon lange der heiße Wunsch des vierzehnjährigen Knaben Alex Pf. Am 21. September hatte er nun glücklich ein Baarvermögen von SO Pf. in der Tasche und er beschloß, diese Summe sofort in eine leere Geldtasche umzusetzen. Er ging durch die Straßen und blieb vor den Schaufenstern stehen, um die ausgelegten Herrlichkeiten zu mustern; er konnte sich schwer entschließen, diesen Einkauf zu machen. Endlich lockte ihn ein„billiger" Laden in der Prinzenstraße, das Galanteriewaarengeschäft von Elaaß, an: dort gab es Portemonnaies in allen Formen und Farben; von der einfachen Geldtasche bis zum feinsten Kunst- werk der Lederarbeit in„echt" Juchten oder in„echt" Krokodil. Der Knabe trat ein und der Verkäufer, ein Bruder des Besitzers, legte ihm Portemonnaies zur Auswahl vor. Da aber die dreißig Pfennige, die Alex zur Verfügung hatte, die Auswahl sehr beschränkten, so handelte es sich schließ- lieh nur um zwei Geldtaschen, eine braune und eine schwarze. Der Junge entschloß sich für die letztere, erlegte den Betrag und trollte sich hinweg, froh, ganz wie ein Großer ein Porte- monnaie, freilich ein leeres, in der Tasche zu haben. Zu Hause wurde sein Einkauf von Mutter und Geschwistern kritisch geprüft und seine Freude wurde durch tadelnde Bemerkungen über die Qualität des erworbenen Gegenstandes etwas geschmälert. „Das braune ist sicherlich das bessere gewesen", so hieß es,„Du dummer Junge läßt Dir doch alles in die Hand drücken!" Am nächsten Tage stand Alex wieder in dem Galanteriewaarenladen und wollte das schwarze Porte- monnaie gegen das braune umtauschen. Der Verkäufer ging jedoch hierauf nicht ein und änderte seinen Entschluß auch nicht, als der Knabe 10 Pf. zulegen wollte. Alex mußte ab- ziehen, beim Verlassen des Ladens aber rief er:„Ihr Geschäft werde ich rekommandiren!" Wurde der Kaufmann schon hier- durch gereizt, so kam noch hinzu, daß der Junge sich beständig in der Nähe des Ladens aufhielt, durch das Schaufenster bineinfah, einige Bemerkungen nicht gerade schmeichelhafter Art laut werden ließ und schließlich einem Bekannten, den er auf der Straße traf, das gestern gekaufte Portemonnaie zeigte. Darüber wurde Herr Elaaß so wüthend, daß er auf die Straße stürzte, den Jungen faßte und zu Boöm warf. Die Vorübergehenden nahmen Partei für den gemißhandelten Jungen und Herr Elaaß mußte schnell in seinen Laden sich zu- rückziehen, sonst hätte es noch für ihn Püffe geregnet. Gestern stand er vor der 94. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichts. Der Staatsanwalt»beantragte eine Geldstrafe von 20 Mark gegen ihn und so setzte auch der Gerichtshof die Strafe fest, indem er als strafmildernd in Bettacht zog, daß Elaaß gereizt worden sei, bevor er in so roher Weise handelte. Wegen Sittlichkeitsverbrechens gemäß§ 173 R.- Stt.- G.- B. angeklagt, lerschien gestern vor der Strafkammer des Landgerichts I der 13 jährige Schulknabe Franz Mühlmann aus Rixdorf, in Gemeinschaft mit seiner 16 Jahre alten Schwester. Beiden noch in den Kinderschuhen stehenden An- geklagten wird das Verbrechen der Blutschande zur Last gelegt, zu welchem die Schwester den Bruder verleitete. Die moderne Eva wird nach stattgehabter Beweisaufnahme zu 6 Monaten Gefängniß vcrurtheilt; bezüglich des angeklagten Bruders der- selben wird jedoch auf Grund sachverständiger Gutachten fest- gestellt, daß derselbe in gewissem Grade geistig beschränft ge- wesen zur Zeit der That. Der Knabe wurde deshalb, weil an- genommen ward, daß er die zur Erkenntniß der Strafbarkeit seiner Handlung erforderliche Einsicht nicht besessen, von der wider ihn erhobenen Anklage freigesprochen und angeordnet, daß derselbe feiner Familie zu überweisen sei.— Wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit hatte sich femer der Kutscher Julius Stegemann vor derselben Strafkammer zu verantworten und zwar beruhte die Anklage auf einem überaus schändlichem Ver- gehen gegen den§ 176 R.-St.-G-B., begangen im Herbst d. I. zu Tempelhof.— Die auf Grund der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgehabten Verhandlung ermittelten Tbalfachm kennzeichneten den Angeklagten als ein Ungeheuer in Menschen- gestallt; denn er hat durch seine That das unschuldige Opfer seiner thierifchen Triebe— ein 6jähriges Mädchen, Tochter einer armen Wittwe— in Folge Ansteckung zeitlebens Unglück- lich gemacht.— Dem Antrage Des Staatsanwalts gemäß er- kannte der Gerichtshof auf 3 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust. Schlecht belohnter Freundschaftsdienst. Der Töpfer Friedrich Krüger faß mit einem Freunde Namens Büttner in einem Reftaurationslokale beim Glase Bier und im Laufe des Gespräches gab Büttner seinem Kummer darüber Ausdruck, daß er eine Gesängnißstrafe noch verbüßen müsse und bereits Auf- fordemng erhalten habe, sich zum Antritt dieser Sttafe an «inem bestimmten Tage spätestens sich zu stellen, und gerade jetzt habe er solch' schöne Arbeit. Krüger, welcher sich bereits in animirtcr Stimmung befand, beschloß, dem Manne zu helfen; er brachte sich selbst zum Opfer, indem er hinging und sich im Gefängnißbureau zu Rummelsburg an Büttner's Stelle zum Antritt der Sttafe für denselben, jedoch ohne dessen Vorwissen, meldete. Der böse Zufall fügte es nun, daß am zweiten Tage darauf Büttner in eigener Person erschien, um sich zum Antritt der Strafe zu melden; er war nicht wenig erstaunt, an seiner Statt den Freund, den opferfreudigen, zu sehen. Nach Auf- klärung des wahren Sachverhalts wurde Krüger sofort aus- und Büttner, der wahre, eingelocht. Für Krüger hatte der Freundschafts- dienst obenein noch die Folge, daß er wegen Fälfckung öffent- licher Register beziehungsweise wegen Urkundenfälschuug unter Anklage gestellt wurde, denn er hatte auf Erfordern ein amt- liches Schriftstück fälfchlich mit dem Namen des Freundes unter- zeichnet.— Vor der Strafkammer des Landgerichts>> ent- fchuldigte Krüger sein Vergehen mit Trunkenheit zur Zeit der That; das Urtheil lautete zusätzlich zu einer anderweitig zu verbüßenden Freiheitsstrafe auf noch einen Monat Gefängniß. Der Zusammenstoß eines Personen- Dampfschiffes „Konkondia" der Stralauer Dampfschifffahrts- Gesellschaft im Juli d. I. mit einem Spreekahn auf der Spree verursachte in der Nähe von Treptow das Sinken des mit Mauersand be- ladenen Lastkahns; die Bemannung des letzteren, einer söge- nannten Zille, wurde jedoch noch gerettet. Dem Schiffseigner ist hierbei ein Schaden von über 600 Mark entstanden, nachdem die gesunkene Zille gehoben und zu Brennholz zer- schlagen war; ebenso war der größte Theil der Ladung hinweg- geschwemmt und daher verloren. Für diesen Unfall war sei- tens der Behörde der Maschinist Palan, Maschinenmeister-Appli- kant bei der Marinereserve, verantwortlich gemacht; derselbe fährt bereits seit 15 Jahren als Schiffshcizer und hatte am Tage des Unfalls auf dem Schiffe„Konkordia" im Maschinenraum einen jungen Anfänger, welchen er mit Vorwisscn der Direktion im Maschinendienst ausbilden sollte; diesem überließ Palan, als die„Konkordia" bei Treptow angelangt, auf einen kurzen Augenblick die Bedienung der Schiffsmaschine, um im Kojenraum nach ca. 12stündiger un- unterbrochener Thätigkeit eine Mahlzeit einzunehmen. Zu dem- selben Zeitpunkte aber näherte sich jener Spreekahn der„Kon- kordia", unvermuthet von dem Maschinisten Palan. Es ertönte von der Kommandobrücke ein Kommando des Schiffsführers, jedoch vennochte dies die Katastrophe nicht mehr abzuwenden und der Zusammenstoß war geschehen. Im Audienz-Termin vor der Sttafkammer des Landgerichts n, vor deren Schranken die Sache gestern zum Austtag gebracht wurde, lehnte Palan den in der Anklage erhobenen Vorwurf ab, indem er als den Schuldigen den Schiffsführer der„Konkordia" be- zeichnete, dessen Kommando zeitweise unverständlich sei; ferner zog er die Zweckmäßigkeit des zur Zeit des Unfalls erlassenen Kommandos des Schiffs-Führers über- Haupt in Zweifel.— Nach Anhörung der geladenen Sachver- ständigen erachtete der Gerichtshof jedoch, daß seitens des An- geklagten eine Fahrlässigkeit darin liege, daß derselbe den Ma- schinen-Raum zur kritischen Zeit verlassen hatte. Da zu Gunsten des Angeklagten weitere Umstände sprachen, billigte der Ge- richtshof dem Angeklagten mildernde Umstände zu; das Urtneil wegen Vergehens gegen§ 323 R. St. G. B.(fahrlässiges Be- wirken der Sttandung oder Sinkens eines Schiffes) lautete auf 3 Tage Gefängniß._ Soziales und Arbeiterbewegung. Ueber den Lebensgang Henrff George's, des Arbetter- kandidaten für das Bürgermeisteramt in New-Nork, entnehmen wir dem„Recht auf Arbeit": Henry George wurde am 2. September 1839 in Philadelphia als Sohn eines früheren Verlegers religiöser Bücher und späteren Zollbeamten geboren. Bis zu seinem 13. Jahre besuchte er eine Volksschule und eine höhere Lehranstalt, die er verließ, da nach seiner eigenen An- gäbe„dort nichts gelehrt wurde, was er nicht bereits wisse oder zu wissen glaube." Mit 16 Jahren trat er als Schriftsetzer- lchrling in eine Druckerei ein, hielt es hier aber nicht lange aus, sondern trieb sich bis zum Jahre 1858 als Schiffsjunge und Mattose auf der See umher. Im Spätjahr 1858 kam er nach San Franzisko, wo man damals viel von der Entdeckung neuer Goldgruben am Frazer Flusse auf Raukouvers Island sprach. Ter junge Abenteurer war natürlich der Ansicht, daß er ebenso leicht wie andere dort in kurzer Zeit sich ein Ver- mögen werde erwerben können und fuhr mit einigen Genossen und Indianern in einem elenden Kahne unter den größten Schwierigkeiten den Fluß hinauf, der aus einer fast ununter- brochenen Reihe von Wasserfällen, Wirbeln und Stromschnellen besteht. Der Lohn für seine Entbehrungen und sein rastloses Arbeiten in den Goldfeldern war aber wie bei so Vielen gleich Null; entmuthigt wandte er dem Eldorado den Rücken und war schließlich froh, in einer Druckerei zu San Franzisko wieder Beschäftigung als Setzer zu finden. Abwechselnd Setzer, Re- dakteur und Zeitunasbesitzer, bald bettelarm, bald wohlhabend, blieb er bis zum Jahre 1878 in Zeitungsdruckereien thätig, machte dann Bankerott und nahm eine kleine amtliche Stellung in der Verwaltung des Staates Kalifornien an, die ihm hin- reichend Muße gewährte, das durch jahrelange Studien und Be- obachtungen über die Grund- und Bodenfrage gesammelte Ma- terial in einem Buche zusammenzufassen und zu veröffentlichen, welches den Titel„Fortschritt und Armuth" führt. Die Ab- faffung des Buches hatte nur ein Jahr in Anspruch genommen, allein jetzt hielt es sehr schwer, einen Verleger dafür zu finden, bis sich endlich die Firma D. Appleson bereit fand, das Buch ohne Zahlung eines Honorars zu drucken. Die erste Auflage, welche nur 500 Exemplare betrug, wurde sofort verkauft und jetzt folgte in immer kleineren Zwischenräumen eine Auflage der auderen, so daß binnen fünf Jahren in Amerika 28, in Eng- land 10 Auflagen erschienen. Die erste deutsche Uebersetzung, der bald eine solche in's Spanische und in andere Sprachen gefolgt war, erschien im Jahre 1880, die zweite im Jahre 1884, eine neue(Lieferungs-) Ausgabe ist jetzt im Erscheinen. In Bezug auf den Stand des„Arbeitsmarktes" wird in dem Bericht der Handelskammer zu Solingen ausge- führt, daß in fast allen Branchen sich Klagen hören ließen, z. B. bei der Fabrikation von Messern, Stiefeleiscn, Metall- bügeln. Schrauben u. s. w. Die Folgen des schlechten Standes des Arbeitsmarttes waren Reduktion des Arbeitstages und Arbeiterentlassungen. Auch die Etablissements der Textilbranche klagen über schlechten Geschäftsgang; in elastischen Geweben für die Schuhindustrie stand f a st die Hälfte der B a n d st ü h l e still. Daß das Fehlen jedes Arbeiterschutzes in Belgien und die dadurch hervorgerufene maßlose Ausbeutung der Arbeiter auch die deutsche Industrie benachtheiligt, wird mit Recht in dem Bericht hervorgehoben. Wiederum ein Be- weis, wie nothwendig die Anbahnung einer internatio- n a l e n Fabrikgesetzgebung ist, damit die Jndusttie desjenigen Staates, Der die Arbeiterverhältnisse nach humanen Grundsätzen regelt, nicht konkurrenzunfähig gegen diejenigen Staaten wird, welche den heimischen Unternehmern Vortheile durch die Ge- stattung einer schamlosen Arbeiterausbeutung verschaffen. „Der Kompaß", das Organ der Knappschafts-Berufs- genossenschaft für Das Deutsche Reich, theilt einen stenogra- Aischen Bericht mit über den diesjährigen allgemeinen deutschen Bergmannstag(1. bis 4. September zu Düsseldorf), betreffend die wissenschaftlich-technischen Verhandlungen des ersten Tages über die in Schlagwettergruben zu verwendenden Sprengmate- rialien. Der Artikel schließt mit folgenden für die Pulver- fabriken bedeutsamen Bemerkungen:„Wie bereits in Nr. 12/13 dieses Blattes mitgetheilt, ist seitdem durch die große Kohlen- staubexplosion auf der Zeche Konsolidation zu Schalke am 24. September d. I. in schlagendster Weise bewiesen worden, daß die in der vorstehenden Diskussion unter allgemeiner Zu- sttmmung aufgestellten Grundsätze bezüglich des Schießverbots mit Schwarzpulver bald zur Durchführung kommen müssen. Es ist daher der Gegenstand beim Genossenschaftsvorstande von mehreren Seiten neuerdings in Anregung gebracht worden und wird darüber in der nächsten Plenarversammlung weiter ver- bandelt werden. Die allgemeine Durchführung des Verbots des Schwarzpulvers auf staubigen Schlagwettergruben dürfte in- zwischen wesentlich leichter geworden sein. Einerseits hat man, sichcrem Vernehmen zufolge, in der Nähe von Schlebusch(Re- gierungsbezirk Düsseldorf) mit der Errichtung einer Karbonit- fabrik bereits begonnen und andererseits ist abermals ein neues, brisantes und zu Sprengarbeiten in der Kohle sich wohl eignen- des Svrengmittel bekannt geworden, der Roborit, mit welchem wohl bald Versuche im Großen gemacht werden." Oberschlesische Löhne. Ein größeres Hütten- und Stanz- werk in Lberschlefien suchte in Berlin„Klempner, welche allen Arbeiten in Schwarzblech gewachsen sind" und stellte dafür„je nach Leistung 2—3 Mark pro Tag" in Aussicht. Wer da weiß, wie sehr im Anfang alles günstiger dargestellt wird, als es in Wahrheit ist, wird gewiß nicht glauben, daß es jemand über 2 Mark hinaus bringt. Dafür muß er von Morgens 7 bis Abends 6 llhr arbeiten, ohne Pause für Frühstück und Vesper, nur für das Mittagsbrod giebt es eine freie Stunde. Reisegeld wird vergütet, wenn der Neuling ein volles Jahr ausgehatten hat. Es wird nicht viele Berliner Klempner in dieses oberschlesische Eldorado— für Kapitalisten ziehen. Kriefkasten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die Abonnements-Quittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. A. I. 1. Für Ihre Schulden dürfen Sachen, die Ihrem Kinde gehören, nicht gepfändet werden. Fordern Sie zunächst die Gerichtskasse zur Freigabe des Kleiderspindes und der Kommode auf, und zwar als Vertreter Ihres Kindes, eventuell klagen Sie auf Freigabe. Wenn Sie das Eiqenthum Ihres Kindes an den Pfandstücken glaubhaft machen können, so bcan» tragen Sie aleichzeittg den Erlaß einer einstweiligen Einstellung�:« Verfügung(Anmeldestube Neue Friedrichstr. 131. 2. Der Aftermiether, der, trotzdem er rechtzeitig gekündigt hat, nicht aus der Wohnung zieht, muß noch einen weiteren Monat Miethe zahlen. O. H. Britzerstr. Ihre Angabe, daß Sie die Wohnung seit 3% Jahren für 180 M. pro Jahr inne haben, ohne je mündlich oder schriftlich Kontrakt gemacht zu haben, kann un- möglich richtig sein. Sie haben doch die Höhe des Mieths- Preises besprochen. Jedenfalls können Sie Weihnachten die Wohnung zum 1. April kündigen. K. V. 100. 1. Ein Kegelklub bedarf keiner polizeilichen Anmeldung oder Genehmigung. 2. Beantragen Sie beim Vor- mundschaftsgericht, Ihnen die Vormundschaft abzunehmen und einem in Frankfurt Wohnhaften zu übertragen. 3. Das Auslegen von Gewinnlisten der Sächsischen Lottene ist nicht strafbar. G. B., Lübbenerstraße. Eine Frau darf sich erst zehn Monate nach Auflösung ihrer bisherigen Ehe wieder vcrhcirathen. Doch kann sie beim Amtsgerichte Dispens von dieser Wartezeit erhalten, wenn sie ein Hcbeammenattest einreicht.. W. S. M. Die Beschwerde gegen die ungerechtfertigte Verfügung des Polizeipräsidenten muß beim Polizeipräsidium selbst eingebracht werden und wird vom Oberpräfidenten ge- prüft. Da die Beschwerdefrist von 2 Wochen längst verstrichen ist, so müssen Sie beim Polizeipräsidenten einen erneuten Antrag auf Herausgabe der Schnsten stellen und gegen den vor- aussichtlich ablehnenden Bescheid desselben rechtzeitig Beschwerde einlegen. A. H. 150. Das von Ihnen gewählte Mittel ist nicht unbedingt sicher, um Ihrer Frau und deren Verwandten Ihr Vermögen nach Ihrem Tode zuzuwenden. Sie thun am besten, ein Testament zu errichten und in demselben die von Ihnen gewünschten Verfügungen zu treffen. Das Testament muß bei Gericht deponirt werden. Markthallen-Bericht von I. Sandmann, städtischem Verkaufs-Vermittler, Berlin, den 23. November 1886. Trotz der regnerischen Witterung kommt die cmge- tretene kühlere Temperatur dem Geschäft sehr zu statten. Die Engros-Auftionen finden vermehrte Aufnahme. Auch aus entfernteren Städten kommen Händler hierher, in der Auktion ihre Einkäufe zu besorgen, weil sie hier bei der großen Aus« wähl vortheilhafter und besser sich versorgen können, als an den Produktionsorten. Schriftliche Einkaufsbestcllungen können nur berücksichtigt werden, wenn ein Preis limititt und der ungefähre Bettag eingesandt wird. Geflügel. Regelmäßige Zufuhren an fettm Gänsen, Enten und Puten sehr erwünscht. 8—10 Pfd. schwere gerupfte Gänse 45-50 Pf., über 10-15 Pfd. 50-60 Pf., Fettgänse über 15 Pfd. schwer 60 Pf. und mehr per Pfd., junge Enten 1,50—2,50, fette Enten 50—60 Pf. per Pfd., über 10 Pfd- fchwere fette Puten 65—70—80 per Pfd., Hühner 0,55 bis 0,80 und 1,20—1,70 M-, Tauben 30—40 Pf., Poularden 4,50 bis 8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich, lebende Gänsr zum Mästen 2,00—3,00 M., lebende Enten 0,90—1,50 M- Auktion täglich im Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags. Wild. Die Zufuhr ist sehr gering; an Hasen ist Mangel, dieselben erzielen hohe Preise. Rehe 50—60, Hirsche, sehr starke und fehlerhafte 25 bis 30, i. 33 bis 35, Dammwild 30 bis 45, schwere und fehlerhafte 22 bis 32, Will" fchwein 30 bis 45, kleine 40 bis 56 Pf. pr. Pfund- Rebhühner, junge 1,20—1,50, alte 90—110 Pf., Fasanen' Hennen 2,40 bis 2,50, Fasanenhähne 2,90 bis 3,70 M-j HasenP�O— 3,75, Kaninchen 45— 55 Pf. p. Stck, KranietsvögeU' bis 30 Pf. per Stück. Auerhahn 3,00-4,50 M. Birkhuhn 1,75-2,50 pr. Stück. Schnepfen 2,10-4,00, Bekassinen 30 bis 75 Pf. pr. Stück. Die Wildauktionen werden täglich"N Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags abgehalten. Obst und Gemüse. Größere Zufuhren an Obst sehr er« wünscht. Preise steigend. Birnen 6,00 bis 8,50, Tafelbirnen 10-20, feinste Sorten 20-40 M., Aepfel 6,00-9,00% Tafeläpfel 10-20 M, feinste Soften 20-36. M. Wallnusst 20-30 M. pr. Ztr. Zwiebeln 4,50-6,00-8,00 M. per 100 Pfd., Weißfleisch'Se Speisekartoffeln 3,00-3,60, rothe 2,30-3,00. blaue 2,80-3,20?" 100 Ko.. groß Sellerie 7-10 Ä.. klein 3-7 M.. Meerrett'S 7-12 M.. Blumenkohl 30-40 M. pr- 100 Stück,«oh" rüben 1,50—2,00 Ä- per Zentner. Blumen und Blätter. Rosen-Hochstämme 45—55, veredelte 15—20 M- pr. 100 Stück, Primeln 13—15- pr. 100 Stück. Auktion jeden Dienstag und Freitag um 5 U? Nachmittags„ c Geräucherte und mannifte Fische. Regelmäßige erwünscht. Bratheringe per Faß 1,50-2,25 M Russi Z Sardinen 1.50-1.60 M. Rhemlachs 2,50-2,90, Weser- Ostseelachs 1,20-1,60, Flundern, kleine 2,50-5,00 M-, 7,50-16 M., große 18-27 M, Bücklinge 1.80-4,00 M-pZ 100 Stück. Sprotten 25 bis 35 Pf. per Pfund. Rauch mittel 1 M. per Pfd. c�fAen Eier 3,10 Ä. pr. Schock netto. Die Zufuhren an f"'® Eiern find mäßig und werden leicht verkauft. t..,r„nfe Butter. Tendenz flau. Feine Tafelbutter findet sch» Aufnahme; die Zufuhr ist mäßig, dagegen wird Waare reichlich zugeführt. Frische feinste Tafelbutter g 120-125, fein Tafelbutter l. 110-118, U. Sö bls r IN. fehlerhafte 86 bis 90. Landbutter I. 90-96, l'. vv � 85 M- Galizische und andere geftngste Soften a5 pr. 50 Ko..„.i he« Lerantwortlich für den politischen Theil und Soziales Max C für Vereine und Versammlungen F. Tutzauer, für den übngen Theil der Zettung R. Cronheim, sämmtlichiu� Verlag von Max Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu.eiue'Beu»» Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 273. Mittwoch, de« 34. November 1886. 3. Ilchrg. äongrcp freier eingetriebener und auf andesrecfitficber lorfcbrifien er- riAieier JSil'fstafen. IT. Gera, 16. November. In der Abendsitzung vom 15. November gelangen nur An träge zur Diskussion, welche in allerletzter Zeit gestellt worden sind und daher nicht mehr gedruckt werden konnten. Dieselben werden zum Schluß einer Kommission überwiesen, welck letztere «ine Sicbtung vornehmen und entscheiden soll, welche Anträge überhaupt diskutabel sind. Erwähnenswerth ist nur ein Antrag des Herrn Heine, welcher dahin geht, die Forderung aufzu- stellen, daß der Vorstand einer jeden Krankenkasie das Reckt habe, Bestimmungen im Statut selbstständig ändern zu können, ohne daß eine Generalversammlung einberufen zu werden braucht. Der Antragsteller motivirt seinen Antrag damit, daß unter den heutigen Verhältnissen jeder kleinlichen, unwesent- uchen Aenderung halber eine Generalversammlung einberufen werden müsse, was jedes Mal der betreffenden Kasse große Kosten verursache. Der Antrag Heine wird nach längerer Debatte angenommen. Nachvem noch die oben erwähnte Kommisston gewählt war- den, wird die Fortsetzung auf Dienstag Morgen vertagt. In dieser Sitzung gelangen, nachdem die Formalitäten er- ledigt, die„zum Krankenkassengesetz" gestellten und zum Dheil bereits von Herrn Deisinger in seinem Vortrage berührten An- wäge zur Diskussion. Angenommen werden, nach erschöpfender Erörterung, folgende Anträge: Zu§ 1.(Altona.) Fn Ziffer 3 hinter.Kraftmaschine besteht", ist zu setzen:„und alle Gewerbetreibende, welche ohne Gehilfen arbeiten". Zu§ 6.(Greiz, Rothenthal.) Dem§ 6 ist folgende Fassung zu geben:„Als Krankenuntcrstützung ist zu gewähren: 1. im Falle der Erwerbsunfähigkeit vom Beginn der Krank heit ab ic.", mit einem Zusatz von Dresden: „Wenn die Krankheit und Arbeitsunfähigkeit durch ein ärzt- luhes Attest bescheinigt wird." Dazu das Amendement von Heine:„Sofem er nicht nach weisen kann, daß die Annielduug recbtzeitig unmöglich war." Es wurde ferner beschlossen zu§ 7:„Daß ein Kassenmit glied, welches der Simulation verdächtig ist, auf Antrag des Vorstandes ins Krankenhaus gehen muß." Zu§ 52 ist von Deisinger der Antrag gestellt:„Den Drittelbeitrag der Arbeitgeber zu streichen", welcher Antrag ein« stimmig angenommen wird. Es werden ferner die folgenden Anträge, zum Theil ein- stimmig, angenommen:(Braunschweig, Hamburg.) Dem§26,Abs.3, folgende Fassung zu geben:„Kassenmitgliedcrn, welche gleichzeitig anderweitig gegen Krankheit versichert sind, ist das statutenmäßige Krankengeld soweit zu kurzen, als dasselbe, zusammen mit dem •ws anderweiter Versicherung bezogenen Krankengelde, den vollen Mrag ihres durchschnittlichen Tagelohnes übersteigen würde.(!!) Ue Kürzung findet von den betheiligten Kassen zu gleichen bnlen statt. Durch das ze. Zu§ 57.(Schwerin.) Absatz 4 dieses Paragraphen ist "Uch auf freie Hilfskassen auszudehnen. � Zu§ 75.(Hamburg.) Statt:„wenn die Hilfskassc, wel- S" sie angehören, ihren Mitgliedern mindestens diejenigen 5�mungen gewährt, welche in der Gemeinde, in deren Bezirk «".Kasse ihren Sitz hat", ist zu setzen:„in deren Bezirk sie beschäftigt find". , �(Hamburg, Altona.) Dem§ 75 ist als Schlußsatz hinzu- »ufugen:„Der Beweis, daß die Hilfskassc mindestens die im 6 vorgeschriebenen Leistungen gewährt, wird geführt durch blne Bescheinigung derjenigen höheren Verwaltungsbehörde, welche die Kasse zugelassen hat. Wenn sich nachträglich ergiebt, baß diese Bescheinigung hätte versagt werden müssen, so ist der rsasse von derselben höheren Verwaltungsbehörde davon Mit- § Heilung zu machen und zugleich anzugeben, worin ihre Lcistun- fn hinter den im§ 6 dieses Gesetzes vorgeschriebenen zurück- leiben. Nimmt die Kasse innerhalb einer von dieser Heren Verwaltungsbehörde zu bestimmenden, mindestens sechs- wöchentlichen Frist die erforderliche Abänderung des Statuts Gme rasche That. Eine Geschichte aus dem Westen, erzählt von Auguste Grone r. (Schluß.) Der Tag der Verhandlung war herangekommen. Es war ein Tag der Sensation. Die Frau eines Richters auf der Bank der Angeklagten, brnst, ruhig, unbewegt. Die Anklage, klar und kurz, wurde von ihr ebenso klar Und kurz als den Thatsachen entsprechend anerkannt. Es gab keine Widersprüche, keine Szenen. Die Angeklagte schien es eilig zu haben, alles beendet leben. Wie mir war, da ich im gedrängt vollen Saale der S�siknüberstand, die ich als Freundin betrachtete— das kann * mit Worten nicht sagen. . Sie hatte selbst mich gezwungen, gegen sie zu zeugen, sie mich als die einzige unbetheiligte Person bezeichnet hatte, die sozusagen die Zeugin ihrer That war. Da ich ach meiner so knapp als möglich gefaßten Aussage einen nach ihr wagte, konnte ich wieder in ihrem bleichen . �sichle eine gewisse Befriedigung lesen, denselben Aus- sremd � wich damals entsetzte und der mich heute be- i Es schien für sie nur einen schweren Moment während jjanzen Verhandlung zu geben, den, als ihr Gatte, elcher sich natürlich jeder Zeugenschast entschlug, von dem "heidiger gebeten, einige formelle Fragen beantwortete. Gm» �ahin hatte Jane es vermieden, den Blicken ihres Uen zu begegnen. -oetzt konnte sie nicht anders, als ihn ansehen. so c* die sie beobachteten, diese Gatten, welche sich an tsm'T�I.chem Orte gegenüberstanden, konnten eine eigen- mliche Wahrnehmung machen. w«. Da Robert Leitons Blicke auf seine Frau sielen, welche fu/lSju ihm hinübersah, stieg beängstigende Rothe in sein «in?«»' �wegteS Gesicht, und es schien, als wolle er noch Mittheilung machen. vor, so ist das Statut ununterbrochen als den Vorschriften dieses Gesetzes entsprechend zu erachten." (Hamburg, Altona.) Einen neuen§75» einzuschalten: «Streitigkeiten, welche zwischen den auf Grund des§ 75 von der Zugehörigkeit zur Gcmeindekrankcnverflchenmg oder zu einer nach Maßgabe der Vorschriften dieses Gesetzes errichteten Krankenkasse befreiten Personen oder ihren Arbeitgebem einer- seits und einer Orts-, Bettiebs-(Fabrik-), Bau- und Jnnungs- lasse andererseits über die Verpflichtung zur Leistung von Bei' trägen entstehen, werden von derjenigen höheren Verwaltung� behörde entschieden, welche die Hilfskasse zugelassen hat. Gegen deren Entscheidung findet binnen zwei Wochen die Berufung an das RcichSkrankenkasscnamt statt. Die Berufung hat auf- schiebende Wirkung." Zu§ 80.(Hamburg, Altona, Calbe.) Als Schlußsatz ist hinzuzufügen:„Den Arbeitgebern ist ferner untersagt, die Bc- schäftigung Versicherungspflichtiger von der Zugehörigkeit zu oder dem Auskitt aus einer bestimmten Krankenkasse abhängig zu machen."__ Kokales. Papiertagelöhner. Es ist ein verzweifeltes Wort, welches an der Spitze dieser Zeilen steht und doch im vollsten Maße gerechtfertigt! Es ist eines der ttaurigsten Kapitel, welches diese Ueberschrift ttägt, in der Leidensgeschichte des Proletariats. Wohl Manchem mag es nicht in den Sinn, daß weiche, weiße Hände, die sich fest und innig in die schwielige, hatte Hand des Arbeiters legen, auch Proletaricrhände sind, daß ungezählte Viele, die sich mit der Feder ihr tägliches Brot verdienen, ebenso kümmerlich oft, wie der Arbeiter, auch Proletarier sind. Mit der Feder! Was Alles liegt in diesen drei Wöttchen ver- borgen. Welche Unsumme von Ruhm und finanziellen Er- folgen, welche Unsumme von Roth, Elend und Verzweiflung. Uno leider ist auch hier die letztere überwiegend. Mit der Feder! Welche stolzen Träume hat schon Mancher, wenn nicht Feder, der heute zu den„Papiertagelöhnern" gehött, an diese Worte geknüpft und wie wenig sind sie in Erfüllung gegangen! In wie vielen Händen ist heute die Feder nichts anderes als was die Hacke oder Schaufel in der 5z and des Arbeiters ist! Bettachten wir zunächst die„Profesfionisten" der Feder. Eine „gute Handschrift" ist heute schon beinahe Vorbedingung für Jeden, der„etwas werden" will. Und wer wollte nicht„etwas werden"? Hat ein Knabe, welcher die Volksschulen oder die unteren Schulen einer kleinen Stadt, eines Dorfes besucht, eine „schöne Handschrift", so hält er sich oft entweder selbst für etwas Höheres geboren oder seine Eltern haben ihn zu Höherem auöerkoren. Statt ihn ein Handwerk erlernen zu lassen, wird er dazu bestimmt,„mit der Feder" sein Brot zu ver- dienen. Er hat ja eine schöne Handschrift, ihm kann es nickr fehlen! Wie auch! Werden doch täglich„junge Leute mit schöner.Handschrift" verlangt zur Anfettigung von„schriftlichen Arbeiten". Mit frohem Äuthc, die Brust von stolzer Hoffnung beseelt, tritt der junge Mann als„Schreiber" in irgend eine Kanzlei ein, nicht ahnend, daß mit diesem Scktttte sein Lebenslaus besiegelt, sein Lebensglück begraben ist. Was wird aus ihm? Ein Bogenschreiber, der hogenweis bezahlt wird, wie der Arbeiter stundenweis entlohnt wird. Alle jene vcrkiimmetten und verknöchetten Gestalten, welche die Kanzleien füllen und nur mechanische Arbeit ver- richten, was find die anderes, als„Papiettagelöhner", Prole- tarier, die im Schweiße ihres Angesichts ihr tägliches Brot verdienen müssen. Und glücklich noch diejenigen„Helden der Feder", die bei Behörden, Rechtsanwälten-c. eine wenigstens einigermaßen„gesichcttc" Existenz haben. Wehe aber denen, die, vom Sturme des Lebens erfaßt, hinausgewirbelt werden, ohne Halt, ohne Stütze, in jenes wildbrandcnde Meer, auf dem schon so Mancher Schiffbruch gelitten hat. Was wird aus ihnen? Nur um sich über Wasser zu halten, sinken sie herab zum„Abschreiber", zum„Adressenschreiber", und un- fähig, etwas anderes zu ergreifen, als die Feder, schließlich in den tiefsten Schlamm, aus dem keine Rettung mehr möglich ist. Und blicken wir in die kaufmännischen Komptoirs, auf die Buchhalter, die, über ihre Bücher gebeugt, emsig die Feder führen, was sind sie zum großen Theile anderes, als„Papiertage- löhnet"? Wenngleich sie auch nickt„Bogenscdreibcr" find, wenn- gleich sie auch nicht mechanische Arbeit verrichten, ihre Arbeit wird dennoch kümmerlich bezahlt und haben sie diese verloren Da zwang der mächtige Blick der Angeklagten die schon halb abgewendeten Augen Robetts wieder, die ihren zu suchen. Doch was diese Augen sagten, es blieb uns unerklärt. Unendliche Liebe stmhlte aus ihnen und dann blitzte eine Aufforderung, ein Wink daraus ihr entgegen, der sie anstartte, wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt und ihr mit einer Geberde antworteten, aus welcher Scheu und Schmerz und Liebe zur Unterwerfung sprachen. Dann zog er sich zurück, doch ehe er ging, streckte er die Arme gegen sein Weib aus, und sie lag einen Augen- blick lang an einem Herzen, das sich zu ihr bekannte— was immer ihr zur Last gelegt wurde. Dieser Gedanke mochte es sein, der sie so zauberhaft mild lächeln machte. Die Geschworenen zogen sich zurück, und da sie wieder- kamen, herrschte lautlose Stille. Jane war verurtheilt, ein langes Jahr aus der mensch- lichen Gesellschaft ausgeschloffen zu sein. Da sie hereingeführt wurde, das Urtheil zu vernehmen, durchlief ein schreckliches Zittern ihren Körper; sie wankte so merklich, daß ihr Vettheidiger herbeieilte, sie zu stützen. Da sie erfahren hatte, was ihr bevorstand, rannen schwere Thränen über ihre bleichen Wangen. Jetzt war es entschieden; sie wap eine Genchtete, eine Gefangene. Ihr Haupt senkte sich wie unter einer schweren Last. Einige Augenblicke später'kam sie zu uns in das Neben- zimmer, um Abschied zu nehmen. Gefaßt trat sie ein, gefaßt begrüßte sie uns und wagte es doch nicht, das Gespräch zu eröffnen. Da ging mein Mann auf sie zu und sich tief vor ihr neigend, sagte er ihr einige Motte, ob welcher eine brennende Rothe über ihr Gesicht lief. Sie streckte, als wollte sie etwas abwehren, die Hand gegen ihn aus, während sie ihn mit einem Blicke flammenden Schreckens ansah, der sich auf ihre Hand niederbeugte, sie zu küssen— dieselbe Hand, welche die Mordwaffe geführt hatte' jetzt fiel es mir erst auf, es war die linke. Verwirtt trat auch ich zu ihr. Was immer sie gethan — und wie bald kann das geschehen— was sind sie anders, als Proletarier? Sie stehen dann auf derselben Stufe, wie die„Schreiber" und sind derselben Notb und demselben Elend preisgegeben. Und nun erst jene stolzen Träumer, die da hofften, durch ihre Geistesarbeit sich Ruhm und Lorbeeren zu erringen, sich„mit der Feder" Reichthum zu erwerben! Jene arinen Proletarier des Geistes, ihre Zahl ist groß! Denn in dieser schönen Welt, wo wahrhafte Geisteshcroen nur mit Mühe sich Bahn zu brechen vermögen, während privilegitte Mittelmäßig- keit angebetet wird, ist für„verkannte Genies" kein Platz. Was sind sie anderes, jene Schriftsteller, Journalisten, Dichter, die ihre Geistesprodukte„um jeden Preis" an den Mann zu bringen suchen, nur um den Hunger stillen zu können, was sind sie anderes, als„Papiettagelöhner", Proletarier, wenn sie auch oft- mals im Stande wären, besseres zu leisten, als andere, die in Geld und Ehren wühlen? Gleich dem schlichten Arbeiter mühen sie sich ums tägliche Brot, mit der Feder erbeiten sie und sind noch schlechter varan als die Arbeiter, weil sie kein anderes Hilfsmittel haben, als die Feder. Das Proletariat ist weit verzweigt, es erstreckt sich bis in die„besseren Stände". Ist es auch äußerlich verschieden, im Wesen ist es sich doch gleich, das„Proletariat der Arbeit" und das„gebildete Proletariat, im Denken, Fühlen und Handeln sind sie sich doch gleich, die „Tagelöhner" und die„Papiettagelöhner". Die Jahresberichte der Änwaltstammern, welche der neuesten Nummer der„Juristischen Wochenschrift" beigegeben sind, enthalten einen in vielfacher Hiftsicht anregenden und werthvollen Inhalt. Der Personalbestand der Anwälte ergiebt hiernach zu Anfang des Berichtsjahres(Oktober 1885) eine Summe von 4311, während am Schlüsse 4474, also eine Zu- nähme von 163 zu vermerken ist. Im Bezirk Berlin, wo die Vermehrung am stärksten ist, lauten die Zahlen 402 und 451. Ueberhaupt war der Zudrang zur Anwaltschaft in diesem Jahre noch größer als im vergangenen. Der Vorstand der Berliner Anwaltskammcr war vom Justizministcr um folgende Gutachten ersucht worden: lieber die Thätigkeit, die Leistungen und Hal- tung der Rechtsanwälte und Notare, sowie über wünschms- wetthe Aenderungen der Zivilprozeßordnung und der Kosten- gesetze. Von sämmtlichen preußischen Kammervorständcn wurde eine gutachtliche Aeußerung eingcfordctt, ob eine Beschränkung der Freiheit der Advokatur sich insoweit empfehle, als der Justizverwaltung das Recht einzuräumen sei, die Niederlassung eines Anwaltes bei einem Gerichte unbedingt zu versagen, wenn durch übereinstimmendes Gutachten des Obcrlandcsgettchts und des Vorstandes der Anwaltskammer das Bedürfnis; nach der Niederlassung eines Rechtsanwaltes an jenem Gerichte verneint werde. Die Frage ist von den einzelnen Kammern verschieden beantwortet worden. An Beschwerden waren bei der Berliner Kam- mcr262 eingegangen, von denen jedoch nur 34 fürbegründet erachtet und 15 auf den Rechtsweg verwiesen wurden. Bei 10 Streitig- leiten unter Anwälten war der hiesige Vorstand um Vermit- telung ersucht worden; in 4 Fällen sprach er den Betreffenden seine Mißbilligung aus. Besonderes Interesse nimmt die Wirk- samkeit der Ehrengerichte in Anspruch. Im Ganzen wurde gegen 16 Anwälte auf Warnung, gegen 12 auf Verweis, gegen 12 auf Geldstrafe, gegen 18 auf Verweis und Geldstrafe und gegen 11 auf Ausschließung von der Rechtsanwaltschaft erkannt. Bei deni Berliner Ehrengettchte waren 9 Untersuchungen gegen 10 Anwälte anhängig, von denen 7 mit Sttafuttheil endigten. Dasselbe lautete in einein Falle auf Warnung und auf Verweis, in 3 Fällen auf Verweis und Geldstrafe, in anderen 3 Fällen auf Ausschließung. Diese härteste Skafe kat ein 1) ivegen Vermögcnsverfalles in Folge leichtsinnigen Schulden- machens; 2) wegen anstandswidrigen Einfordems iibermMgen Honorars und anstandswidrigen Verhaltens in einem Wein- lokale; 3) wegen anstandswidrigen Einforderns übermäßiger Extrahonorare, sonsttger Fälle von Eigennutz und unzulässiger Einwirkung auf Zeugen. Neben der„Hilfskassc für deutsche Rechtsanwälte" besteht iin Bezirk Berlin die Bode- Stiftung mit einem Vermögen von 25 400 M.; die Kammer selbst ge- bietet über ein Vermögen von mehr als 10000 M. lieber die Vernachlässigung Moabits sind uns neuer- dings wieder Klagen zugegangen, welche u. A. auch die Be- stellung von Wcrthpackcten betreffen. Ein anderer sich recht fühlbar machender llebelstand ist der, daß Moabit keine Nor- maluhr hat, obwohl doch das Kttminalgericht allein eine solche dringend wünschenswttth macht, damit Pünktlichkeit in den Terminen, die in aller Interesse liegt, innegehalten werden hatte, schlecht war sie nicht, die aller Herzen zu gewinnen wußte. Auch ich konnte nicht anders, als ihr die Hände reichen und aufschluchzend von ihr Abschied nehmen. Dann gingen wir. Sie war mit ihrem Manne allein. Was sie sprachen, wie sie schieden. Niemand wußte es. Robert kam mit dem Antlitze eines Verdammten heraus. Nach einigen Tagen nahm er seine Thätigkeir mit krank- haftem Eifer wieder auf. Es schien, als wolle er sich so viel als möglich ermüden, um seiner Ovalen Herr zu werden. Ralph Leiton, obgleich soweit hergestellt, um eine Ucber- siedeluug ganz gut ertragen zu können, blieb bei ihm. Sie waren Freunde geworden, diese sonderbaren Menschen. Eines TageS bat mich Ralph, für ihn ein Packet auf die Post zu schicken. Ich that es. Es trug die Adresse von Roberts Vater, der noch immer im Süden war, wo er Besitzungen hatte. Das Packet— ich wußte es durch Ralph— enthielt ein weitläufiges Schreiben und jene Blätter, in welchen Jane's Prozeß enthalten war. Bald darauf kam ein Telegramm an Ralph und später ein Brief, und eines Tages hielt ein eleganter Wagen vor Leitons Wohnung. Ralph hinkte, so gut er konnte, aus dem Hause, um die Insassen der Equipage zu empfangen. Ein alter Herr von vornehmem Wesen und eine alte Dame wurden von ihm in den Garten geführt. Später kam Robert heim und blieb mit einem Ausrufe des Erstaunens am Eingange des Gartens stehen. Dann sah ich ihn zu der Laube eilen, in der die Fremden saßen, und einzelne Motte, die bis zu uns herüberdrangen, ließen uns wissen, daß hier ein Sohn seine Eltern wiedergefunden habe. Da drüben war ja alles Seligkeit! Die im Gefängnisse am anderen Ende der Stadt, war ie denn ganz vergessen? „Er wird sich wohl jetzt scheiden lassen?" Ich frug es aus der ganzen Bitterkeit heraus, welche meine Seele erfaßt hatte, da ich die frohen Worte herüber- tönen hötte, während Jane in ihrer Zelle vielleicht ver- kann. Wie es scheint, ist für das Kriminalgericht die Anbrin- gung einer öffentlichen Uhr in Ansficht genommen gewesen; wenigstens befinden sich in den Thürmen offene Rundungen, in denen man eine Uhr erwartet. Je weiter aber Moabit von den Bahnhöfen liegt(die beiden für Moabit in Betracht kom« wenden, Lehrter Bahnhof und Bellevue, habm keinen Fern- verkehr), desto nothwendiger ist für alle, die zn reisen haben, eine Uhr, auf die man sich verlassen kann und die allen anderen öffentlichen Uhren zur Richtschnur dient. Denn die Uhr der Kirche differirt z. B. mit der nahe gelegenen der Stadtbahn mitunter fünf Minuten. Daß Moabit einen Bahnhof für den Fernverkehr erhält, ist bei der Größe des Stadttheils doch wohl nur ein billiger Wunsch; er würde namentlich stärker in An- spruch genommen werden, als der am Zoologischen Garten. Betrifft das Vorstehende dauernde Uebelstände, so wollen wir noch einen anderen erwähnen, der sich furchtbar in die Länge zieht. Es dauert bereits Monate, daß das kleine Stück der Brückenallee von der Stadtbahn bis zur Brücke(ca. 150 Schritt) unfahrbar, ja kaum passirbar ist. Die letzte Hansakarte. Wir erhalten eine Hansakarte, die am 18. d. M- aufgegeben ist und am 23. d. M. schließlich durch Vermittelung der Packetsahrtgelellschaft in unsere Hände gelangt. An die Hansakarte war ein Zettel geklebt, der folgenden Inhalt hat:„Dieses Schriftstück ist uns von der„Hansa" zum Zweck der Bestellung heute übergeben worden. Wir tragen demnach an der Verzögerung keine Schuld und bitten, auch dem Ahsender gest. davon Mittheilung zu machen. Neue Berliner Omnibus- und Packetfahrt-Aktien-Gescllschaft." Dem Absender können wir nun leider keine weitere Mittheilung von dem verspäteten Eintreffen seiner Sendung machen, weil er sich bescheidener Weise in den Mantel der Anonymelät gehüllt hat, der poetische Inhalt seiner„letzten Hansakarte" ist jedoch so sinnig und duftig, daß wir denselben unmöglich unterdrücken können. Hier ist er: „Letzte Karte, die ich kaufte, Du mußt jetzt nach Osdorf zichn. tieh' nur ruhig, und versaufe, h' Du kommst zum Ziele hin. Wirst Tu vorher nicht gelesen, Denk es ist nur Alles Schein; Sag': Es wär' so schön gewesen, Doch es hat nicht sollen sein." Am letzten Sonntage hatte sich aus Anlaß des Todten> festes und nach den im vorigen Jahre gemachten Erfahrungen ein großartiger Handel mit Blumen und Kränzen auf allen nach den Kirchhöfen führenden Wegen und meist auch auf ambulanten Verkaufstätten etablirt. Das Geschäft ging auch recht flott, wurde aber gegen den Nachmittag durch das un- günstige Wetter beeinträchtigt. Unerträglich waren wieder, wie schon früher, die so oft beklagten Verkehrsverhältniffe am Roll« krug. Die dort mündenden und die nach Rixdorf führenden Linien hrachtcn sämmtlich volle Wagen. Statt nun an solchem Tage die Linien vom Spittelmarkt und von der Behrenstraße bis zu den Kirchhöfen durchzuführen, eine Einrichtung, die oft- mals öffentlich gewünscht und von der Bahnverwaltung auch in Auesicht gestellt ist, müssen alle Passagiere dieser Linien am Nollkrug umsteigen. Die kleinen Wagen Rollkrug-Britz konnten bei Weitem nicht dem Verkehrsbedürfniß genügen und so pilgerten denn Männlein und Wciblein mit Kränzen und Blumentöpfen beladen zu Fuß und im Regenwetter nach den Kirchhöfen. Man fragt sich doch: Wozu werden Konzcssionen für Pferdcbahnlinien ertheilt, wenn die Unternehmer den dringendsten Bedürfnissen des Publikums nicht genügen? So ändern sich die Zeiten. Das sogenannte Lohmühlen- grundstück, vor dem Schlesischen Thore und vom Lohmühlen- wege� innerhalb des Stadtbezirks Berlin auf der Insel zwischen Schifflahrtskanal und Fluthgrabcn belegen und etwa 980 Oua- dratruthen groß, beabsichtigt der Magistrat zur Ergänzung des städtischen Grundbesitzes, von welchem in der letzten Zeit im umfangreichen Maße Terrains theils zum Bau von städtischen Instituten und Anstalten verwendet, theils zu anderweitiger Bebauung an Private verkauft worden sind, für 400 000 M. anzukaufen. Dieses ganze große Grundstück ist in den Jahren 1759 und 1776 von dem Magistrate durch drei Grundstücke dem Bürger und Gerbermeister Johann Gottlied Lutze„zur Erbauung einer Loh- und Knappenmühle nebst dazu gehörigem Lohscha rer und Wohnung" und„zur Urbannachung als Garten- land" gegen einen Kanon überlassen worden. So ändern sich die Zeiten; was damals als„Sandscholle" keinen Werth hatte und fortgegeben werden konnte, muß jetzt für Hunderttausende wieder erworben werden. Der Fall Erdöslz in französischer Beleuchtung. Aus Paris wird geschrieben: Etwas spät, aber darum nicht minder charakteristisch läßt sich eine französische Stimme über die tra- gische Affäre der vielbedaucrten Ovcrettensängerin vernehmen. Der Schriftsteller Louis Illbach knüpft im„Gil Blas" an die Erzählung der Leidensgeschichte und des Selbstmordes Fräul. Erdösy's folgende interessante Reflexionen:„In einem der hinterlassenen Briefe verlangte die hübsche Ungarin ausdrücklich, daß ihr Leichnam obduzirt und ein Protokoll aufgenommen werde, um Jenem, der an ihr gezweifelt hatte, zu beweisen, daß zweifelte. Doch mein Mann beugte sich lächelnd zu mir herüber und sagte:„Nein, das wird er nicht! Du ahnst wohl noch immer nichts?" Ich sah es in seinen Augen wie Rührung aufsteigen und verzieh es ihm deshalb gern, daß er meinen Kopf wie den eines kleinen Mädchens nach rückwärts bog, um mich mit einem guten Lächeln zu betrachten. Nein, ich ahnte noch immer nichts! Die Eltern Roberts kamen am andern Mittag wieder und holten ihn und den hinkenden Ralph ab. Alle waren ernst und doch gar nicht traurig. Ich stand am Fenster, um ihre Abfahrt anzusehen, und so hörte ich, wie des alten Herrn kraftvolle Stimme anz laut den Ort nannte, dahin sie die Kutsche bringen ollte. Ich glaubte meinen Ohren nicht trauen zu dürfen— das war ja Zanes Gefängniß! Jane war in einer Zelle allein untergebracht. Sie durfte arbeiten, was sie wollte, und war nicht ge- zwungen, die Gefängnißgesellschast oder-Kost zu theilen. Sie arbeitete ohne Unterlaß, schrieb und las mit fieberhaftem Eifer und hatte doch niemals eine ruhige, qualfreie Stunde. Was fie besaß, ein armseliges, aber reinliches Stübchen, eine einfache, doch gesunde Kost und Arbeit nach freier Wahl: tausend und tausend freie Geschöpfe seufzten umsonst danach, und sie seufzte nur nach Einem, nach Freiheit. Die ersten Wochen hatte sie unter Thränen gearbeitet, dann war sie immer ruhiger uno fleißiger geworden, um das eine Ge- fühl zum Schweigen zu bringen, daS sich doch in ihr immer mächtiger regte, die heiße Sehnsucht nach der Freiheit, welche jeder Bettler in so reichem Maße hat. Nur wenn ihr Mann kam, und sie wußte sie genau, die seltenen Stunden, da er es durfte, da erftillte sie leiden- schaftliche Freude. Er war ja Freiheit, Glück und Leben für sie.— Heute sollte er kommen. Sie steht am kleinen vergitterten Fenster und starrt in den wolkenlosen, tiefblauen Himmel hinaus. Wie lange ist es denn schon her, daß ihr Leben nicht mehr wolkenlos und sonnig ist? sie jungfräulich starb, da sie stets ehrbar gelebt. Wer hätte sich je auf eine ähnliche Konstatirung unter den Verzweifelten von Einst gefaßt gemacht? Man starb, man vergiftete, man ertränkte sich, indem man das vcrrathene Sentimenk anrief. Es war dem Naturalismus vorbehalten, die physische Protestation in die Verzweiflung einzuführen und zu verlangen, daß man den Leib öffne, um das Herz zu rächen.... Ich empfehle diese wahr- heitsgetreue Geschichte den jungen Mädchen der Gesellschaft oder des Theaters, welche in einer keuschen Liebe enttäuscht wurden. Diese posthume Rache steht hock über den Rachcver- suchen bei Lebzeiten. Revolverschüsse und Vitriol kommen dieser Apotheose der Unschuld durch die Obduktion nicht gleich. Ich glaube übrigens nicht, daß dieses Vorgehen unseren französischen Anatomen viel zu schaffen geben wird und ich fürchte nicht, daß dieses Muster viele Selbstmorde unter den Jungfrauen vom Theater hervorrufen wird. Die Sanitätswache„Görlitzer Bahnhost' ist im Monat Oktober 263 Mal in Anspruch genommen und zwar innerhalb der Station 157, außerhalb derselben 106 Mal. Von diesen waren 102 Fälle innerlicher. 149 Fälle chirurgischer und 12 Fälle geburtshilflicher Natur. Tie Unkosten dieser Station sind mit der Höhe der Anforderungen, die an dieselbe gestellt werden, außerordentlich gewachsen, und ist das Kuratorium bemüht, neue Einnahmequellen zu schaffen. So haben sich heute, Mittwoch, die Stettiner Sänger bereit erklärt, im Konzerthaus „Sanssouci" eine humoristische Soir e zu veranstalten. Der Wohlthätigkeitssinn des Berliner Publikums hat hier Gelegen- hcit, für eine der humansten Einrichtungen der Hauptstadt ein- zutreten. Ein Tanzkränzchen wird den Beschluß machen. Das Eintrittsgeld beträgt nur 50 Pf. Wohl etwas zu wörtlich führte am Sonntagmorgen gegen %8 Uhr ein elegant gekleideter Herr den Befehl eines Scbutz- manns aus. Wahrscheinlich infolge überreich genoffener Gesell- schaftsfreuden etwas schwankend, kam er auf die Kurfürsten- brücke und plazirte sich dem Denkmal gegenüber auf dem Brückengeländer. Ter an der Brücke postirte Schutzmann forderte ihn zum Weitergehen auf, fand aber zunächst bei dem in stiller Bettachtung Dasitzenden keine Beachtung. Als ihm nun aber der Beamte energisch zurief:„Machen Sie, daß Sie runter kommen!"— und zur Unterstützung dieses Befehls handgreiflich vorgehen wollte, schwang der Herr schnell seine Beine über das Geländer und— sprang in die Spree hinab. Bald tauchte er auf und rief dein Schutzmann, um den sich schnell eine Anzahl Leute sammelte, zu:„Sehen Sie mal, wie schnell ich runtergekommcn bin!"— Dann begann er mik kräftigem Arm die eisigen Finthen zu zertheilen und schwamm, trotz Winterüberziehcr:c., ziemlich schnell nach den Baugruben der Kaiser Wilhelmbrücke zu, jedenfalls in der Hoffnung, dem Schutzmann und der immer stärker auf der Burgsttaße sich an- sammelnden Menge, der er allerhand Späße zurief, zu entkam- men. Allein der Beamte hatte schnell mit einigen Schiffern ein Boot bestiegen, worin sie dem Flüchtling nachrudcrten, um ihn bald aufs Trockne zu setzen. Baarhäuptig, denn der ele- gante Chaupeau war fortgeschwommen, mußte er nun den Schutzmann unter dem Jubel des Publikums zum Mvlkcnmarkt begleiten, woselbst er nach gehabter Ruhe von dem nassen Pfade und dessen Veranlassung keine Ahnung mehr zu haben ver- sicherte. Was Einem in Berlin nicht Alles pasflren kann. „Dekoration, Getränke und Bedienung echt spanisch", so stand auf einer jener kleinen Rcklamekarten, die den Passanten der „besseren" Stadttheile Berlins so häufig in die Hand gedrückt werden. Ich ging, so schreibt uns ein Leser, am Sonnabend Abend mit einem Freunde die Leipziger Straße entlang, und erhielt von einem dort postirten Zettelvertheiler auch einen solchen kleinen Wisch. Wir beschlossen, dem gedachten Lokal mit seinen„echt spanischen" Vorzügen einen Besuch abzustatten. Kaum hatten wir das Lokal betteten, als sich unserer auch schon ein paar„Damen" in Offizierskostümen bemächtigten und uns mit aufdringlicher Freundlichkeit„ein Gläschen Wein" auf- nöthigten. Wir hatten noch nicht einmal geantwortet, da stand schon eine Flasche mit einer dunkelrothen Flüssigkeit vor uns, die von den„Damen" mit emsthasten Gestchtem für Wein ausgegeben wurde. Es wurden auch zu gleicher Zeit vier Gläser auf den Tisch gestellt und bevor wir es verhindern konnten, war eingeschenkt und mit graziösem Lächeln führten die„Damen" mit einem verbindlichen„Sie erlauben doch" die gefüllten Gläser zum Munde. Eine Erlaubniß unsererseits zum Trinken hatte natürlich kein Mensch abgewartet, die Gläser waren schon halb geleert, ehe wir ein Wort sagen konnten. Die eine Flasche schien für die durstigen Damen nur der bekannte Tropfen auf den beißen Stein zu sein, denn sie forderten uns aus, noch eine Flasche zu bestellen. Das fiel uns natürlich nicht im Traum ein, zumal da wir hörten, daß der„Wein" 6 Mark pro Flasche kostete. Durch viele Redereien gelang es uns schließlich, den Preis auf 5 Mark zu erniedrigen, die wir denn auch bezahlten. Als wir uns nach den Bierpreisen erkundigten, theilte nian uns mit, daß das Glas Bier„eine Mark" kostete. Wir wünschten dem Wirth„zu den Karolineninseln"„Jap" viel Glück zu seinen zivilen Preisen und verließen das Lokal um eine Erfahmng reicher. Spanisch an der Sache war uns Sie meint, es sei eine Ewigkeit, und eine Ewigkeit auch, daß sie ihn nicht mehr sah, den sie heute erwartet. Wo wird er jetzt sein? Schon kann er die Straße heraufkommen, schon kann er in das Haus treten. In fieberhafter Erwartung sieht sie nach der Thür, dieser Thür, durch die man so schwer eintritt, die so festhält und— durch welche zum letzten male hinauszutreten man so lange warten muß. * ♦ Jane wird bläsier noch als das weiße Tuch, darein sie ihre fröstelnde Gestalt gehüllt, denn es nahen Schritte. Jetzt legt sie die Hand auf das Herz, Alles dreht sich im wilden Wirbel um sie. Das ist nicht Freude, daS ist Angst! Nicht die Schritte Roberts hört sie, das sind die Schritte mehrerer. Was wird kommen? Was erwartet sie? Sie flieht in einen Winkel. Angst schnürt ihr das Herz zusammen. Sie denkt nicht daran, daß ihr Freude nahen könne— denn im Gefängnisse lernt man nicht hoffen, da lernt man nur die Furcht. Jetzt dreht sich der Schlüssel. Die Thür wird aufge- stoßen und mit einem wilden Schrei des Entzückens stürzt das gemarterte Weib in die Arme ihres Gatten. Sie weiß nicht, daß noch andere Menschen da sind, daß Frauen- thränen mit den ihren fließen und daß ein alter, stolzer Mann seine Reichthümer, seine Titel und Würden ganz ver- gessen hat. Sie weiß nur, daß sie von den Armen ihres Gatten umschlungen wird und daß seine geliebten, sonst so traurigen Augen mit einem Schimmer des Glückes auf ihr haften. Jetzt wird ihre Hand gefaßt und ein altes, bärtiges Ge- rcht, das einst mit stolzer Härte auf sie herabgesehen, beugt ich zu dieser Hand nieder, um einen ehrfürchtigen Kuß auf re zu drücken. �' "Meine Tochter," sagt dann der alte Mann mit nur, daß in Berlin eine derartige Beutelschneiderei geduldet wird. Ein Gewaltstreich, welcher wohl auf einen Racheakt zurückzuführen sein dürfte, wurde am Sonnabend nach einge- ttctener Dunkelheit an einem in der Alten Jakobstr. 166 wohnenden Rentier H. verübt. Das Grundstück, auf welchem H. die erste Etage bewohnt, grenzt an den Stallhot der Garde- Kürasfier-Kaserne und ist von demselben nur durch eine manns- hohe Mauer getrennt. Etwa gegen 6 Uhr Abends wurde das in der Küche befindliche Dienstmädchen plötzlich durch daS Klirren einer Fensterscheibe aufgeschreckt und sah zu ihrem Schreck im selben Moment ein Stück Preßkohle mit Vehemenz in den Küchenraum fliegen. Das Mädchen holte Herrn H. schleunigst herbei und als derselbe die Küche kaum betreten, be- gann ein regelrechtes Bombardenient mit Kartoffeln und sonsti- gen Gegenständen, in dessen Verlauf fast sämmtliche Fenster- scheiben der erwähnten Küche zertrümmert wurden. Nunmehr requirirte man polizeiliche Hilfe, doch obgleich ein Schutzmann auf dem Hofe Posto faßte, wurde der Angriff in kurzen Fnter- vollen fortgesetzt, bis auch die letzte Scheibe zertrümmert schien. In der Dunkelheit ließ sich nicht genau feststellen, woher die Projektile gekommen, doch lenkt sich der Verdacht auf Insassen jener Kavallcriestallungcn. Die polizeilichen Recherchen find noch im Gange. Ein gefährlicher internationaler Schwindler, der an- aebliche russische Kaufmann Zalinoff, ist kürzlich in das hiesige Untersuchungsgefängniß eingeliefert worden. Der Verhaftete hat im April d. I. in einer großen Anzahl von Ber- liner Geschäften, hauptsächlich Unter den Linden, in der Passage und Friedrichstraße, Einkäufe gcniacht und die Waaren, welche zum größten Theil aus Uhren, Armbändern, feinen Leder- waaren u. s. w. bestehen, mit Checks der„Union Bank of Man- chester" bezahlt. Diese Papiere haben sich als werthlos erwiesen. Wegen eines ähnlichen Schwindels hat Zalinoff kürzlich in Hamburg eine zweijährige Gefängnißsttafe verbüßt. Dort hatte er sich für den Direktor der„London Providence Bank" aus- gegeben und ebenfalls wcrthlose Papiere derselben in Umlauf gesetzt. Man hat bei seiner Verhaftung eine so große Menge Werthsachen in seinem Besitze gefunden, daß die Annahme nahe liegt, er habe noch in weit mehr Fällen, als zur Kenntniß der Behörde gelangt sind, ähnliche Betrügereien ausgefühtt. Zalinoff ist 30 Fahre alt, von mittelgroßer, schlanker Gestatt, hat gelblich blasse Gesichtsfarbe, dunkle Augen, schwarzes, etwas lockiges Haupthaar und einen sehr starken und tiefschwarzen Vollbart. Er spricht russisch und ziemlich gut englisch, mit einer auffallend weichen Aussprache. Meldungen über weitere Be- ttugsfälle sind zu den Akten zc. Zalinoff UK. I. 538 86, Alt- Moabit 11 12, zu geben, oder persönlich hei dem Unsersuchungs- richtcr Hollmann zwischen 12 und 1 Uhr Mittags in dessen Ge- fchästsräumen, Alt Moabit 11 12, Zimmer 137, zu machen, wo Zalinoff auch vorgestellt werden kann. Das Abspringen vom Borderperron eines Pferdebahn- wagens hat wieder zu einem ernstlichen Unfall geführt. Sonn- abend Aöend fiel an der Ecke der Charlotten- und Krausen- sttaße ein Mann beim Abspringen voni Vorderperron eines in der Fahrt befindlichen Pferdcbahnwagens zu Boden und gerieth so unglücklich unter die Räder desselben, daß er am Köpft schwer verletzt wurde und mittelst Droschke nach der Charitce gebracht werden mußte. Pfungstädter Brauerei- Ausschank. Unter dem Pa- tronat des heiligen Nikolaus, bekanntlich der Schutzheilige aller Bierbrauer, ist am Freitag Abend ein neues, prachtvolles Bier- Haus den Bewohnern der Residenz übergeben worden. D>e Brauerei Pfungstadt, deren Erzeugnisse sich bereits auf der Berliner Higyeneausstellung höchge Anerkennung und Lob er- warben, ist es, welche in den Parterreräum cn des Hauses Fägerslraße 18 ihr erstes Ausschanklokal eröffnet und dem Publikum die Quellen ihrer verfchiedenen Biere erschlossen hat. Das Lokal ist entsprechend den hohen Anforderungen der Jetztzeit ausgestattet. Der längliche Huuptsaal ist in streng gothi- schem Styl gehalten nnd diesem Styl sogar bis auf die Seidel. Krüge und Geschirre Rechnung getragen. Die Hauptattraktion aber bilden die Biere;„Bock-Ale",„Märzenbier" und„Kaisrt- bräu" sind in der That ausgezcichncr. Das letztere vornehmlm ist ein ganz exquisites Gebräu, welches seiner Zeit auf% Landesausstellung als„ohne Konkurrenz" bezeichnet worden und dementsprechend auch bei der Eröffnung am Freitag ungf- theilten Beifall fand. Gemäß den Beröffentlichungen des Kaiserlichen Ks- sundheitsamts sind in der Zeit vom 7. November bis 13. November er. von je 1000 Einwohnem, auf den Jahresdurchschum berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 22,1, in BresW 29,7, in Königsberg 28,9, in Köln 26,1, in Frankfurt a. Aj' 14,1, in Wiesbaden 22,5, in Hannover 27,2, in Kassel u?' in Magdeburg 22,5, in Stettin 26,6, in Altona 24,3, Metz 19,2, in Sttaßburg 21,4, in München 30,6, in Nürnbergs,- in Augsburg 22,9, in Dresden 22,6, in Leipzig 15,6, in Stuw gart 16,2, in Karlsruhe 17,9, in Braunschweig 26,9, in H»? bürg 30,3, in Wien 24,0, in Pest 39,5, in Prag 25,8,. Trieft 26,0, in Krakau 31,8, in Basel 21,3, in Amsterdam 19,)- in Brüssel 21,4, in Paris 22,3, in London 17,8, edles Weib die Schuld ihres Gatten büßt, so mag sif � wenigstens ahnen. Das soll meine Sorge sein. Wir(ov*, Ihnen nichts dafür bieten, als unsre Liebe und die Jr beit."— Er tritt zurück. Jane sieht mit weitgeöffnef Augen Ralph an, der sich tief vor ihr neigt, und em alten Herrn in Uniform sieht sie, der ihr mit genchr1 Stimme die trockene Formel sagt, die den begnadigten fangenen die Freiheit wiedergiebt, und bewußtlos liegt stL Roberts Armen. Da sie wieder zu sich kommt, weiss I' daß sie nicht mehr gemieden ist; daß sie Liebe gefunden für ihr ganzes ferneres Leben. Sie ist in einem fte liehen Stübchen, dessen Fenster geöffnet sind und keine e haben, und neben ihr sitzt die Mutter ihres Gatten„ auch die ihre.— Diese zitternden, alten Hände, wie Y L sie die ihren so fest; wie schauen die guten lieben Ar# � so besorgt und liebevoll an, und wie heiß dankt letz Mutterliebe für alles, was Gattenliebe that! Jane>1 wieder ganz wohl, sie lächelt über die Vergangenheit. � war es denn so gar großes, das sie gethan? sie auf— ihr Blick fällt in den Spiegel— ist das sieht? So schmal, so bleich, mit tief eingesunkenen � und den Spuren thränenreicher, durchwachter Nachte- � weiß es plötzlich wieder, wie sie gelitten. Und da � Frau fragt:„Mein Kind, wie fandest Du den ihn zu büßen?",— da satt sie, tief in die Seelesch � „Weißt Du, Mutter, da Ralph wie todt dalag unv- stöhnend vor mir niedersank, mit dem Ausdruet � gll sinnigen Entsetzens in den Augen, da wußte>ch,' das, was folgen würde, nie und nimmer ertrag W Ich nahm also die Sehuld auf mich. Ich entnß 9 Ao Pistol und wurde glücklicher Weise damit gesi'L es n"? konnte ich Roben zwingen, mir zu willfahren. uxtl auch gut so. Damit war nicht nur seine Ehre, so � hM seine Vernunft gerettet, denn ojaube mir. Mutt, �sse nicht schadlos ertragen, was ieh ertrug. Die M ew ja nicht zu leiden!"—„Aber zu lieben und z ganzes Leben lang.". �ieft Robert war es, der, vor ihr niedersinkend, sagte._ Glasgow 23,4, in Liverpool 23,8, in Dublin 23,6, in Edinburg 21,1, in Kopenhagen 21,4, in Stockholm 17,1, in Christiania 19,5, in St. Petersburg 22,1, in Warschau 23,9, in Odessa 36,4, in Rom 21,1, in Turin—, in Venedia 22,5, in Alcxandria 35,6. Ferner in der Zeit vom 17. Oktober bis 23. Oktober er.: in New-Nork 24,7, in Philadelphia 18,7, in Baltimore 20,6, in Calkutta—, in Bombay 21,8, in Madras 35,2. Die Sterblichkeitsverhältnisse waren auch in dieser Berichts- woche in den meisten Großstädten Europas, besonders in den deutschen, günstiqe, wenn auch aus einem Thcile derselben ein wenig größere Sterblichkcitsziffem gemeldet wurden. Gering war die Sterblichkeit(nickt 20 pro 1000 Einwohner, aufs Jahr berechnet, erreichend) in Frankfurt a. M-, Wiesbaden, Stuttgart, Tarmstadt, Mainz(13,3), Leipzig, Bremen, Nürnberg, Magdeburg, Düsseldorf, Barmen, Elberfeld, Chemnitz, London, Liverpool, Kopenhagen, Stockholm, Christiania, Turin; auch in Berlin, Dresden, Straßburg, Wien, Paris, St. Petersburg war die Sterblichkeit keine große, wenn auch zum Theil eine etwas größere als in der Vorwoche; unter den deutschen Städten war nur in Hamburg, Altona, Hannover, Stettin, Köln die Sterb- lichkeit eine der Jahreszeit nickt entsprechend höhere.— Darmkatarrhe und Brechdurchfälle haben fast in allen Großstädten sine weitere Abnahme erfahren und traten meist in normaler Zahl auf, nur in Berlin, am bürg, Breslau, München, London, Paris, Wien, Pest, St. Petersburg, Warschau war die Zahl der Sterbefälle an diesen Krankheitsformen eine die normale noch über- Zeigende. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war die gleich hohe wie in der vorangegangenen Woche. Von 1: 10000 Lebenden starben, aufs Jahr berechnet, in Berlin 81, w München 92 Säuglinge. Akute Entzündungen der Ath- wungsorganc kamen etwas häufiger zum Vorschein und vcr- anlaßten auch etwas mehr Sterbefälle, wie in der Vorwoche.— Von den Infektionskrankheiten haben Masern, Scharlach, Diphtherie, Keuchhusten etwas mehr Verbreitung gewonnen, während Pocken, tnphöse und Kindbettfiebcr etwas weniger Etcrbefällc hervorriefen.— Masern waren in Dresden, Bres- kau, Hamburg, Plauen, Nürnberg, Barmen, Elberfeld, London, Paris, Prag, St. Petersburg häufig Todesveranlassung, aber auch in Berlin, Wien, wie in den Regierungsbezirken Düffel- dorf, Marienwerder, Schleswig, Stettin waren Erkrankungen an Masern zahlreich.— Das Scharlachfieber hat in Paris, St. Petersburg, Odessa mehr, in Berlin, Hannover(39), Pest, London, Liverpool, Warschau weniger Sterbefälle veranlaßt, boch war sowohl in den meisten dieser Städte, wie auch in Hamburg, Kopenhagen, Christiania, Wien die Zahl der Neu- Erkrankungen eine größere.— Die Sterblichkeit an Diphtherie und Krouv war in Berlin, Hamburg, Altona, Leipzig, Stettin, München, Frankfurt a. M-, Tanzig, Braunschweig, Kassel, Wien, Prag eine größere, in Magdeburg, Nürnberg, Pest fast die gleiche, in Dresden, Breslau, Königsberg, London, Paris, Kopenhagen, St. Petersburg, Warschau eine kleinere als rn der vorangegangenen Woche; auch aus den Regierungs- bezirken Düsseldorf, Schleswig sowie aus Christiania werden Zahlreiche Erkrankungen gemeldet.— Typhöse Fieber forderten ni Lyon und St. Pctersourg etwas mehr, in Berlin, Hamburg, Paris, London, Warschau weniger Opfer, neue Erkrankungen waren jedoch in Hamburg noch sehr häufig. An Flecktyphus kam aus London 1 Todesfall, aus St. Petersburg sowie aus den Regierungsbezirken Düsseldorf und Marienwerder je 1 Erkrankung, aus St. Petersburg auch mehrere Erkrankungen an Rückfallsfieber zur Berichterstattung. An epidemischer Genick- starre wurden nur aus Kopenhagen 1 Todesfall und aus dem Regierungsbezirk Marienwerder 1 Erkrankung zur Anzeige ge- bracht.— Rosenartiye Entzündungen des Zellgewebes der Haut waren in Berlin, Nürnberg, Wien, Paris, Kopenhagen, Stock- bolm nicht selten. Auch der Keuchhusten veranlaßte in Berlin und London mehr Todesfälle, in Hamburg, Kopenhagen vielfache �lrankungen.— Todesfälle an Pocken kanien aus Königsberg, Mu, Paris je 1, aus Venedig 2, aus Hamburg 3, aus St. IjS-sburg 4, aus Rom und Warschau je 5, aus Pest 83 zur Wirng. Erkrankungen wurden aus dem Regierungsbezirk »'Aknwerder 2, aus Hamburg 5, aus Wien 14, aus St. Pe- di» g 23, aus Pest 305 gemeldet.— Die Nachrichten über W �h°lera in Oesterreich- Ungarn lauten günstig. In Pest M die Epidemie erheblich abgenommen. Vom 29. Ottober <>. 4. November kamen nur noch 17 Erkrankungen und 19 »°desfälle zur Kenntniß. Aus dem Pester Komitate und aus Zwmicn werden jedoch noch häufigere Erkrankungen gemeldet. .Szegciin ist nach 6tägigcr Pause am 3. November erst . leoer ein neuer Cbnlerasall voraekommen. In Tricst kamen "vorgekommen. In Tricst kamen '>>»er Zeit vom 27. Oktober bis 3. November noch 11 Erkran- . und 10 Sterbefälle zur Meldung. In Jsttien, Görz- n,,?dlska und Talmatien zeigten sich nur vereinzelte Fälle, uch ,n Krain blieben die Cholerafälle vereinzelt.— Aus d(r m kauten die Meldungen gleichfalls günstig. Nur in �vrsche�inz Bergamo kamen Cholcrafälle noch mehrfach zum . Polizeibcricht. Am 22. d. M. Mittags wurde ein 60 An»?ktkr alleinstehender Mann in seiner Wohnung Prenzlauer V kadt im Bette liegend aufgefunden. Nach ärztlicher ttm v. ,ung ist der Tod in Folge Herzschlages cingettcten.— dicselbe Zeit fiel in der Fehrdellinersttaße der Arbeiter uns I beim Putzen eines Schaufensters mit der Stehlcitcr um .° brach das rechte Fußgelenk. Er wurde mittelst Droschke llr!? Universitäts-Klinik gebracht.— Nachmittags gege nJ..�urde in der Hohenzollernstraße das vor einen Geschä cn 3 äfts- lrn„„. vuynizuuemiiiuBt:! ßi 9C" tzcfpanute Pferd des Fuhrhcrrn Böhme scheu, nß den .-genthumcr, welcher es zu beruhigen versuchte, um, so daß »,,! s unter die Räder gcrieth und überfahren wurde, und ging pj bcm Wagen nach der Thiergartenstraße zu durch. An der auf! T�lben fuhr der Wagen mit einer Equipage derartig , Js'uimen, daß die Deichsel und eine Wagenthür der letzteren st achen und der Insasse den Wagen verlassen mußte. Letzterer, B,i'° auch der jc. Böhme blieben unverletzt.— Um dieselbe n Ii r0vrbe in der Schumannstraße der Schutzmann Völtel, als burchg�endes Pferd aufhalten wollte, von demselben h-s _. � von erlitt durch den Fall einen mehrfachen Bruch dein oi' Unterschenkels und mußte mittelst Droschke nach ei».�UMsta-Hospital gebracht werden.— Gegen Abend sprang Nag> e alter Knabe in dem Augenblick, als sein Vater in h«rne kam, aus Furcht vor Strafe aus einem Feilster der n„ u« Melchiorsttaße 4 Treppen hoch belegenen elterlichen Woh- «LJ auf die Straße hinab und erlitt dadurch so schwere innere werde � CT mittelst Droschke nach Bethanien gebracht RnrM. T,-�roicyre, cor ocr �uyrer ocr er, reren vom«on irun wurde und dabei eine Verletzung am Kopf davon- Nchti, n)e0cn deren er die Hilfe der Sanitätswache in Anspruch � acn mußte. Di,« Gerichts-Zeitung. e Rädelsführer des Spremberger Krawalls vor dem Schwurgericht. Cottbus, den 23. November 1836. He,,.., �ter Tag der Verhandlung.„ "vr m�kangt der letzte Akt der Spremberger Vorgange Abende n Land-Schwurgericht zur Verhandlung. Am 30. Anrir• h Mai wiederholte sich bekanntlich der Exzeß vom danimZ, ln b-deritend verstärktem Maße. Als der Abend zu aus de?(t omnn, behauptet die Anklage, und die Arbeiter �chrer�nÄ�r, kamen, sammelten sich auf dem Marktplätze Und Dred. Menschen, die sozialdemokratische Lieder sangen die Sozialdemokratie, die freie Republik u. s. w. aus und rief:„Wir Arbeiter lassen uns nicht unterdrücken",„Wir stürmen das Rath- Haus",„Nieder mit derqanzcnBande",„Dynamitbomben her!" ic. Sehr bald erhielt die Menge durch einen von mehreren hundert Menschen gebildeten Zug, der sich unter dem Gesänge der Mar- sellaise von der Laugenstraße nach dem Marktplatz bewegte, eine wesentliche Verstärkung. Die Polizeibeamten und der Bürger- meister, die zum Auseinandergehen aufforderten, wurden ver- höhnt und bedroht und als die Polizeibeamten schließlich, mit Hilfe einer großen Anzahl von Bürgern, zur Verhaftung der 5)aupt-Exzedenten schritten, wurden eine Anzahl Beamte und Privatpersonen durch Steinwürfe zum Theil in sehr arger Weise verletzt. Die gegenwärtigen 6 Angeklagten sollen die Rädelsführer dieses Exzesses gewesen sein. Es sind dies: 1) der Spinner Gustav Säbischka, 21 Jahre, 2) Spinner Gustav Korn, 21 Jahre, 3) Fleischerlehrling Adolf Sydow, 19 Jahre, 4) Spinner Gottlieb Kuchar, 27 Jahre, 5) Kutscher August Rietschel, 20 Jahre, 6) Tuckmachergeselle Carl Tittel, 31 Jahre.— Säbischka, der bereits am vergangenen Sonnabend wegen des Exzesses vom 30. April zu 2 Jahren Gefängniß verurtheilt wor- den ist, soll dem Zuge, der von der Langenstraße her kam, als Führer gedient und außerdem, gleich den anderen Angeklagten, die Menge aufgestachelt haben. Auch sollen die gegenwärtigen Angeklagten zum Theil selbst mit Steinen geworfen haben. Dieselben haben fich deshalb heute vor Eingangs bezeichnetem Gerichtshofe wegen qualifizirten Landfriedensbruchs und Auf- laufs zu verantworten. Ten Gerichtshof bilden: Landgerichtsdirettor Krause(Präsident), Landrichter Dr. Voß und Gerichts-Assessor Nickfe(Bei- fitzende). Tie königliche Staatsanwaltschaft vertritt der Erste Staatsanwalt am hiesigen königlichen Landgericht Haucke, die Ver- theidigung führen und zwar als Offizral-Vertheidiger: Rechts- anmalt Hammerschmidt für Säbischka, Rechtsanwalt Schulz für Korn, Rechtsanwalt Kühne für Sydow, Gerichts-Assessor Wilde für Kuchar, Justizrath Frommer für Rietschel und Justizrath Lorenz für Tittel. Die Geschworenenbank bilden Gemeindevorsteher Galle (Dabern), Fleischermeister Röhrich(Peitz), Rentier Richter (Drebkau), Gemeindevorsteher Lieske(Betten), Gastwirth Schreiber(Arenzhain), Hüfner Hermann(Lugau), Tuchfabri- kant Malade(Sprembcrg), Amtmann Blasius(Kausche), Äühlenbefitzcr Sckarath(Lieberose), Mühlenbesitzer Wildau (Jamlitz), Bauer Müller(Stöbritz) und Webschuldirektor Denk (Spremberg). Als Ersatz- Geschworene wurden ausgeloost: Tuchfabrikant Rösler(Finsterwalde) und Maurermeister Degner (Luckau). Der Angeklagte Säbischka erklärt fich für nichtschuldig. Er sei allerdings, da er gehört, daß auf dem Marktplatz ein großer Menschenauflauf sei, mit etwa 4 Freunden auf den Marktplatz gegangen, er habe jedoch weder Skandal gemacht, noch mit einer Flasche geworfen, noch weniger einem Zuge als Führer gedient. Eine thöneme Flasche habe er wohl in der Hand gehabt, diese habe er jedoch mit nach Hause gebracht, mithin könne er damit nicht geworfen haben. Auch Korn erklätt sich für nichtschuldig, er sei ebenfalls aus Neugier auf den Marktplatz gekommen, habe sich jedoch in keiner Weise an dem Skandal bethciligt, auch wisse er nicht, daß Säbischka eine strafbare Handlung begangen habe. Präs.: Bei Ihrer gerichtlichen Vernehmung haben Sie ge- sagt: es wurden auf dem Marktplatz sozialdemokratische Lieder gesungen, geschimpft und getobt, Säbischka sei einem Zuge als Führer vorangeschritten, habe dabei eine thönerne Flasche ge- schwungen, und auf dem Marktplatz angelangt, mit dieser Flasche geworfen und gerufen:„Wir stürmen das Rathhaus." Wie kommen Sie dazu, so etwas zu sagen, wenn es nicht wahr ist?— Angckl,: Säbischka hat allerdings mit einer Flasche werfen wollen, ich habe ihn jedoch davon abgehalten, auf Weiteres weiß ich mich nicht zu erinnern. Sydow bemerkt:„Ich bin auf dem Marktplatz nicht ge- wesen, sondern habe bis 10 Uhr Abends an der. Hausthür meines Meisters gestanden. Kuchar will überhaupt nicht auf dem Marktplätze ge- wesen sein. Rietschel: Er sei in Spremberg vollständig unbekannt ge- wesen: da er lediglich mit Korn bekannt war, so habe ihn dieser nach der Herberge begleitet. Er sei auf dem Wege dorthin über den Marktplatz gekommen, habe sich jedoch in keiner Weise an dem Krawall betheiligt. Präs.: Sic sollen derjenige gewesen sein, der am Sonn- abend Mittag gesagt hat, heute Abend muß das Messer in Anwendung kommen?— Angekl.: Davon weiß ich nichts. Präs.: Sre haben auch bei der ersten gerichtlichen Verneh- mung gesagt: Säbischka sei einem Zuge als Führer»orange- gangen, habe mit einer Flasche geworfen, getobt und gesungen? Angekl.: Davon weiß ich nichts._ Angekl. Tittel: Ich gebe zu, daß ich am Abende des 1. Mai kurze Zeit auf dem Äarttplatze gewesen bin, eine Aufforderung zum Auseinandergehen habe ich jedoch nicht gehört. Ich gebe auch die Möglichkeit zu, daß ich mitgesungen, vielleicht dabei auch die Hand in die Höhe gehoben habe, Takt geschlagen oder irgend einen Gesang angestimmt habe ich jedoch nicht. Ich habe am vorhergehenden Tage den Säbischka aufgefordert, die rothe Fahne zu cirtfemen, um sich nicht Ungelegen heiter, zu de- reiten, danach darf man wohl nicht annehmen, daß ich am Abende darauf den Krawall mitgemacht habe. Auf Ver- anlassung des Justizrath Lorenz gicbt der Staatsanwalt zu, daß die erwähnte Aufforderung des Tittel an Säbischka zugencidlich festgestellt sei. Präs.: Sie sollen einige Tage vor dem Krawall zu ernem Manne gesagt haben:„Es müssen Dynamitbomben angeschafft werden"?— Angekl.: Das ist ein Jrtthum. Ich habe mich mit dem Manne lediglich über die bekannte Jhring-Mahlow- Affaire unterhalten und dabei gesagt: Es ist allerdings festge- stellt, daß der Schutzmann Jhring die Berliner Arbeiter zur Anschaffung von Dynamitbomben aufgefordert hat, nachdem ich diese Worte geäußert, wurde ich von dem Rentter Müller nach meinem Namen gefragt._ Präs.: Sie sollen nun dem Muller einen falschen Namen angegeben haben?— Angekl.: Das habe ich aethan, um nicht verhaftet zu werden und die Nacht über auf der Wache zu- bringen zu müssen. Der erst vernommene Zeuge, Polizciwachtmcister Hubnch bekundet: Am I.Mai Mittags gegen 12 Uhr sah ich Säbischka, Just, Tittel, Korn und noch einige andere Arbeiter an der Dres- denersttaßen-Ecke auf dem Trottoir zusammenstehen und sich leb- Haft unterhalten. Ich forderte die Leute, da sie die Passage Hinderten, auf, sich zu entfernen._ �., Präs.: Wissen Sie genau, daß Säbischka dabei war?— Zeuge: Ich glaube es bestimmt.._,. Präs.: Wenn nun Zeugen auftteten uud bekunden, daß Säbischka am 1. Mai den ganzen Tag über, auch Mittags, in der Fabrik gewesen ist, würden Sie alsdann dabei stehen bleiben?- Zeuge: Herr Präsident, ich glaube, er war dabei, so genau kann man das ja nicht mehr wissen-_ Der Zeuge schildert alsdann die Vorgänge rn der be- kannten Weise. Als es dunkel wurde, habe er aus einer De- stillation den Ruf gehört:„Heute werden die Düppeler Schanzen gestürmt." Sehr bald haben sich auf dem Markt- platze mehrere hundert Menschen angesammelt, die sozialdemo- kratische Lieder sangen, lärmten und tobten. Sehr bald kamen noch zwei Züge, von denen die Betheiligten sämmtlich thönerne Flaschen an Spazierstöcke aufgesteckt hatten und damit henim- fuchtelten. Einen Zrig habe Sydow angeführt, den Anführer des anderen Zuges habe er nicht bei der Dunkelheit erkennen können. Kuchar habe gerufen; Hoch die rothe Republik. Als der Polizeisekretär Mattka aus dem Rathhause herausttat, habe Kuchar, auf Mattka deutend, gerufen: Der hat uns heute auch einen Dreck zu befehlen." Er, Hubrich habe die Menge dreimal aufgefordert, auseinanderzugehen, beim dritten Male habe er einen Steinwurf an den Kopf erhalten, in welcher Folge er fast besinnungslos wurde, er habe fich jedoch sehr bald wieder erholt. Präs.: Verübte die Menge auch Gewaltthätigkeitcn?— Zeuge: Nein, sie marschirte nur mehrere Male m verschiedenen Trupps um die Kandelaber herum, lärmte, johlte und sang sozialdemokratische Lieder. Die Menge habe sich auf seine Auf- forderung nicht entfernt; unter dieser Menge befand fich Korn. Bestimmt habe er denselben gesehen, als er die Auf- fordemng zum dritten Male erlassen. Auch als der Bürger- meister die Aufforderung zum Auseinandergehen erließ, sei Korn unter der Menge gewesen. Nach der dritten Aufforderung des Herrn Bürgermeister sei aus der Menge eine Flasche geworfen worden. Wer geworfen, konnte er nicht wahrnehmen, da die Flasche aber aus der Gegend kam, wo Korn stand, so habe er diesen gefaßt. Korn: Da der Herr Wachtmeister nicht weiß, ob ich die Flasche geworfen, so frage ich ihn, weshalb er mich so furchtbar mit dem Säbel gehauen, daß ich heftig blutete und auf der Wache halb todt liegen blieb? Hubrich: Ich bestreite, den Korn geschlagen zu haben; es ist möglich, da ich von der Menge angegriffen war und deshalb von meiner Waffe Gebrauch machen mußte, daß ich den Kom zufällig gettoffen habe. Kom: Hubrich hat mich nicht zufällig geschlagen, sondem mich von hinten gefaßt, mir den Hut vom Kovfc geschlagen und mich alsdann furchtbar mit dem Säbel mißhandelt; diese Mißhandlung hat er auf dem ganzen Transport bis zur Wache fortgesetzt. Als ich auf der Wache ankam, blutete ich so heftig, daß ich rief:„Wenn ich nicht sofort Wasser bekomme, dann verblute ich mich." Tuckmacher Schulz in Sladen, den ich zu laden bitte, wird dies dekundm. Hubrich bestreitet wiederyolt, den Kom vorsätzlich miß- handelt zu haben, er habe den Kom überhaupt nicht zur Wache transportirt. Der Gerichtshof beschließt, den von Korn vorgeschlagenen Zeugen zu laden. Bürgermeister Witth: Mehr als 40 Bürger haben dem Polizeibeamten Hilfe geleistet. Präs.: Das Äathhausstürmen durch Flaschenwerfen war doch wohl ein vollständig aussichtsloses Unternehmen?— Zeuge: Allerdings, aber ich bin überzeugt, wenn es uns nicht gelungen wäre, des Tumults Herr zu werden, dann hätte die Menge das Rathhaus in Brand gesteckt. Am Sonntag Abend, den 2. Mai, haben wiederum verschiedene Arbeiter- ansammlungen stattgefunden. Aus der Unterhaltung dieser Gmppen ging hewor, daß wiedcmm ein Putsch geplant war, wir hatten jedoch in gehöriger Weise Vorkehmngen gettoffen, so daß eine Wiederholung nicht möglich war. Präs.: Ist denn überhaupt nach dem Abende des 1. Mai noch etwas in Spremberg vorgekommen?— Zeuge: Nein, nur daß mir am Montag, den 3. Mai, die Fenster eingeworfen wurden. Präs.: Herr Bürgermeister, hielten Sie denn den Krawall für einen sozialdemokratischen?— Zeuge: Jawohl. Präs.: Worauf begründen Sie das?— Zeuge: Durch das fortwährende Singen sozialdemokratischer Lieder. Präs.: Der Krawall vom Freitag geschah doch wohl aber zunächst aus Haß gegen Hubrich?— Zeuge: Das glaube ich auch nicht, die rothe Fahne und die sozial- demokratischen Lieder sprechen doch für eine sozialdemokratische Demonstration. Präs.: Dann ist es vielleicht möglich, daß der Krawall am folgenden Abend hauptsächlich aus Haß gegen Hubrich unter- nommen war?— Zeuge: Das ist möglich, allein ich bin der Meinung, der Krawall geschah nicht blos, um fich an Hubrich, sondern um sich an allen denjenigen Bürgem zu rächen, die am Freitag Mittag die Polizeibeamtcn unterstützt haben. Der Züricher„Sozialdemokrat" äußerte fich ja auch sehr mißbilligend über„die Bürgerlichen, die Polizeidienste geleistet haben." Am 30. April Abends ist ja auch auf bis- her unerklärliche Weise eine dem Zeugen Müller gehörige Scheune niedergebrannt; es wird vermuthet, daß dieses Feuer von den Sozialdemokraten angelegt worden ist. Präs.: Sie sind der Meinung, daß ohne die Hilfe der Bürger der Krawall a n 1. Mai nicht hätte unterdrückt werden können?— Zeuge: Jawohl. Präs.: Haben sich an dem Krawall am 1. Mai bloß junge Leute betheiligt?— Zeuge: Nicht bloß junge Leute be- t Heiligten sich. Wachtmeister Sommer, ehcmal. Polizeisergcant Schilling und Nachtwächter Schmidt belasten die einzelnen Angeklagten, ganz besonders die Angeklagten Korn, Kuchar und Rietschel. Korn und Rietschel haben am 1. Mai Mittags in der Kurtz- hals'schen Restauration geäußert:„Heute Abend geht es erst los, es muß mit dem Messer vorgegangen werden." (Fortsetzung folgt.) t Gin Jrrthum. Der Schirmmacher L. ärgert sich seit langem über die Kinder, die stets die Treppe zu seinem im hoch- parterre gelegenen Gcschäftslokal besetzt halten und so den Kun- den den Eintritt versperren. Um diese„Zaungäste" zu ver- treiben, verfiel er auf ein nicht gerade schönes Radikalmittel. Er mischte Karbol mit Wasser und goß es auf die Treppe. Allein schon der erste Versuch hatte sehr üble Folgen. Herr L. goß und begoß dabei die Schürze des Frl. St., das gerade vor- beiging. Um weiteren Unannehmlichkeiten aus Dem Wege zu gehen, erklärte sich L. bereit, dem Fräulein den Werth der Schürze, zwei Mark, zu ersetzen. Er gab ihr in seiner Wohnung in Gegenwatt seiner Frau zwei einzelne Geldstücke, von denen das Eme ein Zwanzigmarkstück gewesen sein soll. Seine Frau glaubte wenigstens ein Zwanzigmarkstück in der Hand des Fräu- lcins gesehen zu haben und wirklich fand L-, als er seine Kasse verglich, daß ihm 19 Mark fehlten. Er begab sich sofort in die Wohnung des Fräulein St. und fragte nach. Zum Glück hatte das Fräulein das Geld so, wie sie es erhalten hatte, auf den Tisch gelegt und noch nicht fottgenommen. Auf dem Tische lagen zwei einzelne Markstücke. Dies war das Resultat der Beweisaufnahme, die gestern in der Verhandlung der 92. Abtheilung des hiesigen Schöffeugettchts gegen Fräulein St. wegen Unterschlagung auf- genommen wurde. Die Sachlage erschien so wenig aufgcklätt und ein Jrtthum des Herrn L. so wenig ausgeschlossen, daß der Staatsanwalt selber die Freisprechung der noch nicht vor- bestraften Angeklagten beantragte. So erkannte auch dec Gettchtshof. Nürnberg, 22. November. Von der Zivilkammer des Landgettchts wurde in der Klage des Fiskus gegen den Pri- vatier Michael Eckert hier(der nebst semer Frau vom Schwur- gettcht wegen tödtlichcr Mißhandlung seines Sohnes erster Ehe zu vier Jahren Gefängniß veruttheilt worden ist) auf Heraus- gäbe von 11210 M. erkannt, welche dem Beklagten nach dem Tode des Sohnes als dessen mütterliches Erbtheil zu- gefallen waren, da Eckert als„unwürdiger Erbe" zu ve- trachten fei. Paris, 23. November. In Slots begann gestern, wie der „Boss. Ztg." telegraphitt wird, die Schwurgettchtsverhandlung gegen die Geschwister Alexis und Alexander Lebon, Frau Thomas und den Mann der letzteren, welche ihre siebzigjährige Mutter mit Pettoleum begossen und lebendig bei langsamem Feuer gebraten haben, wie die Anklage behauptet, um sich der 700 Franks zu bemächtigen, die sie als Dienstbotc ihr Leben lang erspart, wie die Vettheidigung vorgiebt, aus Aberglauben, weil sie für eine Hexe galt. Die ffebenjährige Tochter des Ehe- paars Thomas war Zeugin des Verbrechens und schildett de t Auftritt in allen Einzelheiten. Tie Angeklagten, die gleich nach dem Verbrechen ein Geständniß ablegten, find auch vor Gericht geständig._ Uerewe mh Nersammwngen. f Eine öffentliche Tischlerversammlung fand am Montag, den 22. d., in„Sanssouci", Kottbuserstr. 4a, unter Vorsitz des Herrn Ritter statt. Es handelte sich um den Tischler- kongresi, der am 28. und 29. Dezember d. I. in Gotha statt- finden soll und um die Frage, ob die Berliner Tischler dort durch Delcgirte vertreten sein sollen. Der Referent, Herr Apelt, kam in längerer Rede zu dem Resultat, daß ein solcher Kongreß nothwendig sei, einmal, um zu erörtern, ob eine Zentralisation, vielleicht in Form einer Unterstützungskaffe, unter den gegen- wärtigcn Verhältnissen sich empfehlen würde, um die Interessen der Tischler Deutschlands zu fördern und dem gewerkschaftlichen Leben einen neuen Impuls zu geben, und zweitens, um eine gehörige Antwort auf die immer dreister hervortretenden An- maßungen der Jnnungsmeister zu crtheilen. Um zu beweisen, wie weit die„bescheidenen" Wünsche der Herren Zünstler bereits gingen, verlas der Herr Referent die Beschlüsse des vierten „Allgemeinen Deutschen Handwerkertages", die u. A. die Fachvereine denunziren, sie verfolgten sozialdemokratische Ten- denzen, und ihre„schärfere" Ucberwachung durch die Polizei verlangen. Der Redner empfahl schließlich die Entsendung von Delegirten nach Gotha und sprach die Ueberzeugung aus, daß die Kosten leicht von der Allgemeinheit der Berliner Tischler aufgebracht werden würden. Es schloß sich eine Diskussion an, in der die Herren Glocke, Zubeil und Wiedemann das Wort nahmen. Ihre Ausführungen bewegten sich in demselben Ge- dankengangc wie das Referat. Es wurde betont, daß, wenn der Kongreß die Bildung einer zeutralifirten Unterstützungskasse beschließen sollte, die lokalen Organisationen daneben bestehen bleiben müßten. Die Bestrebungen der Innung wurden scharf kritisirt. Hieraus gelangte eine, Resolution einstimmig zur An- nähme, die sich dahin erklärt, daß die Bestrebungen der Innungen keine Besserung der Arbeitsverhältnisse bringen können und daß die Beschlüsse des In- nungsmeisterkongresscs mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen seien. Gleichzeitig wurde die Beschickung des Allgemeinen Tischlerkongresses in Gotha beschlossen. Nachdem auf Vorschlag des Herrn Tutzauer die Zahl der Delegirten auf zwei festge- setzt worden war, wurden die Herren Zubeil und Apelt hierzu erwählt. Sodann wurde eine Kommission aus sieben Personen, den Herren Hinz, Haseloff, Härtung, Brctenfeld, Pllieke, Müller und Koppmann, bestehend gewählt und beauftragt, die Sammlung der Gelder für Reise- und Delegationskösten zu leiten und einer späteren Versammlung Rechenschaft über ihre Verwendung abzulegen. Auch die Höhe der Spesen für die Delegirten soll von dieser Kommission festgesetzt werden.— Damit schloß die Versammlung. Eine zweite öffentliche Kellnerversammlung, welche in der Nacht vom Montag zum Dienstag im Wintergarten des Zentralhotels tagte, bericth über die Hebung der sozialen Lage der Kellner. In der ersten Versammlung am 8. d. M. im Dorotheenstädtischen Kasino war bereits die bekannte Petition an den Reichstag zur Sprache gebracht worden. Sie verlangt unter Bezugnahme auf andere Länder, daß die Kellner auch m Deutschland auf Grund des§ 33 der Rcichsgewerbeordnung als Gewerbegehilfen anerkannt werden. Der Referent der zweiten Versammlung, Herr Deter, hob hervor, daß diesmal die Sektion Berlin des Genfer Vereins nicht allein vorgegangen sei, sondem sämmtliche Bezirksverbände sich vereinigt hätten. Selbst wenn die Petition wie die Petition der Leipziger Kellner vom Reichstag zurückgewiesen würde, so werde die Frage nicht ins Wasser fallen. Er richte die Bitte an die Versammlung, die Petition kräftig zu unterstützen, und verlangte außerdem die gesetzliche Festsetzung einer Ruhezeit für Kellner. Landtags- abgeordneter Eremer, der an der Versammlung theilnahm, suchte den Kellnern vergeblich auseinanderzusetzen, ihre Lage sei mit der Gewerbeordnung überhaupt nicht zu bessern, sie müßten sich mit dem Jnnungsgedanken(!) befreunden. Seine Rede er- weckte bei einem Theile der Versammlung das Mißtrauen, daß die Kellnerbewegung für Parteizwccke nutzbar gemacht werden solle, und erregte daher lebhaften Widerspruch Nach Ablehnung der Resolution Herzberg, welche die Petition einem Viereraus- schuß überweisen wollte, wurde gegen 3 Uhr die Petition an- genommen. In einer Volksversammlung zu Gera sprach am 17. d. der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Kayser(Dresden) über das Thema:„Die politische Lage der Gegenwart." Folgende Resolution wurde angenommen:„Die heute Abend im Kaisersaal tagende, von ca. 2000 Personen besuchte Volksversammlung erklärt die russenfreundliche Haltung Deutschlands in der Bulgarenfrage als nicht dazu angethan, daß sie den politischen und wirthschaftlichen Interessen der deutschen Nation entspricht. Dieselbe spricht sich vielmehr dafür aus, im Verein mit anderen Nationen sich zu entschließen, dem russischen Vor- gehen Halt zu gebieten." Freie Organisation junger Kaufleute. Donnerstag, den 25. November, Abends 8* Uhr, Mitgliederversammlung in Niest's Salon, Kvmmandantenstraße 71/72. Tagesordnung: 1. Was erstrebt die freie Organisation junger Kauflnite im f ntcrcsse der Handlungsgehilfen mit Hilfe der gesetzgebenden örperschaften. Diskussion. 2. Vcrcinsangelegcnheitcn. Kauf- leute haben als Gäste freien Zutritt zu dieser Versammlung. Briefe und Zusendungen sind an das Bureau Friedrichstr. 20 bei Henning zu richten. Ortskrankenkasse der Tischler und Pianofortearbeiter. Generalversammlung der Vertreter der Kassenmitglicder und der Arbeitgeber am Donnerstag, den 25. November c., Abends 8 Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstraße 28. Tagesordnung: 1. Wahl von 3 Mitgliedern zur Prüfung der Jahres- rechnung. 2. Bericht des Kassenvorstandes. 3. Das neue Statut des Gewerks-Krankcnvcreins. Verein für Technik und Gewerbe. Mittelstraße 65 Mittwoch, Abends 8% Uhr, Vortrag. Gäste willkommen. Demokratischer Verein. Heute, Mittwoch, Abends 8.s Uhr, außerordentliche Versammlung im Berliner Hofbräu, Tauben- straße 34. Tagesordnung: 1. Tie Aufgabe der Demokratie. Referent: Herr Rechtsanwalt Karl Melos aus Leipzig. 2. Vereins- angelegenheiten. Gäste sind willkommen. Verein zur Wahrung der materiellen Interessen der Fabrik- und Handarbeiter. Sonnabend, den 27. November, in Renz' Ballsalon, Naunynstraßc 27, Familienkränzchen, ver- Kunden mit komischen Vorträgen. Billets für Herren 50 Pf., Damen 25 Pf., find zu haben bei Paulikat, Oranienstraße 24; Degner, Pucklerstraße 9: Reinmann, Wrangelstraße 136; Beyer, Kl. Andrcasstraße 11; Rosenow, Zeughof 4. Gesang- und gesellige Vereine am Mittwoch.„Freya", Gesangverein der freireligiösen Gemeinde. Uebungsstunde Abends 8 Uhr Münzstr. 5.— Gesangverein„Norddeutsche Schleife" Abends 9 Uhr Dresdenerstr. 72 73 im Restaurant „Eden-Theaters_ Uermischtes. Um einen Hut. Der Pariser Beamte El ment Cerneaux hatte vor einigen Wochen seine siebzehnjährige Kousine, Annette Padron, heimgefühtt. Am 15. d. M. kam das Paar von der Hochzeitsreise zurück, und Madame Cerneaux begab sich zur Modistin, um einen Winterhut anzuschaffen. Als der Gatte Mittaas heimkehtte, zeigte sie ihm das Stück, das sie gewählt, und Cerncaur sagte:„Das ist abscheulich, das wirst Du nie« mals tragen. Die junge Frau vertheidiate energisch ihren Geschmack, eine kleine Szene entstand, der Gatte nahm seinen Rock und entfernte sich. Die Neuvermählte zog ihr Brautkleid an und erwartete des Gatten Rückkehr am Fenster; als sie Cerneaux durch den Hos schreiten sah, stürzte sie sich vier Stockwerke hoch hinab und lag zerschmettert zu seinen Füßen. Felssturz. Bern. Aus Altdorf, 16. November, schreibt man dem„Vaterl.": In der Freitag-Nacht wurden die Be« wohner von Altdorf und Umgebung durch gewaltiges Krachen vom Bannwalde her in Angst und Schrecken versetzt. Be- kanntlich wird unser Dorf im Osten durch einen stark bewalde« ten Berg mit Flühen und„Gnößen" flankitt, der sich noch be- deutend südlich und nördlich ausdehnt. Weit oben unter dem wiedervewaldeten Gipfel steht eine kahle Felspattie, die „Waldinossen" genannt. Von dieser lösten sich nun am Freitag Abend mehrere gewaltige Fclsblöcke los, stürzten mit unHeim- lichem Donnern in die Tiefe und blieben in unmittelbarer Nähe des Dorfes in den ebenen Wiesen stecken. Der größte Theil der Felsblöcke mißt 16£ Fuß im Umfang. Der eine der Felsblöcke, 2 Meter lang und 1,40 Meter hoch, nahm seinen Weg durch das kleine Bauerngütchen„Nußbäumli" und durchbohrte das Haus mit solcher Gewalt, daß nur noch der obere Theil und die zwei Seitenräume übrig blieb-n. Die Wohnstube sammt der ganzen vorderen Hausfront war vollständig weggefegt. Der Eigenthümcrin, welche bereits zu Bett gegangen, wurde ein Theil der Bettstelle weggeschlagcn. Dieses sowie das über der Stube befindliche Kämmerlein und ein Theil des Hausdaches fielen nebst dem ebenfalls im Bette befindlichen Knechte in einen Keller, woselbst sich in einer Ecke noch ein Schwein befand. Der rasch herbeigeeilten Hilfe gelang es jedoch, die Bewohner ganz unversehrt aus ihrer furchtbaren Lage zu befreien. Auch das Schwein blieb unbeschädigt, da es durch herabfallende Balken geschützt wurde. Kaulbarsch kommt nicht vor die Schöffen in Mcerane. Das Meerancr„Tagblatt" enthielt zwei Gedichte, von denen das nachfolgende: Zur Beruhigung! Kaulbarsch Hab' ich gesagt in meinem Grimm, Nun Freund, das ist doch nicht so schlimm! Wie kannst Du d'rob sogleich zum Schiedsamt geh'n? Der Kaulbarsch ist ein Fisch und schmeckt sehr schön! Hütt' Kaulbars ich gesagt, dann wär's bedenklicher, Denn dieser Herr ist ein sehr kränklicher Und ungenießbar grober General. Kaulbarsch und Kaulbars ist doch nicht egal! Der Kaulbarsch ist ein muntrer Knochenfisch, Den Kaulbars stellt man dar als Tintenwisch; Ein Kaulbars sollst Tu, lieber Freund, nicht sein, Den Kaulbarsch aber steck' nur ruhig ein! die streitenden Patteien dazu veranlaßt hat, mit ihren Personen nicht in die Oeffentlichkeit zu treten und— somit kommt dtt „Kaulbarsch" nicht vor die Schöffen. Ketzte Nachrichten. Orientalische Frage. Eine äußerst bedeutsame Mittheb lung erhält die„Voss. Ztg." aus Wien, 23. November: Fhl die nächsten Tage werden wichtige Mittheilungen Kalnoky's m der ötzerreichischen Delegation erwartet. Eingeweihte Kresse versichern, daß eine schriftliche Vereinbarung zw'- schen den Kabineten von Wien, Berlin un° London erzielt worden sei, welche ein D e f e n s i v b ü n d n' o festsetzt, jedoch nur bezüglich der Onentfrage. Danach wäre der Bündnißfall gegeben, wenn die Ottentinteressen einer dieser Mächte von einer fremden Macht entgegen den Veslimmun�n des Berliner Vertrages verletzt würden. Kalnoky konferrrtt gestern hier mit den fremden Botschaftern und kchtte Abends nach Pest zurück. In Ucdercinstimmung hiermit wird au» London telcgraphitt, daß auch dort die Nachttcht von dem M schluß schriftlicher Abmachungen zwischen England, Teuffn" land und Oesterreich bezüglich der bulzarischen Frage verbreitet sei. Bombay, 23. November. Einem Telegramme aus Lahtf* zufolge meldeten daselbst von Ghuzni eingetroffene KaufleUv' daß die Ghilzais die Truppen des Emirs besiegt hätten und der Aufstand rasch um sich greife. Ein Theil der Truppen � Emirs sei mit der Attillerie zu dm Ghilzais übergegangen. Theater. Mittwoch, den 24. November. Overnssaus. Die Hugenotten. Cchauspielljaus. Graf Waldemar. Deutsches Theater. Der schwarze Schleier. Kriednck-Wilhelnrstädtisches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Die Stemschnuppe. Viktona-Theater. Amor. Ostend-Theater. Das neue Gebot. Residenz-Theater. Georgette. Schauspiel in 4 Akten von V. Sardou. 8entral-Theater. Der Waldteufel. ellealliance-Theater. Therese Kranes. Walhalla-Theater. Don Cesar. Königstädttsches Theater. Von Schrot und Korn. Kaufmann's Vartetee. Spezialitäten» Vorstellung._ Amerikan-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Reichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Concordia- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Stadt-Theater. (Früher Alhambra-Theater.) Wallnettheaterstr. 15. Mittwoch und Donnerstag: Dil Flschllw von Island. Schauspiel in 5 Atten(10 Bildern) von C. Panse. Regie: Emil Czaschke. Vor der Vorstellung: Großes Concors"H» ausaefühtt von der Hauskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Hm. Theodor Franke. Anfang des Concetts: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochentags 7'., Uhr, Sonntags 7", Uhr. Das Theater ist mit elektttscher Beleuchtung versehm. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Kalaer-Paiiorama. Neu! Zum ersten Male: Dritte Reise durch Savoyen. Zweite Reise durch das malettsche Schottland. Hertha-Reife.— Carolinen-Inseln. 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Köhler.— Wie man eine Million verdient.— Flie- geude Blätter(humottstisch). AI» Gratis-Keilagen: 1. Lucia. 3. Mniterglück. 2. Blanche. 4. Die beiden Alten. Ei» Wandkalender. —-— preis 50 Pf.=— Ein donnerndes Hoch unserer Witthin F"* pstster zum heutigen Tage. 1136] Per gtow*. I« haben in der Erpedition d. Kl-' Zinrmerstratze 44. I1 Zu beziehen durch die Expedition dies. Blattes Zimmmstraße 44. Wiederverkäufern Rabatt. E. frdl. Schläfst, b. Krüger, Mantmffelstr. 73 v. IV. verantwortlich für dm politischen Theil und Soziales Max Schippel, für Vereine und Versammlungen F. Tutzauer, für den übrigen Theil der Druck und Verlag von Max Babing in Berlin sw., Beuthstraße 2. Soeben erschien im Verlage von Wörleitt & Co. der Venlslitt Handwtcktt- rniil Ardeit«' Notiz-Kalt»!!» für 1887 ('X. Jahrgang). Dieser Notizkalender, seit Jahren in bev deutschen Arbeiter- und Handwerkerkressen rühmlichst bekannt, ist nicht blos Kalenbtf- sondem zugleich Notizbuch und Gesetz' sammlung. Auch in diesem Jahre ist sowohl auf Inhalt als die Ausstattung besonder Sorgfalt verwendet und ist namentlich DC züglich des Einbandes Vorzügliches fls, leistet und bestes Material dazu verwenden Neben der gewöhnlichen Ausgabe l auch wieder eine stärkere veranstaltet, welw mehr Schreibpapier enthält und keästlg Leinwandeinband mit Deckel nach BN 0 taschenart und Gummiband hat. Auw der gewöhnlichen Sorte sind diesmal Ecken abgerundet Inhalt des Kalenders: � Kalmdattum mit neu revrdrttem schichtskalender; postalische Bestimmumv"' Telegrammtattf; das ganze Unsallvcrtt�. rnttjus Nov�e�vom�l. Jum Aem-ut! Reichstags; &&&%%% Schreibpapier mit Datumsangabe Tagesnotizen, leeres Schreibpapier, täschchen. Der ganze Kalender ist"> Bogen stark. w Preis der einfachen Ausgabe 5' „„ stärkeren„ 7Ü |tUefcer»erbä«fer H erhalte« lohnenden' 1 �___ 9—> Frdl.Schlafst. b. Siegelt, KöpnickerstrASO�� Gesellen auf Kleidcttpmden verlangt Weißensee, Gustav-Adolfsttaße 1•— «oitirnn» errnnheirn. sämmtlich in